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+The Project Gutenberg eBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil, by Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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+using this eBook.
+
+Title: Wissenschaft der Logik, Erster Teil
+
+Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+Release Date: January 20, 2003 [eBook #6729]
+[Most recently updated: June 4, 2021]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+Produced by: Mike Pullen and Delphine Lettau
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK ***
+
+
+
+
+Wissenschaft der Logik
+
+by Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+Erster Teil. Die objektive Logik.
+
+
+ Inhalt:
+
+ Vorrede zur ersten Ausgabe.
+ Vorrede zur zweiten Auflage.
+ Einleitung
+ Allgemeiner Begriff der Logik
+ Allgemeine Eintheilung der Logik
+
+ Erstes Buch Die Lehre vom Seyn.
+ Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?
+ Allgemeine Eintheilung des Seyns
+
+ Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualität).
+ Erstes Kapitel. Seyn.
+ A. Seyn.
+ B. Nichts.
+ C. Werden.
+ 1. Einheit des Seyns und Nichts.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ Anmerkung 3.
+ Anmerkung 4.
+ 2. Momente des Werdens.
+ 3. Aufheben des Werdens.
+ Anmerkung.
+ Zweites Kapitel. Das Daseyn.
+ A. Daseyn als solches.
+ a. Daseyn überhaupt.
+ b. Qualität.
+ Anmerkung.
+ c. Etwas.
+ B. Die Endlichkeit.
+ a. Etwas und ein Anderes.
+ b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.
+ c. Die Endlichkeit.
+ 1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.
+ 2. Die Schranke und das Sollen.
+ Anmerkung.
+ 3. Übergang des Endlichen in das Unendliche.
+ C. Die Unendlichkeit.
+ a. Das Unendliche überhaupt.
+ b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.
+ c. Die affirmative Unendlichkeit.
+ Der Übergang.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn.
+ A. Das Fürsichseyn als solches.
+ a. Daseyn und Fürsichseyn.
+ b. Seyn-für-eines.
+ Anmerkung.
+ c. Eins.
+ B. Eins und Vieles.
+ a. Das Eins an ihm selbst.
+ b. Das Eins und das Leere.
+ Anmerkung.
+ c. Viele Eins. Repulsion.
+ Anmerkung.
+ C. Repulsion und Attraktion.
+ a. Ausschließen des Eins.
+ Anmerkung.
+ b. Das Eine Eins der Attraktion.
+ c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
+ Anmerkung.
+
+ Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität).
+ Anmerkung.
+ Erstes Kapitel. Die Quantität.
+ A. Die reine Quantität.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
+ C. Begrenzung der Quantität.
+ Zweites Kapitel. Quantum.
+ A. Die Zahl.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ B. Extensives und intensives Quantum.
+ a. Unterschied derselben.
+ b. Identität der extensiven und intensiven Größe.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ c. Die Veränderung des Quantums.
+ C. Die quantitative Unendlichkeit.
+ a. Begriff derselben.
+ b. Der quantitative unendliche Progreß.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ c. Die Unendlichkeit des Quantums.
+ Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen.
+ Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung abgeleitet.
+ Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit zusammenhängende Formen.
+ Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß.
+ A. Das direkte Verhältniß.
+ B. Das umgekehrte Verhältniß.
+ C. Potenzverhältniß.
+ Anmerkung.
+
+ Dritter Abschnitt. Das Maaß.
+ Erstes Kapitel. Die specifische Quantität.
+ A. Das specifische Quantum.
+ B. Specificirendes Maaß.
+ a. Die Regel.
+ b. Das specificirende Maaß.
+ Anmerkung.
+ c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.
+ Anmerkung.
+ C. Das Fürsichseyn im Maaße.
+ Zweites Kapitel. Das reale Maaß.
+ A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.
+ a. Verbindung zweier Maaße.
+ b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.
+ c. Wahlverwandtschaft.
+ Anmerkung.
+ B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.
+ Anmerkung.
+ C. Das Maaßlose.
+ Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens.
+ A. Die absolute Indifferenz.
+ B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.
+ Anmerkung.
+ C. Übergang in das Wesen.
+
+ Zweites Buch Das Wesen.
+ Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst.
+ Erstes Kapitel. Der Schein.
+ A. Das Wesentliche und das Unwesentliche.
+ B. Der Schein.
+ C. Die Reflexion.
+ 1. Die setzende Reflexion.
+ 2. Die äußere Reflexion.
+ 3. Bestimmende Reflexion.
+ Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen.
+ Anmerkung.
+ A. Die Identität.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ B. Der Unterschied.
+ 1. Der absolute Unterschied.
+ 2. Die Verschiedenheit.
+ Anmerkung.
+ 3. Der Gegensatz.
+ Anmerkung.
+ C. Der Widerspruch.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ Anmerkung 3.
+ Drittes Kapitel. Der Grund.
+ Anmerkung.
+ A. Der absolute Grund.
+ a. Form und Wesen.
+ b. Form und Materie.
+ c. Form und Inhalt.
+ B. Der bestimmte Grund.
+ a. Der formelle Grund.
+ Anmerkung.
+ b. Der reale Grund.
+ Anmerkung.
+ c. Der vollständige Grund.
+ C. Die Bedingung.
+ a. Das relativ Unbedingte.
+ b. Das absolute Unbedingte.
+ c. Hervorgang der Sache in die Existenz.
+
+ Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung.
+ Erstes Kapitel. Die Existenz.
+ A. Das Ding und seine Eigenschaften.
+ a. Ding an sich und Existenz.
+ b. Die Eigenschaft.
+ Anmerkung.
+ c. Die Wechselwirkung der Dinge.
+ B. Das Bestehen des Dings aus Materien.
+ C. Die Auflösung des Dings.
+ Anmerkung.
+ Zweites Kapitel. Die Erscheinung.
+ A. Das Gesetz der Erscheinung.
+ B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt.
+ C. Auflösung der Erscheinung.
+ Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhältniß.
+ A. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile.
+ Anmerkung.
+ B. Das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung.
+ a. Das Bedingtseyn der Kraft.
+ b. Die Sollicitation der Kraft.
+ c. Die Unendlichkeit der Kraft.
+ C. Verhältniß des Äußern und Innern.
+ Anmerkung.
+
+ Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit.
+ Erstes Kapitel. Das Absolute.
+ A. Die Auslegung des Absoluten.
+ B. Das absolute Attribut.
+ C. Der Modus des Absoluten.
+ Anmerkung.
+ Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit.
+ A. Zufälligkeit oder formelle Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit.
+ B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit.
+ C. Absolute Nothwendigkeit.
+ Drittes Kapitel. Das absolute Verhältniß.
+ A. Das Verhältniß der Substantialität.
+ B. Das Kausalitäts-Verhältniß.
+ a. Die formelle Kausalität.
+ b. Das bestimmte Kausalitätsverhältniß.
+ c. Wirkung und Gegenwirkung.
+ C. Die Wechselwirkung.
+
+
+
+
+Vorrede zur ersten Ausgabe.
+
+
+Die völlige Umänderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa
+fünf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der höhere Standpunkt, den
+das Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode über sich
+erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik
+gehabt.
+
+Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hieß, ist, so zu sagen,
+mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der
+Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo dürfen sich Laute der
+vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie oder
+selbst gar der vormaligen natürlichen Theologie noch vernehmen lassen?
+Untersuchungen, zum Beispiel über die Immaterialität der Seele, über
+die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse
+finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes werden nur
+historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemüthserhebung angeführt.
+Es ist dieß ein Faktum, daß das Interesse Theils am Inhalte, Theils an
+der Form der vormaligen Metaphysik, Theils an beiden zugleich verloren
+ist. So merkwürdig es ist, wenn einem Volke, z.B. die Wissenschaft
+seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen
+Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist
+es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit
+seinem reinen Wesen sich beschäftigende Geist kein wirkliches Daseyn
+mehr in demselben hat.
+
+Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,—daß der Verstand die
+Erfahrung nicht überfliegen dürfe, sonst werde das Erkenntnisvermögen
+theoretische Vernunft, welche für sich nichts als Hirngespinnste
+gebähre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem
+spekulativen Denken zu entsagen. Dieser popularen Lehre kam das
+Geschrei der modernen Pädagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf
+das unmittelbare Bedürfniß richtet, entgegen, daß, wie für die
+Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so für die Geschicklichkeit im
+öffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht sogar schädlich,
+und Übung und praktische Bildung überhaupt das Wesentliche, allein
+Förderliche sey.—Indem so die Wissenschaft und der gemeine
+Menschenverstand sich in die Hände arbeiteten, den Untergang der
+Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel
+herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne Metaphysik zu
+sehen;—wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmückten Tempel ohne
+Allerheiligstes.—Die Theologie, welche in frühern Zeiten die Bewahrerin
+der spekulativen Mysterien und der obzwar abhängigen Metaphysik war,
+hatte diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das Praktisch-populare
+und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher Veränderung entsprechend
+ist, daß anderwärts jene Einsamen, die von ihrem Volke aufgeopfert und
+aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem Zwecke, daß die Kontemplation
+des Ewigen und ein ihr allein dienendes Leben vorhanden sey, nicht um
+eines Nutzens, sondern um des Segens willen,—verschwanden; ein
+Verschwinden, das in einem andern Zusammenhange, dem Wesen nach als
+dieselbe Erscheinung, wie das vorhin Erwähnte, betrachtet werden
+kann.—So daß, nach Vertreibung dieser Finsternisse, der farblosen
+Beschäftigung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn
+in die heitere Welt der Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen
+es bekanntlich keine schwarze giebt.
+
+Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Daß
+man durch sie denken lerne, was sonst für ihren Nutzen und damit für
+den Zweck derselben galt,—gleichsam als ob man durch das Studium der
+Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte—,
+dieß Vorurtheil hat sich längst verloren, und der Geist des Praktischen
+dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer Schwester. Dessen
+ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde
+ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde
+selbst als Gegenstand des öffentlichen Unterrichts beibehalten. Dieß
+bessere Loos betrifft jedoch nur das äußere Schicksal; denn ihre
+Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange
+Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser Überlieferung immer mehr
+verdünnt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft
+nicht weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr
+noch nicht verspüren lassen. Es ist aber ein für allemal vergebens,
+wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die
+Formen früherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blätter,
+welche von den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind,
+abgestoßen werden.
+
+Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veränderung fängt es nach gerade an,
+auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind selbst
+den Gegnern die andern Vorstellung geläufig und eigen geworden, und
+wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd spröde thun und
+sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafür die
+Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich
+nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden
+negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine
+positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den
+neuen Vorstellungsweisen mitsprechen.
+
+Von der andern Seite scheint die Zeit der Gährung, mit der eine neue
+Schöpfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung pflegt
+eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die ausgebreitete
+Systematisierung des frühen Princips zu verhalten, Theils auch
+furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern zu verlieren,
+Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen Ausbildung erfordert
+wird, zu scheuen, und im Bedürfnisse einer solchen zuerst zu einem
+leeren Formalismus zu greifen. Die Anforderung der Verarbeitung und
+Ausbildung des Stoffes wird nun um so dringender. Es ist eine Periode
+in der Bildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es
+vornehmlich um Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner
+unentwickelten Intensität zu thun ist. Aber die höhere Forderung geht
+darauf, daß es zur Wissenschaft werde.
+
+Was nun auch für die Sache und für die Form der Wissenschaft bereits in
+sonstiger Rücksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft,
+welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie
+ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlässigt gesehen. Was ich
+unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte näher verstehe, habe
+ich in der Einleitung vorläufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit
+dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des
+Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche für die
+vorgenommene Umbildung hätten benutzt werden können, mögen bei billigen
+Beurtheilern in Rücksicht kommen, wenn auch eine vieljährige Arbeit
+diesem Versuche nicht eine größere Vollkommenheit geben konnte.—Der
+wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt um einen neuen Begriff
+wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie
+Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwärts erinnert[1] habe,
+hierzu ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wissenschaft, wie
+die Mathematik ist, borgen, so wenig als es bei kategorischen
+Versicherungen innerer Anschauung bewenden lassen, oder sich des
+Raisonnements aus Gründen der äußern Reflexion bedienen. Sondern es
+kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen
+Erkennen bewegt, indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es
+ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt.
+
+ [1] Phänomenologie des Geistes, Vorrede zur ersten Ausgabe—Die
+ eigentliche Ausführung ist die Erkenntniß der Methode, und hat ihre
+ Stelle in der Logik selbst.
+
+
+Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist
+negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in
+Nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt, und
+das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas Getrenntes von
+der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als
+etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in
+ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der höher als Beides,
+verständige Vernunft, oder vernünftiger Verstand ist. Er ist das
+Negative, dasjenige, welches die Qualität sowohl, der dialektischen
+Vernunft, als des Verstandes ausmacht;—er negirt das Einfache, so setzt
+er den bestimmten Unterschied des Verstandes, er löst ihn eben so sehr
+auf, so ist er dialektisch. Er hält sich aber nicht im Nichts dieses
+Resultates, sondern ist darin ebenso positiv, und hat so das erste
+Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines, das in sich konkret
+ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes Besonderes subsumirt,
+sondern in jenem Bestimmen und in der Auflösung desselben hat sich das
+Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in
+ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in dieser ihre Gleichheit mit
+sich selbst giebt, die somit die immanente Entwickelung des Begriffes
+ist, ist die absolute Methode des Erkennens, und zugleich die immanente
+Seele des Inhalts selbst. —Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege
+allein, behaupte ich, ist die Philosophie fähig, objektive,
+demonstrirte Wissenschaft zu seyn.—In dieser Weise habe ich das
+Bewußtseyn in der Phänomenologie des Geistes darzustellen versucht. Das
+Bewußtseyn ist der Geist als konkretes und zwar in der Äußerlichkeit
+befangenes Wissen; aber die Formbewegung dieses Gegenstandes beruht
+allein, wie die Entwickelung alles natürlichen und geistigen Lebens,
+auf der Natur der reinen Wesenheiten, die den Inhalt der Logik
+ausmachen. Das Bewußtseyn, als der erscheinende Geist, welcher sich auf
+seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und äußerlichen Konkretion
+befreit, wird zum reinen Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten
+selbst, wie sie an und für sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind
+die reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung
+ist ihr geistiges Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft
+konstituirt, und dessen Darstellung sie ist.
+
+Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phänomenologie
+des Geistes nenne, zur Logik angegeben.—Was das äußerliche Verhältniß
+betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der Wissenschaft,[2] der
+die Phänomenologie enthält, ein zweiter Theil zu folgen bestimmt,
+welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der Philosophie,
+die Philosophie der Natur und die Philosophie des Geistes, enthalten
+sollte, und das System der Wissenschaft beschlossen haben würde. Aber
+die nothwendige Ausdehnung, welche die Logik für sich erhalten mußte,
+hat mich veranlaßt, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie
+macht also in einem erweiterten Plane die erste Folge zur
+Phänomenologie des Geistes aus. Späterhin werde ich die Verarbeitung
+der beiden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen
+lassen.—Dieser erste Band der Logik aber enthält als erstes Buch die
+Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom Wesen, als zweite
+Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive
+Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten.
+
+Nürnberg, den 22 März 1812
+
+
+ [2] (Bamberg und Würzburg bei Göbhard 1807). Dieser Titel wird der
+ zweiten Ausgabe, die auf nächsten Ostern erscheinen wird, nicht mehr
+ beigegeben werden.—An die Stelle des im Folgenden erwähnten Vorhabens
+ eines zweiten Theils, der die sämmtlichen andern philosophischen
+ Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die Encyklopädie der
+ philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der dritten Ausgabe,
+ ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten Ausgabe),
+
+
+
+
+Vorrede zur zweiten Auflage.
+
+
+An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der
+erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn sowohl der
+Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner Darstellung,
+als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der
+ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich nach weiterer
+vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft bemüht gewesen,
+dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch Ursache genug zu
+haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel
+solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den Umstand gegründet
+werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur äußerliches Material in
+der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und
+häufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort,
+getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite
+betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt,
+abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflächlichkeit verdünnt, bald der
+alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt
+worden, so daß durch solche, häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem
+philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des
+Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit,
+oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung
+darzustellen, mußte deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von
+vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten
+Denkformen, aber ist als eine höchst wichtige Vorlage, ja eine
+nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende Voraussetzung anzusehen,
+wenn dieselbe auch nur hier und da einen dürren Faden, oder die
+leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in Unordnung untereinander
+geworfen, dargiebt.
+
+Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des Menschen herausgesetzt
+und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran
+erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom Thiere
+unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem Innerlichen,
+zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen macht, hat sich
+die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht und in ihr
+äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder herausgearbeitet, eine
+Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das Logische, oder vielmehr
+dasselbige ist seine eigenthümliche Natur selbst. Stellt man aber die
+Natur überhaupt, als das Physikalische, dem Geistigen gegenüber, so
+müßte man sagen, daß das Logische vielmehr das Übernatürliche ist,
+welches sich in alles Naturverhalten des Menschen, in sein Empfinden,
+Anschauen, Begehren, Bedürfniß, Trieb eindrängt und es dadurch
+überhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu
+Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache,
+wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdrücken, nämlich
+eigenthümlichen und abgesonderten, für die Denkbestimmungen selbst
+besitzt; von den Präpositionen, Artikeln, gehören schon viele solchen
+Verhältnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache
+soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur dürftig bis dahin
+gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas
+weniges abgelöster, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf.
+Viel wichtiger ist es, daß in einer Sprache die Denkbestimmungen zu
+Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenständlichen Form
+gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den
+anderen modernen Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter von der
+weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern
+entgegengesetzte zu haben, so daß darin selbst ein spekulativer Geist
+der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude
+gewähren, auf solche Wörter zu stoßen, und die Vereinigung
+Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation für den Verstand
+aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort
+von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie
+bedarf daher überhaupt keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus
+fremden Sprachen einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch den
+Gebrauch bereits das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter
+Purismus würde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am
+wenigsten am Platze seyn.—Das Fortschreiten der Bildung überhaupt und
+insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und sinnlichen;
+indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten Kategorien (z.B.
+eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner Eigenschaften und
+dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch höhere
+Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer
+Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in
+der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so
+spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens zu
+sehr… tort e… travers in Alles selbst in das Licht eingedrängt wird,
+die bedeutendste Rolle,—die Bestimmung von einem Unterschiede, in
+welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;—daß auf solche
+Weise von der Form der Abstraktion, der Identität, durch welche eine
+Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbstständigkeit erhält,
+fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher
+zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt, herausgehoben
+und eine geläufige Vorstellung geworden, ist von unendlicher
+Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die Realität, in welcher
+ihre Gegenstände sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die
+Kategorien, die in ihr nicht länger ignorirt werden können, wenn auch
+mit der größten Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen
+werden, zu fixiren, und es nicht zu gestatten, daß, wie im Geistigen
+leichter geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur
+Allgemeinheit übergegangen wird.
+
+Aber indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in
+der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was
+bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld
+erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen zu sollen, und was ist
+bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben
+Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde
+herausgehen. Über den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, über
+das Verhältniß des wissenschaftlichen Denkens zu diesem natürlichen
+Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt
+seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die frühere Einleitung
+enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man
+eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche
+die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen
+Erkennens zu geben.
+
+Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die
+Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten
+Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder
+vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (—und es ist
+kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen—) versenkt sind,
+befreit, diese Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie Plato,
+dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der
+Betrachtung für sich gemacht worden; dieß giebt den Anfang des
+Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt
+Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens
+gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische
+Erkenntniß zu bemühen." "In Ägypten," hatte er vorher bemerkt, "sind
+die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil
+daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu
+haben."—In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken zu
+beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist
+durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß
+des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der
+Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von
+dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen
+des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die
+Denkbestimmungen eingehüllt stecken. In den stillen Räumen des zu sich
+selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die
+Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen.
+"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
+"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die
+nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich
+freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn.
+"—Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen,
+Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik
+beschäftigt sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen
+Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunächst
+anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten
+Lebens eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht derselben lebt, und
+nur erst für ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und
+der Möglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thätig zu werden,
+sich und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschäftigen hat.
+Unter diese Mittel wird im Widerspiele von der angeführten Vorstellung
+des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die Bemühung mit
+derselben ist eine vorläufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche
+erst der Ernst des Lebens und die Thätigkeit für die wahrhaften Zwecke
+folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden
+von der Ehre, für sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem
+geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln
+der darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen,—Theils als
+Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;—denn welche unendliche Menge
+von Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die
+Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich
+zusammen;—wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die
+Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von
+Vorstellungen, Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt!—Theils zur
+näheren Bestimmung und Findung der gegenständlichen Verhältnisse, wobei
+aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich
+einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig gemacht
+ist und den Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende
+Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der
+vorhin die natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und wenn
+ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel zu
+dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu
+etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von
+unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, daß sie
+uns dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und Mächte, so
+daß wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu begehren und zu
+wollen, in dieß unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr
+unser Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste unserer Gefühle, Triebe,
+Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als daß
+wir sie im Besitz haben, noch weniger, daß sie bei unser innigen
+Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des
+Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze
+gegen die Allgemeinheit, als die wir uns bewußt werden, in der wir
+unsere Freiheit haben, und halten dafür, in diesen Besonderheiten
+vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht zu werden. Sonach
+können wir dann viel weniger dafür halten, daß die Denkformen, die sich
+durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen bloß theoretisch, oder
+enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem Triebe, dem Willen
+angehört, hindurch ziehen, uns dienen, daß wir sie, und sie nicht
+vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns übrig gegen sie, wie sollen
+wir, ich mich als das Allgemeinere über sie hinausstellen, sie die
+selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn wir uns in eine
+Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin beschränkt, unfrei
+fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und in die Freiheit
+zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der Gewißheit seiner selbst, der
+reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn wir von den Dingen
+sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren
+Begriff, und dieser ist nur für das Denken; von den Begriffen der Dinge
+aber werden wir noch viel weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder
+daß die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen,
+im Gegentheil muß sich unser Denken nach ihnen beschränken und unsere
+Willkür oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen.
+Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun
+ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so
+können wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben
+stehen, und ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus.
+Von der letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit
+der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken
+auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als
+Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die Sache
+für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die
+kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum so
+versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als
+Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den Sachen vielmehr
+abschließt, statt uns mit denselben zusammenzuschließen, so ist dieser
+Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen,
+die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken
+auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als
+ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (—das sogenannte Ding-an-sich)
+der leeren Abstraktion selbst sind.
+
+Doch dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das Verhältniß
+verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch
+und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit
+Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu werden
+pflegen.—Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungen
+durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt, bewußtlos
+geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor sich hat,
+ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das, womit das
+Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem
+Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt selbst
+seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, und was
+sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das
+eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei der
+Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der Zufälligkeit
+des Erscheinens und der vorübergehenden Äußerung, der Begriff der
+Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche
+Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius aller seiner
+Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne
+Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu sagen, was, wenn
+diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen sonstigen Prädikaten
+Ausgerüsteten weggenommen würde, ob sie gleich wie die anderen ein
+Prädikat genannt werden kann, was so ein Individuum noch seyn sollte.
+Die unerläßliche Grundlage, der Begriff, das Allgemeine, das der
+Gedanke, insofern man nur von der Vorstellung bei dem Worte: Gedanke,
+abstrahiren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgültige
+Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken
+aller natürlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt,
+sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den
+Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer
+relativen Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für
+sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr
+einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist.
+Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt,
+zum Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe. Das instinktartige
+Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch
+überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der Inhalt des
+Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur
+Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des
+Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den
+Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff
+zersplittert ist. In diesem Netze schürzen sich hin und wieder festere
+Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und
+Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben dem, daß
+sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich seyenden Begriffe
+seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt für die Natur des Geistes
+ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er
+wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß; dieses Sichwissen
+ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn, Grundbestimmung seiner
+Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmäßig als Triebe
+wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit veränderlich und sich
+verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine
+vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewähren, zu reinigen und ihn
+damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, dieß ist also das
+höhere logische Geschäft.
+
+Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und
+zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt
+worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs
+überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem Stoffe
+verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt sich
+sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und
+Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so
+als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer
+Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die
+Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht. Mag das
+Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit Beschränkung und
+Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die Seite seiner Negation,
+seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der
+Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloß
+formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich
+endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre Kenntniß mit Verachtung dem
+Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der
+Mißachtung des Werthes, den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich
+hat, und mit der Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun
+natürlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß
+und Erkenntniß der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des
+ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache
+Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung
+solcher Formen ist die Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des
+Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde
+Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher
+Gesetze der Wahrheit und in der sie noch immer so fortgeführt werden,
+so sehr verloren, daß sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen,
+der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiß: die Pflanze ist
+eine—Pflanze, die Wissenschaft ist—die Wissenschaft, und sofort ins
+Unendliche, für unerträglich hält. Über die Formeln auch, welche die
+Regeln des Schließens, das in der That ein Hauptgebrauch des Verstandes
+ist, hat sich—so ungerecht es ist zu verkennen, daß sie ihr Feld in der
+Erkenntniß haben, worin sie gelten müssen und zugleich, daß sie
+wesentliches Material für das Denken der Vernunft sind,—das ebenso
+gerechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie gleichgültige Mittel
+wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der Sophisterei sind, und wie
+man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, für die höhere, z.B. die
+religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß sie überhaupt nur eine
+Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit betreffen.
+
+Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche
+die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß
+nicht bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern
+der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich
+von selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten Reflexion als
+Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht
+bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das Leere, etwa die
+Abstraktion des Dings-an-sich,—daß er vielmehr Form in ihm selbst, ja
+durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß sie selbst es ist,
+die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein
+eines an diesem Scheine Äußerlichen, umschlägt. Mit dieser Einführung
+des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge,
+sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird.
+
+Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge
+Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge beschränkt
+wird, ist Theils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als Gedanke
+überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche Abbreviatur gegen die
+Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten Anschauen
+und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein Begriff sogleich
+erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist
+die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein
+bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt
+erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung
+dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalität, des
+Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser
+wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand,
+Produkt und Inhalt des Denkens, und die an und für sich seyende Sache,
+der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den
+Namen der Dinge führt; am wenigsten ist es der Logos, was außerhalb der
+logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muß darum nicht ein
+Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn
+draußen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur äußerliche
+Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre
+Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre
+Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische
+Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern
+Geist instinktartig und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in
+die Sprache hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben,
+abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die
+Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und
+Gehalt äußere Formen fixiert sind.
+
+Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar
+streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des
+Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so sehr diese Forderung
+mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die Mathematik
+übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese Freiheit und
+Unabhängigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in seiner Art in
+dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, daß bei keiner
+Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion vorkäme, die
+nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den
+vorhergehenden in sie herübergekommen ist. Allein auf solche abstrakte
+Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im Allgemeinen Verzicht
+gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen,
+hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muß, ließe der Vortrag
+nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke des Einfachen ohne allen
+weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;—was der Sache nach Statt finden
+dürfte, wären negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu
+entfernen sich bemühten, was sonst die Vorstellung oder ein
+ungeregeltes Denken einmischen könnte. Solche Einfälle in den einfachen
+immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch für sich zufällig, und die
+Bemühung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufälligkeit
+behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfällen, eben weil
+sie außer der Sache liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens wäre
+Unvollständigkeit das, was hierbei für die systematische Befriedigung
+verlangt würde. Aber die eigenthümliche Unruhe und Zerstreuung unseres
+modernen Bewußtseyns läßt es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder
+weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu nehmen,
+ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen Sinn des
+Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Jünglinge und Männer
+so ruhig mit der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und Einfälle,
+womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache
+folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem modernen
+Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte auf solche
+Leser gezählt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu häufig und zu
+heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion
+machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien enthalten,
+welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik bedürfen, ehe
+sie gebraucht werden. Die Bewußtlosigkeit hierüber geht unglaublich
+weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d. h. ungebildete
+Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu
+denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewußtlosigkeit ist um
+so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes andere
+Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik aber
+eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle müssen gefunden
+haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden unterworfen seyn.
+Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden Menge von Einwürfen und
+Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Sätze der Logik, das Seyn
+und Nichts und das Werden, als welches, selbst eine einfache
+Bestimmung, wohl unbestritten,—die einfachste Analyse zeigt dieß,—jene
+beiden Bestimmungen als Momente enthält. Die Gründlichkeit scheint zu
+erfordern, den Anfang, als den Grund, worauf Alles gebaut sey, vor
+Allem aus zu untersuchen, ja nicht weiter zu gehen, als bis er sich
+fest erwiesen hat, im Gegentheil vielmehr, wenn dieß nicht der Fall
+ist, alles noch Folgende zu verwerfen. Diese Gründlichkeit hat zugleich
+den Vortheil, die größte Erleichterung für das Denkgeschäft zu
+gewähren, sie hat die ganze Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen
+vor sich, und hält sich für mit Allem fertig, wenn sie mit diesem
+fertig ist, der das Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das
+Einfachste, das Einfache selbst; es ist die geringe Arbeit, die
+erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst zufriedene Gründlichkeit
+wesentlich empfiehlt. Diese Beschränkung auf das Einfache läßt der
+Willkür des Denkens, das für sich nicht einfach bleiben will, sondern
+seine Reflexionen darüber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten
+Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich
+auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem
+Geschäfte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i.
+andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und
+Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, daß die
+Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes
+als die Form, das Innere ein Anderes als das Äußere, die Vermittelung
+ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht
+wüßte, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl
+bewiesen, als erzählt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen
+liegt—man kann es nicht anders nennen,—eine Albernheit; der Sache nach
+aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und
+geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß es das
+Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu
+untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres
+ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt
+und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine Äußerung
+hat, eine Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.—etwas Wahres, ebenso
+etwas Wirkliches ist.—Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch
+welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der
+einfallenden Reflexion überwunden würde, wird allein durch das
+Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung
+verschafft.
+
+Bei der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein
+selbstständiges Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten
+neu aufzuführen arbeitet, an die Erzählung erinnert werden, daß Plato
+seine Bücher über den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die
+Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in sich
+zu schließen schiene, dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch treiben,
+daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein tieferes
+Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von reicherm
+Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es sieben und
+siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre. So aber mußte der
+Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der Aufgabe betrachtet,
+sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen, unter den Umständen
+einer äußerlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren Zerstreuung durch
+die Größe und Vielseitigkeit der Zeitinteressen, sogar unter dem
+Zweifel, ob der laute Lärm des Tages und die betäubende Geschwätzigkeit
+der Einbildung, die auf denselben sich zu beschränken eitel ist, noch
+Raum für die Theilnahme an der leidenschaftslosen Stille der nur
+denkenden Erkenntniß offen lasse.
+
+Berlin, den 7. November 1831.
+
+
+
+
+Einleitung
+
+Allgemeiner Begriff der Logik
+
+Es fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker das Bedürfniß, ohne
+vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei der
+logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den sie
+behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander
+unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang
+macht, sondern von andern Begriffen abhängt, und um sich herum mit
+anderem Stoffe zusammenhängt. Diesen Wissenschaften wird es daher
+zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der
+Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und
+angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen ohne
+weiteres anzuwenden, und sich der gewöhnlichen Art des Raisonnements
+zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestimmungen zu
+bedienen.
+
+Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln
+und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil ihres
+Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zu werden.
+Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode, sondern auch
+der Begriff selbst der Wissenschaft überhaupt gehört zu ihrem Inhalte,
+und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist, kann sie daher
+nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung bringt dieß Wissen von
+ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre Vollendung hervor.
+Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das begreifende
+Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer abgehandelt; der Begriff
+desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe, und kann somit nicht
+vorausgeschickt werden. Was daher in dieser Einleitung vorausgeschickt
+wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der Logik etwa zu begründen,
+oder den Inhalt und die Methode derselben zum voraus wissenschaftlich
+zu rechtfertigen, sondern, durch einige Erläuterungen und Reflexionen,
+in raisonnirendem und historischem Sinne, den Gesichtspunkt, aus
+welchem diese Wissenschaft zu betrachten ist, der Vorstellung näher zu
+bringen.
+
+Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen
+angenommen wird, so wird dabei verstanden, daß dieß Denken die bloße
+Form einer Erkenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte
+abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer
+Erkenntniß gehöre, die Materie, anderswoher gegeben werden müsse, daß
+somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhängig
+sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniß angeben, nicht
+aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu realer
+Wahrheit seyn könne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit, der
+Inhalt, außer ihr liege.
+
+Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, daß die Logik von
+allem Inhalte abstrahire, daß sie nur die Regeln des Denkens lehre,
+ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit
+Rücksicht nehmen zu können. Denn da das Denken und die Regeln des
+Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran
+ihren eigenthümlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite
+Bestandstück der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit sie
+sich bekümmert.
+
+Allein zweitens sind überhaupt die Vorstellungen, auf denen der Begriff
+der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen, Theils ist es
+Zeit, daß sie vollends verschwinden, daß der Standpunkt dieser
+Wissenschaft höher gefaßt werde, und daß sie eine völlig veränderte
+Gestalt gewinne.
+
+Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewöhnlichen
+Bewußtseyn ein für allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der
+Erkenntniß und der Form derselben, oder der Wahrheit und der Gewißheit.
+Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des Erkennens, als eine
+fertige Welt außerhalb des Denkens, an und für sich vorhanden, daß das
+Denken für sich leer sey, als eine Form äußerlich zu jener Materie
+hinzutrete, sich damit erfülle, erst daran einen Inhalt gewinne und
+dadurch ein reales Erkennen werde.
+
+Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,—(denn sie sollen das
+Verhältniß von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen
+mechanischer oder höchstens chemischer Weise zusammengesetzt—) in
+dieser Rangordnung gegen einander, daß das Objekt ein für sich
+Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit
+vollkommen entbehren könne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes
+sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, und zwar als
+eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen
+habe. Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit dem Gegenstande,
+und es soll, um diese Übereinstimmung hervorzubringen, —denn sie ist
+nicht an und für sich vorhanden,—das Denken nach dem Gegenstande sich
+fügen und bequemen.
+
+Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des
+Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit
+gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der
+andern geschiedene Sphäre. Das Denken kommt daher in seinem Empfangen
+und Formiren des Stoffs nicht über sich hinaus, sein Empfangen und sich
+nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner selbst, es wird
+dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewußte Bestimmen gehört
+ohnedieß nur ihm an; es kommt also auch in seiner Beziehung auf den
+Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande, dieser bleibt als
+ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des Denkens.
+
+Diese Ansichten über das Verhältnis des Subjektes und Objekts zu
+einander drücken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers
+gewöhnlichen, des erscheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese
+Vorurtheile, in die Vernunft übergetragen, als ob in ihr dasselbe
+Verhältniß Gott finde, als ob dieses Verhältniß an und für sich
+Wahrheit habe, so sind sie die Irrthümer, deren durch alle Theile des
+geistigen und natürlichen Universums durchgeführte Widerlegung die
+Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die
+Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind.
+
+Die ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksicht einen höhern Begriff
+von dem Denken als in der neuern Zeit gäng und gäb geworden ist. Jene
+legte nämlich zu Grunde, daß das, was durchs Denken von und an den
+Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; somit
+nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die Form des
+Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit dafür, daß
+das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenständen
+Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die Dinge und das
+Denken derselben, (—wie auch unsere Sprache eine Verwandtschaft
+derselben ausdrückt,—) an und für sich übereinstimmen, daß das Denken
+in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte Natur der Dinge,
+ein und derselbe Inhalt sey.
+
+Aber der reflektirende Verstand bemächtigte sich der Philosophie. Es
+ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst vielfach
+als Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt darunter der
+abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in seinen
+Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt beträgt er sich als
+gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, daß die
+Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur Gedanken
+seyen, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung ihnen Gehalt
+und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und für sich
+bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun der Vernunft
+auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren, sie ist darauf
+eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die Erscheinung zu
+erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht entspreche;
+das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen.
+
+Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust
+und Rückschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf überhaupt
+die Erhebung der Vernunft in den höhern Geist der neuern Philosophie
+beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung ist nämlich in
+der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der Bestimmungen des
+Verstandes mit sich selbst, zu suchen.—Die schon namhaft gemacht
+Reflexion ist dieß, über das konkrete Unmittelbare hinaus zu gehen, und
+dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie muß ebenso sehr über
+diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen, und sie zunächst
+beziehen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens tritt der Widerstreit
+derselben hervor. Dieses Beziehen der Reflexion gehört an sich der
+Vernunft an; die Erhebung über jene Bestimmungen, die zur Einsicht des
+Widerstreits derselben gelangt, ist der große negative Schritt zum
+wahrhaften Begriffe der Vernunft. Aber die nicht durchgeführte Einsicht
+fällt in den Mißverstand, als ob die Vernunft es sey, welche in
+Widerspruch mit sich gerathe; sie erkennt nicht, daß der Widerspruch
+eben das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes
+und das Auflösen derselben ist. Statt von hier aus den letzten Schritt
+in die Höhe zu thun, ist die Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der
+Verstandesbestimmungen zu der sinnlichen Existenz zurückgeflohen, an
+derselben das Feste und Einige zu haben vermeinend.
+
+Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die
+Erkenntniß von Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedigende derselben
+eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die Dinge
+an sich, aber doch innerhalb der Sphäre der Erscheinung richtig erkannt
+würde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstände verschieden
+wäre, und die eine Art, nämlich die Dinge an sich zwar nicht, aber doch
+die andere Art, nämlich die Erscheinungen, in die Erkenntniß fielen.
+Wie wenn einem Manne richtige Einsicht beigemessen würde, mit dem
+Zusatz, daß er jedoch nichts Wahres, sondern nur Unwahres einzusehen
+fähig sey. So ungereimt das Letztere wäre, so ungereimt ist eine wahre
+Erkenntniß, die den Gegenstand nicht erkennte, wie er an sich ist.
+
+Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angeführte Resultat
+gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben.
+—Dieß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an ihnen
+selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie für die subjektive
+Vernunft und für die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat die
+Kritik keine Änderung an ihnen selbst bewirkt, sondern läßt sie für das
+Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst für das Objekt galten. Wenn
+sie aber ungenügend für das Ding an sich sind, so müßte der Verstand,
+dem sie angehören sollen, noch weniger dieselben sich gefallen lassen
+und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht Bestimmungen des Dings
+an sich seyn können, so können sie noch weniger Bestimmungen des
+Verstandes seyn, dem wenigstens die Würde eines Dings an sich
+zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des Endlichen und
+Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, daß sie auf Zeit und
+Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie Bestimmungen
+innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiß ein Grau
+geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete mit
+einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich auflöst,
+indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie
+übergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie
+beide in sich enthält, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich
+Auflösendes.—Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder
+Gegenstandes, worauf sie angewendet würde, oder in dem sie sich
+befänden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand hat
+nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm.
+
+Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding
+entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat
+dabei nämlich diese Formen nicht an und für sich selbst, nach ihrem
+eigenthümlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der
+subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung
+ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als
+subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen
+Betrachtung derselben die Rede war.
+
+Der konsequenter durchgeführte transcendentale Idealismus hat die
+Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch übrig gelassenen
+Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt
+abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends zu
+zerstören. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft aus
+sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die subjektive
+Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung kommen. Fernerhin
+ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang und die Ausbildung der
+reinen Wissenschaft aufgegeben worden.
+
+Ganz ohne Rücksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige
+betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird. Diese
+Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat
+freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realität und als eine
+wahrhafte Sache in dem gewöhnlichen Bewußtseyn gilt, Aber sie ist nicht
+aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit entbehrende
+Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermißt, welchem Mangel das
+Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden pflegt, ist ohnehin
+das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern das Gehaltlose der
+logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, sie zu betrachten
+und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen aus einander fallen
+und nicht in organischer Einheit zusammengehalten werden, sind sie
+todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht wohnen, der ihre
+lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber entbehren sie des gediegenen
+Inhalts,—einer Materie, welche Gehalt an sich selbst wäre. Der Inhalt,
+der an den logischen Formen vermißt wird, ist nichts anderes, als eine
+feste Grundlage und Konkretion dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein
+solches substantielles Wesen pflegt für sie außen gesucht zu werden.
+Aber die logische Vernunft selbst ist das Substantielle oder Reelle,
+das alle abstrakten Bestimmungen in sich zusammenhält, und ihre
+gediegene, absolut-konkrete Einheit ist. Nach dem also, was eine
+Materie genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu
+werden; es ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie
+gehaltlos seyn soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefaßt wird.
+
+Diese Reflexion führt näher auf die Angabe des Standpunkts, nach
+welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der
+bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und der
+allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft für immer zu
+stellen ist.
+
+In der Phänomenologie des Geistes habe ich das Bewußtseyn in seiner
+Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des
+Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht
+durch alle Formen des Verhältnisses des Bewußtseyns zum Objekte durch,
+und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser
+Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß er innerhalb der Logik selbst
+hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst erhalten
+hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung fähig, als nur dieser
+Hervorbringung desselben durch das Bewußtseyn, dem sich seine eignen
+Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit auflösen. —Eine
+raisonnirende Begründung der Erläuterung des Begriffs der Wissenschaft
+kann zum höchsten dieß leisten, daß er vor die Vorstellung gebracht und
+eine historische Kenntniß davon bewirkt werde; aber eine Definition der
+Wissenschaft oder näher der Logik hat ihren Beweis allein in jener
+Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine Definition, mit der irgend eine
+Wissenschaft den absoluten Anfang macht, kann nichts anders enthalten,
+als den bestimmten, regelrechten Ausdruck von demjenigen, was man sich
+zugegebner- und bekanntermaßen unter dem Gegenstande und Zweck der
+Wissenschaft vorstellt. Daß man sich gerade dieß darunter vorstelle,
+ist eine historische Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf
+dieses und jenes Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise
+beibringen kann, daß man dieß und jenes als anerkannt gelten lassen
+möge. Es hört gar nicht auf, daß der Eine daher, der Andere dorther
+einen Fall und Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und
+anderes bei diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen
+Definition also noch eine nähere oder allgemeinere Bestimmung
+aufzunehmen und darnach auch die Wissenschaft einzurichten sey.—Es
+kommt dabei ferner auf Raisonnement an, was alles und bis zu welcher
+Grenze und Umfang es hereingezogen oder ausgeschlossen werden müsse;
+dem Raisonnement selbst aber steht das mannigfaltigste und
+verschiedenartigste Dafürhalten offen, worüber am Ende allein die
+Willkür eine feste Bestimmung abschließen kann. Bei diesem Verfahren,
+die Wissenschaft mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem
+Bedürfniß nicht die Rede, daß die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und
+damit ihrer selbst aufgezeigt würde.
+
+Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in
+gegenwärtiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die
+Phänomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben
+ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des Bewußtseins,
+weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in dem absoluten
+Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit seiner selbst
+vollkommen sich aufgelöst hat, und die Wahrheit, dieser Gewißheit, so
+wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist.
+
+Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des
+Bewußtseyns voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er eben so sehr
+die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern
+sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die
+Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewußtseyn, und hat die
+Gestalt des Selbst, daß das an und für sich seyende gewußter Begriff,
+der Begriff als solcher aber das an und für sich seyende ist. Dieses
+objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist
+daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie zu einer
+wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr Inhalt vielmehr allein das
+absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie bedienen
+wollte, die wahrhafte Materie ist,—eine Materie aber, der die Form
+nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke,
+somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System
+der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen.
+Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich
+selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken, daß dieser Inhalt die
+Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der
+Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist.
+
+Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken
+ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt, daß
+das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist. Er hat damit den Grund
+zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren reine Gestalt
+die Logik seyn muß. Es ist in ihr nicht um ein Denken über etwas, das
+für sich außer dem Denken zu Grunde läge, zu thun, um Formen, welche
+bloße Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern die nothwendigen
+Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der Inhalt und die
+höchste Wahrheit selbst.
+
+Um dieß in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung auf
+die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches seyn
+müsse. Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch in die
+platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, hineingetragen, als
+ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer andern Welt oder
+Region seyen, außerhalb welcher die Welt der Wirklichkeit sich befinde
+und eine von jenen Ideen verschiedene, erst durch diese Verschiedenheit
+reale Substantialität habe. Die platonische Idee ist nichts anderes,
+als das Allgemeine oder bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in
+seinem Begriffe hat Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe
+verschieden ist, hört es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges;
+die Seite der Handgreiflichkeit und des sinnlichen Außersichseyns
+gehört dieser nichtigen Seite an.—Von der andern Seite aber kann man
+sich auf die eigenen Vorstellungen der gewöhnlichen Logik berufen; es
+wird nämlich angenommen, daß z.B. Definitionen nicht Bestimmungen
+enthalten, die nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die
+Bestimmungen des Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste
+Natur ausmachen. Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere
+geschlossen wird, wird angenommen, daß das Erschlossene nicht ein dem
+Gegenstande Äußerliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr
+selbst zukomme, daß diesem Denken das Seyn entspreche.—Es liegt
+überhaupt bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils,
+Schlusses, Definition, Division u.s.f. zu Grunde, daß sie nicht bloß
+Formen des selbstbewußten Denken sind, sondern auch des
+gegenständlichen Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm
+enthaltene Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beilegt. Aber
+insofern gesagt wird, daß Verstand, daß Vernunft in der
+gegenständlichen Welt ist, daß der Geist und die Natur allgemeine
+Gesetze habe, nach welchen ihr Leben und ihre Veränderung sich machen,
+so wird zugegeben, daß die Denkbestimmungen eben so sehr objektiven
+Werth und Existenz haben.
+
+Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur Logik,
+aber sie, wie der spätere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert worden,
+aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine wesentlich
+subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem Objekte, das
+sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein unendlicher Anstoß,
+blieb als ein Jenseits an ihnen übrig. Aber die Befreiung von dem
+Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wissenschaft muß voraussetzen
+können, erhebt die Denkbestimmungen über diesen ängstlichen,
+unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung derselben, wie
+sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und Rücksicht, das
+Logische, das Rein-vernünftige sind.
+
+Kant preist sonst die Logik, nämlich das Aggregat von Bestimmungen und
+Sätzen, das im gewöhnlichen Sinne Logik heißt, darüber glücklich, daß
+ihr vor andern Wissenschaften eine so frühe Vollendung zu Theil
+geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rückschritt gethan, aber
+auch keinen Schritt vorwärts, das Letztere deswegen, weil sie allem
+Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.—Wenn die Logik
+seit Aristoteles keine Veränderung erlitten hat,—wie denn in der That
+die Veränderungen, wenn man die neuern Kompendien der Logik betrachtet,
+häufig mehr nur in Weglassungen bestehen,—so ist daraus eher zu
+folgern, daß sie um so mehr einer totalen Umarbeitung bedürfe; denn ein
+zweitausendjähriges Fortarbeiten des Geistes muß ihm ein höheres
+Bewußtseyn über sein Denken und über seine reine Wesenheit in sich
+selbst, verschafft haben. Die Vergleichung der Gestalten, zu denen sich
+der Geist der praktischen und der religiösen Welt und der Geist der
+Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen Bewußtseyns emporgehoben
+hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik, sein Bewußtseyn über sein
+reines Wesen, befindet, zeigt einen zu großen Unterschied, als daß es
+nicht der oberflächlichsten Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß
+dieß letztere Bewußtseyn den erstern Erhebungen durchaus unangemessen
+und ihrer unwürdig ist.
+
+In der That ist das Bedürfniß einer Umgestaltung der Logik längst
+gefühlt worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den
+Lehrbüchern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. Sie
+wird noch mitgeschleppt mehr im Gefühle, daß eine Logik überhaupt nicht
+zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit an die
+Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Überzeugung, daß jener
+gewöhnliche Inhalt und die Beschäftigung mit jenen leeren Formen Werth
+und Nutzen habe.
+
+Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, pädagogisches und
+selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind
+nachher für Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An und
+für sich muß ein großer Theil dieser psychologischen, pädagogischen,
+physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie mochten in der
+Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und trivial erscheinen.
+Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, daß man dasjenige durchdenken
+und prüfen solle, was man in Büchern lese oder mündlich höre; daß man,
+wenn man nicht gut sehe, seinen Augen durch Brillen zu Hülfe zu kommen
+habe,—Regeln, die von den Lehrbüchern in der sogenannten angewandten
+Logik, und zwar ernsthaft in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf
+daß man zur Wahrheit gelange,—müssen jedermann als überflüßig
+vorkommen,—nur höchstens dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in
+Verlegenheit ist, den sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch
+irgend etwas auszudehnen.
+
+Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben
+worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten in
+ihrer Festigkeit unverrückt, und werden nur in äußerliche Beziehung
+miteinander gebracht. Dadurch daß bei den Urtheilen und Schlüssen die
+Operationen vornehmlich auf das Quantitative der Bestimmungen
+zurückgeführt und gegründet werden, beruht Alles auf einem äußerlichen
+Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein völlig analytisches
+Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das Ableiten der sogenannten
+Regeln und Gesetze, des Schließens vornehmlich, ist nicht viel besser,
+als ein Befingern von Stäbchen von ungleicher Länge, um sie nach ihrer
+Größe zu sortiren und zu verbinden,—als die spielende Beschäftigung der
+Kinder, von mannigfaltig zerschnittenen Gemälden die passenden Stücke
+zusammen zu suchen.—Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem
+Rechnen und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt. In der
+Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das außer
+seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, außer seinem ganz
+äußerlichen Verhältnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst,
+noch dessen Beziehung ein Gedanke ist.
+
+Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreiviertel mit
+zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthält diese
+Operation ungefähr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung,
+ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben könne.
+
+Damit daß dieß todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und
+Inhalt belebt werde, muß ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie
+allein fähig ist, reine Wissenschaft zu seyn. In dem Zustande, in dem
+sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher Methode
+zu erkennen. Sie hat ungefähr die Form einer Erfahrungswissenschaft.
+Erfahrungswissenschaften haben für das, was sie seyn sollen, ihre
+eigenthümliche Methode, des Definirens und des Klassificirens ihres
+Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die reine Mathematik hat ihre
+Methode, die für ihre abstrakten Gegenstände und für die quantitative
+Bestimmung, in der sie allein betrachtet, passend ist. Ich habe über
+diese Methode und überhaupt das Untergeordnete der
+Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik Statt finden kann, in der
+Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, das Wesentliche gesagt; aber
+sie wird auch innerhalb der Logik selbst näher betrachtet werden.
+Spinoza, Wolf und Andere haben sie verführen lassen, sie auch auf die
+Philosophie anzuwenden, und den äußerlichen Gang der begrifflosen
+Quantität zum Gange des Begriffes zu machen, was an und für sich
+widersprechend ist. Bisher hatte die Philosophie ihre Methode noch
+nicht gefunden; sie betrachtete mit Neid das systematische Gebäude der
+Mathematik und borgte sie, wie gesagt, von ihr, oder behalf sich mit
+der Methode von Wissenschaften, die nur Vermischungen von gegebenem
+Stoffe, Erfahrungssätzen und Gedanken sind,—oder half sich auch mit dem
+rohen Wegwerfen aller Methode. Die Exposition dessen aber, was allein
+die wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, fällt
+in die Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn
+über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der
+Phänomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem
+konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn ein Beispiel von dieser
+Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn,
+aufgestellt.[3] Es sind hier Gestalten des Bewußtseyns, deren jede in
+ihrer Realisirung sich zugleich selbst auflöst, ihre eigene Negation zu
+ihrem Resultate hat,—und damit in eine höhere Gestalt übergegangen ist.
+Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um
+dessen ganz einfache Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist,—ist die
+Erkenntniß des logischen Satzes, daß das Negative ebenso sehr positiv
+ist, oder daß das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das
+abstrakte Nichts auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines
+besonderen Inhalts, oder daß eine solche Negation nicht alle Negation,
+sondern die Negation der bestimmten Sache, die sich auflöst, somit
+bestimmte Negation ist; daß also im Resultate wesentlich das enthalten
+ist, woraus es resultirt;—was eigentlich eine Tautologie ist, denn
+sonst wäre es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das
+Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen
+Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der höhere, reichere Begriff
+als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder
+Entgegengesetztes reicher geworden; enthält ihn also, aber auch mehr
+als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.—In
+diesem Wege hat sich das System der Begriffe überhaupt zu bilden,— und
+in unaufhaltsamen, reinem, von Außen nichts hereinnehmendem Gange, sich
+zu vollenden.
+
+ [3] Später an den anderen konkreten Gegenständen und resp. Theilen der
+ Philosophie.
+
+
+Wie würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem
+Systeme der Logik befolgt,—oder vielmehr die dieß System an ihm selbst
+befolgt,—noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im Einzelnen
+fähig sey, aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige wahrhafte ist.
+Dieß erhellt für sich schon daraus, daß sie von ihrem Gegenstande und
+Inhalte nichts Unterschiedenes ist;—denn es ist der Inhalt in sich, die
+Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn fortbewegt. Es ist
+klar, daß keine Darstellungen für wissenschaftlich gelten können,
+welche nicht den Gang dieser Methode gehen und ihrem einfachen Rhythmus
+gemäß sind, denn es ist der Gang der Sache selbst.
+
+In Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und
+Überschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke
+angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum
+Behuf einer vorläufigen Übersicht gemacht, und daß sie eigentlich nur
+von historischem Werthe sind. Sie gehören nicht zum Inhalte und Körper
+der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren
+Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat, daher
+die Folge seiner Momente voraus weiß und angiebt, ehe sie noch durch
+die Sache selbst sich herbeiführen.
+
+In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und
+Eintheilungen gleichfalls für sich nichts anderes, als solche äußere
+Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über
+diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heißt es
+etwa, "die Logik hat zwei Hauptstücke, die Elementarlehre und die
+Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres
+etwa die Überschrift: Gesetze des Denkens;—alsdann erstes Kapitel: von
+den Begriffen. Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u.
+s.f.—Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten
+Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerüste und den
+ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik sieht
+es für ihren Beruf an, davon zu sprechen, daß die Begriffe und
+Wahrheiten aus Principien müssen abgeleitet seyn; aber bei dem, was sie
+Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. Die
+Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, in der
+Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und anderen
+äußerlichen Rücksichten. Aber in Rücksicht eines inneren, nothwendigen
+Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der Abtheilungsbestimmungen,
+und der Übergang macht sich nur damit, daß es jetzt heißt: Zweites
+Kapitel;—oder: wir kommen nunmehr zu den Urtheilen, u. dergl.
+
+Auch die Überschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme
+vorkommen, sollen für sich keine andere Bedeutung haben, als die der
+Inhaltsanzeige. Außerdem aber muß die Nothwendigkeit des Zusammenhangs
+und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in der Abhandlung
+der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die eigene Fortbestimmung
+des Begriffes.
+
+Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin
+angegebene Negative, das er in sich selbst hat; dieß macht das wahrhaft
+Dialektische aus. Die Dialektik, die als ein abgesonderter Theil der
+Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und Standpunktes, man
+kann sagen, gänzlich verkannt worden, erhält dadurch eine ganz andere
+Stellung.—Auch die platonische Dialektik hat selbst im Parmenides, und
+anderswo ohnehin noch direkter, Theils nur die Absicht, beschränkte
+Behauptungen durch sich selbst aufzulösen und zu widerlegen, Theils
+aber überhaupt das Nichts zum Resultate. Gewöhnlich sieht man die
+Dialektik für ein äußerliches und negatives Thun an, das nicht der
+Sache selbst angehöre, in bloßer Eitelkeit als einer subjektiven Sucht,
+sich das Feste und Wahre in Schwanken zu setzen und aufzulösen, seinen
+Grund habe oder wenigstens zu Nichts führe, als zur Eitelkeit des
+dialektisch behandelten Gegenstandes.
+
+Kant hat die Dialektik höher gestellt, und diese Seite gehört unter die
+größten seiner Verdienste,—indem er ihr den Schein von Willkür nahm,
+den sie nach der gewöhnlichen Vorstellung hat, und sie als ein
+nothwendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur für die Kunst,
+Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt, wurde
+schlechthin vorausgesetzt, daß sie ein falsches Spiel spiele, und ihre
+ganze Kraft allein darauf beruhe, daß sie den Betrug verstecke; daß
+ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver Schein seyen. Kant's
+dialektische Darstellungen in den Antinomien der reinen Vernunft
+verdienen zwar, wenn sie näher betrachtet werden, wie dieß im Verfolge
+dieses Werkes weitläufiger geschehen wird, freilich kein großes Lob;
+aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde gelegt und geltend gemacht
+hat, ist die Objektivität des Scheins und Nothwendigkeit des
+Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen gehört: zunächst zwar
+in der Art, insofern diese Bestimmungen von der Vernunft auf die Dinge
+an sich angewendet werden; aber eben, was sie in der Vernunft und in
+Rücksicht auf das sind, was an sich ist, ist ihre Natur. Es ist dieß
+Resultat in seiner positiven Seiten aufgefaßt, nichts anderes, als die
+innere Negativität derselben, als ihre sich selbstbewegende Seele, das
+Princip aller natürlichen und geistigen Lebendigkeit überhaupt. Aber so
+wie nur bei der abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen
+geblieben wird, so ist das Resultat nur das Bekannte, daß die Vernunft
+unfähig sey, das Unendliche zu erkennen;—ein sonderbares Resultat,
+indem das Unendliche das Vernünftige ist, zu sagen, die Vernunft sey
+nicht fähig, das Vernünftige zu erkennen.
+
+In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem
+Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im
+Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber für die
+noch ungeübte, unfreie Denkkraft schwerste Seite. Ist solche noch darin
+begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom Raisonniren
+loszureißen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken zu üben.
+Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen erkennen zu
+lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf hätte sich in ihrer
+Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung des näheren
+Inhalts an die Bestimmungen, die sich für die einzelnen Begriffe
+ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische einzulassen. Sie
+würde der äußeren Gestalt nach dem gewöhnlichen Vortrag dieser
+Wissenschaft ähnlich werden, sich übrigens dem Inhalte nach auch davon
+unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das abstrakte, ob zwar nicht
+das spekulative Denken zu üben, welchen Zweck die durch psychologische
+und anthropologische Zuthaten populair gewordene Logik nicht einmal
+erfüllen kann. Sie würde dem Geiste das Bild eines methodisch
+geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des Gebäudes, die Methode,
+die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin erschiene.
+
+In Rücksicht auf die Bildung und das Verhältniß des Individuums zur
+Logik, merke ich schließlich noch an, daß diese Wissenschaft wie die
+Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. Sie
+ist etwas Anderes für den, der zu ihr und den Wissenschaften überhaupt
+erst hinzutritt, und etwas Anderes für den, der von ihnen zu ihr
+zurückkommt. Wer die Grammatik anfängt kennen zu lernen, findet in
+ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufällig Regeln,
+überhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den Werth und
+die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren Sinne liegt;
+das Erkennen erkennt in ihnen zunächst nichts als sie. Wer dagegen
+einer Sprache mächtig ist und zugleich andere Sprachen in Vergleichung
+mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die Bildung eines Volks
+in der Grammatik seiner Sprache zu fühlen geben; dieselben Regeln und
+Formen haben nunmehr einen erfüllten, lebendigen Werth. Er kann durch
+die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes überhaupt, die Logik,
+erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, findet in der Logik
+zunächst ein isolirtes System von Abstraktionen, das auf sich selbst
+beschränkt, nicht über die anderen Kenntnisse und Wissenschaften
+übergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum der
+Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der anderen
+Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der absoluten
+Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur des Geistes
+und der Welt, die Wahrheit zu enthüllen, hat diese Wissenschaft in
+ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten Einfachheit ihrer
+reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles eher zu leisten als
+dieß Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum gegenüber zu stehen,
+Die erste Bekanntschaft mit der Logik schränkt ihre Bedeutung auf sie
+selbst ein; ihr Inhalt gilt nur für eine isolirte Beschäftigung mit den
+Denkbestimmungen, neben der die anderen wissenschaftlichen
+Beschäftigungen ein eigener Stoff und Gehalt für sich sind, auf welche
+das Logische etwa einen formellen Einfluß hat, und zwar einen solchen,
+der sich mehr von selbst macht, und für den die wissenschaftliche
+Gestalt und deren Studium allerdings auch zur Noth entbehrt werden
+kann. Die anderen Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine
+Folge von Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu
+seyn, im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natürliche Logik macht sich
+für sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken
+selbst gerichtete Erkenntnis fort. Vollends aber hält sich der Stoff
+und Inhalt dieser Wissenschaften für sich selbst vom Logischen völlig
+unabhängig, und ist auch für Sinn, Gefühl, Vorstellung und praktisches
+Interesse jeder Art ansprechender.
+
+So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, das
+man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und weitere
+Bedeutung anfangs vermißt wird. Erst aus der tiefern Kenntniß der
+anderen Wissenschaften erhebt sich für den subjektiven Geist das
+Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern als das den
+Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine; —wie derselbe
+Sittenspruch in dem Munde des Jünglings, der ihn ganz richtig versteht,
+nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen er im Geiste eines
+lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die ganze Kraft des darin
+enthaltenen Gehaltes ausdrückt, so erhält das Logische erst dadurch die
+Schätzung seines Werths, wenn es zum Resultate der Erfahrung der
+Wissenschaften geworden ist; es stellt sich daraus als die allgemeine
+Wahrheit, nicht als eine besondere Kenntniß neben anderem Stoffe und
+Realitäten, sondern als das Wesen alles dieses sonstigen Inhalts dem
+Geiste dar.
+
+Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser
+bewußten Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch
+dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle
+Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die
+Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion
+befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die Arbeit
+in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des
+Bewußtseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und
+Zwecken, von Gefühlen, von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes
+Geschäft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht dieß Geschäft
+in dem Fernhalten der Zufälligkeit des raisonnirenden Denkens und der
+Willkür, diese oder die entgegengesetzten Gründe sich einfallen oder
+gelten zu lassen.
+
+Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbstständigkeit und
+Unabhängigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch
+Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten
+Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniß und Wissenschaften in
+die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu erfassen
+und festzuhalten, das Äußerliche abzustreifen und auf diese Weise aus
+ihnen das Logische auszuziehen,—oder was dasselbe ist, die vorher durch
+das Studium erworbene abstrakte Grundlage des Logischen mit dem Gehalte
+aller Wahrheit zu erfüllen, und ihm den Werth eines Allgemeinen zu
+geben, das nicht mehr als ein Besonderes neben anderem Besonderen
+steht, sondern über alles dieses übergreift und dessen Wesen, das
+Absolut-wahre, ist.
+
+Allgemeine Eintheilung der Logik
+
+In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine
+Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine
+Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben
+werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher
+historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen
+Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen
+wird.
+
+Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist, zum
+Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen, obgleich auch dabei ein
+Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muß, das seine volle
+Verständigung und Rechtfertigung erst innerhalb der Wissenschaft
+erhält.—Zuvörderst also ist zu erinnern, daß hier vorausgesetzt wird,
+die Eintheilung müsse mit dem Begriffe zusammenhängen, oder vielmehr in
+ihm selbst liegen. Der Begriff ist nicht unbestimmt, sondern bestimmt
+an ihm selbst; die Eintheilung aber drückt entwickelt diese seine
+Bestimmtheit aus; sie ist das Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über
+irgend einen äußerlich genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen,
+d.i. Bestimmen des Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit,
+Spitzwinklichkeit u.s. f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach
+welchen Bestimmungen die Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in
+der Bestimmtheit des Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der
+Begriff des Dreiecks genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem,
+was für den Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels
+u.s.w. die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere,
+Vögel u.s. w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt
+werden. Solche Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen
+Anschauung aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von
+Außen hinzu. In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der
+Begriff selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen.
+
+Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das
+Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier gleichfalls
+als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik bestimmte sich
+danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu ihrem Princip
+das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern dadurch konkrete
+lebendige Einheit, daß in ihr der Gegensatz des Bewußtseyns von einem
+subjektiv—für sich Seyenden und einem zweiten solchen Seyenden, einem
+Objektiven, als überwunden, und das Seyn als reiner Begriff an sich
+selbst, und der reine Begriff als das wahrhafte Seyn gewußt wird. Dieß
+sind sonach die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind.
+Aber sie werden nun als untrennbar seyend gewußt, nicht wie im
+Bewußtseyn jedes auch als für sich seyend; dadurch, allein, daß sie
+zugleich als unterschiedene (jedoch nicht für sich seyende) gewußt
+werden, ist ihre Einheit nicht abstrakt, todt, unbewegend, sondern
+konkret.
+
+Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so
+daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, nur
+innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die Eintheilung,
+wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen der ihm schon
+immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes ist, so darf dieß
+Setzen nicht als ein Wiederauflösen jener konkreten Einheit in ihre
+Bestimmungen, wie sie als für sich seyend gelten sollen, gefaßt werden,
+was hier ein leeres Zurückgehen auf den vorigen Standpunkt, den
+Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist vielmehr verschwunden; jene
+Einheit bleibt das Element, und aus ihr tritt jenes Unterscheiden der
+Eintheilung und überhaupt der Entwickelung nicht mehr heraus. Damit
+sind die früher (auf dem Wege zur Wahrheit) für sich seyenden
+Bestimmungen, wie ein Subjektives und Objektives, oder auch Denken und
+Seyn oder Begriff und Realität, wie sie in irgend einer Rücksicht
+bestimmt worden seyn mögen, nun in ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer
+Einheit, zu Formen herabgesetzt. In ihrem Unterschiede blieben sie
+daher selbst an sich der ganze Begriff und dieser wird in der
+Eintheilung nur unter seinen eigenen Bestimmungen gesetzt.
+
+So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, das
+andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff an
+sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, für
+sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, im
+denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter noch
+weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der
+organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber
+nur in der unorganischen Natur).—Die Logik wäre hiernach zunächst in
+die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs, —oder
+indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der unbestimmtesten und
+darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen,—in die objektive und
+subjektive Logik einzutheilen.
+
+Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs in
+sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, müssen
+diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in ihrem
+Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander stehen.
+Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der Begriff als
+System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum Insichseyn des Begriffs
+übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch nicht als solcher für sich
+gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren Seyn als einem ihm auch
+Äußeren zugleich behaftet ist. Dieß ist die Lehre von dem Wesen, die
+zwischen der Lehre vom Seyn und der vom Begriff inmitten steht.—Sie ist
+in der allgemeinen Eintheilung dieses logischen Werks noch unter die
+objektive Logik gestellt worden, insofern, ob das Wesen zwar bereits
+das Innere, dem Begriffe der Charakter des Subjekts ausdrücklich
+vorzubehalten ist.
+
+Kant[4] hat in neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden,
+noch eine, nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt. Das,
+was hier objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem
+entsprechen, was bei ihm die transcendentale Logik ist. Er
+unterscheidet sie von dem, was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie
+à) die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstände beziehen,
+somit nicht von allem Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire,
+oder daß sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte,
+und ß) zugleich auf den Ursprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie
+nicht den Gegenständen zugeschrieben werden könne.—Diese zweite Seite
+ist es, auf die das philosophische Interesse Kants ausschließend
+gerichtet ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem
+Selbstbewußtseyn, als dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermöge
+dieser Bestimmung bleibt die Ansicht innerhalb des Bewußtseyns und
+seines Gegensatzes stehen, und hat außer dem Empirischen des Gefühls
+und der Anschauung noch Etwas, das nicht durch das denkende
+Selbstbewußtseyn gesetzt und bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem
+Denken fremdes und äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht
+einzusehen ist, daß ein solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst
+nur ein Produkt des, und zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.—Wenn
+andere Kantianer sich über das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so
+ausgedrückt haben, daß das Objektiviren des Ich, als ein ursprüngliches
+und nothwendiges Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem
+ursprünglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,—als
+welche erst ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein
+Objektiviren jenes Bewußtseyn sey,—so ist dieses von dem Gegensatze des
+Bewußtseyns befreite objektivirende Thun näher dasjenige, was für
+Denken als solches überhaupt genommen werden kann.[5] Dieses Thun
+sollte aber nicht mehr Bewußtseyn genannt werden; Bewußtseyn schließt
+den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in sich, der in jenem
+ursprünglichen Thun nicht vorhanden ist. Die Benennung Bewußtseyn wirft
+noch mehr den Schein von Subjektivität auf dasselbe, als der Ausdruck
+Denken, der aber hier überhaupt im absoluten Sinne als unendliches mit
+der Endlichkeit des Bewußtseyns nicht behaftetes, Denken, kurz Denken
+als solches, zu nehmen ist.
+
+ [4] Ich erinnere, daß ich auf die kantische Philosophie in diesem
+ Werke darum häufig Rücksicht nehme, (was manchen überflüssig scheinen
+ könnte) weil sie,—ihre nähere Bestimmtheit so wie die besonderen
+ Theile der Ausführung mögen sonst und auch in diesem Werke betrachtet
+ werden, wie sie wollen,—die Grundlage und den Ausgangspunkt der
+ neueren deutschen Philosophie ausmacht, und dieß ihr Verdienst durch
+ das, was an ihr ausgesetzt werden möge, ihr ungeschmälert bleibt. Auch
+ darum ist auf sie in der objektiven Logik häufig Rücksicht zu nehmen,
+ weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen näher
+ einläßt, spätere Darstellungen von Philosophie hingegen dasselbe wenig
+ beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,—aber nicht
+ ungerächte,—Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am
+ weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen
+ Resultaten, daß die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen könne, und
+ in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey,
+ heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem
+ Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende
+ Ausführung, aus welche jenes Resultat herkömmt, und welche
+ philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische
+ Philosophie dient so als ein Polster für die Trägheit des Denkens, die
+ sich damit beruhigt, daß bereits Alles bewiesen und abgethan sey. Für
+ Erkenntniß und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in solcher
+ unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist sich
+ daher an jene vorangegangene Ausführung zu wenden.
+
+
+ [5] Wenn der Ausdruck objektivirendes Thun des Ich an andere
+ Produktionen des Geistes, z.B. die der Phantasie erinnern kann, so ist
+ zu bemerken, daß von einem Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist,
+ insofern dessen Inhalts-Momente nicht dem Gefühl und der Anschauung
+ angehören. Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heißt
+ Theils ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes
+ ist, weitere Gedanken über ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln.
+
+
+Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte
+Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die Abhandlung
+derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst sind, ohne
+die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre Bestimmtheit gegen
+und ihr Verhältniß zu einander ist nicht zu einem Gegenstande der
+Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniß ihrer Natur hat sich daher
+durch diese Philosophie nicht im geringsten gefördert gefunden. Das
+einzige Interessante, was hierauf Beziehung hat, kommt in der Kritik
+der Ideen vor. Für den wirklichen Fortschritt der Philosophie aber war
+es nothwendig, daß das Interesse des Denkens auf die Betrachtung der
+formellen Seite, des Ich, des Bewußtseyns als solchen, d.i. der
+abstrakten Beziehung eines subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen,
+daß die Erkenntniß der unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese
+Weise eingeleitet wurde. Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen, mußte
+jene endliche Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn ist,
+noch abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht,
+enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt zu
+geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,—als System der
+Denkbestimmungen.
+
+Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen
+Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt war,
+das nur durch Gedanken aufgeführt seyn sollte.—Wenn wir auf die letzte
+Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Rücksicht nehmen, so ist
+erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die objektive Logik
+tritt,—der Theil jener Metaphysik, der die Natur des Ens überhaupt
+erforschen sollte;—das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen in sich, für
+welchen Unterschied unsere Sprache glücklicherweise den verschiedenen
+Ausdruck gerettet hat.—Alsdann aber begreift die objektive Logik auch
+die übrige Metaphysik insofern in sich, als diese mit den reinen
+Denkformen die besondern, zunächst aus der Vorstellung genommenen
+Substrate, die Seele, die Welt, Gott, zu fassen suchte, und die
+Bestimmungen des Denkens das Wesentliche der Betrachtungsweise
+ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese Formen frei von jenen
+Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und ihre Natur und Werth an
+und für sich selbst. Jene Metaphysik unterließ dieß und zog sich daher
+den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik gebraucht zu haben, ohne die
+vorgängige Untersuchung, ob und wie sie fähig seyen, Bestimmungen des
+Dings-an-sich, nach kantischem Ausdruck,—oder vielmehr des Vernünftigen
+zu seyen.—Die objektive Logik ist daher die wahrhafte Kritik
+derselben,—eine Kritik, die sie nicht nach der abstrakten Form der
+Apriorität gegen das Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem
+besondern Inhalte betrachtet.
+
+Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,—des Wesens, das seine
+Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und in seiner
+Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern das freie selbstständig, sich
+in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das Subjekt selbst
+ist.—Indem das Subjektive das Mißverständniß von Zufälligem und
+Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die in die Form des
+Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf den Unterschied
+von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin innerhalb der Logik
+selbst näher entwickeln wird, kein besonderes Gewicht zu legen.
+
+Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive
+Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile:
+
+I. Die Logik des Seyns,
+
+II. die Logik des Wesens und
+
+III. die Logik des Begriffs.
+
+
+
+
+Erstes Buch
+Die Lehre vom Seyn.
+
+Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?
+
+In neuern Zeiten erst ist das Bewußtseyn entstanden, daß es eine
+Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der
+Grund dieser Schwierigkeit so wie die Möglichkeit, sie zu lösen, ist
+vielfältig besprochen worden. Der Anfang der Philosophie muß entweder
+ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht zu zeigen,
+daß es weder das Eine noch das Andere seyn könne; somit findet die eine
+oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung.
+
+Das Princip einer Philosophie drückt wohl auch einen Anfang aus, aber
+nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge.
+Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,—das Wasser, das Eine,
+Nus, Idee,—Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die Natur des
+Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine objektive
+Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die
+Subjektivität selbst, so ist es hier gleichfalls die Inhaltsbestimmung,
+auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als solches dagegen bleibt
+als ein Subjektives in dem Sinne einer zufälligen Art und Weise, den
+Vortrag einzuleiten, unbeachtet und gleichgültig, somit auch das
+Bedürfniß der Frage, womit anzufangen sey, unbedeutend gegen das
+Bedürfniß des Princips, als in welchem allein das Interesse der Sache
+zu liegen scheint, das Interesse, was das Wahre, was der absolute Grund
+von Allem sey.
+
+Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren
+Bedürfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es
+dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch um
+das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches
+Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der
+Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller
+Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik überhoben seyn
+wollten. Wenn das früher abstrakte Denken zunächst nur für das Princip
+als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung auf die
+andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten getrieben ist,
+so wird auch das subjektive Thun als wesentliches Moment der objektiven
+Wahrheit erfaßt, und das Bedürfniß führt sich herbei, daß die Methode
+mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip vereint sey. So soll das
+Princip auch Anfang und das, was das Prius für das Denken ist, auch das
+Erste im Gange des Denkens seyn.
+
+Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die
+beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt,
+entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang auf
+unmittelbare Weise. Die in der Bildung der Zeit so wichtig erscheinende
+Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares, schlechthin
+anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein vermitteltes Wissen sey,
+ist an diesem Orte nicht zu erörtern. Insofern solche Betrachtung
+vorläufig angestellt werden kann, ist dieß anderwärts (in m. Encykl.
+der philos. Wissenschaf. 3te Ausg. im Vorbegr. §. 61. ff.) geschehen.
+Hier mag daraus nur dieß angeführt werden, daß es Nichts giebt, nichts
+im Himmel oder in der Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht
+ebenso die Unmittelbarkeit enthält, als die Vermittelung, so daß sich
+diese beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener
+Gegensatz sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche
+Erörterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die
+Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die
+Erörterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern
+dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die
+konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhält,
+wird die Natur des Erkennens überhaupt, sowohl innerhalb der
+Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern
+konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die
+Phänomenologie desselben fällt. Vor der Wissenschaft aber schon über
+das Erkennen ins Reine kommen wollen, heißt verlangen, daß es außerhalb
+derselben erörtert werden sollte; außerhalb der Wissenschaft läßt sich
+dieß wenigstens nicht auf wissenschaftliche Weise, um die es hier
+allein zu thun ist, bewerkstelligen.
+
+Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei für sich seyenden
+Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt ist es
+hiermit dadurch, daß das reine Wissen die letzte, absolute Wahrheit des
+Bewußtseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, daß die
+Phänomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewußtseyns, die
+Darstellung davon ist, daß das Bewußtseyn den Begriff der Wissenschaft,
+d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik hat insofern die
+Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer Voraussetzung, welche
+die Nothwendigkeit und damit den Beweis der Wahrheit des Standpunkts,
+der das reine Wissen ist, wie dessen Vermittelung überhaupt, enthält
+und aufzeigt. In dieser Wissenschaft des erscheinenden Geistes wird von
+dem empirischen, sinnlichen Bewußtseyn ausgegangen; und dieses ist das
+eigentliche unmittelbare Wissen; daselbst wird erörtert, was an diesem
+unmittelbaren Wissen ist. Anderes Bewußtseyn, wie der Glaube an
+göttliche Wahrheiten, innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung
+u.s.f. zeigt sich bei geringer Überlegung sehr uneigentlich als
+unmittelbares Wissen aufgeführt zu werden. In jener Abhandlung ist das
+unmittelbare Bewußtseyn auch das in der Wissenschaft Erste und
+Unmittelbare, somit die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige
+die Voraussetzung, was aus jener Betrachtung sich als das Resultat
+erwiesen hatte,—die Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine
+Wissenschaft, d.i. das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner
+Entwickelung. Diese Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin
+bestimmt, die zur Wahrheit gewordenen Gewißheit zu seyn, die Gewißheit,
+die nach der einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenüber ist,
+sondern ihn innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiß,—und die
+auf der andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem
+Gegenständlichen gegenüber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben,
+dieser Subjektivität entäußert und Einheit mit seiner Entäußerung ist.
+
+Daß nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang seiner
+Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu betrachten
+oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller Meinungen,
+die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist.
+
+Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle
+Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das
+Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hört somit selbst auf, Wissen
+zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden.
+
+Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und
+bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren
+Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine Seyn. Wie
+das reine Wissen nichts heißen soll, als das Wissen als solches, ganz
+abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heißen, als das Seyn
+überhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung und
+Erfüllung.
+
+Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar durch
+sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden,
+dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats des
+endlichen Wissens, des Bewußtseyns. Soll aber keine Voraussetzung
+gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden, so bestimmt er
+sich nur dadurch, daß es der Anfang der Logik des Denkens für sich,
+seyn soll. Nur der Entschluß, den man auch für eine Willkür ansehen
+kann, nämlich daß man das Denken als solches betrachten wolle, ist
+vorhanden. So muß der Anfang absoluter oder was hier gleichbedeutend
+ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so nichts voraussetzen, muß durch
+nichts vermittelt seyn, noch einen Grund haben; er soll vielmehr selbst
+Grund der ganzen Wissenschaft seyn. Er muß daher schlechthin ein
+Unmittelbares seyn, oder vielmehr nur das Unmittelbare selbst. Wie er
+nicht gegen Anderes eine Bestimmung haben kann, so kann er auch keine
+in sich, keinen Inhalt enthalten, denn dergleichen wäre Unterscheidung
+und Beziehung von Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung.
+Der Anfang ist also das reine Seyn.
+
+Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunächst nur zu diesem
+selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehört, können noch
+folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch können sie nicht
+sowohl zur Erläuterung und Bestätigung jener Darlegung, die für sich
+fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch Vorstellungen und
+Reflexionen veranlaßt werden, die uns zum Voraus in den Weg kommen
+können, jedoch, wie alle andere vorangehende Vorurtheile, in der
+Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden müssen, und daher eigentlich
+zur Geduld hierauf zu verweisen wären.
+
+Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resultat seyn müsse, und
+umgekehrt, daß ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber,
+weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach der
+subjektiven Seite, nicht erkannt ist,—hat in neuern Zeiten den Gedanken
+hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem hypothetischen und
+problematischen Wahren anfangen, und das Philosophiren daher zuerst nur
+ein Suchen seyn könne, eine Ansicht, welche Reinhold in den spätern
+Zeiten seines Philosphirens vielfach urgiert hat, und der man die
+Gerechtigkeit widerfahren lassen muß, daß ihr ein wahrhaftes Interesse
+zu Grunde liegt, welches die spekulative Natur des philosophischen
+Anfangs betrifft. Die Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich
+eine Veranlassung, ein vorläufiges Verständniß über den Sinn des
+logischen Fortschreitens überhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht
+schließt die Rücksicht auf das Fortgehen sogleich in sich. Und zwar
+stellt sie es so vor, daß das Vorwärtsschreiten in der Philosophie
+vielmehr ein Rückwärtsgehen und Begründen sey, durch welches erst sich
+ergebe, daß das, womit angefangen wurde, nicht bloß ein willkürlich
+Angenommenes, sondern in der That Theils das Wahre, Theils das erste
+Wahre sey.
+
+Man muß zugeben, daß es eine wesentliche Betrachtung ist,—die sich
+innerhalb der Logik selbst näher ergeben wird,—daß das Vorwärtsgehen
+ein Rückgang in den Grund, zu dem Ursprünglichen und Wahrhaften ist,
+von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhängt, und in der That
+hervorgebracht wird.—So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von der
+Unmittelbarkeit aus, mit der es anfängt, zum absoluten Wissen, als
+seiner innersten Wahrheit, zurückgeführt. Dieß Letzte, der Grund, ist
+denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst als
+Unmittelbares auftrat.—So wird noch mehr der absolute Geist, der als
+die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt,
+erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entäußernd und
+sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,—zur Schöpfung
+einer Welt sich entschließend, welche alles das enthält, was in die
+Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und das durch
+diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem Resultate
+als dem Principe Abhängiges verwandelt wird. Das Wesentliche für die
+Wissenschaft, ist nicht so sehr, daß ein rein Unmittelbares der Anfang
+sey, sondern daß das Ganze derselben ein Kreislauf in sich selbst ist,
+worin das Erste auch das Letzte, und das Letzte auch das Erste wird.
+
+Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig,
+dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurückgeht, als
+Resultat zu betrachten. Nach dieser Rücksicht ist das Erste ebenso sehr
+der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem Ersten
+ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als auf den
+Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang ferner von dem,
+was den Anfang macht, ist nur als eine weitere Bestimmung desselben zu
+betrachten, so daß das Anfangende allem Folgenden zu Grunde liegen
+bleibt, und nichts daraus verschwindet. Das Fortgehen besteht nicht
+darin, daß nur ein Anderes abgeleitet, oder daß in ein wahrhaft Anderes
+übergegangen würde;—und insofern dieß Übergehen vorkommt, so hebt es
+sich ebenso sehr wieder auf. So ist der Anfang der Philosophie, die in
+allen folgenden Entwickelungen gegenwärtige und sich erhaltende
+Grundlage, das seinen weiteren Bestimmungen durchaus immanent
+Bleibende.
+
+Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser
+Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu seyn,
+einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der
+wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise.
+—Zugleich ergiebt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es darin
+das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht wahrhaft
+erkannt wird, und daß erst die Wissenschaft, und zwar in ihrer ganzen
+Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft
+begründete Erkenntniß ist.
+
+Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt,
+ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches, noch
+ein problematisches und hypothetisches, sondern es muß durch die Natur
+der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist jener Anfang
+etwas Willkürliches und nur einstweilen Angenommenes, noch ein als
+willkürlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes, von dem sich
+aber doch in der Folge zeige, daß man Recht daran gethan habe, es zum
+Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die man zum Behuf
+des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen angewiesen wird, es
+der Fall ist, daß von ihnen es sich erst hinterher an den Beweisen
+ergiebt, daß man wohlgethan habe, gerade diese Linien zu ziehen, und
+dann in den Beweisen selbst, mit der Vergleichung dieser Linien oder
+Winkel anzufangen; für sich an diesem Linienziehen oder Vergleichen
+begreift es sich nicht. So ist vorhin der Grund, warum in der reinen
+Wissenschaft vom reinen Seyn angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst
+angegeben worden. Dieß reine Seyn ist die Einheit, in die das reine
+Wissen zurückgeht, oder wenn dieses selbst noch als Form von seiner
+Einheit unterschieden gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt
+desselben. Dieß ist die Seite, nach welcher dieß reine Seyn, dieß
+Absolut-Unmittelbare, ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muß
+ebenso wesentlich nur in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu
+seyn, genommen werden, eben weil es hier als der Anfang ist. Insofern
+es nicht diese reinen Unbestimmtheit, insofern es bestimmt wäre, würde
+es als Vermitteltes, schon weiter Geführtes, genommen; ein Bestimmtes
+enthält ein Anderes zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur des
+Anfangs selbst, daß er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf daher
+keiner sonstigen Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen,
+noch anderweitiger Reflexionen und Anknüpfungspunkte.
+
+Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich auch
+keine nähere Bestimmung oder ein positiver Inhalt für denselben
+genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die Sache
+selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend eine
+angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen giebt nur
+diese negative Bestimmung, daß er der abstrakte Anfang seyn soll.
+Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen wird, so
+hat dieses von seinem Inhalte zurückzutreten, ihn für sich selbst
+gewähren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.—Oder indem das reine
+Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen, auf seiner
+höchsten Spitze der Einigung mit dem Objekte, zusammengefallen, so ist
+das Wissen in diese Einheit verschwunden, und hat keinen Unterschied
+von ihr und somit keine Bestimmung für sich übrig gelassen.—Auch sonst
+ist nicht Etwas, oder irgend ein Inhalt vorhanden, der gebracht werden
+könnte, um damit den bestimmteren Anfang zu machen.
+
+Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns
+könnte weggelassen werden, so daß nur gefordert würde, daß ein reiner
+Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang selbst,
+und es wäre zu sehen, was er ist.—Diese Stellung könnte zugleich als
+ein Vorschlag zur Güte an diejenigen gemacht werden, welche Theils
+damit, daß mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen Reflexionen es
+sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem Erfolge, den das
+Seyn hat, in das Nichts überzugehn,—Theils überhaupt nicht anders
+wissen, als daß in einer Wissenschaft mit der Voraussetzung einer
+Vorstellung angefangen werde,—einer Vorstellung, welche hierauf
+analysirt werde, so daß nun das Ergebniß solcher Analyse den ersten
+bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe. Indem wir auch dieß
+Verfahren beobachteten, so hätten wir keinen besondern Gegenstand, weil
+der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt, ganz allgemein, ganz Form
+ohne allen Inhalt seyn soll; wir hätten somit gar nichts, als die
+Vorstellung von einem bloßen Anfang als solchem. Es ist also nur zu
+sehen, was wir in dieser Vorstellung haben.
+
+Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das
+reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; das Seyn
+ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthält also
+Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; —oder ist
+Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich Nichtseyn ist.
+
+Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden; denn
+er weißt auf etwas Anderes hin;—er ist ein Nichtseyn, das auf das Seyn
+als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch nicht; es geht
+erst dem Seyn zu. Der Anfang enthält also das Seyn als ein solches, das
+sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt, als ein ihm
+Entgegengesetztes.
+
+Ferner aber ist das, was anfängt, schon, eben so sehr aber ist es auch
+noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also in ihm
+in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre ununterschiedene
+Einheit.
+
+Die Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seyns
+und des Nichtseyns,—oder in reflektirterer Form, der Einheit des
+Unterschieden—und des Nichtunterschiedenseyns,—oder der Identität der
+Identität und Nichtidentität. Dieser Begriff könnte als die erste,
+reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen
+werden;—wie er dieß in der That seyn würde, wenn es überhaupt um die
+Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun wäre. In
+diesem Sinne würden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so alle
+weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und reichere
+Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit dem Seyn als
+Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts übergeht, und
+daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, mögen zusehen, ob sie
+mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des Anfangs anfängt, und
+mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird, aber gleichfalls auf die
+Einheit des Seyns und Nichts führt, zufriedener seyn mögen, als damit,
+daß das Seyn zum Anfange gemacht wird.
+
+Es ist aber noch einen weitere Betrachtung über dieses Verfahren zu
+machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt
+voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren
+worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise an,
+daß jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin ungefähr
+dieselben Bestimmungen finden möge, die sie durch Analyse, Vergleichung
+und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther beibringen und
+angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht, muß gleichfalls ein
+sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes, somit in sich
+mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung, die es in sich
+ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit als etwas
+Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie ist nur
+Beziehung als von Unterschiedenen, enthält somit die Vermittelung in
+sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufälligkeit und Willkür der
+Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche Bestimmungen
+herausgebracht werden, hängt von dem ab, was jeder in seiner
+unmittelbaren zufälligen Vorstellung vorfindet. Die in einem Konkreten,
+einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine nothwendige
+nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die eigenen Bewegung
+der Momente, in diese Einheit zurück zu gehen, hervorgebracht ist;—eine
+Bewegung, die das Gegentheil des analytischen Verfahrens ist, eines der
+Sache selbst äußerlichen, in das Subjekt fallenden Thuns.
+
+Hierin ist auch das Nähere enthalten, daß das, womit der Anfang zu
+machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das eine
+Beziehung innerhalb seiner selbst enthält. Denn ein solches setzt ein
+Vermitteln und Herübergehen von einem Ersten zu einem Anderen innerhalb
+seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete das Resultat wäre.
+Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein Erstes und ein Anders seyn;
+ein solches das ein Erstes und ein Anderes in sich ist, enthält bereits
+ein Fortgegangenseyn. Was den Anfang macht, der Anfang selbst, ist
+daher als ein Nichtanalysirbares, in seiner einfachen unerfüllten
+Unmittelbarkeit, also als Seyn, als das ganz Leere zu nehmen.
+
+Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs ungeduldig,
+sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern
+geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes leere Seyn;
+denn was die Sache sey, dieß ist es, was sich eben erst im Verlaufe der
+Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt vorausgesetzt
+werden kann.
+
+Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben, als
+das leere Seyn, so leidet er an den angeführten Mängeln. Diejenigen,
+welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, mögen sich zu der
+Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese Mängel zu
+vermeiden.
+
+Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwähnt
+gelassen werden, der sich in neuerer Zeit berühmt gemacht hat, der
+Anfang mit dem Ich. Er kam Theils aus der Reflexion, daß aus dem ersten
+Wahren alles Folgende abgeleitet werden müsse, Theils aus dem
+Bedürfnisse, daß das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein
+unmittelbar Gewisses sey. Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht eine
+solche Vorstellung, die zufällig ist, und in einem Subjekte so, in
+einem andern anders, beschaffen seyn kann. Denn Ich, dieß unmittelbare
+Selbstbewußtseyn, erscheint zunächst selbst Theils als ein
+Unmittelbares, Theils als ein in einem viel höhern Sinne Bekanntes, als
+eine sonstige Vorstellung; etwas sonst Bekanntes gehört zwar dem Ich
+an, aber ist noch ein von ihm unterschiedener, damit sogleich
+zufälliger Inhalt; Ich hingegen ist die einfache Gewißheit seiner
+selbst. Aber Ich überhaupt ist auch zugleich ein Konkretes, oder Ich
+ist vielmehr das Konkreteste,—das Bewußtseyn seiner, als unendlich
+mannigfaltiger Welt. Daß Ich Anfang und Grund der Philosophie sey, dazu
+wird die Absonderung dieses Konkreten erfordert,—der absolute Akt,
+wodurch Ich von sich selbst gereinigt wird, und als abstraktes Ich in
+sein Bewußtseyn tritt. Allein dieß reine Ich ist nun nicht ein
+unmittelbares, noch das bekannte, das gewöhnliche Ich unsers
+Bewußtseyns, woran unmittelbar und für jede die Wissenschaft angeknüpft
+werden sollte. Jener Akt wäre eigentlich nichts Anderes, als die
+Erhebung auf den Standpunkt des reinen Wissens, auf welchem der
+Unterschied des Subjektiven und Objektiven verschwunden ist. Aber wie
+diese Erhebung so unmittelbar gefordert ist, ist sie ein subjektives
+Postulat; um als wahrhafte Forderung sich zu erweisen, müßte die
+Fortbewegung des konkreten Ichs vom unmittelbaren Bewußtseyn zum reinen
+Wissen an ihm selbst, durch seine eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und
+dargestellt worden seyn. Ohne diese objektive Bewegung erscheint das
+reine Wissen, auch als die intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein
+willkürlicher Standpunkt, oder selbst als einer der empirischen
+Zustände des Bewußtseyns, in Rücksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn
+der Eine in sich vorfinde oder hervorbringen könne, ein Anderer aber
+nicht. Insofern aber dieß reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn
+muß, und das reine Wissen aber nur durch den absoluten Akt der
+Selbsterhebung im individuellen Bewußtseyn gesetzt wird, und nicht
+unmittelbar in ihm vorhanden ist, geht gerade der Vortheil verloren,
+der aus diesem Anfange der Philosophie entspringen soll, daß er nämlich
+etwas schlechthin Bekanntes sey, was jeder unmittelbar in sich finde,
+und daran die weitere Reflexion anknüpfen könne; jenes reine Ich ist
+vielmehr in seiner abstrakten Wesenheit, etwas dem gewöhnlichen
+Bewußtseyn Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet. Damit
+tritt vielmehr der Nachtheil der Täuschung ein, daß von etwas
+Bekanntem, dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die Rede seyn
+solle, indem in der That von etwas diesem Bewußtseyn Fernem die Rede
+ist. Die Bestimmung des reinen Wissens als Ich, führt die fortdauernde
+Rückerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen Schranken
+vergessen werden sollen, und erhält die Vorstellung gegenwärtig, als ob
+die Sätze und Verhältnisse, die sich in der weitern Entwickelung vom
+Ich ergeben, im gewöhnlichen Bewußtseyn, da es ja das sey, von dem sie
+behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden können. Diese
+Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit vielmehr nur eine um
+so grellere Verwirrung und gänzliche Desorientirung hervor; nach Außen
+hat sie vollends die gröbsten Mißverständnisse veranlaßt.
+
+Was ferner die subjektive Bestimmtheit des Ich überhaupt betrifft, so
+benimmt wohl das reine Wissen dem Ich seine beschränkte Bedeutung, an
+einem Objekte seinen unüberwindlichen Gegensatz zu haben. Aus diesem
+Grunde wäre es aber wenigstens überflüssig, noch diese subjektive
+Haltung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten.
+Allein diese Bestimmung führt nicht nur jene störende Zweideutigkeit
+mit sich, sondern sie bleibt auch, näher betrachtet, ein subjektives
+Ich. Die wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich ausgeht,
+zeigt es, daß das Objekt darin die perennirende Bestimmung eines
+Anderen für das Ich hat und behält, daß also das Ich, von dem
+ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des
+Bewußtseyns in Wahrheit überwunden hat, sondern noch in der Erscheinung
+befangen ist.
+
+Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, daß wenn an
+sich wohl Ich als das reinen Wissen oder als intellektuelle Anschauung
+bestimmt und als Anfang behauptet werden könnte, daß es in der
+Wissenschaft nicht um das zu thun ist, was an sich oder innerlich
+vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und um
+die Bestimmtheit, die ein solches in diesem Daseyn hat. Was aber von
+der intellektuellen Anschauung—oder wenn ihr Gegenstand das Ewige, das
+Göttliche, das Absolute genannt wird,—was vom Ewigen oder Absoluten im
+Anfange der Wissenschaft da ist, dieß kann nichts Anderes seyn, als
+erste, unmittelbare, einfache Bestimmung. Welcher reichere Name ihm
+gegeben werde, als das bloße Seyn ausdrückt, so kann nur in Betracht
+kommen, wie solches Absolute in das denkende Wissen und in das
+Aussprechen dieses Wissens eintritt. Die intellektuelle Anschauung ist
+wohl die gewaltsame Zurückweisung des Vermittelns und der beweisenden,
+äußerlichen Reflexion. Was sie aber mehr ausspricht, als einfache
+Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein in sich verschiedene
+Bestimmungen Enthaltendes. Das Aussprechen und die Darstellung eines
+solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine vermittelnde Bewegung, die
+von einer der Bestimmungen anfängt, und zu der anderen fortgeht, wenn
+diese auch zur ersten zurückgeht;—es ist eine Bewegung, die zugleich
+nicht willkürlich oder assertorisch seyn darf. Von was daher in solcher
+Darstellung angefangen wird, ist nicht das Konkrete selbst, sondern nur
+das einfache Unmittelbare, von dem die Bewegung ausgeht. Außerdem
+fehlt, wenn ein Konkretes zum Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen
+die Verbindung der im Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf.
+
+Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das
+unbestrittenste Recht hätte Gott, daß mit ihm der Anfang gemacht
+werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im
+reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes,
+nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so
+reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst
+hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als
+der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im
+Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem
+Anderen. Was somit über das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn
+soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott,
+dieß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; dieß Einfache, das
+sonst keine weitere Bedeutung hat, dieß Leere ist also schlechthin der
+Anfang der Philosophie.
+
+Diese Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser Anfang als solcher,
+keiner Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese
+Vorläufigkeit von Raisonnement über ihn konnte nicht die Absicht haben,
+ihn herbeizuführen, als vielmehr alle Vorläufigkeit zu entfernen.
+
+Allgemeine Eintheilung des Seyns
+
+Das Seyn ist zuerst gegen Anderes überhaupt bestimmt;
+
+Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend;
+
+Drittens, indem diese Vorläufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist,
+ist es die abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es der
+Anfang seyn muß.
+
+Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab,
+indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalität nur als Eine
+Sphäre des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere Sphäre
+gegenüberstellt.
+
+Nach der zweiten ist es die Sphäre, innerhalb welcher die Bestimmungen
+und die ganze Bewegung seiner Reflexion fällt. Das Seyn wird sich darin
+in den drei Bestimmungen setzen:
+
+I. als Bestimmtheit; als solche, Qualität;
+
+II. als aufgehobene Bestimmtheit; Größe, Quantität;
+
+III. als qualitativ bestimmte Quantität; Maaß.
+
+Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen
+Eintheilungen überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung;
+ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu
+entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen. Über die
+Abweichung dieser Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der
+Kategorien, nämlich als Quantität, Qualität, Relation und Modalität,
+was übrigens bei Kant nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen,
+in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,—ist hier
+nichts zu erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von der
+gewöhnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende zeigen
+wird.
+
+Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der
+Quantität von der Qualität aufgeführt wird,—und dieß—wie das
+Meiste—ohne weiteren Grund. Es ist bereits gezeigt worden, daß der
+Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem qualitativen
+Seyn. Aus der Vergleichung der Qualität mit der Quantität erhellt
+leicht, daß jene die der Natur nach erste ist. Denn die Quantität ist
+die schon negativ gewordenen Qualität; die Größe ist die Bestimmtheit,
+die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern schon von ihm unterschieden,
+die aufgehobene, gleichgültig gewordenen Qualität ist. Sie schließt die
+Veränderlichkeit des Seyns ein, ohne daß die Sache selbst, das Seyn,
+dessen Bestimmung sie ist, durch sie verändert werde; da hingegen die
+qualitative Bestimmtheit mit ihrem Seyn Eins ist, nicht darüber
+hinausgeht, noch innerhalb desselben steht, sondern dessen unmittelbare
+Beschränktheit ist. Die Qualität ist daher, als die unmittelbare
+Bestimmtheit die erste und mit ihr der Anfang zu machen.
+
+Das Maaß ist eine Relation, aber nicht die Relation überhaupt, sondern
+bestimmt der Qualität und Quantität zu einander; die Kategorien, die
+Kant unter der Relation befaßt, werden ganz anderwärts ihre Stelle
+nehmen. Das Maaß kann auch für eine Modalität, wenn man will, angesehen
+werden; aber indem bei Kant diese nicht mehr eine Bestimmung des
+Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung desselben auf das Denken,
+auf das Subjektive, angehen soll, so ist dieß eine ganz heterogene,
+hierher nicht gehörige Beziehung.
+
+Die dritte Bestimmung des Seyns fällt innerhalb des Abschnittes, der
+Qualität, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer
+einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphäre
+herabsetzt.
+
+
+
+
+Erster Abschnitt. Bestimmtheit (Qualität).
+
+
+Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der
+Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb
+seiner selbst erhalten kann. Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn, wie
+es unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist, ist es
+qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der
+Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative
+zu. Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches
+gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine Qualität
+aus. Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich bestimmtes,
+und hiermit
+
+Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses
+als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des
+Seyns auf sich selbst,
+
+Drittens in das Fürsichseyn übergeht.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Seyn.
+
+A. Seyn.
+
+Seyn, reines Seyn,—ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten
+Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch nicht ungleich
+gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach
+Außen. Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt, der in ihm
+unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem Anderen
+gesetzt würde, würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten. Es ist
+die reine Unbestimmtheit und Leere.—Es ist nichts in ihm anzuschauen,
+wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es ist nur dieß
+reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig etwas in ihm zu
+denken, oder es ist ebenso nur dieß leere Denken. Das Seyn, das
+unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und nicht mehr noch
+weniger als Nichts.
+
+B. Nichts.
+
+Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
+vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit;
+Ununterschiedenheit in ihm selbst.—Insofern Anschauen oder Denken hier
+erwähnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas oder
+nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts Anschauen oder Denken hat
+also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist (existirt)
+Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist es das leere
+Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere Anschauen oder Denken,
+als das reine Seyn.—Nichts ist somit dieselbe Bestimmung oder vielmehr
+Bestimmungslosigkeit, und damit überhaupt dasselbe, was das reine Seyn
+ist.
+
+C. Werden.
+
+1. Einheit des Seyns und Nichts.
+
+Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit
+ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das Seyn in
+Nichts, und das Nichts in Seyn,—nicht übergeht,—sondern übergegangen
+ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit,
+sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber
+ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und unmittelbar jedes in seinem
+Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des
+unmittelbaren Verschwindens des einen in dem andern; das Werden; eine
+Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied,
+der sich eben so unmittelbar aufgelöst hat.
+
+Anmerkung 1.
+
+Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist schon
+ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas unterscheidet; so
+ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts, das Nichts von
+irgend Etwas, ein bestimmtes Nichts.
+
+Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen.
+—Wollte man es für richtiger halten, daß statt des Nichts dem Seyn das
+Nichtseyn entgegengesetzt würde, so wäre in Rücksicht auf das Resultat
+nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung auf das
+Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation desselben, in
+Einem ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist. Aber es ist
+zunächst nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i. zugleich der
+Beziehung zu thun, sondern um die abstrakte, unmittelbare Negation, das
+Nichts rein für sich, die beziehungslose Verneinung,—was man, wenn man
+will, auch durch das bloße: Nicht ausdrücken könnte.
+
+Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst,
+vorzüglich Parmenides als das Absolute und als einzige Wahrheit, und in
+den übergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen Begeisterung des
+Denkens, das zum ersten Male sich in seiner absoluten Abstraktion
+erfaßt, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und das Nichts ist gar
+nicht.—In orientalischen Systemen, wesentlich im Buddaismus ist
+bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute Princip.—Der
+tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und einseitige Abstraktion
+den höheren totalen Begriff des Werdens hervor, und sagte: das Seyn ist
+so wenig, als das Nichts, oder auch Alles fließt, das heißt, Alles ist
+Werden.—Die populären, besonders orientalischen Sprüche, daß alles, was
+ist, den Keim seines Vergehens in seiner Geburt selbst habe, der Tod
+umgekehrt der Eingang in neues Leben sey, drücken im Grunde dieselbe
+Einigung des Seyns und Nichts aus. Aber diese Ausdrücke haben ein
+Substrat, an dem der Übergang geschieht; Seyn und Nichts werden in der
+Zeit auseinander gehalten, als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht
+aber in ihrer Abstraktion gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an
+und für sich dasselbe sind.
+
+Ex nihilo nihil fit—ist einer der Sätze, denen in der Metaphysik große
+Bedeutung zugeschrieben wurde. Es ist darin entweder nur die gehaltlose
+Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das Werden wirkliche
+Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem nur Nichts aus
+Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden, denn Nichts
+bleibt darin Nichts. Das Werden enthält, daß Nichts nicht Nichts
+bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn übergehe. —Wenn die
+spätere vornehmlich christliche Metaphysik den Satz, aus Nichts werde
+Nichts, verwarf, so behauptete sie einen Übergang von Nichts in Seyn;
+so synthetisch oder bloß vorstellend sie auch diesen Satz nahm, so ist
+doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein Punkt enthalten,
+worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre Unterschiedenheit
+verschwindet.—Seine eigentliche Wichtigkeit hat der Satz: Aus Nichts
+wird Nichts, Nichts ist eben Nichts, durch seinen Gegensatz gegen das
+Werden überhaupt und damit auch gegen die Erschaffung der Welt aus
+Nichts. Diejenigen, welche den Satz: Nichts ist eben Nichts, sogar sich
+dafür ereifernd, behaupten, sind bewußtlos darüber, daß sie damit dem
+abstrakten Pantheismus der Eleaten, der Sache nach auch dem
+spinozistischen, beipflichten. Die philosophische Ansicht, welcher:
+Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur Nichts, als Princip gilt, verdient
+den Namen Identitätssystem; diese abstrakte Identität ist das Wesen des
+Pantheismus.
+
+Wenn das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, für sich auffällt
+oder paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten; es wäre
+sich vielmehr über jene Verwunderung zu verwundern, die sich so neu in
+der Philosophie zeigt und vergißt, daß in dieser Wissenschaft ganz
+andere Bestimmungen vorkommen, als im gewöhnlichen Bewußtseyn und im
+sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht gerade der gesunde,
+sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem Glauben oder vielmehr
+Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete Verstand ist. Es wäre
+nicht schwer, diese Einheit von Seyn und Nichts, in jedem Beispiele, in
+jedem Wirklichen oder Gedanken aufzuzeigen. Es muß dasselbe, was oben
+von der Unmittelbarkeit und Vermittelung, (welche letztere eine
+Beziehung aufeinander, damit Negation enthält), vom Seyn und Nichts
+gesagt werden, daß es nirgend im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was
+nicht beides Seyn und Nichts in sich enthielte. Freilich da hierbei von
+einem irgend Etwas und Wirklichem die Rede wird, so sind darin jene
+Bestimmungen nicht mehr in der vollkommenen Unwahrheit, in der sie als
+Seyn und Nichts sind, vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung,
+und werden z.B. als Positives und Negatives aufgefaßt, jenes das
+gesetzte, reflektirte Seyn, dieses das gesetzte, reflektirte Nichts;
+aber Positives und Negatives enthalten jenes das Seyn, dieses das
+Nichts als ihre abstrakte Grundlage.—So in Gott selbst enthält die
+Qualität, Thätigkeit, Schöpfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung
+des Negativen,—sie sind ein Hervorbringen eines Anderen. Aber eine
+empirische Erläuterung von jener Behauptung durch Beispiele wäre hier
+ganz und gar überflüssig. Da nunmehr diese Einheit von Seyn und Nichts
+als erste Wahrheit ein für allemal zu Grunde liegt, und das Element von
+allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst, alle
+ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualität, überhaupt alle
+Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit.—Aber der sich so
+nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den Versuch
+hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns und Nichts
+verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin eins vom andern
+(Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche, Gott, wie so eben
+erwähnt, von Thätigkeit) getrennt zu finden sey. Nur die leeren
+Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese Getrennte, und sie
+sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit beider, die allenthalben
+vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen werden.
+
+Man kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche
+sich das gewöhnliche Bewußtseyn bei einem solchen logischen Satze
+versetzt, nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind
+unerschöpflich. Es können nur einige erwähnt werden. Ein Grund solcher
+Verwirrung ist unter andern, daß das Bewußtseyn zu solchem abstrakten
+logischen Satze Vorstellungen von einem konkreten Etwas mitbringt und
+vergißt, daß von einem solchen nicht die Rede ist, sondern nur von den
+reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts, und daß diese allein
+festzuhalten sind.
+
+Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es dasselbe, ob ich bin oder
+nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert Thaler
+in meinem Vermögenszustand sind oder nicht.—Dieser Schluß oder
+Anwendung jenes Satzes verändert dessen Sinn vollkommen. Der Satz
+enthält die reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts; die Anwendung
+aber macht ein bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus. Allein vom
+bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Ein bestimmtes,
+ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf anderes bezieht; es
+ist ein Inhalt, der im Verhältnisse der Nothwendigkeit mit anderem
+Inhalte, mit der ganzen Welt, steht. In Rücksicht des
+wechselbestimmenden Zusammenhangs des Ganzen konnte die Metaphysik
+die—im Grunde tautologische—Behauptung machen, daß wenn ein Stäubchen
+zerstört würde, das ganze Universum zusammenstürzte. In den Instanzen,
+die gegen den in Rede stehenden Satz gemacht werden, erscheint etwas
+als nicht gleichgültig, ob es sey oder nicht sey, nicht um des Seyns
+oder Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts willen, der es mit
+anderem zusammenhängt. Wenn ein bestimmter Inhalt, irgend ein
+bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist dieß Daseyn, weil es
+bestimmtes ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen Inhalt; es ist
+für dasselbe nicht gleichgültig, ob ein gewisser anderer Inhalt, mit
+dem es in Beziehung steht, ist oder nicht ist; denn nur durch solche
+Beziehung ist es wesentlich das, was es ist. Dasselbe ist der Fall in
+dem Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in dem bestimmteren Sinne des
+Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen), in dessen Zusammenhange das
+Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts, der als bestimmt mit anderem
+in Beziehung vorgestellt wird, nicht gleichgültig ist.—Diese
+Betrachtung enthält dasselbe, was ein Hauptmoment in der Kantischen
+Kritik des ontologischen Beweises vom Daseyn Gottes ausmacht, auf
+welche jedoch hier nur im Betreff des in ihr vorkommenden Unterschieds
+von Seyn und Nichts überhaupt und von bestimmtem Seyn oder Nichtseyn
+Rücksicht genommen wird.—Bekanntlich wurde in jenem sogenannten Beweise
+der Begriff eines Wesens vorausgesetzt, dem alle Realitäten zukommen,
+somit auch die Existenz, die gleichfalls als eine der Realitäten
+angenommen wurde. Die Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran,
+daß die Existenz oder das Seyn (was hier für gleichbedeutend gilt)
+keine Eigenschaft oder kein reales Prädikat sey, das heiße, nicht ein
+Begriff von etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen
+könne.[6]—Kant will damit sagen, daß Seyn keine Inhaltsbestimmung
+sey.—Also enthalte, fährt er fort, das Mögliche nicht mehr als das
+Wirkliche; hundert wirkliche Thaler enthalten nicht das Mindeste mehr,
+als hundert mögliche;—nämlich jene haben keine andere Inhaltsbestimmung
+als diese. Für diesen als isolirt betrachteten Inhalt ist es in der
+That gleichgültig, zu seyn oder nicht zu seyn; es liegt in ihm kein
+Unterschied des Seyns oder Nichtseyns, dieser Unterschied berührt ihn
+überhaupt gar nicht; die hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie
+nicht sind, und nicht mehr, wenn sie sind. Ein Unterschied muß erst
+anderswoher kommen. —"Hingegen, erinnert Kant, in meinem
+Vermögenszustande ist mehr bei hundert wirklichen Thalern, als bei dem
+bloßen Begriff derselben, oder bei ihrer Möglichkeit. Denn der
+Gegenstand ist bei der Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriff
+analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine
+Bestimmung meines Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch
+dieses Seyn außer meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler
+selbst im mindesten vermehrt würden."
+
+ [6] Kants Kritik der r. Vern. 2te Aufl. S. 628ff.
+
+
+Es werden hier zweierlei Zustände, um bei den Kantischen Ausdrücken,
+die nicht ohne verworrene Schwerfälligkeit sind, zu bleiben,
+vorausgesetzt, der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die
+Vorstellung zu verstehen ist, und ein anderer, der Vermögenszustand.
+Für den einen wie für den andern, das Vermögen wie das Vorstellen, sind
+hundert Thaler eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem
+solchen, wie Kant sich ausdrückt, synthetisch hinzu;" Ich als Besitzer
+von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder auch ich
+als mir hundert Thaler vorstellend, oder sie nicht vorstellend, ist
+allerdings ein verschiedener Inhalt. Allgemeiner gefaßt: Die
+Abstraktionen von Seyn und Nichts hören beide auf, Abstraktionen zu
+seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten; Seyn ist dann
+Realität, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts Negation, das
+bestimmte Nichtseyn von denselben. Diese Inhaltsbestimmtheit selbst,
+die hundert Thaler, auch abstrakt für sich gefaßt, ist in dem einen
+unverändert dasselbe, was in dem andern. Indem aber ferner das Seyn als
+Vermögens-Zustand genommen wird, treten die hundert Thaler in Beziehung
+zu einem Zustand, und für diesen ist solche Bestimmtheit, die sie sind,
+nicht gleichgültig; ihr Seyn oder Nichtseyn ist nur Veränderung; sie
+sind in die Sphäre des Daseyns versetzt. Wenn daher gegen die Einheit
+des Seyns und Nichts urgirt wird, es sey doch nicht gleichgültig, ob
+dieß und jenes (die Thaler) sey oder nicht sey, so ist es eine
+Täuschung, daß wir den Unterschied bloß aufs Seyn und Nichtseyn
+hinausschieben, ob ich die hundert Thaler habe oder nicht habe—eine
+Täuschung, die wie gezeigt, auf der einseitigen Abstraktion beruht,
+welche das bestimmte Daseyn, das in solchen Beispielen vorhanden ist,
+wegläßt und bloß das Seyn und Nichtseyn festhält; wie sie umgekehrt das
+abstrakte Seyn und Nichts, das aufgefaßt werden soll, in ein bestimmtes
+Seyn und Nichts, in ein Daseyn, verwandelt. Erst das Daseyn enthält den
+realen Unterschied von Seyn und Nichts, nämlich ein Etwas und ein
+Anderes. —Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt
+des abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten
+Unterschiede.
+
+Wie Kant sich ausdrückt, so kommt "durch die Existenz etwas in den
+Kontext der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen
+Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem Gegenstande
+wird dadurch nicht vermehrt."
+
+Dieß heißt, wie aus dem Erläuterten hervorgeht, so viel, durch die
+Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es in
+dem Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem
+Wahrnehmenden.—"Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde nicht
+durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heißt hier die vorhin
+bemerkten isolirt vorgestellten hundert Thaler. In dieser isolirten
+Weise sind sie zwar ein empirischer Inhalt, aber abgeschnitten, ohne
+Zusammenhang und Bestimmtheit gegen Anderes; die Form der Identität mit
+sich benimmt ihnen die Beziehung auf anderes und macht sie
+gleichgültig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht. Aber dieser
+sogenannte Begriff der hundert Thaler ist ein falscher Begriff, die
+Form der einfachen Beziehung auf sich gehört solchem begränzten,
+endlichen Inhalt nicht selbst; es ist eine ihm vom subjektiven
+Verstande angethane und geliehene Form; hundert Thaler sind nicht ein
+sich auf sich Beziehendes, sondern ein Veränderliches und
+Vergängliches.
+
+Das Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn,
+vorschwebt, ist zu dem erwähnten Anfange der Wissenschaft zurück zu
+weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit
+auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn als
+solchen, geläutert und erhoben, und damit das Element der Wissenschaft
+erschaffen hat.—Was das Erste in der Wissenschaft ist, hat sich müssen
+geschichtlich als das Erste zeigen. Und das Eleatische Eine oder Seyn
+haben wir für das Erste des Wissens vom Gedanken anzusehen; das Wasser
+und dergleichen materielle Principien sollen wohl das Allgemeine seyn,
+aber sind als Materien nicht reine Gedanken; die Zahlen sind weder der
+erste einfache noch der bei sich bleibende, sondern der sich selbst
+ganz äußerliche Gedanke.
+
+Die Zurückweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen in
+seiner ganz abstrakten Allgemeinheit ist wie als die allererste
+theoretische so auch sogar praktische Forderung anzusehen. Wenn nämlich
+ein Aufhebens von den hundert Thalern gemacht wird, daß es in meinem
+Vermögenszustand einen Unterschied mache, ob ich sie habe oder nicht,
+noch mehr ob Ich sey oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so
+kann—ohne zu erwähnen, daß es Vermögenszustände geben wird, für die
+solcher Besitz von hundert Thalern gleichgültig seyn wird,—daran
+erinnert werden, daß der Mensch sich zu dieser abstrakten Allgemeinheit
+in seiner Gesinnung erheben soll, in welcher es ihm in der That
+gleichgültig sey, ob die hundert Thaler, sie mögen ein quantitatives
+Verhältniß zu seinem Vermögenszustand haben, welches sie wollen, seyen
+oder ob sie nicht seyen, ebenso sehr als es ihm gleichgültig sey, ob er
+sey oder nicht, d. i. im endlichen Leben sey oder nicht (denn ein
+Zustand, bestimmtes Seyn ist gemeint) u.s.f. —selbst si fractus
+illabatur orbis, impavidum ferient ruinae, hat ein Römer gesagt, und
+der Christ soll sich noch mehr in dieser Gleichgültigkeit befinden.
+
+Es ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die
+Erhebung über die hundert Thaler und die endlichen Dinge überhaupt mit
+dem ontologischen Beweise und der angeführten kantischen Kritik
+desselben steht. Diese Kritik hat sich durch ihr populäres Beispiel
+allgemein plausibel gemacht; wer weiß nicht, daß hundert wirkliche
+Thaler verschieden sind von hundert bloß möglichen Thalern? daß sie
+einen Unterschied in meinem Vermögenszustand ausmachen? Weil sich so an
+den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der
+Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Möglichkeit, und das
+Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von seinem
+Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Möglichkeit der hundert
+Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig kann ich aus
+dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus diesem
+Herausklauben aber der Existenz Gottes aus seinem Begriffe soll der
+ontologische Beweis bestehen. Wenn es nun allerdings seine Richtigkeit
+hat, daß Begriff vom Seyn verschieden ist, so ist noch mehr Gott
+verschieden von den hundert Thalern und den anderen endlichen Dingen.
+Es ist die Definition der endlichen Dinge, daß in ihnen Begriff und
+Seyn verschieden, Begriff und Realität, Seele und Leib, trennbar, sie
+damit vergänglich und sterblich sind; die abstrakte Definition Gottes
+ist dagegen eben dieß, daß sein Begriff und sein Seyn ungetrennt und
+untrennbar sind. Die wahrhafte Kritik der Kategorien und der Vernunft
+ist gerade diese, das Erkennen über diesen Unterschied zu verständigen
+und dasselbe abzuhalten, die Bestimmungen und Verhältnisse des
+Endlichen auf Gott anzuwenden.
+
+Anmerkung 2.
+
+Es ist weiter ein anderer Grund anzuführen, welcher zu dem Widerwillen
+gegen den Satz über Seyn und Nichts behülflich ist; dieser Grund ist,
+daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der Betrachtung des Seyns
+und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn und Nichts ist eins und
+dasselbe, unvollkommen ist. Der Accent wird vorzugsweise auf das Eins-
+und dasselbe-seyn gelegt, wie im Urtheile überhaupt, als in welchem das
+Prädikat erst es aussagt, was das Subjekt ist. Der Sinn scheint daher
+zu seyn, daß der Unterschied geläugnet werde, der doch zugleich im
+Satze unmittelbar vorkommt; denn er spricht die beiden Bestimmungen,
+Seyn und Nichts, aus, und enthält sie als unterschiedene.—Es kann
+zugleich nicht gemeint seyn, daß von ihnen abstrahirt und nur die
+Einheit festgehalten werden soll. Dieser Sinn gäbe sich selbst für
+einseitig, da das, wovon abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze
+vorhanden ist und genannt wird.—Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts
+ist dasselbe, die Identität dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der
+That ebenso sie beide als unterschieden enthält, widerspricht er sich
+in sich selbst und löst sich auf. Halten wir dieß näher fest, so ist
+also hier ein Satz gesetzt, der näher betrachtet, die Bewegung hat,
+durch sich selbst zu verschwinden. Damit aber, geschieht an ihm selbst
+das, was seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nämlich das Werden.
+
+Der Satz enthält somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst. Der
+Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der Mangel,
+daß das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrückt ist; es ist eine
+äußere Reflexion, welche es in ihm erkennt.—Es muß hierüber sogleich im
+Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, daß der Satz, in
+Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative Wahrheiten
+auszudrücken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande wäre geeignet,
+viele Mißverständnisse spekulativer Wahrheiten zu beseitigen. Das
+Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat; es
+wird dabei davon abstrahirt, daß das Subjekt noch mehrere
+Bestimmtheiten hat als die des Prädikats, so wie davon, daß das
+Prädikat weiter ist als das Subjekt. Ist nun aber der Inhalt
+spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und Prädikats
+wesentliches Moment, aber dieß ist im Urtheile nicht ausgedrückt. Das
+paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der neueren Philosophie den
+mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten erscheint, fällt
+vielfältig in die Form des einfachen Urtheils, wenn sie für den
+Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird.
+
+Der Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudrücken,
+zunächst so ergänzt, daß der entgegengesetzte Satz hinzugefügt wird,
+der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe, der oben gleichfalls
+ausgesprochen ist. Allein so entsteht der weitere Mangel, daß diese
+Sätze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der Antinomie
+darstellen, während doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe bezieht,
+und die Bestimmungen, die in den zwei Sätzen ausgedrückt sind,
+schlechthin vereinigt seyn sollen,—eine Vereinigung, welche dann nur
+als eine Unruhe zugleich unverträglicher, als eine Bewegung
+ausgesprochen werden kann. Das gewöhnlichste Unrecht, welches
+spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d. i.
+den einen der Sätze nur, in die er aufgelöst werden kann, heraus zu
+heben. Es kann dann nicht geläugnet werden, daß dieser Satz behauptet
+wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn wenn einmal
+Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so müßte wenigstens ebenso
+sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben werden.—Es ist
+hierbei noch das so zu sagen unglückliche Wort: Einheit besonders zu
+erwähnen; die Einheit bezeichnet noch mehr als die Identität eine
+subjektive Reflexion; sie wird vornehmlich als die Beziehung genommen,
+welche aus der Vergleichung, der äußerlichen Reflexion, entspringt.
+Insofern diese in zwei verschiedenen Gegenständen dasselbe findet, ist
+eine Einheit so vorhanden, daß dabei die vollkommene Gleichgültigkeit
+der Gegenstände selbst, die verglichen werden, gegen diese Einheit
+vorausgesetzt wird, so daß dieß Vergleichen und die Einheit die
+Gegenstände selbst nichts angeht, und ein ihnen äußerliches Thun und
+Bestimmen ist. Die Einheit drückt daher die ganz abstrakte
+Dieselbigkeit aus, und lautet um so härter und auffallender, je mehr
+die, von denen sie ausgesprochen wird, sich schlechthin unterschieden
+zeigen. Für Einheit würde daher insofern besser nur Ungetrenntheit und
+Untrennbarkeit gesagt; aber damit ist das Affirmative der Beziehung des
+Ganzen nicht ausgedrückt.
+
+So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das
+Werden, welches nicht bloß die einseitige oder abstrakte Einheit des
+Seyns und Nichts ist. Sondern es besteht in dieser Bewegung, daß das
+reine Seyn unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das
+reine Nichts ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so sehr
+sich aufhebt und nicht ist. Das Resultat behauptet also den Unterschied
+des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur gemeinten.
+
+Man meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das Nichts
+ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied, und es
+scheint nichts leichter, als ihn angeben zu können. Es ist aber eben so
+leicht, sich zu überzeugen, daß dieß unmöglich, daß er unsagbar ist.
+Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts beharren wollen,
+mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht. Hätte Seyn und
+Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich unterschieden, so
+wären sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts,
+nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie es hier noch sind.
+Ihr Unterschied ist daher völlig leer, jedes der beiden ist auf gleiche
+Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht an ihnen selbst, sondern
+nur in einem Dritten, im Meinen. Aber das Meinen ist eine Form des
+Subjektiven, das nicht in diese Reihe der Darstellung gehört. Das
+Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr Bestehen haben, muß auch hier
+vorkommen; und es ist vorgekommen, es ist das Werden. In ihm sind sie
+als unterschiedene; Werden ist nur, insofern sie unterschieden sind.
+Dieß Dritte ist ein Anderes als sie; —sie bestehen nur in einem
+Anderen, dieß heißt gleichfalls, sie bestehen nicht für sich. Das
+Werden ist das Bestehen des Seyns so sehr als des Nichtseyns; oder ihr
+Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem; gerade dieß ihr Bestehen ist es,
+was ihren Unterschied eben so sehr aufhebt.
+
+Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben,
+schließt auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist.
+Die sich dagegen sträuben, das eine wie das andere nur als ein
+Übergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts dieß
+oder das behaupten, mögen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine
+Definition vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, daß sie
+richtig ist. Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft genügt
+zu haben, deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und anwenden,
+sind alle jene Behauptungen über das Seyn und Nichts nur
+Versicherungen, wissenschaftliche Ungültigkeiten. Wenn man sonst gesagt
+hat, die Existenz, insofern man diese zunächst für gleichbedeutend mit
+Seyn hält, sey die Ergänzung zur Möglichkeit, so ist damit eine andere
+Bestimmung, die Möglichkeit, vorausgesetzt, das Seyn nicht in seiner
+Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbstständig, als bedingt
+ausgesprochen. Für das Seyn, welches vermittelt ist, werden wir den
+Ausdruck: Existenz, aufbehalten. Aber man stellt sich wohl das Seyn
+vor—etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die Klarheit
+ungetrübten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und knüpft
+ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche Verschiedenheit. In
+der That aber, wenn man auch dieß Sehen sich genauer vorstellt, so kann
+man leicht gewahr werden, daß man in der absoluten Klarheit so viel und
+so wenig sieht, als in der absoluten Finsterniß, daß das eine Sehen so
+gut als das andere, reines Sehen, Sehen von Nichts ist. Reines Licht
+und reine Finsterniß sind zwei Leeren, welche dasselbe sind. Erst in
+dem bestimmten Lichte—und das Licht wird durch die Finsterniß
+bestimmt,—also im getrübten Lichte, ebenso erst in der bestimmten
+Finsterniß,—und die Finsterniß wird durch das Licht bestimmt,—in der
+erhellten Finsterniß kann etwas unterschieden werden, weil erst das
+getrübte Licht und die erhellte Finsterniß den Unterschied an ihnen
+selbst haben, und damit bestimmtes Seyn, Daseyn, sind.
+
+Anmerkung 3.
+
+Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind, ist
+von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie,
+welches in seiner eigenthümlichsten Form das Werden ist. Übergehen ist
+dasselbe als Werden, nur daß in jenem die beiden, von deren Einem zum
+anderen übergegangen wird, mehr als außereinander ruhend und das
+Übergehen als zwischen ihnen geschehend vorgestellt wird. Wo und Wie
+nun vom Seyn oder Nichts die Rede wird, muß dieses Dritte vorhanden
+seyn; denn jene bestehen nicht für sich, sondern sind nur im Werden, in
+diesem Dritten. Aber dieses Dritte hat vielfache empirische Gestalten,
+welche von der Abstraktion bei Seite gestellt oder vernachläßigt
+werden, um jene ihre Produkte, das Seyn und das Nichts, jedes für sich
+festzuhalten und sie gegen das Übergehen geschützt zu zeigen. Gegen
+solches einfaches Verhalten der Abstraktion ist ebenso einfach nur an
+die empirische Existenz zu erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur
+Etwas ist, ein Daseyn hat. Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch
+welche die Trennung der Untrennbaren fixirt werden soll. An solcher
+Bestimmung ist an und für sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden,
+und ohne auf die Natur der Sache zurückzugehen und an diese zu
+appelliren, ist jene Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu
+konfondiren, daß sie genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes
+an ihr selbst aufgezeigt wird. Es würde eine vergebliche Mühe seyn,
+alle Wendungen und Einfälle der Reflexion und ihres Raisonnements
+gleichsam einfangen zu wollen, um ihr die Auswege und Absprünge, womit
+sie sich ihren Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und
+unmöglich zu machen. Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache sich
+so nennende Einwürfe und Widerlegungen, welche dagegen, daß weder Seyn
+noch Nichts etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre Wahrheit ist,
+aufgebracht worden sind, Rücksicht zu nehmen; die Gedanken-Bildung, die
+dazu gehört, die Nichtigkeit jener Widerlegungen einzusehen oder
+vielmehr solche Einfälle sich selbst zu vertreiben, wird nur durch die
+kritische Erkenntniß der Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am
+ergiebigsten an dergleichen Einwürfen sind, fallen sogleich über die
+ersten Sätze mit ihren Reflexionen her, ohne durch das weitere Studium
+der Logik sich zum Bewußtseyn über die Natur dieser kruden Reflexionen
+zu verhelfen oder verholfen zu haben.
+
+Es sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran
+ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins
+außer dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so daß hiermit das
+Übergehen negirt ist.
+
+Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er
+zugleich vom Nichts sagte, daß es gar nicht ist; nur das Seyn ist. Das
+Seyn so ganz für sich ist das Unbestimmte, hat also keine Beziehung auf
+Anderes; es scheint daher, daß von diesem Anfang aus nicht weiter
+fortgegangen werden könne, nämlich aus ihm selbst, und ein Fortgang nur
+dadurch geschehen könne, daß von Außen etwas Fremdes daran geknüpft
+würde. Der Fortgang, daß das Seyn dasselbe ist als das Nichts,
+erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,—ein Übergehen, das
+für sich ist, und äußerlich zu dem Seyn hinzuträte. Seyn wäre überhaupt
+nicht der absolute Anfang, wenn es eine Bestimmtheit hätte; alsdann
+hänge es von einem Andern ab, und wäre nicht unmittelbar, nicht der
+Anfang. Ist es aber unbestimmt, und damit wahrer Anfang, so hat es auch
+nichts, wodurch es sich zu einem anderen überleitet, es ist zugleich
+das Ende. Es kann ebenso wenig etwas aus demselben hervorbrechen, als
+etwas in dasselbe einbrechen kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll
+von dem Seyn oder der absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu
+dem Negativen, Endlichen. Wird nun dennoch fortgegangen, was wie
+bemerkt, von dem beziehungs—hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf
+äußerliche Weise geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter,
+neuer Anfang. So ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A =
+A Setzen; der zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt,
+zum Theil unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn. Es ist dieß
+ein Fortgehen der äußern Reflexion, welches ebensowohl das, womit es
+als einem Absoluten anfängt, wieder verneint,—das Entgegensetzen ist
+die Negation der ersten Identität,—als es sein zweites Unbedingtes
+sogleich ausdrücklich zugleich zu einem Bedingten macht. Wenn aber
+überhaupt eine Berechtigung wäre, fortzugehen, d. i. den ersten Anfang
+aufzuheben, so müßte es in diesem ersten selbst liegen, daß ein Anderes
+sich darauf beziehen könnte; es müßte also ein Bestimmtes seyn. Allein
+für ein solches giebt sich das Seyn oder auch die absolute Substanz
+nicht aus; im Gegentheil. Es ist das Unmittelbare, das noch schlechthin
+Unbestimmte.
+
+Die beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen über die
+Unmöglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer
+Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner Polemik
+gegen die kantische Synthesis des Selbstbewußtseyns a priori, in seiner
+Abh. über das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu
+bringen (Jac. Werke III. Bd.). Er stellt (S. 113) die Aufgabe so, daß
+in einem Reinen, sey es des Bewußtseyns, des Raums oder der Zeit, das
+Entstehen oder Hervorbringen einer Synthesis aufgezeigt werde. "Der
+Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das Bewußtseyn sey Eines;—sagt nun
+an, wie sich eines von diesen drei Einen in ihm selbst rein
+vermannigfaltiget;—jedes ist nur Eines und kein Anderes;—eine
+Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit! ohne Derheit, Dieheit,
+Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der, Die, Das noch im
+unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und jedes Bestimmte auch
+erst hervorgehen soll! Was bringt in jene, drei Unendlichkeiten,
+Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori mit Zahl und Maß,
+und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges; was bringt die reine
+Spontaneität (Ich) zur Oscillation? Wie kommt sein reiner Vokal zum
+Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein lautloses ununterbrochenes
+Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um wenigstens eine Art von
+Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?"—Man sieht, Jacobi hat sehr
+bestimmt das Unwesen der Abstraktion, es sey nun sogenannter absoluter
+d. i. nur abstrakter Raum, oder ebensolche Zeit, oder ebensolches
+reines Bewußtseyn, Ich, erkannt; er beharrt darin zu dem Behuf, die
+Unmöglichkeit eines Fortgangs zu Anderem, der Bedingung einer
+Synthesis, und zur Synthesis selbst zu behaupten. Die Synthesis, welche
+das Interesse ausmacht, muß nicht als eine Verknüpfung von äußerlich
+schon vorhandenen Bestimmungen genommen werden,—Theils ist es selbst um
+die Erzeugung eines Zweiten zu einem Ersten, eines Bestimmten zum
+unbestimmten Anfänglichen zu thun; Theils aber um die immanente
+Synthesis, Synthesis a priori,—an und für sich seyende Einheit des
+Unterschiedenen. Werden ist diese immanente Synthesis des Seyns und
+Nichts; aber weil der Synthesis der Sinn von einem äußerlichen
+Zusammenbringen äußerlich gegeneinander Vorhandener am nächsten liegt,
+ist mit Recht der Name Synthesis, synthetische Einheit außer Gebrauch
+gesetzt worden.—Jacobi fragt, wie kommt der reine Vokal des Ich zum
+Mitlauter, was bringt Bestimmtheit in die Unbestimmtheit—das was? wäre
+leicht beantwortet, und von Kant ist diese Frage auf seine Weise
+beantwortet worden; aber die Frage nach dem Wie? heißt: auf welche Art
+und Weise, nach welchem Verhältniß und dergleichen, und verlangt so die
+Angabe einer besondern Kategorie; aber von Art und Weise,
+Verstandes-Kategorien kann hierbei nicht die Rede seyn. Die Frage nach
+dem wie? gehört selbst zu den übeln Manieren der Reflexion, welche nach
+der Begreiflichkeit frägt, aber dabei ihre festen Kategorien
+voraussetzt, und damit zum Voraus gegen die Beantwortung dessen, nach
+was sie fragt, sich gewaffnet weiß. Den höheren Sinn einer Frage nach
+der Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er
+bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen beharren, für die
+Behauptung der Unmöglichkeit der Synthese. Insbesondere anschaulich
+beschreibt er (S. 147) die Procedur zur Abstraktion des Raumes zu
+gelangen. "Ich muß für so lange rein zu vergessen suchen, daß ich je
+irgend etwas sah, hörte, rührte und berührte, mich selbst ausdrücklich
+nicht ausgenommen. Rein, rein, rein vergessen muß ich alle Bewegung,
+und mir gerade dieß Vergessen, weil es das schwerste ist, am
+angelegentlichsten seyn lassen. Alles überhaupt muß ich, so wie ich es
+weggedacht habe, auch ganz und vollkommen weggeschafft seyn lassen, und
+gar nichts übrig behalten, als die mit Gewalt stehen gebliebene
+Anschauung allein des unendlichen unveränderlichen Raums. Ich darf mich
+daher auch nicht selbst als etwas von ihm Unterschiedenes und
+gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn hineindenken; ich darf
+mich nicht von ihm bloß umgeben und durchdringen lassen; sondern ich
+muß ganz übergehen in ihn, Eins mit ihm werden, mich in ihn verwandeln;
+ich muß von mir selbst nichts übrig lassen, als diese meine Anschauung
+selbst, um sie als eine wahrhaft selbstständige, unabhängige, Einig-
+und Alleinige Vorstellung zu betrachten."
+
+Bei dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuität, d. i.
+Unbestimmtheit und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgültig, diese
+Abstraktion Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines Denken;—es
+ist alles dasselbe, was der Inder, wenn er äußerlich bewegungslos, und
+ebenso in Empfindung, Vorstellung, Phantasie, Begierde u.s.f.
+regungslos jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase sieht, nur Om, Om,
+Om innerlich in sich, oder gar Nichts spricht, —Brahma nennt. Dieses
+dumpfe, leere Bewußtseyn ist, als Bewußtseyn aufgefaßt,—das Seyn.
+
+In diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das Gegentheil
+von dem, was kantischer Versicherung gemäß, ihm widerfahren sollte; er
+finde sich nicht als ein Vieles und Mannigfaltiges, vielmehr als Eines
+ohne alle Vielheit und Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmöglichkeit
+selbst, bin die Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen,—kann aus
+meinem reinen, schlechterdings einfachen, unveränderlichen Wesen auch
+nicht das Mindeste wieder herstellen oder in mich hinein
+gespenstern;—so offenbart sich in dieser Reinheit, alles Außerund
+Nebeneinanderseyn, alle hierauf beruhende Mannigfaltigkeit und
+Vielheit, als ein rein Unmögliches."
+
+Diese Unmöglichkeit heißt nichts anders als die Tautologie, ich halte
+an der abstrakten Einheit fest und schließe alle Vielheit und
+Mannigfaltigkeit aus, halte mich im Unterschiedslosen und Unbestimmten,
+und sehe weg von allem Unterschiedenen und Bestimmten. Die kantische
+Synthesis a priori des Selbstbewußtseyns, das ist, die Thätigkeit
+dieser Einheit, sich zu dirimiren und in dieser Diremtion sich selbst
+zu erhalten, verdünnt sich Jacobi zu derselben Abstraktion. Jene
+"Synthesis an sich", das "ursprüngliche Urtheilen," macht er einseitig
+zu "der Kopula an sich;—ein Ist, Ist, Ist, ohne Anfang und Ende und
+ohne Was, Wer und Welche; dieses ins Unendliche fortgehende Wiederholen
+der Wiederholung ist die alleinige Geschäftigkeit, Funktion und
+Produktion der allerreinsten Synthesis; sie selbst ist das bloße,
+reine, absolute Wiederholen selbst." Oder in der That, da kein Absatz,
+d. i. keine Negation, Unterscheiden darin ist, so ist sie nicht ein
+Wiederholen, sondern nur das ununterschiedene einfache Seyn.—Aber ist
+dieß denn noch Synthesis, wenn Jacobi gerade das wegläßt, wodurch die
+Einheit synthetische Einheit ist?
+
+Zunächst, wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum,
+Zeit, auch Bewußtseyn festsetzt, ist zu sagen, daß er sich auf diese
+Weise in etwas empirisch-Falsches versetzt und festhält; es giebt d. h.
+empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes
+Räumliches und Zeitliches wären, nicht in ihrer Kontinuität von
+mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veränderung erfüllt wären, so daß
+diese Grenzen und Veränderungen ungetrennt und untrennbar der
+Räumlichkeit und Zeitlichkeit angehören; ebenso ist das Bewußtseyn mit
+bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f. erfüllt; es existirt
+ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt.—Das empirische Übergehen
+versteht sich ohnehin von selbst; das Bewußtseyn kann sich wohl den
+leeren Raum, leere Zeit und das leere Bewußtseyn selbst, oder das reine
+Seyn, zum Gegenstand und Inhalt machen; aber es bleibt nicht dabei,
+sondern geht nicht nur, sondern drängt sich aus solcher Leerheit hinaus
+zu einem besseren, d. i. auf irgend eine Weise konkreteren Inhalt, und
+so schlecht ein Inhalt sonst sey, so ist er insofern besser und wahrer;
+eben ein solcher Inhalt ist ein synthetischer überhaupt; synthetisch in
+allgemeinerem Sinne genommen. So bekommt Parmenides mit dem Scheine und
+der Meinung, dem Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so
+Spinoza mit den Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem
+Verstande, Willen u.s.f. Die Synthesis enthält und zeigt die Unwahrheit
+jener Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also
+nicht als für sich bestehende, nicht als absolute, sondern schlechthin
+als relative.
+
+Das Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f. aber
+ist es nicht, um das es zu thun ist. Das Bewußtseyn kann sich
+abstrahirend allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfüllen, und die
+festgehaltenen Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit,
+reinen Bewußtseyn, reinem Seyn. Der Gedanke des reinen Raums u.s.f. d.
+i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst soll als nichtig aufgezeigt
+werden, d. i. daß er als solcher schon sein Gegentheil, daß an ihm
+selbst schon sein Gegentheil in ihn eingedrungen, er schon für sich das
+Herausgegangenseyn aus sich selbst, Bestimmtheit, sey.
+
+Dieß ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen. Sie sind, was Jacobi
+reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdrücklich als
+Unbestimmte bestimmt, was—um zu seiner einfachsten Form zurückzugehen,
+das Seyn ist. Eben diese Unbestimmtheit ist aber das, was die
+Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die Unbestimmtheit ist der
+Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als Entgegengesetztes
+selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das reine, ganz abstrakt
+Negative. Diese Unbestimmtheit oder abstrakte Negation, welche so das
+Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die äußere wie die innere Reflexion
+ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich setzt, es für ein leeres
+Gedankending, für Nichts erklärt.—Oder kann man sich ausdrücken, weil
+das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die (affirmative)
+Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern Nichts.
+
+In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem
+Seyn als solchem gemacht wird, ist der Übergang noch verborgen; weil
+das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm nur
+unmittelbar hervor. Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich das
+Daseyn, sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was den
+Widerspruch jener Abstraktionen und daher ihr Übergehen enthält und
+hervorbringt. Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird die
+Erinnerung, daß es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also schon
+von daher abstrakte Negativität, Nichts, ist, hinter der Wissenschaft
+zurückgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst, ausdrücklich vom Wesen
+aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine Vermittelte darstellen
+wird, wo das Seyn als Existenz und das Vermittelnde dieses Seyns, der
+Grund, gesetzt ist.
+
+Mit jener Erinnerung läßt sich der Übergang von Seyn in Nichts als
+etwas selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man es
+nennt, erklären und begreiflich machen, daß Freilich das Seyn, welches
+zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn man könne
+von Allem abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden, so bleibe
+Nichts übrig. Aber, kann man fortfahren, somit sey der Anfang nicht ein
+Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und Nichts sey dann auch
+das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare Seyn und selbst noch
+vielmehr. Das Kürzeste ist solches Raisonniren gewähren zu lassen und
+zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen sind, auf welche es pocht.
+Daß hiernach das Nichts das Resultat jenes Raisonnements wäre, und nun
+der Anfang mit Nichts (wie in chinesischer Philosophie) gemacht werden
+sollte, so wäre darum nicht die Hand umzukehren, denn ehe man sie
+umkehrte, hätte sich ebenso sehr dieß Nichts in Seyn verkehrt, (s.
+oben: B. Nichts). Aber ferner wenn jene Abstraktion von Allem, welches
+Alles denn doch Seyendes ist, vorausgesetzt wäre, so ist sie genauer zu
+nehmen; das Resultat der Abstraktion von allem Seyenden ist zunächst
+abstraktes Seyn, Seyn überhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom
+Daseyn Gottes aus dem zufälligen Seyn der Welt, über welches sich darin
+erhoben wird, noch das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum
+unendlichen Seyn bestimmt wird. Es kann aber allerdings auch von diesem
+reinen Seyn abstrahirt, das Seyn noch zu dem Allem, wovon bereits
+abstrahirt worden, geschlagen werden; dann bleibt Nichts. Man kann nun,
+wenn man das Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen
+will oder nichts davon wüßte, im Style jenes Könnens fortfahren; es
+kann nämlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt werden (wie denn
+auch die Schöpfung der Welt eine Abstraktion vom Nichts ist) und dann
+bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird abstrahirt, sondern man
+ist so wieder im Seyn angekommen.—dieß Können giebt ein äußerliches
+Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren selbst nur das einseitige
+Thun des Negativen ist. Zunächst liegt in diesem Können selbst, daß ihm
+das Seyn so gleichgültig ist als das Nichts, und daß so sehr jedes von
+Beiden verschwindet, ebenso sehr jedes auch entsteht; aber ebenso
+gleichgültig ist es, ob vom Thun des Nichts, oder dem Nichts
+ausgegangen wird; das Thun des Nichts, d. i. das bloße Abstrahiren ist
+nicht mehr noch weniger etwas Wahrhaftes als das bloße Nichts.
+
+Die Dialektik, nach welcher Plato das Eine im Parmenides behandelt, ist
+gleichfalls mehr für eine Dialektik der äußern Reflexion zu achten. Das
+Seyn und das Eine sind beides Eleatische Formen, die Dasselbe sind.
+Aber sie sind auch zu unterscheiden, so nimmt sie Plato in jenem
+Dialoge. Nachdem er von dem Einen die mancherlei Bestimmungen von
+Ganzen und Theilen, in sich selbst, in einem anderen seyn u.s.f. von
+Figur, Zeit u.s.f. entfernt, so ist das Resultat, daß dem Einen das
+Seyn nicht zukomme, denn anders komme einem Etwas das Seyn nicht zu,
+als nach einer jener Weisen (p. 141 e. Vol. III. ed. Steph.). Hierauf
+behandelt Plato den Satz: das Eine ist; und es ist bei ihm nachzusehen,
+wie von diesem Satze aus der Übergang zu dem Nichtseyn des Einen
+bewerkstelligt wird; es geschieht durch die Vergleichung der beiden
+Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das Eine ist; er enthält das
+Eine und das Seyn; und das Eine ist enthält mehr, als wenn man nur
+sagt: das Eine. Darin daß sie verschieden sind, wird das Moment der
+Negation, das der Satz enthält, aufgezeigt. Es erhellt, daß dieser Weg
+eine Voraussetzung hat, und eine äußere Reflexion ist.
+
+Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das
+Seyn, welches abstrakt für sich festgehalten werden soll am
+einfachsten, ohne sich in das Denken einzulassen, in einer Verbindung
+aufgezeigt, die das Gegentheil dessen enthält, was behauptet werden
+soll. Das Seyn, wie es unmittelbar ist, genommen gehört einem Subjekte
+an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn überhaupt, und
+steht damit im Boden der Schranke und des Negativen. In welchen
+Ausdrücken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er sich gegen
+die Einheit des Seyns und Nichts sträubt, und sich auf das, was
+unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser Erfahrung
+selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke oder
+Negation,—jene Einheit finden, die er verwirft. Die Behauptung des
+unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz,
+deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die Unmittelbarkeit
+außerhalb des Denkens ist, an die sie sich halten will.
+
+Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise,
+und diese Reflexion ist bekannt und oft genug über dasselbe gemacht
+worden. Das Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als
+seyend; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das Nichts
+wird gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist also; das
+Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein Seyn. Dieß
+Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird daher gesagt,
+daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß darum nicht es
+ist, nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, daß nur Denken oder
+Vorstellen dieses Seyn ist. Bei diesem Unterscheiden ist eben so sehr
+nicht zu läugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein Seyn steht; aber
+in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied enthält, ist eine
+Einheit mit dem Seyn vorhanden. Auf weiche Weise das Nichts
+ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in Verbindung oder
+wenn man will Berührung mit einem Seyn, ungetrennt von einem Seyn, eben
+in einem Daseyn.
+
+Indem aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch
+dieser Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, daß das Daseyn des
+Nichts durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, daß es nicht das
+Seyn für sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches sey;
+das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniß so nur
+Abwesenheit des Lichts, die Kälte nur Abwesenheit der Wärme u.s.f.
+Finsterniß habe nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in äußerer
+Vergleichung mit dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kälte sey nur Etwas
+in unserer Empfindung, Licht, Wärme, wie Seyn, hingegen seyen für sich
+das Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer Qualität und
+Würde, als jene Negativen, als Nichts. Man kann es häufig als eine sehr
+wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniß aufgeführt finden, daß
+Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, Kälte nur Abwesenheit der Wärme
+sey. Über diese scharfsinnige Reflexion kann in diesem Felde von
+empirischen Gegenständen empirisch bemerkt werden, daß die Finsterniß
+sich im Lichte allerdings wirksam zeigt, indem sie dasselbe zur Farbe
+bestimmt und ihm selbst dadurch erst Sichtbarkeit ertheilt, indem wie
+früher gesagt, im reinen Lichte ebenso wenig gesehen wird, als in der
+reinen Finsterniß. Die Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im Auge, an
+der jenes Negative ebenso viel Antheil hat, als das für das Reale,
+Positive geltende Licht; ebenso giebt sich die Kälte dem Wasser,
+unserer Empfindung u.s. f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr
+sogenannte objektive Realität absprechen, so ist damit durchaus nichts
+gegen sie gewonnen. Aber ferner wäre zu rügen, daß hier gleichfalls,
+wie oben, von einem Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird,
+nicht beim Nichts selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer
+Abstraktion nicht nachsteht, noch etwas voraus hat.—Allein Kälte,
+Finsterniß und dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich für sich
+zu nehmen, und es ist zu sehen, was damit in Rücksicht ihrer
+allgemeinen Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt
+ist. Sie sollen nicht das Nichts überhaupt, sondern das Nichts vom
+Licht, Wärme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind
+sie bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann. Aber eine
+Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation;
+so sind sie negative Nichts; aber ein negatives Nichts ist etwas
+Affirmatives. Das Umschlagen des Nichts durch seine Bestimmtheit (die
+vorhin als ein Daseyn im Subjekte, oder in sonst was es sey, erschien)
+in ein Affirmatives, erscheint dem Bewußtseyn, das in der
+Verstandes-Abstraktion feststeht, als das paradoxeste, so einfach die
+Einsicht ist, oder auch wegen ihrer Einfachheit selbst erscheint die
+Einsicht, daß die Negation der Negation Positives ist, als etwas
+Triviales, auf welches der stolze Verstand daher nicht zu achten
+brauche, obgleich die Sache ihre Richtigkeit habe,—und sie hat nicht
+nur diese Richtigkeit, sondern um der Allgemeinheit solcher
+Bestimmungen willen ihre unendliche Ausdehnung und allgemeine
+Anwendung, so daß wohl darauf zu achten wäre.
+
+Noch kann über die Bestimmung des Übergangs von Seyn und Nichts in
+einander bemerkt werden, daß derselbe eben so ohne weitere
+Reflexionsbestimmung aufzufassen ist. Er ist unmittelbar und ganz
+abstrakt, um der Abstraktion der übergehenden Momente willen, d. i.
+indem an diesen Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen
+gesetzt ist, vermittelst dessen sie übergingen; das Nichts ist am Seyn
+noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich Nichts ist, und umgekehrt.
+Es ist daher unzulässig, weiters bestimmte Vermittelungen hier
+anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem Verhältnisse zu
+fassen,—jenes Übergehen ist noch kein Verhältniß. Es ist also
+unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn ist
+der Grund von Nichts;—das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder es kann
+nur unter der Bedingung in das Nichts übergegangen werden, daß etwas
+ist, oder in das Seyn nur unter der Bedingung des Nichtseyns. Die Art
+der Beziehung kann nicht weiter bestimmt seyn, ohne daß zugleich die
+bezogenen Seiten weiter bestimmt würden. Der Zusammenhang von Grund und
+Folge u.s.f. hat nicht mehr das bloße Seyn und Nichts zu den Seiten,
+die er verbindet, sondern ausdrücklich Seyn, das Grund ist, und etwas,
+das zwar nur ein gesetztes, nicht Selbstständiges sey, das aber nicht
+das abstrakte Nichts ist.
+
+Anmerkung 4.
+
+Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniß es mit der
+Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat, wodurch
+die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit der
+Dialektik gegen das Werden, Entstehen oder Vergehen überhaupt. —Die
+Kantische Antinomie über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt in
+Raum und Zeit wird unten bei dem Begriffe der quantitativen
+Unendlichkeit näher betrachtet werden.—Jene einfache gewöhnliche
+Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und
+Nichts. Es wird auf folgende Art bewiesen, daß kein Anfang der Welt
+oder von Etwas möglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern
+etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, fängt es
+nicht erst an; insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an.
+-Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im
+Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang;
+denn Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthält kein
+Seyn. Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn das
+Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten. —Aus
+demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhören. Denn so müßte das Seyn
+das Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das Gegentheil
+seiner selbst.
+
+Es erhellt, daß hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhören,
+diese Einheit des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie
+assertorisch zu läugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von
+dem andern, Wahrheit zuzuschreiben.—Diese Dialektik ist jedoch
+wenigstens konsequenter als das reflektirende Vorstellen. Ihm gilt es
+für vollkommene Wahrheit, daß Seyn und Nichts nur getrennt seyen; auf
+der anderen Seite aber läßt es ein Anfangen und Aufhören als eben so
+wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die
+Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an.
+
+Bei der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom
+Nichts, ist—was man so oft hört—der Anfang oder das Werden allerdings
+etwas Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung, welche den
+Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt, und dieser
+Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung unmöglich macht,
+heißt das Unbegreifliche.
+
+Das Angeführte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen den
+Begriff braucht, den die höhere Analysis von den unendlich-kleinen
+Größen giebt. Von diesem Begriffe wird weiter unten ausführlicher
+gehandelt.—Diese Größen sind als solche, bestimmt worden, die in ihrem
+Verschwinden sind, nicht vor ihrem Verschwinden, denn als dann sind sie
+endliche Größen;—nicht nach ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie
+nichts. Gegen diesen reinen Begriff ist eingewendet und immer
+wiederholt worden, daß solche Größen entweder Etwas seyen, oder Nichts;
+daß es keinen Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender,
+barbarischer Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe.—Es ist hierbei
+gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen.
+Dagegen ist aber gezeigt worden, daß Seyn und Nichts in der That
+dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, daß es gar nichts
+giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts ist. Die
+Mathematik hat ihre glänzendsten Erfolge der Annahme jener Bestimmung,
+welcher der Verstand widerspricht, zu danken.
+
+Das angeführte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der
+absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei
+derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei zu
+nennen. Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen
+Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten läßt;
+Dialektik aber nennen wir die höhere vernünftige Bewegung, in welche
+solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das,
+was sie sind, in einander übergehen, die Voraussetzung sich aufhebt. Es
+ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst, daß
+sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen.
+
+2. Momente des Werdens.
+
+Das Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns
+und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt;
+sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte
+Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist. Aber indem Seyn
+und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht. Sie
+sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als
+Aufgehobene. Sie sinken von ihrer zunächst vorgestellten
+Selbstständigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber
+zugleich aufgehobenen.
+
+Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefaßt, ist jedes in
+derselben als Einheit mit dem Anderen. Das Werden enthält also Seyn und
+Nichts als zwei solche Einheiten, deren jede selbst Einheit des Seyns
+und Nichts ist; die eine das Seyn als unmittelbar und als Beziehung auf
+das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und als Beziehung auf
+das Seyn; die Bestimmungen sind in ungleichem Werthe in diesen
+Einheiten.
+
+Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der einen
+ist das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom Nichts, das
+sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe übergeht, in der
+anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist anfangend vom Seyn,
+das in das Nichts übergeht,—Entstehen und Vergehen.
+
+Beide sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen
+Richtungen durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig. Die eine
+ist Vergehen; Seyn geht in Nichts über, aber Nichts ist eben so sehr
+das Gegentheil seiner selbst, Übergehen in Seyn, Entstehen. Dieß
+Entstehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn über, aber Seyn
+hebt ebenso sehr sich selbst auf und ist vielmehr das Übergehen in
+Nichts, ist Vergehen.—Sie heben sich nicht gegenseitig, nicht das eine
+äußerlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an sich selbst auf
+und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner.
+
+3. Aufheben des Werdens.
+
+Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist
+zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige Einheit
+zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende; aber das
+Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit derselben. Ihr
+Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens, oder Verschwinden
+des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine haltungslose Unruhe, die
+in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.
+
+Dieß könnte auch so ausgedrückt werden: Das Werden ist das Verschwinden
+von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das Verschwinden von
+Seyn und Nichts überhaupt; aber es beruht zugleich auf dem Unterschiede
+derselben. Es widerspricht sich also in sich selbst, weil es solches in
+sich vereint, das sich entgegengesetzt ist; eine solche Vereinigung
+aber zerstört sich.
+
+Dieß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so wäre
+es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen Bestimmungen,
+nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die zur ruhigen
+Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die ruhige
+Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich, sondern
+als Bestimmung des Ganzen.
+
+Das Werden so Übergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche als
+seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren Einheit
+dieser Momente hat, ist das Daseyn.
+
+Anmerkung.
+
+Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten
+Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin
+allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und besonders
+vom Nichts zu unterscheiden ist.—Was sich aufhebt, wird dadurch nicht
+zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein Aufgehobenes dagegen ist
+ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende, aber als Resultat, das von
+einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher die Bestimmtheit aus der es
+herkommt, noch an sich.
+
+Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als
+aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören
+lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schließt schon das
+Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem den
+äußerlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu
+erhalten.—So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur
+seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist.
+—Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch als
+zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend müßte es
+aber dabei seyn, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und dasselbe
+Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. Für das
+spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter zu finden
+welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; die deutsche
+Sprache hat mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des lateinischen:
+tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum esse Octavium,
+berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative Bestimmung geht
+nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern aufgehoben, als es in
+die Einheit mit seinem Entgegengesetzten getreten ist; in dieser nähern
+Bestimmung als ein reflektirtes kann es passend Moment genannt werden.
+Gewicht und Entfernung von einem Punkt heißen beim Hebel, dessen
+mechanische Momente, um der Dieselbigkeit ihrer Wirkung willen bei
+aller sonstigen Verschiedenheit eines Reellen, wie das ein Gewicht ist,
+und eines Ideellen, der bloßen räumlichen Bestimmung, der Linie; s.
+Encykl. der philos. Wissenschaft 3te Ausg. § 261. Anm.—Noch öfter wird
+die Bemerkung sich aufdringen, daß die philosophische Kunstsprache für
+reflektirte Bestimmungen lateinische Ausdrücke gebraucht, entweder weil
+die Muttersprache keine Ausdrücke dafür hat, oder wenn sie deren hat,
+wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an das Unmittelbare, die fremde
+Sprache aber mehr an das Reflektirte erinnert.
+
+Der nähere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr
+Momente sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als
+der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben. Seyn ist Seyn, und
+Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in ihrer
+Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese Bestimmungen
+verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und Nichts sind
+dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht mehr Seyn und
+Nichts, und haben eine verschiedene Bestimmung; im Werden waren sie
+Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders bestimmten Einheit
+sind sie wieder anders bestimmte Momente. Diese Einheit bleibt nun ihre
+Grundlage, aus der sie nicht mehr zur abstrakten Bedeutung von Seyn und
+Nichts heraustreten.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Das Daseyn.
+
+
+Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende
+Bestimmtheit, Qualität. Durch seine Qualität ist Etwas gegen ein
+Anderes, ist veränderlich und endlich, nicht nur gegen ein Anderes,
+sondern an ihm schlechthin negativ bestimmt. Diese seine Negation dem
+endlichen Etwas zunächst gegenüber ist das Unendliche; der abstrakte
+Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, löst sich in die
+gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fürsichseyn auf.
+
+Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen:
+
+A. das Daseyn als solches,
+
+B. Etwas und Anderes, die Endlichkeit,
+
+C. die qualitative Unendlichkeit.
+
+A. Daseyn als solches.
+
+An dem Daseyn
+
+a. als solchem, ist zunächst seine Bestimmtheit
+
+b. als Qualität zu unterscheiden. Diese aber ist sowohl in der einen
+als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realität und
+als Negation. Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr in
+sich reflektirt; und als solches gesetzt ist es
+
+c. Etwas, Daseyendes.
+
+a. Daseyn überhaupt.
+
+Aus dem Werden geht das Daseyn hervor. Das Daseyn ist das einfache
+Einsseyn des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, die
+Form von einem Unmittelbaren. Seine Vermittelung, das Werden, liegt
+hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint daher als
+ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunächst in der
+einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthält, das
+Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene.
+
+Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn; etymologisch genommen Seyn an
+einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehört nicht hierher.
+Daseyn ist, nach seinem Werden, überhaupt Seyn mit einem Nichtseyn, so
+daß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen ist.
+Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete Ganze in der
+Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die Bestimmtheit als
+solche aus.
+
+Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i. Bestimmtheit des Seyns,
+denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu seyn
+gezeigt,—ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es für uns
+in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt an ihm selbst. Aber die
+Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die gesetzte, die auch im
+Ausdruck Daseyn liegt.—Beides ist immer sehr wohl von einander zu
+unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem Begriffe, gehört in
+die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem Inhalte. Die noch
+nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehört unserer
+Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst, oder sie
+sey äußere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art bemerklich
+zu machen kann nur zur Erläuterung oder Vorausandeutung des Ganges
+dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen wird. Daß das
+Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der einseitigen
+Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine äußerliche Reflexion; in der
+Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu kommen, als
+gesetzte zu seyn.—Es hat hier auf den angegebenen Unterschied
+aufmerksam gemacht werden sollen; über alles aber, was die Reflexion
+sich erlauben kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben, würde in die
+Weitläufigkeit führen, das zu anticipiren, was sich an der Sache selbst
+ergeben muß. Wenn dergleichen Reflexionen dienen können, die Übersicht
+und damit das Verständniß zu erleichtern, so führen sie wohl auch den
+Nachtheil herbei, als unberechtigte Behauptungen, Gründe und Grundlagen
+für das Weitere auszusehen. Man soll sie daher für nichts mehr nehmen,
+als was sie seyn sollen, und sie von dem unterscheiden, was ein Moment
+im Fortgange der Sache selbst ist.
+
+Das Daseyn entspricht dem Seyn der vorigen Sphäre; das Seyn jedoch ist
+das Unbestimmte, es ergeben sich deswegen keine Bestimmungen an
+demselben. Aber das Daseyn ist bestimmtes Seyn, ein konkretes; es thun
+sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene Verhältnisse
+seiner Momente an ihm auf.
+
+b. Qualität.
+
+Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts, Eins
+sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; so weit das Daseyn seyend
+ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt. Das Seyn ist nicht das
+Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die Bestimmtheit hat
+sich noch nicht vom Seyn abgelöst; zwar wird sie sich auch nicht mehr
+von ihm ablösen; denn das nunmehr zum Grunde liegende Wahre ist die
+Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr als dem Grunde ergeben
+sich alle fernern Bestimmungen. Aber die Beziehung, in der hier die
+Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die unmittelbare Einheit beider,
+so daß noch keine Unterscheidung derselben gesetzt ist.
+
+Die Bestimmtheit so für sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist die
+Qualität;—ein ganz Einfaches, Unmittelbares. Die Bestimmtheit überhaupt
+ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative, wie weiter
+Bestimmte seyn kann. Um dieser Einfachheit willen ist von der Qualität
+als solcher weiter nichts zu sagen.
+
+Aber das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn
+enthalten, ist selbst der Maßstab für die Einseitigkeit der Qualität
+als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit. Sie ist ebenso sehr
+in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die unmittelbare
+oder die seyende Bestimmtheit als eine unterschiedene, reflektirte
+gesetzt wird, das Nichts so als das bestimmte einer Bestimmtheit, ist
+ebenso ein reflektirtes, eine Verneinung. Die Qualität, so daß sie
+unterschieden als seyende gelte, ist die Realität; sie als mit einer
+Verneinung behaftet, Negation überhaupt, gleichfalls eine Qualität,
+aber die für einen Mangel gilt, sich weiterhin als Grenze, Schranke
+bestimmt.
+
+Beide sind ein Daseyn, aber in der Realität als Qualität mit dem
+Accente, eine seyende, zu seyn, ist es versteckt, daß sie die
+Bestimmtheit, also auch die Negation enthält; die Realität gilt daher
+nur als etwas Positives, aus welchem Verneinung, Beschränktheit, Mangel
+ausgeschlossen sey. Die Negation als bloßer Mangel genommen, wäre was
+Nichts ist; aber sie ist ein Daseyn, eine Qualität nur mit einem
+Nichtseyn bestimmt.
+
+Anmerkung.
+
+Realität kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von
+verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Im
+philosophischen Sinne wird etwa von bloß empirischer Realität als einem
+werthlosen Daseyn gesprochen. Wenn aber von Gedanken, Begriffen,
+Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt dieß, daß
+ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe könne die
+Idee einer platonischen Republik z.B. wohl wahr seyn. Der Idee wird
+hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der Realität auch
+belassen. Aber gegen sogenannte bloße Ideen, gegen bloße Begriffe gilt
+das Reelle als das allein Wahrhafte.—Der Sinn, in welchem das eine Mal
+dem äußerlichen Daseyn die Entscheidung über die Wahrheit eines Inhalts
+zugeschrieben wird, ist ebenso einseitig, als wenn die Idee, das Wesen
+oder auch die innere Empfindung als gleichgültig gegen das äußerliche
+Daseyn vorgestellt und gar für um so vortrefflicher gehalten wird, je
+mehr es von der Realität entfernt sey.
+
+Bei dem Ausdrucke: Realität ist der sonstige metaphysische Begriff von
+Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom Daseyn
+Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwähnen. Gott wurde als der
+Inbegriff aller Realitäten bestimmt, und von diesem Inbegriffe gesagt,
+daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der Realitäten
+die andere aufhebe; denn eine Realität sey nur als eine Vollkommenheit,
+als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation enthalte. Somit
+seyen die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und widersprechen sich
+nicht.
+
+Bei diesem Begriffe der Realität wird angenommen, daß sie dann noch
+bleibe, wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle
+Bestimmtheit derselben aufgehoben. Die Realität ist Qualität, Daseyn;
+damit enthält sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch das
+Bestimmte, das sie ist. Im sogenannten eminenten Sinne oder als
+unendliche,—in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts,—wie sie genommen
+werden soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und verliert ihre
+Bedeutung. Die Güte Gottes soll nicht Güte im gewöhnlichen, sondern im
+eminenten Sinne, nicht verschieden von der Gerechtigkeit, sondern durch
+sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer Vermittelungs-Ausdruck) so wie
+umgekehrt die Gerechtigkeit durch die Güte; so ist weder Güte mehr
+Güte, noch Gerechtigkeit mehr Gerechtigkeit. Die Macht solle durch die
+Weisheit temperirt seyn, aber so ist sie nicht Macht als solche, denn
+sie wäre jener unterworfen,—die Weisheit solle zur Macht erweitert
+seyn, aber so verschwindet sie als den Zweck und Maaß bestimmende
+Weisheit. Der wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute
+Einheit, der sich später ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren,
+gegenseitiges Beschränken oder Vermischen zu fassen, als welches eine
+oberflächliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit der
+sich nur begriffloses Vorstellen begnügen kann.—Die Realität, wie sie
+in jener Definition Gottes als bestimmte Qualität genommen wird, über
+ihre Bestimmtheit hinausgeführt, hört auf Realität zu seyn; sie wird
+zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem Realen, oder als
+Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe Bestimmungs- und Gehaltlose,
+was das leere Absolute, in dem alles Eins ist.
+
+Wird dagegen die Realität in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da
+sie wesentlich das Moment des Negativen enthält, der Inbegriff aller
+Realitäten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem
+Inbegriffe aller Widersprüche, zunächst etwa zur absoluten Macht, in
+der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist, insofern
+sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenüber hat, so wird
+sie, indem sie zur ausgeführten, schrankenlosen Macht erweitert gedacht
+wird, zum abstrakten Nichts. Jenes Reale in allem Realen, das Seyn in
+allem Daseyn, welches den Begriff Gottes ausdrücken soll, ist nichts
+anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe was das Nichts ist.
+
+Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der Satz
+des Spinoza: Omnis determinatio est negatio, dieser Satz ist von
+unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als solche die formlose
+Abstraktion; der spekulativen Philosophie muß aber nicht Schuld gegeben
+werden, daß ihr die Negation oder das Nichts ein Letztes sey; dieß ist
+es ihr so wenig als die Realität das Wahrhafte.
+
+Von diesem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit
+der Spinozistischen Substanz, oder daß nur Eine Substanz ist,—die
+nothwendige Konsequenz. Denken und Seyn oder Ausdehnung, die zwei
+Bestimmungen, die Spinoza nämlich vor sich hat, mußte er in dieser
+Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitäten, sind sie
+Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist; nach Spinozas
+Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von Etwas seine
+Affirmation. Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als solche, die
+nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-für-sich-Seyn haben, sondern
+nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr sind sie ihm nicht
+einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr selbst ganz
+bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi,
+Unterscheidungen, die ein äußerer Verstand macht.—Eben so kann die
+Substantialität der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen. Das
+Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, daß es allein Anderen
+Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner
+selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm
+selbst. Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten
+beschränkte, aber dieß Mehr gehört in eine andere Sphäre des Begriffs;
+in der Metaphysik des Seyns ist es ein schlechthin bestimmtes; und daß
+ein solches, daß das Endliche als solches an und für sich sey, dagegen
+macht sich die Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend, und reißt
+es in dieselbe negative Bewegung des Verstandes, welche alles in der
+abstrakten Einheit, der Substanz, verschwinden läßt.
+
+Die Negation steht unmittelbar der Realität gegenüber; weiterhin in der
+eigentlichen Sphäre der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem
+Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende
+Realität ist,—die Realität, an der das Negative scheint, das in der
+Realität als solcher noch versteckt ist.
+
+Die Qualität ist erst in der Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als sie
+in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung zeigt.
+Unter Eigenschaften z.B. von Kräutern versteht man Bestimmungen, die
+einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern insofern es sich
+dadurch in der Beziehung auf andere auf eine eigenthümliche Weise
+erhält, die fremden in ihm gesetzten Einwirkungen nicht in sich
+gewähren läßt, sondern seine eigene Bestimmungen in dem Anderen,—ob es
+dieß zwar nicht von sich abhält, —geltend macht. Die mehr ruhenden
+Bestimmtheiten, z.B. Figur, Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl
+Eigenschaften, auch etwa nicht Qualitäten, insofern sie als
+veränderlich, mit dem Seyn nicht identisch vorgestellt werden.
+
+Die Qualirung oder Inqualirung, ein Ausdruck der Jacob-Böhmischen,
+einer in die Tiefe aber in eine trübe Tiefe gehenden Philosophie,
+bedeutet die Bewegung einer Qualität (der sauren, herben, feurigen u.
+s.f.) in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer
+Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, überhaupt die Unruhe ihrer
+an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt und
+erhält.
+
+c. Etwas.
+
+An dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualität unterschieden worden;
+an dieser als daseyender ist der Unterschied,—der Realität und der
+Negation. So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn vorhanden sind,
+so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben. Die Realität enthält
+selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes, abstraktes Seyn.
+Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das abstraktseynsollende Nichts,
+sondern hier gesetzt wie es an sich ist, als seyend, dem Daseyn
+angehörig. So ist die Qualität überhaupt nicht vom Daseyn getrennt,
+welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn ist.
+
+Dieses Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein bloßes Zurücknehmen
+und äußeres Wieder-Weglassen derselben oder als ein einfaches
+Zurückkehren zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem. Der
+Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist. Das Faktische,
+was also vorhanden ist, ist das Daseyn überhaupt, Unterschied an ihm,
+und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn nicht als
+unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst gleich,
+durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns vermittelt
+durch dieses Aufheben. Dieß Aufgehobenseyn des Unterschieds ist die
+eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es Insichseyn; das Daseyn ist
+Daseyendes, Etwas.
+
+Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende
+Beziehung auf sich. Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich
+wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden (Ich) u.s.f. Diese
+Bestimmung ist von der höchsten Wichtigkeit, um nicht bei dem Daseyn,
+Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als
+Allgemeinheiten stehen zu bleiben. Etwas gilt der Vorstellung mit Recht
+als ein Reelles. Jedoch ist Etwas noch eine sehr oberflächliche
+Bestimmung; wie Realität und Negation, das Daseyn und dessen
+Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und Nichts, aber ganz
+abstrakte Bestimmungen sind. Deswegen sind sie auch die gegenläufigsten
+Ausdrücke, und die philosophisch nicht gebildete Reflexion gebraucht
+sie am meisten, gießt ihre Unterscheidungen darein, und meint daran
+etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben. —Das Negative des
+Negativen ist als Etwas nur der Anfang des Subjekts;—das Insichseyn nur
+erst ganz unbestimmt. Es bestimmt sich fernerhin zunächst als
+Fürsichseyendes und sofort bis es erst im Begriff die konkrete
+Intensität des Subjekts erhält. Allen diesen Bestimmungen liegt die
+negative Einheit mit sich zu Grunde. Aber dabei ist die Negation als
+erste, als Negation überhaupt wohl zu unterscheiden von der zweiten,
+der Negation der Negation, welche die konkrete, absolute Negativität,
+wie jene erste dagegen nur die abstrakte Negativität ist.
+
+Etwas ist seyend als die Negation der Negation; denn diese ist das
+Wiederherstellen der einfachen Beziehung auf sich;—aber ebenso ist
+damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst. Schon in dem
+Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fürsichseyn, Subjekt u.s.
+f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden, bereits auch
+im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die Vermittelung mit
+sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als einfaches Identisches
+bestimmt ist.—Auf das Vorhandenseyn der Vermittelung überhaupt kann
+gegen das Princip der behaupteten bloßen Unmittelbarkeit des Wissens,
+von welcher die Vermittelung ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam
+gemacht werden; aber es bedarf weiterhin nicht besonders auf das Moment
+der Vermittelung aufmerksam zu machen; denn es befindet sich überall
+und allenthalben, in jedem Begriffe.
+
+Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich ist, hat nur als
+Negation der Negation genommen, keine konkrete Bestimmungen zu ihren
+Seiten; so fällt sie in die einfache Einheit zusammen, welche Seyn ist.
+Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner auch
+Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen Momenten hat.
+Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und weiter Daseyendes. Das
+zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als Negatives des Etwas
+bestimmt,—ein Anderes. Das Etwas als Werden ist ein Übergehen, dessen
+Momente selbst Etwas sind, und das darum Veränderung ist;—ein bereits
+konkret gewordenes Werden.—Das Etwas aber verändert sich zunächst nur
+in seinem Begriffe; es ist noch nicht so als vermittelnd und vermittelt
+gesetzt; zunächst nur als sich in seiner Beziehung auf sich einfach
+erhaltend, und das Negative seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein
+Anderes überhaupt.
+
+B. Die Endlichkeit.
+
+a. Etwas und Anderes; sie sind zunächst gleichgültig gegeneinander; ein
+Anderes ist auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die Negation
+fällt so außer beiden. Etwas ist an sich gegen sein Seyn-für anderes.
+Aber die Bestimmtheit gehört auch seinem Ansich an, und ist
+
+b. dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit übergeht,
+die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte
+Seyn-für-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche
+
+c. die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das
+Endliche ist.
+
+In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn überhaupt betrachtet wurde,
+hatte dieses als zunächst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden. Die
+Momente seiner Entwicklung, Qualität und Etwas, sind darum ebenso
+affirmativer Bestimmung. In dieser Abtheilung hingegen entwickelt sich
+die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur erst
+Negation überhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte des
+In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist.
+
+a. Etwas und ein Anderes.
+
+1. Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas.
+
+Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes. Es ist gleichgültig, welches
+zuerst und bloß darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie in
+einem Satze vorkommen, heißen beide aliud, oder einer den andern, alius
+alium; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter alterum
+analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so ist
+zunächst B als das Andere bestimmt. Aber A ist ebenso sehr das Andere
+des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere. Um den Unterschied und das
+als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren, dient das Dieses. Aber
+Dieses spricht eben es aus, daß dieß Unterscheiden und Herausheben des
+einen Etwas ein subjektives, außerhalb des Etwas selbst fallendes
+Bezeichnen ist. In dieses äußerliche Monstriren fällt die ganze
+Bestimmtheit; selbst der Ausdruck: Dieses enthält keinen Unterschied;
+alle und jede Etwas sind gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind.
+Man meint, durch: Dieses, etwas vollkommen bestimmtes auszudrücken; es
+wird übersehen, daß die Sprache, als Werk des Verstandes, nur
+Allgemeines ausspricht, außer in dem Namen eines einzelnen
+Gegenstandes; der individuelle Name ist aber ein Sinnloses in dem
+Sinne, daß er nicht ein Allgemeines ausdrückt, und erscheint als ein
+bloß Gesetztes, Willkürliches aus demselben Grunde, wie denn auch
+Einzelnamen willkürlich angenommen, gegeben oder ebenso verändert
+werden können.
+
+Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn
+fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Daseyn; Theils, daß
+ein Daseyn erst durch das Vergleichen eines Dritten, Theils, daß es nur
+um des Anderen willen, das außer ihm ist, als anderes bestimmt werde,
+aber nicht für sich so sey. Zugleich, wie bemerkt worden, bestimmt sich
+jedes Daseyn, auch für die Vorstellung, ebenso sehr als ein anderes
+Daseyn, so daß nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein Daseyn
+bestimmt, das nicht außerhalb eines Daseyns, also nicht selbst ein
+Anderes wäre.
+
+Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit
+dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden. Diese
+Dieselbigkeit der Bestimmungen fällt aber ebenso nur in die äußere
+Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunächst
+gesetzt ist, so ist dasselbe für sich zwar in Beziehung auf das Etwas,
+aber auch für sich außerhalb desselben.
+
+Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung auf
+sich selbst; abstrakt als das Andere,…… des Plato, der es als eins der
+Momente der Totalität, dem Einen entgegensetzt, und dem Anderen auf
+diese Weise eine eigne Natur zuschreibt. So ist das Andere allein als
+solches gefaßt, nicht das Andere von Etwas, sondern das Andere an ihm
+selbst, d. i. das Andere seiner selbst.—Solches seiner Bestimmung nach
+Andere ist die physische Natur; sie ist das Andere des Geistes; diese
+ihre Bestimmung ist so zunächst eine bloße Relativität, wodurch nicht
+eine Qualität der Natur selbst, sondern nur eine ihr äußerliche
+Beziehung ausgedrückt wird. Aber indem der Geist das wahrhafte Etwas,
+und die Natur daher an ihr selbst nur das ist, was sie gegen den Geist
+ist, so ist, insofern sie für sich genommen wird, ihre Qualität eben
+dieß, das Andere an ihr selbst, das Außer-sich-seyende (in den
+Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der Materie) zu seyn.
+
+Das Andere für sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere
+seiner selbst, so das Andere des Anderen,—also das in sich schlechthin
+Ungleiche, sich Negirende, das sich Verändernde. Aber ebenso bleibt es
+identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es sich veränderte, ist
+das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung hat; aber das sich
+Verändernde ist auf keine verschiedene Weise, sondern auf dieselbe, ein
+Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in demselben nur mit sich
+zusammen. So ist es gesetzt als in sich Reflektirtes mit Aufheben des
+Andersseyns; mit sich identisches Etwas, von dem hiermit das
+Andersseyn, das zugleich Moment desselben ist, ein Unterschiedenes, ihm
+nicht als Etwas selbst zukommendes ist.
+
+2. Etwas erhält sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins mit
+ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm.
+
+Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein sein
+Andersseyn. Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und zugleich
+noch davon getrennt; es ist Seyn-für-Anderes.
+
+Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in
+der Bestimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich
+schließend, ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann zunächst
+Anderes,—aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich auch erhält,
+nur Seyn-für-Anderes.
+
+Es erhält sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn
+überhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf
+Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein solches
+Seyn ist Ansichseyn.
+
+Seyn-für-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus.
+Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas und
+Anderes. 2) Seyn-für-Anderes, und Ansichseyn. Die erstern enthalten die
+Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas und Anderes fallen
+auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung; das
+Seyn-für-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen als
+Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen, welche
+Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns
+bleiben. Jedes selbst enthält damit an ihm zugleich auch sein von ihm
+verschiedenes Moment.
+
+Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr
+als Seyn und Nichts;—dieß sind sie nur außer ihrer Einheit; so in ihrer
+unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen. —Seyn im
+Etwas ist Ansichseyn. Seyn, die Beziehung auf sich, die Gleichheit mit
+sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern Beziehung auf sich nur
+als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich reflektirtes Daseyn).—Eben
+so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in dieser Einheit des Seyns und
+Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn überhaupt, sondern Anderes, und
+bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von ihm zugleich,
+Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-für-Anderes.
+
+Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn,
+es hat das Andersseyn außer ihm und ist demselben entgegen; insofern
+Etwas an sich ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-für-Anderes
+entnommen. Aber zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm; denn
+es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-für Anderes.
+
+Das Seyn-für-Anderes aber ist erstlich Negation der einfachen Beziehung
+des Seyns auf sich, die zunächst Daseyn und Etwas seyn soll; insofern
+Etwas in einem Anderen oder für ein Anderes ist, entbehrt es des
+eigenen Seyns. Aber zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als reines
+Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf sein in sich
+reflektirtes Seyn hinweist, so wie umgekehrt das Ansichseyn auf das
+Seyn-für-Anderes hinweist.
+
+Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, nämlich des
+Etwas. Ansich ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-für-Anderes heraus,
+in sich zurückgekehrt ist. Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder
+Umstand an sich (hier fällt der Accent auf an) oder an ihm, insofern
+dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Seyn-für-Anderes ist.
+
+Dieß führt zu einer weitern Bestimmung. Ansichseyn und Seyn-für-Anderes
+sind zunächst verschieden; aber daß Etwas dasselbe, was es an sich ist,
+auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als Seyn-für-Anderes ist, auch
+an sich ist,—dieß ist die Identität des Ansichseyns und
+Seyns-für-Anderes, nach der Bestimmung, daß das Etwas selbst ein und
+dasselbe beider Momente ist, sie also ungetrennt in ihm sind.—Es
+ergiebt sich formell diese Identität schon in der Sphäre des Daseyns,
+aber ausdrücklicher in der Betrachtung des Wesens und dann des
+Verhältnisses der Innerlichkeit und Äußerlichkeit, und am bestimmtesten
+in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des Begriffs und der
+Wirklichkeit.—Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes zu sagen, wie mit
+dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist auch nur an ihm; ansich
+ist eine nur abstrakte, damit selbst äußerliche Bestimmung. Die
+Ausdrücke: es ist nichts an ihm, oder es ist etwas daran, enthalten,
+obgleich etwa dunkel, daß das, was an einem ist, auch zu seinem
+Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften Werthe gehöre.
+
+Es kann bemerkt werden, daß sich hier der Sinn des Dings-an-sich
+ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang
+eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der
+Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine
+vielgeltende Weisheit war.—Die Dinge heißen an-sich, insofern von allem
+Seyn-für-Anderes abstrahirt wird, das heißt überhaupt, insofern sie
+ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden. In diesem Sinn kann
+man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist. Denn die Frage:
+was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem aber die Dinge,
+von denen sie anzugeben verlangt würde, zugleich Dinge-an-sich seyn
+sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in die Frage
+gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung gelegt, oder man
+macht nur eine widersinnige Antwort.—Das Ding-an-sich ist dasselbe, was
+jenes Absolute, von dem man nichts weiß, als daß Alles eins in ihm ist.
+Man weiß daher sehr wohl, was an diesen Dingen-an-sich ist; sie sind
+als solche nichts als Wahrheitslose, leere Abstraktionen. Was aber das
+Ding-an-sich in Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist die
+Logik die Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas Besseres als die
+Abstraktion verstanden wird, nämlich was etwas in seinem Begriffe ist;
+dieser aber ist konkret in sich, als Begriff überhaupt begreiflich, und
+als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich erkennbar.
+
+Das Ansichseyn hat zunächst das Seyn-für-Anderes zu seinem
+gegenüberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das Gesetztseyn
+gegenübergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das
+Seyn-für-Anderes, aber er enthält bestimmt die bereits geschehene
+Zurückbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein
+Ansichseyn, worin es positiv ist. Das Ansichseyn ist gewöhnlich als
+eine abstrakte Weise den Begriff auszudrücken zu nehmen; Setzen fällt
+eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion; der
+Grund setzt das, was durch ihn begründet wird; die Ursache noch mehr
+bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbstständigkeit
+unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen
+seine Sache, sein Seyn zu haben. In der Sphäre des Seyns geht das
+Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein Anderes,
+mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche bringt das
+Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht. In der Sphäre des Seyns
+ist das Sich-bestimmen des Begriffs selbst nur erst an sich, so heißt
+es ein Übergehen; auch die reflektirenden Bestimmungen des Seyns, wie
+Etwas und Anderes, oder das Endliche und Unendliche, ob sie gleich
+wesentlich auf einander hinweisen, oder als Seyn-für-Anderes sind,
+gelten als qualitative für sich bestehend; das Andere ist, das Endliche
+gilt ebenso als unmittelbar seyend und für sich feststehend, wie das
+Unendliche; ihr Sinn erscheint als vollendet auch ohne ihr Anderes. Das
+Positive und Negative hingegen, Ursache und Wirkung, so sehr sie auch
+als isolirt seyend genommen werden, haben zugleich keinen Sinn ohne
+einander; es ist an ihnen selbst ihr Scheinen in einander, das Scheinen
+seines Anderen in jedem, vorhanden.—In den verschiedenen Kreisen der
+Bestimmung und besonders im Fortgange der Exposition, oder näher im
+Fortgange des Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache,
+dieß immer wohl zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt ist,
+wie die Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder als
+seyend-für-Anderes sind. Es ist dieß ein Unterschied, der nur der
+dialektischen Entwickelung angehört, den das metaphysische
+Philosophiren, worunter auch das kritische gehört, nicht kennt; die
+Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen, Unterscheidungen
+und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar Ansichseyendes behaupten
+und hervorbringen.
+
+Das Seyn-für-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch
+mit seinem Ansich; das Seyn-für-Anderes ist so am Etwas. Diese in sich
+reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende, somit
+wieder eine Qualität,—die Bestimmung.
+
+b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.
+
+Das Ansich, in welches das Etwas aus seinem Seyn-für-Anderes in sich
+reflektirt ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als Negation
+seines Seyns-für-Anderes durch dieses vermittelt, welches so sein
+Moment ist. Es ist nicht nur die unmittelbare Identität des Etwas mit
+sich, sondern die, durch welche das Etwas das, was es an sich ist, auch
+an ihm ist; das Seyn-für-Anderes ist an ihm, weil das Ansich das
+Aufheben desselben ist, aus demselben in sich ist; aber ebenso sehr
+auch schon, weil es abstrakt, also wesentlich mit Negation, mit
+Seyn-für-Anderes behaftet ist. Es ist hier nicht nur Qualität und
+Realität, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende Bestimmtheit
+vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in sich reflektirte
+Bestimmtheit zu setzen.
+
+1. Die Qualität, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in
+Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine
+Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer Bedeutung
+von Bestimmtheit überhaupt unterschieden wird. Die Bestimmung ist die
+affirmative Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem das Etwas in seinem
+Daseyn gegen seine Verwicklung mit Anderem, wo von es bestimmt würde,
+gemäß bleibt, sich in seiner Gleichheit mit sich erhält, sie in seinem
+Seyn-für-Anderes geltend macht. Es erfüllt seine Bestimmung, insofern
+die weitere Bestimmtheit, welche zunächst durch sein Verhalten zu
+Anderem mannigfaltig erwächst, seinem Ansichseyn gemäß, seine Fülle
+wird. Die Bestimmung enthält dieß, daß was Etwas an sich ist, auch an
+ihm sey.
+
+Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken überhaupt
+ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von dem Thiere
+unterschieden; er ist Denken an sich, insofern dasselbe auch von seinem
+Seyn-für-Anderes, seiner eigenen Natürlichkeit und Sinnlichkeit,
+wodurch er unmittelbar mit Anderem zusammenhängt, unterschieden ist.
+Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch selbst ist Denken, er ist
+da als denkend, es ist seine Existenz und Wirklichkeit; und ferner
+indem es in seinem Daseyn, und sein Daseyn im Denken ist, ist es
+konkret, ist mit Inhalt und Erfüllung zu nehmen, es ist denkende
+Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen. Aber selbst diese
+Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen, d. i. sie mit der
+Erfüllung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der Form des Ansich
+überhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn, das zugleich noch
+als äußerlich gegenüberstehende, unmittelbare Sinnlichkeit und Natur
+ist.
+
+2. Die Erfüllung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch
+unterschieden von der Bestimmtheit, die nur Seyn-für-Anderes ist und
+außer der Bestimmung bleibt. Denn im Felde des Qualitativen bleibt den
+Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare,
+qualitative Seyn gegeneinander. Das, was das Etwas an ihm hat, theilt
+sich so, und ist nach dieser Seite äußerliches Daseyn des Etwas, das
+auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn angehört.—Die
+Bestimmtheit ist so Beschaffenheit.
+
+So oder anders beschaffen, ist Etwas als in äußerem Einfluß und
+Verhältnissen begriffen. Diese äußerliche Beziehung, von der die
+Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes,
+erscheint als etwas Zufälliges. Aber es ist Qualität des Etwas, dieser
+Äußerlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu haben.
+
+Insofern Etwas sich verändert, so fällt die Veränderung in die
+Beschaffenheit; sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird. Es selbst
+erhält sich in der Veränderung, welche nur diese unstäte Oberfläche
+seines Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft.
+
+Bestimmung und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden; Etwas
+ist seiner Bestimmung nach gleichgültig gegen seine Beschaffenheit. Das
+aber, was Etwas an ihm hat, ist die sie beide verbindende Mitte dieses
+Schlusses. Das Am Etwas seyn zeigte sich aber vielmehr in jene beide
+Extreme zu zerfallen. Die einfache Mitte ist die Bestimmtheit als
+solche; ihrer Identität gehört sowohl Bestimmung als Beschaffenheit an.
+Aber die Bestimmung geht für sich selbst in Beschaffenheit und diese in
+jene über. Dieß liegt im Bisherigen; der Zusammenhang ist näher dieser:
+Insofern das, was Etwas an sich ist, auch an ihm ist, ist es mit
+Seyn-für-Anderes behaftet; die Bestimmung ist damit als solche offen
+dem Verhältniß zu Anderem. Die Bestimmtheit ist zugleich Moment,
+enthält aber zugleich den qualitativen Unterschied, vom Ansichseyn
+verschieden, das Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu seyn. Die so
+das Andere in sich fassende Bestimmtheit mit dem Ansichseyn vereinigt
+bringt das Andersseyn in das Ansichseyn oder in die Bestimmung hinein,
+welche dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt ist. Umgekehrt das
+Seyn-für-Anders als Beschaffenheit isolirt und für sich gesetzt ist es
+an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm selbst
+d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich beziehendes
+Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also Bestimmung.—Es hängt
+hiermit, insofern beide auch außereinander zu halten sind, die
+Beschaffenheit, die in einem Äußerlichen, einem Anderen überhaupt
+gegründet erscheint, auch von der Bestimmung ab, und das fremde
+Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas zugleich bestimmt.
+Aber ferner gehört die Beschaffenheit zu dem, was das Etwas an sich
+ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas.
+
+Diese Änderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veränderung des Etwas
+bloß nach seinem Seyn-für-Anderes; jene erste war nur die an sich
+seyende, dem innern Begriffe angehörige Veränderung; die Veränderung
+ist nunmehr auch die am Etwas gesetzte.—Das Etwas selbst ist weiter
+bestimmt, und die Negation als ihm immanent gesetzt, als sein
+entwickeltes Insichseyn.
+
+Zunächst ist das Übergehen der Bestimmung und Beschaffenheit ineinander
+das Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn oder Etwas
+überhaupt gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede resultirt, der
+das qualitative Andersseyn ebenso in sich befaßt, sind Zwei Etwas, aber
+nicht nur Andere gegen einander überhaupt, so daß diese Negation noch
+abstrakt wäre und nur in die Vergleichung fiele, sondern sie ist
+nunmehr den Etwas immanent. Sie sind als daseyend gleichgültig
+gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht mehr unmittelbare,
+jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des Aufhebens des
+Andersseyns, welches in der Bestimmung in das Ansichseyn reflektirt
+ist.
+
+Etwas verhält sich so aus sich selbst zum Anderen, weil das Andersseyn
+als sein eigenes Moment in ihm gesetzt ist, sein Insichseyn befaßt die
+Negation in sich, vermittelst deren überhaupt es nun sein affirmatives
+Daseyn hat. Aber von diesem ist das Andere auch qualitativ
+unterschieden, es ist hiermit außer dem Etwas gesetzt. Die Negation
+seines Anderen ist nur die Qualität des Etwas, denn als dieses Aufheben
+seines Anderen ist es Etwas. Damit tritt erst eigentlich das Andere
+einem Daseyn selbst gegenüber; dem ersten Etwas ist das Andere nur
+äußerlich gegenüber, oder aber indem sie in der That schlechthin, d. i.
+ihrem Begriffe nach zusammenhängen, ist ihr Zusammenhang dieser, daß
+das Daseyn in Andersseyn, Etwas in Anderes übergegangen, Etwas sosehr
+als das Andere, ein Anderes ist. Insofern nun das Insichseyn das
+Nichtseyn des Andersseyns, welches in ihm enthalten, aber Zugleich als
+seyend unterschieden, ist das Etwas selbst, die Negation, das Aufhören
+eines Anderen an ihm; es ist als sich negativ dagegen verhaltend und
+sich damit erhaltend gesetzt; —dieß Andere, das Insichseyn des Etwas
+als Negation der Negation ist sein Ansichseyn, und zugleich ist dieß
+Aufheben als einfache Negation an ihm, nämlich als seine Negation des
+ihm äußerlichen anderen Etwas. Es ist Eine Bestimmtheit derselben,
+welche sowohl mit dem Insichseyn der Etwas identisch, als Negation der
+Negation, als auch indem diese Negationen als andere Etwas
+gegeneinander sind, sie aus ihnen selbst zusammenschließt und ebenso
+von einander, jedes das Andere negirend, abscheidet,—die Grenze.
+
+3. Seyn-für-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von Etwas
+mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das Nichtseyn-für-Anderes
+hervor, die qualitative Negation des Anderen, welches dadurch von dem
+in sich reflektirten Etwas abgehalten wird. Die Entwickelung dieses
+Begriffs ist zu sehen, welche sich aber vielmehr als Verwicklung und
+Widerspruch zeigt. Dieser ist sogleich darin vorhanden, daß die Grenze
+als in sich reflektirte Negation des Etwas die Momente des Etwas und
+des Anderen in ihr ideell enthält, und diese als unterschiedene Momente
+zugleich in der Sphäre des Daseyns als reell, qualitativ unterschieden
+gesetzt sind.
+
+à. Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und
+hat eine Grenze zunächst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des
+Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes. —Aber
+das Andere ist selbst ein Etwas überhaupt; die Grenze also, welche das
+Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen als Etwas,
+Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein Anderes von sich
+abhält, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist sie nicht nur
+Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen Etwas, somit
+des Etwas überhaupt.
+
+Aber sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist Etwas
+zugleich durch seine Grenze. Indem Etwas begrenzend ist, wird es zwar
+dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine Grenze ist, als
+Aufhören des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das Seyn des Etwas;
+dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr seine Qualität.—Dieß
+Verhältniß ist die äußere Erscheinung dessen, daß die Grenze einfache
+Negation oder die erste Negation, das Andere aber zugleich die Negation
+der Negation, das Insichseyn des Etwas, ist.
+
+Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes Etwas,
+aber es hat sie an ihm selbst und ist Etwas durch die Vermittelung
+derselben, die ebenso sehr sein Nichtseyn ist. Sie ist die
+Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist.
+
+ß. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese
+Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied sind, so fällt das
+Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas außer einander. Etwas hat sein
+Daseyn außer (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb) seiner
+Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist, außerhalb
+derselben. Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie aufhören. Sie
+haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer Grenze; die Grenze als
+das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von beiden.
+
+—Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint die
+Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, des Punktes; die Fläche als
+Fläche außerhalb der Linie; der Körper als Körper nur außerhalb seiner
+begrenzenden Fläche.—Dieß ist die Seite, von welcher die Grenze
+zunächst in die Vorstellung,—das Außersichseyn des Begriffes,—fällt,
+als vornehmlich auch in den räumlichen Gegenständen genommen wird.
+
+y. Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das
+unbegrenzte Etwas, nur das Daseyn überhaupt. So ist es nicht von seinem
+Anderen unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem Anderen
+dieselbe Bestimmung, jedes ist nur Etwas überhaupt oder jedes ist
+Anderes; beide sind so Dasselbe. Aber dieß ihr zunächst unmittelbares
+Daseyn ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze, in welcher
+beide sind, was sie sind, unterschieden von einander. Sie ist aber
+ebenso ihre gemeinschaftliche Unterschiedenheit, die Einheit und
+Unterschiedenheit derselben, wie das Dasein. Diese doppelte Identität
+beider, das Daseyn und die Grenze enthält dieß, daß das Etwas sein
+Daseyn nur in der Grenze hat, und daß, indem die Grenze und das
+unmittelbare Daseyn beide zugleich das Negative von einander sind, das
+Etwas, welches nur in seiner Grenze ist, eben so sehr sich von sich
+selbst trennt und über sich hinaus auf sein Nichtseyn weißt und dieß
+als sein Seyn ausspricht, und so in dasselbe übergeht. Um dieß auf das
+vorige Beispiel anzuwenden, so ist die eine Bestimmung, daß Etwas, das
+was es ist, nur in seiner Grenze ist;—so ist also der Punkt nicht nur
+so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört und sie als Daseyn
+außer ihm ist;—die Linie nicht nur so Grenze der Fläche, daß diese in
+der Linie nur aufhört, ebenso die Fläche als Grenze des Körpers.
+Sondern im Punkte fängt die Linie auch an; er ist ihr absoluter Anfang,
+auch insofern sie als nach ihren beiden Seiten unbegrenzt, oder wie man
+es ausdrückt, als ins Unendliche verlängert vorgestellt wird, macht der
+Punkt ihr Element aus, wie die Linie das Element der Fläche, die Fläche
+das des Körpers. Diese Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen;
+wie das Eins, z.B. als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des
+ganzen Hundert.
+
+Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in der
+es immanent ist, der Widerspruch zu seyn, der es über sich selbst
+hinausschickt. So ist der Punkt, diese Dialektik seiner selbst, zur
+Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Fläche, die Fläche die
+zum totalen Raume zu werden. Von Linie, Fläche, und ganzem Raum wird
+eine zweite Definition so gegeben, daß durch die Bewegung des Punktes
+die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht u.s.f.
+Diese Bewegung des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas
+Zufälliges oder nur so Vorgestelltes angesehen. Dieß ist jedoch
+eigentlich darin zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen Linie
+u.s.f. entstehen sollen, ihre Elemente und Principien seyen, und diese
+sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das Entstehen wird so
+nicht für zufällig oder nur so vorgestellt, betrachtet. Daß Punkt,
+Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend, Anfänge sind, welche
+selbst sich von sich abstossen, und der Punkt somit aus sich durch
+seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an sich bewegt und sie
+entstehen macht, u.s.f.—liegt in dem Begriffe der dem Etwas immanenten
+Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehört in die Betrachtung des
+Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der Punkt die ganz abstrakte
+Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist noch ganz unbestimmt genommen,
+es ist der sogenannte absolute, d. h. abstrakte Raum, das schlechthin
+kontinuirliche Außereinanderseyn. Damit daß die Grenze s nicht
+abstrakte Negation, sondern in diesem Daseyn, daß sie räumliche
+Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich, der Widerspruch der
+abstrakten Negation und der Kontinuität und damit das Übergehen und
+Übergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen Punkt giebt, wie
+auch nicht eine Linie und Fläche.
+
+Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner
+selbst, durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist
+das Endliche.
+
+c. Die Endlichkeit.
+
+Das Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualität, und ist in ihr nicht
+nur bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualität ist seine Grenze, mit
+welcher behaftet, es zunächst affirmatives, ruhiges Daseyn bleibt. Aber
+diese Negation entwickelt, so daß der Gegensatz seines Daseyns und der
+Negation als ihm immanenter Grenze selbst das Insichseyn des Etwas, und
+dieses somit nur Werden an ihm selbst sey, macht seine Endlichkeit aus.
+Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind endlich, so wird darunter
+verstanden, daß sie nicht nur eine Bestimmtheit haben, die Qualität
+nicht nur als Realität und ansichseyende Bestimmung, daß sie nicht blos
+begrenzt sind, sie haben so noch Daseyn außer ihrer Grenze,—sondern daß
+vielmehr das Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht. Die endlichen
+Dinge sind, aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß sie als
+negativ sich auf sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf
+sich selbst sich über sich, über ihr Seyn, hinauszuschicken. Sie sind,
+aber die Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende. Das Endliche verändert
+sich nicht nur, wie Etwas überhaupt, sondern es vergeht, und es ist
+nicht bloß möglich, daß es vergeht, so daß es seyn könnte, ohne zu
+vergehen. Sondern das Seyn der endlichen Dinge als solches ist, den
+Keim des Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt
+ist die Stunde ihres Todes.
+
+1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.
+
+Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich,
+weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in der
+Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives Seyn
+unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist. Die
+Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation, die
+zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn
+zurückgegangen ist, die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die
+Negation überhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem
+Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird für sich als
+Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte
+Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber. Das
+Endliche läßt sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu
+seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;—es ist vielmehr
+das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen hin
+affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also
+untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem
+Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der
+endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand
+verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur
+Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht. Ihre
+Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen,
+vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist
+ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr
+Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig.
+
+Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut
+sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie oder
+Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen wollen; vielmehr ist
+das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des Endlichen vorhanden;
+das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche; das Endliche ist nur
+das Endliche, nicht das Unvergängliche; dieß liegt unmittelbar in
+seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt darauf an, ob in der
+Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird, die Vergänglichkeit
+bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und das Vergehen vergeht?
+Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum eben in derjenigen
+Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum Letzten des Endlichen
+macht. Es ist die ausdrückliche Behauptung, daß das Endliche mit dem
+Unendlichen unverträglich und unvereinbar sey, das Endliche dem
+Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey. Dem Unendlichen ist Seyn,
+absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber bleibt so das Endliche
+festgehalten, als das Negative desselben; unvereinbar mit dem
+Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen Seite; Affirmation
+erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und verginge so; aber
+eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das Unmögliche erklärt
+wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen gegenüber, sondern
+vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein Vergehen das Letzte,
+nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben des Vergehens seyn
+würde. Sollte aber das Endliche nicht im Affirmativen vergehen, sondern
+sein Ende als das Nichts gefaßt werden, so wären wir wieder bei jenem
+ersten, abstrakten Nichts, das selbst längst vergangen ist.
+
+Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem zugleich
+eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben wird,
+kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen,
+angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der Endlichkeit
+ausdrücklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier wird behauptet,
+das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen entgegen, das an sich
+Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges. Dieß ist zum Bewußtseyn
+zu bringen; und die Entwickelung des Endlichen zeigt, daß es an ihm als
+dieser Widerspruch in sich zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich
+auflöst, nicht daß es nur vergänglich ist und vergeht, sondern daß das
+Vergehen, das Nichts, nicht das Letzte ist, sondern vergeht.
+
+2. Die Schranke und das Sollen.
+
+Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, daß das
+Etwas endlich ist, oder daß das Endliche ist. Aber Etwas oder das Seyn
+ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich reflektirt, und
+entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und Beschaffenheit an
+ihm hat, und noch bestimmter, daß es eine Grenze an ihm hat, welche als
+das dem Etwas immanente und die Qualität seines Insichseyns ausmachend,
+die Endlichkeit ist. In diesem Begriffe des endlichen Etwas ist zu
+sehen, was für Momente enthalten sind.
+
+Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten für die
+äußerliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem
+Ansich des Etwas angehörig; die Äußerlichkeit des Andersseyns ist einer
+Seits in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits bleibt sie
+als Äußerlichkeit unterschieden davon, sie ist noch Äußerlichkeit als
+solche, aber an dem Etwas. Indem aber ferner das Andersseyn als Grenze,
+selbst als Negation der Negation, bestimmt ist, so ist das dem Etwas
+immanente Andersseyn, als die Beziehung der beiden Seiten gesetzt, und
+die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl die Bestimmung als die
+Beschaffenheit angehört, seine gegen sich selbst gekehrte Beziehung,
+die seine immanente Grenze in ihm negirende Beziehung seiner an sich
+seyenden Bestimmung darauf. Das mit sich identische Insichseyn bezieht
+sich so auf sich selbst als sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation
+der Negation, als dasselbe negirend, das zugleich Daseyn in ihm behält,
+denn es ist die Qualität seines Insichseyns. Die eigene Grenze des
+Etwas, so von ihm als ein Negatives, das zugleich wesentlich ist,
+gesetzt, ist nicht nur Grenze als solche, sondern Schranke. Aber die
+Schranke ist nicht allein das als negirt gesetzte; die Negation ist
+zweischneidig, indem das von ihr als negirt Gesetzte, die Grenze ist;
+diese nämlich ist überhaupt das Gemeinschaftliche des Etwas und des
+Anderen, auch Bestimmtheit des Ansichseyns der Bestimmung als solcher.
+Dieses Ansichseyn hiermit ist als die negative Beziehung auf seine von
+ihm auch unterschiedene Grenze, auf sich als Schranke, Sollen.
+
+Daß die Grenze, die am Etwas überhaupt ist, Schranke sey, muß es
+zugleich in sich selbst über sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf
+sie als auf ein Nichtseyendes beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt
+ruhig gleichgültig, gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber über
+seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobenseyn, das gegen
+sie negative Ansichseyn ist. Und indem sie in der Bestimmung selbst als
+Schranke ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus.
+
+Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an
+sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber
+dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden,
+aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist.
+
+Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf seine
+Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist
+Schranke. Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst
+endlich, sowohl das Sollen, als die Schranke. Aber nur die Schranke ist
+als das Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit für uns,
+beschränkt. Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon immanente
+Grenze ist es beschränkt, aber diese seine Beschränkung ist in das
+Ansichseyn eingehüllt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach seiner
+Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn gesetzt.
+
+Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es wäre, so sollte es
+nicht bloß seyn. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. Diese
+Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die
+Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, nämlich
+zugleich nur eine Bestimmtheit.
+
+Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum
+Sollen herab, dadurch daß dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in
+einer und derselben Rücksicht als Nichtseyn ist; und zwar so, daß im
+Insichseyn, der Negation der Negation, jenes Ansichseyn als die eine
+Negation (das Negirende) Einheit mit der anderen ist, die zugleich als
+qualitativ andere, Grenze ist, wodurch jene Einheit als Beziehung auf
+sie ist. Die Schranke des Endlichen ist nicht ein Äußeres, sondern
+seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke; und diese ist sowohl
+sie selbst als auch Sollen; sie ist das Gemeinschaftliche beider, oder
+vielmehr das, worin beide identisch sind.
+
+Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche über seine Schranke
+hinaus; dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch
+aufgehoben, und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht
+seine Grenze.
+
+Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat
+es aber nur als Sollen seine Schranke. Beides ist untrennbar. Etwas hat
+insofern eine Schranke, als es in seiner Bestimmung die Negation hat,
+und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke.
+
+Anmerkung.
+
+Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie,
+vornehmlich in Beziehung auf Moralität, und metaphysisch überhaupt auch
+als der letzte und absolute Begriff von der Identität des Ansichseyns
+oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit oder der Grenze
+gespielt.
+
+Du kannst, weil du sollst,—dieser Ausdruck, der viel sagen sollte,
+liegt im Begriffe des Sollens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn über
+die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben, das Ansichseyn
+des Sollens ist so identische Beziehung auf sich, somit die Abstraktion
+des Könnens.—Aber umgekehrt ist es eben so richtig: Du kannst nicht,
+eben weil du sollst. Denn im Sollen liegt ebenso sehr die Schranke als
+Schranke; jener Formalismus der Möglichkeit hat an ihr eine Realität,
+ein qualitatives Andersseyn, sich gegenüber, und die Beziehung beider
+auf einander ist der Widerspruch, somit das Nicht-Können oder vielmehr
+die Unmöglichkeit.
+
+Im Sollen beginnt das Hinausgehen über die Endlichkeit, die
+Unendlichkeit. Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer
+Entwickelung, nach jener Unmöglichkeit als der Progreß ins Unendliche
+darstellt.
+
+In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens können zwei
+Vorurtheile näher gerügt werden. Es pflegt zuerst viel auf die
+Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und es
+wird behauptet, es könne über die Schranke nicht hinausgegangen werden.
+In dieser Behauptung liegt die Bewußtlosigkeit, daß darin selbst, daß
+etwas als Schranke bestimmt ist, darüber bereits hinausgegangen ist.
+Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke nur bestimmt, im
+Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt, also gegen sein Unbeschränktes;
+das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus über dieselbe. Der Stein,
+das Metall ist nicht über seine Schranke hinaus, darum weil sie für ihn
+nicht Schranke ist. Wenn jedoch bei solchen allgemeinen Sätzen des
+verständigen Denkens, daß über die Schranke nicht hinausgegangen werden
+könne, das Denken sich nicht anwenden will, um zu sehen, was im
+Begriffe liegt, so kann an die Wirklichkeit verwiesen werden, wo denn
+solche Sätze sich als das Unwirklichste zeigen. Dadurch eben, daß das
+Denken etwas Höheres, als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich entfernt
+in höheren Regionen halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen
+bestimmt ist, geht es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und
+geschieht ihm andererseits, daß es sich ebenso unwahr gegen die
+Wirklichkeit als gegen den Begriff verhält.—Weil der Stein nicht denkt,
+nicht einmal empfindet, ist seine Beschränktheit für ihn keine
+Schranke, d. h. in ihm nicht eine Negation für die Empfindung,
+Vorstellung, Denken u.s.f. die er nicht hat. Aber auch selbst der Stein
+ist als Etwas in seine Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn
+unterschieden, und insofern geht auch er über seine Schranke hinaus;
+der Begriff der er an sich ist, enthält die Identität mit seinem
+Anderen. Ist er eine säurungsfähige Basis, so ist er oxidirbar,
+neutralisirbar u.s.f. In der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich
+seine Schranke, nur als Basis da zu seyn, auf; er geht darüber hinaus;
+sowie die Säure ihre Schranke als Säure zu seyn aufhebt, und es ist in
+ihr wie in der kaustischen Basis sosehr das Sollen, über ihre Schranke
+hinauszugehen, vorhanden, daß sie nur mit Gewalt als—wasserlose, d. i.
+rein nicht neutrale—Säure und kaustische Basis festgehalten werden
+können.
+
+Enthält aber eine Existenz den Begriff nicht bloß als abstraktes
+Ansichseyn, sondern als für sich seyende Totalität, als Trieb, als
+Leben, Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus ihr
+dieß, über die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen. Die Pflanze
+geht über die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso über die, als Blüthe,
+als Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird entfaltete
+Pflanze, die Blüthe verblüht u.s.f. Das Empfindende in der Schranke des
+Hungers, Durstes u.s.f. ist der Trieb über diese Schranke hinauszugehen
+und vollführt dieß Hinausgehen. Es empfindet Schmerz, und das Vorrecht
+empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden; es ist eine Negation in
+seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke in seinem Gefühle
+bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefühl seiner Selbst hat,
+welches die Totalität ist, das über jene Bestimmtheit hinaus ist. Wäre
+es nicht darüber hinaus, so empfände es dieselbe nicht als seine
+Negation und hätte keinen Schmerz.—Die Vernunft aber, das Denken,
+sollte nicht über die Schranke hinausgehen können,—sie, die das
+Allgemeine, das für sich über die, d. i. über alle Besonderheit hinaus
+ist, nur das Hinausgehen über die Schranke ist.—Freilich ist nicht
+jedes Hinausgehen und Hinausseyn über die Schranke eine wahrhafte
+Befreiung von derselben, wahrhafte Affirmation; schon das Sollen selbst
+ist ein solches unvollkommenes Hinausgehen, und die Abstraktion
+überhaupt. Aber das Hinweisen auf das ganz abstrakte Allgemeine reicht
+aus gegen die ebenso abstrakte Versicherung, es könne nicht über die
+Schranke hinausgegangen werden, oder schon das Hinweisen auf das
+Unendliche überhaupt gegen die Versicherung, daß nicht über das
+Endliche hinausgegangen werden könne.
+
+Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens erwähnt
+werden,—wenn ein Magnet Bewußtseyn hätte, so würde derselbe seine
+Richtung nach Norden für eine Bestimmung seines Willens, ein Gesetz
+seiner Freyheit ansehen. Vielmehr wenn er Bewußtseyn damit Willen und
+Freiheit hätte, wäre er denkend, somit würde der Raum für ihn als
+allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine Richtung
+nach Norden vielmehr als eine Schranke für seine Freyheit seyn, so sehr
+als es für den Menschen eine Schranke auf einer Stelle festgehalten zu
+werden, für die Pflanze aber nicht ist.
+
+Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen über die Schranke, aber ein
+selbst nur endliches Hinausgehen. Es hat daher seine Stelle und sein
+Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das
+Beschränkte festhält und es als die Regel und das Wesentliche gegen das
+Nichtige behauptet. Die Pflicht ist ein Sollen gegen den besonderen
+Willen, gegen die selbstsüchtige Begierde und das willkürliche
+Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner Beweglichkeit sich
+vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein Sollen vorgehalten.
+Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch halten, und darin, daß
+das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes anerkannt wird, meinen, daß
+die Moralität zerstört werden solle, sowie die Raisonneurs, deren
+Verstand sich die unaufhörliche Befriedigung giebt, gegen Alles, was da
+ist, ein Sollen und somit ein Besser-wissen vorbringen zu können, die
+sich das Sollen darum ebenso wenig wollen rauben lassen, sehen nicht,
+daß für die Endlichkeit ihrer Kreise das Sollen vollkommen anerkannt
+wird.—Aber in der Wirklichkeit selbst steht es nicht so traurig um
+Vernünftigkeit und Gesetz, daß sie nur seyn sollten, dabei bleibt nur
+das Abstraktum des Ansichseyns,—so wenig als daß das Sollen an ihm
+selbst perennirend und, was dasselbe ist, die Endlichkeit absolut wäre.
+Die Kantische und Fichtesche Philosophie giebt als den höchsten Punkt
+der Auflösung der Widersprüche der Vernunft das Sollen an, was aber
+vielmehr nur der Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit
+im Widerspruche, ist.
+
+3. Übergang des Endlichen in das Unendliche.
+
+Das Sollen für sich enthält die Schranke, und die Schranke das Sollen.
+Ihre Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide in
+seinem Insichseyn enthält. Diese Momente seiner Bestimmung sind sich
+qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das Negative
+des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der Schranke. Das
+Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es hebt sich auf,
+vergeht. Aber dieß sein Resultat, das Negative überhaupt, ist à) seine
+Bestimmung selbst; denn es ist das Negative des Negativen. So ist das
+Endliche in dem Vergehen nicht vergangen; es ist zunächst nur ein
+anderes Endliches geworden, welches aber ebenso das Vergehen als
+Übergehen in ein anderes Endliches ist, und so fort, etwa ins
+Unendliche. Aber ß) näher dieß Resultat betrachtet, so hat das Endliche
+in seinem Vergehen, dieser Negation seiner selbst, sein Ansichseyn
+erreicht, es ist darin mit sich selbst zusammengegangen. Jedes seiner
+Momente enthält eben dieß Resultat; das Sollen geht über die Schranke,
+d. i. über sich selbst hinaus; über es hinaus aber oder sein Anderes
+ist nur die Schranke selbst. Die Schranke aber weist über sich selbst
+unmittelbar hinaus zu seinem Anderen, welches das Sollen ist; dieses
+aber ist dieselbe Entzweiung des Ansichseyns und des Daseyns wie die
+Schranke, ist dasselbe; über sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit
+sich zusammen. Diese Identität mit sich, die Negation der Negation, ist
+affirmatives Seyn, so das Andere des Endlichen, als welches die erste
+Negation zu seiner Bestimmtheit haben soll;—jenes Andere ist das
+Unendliche.
+
+C. Die Unendlichkeit.
+
+Das Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunächst als eine neue
+Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die
+bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden. Die
+Formen des Daseyns fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die für
+Definitionen des Absoluten angesehen werden können, da die Formen jener
+Sphäre für sich unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als endliche
+überhaupt, gesetzt sind. Das Unendliche aber gilt schlechthin für
+absolut, da es ausdrücklich als Negation des Endlichen bestimmt ist,
+hiermit auf die Beschränktheit, deren das Seyn und Werden, wenn sie
+auch an ihnen keine Beschränktheit haben oder zeigen, doch etwa fähig
+seyn könnten, im Unendlichen ausdrücklich Beziehung genommen und eine
+solche an ihm negirt ist.
+
+Damit aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der
+Beschränktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den
+wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit,
+das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu
+unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche, und es
+wird sich ergeben, daß eben indem das Unendliche vom Endlichen rein und
+entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird.
+
+Das Unendliche ist
+
+a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen;
+
+b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist
+das abstrakte, einseitige Unendliche;
+
+c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein
+Proceß,—ist das wahrhafte Unendliche.
+
+a. Das Unendliche überhaupt.
+
+Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das
+Seyn, das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat. Das
+Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare
+Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei dem
+Namen des Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht auf,
+denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt sich zu
+sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit, seiner
+Freiheit.
+
+Zuerst hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das Daseyn
+in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die Schranke
+hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, über sich
+hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden. Das
+Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem
+Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben
+hätte und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft
+über das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, daß das
+Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft über
+das Zeitliche erheben, so läßt man dieß ganz unbeschadet des Endlichen
+geschehen, welches jene ihm äußerlich bleibende Erhebung nichts angeht.
+Insofern aber das Endliche selbst in die Unendlichkeit erhoben wird,
+ist es eben so wenig eine fremde Gewalt, welche ihm dieß anthut,
+sondern es ist dieß seine Natur, sich auf sich als Schranke, sowohl als
+Schranke als solche, wie als Sollen, zu beziehen, und über dieselbe
+hinauszugehen, oder vielmehr als Beziehung auf sich sie negirt zu haben
+und über sie hinaus zu seyn. Nicht im Aufheben der Endlichkeit
+überhaupt wird die Unendlichkeit überhaupt, sondern das Endliche ist
+nur dieß, selbst durch seine Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit
+ist seine affirmative Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist.
+
+So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur
+das Unendliche.
+
+b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.
+
+Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die
+Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als
+Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines
+bestimmten überhaupt, näher weil es das in sich-reflektirte,
+vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit überhaupt resultirende
+Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn
+gesetzt ist,—in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze,
+zurückgefallen. Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem
+Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in qualitativer
+Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare Seyn des
+Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen wieder, das
+zunächst im Unendlichen verschwunden schien.
+
+Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien
+der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß Andere
+gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist nämlich die als Schranke
+gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung gesetzt in sein
+Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden. Die Unendlichkeit ist das
+Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und Sollen, aber dieses
+zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte Sollen, nur sich auf
+sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der Unendlichkeit ist die
+Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit, Veränderung, alle
+Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden, als aufgehoben,
+das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese Negation des Endlichen
+ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als Negation der Negation in
+sich affirmativ ist. Diese Affirmation jedoch ist als qualitativ
+unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn; hierdurch ist das Unendliche auf
+die Kategorie zurückgeführt, daß es das Endliche als ein Anderes sich
+gegenüber hat; seine negative Natur ist als die seyende, hiermit erste
+und unmittelbare Negation gesetzt. Das Unendliche ist auf diese Weise
+mit dem Gegensatze gegen das Endliche behaftet, welches, als Anderes,
+das bestimmte, reale Daseyn zugleich bleibt, obschon es in seinem
+Ansichseyn, dem Unendlichen, zugleich als aufgehoben gesetzt ist;
+dieses ist das Nicht-endliche; —ein Seyn in der Bestimmtheit der
+Negation. Gegen das Endliche, den Kreis der seyenden Bestimmtheiten,
+der Realitäten, ist das Unendliche das unbestimmte Leere, das Jenseits
+des Endlichen, welches sein Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein
+bestimmtes ist, hat.
+
+So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von
+Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das
+Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die
+absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß,
+indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht zu
+haben meint, er in dem unversöhnten, unaufgelösten, absoluten
+Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die er
+nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und
+Explikation dieser seiner Kategorien einläßt.
+
+Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen
+das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei
+Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine
+endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des
+Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches
+Unendliches.
+
+Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren
+Formen.—Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt, auch
+indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird;— dieses
+hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu seiner
+Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene Negation, als
+Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher noch Etwas ist.
+Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt erhebende Verstand zu
+seinem Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so bleibt ihm diese
+endliche Welt als ein Diesseits stehen, so daß das Unendliche nur über
+dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und eben damit das
+Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;—beide an einen
+verschiedenen Platz gestellt,—das Endliche als das hiesige Daseyn, das
+Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als ein Jenseits
+in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher jenes sich befinde
+und dableibe.
+
+So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie
+abscheidende Negation auf einander bezogen. Diese sie, die in sich
+reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze des
+einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes derselben, sie nicht
+bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr
+Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst für sich, in seiner
+Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist aber als die erste
+Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst. Jedoch ist
+jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation seiner
+Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von sich ab, und
+qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes Seyn außer ihm,
+das Endliche sein Nichtseyn als dieß Unendliche, dieses ebenso das
+Endliche. Daß von dem Endlichen zum Unendlichen nothwendig d. h. durch
+die Bestimmung des Endlichen übergegangen und es als zum Ansichseyn
+erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das Endliche zwar als
+bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an sich nichtige also
+sich nach seiner Bestimmung auflösende bestimmt ist, das Unendliche
+aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet, bestimmt ist, aber
+zugleich auch als das Ansichseyende, so daß diese Abstraktion der sich
+auf sich beziehenden Affirmation seine Bestimmung ausmache, nach dieser
+hiermit das endliche Daseyn nicht in ihr liege. Aber es ist gezeigt
+worden, daß das Unendliche selbst nur vermittelst der Negation, als
+Negation der Negation, zum affirmativen Seyn resultirt, und daß diese
+seine Affirmation als nur einfaches, qualitatives Seyn genommen, die in
+ihm enthaltene Negation, zur einfachen unmittelbaren Negation, und
+damit zur Bestimmtheit und Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als
+widersprechend seinem Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das
+Seinige, vielmehr seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche,
+gesetzt wird. Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung
+das Setzen seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre
+Einheit ist in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist
+die innerliche, die nur zu Grunde liegt.
+
+Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im
+Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Übergehen des Endlichen
+zum Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an dem Endlichen,
+und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem Anderen, nur
+hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares Entstehen an
+dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey.
+
+Der Proceß ihres Übergehens hat folgende, ausführliche Gestalt. Es wird
+über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Dieß Hinausgehen
+erscheint als ein äußerliches Thun. In diesem dem Endlichen jenseitigen
+Leeren was entsteht? Was ist das Positive darin? Um der Untrennbarkeit
+des Unendlichen und Endlichen willen, (oder weil dieß auf seiner Seite
+stehende Unendliche selbst beschränkt ist), entsteht die Grenze; das
+Unendliche ist verschwunden, sein Anderes, das Endliche, ist
+eingetreten. Aber dieß Eintreten des Endlichen, erscheint als ein dem
+Unendlichen äußerliches Geschehen, und die neue Grenze als ein solches,
+das nicht aus dem Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso
+vorgefunden werde. Es ist damit der Rückfall in die vorherige,
+vergebens aufgehobene Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist
+selbst nur ein solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen
+ist. Somit ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem
+ebenso jene Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,—und
+sofort ins Unendliche.
+
+Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden;
+das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf
+das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf
+das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere
+gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist jedes
+die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner Bestimmtheit
+Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein Anderes ist.
+
+Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist
+es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen
+Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr
+hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins
+Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.—Dieser
+Progreß tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer
+Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in untrennbarer Einheit
+sind, und doch jeder gegen die andere ein selbstständiges Daseyn
+zugeschrieben wird. Dieser Progreß ist daher der Widerspruch, der nicht
+aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen wird.
+
+Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt,
+indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird. Es ist
+das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings hinausgegangen,
+denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit eben wird vielmehr
+nur zum Endlichen zurückgekehrt. Diese schlechte Unendlichkeit ist an
+sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie ist zwar die Negation
+des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in Wahrheit davon zu
+befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor, als ihr Anderes, weil
+dieß Unendliche nur ist als in Beziehung auf das ihm andere Endliche.
+Der Progreß ins Unendliche ist daher nur die sich wiederholende
+Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige Abwechslung dieses
+Endlichen und Unendlichen.
+
+Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen
+als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich. Somit
+wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und Unendlichen
+gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt. Sie ist es
+jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im Unendlichen das
+Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die Triebfeder des unendlichen
+Progresses. Er ist das Äußere jener Einheit, bei welchem die
+Vorstellung stehen bleibt, bei jener perennirenden Wiederholung eines
+und desselben Abwechselns, der leeren Unruhe des Weitergehens über die
+Grenze hinaus zur Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue
+Grenze findet, auf derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem
+Unendlichen. Dieses Unendliche hat die feste Determination eines
+Jenseits, das nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht
+werden soll, weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden
+Negation nicht abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das
+Endliche als ein Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins
+Unendliche erheben kann, darum weil es diese Determination eines
+Andern, hiermit eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und
+zwar als davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat.
+
+c. Die affirmative Unendlichkeit.
+
+In dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des
+Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon
+vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist.
+Dieß Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des
+Begriffes aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander
+fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der
+Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit sich
+ergiebt, die den Begriff selbst giebt;—die Einheit des Unendlichen und
+Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber vornehmlich in
+Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für die Einheit, wie
+sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen dieser schiefen
+Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Äußerung des Begriffes
+vorhanden seyn.
+
+Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist das
+Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche; es ist seiner
+Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das Endliche nur als
+das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation seiner an ihm
+selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt hiermit die
+Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des unendlichen
+Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und nur abwechselnd
+auf einander folgen; es kann keines gesetzt und gefaßt werden ohne das
+Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche, dieses nicht ohne das
+Unendliche. Wenn gesagt wird, was das Unendliche ist, nämlich die
+Negation des Endlichen, so wird das Endliche selbst mit ausgesprochen;
+es kann zur Bestimmung des Unendlichen nicht entbehrt werden. Man
+bedarf nur zu wissen, was man sagt, um die Bestimmung des Endlichen im
+Unendlichen zu finden. Vom Endlichen seinerseits wird sogleich
+zugegeben, daß es das Nichtige ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die
+Unendlichkeit, von der es ebenso untrennbar ist.—In diesem Auffassen
+können sie nach ihrer Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn
+scheinen. Werden sie hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur
+durch das: Und verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes
+nur an ihm selbst seyend, einander gegenüber. Es ist zu sehen, wie sie
+in solcher Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines
+der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es ist
+nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem
+gegenüberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche. Es
+sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, daß es so vom Endlichen
+abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt seine
+Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.—Das Endliche
+seinerseits als für sich vom Unendlichen entfernt gestellt, ist diese
+Beziehung auf sich, in der seine Relativität, Abhängigkeit, seine
+Vergänglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbstständigkeit und
+Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll.
+
+Beide Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit
+zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur
+als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden
+auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung von
+einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das Unendliche
+und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die ihnen
+äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist, was es
+ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung, ebenso sehr
+als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet, sein Anderes in
+ihm als sein eigenes Moment liegen hat.
+
+Dieß giebt denn die—verrufene—Einheit des Endlichen und Unendlichen,
+—die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und
+die Endlichkeit in sich begreift,—also das Unendliche in einem anderen
+Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und auf die
+andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden werden
+müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die Einheit
+beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das Gemeinschaftliche,
+die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als Einheit sie zunächst als
+negirte, da jedes das seyn soll, was es ist in ihrer Unterschiedenheit;
+in ihrer Einheit verlieren sie also ihre qualitative Natur;—eine
+wichtige Reflexion gegen die Vorstellung, die sich nicht davon
+losmachen will, in der Einheit des Unendlichen und Endlichen sie nach
+der Qualität, welche sie als außereinander genommen haben sollen,
+festzuhalten, und daher in jener Einheit nichts als den Widerspruch,
+nicht auch die Auflösung desselben durch die Negation der qualitativen
+Bestimmtheit beider sieht; so wird die zunächst einfache, allgemeine
+Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht.
+
+Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so
+ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist,
+in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner
+Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit
+an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur
+Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das
+schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung,
+welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag einer
+Qualität solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes
+Unendliches. Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur das
+Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein
+Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen
+unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt.
+
+Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch
+die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht. Dieß
+geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden Einheiten,
+das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das An-sich-seyn
+angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit und Schranke
+gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn herabgesetzt und
+verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls als das nicht
+negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so daß es in seiner
+Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht sey, erhoben, und
+dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr perennirende
+Bestimmung verunendlicht werde.
+
+Die Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen
+vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit
+festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut
+getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für
+ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die Einheit
+des Endlichen und Unendlichen nicht ein äußerliches Zusammenbringen
+derselben, noch eine ungehörige, ihrer Bestimmung zuwiderlaufende
+Verbindung, in welcher an sich getrennte und entgegengesetzte,
+gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit unverträgliche verknüpft
+würden, sondern jedes ist an ihm selbst diese Einheit, und dieß nur als
+Aufheben seiner selbst worin keines vor dem andern einen Vorzug des
+Ansichseyns und affirmativen Daseyns hätte. Wie früher gezeigt, ist die
+Endlichkeit nur als Hinausgehen über sich; es ist also in ihr die
+Unendlichkeit, das Andere ihrer selbst, enthalten. Eben so ist die
+Unendlichkeit nur als Hinausgehen über das Endliche; sie enthält also
+wesentlich ihr Anderes, und ist somit an ihr das Andere ihrer selbst.
+Das Endliche wird nicht vom Unendlichen als einer außer ihm vorhandenen
+Macht aufgehoben, sondern es ist seine Unendlichkeit, sich selbst
+aufzuheben.
+
+Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn
+überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas. Das, worin sich das Endliche
+aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit; aber diese
+ist längst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn bestimmt. Es ist
+also nur die Negation, die sich in der Negation aufhebt. So ist ihrer
+Seits die Unendlichkeit als das Negative der Endlichkeit und damit der
+Bestimmtheit überhaupt, als das leere Jenseits, bestimmt; sein
+Sich-aufheben im Endlichen ist ein Zurückkehren aus der leeren Flucht,
+Negation des Jenseits, das ein Negatives an ihm selbst ist.
+
+Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation.
+Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation aber
+als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung, welche die
+Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es, die wesentlich
+ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie im unendlichen
+Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm gesetzt sind,—nämlich
+noch nicht in ihrer letzten Wahrheit.
+
+Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche
+negirt,—es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen; zweitens
+werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern, als für sich
+Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen vergleichend
+heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren Vergleichen, die
+zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und Unendlichen in ihrer
+Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen, getrennt haben. Aber der
+unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist in ihm auch der
+Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch zunächst nur noch
+als Übergang und Abwechslung; es ist nur in einer einfachen Reflexion
+von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden ist.
+
+Zunächst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im
+unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander,
+nur aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen, so
+wird über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist also
+das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in diesem
+entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das Unendliche
+vorhanden. Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils überhaupt nur als
+ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der Momente, Theils noch nicht
+als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser Hinaus ist ein eigener Ansatz,
+ein neuer Akt, so daß sie so auseinander fallen.—Es ist aber auch
+ferner im unendlichen Progresse deren Beziehung vorhanden. Es ist
+erstlich das Endliche; dann wird darüber hinausgegangen, dieß Negative
+oder Jenseits des Endlichen ist das Unendliche; drittens wird über
+diese Negation wieder hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze,
+wieder ein Endliches. —Dieß ist die vollständige, sich selbst
+schließende Bewegung, die bei dem angekommen, das den Anfang machte; es
+entsteht dasselbe, von dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche
+ist wiederhergestellt; dasselbe ist also mit sich selbst
+zusammengegangen, hat nur sich in seinem Jenseits wiedergefunden.
+
+Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen, dem
+Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe Schicksal
+hat, als Endliches negirt werden zu müssen. Was so wieder vorhanden
+ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen Grenze
+verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben, durch die
+neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder von dem
+Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur dieß, in das Unendliche
+überzugehen,—noch von sich selbst, denn es ist bei sich angekommen.
+
+So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu sich
+durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als Vermittelung in
+sich, und das Affirmative beider enthält die Negation beider, und ist
+die Negation der Negation.—Sie sind so Resultat, hiermit nicht das, was
+sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind; —nicht das Endliche ein
+Daseyn seinerseits und das Unendliche ein Daseyn, oder Ansichseyn
+jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich bestimmten. Gegen die
+Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt sich der Verstand nur
+darum so sehr, weil er die Schranke und das Endliche wie das Ansichseyn
+als perennirend voraussetzt; damit übersieht er die Negation beider,
+die im unendlichen Progresse faktisch vorhanden ist, wie ebenso, daß
+sie darin nur als Momente eines Ganzen vorkommen und daß sie nur
+vermittelst ihres Gegentheils aber wesentlich ebenso vermittelst des
+Aufhebens ihres Gegentheils hervortreten.
+
+Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als Rückkehr des
+Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet
+wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit, die
+mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt; das Endliche ist das
+eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt genommen, und
+nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber völlig gleichgültig,
+welches als Anfang genommen werde; damit fällt der Unterschied für sich
+hinweg, der die Zweiheit der Resultate hervorbrachte. Dieß ist in der
+nach beiden Seiten unbegrenzten Linie des unendlichen Progresses
+gleichfalls gesetzt, worin jedes der Momente mit gleichem abwechselnden
+Vorkommen vorhanden, und es ganz äußerlich ist, in welche Stelle
+gegriffen und als Anfang genommen werde.—Sie sind in demselben
+unterschieden, aber auf gleiche Weise das eine nur das Moment des
+andern. Indem sie beide, das Endliche und das Unendliche selbst Momente
+des Processes sind, sind sie gemeinschaftlich das Endliche, und indem
+sie ebenso gemeinschaftlich in ihm und im Resultate negirt sind, so
+heißt dieses Resultat als Negation jener Endlichkeit beider mit
+Wahrheit das Unendliche. Ihr Unterschied ist so der Doppelsinn, den
+beide haben. Das Endliche hat den Doppelsinn, erstens nur das Endliche
+gegen das Unendliche zu seyn, das ihm gegenübersteht, und zweitens das
+Endliche und das ihm gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn.
+Auch das Unendliche hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu
+seyn, so ist es das Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in
+welchem jene beide, es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie
+also das Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn,
+in welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem
+Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn,
+und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner
+aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu
+seyn.
+
+Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon
+gerügte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefaßt
+werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit,
+und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende. Das Unendliche aber
+ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als Werden, aber
+das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden. Dieses hat zunächst
+das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen Bestimmungen; als Veränderung
+Daseyende, Etwas und Anderes; nun als Unendliches, Endliches und
+Unendliches, selbst als Werdende.
+
+Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf
+sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn,
+denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch
+Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die Bestimmtheit.
+Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig. Nur das Schlecht-Unendliche
+ist das Jenseits, weil es nur die Negation des als real gesetzten
+Endlichen ist,—so ist es die abstrakte, erste Negation; nur als negativ
+bestimmt, hat es nicht die Affirmation des Daseyns in ihm; festgehalten
+als nur Negatives soll es sogar nicht da, soll unerreichbar seyn. Diese
+Unerreichbarkeit ist aber nicht seine Hoheit, sondern sein Mangel,
+welcher seinen letzten Grund darin hat, daß das Endliche als solches
+als seyend festgehalten wird. Das Unwahre ist das Unerreichbare; und es
+ist einzusehen, daß solches Unendliche das Unwahre ist.—Das Bild des
+Progresses ins Unendliche ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen
+nur, das Unendliche und immer nur ist, wo sie,—und sie ist Daseyn—nicht
+ist, und die zu diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus
+geht; als wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren
+Bild der Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und
+ganz gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende.
+
+Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als affirmativ
+gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität in höherem
+Sinn,—als die früher einfach bestimmte; sie hat hier einen konkreten
+Inhalt erhalten. Das Endliche ist nicht das Reale, sondern das
+Unendliche. So wird die Realität weiter als das Wesen, der Begriff, die
+Idee u.s.f. bestimmt. Es ist jedoch überflüssig, solche frühere,
+abstraktere Kategorien, wie die Realität, bei dem Konkreteren zu
+wiederholen und sie für konkretere Bestimmungen, als jene an ihnen
+selbst sind, zu gebrauchen. Solches Wiederholen, wie zu sagen, daß das
+Wesen oder daß die Idee das Reale sey, hat seine Veranlassung darin,
+daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten Kategorien, wie Seyn,
+Daseyn, Realität Endlichkeit, die geläufigsten sind.
+
+Hier hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere
+Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative ist,
+hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener Realität,
+die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt.—Die Negation ist so als
+Idealität bestimmt; das Ideelle[7] ist das Endliche, wie es im
+wahrhaften Unendlichen ist,—als eine Bestimmung, Inhalt, der
+unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als Moment ist.
+Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche durch Negation des
+endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt ist.—In Beziehung auf
+Realität und Idealität wird aber der Gegensatz des Endlichen und
+Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das Reale gilt, das
+Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch weiterhin der Begriff
+als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles, das Daseyn überhaupt
+dagegen als das Reale betrachtet wird. Auf solche Weise hilft es
+freilich nichts für die angegebene konkrete Bestimmung der Negation den
+eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben; es wird in jenem Gegensatze
+wieder zu der Einseitigkeit des abstrakten Negativen, die dem
+Schlechtunendlichen zukommt, zurückgegangen und bei dem affirmativen
+Daseyn des Endlichen beharrt.
+
+ [7] Das Ideale hat eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schönen und
+ was dahin zieht), als das Ideelle; hierher gehört jene noch nicht; es
+ wird hier deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht. Bei der Realität
+ findet dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das
+ Reelle und Reale wird ungefähr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung
+ beider Ausdrücke etwa gegeneinander hat kein Interesse.
+
+
+Der Übergang.
+
+Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden; aber
+sie ist wesentlich der Proceß des Werdens und damit ein Übergang, wie
+des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist. Als Aufheben der
+Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der ihr
+nur gegenüberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese Rückkehr
+in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn. Da in diesem Seyn Negation
+ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation der
+Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das
+Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Unendliche,—nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten
+Unendlichkeit,—und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind der
+Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung und für
+das Letzte giebt. Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung des
+sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der aber nur
+den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend gesetzten,
+hat,—eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in sich sammelt,
+und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen weiß. Diese
+unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des wahrhaft
+Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, und die
+Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich, aber
+bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt untrennbar
+den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln. Die Darstellung
+dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt allenthalben ein, wo
+in dem Widerspruche der Einheit zweier Bestimmungen und des Gegensatzes
+derselben verharrt wird. Das Endliche ist das Aufheben seiner selbst,
+es schließt seine Negation, die Unendlichkeit in sich;—die Einheit
+beider,—es wird hinaus über das Endliche zum Unendlichen als dem
+Jenseits desselben gegangen, —Trennung beider; aber über das Unendliche
+hinaus ist ein anderes Endliches,—das Hinaus, das Unendliche, enthält
+die Endlichkeit, —Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein
+Negatives des Unendlichen;—Trennung beider, u.s.f.—So ist im
+Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache, die
+keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung, die
+keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung. Dieß Verhältniß giebt daher
+den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist als
+Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (—und endlich ist sie
+eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst eine
+Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als
+Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;—Einheit der Ursache
+und der Wirkung;—das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem eine
+Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und als
+ein verschiedenes Etwas zu setzen;—diese neue Ursache ist aber selbst
+nur eine Wirkung—Einheit der Ursache und Wirkung;—sie hat ein Anderes
+zu ihrer Ursache;—Trennung beider Bestimmungen u.s.f. ins Unendliche.
+
+Dem Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird
+die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit;
+diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt
+werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt;
+diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie untrennbar sind, in der
+einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer Einheit
+und so fort ins Unendliche.—Es ist eine leichte Forderung, welche um
+die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das Bewußtseyn zu
+haben, daß der unendliche Progreß, das entwickelte Unendliche des
+Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung der beiden
+Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente zu seyn, und
+dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit und diese
+Trennung selbst untrennbar sind.
+
+Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der
+gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider
+Behauptungen;—dieß ist nur eine andere Gestalt des bleibenden
+Widerspruchs,—sondern die Idealität beider, als in welcher sie in ihrem
+Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind; jene
+eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der Einheit als
+der Trennung derselben. In ihr ist ebenso faktisch das oben Aufgezeigte
+vorhanden, daß das Endliche über sich hinaus in das Unendliche fällt,
+aber ebenso über dasselbe hinaus sich selbst wieder erzeugt findet,
+hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das Unendliche
+gleichfalls; so daß dieselbe Negation der Negation sich zur Affirmation
+resultirt, welches Resultat sich damit als ihre Wahrheit und
+Ursprünglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als der Idealität der
+Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt verschwunden,
+sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind nicht nur
+vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die Natur des
+spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem ausgeführten Beispiele
+in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein in dem Auffassen der
+entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit. Indem jedes und zwar
+faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an ihm selbst zu haben, und
+in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist die affirmative Wahrheit
+diese sich in sich bewegende Einheit, das Zusammenfassen beider
+Gedanken, ihre Unendlichkeit,—die Beziehung auf sich selbst, nicht die
+unmittelbare, sondern die unendliche.
+
+Das Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken
+schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten,
+wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?—Dieß,
+meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei dessen
+Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser Darstellung
+weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit der Formen das
+Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken will, zur
+Endlichkeit komme. Hier betrachten wir diese Frage nur in ihrer
+Unmittelbarkeit, und in Rücksicht des vorhin betrachteten Sinnes, den
+das Unendliche zu haben pflegt.
+
+Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es
+eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen zu
+wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art von
+Vexirfrage, einen unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch den man
+gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und das Ankommen
+bei derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen Gegenständen
+setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch mehr aber bei
+philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu erhalten, als
+die, daß die Frage nichts tauge.—Es pflegt bei solchen Fragen die
+Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die Worte nicht
+ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des Ausdrucks verständlich
+sey, worauf es ankomme? Ausdrücke sinnlicher Vorstellung, wie
+herausgehen und dergleichen, die bei der Frage gebraucht werden,
+erwecken den Verdacht, daß sie aus dem Boden des gewöhnlichen
+Vorstellens stamme, und für die Beantwortung auch Vorstellungen, die im
+gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt eines sinnlichen
+Gleichnisses erwartet werden.
+
+Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so scheint
+das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an ihm,
+leichter begreiflich. Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte, aber es ist
+nicht unmittelbar an ihm ausgedrückt, daß es das Gegentheil des
+Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthält dieß ausgedrückt; es
+ist das Nicht-Endliche. Die Einheit des Endlichen und Unendlichen
+scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die unvollendete Reflexion
+ist darum am hartnäckigsten gegen diese Einheit.
+
+Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die
+Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß
+das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren genommen
+wird,—nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend,—darum weil es ihm
+gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon begrenzt, und
+selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die Antwort auf die Frage,
+wie das Unendliche endlich werde, ist somit diese, daß es nicht ein
+Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist, und das nachher erst
+endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen nöthig habe, sondern
+es ist für sich selbst schon eben so sehr endlich als unendlich. Indem
+die Frage annimmt, daß das Unendliche einer Seits für sich, und daß das
+Endliche, das aus ihm heraus in die Trennung gegangen, oder wo es
+hergekommen seyn möchte, abgesondert von ihm, wahrhaft real sey,—so
+wäre vielmehr zu sagen, diese Trennung sey unbegreiflich. Weder solches
+Endliches, noch solches Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist
+unbegreiflich. Man muß aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die
+Betrachtung derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, daß in dem
+einen die Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese
+ihre Untrennbarkeit haben, heißt sie begreifen; diese Untrennbarkeit
+ist ihr Begriff.—In der Selbstständigkeit jenes Unendlichen und
+Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und
+enthält in sich schon eine unwahre Beziehung desselben. Darum ist nicht
+auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen
+Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst zu negiren.
+Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen wird
+der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die Verlegenheit,
+welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie zurückbringen;
+jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste Frage stammt,
+neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative Interesse enthält,
+welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht, darauf geht, zu
+erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden, etwas Wahres
+seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten Unendlichen, und
+des eben so auf seiner Seite stehen bleiben sollenden Endlichen erkannt
+ist, so ist über das Herausgehen des Endlichen aus dem Unendlichen zu
+sagen, das Unendliche gehe zur Endlichkeit heraus, darum weil es keine
+Wahrheit, kein Bestehen an ihm, wie es als abstrakte Einheit gefaßt
+ist, hat; so umgekehrt geht das Endliche aus demselben Grunde seiner
+Nichtigkeit in das Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, daß
+das Unendliche ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß es schlechthin
+nicht ist, so wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein
+Anderes an ihm selbst zu haben.
+
+Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch die
+weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das
+Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst und
+seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf das
+Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider
+entgegensteht. In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem
+festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das
+Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber jene
+nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie in jener
+Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und Unendlichen
+genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits darin auch
+vorhanden,—eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein Loslassen
+derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie als ideelle
+in der Einheit läßt. Diese Einheit des Unendlichen und Endlichen und
+deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die Endlichkeit und
+Unendlichkeit.
+
+Anmerkung 2.
+
+Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus. Der
+Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das
+Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede Philosophie
+ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens zu ihrem
+Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe wirklich
+durchgeführt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die Religion; denn
+die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig als ein wahrhaftes
+Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein Nicht-Gesetztes,
+Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von idealistischer und
+realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung. Eine Philosophie,
+welche dem endlichen Daseyn als solchem wahrhaftes, letztes, absolutes
+Seyn zuschriebe, verdiente den Namen Philosophie nicht; Principien
+älterer oder neuerer Philosophien, das Wasser, oder die Materie oder
+die Atome sind Gedanken, Allgemeine, Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich
+unmittelbar vorfinden, d. h. in sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes
+thaletische Wasser nicht; denn, obgleich auch das empirische Wasser,
+ist es außerdem zugleich das Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und
+diese sind nicht selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem
+Anderen, dem Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip,
+das Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff,
+die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die
+einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch
+mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe
+Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen
+sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das Ideelle das Konkrete,
+Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente das
+Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine
+konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind.
+
+Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint, und
+das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der Idee,
+in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so daß Ideelles überhaupt
+auch für Einbildungen gilt,—Vorstellungen, die nicht nur vom Reellen
+unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen. In der That
+ist der Geist der eigentliche Idealiste überhaupt; in ihm, schon wie er
+empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er denkend und begreifend
+ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes reales Daseyn; in der
+Einfachheit des Ich ist solches äußerliches Seyn nur aufgehoben, es ist
+für mich, es ist ideell in mir. Dieser subjektive Idealismus, er sey
+als der bewußtlose Idealismus des Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als
+Princip ausgesprochen und aufgestellt, geht nur auf die Form der
+Vorstellung, nach der ein Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im
+systematischen Idealismus der Subjektivität als die einzig wahrhafte,
+die ausschließende gegen die Form der Objektivität oder Realität, des
+äußerlichen Daseyns jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist
+formell, indem er den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht
+beachtet, welcher im Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner
+Endlichkeit bleiben kann. Es ist mit solchem Idealismus nichts
+verloren, ebenso wohl weil die Realität solchen endlichen Inhalts, das
+mit Endlichkeit erfüllte Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon
+abstrahirt wird, an sich an solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll;
+und es ist nichts mit ihm gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil
+Ich die Vorstellung, der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit
+erfüllt bleibt. Der Gegensatz der Form von Subjektivität und
+Objektivität ist allerdings eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt,
+wie er in die Empfindung, Anschauung oder auch in das abstraktere
+Element der Vorstellung, des Denkens, aufgenommen wird, enthält die
+Endlichkeiten in Fülle, welche mit dem Ausschließen jener nur einen
+Weise der Endlichkeit, der Form von Subjektivem und objektivem, noch
+gar nicht weggebracht, noch weniger von selbst weggefallen sind.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn.
+
+
+Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das
+unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das Daseyn
+ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es enthält
+so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das Seyn ist
+zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher Einheit
+vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und ihre
+Einheit noch nicht gesetzt. Das Daseyn ist darum die Sphäre der
+Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit. Die Bestimmtheit
+ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes
+Bestimmtseyn. Im Fürsichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn und
+der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualität,
+Andersseyn, Grenze, wie Realität, Ansichseyn, Sollen u.s.f.—sind die
+unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in welchen
+die Differenz beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der
+Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte Negation
+der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf sich, also
+an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;—absolutes Bestimmtseyn.
+
+Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins.
+
+Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über,—Repulsion;
+welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt,
+Attraktion.
+
+Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in welcher
+sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität, die sich im
+Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht.
+
+A. Das Fürsichseyn als solches.
+
+Der allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben. Es käme nur
+darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung entspricht,
+die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um berechtigt zu
+seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen. Und so scheint es
+wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als es das
+Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem aufhebt, sie
+zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist in ihm nur als
+ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fürsichseyn besteht darin, über
+die Schranke, über sein Andersseyn so hinausgegangen zu seyn, daß es
+als diese Negation die unendliche Rückkehr in sich ist.—Das Bewußtseyn
+enthält schon als solches an sich die Bestimmung des Fürsichseyns,
+indem es einen Gegenstand, den es empfindet, anschaut u.s.f. sich
+vorstellt, d. i. dessen Inhalt in ihm hat, der auf die Weise als
+Ideelles ist; es ist in seinem Anschauen selbst, überhaupt in seiner
+Verwicklung mit dem Negativen seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst.
+Das Fürsichseyn ist das polemische, negative Verhalten, gegen das
+begrenzende Andere, und durch diese Negation desselben
+In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben dieser Rückkehr des Bewußtseyns
+in sich, und der Idealität des Gegenstandes, auch noch die Realität
+desselben erhalten ist, indem er zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt
+wird. Das Bewußtseyn ist so erscheinend, oder der Dualismus, einer
+Seits von einem ihm andern, äußerlichen Gegenstande zu wissen, und
+andererseits, für-sich zu seyn, denselben in ihm ideell zu haben, nicht
+nur bei solchem Andern, sondern darin auch bei sich selbst zu seyn. Das
+Selbstbewußtseyn dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und
+gesetzt; jene Seite der Beziehung auf ein Anderes, einen äußern
+Gegenstand ist entfernt. Das Selbstbewußtseyn ist so das nächste
+Beispiel der Präsenz der Unendlichkeit;—einer freilich immer abstrakten
+Unendlichkeit, die jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung
+ist, als das Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur
+qualitative Bestimmtheit hat.
+
+a. Daseyn und Fürsichseyn.
+
+Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn
+zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative
+Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der
+nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als Negation
+überhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist. Das Seyn in
+solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich vom
+Fürsichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fürsichseyn,
+insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das Daseyn
+zugleich Moment des Fürsichseyns selbst; denn dieses enthält allerdings
+auch das mit der Negation behaftete Seyn. So ist die Bestimmtheit,
+welche am Daseyn als solchem ein Anderes und Seyn-für-Anderes ist, in
+die unendliche Einheit des Fürsichseyns zurückgebogen, und das Moment
+des Daseyns ist im Fürsichseyn als Seyn-für-Eines vorhanden.
+
+b. Seyn-für-eines.
+
+Dieß Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem
+Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fürsichseyn hat die Negation
+nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht
+als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun dieß Moment als
+Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für
+welches es wäre,—das Eine nicht, dessen Moment es wäre. Es ist in der
+That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für welches
+Etwas (—und ist hier kein Etwas—) wäre, was die andere Seite überhaupt
+seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur Seyn-für-Eines, noch
+nicht Eines.—Somit ist noch eine Ununterschiedenheit zweier Seiten, die
+im Seyn-für-eines vorschweben können, vorhanden; nur Ein
+Seyn-für-Anderes, und weil es nur Ein Seyn-für-Anderes ist, ist dieses
+auch nur Seyn-für-Eines; es ist nur die Eine ldealität dessen, für
+welches oder in welchem eine Bestimmung als Moment und dessen, was
+Moment in ihm seyn sollte. So machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn
+keine wahrhaften Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der
+Unterschied auf einen Augenblick angenommen und hier von einem
+Fürsichseyenden gesprochen wird, so ist es das Fürsichseyende, als
+Aufgehobenseyn des Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf
+das aufgehobene Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in
+seinem Andern nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber
+es ist nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es
+selbst.—Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil
+sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende,
+verschieden von dem, das für-Eines ist. Denn so wären sie nur
+unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das,
+welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre, wenn
+das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. Gott ist
+daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist.
+
+Für-sich-seyn und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene
+Bedeutungen der Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare
+Momente derselben.
+
+Anmerkung.
+
+Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für
+die Frage nach der Qualität, was für ein Ding etwas sey, hebt das hier
+betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus. Dieser Ausdruck
+ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt, was dieß
+Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch für einen
+anderen Menschen sey;—sondern was dieß für ein Ding, für ein Mensch ist
+so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist in dieß Ding, in
+diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist, und das für welches
+es ist, ein und dasselbe ist,—eine Identität, als welche auch die
+Idealität betrachtet werden muß.
+
+Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als
+unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das
+Reelle genommen werden kann. So aber ist das Ideelle wieder eins der
+Momente und das Reale das andere; die Idealität aber ist dieß, daß
+beide Bestimmungen gleicherweise nur für Eines sind, und nur für Eines
+gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität ist. In
+diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das Ideelle, als
+unendliche Beziehung rein auf sich,—Ich-ist für Ich, beide sind
+dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien ist jedes nur
+für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den Geist, Gott nur für Gott,
+und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist. —Das Selbstbewußtseyn
+aber tritt als Bewußtseyn in den Unterschied seiner und eines Anderen,
+oder seiner Idealität, in der es vorstellend ist, und seiner Realität,
+indem seine Vorstellung einen bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite
+hat, als das unaufgehobene Negative, als Daseyn, gewußt zu werden.
+Jedoch den Gedanken, Geist, Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den
+Standpunkt voraus, auf welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt,
+und das Ideelle oder das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat.
+
+In einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und
+gesagt worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf
+ankomme, in wiefern das Princip durchgeführt ist. Über die Art dieser
+Durchführung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir stehen,
+noch eine weitere Bemerkung gemacht werden. Diese Durchführung hängt
+zunächst davon ab,—ob neben dem Fürsichseyn nicht noch das endliche
+Daseyn selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber ob in dem
+Unendlichen schon selbst das Moment: für-Eines, ein Verhalten des
+Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das eleatische Seyn
+oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte Negation aller
+Bestimmtheit, ohne daß in ihr selbst die Idealität gesetzt wäre;—bei
+Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird, die Unendlichkeit
+nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur die unbewegte
+Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur Bestimmung des
+Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes. Der Idealismus
+des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er enthält folgende
+Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die Ideen, und
+Vollkommenheiten aller Dinge in sich schließt, so daß sie nur die
+seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in uns unsere
+Empfindungen von den Gegenständen durch eine Aktion, die nichts
+Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, daß wir vom Gegenstande nicht
+nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern auch die Empfindung
+von dem Daseyn desselben erlangen ( De la recherche de la Verité,
+Eclairc. sur la nature des idées etc.). Wie also die ewigen Wahrheiten
+und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist ihr Daseyn, in Gott, ideell,
+nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich als unsere Gegenstände, sind sie
+nur für Eines. Dieß Moment des explicirten und konkreten Idealismus,
+das im Spinozismus mangelt, ist hier vorhanden, indem die absolute
+Idealität als Wissen bestimmt ist. So rein und tief dieser Idealismus
+ist, so enthalten jene Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken
+Unbestimmtes, Theils aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die
+Sünde und die Erlösung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische
+Bestimmung der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist
+nicht für sich ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte
+Idealismus wohl das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber
+noch nicht eines reinen spekulativen, allein wahrhaft begründenden,
+Denkens. Der leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze
+des abstrakten Begriffes.—Das leibnitzische vorstellende Wesen, die
+Monade, ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn, in
+welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein Daseyn,
+sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls eine
+konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung, als die
+der Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist bei Leibnitz
+Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme also das
+Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden überhaupt
+sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht, haben keine
+Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle Verhältnisse weg,
+welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die Mannigfaltigkeit ist nur eine
+ideelle und innere, die Monade bleibt darin nur auf sich selbst
+bezogen, die Veränderungen entwickeln sich innerhalb ihrer, und sind
+keine Beziehungen derselben auf andere. Was nach der realen Bestimmung
+als da seyende Beziehung der Monaden aufeinander genommen wird, ist ein
+unabhängiges nur simultanes Werden, in das Fürsichseyn einer jeden
+eingeschlossen.—Daß es mehrere Monaden giebt, daß sie damit auch als
+Andere bestimmt werden, geht die Monaden selbst nichts an; es ist dieß
+die außer ihnen fallende Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an
+ihnen selbst Andere gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das
+Daneben eines Daseyns gehalten.—Allein hierin liegt zugleich das
+Unvollendete dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in
+Gott, als der Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so
+Vorstellende. Das Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin
+es wolle, in die Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt
+werde, welches sie als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit
+ihres Daseyns ist nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden
+nur durch die Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere
+seyen. Wenn es ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es
+auch ein Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze
+Bewegung, welche sie zu ideellen macht, fällt außer ihnen. Indem aber
+daran erinnert werden kann, daß diese Bewegung des Gedankens selbst
+doch nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu
+erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich
+äußerlich ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der
+Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (—durch die Vorstellung
+des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen)
+Vielheit des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt
+zurück zu jener Einheit. Die Idealität, das Vorstellen überhaupt,
+bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn gesteigerte
+Vorstellen.
+
+Wie in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel,
+die wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine
+Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als
+einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig
+sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der
+Vielheit äußerlich bleibende Form. Die Idealität soll ihnen immanent,
+ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre
+Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt;
+anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes, noch
+weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit
+bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung
+derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und
+angehörig.
+
+Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche,
+kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und
+bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns. In diesen
+Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar
+unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er geht von
+einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn perennirt.
+Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als fürsichseyend, als
+unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das Für-Eines-seyn ist
+nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen oder der Richtung
+nach dem Jenseits.
+
+c. Eins.
+
+Das Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines
+Moments, des Seyns für-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, die
+Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des Fürsichseyns
+sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche Unmittelbarkeit
+oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich auf das Negiren
+gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das Fürsichseyn ist so,
+Fürsichseyendes, und indem in dieser Unmittelbarkeit seine innere
+Bedeutung verschwindet, die ganz abstrakte Grenze seiner selbst,—das
+Eins.
+
+Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden
+Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser
+Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den
+Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander;
+sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier, die
+dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5) Beziehung
+auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und doch auf sich
+selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander, daß die Form der
+Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als Fürsichseyendem
+hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes Moment als eine
+eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie ebenso
+untrennbar. Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr Gegentheil gesagt
+werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der abstrakten
+Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht.
+
+B. Eins und Vieles.
+
+Das Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst,
+in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher die
+Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun daseyende
+werden.
+
+Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,—und als
+Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um der
+nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht mehr
+nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern zugleich
+als Seyende gesetzt. Die Idealität des Fürsichseyns als Totalität
+schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die festeste,
+abstrakteste, als Eins. Das Fürsichseyn ist im Eins die gesetzte
+Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung
+
+der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt
+auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen
+Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist,
+es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm
+unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden vorhanden
+zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit sich so als
+unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt, und als negative
+Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen, Ausschließen des Eins
+als eines Anderen aus sich, dem Eins.
+
+a. Das Eins an ihm selbst.
+
+An ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn,
+keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es
+ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist
+somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich.
+
+Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine Unbestimmtheit
+ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst ist, absolutes
+Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem Begriffe sich auf
+sich beziehende Negation hat es den Unterschied in ihm,—eine Richtung
+von sich ab hinaus auf Anderes, die aber unmittelbar umgewendet, weil
+nach diesem Momente des Selbstbestimmens kein Anderes ist, auf das sie
+gehe, und die in sich zurückgekehrt ist.
+
+In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns
+und der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und
+Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; dieß Nichts, die
+Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden von
+dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil dieß Insichseyn nicht
+mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat, als
+Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar identisch
+mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So dieß Nichts
+gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.—Das Leere ist so die
+Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit.
+
+b. Das Eins und das Leere.
+
+Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf
+sich selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch
+affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin
+verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst nämlich,
+stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber vom Seyenden
+ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins.
+
+Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das
+Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.—Das Eins und das Leere
+haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem gemeinschaftlichen,
+einfachen Boden. Die Momente des Fürsichseyns treten aus dieser
+Einheit, werden sich Äußerliche, indem durch die einfache Einheit der
+Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so setzt sie sich selbst
+zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und darin stellt sich ihre
+andere Bestimmung, die Negation überhaupt, gleichfalls als Daseyn des
+Nichts, als das Leere, gegenüber.
+
+Anmerkung.
+
+Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die bei
+den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach welchem
+das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (…..) Die Abstraktion
+zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit gewonnen, als
+das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. So hoch sie sich
+stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des Eins und des Leeren
+zum Princip aller Dinge macht, die unendliche Mannigfaltigkeit der Welt
+auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt, und sie aus ihm zu erkennen
+sich erkühnt, ebenso leicht ist es für das vorstellende Reflektiren,
+sich hier Atome und daneben das Leere vorzustellen. Es ist daher kein
+Wunder, daß das atomistische Princip sich jederzeit erhalten hat; das
+gleich triviale und äußerliche Verhältniß der Zusammensetzung, das noch
+hinzukommen muß, um zum Scheine eines Konkreten und einer
+Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist eben so populär als die Atome selbst
+und das Leere. Das Eins und das Leere ist das Fürsichseyn, das höchste
+qualitative Insichseyn zur völligen Äußerlichkeit herabgesunken; die
+Unmittelbarkeit oder das Seyn des Eins, weil es die Negation alles
+Andersseyns ist, ist gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu
+seyn, für dessen absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung,
+Mannigfaltigkeit, Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung.
+
+In dieser Äußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei
+den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner
+Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als
+der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere
+Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander
+und die Gleichgültigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander. Daß
+das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfügigen Sinn,
+daß sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen könne, und nicht in
+einen schon erfüllten Raum, denn in einem solchen fände es keinen Platz
+mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die Voraussetzung oder
+Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so wie auch die Bewegung
+selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das Wesentliche, ein Grund
+derselben, vergessen ist. Die Ansicht, daß das Leere den Grund der
+Bewegung ausmache, enthält den tiefern Gedanken, daß im Negativen
+überhaupt, der Grund des Werdens, der Unruhe der Selbstbewegung liegt;
+in welchem Sinne aber das Negative als die wahrhafte Negativität des
+Unendlichen zu nehmen ist.—Das Leere ist Grund der Bewegung nur als die
+negative Beziehung des Eins auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf
+sich selbst, das jedoch als Daseyendes gesetzt ist.
+
+Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt,
+Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und
+äußerlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der
+Grundbestimmung des Atomen. An den Atomen, dem Princip der höchsten
+Äußerlichkeit und damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die
+Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die
+Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen
+ausgeht.
+
+c. Viele Eins. Repulsion.
+
+Das Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten Daseyn
+aus. Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die Negation, und
+ist zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist das Eins und das
+Leere die Beziehung der Negation auf die Negation als eines Andern auf
+sein Anderes; das Eins ist die Negation in der Bestimmung des Seyns,
+das Leere die Negation in der Bestimmung des Nichtseyns. Aber das Eins
+ist wesentlich nur Beziehung auf sich als beziehende Negation d. h. ist
+selbst dasjenige, was das Leere außer ihm seyn soll. Beide sind aber
+auch gesetzt als ein affirmatives Daseyn, das eine als das Fürsichseyn
+als solches, das andere als unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich
+aufeinander als auf ein anderes Daseyn beziehend. Das Fürsichseyn des
+Eins ist jedoch wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen;
+es bezieht sich nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem
+aber das Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar
+vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich zugleich
+Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ ist, bleibt
+das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein Anderes bestimmt;
+als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das Andere nicht die
+unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist gleichfalls Eins. Das
+Eins ist somit Werden zu vielen Eins.
+
+Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein
+Übergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins. Eins, das
+Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an ihm
+selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente
+Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und das
+Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich selbst von sich ab.
+Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion.
+
+Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins
+selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu solchen außer
+ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist dieß die Repulsion dem Begriffe
+nach, die an sich seyende. Die zweite Repulsion ist davon
+unterschieden, und ist die der Vorstellung der äußern Reflexion
+zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur
+als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins. Es
+ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten, der
+äußerlichen, sich bestimmt.
+
+Zunächst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als
+solche haben. Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen,
+verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins,
+nicht für Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. Das
+Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern es ist
+schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist gleichfalls ein
+Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden kommt beiden auf
+gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied.
+
+Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;—gesetzte durch die
+Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt;
+ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als
+sich nur auf sich beziehende.
+
+Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als eine
+dein Eins vollkommen äußere Bestimmung. Eins, indem es sich selbst
+repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst als
+repellirt genommen wird. Daß die Eins andere gegeneinander, in die
+Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins
+nichts an. Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst
+aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein Seyn-für-Anderes
+affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung,—und diese haben sie durch ihre an
+sich seyende Einheit,—wie sie hier gesetzt ist, ist als keine bestimmt;
+sie ist wieder das vorhingesetzte Leere. Es ist ihre aber ihnen
+äußerliche Grenze, in der sie nicht für einander seyn sollen. Die
+Grenze ist das, worin die Begrenzten eben so sehr sind als nicht sind;
+aber das Leere ist als das reine Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht
+ihre Grenze aus.
+
+Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen, was
+das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander gelegt ist
+hier die außer sich gekommene Unendlichkeit; außer sich gekommen ist
+sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins. Sie ist ein
+ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als vielmehr die absolute
+Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der einfachen affirmativen
+Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben derselben als negativen.
+Oder die Vielheit des Eins ist das eigene Setzen des Eins; das Eins ist
+nichts als die negative Beziehung des Eins auf sich, und diese
+Beziehung, also das Eins selbst, ist das viele Eins. Aber ebenso ist
+die Vielheit dem Eins schlechthin äußerlich; denn das Eins ist eben das
+Aufheben des Andersseyns, die Repulsion ist seine Beziehung auf sich,
+und einfache Gleichheit mit sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die
+Unendlichkeit, als unbefangen sich hervorbringender Widerspruch.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden. Es kann
+hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade
+aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben
+betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als
+solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das
+Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht
+für das Eins sind. Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene
+Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit,
+die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich
+zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit
+unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine
+Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite
+ihrer abstrakten Äußerlichkeit. Die Atomistik hat den Begriff der
+Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm
+selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des Für-es-seyns
+enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken
+Für-sich-seyendes. Aber sie geht über die bloß gleichgültige Vielheit
+hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung gegeneinander,
+wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da hingegen in jener
+gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die Vielheit als starre
+Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur in die Monade der
+Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen fällt.
+
+C. Repulsion und Attraktion.
+
+a. Ausschließen des Eins.
+
+Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander ist
+Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich;—das abstrakte Leere. Aber sie
+selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf seyende
+Andere;—der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit, gesetzt in
+Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die Repulsion das
+unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in dieser
+Bestimmung Ausschließen; das Eins repellirt nur die Vielen von ihm
+unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. dieß Repelliren ist,
+gegenseitig oder allseitig,—relativ, durch das Seyn der Eins
+beschränkt.
+
+Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur
+das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in
+der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre gemeinsame
+Beziehung. Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte Daseyn der
+vielen Eins; sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie nur in einem
+Dritten als Vieles unterschieden wären, sondern ihr eigenes sie
+erhaltendes Unterscheiden.—Sie negiren sich gegenseitig, setzen
+einander als solche, die nur für-Eines sind. Aber sie negiren eben so
+sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren diese ihre
+Idealität und sind.—So sind die Momente getrennt, die in der Idealität
+schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem Fürsichseyn auch
+für-Eines, aber dieß Eine, für welches es ist, ist es selbst; sein
+Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben. Aber in der Vielheit
+hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das Seyn-für-Eines, wie es in dem
+Ausschließen bestimmt ist, ist daher ein Seyn-für-Anderes. Jedes wird
+so von einem Andern repellirt, aufgehoben und zu einem gemacht, das
+nicht für sich, sondern für-eines und zwar ein anderes Eins ist.
+
+Das Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre
+Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander,
+in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes
+Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese
+Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht für-ein-Anderes
+zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre negative Beziehung
+auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung.
+
+Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr
+gegenseitiges Ausschließen. Erstens ist nun das, wodurch sie den festen
+Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben sollten, ihr
+Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung auf-Anderes; dieß
+Ansichseyn ist, daß sie Eins sind. Aber dieß sind Alle; sie sind in
+ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen Punkt ihrer
+Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr Verhalten zu
+einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das gegenseitige
+Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe Bestimmung Aller,
+durch welche sie sich also vielmehr als identisch setzen; wie dadurch,
+daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch Andere zu setzende
+Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso wenig repelliren.—Sie
+sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur Eine affirmative Einheit.
+
+Diese Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen
+sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen,
+sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen, ist
+unsere Vergleichung.—Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer Beziehung
+aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.—Sie sind, dieß ist in dieser
+Beziehung vorausgesetzt,—und sind nur insofern sie sich gegenseitig
+negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn zugleich von sich
+selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren negiren. Aber sie sind
+nur insofern sie negiren, so wird, indem dieß ihr Negiren negirt wird,
+ihr Seyn negirt. Zwar indem sie sind, würden sie durch dieß Negiren
+nicht negirt, es ist nur ein Äußerliches für sie; dieß Negiren des
+Anderen prallt an ihnen ab, und trifft nur berührend ihre Oberfläche.
+Allein nur durch das Negiren der Anderen kehren sie in sich selbst
+zurück; sie sind nur als diese Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist
+ihre Selbsterhaltung und ihr Fürsichseyn. Indem ihr Negiren nichts
+effektuirt, durch den Widerstand, den die Seyenden als solche oder als
+negirend leisten, so kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich
+nicht und sind nicht.
+
+Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes
+derselben Eins ist, wie das Andere. Dieß ist nicht nur unser Beziehen,
+ein äußerliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist selbst
+Beziehen; das die Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst auf sie,
+die Eins, d. h. auf sich selbst. Das negative Verhalten der Eins zu
+einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese Identität, in
+welche ihr Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer Verschiedenheit
+und Äußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als Ausschließende
+behaupten sollten.
+
+Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion.
+
+Anmerkung.
+
+Die Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins
+getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich
+selbst zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die
+höchste Wahrheit nimmt;—in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit,
+als reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend. Es ist die
+Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion zu
+setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu
+gewinnen. Diese Selbstständigkeit ist bestimmter der Irrthum, das als
+negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten, was ihr
+eignes Wesen ist. Sie ist so das negative Verhalten gegen sich selbst,
+welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will, dasselbe zerstört,
+und dieß sein Thun ist nur die Manifestation der Nichtigkeit dieses
+Thuns. Die Versöhnung ist die Anerkennung dessen, gegen welches das
+negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens, und ist nur als
+Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns, statt an ihm
+festzuhalten.
+
+Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das
+Viele Eines ist. Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß die
+Wahrheit des Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer
+unangemessenen Form erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden,
+als ein Proceß, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es in
+einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und auszudrücken
+ist. Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides über die Ableitung
+des Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze: Eines ist, erwähnt und
+erinnert worden. Die innere Dialektik des Begriffes ist angegeben
+worden; am leichtesten ist die Dialektik des Satzes, daß Vieles Eines
+ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und äußerlich darf sie hier
+seyn, insofern auch der Gegenstand, die Vielen, das einander Äußerliche
+ist. Diese Vergleichung der Vielen miteinander ergiebt sogleich, daß
+eines schlechthin nur bestimmt ist wie das Andere; jedes ist Eins,
+jedes ist Eins der Vielen, ist ausschließend die Anderen;—so daß sie
+schlechthin nur dasselbe sind, schlechthin nur Eine Bestimmung
+vorhanden ist. Es ist dieß das Faktum, und es ist nur darum zu thun,
+dieß einfache Faktum aufzufassen. Die Hartnäckigkeit des Verstandes
+weigert sich nur darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der
+Unterschied, und zwar mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um
+jenes Faktums willen so wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet
+des Unterschiedes existirt. Man könnte den Verstand damit für das
+schlichte Auffassen des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der
+Unterschied auch wieder eintreten werde.
+
+b. Das Eine Eins der Attraktion.
+
+Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele,
+deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als Seyende
+voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese aber wird
+realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in Attraktion über, die
+vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und Attraktion, sind
+
+zunächst unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als deren
+gesetzte Idealität. Die Attraktion bezieht sich auf diese Weise auf die
+Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat. Die Repulsion liefert
+die Materie für die Attraktion. Wenn keine Eins wären, so wäre nichts
+zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder Attraktion, der Konsumtion
+der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes Erzeugen der Eins voraus; die
+sinnliche Vorstellung der räumlichen Attraktion läßt den Strom der
+attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an die Stelle der Atome, die in
+dem attrahirenden Punkte verschwinden, tritt eine andere Menge, und
+wenn man will, ins Unendliche, aus dem Leeren hervor. Wenn die
+Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf den Punkt Eines Eins
+gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein träges Eins, kein
+Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion daseyende Idealität
+hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer selbst, die vielen
+Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und die Attraktion ist
+untrennbar von der Repulsion.
+
+Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar
+vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem
+andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein
+Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und
+eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität. Aber es kann hier nicht von
+einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen bestimmten
+Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn, vielmehr ist
+die Attraktion das Setzen der vorhandenen Ununterschiedenheit der Eins.
+Erst die Attraktion selbst ist das Setzen eines von den anderen
+unterschiedenen Eins; sie sind nur die unmittelbaren durch die
+Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch ihre gesetzte Negation
+aber geht das Eins der Attraktion hervor, das daher als das
+Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist. Die ersten als
+unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in sich zurück, sondern
+haben dieselbe an einem andern.
+
+Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität;
+es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält
+diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es verschlingt
+so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt, d. h. es hebt
+sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in seiner Bestimmung
+enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich in ihm; es bringt, so
+zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich, gewinnt einen Umfang
+oder Erfüllung. Es ist so in ihm Einheit der Repulsion und Attraktion
+überhaupt.
+
+c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
+
+Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer
+Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die
+Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst
+selbstständig außer der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich
+zusammenhängen. Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich näher
+zu ergeben.
+
+Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und
+als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als
+unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die
+Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte äußerlich hinzukommt.
+Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt, so
+daß an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i. daß
+die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die Eins
+nicht schon an ihnen Negirte wären. Auf solche Weise haben wir die
+Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen die
+Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und von
+sich aus als ein Anderes an sie kommt.
+
+Nehmen wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die
+Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der
+Repulsion selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen
+aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie abstrakt
+genommen, Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloß das Leere, die
+Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht ausschließend, was
+ihre Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich negative, doch
+wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und Fliehen ist nicht
+die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen, das ausschließende
+steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm ausgeschlossen wird. dieß
+Moment der Beziehung aber ist die Attraktion, somit in der Repulsion
+selbst; sie ist das Negiren jener abstrakten Repulsion, nach welcher
+die Eins nur sich auf sich beziehende Seyende, nicht ausschließende
+wären.
+
+Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden,
+hiermit auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist,
+so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene
+Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß
+nicht bloß die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird, sondern
+auch ebenso sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die Attraktion
+Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre Voraussetzung hat.
+
+Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen und
+Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre abstrakte
+Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit schlechthin über sich
+hinausgewiesen ist, und auf die andere sich bezieht, und so jede
+vermittelst der andern als andern ist; ihre Selbstständigkeit besteht
+darin, daß sie in dieser Vermittelung als ein anderes Bestimmen für
+einander gesetzt sind.—Die Repulsion als das Setzen der Vielen, die
+Attraktion als das Setzen des Eins, diese zugleich als Negation der
+Vielen, und jene als Negation der Idealität derselben im Eins, daß auch
+die Attraktion nur vermittelst der Repulsion Attraktion, wie die
+Repulsion vermittelst der Attraktion Repulsion ist. Daß aber darin die
+Vermittelung durch Anderes mit sich, in der That vielmehr negirt, und
+jede dieser Bestimmungen Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß
+ergiebt sich aus deren nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit
+ihres Begriffes zurück.
+
+Zuerst daß jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur
+sich auf sich bezieht, dieß ist in dem Verhalten der erst noch
+relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden.
+
+Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen
+vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber daß viele
+Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die sie hätte,
+ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des Seyns, die den
+Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme,—wodurch sie voraus wären,
+gehört gleichfalls der Repulsion an. Das Repelliren ist das, wodurch
+die Eins sich als Eins manifestiren und erhalten, wodurch sie als
+solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion selbst; sie ist so nicht ein
+relatives gegen ein anderes Daseyn, sondern verhält sich durchaus nur
+zu sich selbst.
+
+Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins,
+gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und
+verschwindend bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich
+voraus, in der Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn,
+welche sonst für sich seyende und für Andere, also auch für irgend ein
+Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen diese
+Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch
+Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die an
+sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins,—das als
+attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von
+einander, ein und dasselbe sind.
+
+Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für sich
+ist ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält. Das
+Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative seiner
+setzen,—Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist dasselbe als
+das Voraussetzende,—Attraktion. Daß jede an sich nur Moment ist, ist
+das Übergehen jeder aus sich selbst in die andere, sich an ihr selbst
+zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu setzen. Indem das
+Eins als solches das Außersichkommen, es selbst nur dieß ist, sich als
+sein Anderes, als das Viele zu setzen und das Viele nur ebenso dieß in
+sich zusammenfallen und sich als sein Anderes, als das Eins zu setzen,
+und eben darin nur sich auf sich zu beziehen, jedes in seinem Andern
+sich zu kontinuiren,—so ist hiermit schon an sich das Außersichkommen
+(die Repulsion) und das sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion)
+ungetrennt vorhanden. Gesetzt aber ist es an der relativen Repulsion
+und Attraktion d. i. welche unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt,
+daß jede diese Negation ihrer an ihr selbst, und damit auch die
+Kontinuität ihrer in ihre andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist
+die Selbsterhaltung des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der
+andern, so daß 1) die anderen Eins an ihm negirt werden, dieß ist die
+Seite seines Daseyns oder seines Seyns-für-Anderes; diese ist aber
+somit Attraktion, als die Idealität der Eins;—und daß 2) das Eins an
+sich sey, ohne die Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das
+Ansich überhaupt längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an
+sich, seiner Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.—Die
+Attraktion daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen
+des Eins, worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich
+selbst aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr,
+Repulsion ist.
+
+Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem
+Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte
+Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung,
+daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die
+Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn,
+negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die
+
+Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in
+welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares,
+Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i. zum
+ebenso unmittelbaren, ausschließenden Eins wiederhergestellt hätte,
+verschwunden; der Proceß, der es ist, setzt und enthält es allenthalben
+nur als ein Aufgehobenes. Das Aufheben zunächst nur zu relativem
+Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit selbst eine
+differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt, erweist sich ebenso
+in die unendliche Beziehung der Vermittelung durch die Negation der
+äußerlichen Beziehungen von Unmittelbaren und Daseyenden, überzugehen
+und zum Resultate eben jenes Werden zu haben, das in der
+Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder vielmehr das
+Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit ist. Dieses
+Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist die Quantität.
+
+Übersehen wir kurz die Momente dieses Überganges der Qualität in die
+Quantität, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn
+und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit mit
+dem Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer
+Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches
+bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der
+Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit
+des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn überhaupt,
+außer jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes widerspricht der
+Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit Beziehung auf sich
+ist. Dieß Andersseyn hebt sich in der Unendlichkeit des Fürsichseyns
+auf, welches den Unterschied, den es in der Negation der Negation an
+und in ihm selbst hat, zum Eins und Vielen und zu deren Beziehungen
+realisirt, und das Qualitative zur wahrhaften, d. i. nicht mehr
+unmittelbaren, sondern als übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit
+erhoben hat.
+
+Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die
+Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn
+ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f.
+hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;—ß)
+Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit
+als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die
+unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes,
+sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin—das
+An-sich-Bestimmtseyn,—das Eins; das Andersseyn als solches ist selbst
+Fürsichseyn;—ç) Fürsichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit hindurch
+sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und An-sich-Bestimmtseyn
+selbst als Aufgehobenes gesetzt ist. Das Eins ist zugleich als über
+sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt, das Eins damit, die
+schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die keine ist, die am
+Seyn aber ihm gleichgültig ist, gesetzt.
+
+Anmerkung.
+
+Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte angesehen zu
+werden. Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhängende
+Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie ergeben haben, zu
+vergleichen.—In jener Vorstellung werden sie als selbstständig
+betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf einander
+beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte
+übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenüber beharren
+soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der Materie,
+zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht als ihre
+Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und
+An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben
+durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, daß die
+Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer Einheit eine
+Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich seyende frei von
+einander vorausgesetzt werden.
+
+Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft
+konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen
+Elemente dieser Konstruction aufgestellt.—Es wird nicht ohne Interesse
+seyn, diese Konstruction näher zu beleuchten. Diese metaphysische
+Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst, sondern in seinen
+Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehören schien, ist eines Theils
+dadurch merkwürdig, daß sie als ein Versuch des Begriffs wenigstens den
+Anstoß zur neueren Naturphilosophie gegeben hat,—der Philosophie,
+welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung sinnlich Gegebenes zum
+Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre Bestimmungen aus dem
+absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch, weil bei jener
+Kantischen Konstruktion noch häufig stehen geblieben und sie für einen
+philosophischen Anfang und Grundlage der Physik gehalten wird.
+
+Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein
+Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen.
+Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kräfte der
+sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten
+reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen
+aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am
+nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde.
+
+Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das er
+eine Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen
+nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die
+analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich spätere
+Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das grundloseste
+Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und gedankenlosen
+Reflexion,—das besonders die sogenannten Faktoren der Attraktivkraft
+und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben vorbrachte,—ein
+Konstruiren genannt haben.
+
+Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend.
+Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche
+Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten.
+So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil durch
+die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie daseyn
+könnte. (Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die Repulsion andern
+Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab, und giebt als Grund
+derselben an, weil wir uns die Materie undurchdringlich vorstellen,
+indem diese nämlich dem Sinne des Gefühls, durch den sie sich uns
+offenbare, sich unter dieser Bestimmung präsentirt. Die Repulsion werde
+daher ferner sogleich im Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit
+unmittelbar gegeben sey; die Attraktion dagegen werde derselben durch
+Schlüsse beigefügt. Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben
+Gesagte zu Grunde, daß eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das,
+was wir uns unter Materie vorstellen, nicht erschöpfte.—Dieß ist, wie
+erhellt, das Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens,
+das zuerst in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu
+Grunde legt, und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende
+Grundstoffe oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der
+Erscheinung hervorbringen sollen.
+
+In Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und wie
+die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde,
+bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum
+Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey.
+Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht
+abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine Bestimmung,
+die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin enthalten
+seyn.
+
+Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt,
+besteht darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein
+einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die wir
+durch das Gefühl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft, als das
+Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey. Wenn aber
+ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn können, so
+liegt für diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung genommene
+Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der Attraktion muß
+also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn. Es ist auch wohl
+wahrzunehmen, daß die Materie außer ihrem Fürsichseyn, welches das
+Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand leistet), auch eine Beziehung
+des Fürsichseyenden aufeinander, räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt,
+und in Starrheit, Festigkeit einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die
+erklärende Physik erfordert zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine
+Kraft, welche starker sey, als die Attraktion der Theile desselben
+gegeneinander. Aus dieser Wahrnehmung kann die Reflexion eben so
+unmittelbar die Attraktivkraft ableiten, oder sie als gegeben annehmen,
+als sie es mit der Repulsivkraft that. In der That, wenn die kantischen
+Schlüsse, aus denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll,
+betrachtet werden (der Beweis des Lehrsatzes: daß die Möglichkeit der
+Materie eine Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a. O.),
+so enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie
+nicht räumlich seyn würde. Indem die Materie, als Raum erfüllend
+vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuität zugeschrieben, als deren
+Grund die Anziehungskraft angenommen wird.
+
+Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein
+analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung
+geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen, die
+Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren
+Grundkräften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung der
+gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen
+Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden
+Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die
+Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als
+besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Äußerlichem
+macht;—die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine
+bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch
+Einwirkung von Aussen, einräumen will. Diese Äußerlichkeit des
+Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich
+vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu
+fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit
+für sich als bewegungslos und als träge angenommen wird. Dieser
+Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und freie
+Bewegung vor sich.—Indem Kant jene Äußerlichkeit zwar insofern aufhebt,
+als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf einander,
+insofern diese als von einander getrennt angenommen werden, oder der
+Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn, zu einer Kraft der Materie
+selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine beiden
+Grundkräfte, innerhalb der Materie, äußerliche und für sich
+selbstständige gegen einander.
+
+So nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der
+ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso
+nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer
+Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen,
+weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur Momente
+sind, die in einander übergehen.—Ich betrachte diese fernern
+Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt.
+
+Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft,
+wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche
+der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft
+dagegen als eine Flächenkraft, dadurch Materien nur in der
+gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf einander wirken können. Der
+Grund, der angeführt wird, daß die letztere nur eine Flächenkraft seyn
+soll, ist folgender: "Die einander berührenden Theile begrenzen einer
+den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft könne keinen
+entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen liegenden;
+eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer Materie auf
+eine andere durch Ausdehnungskräfte (das heißt hier Repulsivkräfte) sey
+unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u. Zusätze S. 67.)
+
+Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere Theile
+der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion
+gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein
+anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem und
+dem ersten Attrahirenden das Andere sich befände, zunächst in die
+Anziehungssphäre des dazwischen liegenden ihm Nähern träte, das Erste
+also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausüben
+würde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken für die
+Attractivkraft, als für die Repulsivkraft ergehe; ferner müßte das
+wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle
+Theile der Materie an und für sich attrahirend wären, nicht aber eine
+gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte.
+—Unmittelbar oder in Rücksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist zu
+bemerken, daß in der angeführten Stelle sich berührende Theile, also
+eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen Materie vorkommt,
+welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte. Diese
+Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren, nicht
+mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn der
+Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach der hier
+herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche zu nehmen,
+die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz tautologisch, daß da, wo
+das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist, keine Repulsion Statt
+finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter für eine Bestimmung der
+Repulsivkraft.—Wird aber darauf reflektirt, daß berührende Theile sich
+nur insofern berühren, als sie sich noch außereinander halten, so ist
+eben damit die Repulsivkraft nicht bloß auf der Oberfläche der Materie,
+sondern innerhalb der Sphäre, welche nur Sphäre der Attraktion seyn
+sollte.
+
+Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft die
+Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.)
+"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle, so
+könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie, die
+dazwischen läge, Grenzen setze."—Jener Unterschied ist ungefähr wie der
+obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache gehören,
+aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die Materie einen
+Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen. Alsdenn ist es die
+Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen bleiben, durch
+welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das heißt hier, durch
+den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier aber ist es die
+Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie erfüllt den Raum durch
+ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie erhält die Atome in
+einer negativen Beziehung auf einander.—Wir sehen, daß hier Kant
+bewußtlos das begegnet, was in der Natur der Sache liegt, daß er der
+Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er der ersten Bestimmung
+nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb. Unter dem Geschäfte der
+Festsetzung des Unterschiedes beider Kräfte, war es geschehen, daß eine
+in die andere übergegangen war.—So soll dagegen durch die Repulsion die
+Materie einen Raum erfüllen, somit durch sie der leere Raum, den die
+Attraktivkraft läßt, verschwinden, In der That hebt sie somit, indem
+sie den leeren Raum aufhebt, die negative Beziehung der Atome oder
+Eins, d. h. die Repulsion derselben, auf; d. i. die Repulsion ist als
+das Gegentheil ihrer selbst bestimmt.
+
+Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung hinzu,
+daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der
+entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage,
+die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll,
+bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der
+Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende
+Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere Weise
+sollen wirken können.—Sie sind also hier als Kräfte dargestellt, nicht
+durch welche die Materie erst zu Stande käme, sondern wodurch sie,
+schon fertig, nur bewegt würde. Insofern aber von Kräften die Rede ist,
+wodurch verschiedene Materien auf einander einwirken und sich bewegen,
+so ist dieß etwas ganz anderes, als die Bestimmung und Beziehung, die
+sie als die Momente der Materie haben sollten.
+
+Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in
+weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft. Diese scheinen
+einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in ihrer Sphäre Ein
+Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen Eins als nicht
+fürsichseyende verhalten, der Unterschied der Kräfte daher an diesen
+vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und der anderen als
+gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden kann. Insofern sie
+aber zur Erklärung gebraucht werden—zu welchem Behuf man sie, wie auch
+sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in entgegengesetztem
+quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine zunehme, wie die
+andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung, für deren
+Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst aus ihnen
+resultiren. Man braucht aber nur die nächste beste Darstellung einer
+Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit, die ein Planet in
+seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem Gegensatze jener
+Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die Verwirrung, die darin
+herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen derselben auseinander zu
+bringen, so daß immer eben so diejenige als zunehmend anzunehmen ist,
+welche in der Erklärung als abnehmend angenommen wird, und umgekehrt;
+was, um anschaulich gemacht zu werden, einer weitläufigern Exposition
+bedürfte, als hier gegeben werden könnte; aber das Nöthige kommt
+späterhin beim umgekehrten Verhältniß vor.
+
+
+
+
+Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität).
+
+
+Der Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden.
+Die Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität
+die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze, die
+eben so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin identisch mit
+dem Seyn-für-Anderes,—die Repulsion der vielen Eins, die unmittelbar
+Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist.
+
+Weil das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht
+auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ
+fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser
+Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben zugleich
+nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr unmittelbare
+Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt, sich als
+repellirend von sich, die Beziehung auf sich als Bestimmtheit vielmehr
+in einem anderen Daseyn (einem für-sich-seyenden) zu haben, und indem
+sie zugleich als gleichgültige in sich reflektirte, beziehungslose
+Grenzen sind, so ist die Bestimmtheit überhaupt außer sich, ein sich
+schlechthin Äußerliches und Etwas ebenso Äußerliches; solche Grenze,
+die Gleichgültigkeit derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie,
+macht die quantitative Bestimmtheit desselben aus.
+
+Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität, vom
+Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens das in sich
+zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm
+hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit.
+
+Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird,
+als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist. Sie wird Quantum.
+Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die über sich
+hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß Andersseyn
+des Andersseyn in den unendlichen Progreß. Das unendliche Quantum aber
+ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist die
+Wiederherstellung der Qualität.
+
+Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative
+Verhältniß. Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im
+Verhältnisse aber geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus, daß
+dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein
+anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die
+Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist.
+
+Diesem Verhältnisse liegt noch die Äußerlichkeit des Quantums zu
+Grunde, es sind gleichgültige Quanta, die sich zu einander verhalten,
+d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Außersichseyn haben;
+—das Verhältniß ist damit nur formelle Einheit der Qualität und
+Quantität. Die Dialektik desselben ist sein Übergang in ihre absolute
+Einheit, in das Maaß.
+
+Anmerkung.
+
+Am Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit.
+Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. B.
+ein Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor wie
+nach. Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so ist
+dieß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, Wald
+u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer Roth;
+wenn es aber seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu seyn, es
+würde Blau u.s.f.—Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie sie sich
+oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde liegt, das
+gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist, ergiebt sich an
+jedem anderen Beispiel.
+
+Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum, wie an den angegebenen
+Beispielen, verstanden, nicht die Quantität, weswegen wesentlich dieser
+Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muß.
+
+Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird,
+betrifft gleichfalls das Quantum. Gewöhnlich wird eine Größe definirt,
+als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt. Vermehren aber
+heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen. Es liegt darin
+ein Unterschied der Größe überhaupt von ihr selbst, und die Größe wäre
+also das, dessen Größe sich verändern läßt. Die Definition zeigt sich
+insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige Bestimmung selbst
+gebraucht wird, welche definirt werden sollte. Insofern in ihr nicht
+dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das Mehr und Weniger in
+einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der Natur des Quantums als
+eine gleichfalls äußerliche, und in ein Wegnehmen, als eine ebenso
+äußerliche Negation, aufzulösen. Zu dieser äußerlichen Weise sowohl der
+Realität als der Negation bestimmt sich überhaupt die Natur der
+Veränderung am Quantum. Daher ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das
+Hauptmoment nicht zu verkennen, worauf es ankommt; nämlich die
+Gleichgültigkeit der Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr
+eigenes Mehr Minder liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die Quantität.
+
+
+A. Die reine Quantität.
+
+Die Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins,
+das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die
+Beziehung mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem
+Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist in
+Attraktion übergegangen. Die absolute Sprödigkeit des repellirenden
+Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als dieß Eins
+enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich bestimmt, als
+Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist. Die Attraktion
+ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in der Quantität.
+
+Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf
+sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber
+nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins.
+Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber
+zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes. Die Vielheit
+ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist; die Vielen sind
+Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die Vielheit daher
+einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die Kontinuität ist dieses
+Moment der Sichselbstgleichheit des Außereinanderseyns, das
+Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in ihre von ihnen
+Unterschiedene.
+
+Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der
+Diskretion,—die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist.
+—Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch
+nicht zum Ausschließenden wird; die Repulsion dehnt erst die
+Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus. Die Diskretion ist daher
+ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere,
+das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne Stätigkeit,
+und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht unterbrechen.
+
+Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und
+Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen derselben,
+der Kontinuität, als Resultat der Dialektik des Fürsichseyns, das in
+die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit zusammengefallen ist. Die
+Quantität ist als solche dieß einfache Resultat, insofern es seine
+Momente noch nicht entwickelt und an ihm gesetzt hat.—Sie enthält sie
+zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt, wie es in Wahrheit ist. Es war
+seiner Bestimmung nach das sich aufhebende Beziehen auf sich selbst,
+perennirendes Außersichkommen. Aber das Abgestoßene ist es selbst; die
+Repulsion ist daher das erzeugende Fortfließen seiner selbst. Um der
+Dieselbigkeit willen des Abgestoßenen ist dieß Discerniren,
+ununterbrochene Kontinuität; und um des Außersichkommens willen, ist
+diese Kontinuität, ohne unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die
+eben so unmittelbar in ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht Quantum;
+auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze nicht
+beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze nicht
+beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in sich zu
+haben. Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so ausgedrückt
+werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben die reale
+Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben so
+schlechthin nur als kontinuirliches ist.
+
+Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur
+Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen Beziehung der Eins
+aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sprödigkeit und
+Ausschließung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß es
+an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealität übergeht,
+und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich ist, sondern ihm
+selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist. Diese Äußerlichkeit
+der Kontinuität für die Eins ist es überhaupt, an der die Atomistik
+hängen bleibt, und die zu verlassen die Schwierigkeit für das
+Vorstellen macht.—Die Mathematik dagegen verwirft eine Metaphysik,
+welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum überhaupt oder zunächst die
+Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus Linien, den ganzen Raum aus
+Flächen bestehen lassen wollte; sie läßt solche unkontinuirliche Eins
+nicht gelten. Wenn sie auch z.B. die Größe einer Fläche so bestimmt,
+daß sie als die Summe von unendlich vielen Linien vorgestellt wird,
+gilt diese Diskretion nur als momentane Vorstellung, und in der
+unendlichen Vielheit der Linien, da der Raum, den sie ausmachen sollen,
+doch ein beschränkter ist, liegt schon das Aufgehobenseyn ihrer
+Diskretion.
+
+Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat
+Spinoza, dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er
+(Eth. P. I. Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität
+spricht:
+
+"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet sive
+superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia, quod
+a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, prout in
+imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit, reperietur
+finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad ipsam, prout
+in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus substantia est,
+concipimus, quod difficillime fit,—infinita, unic et indivisibilis
+reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem et intellectum
+distiuguere sciverint, satis manifestum erit." Bestimmtere Beispiele
+der reinen Quantität, wenn man deren verlangt, hat man an Raum und
+Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f. selbst Ich, nur ist
+unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das Quantum zu verstehen.
+Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen, Vielheiten, die ein
+Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber nicht ins
+Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht, sondern als
+Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer Einheit sind.
+Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn, das eben so sehr schlechthin
+ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn, das identisch mit
+sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen, ein Erzeugen des
+Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das Zunichtewerden
+desselben und stätig wieder das Zunichtewerden dieses Vergebens ist, so
+daß dieß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr einfache Gleichheit
+und Identität mit sich ist.
+
+Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den
+sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens
+aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber, die
+zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et
+quantitatem esse realiter idem.—In der That sind diese Begriffe auch
+nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantität die reine
+Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in äußerlicher Existenz ist.
+—Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantität zu, als es ein
+absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder allseitige
+Repulsion zur negativen Freiheit des Fürsichseyns ist, aber welche
+schlechthin einfache Kontinuität bleibt,—die Kontinuität der
+Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich
+mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s.
+f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen sträuben, die Vielheit
+als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe, daß von den
+Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der
+Vielen,—indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von
+Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich
+betrachtet, die Rede ist,—auch eine Vorstellung von dieser Einheit
+verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen Stätigkeiten,
+die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher Anschauung als
+vorhanden geben.
+
+Anmerkung 2.
+
+In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und
+der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der
+unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f.
+
+Diese Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr
+als die Kontinuität behauptet werden muß. Die einseitige Behauptung der
+Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit ein
+Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der Kontinuität
+dagegen die unendliche Theilbarkeit.
+
+Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier
+(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz
+betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen.
+
+Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der
+kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der
+vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die
+neuere Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere die
+Überzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit von
+Seite des Inhalts herbeiführen halfen,—was ein richtigerer Weg ist, als
+der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur dieß ihr
+Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an ihnen selbst
+sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese Darstellung sehr
+unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und verschroben, Theils
+schief in Ansehung ihres Resultats, welches voraussetzt, daß das
+Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe, als endliche
+Kategorien.—In beider Rücksicht verdienen diese Antinomien eine
+genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und Methode näher
+beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, von der
+unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird.
+
+Zunächst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien
+durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der Kategorien
+hernahm, einen Schein von Vollständigkeit geben wollte. Allein die
+tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in die
+dialektische Natur der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als
+Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form
+antinomischer Behauptungen geben könnte. Werden, Daseyn u.s.f. und
+jeder andere Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und
+also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe
+ergeben.—Der alte Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen
+lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand,
+diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen.
+
+Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern in
+der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt. Um die
+Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu
+behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und
+Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der
+Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der keine
+Kraft noch Gewalt dabei hat, rein für sich betrachtet werden, indem sie
+allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen.
+
+Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht
+sophistische Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die
+Vernunft nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;"—was eine
+wichtige Ansicht ist.—"Von dem natürlichen Scheine der Antinomien werde
+die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar nicht mehr
+hintergegangen, aber immer noch getäuscht."—Die kritische Auflösung
+nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der Welt der
+Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den sogenannten
+Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich noch immer
+derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als vorher. Ihre wahrhafte
+Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei Bestimmungen, indem sie
+entgegengesetzt und einem und demselben Begriffe nothwendig sind, nicht
+in ihrer Einseitigkeit, jede für sich, gelten können, sondern daß sie
+ihre Wahrheit nur in ihrem Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres
+Begriffes haben.
+
+Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders,
+als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei
+entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt von der
+andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich
+assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste von
+Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen
+hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt und
+unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern
+Betrachtung derselben zeigen wird.
+
+Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche
+Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente der
+Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in sich
+enthält.
+
+Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so:
+
+Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen
+Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was aus
+diesem zusammengesetzt ist.
+
+Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte
+gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine sehr
+zurückstehende Bestimmung ist.—Das Substrat, das diesen Abstraktionen
+gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier weiter nichts, als
+die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und hat auf das
+Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut auch Raum
+oder Zeit genommen werden.—Indem nun die Thesis nur von Zusammensetzung
+statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich sogleich ein
+analytischer oder tautologischer Satz. Daß das Zusammengesetzte nicht
+an und für sich Eines, sondern nur ein äußerlich Verknüpftes ist, und
+aus Anderem besteht, ist seine unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber
+des Zusammengesetzten ist das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu
+sagen, daß das Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.—Wenn einmal
+gefragt wird, aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen
+verlangt, dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Läßt man die Dinte
+wieder aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen
+aus Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich
+nur. Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas
+bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin
+ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll.
+—Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey, nur
+für ein relativ-Einfaches genommen, das für sich wieder zusammengesetzt
+sey, so bleibt die Frage vor wie nach. Der Vorstellung schwebt etwa nur
+dieß oder jenes Zusammengesetzte vor, von dem auch dieß oder jenes
+Etwas als sein Einfaches angegeben würde, was für sich ein
+Zusammengesetztes wäre. Aber hier ist von dem Zusammengesetzten als
+solchem die Rede.
+
+Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie
+alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg, der
+sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn.
+
+"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen
+nicht aus einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in
+Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Theil und da es (nach
+der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt, auch kein
+einfacher, mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine Substanz
+seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn es nichts
+als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles Zusammengesetzte
+weg, so hat man gar nichts übrig;—man wird dieß zugeben, aber dieser
+tautologische Überfluß konnte wegbleiben, und der Beweis sogleich mit
+dem anfangen, was darauf folgt, nämlich: "Entweder läßt sich unmöglich
+alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren
+Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung bestehendes, d. i. das Einfache,
+übrig bleiben."
+
+"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus
+Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine
+zufällige Relation der Substanzen[8] ist, ohne welche diese als für
+sich beharrliche Wesen, bestehen müssen.)—Da nun dieser Fall der
+Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich
+das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Theilen
+bestehe."
+
+ [8] Zum Überfluß des Beweisens selbst kommt hier noch der Überfluß der
+ Sprache,—weil bei diesen (den Substanzen nämlich) die Zusammensetzung
+ nur eine zufällige Relation der Substanzen ist.
+
+
+Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die
+Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig
+ist. Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das
+Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache. Wäre das Erstere, nämlich
+das Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende nicht die
+Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur zufällige Relation;
+aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das, was bleibt, das
+Einfache.
+
+Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die
+zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar
+jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die
+Zusammensetzung bloß eine zufällige Relation der Substanzen ist, welche
+ihnen also äußerlich ist, und die Substanzen selbst nichts angeht.—Hat
+es mit der Zufälligkeit der Zusammensetzung seine Richtigkeit, so ist
+das Wesen Freilich das Einfache. Diese Zufälligkeit aber, auf welche es
+allein ankommt, wird nicht bewiesen, sondern geradezu, und zwar im
+Vorbeigehen in Parenthese angenommen, als etwas das sich von selbst
+versteht oder eine Nebensache ist. Es versteht sich zwar allerdings von
+selbst, daß die Zusammensetzung die Bestimmung der Zufälligkeit und
+Äußerlichkeit ist; aber wenn es sich nur um ein zufälliges Zusammen
+handeln sollte statt der Kontinuität, so war es nicht der Mühe werth,
+darüber eine Antinomie aufzustellen, oder vielmehr es ließ sich gar
+keine aufstellen; die Behauptung der Einfachheit der Theile ist
+alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch.
+
+In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst
+vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kürzer läßt sich daher der
+Beweis so fassen:
+
+Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen Theilen,
+sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle
+Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine zufällige
+Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine Substanzen übrig,
+wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden. Substanzen aber müssen
+wir haben, denn wir haben sie angenommen; es soll uns nicht alles
+verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn wir haben ein solches
+Beharrliches, das wir Substanz nannten, vorausgesetzt; dieß Etwas muß
+also einfach seyn.
+
+Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet
+folgendermaßen:
+
+"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt einfache
+Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben
+sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als einfache Wesen
+denken müsse."
+
+Hier sehen wir die Äußerlichkeit d. i. Zufälligkeit der Zusammensetzung
+als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise parenthetisch
+eingeführt und in ihm gebraucht worden war.
+
+Kant protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der
+Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege)
+einen Advokatenbeweis zu führen. Der betrachtete Beweis ist nicht so
+sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten
+Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises
+hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu
+lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese
+der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur eine
+Voraussetzung vorhanden ist.
+
+Die Antithesis lautet:
+
+Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen,
+und es existirt überall nichts Einfaches in derselben.
+
+Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere
+Weise eben so tadelhaft als der vorige.
+
+"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe
+aus einfachen Theilen. Weil alles äußere Verhältniß, mithin auch alle
+Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume möglich ist, so muß, aus so
+vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen Theilen
+auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht aus
+einfachen Theilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder Theil des
+Zusammengesetzten einen Raum einnehmen."
+
+"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind
+einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein."
+
+"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander
+befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt ist,
+und zwar aus Substanzen, so würde das Einfache ein substantielles
+Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht."
+
+Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden
+Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt
+werden.
+
+Zunächst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein. Denn die
+Annahme, daß alles Substanzielle räumlich sey, der Raum aber nicht aus
+einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum
+unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze
+Beweisen fertig ist.
+
+Alsdann fängt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "daß alle
+Zusammensetzung aus Substanzen, ein äußeres Verhältniß sey," vergißt
+ihn aber sonderbar genug sogleich wieder. Es wird nämlich
+fortgeschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume möglich sey, der
+Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das einen
+Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt. Wenn einmal die
+Zusammensetzung als ein äußerliches Verhältniß angenommen ist, so ist
+die Räumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung möglich
+seyn soll, eben darum ein äußerliches Verhältniß für die Substanzen,
+das sie nichts angeht und ihre Natur nicht berührt, so wenig als das
+übrige, was man aus der Bestimmung der Räumlichkeit noch folgern kann.
+Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen nicht in den Raum gesetzt
+worden seyn.
+
+Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier
+versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine
+Anschauung, nämlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung, die
+nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden könne, und kein
+sogenannter diskursiver Begriff sey.—Bekanntlich hat sich aus dieser
+kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel Unfug mit
+dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen, ist der
+Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt worden.
+Hierher gehört nur, daß der Raum, wie auch die Anschauung selbst,
+zugleich begriffen werden muß, wenn man nämlich überhaupt begreifen
+will. Damit entstände die Frage, ob der Raum nicht, wenn er auch als
+Anschauung einfache Kontinuität wäre, nach seinem Begriffe als aus
+einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden müsse, oder der Raum träte
+in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die Substanz versetzt wurde.
+In der That wenn die Antinomie abstrakt gefaßt wird, betrifft sie, wie
+erinnert, die Quantität überhaupt und somit Raum und Zeit eben so sehr.
+
+Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus
+einfachen Theilen bestehe, so dieß hätte Grund seyn sollen, das
+Einfache nicht in dieß Element zu versetzen, welches der Bestimmung des
+Einfachen nicht angemessen ist.—Hierbei kommt aber auch die Kontinuität
+des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es werden beide mit
+einander verwechselt, die erstere an die Stelle der letztern
+untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum giebt). Es
+ist bei Kant die ausdrückliche Bestimmung des Raums, daß er ein einiger
+ist, und die Theile desselben nur auf Einschränkungen beruhen, so daß
+sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen
+Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung möglich sey, vorhergehen".
+(Kr. d. r. Vern. 2te Ausg. S. 39). Hier ist die Kontinuität sehr
+richtig und bestimmt vom Raume gegen die Zusammensetzung aus
+Bestandtheilen angegeben. In der Argumentation dagegen soll das
+Versetzen der Substanzen in den Raum ein "außerhalb einander
+befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin ein Zusammengesetztes"
+mit sich führen. Wogegen, wie angeführt, die Art, wie im Raume eine
+Mannigfaltigkeit sich findet, ausdrücklich die Zusammensetzung und der
+Einigkeit desselben vorhergehende Bestandtheile ausschließen soll.
+
+In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdrücklich
+die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie
+herbeigebracht, daß wir von Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff
+haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung der
+Möglichkeit aller äußern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn hiermit
+unter den Substanzen nur Körper gemeint sind, wie wir sie sehen, fühlen
+schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem Begriffe sind,
+eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom sinnlich
+Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu fassen. Die
+ganze Erfahrung unseres Sehens, Fühlens, u.s.f.. zeigt uns nur
+Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die feinsten Messer
+haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen. Also soll auch die
+Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen.
+
+Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer
+ansehen, und ihre Beweise von allem unnützen Überfluß und
+Verschrobenheit befreien, so enthält der Beweis der Antithesis, —durch
+die Versetzung der Substanzen in den Raum,—die assertorische Annahme
+der Kontinuität, so wie der Beweis der Thesis,—durch die Annahme der
+Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des Substantiellen,—die
+assertorische Annahme der Zufälligkeit dieser Beziehung, und damit die
+Annahme der Substanzen als absolute Eins. Die ganze Antinomie reducirt
+sich also auf die Trennung und direkte Behauptung der beiden Momente
+der Quantität und zwar derselben als schlechthin getrennter. Nach der
+bloßen Diskretion genommen sind die Substanz, Materie, Raum, Zeit
+u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins ist ihr Princip. Nach der
+Kontinuität ist dieses Eins nur ein aufgehobenes; das Theilen bleibt
+Theilbarkeit, es bleibt die Möglichkeit zu theilen, als Möglichkeit,
+ohne wirklich auf das Atome zu kommen. Bleiben wir nun auch bei der
+Bestimmung stehen, die in dem Gesagten von diesen Gegensätzen gegeben
+ist, so liegt in der Kontinuität selbst das Moment des Atomen, da sie
+schlechthin als die Möglichkeit des Theilens ist, so wie jenes
+Getheiltseyn, die Diskretion auch allen Unterschied der Eins
+aufhebt,—denn die einfachen Eins ist eines was das andere ist,—somit
+ebenso ihre Gleichheit und damit ihre Kontinuität enthält. Indem jede
+der beiden entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthält,
+und keine ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß
+keine dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur
+ihre Einheit. Dieß ist die wahrhafte dialektische Betrachtung
+derselben, so wie das wahrhafte Resultat.
+
+Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische
+Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen Schule
+besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf den Begriff
+der Quantität gründen, und in ihm ihre Auflösung haben. Es würde zu
+weitläufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie betreffen die
+Begriffe von Raum und Zeit, und können bei diesen und in der Geschichte
+der Philosophie abgehandelt werden. Sie machen der Vernunft ihrer
+Erfinder die höchste Ehre; sie haben das reine Seyn des Parmenides zum
+Resultate indem sie die Auflösung alles bestimmten Seyns in sich selbst
+aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das Fließen des Heraklit Sie
+sind darum auch einer gründlichern Betrachtung würdig, als der
+gewöhnlichen Erklärung, daß es eben Sophismen seyen; welche Assertion
+sich an das empirische Wahrnehmen nach dem, dem gemeinen
+Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des Diogenes hält, der, als
+ein Dialektiker den Widerspruch, den die Bewegung enthält, aufzeigte,
+seine Vernunft weiter nicht angestrengt haben, sondern durch ein
+stummes Hin- und Hergehen auf den Augenschein verwiesen haben
+soll,—eine Assertion und Widerlegung, die freilich leichter zu machen
+ist, als sich in die Gedanken einzulassen, und die Verwicklungen, in
+welche der Gedanke und zwar der nicht weithergehohlte, sondern im
+gewöhnlichen Bewußtseyn selbst sich formirende, hineinführt,
+festzuhalten und durch den Gedanken selbst aufzulösen.
+
+Die Auflösung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen
+macht, ist hoch zu rühmen und in seinen wahrhaft spekulativen Begriffen
+von Raum, Zeit und Bewegung enthalten. Er setzt der unendlichen
+Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie bewerkstelligt
+werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen, dasselbe ist), als
+worauf die berühmtesten jener Beweise beruhen, die Kontinuität, welche
+ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht, entgegen, so daß die
+unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich, der Möglichkeit nach,
+in der Kontinuität enthalten sey. Das Wirkliche gegen die abstrakte
+Vielheit, wie gegen die abstrakte Kontinuität ist das Konkrete
+derselben, die Zeit und der Raum selbst, wie gegen diese wieder die
+Bewegung und die Materie. Nur an sich oder nur der Möglichkeit nach ist
+das Abstrakte; es ist nur als Moment eines Reellen. Bayle, der in
+seinem Diktionnaire, Art. Zenon, die von Aristoteles gemachte Auflösung
+der zenonischen Dialektik, " pitoyable " findet, versteht nicht was es
+heißt, daß die Materie nur der Möglichkeit nach ins Unendliche theilbar
+sey; er erwiedert, wenn die Materie ins Unendliche theilbar sey, so
+enthalte sie wirklich eine unendliche Menge von Theilen, dieß sey also
+nicht ein Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell
+und aktuell existire.—Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur
+eine Möglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit
+überhaupt in der Kontinuität nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt.
+—Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unübertroffen
+ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu
+beurtheilen, so wenig als die angeführte Plumpheit sinnlicher
+Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand ist
+in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie unendliche
+Menge von Theilen, für Etwas, für ein Wahres und Wirkliches zu halten;
+dieses sinnliche Bewußtseyn aber läßt sich nicht über das Empirische
+hinaus zu Gedanken bringen.
+
+Die kantische Auflösung der Antinomie besteht gleichfalls allein darin,
+daß die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht überfliegen, und die
+Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Auflösung läßt den Inhalt
+der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht die Natur des
+Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, für sich isolirt,
+nichtig und an ihr selbst nur das Übergehen in ihre Andere ist, und die
+Quantität als ihre Einheit und darin ihre Wahrheit hat.
+
+B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
+
+Die Quantität enthält die beiden Momente der Kontinuität und der
+Diskretion. Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.—Sie ist
+schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist zunächst
+selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuität, gesetzt,
+und ist so kontinuirliche Größe.
+
+Oder die Kontinuität ist zwar eins der Momente der Quantität, die erst
+mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist. Aber die Quantität ist
+konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit unterschiedener Momente
+ist. Diese sind daher auch als unterschieden zu nehmen, jedoch nicht in
+Attraktion und Repulsion wieder aufzulösen, sondern nach ihrer Wahrheit
+jede in ihrer Einheit mit der anderen d. h. das Ganze bleibend. Die
+Kontinuität ist nur die zusammenhängende, gediegene Einheit, als
+Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie nicht mehr nur Moment,
+sondern ganze Quantität; kontinuirliche Größe.
+
+2. Die unmittelbare Quantität ist kontinuirliche Größe. Aber die
+Quantität ist überhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit
+ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie ist
+also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins.
+Die Quantität ist diskrete Größe.
+
+Die Diskretion ist, wie die Kontinuität, Moment der Quantität, aber ist
+selbst auch die ganze Quantität, eben weil sie Moment in ihr, dem
+Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus ihrer
+Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.—Die Quantität ist
+Außereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Größe ist dieß
+Außereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in sich
+selbst gleicher Zusammenhang. Die diskrete Größe aber ist dieß
+Außereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen. Mit dieser
+Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere, die
+Repulsion überhaupt, wieder vorhanden. Weil die diskrete Größe
+Quantität ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich. Diese
+Kontinuität am Diskreten besteht darin, daß die Eins das einander
+Gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben. Die diskrete Größe
+ist also das Außereinander des vielen Eins, als des Gleichen, nicht das
+viele Eins überhaupt, sondern als das Viele einer Einheit gesetzt.
+
+Anmerkung.
+
+In gewöhnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Größe
+wird es übersehen, daß jede dieser Größen beide Momente, sowohl die
+Kontinuität als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur
+dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte
+Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist. Raum, Zeit,
+Materie u.s.f. sind stätige Größen, indem sie Repulsionen von sich
+selbst, ein strömendes Außersichkommen sind, das zugleich nicht ein
+Übergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist. Sie haben die
+absolute Möglichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt werde;
+nicht als die leere Möglichkeit eines bloßen Andersseyns (wie man sagt,
+es wäre möglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum stünde)
+sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst, es ist die
+eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind.
+
+Umgekehrt ist an der diskreten Größe die Kontinuität nicht zu
+übersehen; dieß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit.
+
+Die kontinuirliche und diskrete Größe können als Arten der Quantität
+betrachtet werden, aber insofern die Größe nicht unter irgend einer
+äußerlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den Bestimmtheiten
+ihrer eigenen Momente; der gewöhnliche Übergang von Gattung zu Art läßt
+an jene nach irgend einem ihr äußerlichen Eintheilungsgrunde äußerliche
+Bestimmungen kommen. Dabei sind die kontinuirliche und diskrete Größe
+noch keine Quanta; sie sind nur die Quantität selbst in einer jeden
+ihrer beiden Formen. Sie werden etwa Größen genannt, insofern sie mit
+dem Quantum dieß überhaupt gemein haben, eine Bestimmtheit an der
+Quantität zu seyn.
+
+C. Begrenzung der Quantität.
+
+Die diskrete Größe hat erstlich das Eins zum Princip und ist zweitens
+Vielheit der Eins, drittens ist sie wesentlich stätig, sie ist das Eins
+zugleich als Aufgehobenes, als Einheit, das Sich-kontinuiren als
+solches in der Diskretion der Eins. Sie ist daher als Eine Größe
+gesetzt, und die Bestimmtheit derselben ist das Eins, das an diesem
+Gesetztseyn und Daseyn ausschließendes Eins, Grenze an der Einheit ist.
+Die diskrete Größe als solche soll unmittelbar nicht begrenzt seyn;
+aber als unterschieden von der kontinuirlichen ist sie als ein Daseyn
+und ein Etwas, dessen Bestimmtheit das Eins und als in einem Daseyn
+auch erste Negation und Grenze ist.
+
+Diese Grenze, außer dem, daß sie auf die Einheit bezogen und die
+Negation an derselben ist, ist als Eins auch auf sich bezogen; so ist
+sie umschließende, befassende Grenze. Die Grenze unterscheidet sich
+hier nicht zuerst von dem Etwas ihres Daseyns, sondern ist als Eins
+unmittelbar dieser negative Punkt selbst. Aber das Seyn, das hier
+begrenzt ist, ist wesentlich als Kontinuität, vermöge der es über die
+Grenze und dieß Eins hinausgeht, und gleichgültig dagegen ist. Die
+reale diskrete Quantität ist so eine Quantität, oder Quantum,—die
+Quantität als ein Daseyn und Etwas.
+
+Indem das Eins, welches Grenze ist, die vielen Eins der diskreten
+Quantität in sich befaßt, setzt sie dieselben ebenso wohl als in ihm
+aufgehobene; sie ist Grenze an der Kontinuität überhaupt als solcher,
+und damit ist hier der Unterschied von kontinuirlicher und diskreter
+Größe gleichgültig; oder richtiger, sie ist Grenze an der Kontinuität
+der einen sosehr als der andern; beide gehen darein über, Quanta zu
+seyn.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Quantum.
+
+
+Das Quantum, zunächst Quantität mit einer Bestimmtheit oder Grenze
+überhaupt,—ist in seiner vollkommenen Bestimmtheit die Zahl. Das
+Quantum unterscheidet sich
+
+zweitens zunächst in extensives, an dem die Grenze als Beschränkung der
+daseyenden Vielheit ist, alsdann indem dieses Daseyn ins Fürsichseyn
+übergeht,—in intensives Quantum, Grad, welches als fürsich und darin
+als gleichgültige Grenze ebenso unmittelbar außersich, seine
+Bestimmtheit an einem anderen hat. Als dieser gesetzte Widerspruch, so
+einfach in sich bestimmt zu seyn und seine Bestimmtheit außer sich zu
+haben und für sie außer sich zu weisen, geht das Quantum
+
+drittens, als das an sich selbst äußerliche Gesetzte in die
+quantitative Unendlichkeit über.
+
+A. Die Zahl.
+
+Die Quantität ist Quantum, oder hat eine Grenze; sowohl als
+kontinuirliche wie als diskrete Größe. Der Unterschied dieser Arten hat
+hier zunächst keine Bedeutung.
+
+Die Quantität ist als das aufgehobene Fürsichseyn schon an und für sich
+selbst gegen ihre Grenze gleichgültig. Aber damit ist ihr ebenso die
+Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichgültig; denn sie enthält
+das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich als ihr eigenes Moment,
+das also als gesetzt an ihrer Kontinuität oder Einheit ihre Grenze ist,
+die aber als Eins, zu dein sie überhaupt geworden, bleibt.
+
+Dieß Eins ist also das Princip des Quantums, aber das Eins als der
+Quantität. Dadurch ist es erstlich kontinuirlich, es ist Einheit;
+zweitens ist es diskret, an sich seyende (wie in der kontinuirlichen)
+oder gesetzte (wie in der diskreten Größe) Vielheit der Eins, welche
+die Gleichheit miteinander, jene Kontinuität, dieselbe Einheit haben.
+Drittens ist die ß Eins auch Negation der vielen Eins als einfache
+Grenze, ein Ausschließen seines Andersseyns aus sich, eine Bestimmung
+seiner gegen andere Quanta. Das Eins ist insofern sich à) auf sich
+beziehende, (ß) umschließende, und (ç) Anderes ausschließende Grenze.
+
+Das Quantum in diesen Bestimmungen vollständig gesetzt, ist die Zahl.
+Das vollständige Gesetztseyn liegt in dem Daseyn der Grenze als
+Vielheit und damit ihrem Unterschiedenseyn von der Einheit. Die Zahl
+erscheint, deswegen als diskrete Größe, aber sie hat an der Einheit
+ebenso die Kontinuität. Sie ist darum auch das Quantum in vollkommener
+Bestimmtheit; indem in ihr die Grenze als bestimmte Vielheit, die das
+Eins, das schlechthin bestimmte, zu seinem Principe hat. Die
+Kontinuität, als in der das Eins nur an sich, als Aufgehobenes
+ist,—gesetzt als Einheit,—ist die Form der Unbestimmtheit.
+
+Das Quantum nur als solches ist begrenzt überhaupt, seine Grenze ist
+abstrakte, einfache Bestimmtheit desselben. Indem es aber Zahl ist, ist
+diese Grenze als in sich selbst mannigfaltig gesetzt. Sie enthält die
+vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen, enthält sie aber nicht auf
+unbestimmte Weise, sondern die Bestimmtheit der Grenze fällt in sie;
+die Grenze schließt anderes Daseyn, d. i. andere Viele aus, und die von
+ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge, —die Anzahl, zu
+welcher als der Diskretion, wie sie in der Zahl ist, das andere die
+Einheit, die Kontinuität derselben, ist. Anzahl und Einheit machen die
+Momente der Zahl aus.
+
+Von der Anzahl ist noch näher zu sehen, wie die vielen Eins, aus denen
+sie besteht, in der Grenze sind; von der Anzahl ist der Ausdruck
+richtig, daß sie aus den Vielen besteht, denn die Eins sind in ihr
+nicht als aufgehoben, sondern sind in ihr, nur mit der ausschließenden
+Grenze gesetzt, gegen welche sie gleichgültig sind. Aber diese ist es
+nicht gegen sie. Beim Daseyn hatte sich zunächst das Verhältniß der
+Grenze zu demselben so gestellt, daß das Daseyn als das affirmative
+diesseits seiner Grenze bestehen blieb, und diese, die Negation,
+außerhalb an seinem Rande sich befand; ebenso erscheint an den vielen
+Eins das Abbrechen derselben und das Ausschließen anderer Eins als eine
+Bestimmung, die außerhalb der umschlossenen Eins fällt. Aber es hat
+sich dort ergeben, daß die Grenze das Daseyn durchdringt, soweit geht
+als dieses, und daß Etwas dadurch seiner Bestimmung nach begrenzt, d.
+i. endlich ist.—So stellt man im Quantitativen der Zahl etwa Hundert so
+vor, daß das hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, daß sie
+Hundert seyen. Einer Seits ist dieß richtig; anderer Seits aber hat
+unter den hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind;
+jedes ist ebenso das Hundertste; sie gehören also alle der Grenze an,
+wodurch die Zahl Hundert ist; diese kann für ihre Bestimmtheit keines
+entbehren; die anderen machen somit gegen das hundertste Eins kein
+Daseyn aus, das außerhalb der Grenze oder nur innerhalb ihrer,
+überhaupt verschieden von ihr wäre. Die Anzahl ist daher nicht eine
+Vielheit gegen das umschließende, begrenzende Eins, sondern macht
+selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die
+Vielen machen eine Zahl, Ein Zwei, Ein Zehn, Ein Hundert u.s.f. aus.
+
+Das begrenzende Eins ist nun das Bestimmtseyn gegen Anderes,
+Unterscheidung der Zahl von andern. Aber diese Unterscheidung wird
+nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, fällt nur
+in die vergleichende äußerliche Reflexion; die Zahl bleibt als Eins in
+sich zurückgekehrt, und gleichgültig gegen Andere. Diese
+Gleichgültigkeit der Zahl gegen Andere ist wesentliche Bestimmung
+derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn, aber zugleich ihre
+eigene Äußerlichkeit aus.—Sie ist so ein numerisches Eins, als das
+absolut bestimmte, das zugleich die Form der einfachen Unmittelbarkeit
+hat, und dem daher die Beziehung auf anderes völlig äußerlich ist. Als
+Eins, das Zahl ist, hat es ferner die Bestimmtheit, insofern sie
+Beziehung auf Anderes ist, als seine Momente in ihm selbst, in seinem
+Unterschiede der Einheit und der Anzahl, und die Anzahl ist selbst
+Vielheit der Eins d. i. es ist in ihm selbst diese absolute
+Äußerlichkeit.—Dieser Widerspruch der Zahl oder des Quantums überhaupt
+in sich ist die Qualität des Quantums, in deren weitern Bestimmungen
+sich dieser Widerspruch entwickelt.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die Raumgröße und Zahlgröße pflegen so als zwei Arten betrachtet zu
+werden, daß die Raumgröße für sich so sehr bestimmte Größe als die
+Zahlgröße wäre; ihr Unterschied bestünde nur in den verschiedenen
+Bestimmungen der Kontinuität und Diskretion; als Quantum aber stünden
+sie auf derselben Stufe. Die Geometrie hat im Allgemeinen in der
+Raumgröße die kontinuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgröße die
+diskrete Größe zum Gegenstande. Aber mit dieser Ungleichheit des
+Gegenstandes haben sie auch nicht eine gleiche Weise und Vollkommenheit
+der Begrenzung oder des Bestimmtseyns. Die Raumgröße hat nur die
+Begrenzung überhaupt; insofern sie als ein schlechthin bestimmtes
+Quantum betrachtet werden soll, hat sie die Zahl nöthig. Die Geometrie
+als solche mißt die Raumfiguren nicht, ist nicht Meßkunst; sondern
+vergleicht sie nur. Auch bei ihren Definitionen sind die Bestimmungen
+zum Theil von der Gleichheit der Seiten, Winkel, der gleichen
+Entfernung hergenommen. So bedarf der Kreis, weil er allein auf die
+Gleichheit der Entfernung aller in ihm möglichen Punkte von einem
+Mittelpunkte beruht, zu seiner Bestimmung keiner Zahl. Diese auf
+Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen sind ächt
+geometrisch. Aber sie reichen nicht aus, und zu andern z. B. Dreieck,
+Viereck, ist die Zahl erforderlich, die in ihrem Princip, dem Eins das
+Für-sich-bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch Hülfe eines Andern,
+also nicht durch Vergleichung enthält. Die Raumgröße hat zwar an dem
+Punkte die dem Eins entsprechende Bestimmtheit; der Punkt aber wird,
+insofern er außer sich kommt, ein Anderes, er wird zur Linie; weil er
+wesentlich nur als Eins des Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu
+einer Kontinuität, in der die Punktualität, das Für-sich-Bestimmtseyn,
+das Eins, aufgehoben ist. Insofern das Für-sich-Bestimmtseyn im
+Außersichseyn sich erhalten soll, muß die Linie als eine Menge von Eins
+vorgestellt werden, und die Grenze, die Bestimmung der vielen Eins, in
+sich bekommen, d. h. die Größe der Linie—eben so der anderen
+Raum-Bestimmungen—muß als Zahl genommen werden.
+
+Die Arithmetik betrachtet die Zahl und deren Figuren, oder vielmehr
+betrachtet sie nicht, sondern operirt mit denselben. Denn die Zahl ist
+die gleichgültige Bestimmtheit, träge; sie muß von außen bethätigt und
+in Beziehung gebracht werden. Die Beziehungsweisen sind die
+Rechnungsarten. Sie werden in der Arithmetik nach einander aufgeführt,
+und es erhellt, daß eine von der andern abhängt. Der Faden, der ihren
+Fortgang leitet, wird jedoch in der Arithmetik nicht herausgehoben.
+
+Aus der Begriffsbestimmung der Zahl selbst aber ergiebt sich leicht die
+systematische Zusammenstellung, auf welche der Vortrag dieser Elemente
+in den Lehrbüchern einen gerechten Anspruch hat. Diese leitenden
+Bestimmungen sollen hier kurz bemerklich gemacht werden.
+
+Die Zahl ist um ihres Principes, des Eins, willen ein äußerlich
+Zusammengefaßtes überhaupt, eine schlechthin analytische Figur, die
+keinen inneren Zusammenhang enthält. Weil sie so nur ein äußerlich
+Erzeugtes ist, ist alles Rechnen das Hervorbringen von Zahlen, ein
+Zählen oder bestimmter: Zusammenzählen. Eine Verschiedenheit dieses
+äußerlichen Hervorbringens, das nur iminer dasselbe thut, kann allein
+in einem Unterschiede der Zahlen gegeneinander, die zusammengezählt
+werden sollen, liegen; solcher Unterschied muß selbst anderswoher und
+aus äußerlicher Bestimmung genommen werden.
+
+Der qualitative Unterschied, der die Bestimmtheit der Zahl ausmacht,
+ist der, den wir gesehen, der Einheit und der Anzahl; auf diesen
+reducirt sich daher alle Begriffsbestimmtheit, die in den
+Rechnungsarten vorkommen kann. Der Unterschied aber, der den Zahlen als
+Quantis zukommt, ist die äußerliche Identität und der äußerliche
+Unterschied, die Gleichheit und Ungleichheit, welches
+Reflexionsmomente, und unter den Bestimmungen des Wesens beim
+Unterschiede, abzuhandeln sind.
+
+Ferner ist noch vorauszuschicken, daß Zahlen im Allgemeinen auf zwei
+Weisen hervorgebracht werden können, entweder durch Zusammenfassen oder
+durch Trennen bereits zusammengefaßter;—indem beides bei einer auf
+dieselbe Weise bestimmten Art von Zählen Statt findet, so entspricht
+einem Zusammenfassen von Zahlen, was man positive Rechnungsart, ein
+Trennen, was man negative Rechnungsart nennen kann; die Bestimmung der
+Rechnungsart selbst, ist von diesem Gegensatze unabhängig.
+
+Nach diesen Bemerkungen folgt hiermit die Angabe der Rechnungsweisen.
+Das erste Erzeugen der Zahl ist das Zusammenfassen von Vielen als
+solchen, d. i. deren jedes nur als Eins gesetzt ist,—das Numeriren. Da
+die Eins äußerliche gegeneinander sind, stellen sie sich unter einem
+sinnlichen Bilde dar, und die Operation, durch welche die Zahl erzeugt
+wird, ist ein Abzählen an den Fingern, an Punkten u.s.f. Was Vier, Fünf
+u.s.f. ist, kann nur gewiesen werden. Das Abbrechen, wie viel zugefaßt
+werden soll, ist, indem die Grenze äußerlich ist, etwas Zufälliges,
+Beliebiges.—Der Unterschied von Anzahl und Einheit, der im Fortgange
+der Rechnungsarten eintritt, begründet ein System, dyadisches,
+dekadisches u.s.f.—von Zahlen; ein solches beruht im Ganzen auf der
+Beliebigkeit, welche Anzahl konstant wieder als Einheit genommen werden
+soll.
+
+Die durch das Numeriren entstandenen Zahlen werden wieder numerirt; und
+indem sie so unmittelbar gesetzt sind, sind sie noch ohne alle
+Beziehung auf einander bestimmt, gleichgültig gegen Gleichheit und
+Ungleichheit, von zufälliger Grösse gegen einander,—daher ungleiche
+überhaupt;—Addiren.—Daß 7 und 5 Zwölfe ausmacht, erfährt man dadurch,
+daß zu den 7 noch 5 Eins an den Fingern oder sonst hinzunumerirt
+werden,—wovon das Resultat nachher im Gedächtnisse, auswendig, behalten
+wird; denn Innerliches ist nichts dabei. Ebenso daß 7 x 5 = 35 ist,
+weiß man durch das Abzählen an den Fingern u.s.f., daß zu einem Sieben
+noch eins hinzu numerirt, dieß fünf Mal bewerkstelligt, und das
+Resultat gleichfalls auswendig behalten wird. Die Mühe dieses
+Numerirens, der Erfindung der Summen, Produkte, ist durch die fertigen
+Eins und Eins oder Eins mal Eins, die man nur auswendig zu lernen hat,
+abgethan.
+
+Kant hat (in der Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft V.) den
+Satz: 7 + 5 = 12, als einen synthetischen Satz betrachtet. "Man
+sollte," sagt er, "anfänglich zwar denken, (gewiß!) er sey ein bloß
+analytischer Satz, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und Fünf
+nach dem Satz des Widerspruchs erfolge." Der Begriff der Summe heißt
+weiter nichts, als die abstrakte Bestimmung, daß diese zwei Zahlen
+zusammengefaßt werden sollen, und zwar als Zahlen auf eine äußerliche,
+d. i. begrifflose Weise,—daß von Sieben weiter numerirt werden soll,
+bis die hinzuzufügenden Eins, deren Anzahl auf Fünf bestimmt ist,
+erschöpft worden; das Resultat führt den sonst bekannten Nahmen Zwölfe.
+"Allein," fährt Kant fort, "wenn man es näher betrachtet, so findet
+man, daß der Begriff der Summe von 7 + 5 nichts weiter enthalte, als
+die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar
+nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sey, die beide
+zusammenfaßt;"—"ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen
+Summe noch so sehr zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölfe
+nicht antreffen." Mit dem Denken der Summe, Zergliederung des Begriffs,
+hat der Übergang von jener Aufgabe zu dem Resultat allerdings nichts
+[zu] thun; "man muß über diese Begriffe hinausgehen und die Anschauung,
+fünf Finger u.s.f. zu Hülfe nehmen und so die Einheiten der in der
+Anschauung gegebenen Fünf zu dem Begriffe von Sieben hinzuthun," fügt
+er hinzu. Fünf ist allerdings in der Anschauung gegeben, d. h. ein ganz
+äußerliches Zusammengefügtseyn des beliebig wiederholten Gedankens,
+Eins; aber Sieben ist ebenso wenig ein Begriff; es sind keine Begriffe
+vorhanden, über die man hinausgeht. Die Summe von 5 und 7 heißt die
+begrifflose Verbindung beider Zahlen, das so begrifflos fortgesetzte
+Numeriren von Sieben an, bis die Fünfe erschöpft sind, kann man ein
+Zusammenfügen, ein Synthesiren, gerade wie das Numeriren von Eins an,
+nennen—ein Synthesiren, das aber gänzlich analytischer Natur ist, indem
+der Zusammenhang ein ganz gemachter, nichts darin ist noch hineinkommt,
+was nicht ganz äußerlich vorliegt. Das Postulat 5 zu 7 zu addiren
+verhält sich zu dem Postulate, überhaupt zu numeriren, wie das Postulat
+eine gerade Linie zu verlängern, zu dem, eine gerade Linie zu ziehen.
+
+So leer als der Ausdruck Synthesiren ist, ist die Bestimmung, daß es a
+priori geschehe. Zählen ist allerdings keine Empfindungsbestimmung, die
+für das a posteriori nach der kantischen Bestimmung von Anschauung
+allein übrig bleibt, und Zählen ist wohl eine Beschäftigung auf dem
+Boden des abstrakten Anschauens, d. i. welches durch die Kategorie des
+Eins bestimmt und wobei von allen anderen Empfindungsbestimmungen,
+ebenso sehr als auch von Begriffen abstrahirt ist. Das a priori ist
+überhaupt etwas nur Vages; die Gefühlsbestimmung hat als Trieb, Sinn
+u.s.f. ebenso sehr das Moment der Aprioritaet in ihr, als Raum und Zeit
+als existirend, Zeitliches und Räumliches, a posteriori bestimmt ist.
+
+Im Zusammenhange hiermit kann hinzugefügt werden, daß Kants Behauptung
+von der synthetischen Beschaffenheit der Grundsätze der reinen
+Geometrie ebenso wenig etwas Gründliches enthält. Indem er angiebt, daß
+mehrere wirklich analytisch seyen, so ist allein der Grundsatz, daß die
+gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste ist, für jene
+Vorstellung angeführt. "Mein Begriff vom Geraden enthalte nämlich
+nichts von Größe, sondern nur eine Qualität; der Begriff des Kürzesten
+komme also gänzlich hinzu, und könne durch keine Zergliederung aus dem
+Begriffe der geraden Linie gezogen werden; Anschauung müsse also hier
+zu Hülfe genommen werden, vermittelst deren allein die Synthesis
+möglich sey."—Es handelt sich aber auch hier nicht von einem Begriffe
+des Geraden überhaupt, sondern von gerader Linie, und dieselbe ist
+bereits ein Räumliches, Angeschautes. Die Bestimmung (oder wenn man
+will, der Begriff) der geraden Linie ist doch wohl keine anderes als
+daß sie die schlechthin einfache Linie ist, d. i. in dem
+Außersichkommen (der sogenannten Bewegung des Punktes) schlechthin sich
+auf sich bezieht, in deren Ausdehnung keine Art von Verschiedenheit der
+Bestimmung, keine Beziehung auf einen anderen Punkt, oder Linie
+außerhalb ihrer gesetzt ist, hält;—die schlechthin in sich einfache
+Richtung. Diese Einfachheit ist allerdings ihre Qualität, und wenn die
+gerade Linie schwer analytisch zu definiren scheinen sollte, so wäre es
+nur um der Bestimmung der Einfachheit oder Beziehung auf sich selbst
+willen, und bloß weil die Reflexion beim Bestimmen zunächst vornehmlich
+eine Mehrheit, ein Bestimmen durch andere, vor sich hat; es ist aber
+für sich schlechthin nichts Schweres, diese Bestimmung der Einfachheit
+der Ausdehnung in sich, ihrer Bestimmungslosigkeit durch Anderes, zu
+fassen;—Euklids Definition enthält nichts Anderes als diese
+Einfachheit.—Der Übergang nun aber dieser Qualität zur quantitativen
+Bestimmung (des Kürzesten), welcher das Synthetische ausmachen sollte,
+ist ganz nur analytisch. Die Linie ist als räumlich, Quantität
+überhaupt; das Einfachste, vom Quantum gesagt, ist das Wenigste, und
+dieß von einer Linie gesagt, ist das Kürzeste. Die Geometrie kann diese
+Bestimmungen als Corollarium zur Definition aufnehmen; aber Archimedes
+in seinen Büchern über Kugel und Cylinder (s. Haubers Übers. S. ) hat
+am zweckmäßigsten gethan, jene Bestimmung der geraden Linie als
+Grundsatz hinzustellen, in ebenso richtigem Sinne, als Euklides die
+Bestimmung, die Parallellinien betreffend, unter die Grundsätze
+gestellt hat, da die Entwickelung dieser Bestimmung, um zu einer
+Definition zu werden, gleichfalls nicht der Räumlichkeit unmittelbar
+angehörige, sondern abstraktere qualitative Bestimmungen, wie vorhin
+Einfachheit, Gleichheit der Richtung und dergleichen erfordert hätte.
+Diese Alten haben auch ihren Wissenschaften plastischen Charakter
+gegeben, ihre Darstellung streng in der Eigenthümlichkeit ihres Stoffes
+gehalten, daher das ausgeschlossen, was für denselben heterogener Art
+gewesen wäre.
+
+Der Begriff, den Kant in den synthetischen Urtheilen a priori
+aufgestellt hat,—der Begriff von Unterschiedenem, das ebenso untrennbar
+ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt Unterschied ist,
+gehört zu dem Grossen und Unsterblichen seiner Philosophie. Im
+Anschauen ist dieser Begriffe da er der Begriff selbst und Alles an
+sich der Begriff ist, freilich gleichfalls vorhanden; aber die
+Bestimmungen, die in jenen Beispielen herausgenommen sind, stellen ihn
+nicht dar; vielmehr ist die Zahl und das Zählen eine Identität und
+Hervorbringen einer Identität, die schlechthin nur äußerlich, nur
+oberflächliche Synthese ist, eine Einheit von Eins, solchen, die
+vielmehr als an ihnen nicht identisch mit einander, sondern äußerliche,
+für sich getrennte, gesetzt sind; in der geraden Linie hat die
+Bestimmung, die kleinste zwischen zwei Punkten zu seyn, vielmehr nur
+das Moment des abstrakt Identischen, ohne Unterschied an ihm selbst, zu
+Grunde zu liegen.
+
+Ich kehre von dieser Unterbrechung zum Addiren selbst zurück. Die ihm
+entsprechende, negative Rechnungsart, das Subtrahiren, ist das ebenso
+ganz analytische Trennen in Zahlen, die wie im Addiren, nur als
+Ungleiche überhaupt gegeneinander bestimmt sind.
+
+2. Die nächste Bestimmung ist die Gleichheit der Zahlen, die numerirt
+werden sollen. Durch diese Gleichheit sind sie eine Einheit, und es
+tritt hiermit an der Zahl der Unterschied von Einheit und Anzahl ein.
+Die Multiplikation ist die Aufgabe, eine Anzahl von Einheiten, die
+selbst eine Anzahl sind, zusammenzuzählen. Es ist dabei gleichgültig,
+welche von den beiden Zahlen als Einheit und welche als Anzahl
+angegeben, ob viermal drei, wo Vier die Anzahl, und drei die Einheit
+ist, oder umgekehrt dreimal vier, gesagt wird.—Es ist oben schon
+angegeben, daß das ursprüngliche Finden des Produkts durch das einfache
+Numeriren, d. i. das Abzählen an den Fingern u.s.f. bewerkstelligt
+wird; das spätere unmittelbare Angebenkönnen des Produkts beruht auf
+der Sammlung jener Produkte, dem Einmaleins, und dem Auswendig-Wissen
+desselben.
+
+Die Division ist die negative Rechnungsart nach derselben Bestimmung
+des Unterschieds. Es ist ebenso gleichgültig, welcher von beiden
+Faktoren, der Divisor oder der Quotient, als Einheit oder als Anzahl
+bestimmt wird. Der Divisor wird als Einheit und der Quotient als Anzahl
+bestimmt, wenn die Aufgabe der Division ausgesprochen wird, daß man
+sehen wolle, wie oft (Anzahl) eine Zahl (Einheit) in einer gegebenen
+enthalten sey; umgekehrt wird der Divisor als Anzahl und der Quotient
+als Einheit genommen, wenn gesagt wird, man soll eine Zahl in eine
+gegebene Anzahl gleicher Theile theilen und die Grösse solchen Theils
+(der Einheit) finden.
+
+3. Die beiden Zahlen, welche als Einheit und Anzahl gegeneinander
+bestimmt sind, sind als Zahl noch unmittelbar gegeneinander, und daher
+überhaupt ungleich. Die weitere Gleichheit ist die der Einheit und der
+Anzahl selbst; so ist der Fortgang zur Gleichheit der Bestimmungen, die
+in der Bestimmung der Zahl liegen, vollendet. Das Zählen, nach dieser
+vollständigen Gleichheit ist das Potenziren, (die negative Rechnungsart
+das Wurzelausziehen)—und zwar zunächst das Erheben einer Zahl ins
+Quadrat,—das vollkommene Bestimmtseyn des Numerirens in sich selbst, wo
+1) die vielen Zahlen, die addirt werden, dieselben sind, und 2) deren
+Vielheit oder Anzahl selbst dieselbe ist mit der Zahl, die vielmal
+gesetzt wird, die Einheit ist. Es sind sonst keine Bestimmungen in dem
+Begriffe der Zahl, die einen Unterschied darbieten könnten; noch kann
+ein weiteres Ausgleichen des Unterschiedes, der in in der Zahl liegt,
+Statt finden. Erhebung in höhere Potenzen als in das Quadrat, ist eine
+formelle Fortsetzung Theils—bei den geraden Exponenten,—nur eine
+Wiederholung des Quadrirens, Theils bei den ungeraden Potenzen—tritt
+wieder die Ungleichheit ein; bei der nämlich formellen Gleichheit (z.B.
+zunächst beim Kubus) des neuen Faktors mit der Anzahl sowohl als mit
+der Einheit, ist er als Einheit, gegen die Anzahl (das Quadrat, 3 gegen
+3. 3) ein Ungleiches; noch mehr beim Kubus von Vier, wo die Anzahl, 3,
+nach der die Zahl, die die Einheit ist, mit sich multiplicirt werden
+soll, von dieser selbst verschieden ist.—Es sind an sich diese
+Bestimmungen als der wesentliche Unterschied des Begriffs, die Anzahl
+und die Einheit, vorhanden, welche für das vollständige
+In-sich-Zurückgehen des Außer-sich-gehens auszugleichen sind. In dem so
+eben Dargestellten liegt weiter der Grund, warum Theils die Auflösung
+der höheren Gleichungen in der Zurückführung auf die quadratische
+bestehen muß, Theils warum die Gleichungen von ungeraden Exponenten
+sich nur formell bestimmen, und gerade wenn die Wurzeln rational sind,
+diese sich nicht anders als durch einen imaginären Ausdruck, d. h. der
+das Gegentheil dessen ist, was die Wurzeln sind und ausdrücken, finden
+lassen.—Das Quadrat der Arithmetik enthält nach dem Angegebenen, allein
+das Schlechthin-Bestimmtseyn in sich; weswegen die Gleichungen mit
+weitern formellen Potenzen darauf zurückgeführt werden müssen, gerade
+wie das rechtwinklichte Dreieck in der Geometrie das
+Schlechthin-in-sich-Bestimmtseyn enthält, das im pythagoräischen
+Lehrsatz exponirt ist, weswegen auch darauf für die totale Bestimmung
+alle anderen geometrischen Figurationen reducirt werden müssen.
+
+Ein nach einem logisch gebildetem Urtheile fortschreitender Unterricht
+handelt die Lehre von den Potenzen vor der Lehre über die Proportionen
+ab; diese schließen sich zwar an den Unterschied von Einheit und Anzahl
+an, der die Bestimmung der zweiten Rechnungsart ausmacht, aber sie
+treten aus dem Eins des unmittelbaren Quantums, in welchem Einheit und
+Anzahl nur Momente sind, heraus; die Fortbestimmung nach demselben
+bleibt ihm selbst auch noch äußerlich. Die Zahl im Verhältnisse ist
+nicht mehr als unmittelbares Quantum; es hat seine Bestimmtheit dann
+als Vermittelung; das quantitative Verhältniß wird im Nachfolgenden
+betrachtet.
+
+Von der angegebenen Fortbestimmung der Rechnungsarten kann gesagt
+werden, daß sie keine Philosophie über dieselben, keine Darlegung etwa
+ihrer innern Bedeutung sey, weil sie in der That nicht eine immanente
+Entwickelung des Begriffes ist. Aber die Philosophie muß dieß zu
+unterscheiden wissen, was seiner Natur nach ein sich selbst äußerlicher
+Stoff ist, daß dann an einem solchen der Fortgang des Begriffs nur auf
+äußerliche Weise geschehen, und dessen Momente auch nur in der
+eigenthümlichen Form ihrer Äußerlichkeit, wie hier Gleichheit und
+Ungleichheit, seyn können. Die Unterscheidung der Sphären, in welche
+eine bestimmte Form des Begriffs gehört, d. h. als Existenz vorhanden
+ist, ist ein wesentliches Erforderniß zum Philosophiren über reale
+Gegenstände, um nicht das Äußerliche und Zufällige durch Ideen in
+seiner Eigenthümlichkeit zu stören, wie diese Ideen durch die
+Unangemessenheit des Stoffes zu entstellen und formell zu machen. Jene
+Äußerlichkeit aber, in welcher die Begriffsmomente an jenem äußerlichen
+Stoffe, der Zahl, erscheinen, ist hier die angemessene Form; indem sie
+den Gegenstand in seinem Verstande darstellen, auch da sie keine
+spekulative Anforderung enthalten und daher leicht erscheinen,
+verdienen sie in den Lehrbüchern der Elemente angewendet zu werden.
+
+Anmerkung 2.
+
+Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftverhältnisse oder Philosopheme in
+Zahlen dargestellt, auch in neueren Zeiten ist von ihnen und Formen
+ihrer Beziehungen, wie Potenzen u.s.f. in der Philosophie Gebrauch
+gemacht worden, um die Gedanken darnach zu reguliren oder damit
+auszudrücken.—In pädagogischer Rücksicht ist die Zahl für den
+geeignetsten Gegenstand des innern Anschauens, und die rechnende
+Beschäftigung mit Verhältnissen derselben für die Thätigkeit des
+Geistes gehalten worden, worin er seine eigensten Verhältnisse und
+überhaupt die Grundverhältnisse des Wesens zur Anschauung bringe.
+—Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beikommen könne, geht aus ihrem
+Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat.
+
+Die Zahl sahen wir als die absolute Bestimmtheit der Quantität, und ihr
+Element als den gleichgültig gewordenen Unterschied;—die Bestimmtheit
+an sich, die zugleich völlig nur äußerlich gesetzt ist. Die Arithmetik
+ist analytische Wissenschaft, weil alle Verknüpfungen und Unterschiede,
+die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm selbst liegen, sondern
+ihm völlig äußerlich angethan sind. Sie hat keinen konkreten
+Gegenstand, welcher innere Verhältnisse an sich hätte, die zunächst für
+das Wissen verborgen, nicht in der unmittelbaren Vorstellung von ihm
+gegeben, sondern erst durch die Bemühung des Erkennens herauszubringen
+wären. Sie enthält nicht nur den Begriff und damit die Aufgabe für das
+begreifende Denken nicht, sondern ist das Gegentheil desselben. Um der
+Gleichgültigkeit des Verknüpften gegen die Verknüpfung, der die
+Nothwendigkeit fehlt, willen, befindet sich das Denken hier in einer
+Thätigkeit, die zugleich die äußerste Entäußerung seiner selbst ist, in
+der gewaltsamen Thätigkeit, sich in der Gedankenlosigkeit zu bewegen
+und das keiner Nothwendigkeit Fähige zu verknüpfen. Der Gegenstand ist
+der abstrakte Gedanke der Äußerlichkeit selbst.
+
+Als dieser Gedanke der Äußerlichkeit ist die Zahl zugleich die
+Abstraktion von der sinnlichen Mannigfaltigkeit; sie hat von dem
+Sinnlichen nichts als die abstrakte Bestimmung der Äußerlichkeit selbst
+behalten; hierdurch ist dieses in ihr dem Gedanken am nächsten
+gebracht; sie ist der reine Gedanke der eignen Entäußerung des
+Gedankens.
+
+Der Geist, der sich über die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen
+erkennt, indem er ein Element für seine reine Vorstellung, für den
+Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher, ehe er den Gedanken selbst
+als dieß Element faßt, und für dessen Darstellung den rein geistigen
+Ausdruck gewinnt, darauf verfallen, die Zahl, diese innerliche,
+abstrakte Äußerlichkeit zu wählen. Darum sehen wir in der Geschichte
+der Wissenschaft früh die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen gebraucht
+werden. Sie macht die letzte Stufe der Unvollkommenheit aus, das
+Allgemeine mit Sinnlichem behaftet zu fassen. Die Alten haben das
+bestimmte Bewußtseyn darüber gehabt, daß die Zahl zwischen dem
+Sinnlichen und dem Gedanken in der Mitte stehe. Aristoteles führt es
+von Plato an (Metaphys. I,5) daß derselbe sage, daß außer dem
+Sinnlichen und den Ideen die mathematischen Bestimmungen der Dinge
+dazwischen stehen, von dem Sinnlichen dadurch unterschieden sey, daß
+sie unsichtbar (ewig) und unbewegt seyen, von den Ideen aber, daß sie
+ein Vieles und ein Ähnliches seyen, die Idee aber schlechthin nur
+identisch mit sich und in sich Eines sey.—Eine ausführlichere gründlich
+gedachte Reflexion hierüber von Moderatus aus Cadix wird in Malchi Vita
+Pythagorae ed. Ritterhus. p. 30f. angeführt; daß die Pythagoräer auf
+die Zahlen gefallen seyen, schreibt er dem zu, daß sie noch nicht
+vermocht haben, die Grundideen und ersten Principien deutlich in der
+Vernunft zu fassen, weil diese Principien schwer zu denken und schwer
+auszusprechen seyen; die Zahlen dienen zur Bezeichnung gut beim
+Unterrichte; sie haben darin unter anderem die Geometer nachgeahmt,
+welche das Körperliche nicht in Gedanken ausdrücken können, die Figuren
+gebrauchen, und sagen, dieß sey ein Dreieck, wobei sie aber wollen, daß
+nicht die in die Augen fallende Zeichnung für das Dreieck genommen,
+sondern damit nur der Gedanke desselben vorgestellt sey. So haben die
+Pythagoräer den Gedanken der Einheit, der Dieselbigkeit und Gleichheit
+und den Grund der Übereinstimmung, des Zusammenhangs und der Erhaltung
+von Allem, des mit sich selbst Identischen, als Eins ausgesprochen
+u.s.f.—Es ist überflüssig zu bemerken, daß die Pythagoräer von dem
+Zahlenauch zum Gedanken-Ausdruck, zu den ausdrücklichen Kategorien des
+Gleichen und Ungleichen, der Grenze und der Unendlichkeit übergegangen
+sind, es wird schon in Ansehung jener Zahlausdrücke (ebend. in den Anm.
+zu p. 31 l.s. aus einem Leben des Pythagoras bei Photius p. 772)
+angeführt, daß die Pythagoräer zwischen der Monas und dem Eins
+unterschieden haben; die Monas haben sie als den Gedanken genommen, das
+Eins aber als die Zahl; ebenso die Zwei für das Arithmetische, die Dyas
+(denn so soll es daselbst wohl heißen) für den Gedanken des
+Unbestimmten. —Diese Alten sahen vors Erste das Ungenügende der
+Zahlformen für Gedankenbestimmungen sehr richtig ein, und ebenso
+richtig forderten sie ferner stattjenes ersten Nothbehelfs für Gedanken
+den eigenthümlichen Ausdruck; um wie viel weiter waren sie in ihrem
+Nachdenken gekommen, als die, welche heutigestages wieder Zahlen selbst
+und Zahlbestimmungen, wie Potenzen, dann das Unendlichgroße,
+Unendlichkleine, Eins dividirt durch das Unendliche und sonstige solche
+Bestimmungen, die selbst auch oft ein verkehrter mathematischer
+Formalismus sind, an die Stelle von Gedankenbestimmungen zu setzen und
+zu jener unvermögenden Kindheit zurückzukehren, für etwas Löbliches, ja
+Gründliches und Tiefes halten.
+
+Wenn vorhin der Ausdruck angeführt worden, daß die Zahl zwischen dem
+Sinnlichen und dem Gedanken stehe, indem sie zugleich von jenem dieß
+habe, das Viele, das Außereinander, an ihr zu seyn, so ist zu bemerken,
+daß dieses Viele selbst, das in den Gedanken aufgenommene Sinnliche,
+die ihm angehörige Kategorie des an ihm selbst Äußerlichen ist. Die
+weiteren, konkreten, wahren Gedanken, das Lebendigste, Beweglichste,
+nur im Beziehen Begriffene, in dieses Element des Außersichseyns selbst
+versetzt, werden zu todten, bewegungslosen Bestimmungen. Je reicher an
+Bestimmtheit und damit an Beziehung die Gedanken werden, desto
+verworrener einer Seits und desto willkürlicher und sinnleerer anderer
+Seits wird ihre Darstellung in solchen Formen, als die Zahlen sind. Das
+Eins, das Zwei, das Drei, das Vier, Henas oder Monas, Dyas, Trias,
+Tetraktys, liegen noch den ganz einfachen abstrakten Begriffen nahe;
+aber wenn Zahlen zu konkreten Verhältnissen übergehen sollen, so ist es
+vergeblich, sie noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen,
+
+Wenn nun aber die Denkbestimmungen durch Eins, Zwei, Drei, Vier für die
+Bewegung des Begriffs, als durch welche er allein Begriff ist,
+bezeichnet werden, so ist dieß das Härteste, was dem Denken zugemuthet
+wird. Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der
+Beziehungslosigkeit; sein Geschäfte ist die Arbeit der Verrücktheit.
+Daß z.B. Eins Drei, und Drei Eins ist, zu begreifen, ist darum diese
+harte Zumuthung, weil das Eins das Beziehungslose ist, also nicht an
+ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein Entgegengesetztes
+übergeht, sondern vielmehr dieß ist, eine solche Beziehung schlechthin
+auszuschließen und zu verweigern. Umgekehrt benutzt dieß der Verstand
+gegen die spekulative Wahrheit (wie z.B. gegen die in der Lehre, welche
+die der Dreieinigkeit genannt wird, niedergelegte) und zählt die
+Bestimmungen derselben, welche Eine Einheit ausmachen, um sie als
+klaren Widersinn aufzuzeigen,—d. h. er selbst begeht den Widersinn,
+das, was schlechthin Beziehung ist, zum Beziehungslosen zu machen. Bei
+dem Namen Dreieinigkeit ist freilich nicht darauf gerechnet worden, daß
+vom Verstand das Eins und die Zahl als die wesentliche Bestimmtheit des
+Inhalts betrachtet werden würde. Jener Name drückt die Verachtung gegen
+den Verstand aus, der aber seine Eitelkeit, am Eins und der Zahl als
+solcher zu halten, festgestellt und sie gegen die Vernunft gestellt
+hat.
+
+Zahlen, geometrische Figuren, wie dieß viel vom Kreis, Dreieck u.s.f.
+geschen ist, als bloße Symbole (des Kreises, z.B. von der Ewigkeit, des
+Dreiecks von der Dreieinigkeit) zu nehmen ist—einer Seits etwas
+Unverfängliches; aber thöricht ist es anderer Seits, zu meinen, daß
+dadurch mehr ausgedrückt sey, als der Gedanke zu fassen und
+auszudrücken vermöge. Wenn in solchen Symbolen, wie in andern, die von
+der Phantasie in den Mythologien der Völker und in der Dichtkunst
+überhaupt erzeugt werden, gegen welche die phantasielosen geometrischen
+Figuren ohnehin dürftig sind, wie auch in diesen eine tiefe Weisheit,
+tiefe Bedeutung liegen soll, so ist es eben dem Denken allein darum zu
+thun, die Weisheit, die nur darin liegt, und nicht nur in Symbolen,
+sondern in der Natur und im Geiste, heraus zu Tage zu fördern; in
+Symbolen ist die Wahrheit durch das sinnliche Element noch getrübt und
+verhüllt; ganz offenbar wird sie allein dem Bewußtseyn in der Form des
+Gedanken; die Bedeutung ist nur der Gedanke selbst.
+
+Aber mathematische Kategorien herbeizunehmen, um daraus für die Methode
+oder den Inhalt philosophischer Wissenschaft etwas bestimmen zu wollen,
+zeigt sich wesentlich dadurch als etwas Verkehrtes, daß insofern
+mathematische Formeln Gedanken und Begriffsunterschiede bedeuten, diese
+ihre Bedeutung sich vielmehr zuerst in der Philosophie anzugeben, zu
+bestimmen und zu rechtfertigen hat. In ihren konkreten Wissenschaften
+hat diese das Logische aus der Logik, nicht aus der Mathematik zu
+nehmen; es kann nur ein Nothbehelf der philosophischen Unvermögenheit
+seyn, zu den Gestaltungen, die das Logische in anderen Wissenschaften
+annimmt, und deren viele nur Ahnungen, andere auch Verkümmerungen
+desselben sind, für das Logische der Philosophie seine Zuflucht zu
+nehmen. Die bloße Anwendung solcher entlehnten Formeln ist ohnehin ein
+äußerliches Verhalten; der Anwendung selbst müßte ein Bewußtseyn über
+ihren Werth wie über ihre Bedeutung vorangehen; ein solches Bewußtseyn
+aber giebt nur die denkende Betrachtung, nicht die Autorität derselben
+aus der Mathematik. Solches Bewußtseyn über sie ist die Logik selbst,
+und dieß Bewußtseyn streift ihre partikulare Form ab, macht diese
+überflüssig und unnütz, berichtigt sie und verschafft ihnen allein ihre
+Berechtigung, Sinn und Werth.
+
+Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat,
+insofern er eine pädagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus
+dem Bisherigen von selbst hervor. Die Zahl ist ein unsinnlicher
+Gegenstand, und die Beschäftigung mit ihr und ihren Verbindungen, ein
+unsinnliches Geschäft; der Geist wird somit dadurch zur Reflexion in
+sich und einer innerlichen abstrakten Arbeit angehalten, was eine
+große, jedoch einseitige Wichtigkeit hat. Denn auf der anderen Seite,
+da der Zahl nur der äußerliche, gedankenlose Unterschied zu Grunde
+liegt, wird jenes Geschäfte ein gedankenloses, mechanisches. Die
+Kraftanstrengung besteht vornehmlich darin, Begriffloses festzuhalten,
+und begrifflos es zu verbinden. Der Inhalt ist das leere Eins; der
+gediegene Gehalt des sittlichen und geistigen Lebens und der
+individuellen Gestaltungen desselben, mit welchem als der edelsten
+Nahrung die Erziehung den jugendlichen Geist großziehen soll, sollte
+von dem inhaltslosen Eins verdrängt werden; die Wirkung, wenn jene
+Übungen zur Hauptsache und Hauptbeschäftigung gemacht werden, kann
+keine andere seyn, als den Geist nach Form und Inhalt auszuhöhlen und
+abzustumpfen. Weil das Rechnen ein so sehr äußerliches, somit
+mechanisches Geschäft ist, haben sich Maschinen verfertigen lassen,
+welche die arithmetischen Operationen aufs vollkommenste vollführen.
+Wenn man über die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kennte,
+so läge darin die Entscheidung, was es mit dem Einfalle für eine
+Bewandniß hatte, das Rechnen zum Hauptbildungsmittel des Geistes zu
+machen, und ihn auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen, zu
+legen.
+
+B. Extensives und intensives Quantum.
+
+a. Unterschied derselben.
+
+1. Das Quantum hat, wie sich vorhin ergeben, seine Bestimmtheit als
+Grenze in der Anzahl. Es ist ein in sich Diskretes, ein Vieles, das
+nicht ein Seyn hat, welches verschieden wäre von seiner Grenze und sie
+außer ihm hätte. Das Quantum so mit seiner Grenze, die ein Vielfaches
+an ihr selbst ist, ist extensive Größe.
+
+Die extensive Größe ist von der kontinuirlichen zu unterscheiden; jener
+steht direkt nicht die diskrete, sondern die intensive gegenüber.
+Extensive und intensive Größe sind Bestimmtheiten der quantitativen
+Grenze selbst, das Quantum aber ist identisch mit seiner Grenze;
+kontinuirliche und diskrete Größe sind dagegen Bestimmungen der Größe
+an sich, d. i. der Quantität als solcher, insofern beim Quantum von der
+Grenze abstrahirt wird.—Die extensive Größe hat das Moment der
+Kontinuität an ihr selbst und in ihrer Grenze, indem ihr Vieles
+überhaupt Kontinuirliches ist; die Grenze als Negation erscheint
+insofern an dieser Gleichheit der Vielen, als Begrenzung der Einheit.
+Die kontinuirliche Größe ist die sich fortsetzende Quantität ohne
+Rücksicht auf eine Grenze, und insofern sie mit einer solchen
+vorgesstellt wird, ist diese eine Begrenzung überhaupt, ohne daß die
+Diskretion an ihr gesetzt sey. Das Quantum nur als kontinuirliche Größe
+ist noch nicht wahrhaft für sich bestimmt, weil sie des Eins, worin das
+Für-sich-bestimmtseyn liegt, und der Zahl entbehrt. Eben so ist die
+diskrete Größe unmittelbar nur unterschiedenes Vieles überhaupt, das,
+insofern es als solches eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h.
+ein unbestimmt Begrenztes wäre; daß es als bestimmtes Quantum sey, dazu
+gehört das Zusammenfassen des Vielen in Eins, wodurch sie mit der
+Grenze identisch gesetzt werden. Jede, die kontinuirliche und diskrete
+Größe, als Quantum überhaupt hat nur eine der beiden Seiten an ihr
+gesetzt, wodurch es vollkommen bestimmt und als Zahl ist. Diese ist
+unmittelbar extensives Quantum,—die einfache Bestimmtheit, die
+wesentlich als Anzahl, jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit
+ist; es ist von der Zahl nur dadurch unterschieden, daß ausdrücklich
+die Bestimmtheit als Vielheit in dieser gesetzt ist.
+
+2. Die Bestimmtheit jedoch, wie groß etwas ist, durch die Zahl, bedarf
+nicht des Unterschiedes von etwas Anderem Großem, so daß zur
+Bestimmtheit dieses Großen es selbst und ein Anderes Großes gehörte,
+indem die Bestimmtheit der Größe überhaupt für-sich-bestimmte,
+gleichgültige, einfach auf sich bezogene Grenze ist; und in der Zahl
+ist sie gesetzt als eingeschlossen in das für-sich-seyende Eins, und
+hat die Äußerlichkeit, die Beziehung-auf-Anderes innerhalb ihrer
+selbst. Dieses Viele der Grenze selbst ferner, ist wie das Viele
+überhaupt, nicht ein in sich Ungleiches, sondern ein Kontinuirliches
+jedes der Vielen ist was das Andere ist; es als vieles
+Außereinanderseyendes oder Diskretes macht daher die Bestimmtheit als
+solche nicht aus. dieß Viele fällt also für sich selbst in seine
+Kontinuität zusammen und wird einfache Einheit.—Die Anzahl ist nur
+Moment der Zahl; aber macht nicht als eine Menge von numerischen Eins
+die Bestimmtheit der Zahl aus, sondern diese Eins als gleichgültige,
+sich Äußerliche, sind im Zurückgekehrtseyn der Zahl in sich aufgehoben;
+die Äußerlichkeit, welche die Eins der Vielheit ausmachte, verschwindet
+in dem Eins, als Beziehung der Zahl auf sich selbst.
+
+Die Grenze des Quantums, das als extensives seine daseyende
+Bestimmtheit als die sich selbst äußerliche Anzahl hatte, geht also in
+einfache Bestimmtheit über. In dieser einfachen Bestimmung der Grenze
+ist es intensive Größe; und die Grenze oder Bestimmtheit, die mit dem
+Quantum identisch ist, ist nun auch so als Einfaches gesetzt, —der
+Grad.
+
+Der Grad ist also bestimmte Größe, Quantum, aber nicht zugleich Menge,
+oder Mehreres innerhalb seiner selbst; er ist nur eine Mehrheit; die
+Mehrheit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammengenommen,
+das Daseyn in das Fürsichseyn zurückgegangen. Seine Bestimmtheit muß
+zwar durch eine Zahl ausgedrückt werden als dem vollkommenen
+Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht als Anzahl, sondern einfach,
+nur Ein Grad. Wenn von 10, 20 Graden gesprochen wird, ist das Quantum,
+das so viele Grade hat, der zehente, zwanzigste Grad, nicht die Anzahl
+und Summe derselben; so wäre es ein extensives; sondern es ist nur
+Einer, der zehnte, zwanzigste Grad. Er enthält die Bestimmtheit, welche
+in der Anzahl zehn, zwanzig liegt, aber enthält sie nicht als Mehrere,
+sondern ist die Zahl als aufgehobene Anzahl, als einfache Bestimmtheit.
+
+3. In der Zahl ist das Quantum in seiner vollständigen Bestimmtheit
+gesetzt; als intensives Quantum aber als in ihrem Fürsichseyn, ist es
+gesetzt, wie es seinem Begriffe nach oder an sich ist. Die Form nämlich
+der Beziehung auf sich, welche es im Grade hat, ist zugleich das
+Sich-Äußerlichseyn desselben. Die Zahl ist als extensives Quantum
+numerische Vielheit, und hat so die Äußerlichkeit innerhalb ihrer.
+Diese, als Vieles überhaupt, fällt in die Ununterschiedenheit zusammen,
+und hebt sich auf in dem Eins der Zahl, ihrer Beziehung auf sich
+selbst. Das Quantum hat aber seine Bestimmtheit als Anzahl; es enthält,
+wie vorhin gezeigt worden, sie, ob sie gleich nicht mehr an ihm gesetzt
+ist. Der Grad also, der als in sich selbst einfach dieß äußerliche
+Andersseyn nicht mehr in ihm hat, hat es außer ihm, und bezieht sich
+darauf als auf seine Bestimmtheit. Eine ihm äußerliche Vielheit macht
+die Bestimmtheit der einfachen Grenze, welche er für sich ist, aus.
+
+Daß die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven
+Quantum befinden sollte, sich darin aufhob, bestimmt sich somit dahin,
+daß sie außerhalb derselben gesetzt ist. Indem die Zahl als Eins, in
+sich reflektirte Beziehung auf sich selbst gesetzt ist, schheßt sie die
+Gleichgültigkeit und Äußerlichkeit der Anzahl aus sich aus, und ist
+Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein Äußerliches.
+
+Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe gemäße Realität. Die
+Gleichgültigkeit der Bestimmtheit macht seine Qualität aus; d. i. die
+Bestimmtheit, die an ihr selbst als die sich äußerliche Bestimmtheit
+ist.—Sonach ist der Grad einfache Größenbestimmtheit unter einer
+Mehrheit solcher Intensitäten, die verschieden, jede nur einfache
+Beziehung auf sich selbst, zugleich aber in wesentlicher Beziehung auf
+einander sind, so daß jede in dieser Kontinuität mit den anderen ihre
+Bestimmtheit hat. Diese Beziehung des Grades durch sich selbst auf sein
+Anderes, macht das Auf- und Absteigen an der Skale der Grade zu einem
+stätigen Fortgang, einem Fließen, das eine ununterbrochene, untheilbare
+Veränderung ist; jedes der Mehrern, die darin unterschieden werden, ist
+nicht getrennt von den Anderen, sondern hat sein Bestimmtseyn nur in
+diesen. Als sich auf sich beziehende Größebestimmung ist jeder der
+Grade gleichgültig gegen die andern; aber er ist eben so sehr an sich
+auf diese Äußerlichkeit bezogen, er ist nur vermittelst derselben, was
+er ist, seine Beziehung auf sich ist in einem die nicht gleichgültige
+Beziehung auf das Äußerliche, hat in dieser seine Qualität.
+
+b. Identität der extensiven und intensiven Größe.
+
+Der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Äußerliches. Allein er ist
+nicht das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl überhaupt, das nicht
+Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu sein. Die intensive
+Größe ist zunächst ein einfaches Eins der Mehrern; es sind mehrere
+Grade; bestimmt sind sie aber nicht, weder als einfaches Eins, noch als
+Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Außersichseyns, oder in
+der Identität des Eins und der Mehrheit. Wenn also die Mehreren als
+solche zwar außer dem einfachen Grade sind, so besteht in seiner
+Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthält also die Anzahl. Wie
+zwanzig als extensive Größe die zwanzig Eins als diskrete in sich
+enthält, so enthält der bestimmte Grad sie als Kontinuität, welche
+diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der zwanzigste Grad; und
+ist der zwanzigste Grad nur vermittelst dieser Anzahl, die als solche
+außer ihm ist.
+
+Die Bestimmtheit der intensiven Größe ist daher von doppelter Seite zu
+betrachten. Sie ist bestimmt durch andere intensive Quanta, und ist in
+Kontinuität mit ihrem Andersseyn, so daß in dieser Beziehung auf
+dasselbe ihre Bestimmtheit besteht. Insofern sie nun erstens die
+einfache Bestimmtheit ist, ist sie bestimmt gegen andere Grade; sie
+schließt dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem
+Ausschließen. Aber zweitens ist sie an ihr selbst bestimmt; sie ist
+dieß in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht in ihr als
+ausgeschlossener, oder nicht in der Anzahl anderer Grade. Der
+zwanzigste Grad enthält die zwanzig an ihm selbst; er ist nicht nur
+bestimmt als unterschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u.s.f.
+sondern seine Bestimmtheit ist seine Anzahl. Aber insofern die Anzahl
+die seinige ist, und die Bestimmtheit ist zugleich wesentlich als
+Anzahl, so ist er extensives Quantum.
+
+Extensive und intensive Größe sind also eine und dieselbe Bestimmtheit
+des Quantums; sie sind nur dadurch unterschieden, daß die eine die
+Anzahl als innerhalb ihrer, die andere dasselbe, die Anzahl als außer
+ihr hat. Die extensive Größe geht in intensive Größe über, weil ihr
+Vieles an und für sich in die Einheit zusammenfällt, außer welcher das
+Viele tritt. Aber umgekehrt hat dieses Einfache seine Bestimmtheit nur
+an der Anzahl und zwar als seiner; als gleichgültig gegen die anders
+bestimmten Intensitäten hat es die Äußerlichkeit der Anzahl an ihm
+selbst; so ist die intensive Größe eben so wesentlich extensive Größe.
+
+Mit dieser Identität tritt das qualitative Etwas ein; denn sie ist sich
+durch die Negation ihrer Unterschiede auf sich beziehende Einheit,
+diese Unterschiede aber machen die daseyende Größe-Bestimmtheit aus;
+diese negative Identität ist also Etwas, und zwar das gegen seine
+quantitative Bestimmtheit gleichgültig ist. Etwas ist ein Quantum, aber
+nun ist das qualitative Daseyn, wie es an sich ist, als gleichgültig
+dagegen gesetzt. Es konnte vom Quantum, der Zahl als solcher u.s.f.
+ohne ein Etwas, das deren Substrat wäre, gesprochen werden. Aber nun
+tritt Etwas diesen seinen Bestimmungen, durch deren Negation init sich
+vermittelt, als für sich daseyend gegenüber, und, indem es ein Quantum
+hat, als dasselbe, welches ein extensives und intensives Quantum habe.
+Seine Eine Bestimmtheit, die es als Quantum hat, ist in den
+unterschiedenen Momenten der Einheit und der Anzahl gesetzt; sie ist
+nicht nur an sich Eine und dieselbe, sondern ihr Setzen in diesen
+Unterschieden, als extensives und intensives Quantum, ist das
+Zurückgehen in diese Einheit, die als negative das gegen sie
+gleichgültig gesetzte Etwas ist.
+
+Anmerkung 1.
+
+In der gewöhnlichen Vorstellung pflegen extensives und intensives
+Quantum so als Arten von Größen unterschieden zu werden, als ob es
+Gegenstände gäbe, die nur intensive, andere, die nur extensive Größe
+hätten. Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen
+Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive, z.
+B. in der Grundbestimmung der Materie, einen Raum zu erfüllen, so wie
+in anderen Begriffen, in ein Intensives verwandelte, in dem Sinne, daß
+das Intensive, als das Dynamische die wahrhafte Bestimmung sey, und
+z.B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfüllung wesentlich nicht
+als eine gewisse Menge und Anzahl materieller Theile in einem Quantum
+Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfüllenden Kraft der
+Materie gefaßt werden müsse.
+
+Es sind hierbei zweierlei Bestimmungen zu unterscheiden. Bei dem, was
+man die Umwandlung der mechanischen Betrachtungsweise in die dynamische
+genannt hat, kommt der Begriff von außereinander bestehenden
+selbstständigen Theilen, die nur äußerlich in ein Ganzes verbunden
+sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor. Was in der
+Raumerfüllung einer Seits nur als eine Menge einander äußerlichen Atome
+angesehen wird, wird anderer Seits als die Äußerung einer zu Grunde
+liegenden einfachen Kraft betrachtet.—Diese Verhältnisse voll Ganzen
+und Theilen, der Kraft und ihrer Äußerung, die hier einander gegenüber
+treten, gehören aber noch nicht hierher, sondern werden weiterhin
+betrachtet werden. Soviel läßt sich sogleich erinnern, daß das
+Verhältniß von Kraft und ihrer Äußerung, das dem Intensiven entspricht,
+zwar zunächst das wahrhaftere ist gegen das Verhältniß von Ganzen und
+Theilen; aber daß darum die Kraft nicht weniger einseitig als das
+Intensive, und die Äußerung, die Äußerlichkeit des Extensiven, ebenso
+untrennbar von der Kraft ist, so daß ein und derselbe Inhalt ebenso
+sehr in beiden Formen, des Intensiven und des Extensiven, vorhanden
+ist.
+
+Die andere Bestimmtheit, die dabei vorkommt, ist die quantitative als
+solche, die als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als die
+wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird; es ist aber gezeigt
+worden, daß dieser ebenso die erstere enthält, so daß die eine Form für
+die andere wesentlich ist, somit jedes Daseyn seine Größebestimmung
+eben so sehr als extensives wie als intensives Quantum darstellt.
+
+Als Beispiel hiervon dient daher alles, insofern es in einer
+Größebestimmung erscheint. Selbst die Zahl hat diese gedoppelte Form
+nothwendig unmittelbar an ihr. Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie
+extensive Größe; aber sie ist auch Eins, ein Zehen, ein Hundert;
+insofern steht sie auf dem Übergange zur intensiven Größe, indem in
+dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht. Eins ist
+extensive Größe an sich, es kann als eine beliebige Anzahl von Theilen
+vorgestellt werden. So das Zehnte, das Hundertste ist dieß Einfache,
+Intensive, das seine Bestimmtheit an dem außer ihm fallenden Mehrern d.
+i. am Extensiven hat. Die Zahl ist Zehen, Hundert, und zugleich die
+Zehnte, Hundertste im Zahlensystem; beides ist dieselbe Bestimmtheit.
+
+Das Eins im Kreise heißt Grad, weil der Theil des Kreises wesentlich
+seine Bestimmtheit in dem Mehrern außer ihm hat, als eines nur einer
+geschlossenen Anzahl solcher Eins bestimmt ist. Der Grad des Kreises
+ist als bloße Raumgröße nur eine gewöhnliche Zahl; als Grad angesehen
+ist er die intensive Größe, die einen Sinn nur hat, als bestimmt durch
+die Anzahl von Graden, in die der Kreis getheilt ist, wie die Zahl
+überhaupt ihren Sinn nur hat in der Zahlenreihe.
+
+Die Größe eines konkretern Gegenstandes stellt ihre gedoppelte Seite,
+extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen seines
+Daseyns dar, in deren einer er als ein Äußerliches, in der andern aber
+als ein Innerliches erscheint. So ist z.B. eine Masse als Gewicht, ein
+extensiv-Großes, insofern sie eine Anzahl von Pfunden, Centnern u.s.f.
+ausmacht; ein intensiv-Großes, insofern sie einen gewissen Druck
+ausübt; die Größe des Drucks ist ein Einfaches, ein Grad, der seine
+Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes hat. Als drückend
+erscheint die Masse als ein In-sich-seyn, als Subjekt, dem der
+intensive Größenunterschied zukommt.—Umgekehrt was diesen Grad des
+Drucks ausübt, ist vermögend, eine gewisse Anzahl von Pfunden u.s.f.
+von der Stelle zu bewegen, und mißt seine Größe hieran.
+
+Oder die Wärme hat einen Grad; der Wärmegrad, er sey der l0te, 20ste
+u.s.f. ist eine einfache Empfindung, ein Subjektives. Aber dieser Grad
+ist eben so sehr vorhanden als extensive Größe, als die Ausdehnung
+einer Flüssigkeit, des Quecksilbers im Thermometer, der Luft oder des
+Thons u.s.f. Ein höherer Grad der Temperatur drückt sich aus als eine
+längere Quecksilbersäule, oder als ein schmälerer Thoncylinder; er
+erwärmt einen größern Raum auf dieselbe Weise als ein geringerer Grad
+nur den kleinern Raum.
+
+Der höhere Ton ist als der intensivere, zugleich eine größere Menge von
+Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein höherer Grad zugeschrieben
+wird, macht sich in einem größern Raume hörbar.—Mit der intensivern
+Farbe läßt sich eine größere Fläche, als mit einer schwächern, auf
+gleiche Weise färben; oder das Hellere, eine andere Art von Intensität,
+ist weiter sichtbar als das weniger Helle u.s.f.
+
+Eben so im Geistigen ist die hohe Intensität des Charakters, Talents,
+Genies, von eben so weitgreifendem Daseyn, ausgedehnter Wirkung und
+vielseitiger Berührung. Der tiefste Begriff hat die allgemeinste
+Bedeutung und Anwendung.
+
+Anmerkung 2.
+
+Kant hat einen eigenthümlichen Gebrauch von der Anwendung der
+Bestimmtheit des intensiven Quantums auf eine metaphysische Bestimmung
+der Seele gemacht. In der Kritik der metaphysischen Sätze von der
+Seele, die er Paralogismen der reinen Vernunft nennt, kommt er auf die
+Betrachtung des Schlusses von der Einfachheit der Seele auf die
+Beharrlichkeit derselben. Er setzt diesem Schlusse entgegen, (Kr. d. r.
+Vern. S. 414), "daß, wenn wir gleich der Seele diese einfache Natur
+einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außer einander, mithin
+keine extensive Größe enthält, man ihr doch so wenig wie irgend einem
+Existirenden, intensive Größe, d. i. einen Grad der Realität in
+Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen, was das
+Daseyn ausmacht, abläugnen könne, welcher durch alle unendlich viele
+kleinere Grade abnehmen, und so die vorgebliche Substanz obgleich nicht
+durch Vertheilung, doch durch allmälige Nachlassung (remissio) ihrer
+Kräfte, in nichts verwandelt werden könne; denn selbst das Bewußtseyn
+hatjederzeit einen Grad, der immer noch vermindert werden kann,
+folglich auch das Vermögen sich seiner bewußt zu seyn, und so alle
+übrige Vermögen."—Die Seele wird in der rationellen Psychologie, wie
+diese abstrakte Metaphysik war, nicht als Geist, sondern als ein nur
+unmittelbar Seyendes, als Seelending betrachtet. So hat Kant das Recht,
+die Kategorie des Quantums, "wie auf irgend ein Existirendes" und
+insofern dieß Seyende als einfach bestimmt ist, die des intensiven
+Quantums auf dasselbe anzuwenden. Dem Geiste kommt allerdings Seyn zu,
+aber von ganz anderer Intensität, als die des intensiven Quantums ist,
+vielmehr einer solchen Intensität, in welcher die Form des nur
+unmittelbaren Seyns und alle Kategorie desselben als aufgehoben sind.
+Es war nicht nur die Entfernung der Kategorie des extensiven Quantums
+zuzugeben, sondern die des Quantums überhaupt zu entfernen. Ein
+Weiteres aber ist noch, zu erkennen, wie in der ewigen Natur des
+Geistes Daseyn, Bewußtseyn, Endlichkeit ist und daraus hervorgeht, ohne
+daß er dadurch ein Ding würde.
+
+c. Die Veränderung des Quantums.
+
+Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der
+Bestimmtheit des Quantums als solcher gleichgültig. Aber überhaupt ist
+das Quantum die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die gleichgültige
+Grenze, die Bestimmtheit, welche eben so sehr die Negation ihrer selbst
+ist. In der extensiven Größe ist dieser Unterschied entwickelt, aber
+die intensive Größe ist das Daseyn dieser Äußerlichkeit, die das
+Quantum in sich ist. Er ist als sein Widerspruch in sich selbst
+gesetzt, die einfache sich auf sich beziehende Bestimmtheit zu seyn,
+welche die Negation ihrer selbst ist, ihre Bestimmtheit nicht an ihr,
+sondern in einem anderen Quantum zu haben.
+
+Ein Quantum ist also seiner Qualität nach in absoluter Kontinuität mit
+seiner Äußerlichkeit, mit seinem Andersseyn, gesetzt. Es kann daher
+nicht nur über jede Größebestimmtheit hinausgegangen, sie kann nicht
+nur verändert werden, sondern es ist dieß gesetzt, daß sie sich
+verändern muß. Die Größebestimmung kontinuirt sich so in ihr
+Andersseyn, daß sie ihr Seyn nur in dieser Kontinuität mit einem
+anderen hat; sie ist nicht eine seyende, sondern eine werdende Grenze.
+
+Das Eins ist unendlich oder die sich auf sich beziehende Negation,
+daher die Repulsion seiner von sich selbst. Das Quantum ist gleichfalls
+unendlich, gesetzt als die sich auf sich beziehende Negativität; es
+repellirt sich von sich selbst. Aber es ist ein bestimmtes Eins, das
+Eins welches in Daseyn und in die Grenze übergegangen ist, also die
+Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst, nicht das Erzeugen des sich
+selbst Gleichen, wie die Repulsion des Eins, sondern seines
+Andersseyns, es ist nun an ihm selbst gesetzt, über sich hinaus zu
+schicken, und ein Anderes zu werden. Es besteht darin, sich zu
+vermehren oder zu verhindern; es ist die Äußerlichkeit der Bestimmtheit
+an ihm selbst.
+
+Das Quantum schickt sich also selbst über sich hinaus; dieß Andere, zu
+dem es wird, ist zunächst selbst ein Quantum; aber ebenso als eine
+nicht seyende, sondern sich über sich selbst hinaustreibende Grenze.
+Die in diesem Hinausgehen wieder entstandene Grenze ist also
+schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt und zu einer
+fernern schickt, und so fort ins Unendliche.
+
+C. Die quantitative Unendlichkeit.
+
+a. Begriff derselben.
+
+Das Quantum verändert sich und wird ein anderes Quantum; die weitere
+Bestimmung dieser Veränderung, daß sie ins Unendliche fortgeht, liegt
+darin, daß das Quantum als an ihm selbst sich widersprechend gestellt
+ist.—Das Quantum wird ein Anderes; es kontinuirt sich aber in sein
+Andersseyn; das Andere ist also auch ein Quantum. Aber dieses ist das
+Andere nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst, das
+Negative seiner als eines Begrenzten, somit seine Unbegrenztheit,
+Unendlichkeit. Das Quantum ist ein Sollen; es enthält,
+Für-sich-bestimmt zu seyn, und dieses Für-sich-bestimmtseyn ist
+vielmehr das Bestimmtseyn in einem Anderen; und umgekehrt ist es das
+aufgehobene Bestimmtseyn in einem Andern, ist gleichgültiges
+Bestehen-für-sich.
+
+Die Endlichkeit und Unendlichkeit erhalten dadurch sogleich jede an ihr
+selbst eine gedoppelte, und zwar entgegengesetzte Bedeutung. Endlich
+ist das Quantum erstens als Begrenztes überhaupt, zweitens, als das
+Hinausschicken über sich selbst, als das Bestimmtseyn in einem Anderen.
+Die Unendlichkeit desselben aber ist erstens sein Nichtbegrenztseyn;
+zweitens sein Zurückgekehrtseyn-in-sich, das gleichgültige Fürsichseyn.
+Vergleichen wir sogleich diese Momente mit einander, so ergiebt sich,
+daß die Bestimmung der Endlichkeit des Quantums, das Hinausschicken
+über sich zu einem Anderen, in dem seine Bestimmung liege, ebenso
+Bestimmung des Unendlichen ist; die Negation der Grenze ist dasselbe
+Hinaus über die Bestimmtheit, so daß das Quantum in dieser Negation,
+dem Unendlichen, seine letzte Bestimmtheit habe. Das andere Moment der
+Unendlichkeit ist das gegen die Grenze gleichgültige Fürsichseyn; das
+Quantum selbst aber ist so das Begrenzte, daß es das für sich
+Gleichgültige gegen seine Grenze, damit gegen andere Quanta und sein
+Hinaus, ist. Die Endlichkeit und die (von ihr getrennt seyn sollende,
+schlechte) Unendlichkeit haben beim Quantum jede das Moment der anderen
+bereits an ihr.
+
+Das qualitative und quantitative Unendliche unterscheiden sich dadurch,
+daß im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen qualitativ
+ist, und der Übergang des Endlichen in das Unendliche, oder die
+Beziehung beider auf einander nur im Ansich, in ihrem Begriffe liegt.
+Die qualitative Bestimmtheit ist als unmittelbar, und bezieht sich auf
+das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr anderes Seyn, sie ist nicht
+gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an ihr selbst zu haben. Die Größe
+hingegen ist, als solche, aufgehobene Bestimmtheit; sie ist gesetzt,
+ungleich mit sich und gleichgültig gegen sich selbst, daher das
+Veränderliche zu seyn. Das qualitative Endliche und Unendliche stehen
+sich daher absolut d. h. abstrakt gegeneinander über; ihre Einheit ist,
+die zu Grunde liegende innerliche Beziehung; das Endliche kontinuirt
+sich daher nur an sich, aber nicht an ihm, in sein Anderes. Hingegen
+das quantitative Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein
+Unendliches, an dem es seine absolute Bestimmtheit habe. Diese ihre
+Beziehung stellt zunächst der quantitativ-unendliche Progreß dar.
+
+b. Der quantitative unendliche Progreß.
+
+Der Progreß ins Unendliche ist überhaupt der Ausdruck des Widerspruchs,
+hier desjenigen, den das quantitativ-Endliche oder das Quantum
+überhaupt enthält. Er ist die Wechselbestimmung des Endlichen und
+Unendlichen, die in der qualitativen Sphäre betrachtet worden ist, mit
+dem Unterschiede, daß wie so eben erinnert, im Quantitativen sich die
+Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits fortschickt und fortsetzt, somit
+umgekehrt auch das quantitativ-Unendliche gesetzt ist, das Quantum an
+ihm selbst zu haben, denn das Quantum ist in seinem Außersichseyn
+zugleich es selbst; seine Äußerlichkeit gehört seiner Bestimmung an.
+
+Der unendliche Progreß ist nun nur der Ausdruck dieses Widerspruchs,
+nicht die Auflösung desselben, aber um der Kontinuität willen der einen
+Bestimmtheit in ihre andere führt er eine scheinbare Auflösung in einer
+Vereinigung beider herbei. Wie er zunächst gesetzt ist, ist er die
+Aufgabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben; das
+perennirende Erzeugen desselben, ohne über das Quantum selbst
+hinauszukommen, und ohne daß das Unendliche ein Positives und
+Gegenwärtiges würde. Das Quantum hat es in seinem Begriffe ein Jenseits
+seiner zu haben. Dieß Jenseits ist erstlich das abstrakte Moment des
+Nichtseyns des Quantums; dieses löst sich an sich selbst auf; so
+bezieht es sich auf sein Jenseits als auf seine Unendlichkeit, nach dem
+qualitativen Momente des Gegensatzes. Aber zweitens steht das Quantum
+in Kontinuität mit diesem Jenseits; das Quantum besteht eben darin, das
+Andere seiner selbst, sich selbst äußerlich zu seyn; also ist dieß
+Äußerliche eben so sehr nicht ein Anderes als das Quantum; das Jenseits
+oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum. Das Jenseits ist auf
+diese Weise aus seiner Flucht zurückgerufen, und das Unendliche
+erreicht. Aber weil dieß zum Diesseits gewordene wieder ein Quantum
+ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt worden; diese, als
+Quantum, ist auch wieder von sich selbst geflohen, ist als solches über
+sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn, in sein Jenseits von sich
+selbst repellirt, das ebenso perennirend zum Quantum wird, als dieses
+sich von sich selbst zum Jenseits abstößt.
+
+Die Kontinuität des Quantums in sein Anderes bringt die Verbindung
+beider in dem Ausdruck eines Unendlich-Großen oder Unendlich-Kleinen
+hervor. Da beide die Bestimmung des Quantums noch an ihnen haben,
+bleiben sie veränderliche und die absolute Bestimmtheit, die ein
+Für-sichseyn wäre, ist also nicht erreicht. Dieß Außersichseyn der
+Bestimmung ist in dem gedoppelten Unendlichen, das sich nach dem Mehr
+und Weniger entgegengesetzt ist, dem Unendlich-großen und Kleinen,
+gesetzt. An jedem selbst ist das Quantum im perennirenden Gegensatze
+gegen sein Jenseits erhalten. Das Große noch so sehr erweitert,
+schwindet zur Unbeträchtlichkeit zusammen; indem es sich auf das
+Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz
+qualitativ; das erweiterte Quantum hat daher dem Unendlichen nichts
+abgewonnen; dieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben. Oder, die
+Vergrößerung des Quantums ist keine Näherung zum Unendlichen, denn der
+Unterschied des Quantums und seiner Unendlichkeit hat wesentlich auch
+das Moment ein nicht quantitativer Unterschied zu seyn. Es ist nur der
+ins Engere gebrachte Ausdruck des Widerspruchs; es soll ein Großes d.
+i. ein Quantum, und unendlich, d. i. kein Quantum seyn.—Eben so das
+Unendlichkleine ist als Kleines ein Quantum und bleibt daher absolut d.
+h. qualitativ zu groß für das Unendliche, und ist diesem
+entgegengesetzt. Es bleibt in beiden der Widerspruch des unendlichen
+Progresses erhalten der in ihnen sein Ziel gefunden haben sollte.
+
+Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen beharrlich
+bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu
+bezeichnen. Sie ist wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, das
+perennirende Herüber- und Hinübergehen von dem einen Gliede des
+bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn,
+von diesem aufs neue zurück zu ebenderselben, zur Grenze. Im Progresse
+des Quantitativen ist das, zu dem fortgegangen wird, zwar nicht ein
+abstrakt Anderes überhaupt, sondern ein als verschieden gesetztes
+Quantum; aber es bleibt auf gleiche Weise im Gegensatze gegen seine
+Negation. Der Progreß ist daher gleichfalls nicht ein Fortgehen und
+Weiterkommen, sondern ein Wiederholen von einem und eben demselben,
+Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben; eine Ohnmacht
+des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein Aufheben selbst als
+ein Kontinuirliches wiederkehrt. Es sind zwei so zusammengeknüpft, daß
+sie sich schlechthin fliehen; und indem sie sich fliehen, können sie
+sich nicht trennen, sondern sind in ihrer gegenseitigen Flucht
+verknüpft.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornehmlich in der Form des
+Progresses des Quantitativen ins Unendliche,—dieß fortgehende
+Überfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der
+perennirende Rückfall in dieselbe,—für etwas Erhabenes und für eine Art
+von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der Philosophie
+als ein Letztes angesehen worden ist. Dieser Progreß hat vielfach zu
+Tiraden gedient, die als erhabene Produktionen bewundert worden sind.
+In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht den Gegenstand
+groß, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das Subjekt, das so große
+Quantitäten in sich verschlingt. Die Dürftigkeit dieser subjektiv
+bleibenden Erhebung, die an der Leiter des Quantitativen hinaufsteigt,
+thut sich selbst damit kund, daß sie in vergeblicher Arbeit dem
+unendlichen Ziele nicht näher zu kommen eingesteht, welches zu
+erreichen freilich ganz anders anzugreifen ist.
+
+Bei folgenden Tiraden dieser Art ist zugleich ausgedrückt, in was
+solche Erhebung übergeht und aufhört. Kant z.B. führt es als erhaben
+auf, (Kr. d. prakt. V. Schl.)
+
+"wenn das Subjekt mit dem Gedanken sich über den Platz erhebt, den es
+in der Sinnenwelt einnimmt, und die Verknüpfung ins unendlich Große
+erweitert, eine Verknüpfung mit Sternen über Sternen, mit Welten über
+Welten, Systemen über Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten
+ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.—Das Vorstellen
+erliegt diesem Fortgehen ins Unermeßlich-Ferne, wo die fernste Welt
+immer noch eine fernere hat, die so weit zurückgeführte Vergangenheit
+noch eine weitere hinter sich, die noch so weit hinausgeführte Zukunft
+immer noch eine andere vor sich; der Gedanke erliegt dieser Vorstellung
+des Unermeßlichen; wie ein Traum, daß einer einen langen Gang immer
+weiter und unabsehbar weiter fortgehe, ohne ein Ende abzusehen, mit
+Fallen oder mit Schwindel endet."
+
+Diese Darstellung, außerdem daß sie den Inhalt des quantitativen
+Erhebens in einen Reichthum der Schilderung zusammendrängt, verdient
+wegen der Wahrhaftigkeit vornehmlich Lob, mit der sie es angiebt, wie
+es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist
+Fallen und Schwindel. Was den Gedanken erliegen macht, und das Fallen
+desselben und den Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes, als die
+Langeweile der Wiederholung, welche eine Grenze verschwinden und wieder
+auftreten und wieder verschwinden, so immer das eine um das andere, und
+eins im andern, in dem Jenseits das Diesseits, in dem Diesseits das
+Jenseits perennierend entstehen und vergehen läßt, und nur das Gefühl
+der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens giebt, das über das
+Endliche Meister werden will und nicht kann.
+
+Auch die hallersche, von Kant sogenannte schauderhafte Beschreibung der
+Ewigkeit pflegt besonders bewundert zu werden, aber oft gerade nicht
+wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben ausmacht:
+
+"Ich häuffe ungeheure Zahlen,
+Gebürge Millionen auf,
+Ich setze Zeit auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauf
+Und wenn ich von der grausen Höh
+Mit Schwindeln wieder nach dir seh,
+Ist alle Macht der Zahl, vermehrt zu tausendmalen,
+Noch nicht ein Theil von dir."
+"Ich zieh sie ab, und du liegst ganz vor mir."
+
+
+Wenn auf jenes Aufbürgen und Aufthürmen von Zahlen und Welten als auf
+eine Beschreibung der Ewigkeit der Werth gelegt wird, so wird
+übersehen, daß der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte
+Hinausgehen für etwas Vergebliches und Hohles erklärt, und daß er damit
+schließt, daß nur durch das Aufgeben dieses leeren unendlichen
+Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn komme.
+
+Es hat Astronomen gegeben, die sich auf das Erhabene ihrer Wissenschaft
+gern darum viel zu Gute thaten, weil sie mit einer unermeßlichen Menge
+von Sternen, mit so unermeßlichen Räumen und Zeiten zu thun habe, in
+denen Entfernungen und Perioden, die für sich schon groß sind, zu
+Einheiten dienen, welche noch so vielmal genommen, sich wieder zur
+Unbedeutenheit verkürzen. Das schaale Erstaunen, dem sie sich dabei
+überlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst noch in jenem Leben von
+einem Sterne zum anderen zu reisen und ins Unermeßliche fort
+dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, gaben sie für ein Hauptmoment
+der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus, —welche bewundernswürdig
+ist, nicht um solcher quantitativen Unendlichkeit willen, sondern im
+Gegentheil um der Maaßverhältnisse und der Gesetze willen, welche die
+Vernunft in diesen Gegenständen erkennt, und die das vernünftige
+Unendliche gegen jene unvernünftige Unendlichkeit sind.
+
+Der Unendlichkeit, die sich auf die äußere sinnliche Anschauung
+bezieht, setzt Kant die andere Unendlichkeit gegenüber, wenn
+
+"das Individuum auf sein unsichtbares Ich zurückgeht, und die absolute
+Freiheit seines Willens als ein reines Ich allen Schrecken des
+Schicksals und der Thyrannei entgegenstellt, von seinen nächsten
+Umgebungen anfangend, sie für sich verschwinden, eben so das, was als
+dauernd erscheint, Welten über Welten in Trümmer zusammenstürzen läßt,
+und einsam sich als sich selbst gleich erkennt."
+
+Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das erreichte Jenseits, es
+ist zu sich selbst gekommen, ist bei sich, diesseits; im reinen
+Selbstbewußtseyn ist die absolute Negativität zur Affirmation und
+Gegenwart gebracht, welche in jenem Fortgehen über das sinnliche
+Quantum nur flieht. Aber indem dieß reine Ich in seiner Abstraktion und
+Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn überhaupt, die Fülle
+des natürlichen und geistigen Universums, als ein Jenseits sich
+gegenüber. Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem unendlichen
+Progresse zu Grunde liegt; nämlich ein Zurückgekehrtseyn in sich, das
+unmittelbar zugleich Außersichseyn, Beziehung auf sein Anderes als auf
+sein Nichtseyn, ist; welche Beziehung eine Sehnsucht bleibt, weil Ich
+sich seine gehaltlose und unhaltbare Leere einer Seits, und die in der
+Negation doch präsent bleibende Fülle als sein Jenseits fixirt hat.
+
+Kant fügt diesen beiden Erhabenheiten die Bemerkung bei, "daß
+Bewunderung (für die erstere, äußerliche) und Achtung (für die zweite,
+innerliche) Erhabenheit, zwar zur Nachforschung reizen, aber den Mangel
+derselben nicht ersetzen können".—Er erklärt damit jene Erhebungen als
+unbefriedigend für die Vernunft, welche bei ihnen und den damit
+verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das Jenseits und
+Leere nicht für das Letzte gelten lassen kann.
+
+Als ein Letztes aber ist der unendliche Progreß vornehmlich in seiner
+Anwendung auf die Moralität genommen worden. Der so eben angeführte
+zweite Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, als der mannigfaltigen
+Welt und des in seine Freiheit erhobenen Ichs, ist zunächst qualitativ.
+Das Selbstbestimmen des Ich geht zugleich darauf, die Natur zu
+bestimmen und sich von ihr zu befreien; so bezieht es sich durch sich
+selbst auf sein Anderes, welches als äußerliches Daseyn ein
+Vielfältiges und auch Quantitatives ist. Die Beziehung auf ein
+Quantitatives wird selbst quantitativ; die negative Beziehung des Ich
+darauf, die Macht des Ich über das Nicht-Ich, über die Sinnlichkeit und
+äußere Natur, wird daher so vorgestellt, daß die Moralität immer
+größer, die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner werden könne und
+solle. Die völlige Angemessenheit aber des Willens zum moralischen
+Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progreß verlegt, das heißt,
+als ein absolutes unerreichbares Jenseits vorgestellt, und eben dieß
+solle der wahre Anker und der rechte Trost seyn, daß es ein
+Unerreichbares ist; denn die Moralität soll als Kampf seyn; dieser aber
+ist nur unter der Unangemessenheit des Willens zum Gesetze, dieses
+damit schlechthin ein Jenseits für ihn.
+
+In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich oder der reine Wille und
+das moralische Gesetz, und die Natur und Sinnlichkeit des Willens als
+vollkommen selbstständig und gleichgültig gegeneinander vorausgesetzt.
+Der reine Wille hat sein eigenthümliches Gesetz, das in wesentlicher
+Beziehung auf die Sinnlichkeit steht; und die Natur und Sinnlichkeit
+hat ihrer Seits Gesetze, die weder aus dem Willen genommen und ihm
+entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich verschieden davon, an
+sich eine wesentliche Beziehung auf ihn hätten, sondern sie sind
+überhaupt für sich bestimmt, in sich fertig und geschlossen. Zugleich
+sind beide aber Momente eines und desselben einfachen Wesens, des Ich;
+der Wille ist als das Negative gegen die Natur bestimmt, so daß er nur
+ist, insofern ein solches von ihm verschiedenes ist, das von ihm
+aufgehoben werde, von dem er aber hierin berührt und selbst afficirt
+ist. Der Natur und ihr als Sinnlichkeit des Menschen ist als einem
+selbstständigen System von Gesetzen das Beschränken durch ein anderes
+gleichgültig; sie erhält sich in diesem Begrenztwerden, tritt
+selbstständig in die Beziehung ein, und begrenzt den Willen des
+Gesetzes eben so sehr, als er sie begrenzt.—Es ist Ein Act, daß der
+Wille sich bestimmt und das Andersseyn einer Natur aufhebt, und daß
+dieß Andersseyn als daseyend gesetzt ist, sich in sein Aufgehobenwerden
+kontinuirt, und nicht aufgehoben ist. Der Widerspruch, der hierin
+liegt, wird im unendlichen Progresse nicht aufgelöst, sondern im
+Gegentheil als unaufgelöst und unauflösbar dargestellt und behauptet;
+der Kampf der Moralität und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das
+an und für sich seyende, absolute Verhältniß.
+
+Die Ohnmacht über den qualitativen Gegensatz des Endlichen und
+Unendlichen Meister zu werden und die Idee des wahrhaften Willens, die
+substantielle Freiheit, zu fassen, nimmt zur Größe ihre Zuflucht, um
+sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene
+Qualitative, der gleichgültig gewordene Unterschied, ist. Allein indem
+beide Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu Grunde
+liegen bleiben, so wird vielmehr dadurch, daß sie sich in ihrer
+gegenseitigen Beziehung als Quanta verhalten, jedes sogleich als gegen
+diese Veränderung gleichgültig gesetzt. Die Natur wird durch Ich, die
+Sinnlichkeit durch den Willen des Guten bestimmt, die durch denselben
+an ihr hervorgebrachte Veränderung ist nur ein quantitativer
+Unterschied, ein solcher, der sie als das bestehen läßt, was sie ist.
+
+In der abstraktern Darstellung der kantischen Philosophie oder
+wenigstens ihrer Principien, nämlich in der fichteschen
+Wissenschaftslehre, macht der unendliche Progreß auf dieselbe Weise die
+Grundlage und das Letzte aus. Auf den ersten Grundsatz dieser
+Darstellung, Ich=Ich, folgt ein zweiter davon unabhängiger, die
+Entgegensetzung des Nicht-Ich; die Beziehung beider wird sogleich auch
+als quantitativer Unterschied angenommen, daß Nicht-Ich zum Theil durch
+Ich bestimmt werde, zum Theil auch nicht. Das Nicht-Ich kontinuirt sich
+auf diese Weise in sein Nichtseyn so, daß es seinem Nichtseyn
+entgegengesetzt bleibt, als ein nicht Aufgehobenes. Nachdem daher die
+Widersprüche, die darin liegen, im System entwickelt worden sind, so
+ist das schließliche Resultat dasjenige Verhältniß, welches der Anfang
+war; das Nicht-Ich bleibt ein unendlicher Anstoß, ein absolut-Anderes;
+die letzte Beziehung seiner und des Ich aufeinander ist der unendliche
+Progreß, Sehnsucht und Streben,—derselbe Widerspruch, mit welchem
+angefangen wurde.
+
+Weil das Quantitative die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit ist, so
+glaubte man für die Einheit des Absoluten, für die Eine
+Substantialität, Viel oder vielmehr Alles gewonnen zu haben, indem man
+den Gegensatz überhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede
+herabsetzte. Aller Gegensatz ist nur quantitativ, war einige Zeit ein
+Hauptsatz neuerer Philosophie; die entgegengesetzten Bestimmungen haben
+dasselbe Wesen, denselben Inhalt, sie sind reale Seiten des
+Gegensatzes, insofern jede derselben seine beiden Bestimmungen, beide
+Faktoren, in ihr hat, nur daß auf der einen Seite der eine Faktor, auf
+der anderen der andere überwiegend, in der einen Seite der eine Faktor,
+eine Materie oder Thätigkeit, in größerer Menge oder in stärkerem Grade
+vorhanden sey, als in der andern. Insofern verschiedene Stoffe oder
+Thätigkeiten vorausgesetzt werden, bestätigt und vollendet der
+quantitative Unterschied vielmehr deren Äußerlichkeit und
+Gleichgültigkeit gegeneinander und gegen ihre Einheit. Der Unterschied
+der absoluten Einheit soll nur quantitativ seyn; das Quantitative ist
+zwar die aufgehobene unmittelbare Bestimmtheit, aber die nur
+unvollkommene, erst die erste Negation, nicht die unendliche, nicht die
+Negation der Negation.—Indem Seyn und Denken als quantitative
+Bestimmungen der absoluten Substanz vorgestellt werden, werden auch
+sie, als Quanta, wie in untergeordneter Sphäre, der Kohlenstoff,
+Stickstoff u.s.f. sich vollkommen äußerlich und beziehungslos. Es ist
+ein Drittes, eine äußerliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede
+abstrahirt, und ihre innere, nur ansichseyende, nicht ebenso
+für-sich-seyende, Einheit erkennt. Diese Einheit, wird dann in der That
+nur als erste unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn, welches in
+seinem quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt, aber nicht sich
+durch sich selbst gleich setzt; es ist somit nicht begriffen, als
+Negation der Negation, als unendliche Einheit. Nur im qualitativen
+Gegensatze geht die gesetzte Unendlichkeit, das Fürsichseyn, hervor,
+und die quantitative Bestimmung selbst geht, wie sich sogleich näher
+ergeben wird, in das Qualitative über.
+
+Anmerkung 2.
+
+Es ist oben erinnert worden, daß die kantischen Antinomien
+Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer
+konkreteren Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung
+angewendet, sind. Die daselbst betrachtete Antinomie enthielt den
+Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Unendlichkeit. In einer
+andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr die
+quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird. Ich
+will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier anstellen.
+
+Sie betrifft die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit und
+Raum.—Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Rücksicht auf Zeit
+und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum Verhältnisse
+der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung sind, ändert
+nichts für das Antinomische der Begrenztheit oder Unbegrenztheit in
+ihnen.
+
+Die nähere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen,
+daß die beiden Sätze und eben so ihre Beweise, die wie bei der oben
+betrachteten apogogisch geführt sind, auf nichts, als auf die zwei
+einfachen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine
+Grenze, und: es muß über die Grenze hinausgegangen werden.
+
+Die Thesis ist:
+
+"Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raume nach auch in
+Grenzen eingeschlossen."
+
+Der eine Theil des Beweises, die Zeit betreffend, nimmt das Gegentheil
+an, "die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist bis zu jedem
+gegebenen Zeitpunkt eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin eine
+unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der Welt
+verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit einer Reihe,
+daß sie durch successive Synthesis niemals vollendet seyn kann. Also
+ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich, mithin ein Anfang
+der Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns; welches zu erweisen
+war."
+
+Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrifft, wird auf die Zeit
+zurückgeführt. Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume unendlichen
+Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als abgelaufen angesehen
+werden müßte, insofern die Welt im Raume nicht als ein Werdendes,
+sondern als ein vollendetes Gegebenes anzusehen ist. Von der Zeit aber
+wurde im ersten Theile des Beweises gezeigt, daß eine unendliche Zeit
+als abgelaufen anzunehmen unmöglich sey.
+
+Man sieht aber sogleich, daß es unnöthig war, den Beweis apagogisch zu
+machen, oder überhaupt einen Beweis zu führen, indem in ihm selbst
+unmittelbar die Behauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen werden
+sollte. Es wird nämlich irgend ein oder jeder gegebene Zeitpunkt
+angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (—Ewigkeit hat hier nur den
+geringen Sinii einer schlecht-unendlichen Zeit) abgelaufen sey. Ein
+gegebener Zeitpunkt heißt nun nichts Anders, als eine bestimmte Grenze
+in der Zeit. Im Beweise wird also eine Grenze der Zeit als wirklich
+vorausgesetzt; sie ist aber eben das, was bewiesen werden sollte. Denn
+die Thesis besteht darin, daß die Welt einen Anfang in der Zeit habe.
+
+Nur der Unterschied findet Statt, daß die angenommene Zeitgrenze ein
+Jetzt, als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt
+als Anfang einer Zukunft ist. Allein dieser Unterschied ist
+unwesentlich. Jetzt wird als der Punkt angenommen, in welchem eine
+unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der Zeit
+verflossen seyn soll, also als Ende, als qualitative Grenze. Würde dieß
+Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, welche fließend und über
+die nicht nur hinaus zu gehen sondern die vielmehr nur dieß sey, über
+sich hinauszugehen, so wäre die unendliche Zeitreihe in ihr nicht
+verflossen, sondern führe fort zu fließen, und das Raisonnement des
+Beweises fiele weg. Dagegen ist der Zeitpunkt als qualitative Grenze
+für die Vergangenheit angenommen, aber ist so zugleich Anfang für die
+Zukunft,—denn an sich ist jeder Zeitpunkt die Beziehung der
+Vergangenheit und der Zukunft,—auch ist er absoluter d. h. abstrakter
+Anfang für dieselbe, d. i. das, was bewiesen werden sollte. Es thut
+nichts zur Sache, daß vor seiner Zukunft und diesem ihrem Anfange schon
+eine Vergangenheit ist; indem dieser Zeitpunkt qualitative Grenze
+ist,—und als qualitative ihn anzunehmen, liegt in der Bestimmung des
+Vollendeten, Abgelaufenen, also sich nicht Kontinuirenden,—so ist die
+Zeit in ihm abgebrochen, und jene Vergangenheit, ohne Beziehung auf
+diejenige Zeit, welche nur Zukunft in Rücksicht auf diese Vergangenheit
+genannt werden konnte, und daher ohne solche Beziehung nur Zeit
+überhaupt ist, die einen absoluten Anfang hat. Stünde sie aber,—(wie
+sie es denn tut—) durch das Jetzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer
+Beziehung auf die Vergangenheit, wäre sie somit als Zukunft bestimmt,
+so wäre auch dieser Zeitpunkt von der anderen Seite keine Grenze, die
+unendliche Zeitreihe kontinuirte sich in dem, was Zukunft hieß, und
+wäre nicht, wie angenommen worden, vollendet.
+
+In Wahrheit ist die Zeit reine Quantität; der im Beweise gebrauchte
+Zeitpunkt, in welchem sie unterbrochen seyn sollte, ist vielmehr nur
+das sich selbst aufhebende Fürsichseyn des Jetzt. Der Beweis leistet
+nichts, als daß er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der
+Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und ihn als
+vollendeten, d. i. abstrakten Punkt, geradezu annimmt,—eine populare
+Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als eine Grenze
+passiren, somit im Beweise dieß als Annahme gelten läßt, was vorher als
+das zu Beweisende aufgestellt wurde.
+
+Die Antithesis heißt:
+
+"Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume, sondern ist
+sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich."
+
+Der Beweis setzt gleichfalls das Gegentheil:
+
+"Die Welt habe einen Anfang. Da der Anfang ein Daseyn ist, wovor eine
+Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit
+vorhergegangen seyn, darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit.
+Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dings
+möglich; weil kein Theil einer solchen Zeit vor einem anderen irgend
+eine unterscheidende Bedingung des Daseyns vor der des Nichtdaseyns an
+sich hat. Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen,
+die Welt selbst aber keinen Anfang nehmen, und ist in Ansehung der
+vergangenen Zeit unendlich."
+
+Dieser apogogische Beweis enthält, wie die andern, die direkte und
+unbewiesene Behauptung dessen, was er beweisen sollte. Er nimmt
+neihlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit,
+an; aber kontinuirt alsdann auch das weltliche Daseyn ebenso sehr über
+sich hinaus in diese leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf, und
+setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort. Die Welt ist ein Daseyn;
+der Beweis setzt voraus, daß dieß Daseyn entstehe, und das Entstehen
+eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe. Darin aber eben besteht
+die Antithesis selbst, daß es kein unbedingtes Daseyn, keine absolute
+Grenze gebe, sondern das weltliche Daseyn immer eine vorhergehende
+Bedingung fordere. Das zu Erweisende findet sich somit als Annahme in
+dem Beweise.—Die Bedingung wird dann ferner in der leeren Zeit gesucht,
+was so viel heißt, als daß sie als zeitlich und somit als Daseyn, und
+Beschränktes angenommen wird. Überhaupt also ist die Annahme gemacht,
+daß die Welt als Daseyn ein anderes bedingtes Daseyn in der Zeit
+voraussetze und hiermit sofort ins Unendliche.
+
+Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist
+dasselbe. Apogogischer Weise wird die räumliche Endlichkeit der Welt
+gesetzt; "diese befände sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume,
+und hätte ein Verhältniß zu ihm; ein solches Verhältniß der Welt zu
+keinem Gegenstande aber ist Nichts."
+
+Was bewiesen werden sollte, ist hier ebenso im Beweise direkt
+vorausgesetzt. Es wird direkt angenommen, daß die begrenzte räumliche
+Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhältniß zu ihm
+haben sollte, das heißt, daß über sie hinausgegangen werden
+müsse,—einer Seits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn
+derselben, anderer Seits aber daß sie damit im Verhältniß stehe, d. i.
+sich darein hinein kontinuire, das Jenseits hiermit mit weltlichem
+Daseyn erfüllt vorzustellen sey. Die Unendlichkeit der Welt im Raume,
+die in der Antithesis behauptet wird, ist nichts anderes, als einer
+Seits der leere Raum, anderer Seits das Verhältniß der Welt zu ihm, das
+heißt Kontinuität derselben in ihm, oder die Erfüllung desselben;
+welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als
+erfüllt, der unendliche Progreß des Daseyns im Raume ist. Dieser
+Widerspruch selbst, das Verhältniß der Welt zum leeren Raume, ist im
+Beweise direkt zur Grundlage gemacht.
+
+Die Thesis und Antithesis und die Beweise derselben stellen daher
+nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, daß eine Grenze
+ist, und daß die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; daß die
+Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie aber in Beziehung steht, wohin
+über sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche Grenze
+entsteht, die keine ist.
+
+Die Auflösung dieser Antinomien ist, wie die der obigen,
+transcendental, das heißt, sie besteht in der Behauptung der Idealität
+des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem Sinne, daß
+die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich, nicht ein sich
+Aufhebendes, sondern nur das Bewußtseyn in seinem Anschauen und in der
+Beziehung der Anschauung auf Verstand und Vernunft, ein sich selbst
+widersprechendes Wesen sey. Es ist dieß eine zu große Zärtlichkeit für
+die Welt, von ihr den Widerspruch zu entfernen, ihn dagegen in den
+Geist, in die Vernunft, zu verlegen und darin unaufgelöst bestehen zu
+lassen. In der That ist es der Geist, der so stark ist, den Widerspruch
+ertragen zu können, aber er ist es auch, der ihn aufzulösen weiß. Die
+sogenannte Welt aber (sie heiße objektive, reale Welt, oder nach dem
+transcendentalen Idealismus subjektives Anschauen, und durch die
+Verstandes-Kategorie bestimmte Sinnlichkeit), entbehrt darum des
+Widerspruchs nicht und nirgends, vermag ihn aber nicht zu ertragen und
+ist darum dem Entstehen und Vergehen preisgegeben.
+
+c. Die Unendlichkeit des Quantums.
+
+Das unendliche Quantum, als Unendlichgroßes oder Unendlichkleines, ist
+selbst an sich der unendliche Progreß; es ist Quantum als ein Großes
+oder Kleines, und ist zugleich Nichtseyn des Quantums. Das
+Unendlichgroße und Unendlichkleine sind daher Bilder der Vorstellung,
+die bei näherer Betrachtung sich als nichtiger Nebel und Schatten
+zeigen. Im unendlichen Progreß aber ist dieser Widerspruch explicite
+vorhanden, und damit das, was die Natur des Quantums ist, das als
+intensive Größe seine Realität erreicht hat, und in seinem Daseyn nun
+gesetzt, wie es in seinem Begriffe ist. Diese Identität ist es, die zu
+betrachten ist.
+
+Das Quantum als Grad ist einfach, auf sich bezogen und als an ihm
+selbst bestimmt. Indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und die
+Bestimmtheit an ihm aufgehoben ist, ist diese ihm äußerlich; es hat
+seine Bestimmtheit außer ihm. Dieß sein Außersichseyn ist zunächst das
+abstrakte Nichtseyn des Quantums überhaupt, die schlechte
+Unendlichkeit. Aber ferner ist dieß Nichtseyn auch ein Großes, das
+Quantum kontinuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat eben seine
+Bestimmtheit in seiner Äußerlichkeit; diese seine Äußerlichkeit ist
+daher eben so sehr selbst Quantum; jenes sein Nichtseyn, die
+Unendlichkeit, wird so begrenzt, d. h. dieß Jenseits wird aufgehoben,
+dieses ist selbst als Quantum bestimmt, das hiermit in seiner Negation
+bei sich selbst ist.
+
+Dieß ist aber das, was das Quantum als solches an sich ist. Denn es ist
+eben es selbst durch sein Äußerlichseyn; die Äußerlichkeit macht das
+aus, wodurch es Quantum, bei sich selbst, ist. Es ist also im
+unendlichen Progresse der Begriff des Quantums gesetzt.
+
+Nehmen wir ihn zunächst in seinen abstrakten Bestimmungen wie sie
+vorliegen, so ist in ihm das Aufheben des Quantums, aber eben so sehr
+seines Jenseits, also die Negation des Quantums sowohl, als die
+Negation dieser Negation vorhanden. Seine Wahrheit ist ihre Einheit,
+worin sie, aber als Momente, sind.—Sie ist die Auflösung des
+Widerspruchs, dessen Ausdruck er ist, und ihr nächster Sinn somit die
+Wiederherstellung des Begriffs der Größe, daß sie gleichgültige oder
+äußerliche Grenze ist. Im unendlichen Progresse als solchem pflegt nur
+darauf reflektirt zu werden, daß jedes Quantum, es sey noch so groß
+oder klein, verschwinden, daß über dasselbe muß hinausgegangen werden
+können; aber nicht darauf, daß dieß sein Aufheben, das Jenseits, das
+schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet.
+
+Schon das erste Aufheben, die Negation der Qualität überhaupt, wodurch
+das Quantum gesetzt wird, ist an sich das Aufheben der Negation,—das
+Quantum ist aufgehobene qualitative Grenze, somit aufgehobene
+Negation,—aber es ist zugleich nur an sich dieß; gesetzt ist es als ein
+Daseyn, und dann ist seine Negation als das Unendliche fixirt, als das
+Jenseits des Quantums, welches als ein Diesseits steht, als ein
+Unmittelbares; so ist das Unendliche nur als erste Negation bestimmt,
+und so erscheint es im unendlichen Progresse. Es ist gezeigt worden,
+daß aber in diesem mehr vorhanden ist, die Negation der Negation, oder
+das, was das Unendliche in Wahrheit ist. Es ist dieß vorhin so
+angesehen worden, daß der Begriff des Quantums damit wieder hergestellt
+ist; diese Wiederherstellung heißt zunächst, daß sein Daseyn seine
+nähere Bestimmung erhalten hat; es ist nämlich das nach seinem Begriff
+bestimmte Quantum entstanden, was verschieden ist, von dem
+unmittelbaren Quantum, die Äußerlichkeit ist nun das Gegentheil ihrer
+selbst, als Moment der Größe selbst gesetzt,—das Quantum so, daß es
+vermittelst seines Nichtseyns, der Unendlichkeit, in einem anderen
+Quantum seine Bestimmtheit habe, d. i. qualitativ das ist, was es ist.
+Jedoch gehört diese Vergleichung des Begriffs des Quantums mit seinem
+Daseyn mehr unserer Reflexion, einem Verhältniß, das hier noch nicht
+vorhanden ist, an. Die zunächst liegende Bestimmung ist, daß das
+Quantum zur Qualität zurückgekehrt, nunmehr qualitativ bestimmt ist.
+Denn seine Eigenthümlichkeit, Qualität, ist die Äußerlichkeit,
+Gleichgültigkeit der Bestimmtheit; und es ist nun gesetzt, als in
+seiner Äußerlichkeit vielmehr es selbst zu seyn, darin sich auf sich
+selbst zu beziehen, in einfacher Einheit mit sich, d. i. qualitativ
+bestimmt zu seyn.—dieß Qualitative ist noch näher bestimmt, nämlich als
+Fürsichseyn; denn die Beziehung auf sich selbst, zu der es gekommen,
+ist aus der Vermittelung, der Negation der Negation, hervorgegangen.
+Das Quantum hat die Unendlichkeit, das Fürsichbestimmtseyn nicht mehr
+außer ihm, sondern an ihm selbst.
+
+Das Unendliche, welches im unendlichen Progresse nur die leere
+Bedeutung eines Nichtsseyns, eines unerreichten, aber gesuchten
+Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualität. Das
+Quantum geht als gleichgültige Grenze über sich hinaus ins Unendliche;
+es sucht damit nichts Anderes, als das Fürsichbestimmtseyn, das
+qualitative Moment, das aber so nur ein Sollen ist. Seine
+Gleichgültigkeit gegen die Grenze, damit sein Mangel an fürsichseyender
+Bestimmtheit und sein Hinausgehen über sich ist, was das Quantum zum
+Quantum macht; jenes sein Hinausgehen soll negirt werden und im
+Unendlichen sich seine absolute Bestimmtheit finden.
+
+Ganz überhaupt: das Quantum ist die aufgehobene Qualität; aber das
+Quantum ist unendlich, geht über sich hinaus, es ist die Negation
+seiner; dieß sein Hinausgehen ist also an sich die Negation der
+negirten Qualität, die Wiederherstellung derselben; und gesetzt ist
+dieß, daß die Äußerlichkeit, welche als Jenseits erschien, als das
+eigene Moment des Quantums bestimmt ist.
+
+Das Quantum ist hiermit gesetzt als von sich repellirt, womit also zwei
+Quanta sind, diejedoch aufgehoben, nur als Momente einer Einheit sind,
+und diese Einheit ist die Bestimmtheit des Quantums.—Dieses so in
+seiner Äußerlichkeit als gleichgültige Grenze auf sich bezogen, hiermit
+qualitativ gesetzt, ist das quantitative Verhältniß.—Im Verhältnisse
+ist das Quantum sich äußerlich, von sich selbst verschieden; diese
+seine Äußerlichkeit ist die Beziehung eines Quantums auf ein anderes
+Quantum, deren jedes nur gilt in dieser seiner Beziehung auf sein
+Anderes; und diese Beziehunng macht die Bestimmtheit des Quantums aus,
+das als solche Einheit ist.
+
+Es hat darin nicht eine gleichgültige, sondern qualitative Bestimmung;
+ist in dieser seiner Äußerlichkeit in sich zurückgekehrt, ist in
+derselben, das was es ist.
+
+Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen.
+
+Das mathematische Unendliche ist eines Theils interessant durch die
+Erweiterung der Mathematik und die großen Resultate, welche seine
+Einführung in dieselbe hervorgebracht hat; andern Theils aber ist es
+dadurch merkwürdig, daß es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen ist,
+sich über den Gebrauch desselben durch den Begriff (Begriff im
+eigentlichen Sinne genommen) zu rechtfertigen. Die Rechtfertigungen
+beruhen am Ende auf der Richtigkeit der mit Hülfe jener Bestimmung sich
+ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gründen erwiesen ist; nicht
+aber auf der Klarheit des Gegenstandes und der Operation, durch welche
+die Resultate herausgebracht werden, sogar daß die Operation vielmehr
+selbst als unrichtig zugegeben wird.
+
+Dieß ist schon ein Mißstand an und für sich; ein solches Verfahren ist
+unwissenschaftlich. Es führt aber auch den Nachtheil mit sich, daß die
+Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments nicht kennt,
+weil sie mit der Metaphysik und Kritik desselben nicht fertig ist, den
+Umfang seiner Anwendung nicht bestimmen, und von Misbräuchen desselben
+sich nicht sichern konnte.
+
+In philosophischer Rücksicht aber ist das mathematische Unendliche
+darum wichtig, weil ihm in der That der Begriff des wahrhaften
+Unendlichen zu Grunde liegt und es viel höher steht, als das gewöhnlich
+sogenannte metaphysische Unendliche, von dem aus die Einwürfe gegen
+ersteres gemacht werden. Gegen diese Einwürfe weiß sich die
+Wissenschaft der Mathematik häufig nur dadurch zu retten, daß sie die
+Kompetenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet, mit dieser
+Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um deren Begriffe nicht zu
+bekümmern zu haben, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden konsequent
+verfahre. Sie habe nicht zu betrachten, was an sich, sondern was auf
+ihrem Felde das Wahre sey. Die Metaphysik weiß die glänzenden Resultate
+des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen bei ihrem Widerspruche
+gegen dasselbe nicht zu läugnen oder umzustoßen, und die Mathematik
+weiß mit der Metaphysik ihres eigenen Begriffs und daher auch mit der
+Ableitung der Verfahrensweisen, die der Gebrauch des Unendlichen nöthig
+macht, nicht ins Reine zu kommen.
+
+Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs überhaupt wäre, von der
+die Mathematik gedrückt würde, so könnte sie diesen ohne Umstände auf
+der Seite liegen lassen, insofern nämlich der Begriff mehr ist, als nur
+die Angabe der wesentlichen Bestimmtheiten, d. i. der
+Verstandesbestimmungen einer Sache, und an der Schärfe dieser
+Bestimmtheiten hat sie es nicht fehlen lassen; denn sie ist nicht eine
+Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstände zu thun, und
+durch die Entwickelung des Begriffs, wenn auch nur durch Raisonnement,
+ihren Inhalt zu erzeugen hätte. Allein bei der Methode ihres
+Unendlichen findet sie den Hauptwiderspruch an der eigenthümlichen
+Methode selbst, auf welcher sie überhaupt als Wissenschaft beruht. Denn
+die Rechnung des Unendlichen erlaubt und erfordert Verfahrungsweisen,
+welche die Mathematik bei Operationen mit endlichen Größen durchaus
+verwerfen muß, und zugleich behandelt sie ihre unendlichen Größen, wie
+endliche Quanta, und will auf jene dieselben Verfahrungsweisen
+anwenden, welche bei diesen gelten; es ist eine Hauptseite der
+Ausbildung dieser Wissenschaft, für die transcendenten Bestimmungen und
+deren Behandlung, die Form des gewöhnlichen Kalkuls gewonnen zu haben.
+
+Die Mathematik zeigt bei diesem Widerstreite ihrer Operationen, daß
+Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen übereinstimmen,
+welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und
+analytische, Methode gefunden werden. Aber Theils betrifft dieß nicht
+alle Resultate, und der Zweck der Einführung des Unendlichen ist nicht
+allein, den gewöhnlichen Weg abzukürzen, sondern zu Resultaten zu
+gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden können. Theils
+rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht für sich. Diese
+Manier aber der Rechnung des Unendlichen zeigt sich durch den Schein
+der Ungenauigkeit gedrückt, den sie sich giebt, indem sie endliche
+Größen um eine unendlich kleine Größe das eine Mal vermehrt, diese in
+der fernern Operation zum Theil beibehält, aber einen Theil derselben
+auch vernachlässigt. Dieß Verfahren enthält die Sonderbarkeit, daß der
+eingestandenen Ungenauigkeit unerachtet, ein Resultat herauskommt, das
+nicht nur ziemlich und so nahe, daß der Unterschied außer Acht gelassen
+werden könnte, sondern vollkommen genau ist. In der Operation selbst
+aber, die dem Resultate vorher geht, kann die Vorstellung nicht
+entbehrt werden, daß Einiges nicht gleich Null, aber so unbeträchtlich
+sey, um außer Acht gelassen werden zu können. Allein bei dem, was unter
+mathematischer Bestimmtheit zu verstehen ist, fällt aller Unterschied
+einer größern oder geringern Genauigkeit gänzlich hinweg, wie in der
+Philosophie nicht von größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit,
+sondern von der Wahrheit allein die Rede seyn kann. Wenn die Methode
+und der Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg gerechtfertigt wird,
+so ist es nicht so überflüssig dessen ungeachtet die Rechtfertigung
+derselben zu fordern, als es bei der Nase überflüssig scheint, nach dem
+Erweise des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen. Denn es ist bei
+der mathematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniß wesentlich
+um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate ist es der
+Fall, daß die streng mathematische Methode nicht zu allen den Beleg des
+Erfolgs liefert, der aber ohnehin nur ein äußerlicher Beleg ist.
+
+Es ist der Mühe werth, den mathematischen Begriff des Unendlichen und
+die merkwürdigsten Versuche näher zu betrachten, welche die Absicht
+haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit,
+von der sich die Methode gedrückt fühlt, zu beseitigen. Die Betrachtung
+dieser Rechtfertigungen und Bestimmungen des mathematischen
+Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung weitläufiger anstellen
+will, wird zugleich das beste Licht auf die Natur des wahren Begriffes
+selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen vorgeschwebt und zu Grunde
+gelegen hat.
+
+Die gewöhnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, daß es
+eine Größe sey, über welche es,—wenn sie als das Unendlichgroße—keine
+größere oder,—wenn sie als das Unendlichkleine bestimmt ist—kleinere
+mehr gebe, oder die, in jenem Falle, größer, in diesem Falle kleiner
+sey, als jede beliebige Größe.—In dieser Definition ist freilich der
+wahre Begriff nicht ausgedrückt, vielmehr nur, wie schon bemerkt,
+derselbe Widerspruch, der im unendlichen Progresse ist; aber sehen wir,
+was an sich darin enthalten ist. Eine Größe wird in der Mathematik
+definirt, daß sie etwas sey, das vermehrt und vermindert werden könne;
+überhaupt also eine gleichgültige Grenze. Indem nun das Unendlich Große
+oder Kleine ein solches ist, das nicht mehr vermehrt oder vermindert
+werden könne, so ist es in der That kein Quantum als solches mehr.
+
+Diese Konsequenz ist nothwendig und unmittelbar. Aber die Reflexion,
+daß das Quantum,—und ich nenne in dieser Anmerkung Quantum überhaupt,
+wie es ist, das endliche Quantum,—aufgehoben ist, ist es, welche nicht
+gemacht zu werden pflegt und die für das gewöhnliche Begreifen die
+Schwierigkeit ausmacht, indem das Quantum, indem es unendlich ist, als
+ein Aufgehobenes, als ein solches zu denken gefordert wird, das nicht
+ein Quantum ist, und dessen quantitative Bestimmtheit doch bleibt.
+
+Um das anzuführen, wie Kant jene Bestimmung beurtheilt,[9] so findet er
+sie nicht übereinstimmend mit dem, was man unter einem unendlichen
+Ganzen verstehe. "Nach dem gewöhnlichen Begriffe sey eine Größe
+unendlich, über die keine größere (d. i. über die darin enthaltene
+Menge einer gegebenen Einheit) möglich ist; es sey aber keine Menge die
+größte, weil noch immer eine oder mehrere Einheiten hinzugefügt werden
+können.—Durch ein unendliches Ganzes dagegen werde nicht vorgestellt,
+wie groß es sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines
+Maximums (oder Minimums), sondern es werde dadurch nur sein Verhältniß
+zu einer beliebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren
+dasselbe größer ist, als alle Zahl. Je nachdem diese Einheit größer
+oder kleiner angenommen würde, würde das Unendliche größer oder kleiner
+seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu
+dieser gegebenen Einheit bestehe, würde immer dieselbe bleiben,
+obgleich Freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht
+erkannt würde."
+
+ [9] In der Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie,
+ in der Kritik der reinen Vernunft.
+
+
+Kant tadelt es, wenn unendliche Ganze als ein Maximum, als eine
+vollendete Menge einer gegebenen Einheit angesehen werden. Das Maximum
+oder Minimum als solches erscheint noch immer als ein Quantum, eine
+Menge. Solche Vorstellung kann die von Kant angeführte Konsequenz nicht
+ablehnen, die auf ein größeres oder kleineres Unendliches führt.
+Überhaupt indem das Unendliche als Quantum vorgestellt wird, gilt noch
+für dasselbe der Unterschied eines Größern oder Kleinern. Allein diese
+Kritik trifft nicht den Begriff des wahrhaften mathematischen
+Unendlichen, der unendlichen Differenz, denn diese ist kein endliches
+Quantum mehr.
+
+Kants Begriff der Unendlichkeit dagegen, den er den wahren
+transcendentalen nennt, ist, "daß die successive Synthesis der Einheit
+in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn könne." Es ist
+ein Quantum überhaupt als gegeben vorausgesetzt; dieß solle durch das
+Synthesiren der Einheit zu einer Anzahl, einem bestimmt anzugebenden
+Quantum gemacht werden, aber dieß Synthesiren niemals vollendet werden
+können. Hiermit ist wie erhellt, nichts als der Progreß ins Unendliche
+ausgesprochen, nur transcendental, d. i. eigentlich subjektiv und
+psychologisch vorgestellt. An sich soll zwar das Quantum vollendet
+seyn, aber transcendentaler Weise, nämlich im Subjekte, welches ihm ein
+Verhältniß zu einer Einheit giebt, entstehe nur eine solche Bestimmung
+des Quantums, die unvollendet und schlechthin mit einem Jenseits
+behaftet sey. Es wird also hier überhaupt beim Widerspruche, den die
+Größe enthält, stehen geblieben, aber vertheilt an das Objekt und das
+Subjekt, so daß jenem die Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen
+über jede von ihm aufgefaßte Bestimmtheit, in das schlechte Unendliche
+zukommt.
+
+Es ist dagegen vorhin gesagt worden, daß die Bestimmung des
+mathematischen Unendlichen und zwar wie es in der höhern Analysis
+gebraucht wird, dem Begriffe des wahrhaften Unendlichen entspricht; die
+Zusammenstellung beider Bestimmungen soll nun in ausführlicher
+Entwickelung vorgenommen werden.—Was zuerst das wahrhafte unendliche
+Quantum betrifft, so bestimmte es sich als an ihm selbst unendlich; es
+ist dieß, indem, wie sich ergeben hat, das endliche Quantum oder das
+Quantum überhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche, auf
+gleiche Weise aufgehoben sind. Das aufgehobene Quantum ist damit in die
+Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst zurückgegangen, aber
+nicht nur wie das extensive, indem es in intensives Quantum überging,
+das seine Bestimmtheit nur an sich an einer äußern Vielfachheit hat,
+gegen die es jedoch gleichgültig und wovon es verschieden seyn soll.
+Das unendliche Quantum enthält vielmehr erstens die Äußerlichkeit und
+zweitens die Negation derselben an ihm selbst; so ist es nicht mehr
+irgend ein endliches Quantum, nicht eine Größebestimmtheit, die ein
+Daseyn als Quantum hätte, sondern es ist einfach, und daher nur als
+Moment; es ist eine Größebestimmtheit in qualitativer Form; seine
+Unendlichkeit ist, als eine qualitative Bestimmtheit zu seyn.—So als
+Moment ist es in wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als
+bestimmt durch dieses sein Anderes, d. i. es hat nur Bedeutung in
+Beziehung auf ein im Verhältniß mit ihm Stehendes. Außer diesem
+Verhältnisse ist es Null; —da gerade das Quantum als solches gegen das
+Verhältniß gleichgültig, in ihm doch eine unmittelbare ruhende
+Bestimmung seyn soll. In dem Verhältnisse als nur Moment ist es nicht
+ein für sich Gleichgültiges; es ist, in der Unendlichkeit als
+Fürsichseyn, indem es zugleich eine quantitative Bestimmtheit ist, nur
+als ein Für-Eines.
+
+Der Begriff des Unendlichen, wie er sich hier abstrakt exponirt hat,
+wird sich zeigen, dem mathematischen Unendlichen zu Grunde liegen, und
+er selbst wird deutlicher werden, indem wir die verschiedenen Stufen
+des Ausdrucks des Quantums als eines Verhältniß-Moments betrachten, von
+der untersten an, wo es noch zugleich Quantum als solches ist, bis zu
+der höhern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck eigentlicher
+unendlicher Größe erhält.
+
+Nehmen wir also zuerst das Quantum in dem Verhältnisse, wie es eine
+gebrochene Zahl ist. Solcher Bruch 2/7 z.B. ist nicht ein Quantum wie
+1, 2, 3 u.s.f., zwar eine gewöhnliche endliche Zahl, jedoch nicht eine
+unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch mittelbar
+bestimmt durch zwei andere Zahlen, die Anzahl und Einheit gegeneinander
+sind, wobei auch die Einheit eine bestimmte Anzahl ist. Aber von dieser
+nähern Bestimmung derselben gegeneinander abstrahirt, und sie bloß nach
+dem, was ihnen in der qualitativen Beziehung, in der sie hier sind, als
+Quantis widerfährt, betrachtet, so sind 2 und 7 sonst gleichgültige
+Quanta; indem sie aber hier nur als Momente, eines des andern, und
+damit eines Dritten (des Quantums, das der Exponent heißt) auftreten,
+so gelten sie sogleich nicht als 2 und 7, sondern nur nach ihrer
+Bestimmtheit gegeneinander. Statt ihrer kann darum eben so gut 4 und
+14, oder 6 und 21 u.s.f. ins Unendliche gesetzt werden. Hiermit fangen
+sie also an, einen qualitativen Charakter zu haben. Gälten sie als
+bloße Quanta, so ist 2 und 7, schlechthin das eine nur 2, das andere
+nur 7; 4, 14, 6, 21 u.s.f. sind schlechthin etwas Anderes als jene
+Zahlen, und können insofern sie nur unmittelbare Quanta wären, die
+einen nicht an die Stelle der anderen gesetzt werden. Insofern aber und
+nicht nach der Bestimmtheit, solche Quanta zu seyn, gelten, so ist ihre
+gleichgültige Grenze aufgehoben; sie haben somit, nach dieser Seite,
+das Moment der Unendlichkeit an ihnen, indem sie nicht bloß eben nicht
+mehr sie sind, sondern ihre quantitative Bestimmtheit, aber als eine an
+sich seyende qualitative,—nämlich nach dem, was sie im Verhältnisse
+gelten,—bleibt. Es können unendlich viele andere an ihre Stelle gesetzt
+werden, so daß der Werth des Bruches durch, die Bestimmtheit, welche
+das Verhältniß hat, sich nicht ändert.
+
+Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat,
+ist aber darum noch unvollkommen, weil die beiden Seiten des Bruchs, 2
+und 7, aus dem Verhältnisse genommen werden können, und gewöhnliche
+gleichgültige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhältnisse und
+Momente zu seyn, ist ihnen etwas Äußerliches und Gleichgültiges. Ebenso
+ist ihre Beziehung selbst ein gewöhnliches Quantum, der Exponent des
+Verhältnisses.
+
+Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird,
+die nächste Allgemeinheit, in welche die Zahlen erhoben werden, haben
+die Eigenschaft nicht, daß sie von einem bestimmten Zahlenwerth sind;
+sie sind nur allgemeine Zeichen und unbestimmte Möglichkeiten jedes
+bestimmten Werthes. Der Bruch a/b scheint daher ein passenderer
+Ausdruck des Unendlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung
+aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen
+besonderen eigenthümlichen Werth haben.—Allein diese Buchstaben sind
+zwar als unbestimmte Größen gesetzt; ihr Sinn aber ist, daß sie irgend
+ein endliches Quantum seyen. Da sie also zwar die allgemeine
+Vorstellung, aber nur von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen
+ebenfalls gleichgültig, im Verhältnisse zu seyn, und außer demselben
+behalten sie diesen Werth.
+
+Betrachten wir noch näher, was im Verhältnisse vorhanden ist, so hat es
+die beiden Bestimmungen an ihm, erstlich ein Quantum zu seyn, dieses
+aber ist zweitens nicht als ein unmittelbares, sondern das den
+qualitativen Gegensatz an ihm hat; es bleibt in demselben zugleich
+jenes bestimmte, gleichgültige Quantum dadurch, daß es aus seinem
+Andersseyn, dem Gegensatze, in sich zurückgekehrt, somit auch ein
+Unendliches ist. Diese beiden Bestimmungen stellen sich in der
+folgenden bekannten Form, in ihrem Unterschiede von einander entwickelt
+dar.
+
+Der Bruch 2/7 kann ausgedrückt werden als 0,285714…als 1 + a + a[hoch2]
++ a[hoch3] u.s.f. So ist er als eine unendliche Reihe; der Bruch selbst
+heißt die Summe oder der endliche Ausdruck derselben. Vergleichen wir
+die beiden Ausdrücke, so stellt der eine, die unendliche Reihe, ihn
+nicht mehr als Verhältniß, sondern nach der Seite dar, daß er ein
+Quantum ist als eine Menge von solchen, die zu einander hinzukommen,
+als eine Anzahl.—Daß die Größen, die ihn als Anzahl ausmachen sollen,
+wieder aus Decimalbrüchen, also selbst aus Verhältnissen bestehen,
+darauf kommt es hier nicht an; denn dieser Umstand betrifft die
+besondere Art der Einheit dieser Größen, nicht sie, insofern sie die
+Anzahl constituiren; wie auch eine aus mehreren Ziffern bestehende
+ganze Zahl des Decimalsystems wesentlich als eine Anzahl gilt, und
+nicht darauf gesehen wird, daß sie aus Produkten einer Zahl und der
+Zahl Zehen und deren Potenzen besteht. So wie es hier auch nicht darauf
+ankommt, daß es andere Brüche giebt als der z. B. genommene 2/7, die zu
+Dezimalbrüchen gemacht, nicht eine unendliche Reihe geben; jeder aber
+kann für ein Zahlensystem von anderer Einheit als eine solche
+ausgedrückt werden.
+
+Indem nun in der unendlichen Reihe, die den Bruch als Anzahl darstellen
+soll, die Seite, daß er Verhältniß ist, verschwindet, so verschwindet
+auch die Seite, nach welcher er, wie vorhin gezeigt, die Unendlichkeit
+an ihm hatte. Diese aber ist auf eine andere Weise hereingekommen; die
+Reihe ist nämlich selbst unendlich.
+
+Von welcher Art nun die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von
+selbst; es ist die schlechte Unendlichkeit des Progresses. Die Reihe
+enthält und stellt den Widerspruch dar, etwas, das ein Verhältniß ist
+und qualitative Natur in ihm hat, als ein Verhältnißloses, als ein
+bloßes Quantum, als Anzahl, darzustellen. Die Folge davon ist, daß an
+der Anzahl, die in der Reihe ausgedrückt ist, immer etwas fehlt, so daß
+über das, was gesetzt ist, immer hinausgegangen werden muß, um die
+geforderte Bestimmtheit zu erreichen. Das Gesetz des Fortgangs ist
+bekannt, es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche
+enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedrückt werden
+soll. Die Anzahl kann wohl durch Fortsetzung der Reihe so genau gemacht
+werden, als man nöthig hat; aber immer bleibt die Darstellung durch sie
+nur ein Sollen; sie ist mit einem Jenseits behaftet, das nicht
+aufgehoben werden kann, weil ein auf qualitativer Bestimmtheit
+beruhendes als Anzahl auszudrücken der bleibende Widerspruch ist.
+
+In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauigkeit wirklich vorhanden,
+von der am wahrhaften mathematischen Unendlichen nur der Schein
+vorkommt. Diese beiden Arten des mathematischen Unendlichen sind so
+wenig zu verwechseln, als die beiden Arten des philosophischen
+Unendlichen. Bei der Darstellung des wahrhaften mathematischen
+Unendlichen ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch
+neuerlich wieder hervorgerufen worden. Aber sie ist für dasselbe nicht
+nothwendig; im Gegentheil ist das Unendliche der unendlichen Reihe
+wesentlich von jenem unterschieden, wie die Folge zeigen soll. Diese
+vielmehr steht sogar dem Ausdrucke des Bruches nach.
+
+Die unendliche Reihe enthält nämlich die schlechte Unendlichkeit, weil
+das, was die Reihe ausdrücken soll, ein Sollen bleibt; und was sie
+ausdrückt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet und
+verschieden von dem ist, was ausgedrückt werden soll. Sie ist unendlich
+nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern darum, weil sie
+unvollständig sind, weil das Andere, das zu ihnen wesentlich gehört,
+jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der gesetzten Glieder mögen so
+viele seyn als wollen, ist nur ein Endliches, im eigentlichen Sinne,
+gesetzt als Endliches, d. i. als solches, das nicht ist, was es seyn
+soll. Dagegen ist aber das, was der endliche Ausdruck, oder die Summe
+solcher Reihe genannt wird, ohne Mangel; er enthält den Werth, den die
+Reihe nur sucht, vollständig; das Jenseits ist aus der Flucht
+zurückgerufen; was er ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt,
+sondern ist dasselbe.
+
+Das beide Unterscheidende liegt näher sogleich darin, daß in der
+unendlichen Reihe das Negative außerhalb ihrer Glieder ist, welche
+Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten. In dem
+endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhältniß ist, ist das Negative
+immanent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhältnisses
+durcheinander, welches ein in sich Zurückgekehrtseyn, sich auf sich
+beziehende Einheit, als Negation der Negation (beide Seiten des
+Verhältnisses sind nur als Momente), ist, hiermit die Bestimmung der
+Unendlichkeit in sich hat.—Zu der That ist also die gewöhnlich
+sogenannte Summe, das 2/7 oder 1/1-a', ein Verhältniß; und dieser
+sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck. Die
+unendliche Reihe dagegen ist in Wahrheit Summe; ihr Zweck ist, das was
+an sich Verhältniß ist, in der Form einer Summe darzustellen, und die
+vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines
+Verhältnisses, sondern eines Aggregats. Sie ist ferner vielmehr der
+endliche Ausdruck; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und bleibt
+wesentlich ein Mangelhaftes. Sie ist nach dem, was in ihr da ist, ein
+bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie seyn soll;
+alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes Quantum; dieser
+fehlende Theil ist in der That das, was das Unendliche an der Reihe
+heißt, nach der nur formellen Seite, daß er ein Fehlendes, ein
+Nichtseyn ist; nach seinem Inhalte ist er ein endliches Quantum. Das
+was in der Reihe da ist, zusammen mit dem was ihr fehlt, macht erst das
+aus, was der Bruch ist, das bestimmte Quantum, das sie gleichfalls seyn
+soll, aber zu seyn nicht vermag. —Das Wort: Unendlich, pflegt, auch in
+der unendlichen Reihe, in der Meinung etwas Hohes und Hehres zu seyn;
+es ist dieß eine Art von Aberglauben, der Aberglaube des Verstands; man
+hat gesehen, wie es sich vielmehr auf die Bestimmung der
+Mangelhaftigkeit reducirt.
+
+Daß es, kann noch bemerkt werden, unendliche Reihen giebt, die nicht
+summirbar sind, ist in Bezug auf die Form von Reihe überhaupt ein
+äußerlicher und zufälliger Umstand. Sie enthalten eine höhere Art der
+Unendlichkeit, als die summirbaren; nämlich eine Incommensurabilität,
+oder die Unmöglichkeit, das darin enthaltene quantitative Verhältniß
+als ein Quantum, sey es auch als Bruch, darzustellen; die Form der
+Reihe aber als solche, die sie haben, enthält dieselbe Bestimmung der
+schlechten Unendlichkeit, welche in der summirbaren Reihe ist.
+
+Die so eben am Bruche und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung in
+Ansehung des Ausdrucks findet auch Statt, insofern das mathematische
+Unendliche nämlich nicht das so eben genannte sondern das wahrhafte,
+das relative Unendliche,—das gewöhnliche metaphysische dagegen,
+worunter das abstrakte, schlechte Unendliche verstanden wird, das
+absolute genannt worden ist. In der That ist vielmehr dieses
+metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdrückt,
+nur so im Gegensatze einer Grenze ist, daß diese außer ihm bestehen
+bleibt, und von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische Unendliche
+hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich aufgehoben, weil das
+Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist.
+
+In dem Sinne, in welchem aufgezeigt worden, daß die sogenannte Summe
+oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der
+unendliche anzusehen ist, ist es vornehmlich, daß Spinoza den Begriff
+der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt und durch
+Beispiele erläutert. Sein Begriff gewinnt am neisten Licht, indem ich
+das, was er hierüber sagt, an diese Entwickelung anschließe.
+
+Er definirt zunächst das Unendliche als die absolute Affirmation der
+Existenz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als
+Bestimmtheit, als Verneinung. Die absolute Affirmation einer Existenz
+ist nämlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen, nicht dadurch
+zu seyn, daß ein Anderes ist; das Endliche hingegen ist die Verneinung,
+ein Aufhören als Beziehung auf ein Anderes, das außer ihm anfängt. Die
+absolute Affirmation einer Existenz erschöpft nun zwar den Begriff der
+Unendlichkeit nicht; dieser enthält, daß die Unendlichkeit Affirmation
+ist, nicht als unmittelbare, sondern nur als wiederhergestellte durch
+die Reflexion des Anderen in sich selbst, oder als Negation des
+Negativen. Aber bei Spinoza hat die Substanz und deren absolute Einheit
+die Form von unbewegter d. i. nicht sich mit sich selbst vermittelnder
+Einheit, von einer Starrheit, worin der Begriff der negativen Einheit
+des Selbst, die Subjektivität, sich noch nicht findet.
+
+Das mathematische Beispiel, womit er das wahre Unendliche (Epist.
+XXIX.) erläutert, ist ein Raum zwischen zwei ungleichen Kreisen, deren
+einer innerhalb des andern, ohne ihn zu berühren, fällt, und die nicht
+koncentrisch sind. Er machte, wie es scheint, sich viel aus dieser
+Figur und dem Begriffe als deren Beispiel er sie gebrauchte, daß er sie
+zum Motto seiner Ethik machte.—"Die Mathematiker, sagt er, schließen,
+daß die Ungleichheiten, die in einem solchen Raume möglich sind,
+unendlich sind, nicht aus der unendlichen Menge der Theile, denn seine
+Größe ist bestimmt und begrenzt, und ich kann größere und kleinere
+solche Räume setzen, sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit
+übertrift."—Man sieht, Spinoza verwirftjene Vorstellung vom
+Unendlichen, nach welcher es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird,
+die nicht vollendet ist, und erinnert, daß hier an dem Raume des
+Beispiels das Unendliche nichtjenseits, sondern gegenwärtig und
+vollständig ist; dieser Raum ist ein Begrenztes, aber darum ein
+Unendliches, "weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit übersteigt,"
+weil die darin enthaltene Größenbestimmung zugleich nicht als ein
+Quantum darstellbar ist, oder nach obigem kantischen Ausdruck das
+Synthesiren nicht zu einem—diskreten—Quantum vollendet werden kann.—Wie
+überhaupt der Gegensatz von kontinuirlichem und diskretem Quantum auf
+das Unendliche führt, soll in einer spätern Anmerkung auseinander
+gesetzt werden.—Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spinoza das
+Unendliche der Imagination; das Unendliche hingegen als Beziehung auf
+sich selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu. Es ist
+nämlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet und
+gegenwärtig ist. So ist die Reihe, 0,285714… oder 1 + a + a[hoch 2] +
+a[hoch 3]… das Unendliche bloß der Einbildung oder des Meinens; denn es
+hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin etwas; hingegen 2/7
+oder 1/1-a ist das wirklich, nicht nur was die Reihe in ihren
+vorhandenen Gliedern ist, sondern noch das dazu, was ihr mangelt, was
+sie nur seyn soll. Das 2/7 oder 1/1-a ist gleichfalls eine endliche
+Größe, wie der zwischen den zwei Kreisen eingeschlossene Raum Spinoza's
+und dessen Ungleichheiten; und kann wie dieser Raum größer oder kleiner
+gemacht werden. Aber es kommt damit nicht die Ungereimtheit eines
+größern oder kleinern Unendlichen heraus; denn dieß Quantum des Ganzen,
+geht das Verhältniß seiner Momente, die Natur der Sache d. h. die
+qualitative Größenbestimmung, nichts an; das was in der unendlichen
+Reihe da ist, ist ebenso ein endliches Quantum, aber außerdem noch ein
+Mangelhaftes.—Die Einbildung dagegen bleibt beim Quantum als solchem
+stehen, und reflektirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den
+Grund der vorhandenen Inkommensurabilität ausmacht.
+
+Die Inkommensurabilität, welche in dem Beispiel Spinoza's liegt,
+schließt überhaupt die Funktionen krummer Linien in sich, und führt
+näher auf das Unendliche, das die Mathematik bei solchen Funktionen,
+überhaupt bei den Funktionen veränderlicher Größen eingeführt hat, und
+welches das wahrhafte mathematische, quantitative Unendliche ist, das
+auch Spinoza sich dachte. Diese Bestimmung soll nun hier näher erörtert
+werden.
+
+Was vors erste die für so wichtig geltende Kategorie der
+Veränderlichkeit betrifft, unter welche die in jenen Funktionen
+bezogenen Größen gefaßt werden, so sollen sie zunächst veränderlich
+nicht in dem Sinne seyn, wie im Bruche 2/7 die beiden Zahlen 2 und 7,
+indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche andere
+Zahlen an ihre Stelle gesetzt werden können, ohne den im Bruche
+gesetzten Werth zu ändern. So kann noch mehr in a/b an die Stelle von a
+und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu ändern was a/b
+ausdrücken soll. In dem Sinne nur, daß auch an die Stelle von x und y
+einer Funktion eine unendliche d. h. unerschöpfliche Menge von Zahlen
+gesetzt werden könne, sind a und b so sehr veränderliche Größe als
+jene, x und y. Der Ausdruck: veränderliche Größen, ist darum sehr vage,
+und unglücklich gewählt für Größebestimmungen, die ihr Interesse und
+Behandlungsart in etwas in etwas ganz Anderem liegen haben, als in
+ihrer bloßen Veränderlichkeit.
+
+Um es deutlich zu machen, worin die wahrhafte Bestimmung der Momente
+einer Funktion liegt, mit denen sich das Interesse der höhern Analysis
+beschäftigt, müssen wir die bemerklich gemachten Stufen noch einmal
+durchlaufen. In 2/7 oder a/b sind 2 und 7 jedes für sich, bestimmte
+Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und b soll
+gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch außer dem Verhältnisse
+bleiben, was sie sind. Ferner ist auch 2/7 und a/b ein fixes Quantum,
+ein Quotient; das Verhältniß macht eine Anzahl aus, deren Einheit der
+Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der Zähler—oder umgekehrt
+ausdrückt; wenn auch 4 und 14 u.s.f. an die Stelle von 2 und 7 treten,
+bleibt das Verhältniß auch als Quantum dasselbe. Dieß verändert sich
+nun aber wesentlich in der Funktion y[hoch 2]/x = p z.B.; hier haben x
+und y zwar den Sinn, bestimmte Quanta seyn zu können; aber nicht x und
+y, sondern nur x und y[hoch 2] haben einen bestimmten Quotienten.
+
+Dadurch sind diese Seiten des Verhältnisses, x und y, erstens nicht nur
+keine bestimmten Quanta, sondern zweitens ihr Verhältniß ist nicht ein
+fixes Quantum, (noch ist dabei ein solches wie bei a und b gemeint),
+nicht ein fester Quotient, sondern er ist als Quantum schlechthin
+veränderlich. Dieß aber ist allein darin enthalten, daß x nicht zu y
+ein Verhältniß hat, sondern zum Quadrate von y. Das Verhältniß einer
+Größe zur Potenz ist nicht ein Quantum, sondern wesentlich qualitatives
+Verhältniß; das Potenzenverhältniß ist der Umstand, der als
+Grundbestimmung anzusehen ist.—In der Function der geraden Linie y = a
+x aber, ist x/y = a ein gewöhnlicher Bruch und Quotient; diese Funktion
+ist daher nur formell eine Funktion von veränderlichen Größen, oder x
+und y sind hier was a und b in a/b, sie sind nicht in derjenigen
+Bestimmung, in welcher die Differential- und Integralrechnung sie
+betrachtet.—Wegen der besondern Natur der veränderlichen Größen in
+dieser Betrachtungsweise, wäre es zweckmäßig gewesen, für sie sowohl
+einen besonderen Namen, als andere Bezeichnungen einzuführen, als die
+gewöhnlichen der unbekannten Größen in jeder endlichen, bestimmten oder
+unbestimmten Gleichung; um ihrer wesentlichen Verschiedenheit willen
+von solchen bloß unbekannten Größen, die an sich vollkommen bestimmte
+Quanta, oder ein bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind.—Es ist
+auch nur der Mangel des Bewußtseyns, über die Eigenthümlichkeit dessen,
+was das Interesse der höheren Analysis ausmacht und das Bedürfniß und
+die Erfindung des Differential-Kalkuls herbeigeführt hat, daß
+Funktionen des ersten Grades wie die Gleichung der geraden Linie in die
+Behandlung dieses Kalkuls für sich mit hereingenommen werden; seinen
+Antheil an solchem Formalismus hat ferner der Mißverstand, der die an
+sich richtige Forderung der Verallgemeinerung einer Methode dadurch zu
+erfüllen meint, daß die specifische Bestimmtheit, auf
+
+die sich das Bedürfniß gründet, weggelassen wird, daß es dafür gilt,
+als ob es sich in diesem Felde nur um veränderliche Größen überhaupt
+handle. Es wäre wohl viel Formalismus in den Betrachtungen dieser
+Gegenstände wie in der Behandlung erspart worden, wenn man eingesehen
+hätte, daß derselbe nicht veränderliche Größen als solche, sondern
+Potenzenbestimmungen betreffe.
+
+Aber es ist noch eine weitere Stufe, auf der das mathematische
+Unendliche in seiner Eigenthümlichkeit hervortritt. In einer Gleichung,
+worin x und y zunächst als durch ein Potenzenverhältniß bestimmt,
+gesetzt sind, sollen x und y als solche noch Quanta bedeuten; diese
+Bedeutung nun geht vollends in den sogenannten unendlich kleinen
+Differenzen gänzlich verloren. d x, d y sind keine Quanta mehr, noch
+sollen sie solche bedeuten, sondern haben allein in ihrer Beziehung
+eine Bedeutung, einen Sinn blos als Momente. Sie sind nicht mehr Etwas,
+das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche Differenzen; aber auch
+nicht Nichts, nicht die bestimmungslose Null. Außer ihrem Verhältnisse
+sind sie reine Nullen, aber sie sollen nur als Momente des
+Verhältnisses, als Bestimmungen des Differential-Koefficienten d x/ d y
+genommen werden.
+
+In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quantum wahrhaft zu einem
+qualitativen Daseyn vollendet; es ist als wirklich unendlich gesetzt;
+es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern als
+Quantum überhaupt. Es bleibt aber die Quantitätsbestimmtheit als
+Element von Quantis, Princip, oder sie wie man auch gesagt hat, in
+ihrem ersten Begriffe.
+
+Gegen diesen Begriff ist aller Angriff gerichtet, der auf die
+Grundbestimmung der Mathematik dieses Unendlichen, der Differentialund
+Integralrechnung, gemacht worden ist. Unrichtige Vorstellungen der
+Mathematiker selbst veranlaßten es, wenn er nicht anerkannt worden ist;
+vornehmlich aber ist die Unvermögenheit, den Gegenstand als Begriff zu
+rechtfertigen, Schuld an diesen Anfechtungen. Den Begriff kann aber die
+Mathematik, wie oben erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als
+Mathematik des Unendlichen schränkt sie sich nicht auf die endliche
+Bestimmtheit ihrer Gegenstände ein,—wie in der reinen Mathematik der
+Raum und die Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit
+betrachtet und auf einander bezogen werden—; sondern sie versetzt eine
+von daher aufgenommene und von ihr behandelte Bestimmung in Identität
+mit ihrer entgegengesetzten, wie sie z.B. eine krumme Linie zu einer
+geraden, den Kreis zu einem Polygon u.s.f. macht. Die Operationen, die
+sie sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der
+Natur bloß endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gänzlich
+widersprechend und hätten darum ihre Rechtfertigung allein in dem
+Begriff.
+
+Wenn die Mathematik des Unendlichen daran festhielt, daß jene
+Quantitäts-Bestimmungen verschwindende Größen d. h. solche, die nicht
+mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine
+Bestimmtheit gegen Anderes sind, so schien nichts klarer, als daß es
+keinen solchen Mittelzustand, wie man es nannte, zwischen Seyn und
+Nichts gebe.—Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten Mittelzustande
+auf sich habe, ist oben bereits bei der Kategorie des Werdens, Anmerk.
+4. gezeigt. Allerdings ist die Einheit des Seyns und Nichts kein
+Zustand; ein Zustand wäre eine Bestimmung des Seyns und Nichts, worein
+diese Momente nur etwa zufälligerweise gleichsam als in eine Krankheit
+oder äußerliche Affektion durch ein irrthümliches Denken gerathen
+sollten; sondern diese Mitte und Einheit, das Verschwinden oder eben so
+das Werden, ist vielmehr allein ihre Wahrheit.
+
+Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar als
+ein Größeres oder Kleineres; es könne daher nicht ein Verhältniß von
+Unendlichen zu Unendlichen, noch Ordnungen oder Dignitäten des
+Unendlichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen Differenzen
+in der Wissenschaft derselben vorkommen.—Es liegt bei diesem schon
+erwähnten Einwurfe immer die Vorstellung zu Grunde, daß hier von
+Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen werden; daß
+Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhältniß mehr zu
+einander haben. Vielmehr ist aber das, was nur im Verhältniß ist, kein
+Quantum; das Quantum ist eine solche Bestimmung, die außer ihrem
+Verhältniß ein vollkommen gleichgültiges Daseyn haben, der ihr
+Unterschied von einem anderen gleichgültig seyn soll, da hingegen das
+qualitative nur das ist, was es in seinem Unterschiede von dnem Anderen
+ist. Jene unendlichen Größen sind daher nicht nur vergleichbar, sondern
+sind nur als Momente der Vergleichung, des Verhältnisses.
+
+Ich führe die wichtigsten Bestimmungen an, welche in der Mathematik
+über dieß Unendliche gegeben worden sind; es wird daraus erhellen, daß
+denselben der Gedanke der Sache, übereinstimmend mit dem hier
+entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, daß ihre Urheber ihn aber als
+Begriff nicht ergründeten und bei der Anwendung wieder Auskunftsmittel
+nöthig hatten, welche ihrer besseren Sache widersprechen.
+
+Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn
+gegeben hat. Ich trenne dabei die Bestimmungen ab, die der Vorstellung
+der Bewegung und der Geschwindigkeit angehören, (von welcher er
+vornehmlich den Namen Fluxionen nahm), weil der Gedanke hierin nicht in
+der gehörigen Abstraktion, sondern konkret, vermischt mit
+außerwesentlichen Formen erscheint. Diese Fluxionen erklärt Newton
+(Princ. mathem. phil. nat. L. 1. Lemma XI. Schol.) dahin, daß er nicht
+untheilbare—eine Form, deren sich frühere Mathematiker, Cavalleri und
+andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich bestimmten
+Quantums enthält,—verstehe, sondern verschwindende Theilbare. Ferner
+nicht Summen und Verhältnisse bestimmter Theile, sondern die Grenzen
+(limites) der Summen, und Verhältnisse. Es werde die Einwendung
+gemacht, daß verschwindende Größen kein letztes Verhältniß haben, weil
+es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte, und wenn sie verschwunden,
+keines mehr ist. Aber unter dem Verhältnisse verschwindender Größen sey
+das Verhältniß zu verstehen, nicht eh sie verschwinden, und nicht
+nachher, sondern mit dem sie verschwinden ( quacum evanescunt ). Eben
+so ist das erste Verhältniß werdender Größen, das mit dem sie werden.
+
+Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur
+erklärt, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; daß aber dieß oder
+jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjektive
+Zumuthung oder auch eine historische Forderung, wobei nicht gezeigt
+wird, daß ein solcher Begriff an und für sich nothwendig ist und innere
+Wahrheit hat. Allein das Angeführte zeigt, daß der von Newton
+aufgestellte Begriff dem entspricht, wie die unendliche Größe sich in
+der obigen Darstellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab. Es
+sind Größen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht mehr
+Quanta sind; ferner nicht Verhältnisse bestimmter Theile, sondern die
+Grenzen des Verhältnisses. Es sollen also sowohl die Quanta für sich,
+die Seiten des Verhältnisses, als damit auch das Verhältniß, insofern
+es ein Quantum wäre, verschwinden; die Grenze des Größen-Verhältnisses
+ist, worin es ist und nicht ist; dieß heißt genauer, worin das Quantum
+verschwunden, und damit das Verhältniß nur als qualitatives
+Quantitäts-Verhältniß, und die Seiten desselben ebenso als qualitative
+Quantitäts-Momente erhalten sind.—Newton fügt hinzu, daß daraus, daß es
+letzte Verhältnisse der verschwindenden Größen gebe, nicht zu schließen
+sey, daß es letzte Größen, Untheilbare, gebe. Dieß wäre nämlich wieder
+ein Absprung von dem abstrakten Verhältnisse auf solche Seiten
+desselben, welche für sich außer ihrer Beziehung einen Werth haben
+sollten, als Untheilbare, als etwas, das ein Eins, ein Verhältnißloses
+seyn würde.
+
+Gegen jenen Mißverstand erinnert er noch, daß die letzten Verhältnisse
+nicht Verhältnisse letzter Größen seyen, sondern Grenzen, denen die
+Verhältnisse der ohne Grenze abnehmenden Größen näher sind als jeder
+gegebene d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber nicht
+überschreiten, so daß sie Nichts würden.—Unter letzten Größen hätten
+nämlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden können. In
+der Bestimmung des letzten Verhältnisses aber ist sowohl die
+Vorstellung des gleichgültigen Eins, des verhältnißlosen, als auch des
+endlichen Quantums entfernt. Es bedürfte aber weder des Abnehmens ohne
+Grenze, in das Newton das Quantum versetzt und das nur den Progreß ins
+Unendliche ausdrückt, noch der Bestimmung der Theilbarkeit, welche hier
+keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn die geforderte Bestimmung
+sich zum Begriffe einer Größebestimmung, die rein nur Moment des
+Verhältnisses ist, fortgebildet hätte.
+
+In Rücksicht der Erhaltung des Verhältnisses im Verschwinden der
+Quantorum findet sich (anderwärts, wie bei Carnot, Réflexions sur la
+Métaphysique du Calcul Infinitésimal.) der Ausdruck, daß vermöge des
+Gesetzes der Stätigkeit die verschwindenden Größen noch das Verhältniß,
+aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten. —Diese
+Vorstellung drückt die wahre Natur der Sache aus, insofern nicht die
+Stätigkeit des Quantums verstanden wird, die es im unendlichen Progreß
+hat, sich in sein Verschwinden so zu kontinuiren, daß im Jenseits
+seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues Glied der Reihe
+entsteht; ein stätiger Fortgang wird aber immer so vorgestellt, daß die
+Werthe durchloffen werden, welche noch endliche Quanta sind.
+
+In demjenigen Übergange dagegen, welcher in das wahrhafte Unendliche
+gemacht wird, ist das Verhältniß das stätige; es ist so sehr stätig und
+sich erhaltend, daß er vielmehr allein darin besteht, das Verhältniß
+rein herauszuheben, und die verhältnißlose Bestimmung, d. i. daß ein
+Quantum, welches Seite des Verhältnisses ist, auch außer dieser
+Beziehung gesetzt, noch Quantum ist, verschwinden zu machen. —Diese
+Reinigung des quantitativen Verhältnisses ist insofern nichts anders,
+als wenn ein empirisches Daseyn begriffen wird. Dieß wird hierdurch so
+über sich selbst erhoben, daß sein Begriff dieselben Bestimmungen
+enthält, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und in die Einheit
+des Begriffes gefaßt, worin sie ihr gleichgültiges, begriffloses
+Bestehen verloren haben.
+
+Gleich interessant ist die andere Form der newtonischen Darstellung der
+in Rede stehenden Größen, nämlich als erzeugender Größen oder
+Principien. Eine erzeugte Größe (genita) ist ein Produkt oder Quotient,
+Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken,
+Quadraten;—überhaupt eine endliche Größe.—"Sie als veränderlich
+betrachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fließen zu- oder
+abnehmend ist, so verstehe er ihre momentanen Inkremente oder
+Dekremente unter dem Namen von Momenten. Diese sollen aber nicht für
+Theilchen von bestimmter Größe genommen werden ( particulae finitae ).
+Solche seyen nicht selbst Momente, sondern aus Momenten erzeugte
+Größen; es seyen vielmehr die werdenden Principien oder Anfänge
+endlicher Größen zu verstehen."—Das Quantum wird hier von sich selbst
+unterschieden, wie es als ein Produkt oder Daseyendes, und wie es in
+seinem Werden, in seinem Anfange und Princip, das heißt, wie es in
+seinem Begriffe, oder was hier dasselbe ist, in seiner qualitativen
+Bestimmnng ist; in der letztern sind die quantitativen Unterschiede,
+die unendlichen Inkremente oder Dekremente, nur Momente; erst das
+Gewordene ist das in die Gleichgültigkeit des Daseyns und in die
+Äußerlichkeit übergegangene, das Quantum.—Wenn aber diese in Ansehung
+der Inkremente oder Dekremente angeführten Bestimmungen des
+Unendlichen, von der Philosophie des wahrhaften Begriffs anerkannt
+werden müssen, so ist auch sogleich zu bemerken, daß die Formen selbst
+von Inkrementen u.s.f. innerhalb der Kategorie des unmittelbaren
+Quantums und des erwähnten stätigen Fortgangs fallen, und vielmehr sind
+die Vorstellungen von Inkrement, Zuwachs, Zunahme des x um d x oder i
+u.s.f. als das in den Methoden vorhandene Grundübel anzusehen;—als das
+bleibende Hinderniß, aus der Vorstellung des gewöhnlichen Quantums die
+Bestimmung des qualitativen Quantitätsmoments rein herauszuheben.
+
+Gegen die angegebenen Bestimmungen steht die Vorstellung von
+unendlich-kleinen Größen, die auch im Inkrement oder Dekrement selbst
+steckt, weit zurück. Nach derselben sollen sie von der Beschaffenheit
+seyn, daß nicht nur sie gegen endliche Größen, sondern auch deren
+höhere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die Produkte aus
+mehrern gegen eine einzelne zu vernachlässigen seyen. —bei Leibnitz
+hebt sich die Forderung dieser Vernachlässigung, welche die
+vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese Größe bezogen,
+gleichfalls eintreten lassen, auffallender hervor. Sie ist es
+vornehmlich, die diesem Kalkul beim Gewinne der Bequemlichkeit den
+Schein von Ungenauigkeit und ausdrücklicher Unrichtigkeit in dem Wege
+seiner Operation giebt.—Wolf hat sie in seiner Weise, die Sachen
+populär zu machen, d. h. den Begriff zu verunreinigen und unrichtige
+sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle zu setzen, verständlich zu
+machen gesucht. Er vergleicht nämlich die Vernachlässigung der
+unendlichen Differenzen höherer Ordnungen gegen niedrigere, mit dem
+Verfahren eines Geometers, der bei der Messung der Höhe eines Berges um
+nicht weniger genau gewesen sey, wenn der Wind indeß ein Sandkörnchen
+von der Spitze weggeweht habe, oder mit der Vernachlässigung der Höhen
+der Häuser, Thürme bei der Berechnung der Mondfinsternisse (Element.
+Mathes. univ. Tom. I. El. Analys. math. P. II. C. I. s. Schol.).
+
+Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstandes eine solche
+Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese Vorstellung
+verworfen. Es dringt sich von selbst auf, daß in der Wissenschaft der
+Mathematik von einer solchen empirischen Genauigkeit ganz und gar nicht
+die Rede ist, daß das mathematische Messen durch Operationen des
+Kalkuls oder durch Konstruktionen und Beweise der Geometrie, gänzlich
+vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien, Figuren u.s.f.
+unterschieden ist. Ohnehin zeigen, wie oben angeführt, die Analytiker
+durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf streng geometrischem
+Wege und wie es nach der Methode der unendlichen Differenzen erhalten
+wird, daß das eine dasselbe ist als das andere, und daß ein Mehr oder
+Weniger von Genauigkeit ganz und gar nicht Statt findet. Und es
+versteht sich von selbst, daß ein absolut genaues Resultat nicht aus
+einem Verfahren herkommen könne, das ungenau wäre. Jedoch kann wieder
+auf der anderen Seite das Verfahren selbst, jener Vernachlässigung aus
+dem Grunde der Unbedeutenheit, des Protestirens gegen die angeführte
+Rechtfertigungsweise unerachtet, nicht entbehren. Und dieß ist die
+Schwierigkeit, um welche die Bemühungen der Analytiker gehen, das
+hierin liegende Widersinnige begreiflich zu machen, und es zu
+entfernen.
+
+Es ist in dieser Rücksicht vornehmlich Eulers Vorstellung anzuführen.
+Indem er die allgemeine Newtonische Definition zu Grunde legt, dringt
+er darauf, daß die Differentialrechnung die Verhältnisse der Inkremente
+einer Größe betrachte, daß aber die unendliche Differenz als solche
+ganz als Null zu betrachten sey, (Institut. Calc. different. P. I. C.
+III.).—Wie dieß zu verstehen ist, liegt im Vorhergehenden; die
+unendliche Differenz ist Null nur des Quantums, nicht eine qualitative
+Null, sondern als Null des Quantums vielmehr reines Moment nur des
+Verhältnisses. Sie ist nicht ein Unterschied um eine Größe; aber darum
+ist es einer Seits überhaupt schief, jene Momente, welche
+unendlich-kleine Größen heißen, auch als Inkremente oder Dekremente,
+und als Differenzen auszusprechen. Dieser Bestimmung liegt zu Grunde,
+daß zu der zuerst vorhandenen endlichen Größe etwas hinzukomme oder
+davon abgezogen werde, eine Subtraktion oder Addition, eine
+arithmetische, äußerliche Operation vorgehe. Der Übergang von der
+Funktion der veränderlichen Größe in ihr Differential ist aber
+anzusehen, daß er von ganz anderer Natur ist, nämlich wie erörtert
+worden, daß er als Zurückführung der endlichen Funktion auf das
+qualitative Verhältniß ihrer Quantitätsbestimmungen zu betrachten
+ist.—Anderer Seits fällt die schiefe Seite für sich auf, wenn gesagt
+wird, daß die Inkremente für sich Nullen seyen, daß nur ihre
+Verhältnisse betrachtet werden; denn eine Null hat überhaupt keine
+Bestimmtheit mehr. Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum Negativen
+des Quantums und spricht es bestimmt aus, aber faßt dieß Negative nicht
+zugleich in seiner positiven Bedeutung, von qualitativen
+Quantitätsbestimmungen, die, wenn sie aus dem Verhältnisse gerissen und
+als Quanta genommen werden wollten, nur Nullen wären.—Lagrange (
+Théorie des fonct. analyt. Introd. ) urtheilt über die Vorstellung der
+Grenzen oder letzten Verhältnisse, daß wenn man gleich sehr gut das
+Verhältniß zweier Größen sich vorstellen könne, so lange sie endlich
+bleiben, so gebe dieß Verhältniß dem Verstande keinen deutlichen und
+bestimmten Begriff, sobald seine Glieder zugleich Null werden.—In der
+That muß der Verstand über diese bloß negative Seite, daß die
+Verhältnißglieder Nullen als Quanta sind, hinausgehen, und sie positiv,
+als qualitative Momente auffassen.—Was aber Euler (am angeführten Ort
+§. 84 ff.) weiter in Betreff der gegebenen Bestimmung hinzufügt, um zu
+zeigen, daß zwei sogenannte unendlich kleine Größen, welche nichts
+anders als Nullen seyn sollen, doch ein Verhältniß zu einander haben
+und deßwegen auch nicht das Zeichen der Null, sondern andere Zeichen
+für sie im Gebrauch seyen, kann nicht für genügend angesehen werden. Er
+will dieß durch den Unterschied des arithmetischen und geometrischen
+Verhältnisses begründen; bei jenem sehen wir auf die Differenz, bei
+diesem auf den Quotienten, obgleich das erstere zwischen zwei Nullen
+gleich sey, so sey es deßwegen doch das geometrische nicht; wenn 2:1 =
+0:0, so müsse wegen der Natur der Proportion, da das erste Glied
+doppelt so groß sey als das zweite, auch das dritte Glied doppelt so
+groß als das vierte seyn; O:O soll also nach der Proportion als das
+Verhältniß von 2:1 genommen werden.—Auch nach der gemeinen Arithmetik
+seyn n.O = O; es sey also n:1 = O:O.—Allein eben dadurch, daß 2:1 oder
+n:1 ein Verhältniß von Quantis ist, entspricht ihm nicht ein Verhältniß
+noch eine Bezeichnung von O:O.
+
+Ich enthalte mich, die Anführungen zu vermehren, indem die betrachteten
+zur Genüge gezeigt haben, daß in ihnen wohl der wahrhafte Begriff des
+Unendlichen liegt, daß er aber nicht in seiner Bestimmtheit
+herausgehoben und gefaßt worden ist. Indem daher zur Operation selbst
+fortgegangen wird, so kann es nicht geschehen, daß in ihr die wahrhafte
+Begriffsbestimmung sich geltend mache; die endliche
+Quantitätsbestimmtheit kehrt vielmehr zurück und die Operation kann der
+Vorstellung eines bloß relativ-kleinen nicht entbehren. Der Kalkul
+macht es nothwendig, die sogenannten unendlichen Größen den
+gewöhnlichen arithmetischen Operationen des Addirens u.s.f., welche
+sich auf die Natur endlicher Größen gründen, zu unterwerfen, und sie
+somit als endliche Größen für einen Augenblick gelten zu lassen und als
+solche zu behandeln. Der Kalkul hätte sich darüber zu rechtfertigen,
+daß er sie das eine Mal in diese Sphäre herabzieht und sie als
+Inkremente oder Differenzen behandelt, und daß er auf der anderen Seite
+sie als Quanta vernachlässigt, nachdem er so eben Formen und Gesetze
+der endlichen Größen auf sie angewendet hatte.
+
+Über die Versuche der Geometer, diese Schwierigkeiten zu beseitigen,
+führe ich noch das Hauptsächlichste an.
+
+Die ältern Analytiker machten sich hierüber weniger Skrupel; aber die
+Bemühungen der Neueren gingen vornehmlich dahin, den Kalkul des
+Unendlichen zur Evidenz der eigentlich geometrischen Methode
+zurückzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten (-
+Ausdrücke von Lagrange—) in der Mathematik zu erreichen. Allein da das
+Princip der Analysis des Unendlichen höherer Natur, als das Princip der
+Mathematik endlicher Größen ist, so mußte jene von selbst sogleich auf
+jene Art von Evidenz Verzicht thun, wie die Philosophie auch auf
+diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die
+Wissenschaften des Sinnlichen, z.B. Naturgeschichte hat, und wie Essen
+und Trinken für ein verständlicheres Geschäfte gilt, als Denken und
+Begreifen. Es wird sich demnach nur um die Bemühung handeln, die
+Strenge der Beweise der Alten zu erreichen.
+
+Mehrere haben versucht, den Begriff des Unendlichen ganz zu entbehren,
+und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden
+schien.—Lagrange spricht z.B. von der Methode, die Landen erfunden hat,
+und sagt von ihr, daß sie rein analytisch sey und die unendlich kleinen
+Differenzen nicht gebrauche, sondern zuerst verschiedene Werthe der
+veränderlichen Größen einführe, und sie in der Folge gleichsetze. Er
+urtheilt übrigens, daß darin die der Differentialrechnung eignen
+Vorzüge, Einfachheit der Methode und Leichtigkeit der Operationen
+verloren gehe.—Es ist dieß wohl ein Verfahren, das mit demjenigen etwas
+Entsprechendes hat, von welchem Descartes Tangentenmethode ausgeht, die
+weiterhin noch näher zu erwähnen ist. Soviel, kann hier bemerkt werden,
+erhellt sogleich im Allgemeinen, daß das Verfahren überhaupt,
+verschiedene Werthe der veränderlichen Größen anzunehmen, und sie
+nachher gleichzusetzen, einem anderen Kreise mathematischer Behandlung
+angehört, als die Methode des Differential-Kalkuls selbst und die
+späterhin näher zu erörternde Eigenthümiichkeit des einfachen
+Verhältnisses, auf welches sich die wirkliche konkrete Bestimmung
+desselben zurückführt, nämlich der abgeleiteten Funktion zu der
+ursprünglichen, nicht herausgehoben wird.
+
+Die Ältern unter den Neuern, wie z.B. Fermat, Barrow und andere, die
+sich zuerst des Unendlich-Kleinen in derjenigen Anwendung bedienten,
+welche später zur Differential- und Integralrechnung ausgebildet wurde,
+und dann auch Leibnitz und die Folgenden, auch Euler, haben immer
+unverhohlen, die Produkte von unendlichen Differenzen, so wie ihre
+höhern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen zu dürfen geglaubt, weil
+sie relativ gegen die niedrige Ordnung verschwinden. Hierauf beruht bei
+ihnen allein der Fundamentalsatz, nämlich die Bestimmung dessen, was
+das Differential eines Produkts oder einer Potenz sey, denn hierauf
+reducirt sich die ganze theoretische Lehre. Das Übrige ist Theils
+Mechanismus der Entwickelung, Theils aber Anwendung, in welche jedoch,
+was weiterhin zu betrachten ist, in der That auch das höhere oder
+vielmehr einzige Interesse fällt.—In Rücksicht auf das Gegenwärtige ist
+hier nur das Elementarische anzuführen, daß aus dem gleichen Grunde der
+Unbedeutenheit als der Hauptsatz, die Curven betreffend, angenommen
+wird, daß die Elemente der Curven, nämlich die Inkremente der Abscisse
+und der Ordinate, das Verhältniß der Subtangente und der Ordinate zu
+einander haben; für die Absicht, ähnliche Dreiecke zu erhalten, wird
+der Bogen, der die dritte Seite eines Dreiecks zu den beiden
+Inkrementen, des mit Recht vormals sogenannten charakteristischen
+Dreiecks, ausmacht, als eine gerade Linie, als Theil der Tangente, und
+damit das eine der Inkremente bis an die Tangente reichend angesehen.
+Diese Annahmen erheben jene Bestimmungen einer Seits über die Natur
+endlicher Größen; anderer Seits aber wird ein Verfahren auf die nun
+unendlich genannten Momente angewendet, das nur von endlichen Größen
+gilt, und bei dem nichts aus Rücksicht der Unbedeutenheit
+vernachiässigt werden darf. Die Schwierigkeit, von der die Methode
+gedrückt wird, bleibt bei solcher Verfahrungsweise in ihrer ganzen
+Stärke.
+
+Es ist hier eine merkwürdige Procedur Newtons anzuführen; (Princ. Math.
+phil. nat. Lib. II. Lemma II. Propos. VII.)—die Erfindung eines
+sinnreichen Kunststücks, uni das arithmetisch unrichtige Weglassen der
+produkte unendlicher Differenzen oder höherer Ordnungen derselben bei
+dem Finden der Differentialien, zu beseitigen. Er findet das
+Differential des Produkts,—woraus sich dann die Differentialien der
+Quotienten, Potenzen u.s.f. leicht herleiten, —auf folgende Art. Das
+Produkt, wenn x, y, jedes um die Hälfte seiner unendlichen Differenz
+kleiner genommen wird, geht über in x y—xdy/2—ydx/2 + dxdy/4; aber wenn
+man x und y um ebenso viel zunehmen läßt, in x y + xdy/2 + ydx/2 +
+dxdy/4. Von diesem zweiten Produkt nun das erste abgezogen, bleibt y d
+x + x d y als Überschuß, und dieß sey der Überschuß des Wachsthums um
+ein ganzes dx und dy, denn um dieses Wachsthum sind beide Produkte
+unterschieden; es ist also das Differential von xy.—Man sieht in diesem
+Verfahren fällt das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das
+Produkt der beiden unendlichen Differenzen, dxdy, durch sich selbst
+hinweg. Aber des newtonischen Namens unerachtet muß es gesagt werden
+dürfen, daß solche, obgleich sehr elementarische Operation, unrichtig
+ist; es ist unrichtig, daß (x + dx/2) (y + dy/2)—(x—dx/2) (y—dy/2) = (x
++ dx) (y + dy)—xy. Es kann nur das Bedürfniß seyn, den Fluxionen-Kalkul
+bei seiner Wichtigkeit zu begründen, was einen Newton dahin bringen
+konnte, die Täuschung solchen Beweisens sich zu machen.
+
+Andere Formen, die Newton bei der Ableitung des Differentials
+gebraucht, sind an konkrete auf Bewegung sich beziehende Bedeutungen
+der Elemente und deren Potenzen gebunden.—Beim Gebrauche der
+Reihenform, der sonst seine Methode auszeichnet, liegt es zu nahe zu
+sagen, daß man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufügen
+weiterer Glieder die Größe so genau zu nehmen, als man nöthig habe, und
+daß die weggelassenen relativ unbedeutend, überhaupt das Resultat nur
+eine Näherung sey, als daß er nicht auch hier mit diesem Grunde sich
+begnügt hätte, wie er bei seiner Methode der Auflösung der Gleichungen
+höherer Grade durch Näherung die höheren Potenzen, die bei der
+Substitution jedes gefundenen noch ungenauen Werthes in die gegebene
+Gleichung entstehen, aus dem rohen Grunde ihrer Kleinigkeit wegläßt; s.
+Lagrange Equations Numériques p. 125.
+
+Der Fehler, in welchen Newton bei der Auflösung eines Problems durch
+das Weglassen wesentlicher höherer Potenzen verfiel, der seinen Gegnern
+die Gelegenheit eines Triumphs ihrer Methode über die seinige gab, und
+von welchem Lagrange in seiner neuerlichen Untersuchung desselben
+(Théorie des fonct. analyt. 3me P. Ch. IV.) den wahren Ursprung
+aufgezeigt hat, beweist das Formelle und die Unsicherheit, die im
+Gebrauche jenes Instruments noch vorhanden war. Lagrange zeigt, daß
+Newton dadurch in den Fehler fiel, weil er das Glied der Reihe
+vernachlässigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der
+bestimmten Aufgabe ankam. Newton hatte sich an jenes formelle
+oberflächliche Princip, Glieder wegen ihrer relativen Kleinheit
+wegzulassen, gehalten.—Es ist nämlich bekannt, daß in der Mechanik den
+Gliedern der Reihe, in der die Funktion einer Bewegung entwickelt wird,
+eine bestimmte Bedeutung gegeben wird, so daß sich das erste Glied oder
+die erste Funktion auf das Moment der Geschwindigkeit, die zweite auf
+die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den Widerstand von
+Kräften beziehe. Die Glieder der Reihe sind hiermit hier nicht nur als
+Theile einer Summe anzusehen, sondern als qualitative Momente eines
+Ganzen des Begriffs. Hiedurch erhält das Weglassen der übrigen Glieder,
+die der schlechtunendlichen Reihe angehören, eine gänzlich verschiedene
+Bedeutung, von dem Weglassen aus dem Grunde der relativen Kleinheit
+derselben.[10] Die newtonsche Auflösung enthielt jenen Fehler, nicht
+weil in ihr Glieder der Reihe, nur als Theile einer Summe, sondern weil
+das Glied, das die qualitative Bestimmung, auf die es ankam, enthält,
+nicht berücksichtigt wurde.
+
+ [10] In einfacher Weise finden sich bei Lagrange in der Anwendung der
+ Theorie der Funktionen auf die Mechanik, in dem Kapitel von der
+ geradlinigten Bewegung, beide Rücksichten neben einander gestellt
+ (Théorie des fonct. 3me P. Ch. I. art. 4.). Der durchloffene Raum als
+ Funktion der verflossenen Zeit betrachtet, giebt die Gleichung x = ft;
+ diese als f (t + ë) entwickelt giebt
+
+
+ft + ëft + [ë'[hoch 2]]/2. f"t + u.s.w.
+
+
+Also der während der Zeit durchloffene Raum stellt sich in der Formel
+dar, ëft + [ë[hoch 2]]/2. f't + [ë[hoch 3]]/2.3. f"t + u.s.w. Die
+Bewegung, vermittelst der dieser Raum durchloffen wird, ist also, wird
+gesagt, d. h. weil die analytische Entwickelung mehrere und zwar
+unendlich viele Glieder giebt,—zusammengesetzt aus verschiedenen
+partiellen Bewegungen, deren der Zeit entsprechende Räume seyn werden
+ëft, [ë[hoch 2]]/2. f"t, [ë[hoch 3]]/[2.3]. f"t, u.s.w. die erste
+partielle Bewegung ist, in bekannter Bewegung die formell=gleichförmige
+mit einer durch f't bestimmten Geschwindigkeit, die zweite die
+gleichförmig beschleunigte, die von einer dem f't propertionirten
+beschleunigenden Kraft herkommt. "Da nun die übrigen Glieder sich auf
+keine einfache bekannte Bewegung beziehen, so ist nicht nöthig, sie
+besonders in Rücksicht zu nehmen, und wir werden zeigen, daß man von
+ihnen in der Bestimmung der Bewegung zu Anfang des Zeitpunkts
+abstrahiren kann." Dieß wird nun gezeigt, aber freilich nur durch die
+Vergleichung jener Reihe, deren Glieder alle zur Bestimmung der Größe
+des in der Zeit durchloffenen Raumes gehörten, mit der art. 3 für die
+Bewegung des Falls angegebenen Gleichung x = at + bt[hoch 2], als in
+welcher nur diese zwei Glieder vorkommen. Aber diese Gleichung hat
+selbst nur diese Gestalt, durch die Voraussetzung der Erklärung, die
+den durch analytische Entwicklung entstehenden Gliedern gegeben wird,
+erhalten; diese Voraussetzung ist, daß die gleichförmig beschleunigte
+Bewegung zusammengesetzt sey, aus einer formell-gleichförmigen mit der
+im vorhergehenden Zeittheile erlangten Geschwindigkeit fortgesetzten
+Bewegung, und einem Zuwachse, (dem a in s = at[hoch 2] d.i. dem
+empirischen Koefficienten), welcher der Kraft der Schwere zugeschrieben
+wird,—einem Unterschiede, der keineswegs in der Natur der Sache irgend
+eine Existenz oder Grund hat, sondern nur der fälschlich physikalisch
+gemachte Ausdruck dessen ist, was bei einer angenommenen analytischen
+Behandlung herauskommt.
+
+
+In diesem Beispiele ist der qualitative Sinn dasjenige, wovon das
+Verfahren abhängig gemacht ist. Im Zusammenhange hiermit kann sogleich
+die allgemeine Behauptung aufgestellt werden, daß die ganze
+Schwierigkeit des Princips beseitigt seyn würde, wenn statt des
+Formalismus, die Bestimmung des Differentials nur in die ihm den Namen
+gebende Aufgabe, den Unterschied überhaupt einer Funktion von ihrer
+Veränderung, nachdem ihre veränderliche Größe einen Zuwachs erhalten,
+zu stellen, die qualitative Bedeutung des Princips angegeben, und die
+Operation hiervon abhängig gemacht wäre. In diesem Sinne zeigt sich das
+Differential von x[hoch n], durch das erste Glied der Reihe, die durch
+die Entwickelung von (x + dx)[hoch n] sich ergiebt, gänzlich erschöpft.
+Daß die übrigen Glieder nicht berücksichtigt werden, kommt so nicht von
+ihrer relativen Kleinheit her;—es wird dabei nicht eine Ungenauigkeit,
+ein Fehler oder Irrthum vorausgesetzt, der durch einen anderen Irrthum
+ausgeglichen und verbessert würde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot
+vornehmlich die gewöhnliche Methode der Infinitesimalrechnung
+rechtfertigt. Indem es sich nicht um eine Summe, sondern um ein
+Verhältniß handelt, so ist das Differential vollkommen durch das erste
+Glied gefunden; und wo es fernerer Glieder, der Differentiale höherer
+Ordnungen bedarf, so liegt in ihrer Bestimmung nicht die Fortsetzung
+einer Reihe als Summe, sondern die Wiederholung eines und desselben
+Verhältnisses, das man allein will, und das somit im ersten Glied
+bereits vollkommen bestimmt ist. Das Bedürfniß der Form einer Reihe des
+Summirens derselben und was damit zusammenhängt, muß dann ganz von
+jenem Interesse des Verhältnisses getrennt werden.
+
+Die Erläuterungen, welche Carnot über die Methode der unendlichen
+Größen giebt, enthalten das Geläutertste und aufs Klarste exponirt, was
+in den oben angeführten Vorstellungen vorkam. Aber bei dem Übergange
+zur Operation selbst treten mehr oder weniger die gewöhnlichen
+Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der weggelassenen Glieder
+gegen die andern ein. Er rechtfertigt die Methode vielmehr durch die
+Thatsache, daß die Resultate richtig werden, und durch den Nutzen, den
+die Einführung unvollkommner Gleichungen, wie er sie nennt, d. h.
+solcher, in denen eine solche arithmetisch unrichtige Weglassung
+geschehen ist, für die Vereinfachung und Abkürzung des Kalkuls habe,
+als durch die Natur der Sache selbst.
+
+Lagrange hat bekanntlich die ursprüngliche Methode Newtons, die Methode
+der Reihen, wieder aufgenommen, um der Schwierigkeiten, welche die
+Vorstellung des Unendlich-Kleinen, so wie derjenigen, welche die
+Methode der ersten und letzten Verhältnisse und Grenzen mit sich führt,
+überhoben zu seyn. Es ist von seinem Funktionen-Kalkul, dessen sonstige
+Vorzüge in Rücksicht auf Präcision, Abstraktion und Allgemeinheit
+anerkannt genug sind, als hierher gehörig nur dieß anzuführen, daß er
+auf dem Fundamentalsatze beruht, daß die Differenz, ohne daß sie Null
+werde, so klein angenommen werden könne, daß jedes Glied der Reihe die
+Summe aller folgenden an Größe übertreffe.—Es wird auch in dieser
+Methode von den Kategorien vom Zuwachs und von der Differenz der
+Funktion angefangen, deren veränderliche Größe den Zuwachs erhalte,
+womit die lästige Reihe hereinkommt, von der ursprünglichen Funktion;
+so wie im Verfolg die wegzulassenden Glieder der Reihe nur in der
+Rücksicht, daß sie eine Summe constituiren, in Betracht kommen, und der
+Grund, sie wegzulassen, in das Relative ihres Quantums gesetzt wird.
+Die Weglassung ist also hier auch nicht für das Allgemeine auf den
+Gesichtspunkt zurückgeführt, der Theils in einigen Anwendungen
+vorkommt, worin, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine
+bestimmte qualitative Bedeutung haben sollen und Glieder außer Acht
+gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Größe sind,
+sondern weil sie unbedeutend der Qualität nach sind; Theils aber fällt
+dann die Weglassung selbst in dem wesentlichen Gesichtspunkte hinweg,
+der sich für den sogenannten Differential-Koefficienten erst in der
+sogenannten Anwendung des Kalkuls bei Lagrange bestimmt heraushebt, was
+in der folgenden Anmerkung ausführlicher auseinandergesetzt werden
+wird.
+
+Der qualitative Charakter überhaupt, der hier an der in Rede stehenden
+Größenform in demjenigen, was dabei das Unendlichkleine genannt wird,
+nachgewiesen worden ist, findet sich am unmittelbarsten in der
+Kategorie der Grenze des Verhältnisses, die oben angeführt worden, und
+deren Durchführung im Kalkul zu einer eigenthümlichen Methode
+gestempelt worden ist. Was Lagrange von dieser Methode urtheilt, daß
+sie der Leichtigkeit in der Anwendung entbehre, und der Ausdruck Grenze
+keine bestimmte Idee darbiete, davon wollen wir das Zweite hier
+aufnehmen, und näher sehen, was über ihre analytische Bedeutung
+aufgestellt wird. In der Vorstellung der Grenze liegt nämlich wohl die
+angegebene wahrhafte Kategorie der qualitativen Verhältnißbestimmung
+der veränderlichen Größen, denn die Formen, die von ihnen eintreten, dx
+und dy, sollen schlechthin nur als Momente von dy/dx genommen, und
+dx/dy selbst als ein einziges untheilbares Zeichen angesehen werden.
+Daß hiermit für den Mechanismus des Kalkuls besonders in seiner
+Anwendung der Vortheil verloren geht, den er davon zieht, daß die
+Seiten des Differential-Koefficienten von einander abgesondert werden,
+ist hier bei Seite zu setzen. Jene Grenze soll nun Grenze von einer
+gegebenen Funktion seyn;—sie soll einen gewissen Werth in Beziehung auf
+dieselbe angeben, der sich durch die Weise der Ableitung bestimmt. Mit
+der bloßen Kategorie der Grenze aber wären wir nicht weiter, als mit
+dem, um das es in dieser Anm. zu thun gewesen ist, nämlich aufzuzeigen,
+daß das Unendlichkleine, das in der Differentialrechnung als dx und dy
+vorkommt, nicht bloß den negativen, leeren Sinn einer nicht endlichen,
+nicht gegebenen Größe habe, wie wenn man sagt, eine unendliche Menge,
+ins unendliche fort und dergleichen, sondern den bestimmten Sinn der
+qualitativen Bestimmtheit des Quantitativen, eines Verhältnißmoments
+als eines solchen. Diese Kategorie hat jedoch so noch kein Verhältniß
+zu dem, was eine gegebene Funktion ist, und greift für sich nicht in
+die Behandlung einer solchen und in einen Gebrauch, der an ihr von
+jener Bestimmung zu machen wäre, ein; so würde auch die Vorstellung der
+Grenze, zurückgehalten in dieser von ihr nachgewiesenen Bestimmtheit,
+zu nichts führen. Aber der Ausdruck Grenze enthält es schon selbst, daß
+sie Grenze von Etwas sey, d. h. einen gewissen Werth ausdrücke, der in
+der Funktion veränderlicher Größe liegt; und es ist zu sehen, wie dieß
+konkrete Benehmen mit ihr beschaffen ist.—Sie soll die Grenze des
+Verhältnisses seyn, welches die zwei Inkremente zu einander haben, um
+welche die zwei veränderlichen Größen, die in einer Gleichung verbunden
+sind, deren die eine als eine Funktion der andern angesehen wird, als
+zunehmend angenommen worden;—der Zuwachs wird hier unbestimmt überhaupt
+genommen und insofern von dem Unendlichkleinen kein Gebrauch gemacht.
+Aber zunächst führt der Weg, diese Grenze zu finden, dieselben
+Inkonsequenzen herbei, die in den übrigen Methoden liegen. Dieser Weg
+ist nämlich folgender. Wenn y = fx, soll fx, wenn y in y + k übergeht,
+sich in fx + ph + qh[hoch 2] + rh[hoch 3] u.s.f. verändert, hiermit ist
+k = ph + qh[hoch 2] u.s.f. und k/h = p + qh + rh[hoch 2] u.s.f. Wenn
+nun k und h verschwinden, so verschwindet das zweite Glied außer p,
+welches p nun die Grenze des Verhältnisses der beiden Zuwächse sey. Man
+sieht, daß h als Quantum = 0 gesetzt wird, aber daß darum k/h nicht
+zugleich = 0 seyn, sondern noch ein Verhältniß bleiben soll. Den
+Vortheil, die Inkonsequenz, die hierin liegt, abzulehnen, soll nun die
+Vorstellung der Grenze gewähren; p soll zugleich nicht das wirkliche
+Verhältniß, das = 0/0 wäre, sondern nur der bestimmte Werth seyn, dem
+sich das Verhältniß unendlich d.i. so nähern könne, daß der Unterschied
+kleiner als jeder gegebene werden könne. Der bestimmtere Sinn der
+Näherung in Rücksicht dessen, was sich eigentlich einander nähern soll,
+wird unten betrachtet werden. —Daß aber ein quantitativer Unterschied,
+der die Bestimmung hat, kleiner als jeder gegebene seyn zu können nicht
+nur, sondern seyn zu sollen, kein quantitativer Unterschied mehr ist,
+dieß ist für sich klar, so evident als irgend etwas in der Mathematik
+evident seyn kann; damit aber ist über dy/dx = 0/0 nicht hinausgekommen
+worden. Wenn dagegen dy/dx = p d.i. als ein bestimmtes quantitatives
+Verhältniß, angenommen wird, wie dieß in der That der Fall ist, so
+kommt umgekehrt die Voraussetzung, welche h = 0 gesetzt hat, in
+Verlegenheit, eine Voraussetzung, durch welche allein k/h = p gefunden
+wird. Giebt man aber zu, daß k/h = 0 ist, und mit h = 0 wird in der
+That von selbst auch k = 0; denn der Zuwachs k zu y findet nur unter
+der Bedingung statt, daß der Zuwachs h ist; so wäre zu sagen, was denn
+p seyn solle, welches ein ganz bestimmter quantitativer Werth ist.
+Hierauf giebt sich sogleich die einfache, trockne Antwort von selbst,
+daß es ein Koefficient ist und aus welcher Ableitung er entsteht,—die
+auf gewisse bestimmte Weise abgeleitete erste Funktion einer
+ursprünglichen Funktion. Begnügte man sich damit, wie denn in der That
+Lagrange sich der Sache nach damit begnügt hat, so wäre der allgemeine
+Theil der Wissenschaft des Differential-Kalkuls und unmittelbar diese
+seine Form selbst, welche die Theorie der Grenzen heißt, von den
+Zuwächsen, dann deren unendlicher oder beliebiger Kleinheit, von der
+Schwierigkeit, außer dem ersten Gliede oder vielmehr nur dem
+Coefficienten des ersten Gliedes die weitern Glieder einer Reihe, als
+welche durch die Einführung jener Zuwächse unabwendbar sich einfinden,
+wieder wegzubringen, befreit; außerdem aber auch von dem weitern, was
+damit zusammenhängt, von den formellen Kategorien vor allem des
+Unendlichen, der unendlichen Annäherung, und der weitern hier ebenso
+leeren Kategorien von kontinuirlicher Größe,[11] und welche man sonst,
+wie Bestreben, Werden, Gelegenheit einer Veränderung für nöthig
+erachtet, gereinigt. Aber dann würde gefordert zu zeigen, was denn p,
+außer der, für die Theorie ganz genügenden trocknen Bestimmung, daß es
+weiter nichts als eine aus der Entwickelung eines Binomiums abgeleitete
+Funktion ist, noch für eine Bedeutung und Werth, d. i. welchen
+Zusammenhang und Gebrauch für weiteres mathematisches Bedürfniß habe;
+hiervon soll die zweite Anmerkung handeln.—Es folgt aber zunächst hier
+noch die Auseinandersetzung der Verwirrung, welche durch den
+angeführten, in den Darstellungen so geläufigen Gebrauch der
+Vorstellung von Annäherung in das Auffassen der eigentlichen,
+qualitativen Bestimmtheit des Verhältnisses, um das es zunächst zu thun
+war, gebracht worden ist.
+
+ [11] Die Kategorie von der kontinuirlichen oder fließenden Größe
+ stellt sich mit der Betrachtung der äußerlichen und empirischen
+ Veränderung der Größen, die durch eine Gleichung in die Beziehung, daß
+ die Eine eine Funktion der Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der
+ wissenschaftliche Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses
+ (durch den Differential-Koefficienten gewöhnlich ausgedrücktes)
+ Verhältniß, welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann,
+ ist, so ist für diese specifische Bestimmtheit die bloße Kontinuität
+ Theils schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die
+ abstrakte und hier leere Kategorie, da über das Gesetz der Kontinuität
+ gar nichts damit ausgedrückt ist.—Auf welche formelle Definitionen
+ dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten Hrn. Collegen,
+ Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung der
+ Grundbestimmungen, die für die Deduktion des Differential-Kalkuls
+ gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke über
+ diese Wissenschaft anschließt und sich in den Jahrb. f. wissensch.
+ Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird daselbst S.
+ 1251 sogar die Definition angeführt: "Eine stätige oder kontinuirliche
+ Größe, Kontinuum, ist jede Größe, welche man sich im Zustande des
+ Werdens gedenkt, so daß dieses Werden nicht sprungweise, sondern durch
+ ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl tautologisch
+ dasselbe, was das definitum ist.
+
+
+Es ist gezeigt worden, daß die sogenannten unendlichen Differenzen das
+Verschwinden der Seiten des Verhältnisses als Quantorum ausdrücken, und
+daß das, was übrig bleibt, ihr Quantitätsverhältniß ist, rein insofern
+es auf qualitative Weise bestimmt ist; das qualitative Verhältniß geht
+hierin so wenig verloren, daß es vielmehr dasjenige ist, was eben durch
+die Verwandlung endlicher Größen in unendliche resultirt. Hierin
+besteht, wie wir gesehen, die ganze Natur der Sache.—So verschwinden im
+letzten Verhältnisse z.B. die Quanta der Abscisse und Ordinate; aber
+die Seiten dieses Verhältnisses bleiben wesentlich die eine, Element
+der Ordinate, die andere Element der Abscisse. Indem die
+Vorstellungsweise gebraucht wird, daß man die eine Ordinate sich der
+anderen unendlich nähern läßt, so geht die vorher unterschiedene
+Ordinate in die andere Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse
+in die andere Abscisse über; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in
+die Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate über. Das Element der
+Ordinate,—um bei diesem Beispiele von veränderlichen Größen stehen zu
+bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer anderen
+Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied oder die
+qualitative Größenbestimmung gegen das Element der Abscisse; das
+Princip der einen veränderlichen Größe gegen das der andern steht im
+Verhältnisse miteinander. Der Unterschied, indem er nicht mehr
+Unterschied endlicher Größen ist, hat aufgehört, ein Vielfaches
+innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensität
+zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen
+Verhältnißmoments gegen das andere.
+
+Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, daß das,
+was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als Differenz
+oder Inkrement gefaßt wird, daß es nur der Unterschied des Quantums
+einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate sey. Die
+Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhältnisses; sie gilt nur
+als der letzte Werth, dem sich eine andere Größe von gleicher Art
+beständig so nähere, daß sie von ihm, so wenig als man will,
+unterschieden seyn könne, und daß das letzte Verhältniß, ein Verhältniß
+der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz das Schweben eines
+Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die qualitative
+Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine Verhältnißbestimmung gegen
+x, sondern gegen dy ist, tritt in der Vorstellung zurück. Man läßt
+dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber noch vielmehr verschwindet dx
+gegen x, dieß heißt aber wahrhaftig: es hat nur ein Verhältniß zu
+dy.—Es ist den Geometern in solchen Darstellungen immer vorzüglich
+darum zu thun, die Annäherung einer Größe an ihre Grenze begreiflich zu
+machen, und sich an diese Seite des Unterschiedes des Quantums vom
+Quantum, wie er kein Unterschied und doch noch ein Unterschied ist, zu
+halten. Aber die Annäherung ist ohnehin für sich eine nichts sagende
+und nichts begreiflich machende Kategorie; dx hat die Annäherung
+bereits im Rücken, es ist nicht nahe noch ein Näheres; und unendlich
+nahe heißt selbst die Negation des Naheseyns und des Annäherns.
+
+Indem es nun damit geschehen ist, daß die Inkremente oder unendlichen
+Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen verschwindet,
+und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so sind sie so als
+verhältnißlose Momente gefaßt. Es würde die unstatthafte Vorstellung
+daraus folgen, daß es erlaubt sey, in dem letzten Verhältnisse etwa
+Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus, Cosinus, Tangente, Sinus versus
+und was alles noch, einander gleich zu setzen.—Diese Vorstellung
+scheint zunächst darin obzuwalten, wenn ein Bogen als eine Tangente
+behandelt wird; denn auch der Bogen ist wohl inkommensurabel mft der
+geraden Linie, und sein Element zunächst von anderer Qualität als das
+Element der geraden Linie. Es scheint noch widersinniger und
+unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse, Ordinate, des Sinus
+versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis, wenn ein ob zwar
+unendlich kleiner Theil des Bogens, für ein Stück der Tangente,
+genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird. —Allein diese
+Behandlung ist von der gerügten Verwechslung wesentlich zu
+unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, daß in dem Dreieck,
+weilches das Element eines Bogens und die Elemente seiner Abscisse und
+der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhältniß dasselbe ist, als
+wenn jenes Element des Bogens das Element einer geraden Linie, der
+Tangente wäre; die Winkel, welche das wesentliche Verhältniß
+konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt, indem von
+den ihnen zugehörigen endlichen Größen abstrahirt wird, sind die
+nämlichen.—Man kann sich hierüber auch ausdrücken, gerade Linien, als
+unendlichklein, seyen in krumme Linien übergegangen, und das Verhältniß
+ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhältniß. Da nach ihrer
+Definition die gerade Linie der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist,
+so gründet sich ihr Unterschied von krummer Linie auf die Bestimmung
+von Menge, auf die geringere Menge des Unterscheidbaren auf diesem
+Wege, was also eine Bestimmung von Quantum Ist. Aber diese Bestimmung
+verschwindet in ihr, sie als intensive Größe, als unendliches Moment,
+als Element genommen; somit auch ihr Unterschied von der krummen Linie,
+der bloß auf dem Quantumsunterschiede beruhte.—Also als unendlich
+behält gerade Linie und Bogen kein quantitatives Verhältniß und damit,
+auf den Grund der angenommenen Definition, auch keine qualitative
+Verschiedenheit mehr gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese
+über.
+
+Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung
+heterogener Bestimmungen ist die für sich unbestimmte und völlig
+gleichgültige Annahme, daß unendlich kleine Theile desselben Ganzen
+einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen
+d. i. mit wesentlicher Ungleichförmigkeit der Größebestimmung
+behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthüniliche Verkehrung
+hervor, die in dem Satze der höhern Mechanik enthalten ist, daß in
+gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile einer
+Kurve in gleichförmiger Bewegung durchloffen werden, indem dieß von
+einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i.
+existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile
+der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als
+existirend ungleichförmig ist und so angenommen wird. Dieser Satz ist
+der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied, das sich
+in der oben auch angeführten Entwickelung der Formel von
+ungleichförmiger übrigens einem Gesetze gemäßen Bewegung ergiebt,
+bedeuten soll. Ältere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu
+erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten
+Gegenständen zu thun hatte, in Worte und Sätze auszudrücken und sie in
+geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie für die
+Lehrsätze nach gewöhnlicher Beweise-Art zu gebrauchen. Die Glieder
+einer mathematischen Formel, in welche die analytische Behandlung die
+Größe des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte, erhielten dort eine
+gegenständliche Bedeutung, z.B. der Geschwindigkeit, beschleunigende
+Kraft u.s.f. sie sollten nach solcher Bedeutung richtige Sätze,
+physikalische Gesetze geben und nach der analytischen Verbindung auch
+ihre objektiven Verknüpfungen und Verhältnisse bestimmt seyn, wie z.B.
+eben daß in einer gleichförmig beschleunigten Bewegung eine besondere
+den Zeiten proportionale Geschwindigkeit existire, außerdem aber ein
+Zuwachs von der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme. Solche Sätze
+werden in der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als
+Ergebnisse des Kalkuls aufgeführt unbekümmert darum, ob sie einen
+reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspräche, für sich an ihnen
+selbst hätten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit,
+den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen
+reellen Sinn genommen werden, z.B. den Übergang von jener
+schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu einer gleichförmigen
+beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafür, durch die
+analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher
+Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autorität der
+Operationen des Kalkuls ist. Es wird für einen Triumph der Wissenschaft
+ausgegeben, durch den bloßen Kalkul über die Erfahrung hinaus Gesetze,
+d. i. Sätze der Existenz, die keine Existenz haben, zu finden. Aber in
+der erstern noch naiven Zeit des Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen
+Bestimmungen und Sätzen, in geometrischen Verzeichnungen vorgestellt,
+ein reeller Sinn für sich angegeben und plausibel gemacht, und sie in
+solchem Sinne zum Beweise von den Hauptsätzen, um die es zu thun war,
+angewendet werden, (—man sehe den newtonischen Beweis von seinem
+Fundamentalsatze der Theorie der Gravitation in den Princ. mathem.
+philosophiae naturalis lib. I. Sect. II. Prop. I. verglichen mit
+Schuberts Astronomie (erster Ausg. III. B. §. 20), wo zugestanden wird,
+daß es sich nicht genau so, d. i. in dem Punkte, welcher der Nerv des
+Beweises ist, sich nicht so verhalte, wie Newton annimmt—).
+
+Es wird nicht geläugnet werden können, daß man sich in diesem Felde
+vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihülfe des Nebels des
+Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als
+dem, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der
+Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, wenigstens den
+Schein eines Gerüstes von Beweis zu Stande brachte;—einen Schein, den
+man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch vorzog.
+Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier für nicht mehr als eine
+bloße Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens anzusehen, und
+hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins Besondere die zu
+dem so eben angeführten gehörigen, wegen welcher man Newton bis an den
+Himmel und über Keppler erhoben hat, das was dieser bloß durch
+Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben.
+
+Das leere Gerüste solcher Beweise wurde errichtet, um physische Gesetze
+zu beweisen. Aber die Mathematik vermag überhaupt nicht
+Größenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind,
+welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem
+einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist, nicht
+vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es nicht
+lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, außer ihrer
+Sphäre liegt. Die Behauptung der Ehre der Mathematik, daß alle in ihr
+vorkommenden Sätze streng bewiesen seyn sollen, ließ sie ihre Grenze
+oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, für Erfahrungssätze
+einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen Beweis anzuerkennen;
+später ist das Bewußtseyn hierüber gebildeter geworden; eh dieses aber
+über den Unterschied sich nicht klar wird, was mathematisch beweisbar
+ist und was nur anderwärts genommen werden kann, wie darüber was nur
+Glieder analytischer Entwickelung und was physikalische Existenzen
+sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich nicht zu strenger und reiner
+Haltung herausbilden.—Jenem Gerüste newtonischen Beweisens aber wird
+ohne Zweifel noch dasselbe Recht widerfahren, das einem anderen
+grundlosen newtonischen Kunstgebäude aus optischen Experimenten und
+damit verbundenem Schließen angethan worden ist. Die angewandte
+Mathematik ist noch voll von einem gleichen Gebräue aus Erfahrung und
+Reflexion, aber wie vonjener Optik seit geraumer Zeit bereits ein Theil
+nach dem andern anfing in der Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden
+mit der Inkonsequenz jedoch, das Übrige obgleich damit Widersprechende
+noch gewähren zu lassen, —so ist es auch Faktum, daß bereits ein Theil
+jener trügerischen Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder
+durch andere ersetzt worden ist.
+
+Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung
+abgeleitet.
+
+In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des
+Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird,
+Theils die Grundlage seiner Einführung in denselben betrachtet worden;
+Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen; die
+sogenannte Anwendung aber bietet größere Schwierigkeiten sowohl als
+auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten Seite
+sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.—Die ganze Methode der
+Differentialrechnung ist in dem Satze, daß dx[hoch n] = nx[hoch n 1]dx,
+oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten Gliedes
+des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x + d, x +
+i, absolvirt. Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die Ableitung der
+nächsten Formen, des Differentials eines Produkts, einer
+Exponentialgröße und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in wenig
+Zeit, vielleicht in einer halben Stunde—mit dem Finden der
+Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der ursprünglichen
+Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,—kann man die
+ganze Theorie inne haben. Was allein länger aufhält, ist die Bemühung
+es einzusehn, begreifflich zu machen, daß nachdem der eine Umstand der
+Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische d. i. ganz
+arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion der
+veränderlichen Größe, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form eines
+Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch mit dem
+andern Umstand, nämlich mit dem Weglassen der übrigen Glieder der
+entstehenden Reihe außer den ersten, seine Richtigkeit habe. Wäre es
+der Fall, daß man jenen Koefficienten allein nöthig hätte, so wäre mit
+der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft, —wie gesagt
+in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das Weglassen der
+weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine Schwierigkeit, daß
+vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als zweiten, dritten u.s.f.
+Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der Bestimmung des ersten
+gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede wäre, da es um sie ganz und
+gar nicht zu thun ist.
+
+Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, daß man es der Methode des
+Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, daß sie nicht für sich
+selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht für
+sich begründet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens, sondern
+die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer Funktion
+ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung vollständig zur Sache
+zu gehören angenommen ist,—weil die Sache als der Unterschied
+
+der entwickelten Funktion einer veränderlichen Größe, nachdem dieser
+die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der ursprünglichen,
+angesehen wird,—geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus
+allen mathematischen Grundsätzen. Das Bedürfniß solcher
+Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung,
+weist sogleich darauf hin, daß anderswo der Ursprung und die Grundlage
+sich befinden müsse. Es geschieht auch sonst in den Wissenschaften, daß
+das, was als das Elementarische vornehin gestellt ist und woraus die
+Sätze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen, nicht einleuchtend
+ist, und daß es sich ausweist, vielmehr in dem Nachfolgenden seine
+Veranlassung und seine Begründung zu haben. Der Hergang in der
+Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, daß er in den
+verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die Sache
+gleichsam als in Kunststücken, den Anfang genommen hat; die Art des
+Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt worden,
+ist spater zum Bewußtseyn und in abstrakte Formeln gebracht worden,
+welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde.
+
+Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist die
+qualitative Quantitäts-Bestimmtheit solcher, die zunächst als Quanta im
+Verhältniß zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden, woran sich die
+empirische Untersuchung knüpfte, jene Begriffs-Bestimmtheit in den
+Beschreibungen oder Definitionen nachzuweisen, die sich von dem
+Unendlich-Kleinen, insofern es als unendliche Differenz und dergleichen
+genommen ist, vorfinden.—Dieß ist nur im Interesse der abstrakten
+Begriffsbestimmtheit als solcher geschehen; die weitere Frage wäre, wie
+von ihr der Übergang zur mathematischen Gestaltung und Anwendung
+beschaffen wäre. Zu dem Ende ist zuerst das Theoretische, die
+Begriffsbestimmtheit, noch weiter vorzunehmen, welche sich an ihr
+selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen wird; alsdenn ist das Verhältniß
+derselben zur Anwendung zu betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so
+weit es hier angeht, daß die allgeineinen Folgerungen zugleich
+demjenigen, um was es in der Differentialrechnung zu thun ist, und der
+Art, wie sie es bewerkstelligt, angemessen sind.
+
+Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Form, welche die in Rede
+stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits beiläufig
+angegeben ist. Die qualitative Bestimmtheit des Quantitativen ist
+zuerst im quantitativen Verhältniß überhaupt aufgewiesen, es ist aber
+auch schon bei der Nachweisung der unterschiedenen sogenannten
+Rechnungsarten (s. d. betreff. Anm.) anticipirt worden, daß das nachher
+an seiner eigenthümlichen Stelle noch zu betrachtende
+Potenzenverhältniß es ist, worin die Zahl durch Gleichsetzung ihrer
+Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als zu sich selbst
+zurückgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der Unendlichkeit, des
+Fürsichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich selbst, an ihr erhält.
+Die ausdrückliche qualitative Größenbestimmtheit bezieht sich somit,
+wie gleichfalls schon erinnert, wesentlich auf Potenzenbestimmungen,
+und da die Differentialrechnung das Specifische hat, mit qualitativen
+Größenformen zu operiren, so muß ihr eigenthümlicher mathematischer
+Gegenstand die Behandlung von Potenzenformen seyn, und die sämmtlichen
+Aufgaben und deren Auflösungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung
+gebraucht wird, zeigen es, daß das Interesse allein in der Behandlung
+von Potenzenbestimmungen als solchen liegt.
+
+So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas
+Bestimmtes stellt, statt der bloß formellen Kategorien von
+veränderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Größen und
+dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch zu
+allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun; schon
+das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die Behandlung der
+Exponentialgrößen und Logarithmen, Reihen, die Gleichungen höherer
+Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemühung allein mit
+Verhältnissen, die auf Potenzen beruhen. Ohne Zweifel müssen sie
+zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber welches
+unter den verschiedenen Verhältnissen, worein Potenzenbestimmungen
+gesetzt werden können, dasjenige sey, das der eigentliche Gegenstand
+und das Interesse für die Differentialrechnung ist, dieß ist aus dieser
+selbst, d. i. aus den sogenannten Anwendungen derselben zu entnehmen.
+Diese sind in der That die Sache selbst, das wirkliche Verfahren in der
+mathematischen Auflösung eines gewissen Kreises von Problemen; dieß
+Verfahren ist früher gewesen, als die Theorie oder der allgemeine
+Theil, und Anwendung ist dasselbe später genannt worden nur in
+Beziehung auf die nachher erschaffene Theorie, welche die allgemeine
+Methode des Verfahrens Theils aufstellen, Theils ihr aber Principien,
+d. i. Rechtfertigung geben wollte. Welche vergebliche Bemühung es
+gewesen ist, für die bisherige Auffassungsweise des Verfahrens
+Principien aufzufinden, welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein
+kommt, wirklich lösten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach
+dem mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden,
+oder durch die auf dasselbe hinauslaufende Möglichkeit der unendlichen
+oder beliebigen Annäherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu
+verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden. Wenn aus dem
+wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung genannt
+wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt würde, als bisher
+geschehen ist, so würden sich jene Principien und die Bemühung mit
+denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen selbst sich als
+etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes ausweisen.
+
+Wenn wir diesem Eigenthümlichen durch einfaches Aufnehmen des in diesem
+Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir als
+Gegenstand à) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von Größen
+(wir können hier überhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem Ganzen der
+Bestimmtheit so verbunden sind, daß diese erstens ihre Bestimmtheit in
+empirischen Größen, als festen Grenzen und dann in der Art der
+Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung untereinander, haben;
+wie dieß überhaupt in einer Gleichung der Fall ist; indem aber nur Eine
+Gleichung für beide Größen (und ebenso relativ wohl mehrere Gleichungen
+für mehrere Größen, aber immer weniger, als die Anzahl der Größen ist—)
+vorhanden ist, gehören diese Gleichungen zu den unbestimmten; und daß
+zweitens eine Seite, wie diese Größen hier ihre Bestimmtheit haben,
+darin liegt, daß sie (wenigstens eine derselben) in einer höhern, als
+die erste Potenz, in der Gleichung vorhanden sind.
+
+Hierüber sind zunächst einige Bemerkungen zu machen, für's Erste, daß
+die Größen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den
+Charakter solcher veränderlichen Größen haben, wie sie in den Aufgaben
+der unbestimmten Analysis vorkommen. Ihr Werth ist unbestimmt, aber so
+daß wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter Werth, d. i. ein
+Zahlenwerth für die eine kommt, auch die andere bestimmt, so die eine,
+eine Funktion der andern, ist. Die Kategorien von veränderlichen
+Größen, Funktionen und dergleichen sind darum für die specifische
+Größebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur formell, wie vorhin
+gesagt worden ist, weil sie von einer Allgemeinheit sind, in welcher
+dasjenige Specifische, worauf das ganze Interesse des
+Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten ist, noch daraus durch
+Analyse explicirt werden kann; sie sind für sich einfache,
+unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst schwierig gemacht
+werden, insofern das in sie gelegt werden soll, damit es dann aus ihnen
+abgeleitet werden könne, was nicht in ihnen liegt, nämlich die
+specifische Bestimmung der Differentialrechnung. —Was alsdenn die
+sogenannte Konstante betrifft, so kann über sie bemerkt werden, daß sie
+zunächst als eine gleichgültige empirische Größe ist, bestimmend für
+die veränderlichen Größen bloß in Ansehung ihres empirischen Quantums,
+als Grenze ihres Minimums und Maximums; die Art der Verbindung aber der
+Konstanten mit den veränderlichen Größen ist selbst eines der Momente
+für die Natur der besonderen Funktion, welche diese Größen sind.
+Umgekehrt sind aber auch die Konstanten selbst Funktionen; insofern
+z.B. eine gerade Linie den Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn,
+so ist dieser ihr Sinn dieß, daß sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie
+in der Entwickelung des Binomiums überhaupt, die Konstante, welche der
+Koefficient des ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln,
+der des zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei
+u.s.f. also diese Konstanten hier überhaupt Funktionen der Wurzeln
+sind; wo in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel
+bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser
+behandelt. Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer anderen
+Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im Konkreten es
+ist, worauf das ganze Interesse geht.
+
+Das Eigenthümliche nun aber, wodurch die Betrachtung der veränderlichen
+Größen sich in der Differentialrechnung von ihrer Beschaffenheit in den
+unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das Angegebene zu setzen,
+daß wenigstens eine jener Größen oder auch alle sich in einer höhern
+Potenz als die erste befinde, wobei wieder gleichgültig ist, ob
+sämmtliche von derselben höhern oder von ungleichen Potenzen sind; ihre
+specifische Unbestimmtheit, die sie hier haben, liegt allein darin, daß
+sie in solchem Potenzenverhältnisse Funktionen von einander sind.
+Dadurch ist die Veränderung der veränderlichen Größen qualitativ
+determinirt, damit kontinuirlich, und diese Kontinuität, die für sich
+wieder nur die formelle Kategorie überhaupt einer Identität, einer sich
+in der Veränderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat
+hier ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem
+Potenzenverhältnisse, als welches kein Quantum zu seinem Exponenten
+hat, und die nicht quantitative, bleibende Bestimmtheit des
+Verhältnisses der veränderlichen Größen ausmacht. Daher ist gegen einen
+andern Formalismus die Bemerkung zu machen, daß die erste Potenz nur
+Potenz im Verhältniß zu höhern ist; für sich ist x nur irgend ein
+unbestimmtes Quantum. So hat es keinen Sinn, für sich die Gleichungen y
+= ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der schlechtgleichförmigen
+Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y = ax, oder auch aus y = ax
++ b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct wird, so ist ebenso sehr a =
+y/x, die Bestimmung der Tangente oder s/t = c. die der schlechten
+Geschwindigkeit. Letztere wird als dy/dx exponirt im Zusammenhange
+dessen, was für die Entwickelung der gleichförmig beschleunigten
+Bewegung ausgegeben wird; aber daß ein Moment von einfacher,
+schlechtgleichförmiger, d. i. nicht durch die höhere Potenz eines der
+Momente der Bewegung bestimmter Geschwindigkeit, im Systeme solcher
+Bewegung vorkomme, ist, wie früher bemerkt, selbst eine leere, allein
+in der Routine der Methode gegründete Annahme. Indem die Methode von
+der Vorstellung des Zuwachses, den die veränderliche Größe erleiden
+solle, ausgeht, so kann Freilich auch eine solche, die nur eine
+Funktion von erster Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun
+hierauf, um das Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch
+entstandenen zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll,
+so zeigt sich das Leere der Operation, daß, wie bemerkt, die Gleichung
+vor und nach derselben, für die sogenannten Zuwächse dieselbe ist als
+für die veränderlichen Größen selbst.
+
+ß) Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung
+bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die
+Behandlung derselben gerichtet findet. Diese Betrachtung kann nur
+bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen
+Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die
+Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten
+heterogenen Bestimmungen zu entfernen.—Als die Grundlage der Behandlung
+der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, daß die Potenz innerhalb
+ihrer selbst als ein Verhältniß, als ein System von
+Verhältnißbestimmungen, gefaßt wird. Die Potenz ist oben als die Zahl
+angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, daß ihre Veränderung
+durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und Anzahl identisch
+ist, wie früher nachgewiesen, vollkommen zunächst im Quadrat,
+formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den höhern Potenzen.
+Die Potenz nun, da sie als Zahl—wenn man den Ausdruck Größe als den
+allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die Zahl,—eine Menge
+ist, auch als Summe dargestellt, kann zunächst innerhalb ihrer in eine
+beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden, die ohne alle weitere
+Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe sind, als nur daß sie
+zusammen dieser gleich sind. Aber die Potenz kann auch in eine Summe
+von solchen Unterschieden discernirt werden, die durch die Form der
+Potenz bestimmt sind. Wird die Potenz als Summe genommen, so ist auch
+die Grundzahl derselben, die Wurzel als Summe gefaßt, und beliebig nach
+mannigfaltiger Zerlegung, welche Mannigfaltigkeit aber das
+gleichgültige empirisch-Quantitative ist. Die Summe als welche die
+Wurzel seyn soll, auf ihre einfache Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte
+Allgemeinheit zurückgeführt, ist das Binomium; alle weitere Vermehrung
+der Glieder ist eine bloße Wiederholung derselben Bestimmung und daher
+etwas Leeres.[12] Worauf es ankommt, ist allein die, hiermit
+qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die Potenzirung
+der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche Bestimmtheit allein
+in der Veränderung, die das Potenziren ist, liegt. Diese Glieder sind
+somit ganz Funktionen der Potenzirung und der Potenz. Jene Darstellung
+nun der Zahl, als Summe einer Menge von solchen Gliedern, welche
+Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das Interesse, die Form
+solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus der Menge solcher
+Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein von jener Form
+abhängen muß,—dieß macht bekanntlich die besondere Lehre von den Reihen
+aus. Aber hierbei haben wir wesentlich das fernere Interesse zu
+unterscheiden, nämlich das Verhältniß der zu Grunde liegenden Größe
+selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein Komplex d. i. hier eine
+Gleichung, ist, eine Potenz in sich schließt, —zu den Funktionen ihrer
+Potenzirung. Dieß Verhältniß, ganz abstrahirt von dem vorhin genannten
+Interesse der Summe wird sich als der Gesichtspunkt zeigen, der sich
+als der einzige, den die Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der
+wirklichen Wissenschaft ergiebt.
+
+ [12] Es gehört nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf
+ welche die Analysis nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a +
+ b)[hoch n] für die Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c +
+ d…)[hoch n] gesagt wird, wie dieß auch in vielen andern Fällen gethan
+ wird; es ist solche Form, so zu sagen, nur für eine Koketterie des
+ Scheins der Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache
+ erschöpft; es wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und
+ das Gesetz ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die äußerliche nur
+ leere Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes
+ a + b + c + d… hervorgebracht wird.
+
+
+Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten hinzuzufügen,
+oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen. Es wurde nämlich
+gesagt, daß die veränderliche Größe, in deren Bestimmung die Potenz
+eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer selbst als Summe und zwar
+als ein System von Gliedern, insofern diese Funktionen der Potenzirung
+sind, womit auch die Wurzel als eine Summe, und in der einfach
+bestimmten Form als Binomium betrachtet werde; x[hoch n] = (y + z)[hoch
+n] = (y + ny[hoch n-1] z +….) Diese Darstellung ging für die
+Entwickelung der Potenz, d. i. für das Erlangen ihrer
+Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus; es ist jedoch
+hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus entspringende
+Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die Beziehung aufzunehmen.
+Die Beziehung als solche der Größen ist das was einer Seits übrig
+bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als solcher abstrahirt wird,
+und was anderer Seits für das Finden der EntwicklungsFunktionen der
+Potenz erforderlich ist. Solche Beziehung aber ist schon darin
+bestimmt, daß hier der Gegenstand eine Gleichung, y[hoch m] = ax[hoch
+n] auch schon ein Komplex von mehrern (veränderlichen) Größen ist, der
+eine Potenzenbestimmung derselben enthält. In diesem Komplex ist jede
+dieser Größen schlechthin als in der Beziehung auf die andere mit der
+Bedeutung, könnte man sagen, eines plus an ihr selbst,—als Funktion der
+andern Größen gesetzt; ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn,
+giebt ihnen diese Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz
+unbestimmten, nicht eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen. Doch
+diesen abstrakten Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen;
+es kann ganz einfach dabei stehen geblieben werden, daß nachdem die
+veränderlichen Größen in der Gleichung als Funktionen von einander, so
+daß diese Bestimmtheit ein Verhältniß von Potenzen enthält, gegeben
+sind, nun auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander
+verglichen werden,—welche zweiten Funktionen durch gar nichts Anderes
+weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind. Es kann zunächst
+für ein Belieben oder eine Möglichkeit ausgegeben werden, eine
+Gleichung von den Potenzen ihrer veränderlichen Größen auf ein
+Verhältniß ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein weiterer Zweck,
+Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher Umgestaltung davon
+anzugeben; durch ihre Nützlichkeit allein ist jene Umstellung veranlaßt
+worden. Wenn vorhin von der Darstellung dieser Potenzirungsbestimungen
+an einer Größe, die als Summe in sich different genommen werde,
+ausgegangen worden, so diente dieß nur Theils zur Angabe von welcher
+Art solche Funktionen seyen, Theils liegt darin die Weise sie zu
+finden.
+
+Wir befinden uns hiermit bei der gewöhnlichen analytischen
+Entwickelung, die für den Zweck der Differentialrechnung so gefaßt
+wird, daß der veränderlichen Größe ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun
+die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehört,
+explicirt wird. Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum, nur
+eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung behülflich zu
+seyn; was man eingestandenermaßen, am bestimmtesten von Euler und
+Lagrange, und in der früher erwähnten Vorstellung der Grenze, will,
+sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der veränderlichen
+Größen, die sogenannten Koefficienten zwar des Zuwachses und der
+Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich ordnet und zu denen die
+unterschiedenen Koefficienten gehören. Es kann hierzu etwa bemerkt
+werden, daß indem nur um der Entwickelung willen ein Zuwachs angenommen
+ist, der ohne Quantum sey, es am geschicktesten gewesen wäre, (das
+Eins) dafür zu nehmen, indem derselbe in der Entwickelung immer nur als
+Faktor vorkommt, womit eben der Faktor Eins den Zweck erfüllt, daß
+keine quantitative Bestimmtheit und Veränderung durch den Zuwachs
+gesetzt werden solle; dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer
+quantitativen Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier
+unnützen Scheine von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und
+die Prätension von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche
+Prätension dann die Mühe herbeibringt, sie dessenungeachtet
+wegzubringen und wegzulassen. Um die Form einer nach Potenzen
+entwickelten Reihe zu behalten, könnten die Exponentenbezeichnungen als
+indices ebenso gut dem Eins angefügt werden. Aber es muß ohnehin von
+der Reihe und von der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die
+sie in der Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhältniß zwischen
+allen ist dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der
+ersten, als diese aus der ursprünglichen abgeleitet, und für die als
+die zweite gezählte ist die erste abgeleitete wieder ursprüngliche
+Funktion. Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe,
+sondern ganz allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende
+Potenzenbestimmung in ihrem Verhältniß zu der für sie unmittelbaren
+Größe. Anstatt also jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der
+Entwickelung zu bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf
+die andern in der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz
+als eines Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehören,
+wäre der bloße Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin
+gesagt wurde, eine Funktion des Potenzirens der Größe vorzuziehen,
+wobei als bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung
+als innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird.
+
+Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der
+Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die
+Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage,
+was mit dem damit erhaltenen Verhältnisse anzufangen ist, wo es eine
+Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, für welchen Zweck solche
+Funktionen gesucht werden. Durch das Finden von Verhältnissen, an
+konkreten Gegenständen, welche sich auf jene abstrakte analytische
+zurückführen lassen, hat die Differentialrechnung ihr großes Interesse
+erhalten.
+
+Über die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunächst aus der Natur der
+Sache, ohne noch aus den Fällen der Anwendung selbst zu schließen,
+vermöge der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst
+Folgendes. Die Entwickelung der Potenzengrößen, wodurch sich die
+Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthält, von näherer Bestimmung
+abstrahirt, zunächst überhaupt die Herabsetzung der Größe auf die
+nächst niedrigere Potenz. Die Anwendbarkeit dieser Operation findet
+also bei solchen Gegenständen statt, bei welchen gleichfalls ein
+solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist. Wenn wir
+nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, daß sie die
+drei Dimensionen enthält, die wir, um sie von den abstrakten
+Unterschieden der Höhe, Länge und Breite zu unterscheiden, als die
+konkreten bezeichnen können, nämlich die Linie, die Fläche und den
+totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in
+Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen
+genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Fläche und
+dieselbe als Quadrat, und den Kubus. Die gerade Linie hat ein
+empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die
+Potenzenbestimmung ein; nähere Modificationen, z.B. daß dieß gleich
+auch mit den ebenen Kurven geschieht, können wir, insofern es zunächst
+um den Unterschied bloß im Allgemeinen zu thun ist, unerörtert lassen.
+Hiermit entsteht auch das Bedürfniß, von einer höheren
+Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt überzugehen, indem
+z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen Gleichungen der Fläche u.s.f.
+oder umgekehrt abgeleitet werden sollen. —Die Bewegung ferner, als an
+der das Größenverhältniß des durchloffenen Raumes und der dazu
+gehörigen verflossenen Zeit zu betrachten ist, zeigt sich in den
+verschiedenen Bestimmungen einer schlechtgleichförmigen, einer
+gleichförmig beschleunigten, einer abwechselnd gleichförmig
+beschleunigten und gleichförmig retardirten, —in sich zurückkehrenden
+Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten der Bewegung nach dem
+Größenverhältnisse ihrer Momente, des Raums und der Zeit, ausgedrückt
+werden, ergeben sich für sie Gleichungen aus unterschiedenen
+Potenzenbestimmungen, und insofern es Bedürfniß seyn kann, eine Art der
+Bewegung oder auch der Raumgrößen, an welche eine Art gebunden ist, aus
+einer anderen Art derselben zu bestimmen, führt die Operation
+gleichfalls das Übergehen von einer Potenzenfunktion zu einer höhern
+oder medrigern herbei.—Die Beispiele dieser zwei Gegenstände mögen für
+den Zweck, zu dem sie angeführt sind, genügen.
+
+Der Anschein von Zufälligkeit, welchen die Differentialrechnung in
+ihren Anwendungen präsentirt, würde schon vereinfacht werden, durch das
+Bewußtseyn über die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung statt
+finden kann, und über das eigenthümliche Bedürfniß und die Bedingung
+dieser Anwendung. Nun aber kommt es weiter innerhalb dieser Gebiete
+selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen der Gegenstände
+der mathematischen Aufgabe ein solches Verhältniß statt finde, als
+durch den Differentialkalkul eigenthümlich gesetzt wird. Es muß gleich
+vorläufig bemerkt werden, daß hierbei zweierlei Verhältnisse zu
+beachten sind. Die Operation des Depotenzirens einer Gleichung, sie
+nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veränderlichen Größen
+betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft nicht
+mehr eine Gleichung, sondern ein Verhältniß ist; dieses Verhältniß ist
+der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung. Eben damit auch
+ist zweitens das Verhältniß vorhanden von der höhern Potenzenbestimmung
+(der ursprünglichen Gleichung) selbst zu der niedrigern (dem
+Abgeleiteten). Dieß zweite Verhältniß haben wir hier zunächst bei Seite
+zu lassen; es wird sich als der eigenthüniliche Gegenstand der
+Integralrechnung zeigen.
+
+Betrachten wir zunächst das erste Verhältniß, und nehmen zu der aus der
+sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments, worin das
+Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an den Kurven
+vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt sind.
+Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhältniß der
+Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung. Folgen von der
+Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten
+zusammenhängenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente,
+Normale u.s.f. Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den
+Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile
+diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden
+Linien. Der Übergang von der Grundgleichung, welche die
+Potenzenbestimmung enthält, zu jenen linearen Gleichungen enthält nun
+den angegebenen Übergang von der ursprünglichen Funktion, d. i. welche
+eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhältniß ist, und
+zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien. Der
+Zusammenhang zwischen dem Verhältnisse dieser Linien und der Gleichung
+der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt.
+
+Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierüber so viel zu
+bemerken, daß die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz
+empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der
+völlig äußerlich gebliebenen Operation geben zu können. Ich begnüge
+mich hierüber mit der Anführung Barrow's, des Lehrers Newtons. In
+seinen lect. Opt. et Geom., worin er Probleme der höhern Geometrie nach
+der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunächst von dem
+Eigenthümlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er auch,
+"weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect. X.) sein Verfahren, die
+Tangente zu bestimmen, an. Man muß bei ihm selbst nachlesen, wie diese
+Angabe beschaffen ist, um sich eine gehörige Vorstellung zu machen, wie
+das Verfahren ganz als äußerliche Regel angegeben ist,—in demselben
+Style, wie vormals in den arithmetischen Schulbüchern die Regel de tri
+oder noch besser die sogenannte Neunerprobe der Rechnungsarten
+vorgetragen worden ist. Er macht die Verzeichnung der Linienchen, die
+man nachher die Inkremente im charakteristischen Dreieck einer Kurve
+genannt hat, und giebt nun die Vorschrift als eine bloße Regel, die
+Glieder als überflüssig wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der
+Gleichungen, als Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein
+kommen, ( etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die
+Glieder, die nur aus der ursprünglichen Gleichung bestimmte Größen
+enthalten, wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der ursprünglichen
+Gleichung von der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt für das
+Inkrement der Ordinate die Ordinate selbst und für das Inkrement der
+Abscisse die Subtangente zu substituiren. Man kann, wenn es so zu reden
+erlaubt ist, das Verfahren nicht schulmeistermässiger angeben;—die
+letztere Substitution ist die für die Tangentenbestimmung in der
+gewöhnlichen Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der
+Proportionalität der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der
+Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in
+ihrer ganz naiven Nacktheit. Eine einfache Weise, die Subtangente zu
+bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen auf
+Ähnliches hinaus,—die Methode, die größten und kleinsten Werthe zu
+finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben Grundlagen
+und demselben Verfahren. Es war eine mathematische Sucht jener Zeiten,
+sogenannte Methoden, d. i. Regeln jener Art zu finden, dabei aus ihnen
+auch ein Geheimniß zu machen, was nicht nur leicht, sondern selbst in
+einer Rücksicht nöthig war, aus demselben Grunde, als es leicht
+war,—nämlich weil die Erfinder nur eine empirische äußerliche Regel,
+keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten Principien Abgeleitetes,
+gefunden hatten. Solche sogenannte Methoden hat Leibnitz von seiner
+Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und unmittelbarer von seinem
+Lehrer aufgenommen; sie haben durch die Verallgemeinerung ihrer Form
+und Anwendbarkeit den Wissenschaften neue Bahnen gebrochen, aber damit
+zugleich das Bedürfniß gehabt, das Verfahren aus der Gestalt bloß
+äußerlicher Regeln zu reißen, und demselben die erforderliche
+Berechtigung zu verschaffen gesucht.
+
+Analysiren wir die Methode näher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser.
+Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der
+veränderlichen Größen), welche die Gleichung enthält, auf ihre ersten
+Funktionen herabgesetzt. Damit aber wird der Werth der Glieder der
+Gleichung verändert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es
+ist nur ein Verhältniß entstanden zwischen der ersten Funktion der
+einen veränderlichen Größe zu der ersten Funktion der andern; statt px
+= y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax—x[hoch 2] = y[hoch 2] hat
+man a—x : y, was nachher als das Verhältniß dy/dx bezeichnet zu werden
+pflegte. Die Gleichung ist Gleichung der Curve, dieß Verhältniß, das
+ganz von derselben abhängig, aus derselben (oben nach einer bloßen
+Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit welchem gewisse
+Linien in Proportion sind; p : 2y oder a—x : y sind selbst Verhältnisse
+aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und den Parameters; aber
+damit weiß man noch nichts. Das Interesse ist, von andern an der Kurve
+vorkommenden Linien zu wissen, daß ihnen jenes Verhältniß zukommt, die
+Gleichheit zweier Verhältnisse zu finden.—Es ist also zweitens die
+Frage, welches die geraden, durch die Natur der Kurve bestimmten Linien
+sind, welche in solchem Verhältnisse stehen?—dieß aber ist es, was
+schon früher bekannt war, daß nämlich solches auf jenem Wege erhaltenes
+Verhältniß das Verhältniß der Ordinate zur Subtangente ist. dieß hatten
+die Alten auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern
+Erfinder entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung
+der Kurve so zuzurichten, daß jenes erste Verhältniß geliefert wird,
+von dem bereits bekannt war, daß es einem Verhältnisse gleich ist,
+welches die Linie enthält, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es
+zu thun ist. Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch
+gefaßt und gemacht worden,—die Differentation,—Theils aber sind die
+imaginären Inkremente der Koordinaten und das imaginäre hieraus und
+einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete, charakteristische
+Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalität des durch die
+Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhältnisses mit dem
+Verhältnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas empirisch
+nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als ein
+Erwiesenes dargestellt werde. Die alte Bekanntschaft jedoch erweist
+sich überhaupt und am unverkennbarsten in der angeführten Form von
+Regeln als die einzige Veranlassung und respektive Berechtigung der
+Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener Proportionalität.
+
+Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den
+ächtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die
+Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht, die
+beiden Übergänge, die für die Auflösung der Aufgabe zu machen sind, zu
+trennen und jede dieser Seiten für sich zu behandeln und zu erweisen.
+Der eine Theil dieser Auflösung,—indem wir für die nähere Angabe des
+Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die Subtangente
+zu finden, bleiben,—der theoretische oder allgemeine Theil, nämlich das
+Finden der ersten Funktion aus der gegebenen Kurvengleichung, wird für
+sich regulirt; derselbe giebt ein lineares Verhältniß, also von geraden
+Linien, die in dem Systeme der Kurvenbestimmung vorkommen. Der andere
+Theil der Auflösung ist nun die Findung derjenigen Linien an der Kurve,
+welche in jenem Verhältnisse stehen. Dieß wird nun auf die direkte
+Weise (Théorie des Fonct. Anal. II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i.
+ohne das charakteristische Dreieck, nämlich ohne unendlichkleine Bogen,
+Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy
+und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhältnisses und zugleich
+unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate und
+Subtangente selbst zu geben. Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat allein
+ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks ausmacht, wie
+auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen liegt. Dieß ist,
+um es ini Vorbeigehen zu erwähnen, der Fundamentalsatz der analytischen
+Geometrie, welcher die Coordinaten, wie, was dasselbe ist, in der
+Mechanik das Parallelogramm der Kräfte herbeiführt, das eben darum der
+vielen Bemühung um einen Beweis ganz unbedürftig ist.—Die Subtangente
+wird nun als die Seite eines Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten
+die Ordinate und die darauf sich beziehende Tangente ist. Letztere hat
+als gerade Linie zu einer Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufügen ist für
+die Bestimmung unnütz und wird nur um der beliebten Allgemeinheit
+hinzugesetzt);—die Determination des Verhältnisses p/q fällt in a, den
+Koefficienten von q, der die respective erste Funktion der Gleichung
+ist, überhaupt aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als,
+wie gesagt, die wesentliche Determination der geraden Linie, die als
+Tangente an die Kurve applicirt ist. Indem nun ferner die erste
+Funktion der Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die
+Determination einer geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p
+der ersten geraden Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben
+genommen werden, daß also der Punkt, in welchem jene als Tangente
+angenommene erste gerade die Kurve berührt, gleichfalls der
+Anfangspunkt der durch die erste Funktion der Kurve bestimmten geraden
+Linie ist, so kommt es darauf an, zu zeigen, daß diese zweite gerade
+Linie mit der ersten zusammenfällt, d. h. Tangente ist; algebraisch
+ausgedrückt, daß indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx =
+Fq angenommen wird, auch f'x = F'q. Daß nun die als Tangente applicirte
+gerade, und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion
+determinirte gerade Linie zusammenfallen, daß die letztere also
+Tangente ist; dieß wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse
+und des durch die Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der
+Ordinate gezeigt. Hier kommt denn also gleichfalls das berüchtigte
+Increment herein; aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe
+eingeführt wird, und die Entwickelung der Funktion nach demselben, muß
+von dem früher erwähnten Gebrauch des Inkrements für das Finden der
+Differentialgleichung und für das charakteristische Dreieck, wohl
+unterschieden werden. Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und
+nothwendig; er fällt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur
+geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehört, daß
+zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich
+hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele,
+durchgehen könne. Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualität der
+Tangente oder Nicht-Tangente auf den Größenunterschied zurückgeführt,
+und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die größere
+Kleinheit—schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es
+ankommt, falle. Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthält durchaus
+nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem Abhängiges, sie
+ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt, wenn der Unterschied
+des Moments, von dem die zu vergleichende Größe abhängt, ein
+Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch 2]
+hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann als
+ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und für sich kleiner
+als i, so daß selbst die Vorstellung von einer beliebigen Größe, in der
+man i nehmen könne, hier überflüssig und sogar nicht an ihrem Orte ist.
+Ebendamit hat der Erweis der größern Kleinheit nichts mit einem
+Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier keineswegs hereinzukommen
+hat.
+
+Wäre es auch nur um der Schönheit und des heutigstags mehr vergessen,
+aber wohlverdienten Ruhmes willen, daß ich noch Descartes
+Tangentenmethode anführen will; sie hat übrigens auch eine Beziehung
+auf die Natur der Gleichungen, über welche dann noch eine fernere
+Bemerkung zu machen ist. Descartes trägt diese selbstständige Methode,
+worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus derselben
+abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch so fruchtbar
+gewordenen Geometrie (liv. II. p. 357 ss. Oeuvres compl. ed. Cousin
+Tom. V.) vor, indem er in derselben die große Grundlage von der Natur
+der Gleichungen und deren geometrischer Konstruktion und der damit
+sosehr erweiterten Analysis auf die Geometrie überhaupt, gelehrt hat.
+Das Problem hat bei ihm die Form der Aufgabe, gerade Linien senkrecht
+auf beliebige Orte einer Kurve zu ziehen, als wodurch Subtangente
+u.s.f. bestimmt wird; man begreift die Befriedigung, die er daselbst
+über seine Entdeckung, die einen Gegenstand von allgemeinem
+wissenschaftlichen Interesse der damaligen Zeit betraf, und die sosehr
+geometrisch ist und dadurch so hoch über den oben erwähnten bloßen
+Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand, ausdrückt: j'ose dire que c'est
+ceci le problème le plus utile et le plus général, non seulement que je
+sache, mais même que j'aie jamais desire de savoir en géometrie.—Er
+legt für die Auflösung die analytische Gleichung des rechtwinklichten
+Dreiecks zu Grund, das durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf
+welcher die im Probleme verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll,
+dann durch diese selbst, die Normale, und drittens durch den Theil der
+Achse, der durch die Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die
+Subnormale, gebildet wird. Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird
+nun in jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder
+der Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades
+(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen höhere Grade
+enthalten, sich hierauf zurückführen), in welcher nur noch die eine der
+veränderlichen Größen und zwar im Quadrat und in der ersten Potenz
+vorkommt;—eine quadratische Gleichung, welche zunächst als eine
+sogenannte unreine erscheint. Nun macht Descartes die Reflexion, daß
+wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt
+derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve
+noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich für die
+zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit
+denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;—oder aber nur Eine
+Gleichung mit ungleichen Werthen von x. Die Gleichung wird aber nur
+Eine, für das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die Kurve
+senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, daß man die beiden
+Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen, diesen
+also die Kurve berühren lasse. Damit aber fällt auch der Umstand der
+ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen Gleichung hinweg. Bei
+einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen Wurzeln nun aber ist
+der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte in der ersten Potenz
+enthält, das Doppelte der nur Einen Wurzel; dieß nun giebt eine
+Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen gefunden sind.
+Dieser Gang ist für den genialen Griff eines ächt analytischen Kopfes
+anzusehen, wogegen die ganz assertorisch angenommene Proportionalität
+der Subtangente und der Ordinate mit den unendlich klein seyn sollenden
+sogenannten Inkrementen der Abscisse und der Ordinate ganz zurücksteht.
+
+Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den
+Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung
+gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe, welche
+durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird. x[hoch
+2]—ax—b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x—a = 0; oder
+x[hoch 3]—px—q = 0 giebt 3x[hoch 2]—p = 0. Es bietet sich hierbei aber
+die Bemerkung an, daß es sich keineswegs von selbst versteht, daß
+solche abgeleitete Gleichung auch
+
+richtig ist. Bei einer Gleichung mit zwei veränderlichen Größen, die
+darum, daß sie veränderliche sind, den Charakter unbekannte Größen zu
+seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein
+Verhältniß heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch das
+Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der Potenzen
+selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung verändert wird, und
+es für sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen ihnen bei so
+veränderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde. Die Gleichung
+dy/dx = P drückt gar nichts weiter aus, als daß P ein Verhältniß ist,
+und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn zuzuschreiben. Von diesem
+Verhältniß = P ist es aber ebenso noch unbekannt, welchem andere
+Verhältnisse es gleich sey; solche Gleichung, die Proportionalität,
+giebt demselben erst einen Werth und Bedeutung.—Wie angegeben wurde,
+daß man diese Bedeutung, was die Anwendung hieß, anderswoher, empirisch
+aufnahm, so muß bei den hier in Rede stehenden durch Differentation
+abgeleiteten Gleichungen anderswoher gewußt werden, ob sie gleiche
+Wurzeln haben, um zu wissen, ob die erhaltene Gleichung noch richtig
+sey. Dieser Umstand wird aber in den Lehrbüchern nicht ausdrücklich
+bemerklich gemacht; er wird wohl dadurch beseitigt, daß eine Gleichung
+mit einer unbekannten, auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird,
+wodurch dann bei der Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein
+Verhältniß herauskommt. Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit
+Funktionen der Potenzirung oder die Differentialrechnung mit
+Differentialien zu thun haben, aber daraus folgt für sich noch
+keineswegs, daß die Größen, deren Differentialien oder Funktionen der
+Potenzirung genommen werden, selbst auch nur Funktionen anderer Größen
+seyn sollen. In dem theoretischen Theile, der Anweisung, die
+Differentiale, d. i. die Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird
+ohnehin noch nicht daran gedacht, daß die Größen, die nach solcher
+Ableitung zu behandeln gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Größen
+seyn sollen.
+
+Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem
+Differentiiren bemerklich gemacht werden, daß dasselbe hier den Sinn
+hat, daß die Konstante für die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer
+Gleichheit gleichgültig ist, als welche Bestimmung durch den
+Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschöpft ist. Wie im
+angeführten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der
+Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den
+Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie überhaupt, wie die
+Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist. In der
+gewöhnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur
+durch + und—mit den übrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch den
+bloßen Mechanismus des Verfahrens, daß um das Differential eines
+zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veränderlichen Größen
+ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem
+ursprünglichen abgezogen wird. Der Sinn der Konstanten und ihres
+Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser
+Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache.
+
+Mit dem Weglassen der Konstanten, hängt eine ähnliche Bemerkung
+zusammen, die über die Namen von Differentation und Integration,
+gemacht werden kann, als früher über den endlichen und unendlichen
+Ausdruck gemacht wurde, daß nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das
+Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt. Differentiiren
+bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber
+wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht,
+durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit
+hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veränderlichen
+Größe auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben
+aufgehoben. In der Integration hingegen soll die Konstante wieder
+hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in dem
+Sinne integrirt, daß die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln
+wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird. —Der
+gewöhnliche Ausdruck trägt dazu bei, die wesentliche Natur der Sache in
+Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der Hauptsache
+fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen Differenz, des
+Increments und dergleichen, Theils der bloßen Differenz überhaupt
+zwischen der gegebenen und der abgeleiteten Funktion, ohne deren
+specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied zu bezeichnen, zu
+stellen.
+
+Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul Gebrauch
+gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen
+Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen ihres
+Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen bereits
+beiläufig erwähnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen. Die
+Gleichung, nämlich der mathematische Ausdruck, der
+schlechtgleichförmigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die
+durch offenen Räume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen
+Einheit c, der Größe der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet
+für die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits
+vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere
+Potenzenentwicklung Statt finden.—Wie s = at[hoch 2], die Gleichung der
+Bewegung des Falles, analysirt wird, ist früher schon erinnert; —das
+erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und resp. in
+die Existenz so übersetzt, es solle ein Glied einer Summe (- welche
+Vorstellung wir längst entfernt haben), der eine Theil der Bewegung
+seyn und zwar solle dieser der Kraft der Trägheit, d. i. einer
+schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit so zukommen, daß in den
+unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichförmig, in den
+endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber
+ungleichförmig sey. Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a und
+von t für sich bekannt, so wie daß hiermit die Bestimmung von
+gleichförmiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a =
+s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t überhaupt; damit aber weiß man im
+geringsten nichts weiter; nur die fälschliche Annahme, daß 2at ein
+Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den fälschlichen Schein
+eines physikalischen Satzes. Der Faktor selbst, a, die empirische
+Einheit—ein Quantum als solches—wird der Schwere zugeschrieben; wenn
+die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist vielmehr zu
+sagen, daß eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder besser das
+Gesetz der Schwere ist.—Gleichmäßig ist der aus ds/dt = 2at abgeleitete
+Satz, daß wenn die Schwere aufhörte zu wirken, der Körper mit der am
+Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den doppelten Raum von
+dem, welchen er durchloffen hat, in einer der Dauer seines Falles
+gleichen Zeit zurücklegen würde.—Es liegt hierin auch eine für sich
+schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das Ende eines
+Zeittheils, in welchem der Körper gefallen, ist immer selbst noch ein
+Zeittheil; wäre es kein Zeittheil, so wäre Ruhe und damit keine
+Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur nach dem Raume
+angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an seinem Ende,
+durchloffen worden ist.—Wenn nun aber vollends in andern physikalischen
+Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist, wie z.B. im Verhalten
+des Lichts (außer dem, was seine Fortpflanzung im Raume genannt wird)
+und Größenbestimmungen an den Farben, eine Anwendung der
+Differentialrechnung gemacht wird und die erste Funktion von einer
+quadratischen Funktion hier auch Geschwindigkeit genannt wird, so ist
+dieß für einen noch unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von
+Existenz anzusehen. -Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch
+2] vorgestellt wird, finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom
+Falle der Körper; die einfachste Bewegung derselben würde die seyn,
+deren Gleichung s = ct[hoch 3] wäre, aber die Natur zeige keine
+Bewegung dieser Art; wir wüßten nicht was der Koefficient c bedeuten
+könnte. Wenn dem wohl so ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren
+Gleichung s[hoch 3] = at[hoch 2] ist,—das kepplerische Gesetz der
+Bewegung der Körper des Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete
+Funktion 2at/[3s [hoch 2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere
+direkte Behandlung dieser Gleichung durch die Differentation, die
+Entwicklung der Gesetze und Bestimmungen jener absoluten Bewegung von
+diesem Ausgangspunkte aus, müßte dagegen wohl als eine interessante
+Aufgabe erscheinen, in welcher die Analysis im würdigsten Glanze sich
+zeigen würde.
+
+Für sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die
+elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar;
+das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des
+Kalkuls. Eine andre Bedeutung aber erhält die Zerlegung der Bewegung in
+Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine Kurve
+ist und ihre Gleichung höhere Potenzen enthält, bedarf es der Übergänge
+von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng, zu den
+Potenzen selbst, und indem jene aus der ursprünglichen Gleichung der
+Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthält, mit Elimination der Zeit
+zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die niedrigern
+Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene Gleichungen
+linearer Bestimmungen erhalten werden können. Diese Seite führt auf das
+Interesse des andern Theils der Differentialrechnung.
+
+Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische Bestimmung
+des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen, und dieselbe
+in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen. Diese Bestimmung
+hat sich ergeben darin zu bestehen, daß aus einer Gleichung von
+Potenzenfunktionen der Koefficient des Entwicklungsgliedes, die
+sogenannte erste Funktion gefunden, und das Verhältniß, welches diese
+ist, in Momenten des konkreten Gegenstands aufgewiesen werde, durch
+welche so erhaltene Gleichung zwischen den beiden Verhältnissen diese
+Momente selbst bestimmt sind. Es ist ebenso von dem Princip der
+Integralrechnung kurz zu betrachten, was sich aus dessen Anwendung, für
+die specifische konkrete Bestimmnng derselben ergiebt. Die Ansicht
+dieses Kalkuls ist dadurch schon vereinfacht und richtiger bestimmt
+worden, daß er nicht mehr als Summationsmethode genommen wird, wie er
+im Gegensatz gegen das Differentiiren, wo der Zuwachs als das
+wesentliche Ingrediens gilt, genannt wurde, und womit er in
+wesentlichem Zusammenhang mit der Form der Reihe erschien.—Die Aufgabe
+dieses Kalkuls ist zunächst ebenso die theoretische oder vielmehr
+formelle, als die der Differentialrechnung, bekanntlich aber die
+umgekehrte von dieser;—es wird hier von einer Funktion ausgegangen, die
+als abgeleitete, als der Koefficient des nächsten aus der Entwicklung
+einer aber noch unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet
+wird, und aus ihr soll die ursprüngliche Potenzen-Funktion gefunden
+werden; die in der natürlichen Ordnung der Entwicklung als ursprünglich
+anzusehende wird hier abgeleitet und die früher als abgeleitet
+betrachtete ist hier die gegebene oder überhaupt die anfangende. Das
+Formelle dieser Operation scheint nun aber bereits durch den
+Differential-Kalkul geleistet zu seyn; indem darin überhaupt der
+Übergang und das Verhältniß von der ursprünglichen zu der
+Entwicklungsfunktion festgestellt ist. Wenn hierbei Theils schon um die
+Funktion, von der auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Übergang
+von ihr zu der ursprünglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen
+Fällen zu der Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muß, so ist
+zunächst festzuhalten, daß diese Form als solche mit dem
+eigenthümlichen Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat.
+
+Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in
+Rücksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben. Diese ist
+nun selbst die Aufgabe, nämlich die Bedeutung in dem oben angegebenen
+Sinne zu kennen, welche die ursprüngliche Funktion von der gegebenen
+als ersten Funktion betrachteten eines besondern Gegenstandes hat. An
+sich könnte auch diese Lehre bereits in der Differentialrechnung ganz
+abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt ein weiterer Umstand ein,
+der die Sache nicht so einfach seyn läßt. Indem nämlich in diesem
+Kalkul sich ergeben, daß durch die erste Funktion der Gleichung einer
+Kurve das Verhältniß, welches ein lineares ist, erhalten worden, so
+weiß man damit auch, daß die Integration dieses Verhältnisses die
+Gleichung der Kurve im Verhältnisse der Abscisse und Ordinate giebt;
+oder wenn die Gleichung für die Ebene einer Kurve gegeben wäre, so
+würde die Differentialrechnung über die Bedeutung der ersten Funktion
+solcher Gleichung bereits gelehrt haben sollen, daß diese Funktion die
+Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve
+darstellte.
+
+Nun kömmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des
+Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem
+Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von da
+zu den übrigen Bestimmungen des Gegenstands übergehen. Es ist z. B.
+nicht die Gleichung eines Flächenraums der Kurve, noch etwa des durch
+ihre Umdrehung entstehenden Körpers, noch auch eines Bogens derselben,
+sondern nur das Verhältniß der Abscisse und Ordinate in der Gleichung
+der Kurve selbst gegeben. Die Übergänge von jenen Bestimmungen zu
+dieser Gleichung selbst können daher nicht schon in der
+Differentialrechnung behandelt werden; es wird für die Integralrechnung
+aufgespart, diese Verhältnisse zu finden.
+
+Ferner aber ist gezeigt worden, daß die Differentiirung der Gleichung
+von mehreren veränderlichen Größen, die Entwicklungspotenz oder
+Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als
+ein Verhältniß giebt; die Aufgabe ist dann für dieß Verhältniß, welches
+die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des
+Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey. Dagegen ist das Object
+der Integralrechnung das Verhältniß selbst der ursprünglichen zu der
+abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe
+ist, die Bedeutung der zu findenden ursprünglichen Funktion in dem
+Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr
+indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu
+rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als das
+Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, daß solche Bestimmung durch eine
+ursprüngliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des
+Gegenstandes sey, welches hierfür zur Ausgangs- (der abgeleiteten)
+Funktion, angenommen werden müsse.
+
+Die gewöhnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als
+des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; für die
+Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel,
+ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der
+Abscisse, für das Trapez, das zu einer seiner Seiten den
+unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse
+gegenüberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne
+integrirt, daß das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze, die
+Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, nämlich die endliche Größe jenes
+Elements der Ebene gebe. Ebenso formirt sie aus den Unendlichkleinen
+des Bogens, und der dazu gehörigen Ordinate und Abscisse ein
+rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes Bogens gleich
+sey der Summe der Quadrate der beiden andern Unendlichkleinen, deren
+Integration den Bogen als einen endlichen giebt.
+
+Dieß Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete der
+Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der Weise,
+daß die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu einer
+gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in dem
+Verhältniß der sogenannten ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten
+steht. Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein gewisser Theil eines
+mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve) als die abgeleitete
+Funktion angenommen werde, welcher andere Theil desselben durch die
+entsprechende ursprüngliche Funktion ausgedrückt ist. Man weiß, daß
+wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene Funktion der Ordinate
+als abgeleitete Funktion genommen wird, die relativ ursprüngliche
+Funktion der Größenausdruck der von dieser Ordinate abgeschnittenen
+Area der Kurve ist, daß wenn eine gewisse Tangentenbestimmung als
+abgeleitete Funktion angesehen wird, die ursprüngliche Funktion
+derselben die Größe des zu dieser Tangentenbestimmung gehörigen Bogens
+ausdrückt, u. s. f. daß nun aber diese Verhältnisse, das eine einer
+ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten, das andere von den Größen
+zweier Theile oder Umstände des mathematischen Gegenstandes, eine
+Proportion bilden, dieß zu erkennen und zu beweisen, erspart sich die
+Methode, die das Unendlichkleine und die mechanische Operation mit
+demselben gebraucht. Das eigenthümliche Verdienst des Scharfsinns ist,
+aus den anderwärts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu
+haben, daß gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes,
+in dem Verhältnisse von ursprünglicher und von abgeleiteter Funktion
+stehen.
+
+Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie bestimmt
+worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem Kalkul die
+gegebene, relativ gegen die ursprüngliche, als welche erst aus jener
+durch die Integration, gefunden werden soll. Allein sie ist nicht
+unmittelbar gegeben, noch ist es für sich schon gegeben, welcher Theil
+oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die abgeleitete
+Funktion angesehen werden soll, um durch Zurückführung derselben auf
+die ursprüngliche den andern Theil oder Bestimmung zu finden, deren
+Größe das Problem verlangt. Die gewöhnliche Methode, die, wie gesagt,
+sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als unendlich klein, in der
+Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt, welche sich aus der
+ursprünglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes überhaupt durch die
+Differentiirung bestimmen lassen, (—wie für die Rektifikation einer
+Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und Ordinaten), nimmt dafür
+solche, welche sich mit dem Gegenstande des Problems, (in dem
+Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein vorgestellt wird,
+in eine Verbindung bringen lassen, die in der Elementar-Mathematik
+festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile bekannt sind, auch
+dieser bestimmt ist, dessen Größe zu finden aufgegeben ist; so werden
+für die Rektifikation die angegebenen drei Unendlichkleinen in die
+Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks gebracht, für
+die Quadratur die Ordinate mit der unendlichkleinen Abscisse in die
+Verbindung eines Produkts, indem eine Ebene überhaupt arithmetisch als
+Produkt von Linien angenommen ist. Der Übergang von solchem sogenannten
+Elemente der Ebene, des Bogens u.s.f. zur Größe der Ebene, des Bogens
+u.s.f. selbst, gilt dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen
+Ausdruck zum endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente,
+aus denen die verlangte Größe bestehen soll.
+
+Es kann daher nur oberflächlich gesagt werden, daß die Integralrechnung
+bloß das umgekehrte, überhaupt jedoch schwierigere Problem der
+Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der Integralrechnung
+geht vielmehr ausschließlich auf das Verhältniß der ursprünglichen und
+der abgeleiteten Funktion in den konkreten Gegenständen, zu einander.
+
+Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf
+eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise jener
+direkten Annahmen abzuthun. Es wird zur Erläuterung der Natur der Sache
+beitragen, gleichfalls das Nähere seines Verfahrens aus einigen wenigen
+Beispielen anzugeben. Dasselbe macht es sich eben zur Aufgabe, für sich
+zu beweisen, daß zwischen besondern Bestimmungen eines mathematischen
+Ganzen z.B. einer Kurve, ein Verhältniß von der ursprünglichen zu der
+abgeleiteten Funktion Statt finde. Dieß kann nun aber in diesem Felde
+vermöge der Natur des Verhältnisses selbst, welches am mathematischen
+Gegenstande, krumme mit geraden Linien, lineare Dimensionen und
+Funktionen derselben mit Ebenen-Flächen-Dimensionen und deren Funktion
+u.s.f. also qualitativ verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf
+direkte Weise bewerkstelligt werden, die Bestimmung läßt sich so nur
+als die Mitte zwischen einem Größern und Kleinern auffassen. Hiermit
+tritt von selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und
+Minus ein, und das rüstige: Développons, ist an seiner Stelle; aber wie
+die Zuwächse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon
+ist vorhin gesprochen worden. Aus der Entwicklung jener Bedingung, daß
+die zu bestimmende Größe größer als die eine leicht bestimmbare Grenze
+und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet, daß die
+Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der Funktion
+der Area ist.
+
+Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird,
+indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse, die
+Übersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern
+Analysis einzusehen,
+
+was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die
+andere Art mechanisch betriebenen Geschäftes thun läßt. Die
+Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das
+archimedische Princip, daß der Bogen einer Kurve größer ist, als seine
+Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des Bogens,
+gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und ihrem
+Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte Gleichung. Die
+Übertragung jener archimedischen Grundbestimmung in die moderne
+analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der für sich eine
+einfache Grundgleichung sey, während jene Form nur die Forderung
+aufstellt, zwischen einem zu Großen und zu Kleinen, die sich jedesmal
+bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches Fortgehen wieder
+immer nur ein neues zu Großes und ein neues zu Kleines jedoch in immer
+engern Grenzen giebt. Vermittelst des Formalismus des Unendlichkleinen
+wird sogleich die Gleichung dz[hoch 2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2]
+angesetzt. Die lagrangesche Exposition ausgehend von der angegebenen
+Grundlage zeigt hingegen auf, daß die Größe des Bogens die
+ursprüngliche Funktion ist zu einer abgeleiteten, von der das
+eigenthümliche Glied selbst eine Funktion aus dem Verhältnisse einer
+abgeleiteten zu der ursprünglichen der Ordinate ist.
+
+Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann später in der
+kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstände, die Vorstellung
+vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist dieß so oft als eine Autorität
+für den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem Differentialkalkul
+gemacht wird, angeführt worden, ohne daß das Eigenthümliche und
+Unterscheidende herausgehoben worden wäre. Das Unendlichkleine bedeutet
+zunächst die Negation des Quantums als eines solchen, d. i. eines
+sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten Bestimmtheit, wie sie
+das Quantum als solches hat. Ebenso ist in den darauf folgenden
+berühmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a., die sich auf die
+Betrachtung der Verhältnisse geometrischer Gegenstände gründen, die
+Grundbestimmung, daß das Quantum als solches der Bestimmungen, welche
+nur im Verhältnisse zunächst betrachtet werden, für diesen Behuf auf
+die Seite gestellt und sie hiernach als ein Nicht-Großes sollen
+genommen werden. Aber Theils ist hiermit das Affirmative überhaupt,
+welches hinter der bloß negativen Bestimmung liegt, nicht erkannt und
+herausgehoben, welches sich oben abstrakt als die qualitative
+Größebestimmtheit, und diese bestimmter in dem Potenzenverhältnisse
+liegend, sich ergeben hat;—Theils aber, indem dieß Verhältniß selbst
+wieder eine Menge näher bestimmter Verhältnisse in sich begreift, wie
+das einer Potenz und deren Entwicklungsfunktion, so haben sie auch
+wieder auf die allgemeine und negative Bestimmung desselben
+Unendlichkleinen gegründet und daraus abgeleitet werden sollen. In der
+eben ausgehobenen lagrangeschen Exposition ist das bestimmte
+Affirmative, das in der archimedischen Entwicklungsweise der Aufgabe
+liegt, gefunden und damit dem mit einem unbegrenzten Herausgehen
+behafteten Verfahren seine richtige Grenze gegeben worden. Das Große
+der modernen Erfindung für sich und ihre Fähigkeit vorher intraktable
+Probleme zu lösen, und die früher lösbaren auf eine einfache Weise zu
+behandeln, ist allein in die Entdeckung des Verhältnisses der
+ursprünglichen zu den sogenannten abgeleiteten und der Theile, welche
+an dem mathematischen Ganzen in solchem Verhältnisse stehen, zu setzen.
+Die gemachten Anführungen mögen für den Zweck genügen, das
+Eigenthümliche des Verhältnisses von Größen herauszuheben, welches der
+Gegenstand der in Rede stehenden besondern Art des Kalkuls ist. Diese
+Anführungen konnten sich auf einfache Probleme und deren
+Auflösungsweisen beschränken; und weder wäre es für die
+Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war, zweckmäßig
+gewesen, noch hätte es in dem Vermögen des Verfassers gestanden, den
+gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der Differential- und
+Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, daß das aufgezeigte
+Princip derselben zu Grunde liege, durch die Zurückführung aller ihrer
+Probleme und deren Lösungen darauf, zu vervollständigen. Das
+Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, daß wie jede besondere
+Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder Verhältniß der Größe zu
+ihrem Gegenstande hat, und ein solches das Addiren, Multipliciren, das
+Erheben in Potenzen und Ausziehen der Wurzeln, die Rechnung mit
+Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt, ebenso der Differential- und
+Integralkalkul; für das diesem Kalkul Angehörige möchte der Name des
+Verhältnisses einer Potenzenfunktion und der Funktion ihrer Entwicklung
+oder Potenzirung der passendste seyn, weil er der Einsicht der Natur
+der Sache am nächsten liegt. Nur wie die Operationen nach den andern
+Größenverhältnissen, wie Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul überhaupt
+gleichfalls gebraucht werden, werden auch die Logarithmen—Kreisund
+Reihen-Verhältnisse angewendet, insbesondere um Ausdrücke zum Behuf der
+erforderlichen Operationen des Ableitens der ursprünglichen aus den
+Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen. Mit der Reiheform hat die
+Differential- und Integralrechnung wohl das nähere Interesse
+geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen
+die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das
+Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhältniß der ursprünglichen
+Funktion zu dem nächsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will die
+Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen sind,
+geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen. Das Unendliche,
+das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte Ausdruck des
+Negativen des Quantums überhaupt, hat mit der affirmativen Bestimmung,
+welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt, nichts gemein. Ebenso ist
+das Unendlichkleine, als der Zuwachs, vermittelst dessen die
+Entwicklung in die Form der Reihe fällt, nur ein äußeres Mittel für die
+Entwickelung, und seine sogenannte Unendlichkeit ohne alle andere
+Bedeutung, als die, sonst gar keine zu haben, als die jenes Mittels;
+die Reihe, da sie in der That es nicht ist, die verlangt wird, führt
+ein Zuviel herbei, welches wieder wegzubringen, die überflüssige Mühe
+macht. Von dieser Mühe ist die Methode Lagrange's, der die Form der
+Reihe vorzugsweise wieder aufgenommen hat, gleichfalls gedrückt;
+obgleich sie es ist, durch welche in dem, was die Anwendung genannt
+wird, die wahre Eigenthümlichkeit sich heraushebt, indem ohne die
+Formen von dx, dy u. s.f. in die Gegenstände hinein zu zwängen, direkt
+derjenige Theil nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der
+abgeleiteten (- Entwickelungs—) Funktion zukommt, und es sich damit
+zeigt, daß die Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich
+handelt.[13]
+
+ [13] In der obenangeführten Kritik (Jahrb. für wissensch. Krit. II. B.
+ 1827. Nr. 155. 6. folg.) finden sich interessante Äußerungen eines
+ gründlichen Gelehrten des Faches, Um. Spehr's, aus seinen neuen
+ Principien des Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angeführt, die
+ nämlich einen Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten
+ und dem Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und
+ stimmen mit dem überein, was über das allgemeine Verhältniß der
+ Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heißt es daselbst,
+ "rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen
+ ähnlichen zunächst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht von
+ der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese Untersuchungen
+ wohl gar, wie Lagrange, für die Sache selbst gehalten, während man
+ diese nur als Anwendung jener ansah. Diese arithmetischen
+ Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation, die Ableitung
+ des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die verschiedenen
+ Integrationsmethoden in sich. Es ist ganz umgekehrt der Fall, jene
+ Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der eigentlichen
+ Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene arithmetischen
+ Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der Analysis voraus."—Es
+ ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die Trennung der sogenannten
+ Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen Theils, das von den Reihen
+ ausgeht, eben dazu dient, die eigenthümliche Sache der
+ Differ.-Rechnung für sich zum Vorschein zu bringen. Aber bei der
+ interessanten Einsicht des Hrn. Vfs., daß eben die sogenannten
+ Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der eigentlichen
+ Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie derselbe sich in
+ die (ebendas. angeführte) formelle Metaphysik von kontinuirlicher
+ Größe, Werden, Fließen u.s.f. hat einlassen und solchen Ballast noch
+ mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind diese Bestimmungen,
+ indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche eben das Specifische
+ der Sache nicht angeben, die aus den konkreten Lehren, den
+ Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war.
+
+
+Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit
+zusammenhängende Formen.
+
+Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem affirmativen
+Sinn als die qualitative Größenbestimmtheit, und von dieser näher
+aufgezeigt worden, daß sie in diesem Kalkul als Potenzenbestimmtheit
+nicht nur überhaupt, sondern als die besondere des Verhältnisses einer
+Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz vorhanden ist. Die
+qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in weiterer, so zu sagen,
+schwächerer Form vorhanden, und diese, wie auch der damit
+zusammenhängende Gebrauch des Unendlichkleinen und dessen Sinn in
+diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung betrachtet werden.
+
+Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Rücksicht
+zuerst daran zu erinnern, daß die unterschiedenen Potenzenbestimmungen
+von der analytischen Seite zunächst so hervortreten, daß sie nur
+formell, und ganz homogen darin sind, daß sie Zahlengrößen bedeuten,
+die als solche jene qualitative Verschiedenheit gegeneinander nicht
+haben. Aber in der Anwendung auf räumliche Gegenstände zeigt sich das
+analytische Verhältniß ganz in seiner qualitativen Bestimmtheit, als
+das Übergehen von linearen zu Flächenbestimmungen, von geradlinigten zu
+krummlinigten u.s.f. Diese Anwendung bringt es ferner mit sich, daß die
+räumlichen ihrer Natur nach in Form von kontinuirlichen Größen
+gegebenen Gegenstände in diskreter Weise gefaßt werden, die Fläche also
+als eine Menge von Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f.
+Diese Auflösung hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die
+Linie, die Linien, in welche die Fläche u.s.f. aufgelöst ist, selbst zu
+bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich
+arithmetisch fortgehen zu können; diese Ausgangspunkte sind für die zu
+findenden Größebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion und
+Gleichung für das Konkrete, die kontinuirliche Größe, abgeleitet werden
+soll. Für die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse zeigt, dieß
+Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente für den Ausgang ein für sich
+selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt ist, indem er
+im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen welchen das
+Fürsichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe. Das Resultat
+läuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn sich nur das
+Gesetz des weitern Fortbestimmens finden läßt, ohne die geforderte
+vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen zu können.
+Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken jener
+Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte gemacht
+zu haben. Seine Erklärung, wie er den ersten Satz in Archimed's
+Kreismessung verstehe, drückt dieß auf eine einfache Weise aus. Der
+erste Satz Archimed's ist bekanntlich, daß der Kreis einem
+rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem
+Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist. Indem
+Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, daß die Peripherie des Kreises
+ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe, deren jeder
+als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks betrachtet werden
+könne, u.s.f., so spricht er die Auflösung des Kontinuirlichen in die
+Form des Diskreten aus. Der Ausdruck des Unendlichen, der hierbei
+vorkommt, ist noch weit entfernt von der Bestimmung, die er in dem
+Differentialkalkul haben soll.—Wenn nun für solche diskrete eine
+Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so sollen sie ferner
+zusammengefaßt werden, wesentlich als Elemente des Kontinuirlichen
+seyn. Da aber eine Summe von Punkten keine Linie, eine Summe von Linien
+keine Fläche giebt, werden die Punkte schon sogleich als lineare
+genommen, wie die Linien als flächenhafte. Weil jedoch zugleich jene
+Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie seyn würden, wenn sie
+als Quantum genommen würden, so werden sie als unendlich klein
+vorgestellt. Das Diskrete ist nur eines äußerlichen Zusammenfassens
+fähig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem Eins behalten; der
+analytische Übergang von denselben geschieht nur zu ihrer Summe, er ist
+nicht zugleich der geometrische von dem Punkte in die Linie, oder von
+der Linie in die Fläche u.s.f.; dem Elemente, das als Punkt oder als
+Linie seine Bestimmung hat, wird daher zugleich auch mit jenem die
+lineare, dieser die Flächenqualität gegeben, damit die Summe als von
+kleinen Linien eine Linie, als von kleinen Flächen eine Fläche werde.
+
+Das Bedürfniß, dieß Moment des qualitativen Übergangs zu erhalten und
+dafür zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muß als die
+Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie jene
+Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die größte
+Schwierigkeit sind. Diese Nothhülfe entbehrlich zu machen, müßte
+gezeigt werden können, daß in dem analytischen Verfahren selbst,
+welches als ein bloßes Summiren erscheint, in der That schon ein
+Multipliciren enthalten ist. Aber in dieser Rücksicht tritt eine neue
+Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer
+Verhältnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, nämlich daß
+das arithmetische Multipliciren auch für die geometrische Bestimmung
+ein Übergang in eine höhere Dimension,—die arithmetische Multiplikation
+von Größen, die ihrer räumlichen Bestimmungen nach Linien sind,
+zugleich eine Produktion des Linearen zur Flächenbestimmung sey; 3mal 4
+lineare Fuße giebt 12 lineare Fuße, aber 3 lineare Fuße, mal 4 linearen
+Fußen giebt 12 Flächenfuße und zwar Quadratfuße, indem die Einheit in
+beiden als diskreten Größen dieselbe ist. Die Multiplikation von Linien
+mit Linien bietet sich zunächst als etwas Widersinniges dar, insofern
+die Multiplikation überhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veränderung
+von solchen ist, welche mit dem, in das sie übergehen, mit dem Produkte
+ganz homogen sind, und nur die Größe verändern. Dagegen ist das, was
+Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hieße,—es ist, ductus
+lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch
+ductus puncti in lineam—eine Veränderung nicht bloß der Größe, sondern
+ihrer als qualitativer Bestimmung der Räumlichkeit, als einer
+Dimension; das Übergehen der Linie in Fläche ist als Außersichkommen
+derselben zu fassen, wie das Außersichkommen des Punktes die Linie, der
+Fläche ein ganzer Raum ist. Es ist dieß dasselbe, was so vorgestellt
+wird, daß die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey; aber die
+Bewegung schließt die Zeitbestimmung ein, und erscheint so in jener
+Vorstellung mehr nur als eine zufällige, äußerliche Veränderung des
+Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die als Außersichkommen
+ausgedrückt worden, zu nehmen,—die qualitative Veränderung, und welche
+arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit (als des Punktes u.s.f.) in
+die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.—Es kann hiezu noch bemerkt
+werden, daß bei dem Außersichkommen der Fläche, was als ein
+Multipliciren von Fläche in Fläche erscheinen würde, sich der Schein
+eines Unterschiedes des arithmetischen und geometrischen Producirens so
+ergiebt, daß das Außersichkommen der Fläche, als ductus plani in planum
+arithmetisch eine Multiplikation der zweiten Dimensionsbestimmung mit
+solcher, hiermit ein Product von vier Dimensionen gäbe, das aber durch
+die geometrische Bestimmung auf drei herabgesetzt wird. Wenn auf der
+einen Seite die Zahl darum, weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die
+feste Bestimmung für das äußerliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr
+Produciren formell; 3. 3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst
+producirend ist 3. 3. 3. 3; aber dieselbe Größe als Flächenbestimmung
+sich producirend wird bei 3. 3. 3 zurückgehalten, weil der Raum als ein
+Hinausgehen vom Punkte, der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt,
+seine wahrhafte Grenze, als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in
+der dritten Dimension hat. Der angeführte Unterschied könnte sich in
+Rücksicht der freien Bewegung, worin die eine die räumliche Seite,
+unter der geometrischen Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3]
+: t[hoch 2]), die andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen
+steht, von Wirksamkeit zeigen.
+
+Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande der
+vor. Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von selbst
+erhellen. In dieser lag das Qualitative in der Potenzenbestimmtheit;
+hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur als Faktor arithmetisch
+gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die Linie, Linie gegen Fläche
+u.s.f. Der qualitative Übergang nun, der von dem Diskreten, als in
+welches die kontinuirliche Größe aufgelöst vorgestellt wird, zu dem
+Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein Summiren bewerkstelligt.
+
+Daß aber die angebliche bloße Summation in der That eine
+Multiplikation, also den Übergang von der linearen in die
+Flächenbestimmung in sich selbst enthält, erscheint am einfachsten in
+der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, daß der Flächeninhalt eines
+Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden gegenüberstehenden
+parallelen Linien in die halbe Höhe. Diese Höhe wird nur als die Anzahl
+von einer Menge diskreter Größen vorgestellt, welche summirt werden
+sollen.
+
+Diese Größen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei begrenzenden
+Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn sie sollen die
+Fläche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein Flächenhaftes zu
+seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden müssen. Um der
+Schwierigkeit zu entgehen, daß eine Summe von Linien eine Fläche geben
+sollte, werden Linien sogleich als Flächen aber gleichfalls als
+unendlich dünne angenommen, denn ihre Determination haben sie allein in
+dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes. Als parallel und
+durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des Trapezes begrenzt,
+können sie als die Glieder einer arithmetischen Progression vorgestellt
+werden, deren Differenz dieselbe überhaupt ist, aber nicht bestimmt zu
+werden braucht, und deren erstes und letztes Glied jene beiden
+Parallelen sind; die Summe solcher Reihe ist bekanntlich das Produkt
+jener Parallelen in die halbe Anzahl der Glieder. Dieß letzte Quantum
+ist nur ganz relativ auf die Vorstellung von den unendlich vielen
+Linien Anzahl genannt; es ist die Größebestimmtheit überhaupt eines
+Kontinuirlichen,—der Höhe. Es ist deutlich, daß was Summe heißt,
+zugleich ein ductus lineae in lineam, Multipliciren von Linearem mit
+Linearem, nach obiger Bestimmung ein Hervorgehen von Flächenhaftem ist.
+In dem einfachsten Falle nun eines Rektangels überhaupt a b ist jeder
+der beiden Faktoren eine einfache Größe, aber schon in dem weitern
+selbst elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das
+Einfache der halben Höhe, der andere dagegen wird durch eine
+Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen
+Größebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine
+Reihe ausgedrückt werden kann, so heißt analytisch, d. h. arithmetisch
+das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment darin aber ist
+die Multiplikation, das Qualitative des Übergangs aus der Dimension der
+Linie in die Fläche; der eine Faktor ist diskret nur für die
+arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und ist für sich,
+wie dieser, die Größe eines Linearen.
+
+Das Verfahren, Flächen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber
+auch häufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu
+Behufe des Resultates Statt hat. Dieß geschieht, wo es nicht darum zu
+thun ist, die Größe in der Gleichung als Quantum anzugeben, sondern in
+einer Proportion. Es ist z.B. eine bekannte Art zu zeigen, daß eine
+Kreisfläche sich zur Fläche einer Ellipse, deren große Achse der
+Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die große zur kleinen Achse,
+indem jede dieser Flächen als die Summe der ihr zugehörigen Ordinaten
+genommen wird; jede Ordinate der Ellipse verhält sich zu der
+entsprechenden des Kreises wie die kleine zur großen Achse, also wird
+geschlossen, verhalten auch die Summen der Ordinaten d. i. die Flächen
+ebenso. Diejenigen, welche dabei die Vorstellung der Fläche als eine
+Summe von Linien vermeiden wollen, machen die Ordinaten mit der
+gewöhnlichen ganz überflüssigen Aushülfe zu Trapezen von unendlich
+kleiner Breite; da die Gleichung nur eine Proportion ist, kommt nur das
+Eine der zwei linearen Elemente der Fläche in Vergleichung. Das andere,
+die Abscissenachse, ist in Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor
+arithmetischer Größebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die
+Proportion daher ganz nur von dem Verhältniß des einen bestimmenden
+Moments abhängig. Zur Vorstellung der Fläche sind die zwei Dimensionen
+nothwendig; aber die Größebestimmung, wie sie in jener Proportion
+angegeben werden soll, geht nur auf das eine Moment allein; der
+Vorstellung damit nachgeben oder aufhelfen, daß die Vorstellung von
+Summe zu diesem einen Momente hinzugefügt wird, ist eigentlich eine
+Verkennung dessen, worauf es hier für die mathematische Bestimmtheit
+ankömmt.
+
+Was hier auseinandergesetzt worden, enthält auch das Kriterium für die
+früher erwähnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit
+ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen
+nicht bedarf. Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Fläche,
+oder Quadrate, Kreisflächen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f.
+betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundfläche nennt
+er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe das
+erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene Untheilbaren
+parallel, also in gleicher Bestimmung in Rücksicht der Figur
+betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun, (Exerc.
+Geometr. VI.—das spätere Werk-Exerc. I. p. 6.), daß alle sowohl ebene,
+als körperliche Figuren im Verhältnisse aller ihrer Indivisibilien
+sind, diese kollektive und wenn etwa ein gemeinschaftliches Verhältniß
+in solchen Statt findet, distributive mit einander verglichen."—Er
+vergleicht zu diesem Behufe in den Figuren von gleicher Grundlinie und
+Höhe gemacht, die Verhältnisse von den Linien, die parallel mit jener
+und in gleicher Entfernung mit ihr gezogen werden; alle solche Linien
+einer Figur haben eine und dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen
+Inhalt aus. Auf solche Weise beweist Cavalleri z.B. auch den
+elementarischen Satz, daß Parallelogramme von gleicher Höhe im
+Verhältnisse ihrer Grundlinie sind; jede zwei Linien, in gleicher
+Entfernung von der Grundlinie und mit ihr parallel, in beiden Figuren
+gezogen, sind in demselben Verhältnisse der Grundlinien, also die
+ganzen Figuren. In der That machen die Linien nicht den Inhalt der
+Figur als kontinuirlicher aus, aber den Inhalt, insofern er
+arithmetisch bestimmt werden soll; das Lineare ist sein Element, durch
+welches allein die Bestimmtheit desselben gefaßt werden muß.
+
+Wir werden hierbei darauf geführt, auf den Unterschied zu reflektiren,
+der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer
+Figur fällt, nämlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Höhe der
+Figur, oder ist sie äußere Grenze. Insofern sie als äußere Grenze ist,
+giebt man zu, daß der Gleichheit oder dem Verhältnisse der Grenze die
+Kontinuität der Figur so zu sagen folgt; z.B. die Gleichheit der
+Figuren, die sich decken, beruht darauf, daß die begrenzenden Linien
+sich decken. Bei Parallelogrammen aber von gleicher Höhe und Grundlinie
+ist nur die letztere Bestimmtheit eine äußere Grenze; die Höhe, nicht
+die Paralleleität überhaupt, auf welcher die zweite Hauptbestimmung der
+Figuren, ihr Verhältniß, beruht, führt ein zweites Princip der
+Bestimmung zu den äußern Grenzen herbei. Der euklidische Beweis von der
+Gleichheit der Parallelogramme, die gleiche Höhe und Grundlinie haben,
+führt sie auf Dreiecke zurück, auf äußerlich begrenzte Kontinuirliche;
+in Cavalleri's Beweis, zunächst über die Proportionalität von
+Parallelogrammen, ist die Grenze Größebestimmtheit als solche
+überhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem
+Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird,
+Diese gleichen oder in gleichem Verhältniß mit der Grundlinie stehenden
+Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem Verhältnisse
+stehenden Figuren. Die Vorstellung eines Aggregats von Linien geht
+gegen die Kontinuität der Figur; allein die Betrachtung der Linien
+erschöpft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt, vollkommen Cavalleri
+giebt häufige Antwort auf die Schwierigkeit, als ob die Vorstellung von
+den Untheilbaren es mit sich führe, daß der Anzahl nach unendliche
+Linien oder Ebenen verglichen werden sollen, (Geom. Lib. II. Prop. 1.
+Schol.); er macht den richtigen Unterschied, daß er nicht die Anzahl
+derselben, welche wir nicht kennen,—d. i. vielmehr die, wie bemerkt
+worden, eine zu Hülfe genommene leere Vorstellung ist,—sondern nur die
+Größe, d. i. die quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von
+diesen Linien eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser
+in Grenzen eingeschlossen ist, ist auch jene seine Größe in dieselben
+Grenzen eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die
+Untheilbaren selbst, sagt er; wäre es etwas außer diesen, so wäre es
+nicht vergleichbar; es würde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte
+Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar.
+
+Man sieht, daß Cavalleri dasjenige, was zur äußerlichen Existenz des
+Kontinuirlichen gehört, von demjenigen unterscheiden will, worin dessen
+Bestimmtheit fällt und das für die Vergleichung und zum Behufe von
+Theoremen über dasselbe allein herauszuheben ist. Die Kategorien, die
+er dabei gebraucht, daß das Kontinuirliche aus den Untheilbaren
+zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht
+genügend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie
+vorhin gesagt, dessen äußerliche Existenz, zugleich in Anspruch
+genommen wird; statt zu sagen, "daß das Kontinuirliche nichts anderes
+ist, als die Untheilbaren selbst," würde es richtiger und damit auch
+sogleich für sich klar heißen, daß die Größebestimmtheit des
+Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst.
+—Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, daß es
+größere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, daß
+die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen
+werde, und drückt weiterhin (Geom. Lib. VII. Praef.) das bestimmtere
+Bewußtseyn aus, daß er durch seine Beweisart keineswegs zur Vorstellung
+der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem Untheilbaren genöthigt
+sey; die Kontinuirlichen folgen nur der Proportion der Untheilbaren. Er
+habe die Aggregate der Untheilbaren nicht so genommen, wie sie in die
+Bestimmung der Unendlichkeit, um einer unendlichen Menge von Linien
+oder Ebenen willen, zu verfallen scheinen, sondern insofern sie eine
+bestimmte Beschaffenheit und Natur der Begrenztheit an ihnen haben. Um
+denn aber doch diesen Stein des Anstoßes zu entfernen, läßt er sich die
+Mühe nicht verdrießen, noch in dem eigens dafür hinzugefügten siebenten
+Buche, die Hauptsätze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche
+von der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.—Diese Manier
+reducirt die Beweise auf die vorhin angeführte, gewöhnliche Form des
+Deckens der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der
+Bestimmtheit als äußerer Raumgrenze.
+
+Über diese Form des Deckens kann zunächst noch diese Bemerkung gemacht
+werden, daß sie überhaupt eine so zu sagen kindliche Hülfe für die
+sinnliche Anschauung ist. In den elementarischen Sätzen über die
+Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem von
+ihren je sechs Stücken gewisse drei als gleich groß mit den
+entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird
+gezeigt, daß solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes auch
+die übrigen drei Stücke gleich groß mit denen des andern habe, —weil
+sie vermöge der Gleichheit nach jenen drei ersten einander decken. Die
+Sache abstrakter gefaßt, so ist eben um dieser Gleichheit jeden Paars
+der in beiden einander entsprechenden Stücke, nur Ein Dreieck
+vorhanden; in diesem sind drei Stücke als bereits bestimmt angenommen,
+woraus denn die Bestimmtheit auch der drei übrigen Stücke folgt. Die
+Bestimmtheit wird auf diese Weise als in drei Stücken vollendet
+aufgezeigt; für die Bestimmtheit als solche sind somit die drei übrigen
+Stücke ein Überfluß, der Überfluß der sinnlichen Existenz, d. i. der
+Anschauung der Kontinuität. In solcher Form ausgesprochen, tritt hier
+die qualitative Bestimmtheit im Unterschiede von dem hervor, was in der
+Anschauung vorliegt, dem Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das
+Decken läßt diesen Unterschied nicht zum Bewußtseyn kommen.
+
+Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie bemerkt
+worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der Winkel Theils
+die Höhe der Figuren ein, von welcher letztern deren äußere Grenzen,
+die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind. Hierbei kommt die
+Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen Figuren außer der
+Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie, welche als äußere Grenze
+ist, für die andere Bestimmtheit, die andere äußere Grenze, nämlich die
+andere Seite des Parallelogramms, oder aber die Höhe zu nehmen ist. Bei
+zwei solchen Figuren von einerlei Grundlinie und Höhe, wovon das eine
+rechtwinklich ist, das andere sehr spitze, damit zu den
+gegenüberstehenden sehr stumpfe Winkel hat, kann der Anschauung
+letzteres leicht größer scheinen, als das erstere, insofern sie die
+vorliegende große Seite desselben als bestimmend nimmt, und nach der
+Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach einer Menge von
+parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten werden können,
+vergleicht; die größere Seite könnte als eine Möglichkeit von mehrern
+Linien, als die senkrechte Seite des Rechtecks giebt, angesehen werden.
+Solche Vorstellung giebtjedoch keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode
+an die Hand; denn die in beiden Parallelogrammen für die Vergleichung
+vorgestellte Menge von parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer
+Entfernung von einander oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus
+folgt, daß die Höhe, und nicht die andere Seite des Parallelogramms,
+das andere bestimmende Moment ist. Dieß ändert sich aber ferner, wenn
+zwei Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher
+Höhe und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu
+einer dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die
+parallelen Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene
+durch sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt,
+nicht mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind
+einander ungleich. Cavalleri macht sehr sorgfältig auf diesen
+Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und
+transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit. I. n.
+XII. ff. wie schon in der Geometr. I. II.) auf merksam, und schneidet
+damit oberflächlichen Mißverstand ab, der nach dieser Seite entstehen
+könnte. Ich erinnere mich, daß Barrow in seinem obenangeführten Werke
+(Lect. Geom. II. p. 21), indem er die Methode der Untheilbaren
+gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der von ihm aus auf
+seinen Schüler Newton und die sonstigen mathematischen Zeitgenossen,
+darunter auch Leibnitz, übergegangenen Annahme der Gleichsetzbarkeit
+eines krummlinigten Dreiecks, wie das sogenannte charakteristische ist,
+mit einem geradlinigten, insofern beide unendlich d. h. sehr klein
+seyen, versetzt und verunreinigt hat, —einen eben dahin gehenden
+Einwurf Tacquet's, eines damaligen in neuen Methoden gleichfalls
+thätigen, scharfsinnigen Geometers, anführte. Die von diesem gemachte
+Schwierigkeit bezieht sich ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei
+Berechnung konischer und sphärischer Oberflächen als Grundmoment der
+Bestimmung für die auf Anwendung des Diskreten gestützte Betrachtung
+genommen werden solle. Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren
+ein, daß wenn die Oberfläche eines rechtwinklichten Kegels berechnet
+werden solle, so werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des
+Kegels als zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie
+parallelen auf die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche
+zugleich die Radien der Kreise sind, aus denen die Oberfläche des
+Kegels bestehe. Wenn nun diese Oberfläche als Summe der Peripherien,
+und diese Summe aus der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Größe der Achse,
+der Höhe des Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der
+sonst von Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch.
+Barrow zeigt nun dagegen, daß für die Bestimmung der Oberfläche nicht
+die Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige
+Linie genommen werden müsse, deren Umdrehung die Oberfläche erzeuge,
+und welche daher, und nicht die Achse, als die Größebestimmtheit für
+die Menge der Peripherien angenommen werden müsse.
+
+Dergleichen Einwürfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in
+der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von
+Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Fläche u.
+s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die
+wesentliche Größebestimmtheit der Linien oder Flächen in Schatten
+gestellt.—Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die
+affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der von
+dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen im
+Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulosität
+hervorzuheben, in welche sie durch jene bloß negativ gehaltene
+Kategorie gehüllt werden. Bei der unendlichen Reihe, wie in der
+archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter, als
+daß das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der sogenannte
+endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben, die
+Zurückführung des Bogens auf die gerade Linie nicht bewerkstelligt
+werden kann; diese Inkommensurabilität ist die qualitative
+Verschiedenheit derselben. Die qualitative Verschiedenheit des
+Diskreten mit dem Kontinuirlichen überhaupt, enthält gleichfalls eine
+negative Bestimmung, welche sie als inkommensurabel erscheinen läßt,
+und das Unendliche herbeiführt, in dem Sinne, daß das als diskret zu
+nehmende Kontinuirliche nun kein Quantum nach seiner kontinuirlichen
+Bestimmtheit mehr haben soll. Das Kontinuirliche, das arithmetisch als
+Produkt zu nehmen ist, ist damit diskret an ihm selbst gesetzt, nämlich
+in die Elemente, die seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt
+seine Größebestimmtheit; sie sind als ebendamit, daß sie diese Faktoren
+oder Elemente sind, von einer niedrigern Dimension, und insofern die
+Potenzenbestimmtheit eintritt, von einer niedrigern Potenz als die
+Größe, deren Elemente oder Faktoren sie sind. Arithmetisch erscheint
+dieser Unterschied als ein bloß quantitativer, der Wurzel und der
+Potenz oder welcher Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der
+Ausdruck nur auf das Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2]
+oder d.a[hoch 2] = 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder für das Gesetz des
+Falles, t : at[hoch 2] so giebt er die nichtssagenden Verhältnisse von
+1 : a, 2 : a, 1: at; die Seiten müßten gegen ihre bloß quantitative
+Bestimmung durch die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander
+gehalten werden, wie s : at[hoch]2; wodurch die Größe als eine Qualität
+ausgesprochen wird, als Funktion der Größe einer andern Qualität.
+Hierbei steht dann bloß die quantitative Bestimmtheit vor dem
+Bewußtseyn, mit der nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und
+man kann kein Arges daran haben, die Größe einer Linie mit der Größe
+einer andern Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser
+selben Größen giebt zugleich die qualitative Veränderung des Überganges
+von Linie in Fläche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie
+ist es, welche die Schwierigkeit veranlaßt, die durch die Einsicht in
+ihre Eigenthümlichkeit und in die einfache Natur der Sache gelöst, aber
+durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll,
+vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgelöst erhalten
+wird.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß.
+
+
+Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, daß sie das
+negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat. Dieß
+Jenseits ist das Qualitative überhaupt. Das unendliche Quantum ist als
+die Einheit beider Momente, der quantitativen und der qualitativen
+Bestimmtheit, zunächst Verhältniß.
+
+Im Verhältnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgültige
+Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen
+auf sein Jenseits. Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist
+zunächst ein anderes Quantum überhaupt. Aber wesentlich sind sie nicht
+als äußerliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat seine
+Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind so in diesem
+ihrem Andersseyn in sich zurückgekehrt; was jedes ist, ist es in dem
+Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus. —Das
+Hinausgehen des Quantums über sich hat also jetzt diesen Sinn, weder
+daß es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes, in sein
+negatives Jenseits veränderte, sondern darin zu seiner Bestimmtheit
+gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits, welches ein
+anderes Quantum ist. Die Qualität des Quantums, seine
+Begriffsbestimmtheit, ist seine Äußerlichkeit überhaupt, und im
+Verhältniß ist es nun so gesetzt, in seiner Äußerlichkeit, an einem
+andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das zu
+seyn, was es ist.
+
+Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander
+haben. Diese Beziehung ist selbst auch eine Größe; das Quantum ist
+nicht nur im Verhältniß, sondern es selbst ist als Verhältniß gesetzt;
+es ist ein Quantum überhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit
+innerhalb seiner hat. So als Verhältniß drückt es sich als in sich
+geschlossene Totalität und seine Gleichgültigkeit gegen die Grenze aus,
+dadurch daß es die Äußerlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb seiner
+selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm selbst
+unendlich ist.
+
+Das Verhältniß überhaupt ist
+
+1. das direkte Verhältniß. In demselben tritt das Qualitative noch
+nicht als solches für sich heraus; es ist noch in keiner weitern Weise,
+als der des Quantums, daß dieses in seiner Äußerlichkeit selbst seine
+Bestimmtheit zu haben gesetzt ist.—Das quantitative Verhältniß ist an
+sich der Widerspruch der Äußerlichkeit und der Beziehung auf sich
+selbst, des Bestehens der Quantorum und der Negation derselben;—er hebt
+sich auf, indem zunächst
+
+2. im indirekten Verhältnisse, die Negation des einen Quantums als
+solche mit in der Veränderung des andern, und die Veränderlichkeit des
+direkten Verhältnisses selbst, gesetzt wird;
+
+3. im Potenzenverhältniß aber macht sich die in ihrem Unterschiede sich
+auf sich beziehende Einheit als einfache Selbstproduktion des Quantums
+geltend; dieß Qualitative selbst endlich in einfacher Bestimmung und
+identisch mit dem Quantum gesetzt, wird das Maaß.
+
+—Über die Natur der folgenden Verhältnisse ist Vieles in den
+vorhergehenden Anmerkungen, welche das Unendliche der Quantität, d. i.
+das qualitative Moment an derselben, betreffen, anticipirt worden; es
+bleibt daher nur der abstrakte Begriff dieser Verhältnisse auseinander
+zu setzen.
+
+A. Das direkte Verhältniß.
+
+1. Im Verhältnisse, welches als unmittelbar das direkte ist, liegt die
+Bestimmtheit des einen Quantums gegenseitig in der Bestimmtheit des
+andern. Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beider, die selbst
+Quantum ist, der Exponent des Verhältnisses.
+
+2. Der Exponent ist irgend ein Quantum, aber in seiner Äußerlichkeit an
+ihm selbst sich auf sich beziehendes, qualitativ bestimmtes Quantum ist
+er nur, insofern er den Unterschied seiner, sein Jenseits und
+Andersseyn an ihm selbst hat. Dieser Unterschied des Quantums an ihm
+selbst aber ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl; die
+Einheit—das Fürsich-bestimmtseyn; die Anzahl—das gleichgültige Hin- und
+Hergehen an der Bestimmtheit, die äußere Gleichgültigkeit des Quantums.
+Einheit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quantums; jetzt im
+Verhältnisse, dem insofern realisirten Quantum, erscheint jedes seiner
+Momente als ein eignes Quantum, und als Bestimmungen seines Daseyns,
+als Begrenzungen gegen die sonst nur äußerliche, gleichgültige
+Größebestimmtheit.
+
+Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit d. h. er
+hat unmittelbar die Bedeutung beider Bestimmungen an ihm selbst. Er ist
+erstens Quantum; so ist er die Anzahl; wenn die eine Seite des
+Verhältnisses, welche als Einheit genommen wird, als numerisches Eins
+ausgedrückt ist, und sie gilt nur für solches, so ist die andere, die
+Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst. Zweitens ist er die einfache
+Bestimmtheit als das Qualitative der Seiten des Verhältnisses; wenn das
+Quantum der einen bestimmt ist, ist auch das andere durch den
+Exponenten bestimmt, und es ist völlig gleichgültig, wie das erste
+bestimmt wird; es hat als für sich bestimmtes Quantum keine Bedeutung
+mehr, sondern kann ebenso gut jedes Andere seyn, ohne die Bestimmtheit
+des Verhältnisses zu ändern, die allein auf dem Exponenten beruht. Das
+eine, welches als Einheit genommen ist, bleibt, wie groß es werde,
+immer Einheit, und das andere, wie groß es ebenso dabei werde, muß
+dieselbe Anzahl jener Einheit bleiben.
+
+3. Hiernach machen beide eigentlich nur Ein Quantum aus, das eine hat
+gegen das andere, nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das
+andre nur den der Anzahl; nach ihrer Begriffsbestimmtheit sind sie
+selbst somit nicht vollständige Quanta. Diese Unvollständigkeit aber
+ist eine Negation an ihnen und dieß nicht nach ihrer Veränderlichkeit
+überhaupt, nach der das Eine (und jedes ist Eines der beiden) alle
+mögliche Größe annehmen kann, sondern nach der Bestimmung, daß wenn das
+eine verändert wird, das andere um ebenso viel vermehrt oder vermindert
+wird; dieß heißt, wie gezeigt, nur das Eine, die Einheit, wird als
+Quantum verändert, die andere Seite, die Anzahl, bleibt dasselbe
+Quantum von Einheiten, aber auch jene bleibt ebenso nur als Einheit
+geltend, sie werde als Quantum verändert wie sie wolle. Jede Seite ist
+so nur eines der beiden Momente des Quantums, und die
+Selbstständigkeit, die zu dessen Eigenthümlichkeit gehört, ist an sich
+negirt; in diesem qualitativen Zusammenhange sind sie als negative
+gegen einander zu setzen.
+
+Der Exponent soll das vollständige Quantum seyn, indem die Bestimmung
+der beiden Seiten in ihm zusammenläuft; er hat aber in der That als
+Quotient selbst nur den Werth der Anzahl, oder der Einheit. Es ist
+keine Bestimmung vorhanden, welche der Seiten des Verhältnisses als die
+Einheit oder als die Anzahl genommen werden müße; die eine, das Quantum
+B an dem Quantum A als der Einheit gemessen, so ist der Quotient C die
+Anzahl solcher Einheiten; aber A selbst als Anzahl genommen, ist der
+Quotient C die Einheit, welche zu der Anzahl A für das Quantum B
+erfordert wird; dieser Quotient ist als Exponent somit nicht als das
+gesetzt, was er seyn soll,—das Bestimmende des Verhältnisses, oder als
+seine qualitative Einheit. Als diese ist er nur gesetzt, insofern er
+den Werth hat, die Einheit der beiden Momente, der Einheit und der
+Anzahl, zu seyn. Indem diese Seiten zwar als Quanta, wie sie in dem
+expliciten Quantum, dem Verhältnisse, seyn sollen, vorhanden sind, aber
+zugleich nur in dem Wertbe, den sie als dessen Seiten haben sollen,
+unvollständige Quanta zu seyn und nur als eines jener qualitativen
+Momente zu gelten, so sind sie mit dieser ihrer Negation zu setzen;
+womit ein seiner Bestimmung entsprechenderes reelleres Verhältniß
+entsteht, worin der Exponent die Bedeutung des Produkts derselben hat;
+nach dieser Bestimmtheit ist es das umgekehrte Verhältniß.
+
+B. Das umgekehrte Verhältniß.
+
+1. Das Verhältniß, wie es sich nun ergeben, ist das aufgehobene direkte
+Verhältniß; es war das unmittelbare, somit noch nicht wahrhaft
+bestimmte; nunmehr ist die Bestimmtheit so hinzugekommen, daß der
+Exponent als Produkt, Einheit der Einheit und der Anzahl, gilt. Nach
+der Unmittelbarkeit konnte er gleichgültig ebensowohl als Einheit wie
+als Anzahl genommen werden, wie vorhin gezeigt worden; womit er auch
+nur als Quantum überhaupt und damit vorzugsweise als Anzahl war; die
+eine Seite war die Einheit, und als Eins zu nehmen, zu welcher die
+andere eine fixe Anzahl sey, die zugleich der Exponent ist; dessen
+Qualität war somit nur dieß, daß dieß Quantum als festes genommen oder
+vielmehr das Feste nur den Sinn des Quantums hat.
+
+In dem umgekehrten Verhältnisse nun ist der Exponent gleichfalls als
+Quantum ein unmittelbares, und irgend eines als festes angenommen. Aber
+dieß Quantum ist nicht fixe Anzahl zu dem Eins des andern Quantums im
+Verhältnisse; dieses im vorhergehenden feste Verhältniß ist nun
+vielmehr als veränderlich gesetzt; wenn zum Eins der einen Seite ein
+anderes Quantum genommen wird, so bleibt nun die andere nicht mehr
+dieselbe Anzahl von Einheiten der ersten. Im direkten Verhältnisse ist
+diese Einheit nur das gemeinschaftliche beider Seiten; sie als solche
+kontinuirt sich in die andere Seite, in die Anzahl; die Anzahl selbst
+für sich, oder der Exponent, ist gegen die Einheit gleichgültig.
+
+Wie nunmehr aber die Bestimmtheit des Verhältnisses ist, wird die
+Anzahl als solche gegen das Eins, zu dem sie die andere Seite des
+Verhältnisses ausmacht, verändert; je nachdem zum Eins ein anderes
+Quantum genommen wird, wird sie eine andere. Der Exponent ist daher
+zwar auch nur ein unmittelbares nur beliebig als fest angenommenes
+Quantum, aber er erhält sich nicht als solches in der Seite des
+Verhältnisses, sondern diese und damit das direkte Verhältniß der
+Seiten ist veränderlich. Hiermit ist, in dem nunmehrigen Verhältnisse,
+der Exponent, als das bestimmende Quantum, negativ gegen sich als
+Quantum des Verhältnisses, hiermit als qualitativ als Grenze gesetzt,
+daß also das Qualitative für sich im Unterschied gegen das Quantitative
+hervortritt.—In dem direkten Verhältnisse ist die Veränderung der
+beiden Seiten nur die Eine Veränderung des Quantums, als welches die
+Einheit, die das Gemeinschaftliche ist, genommen wird, um so viel also
+die eine Seite vergrößert oder vermindert wird, um so viel auch die
+andere; das Verhältniß selbst ist gegen diese Veränderung gleichgültig,
+sie ist ihm äußerlich. Im indirekten Verhältnisse aber ist die
+Veränderung, obgleich nach dem gleichgültigen quantitativen Momente
+auch beliebig, innerhalb des Verhältnisses gehalten, und auch dieß
+beliebige quantitative Hinausgehen durch die negative Bestimmtheit des
+Exponenten, als durch eine Grenze, beschränkt.
+
+2. Diese qualitative Natur des indirekten Verhältnisses ist noch näher,
+nämlich in ihrer Realisation zu betrachten, und die Verwicklung des
+Affirmativen mit dem Negativen, die darin enthalten ist, auseinander zu
+setzen.—Es ist das Quantum gesetzt, als qualitativ das Quantum d. i.
+sich selbst bestimmend, als Grenze seiner an ihm sich darstellend. Es
+ist hiermit erstens eine unmittelbare Größe als einfache Bestimmtheit,
+das Ganze als seyendes, affirmatives Quantum. Aber zweitens ist diese
+unmittelbare Bestimmtheit zugleich Grenze; dafür ist es in zwei Quanta
+unterschieden, die zunächst andere gegeneinander sind; aber als deren
+qualitative Bestimmtheit, und zwar dieselbe als vollständig ist es die
+Einheit der Einheit und der Anzahl, Produkt, dessen Faktoren sie sind.
+So ist der Exponent ihres Verhältnisses eines Theils in ihnen identisch
+mit sich, und das Affirmative derselben, wonach sie Quanta sind; andern
+Theils ist er als die an ihnen gesetzte Negation die Einheit an ihnen,
+nach der zunächst jedes, ein unmittelbares, begrenztes Quantum
+überhaupt, zugleich so ein begrenztes ist, daß es nur an sich identisch
+mit seinem Andern ist. Drittens ist er als die einfache Bestimmtheit,
+die negative Einheit dieser seiner Unterscheidung in die zwei Quanta
+und die Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens.
+
+Nach diesen Bestimmungen begrenzen sich die beiden Momente innerhalb
+des Exponenten und sind das eine das Negative des andern, da er ihre
+bestimmte Einheit ist; das eine wird um so vielmal kleiner, als das
+andere größer wird, jedes hat insofern seine Größe, als es die des
+andern an ihm hat, als dem andern mangelt. Jede kontinuirt sich auf
+diese Weise negativ in die andere; soviel sie an Anzahl ist, hebt sie
+an der andern als Anzahl auf, und ist, was sie ist, nur durch die
+Negation oder Grenze, die an ihr von der andern gesetzt wird. Jede
+enthält auf diese Weise auch die andere, und ist an ihr gemessen, denn
+jede soll nur das Quantum seyn, das die andere nicht ist; für den Werth
+jeder ist die Größe der andern unentbehrlich und damit untrennbar von
+ihr.
+
+Diese Kontinuität jeder in der Andern macht das Moment der Einheit aus,
+wodurch sie im Verhältnisse sind;—der Einen Bestimmtheit, der einfachen
+Grenze, die der Exponent ist. Diese Einheit, das Ganze, macht das
+Ansichseyn einer jeden aus, von dem ihre vorhandene Größe unterschieden
+ist, nach welcher jedes nur ist, insofern sie der andern von ihrem
+gemeinsamen Ansichseyn, dem Ganzen, entzieht. Aber sie kann nur so
+viel, als sie diesem Ansichseyn gleich macht, der andern entziehen, sie
+hat an dem Exponent ihr Maximum, der nach der angegebenen zweiten
+Bestimmung die Grenze ihrer gegenseitigen Begrenzung ist. Und indem
+jede nur insofern Moment des Verhältnisses ist, als sie die andere
+begrenzt und damit von der andern begrenzt wird, so verliert sie diese
+ihre Bestimmung, indem sie sich ihrem Ansichseyn gleich macht; die
+andere Größe wird nicht nur darin Null, sondern sie selbst
+verschwindet, da sie nicht bloßes Quantum, sondern was sie als solches
+ist, nur als solches Verhältnißmoment seyn soll. So ist jede Seite der
+Widerspruch der Bestimmung, als ihres Ansichseyns, d. i. der Einheit
+des Ganzen, das der Exponent ist, und der Bestimmung, als
+Verhältnißmomentes; dieser Widerspruch ist wieder die Unendlichkeit, in
+einer neuen eigenthümlichen Form.
+
+Der Exponent ist Grenze der Seiten seines Verhältnisses, innerhalb
+deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, dem sie nach der affirmativen
+Bestimmtheit, die er als Quantum ist, nicht gleich werden können. So
+als Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens ist er à) ihr Jenseits, deni
+sie sich unendlich nähern, aber das sie nicht erreichen können. Diese
+Unendlichkeit, als in der sie sich ihm nähern, ist die schlechte des
+unendlichen Progresses; sie ist selbst endlich, hat in ihrem
+Gegentheil, in der Endlichkeit jeder Seite und des Exponenten selbst,
+ihre Schranke, und ist daher nur Näherung. Aber ß) die schlechte
+Unendlichkeit ist hier zugleich gesetzt, als das was sie in Wahrheit
+ist, nämlich nur das negative Moment überhaupt, nach welchem der
+Exponent gegen die unterschiedenen Quanta des Verhältnisses die
+einfache Grenze als das Ansichseyn ist, auf das ihre Endlichkeit, als
+das schlechthin Veränderliche, bezogen wird, aber schlechthin von ihnen
+verschieden, als ihre Negation, bleibt. Dieß Unendliche, dem sich
+dieselben nur annähern können, ist dann gleichfalls als affirmatives
+Diesseits vorhanden und gegenwärtig; das simple Quantum des Exponenten.
+Darin ist das Jenseits, mit dem die Seiten des Verhältnisses behaftet
+sind, erreicht; es ist an sich die Einheit beider oder damit an sich
+die andre Seite einer jeden; denn jede hat nur so viel Werth, als die
+andere nicht hat, ihre ganze Bestimmtheit liegt so in der andern, und
+dieß ihr Ansichseyn ist als affirmative Unendlichkeit einfach der
+Exponent.
+
+3. Hiermit aber hat sich der Übergang des umgekehrten Verhältnisses in
+eine andere Bestimmung ergeben, als es zunächst hatte. Diese bestand
+darin, daß ein Quantum als unmittelbares zugleich auf ein anderes die
+Beziehung hat, um so viel größer zu seyn, als dieses kleiner ist, durch
+negatives Verhalten gegen das andere zu seyn, was es ist; ebenso ist
+eine dritte Größe die gemeinsame Schranke dieses ihres Größerwerdens.
+Diese Veränderung ist hier, im Gegensatze gegen das Qualitative als
+feste Grenze, ihre Eigenthünilichkeit; sie haben die Bestimmung von
+veränderlichen Größen, für welche jenes Feste ein unendliches Jenseits
+ist.
+
+Die Bestimmungen aber, die sich gezeigt und die wir zusammen zu fassen
+haben, sind, nicht nur, daß dieß unendliche Jenseits zugleich als ein
+gegenwärtiges und irgend ein endliches Quantum ist, sondern daß seine
+Festigkeit, wodurch es solches unendliches Jenseits gegen das
+Quantitative ist, und die das Qualitative des Seyns nur als abstrakte
+Beziehung auf sich selbst ist, sich als Vermittelung seiner in seinem
+Andern, den Endlichen des Verhältnisses, mit sich selbst, entwickelt
+hat. Das Allgemeine hiervon liegt darin, daß überhaupt das Ganze als
+Exponent die Grenze des gegenseitigen Begrenzens der beiden Glieder,
+also die Negation der Negation, somit die Unendlichkeit, affirmatives
+Verhalten zu sich selbst, gesetzt ist. Das Bestimmtere ist, daß an sich
+der Exponent schon als Produkt die Einheit der Einheit und der Anzahl,
+jedes der beiden Glieder aber nur das eine dieser beiden Momente ist,
+wodurch er sie also in sich schließt und in ihnen an sich sich auf sich
+bezieht. Aber der Unterschied ist im umgekehrten Verhältnisse zur
+Äußerlichkeit des quantitativen Seyns entwickelt, und das Qualitative
+nicht bloß das Feste, noch nur die Momente unmittelbar in sich
+einschließend, sondern in dem außersichseyenden Andersseyn sich mit
+sich zusammenschließend vorhanden. Diese Bestimmung ist es, die sich
+als Resultat in den Momenten, die sich gezeigt, heraushebt. Der
+Exponent ergiebt sich nämlich als das Ansichseyn, dessen Momente in
+Quantis und in deren Veränderlichkeit überhaupt realisirt ist; die
+Gleichgültigkeit ihrer Größen in ihrer Veränderung stellt sich als
+unendlicher Progreß dar; was dem zu Grunde liegt, ist, daß in ihrer
+Gleichgültigkeit dieß ihre Bestimmtheit ist, ihren Werth in dem Werthe
+des andern zu haben, somit à) nach der affirmativen Seite ihres
+Quantums an sich das Ganze des Exponenten zu seyn. Ebenso haben sie ß)
+für ihr negatives Moment, für ihr gegenseitiges Begrenzen die Größe des
+Exponenten, ihre Grenze ist die seinige. Daß sie keine andere immanente
+Grenze, eine feste Unmittelbarkeit, mehr haben, ist in dem unendlichen
+Progresse ihres Daseyns und ihrer Begrenzung, in der Negation jedes
+besondern Werthes, gesetzt. Diese ist hiernach die Negation des
+Außersichseyns des Exponenten, das in ihnen dargestellt ist, und
+dieser, d. i. zugleich selbst ein Quantum überhaupt, und in Quanta auch
+ausgelegt, ist damit gesetzt, als das in der Negation ihres
+gleichgültigen Bestehens sich Erhaltende, mit sich Zusammengehende, so
+das Bestimmende solchen Hinausgehens über sich, zu seyn.
+
+Das Verhältniß ist hiermit zum Potenzenverhältniß bestimmt.
+
+C. Potenzverhältniß.
+
+1. Das Quantum in seinem Andersseyn sich identisch mit sich setzend,
+sein Hinausgehen über sich selbst bestimmend, ist zum Fürsichseyn
+gekommen. So qualitative Totalität, indem sie sich als entwickelt
+setzt, hat sie zu ihren Momenten die Begriffsbestimmungen der Zahl, die
+Einheit und die Anzahl; die letztere ist noch im umgekehrten
+Verhältnisse eine nicht durch die erstere selbst als solche, sondern
+anderswoher, durch ein Drittes bestimmte Menge; nun ist sie nur durch
+jene bestimmt gesetzt. Dieß ist der Fall im Potenzenverhältnisse, wo
+die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zugleich die Anzahl gegen
+sich als Einheit ist. Das Andersseyn, die Anzahl der Einheiten, ist die
+Einheit selbst. Die Potenz ist eine Menge von Einheiten, deren jede
+diese Menge selbst ist. Das Quantum als gleichgültige Bestimmtheit
+verändert sich; aber insofern diese Verändernng ein Erheben in die
+Potenz ist, ist dieß sein Andersseyn rein durch sich selbst
+begrenzt.—Das Quantum ist so in der Potenz als in sich selbst
+zurückgekehrt gesetzt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein
+Andersseyn.
+
+Der Exponent dieses Verhältnisses ist nicht mehr ein unmittelbares
+Quantum, wie im direkten, und auch im umgekehrten Verhältnisse. Er ist
+im Potenzenverhältniß ganz qualitativer Natur, diese einfache
+Bestimmtheit, daß die Anzahl die Einheit selbst, das Quantum in seinem
+Andersseyn mit sich selbst identisch ist. Darin liegt zugleich die
+Seite seiner quantitativen Natur, daß die Grenze oder Negation nicht
+als unmittelbar seyendes, sondern das Daseyn als in sein Andersseyn
+kontinuirt gesetzt ist; denn die Wahrheit der Qualität ist eben dieß,
+Quantität, die unmittdbare Bestimmtheit als aufgehobene, zu seyn.
+
+2. Das Potenzenverhältniß erscheint zunächst als eine äußere
+Veränderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird; es hat aber
+die engere Beziehung auf den Begriff des Quantums, daß dieses in dem
+Daseyn, zu welchem es in jenem Verhältnisse fortgebildet ist, denselben
+erreicht, ihn auf vollständige Weise realisirt hat; dieß Verhältniß ist
+die Darstellung dessen, was das Quantum an sich ist, und drückt dessen
+Bestimmtheit oder Qualität aus, wodurch es sich von anderem
+unterscheidet. Das Quantum ist die gleichgültige, als aufgehoben
+gesetzte Bestimmtheit, das heißt, die Bestimmtheit als Grenze, welche
+ebenso sehr keine ist, in ihr Andersseyn sich kontinuirt, in ihm sich
+also identisch mit sich bleibt; so ist es im Potenzenverhältniß
+gesetzt; sein Andersseyn, Hinausgehen über sich in ein anders Quantum,
+als durch es selbst bestimmt.
+
+Vergleichen wir den Fortgang dieser Realisirung in den bisherigen
+Verhältnissen, so ist die Qualität des Quantums, als Unterschied seiner
+von sich selbst gesetzt zu seyn, überhaupt dieß, Verhältniß zu seyn.
+Als direktes Verhältniß ist es als solcher gesetzte Unterschied nur
+erst überhaupt oder unmittelbar, so daß seine Beziehung auf sich
+selbst, die es gegen seine Unterschiede, als der Exponent hat, nur als
+die Festigkeit einer Anzahl der Einheit gilt. Im umgekehrten Verhältniß
+ist das Quantum in negativer Bestimmung ein Verhalten seiner zu sich
+selbst,—zu sich als seiner Negation, in der es aber seinen Werth hat;
+als affirmative Beziehung auf sich ist es ein Exponent, der als Quantum
+nur an sich das Bestimmende seiner Momente ist. Im Potenzenverhältniß
+aber ist es in dem Unterschied als seiner von sich selbst vorhanden.
+Die Äußerlichkeit der Bestimmtheit ist die Qualität des Quantums, diese
+Äußerlichkeit ist so nun seinem Begriffe gemäß als sein eigenes
+Bestimmen, als seine Beziehung auf sich selbst, seine Qualität,
+gesetzt.
+
+3. Damit aber, daß das Quantum gesetzt ist, wie es seinem Begriffe
+gemäß ist, ist es in eine andere Bestimmung übergegangen; oder wie es
+auch ausgedrückt werden kann, daß seine Bestimmung nun auch als die
+Bestimmtheit, das Ansichseyn auch als Daseyn ist. Es ist als Quantum,
+insofern die Äußerlichkeit oder Gleichgültigkeit des Bestimmtseyns
+(—daß es das ist, wie man sagt, was vergrößert oder vermindert werden
+kann) nur einfach oder unmittelbar gilt und gesetzt ist; es ist zu
+seinem Andern, der Qualität, geworden, insofern jene Äußerlichkeit nun
+als vermittelt durch es selbst, so als ein Moment gesetzt ist, daß es
+eben in ihr sich auf sich selbst bezieht, Seyn als Qualität ist.
+
+Zunächst erscheint also die Quantität als solche der Qualität
+gegenüber; aber die Quantität ist selbst eine Qualität, sich auf sich
+beziehende Bestimmtheit überhaupt, unterschieden von der ihr andern
+Bestimmtheit, von der Qualität als solcher. Allein sie ist nicht nur
+eine Qualität, sondern die Wahrheit der Qualität selbst ist die
+Quantität; jene hat sich als in diese übergehend gezeigt. Die Quantität
+ist dagegen in ihrer Wahrheit die in sich selbst zurückgekehrte, nicht
+gleichgültige Äußerlichkeit. So ist sie die Qualität selbst, so daß
+außer dieser Bestimmung nicht die Qualität als solche noch etwas
+wäre.—Daß die Totalität gesetzt sey, dazu gehört der gedoppelte
+Übergang, nicht nur der der einen Bestimmtheit in ihre andere, sondern
+ebenso der Übergang dieser andern, ihr Rückgang, in die erste. Durch
+den ersten ist nur erst an sich die Identität beider vorhanden;—die
+Qualität ist in der Quantität enthalten, die aber damit noch eine
+einseitige Bestimmtheit ist. Daß diese umgekehrt ebenso in der ersten
+enthalten, sie ebenso nur als aufgehobene ist, ergiebt sich im zweiten
+Übergang,—der Rückkehr in das erste; diese Bemerkung über die
+Nothwendigkeit des doppelten Übergangs ist von großer Wichtigkeit für
+das Ganze der wissenschaftlichen Methode.
+
+Das Quantum nunmehr als gleichgültige oder äußerliche Bestimmung, so
+daß es ebenso als solche aufgehoben, und die Qualität und das ist,
+wodurch etwas das ist, was es ist, ist die Wahrheit des Quantums, Maaß
+zu seyn.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist oben, in den Anmerkungen über das Quantitativ-Unendliche
+auseinander gesetzt worden, daß dieses so wie die Schwierigkeiten, die
+sich darüber ergeben, in dem qualitativen Momente, das sich im
+Quantitativen hervorthut, ihren Ursprung haben, und wie das Qualitative
+des Potenzenverhältnisses insbesondere, in die mannigfaltigen
+Entwickelungen und Verwickelungen ausgeht; als der Grundmangel, der die
+Auffassung des Begriffes verhindert, wurde auf gezeigt, daß bei dem
+Unendlichen nur nach der negativen Bestimmung, die Negation des
+Quantums zu seyn, stehen geblieben und nicht zu der einfachen
+Bestimmung, dem Affirmativen, daß dieses das Qualitative ist,
+fortgegangen wird.—Hier bleibt nur übrig, noch eine Bemerkung über die
+in der Philosophie geschehene Einmischung von Formen des Quantitativen
+in die reinen qualitativen Formen des Denkens, zu machen. Besonders ist
+es das Potenzenverhältniß, welches in neuerer Zeit auf
+Begriffsbestimmungen angewendet worden ist. Der Begriff in seiner
+Unmittelbarkeit wurde die erste Potenz, in seinem Andersseyn oder der
+Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweite, und in seiner
+Rückkehr in sich oder als Totalität die dritte Potenz genannt.
+—Hiergegen fällt sogleich auf, daß die Potenz so gebraucht eine
+Kategorie ist, die dem Quantum wesentlich angehört;—es ist bei diesen
+Potenzen nicht an die potentia,… des Aristoteles gedacht. So drückt das
+Potenzenverhältniß die Bestimmtheit aus, wie dieselbe als der
+Unterschied, wie er im besondern Begriffe des Quantums ist, zu seiner
+Wahrheit gelangt, aber nicht wie derselbe am Begriffe als solchem ist.
+Das Quantum enthält die Negativität, welche zur Natur des Begriffs
+gehört, noch gar nicht in dessen eigenthümlicher Bestimmung gesetzt;
+Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind oberflächliche
+Bestimmungen für den Begriff selbst; sie sind noch weit entfernt,
+bestimmt zu seyn, wie sie es im Begriffe sind. Es ist in der Kindheit
+des Philosophirens, daß wie von Pythagoras Zahlen—und erste, zweite
+Potenz u.s.f. haben insofern vor Zahlen nichts voraus,—zur Bezeichnung
+allgemeiner, wesentlicher Unterschiede gebraucht worden sind. Es war
+dieß eine Vorstufe des reinen denkenden Erfassens; nach Pythagoras erst
+sind die Gedankenbestimmungen selbst erfunden, d. i. für sich zum
+Bewußtseyn gebracht worden. Aber von solchen weg zu Zahlenbestimmungen
+zurückzugehen, gehört einem sich unvermögend fühlenden Denken an, das
+nun im Gegensatze gegen vorhandene philosophische Bildung, die an
+Gedankenbestimmungen gewohnt ist, selbst das Lächerliche hinzufügt,
+jene Schwäche für etwas Neues, Vornehmes und für einen Fortschritt
+geltend machen zu wollen.
+
+Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Symbol gebraucht wird, so ist
+dagegen so wenig zu sagen, als gegen die Zahlen oder Symbole anderer
+Art für Begriffe; aber zugleich ebenso viel, als gegen alle Symbolik
+überhaupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische Bestimmungen
+dargestellt werden sollen. Die Philosophie bedarf solche Hülfe nicht,
+weder aus der sinnlichen Welt, noch aus der vorstellenden
+Einbildungskraft, auch nicht aus Sphären ihres eigenthümlichen Bodens,
+welche untergeordnet sind, deren Bestimmungen daher nicht für höhere
+Kreise und für das Ganze passen. Das Letztere geschieht, wenn überhaupt
+Kategorien des Endlichen auf das Unendliche angewendet werden; die
+geläufigen Bestimmungen von Kraft, oder Substantialität, Ursache und
+Wirkung u.s.f. sind gleichfalls nur Symbole für den Ausdruck z.B.
+lebendiger oder geistiger Verhältnisse, d. i. unwahre Bestimmungen für
+dieselben, so noch mehr die Potenzen des Quantums und gezählte
+Potenzen, für dergleichen und für spekulative Verhältnisse
+überhaupt.—Wenn Zahlen, Potenzen, das Mathematisch-Unendliche und
+dergleichen nicht als Symbole, sondern als Formen für philosophische
+Bestimmungen, und damit selbst als philosophische Formen sollen
+gebraucht werden, so müßte vor Allem ihre philosophische Bedeutung, d.
+i. ihre Begriffsbestimmtheit aufgezeigt werden. Geschieht dieß, so sind
+sie selbst überflüssige Bezeichnungen; die Begriffsbestimmtheit
+bezeichnet sich selbst, und ihre Bezeichnung ist allein die richtige
+und passende. Der Gebrauch jener Formen ist darum weiter nichts, als
+ein bequemes Mittel, es zu ersparen, die Begriffsbestimmungen zu
+fassen, anzugeben und zu rechtfertigen.
+
+
+
+
+Dritter Abschnitt. Das Maaß.
+
+
+Im Maaße sind, abstrakt ausgedrückt, Qualität und Quantität vereinigt.
+Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit der Bestimmtheit mit
+sich selbst. Diese Unmittelbarkeit der Bestimmtheit hat sich
+aufgehoben. Die Quantität ist das so in sich zurückgekehrte Seyn, daß
+es einfache Gleichheit mit sich als Gleichgültigkeit gegen die
+Bestimmtheit ist. Aber diese Gleichgültigkeit ist nur die
+Äußerlichkeit, nicht an sich selbst, sondern in Anderem die
+Bestimmtheit zu haben. Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst
+beziehende Äußerlichkeit; als Beziehung auf sich ist es zugleich
+aufgehobene Äußerlichkeit, und hat an ihr selbst den Unterschied von
+sich,—der als Äußerlichkeit das quantitative, als in sich
+zurückgenommene, das qualitative Moment ist.
+
+Indem die Modalität, unter den Kategorien des transcendentalen
+Idealismus, nach der Quantität und Qualität, auf Einschiebung der
+Relation, aufgeführt wird, so kann derselben hier erwähnt werden. Diese
+Kategorie hat daselbst die Bedeutung, die Beziehung des Gegenstandes
+auf das Denken zu seyn. Im Sinne jenes Idealismus ist das Denken
+überhaupt dem Ding-an-sich wesentlich äußerlich. Insofern die andern
+Kategorien nur die transcendentale Bestimmung haben, dem Bewußtseyn,
+aber als das Objektive desselben, anzugehören, so enthält die
+Modalität, als die Kategorie der Beziehung auf das Subjekt, insofern
+relativ die Bestimmung der Reflexion in sich; d.h. die Objektivität,
+welche den andern Kategorien zukomme, mangelt denen der Modalität;
+diese vermehren, nach Kants Ausdruck, den Begriffe als Bestimmung des
+Objekts nicht im mindesten, sondern drücken nur das Verhältniß zum
+Erkenntnißvermögen aus, (Kr. d. rein. Vern. 2te Aufl. s. S. 99,
+266).—Die Kategorien, die Kant unter der Modalität zusammenfaßt,
+Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit, werden in der Folge an
+ihrer Stelle vorkommen; Kant hat die unendlich wichtige Form der
+Triplicität, so sehr sie bei ihm nur erst als ein formeller Lichtfunken
+erschienen, nicht auf die Gattungen seiner Kategorien (Quantität,
+Qualität u.s.f.) wie auch diesen Namen, nur auf deren Arten angewendet;
+daher hat er nicht auf das Dritte der Qualität und Quantität kommen
+können.
+
+Bei Spinoza ist der Modus nach Substanz und Attribut gleichfalls das
+Dritte; er erklärt ihn für die Affektionen der Substanz, oder für
+dasjenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen
+wird. Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur die Äußerlichkeit als
+solche; wie sonst erinnert worden, daß bei Spinoza überhaupt der
+starren Substantialität die Rückkehr in sich selbst fehlt.
+
+Die hier gemachte Bemerkung dehnt sich allgemeiner auf die Systeme des
+Pantheismus aus, welche der Gedanke etwas ausgebildet hat. Das Seyn,
+das Eine, die Substanz, das Unendliche, das Wesen ist das Erste; gegen
+dieses Abstraktum kann das Zweite, alle Bestimmtheit, überhaupt als das
+nur Endliche, nur Accidentelle, Vergängliche, Außer- und Unwesentliche
+u.s.f., ebenso abstrakt zusammengefaßt werden wie in dem ganz formalen
+Denken gewöhnlich und zunächst geschieht. Aber es drängt sich zu sehr
+der Zusammenhang dieses Zweiten mit dem Ersten auf, um es nicht
+zugleich in einer Einheit mit demselben zu fassen, wie das Attribut bei
+Spinoza die ganze Substanz ist, aber von dem Verstand, selbst einer
+Beschränkung oder Modus, gefaßt; der Modus aber, das Nichtsubstantielle
+überhaupt, das nur aus einem Andern gefaßt werden kann, macht so das
+andere Extrem zu der Substanz, das Dritte überhaupt, aus. Der indische
+Pantheismus hat in seiner ungeheuern Phantasterei gleichfalls, abstrakt
+genommen, diese Ausbildung erhalten, die sich durch ihr Maßloses
+hindurch als ein mässigender Faden zu einigem Interesse zieht, daß
+Brahm, das Eine des abstrakten Denkens durch die Gestaltung in Wischnu
+besonders in der Form Krischnas, zu dem Dritten, Siwa, fortgeht. Die
+Bestimmung dieses Dritten ist der Modus, Veränderung, Entstehen und
+Vergehen, das Feld der Äußerlichkeit überhaupt. Wenn diese indische
+Dreiheit zu einer Vergleichung nut der christlichen verleitet hat, so
+ist in ihnen zwar ein gemeinsames Element der Begriffsbestimmung zu
+erkennen, aber über den Unterschied ist wesentlich ein bestimmteres
+Bewußtseyn zu fassen; derselbe ist nicht nur unendlich, sondern die
+wahrhafte Unendlichkeit macht den Unterschied selbst aus. Jenes dritte
+Princip ist seiner Bestimmung nach das Auseinanderfahren der
+substantiellen Einheit, in ihr Gegegentheil, nicht die Rückkehr
+derselben zu sich, —das Geistlose vielmehr, nicht der Geist. In der
+wahrhaften Dreiheit, ist nicht nur Einheit, sondern Einigkeit, der
+Schluß zur inhaltsvollen und wirklichen Einheit, die in ihrer ganz
+konkreten Bestimmung der Geist ist, gebracht. Jenes Princip des Modus
+und der Veränderung schließt wohl die Einheit nicht überhaupt aus; wie
+nämlich im Spinozismus eben der Modus als solcher das Unwahre und nur
+die Substanz das wahrhafte ist, Alles auf diese zurückgeführt werden
+soll, welches dann ein Versenken alles Inhalts in die Leerheit, in nur
+formelle, inhaltslose Einheit ist, so ist auch Siwa wieder das große
+Ganze, von Brahm nicht unterschiedene, Brahm selbst; d. h. der
+Unterschied und die Bestimmtheit verschwindet nur wieder, aber wird
+nicht aufbewahrt, nicht aufgehoben, und die Einheit wird nicht zur
+konkreten Einheit, die Entzweiung nicht zur Versöhnung zurückgeführt.
+Das höchste Ziel für den in die Sphäre des Entstehens und Vergehens,
+der Modalität überhaupt versetzten Menschen ist die Versenkung in die
+Bewußtlosigkeit, die Einheit mit Brahm, die Vernichtung; dasselbe ist
+das buddhistische Nirvana, Nieban u.s.f.
+
+Wenn nun der Modus überhaupt die abstrakte Äußerlichkeit, die
+Gleichgültigkeit gegen die qualitativen wie gegen die quantitativen
+Bestimmungen ist, und es im Wesen auf das Äußerliche, Unwesentliche
+nicht ankommen soll, so wird auch wieder in Vielem zugestanden, daß
+alles auf die Art und Weise ankomme; der Modus wird damit selbst für
+wesentlich zum Substantiellen einer Sache gehörig erklärt; in welcher
+sehr unbestimmten Beziehung wenigstens dieß liegt, daß dieß Äußerliche
+nicht so abstrakt das Äußerliche sey.
+
+Hier hat der Modus die bestimmte Bedeutung das Maaß zu seyn. Der
+Spinozistische Modus, wie das indische Princip der Veränderung ist das
+Maaßlose. Das griechische selbst noch unbestimmte Bewußtseyn, daß Alles
+ein Maaß hat, so daß selbst Parmenides nach dem abstrakten Seyn die
+Nothwendigkeit, als die alte Grenze, die Allem gesetzt ist, eingeführt,
+ist der Anfang eines viel höhern Begriffs als die Substanz und der
+Unterschied des Modus von derselben enthält.-Das entwickeltere,
+reflektirtere Maaß ist die Nothwendigkeit; das Schicksal, die Nemesis,
+schränkt sich im Allgemeinen auf die Bestimmtheit des Maaßes ein, daß
+was sich vermesse, zu groß, zu hoch mache, auf das andere Extrem der
+Herabsetzung zur Nichtigkeit reducirt, und damit die Mitte des Maaßes,
+die Mittelmäßigkeit, hergestellt werde.—Das Absolute, Gott ist das Maaß
+aller Dinge, ist nicht stärker pantheistisch als die Definition: das
+Absolute, Gott ist das Seyn, aber unendlich wahrhafter.—Das Maaß ist
+zwar äußerliche Art und Weise, ein Mehr oder Weniger, welches aber
+zugleich ebenso in sich reflektirt, nicht bloß gleichgültige und
+äußerliche, sondern an sich seyende Bestimmtheit ist; es ist so die
+konkrete Wahrheit des Seyns; in dem Maaße haben darum die Völker etwas
+Unantastbares, Heiliges verehrt.
+
+Es liegt in dem Maaße bereits die Idee des Wesens, nämlich in der
+Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn, so daß
+jene Unmittelbarkeit durch diese Identität-mit-sich zu einem
+Vermittelten herabgesetzt ist, wie diese ebenso nur durch diese
+Äußerlichkeit vermittelt aber die Vermittelung mit sich ist;—die
+Reflexion, deren Bestimmungen sind, aber in dieseni Seyn schlechthin
+nur als Momente ihrer negativen Einheit. Im Maaße ist das Qualitative
+quantitativ; die Bestimmtheit oder der Unterschied ist als
+gleichgültig, damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; er ist
+aufgehoben; diese Quantitativität macht als Rückkehr in sich, worin sie
+als das Qualitative ist, das An- und Fürsichseyn aus, welches das Wesen
+ist. Aber das Maaß ist erst an sich oder im Begriffe das Wesen; dieser
+Begriff des Maaßes ist noch nicht gesetzt. Das Maaß noch als solches
+ist selbst die seyende Einheit des Qualitativen und Quantitativen;
+seine Momente sind als ein Daseyn, eine Qualität und Quanta derselben,
+die nur erst an sich untrennbar, aber noch nicht die Bedeutung dieser
+reflektirten Bestimmung haben. Die Entwicklung des Maaßes, enthält die
+Unterscheidung dieser Momente, aber zugleich die Beziehung derselben,
+so daß die Identität, welche sie an sich sind, als ihre Beziehung
+aufeinander wird, d. i. gesetzt wird. Die Bedeutung dieser Entwickelung
+ist die Realisation des Maaßes, in der es sich zu sich selbst ins
+Verhältniß, und damit zugleich als Moment setzt; durch diese
+Vermittelung wird es als Aufgehobenes bestimmt; seine Unmittelbarkeit
+wie die seiner Momente verschwindet, sie sind als reflektirte; so als
+das hervorgetreten, was es seinem Begriffe nach ist, ist es in das
+Wesen übergegangen.
+
+Das Maaß ist zunächst unmittelbare Einheit des Qualitativen und
+Quantitativen, so daß
+
+erstens ein Quantum ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maaß
+ist. Dessen Fortbestimmung ist, daß an ihm, dem an sich bestimmten,
+—der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen
+Bestimmtseyns, hervortritt. Diese Momente bestimmen sich weiter selbst
+zu Ganzen des Maaßes, welche insofern als Selbstständige sind; indem
+sie sich wesentlich aufeinander beziehen, wird das Maaß
+
+zweitens Verhältniß von specifischen Quantis, als selbstständigen
+Maaßen. Ihre Selbstständigkeit beruht aber wesentlich zugleich auf dem
+quantitativen Verhältnisse und dem Größenunterschiede; so wird ihre
+Selbstständigkeit ein Übergehen in einander. Das Maaß geht damit im
+Maaßlosen zu Grunde.—Dieß Jenseits des Maaßes ist aber die Negativität
+desselben nur an sich selbst; es ist dadurch
+
+drittens die Indifferenz der Maaßbestimmungen, und als reell mit der in
+ihr enthaltenen Negativität das Maaß gesetzt, als umgekehrtes
+Verhältniß von Maaßen, welche als selbstständige Qualitäten wesentlich
+nur auf ihrer Quantität und auf ihrer negativen Beziehung aufeinander
+beruhen, und damit sich erweisen, nur Momente ihrer wahrhaft
+selbstständigen Einheit zu seyn, welche ihre Reflexion-in-sich und das
+Setzen derselben, das Wesen, ist.
+
+Die Entwickelung des Maaßes, die im Folgenden versucht worden, ist eine
+der schwierigsten Materien; indem sie von dem unmittelbaren,
+äußerlichen Maaße anfängt, hätte sie einer Seits zu der abstrakten
+Fortbestimmung des Quantitativen (einer Mathematik der Natur)
+fortzugehen, anderer Seits den Zusammenhang dieser Maaßbestimmung mit
+den Qualitäten der natürlichen Dinge anzuzeigen, wenigstens im
+Allgemeinen; denn die bestimmte Nachweisung des aus dem Begriffe des
+konkreten Gegenstandes hervorgehenden Zusammenhangs des Qualitativen
+und Quantitativen gehört in die besondere Wissenschaft des Konkreten;
+wovon Beispiele in der Encykl. der philos. Wissensch. 3te Aufl. §. 267
+u. 270 Anm. das Gesetz des Falles und das der freien himmlischen
+Bewegung betreffend, nachzusehen sind. Es mag hierbei dieß überhaupt
+bemerkt werden, daß die verschiedenen Formen, in welchen sich das Maaß
+realisirt, auch verschiedenen Sphären der natürlichen Realität
+angehören. Die vollständige, abstrakte Gleichgültigkeit des
+entwickelten Maaßes d. i. der Gesetze desselben kann nur in der Sphäre
+des Mechanismus Statt haben, als in welchem das konkrete Körperliche
+nur die selbst abstrakte Materie ist; die qualitativen Unterschiede
+derselben haben wesentlich das Quantitative zu ihrer Bestimmtheit; Raum
+und Zeit sind die reinen Äußerlichkeiten selbst, und die Menge der
+Materien, Massen, Intensität des Gewichts, sind ebenso äußerliche
+Bestimmungen, die an dem Quantitativen ihre eigenthümliche Bestimmtheit
+haben. Dagegen wird solche Größebestimmtheit des abstrakt Materiellen
+schon durch die Mehrheit und damit einen Konflikt von Qualitäten, im
+Physikalischen, noch mehr aber im Organischen gestört. Aber es tritt
+hier nicht bloß der Konflikt von Qualitäten als solchen ein, sondern
+das Maaß wird hier höhern Verhältnissen untergeordnet, und die
+immanente Entwicklung des Maaßes vielmehr auf die einfache Form des
+unmittelbaren Maaßes reducirt. Die Glieder des animalischen Organismus
+haben ein Maaß, welches als ein einfaches Quantum im Verhältniß zu
+andern Quantis der andern Glieder steht; die Proportionen des
+menschlichen Körpers sind die festen Verhältnisse von solchen Quantis;
+die Naturwissenschaft hat noch weithin, von dem Zusammenhange solcher
+Größen mit den organischen Funktionen, von denen sie ganz abhängig
+sind, etwas einzusehen. Aber von der Herabsetzung eines immanenten
+Maaßes zu einer bloß äußerlich determinirten Größe ist die Bewegung das
+nächste Beispiel. An den Himmelskörpern ist sie die freie nur durch den
+Begriff bestimmte Bewegung, deren Größen hiermit ebenso nur von
+demselben abhängen (s. oben), aber von dem Organischen wird sie zur
+willkürlichen oder mechanisch-regelmäßigen, d. h. überhaupt abstrakten
+formellen Bewegung herunter gesetzt.
+
+Noch weniger aber findet im Reich des Geistes eine eigenthümliche,
+freie Entwicklung des Maaßes Statt. Man sieht z.B. wohl ein, daß eine
+republikanische Verfassung, wie die atheniensische oder eine durch
+Demokratie versetzte aristokratische nur bei einer gewissen Größe des
+Staats Platz haben kann; daß in der entwickelten bürgerlichen
+Gesellschaft die Mengen von Individuen, welche den verschiedenen
+Gewerben angehören, in einem Verhältnisse mit einander stehen; aber
+dieß giebt weder Gesetze von Maaßen noch eigenthümliche Formen
+desselben. Im Geistigen als solchen kommen Unterschiede von Intensität
+des Charakters, Stärke der Einbildungskraft, der Empfindungen, der
+Vorstellungen u.s.f. vor; aber über dieß Unbestimmte der Stärke oder
+Schwäche geht die Bestimmung nicht hinaus. Wie matt und völlig leer die
+sogenannten Gesetze ausfallen, die über das Verhältniß von Stärke und
+Schwäche der Empfindungen, Vorstellungen u.s.f. aufgestellt werden,
+wird man inne, wenn man die Psychologien nachsieht, welche sich mit
+dergleichen bemühen.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die specifische Quantität.
+
+
+Die qualitative Quantität ist zunächst ein unmittelbares specifisches
+Quantum; das
+
+zweitens, als sich zu Anderem verhaltend, ein quantitatives
+Specificiren, ein Aheben des gleichgültigen Quantums wird. Dieses Maaß,
+ist insofern eine Regel und enthält die beiden Momente des Maaßes
+unterschieden, nämlich die ansichseyende quantitative Bestimmtheit, und
+das äußerliche Quantum. In diesem Unterschiede werden aber diese beiden
+Seiten zu Qualitäten, und die Regel zu einem Verhältnisse derselben;
+das Maaß stellt sich daher dar
+
+drittens als Verhältniß von Qualitäten, die zunächst Ein Maaß haben;
+das sich aber ferner so zu einem Unterschiede von Maaßen in sich
+specificirt.
+
+A. Das specifische Quantum.
+
+1. Das Maaß ist die einfache Beziehung des Quantums auf sich, seine
+eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ.
+Zunächst ist es als unmittelbares Maaß, ein unmittelbares, daher als
+irgend ein bestimmtes, Quantum; ebenso unmittelbar ist die ihm
+zugehörige Qualität, sie ist irgend eine bestimmte Qualität.—Das
+Quantum als diese nicht mehr gleichgültige Grenze sondern auf sich
+beziehende Äußerlichkeit, ist so selbst die Qualität, und unterschieden
+von dieser geht es nich über sie hinaus, so wie diese nicht über
+dasselbe hinausgeht. Es ist in die einfache Gleichheit mit sich
+zurückgekehrte Bestimmtheit; eins mit dem bestimmten Daseyn, so wie
+dieses mit seinem Quantum.
+
+Wenn man aus der erhaltenen Bestimmung einen Satz machen will, so kann
+man sich ausdrücken: Alles, was da ist, hat ein Maaß. Alles Daseyn hat
+eine Größe, und diese Größe gehört zur Natur von Etwas selbst; sie
+macht seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus. Etwas ist gegen
+diese Größe nicht gleichgültig, so daß wenn sie geändert würde, es
+bliebe was es ist, sondern die Änderung derselben änderte seine
+Qualität. Das Quantum hat als Maaß aufgehört Grenze zu seyn, die keine
+ist; es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so daß diese, über dieß
+Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge. —Ein Maaß, als
+Maaßstab im gewöhnlichen Sinne, ist ein Quantum, das als die an sich
+bestimmte Einheit gegen äußerliche Anzahl willkürlich angenommen wird.
+Eine solche Einheit kann zwar auch in der That an sich bestimmte
+Einheit seyn, wie Fuß und dergleichen ursprüngliche Maaße; insofern sie
+aber als Maaßstab zugleich für andere Dinge gebraucht wird, ist sie für
+diese nur äußerliches, nicht ihr ursprüngliches Maaß.—So mag der
+Erddurchmesser, oder die Pendellänge, als specifisches Quantum für sich
+genommen werden. Aber es ist willkürlich, den wievielsten Theil des
+Erddurchmessers oder der Pendellänge und unter welchem Breitengrade man
+diese nehmen wolle, um sie als Maaßstab zu gebrauchen. Noch mehr aber
+ist für andere Dinge ein solcher Maaßstab etwas Äußerliches. Diese
+haben das allgemeine specifische Quantum wieder auf besondere Art
+specificirt, und sind dadurch zu besondern Dingen gemacht. Es ist daher
+thöricht, von einem natürlichen Maaßstab der Dinge zu sprechen. Ohnehin
+soll ein allgemeiner Maaßstab nur für die äußerliche Vergleichung
+dienen; in diesem oberflächlichsten Sinne, in welchem er als
+allgemeines Maaß genommen wird, ist es völlig gleichgültig, was dafür
+gebraucht wird. Es soll nicht ein Grundmaaß in dem Sinne seyn, daß die
+Naturmaaße der besondern Dinge daran dargestellt und daraus nach einer
+Regel, als Specifikationen Eines allgemeinen Maaßes, des Maaßes ihres
+allgemeinen Körpers, erkannt würden. Ohne diesen Sinn aber hat ein
+absoluter Maaßstab nur das Interesse und die Bedeutung eines
+Gemeinschaftlichen, und ein solches ist nicht an sich, sondern durch
+Übereinkommen ein Allgemeines.
+
+Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Größenbestimmung; wie z.B. die
+Größe der organischen Wesen, ihrer Gliedmaßen und so fort. Aber jedes
+Existirende hat eine Größe, um das zu seyn, was es ist, und überhaupt
+um Daseyn zu haben.—Als Quantum ist es gleichgültige Größe, äußerlicher
+Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und Weniger fähig.
+Aber als Maaß ist es zugleich von sich selbst als Quantum, als solcher
+gleichgültiger Bestimmung, verschieden und eine Beschränkung jenes
+gleichgültigen Hin- und Hergehens an einer Grenze.
+
+Indem die Quantitätsbestimmtheit so an dem Daseyn die gedoppelte ist,
+das eine Mal die, an welche die Qualität gebunden ist, das andere Mal
+aber die, an der unbeschadet jener hin- und hergegangen werden kann, so
+geschieht das Untergehen von Etwas, das ein Maaß hat, darin daß sein
+Quantum verändert wird. Dieß Untergehen erscheint eines Theils als
+unerwartet, insofern an dem Quantum, ohne das Maaß und die Qualität zu
+verändern, geändert werden kann, andern Theils aber wird es zu einem
+als ganz Begreiflichen gemacht, nämlich durch die Allmähligkeit. Zu
+dieser Kategorie wird so leicht gegriffen, um das Vergehen von einer
+Qualität oder von Etwas vorstellig zu machen oder zu erklären, indem
+man so dem Verschwinden beinahe mit den Augen zusehen zu können
+scheint, weil das Quantum die als äußerliche, ihrer Natur nach
+veränderliche Grenze gesetzt ist, hiermit die Veränderung, als nur des
+Quantums, sich von selbst versteht. In der That aber wird nichts
+dadurch erklärt; die Veränderung ist zugleich wesentlich der Übergang
+einer Qualität in eine andere, oder der abstraktere von einem Daseyn in
+ein Nichtdaseyn; darin liegt eine andere Bestimmung als in der
+Allmähligkeit, welche nur eine Verminderung oder Vermehrung, und das
+einseitige Festhalten an der Größe ist.
+
+2. Daß aber eine als bloß quantitativ erscheinende Veränderung auch in
+eine qualitative umschlägt, auf diesen Zusammenhang sind schon die
+Alten aufmerksam gewesen, und haben die der Unkenntniß desselben
+entstehenden Kollisionen in populären Beispielen vorgestellt; unter den
+Namen des Kahlen, des Haufens sind hierher gehörige Elenchen bekannt,
+d. i. nach des Aristoteles Erklärung, Weisen, wodurch man genöthigt
+wird, das Gegentheil von dem zu sagen, was man vorher behauptet hatte.
+Man fragte: macht das Ausraufen Eines Haares vom Kopfe oder einem
+Pferdeschweife kam, oder hört ein Haufe auf ein Haufe zu seyn, wenn ein
+Korn weggenommen wird. Dieß kann man unbedenklich zugeben, indem solche
+Wegnahme nur einen und zwar selbst ganz unbedeutenden quantitativen
+Unterschied ausmacht; so wird Ein Haar, Ein Korn weggenommen, und dieß
+so wiederholt, daß jedesmal nach dem, was zugegeben worden, nur Eines
+weggenommen wird; zuletzt zeigt sich die qualitative Veränderung, daß
+der Kopf, der Schweiff kahl, der Haufe verschwunden ist. Man vergaß bei
+jenem Zugeben nicht nur die Wiederhohlung, sondern daß sich die für
+sich unbedeutenden Quantitäten (wie die für sich unbedeutenden Ausgaben
+von einem Vermögen) summiren, und die Summe das qualitativ Ganze
+ausmacht, so daß am Ende dieses verschwunden, der Kopf kahl, der Beutel
+leer ist.
+
+Die Verlegenheit, der Widerspruch, welcher als Resultat herauskommt,
+ist nicht etwas Sophistisches im gebräuchlichen Sinne des Worts, als ob
+solcher Widerspruch eine falsche Vorspiegelung wäre. Das Falsche ist,
+was der angenommene Andere, d. h. unser gewöhnliches Bewußtseyn begeht,
+eine Quantität nur für eine gleichgültige Grenze d. h. sie eben im
+bestimmten Sinne einer Quantität zu nehmen. Diese Annahme wird durch
+die Wahrheit, zu der sie geführt wird, Moment des Maaßes zu seyn und
+mit der Qualität zusammenzuhängen, konfondirt; was widerlegt wird, ist
+das einseitige Festhalten an der abstrakten Quantumsbestimmtheit.—Jene
+Wendungen sind darum auch kein leerer oder pedantischer Spaß, sondern
+in sich richtig und Erzeugnisse eines Bewußtseyns, das ein Interesse an
+den Erscheinungen hat, die im Denken vorkommen.
+
+Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze genommen wird, ist
+die Seite, an der ein Daseyn unverdächtig angegriffen und zu Grunde
+gerichtet wird. Es ist die List des Begriffes ein Daseyn an dieser
+Seite zu fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu kommen
+scheint,—und zwar so sehr', daß die Vergrößerung eines Staats, eines
+Vermögens u.s.f. welche das Unglück des Staats, des Besitzers
+herbeiführt, sogar als dessen Glück zunächst erscheint.
+
+3. Das Maaß ist in seiner Unmittelbarkeit eine gewöhnliche Qualität von
+einer bestimmten ihr zugehörigen Größe. Von der Seite nun, nach welcher
+das Quantum gleichgültige Grenze ist, an der ohne die Qualität zu
+ändern hin- und hergegangen werden kann, ist seine andere Seite, nach
+welcher es qualitativ, specifisch ist, auch unterschieden. Beides sind
+Größebestimmungen Eines und desselben; aber nach der Unmittelbarkeit,
+in der zuerst das Maaß ist, ist ferner dieser Unterschied als ein
+unmittelbarer zu nehmen, beide Seiten haben hiernach auch eine
+verschiedene Existenz. Die Existenz des Maaßes, welche die an sich
+bestimmte Größe ist, ist dann in ihrem Verhalten zu der Existenz der
+veränderlichen, äußerlichen Seite, ein Aufheben ihrer Gleichgültigkeit,
+ein Specificiren desselben.
+
+B. Specificirendes Maaß.
+
+Dasselbe ist
+
+erstlich eine Regel, ein Maaß äußerlich gegen das bloße Quantum;
+
+zweitens specifische Quantität, welche das äußerliche Quantum bestimmt;
+
+drittens verhalten sich beide Seiten als Qualitäten von specifischer
+Quantitätsbestimmtheit gegeneinander, als Ein Maaß.
+
+a. Die Regel.
+
+Die Regel oder der Maaßstab, von dem schon gesprochen worden, ist
+zunächst als eine an sich bestimmte Größe, welche Einheit gegen ein
+Quantum ist, das eine besondere Existenz ist, an einem andern Etwas,
+als das Etwas der Regel ist, existirt,—an ihr gemessen, d. i. als
+Anzahl jener Einheit bestimmt wird. Diese Vergleichung ist ein
+äußerliches Thun, jene Einheit selbst eine willkürliche Größe, die
+ebenso wieder als Anzahl (der Fuß als eine Anzahl von Zollen) gesetzt
+werden kann. Aber das Maaß ist nicht nur äußerliche Regel, sondern als
+specifisches ist es dieß, sich an sich selbst zu seinem Andern zu
+verhalten, das ein Quantum ist.
+
+b. Das specificirende Maaß.
+
+Das Maaß ist specifisches Bestimmen der äußerlichen Größe, d. i. der
+gleichgültigen, die nun voi einer andern Existenz überhaupt an dem
+Etwas des Maaßes gesetzt wird, welches zwar selbst Quantum, aber im
+Unterschiede von solchem das Qualitative, bestimmend das bloß
+gleichgültige, äußerliche Quantum, ist. Das Etwas hat diese Seite des
+Seyns-für-Anderes an ihm, der das gleichgültige Vermehrt- und
+Vermindertwerden, zukommt. Jenes immanente Messende ist eine Qualität
+des Etwas, dem dieselbe Qualität all einem andern Etwas gegenübersteht;
+aber an diesem zunächst relativ mit maaßlosem Quantum überhaupt gegen
+jene, die als messend bestimmt ist.
+
+An Etwas, insofern es ein Maaß in sich ist, kommt äußerlich eine
+Veränderung der Größe seiner Qualität; es nimmt davon nicht die
+arithmetische Menge an. Sein Maaß reagirt dagegen, verhält sich als ein
+Intensives gegen die Menge, und nimmt sie auf eine eigenthümliche Weise
+auf; es verändert die äußerlich gesetzte Veränderung, macht aus diesem
+Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specifikation als
+Fürsichseyn in dieser Äußerlichkeit.—Diese specifisch-aufgenommene
+Menge ist selbst ein Quantum, auch abhängig von der andern oder ihr als
+nur äußerlichen Menge. Die specificirte Menge ist daher auch
+veränderlich, aber darum nicht ein Quantum als solches, sondern das
+äußere Quantum als auf eine konstante Weise specificirt. Das Maaß hat
+so sein Daseyn als ein Verhältniß, und das Specifische desselben ist
+überhaupt der Exponent dieses Verhältnisses.
+
+Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich bei diesen
+Bestimmungen ergab, dasselbe Quantum, welches das einemal in der Form
+der Intensität, das anderemal in der Form der Extensität vorhanden ist.
+Das zu Grunde liegende Quantum erleidet in diesem Unterschiede keine
+Veränderung, dieser ist nur eine äußere Form. In dem specificirenden
+Maaße hingegen ist das Quantum das eine Mal in seiner unmittelbaren
+Größe, das andere Mal aber wird es durch den Verhältnisexponenten in
+einer andern Anzahl genommen.
+
+Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunächst ein fixes
+Quantum zu seyn scheinen, als Quotient des Verhältnisses zwischen dem
+äußerlichen und dem qualitativ bestimmten. Aber so wäre er nichts als
+ein äußerliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts
+Anderes als das Moment des Qualitativen selbst zu verstehen, welches
+das Quantum als solches specificirt. Das eigentlich immanente
+Qualitative des Quantums ist, wie sich früher ergeben hat, nur die
+Potenz-Bestimmung. Eine solche muß es seyn, welche das Verhältniß
+konstituirt, und die hier als die an sich seyende Bestimmung dem
+Quantum als der äußerlichen Beschaffenheit gegenübergetreten ist.
+Dieses hat zu seinem Princip das numerische Eins, das dessen
+An-sich-Bestimmtseyn ausmacht; und die Beziehung des numerischen Eins
+ist die äußerliche und die nur durch die Natur des unmittelbaren
+Quantums als solchen bestimmte Veränderung besteht für sich in dem
+Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen und
+so fort. Wenn so das äußerliche Quantum in arithmetischer Progression
+sich verändert, so bringt die specificirende Reaktion der qualitativen
+Natur des Maaßes eine andere Reihe hervor, welche sich auf die erste
+bezieht, init ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem durch einen
+Zahlexponenten bestimmten, sondern einer Zahl inkommensurabeln
+Verhältnisse, nach einer Potenzenbestimmung.
+
+Anmerkung.
+
+Um ein Beispiel anzuführen, so ist die Temperatur eine Qualität, an der
+diese beiden Seiten, äußerliches und specificirtes Quantum zu seyn,
+sich unterscheiden. Als Quantum ist sie äußerliche Temperatur und zwar
+auch eines Körpers als allgemeinen Mediums, von der angenommen wird,
+daß ihre Veränderung an der Skale der arithmetischen Progression
+fortgehe und daß sie gleichförmig zuoder abnehme, wogegen sie von den
+verschiedenen in ihr befindlichen besondern Körpern verschieden
+aufgenommen wird, indem dieselben durch ihr immanentes Maaß die
+äußerlich empfangene Temperatur bestimmen, die Temperatur-Veränderung
+derselben nicht der des Mediums oder ihrer untereinander im direkten
+Verhältnisse entspricht. Verschiedene Körper in einer und derselben
+Temperatur verglichen, geben Verhältnißzahlen ihrer specifischen
+Wärmen, ihrer Wärme-Kapacitäten. Aber diese Kapacitäten der Körper
+ändern sich in verschiedenen Temperaturen, womit das Eintreten einer
+Veränderung der specifischen Gestalt sich verbindet. In der Vermehrung
+oder Verminderung der Temperatur zeigt sich somit eine besondere
+Specifikation. Das Verhältniß der Temperatur, die als äußerliche
+vorgestellt wird, zur Temperatur eines bestimmten Körpers, die zugleich
+von jener abhängig ist, hat nicht einen festen Verhältnissexponenten;
+die Vermehrung oder Verminderung dieser Wärme geht nicht gleichförmig
+mit der Zu- und Abnahme der äußerlichen fort.—Es wird hierbei eine
+Temperatur als äußerlich überhaupt angenommen, deren Veränderung bloß
+äußerlich oder rein quantitativ sey. Sie ist jedoch selbst Temperatur
+der Luft oder sonst specifische Temperatur. Näher betrachtet würde
+daher das Verhältniß eigentlich nicht als Verhältniß von einem bloß
+quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwei specifischen
+Quantis zu nehmen seyn. Wie sich das specificirende Verhältniß gleich
+weiter bestimmen wird, daß die Momente des Maaßes nicht nur in einer
+quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer und
+derselben Qualität bestehen, sondern im Verhältnisse zweier Qualitäten,
+welche an ihnen selbst Maaße sind.
+
+c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.
+
+l. Die qualitative, an sich bestimmte Seite des Quantums ist nur als
+Beziehung auf das äußerlich Quantitative; als Specificiren desselben
+ist sie das Aufheben seiner Äußerlichkeit, durch welche das Quantum als
+solches ist; sie hat so dasselbe zu ihrer Voraussetzung und fängt von
+ihm an. Dieses aber ist von der Qualität selbst auch qualitativ
+unterschieden; dieser Unterschied beider ist in der Unmittelbarkeit des
+Seyns überhaupt, in welcher das Maaß noch ist, zu setzen, so sind beide
+Seiten qualitativ gegeneinander, und jede für sich ein solches Daseyn;
+und das eine zunächst nur als formelle, an ihm unbestimmte Quantum ist
+das Quantum eines Etwas und seiner Qualität, und wie sich deren
+Beziehung auf einander nun zum Maaße überhaupt bestimmt hat,
+gleichfalls die specifische Größe dieser Qualitäten. Diese Qualitäten
+sind nach der Maaßbestimmung im Verhältniß zu einander; diese ist ihr
+Exponent, sie sind aber an sich schon im Fürsichseyn des Maaßes
+aufeinander bezogen, das Quantum ist in seinem Doppelseyn als
+äußerliches und specifisches, so daß jede der unterschiedenen
+Quantitäten diese zweifache Bestimmung an ihr hat und zugleich
+schlechthin mit der andern verschränkt ist; eben darin allein sind die
+Qualitäten bestimmt. Sie sind so nicht nur für einander seyendes Daseyn
+überhaupt, sondern untrennbar gesetzt; und die an sie geknüpfte
+Größebestimmtheit ist eine qualitative Einheit,—Eine Maaßbestimmung, in
+der sie ihrem Begriffe nach, an sich zusammenhängen. Das Maaß ist so
+das immanente quantitative Verhalten zweier Qualitäten zu einander.
+
+2. Im Maaß tritt die wesentliche Bestimmung der veränderlichen Größe
+ein, denn es ist das Quantum als aufgehoben, also nicht mehr als das,
+was es seyn soll uni Quantum zu seyn, sondern als Quantum und zugleich
+als etwas Anderes; dieß Andere ist das Qualitative, und wie bestimmt
+worden, nichts anderes als das Potenzenverhältniß desselben. Im
+unmittelbaren Maaße ist diese Veränderung noch nicht gesetzt; es ist
+nur irgend und zwar ein einzelns Quantum überhaupt, an das eine
+Qualität geknüpft ist. Im Specificiren des Maaßes, der vorhergehenden
+Bestimmung, als einer Veränderung des bloß äußerlichen Quantums durch
+das Qualitative ist Unterschiedenheit beider Größebestimmtheiten und
+damit überhaupt die Mehrheit voll Maaßen an einem gemeinschaftlichen
+äußerlichen Quantum gesetzt; das Quantum zeigt sich erst als daseyendes
+Maaß in solcher Unterschiedenheit seiner von sich selbst, indem es, ein
+und dasselbe (z.B. dieselbe Temperatur des Mediums), zugleich als
+verschiedenes und zwar quantitatives Daseyn (—in den verschiedenen
+Temperaturen der in jenem befindlichen Körper) hervortritt. Diese
+Unterschiedenheit des Quantums in den verschiedenen Qualitäten—den
+verschiedenen Körpern, —giebt eine weitere, diejenige Form des Maaßes,
+in welcher beide Seiten als qualitativ bestimmte Quanta sich zu
+einander verhalten, was das realisirte Maaß genannt werden kann.
+
+Die Größe ist als eine Größe überhaupt veränderlich, denn ihre
+Bestimmtheit ist als eine Grenze, die zugleich keine ist; die
+Veränderung betrifft insofern nur ein besonderes Quantum, an dessen
+Stelle ein anderes gesetzt wird; die wahrhafte Veränderung aber ist die
+des Quantums als solchen; dieß giebt die, so gefaßt, interessante
+Bestimmung der veränderlichen Größe in der höhern Mathematik; wobei
+nicht bei dem Formellen der Veränderlichkeit überhaupt stehen zu
+bleiben, noch andere als die einfache Bestimmung des Begriffs
+herbeizunehmen ist, nach welcher das Andere des Quantums nur das
+Qualitative ist. Die wahrhafte Bestimmung also der reellen
+veränderlichen Größe ist, daß sie die qualitativ, hiermit, wie zur
+Genüge gezeigt worden, die durch ein Potenzenverhältniß bestimmte ist;
+in dieser veränderlichen Größe ist es gesetzt, daß das Quantum nicht
+als solches gilt, sondern nach seiner ihm andern Bestimmung, der
+qualitativen.
+
+Die Seiten dieses Verhaltens haben nach ihrer abstrakten Seite als
+Qualitäten überhaupt irgend eine besondere Bedeutung, z.B. Raum und
+Zeit. In ihrem Maaßverhältniß als Größebestimmtheiten zunächst
+überhaupt genommen, ist die eine davon Anzahl, die in äußerlicher,
+arithmetischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl, die
+durch jene, welche Einheit für sie ist, specifisch bestimmt wird.
+Insofern jede ebenso nur eine besondere Qualität überhaupt wäre, läge
+kein Unterschied in ihnen, welche von den beiden, in Rücksicht auf ihre
+Größen-Bestimmung als die bloß äußerlich quantitative, und welche als
+die in quantitativer Specifikation sich verändernde genommen werde.
+Wenn sie sich z.B. als Wurzel und Quadrat verhalten, ist es gleichviel,
+an welcher die Vermehrung oder Verminderung als bloß äußerlich, in
+arithmetischer Progression fortgehend, und welche dagegen an diesem
+Quantum sich specifisch bestimmend angesehen wird.
+
+Aber die Qualitäten sind nicht unbestimmt verschieden gegen einander,
+denn in ihnen soll als Momenten des Maaßes die Qualifikation desselben
+liegen. Die nächste Bestimmtheit der Qualitäten selbst ist, der einen,
+das Extensive, die Äußerlichkeit an ihr selbst zu seyn, der andern, das
+Intensive, das Insichseyende oder Negative gegen jene. Von den
+quantitativen Momenten kommt hiernach jener die Anzahl, dieser die
+Einheit zu, im einfachen direkten Verhältnisse ist jene als der
+Dividend, diese als Divisor, im specificirenden Verhältniß jene als die
+Potenz oder das Anderswerden, diese als Wurzel zu nehmen. Insofern hier
+noch gezählt, d. i. auf das äußerliche Quantum, (das so als die ganz
+zufällige, empirischgenannte Größebestimmtheit ist) reflektirt, hiermit
+die Veränderung gleichfalls auch als in äußerlicher, arithmetischer
+Progression fortgehend genommen wird, so fällt dieß auf die Seite der
+Einheit, der intensiven Qualität, die äußerliche, extensive Seite
+hingegen ist als in der specificirten Reihe sich verändernd
+darzustellen. Aber das direkte Verhältniß (wie die Geschwindigkeit
+überhaupt, s/t) ist hier zur formellen, nicht existirenden, sondern nur
+der abstrahirenden Reflexion angehörigen Bestimmung herabgesetzt; und
+wenn noch im Verhältniß von Wurzel und Quadrat (wie in s = at[hoch 2])
+die Wurzel als empirisches Quantum und in arithmetischer Progression
+fortgehend, die andere Seite aber als specificirt zu nehmen ist, so ist
+die höhere dem Begriffe entsprechendere Realisation der Qualifikation
+des Quantitativen diese, daß beide Seiten in höhern
+Potenzenbestimmungen (wie s[hoch 3] = at[hoch 2] der Fall ist) sich
+verhalten.
+
+Anmerkung.
+
+Das hier Erörterte in Rücksicht des Zusammenhangs der qualitativen
+Natur eines Daseyns und seiner Quantitätsbestimmung im Maaße, hat seine
+Anwendung in dem schon angedeuteten Beispiel der Bewegung, zunächst daß
+in der Geschwindigkeit, als dem direkten Verhältnisse von durchlaufenem
+Raume und verflossener Zeit, die Größe der Zeit als Nenner, die Größe
+des Raums dagegen als Zähler, angenommen wird. Wenn Geschwindigkeit
+überhaupt nur ein Verhältniß vom Raum und der Zeit einer Bewegung ist,
+so ist es gleichgültig, welches von beiden Momenten als die Anzahl oder
+als die Einheit betrachtet werden soll. Aber Raum, wie in der
+specifischen Schwere das Gewicht, ist äußerliches, reales Ganzes
+überhaupt, somit Anzahl, die Zeit hingegen, wie das Volumen, ist das
+Ideelle, das Negative, die Seite der Einheit.—Wesentlich aber gehört
+hierher das wichtigere Verhältniß, daß in der freien Bewegung,—zuerst
+der noch bedingten—, des Falls, Zeitund Raum-Quantität, jene als
+Wurzel, diese als Quadrat,—oder in der absolutfreien Bewegung der
+Himmelskörper die Umlaufszeit und die Entfernung, jene um eine Potenz
+tiefer als diese,—jene als Quadrat, diese als Kubus gegen einander
+bestimmt seyen. Dergleichen Grundverhältnisse beruhen auf der Natur der
+im Verhältniß stehenden Qualitäten, des Raums und der Zeit, und der Art
+der Beziehung, in welcher sie stehen, entweder als mechanische Bewegung
+d. i. als unfreie, durch den Begriff der Momente nicht bestimmte, oder
+als Fall d. i. bedingtfreie, oder als absolutfreie himmlische
+Bewegung;— welche Arten der Bewegung ebensowohl als deren Gesetze auf
+der Entwicklung des Begriffs ihrer Momente, des Raums und der Zeit,
+beruhen, indem diese Qualitäten als solche, an sich d. i. im Begriffe
+sich als untrennbar erweisen, und ihr quantitatives Verhältniß das
+Fürsichseyn des Maaßes, nur Eine Maaßbestimmung ist.
+
+In Rücksicht auf die absoluten Maaßverhältnisse darf wohl erinnert
+werden, daß die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von
+Wissenschaft würdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maaße
+seyn müsse,—eine Wissenschaft für welche empirisch wohl viel, aber
+eigentlich wissenschaftlich d. i. philosophisch, noch wenig gethan ist.
+Mathematische Principien der Naturphilosophie,—wie Newton sein Werk
+genannt hat,—wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn erfüllen
+sollten, als er und das ganze bakonische Geschlecht von Philosophie und
+Wissenschaft hatte, müßten ganz andere Dinge enthalten, um ein Licht in
+diese noch dunkeln aber höchst betrachtungswürdigen Regionen zu
+bringen.—Es ist ein großes Verdienst, die empirischen Zahlen der Natur
+kennen zu lernen, z.B. Entfernungen der Planeten von einander; aber ein
+unendlich größeres, die empirischen Quanta verschwinden zu machen, und
+sie in eine allgemeine Form von Quantitätsbestimmungen zu erheben, so
+daß sie Momente eines Gesetzes oder Maaßes werden;—unsterbliche
+Verdienste, die sich z.B. Galilei in Rücksicht auf den Fall, und
+Keppler in Rücksicht auf die Bewegung der himmlischen Körper erworben
+hat. Sie haben die Gesetze, die sie gefunden haben, so erwiesen, daß
+sie gezeigt haben, daß ihnen der Umfang der Einzelnheiten der
+Wahrnehmung entspricht. Es muß aber noch ein höheres Beweisen dieser
+Gesetze gefordert werden; nämlich nichts anders als daß ihre
+Quantitätsbestimmungen aus den Qualitäten, oder bestimmten Begriffen,
+die bezogen sind, (wie Zeit und Raum) erkannt werden. Von dieser Art
+des Beweisens findet sich in jenen mathematischen Principien der
+Naturphilosophie, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch keine
+Spur. Es ist oben bei Gelegenheit des Scheins mathematischer Beweise
+von Naturverhältnissen, der sich auf den Mißbrauch des Unendlichkleinen
+gründet, bemerkt worden, daß der Versuch, solche Beweise eigentlich
+mathematisch d. h. weder aus der Empirie noch aus dem Begriffe, zu
+führen, ein widersinniges Unternehmen ist. Diese Beweise setzen ihre
+Theoreme, eben jene Gesetze, aus der Erfahrung voraus; was sie leisten,
+besteht darin, sie auf abstrakte Ausdrücke und bequeme Formeln zu
+bringen. Das ganze reelle Verdienst, das Newton im Vorzug gegen Keppler
+in Beziehung auf die nämlichen Gegenstände zugeschrieben wird, wird,
+das Scheingerüste von Beweisen abgezogen,—ohne Zweifel bei
+gereinigterer Reflexion über das, was die Mathematik zu leisten vermag
+und was sie geleistet hat, einst mit deutlicher Kenntniß auf jene
+Umformung des Ausdrucks[14] und der den Anfängen nach eingeführten
+analytischen Behandlung, eingeschränkt werden.
+
+ [14] S Encyklop. der philos. Wissensch. Anm. zu §. 270. über die
+ Umformung des kepplerischen s[hoch 3]/t[hoch 2] in [s[hoch 2]./t[hoch
+ 2] in das newtonische, indem der Theil s/t[hoch 2] die Kraft der
+ Schwere genannt worden ist.
+
+
+C. Das Fürsichseyn im Maaße.
+
+1. In der so eben betrachteten Form des specificirten Maaßes ist das
+Quantitative beider Seiten qualitativ bestimmt, (beide im
+Potenzen-Verhältniß); sie sind so Momente Einer Maaßbestimmtheit von
+qualitativer Natur. Dabei sind aber die Qualitäten nur erst noch als
+unmittelbare, nur verschiedene gesetzt, die nicht selbst in jenem
+Verhältnisse stehen, in welchem ihre Größebestimmtheiten sind, nämlich
+außer solchem Verhältnisse, keinen Sinn noch Daseyn zu haben, was die
+Potenzenbestimmtheit der Größe enthält. Das Qualitative verhüllt sich
+so, als nicht sich selbst, sondern die Größebestimmtheit specificirend;
+nur als an dieser ist es gesetzt, für sich aber unmittelbare Qualität
+als solche, die außerhalb dessen, daß die Größe von ihr in Differenz
+gesetzt wird, und außer ihrer Beziehung auf ihre andere, noch für sich
+bestehendes Daseyn habe. So Raum und Zeit gelten beide außer jener
+Specifikation, die ihre Größebestimmtheit in der Bewegung des Falles
+oder in der absolutfreien Bewegung erhält, als Raum überhaupt, Zeit
+überhaupt, der Raum bestehend für sich außer und ohne die Zeit als
+dauernd, und die Zeit als für sich fließend unabhängig vom Raume.
+
+Diese Unmittelbarkeit des Qualitativen gegen seine specifische
+Maaßbeziehung ist aber ebenso sehr mit einer quantitativen
+Unmittelbarkeit und der Gleichgültigkeit eines Quantitativen an ihm
+gegen dieß sein Verhältniß verknüpft; die unmittelbare Qualität hat
+auch ein nur unmittelbares Quantum. Daher hat denn das specifische Maaß
+auch eine Seite zunächst äußerlicher Veränderung, deren Fortgang bloß
+arithmetisch ist, von jenem nicht gestört wird, und in welche die
+äußerliche, darum nur empirische Größebestimmtheit fällt. Qualität und
+Quantum auch so außer dem specifischen Maaße auftretend, sind zugleich
+in der Beziehung auf dieses; die Unmittelbarkeit ist ein Moment von
+solchen, die selbst zum Maaße gehören. So sind die unmittelbaren
+Qualitäten dem Maaße auch angehörig, gleichfalls in Beziehung, und
+stehen nach der Größebestimmtheit in einem Verhältniß, welches als
+außerhalb des specificirten, der Potenzbestimmung, selbst nur das
+direkte Verhältniß, und unmittelbares Maaß ist. Diese Folgerung und
+deren Zusammenhang ist näher anzugeben.
+
+2. Das unmittelbar bestimmte Quantum als solches ist, wenn es auch als
+Maaßmoment sonst an sich in einem Begriffszusammenhang begründet ist,
+in der Beziehung zu dem specifischen Maaße als ein äußerlich gegebenes.
+Die Unmittelbarkeit, die hiermit gesetzt ist, ist aber die Negation der
+qualitativen Maaßbestimmung; dieselbe wurde vorhin an den Seiten dieser
+Maaßbestimmung aufgezeigt, welche darum als selbstständige Qualitäten
+erschienen. Solche Negation und das Zurückkehren zur unmittelbaren
+Quantitätsbestimmtheit liegt in dem qualitativbestimmten Verhältnisse
+insofern, als das Verhältniß Unterschiedener überhaupt deren Beziehung
+als Eine Bestimmtheit enthält, die hiermit hier im Quantitativen,
+unterschieden von der Verhältnißbestimmung, ein Quantum ist. Als
+Negation der unterschiedenen qualitativbestimmten Seiten ist dieser
+Exponent ein Fürsichseyn, das Schlechthin-bestimmtseyn; aber ist
+solches Fürsichseyn nur an sich; als Daseyn ein einfaches,
+unmittelbares Quantum, Quotient oder Exponent als eines Verhältnisses
+der Seiten des Maaßes, dieß Verhältniß als ein direktes genommen; aber
+überhaupt die als empirisch erscheinende Einheit in dem Quantitativen
+des Maaßes.—Im Falle der Körper stehen die durchloffenen Räume im
+Verhältnisse des Quadrats der verflossenen Zeiten; s = at[hoch 2];
+—dieß ist das specifisch-bestimmte, ein Potenzenverhälntiß des Raums
+und der Zeit, das andere, das direkte Verhältniß, käme dem Raum und der
+Zeit, als gegeneinander gleichgültigen Qualitäten, zu, es soll das des
+Raumes zu dem ersten Zeitmomente seyn, derselbe Koefficient, a, bleibt
+in allen folgenden Zeitpunkten;—die Einheit als ein gewöhnlichts
+Quantum fur die übrigens durch das specificirende Maaß bestimmte
+Anzahl. Sie gilt zugleich als der Exponent jenes direkten
+Verhältnisses, welches der vorgestellten schlechten, d. i. formellen,
+nicht durch den Begriffs specifisch bestimmten Geschwindigkeit zukommt.
+Solche Geschwindigkeit existirt hier nicht, so wenig als die früher
+erwähnte, die dem Körper am Ende eines Zeitmoments zukommen sollte.
+Jene wird dem ersten Zeitmomente des Falles zugeschrieben, aber dieser
+sogenannte Zeitmoment ist eine selbst nur angenommene Einheit, und hat
+als solcher atomer Punkt kein Daseyn; der Anfang der Bewegung,—die
+Kleinheit, die für diesen vorgegeben wird, könnte keinen Unterschied
+machen,—ist sogleich eine Größe und zwar eine durch das Gesetz des
+Falles specificirte Größe. Jenes empirische Quantum wird der Kraft der
+Schwere zugeschrieben, so daß diese Kraft selbst keine Beziehung auf
+die vorhandene Specifikation, (die Potenzenbestimmtheit), auf das
+Eigenthümliche der Maaßbestimmung haben soll. Das unmittelbare Moment,
+daß in der Bewegung des Falles auf eine Zeiteinheit (—eine Sekunde und
+zwar die sogenannte erste—) die Anzahl von etwa fünfzehn räumlichen
+Einheiten, die als Fuße angenommen sind, komme, ist ein unmittelbares
+Maaß, wie die Maaßgröße der menschlichen Gliedmaaßen, die Distanzen,
+Durchmesser der Planeten u.s.f. Die Bestimmung solchen Maaßes fällt
+anderswohin, als innerhalb der qualitativen Maaßbestimmung hier des
+Gesetzes des Falles selbst; wovon aber solche Zahlen, das nur
+unmittelbar, daher als empirisch erscheinende eines Maaßes, abhängen,
+darüber haben uns die konkreten Wissenschaften noch keinen Aufschluß
+gegeben. Hier haben wir es nur mit dieser Begriffsbestimmtheit zu thun;
+diese ist, daß jener empirische Koefficient das Fürsichseyn in der
+Maaßbestimmung ausmacht, aber nur das Moment des Fürsichseyns, insofern
+dasselbe an sich und daher als unmittelbares ist. Das andere ist das
+Entwickelte dieses Fürsichseyns, die specifische Maaßbestimmtheit der
+Seiten.—Die Schwere, im Verhältnisse des Fallens, einer zwar noch halb
+bedingten und nur halbfreien Bewegung, ist nach diesem zweiten Momente
+als eine Naturkraft anzusehen, so daß durch die Natur der Zeit und des
+Raums ihr Verhältniß bestimmt ist, und daher in die Schwere jene
+Specifikation, das Potenzenverhältniß, fällt; jenes das einfache
+direkte Verhältniß drückt nur ein mechanisches Verhalten der Zeit und
+des Raumes aus, die formelle, äußerliche hervorgebrachte und
+determinirte Geschwindigkeit.
+
+3. Das Maaß hat sich dahin bestimmt, ein specificirtes Größenverhältniß
+zu seyn, das als quantitativ das gewohnliche außerliche Quantum an ihm
+hat; dieses aber ist nicht ein Quantum überhaupt, sondern wesentlich
+als Bestimmungsmoment des Verhältnisses als solchen; es ist so
+Exponent, und als nun unmittelbares Bestimmtseyn ein unveränderlicher
+Exponent, somit des schon erwähnten direkten Verhaltnisses derselben
+Qualitäten, durch welches zugleich ihr Größenverhältniß zu einander
+specifisch bestimmt wird. Dieses direkte Verhältniß ist im gebrauchten
+Beispiel des Maaßes der Fallbewegung gleichsam anticipirt und als
+vorhanden angenommen; aber wie bemerkt existirt es in dieser Bewegung
+noch nicht.—Es macht aber die weitere Bestimmung aus, daß das Maaß nun
+auf die Weise realisirt ist, daß seine beiden Seiten Maaße,
+unterschieden als unmittelbares, äußerliches, und als in sich
+specificirtes, sind, und es die Einheit derselben ist. Als diese
+Einheit enthält das Maaß das Verhältniß, in welchem die Größen durch
+die Natur der Qualitäten bestimmt und different gesetzt sind, und
+dessen Bestimmtheit daher ganz immanent und selbstständig, zugleich in
+das Fürsichseyn des unmittelbaren Quantums, den Exponenten eines
+direkten Verhältnisses, zusammen gegangen ist; seine Selbstbestimmung
+ist darin negirt, indem es in diesem seinem Andern die letzte,
+fürsichseyende Bestimmtheit hat; und umgekehrt hat das unmittelbare
+Maaß welches an ihm selbst qualitativ seyn soll, an jenem erst in
+Wahrheit die qualitative Bestimmtheit. Diese negative Einheit ist
+reales Fürsichseyn, die Kategorie eines Etwas, als Einheit von
+Qualitäten, die im Maaßverhältnisse sind; —eine volle
+Selbstständigkeit. Unmittelbar geben die beiden, welche sich als zwei
+verschiedene Verhältnisse ergeben haben, auch ein zweifaches Daseyn,
+oder näher solches selbstständige Ganze ist als Fürsichseyendes
+überhaupt zugleich ein Abstoßen in sich selbst in unterschiedene
+Selbstständige, deren qualitative Natur und Bestehen (Materialität) in
+ihrer Maaßbestimmtheit liegt.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Das reale Maaß.
+
+
+Das Maaß ist bestimmt zu einer Beziehung von Maaßen, welche die
+Qualität unterschiedener selbstständiger Etwas, geläufiger: Dinge
+ausmachen. Die so eben betrachteten Maaßverhältnisse gehören abstrakten
+Qualitäten, wie dem Raume und der Zeit, an; zu den im bevorstehenden zu
+betrachtenden sind specifische Schwere, weiterhin die chemischen
+Eigenschaften die Beispiele, welche als Bestimmungen materieller
+Existenzen sind. Raum und Zeit sind auch Momente solcher Maaße, die
+aber nun weitern Bestimmungen untergeordnet, nicht mehr nur nach ihrer
+eigenen Begriffsbestimmung sich zu einander verhalten. Im Klange z.B.
+ist die Zeit, in welcher eine Anzahl der Schwingungen erfolgt, das
+Räumliche der Länge, Dicke, des schwingenden Körpers, unter den
+Bestimmungsmomenten; aber die Größen jener ideellen Momente sind
+äußerlich bestimmt, sie zeigen sich nicht mehr in einem Potenzen-,
+sondern in gewöhnlichem direkten Verhältnisse gegeneinander, und das
+Harmonische reducirt sich auf die ganz äußerliche Einfachheit von
+Zahlen, deren Verhältnisse sich am leichtesten auffassen lassen, und
+damit eine Befriedigung gewähren, die ganz der Empfindung anheimfällt,
+da für den Geist keine Vorstellung, Phantasiebild, Gedanke und
+dergleichen ihn Erfüllendes vorhanden ist. Indem die Seiten, welche nun
+das Maaßverhältniß ausmachen, selbst Maaße, aber zugleich reelle Etwas
+sind, sind ihre Maaße zunächst unmittelbare Maaße und als Verhältnisse
+an ihnen, direkte Verhältnisse. Es ist das Verhältniß solcher
+Verhältnisse zu einander, welches nun in seiner Fortbestimmung zu
+betrachten ist.
+
+Das Maaß, wie es so nunmehr reales ist, ist
+
+erstens ein selbstständiges Maaß einer Körperlichkeit, das sich zu
+andern verhält und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die
+selbstständige Materialität, specificirt. Diese Specifikation, als ein
+äußerliches Beziehen zu vielen Andern überhaupt ist das Hervorbringen
+anderer Verhältnisse, somit anderer Maaße, und die specifische
+Selbstständigkeit bleibt nicht in einem direkten Verhältnisse,
+bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die eine Reihe von
+Maaßen ist, über.
+
+Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhältnisse, an sich
+bestimmte und ausschließende Maaße, (Wahlverwandschaften); indem aber
+ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein
+Fortgang von Verhältnissen vorhanden, der zum Theil bloß äußerlich
+quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhältnisse unterbrochen
+wird, und eine Knotenlinie von specifischen Selbstständigen bildet.
+
+Drittens aber tritt in diesem Fortgange für das Maaß die Maaßlosigkeit
+überhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maaßes ein, in welcher
+die sich ausschließenden Selbstständigkeiten Eins mit einander sind,
+und das Selbstständige in negative Beziehung zu sich selbst tritt.
+
+A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.
+
+Die Maaße heißen nun nicht mehr bloß unmittelbare, sondern
+selbstständige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhältnissen von
+Maaßen, welche specificirt sind, so in diesem Fürsichseyn Etwas,
+physikalische, zunächst materielle Dinge sind. Das Ganze, welches ein
+Verhältniß solcher Maaße ist, ist aber
+
+a. zunächst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als
+solche selbstständige Maaße bestimmt sind, außer einander an besondern
+Dingen bestehend, und werden äußerlich in Verbindung gesetzt;
+
+b. die selbstständigen Materialitäten sind aber, was sie qualitativ
+sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maaße haben,
+somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different
+dagegen (sogenannte Affinität) und zwar als Glieder einer Reihe solchen
+quantitativen Verhaltens bestimmt;
+
+c. dieses gleichgültige mannigfaltige Verhalten schließt sich zugleich
+zum ausschließenden Fürsichseyn ab;—sogenannte Wahlverwandschaft.
+
+a. Verbindung zweier Maaße.
+
+Etwas ist in sich als Maaßverhältniß von Quantis bestimmt, welche
+ferner Qualitäten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von diesen
+Qualitäten. Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein
+Fürsichseyendes,—Materielles—ist, (wie intensiv genommen, das Gewicht,
+oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die andere aber
+ist die Äußerlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte, Ideelle, der
+Raum.) Diese Qualitäten sind quantitativ bestimmt, und das Verhältniß
+derselben zu einander macht die qualitative Natur des materiellen Etwas
+aus;—das Verhältniß des Gewichts zum Volumen, die bestimmte specifische
+Schwere. Das Volumen, das Ideelle, ist als die Einheit anzunehmen, das
+Intensive aber, das in quantitativer Bestimmtheit und in der
+Vergleichung mit jenem als extensive Größe, Menge von fürsichseyenden
+Eins erscheint, als die Anzahl.—Das reine qualitative Verhalten der
+beiden Größebestimmtheiten, nach einem Potenzenverhältniß ist darin
+verschwunden, daß in der Selbstständigkeit des Fürsichseyns
+(—materiellen Seyns—) die Unmittelbarkeit zurückgekehrt ist, an welcher
+die Größebestimmtheit ein Quantum als solches, und das Verhältniß eines
+solchen zu der andern Seite ebenfalls in dem gewöhnlichen Exponenten
+eines direkten Verhältnisses bestimmt ist.
+
+Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist
+unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von
+solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten
+solcher Verhältnisse bestimmt. Er macht das specifische
+An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthümliche Maaß von Etwas aus;
+aber indem dieses sein Maaß auf dem Quantum beruht, ist es auch nur als
+äußerliche, gleichgültige Bestimmtheit, und solches Etwas ist dadurch
+der innerlichen Maaßbestimmung ungeachtet veränderlich. Das Andere, zu
+dem es als veränderlich sich verhalten kann, ist nicht eine Menge von
+Materie, ein Quantum überhaupt; hiergegen hält sein specifisches
+Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das zugleich ebenso
+Exponent solchen specifischen Verhältnisses ist. Es sind zwei Dinge,
+von verschiedenem inneren Maaße, die in Beziehung stehen, und in
+Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener specifischer
+Schwere;—welche Gleichartigkeit ihrer Natur, daß es z. B. nicht ein
+Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede wäre, sonst zur
+Möglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey, gehört nicht hierher
+zu betrachten.—Einer Seits erhält sich nun jedes der beiden Maaße in
+der Veränderung, die an dasselbe durch die Äußerlichkeit des Quantums
+kommen sollte, weil es Maaß ist, anderer Seits aber ist dieses
+Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu diesem Quantum, eine
+Specifikation desselben, und da dasselbe Exponent des Maaß
+Verhältnisses ist, eine Veränderung des Maaßes selbst und zwar eine
+gegenseitige Specifikation.
+
+Nach der bloß quantitativen Bestimmung wäre die Verbindung ein bloßes
+Summiren der zwei Größen der einen, und der zwei der andern Qualität,
+z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der
+Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so
+daß nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe,
+sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener
+Räume. Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte,
+—die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite,
+welche als die für sichseyende zum festen Daseyn und damit von
+bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,—das Gewicht der Materie,
+oder was für dasselbe nach der Rücksicht der quantitativen Bestimmtheit
+gilt, die Menge der materiellen Theile. Aber in die Exponenten fällt
+die Veränderung, indem sie der Ausdruck der qualitativen Bestimmtheit,
+des Fürsichseyns als Maaß-Verhältnisse sind, welches, indem das Quantum
+als solches die zufällige, äußerliche Veränderung durch Zusatz, der
+summirt wird, erleidet, zugleich sich als negirend gegen diese
+Äußerlichkeit erweist.
+
+Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt, nicht
+am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern Qualität,
+welche die ideelle Seite des Verhältnisses ist. Für die sinnliche
+Wahrnehmung kann es auffallend seyn, daß sich nach der Vermischung
+zweier specifisch verschiedener Materien eine Veränderung, —gewöhnlich
+eine Verminderung,—des summirten Volumens zeigt; der Raum selbst macht
+das Bestehen der außereinanderseyenden Materie aus. Aber dieß Bestehen,
+gegen die Negativität, welche das Fürsichseyn in sich enthält, ist das
+nicht an sich Seyende, das Veränderliche; der Raum wird auf diese Weise
+als das, was er wahrhaft ist, als das Ideelle gesetzt.
+
+Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als
+veränderlich gesetzt sondern das Maaß selbst, und damit die darauf
+gegründete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt,
+nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum
+überhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaaßVerhältnissen zu haben.
+
+b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.
+
+1. Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso dieß Andere nur
+durch die einfache Qualität bestimmt, das wäre, was es ist, so würden
+sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das
+Maaßverhältniß in sich ist, ist selbstständig, aber dadurch zugleich
+vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit aufgehoben
+wird, erhält es sich durch sein gleichgültiges, quantitatives Bestehen,
+und verhält sich zugleich als specificirendes Moment eines neuen
+Maaßverhältnisses. Seine Qualität ist eingehüllt in das Quantitative;
+damit ist sie ebenso gleichgültig gegen das andere Maaß, kontinuirt
+sich in dasselbe und in das neue gebildete Maaß hinein; der Exponent
+des neuen Maaßes ist selbst nur irgend ein Quantum, äußerliche
+Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgültigkeit darin dar, daß das
+specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen Maaßen eben
+dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen Maaßverhältnisse
+eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern gebildeten, drückt sich
+seine specifische Eigenthümlichkeit nicht aus.
+
+2. Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maaße an ihnen sind,
+giebt verschiedene Verhältnisse, die also verschiedene Exponenten
+haben. Das Selbstständige hat den Exponenten seines
+An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die
+Neutralität mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit
+denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst.
+Die Exponenten dieser Verhältnisse aber sind verschieden, und es stellt
+hiermit seinen qualitativen Exponenten als die—Reihe dieser
+verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;—als eine Reihe
+von specifischem Verhalten zu Andern. Der qualitative Exponent als Ein
+unmittelbares Quantum drückt eine einzelne Relation aus. Wahrhaft
+unterscheidet sich das Selbstständige durch die eigenthümliche Reihe
+der Exponenten, die es, als Einheit angenommen, mit andern solchen
+Selbstständigen bildet, indem ein anderes derselben ebenso mit
+ebendenselben in Beziehung gebracht und als Einheit angenommen, eine
+andere Reihe formirt.—Das Verhältniß solcher Reihe innerhalb ihrer
+macht nun das Qualitative des Selbstständigen aus.
+
+Insofern nun solches Selbstständiges mit einer Reihe von
+Selbstständigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunächst
+von einem Andern außer dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen
+wird, dadurch unterschieden zu seyn, daß dieses eine andere Reihe von
+Exponenten mit denselben Gegenüberstehenden macht. Aber auf diese Weise
+wären diese beiden Selbstständigen nicht vergleichbar, insofern jedes
+so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die beiden
+aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere sind. Die
+beiden, die als Selbstständige verglichen werden sollen, sind zunächst
+gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr Verhältniß zu
+bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen fürsichseyenden
+Einheit. Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu suchen, worin die zu
+vergleichenden, wie gezeigt, das specifische Daseyn ihres Maaßes haben,
+also in dem Verhältnisse, das die Verhältnissexponenten der Reihe zu
+einander haben. Dieß Verhältniß der Exponenten selbst ist aber nur so
+für sichseyende, in der That bestimmte Einheit, als die Glieder der
+Reihe dasselbe, als ein konstantes Verhältniß unter einander, zu beiden
+haben; so kann es ihre gemeinschaftliche Einheit seyn. In ihr also
+liegt allein die Vergleichbarkeit der beiden Selbstständigen, die als
+sich nicht mit einander neutralisirend, sondern als gleichgültig gegen
+einander angenommen wurden. Jedes abgesondert außerhalb der
+Vergleichung ist die Einheit der Verhältnisse mit den
+gegenüberstehenden Gliedern, welche die Anzahlen gegen jene Einheit
+sind, somit die Reihe von Exponenten vorstellen. Diese Reihe ist
+dagegen umgekehrt die Einheit für jene beiden, die verglichen
+miteinander, Quanta gegeneinander sind; als solche sind sie selbst
+verschiedene Anzahlen ihrer so eben aufgezeigten Einheit.
+
+Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenüber stehenden unter sich
+verglichenen beiden oder vielmehr Vielen überhaupt, die Reihe der
+Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst
+gleichfalls Selbstständige, jedes ein specifisches Etwas von einem ihm
+an sich zuständigen Maaßverhältniß. Sie sind insofern gleichfalls jedes
+als Einheit zu nehmen, so daß sie an den erst genannten unter sich bloß
+verglichenen Beiden oder vielmehr unbestimmt Mehrern eine Reihe von
+Exponenten haben, welche Exponenten die Vergleichungszahlen der so eben
+genannten unter sich sind; so wie die Vergleichungszahlen der nun
+einzeln auch als selbstständig genommenen unter sich gleichfalls
+umgekehrt die Reihe der Exponenten für die Glieder der ersten Reihe
+sind. Beide Seiten sind auf diese Weise Reihen, in denen jede Zahl
+erstens Einheit überhaupt ist gegen ihre gegenüber stehende Reihe, an
+der sie ihr Fürsichbestimmtseyn als eine Reihe von Exponenten hat;
+zweitens ist sie selbst einer der Exponenten für jedes Glied der
+gegenüberstehenden Reihe; und drittens Vergleichungszahl zu den übrigen
+Zahlen ihrer Reihe, und hat als solche Anzahl, die ihr auch als
+Exponent zukommt, ihre für-sich-bestimmte Einheit an der gegenüber
+stehenden Reihe.
+
+3. In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das
+Quantum als fürsichseyend, nämlich als Grad gesetzt ist, einfach zu
+seyn, aber die Größebestimmtheit an einem außer ihm seyenden Quantum,
+das ein Kreis von Quantis ist, zu haben. Im Maaße aber ist dieß
+Äußerliche nicht bloß ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern
+eine Reihe von Verhältnißzahlen, und das Ganze derselben ist es, worin
+das Fürsich-bestimmtseyn des Maaßes liegt. Wie beim Fürsichseyn des
+Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese Äußerlichkeit seiner
+selbst sich die Natur des selbstständigen Maaßes verkehrt. Seine
+Beziehung auf sich ist zunächst als unmittelbares Verhältniß, und damit
+besteht sogleich seine Gleichgültigkeit gegen Anderes nur in dem
+Quantum. In diese Äußerlichkeit fällt daher seine qualitative Seite,
+und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die specifische
+Bestimmung dieses Selbstständigen ausmacht. Sie besteht so schlechthin
+in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens, und diese Art und
+Weise ist so sehr durch das Andere als durch es selbst bestimmt, und
+dieß Andere ist eine Reihe von Quantis, und es selbst gegenseitig ein
+solches. Aber diese Beziehung, in welcher sich zwei Specifische zu
+etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten, specificiren, enthält ferner
+dieß, daß das Eine darin nicht in das Andere übergegangen, also nicht
+nur eine Negation überhaupt, sondern Beide darin negativ gesetzt sind,
+und indem jedes sich gleichgültig darin erhält, seine Negation auch
+wieder negirt ist. Diese ihre qualitative Einheit ist somit für sich
+seyende ausschließende Einheit. Die Exponenten, welche zunächst
+Vergleichungszahlen unter sich sind, haben in dem Momente des
+Ausschließens erst ihre wahrhaft specifische Bestimmtheit gegeneinander
+an ihnen und ihr Unterschied wird so zugleich qualitativer Natur. Er
+gründet sich aber auf das Quantitative; das Selbstständige verhält sich
+erstens nur darum zu einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil
+es in diesem Verhalten zugleich gleichgültig ist; zweitens ist nun die
+neutrale Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativität nicht
+nur Veränderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und
+ausschließende Einheit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines
+Selbstständigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine
+indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft.
+
+c. Wahlverwandtschaft.
+
+Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im vorhergehenden
+Neutralität, Verwandtschaft, gebraucht worden,— Ausdrücke, die sich auf
+das chemische Verhältniß beziehen. Denn in der chemischen Sphäre hat
+wesentlich das Materielle seine specifische Bestimmtheit in der
+Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als diese Differenz. Diese
+specifische Beziehung ist ferner an die Quantität gebunden, und ist
+zugleich nicht nur die Beziehung auf ein einzelnes Anderes, sondern auf
+eine Reihe solcher ihm gegenüberstehenden Differenten; die Verbindungen
+mit dieser Reihe beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem
+Gliede derselben, aber bei dieser Gleichgültigkeit ist zugleich jede
+ausschließend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter
+Bestimmungen noch zu betrachten ist.—Es ist aber nicht nur im
+Chemischen, daß sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen
+darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem Verhalten
+und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von andern; die
+Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von Verbindungen macht
+seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf quantitativen
+Verhältnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten bilden, und die
+Verhältnisse von den beiden specifischen Verhältnissen sind, die jeder
+der verbundenen Töne an ihm selbst ist. Der einzelne Ton ist der
+Grundton eines Systems, aber ebenso wieder einzelnes Glied im Systeme
+jedes andern Grundtons. Die Harmonien sind ausschließende
+Wahlverwandtschaften, deren qualitative Eigenthümlichkeit sich aber
+ebenso sehr wieder in die Äußerlichkeit bloß quantitativen Fortgehens
+auflöst.—Worin aber das Princip eines Maaßes für diejenigen
+Verwandtschaften, welche (chemische oder musikalische oder andere)
+Wahlverwandtschaften unter und gegen die andern sind, liege, darüber
+wird im Folgenden in Betreff der chemischen noch eine Bemerkung
+vorkommen; aber diese höhere Frage hängt mit dem Specifischen des
+eigentlichen Qualitativen aufs engste zusammen, und gehört in die
+besondern Theile der konkreten Naturwissenschaft.
+
+Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem
+Verhalten zu dem Ganzen einer gegenüberstehenden Reihe hat, deren
+Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie sich
+mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die speciellere
+Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft gleichfalls nur eine
+quantitative. In der Wahlverwandtschaft als ausschließender,
+qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich diesem quantitativen
+Unterschiede. Die nächste Bestimmung, die sich darbietet, ist: daß nach
+dem Unterschied der Menge, also der extensiven Größe, der unter den
+Gliedern der einen Seite für die Neutralisirung eines Gliedes der
+andern Seite Statt findet, sich auch die Wahlverwandtschaft dieses
+Gliedes zu den Gliedern der andern Reihe, mit denen allen es in
+Verwandtschaft steht, richte. Das Ausschließen als ein festeres
+Zusammenhalten gegen andere Möglichkeiten der Verbindung, welches
+dadurch begründet wäre, erschiene so umgewandelt in um so viel größere
+Intensität, nach der früher nachgewiesenen Identität der Formen von
+extensiver und intensiver Größe, als in welchen beiden Formen die
+Größenbestimmtheit eine und dieselbe ist. Dieß Umschlagen der
+einseitigen Form der extensiven Größe auch in ihre andere, die
+intensive, ändert aber an der Natur der Grundbestimmung, welche das
+Eine und dasselbe Quantum ist, nichts; so daß hiermit in der That kein
+Ausschließen gesetzt wäre, sondern gleichgültig entweder nur Eine
+Verbindung oder ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen
+Gliedern, wenn nur die Portionen, die von ihnen einträten, in Gemäßheit
+ihrer Verhältnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend
+wären, Statt haben könnte.
+
+Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist
+nicht nur die Form der Intensität; der Exponent ist wesentlich
+Maaßbestimmung, und damit ausschließend; die Zahlen haben in dieser
+Seite ausschließenden Verhaltens ihre Kontinuität und
+Zusammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder
+Weniger, was einen negativen Charakter erhält, und der Vorzug, den ein
+Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Größenbestimmtheit
+stehen. Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach
+welcher es einem Momente wieder gleichgültig ist von mehrern ihm
+gegenüber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten,
+von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das
+ausschließende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von
+der quantitativen Seite her.—Es ist hiermit ein Umschlagen von
+gleichgültigem, bloß quantitativem Verhalten in ein qualitatives und
+umgekehrt ein Übergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloß
+äußerliche Verhältniß gesetzt;—eine Reihe von Verhältnissen, die bald
+bloß quantitativer Natur, bald specifische und Maaße sind.
+
+Anmerkung.
+
+Die chemischen Stoffe sind die eigenthümlichsten Beispiele solcher
+Maaße, welche Maaßmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung
+ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben. Säuren und Kalien oder
+Basen überhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte Dinge,
+aber vielmehr als unvollkommene Körperelemente, als Bestandtheile, die
+eigentlich nicht für sich existiren, sondern nur diese Existenz haben,
+ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit einem andern zu
+verbinden. Der Unterschied ferner, wodurch sie als selbstständige sind,
+besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualität, sondern in der
+quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Er ist nämlich nicht auf
+den chemischen Gegensatz von Säure und Kali oder Basis überhaupt,
+eingeschränkt, sondern ist zu einem Maaße der Sättigung specificirt,
+und besteht in der specifischen Bestimmtheit der Quantität der sich
+neutralisirenden Stoffe. Diese Quantitäts-Bestimmung in Rücksicht auf
+die Sättigung macht die qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht
+ihn zu dem, was er für sich ist, und die Zahl, die dieß ausdrückt, ist
+wesentlich einer von mehrern Exponenten für eine gegenüber stehende
+Einheit.—Solcher Stoff steht mit einem andern in sogenannter
+Verwandtschafft; insofern diese Beziehung rein qualitativer Natur
+bliebe, so wäre,—wie die Beziehung der magnetischen Pole oder der
+Elektricitäten,—die eine Bestimmtheit nur die negative der andern, und
+beide Seiten zeigten sich nicht auch zugleich gleichgültig
+gegeneinander. Aber weil die Beziehung auch quantitativer Natur ist,
+ist jeder dieser Stoffe fähig mit Mehrern sich zu neutralisiren, und
+nicht auf einen gegenüber stehenden eingeschränkt. Es verhält sich
+nicht nur die Säure und das Kali oder Basis, sondern Säuren und Kalien
+oder Basen zu einander. Sie charakterisiren sich zunächst dadurch gegen
+einander, je nachdem eine Säure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich
+mit ihm zu sättigen, als eine andere. Aber die fürsichseyende
+Selbstständigkeit zeigt sich darin, daß die Verwandtschaften sich
+ausschließend verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem
+für sich eine Säure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung
+eingehen kann. Es macht so den Hauptunterschied einer Säure gegen eine
+andere aus, ob sie zu einer Basis eine nähere Verwandtschaft habe, als
+eine andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft.
+
+Über die chemischen Verwandtschaften der Säuren und Kalien ist das
+Gesetz gefunden worden, daß wenn zwei neutrale Solutionen gemischt
+werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen
+entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus,
+daß die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Sättigung einer Säure
+erfordert werden, in demselben Verhältnisse zur Sättigung einer andern
+nöthig sind; überhaupt wenn für ein Kali als Einheit genommen die Reihe
+der Verhältnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die verschiedenen
+Säuren dasselbe sättigen, so ist für jedes andere Kali diese Reihe
+dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander in
+verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;—Anzahlen, die wieder ihrer Seits
+eine eben solche beständige Reihe von Exponenten für jede der gegenüber
+stehenden Säuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen Säure sich
+in demselben Verhältnisse beziehen, als zujeder andern. —Fischer hat
+zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in ihrer Einfachheit
+herausgehoben; s. in s. Anmerkungen zur Übersetzung von Berthollets
+Abhandlung über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie, S. 232.
+und Berthollet Statique chimique I. Part. p. 134. ff.—Die, seit dieß
+zuerst geschrieben worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete
+Kenntniß von den Verhältnißzahlen der Mischungen der chemischen
+Elemente, hier berücksichtigen zu wollen, würde auch darum eine
+Abschweifung seyn, da diese empirische zu einem Theil aber auch nur
+hypothetische Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen
+eingeschlossen bleibt. Aber über die dabei gebrauchten Kategorien,
+ferner über die Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und
+ihrer Beziehung auf das Quantitative, so wie über den Versuch, dieselbe
+auf bestimmte physikalische Qualitäten zu gründen, mögen noch einige
+Bemerkungen hinzugefügt werden.
+
+Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der
+Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer
+chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat, was wohl zu
+unterscheiden ist, auf die Quantitäts-Verhältnisse der chemischen
+Sättigungs-Gesetze selbst keinen Einfluß, aber das qualitative Moment
+der ausschließenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur
+geschwächt, sondern vielmehr aufgehoben. Wenn zwei Säuren auf ein Kali
+wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, daß sie eine größere
+Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum vorhanden ist,
+welches fähig ist, das Quantum der Basis zu sättigen, so erfolgt nach
+der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese Sättigung; die andere
+Säure bleibt ganz unwirksam und von der neutralen Verbindung
+ausgeschlossen. Nach jenem Begriffe der Wirksamkeit einer chemischen
+Masse hingegen, ist jede von beiden wirksam in einem Verhältniß, das
+aus ihrer vorhandenen Menge und ihrer Sättigungsfähigkeit oder
+sogenannten Affinität zusammengesetzt ist. Berthollets Untersuchungen
+haben die nähern Umstände angegeben, unter welchen die Wirksamkeit der
+chemischen Masse aufgehoben wird, und eine (stärker verwandte) Säure
+die andere (schwächere) auszutreiben und deren Wirkung auszuschließen,
+somit nach dem Sinne der Wahlverwandtschaft thätig zu seyn scheint. Er
+hat gezeigt, daß es Umstände, wie die Stärke der Kohäsion,
+Unauflösbarkeit der gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen
+jenes Ausschließen Statt findet, nicht die qualitative Natur der
+Agentien als solche, —Umstände, welche wieder durch andere Umstände
+z.B. die Temperatur in ihrer Wirkung aufgehoben werden können. Mit der
+Beseitigung dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkümmert
+in Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschließen, als
+Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in äußerlichen
+Modifikationen zu liegen.
+
+Berzelius wäre es vornehmlich, der weiter über diesen Gegenstand zu
+hören ist. Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie über die
+Sache nichts Eigenthümliches und Bestimmteres auf. Es sind die
+berthollet'schen Ansichten aufgenommen und wörtlich wiederhohlt, nur
+mit der eigenthümlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion
+ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich für die nähere
+Betrachtung darbieten. Die Theorie geht über die Erfahrung hinaus, und
+erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in der
+Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an, und
+macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik. Wir wollen
+daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (übers. von
+Wöhler S. 82. ff) über die Theorie Vorgetragene vornehmen. Daselbst nun
+liest man, "daß man sich vorstellen müsse, in einer gleichförmig
+gemischten Flüssigkeit sey ein jedes Atom vom aufgelösten Körper von
+einer gleichen Anzahl von Atomen des Auflösungsmittels umgeben; und
+wenn mehrere Substanzen zusammen aufgelöst sind, so müssen sie die
+Zwischenräume zwischen den Atomen des Auflösungsmittels unter sich
+theilen, so daß, bei einer gleichförmigen Mischung der Flüssigkeit,
+eine solche Symmetrie in der Lage der Atome entstehe, daß alle Atome
+der einzelnen Körper sich in Beziehung zu den Atomen der andern Körper
+in einer gleichförmigen Lage befinden; man könne daher sagen, daß die
+Auflösung durch die Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die
+Verbindung durch die bestimmten Proportionen charakterisirt sey."—Dieß
+wird hierauf durch ein Beispiel der Verbindungen erläutert, die aus
+einer Auflösung von Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsäure
+hinzugesetzt wird, entstehen; aber an diesem Beispiele wird freilich
+weder aufgezeigt, daß Atome existiren, noch daß eine Anzahl von Atomen
+der aufgelösten Körper Atome der Flüssigkeit umgeben, freie Atome der
+beiden Säuren sich um die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden
+lagern, noch daß die Symmetrie in der Stellung und Lage, noch daß
+Zwischenräume zwischen den Atomen existiren,—am allerwenigsten daß die
+aufgelösten Substanzen die Zwischenräume der Atome des
+Auflösungsmittels unter sich theilen. Dieß hiesse, daß die aufgelösten
+da ihre Stellung nehmen, wo das Auflösungsmittel nicht ist,—denn die
+Zwischenräume desselben sind die von ihm leeren Räume,—somit daß die
+aufgelösten Substanzen sich nicht im Auflösungsmittel befinden, sondern
+wenn auch dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben
+und umlagert,—außerhalb desselben, also gewiß auch von ihm nicht
+aufgelöst sind. Man sieht somit nicht ein, daß man sich solche
+Vorstellungen machen müsse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt
+sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf andere
+Weise nicht erhärtet sind. Dieß könnte nur durch die Betrachtung dieser
+Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik, welche Logik ist,
+geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als durch die Erfahrung
+bestätigt,—im Gegentheil!—Übrigens giebt Berzelius zu, was auch oben
+gesagt worden, daß die Sätze Berthollets der Theorie von den bestimmten
+Proportionen nicht entgegen seyen,—er fügt freilich hinzu, daß sie auch
+den Ansichten von der Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin
+angeführten Vorstellungen von den Atomen, der Erfüllung der
+Zwischenräume der auflösenden Flüssigkeit durch die Atome der festen
+Körper u.s.f. nicht entgegen seyen,—diese letztere grundlose Metaphysik
+hat aber wesentlich nichts mit den Proportionen der Sättigung selbst zu
+thun. Das Specifische, was in den Sättigungsgesetzen ausgedrückt ist,
+betrifft somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht
+Atomen) eines Körpers, mit welcher sich die quantitative Einheit
+(ebenso wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten
+Körpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen
+verschiedenen Proportionen. Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine
+Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch
+von Affinitätsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische Masse
+Berthollets als die Summe des Affinitätsgrades aus der vorhandenen
+Quantität des wirksamen Körpers erklärt, statt dessen Berthollet
+consequenter den Ausdruck capacité de saturation gebraucht, so verfällt
+er damit selbst in die Form intensiver Größe. Dieß ist aber die Form,
+welche das Eigenthümliche der sogenannten dynamischen Philosophie
+ausmacht, die er früher S. 29. a. a. O. "die speculative Philosophie
+gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der vortrefflichen
+"Korpuskularphilosophie" nachdrücklich verwirft. Von dieser dynamischen
+Philosophie giebt er dort an, daß sie annehme, die Elemente in ihrer
+chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die Neutralisation
+bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; dieß heißt nichts
+Anders, als daß die chemisch differenten Partikeln, die als Menge
+gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven Größe
+zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund giebt.
+Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch verbundenen
+Atome sich in den Zwischenräumen, d. h. außereinander erhalten,
+(Juxtaposition); Grad der Affinität hat in solchem Verhalten als einer
+nur extensiven Größe, eines Perennirens von Menge, keinen Sinn. Wenn
+ebendas angegeben wird, daß die Erscheinungen der bestimmten
+Proportionen für die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen gekommen
+seyen, so wäre dieß nur ein äußerlicher historischer Umstand, abgesehen
+davon, daß die richterschen stöchiometrischen Reihen, in der
+fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in der
+ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien
+erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude Korpuskulartheorie
+beruht, angeführt sind. Irrthümlich aber urtheilt Berzelius als ob
+unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die Erscheinungen der
+bestimmten Proportionen "für immer" unbekannt geblieben wären,—in dem
+Sinne, daß jene Ansicht sich nicht mit der Bestimmtheit der
+Proportionen vertrüge. Diese ist auf allen Fall nur Größebestimmtheit,
+gleichgültig ob in extensiver und intensiver Form, —so daß auch
+Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge, hängt, selbst die
+Vorstellung von Affinitätsgraden gebraucht.
+
+Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied
+zurückgeführt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das
+Ausschließende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstände
+zurückgeführt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der
+Verwandschaft Äußerliches erscheinen, auf Kohäsion, Unauflöslichkeit
+der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f. Es kann mit dieser
+Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung der
+Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst
+zukommt, daß der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe übergeht,
+nur als der zugleich vorhandene Umstand des äußern Widerstands der Luft
+des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung allein statt der Schwere
+zugeschrieben wird.—Hier für die Natur des Qualitativen, welches in der
+Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen Unterschied, ob dasselbe in
+der Form jener Umstände als seiner Bedingungen erscheint und aufgefaßt
+wird. Es beginnt mit dem Qualitativen als solchen eine neue Ordnung,
+deren Specifikation nicht mehr nur quantitativer Unterschied ist.
+
+Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinität in einer Reihe
+quantitativer Verhältnisse sich genau feststellt gegen die
+Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren
+Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfällt, so wird dieser
+Unterschied wieder in völlige Verwirrung durch die Art geworfen, in
+welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten
+in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn
+sollenden Princip aus über das wichtigste, das Maaßverhältniß, einen
+Aufschluß zu erhalten, wird gänzlich getäuscht. Diese Theorie, in
+welcher die Erscheinungen der Elektricität und des Chemismus vollkommen
+identificirt werden, insofern sie das Physikalische und nicht bloß die
+Maaßverhältnisse betrifft, ist hier nicht in nähere Betrachtung zu
+nehmen, und nur insofern zu erwähnen, als die Unterschiedenheit der
+Maaßbestimmungen dadurch verworren wird. Für sich selbst ist sie seicht
+zu nennen, weil die Seichtigkeit darin besteht, das Verschiedene mit
+Weglassung der Verschiedenheit identisch zu nehmen. War hierbei die
+Affinität betrifft, so ist sie, indem so chemische Processe mit
+elektrischen, ingleichen mit Feuer und Licht-Erscheinungen,
+identificirt werden, "auf Neutralisation entgegengesetzter
+Electricitäten" reducirt worden. Die Identifikation der Elektricität
+und des Chemismus selbst ist es beinahe komisch (S. 63. a. a. O.) in
+folgender Weise dargestellt zu finden, daß "die eletrischen Phänomene
+wohl die Wirkung der Körper auf größern oder geringern Abstand, ihre
+Anziehung vor der Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische
+Verhalten)—und das durch diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl
+erklären, aber uns über die Ursache der mit einer so großen Kraft, nach
+Vernichtung des entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden
+Vereinigung der Körper keinen Aufschluß geben;" d. h. die Theorie giebt
+den Aufschluß, daß die Electricität die Ursache des chemischen
+Verhaltens sey, daß aber die Electricität über das, was im chemischen
+Processe chemisch ist, keinen Aufschluß gebe.—Damit, daß die chemische
+Differenz überhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer
+Elektricität zurückgeführt wird, wird die Affinitätsverschiedenheit der
+auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter sich als
+die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und elektronegativer
+Körper bestimmt. Bei dem Identificiren der Elektricität und des
+Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach, wird schon dieß übersehen,
+daß die erstere überhaupt und deren Neutralisirung flüchtig ist und der
+Qualität der Körper äußerlich bleibt, der Chemismus in seiner Aktion
+und besonders in der Neutralisation die ganze qualitative Natur der
+Körper in Anspruch nimmt und alterirt. Ebenso flüchtig ist innerhalb
+der Elektricität ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein
+so Unstätes, daß er von den geringsten äußerlichen Umständen abhängig
+ist, und in keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit
+und Festigkeit des Gegensatzes von Säuren z.B. gegen die Metalle u.s.w.
+Die Veränderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch höchst
+gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhöhten Temperatur u.s.f. statt
+finden kann, steht in keinem Vergleich mit der Oberflächlichkeit des
+elektrischen Gegensatzes. Der fernere Unterschied nun innerhalb der
+Reihe jeder der beiden Seiten zwischen mehr oder weniger
+positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger negativ-elektrischer
+Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein völlig Unsicheres als
+Unkonstatirtes. Aus diesen Reihen der Körper aber (Berzelius am ang.
+Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen Dispositionen soll das
+elektrochemische System entstehen, welches sich von allen am besten
+eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;" diese Reihen werden nun
+angegeben; wie sie aber in der That beschaffen sind, darüber wird S.
+67. hinzugefügt:
+
+"daß dieß ungefähr die Ordnung dieser Körper sey, aber diese Materie
+sey so wenig untersucht, daß sich noch nichts ganz Gewisses
+hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."—Sowohl die
+Verhältnißzahlen jener (von Richter zuerst gemachten) Affinitätsreihen,
+als die höchst interessante von Berzelius aufgestellte Reduktion der
+Verbindungen von zwei Körpern auf die Einfachheit weniger quantitativen
+Verhältnisse sind ganz und gar unabhängig von jenem elektrochemisch
+seyn sollenden Gebräue. Wenn in jenen Proportionen und in deren seit
+Richter nach allen Seiten hin gewonnenen Ausdehnung der experimentale
+Weg der richtige Leitstern gewesen, so kontrastirt für sich damit
+umsomehr die Vermischung dieser großen Entdeckungen mit der außer dem
+Weg der Erfahrung liegenden Öde der sogenannten Korpuskulartheorie; nur
+dieser Anfang, das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es
+motiviren, noch weiter jenen früher von Ritter vornehmlich angefangenen
+Einfall wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und
+elektronegativen Körpern, die zugleich chemische Bedeutung haben
+sollten, aufzustellen.
+
+Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die für die chemische Affinität in
+dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Körpern, wenn
+dieser für sieh auch faktisch richtiger wäre, als er ist, angenommen
+wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege, was denn aber
+wieder zu weiterer Inkonsequenz führt. Es wird S. 73. (a. a. O.)
+zugestanden, daß zwei sogenannte elektronegative Körper, wie Schwefel
+und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit einander verbinden,
+als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer, obgleich letzteres
+elektropositiv sey. Die auf den allgemeinen Gegensatz von positiver und
+negativer-Elektricität basirte Grundlage für die Affinität muß hier
+hiermit gegen ein bloßes Mehr oder Weniger innerhalb Einer und
+derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit zurückgestellt werden.
+Der Verwandschaftsgrad der Körper, wird nun hieraus geschlossen, hänge
+demnach nicht allein von ihrer specifischen Unipolarität (mit welcher
+Hypothese diese Bestimmung zusammenhängt, thut hierher nichts, sie gilt
+hier nur für das Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab;
+der Verwandschaftsgrad müsse hauptsächlich von der Intensität ihrer
+Polarität im Allgemeinen hergeleitet werden. Hier geht somit näher die
+Betrachtung der Affinität zu dem Verhältniß der Wahlverwandschaft über,
+um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn für diese
+nun ergiebt. Indem sogleich (ebendas. S. 73.) zugestanden wird, daß der
+Grad dieser Polarität, wenn sie nicht bloß in unserer Vorstellung
+existire, keine konstante Quantität zu seyn scheine, sondern sehr von
+der Temperatur abhänge, so findet sich nach allem diesem als Resultat
+angegeben, nicht nur, daß jede chemische Wirkung so ihrem Grunde nach
+ein elektrisches Phänomensey, sondern auch was Wirkung der sogenannten
+Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch eine in gewissen Körpern
+stärker, als in andren vorhandene elektrische Polarität bewirkt werde.
+Zum Beschlusse des bisherigen Herumwindens in hypothetischen
+Vorstellungen bleibt es somit bei der Kategorie stärkerer Intensität,
+welche dasselbe Formelle als die Wahlverwandschaft überhaupt ist, und
+diese damit, daß sie auf eine stärkere Intensität elektrischer
+Polarität gestellt wird, im geringsten nicht weiter auf einen
+physikalschen Grund bringt als vorher. Aber auch das was hier als
+größere specifische Intensität bestimmt seyn soll, wird späterhin nur
+auf die bereits angeführten, von Berthollet aufgezeigten Modifikationen
+zurückgeführt.
+
+Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle chemischen
+Verhältnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte für sich kein
+Abhaltungsgrund seyn, die Blöße der angeführten Theorie auseinander zu
+setzen; ein näherer Grund aber, dieß zu thun, muß der Umstand seyn, daß
+solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft, wie bei Newton,
+Autorität für ein damit in Zusammenhang gesetztes grundloses Gebäude
+von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und daß gerade solche
+Metaphysik dasjenige ist, was mit der größten Prätension ausgegeben und
+ebenso nachgesprochen wird.
+
+Außer den Formen des Maaßverhältnisses, die sich auf die chemische
+Affinität und Wahlverwandschaft beziehen, können auch noch andere in
+Rücksicht auf Quantitäten, die sich zu einem System qualificiren,
+betrachtet werden. Die chemischen Körper bilden in Beziehung auf
+Sättigung ein System von Verhältnissen; die Sättigung selbst beruht auf
+der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen, die
+eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich verbinden.
+Aber es giebt auch Maaßverhältnisse, deren Momente untrennbar sind und
+nicht in einer eignen von einander verschiedenen Existenz dargestellt
+werden können. Diese sind das, was vorhin die unmittelbaren
+selbstständigen Maaße genannt, und die in den specifischen Schweren der
+Körper repräsentirt sind.—Sie sind innerhalb der Körper ein Verhältniß
+von Gewicht zum Volumen; der Verhältnissexponent, welcher die
+Bestimmtheit einer speeifischen Schwere zum Unterschiede von andern
+ausdrückt, ist bestimmtes Quantum nur der Vergleichung, ein ihnen
+äußeres Verhältniß in einer äußern Reflexion, das sich nicht auf das
+eigne qualitative Verhalten zu einer gegenüber stehenden Existenz
+gründet. Es wäre die Aufgabe vorhanden, die Verhältnißexponenten der
+Reihe der specifischen Schweren, als ein System aus einer Regel zu
+erkennen, welche eine bloß arithmetische Vielheit zu einer Reihe
+harmonischer Knoten specificirte.—Dieselbe Forderung fände für die
+Erkenntniß der angeführten chemischen Verwandtschaftsreihen statt. Aber
+die Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin,
+die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem
+Maaßsysteme zu fassen.
+
+Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunächst kein qualitatives
+Verhältniß zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls in
+qualitative Beziehung. Indem die Körper chemisch verbunden, auch nur
+amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine
+Neutralisation der specifischen Schweren. Es ist vorhin die Erscheinung
+angeführt worden, daß das Volumen, auch des Gemisches von chemisch
+gegen einander eigentlich gleichgültig bleibenden Materien, nicht von
+gleicher Größe mit der Summe des Volumens derselben vor der Vermischung
+ist. Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum der
+Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben sich
+auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander kund.
+Hier äußert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht bloß als
+eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhältnißzahl, die
+verrückbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von
+Maaßen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als den
+Verhältnißzahlen der specifischen Schweren, die miteinander verbunden
+werden. Die Exponenten dieser Verhältnisse sind nicht ausschließende
+Maaßbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher, aber enthält
+ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell fortgehenden
+Verhältnissen, in denen die Mengen verbunden werden, verschieden und
+jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht.
+
+B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.
+
+Die letzte Bestimmung des Maaßverhältnisses war, daß es als specifisch
+ausschließend ist; das Ausschließen kommt der Neutralität als negativer
+Einheit der unterschiedenen Momente zu. Für diese fürsichseyende
+Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung ihrer Beziehung
+auf die andern Neutralitäten kein weiteres Princip der Specifikation
+ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen Bestimmung der Affinität
+überhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind, welche sich
+neutralisiren, und damit anderen relativen Wahlverwandtschaften ihrer
+Momente gegenüberstehen. Aber ferner um der quantitativen
+Grundbestimmung willen kontinuirt sich die ausschließende
+Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern Neutralitäten, und diese
+Kontinuität ist nicht nur äußerliche Beziehung der verschiedenen
+Neutralitäts-Verhältnisse, als eine Vergleichung, sondern die
+Neutralität hat als solche eine Trennbarkeit in ihr, indem die, aus
+deren Einheit sie geworden ist, als selbstständige Etwas, jedes als
+gleichgültig, mit diesem oder mit andern der gegenüberstehenden Reihe,
+ob zwar in verschiedenen specifisch bestimmten Mengen sich zu
+verbinden, in Beziehung treten. Dadurch ist dieß Maaß, das auf einem
+solchen Verhältnisse in ihm selbst beruht, mit eigner Gleichgültigkeit
+behaftet; es ist ein an ihm selbst Äußerliches und in seiner Beziehung
+auf sich ein Veränderliches.
+
+Diese Beziehung des Verhältnißmaaßes auf sich ist verschieden von
+seiner Äußerlichkeit und Veränderlichkeit, als seiner quantitativen
+Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende,
+qualitative Grundlage;—bleibendes, materielles Substrat, welches,
+zugleich als die Kontinuität des Maaßes in seiner Äußerlichkeit mit
+sich selbst, in seiner Qualität jenes Princip der Specification dieser
+Äußerlichkeit enthalten müßte. Das ausschließende Maaß nach dieser
+nähern Bestimmung nun, in seinem Fürsichseyn sich äußerlich, stößt sich
+von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur
+quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhältniß, das
+zugleich ein anderes Maaß ist; ist als an sich selbst specificirende
+Einheit bestimmt, welche an ihr Maaßverhältnisse producirt. Diese
+Verhältnisse sind von der obigen Art der Affinitäten, in welchen ein
+Selbstständiges sich zu Selbstständigen anderer Qualität und zu einer
+Reihe solcher verhält, verschieden; sie finden an einem und demselben
+Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralität statt; das Maaß
+bestimmt sich von sich abstoßend zu andern nur quantitativ
+verschiedenen Verhältnissen, welche gleichfalls Affinitäten und Maaße
+bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative
+Verschiedenheiten bleiben. Sie bilden auf solche Weise eine Knotenlinie
+von Maaßen auf einer Skale des Mehr und Weniger.
+
+Es ist ein Maaßverhältniß vorhanden; eine selbstständige Realität, die
+qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Fürsichseyn ist,
+weil es zugleich wesentlich ein Verhältniß von Quantis ist, der
+Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen; es hat eine Weite,
+innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und
+seine Qualität nicht ändert. Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung
+des Quantitativen ein, auf welchem die Qualität geändert wird, das
+Quantum sich als specificirend erweist, so daß das veränderte
+quantitative Verhältniß in ein Maaß und damit in eine neue Qualität,
+ein neues Etwas, umgeschlagen ist. Das Verhältniß, das an die Stelle
+des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der
+qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinität stehen, Theils
+nach der quantitativen Kontinuität. Aber indem der Unterschied in
+dieses Quantitative fällt, verhält sich das neue Etwas gleichgültig
+gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der äußerliche des
+Quantums. Es ist also nicht aus dem vorhergehenden, sondern unmittelbar
+aus sich hervorgetreten; d. i. aus der innerlichen, noch nicht ins
+Daseyn getretenen specificirenden Einheit. —Die neue Qualität oder das
+neue Etwas ist demselben Fortgange seiner Veränderung unterworfen und
+sofort ins Unendliche.
+
+Insofern der Fortgang von einer Qualität in stätiger Kontinuität der
+Quantität ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich nähernden
+Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger
+unterschieden. Die Veränderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei
+Henning/A.R.] eine allmählige. Aber die Allmähligkeit betrifft bloß das
+Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben; das
+vorhergehende quantitative Verhältniß, das dem folgenden unendlich nahe
+ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn. Nach der qualitativen
+Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der Allmähligkeit, das
+keine Grenze an sich selbst ist, absolut abgebrochen; indem die neu
+eintretende Qualität nach ihrer bloß quantitativen Beziehung eine gegen
+die verschwindende unbestimmt andere, eine gleichgültige ist, ist der
+Übergang ein Sprung; beide sind s als völlig äußerliche gegeneinander
+gesetzt.—Man sucht sich gern durch die Allmähligkeit des Übergangs eine
+Veränderung begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmähligkeit
+gerade die bloß gleichgültige Änderung, das Gegentheil der
+qualitativen. In der Allmähligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der
+beiden Realitäten, —sie werden als Zustände, oder als selbstständige
+Dinge genommen, —aufgehoben; es ist gesetzt, daß keine die Grenze der
+andern, sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist; hiermit wird
+gerade das, was zum Begreiffen nöthig ist, wenn auch noch so wenig dazu
+erfordert wird, entfernt.
+
+Anmerkung.
+
+Das natürliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von
+qualitativen Momenten, die sich in dem bloß äußerlichen Fortgang
+hervorthun. Es ist eines Theils ein bloß quantitatives Vor- und
+Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede
+Zahl dasselbe arithmetische Verhältniß zu ihrer vorhergehenden und
+nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden
+u.s.f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben auch zu andern
+vorhergehenden oder folgenden ein specifisches Verhältniß, entweder ein
+solches vielfaches von einer derselben als eine ganze Zahl ausdrückt,
+oder Potenz und Wurzel zu seyn.—In den musikalischen Verhältnissen,
+tritt ein harmonisches Verhältniß in der Skale des quantitativen
+Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß dieses Quantum für sich auf
+der Skale zu seinem vorhergehenden und nachfolgenden ein anderes
+Verhältniß hätte, als diese wieder zu ihren vorhergehenden und
+nachfolgenden. Indem folgende Töne vom Grundtone sich immer mehr zu
+entfernen oder Zahlen durch das arithmetische Fortgehen nur noch mehr
+andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr auf einmal eine Rückkehr,
+eine überraschende Übereinstimmung hervor, die nicht durch das
+unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet war, sondern als eine
+actio in distans, als eine Beziehung zu einem Entfernten, erscheint;
+der Fortgang an bloß gleichgültigen Verhältnissen, welche die
+vorhergehende specifische Realität nicht ändern oder auch überhaupt
+keine solche bilden, unterbricht sich auf einmal, und indem er in
+quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise fortgesetzt ist, bricht
+somit durch einen Sprung ein specifisches Verhältniß ein.
+
+In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Änderung der
+Mischungsverhältnisse solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß
+zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden,
+welche besondere Qualitäten zeigen. Diese Produkte unterscheiden sich
+nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind sie mit
+den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen, schon
+vorhanden, etwa nur in einem schwächern Grade, sondern sind an solche
+Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen voll Sauerstoff und
+Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und Salpetersäuren,
+die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der Mischung
+hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben, so daß in
+dazwischen liegenden Mischungsverhältnissen keine Verbindungen Von
+specifischen Existenzen erfolgen.—Die Metalloxyde, z.B. die Bleioxyde
+bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten der Oxydation, und
+unterscheiden sich durch Farben und andere Qualitäten. Sie gehen nicht
+allmählig in einander über, die zwischen jenen Knoten liegende
+Verhältnisse geben kein Neutrales, kein specifisches Daseyn. Ohne durch
+Zwischenstufen durchgegangen zu seyn, tritt eine specifische Verbindung
+auf, die auf einem Maaßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten
+hat.—Oder das Wasser, indem es seine Temperatur ändert, wird damit
+nicht bloß mehr oder weniger warm, sondern geht durch die Zustände der
+Härte, der tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit
+hindurch; diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählig ein,
+sondern eben das bloß allmählige Fortgehen der Temperatur-Änderung wird
+durch diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der
+Eintritt eines andern Zustandes ist ein Sprung.—Alle Geburt und Tod,
+sind, statt eine fortgesetzte Allmähligkeit zu seyn, vielmehr ein
+Abbrechen derselben, und der Sprung aus quantitativer Veränderung in
+qualitative.
+
+Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewöhnliche
+Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll,
+meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein
+allmähliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich aber
+gezeigt, daß die Veränderungen des Seyns überhaupt nicht nur das
+Übergehen einer Größe in eine andere Größe, sondern Übergang vom
+Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein Anders-werden,
+das ein Abbrechen des Allmähligen und ein Qualitativ-Anderes gegen das
+vorhergehende Daseyn ist. Das Wasser wird durch die Erkältung nicht
+nach und nach hart, so daß es breiartig würde und allmählig bis zur
+Konsistenz des Eises sich verhärtete, sondern ist auf einmal hart;
+schon mit der ganzen Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht,
+kann es noch seine ganze Flüssigkeit haben, und eine geringe
+Erschütterung bringt es in den Zustand der Härte.
+
+Bei der Allmähligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde,
+daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden,
+nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der
+Allmähligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andere an
+seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar
+sey;—und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andere in dem
+vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur
+unbemerkbar, vorhanden sey. Es wird damit das Entstehen und Vergehen
+überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas
+vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseyns
+verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in einen
+äußerlichen, bloßen Größeunterschied.—Das Begreiflichmachen eines
+Entstehens oder Vergehens aus der Allmähligkeit der Veränderung hat die
+der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende oder
+Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veränderung zu einer
+bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes, wodurch sie in der
+That nur eine Tautologie ist. Die Schwierigkeit für solchen begreifen
+wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Übergang von Etwas in sein
+Anderes überhaupt und in sein Entgegengesetztes; dagegen spiegelt er
+sich die Identität und die Veränderung als die gleichgültige,
+äußerliche des Quantitativen vor.
+
+Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seyns betrachtet wird,
+findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und
+verschiedene Qualitäten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der
+Größe zu gründen. Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maaß des
+Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen,
+hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht.—So
+erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das Übrige
+als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen Charakter.
+Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der Umfang des
+Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert. Der Staat hat ein Maaß
+seiner Größe, über welche hinausgetrieben er haltungslos in sich
+zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei nur anderem Umfange
+sein Glück und seine Stärke ausmachte.
+
+C. Das Maaßlose.
+
+Das ausschließende Maaß bleibt in seinem realisirten Fürsichseyn
+selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des Auf-
+und Absteigens an der Skale des Quantums fähig, auf welcher die
+Verhältnisse sich ändern. Etwas oder eine Qualität als auf solchem
+Verhältnisse beruhend, wird über sich hinaus in das Maaßlose getrieben,
+und geht durch die bloße Änderung seiner Größe zu Grunde. Die Größe ist
+die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine von
+Unverfänglichkeit ergriffen und wodurch es zerstört werden kann.
+
+Das abstrakte Maaßlose ist das Quantum überhaupt als in sich
+bestimmungslos, und als nur gleichgültige Bestimmtheit, durch welche
+das Maaß nicht verändert wird. In der Knotenlinie der Maaße ist sie
+zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maaßlose hebt sich
+zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maaßverhältniß, in welches
+das zuerst vorhandene übergeht, ist ein Maaßloses in Rücksicht auf
+dieses, an ihm selbst aber ebenso eine für sich-seyende Qualität; so
+ist die Abwechslung von specifischen Existenzen miteinander und
+derselben ebenso mit bloß quantitativbleibenden Verhältnissen
+gesetzt,—sofort ins Unendliche. Was also in diesem Übergehen vorhanden
+ist, ist sowohl die Negation der specifischen Verhältnisse, als die
+Negation des quantitativen Fortgangs selbst; das fürsichseyende
+Unendliche.—Die qualitative Unendlichkeit, wie sie am Daseyn ist, war
+das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, als unmittelbarer
+Übergang und Verschwinden des Diesseits in seinem Jenseits. Die
+quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer Bestimmtheit nach schon
+die Kontinuität des Quantums, eine Kontinuität desselben über sich
+hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird zum Unendlichen; das
+Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm selbst, und weist über
+sich hinaus. Aber diese Unendlichkeit der Specifikation des Maaßes
+setzt ebensowohl das Qualitative wie das Quantitative als sich in
+einander aufhebend, und damit die erste, unmittelbare Einheit
+derselben, welche das Maaß überhaupt ist, als in sich zurückgekehrt und
+damit selbst als gesetzt. Das Qualitative, eine specifische Existenz,
+geht in eine andere so über, daß nur eine Veränderung der
+Größebestimmtheit eines Verhältnisses vorgeht; die Veränderung des
+Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als eine äußerliche und
+gleichgültige, und als ein Zusammengehen mit sich selbst gesetzt; das
+Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in Qualitatives, das An-
+und Für-Sichbestimmtseyn, auf. Diese so sich in ihrem Wechsel der Maaße
+in sich selbst kontinuirende Einheit ist die wahrhaft
+bestehenbleibende, selbstständige Materie, Sache.
+
+Was hiermit vorhanden ist, ist à) eine und dieselbe Sache, welche als
+Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist.
+Schon im Quantum überhaupt beginnt dieß Abtrennen des Seyns von seiner
+Bestimmtheit; groß ist etwas, als gleichgültig gegen seine seyende
+Bestimmtheit. Im Maaße ist die Sache selbst bereits an sich Einheit des
+Qualitativen und Quantitativen,—der beiden Momente, die innerhalb der
+allgemeinen Sphäre des Seyns, den Unterschied ausmachen, und wovon das
+Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende Substrat hat auf
+diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung seyender
+Unendlichkeit. ß) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist darin gesetzt,
+daß die qualitativen Selbstständigkeiten, in welche die maaßbestimmende
+Einheit abgestoßen ist, nur in quantitativen Unterschieden bestehen, so
+daß das Substrat sich in dieß sein Unterscheiden kontinuirt; ç) in dem
+unendlichen Progresse der Knotenreihe ist die Kontinuirung des
+Qualitativen in das quantitative Fortgehen, als in eine gleichgültige
+Veränderung, aber ebenso die darin enthaltene Negation des
+Qualitativen, und zugleich damit der bloß quantitativen Äußerlichkeit,
+gesetzt. Das quantitative Hinausweisen über sich zu einem Andern, als
+anderem Quantitativen geht unter in dem Hervortreten eines
+Verhältnißmaaßes, einer Qualität, und das qualitative Übergehen hebt
+sich eben darin auf, daß die neue Qualität selbst nur ein quantitatives
+Verhältniß ist. Dieß Übergehen des Qualitativen und des Quantitativen
+in einander geht auf dem Boden ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses
+Processes ist nur das Daseyn, das Zeigen oder Setzen, daß demselben ein
+solches Substrat zu Grunde liegt, welches ihre Einheit sey.
+
+In den Reihen selbstständiger Maaßverhältnisse sind die einseitigen
+Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen
+Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen, die
+sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (- worunter hier
+auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener specifischer Schwere zu
+begreiffen sind—) sind selbstständige und selbst ausschließende
+Maaßverhältnisse, gegeneinander gleichgültige Totalitäten
+fürsichseyenden Daseyns. Nun sind solche Verhältnisse nur als Knoten
+eines und desselben Substrats bestimmt. Damit sind die Maaße und die
+damit gesetzten Selbstständigkeiten zu Zuständen herabgesetzt. Die
+Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes und das Übergehende ist
+als darin dasselbe bleibend gesetzt.
+
+Um die Fortbestimmung, welche das Maaß durchloffen hat, zu übersehen,
+so fassen sich die Momente derselben so zusammen, daß das Maaß zunächst
+die selbst unmittelbare Einheit der Qualität und der Quantität ist als
+ein gewöhnliches Quantum, das aber specifisch ist. Hiermit als nicht
+auf Anderes, sondern auf sich beziehende Quantitätsbestimmtheit ist es
+wesentlich Verhaltniß. Daher ferner enthält es seine Momente als
+aufgehobene und ungetrennte in sich; wie immer in einem Begriffe, ist
+der Unterschied in demselben so, daß jedes von dessen Momenten selbst
+Einheit des Qualitativen und Quantitativen ist. Dieser hiermit reale
+Unterschied ergiebt eine Menge von Maaßverhältnissen die als formelle
+Totalitäten in sich selbstständig sind. Die Reihen, welche die Seiten
+dieser Verhaltnisse bilden, sind für jedes einzelne Glied, das als
+einer Seite zugehörig sich zu der ganzen gegenüberstehenden Reihe
+verhält, dieselbe konstante Ordnung. Diese, als bloße Ordnung, noch
+ganz äußerliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende
+Einheit eines fürsichseyenden Maaßes unterschieden von seinen
+Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der
+freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente Bestimmung
+giebt, sondern das Princip ist zunächst nur Substrat, eine Materie, für
+deren Unterschiede, um als Totalitäten, zu seyn, d. i. die Natur des
+sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu haben, nur die
+äußerliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die sich als
+Verschiedenheit der Qualität zugleich zeigt. Die Maaßbestimmnng ist in
+dieser Einheit des Substrats mit sich selbst eine aufgehobene, ihre
+Qualität ein durch das Quantum (bestimmter, äußerlicher Zustand.—Dieser
+Verlauf ist ebensowohl die realisirende Fortbestimmung des Maaßes, als
+sie das Herabsetzen desselben zu einem Momente ist.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens.
+
+
+A. Die absolute Indifferenz.
+
+Das Seyn ist die abstrakte Gleichgültigkeit, wofür, da sie für sich als
+Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht worden
+ist,—an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die reine
+Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so aber daß
+diese ihr äußerlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang mit denselben
+hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt werden kann,
+ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des Seyns, der
+Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbaren Einheit, des
+Maaßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt. Die
+Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein qualitatives
+Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat.
+
+Das aber, was so als qualitatives Äußerliches bestimmt worden, ist nur
+ein Verschwindendes; als so äußerlich gegen das Seyn ist das
+Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende.
+Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch gesetzt
+als ein leeres Unterscheiden. Aber eben dieß leere Unterscheiden ist
+die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist sie so das Konkrete,
+das in ihm selbst durch die Negation aller Bestimmungen des Seyns mit
+sich vermittelte. Als diese Vermittelung enthält sie die Negation und
+Verhältniß, und was Zustand hieß, ist ihr immanentes, sich auf sich
+beziehendes Unterscheiden; eben die Äußerlichkeit und deren
+Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur Indifferenz, und ist also
+innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur Substrat und an ihr selbst
+nur abstrakt zu seyn.
+
+B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.
+
+Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr selbst
+und sie damit als fürsichseyend gesetzt ist.
+
+1. Die Reduktion der zunächst als selbstständig geltenden
+Maaßverhältnisse begründet Ein Substrat derselben; dieses ist deren
+Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbstständige, das in
+seinen Unterschieden ganz vorhanden ist. Für diesen Unterschied sind
+die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualität und die Quantität
+vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an ihm gesetzt
+sind. Dieß aber ist dadurch bestimmt, daß das Substrat zunächst als
+Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an ihm noch nicht
+als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunächst Substrat und in
+Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist.
+
+Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunächst der nur
+quantitative äußerliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines
+und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben,
+somit selbst als Quantum bestimmt wäre. Die Indifferenz ist aber dieses
+feste Maaß, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung auf jene
+Unterschiede so, daß sie nicht an ihr selbst Quantum wäre, und in
+irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey Summen,
+Indifferenzen, gegenüber träte. Es ist nur die abstrakte Bestimmtheit,
+welche in die Indifferenz fällt; die beiden Quanta um als Momente an
+ihr gesetzt zu seyn, sind veränderlich, gleichgültig, größer oder
+kleiner gegeneinander. Durch die feste Grenze ihrer Summe beschränkt
+aber verhalten sie sich zugleich nicht äußerlich, sondern negativ
+gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist, in der sie zu
+einander stehen. Sie sind darnach im umgekehrten Verhältnisse zu
+einander. Von dem frühern formellen umgekehrten Verhältnisse ist dieses
+dadurch unterschieden, daß hier das Ganze ein reales Substrat, und jede
+der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an sich dieß Ganze seyn zu
+sollen.
+
+Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied
+ferner als von zwei Qualitäten vorhanden, deren eine durch die andere
+aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie ausmachend,
+von der andern untrennbar ist. Das Substrat selbst ist als die
+Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden Qualitäten; jede
+der Seiten des Verhältnisses enthält daher ebenso sie beide in sich,
+und ist nur durch ein Mehr der einen Qualität und das Weniger der
+andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualität ist durch ihr
+Quantum, in der einen Seite nur die überwiegende, die andere in der
+andern.
+
+Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhältniß; dieses
+Verhältniß kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurück.
+Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen
+Bestimmungen in einander, jede der Qualitäten verhält in der andern
+sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem
+verschiedenen Quantum. Ihr quantitativer Unterschied ist jene
+Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese
+Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitäten in jeder der beiden
+Einheiten.—Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen,
+hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander
+zugleich als selbstständig gesetzt.
+
+2. Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des Maaßes
+nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die so eben
+aufgezeigte entwickelte Weise;—Indifferenz als es an sich das Ganze der
+Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit aufgelöst sind;—ebenso
+Daseyn, als Totalität der gesetzten Realisation, in welcher die Momente
+selbst die ansichseyende Totalität der Indifferenz, von ihr als ihrer
+Einheit getragen, sind. Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und
+damit nur als an sich festgehalten, und die Momente noch nicht als
+fürsichseyend, d. i. noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich
+zur Einheit aufhebend, bestimmt sind, so ist damit überhaupt die
+Gleichgültigkeit ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit
+vorhanden.
+
+Dieß so untrennbare Selbstständige ist nun näher zu betrachten. Es ist
+immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der
+Einheit mit sich ungetrübt von ihnen, aber hat à) als an sich die
+Totalität bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind,
+nur grundlos an ihr hervortretend. Das Ansich der Indifferenz und dieß
+ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf
+unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren
+Unterschied hiermit zunächst als ein aufgehobener, also als
+quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstoßen ihrer von
+sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als äußerlich
+bestimmtseyend und bestimmtwerdend.
+
+ß) Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhältnisse;
+—ein Hin- und Hergehen an der Größe, das aber nicht durch die
+Indifferenz, welche eben die Gleichgültigkeit dieses Hinund Hergehens
+ist, sondern hiermit nur äußerlich bestimmt ist. Es wird auf ein
+Anderes hingewiesen, das außerhalb ihr ist und in welchem das Bestimmen
+liegt. Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite den zweiten
+Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des Unterschieds
+nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den ersten hat, daß
+die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d. i. das Setzen
+desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung mit sich selbst
+ist.
+
+ç) Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des
+Verhältnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn ist
+durch diese Gleichgültigkeit dem Übergehen des Qualitativen entnommen.
+Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes, ihr an
+sichseyendes Bestehen darin, daß sie an sich die Indifferenz selbst,
+jede selbst die Einheit der beiden Qualitäten ist, in welche das
+qualitative Moment sich spaltet. Der Unterschied der beiden Seiten
+beschränkt sich darauf, daß die eine Qualität in der einen Seite mit
+einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere darnach
+umgekehrt gesetzt ist. So ist jede Seite an ihr die Totalität der
+Indifferenz.—Jede der beiden Qualitäten einzeln für sich genommen,
+bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die Indifferenz ist; sie
+kontinuirt sich aus der einen Seite in die andere, und wird durch die
+quantitative Grenze, die dabei in ihr gesetzt wird, nicht beschränkt.
+Hieran kommen die Bestimmungen in unmittelbaren Gegensatz, welcher sich
+zum Widerspruch entwickelt, was nun zu sehen ist.
+
+3. Nämlich jede Qualität tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung
+zu der andern, und zwar so daß auch, wie bestimmt worden ist, diese
+Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll. Sind beide
+Qualitäten selbstständig,—etwa genommen wie von einander unabhängige,
+sinnliche Materien, so fällt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz
+auseinander; ihre Einheit und Totalität wären leere Namen. Sie sind
+aber vielmehr zugleich so bestimmt, daß sie in Einer Einheit befaßt,
+daß sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realität in dieser einen
+qualitativen Beziehung auf die andere hat. Darum nun aber, weil ihre
+Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht
+jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta verschieden
+seyn sollten, ginge die eine über die andere hinaus und hätte in ihrem
+Mehr ein gleichgültiges Daseyn, welches die andere nicht hätte. Aber in
+ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur insofern die andere
+ist.—Hieraus folgt dieß, daß sie im Gleichgewicht sind, daß um soviel
+die eine sich vermehrte oder verminderte, die andere gleichfalls zu-
+oder abnähme, und in demselben Verhältnisse zu- oder abnähme.
+
+Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem
+quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualität kommen.
+Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente über
+das andere hinaus wäre, wäre nur eine haltungslose Bestimmung, oder
+dieß Mehr wäre nur wieder das andere selbst; in dieser Gleichheit
+beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte nur auf der
+Ungleichheit ihres Quantums beruhen.—Jeder dieser seyn sollenden
+Faktoren verschwindet ebenso, indem er über den andern hinaus als indem
+er ihm gleich seyn soll. Jenes Verschwinden erscheint so, daß von der
+quantitativen Vorstellung aus das Gleichgewicht gestört und der eine
+Faktor größer genommen wird, als der andere; so ist das Aufheben der
+Qualität des andern und seine Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere
+wird das überwiegende, daß der andere mit beschleunigter
+Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten überwältigt wird, dieser
+also sich zum einzigen Selbstständigen macht; aber damit sind nicht
+mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern nur das eine Ganze.
+
+Diese Einheit so gesetzt als die Totalität des Bestimmens, wie sie
+selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige
+Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst
+aufhebende Widerspruch, zur fürsichseyenden Selbstständigkeit bestimmt
+zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die in ihr
+selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und Wahrheit
+hat, welche das Wesen ist.
+
+Anmerkung.
+
+Das Verhältniß eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem
+Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren haben
+soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper gebraucht.
+Dieß Beispiel zeigt zunächst nur zwei Qualitäten im umgekehrten
+Verhältnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede selbst die
+Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhältniß wäre. Bei der Festigkeit
+der empirischen Grundlage wird die Konsequenz übersehen, auf welche die
+in dieselbe gebrachte Theorie führt, nämlich das zu Grunde liegende
+Faktum zu zerstören, oder indem dieses, wie gehörig, festgehalten wird,
+die Leerheit der Theorie gegen dasselbe darzuthun. Das Ignoriren der
+Konsequenz läßt Faktum und die ihm widersprechende Theorie ruhig
+nebeneinander bestehen.—Das einfache Faktum ist, daß in der
+elliptischen Bewegung der Himmelskörper sich ihre Geschwindigkeit
+beschleunigt, indem sie sich dem Perihelium, und sich vermindert, indem
+sie sich dem Aphelium nähert. Das Quantitative dieses Faktums ist durch
+den unermüdlichen Fleiß des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe
+weiter auf sein einfaches Gesetz und Formel zurückgeführt, somit alles
+geleistet, was wahrhaft an die Theorie zu fordern ist. Aber dieß hat
+dem reflektirenden Verstande nicht genügend geschienen. Zur sogenannten
+Erklärung des Phänomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal-
+und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der
+krummen Linie, angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in der
+Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Rücksicht darin,
+indem sie als ungleich bestimmt sind, daß wie die eine zu-, die andere
+abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, daß das Verhältniß
+derselben wieder umschlage, daß nachdem die Centripetalkraft eine
+Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber abgenommen, ein Punkt
+eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die Centrifugalkraft dagegen
+zunehme. Dieser Vorstellung widerspricht aber das Verhältniß ihrer
+wesentlich qualitativen Bestimmtheit gegeneinander. Durch diese sind
+sie schlechthin nicht auseinander zu bringen; jede hat nur Bedeutung in
+Rücksicht auf die andere; insofern also eine einen Überschuß über die
+andere hätte, insofern hätte sie keine Beziehung auf diese und wäre
+nicht vorhanden.—Bei der Annahme, daß die eine das einemal größer sey
+als die andere, wenn sie als größere in Beziehung auf die kleinere
+stünde, tritt das oben Gesagte ein, daß sie absolut das Übergewicht
+erhielte, und die andere verschwände; die letztere ist als das
+Verschwindende, Haltungslose gesetzt, und an dieser Bestimmung ändert
+es nichts, daß das Verschwinden nur allmählig geschehen, und ebenso
+wenig, daß so viel sie abnähme an Größe, der erstern zuwachsen soll;
+dieses geht mit der andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern
+ist, insofern die andere ist. Es ist eine sehr einfache Betrachtung,
+daß wenn z.B. wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers,
+indem er sich dem Perihelium nähert, zunehmen, die Centrifugalkraft
+hingegen um ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr
+vermöchte, ihn der erstern zu entreißen, und von seinem Centralkörper
+wieder zu entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das
+Übergewicht haben soll, so ist die andere überwältigt, und der Körper
+wird mit beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkörper zugeführt.
+Wie umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Nähe des
+Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, daß sie nun
+im Aphelium selbst von der schwächern überwältigt werden sollte.—Es
+erhellt ferner, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung
+bewirkte, dieß heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardirte
+Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung
+jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklärt werden könne,
+welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen Unterschied zu
+erklären. Die Konsequenz des Verschwindens der einen oder der andern
+Richtung und damit der elliptischen Bewegung überhaupt, wird um des
+feststehenden Faktums willen, daß diese Bewegung fortdauert und aus der
+beschleunigten in die retardirte Geschwindigkeit übergeht, ignorirt und
+verborgen. Die Annahme des Umschlagens der Schwäche der
+Centripetalkraft im Aphelium in eine überwiegende Stärke gegen die
+Centrifugalkraft, und umgekehrt beim Perihelium, enthält Theils
+dasjenige, was oben entwickelt worden, daß jede der Seiten des
+umgekehrten Verhältnisses an ihr selbst dieß ganze umgekehrte
+Verhältniß ist; denn die Seite der Bewegung vom Aphelium zum
+Perihelium,—der überwiegend seyn sollenden Centripetalkraft,—soll noch
+die Centrifugalkraft enthalten, aber im Abnehmen, wie jene zunimmt; in
+eben dem umgekehrten Verhältniß soll sich in der Seite der retardirten
+Bewegung die überwiegende und immer überwiegender werdende
+Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden, so daß auf keiner Seite
+eine derselben verschwunden sey, sondern nur immer kleiner werde bis
+zur Zeit ihres Umschlagens zum Überwiegen über die andere. Es rekurrirt
+damit nur an jeder Seite das, was der Mangel an diesem umgekehrten
+Verhältniß ist, daß entweder jede Kraft selbstständig für sich genommen
+wird, und mit dem bloß äußerlichen Zusammentreffen derselben zu einer
+Bewegung, wie im Parallelogramm der Kräfte, die Einheit des Begriffs,
+die Natur der Sache, aufgehoben ist, oder daß, indem beide sich
+qualitativ durch den Begriff zu einander verhalten, keine ein
+gleichgültiges, selbstständiges Bestehen gegen die andere erhalten
+kann, was ihr durch ein Mehr zugetheilt werden sollte; die Form der
+Intensität, das sogenannte Dynamische, ändert nichts, da es selbst in
+dem Quantum seine Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft
+äußern kann, d. h. nur insoweit existirt, als es an der
+entgegengesetzten Kraft sich gegenüber stehen hat. Theils aber enthält
+jenes Umschlagen aus dem Überwiegen in das Gegentheil die Abwechslung
+der qualitativen Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen
+der einen ist ebenso viel Verlust der andern. Der untrennbare
+qualitative Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der
+Theorie in ein Nacheinander auseinander gerückt; aber damit bleibt sie
+die Erklärung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses
+Auseinanderrückens selbst schuldig. Der Schein von Einheit, der noch in
+dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt,
+verschwindet hier vollends; es ist ein bloß äußerliches Erfolgen
+angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der
+insofern die eine überwiegend geworden, die andere verschwinden muß,
+widerspricht.
+
+Dasselbe Verhältniß ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft angewendet
+worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu begreifen; auch
+das umgekehrte Verhältniß der Sensibilität und Irritabilität, hat dazu
+dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden dieser Faktoren des Lebens die
+verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, der Gesundheit, wie auch die
+Verschiedenheit der Gattungen der Lebendigen zu begreifen. Jedoch die
+Verwirrung, und der Galimathias, in welchen sich dieß Erklären, das
+eine naturphilosophische Grundlage der Physiologie, Nosologie, und dann
+der Zoologie werden sollte, in dem unkritischen Gebrauche dieser
+Begriffsbestimmungen verwickelte, hat hier zur Folge gehabt, daß dieser
+Formalismus bald wieder aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft
+besonders der physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung
+fortgeführt wird.
+
+Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der
+spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierüber noch
+bemerkt werden, daß sie dieß allerdings in der Rücksicht ist, daß in
+beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie überhaupt jede weitere konkrete
+Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als verschwunden
+gesetzt werden. Es ist überhaupt gleichgültig, wenn bei der Abstraktion
+stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in diesem Abgrund
+untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe. Aber die Substanz
+als Indifferenz ist Theils mit dem Bedürfniß des Bestimmens und mit der
+Rücksicht auf dasselbe verbunden; sie soll nicht die Substanz des
+Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das Negative ist, daß in ihr
+alles absorbirt sey. Bei Spinoza kommt der Unterschied, die Attribute,
+Denken und Ausdehnung, alsdann auch die Modi, die Affekten und alle
+übrigen Determinationen, ganz empirisch herbei; es ist der Verstand,
+selbst ein Modus, in welchen dieß Unterscheiden fällt; die Attribute
+stehen zur Substanz und zu einander in keiner weitern Bestimmtheit, als
+daß sie die Substanz ganz ausdrücken, und ihr Inhalt, die Ordnung der
+Dinge als ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist. Durch die
+Bestimmung der Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf
+den Unterschied hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza
+an sich ist, nämlich als äußerlicher, und damit näher als
+quantitativer. Die Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie
+die Substanz, —aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht
+ihr immanent, als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der
+Immanenz, und die quantitative Indifferenz ist vielmehr das
+Außersichseyn der Einheit. Der Unterschied ist damit auch nicht
+qualitativ aufgefaßt, die Substanz nicht als das sich selbst
+Unterscheidende, nicht als Subjekt bestimmt. Die nächste Folge in
+Rücksicht auf die Kategorie der Indifferenz selbst ist, daß an ihr der
+Unterschied von quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander
+fällt, wie in der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die
+Auflösung des Maaßes, in welchem beide Momente unmittelbar als eins
+gesetzt waren.
+
+C. Übergang in das Wesen.
+
+Die absolute Indifferenz ist die letzte Bestimmung des Seyns, ehe
+dieses zum Wesen wird; sie erreicht aber dieses nicht. Sie zeigt sich
+noch der Sphäre des Seyns anzugehören, indem sie noch als gleichgültig
+bestimmt, den Unterschied als äußerlichen, quantitativen an ihr hat.
+Dieß ist ihr Daseyn, womit sie sich zugleich in dem Gegensatze
+befindet, gegen dasselbe als nur das an sichseyende bestimmt, nicht als
+das fürsichseyende Absolute gedacht zu seyn. Oder es ist die äußere
+Reflexion, welche dabei stehen bleibt, daß die Specifischen an sich
+oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß ihr Unterschied nur ein
+gleichgültiger, kein Unterschied an sich ist. Was hier noch fehlt,
+besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die äußere Reflexion des
+denkenden, subjektiven Bewußtseyns, sondern die eigene Bestimmung der
+Unterschiede jener Einheit sey, sich aufzuheben, welche Einheit denn so
+sich erweist, die absolute Negativität, ihre Gleichgültigkeit gegen
+sich selbst, gegen ihre eigene Gleichgültigkeit, ebenso sehr als gegen
+das Andersseyn zu seyn.
+
+Dieß Sich-Aufheben der Bestimmung der Indifferenz aber hat sich bereits
+ergeben; sie hat sich in der Entwicklung ihres Gesetztseyns nach allen
+Seiten als der Widerspruch gezeigt. Sie ist an sich die Totalität, in
+der alle Bestimmungen des Seyns aufgehoben und enthalten sind; so ist
+sie die Grundlage, aber ist nur erst in der einseitigen Bestimmung des
+Ansichseyns und damit sind die Unterschiede, die quantitative Differenz
+und das umgekehrte Verhältniß von Faktoren, als äußerlich an ihr. So
+der Widerspruch ihrer selbst und ihres Bestimmtseyns, ihrer an sich
+seyenden Bestimmung und ihrer gesetzten Bestimmtheit ist sie die
+negative Totalität, deren Bestimmtheiten sich an ihnen selbst und damit
+diese ihre Grundeinseitigkeit, ihr Ansichseyn, aufgehoben haben.
+Gesetzt hiermit als das, was die Indifferenz in der That ist, ist sie
+einfache und unendliche negative Beziehung auf sich, die
+Unverträglichkeit ihrer mit ihr selbst, Abstoßen ihrer von sich selbst.
+Das Bestimmen und Bestimmtwerden ist nicht ein Übergehen, noch
+äußerliche Veränderung, noch ein Hervortreten der Bestimmungen an ihr,
+sondern ihr eignes Beziehen auf sich, das die Negativität ihrer selbst,
+ihres Ansichseyns, ist.
+
+Die Bestimmungen, als solche abgestoßene, gehören aber nun nicht sich
+selbst an, treten nicht in Selbstständigkeit oder Äußerlichkeit hervor,
+sondern sind als Momente;—erstens der ansichseyenden Einheit angehörig,
+nicht von ihr entlassen, sondern von ihr als dem Substrate getragen und
+nur von ihr erfüllt; und zweitens als die Bestimmungen, die der
+fürsichseyenden Einheit immanent, nur durch deren Abstoßen von sich,
+sind. Sie sind statt Seyender, wie in der ganzen Sphäre des Seyns
+nunmehr schlechthin nur als Gesetzte, schlechthin mit der Bestimmung
+und Bedeutung, auf ihre Einheit, somit jede auf ihre andere und
+Negation, bezogen zu seyn,—bezeichnet mit dieser ihrer Relativität.
+
+Damit ist das Seyn überhaupt und das Seyn oder die Unmittelbarkeit der
+unterschiedenen Bestimmtheiten ebenso sehr als das Ansichseyn
+verschwunden, und die Einheit ist Seyn, unmittelbare vorausgesetzte
+Totalität, so daß sie diese einfache Beziehung auf sich nur ist,
+vermittelt durch das Aufheben dieser Voraussetzung, und dieß
+Vorausgesetztseyn und unmittelbare Seyn selbst nur ein Moment ihres
+Abstoßens ist, die ursprüngliche Selbstständigkeit und Identität mit
+sich nur ist, als das resultirende, unendliche Zusammengehen mit sich;
+so ist das Seyn zum Wesen bestimmt, das Seyn, als durch Aufheben des
+Seyns einfaches Seyn nnt sich.
+
+
+
+
+Zweites Buch
+Das Wesen.
+
+
+Die Wahrheit des Seyns ist das Wesen.
+
+Das Seyn ist das Unmittelbare. Indem das Wissen das Wahre erkennen
+will, was das Seyn an und für sich ist, so bleibt es nicht beim
+Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen, sondern dringt durch
+dasselbe hindurch, mit der Voraussetzung, daß hinter diesem Seyn noch
+etwas Anderes ist, als das Seyn selbst, daß dieser Hintergrund die
+Wahrheit des Seyns ausmacht. Diese Erkenntniß ist ein vermitteltes
+Wissen, denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen,
+sondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorläufigen
+Weg, den Weg des Hinausgehens über das Seyn oder vielmehr des
+Hineingehens in dasselbe zu machen. Erst indem das Wissen sich aus dem
+unmittelbaren Seyn erinnert, durch diese Vermittlung findet es das
+Wesen.—Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Wesen in der vergangenen
+Zeit: gewesen, behalten; denn das Wesen ist das vergangene, aber
+zeitlos vergangene Seyn.
+
+Diese Bewegung, als Weg des Wissens vorgestellt, so erscheint dieser
+Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Wesen als
+einem Vermittelten anlangt, eine Thätigkeit des Erkennens zu seyn, die
+dem Seyn äußerlich sey und dessen eigene Natur nichts angehe.
+
+Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seyns selbst. Es zeigte sich an
+diesem, daß es durch seine Natur sich erinnert, und durch dieß
+Insichgehen zum Wesen wird.
+
+Wenn also das Absolute zuerst als Seyn bestimmt war, so ist es jetzt
+als Wesen bestimmt. Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem
+mannigfaltigen Daseyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn,
+stehen bleiben; es dringt sich unmittelbar die Reflexion auf, daß
+dieses reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und
+Bewegung voraussetzt, welche das unmittelbare Daseyn zum reinen Seyn
+gereinigt hat. Das Seyn wird hiernach als Wesen bestimmt, als ein
+solches Seyn, an dem alles Bestimmte und Endliche negirt ist. So ist es
+die bestimmungslose einfache Einheit, von der das Bestimmte auf eine
+äußerliche Weise hinweggenommen worden; dieser Einheit war das
+Bestimmte selbst ein Äußerliches, und es bleibt ihr nach diesem
+Wegnehmen noch gegenüber stehen; denn es ist nicht an sich, sondern
+relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit, aufgehoben worden.—Es
+wurde oben schon erinnert, daß wenn das reine Wesen als Inbegriff aller
+Realitäten bestimmt wird, diese Realitäten gleichfalls der Natur der
+Bestimmtheit, und der abstrahirenden Reflexion unterliegen, und dieser
+Innbegriff sich zur leeren Einfachheit reducirt. Das Wesen ist auf
+diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes. Die äußerliche Negation, welche
+Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seyns nur hinweg von dem,
+was als Wesen übrig bleibt; es stellt sie gleichsam nur an einen andern
+Ort, und läßt sie als seyende vor wie nach. Das Wesen ist aber auf
+diese Weise weder an sich, noch für sich selbst; es ist durch ein
+Anderes, die äußerliche, abstrahirende Reflexion; und ist für ein
+Anderes, nämlich für die Abstraktion und überhaupt für das ihm
+gegenüber stehen bleibende Seyende. In seiner Bestimmung ist es daher
+die in sich todte, leere Bestimmungslosigkeit.
+
+Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist, nicht
+durch eine ihm fremde Negativität, sondern durch seine eigne, die
+unendliche Bewegung des Seyns. Es ist An-und-Fürsichseyn; absolutes
+Ansichseyn, indem es gleichgültig gegen alle Bestimmtheit des Seyns
+ist, das Andersseyn und die Beziehung auf anderes schlechthin
+aufgehoben worden ist. Es ist aber nicht nur dieß Ansichseyn; als
+bloßes Ansichseyn wäre es nur die Abstraktion des reinen Wesens;
+sondern es ist ebenso wesentlich Fürsichseyn; es selbst ist diese
+Negativität, das sich Aufheben des Andersseyns und der Bestimmtheit.
+
+Das Wesen als die vollkommene Rückkehr des Seyns in sich ist so
+zunächst das unbestimmte Wesen; die Bestimmtheiten des Seyns sind in
+ihm aufgehoben; es enthält sie an sich; aber nicht wie sie an ihm
+gesetzt sind. Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat
+kein Daseyn. Aber es muß zum Daseyn übergehen; denn es ist
+An-und-Fürsichseyn, das heißt, es unterscheidet die Bestimmungen,
+welche es an sich enthält; weil es Abstoßen seiner von sich oder
+Gleichgültigkeit gegen sich, negative Beziehung auf sich ist, setzt es
+sich somit sich selbst gegenüber, und ist nur insofern unendliches
+Fürsichseyn als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede
+von sich ist.—Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur, als das
+Bestimmen in der Sphäre des Seyns, und die Bestimmungen des Wesens
+haben einen andern Charakter als die Bestimmtheiten des Seyns. Das
+Wesen ist absolute Einheit des An-und-Fürsichseyns; sein Bestimmen
+bleibt daher innerhalb dieser Einheit, und ist kein Werden noch
+Übergehen, so wie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als
+anderes, noch Beziehungen auf Anderes sind; sie sind Selbstständige
+aber damit nur als solche, die in ihrer Einheit mit einander sind.
+—Indem das Wesen zuerst einfache Negativität ist, so hat es nun die
+Bestimmtheit, welche es nur an sich enthält, in seiner Sphäre zu
+setzen, um sich Daseyn und dann sein Fürsichseyn zu geben.
+
+Das Wesen ist im Ganzen das, was die Quantität in der Sphäre des Seyns
+war; die absolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze. Die Quantität aber
+ist diese Gleichgültigkeit in unmittelbarer Bestimmung, und die Grenze
+an ihr unmittelbar äußerliche Bestimmtheit, sie geht ins Quantum über;
+die äußerliche Grenze ist ihr nothwendig, und ist an ihr seyend. Am
+Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht; sie ist nur durch das Wesen
+selbst gesetzt; nicht frey, sondern nur in der Beziehung auf seine
+Einheit.—Die Negativität des Wesens ist die Reflexion, und die
+Bestimmungen reflektirte, durch das Wesen selbst gesetzte und in ihm
+als aufgehoben bleibende.
+
+Das Wesen steht zwischen Seyn und Begriff und macht die Mitte derselben
+und seine Bewegung den Übergang von Seyn in den Begriff aus. Das Wesen
+ist das An-und-Fürsichseyn, aber dasselbe in der Bestimmung des
+Ansichseyns; denn seine allgemeine Bestimmung ist, aus dem Seyn
+herzukommen, oder die erste Negation des Seyns zu seyn. Seine Bewegung
+besteht darin, die Negation oder Bestimmung an ihm zu setzen, dadurch
+sich Daseyn zu geben, und das als unendliches Fürsichseyn zu werden,
+was es an sich ist. So giebt es sich sein Daseyn, das seinem Ansichseyn
+gleich ist, und wird der Begriff. Denn der Begriff ist das Absolute,
+wie es in seinem Daseyn absolut oder an und für sich ist. Das Daseyn
+aber, das sich das Wesen giebt, ist noch nicht das Daseyn, wie es an
+und für sich ist, sondern wie das Wesen es sich giebt, oder wie es
+gesetzt wird, daher noch von dem Daseyn des Begriffs unterschieden.
+
+Das Wesen scheint zuerst in sich selbst, oder ist Reflexion; zweitens
+erscheint es; drittens offenbart es sich. Es setzt sich in seiner
+Bewegung in folgende Bestimmungen,
+
+I. als einfaches, ansichseyendes Wesen in seinen Bestimmungen innerhalb
+seiner;
+
+II. als heraustretend in das Daseyn, oder nach seiner Existenz und
+Erscheinung;
+
+III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit.
+
+
+
+
+Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst.
+
+
+Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar an
+und für sich, sondern ein Resultat jener Bewegung. Oder das Wesen
+zunächst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes
+Daseyn, dem ein anderes gegenüber steht; es ist nur wesentliches Daseyn
+gegen unwesentliches. Das Wesen ist aber das an und für sich
+aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenüber steht. Allein
+der Schein ist das eigene Setzen des Wesens.
+
+Das Wesen ist erstens Reflexion. Die Reflexion bestimmt sich; ihre
+Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist;
+es sind
+
+zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu
+betrachten.
+
+Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in sich
+selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung über.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Der Schein.
+
+
+Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenüber zu
+stehen; dieß unmittelbare Seyn ist zunächst das Unwesentliche.
+
+Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses
+Seyn, es ist Schein.
+
+Drittens dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes,
+sondern er ist sein eigner Schein. Das Scheinen des Wesens in ihm
+selbst ist die Reflexion.
+
+A. Das Wesentliche und das Unwesentliche.
+
+Das Wesen ist das aufgehobene Seyn. Es ist einfache Gleichheit mit sich
+selbst, aber insofern es die Negation der Sphäre des Seyns überhaupt
+ist. So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber, als eine
+solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem Aufheben
+aufbewahrt und erhalten hat. Das Wesen selbst ist in dieser Bestimmung
+seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein Negatives in
+Beziehung auf das Wesen, nicht an und für sich selbst, das Wesen ist
+also eine bestimmte Negation. Seyn und Wesen verhalten sich auf diese
+Weise wieder als Andere überhaupt zu einander, denn jedes hat ein Seyn,
+eine Unmittelbarkeit, die gegen einander gleichgültig sind, und stehen
+diesem Seyn nach in gleichem Werthe.
+
+Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das
+Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen.
+Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes
+verhält, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein
+anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche.
+
+Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in
+die Sphäre des Daseyns zurückfallen lassen; indem das Wesen, wie es
+zunächst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes
+bestimmt ist gegen das Seyn. Die Sphäre des Daseyns ist damit zu Grunde
+gelegt, und daß das, was das Seyn in diesem Daseyn ist,
+An-und-Fürsichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst äußerliche
+Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fürsichseyn ist,
+aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.—Insofern daher an
+einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander
+unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches Setzen,
+eine das Daseyn selbst nicht berührende Absonderung eines Theils
+desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein Drittes
+fällt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder
+Unwesentlichen gehört. Es ist irgend eine äußerliche Rücksicht und
+Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als
+wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.
+
+Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen ein
+Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist, als
+aufgehobenes Seyn oder Daseyn. Das Wesen ist auf diese Weise nur die
+erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das Seyn
+nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird. Das Wesen aber ist
+die absolute Negativität des Seyns; es ist das Seyn selbst, aber nicht
+nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich sowohl als
+unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation, als Negation,
+die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat. Das Seyn oder
+Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten,
+und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist nicht bloß ein
+unwesentliches Daseyn, sondern das an und für sich nichtige
+Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein.
+
+B. Der Schein.
+
+1. Das Seyn ist Schein. Das Seyn des Scheins besteht allein in dem
+Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit hat
+es im Wesen, und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er
+nicht. Er ist das Negative gesetzt, als Negatives.
+
+Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphäre des Seyns übrig
+geblieben ist. Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen unabhängige
+unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben überhaupt zu
+seyn. Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des Daseyns und des
+Nichtdaseyns. Das Unwesentliche, indem es nicht mehr ein Seyn hat, so
+bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des Nichtdaseyns, der
+Schein ist dieß unmittelbare Nichtdaseyn, so in der Bestimmtheit des
+Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in seinem Nichtdaseyn
+Daseyn hat; das Unselbstständige, das nur in seiner Negation ist. Es
+bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit der Unmittelbarkeit, es ist
+als die reflektirte Unmittelbarkeit, das ist, welche nur vermittelst
+ihrer Negation ist, und die ihrer Vermittelung gegenüber nichts ist,
+als die leere Bestimmung der Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns.
+
+So ist der Schein, das Phänomen des Skepticismus oder auch die
+Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein Etwas
+oder kein Ding ist, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn, das außer
+seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre. Es ist,
+erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere Idealismus
+erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom Ding-an-sich
+anzusehen; jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage eines Seyns
+haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das Ding-an-sich eintreten.
+Zugleich aber ließ der Skepticismus mannigfaltige Bestimmmungen seines
+Scheins zu, oder vielmehr sein Schein hatte den ganzen mannigfaltigen
+Reichthum der Welt zum Inhalte. Ebenso begreift die Erscheinung des
+Idealismus den ganzen Umfang dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in
+sich. Jener Schein und diese Erscheinung sind unmittelbar so
+mannigfaltig bestimmt. Diesem Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein
+Ding, oder Ding-an-sich zu Grunde liegen; er für sich bleibt wie er
+ist; er ist nur aus dem Seyn in den Schein übersetzt worden; so daß der
+Schein innerhalb seiner selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat,
+welche unmittelbare, seyende, andere gegen einander sind. Der Schein
+ist also selbst ein unmittelbar Bestimmtes. Er kann diesen oder jenen
+Inhalt haben; aber welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt,
+sondern er hat ihn unmittelbar. Der leibnitzische, oder kantische,
+fichtesche Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als
+der Skepticismus über das Seyn als Bestimmtheit, über diese
+Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus läßt sich den Inhalt
+seines Scheins geben; es ist unmittelbar für ihn, welchen Inhalt er
+haben soll. Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr selbst ihre
+Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und verbindende Kraft,
+sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie sind gleichgültig,
+unmittelbar gegen einander, und so gegen die Monade selbst. Ebenso ist
+die kantische Erscheinung ein gegebener Inhalt der Wahrnehmung, er
+setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des Subjekts, welche gegen sich
+selbst und gegen dasselbe unmittelbar sind. Der unendliche Anstoß des
+fichteschen Idealismus mag wohl kein Ding-an-sich zu Grunde liegen
+haben, so daß er rein eine Bestimmtheit im Ich wird. Aber diese
+Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu der seinigen macht und ihre
+Äußerlichkeit aufhebt, zugleich unmittelbare, eine Schranke desselben,
+über die es hinausgehen kann, welche aber eine Seite der
+Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie ob zwar im Ich, ein
+unmittelbares Nichtseyn desselben enthält.-2. Der Schein also enthält
+eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhängige Seite gegen das
+Wesen. Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen unterschieden ist,
+nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in dasselbe zurückgeht; denn
+das Seyn ist in seiner Totalität in das Wesen zurückgegangen; der
+Schein ist das an sich nichtige; es ist nur zu zeigen, daß die
+Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden, Bestimmungen des Wesens
+selbst sind, und ferner, daß diese Bestimmtheit des Wesens, welche der
+Schein ist, im Wesen selbst aufgehoben ist.
+
+Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht;
+dieß Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativität des Wesens
+an ihm selbst. Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen. Seine Nichtigkeit
+an sich ist die negative Natur des Wesens selbst. Die Unmittelbarkeit
+oder Gleichgültigkeit aber, welche dieß Nichtseyn enthält, ist das
+eigene absolute Ansichseyn des Wesens. Die Negativität des Wesens ist
+seine Gleichheit mit sich selbst, oder seine einfache Unmittelbarkeit
+und Gleichgültigkeit. Das Seyn hat sich im Wesen erhalten, insofern
+dieses an seiner unendlichen Negativität diese Gleichheit mit sich
+selbst hat; hierdurch ist das Wesen selbst das Seyn. Die
+Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit am Scheine gegen das Wesen
+hat, ist daher nichts anderes, als die eigene Unmittelbarkeit des
+Wesens; aber nicht die seyende Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin
+vermittelte oder reflektirte Unmittelbarkeit, welche der Schein
+ist;—das Seyn nicht als Seyn, sondern nur als die Bestimmtheit des
+Seyns, gegen die Vermittlung; das Seyn als Moment.
+
+Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn
+aber als Moment, oder die an sich seyende Negativität und die
+reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen,
+sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein des
+Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der
+Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der
+Schein an sich, der Schein des Wesens selbst.
+
+Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns. Das,
+wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich, und
+dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist. Aber diese
+Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben. Denn das
+Wesen ist das Selbstständige, das ist als durch seine Negation, welche
+es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die identische
+Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit. —Die
+Negativität ist die Negativität an sich; sie ist ihre Beziehung auf
+sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative
+Beziehung auf sich, abstoßendes Negiren ihrer selbst, so ist die an
+sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie.
+Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität und dieß
+Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst,
+Rückkehr in sich ist.
+
+Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern, in
+seiner Negation; er ist die Unselbstständigkeit, die an ihr selbst
+aufgehoben und nichtig ist. So ist er das in sich zurückgehende
+Negative, das Unselbstständige, als das an ihm selbst Unselbstständige.
+Diese Beziehung des Negativen oder der Unselbstständigkeit auf sich,
+ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein Anderes als es selbst; sie ist
+seine Bestimmtheit gegen sich, oder sie ist die Negation gegen das
+Negative. Aber die Negation gegen das Negative ist die sich nur auf
+sich beziehende Negativität, das absolute Aufheben der Bestimmtheit
+selbst.
+
+Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche
+Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie
+ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbstständigkeit, und
+nicht bestimmt ist.—Umgekehrt die Selbstständigkeit als sich auf sich
+beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit und
+Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativität.—Diese
+Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die
+Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist, ist das Wesen.
+Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer
+Bestimmtheit, aber so daß sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist
+das Scheinen seiner in sich selbst.
+
+In der Sphäre des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das
+Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit
+ist das Werden. In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst das Wesen
+und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenüber; das
+Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns. Aber sie beide, so
+wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter nichts,
+als darin, daß das Wesen zuerst, als ein unmittelbares genommen wird,
+nicht wie es an sich ist, nämlich nicht als die Unmittelbarkeit, die
+als die reine Vermittelung oder als absolute Negativität
+Unmittelbarkeit ist. Jene erste Unmittelbarkeit, ist somit nur die
+Bestimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieser Bestimmtheit des
+Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem Aufzeigen, daß das
+Unwesentliche nur Schein, und daß das Wesen vielmehr den Schein in sich
+selbst enthält, als die unendliche Bewegung in sich, welche seine
+Unmittelbarkeit, als die Negativität und seine Negativität als die
+Unmittelbarkeit bestimmt und so das Scheinen seiner in sich selbst ist.
+Das Wesen in dieser seiner Selbstbewegung ist die Reflexion.
+
+C. Die Reflexion.
+
+Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist; aber er ist die
+Reflexion als unmittelbare; für den in sich gegangenen, hiermit seiner
+Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der fremden
+Sprache, die Reflexion.
+
+Das Wesen ist Reflexion; die Bewegung des Werdens und Übergehens, das
+in sich selbst bleibt; worin das unterschiedene schlechthin nur als das
+an sich negative, als Schein bestimmt ist.—In dem Werden des Seyns
+liegt der Bestimmtheit das Seyn zu Grunde, und sie ist Beziehung auf
+Anderes. Die reflectirende Bewegung hingegen ist das Andere als die
+Negation an sich, die nur als sich auf sich beziehende Negation ein
+Seyn hat. Oder indem diese Beziehung auf sich eben dieß Negiren der
+Negation ist, so ist die Negation als Negation vorhanden, als ein
+solches, das sein Seyn in seinem Negirtseyn hat, als Schein. Das Andere
+ist hier also nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze, sondern die
+Negation mit der Negation. Das Erste aber gegen dieß Andere, das
+Unmittelbare oder Seyn, ist nur diese Gleichheit selbst der Negation
+mit sich, die negirte Negation, die absolute Negativität. Diese
+Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit ist daher nicht ein Erstes,
+von dem angefangen wird, und das in seine Negation überginge; noch ist
+es ein seyendes Substrat, das sich durch die Reflexion hindurch
+bewegte; sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung selbst.
+
+Das Werden im Wesen, seine reflektirende Bewegung, ist daher die
+Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu sich selbst zurück. Das
+Übergehen oder Werden hebt in seinem Übergehen sich auf; das Andere,
+das in diesem Übergehen wird, ist nicht das Nichtseyn eines Seyns,
+sondern das Nichts eines Nichts, und dieß, die Negation eines Nichts zu
+seyn, macht das Seyn aus.—Das Seyn ist nur als die Bewegung des Nichts
+zu Nichts, so ist es das Wesen; und dieses hat nicht diese Bewegung in
+sich, sondern ist sie als der absolute Schein selbst, die reine
+Negativität, die nichts außer ihr hat, das sie negirte, sondern die nur
+ihr Negatives selbst negirt, das nur in diesem Negiren ist.
+
+Diese reine absolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu
+Nichts ist, bestimmt sich selbst weiter.
+
+Sie ist erstlich setzende Reflexion; sie macht zweitens den Anfang von
+dem vorausgesetzten Unmittelbaren, und ist so äußerliche Reflexion.
+
+Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf, und indem sie in dem
+Aufheben der Voraussetzung zugleich voraussetzend ist, ist sie
+bestimmende Reflexion.
+
+1. Die setzende Reflexion.
+
+Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose; aber das Nichtige oder
+Wesenlose hat sein Seyn nicht in einem Andern, in dem es scheint,
+sondern sein Seyn ist seine eigne Gleichheit mit sich; dieser Wechsel
+des Negativen mit sich selbst hat sich als die absolute Reflexion des
+Wesens bestimmt.
+
+Diese sich auf sich beziehende Negativität ist also das Negiren ihrer
+selbst. Sie ist somit überhaupt so sehr aufgehobene Negativität als sie
+Negativität ist. Oder sie ist selbst das Negative und die einfache
+Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit. Sie besteht also darin sie
+selbst und nicht sie selbst und zwar in Einer Einheit zu seyn.-Zunächst
+ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts, somit die mit sich
+selbst zusammengehende Negation. Dieses Zusammengehen mit sich ist
+überhaupt einfache Gleichheit mit sich; die Unmittelbarkeit. Aber dieß
+Zusammenfallen ist nicht Übergehen der Negation in die Gleichheit mit
+sich als in ihr Andersseyn, sondern die Reflexion ist Übergehen als
+Aufheben des Übergehens; denn sie ist unmittelbares Zusammenfallen des
+Negativen mit sich selbst; so ist dieß Zusammengehen erstlich
+Gleichheit mit sich, oder Unmittelbarkeit; aber zweitens ist diese
+Unmittelbarkeit die Gleichheit des Negativen mit sich, somit die sich
+selbst negirende Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an sich das
+Negative, das Negative ihrer selbst ist, dieß zu seyn was sie nicht
+ist.
+
+Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rückkehr in
+sich; sie ist Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen; aber
+Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung oder als Rückkehr
+aus einem, somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit. —Dieß ist das
+Gesetztseyn; die Unmittelbarkeit rein nur als Bestimmtheit oder als
+sich reflectirend. Diese Unmittelbarkeit, die nur als Rückkehr des
+Negativen in sich ist,—ist jene Unmittelbarkeit, welche die
+Bestimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die reflectirende
+Bewegung anzufangen schien. Statt von dieser Unmittelbarkeit anfangen
+zu können, ist diese vielmehr erst als die Rückkehr, oder als die
+Reflexion selbst. Die Reflexion ist also die Bewegung, die, indem sie
+die Rückkehr ist, erst darin das ist, das anfängt oder das zurückkehrt.
+
+Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren
+ist; es ist nämlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein solches, aus
+dem sie, noch in das sie zurückkehrte; sie ist also nur als Rückkehren
+oder als das Negative ihrer selbst. Aber ferner ist diese
+Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rückkehr
+in sich. Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen, Aufheben ihres
+Anderen, der Unmittelbarkeit. Indem sie also die Unmittelbarkeit als
+ein Rückkehren, Zusammengehen des Negativen mit sich selbst ist, so ist
+sie ebenso Negation des Negativen als des Negativen. So ist sie
+Voraussetzen.—Oder die Unmittelbarkeit ist als Rückkehren nur das
+Negative ihrer selbst, nur dieß, nicht Unmittelbarkeit zu seyn; aber
+die Reflexion ist das Aufheben des Negativen seiner selbst, sie ist
+Zusammengehen mit sich; sie hebt also ihr Setzen auf, und indem sie das
+Aufheben des Setzens in ihrem Setzen ist, ist sie Voraussetzen.—In dem
+Voraussetzen bestimmt die Reflexion die Rückkehr in sich, als das
+Negative ihrer selbst, als dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist. Es
+ist sein Verhalten zu sich selbst; aber zu sich als dem Negativen
+seiner; nur so ist es die insichbleibende, sich auf sich beziehende
+Negativität. Die Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr
+hervor und ist dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist,
+der durch die Rückkehr negirt wird. Die Rückkehr des Wesens ist somit
+sein sich Abstoßen von sich selbst. Oder die Reflexion in sich ist
+wesentlich das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rückkehr ist.
+
+Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich, wodurch das Wesen erst
+die Gleichheit mit sich ist. Es setzt sich selbst voraus, und das
+Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst; umgekehrt ist dieß
+Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.—Die Reflexion
+also findet ein Unmittelbares vor, über das sie hinausgeht, und aus dem
+sie die Rückkehr ist. Aber diese Rückkehr ist erst das Voraussetzen des
+Vorgefundenen. Dieß Vorgefundene wird nur darin, daß es verlassen wird;
+seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene Unmittelbarkeit.—Die
+aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die Rückkehr in sich, das
+Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich selbst gleiche Seyn.
+Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben seiner und die von sich
+selbst abstoßende, voraussetzende Reflexion, und ihr Abstoßen von sich
+ist das Ankommen bei sich selbst.
+
+Die reflektirende Bewegung ist somit, nach dem Betrachteten, als
+absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen. Denn die Voraussetzung
+der Rückkehr in sich,—das woraus das Wesen herkommt und erst als dieses
+Zurückkommen ist—, ist nur in der Rückkehr selbst. Das Hinausgehen über
+das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt, ist vielmehr erst
+durch dieß Hinausgehen; und das Hinausgehen über das Unmittelbare ist
+das Ankommen bei demselben. Die Bewegung wendet sich als Fortgehen
+unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so Selbstbewegung,—Bewegung,
+die aus sich kommt, insofern die setzende Reflexion voraussetzende,
+aber als voraussetzende Reflexion schlechthin setzende ist.
+
+So ist die Reflexion sie selbst, und ihr Nichtseyn; und ist nur sie
+selbst, indem sie das Negative ihrer ist, denn nur so ist das Aufheben
+des Negativen zugleich als ein Zusammengehen mit sich.
+
+Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt, ist
+schlechthin nur als Gesetztseyn, als an sich aufgehobenes, das nicht
+verschieden ist, von der Rückkehr in sich, und selbst nur dieses
+Rückkehren ist. Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives, als
+unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes. So ist die Reflexion
+bestimmt; sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit, eine
+Voraussetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Andern anfängt,
+äußere Reflexion.
+
+2. Die äußere Reflexion.
+
+Die Reflexion als absolute Reflexion ist das in ihm selbst scheinende
+Wesen, und setzt sich nur den Schein, das Gesetztseyn, voraus; sie ist
+als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion. Aber die
+äußerliche oder reale Reflexion setzt sich als aufgehoben, als das
+Negative ihrer voraus. Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt; das
+einemal als das Vorausgesetzte, oder die Reflexion in sich, die das
+Unmittelbare ist. Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf sich
+beziehende Reflexion; sie bezieht sich auf sich als auf jenes ihr
+Nichtseyn.
+
+Die äußerliche Reflexion setzt also ein Seyn voraus, erstens nicht in
+dem Sinne, daß seine Unmittelbarkeit nur Gesetztseyn oder Moment ist,
+sondern vielmehr, daß diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich, und
+die Bestimmtheit nur als Moment ist. Sie bezieht sich auf ihre
+Voraussetzung so, daß diese das Negative der Reflexion ist, aber so daß
+dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.—Die Reflexion in ihrem
+Setzen, hebt unmittelbar ihr Setzen auf, so hat sie eine unmittelbare
+Voraussetzung. Sie findet also dasselbe vor, als ein solches von dem
+sie anfängt, und von dem aus sie erst das Zurückgehen in sich, das
+Negiren dieses ihres Negativen ist. Aber daß dieß Vorausgesetzte ein
+Negatives oder Gesetztes ist, geht dasselbe nichts an; diese
+Bestimmtheit gehört nur der setzenden Reflexion an, aber in dem
+Voraussetzen ist das Gesetztseyn nur als aufgehobenes. Was die
+äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt, sind
+insofern demselben äußerliche Bestimmungen.—Sie war das Unendliche in
+der Sphäre des Seyns; das Endliche gilt als das Erste, als das Reale,
+von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen bleibenden
+angefangen, und das Unendliche ist die gegenüber stehende Reflexion in
+sich.
+
+Diese äußere Reflexion ist der Schluß, in welchem die beiden Extreme,
+das Unmittelbare und die Reflexion in sich, sind; die Mitte desselben
+ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare, so daß der eine
+Theil derselben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die andere,
+die Bestimmtheit oder Negation, nur dem andern Extreme zukommt.
+
+Aber das Thun der äußeren Reflexion näher betrachtet, so ist sie
+zweitens Setzen des Unmittelbaren, das insofern das Negative oder
+Bestimmte wird; aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses ihres
+Setzens; denn sie setzt das Unmittelbare voraus; sie ist im Negiren das
+Negiren dieses ihres Negirens. Sie ist aber unmittelbar damit ebenso
+Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und dieses, von dem
+sie als von einem Fremden anzufangen schien, ist erst in diesem ihrem
+Anfangen. Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht nur an sich, das
+hieße für uns oder in der äußeren Reflexion, dasselbe was die Reflexion
+ist, sondern es ist gesetzt, daß es dasselbe ist. Es ist nämlich durch
+die Reflexion als ihr Negatives oder als ihr Anderes bestimmt, aber sie
+ist es selbst, welche dieses Bestimmen negirt.—Es ist damit die
+Äußerlichkeit der Reflexion gegen das Unmittelbare aufgehoben; ihr sich
+selbst negirendes Setzen ist das Zusammengehen ihrer mit ihrem
+Negativen, mit dem Unmittelbaren und dieses Zusammengehen ist die
+wesentliche Unmittelbarkeit selbst. —Es ist also vorhanden, daß die
+äußere Reflexion nicht äußere, sondern ebenso sehr immanente Reflexion
+der Unmittelbarkeit selbst ist; oder daß das was durch die setzende
+Reflexion ist, das an und für sich seyende Wesen ist. So ist sie
+bestimmende Reflexion.
+
+Anmerkung.
+
+Die Reflexion wird gewöhhlicher Weise in subjektivem Sinne genommen,
+als die Bewegung der Urtheilskraft, die über eine gegebene unmittelbare
+Vorstellung hinausgeht, und allgemeine Bestimmungen für dieselbe sucht
+oder damit vergleicht. Kant setzt die reflektirende Urtheilskraft, der
+bestimmenden Urtheilskraft entgegen. (Kritik der Urtheilskraft.
+Einleit. S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft überhaupt als das
+Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken.
+Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip, das Gesetz) gegeben, so ist
+die Urtheilskraft, welche das Besondere darunter subsumirt, bestimmend.
+Ist aber nur das Besondere wozu sie das Allgemeine finden soll, so ist
+die Urtheilskraft bloß reflektirend. Die Reflexion ist somit hier
+gleichfalls das Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen. Das
+Unmittelbare wird theils erst durch diese Beziehung desselben auf sein
+Allgemeines bestimmt als Besonders; für sich ist es nur ein Einzelnes,
+oder ein unmittelbares Seyendes. Theils aber ist das, worauf es bezogen
+wird, sein Allgemeines, seine Regel, Princip, Gesetz; überhaupt das in
+sich reflektirte, sich auf sich selbst beziehende, das Wesen oder das
+Wesentliche.
+
+Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtseyns, noch
+von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, die das Besondere und
+Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, sondern von der Reflexion
+überhaupt die Rede. Jene Reflexion, der Kant das Aufsuchen des
+Allgemeinen zum gegebenen Besondern zuschreibt, ist, wie erhellt,
+gleichfalls nur die äußere Reflexion, die sich auf das Unmittelbare als
+auf ein gegebenes bezieht.
+
+—Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion; denn das
+Allgemeine, das Princip oder Regel und Gesetz, zu dem sie in ihrem
+Bestimmen fortgeht, gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von dem
+angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rückkehr aus
+demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des
+Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Seyn; also das was die Reflexion
+an ihm thut und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als ein
+jenem Unmittelbaren Äußerliches, sondern als dessen eigentliches Seyn.
+
+Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion
+überhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neuern Philosophie war,
+alles Üble nachgesagt und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode und
+Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde. In der That
+geht auch die denkende Reflexion, insofern sie sich als äußerliche
+verhält, schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden Unmittelbaren
+aus, und betrachtet sich als ein bloß formelles Thun, das Inhalt und
+Stoff von außen empfange, und für sich nur die durch ihn bedingte
+Bewegung sey.—Ferner, wie sich sogleich bei der bestimmenden Reflexion
+näher ergeben wird, sind die reflektirten Bestimmungen anderer Art, als
+die bloß unmittelbaren Bestimmungen des Seyns. Letztere werden leichter
+als vorübergehende, bloß relative, in der Beziehung auf Anderes
+stehende zugegeben; aber die reflektirten Bestimmungen haben die Form
+des An-und-Fürsichseyns; sie machen sich daher als die Wesentlichen
+geltend, und statt übergehend in ihre entgegengesetzten zu seyn,
+erscheinen sie vielmehr als absolut, frei und gleichgültig gegen
+einander. Sie widersetzen sich daher hartnäckig ihrer Bewegung, das
+Seyn derselben ist ihre Identität mit sich in ihrer Bestimmtheit, nach
+welcher sie, ob sie sich zwar gegenseitig voraussetzen, in dieser
+Beziehung sich schlechthin getrennt erhalten.
+
+3. Bestimmende Reflexion.
+
+Die bestimmende Reflexion ist überhaupt die Einheit der setzenden und
+der äußeren Reflexion. Dieß ist näher zu betrachten.-1. Die äußere
+Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts.
+Die äußere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber das
+Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt seine
+Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine
+Voraussetzung. Aber deswegen ist es nicht die vollendete, bestimmende
+Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur ein Gesetztes;
+es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst gleich, sondern als
+sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die Rückkehr in sich, es
+ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist nicht diese Reflexion
+selbst.
+
+Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, daß die Gleichheit der
+Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist nur
+als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst. —In
+der Sphäre des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation an ihm
+hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser Negation,
+die daher selbst die unmittelbare war. Dem Daseyn entspricht in der
+Sphäre des Wesens das Gesetztseyn. Es ist gleichfalls ein Daseyn, aber
+sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder als reine Negativität; es ist
+eine Bestimmtheit oder Negation nicht als seyend, sondern unmittelbar
+als aufgehoben. Das Daseyn ist nur Gesetztseyn; dieß ist der Satz des
+Wesens vom Daseyn. Das Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn,
+anderer Seits dem Wesen gegenüber, und ist als die Mitte zu betrachten,
+welche das Daseyn mit dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn
+zusammenschließt. —Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein
+Gesetztseyn, so kann dieß daher den doppelten Sinn haben; sie ist dieß
+im Gegensatze gegen das Daseyn, oder gegen das Wesen. In jenem Sinne
+wird das Daseyn für etwas Höheres genommen, als das Gesetztseyn, und
+dieses der äußern Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben. In der That
+aber ist das Gesetztseyn das Höhere; denn als Gesetztseyn ist das
+Daseyn, als das was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur
+auf die Rückkehr in sich bezogenes. Deswegen ist das Gesetztseyn nur
+ein Gesetztseyn in Rücksicht auf das Wesen, als die Negation des
+Zurückgekehrtseyns in sich selbst.
+
+2. Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur
+Bestimmtheit, als Negation überhaupt. Aber das Setzen ist nun in
+Einheit mit der äußern Reflexion; diese ist in dieser Einheit absolutes
+Voraussetzen; das heißt, das Abstoßen der Reflexion von sich selbst,
+oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst. Das Gesetztseyn ist
+daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes ist sie als in
+sich reflektirte. So ist das Gesetztseyn Reflexions-Bestimmung.
+
+Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der
+Qualität, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes
+überhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf das
+Reflektirtseyn in sich. Die Negation als Qualität ist Negation als
+seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die
+Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn
+in sich selbst. Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben darum,
+weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem Negirtseyn
+ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich. Die Bestimmung
+besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre Gleichheit mit
+sich. Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der Negation ungleiche
+ist, so ist die Qualität in sich selbst ungleich, daher übergehendes,
+im Andern verschwindendes Moment. Hingegen die Reflexionsbestimmung ist
+das Gesetztseyn als Negation, Negation die zu ihrem Grunde das
+Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht ungleich ist, somit
+wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit. Die Sich-selbst-Gleichheit
+der Reflexion, welche das Negative nur als Negatives, als Aufgehobenes
+oder Gesetztes hat, ist es, welche demselben Bestehen giebt.
+
+Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die
+Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder
+Abstoßung gegen einander schwebende Wesenheiten. In ihnen hat sich die
+Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich
+fixirt. Es ist das Bestimmte, das sein Übergehen und sein bloßes
+Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in
+Reflexion in sich umgebogen hat. Diese Bestimmungen machen hierdurch
+den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen
+Schein. Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die außer sich
+gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst ist in
+die Negation verloren, die das Herrschende ist.
+
+Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunächst sich
+unterscheiden. Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation als
+solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich. Nach dem Gesetztseyn
+ist sie die Negation als Negation; dieß ist somit bereits ihre Einheit
+mit sich selbst. Aber sie ist dieß nur erst an sich; oder sie ist das
+Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das Andere seiner
+selbst.—Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes Bestimmen. Das
+Wesen geht darin nicht außer sich; die Unterschiede sind schlechthin
+gesetzt, in das Wesen zurückgenommen. Aber nach der andern Seite sind
+sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst reflektirt; die Negation als
+Negation, ist in Gleichheit mit ihr selbst, nicht in ihr Anderes, nicht
+in ihr Nichtseyn reflektirt.
+
+3. Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in
+sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus
+ihre Natur näher. Als Gesetztseyn nämlich ist sie die Negation als
+solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die absolute
+Reflexion in sich oder gegen das Wesen. Aber als Beziehung auf sich ist
+sie in sich reflektirt.—Diese ihre Reflexion und jenes Gesetztseyn sind
+verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr Aufgehobenseyn; ihr
+Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen. Insofern es nun also das
+Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in sich selbst ist, so ist die
+Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf ihr Andersseyn an ihr
+selbst.—Sie ist nicht als eine seyende, ruhende Bestimmtheit, welche
+bezogen würde auf ein Anderes, so daß das Bezogene und dessen Beziehung
+verschieden von einander sind, jenes ein Insichseyendes, ein Etwas,
+welches sein Anderes und seine Beziehung auf dieß Andere von sich
+ausschließt. Sondern die Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die
+bestimmte Seite, und die Beziehung dieser bestimmten Seite als
+bestimmter, das heißt, auf ihre Negation.—Die Qualität geht durch ihre
+Beziehung in Anderes über; in ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung.
+Die Reflexionsbestimmung hingegen hat ihr Andersseyn in sich
+zurückgenommen. Sie ist Gesetztseyn, Negation, welche aber die
+Beziehung auf Anderes in sich zurückbeugt, und Negation, die sich
+selbst gleich, die Einheit ihrer selbst und ihres Andern und nur
+dadurch Wesensheit ist. Sie ist also Gesetztseyn, Negation, aber als
+Reflexion in sich ist sie zugleich das Aufgehobenseyn dieses
+Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen.
+
+
+Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes
+Wesen, oder es ist Wesenheit.
+
+Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst. Das Wesen als
+unendliche Rückkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern negative
+Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene Momente,
+absolute Vermittelung mit sich. Aber es scheint in diese seine Momente;
+sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen.
+
+Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine
+Identität. Dieß ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr
+Bestimmungslosigkeit ist.
+
+Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar
+theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied, die
+Verschiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengesetzte
+Verschiedenheit oder als Gegensatz.
+
+Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst
+und geht in seinen Grund zurück.
+
+Anmerkung.
+
+Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Sätzen
+aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von
+Allem gelten. Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze, die
+allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und unbeweisbar
+seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse, unmittelbar und
+unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen werden.
+
+So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze
+ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A kann
+nicht zugleich A und nicht A seyn. Es ist zunächst nicht abzusehen,
+warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in diese besondere
+Form gefaßt werden sollen, und nicht auch die andern Kategorien, wie
+alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seyns. Es ergäben sich die Sätze
+z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder Alles hat eine
+Qualität, Quantität u.s.w. Denn Seyn, Daseyn u.s.f. sind als logische
+Bestimmungen überhaupt Prädikate von Allem. Die Kategorie ist ihrer
+Etymologie und der Definition des Aristoteles nach, dasjenige, was von
+dem Seyenden gesagt, behauptet wird.—Allein eine Bestimmtheit des Seyns
+ist wesentlich ein Übergehen ins Entgegengesetzte; die negative einer
+jeden Bestimmtheit ist so nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren
+Bestimmtheiten steht jeder die andere unmittelbar gegenüber. Wenn diese
+Kategorien daher in solche Sätze gefaßt werden, so kommen ebenso sehr
+die entgegengesetzten Sätze zum Vorschein; beide bieten sich mit
+gleicher Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen
+wenigstens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis
+gegen den andern, und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der
+Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des
+Denkens zukommen.
+
+Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art.
+Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen
+Anderes zugleich entnommene Bestimmungen. Ferner indem es
+Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so
+enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich. Denn der Satz
+unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem der
+Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder daß er eine bestimmte
+Beziehung ist. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das Prädikat,
+als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich und von ihrer Beziehung,
+der einfachen Copula, unterschieden ist. Wenn ein Satz in ein Urtheil
+verwandelt werden soll, so wird der bestimmte Inhalt, wenn er z.B. in
+einem Zeitworte liegt, in ein Particip verwandelt, um auf diese Art die
+Bestimmung selbst und ihre Beziehung auf ein Subjekt zu trennen. Den
+Reflexions-Bestimmungen dagegen als in sich reflektirtem Gesetztseyn
+liegt die Form des Satzes selbst nahe.—Allein indem sie als allgemeine
+Denkgesetze ausgesprochen werden, so bedürfen sie noch eines Subjekts
+ihrer Beziehung, und dieß Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso
+viel als Alles und Jedes Seyn bedeutet.
+
+Eines Theils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges; die
+Reflexions-Bestimmungen sind an und für sich zu betrachten. Ferner
+haben diese Sätze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum
+Subjekte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen die
+Reflexions-Bestimmungen, die Identität u.s.f. von dem Etwas als eine
+Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne, sondern
+daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als seyendes,
+nicht daß es in die Identität u.s.f. als in seine Wahrheit und sein
+Wesen übergegangen sey.
+
+Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich
+selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne Entgegensetzung
+zu seyn; aber wie sich aus ihrer nähern Betrachtung ergeben wird,—oder
+wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der Verschiedenheit, der
+Entgegensetzung erhellt—sind sie bestimmte gegen einander, sie sind
+also durch ihre Form der Reflexion, dem Übergehen und dem Widerspruche
+nicht entnommen. Die mehrern Sätze, die als absolute Denkgesetze
+aufgestellt werden, sind daher, näher betrachtet, einander
+entgegengesetzt, sie widersprechen einander und heben sich gegenseitig
+auf.—Wenn Alles identisch mit sich ist, so ist es nicht verschieden,
+nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund. Oder wenn angenommen wird, es
+giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h. Alles ist von einander
+verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A auch nicht
+entgegengesetzt u.s.f. Die Annahme eines jeden von diesen Sätzen läßt
+die Annahme der andern nicht zu.—Die gedankenlose Betrachtung derselben
+zählt sie nach einander auf, so daß sie in keiner Beziehung auf
+einander erscheinen; sie hat bloß ihr Reflektirtseyn in sich im Sinne,
+ohne ihr anderes Moment, das Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als
+solche zu beachten, welche sie in den Übergang und in ihre Negation
+fortreiBt.
+
+A. Die Identität.
+
+1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene
+Unmittelbarkeit. Seine Negativität ist sein Seyn; es ist sich selbst
+gleich in seiner absoluten Negativität, durch die das Andersseyn und
+die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine
+Sichselbstgleichheit verschwunden ist. Das Wesen ist also einfache
+Identität mit sich.
+
+Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie ist
+nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch das
+Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur
+Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern,
+sondern dieß reine Herstellen aus und in sich selbst; die wesentliche
+Identität. Sie ist insofern nicht abstrakte Identität, oder nicht durch
+ein relatives Negiren entstanden, das außerhalb ihrer vorgegangen wäre,
+und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt, übrigens aber dasselbe
+außer ihr als seyend gelassen hätte, vor wie nach. Sondern das Seyn und
+alle Bestimmtheit des Seyns hat sich nicht relativ, sondern an sich
+selbst aufgehoben; und diese einfache Negativität, des Seyns an sich,
+ist die Identität selbst.
+
+Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe, als das Wesen.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Denken, das sich in der äußern Reflexion hält, und von keinem
+andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die
+Identität wie sie so eben gefaßt worden ist, oder das Wesen, was
+dasselbe ist, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die abstrakte
+Identität vor sich, und außer und neben derselben den Unterschied. Es
+meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein Webstuhl, auf dem sie den
+Zettel, etwa die Identität, und dann den Eintrag, den Unterschied,
+äußerlich mit einander verbinde und verschlinge; oder auch wieder
+analysirend jetzt die Identität besonders herausziehe, und dann auch
+wieder den Unterschied daneben erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und
+dann auch wieder ein Ungleichsetzen sey;—ein Gleichsetzen, indem man
+vom Unterschiede, —ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen
+abstrahire.—Man muß diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die
+Vernunft thue, ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen
+bloß historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist,
+an ihm selbst zeigt, daß es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich
+und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem
+Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung des
+Übergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und dieß darum,
+weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist. Der Begriff
+der Identität, einfache sich auf sich beziehende Negativität zu seyn,
+ist nicht ein Produkt der äußern Reflexion, sondern hat sich an dem
+Seyn selbst ergeben. Da hingegen jene Identität, die außer dem
+Unterschied, und der Unterschied, der außer der Identität sey, Produkte
+der äußern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich willkürlicher
+Weise auf diesem Punkte der gleichgültigen Verschiedenheit festhält.
+
+2. Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst, noch keine Bestimmung
+desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes Moment
+derselben. Als absolute Negation ist sie die Negation, die unmittelbar
+sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in seinem
+Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts
+unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst
+zusammenfällt. Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als des
+Nichtseyns des Andern. Aber das Nichtseyn des Andern ist Aufheben des
+Andern, und somit des Unterscheidens selbst. So ist aber das
+Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende Negativität,
+als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist; ein Nichtseyn,
+das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an sich selbst hat.
+Es ist also der sich auf sich beziehende, der reflektirte Unterschied
+vorhanden, oder reine, absolute Unterschied.
+
+Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst, welche dieß nur
+ist, als innerliches Abstoßen, und dieß Abstoßen ist es als Reflexion
+in sich, unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen. Sie ist
+somit die Identität als der mit sich identische Unterschied. Der
+Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die
+Identität, sondern absolute Nichtidentität ist. Absolut aber ist die
+Nichtidentität, insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern
+nur sich selbst, das heißt, insofern sie absolute Identität mit sich
+ist.
+
+Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität. Aber sie
+ist auch die Bestimmung der Identität dagegen. Denn als Reflexion in
+sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist das Ganze, aber
+als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment, als Gesetztseyn,
+aus welchem sie die Rückkehr in sich ist. So als ihr Moment ist sie
+erst die Identität als solche als Bestimmung der einfachen Gleichheit
+mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied.
+
+Anmerkung 2.
+
+Ich werde in dieser Anmerkung die Identität als den Satz der Identität
+näher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgeführt zu werden
+pflegt.
+
+Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunächst nichts
+weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es ist daher richtig
+bemerkt worden, daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht weiter
+führe. So ist die leere Identität, an welcher diejenigen festhangen
+bleiben, welche sie als solche für etwas Wahres nehmen und immer
+vorzubringen pflegen, die Identität sey nicht die Verschiedenheit,
+sondern die Identität und die Verschiedenheit seyen verschieden. Sie
+sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen, daß die Identität ein
+Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identität sey verschieden von
+der Verschiedenheit; indem dieß zugleich als die Natur der Identität
+zugegeben werden muß, so liegt darin, daß die Identität nicht
+äußerlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dieß sey, verschieden
+zu seyn.—Ferner aber indem sie an dieser unbewegten Identität
+festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit hat, so sehen
+sie nicht, daß sie hiermit dieselbe zu einer einseitigen Bestimmtheit
+machen, die als solche keine Wahrheit hat. Es wird zugegeben, daß der
+Satz der Identität nur eine einseitige Bestimmtheit ausdrücke, daß er
+nur die formelle eine abstrakte, unvollständige Wahrheit enthalte.—In
+diesem richtigen Urtheil liegt aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur
+in der Einheit der Identität mit der Verschiedenheit vollständig ist,
+und somit nur in dieser Einheit bestehe. Indem behauptet wird, daß jene
+Identität unvollkommen ist, so schwebt diese Totalität, an der gemessen
+die Identität unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor;
+indem aber auf der andern Seite die Identität als absolut getrennt von
+der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein
+Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen
+widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese
+Gedanken, daß die Identität als abstrakte wesentlich, und daß sie als
+solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des
+Bewußtseyns über die negative Bewegung, als welche in diesen
+Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.—Oder indem sich so
+ausgedrückt wird, die Identität sey wesentliche Identität als Trennung
+von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der Verschiedenheit,
+so ist dieß unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit derselben, daß sie
+darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder in der Trennung
+wesentlich, das ist, nichts für sich, sondern Moment der Trennung zu
+seyn.
+
+Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes der
+Identität betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung gegründet,
+als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseyns berufen wird, daß es, wie
+man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum, ausspreche, es
+denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey, daß der Satz als
+unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern Begründung und
+Beweises bedürfe.
+
+Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein jedes
+Bewußtseyn ihn anerkenne, bloße Redensart. Denn man will nicht sagen,
+daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem Bewußtseyn
+gemacht habe. Es ist insofern weiter nicht Ernst mit jener Berufung auf
+wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur die Versicherung, daß
+wenn man die Erfahrung machte, sich das Resultat des allgemeinen
+Anerkennens ergeben würde.—Wäre aber nicht der abstrakte Satz als
+solcher, sondern der Satz in konkreter Anwendung gemeint, aus der jener
+erst entwickelt werden sollte, so bestünde die Behauptung von seiner
+Allgemeinheit und Unmittelbarkeit darin, daß jedes Bewußtseyn, und
+selbst in jeder seiner Äußerungen ihn zu Grunde lege, oder daß er
+implicite in jeder liege. Allein das Konkrete und die Anwendung ist ja
+eben die Beziehung des einfachen Identischen auf ein von ihm
+verschiedenes Mannigfaltiges. Als Satz ausgedrückt, wäre das Konkrete
+zunächst ein synthetischer Satz. Aus dem Konkreten selbst oder seinem
+synthetischen Satze würde die Abstraktion den Satz der Identität wohl
+durch Analyse herausbringen können; aber in der That hätte sie die
+Erfahrung nicht gelassen wie sie ist, sondern verändert; denn die
+Erfahrung enthielt vielmehr die Identität in Einheit mit der
+Verschiedenheit, und ist die unmittelbare Widerlegung von der
+Behauptung, daß die abstrakte Identität als solche etwas Wahres sey,
+denn das gerade Gegentheil, nämlich die Identität nur vereinigt mit der
+Verschiedenheit, kommt in jeder Erfahrung vor.
+
+Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen Satze
+der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser
+Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen wird.
+Wenn nämlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die Antwort
+gegeben wird: eine Pflanze ist—eine Pflanze, so wird die Wahrheit eines
+solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der sie erprobt wird,
+zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig gesagt werden, daß
+damit Nichts gesagt ist. Wenn einer den Mund aufthut, und anzugeben
+verspricht, was Gott sey, nämlich Gott sey—Gott, so findet sich die
+Erwartung getäuscht, denn sie sah einer verschiedenen Bestimmung
+entgegen; und wenn dieser Satz absolute Wahrheit ist, wird solche
+absolute Rednerei sehr gering geachtet; es wird nichts für langweiliger
+und lästiger gehalten werden, als eine nur dasselbe wiederkäuende
+Unterhaltung, als solches Reden, das doch Wahrheit seyn soll.
+
+Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet, so
+macht der Anfang: die Pflanze ist—, Anstalten etwas zu sagen, eine
+weitere Bestimmung vorzubringen. Indem aber nur dasselbe wiederkehrt,
+so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts herausgekommen.
+Solches identische Reden widerspricht sich also selbst. Die Identität,
+statt an ihr die Wahrheit und absolute Wahrheit zu seyn, ist daher
+vielmehr das Gegentheil; statt das unbewegte Einfache zu seyn, ist sie
+das Hinausgehen über sich in die Auflösung ihrer selbst.
+
+Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität ausgedrückt
+ist, mehr als die einfache, abstrakte Identität; es liegt diese reine
+Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als Schein, als
+unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein Beginnen, dem ein
+Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen werde; aber es kommt
+nicht zu dem Verschiedenen; A ist—A: die Verschiedenheit ist nur ein
+Verschwinden; die Bewegung geht in sich selbst zurück.—Die Form des
+Satzes kann als die verborgene Nothwendigkeit angesehen werden, noch
+das Mehr jener Bewegung zu der abstrakten Identität hinzuzufügen.—So
+kommt auch ein A, oder eine Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das
+als ein unnützer Inhalt keine Bedeutung hat; aber er macht die
+Verschiedenheit aus, die sich zufälligerweise beizugesellen scheint.
+Wenn statt des A und jedes andern Substrats, die Identität selbst
+genommen wird,—die Identität ist die Identität,—so ist ebenso
+zugegeben, daß statt dieser gleichfalls jedes andere Substrat genommen
+werden könne. Wenn sich daher einmal darauf berufen werden soll, was
+die Erscheinung zeigt, so zeigt sie dieß, daß in dem Ausdrucke der
+Identität auch unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;—oder
+bestimmter nach dem Obigen, daß diese Identität das Nichts, daß sie die
+Negativität, der absolute Unterschied von sich selbst ist.
+
+Der andre Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A
+und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heißt der Satz des
+Widerspruchs. Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch
+sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme,
+keine Rechtfertigung gegeben zu werden.—Diese Form liegt aber darin,
+daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache
+Negativität ist, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes
+entwickelter enthält. Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das
+Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden. Die
+Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt,—als Negation der
+Negation. A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen sind
+auf ein und dasselbe A bezogen. Die Identität ist also als diese
+Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache Unterschied
+an ihnen selbst hier dargestellt.
+
+Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst und noch mehr der
+Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer, sondern synthetischer
+Natur ist. Denn der letztere enthält in seinem Ausdrucke nicht nur die
+leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern nicht allein das Andere
+derselben überhaupt, sondern sogar die absolute Ungleichheit, den
+Widerspruch an sich. Der Satz der Identität selbst aber enthält, wie an
+ihm gezeigt wurde, die Reflexions-Bewegung, die Identität als
+Verschwinden des Andersseyns.
+
+Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, daß erstens der Satz
+der Identität oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte Identität
+im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdrücken soll, kein
+Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist; zweitens, daß
+diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich dieses
+Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten.
+
+B. Der Unterschied.
+
+1. Der absolute Unterschied.
+
+Der Unterschied ist die Negativität, welche die Reflexion in sich hat;
+das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird; das
+wesentliche Moment der Identität selbst, die zugleich als Negativität
+ihrer selbst, sich bestimmt und unterschieden vom Unterschied ist.
+
+1. Dieser Unterschied ist der Unterschied an und für sich, der absolute
+Unterschied, der Unterschied des Wesens.—Er ist der Unterschied an und
+für sich, nicht Unterschied durch ein Äußerliches, sondern sich auf
+sich beziehender, also einfacher Unterschied.—Es ist wesentlich den
+absoluten Unterschied als einfachen zu fassen. Im absoluten
+Unterschiede des A und Nicht-A von einander ist es das einfache Nicht,
+was als solches denselben ausmacht. Der Unterschied selbst ist
+einfacher Begriff. Darin, drückt man sich aus, sind zwei Dinge
+unterschieden, daß sie u.s.f.—Darin, das heißt, in einer und derselben
+Rücksicht, in demselben Bestimmungsgrunde. Er ist der Unterschied der
+Reflexion, nicht das Andersseyn des Daseyns. Ein Daseyn und ein anderes
+Daseyn sind gesetzt als außereinanderfallend, jedes der gegen einander
+bestimmten Daseyn hat ein unmittelbares Seyn für sich. Das Andre des
+Wesens dagegen ist das Andre an und für sich, nicht das Andre als eines
+andern außer ihm Befindlichen; die einfache Bestimmtheit an sich. Auch
+in der Sphäre des Daseyns erwies sich das Andersseyn und die
+Bestimmtheit von dieser Natur, einfache Bestimmtheit, identischer
+Gegensatz zu seyn; aber diese Identität zeigte sich nur als das
+Übergehen einer Bestimmtheit in die andere. Hier in der Sphäre der
+Reflexion tritt der Unterschied als reflektirter auf, der so gesetzt
+ist, wie er an sich ist.
+
+2. Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende
+Unterschied; so ist er die Negativität seiner selbst, der Unterschied
+nicht von einem Andern, sondern seiner von sich selbst; er ist nicht er
+selbst, sondern sein Anderes. Das Unterschiedene aber vom Unterschiede
+ist die Identität. Er ist also er selbst und die Identität. Beide
+zusammen machen den Unterschied aus; er ist das Ganze und sein
+Moment.—Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied als einfacher ist
+kein Unterschied; er ist dieß erst in Beziehung auf die Identität; aber
+vielmehr enthält er als Unterschied ebenso sie und diese Beziehung
+selbst.—Der Unterschied ist das Ganze und sein eignes Moment; wie die
+Identität ebenso sehr ihr Ganzes und ihr Moment ist.—Dieß ist als die
+wesentliche Natur der Reflexion und als bestimmter Urgrund aller
+Thätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten. —Unterschied wie die
+Identität machen sich zum Momente oder zum Gesetztseyn, weil sie als
+Reflexion die negative Beziehung auf sich selbst sind.
+
+Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identität, ist an sich
+selbst bestimmter Unterschied. Er ist nicht Übergehen in ein Anderes,
+nicht Beziehung auf Anderes außer ihm; er hat sein Anderes, die
+Identität an ihm selbst; so wie diese, indem sie in die Bestimmung des
+Unterschieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren hat,
+sondern in ihm sich erhält, seine Reflexion in sich und sein Moment
+ist.
+
+3. Der Unterschied hat die beiden Momente, Identität und Unterschied;
+beide sind so ein Gesetztseyn, Bestimmtheit. Aber in diesem Gesetztseyn
+ist jedes Beziehung auf sich selbst. Das eine, die Identität ist
+unmittelbar selbst das Moment der Reflexion in sich; ebenso ist aber
+das andere, der Unterschied, Unterschied an sich, der reflektirte
+Unterschied. Der Unterschied, indem er zwei solche Momente hat, die
+selbst die Reflexionen in sich sind, ist Verschiedenheit.
+
+2. Die Verschiedenheit.
+
+1. Die Identität zerfällt an ihr selbst in Verschiedenheit, weil sie
+als absoluter Unterschied in sich selbst, sich als das Negative ihrer
+setzt, und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer,
+Reflexionen in sich, identisch mit sich sind; oder eben weil sie ihr
+Negiren unmittelbar selbst aufhebt, und in ihrer Bestimmung in sich
+reflektirt ist. Das Unterschiedne besteht als gegen einander
+gleichgültig verschiedenes, weil es identisch mit sich ist, weil die
+Identität seinen Boden und Element ausmacht; oder das Verschiedene ist
+das, was es ist, eben nur in seinem Gegentheile, der Identität.
+
+Die Verschiedenheit macht das Andersseyn als solches der Reflexion aus.
+Das Andere des Daseyns hat das unmittelbare Seyn zu seinem Grunde, in
+welchem das Negative besteht. In der Reflexion aber macht die Identität
+mit sich, die reflektirte Unmittelbarkeit, das Bestehen des Negativen
+und die Gleichgültigkeit desselben aus.
+
+Die Momente des Unterschiedes sind die Identität und der Unterschied
+selbst. Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektirte, sich auf
+sich beziehende; so sind sie in der Bestimmung der Identität,
+Beziehungen nur auf sich; die Identität ist nicht bezogen auf den
+Unterschied, noch ist der Unterschied bezogen auf die Identität; indem
+so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist, sind sie nicht
+bestimmt gegen einander.—Weil sie nun auf diese Weise nicht an ihnen
+selbst unterschiedene sind, so ist der Unterschied ihnen äußerlich. Die
+Verschiedenen verhalten sich also nicht als Identität und Unterschied
+zu einander, sondern nur als Verschiedene überhaupt, die gleichgültig
+gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind.
+
+2. In der Verschiedenheit als der Gleichgültigkeit des Unterschieds,
+ist sich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden; der Unterschied
+ist nur ein Gesetztseyn oder als aufgehobener, aber er ist selbst die
+ganze Reflexion.—Dieß näher betrachtet, so sind beide, die Identität
+und der Unterschied, wie sich so eben bestimmt hat, Reflexionen; jedes
+Einheit seiner selbst und seines Andern; jedes ist das Ganze. Damit
+aber ist die Bestimmtheit, nur Identität oder nur Unterschied zu seyn,
+ein Aufgehobenes. Sie sind darum keine Qualitäten, weil ihre
+Bestimmtheit durch die Reflexion in sich zugleich nur als Negation ist.
+Es ist also dieß Gedoppelte vorhanden, die Reflexion in sich als
+solche, und die Bestimmtheit als Negation, oder das Gesetztseyn. Das
+Gesetztseyn ist die sich äußerliche Reflexion; es ist die Negation als
+Negation; hiermit an sich zwar die sich auf sich beziehende Negation
+und Reflexion in sich; aber nur an sich; es ist die Beziehung darauf
+als auf ein Äußerliches.
+
+Die Reflexion an sich und die äußere Reflexion, sind somit die zwei
+Bestimmungen, in die sich die Momente des Unterschiedes, Identität und
+Unterschied, setzten. Sie sind diese Momente selbst, insofern sie sich
+nunmehr bestimmt haben.—Die Reflexion an sich ist die Identität, aber
+bestimmt, gleichgültig gegen den Unterschied zu seyn; nicht den
+Unterschied gar nicht zu haben, sondern sich als mit sich identisch
+gegen ihn zu verhalten; sie ist die Verschiedenheit. Es ist die
+Identität, die sich so in sich reflektirt hat, daß sie eigentlich die
+Eine Reflexion der beiden Momente in sich ist, beide sind Reflexionen
+in sich. Die Identität ist diese eine Reflexion beider, die den
+Unterschied nur als einen gleichgültigen an ihr hat, und
+Verschiedenheit überhaupt ist.—Die äußere Reflexion dagegen ist der
+bestimmte Unterschied derselben nicht als absolute Reflexion in sich,
+sondern als Bestimmung, wogegen die an sich seyende Reflexion
+gleichgültig ist; seine beiden Momente, die Identität und der
+Unterschied selbst, sind so äußerlich gesetzte, nicht an und für sich
+seyende Bestimmungen.
+
+Diese äußerliche Identität nun ist die Gleichheit, und der äußerliche
+Unterschied die Ungleichheit.—Die Gleichheit ist zwar Identität, aber
+nur als ein Gesetztseyn, eine Identität, die nicht an und für sich
+ist.—Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein äußerlicher,
+der nicht an und für sich der Unterschied des Ungleichen selbst ist. Ob
+Etwas einem andern Etwas gleich ist oder nicht, geht weder das eine
+noch das andere an; jedes derselben ist nur auf sich bezogen; ist an
+und für sich selbst was es ist; die Identität oder Nichtidentität als
+Gleichheit und Ungleichheit ist die Rücksicht eines Dritten, die außer
+ihnen fällt.
+
+3. Die äußere Reflexion bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit und
+Ungleichheit. Diese Beziehung, das Vergleichen, geht von der Gleichheit
+zur Ungleichheit, und von dieser zu jener herüber und hinüber. Aber
+dieses herüber- und hinübergehende Beziehen der Gleichheit und
+Ungleichheit ist diesen Bestimmungen selbst äußerlich; auch werden sie
+nicht auf einander, sondern jede für sich nur auf ein Drittes bezogen.
+Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar für sich hervor.—Die
+äußerliche Reflexion ist als solche sich selbst äußerlich; der
+bestimmte Unterschied ist der negirte absolute Unterschied; er ist
+somit nicht einfach, nicht die Reflexion in sich, sondern diese hat er
+außer ihm; seine Momente fallen daher aus einander, und beziehen sieh
+auch als gegen einander äußerliche, auf die ihnen gegenüber stehende
+Reflexion in sich.
+
+An der sich entfremdeten Reflexion kommen also die Gleichheit und
+Ungleichheit als gegen einander selbst unbezogene hervor, und sie
+trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht, durch die
+Insoferns, Seiten und Rücksichten. Die Verschiedenen, die das eine und
+dasselbe sind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit, bezogen
+werden, sind also nach der einen Seite einander gleich, nach der andern
+Seite aber ungleich, und insofern sie gleich sind, insofern sind sie
+nicht ungleich. Die Gleichheit bezieht sich nur auf sich, und die
+Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit.
+
+Durch diese ihre Trennung von einander aber heben sie sich nur auf.
+Gerade, was den Widerspruch und die Auflösung von ihnen abhalten soll,
+daß nämlich Etwas einem Andern in einer Rücksicht gleich, in einer
+andern aber ungleich sey;—dieß Auseinanderhalten der Gleichheit und
+Ungleichheit ist ihre Zerstörung. Denn beide sind Bestimmungen des
+Unterschiedes; sie sind Beziehungen aufeinander, das eine, zu seyn, was
+das andere nicht ist; gleich ist nicht ungleich, und ungleich ist nicht
+gleich; und beide haben wesentlich diese Beziehung, und außer ihr keine
+Bedeutung; als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das was es ist,
+als unterschieden von seinem andern. Durch ihre Gleichgültigkeit aber
+gegen einander, ist die Gleichheit nur bezogen auf sich, die
+Ungleichheit ist ebenso eine eigene Rücksicht und Reflexion für sich;
+jede ist somit sich selbst gleich; der Unterschied ist verschwunden, da
+sie keine Bestimmtheit gegen einander haben; oder jede ist hiermit nur
+Gleichheit.
+
+Diese gleichgültige Rücksicht, oder der äußerliche Unterschied hebt
+somit sich selbst auf, und ist die Negativität seiner an sich selbst.
+Er ist diejenige Negativität, welche in dem Vergleichen dem
+Vergleichenden zukommt. Das Vergleichende geht von der Gleichheit zur
+Ungleichheit, und von dieser zu jener zurück; läßt also das eine im
+andern verschwinden, und ist in der That die negative Einheit beider.
+Sie ist zunächst jenseits des Verglichenen so wie jenseits der Momente
+der Vergleichung, als ein Subjektives, außerhalb ihnen fallendes Thun.
+Aber diese negative Einheit ist in der That die Natur der Gleichheit
+und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat. Eben die selbstständige
+Rücksicht, die eine jede ist, ist vielmehr die ihre Unterschiedenheit
+und damit sie selbst aufhebende Beziehung auf sich.
+
+Nach dieser Seite, als Momente der äußern Reflexion und als sich selbst
+äußerlich, verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in ihre
+Gleichheit zusammen. Aber diese ihre negative Einheit ist ferner auch
+an ihnen gesetzt; sie haben nämlich die an sich seyende Reflexion außer
+ihnen, oder sind die Gleichheit und Ungleichheit eines Dritten, eines
+Andern als sie selbst sind. So ist das Gleiche nicht das Gleiche seiner
+selbst, und das Ungleiche als das Ungleiche nicht seiner selbst,
+sondern eines ihm ungleichen, ist selbst das Gleiche. Das Gleiche und
+das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner selbst. Jedes ist somit
+diese Reflexion, die Gleichheit, daß sie sie selbst und die
+Ungleichheit, die Ungleichheit, daß sie sie selbst und die Gleichheit
+ist.
+
+Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseyns, gegen
+das Verglichene oder das Verschiedene aus, das sich als die an sich
+seyende Reflexion gegen sie bestimmt hatte. Aber dieses hat damit seine
+Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren. Eben die Gleichheit und
+Ungleichheit, die Bestimmungen der äußerlichen Reflexion, sind die nur
+an sich seyende Reflexion, welche das Verschiedene als solches seyn
+sollte, sein nur unbestimmter Unterschied. Die an sich seyende
+Reflexion ist die Beziehung auf sich ohne Negation, die abstrakte
+Identität mit sich; damit eben das Gesetztseyn selbst.—Das bloß
+Verschiedene geht also durch das Gesetztseyn über in die negative
+Reflexion. Das Verschiedene ist der bloß gesetzte Unterschied, also der
+Unterschied, der keiner ist, also die Negation seiner an ihm selbst. So
+die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das Gesetztseyn, geht durch die
+Gleichgültigkeit oder die an sich seyende Reflexion zurück in die
+negative Einheit mit sich; in die Reflexion, welche der Unterschied der
+Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst ist. Die Verschiedenheit,
+deren gleichgültige Seiten ebenso sehr schlechthin nur Momente als
+Einer negativen Einheit sind, ist der Gegensatz.
+
+Anmerkung.
+
+Die Verschiedenheit wird, wie die Identität, in einem eigenen Satze
+ausgedrückt. Übrigens bleiben diese beide Sätze in der gleichgültigen
+Verschiedenheit gegeneinander gehalten, so daß jeder für sich gilt ohne
+Rücksicht auf den andern.
+
+Alle Dinge sind verschieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die
+einander gleich sind.—Dieser Satz ist in der That dem Satze der
+Identität entgegengesetzt, denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes,
+also A ist auch nicht A; oder A ist einem andern ungleich, so ist es
+nicht A überhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A. An die Stelle des
+A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt, aber A als
+Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauscht werden. Es soll zwar
+nicht ein Verschiedenes von sich, sondern nur von Anderem seyn; aber
+diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung. Als mit sich
+identisches A ist es das Unbestimmte; aber als Bestimmtes ist es das
+Gegentheil hiervon, es hat nicht mehr nur die Identität mit sich,
+sondern auch eine Negation, somit eine Verschiedenheit seiner selbst
+von sich an ihm.
+
+Daß alle Dinge verschieden sind von einander, ist ein sehr
+überflüssiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die
+Mehrheit und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.—Der Satz aber: es
+giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind, drückt
+mehr, nämlich die bestimmte Verschiedenheit aus. Zwei Dinge sind nicht
+bloß zwei; die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit, sondern
+sie sind durch eine Bestimmung verschieden. Der Satz, daß es nicht zwei
+Dinge giebt, die einander gleich sind, fällt dem Vorstellen,—auch nach
+der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn Leibniz vorgebracht und die
+Damen veranlaßt haben soll, unter Baumblättern zu suchen, ob sie nicht
+zwei gleiche finden.—Glückliche Zeiten für die Metaphysik, wo man sich
+am Hofe mit ihr beschäftigte, und wo es keiner andern Anstrengung
+bedurfte, ihre Sätze zu prüfen, als Baumblätter zu vergleichen!—Der
+Grund, daß jener Satz auffallend ist, liegt in dem Gesagten, daß zwei
+oder die numerische Mehrheit noch keine bestimmte Verschiedenheit
+enthält, und daß die Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion
+zunächst gleichgültig gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist. Das
+Vorstellen, indem es auch zur Bestimmung übergeht, nimmt diese Momente
+selbst als gegen einander gleichgültige auf, so daß das eine ohne das
+andere, die bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur
+Bestimmung hinreiche, oder daß die Dinge verschieden seyen, wenn sie
+auch nur numerisch Viele, verschiedene überhaupt, nicht ungleiche sind.
+Der Satz der Verschiedenheit hingegen drückt aus, daß die Dinge durch
+die Ungleichheit von einander verschieden sind, daß ihnen die
+Bestimmung der Ungleichheit so sehr zukomme als die der Gleichheit,
+denn erst beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus.
+
+Dieser Satz nun, daß allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit
+zukommt, bedürfte eines Beweises; er kann nicht als unmittelbarer Satz
+aufgestellt werden, denn die gewöhnliche Weise des Erkennens selbst
+fotdert für die Verknüpfung verschiedener Bestimmungen in einem
+synthetischen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines Dritten,
+worin sie vermittelt sind. Dieser Beweis müßte den Übergang der
+Identität in die Verschiedenheit, und dann den Übergang dieser in die
+bestimmte Verschiedenheit, in die Ungleichheit darthun. Dieß pflegt
+aber nicht geleistet zu werden; es ergab sich darin, daß die
+Verschiedenheit oder der äußerliche Unterschied, in Wahrheit in sich
+reflektirter, Unterschied an ihm selbst ist, daß das gleichgültige
+Bestehen des Verschiedenen das bloße Gesetztseyn, und damit nicht
+äußerlicher, gleichgültiger Unterschied, sondern Eine Beziehung der
+beiden Momente ist.
+
+Es liegt darin auch die Auflösung und Nichtigkeit des Satzes der
+Verschiedenheit. Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich; so sind sie
+gleich und ungleich zugleich; gleich schon darin, daß sie Dinge oder
+zwei überhaupt sind, denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut als
+das andere,jedes also dasselbe, was das andere; ungleich aber sind sie
+durch die Annahme. Es ist somit die Bestimmung vorhanden, daß beide
+Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und demselben
+verschieden, oder daß der außereinanderfallende Unterschied, zugleich
+eine und dieselbe Beziehung ist. Somit ist sie in Entgegensetzung
+übergegangen.
+
+Das Zugleich der beiden Prädikate wird zwar durch das Insofern aus
+einander gehalten; daß zwei Dinge insofern sie gleich, _insofern_ nicht
+ungleich, oder nach einer Seite und Rücksicht gleich, nach der andern
+Seite und Rücksicht aber ungleich sind. Damit wird die Einheit der
+Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und was seine
+eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit an sich wäre,
+als eine dem Dinge äußerliche Reflexion festgehalten. Diese ist es aber
+somit, die in einer und derselben Thätigkeit die zwei Seiten der
+Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet, somit in Einer Thätigkeit
+beide enthält, die eine in die andere scheinen läßt und reflektirt.—Die
+gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber, die nur dafür sorgt, daß
+diese sich nicht widersprechen, vergißt hier wie sonst, daß damit der
+Widerspruch nicht aufgelöst, sondern nur anderswohin, in die Subjektive
+oder äußere Reflexion überhaupt geschoben wird, und daß diese in der
+That die beiden Momente, welche durch diese Entfernung und Versetzung
+als bloßes Gesetztseyn ausgesprochen werden, als aufgehobene und auf
+einander bezogene in Einer Einheit enthält.
+
+3. Der Gegensatz.
+
+Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet.
+Er ist die Einheit der Identität und der Verschiedenheit; seine Momente
+sind in Einer Identität verschiedene; so sind sie entgegengesetzte.
+
+Die Identität und der Unterschied sind die Momente des Unterschiedes
+innerhalb seiner selbst gehalten; sie sind reflektirte Momente seiner
+Einheit. Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entäußerte
+Reflexion; ihre Identität mit sich ist nicht nur die Gleichgültigkeit
+eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene, sondern gegen das
+An-und-Fürsichseyn, als solches; eine Identität mit sich gegen die in
+sich reflektirte; sie ist also die nicht in sich reflektirte
+Unmittelbarkeit. Das Gesetztseyn der Seiten der äußerlichen Reflexion
+ist daher ein Seyn; so wie ihr Nichtgesetztseyn ein Nichtseyn.
+
+Die Momente des Gegensatzes näher betrachtet, so sind sie das in sich
+reflektirte Gesetztseyn oder Bestimmung überhaupt. Das Gesetztseyn ist
+die Gleichheit und Ungleichheit; sie beide in sich reflektirt machen
+die Bestimmungen des Gegensatzes aus. Ihre Reflexion in sich besteht
+darin, daß jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und
+Ungleichheit ist. Die Gleichheit ist nur in der Reflexion, welche nach
+der Ungleichheit vergleicht, somit durch ihr anderes gleichgültiges
+Moment vermittelt; ebenso die Ungleichheit ist nur in derselben
+reflektirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist. —Jedes dieser
+Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze. Es ist das Ganze,
+insofern es auch sein anderes Moment enthält; aber dieß sein anderes
+ist ein gleichgültig seyendes, so enthält jedes die Beziehung auf sein
+Nichtseyn, und ist nur die Reflexion in sich oder das Ganze als sich
+wesentlich auf sein Nichtseyn beziehend.
+
+Diese in sich reflektirte Gleichheit mit sich, die in ihr selbst die
+Beziehung auf die Ungleichheit enthält, ist das Positive; so die
+Ungleichheit die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtseyn, die
+Gleichheit enthält, ist das Negative.—Oder beide sind das Gesetztseyn;
+insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit als unterschiedene
+bestimmte Beziehung des Gesetztseyns auf sich genommen wird, so ist der
+Gegensatz eines Theils das Gesetztseyn in seine Gleichheit mit sich
+reflektirt; andern Theils dasselbe in seine Ungleichheit mit sich
+reflektirt; das Positive und Negative.—Das Positive ist das Gesetztseyn
+als in die Gleichheit mit sich reflektirt; aber das reflektirte ist das
+Gesetztseyn, das ist, die Negation als Negation, so hat diese Reflexion
+in sich die Beziehung auf das Andere zu ihrer Bestimmung. Das Negative
+ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit reflektirt; aber das
+Gesetztseyn ist die Ungleichheit selbst, so ist diese Reflexion somit
+die Identität der Ungleichheit mit sich selbst und absolute Beziehung
+auf sich.—Beide also, das in die Gleichheit mit sich reflektirte
+Gesetztseyn hat die Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit sich
+reflektirte Gesetztseyn hat auch die Gleichheit an ihm.
+
+Das Positive und das Negative sind so die selbstständig gewordenen
+Seiten des Gegensatzes. Sie sind selbstständig, indem sie die Reflexion
+des Ganzen in sich sind, und sie gehören dem Gegensatze an, insofern es
+die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektirt ist. Um ihrer
+Selbstständigkeit willen machen sie den an sich bestimmten Gegensatz
+aus. Jedes ist es selbst und sein Anderes, dadurch hat jedes seine
+Bestimmtheit nicht an einem andern, sondern an ihm selbst.—Jedes
+bezieht sich auf sich selbst, nur als sich beziehend auf sein Anderes.
+Dieß hat die doppelte Seite; jedes ist Beziehung auf sein Nichtseyn als
+Aufheben dieses Andersseyns in sich; so ist sein Nichtseyn nur ein
+Moment in ihm. Aber andern Theils ist hier das Gesetztseyn ein Seyn,
+ein gleichgültiges Bestehen geworden; das andre seiner, das jedes
+enthält, ist daher auch das Nichtseyn dessen, in welchem es nur als
+Moment enthalten seyn soll. Jedes ist daher nur, insofern sein
+Nichtseyn ist, und zwar in einer identischen Beziehung.
+
+Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituiren,
+bestehen also darin, daß das Positive und das Negative erstens absolute
+Momente des Gegensatzes sind; ihr Bestehen ist untrennbar Eine
+Reflexion; es ist Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das
+Nichtseyn seines Andern, damit durch sein Anderes oder sein eigenes
+Nichtseyn ist.—So sind sie Entgegengesetzte überhaupt; oder jedes ist
+nur das Entgegengesetzte des Andern; das eine ist noch nicht positiv,
+und das andre noch nicht negativ, sondern beide sind negativ gegen
+einander. Jedes ist so überhaupt erstens insofern das Andre ist; es ist
+durch das Andre, durch sein eignes Nichtseyn, das was es ist; es ist
+nur Gesetztseyn; zweitens es ist insofern das Andre nicht ist; es ist
+durch das Nichtseyn des Andern das was es ist; es ist Reflexion in
+sich.—Dieses beides ist aber die eine Vermittelung des Gegensatzes
+überhaupt, in der sie überhaupt nur Gesetzte sind.
+
+Aber ferner dieß bloße Gesetztseyn ist in sich reflektirt überhaupt;
+das Positive und Negative ist nach diesem Momente der äußern Reflexion
+gleichgültig gegen jene erste Identität, worin sie nur Momente sind;
+oder indem jene erste Reflexion die eigne Reflexion des Positiven und
+Negativen in sich selbst, jedes sein Gesetztseyn an ihm selbst ist, so
+ist jedes gleichgültig gegen diese seine Reflexion in sein Nichtseyn,
+gegen sein eigenes Gesetztseyn. Die beiden Seiten sind so bloß
+verschiedene, und insofern ihre Bestimmtheit, positiv und negativ zu
+seyn, ihr Gesetztseyn gegen einander ausmacht, so ist jede nicht an ihr
+selbst so bestimmt, sondern ist nur Bestimmtheit überhaupt; jeder Seite
+kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten von Positivem und Negativem
+zu; aber sie können verwechselt werden, und jede Seite ist von der Art,
+daß sie ebenso gut als positiv wie als negativ genommen werden kann.
+
+Aber das Positive und Negative ist drittens nicht nur ein Gesetztes,
+noch bloß ein Gleichgültiges, sondern ihr Gesetztseyn oder die
+Beziehung auf das andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind,
+ist in jedes zurückgenommen. Jedes ist an ihm selbst positiv und
+negativ; das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an und
+für sich; erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich ist es
+positiv und negativ. Das Positive hat die Beziehung auf das Andere, in
+der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst; ebenso das
+Negative ist nicht Negatives als gegen ein anderes, sondern hat die
+Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in ihm selbst.
+
+So ist jedes Selbstständige, für sich seyende Einheit mit sich. Das
+Positive ist wohl ein Gesetztseyn, aber so daß für es das Gesetztseyn
+nur Gesetztseyn, als aufgehobenes ist. Es ist das
+Nichtentgegengesetzte; der aufgehobene Gegensatz, aber als Seite des
+Gegensatzes selbst.—Als positiv ist zwar Etwas bestimmt in Beziehung
+auf ein Andersseyn, aber so daß seine Natur dieß ist, nicht ein
+Gesetztes zu seyn; es ist die das Andersseyn negirende Reflexion in
+sich. Aber das Andere seiner, das Negative, ist selbst nicht mehr
+Gesetztseyn oder Moment, sondern ein selbstständiges Seyn; so ist die
+negirende Reflexion des Positiven in sich bestimmt, dieß sein Nichtseyn
+von sich auszuschließen.
+
+So das Negative als absolute Reflexion ist nicht das unmittelbare
+Negative, sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztseyn; das Negative
+an und für sich, das positiv auf sich selbst beruht. Als Reflexion in
+sich negirt es seine Beziehung auf Anderes; sein Anderes ist das
+Positive, ein selbstständiges Seyn;—seine negative Beziehung darauf ist
+daher, es aus sich auszuschließen. Das Negative ist das für sich
+bestehende Entgegengesetzte, gegen das Positive, das die Bestimmung des
+aufgehobenen Gegensatzes ist; der auf sich beruhende ganze Gegensatz,
+entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztseyn.
+
+Das Positive und Negative ist hiermit nicht nur an sich positiv und
+negativ, sondern an und für sich. An sich sind sie es, insofern von
+ihrer ausschließenden Beziehung auf Anderes abstrahirt, und sie nur
+nach ihrer Bestimmung genommen werden. An sich ist etwas positiv oder
+negativ, indem es nicht bloß gegen Anderes so bestimmt seyn soll. Aber
+das Positive oder Negative nicht als Gesetztseyn und damit nicht als
+Entgegengesetztes, ist es jedes das Unmittelbare, Seyn und Nichtseyn.
+Das Positive und Negative sind aber die Momente des Gegensatzes, das
+Ansichseyn derselben macht nur die Form ihres Reflektirtseyns in sich
+aus. Es ist etwas an sich positiv, außer der Beziehung auf das
+Negative; und es ist etwas an sich negativ, außer der Beziehung auf das
+Negative; in dieser Bestimmung wird bloß an dem abstrakten Momente
+dieses Reflektirtseyns festgehalten. Allein das ansichseyende Positive
+oder Negative heißt wesentlich, daß entgegengesetzt zu seyn, nicht bloß
+Moment sey, noch der Vergleichung angehöre, sondern die eigene
+Bestimmung der Seiten des Gegensatzes ist. An sich positiv oder negativ
+sind sie also nicht außer der Beziehung auf Anderes, sondern daß diese
+Beziehung und zwar als ausschließende, die Bestimmung oder das
+Ansichseyn derselben ausmacht; hierin sind sie es also zugleich an und
+für sich.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzuführen, wie er
+in der Arithmetik vorkommt. Er wird darin als bekannt vorausgesetzt;
+weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede aufgefaßt wird,
+entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und Verwicklungen. Es
+haben sich so eben die beiden realen Bestimmungen des Positiven und
+Negativen ergeben,—außer dem einfachen Begriffe ihrer
+Entgegensetzung,—daß nämlich das erstemal, ein nur verschiedenes,
+unmittelbares Daseyn zu Grunde liegt, dessen einfache Reflexion in sich
+unterschieden wird von seinem Gesetztseyn, der Entgegensetzung selbst.
+Diese gilt daher nur als nicht an und für sich seyend, und dem
+Verschiedenen zwar zukommend, so daß jedes ein Entgegengesetztes
+überhaupt ist, aber auch gleichgültig dagegen für sich besteht, und es
+einerley ist, welches der beiden entgegengesetzten Verschiedenen als
+positiv oder als negativ betrachte werde.—Das andremal aber ist das
+Positive das an sich selbst Positive, das Negative das an sich selbst
+Negative, so daß das Verschiedene nicht gleichgültig dagegen, sondern
+dieß seine Bestimmung an und für sich ist.—Diese beiden Formen des
+Positiven und Negativen kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor,
+in denen sie in der Arithmetik gebraucht werden.
+
+Das + a und—a sind zuerst entgegengesetzte Größen überhaupt; a ist die
+beiden zum Grunde liegende, ansichseyende Einheit, das gegen die
+Entgegensetzung selbst gleichgültige, das hier ohne weitern Begriff als
+todte Grundlage dient. Das—a ist zwar als das Negative, das + a als das
+Positive bezeichnet, aber das eine ist so gut ein Entgegengesetztes als
+das andere.
+
+Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit,
+sondern als + a und—a, ist sie die Reflexion dieser Entgegengesetzten
+in sich; es sind zwei verschiedene a vorhanden und es ist gleichgültig,
+welches von beiden inan als das positive oder negative bezeichnen will;
+beide haben ein besonderes Bestehen und sind positiv.
+
+Nach jener ersten Seite ist + y—y = 0; oder in—8 + 3, sind die 3
+positiven, negative im 8. Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer
+Verbindung auf. Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht, und ebenso viel
+zurück nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf; so viel Schulden,
+um so viel weniger Vermögen, und so viel Vermögen vorhanden ist, so
+viel hebt sich von den Schulden auf. Die Stunde Wegs nach Osten ist
+zugleich nicht der positive Weg an sich, noch der nach Westen der
+negative Weg; sondern diese Richtungen sind gleichgültig gegen diese
+Bestimmtheit des Gegensatzes; nur eine dritte außer ihnen fallende
+Rücksicht macht die eine zur positiven, die andere zur negativen. So
+auch die Schulden sind nicht an und für sich das Negative; sie sind es
+nur in Beziehung auf den Schuldner; für den Gläubiger sind sie sein
+positives Vermögen; sie sind eine Summe Geld, oder was es sey von einem
+gewissen Werth, das nach außerhalb seiner fallenden Rücksichten
+Schulden oder Vermögen ist.
+
+Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf, so daß
+das Resultat gleich Null ist; aber es ist in ihnen auch ihre identische
+Beziehung vorhanden, die gegen den Gegensatz selbst gleichgültig ist;
+so machen sie Eines aus. Wie so eben von der Summe Geld erinnert
+worden, die nur Eine Summe ist, oder das a, das nur Ein a ist im + a
+und—a; auch der Weg, der nur ein Stück Wegs ist, nicht zwei Wege, deren
+einer nach Osten, der andere nach Westen ginge. So auch eine Ordinate
+y, die dasselbe ist, auf dieser oder jener Seite der Axe genommen;
+insofern ist + y—y = y; sie ist nur die Ordinate, es ist nur Eine
+Bestimmung und Gesetz derselben.
+
+Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur Ein Gleichgültiges,
+sondern auch zwei Gleichgültige. Sie sind nämlich als Entgegengesetzte
+auch in sich Reflektirte, und bestehen so als Verschiedene.
+
+So sind in—8 + 3 überhaupt elf Einheiten vorhanden; + y,—y, sind
+Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen
+diese Grenze und gegen ihren Gegensatz gleichgültiges Daseyn ist; so
+ist + y—y = 2 y.—Auch der nach Osten und nach Westen zurückgelegte Weg,
+ist die Summe einer zweifachen Bemühung, oder die Summe von zwei
+Zeitperioden. Ebenso ist in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld,
+oder von Werth, nicht nur dieß Eine Quantum als Mittel der Subsistenz,
+sondern es ist ein verdoppeltes; es ist Mittel der Subsistenz sowohl
+für den Gläubiger als den Schuldner. Das Staatsvermögen berechnet sich
+nicht bloß als Summe des baaren Gelds und des sonstigen Werths von den
+Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden ist, noch weniger aber
+als Summe, die übrig bliebe nach Abzug des passiven Vermögens vom
+activen, sondern das Kapital, wenn seine active und passive Bestimmung
+sich auch zur Null reducirten, bleibt erstens positives Kapital; als +
+a—a = a; aber zweitens indem es auf vielfältige Weise passives,
+verliehenes und wieder verliehenes ist, ist es dadurch ein sehr
+vervielfältigtes Mittel.
+
+Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Größen, einer Seits bloß
+entgegengesetzte überhaupt, anderer Seits reale oder gleichgültige.
+Sondern ob zwar das Quantum selbst das gleichgültig begrenzte Seyn ist,
+so kommt doch an ihm auch das an sich Positive und das an sich Negative
+vor. Das a z.B. insofern es kein Zeichen hat, gilt dafür, daß es als
+positives zu nehmmen sey, wenn es zu bezeichnen ist. Wenn es nur
+überhaupt ein entgegengesetztes werden sollte, so könnte es ebenso gut
+als—a genommen werden. Aber das positive Zeichen wird ihm unmittelbar
+gegeben, weil das Positive für sich die eigenthümliche Bedeutung des
+Unmittelbaren, als mit sich identischen, gegen die Entgegensetzung hat.
+
+Ferner indem positive und negative Größen addirt oder subtrahirt
+werden, gelten sie als solche, die für sich positiv und negativ seyen,
+und es nicht bloß durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens,
+auf diese äußerliche Weise werden. In 8—(- 3) heißt das erste Minus
+entgegengesetzt gegen 8, das zweite Minus aber (- 3) gilt als
+entgegengesetztes an sich, außer dieser Beziehung.
+
+Näher tritt dieß bei der Multiplikation und Division hervor; hier ist
+das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte, das Negative
+hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen, nicht beide Bestimmungen
+auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte überhaupt. Indem die
+Lehrbücher in den Beweisen, wie sich die Zeichen in diesen beiden
+Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengesetzten Größen
+überhaupt stehen bleiben, so sind diese Beweise unvollständig und
+verwickeln sich in Widersprüche.—Plus und Minus erhalten aber bei der
+Multiplikation und Division die bestimmtere Bedeutung von Positivem und
+Negativem an sich, weil das Verhältniß der Faktoren, Einheit und Anzahl
+gegen einander zu seyn, nicht ein bloßes Verhältniß des Mehrens und
+Minderns ist, wie bei dem Addiren und Subtrahiren, sondern ein
+qualitatives; womit auch Plus und Minus die qualitative Bedeutung des
+Positiven und Negativen erhält.—Ohne diese Bestimmung und bloß aus dem
+Begriffe entgegengesetzter Größen, kann leicht die schiefe Folgerung
+gezogen werden, daß wenn—a.-a =—a[hoch 2] ist, umgekehrt +a.—a =
++a[hoch 2] gebe. Indem der eine Faktor die Anzahl und der andere die
+Einheit, und zwar der voranstehende wie gewöhnlich die erstere
+bedeutet, so unterscheiden sich die beiden Ausdrücke—a.+a und +a.-a
+dadurch, daß im erstern +a die Einheit und—a die Anzahl, und im andern
+es umgekehrt ist. Es pflegt nun beim erstern gesagt zu werden, wenn ich
++a nehmen soll—a mal, so nehme ich +a nicht bloß a mal, sondern
+zugleich auf die ihm entgegengesetzte Weise, +a mahl—a; also da es Plus
+ist, so habe ich es negativ zu nehmen, und das Produkt ist—a[hoch
+2].—Wenn aber im zweiten Falle—a zu nehmen ist +a mal, so soll—a
+gleichfalls nicht—a mal genommen werden, sondern in der ihm
+entgegengesetzten Bestimmung nämlich +a mal. Nach dem Räsonnement des
+ersten Falles folgt also, daß das Produkt +a[hoch 2] seyn müsse.—Ebenso
+bei der Division.
+
+Diese Konsequenz ist nothwendig, insofern Plus und Minus nur als
+entgegengesetzte Größen überhaupt genommen werden; dem Minus wird im
+ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu verändern; aber im
+andern sollte Plus nicht dieselbe Kraft über Minus haben, ungeachtet es
+so gut eine entgegengesetzte Größebestimmung ist, als dieses. In der
+That hat Plus diese Kraft nicht, denn es ist hier nach seiner
+qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Faktoren ein
+qualitatives Verhältniß zu einander haben. Insofern ist also das
+Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches, das Positive
+aber ist das Unbestimmte, Gleichgültige überhaupt; es ist wohl auch das
+Negative, aber des Andern, nicht an ihm selbst.—Eine Bestimmung als
+Negation kommt also allein durch das Negative herein, nicht durch das
+Positive.
+
+So ist denn auch—a.—a = +a[hoch 2], darum weil das negative a nicht
+bloß auf die entgegengesetzte Weise, (so würde es zu nehmen seyn, mit—a
+multiplicirt) sondern weil es negativ genommen werden soll. Die
+Negation der Negation aber ist das Positive.
+
+C. Der Widerspruch.
+
+1. Der Unterschied überhaupt enthält seine beiden Seiten als Momente;
+in der Verschiedenheit fallen sie gleichgültig auseinander; im
+Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes, eines nur
+durchs andere bestimmt, somit nur Momente; aber sie sind ebenso sehr
+bestimmt an ihnen selbst, gleichgültig gegen einander und sich
+gegenseitig ausschließend; die selbstständigen Reflexions-Bestimmungen.
+
+Die eine ist das Positive, die andere das Negative, aber jene als das
+an ihm selbst Positive, diese als das an ihm selbst Negative. Die
+gleichgültige Selbstständigkeit für sich hat jedes dadurch, daß es die
+Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat; so ist es der
+ganze in sich geschlossene Gegensatz.—Als dieses Ganze ist jedes
+vermittelt durch sein Anderes mit sich, und enthält dasselbe. Aber es
+ist ferner durch das Nichtseyn seines Andern mit sich vermittelt; so
+ist es für sich seyende Einheit und schließt das Andere aus sich aus.
+
+Indem die selbstständige Reflexions-Bestimmung in derselben Rüksicht,
+als sie die andere enthält, und dadurch selbstständig ist, die andere
+ausschließt, so schließt sie in ihrer Selbstständigkeit ihre eigene
+Selbstständigkeit aus sich aus; denn diese besteht darin, die ihr andre
+Bestimmung in sich zu enthalten und dadurch allein nicht Beziehung auf
+ein äußerliches zu seyn, aber ebenso sehr unmittelbar darin, sie selbst
+zu seyn und die ihr negative Bestimmung von sich auszuschließen. Sie
+ist so der Widerspruch.
+
+Der Unterschied überhaupt ist schon der Widerspruch an sich; denn er
+ist die Einheit von solchen, die nur sind, insofern sie nicht eins
+sind,—und die Trennung solcher, die nur sind als in derselben Beziehung
+getrennte. Das Positive und Negative aber sind der gesetzte
+Widerspruch, weil sie als negative Einheiten, selbst das Setzen ihrer,
+und darin jedes das Aufheben seiner und das Setzen seines Gegentheils
+ist.—Sie machen die bestimmende Reflexion als ausschließende aus; weil
+das Ausschließen Ein Unterscheiden, und jedes der Unterschiedenen als
+Ausschließendes selbst das ganze Ausschließen ist, so schließt jedes in
+ihm selbst sich aus.
+
+Die beiden selbstständigen Reflexions-Bestimmungen für sich betrachtet,
+so ist das Positive das Gesetztseyn als in die Gleichheit mit sich
+reflektirt; das Gesetztseyn, das nicht Beziehung auf ein Anderes ist,
+das Bestehen also, insofern das Gesetztseyn aufgehoben und
+ausgeschlossen ist. Damit aber macht sich das Positive zur Beziehung
+eines Nichtseyns,—zu einem Gesetztseyn.—So ist es der Widerspruch, daß
+es als das Setzen der Identität mit sich durch Ausschließen des
+Negativen sich selbst zum Negativen von einem macht, also zu dem
+Andern, das es von sich ausschließt. Dieses ist als Ausgeschlossenes
+frei von dem Ausschließenden gesetzt; hiermit als in sich reflektirt
+und selbst ausschließend. So ist die ausschließende Reflexion Setzen
+des Positiven, als ausschließend das Andre, so daß dieß Setzen
+unmittelbar das Setzen seines Andern, es ausschließenden, ist.
+
+Dieß ist der absolute Widerspruch des Positiven, aber er ist
+unmittelbar der absolute Widerspruch des Negativen; das Setzen beider
+ist Eine Reflexion.—Das Negative für sich betrachtet gegen das Positive
+ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit mit sich reflektirt, das
+Negative als Negatives. Aber das Negative ist selbst das Ungleiche, das
+Nichtseyn eines andern; somit ist die Reflexion in seine Ungleichheit
+vielmehr seine Beziehung auf sich selbst.—Die Negation überhaupt ist
+das Negative als Qualität, oder unmittelbare Bestimmtheit; das Negative
+aber als Negatives, ist es bezogen auf das Negative seiner, auf sein
+Anderes. Wird dieß Negative nur als identisch mit dem ersten genommen,
+so ist es, wie auch das erstere, nur unmittelbar; sie werden so nicht
+genommen als Andere gegeneinander, somit nicht als Negative; das
+Negative ist überhaupt nicht ein Unmittelbares.—Indem nun ferner aber
+ebenso sehr jedes dasselbe ist, was das Andere, so ist diese Beziehung
+der Ungleichen ebenso sehr ihre identische Beziehung.
+
+Dieß ist also derselbe Widerspruch, der das Positive ist, nämlich
+Gesetztseyn oder Negation, als Beziehung auf sich. Aber das Positive
+ist nur an sich dieser Widerspruch; das Negative dagegen der gesetzte
+Widerspruch; denn in seiner Reflexion in sich, an und für sich
+Negatives oder als Negatives identisch mit sich zu seyn, hat es die
+Bestimmung, daß es Nichtidentisches, Ausschließen der Identität sey. Es
+ist dieß, gegen die Identität identisch mit sich zu seyn, hiermit durch
+seine ausschließende Reflexion sich selbst von sich auszuschließen.
+
+Das Negative ist also die ganze, als Entgegensetzung auf sich beruhende
+Entgegensetzung, der absolute sich nicht auf Anderes beziehende
+Unterschied; er schließt als Entgegensetzung die Identität von sich
+aus; aber somit sich selbst, denn als Beziehung auf sich bestimmt er
+sich als die Identität selbst, die er ausschließt.
+
+2. Der Widerspruch löst sich auf.
+
+In der sich selbst ausschließenden Reflexion, die betrachtet wurde,
+hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbstständigkeit
+sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Übergehen oder vielmehr das
+sich Übersetzen seiner in sein Gegentheil. Dieß rastlose Verschwinden
+der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die nächste Einheit, welche
+durch den Widerspruch zu Stande kommt; sie ist die Null.
+
+Der Widerspruch enthält aber nicht bloß das Negative sondern auch das
+Positive; oder die sich selbst ausschließende Reflexion ist zugleich
+setzende Reflexion; das Resultat des Widerspruchs ist nicht nur Null.
+—Das Positive und Negative machen das Gesetztseyn der Selbstständigkeit
+aus; die Negation ihrer durch sie selbst hebt das Gesetztseyn der
+Selbstständigkeit auf. Dieß ist es, was in Wahrheit im Widerspruche zu
+Grund geht.
+
+Die Reflexion in sich, wodurch die Seiten des Gegensatzes sich zu
+selbstständigen Beziehungen auf sich machen, ist zunächst ihre
+Selbstständigkeit als unterschiedener Momente; sie sind so nur an sich
+diese Selbstständigkeit, denn sie sind noch entgegengesetzte, und daß
+sie es an sich sind, macht ihr Gesetztseyn aus. Aber ihre
+ausschließende Reflexion hebt dieß Gesetztseyn auf, macht sie zu
+fürsichseyenden Selbstständigen, zu solchen, die nicht nur an sich,
+sondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes selbstständig
+sind; ihre Selbstständigkeit ist auf diese Weise auch gesetzt. Aber
+ferner machen sie sich durch dieß ihr Setzen zu einem Gesetztseyn. Sie
+richten sich zu Grunde, indem sie sich bestimmen als das mit sich
+Identische, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit sich
+Identisches, das Beziehung auf Anderes ist.
+
+Allein diese ausschließende Reflexion ist näher betrachtet, nicht nur
+diese formelle Bestimmung. Sie ist ansichseyende Selbstständigkeit, und
+ist das Aufheben dieses Gesetztseyns und durch dieß Aufheben erst
+fürsichseyende und in der That selbstständige Einheit. Durch das
+Aufheben des Andersseyns oder Gesetztseyns ist zwar wieder das
+Gesetztseyn, das Negative eines Andern, vorhanden. Aber in der That ist
+diese Negation nicht wieder nur erste unmittelbare Beziehung auf
+Anderes, nicht Gesetztseyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, sondern als
+aufgehobenes Gesetztseyn. Die ausschließende Reflexion der
+Selbstständigkeit, indem sie ausschließend ist, macht sich zum
+Gesetztseyn, aber ist ebenso sehr Aufheben ihres Gesetztseyns. Sie ist
+aufhebende Beziehung auf sich; sie hebt darin erstens das Negative auf
+und zweitens setzt sie sich als Negatives, und dieß ist erst dasjenige
+Negative, das sie aufhebt; im Aufheben des Negativen setzt und hebt sie
+zugleich es auf. Die ausschließende Bestimmung selbst ist auf diese
+Weise sich das Andre, dessen Negation sie ist; das Aufheben dieses
+Gesetztseyns ist daher nicht wieder Gesetztseyn als das Negative eines
+Andern, sondern ist das Zusammengehen mit sich selbst, das positive
+Einheit mit sich ist. Die Selbstständigkeit ist so durch ihre eigene
+Negation in sich zurückkehrende Einheit, indem sie durch die Negation
+ihres Gesetztseyns in sich zurückkehrt. Sie ist die Einheit des Wesens,
+durch die Negation nicht eines Andern, sondern ihrer selbst identisch
+mit sich zu seyn.
+
+3. Nach dieser positiven Seite, daß die Selbstständigkeit im
+Gegensatze, als ausschließende Reflexion sich zum Gesetztseyn macht,
+und es ebenso sehr aufhebt, Gesetztseyn zu seyn, ist der Gegensatz
+nicht nur zu Grunde, sondern in seinen Grund zurückgegangen.—Die
+ausschließende Reflexion des selbstständigen Gegensatzes macht ihn zu
+einem Negativen, nur Gesetzten; sie setzt dadurch ihre zunächst
+selbstständigen Bestimmungen, das Positive und Negative, zu solchen
+herab, welche nur Bestimmungen sind; und indem so das Gesetztseyn zum
+Gesetztseyn gemacht wird, ist es überhaupt in seine Einheit mit sich
+zurückgekehrt; es ist das einfache Wesen, aber das Wesen als Grund.
+Durch das Aufheben der sich an sich selbst widersprechenden
+Bestimmungen des Wesens, ist dieses wiederhergestellt, jedoch mit der
+Bestimmung, ausschließende Reflexionseinheit zu seyn,—einfache Einheit,
+welche sich selbst als Negatives bestimmt, aber in diesem Gesetztseyn
+unmittelbar sich selbst gleich und mit sich zusammen-gegangen ist.
+
+Zunächst geht also der selbstständige Gegensatz durch seinen
+Widerspruch in den Grund zurück; jener ist das Erste, Unmittelbare, von
+dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegensatz oder das aufgehobene
+Gesetztseyn ist selbst ein Gesetztseyn. Somit ist das Wesen als Grund
+ein Gesetztseyn, ein Gewordenes. Aber umgekehrt hat sich nur dieß
+gesetzt, daß der Gegensatz oder das Gesetztseyn ein Aufgehobenes, nur
+als Gesetztseyn ist. Das Wesen ist also als Grund so ausschließende
+Reflexion, daß es sich selbst zum Gesetztseyn macht, daß der Gegensatz,
+von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der das Unmittelbare war,
+die nur gesetzte, bestimmte Selbstständigkeit des Wesens ist, und daß
+er nur das sich an ihm selbst Aufhebende, das Wesen aber das in seiner
+Bestimmtheit in sich Reflektirte ist. Das Wesen schließt als Grund sich
+von sich selbst aus, es setzt sich; sein Gesetztseyn,—welches das
+Ausgeschlossene ist,—ist nur als Gesetztseyn, als Identität des
+Negativen mit sich selbst. Dieß Selbstständige ist das Negative,
+gesetzt als Negatives; ein sich selbst Widersprechendes, das daher
+unmittelbar im Wesen als seinem Grunde bleibt.
+
+Der aufgelöste Widerspruch ist also der Grund, das Wesen als Einheit
+des Positiven und Negativen. Im Gegensatze ist die Bestimmung zur
+Selbstständigkeit gediehen; der Grund aber ist diese vollendete
+Selbstständigkeit; das Negative ist in ihm selbstständiges Wesen, aber
+als Negatives; so ist er ebenso sehr das Positive als das in dieser
+Negativität mit sich Identische. Der Gegensatz und sein Widerspruch ist
+daher im Grunde so sehr aufgehoben, als erhalten. Der Grund ist das
+Wesen als die positive Identität mit sich; aber die sich zugleich als
+die Negativität auf sich bezieht, sich also bestimmt und zum
+ausgeschlossenen Gesetztseyn macht; dieß Gesetztseyn aber ist das ganze
+selbstständige Wesen, und das Wesen ist Grund, als in dieser seiner
+Negation identisch mit sich selbst und positiv. Der sich
+widersprechende selbstständige Gegensatz war also bereits selbst der
+Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst hinzu,
+welche dadurch hervortritt, daß die selbstständigen Entgegengesetzten
+jedes sich selbst aufhebt, und sich zu dem andern seiner macht, somit
+zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit sich selbst zusammengeht,
+also in seinem Untergange, das ist, in seinem Gesetztseyn oder in der
+Negation vielmehr erst das in sich reflektirte, mit sich identische
+Wesen ist.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Positive und Negative ist dasselbe. Dieser Ausdruck gehört der
+äußern Reflexion an, insofern sie mit diesen beiden Bestimmungen eine
+Vergleichung anstellt. Es ist aber nicht eine äußere Vergleichung,
+welche zwischen denselben, ebenso wenig als zwischen andern Kategorien
+anzustellen ist, sondern sie sind an ihnen selbst zu betrachten, d. h.
+es ist zu betrachten, was ihre eigene Reflexion ist. An dieser aber hat
+es sich gezeigt, daß jedes wesentlich das Scheinen seiner im Andern und
+selbst das Setzen seiner als des Andern ist.
+
+Das Vorstellen, insofern es das Positive und Negative nicht betrachtet,
+wie sie an und für sich sind, kann aber allerdings an das Vergleichen
+verwiesen werden, um das Haltlose dieser Unterschiedenen, die von ihm
+als fest einander gegenüber angenommen sind, aufmerksam zu werden. Eine
+geringe Erfahrung in dem reflektirenden Denken wird es schon
+wahrnehmen, daß wenn etwas als positiv bestimmt worden, indem man nun
+von dieser Grundlage weiter geht, sich dasselbe unmittelbar unter der
+Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt das negative Bestimmte in
+Positives, daß das reflektirende Denken sich in diesen Bestimmungen
+verwirrt und sich widersprechend wird. Die Unbekanntschaft mit der
+Natur derselben ist der Meinung, diese Verwirrung sey etwas Unrechtes,
+das nicht geschehen soll und schreibt sie einem subjektiven Fehler zu.
+Dieses Übergehen bleibt in der That auch bloße Verwirrung, insofern das
+Bewußtseyn über die Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhan den
+ist.—Es ist aber, auch für die äußere Reflexion, eine einfache
+Betrachtung, daß fürs erste das Positive nicht ein unmittelbar
+Identisches ist, sondern Theils ein Entgegengesetztes gegen das
+Negative, und daß es nur in dieser Beziehung Bedeutung hat, also das
+Negative selbst in seinem Begriffe liegt, Theils aber, daß es an ihm
+selbst die sich auf sich beziehende Negation des bloßen Gesetztseyns
+oder des Negativen also selbst die absolute Negation in sich
+ist.—Ebenso das Negative, das dem Positiven gegenüber steht, hat nur
+Sinn in dieser Beziehung auf dieß sein Anderes; es enthält also
+dasselbe in seinem Begriffe. Das Negative hat aber auch ohne Beziehung
+auf das Positive ein eigenes Bestehen; es ist mit sich identisch; so
+ist es aber selbst das, was das Positive seyn sollte.
+
+Vornemlich wird der Gegensatz vom Positiven und Negativen in dem Sinne
+genommen, daß jenes (ob es gleich seinem Namen nach das Ponirtseyn,
+Gesetztseyn ausdrückt) ein Objectives seyn soll, dieses aber ein
+Subjektives, welches nur einer äußern Reflexion angehöre, das an und
+für sich seyende Objective nichts angehe, und ganz und gar nicht für
+dasselbe vorhanden sey. In der That, wenn das Negative nichts anders
+als die Abstraktion einer subjektiven Willkür oder eine Bestimmung
+einer äußerlichen Vergleichung ausdrückt, so ist es freilich für das
+objektive Positive nicht vorhanden, d. h. dieses ist nicht an ihm
+selbst auf eine solche leere Abstraktion bezogen; aber dann ist ihm die
+Bestimmung, daß es ein Positives sey, gleichfalls nur äußerlich.—So
+gilt, um ein Beispiel von dem fixen Gegensatze dieser
+Reflexions-Bestimmungen anzuführen, das Licht überhaupt für das nur
+Positive, die Finsterniß aber für das nur Negative. Aber das Licht hat
+in seiner unendlichen Expansion und der Kraft seiner aufschließenden
+und belebenden Wirksamkeit wesentlich die Natur absoluter Negativität.
+Die Finsterniß dagegen, als Unmannigfaltiges oder der sich nicht selbst
+in sich unterscheidende Schooß der Erzeugung, ist das einfache mit sich
+Identische, das Positive. Sie wird als das nur Negative in dem Sinne
+genommen, daß sie als bloße Abwesenheit des Lichts für dasselbe ganz
+und gar nicht vorhanden seye, —so daß dieses, indem es sich auf sie
+bezieht, sich nicht auf ein Anderes, sondern rein auf sich selbst
+beziehen, also diese nur vor ihm verschwinden soll. Aber bekanntlich
+wird das Licht durch die Finsterniß zum Grau getrübt; und außer dieser
+bloß quantitativen Veränderung erleidet es auch die qualitative, durch
+die Beziehung darauf zur Farbe bestimmt zu werden.—So ist z.B. auch die
+Tugend nicht ohne Kampf; sie ist vielmehr der höchste, vollendete
+Kampf; so ist sie nicht nur das Positive, sondern absolute Negativität;
+sie ist auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laster Tugend, sondern
+ist an ihr selbst Entgegensetzung und Bekämpfung. Oder das Laster ist
+nicht nur der Mangel der Tugend,—auch die Unschuld ist dieser
+Mangel,—und nicht nur für eine äußere Reflexion von der Tugend
+unterschieden, sondern an sich selbst ihr entgegengesetzt, es ist böse.
+Das Böse besteht in dem Beruhen auf sich, gegen das Gute; es ist die
+positive Negativität. Die Unschuld aber, als Mangel sowohl des Guten
+als des Bösen, ist gleichgültig gegen beide Bestimmungen, weder positiv
+noch negativ. Aber zugleich ist dieser Mangel auch als Bestimmtheit zu
+nehmen, und einer Seits ist sie als die positive Natur von Etwas zu
+betrachten, als sie sich anderer Seits auf ein Entgegengesetztes
+bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unschuld, aus ihrer gleichgültigen
+Identität mit sich, heraustreten, sich durch sich selbst auf ihr
+Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder, im positiven
+Sinne, in ihren Grund zurückgehen.—Auch die Wahrheit ist das Positive
+als das mit dem Objecte übereinstimmende Wissen, aber sie ist nur diese
+Gleichheit mit sich, insofern das Wissen sich negativ gegen das Andere
+verhalten, das Object durchdrungen und die Negation, die es ist,
+aufgehoben hat. Der Irrthum ist ein Positives, als eine Meinung des
+nicht an und für sich seyenden, die sich weiß und behauptet. Die
+Unwissenheit aber ist entweder das gegen Wahrheit und Irrthum
+Gleichgültige, somit weder als positiv noch als negativ bestimmt und
+die Bestimmung derselben als ein Mangel gehört der äußeren Reflexion
+an, oder aber als objektiv, als eigene Bestimmung einer Natur, ist sie
+der Trieb, der gegen sich gerichtet ist; ein Negatives, das eine
+positive Richtung in sich enthält.—Es ist eine der wichtigsten
+Erkenntnisse, diese Natur der betrachteten Reflexions-Bestimmungen, daß
+ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf einander, und damit darin
+besteht, daß jede in ihrem Begriffe selbst die andere enthält,
+einzusehen und festzuhalten; ohne diese Erkenntniß läßt sich eigentlich
+kein Schritt in der Philosophie thun.
+
+Anmerkung 2.
+
+Die Bestimmung der Entgegensetzung ist gleichfalls zu einem Satze
+gemacht worden, dem sogenannten Satze des ausgeschlossenen Dritten.
+
+Etwas ist entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes.
+
+Dieser Satz enthält zuerst, daß Alles ein Entgegengesetztes ist, ein
+entweder als positiv oder als negativ Bestimmtes.—Ein wichtiger Satz,
+der darin seine Nothwendigkeit hat, daß die Identität in
+Verschiedenheit und diese in Entgegensetzung übergeht. Allein er pflegt
+nicht in diesem Sinne verstanden zu werden, sondern soll gewöhnlich so
+viel heißen, daß einem Dinge von allen Prädikaten entweder dieses
+Prädikat selbst oder sein Nichtseyn zukomme. Das Entgegengesetzte
+bedeutet hier bloß den Mangel oder vielmehr die Unbestimmtheit; und der
+Satz ist so unbedeutend, daß es nicht der Mühe werth ist, ihn zu sagen.
+Wenn die Bestimmungen süß, grün, viereckig genommen,—und es sollen alle
+Prädikate genommen werden—und nun vom Geiste gesagt wird, er sey
+entweder süß oder nicht süß, grün oder nicht grün, u.s.f. so ist dieß
+eine Trivialität, die zu nichts führt. Die Bestimmtheit, das Prädikat,
+wird auf Etwas bezogen; das Etwas ist bestimmt, sagt der Satz aus; nun
+soll er wesentlich dieß enthalten, daß die Bestimmtheit sich näher
+bestimme, zur Bestimmtheit an sich, zur Entgegensetzung werde. Statt
+dessen geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Bestimmtheit nur
+über zu ihrem Nichtseyn überhaupt, zurück zur Unbestimmtheit.
+
+Der Satz des ausgeschlossenen Dritten unterscheidet sich ferner vom
+oben betrachteten Satze der Identität oder des Widerspruchs, der so
+hieß: es giebt nicht etwas, das zugleich A und Nicht-A ist. Er enthält,
+daß es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, daß es nicht ein
+Drittes gebe, das gegen den Gegensatz gleichgültig sey. In der That
+aber giebt es in diesem Satze selbst das Dritte, das gleichgültig gegen
+den Gegensatz ist, nämlich A selbst ist darin vorhanden. Dieß A ist
+weder +A noch—A, und ebenso wohl auch +A als—A.—Das Etwas, das entweder
++A oder Nicht-A seyn sollte, ist hiermit auf +A sowohl als Nicht-A
+bezogen; und wieder, indem es auf A bezogen ist, solle es nicht auf
+Nicht-A bezogen seyn, so wie nicht auf A, indem es auf Nicht-A bezogen
+ist. Das Etwas selbst ist also das Dritte, welches ausgeschlossen seyn
+sollte. Indem die entgegengesetzten Bestimmungen, im Etwas ebenso sehr
+gesetzt als in diesem Setzen aufgehobene sind, so ist das Dritte, das
+hier die Gestalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit
+der Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegensetzung
+zurückgeht.
+
+Anmerkung 3.
+
+Wenn nun die ersten Reflexions-Bestimmungen, die Identität, die
+Verschiedenheit und die Entgegensetzung, in einem Satze aufgestellt
+worden, so sollte noch vielmehr diejenige, in welche sie als in ihre
+Wahrheit übergehen, nämlich der Widerspruch, in einen Satz gefaßt und
+gesagt werden: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend, und zwar
+in dem Sinne, daß dieser Satz gegen die übrigen vielmehr die Wahrheit
+und das Wesen der Dinge ausdrücke.—Der Widerspruch, der an der
+Entgegensetzung hervortritt, ist nur das entwickelte Nichts, das in der
+Identität enthalten ist, und in dem Ausdrucke vorkam, daß der Satz der
+Identität Nichts sage. Diese Negation bestimmt sich weiter zur
+Verschiedenheit und zur Entgegensetzung, welche nun der gesetzte
+Widerspruch ist.
+
+Es ist aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des
+gewöhnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so
+wesenhafte und immanente Bestimmung sey, als die Identität; ja wenn von
+Rangordnung die Rede, und beide Bestimmungen als getrennte festzuhalten
+wären, so wäre der Widerspruch für das Tiefere und Wesenhaftere zu
+nehmen. Denn die Identität ihm gegenüber ist nur die Bestimmung des
+einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber ist die Wurzel aller
+Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in sich selbst einen
+Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Thätigkeit.
+
+Der Widerspruch wird gewöhnlich fürs erste von den Dingen, von dem
+Seyenden und Wahren überhaupt, entfernt; es wird behauptet, daß es
+nichts Widersprechendes gebe. Er wird fürs andre dagegen in die
+subjektive Reflexion geschoben, die durch ihre Beziehung und
+Vergleichung ihn erst setze. Aber auch in dieser Reflexion sey er nicht
+eigentlich vorhanden, denn das Widersprechende könne nicht vorgestellt
+noch gedacht werden. Er gilt überhaupt, sey es am Wirklichen oder in
+der denkenden Reflexion, für eine Zufälligkeit, gleichsam für eine
+Abnormität und vorübergehenden Krankheitsparoxysmus.
+
+Was nun die Behauptung betrifft, daß es den Widerspruch nicht gebe, daß
+er nicht ein Vorhandenes sey, so brauchen wir uns um eine solche
+Versicherung nicht zu bekümmern; eine absolute Bestimmung des Wesens
+muß sich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem
+Begriffe. Oben beim Unendlichen, das der Widerspruch ist, wie er in der
+Sphäre des Seyns sich zeigt, ist das Gleiche bereits erinnert worden.
+Die gemeine Erfahrung aber spricht es selbst aus, daß es wenigstens
+eine Menge widersprechender Dinge, widersprechender Einrichtungen
+u.s.f. gebe, deren Widerspruch nicht bloß in einer äußerlichen
+Reflexion, sondern in ihnen selbst vorhanden ist. Er ist aber ferner
+nicht bloß als eine Abnormität zu nehmen, die nur hier und da vorkäme,
+sondern ist das Negative in seiner wesenhaften Bestimmung, das Princip
+aller Selbstbewegung, die in nichts weiter besteht, als in einer
+Darstellung desselben. Die äußerliche sinnliche Bewegung selbst ist
+sein unmittelbares Daseyn. Es bewegt sich etwas nur, nicht indem es in
+diesem Jetzt hier ist, und in einem andern Jetzt dort, sondern indem es
+in einem und demselben Jetzt hier und nicht hier, indem es in diesem
+Hier zugleich ist und nicht ist. Man muß den alten Dialektikern die
+Widersprüche zugeben, die sie in der Bewegung aufzeigen, aber daraus
+folgt nicht, daß darum die Bewegung nicht ist, sondern vielmehr daß die
+Bewegung der daseyende Widerspruch selbst ist.
+
+Ebenso ist die innere, die eigentliche Selbstbewegung, der Trieb
+überhaupt, (Appetit oder Nisus der Monade, die Entelechie des absolut
+einfachen Wesens) nichts anderes, als daß Etwas in sich selbst, und der
+Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben Rücksicht
+ist. Die abstrakte Identität mit sich ist noch keine Lebendigkeit,
+sondern daß das Positive an sich selbst die Negativität ist, dadurch
+geht es außer sich und setzt sich in Veränderung. Etwas ist also
+lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar
+diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten.
+Wenn aber ein Existirendes nicht in seiner positiven Bestimmung
+zugleich über seine negative überzugreiffen und eine in der andern
+festzuhalten, den Widerspruch nicht in ihm selbst zu haben vermag, so
+ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund, sondern geht in
+dem Widerspruche zu Grunde.—Das spekulative Denken besteht nur darin,
+daß das Denken den Widerspruch und in ihm sich selbst festhält, nicht
+aber daß es sich, wie es dem Vorstellen geht, von ihm beherrschen und
+durch ihn sich seine Bestimmungen nur in andere oder in Nichts auflösen
+läßt.
+
+Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerspruch in die
+Einfachheit dieser Bestimmungen für das Vorstellen verhüllt ist, so
+stellt sich hingegen in den Verhältnißbestimmungen der Widerspruch
+unmittelbar dar. Die trivialsten Beispiele, von Oben und Unten, Rechts
+und Links, Vater und Sohn und so fort ins Unendliche, enthalten alle
+den Gegensatz in Einem. Oben ist, was nicht Unten ist; Oben ist
+bestimmt nur dieß, nicht Unten zu seyn, und ist nur, insofern ein Unten
+ist; und umgekehrt; in der einen Bestimmung liegt ihr Gegentheil. Vater
+ist das Andre des Sohnes, und Sohn das Andre des Vaters und jedes ist
+nur als dieß Andre des andern; und zugleich ist die eine Bestimmung nur
+in Beziehung auf die andere; ihr Seyn ist Ein Bestehen. Der Vater ist
+außer der Beziehung auf Sohn auch etwas für sich; aber so ist er nicht
+Vater, sondern ein Mann überhaupt; wie Oben und Unten, Rechts und Links
+auch in sich reflektirte, außer der Beziehung etwas sind; aber nur Orte
+überhaupt.—Die Entgegengesetzten enthalten insofern den Widerspruch,
+als sie in derselben Rücksicht sich negativ auf einander beziehende
+oder sich gegenseitig aufhebende und gegen einander gleichgültige sind.
+Die Vorstellung, indem sie zum Momente der Gleichgültigkeit der
+Bestimmungen übergeht, vergißt darin ihre negative Einheit und behält
+sie somit nur als Verschiedene überhaupt, in welcher Bestimmung Rechts
+nicht mehr Rechts, Links nicht mehr Links u.s.f. ist. Indem sie aber
+Rechts und Links in der That vor sich hat, so hat sie diese
+Bestimmungen vor sich als sich negirend, die eine in der andern, und in
+dieser Einheit zugleich sich nicht negirend, sondern jede gleichgültig
+für sich seyend.
+
+Das Vorstellen hat daher wohl allenthalben den Widerspruch zu seinem
+Inhalte, kommt aber nicht zum Bewußtseyn desselben; es bleibt
+äußerliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder von
+der negativen Beziehung zum Reflektirtseyn der Unterschiedenen in sich,
+übergeht. Sie hält diese beiden Bestimmungen einander äußerlich
+gegenüber und hat nur sie, nicht aber das Übergehen, welches das
+Wesentliche ist, und den Widerspruch enthält, im Sinne. —Die
+geistreiche Reflexion, um diese hier zu erwähnen, besteht dagegen im
+Auffassen und Aussprechen des Widerspruchs. Ob sie zwar den Begriff der
+Dinge und ihrer Verhältnisse nicht ausdrückt und nur
+Vorstellungsbestimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, so bringt
+sie dieselben in eine Beziehung, die ihren Widerspruch enthält und
+durch diesen hindurch ihren Begriff scheinen läßt.—Die denkende
+Vernunft aber spitzt, so zu sagen, den abgestumpften Unterschied des
+Verschiedenen, die bloße Mannigfaltigkeit der Vorstellung, zum
+wesentlichen Unterschiede, zum Gegensatze, zu. Die Mannigfaltigen
+werden erst, auf die Spitze des Widerspruchs getrieben, regsam und
+lebendig gegen einander, und erhalten in ihm die Negativität, welche
+die inwohnende Pulsation der Selbstbewegung und Lebendigkeit ist.
+
+Es ist schon über den ontologischen Beweis vom Daseyn Gottes erinnert
+worden, daß die darin zu Grunde gelegte Bestimmung, der Inbegriff aller
+Realitäten ist. Von dieser Bestimmung pflegt zuerst gezeigt zu werden,
+daß sie möglich sey, weil sie keinen Widerspruch enthalte, indem die
+Realität nur als Realität ohne Schranken genommen werde. Es wurde
+erinnert, daß damit jener Inbegriff zum einfachen unbestimmten Seyn,
+oder wenn die Realitäten in der That als mehrere Bestimmte genommen
+werden, zum Inbegriff aller Negationen wird. Näher den Unterschied der
+Realität genommen, so wird er aus der Verschiedenheit zum Gegensatze
+und damit zum Widerspruch, und der Inbegriff aller Realitäten überhaupt
+zum absoluten Widerspruch in sich selbst. Der gewöhnliche Horror, den
+das vorstellende, nicht speculative Denken, wie die Natur vor dem
+Vacuum, vor dem Widerspruche hat, verwirft diese Konsequenz; denn es
+bleibt bei der einseitigen Betrachtung der Auflösung des Widerspruchs
+in Nichts stehen, und erkennt die positive Seite desselben nicht, nach
+welcher er absolute Thätigkeit, und absoluter Grund wird.
+
+Es ist überhaupt aus der Betrachtung der Natur des Widerspruchs
+hervorgegangen, daß es für sich noch, so zu sagen, kein Schaden, Mangel
+oder Fehler einer Sache ist, wenn an ihr ein Widerspruch aufgezeigt
+werden kann. Vielmehr jede Bestimmung, jedes Konkrete, jeder Begriff
+ist wesentlich eine Einheit unterschiedener und unterscheidbarer
+Momente, die durch den bestimmten, wesentlichen Unterschied in
+widersprechende übergehen. Dieses Widersprechende löst sich allerdings
+in Nichts auf, es geht in seine negative Einheit zurück. Das Ding, das
+Subjekt, der Begriff ist nun eben diese negative Einheit selbst; es ist
+ein an sich selbst Widersprechendes, aber ebenso sehr der aufgelöste
+Widerspruch; es ist der Grund, der seine Bestimmungen enthält und
+trägt. Das Ding, das Subjekt, oder der Begriff ist als in seiner Sphäre
+in sich reflektirt, sein aufgelöster Widerspruch, aber seine ganze
+Sphäre ist auch wieder eine bestimmte, verschiedene; so ist sie eine
+endliche, und dieß heißt eine widersprechende. Von diesem höhern
+Widerspruche ist nicht sie selbst die Auflösung; sondern hat eine
+höhere Sphäre zu ihrer negativen Einheit, zu ihrem Grunde. Die
+endlichen Dinge in ihrer gleichgültigen Mannigfaltigkeit, sind daher
+überhaupt dieß, widersprechend an sich selbst, in sich gebrochen zu
+seyn und in ihren Grund zurückzugehen.—Wie weiterhin betrachtet werden
+wird, so besteht der wahre Schluß von einem Endlichen und Zufälligen
+auf ein absolut-nothwendiges Wesen nicht darin, daß von dem Endlichen
+und Zufälligen als dem zum Grunde liegenden und liegen bleibenden Seyn,
+sondern daß, was auch unmittelbar in der Zufälligkeit liegt, von einem
+nur fallenden, sich an sich selbst widersprechendem Seyn aus, auf ein
+absolut nothwendiges geschlossen, oder daß vielmehr aufgezeigt wird,
+das zufällige Seyn gehe an sich selbst in seinen Grund zurück, worin es
+sich aufhebt,—ferner daß es durch dieß Zurückgehen den Grund nur so
+setze, daß es sich selbst vielmehr zum Gesetzten macht. Im gewöhnlichen
+Schließen erscheint das Seyn des Endlichen als Grund des Absoluten;
+darum weil Endliches ist, ist das Absolute. Die Wahrheit aber ist, daß
+darum weil das Endliche der an sich selbst widersprechende Gegensatz,
+weil es nicht ist, das Absolute ist. In jenem Sinne lautet der Satz des
+Schlusses so: Das Seyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten; in
+diesem Sinne aber so: Das Nichtseyn des Endlichen ist das Seyn des
+Absoluten.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Der Grund.
+
+
+Das Wesen bestimmt sich selbst als Grund.
+
+Wie das Nichts zuerst mit dem Seyn in einfacher unmittelbarer Einheit,
+so ist auch hier zuerst die einfache Identität des Wesens mit seiner
+absoluten Negativität in unmittelbarer Einheit. Das Wesen ist nur diese
+seine Negativität, welche die reine Reflexion ist. Es ist diese reine
+Negativität als die Rückkehr des Seyns in sich; so ist es an sich oder
+für uns bestimmt, als der Grund, in dem sich das Seyn auflöst. Aber
+diese Bestimmtheit ist nicht durch es selbst gesetzt; oder es ist nicht
+Grund, eben insofern es diese seine Bestimmtheit nicht selbst gesetzt
+hat. Seine Reflexion aber besteht darin, sich als das, was es an sich
+ist, als Negatives zu setzen und sich zu bestimmen. Das Positive und
+Negative machen die wesenhafte Bestimmung aus, in die es als in seine
+Negation verloren ist. Diese selbstständigen Reflexions-Bestimmungen
+heben sich auf, und die zu Grunde gegangene Bestimmung ist die
+wahrhafte Bestimmung des Wesens.
+
+Der Grund ist daher selbst eine der Reflexions-Bestimmungen des Wesens,
+aber die letzte, vielmehr nur die Bestimmung, daß sie aufgehobene
+Bestimmung ist. Die Reflexionsbestimmung, indem sie zu Grunde geht,
+erhält ihre wahrhafte Bedeutung, der absolute Gegenstoß ihrer in sich
+selbst zu seyn, nämlich daß das Gesetztseyn, das dem Wesen zukommt, nur
+als aufgehobenes Gesetztseyn ist, und umgekehrt, daß nur das sich
+aufhebende Gesetztseyn das Gesetztseyn des Wesens ist. Das Wesen, indem
+es sich als Grund bestimmt, bestimmt sich als das Nichtbestimmte, und
+nur das Aufheben seines Bestimmtseyns ist sein Bestimmen.—In diesem
+Bestimmtseyn als dem sich selbst aufhebenden, ist es nicht aus anderem
+herkommendes, sondern in seiner Negativität mit sich identisches Wesen.
+
+Insofern von der Bestimmung aus, als dem Ersten, Unmittelbaren zum
+Grunde fortgegangen wird, (durch die Natur der Bestimmung selbst, die
+durch sich zu Grunde geht,) so ist der Grund zunächst ein durch jenes
+Erste Bestimmtes. Allein dieß Bestimmen ist eines Theils als Aufheben
+des Bestimmens die nur wiederhergestellte, gereinigte oder geoffenbarte
+Identität des Wesens, welche die Reflexions-Bestimmung an sich
+ist;—andern Theils ist diese negirende Bewegung als Bestimmen erst das
+Setzen jener Reflexionsbestimmtheit, welche als die unmittelbare
+erschien, die aber nur von der sich selbst ausschließenden Reflexion
+des Grundes gesetzt und hierin als nur Gesetztes oder Aufgehobenes
+gesetzt ist.—So kommt das Wesen, indem es sich als Grund bestimmt, nur
+aus sich her. Als Grund also setzt es sich als Wesen, und daß es sich
+als Wesen setzt, darin besteht sein Bestimmen. Dieß Setzen ist die
+Reflexion des Wesens, die in ihrem Bestimmen sich selbst aufhebt, nach
+jener Seite Setzen, nach dieser das Setzen des Wesens, somit beides in
+einem Thun ist.
+
+Die Reflexion ist die reine Vermittelung überhaupt, der Grund ist die
+reale Vermittelung des Wesens mit sich. Jene, die Bewegung des Nichts
+durch Nichts zu sich selbst zurück, ist das Scheinen seiner in einem
+Andern; aber weil der Gegensatz in dieser Reflexion noch keine
+Selbstständigkeit hat, so ist weder jenes erste, das Scheinende ein
+Positives, noch das andere, in dem es scheint, ein Negatives. Beide
+sind Substrate, eigentlich nur der Einbildungskraft; sie sind noch
+nicht sich auf sich selbst beziehende. Die reine Vermittelung ist nur
+reine Beziehung, ohne Bezogene. Die bestimmende Reflexion setzt zwar
+solche, die identisch mit sich, aber zugleich nur bestimmte Beziehungen
+sind. Der Grund dagegen ist die reale Vermittelung, weil er die
+Reflexion als aufgehobene Reflexion enthält; er ist das durch sein
+Nichtseyn in sich zurückkehrende und sich setzende Wesen. Nach diesem
+Momente der aufgehobenen Reflexion erhält das Gesetzte die Bestimmung
+der Unmittelbarkeit, eines solchen, das außer der Beziehung oder seinem
+Scheine identisch mit sich ist. Dieß Unmittelbare ist das durch das
+Wesen wiederhergestellte Seyn; das Nichtseyn der Reflexion, durch das
+das Wesen sich vermittelt. In sich kehrt das Wesen zurück als
+negirendes; es giebt sich also in seiner Rückkehr in sich, die
+Bestimmtheit, die eben darum das mit sich identische Negative, das
+aufgehobene Gesetztseyn, und somit ebenso sehr seyendes, als die
+Identität des Wesens mit sich als Grund ist.
+
+Der Grund ist zuerst absoluter Grund, in dem das Wesen zunächst als
+Grundlage überhaupt für die Grundbeziehung ist; näher bestimmt er sich
+aber als Form und Materie, und giebt sich einen Inhalt.
+
+Zweitens ist er bestimmter Grund, als Grund von einem bestimmten
+Inhalt; indem die Grundbeziehung sich in ihrer Realisirung überhaupt
+äußerlich wird, geht sie in die bedingende Vermittelung über.
+
+Drittens, der Grund setzt eine Bedingung voraus; aber die Bedingung
+setzt ebenso sehr den Grund voraus; das Unbedingte ist ihre Einheit,
+die Sache an sich, die durch die Vermittelung der bedingenden Beziehung
+in die Existenz übergeht.
+
+Anmerkung.
+
+Der Grund ist, wie die andern Reflexions-Bestimmungen, in einem Satze
+ausgedrückt worden: Alles hat seinen zureichenden Grund.—Dieß heißt im
+Allgemeinen nichts anderes, als was ist, ist nicht als seyendes
+Unmittelbares, sondern als Gesetztes zu betrachten; es ist nicht bei
+dem unmittelbaren Daseyn oder bei der Bestimmtheit überhaupt stehen zu
+bleiben, sondern davon zurückzugehen in seinen Grund, in welcher
+Reflexion es als Aufgehobenes und in seinem An- und Fürsichseyn ist. In
+dem Satze des Grundes wird also die Wesentlichkeit der Reflexion in
+sich gegen das bloße Seyn ausgesprochen.—Daß der Grund zureichend sey,
+ist eigentlich sehr überflüssig hinzuzusetzen, denn es versteht sich
+von selbst; das, für was der Grund nicht zureicht, hätte keinen Grund,
+aber alles soll einen Grund haben. Allein Leibnitz, dem das Princip des
+zureichenden Grundes vornemlich am Herzen lag, und der es sogar zum
+Grundsatz seiner ganzen Philosophie machte, verband damit einen tiefern
+Sinn und wichtigern Begriffe als gewöhnlich damit verbunden wird, indem
+man nur bei dem unmittelbaren Ausdruck stehen bleibt; obgleich der Satz
+auch nur in diesem Sinne schon für wichtig anzusehen ist, daß nämlich
+das Seyn als solches in seiner Unmittelbarkeit für das Unwahre und
+wesentlich für ein Gesetztes, der Grund aber für das wahrhafte
+Unmittelbare erklärt wird. Leibnitz aber stellte das Zureichende des
+Grundes vornemlich der Kausalität in ihrem strengen Sinne, als der
+mechanischen Wirkungsweise, entgegen. Indem diese eine äußerliche ihrem
+Inhalte nach auf Eine Bestimmtheit beschränkte Thätigkeit überhaupt
+ist, so treten die durch sie gesetzten Bestimmungen äußerlich und
+zufällig in eine Verbindung; die Theilbestimmungen werden durch ihre
+Ursachen begriffen; aber die Beziehung derselben, welche das
+Wesentliche einer Existenz ausmacht, ist nicht in den Ursachen des
+Mechanismus enthalten. Diese Beziehung, das Ganze als wesentliche
+Einheit, liegt nur im Begriffe, im Zwecke. Für diese Einheit sind die
+mechanischen Ursachen nicht zureichend, weil ihnen nicht der Zweck, als
+die Einheit der Bestimmungen, zu Grunde liegt. Unter dem zureichenden
+Grunde hat Leibnitz daher einen solchen verstanden, der auch für diese
+Einheit zureichte, daher nicht die bloßen Ursachen, sondern die
+Endursachen in sich begriffe. Diese Bestimmung des Grundes gehört aber
+noch nicht hierher; der teleologische Grund ist ein Eigenthum des
+Begriffs und der Vermittelung durch denselben, welche die Vernunft ist.
+
+A. Der absolute Grund.
+
+a. Form und Wesen.
+
+Die Reflexions-Bestimmung, insofern sie in den Grund zurückgeht, ist
+ein erstes, ein unmittelbares Daseyn überhaupt, von dem angefangen
+wird. Aber das Daseyn hat nur noch die Bedeutung des Gesetztseyns und
+setzt wesentlich einen Grund voraus; in dem Sinne, daß es ihn vielmehr
+nicht setzt; daß dieß Setzen ein Aufheben seiner selbst, das
+Unmittelbare vielmehr das Gesetzte und der Grund das Nichtgesetzte ist.
+Wie es sich ergeben hat, ist dieß Voraussetzen, das auf das Setzende
+rückschlagende Setzen; der Grund ist als das aufgehobene Bestimmtseyn
+nicht das Unbestimmte, sondern das durch sich selbst bestimmte Wesen,
+aber als unbestimmt oder als aufgehobenes Gesetztseyn Bestimmtes. Er
+ist das Wesen, das in seiner Negativität mit sich identisch ist.
+
+Die Bestimmtheit des Wesens als Grund wird hiermit die gedoppelte, des
+Grundes und des Begründeten. Sie ist erstens das Wesen als Grund,
+bestimmt das Wesen zu seyn gegen das Gesetztseyn, als Nichtgesetztseyn.
+Zweitens ist sie das Begründete, das Unmittelbare, das aber nicht an
+und für sich ist, das Gesetztseyn als Gesetztseyn. Dieses ist somit
+gleichfalls mit sich identisch, aber die Identität des Negativen mit
+sich. Das mit sich identische Negative und das mit sich identische
+Positive ist nun eine und dieselbe Identität. Denn der Grund ist
+Identität des Positiven oder selbst auch des Gesetztseyns mit sich; das
+Begründete ist das Gesetztseyn als Gesetztseyn, diese seine Reflexion
+in sich aber ist die Identität des Grundes.—Diese einfache Identität
+ist also nicht selbst der Grund, denn der Grund ist das Wesen gesetzt,
+als das Nichtgesetzte gegen das Gesetztseyn. Sie ist, als die Einheit
+dieser bestimmten Identität, (des Grundes) und der negativen Identität
+(des Begründeten) das Wesen überhaupt, unterschieden von seiner
+Vermittelung.
+
+Diese Vermittelung, mit den vorhergehenden Reflexionen verglichen, aus
+denen sie herkommt, ist erstlich nicht die reine Reflexion, als welche
+nicht vom Wesen unterschieden ist, und das Negative, damit auch die
+Selbstständigkeit der Bestimmungen, noch nicht an ihr hat. Im Grunde
+als der aufgehobenen Reflexion aber haben diese Bestimmungen ein
+Bestehen.—Auch ist sie nicht die bestimmende Reflexion, deren
+Bestimmungen wesentliche Selbstständigkeit haben; denn diese ist im
+Grunde zu Grunde gegangen, in dessen Einheit sind sie nur
+gesetzte.—Diese Vermittelung des Grundes ist daher die Einheit der
+reinen und der bestimmenden Reflexion; ihre Bestimmungen oder das
+Gesetzte hat Bestehen, und umgekehrt das Bestehen derselben ist ein
+Gesetztes. Weil dieß ihr Bestehen selbst ein Gesetztes ist oder
+Bestimmtheit hat, so sind sie somit von ihrer einfachen Identität
+unterschieden, und machen die Form aus gegen das Wesen.
+
+Das Wesen hat eine Form, und Bestimmungen derselben. Erst als Grund hat
+es eine feste Unmittelbarkeit oder ist Substrat. Das Wesen als solches
+ist eins mit seiner Reflexion, und ununterschieden ihre Bewegung
+selbst. Es ist daher nicht das Wesen, welches sie durchläuft; auch ist
+es nicht dasjenige, von dem sie als von einem Ersten anfängt. Dieser
+Umstand erschwert die Darstellung der Reflexion überhaupt; denn man
+kann eigentlich nicht sagen, das Wesen geht in sich selbst zurück, das
+Wesen scheint in sich, weil es nicht vor oder in seiner Bewegung ist,
+und diese keine Grundlage hat, an der sie sich verläuft. Ein Bezogenes
+tritt erst im Grund nach dem Momente der aufgehobenen Reflexion hervor.
+Das Wesen als das bezogene Substrat aber ist das bestimmte Wesen; um
+dieses Gesetztseyns willen hat es wesentlich die Form an ihm.—Die
+Formbestimmungen dagegen sind nun die Bestimmungen als an dem Wesen; es
+liegt ihnen zu Grunde, als das Unbestimmte, das in seiner Bestimmung
+gleichgültig gegen sie ist; sie haben an ihm ihre Reflexion in sich.
+Die Reflexions-Bestimmungen sollten ihr Bestehen an ihnen selbst haben
+und selbstständig seyn; aber ihre Selbstständigkeit ist ihre Auflösung;
+so haben sie dieselbe an einem Andern; aber diese Auflösung ist selbst
+diese Identität mit sich oder der Grund des Bestehens, den sie sich
+geben.
+
+Der Form gehört überhaupt alles Bestimmte an; es ist Formbestimmung,
+insofern es ein Gesetztes, hiermit von einem solchen, dessen Form es
+ist, Unterschiedenes ist; die Bestimmtheit als Qualität ist eins mit
+ihrem Substrat, dem Seyn; das Seyn ist das unmittelbar Bestimmte, das
+von seiner Bestimmtheit noch nicht unterschieden,—oder das in ihr noch
+nicht in sich reflektirt, so wie diese daher eine seyende, noch nicht
+eine Gesetzte ist.—Die Formbestimmungen des Wesens sind ferner als die
+Reflexions-Bestimmtheiten, ihrer nähern Bestimmtheit nach, die oben
+betrachteten Momente der Reflexion. Die Identität, und der Unterschied,
+dieser Theils als Verschiedenheit, Theils als Gegensatz. Ferner aber
+gehört auch die Grundbeziehung dazu, insofern sie zwar die aufgehobene
+Reflexions-Bestimmung aber dadurch das Wesen zugleich als Gesetztes
+ist. Dagegen gehört zur Form nicht die Identität, welche der Grund in
+sich hat, nämlich daß das Gesetztseyn als aufgehobenes und das
+Gesetztseyn als solches,—der Grund und das Begründete,—Eine Reflexion
+ist, welche das Wesen als einfache Grundlage ausmacht, die das Bestehen
+der Form ist. Allein dieß Bestehen ist im Grunde gesetzt; oder dieß
+Wesen ist selbst wesentlich als bestimmtes; somit ist es auch wieder
+das Moment der Grundbeziehung und Form.—Dieß ist die absolute
+Wechselbeziehung der Form und des Wesens, daß dieses einfache Einheit
+des Grundes und des Begründeten, darin aber eben selbst bestimmt oder
+Negatives ist, und sich als Grundlage von der Form unterscheidet, aber
+so zugleich selbst Grund und Moment der Form wird.
+
+Die Form ist daher das vollendete Ganze der Reflexion; sie enthält auch
+diese Bestimmung derselben, aufgehobene zu seyn; daher ist sie ebenso
+sehr als sie eine Einheit ihres Bestimmens ist, auch bezogen auf ihr
+Aufgehobenseyn, auf ein Anderes, das nicht selbst Form, sondern an dem
+sie sey. Als die wesentliche sich auf sich selbst beziehende
+Negativität, gegen dieß einfache Negative ist sie das Setzende und
+Bestimmende; das einfache Wesen hingegen ist die unbestimmte und
+unthätige Grundlage, an welcher die Formbestimmungen das Bestehen oder
+die Reflexion in sich haben.—Bei dieser Unterscheidung des Wesens und
+der Form pflegt die äußere Reflexion stehen zu bleiben; sie ist
+nothwendig, aber dieses Unterscheiden selbst ist ihre Einheit, so wie
+diese Grundeinheit das sich von sich abstoßende und zum Gesetztseyn
+machende Wesen ist. Die Form ist die absolute Negativität selbst, oder
+die negative absolute Identität mit sich, wodurch eben das Wesen nicht
+Seyn, sondern Wesen ist. Diese Identität abstrakt genommen, ist das
+Wesen gegen die Form; so wie die Negativität abstrakt genommen als das
+Gesetztseyn, die einzelne Formbestimmung ist. Die Bestimmung aber, wie
+sie sich gezeigt hat, ist in ihrer Wahrheit, die totale sich auf sich
+beziehende Negativität, die somit als diese Identität das einfache
+Wesen an ihr selbst ist. Die Form hat daher an ihrer eigenen Identität
+das Wesen; wie das Wesen an seiner negativen Natur die absolute Form.
+Es kann also nicht gefragt werden, wie die Form zum Wesen hinzukomme,
+denn sie ist nur das Scheinen desselben in sich selbst, die eigene ihm
+inwohnende Reflexion. Die Form ebenso an ihr selbst ist die in sich
+zurückkehrende Reflexion, oder das identische Wesen; in ihrem Bestimmen
+macht sie die Bestimmung zum Gesetztseyn als Gesetztseyn. —Sie bestimmt
+also nicht das Wesen, als ob sie wahrhaft vorausgesetzt, getrennt vom
+Wesen sey, denn so ist sie die unwesentliche, rastlos zu Grunde gehende
+Reflexionsbestimmung, hiermit ist sie so selbst vielmehr der Grund
+ihres Aufhebens oder die identische Beziehung ihrer Bestimmungen. Die
+Form bestimmt das Wesen, heißt also, die Form in ihrem Unterscheiden
+hebt dieß Unterscheiden selbst auf, und ist die Identität mit sich,
+welche das Wesen als das Bestehen der Bestimmung ist; sie ist der
+Widerspruch in ihrem Gesetztseyn aufgehoben zu seyn und an diesem
+Aufgehobenseyn das Bestehen zu haben; somit der Grund, als das im
+Bestimmt- oder Negirtseyn mit sich identische Wesen.
+
+Diese Unterschiede, der Form und des Wesens, sind daher nur Momente der
+einfachen Formbeziehung selbst. Aber sie sind näher zu betrachten und
+festzuhalten. Die bestimmende Form bezieht sich auf sich als
+aufgehobenes Gesetztseyn, sie bezieht sich damit auf ihre Identität als
+auf ein Andres. Sie setzt sich als aufgehoben; sie setzt damit ihre
+Identität voraus; das Wesen ist nach diesem Momente das Unbestimmte,
+dem die Form ein anderes ist. So ist es nicht das Wesen, das die
+absolute Reflexion an ihm selbst ist, sondern bestimmt als die formlose
+Identität; es ist die Materie.
+
+b. Form und Materie.
+
+Das Wesen wird zur Materie, indem seine Reflexion sich bestimmt, zu
+demselben als zu dem formlosen Unbestimmten sich zu verhalten. Die
+Materie ist also die einfache unterschiedslose Identität, welche das
+Wesen ist, mit der Bestimmung das Andere der Form zu seyn. Sie ist
+daher die eigentliche Grundlage oder Substrat der Form, weil sie die
+Reflexion in sich der Formbestimmungen oder das Selbstständige
+ausmacht, auf das sie sich als auf ihr positives Bestehen beziehen.
+
+Wenn von allen Bestimmungen, aller Form eines Etwas abstrahirt wird, so
+bleibt die unbestimmte Materie übrig. Die Materie ist ein schlechthin
+Abstraktes. (—Man kann die Materie nicht sehen, fühlen u. s.f.—was man
+sieht, fühlt, ist eine bestimmte Materie, d. h. eine Einheit der
+Materie und der Form). Diese Abstraktion, aus der die Materie
+hervorgeht, ist aber nicht nur ein äußerliches Wegnehmen und Aufheben
+der Form, sondern die Form reducirt sich durch sich selbst, wie sich
+ergeben hat, zu dieser einfachen Identität.
+
+Ferner setzt die Form eine Materie voraus, auf welche sie sich bezieht.
+Aber darum finden sich beide nicht äußerlich und zufällig einander
+gegenüber; weder die Materie noch die Form ist aus sich selbst, oder in
+anderer Sprache ewig. Die Materie ist das gegen die Form gleichgültige,
+aber diese Gleichgültigkeit ist die Bestimmtheit der Identität mit
+sich, in welche als in ihre Grundlage die Form zurückgeht. Die Form
+setzt die Materie voraus; eben darin, daß sie sich als Aufgehobenes
+setzt, somit sich auf diese ihre Identität als auf ein Anderes bezieht.
+Umgekehrt ist die Form von der Materie vorausgesetzt; denn diese ist
+nicht das einfache Wesen, das unmittelbar selbst die absolute Reflexion
+ist, sondern dasselbe bestimmt als das Positive, nämlich das nur ist,
+als aufgehobene Negation.—Aber von der andern Seite weil die Form sich
+nur als Materie setzt, insofern sie sich selbst aufhebt, somit dieselbe
+voraussetzt, ist die Materie auch bestimmt als grundloses Bestehen.
+Ebenso ist die Materie nicht bestimmt als der Grund der Form; sondern,
+indem die Materie sich setzt als die abstrakte Identität der
+aufgehobenen Formbestimmung, ist sie nicht die Identität als Grund, und
+die Form insofern gegen sie grundlos. Form und Materie sind somit
+bestimmt, die eine wie die andere, nicht gesetzt durch einander, nicht
+Grund von einander zu seyn. Die Materie ist vielmehr die Identität des
+Grundes und des Begründeten, als Grundlage, welche dieser Formbeziehung
+gegenüber steht. Diese ihre gemeinschaftliche Bestimmung der
+Gleichgültigkeit ist die Bestimmung der Materie als solcher, und macht
+auch die Beziehung beider aufeinander aus. Ebenso die Bestimmung der
+Form, die Beziehung als unterschiedener zu seyn, ist auch das andere
+Moment des Verhaltens beider zu einander.—Die Materie, das als
+gleichgültig Bestimmte, ist das Passive gegen die Form als Thätiges.
+Diese ist als das sich auf sich beziehende Negative der Widerspruch in
+sich selbst, das sich Auflösende sich von sich Abstoßende und
+Bestimmende. Sie bezieht sich auf die Materie, und sie ist gesetzt,
+sich auf dieß ihr Bestehen, als auf ein Anderes zu beziehen. Die
+Materie hingegen ist gesetzt, sich nur auf sich selbst zu beziehen, und
+gleichgültig gegen Anderes zu seyn; aber sie bezieht sich an sich auf
+die Form; denn sie enthält die aufgehobene Negativität, und ist nur
+Materie durch diese Bestimmung. Sie bezieht sich auf sie nur darum als
+auf ein Anderes, weil die Form nicht an ihr gesetzt, weil sie dieselbe
+nur an sich ist. Sie enthält die Form in sich verschlossen, und ist die
+absolute Empfänglichkeit für sie, nur darum weil sie dieselbe absolut
+in ihr hat, weil dieß ihre an sich seyende Bestimmung ist. Die Materie
+muß daher formirt werden, und die Form muß sich materialisiren, sich an
+der Materie die Identität mit sich oder das Bestehen geben.
+
+2. Die Form bestimmt daher die Materie, und die Materie wird von der
+Form bestimmt.—Weil die Form selbst die absolute Identität mit sich
+ist, also die Materie in sich enthält; ebenso weil die Materie in ihrer
+reinen Abstraktion oder absoluten Negativität die Form in ihr selbst
+hat, so ist die Thätigkeit der Form auf die Materie, und das
+Bestimmtwerden dieser durch jene vielmehr nur das Aufheben des Scheines
+ihrer Gleichgültigkeit und Unterschiedenheit. Diese Beziehung des
+Bestimmens ist so die Vermittelung jeder der beiden mit sich durch ihr
+eigenes Nichtseyn,—aber diese beiden Vermittelungen sind Eine Bewegung
+und die Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Identität;—die
+Erinnerung ihrer Entäußerung.
+
+Zuerst setzen Form und Materie sich gegenseitig voraus. Wie sich
+ergeben hat, heißt dieß so viel, die eine wesentliche Einheit ist
+negative Beziehung auf sich selbst, so entzweit sie sich in die
+wesentliche Identität bestimmt als die gleichgültige Grundlage, und in
+den wesentlichen Unterschied oder Negativität, als die bestimmende
+Form. Jene Einheit des Wesens und der Form, die sich als Form und
+Materie gegenübersetzen, ist der absolute Grund, der sich bestimmt.
+Indem sie sich zu einem Verschiedenen macht, wird die Beziehung um der
+zu Grunde liegenden Identität der Verschiedenen willen zur
+gegenseitigen Voraussetzung.
+
+Zweitens, die Form als selbstständig ist ohnehin der sich selbst
+aufhebende Widerspruch; aber sie ist auch als solcher gesetzt, denn sie
+ist zugleich selbstständig und zugleich wesentlich auf ein Anderes
+bezogen;—sie hebt sich somit auf. Da sie selbst zweiseitig ist, so hat
+auch dieß Aufheben die gedoppeite Seite, erstlich, sie hebt ihre
+Selbstständigkeit auf, sie macht sich zu einem Gesetzten, zu einem, das
+an einem Andern ist, und dieß ihr Anderes ist die Materie. Zweitens sie
+hebt ihre Bestimmtheit gegen die Materie, ihre Beziehung auf dieselbe
+somit ihr Gesetztseyn auf, und giebt sich dadurch Bestehen. Indem sie
+ihr Gesetztseyn aufhebt, so ist diese ihre Reflexion die eigene
+Identität, in welche sie übergeht; indem sie aber diese Identität
+zugleich entäußert und als Materie sich gegenübersetzt, so ist jene
+Reflexion des Gesetztseyns in sich als Vereinigung mit einer Materie,
+an der sie Bestehen erhält; sie geht also in dieser Vereinigung ebenso
+sehr mit der Materie als einem Andern,—nach der ersten Seite, daß sie
+sich zu einem Gesetzten macht, —als auch darin mit ihrer eigenen
+Identität zusammen.
+
+Die Thätigkeit der Form also, wodurch die Materie bestimmt wird,
+besteht in einem negativen Verhalten der Form gegen sich selbst. Aber
+umgekehrt verhält sie sich damit auch negativ gegen die Materie; allein
+dieß Bestimmtwerden der Materie ist ebenso sehr die eigene Bewegung der
+Form selbst. Diese ist frei von der Materie, aber sie hebt diese ihre
+Selbstständigkeit auf; aber ihre Selbstständigkeit ist die Materie
+selbst, denn an dieser hat sie ihre wesentliche Identität. Indem sie
+sich also zum Gesetzten macht, so ist dieß ein und dasselbe, daß sie
+die Materie zu einem Bestimmten macht.—Aber von der andern Seite
+betrachtet, ist die eigene Identität der Form zugleich sich entäußert,
+und die Materie ihr Anderes; insofern wird die Materie auch nicht
+bestimmt, dadurch, daß die Form ihre eigne Selbstständigkeit aufhebt.
+Allein die Materie ist nur selbstständig der Form gegenüber; indem das
+Negative sich aufhebt, hebt sich auch das Positive auf. Indem die Form
+also sich aufhebt, so fällt auch die Bestimmtheit der Materie weg,
+welche sie gegen die Form hat, nämlich das unbestimmte Bestehen zu
+seyn.
+
+Dieß, was als Thätigkeit der Form erscheint, ist ferner ebenso sehr die
+eigene Bewegung der Materie selbst. Die ansichseyende Bestimmung oder
+das Sollen der Materie ist ihre absolute Negativität. Durch diese
+bezieht sich die Materie schlechthin nicht nur auf die Form als auf ein
+Anderes, sondern dieses Äußere ist die Form, welche sie selbst als
+verschlossen in sich enthält. Die Materie ist derselbe Widerspruch an
+sich, welchen die Form enthält, und dieser Widerspruch ist wie seine
+Auflösung, nur Einer. Die Materie ist aber in sich selbst
+widersprechend, weil sie als die unbestimmte Identität mit sich
+zugleich die absolute Negativität ist; sie hebt sich daher an ihr
+selbst auf, und ihre Identität zerfällt in ihrer Negativität, und diese
+erhält an jener ihr Bestehen. Indem also die Materie von der Form als
+von einem Äußern bestimmt wird, so erreicht damit sie ihre Bestimmung,
+und die Äußerlichkeit des Verhaltens sowohl für die Form als für die
+Materie besteht darin, daß jede oder vielmehr ihre ursprüngliche
+Einheit in ihrem Setzen zugleich voraussetzend ist; wodurch die
+Beziehung auf sich, zugleich Beziehung auf sich als aufgehobenes oder
+Beziehung auf sein anderes ist.
+
+Drittens, durch diese Bewegung der Form und Matene ist ihre
+ursprüngliche Einheit einer Seits hergestellt, anderer Seits nunmehr
+eine gesetzte. Die Materie bestimmt ebensowohl sich selbst, als dieß
+Bestimmen ein für sie äußerliches Thun der Form ist; umgekehrt die Form
+bestimmt ebenso sehr nur sich oder hat die Materie, die von ihr
+bestimmt wird, an ihr selbst, als sie in ihrem Bestimmen sich gegen ein
+Anderes verhält; und beides, das Thun der Form und die Bewegung der
+Materie ist dasselbe, nur daß jenes ein Thun ist, d. h. die Negativität
+als gesetzte, dieß aber Bewegung oder Werden, die Negativität als
+ansichseyende Bestimmung. Das Resultat ist daher die Einheit des
+Ansichseyns und des Gesetztseyns. Die Materie ist als solche bestimmt,
+oder hat nothwendig eine Form, und die Form ist schlechthin materielle,
+bestehende Form.
+
+Die Form, insofern sie eine Materie als das ihr Andere voraussetzt, ist
+endlich. Sie ist nicht Grund, sondern nur das Thätige. Ebenso ist die
+Materie, insofern sie die Form als ihr Nichtseyn voraussetzt, die
+endliche Materie, sie ist ebenso wenig Grund ihrer Einheit mit der
+Form, sondern nur die Grundlage für die Form. Aber sowohl diese
+endliche Materie als die endliche Form hat keine Wahrheit; jede bezieht
+sich auf die andere, oder nur ihre Einheit ist ihre Wahrheit. In diese
+Einheit gehen diese beiden Bestimmungen zurück, und heben darin ihre
+Selbstständigkeit auf; sie erweist sich damit als ihr Grund. Die
+Materie ist daher nur insofern Grund ihrer Formbestimmung, als sie
+nicht Materie als Materie, sondern die absolute Einheit des Wesens und
+der Form ist; ebenso die Form ist nur Grund des Bestehens ihrer
+Bestimmungen, insofern sie dieselbe eine Einheit ist. Aber diese eine
+Einheit als die absolute Negativität und bestimmter als ausschließende
+Einheit ist in ihrer Reflexion voraussetzend; oder es ist Ein Thun, im
+Setzen sich als Gesetztes in der Einheit zu erhalten und sich von sich
+selbst abzustoßen, sich auf sich als sich, und sich auf sich als auf
+ein Anderes zu beziehen. Oder das Bestimmtwerden der Materie durch die
+Form ist die Vermittelung des Wesens als Grund mit sich in einer
+Einheit, durch sich selbst und durch die Negation seiner selbst.
+
+Die formirte Materie oder die Bestehen habende Form, ist nun nicht nur
+jene absolute Einheit des Grundes mit sich, sondern auch die gesetzte
+Einheit. Die betrachtete Bewegung ist es, in welcher der absolute Grund
+seine Momente zugleich als sich aufhebende und somit als gesetzte
+dargestellt hat. Oder die wiederhergestellte Einheit hat in ihrem
+Zusammengehen mit sich, sich ebenso sehr von sich selbst abgestoßen und
+sich bestimmt; denn ihre Einheit ist als durch Negation zu Stande
+gekommen, auch negative Einheit. Sie ist daher die Einheit der Form und
+der Materie, als ihre Grundlage, aber als ihre bestimmte Grundlage,
+welche formirte Materie, aber gegen Form und Materie zugleich als gegen
+aufgehobene und unwesendiche gleichgültig ist. Sie ist der Inhalt.
+
+c. Form und Inhalt.
+
+Die Form steht zuerst dem Wesen gegenüber; so ist sie Grundbeziehung
+überhaupt, und ihre Bestimmungen, der Grund und das Begründete. Alsdenn
+steht sie der Materie gegenüber; so ist sie bestimmende Reflexion und
+ihre Bestimmungen sind die Reflexionsbestimmung selbst und das Bestehen
+derselben. Endlich steht sie dem Inhalte gegenüber, so sind ihre
+Bestimmungen wieder sie selbst und die Materie. Was vorher das mit sich
+Identische war, zuerst der Grund, dann das Bestehen überhaupt, und
+zulezt die Materie tritt unter die Herrschaft der Form und ist wieder
+eine ihrer Bestimmungen.
+
+Der Inhalt hat erstlich eine Form und eine Materie, die ihm angehören
+und wesentlich sind; er ist ihre Einheit. Aber indem diese Einheit
+zugleich bestimmte oder gesetzte Einheit ist, so steht er der Form
+gegenüber; diese macht das Gesetztseyn aus, und ist gegen ihn das
+Unwesentliche. Er ist daher gleichgültig gegen sie; sie begreift sowohl
+die Form als solche, als auch die Materie; und er hat also eine Form
+und eine Materie, deren Grundlage er ausmacht, und die ihm als bloßes
+Gesetztseyn sind.
+
+Der Inhalt ist zweitens das in Form und Materie identische, so daß
+diese nur gleichgültige äußerliche Bestimmungen wären. Sie sind das
+Gesetztseyn überhaupt, das aber in dem Inhalte in seine Einheit oder
+seinen Grund zurückgegangen ist. Die Identität des Inhalts mit sich
+selbst ist daher das eine Mal jene gegen die Form gleichgültige
+Identität; das andere Mal aber ist sie die Identität des Grundes. Der
+Grund ist in dem Inhalte zunächst verschwunden; der Inhalt aber ist
+zugleich die negative Reflexion der Formbestimmungen in sich; seine
+Einheit, welche zunächst nur die gegen die Form gleichgültige ist, ist
+daher auch die formelle Einheit oder die Grundbeziehung als solche. Der
+Inhalt hat daher diese zu seiner wesentlichen Form und der Grund
+umgekehrt hat einen Inhalt.
+
+Der Inhalt des Grundes ist also der in seine Einheit mit sich
+zurückgekehrte Grund; der Grund ist zunächst das Wesen, das in seinem
+Gesetztseyn mit sich identisch ist; als verschieden und gleichgültig
+gegen sein Gesetztseyn, ist es die unbestimmte, die Materie; aber als
+Inhalt ist es zugleich die formirte Identität, und diese Form wird
+darum Grundbeziehung, weil die Bestimmungen ihres Gegensatzes im
+Inhalte auch als negirte gesetzt sind.—Der Inhalt ist ferner bestimmt
+an ihm selbst; nicht nur wie die Materie als das Gleichgültige
+überhaupt, sondern als die formirte Materie, so daß die Bestimmungen
+der Form ein materielles, gleichgültiges Bestehen haben. Einer Seits
+ist der Inhalt die wesentliche Identität des Grundes mit sich in seinem
+Gesetztseyn, anderer Seits die gesetzte Identität gegen die
+Grundbeziehung; dieß Gesetztseyn, das als Formbestimmung an dieser
+Identität ist, ist dem freien Gesetztseyn, das heißt, der Form als
+ganzer Beziehung von Grund und Begründetem, gegenüber; diese Form ist
+das totale in sich zurückkehrende Gesetztseyn; jene daher nur das
+Gesetztseyn als unmittelbares, die Bestimmtheit als solche.
+
+Der Grund hat sich damit überhaupt zum bestimmten Grunde gemacht, und
+die Bestimmtheit selbst ist die gedoppelte; erstens der Form und
+zweitens des Inhalts. Jene ist seine Bestimmtheit dem Inhalte überhaupt
+äußerlich zu seyn, der gegen diese Beziehung gleichgültig ist. Diese
+ist die Bestimmtheit des Inhalts, den der Grund hat.
+
+B. Der bestimmte Grund.
+
+a. Der formelle Grund.
+
+Der Grund hat einen bestimmten Inhalt. Die Bestimmtheit des Inhalts
+ist, wie sich ergeben, die Grundlage für die Form; das einfache
+Unmittelbare gegen die Vermittelung der Form. Der Grund ist negativ
+sich auf sich beziehende Identität, welche sich dadurch zum Gesetztseyn
+macht; sie bezieht sich negativ auf sich, indem sie identisch in dieser
+ihrer Negativität mit sich ist; diese Identität ist die Grundlage oder
+der Inhalt der auf diese Weise die gleichgültige oder positive Einheit
+der Grundbeziehung ausmacht, und das Vermittelnde derselben ist.
+
+In diesem Inhalte ist zunächst die Bestimmtheit des Grundes und des
+Begründeten gegen einander verschwunden. Die Vermittelung ist aber
+ferner negative Einheit. Das Negative als an jener gleichgültigen
+Grundlage ist die unmittelbare Bestimmtheit derselben, wodurch der
+Grund einen bestimmten Inhalt hat. Alsdann aber ist das Negative die
+negative Beziehung der Form auf sich selbst. Das Gesetzte einer Seits
+liebt sich selbst auf und geht in seinen Grund zurück; der Grund aber,
+die wesentliche Selbstständigkeit, bezieht sich negativ auf sich selbst
+und macht sich zum Gesetzten. Diese negative Vermittelung des Grundes
+und des Begründeten ist die eigenthümliche Vermittelung der Form als
+solcher, die formelle Vermittelung. Die beiden Seiten der Form nun,
+weil die eine in die andere übergeht, setzen sich damit
+gemeinschaftlich in Einer Identität als aufgehobene; sie setzen
+dieselbe hierdurch zugleich voraus. Sie ist der bestimmte Inhalt, auf
+den sich also die formelle Vermittelung als auf das positive
+Vermittelnde durch sich selbst bezieht. Er ist das Identische beider,
+und indem sie unterschieden, jedes aber in seinem Unterschiede die
+Beziehung auf das andere ist, ist er das Bestehen derselben, eines
+jeden als das Ganze selbst.
+
+Hiernach ergiebt sich, daß im bestimmten Grunde dieß vorhanden ist;
+erstens, ein bestimmter Inhalt wird nach zwei Seiten betrachtet, das
+eine Mal insofern er als Grund, das andere Mal insofern er als
+Begründetes gesetzt ist. Er selbst ist gleichgültig gegen diese Form;
+er ist in beiden überhaupt nur Eine Bestimmung. Zweitens ist der Grund
+selbst so sehr Moment der Form als das durch ihn gesetzte; dieß ist
+ihre Identität der Form nach. Es ist gleichgültig, welche von beiden
+Bestimmungen zum Ersten gemacht wird, von dem als dem Gesetzten zum
+Andern als zum Grunde, oder von dem als dem Grunde zum Andern als zum
+Gesetzten übergegangen wird. Das Begründete für sich betrachtet, ist
+das Aufheben seiner selbst; damit macht es sich einer Seits zum
+Gesetzten, und ist zugleich Setzen des Grundes. Dieselbe Bewegung ist
+der Grund als solcher, er macht sich zum Gesetzten, dadurch wird er
+Grund von etwas, das heißt, darin ist er sowohl als Gesetztes, wie auch
+erst als Grund vorhanden. Daß ein Grund ist, davon ist das Gesetzte der
+Grund, und umgekehrt ist hiermit der Grund Gesetztes. Die Vermittelung
+fängt ebenso sehr von dem einen als von dem andern an, jede Seite ist
+so sehr Grund als Gesetztes, und jede die ganze Vermittelung oder die
+ganze Form.—Diese ganze Form ist ferner selbst als das mit sich
+identische, die Grundlage der Bestimmungen, welche die beiden Seiten
+des Grundes und des Begründeten sind, Form und Inhalt sind so selbst
+eine und dieselbe Identität.
+
+Um dieser Identität des Grundes und Begründeten willen, sowohl dem
+Inhalte als der Form nach, ist der Grund zureichend (das Zureichende
+auf dieß Verhältniß eingeschränkt); es ist nichts im Grunde, was nicht
+im Begründeten ist, so wie nichts im Begründeten, was nicht im Grunde
+ist. Wenn nach einem Grunde gefragt wird, will man dieselbe Bestimmung,
+die der Inhalt ist, doppelt sehen, das eine Mal in der Form des
+Gesetzten, das andere Mal in der des in sich reflektirten Daseyns, der
+Wesentlichkeit.
+
+Insofern nun im bestimmten Grunde Grund und Begründetes beide die ganze
+Form, und ihr Inhalt zwar ein bestimmter, aber einer und derselbe ist,
+so ist der Grund in seinen beiden Seiten noch nicht real bestimmt, sie
+haben keinen verschiedenen Inhalt; die Bestimmtheit ist erst einfache,
+noch nicht an die Seiten übergegangene Bestimmtheit; es ist der
+bestimmte Grund erst in seiner reinen Form, der formelle Grund,
+vorhanden.—Weil der Inhalt nur diese einfache Bestimmtheit ist, die
+nicht die Form der Grundbeziehung an ihr selbst hat, so ist sie der mit
+sich identische Inhalt, gegen die Form gleichgültig und diese ihm
+äußerlich; er ist ein Anderes als sie.
+
+Anmerkung.
+
+Wenn die Reflexion über bestimmte Gründe sich an diejenige Form des
+Grundes hält, welche sich hier ergeben hat, so bleibt die Angabe eines
+Grundes ein bloßer Formalismus und leere Tautologie, welche denselben
+Inhalt in der Form der Reflexion in sich, der Wesentlichkeit,
+ausdrückt, der schon in der Form des unmittelbaren, als gesetzt
+betrachteten Daseyns vorhanden ist. Ein solches Angeben von Gründen ist
+deswegen von derselben Leerheit begleitet, als das Reden nach dem Satze
+der Identität. Die Wissenschaften, vornemlich die physikalischen, sind
+mit den Tautologien dieser Art angefüllt, welche gleichsam ein Vorrecht
+der Wissenschaft ausmachen.—Es wird z. B. als der Grund, daß die
+Planeten sich um die Sonne bewegen, die anziehende Kraft der Erde und
+Sonne gegen einander angegeben. Es ist damit dem Inhalt nach nichts
+Anders ausgesprochen, als was das Phänomen, nämlich die Beziehung
+dieser Körper auf einander in ihrer Bewegung, enthält, nur in der Form
+von in sich reflektirter Bestimmung, von Kraft. Wenn danach gefragt
+wird, was die anziehende Kraft für eine Kraft sey, so ist die Antwort,
+daß sie die Kraft ist, welche macht, daß sich die Erde um die Sonne
+bewegt; das heißt, sie hat durchaus denselben Inhalt, als das Daseyn,
+dessen Grund sie seyn soll; die Beziehung der Erde und der Sonne in
+Rüksicht der Bewegung ist die identische Grundlage des Grundes und des
+Begründeten.—Wenn eine Krystallisationsform dadurch erklärt wird, daß
+sie ihren Grund in dem besondern Arrangement habe, in das die Molecules
+zu einander treten, so ist die daseyende Krystallisation dieß
+Arrangement selbst, welches als Grund ausgedrückt wird. Im gewöhnlichen
+Leben gelten diese Ätiologieen, auf welche die Wissenschaften das
+Privilegium haben, für das, was sie sind, für ein tautologisches,
+leeres Gerede. Wenn auf die Frage, warum dieser Mensch in die Stadt
+reise, der Grund angegeben wird, weil in der Stadt sich eine anziehende
+Kraft befinde, die ihn dahin treibe, so gilt diese Art des Antwortens
+für abgeschmackt, die in den Wissenschaften sanctionirt ist.—Leibnitz
+warf der newtonischen anziehenden Kraft vor, daß sie eine solche
+verborgene Qualität sey, als die Scholastiker zum Behuf des Erklärens
+gebrauchten. Man müßte ihr eher das Gegentheil zum Vorwurf machen, daß
+sie eine zu bekannte Qualität sey; denn sie hat keinen andern Inhalt,
+als die Erscheinung selbst.—Wodurch sich diese Erklärungsweise eben
+empfiehlt, ist ihre große Deutlichkeit und Begreiflichkeit; denn es ist
+nichts deutlicher und begreiflicher, als daß z. E. eine Pflanze ihren
+Grund in einer vegetativen, d. h. Pflanzen hervorbringenden Kraft
+habe.—Eine occulte Qualität könnte sie nur in dem Sinne genannt werden,
+als der Grund einen andern Inhalt haben soll, als das zu Erklärende;
+ein solcher ist nicht angegeben; insofern ist jene zum Erklären
+gebrauchte Kraft allerdings ein verborgener Grund, als ein Grund, wie
+er gefordert wird, nicht angegeben ist. Es wird durch diesen
+Formalismus so wenig etwas erklärt, als die Natur einer Pflanze erkannt
+wird, wenn ich sage, daß sie eine Pflanze ist; bei aller Deutlichkeit
+dieses Satzes, oder daß sie ihren Grund in einer Pflanzen
+hervorbringenden Kraft habe, kann man dieß deswegen eine sehr occulte
+Erklärungsweise nennen.
+
+Zweitens, der Form nach, kommen in dieser Erklärungsweise die beiden
+entgegengesetzten Richtungen der Grundbeziehung vor, ohne in ihrem
+bestimmten Verhältnisse erkannt zu seyn. Der Grund ist eines Theils
+Grund, als die in sich reflektirte Inhaltsbestimmung des Daseyns, das
+er begründet, andern Theils ist er das Gesetzte. Er ist das, woraus das
+Daseyn begriffen werden soll; umgekehrt aber wird von diesem auf ihn
+geschlossen und er aus dem Daseyn begriffen. Das Hauptgeschäfte dieser
+Reflexion besteht nämlich darin, aus dem Daseyn die Gründe zu finden,
+das heißt, das unmittelbare Daseyn in die Form des Reflektirtseyns
+umzusetzen; der Grund statt an und für sich und selbstständig zu seyn,
+ist somit vielmehr das Gesetzte und Abgeleitete. Weil er nun durch dieß
+Verfahren nach dem Phänomen eingerichtet ist, und seine Bestimmungen
+auf diesem beruhen, so fließt dieses freilich ganz glatt und mit
+günstigem Winde aus seinem Grunde aus. Aber die Erkenntniß ist
+hierdurch nicht vom Flecke gekommen; sie treibt sich in einem
+Unterschiede der Form herum, den dieß Verfahren selbst umkehrt und
+aufhebt. Eine der Hauptschwierigkeiten, sich in die Wissenschaften
+einzustudiren, worin dieß Verfahren herrschend ist, beruht deswegen auf
+dieser Verkehrtheit der Stellung, das als Grund vorauszuschicken, was
+in der That abgeleitet ist und indem zu den Folgen fortgegangen wird,
+in ihnen in der That erst den Grund jener seyn sollenden Gründe
+anzugeben. Es wird in der Darstellung mit den Gründen angefangen, sie
+werden als Principien und erste Begriffe in die Luft hingestellt; sie
+sind einfache Bestimmungen, ohne alle Nothwendigkeit an und für sich
+selbst; das Folgende soll auf sie gegründet werden. Wer daher in
+dergleichen Wissenschaften eindringen will, muß damit anfangen, sich
+jene Gründe zu inkulkiren; ein Geschäft, das der Vernunft sauer
+ankommt, weil sie Grundloses als Grundlage gelten lassen soll. Am
+besten kommt derjenige fort, der sich ohne vieles Nachdenken die
+Principien als gegebene gefallen läßt, und sie von nun an als
+Grundregeln seines Verstandes gebraucht. Ohne diese Methode kann man
+den Anfang nicht gewinnen; ebenso wenig läßt sich ohne sie ein Fortgang
+machen. Dieser aber hindert sich nun dadurch, daß in ihnen der
+Gegenstoß der Methode zum Vorschein kommt, die im Folgenden das
+Abgeleitete aufzeigen will, das aber in der That erst die Gründe zu
+jenen Voraussetzungen enthält. Ferner weil das Folgende sich als das
+Daseyn zeigt, aus welchem der Grund abgeleitet wurde, so giebt dieß
+Verhältniß, in dem das Phänomen aufgeführt wird, ein Mißtrauen gegen
+die Darstellung desselben; denn es zeigt sich nicht in seiner
+Unmittelbarkeit ausgedrückt, sondern als Beleg des Grundes. Weil aber
+dieser hinwieder aus jenem hergeleitet ist, verlangt man es vielmehr in
+seiner Unmittelbarkeit zu sehen, um den Grund aus ihm beurtheilen zu
+können. Man weiß daher in solcher Darstellung, worin das eigentlich
+Begründende als Abgeleitetes vorkommt, nicht, weder wie man mit dem
+Grunde, noch wie man mit dem Phänomen daran ist. Die Ungewißheit wird
+dadurch vermehrt, besonders wenn der Vortrag nicht streng konsequent,
+sondern mehr ehrlich ist, daß sich allenthalben Spuren und Umstände des
+Phänomens verrathen, die auf Mehreres und oft ganz Anderes hindeuten,
+als bloß in den Principien enthalten ist. Die Verwirrung wird endlich
+noch größer, indem reflektirte, und bloß hypothetische Bestimmungen mit
+unmittelbaren Bestimmungen des Phänomens selbst vermischt werden, wenn
+jene auf eine Art ausgesprochen sind, als ob sie der unmittelbaren
+Erfahrung angehörten. So kann wohl mancher, der mit ehrlichem Glauben
+zu diesen Wissenschaften hinzutritt, der Meinung seyn, die Molecules,
+die leeren Zwischenräume, die Fliehkraft, der Äther, der vereinzelnte
+Lichtstrahl, die elektrische, magnetische Materie und noch eine Menge
+dergleichen seyen Dinge oder Verhältnisse, die, nach der Art, wie von
+ihnen als unmittelbaren Daseynsbestimmungen gesprochen wird, in der
+That in der Wahrnehmung vorhanden seyen. Sie dienen als erste Gründe
+für Anderes, wer den als Wirklichkeiten ausgesprochen, und
+zuversichtlich angewendet; man läßt sie auf guten Glauben hin dafür
+gelten, ehe man inne wird, daß sie vielmehr aus dem, was sie begründen
+sollen, geschlossene Bestimmungen, von einer unkritischen Reflexion
+abgeleitete Hypothesen und Erdichtungen sind. In der That befindet man
+sich in einer Art von Hexenkreise, worin Bestimmungen des Daseyns und
+Bestimmungen der Reflexion, Grund und Begründetes, Phänomene und
+Phantome in unausgeschiedener Gesellschaft durch einander laufen und
+gleichen Rang mit einander geniessen.
+
+Bei dem formellen Geschäfte dieser Erklärungsweise aus Gründen, hört
+man zugleich auch wieder, alles Erklärens aus den wohlbekannten Kräften
+und Materien ungeachtet, sagen, daß wir das innre Wesen dieser Kräfte
+und Materien selbst nicht kennen. Es ist hierin nur das Geständniß zu
+sehen, daß dieses Begründen sich selbst völlig ungenügend ist; daß es
+selbst etwas ganz Anderes fordere, als solche Gründe. Es ist dann nur
+nicht abzusehen, wozu sich denn diese Bemühung mit diesem Erklären
+gemacht, warum nicht das Andere gesucht, oder jenes Erklären wenigstens
+bei Seite gethan, und bei den einfachen Thatsachen stehen geblieben
+wird.
+
+b. Der reale Grund.
+
+Die Bestimmtheit des Grundes, ist, wie sich gezeigt hat, eines Theils
+Bestimmtheit der Grundlage oder Inhaltsbestimmung; andern Theils das
+Andersseyn in der Grundbeziehung selbst, nämlich die Unterschiedenheit
+ihres Inhalts und der Form; die Beziehung von Grund und Begründetem
+verläuft sich als eine äußerliche Form an dem Inhalt, der gegen diese
+Bestimmungen gleichgültig ist.—In der That aber sind beide einander
+nicht äußerlich; denn der Inhalt ist dieß, die Identität des Grundes
+mit sich selbst im Begründeten, und des Begründeten im Grunde zu seyn.
+Die Seite des Grundes hat sich gezeigt, selbst ein Gesetztes, und die
+Seite des Begründeten, selbst Grund zu seyn; jede ist an ihr selbst
+diese Identität des Ganzen. Weil sie aber zugleich der Form angehören
+und ihre bestimmte Unterschiedenheit ausmachen, so ist jede in ihrer
+Bestimmtheit die Identität des Ganzen mit sich. Jede hat somit einen
+gegen die andere verschiedenen Inhalt.—Oder von Seite des Inhalts
+betrachtet, weil er die Identität als der Grundbeziehung mit sich ist,
+hat er wesentlich diesen Formunterschied an ihm selbst, und ist als
+Grund ein anderer, denn als Begründetes.
+
+Darin nun, daß Grund und Begründetes einen verschiedenen Inhalt haben,
+hat die Grundbeziehung aufgehört, eine formale zu seyn; der Rückgang in
+den Grund, und das Hervorgehen aus ihm zum Gesetzten ist nicht mehr die
+Tautologie; der Grund ist realisirt. Man verlangt daher, wenn man nach
+einem Grund fragt, eigentlich für den Grund eine andere
+Inhaltsbestimmung als diejenige ist, nach deren Grund man fragt.
+
+Diese Beziehung bestimmt sich nun weiter. Insofern nämlich ihre beide
+Seiten verschiedener Inhalt sind, sind sie gleichgültig gegen einander;
+jede ist eine unmittelbare mit sich identische Bestimmung. Ferner als
+Grund und Begründetes auf einander bezogen, ist der Grund das in dem
+Andern als in seinem Gesetztseyn in sich reflektirte; der Inhalt also,
+welchen die Seite des Grundes hat, ist ebenso im Begründeten; dieses
+als das Gesetzte hat nur in jenem seine Identität mit sich und sein
+Bestehen. Außer diesem Inhalte des Grundes hat aber das Begründete
+nunmehr auch seinen eigenthümlichen, und ist somit die Einheit von
+einem zweifachen Inhalt. Diese nun ist zwar als Einheit unterschiedener
+deren negative Einheit, aber weil es gegen einander gleichgültige
+Inhaltsbestimmungen sind, ist sie nur ihre leere, an ihr selbst
+inhaltslose Beziehung, nicht ihre Vermittelung; ein Eins oder Etwas als
+äußerliche Verknüpfung derselben.
+
+Es ist also in der realen Grundbeziehung das doppelte vorhanden, einmal
+die Inhaltsbestimmung, welche Grund ist, in dem Gesetztseyn mit sich
+selbst kontinuirt, so daß sie das einfach Identische des Grundes und
+Begründeten ausmacht; das Begründete enthält so den Grund vollkommen in
+sich, ihre Beziehung ist unterschiedslose wesentliche Gediegenheit. Was
+im Begründeten zu diesem einfachen Wesen noch hinzukommt, ist daher nur
+eine unwesentliche Form, äußerliche Inhaltsbestimmungen, die als solche
+vom Grunde frei, und eine unmittelbare Mannigfaltigkeit sind. Von
+diesem Unwesentlichen ist also jenes Wesentliche nicht der Grund, noch
+ist es Grund von der Beziehung beider aufeinander in dem Begründeten.
+Es ist ein positiv Identisches, das dem Begründeten inwohnt, aber sich
+darin in keinen Formunterschied setzt, sondern als sich auf sich selbst
+beziehender Inhalt gleichgültige positive Grundlage ist.—Fürs andere
+ist das mit dieser Grundlage im Etwas Verknüpfte ein gleichgültiger
+Inhalt, aber als die unwesentliche Seite. Die Hauptsache ist die
+Beziehung der Grundlage und der unwesentlichen Mannigfaltigkeit. Diese
+Beziehung aber, weil die bezogenen Bestimmungen gleichgültiger Inhalt
+sind, ist auch nicht Grund; eine ist zwar als wesentlicher, das Andere
+nur als unwesentlicher oder gesetzter Inhalt bestimmt, aber als sich
+auf sich beziehender Inhalt ist beiden diese Form äußerlich. Das Eins
+des Etwas, das ihre Beziehung ausmacht, ist deswegen nicht
+Formbeziehung, sondern nur ein äußerliches Band, das den unwesentlichen
+mannigfaltigen Inhalt nicht als gesetzten enthält; es ist also
+gleichfalls nur Grundlage.
+
+Der Grund, wie er als realer sich bestimmt, zerfällt hiermit um der
+Inhaltsverschiedenheit willen, die seine Realität ausmacht, in
+äußerliche Bestimmungen. Die beiden Beziehungen, der wesentliche
+Inhalt, als die einfache unmittelbare Identität des Grundes und des
+Begründeten; und dann das Etwas, als die Beziehung des unterschiedenen
+Inhalts, sind zwei verschiedene Grundlagen; die mit sich identische
+Form des Grundes, daß Dasselbe das eine Mal als Wesentliches, das
+andere Mal als Gesetztes sey, ist verschwunden; die Grundbeziehung ist
+so sich selbst äußerlich geworden.
+
+Es ist daher nun ein äußerlicher Grund, welcher verschiedenen Inhalt in
+Verknüpfung bringt und es bestimmt, welcher der Grund und welcher das
+durch ihn Gesetzte sey; in dem beiderseitigen Inhalte selbst liegt
+diese Bestimmung nicht. Der reale Grund ist daher Beziehung auf
+Anderes, einer Seits des Inhalts auf andern Inhalt, anderer Seits der
+Grundbeziehung selbst (der Form) auf Anderes, nämlich auf ein
+Unmittelbares, nicht durch sie Gesetztes.
+
+Anmerkung.
+
+Die formelle Grundbeziehung enthält nur Einen Inhalt für Grund und
+Begründetes, in dieser Identität liegt ihre Nothwendigkeit, aber
+zugleich ihre Tautologie. Der reale Grund enthält einen verschiedenen
+Inhalt, damit tritt aber die Zufälligkeit und Äußerlichkeit der
+Grundbeziehung ein. Einer Seits ist dasjenige, was als das Wesentliche
+und deswegen als die Grundbestimmung betrachtet wird, nicht Grund der
+anderen Bestimmungen, die mit ihr verknüpft sind. Anderer Seits ist es
+auch unbestimmt, welche von mehrern Inhaltsbestimmungen eines konkreten
+Dinges als die wesentliche und als Grund angenommen werden soll; die
+Wahl ist daher zwischen ihnen frei. So ist in ersterer Rücksicht z.B.
+der Grund eines Hauses die Unterlage desselben; wodurch diese Grund
+ist, ist die der sinnlichen Materie inwohnende Schwere, das sowohl in
+dem Grunde als dem begründeten Hause schlechthin Identische. Daß an der
+schweren Materie nun ein solcher Unterschied ist, wie der einer
+Unterlage und einer davon unterschiedenen Modifikation, wodurch sie
+eine Wohnung ausmacht, ist dem Schweren selbst vollkommen gleichgültig,
+seine Beziehung auf die anderen Inhaltsbestimmungen des Zwecks, der
+Einrichtung des Hauses u.s.f. ist ihm äußerlich; es ist daher wohl
+Grundlage, aber nicht Grund derselben. Die Schwere ist so sehr als
+Grund, daß ein Haus steht, auch Grund, daß ein Stein fällt; der Stein
+hat diesen Grund, die Schwere, in sich; aber daß er eine weitere
+Inhaltsbestimmung hat, wodurch er nicht bloß ein Schweres, sondern
+Stein ist, ist der Schwere äußerlich; es ist ferner durch ein Anderes
+gesetzt, daß er von dem Körper vorher entfernt worden sey, auf welchen
+er fällt, wie auch die Zeit und der Raum und deren Beziehung, die
+Bewegung, ein anderer Inhalt als die Schwere sind, und ohne sie (wie
+man zu sprechen pflegt) vorgestellt werden können, folglich nicht
+wesentlich durch sie gesetzt sind.—Sie ist auch so sehr Grund, daß ein
+Projektil die dem Fallen entgegengesetzte Wurfbewegung nacht. —Aus der
+Verschiedenheit der Bestimmungen, deren Grund sie ist, erhellt, daß ein
+Anderes zugleich erfordert wird, welches sie zum Grunde dieser oder
+einer andern Bestimmung macht.-Wenn von der Natur gesagt wird, daß sie
+der Grund der Welt ist, so ist das, was Natur genannt wird, einer Seits
+eins mit der Welt, und die Welt nichts als die Natur selbst. Aber sie
+sind auch unterschieden, so daß die Natur mehr das Unbestimmte, oder
+wenigstens nur das in den allgemeinen Unterschieden, welche Gesetze
+sind, bestimmte, mit sich identische Wesen der Welt ist, und zur Natur,
+um Welt zu seyn, noch eine Mannigfaltigkeit von Bestimmungen äußerlich
+hinzukommt. Diese aber haben ihren Grund nicht in der Natur als
+solcher, sie ist vielmehr das gegen sie als Zufälligkeiten
+Gleichgültige.—Es ist dasselbe Verhältniß, wenn Gott als Grund der
+Natur bestimmt wird. Als Grund ist er ihr Wesen, sie enthält es in ihr
+und ist ein identisches mit ihm; aber sie hat noch eine weitere
+Mannigfaltigkeit, die von dem Grunde selbst unterschieden ist; sie ist
+das Dritte, worin dieses beide Verschiedene verknüpft ist; jener Grund
+ist weder Grund der von ihm verschiedenen Mannigfaltigkeit noch seiner
+Verknüpfung mit ihr. Die Natur wird daher nicht aus Gott als dem Grunde
+erkannt, denn so wäre er nur ihr allgemeines Wesen, der sie nicht, wie
+sie bestimmtes Wesen und Natur ist, enthält.
+
+Das Angeben von realen Gründen wird also um dieser
+Inhaltsverschiedenheit des Grundes oder eigentlich der Grundlage und
+dessen, was mit ihm im Begründeten verbunden ist, ebenso sehr ein
+Formalismus, als der formale Grund selbst. In diesem ist der mit sich
+identische Inhalt gleichgültig gegen die Form; im realen Grunde findet
+dieß gleichfalls Statt. Dadurch ist nun ferner der Fall, daß er es
+nicht an ihm selbst enthält, welche der mannigfaltigen Bestimmungen als
+die wesentliche genommen werden soll. Etwas ist ein Konkretes von
+solchen mannigfaltigen Bestimmungen, die sich gleich beständig und
+bleibend an ihm zeigen. Die eine kann daher so sehr wie die andere als
+Grund bestimmt werden; nämlich als die wesentliche, in Vergleichung mit
+welcher alsdann die andere nur ein Gesetztes sey. Es verbindet sich
+damit das vorhin Erwähnte, daß, wenn eine Bestimmung vorhanden ist, die
+in einem Falle als Grund einer andern angesehen wird, daraus nicht
+folgt, daß diese andere in einem andern Falle oder überhaupt, mit ihr
+gesetzt sey.—Die Strafe z.B. hat die mannigfaltigen Bestimmungen, daß
+sie Wiedervergeltung, ferner abschreckendes Beispiel, daß sie ein vom
+Gesetz zur Abschreckung Angedrohtes, auch ein den Verbrecher zur
+Besinnung und Besserung Bringendes ist. Jede dieser verschiedenen
+Bestimmungen ist als Grund der Strafe betrachtet worden, weil jede eine
+wesentliche Bestimmung ist, und dadurch die anderen als von ihr
+unterschieden, gegen sie nur als Zufälliges bestimmt werden. Diejenige
+aber, die als Grund angenommen wird, ist noch nicht die ganze Strafe
+selbst; dieses Konkrete enthält auch jene anderen, die mit ihr darin
+nur verknüpft sind, ohne daß sie in ihr ihren Grund hätten.—Oder ein
+Beamter hat Amts-Geschicklichkeit, steht als Individuum in
+Verwandschaft, hat diese und jene Bekanntschaft, einen besondern
+Charakter, war in diesen und jenen Umständen und Gelegenheiten, sich zu
+zeigen, u.s.f. Es kann jede dieser Eigenschaften Grund seyn, oder als
+solcher angesehen werden, daß er dieß Amt hat; sie sind ein
+verschiedener Inhalt, der in einem Dritten verbunden ist; die Form, als
+das Wesentliche und als das Gesetzte gegeneinander bestimmt zu seyn,
+ist demselben äußerlich. Jede dieser Eigenschaften ist dem Beamten
+wesentlich, weil er durch sie das bestimmte Individuum ist, welches er
+ist; insofern das Amt als eine äußerliche gesetzte Bestimmung
+betrachtet werden kann, kann jede gegen dieses als Grund bestimmt, aber
+auch selbst umgekehrt können jene als gesetzte, und das Amt als Grund
+derselben angesehen werden. Wie sie sich wirklich, d. h. im einzelnen
+Fall, verhalten, dieß ist eine der Grundbeziehung und dem Inhalte
+selbst, äußerliche Bestimmung; es ist ein Drittes, was ihnen die Form
+von Grund und Begründetem ertheilt.
+
+So kann überhaupt jedes Daseyn mancherlei Gründe haben, jede seiner
+Inhaltsbestimmungen durchdringt als mit sich identisch das konkrete
+Ganze, und läßt sich daher als wesentlich betrachten; den mancherlei
+Rüksichten d. h. Bestimmungen, die außer der Sache selbst liegen, ist
+um der Zufälligkeit der Verknüpfungsweise Thür und Thor unendlich
+aufgethan.—Ob ein Grund diese oder jene Folge habe, ist deswegen ebenso
+zufällig. Die moralischen Beweggründe z.B. sind wesentliche
+Bestimmungen der sittlichen Natur, aber das, was aus ihnen folgt, ist
+zugleich eine von ihnen verschiedene Äußerlichkeit, die aus ihnen
+folgt, und auch nicht folgt; erst durch ein Drittes kommt sie zu ihnen
+hinzu. Genauer ist dieß so zu nehmen, daß es der moralischen
+Bestimmung, wenn sie Grund ist, nicht zufällig sey, eine Folge oder ein
+Begründetes zu haben, aber ob sie überhaupt zum Grund gemacht werde
+oder nicht. Allein da auch wieder der Inhalt, der ihre Folge ist, wenn
+sie zum Grund gemacht worden, die Natur der Äußerlichkeit hat, kann er
+unmittelbar durch eine andere Äußerlichkeit aufgehoben werden. Aus
+einem moralischen Beweggrunde kann also eine Handlung hervorgehen oder
+auch nicht. Umgekehrt kann eine Handlung mancherlei Gründe haben; sie
+enthält als ein Konkretes mannigfaltige wesentliche Bestimmungen, deren
+jede deswegen als Grund angegeben werden kann. Das Aufsuchen und
+Angeben von Gründen, worin vornemlich das Raisonnement besteht, ist
+darum ein endloses Herumtreiben, das keine letzte Bestimmung enthält;
+es kann von allem und jeden einer und mehrere gute Gründe angegeben
+werden, so wie von seinem Entgegengesetzten, und es können eine Menge
+Gründe vorhanden seyn, ohne daß aus ihnen etwas erfolgt. Was Sokrates
+und Plato Sophisterei nennen, ist nichts anderes als das Raisonnement
+aus Gründen; Plato setzt demselben die Betrachtung der Idee, d. h. der
+Sache an und für sich selbst, oder in ihrem Begriffe entgegen. Die
+Gründe sind nur von wesentlichen Inhaltsbestimmungen, Verhältnissen und
+Rüksichten genommen, deren jede Sache, gerade wie auch ihr Gegentheil,
+mehrere hat; in ihrer Form der Wesentlichkeit gilt die eine so gut als
+die andere; weil sie nicht den ganzen Umfang der Sache enthält, ist sie
+einseitiger Grund, deren die anderen besondern Seiten wieder besondere
+haben, und wovon keiner die Sache, welche ihre Verknüpfung ausmacht und
+sie alle enthält, erschöpft; keiner ist zureichender Grund, d. h. der
+Begriff
+
+c. Der vollständige Grund.
+
+1. Im realen Grunde sind der Grund als Inhalt, und als Beziehung, nur
+Grundlagen. Jener ist nur gesetzt als wesentlich und als Grund; die
+Beziehung ist das Etwas des Begründeten, als das unbestimmte Substrat
+eines verschiedenen Inhalts, eine Verknüpfung desselben, die nicht
+seine eigne Reflexion, sondern eine äußerliche und somit nur eine
+gesetzte ist. Die reale Grundbeziehung ist daher vielmehr der Grund als
+aufgehobener; sie macht somit vielmehr die Seite des Begründeten oder
+des Gesetztseyns aus. Als Gesetztseyn aber ist nun der Grund selbst in
+seinen Grund zurückgegangen; er ist nun ein Begründetes, das einen
+andern Grund hat. Dieser bestimmt sich hierdurch so, daß er erstlich
+das mit dem realen Grunde als seinem Begründeten Identische ist; beide
+Seiten haben nach dieser Bestimmung einen und denselben Inhalt; die
+zwei Inhaltsbestimmungen und deren Verknüpfung im Etwas befinden sich
+gleichfalls im neuen Grunde. Aber zweitens der neue Grund, in welchen
+sich jene nur gesetzte äußerliche Verknüpfung aufgehoben hat, ist als
+ihre Reflexion in sich die absolute Beziehung der zwei
+Inhaltsbestimmungen.
+
+Dadurch daß der reale Grund selbst in seinen Grund zurückgegangen ist,
+stellt sich an ihm die Identität des Grundes und Begründeten, oder der
+formelle Grund wieder her. Die entstandene Grundbeziehung ist darum die
+vollständige, die den formellen und realen Grund zugleich in sich
+enthält und die im letztern gegen einander unmittelbaren
+Inhaltsbestimmungen vermittelt.
+
+2. Die Grundbeziehung hat sich hiermit folgendermassen näher bestimmt.
+Erstens Etwas hat einen Grund; es enthält die Inhaltsbestimmung, welche
+der Grund ist, und noch eine zweite als durch ihn gesetzte. Aber als
+gleichgültiger Inhalt, ist die eine nicht an ihr selbst Grund, die
+andere nicht an ihr selbst das Begründete von jener, sondern diese
+Beziehung ist in der Unmittelbarkeit des Inhalts als eine aufgehobene
+oder gesetzte, und hat als solche in einer andern ihren Grund. Diese
+zweite Beziehung als nur der Form nach unterschieden, hat denselben
+Inhalt als die erstere, nämlich die beiden Inhaltsbestimmungen, ist
+aber die unmittelbare Verknüpfung derselben. Indem jedoch das
+Verknüpfte überhaupt verschiedener Inhalt, somit gegen einander
+gleichgültige Bestimmung ist, ist sie nicht ihre wahrhaft absolute
+Beziehung, daß die eine der Bestimmungen das im Gesetztseyn mit sich
+Identische, die andere nur dieß Gesetztseyn desselben Identischen wäre;
+sondern ein Etwas trägt sie und macht ihre nicht reflektirte, sondern
+nur unmittelbare Beziehung aus, welche daher nur relativer Grund gegen
+die Verknüpfung im andern Etwas ist. Die beiden Etwas sind also die
+zwei unterschiedenen Beziehungen von Inhalt, die sich ergeben haben.
+Sie stehen in der identischen Grundbeziehung der Form; sie sind ein und
+derselbe ganze Inhalt, nämlich die zwei Inhaltsbestimmungen und deren
+Beziehung; unterschieden sind sie nur durch die Art dieser Beziehung,
+die in dem einen unmittelbare, in dem andern gesetzte Beziehung ist;
+wodurch sich das eine von dem Andern nur der Form nach als Grund und
+Begründetes unterscheidet.—Zweitens ist diese Grundbeziehung nicht nur
+formell, sondern auch real. Der formelle Grund geht in den realen über,
+wie sich gezeigt hat; die Momente der Form reflektiren sich in sich
+selbst; sie sind ein selbstständiger Inhalt, und die Grundbeziehung
+enthält auch einen eigenthümlichen Inhalt als Grund und einen als
+Begründetes. Der Inhalt macht zuerst die unmittelbare Identität der
+beiden Seiten des formellen Grundes aus, so haben sie einen und
+denselben Inhalt. Aber er hat auch die Form an ihm selbst und ist so
+gedoppelter Inhalt, der sich als Grund und Begründetes verhält. Die
+eine der zwei Inhaltsbestimmungen der beiden Etwas ist daher bestimmt,
+als ihnen nicht bloß gemeinschaftlich nach äußerer Vergleichung,
+sondern ihr identisches Substrat und die Grundlage ihrer Beziehung zu
+seyn. Gegen die andere Inhaltsbestimmung ist sie die wesentliche und
+Grund derselben als der gesetzten, nämlich in dem Etwas, dessen
+Beziehung die begründete ist. Im ersten Etwas, das die Grundbeziehung
+ist, ist auch diese zweite InhaltsBestimmung unmittelbar und an sich
+mit der ersten verknüpft. Das andere Etwas aber enthält nur die eine an
+sich als das, worin es mit dem ersten Etwas unmittelbar identisch ist,
+die andere aber als die in ihm gesetzte. Die erstere Inhaltsbestimmung
+ist Grund derselben dadurch, daß sie in dem ersten Etwas ursprünglich
+mit der andern Inhaltsbestimmung verknüpft ist.
+
+Die Grundbeziehung der Inhaltsbestimmungen im zweiten Etwas ist so
+durch die erste an sich seyende Beziehung des ersten Etwas vermittelt.
+Der Schluß ist, weil in einem Etwas die Bestimmung B mit der Bestimmung
+A an sich verknüpft ist, so ist im zweiten Etwas, dem nur die eine
+Bestimmung A unmittelbar zukommt, auch B damit verknüpft. Im zweiten
+Etwas ist nicht nur diese zweite Bestimmung mittelbar, sondern auch daß
+seine unmittelbare Grund ist, ist vermittelt, nämlich durch ihre
+ursprüngliche Beziehung auf B im ersten Etwas. Diese Beziehung ist
+somit Grund des Grundes A, und die ganze Grundbeziehung ist zweiten
+Etwas als Gesetztes oder Begründetes.
+
+3. Der reale Grund zeigt sich als die sich äußerliche Reflexion des
+Grundes; die vollständige Vermittelung desselben ist die
+Wiederherstellung seiner Identität mit sich. Aber indem diese dadurch
+zugleich die Äußerlichkeit des realen Grundes erhalten hat, so ist die
+Formelle Grundbeziehung in dieser Einheit ihrer selbst und des realen
+Grundes, ebenso sehr sich setzender als sich aufhebender Grund; die
+Grundbeziehung vermittelt sich durch ihre Negation mit sich. Erstlich
+ist der Grund als die ursprüngliche Beziehung, Beziehung von
+unmittelbaren Inhaltsbestimmungen. Die Grundbeziehung hat als
+wesentliche Form zu ihren Seiten solche, welche aufgehobene oder
+Momente sind. Daher als Form unmittelbarer Bestimmungen ist sie die mit
+sich identische Beziehung zugleich als Beziehung ihrer Negation; somit
+ist sie Grund nicht an und für sich selbst, sondern als Beziehung auf
+die aufgehobene Grundbeziehung.—Zweitens die aufgehobene Beziehung oder
+das Unmittelbare, das in der ursprünglichen und der gesetzten Beziehung
+die identische Grundlage ist, ist realer Grund gleichfalls nicht an und
+für sich selbst, sondern es ist durch jene ursprüngliche Verknüpfung
+gesetzt, daß es Grund sey.-Die Grundbeziehung in ihrer Totalität ist
+somit wesentlich voraussetzende Reflexion; der formelle Grund setzt die
+unmittelbare Inhaltsbestimmung voraus, und diese als realer Grund setzt
+die Form voraus. Der Grund ist also die Form als unmittelbare
+Verknüpfung; aber so daß sie sich von sich selbst abstößt, und die
+Unmittelbarkeit vielmehr voraussetzt, sich darin auf sich als auf ein
+Anderes bezieht. Dieses Unmittelbare ist die Inhaltsbestimmung, der
+einfache Grund; aber er ist als dieß, nämlich als Grund, ebenso von
+sich abgestoßen und bezieht sich auf sich gleichfalls als auf ein
+Anderes.—So hat sich die totale Grundbeziehung zur bedingenden
+Vermittlung bestimmt.
+
+C. Die Bedingung.
+
+a. Das relativ Unbedingte.
+
+1. Der Grund ist das Unmittelbare und das Begründete das Vermittelte.
+Aber er ist setzende Reflexion, als solche macht er sich zum
+Gesetztseyn, und ist voraussetzende Reflexion, so bezieht er sich auf
+sich als auf ein Aufgehobenes, auf ein Unmittelbares, wodurch er selbst
+vermittelt ist. Diese Vermittelung, als Fortgehen vom Unmittelbaren zum
+Grunde, ist nicht eine äußere Reflexion, sondern, wie sich ergeben, das
+eigne Thun des Grundes, oder was dasselbe ist, die Grundbeziehung ist
+als Reflexion in die Identität mit sich ebenso wesentlich sich
+entäußernde Reflexion. Das Unmittelbare, auf das der Grund sich als auf
+seine wesentliche Voraussetzung bezieht, ist die Bedingung; der reale
+Grund ist daher wesentlich bedingt. Die Bestimmtheit, die er enthält,
+ist das Andersseyn seiner selbst.
+
+Die Bedingung ist also erstens ein unmittelbares, mannigfaltiges
+Daseyn. Zweitens ist dieses Daseyn bezogen auf ein Anderes, auf etwas,
+das Grund ist, nicht dieses Daseyns, sondern in anderer Rüksicht; denn
+das Daseyn selbst ist unmittelbar und ohne Grund. Nach jener Beziehung
+ist es ein Gesetztes; das unmittelbare Daseyn soll als Bedingung nicht
+für sich, sondern für Anderes seyn. Aber zugleich ist dieß, daß es so
+für Anderes ist, selbst nur ein Gesetztseyn; daß es ein Gesetztes ist,
+ist in seiner Unmittelbarkeit aufgehoben, und ein Daseyn ist dagegen,
+Bedingung zu seyn, gleichgültig. Drittens ist die Bedingung so ein
+Unmittelbares, daß sie die Voraussetzung des Grundes ausmacht. Sie ist
+in dieser Bestimmung die in die Identität mit sich zurückgegangene
+Formbeziehung des Grundes, hiermit der Inhalt desselben. Aber der
+Inhalt als solcher ist nur die gleichgültige Einheit des Grundes, als
+in der Form; ohne Form kein Inhalt. Er befreit sich noch von derselben,
+indem die Grundbeziehung im vollständigen Grunde zu einer gegen ihre
+Identität äußerlichen Beziehung wird; wodurch der Inhalt die
+Unmittelbarkeit erhält. Insofern daher die Bedingung das ist, worin die
+Grundbeziehung ihre Identität mit sich hat, macht sie seinen Inhalt
+aus; aber weil er das gegen diese Form Gleichgültige ist, ist er nur an
+sich ihr Inhalt, ein solches, das erst Inhalt werden soll, hiermit das
+Material für den Grund ausmacht. Als Bedingung gesetzt, hat das Daseyn
+nach dem zweiten Momente die Bestimmung, seine gleichgültige
+Unmittelbarkeit zu verlieren und Moment eines Andern zu werden. Durch
+seine Unmittelbarkeit ist es gleichgültig gegen diese Beziehung;
+insofern es aber in dieselbe tritt, macht es das Ansichseyn des Grundes
+aus, und ist das Unbedingte für denselben. Um Bedingung zu seyn, hat es
+am Grunde seine Voraussetzung, und ist selbst bedingt; aber diese
+Bestimmung ist ihm äußerlich.
+
+2. Etwas ist nicht durch seine Bedingung; seine Bedingung ist nicht
+sein Grund. Sie ist das Moment der unbedingten Unmittelbarkeit für den
+Grund, aber ist nicht selbst die Bewegung und das Setzen, das sich
+negativ auf sich bezieht, und sich zum Gesetztseyn macht. Der Bedingung
+steht daher die Grundbeziehung gegenüber. Etwas hat außer seiner
+Bedingung auch einen Grund.—Dieser ist die leere Bewegung der
+Reflexion, weil sie die Unmittelbarkeit als ihre Voraussetzung außer
+ihr hat. Sie ist aber die ganze Form und das selbstständige Vermitteln;
+denn die Bedingung ist nicht ihr Grund. Indem dieses Vermitteln sich
+als Setzen auf sich bezieht, ist es nach dieser Seite gleichfalls ein
+Unmittelbares und Unbedingtes; es setzt sich zwar voraus, aber als
+entäußertes oder aufgehobenes Setzen; das was es hingegen seiner
+Bestimmung nach ist, ist es an und für sich selbst. —Insofern so die
+Grundbeziehung selbstständige Beziehung auf sich ist und die Identität
+der Reflexion an ihr selbst hat, hat sie einen eigenthümlichen Inhalt,
+gegen den Inhalt der Bedingung. Jener ist Inhalt des Grundes und darum
+wesentlich formirt; dieser hingegen ist nur unmittelbares Material, dem
+die Beziehung auf den Grund zugleich ebenso äußerlich ist, als es auch
+das Ansichseyn desselben ausmacht; es ist somit eine Vermischung von
+selbstständigem Inhalt, der keine Beziehung auf den Inhalt der
+Grundbestimmung hat, und von solchem, der in sie eingeht, und als ihr
+Material, Moment derselben werden soll.
+
+3. Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also einer
+Seits gleichgültige und unbedingte gegen einander; das eine als das
+Unbezogene, dem die Beziehung, in welcher es Bedingung ist, äußerlich
+ist; das andere als die Beziehung oder Form, für welche das bestimmte
+Daseyn der Bedingung nur als Material ist, als ein Passives, dessen
+Form, die es für sich an ihm hat, eine unwesentliche ist. Ferner sind
+auch beide vermittelte. Die Bedingung ist das Ansichseyn des Grundes;
+sie ist so sehr wesentliches Moment der Grundbeziehung, daß sie die
+einfache Identität desselben mit sich ist. Aber dieß ist auch
+aufgehoben; dieß Ansichseyn ist nur ein gesetztes; das unmittelbare
+Daseyn ist gleichgültig dagegen Bedingung zu seyn. Daß die Bedingung
+des Ansichseyns für den Grund ist, macht also ihre Seite aus, nach
+welcher sie eine vermittelte ist. Ebenso die Grundbeziehung hat in
+ihrer Selbstständigkeit, auch eine Voraussetzung, und ihr Ansichseyn
+außer sich.—Somit ist jede der beiden Seiten der Widerspruch der
+gleichgültigen Unmittelbarkeit und der wesentlichen Vermittelung,
+Beides in Einer Beziehung;—oder der Widerspruch des selbstständigen
+Bestehens und der Bestimmung, nur Moment zu seyn.
+
+b. Das absolute Unbedingte.
+
+Die beiden relativ-Unbedingten scheinen zunächst, jedes in das andere;
+die Bedingung als Unmittelbares in die Formbeziehung des Grundes, und
+diese in das unmittelbare Daseyn als sein Gesetztseyn; aber jedes ist
+außer diesem Scheine seines Andern an ihm selbstständig und hat seinen
+eigenthümlichen Inhalt.
+
+Zuerst ist die Bedingung unmittelbares Daseyn; seine Form hat die zwei
+Momente, das Gesetztseyn, nach welchem es als Bedingung Material und
+Moment des Grundes ist;—und das Ansichseyn, nach welchem es die
+Wesentlichkeit des Grundes oder seine einfache Reflexion in sich
+ausmacht. Beide Seiten der Form sind dem unmittelbaren Daseyn
+äußerlich; denn es ist die aufgehobene Grundbeziehung.—Aber erstens ist
+das Daseyn an ihm selbst nur dieß, in seiner Unmittelbarkeit sich
+aufzuheben und zu Grunde zu gehen. Das Seyn ist überhaupt nur das
+Werden zum Wesen; es ist seine wesentliche Natur sich zum Gesetzten und
+zur Identität zu machen, die durch die Negation ihrer das Unmittelbare
+ist. Die Formbestimmungen also, des Gesetztseyns und des mit sich
+identischen Ansichseyns, die Form, wodurch das unmittelbare Daseyn
+Bedingung ist, sind ihm daher nicht äußerlich, sondern es ist diese
+Reflexion selbst. Zweitens, als Bedingung ist das Seyn nun auch als das
+gesetzt, was es wesentlich ist; nämlich als Moment, somit eines Andern,
+und zugleich als das Ansichseyn gleichfalls eines Andern; es ist an
+sich aber nur durch die Negation seiner, nämlich durch den Grund und
+durch dessen sich aufhebende und damit voraussetzende Reflexion; das
+Ansichseyn des Seyns ist somit nur ein Gesetztes. Dieß Ansichseyn der
+Bedingung hat die zwei Seiten, einer Seits ihre Wesentlichkeit als des
+Grundes, anderer Seits aber die Unmittelbarkeit ihres Daseyns zu seyn.
+Oder vielmehr Beides ist dasselbe. Das Daseyn ist ein Unmittelbares,
+aber die Unmittelbarkeit ist wesentlich das Vermittelte, nämlich durch
+den sich selbst aufhebenden Grund. Als diese durch das sich aufhebende
+Vermitteln vermittelte Unmittelbarkeit ist es zugleich das Ansichseyn
+des Grundes, und das Unbedingte desselben; aber dieß Ansichseyn ist
+zugleich selbst wieder ebenso sehr nur Moment oder Gesetztseyn, denn es
+ist vermittelt.—Die Bedingung ist daher die ganze Form der
+Grundbeziehung; sie ist das vorausgesetzte Ansichseyn derselben, aber
+damit selbst ein Gesetztseyn, und ihre Unmittelbarkeit dieß, sich zum
+Gesetztseyn zu machen; sich somit von sich selbst so abzustoßen, daß
+sie sowohl zu Grunde geht, als sie Grund ist, der sich zum Gesetztseyn
+macht und hiermit auch zum Begründeten; und beides ist ein und
+dasselbe.
+
+Ebenso ist an dem bedingten Grunde das Ansichseyn nicht nur als
+Scheinen eines Andern an ihm. Er ist die selbstständige, das heißt, die
+sich auf sich beziehende Reflexion des Setzens; und hiermit das mit
+sich Identische, oder ist in ihm selbst sein Ansichseyn, und sein
+Inhalt. Aber zugleich ist er voraussetzende Reflexion; er bezieht sich
+negativ auf sich selbst, und setzt sich sein Ansichseyn als ihm Anderes
+entgegen, und die Bedingung sowohl nach ihrem Momente des Ansichseyns
+als des unmittelbaren Daseyns ist das eigene Moment der Grundbeziehung;
+das unmittelbare Daseyn ist wesentlich nur durch seinen Grund, und ist
+das Moment seiner als Voraussetzens. Dieser ist daher ebenso das Ganze
+selbst.
+
+Es ist somit überhaupt nur Ein Ganzes der Form vorhanden; aber ebenso
+sehr nur Ein Ganzes des Inhalts. Denn der eigenthümliche Inhalt der
+Bedingung ist nur wesentlicher Inhalt, insofern er die Identität der
+Reflexion mit sich in der Form, oder als dieß unmittelbare Daseyn an
+ihm selbst die Grundbeziehung ist. Dieses ist ferner nur Bedingung
+durch die voraussetzende Reflexion des Grundes; es ist dessen Identität
+mit sich selbst, oder sein Inhalt, dem er sich gegenüber setzt. Das
+Daseyn ist daher nicht bloß formloses Material für die Grundbeziehung,
+sondern weil es an ihm selbst diese Form hat, ist es formirte Materie,
+und als zugleich das in der Identität mit ihr gegen sie Gleichgültige
+ist es Inhalt. Es ist endlich derselbe Inhalt, den der Grund hat, denn
+es ist eben Inhalt als das in der Formbeziehung mit sich Identische.
+
+Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also Eine
+wesentliche Einheit; sowohl als Inhalt, wie als Form. Sie gehen durch
+sich selbst in einander über, oder indem sie Reflexionen sind, so
+setzen sie sich selbst als aufgehobene, beziehen sich auf diese ihre
+Negation und setzen sich gegenseitig voraus. Aber dieß ist zugleich nur
+Eine Reflexion beider, ihr Voraussetzen daher auch nur eines; die
+Gegenseitigkeit desselben geht vielmehr darein über, daß sie ihre Eine
+Identität als ihr Bestehen und ihre Grundlage voraussetzen. Diese, der
+eine Inhalt und Formeinheit beider, ist das wahrhaft Unbedingte; die
+Sache an sich selbst.—Die Bedingung ist, wie sich oben ergeben hat, nur
+das relativ-Unbedingte. Man pflegt sie daher selbst als ein Bedingtes
+zu betrachten, und nach einer neuen Bedingung zu fragen, womit der
+gewöhnliche Progreß ins Unendliche von Bedingung zu Bedingung
+eingeleitet ist. Warum wird nun bei einer Bedingung nach einer neuen
+Bedingung gefragt, das heißt, warum wird sie als Bedingtes angenommen?
+Weil sie irgend ein endliches Daseyn ist. Aber dieß ist eine weitere
+Bestimmung der Bedingung, die nicht in ihrem Begriffe liegt. Allein die
+Bedingung als solche ist darum ein Bedingtes, weil sie das gesetzte
+Ansichseyn ist; sie ist daher im absolut Unbedingten aufgehoben.
+
+Dieses nun enthält die beiden Seiten, die Bedingung und den Grund, als
+seine Momente in sich; es ist die Einheit, in welche sie zurückgegangen
+sind. Sie beide zusammen machen die Form oder das Gesetztseyn desselben
+aus. Die unbedingte Sache ist Bedingung beider, aber die absolute, das
+heißt, die Bedingung, welche selbst Grund ist. —Als Grund ist sie nun
+die negative Identität, die sich in jene beiden Momente abgestoßen
+hat;—erstens in die Gestalt der aufgehobenen Grundbeziehung, einer
+unmittelbaren, einheitslosen, sich selbst äußerlichen Mannigfaltigkeit,
+welche sich auf den Grund als ein ihr Anderes bezieht, und zugleich das
+Ansichseyn desselben ausmacht; zweitens, in die Gestalt einer
+innerlichen, einfachen Form, welche Grund ist, aber sich auf das mit
+sich identische Unmittelbare als auf ein Anderes bezieht, und dasselbe
+als Bedingung, d. h. dieß ihr Ansich als ihr eigenes Moment
+bestimmt.—Diese beiden Seiten setzen die Totalität so voraus, daß sie
+das Setzende derselben ist. Umgekehrt, weil sie die Totalität
+voraussetzen, so scheint diese auch wieder durch jene bedingt zu seyn,
+und die Sache aus ihrer Bedingung und aus ihrem Grunde zu entspringen.
+Aber indem diese beiden Seiten sich als das Identische gezeigt haben,
+so ist das Verhältniß von Bedingung und Grund verschwunden, sie sind zu
+einem Scheine herabgesetzt; das absolut Unbedingte ist in seiner
+Bewegung des Setzens und Voraussetzens, nur die Bewegung, in welcher
+dieser Schein sich aufhebt. Es ist das Thun der Sache, sich zu
+bedingen, und ihren Bedingungen sich als Grund gegenüber zu stellen;
+ihre Beziehung als der Bedingungen und des Grundes ist aber ein
+Scheinen in sich und ihr Verhalten zu ihnen ihr Zusammengehen mit sich
+selbst.
+
+c. Hervorgang der Sache in die Existenz.
+
+Das absolut Unbedingte ist der absolute mit seiner Bedingung identische
+Grund; die unmittelbare Sache, als die wahrhaft Wesenhafte. Als Grund
+bezieht sie sich negativ auf sich selbst, macht sich zum Gesetztseyn,
+aber zum Gesetztseyn, das die in ihren Seiten vollständige Reflexion,
+und die in ihnen mit sich identische Formbeziehung ist, wie sich ihr
+Begriff ergeben hat. Dieß Gesetztseyn ist daher erstlich der
+aufgehobene Grund, die Sache als das Reflexionslose Unmittelbare; die
+Seite der Bedingungen. Diese ist die Totalität der Bestimmungen der
+Sache,—die Sache selbst, aber in die Äußerlichkeit des Seyns
+hinausgeworfen; der wiederhergestellte Kreis des Seyns. In der
+Bedingung entläßt das Wesen die Einheit seiner Reflexion-in-sich als
+eine Unmittelbarkeit, die aber nunmehr die Bestimmung hat, bedingende
+Voraussetzung zu seyn, und wesentlich nur eine seiner Seiten
+auszumachen.—Die Bedingungen sind darum der ganze Inhalt der Sache,
+weil sie das Unbedingte in der Form des formlosen Seyns sind. Sie haben
+aber um dieser Form willen auch noch eine andere Gestalt, als die
+Bestimmungen des Inhalts, wie er in der Sache als solcher ist. Sie
+erscheinen als eine einheitslose Mannigfaltigkeit, vermischt mit
+Außerwesentlichem und andern Umständen, die zu dem Kreise des Daseyns,
+insofern es die Bedingungen dieser bestimmten Sache ausmacht, nicht
+gehören.—Für die absolute uneingeschränkte Sache ist die Sphäre des
+Seyns selbst die Bedingung. Der Grund, der in sich zurückgeht, setzt
+sie als die erste Unmittelbarkeit, worauf er sich als auf sein
+Unbedingtes bezieht. Diese Unmittelbarkeit als die aufgehobene
+Reflexion, ist die Reflexion in dem Elemente des Seyns, das also sich
+als solches zu einem Ganzen ausbildet; die Form wuchert als
+Bestimmtheit des Seyns fort, und erscheint so als ein mannigfaltiger
+von der Reflexions-Bestimmung verschiedener, und gegen sie
+gleichgültiger Inhalt.
+
+Das Unwesentliche, welches die Sphäre des Seyns an ihr hat, und was
+sie, insofern sie Bedingung ist, abstreift, ist die Bestimmtheit der
+Unmittelbarkeit, in welche die Formeinheit versenkt ist. Diese
+Formeinheit, als die Beziehung des Seyns, ist an ihm zunächst als das
+Werden,—das Übergehen einer Bestimmtheit des Seyns in eine andere. Aber
+das Werden des Seyns ist ferner Werden zum Wesen und das Zurückgehen in
+den Grund. Das Daseyn also, welches die Bedingungen ausmacht, wird in
+Wahrheit nicht von einem Andern als Bedingung bestimmt und als Material
+gebraucht; sondern es macht sich durch sich selbst zum Moment eines
+Andern.—Sein Werden ist ferner nicht ein Anfangen von sich als dem
+wahrhaft Ersten und Unmittelbaren; sondern seine Unmittelbarkeit ist
+nur das Vorausgesetzte; und die Bewegung seines Werdens ist das Thun
+der Reflexion selbst. Die Wahrheit des Daseyns ist daher Bedingung zu
+seyn; seine Unmittelbarkeit ist allein durch die Reflexion der
+Grundbeziehung, welche sich selbst als aufgehobene setzt. Das Werden
+ist somit, wie die Unmittelbarkeit nur der Schein des Unbedingten,
+indem dieses sich selbst voraussetzt, und darin seine Form hat; und die
+Unmittelbarkeit des Seyns ist daher wesentlich nur Moment der Form.
+
+Die andere Seite dieses Scheinens des Unbedingten ist die
+Grundbeziehung als solche, als Form bestimmt gegen die Unmittelbarkeit
+der Bedingungen und des Inhalts. Aber sie ist die Form der absoluten
+Sache, welche die Einheit ihrer Form mit sich selbst oder ihren Inhalt
+an ihr selbst hat, und indem sie ihn zur Bedingung bestimmt, in diesem
+Setzen selbst seine Verschiedenheit aufhebt und ihn zum Momente macht;
+so wie sie umgekehrt sich als wesenloser Form in dieser Identität mit
+sich die Unmittelbarkeit des Bestehens gibt. Die Reflexion des Grundes
+hebt die Unmittelbarkeit der Bedingungen auf, und bezieht sie zu
+Momenten in der Einheit der Sache; aber die Bedingungen sind das von
+der unbedingten Sache selbst Vorausgesetzte, sie hebt damit also ihr
+eigenes Setzen auf; oder ihr Setzen macht sich somit unmittelbar selbst
+ebenso sehr zum Werden. —Beides ist daher Eine Einheit; die Bewegung
+der Bedingungen an ihnen selbst ist Werden, Zurückgehen in den Grund
+und Setzen des Grundes; aber der Grund als gesetzter, das heißt als
+aufgehobener, ist das Unmittelbare. Der Grund bezieht sich negativ auf
+sich selbst, macht sich zum Gesetztseyn und begründet die Bedingungen;
+aber darin, daß so das unmittelbare Daseyn als ein Gesetztes bestimmt
+ist, liebt der Grund es auf und macht sich erst zum Grunde.—Diese
+Reflexion also ist die Vermittelung der unbedingten Sache durch ihre
+Negation mit sich. Oder vielmehr die Reflexion des Unbedingten ist
+zuerst Voraussetzen, aber dieß Aufheben ihrer selbst ist unmittelbar
+bestimmendes Setzen; zweitens ist sie darin unmittelbar Aufheben des
+Vorausgesetzten und Bestimmen aus sich; somit ist dieß Bestimmen wieder
+Aufheben des Setzens und ist das Werden an sich selbst. Darin ist die
+Vermittelung als Rückehr zu sich durch die Negation, verschwunden; sie
+ist einfache in sich scheinende Reflexion, und grundloses absolutes
+Werden. Die Bewegung der Sache, durch ihre Bedingungen einer Seits und
+anderer Seits durch ihren Grund gesetzt zu werden, ist nur das
+Verschwinden des Scheins der Vermittelung. Das Gesetztwerden der Sache
+ist hiermit ein Hervortreten, das einfache sich Herausstellen in die
+Existenz; reine Bewegung der Sache zu sich selbst.
+
+Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden sind, so tritt sie in die
+Existenz. Die Sache ist, eh sie existirt; und zwar ist sie erstens als
+Wesen, oder als Unbedingtes; zweitens hat sie Daseyn, oder ist
+bestimmt, und dieß auf die betrachtete gedoppelte Weise, einer Seits in
+ihren Bedingungen, anderer Seits in ihrem Grunde. In jenen hat sie sich
+die Form des äußerlichen, grundlosen Seyns gegeben, weil sie als
+absolute Reflexion die negative Beziehung auf sich ist und sich zu
+ihrer Voraussetzung macht. Dieß voraus gesetzte Unbedingte ist daher
+das grundlose Unmittelbare, dessen Seyn nichts ist, denn als Grundloses
+da zu seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden sind, das
+heißt, wenn die Totalität der Sache als grundloses Unmittelbares
+gesetzt ist, so erinnert sich diese zerstreute Mannigfaltigkeit an ihr
+selbst.—Die ganze Sache muß in ihren Bedingungen da seyn, oder es
+gehören alle Bedingungen zu ihrer Existenz; denn Alle machen die
+Reflexion aus; oder das Daseyn, weil es Bedingung ist, ist durch die
+Form bestimmt, seine Bestimmungen sind daher Reflexions-Bestimmungen
+und mit einer wesentlich die andern gesetzt.—Die Erinnerung der
+Bedingungen ist zunächst das zu Grunde gehen des unmittelbaren Daseyns,
+und das Werden des Grundes. Aber damit ist der Grund ein gesetzter, d.
+h. er ist, so sehr er als Grund ist, so sehr als Grund aufgehoben, und
+unmittelbares Seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden
+sind, so heben sie sich als unmittelbares Daseyn und Voraussetzung und
+ebenso sehr hebt sich der Grund auf. Der Grund zeigt sich nur, als ein
+Schein, der unmittelbar verschwindet; dieß Hervortreten ist somit die
+tautologische Bewegung der Sache zu sich, und ihre Vermittelung durch
+die Bedingungen und durch den Grund ist das Verschwinden beider. Das
+Hervortreten in die Existenz ist daher so unmittelbar, daß es nur durch
+das Verschwinden der Vermittelung vermittelt ist.
+
+Die Sache geht aus dem Grunde hervor. Sie wird nicht durch ihn so
+begründet oder gesetzt, daß er noch unten bliebe, sondern das Setzen
+ist die Herausbewegung des Grundes zu sich selbst, und das einfache
+Verschwinden desselben. Er erhält durch die Vereinigung mit den
+Bedingungen die äußerliche Unmittelbarkeit und das Moment des Seyns.
+Aber er erhält sie nicht als ein Äußerliches noch durch eine äußerliche
+Beziehung; sondern als Grund macht er sich zum Gesetztseyn, seine
+einfache Wesentlichkeit geht im Gesetztseyn mit sich zusammen, und ist
+in diesem Aufheben seiner selbst das Verschwinden seines Unterschiedes
+von seinem Gesetztseyn, somit einfache wesentliche Unmittelbarkeit. Er
+bleibt also nicht als ein Verschiedenes vom Begründeten zurück, sondern
+die Wahrheit des Begründens ist, daß der Grund darin mit sich selbst
+sich vereint und somit seine Reflexion in Anderes, seine Reflexion in
+sich selbst ist. Die Sache ist hiermit ebenso, wie sie das Unbedingte
+ist, auch das Grundlose, und tritt aus dem Grunde nur insofern er zu
+Grunde gegangen und keiner ist, aus dem Grundlosen, d. h. aus der
+eigenen wesentlichen Negativität oder reinen Form hervor.
+
+Diese durch Grund und Bedingung vermittelte, und durch das Aufheben der
+Vermittelung mit sich identische Unmittelbarkeit ist die Existenz.
+
+
+
+
+Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung.
+
+
+Das Wesen muß erscheinen.
+
+Das Seyn ist die absolute Abstraktion; diese Negativität ist ihm nicht
+ein Äußerliches, sondern es ist Seyn und sonst nichts als Seyn, nur als
+diese absolute Negativität. Um derselben willen ist Seyn nur als sich
+aufhebendes Seyn, und ist Wesen. Das Wesen aber ist als die einfache
+Gleichheit mit sich umgekehrt ebenfalls Seyn. Die Lehre vom Seyn
+enthält den ersten Satz: Das Seyn ist Wesen. Der zweite Satz: Das Wesen
+ist Seyn, macht den Inhalt des ersten Abschnittes der Lehre vom Wesen
+aus. Dieses Seyn aber, zu dem das Wesen sich macht, ist das wesentliche
+Seyn, die Existenz; ein Herausgegangenseyn aus der Negativität und
+Innerlichkeit.
+
+So erscheint das Wesen. Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in
+ihm selbst. Die Bestimmungen derselben sind in die Einheit
+eingeschlossen schlechthin nur als gesetzte, aufgehobene; oder sie ist
+das in seinem Gesetztseyn unmittelbar mit sich identische Wesen. Indem
+dieses aber Grund ist, bestimmt es sich real, durch seine sich selbst
+aufhebende oder in sich zurückkehrende Reflexion; indem weiter diese
+Bestimmung oder das Andersseyn der Grundbeziehung sich in der Reflexion
+des Grundes aufhebt und Existenz wird, so haben die Formbestimmungen
+hieran ein Element des selbstständigen Bestehens. Ihr Schein
+vervollständigt sich zur Erscheinung.
+
+Die zur Unmittelbarkeit fortgegangene Wesenheit ist zunächst Existenz,
+und Existirendes oder Ding; als ununterschiedne Einheit des Wesens mit
+seiner Unmittelbarkeit. Das Ding enthält zwar die Reflexion, aber ihre
+Negativität ist in seiner Unmittelbarkeit zunächst erloschen; allein
+weil sein Grund wesentlich die Reflexion ist, hebt sich seine
+Unmittelbarkeit auf; es macht sich zu einem Gesetztseyn.
+
+So ist es zweitens Erscheinung. Die Erscheinung ist das, was das Ding
+an sich ist, oder seine Wahrheit. Diese nur gesetzte, in das Andersseyn
+reflektirte Existenz ist aber ebenso das Hinausgehen über sich in ihre
+Unendlichkeit; der Welt der Erscheinung stellt sich die in sich
+reflektirte, an sich seyende Welt gegenüber. Aber das erscheinende und
+das wesentliche Seyn stehen schlechthin in Beziehung auf einander. So
+ist die Existenz drittens wesendiches Verhältniß; das Erscheinende
+zeigt das Wesentliche, und dieses ist in seiner Erscheinung.—Das
+Verhältniß ist die noch unvollkommene Vereinigung der Reflexion in das
+Andersseyn und der Reflexion in sich; die vollkommene Durchdringung
+beider ist die Wirklichkeit.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die Existenz.
+
+
+Wie der Satz des Grundes ausdrückt: Alles was ist, hat einen Grund,
+oder ist ein Gesetztes, ein Vermitteltes; so müßte auch ein Satz der
+Existenz aufgestellt und so ausgedrückt werden: Alles, was ist,
+existirt. Die Wahrheit des Seyns ist, nicht ein erstes Unmittelbares,
+sondern das in die Unmittelbarkeit hervorgegangene Wesen zu seyn.
+
+Wenn aber ferner auch gesagt wurde, was existirt, hat einen Grund und
+ist bedingt, so müßte auch ebenso gesagt werden: es hat keinen Grund
+und ist unbedingt. Denn die Existenz ist die aus dem Aufheben der durch
+Grund und Bedingung beziehenden Vermittelung hervorgegangene
+Unmittelbarkeit, die im Hervorgehen eben dieß Hervorgehen selbst
+aufhebt.
+
+Insofern die Beweise von der Existenz Gottes hier erwähnt werden
+können, ist zum voraus zu erinnern, daß es außer dem unmittelbaren Seyn
+erstens, und zweitens der Existenz, dem Seyn, das aus dem Wesen
+hervorgeht, noch ein ferneres Seyn gibt, welches aus dem Begriffe
+hervorgeht, die Objektivität.—Das Beweisen ist überhaupt die
+vermittelte Erkenntniß. Die verschiedenen Arten des Seyns fordern oder
+enthalten ihre eigene Art der Vermittelung; so wird auch die Natur des
+Beweisens in Ansehung einer jeden verschieden. Der ontologische Beweis
+will vom Begriffe ausgehen; er legt den Inbegriff aller Realitäten zu
+Grunde, und subsumirt alsdann auch die Existenz unter die Realität. Er
+ist also die Vermittelung, welche Schluß ist, und die hier noch nicht
+zu betrachten ist. Es ist bereits oben (I. Th. I. Abth. S. 27.ff.) auf
+das, was Kant hiergegen erinnert, Rüksicht genommen und bemerkt worden,
+daß Kant unter Existenz das bestimmte Daseyn versteht, wodurch etwas in
+den Kontext der gesammten Erfahrung, d. h. in die Bestimmung eines
+Andersseyns und in die Beziehung auf Anderes tritt. So ist als
+Existirendes Etwas vermittelt durch Anderes, und die Existenz überhaupt
+die Seite seiner Vermittelung. Nun liegt in dem, was Kant den Begriff
+nennt, nämlich in Etwas, insofern es als nur einfach auf sich bezogen
+genommen wird, oder in der Vorstellung als solcher, nicht seine
+Vermittelung; in der abstrakten Identität mit sich ist die
+Entgegensetzung weggelassen. Der ontologische Beweis hätte nun
+darzustellen, daß der absolute Begriff, nämlich der Begriff Gottes, zum
+bestimmten Daseyn, zur Vermittelung komme, oder wie das einfache Wesen
+sich mit der Vermittelung vermittle. Dieß geschieht durch die
+angegebene Subsumtion der Existenz unter ihr Allgemeines, nämlich die
+Realität, welche als das Mittlere zwischen Gott in seinem Begriffe
+einer Seits, und zwischen der Existenz anderer Seits angenommen
+wird.—Von dieser Vermittelung, insofern sie die Form des Schlusses hat,
+ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Wie aber jene Vermittelung des
+Wesens mit der Existenz in Wahrheit beschaffen ist, dieß hat die
+bisherige Darstellung enthalten. Die Natur des Beweisens selbst ist in
+der Lehre von der Erkenntniß zu betrachten. Hier ist nur anzugeben, was
+sich auf die Natur der Vermittelung überhaupt bezieht.
+
+Die Beweise vom Daseyn Gottes geben einen Grund für dieses Daseyn an.
+
+Er soll nicht ein objektiver Grund des Daseyns Gottes seyn; denn dieses
+ist an und für sich selbst. So ist er bloß ein Grund für die
+Erkenntniß. Damit giebt er sich zugleich für ein solches aus, das in
+dem Gegenstande, der zunächst als begründet dadurch erscheint,
+verschwindet. Der Grund nun, der von der Zufälligkeit der Welt
+hergenommen ist, enthält den Rükgang derselben in das absolute Wesen;
+denn das Zufällige ist das an sich selbst Grundlose, und sich
+Aufhebende. Das absolute Wesen geht somit in dieser Weise in der That
+aus dem Grundlosen hervor; der Grund hebt sich selbst auf, somit
+verschwindet auch der Schein des Verhältnisses, das Gott gegeben wurde,
+ein in einem Andern Begründetes zu seyn. Diese Vermittelung ist hiermit
+die wahrhafte. Allein jene beweisende Reflexion kennt diese Natur ihrer
+Vermittelung nicht; sie nimmt sich einer Seits für ein bloß
+Subjektives, und entfernt hiermit ihre Vermittlung von Gott selbst,
+andern Theils aber erkennt sie deswegen nicht die vermittelnde
+Bewegung, daß und wie sie im Wesen selbst ist. Ihr wahrhaftes
+Verhältniß besteht darin, daß sie Beides in Einem ist, die Vermittelung
+als solche, aber zugleich allerdings eine Subjektive, äußerliche
+nämlich die sich äußerliche Vermittelung, welche sich an ihr selbst
+wieder aufhebt. In jener Darstellung aber erhält die Existenz das
+schiefe Verhältniß, nur als Vermitteltes oder Gesetztes zu erscheinen.
+
+So kann auf der andern Seite die Existenz auch nicht bloß als
+Unmittelbares betrachtet werden. In der Bestimmung einer
+Unmittelbarkeit genommen, ist das Auffassen der Existenz Gottes, für
+etwas Unbeweisbares, und das Wissen von ihr als ein nur unmittelbares
+Bewußtseyn, als ein Glauben ausgedrückt worden. Das Wissen soll zu
+diesem Resultate kommen, daß es Nichts weiß, das heißt, daß es seine
+vermittelnde Bewegung und die in ihr vorkommenden Bestimmungen selbst
+wieder aufgiebt. Dieß hat sich auch im Vorhergehenden ergeben; allein
+es ist hinzuzusetzen, daß die Reflexion, indem sie mit dem Aufheben
+ihrer selbst endigt, darum nicht das Nichts zum Resultat hat, so daß
+nun das positive Wissen vom Wesen als unmittelbare Beziehung auf
+dasselbe, von jenem Resultate getrennt und ein eigenes Hervorgehen, ein
+nur von sich anfangender Akt wäre; sondern dieß Ende selbst, dieß zu
+Grunde gehen der Vermittlung, ist zugleich der Grund, aus dem das
+Unmittelbare hervorgeht. Die Sprache vereinigt, wie oben bemerkt, die
+Bedeutung dieses Untergangs und des Grundes; man sagt, das Wesen Gottes
+sey der Abgrund für die endliche Vernunft. Er ist es in der That,
+insofern sie darin ihre Endlichkeit aufgibt und ihre vermittelnde
+Bewegung versenkt; aber dieser Abgrund, der negative Grund, ist
+zugleich der positive des Hervorgehens des Seyenden, des an sich selbst
+unmittelbaren Wesens; die Vermittelung ist wesentliches Moment. Die
+Vermittelung durch den Grund hebt sich auf, läßt aber nicht den Grund
+unten, so daß das aus ihm Hervorgehende, ein Gesetztes wäre, das sein
+Wesen anderswo nämlich im Grunde hätte, sondern dieser Grund ist als
+Abgrund, die verschwundene Vermittelung; und umgekehrt ist nur die
+verschwundene Vermittelung zugleich der Grund, und nur durch diese
+Negation das sich selbst Gleiche und Unmittelbare.
+
+So ist die Existenz hier nicht als ein Prädikat oder als Bestimmung des
+Wesens zu nehmen, daß ein Satz davon hieße: Das Wesen existirt, oder
+hat Existenz;—sondern das Wesen ist in die Existenz übergegangen; die
+Existenz ist seine absolute Entäußerung, jenseits deren es nicht
+zurückgeblieben ist. Der Satz also hieße: Das Wesen ist die Existenz;
+es ist nicht von seiner Existenz unterschieden. —Das Wesen ist in die
+Existenz übergegangen, insofern das Wesen als Grund sich von sich als
+dem Begründeten nicht mehr nnterscheidet, oder jener Grund sich
+aufgehoben hat. Aber diese Negation ist ebenso wesentlich seine
+Position, oder schlechthin positive Kontinuität mit sich selbst; die
+Existenz ist die Reflexion des Grundes in sich; seine in seiner
+Negation zu Stande gekommene Identität mit sich selbst, also die
+Vermittelung, die sich mit sich identisch gesetzt hat, und dadurch
+Unmittelbarkeit ist.
+
+Weil nun die Existenz wesentlich die mit sich identische Vermittelung
+ist, so hat sie die Bestimmungen der Vermittelung an ihr, aber so daß
+sie zugleich in sich reflektirte sind, und das wesentliche und
+unmittelbare Bestehen haben. Als die durch Aufheben sich setzende
+Unmittelbarkeit ist die Existenz negative Einheit und Insichseyn; sie
+bestimmt sich daher unmittelbar als ein Existirendes und als Ding.
+
+A. Das Ding und seine Eigenschaften.
+
+Die Existenz als Existirendes ist gesetzt in der Form der negativen
+Einheit, welche sie wesentlich ist. Aber diese negative Einheit ist
+zunächst nur unmittelbare Bestimmung, somit das Eins des Etwas
+überhaupt. Das existirende Etwas ist aber unterschieden von dem
+seyenden Etwas. Jenes ist wesentlich eine solche Unmittelbarkeit, die
+durch die Reflexion der Vermittelung in sich selbst entstanden ist. So
+ist das existirende Etwas ein Ding.
+
+Das Ding wird von seiner Existenz unterschieden, wie das Etwas von
+seinem Seyn unterschieden werden kann. Das Ding und das Existirende ist
+unmittelbar eins und dasselbe. Aber weil die Existenz nicht die erste
+Unmittelbarkeit des Seyns ist, sondern das Moment der Vermittelung an
+ihr selbst hat, so ist ihre Bestimmung zum Dinge und die Unterscheidung
+beider nicht ein Übergang, sondern eigentlich eine Analyse; und die
+Existenz als solche enthält diese Unterscheidung selbst in dem Momente
+ihrer Vermittelung; den Unterschied von Ding-an-sich, und von
+äußerlicher Existenz.
+
+a. Ding an sich und Existenz.
+
+1. Das Ding an sich ist das Existirende als das durch die aufgehobene
+Vermittelung vorhandene, wesentliche Unmittelbare. Darin ist dem Ding
+an sich die Vermittelung ebenso wesentlich; aber dieser Unterschied in
+dieser ersten oder unmittelbaren Existenz, fällt in gleichgültige
+Bestimmungen auseinander. Die eine Seite, nämlich die Vermittelung des
+Dinges ist seine nicht reflektirte Unmittelbarkeit; also sein Seyn
+überhaupt, das, weil es zugleich als Vermittelung bestimmt ist, ein
+sich selbst anderes, in sich mannigfaltiges und äußerliches Daseyn ist.
+Es ist aber nicht nur Daseyn, sondern in Beziehung auf die aufgehobene
+Vermittelung und wesentliche Unmittelbarkeit; es ist daher das Daseyn
+als Unwesentliches, als Gesetztseyn.—(Wenn das Ding von seiner Existenz
+unterschieden wird, so ist es das Mögliche, das Ding der Vorstellung,
+oder das Gedankending, welches als solches nicht zugleich existiren
+soll. Die Bestimmung der Möglichkeit und der Gegensatz des Dings gegen
+seine Existenz ist jedoch später.)—Aber das Ding-an-sich und sein
+vermitteltes Seyn sind beide in der Existenz enthalten, und beide
+selbst Existenzen; das Ding-an-sich existirt, und ist die wesentliche,
+das vermittelte Seyn aber die unwesentliche Existenz des Dinges.
+
+Das Ding an sich, als das einfache Reflektirt-seyn der Existenz in
+sich, ist nicht der Grund des unwesentlichen Daseyns; es ist die
+unbewegte, unbestimmte Einheit, weil es eben die Bestimmung hat, die
+aufgehobene Vermittelung zu seyn, und daher nur die Grundlage
+desselben. Darum fällt auch die Reflexion als das sich durch anderes
+vermittelnde Daseyn außer dem Dinge-an-sich. Dieses soll keine
+bestimmte Mannigfaltigkeit an ihm selbst haben; und erhält sie deswegen
+erst an die äußerliche Reflexion gebracht; aber bleibt gleichgültig
+dagegen. (—Das Ding-an-sich hat Farbe erst an das Auge gebracht,
+Geschmack an die Nase u.s.f.) Seine Verschiedenheit sind Rüksichten,
+welche ein Andres nimmt, bestimmte Beziehungen, die sich dieses auf das
+Ding-an-sich gibt, und die nicht eigene Bestimmungen desselben sind.
+
+2. Dieß Andere ist nun die Reflexion, welche bestimmt als äußerlich
+erstens sich selbst äußerlich, und die bestimmte Mannigfaltigkeit ist.
+Alsdann ist sie dem wesentlich Existirenden äußerlich, und bezieht sich
+darauf als auf seine absolute Voraussetzung. Diese beiden Momente der
+äußerlichen Reflexion aber, ihre eigene Mannigfaltigkeit und ihre
+Beziehung auf das ihr andere Ding-an-sich, sind ein und dasselbe. Denn
+diese Existenz ist nur äußerlich, insofern sie sich auf die wesentliche
+Identität als auf ein Anderes bezieht. Die Mannigfaltigkeit hat daher
+nicht jenseits des Dinges-an-sich ein eigenes selbstständiges Bestehen,
+sondern ist erst als Schein gegen dieses, in ihrer nothwendigen
+Beziehung darauf, als der sich an ihm brechende Reflex. Die
+Verschiedenheit ist also vorhanden, als die Beziehung eines Andern auf
+das Ding-an-sich; aber dieses Andere ist nichts für sich Bestehendes,
+sondern ist erst als Beziehung auf das Ding-an-sich; zugleich aber ist
+es nur als das Abstoßen von diesem; es ist so der haltlose Gegenstoß
+seiner in sich selbst.
+
+Dem Ding-an-sich nun, da es die wesentliche Identität der Existenz ist,
+kommt daher diese wesenlose Reflexion nicht zu, sondern sie fällt ihm
+äußerlich in sich selbst zusammen. Sie geht zu Grunde, und wird damit
+selbst zur wesentlichen Identität oder zum Ding-an-sich. —Dieß kann
+auch so betrachtet werden: Die wesenlose Existenz hat am Ding-an-sich
+ihre Reflexion in sich; sie bezieht sich dar-auf zunächst als auf ihr
+Anderes; aber als das Andre gegen das, was an sich ist, ist sie nur das
+Aufheben ihrer selbst, und das Werden zum An- sich-seyn. Das
+Ding-an-sich ist somit identisch mit der äußerlichen Existenz.
+
+Dieß stellt sich am Ding-an-sich so dar. Das Ding-an-sich ist die sich
+auf sich beziehende, wesentliche Existenz; es ist nur insofern die
+Identität mit sich, als es die Negativität der Reflexion in sich selbst
+enthält; das was als ihm äußerliche Existenz erschien, ist daher Moment
+in ihm selbst. Es ist deswegen auch sich von sich abstoßendes
+Ding-an-sich, das sich also zu sich als zu einem Andern verhält. Somit
+sind nun mehrere Dinge-an-sich vorhanden, die in der Beziehung der
+äußerlichen Reflexion auf einander stehen. Diese unwesentliche Existenz
+ist ihr Verhältniß zu einander als zu anderen; aber sie ist ihnen
+ferner selbst wesentlich—oder diese unwesentliche Existenz, indem sie
+in sich zusammenfällt, ist Ding-an-sich; aber ein anderes, als jenes
+erste; denn jenes erste ist unmittelbare Wesentlichkeit, dieses aber
+das aus der unwesentlichen Existenz hervorgehende. Allein dieses andere
+Ding-an-sich ist nur ein Anderes überhaupt; denn als mit sich
+identisches Ding hat es weiter keine Bestimmtheit gegen das erste; es
+ist die Reflexion der unwesentlichen Existenz in sich wie das erste.
+Die Bestimmtheit der verschiedenen Dinge-an-sich gegen einander fällt
+daher in die äußerliche Reflexion.
+
+3. Diese äußerliche Reflexion ist nunmehr ein Verhalten der
+Dinge-an-sich zu einander, ihre gegenseitige Vermittelung als anderer.
+Die Dinge-an-sich sind so die Extreme eines Schlusses, dessen Mitte
+ihre äußerliche Existenz ausmacht, die Existenz, durch welche sie
+andere für einander und unterschiedene sind. Dieser ihr Unterschied
+fällt nur in ihre Beziehung; sie schicken gleichsam nur von ihrer
+Oberfläche Bestimmungen in die Beziehung, gegen welche sie als absolut
+in sich reflektirte gleichgültig bleiben.—Dieses Verhältniß macht nun
+die Totalität der Existenz aus. Das Ding-an-sich steht in Beziehung auf
+eine ihm äußerliche Reflexion, worin es mannigfaltige Bestimmungen hat;
+es ist dieß das Abstoßen seiner von sich selbst in ein anderes
+Ding-an-sich; dieß Abstoßen ist der Gegenstoß seiner in sich selbst,
+indem jedes nur ein Anderes ist als sich aus dem Andern
+wiederscheinend; es hat sein Gesetztseyn nicht an ihm selbst, sondern
+an dem Andern, ist bestimmt nur durch die Bestimmtheit des Andern; dieß
+Andere ist ebenso bestimmt nur durch die Bestimmtheit des ersten. Aber
+die beiden Dinge-an-sich, da sie hiermit nicht die Verschiedenheit an
+ihnen selbst haben, sondern jedes nur an dem andern, sind keine
+unterschiedene; das Ding-an-sich verhält sich, indem es sich auf das
+andere Extrem als ein anderes Ding-an-sich verhalten soll, zu einem von
+ihm Ununterschiedenen, und die äußerliche Reflexion, welche die
+vermittelnde Beziehung zwischen Extremen ausmachen sollte, ist ein
+Verhalten des Dings-an-sich nur zu sich selbst, oder wesentlich seine
+Reflexion in sich; sie ist somit an sich seyende Bestimmtheit, oder die
+Bestimmtheit des Dings-an-sich. Dieses hat dieselbe also nicht in einer
+ihm äußerlichen Beziehung auf ein anderes Ding-an-sich, und des Anderen
+auf es; die Bestimmtheit ist nicht nur eine Oberfläche desselben,
+sondern ist die wesentliche Vermittelung seiner mit sich als mit einem
+Andern.—Die beiden Dinge-an-sich, welche die Extreme der Beziehung
+ausmachen sollen, indem sie an sich keine Bestimmtheit gegen einander
+haben sollen, fallen in der That in eins zusammen; es ist nur Ein
+Ding-an-sich, das in der äußerlichen Reflexion sich zu sich selbst
+verhält, und es ist dessen eigene Beziehung auf sich als auf ein
+Anderes, was dessen Bestimmtheit ausmacht.
+
+Diese Bestimmtheit des Dings-an-sich ist die Eigenschaft des Dings.
+
+b. Die Eigenschaft.
+
+Die Qualität ist die unmittelbare Bestimmtheit des Etwas; das Negative
+selbst, wodurch das Seyn Etwas ist. So ist die Eigenschaft des Dings
+die Negativität der Reflexion, wodurch die Existenz überhaupt ein
+Existirendes, und als einfache Identität mit sich, Ding-an-sich ist.
+Die Negativität der Reflexion, die aufgehobene Vermittelung, ist aber
+wesentlich selbst Vermittelung, und Beziehung, nicht auf ein Anderes
+überhaupt, wie die Qualität als die nicht reflektirte Bestimmtheit;
+sondern Beziehung auf sich als auf ein Anderes; oder Vermittelung, die
+unmittelbar ebenso sehr Identität mit sich ist. Das abstrakte Ding
+an-sich ist selbst dieß aus anderem in sich zurückkehrende Verhalten;
+es ist dadurch an sich selbst bestimmt; aber seine Bestimmtheit ist
+Beschaffenheit, die als solche selbst Bestimmung ist, und als Verhalten
+zu Anderem nicht in das Andersseyn übergeht und der Veränderung
+entnommen ist.
+
+Ein Ding hat Eigenschaften; sie sind erstlich seine bestimmten
+Beziehungen auf Anderes; die Eigenschaft ist nur vorhanden als eine
+Weise des Verhaltens zu einander; sie ist daher die äußerliche
+Reflexion, und die Seite des Gesetztseyns des Dings. Aber zweitens ist
+das Ding in diesem Gesetztseyn an sich; es erhält sich, in der
+Beziehung auf Anderes; es ist also allerdings nur eine Oberfläche, mit
+der die Existenz sich dem Werden des Seyns und der Veränderung
+preisgibt; die Eigenschaft verliert sich darin nicht. Ein Ding hat die
+Eigenschaft, dieß oder jenes im Andern zu bewirken und auf eine
+eigenthümliche Weise sich in seiner Beziehung zu äußern. Es beweist
+diese Eigenschaft nur unter der Bedingung einer entsprechenden
+Beschaffenheit des andern Dinges, aber sie ist ihm zugleich
+eigenthümlich und seine mit sich identische Grundlage;—diese
+reflektirte Qualität heißt darum Eigenschaft. Es geht darin in eine
+Äußerlichkeit über, aber die Eigenschaft erhält sich darin. Das Ding
+wird durch seine Eigenschaften Ursache, und die Ursache ist dieß, als
+Wirkung sich zu erhalten. Jedoch ist hier das Ding nur erst das ruhige
+Ding von vielen Eigenschaften; noch nicht als wirkliche Ursache
+bestimmt; es ist nur erst die ansichseyende, noch nicht selbst die
+setzende Reflexion seiner Bestimmungen.
+
+Das Ding-an-sich ist also, wie sich ergeben hat, wesentlich nicht nur
+so Ding-an-sich, daß seine Eigenschaften Gesetztseyn einer äußerlichen
+Reflexion sind, sondern sie sind seine eigenen Bestimmungen, durch die
+es sich auf bestimmte Weise verhält; es ist nicht eine jenseits seiner
+äußerlichen Existenz befindliche bestimmungslose Grundlage; sondern ist
+in seinen Eigenschaften, als Grund vorhanden, das heißt, die Identität
+mit sich in seinem Gesetztseyn; aber zugleich als bedingter Grund; das
+heißt, sein Gesetztseyn ist ebenso sehr sich äußerliche Reflexion; es
+ist nur insofern in sich reflektirt und an sich, insofern es äußerlich
+ist. —Durch die Existenz tritt das Ding-an-sich in äußerliche
+Beziehungen; und die Existenz besteht in dieser Äußerlichkeit; sie ist
+die Unmittelbarkeit des Seyns, und das Ding dadurch der Veränderung
+unterworfen; aber sie ist auch die reflektirte Unmittelbarkeit des
+Grundes, das Ding somit an sich in seiner Veränderung.—Diese Erwähnung
+der Grundbeziehung ist jedoch hier nicht so zu nehmen, daß das Ding
+überhaupt als Grund seiner Eigenschaften bestimmt sey; die Dingheit
+selbst ist als solche die Grundbestimmung, die Eigenschaft ist nicht
+von ihrem Grunde unterschieden, noch macht sie bloß das Gesetztseyn
+aus, sondern ist der in seine Äußerlichkeit übergegangene, und damit
+wahrhaft in sich reflektirte Grund; die Eigenschaft selbst als solche
+ist der Grund, an sich seyendes Gesetztseyn, oder er macht die Form
+ihrer Identität mit sich aus; ihre Bestimmtheit ist die sich äußerliche
+Reflexion des Grundes; und das Ganze der in seinem Abstoßen und
+Bestimmen, in seiner äußerlichen Unmittelbarkeit sich auf sich
+beziehende Grund.—Das Ding-an-sich existirt also wesentlich, und daß es
+existirt, heißt umgekehrt, die Existenz ist als äußerliche
+Unmittelbarkeit zugleich Ansichseyn.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist schon oben (1r Thl. 1e Abth. S. 127) bei dem Momente des
+Daseyns, dem Ansichseyn, des Dings-an-sich erwähnt, und dabei bemerkt
+worden, daß das Ding-an-sich als solches, nichts anderes, als die leere
+Abstraktion von aller Bestimmtheit ist, von dem man allerdings nichts
+wissen kann, eben darum weil es die Abstraktion von aller Bestimmung
+seyn soll.—Nachdem so das Ding-an-sich als das Unbestimmte
+vorausgesetzt wird, so fällt alle Bestimmung außerhalb desselben, in
+eine ihm fremde Reflexion, gegen welche es gleichgültig ist. Dem
+transcendentalen Idealismus ist diese äußerliche Reflexion das
+Bewußtseyn. Indem dieses philosophische System alle Bestimmtheit der
+Dinge sowohl der Form als dem Inhalte nach in das Bewußtseyn verlegt,
+so fällt es nach diesem Standpunkt in mich, in das Subjekt, daß ich die
+Baumblätter nicht als schwarz, sondern als grün, die Sonne rund und
+nicht viereckig sehe, den Zucker süß und nicht bitter schmecke; daß ich
+den ersten und zweiten Schlag einer Uhr als succedirend, und nicht
+neben einander, noch den ersten als Ursache, auch nicht als Wirkung des
+zweiten bestimme u.s.f.—Dieser grellen Darstellung des subjektiven
+Idealismus widerspricht unmittelbar das Bewußtseyn der Freyheit, nach
+welchem Ich mich vielmehr als das Allgemeine und Unbestimmte weiß, jene
+mannigfaltigen und nothwendigen Bestimmungen von mir abtrenne und sie
+als ein für mich Äußerliches nur den Dingen Zukommendes erkenne.—Ich
+ist in diesem Bewußtseyn seiner Freyheit sich diejenige wahrhafte in
+sich reflektirte Identität, welche das Ding-an-sich seyn
+sollte.—Anderwärts habe ich gezeigt, daß jener transcendentale
+Idealismus über die Beschränktheit des Ich durch das Object, überhaupt
+über die endliche Welt nicht hinauskommt, sondern allein die Form der
+Schranke, die ihm ein Absolutes bleibt, ändert, indem er sie nämlich
+nur aus der objektiven Gestalt in die Subjektive übersezt, und
+dasjenige zu Bestimmtheiten des Ich und einem in diesem als einem Dinge
+vorgehenden wilden Wechsel derselben macht, was das gewöhnliche
+Bewußtseyn als eine ihm nur äußerlichen Dingen angehörige
+Mannigfaltigkeit und Veränderung weiß.—In der gegenwärtigen Betrachtung
+steht nur das Ding-an-sich und die ihm zunächst äußerliche Reflexion
+gegenüber; diese hat sich noch nicht als Bewußtseyn bestimmt, wie auch
+das Ding-an-sich nicht als Ich. Aus der Natur des Dinges-an-sich und
+der äußerlichen Reflexion hat sich ergeben, daß dieses Äußerliche
+selbst sich zum Dinge-an-sich bestimmt, oder umgekehrt zur eigenen
+Bestimmung jenes ersten Dinges-an-sich wird. Das Wesentliche der
+Unzulänglichkeit des Standpunkts, auf dem jene Philosophie stehen
+bleibt, besteht nun darin, daß sie an dem abstrakten Dinge-an-sich als
+einer letzten Bestimmung fest hält und die Reflexion, oder die
+Bestimmtheit und Mannigfaltigkeit der Eigenschaften dem Dinge-an-sich
+gegenüber stellt, indem in der That das Ding-an-sich wesentlich jene
+äußerliche Reflexion an ihm selbst hat, und sich zu einem mit eigenen
+Bestimmungen, mit Eigenschaften begabten bestimmt, wodurch sich die
+Abstraktion des Dinges, reines Ding-an-sich zu seyn, als eine unwahre
+Bestimmung erweist.
+
+c. Die Wechselwirkung der Dinge.
+
+Das Ding-an-sich existirt wesentlich; die äußerliche Unmittelbarkeit
+und die Bestimmtheit gehört zu seinem Ansichseyn, oder zu seiner
+Reflexion-in-sich. Das Ding an-sich ist dadurch ein Ding, das
+Eigenschaften hat, und es sind dadurch mehrere Dinge, die nicht durch
+eine ihnen fremde Rücksicht, sondern sich durch sich selbst von
+einander unterscheiden. Diese mehrern verschiedenen Dinge stehen in
+wesentlicher Wechselwirkung durch ihre Eigenschaften; die Eigenschaft
+ist diese Wechselbeziehung selbst, und das Ding ist nichts außer
+derselben; die gegenseitige Bestimmung, die Mitte der Dinge-an-sich,
+die als Extreme gleichgültig gegen diese ihre Beziehung bleiben
+sollten, ist selbst die mit sich identische Reflexion und das
+Ding-an-sich, das jene Extreme seyn sollten. Die Dingheit ist damit zur
+Form der unbestimmten Identität mit sich herabgesetzt, die ihre
+Wesentlichkeit nur in ihrer Eigenschaft hat. Wenn daher von einem Dinge
+oder von Dingen überhaupt ohne die bestimmte Eigenschaft die Rede ist,
+so ist ihr Unterschied ein bloß gleichgültiger, quantitativer.
+Dasselbe, was als ein Ding betrachtet wird, kann ebenso sehr zu mehrern
+Dingen gemacht, oder als mehrere Dinge betrachtet werden; es ist eine
+äußerliche Trennung oder Vereinigung. —Ein Buch ist ein Ding, und jedes
+seiner Blätter ist auch ein Ding, und ebenso jedes Stükchen seiner
+Blätter und so fort ins Unendliche. Die Bestimmtheit, wodurch ein Ding,
+nur dieses Ding ist, liegt allein in seinen Eigenschaften. Es
+unterscheidet sich durch sie von andern Dingen, weil die Eigenschaft
+die negative Reflexion und das Unterscheiden ist; das Ding hat daher
+nur in seiner Eigenschaft den Unterschied seiner von andern, an ihm
+selbst. Sie ist der in sich reflektirte Unterschied, wodurch das Ding
+in seinem Gesetztseyn, d. h. in seiner Beziehung auf Anderes zugleich
+gleichgültig gegen das Andere und gegen seine Beziehung ist. Dem Dinge
+ohne seine Eigenschaften, bleibt deswegen nichts als das abstrakte
+An-sich-seyn, ein unwesentlicher Umfang und äußerliches Zusammenfassen.
+Das wahrhafte Ansichseyn ist das Ansichseyn in seinem Gesetztseyn;
+dieses ist die Eigenschaft.
+
+Damit ist die Dingheit in die Eigenschaft übergegangen.
+
+Das Ding sollte sich als an-sich-seyendes Extrem gegen die Eigenschaft
+verhalten und diese die Mitte zwischen den in Beziehung stehenden
+Dingen ausmachen. Allein diese Beziehung ist das, worin die Dinge sich
+als die sich von sich selbst abstoßende Reflexion begegnen, worin sie
+unterschieden und bezogen sind. Dieser ihr Unterschied und ihre
+Beziehung, ist Eine Reflexion und Eine Kontinuität derselben. Die Dinge
+selbst fallen hiermit nur in diese Kontinuität, welche die Eigenschaft
+ist, und verschwinden als bestehende Extreme, die außer dieser
+Eigenschaft eine Existenz hätten.
+
+Die Eigenschaft, welche die Beziehung der selbstständigen Extreme
+ausmachen sollte, ist daher das Selbstständige selbst. Die Dinge
+dagegen sind das Unwesentliche. Sie sind ein Wesentliches nur als die,
+als sich unterscheidend sich auf sich beziehende Reflexion; aber dieß
+ist die Eigenschaft. Diese ist also nicht das im Dinge aufgehobene,
+oder sein bloßes Moment; sondern das Ding ist in Wahrheit nur jener
+unwesentliche Umfang, der zwar negative Einheit ist, aber nur wie das
+Eins des Etwas, nämlich ein unmittelbares Eins. Wenn vorhin das Ding
+als unwesentlicher Umfang insofern bestimmt wurde, als es durch eine
+äußerliche Abstraktion, welche die Eigenschaft von demselben wegläßt,
+dazu gemacht werde, so ist nunmehr diese Abstraktion durch das
+Übergehen des Dings-an-sich in die Eigenschaft selbst geschehen, aber
+mit umgekehrtem Werthe, so daß wenn jenem Abstrahiren das abstrakte
+Ding ohne seine Eigenschaft noch als das Wesentliche, die Eigenschaft
+aber als eine äußerliche Bestimmung vorschwebt, hier das Ding als
+solches sich durch sich selbst zu einer gleichgültigen äußerlichen Form
+der Eigenschaft bestimmt.—Diese ist somit nunmehr befreit von der
+unbestimmten und kraftlosen Verbindung, die das Eins des Dinges ist;
+sie ist das, was das Bestehen desselben ausmacht; eine selbstständige
+Materie.—Indem sie einfache Kontinuität mit sich ist, hat sie die Form
+zunächst nur als Verschiedenheit an ihr; es giebt daher mannigfaltige
+dergleichen selbstständige Materien und das Ding besteht aus ihnen.
+
+B. Das Bestehen des Dings aus Materien.
+
+Der Übergang der Eigenschaft in eine Materie oder in einen
+selbstständigen Stoff ist der bekannte Übergang, den an der sinnlichen
+Materie die Chemie macht, indem sie die Eigenschaften der Farbe, des
+Geruchs, des Geschmacks u.s.f. als Lichtstoff, Färbestoff, Riechstoff,
+sauren, bittern u.s.f. Stoff darzustellen sucht oder andere wie den
+Wärmestoff, die elektrische, magnetische Materie geradezu nur annimmt,
+und damit die Eigenschaften in ihrer Wahrhaftigkeit zu handhaben
+überzeugt ist.—Ebenso geläufig ist der Ausdruck, daß die Dinge aus
+verschiedenen Materien oder Stoffen bestehen. Man hütet sich, diese
+Materien oder Stoffe Dinge zu nennen; ob man wohl auch einräumen wird,
+daß z.B. ein Pigment, ein Ding ist; ich weiß aber nicht, ob z.B. auch
+der Lichtstoff, der Wärmestoff, oder die elektrische Materie u.s.f.
+Dinge genannt werden. Man unterscheidet die Dinge und ihre
+Bestandtheile, ohne genau anzugeben, ob diese und in wie weit sie auch
+Dinge, oder etwa nur Halbdinge seyen; aber Existirende überhaupt sind
+sie wenigstens.
+
+Die Nothwendigkeit, von den Eigenschaften zu Materien überzugehen, oder
+daß die Eigenschaften in Wahrheit Materien sind, hat sich daraus
+ergeben, daß sie das Wesentliche und damit das wahrhaft Selbstständige
+der Dinge sind.—Zugleich aber macht die Reflexion der Eigenschaft in
+sich nur die eine Seite der ganzen Reflexion aus; nämlich das Aufheben
+des Unterschieds und die Kontinuität der Eigenschaft, die eine Existenz
+für Anderes seyn sollte, mit sich selbst. Die Dingheit, als die
+negative Reflexion in sich, und das sich von Anderem abstoßende
+Unterscheiden ist dadurch zu einem unwesentlichen Momente herabgesetzt;
+zugleich aber hat es sich damit weiter bestimmt. Dieß negative Moment
+hat sich erstens erhalten; denn die Eigenschaft ist nur insofern mit
+sich kontinuirlich und selbstständige Materie geworden, als sich der
+Unterschied der Dinge aufgehoben hat; die Kontinuität der Eigenschaft
+in das Andersseyn enthält also selbst das Moment des Negativen, und
+ihre Selbstständigkeit ist zugleich als diese negative Einheit das
+wiederhergestellte Etwas der Dingheit; die negative Selbstständigkeit
+gegen die positive des Stoffes. Zweitens ist hierdurch das Ding aus
+seiner Unbestimmtheit zur vollkommenen Bestimmtheit gediehen. Als Ding
+an sich ist es die abstrakte Identität, die einfach negative Existenz,
+oder sie bestimmt als das Unbestimmte; alsdann ist es bestimmt durch
+seine Eigenschaften, durch welche es sich von andern unterscheiden
+soll; aber indem es durch die Eigenschaft vielmehr kontinuirlich mit
+andern ist, so hebt sich dieser unvollkommene Unterschied auf; das Ding
+ist dadurch in sich zurückgegangen und nun bestimmt als bestimmt; es
+ist an sich bestimmt oder dieses Ding.-Aber drittens ist diese Rückkehr
+in sich zwar die sich auf sich beziehende Bestimmung; aber sie ist
+zugleich unwesentlich; das mit sich kontinuirliche Bestehen macht die
+selbstständige Materie aus, in welcher der Unterschied der Dinge, ihre
+an und für sich seyende Bestimmtheit aufgehoben und ein Äußerliches
+ist. Das Ding als dieses ist also zwar vollkommene Bestimmtheit, aber
+es ist dieß die Bestimmtheit im Elemente der Unwesentlichkeit.
+
+Dieß von Seite der Bewegung der Eigenschaft aus betrachtet, ergiebt
+sich so. Die Eigenschaft ist nicht nur äußerliche Bestimmung, sondern
+an sich seyende Existenz. Diese Einheit der Äußerlichkeit und
+Wesentlichkeit stößt sich, weil sie die Reflexion-in-sich und die
+Reflexion in Anderes enthält, von sich selbst ab, und ist einer Seits
+die Bestimmung als einfaches sich identisch auf sich beziehendes
+Selbstständiges, in welchem die negative Einheit, das Eins des Dinges
+ein Aufgehobenes ist;—anderer Seits diese Bestimmung gegen Anderes,
+aber ebenfalls als in sich reflektirtes an sich bestimmtes Eins; die
+Materien also, und dieses Ding. Dieß sind die zwei Momente der mit sich
+identischen Äußerlichkeit, oder der in sich reflektirten
+Eigenschaft.—Die Eigenschaft war das, wodurch sich die Dinge
+unterscheiden sollten; indem sie sich von dieser ihrer negativen Seite,
+einem andern zu inhäriren, befreit hat, so ist damit auch das Ding von
+seinem Bestimmtseyn durch andere Dinge befreit worden, und aus der
+Beziehung auf Anderes, in sich zurückgegangen; aber es ist zugleich nur
+das sich anderes gewordene Ding-an-sich; weil die mannigfaltigen
+Eigenschaften ihrer Seits selbstständig, hierin also ihre negative
+Beziehung in dem Eins des Dinges nur eine aufgehobene geworden ist; es
+ist darum die mit sich identische Negation nur gegen die positive
+Kontinuität des Stoffes.
+
+Das Diese macht also so die vollkommene Bestimmtheit des Dinges aus,
+daß sie zugleich eine äußerliche ist. Das Ding besteht aus
+selbstständigen Materien, die gegen ihre Beziehung im Dinge
+gleichgültig sind. Diese Beziehung ist daher nur eine unwesentliche
+Verknüpfung derselben, und der Unterschied eines Dinges von anderen
+beruht darauf, ob mehrere der besondern Materien und in welcher Menge
+sie sich in ihm befinden. Sie gehen über dieses Ding hinaus,
+kontinuiren sich in andere, und diesem Dinge anzugehören, ist keine
+Schranke derselben. Ebenso wenig sind sie ferner eine Beschränkung für
+einander, weil ihre negative Beziehung nur das kraftlose Diese ist. Sie
+heben sich daher, indem sie in ihm verbunden werden, nicht auf; sie
+sind als Selbstständige undurchdringlich für einander; beziehen sich in
+ihrer Bestimmtheit nur auf sich, und sind eine gegen einander
+gleichgültige Mannigfaltigkeit des Bestehens; sie sind nur einer
+quantitativen Grenze fähig.—Das Ding als dieses ist diese ihre bloß
+quantitative Beziehung, eine bloße Sammlung, das Auch derselben. Es
+besteht aus irgend einem Quantum von einem Stoffe, auch aus dem eines
+andern, auch andern; diesen Zusammenhang, keinen Zusammenhang zu haben,
+macht allein das Ding aus.
+
+C. Die Auflösung des Dings.
+
+Dieses Ding, wie es sich bestimmt hat, als der bloß quantitative
+Zusammenhang der freien Stoffe, ist das schlechthin veränderliche.
+Seine Veränderung besteht darin, daß eine oder mehrere Materien aus der
+Sammlung ausgeschieden oder zu diesem Auch hinzugefügt werden, oder daß
+ihr Mengenverhältniß zu einander verändert wird. Das Entstehen und
+Vergehen dieses Dings ist die äußerliche Auflösung solcher äußerlichen
+Verbindung, oder die Verbindung solcher, denen es gleichgültig ist
+verbunden zu seyn oder nicht. Die Stoffe circuliren aus diesem Dinge
+unaufgehalten hinaus oder herein; es selbst ist die absolute Porosität
+ohne eigenes Maaß oder Form.
+
+So ist das Ding in seiner absoluten Bestimmtheit, wodurch es dieses
+ist, das schlechthin auflösbare. Diese Auflösung ist ein äußerliches
+Bestimmtwerden, so wie auch das Seyn desselben; aber seine Auflösung
+und die Äußerlichkeit seines Seyns ist das Wesentliche dieses Seyns; es
+ist nur das Auch; es besteht nur in dieser Äußerlichkeit. Aber es
+besteht auch aus seinen Materien, und nicht nur das abstrakte Dieses
+als solches, sondern das ganze diese Ding ist die Auflösung seiner
+selbst. Das Ding ist nämlich bestimmt als eine äußerliche Sammlung
+selbst-ständiger Materien; diese Materien sind nicht Dinge, sie haben
+nicht die negative Selbstständigkeit; sondern sind die Eigenschaften
+als das Selbstständige, nämlich das Bestimmtseyn, das als solches in
+sich reflektirt ist. Die Materien sind daher zwar einfach und beziehen
+sich nur auf sich selbst; aber ihr Inhalt ist eine Bestimmtheit; die
+Reflexion-in-sich ist nur die Form dieses Inhalts, der nicht als
+solcher in sich reflektirt ist, sondern nach seiner Bestimmtheit sich
+auf Anderes bezieht. Das Ding ist daher nicht nur das Auch
+derselben,—die Beziehung derselben als gegen einander gleichgültiger,
+sondern ebenso sehr ihre negative Beziehung;—um ihrer Bestimmtheit sind
+die Materien selbst, diese ihre negative Reflexion; welche die
+Punktualität des Dinges ist. Die eine Materie ist nicht, was die andere
+ist, nach der Bestimmtheit ihres Inhalts gegen einander; und die eine
+ist nicht, insofern die andere ist, nach ihrer Selbstständigkeit.
+
+Das Ding ist daher so die Beziehung der Materien, aus denen es besteht,
+auf einander, daß in ihm die eine und die andere auch bestehen, aber
+daß darin zugleich die eine nicht besteht, insofern die andere besteht.
+Insofern also die eine Materie in dem Dinge ist, so ist die andere
+dadurch aufgehoben; aber das Ding ist zugleich das Auch, oder das
+Bestehen der andern. In dem Bestehen der einen Materie besteht daher
+die andere nicht, und ebenso sehr besteht sie auch in der erstern; und
+so gegenseitig alle diese verschiedenen Materien. Indem also in
+derselben Rüksicht, als die eine besteht, auch die andern bestehen,
+welches Eine Bestehen derselben die Punktualität oder negative Einheit
+des Dings ist, so durchdringen sie sich schlechthin; und indem das Ding
+zugleich nur das Auch der-selben, und die Materien in ihre Bestimmtheit
+reflektirt sind, so sind sie gleichgültig gegen einander, und berühren
+sich in ihrer Durchdringung nicht. Die Materien sind daher wesentlich
+porös, so daß die eine besteht in den Poren oder in dem Nichtbestehen
+der andern; aber diese andern sind selbst porös; in ihren Poren oder
+ihrem Nichtbestehen besteht auch die erste, und alle die übrigen; ihr
+Bestehen ist zugleich ihr Aufgehobenseyn, und das Bestehen von anderen;
+und dieß Bestehen der andern ist ebenso sehr dieser ihr Aufgehobenseyn
+und das Bestehen der ersteren und auf gleiche Weise aller andern. Das
+Ding ist daher die sich widersprechende Vermittelung des
+selbstständigen Bestehens mit sich durch sein Gegentheil, nämlich durch
+seine Negation, oder einer selbstständigen Materie durch das Bestehen
+und Nichtbestehen einer andern.—Die Existenz hat in diesem Dinge ihre
+Vollständigkeit erreicht, nämlich in Einem an sich seyendes Seyn oder
+selbstständiges Bestehen, und unwesentliche Existenz zu seyn; die
+Wahrheit der Existenz ist daher, ihr Ansichseyn in der
+Unwesentlichkeit, oder ihr Bestehen in einem Andern und zwar dem
+absolut Andern, oder zu ihrer Grundlage ihre Nichtigkeit zu haben. Sie
+ist daher Erscheinung.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist eine der geläufigsten Bestimmungen des Vorstellens, daß ein Ding
+aus vielen selbstständigen Materien bestehe. Einer Seits wird das Ding
+betrachtet, daß es Eigenschaften habe, deren Bestehen das Ding ist.
+Anderer Seits aber werden diese verschiedenen Bestimmungen als Materien
+genommen, deren Bestehen nicht das Ding ist, sondern umgekehrt besteht
+das Ding aus ihnen; es selbst ist nur ihre äußerliche Verbindung und
+quantitative Grenze. Beides, die Eigenschaften und die Materien sind
+dieselben Inhaltsbestimmungen, nur daß sie dort Momente, in ihre
+negative Einheit als in eine von ihnen selbst unterschiedene Grundlage,
+die Dingheit, reflektirte sind, hier selbstständige verschiedene, deren
+jedes in seine eigene Einheit mit sich reflektirt ist. Diese Materien
+nun bestimmen sich ferner als selbstständiges Bestehen; aber sie sind
+auch zusammen in einem Dinge. Dieses Ding hat die zwei Bestimmungen,
+erstlich dieses zu seyn, und zweitens das Auch zu seyn. Das Auch ist
+dasjenige, was in der äußeren Anschauung als Raumausdehnung vorkommt;
+Dieses aber, die negative Einheit, ist die Punktualität des Dinges. Die
+Materien sind zusammen in der Punktualität, und ihr Auch oder die
+Ausdehnung ist allenthalben diese Punktualität; denn das Auch als
+Dingheit ist wesentlich auch als negative Einheit bestimmt. Wo daher
+die eine dieser Materien ist, in einem und demselben Punkte ist die
+andere; das Ding hat nicht an einem andern Orte seine Farbe, an einem
+andern seinen Riechstoff, an einem dritten seinen Wärmestoff u.s.f.
+sondern in dem Punkte, in dem es warm ist, ist es auch farbig, sauer,
+elektrisch u.s.w. Weil nun diese Stoffe nicht außer einander, sondern
+in Einem Diesen sind, werden sie als porös angenommen, so daß die eine
+in den Zwischenräumen der andern existirt. Diejenige, die sich in den
+Zwischenräumen der andern befindet, ist aber auch selbst porös; in
+ihren Poren existirt daher umgekehrt die andere; aber nicht nur diese,
+sondern auch die dritte, zehnte, u.s.f. Alle sind porös und in den
+Zwischenräumen einer jeden befinden sich alle andern, wie sie sich mit
+den übrigen in diesen Poren einer jeden befindet. Sie sind daher eine
+Menge, die sich so gegenseitig durchdringt, daß die durchdringenden von
+den anderen ebenso durchdrungen werden, daß somit jede ihr eigenes
+Durchdrungenseyn wieder durchdringt. Jede ist als ihre Negation
+gesetzt, und diese Negation ist das Bestehen einer anderen; aber dieß
+Bestehen ist ebenso sehr die Negation dieser andern und das Bestehen
+der ersten.
+
+Die Ausrede, durch welche das Vorstellen den Widerspruch des
+selbstständigen Bestehens der mehreren Materien in Einem, oder die
+Gleichgültigkeit derselben gegen einander in ihrer Durchdringung
+abhält, pflegt bekanntlich die Kleinheit der Theile und der Poren zu
+seyn. Wo der Unterschied-an-sich, der Widerspruch und die Negation der
+Negation eintritt, überhaupt wo begriffen werden soll, läßt das
+Vorstellen sich in den äußerlichen, den quantitativen Unterschied
+herunterfallen; in Ansehung des Entstehens und Vergehens nimmt es seine
+Zuflucht zur Allmähligkeit und in Ansehung des Seyns zur Kleinheit,
+worin das Verschwindende zum Unbemerkbaren, der Widerspruch zu einer
+Verwirrung herabgesetzt, und das wahre Verhältniß in ein unbestimmtes
+Vorstellen hinübergespielt wird, dessen Trübheit das sich Aufhebende
+rettet.
+
+Näher aber diese Trübheit beleuchtet, so zeigt sie sich als der
+Widerspruch, Theils als der subjektive des Vorstellens, Theils als der
+objektive des Gegenstands; das Vorstellen selbst enthält vollständig
+die Elemente desselben. Was es nämlich erstlich selbst thut, ist der
+Widerspruch, sich an die Wahrnehmung halten und Dinge des Daseyns vor
+sich haben zu wollen, und anderer Seits dem Nichtwahrnehmbaren, durch
+die Reflexion bestimmten, sinnliches Daseyn zuzuschreiben;—die kleinen
+Theile und Poren sollen zugleich ein sinnliches Daseyn seyn und es wird
+von ihrem Gesetztseyn als von derselben Weise der Realität
+gesprochen,—welche der Farbe, Wärme u. s.f. zukommt. Wenn ferner das
+Vorstellen diesen gegenständlichen Nebel, die Poren und die kleinen
+Theilchen, näher betrachtete, so erkennte es darin nicht nur eine
+Materie und auch deren Negation, so daß hier die Materie, und daneben
+ihre Negation, der Porus, und neben diesem wieder Materie und so fort
+sich befände, sondern daß es in diesem Dinge, 1) die selbstständige
+Materie, 2) ihre Negation oder Porosität und die andere selbstständige
+Materie in einem in und demselben Punkte hat, daß diese Porosität und
+das selbstständige Bestehen der Materien ineinander als in Einem eine
+gegenseitige Negation und Durchdringen des Durchdringens ist.—Die
+neueren Darstellungen der Physik über die Verbreitung des Wasserdampfes
+in der atmosphärischen Luft und der Gasarten durch einander, heben eine
+Seite des Begriffs, der sich hier über die Natur des Dinges ergeben
+hat, bestimmter heraus.
+
+Sie zeigen nämlich, daß z.B. ein gewisses Volumen eben so viel
+Wasserdampf aufnimmt, es sey leer von athmosphärischer Luft oder damit
+erfüllt; auch daß die Gasarten so sich in einander verbreiten, daß jede
+für die andere so gut als ein Vacuum ist, wenigstens daß sie in keiner
+chemischen Verbindung miteinander sind, jedes ununterbrochen durch das
+andere mit sich kontinuirlich bleibt und sich in seiner Durchdringung
+mit den andern, gleichgültig gegen sie erhält.—Aber das weitere Moment
+im Begriffe des Dinges ist, daß im Diesen die eine Materie sich
+befindet wo die andere, und das Durchdringende in demselben Punkte auch
+durchdrungen ist, oder das Selbstständige unmittelbar die
+Selbstständigkeit eines Andern ist. Dieß ist widersprechend; aber das
+Ding ist nichts Anderes als dieser Widerspruch selbst; darum ist es
+Erscheinung.
+
+Eine ähnliche Bewandtniß, als es mit diesen Materien hat, hat es im
+Geistigen mit der Vorstellung der Seelenkräfte oder Seelenvermögen. Der
+Geist ist in viel tieferem Sinne dieses, die negative Einheit, in
+welcher sich seine Bestimmungen durchdringen. Aber als Seele
+vorgestellt, pflegt er häufig als ein Ding genommen zu werden. Wie man
+den Menschen überhaupt aus Seele und Leib bestehen läßt, deren jedes
+als ein Selbstständiges für sich gilt, so läßt man die Seele aus
+sogenannten Seelenkräften bestehen, deren jede eine für sich bestehende
+Selbstständigkeit hat, oder eine unmittelbare für sich nach ihrer
+Bestimmtheit wirkende Thätigkeit ist. Man stellt sich so vor, daß hier
+der Verstand, hier die Einbildungskraft für sich wirke, daß man den
+Verstand, das Gedächtniß, u.s.f. jede für sich kultivire, und
+einstweilen die andern Kräfte in Unthätigkeit linker Hand liegen lasse,
+bis die Reihe vielleicht, vielleicht auch nicht an sie komme. Indem sie
+in das materiell-einfache Seelending verlegt werden, welches als
+einfach immateriell sey, so werden die Vermögen zwar nicht als
+besondere Materien vorgestellt; aber als Kräfte werden sie gleich
+indifferent gegen einander angenommen, als jene Materien. Aber der
+Geist ist nicht jener Widerspruch, welcher das Ding ist, das sich
+auflöst und in Erscheinung übergeht; sondern er ist schon an ihm selbst
+der in seine absolute Einheit, nämlich den Begriffe zurückgegangene
+Widerspruch, worin die Unterschiede nicht mehr als selbstständige,
+sondern nur als besondere Momente im Subjekte, der einfachen
+Individualität, zu denken sind.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Erscheinung.
+
+
+Die Existenz ist die Unmittelbarkeit des Seyns, zu der sich das Wesen
+wieder hergestellt hat. Diese Unmittelbarkeit ist an sich die Reflexion
+des Wesens in sich. Das Wesen ist als Existenz aus seinem Grunde
+heraufgetreten, der selbst in sie übergegangen ist. Die Existenz ist
+diese reflektirte Unmittelbarkeit, insofern sie an ihr selbst die
+absolute Negativität ist. Sie ist nunmehr auch als dieß gesetzt, indem
+sie sich als Erscheinung bestimmt hat.
+
+Die Erscheinung ist daher zunächst das Wesen in seiner Existenz; das
+Wesen ist unmittelbar an ihr vorhanden. Daß sie nicht als unmittelbare,
+sondern die reflektirte Existenz ist, dieß macht das Moment des Wesens
+an ihr aus; oder die Existenz als wesentliche Existenz ist Erscheinung.
+
+Es ist etwas nur Erscheinung,—in dem Sinne, daß die Existenz als solche
+nur ein Gesetztes, nicht an- und für-sich-Seyendes ist. Dieß macht ihre
+Wesentlichkeit aus, an ihr selbst die Negativität der Reflexion, die
+Natur des Wesens, zu haben. Es ist dieß nicht eine fremde, äußerliche
+Reflexion, welcher das Wesen zugehörte, und die durch Vergleichung
+desselben mit der Existenz diese für Erscheinung erklärte. Sondern, wie
+sich ergeben hat, ist diese Wesentlichkeit der Existenz, Erscheinung zu
+seyn, die eigne Wahrheit der Existenz. Die Reflexion, wodurch sie dieß
+ist, gehört ihr selbst an.
+
+Wenn aber gesagt wird, Etwas sey nur Erscheinung in dem Sinne, als ob
+dagegen die unmittelbare Existenz die Wahrheit wäre; so ist vielmehr
+die Erscheinung die höhere Wahrheit; denn sie ist die Existenz wie sie
+als wesentliche, da hingegen die Existenz die noch wesenlose
+Erscheinung ist; weil sie nur das eine Moment der Erscheinung, nämlich
+die Existenz als unmittelbare, noch nicht ihre negative Reflexion, an
+ihr hat. Wenn die Erscheinung wesenlos genannt wird, so wird an das
+Moment ihrer Negativität so gedacht, als ob das Unmittelbare dagegen
+das Positive und Wahrhafte wäre; aber vielmehr enthält dieß
+Unmittelbare die wesentliche Wahrheit noch nicht an ihm. Die Existenz
+hört vielmehr auf, wesenlos zu seyn, darin, daß sie in Erscheinung
+übergeht.
+
+Das Wesen scheint zunächst in ihm selbst, in seiner einfachen
+Identität; so ist es die abstrakte Reflexion, die reine Bewegung von
+Nichts durch Nichts zu sich selbst zurück. Das Wesen erscheint, so ist
+es nunmehr realer Schein, indem die Momente des Scheins Existenz haben.
+Die Erscheinung ist, wie sich ergeben hat, das Ding als die negative
+Vermittelung seiner mit sich selbst; die Unterschiede, welche es
+enthält, sind selbstständige Materien, die der Widerspruch sind, ein
+unmittelbares Bestehen zu seyn, und zugleich nur in fremder
+Selbstständigkeit also in der Negation der eigenen ihr Bestehen zu
+haben, und wieder eben darum auch nur in der Negation jener fremden
+oder in der Negation ihrer eigenen Negation. Der Schein ist dieselbe
+Vermittelung, aber seine haltlosen Momente haben in der Erscheinung die
+Gestalt unmittelbarer Selbstständigkeit. Dagegen ist die unmittelbare
+Selbstständigkeit, die der Existenz zukommt, ihrer Seits zum Momente
+herabgesetzt. Die Erscheinung ist daher Einheit des Scheins und der
+Existenz.
+
+Die Erscheinung bestimmt sich nun näher. Sie ist die wesentliche
+Existenz; die Wesentlichkeit derselben unterscheidet sich von ihr als
+unwesentlicher und diese beiden Seiten treten in Beziehung mit
+einander.—Sie ist daher zuerst einfache Identität mit sich, die
+zugleich verschiedene Inhaltsbestimmungen enthält, welche sowohl selbst
+als deren Beziehung das im Wechsel der Erscheinung sich gleich
+bleibende ist; das Gesetz der Erscheinung.
+
+Zweitens aber geht das in seiner Verschiedenheit einfache Gesetz in den
+Gegensatz über; das Wesentliche der Erscheinung wird ihr selbst
+entgegengesetzt und der erscheinenden Welt tritt die an sich seyende
+Welt gegenüber.
+
+Drittens geht dieser Gegensatz in seinen Grund zurück; das
+Ansichseyende ist in der Erscheinung und umgekehrt ist das Erscheinende
+bestimmt als in sein Ansichseyn aufgenommen; die Erscheinung wird
+Verhältniß.
+
+A. Das Gesetz der Erscheinung.
+
+1. Die Erscheinung ist das Existirende vermittelt durch seine Negation,
+welche sein Bestehen ausmacht. Diese seine Negation ist zwar ein
+anderes Selbstständiges; aber dieß ist ebenso wesentlich ein
+aufgehobenes. Das Existirende ist daher die Rückkehr seiner in sich
+selbst durch seine Negation und durch die Negation dieser seiner
+Negation; es hat also wesentliche Selbstständigkeit; so wie es gleich
+unmittelbar schlechthin Gesetztseyn ist, das einen Grund und ein
+Anderes zu seinem Bestehen hat.—Fürs Erste ist also die Erscheinung die
+Existenz zugleich mit ihrer Wesentlichkeit, das Gesetztseyn mit seinem
+Grunde; aber dieser Grund ist die Negation; und das andere
+Selbstständige, der Grund des ersten, ist gleichfalls nur ein
+Gesetztseyn. Oder das Existirende ist als Erscheinendes in ein Anderes
+reflektirt und hat es zu seinem Grunde, welches selbst nur dieß ist, in
+ein Anderes reflektirt zu seyn. Die wesentliche Selbstständigkeit, die
+ihm zukommt, weil es Rückkehr in sich selbst ist, ist um der
+Negativität der Momente willen, die Rückkehr des Nichts durch Nichts zu
+sich selbst zurück; die Selbstständigkeit des Existirenden ist daher
+nur der wesentliche Schein. Der Zusammenhang des sich gegenseitig
+begründenden Existirenden besteht darum in dieser gegenseitigen
+Negation, daß das Bestehen des einen nicht das Bestehen des andern,
+sondern dessen Gesetztseyn ist, welche Beziehung des Gesetztseyns
+allein ihr Bestehen ausmacht. Der Grund ist vorhanden, wie er in seiner
+Wahrheit ist, nämlich ein Erstes zu seyn, das nur ein Vorausgesetztes
+ist.
+
+Dieß macht nun die negative Seite der Erscheinung aus. Aber in dieser
+negativen Vermittelung ist unmittelbar die positive Identität des
+Existirenden mit sich enthalten. Denn es ist nicht Gesetztseyn gegen
+einen wesentlichen Grund, oder ist nicht der Schein an einem
+Selbstständigen; sondern ist Gesetztseyn, das sich auf ein Gesetztseyn
+bezieht, oder ist ein Schein nur in einem Scheine. Es bezieht sich in
+dieser seiner Negation oder in seinem Andern, das selbst ein
+Aufgehobenes ist, auf sich selbst; ist also mit sich identische oder
+positive Wesentlichkeit.—Dieses Identische ist nicht die
+Unmittelbarkeit, die der Existenz als solcher zukommt, und nur das
+Unwesentliche ist, sein Bestehen in einem Andern zu haben. Sondern es
+ist der wesentliche Inhalt der Erscheinung, welcher zwei Seiten hat,
+erstens in der Form des Gesetztseyns oder der äußerlichen
+Unmittelbarkeit, zweitens das Gesetztseyn als mit sich Identisches zu
+seyn. Nach der ersten Seite ist er als ein Daseyn, aber als ein
+zufälliges, unwesentliches, das nach seiner Unmittelbarkeit dem
+Übergehen, Entstehen und Vergehen unterworfen ist. Nach der andern
+Seite ist er die einfache jenem Wechsel entnommene Inhaltsbestimmung,
+das Bleibende desselben.
+
+Außerdem daß dieser Inhalt überhaupt das Einfache des Vergänglichen
+ist, ist er auch bestimmter, in sich verschiedener Inhalt. Er ist die
+Reflexion der Erscheinung, des negativen Daseyns, in sich, enthält also
+die Bestimmtheit wesentlich. Die Erscheinung aber ist die seyende
+vielfache Verschiedenheit, die sich in unwesentlicher Mannigfaltigkeit
+herumwirft; ihr reflektirter Inhalt dagegen ist ihre Mannigfaltigkeit
+auf den einfachen Unterschied reducirt. Der bestimmte wesentliche
+Inhalt ist nämlich näher, nicht nur bestimmt überhaupt, sondern als das
+Wesentliche der Erscheinung die vollständige Bestimmtheit; eines und
+sein Anderes. In der Erscheinung hat jedes dieser beiden sein Bestehen
+so in dem Andern, daß es zugleich nur in dessen Nichtbestehen ist.
+Dieser Widerspruch hebt sich auf; und die Reflexion desselben in sich,
+ist die Identität ihres beiderseitigen Bestehens, daß das Gesetztseyn
+des einen auch das Gesetztseyn des Andern ist. Sie machen Ein Bestehen
+aus, zugleich als verschiedener, gegen einander gleichgültiger Inhalt.
+In der wesentlichen Seite der Erscheinung ist somit das Negative des
+unwesentlichen Inhalts, sich aufzuheben, in die Identität
+zurückgegangen; er ist ein gleichgültiges Bestehen, welches nicht das
+Aufgehobenseyn, sondern vielmehr das Bestehen des Andern ist.
+
+Diese Einheit ist das Gesetz der Erscheinung.
+
+2. Das Gesetz ist also das Positive der Vermittelung des Erscheinenden.
+Die Erscheinung ist zunächst die Existenz als die negative Vermittelung
+mit sich, so daß das Existirende durch sein eigenes Nichtbestehen,
+durch ein Anderes, und wieder durch das Nichtbestehen dieses Andern mit
+sich vermittelt ist. Darin ist enthalten erstens das bloße Scheinen und
+das Verschwinden beider, die unwesentliche Erscheinung; zweitens auch
+das Bleiben oder das Gesetz; denn jedes der beiden existirt in jenem
+Aufheben des Andern; und ihr Gesetztseyn als ihre Negativität ist
+zugleich das identische, positive Gesetztseyn beider.
+
+Dieß bleibende Bestehen, welches die Erscheinung im Gesetze hat, ist
+somit, wie es sich bestimmt hat, erstlich entgegengesetzt der
+Unmittelbarkeit des Seyns, welche die Existenz hat. Diese
+Unmittelbarkeit ist zwar an sich die reflektirte, nämlich der in sich
+zurückgegangene Grund; aber in der Erscheinung ist nun diese einfache
+Unmittelbarkeit von der reflektirten unterschieden, welche im Dinge
+erst sich zu trennen anfingen. Das existirende Ding ist in seiner
+Auflösung dieser Gegensatz geworden; das Positive seiner Auflösung ist
+jene Identität des Erscheinenden als Gesetztseyns mit sich in seinem
+andern Gesetztseyn.—Zweitens ist diese reflektirte Unmittelbarkeit
+selbst bestimmt als das Gesetztseyn, gegen die seyende Unmittelbarkeit
+der Existenz. Dieß Gesetztseyn ist nunmehr das Wesentliche, und
+wahrhaft Positive. Der deutsche Ausdruck Gesetz enthält diese
+Bestimmung gleichfalls. In diesem Gesetztseyn liegt die wesentliche
+Beziehung der beiden Seiten des Unterschiedes, die das Gesetz enthält;
+sie sind verschiedener gegen einander unmittelbarer Inhalt und sind
+dieß als die Reflexion des der Erscheinung angehörigen, verschwindenden
+Inhalts. Als wesentliche Verschiedenheit, sind die Verschiedenen
+einfache sich auf sich beziehende Inhaltsbestimmungen. Aber ebenso sehr
+ist keine für sich unmittelbar, sondern jede ist wesentlich
+Gesetztseyn, oder ist nur, insofern die andere ist.
+
+Drittens Erscheinung und Gesetz haben einen und denselben Inhalt. Das
+Gesetz ist die Reflexion der Erscheinung in die Identität mit sich; so
+steht die Erscheinung als das nichtige Unmittelbare dem
+Insichreflektirten gegenüber, und sie sind nach dieser Form
+unterschieden. Aber die Reflexion der Erscheinung, wodurch dieser
+Unterschied ist, ist auch die wesentliche Identität der Erscheinung
+selbst und ihrer Reflexion, was überhaupt die Natur der Reflexion ist;
+sie ist das im Gesetztseyn identische mit sich, und gleichgültig gegen
+jenen Unterschied, welcher die Form oder das Gesetztseyn ist; also ein
+Inhalt, der sich aus der Erscheinung in das Gesetz kontinuirt, der
+Inhalt des Gesetzes, und der Erscheinung.
+
+Dieser Inhalt macht hiermit die Grundlage der Erscheinung aus; das
+Gesetz ist diese Grundlage selbst, die Erscheinung ist derselbe Inhalt,
+aber enthält noch mehr, nämlich den unwesentlichen Inhalt ihres
+unmittelbaren Seyns. Auch die Formbestimmung, wodurch die Erscheinung
+als solche von dem Gesetze unterschieden ist, ist nämlich ein Inhalt
+und gleichfalls ein vom Inhalte des Gesetzes unterschiedener. Denn die
+Existenz ist als Unmittelbarkeit überhaupt gleichfalls ein mit sich
+Identisches der Materie und Form, das gegen seine Formbestimmungen
+gleichgültig und daher Inhalt ist; sie ist die Dingheit mit ihren
+Eigenschaften und Materien. Aber sie ist der Inhalt, dessen
+selbstständige Unmittelbarkeit zugleich nur als ein Nichtbestehen ist.
+Die Identität desselben mit sich in diesem seinem Nichtbestehen aber
+ist der andere, wesentliche Inhalt. Diese Identität, die Grundlage der
+Erscheinung, welche das Gesetz ausmacht, ist ihr eigenes Moment; es ist
+die positive Seite der Wesentlichkeit, wodurch die Existenz Erscheinung
+ist.
+
+Das Gesetz ist daher nicht jenseits der Erscheinung, sondern in ihr
+unmittelbar gegenwärtig; das Reich der Gesetze ist das ruhige Abbild
+der existirenden oder erscheinenden Welt. Aber vielmehr ist beides Eine
+Totalität, und die existirende Welt ist selbst das Reich der Gesetze,
+das als das einfache Identische, zugleich als in dem Gesetztseyn oder
+in der sich selbstauflösenden Selbstständigkeit der Existenz identisch
+mit sich ist. Die Existenz geht in das Gesetz als in ihren Grund
+zurück; die Erscheinung enthält dieß Beides, den einfachen Grund, und
+die auflösende Bewegung des erscheinenden Universums, deren
+Wesentlichkeit er ist.
+
+3. Das Gesetz ist also die wesentliche Erscheinung; es ist die
+Reflexion derselben in sich in ihrem Gesetztseyn, der identische Inhalt
+seiner und der unwesentlichen Existenz. Erstlich ist nun diese
+Identität des Gesetzes mit seiner Existenz nur erst die unmittelbare,
+einfache Identität, und das Gesetz ist gleichgültig gegen seine
+Existenz; die Erscheinung hat noch einen andern Inhalt gegen den Inhalt
+des Gesetzes. Jener ist zwar der unwesentliche, und das Zurückgehen in
+diesen; aber für das Gesetz ist er ein Erstes, das nicht durch dieses
+gesetzt ist; er ist daher als Inhalt äußerlich mit dem Gesetze
+verbunden. Die Erscheinung ist eine Menge näherer Bestimmungen, die dem
+Diesen oder dem Konkreten angehören und nicht im Gesetze enthalten,
+sondern durch ein Anderes bestimmt sind. —Zweitens das, was die
+Erscheinung von dem Gesetze Verschiedenes enthält, bestimmte sich als
+ein Positives oder als ein anderer Inhalt; aber es ist wesentlich ein
+Negatives; es ist die Form und ihre Bewegung als solche, die der
+Erscheinung zukommt. Das Reich der Gesetze ist der ruhige Inhalt der
+Erscheinung; diese ist derselbe aber sich im unruhigen Wechsel und als
+die Reflexion in anderes darstellend. Sie ist das Gesetz als die
+negative sich schlechthin verändernde Existenz, die Bewegung des
+Übergehens in Entgegengesetzte, des sich Aufhebens und des Zurückgehens
+in die Einheit. Diese Seite der unruhigen Form oder der Negativität
+enthält das Gesetz nicht; die Erscheinung ist daher gegen das Gesetz
+die Totalität, denn sie enthält das Gesetz, aber auch noch mehr,
+nämlich das Moment der sich selbst bewegenden Form.—Dieser Mangel ist
+drittens am Gesetze so vorhanden, daß dessen Inhalt nur erst ein
+verschiedener, damit ein gegen sich gleichgültiger ist; daher die
+Identität seiner Seiten miteinander nur erst eine unmittelbare und
+damit innere, oder noch nicht nothwendige ist. Im Gesetze sind zwei
+Inhaltsbestimmungen als wesentlich verbunden (z.B. im Gesetze der
+Bewegung des Falls die Raumgröße und die Zeitgröße; die durchloffenen
+Räume verhalten sich wie die Quadrate der verflossenen Zeiten); sie
+sind verbunden; diese Beziehung ist nur erst eine unmittelbare. Sie ist
+daher gleichfalls nur erst eine gesetzte, wie in der Erscheinung das
+Unmittelbare überhaupt die Bedeutung des Gesetztseyns erhalten bat. Die
+wesentliche Einheit der beiden Seiten des Gesetzes wäre ihre
+Negativität, daß nämlich die eine an ihr selbst ihre andere enthielte;
+aber diese wesentliche Einheit ist noch nicht am Gesetze
+hervorgetreten. (—So ist es nicht im Begriffe des im Falle
+durchloffenen Raumes enthalten, daß ihm die Zeit als Quadrat
+entspricht. Weil der Fall eine sinnliche Bewegung ist, ist er die
+Beziehung von Zeit und Raum; aber erstens liegt es in der Bestimmung
+der Zeit selbst nicht,—d. h. wie die Zeit nach ihrer Vorstellung
+genommen wird, daß sie sich auf den Raum bezieht, und umgekehrt; man
+sagt, man könne sich die Zeit sehr wohl ohne den Raum und den Raum ohne
+die Zeit vorstellen; das eine tritt also äußerlich zu dem andern hinzu,
+welche äußerliche Beziehung die Bewegung ist. Zweitens ist die nähere
+Bestimmung gleichgültig, nach welchen Größen sich in der Bewegung Raum
+und Zeit zu einander verhalten. Das Gesetz hierüber wird aus der
+Erfahrung erkannt; insofern ist es nur unmittelbar; es erfordert noch
+einen Beweis, d. h. eine Vermittelung, für das Erkennen, daß das Gesetz
+nicht nur Statt hat, sondern nothwendig ist; diesen Beweis und seine
+objektive Nothwendigkeit enthält das Gesetz als solches nicht.—) Das
+Gesetz ist daher nur die positive Wesentlichkeit der Erscheinung, nicht
+ihre negative, nach welcher die Inhaltsbestimmungen Momente der Form
+sind, als solche in ihr Anderes übergehen, und an ihnen selbst ebenso
+sehr nicht sie, sondern ihr anderes sind. Im Gesetze ist also zwar das
+Gesetztseyn der einen Seite desselben das Gesetztseyn der andern; aber
+ihr Inhalt ist gleichgültig gegen diese Beziehung, er enthält nicht an
+ihm selbst dieß Gesetztseyn. Das Gesetz ist daher wohl die wesentliche
+Form, aber noch nicht die in ihre Seiten als Inhalt reflektirte, reale
+Form.
+
+B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt.
+
+I. Die existirende Welt erhebt sich ruhig zu einem Reiche von Gesetzen;
+der nichtige Inhalt ihres mannigfaltigen Daseyns hat in einem Andern
+sein Bestehen; sein Bestehen ist daher seine Auflösung. Aber in diesem
+Andern geht das Erscheinende auch mit sich selbst zusammen; so ist die
+Erscheinung in ihrem Wandel auch ein Bleiben, und ihr Gesetztseyn ist
+Gesetz. Das Gesetz ist diese einfache Identität der Erscheinung mit
+sich; daher die Grundlage, nicht der Grund derselben; denn es ist nicht
+die negative Einheit der Erscheinung; sondern als ihre einfache
+Identität, die unmittelbare als abstrakte Einheit, neben welcher daher
+auch der andre Inhalt derselben Statt hat. Der Inhalt ist dieser, hängt
+in sich zusammen, oder hat seine negative Reflexion innerhalb seiner
+selbst. Er ist in ein anderes reflektirt; dieß Andere ist selbst eine
+Existenz der Erscheinung; die erscheinenden Dinge haben ihre Gründe und
+Bedingungen an andern erscheinenden Dingen.
+
+In der That aber ist das Gesetz auch das Andere der Erscheinung als
+solcher, und ihre negative Reflexion als in ihr Anderes. Der Inhalt der
+Erscheinung, der vom Inhalt des Gesetzes verschieden ist, ist das
+Existirende, das seine Negativität zu seinem Grunde hat oder in sein
+Nichtseyn reflektirt ist. Aber dieß Andere, das auch ein Existirendes
+ist, ist gleichfalls ein solches in sein Nichtseyn Reflektirtes; es ist
+also dasselbe, und das Erscheinende ist darin in der That nicht in ein
+anderes, sondern in sich reflektirt; eben diese Reflexion des
+Gesetztseyns in sich ist das Gesetz. Aber als Erscheinendes ist es
+wesentlich in sein Nichtseyn reflektirt, oder seine Identität ist
+selbst wesentlich ebenso sehr seine Negativität und sein Anderes. Die
+Reflexion-in-sich der Erscheinung, das Gesetz, ist also auch nicht nur
+ihre identische Grundlage, sondern sie hat an ihm ihren Gegensatz, und
+es ist ihre negative Einheit.
+
+Dadurch hat sich nun die Bestimmung des Gesetzes an ihm selbst
+verändert.
+
+Zunächst ist es nur ein verschiedener Inhalt, und die formale Reflexion
+des Gesetztseyns in sich, so daß das Gesetztseyn der einen seiner
+Seiten das Gesetztseyn der andern ist. Weil es aber auch die negative
+Reflexion in sich ist, so verhalten sich seine Seiten nicht nur als
+verschiedene, sondern als negativ sich auf einander beziehende.—Oder
+das Gesetz bloß für sich betrachtet, so sind die Seiten seines Inhalts
+gleichgültige gegen einander; aber ebenso sehr sind sie durch ihre
+Identität aufgehobene; das Gesetztseyn der einen ist das Gesetztseyn
+der andern; also ist das Bestehen einer jeden auch das Nichtbestehen
+ihrer selbst. Dieß Gesetztseyn der einen in der andern ist ihre
+negative Einheit und jedes ist nicht nur das Gesetztseyn ihrer, sondern
+auch der andern, oder jede ist selbst diese negative Einheit. Die
+positive Identität, welche sie im Gesetze als solchem haben, ist nur
+erst ihre innere Einheit, welche des Beweises und der Vermittelung
+bedarf, weil diese negative Einheit noch nicht an ihnen gesetzt ist.
+Aber indem die verschiedenen Seiten des Gesetzes nunmehr bestimmt sind,
+als in ihrer negativen Einheit verschiedene zu seyn, oder als solche,
+deren jedes sein Anderes an ihm selbst enthält und zugleich als
+Selbstständiges dieß sein Andersseyn von sich abstößt, so ist die
+Identität des Gesetzes nunmehr auch eine gesetzte und reale.
+
+Damit hat also das Gesetz das mangelnde Moment der negativen Form
+seiner Seiten gleichfalls erhalten; das Moment, das vorhin noch der
+Erscheinung angehörte; die Existenz ist somit vollständig in sich
+zurückgegangen, und hat sich in ihr absolutes an- und für-sichseyendes
+Andersseyn reflektirt. Das, was vorher Gesetz war, ist daher nicht mehr
+nur Eine Seite des Ganzen, dessen andere die Erscheinung als solche
+war, sondern ist selbst das Ganze. Sie ist die wesentliche Totalität
+der Erscheinung, so daß sie nun auch das Moment der Unwesentlichkeit,
+das noch dieser zukam, enthält; aber als die reflektirte, an sich
+seyende Unwesentlichkeit, d. h. als die wesentliche Negativität.—Das
+Gesetz ist als unmittelbarer Inhalt, bestimmt überhaupt, unterschieden
+von andern Gesetzen, und es giebt deren eine unbestimmbare Menge. Aber
+indem es die wesentliche Negativität nun an ihm selbst hat, enthält es
+nicht mehr eine solche nur gleichgültige, zufällige Inhaltsbestimmung;
+sondern sein Inhalt ist alle Bestimmtheit überhaupt, in wesentlicher
+sich zur Totalität machenden Beziehung. So ist die in sich reflektirte
+Erscheinung nun eine Welt, die sich als an und für sich seyende über
+der erscheinenden Welt aufthut.
+
+Das Reich der Gesetze enthält nur den einfachen, wandellosen aber
+verschiedenen Inhalt der existirenden Welt. Indem es nun aber die
+totale Reflexion von dieser ist, enthält es auch das Moment ihrer
+wesenlosen Mannigfaltigkeit. Dieses Moment der Veränderlichkeit und
+Veränderung als in sich reflektirtes, wesentliches, ist die absolute
+Negativität oder die Form überhaupt als solche, deren Momente aber in
+der an- und für-sichseyenden Welt die Realität selbstständiger, aber
+reflektirter Existenz haben; so wie umgekehrt diese reflektirte
+Selbstständigkeit nunmehr die Form an ihr selbst hat, und dadurch ihr
+Inhalt nicht ein bloß mannigfaltiger, sondern ein wesentlich mit sich
+zusammenhängender ist.
+
+—Diese an und für sich seyende Welt heißt auch die übersinnliche Welt;
+insofern die existirende Welt als sinnliche, nämlich als solche
+bestimmt wird, die für die Anschauung, das unmittelbare Verhalten des
+Bewußtseyns, ist.—Die übersinnliche Welt hat gleichfalls
+Unmittelbarkeit, Existenz, aber reflektirte, wesentliche Existenz. Das
+Wesen hat noch kein Daseyn; aber es ist, und in tieferem Sinne, als das
+Seyn; das Ding ist der Beginn der reflektirten Existenz; es ist eine
+Unmittelbarkeit, die noch nicht gesetzt ist, als wesentliche oder
+reflektirte; es ist aber in Wahrheit nicht ein seyendes Unmittelbares.
+Die Dinge erst, als Dinge einer andern, übersinnlichen Welt sind
+gesetzt, erstens als wahrhafte Existenzen, und zweitens als das Wahre
+gegen das Seyende;—in ihnen ist es anerkannt, daß es ein von dem
+unmittelbaren Seyn unterschiedenes Seyn gibt, das wahrhafte Existenz
+ist. Eines Theils ist in dieser Bestimmung die sinnliche Vorstellung
+überwunden, welche nur dem unmittelbaren Seyn des Gefühls und der
+Anschauung Existenz zuschreibt; andern Theils aber auch die bewußtlose
+Reflexion, welche zwar die Vorstellung von Dingen, Kräften, Innerlichem
+und so fort hat, ohne zu wissen, daß solche Bestimmungen nicht
+sinnliche oder seyende Unmittelbarkeiten, sondern reflektirte
+Existenzen sind.
+
+2. Die an und für sich seyende Welt ist die Totalität der Existenz; es
+ist nichts Anderes außer ihr. Indem sie aber an ihr selbst die absolute
+Negativität oder Form ist, so ist ihre Reflexion-in-sich, negative
+Beziehung auf sich. Sie enthält den Gegensatz, und stößt sich ab in
+sich als die wesentliche Welt, und in sich als die Welt des Andersseyns
+oder die Welt der Erscheinung. So ist sie darum, weil sie die Totalität
+ist, auch nur als eine Seite derselben, und macht in dieser Bestimmung
+eine gegen die Welt der Erscheinung verschiedene Selbstständigkeit aus.
+Die erscheinende Welt hat an der wesentlichen Welt ihre negative
+Einheit, in der sie zu Grunde und in die sie als in ihren Grund
+zurückgeht. Ferner ist die wesentliche Welt auch der setzende Grund der
+erscheinenden Welt; denn, die absolute Form in ihrer Wesentlichkeit
+enthaltend, hebt sich ihre Identität mit sich auf, macht sich zum
+Gesetztseyn und ist als diese gesetzte Unmittelbarkeit die erscheinende
+Welt.
+
+Sie ist ferner nicht nur überhaupt Grund der erscheinenden Welt,
+sondern ihr bestimmter Grund. Schon als das Reich der Gesetze ist sie
+mannigfaltiger Inhalt, und zwar der wesentliche der erscheinenden Welt,
+und als inhaltsvoller Grund, der bestimmte Grund der andern, aber nur
+diesem Inhalt nach; denn die erscheinende Welt hatte noch
+mannigfaltigen andern Inhalt als jenes Reich, weil ihr noch das
+negative Moment eigenthümlich zukam. Aber indem das Reich der Gesetze
+dieß Moment nun gleichfalls an ihm hat, so ist es die Totalität des
+Inhalts der erscheinenden Welt und der Grund aller ihrer
+Mannigfaltigkeit. Aber sie ist zugleich das negative derselben, so ist
+die derselben entgegengesetzte Welt.—Nämlich in der Identität beider
+Welten, und indem die eine der Form nach bestimmt ist, als die
+wesentliche und die andere als dieselbe aber als gesetzte und
+unwesentliche, hat sich zwar die Grundbeziehung wieder hergestellt;
+aber zugleich als die Grundbeziehung der Erscheinung, nämlich als
+Beziehung nicht eines identischen Inhalts, noch auch eines bloß
+verschiedenen, wie das Gesetz ist, sondern als totale Beziehung, oder
+als negative Identität und wesentliche Beziehung des Inhalts als
+entgegengesetzten.—Das Reich der Gesetze ist nicht nur dieß, daß das
+Gesetztseyn eines Inhalts das Gesetztseyn eines Andern ist, sondern
+diese Identität ist wesentlich, wie sich ergeben hat, auch negative
+Einheit; jede der beiden Seiten des Gesetzes ist in der negativen
+Einheit an ihr selbst ihr anderer Inhalt; das Andere ist daher nicht
+unbestimmt ein Anderes überhaupt, sondern es ist ihr Anderes, oder es
+enthält gleichfalls die Inhaltsbestimmung von jener; so sind die beiden
+Seiten entgegengesetzte. Indem das Reich der Gesetze nun dieß negative
+Moment und den Gegensatz an ihm hat, und sich somit als die Totalität,
+von sich selbst in eine an und für sich seyende und eine erscheinende
+Welt abstößt, so ist die Identität beider die wesentliche Beziehung der
+Entgegensetzung.—Die Grundbeziehung als solche ist der in seinem
+Widerspruch zu Grunde gegangene Gegensatz; und die Existenz der mit
+sich selbst zusammengehende Grund. Aber die Existenz wird zur
+Erscheinung; der Grund ist in der Existenz aufgehoben; er stellt sich
+als Rückkehr der Erscheinung in sich, wieder her; aber zugleich als
+aufgehobener, nämlich als Grundbeziehung entgegengesetzter
+Bestimmungen; die Identität solcher aber ist wesentlich Werden und
+Übergehen, nicht mehr die Grundbeziehung als solche.
+
+Die an und für sich seyende Welt ist also selbst eine in sich in die
+Totalität des mannigfaltigen Inhalts unterschiedene Welt; sie ist
+identisch mit der erscheinenden oder gesetzten, insofern Grund
+derselben, aber ihr identischer Zusammenhang ist zugleich als
+Entgegensetzung bestimmt, weil die Form der erscheinenden Welt die
+Reflexion in ihr Andersseyn ist, sie also in der an und für sich
+seyenden Welt wahrhaft so in sich selbst zurückgegangen ist, als diese
+ihre entgegengesetzte ist. Die Beziehung ist also bestimmt diese, daß
+die an und für sich seyende Welt die verkehrte der erscheinenden ist.
+
+C. Auflösung der Erscheinung.
+
+Die an und für sich seyende Welt ist der bestimmte Grund der
+erscheinenden Welt, und ist dieß nur, insofern sie an ihr selbst das
+negative Moment und damit die Totalität der Inhaltsbestimmungen und
+ihrer Veränderungen ist, welche der erscheinenden Welt entspricht, aber
+zugleich ihre durchaus entgegengesetzte Seite ausmacht. Beide Welten
+verhalten sich also so zu einander, daß was in der erscheinenden Welt
+positiv, in der an und für sich seyenden Welt negativ, umgekehrt was in
+jener negativ, in dieser positiv ist. Der Nordpol in der erscheinenden
+Welt, ist an und für sich der Südpol, und umgekehrt; die positive
+Elektricität ist an sich negative u.s.f. Was im erscheinenden Daseyn
+böse, Unglück u.s.f. ist, ist an und für sich gut und ein Glück.[15]
+
+ [15] Vergl. Phänomenologie des Geistes. S. 121 ff.
+
+
+In der That ist gerade in diesem Gegensatz beider Welten ihr
+Unterschied verschwunden, und was an und für sich seyende Welt seyn
+sollte, ist selbst erscheinende Welt, und diese umgekehrt an ihr selbst
+wesentliche Welt.—Die erscheinende Welt ist zunächst bestimmt als die
+Reflexion in das Andersseyn, so daß ihre Bestimmungen und Existenzen in
+einem Andern ihren Grund und Bestehen haben; aber indem dieß Andre
+gleichfalls ein solches in ein anderes Reflektirtes ist, so beziehen
+sie sich darin nur auf ein sich aufhebendes Anderes, somit auf sich
+selbst; die erscheinende Welt ist hiermit an ihr selbst sich selbst
+gleiches Gesetz.—Umgekehrt die an und für sich seyende Welt ist
+zunächst der mit sich identische, dem Andersseyn und Wechsel entnommene
+Inhalt; aber dieser, als vollständige Reflexion der erscheinenden Welt
+in sich selbst, oder weil seine Verschiedenheit in sich reflektirter
+und absoluter Unterschied ist, so enthält er das negative Moment und
+die Beziehung auf sich als auf das Andersseyn; er wird dadurch sich
+selbst entgegengesetzter, sich verkehrender, wesenloser Inhalt. Ferner
+hat dieser Inhalt der an und für sich seyenden Welt damit auch die Form
+unmittelbarer Existenz erhalten. Denn sie ist zunächst Grund der
+erscheinenden; aber indem sie die Entgegensetznng an ihr selbst hat,
+ist sie ebenso sehr aufgehobener Grund und unmittelbare Existenz.
+
+Die erscheinende und die wesentliche Welt sind hiermit jede an ihr
+selbst die Totalität der mit sich identischen Reflexion und der
+Reflexion-in-Anderes, oder des An-und-für-sich-seyns und des
+Erscheinens. Sie sind beide die selbstständigen Ganzen der Existenz;
+die eine sollte nur die reflektirte Existenz, die andere die
+unmittelbare Existenz seyn; aber jede kontinuirt sich in ihrer andern
+und ist daher an ihr selbst die Identität dieser beiden Momente. Was
+also vorhanden ist, ist diese Totalität, welche sich von sich selbst in
+zwei Totalitäten abstößt, die eine die reflektirte Totalität, und die
+andere die unmittelbare. Beide sind erstlich Selbstständige, aber sie
+sind dieß nur als Totalitäten, und dieß sind sie insofern, daß jede
+wesentlich das Moment der andern an ihr hat. Die unterschiedene
+Selbstständigkeit einer jeden, der als unmittelbar und der als
+reflektirt bestimmten, ist daher nunmehr so gesetzt, nur als
+wesentliche Beziehung auf die andre zu seyn, und ihre Selbstständigkeit
+in dieser Einheit beider zu haben.
+
+Es wurde vom Gesetz der Erscheinung ausgegangen; dieses ist die
+Identität eines verschiedenen Inhalts mit einem andern Inhalte, so daß
+das Gesetztseyn des einen das Gesetztseyn des andern ist. Im Gesetze
+ist noch dieser Unterschied vorhanden, daß die Identität seiner Seiten
+nur erst eine innere ist, und diese Seiten sie noch nicht an ihnen
+selbst haben; damit ist eines Theils jene Identität nicht realisirt;
+der Inhalt des Gesetzes ist nicht als identischer, sondern ein
+gleichgültiger, verschiedener Inhalt; andern Theils ist er damit nur an
+sich so bestimmt, daß das Gesetztseyn des einen, das Gesetztseyn des
+andern ist; dieß ist noch nicht an ihm vorhanden. Nunmehr aber ist das
+Gesetz realisirt; seine innere Identität ist zugleich daseyende, und
+umgekehrt ist der Inhalt des Gesetzes in die Idealität erhoben; denn er
+ist an ihm selbst aufgehobener, in sich reflektirter, indem jede Seite
+an ihr ihre andere hat, und damit wahrhaft mit ihr und mit sich
+identisch ist.
+
+So ist das Gesetz wesentliches Verhältniß. Die Wahrheit der
+unwesentlichen Welt ist zunächst eine ihr andere an und für sich
+seyende Welt; aber diese ist die Totalität, indem sie, sie selbst und
+jene erste ist; so sind beide unmittelbare Existenzen und damit
+Reflexionen in ihr Andersseyn, als auch eben damit wahrhaft in sich
+reflektirte. Welt drückt überhaupt die formlose Totalität der
+Mannigfaltigkeit aus; diese Welt, sowohl als wesentliche wie als
+erscheinende ist zu Grunde gegangen, indem die Mannigfaltigkeit
+aufgehört hat, eine bloß verschiedene zu seyn; so ist sie noch
+Totalität oder Universum aber als wesentliches Verhältniß. Es sind zwei
+Totalitäten des Inhalts in der Erscheinung entstanden; zunächst sind
+sie als gleichgültige Selbstständige gegen einander bestimmt und haben
+zwar die Form jede an ihr selbst, aber nicht gegen einander; diese aber
+hat sich auch als ihre Beziehung gezeigt, und das wesentliche
+Verhältniß ist die Vollendung ihrer Formeinheit.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhältniß.
+
+
+Die Wahrheit der Erscheinung ist das wesentliche Verhältniß. Sein
+Inhalt hat unmittelbare Selbstständigkeit, und zwar die seyende
+Unmittelbarkeit, und die reflektirte Unmittelbarkeit oder die mit sich
+identische Reflexion. Zugleich ist er in dieser Selbstständigkeit ein
+relativer, schlechthin nur als Reflexion in sein Anderes, oder als
+Einheit der Beziehung mit seinem Andern. In dieser Einheit ist der
+selbstständige Inhalt ein Gesetztes, Aufgehobenes; aber eben diese
+Einheit macht seine Wesentlichkeit und Selbstständigkeit aus; diese
+Reflexion in Anderes ist Reflexion in sich selbst. Das Verhältniß hat
+Seiten, weil es Reflexion in Anderes ist; so hat es den Unterschied
+seiner selbst an ihm; und die Seiten desselben sind selbstständiges
+Bestehen, indem sie in ihrer gleichgültigen Verschiedenheit gegen
+einander, in sich selbst gebrochen sind, so daß das Bestehen einer
+jeden, ebenso sehr nur seine Bedeutung in der Beziehung auf die andere
+oder in ihrer negativen Einheit hat.
+
+Das wesentliche Verhältniß ist daher zwar noch nicht das wahrhafte
+Dritte zum Wesen und zur Existenz; aber enthält bereits die bestimmte
+Vereinigung beider. Das Wesen ist in ihm so realisirt, daß es
+selbstständig-existirende zu seinem Bestehen hat; und diese sind aus
+ihrer Gleichgültigkeit in ihre wesentliche Einheit zurückgegangen, so
+daß sie nur diese zu ihrem Bestehen haben. Die Reflexions-Bestimmungen
+des Positiven und Negativen sind gleichfalls in sich reflektirte nur
+als reflektirt in ihr Entgegengesetztes; aber sie haben keine andere
+Bestimmung als diese ihre negative Einheit; das wesentliche Verhältniß
+hingegen hat solche zu seinen Seiten, welche als selbstständige
+Totalitäten gesetzt sind. Es ist dieselbe Entgegensetzung als die des
+Positiven und Negativen; aber zugleich als eine verkehrte Welt. Die
+Seite des wesentlichen Verhältnisses ist eine Totalität, die aber als
+wesentlich ein Entgegengesetztes, ein Jenseits seiner hat; es ist nur
+Erscheinung; seine Existenz ist vielmehr nicht die seinige, sondern die
+seines Andern. Es ist daher ein in sich selbst Gebrochenes; aber dieß
+sein Aufgehobenseyn besteht darin, daß es die Einheit seiner selbst und
+seines Andern also Ganzes ist, und eben darum hat es selbstständige
+Existenz und ist wesentliche Reflexion in sich.
+
+Dieß ist der Begriff des Verhältnisses. Zunächst aber ist die
+Identität, die es enthält, noch nicht vollkommen; die Totalität, welche
+jedes relative an ihm selbst ist, ist erst ein Inneres; die Seite des
+Verhältnisses ist zunächst gesetzt in einer der Bestimmungen der
+negativen Einheit; die eigene Selbstständigkeit jeder der beiden Seiten
+ist dasjenige, was die Form des Verhältnisses ausmacht. Seine Identität
+ist daher nur eine Beziehung, außerhalb welcher ihre Selbstständigkeit
+fällt; nämlich in die Seiten; es ist noch nicht die reflektirte Einheit
+jener Identität und der selbstständigen Existenzen vorhanden, noch
+nicht die Substanz.—Der Begriff des Verhältnisses hat sich daher zwar
+ergeben, Einheit der reflektirten und der unmittelbaren
+Selbstständigkeit zu seyn. Aber zuerst ist dieser Begriff selbst noch
+unmittelbar, seine Momente daher unmittelbare gegen einander, und die
+Einheit deren wesentliche Beziehung, die erst dann die wahrhafte, dem
+Begriffe entsprechende Einheit ist, insofern sie sich realisirt,
+nämlich durch ihre Bewegung als jene Einheit gesetzt hat.
+
+Das wesentliche Verhältniß ist daher unmittelbar das Verhältniß des
+Ganzen und der Theile;—die Beziehung der reflektirten und der
+unmittelbaren Selbstständigkeit, so daß beide zugleich nur sind als
+sich gegenseitig bedingend und voraussetzend.
+
+In diesem Verhältnisse ist noch keine der Seiten als Moment der andern
+gesetzt, ihre Identität ist daher selbst eine Seite; oder sie ist nicht
+ihre negative Einheit. Es geht darum zweitens darein über, daß die eine
+Moment der andern und in ihr als in ihrem Grunde, dem wahrhaft
+Selbstständigen von beiden, ist;—Verhältniß der Kraft und ihrer
+Äußerung.
+
+Drittens hebt sich die noch vorhandene Ungleichheit dieser Beziehung
+auf, und das letzte Verhältniß ist das des Innern und Äußern.—In diesem
+ganz formell gewordenen Unterschiede geht das Verhältniß selbst zu
+Grunde, und die Substanz oder das Wirkliche tritt hervor, als die
+absolute Einheit der unmittelbaren und der reflektirten Existenz.
+
+A. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile.
+
+Das wesentliche Verhältniß enthält erstens die in sich reflektirte
+Selbstständigkeit der Existenz; so ist es die einfache Form, deren
+Bestimmungen zwar auch Existenzen, aber zugleich gesetzte, Momente in
+der Einheit gehalten, sind. Diese in sich reflektirte Selbstständigkeit
+ist zugleich Reflexion in ihr Entgegengesetztes, nämlich die
+unmittelbare Selbstständigkeit; und ihr Bestehen ist wesentlich ebenso
+sehr als es eigene Selbstständigkeit ist, diese Identität mit seinem
+Entgegengesetzten.—Eben damit ist auch unmittelbar zweitens die andre
+Seite gesetzt; die unmittelbare Selbstständigkeit, welche als das Andre
+bestimmt, eine vielfache Mannigfaltigkeit in sich ist, aber so daß
+diese Mannigfaltigkeit wesentlich auch die Beziehung der andern Seite,
+die Einheit der reflektirten Selbstständigkeit an ihr hat. Jene Seite,
+das Ganze, ist die Selbstständigkeit, welche die an und für sich
+seyende Welt ausmachte; die andere Seite, die Theile, ist die
+unmittelbare Existenz, welche die erscheinende Welt war. Im
+Verhältnisse des Ganzen und der Theile sind die beiden Seiten diese
+Selbstständigkeiten, aber so daß jede die andere in ihr scheinen hat,
+und nur ist zugleich als diese Identität beider. Weil nun das
+wesentliche Verhältniß nur erst das erste, unmittelbare ist, so ist die
+negative Einheit und die positive Selbstständigkeit durch das Auch
+verbunden; beide Seiten sind zwar als Momente gesetzt, aber ebenso sehr
+als existirende Selbstständigkeiten.—Daß beide als Momente gesetzt
+sind, dieß ist daher so vertheilt, daß erstens das Ganze, die
+reflektirte Selbstständigkeit, als Existirendes und in ihr die andere,
+die unmittelbare als Moment ist;—hier macht das Ganze die Einheit
+beider Seiten, die Grundlage aus, und die unmittelbare Existenz ist als
+Gesetztseyn.—Umgekehrt ist auf der andern Seite, nämlich der Seite der
+Theile, die unmittelbare, in sich mannigfaltige Existenz, die
+selbstständige Grundlage; die reflektirte Einheit dagegen, das Ganze
+ist nur äußerliche Beziehung.
+
+2. Dieß Verhältniß enthält somit die Selbstständigkeit der Seiten, und
+ebenso sehr ihr Aufgehobenseyn, und beides schlechthin in Einer
+Beziehung. Das Ganze ist das Selbstständige, die Theile sind nur
+Momente dieser Einheit; aber ebenso sehr sind sie auch das
+Selbstständige, und ihre reflektirte Einheit nur ein Moment; und jedes
+ist in seiner Selbstständigkeit schlechthin das Relative eines Andern.
+Dieß Verhältniß ist daher der unmittelbare Widerspruch an ihm selbst,
+und hebt sich auf.
+
+Dieß näher betrachtet, so ist das Ganze die reflektirte Einheit, welche
+selbstständiges Bestehen für sich hat; aber dieß ihr Bestehen ist
+ebenso sehr von ihr abgestoßen; das Ganze ist als die negative Einheit,
+negative Beziehung auf sich selbst; so ist sie sich entäußert; sie hat
+ihr Bestehen an ihrem Entgegengesetzten, der mannigfaltigen
+Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze besteht daher aus den Theilen;
+so daß es nicht etwas ist ohne sie. Es ist also das ganze Verhältniß
+und die selbstständige Totalität; aber gerade aus demselben Grunde ist
+es nur ein Relatives, denn was es zur Totalität macht, ist vielmehr
+sein Anderes, die Theile; und es hat nicht an sich selbst, sondern an
+seinem Andern sein Bestehen.
+
+So sind die Theile gleichfalls das ganze Verhältniß. Sie sind die
+unmittelbare Selbstständigkeit gegen die reflektirte, und bestehen
+nicht im Ganzen, sondern sind für sich. Sie haben ferner dieß Ganze als
+ihr Moment an ihnen; es macht ihre Beziehung aus; ohne Ganzes giebt es
+keine Theile. Aber weil sie das Selbstständige sind, so ist diese
+Beziehung nur ein äußerliches Moment, gegen welches sie an und für sich
+gleichgültig sind. Zugleich aber fallen die Theile als mannigfaltige
+Existenz in sich selbst zusammen, denn diese ist das reflexionslose
+Seyn; sie haben ihre Selbstständigkeit nur in der reflektirten Einheit,
+welche sowohl diese Einheit als auch die existirende Mannigfaltigkeit
+ist; das heißt, sie haben Selbstständigkeit nur im Ganzen, das aber
+zugleich die den Theilen andere Selbstständigkeit ist.
+
+Das Ganze und die Theile bedingen sich daher gegenseitig; aber das hier
+betrachtete Verhältniß, steht zugleich höher, als die Beziehung des
+Bedingten und der Bedingung auf einander, wie sie sich oben bestimmt
+hatte. Diese Beziehung ist hier realisirt; nämlich es ist gesetzt, daß
+die Bedingung so die wesentliche Selbstständigkeit des Bedingten ist,
+daß sie durch dieses vorausgesetzt wird. Die Bedingung als solche ist
+nur das Unmittelbare, und nur an sich vorausgesetzt. Das Ganze aber ist
+die Bedingung zwar der Theile, aber es enthält zugleich unmittelbar
+selbst, daß auch es nur ist, insofern es die Theile zur Voraussetzung
+hat. Indem so beide Seiten des Verhältnisses gesetzt sind als sich
+gegenseitig bedingend, ist jede eine unmittelbare Selbstständigkeit an
+ihr selbst, aber ihre Selbstständigkeit ist ebenso sehr vermittelt oder
+gesetzt durch die andere. Das ganze Verhältniß ist durch diese
+Gegenseitigkeit die Rückkehr des Bedingens in sich selbst, das nicht
+Relative, das Unbedingte.
+
+Indem nun die Seiten des Verhältnisses jede nicht in ihr selbst ihre
+Selbstständigkeit, sondern in ihrer andern hat, so ist nur Eine
+Identität beider vorhanden, in welcher beide nur Momente sind; aber
+indem jede an ihr selbst selbstständig ist, so sind sie zwei
+selbstständige Existenzen, die gegen einander gleichgültig sind.
+
+Nach der ersten Rüksicht, der wesentlichen Identität dieser Seiten, ist
+das Ganze den Theilen und die Theile dem Ganzen gleich. Es ist nichts
+im Ganzen, was nicht in den Theilen, und nichts in den Theilen, was
+nicht im Ganzen ist. Das Ganze ist nicht abstrakte Einheit, sondern die
+Einheit als einer verschiedenen Mannigfaltigkeit; diese Einheit aber
+als das, worin das Mannigfaltige sich auf einander bezieht, ist die
+Bestimmtheit desselben, wodurch es Theil ist. Das Verhältniß hat also
+eine untrennbare Identität, und mir Eine Selbstständigkeit.
+
+Aber ferner ist das Ganze den Theilen gleich; allein nicht denselben
+als Theilen; das Ganze ist die reflektirte Einheit, die Theile aber
+machen das bestimmte Moment oder das Andersseyn der Einheit aus, und
+sind das verschiedene Mannigfaltige. Das Ganze ist ihnen nicht gleich
+als diesem selbstständigen Verschiedenen, sondern als ihnen zusammen.
+Dieß ihr Zusammen aber ist nichts Anderes, als ihre Einheit, das Ganze
+als solches. Das Ganze ist also in den Theilen nur sich selbst gleich,
+und die Gleichheit desselben und der Theile drückt nur die Tautologie
+aus, daß das Ganze als Ganzes nicht den Theilen, sondern dem Ganzen
+gleich ist.
+
+Umgekehrt sind die Theile dem Ganzen gleich; aber weil sie das Moment
+des Andersseyns an ihnen selbst sind, so sind sie ihm nicht gleich als
+der Einheit, sondern so daß eine seiner mannigfaltigen Bestimmungen auf
+den Theil kommt, oder daß sie ihm als Mannigfaltigem gleich sind; das
+heißt, sie sind ihm als getheiltem Ganzen d. i. als den Theilen gleich.
+Es ist hiermit dieselbe Tautologie vorhanden, daß die Theile als
+Theile, nicht dem Ganzen als solchem, sondern in ihm sich selbst, den
+Theilen, gleich sind.
+
+Das Ganze und die Theile fallen auf diese Weise gleichgültig aus
+einander; jede dieser Seiten bezieht sich nur auf sich. Aber so aus
+einander gehalten zerstören sie sich selbst. Das Ganze, das
+gleichgültig ist gegen die Theile, ist die abstrakte, in sich nicht
+unterschiedene Identität; diese ist Ganzes nur als in sich selbst
+unterschieden, und zwar so in sich unterschieden, daß diese
+mannigfaltigen Bestimmungen in sich reflektirt sind und unmittelbare
+Selbstständigkeit haben. Und die Reflexionsidentität hat sich durch
+ihre Bewegung gezeigt, diese Reflexion in ihr Anderes zu ihrer Wahrheit
+zu haben.—Ebenso sind die Theile als gleichgültig gegen die Einheit des
+Ganzen, nur das unbezogene Mannigfaltige, das in sich Andere, welches
+als solches das Andere seiner selbst und sich nur Aufhebende ist.—Diese
+Beziehung-auf-sich jeder der beiden Seiten, ist ihre Selbstständigkeit;
+aber diese ihre Selbstständigkeit, die jede für sich hat, ist vielmehr
+die Negation ihrer selbst. Jede hat daher ihre Selbstständigkeit nicht
+an ihr selbst, sondern an der andern; diese andere, die das Bestehen
+ausmacht, ist ihr vorausgesetztes Unmittelbare, das Erstes und ihr
+Anfang seyn soll; aber dieses Erste einer jeder ist selbst nur ein
+solches, das nicht Erstes ist, sondern an dem andern seinen Anfang hat.
+
+Die Wahrheit des Verhältnisses besteht also in der Vermittelung; sein
+Wesen ist die negative Einheit, in welcher ebenso wohl die reflektirte
+als die seyende Unmittelbarkeit aufgehoben sind. Das Verhältniß ist der
+Widerspruch, der in seinen Grund zurückgeht, in die Einheit, welche als
+rückkehrend die reflektirte Einheit ist, aber indem diese ebenso sehr
+sich als aufgehobene gesetzt hat, bezieht sie sich negativ auf sich
+selbst, hebt sich auf, und macht sich zur seyenden Unmittelbarkeit.
+Aber diese ihre negative Beziehung, insofern sie ein Erstes und
+Unmittelbares ist, ist nur vermittelt durch ihr Anderes, und ebenso
+sehr ein Gesetztes. Dieß Andere, die seyende Unmittelbarkeit, ist
+ebenso sehr nur als aufgehobene; ihre Selbstständigkeit ist ein Erstes,
+aber nur um zu verschwinden, und hat ein Daseyn, das gesetzt und
+vermittelt ist.
+
+In dieser Bestimmung ist das Verhältniß nicht mehr das des Ganzen und
+der Theile; die Unmittelbarkeit, welche seine Seiten hatten, ist in
+Gesetztseyn und Vermittelung übergegangen; es ist jede gesetzt,
+insofern sie unmittelbar ist, als sich aufhebend, und in die andere
+übergehend; und insofern sie selbst negative Beziehung ist, zugleich
+durch die andere als durch ihr Positives bedingt zu seyn; wie auch ihr
+unmittelbares Übergehen ebenso sehr ein Vermitteltes ist, ein Aufheben
+nämlich, das durch die andere gesetzt wird.—So ist das Verhältniß des
+Ganzen und der Theile in das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung
+übergegangen.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist oben (1ster Th. 1ste Abth. S. 216) die Antinomie der unendlichen
+Theilbarkeit der Materie, beim Begriffe der Quantität betrachtet
+worden. Die Quantität ist die Einheit der Kontinuität und der
+Diskretion; sie enthält im selbstständigen Eins sein
+Zusammengeflossenseyn mit andern, und in dieser sich ohne Unterbrechung
+fortsetzenden Identität mit sich ebenso die Negation derselben. Indem
+die unmittelbare Beziehung dieser Momente der Quantität, als das
+wesentliche Verhältniß des Ganzen und der Theile, das Eins der
+Quantität als Theil, die Kontinuität desselben aber als Ganzes, das
+zusammengesetzt ist aus Theilen, ausgedrückt wird, so besteht die
+Antinomie in dem Widerspruche, der am Verhältnisse des Ganzen und der
+Theile, vorgekommen und aufgelöst worden ist.—Ganzes und Theile sind
+nämlich ebenso wesentlich auf einander bezogen und machen nur Eine
+Identität aus, als sie gleichgültig gegen einander sind und
+selbstständiges Bestehen haben. Das Verhältniß ist daher diese
+Antinomie, daß das Eine Moment, darin, daß es sich vom andern befreit,
+unmittelbar das andere herbeiführt.
+
+Das Existirende also als Ganzes bestimmt, so hat es Theile, und die
+Theile machen sein Bestehen aus; die Einheit des Ganzen ist nur eine
+gesetzte Beziehung, eine äußere Zusammensetzung, welche das
+selbstständig Existirende nichts angeht. Insofern dieses nun Theil ist,
+so ist es nicht Ganzes, nicht Zusammengesetztes, somit Einfaches. Aber
+indem ihm die Beziehung auf ein Ganzes äußerlich ist, so geht sie
+dasselbe nichts an; das Selbstständige ist somit auch nicht an sich
+Theil; denn Theil ist es nur durch jene Beziehung. Aber indem es nun
+nicht Theil ist, so ist es Ganzes, denn es ist nur dieß Verhältniß von
+Ganzem und von Theilen vorhanden; und das Selbstständige ist eins von
+beiden. Indem es aber Ganzes ist, so ist es wieder zusammengesetzt; es
+besteht wieder aus Theilen und so fort ins Unendliche.—Diese
+Unendlichkeit besteht in nichts anderem als in der perennirenden
+Abwechslung der beiden Bestimmungen des Verhältnisses, in deren jeder
+die andere unmittelbar entsteht, so daß das Gesetztseyn jeder das
+Verschwinden ihrer selbst ist. Die Materie als Ganzes bestimmt, so
+besteht sie aus Theilen und an diesen wird das Ganze zur unwesentlichen
+Beziehung und verschwindet. Der Theil aber so für sich, ist er auch
+nicht Theil, sondern das Ganze.—Die Antinomie dieses Schlusses ganz
+nahe zusammengerückt, ist eigentlich diese: Weil das Ganze nicht das
+Selbstständige ist, ist der Theil das Selbstständige; aber weil er nur
+ohne das Ganze selbstständig ist, so ist er selbstständig, nicht als
+Theil, sondern vielmehr als Ganzes. Die Unendlichkeit des Progresses,
+der entsteht, ist die Unfähigkeit, die beiden Gedanken zusammen zu
+bringen, welche diese Vermittelung enthält, daß nämlich jede der beiden
+Bestimmungen durch ihre Selbstständigkeit und Trennung von der andern,
+in Unselbstständigkeit und in die andre übergeht.
+
+B. Das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung.
+
+Die Kraft ist die negative Einheit, in welche sich der Widerspruch des
+Ganzen und der Theile aufgelöst hat, die Wahrheit jenes ersten
+Verhältnisses. Das Ganze und die Theile ist das gedankenlose
+Verhältniß, auf welches die Vorstellung zunächst verfällt; oder
+objektiv ist es das todte, mechanische Aggregat, das zwar
+Formbestimmungen hat, wodurch die Mannigfaltigkeit seiner
+selbstständigen Materie in einer Einheit bezogen wird, welche aber
+derselben äußerlich ist.—Das Verhältniß der Kraft aber ist die höhere
+Rückkehr in sich, worin die Einheit des Ganzen, welche die Beziehung
+des selbstständigen Andersseyns ausmachte, aufhört, dieser
+Mannigfaltigkeit ein Äußerliches und Gleichgültiges zu seyn.
+
+Wie sich das wesentliche Verhältniß nunmehr bestimmt hat, sind die
+unmittelbare und die reflektirte Selbstständigkeit in derselben als
+aufgehobene oder als Momente gesetzt, die im vorhergehenden
+Verhältnisse für sich bestehende Seiten oder Extreme waren. Es ist
+darin enthalten erstens, daß die reflektirte Einheit, und ihr
+unmittelbares Daseyn, insofern beide erste und unmittelbare sind, sich
+an sich selbst aufheben und in ihr Anderes übergehen; jene, die Kraft,
+geht in ihre Äußerung, über, und das Äußerliche ist ein
+Verschwindendes, das in die Kraft, als in ihren Grund zurückgeht, und
+nur ist, als von derselben getragen und gesetzt. Zweitens ist dieß
+Übergehen nicht nur ein Werden und Verschwinden, sondern es ist
+negative Beziehung auf sich, oder das seine Bestimmung Ändernde ist
+darin zugleich in sich reflektirt und erhält sich; die Bewegung der
+Kraft ist nicht so sehr ein Übergehen, als daß sie sich selbst über
+setzt, und in dieser durch sie selbst gesetzten Veränderung bleibt, was
+sie ist.—Drittens ist diese reflektirte, sich auf sich beziehende
+Einheit selbst auch aufgehoben und Moment; sie ist vermittelt durch ihr
+Anderes, und hat dasselbe zur Bedingung; ihre negative Beziehung auf
+sich, die Erstes ist und die Bewegung ihres Übergehens aus sich
+anfängt, hat ebenso sehr eine Voraussetzung, von der sie sollicitirt
+wird, und ein Anderes, von dem sie anfängt.
+
+a. Das Bedingtseyn der Kraft.
+
+In ihren näheren Bestimmungen betrachtet, hat erstens die Kraft das
+Moment der seyenden Unmittelbarkeit an ihr; sie selbst ist dagegen
+bestimmt als die negative Einheit. Aber diese in der Bestimmung des
+unmittelbaren Seyns ist ein existirendes Etwas. Dieß Etwas erscheint,
+weil es die negative Einheit als Unmittelbares ist, als das Erste, die
+Kraft dagegen, weil sie das reflektirte ist, als das Gesetztseyn, und
+insofern als angehörig dem existirenden Dinge oder einer Materie. Nicht
+daß sie die Form dieses Dings und das Ding durch sie bestimmt wäre;
+sondern das Ding ist als Unmittelbares gleichgültig gegen sie. —Es
+liegt in ihm nach dieser Bestimmung kein Grund, eine Kraft zu haben;
+die Kraft hingegen als die Seite des Gesetztseyns hat wesentlich das
+Ding zu seiner Voraussetzung. Wenn daher gefragt wird, wie das Ding
+oder die Materie dazu komme, eine Kraft zu haben, so erscheint diese
+als äußerlich damit verbunden und dem Dinge durch eine fremde Gewalt
+eingedrückt.
+
+Als dieß unmittelbare Bestehen ist die Kraft eine ruhige Bestimmtheit
+des Dings überhaupt; nicht ein sich Äußerndes, sondern unmittelbar ein
+äußerliches. So wird die Kraft auch als Materie bezeichnet, und statt
+magnetischer, elektrischer u.s.f. Kraft, eine magnetische, elektrische
+u.s.f. Materie angenommen; oder statt der berühmten anziehenden Kraft
+ein feiner Äther, der alles zusammenhalte.—Es sind die Materien, in
+welche sich die unthätige, kraftlose negative Einheit des Dings
+auflöst, und die oben betrachtet wurden.
+
+Aber die Kraft enthält die unmittelbare Existenz, als Moment, als ein
+solches das zwar Bedingung ist, aber übergeht und sich aufhebt; also
+nicht als ein existirendes Ding. Sie ist ferner nicht die Negation als
+Bestimmtheit, sondern negative, sich in sich reflektirende Einheit. Das
+Ding, an dem die Kraft seyn sollte, hat somit hier keine Bedeutung
+mehr; sie selbst ist vielmehr Setzen der Äußerlichkeit, welche als
+Existenz erscheint. Sie ist also auch nicht bloß eine bestimmte
+Materie; solche Selbstständigkeit ist längst in das Gesetztseyn und in
+die Erscheinung übergegangen.
+
+Zweitens, die Kraft ist die Einheit des reflektirten und des
+unmittelbaren Bestehens, oder der Formeinheit und der äußerlichen
+Selbstständigkeit. Sie ist beides in Einem; sie ist die Berührung
+solcher, deren das Eine ist, insofern das Andere nicht ist; die mit
+sich identische positive, und die negirte Reflexion. Die Kraft ist so
+der sich von sich selbst abstoßende Widerspruch; sie ist thätig; oder
+sie ist die sich auf sich beziehende negative Einheit, in welcher die
+reflektirte Unmittelbarkeit oder das wesentliche Insichseyn gesetzt
+ist, nur als Aufgehobenes oder Moment zu seyn, somit insofern sie sich
+von der unmittelbaren Existenz unterscheidet, in diese überzugehen. Die
+Kraft also als die Bestimmung der reflektirten Einheit des Ganzen ist
+gesetzt, als zur existirenden äußerlichen Mannigfaltigkeit aus sich
+selbst zu werden.
+
+Aber drittens ist die Kraft nur erst ansichseyende und unmittelbare
+Thätigkeit; sie ist die reflektirte Einheit, und ebenso wesentlich die
+Negation derselben; indem sie von dieser verschieden, aber nur als die
+Identität ihrer selbst und ihrer Negation ist, so ist sie auf diese,
+als eine ihr äußerliche Unmittelbarkeit wesentlich bezogen und hat
+dieselbe zur Voraussetzung und Bedingung.
+
+Diese Voraussetzung nun ist nicht ein ihr gegenüber sich befindliches
+Ding; diese gleichgültige Selbstständigkeit ist in der Kraft
+aufgehoben; als ihre Bedingung ist es ein ihr anderes Selbstständiges.
+Weil es aber nicht Ding ist, sondern die selbstständige Unmittelbarkeit
+hier sich zugleich als sich auf sich selbst beziehende negative Einheit
+bestimmt hat, so ist es selbst Kraft. —Die Thätigkeit der Kraft ist
+durch sich selbst als durch das sich Andere, durch eine Kraft bedingt.
+
+Die Kraft ist auf diese Weise Verhältniß, in welchem jede Seite
+dasselbe ist als die andere. Es sind Kräfte, die im Verhältnisse
+stehen, und zwar wesentlich sich auf einander beziehen.—Sie sind ferner
+zunächst nur verschiedene überhaupt; die Einheit ihres Verhältnisses
+ist nur erst die innre an sich seyende Einheit. Das Bedingtseyn durch
+eine andere Kraft ist so an sich das Thun der Kraft selbst; oder sie
+ist insofern erst voraus setzendes, sich nur negativ auf sich
+beziehendes Thun; diese andere Kraft liegt noch jenseits ihrer
+setzenden Thätigkeit, nämlich der in ihrem Bestimmen unmittelbar in
+sich zurückkehrenden Reflexion.
+
+b. Die Sollicitation der Kraft.
+
+Die Kraft ist bedingt, weil das Moment der unmittdbaren Existenz, das
+sie enthält, nur als ein Gesetztes,—aber weil es zugleich Unmittelbares
+ist, ein Vorausgesetztes ist, in welchem die Kraft sich selbst negirt.
+Die für die Kraft vorhandene Äußerlichkeit ist daher ihre eigene
+voraussetzende Thätigkeit selbst, welche zunächst als eine andere Kraft
+gesetzt ist.
+
+Dieses Voraussetzen ist ferner gegenseitig. Jede der beiden Kräfte
+enthält die in sich reflektirte Einheit als aufgehoben, und ist daher
+voraussetzend; sie setzt sich selbst als äußerlich; dieß Moment der
+Äußerlichkeit ist ihr eigenes; aber weil sie ebenso sehr in sich
+reflektirte Einheit ist, setzt sie zugleich diese ihre Äußerlichkeit
+nicht in ihr selbst, sondern als eine andre Kraft.
+
+Aber das Äußerliche als solches ist das sich selbst aufhebende; ferner
+die sich in sich reflektirende Thätigkeit ist wesentlich bezogen auf
+jenes Äußerliche als auf das ihr Andre, aber ebenso sehr als auf ein an
+sich Nichtiges und mit ihr Identisches. Da die voraussetzende
+Thätigkeit ebenso sehr Reflexion in sich ist, ist sie das Aufheben
+jener ihrer Negation, und setzt dieselbe als sich selbst oder als ihr
+Äußerliches. So ist die Kraft als bedingend, gegenseitig ein Anstoß für
+die andre Kraft, gegen den sie thätig ist. Ihr Verhalten ist nicht die
+Passivität des Bestimmtwerdens, so daß dadurch etwas Anderes in sie
+käme; sondern der Anstoß sollicitirt sie nur. Sie ist an ihr selbst die
+Negativität ihrer, das Abstoßen ihrer von sich ist ihr eigenes Setzen.
+Ihr Thun besteht also darin, dieß aufzuheben, daß jener Anstoß ein
+Äußerliches sey; sie macht es zu einem bloßen Anstoß und setzt es als
+das eigne Abstoßen ihrer selbst von sich, als ihre eigene Äußerung.
+
+Die sich äußernde Kraft ist also dasselbe, was zuerst nur die
+voraussetzende Thätigkeit war; nämlich sich äußerlich machend; aber die
+Kraft als sich äußernd ist zugleich die Äußerlichkeit negirende und sie
+als das ihrige setzende Thätigkeit. Insofern nun in dieser Betrachtung
+von der Kraft angefangen wird, als sie die negative Einheit ihrer
+selbst und damit voraussetzende Reflexion ist, so ist es dasselbe, als
+wenn in der Äußerung der Kraft vom sollicitirenden Anstosse angefangen
+wird. Die Kraft ist so in ihrem Begriffe zuerst bestimmt als sich
+aufhebende Identität, und in ihrer Realität, die eine der beiden Kräfte
+als sollicitirend und die andere als sollicitirt werdend. Aber der
+Begriff der Kraft ist überhaupt die Identität der setzenden und
+voraussetzenden Reflexion oder der reflektirten und der unmittelbaren
+Einheit, und jede dieser Bestimmungen schlechthin nur Moment, in
+Einheit, und somit als vermittelt durch die andere. Aber ebenso ist
+keine Bestimmung an den beiden in Wechselbeziehung stehenden Kräften
+vorhanden, welche die sollicitirende oder die sollicitirt werdende sey,
+oder vielmehr jeder kommen auf gleiche Weise beide Formbestimmungen zu.
+Aber diese Identität ist nicht nur eine äußerliche der Vergleichung,
+sondern eine wesentliche Einheit derselben.
+
+Die eine Kraft nämlich ist zunächst bestimmt als sollicitirende, und
+die andere als sollicitirt-werdende; diese Formbestimmungen erscheinen
+auf diese Weise als unmittelbare, an sich vorhandene Unterschiede der
+beiden Kräfte. Aber sie sind wesentlich vermittelt. Die eine Kraft wird
+sollicitirt; dieser Anstoß ist eine in sie von außen gesetzte
+Bestimmung. Aber die Kraft ist selbst das Voraussetzende; sie ist
+wesentlich sich in sich reflektirend und es aufhebend, daß der Anstoß
+ein Äußerliches sey. Daß sie sollicitirt wird, ist daher ihr eigenes
+Thun, oder es ist durch sie selbst bestimmt, daß die andere Kraft eine
+andere überhaupt und die sollicitirende ist. Die sollicitirende bezieht
+sich auf ihre andere negativ, so daß sie die Äußerlichkeit derselben
+aufhebt, sie ist insofern setzend; aber sie ist dieß nur durch die
+Voraussetzung, sich eine andere gegenüber zu haben; das ist, sie ist
+sollicitirend selbst nur, insofern sie eine Äußerlichkeit an ihr hat,
+somit insofern sie sollicitirt wird. Oder sie ist sollicitirend nur
+insofern als sie dazu sollicitirt wird, sollicitirend zu seyn. Somit
+wird umgekehrt die erste sollicitirt, nur insofern als sie selbst die
+andere dazu sollicitirt, sie, nämlich die erstere zu sollicitiren. Jede
+von beiden erhält also den Anstoß von der anderen; aber der Aiistoß,
+den sie als thätige gibt, besteht darin, daß sie von der anderen einen
+Anstoß erhalte; der Anstoß, den sie erhält, ist von ihr selbst
+sollicitirt. Beides, der gegebene und der empfangene Anstoß, oder die
+thätige Äußerung und die passive Äußerlichkeit ist daher nicht ein
+Unmittelbares, sondern vermittelt, und zwar ist jede der beiden Kräfte
+hiermit selbst die Bestimmtheit, welche die andere gegen sie hat, ist
+vermittelt durch die andere, und dieß vermittelnde Andere ist wieder
+ihr eigenes bestimmendes Setzen.
+
+So ist also dieß, daß auf die Kraft ein Anstoß durch eine andere Kraft
+geschieht, daß sie sich insofern passiv verhält, aber hinwieder von
+dieser Passivität in die Aktivität übergeht,—der Rükgang der Kraft in
+sie selbst. Sie äussert sich. Die Äußerung ist Reaktion in dem Sinne,
+daß sie die Äußerlichkeit als ihr eigenes Moment setzt, und somit es
+aufhebt, daß sie durch eine andere Kraft sollicitirt worden sey. Beides
+ist daher eines, die Äußerung der Kraft, wodurch sie sich durch ihre
+negative Thätigkeit auf sich selbst ein Daseyn-für-Anderes giebt, und
+die unendliche Rückkehr in dieser Äußerlichkeit auf sich selbst, so daß
+sie darin sich nur auf sich bezieht. Die voraussetzende Reflexion,
+welcher das Bedingtseyn und der Anstoß angehört, ist daher unmittelbar
+auch die in sich zurückkehrende Reflexion, und die Thätigkeit ist
+wesentlich reagirende, gegen sich. Das Setzen des Anstoßes oder
+Äußerlichen ist selbst das Aufheben desselben, und umgekehrt ist das
+Aufheben des Anstoßes das Setzen der Äußerlichkeit.
+
+c. Die Unendlichkeit der Kraft.
+
+Die Kraft ist endlich, insofern ihre Momente noch die Form der
+Unmittelbarkeit haben; ihre voraussetzende und ihre sich auf sich
+beziehende Reflexion sind in dieser Bestimmung unterschieden; jene
+erscheint als eine für sich bestehende äußerliche Kraft, und die andere
+in der Beziehung auf sie als passiv. Die Kraft ist so der Form nach
+bedingt, und dem Inhalte nach gleichfalls beschränkt; denn eine
+Bestimmtheit der Form nach enthält auch eine Beschränkung des Inhalts.
+Aber die Thätigkeit der Kraft besteht darin sich zu äußern; das heißt,
+wie sich ergeben hat, die Äußerlichkeit aufzuheben und sie als das zu
+bestimmen, worin sie identisch mit sich ist. Was also die Kraft in
+Wahrheit äußert, ist dieß, daß ihre Beziehung auf Anderes ihre
+Beziehung auf sich selbst ist, daß ihre Passivität in ihrer Aktivität
+selbst besteht. Der Anstoß, wodurch sie zur Thätigkeit sollicitirt
+wird, ist ihr eigenes Sollicitiren; die Äußerlichkeit, welche an sie
+kommt, ist kein Unmittelbares, sondern ein durch sie Vermitteltes; so
+wie ihre eigene wesentliche Identität mit sich, nicht unmittelbar,
+sondern durch ihre Negation vermittelt ist; oder die Kraft äußert dieß,
+daß ihre Äußerlichkeit identisch ist mit ihrer Innerlichkeit.
+
+C. Verhältniß des Äußern und Innern.
+
+1. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile ist das unmittelbare; die
+reflektirte und die seyende Unmittelbarkeit haben daher in ihm jede
+eine eigene Selbstständigkeit; aber indem sie im wesentlichen
+Verhältnisse stehen, so ist ihre Selbstständigkeit nur ihre negative
+Einheit. Dieß ist nun in der Äußerung der Kraft gesetzt; die
+reflektirte Einheit ist wesentlich das Anderswerden, als Übersetzen
+ihrer selbst in die Äußerlichkeit; aber diese ist ebenso unmittelbar in
+jene zurückgenommen; der Unterschied der selbstständigen Kräfte hebt
+sich auf; die Äußerung der Kraft ist nur eine Vermittelung der
+reflektirten Einheit mit sich selbst. Es ist nur ein leerer
+durchsichtiger Unterschied, der Schein, vorhanden, aber dieser Schein
+ist die Vermittelung, welche das selbstständige Bestehen selbst ist. Es
+sind nicht nur entgegengesetzte Bestimmungen, die sich an ihnen selbst
+aufheben, und ihre Bewegung nicht nur ein Übergehen, sondern Theils ist
+die Unmittelbarkeit, von der angefangen und ins Andersseyn übergegangen
+wurde, selbst nur als gesetzte, Theils ist dadurch jede der
+Bestimmungen in ihrer Unmittelbarkeit schon die Einheit mit ihrer
+andern und das Übergehen dadurch schlechthin ebenso sehr die sich
+setzende Rückkehr in sich.
+
+Das Innere ist als die Form der reflektirten Unmittelbarkeit oder des
+Wesens, gegen das Äußere als die Form des Seyns bestimmt, aber beide
+sind nur Eine Identität.—Diese Identität ist erstens die gediegene
+Einheit beider als inhaltsvolle Grundlage, oder die absolute Sache, an
+der die beiden Bestimmungen gleichgültige, äußerliche Momente sind.
+Insofern ist sie Inhalt und die Totalität, welche das Innere ist, das
+ebenso sehr äußerlich wird, aber darin nicht ein Gewordenes oder
+Übergegangenes, sondern sich selbst gleich ist. Das Äußere ist nach
+dieser Bestimmung dem Innern, dem Inhalte nach nicht nur gleich,
+sondern beide sind nur Eine Sache.—Aber diese Sache als einfache
+Identität mit sich ist verschieden von ihren Formbestimmungen, oder
+diese sind ihr äußerlich; sie ist insofern selbst ein Inneres, das von
+ihrer Äußerlichkeit verschieden ist. Diese Äußerlichkeit aber besteht
+darin, daß die beiden Bestimmungen selbst, nämlich das Innere und
+Äußere, sie ausmachen. Aber die Sache ist selbst nichts Anderes, als
+die Einheit beider. Somit sind beide Seiten dem Inhalte nach wieder
+dasselbe. Aber in der Sache sind sie als sich durchdringende Identität,
+als inhaltsvolle Grundlage. Aber in der Äußerlichkeit, als Formen der
+Sache, sind sie gegen jene Identität und somit beide gegen einander
+gleichgültig.
+
+2. Sie sind auf diese Weise die verschiedenen Formbestimmungen, welche
+nicht an ihnen selbst, sondern an einem Andern eine identische
+Grundlage haben; Reflexions-Bestimmungen, die für sich sind; das Innere
+als die Form der Reflexion-in-sich, der Wesentlichkeit; das Äußere aber
+als die Form der in Anderes reflektirten Unmittelbarkeit, oder der
+Unwesentlichkeit. Allein die Natur des Verhältnisses hat gezeigt, daß
+diese Bestimmungen schlechthin nur eine Identität ausmachen. Die Kraft
+ist in ihrer Äußerung dieß, daß das voraussetzende und das in sich
+zurückkehrende Bestimmen eines und dasselbe ist. Insofern daher Inneres
+und Äußeres als Formbestimmungen betrachtet worden, so sind sie
+erstlich nur die einfache Form selbst, und zweitens weil sie darin
+zugleich als entgegengesetzte bestimmt sind, so ist ihre Einheit die
+reine abstrakte Vermittelung, in welcher die eine unmittelbar die
+andere, und darum die andere ist, weil sie die eine ist. So ist das
+Innere unmittelbar nur das Äußere, und es ist darum die Bestimmtheit
+der Äußerlichkeit, weil es das Innere ist; umgekehrt das Äußere ist nur
+ein Inneres, weil es nur ein Äußeres ist.—Indem nämlich diese
+Formeinheit ihre beiden Bestimmungen als entgegengesetzte enthält, ist
+ihre Identität nur dieß Übergehen; und darin nur die andere von beiden,
+nicht ihre inhaltsvolle Identität. Oder dieß Festhalten der Form ist
+überhaupt die Seite der Bestimmtheit. Was nach derselben gesetzt ist,
+ist nicht die reale Totalität des Ganzen, sondern die Totalität oder
+die Sache selbst nur in der Bestimmtheit der Form; weil diese die
+schlechthin zusammengebundene Einheit beider entgegengesetzter
+Bestimmungen ist, so ist, indem die eine zuerst genommen wird, und es
+ist gleichgültig, welche es sey, von der Grundlage oder Sache zu sagen,
+daß sie darum ebenso wesentlich in der andern Bestimmtheit, aber
+gleichfalls nur in der andern ist; so wie zuerst gesagt wurde, daß sie
+nur in der erstern ist.-So ist Etwas, das nur erst ein Inneres ist,
+eben darum nur ein Äußeres. Oder umgekehrt, etwas das nur ein Äußeres
+ist, ist eben darum nur ein Inneres. Oder indem das Innere als Wesen,
+das Äußere aber als Seyn bestimmt ist, so ist eine Sache, insofern sie
+nur in ihrem Wesen ist, eben darum nur ein unmittelbares Seyn; oder
+eine Sache, welche nur ist, ist eben darum nur erst noch in ihrem
+Wesen.—Das Äußere und Innere sind die Bestimmtheit so gesetzt, daß jede
+dieser beiden Bestimmungen, nicht nur die andere voraussetzt und in sie
+als in ihre Wahrheit übergeht, sondern daß sie, insofern sie diese
+Wahrheit der andern ist, als Bestimmtheit gesetzt bleibt, und auf die
+Totalität beider hinweist.—Das Innere ist somit die Vollendung des
+Wesens der Form nach. Das Wesen, indem es nämlich als Inneres bestimmt
+ist, enthält es, daß es mangelhaft und nur ist, als Beziehung auf sein
+Anderes, das Äußere; aber dieses ist ebenso nicht nur Seyn oder auch
+Existenz, sondern als auf das Wesen oder das Innere sich beziehend.
+Aber es ist nicht nur die Beziehung beider auf einander, sondern die
+bestimmte der absoluten Form, daß jedes unmittelbar sein Gegentheil
+ist, und ihre gemeinschaftliche Beziehung auf ihr Drittes oder vielmehr
+auf ihre Einheit vorhanden. Ihre Vermittelung entbehrt aber noch dieser
+sie beide enthaltenden identischen Grundlage; ihre Beziehung ist
+deswegen die unmittelbare Umkehrung des Einen in das Andere; und diese
+negative Einheit, die sie zusammenknüpft, ist der einfache, inhaltslose
+Punkt.
+
+Anmerkung.
+
+Die Bewegung des Wesens ist überhaupt das Werden zum Begriffe. In dem
+Verhältnisse des Innern und Äußern tritt das wesentliche Moment
+desselben hervor, daß nämlich seine Bestimmungen gesetzt sind, so in
+der negativen Einheit zu seyn, daß jede unmittelbar nicht nur als ihre
+andere, sondern auch als die Totalität des Ganzen ist. Aber diese
+Totalität ist im Begriffe als solchem das Allgemeine;—eine Grundlage,
+die im Verhältniß des Innern und Äußern noch nicht vorhanden ist.—In
+der negativen Identität des Innern und Äußern, welche die unmittelbare
+Umkehrung der einen dieser Bestimmungen in die andere ist, fehlt auch
+diejenige Grundlage, welche vorhin die Sache genannt wurde.-Die
+unvermittelte Identität der Form, wie sie hier noch ohne die
+inhaltsvolle Bewegung der Sache selbst gesetzt ist, ist sehr wichtig
+bemerkt zu werden. Sie kommt in der Sache vor, wie diese in ihrem
+Anfange ist. So ist das reine Seyn unmittelbar das Nichts. Überhaupt
+ist alles Reale in seinem Anfange eine solche nur unmittelbare
+Identität; denn in seinem Anfange hat es die Momente noch nicht
+entgegengesetzt und entwickelt, einer Seits aus der Äußerlichkeit sich
+noch nicht erinnert, anderer Seits sich aus der Innerlichkeit durch
+seine Thätigkeit noch nicht entäußert und hervorgebracht; es ist daher
+nur das Innere als Bestimmtheit gegen das Äußere, und nur das Äußere
+als Bestimmtheit gegen das Innere. Somit ist es Theils nur ein
+unmittelbares Seyn; Theils insofern es ebenso sehr die Negativität ist,
+welche die Thätigkeit der Entwicklung werden soll, ist es als solches
+wesentlich erst nur ein Inneres.—In aller natürlichen,
+wissenschaftlichen und geistigen Entwicklung überhaupt, bietet sich
+dieß dar, und es ist wesentlich dieß zu erkennen, daß das Erste, indem
+Etwas nur erst innerlich oder auch in seinem Begriffe ist, eben darum
+nur sein unmittelbares, passives Daseyn ist. So—um gleich das nächste
+Beispiel zu nehmen, —ist das hier betrachtete wesentliche Verhältniß,
+eh es sich durch die Vermittelung, das Verhältniß der Kraft, hindurch
+bewegt und realisirt hat, nur das Verhältniß an sich, sein Begriff,
+oder erst innerlich. Deswegen aber ist es nur das äußerliche,
+unmittelbare Verhältniß; das Verhältniß des Ganzen und der Theile, in
+welchem die Seiten ein gleichgültiges Bestehen gegen einander haben.
+Ihre Identität ist an ihnen selbst noch nicht; sie ist erst innerlich,
+und deswegen fallen sie auseinander, haben ein unmittelbares,
+äußerliches Bestehen.—So ist die Sphäre des Seyns überhaupt nur erst
+das schlechthin noch Innere, und deswegen ist sie die Sphäre der
+seyenden Unmittelbarkeit oder der Äußerlichkeit.—Das Wesen ist nur erst
+das Innere; darum wird es auch für eine ganz äußerliche, systemlose
+Gemeinschaftlichkeit genommen; man sagt, das Schulwesen, Zeitungswesen,
+und versteht darunter ein Gemeinschaftliches, das durch äußeres
+Zusammennehmen von existirenden Gegenständen, insofern sie ohne alle
+wesentliche Verbindung, ohne Organisation, gemacht ist. —Oder an
+konkreten Gegenständen, so ist der Keim der Pflanze, das Kind, nur erst
+innere Pflanze, innerlicher Mensch. Aber darum ist die Pflanze oder der
+Mensch als Keim ein Unmittelbares, ein Äußeres, das sich noch nicht die
+negative Beziehung auf sich selbst gegeben hat, ein Passives, dem
+Andersseyn Preisgegebenes.—So ist auch Gott in seinem unmittelbaren
+Begriffe nicht Geist; der Geist ist nicht das Unmittelbare, der
+Vermittelung entgegengesetzte, sondern vielmehr das seine
+Unmittelbarkeit ewig setzende und ewig aus ihr in sich zurückkehrende
+Wesen. Unmittelbar ist daher Gott nur die Natur. Oder die Natur ist nur
+der innere, nicht als Geist wirkliche und damit nicht der wahrhafte
+Gott.—Oder Gott ist im Denken, als erstem Denken, nur das reine Seyn,
+oder auch das Wesen, das abstrakte Absolute; nicht aber Gott als
+absoluter Geist, als welcher allein die wahrhafte Natur Gottes ist.
+
+3. Die erste der betrachteten Identitäten des Innern und Äußern ist die
+gegen den Unterschied dieser Bestimmungen als gegen eine ihr äußere
+Form gleichgültige Grundlage, oder sie als Inhalt. Die zweite ist die
+unvermittelte Identität ihres Unterschiedes, die unmittelbare Umkehrung
+jeder in ihre entgegengesetzte;—oder sie als reine Form. Aber diese
+beiden Identitäten sind nur die Seiten Einer Totalität; oder sie selbst
+ist nur die Umkehrung der einen in die andre. Die Totalität als
+Grundlage und Inhalt ist diese in sich reflektirte Unmittelbarkeit nur
+durch die voraussetzende Reflexion der Form, die ihren Unterschied
+aufhebt, und sich als gleichgültige Identität, als reflektirte Einheit
+gegen ihn setzt. Oder der Inhalt ist die Form selbst, insofern sie sich
+als Verschiedenheit bestimmt, und sich selbst zu einer ihrer Seiten,
+als Äußerlichkeit, zu der andern aber als in sich reflektirte
+Unmittelbarkeit oder zum Innern macht.
+
+Dadurch sind also umgekehrt die Unterschiede der Form, das Innere und
+das Äußere, jedes an ihm selbst gesetzt als die Totalität seiner und
+seines Andern; das Innere ist als einfache in sich reflektirte
+Identität, das Unmittelbare und daher so sehr Seyn und Äußerlichkeit,
+als Wesen; und das Äußere ist als das mannigfaltige, bestimmte Seyn,
+nur Äußeres d. h. gesetzt als unwesentlich und in seinen Grund
+zurückgegangen, somit als Inneres. Dieses Übergehen beider in einander
+ist ihre unmittelbare Identität, als Grundlage; aber es ist auch ihre
+vermittelte Identität; nämlich jedes ist eben durch sein Anderes, was
+es an sich ist, die Totalität des Verhältnisses. Oder umgekehrt die
+Bestimmtheit einer jeden Seite ist dadurch, daß sie an ihr die
+Totalität ist, mit der andern Bestimmtheit vermittelt; die Totalität
+vermittelt sich so durch die Form oder die Bestimmtheit mit sich
+selbst, und die Bestimmtheit vermittelt sich durch ihre einfache
+Identität mit sich.
+
+Was Etwas ist, das ist es daher ganz in seiner Äußerlichkeit; seine
+Äußerlichkeit ist seine Totalität, sie ist ebenso sehr seine in sich
+reflektirte Einheit. Seine Erscheinung ist nicht nur die Reflexion in
+Anderes, sondern in sich, und seine Äußerlichkeit daher die Äußerung
+dessen, was es an sich ist; und indem so sein Inhalt und seine Form
+schlechthin identisch sind, so ist es nichts an und für sich als dieß,
+sich zu äußern. Es ist das Offenbaren seines Wesens, so daß dieß Wesen
+eben nur darin besteht, das sich Offenbarende zu seyn.
+
+Das wesentliche Verhältniß hat sich in dieser Identität der Erscheinung
+mit dem Innern oder dem Wesen zur Wirklichkeit bestimmt.
+
+
+
+
+Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit.
+
+
+Die Wirklichkeit ist die Einheit des Wesens und der Existenz; in ihr
+hat das gestaltlose Wesen und die haltlose Erscheinung;—oder das
+bestimmungslose Bestehen und die bestandlose Mannigfaltigkeit ihre
+Wahrheit. Die Existenz ist zwar die aus dem Grunde hervorgegangene
+Unmittelbarkeit, aber sie hat die Form noch nicht an ihr gesetzt; indem
+sie sich bestimmt und formirt, ist sie die Erscheinung; und indem sich
+dieß nur als Reflexion-in-Anderes bestimmte Bestehen zur
+Reflexion-in-sich fortbildet, wird es zu zwei Welten, zwei Totalitäten
+des Inhalts, deren die eine als in sich, die andere als in Anderes
+reflektirte bestimmt ist. Das wesentliche Verhältniß aber stellt ihre
+Formbeziehung dar, deren Vollendung das Verhältniß des Innern und
+Äußern ist, daß der Inhalt beider nur Eine identische Grundlage und
+ebenso sehr nur Eine Identität der Form ist.—Dadurch daß sich auch
+diese Identität in Ansehung der Form ergeben hat, ist die
+Formbestimmung ihrer Verschiedenheit aufgehoben und es ist gesetzt, daß
+sie Eine absolute Totalität sind.
+
+Diese Einheit des Innern und Äußern ist die absolute Wirklichkeit.
+Diese Wirklichkeit aber ist zunächst das Absolute als solches;
+—insofern sie als Einheit gesetzt ist, in der sich die Form aufgehoben,
+und zu dem leeren oder äußern Unterschiede eines Äußern und Innern
+gemacht hat. Die Reflexion verhält sich gegen dieß Absolute als
+äußerliche, welche es vielmehr nur betrachtet, als daß sie seine eigene
+Bewegung wäre. Indem sie aber wesentlich dieß ist, ist sie als seine
+negative Rückkehr in sich. Zweitens die eigentliche Wirklichkeit.
+Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit machen die formellen
+Momente des Absoluten, oder die Reflexion desselben aus.
+
+Drittens die Einheit des Absoluten und seiner Reflexion ist das
+absolute Verhältniß, oder vielmehr das Absolute als Verhältniß zu sich
+selbst; Substanz.
+
+
+
+
+Erstes Kapitel. Das Absolute.
+
+
+Die einfache gediegene Identität des Absoluten ist unbestimmt, oder in
+ihr hat sich vielmehr alle Bestimmtheit des Wesens und der Existenz,
+oder des Seyns überhaupt sowohl als der Reflexion aufgelöst. Insofern
+fällt das Bestimmen dessen, was das Absolute sey, negativ aus, und das
+Absolute selbst erscheint nur als die Negation aller Prädikate und als
+das Leere. Aber indem es ebenso sehr als die Position aller Prädikate
+ausgesprochen werden muß, erscheint es als der formellste Widerspruch.
+Insofern jenes Negiren und dieses Setzen, der äußern Reflexion
+angehört, so ist es eine formelle unsystematische Dialektik, die mit
+leichter Mühe die mancherlei Bestimmungen hierher und dorther
+aufgreift, und mit ebenso leichter Mühe einer Seits ihre Endlichkeit
+und bloße Relativität aufzeigt, als anderer Seits, indem es ihr als die
+Totalität vorschwebt, auch das Innwohnen aller Bestimmungen von ihm
+ausspricht,—ohne diese Positionen und jene Negationen zu einer
+wahrhaften Einheit erheben zu können.—Es soll aber dargestellt werden,
+was das Absolute ist; aber dieß Darstellen kann nicht ein Bestimmen
+noch äußere Reflexion seyn, wodurch Bestimmungen desselben würden,
+sondern es ist die Auslegung und zwar die eigene Auslegung des
+Absoluten, und nur ein Zeigen dessen was es ist.
+
+A. Die Auslegung des Absoluten.
+
+Das Absolute ist nicht nur das Seyn, noch auch das Wesen. Jene ist die
+erste unreflektirte Unmittelbarkeit, diese die reflektirte; jedes ist
+ferner Totalität an ihm selbst; aber eine bestimmte. Am Wesen tritt das
+Seyn als Existenz hervor; und die Beziehung von Seyn und Wesen hat sich
+bis zum Verhältnisse des Innern und Äußern fortgebildet. Das Innere ist
+das Wesen aber als die Totalität, welche wesentlich die Bestimmung hat,
+auf das Seyn bezogen und unmittelbar Seyn zu seyn. Das Äußere ist das
+Seyn, aber mit der wesentlichen Bestimmung, auf die Reflexion bezogen
+unmittelbar ebenso verhältnißlose Identität mit dem Wesen zu seyn. Das
+Absolute selbst ist die absolute Einheit beider; es ist dasjenige, was
+überhaupt den Grund des wesentlichen Verhältnisses ausmacht, das als
+Verhältniß nur noch nicht in diese seine Identität zurückgegangen, und
+dessen Grund noch nicht gesetzt ist.
+
+Hieraus ergiebt sich, daß die Bestimmung des Absoluten ist, die
+absolute Form zu seyn, aber zugleich nicht als die Identität, deren
+Momente nur eInfache Bestimmtheiten sind;—sondern die Identität, deren
+Momente jedes an ihm selbst die Totalität, und somit als gleichgültig
+gegen die Form, der vollständige Inhalt des Ganzen ist. Aber umgekehrt
+ist das Absolute so der absolute Inhalt, daß der Inhalt, der als
+solcher gleichgültige Mannigfaltigkeit ist, die negative Formbeziehung
+an ihm hat, wodurch seine Mannigfaltigkeit nur Eine gediegene Identität
+ist.
+
+Die Identität des Absoluten ist somit dadurch die absolute, daß jeder
+seiner Theile selbst das Ganze oder jede Bestimmtheit die Totalität
+ist, d. h. daß die Bestimmtheit überhaupt ein schlechthin
+durchsichtiger Schein, ein in seinem Gesetztseyn verschwundener
+Unterschied geworden ist. Wesen, Existenz, an sich seyende Welt,
+Ganzes, Theile, Kraft,—diese reflektirten Bestimmungen erscheinen dem
+Vorstellen als an und für sich geltendes, wahres Seyn; das Absolute
+aber ist gegen sie der Grund, in dem sie untergegangen sind. —Weil nun
+im Absoluten die Form nur die einfache Identität mit sich ist, so
+bestimmt sich das Absolute nicht; denn die Bestimmung ist ein
+Formunterschied, der zunächst als solcher gilt. Weil es aber zugleich
+allen Unterschied und Formbestimmung überhaupt enthält, oder weil es
+selbst die absolute Form und Reflexion ist, so muß auch die
+Verschiedenheit des Inhalts an ihm hervortreten. Aber das Absolute
+selbst ist die absolute Identität; dieß ist seine Bestimmung, indem
+alle Mannigfaltigkeit der an sich seyenden und der erscheinenden Welt,
+oder der innerlichen und äußerlichen Totalität in ihm aufgehoben ist.
+—In ihm selbst ist kein Werden, denn es ist nicht das Seyn, noch ist es
+das sich reflektirende Bestimmen; denn es ist nicht das sich nur in
+sich bestimmende Wesen; es ist auch nicht ein sich Äußern; denn es ist
+als die Identität des Innern und Äußern.—Aber so steht die Bewegung der
+Reflexion seiner absoluten Identität gegenüber. Sie ist in dieser
+aufgehoben, so ist sie nur deren Inneres, hiermit aber ist sie ihr
+äußerlich.—Sie besteht daher zunächst nur darin, ihr Thun im Absoluten
+aufzuheben. Sie ist das Jenseits der mannigfaltigen Unterschiede und
+Bestimmungen und deren Bewegung, welches dem Absoluten im Rücken liegt;
+sie ist daher zwar das Aufnehmen derselben, aber zugleich ihr
+Untergehen; so ist sie die negative Auslegung des Absoluten, die vorhin
+erwähnt wurde.—In ihrer wahrhaften Darstellung ist diese Auslegung das
+bisherige Ganze der logischen Bewegung der Sphäre des Seyns und des
+Wesens, deren Inhalt nicht von außen als ein gegebener und zufälliger
+aufgerafft, noch durch eine ihm äußere Reflexion in den Abgrund des
+Absoluten versenkt worden, sondern sich an ihm durch seine innere
+Nothwendigkeit bestimmt und als eignes Werden des Seyns, und als
+Reflexion des Wesens in das Absolute als in seinen Grund zurückgegangen
+ist.
+
+Diese Auslegung hat aber selbst zugleich eine positive Seite; insofern
+nämlich das Endliche darin, daß es zu Grunde geht, diese Natur beweist,
+auf das Absolute bezogen zu seyn, oder das Absolute an ihm selbst zu
+enthalten. Aber diese Seite ist nicht so sehr die positive Auslegung
+des Absoluten selbst, als vielmehr die Auslegung der Bestimmungen, daß
+sie nämlich das Absolute zu ihrem Abgrunde, aber auch zu ihrem Grunde
+haben, oder daß das, was ihnen, dem Schein, ein Bestehen gibt, das
+Absolute selbst ist.—Der Schein ist nicht das Nichts, sondern er ist
+Reflexion, Beziehung auf das Absolute; oder er ist Schein, insofern das
+Absolute in ihm scheint. Diese positive Auslegung hält so noch das
+Endliche vor seinem Verschwinden auf, und betrachtet es als einen
+Ausdruck und Abbild des Absoluten. Aber die Durchsichtigkeit des
+Endlichen, das nur das Absolute durch sich hindurchblicken läßt, endigt
+in gänzliches Verschwinden; denn es ist nichts am Endlichen, was ihm
+einen Unterschied gegen das Absolute erhalten könnte; es ist ein
+Medium, das von dem, was durch es scheint, absorbirt wird.
+
+Diese positive Auslegung des Absoluten ist daher selbst nur ein
+Scheinen; denn das wahrhaft Positive, was sie und der ausgelegte Inhalt
+enthält, ist das Absolute selbst. Was für weitere Bestimmungen
+vorkommen, die Form, worin das Absolute scheint, ist ein Nichtiges, das
+die Auslegung von außen her aufnimmt, und woran sie einen Anfang zu
+ihrem Thun gewinnt. Eine solche Bestimmung hat nicht im Absoluten ihren
+Anfang, sondern nur ihr Ende. Dieses Auslegen ist daher zwar absolutes
+Thun durch seine Beziehung auf das Absolute, in das es zurückgeht, aber
+nicht nach seinem Ausgangspunkte, der eine dem Absoluten äußerliche
+Bestimmung ist.
+
+In der That aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Thun, und
+das bei sich anfängt, wie es bei sich ankommt. Das Absolute, nur als
+absolute Identität, ist es bestimmt; nämlich als Identisches; es ist
+durch die Reflexion so gesetzt, gegen die Entgegensetzung und
+Mannigfaltigkeit; oder es ist nur das Negative der Reflexion und des
+Bestimmens überhaupt.—Nicht nur jenes Auslegen des Absoluten ist daher
+ein Unvollkommenes, sondern auch dieß Absolute selbst, bei welchem nur
+angekommen wird. Oder jenes Absolute, das nur als absolute Identität
+ist, ist nur das Absolute einer äußern Reflexion. Es ist daher nicht
+das Absolut-Absolute, sondern das Absolute in einer Bestimmtheit, oder
+es ist Attribut.
+
+Aber das Absolute ist nicht nur Attribut, weil es Gegenstand einer
+äußern Reflexion und somit ein durch sie Bestimmtes ist.—Oder die
+Reflexion ist nicht nur ihm äußerlich; sondern unmittelbar, darum weil
+sie ihm äußerlich ist, ist sie ihm innerlich. Das Absolute ist nur das
+Absolute, weil es nicht die abstrakte Identität, sondern die Identität
+des Seyns und Wesens, oder die Identität des Innern und Äußern ist. Es
+ist also selbst die absolute Form, welche es in sich scheinen macht,
+und es zum Attribut bestimmt.
+
+B. Das absolute Attribut.
+
+Der Ausdruck, der gebraucht worden ist: das Absolut-Absolute,
+bezeichnet das in seiner Form in sich zurückgekehrte Absolute, oder
+dessen Form seinem Inhalte gleich ist. Das Attribut ist das nur
+relative Absolute, eine Verknüpfung, welche nichts anderes bedeutet,
+als das Absolute in einer Formbestimmung. Die Form ist nämlich zuerst
+vor ihrer vollendeten Auslegung nur erst innerlich," oder was dasselbe
+ist, nur äußerlich, überhaupt zuerst bestimmte Form oder Negation
+überhaupt. Aber weil sie zugleich als Form des Absoluten ist, so ist
+das Attribut der ganze Inhalt des Absoluten; es ist die Totalität,
+welche früher als eine Welt erschien, oder als eine der Seiten des
+wesentlichen Verhältnisses, deren jede selbst das Ganze ist. Aber die
+beiden Welten, die erscheinende und die an und für sich seyende,
+sollten jede in ihrem Wesen einander entgegengesetzt seyn. Die eine
+Seite des wesentlichen Verhältnisses war zwar der andern gleich; das
+Ganze so viel als die Theile; die Äußerung der Kraft derselbe Inhalt,
+als diese selbst, und das Äußere überhaupt dasselbe was das Innere.
+Aber zugleich sollten diese Seiten, jede noch ein eigenes unmittelbares
+Bestehen haben, die eine als die seyende, die andere als die
+reflektirte Unmittelbarkeit. Im Absoluten dagegen sind diese
+unterschiedenen Unmittelbarkeiten zum Scheine herabgesetzt, und die
+Totalität, welche das Attribut ist, ist gesetzt als sein wahres und
+einziges Bestehen; die Bestimmung aber, in der es ist, als das
+unwesentliche.
+
+Das Absolute ist darum Attribut, weil es als einfache absolute
+Identität in der Bestimmung der Identität ist; an die Bestimmung
+überhaupt können nun andere Bestimmungen angeknüpft werden, z.B. auch
+daß mehrere Attribute seyen. Aber weil die absolute Identität nur diese
+Bedeutung hat, nicht nur daß alle Bestimmungen aufgehoben sind, sondern
+daß sie auch die Reflexion ist, die sich selbst aufgehoben hat, so sind
+an ihr alle Bestimmungen gesetzt, als aufgehobene. Oder die Totalität
+ist gesetzt als die absolute, oder das Attribut hat das Absolute zu
+seinem Inhalt und Bestehen; seine Formbestimmung, wodurch es Attribut
+ist, ist daher auch gesetzt, unmittelbar als bloßer Schein; das
+Negative als Negatives. Der positive Schein, den die Auslegung sich
+durch das Attribut gibt, indem sie das Endliche in seiner Schranke
+nicht als ein an und für sich Seyendes nimmt, sondern sein Bestehen in
+das Absolute auflöst, und es zum Attribut erweitert, hebt dieß selbst
+auf, daß es Attribut sey; sie versenkt dasselbe und ihr
+unterscheidendes Thun in das einfache Absolute.
+
+Aber indem die Reflexion von ihrem Unterscheiden so nur zur Identität
+des Absoluten zurückkehrt, ist sie zugleich nicht aus ihrer
+Äußerlichkeit heraus und zum wahrhaften Absoluten gekommen. Sie hat nur
+die unbestimmte, abstrakte Identität erreicht; das heißt, diejenige,
+welche in der Bestimmtheit der Identität ist.—Oder die Reflexion, indem
+sie als innere Form das Absolute zum Attribut bestimmt, so ist dieses
+Bestimmen ein noch von der Äußerlichkeit Verschiedenes; die innere
+Bestimmung durchdringt das Absolute nicht; seine Äußerung ist, als ein
+bloß gesetztes am Absoluten zu verschwinden.
+
+Die Form also, sie werde als äußere oder innere genommen, wodurch das
+Absolute Attribut wäre, ist zugleich gesetzt, ein an sich selbst
+Nichtiges, ein äußerlicher Schein, oder bloße Art und Weise zu seyn.
+
+C. Der Modus des Absoluten.
+
+Das Attribut ist erstlich das Absolute als in der einfachen Identität
+mit sich. Zweitens ist es Negation, und diese als Negation ist die
+formelle Reflexion-in-sich. Diese beiden Seiten machen zunächst die
+zwei Extreme des Attributs aus, deren Mitte es selbst ist, indem es
+sowohl das Absolute als die Bestimmtheit ist.—Das zweite dieser Extreme
+ist das Negative als Negatives, die dem Absoluten äußerliche
+Reflexion.—Oder insofern es als das Innere des Absoluten genommen wird,
+und seine eigene Bestimmung es ist, sich als Modus zu setzen, so ist er
+das Außersichseyn des Absoluten, der Verlust seiner in die
+Veränderlichkeit und Zufälligkeit des Seyns, sein Übergegangenseyn ins
+Entgegengesetzte ohne Rückkehr in sich; die totalitätslose
+Mannigfaltigkeit der Form und Inhaltsbestimmungen.
+
+Der Modus, die Äußerlichkeit des Absoluten, ist aber nicht nur dieß,
+sondern die als Äußerlichkeit gesetzte Äußerlichkeit, eine bloße Art
+und Weise; somit der Schein als Schein, oder die Reflexion der Form in
+sich; somit die Identität mit sich, welche das Absolute ist. In der
+That ist also erst im Modus das Absolute als absolute Identität
+gesetzt; es ist nur, was es ist, nämlich Identität mit sich, als sich
+auf sich beziehende Negativität, als Scheinen, das als Scheinen gesetzt
+ist.
+
+Insofern daher die Auslegung des Absoluten von seiner absoluten
+Identität anfängt, und zu dem Attribute und von da zum Modus übergeht,
+so hat sie darin vollständig ihre Momente durchloffen. Aber erstlich
+ist sie darin nicht ein bloß negatives Verhalten gegen diese
+Bestimmungen, sondern dieß ihr Thun ist die reflektirende Bewegung
+selbst, als welche das Absolute nur wahrhaft die absolute Identität
+ist.—Zweitens hat sie es dabei nicht bloß mit Äußerlichem zu thun, und
+der Modus ist nicht nur die äußerste Äußerlichkeit, sondern weil er der
+Schein als Schein ist, so ist er die Rückkehr in sich, die sich selbst
+auflösende Reflexion, als welche das Absolute absolutes Seyn
+ist.—Drittens scheint die auslegende Reflexion von ihren eigenen
+Bestimmungen und von Äußerlichem anzufangen, die Modos oder auch die
+Bestimmungen des Attributs, als sonst außer dem Absoluten vorgefundene
+aufzunehmen, und ihr Thun darin zu bestehen, daß sie dieselben in die
+indifferente Identität nur zurückführt. In der That aber hat sie an dem
+Absoluten selbst die Bestimmtheit, von der sie anfängt. Denn das
+Absolute als erste indifferente Identität ist selbst nur das bestimmte
+Absolute, oder Attribut, weil es das unbewegte, noch unreflektirte
+Absolute ist. Diese Bestimmtheit, weil sie Bestimmtheit ist, gehört der
+reflektirenden Bewegung an; nur durch sie ist es bestimmt als das erste
+Identische, ebenso nur durch sie hat es die absolute Form, und ist
+nicht das sich Gleichseyende, sondern das sich selbst Gleichsetzende.
+
+Die wahrhafte Bedeutung des Modus ist daher, daß er die reflektirende
+eigene Bewegung des Absoluten ist; ein Bestimmen, aber nicht wodurch es
+ein Anderes würde, sondern nur dessen, was es schon ist; die
+durchsichtige Äußerlichkeit, welche das Zeigen seiner selbst ist; eine
+Bewegung aus sich heraus; aber so daß dieß Seyn-nach-Aussen, ebenso
+sehr die Innerlichkeit selbst ist; und damit ebenso sehr ein Setzen,
+das nicht bloß Gesetztseyn, sondern absolutes Seyn ist.
+
+Wenn daher nach einem Inhalt der Auslegung gefragt wird, was denn das
+Absolute zeige? so ist der Unterschied von Form und Inhalt im Absoluten
+ohnehin aufgelöst. Oder eben dieß ist der Inhalt des Absoluten, sich zu
+manifestiren. Das Absolute ist die absolute Form, welche als die
+Entzweiung ihrer schlechthin identisch mit sich ist, das Negative als
+Negatives; oder das mit sich zusammengeht, und nur so die absolute
+Identität mit sich ist, die ebenso sehr gleichgültig gegen ihre
+Unterschiede, oder absoluter Inhalt ist; der Inhalt ist daher nur diese
+Auslegung selbst.
+
+Das Absolute als diese sich selbst tragende Bewegung der Auslegung, als
+Art und Weise, welche seine absolute Identität mit sich selbst ist, ist
+Äußerung, nicht eines Innern, nicht gegen ein Anderes, sondern ist nur
+als absolutes sich für sich selbst Manifestiren; es ist so
+Wirklichkeit.
+
+Anmerkung.
+
+Dem Begriffe des Absoluten und dem Verhältnisse der Reflexion zu
+demselben, wie es sich hier dargestellt hat, entspricht der Begriff der
+spinozistischen Substanz. Der Spinozismus ist darin eine mangelhafte
+Philosophie, daß die Reflexion und deren mannigfaltiges Bestimmen ein
+äußerliches Denken ist.—Die Substanz dieses Systems ist Eine Substanz,
+Eine untrennbare Totalität; es giebt keine Bestimmtheit, die nicht in
+diesem Absoluten enthalten und aufgelöst wäre; und es ist wichtig
+genug, daß Alles, was dem natürlichen Vorstellen oder dem bestimmenden
+Verstande als selbstständiges erscheint und vorschwebt, in jenem
+nothwendigen Begriffe gänzlich zu einem bloßen Gesetztseyn herabgesetzt
+ist.—Die Bestimmtheit ist Negation, ist das absolute Princip der
+Spinozistischen Philosophie; diese wahrhafte und einfache Einsicht
+begründet die absolute Einheit der Substanz. Aber Spinoza bleibt bei
+der Negation als Bestimmtheit oder Qualität stehen; er geht nicht zur
+Erkenntniß derselben als absoluter, das heißt, sich negirender Negation
+fort; somit enthält seine Substanz nicht selbst die absolute Form, und
+das Erkennen derselben ist kein immanentes Erkennen. Zwar ist die
+Substanz absolute Einheit des Denkens und Seyns oder der Ausdehnung;
+sie enthält also das Denken selbst, aber nur in seiner Einheit mit der
+Ausdehnung; das heißt nicht als sich von der Ausdehnung trennend, somit
+überhaupt nicht als Bestimmen und Formiren, noch auch als die
+zurückkehrende und aus sich selbst anfangende Bewegung. Theils fehlt
+dadurch der Substanz, das Princip der Persönlichkeit,—ein Mangel,
+welcher vornehmlich gegen das spinozistische System empört hat; —Theils
+ist das Erkennen die äußerliche Reflexion, welche das, was als
+Endliches erscheint, die Bestimmtheit des Attributs und den Modus, wie
+auch überhaupt sich selbst, nicht aus der Substanz begreift und
+ableitet, sondern als ein äußerlicher Verstand thätig ist, die
+Bestimmungen als gegebene aufnimmt, und sie auf das Absolute
+zurückführt, nicht aber von diesem ihre Anfänge hernimmt.
+
+Die Begriffe, die Spinoza von der Substanz giebt, sind die Begriffe der
+Ursache seiner selbst,—daß sie das ist, dessen Wesen die Existenz in
+sich schließe;—daß der Begriff des Absoluten nicht des Begriffs eines
+Andern bedürfe, von dem er gebildet werden müsse; —diese Begriffe, so
+tief und richtig sie sind, sind Definitionen, welche vorne in der
+Wissenschaft unmittelbar angenommen werden. Mathematik und andere
+untergeordnete Wissenschaften müssen mit einem Vorausgesetzten
+anfangen, das ihr Element und positive Grundlage ausmacht. Aber das
+Absolute kann nicht ein Erstes, Unmittelbares seyn, sondern das
+Absolute ist wesentlich sein Resultat.
+
+Nach der Definition des Absoluten tritt bei Spinoza ferner die
+Definition des Attributs auf; und wird als dasjenige bestimmt, wie der
+Verstand dessen Wesen begreift. Außerdem daß der Verstand seiner Natur
+nach als später angenommen wird, als das Attribut,—denn Spinoza
+bestimmt ihn als Modus,—so wird das Attribut, die Bestimmung als
+Bestimmung des Absoluten, von einem Andern, dem Verstande, abhängig
+gemacht, welches der Substanz gegenüber äußerlich und unmittelbar
+auftritt.
+
+Die Attribute bestimmt Spinoza ferner als unendlich; und zwar unendlich
+auch im Sinne einer unendlichen Vielheit. Es kommen zwar weiterhin nur
+die zwei vor,—Denken und Ausdehnung, und es ist nicht gezeigt, wie die
+unendliche Vielheit sich nothwendig nur auf den Gegensatz und zwar
+diesen bestimmten, des Denkens und der Ausdehnung, reducirt.-Diese
+beiden Attribute sind deswegen empirisch aufgenommen. Denken und Seyn
+stellen das Absolute in einer Determination vor, das Absolute selbst
+ist ihre absolute Einheit, so daß sie nur unwesentliche Formen sind,
+die Ordnung der Dinge dieselbe ist, als die der Vorstellungen oder
+Gedanken, und das Eine Absolute nur von der äußerlichen Reflexion,
+einem Modus, unter jenen beiden Bestimmungen, das eine Mal als eine
+Totalität von Vorstellungen, das andere Mal als eine Totalität von
+Dingen und deren Veränderungen betrachtet wird. Wie es diese äußere
+Reflexion ist, welche jenen Unterschied macht, so ist sie es auch, die
+ihn in die absolute Identität zurückführt und versenkt. Diese ganze
+Bewegung aber geht außer dem Absoluten vor. Zwar ist dieses selbst auch
+das Denken, und sofern diese Bewegung nur im Absoluten; aber, wie
+bemerkt, ist sie im Absoluten nur als Einheit mit der Ausdehnung, somit
+nicht als diese Bewegung, welche wesentlich auch das Moment der
+Entgegensetzung ist. —Spinoza macht die erhabene Forderung an das
+Denken, alles unter der Gestalt der Ewigkeit, sub Specie aeterni, zu
+betrachten, das heißt, wie es im Absoluten ist. Aber in jenem
+Absoluten, das nur die unbewegte Identität ist, ist das Attribut, wie
+der Modus, nur als verschwindend, nicht als werdend, so daß hiermit
+auch jenes Verschwinden seinen positiven Anfang nur von Außen nimmt.
+
+Das dritte, der Modus, ist bei Spinoza, Affektion der Substanz, die
+bestimmte Bestimmtheit, was in einem Andern ist, und durch dieß Andere
+gefaßt wird. Die Attribute haben eigentlich nur die unbestimmte
+Verschiedenheit zu ihrer Bestimmung; jedes soll die Totalität der
+Substanz ausdrücken und aus sich selbst begriffen werden; insofern es
+aber das Absolute als bestimmt ist, so enthält es das Andersseyn, und
+ist nicht nur aus sich selbst zu begreifen. In dem Modus ist daher erst
+eigentlich die Bestimmung des Attributs gesetzt.
+
+Dieß Dritte bleibt ferner bloßer Modus, einer Seits ist er unmittelbar
+Gegebenes, anderer Seits wird seine Nichtigkeit nicht als Reflexion in
+sich erkannt.—Die spinozistische Auslegung des Absoluten ist daher
+insofern wohl vollständig, als sie von dem Absoluten anfängt, hierauf
+das Attribut folgen läßt und mit dem Modus endigt; aber diese drei
+werden nur nach einander ohne innere Folge der Entwicklung aufgezählt,
+und das Dritte ist nicht die Negation als Negation, nicht sich negativ
+auf sich beziehende Negation, wodurch sie an ihr selbst, die Rückkehr
+in die erste Identität und diese, wahrhafte Identität wäre. Es fehlt
+daher die Nothwendigkeit des Fortgangs des Absoluten zur
+Unwesentlichkeit, so wie ihre Auflösung an und für sich selbst in die
+Identität; oder es mangelt sowohl das Werden der Identität als ihrer
+Bestimmungen.
+
+Auf gleiche Weise ist in der orientalischen Vorstellung der Emanation
+das Absolute das sich selbst erleuchtende Licht. Allein es erleuchtet
+sich nicht nur, sondern strömt auch aus. Seine Ausströmungen sind
+Entfernungen von seiner ungetrübten Klarheit; die folgenden Ausgeburten
+sind unvollkommener als die vorhergehenden, aus denen sie entstehen.
+Das Ausströmen ist nur als ein Geschehen genommen, das Werden nur als
+ein fortgehender Verlust. So verdunkelt sich das Seyn immer mehr, und
+die Nacht, das Negative, ist das Letzte der Linie, das nicht in das
+erste Licht zurück kehrt.
+
+Der Mangel der Reflexion in sich, den die Spinozistische Auslegung des
+Absoluten wie die Emanationslehre an ihr hat, ist in dem Begriffe der
+leibnizischen Monade ergänzt.—Der Einseitigkeit eines philosophischen
+Princips pflegt sich die entgegengesetzte gegenüber zu stellen, und,
+wie in Allem, die Totalität wenigstens als eine zerstreute
+Vollständigkeit vorhanden zu seyn.—Die Monade ist ein Eins, ein in sich
+reflektirtes Negatives; sie ist die Totalität des Inhalts der Welt; das
+verschiedene Mannigfaltige ist in ihr nicht nur verschwunden, sondern
+auf negative Weise aufbewahrt; die spinozistische Substanz ist die
+Einheit alles Inhalts; aber dieser mannigfaltige Inhalt der Welt ist
+nicht als solcher in ihr, sondern in der ihr äußerlichen Reflexion. Die
+Monade ist daher wesentlich vorstellend; sie hat aber, ob sie wohl eine
+endliche ist, keine Passivität; sondern die Veränderungen und
+Bestimmungen in ihr sind Manifestationen ihrer in ihr selbst. Sie ist
+Entelechie; das Offenbahren ist ihr eigenes Thun.—Dabei ist die Monade
+auch bestimmt, von anderen unterschieden; die Bestimmtheit fällt in den
+besondern Inhalt und die Art und Weise der Manifestation. Die Monade
+ist daher an sich, ihrer Substanz nach, die Totalität, nicht in ihrer
+Manifestation. Diese Beschränkung der Monade fällt nothwendig nicht in
+die sich selbst setzende oder vorstellende Monade, sondern in ihr
+Ansichseyn, oder ist absolute Grenze, eine Prädestination, welche durch
+ein anderes Wesen, als sie ist, gesetzt wird. Ferner da Begrenzte nur
+sind, als sich auf andere Begrenzte beziehend, die Monade aber zugleich
+ein in sich geschlossenes Absolutes ist, so fällt die Harmonie dieser
+Begrenzungen, nämlich die Beziehung der Monaden auf einander, außer
+ihnen und ist gleichfalls von einem andern Wesen oder an sich
+prästabilirt.
+
+Es erhellt, daß durch das Princip der Reflexion-in-sich, welches die
+Grundbestimmung der Monade ausmacht, zwar das Andersseyn und die
+Einwirkung von außen überhaupt entfernt ist, und die Veränderungen der
+Monade ihr eigenes Setzen sind,—daß aber auf der andern Seite die
+Passivität durch Anderes, nur in eine absolute Schranke, in eine
+Schranke des Ansichseyns verwandelt ist. Leibnitz schreibt den Monaden
+eine gewisse Vollendung in sich zu, eine Art von Selbstständigkeit; sie
+sind geschaffene Wesen.—Näher ihre Schranke betrachtet, so ergiebt sich
+aus dieser Darstellung, daß die Manifestation ihrer selbst, die ihnen
+zukommt, die Totalität der Form ist. Es ist ein höchst wichtiger
+Begriffe daß die Veränderungen der Monade als passivitätslose Aktionen,
+als Manifestationen ihrer selbst vorgestellt, und das Princip der
+Reflexion in sich, oder der Individuation als wesentlich hervorsteht.
+Ferner ist es nothwendig, die Endlichkeit darin bestehen zu lassen, daß
+der Inhalt oder die Substanz von der Form unterschieden, und dann
+weiter jene beschränkt, diese aber unendlich ist. Aber nun wäre im
+Begriffe der absoluten Monade nicht nur jene absolute Einheit der Form
+und des Inhalts, sondern auch die Natur der Reflexion, als die sich auf
+sich selbst beziehende Negativität sich von sich abzustoßen, wodurch
+sie setzend und schaffend ist, zu finden. Es ist zwar im leibnitzischen
+Systeme das Weitere gleichfalls vorhanden, daß Gott die Quelle der
+Existenz und des Wesens der Monaden ist, d. h. daß jene absoluten
+Schranken im Ansichseyn der Monaden nicht an und für sich seyende sind,
+sondern im Absoluten verschwinden. Aber es zeigen sich in diesen
+Bestimmungen nur die gewöhnlichen Vorstellungen, die ohne
+philosophische Entwicklung gelassen und nicht zu spekulativen Begriffen
+erhoben sind. So erhält das Princip der Individuation seine tiefere
+Ausführung nicht; die Begriffe über die Unterscheidungen der
+verschiedenen endlichen Monaden, und über ihr Verhältniß zu ihrem
+Absoluten, entspringen nicht aus diesem Wesen selbst oder nicht auf
+absolute Weise, sondern gehören der räsonnirenden, dogmatischen
+Reflexion an, und sind daher zu keiner innern Kohärenz gediehen.
+
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit.
+
+
+Das Absolute ist die Einheit des Innern und Äußern als erste,
+ansichseyende Einheit. Die Auslegung erschien als äußere Reflexion, die
+auf ihrer Seite das Unmittelbare als ein Vorgefundenes hat, aber
+zugleich die Bewegung und Beziehung desselben auf das Absolute ist, und
+als solche es in dieses zurückführt, und als eine bloße Art und Weise
+bestimmt. Aber diese Art und Weise ist die Bestimmung des Absoluten
+selbst, nämlich seine erste Identität oder seine bloß an sich seyende
+Einheit. Und zwar wird durch diese Reflexion nicht nur jenes erste
+Ansichseyn gesetzt als wesenlose Bestimmung, sondern weil sie negative
+Beziehung auf sich ist, wird erst durch sie jener Modus. Diese
+Reflexion als sich selbst in ihren Bestimmungen aufhebend, und
+überhaupt als die in sich zurückkehrende Bewegung ist erst wahrhaft
+absolute Identität, und zugleich ist sie das Bestimmen des Absoluten
+oder die Modalität desselben. Der Modus ist daher die Äußerlichkeit des
+Absoluten, aber ebenso sehr nur als dessen Reflexion in sich, —oder er
+ist die eigne Manifestation desselben, so daß diese Äußerung seine
+Reflexion-in-sich und damit sein An-und-für-sich-seyn ist.
+
+So als die Manifestation, daß es sonst nichts ist und keinen Inhalt
+hat, als die Manifestation seiner zu seyn, ist das Absolute die
+absolute Form. Die Wirklichkeit ist als diese reflektirte Absolutheit
+zu nehmen. Das Seyn ist noch nicht wirklich; es ist die er ste
+Unmittelbarkeit; seine Reflexion ist daher Werden und Übergehen in
+Anderes; oder seine Unmittelbarkeit ist nicht An-und-für-sich-seyn. Die
+Wirklichkeit steht auch höher als die Existenz. Diese ist zwar die aus
+dem Grunde und den Bedingungen, oder aus dem Wesen und dessen Reflexion
+hervorgegangene Unmittelbarkeit. Sie ist daher an sich das, was die
+Wirklichkeit ist, reale Reflexion, aber ist noch nicht die gesetzte
+Einheit der Reflexion und der Unmittelbarkeit. Die Existenz geht daher
+in Erscheinung über, indem sie die Reflexion, welche sie enthält,
+entwickelt. Sie ist der zu Grunde gegangene Grund; ihre Bestimmung ist
+die Wiederherstellung desselben, so wird sie wesentliches Verhältniß,
+und ihre letzte Reflexion ist, daß ihre Unmittelbarkeit gesetzt ist als
+die Reflexion-in-sich, und umgekehrt; diese Einheit, in welcher
+Existenz oder Unmittelbarkeit, und das Ansichseyn, der Grund oder das
+Reflektirte schlechthin Momente sind, ist nun die Wirklichkeit. Das
+Wirkliche ist darum Manifestation, es wird durch seine Äußerlichkeit
+nicht in die Sphäre der Veränderung gezogen, noch ist es Scheinen
+seiner in einem Andern, sondern es manifestirt sich; das heißt, es ist
+in seiner Äußerlichkeit es selbst, und ist nur in ihr, nämlich nur als
+sich von sich unterscheidende und bestimmende Bewegung, es selbst.
+
+In der Wirklichkeit nun als dieser absoluten Form, sind die Momente nur
+als aufgehobene oder formelle noch nicht realisirt; ihre
+Verschiedenheit gehört so zunächst der äußern Reflexion an und ist
+nicht als Inhalt bestimmt.
+
+Die Wirklichkeit als selbst unmittelbare Formeinheit des Innern und
+Äußern ist damit in der Bestimmung der Unmittelbarkeit gegen die
+Bestimmung der Reflexion in sich; oder sie ist eine Wirklichkeit gegen
+eine Möglichkeit. Die Beziehung beider auf einander ist das Dritte, das
+Wirkliche bestimmt ebenso sehr als in sich reflektirtes Seyn, und
+dieses zugleich als unmittelbar existirendes. Dieses Dritte ist die
+Nothwendigkeit.
+
+Aber zunächst, indem Wirkliches und Mögliches formelle Unterschiede
+sind, ist ihre Beziehung gleichfalls nur formell, und besteht nur
+darinn, daß das Eine wie das Andere ein Gesetztseyn ist, oder in der
+Zufälligkeit.
+
+Damit nun, daß in der Zufälligkeit das Wirkliche wie das Mögliche, das
+Gesetztseyn ist, haben sie die Bestimmung an ihnen erhalten; es wird
+dadurch zweitens die reale Wirklichkeit; womit ebenso reale
+Möglichkeit, und die relative Nothwendigkeit hervorgeht.
+
+Die Reflexion der relativen Nothwendigkeit in sich giebt drittens die
+absolute Nothwendigkeit, welche absolute Möglichkeit und Wirklichkeit
+ist.
+
+A. Zufälligkeit oder formelle Wirklichkeit, Möglichkeit und
+Nothwendigkeit.
+
+1. Die Wirklichikeit ist formell, insofern sie als erste Wirklichkeit
+nur unmittelbare, unreflektirte Wirklichkeit, somit nur in dieser
+Formbestimmung, aber nicht als Totalität der Form ist. Sie ist so
+weiter nichts als ein Seyn oder Existenz überhaupt. Aber weil sie
+wesentlich nicht bloße unmittelbare Existenz, sondern, als Formeinheit
+des Ansichseyns oder der Innerlichkeit, und der Äußerlichkeit ist, so
+enthält sie unmittelbar das Ansichseyn oder die Möglichkeit. Was
+wirklich ist, ist möglich.
+
+2. Diese Möglichkeit ist die in sich reflektirte Wirklichkeit. Aber
+dieß selbst erste Reflektirtseyn ist ebenfalls das Formelle, und
+hiermit überhaupt nur die Bestimmung der Identität mit sich oder des
+Ansichseyns überhaupt.
+
+Weil aber die Bestimmung hier Totalität der Form ist, ist dieses
+Ansichseyn, bestimmt als Aufgehobenes, oder als wesentlich nur in
+Beziehung auf die Wirklichkeit; als das Negative von dieser, gesetzt
+als Negatives. Die Möglichkeit enthält daher die zwei Momente; erstlich
+das positive, daß es ein Reflektirtseyn in sich selbst ist; aber indem
+es in der absoluten Form herabgesetzt ist zu einem Momente, so gilt das
+Reflektirtseyn-in-sich nicht mehr als Wesen, sondern hat zweitens die
+negative Bedeutung, daß die Möglichkeit ein Mangelhaftes ist, auf ein
+Anderes, die Wirklichkeit, hinweist, und an dieser sich ergänzt.
+
+Nach der ersten, der bloß positiven Seite ist die Möglichkeit also die
+bloße Formbestimmung der Identität mit sich, oder die Form der
+Wesentlichkeit. So ist sie der verhältnißlose, unbestimmte Behälter für
+Alles überhaupt.—Im Sinne dieser formellen Möglichkeit ist Alles
+möglich, was sich nicht widerspricht; das Reich der Möglichkeit ist
+daher die grenzenlose Mannigfaltigkeit. Aber jedes Mannigfaltige ist in
+sich und gegen Anderes bestimmt und hat die Negation an ihm; überhaupt
+geht die gleichgültige Verschiedenheit in die Entgegensetzung über; die
+Entgegensetzung aber ist der Widerspruch. Daher ist Alles ebenso sehr
+ein Widersprechendes und daher Unmögliches.
+
+—Dieß bloß formelle von Etwas aussagen,—es ist möglich,—ist daher
+ebenso flach und leer, als der Satz des Widerspruchs und jeder in ihn
+aufgenommene Inhalt, A ist möglich, heißt so viel als A ist A. Insofern
+man sich nicht auf die Entwicklung des Inhalts einläßt, so hat dieser
+die Form der Einfachheit; erst durch die Auflösung desselben in seine
+Bestimmungen kommt der Unterschied an ihm hervor. Indem man sich an
+jene einfache Form hält, so bleibt der Inhalt ein mit sich Identisches
+und daher ein Mögliches. Es ist aber damit ebenso Nichts gesagt, als
+mit dem formellen identischen Satze.
+
+Das Mögliche enthält jedoch mehr, als der bloß identische Satz. Das
+Mögliche ist das reflektirte In-sich-reflektirtseyn; oder das
+Identische schlechthin als Moment der Totalität, somit auch bestimmt,
+nicht an sich zu seyn; es hat daher die zweite Bestimmung, nur ein
+Mögliches zu seyn, und das Sollen der Totalität der Form. Die
+Möglichkeit ohne dieses Sollen ist die Wesentlichkeit als solche; aber
+die absolute Form enthält dieß, daß das Wesen selbst nur Moment, und
+ohne Seyn seine Wahrheit nicht hat. Die Möglichkeit ist diese bloße
+Wesentlichkeit, so gesetzt, daß sie nur Moment und der absoluten Form
+nicht gemäß ist. Sie ist das Ansichseyn, bestimmt, als nur ein
+Gesetztes; oder ebenso sehr als nicht an sich zu seyn. —Die Möglichkeit
+ist daher an ihr selbst auch der Widerspruch, oder sie ist die
+Unmöglichkeit.
+
+Zunächst drückt sieh dieß so aus, daß die Möglichkeit als aufgehoben
+gesetzte Formbestimmung, einen Inhalt überhaupt an ihr hat. Dieser ist
+als möglich ein Ansichseyn, das zugleich ein aufgehobenes oder ein
+Andersseyn ist. Weil er also nur ein möglicher ist, ist ebenso sehr ein
+anderer und sein Gegentheil möglich. A ist A; ebenso—A ist—A. Diese
+beiden Sätze drücken, jeder die Möglichkeit seiner Inhaltsbestimmung
+aus. Aber als diese identischen Sätze sind sie gleichgültig gegen
+einander; es ist mit dem einen nicht gesetzt, daß auch der andere
+hinzukomme. Die Möglichkeit ist die vergleichende Beziehung beider; sie
+enthält es in ihrer Bestimmung, als eine Reflexion der Totalität, daß
+auch das Gegentheil möglich sey. Sie ist daher der beziehende Grund,
+daß darum, weil A=A, auch—A=-A ist; in dem möglichen A ist auch das
+Mögliche Nicht-A enthalten, und diese Beziehung selbst ist es, welche
+beide als mögliche bestimmt.
+
+Als diese Beziehung aber, daß in dem einen Möglichen, auch sein Anderes
+enthalten ist, ist sie der Widerspruch, der sich aufhebt. Da sie nun
+ihrer Bestimmung nach das Reflektirte, und wie sich gezeigt hat, das
+sich aufhebende Reflektirte ist, so ist sie somit auch das
+Unmittelbare, und damit wird sie Wirklichkeit.
+
+3. Diese Wirklichkeit ist nicht die erste, sondern die reflektirte,
+gesetzt als Einheit ihrer selbst und der Möglichkeit. Das Wirkliche als
+solches ist möglich; es ist in unmittelbarer positiver Identität mit
+der Möglichkeit; aber diese hat sich bestimmt als nur Möglichkeit;
+somit ist auch das Wirkliche bestimmt als nur ein Mögliches. Und
+unmittelbar, darum weil die Möglichkeit in der Wirklichkeit unmittelbar
+enthalten ist, ist sie darin als aufgehobene, als nur Möglichkeit.
+
+Umgekehrt die Wirklichkeit, die in Einheit ist mit der Möglichkeit, ist
+nur die aufgehobene Unmittelbarkeit;—oder darum weil die formelle
+Wirklichkeit nur unmittelbare erste ist, ist sie nur Moment, nur
+aufgehobene Wirklichkeit, oder nur Möglichkeit.
+
+Hiermit ist zugleich näher die Bestimmung ausgedrückt, inwiefern die
+Möglichkeit Wirklichkeit ist. Die Möglichkeit ist nämlich noch nicht
+alle Wirklichkeit, von der realen und absoluten Wirklichkeit ist noch
+nicht die Rede gewesen;—sie ist nur erst diejenige, welche zuerst
+vorkam, nämlich die formelle, die sich bestimmt hat, nur Möglichkeit zu
+seyn, also die formelle Wirklichkeit, welche nur Seyn oder Existenz
+überhaupt ist. Alles Mögliche hat daher überhaupt ein Seyn oder eine
+Existenz.
+
+Diese Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit ist die Zufälligkeit.
+—Das Zufällige ist ein Wirkliches, das zugleich nur als möglich
+bestimmt, dessen Anderes oder Gegentheil ebenso sehr ist. Diese
+Wirklichkeit ist daher bloßes Seyn oder Existenz, aber in seiner
+Wahrheit gesetzt, den Werth eines Gesetztseyns oder der Möglichkeit zu
+haben. Umgekehrt ist die Möglichkeit als die Reflexion-in-sich oder das
+Ansichseyn gesetzt als Gesetztseyn; was möglich ist, ist ein Wirkliches
+in diesem Sinne der Wirklichkeit, es hat nur so viel Werth als die
+zufällige Wirklichkeit; es ist selbst ein Zufälliges.
+
+Das Zufällige bietet daher die zwei Seiten dar; erstens insofern es die
+Möglichkeit unmittelbar an ihm hat, oder, was dasselbe ist, insofern
+sie in ihm aufgehoben ist, ist es nicht Gesetztseyn noch vermittelt,
+sondern unmittelbare Wirklichkeit; es hat keinen Grund. —Weil auch dem
+Möglichen diese unmittelbare Wirklichkeit zukommt, so ist es so sehr
+als das Wirkliche, bestimmt als zufällig, und ebenfalls ein Grundloses.
+
+Das Zufällige ist aber zweitens das Wirkliche als ein nur Mögliches
+oder als ein Gesetztseyn; so auch das Mögliche ist als formelles
+An-sich-seyn nur Gesetztseyn. Somit ist Beides nicht an und für sich
+selbst, sondern hat seine wahrhafte Reflexion-in-sich in einem Andern,
+oder es hat einen Grund.
+
+Das Zufällige hat also darum keinen Grund, weil es zufällig ist; und
+ebenso wohl hat es einen Grund, darum weil es zufällig ist.
+
+Es ist das gesetzte, unvermittelte Umschlagen des Innern und Äußern,
+oder des In-sich-reflektirt-seyns und des Seyns in einander; gesetzt
+dadurch daß Möglichkeit und Wirklichkeit, jede an ihr selbst diese
+Bestimmung hat, dadurch daß sie Momente der absoluten Form sind.—So ist
+die Wirklichkeit in ihrer unmittelbaren Einheit mit der Möglichkeit nur
+die Existenz und bestimmt als Grundloses, das nur ein Gesetztes oder
+nur Mögliches ist;—oder als reflektirt und bestimmt gegen die
+Möglichkeit, so ist sie von der Möglichkeit, von dem
+In-sich-reflektirt-seyn getrennt, und somit ebenso unmittelbar auch nur
+ein Mögliches.—Ebenso die Möglichkeit, als einfaches Ansichseyn, ist es
+ein Unmittelbares, nur ein Seyendes überhaupt; oder entgegengesetzt
+gegen die Wirklichkeit, ebenso ein Wirklichkeitsloses Ansichseyn, nur
+ein Mögliches, aber eben darum wieder nur eine nicht in sich
+reflektirte Existenz überhaupt.
+
+Diese absolute Unruhe des Werdens dieser beiden Bestimmungen ist die
+Zufälligkeit. Aber darum weil jede unmittelbar in die entgegengesetzte
+umschlägt, so geht sie in dieser ebenso schlechthin mit sich selbst
+zusammen, und diese Identität derselben einer in der andern ist die
+Nothwendigkeit.
+
+Das Nothwendige ist ein Wirkliches; so ist es als unmittelbares,
+Grundloses; es hat aber ebenso sehr seine Wirklichkeit durch ein
+Anderes oder in seinem Grunde, aber ist zugleich das Gesetztseyn dieses
+Grundes und die Reflexion desselben in sich; die Möglichkeit des
+Nothwendigen ist eine aufgehobene. Das Zufällige ist also nothwendig,
+darum weil das Wirkliche als Mögliches bestimmt, damit seine
+Unmittelbarkeit aufgehoben und in Grund oder Ansichseyn, und in
+Begründetes abgestoßen ist, als auch weil diese seine Möglichkeit, die
+Grundbeziehung, schlechthin aufgehoben und als Seyn gesetzt ist. Das
+Nothwendige ist, und dieß Seyende ist selbst das Nothwendige. Zugleich
+ist es an sich; diese Reflexion-in-sich ist ein Anderes als jene
+Unmittelbarkeit des Seyns; und die Nothwendigkeit des Seyenden ist ein
+Anderes. Das Seyende selbst ist so nicht das Nothwendige; aber dieses
+Ansichseyn ist selbst nur Gesetztseyn, es ist aufgehoben und selbst
+unmittelbar. So ist die Wirklichkeit in ihrem unterschiedenen, der
+Möglichkeit, identisch mit sich selbst. Als diese Identität ist sie
+Nothwendigkeit.
+
+B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Möglichkeit und
+Nothwendigkeit.
+
+1. Die Nothwendigkeit, die sich ergeben hat, ist formell, weil ihre
+Momente formell sind, nämlich einfache Bestimmungen, die nur als
+unmittelbare Einheit, oder als unmittelbares Umschlagen des Einen in
+das Andere Totalität sind, und somit nicht die Gestalt der
+Selbstständigkeit haben.—In dieser formellen Nothwendigkeit ist daher
+die Einheit zunächst einfach und gegen ihre Unterschiede gleichgültig.
+Als unmittelbare Einheit der Formbestimmungen, ist diese Nothwendigkeit
+Wirklichkeit; aber eine solche, die, weil ihre Einheit nunmehr bestimmt
+ist als gleichgültig gegen den Unterschied der Formbestimmungen,
+nämlich ihrer selbst und der Möglichkeit, einen Inhalt hat. Dieser als
+gleichgültige Identität enthält auch die Form als gleichgültige, d. h.
+als bloß verschiedene Bestimmungen, und ist mannigfaltiger Inhalt
+überhaupt. Diese Wirklichkeit ist reale Wirklichkeit.
+
+Die reale Wirklichkeit als solche ist zunächst das Ding von vielen
+Eigenschaften, die existirende Welt; aber sie ist nicht die Existenz,
+welche sich in Erscheinung auflöst, sondern als Wirklichkeit ist sie
+zugleich Ansichseyn und Reflexion-in-sich; sie erhält sich in der
+Mannigfaltigkeit der bloßen Existenz; ihre Äußerlichkeit ist
+innerliches Verhalten nur zu sich selbst. Was wirklich ist, kann
+wirken; seine Wirklichkeit giebt Etwas kund durch das, was es
+hervorbringt. Sein Verhalten zu Anderem ist die Manifestation seiner,
+weder ein Übergehen, so bezieht das seyende Etwas sich auf Anderes;
+—noch ein Erscheinen, so ist das Ding nur im Verhältniß zu andern, ist
+ein Selbstständiges, das aber seine Reflexion-in-sich, seine bestimmte
+Wesentlichkeit, in einem andern Selbstständigen hat.
+
+Die reale Wirklichkeit hat nun gleichfalls die Möglichkeit unmittelbar
+an ihr selbst. Sie enthält das Moment des Ansichseyns; aber als nur
+erst die unmittelbare Einheit ist sie in einer der Bestimmungen der
+Fonn, hiermit als das Seyende von dem Ansichseyn oder der Möglichkeit
+unterschieden.
+
+2. Diese Möglichkeit als das Ansichseyn der realen Wirklichkeit ist
+selbst reale Möglichkeit, zunächst das inhaltsvolle Ansichseyn.—Die
+formelle Möglichkeit ist die Reflexion-in-sich nur als die abstrakte
+Identität, daß Etwas sich in sich nicht widerspreche. Insofern man sich
+aber auf die Bestimmungen, Umstände, Bedingungen einer Sache einläßt,
+um daraus ihre Möglichkeit zu erkennen, bleibt man nicht mehr bei der
+formellen stehen, sondern betrachtet ihre reale Möglichkeit.
+
+Diese reale Möglichkeit ist selbst unmittelbare Existenz, nicht mehr
+aber darum, weil die Möglichkeit als solche, als formelles Moment,
+unmittelbar ihr Gegentheil, eine nicht reflektirte Wirklichkeit ist;
+sondern weil sie reale Möglichkeit ist, hat sie sogleich diese
+Bestimmung an ihr selbst. Die reale Möglichkeit einer Sache ist daher
+die daseyende Mannigfaltigkeit von Umständen, die sich auf sie
+beziehen.
+
+Diese Mannigfaltigkeit des Daseyns ist also zwar sowohl Möglichkeit als
+Wirklichkeit, aber ihre Identität ist nur erst der Inhalt, der gegen
+diese Formbestimmungen gleichgültig ist; sie machen daher die Form aus
+bestimmt gegen ihre Identität.—Oder die unmittelbare reale
+Wirklichkeit, darum weil sie unmittelbare ist, ist gegen ihre
+Möglichkeit bestimmt; als diese bestimmte, somit reflektirte ist sie
+die reale Möglichkeit. Diese ist nun zwar das gesetzte Ganze der Form,
+aber der Form in ihrer Bestimmtheit, nämlich der Wirklichkeit als
+formeller oder unmittelbarer, und ebenso der Möglichkeit, als des
+abstrakten Ansichseyns. Diese Wirklichkeit, welche die Möglichkeit
+einer Sache ausmacht, ist daher nicht ihre eigene Möglichkeit, sondern
+das Ansichseyn eines andern Wirklichen; sie selbst ist die
+Wirklichkeit, die aufgehoben werden soll, die Möglichkeit als nur
+Möglichkeit.—So macht die reale Möglichkeit das Ganze von Bedingungen
+aus, eine nicht in sich reflektirte, zerstreute Wirklichkeit, welche
+aber bestimmt ist, das Ansichseyn aber eines Andern zu seyn und in sich
+zurückgehen zu sollen.
+
+Was real möglich ist, ist also nach seinem Ansichseyn, ein formelles
+Identisches, das nach seiner einfachen Inhaltsbestimmung sich nicht
+widerspricht; aber auch nach seinen entwickelten und unterschiedenen
+Umständen und allem, womit es im Zusammenhange steht, muß es als das
+mit sich Identische sich nicht widersprechen. Aber zweitens weil es in
+sich mannigfaltig und mit Anderem in mannigfaltigem Zusammenhange ist,
+die Verschiedenheit aber an sich selbst in Entgegensetzung übergeht,
+ist es ein Widersprechendes. Wenn von einer Möglichkeit die Rede ist
+und deren Widerspruch aufgezeigt werden soll, so hat man sich nur an
+die Mannigfaltigkeit, die sie als Inhalt oder als ihre bedingende
+Existenz enthält, zu halten; woraus sich leicht ihr Widerspruch
+auffinden läßt.—Dieß ist aber nicht ein Widerspruch der Vergleichung,
+sondern die mannigfaltige Existenz ist an sich selbst dieß, sich
+aufzuheben und zu Grunde zu gehen; und hat darin wesentlich die
+Bestimmung, nur ein Mögliches zu seyn, an ihr selbst. —Wenn alle
+Bedingungen einer Sache vollständig vorhanden sind, so tritt sie in
+Wirklichkeit;—die Vollständigkeit der Bedingungen ist die Totalität als
+am Inhalte, und die Sache selbst ist dieser Inhalt bestimmt ebenso ein
+Wirkliches als Mögliches zu seyn. In der Sphäre des bedingten Grundes
+haben die Bedingungen die Form, nämlich den Grund oder die für sich
+seyende Reflexion, außer ihnen, welche sie zu Momenten der Sache
+bezieht und die Existenz an ihnen hervorbringt. Hier hingegen ist die
+unmittelbare Wirklichkeit nicht durch eine voraussetzende Reflexion
+bestimmt, Bedingung zu seyn, sondern es ist gesetzt, daß sie selbst die
+Möglichkeit ist.
+
+In der sich aufhebenden realen Möglichkeit ist es nun ein Gedoppeltes,
+das aufgehoben wird; denn sie ist selbst das Gedoppelte, Wirklichkeit
+und Möglichkeit zu seyn. 1) Die Wirklichkeit ist die formelle, oder
+eine Existenz, die als selbstständige unmittelbare erschien, und durch
+ihr Aufheben zum reflektirten Seyn, zum Moment eines Andern wird, und
+somit das Ansichseyn an ihr erhält. 2) Jene Existenz war auch bestimmt
+als Möglichkeit oder als das Ansichseyn aber eines Andern. Indem es
+sich also aufhebt, so wird auch dieß Ansichseyn aufgehoben, und geht in
+Wirklichkeit über.—Diese Bewegung der sich selbst aufhebenden realen
+Möglichkeit bringt also dieselben schon vorhandenen Momente hervor, nur
+jedes aus dem andern werdend; sie ist daher in dieser Negation auch
+nicht ein Übergehen, sondern ein Zusammengehen mit sich selbst.—Nach
+der formellen Möglichkeit war darum, weil etwas möglich war, auch nicht
+es selbst, sondern sein Anderes möglich. Die reale Möglichkeit hat
+nicht mehr ein solches Anderes sich gegenüber, denn sie ist real,
+insofern sie selbst auch die Wirklichkeit ist. Indem sich also die
+unmittelbare Existenz derselben, der Kreis der Bedingungen, aufhebt, so
+macht sie sich zum Ansichseyn, welches sie selbst schon ist, nämlich
+als das Ansichseyn eines Andern. Und indem umgekehrt dadurch zugleich
+ihr Moment des Ansichseyns sich aufhebt, wird sie zur Wirklichkeit,
+also zu dem Momente, das sie gleichfalls selbst schon ist.—Was
+verschwindet, ist damit dieß, daß die Wirklichkeit bestimmt war als die
+Möglichkeit oder das Ansichseyn eines Andern, und umgekehrt die
+Möglichkeit als eine Wirklichkeit, die nicht diejenige ist, deren
+Möglichkeit sie ist
+
+3. Die Negation der realen Möglichkeit ist somit ihre Identität mit
+sich: indem sie so in ihrem Aufheben der Gegenstoß dieses Aufhebens in
+sich selbsi ist, ist sie die reale Nothwendigkeit.
+
+Was nothwendig ist, kann nicht anders seyn; aber wohl was überhaupt
+möglich ist; denn die Möglichkeit ist das Ansichseyn, das nur
+Gesetztseyn, und daher wesentlich Andersseyn ist. Die formelle
+Möglichkeit ist diese Identität als Übergehen in schlechthin Anderes;
+die reale aber, weil sie das andere Moment, die Wirklichkeit, an ihr
+hat, ist schon selbst die Nothwendigkeit. Was daher real möglich ist,
+das kann nicht mehr anders seyn; unter diesen Bedingungen und Umständen
+kann nicht etwas Anderes erfolgen. Reale Möglichkeit und die
+Nothwendigkeit sind daher nur scheinbar unterschieden; diese ist eine
+Identität, die nicht erst wird, sondern schon vorausgesetzt ist, und zu
+Grunde liegt. Die reale Nothwendigkeit ist daher inhaltsvolle
+Beziehung; denn der Inhalt ist jene ansichseyende Identität, die gegen
+die Formunterschiede gleichgültig ist.
+
+Diese Nothwendigkeit aber ist zugleich relativ.—Sie hat nämlich eine
+Voraussetzung, von der sie anfängt, sie hat an dem Zufälligen ihren
+Ausgangspunkt. Das reale Wirkliche als solches, ist nämlich das
+bestimmte Wirkliche, und hat zunächst seine Bestimmtheit als
+unmittelbares Seyn darin, daß es eine Mannigfaltigkeit existirender
+Umstände ist; aber dieß unmittelbare Seyn als Bestimmtheit, ist es auch
+das Negative seiner, ist Ansichseyn oder Möglichkeit; so ist es reale
+Möglichkeit. Als diese Einheit der beiden Momente ist sie die Totalität
+der Form, aber die sich noch äußerliche Totalität; sie ist so Einheit
+der Möglichkeit und Wirklichkeit, daß 1) die mannigfaltige Existenz
+unmittelbar oder positiv die Möglichkeit ist;—ein Mögliches, mit sich
+Identisches überhaupt, darum weil sie ein Wirkliches ist; 2) insofern
+diese Möglichkeit der Existenz gesetzt ist, ist sie bestimmt als nur
+Möglichkeit, als unmittelbares Umschlagen der Wirklichkeit in ihr
+Gegentheil,—oder als Zufälligkeit. Daher ist diese Möglichkeit, welche
+die unmittelbare Wirklichkeit, indem sie Bedingung ist, an ihr hat, nur
+das Ansichseyn als die Möglichkeit eines Andern. Dadurch daß, wie
+gezeigt, dieß Andersseyn sich aufhebt, und dieß Gesetztseyn selbst
+gesetzt wird, wird die reale Möglichkeit zwar Nothwendigkeit; aber
+diese fängt somit von jener noch nicht in sich reflektirten Einheit des
+Möglichen und Wirklichen an;—dieses Voraussetzen und die in sich
+zurückkehrende Bewegung ist noch getrennt;—oder die Nothwendigkeit hat
+sich noch nicht aus sich selbst zur Zufälligkeit bestimmt.
+
+Die Relativität der realen Nothwendigkeit stellt sich an dem Inhalte so
+dar, daß er nur erst die gegen die Form gleichgültige Identität, daher
+von ihr unterschieden und ein bestimmter Inhalt überhaupt ist. Das real
+Nothwendige ist deswegen irgend eine beschränkte Wirklichkeit, die um
+dieser Beschränktheit willen in anderer Rüksicht auch nur ein
+Zufälliges ist.
+
+In der That ist somit die reale Nothwendigkeit an sich auch
+Zufälligkeit.—Dieß erscheint zunächst so, daß das real Nothwendige, der
+Form nach, zwar ein Nothwendiges, aber dem Inhalte nach ein
+Beschränktes sey, und durch ihn seine Zufälligkeit habe. Allein auch in
+der Form der realen Nothwendigkeit ist die Zufälligkeit enthalten; denn
+wie sich gezeigt, ist die reale Möglichkeit nur an sich das
+Nothwendige, gesetzt aber ist sie als das Andersseyn der Wirklichkeit
+und Möglichkeit gegen einander. Die reale Nothwendigkeit enthält daher
+die Zufälligkeit; sie ist die Rückkehr in-sich aus jenem unruhigen
+Andersseyn der Wirklichkeit und Möglichkeit gegen einander, aber nicht
+aus sich selbst zu sich.
+
+An sich ist also hier die Einheit der Nothwendigkeit und Zufälligkeit
+vorhanden; diese Einheit ist die absolute Wirklichkeit zu nennen.
+
+C. Absolute Nothwendigkeit.
+
+Die reale Nothwendigkeit ist bestimmte Nothwendigkeit; die formelle hat
+noch keinen Inhalt und Bestimmtheit an ihr. Die Bestimmtheit der
+Nothwendigkeit besteht darin, daß sie ihre Negation, die Zufälligkeit,
+an ihr hat. So hat sie sich ergeben.
+
+Diese Bestimmtheit aber in ihrer ersten Einfachheit ist Wirklichkeit;
+die bestimmte Nothwendigkeit ist daher unmittelbar wirkliche
+Nothwendigkeit. Diese Wirklichkeit, die selbst als solche nothwendig
+ist, indem sie nämlich die Nothwendigkeit als ihr Ansichseyn enthält,
+ist absolute Wirklichkeit;—Wirklichkeit, die nicht mehr anders seyn
+kann, denn ihr Ansichseyn ist nicht die Möglichkeit, sondern die
+Nothwendigkeit selbst.
+
+Aber damit ist diese Wirklichkeit, weil sie gesetzt ist, absolut, das
+heißt, selbst die Einheit ihrer und der Möglichkeit zu seyn, nur eine
+leere Bestimmung; oder sie ist Zufälligkeit.—Dieß Leere ihrer
+Bestimmung macht sie zu einer bloßen Möglichkeit, zu einem, das ebenso
+sehr auch anders seyn und als Mögliches bestimmt werden kann. Diese
+Möglichkeit aber ist selbst die absolute; denn sie ist eben die
+Möglichkeit, ebenso sehr als Möglichkeit wie als Wirklichkeit bestimmt
+zu werden. Damit, daß sie diese Gleichgültigkeit gegen sich selbst ist,
+ist sie gesetzt als leere, zufällige Bestimmung.
+
+So enthält die reale Nothwendigkeit nicht nur an sich die Zufälligkeit,
+sondern diese wird auch an ihr; aber dieß Werden als die Äußerlichkeit
+ist selbst nur das Ansichseyn derselben, weil es nur ein unmittelbares
+Bestimmtseyn ist. Aber es ist nicht nur dieß, sondern ihr eigenes
+Werden,—oder die Voraussetzung, welche sie hatte, ist ihr eigenes
+Setzen. Denn als reale Nothwendigkeit ist sie das Aufgehobenseyn der
+Wirklichkeit in der Möglichkeit und umgekehrt; —indem sie dieß einfache
+Umschlagen des einen dieser Momente in das andere ist, ist sie auch
+ihre einfache positive Einheit, indem jedes, wie sich zeigte, in dem
+andern nur mit sich selbst zusammengeht. So ist sie aber die
+Wirklichkeit; jedoch eine solche, die nur ist, als dieses einfache
+Zusammen-gehen der Form mit sich selbst. Ihr negatives Setzen jener
+Momente ist dadurch selbst das Voraussetzen, oder Setzen ihrer selbst
+als aufgehobener oder der Unmittelbarkeit.
+
+Eben darin aber ist diese Wirklichkeit bestimmt als Negatives; sie ist
+ein Zusammengehen aus der Wirklichkeit, welche reale Möglichkeit war,
+mit sich; also wird diese neue Wirklichkeit nur aus ihrem Ansichseyn,
+aus der Negation ihrer selbst.—Damit ist sie zugleich unmittelbar als
+Möglichkeit bestimmt, als Vermitteltes durch ihre Negation. Diese
+Möglichkeit aber ist somit unmittelbar nichts als dieß Vermitteln, in
+welchem das Ansichseyn, nämlich sie selbst, und die Unmittelbarkeit,
+beide auf gleiche Weise Gesetztseyn sind.—So ist es die Nothwendigkeit,
+welche ebenso sehr Aufheben dieses Gesetztseyns oder Setzen der
+Unmittelbarkeit, und des Ansichseyns, so wie eben darin Bestimmen
+dieses Aufhebens als Gesetztseyns ist. Sie ist daher es selbst, welche
+sich als Zufälligkeit bestimmt;—in ihrem Seyn sich von sich abstößt, in
+diesem Abstoßen selbst nur in sich zurückgekehrt ist, und in dieser
+Rückkehr als ihrem Seyn sich von sich selbst abgestoßen hat.
+
+So hat die Form in ihrer Realisirung alle ihre Unterschiede
+durchdrungen und sich durchsichtig gemacht, und ist als absolute
+Nothwendigkeit nur diese einfache Identität des Seyns in seiner
+Negation oder in dem Wesen mit sich selbst.—Der Unterschied von dem
+Inhalte und der Form selbst ist ebenso verschwunden; denn jene Einheit
+der Möglichkeit in der Wirklichkeit und umgekehrt ist die in ihrer
+Bestimmtheit oder im Gesetztseyn gegen sich selbst gleichgültige Form,
+die inhaltsvolle Sache, an der sich die Form der Nothwendigkeit
+äußerlich verlief. Aber so ist sie diese reflektirte Identität beider
+Bestimmungen, als gegen sie gleichgültig, somit die Formbestimmung des
+Ansichseyns gegen das Gesetztseyn, und diese Möglichkeit macht die
+Beschränktheit des Inhalts aus, den die reale Nothwendigkeit hatte. Die
+Auflösung dieses Unterschieds aber ist die absolute Nothwendigkeit,
+deren Inhalt dieser in ihr sich durchdringende Unterschied ist.
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist also die Wahrheit, in welche
+Wirklichkeit und Möglichkeit überhaupt, so wie die formelle und reale
+Nothwendigkeit zurückgeht.—Sie ist, wie sich ergeben hat, das Seyn, das
+in seiner Negation, im Wesen, sich auf sich bezieht und Seyn ist. Sie
+ist ebenso sehr einfache Unmittelbarkeit oder reines Seyn, als einfache
+Reflexion-in-sich, oder reines Wesen; sie ist dieß, daß dieß Beides ein
+und dasselbe ist.—Das schlechthin Nothwendige ist nur, weil es ist; es
+hat sonst keine Bedingung, noch Grund.—Es ist aber ebenso reines Wesen,
+sein Seyn ist die einfache Reflexion-in-sich; es ist, weil es ist. Als
+Reflexion hat es Grund und Bedingung, aber es hat nur sich zum Grunde
+und Bedingung. Es ist Ansichseyn, aber sein Ansichseyn ist seine
+Unmittelbarkeit, seine Möglichkeit ist seine Wirklichkeit.—Es ist also,
+weil es ist; als das Zusammengehen des Seyns mit sich, ist es Wesen;
+aber weil dieß Einfache ebenso die unmittelbare Einfachheit ist, ist es
+Seyn.
+
+Die absolute Nothwendigkeitt ist so die Reflexion oder Form des
+Absoluten; Einheit des Seyns und Wesens, einfache Unmittelbarkeit,
+welche absolute Negativität ist. Einer Seits sind ihre Unterschiede
+daher nicht als Reflexions-Bestimmungen, sondern als seyende
+Mannigfaltigkeit, als unterschiedene Wirklichkeit, welche die Gestalt
+von selbstständigen Anderen gegen einander hat. Anderer Seits da ihre
+Beziehung die absolute Identität ist, ist sie das absolute Umkehren
+ihrer Wirklichkeit in ihre Möglichkeit und ihrer Möglichkeit in
+Wirklichkeit.—Die absolute Nothwendigkeit ist daher blind. Einer Seits
+haben die unterschiedenen, welche als Wirklichkeit und als die
+Möglichkeit bestimmt sind, die Gestalt der Reflexion-in-sich als des
+Seyns; sie sind daher beide als freie Wirklichkeiten, deren keins im
+Andern scheint, keins eine Spur seiner Beziehung auf das Andere an ihm
+zeigen will; in sich gegründet ist jedes das Nothwendige an ihm selbst.
+Die Nothwendigkeit als Wesen ist in diesem Seyn verschlossen; die
+Berührung dieser Wirklichkeiten durch einander erscheint daher als eine
+leere Äußerlichkeit; die Wirklichkeit des einen in dem Andern ist die
+nur Möglichkeit, die Zufälligkeit. Denn das Seyn ist gesetzt als
+absolut nothwendig, als die Vermittelung-mit-sich, welche absolute
+Negation der Vermittelung-durch-Anderes ist, oder als Seyn das nur mit
+dem Seyn identisch ist; ein Anderes, das im Seyn Wirklichkeit hat, ist
+daher als schlechthin nur Mögliches, leeres Gesetztseyn bestimmt.
+
+Aber diese Zufälligkeit ist vielmehr die absolute Nothwendigkeit; sie
+ist das Wesen jener freien, an sich nothwendigen Wirklichkeiten. Dieses
+Wesen ist das Lichtscheue, weil an diesen Wirklichkeiten kein Scheinen,
+kein Reflex ist, weil sie nur rein in sich gegründet, für sich
+gestaltet sind, sich nur sich selbst manifestiren,—weil sie nur Seyn
+sind.—Aber ihr Wesen wird an ihnen hervorbrechen und offenbaren, was es
+ist und was sie sind. Die Einfachheit ihres Seyns, ihres Beruhens auf
+sich, ist die absolute Negativität; sie ist die Freiheit ihrer
+scheinlosen Unmittelbarkeit. Dieses Negative bricht an ihnen hervor,
+weil das Seyn durch dieß sein Wesen der Widerspruch mit sich selbst
+ist;—und zwar gegen dieß Seyn in der Form des Seyns, also als die
+Negation jener Wirklichkeiten, welche absolut verschieden ist von ihrem
+Seyn, als ihr Nichts, als ein ebenso freies Andersseyn gegen sie, als
+ihr Seyn es ist.—Jedoch war es an ihnen nicht zu verkennen. Sie sind in
+ihrer auf sich beruhenden Gestaltung gleichgültig gegen die Form, ein
+Inhalt, damit unterschiedene Wirklichkeiten und ein bestimmter Inhalt;
+dieser ist das Maal, das die Nothwendigkeit, indem sie, welche absolute
+Rückkehr in sich selbst in ihrer Bestimmung ist, dieselben frei als
+absolut wirkliche entließ,—ihnen aufdrückte, worauf sie als den Zeugen
+ihres Rechts sich beruft, und an dem sie ergriffen nun untergehen.
+Diese Manifestation dessen, was die Bestimmtheit in Wahrheit ist,
+negative Beziehung auf sich selbst, ist blinder Untergang im
+Andersseyn; das hervorbrechende Scheinen oder die Reflexion ist an den
+Seyenden als Werden oder Übergehen des Seyns in Nichts. Aber das Seyn
+ist umgekehrt ebenso sehr Wesen, und das Werden ist Reflexion oder
+Scheinen. So ist die Äußerlichkeit ihre Innerlichkeit, ihre Beziehung
+ist absolute Identität; und das Übergehen des Wirklichen in Mögliches,
+des Seyns in Nichts ein Zusammengehen mit sich selbst; die Zufälligkeit
+ist absolute Nothwendigkeit; sie selbst ist das Voraussetzen jener
+ersten absoluten Wirklichkeiten.
+
+Diese Identität des Seyns in seiner Negation mit sich selbst, ist sie
+nun Substanz. Sie ist diese Einheit als in ihrer Negation oder als in
+der Zufälligkeit; so ist sie die Substanz als Verhältniß zu sich
+selbst. Das blinde Übergehen der Nothwendigkeit ist vielmehr die eigene
+Auslegung des Absoluten, die Bewegung desselben in sich, welches in
+seiner Entäußerung vielmehr sich selbst zeigt.
+
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das absolute Verhältniß.
+
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist nicht sowohl das Nothwendige, noch
+weniger ein Nothwendiges, sondern Nothwendigkeit;—Seyn schlechthin als
+Reflexion. Sie ist Verhältniß, weil sie Unterscheiden ist, dessen
+Momente selbst ihre ganze Totalität sind, die also absolut bestehen, so
+daß dieß aber nur Ein Bestehen und der Unterschied nur der Schein des
+Auslegens, und dieser das Absolute selbst ist.—Das Wesen als solches
+ist die Reflexion oder das Scheinen; das Wesen als absolutes Verhältniß
+aber ist der als Schein gesetzte Schein, oder als dieß Beziehen auf
+sich die absolute Wirklichkeit ist.—Das Absolute, zuerst von der äußern
+Reflexion ausgelegt, legt nun als absolute Form oder als
+Nothwendigkeit, sich selbst aus; dieß Auslegen seiner selbst ist sein
+Sich-selbst-setzen, und es ist nur dieß Sich-setzen.—Wie das Licht der
+Natur nicht Etwas, noch Ding, sondern sein Seyn nur sein Scheinen ist,
+so ist die Manifestation die sich selbst gleiche absolute Wirklichkeit.
+
+Die Seiten des absoluten Verhältnisses sind daher keine Attribute. Im
+Attribute scheint das Absolute nur in einem seiner Momente, als einem
+vorausgesetzten und von der äußern Reflexion aufgenommenen. Die
+Auslegerin des Absoluten aber ist die absolute Nothwendigkeit, die
+identisch mit sich ist, als sich selbst bestimmend. Da sie das Scheinen
+ist, das als Schein gesetzt ist, so sind die Seiten dieses
+Verhältnisses Totalitäten, weil sie als Schein sind; denn als Schein
+sind die Unterschiede sie selbst und ihr Entgegengesetztes, oder das
+Ganze;—umgekehrt sind sie so Schein, weil sie Totalitäten sind. Dieß
+Unterscheiden oder Scheinen des Absoluten ist so nur das identische
+Setzen seiner selbst.
+
+Dieß Verhältniß in seinem unmittelbaren Begriff ist das Verhältniß der
+Substanz und der Accidenzen, das unmittelbare Verschwinden und Werden
+des absoluten Scheines in sich selbst. Indem die Substanz sich zum
+Fürsichseyn gegen ein Anderes bestimmt, oder das absolute Verhältniß
+als reales, ist das Verhältniß der Kausalität. Endlich indem dieses als
+sich auf sich Beziehendes in Wechselwirkung übergeht, so ist damit das
+absolute Verhältniß nach den Bestimmungen, welche es enthält, auch
+gesetzt; diese gesetzte Einheit seiner in seinen Bestimmungen, die als
+das Ganze selbst und damit ebenso sehr als Bestimmungen gesetzt sind,
+ist alsdann der Begriff.
+
+A. Das Verhältniß der Substantialität.
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist absolutes Verhältniß, weil sie nicht
+das Seyn als solches ist, sondern das Seyn, das ist, weil es ist, das
+Seyn als die absolute Vermittelung seiner mit sich selbst. Dieses Seyn
+ist die Substanz; als die letzte Einheit des Wesens und Seyns, ist sie
+das Seyn in allem Seyn; weder das unreflektirte Unmittelbare, noch auch
+ein abstraktes, hinter der Existenz und Erscheinung stehendes, sondern
+die unmittelbare Wirklichkeit selbst, und diese als absolutes
+Reflektirtseyn in sich, als an und fürsichseyendes Bestehen.—Die
+Substanz als diese Einheit des Seyns und der Reflexion ist wesentlich
+das Scheinen und Gesetztseyn ihrer. Das Scheinen ist das sich auf sich
+beziehende Scheinen, so ist es; dieß Seyn ist die Substanz als solche.
+Umgekehrt ist dieses Seyn nur das mit sich identische Gesetztseyn, so
+ist es scheinende Totalität, die Accidentalität.
+
+Dieß Scheinen ist die Identität als der Form;—die Einheit der
+Möglichkeit und Wirklichkeit. Sie ist erstlich Werden, die Zufälligkeit
+als die Sphäre des Entstehens und Vergehens; denn nach der Bestimmung
+der Unmittelbarkeit ist die Beziehung der Möglichkeit und Wirklichkeit
+unmittelbares Umschlagen derselben als Seyender in einander, eines
+jeden als in sein ihm nur Anderes.—Aber weil das Seyn Schein ist, so
+ist die Beziehung derselben auch als identischer oder scheinender an
+einander, Reflexion. Die Bewegung der Accidentalität stellt daher an
+jedem ihrer Momente das Scheinen der Kategorien des Seyns und der
+Reflexions-Bestimmungen des Wesens in einander dar.—Das unmittelbare
+Etwas hat einen Inhalt; seine Unmittelbarkeit ist zugleich reflektirte
+Gleichgültigkeit gegen die Form. Dieser Inhalt ist bestimmt, und indem
+dieß Bestimmtheit des Seyns ist, geht das Etwas über in ein Anderes.
+Aber die Qualität ist auch Bestimmtheit der Reflexion; so ist sie
+gleichgültige Verschiedenheit. Aber diese begeistet sich zur
+Entgegensetzung, und geht in den Grund zurück, der das Nichts, aber
+auch Reflexion-in-sich ist. Diese hebt sich auf; aber sie ist selbst
+reflektirtes Ansichseyn, so ist sie Möglichkeit und dieß Ansichseyn ist
+in seinem Übergehen, das ebenso sehr Reflexion-in-sich ist, das
+nothwendige Wirkliche.
+
+Diese Bewegung der Accidentalität ist die Aktuosität der Substanz, als
+ruhiges Hervorgehen ihrer selbst. Sie ist nicht thätig gegen Etwas,
+sondern nur gegen sich als einfaches widerstandloses Element. Das
+Aufheben eines Vorausgesetzten ist der verschwindende Schein; erst in
+dem das unmittelbare aufhebenden Thun wird dieß Unmittelbare selbst,
+oder ist jenes Scheinen; das Anfangen von sich selbst ist erst das
+Setzen dieses Selbsts, von dem das Anfangen ist.
+
+Die Substanz als diese Identität des Scheinens ist die Totalität des
+Ganzen, und begreift die Accidentalität in sich, und die Accidentalität
+ist die ganze Substanz selbst. Der Unterschied ihrer in die einfache
+Identität des Seyns, und in den Wechsel der Accidenzen an derselben ist
+eine Form ihres Scheins. Jenes ist die formlose Substanz des
+Vorstellens, dem der Schein sich nicht als Schein bestimmt hat, sondern
+das als an einem Absoluten an solcher unbestimmten Identität festhält,
+die keine Wahrheit hat, nur die Bestimmtheit der unmittelbaren
+Wirklichkeit oder ebenso des Ansichseyns oder der Möglichkeit
+ist;—Formbestimmungen, welche in die Accidentalität fallen.-Die andere
+Bestimmung, der Wechsel der Accidenzen, ist die absolute Formeinheit
+der Accidentalität, die Substanz als die absolute Macht.—Das Vergehen
+der Accidenz ist Zurückgehen ihrer als Wirklichkeit in sich als in ihr
+Ansichseyn oder in ihre Möglichkeit, aber dieß ihr Ansichseyn ist
+selbst nur ein Gesetztseyn; daher ist es auch Wirklichkeit, und weil
+diese Formbestimmungen ebenso sehr Inhaltsbestimmungen sind, ist dieß
+Mögliche auch dem Inhalte nach ein anders bestimmtes Wirkliches. Die
+Substanz manifestirt sich durch die Wirklichkeit mit ihrem Inhalte, in
+die sie das Mögliche übersetzt, als schaffende, durch die Möglichkeit,
+in die sie das Wirkliche zurückführt, als zerstörende Macht. Aber
+beides ist identisch; das Schaffen zerstörend, die Zerstörung
+schaffend; denn das Negative und Positive, die Möglichkeit und
+Wirklichkeit sind in der substantiellen Nothwendigkeit absolut vereint.
+
+Die Accidenzen als solche,—und es sind mehrere, indem die Mehrheit eine
+der Bestimmungen des Seyns ist,—haben keine Macht über einander. Sie
+sind das seyende oder für sich seyende Etwas, existirende Dinge von
+mannigfaltigen Eigenschaften, oder Ganze, die aus Theilen bestehen,
+selbstständige Theile, Kräfte, die der Sollicitation durch einander
+bedürfen und einander zur Bedingung haben. Insofern ein solches
+Accidentelles über ein Anderes eine Macht auszuüben scheint, ist es die
+Macht der Substanz, welche beide in sich begreift, als Negativität
+einen ungleichen Werth setzt, das eine als Vo[e]rgehendes, das Andere
+mit anderem Inhalte und als Entstehendes, oder jenes in seine
+Möglichkeit, dieses daran in Wirklichkeit übergehend bestimmt; —ewig
+sich in diese Unterschiede der Form und des Inhalts entzweit und ewig
+sich von dieser Einseitigkeit reinigt, aber in dieser Reinigung selbst
+in die Bestimmung und Entzweiung zurückgefallen ist. —Eine Accidenz
+vertreibt also eine andere nur darum, weil ihr eigenes Subsistiren
+diese Totalität dar Form und des Inhalts selbst ist, in der sie wie
+ihre andere ebenso sehr untergeht.
+
+Um dieser unmittelbaren Identität und Gegenwart der Substanz in den
+Accidenzen willen ist noch kein realer Unterschied vorhanden. In dieser
+ersten Bestimmung ist die Substanz noch nicht nach ihrem ganzen
+Begriffe manifestirt. Wenn die Substanz als das mit sich identische An-
+und Fürsichseyn, von ihr selbst als Totalität der Accidenzen
+unterschieden wird, so ist sie als Macht das Vermittelnde. Diese ist
+die Nothwendigkeit, das in der Negativität der Accidenzen positive
+Beharren derselben, und ihr bloßes Gesetztseyn in ihrem Bestehen; diese
+Mitte ist somit Einheit der Substantialität und Accidentalität selbst,
+und ihre Extreme haben kein eigenthümliches Bestehen. Die
+Substantialität ist daher nur das Verhältniß als unmittelbar
+verschwindend, sie bezieht sich auf sich nicht als Negatives, ist als
+die unmittelbare Einheit der Macht mit sich selbst in der Form nur
+ihrer Identität, nicht ihres negativen Wesens; nur das eine Moment,
+nämlich das Negative oder der Unterschied, ist das schlechthin
+verschwindende, nicht aber das andere, das Identische. —Dieß ist auch
+so zu betrachten. Der Schein oder die Accidentalität ist an sich wohl
+Substanz durch die Macht, aber er ist nicht so gesetzt als dieser mit
+sich identische Schein; so hat die Substanz nur die Accidentalität zu
+ihrer Gestalt oder Gesetztseyn, nicht sich selbst; ist nicht Substanz
+als Substanz. Das Substantialitäts-Verhältniß ist also zunächst sie
+nur, daß sie sich als formelle Macht offenbart, deren Unterschiede
+nicht substantiell sind; sie ist in der That nur als Inneres der
+Accidenzen, und diese sind nur an der Substanz. Oder dieß Verhältniß
+ist nur die scheinende Totalität als Werden; aber sie ist ebenso sehr
+Reflexion; die Accidentalität, die an sich Substanz ist, ist eben darum
+auch gesetzt als solche; so ist sie bestimmt als sich auf sich
+beziehende Negativität, gegen sich, bestimmt als sich auf sich
+beziehende einfache Identität mit sich; und ist für-sich-seyende,
+mächtige Substanz. So geht das Substantialitäts-Verhältniß in das
+Kausalitäts-Verhältniß über.
+
+B. Das Kausalitäts-Verhältniß.
+
+Die Substanz ist Macht, und in sich reflektirte nicht bloß übergehende,
+sondern die Bestimmungen setzende und von sich unterscheidende Macht.
+Als in ihrem Bestimmen sich auf sich selbst beziehend ist sie selbst
+das, was sie als negatives setzt oder zum Gesetztseyn macht. Dieses ist
+somit überhaupt die aufgehobene Substantialität, das nur Gesetzte, die
+Wirkung; die für sich seyende Substanz aber ist die Ursache.
+
+Dieß Kausalitätsverhältniß ist zunächst nur dieß Verhältniß von Ursache
+und Wirkung; so ist es das formelle Kausalitäts-Verhältniß.
+
+a. Die formelle Kausalität.
+
+1. Die Ursache ist das Ursprüngliche gegen die Wirkung.—Die Substanz
+ist als Macht das Scheinen, oder hat Accidentalität. Aber sie ist als
+Macht ebenso sehr Reflexion-in-sich in ihrem Scheine; so legt sie ihr
+Übergehen aus, und dieß Scheinen ist bestimmt als Schein, oder die
+Accidenz ist gesetzt, als das, daß sie nur ein Gesetztes sey. —Die
+Substanz geht aber in ihrem Bestimmen nicht von der Accidentalität aus,
+als ob diese voraus ein Anderes wäre, und nun erst als Bestimmtheit
+gesetzt würde, son dern beides ist Eine Aktuosität. Die Substanz, als
+Macht bestimmt sich; aber dieß Bestimmen ist unmittelbar selbst das
+Aufheben des Bestimmens und die Rückkehr. Sie bestimmt sich,—sie, das
+Bestimmende ist so das Unmittelbare, und das selbst schon
+Bestimmte;—indem sie sich bestimmt, setzt sie also dieß schon Bestimmte
+als bestimmt; hat so das Gesetztseyn aufgehoben, und ist in sich
+zurückgekehrt.—Umgekehrt ist diese Rückkehr, weil sie die negative
+Beziehung der Substanz auf sich ist, selbst ein Bestimmen oder Abstoßen
+ihrer von sich; durch diese Rückkehr wird das Bestimmte, von dem sie
+anzufangen und es als vorgefundenes Bestimmtes nun als solches zu
+setzen scheint.—So ist die absolute Actuosität Ursache;—die Macht der
+Substanz in ihrer Wahrheit als Manifestation, die das, was an sich ist,
+die Accidenz, die das Gesetztseyn ist, unmittelbar im Werden derselben
+auch auslegt, sie setzt als Gesetztseyn; die Wirkung.—Diese ist also
+erstlich dasselbe, was die Accidentalität des
+Substantialitäts-Verhältnisses ist, nämlich die Substanz als
+Gesetztseyn; aber zweitens ist die Accidenz als solche substantiell nur
+durch ihr Verschwinden, als Übergehendes; als Wirkung aber ist sie das
+Gesetztseyn als mit sich identisch; die Ursache ist in der Wirkung als
+ganze Substanz manifestirt, nämlich als an dem Gesetztseyn selbst als
+solchem in sich reflektirt.
+
+2. Diesem in sich reflektirten Gesetztseyn, dem Bestimmten als
+Bestimmten, steht die Substanz als nicht gesetztes Ursprüngliches
+gegenüber. Weil sie als absolute Macht Rückkehr in sich, aber diese
+Rückkehr selbst Bestimmen ist, so ist sie nicht mehr bloß das An-sich
+ihrer Accidenz, sondern ist auch gesetzt als dieß Ansichseyn. Die
+Substanz hat daher erst als Ursache Wirklichkeit. Aber diese
+Wirklichkeit, daß ihr Ansichseyn, ihre Bestimmtheit im
+Substantialitäts-Verhältnisse, nunmehr als Bestimmtheit gesetzt ist,
+ist die Wirkung; die Substanz hat daher die Wirklichkeit, die sie als
+Ursache hat, nur in ihrer Wirkung.—Dieß ist die Nothwendigkeit, welche
+die Ursache ist.—Sie ist die wirkliche Substanz, weil die Substanz als
+Macht sich selbst bestimmt; aber ist zugleich Ursache, weil sie diese
+Bestimmtheit auslegt oder als Gesetztseyn setzt; so setzt sie ihre
+Wirklichkeit als das Gesetztseyn oder als die Wirkung. Diese ist das
+Andere der Ursache, das Gesetztseyn gegen das Ursprüngliche und durch
+dieses vermittelt. Aber die Ursache hebt als Nothwendigkeit ebenso dieß
+ihr Vermitteln auf, und ist in dem Bestimmen ihrer selbst als das
+ursprünglich sich auf sich beziehende gegen das Vermittelte, die
+Rückkehr in sich; denn das Gesetztseyn ist als Gesetztseyn bestimmt,
+somit identisch mit sich; die Ursache ist daher erst in ihrer Wirkung
+das wahrhaft Wirkliche und mit sich Identische.—Die Wirkung ist daher
+nothwendig, weil sie eben Manifestation der Ursache, oder diese
+Nothwendigkeit ist, welche die Ursache ist.—Nur als diese
+Nothwendigkeit ist die Ursache selbst bewegend, aus sich anfangend,
+ohne von einem Andern sollicitirt zu werden, und selbstständige Quelle
+des Hervorbringens aus sich;—sie muß wirken, ihre Ursprünglichkeit ist
+dieß, daß ihre Reflexion-in-sich bestimmendes Setzen und umgekehrt,
+beides eine Einheit ist.
+
+Die Wirkung enthält daher überhaupt nichts, was nicht die Ursache
+enthält. Umgekehrt enthält die Ursache nichts, was nicht in ihrer
+Wirkung ist. Die Ursache ist nur Ursache, insofern sie eine Wirkung
+hervorbringt; und die Ursache ist nichts als diese Bestimmung, eine
+Wirkung zu haben, und die Wirkung nichts, als dieß, eine Ursache zu
+haben. In der Ursache als solcher selbst liegt ihre Wirkung, und in der
+Wirkung die Ursache; insofern die Ursache noch nicht wirkte, oder
+insofern sie aufgehört hätte zu wirken, so wäre sie nicht Ursache; —und
+die Wirkung, insofern ihre Ursache verschwunden ist, ist nicht mehr
+Wirkung, sondern eine gleichgültige Wirklichkeit.-3. In dieser
+Identität der Ursache und Wirkung ist nun die Form, wodurch sie als das
+an sich seyende und als das Gesetztseyn sich unterscheiden, aufgehoben.
+Die Ursache erlischt in ihrer Wirkung; damit ist ebenso die Wirkung
+erloschen, denn sie ist nur die Bestimmtheit der Ursache. Diese in der
+Wirkung erloschene Kausalität ist somit eine Unmittelbarkeit, welche
+gegen das Verhältniß von Ursache und Wirkung gleichgültig ist, und es
+äußerlich an ihr hat.
+
+b. Das bestimmte Kausalitätsverhältniß.
+
+1. Die Identität der Ursache in ihrer Wirkung mit sich ist das Aufheben
+ihrer Macht und Negativität, daher die gegen die Formunterschiede
+gleichgültige Einheit, der Inhalt.—Er ist daher nur an sich auf die
+Form, hier die Kausalität, bezogen. Sie sind somit als verschieden
+gesetzt, und die Form gegen den Inhalt eine selbst nur unmittelbar
+wirkliche, eine zufällige Kausalität.
+
+Ferner der Inhalt so als bestimmtes, ist ein verschiedener Inhalt an
+ihm selbst; und die Ursache ist ihrem Inhalte nach bestimmt, damit
+ebenso die Wirkung.—Der Inhalt, da das Reflektirtseyn hier auch
+unmittelbare Wirklichkeit ist, ist insofern wirkliche, aber die
+endliche Substanz.
+
+Dieß ist nunmehr das Kausalitäts-Verhältniß in seiner Realität und
+Endlichkeit. Als formell ist es das unendliche Verhältniß der absoluten
+Macht, deren Inhalt die reine Manifestation oder Nothwendigkeit ist.
+Als endliche Kausalität hingegen hat es einen gegebenen Inhalt, und
+verläuft sich als ein äußerlicher Unterschied an diesem Identischen,
+das in seinen Bestimmungen eine und dieselbe Substanz ist.
+
+Durch diese Identität des Inhalts ist diese Kausalität ein analytischer
+Satz. Es ist dieselbe Sache, welche sich das eine Mal als Ursache, das
+andere Mal als Wirkung darstellt, dort als eigenthümliches Bestehen,
+hier als Gesetztseyn oder Bestimmung an einem Andern. Da diese
+Bestimmungen der Form äußerliche Reflexion sind, so ist es die der
+Sache nach tautologische Betrachtung eines subjektiven Verstandes, eine
+Erscheinung als Wirkung zu bestimmen und davon zu ihrer Ursache
+aufzusteigen, um sie zu begreifen und zu erklären; es wird nur ein und
+derselbe Inhalt wiederhohlt; man hat in der Ursache nichts Anderes als
+in der Wirkung.—Der Regen z.B. ist Ursache der Feuchtigkeit, welche
+seine Wirkung ist;—der Regen macht naß, dieß ist ein analytischer Satz;
+dasselbe Wasser, was der Regen ist, ist die Feuchtigkeit; als Regen ist
+dieß Wasser nur in der Form einer Sache für sich, als Wässerigkeit oder
+Feuchtigkeit dagegen ist es ein adjectives, ein gesetztes, das nicht
+mehr sein Bestehen an ihm selbst haben soll; und die eine Bestimmung,
+wie die andere, ist ihm äußerlich.—So ist die Ursache dieser Farbe ein
+Färbendes, ein Pigment, welches eine und dieselbe Wirklichkeit ist, das
+eine Mal in der ihm äußern Form eines thätigen, das heißt, mit einem
+von ihm verschiedenen Thätigen äußerlich verbunden, das andere Mal aber
+in der ihm ebenso äußerlichen Bestimmung einer Wirkung.—Die Ursache
+einer That ist die innere Gesinnung in einem thätigen Subjekt, die als
+äußeres Daseyn, das sie durch die Handlung erhält, derselbe Inhalt und
+Werth ist. Wenn die Bewegung eines Körpers als Wirkung betrachtet wird,
+so ist die Ursache derselben eine stoßende Kraft; aber es ist dasselbe
+Quantum der Bewegung, das vor und nach dem Stoß vorhanden ist, dieselbe
+Existenz, welche der stoßende Körper enthielt, und dem gestoßenen
+mittheilte; und so viel er mittheilt, so viel verliert er selbst.
+
+Die Ursache, z.B. der Mahler, oder der stoßende Körper hat wohl noch
+einen andern Inhalt, jener, als die Farben und deren sie zum Gemälde
+verbindende Form; dieser, als eine Bewegung von bestimmter Stärke und
+Richtung. Allein dieser weitere Inhalt ist ein zufälliges Beiwesen, das
+die Ursache nichts angeht; was der Maler sonst für Qualitäten enthält,
+abstrahirt davon, daß er Maler dieses Gemäldes ist, dieß tritt nicht in
+dieses Gemälde ein; nur was von seinen Eigenschaften sich in der
+Wirkung darstellt, ist in ihm als Ursache vorhanden, nach seinen
+übrigen Eigenschaften ist er nicht Ursache. So ob der stoßende Körper
+Stein oder Holz, grün, gelb ist u.s.f. dieß tritt nicht in seinen Stoß
+ein; insofern ist er nicht Ursache.
+
+Es ist in Rücksicht dieser Tautologie des Kausalitäts-Verhältnisses zu
+bemerken, daß es dieselbe dann nicht zu enthalten scheint, wenn nicht
+die nächste, sondern die entfernte Ursache einer Wirkung angegeben
+wird. Die Formveränderung, welche die zu Grunde liegende Sache in
+diesem Durchgange durch mehrere Mittelglieder erleidet, versteckt die
+Identität, die sie darin behält. Sie verknüpft sich zugleich in dieser
+Vervielfältigung der Ursachen, welche zwischen sie und die letzte
+Wirkung eingetreten sind, mit andern Dingen und Umständen, so daß nicht
+jenes Erste, was als Ursache ausgesprochen wird, sondern nur diese
+mehrere Ursachen zusammen die vollständige Wirkung enthalten.—So wenn
+z. ein Mensch dadurch unter Umstände kam, in denen sich sein Talent
+entwickelte, daß er seinen Vater verlor, den in einer Schlacht eine
+Kugel traf, so könnte dieser Schuß, (oder noch weiter zurück der Krieg
+oder eine Ursache des Kriegs und so fort ins Unendliche) als Ursache
+der Geschicklichkeit jenes Menschen angegeben werden. Allein es
+erhellt, daß z.B. jener Schuß nicht für sich diese Ursache ist, sondern
+nur die Verknüpfung desselben mit andern wirkenden Bestimmungen. Oder
+vielmehr ist er überhaupt nicht Ursache, sondern nur ein einzelnes
+Moment, das zu den Umständen der Möglichkeit gehörte.
+
+Denn hauptsächlich ist noch die unstatthafte Anwendung des
+Kausalitätsverhältnisses auf Verhältnisse des physisch-organischen und
+des geistigen Lebens zu bemerken. Hier zeigt sich das, was als Ursache
+genannt wird, freilich von anderem Inhalte als die Wirkung, darum aber,
+weil das, was auf das Lebendige wirkt, von diesem selbstständig
+bestimmt, verändert und verwandelt wird, weil das Lebendige die Ursache
+nicht zu ihrer Wirkung kommen läßt, das heißt, sie als Ursache aufhebt.
+So ist es unstatthaft gesprochen, daß die Nahrung die Ursache des
+Bluts, oder diese Speisen oder Kälte, Nässe, Ursachen des Fiebers
+u.s.fort seyen; so unstatthaft es ist, das jonische Klima als die
+Ursache der homerischen Werke, oder Cäsar's Ehrgeiz als die Ursache des
+Untergangs der republikanischen Verfassung Roms anzugeben. In der
+Geschichte überhaupt sind geistige Massen und Individuen im Spiele und
+in der Wechselbestimmung mit einander; die Natur des Geistes ist es
+aber noch in viel höherem Sinne, als der Charakter des Lebendigen
+überhaupt, vielmehr nicht ein anderes Ursprüngliches in sich
+aufzunehmen, oder nicht eine Ursache sich in ihn kontinuiren zu lassen,
+sondern sie abzubrechen und zu verwandeln.—Welche Verhältnisse aber der
+Idee angehören und bei ihr erst zu betrachten sind.—Dieß kann hier noch
+bemerkt werden, daß insofern das Verhältniß von Ursache und Wirkung,
+obwohl in uneigentlichem Sinne, zugelassen wird, die Wirkung nicht
+größer seyn könne, als die Ursache; denn die Wirkung ist nichts weiter
+als die Manifestation der Ursache. Es ist ein gewöhnlich gewordener
+Witz in der Geschichte, aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstehen
+zu lassen, und für die umfassende und tiefe Begebenheit eine Anekdote
+als erste Ursache aufzuführen. Eine solche sogenannte Ursache ist für
+nichts weiteres als eine Veranlassung, als äußere Erregung anzusehen,
+deren der innere Geist der Begebenheit nicht bedurft hätte, oder deren
+er eine unzählige Menge anderer hätte gebrauchen können, um von ihnen
+in der Erscheinung anzufangen, sich Luft zu machen und seine
+Manifestation zu geben. Vielmehr ist umgekehrt so etwas für sich
+Kleinliches und Zufälliges erst von ihm zu seiner Veranlassung bestimmt
+worden. Jene Arabesken-Malerei der Geschichte, die aus einem schwanken
+Stengel eine große Gestalt hervorgehen läßt, ist daher wohl eine
+geistreiche, aber höchst oberflächliche Behandlung. Es ist in diesem
+Entspringen des Großen aus dem Kleinen zwar überhaupt die Umkehrung
+vorhanden, die der Geist mit dem Äußerlichen vornimmt; aber eben darum
+ist dieses nicht Ursache in ihm, oder diese Umkehrung hebt selbst das
+Verhältniß der Kausalität auf.
+
+2. Diese Bestimmtheit des Kausalitäts-Verhältnisses aber, daß Inhalt
+und Form verschieden und gleichgültig sind, erstreckt sich weiter. Die
+Formbestimmung ist auch Inhaltsbestimmung; Ursache und Wirkung, die
+beiden Seiten des Verhältnisses, sind daher auch ein anderer Inhalt.
+Oder der Inhalt, weil er nur als Inhalt einer Form ist, hat ihren
+Unterschied an ihm selbst und ist wesentlich verschieden. Aber indem
+diese seine Form das Kausalitäts-Verhältniß ist, das ein in Ursache und
+Wirkung identischer Inhalt ist, so ist der verschiedene Inhalt
+äußerlich mit der Ursache einer Seits, und anderer Seits mit der
+Wirkung verbunden; er tritt somit nicht selbst in das Wirken und in das
+Verhältniß ein.
+
+Dieser äußerliche Inhalt ist also verhältnißlos;—eine unmittelbare
+Existenz;—oder weil er als Inhalt die ansichseyende Identität der
+Ursache und Wirkung ist, ist auch er unmittelbare, seyende Identität.
+Dieß ist daher irgend ein Ding, das mannigfaltige Bestimmungen seines
+Daseyns hat, unter Anderem auch diese, daß es in irgend einer Rücksicht
+Ursache oder auch Wirkung ist. Die Formbestimmungen, Ursache und
+Wirkung, haben an ihm ihr Substrat, das heißt ihr wesentliches
+Bestehen,—und jede ein besonderes—, denn ihre Identität ist ihr
+Bestehen;—zugleich aber ist es ihr unmittelbares Bestehen, nicht ihr
+Bestehen als Formeinheit, oder als Verhältniß.
+
+Aber dieses Ding ist nicht nur Substrat, sondern auch Substanz, denn es
+ist das identische Bestehen nur als des Verhältnisses. Ferner ist sie
+endliche Substanz, denn sie ist bestimmt als unmittelbare gegen ihre
+Ursachlichkeit. Aber sie hat zugleich Kausalität, weil sie ebenso sehr
+nur das Identische als dieses Verhältnisses ist.—Als Ursache nun ist
+dieses Substrat die negative Beziehung auf sich. Aber es selbst, worauf
+es sich bezieht, ist erstens ein Gesetztseyn, weil es als unmittelbar
+Wirkliches bestimmt ist; dieß Gesetztseyn als Inhalt ist irgend eine
+Bestimmung überhaupt.—Zweitens ist ihin die Kausalität äußerlich; diese
+macht somit selbst sein Gesetztseyn aus. Indem es nun ursachliche
+Substanz ist, besteht seine Kausalität darin, sich negativ auf sich,
+also auf sein Gesetztseyn und äußere Kausalität, zu beziehen. Das
+Wirken dieser Substanz fängt daher von einem Äußern an, befreit sich
+von dieser äußern Bestimmung, und seine Rückkehr in sich ist die
+Erhaltung seiner unmittelbaren Existenz und das Aufheben seiner
+gesetzten, und damit seiner Kausalität überhaupt.
+
+So ist ein Stein, der sich bewegt, Ursache; seine Bewegung ist eine
+Bestimmung, die er hat, außer welcher er aber noch viele andere
+Bestimmungen der Farbe, Gestalt u.s.f. enthält, welche nicht in seine
+Ursachlichkeit eingehen. Weil seine unmittelbare Existenz getrennt ist
+von seiner Formbeziehung, nämlich der Kausalität, so ist diese ein
+Äußerliches; seine Bewegung, und die Kausalität, die ihm in ihr
+zukommt, ist an ihm nur Gesetztseyn.—Aber die Kausalität ist auch seine
+eigene; dieß ist darin vorhanden, daß sein substantielles Bestehen
+seine identische Beziehung auf sich ist, diese aber ist nunmehr als
+Gesetztseyn bestimmt, sie ist also zugleich negative Beziehung auf
+sich.—Seine Kausalität, welche sich auf sich als auf das Gesetztseyn
+oder als ein Äußeres richtet, besteht daher darin, es aufzuheben, und
+durch die Entfernung desselben in sich zurückzukehren, —somit insofern
+nicht in seinem Gesetztseyn identisch mit sich zu seyn, sondern nur
+seine abstrakte Ursprünglichkeit wiederherzustellen. —Oder der Regen
+ist Ursache der Nässe, welche dasselbe Wasser ist als jener. Dieses
+Wasser hat die Bestimmung, Regen und Ursache zu seyn, dadurch daß sie
+von einem Andern in ihm gesetzt ist;—eine andere Kraft oder was es sey,
+hat es in die Luft erhoben und in eine Masse zusammengebracht, deren
+Schwere es fallen macht. Seine Entfernung von der Erde, ist eine seiner
+ursprünglichen Identität mit sich, der Schwere, fremde Bestimmung;
+seine Ursachlichkeit besteht darin dieselbe zu entfernen, und jene
+Identität wieder herzustellen, damit aber auch seine Kausalität
+aufzuheben.
+
+Die jetzt betrachtete zweite Bestimmtheit der Kausalität geht die Form
+an; dieß Verhältniß ist die Kausalität als sich selbst äußerlich, als
+die Ursprünglichkeit, welche ebenso sehr an ihr selbst Gesetztseyn oder
+Wirkung ist.
+
+Diese Vereinigung der entgegengesetzten Bestimmungen als im seyenden
+Substrat macht den unendlichen Regreß von Ursachen zu Ursachen aus. —Es
+wird von der Wirkung angefangen; sie hat als solche eine Ursache, diese
+hat wieder eine Ursache und so fort. Warum hat die Ursache wieder eine
+Ursachen das heißt, warum wird dieselbe Seite, die vorher als Ursache
+bestimmt war, nunmehr als Wirkung bestimmt und damit nach einer neuen
+Ursache gefragt?—Aus dem Grunde, weil die Ursache ein Endliches,
+Bestimmtes überhaupt ist; bestimmt als Ein Moment der Form gegen die
+Wirkung; so hat sie ihre Bestimmtheit oder Negation außer ihr; eben
+damit aber ist sie selbst endlich, hat ihre Bestimmtheit an ihr, und
+ist somit Gesetztseyn oder Wirkung. Diese ihre Identität ist auch
+gesetzt, aber sie ist ein Drittes, odas unmittelbare Substrat; die
+Kausalität ist darum sich selbst äußerlich, weil hier ihre
+Ursprünglichkeit eine Unmittelbarkeit ist. Der Formunterschied ist
+daher erste Bestimmtheit, noch nicht die Bestimmtheit als Bestimmtheit
+gesetzt, er ist seyendes Andersseyn. Die endliche Reflexion bleibt
+einer Seits bei diesem Unmittelbaren stehen, entfernt die Formeinheit
+davon und läßt es in anderer Rüksicht Ursache und in anderer Wirkung
+seyn; anderer Seits verlegt sie die Formeinheit in das Unendliche, und
+drükt durch das perennirende Fortgehen ihre Ohnmacht aus, sie erreichen
+und festhalten zu können.
+
+Mit der Wirkung ist es unmittelbar der nämliche Fall, oder vielmehr der
+unendliche Progreß von Wirkung zu Wirkung ist ganz und dasselbe was der
+Regreß von Ursache zu Ursache ist. In diesem wurde die Ursache zur
+Wirkung, welche wieder eine andere Ursache hat; ebenso wird umgekehrt
+die Wirkung zur Ursache, die wieder eine andere Wirkung hat.—Die
+betrachtete bestimmte Ursache fängt von einer Äußerlichkeit an, und
+kehrt in ihrer Wirkung nicht als Ursache in sich zurück, sondern
+verliert vielmehr die Kausalität darin. Aber umgekehrt kommt die
+Wirkung an ein Substrat, welches Substanz, ursprünglich sich auf sich
+beziehendes Bestehen ist; an ihm wird daher dieß Gesetztseyn zum
+Gesetztseyn; das heißt, diese Substanz, indem eine Wirkung in ihr
+gesetzt wird, verhält sich als Ursache. Aber jene erste Wirkung, das
+Gesetztseyn, das an sie äußerlich kommt, ist ein Anderes als die
+zweite, die von ihr hervorgebracht wird; denn diese zweite ist
+bestimmt, als ihre Reflexion-in-sich, jene aber als eine Äußerlichkeit
+an ihr.—Aber weil die Kausalität hier die sich selbst äußerliche
+Ursachlichkeit ist, so kehrt sie auch ebenso sehr in ihrer Wirkung
+nicht in sich zurück; wird sich darin äußerlich, ihre Wirkung wird
+wieder Gesetztseyn an einem Substrate,—als einer andern Substanz, die
+aber ebenso es zum Gesetztseyn macht, oder sich als Ursache
+manifestirt, ihre Wirkung wieder von sich abstößt und so fort in das
+Schlecht-Unendliche.
+
+3. Es ist nun zu sehen, was durch die Bewegung des bestimmten
+Kausalitäts-Verhältnisses geworden ist.—Die formelle Kausalität
+erlischt in der Wirkung; dadurch ist das Identische dieser beiden
+Momente geworden; aber damit nur als an sich die Einheit von Ursache
+und Wirkung, woran die Formbeziehung äußerlich ist.—Dieß Identische ist
+dadurch auch unmittelbar nach den beiden Bestimmungen der
+Unmittelbarkeit, erstens als Ansichseyn, ein Inhalt, an dem die
+Kausalität sich äußerlich verläuft; zweitens als ein existirendes
+Substrat, dem die Ursache und die Wirkung inhäriren, als unterschiedene
+Formbestimmungen. Diese sind darin an sich eins, aber jede ist um
+dieses Ansichseyns oder der Äußerlichkeit der Form willen sich selbst
+äußerlich, somit in ihrer Einheit mit der andern auch als andre gegen
+sie bestimmt. Daher hat zwar die Ursache eine Wirkung, und ist zugleich
+selbst Wirkung; und die Wirkung hat nicht nur eine Ursache, sondern ist
+auch selbst Ursache. Aber die Wirkung, welche die Ursache hat, und die
+Wirkung, die sie ist;—ebenso die Ursache, welche die Wirkung hat, und
+die Ursache, die sie ist, sind verschieden.
+
+Durch die Bewegung des bestimmten Kausalitätsverhältnisses ist aber nun
+dieß geworden, daß die Ursache nicht nur in der Wirkung erlischt, und
+damit auch die Wirkung, wie in der formellen Kausalität, sondern daß
+die Ursache in ihrem Erlöschen, in der Wirkung wieder wird, daß die
+Wirkung in Ursache verschwindet, aber in ihr ebenso wieder wird. Jede
+dieser Bestimmungen hebt sich in ihrem Setzen auf, und setzt sich in
+ihrem Aufheben; es ist nicht ein äußerliches Übergehen der Kausalität
+von einem Substrat an ein anderes vorhanden, sondern dieß Anderswerden
+derselben ist zugleich ihr eigenes Setzen. Die Kausalität setzt also
+sich selbst voraus oder bedingt sich. Die vorher nur an sich seyende
+Identität, das Substrat, ist daher nunmehr bestimmt als Voraussetzung
+oder gesetzt gegen die wirkende Kausalität, und die vorhin dem
+Identischen nur äußerliche Reflexion steht nun im Verhältnisse zu
+demselben.
+
+c. Wirkung und Gegenwirkung.
+
+Die Kausalität ist voraussetzendes Thun. Die Ursache ist bedingt; sie
+ist die negative Beziehung auf sich als vorausgesetztes, als
+äußerliches Anderes, welches an sich aber nur an sich die Kausalität
+selbst ist. Es ist, wie sich ergeben hat, die substantielle Identität,
+in welche die formelle Kausalität übergeht, die sich nunmehr gegen
+dieselbe als ihr Negatives bestimmt hat. Oder es ist dasselbe, was die
+Substanz des Kausalitätsverhältnisses, aber welcher die Macht der
+Accidentalität als selbstsubstantielle Thätigkeit gegenüber steht.—Es
+ist die passive Substanz.—Passiv ist das Unmittelbare, oder
+Ansichseyende, das nicht auch für sich ist;—das reine Seyn oder das
+Wesen, das nur in dieser Bestimmtheit der abstrakten Identität mit sich
+ist.—Der passiven steht die als negativ sich auf sich beziebende, die
+wirkende Substanz gegenüber. Sie ist die Ursache, insofern sie sich in
+der bestimmten Kausalität durch die Negation ihrer selbst, aus der
+Wirkung wiederhergestellt hat, das in seinem Andersseyn oder als
+Unmittelbares sich wesentlich als setzend verhält, und durch seine
+Negation sich mit sich vermittelt. Die Kausalität hat deswegen hier
+kein Substrat mehr, dem sie inhärirte und ist nicht Formbestimmung
+gegen diese Identität sondern selbst die Substanz, oder das
+Ursprüngliche ist nur die Kausalität.—Das Substrat ist die passive
+Substanz, die sie sich vorausgesetzt hat.
+
+Diese Ursache wirkt nun; denn sie ist die negative Macht auf sich
+selbst; zugleich ist sie ihr Vorausgesetztes; so wirkt sie auf sich als
+auf ein Anderes, auf die passive Substanz.—Somit hebt sie erstlich das
+Andersseyn derselben auf; und kehrt in ihr in sich zurück; zweitens
+bestimmt sie dieselbe, sie setzt dieß Aufheben ihres Andersseyns oder
+die Rückkehr in sich als eine Bestimmtheit. Dieß Gesetztseyn, weil es
+zugleich ihre Rückkehr in sich ist, ist zunächst ihre Wirkung. Aber
+umgekehrt weil sie als voraussetzend sich selbst als ihr Anderes
+bestimmt, so setzt sie die Wirkung in der andern, der passiven
+Substanz.—Oder weil die passive Substanz selbst das Gedoppelte ist,
+nämlich ein selbstständiges Anderes, und zugleich ein Vorausgesetztes
+und an sich schon mit der wirkenden Ursache Identisches, so ist das
+Wirken von dieser selbst ein Gedoppeltes; es ist beides in Einem, das
+Aufheben ihres Bestimmtseyns, nämlich ihrer Bedingung, oder das
+Aufheben der Selbstständigkeit der passiven Substanz;—und daß sie ihre
+Identität mit derselben aufhebt, somit sich voraus oder als Anderes
+setzt.—Durch das letztere Moment wird die passive Substanz erhalten;
+jenes erste Aufheben derselben erscheint in Beziehung hierauf zugleich
+auch so, daß nur einige Bestimmungen an ihr aufgehoben werden und die
+Identität ihrer mit der ersten in der Wirkung äußerlich an ihr
+geschieht.
+
+Insofern leidet sie Gewalt.—Die Gewalt ist die Erscheinung der Macht,
+oder die Macht als Äußerliches. Äußerliches ist aber die Macht, nur
+insofern die ursachliche Substanz in ihrem Wirken, d. h. im Setzen
+ihrer selbst zugleich voraussetzend ist, d. h. sich selbst als
+aufgehobenes setzt. Umgekehrt ist daher ebenso sehr das Thun der
+Gewalt, ein Thun der Macht. Es ist nur ein von ihr selbst
+vorausgesetztes Anderes, auf welches die gewaltige Ursache wirkt, ihre
+Wirkung auf dasselbe ist negative Beziehung auf sich, oder die
+Manifestation ihrer selbst. Das Passive ist das Selbstständige, das nur
+ein Gesetztes ist; ein in sich selbst Gebrochenes,—eine Wirklichkeit,
+welche Bedingung ist und zwar die Bedingung nunmehr in ihrer Wahrheit
+nämlich eine Wirklichkeit, welche nur eine Möglichkeit ist, oder
+umgekehrt ein Ansichseyn, das nur die Bestimmtheit des Ansichseyns, nur
+passiv ist. Demjenigen daher, dem Gewalt geschieht, ist es nicht nur
+möglich, Gewalt anzuthun, sondern sie muß ihm auch angethan werden; was
+Gewalt über das Andere hat, hat sie nur, weil es die Macht desselben
+ist, die sich darin und das Andere manifestirt. Die passive Substanz
+wird durch die Gewalt nur gesetzt, als das was sie in Wahrheit ist,
+nämlich weil sie das einfache Positive oder unmittelbare Substanz ist,
+eben darum nur ein Gesetztes zu seyn; das Voraus, das sie als Bedingung
+ist, ist der Schein der Unmittelbarkeit, den die wirkende Kausalität
+ihr abstreift.
+
+Der passiven Substanz wird daher durch die Einwirkung einer andern
+Gewalt nur ihr Recht angethan. Was sie verliert, ist jene
+Unmittelbarkeit, die ihr fremde Substantialität. Was sie als ein
+Fremdes erhält, nämlich als ein Gesetztseyn bestimmt zu werden, ist
+ihre eigene Bestimmung.
+
+Indem sie nun aber in ihrem Gesetztseyn oder in ihrer eigenen
+Bestimmung gesetzt wird, wird sie dadurch vielmehr nicht aufgehoben,
+sondern geht so nur mit sich selbst zusammen, und ist also in ihrem
+Bestimmtwerden Ursprünglichkeit.—Die passive Substanz wird also einer
+Seits durch die aktive erhalten oder gesetzt, nämlich insofern diese
+sich selbst zur aufgehobenen macht;—anderer Seits aber ist es das Thun
+des Passiven selbst, mit sich zusammenzugehen, und somit sich zum
+Ursprünglichen und zur Ursache zu machen. Das Gesetztwerden durch ein
+Anderes und das eigene Werden ist ein und dasselbe.
+
+Hierdurch, daß die passive Substanz nun selbst in Ursache verkehrt ist,
+wird erstlich die Wirkung in ihr aufgehoben; darin besteht ihre
+Gegenwirkung überhaupt. Sie ist an sich das Gesetztseyn, als passive
+Substanz; auch ist das Gesetztseyn durch die andere Substanz in ihr
+gesetzt worden, insofern sie nämlich die Wirkung derselben an ihr
+bekam. Ihre Gegenwirkung enthält daher ebenso das Gedoppelte; daß
+nämlich erstlich was sie an sich ist, gesetzt wird, zweitens als was
+sie gesetzt wird, sich als ihr Ansichseyn darstellt; sie ist an sich
+Gesetztseyn, daher erhält sie eine Wirkung an ihr durch die andere;
+aber dieß Gesetztseyn ist umgekehrt ihr eigenes Ansichseyn, so ist dieß
+ihre Wirkung, sie selbst stellt sich als Ursache dar.
+
+Zweitens geht die Gegenwirkung gegen die erste wirkende Ursache. Die
+Wirkung, welche die vorher passive Substanz in sich aufhebt, ist
+nämlich eben jene Wirkung der ersten. Die Ursache hat aber ihre
+substantielle Wirklichkeit nur in ihrer Wirkung; indem diese aufgehoben
+wird, so wird ihre ursachliche Substantialität aufgehoben. Dieß
+geschieht erstlich an sich durch sich selbst, indem sie sich zur
+Wirkung macht; in dieser Identität verschwindet ihre negative
+Bestimmung und sie wird Passives; zweitens geschieht es durch die
+vorhin passive, nun rückwirkende Substanz, welche deren Wirkung
+aufhebt.-In der bestimmten Kausalität wird die Substanz, auf welche
+gewirkt wird, zwar auch wieder Ursache, sie wirkt hiermit dagegen, daß
+eine Wirkung in ihr gesetzt wurde. Aber sie wirkte nicht zurück gegen
+jene Ursache, sondern setzte ihre Wirkung wieder in eine andere
+Substanz, wodurch der Progreß von Wirkungen ins Unendliche zum
+Vorschein kam; weil hier die Ursache in ihrer Wirkung nur erst an sich
+mit sich identisch ist, daher einer Seits in einer unmittelbaren
+Identität in ihrer Ruhe verschwindet, anderer Seits in einer andern
+Substanz sich wieder erweckt.—In der bedingten Kausalität hingegen
+bezieht die Ursache in der Wirkung sich auf sich selbst, wäl sie ihr
+Anderes als Bedingung als vorausgesetztes ist, und ihr Wirken dadurch
+ebenso sehr Werden, als Setzen und Aufheben des Andern ist.
+
+Ferner verhält sie sich hiermit als passive Substanz; aber, wie sich
+ergab, entsteht diese durch die auf sie geschehene Wirkung als
+ursachliche Substanz. Jene erste Ursache, welche zuerst wirkt, und ihre
+Wirkung als Gegenwirkung in sich zurück erhält, tritt damit wieder als
+Ursache auf; wodurch das in der endlichen Kausalität in den
+schlecht-unendlichen Progreß auslaufende Wirken umgebogen, und zu einem
+in sich zurückkehrenden, einem unendlichen Wechselwirken wird.
+
+C. Die Wechselwirkung.
+
+In der endlichen Kausalität sind es Substanzen, die sich wirkend zu
+einander verhalten. Der Mechanismus besteht in dieser Äußerlichkeit der
+Kausalität, daß die Reflexion der Ursache in ihrer Wirkung in sich
+zugleich ein abstoßendes Seyn ist, oder daß in der Identität, welche
+die ursachliche Substanz in ihrer Wirkung mit sich hat, sie sich ebenso
+unmittelbar Äußerliches bleibt, und die Wirkung in eine andere Substanz
+übergegangen ist. In der Wechselwirkung ist nun dieser Mechanismus
+aufgehoben; denn sie enthält erstens das Verschwinden jenes
+ursprünglichen Beharrens der unmittelbaren Substantiaiität; zweitens
+das Entstehen der Ursache; und damit die Ursprünglichkeit als durch
+ihre Negation sich mit sich vermittelnd.
+
+Zunächst stellt die Wechselwirkung sich dar als eine gegenseitige
+Kausalität von vorausgesetzten, sich bedingenden Substanzen; jede ist
+gegen die andere zugleich aktive und zugleich passive Substanz. Indem
+beide hiermit sowohl passiv als aktiv sind, so hat sich bereits jeder
+Unterschied derselben aufgehoben; er ist ein völlig durchsichtiger
+Schein; sie sind Substanzen nur darin, daß sie die Identität des
+Aktiven und Passiven sind. Die Wechselwirkung selbst ist daher nur noch
+leere Art und Weise; und es bedarf bloß noch eines äußern
+Zusammenfassens dessen, was bereits sowohl an sich als gesetzt ist.
+Fürs erste sind es keine Substrate mehr, welche miteinander in
+Beziehung stehen, sondern Substanzen; in der Bewegung der bedingten
+Kausalität hat sich die noch übrige vorausgesetzte Unmittelbarkeit
+aufgehoben, und das Bedingende der ursachlichen Activität ist nur noch
+die Einwirkung, oder die eigene Passivität. Diese Einwirkung kommt aber
+ferner nicht von einer andern ursprünglichen Substanz her; sondern eben
+von einer Ursachlichkeit, welche durch Einwirkung bedingt, oder ein
+Vermitteltes ist. Dieß zunächst Äußerliche, das an die Ursache kommt
+und die Seite ihrer Passivität ausmacht, ist daher durch sie selbst
+vermittelt, es ist durch ihre eigene Aktivität hervorgebracht, somit
+die durch ihre Aktivität selbst gesetzte Passivität.—Die Kausalität ist
+bedingt und bedingend; das Bedingende ist das Passive, aber ebenso sehr
+ist das Bedingte passiv. Dieß Bedingen oder die Passivität ist die
+Negation der Ursache durch sich selbst, indem sie sich wesentlich zur
+Wirkung macht, und eben dadurch Ursache ist. Die Wechselwirkung ist
+daher nur die Kausalität selbst; die Ursache hat nicht nur eine
+Wirkung, sondern in der Wirkung steht sie als Ursache mit sich selbst
+in Beziehung.
+
+Hierdurch ist die Kausalität zu ihrem absoluten Begriffe zurückgekehrt,
+und zugleich zum Begriffe selbst gekommen. Sie ist zunächst die reale
+Nothwendigkeit; absolute Identität mit sich, so daß der Unterschied der
+Nothwendigkeit und die in ihr sich auf einander beziehenden
+Bestimmungen, Substanzen, freie Wirklichkeiten, gegen einander, sind.
+Die Nothwendigkeit ist auf diese Weise die innere Identität; die
+Kausalität ist die Manifestation derselben, worin ihr Schein des
+substantiellen Andersseyn sich aufgehoben hat, und die Nothwendigkeit
+zur Freiheit erhoben ist.—In der Wechselwirkung stellt die
+ursprüngliche Kausalität sich als ein Entstehen aus ihrer Negation, der
+Passivität, und als Vergehen in dieselbe, als ein Werden dar; aber so
+daß dieß Werden zugleich ebenso sehr nur Scheinen ist; das Übergehen in
+Anderes ist Reflexion-in-sich selbst; die Negation, welche Grund der
+Ursache ist, ist ihr positives Zusammengehen mit sich selbst.
+
+Nothwendigkeit und Kausalität sind also darin verschwunden; sie
+enthalten beides die unmittelbare Identität als Zusammenhang und
+Beziehung, und die absolute Substantialität der Unterschiedenen somit
+die absolute Zufälligkeit derselben; die ursprüngliche Einheit
+substantieller Verschiedenheit; also den absoluten Widerspruch. Die
+Nothwendigkeit ist das Seyn, weil es ist; die Einheit des Seyns mit
+sich selbst, das sich zum Grunde hat; aber umgekehrt weil es einen
+Grund hat, ist es nicht Seyn, ist es schlechthin nur Schein, Beziehung
+oder Vermittelung. Die Kausalität ist dieß gesetzte Übergehen des
+ursprünglichen Seyns, der Ursache, in Schein oder bloßes Gesetztseyn,
+umgekehrt des Gesetztseyns in Ursprünglichkeit; aber die Identität
+selbst des Seyns und Scheins ist noch die innere Nothwendigkeit. Diese
+Innerlichkeit oder dieß Ansichseyn hebt die Bewegung der Kausalität
+auf; damit verliert sich die Substantialität der im Verhältnisse
+stehenden Seiten, und die Nothwendigkeit enthüllt sich. Die
+Nothwendigkeit wird nicht dadurch zur Freiheit, daß sie verschwindet,
+sondern daß nur ihre noch innere Identität manifestirt wird; eine
+Manifestation, welche die identische Bewegung des Unterschiedenen in
+sich selbst, die Reflexion des Scheins als Scheins in sich
+ist.—Umgekehrt wird zugleich dadurch die Zufälligkeit zur Freiheit,
+indem die Seiten der Nothwendigkeit, welche die Gestalt für sich
+freier, nicht in einander scheinender Wirklichkeiten haben, nunmehr
+gesetzt sind als Identität, so daß diese Totalitäten der
+Reflexion-in-sich, in ihrem Unterschiede nun auch als identische
+scheinen, oder gesetzt sind nur als eine und dieselbe Reflexion.
+
+Die absolute Substanz, als absolute Form sich von sich unterscheidend,
+stößt sich daher nicht mehr als Nothwendigkeit von sich ab, noch fällt
+sie als Zufälligkeit in gleichgültige, sich äußerliche Substanzen aus
+einander, sondern unterscheidet sich einer Seits in die Totalität,
+welche,—die vorhin passive Substanz Ursprüngliches ist als die
+Reflexion aus der Bestimmtheit in sich, als einfaches Ganzes, das sein
+Gesetztseyn in sich selbst enthält und als identisch darin mit sich
+gesetzt ist, das Allgemeine;—anderer Seits in die Totalität,—die vorhin
+ursachliche Substanz,—als in die Reflexion ebenso aus der Bestimmtheit
+in sich zur negativen Bestimmtheit, welche so als die mit sich
+identische Bestimmtheit ebenfalls das Ganze, aber als die mit sich
+identische Negativität gesetzt ist;—das Einzelne. Unmittelbar aber,
+weil das Allgemeine nur identisch mit sich ist, indem es die
+Bestimmtheit als aufgehoben in sich enthält, also das Negative als
+Negatives ist,—ist es dieselbe Negativität, welche die Einzelnheit
+ist;—und die Einzelnheit, weil sie ebenso das bestimmte Bestimmte, das
+Negative als Negatives ist, ist sie unmittelbar dieselbe Identität,
+welche die Allgemeinheit ist. Diese ihre einfache Identität ist die
+Besonderheit, welche vom Einzelnen das Moment der Bestimmtheit, vom
+Allgemeinen das Moment der Reflexion-in-sich in unmittelbarer Einheit
+enthält. Diese drei Totalitäten sind daher Eine und dieselbe Reflexion,
+welche als negative Beziehung auf sich in jene beiden sich
+unterscheidet, aber als in einen vollkommen durchsichtigen Unterschied,
+nämlich in die bestimmte Einfachheit, oder in die einfache
+Bestimmtheit, welche ihre Eine und dieselbe Identität ist.—Dieß ist der
+Begriff, das Reich der Subjektivität oder der Freiheit.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK ***
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+of this license, apply to copying and distributing Project
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