diff options
Diffstat (limited to '6729-0.txt')
| -rw-r--r-- | 6729-0.txt | 22284 |
1 files changed, 22284 insertions, 0 deletions
diff --git a/6729-0.txt b/6729-0.txt new file mode 100644 index 0000000..f3929b8 --- /dev/null +++ b/6729-0.txt @@ -0,0 +1,22284 @@ +The Project Gutenberg eBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil, by Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and +most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions +whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms +of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at +www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you +will have to check the laws of the country where you are located before +using this eBook. + +Title: Wissenschaft der Logik, Erster Teil + +Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +Release Date: January 20, 2003 [eBook #6729] +[Most recently updated: June 4, 2021] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +Produced by: Mike Pullen and Delphine Lettau + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK *** + + + + +Wissenschaft der Logik + +by Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +Erster Teil. Die objektive Logik. + + + Inhalt: + + Vorrede zur ersten Ausgabe. + Vorrede zur zweiten Auflage. + Einleitung + Allgemeiner Begriff der Logik + Allgemeine Eintheilung der Logik + + Erstes Buch Die Lehre vom Seyn. + Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? + Allgemeine Eintheilung des Seyns + + Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualität). + Erstes Kapitel. Seyn. + A. Seyn. + B. Nichts. + C. Werden. + 1. Einheit des Seyns und Nichts. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + Anmerkung 3. + Anmerkung 4. + 2. Momente des Werdens. + 3. Aufheben des Werdens. + Anmerkung. + Zweites Kapitel. Das Daseyn. + A. Daseyn als solches. + a. Daseyn überhaupt. + b. Qualität. + Anmerkung. + c. Etwas. + B. Die Endlichkeit. + a. Etwas und ein Anderes. + b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze. + c. Die Endlichkeit. + 1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit. + 2. Die Schranke und das Sollen. + Anmerkung. + 3. Übergang des Endlichen in das Unendliche. + C. Die Unendlichkeit. + a. Das Unendliche überhaupt. + b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. + c. Die affirmative Unendlichkeit. + Der Übergang. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn. + A. Das Fürsichseyn als solches. + a. Daseyn und Fürsichseyn. + b. Seyn-für-eines. + Anmerkung. + c. Eins. + B. Eins und Vieles. + a. Das Eins an ihm selbst. + b. Das Eins und das Leere. + Anmerkung. + c. Viele Eins. Repulsion. + Anmerkung. + C. Repulsion und Attraktion. + a. Ausschließen des Eins. + Anmerkung. + b. Das Eine Eins der Attraktion. + c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion. + Anmerkung. + + Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität). + Anmerkung. + Erstes Kapitel. Die Quantität. + A. Die reine Quantität. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + B. Kontinuirliche und diskrete Größe. + C. Begrenzung der Quantität. + Zweites Kapitel. Quantum. + A. Die Zahl. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + B. Extensives und intensives Quantum. + a. Unterschied derselben. + b. Identität der extensiven und intensiven Größe. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + c. Die Veränderung des Quantums. + C. Die quantitative Unendlichkeit. + a. Begriff derselben. + b. Der quantitative unendliche Progreß. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + c. Die Unendlichkeit des Quantums. + Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen. + Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung abgeleitet. + Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit zusammenhängende Formen. + Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß. + A. Das direkte Verhältniß. + B. Das umgekehrte Verhältniß. + C. Potenzverhältniß. + Anmerkung. + + Dritter Abschnitt. Das Maaß. + Erstes Kapitel. Die specifische Quantität. + A. Das specifische Quantum. + B. Specificirendes Maaß. + a. Die Regel. + b. Das specificirende Maaß. + Anmerkung. + c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten. + Anmerkung. + C. Das Fürsichseyn im Maaße. + Zweites Kapitel. Das reale Maaß. + A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße. + a. Verbindung zweier Maaße. + b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen. + c. Wahlverwandtschaft. + Anmerkung. + B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen. + Anmerkung. + C. Das Maaßlose. + Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens. + A. Die absolute Indifferenz. + B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren. + Anmerkung. + C. Übergang in das Wesen. + + Zweites Buch Das Wesen. + Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst. + Erstes Kapitel. Der Schein. + A. Das Wesentliche und das Unwesentliche. + B. Der Schein. + C. Die Reflexion. + 1. Die setzende Reflexion. + 2. Die äußere Reflexion. + 3. Bestimmende Reflexion. + Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen. + Anmerkung. + A. Die Identität. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + B. Der Unterschied. + 1. Der absolute Unterschied. + 2. Die Verschiedenheit. + Anmerkung. + 3. Der Gegensatz. + Anmerkung. + C. Der Widerspruch. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + Anmerkung 3. + Drittes Kapitel. Der Grund. + Anmerkung. + A. Der absolute Grund. + a. Form und Wesen. + b. Form und Materie. + c. Form und Inhalt. + B. Der bestimmte Grund. + a. Der formelle Grund. + Anmerkung. + b. Der reale Grund. + Anmerkung. + c. Der vollständige Grund. + C. Die Bedingung. + a. Das relativ Unbedingte. + b. Das absolute Unbedingte. + c. Hervorgang der Sache in die Existenz. + + Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung. + Erstes Kapitel. Die Existenz. + A. Das Ding und seine Eigenschaften. + a. Ding an sich und Existenz. + b. Die Eigenschaft. + Anmerkung. + c. Die Wechselwirkung der Dinge. + B. Das Bestehen des Dings aus Materien. + C. Die Auflösung des Dings. + Anmerkung. + Zweites Kapitel. Die Erscheinung. + A. Das Gesetz der Erscheinung. + B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt. + C. Auflösung der Erscheinung. + Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhältniß. + A. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile. + Anmerkung. + B. Das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung. + a. Das Bedingtseyn der Kraft. + b. Die Sollicitation der Kraft. + c. Die Unendlichkeit der Kraft. + C. Verhältniß des Äußern und Innern. + Anmerkung. + + Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit. + Erstes Kapitel. Das Absolute. + A. Die Auslegung des Absoluten. + B. Das absolute Attribut. + C. Der Modus des Absoluten. + Anmerkung. + Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit. + A. Zufälligkeit oder formelle Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit. + B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit. + C. Absolute Nothwendigkeit. + Drittes Kapitel. Das absolute Verhältniß. + A. Das Verhältniß der Substantialität. + B. Das Kausalitäts-Verhältniß. + a. Die formelle Kausalität. + b. Das bestimmte Kausalitätsverhältniß. + c. Wirkung und Gegenwirkung. + C. Die Wechselwirkung. + + + + +Vorrede zur ersten Ausgabe. + + +Die völlige Umänderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa +fünf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der höhere Standpunkt, den +das Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode über sich +erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik +gehabt. + +Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hieß, ist, so zu sagen, +mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der +Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo dürfen sich Laute der +vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie oder +selbst gar der vormaligen natürlichen Theologie noch vernehmen lassen? +Untersuchungen, zum Beispiel über die Immaterialität der Seele, über +die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse +finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes werden nur +historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemüthserhebung angeführt. +Es ist dieß ein Faktum, daß das Interesse Theils am Inhalte, Theils an +der Form der vormaligen Metaphysik, Theils an beiden zugleich verloren +ist. So merkwürdig es ist, wenn einem Volke, z.B. die Wissenschaft +seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen +Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist +es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit +seinem reinen Wesen sich beschäftigende Geist kein wirkliches Daseyn +mehr in demselben hat. + +Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,—daß der Verstand die +Erfahrung nicht überfliegen dürfe, sonst werde das Erkenntnisvermögen +theoretische Vernunft, welche für sich nichts als Hirngespinnste +gebähre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem +spekulativen Denken zu entsagen. Dieser popularen Lehre kam das +Geschrei der modernen Pädagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf +das unmittelbare Bedürfniß richtet, entgegen, daß, wie für die +Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so für die Geschicklichkeit im +öffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht sogar schädlich, +und Übung und praktische Bildung überhaupt das Wesentliche, allein +Förderliche sey.—Indem so die Wissenschaft und der gemeine +Menschenverstand sich in die Hände arbeiteten, den Untergang der +Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel +herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne Metaphysik zu +sehen;—wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmückten Tempel ohne +Allerheiligstes.—Die Theologie, welche in frühern Zeiten die Bewahrerin +der spekulativen Mysterien und der obzwar abhängigen Metaphysik war, +hatte diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das Praktisch-populare +und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher Veränderung entsprechend +ist, daß anderwärts jene Einsamen, die von ihrem Volke aufgeopfert und +aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem Zwecke, daß die Kontemplation +des Ewigen und ein ihr allein dienendes Leben vorhanden sey, nicht um +eines Nutzens, sondern um des Segens willen,—verschwanden; ein +Verschwinden, das in einem andern Zusammenhange, dem Wesen nach als +dieselbe Erscheinung, wie das vorhin Erwähnte, betrachtet werden +kann.—So daß, nach Vertreibung dieser Finsternisse, der farblosen +Beschäftigung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn +in die heitere Welt der Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen +es bekanntlich keine schwarze giebt. + +Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Daß +man durch sie denken lerne, was sonst für ihren Nutzen und damit für +den Zweck derselben galt,—gleichsam als ob man durch das Studium der +Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte—, +dieß Vorurtheil hat sich längst verloren, und der Geist des Praktischen +dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer Schwester. Dessen +ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde +ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde +selbst als Gegenstand des öffentlichen Unterrichts beibehalten. Dieß +bessere Loos betrifft jedoch nur das äußere Schicksal; denn ihre +Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange +Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser Überlieferung immer mehr +verdünnt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft +nicht weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr +noch nicht verspüren lassen. Es ist aber ein für allemal vergebens, +wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die +Formen früherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blätter, +welche von den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind, +abgestoßen werden. + +Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veränderung fängt es nach gerade an, +auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind selbst +den Gegnern die andern Vorstellung geläufig und eigen geworden, und +wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd spröde thun und +sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafür die +Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich +nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden +negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine +positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den +neuen Vorstellungsweisen mitsprechen. + +Von der andern Seite scheint die Zeit der Gährung, mit der eine neue +Schöpfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung pflegt +eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die ausgebreitete +Systematisierung des frühen Princips zu verhalten, Theils auch +furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern zu verlieren, +Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen Ausbildung erfordert +wird, zu scheuen, und im Bedürfnisse einer solchen zuerst zu einem +leeren Formalismus zu greifen. Die Anforderung der Verarbeitung und +Ausbildung des Stoffes wird nun um so dringender. Es ist eine Periode +in der Bildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es +vornehmlich um Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner +unentwickelten Intensität zu thun ist. Aber die höhere Forderung geht +darauf, daß es zur Wissenschaft werde. + +Was nun auch für die Sache und für die Form der Wissenschaft bereits in +sonstiger Rücksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft, +welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie +ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlässigt gesehen. Was ich +unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte näher verstehe, habe +ich in der Einleitung vorläufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit +dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des +Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche für die +vorgenommene Umbildung hätten benutzt werden können, mögen bei billigen +Beurtheilern in Rücksicht kommen, wenn auch eine vieljährige Arbeit +diesem Versuche nicht eine größere Vollkommenheit geben konnte.—Der +wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt um einen neuen Begriff +wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie +Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwärts erinnert[1] habe, +hierzu ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wissenschaft, wie +die Mathematik ist, borgen, so wenig als es bei kategorischen +Versicherungen innerer Anschauung bewenden lassen, oder sich des +Raisonnements aus Gründen der äußern Reflexion bedienen. Sondern es +kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen +Erkennen bewegt, indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es +ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt. + + [1] Phänomenologie des Geistes, Vorrede zur ersten Ausgabe—Die + eigentliche Ausführung ist die Erkenntniß der Methode, und hat ihre + Stelle in der Logik selbst. + + +Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist +negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in +Nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt, und +das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas Getrenntes von +der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als +etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in +ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der höher als Beides, +verständige Vernunft, oder vernünftiger Verstand ist. Er ist das +Negative, dasjenige, welches die Qualität sowohl, der dialektischen +Vernunft, als des Verstandes ausmacht;—er negirt das Einfache, so setzt +er den bestimmten Unterschied des Verstandes, er löst ihn eben so sehr +auf, so ist er dialektisch. Er hält sich aber nicht im Nichts dieses +Resultates, sondern ist darin ebenso positiv, und hat so das erste +Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines, das in sich konkret +ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes Besonderes subsumirt, +sondern in jenem Bestimmen und in der Auflösung desselben hat sich das +Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in +ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in dieser ihre Gleichheit mit +sich selbst giebt, die somit die immanente Entwickelung des Begriffes +ist, ist die absolute Methode des Erkennens, und zugleich die immanente +Seele des Inhalts selbst. —Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege +allein, behaupte ich, ist die Philosophie fähig, objektive, +demonstrirte Wissenschaft zu seyn.—In dieser Weise habe ich das +Bewußtseyn in der Phänomenologie des Geistes darzustellen versucht. Das +Bewußtseyn ist der Geist als konkretes und zwar in der Äußerlichkeit +befangenes Wissen; aber die Formbewegung dieses Gegenstandes beruht +allein, wie die Entwickelung alles natürlichen und geistigen Lebens, +auf der Natur der reinen Wesenheiten, die den Inhalt der Logik +ausmachen. Das Bewußtseyn, als der erscheinende Geist, welcher sich auf +seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und äußerlichen Konkretion +befreit, wird zum reinen Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten +selbst, wie sie an und für sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind +die reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung +ist ihr geistiges Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft +konstituirt, und dessen Darstellung sie ist. + +Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phänomenologie +des Geistes nenne, zur Logik angegeben.—Was das äußerliche Verhältniß +betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der Wissenschaft,[2] der +die Phänomenologie enthält, ein zweiter Theil zu folgen bestimmt, +welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der Philosophie, +die Philosophie der Natur und die Philosophie des Geistes, enthalten +sollte, und das System der Wissenschaft beschlossen haben würde. Aber +die nothwendige Ausdehnung, welche die Logik für sich erhalten mußte, +hat mich veranlaßt, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie +macht also in einem erweiterten Plane die erste Folge zur +Phänomenologie des Geistes aus. Späterhin werde ich die Verarbeitung +der beiden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen +lassen.—Dieser erste Band der Logik aber enthält als erstes Buch die +Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom Wesen, als zweite +Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive +Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten. + +Nürnberg, den 22 März 1812 + + + [2] (Bamberg und Würzburg bei Göbhard 1807). Dieser Titel wird der + zweiten Ausgabe, die auf nächsten Ostern erscheinen wird, nicht mehr + beigegeben werden.—An die Stelle des im Folgenden erwähnten Vorhabens + eines zweiten Theils, der die sämmtlichen andern philosophischen + Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die Encyklopädie der + philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der dritten Ausgabe, + ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten Ausgabe), + + + + +Vorrede zur zweiten Auflage. + + +An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der +erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn sowohl der +Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner Darstellung, +als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der +ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich nach weiterer +vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft bemüht gewesen, +dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch Ursache genug zu +haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel +solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den Umstand gegründet +werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur äußerliches Material in +der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und +häufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort, +getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite +betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt, +abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflächlichkeit verdünnt, bald der +alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt +worden, so daß durch solche, häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem +philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des +Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit, +oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung +darzustellen, mußte deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von +vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten +Denkformen, aber ist als eine höchst wichtige Vorlage, ja eine +nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, +wenn dieselbe auch nur hier und da einen dürren Faden, oder die +leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in Unordnung untereinander +geworfen, dargiebt. + +Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des Menschen herausgesetzt +und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran +erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom Thiere +unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem Innerlichen, +zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen macht, hat sich +die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht und in ihr +äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder herausgearbeitet, eine +Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das Logische, oder vielmehr +dasselbige ist seine eigenthümliche Natur selbst. Stellt man aber die +Natur überhaupt, als das Physikalische, dem Geistigen gegenüber, so +müßte man sagen, daß das Logische vielmehr das Übernatürliche ist, +welches sich in alles Naturverhalten des Menschen, in sein Empfinden, +Anschauen, Begehren, Bedürfniß, Trieb eindrängt und es dadurch +überhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu +Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache, +wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdrücken, nämlich +eigenthümlichen und abgesonderten, für die Denkbestimmungen selbst +besitzt; von den Präpositionen, Artikeln, gehören schon viele solchen +Verhältnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache +soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur dürftig bis dahin +gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas +weniges abgelöster, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf. +Viel wichtiger ist es, daß in einer Sprache die Denkbestimmungen zu +Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenständlichen Form +gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den +anderen modernen Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter von der +weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern +entgegengesetzte zu haben, so daß darin selbst ein spekulativer Geist +der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude +gewähren, auf solche Wörter zu stoßen, und die Vereinigung +Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation für den Verstand +aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort +von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie +bedarf daher überhaupt keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus +fremden Sprachen einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch den +Gebrauch bereits das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter +Purismus würde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am +wenigsten am Platze seyn.—Das Fortschreiten der Bildung überhaupt und +insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und sinnlichen; +indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten Kategorien (z.B. +eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner Eigenschaften und +dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch höhere +Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer +Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in +der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so +spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens zu +sehr… tort e… travers in Alles selbst in das Licht eingedrängt wird, +die bedeutendste Rolle,—die Bestimmung von einem Unterschiede, in +welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;—daß auf solche +Weise von der Form der Abstraktion, der Identität, durch welche eine +Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbstständigkeit erhält, +fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher +zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt, herausgehoben +und eine geläufige Vorstellung geworden, ist von unendlicher +Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die Realität, in welcher +ihre Gegenstände sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die +Kategorien, die in ihr nicht länger ignorirt werden können, wenn auch +mit der größten Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen +werden, zu fixiren, und es nicht zu gestatten, daß, wie im Geistigen +leichter geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur +Allgemeinheit übergegangen wird. + +Aber indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in +der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was +bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld +erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen zu sollen, und was ist +bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben +Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde +herausgehen. Über den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, über +das Verhältniß des wissenschaftlichen Denkens zu diesem natürlichen +Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt +seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die frühere Einleitung +enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man +eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche +die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen +Erkennens zu geben. + +Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die +Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten +Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder +vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (—und es ist +kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen—) versenkt sind, +befreit, diese Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie Plato, +dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der +Betrachtung für sich gemacht worden; dieß giebt den Anfang des +Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt +Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens +gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische +Erkenntniß zu bemühen." "In Ägypten," hatte er vorher bemerkt, "sind +die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil +daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu +haben."—In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken zu +beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist +durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß +des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der +Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von +dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen +des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die +Denkbestimmungen eingehüllt stecken. In den stillen Räumen des zu sich +selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die +Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen. +"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange, +"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die +nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich +freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn. +"—Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen, +Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik +beschäftigt sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen +Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunächst +anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten +Lebens eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht derselben lebt, und +nur erst für ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und +der Möglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thätig zu werden, +sich und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschäftigen hat. +Unter diese Mittel wird im Widerspiele von der angeführten Vorstellung +des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die Bemühung mit +derselben ist eine vorläufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche +erst der Ernst des Lebens und die Thätigkeit für die wahrhaften Zwecke +folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden +von der Ehre, für sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem +geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln +der darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen,—Theils als +Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;—denn welche unendliche Menge +von Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die +Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich +zusammen;—wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die +Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von +Vorstellungen, Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt!—Theils zur +näheren Bestimmung und Findung der gegenständlichen Verhältnisse, wobei +aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich +einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig gemacht +ist und den Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende +Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der +vorhin die natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und wenn +ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel zu +dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu +etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von +unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, daß sie +uns dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und Mächte, so +daß wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu begehren und zu +wollen, in dieß unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr +unser Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste unserer Gefühle, Triebe, +Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als daß +wir sie im Besitz haben, noch weniger, daß sie bei unser innigen +Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des +Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze +gegen die Allgemeinheit, als die wir uns bewußt werden, in der wir +unsere Freiheit haben, und halten dafür, in diesen Besonderheiten +vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht zu werden. Sonach +können wir dann viel weniger dafür halten, daß die Denkformen, die sich +durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen bloß theoretisch, oder +enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem Triebe, dem Willen +angehört, hindurch ziehen, uns dienen, daß wir sie, und sie nicht +vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns übrig gegen sie, wie sollen +wir, ich mich als das Allgemeinere über sie hinausstellen, sie die +selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn wir uns in eine +Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin beschränkt, unfrei +fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und in die Freiheit +zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der Gewißheit seiner selbst, der +reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn wir von den Dingen +sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren +Begriff, und dieser ist nur für das Denken; von den Begriffen der Dinge +aber werden wir noch viel weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder +daß die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen, +im Gegentheil muß sich unser Denken nach ihnen beschränken und unsere +Willkür oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen. +Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun +ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so +können wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben +stehen, und ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus. +Von der letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit +der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken +auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als +Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die Sache +für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die +kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum so +versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als +Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den Sachen vielmehr +abschließt, statt uns mit denselben zusammenzuschließen, so ist dieser +Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen, +die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken +auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als +ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (—das sogenannte Ding-an-sich) +der leeren Abstraktion selbst sind. + +Doch dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das Verhältniß +verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch +und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit +Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu werden +pflegen.—Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungen +durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt, bewußtlos +geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor sich hat, +ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das, womit das +Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem +Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt selbst +seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, und was +sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das +eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei der +Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der Zufälligkeit +des Erscheinens und der vorübergehenden Äußerung, der Begriff der +Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche +Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius aller seiner +Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne +Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu sagen, was, wenn +diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen sonstigen Prädikaten +Ausgerüsteten weggenommen würde, ob sie gleich wie die anderen ein +Prädikat genannt werden kann, was so ein Individuum noch seyn sollte. +Die unerläßliche Grundlage, der Begriff, das Allgemeine, das der +Gedanke, insofern man nur von der Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, +abstrahiren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgültige +Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken +aller natürlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, +sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den +Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer +relativen Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für +sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr +einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist. +Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, +zum Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe. Das instinktartige +Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch +überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der Inhalt des +Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur +Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des +Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den +Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff +zersplittert ist. In diesem Netze schürzen sich hin und wieder festere +Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und +Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben dem, daß +sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich seyenden Begriffe +seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt für die Natur des Geistes +ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er +wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß; dieses Sichwissen +ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn, Grundbestimmung seiner +Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmäßig als Triebe +wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit veränderlich und sich +verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine +vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewähren, zu reinigen und ihn +damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, dieß ist also das +höhere logische Geschäft. + +Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und +zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt +worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs +überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem Stoffe +verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt sich +sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und +Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so +als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer +Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die +Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht. Mag das +Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit Beschränkung und +Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die Seite seiner Negation, +seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der +Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloß +formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich +endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre Kenntniß mit Verachtung dem +Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der +Mißachtung des Werthes, den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich +hat, und mit der Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun +natürlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß +und Erkenntniß der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des +ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache +Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung +solcher Formen ist die Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des +Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde +Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher +Gesetze der Wahrheit und in der sie noch immer so fortgeführt werden, +so sehr verloren, daß sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, +der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiß: die Pflanze ist +eine—Pflanze, die Wissenschaft ist—die Wissenschaft, und sofort ins +Unendliche, für unerträglich hält. Über die Formeln auch, welche die +Regeln des Schließens, das in der That ein Hauptgebrauch des Verstandes +ist, hat sich—so ungerecht es ist zu verkennen, daß sie ihr Feld in der +Erkenntniß haben, worin sie gelten müssen und zugleich, daß sie +wesentliches Material für das Denken der Vernunft sind,—das ebenso +gerechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie gleichgültige Mittel +wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der Sophisterei sind, und wie +man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, für die höhere, z.B. die +religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß sie überhaupt nur eine +Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit betreffen. + +Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche +die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß +nicht bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern +der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich +von selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten Reflexion als +Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht +bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das Leere, etwa die +Abstraktion des Dings-an-sich,—daß er vielmehr Form in ihm selbst, ja +durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß sie selbst es ist, +die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein +eines an diesem Scheine Äußerlichen, umschlägt. Mit dieser Einführung +des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge, +sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird. + +Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge +Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge beschränkt +wird, ist Theils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als Gedanke +überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche Abbreviatur gegen die +Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten Anschauen +und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein Begriff sogleich +erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist +die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein +bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt +erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung +dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalität, des +Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser +wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand, +Produkt und Inhalt des Denkens, und die an und für sich seyende Sache, +der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den +Namen der Dinge führt; am wenigsten ist es der Logos, was außerhalb der +logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muß darum nicht ein +Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn +draußen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur äußerliche +Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre +Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre +Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische +Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern +Geist instinktartig und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in +die Sprache hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben, +abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die +Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und +Gehalt äußere Formen fixiert sind. + +Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar +streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des +Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so sehr diese Forderung +mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die Mathematik +übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese Freiheit und +Unabhängigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in seiner Art in +dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, daß bei keiner +Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion vorkäme, die +nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den +vorhergehenden in sie herübergekommen ist. Allein auf solche abstrakte +Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im Allgemeinen Verzicht +gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen, +hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muß, ließe der Vortrag +nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke des Einfachen ohne allen +weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;—was der Sache nach Statt finden +dürfte, wären negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu +entfernen sich bemühten, was sonst die Vorstellung oder ein +ungeregeltes Denken einmischen könnte. Solche Einfälle in den einfachen +immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch für sich zufällig, und die +Bemühung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufälligkeit +behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfällen, eben weil +sie außer der Sache liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens wäre +Unvollständigkeit das, was hierbei für die systematische Befriedigung +verlangt würde. Aber die eigenthümliche Unruhe und Zerstreuung unseres +modernen Bewußtseyns läßt es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder +weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu nehmen, +ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen Sinn des +Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Jünglinge und Männer +so ruhig mit der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und Einfälle, +womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache +folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem modernen +Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte auf solche +Leser gezählt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu häufig und zu +heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion +machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien enthalten, +welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik bedürfen, ehe +sie gebraucht werden. Die Bewußtlosigkeit hierüber geht unglaublich +weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d. h. ungebildete +Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu +denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewußtlosigkeit ist um +so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes andere +Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik aber +eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle müssen gefunden +haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden unterworfen seyn. +Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden Menge von Einwürfen und +Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Sätze der Logik, das Seyn +und Nichts und das Werden, als welches, selbst eine einfache +Bestimmung, wohl unbestritten,—die einfachste Analyse zeigt dieß,—jene +beiden Bestimmungen als Momente enthält. Die Gründlichkeit scheint zu +erfordern, den Anfang, als den Grund, worauf Alles gebaut sey, vor +Allem aus zu untersuchen, ja nicht weiter zu gehen, als bis er sich +fest erwiesen hat, im Gegentheil vielmehr, wenn dieß nicht der Fall +ist, alles noch Folgende zu verwerfen. Diese Gründlichkeit hat zugleich +den Vortheil, die größte Erleichterung für das Denkgeschäft zu +gewähren, sie hat die ganze Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen +vor sich, und hält sich für mit Allem fertig, wenn sie mit diesem +fertig ist, der das Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das +Einfachste, das Einfache selbst; es ist die geringe Arbeit, die +erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst zufriedene Gründlichkeit +wesentlich empfiehlt. Diese Beschränkung auf das Einfache läßt der +Willkür des Denkens, das für sich nicht einfach bleiben will, sondern +seine Reflexionen darüber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten +Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich +auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem +Geschäfte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. +andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und +Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, daß die +Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes +als die Form, das Innere ein Anderes als das Äußere, die Vermittelung +ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht +wüßte, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl +bewiesen, als erzählt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen +liegt—man kann es nicht anders nennen,—eine Albernheit; der Sache nach +aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und +geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß es das +Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu +untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres +ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt +und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine Äußerung +hat, eine Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.—etwas Wahres, ebenso +etwas Wirkliches ist.—Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch +welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der +einfallenden Reflexion überwunden würde, wird allein durch das +Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung +verschafft. + +Bei der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein +selbstständiges Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten +neu aufzuführen arbeitet, an die Erzählung erinnert werden, daß Plato +seine Bücher über den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die +Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in sich +zu schließen schiene, dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch treiben, +daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein tieferes +Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von reicherm +Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es sieben und +siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre. So aber mußte der +Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der Aufgabe betrachtet, +sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen, unter den Umständen +einer äußerlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren Zerstreuung durch +die Größe und Vielseitigkeit der Zeitinteressen, sogar unter dem +Zweifel, ob der laute Lärm des Tages und die betäubende Geschwätzigkeit +der Einbildung, die auf denselben sich zu beschränken eitel ist, noch +Raum für die Theilnahme an der leidenschaftslosen Stille der nur +denkenden Erkenntniß offen lasse. + +Berlin, den 7. November 1831. + + + + +Einleitung + +Allgemeiner Begriff der Logik + +Es fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker das Bedürfniß, ohne +vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei der +logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den sie +behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander +unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang +macht, sondern von andern Begriffen abhängt, und um sich herum mit +anderem Stoffe zusammenhängt. Diesen Wissenschaften wird es daher +zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der +Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und +angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen ohne +weiteres anzuwenden, und sich der gewöhnlichen Art des Raisonnements +zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestimmungen zu +bedienen. + +Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln +und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil ihres +Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zu werden. +Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode, sondern auch +der Begriff selbst der Wissenschaft überhaupt gehört zu ihrem Inhalte, +und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist, kann sie daher +nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung bringt dieß Wissen von +ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre Vollendung hervor. +Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das begreifende +Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer abgehandelt; der Begriff +desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe, und kann somit nicht +vorausgeschickt werden. Was daher in dieser Einleitung vorausgeschickt +wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der Logik etwa zu begründen, +oder den Inhalt und die Methode derselben zum voraus wissenschaftlich +zu rechtfertigen, sondern, durch einige Erläuterungen und Reflexionen, +in raisonnirendem und historischem Sinne, den Gesichtspunkt, aus +welchem diese Wissenschaft zu betrachten ist, der Vorstellung näher zu +bringen. + +Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen +angenommen wird, so wird dabei verstanden, daß dieß Denken die bloße +Form einer Erkenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte +abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer +Erkenntniß gehöre, die Materie, anderswoher gegeben werden müsse, daß +somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhängig +sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniß angeben, nicht +aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu realer +Wahrheit seyn könne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit, der +Inhalt, außer ihr liege. + +Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, daß die Logik von +allem Inhalte abstrahire, daß sie nur die Regeln des Denkens lehre, +ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit +Rücksicht nehmen zu können. Denn da das Denken und die Regeln des +Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran +ihren eigenthümlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite +Bestandstück der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit sie +sich bekümmert. + +Allein zweitens sind überhaupt die Vorstellungen, auf denen der Begriff +der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen, Theils ist es +Zeit, daß sie vollends verschwinden, daß der Standpunkt dieser +Wissenschaft höher gefaßt werde, und daß sie eine völlig veränderte +Gestalt gewinne. + +Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewöhnlichen +Bewußtseyn ein für allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der +Erkenntniß und der Form derselben, oder der Wahrheit und der Gewißheit. +Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des Erkennens, als eine +fertige Welt außerhalb des Denkens, an und für sich vorhanden, daß das +Denken für sich leer sey, als eine Form äußerlich zu jener Materie +hinzutrete, sich damit erfülle, erst daran einen Inhalt gewinne und +dadurch ein reales Erkennen werde. + +Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,—(denn sie sollen das +Verhältniß von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen +mechanischer oder höchstens chemischer Weise zusammengesetzt—) in +dieser Rangordnung gegen einander, daß das Objekt ein für sich +Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit +vollkommen entbehren könne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes +sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, und zwar als +eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen +habe. Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit dem Gegenstande, +und es soll, um diese Übereinstimmung hervorzubringen, —denn sie ist +nicht an und für sich vorhanden,—das Denken nach dem Gegenstande sich +fügen und bequemen. + +Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des +Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit +gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der +andern geschiedene Sphäre. Das Denken kommt daher in seinem Empfangen +und Formiren des Stoffs nicht über sich hinaus, sein Empfangen und sich +nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner selbst, es wird +dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewußte Bestimmen gehört +ohnedieß nur ihm an; es kommt also auch in seiner Beziehung auf den +Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande, dieser bleibt als +ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des Denkens. + +Diese Ansichten über das Verhältnis des Subjektes und Objekts zu +einander drücken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers +gewöhnlichen, des erscheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese +Vorurtheile, in die Vernunft übergetragen, als ob in ihr dasselbe +Verhältniß Gott finde, als ob dieses Verhältniß an und für sich +Wahrheit habe, so sind sie die Irrthümer, deren durch alle Theile des +geistigen und natürlichen Universums durchgeführte Widerlegung die +Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die +Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind. + +Die ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksicht einen höhern Begriff +von dem Denken als in der neuern Zeit gäng und gäb geworden ist. Jene +legte nämlich zu Grunde, daß das, was durchs Denken von und an den +Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; somit +nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die Form des +Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit dafür, daß +das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenständen +Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die Dinge und das +Denken derselben, (—wie auch unsere Sprache eine Verwandtschaft +derselben ausdrückt,—) an und für sich übereinstimmen, daß das Denken +in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte Natur der Dinge, +ein und derselbe Inhalt sey. + +Aber der reflektirende Verstand bemächtigte sich der Philosophie. Es +ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst vielfach +als Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt darunter der +abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in seinen +Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt beträgt er sich als +gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, daß die +Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur Gedanken +seyen, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung ihnen Gehalt +und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und für sich +bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun der Vernunft +auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren, sie ist darauf +eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die Erscheinung zu +erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst nicht entspreche; +das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen. + +Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust +und Rückschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf überhaupt +die Erhebung der Vernunft in den höhern Geist der neuern Philosophie +beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung ist nämlich in +der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der Bestimmungen des +Verstandes mit sich selbst, zu suchen.—Die schon namhaft gemacht +Reflexion ist dieß, über das konkrete Unmittelbare hinaus zu gehen, und +dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie muß ebenso sehr über +diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen, und sie zunächst +beziehen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens tritt der Widerstreit +derselben hervor. Dieses Beziehen der Reflexion gehört an sich der +Vernunft an; die Erhebung über jene Bestimmungen, die zur Einsicht des +Widerstreits derselben gelangt, ist der große negative Schritt zum +wahrhaften Begriffe der Vernunft. Aber die nicht durchgeführte Einsicht +fällt in den Mißverstand, als ob die Vernunft es sey, welche in +Widerspruch mit sich gerathe; sie erkennt nicht, daß der Widerspruch +eben das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes +und das Auflösen derselben ist. Statt von hier aus den letzten Schritt +in die Höhe zu thun, ist die Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der +Verstandesbestimmungen zu der sinnlichen Existenz zurückgeflohen, an +derselben das Feste und Einige zu haben vermeinend. + +Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die +Erkenntniß von Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedigende derselben +eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die Dinge +an sich, aber doch innerhalb der Sphäre der Erscheinung richtig erkannt +würde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstände verschieden +wäre, und die eine Art, nämlich die Dinge an sich zwar nicht, aber doch +die andere Art, nämlich die Erscheinungen, in die Erkenntniß fielen. +Wie wenn einem Manne richtige Einsicht beigemessen würde, mit dem +Zusatz, daß er jedoch nichts Wahres, sondern nur Unwahres einzusehen +fähig sey. So ungereimt das Letztere wäre, so ungereimt ist eine wahre +Erkenntniß, die den Gegenstand nicht erkennte, wie er an sich ist. + +Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angeführte Resultat +gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben. +—Dieß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an ihnen +selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie für die subjektive +Vernunft und für die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat die +Kritik keine Änderung an ihnen selbst bewirkt, sondern läßt sie für das +Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst für das Objekt galten. Wenn +sie aber ungenügend für das Ding an sich sind, so müßte der Verstand, +dem sie angehören sollen, noch weniger dieselben sich gefallen lassen +und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht Bestimmungen des Dings +an sich seyn können, so können sie noch weniger Bestimmungen des +Verstandes seyn, dem wenigstens die Würde eines Dings an sich +zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des Endlichen und +Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, daß sie auf Zeit und +Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie Bestimmungen +innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiß ein Grau +geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete mit +einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich auflöst, +indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie +übergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie +beide in sich enthält, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich +Auflösendes.—Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder +Gegenstandes, worauf sie angewendet würde, oder in dem sie sich +befänden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand hat +nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm. + +Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding +entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat +dabei nämlich diese Formen nicht an und für sich selbst, nach ihrem +eigenthümlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der +subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung +ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als +subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen +Betrachtung derselben die Rede war. + +Der konsequenter durchgeführte transcendentale Idealismus hat die +Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch übrig gelassenen +Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt +abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends zu +zerstören. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft aus +sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die subjektive +Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung kommen. Fernerhin +ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang und die Ausbildung der +reinen Wissenschaft aufgegeben worden. + +Ganz ohne Rücksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige +betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird. Diese +Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat +freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realität und als eine +wahrhafte Sache in dem gewöhnlichen Bewußtseyn gilt, Aber sie ist nicht +aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit entbehrende +Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermißt, welchem Mangel das +Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden pflegt, ist ohnehin +das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern das Gehaltlose der +logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, sie zu betrachten +und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen aus einander fallen +und nicht in organischer Einheit zusammengehalten werden, sind sie +todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht wohnen, der ihre +lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber entbehren sie des gediegenen +Inhalts,—einer Materie, welche Gehalt an sich selbst wäre. Der Inhalt, +der an den logischen Formen vermißt wird, ist nichts anderes, als eine +feste Grundlage und Konkretion dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein +solches substantielles Wesen pflegt für sie außen gesucht zu werden. +Aber die logische Vernunft selbst ist das Substantielle oder Reelle, +das alle abstrakten Bestimmungen in sich zusammenhält, und ihre +gediegene, absolut-konkrete Einheit ist. Nach dem also, was eine +Materie genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu +werden; es ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie +gehaltlos seyn soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefaßt wird. + +Diese Reflexion führt näher auf die Angabe des Standpunkts, nach +welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der +bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und der +allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft für immer zu +stellen ist. + +In der Phänomenologie des Geistes habe ich das Bewußtseyn in seiner +Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des +Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht +durch alle Formen des Verhältnisses des Bewußtseyns zum Objekte durch, +und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser +Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß er innerhalb der Logik selbst +hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst erhalten +hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung fähig, als nur dieser +Hervorbringung desselben durch das Bewußtseyn, dem sich seine eignen +Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit auflösen. —Eine +raisonnirende Begründung der Erläuterung des Begriffs der Wissenschaft +kann zum höchsten dieß leisten, daß er vor die Vorstellung gebracht und +eine historische Kenntniß davon bewirkt werde; aber eine Definition der +Wissenschaft oder näher der Logik hat ihren Beweis allein in jener +Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine Definition, mit der irgend eine +Wissenschaft den absoluten Anfang macht, kann nichts anders enthalten, +als den bestimmten, regelrechten Ausdruck von demjenigen, was man sich +zugegebner- und bekanntermaßen unter dem Gegenstande und Zweck der +Wissenschaft vorstellt. Daß man sich gerade dieß darunter vorstelle, +ist eine historische Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf +dieses und jenes Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise +beibringen kann, daß man dieß und jenes als anerkannt gelten lassen +möge. Es hört gar nicht auf, daß der Eine daher, der Andere dorther +einen Fall und Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und +anderes bei diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen +Definition also noch eine nähere oder allgemeinere Bestimmung +aufzunehmen und darnach auch die Wissenschaft einzurichten sey.—Es +kommt dabei ferner auf Raisonnement an, was alles und bis zu welcher +Grenze und Umfang es hereingezogen oder ausgeschlossen werden müsse; +dem Raisonnement selbst aber steht das mannigfaltigste und +verschiedenartigste Dafürhalten offen, worüber am Ende allein die +Willkür eine feste Bestimmung abschließen kann. Bei diesem Verfahren, +die Wissenschaft mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem +Bedürfniß nicht die Rede, daß die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und +damit ihrer selbst aufgezeigt würde. + +Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in +gegenwärtiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die +Phänomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben +ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des Bewußtseins, +weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in dem absoluten +Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit seiner selbst +vollkommen sich aufgelöst hat, und die Wahrheit, dieser Gewißheit, so +wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist. + +Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze des +Bewußtseyns voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er eben so sehr +die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern +sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist die +Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewußtseyn, und hat die +Gestalt des Selbst, daß das an und für sich seyende gewußter Begriff, +der Begriff als solcher aber das an und für sich seyende ist. Dieses +objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. Sie ist +daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie zu einer +wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr Inhalt vielmehr allein das +absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie bedienen +wollte, die wahrhafte Materie ist,—eine Materie aber, der die Form +nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der reine Gedanke, +somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist sonach als das System +der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens zu fassen. +Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich +selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken, daß dieser Inhalt die +Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen Wesen vor der +Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist. + +Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken +ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt, daß +das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist. Er hat damit den Grund +zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren reine Gestalt +die Logik seyn muß. Es ist in ihr nicht um ein Denken über etwas, das +für sich außer dem Denken zu Grunde läge, zu thun, um Formen, welche +bloße Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern die nothwendigen +Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der Inhalt und die +höchste Wahrheit selbst. + +Um dieß in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung auf +die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches seyn +müsse. Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch in die +platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, hineingetragen, als +ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer andern Welt oder +Region seyen, außerhalb welcher die Welt der Wirklichkeit sich befinde +und eine von jenen Ideen verschiedene, erst durch diese Verschiedenheit +reale Substantialität habe. Die platonische Idee ist nichts anderes, +als das Allgemeine oder bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in +seinem Begriffe hat Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe +verschieden ist, hört es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; +die Seite der Handgreiflichkeit und des sinnlichen Außersichseyns +gehört dieser nichtigen Seite an.—Von der andern Seite aber kann man +sich auf die eigenen Vorstellungen der gewöhnlichen Logik berufen; es +wird nämlich angenommen, daß z.B. Definitionen nicht Bestimmungen +enthalten, die nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die +Bestimmungen des Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste +Natur ausmachen. Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere +geschlossen wird, wird angenommen, daß das Erschlossene nicht ein dem +Gegenstande Äußerliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr +selbst zukomme, daß diesem Denken das Seyn entspreche.—Es liegt +überhaupt bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, +Schlusses, Definition, Division u.s.f. zu Grunde, daß sie nicht bloß +Formen des selbstbewußten Denken sind, sondern auch des +gegenständlichen Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm +enthaltene Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beilegt. Aber +insofern gesagt wird, daß Verstand, daß Vernunft in der +gegenständlichen Welt ist, daß der Geist und die Natur allgemeine +Gesetze habe, nach welchen ihr Leben und ihre Veränderung sich machen, +so wird zugegeben, daß die Denkbestimmungen eben so sehr objektiven +Werth und Existenz haben. + +Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur Logik, +aber sie, wie der spätere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert worden, +aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine wesentlich +subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem Objekte, das +sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein unendlicher Anstoß, +blieb als ein Jenseits an ihnen übrig. Aber die Befreiung von dem +Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wissenschaft muß voraussetzen +können, erhebt die Denkbestimmungen über diesen ängstlichen, +unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung derselben, wie +sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und Rücksicht, das +Logische, das Rein-vernünftige sind. + +Kant preist sonst die Logik, nämlich das Aggregat von Bestimmungen und +Sätzen, das im gewöhnlichen Sinne Logik heißt, darüber glücklich, daß +ihr vor andern Wissenschaften eine so frühe Vollendung zu Theil +geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rückschritt gethan, aber +auch keinen Schritt vorwärts, das Letztere deswegen, weil sie allem +Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.—Wenn die Logik +seit Aristoteles keine Veränderung erlitten hat,—wie denn in der That +die Veränderungen, wenn man die neuern Kompendien der Logik betrachtet, +häufig mehr nur in Weglassungen bestehen,—so ist daraus eher zu +folgern, daß sie um so mehr einer totalen Umarbeitung bedürfe; denn ein +zweitausendjähriges Fortarbeiten des Geistes muß ihm ein höheres +Bewußtseyn über sein Denken und über seine reine Wesenheit in sich +selbst, verschafft haben. Die Vergleichung der Gestalten, zu denen sich +der Geist der praktischen und der religiösen Welt und der Geist der +Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen Bewußtseyns emporgehoben +hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik, sein Bewußtseyn über sein +reines Wesen, befindet, zeigt einen zu großen Unterschied, als daß es +nicht der oberflächlichsten Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß +dieß letztere Bewußtseyn den erstern Erhebungen durchaus unangemessen +und ihrer unwürdig ist. + +In der That ist das Bedürfniß einer Umgestaltung der Logik längst +gefühlt worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den +Lehrbüchern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. Sie +wird noch mitgeschleppt mehr im Gefühle, daß eine Logik überhaupt nicht +zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit an die +Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Überzeugung, daß jener +gewöhnliche Inhalt und die Beschäftigung mit jenen leeren Formen Werth +und Nutzen habe. + +Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, pädagogisches und +selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind +nachher für Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An und +für sich muß ein großer Theil dieser psychologischen, pädagogischen, +physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie mochten in der +Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und trivial erscheinen. +Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, daß man dasjenige durchdenken +und prüfen solle, was man in Büchern lese oder mündlich höre; daß man, +wenn man nicht gut sehe, seinen Augen durch Brillen zu Hülfe zu kommen +habe,—Regeln, die von den Lehrbüchern in der sogenannten angewandten +Logik, und zwar ernsthaft in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf +daß man zur Wahrheit gelange,—müssen jedermann als überflüßig +vorkommen,—nur höchstens dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in +Verlegenheit ist, den sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch +irgend etwas auszudehnen. + +Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben +worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten in +ihrer Festigkeit unverrückt, und werden nur in äußerliche Beziehung +miteinander gebracht. Dadurch daß bei den Urtheilen und Schlüssen die +Operationen vornehmlich auf das Quantitative der Bestimmungen +zurückgeführt und gegründet werden, beruht Alles auf einem äußerlichen +Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein völlig analytisches +Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das Ableiten der sogenannten +Regeln und Gesetze, des Schließens vornehmlich, ist nicht viel besser, +als ein Befingern von Stäbchen von ungleicher Länge, um sie nach ihrer +Größe zu sortiren und zu verbinden,—als die spielende Beschäftigung der +Kinder, von mannigfaltig zerschnittenen Gemälden die passenden Stücke +zusammen zu suchen.—Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem +Rechnen und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt. In der +Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das außer +seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, außer seinem ganz +äußerlichen Verhältnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst, +noch dessen Beziehung ein Gedanke ist. + +Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreiviertel mit +zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthält diese +Operation ungefähr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung, +ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben könne. + +Damit daß dieß todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und +Inhalt belebt werde, muß ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie +allein fähig ist, reine Wissenschaft zu seyn. In dem Zustande, in dem +sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher Methode +zu erkennen. Sie hat ungefähr die Form einer Erfahrungswissenschaft. +Erfahrungswissenschaften haben für das, was sie seyn sollen, ihre +eigenthümliche Methode, des Definirens und des Klassificirens ihres +Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die reine Mathematik hat ihre +Methode, die für ihre abstrakten Gegenstände und für die quantitative +Bestimmung, in der sie allein betrachtet, passend ist. Ich habe über +diese Methode und überhaupt das Untergeordnete der +Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik Statt finden kann, in der +Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, das Wesentliche gesagt; aber +sie wird auch innerhalb der Logik selbst näher betrachtet werden. +Spinoza, Wolf und Andere haben sie verführen lassen, sie auch auf die +Philosophie anzuwenden, und den äußerlichen Gang der begrifflosen +Quantität zum Gange des Begriffes zu machen, was an und für sich +widersprechend ist. Bisher hatte die Philosophie ihre Methode noch +nicht gefunden; sie betrachtete mit Neid das systematische Gebäude der +Mathematik und borgte sie, wie gesagt, von ihr, oder behalf sich mit +der Methode von Wissenschaften, die nur Vermischungen von gegebenem +Stoffe, Erfahrungssätzen und Gedanken sind,—oder half sich auch mit dem +rohen Wegwerfen aller Methode. Die Exposition dessen aber, was allein +die wahrhafte Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, fällt +in die Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn +über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der +Phänomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem +konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn ein Beispiel von dieser +Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn, +aufgestellt.[3] Es sind hier Gestalten des Bewußtseyns, deren jede in +ihrer Realisirung sich zugleich selbst auflöst, ihre eigene Negation zu +ihrem Resultate hat,—und damit in eine höhere Gestalt übergegangen ist. +Das Einzige, um den wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um +dessen ganz einfache Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist,—ist die +Erkenntniß des logischen Satzes, daß das Negative ebenso sehr positiv +ist, oder daß das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das +abstrakte Nichts auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines +besonderen Inhalts, oder daß eine solche Negation nicht alle Negation, +sondern die Negation der bestimmten Sache, die sich auflöst, somit +bestimmte Negation ist; daß also im Resultate wesentlich das enthalten +ist, woraus es resultirt;—was eigentlich eine Tautologie ist, denn +sonst wäre es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das +Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen +Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der höhere, reichere Begriff +als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder +Entgegengesetztes reicher geworden; enthält ihn also, aber auch mehr +als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.—In +diesem Wege hat sich das System der Begriffe überhaupt zu bilden,— und +in unaufhaltsamen, reinem, von Außen nichts hereinnehmendem Gange, sich +zu vollenden. + + [3] Später an den anderen konkreten Gegenständen und resp. Theilen der + Philosophie. + + +Wie würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem +Systeme der Logik befolgt,—oder vielmehr die dieß System an ihm selbst +befolgt,—noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im Einzelnen +fähig sey, aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige wahrhafte ist. +Dieß erhellt für sich schon daraus, daß sie von ihrem Gegenstande und +Inhalte nichts Unterschiedenes ist;—denn es ist der Inhalt in sich, die +Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn fortbewegt. Es ist +klar, daß keine Darstellungen für wissenschaftlich gelten können, +welche nicht den Gang dieser Methode gehen und ihrem einfachen Rhythmus +gemäß sind, denn es ist der Gang der Sache selbst. + +In Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und +Überschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke +angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum +Behuf einer vorläufigen Übersicht gemacht, und daß sie eigentlich nur +von historischem Werthe sind. Sie gehören nicht zum Inhalte und Körper +der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren +Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat, daher +die Folge seiner Momente voraus weiß und angiebt, ehe sie noch durch +die Sache selbst sich herbeiführen. + +In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und +Eintheilungen gleichfalls für sich nichts anderes, als solche äußere +Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über +diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heißt es +etwa, "die Logik hat zwei Hauptstücke, die Elementarlehre und die +Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres +etwa die Überschrift: Gesetze des Denkens;—alsdann erstes Kapitel: von +den Begriffen. Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u. +s.f.—Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten +Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerüste und den +ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik sieht +es für ihren Beruf an, davon zu sprechen, daß die Begriffe und +Wahrheiten aus Principien müssen abgeleitet seyn; aber bei dem, was sie +Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. Die +Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, in der +Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und anderen +äußerlichen Rücksichten. Aber in Rücksicht eines inneren, nothwendigen +Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der Abtheilungsbestimmungen, +und der Übergang macht sich nur damit, daß es jetzt heißt: Zweites +Kapitel;—oder: wir kommen nunmehr zu den Urtheilen, u. dergl. + +Auch die Überschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme +vorkommen, sollen für sich keine andere Bedeutung haben, als die der +Inhaltsanzeige. Außerdem aber muß die Nothwendigkeit des Zusammenhangs +und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in der Abhandlung +der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die eigene Fortbestimmung +des Begriffes. + +Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin +angegebene Negative, das er in sich selbst hat; dieß macht das wahrhaft +Dialektische aus. Die Dialektik, die als ein abgesonderter Theil der +Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und Standpunktes, man +kann sagen, gänzlich verkannt worden, erhält dadurch eine ganz andere +Stellung.—Auch die platonische Dialektik hat selbst im Parmenides, und +anderswo ohnehin noch direkter, Theils nur die Absicht, beschränkte +Behauptungen durch sich selbst aufzulösen und zu widerlegen, Theils +aber überhaupt das Nichts zum Resultate. Gewöhnlich sieht man die +Dialektik für ein äußerliches und negatives Thun an, das nicht der +Sache selbst angehöre, in bloßer Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, +sich das Feste und Wahre in Schwanken zu setzen und aufzulösen, seinen +Grund habe oder wenigstens zu Nichts führe, als zur Eitelkeit des +dialektisch behandelten Gegenstandes. + +Kant hat die Dialektik höher gestellt, und diese Seite gehört unter die +größten seiner Verdienste,—indem er ihr den Schein von Willkür nahm, +den sie nach der gewöhnlichen Vorstellung hat, und sie als ein +nothwendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur für die Kunst, +Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt, wurde +schlechthin vorausgesetzt, daß sie ein falsches Spiel spiele, und ihre +ganze Kraft allein darauf beruhe, daß sie den Betrug verstecke; daß +ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver Schein seyen. Kant's +dialektische Darstellungen in den Antinomien der reinen Vernunft +verdienen zwar, wenn sie näher betrachtet werden, wie dieß im Verfolge +dieses Werkes weitläufiger geschehen wird, freilich kein großes Lob; +aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde gelegt und geltend gemacht +hat, ist die Objektivität des Scheins und Nothwendigkeit des +Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen gehört: zunächst zwar +in der Art, insofern diese Bestimmungen von der Vernunft auf die Dinge +an sich angewendet werden; aber eben, was sie in der Vernunft und in +Rücksicht auf das sind, was an sich ist, ist ihre Natur. Es ist dieß +Resultat in seiner positiven Seiten aufgefaßt, nichts anderes, als die +innere Negativität derselben, als ihre sich selbstbewegende Seele, das +Princip aller natürlichen und geistigen Lebendigkeit überhaupt. Aber so +wie nur bei der abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen +geblieben wird, so ist das Resultat nur das Bekannte, daß die Vernunft +unfähig sey, das Unendliche zu erkennen;—ein sonderbares Resultat, +indem das Unendliche das Vernünftige ist, zu sagen, die Vernunft sey +nicht fähig, das Vernünftige zu erkennen. + +In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem +Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im +Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber für die +noch ungeübte, unfreie Denkkraft schwerste Seite. Ist solche noch darin +begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom Raisonniren +loszureißen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken zu üben. +Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen erkennen zu +lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf hätte sich in ihrer +Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung des näheren +Inhalts an die Bestimmungen, die sich für die einzelnen Begriffe +ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische einzulassen. Sie +würde der äußeren Gestalt nach dem gewöhnlichen Vortrag dieser +Wissenschaft ähnlich werden, sich übrigens dem Inhalte nach auch davon +unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das abstrakte, ob zwar nicht +das spekulative Denken zu üben, welchen Zweck die durch psychologische +und anthropologische Zuthaten populair gewordene Logik nicht einmal +erfüllen kann. Sie würde dem Geiste das Bild eines methodisch +geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des Gebäudes, die Methode, +die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin erschiene. + +In Rücksicht auf die Bildung und das Verhältniß des Individuums zur +Logik, merke ich schließlich noch an, daß diese Wissenschaft wie die +Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. Sie +ist etwas Anderes für den, der zu ihr und den Wissenschaften überhaupt +erst hinzutritt, und etwas Anderes für den, der von ihnen zu ihr +zurückkommt. Wer die Grammatik anfängt kennen zu lernen, findet in +ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufällig Regeln, +überhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den Werth und +die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren Sinne liegt; +das Erkennen erkennt in ihnen zunächst nichts als sie. Wer dagegen +einer Sprache mächtig ist und zugleich andere Sprachen in Vergleichung +mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die Bildung eines Volks +in der Grammatik seiner Sprache zu fühlen geben; dieselben Regeln und +Formen haben nunmehr einen erfüllten, lebendigen Werth. Er kann durch +die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes überhaupt, die Logik, +erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, findet in der Logik +zunächst ein isolirtes System von Abstraktionen, das auf sich selbst +beschränkt, nicht über die anderen Kenntnisse und Wissenschaften +übergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum der +Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der anderen +Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der absoluten +Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur des Geistes +und der Welt, die Wahrheit zu enthüllen, hat diese Wissenschaft in +ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten Einfachheit ihrer +reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles eher zu leisten als +dieß Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum gegenüber zu stehen, +Die erste Bekanntschaft mit der Logik schränkt ihre Bedeutung auf sie +selbst ein; ihr Inhalt gilt nur für eine isolirte Beschäftigung mit den +Denkbestimmungen, neben der die anderen wissenschaftlichen +Beschäftigungen ein eigener Stoff und Gehalt für sich sind, auf welche +das Logische etwa einen formellen Einfluß hat, und zwar einen solchen, +der sich mehr von selbst macht, und für den die wissenschaftliche +Gestalt und deren Studium allerdings auch zur Noth entbehrt werden +kann. Die anderen Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine +Folge von Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu +seyn, im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natürliche Logik macht sich +für sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken +selbst gerichtete Erkenntnis fort. Vollends aber hält sich der Stoff +und Inhalt dieser Wissenschaften für sich selbst vom Logischen völlig +unabhängig, und ist auch für Sinn, Gefühl, Vorstellung und praktisches +Interesse jeder Art ansprechender. + +So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, das +man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und weitere +Bedeutung anfangs vermißt wird. Erst aus der tiefern Kenntniß der +anderen Wissenschaften erhebt sich für den subjektiven Geist das +Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern als das den +Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine; —wie derselbe +Sittenspruch in dem Munde des Jünglings, der ihn ganz richtig versteht, +nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen er im Geiste eines +lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die ganze Kraft des darin +enthaltenen Gehaltes ausdrückt, so erhält das Logische erst dadurch die +Schätzung seines Werths, wenn es zum Resultate der Erfahrung der +Wissenschaften geworden ist; es stellt sich daraus als die allgemeine +Wahrheit, nicht als eine besondere Kenntniß neben anderem Stoffe und +Realitäten, sondern als das Wesen alles dieses sonstigen Inhalts dem +Geiste dar. + +Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser +bewußten Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch +dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle +Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die +Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion +befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die Arbeit +in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des +Bewußtseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und +Zwecken, von Gefühlen, von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes +Geschäft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht dieß Geschäft +in dem Fernhalten der Zufälligkeit des raisonnirenden Denkens und der +Willkür, diese oder die entgegengesetzten Gründe sich einfallen oder +gelten zu lassen. + +Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbstständigkeit und +Unabhängigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch +Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten +Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniß und Wissenschaften in +die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu erfassen +und festzuhalten, das Äußerliche abzustreifen und auf diese Weise aus +ihnen das Logische auszuziehen,—oder was dasselbe ist, die vorher durch +das Studium erworbene abstrakte Grundlage des Logischen mit dem Gehalte +aller Wahrheit zu erfüllen, und ihm den Werth eines Allgemeinen zu +geben, das nicht mehr als ein Besonderes neben anderem Besonderen +steht, sondern über alles dieses übergreift und dessen Wesen, das +Absolut-wahre, ist. + +Allgemeine Eintheilung der Logik + +In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine +Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine +Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben +werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher +historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen +Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen +wird. + +Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist, zum +Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen, obgleich auch dabei ein +Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muß, das seine volle +Verständigung und Rechtfertigung erst innerhalb der Wissenschaft +erhält.—Zuvörderst also ist zu erinnern, daß hier vorausgesetzt wird, +die Eintheilung müsse mit dem Begriffe zusammenhängen, oder vielmehr in +ihm selbst liegen. Der Begriff ist nicht unbestimmt, sondern bestimmt +an ihm selbst; die Eintheilung aber drückt entwickelt diese seine +Bestimmtheit aus; sie ist das Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über +irgend einen äußerlich genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, +d.i. Bestimmen des Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit, +Spitzwinklichkeit u.s. f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach +welchen Bestimmungen die Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in +der Bestimmtheit des Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der +Begriff des Dreiecks genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem, +was für den Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels +u.s.w. die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere, +Vögel u.s. w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt +werden. Solche Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen +Anschauung aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von +Außen hinzu. In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der +Begriff selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen. + +Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das +Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier gleichfalls +als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik bestimmte sich +danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu ihrem Princip +das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern dadurch konkrete +lebendige Einheit, daß in ihr der Gegensatz des Bewußtseyns von einem +subjektiv—für sich Seyenden und einem zweiten solchen Seyenden, einem +Objektiven, als überwunden, und das Seyn als reiner Begriff an sich +selbst, und der reine Begriff als das wahrhafte Seyn gewußt wird. Dieß +sind sonach die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind. +Aber sie werden nun als untrennbar seyend gewußt, nicht wie im +Bewußtseyn jedes auch als für sich seyend; dadurch, allein, daß sie +zugleich als unterschiedene (jedoch nicht für sich seyende) gewußt +werden, ist ihre Einheit nicht abstrakt, todt, unbewegend, sondern +konkret. + +Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so +daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, nur +innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die Eintheilung, +wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen der ihm schon +immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes ist, so darf dieß +Setzen nicht als ein Wiederauflösen jener konkreten Einheit in ihre +Bestimmungen, wie sie als für sich seyend gelten sollen, gefaßt werden, +was hier ein leeres Zurückgehen auf den vorigen Standpunkt, den +Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist vielmehr verschwunden; jene +Einheit bleibt das Element, und aus ihr tritt jenes Unterscheiden der +Eintheilung und überhaupt der Entwickelung nicht mehr heraus. Damit +sind die früher (auf dem Wege zur Wahrheit) für sich seyenden +Bestimmungen, wie ein Subjektives und Objektives, oder auch Denken und +Seyn oder Begriff und Realität, wie sie in irgend einer Rücksicht +bestimmt worden seyn mögen, nun in ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer +Einheit, zu Formen herabgesetzt. In ihrem Unterschiede blieben sie +daher selbst an sich der ganze Begriff und dieser wird in der +Eintheilung nur unter seinen eigenen Bestimmungen gesetzt. + +So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, das +andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff an +sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, für +sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, im +denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter noch +weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der +organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber +nur in der unorganischen Natur).—Die Logik wäre hiernach zunächst in +die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs, —oder +indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der unbestimmtesten und +darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen,—in die objektive und +subjektive Logik einzutheilen. + +Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs in +sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, müssen +diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in ihrem +Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander stehen. +Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der Begriff als +System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum Insichseyn des Begriffs +übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch nicht als solcher für sich +gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren Seyn als einem ihm auch +Äußeren zugleich behaftet ist. Dieß ist die Lehre von dem Wesen, die +zwischen der Lehre vom Seyn und der vom Begriff inmitten steht.—Sie ist +in der allgemeinen Eintheilung dieses logischen Werks noch unter die +objektive Logik gestellt worden, insofern, ob das Wesen zwar bereits +das Innere, dem Begriffe der Charakter des Subjekts ausdrücklich +vorzubehalten ist. + +Kant[4] hat in neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden, +noch eine, nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt. Das, +was hier objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem +entsprechen, was bei ihm die transcendentale Logik ist. Er +unterscheidet sie von dem, was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie +à) die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstände beziehen, +somit nicht von allem Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire, +oder daß sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, +und ß) zugleich auf den Ursprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie +nicht den Gegenständen zugeschrieben werden könne.—Diese zweite Seite +ist es, auf die das philosophische Interesse Kants ausschließend +gerichtet ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem +Selbstbewußtseyn, als dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermöge +dieser Bestimmung bleibt die Ansicht innerhalb des Bewußtseyns und +seines Gegensatzes stehen, und hat außer dem Empirischen des Gefühls +und der Anschauung noch Etwas, das nicht durch das denkende +Selbstbewußtseyn gesetzt und bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem +Denken fremdes und äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht +einzusehen ist, daß ein solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst +nur ein Produkt des, und zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.—Wenn +andere Kantianer sich über das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so +ausgedrückt haben, daß das Objektiviren des Ich, als ein ursprüngliches +und nothwendiges Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem +ursprünglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,—als +welche erst ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein +Objektiviren jenes Bewußtseyn sey,—so ist dieses von dem Gegensatze des +Bewußtseyns befreite objektivirende Thun näher dasjenige, was für +Denken als solches überhaupt genommen werden kann.[5] Dieses Thun +sollte aber nicht mehr Bewußtseyn genannt werden; Bewußtseyn schließt +den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in sich, der in jenem +ursprünglichen Thun nicht vorhanden ist. Die Benennung Bewußtseyn wirft +noch mehr den Schein von Subjektivität auf dasselbe, als der Ausdruck +Denken, der aber hier überhaupt im absoluten Sinne als unendliches mit +der Endlichkeit des Bewußtseyns nicht behaftetes, Denken, kurz Denken +als solches, zu nehmen ist. + + [4] Ich erinnere, daß ich auf die kantische Philosophie in diesem + Werke darum häufig Rücksicht nehme, (was manchen überflüssig scheinen + könnte) weil sie,—ihre nähere Bestimmtheit so wie die besonderen + Theile der Ausführung mögen sonst und auch in diesem Werke betrachtet + werden, wie sie wollen,—die Grundlage und den Ausgangspunkt der + neueren deutschen Philosophie ausmacht, und dieß ihr Verdienst durch + das, was an ihr ausgesetzt werden möge, ihr ungeschmälert bleibt. Auch + darum ist auf sie in der objektiven Logik häufig Rücksicht zu nehmen, + weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen näher + einläßt, spätere Darstellungen von Philosophie hingegen dasselbe wenig + beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,—aber nicht + ungerächte,—Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am + weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen + Resultaten, daß die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen könne, und + in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey, + heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem + Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende + Ausführung, aus welche jenes Resultat herkömmt, und welche + philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische + Philosophie dient so als ein Polster für die Trägheit des Denkens, die + sich damit beruhigt, daß bereits Alles bewiesen und abgethan sey. Für + Erkenntniß und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in solcher + unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist sich + daher an jene vorangegangene Ausführung zu wenden. + + + [5] Wenn der Ausdruck objektivirendes Thun des Ich an andere + Produktionen des Geistes, z.B. die der Phantasie erinnern kann, so ist + zu bemerken, daß von einem Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist, + insofern dessen Inhalts-Momente nicht dem Gefühl und der Anschauung + angehören. Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heißt + Theils ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes + ist, weitere Gedanken über ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln. + + +Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte +Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die Abhandlung +derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst sind, ohne +die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre Bestimmtheit gegen +und ihr Verhältniß zu einander ist nicht zu einem Gegenstande der +Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniß ihrer Natur hat sich daher +durch diese Philosophie nicht im geringsten gefördert gefunden. Das +einzige Interessante, was hierauf Beziehung hat, kommt in der Kritik +der Ideen vor. Für den wirklichen Fortschritt der Philosophie aber war +es nothwendig, daß das Interesse des Denkens auf die Betrachtung der +formellen Seite, des Ich, des Bewußtseyns als solchen, d.i. der +abstrakten Beziehung eines subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen, +daß die Erkenntniß der unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese +Weise eingeleitet wurde. Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen, mußte +jene endliche Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn ist, +noch abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht, +enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt zu +geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,—als System der +Denkbestimmungen. + +Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen +Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt war, +das nur durch Gedanken aufgeführt seyn sollte.—Wenn wir auf die letzte +Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Rücksicht nehmen, so ist +erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die objektive Logik +tritt,—der Theil jener Metaphysik, der die Natur des Ens überhaupt +erforschen sollte;—das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen in sich, für +welchen Unterschied unsere Sprache glücklicherweise den verschiedenen +Ausdruck gerettet hat.—Alsdann aber begreift die objektive Logik auch +die übrige Metaphysik insofern in sich, als diese mit den reinen +Denkformen die besondern, zunächst aus der Vorstellung genommenen +Substrate, die Seele, die Welt, Gott, zu fassen suchte, und die +Bestimmungen des Denkens das Wesentliche der Betrachtungsweise +ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese Formen frei von jenen +Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und ihre Natur und Werth an +und für sich selbst. Jene Metaphysik unterließ dieß und zog sich daher +den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik gebraucht zu haben, ohne die +vorgängige Untersuchung, ob und wie sie fähig seyen, Bestimmungen des +Dings-an-sich, nach kantischem Ausdruck,—oder vielmehr des Vernünftigen +zu seyen.—Die objektive Logik ist daher die wahrhafte Kritik +derselben,—eine Kritik, die sie nicht nach der abstrakten Form der +Apriorität gegen das Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem +besondern Inhalte betrachtet. + +Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,—des Wesens, das seine +Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und in seiner +Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern das freie selbstständig, sich +in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das Subjekt selbst +ist.—Indem das Subjektive das Mißverständniß von Zufälligem und +Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die in die Form des +Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf den Unterschied +von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin innerhalb der Logik +selbst näher entwickeln wird, kein besonderes Gewicht zu legen. + +Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive +Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile: + +I. Die Logik des Seyns, + +II. die Logik des Wesens und + +III. die Logik des Begriffs. + + + + +Erstes Buch +Die Lehre vom Seyn. + +Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? + +In neuern Zeiten erst ist das Bewußtseyn entstanden, daß es eine +Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der +Grund dieser Schwierigkeit so wie die Möglichkeit, sie zu lösen, ist +vielfältig besprochen worden. Der Anfang der Philosophie muß entweder +ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht zu zeigen, +daß es weder das Eine noch das Andere seyn könne; somit findet die eine +oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung. + +Das Princip einer Philosophie drückt wohl auch einen Anfang aus, aber +nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge. +Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,—das Wasser, das Eine, +Nus, Idee,—Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die Natur des +Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine objektive +Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die +Subjektivität selbst, so ist es hier gleichfalls die Inhaltsbestimmung, +auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als solches dagegen bleibt +als ein Subjektives in dem Sinne einer zufälligen Art und Weise, den +Vortrag einzuleiten, unbeachtet und gleichgültig, somit auch das +Bedürfniß der Frage, womit anzufangen sey, unbedeutend gegen das +Bedürfniß des Princips, als in welchem allein das Interesse der Sache +zu liegen scheint, das Interesse, was das Wahre, was der absolute Grund +von Allem sey. + +Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren +Bedürfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es +dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch um +das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches +Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der +Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller +Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik überhoben seyn +wollten. Wenn das früher abstrakte Denken zunächst nur für das Princip +als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung auf die +andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten getrieben ist, +so wird auch das subjektive Thun als wesentliches Moment der objektiven +Wahrheit erfaßt, und das Bedürfniß führt sich herbei, daß die Methode +mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip vereint sey. So soll das +Princip auch Anfang und das, was das Prius für das Denken ist, auch das +Erste im Gange des Denkens seyn. + +Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die +beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt, +entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang auf +unmittelbare Weise. Die in der Bildung der Zeit so wichtig erscheinende +Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares, schlechthin +anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein vermitteltes Wissen sey, +ist an diesem Orte nicht zu erörtern. Insofern solche Betrachtung +vorläufig angestellt werden kann, ist dieß anderwärts (in m. Encykl. +der philos. Wissenschaf. 3te Ausg. im Vorbegr. §. 61. ff.) geschehen. +Hier mag daraus nur dieß angeführt werden, daß es Nichts giebt, nichts +im Himmel oder in der Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht +ebenso die Unmittelbarkeit enthält, als die Vermittelung, so daß sich +diese beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener +Gegensatz sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche +Erörterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die +Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die +Erörterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern +dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die +konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhält, +wird die Natur des Erkennens überhaupt, sowohl innerhalb der +Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern +konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die +Phänomenologie desselben fällt. Vor der Wissenschaft aber schon über +das Erkennen ins Reine kommen wollen, heißt verlangen, daß es außerhalb +derselben erörtert werden sollte; außerhalb der Wissenschaft läßt sich +dieß wenigstens nicht auf wissenschaftliche Weise, um die es hier +allein zu thun ist, bewerkstelligen. + +Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei für sich seyenden +Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt ist es +hiermit dadurch, daß das reine Wissen die letzte, absolute Wahrheit des +Bewußtseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, daß die +Phänomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewußtseyns, die +Darstellung davon ist, daß das Bewußtseyn den Begriff der Wissenschaft, +d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik hat insofern die +Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer Voraussetzung, welche +die Nothwendigkeit und damit den Beweis der Wahrheit des Standpunkts, +der das reine Wissen ist, wie dessen Vermittelung überhaupt, enthält +und aufzeigt. In dieser Wissenschaft des erscheinenden Geistes wird von +dem empirischen, sinnlichen Bewußtseyn ausgegangen; und dieses ist das +eigentliche unmittelbare Wissen; daselbst wird erörtert, was an diesem +unmittelbaren Wissen ist. Anderes Bewußtseyn, wie der Glaube an +göttliche Wahrheiten, innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung +u.s.f. zeigt sich bei geringer Überlegung sehr uneigentlich als +unmittelbares Wissen aufgeführt zu werden. In jener Abhandlung ist das +unmittelbare Bewußtseyn auch das in der Wissenschaft Erste und +Unmittelbare, somit die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige +die Voraussetzung, was aus jener Betrachtung sich als das Resultat +erwiesen hatte,—die Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine +Wissenschaft, d.i. das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner +Entwickelung. Diese Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin +bestimmt, die zur Wahrheit gewordenen Gewißheit zu seyn, die Gewißheit, +die nach der einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenüber ist, +sondern ihn innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiß,—und die +auf der andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem +Gegenständlichen gegenüber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben, +dieser Subjektivität entäußert und Einheit mit seiner Entäußerung ist. + +Daß nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang seiner +Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu betrachten +oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller Meinungen, +die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist. + +Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle +Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das +Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hört somit selbst auf, Wissen +zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden. + +Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und +bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem wahren +Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine Seyn. Wie +das reine Wissen nichts heißen soll, als das Wissen als solches, ganz +abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heißen, als das Seyn +überhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung und +Erfüllung. + +Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar durch +sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden, +dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats des +endlichen Wissens, des Bewußtseyns. Soll aber keine Voraussetzung +gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden, so bestimmt er +sich nur dadurch, daß es der Anfang der Logik des Denkens für sich, +seyn soll. Nur der Entschluß, den man auch für eine Willkür ansehen +kann, nämlich daß man das Denken als solches betrachten wolle, ist +vorhanden. So muß der Anfang absoluter oder was hier gleichbedeutend +ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so nichts voraussetzen, muß durch +nichts vermittelt seyn, noch einen Grund haben; er soll vielmehr selbst +Grund der ganzen Wissenschaft seyn. Er muß daher schlechthin ein +Unmittelbares seyn, oder vielmehr nur das Unmittelbare selbst. Wie er +nicht gegen Anderes eine Bestimmung haben kann, so kann er auch keine +in sich, keinen Inhalt enthalten, denn dergleichen wäre Unterscheidung +und Beziehung von Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung. +Der Anfang ist also das reine Seyn. + +Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunächst nur zu diesem +selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehört, können noch +folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch können sie nicht +sowohl zur Erläuterung und Bestätigung jener Darlegung, die für sich +fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch Vorstellungen und +Reflexionen veranlaßt werden, die uns zum Voraus in den Weg kommen +können, jedoch, wie alle andere vorangehende Vorurtheile, in der +Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden müssen, und daher eigentlich +zur Geduld hierauf zu verweisen wären. + +Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resultat seyn müsse, und +umgekehrt, daß ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber, +weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach der +subjektiven Seite, nicht erkannt ist,—hat in neuern Zeiten den Gedanken +hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem hypothetischen und +problematischen Wahren anfangen, und das Philosophiren daher zuerst nur +ein Suchen seyn könne, eine Ansicht, welche Reinhold in den spätern +Zeiten seines Philosphirens vielfach urgiert hat, und der man die +Gerechtigkeit widerfahren lassen muß, daß ihr ein wahrhaftes Interesse +zu Grunde liegt, welches die spekulative Natur des philosophischen +Anfangs betrifft. Die Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich +eine Veranlassung, ein vorläufiges Verständniß über den Sinn des +logischen Fortschreitens überhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht +schließt die Rücksicht auf das Fortgehen sogleich in sich. Und zwar +stellt sie es so vor, daß das Vorwärtsschreiten in der Philosophie +vielmehr ein Rückwärtsgehen und Begründen sey, durch welches erst sich +ergebe, daß das, womit angefangen wurde, nicht bloß ein willkürlich +Angenommenes, sondern in der That Theils das Wahre, Theils das erste +Wahre sey. + +Man muß zugeben, daß es eine wesentliche Betrachtung ist,—die sich +innerhalb der Logik selbst näher ergeben wird,—daß das Vorwärtsgehen +ein Rückgang in den Grund, zu dem Ursprünglichen und Wahrhaften ist, +von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhängt, und in der That +hervorgebracht wird.—So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von der +Unmittelbarkeit aus, mit der es anfängt, zum absoluten Wissen, als +seiner innersten Wahrheit, zurückgeführt. Dieß Letzte, der Grund, ist +denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst als +Unmittelbares auftrat.—So wird noch mehr der absolute Geist, der als +die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt, +erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entäußernd und +sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,—zur Schöpfung +einer Welt sich entschließend, welche alles das enthält, was in die +Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und das durch +diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem Resultate +als dem Principe Abhängiges verwandelt wird. Das Wesentliche für die +Wissenschaft, ist nicht so sehr, daß ein rein Unmittelbares der Anfang +sey, sondern daß das Ganze derselben ein Kreislauf in sich selbst ist, +worin das Erste auch das Letzte, und das Letzte auch das Erste wird. + +Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig, +dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurückgeht, als +Resultat zu betrachten. Nach dieser Rücksicht ist das Erste ebenso sehr +der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem Ersten +ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als auf den +Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang ferner von dem, +was den Anfang macht, ist nur als eine weitere Bestimmung desselben zu +betrachten, so daß das Anfangende allem Folgenden zu Grunde liegen +bleibt, und nichts daraus verschwindet. Das Fortgehen besteht nicht +darin, daß nur ein Anderes abgeleitet, oder daß in ein wahrhaft Anderes +übergegangen würde;—und insofern dieß Übergehen vorkommt, so hebt es +sich ebenso sehr wieder auf. So ist der Anfang der Philosophie, die in +allen folgenden Entwickelungen gegenwärtige und sich erhaltende +Grundlage, das seinen weiteren Bestimmungen durchaus immanent +Bleibende. + +Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser +Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu seyn, +einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der +wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise. +—Zugleich ergiebt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es darin +das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht wahrhaft +erkannt wird, und daß erst die Wissenschaft, und zwar in ihrer ganzen +Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst wahrhaft +begründete Erkenntniß ist. + +Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt, +ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches, noch +ein problematisches und hypothetisches, sondern es muß durch die Natur +der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist jener Anfang +etwas Willkürliches und nur einstweilen Angenommenes, noch ein als +willkürlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes, von dem sich +aber doch in der Folge zeige, daß man Recht daran gethan habe, es zum +Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die man zum Behuf +des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen angewiesen wird, es +der Fall ist, daß von ihnen es sich erst hinterher an den Beweisen +ergiebt, daß man wohlgethan habe, gerade diese Linien zu ziehen, und +dann in den Beweisen selbst, mit der Vergleichung dieser Linien oder +Winkel anzufangen; für sich an diesem Linienziehen oder Vergleichen +begreift es sich nicht. So ist vorhin der Grund, warum in der reinen +Wissenschaft vom reinen Seyn angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst +angegeben worden. Dieß reine Seyn ist die Einheit, in die das reine +Wissen zurückgeht, oder wenn dieses selbst noch als Form von seiner +Einheit unterschieden gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt +desselben. Dieß ist die Seite, nach welcher dieß reine Seyn, dieß +Absolut-Unmittelbare, ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muß +ebenso wesentlich nur in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu +seyn, genommen werden, eben weil es hier als der Anfang ist. Insofern +es nicht diese reinen Unbestimmtheit, insofern es bestimmt wäre, würde +es als Vermitteltes, schon weiter Geführtes, genommen; ein Bestimmtes +enthält ein Anderes zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur des +Anfangs selbst, daß er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf daher +keiner sonstigen Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen, +noch anderweitiger Reflexionen und Anknüpfungspunkte. + +Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich auch +keine nähere Bestimmung oder ein positiver Inhalt für denselben +genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die Sache +selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend eine +angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen giebt nur +diese negative Bestimmung, daß er der abstrakte Anfang seyn soll. +Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen wird, so +hat dieses von seinem Inhalte zurückzutreten, ihn für sich selbst +gewähren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.—Oder indem das reine +Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen, auf seiner +höchsten Spitze der Einigung mit dem Objekte, zusammengefallen, so ist +das Wissen in diese Einheit verschwunden, und hat keinen Unterschied +von ihr und somit keine Bestimmung für sich übrig gelassen.—Auch sonst +ist nicht Etwas, oder irgend ein Inhalt vorhanden, der gebracht werden +könnte, um damit den bestimmteren Anfang zu machen. + +Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns +könnte weggelassen werden, so daß nur gefordert würde, daß ein reiner +Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang selbst, +und es wäre zu sehen, was er ist.—Diese Stellung könnte zugleich als +ein Vorschlag zur Güte an diejenigen gemacht werden, welche Theils +damit, daß mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen Reflexionen es +sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem Erfolge, den das +Seyn hat, in das Nichts überzugehn,—Theils überhaupt nicht anders +wissen, als daß in einer Wissenschaft mit der Voraussetzung einer +Vorstellung angefangen werde,—einer Vorstellung, welche hierauf +analysirt werde, so daß nun das Ergebniß solcher Analyse den ersten +bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe. Indem wir auch dieß +Verfahren beobachteten, so hätten wir keinen besondern Gegenstand, weil +der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt, ganz allgemein, ganz Form +ohne allen Inhalt seyn soll; wir hätten somit gar nichts, als die +Vorstellung von einem bloßen Anfang als solchem. Es ist also nur zu +sehen, was wir in dieser Vorstellung haben. + +Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht das +reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; das Seyn +ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthält also +Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; —oder ist +Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich Nichtseyn ist. + +Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden; denn +er weißt auf etwas Anderes hin;—er ist ein Nichtseyn, das auf das Seyn +als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch nicht; es geht +erst dem Seyn zu. Der Anfang enthält also das Seyn als ein solches, das +sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt, als ein ihm +Entgegengesetztes. + +Ferner aber ist das, was anfängt, schon, eben so sehr aber ist es auch +noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also in ihm +in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre ununterschiedene +Einheit. + +Die Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seyns +und des Nichtseyns,—oder in reflektirterer Form, der Einheit des +Unterschieden—und des Nichtunterschiedenseyns,—oder der Identität der +Identität und Nichtidentität. Dieser Begriff könnte als die erste, +reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen +werden;—wie er dieß in der That seyn würde, wenn es überhaupt um die +Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun wäre. In +diesem Sinne würden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so alle +weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und reichere +Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit dem Seyn als +Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts übergeht, und +daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, mögen zusehen, ob sie +mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des Anfangs anfängt, und +mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird, aber gleichfalls auf die +Einheit des Seyns und Nichts führt, zufriedener seyn mögen, als damit, +daß das Seyn zum Anfange gemacht wird. + +Es ist aber noch einen weitere Betrachtung über dieses Verfahren zu +machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt +voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren +worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise an, +daß jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin ungefähr +dieselben Bestimmungen finden möge, die sie durch Analyse, Vergleichung +und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther beibringen und +angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht, muß gleichfalls ein +sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes, somit in sich +mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung, die es in sich +ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit als etwas +Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie ist nur +Beziehung als von Unterschiedenen, enthält somit die Vermittelung in +sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufälligkeit und Willkür der +Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche Bestimmungen +herausgebracht werden, hängt von dem ab, was jeder in seiner +unmittelbaren zufälligen Vorstellung vorfindet. Die in einem Konkreten, +einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine nothwendige +nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die eigenen Bewegung +der Momente, in diese Einheit zurück zu gehen, hervorgebracht ist;—eine +Bewegung, die das Gegentheil des analytischen Verfahrens ist, eines der +Sache selbst äußerlichen, in das Subjekt fallenden Thuns. + +Hierin ist auch das Nähere enthalten, daß das, womit der Anfang zu +machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das eine +Beziehung innerhalb seiner selbst enthält. Denn ein solches setzt ein +Vermitteln und Herübergehen von einem Ersten zu einem Anderen innerhalb +seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete das Resultat wäre. +Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein Erstes und ein Anders seyn; +ein solches das ein Erstes und ein Anderes in sich ist, enthält bereits +ein Fortgegangenseyn. Was den Anfang macht, der Anfang selbst, ist +daher als ein Nichtanalysirbares, in seiner einfachen unerfüllten +Unmittelbarkeit, also als Seyn, als das ganz Leere zu nehmen. + +Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs ungeduldig, +sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen werden, sondern +geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als jenes leere Seyn; +denn was die Sache sey, dieß ist es, was sich eben erst im Verlaufe der +Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als bekannt vorausgesetzt +werden kann. + +Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben, als +das leere Seyn, so leidet er an den angeführten Mängeln. Diejenigen, +welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, mögen sich zu der +Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese Mängel zu +vermeiden. + +Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwähnt +gelassen werden, der sich in neuerer Zeit berühmt gemacht hat, der +Anfang mit dem Ich. Er kam Theils aus der Reflexion, daß aus dem ersten +Wahren alles Folgende abgeleitet werden müsse, Theils aus dem +Bedürfnisse, daß das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein +unmittelbar Gewisses sey. Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht eine +solche Vorstellung, die zufällig ist, und in einem Subjekte so, in +einem andern anders, beschaffen seyn kann. Denn Ich, dieß unmittelbare +Selbstbewußtseyn, erscheint zunächst selbst Theils als ein +Unmittelbares, Theils als ein in einem viel höhern Sinne Bekanntes, als +eine sonstige Vorstellung; etwas sonst Bekanntes gehört zwar dem Ich +an, aber ist noch ein von ihm unterschiedener, damit sogleich +zufälliger Inhalt; Ich hingegen ist die einfache Gewißheit seiner +selbst. Aber Ich überhaupt ist auch zugleich ein Konkretes, oder Ich +ist vielmehr das Konkreteste,—das Bewußtseyn seiner, als unendlich +mannigfaltiger Welt. Daß Ich Anfang und Grund der Philosophie sey, dazu +wird die Absonderung dieses Konkreten erfordert,—der absolute Akt, +wodurch Ich von sich selbst gereinigt wird, und als abstraktes Ich in +sein Bewußtseyn tritt. Allein dieß reine Ich ist nun nicht ein +unmittelbares, noch das bekannte, das gewöhnliche Ich unsers +Bewußtseyns, woran unmittelbar und für jede die Wissenschaft angeknüpft +werden sollte. Jener Akt wäre eigentlich nichts Anderes, als die +Erhebung auf den Standpunkt des reinen Wissens, auf welchem der +Unterschied des Subjektiven und Objektiven verschwunden ist. Aber wie +diese Erhebung so unmittelbar gefordert ist, ist sie ein subjektives +Postulat; um als wahrhafte Forderung sich zu erweisen, müßte die +Fortbewegung des konkreten Ichs vom unmittelbaren Bewußtseyn zum reinen +Wissen an ihm selbst, durch seine eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und +dargestellt worden seyn. Ohne diese objektive Bewegung erscheint das +reine Wissen, auch als die intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein +willkürlicher Standpunkt, oder selbst als einer der empirischen +Zustände des Bewußtseyns, in Rücksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn +der Eine in sich vorfinde oder hervorbringen könne, ein Anderer aber +nicht. Insofern aber dieß reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn +muß, und das reine Wissen aber nur durch den absoluten Akt der +Selbsterhebung im individuellen Bewußtseyn gesetzt wird, und nicht +unmittelbar in ihm vorhanden ist, geht gerade der Vortheil verloren, +der aus diesem Anfange der Philosophie entspringen soll, daß er nämlich +etwas schlechthin Bekanntes sey, was jeder unmittelbar in sich finde, +und daran die weitere Reflexion anknüpfen könne; jenes reine Ich ist +vielmehr in seiner abstrakten Wesenheit, etwas dem gewöhnlichen +Bewußtseyn Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet. Damit +tritt vielmehr der Nachtheil der Täuschung ein, daß von etwas +Bekanntem, dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die Rede seyn +solle, indem in der That von etwas diesem Bewußtseyn Fernem die Rede +ist. Die Bestimmung des reinen Wissens als Ich, führt die fortdauernde +Rückerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen Schranken +vergessen werden sollen, und erhält die Vorstellung gegenwärtig, als ob +die Sätze und Verhältnisse, die sich in der weitern Entwickelung vom +Ich ergeben, im gewöhnlichen Bewußtseyn, da es ja das sey, von dem sie +behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden können. Diese +Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit vielmehr nur eine um +so grellere Verwirrung und gänzliche Desorientirung hervor; nach Außen +hat sie vollends die gröbsten Mißverständnisse veranlaßt. + +Was ferner die subjektive Bestimmtheit des Ich überhaupt betrifft, so +benimmt wohl das reine Wissen dem Ich seine beschränkte Bedeutung, an +einem Objekte seinen unüberwindlichen Gegensatz zu haben. Aus diesem +Grunde wäre es aber wenigstens überflüssig, noch diese subjektive +Haltung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten. +Allein diese Bestimmung führt nicht nur jene störende Zweideutigkeit +mit sich, sondern sie bleibt auch, näher betrachtet, ein subjektives +Ich. Die wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich ausgeht, +zeigt es, daß das Objekt darin die perennirende Bestimmung eines +Anderen für das Ich hat und behält, daß also das Ich, von dem +ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des +Bewußtseyns in Wahrheit überwunden hat, sondern noch in der Erscheinung +befangen ist. + +Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, daß wenn an +sich wohl Ich als das reinen Wissen oder als intellektuelle Anschauung +bestimmt und als Anfang behauptet werden könnte, daß es in der +Wissenschaft nicht um das zu thun ist, was an sich oder innerlich +vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und um +die Bestimmtheit, die ein solches in diesem Daseyn hat. Was aber von +der intellektuellen Anschauung—oder wenn ihr Gegenstand das Ewige, das +Göttliche, das Absolute genannt wird,—was vom Ewigen oder Absoluten im +Anfange der Wissenschaft da ist, dieß kann nichts Anderes seyn, als +erste, unmittelbare, einfache Bestimmung. Welcher reichere Name ihm +gegeben werde, als das bloße Seyn ausdrückt, so kann nur in Betracht +kommen, wie solches Absolute in das denkende Wissen und in das +Aussprechen dieses Wissens eintritt. Die intellektuelle Anschauung ist +wohl die gewaltsame Zurückweisung des Vermittelns und der beweisenden, +äußerlichen Reflexion. Was sie aber mehr ausspricht, als einfache +Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein in sich verschiedene +Bestimmungen Enthaltendes. Das Aussprechen und die Darstellung eines +solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine vermittelnde Bewegung, die +von einer der Bestimmungen anfängt, und zu der anderen fortgeht, wenn +diese auch zur ersten zurückgeht;—es ist eine Bewegung, die zugleich +nicht willkürlich oder assertorisch seyn darf. Von was daher in solcher +Darstellung angefangen wird, ist nicht das Konkrete selbst, sondern nur +das einfache Unmittelbare, von dem die Bewegung ausgeht. Außerdem +fehlt, wenn ein Konkretes zum Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen +die Verbindung der im Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf. + +Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das +unbestrittenste Recht hätte Gott, daß mit ihm der Anfang gemacht +werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im +reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes, +nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so +reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst +hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als +der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im +Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem +Anderen. Was somit über das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn +soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott, +dieß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; dieß Einfache, das +sonst keine weitere Bedeutung hat, dieß Leere ist also schlechthin der +Anfang der Philosophie. + +Diese Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser Anfang als solcher, +keiner Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese +Vorläufigkeit von Raisonnement über ihn konnte nicht die Absicht haben, +ihn herbeizuführen, als vielmehr alle Vorläufigkeit zu entfernen. + +Allgemeine Eintheilung des Seyns + +Das Seyn ist zuerst gegen Anderes überhaupt bestimmt; + +Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend; + +Drittens, indem diese Vorläufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist, +ist es die abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es der +Anfang seyn muß. + +Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab, +indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalität nur als Eine +Sphäre des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere Sphäre +gegenüberstellt. + +Nach der zweiten ist es die Sphäre, innerhalb welcher die Bestimmungen +und die ganze Bewegung seiner Reflexion fällt. Das Seyn wird sich darin +in den drei Bestimmungen setzen: + +I. als Bestimmtheit; als solche, Qualität; + +II. als aufgehobene Bestimmtheit; Größe, Quantität; + +III. als qualitativ bestimmte Quantität; Maaß. + +Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen +Eintheilungen überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung; +ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu +entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen. Über die +Abweichung dieser Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der +Kategorien, nämlich als Quantität, Qualität, Relation und Modalität, +was übrigens bei Kant nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen, +in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,—ist hier +nichts zu erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von der +gewöhnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende zeigen +wird. + +Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der +Quantität von der Qualität aufgeführt wird,—und dieß—wie das +Meiste—ohne weiteren Grund. Es ist bereits gezeigt worden, daß der +Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem qualitativen +Seyn. Aus der Vergleichung der Qualität mit der Quantität erhellt +leicht, daß jene die der Natur nach erste ist. Denn die Quantität ist +die schon negativ gewordenen Qualität; die Größe ist die Bestimmtheit, +die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern schon von ihm unterschieden, +die aufgehobene, gleichgültig gewordenen Qualität ist. Sie schließt die +Veränderlichkeit des Seyns ein, ohne daß die Sache selbst, das Seyn, +dessen Bestimmung sie ist, durch sie verändert werde; da hingegen die +qualitative Bestimmtheit mit ihrem Seyn Eins ist, nicht darüber +hinausgeht, noch innerhalb desselben steht, sondern dessen unmittelbare +Beschränktheit ist. Die Qualität ist daher, als die unmittelbare +Bestimmtheit die erste und mit ihr der Anfang zu machen. + +Das Maaß ist eine Relation, aber nicht die Relation überhaupt, sondern +bestimmt der Qualität und Quantität zu einander; die Kategorien, die +Kant unter der Relation befaßt, werden ganz anderwärts ihre Stelle +nehmen. Das Maaß kann auch für eine Modalität, wenn man will, angesehen +werden; aber indem bei Kant diese nicht mehr eine Bestimmung des +Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung desselben auf das Denken, +auf das Subjektive, angehen soll, so ist dieß eine ganz heterogene, +hierher nicht gehörige Beziehung. + +Die dritte Bestimmung des Seyns fällt innerhalb des Abschnittes, der +Qualität, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer +einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphäre +herabsetzt. + + + + +Erster Abschnitt. Bestimmtheit (Qualität). + + +Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der +Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb +seiner selbst erhalten kann. Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn, wie +es unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist, ist es +qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der +Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative +zu. Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches +gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine Qualität +aus. Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich bestimmtes, +und hiermit + +Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses +als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des +Seyns auf sich selbst, + +Drittens in das Fürsichseyn übergeht. + + + + +Erstes Kapitel. Seyn. + +A. Seyn. + +Seyn, reines Seyn,—ohne alle weitere Bestimmung. In seiner unbestimmten +Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch nicht ungleich +gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb seiner, noch nach +Außen. Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt, der in ihm +unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem Anderen +gesetzt würde, würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten. Es ist +die reine Unbestimmtheit und Leere.—Es ist nichts in ihm anzuschauen, +wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es ist nur dieß +reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig etwas in ihm zu +denken, oder es ist ebenso nur dieß leere Denken. Das Seyn, das +unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und nicht mehr noch +weniger als Nichts. + +B. Nichts. + +Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst, +vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit; +Ununterschiedenheit in ihm selbst.—Insofern Anschauen oder Denken hier +erwähnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas oder +nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts Anschauen oder Denken hat +also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist (existirt) +Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist es das leere +Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere Anschauen oder Denken, +als das reine Seyn.—Nichts ist somit dieselbe Bestimmung oder vielmehr +Bestimmungslosigkeit, und damit überhaupt dasselbe, was das reine Seyn +ist. + +C. Werden. + +1. Einheit des Seyns und Nichts. + +Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit +ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das Seyn in +Nichts, und das Nichts in Seyn,—nicht übergeht,—sondern übergegangen +ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, +sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut unterschieden, aber +ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und unmittelbar jedes in seinem +Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des +unmittelbaren Verschwindens des einen in dem andern; das Werden; eine +Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, +der sich eben so unmittelbar aufgelöst hat. + +Anmerkung 1. + +Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist schon +ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas unterscheidet; so +ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts, das Nichts von +irgend Etwas, ein bestimmtes Nichts. + +Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen. +—Wollte man es für richtiger halten, daß statt des Nichts dem Seyn das +Nichtseyn entgegengesetzt würde, so wäre in Rücksicht auf das Resultat +nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung auf das +Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation desselben, in +Einem ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist. Aber es ist +zunächst nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i. zugleich der +Beziehung zu thun, sondern um die abstrakte, unmittelbare Negation, das +Nichts rein für sich, die beziehungslose Verneinung,—was man, wenn man +will, auch durch das bloße: Nicht ausdrücken könnte. + +Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst, +vorzüglich Parmenides als das Absolute und als einzige Wahrheit, und in +den übergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen Begeisterung des +Denkens, das zum ersten Male sich in seiner absoluten Abstraktion +erfaßt, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und das Nichts ist gar +nicht.—In orientalischen Systemen, wesentlich im Buddaismus ist +bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute Princip.—Der +tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und einseitige Abstraktion +den höheren totalen Begriff des Werdens hervor, und sagte: das Seyn ist +so wenig, als das Nichts, oder auch Alles fließt, das heißt, Alles ist +Werden.—Die populären, besonders orientalischen Sprüche, daß alles, was +ist, den Keim seines Vergehens in seiner Geburt selbst habe, der Tod +umgekehrt der Eingang in neues Leben sey, drücken im Grunde dieselbe +Einigung des Seyns und Nichts aus. Aber diese Ausdrücke haben ein +Substrat, an dem der Übergang geschieht; Seyn und Nichts werden in der +Zeit auseinander gehalten, als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht +aber in ihrer Abstraktion gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an +und für sich dasselbe sind. + +Ex nihilo nihil fit—ist einer der Sätze, denen in der Metaphysik große +Bedeutung zugeschrieben wurde. Es ist darin entweder nur die gehaltlose +Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das Werden wirkliche +Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem nur Nichts aus +Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden, denn Nichts +bleibt darin Nichts. Das Werden enthält, daß Nichts nicht Nichts +bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn übergehe. —Wenn die +spätere vornehmlich christliche Metaphysik den Satz, aus Nichts werde +Nichts, verwarf, so behauptete sie einen Übergang von Nichts in Seyn; +so synthetisch oder bloß vorstellend sie auch diesen Satz nahm, so ist +doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein Punkt enthalten, +worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre Unterschiedenheit +verschwindet.—Seine eigentliche Wichtigkeit hat der Satz: Aus Nichts +wird Nichts, Nichts ist eben Nichts, durch seinen Gegensatz gegen das +Werden überhaupt und damit auch gegen die Erschaffung der Welt aus +Nichts. Diejenigen, welche den Satz: Nichts ist eben Nichts, sogar sich +dafür ereifernd, behaupten, sind bewußtlos darüber, daß sie damit dem +abstrakten Pantheismus der Eleaten, der Sache nach auch dem +spinozistischen, beipflichten. Die philosophische Ansicht, welcher: +Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur Nichts, als Princip gilt, verdient +den Namen Identitätssystem; diese abstrakte Identität ist das Wesen des +Pantheismus. + +Wenn das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, für sich auffällt +oder paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten; es wäre +sich vielmehr über jene Verwunderung zu verwundern, die sich so neu in +der Philosophie zeigt und vergißt, daß in dieser Wissenschaft ganz +andere Bestimmungen vorkommen, als im gewöhnlichen Bewußtseyn und im +sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht gerade der gesunde, +sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem Glauben oder vielmehr +Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete Verstand ist. Es wäre +nicht schwer, diese Einheit von Seyn und Nichts, in jedem Beispiele, in +jedem Wirklichen oder Gedanken aufzuzeigen. Es muß dasselbe, was oben +von der Unmittelbarkeit und Vermittelung, (welche letztere eine +Beziehung aufeinander, damit Negation enthält), vom Seyn und Nichts +gesagt werden, daß es nirgend im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was +nicht beides Seyn und Nichts in sich enthielte. Freilich da hierbei von +einem irgend Etwas und Wirklichem die Rede wird, so sind darin jene +Bestimmungen nicht mehr in der vollkommenen Unwahrheit, in der sie als +Seyn und Nichts sind, vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung, +und werden z.B. als Positives und Negatives aufgefaßt, jenes das +gesetzte, reflektirte Seyn, dieses das gesetzte, reflektirte Nichts; +aber Positives und Negatives enthalten jenes das Seyn, dieses das +Nichts als ihre abstrakte Grundlage.—So in Gott selbst enthält die +Qualität, Thätigkeit, Schöpfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung +des Negativen,—sie sind ein Hervorbringen eines Anderen. Aber eine +empirische Erläuterung von jener Behauptung durch Beispiele wäre hier +ganz und gar überflüssig. Da nunmehr diese Einheit von Seyn und Nichts +als erste Wahrheit ein für allemal zu Grunde liegt, und das Element von +allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst, alle +ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualität, überhaupt alle +Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit.—Aber der sich so +nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den Versuch +hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns und Nichts +verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin eins vom andern +(Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche, Gott, wie so eben +erwähnt, von Thätigkeit) getrennt zu finden sey. Nur die leeren +Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese Getrennte, und sie +sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit beider, die allenthalben +vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen werden. + +Man kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche +sich das gewöhnliche Bewußtseyn bei einem solchen logischen Satze +versetzt, nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind +unerschöpflich. Es können nur einige erwähnt werden. Ein Grund solcher +Verwirrung ist unter andern, daß das Bewußtseyn zu solchem abstrakten +logischen Satze Vorstellungen von einem konkreten Etwas mitbringt und +vergißt, daß von einem solchen nicht die Rede ist, sondern nur von den +reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts, und daß diese allein +festzuhalten sind. + +Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es dasselbe, ob ich bin oder +nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert Thaler +in meinem Vermögenszustand sind oder nicht.—Dieser Schluß oder +Anwendung jenes Satzes verändert dessen Sinn vollkommen. Der Satz +enthält die reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts; die Anwendung +aber macht ein bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus. Allein vom +bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Ein bestimmtes, +ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf anderes bezieht; es +ist ein Inhalt, der im Verhältnisse der Nothwendigkeit mit anderem +Inhalte, mit der ganzen Welt, steht. In Rücksicht des +wechselbestimmenden Zusammenhangs des Ganzen konnte die Metaphysik +die—im Grunde tautologische—Behauptung machen, daß wenn ein Stäubchen +zerstört würde, das ganze Universum zusammenstürzte. In den Instanzen, +die gegen den in Rede stehenden Satz gemacht werden, erscheint etwas +als nicht gleichgültig, ob es sey oder nicht sey, nicht um des Seyns +oder Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts willen, der es mit +anderem zusammenhängt. Wenn ein bestimmter Inhalt, irgend ein +bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist dieß Daseyn, weil es +bestimmtes ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen Inhalt; es ist +für dasselbe nicht gleichgültig, ob ein gewisser anderer Inhalt, mit +dem es in Beziehung steht, ist oder nicht ist; denn nur durch solche +Beziehung ist es wesentlich das, was es ist. Dasselbe ist der Fall in +dem Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in dem bestimmteren Sinne des +Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen), in dessen Zusammenhange das +Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts, der als bestimmt mit anderem +in Beziehung vorgestellt wird, nicht gleichgültig ist.—Diese +Betrachtung enthält dasselbe, was ein Hauptmoment in der Kantischen +Kritik des ontologischen Beweises vom Daseyn Gottes ausmacht, auf +welche jedoch hier nur im Betreff des in ihr vorkommenden Unterschieds +von Seyn und Nichts überhaupt und von bestimmtem Seyn oder Nichtseyn +Rücksicht genommen wird.—Bekanntlich wurde in jenem sogenannten Beweise +der Begriff eines Wesens vorausgesetzt, dem alle Realitäten zukommen, +somit auch die Existenz, die gleichfalls als eine der Realitäten +angenommen wurde. Die Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran, +daß die Existenz oder das Seyn (was hier für gleichbedeutend gilt) +keine Eigenschaft oder kein reales Prädikat sey, das heiße, nicht ein +Begriff von etwas, was zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen +könne.[6]—Kant will damit sagen, daß Seyn keine Inhaltsbestimmung +sey.—Also enthalte, fährt er fort, das Mögliche nicht mehr als das +Wirkliche; hundert wirkliche Thaler enthalten nicht das Mindeste mehr, +als hundert mögliche;—nämlich jene haben keine andere Inhaltsbestimmung +als diese. Für diesen als isolirt betrachteten Inhalt ist es in der +That gleichgültig, zu seyn oder nicht zu seyn; es liegt in ihm kein +Unterschied des Seyns oder Nichtseyns, dieser Unterschied berührt ihn +überhaupt gar nicht; die hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie +nicht sind, und nicht mehr, wenn sie sind. Ein Unterschied muß erst +anderswoher kommen. —"Hingegen, erinnert Kant, in meinem +Vermögenszustande ist mehr bei hundert wirklichen Thalern, als bei dem +bloßen Begriff derselben, oder bei ihrer Möglichkeit. Denn der +Gegenstand ist bei der Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriff +analytisch enthalten, sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine +Bestimmung meines Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch +dieses Seyn außer meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler +selbst im mindesten vermehrt würden." + + [6] Kants Kritik der r. Vern. 2te Aufl. S. 628ff. + + +Es werden hier zweierlei Zustände, um bei den Kantischen Ausdrücken, +die nicht ohne verworrene Schwerfälligkeit sind, zu bleiben, +vorausgesetzt, der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die +Vorstellung zu verstehen ist, und ein anderer, der Vermögenszustand. +Für den einen wie für den andern, das Vermögen wie das Vorstellen, sind +hundert Thaler eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem +solchen, wie Kant sich ausdrückt, synthetisch hinzu;" Ich als Besitzer +von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder auch ich +als mir hundert Thaler vorstellend, oder sie nicht vorstellend, ist +allerdings ein verschiedener Inhalt. Allgemeiner gefaßt: Die +Abstraktionen von Seyn und Nichts hören beide auf, Abstraktionen zu +seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten; Seyn ist dann +Realität, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts Negation, das +bestimmte Nichtseyn von denselben. Diese Inhaltsbestimmtheit selbst, +die hundert Thaler, auch abstrakt für sich gefaßt, ist in dem einen +unverändert dasselbe, was in dem andern. Indem aber ferner das Seyn als +Vermögens-Zustand genommen wird, treten die hundert Thaler in Beziehung +zu einem Zustand, und für diesen ist solche Bestimmtheit, die sie sind, +nicht gleichgültig; ihr Seyn oder Nichtseyn ist nur Veränderung; sie +sind in die Sphäre des Daseyns versetzt. Wenn daher gegen die Einheit +des Seyns und Nichts urgirt wird, es sey doch nicht gleichgültig, ob +dieß und jenes (die Thaler) sey oder nicht sey, so ist es eine +Täuschung, daß wir den Unterschied bloß aufs Seyn und Nichtseyn +hinausschieben, ob ich die hundert Thaler habe oder nicht habe—eine +Täuschung, die wie gezeigt, auf der einseitigen Abstraktion beruht, +welche das bestimmte Daseyn, das in solchen Beispielen vorhanden ist, +wegläßt und bloß das Seyn und Nichtseyn festhält; wie sie umgekehrt das +abstrakte Seyn und Nichts, das aufgefaßt werden soll, in ein bestimmtes +Seyn und Nichts, in ein Daseyn, verwandelt. Erst das Daseyn enthält den +realen Unterschied von Seyn und Nichts, nämlich ein Etwas und ein +Anderes. —Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt +des abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten +Unterschiede. + +Wie Kant sich ausdrückt, so kommt "durch die Existenz etwas in den +Kontext der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen +Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem Gegenstande +wird dadurch nicht vermehrt." + +Dieß heißt, wie aus dem Erläuterten hervorgeht, so viel, durch die +Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es in +dem Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem +Wahrnehmenden.—"Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde nicht +durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heißt hier die vorhin +bemerkten isolirt vorgestellten hundert Thaler. In dieser isolirten +Weise sind sie zwar ein empirischer Inhalt, aber abgeschnitten, ohne +Zusammenhang und Bestimmtheit gegen Anderes; die Form der Identität mit +sich benimmt ihnen die Beziehung auf anderes und macht sie +gleichgültig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht. Aber dieser +sogenannte Begriff der hundert Thaler ist ein falscher Begriff, die +Form der einfachen Beziehung auf sich gehört solchem begränzten, +endlichen Inhalt nicht selbst; es ist eine ihm vom subjektiven +Verstande angethane und geliehene Form; hundert Thaler sind nicht ein +sich auf sich Beziehendes, sondern ein Veränderliches und +Vergängliches. + +Das Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn, +vorschwebt, ist zu dem erwähnten Anfange der Wissenschaft zurück zu +weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit +auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn als +solchen, geläutert und erhoben, und damit das Element der Wissenschaft +erschaffen hat.—Was das Erste in der Wissenschaft ist, hat sich müssen +geschichtlich als das Erste zeigen. Und das Eleatische Eine oder Seyn +haben wir für das Erste des Wissens vom Gedanken anzusehen; das Wasser +und dergleichen materielle Principien sollen wohl das Allgemeine seyn, +aber sind als Materien nicht reine Gedanken; die Zahlen sind weder der +erste einfache noch der bei sich bleibende, sondern der sich selbst +ganz äußerliche Gedanke. + +Die Zurückweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen in +seiner ganz abstrakten Allgemeinheit ist wie als die allererste +theoretische so auch sogar praktische Forderung anzusehen. Wenn nämlich +ein Aufhebens von den hundert Thalern gemacht wird, daß es in meinem +Vermögenszustand einen Unterschied mache, ob ich sie habe oder nicht, +noch mehr ob Ich sey oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so +kann—ohne zu erwähnen, daß es Vermögenszustände geben wird, für die +solcher Besitz von hundert Thalern gleichgültig seyn wird,—daran +erinnert werden, daß der Mensch sich zu dieser abstrakten Allgemeinheit +in seiner Gesinnung erheben soll, in welcher es ihm in der That +gleichgültig sey, ob die hundert Thaler, sie mögen ein quantitatives +Verhältniß zu seinem Vermögenszustand haben, welches sie wollen, seyen +oder ob sie nicht seyen, ebenso sehr als es ihm gleichgültig sey, ob er +sey oder nicht, d. i. im endlichen Leben sey oder nicht (denn ein +Zustand, bestimmtes Seyn ist gemeint) u.s.f. —selbst si fractus +illabatur orbis, impavidum ferient ruinae, hat ein Römer gesagt, und +der Christ soll sich noch mehr in dieser Gleichgültigkeit befinden. + +Es ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die +Erhebung über die hundert Thaler und die endlichen Dinge überhaupt mit +dem ontologischen Beweise und der angeführten kantischen Kritik +desselben steht. Diese Kritik hat sich durch ihr populäres Beispiel +allgemein plausibel gemacht; wer weiß nicht, daß hundert wirkliche +Thaler verschieden sind von hundert bloß möglichen Thalern? daß sie +einen Unterschied in meinem Vermögenszustand ausmachen? Weil sich so an +den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der +Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Möglichkeit, und das +Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von seinem +Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Möglichkeit der hundert +Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig kann ich aus +dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus diesem +Herausklauben aber der Existenz Gottes aus seinem Begriffe soll der +ontologische Beweis bestehen. Wenn es nun allerdings seine Richtigkeit +hat, daß Begriff vom Seyn verschieden ist, so ist noch mehr Gott +verschieden von den hundert Thalern und den anderen endlichen Dingen. +Es ist die Definition der endlichen Dinge, daß in ihnen Begriff und +Seyn verschieden, Begriff und Realität, Seele und Leib, trennbar, sie +damit vergänglich und sterblich sind; die abstrakte Definition Gottes +ist dagegen eben dieß, daß sein Begriff und sein Seyn ungetrennt und +untrennbar sind. Die wahrhafte Kritik der Kategorien und der Vernunft +ist gerade diese, das Erkennen über diesen Unterschied zu verständigen +und dasselbe abzuhalten, die Bestimmungen und Verhältnisse des +Endlichen auf Gott anzuwenden. + +Anmerkung 2. + +Es ist weiter ein anderer Grund anzuführen, welcher zu dem Widerwillen +gegen den Satz über Seyn und Nichts behülflich ist; dieser Grund ist, +daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der Betrachtung des Seyns +und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn und Nichts ist eins und +dasselbe, unvollkommen ist. Der Accent wird vorzugsweise auf das Eins- +und dasselbe-seyn gelegt, wie im Urtheile überhaupt, als in welchem das +Prädikat erst es aussagt, was das Subjekt ist. Der Sinn scheint daher +zu seyn, daß der Unterschied geläugnet werde, der doch zugleich im +Satze unmittelbar vorkommt; denn er spricht die beiden Bestimmungen, +Seyn und Nichts, aus, und enthält sie als unterschiedene.—Es kann +zugleich nicht gemeint seyn, daß von ihnen abstrahirt und nur die +Einheit festgehalten werden soll. Dieser Sinn gäbe sich selbst für +einseitig, da das, wovon abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze +vorhanden ist und genannt wird.—Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts +ist dasselbe, die Identität dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der +That ebenso sie beide als unterschieden enthält, widerspricht er sich +in sich selbst und löst sich auf. Halten wir dieß näher fest, so ist +also hier ein Satz gesetzt, der näher betrachtet, die Bewegung hat, +durch sich selbst zu verschwinden. Damit aber, geschieht an ihm selbst +das, was seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nämlich das Werden. + +Der Satz enthält somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst. Der +Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der Mangel, +daß das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrückt ist; es ist eine +äußere Reflexion, welche es in ihm erkennt.—Es muß hierüber sogleich im +Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, daß der Satz, in +Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative Wahrheiten +auszudrücken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande wäre geeignet, +viele Mißverständnisse spekulativer Wahrheiten zu beseitigen. Das +Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat; es +wird dabei davon abstrahirt, daß das Subjekt noch mehrere +Bestimmtheiten hat als die des Prädikats, so wie davon, daß das +Prädikat weiter ist als das Subjekt. Ist nun aber der Inhalt +spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und Prädikats +wesentliches Moment, aber dieß ist im Urtheile nicht ausgedrückt. Das +paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der neueren Philosophie den +mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten erscheint, fällt +vielfältig in die Form des einfachen Urtheils, wenn sie für den +Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird. + +Der Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudrücken, +zunächst so ergänzt, daß der entgegengesetzte Satz hinzugefügt wird, +der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe, der oben gleichfalls +ausgesprochen ist. Allein so entsteht der weitere Mangel, daß diese +Sätze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der Antinomie +darstellen, während doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe bezieht, +und die Bestimmungen, die in den zwei Sätzen ausgedrückt sind, +schlechthin vereinigt seyn sollen,—eine Vereinigung, welche dann nur +als eine Unruhe zugleich unverträglicher, als eine Bewegung +ausgesprochen werden kann. Das gewöhnlichste Unrecht, welches +spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d. i. +den einen der Sätze nur, in die er aufgelöst werden kann, heraus zu +heben. Es kann dann nicht geläugnet werden, daß dieser Satz behauptet +wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn wenn einmal +Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so müßte wenigstens ebenso +sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben werden.—Es ist +hierbei noch das so zu sagen unglückliche Wort: Einheit besonders zu +erwähnen; die Einheit bezeichnet noch mehr als die Identität eine +subjektive Reflexion; sie wird vornehmlich als die Beziehung genommen, +welche aus der Vergleichung, der äußerlichen Reflexion, entspringt. +Insofern diese in zwei verschiedenen Gegenständen dasselbe findet, ist +eine Einheit so vorhanden, daß dabei die vollkommene Gleichgültigkeit +der Gegenstände selbst, die verglichen werden, gegen diese Einheit +vorausgesetzt wird, so daß dieß Vergleichen und die Einheit die +Gegenstände selbst nichts angeht, und ein ihnen äußerliches Thun und +Bestimmen ist. Die Einheit drückt daher die ganz abstrakte +Dieselbigkeit aus, und lautet um so härter und auffallender, je mehr +die, von denen sie ausgesprochen wird, sich schlechthin unterschieden +zeigen. Für Einheit würde daher insofern besser nur Ungetrenntheit und +Untrennbarkeit gesagt; aber damit ist das Affirmative der Beziehung des +Ganzen nicht ausgedrückt. + +So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das +Werden, welches nicht bloß die einseitige oder abstrakte Einheit des +Seyns und Nichts ist. Sondern es besteht in dieser Bewegung, daß das +reine Seyn unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das +reine Nichts ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so sehr +sich aufhebt und nicht ist. Das Resultat behauptet also den Unterschied +des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur gemeinten. + +Man meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das Nichts +ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied, und es +scheint nichts leichter, als ihn angeben zu können. Es ist aber eben so +leicht, sich zu überzeugen, daß dieß unmöglich, daß er unsagbar ist. +Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts beharren wollen, +mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht. Hätte Seyn und +Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich unterschieden, so +wären sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts, +nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie es hier noch sind. +Ihr Unterschied ist daher völlig leer, jedes der beiden ist auf gleiche +Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht an ihnen selbst, sondern +nur in einem Dritten, im Meinen. Aber das Meinen ist eine Form des +Subjektiven, das nicht in diese Reihe der Darstellung gehört. Das +Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr Bestehen haben, muß auch hier +vorkommen; und es ist vorgekommen, es ist das Werden. In ihm sind sie +als unterschiedene; Werden ist nur, insofern sie unterschieden sind. +Dieß Dritte ist ein Anderes als sie; —sie bestehen nur in einem +Anderen, dieß heißt gleichfalls, sie bestehen nicht für sich. Das +Werden ist das Bestehen des Seyns so sehr als des Nichtseyns; oder ihr +Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem; gerade dieß ihr Bestehen ist es, +was ihren Unterschied eben so sehr aufhebt. + +Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben, +schließt auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist. +Die sich dagegen sträuben, das eine wie das andere nur als ein +Übergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts dieß +oder das behaupten, mögen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine +Definition vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, daß sie +richtig ist. Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft genügt +zu haben, deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und anwenden, +sind alle jene Behauptungen über das Seyn und Nichts nur +Versicherungen, wissenschaftliche Ungültigkeiten. Wenn man sonst gesagt +hat, die Existenz, insofern man diese zunächst für gleichbedeutend mit +Seyn hält, sey die Ergänzung zur Möglichkeit, so ist damit eine andere +Bestimmung, die Möglichkeit, vorausgesetzt, das Seyn nicht in seiner +Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbstständig, als bedingt +ausgesprochen. Für das Seyn, welches vermittelt ist, werden wir den +Ausdruck: Existenz, aufbehalten. Aber man stellt sich wohl das Seyn +vor—etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die Klarheit +ungetrübten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und knüpft +ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche Verschiedenheit. In +der That aber, wenn man auch dieß Sehen sich genauer vorstellt, so kann +man leicht gewahr werden, daß man in der absoluten Klarheit so viel und +so wenig sieht, als in der absoluten Finsterniß, daß das eine Sehen so +gut als das andere, reines Sehen, Sehen von Nichts ist. Reines Licht +und reine Finsterniß sind zwei Leeren, welche dasselbe sind. Erst in +dem bestimmten Lichte—und das Licht wird durch die Finsterniß +bestimmt,—also im getrübten Lichte, ebenso erst in der bestimmten +Finsterniß,—und die Finsterniß wird durch das Licht bestimmt,—in der +erhellten Finsterniß kann etwas unterschieden werden, weil erst das +getrübte Licht und die erhellte Finsterniß den Unterschied an ihnen +selbst haben, und damit bestimmtes Seyn, Daseyn, sind. + +Anmerkung 3. + +Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind, ist +von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie, +welches in seiner eigenthümlichsten Form das Werden ist. Übergehen ist +dasselbe als Werden, nur daß in jenem die beiden, von deren Einem zum +anderen übergegangen wird, mehr als außereinander ruhend und das +Übergehen als zwischen ihnen geschehend vorgestellt wird. Wo und Wie +nun vom Seyn oder Nichts die Rede wird, muß dieses Dritte vorhanden +seyn; denn jene bestehen nicht für sich, sondern sind nur im Werden, in +diesem Dritten. Aber dieses Dritte hat vielfache empirische Gestalten, +welche von der Abstraktion bei Seite gestellt oder vernachläßigt +werden, um jene ihre Produkte, das Seyn und das Nichts, jedes für sich +festzuhalten und sie gegen das Übergehen geschützt zu zeigen. Gegen +solches einfaches Verhalten der Abstraktion ist ebenso einfach nur an +die empirische Existenz zu erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur +Etwas ist, ein Daseyn hat. Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch +welche die Trennung der Untrennbaren fixirt werden soll. An solcher +Bestimmung ist an und für sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden, +und ohne auf die Natur der Sache zurückzugehen und an diese zu +appelliren, ist jene Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu +konfondiren, daß sie genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes +an ihr selbst aufgezeigt wird. Es würde eine vergebliche Mühe seyn, +alle Wendungen und Einfälle der Reflexion und ihres Raisonnements +gleichsam einfangen zu wollen, um ihr die Auswege und Absprünge, womit +sie sich ihren Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und +unmöglich zu machen. Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache sich +so nennende Einwürfe und Widerlegungen, welche dagegen, daß weder Seyn +noch Nichts etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre Wahrheit ist, +aufgebracht worden sind, Rücksicht zu nehmen; die Gedanken-Bildung, die +dazu gehört, die Nichtigkeit jener Widerlegungen einzusehen oder +vielmehr solche Einfälle sich selbst zu vertreiben, wird nur durch die +kritische Erkenntniß der Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am +ergiebigsten an dergleichen Einwürfen sind, fallen sogleich über die +ersten Sätze mit ihren Reflexionen her, ohne durch das weitere Studium +der Logik sich zum Bewußtseyn über die Natur dieser kruden Reflexionen +zu verhelfen oder verholfen zu haben. + +Es sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran +ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins +außer dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so daß hiermit das +Übergehen negirt ist. + +Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er +zugleich vom Nichts sagte, daß es gar nicht ist; nur das Seyn ist. Das +Seyn so ganz für sich ist das Unbestimmte, hat also keine Beziehung auf +Anderes; es scheint daher, daß von diesem Anfang aus nicht weiter +fortgegangen werden könne, nämlich aus ihm selbst, und ein Fortgang nur +dadurch geschehen könne, daß von Außen etwas Fremdes daran geknüpft +würde. Der Fortgang, daß das Seyn dasselbe ist als das Nichts, +erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,—ein Übergehen, das +für sich ist, und äußerlich zu dem Seyn hinzuträte. Seyn wäre überhaupt +nicht der absolute Anfang, wenn es eine Bestimmtheit hätte; alsdann +hänge es von einem Andern ab, und wäre nicht unmittelbar, nicht der +Anfang. Ist es aber unbestimmt, und damit wahrer Anfang, so hat es auch +nichts, wodurch es sich zu einem anderen überleitet, es ist zugleich +das Ende. Es kann ebenso wenig etwas aus demselben hervorbrechen, als +etwas in dasselbe einbrechen kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll +von dem Seyn oder der absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu +dem Negativen, Endlichen. Wird nun dennoch fortgegangen, was wie +bemerkt, von dem beziehungs—hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf +äußerliche Weise geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter, +neuer Anfang. So ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A = +A Setzen; der zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt, +zum Theil unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn. Es ist dieß +ein Fortgehen der äußern Reflexion, welches ebensowohl das, womit es +als einem Absoluten anfängt, wieder verneint,—das Entgegensetzen ist +die Negation der ersten Identität,—als es sein zweites Unbedingtes +sogleich ausdrücklich zugleich zu einem Bedingten macht. Wenn aber +überhaupt eine Berechtigung wäre, fortzugehen, d. i. den ersten Anfang +aufzuheben, so müßte es in diesem ersten selbst liegen, daß ein Anderes +sich darauf beziehen könnte; es müßte also ein Bestimmtes seyn. Allein +für ein solches giebt sich das Seyn oder auch die absolute Substanz +nicht aus; im Gegentheil. Es ist das Unmittelbare, das noch schlechthin +Unbestimmte. + +Die beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen über die +Unmöglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer +Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner Polemik +gegen die kantische Synthesis des Selbstbewußtseyns a priori, in seiner +Abh. über das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu Verstande zu +bringen (Jac. Werke III. Bd.). Er stellt (S. 113) die Aufgabe so, daß +in einem Reinen, sey es des Bewußtseyns, des Raums oder der Zeit, das +Entstehen oder Hervorbringen einer Synthesis aufgezeigt werde. "Der +Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das Bewußtseyn sey Eines;—sagt nun +an, wie sich eines von diesen drei Einen in ihm selbst rein +vermannigfaltiget;—jedes ist nur Eines und kein Anderes;—eine +Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit! ohne Derheit, Dieheit, +Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der, Die, Das noch im +unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und jedes Bestimmte auch +erst hervorgehen soll! Was bringt in jene, drei Unendlichkeiten, +Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori mit Zahl und Maß, +und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges; was bringt die reine +Spontaneität (Ich) zur Oscillation? Wie kommt sein reiner Vokal zum +Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein lautloses ununterbrochenes +Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um wenigstens eine Art von +Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?"—Man sieht, Jacobi hat sehr +bestimmt das Unwesen der Abstraktion, es sey nun sogenannter absoluter +d. i. nur abstrakter Raum, oder ebensolche Zeit, oder ebensolches +reines Bewußtseyn, Ich, erkannt; er beharrt darin zu dem Behuf, die +Unmöglichkeit eines Fortgangs zu Anderem, der Bedingung einer +Synthesis, und zur Synthesis selbst zu behaupten. Die Synthesis, welche +das Interesse ausmacht, muß nicht als eine Verknüpfung von äußerlich +schon vorhandenen Bestimmungen genommen werden,—Theils ist es selbst um +die Erzeugung eines Zweiten zu einem Ersten, eines Bestimmten zum +unbestimmten Anfänglichen zu thun; Theils aber um die immanente +Synthesis, Synthesis a priori,—an und für sich seyende Einheit des +Unterschiedenen. Werden ist diese immanente Synthesis des Seyns und +Nichts; aber weil der Synthesis der Sinn von einem äußerlichen +Zusammenbringen äußerlich gegeneinander Vorhandener am nächsten liegt, +ist mit Recht der Name Synthesis, synthetische Einheit außer Gebrauch +gesetzt worden.—Jacobi fragt, wie kommt der reine Vokal des Ich zum +Mitlauter, was bringt Bestimmtheit in die Unbestimmtheit—das was? wäre +leicht beantwortet, und von Kant ist diese Frage auf seine Weise +beantwortet worden; aber die Frage nach dem Wie? heißt: auf welche Art +und Weise, nach welchem Verhältniß und dergleichen, und verlangt so die +Angabe einer besondern Kategorie; aber von Art und Weise, +Verstandes-Kategorien kann hierbei nicht die Rede seyn. Die Frage nach +dem wie? gehört selbst zu den übeln Manieren der Reflexion, welche nach +der Begreiflichkeit frägt, aber dabei ihre festen Kategorien +voraussetzt, und damit zum Voraus gegen die Beantwortung dessen, nach +was sie fragt, sich gewaffnet weiß. Den höheren Sinn einer Frage nach +der Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er +bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen beharren, für die +Behauptung der Unmöglichkeit der Synthese. Insbesondere anschaulich +beschreibt er (S. 147) die Procedur zur Abstraktion des Raumes zu +gelangen. "Ich muß für so lange rein zu vergessen suchen, daß ich je +irgend etwas sah, hörte, rührte und berührte, mich selbst ausdrücklich +nicht ausgenommen. Rein, rein, rein vergessen muß ich alle Bewegung, +und mir gerade dieß Vergessen, weil es das schwerste ist, am +angelegentlichsten seyn lassen. Alles überhaupt muß ich, so wie ich es +weggedacht habe, auch ganz und vollkommen weggeschafft seyn lassen, und +gar nichts übrig behalten, als die mit Gewalt stehen gebliebene +Anschauung allein des unendlichen unveränderlichen Raums. Ich darf mich +daher auch nicht selbst als etwas von ihm Unterschiedenes und +gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn hineindenken; ich darf +mich nicht von ihm bloß umgeben und durchdringen lassen; sondern ich +muß ganz übergehen in ihn, Eins mit ihm werden, mich in ihn verwandeln; +ich muß von mir selbst nichts übrig lassen, als diese meine Anschauung +selbst, um sie als eine wahrhaft selbstständige, unabhängige, Einig- +und Alleinige Vorstellung zu betrachten." + +Bei dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuität, d. i. +Unbestimmtheit und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgültig, diese +Abstraktion Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines Denken;—es +ist alles dasselbe, was der Inder, wenn er äußerlich bewegungslos, und +ebenso in Empfindung, Vorstellung, Phantasie, Begierde u.s.f. +regungslos jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase sieht, nur Om, Om, +Om innerlich in sich, oder gar Nichts spricht, —Brahma nennt. Dieses +dumpfe, leere Bewußtseyn ist, als Bewußtseyn aufgefaßt,—das Seyn. + +In diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das Gegentheil +von dem, was kantischer Versicherung gemäß, ihm widerfahren sollte; er +finde sich nicht als ein Vieles und Mannigfaltiges, vielmehr als Eines +ohne alle Vielheit und Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmöglichkeit +selbst, bin die Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen,—kann aus +meinem reinen, schlechterdings einfachen, unveränderlichen Wesen auch +nicht das Mindeste wieder herstellen oder in mich hinein +gespenstern;—so offenbart sich in dieser Reinheit, alles Außerund +Nebeneinanderseyn, alle hierauf beruhende Mannigfaltigkeit und +Vielheit, als ein rein Unmögliches." + +Diese Unmöglichkeit heißt nichts anders als die Tautologie, ich halte +an der abstrakten Einheit fest und schließe alle Vielheit und +Mannigfaltigkeit aus, halte mich im Unterschiedslosen und Unbestimmten, +und sehe weg von allem Unterschiedenen und Bestimmten. Die kantische +Synthesis a priori des Selbstbewußtseyns, das ist, die Thätigkeit +dieser Einheit, sich zu dirimiren und in dieser Diremtion sich selbst +zu erhalten, verdünnt sich Jacobi zu derselben Abstraktion. Jene +"Synthesis an sich", das "ursprüngliche Urtheilen," macht er einseitig +zu "der Kopula an sich;—ein Ist, Ist, Ist, ohne Anfang und Ende und +ohne Was, Wer und Welche; dieses ins Unendliche fortgehende Wiederholen +der Wiederholung ist die alleinige Geschäftigkeit, Funktion und +Produktion der allerreinsten Synthesis; sie selbst ist das bloße, +reine, absolute Wiederholen selbst." Oder in der That, da kein Absatz, +d. i. keine Negation, Unterscheiden darin ist, so ist sie nicht ein +Wiederholen, sondern nur das ununterschiedene einfache Seyn.—Aber ist +dieß denn noch Synthesis, wenn Jacobi gerade das wegläßt, wodurch die +Einheit synthetische Einheit ist? + +Zunächst, wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum, +Zeit, auch Bewußtseyn festsetzt, ist zu sagen, daß er sich auf diese +Weise in etwas empirisch-Falsches versetzt und festhält; es giebt d. h. +empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes +Räumliches und Zeitliches wären, nicht in ihrer Kontinuität von +mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veränderung erfüllt wären, so daß +diese Grenzen und Veränderungen ungetrennt und untrennbar der +Räumlichkeit und Zeitlichkeit angehören; ebenso ist das Bewußtseyn mit +bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f. erfüllt; es existirt +ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt.—Das empirische Übergehen +versteht sich ohnehin von selbst; das Bewußtseyn kann sich wohl den +leeren Raum, leere Zeit und das leere Bewußtseyn selbst, oder das reine +Seyn, zum Gegenstand und Inhalt machen; aber es bleibt nicht dabei, +sondern geht nicht nur, sondern drängt sich aus solcher Leerheit hinaus +zu einem besseren, d. i. auf irgend eine Weise konkreteren Inhalt, und +so schlecht ein Inhalt sonst sey, so ist er insofern besser und wahrer; +eben ein solcher Inhalt ist ein synthetischer überhaupt; synthetisch in +allgemeinerem Sinne genommen. So bekommt Parmenides mit dem Scheine und +der Meinung, dem Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so +Spinoza mit den Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem +Verstande, Willen u.s.f. Die Synthesis enthält und zeigt die Unwahrheit +jener Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also +nicht als für sich bestehende, nicht als absolute, sondern schlechthin +als relative. + +Das Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f. aber +ist es nicht, um das es zu thun ist. Das Bewußtseyn kann sich +abstrahirend allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfüllen, und die +festgehaltenen Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit, +reinen Bewußtseyn, reinem Seyn. Der Gedanke des reinen Raums u.s.f. d. +i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst soll als nichtig aufgezeigt +werden, d. i. daß er als solcher schon sein Gegentheil, daß an ihm +selbst schon sein Gegentheil in ihn eingedrungen, er schon für sich das +Herausgegangenseyn aus sich selbst, Bestimmtheit, sey. + +Dieß ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen. Sie sind, was Jacobi +reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdrücklich als +Unbestimmte bestimmt, was—um zu seiner einfachsten Form zurückzugehen, +das Seyn ist. Eben diese Unbestimmtheit ist aber das, was die +Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die Unbestimmtheit ist der +Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als Entgegengesetztes +selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das reine, ganz abstrakt +Negative. Diese Unbestimmtheit oder abstrakte Negation, welche so das +Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die äußere wie die innere Reflexion +ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich setzt, es für ein leeres +Gedankending, für Nichts erklärt.—Oder kann man sich ausdrücken, weil +das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die (affirmative) +Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern Nichts. + +In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem +Seyn als solchem gemacht wird, ist der Übergang noch verborgen; weil +das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm nur +unmittelbar hervor. Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich das +Daseyn, sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was den +Widerspruch jener Abstraktionen und daher ihr Übergehen enthält und +hervorbringt. Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird die +Erinnerung, daß es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also schon +von daher abstrakte Negativität, Nichts, ist, hinter der Wissenschaft +zurückgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst, ausdrücklich vom Wesen +aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine Vermittelte darstellen +wird, wo das Seyn als Existenz und das Vermittelnde dieses Seyns, der +Grund, gesetzt ist. + +Mit jener Erinnerung läßt sich der Übergang von Seyn in Nichts als +etwas selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man es +nennt, erklären und begreiflich machen, daß Freilich das Seyn, welches +zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn man könne +von Allem abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden, so bleibe +Nichts übrig. Aber, kann man fortfahren, somit sey der Anfang nicht ein +Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und Nichts sey dann auch +das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare Seyn und selbst noch +vielmehr. Das Kürzeste ist solches Raisonniren gewähren zu lassen und +zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen sind, auf welche es pocht. +Daß hiernach das Nichts das Resultat jenes Raisonnements wäre, und nun +der Anfang mit Nichts (wie in chinesischer Philosophie) gemacht werden +sollte, so wäre darum nicht die Hand umzukehren, denn ehe man sie +umkehrte, hätte sich ebenso sehr dieß Nichts in Seyn verkehrt, (s. +oben: B. Nichts). Aber ferner wenn jene Abstraktion von Allem, welches +Alles denn doch Seyendes ist, vorausgesetzt wäre, so ist sie genauer zu +nehmen; das Resultat der Abstraktion von allem Seyenden ist zunächst +abstraktes Seyn, Seyn überhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom +Daseyn Gottes aus dem zufälligen Seyn der Welt, über welches sich darin +erhoben wird, noch das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum +unendlichen Seyn bestimmt wird. Es kann aber allerdings auch von diesem +reinen Seyn abstrahirt, das Seyn noch zu dem Allem, wovon bereits +abstrahirt worden, geschlagen werden; dann bleibt Nichts. Man kann nun, +wenn man das Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen +will oder nichts davon wüßte, im Style jenes Könnens fortfahren; es +kann nämlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt werden (wie denn +auch die Schöpfung der Welt eine Abstraktion vom Nichts ist) und dann +bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird abstrahirt, sondern man +ist so wieder im Seyn angekommen.—dieß Können giebt ein äußerliches +Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren selbst nur das einseitige +Thun des Negativen ist. Zunächst liegt in diesem Können selbst, daß ihm +das Seyn so gleichgültig ist als das Nichts, und daß so sehr jedes von +Beiden verschwindet, ebenso sehr jedes auch entsteht; aber ebenso +gleichgültig ist es, ob vom Thun des Nichts, oder dem Nichts +ausgegangen wird; das Thun des Nichts, d. i. das bloße Abstrahiren ist +nicht mehr noch weniger etwas Wahrhaftes als das bloße Nichts. + +Die Dialektik, nach welcher Plato das Eine im Parmenides behandelt, ist +gleichfalls mehr für eine Dialektik der äußern Reflexion zu achten. Das +Seyn und das Eine sind beides Eleatische Formen, die Dasselbe sind. +Aber sie sind auch zu unterscheiden, so nimmt sie Plato in jenem +Dialoge. Nachdem er von dem Einen die mancherlei Bestimmungen von +Ganzen und Theilen, in sich selbst, in einem anderen seyn u.s.f. von +Figur, Zeit u.s.f. entfernt, so ist das Resultat, daß dem Einen das +Seyn nicht zukomme, denn anders komme einem Etwas das Seyn nicht zu, +als nach einer jener Weisen (p. 141 e. Vol. III. ed. Steph.). Hierauf +behandelt Plato den Satz: das Eine ist; und es ist bei ihm nachzusehen, +wie von diesem Satze aus der Übergang zu dem Nichtseyn des Einen +bewerkstelligt wird; es geschieht durch die Vergleichung der beiden +Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das Eine ist; er enthält das +Eine und das Seyn; und das Eine ist enthält mehr, als wenn man nur +sagt: das Eine. Darin daß sie verschieden sind, wird das Moment der +Negation, das der Satz enthält, aufgezeigt. Es erhellt, daß dieser Weg +eine Voraussetzung hat, und eine äußere Reflexion ist. + +Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das +Seyn, welches abstrakt für sich festgehalten werden soll am +einfachsten, ohne sich in das Denken einzulassen, in einer Verbindung +aufgezeigt, die das Gegentheil dessen enthält, was behauptet werden +soll. Das Seyn, wie es unmittelbar ist, genommen gehört einem Subjekte +an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn überhaupt, und +steht damit im Boden der Schranke und des Negativen. In welchen +Ausdrücken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er sich gegen +die Einheit des Seyns und Nichts sträubt, und sich auf das, was +unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser Erfahrung +selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke oder +Negation,—jene Einheit finden, die er verwirft. Die Behauptung des +unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz, +deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die Unmittelbarkeit +außerhalb des Denkens ist, an die sie sich halten will. + +Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise, +und diese Reflexion ist bekannt und oft genug über dasselbe gemacht +worden. Das Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als +seyend; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das Nichts +wird gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist also; das +Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein Seyn. Dieß +Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird daher gesagt, +daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß darum nicht es +ist, nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, daß nur Denken oder +Vorstellen dieses Seyn ist. Bei diesem Unterscheiden ist eben so sehr +nicht zu läugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein Seyn steht; aber +in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied enthält, ist eine +Einheit mit dem Seyn vorhanden. Auf weiche Weise das Nichts +ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in Verbindung oder +wenn man will Berührung mit einem Seyn, ungetrennt von einem Seyn, eben +in einem Daseyn. + +Indem aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch +dieser Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, daß das Daseyn des +Nichts durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, daß es nicht das +Seyn für sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches sey; +das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniß so nur +Abwesenheit des Lichts, die Kälte nur Abwesenheit der Wärme u.s.f. +Finsterniß habe nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in äußerer +Vergleichung mit dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kälte sey nur Etwas +in unserer Empfindung, Licht, Wärme, wie Seyn, hingegen seyen für sich +das Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer Qualität und +Würde, als jene Negativen, als Nichts. Man kann es häufig als eine sehr +wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniß aufgeführt finden, daß +Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, Kälte nur Abwesenheit der Wärme +sey. Über diese scharfsinnige Reflexion kann in diesem Felde von +empirischen Gegenständen empirisch bemerkt werden, daß die Finsterniß +sich im Lichte allerdings wirksam zeigt, indem sie dasselbe zur Farbe +bestimmt und ihm selbst dadurch erst Sichtbarkeit ertheilt, indem wie +früher gesagt, im reinen Lichte ebenso wenig gesehen wird, als in der +reinen Finsterniß. Die Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im Auge, an +der jenes Negative ebenso viel Antheil hat, als das für das Reale, +Positive geltende Licht; ebenso giebt sich die Kälte dem Wasser, +unserer Empfindung u.s. f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr +sogenannte objektive Realität absprechen, so ist damit durchaus nichts +gegen sie gewonnen. Aber ferner wäre zu rügen, daß hier gleichfalls, +wie oben, von einem Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird, +nicht beim Nichts selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer +Abstraktion nicht nachsteht, noch etwas voraus hat.—Allein Kälte, +Finsterniß und dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich für sich +zu nehmen, und es ist zu sehen, was damit in Rücksicht ihrer +allgemeinen Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt +ist. Sie sollen nicht das Nichts überhaupt, sondern das Nichts vom +Licht, Wärme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind +sie bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann. Aber eine +Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation; +so sind sie negative Nichts; aber ein negatives Nichts ist etwas +Affirmatives. Das Umschlagen des Nichts durch seine Bestimmtheit (die +vorhin als ein Daseyn im Subjekte, oder in sonst was es sey, erschien) +in ein Affirmatives, erscheint dem Bewußtseyn, das in der +Verstandes-Abstraktion feststeht, als das paradoxeste, so einfach die +Einsicht ist, oder auch wegen ihrer Einfachheit selbst erscheint die +Einsicht, daß die Negation der Negation Positives ist, als etwas +Triviales, auf welches der stolze Verstand daher nicht zu achten +brauche, obgleich die Sache ihre Richtigkeit habe,—und sie hat nicht +nur diese Richtigkeit, sondern um der Allgemeinheit solcher +Bestimmungen willen ihre unendliche Ausdehnung und allgemeine +Anwendung, so daß wohl darauf zu achten wäre. + +Noch kann über die Bestimmung des Übergangs von Seyn und Nichts in +einander bemerkt werden, daß derselbe eben so ohne weitere +Reflexionsbestimmung aufzufassen ist. Er ist unmittelbar und ganz +abstrakt, um der Abstraktion der übergehenden Momente willen, d. i. +indem an diesen Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen +gesetzt ist, vermittelst dessen sie übergingen; das Nichts ist am Seyn +noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich Nichts ist, und umgekehrt. +Es ist daher unzulässig, weiters bestimmte Vermittelungen hier +anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem Verhältnisse zu +fassen,—jenes Übergehen ist noch kein Verhältniß. Es ist also +unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn ist +der Grund von Nichts;—das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder es kann +nur unter der Bedingung in das Nichts übergegangen werden, daß etwas +ist, oder in das Seyn nur unter der Bedingung des Nichtseyns. Die Art +der Beziehung kann nicht weiter bestimmt seyn, ohne daß zugleich die +bezogenen Seiten weiter bestimmt würden. Der Zusammenhang von Grund und +Folge u.s.f. hat nicht mehr das bloße Seyn und Nichts zu den Seiten, +die er verbindet, sondern ausdrücklich Seyn, das Grund ist, und etwas, +das zwar nur ein gesetztes, nicht Selbstständiges sey, das aber nicht +das abstrakte Nichts ist. + +Anmerkung 4. + +Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniß es mit der +Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat, wodurch +die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit der +Dialektik gegen das Werden, Entstehen oder Vergehen überhaupt. —Die +Kantische Antinomie über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt in +Raum und Zeit wird unten bei dem Begriffe der quantitativen +Unendlichkeit näher betrachtet werden.—Jene einfache gewöhnliche +Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und +Nichts. Es wird auf folgende Art bewiesen, daß kein Anfang der Welt +oder von Etwas möglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern +etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, fängt es +nicht erst an; insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an. +-Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im +Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang; +denn Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthält kein +Seyn. Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn das +Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten. —Aus +demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhören. Denn so müßte das Seyn +das Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das Gegentheil +seiner selbst. + +Es erhellt, daß hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhören, +diese Einheit des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie +assertorisch zu läugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von +dem andern, Wahrheit zuzuschreiben.—Diese Dialektik ist jedoch +wenigstens konsequenter als das reflektirende Vorstellen. Ihm gilt es +für vollkommene Wahrheit, daß Seyn und Nichts nur getrennt seyen; auf +der anderen Seite aber läßt es ein Anfangen und Aufhören als eben so +wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die +Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an. + +Bei der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom +Nichts, ist—was man so oft hört—der Anfang oder das Werden allerdings +etwas Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung, welche den +Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt, und dieser +Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung unmöglich macht, +heißt das Unbegreifliche. + +Das Angeführte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen den +Begriff braucht, den die höhere Analysis von den unendlich-kleinen +Größen giebt. Von diesem Begriffe wird weiter unten ausführlicher +gehandelt.—Diese Größen sind als solche, bestimmt worden, die in ihrem +Verschwinden sind, nicht vor ihrem Verschwinden, denn als dann sind sie +endliche Größen;—nicht nach ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie +nichts. Gegen diesen reinen Begriff ist eingewendet und immer +wiederholt worden, daß solche Größen entweder Etwas seyen, oder Nichts; +daß es keinen Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender, +barbarischer Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe.—Es ist hierbei +gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen. +Dagegen ist aber gezeigt worden, daß Seyn und Nichts in der That +dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, daß es gar nichts +giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts ist. Die +Mathematik hat ihre glänzendsten Erfolge der Annahme jener Bestimmung, +welcher der Verstand widerspricht, zu danken. + +Das angeführte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der +absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei +derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei zu +nennen. Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen +Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten läßt; +Dialektik aber nennen wir die höhere vernünftige Bewegung, in welche +solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das, +was sie sind, in einander übergehen, die Voraussetzung sich aufhebt. Es +ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst, daß +sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen. + +2. Momente des Werdens. + +Das Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns +und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt; +sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte +Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist. Aber indem Seyn +und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht. Sie +sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als +Aufgehobene. Sie sinken von ihrer zunächst vorgestellten +Selbstständigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber +zugleich aufgehobenen. + +Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefaßt, ist jedes in +derselben als Einheit mit dem Anderen. Das Werden enthält also Seyn und +Nichts als zwei solche Einheiten, deren jede selbst Einheit des Seyns +und Nichts ist; die eine das Seyn als unmittelbar und als Beziehung auf +das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und als Beziehung auf +das Seyn; die Bestimmungen sind in ungleichem Werthe in diesen +Einheiten. + +Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der einen +ist das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom Nichts, das +sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe übergeht, in der +anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist anfangend vom Seyn, +das in das Nichts übergeht,—Entstehen und Vergehen. + +Beide sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen +Richtungen durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig. Die eine +ist Vergehen; Seyn geht in Nichts über, aber Nichts ist eben so sehr +das Gegentheil seiner selbst, Übergehen in Seyn, Entstehen. Dieß +Entstehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn über, aber Seyn +hebt ebenso sehr sich selbst auf und ist vielmehr das Übergehen in +Nichts, ist Vergehen.—Sie heben sich nicht gegenseitig, nicht das eine +äußerlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an sich selbst auf +und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner. + +3. Aufheben des Werdens. + +Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist +zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige Einheit +zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende; aber das +Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit derselben. Ihr +Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens, oder Verschwinden +des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine haltungslose Unruhe, die +in ein ruhiges Resultat zusammensinkt. + +Dieß könnte auch so ausgedrückt werden: Das Werden ist das Verschwinden +von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das Verschwinden von +Seyn und Nichts überhaupt; aber es beruht zugleich auf dem Unterschiede +derselben. Es widerspricht sich also in sich selbst, weil es solches in +sich vereint, das sich entgegengesetzt ist; eine solche Vereinigung +aber zerstört sich. + +Dieß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so wäre +es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen Bestimmungen, +nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die zur ruhigen +Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die ruhige +Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich, sondern +als Bestimmung des Ganzen. + +Das Werden so Übergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche als +seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren Einheit +dieser Momente hat, ist das Daseyn. + +Anmerkung. + +Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten +Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin +allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und besonders +vom Nichts zu unterscheiden ist.—Was sich aufhebt, wird dadurch nicht +zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein Aufgehobenes dagegen ist +ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende, aber als Resultat, das von +einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher die Bestimmtheit aus der es +herkommt, noch an sich. + +Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als +aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören +lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schließt schon das +Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem den +äußerlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu +erhalten.—So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur +seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist. +—Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch als +zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend müßte es +aber dabei seyn, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und dasselbe +Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. Für das +spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter zu finden +welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; die deutsche +Sprache hat mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des lateinischen: +tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum esse Octavium, +berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative Bestimmung geht +nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern aufgehoben, als es in +die Einheit mit seinem Entgegengesetzten getreten ist; in dieser nähern +Bestimmung als ein reflektirtes kann es passend Moment genannt werden. +Gewicht und Entfernung von einem Punkt heißen beim Hebel, dessen +mechanische Momente, um der Dieselbigkeit ihrer Wirkung willen bei +aller sonstigen Verschiedenheit eines Reellen, wie das ein Gewicht ist, +und eines Ideellen, der bloßen räumlichen Bestimmung, der Linie; s. +Encykl. der philos. Wissenschaft 3te Ausg. § 261. Anm.—Noch öfter wird +die Bemerkung sich aufdringen, daß die philosophische Kunstsprache für +reflektirte Bestimmungen lateinische Ausdrücke gebraucht, entweder weil +die Muttersprache keine Ausdrücke dafür hat, oder wenn sie deren hat, +wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an das Unmittelbare, die fremde +Sprache aber mehr an das Reflektirte erinnert. + +Der nähere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr +Momente sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als +der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben. Seyn ist Seyn, und +Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in ihrer +Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese Bestimmungen +verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und Nichts sind +dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht mehr Seyn und +Nichts, und haben eine verschiedene Bestimmung; im Werden waren sie +Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders bestimmten Einheit +sind sie wieder anders bestimmte Momente. Diese Einheit bleibt nun ihre +Grundlage, aus der sie nicht mehr zur abstrakten Bedeutung von Seyn und +Nichts heraustreten. + + + + +Zweites Kapitel. Das Daseyn. + + +Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende +Bestimmtheit, Qualität. Durch seine Qualität ist Etwas gegen ein +Anderes, ist veränderlich und endlich, nicht nur gegen ein Anderes, +sondern an ihm schlechthin negativ bestimmt. Diese seine Negation dem +endlichen Etwas zunächst gegenüber ist das Unendliche; der abstrakte +Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, löst sich in die +gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fürsichseyn auf. + +Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen: + +A. das Daseyn als solches, + +B. Etwas und Anderes, die Endlichkeit, + +C. die qualitative Unendlichkeit. + +A. Daseyn als solches. + +An dem Daseyn + +a. als solchem, ist zunächst seine Bestimmtheit + +b. als Qualität zu unterscheiden. Diese aber ist sowohl in der einen +als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realität und +als Negation. Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr in +sich reflektirt; und als solches gesetzt ist es + +c. Etwas, Daseyendes. + +a. Daseyn überhaupt. + +Aus dem Werden geht das Daseyn hervor. Das Daseyn ist das einfache +Einsseyn des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, die +Form von einem Unmittelbaren. Seine Vermittelung, das Werden, liegt +hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint daher als +ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunächst in der +einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthält, das +Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene. + +Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn; etymologisch genommen Seyn an +einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehört nicht hierher. +Daseyn ist, nach seinem Werden, überhaupt Seyn mit einem Nichtseyn, so +daß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen ist. +Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete Ganze in der +Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die Bestimmtheit als +solche aus. + +Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i. Bestimmtheit des Seyns, +denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu seyn +gezeigt,—ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es für uns +in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt an ihm selbst. Aber die +Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die gesetzte, die auch im +Ausdruck Daseyn liegt.—Beides ist immer sehr wohl von einander zu +unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem Begriffe, gehört in +die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem Inhalte. Die noch +nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehört unserer +Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst, oder sie +sey äußere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art bemerklich +zu machen kann nur zur Erläuterung oder Vorausandeutung des Ganges +dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen wird. Daß das +Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der einseitigen +Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine äußerliche Reflexion; in der +Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu kommen, als +gesetzte zu seyn.—Es hat hier auf den angegebenen Unterschied +aufmerksam gemacht werden sollen; über alles aber, was die Reflexion +sich erlauben kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben, würde in die +Weitläufigkeit führen, das zu anticipiren, was sich an der Sache selbst +ergeben muß. Wenn dergleichen Reflexionen dienen können, die Übersicht +und damit das Verständniß zu erleichtern, so führen sie wohl auch den +Nachtheil herbei, als unberechtigte Behauptungen, Gründe und Grundlagen +für das Weitere auszusehen. Man soll sie daher für nichts mehr nehmen, +als was sie seyn sollen, und sie von dem unterscheiden, was ein Moment +im Fortgange der Sache selbst ist. + +Das Daseyn entspricht dem Seyn der vorigen Sphäre; das Seyn jedoch ist +das Unbestimmte, es ergeben sich deswegen keine Bestimmungen an +demselben. Aber das Daseyn ist bestimmtes Seyn, ein konkretes; es thun +sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene Verhältnisse +seiner Momente an ihm auf. + +b. Qualität. + +Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts, Eins +sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; so weit das Daseyn seyend +ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt. Das Seyn ist nicht das +Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die Bestimmtheit hat +sich noch nicht vom Seyn abgelöst; zwar wird sie sich auch nicht mehr +von ihm ablösen; denn das nunmehr zum Grunde liegende Wahre ist die +Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr als dem Grunde ergeben +sich alle fernern Bestimmungen. Aber die Beziehung, in der hier die +Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die unmittelbare Einheit beider, +so daß noch keine Unterscheidung derselben gesetzt ist. + +Die Bestimmtheit so für sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist die +Qualität;—ein ganz Einfaches, Unmittelbares. Die Bestimmtheit überhaupt +ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative, wie weiter +Bestimmte seyn kann. Um dieser Einfachheit willen ist von der Qualität +als solcher weiter nichts zu sagen. + +Aber das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn +enthalten, ist selbst der Maßstab für die Einseitigkeit der Qualität +als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit. Sie ist ebenso sehr +in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die unmittelbare +oder die seyende Bestimmtheit als eine unterschiedene, reflektirte +gesetzt wird, das Nichts so als das bestimmte einer Bestimmtheit, ist +ebenso ein reflektirtes, eine Verneinung. Die Qualität, so daß sie +unterschieden als seyende gelte, ist die Realität; sie als mit einer +Verneinung behaftet, Negation überhaupt, gleichfalls eine Qualität, +aber die für einen Mangel gilt, sich weiterhin als Grenze, Schranke +bestimmt. + +Beide sind ein Daseyn, aber in der Realität als Qualität mit dem +Accente, eine seyende, zu seyn, ist es versteckt, daß sie die +Bestimmtheit, also auch die Negation enthält; die Realität gilt daher +nur als etwas Positives, aus welchem Verneinung, Beschränktheit, Mangel +ausgeschlossen sey. Die Negation als bloßer Mangel genommen, wäre was +Nichts ist; aber sie ist ein Daseyn, eine Qualität nur mit einem +Nichtseyn bestimmt. + +Anmerkung. + +Realität kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von +verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Im +philosophischen Sinne wird etwa von bloß empirischer Realität als einem +werthlosen Daseyn gesprochen. Wenn aber von Gedanken, Begriffen, +Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt dieß, daß +ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe könne die +Idee einer platonischen Republik z.B. wohl wahr seyn. Der Idee wird +hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der Realität auch +belassen. Aber gegen sogenannte bloße Ideen, gegen bloße Begriffe gilt +das Reelle als das allein Wahrhafte.—Der Sinn, in welchem das eine Mal +dem äußerlichen Daseyn die Entscheidung über die Wahrheit eines Inhalts +zugeschrieben wird, ist ebenso einseitig, als wenn die Idee, das Wesen +oder auch die innere Empfindung als gleichgültig gegen das äußerliche +Daseyn vorgestellt und gar für um so vortrefflicher gehalten wird, je +mehr es von der Realität entfernt sey. + +Bei dem Ausdrucke: Realität ist der sonstige metaphysische Begriff von +Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom Daseyn +Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwähnen. Gott wurde als der +Inbegriff aller Realitäten bestimmt, und von diesem Inbegriffe gesagt, +daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der Realitäten +die andere aufhebe; denn eine Realität sey nur als eine Vollkommenheit, +als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation enthalte. Somit +seyen die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und widersprechen sich +nicht. + +Bei diesem Begriffe der Realität wird angenommen, daß sie dann noch +bleibe, wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle +Bestimmtheit derselben aufgehoben. Die Realität ist Qualität, Daseyn; +damit enthält sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch das +Bestimmte, das sie ist. Im sogenannten eminenten Sinne oder als +unendliche,—in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts,—wie sie genommen +werden soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und verliert ihre +Bedeutung. Die Güte Gottes soll nicht Güte im gewöhnlichen, sondern im +eminenten Sinne, nicht verschieden von der Gerechtigkeit, sondern durch +sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer Vermittelungs-Ausdruck) so wie +umgekehrt die Gerechtigkeit durch die Güte; so ist weder Güte mehr +Güte, noch Gerechtigkeit mehr Gerechtigkeit. Die Macht solle durch die +Weisheit temperirt seyn, aber so ist sie nicht Macht als solche, denn +sie wäre jener unterworfen,—die Weisheit solle zur Macht erweitert +seyn, aber so verschwindet sie als den Zweck und Maaß bestimmende +Weisheit. Der wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute +Einheit, der sich später ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren, +gegenseitiges Beschränken oder Vermischen zu fassen, als welches eine +oberflächliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit der +sich nur begriffloses Vorstellen begnügen kann.—Die Realität, wie sie +in jener Definition Gottes als bestimmte Qualität genommen wird, über +ihre Bestimmtheit hinausgeführt, hört auf Realität zu seyn; sie wird +zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem Realen, oder als +Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe Bestimmungs- und Gehaltlose, +was das leere Absolute, in dem alles Eins ist. + +Wird dagegen die Realität in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da +sie wesentlich das Moment des Negativen enthält, der Inbegriff aller +Realitäten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem +Inbegriffe aller Widersprüche, zunächst etwa zur absoluten Macht, in +der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist, insofern +sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenüber hat, so wird +sie, indem sie zur ausgeführten, schrankenlosen Macht erweitert gedacht +wird, zum abstrakten Nichts. Jenes Reale in allem Realen, das Seyn in +allem Daseyn, welches den Begriff Gottes ausdrücken soll, ist nichts +anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe was das Nichts ist. + +Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der Satz +des Spinoza: Omnis determinatio est negatio, dieser Satz ist von +unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als solche die formlose +Abstraktion; der spekulativen Philosophie muß aber nicht Schuld gegeben +werden, daß ihr die Negation oder das Nichts ein Letztes sey; dieß ist +es ihr so wenig als die Realität das Wahrhafte. + +Von diesem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit +der Spinozistischen Substanz, oder daß nur Eine Substanz ist,—die +nothwendige Konsequenz. Denken und Seyn oder Ausdehnung, die zwei +Bestimmungen, die Spinoza nämlich vor sich hat, mußte er in dieser +Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitäten, sind sie +Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist; nach Spinozas +Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von Etwas seine +Affirmation. Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als solche, die +nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-für-sich-Seyn haben, sondern +nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr sind sie ihm nicht +einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr selbst ganz +bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi, +Unterscheidungen, die ein äußerer Verstand macht.—Eben so kann die +Substantialität der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen. Das +Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, daß es allein Anderen +Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner +selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm +selbst. Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten +beschränkte, aber dieß Mehr gehört in eine andere Sphäre des Begriffs; +in der Metaphysik des Seyns ist es ein schlechthin bestimmtes; und daß +ein solches, daß das Endliche als solches an und für sich sey, dagegen +macht sich die Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend, und reißt +es in dieselbe negative Bewegung des Verstandes, welche alles in der +abstrakten Einheit, der Substanz, verschwinden läßt. + +Die Negation steht unmittelbar der Realität gegenüber; weiterhin in der +eigentlichen Sphäre der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem +Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende +Realität ist,—die Realität, an der das Negative scheint, das in der +Realität als solcher noch versteckt ist. + +Die Qualität ist erst in der Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als sie +in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung zeigt. +Unter Eigenschaften z.B. von Kräutern versteht man Bestimmungen, die +einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern insofern es sich +dadurch in der Beziehung auf andere auf eine eigenthümliche Weise +erhält, die fremden in ihm gesetzten Einwirkungen nicht in sich +gewähren läßt, sondern seine eigene Bestimmungen in dem Anderen,—ob es +dieß zwar nicht von sich abhält, —geltend macht. Die mehr ruhenden +Bestimmtheiten, z.B. Figur, Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl +Eigenschaften, auch etwa nicht Qualitäten, insofern sie als +veränderlich, mit dem Seyn nicht identisch vorgestellt werden. + +Die Qualirung oder Inqualirung, ein Ausdruck der Jacob-Böhmischen, +einer in die Tiefe aber in eine trübe Tiefe gehenden Philosophie, +bedeutet die Bewegung einer Qualität (der sauren, herben, feurigen u. +s.f.) in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer +Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, überhaupt die Unruhe ihrer +an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt und +erhält. + +c. Etwas. + +An dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualität unterschieden worden; +an dieser als daseyender ist der Unterschied,—der Realität und der +Negation. So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn vorhanden sind, +so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben. Die Realität enthält +selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes, abstraktes Seyn. +Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das abstraktseynsollende Nichts, +sondern hier gesetzt wie es an sich ist, als seyend, dem Daseyn +angehörig. So ist die Qualität überhaupt nicht vom Daseyn getrennt, +welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn ist. + +Dieses Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein bloßes Zurücknehmen +und äußeres Wieder-Weglassen derselben oder als ein einfaches +Zurückkehren zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem. Der +Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist. Das Faktische, +was also vorhanden ist, ist das Daseyn überhaupt, Unterschied an ihm, +und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn nicht als +unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst gleich, +durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns vermittelt +durch dieses Aufheben. Dieß Aufgehobenseyn des Unterschieds ist die +eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es Insichseyn; das Daseyn ist +Daseyendes, Etwas. + +Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende +Beziehung auf sich. Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich +wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden (Ich) u.s.f. Diese +Bestimmung ist von der höchsten Wichtigkeit, um nicht bei dem Daseyn, +Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als +Allgemeinheiten stehen zu bleiben. Etwas gilt der Vorstellung mit Recht +als ein Reelles. Jedoch ist Etwas noch eine sehr oberflächliche +Bestimmung; wie Realität und Negation, das Daseyn und dessen +Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und Nichts, aber ganz +abstrakte Bestimmungen sind. Deswegen sind sie auch die gegenläufigsten +Ausdrücke, und die philosophisch nicht gebildete Reflexion gebraucht +sie am meisten, gießt ihre Unterscheidungen darein, und meint daran +etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben. —Das Negative des +Negativen ist als Etwas nur der Anfang des Subjekts;—das Insichseyn nur +erst ganz unbestimmt. Es bestimmt sich fernerhin zunächst als +Fürsichseyendes und sofort bis es erst im Begriff die konkrete +Intensität des Subjekts erhält. Allen diesen Bestimmungen liegt die +negative Einheit mit sich zu Grunde. Aber dabei ist die Negation als +erste, als Negation überhaupt wohl zu unterscheiden von der zweiten, +der Negation der Negation, welche die konkrete, absolute Negativität, +wie jene erste dagegen nur die abstrakte Negativität ist. + +Etwas ist seyend als die Negation der Negation; denn diese ist das +Wiederherstellen der einfachen Beziehung auf sich;—aber ebenso ist +damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst. Schon in dem +Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fürsichseyn, Subjekt u.s. +f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden, bereits auch +im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die Vermittelung mit +sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als einfaches Identisches +bestimmt ist.—Auf das Vorhandenseyn der Vermittelung überhaupt kann +gegen das Princip der behaupteten bloßen Unmittelbarkeit des Wissens, +von welcher die Vermittelung ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam +gemacht werden; aber es bedarf weiterhin nicht besonders auf das Moment +der Vermittelung aufmerksam zu machen; denn es befindet sich überall +und allenthalben, in jedem Begriffe. + +Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich ist, hat nur als +Negation der Negation genommen, keine konkrete Bestimmungen zu ihren +Seiten; so fällt sie in die einfache Einheit zusammen, welche Seyn ist. +Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner auch +Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen Momenten hat. +Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und weiter Daseyendes. Das +zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als Negatives des Etwas +bestimmt,—ein Anderes. Das Etwas als Werden ist ein Übergehen, dessen +Momente selbst Etwas sind, und das darum Veränderung ist;—ein bereits +konkret gewordenes Werden.—Das Etwas aber verändert sich zunächst nur +in seinem Begriffe; es ist noch nicht so als vermittelnd und vermittelt +gesetzt; zunächst nur als sich in seiner Beziehung auf sich einfach +erhaltend, und das Negative seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein +Anderes überhaupt. + +B. Die Endlichkeit. + +a. Etwas und Anderes; sie sind zunächst gleichgültig gegeneinander; ein +Anderes ist auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die Negation +fällt so außer beiden. Etwas ist an sich gegen sein Seyn-für anderes. +Aber die Bestimmtheit gehört auch seinem Ansich an, und ist + +b. dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit übergeht, +die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte +Seyn-für-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche + +c. die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das +Endliche ist. + +In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn überhaupt betrachtet wurde, +hatte dieses als zunächst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden. Die +Momente seiner Entwicklung, Qualität und Etwas, sind darum ebenso +affirmativer Bestimmung. In dieser Abtheilung hingegen entwickelt sich +die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur erst +Negation überhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte des +In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist. + +a. Etwas und ein Anderes. + +1. Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas. + +Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes. Es ist gleichgültig, welches +zuerst und bloß darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie in +einem Satze vorkommen, heißen beide aliud, oder einer den andern, alius +alium; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter alterum +analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so ist +zunächst B als das Andere bestimmt. Aber A ist ebenso sehr das Andere +des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere. Um den Unterschied und das +als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren, dient das Dieses. Aber +Dieses spricht eben es aus, daß dieß Unterscheiden und Herausheben des +einen Etwas ein subjektives, außerhalb des Etwas selbst fallendes +Bezeichnen ist. In dieses äußerliche Monstriren fällt die ganze +Bestimmtheit; selbst der Ausdruck: Dieses enthält keinen Unterschied; +alle und jede Etwas sind gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind. +Man meint, durch: Dieses, etwas vollkommen bestimmtes auszudrücken; es +wird übersehen, daß die Sprache, als Werk des Verstandes, nur +Allgemeines ausspricht, außer in dem Namen eines einzelnen +Gegenstandes; der individuelle Name ist aber ein Sinnloses in dem +Sinne, daß er nicht ein Allgemeines ausdrückt, und erscheint als ein +bloß Gesetztes, Willkürliches aus demselben Grunde, wie denn auch +Einzelnamen willkürlich angenommen, gegeben oder ebenso verändert +werden können. + +Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn +fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Daseyn; Theils, daß +ein Daseyn erst durch das Vergleichen eines Dritten, Theils, daß es nur +um des Anderen willen, das außer ihm ist, als anderes bestimmt werde, +aber nicht für sich so sey. Zugleich, wie bemerkt worden, bestimmt sich +jedes Daseyn, auch für die Vorstellung, ebenso sehr als ein anderes +Daseyn, so daß nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein Daseyn +bestimmt, das nicht außerhalb eines Daseyns, also nicht selbst ein +Anderes wäre. + +Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit +dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden. Diese +Dieselbigkeit der Bestimmungen fällt aber ebenso nur in die äußere +Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunächst +gesetzt ist, so ist dasselbe für sich zwar in Beziehung auf das Etwas, +aber auch für sich außerhalb desselben. + +Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung auf +sich selbst; abstrakt als das Andere,…… des Plato, der es als eins der +Momente der Totalität, dem Einen entgegensetzt, und dem Anderen auf +diese Weise eine eigne Natur zuschreibt. So ist das Andere allein als +solches gefaßt, nicht das Andere von Etwas, sondern das Andere an ihm +selbst, d. i. das Andere seiner selbst.—Solches seiner Bestimmung nach +Andere ist die physische Natur; sie ist das Andere des Geistes; diese +ihre Bestimmung ist so zunächst eine bloße Relativität, wodurch nicht +eine Qualität der Natur selbst, sondern nur eine ihr äußerliche +Beziehung ausgedrückt wird. Aber indem der Geist das wahrhafte Etwas, +und die Natur daher an ihr selbst nur das ist, was sie gegen den Geist +ist, so ist, insofern sie für sich genommen wird, ihre Qualität eben +dieß, das Andere an ihr selbst, das Außer-sich-seyende (in den +Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der Materie) zu seyn. + +Das Andere für sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere +seiner selbst, so das Andere des Anderen,—also das in sich schlechthin +Ungleiche, sich Negirende, das sich Verändernde. Aber ebenso bleibt es +identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es sich veränderte, ist +das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung hat; aber das sich +Verändernde ist auf keine verschiedene Weise, sondern auf dieselbe, ein +Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in demselben nur mit sich +zusammen. So ist es gesetzt als in sich Reflektirtes mit Aufheben des +Andersseyns; mit sich identisches Etwas, von dem hiermit das +Andersseyn, das zugleich Moment desselben ist, ein Unterschiedenes, ihm +nicht als Etwas selbst zukommendes ist. + +2. Etwas erhält sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins mit +ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm. + +Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein sein +Andersseyn. Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und zugleich +noch davon getrennt; es ist Seyn-für-Anderes. + +Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in +der Bestimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich +schließend, ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann zunächst +Anderes,—aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich auch erhält, +nur Seyn-für-Anderes. + +Es erhält sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn +überhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf +Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein solches +Seyn ist Ansichseyn. + +Seyn-für-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus. +Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas und +Anderes. 2) Seyn-für-Anderes, und Ansichseyn. Die erstern enthalten die +Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas und Anderes fallen +auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung; das +Seyn-für-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen als +Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen, welche +Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns +bleiben. Jedes selbst enthält damit an ihm zugleich auch sein von ihm +verschiedenes Moment. + +Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr +als Seyn und Nichts;—dieß sind sie nur außer ihrer Einheit; so in ihrer +unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen. —Seyn im +Etwas ist Ansichseyn. Seyn, die Beziehung auf sich, die Gleichheit mit +sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern Beziehung auf sich nur +als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich reflektirtes Daseyn).—Eben +so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in dieser Einheit des Seyns und +Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn überhaupt, sondern Anderes, und +bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von ihm zugleich, +Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-für-Anderes. + +Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn, +es hat das Andersseyn außer ihm und ist demselben entgegen; insofern +Etwas an sich ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-für-Anderes +entnommen. Aber zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm; denn +es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-für Anderes. + +Das Seyn-für-Anderes aber ist erstlich Negation der einfachen Beziehung +des Seyns auf sich, die zunächst Daseyn und Etwas seyn soll; insofern +Etwas in einem Anderen oder für ein Anderes ist, entbehrt es des +eigenen Seyns. Aber zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als reines +Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf sein in sich +reflektirtes Seyn hinweist, so wie umgekehrt das Ansichseyn auf das +Seyn-für-Anderes hinweist. + +Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, nämlich des +Etwas. Ansich ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-für-Anderes heraus, +in sich zurückgekehrt ist. Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder +Umstand an sich (hier fällt der Accent auf an) oder an ihm, insofern +dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Seyn-für-Anderes ist. + +Dieß führt zu einer weitern Bestimmung. Ansichseyn und Seyn-für-Anderes +sind zunächst verschieden; aber daß Etwas dasselbe, was es an sich ist, +auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als Seyn-für-Anderes ist, auch +an sich ist,—dieß ist die Identität des Ansichseyns und +Seyns-für-Anderes, nach der Bestimmung, daß das Etwas selbst ein und +dasselbe beider Momente ist, sie also ungetrennt in ihm sind.—Es +ergiebt sich formell diese Identität schon in der Sphäre des Daseyns, +aber ausdrücklicher in der Betrachtung des Wesens und dann des +Verhältnisses der Innerlichkeit und Äußerlichkeit, und am bestimmtesten +in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des Begriffs und der +Wirklichkeit.—Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes zu sagen, wie mit +dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist auch nur an ihm; ansich +ist eine nur abstrakte, damit selbst äußerliche Bestimmung. Die +Ausdrücke: es ist nichts an ihm, oder es ist etwas daran, enthalten, +obgleich etwa dunkel, daß das, was an einem ist, auch zu seinem +Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften Werthe gehöre. + +Es kann bemerkt werden, daß sich hier der Sinn des Dings-an-sich +ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang +eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der +Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine +vielgeltende Weisheit war.—Die Dinge heißen an-sich, insofern von allem +Seyn-für-Anderes abstrahirt wird, das heißt überhaupt, insofern sie +ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden. In diesem Sinn kann +man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist. Denn die Frage: +was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem aber die Dinge, +von denen sie anzugeben verlangt würde, zugleich Dinge-an-sich seyn +sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in die Frage +gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung gelegt, oder man +macht nur eine widersinnige Antwort.—Das Ding-an-sich ist dasselbe, was +jenes Absolute, von dem man nichts weiß, als daß Alles eins in ihm ist. +Man weiß daher sehr wohl, was an diesen Dingen-an-sich ist; sie sind +als solche nichts als Wahrheitslose, leere Abstraktionen. Was aber das +Ding-an-sich in Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist die +Logik die Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas Besseres als die +Abstraktion verstanden wird, nämlich was etwas in seinem Begriffe ist; +dieser aber ist konkret in sich, als Begriff überhaupt begreiflich, und +als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich erkennbar. + +Das Ansichseyn hat zunächst das Seyn-für-Anderes zu seinem +gegenüberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das Gesetztseyn +gegenübergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das +Seyn-für-Anderes, aber er enthält bestimmt die bereits geschehene +Zurückbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein +Ansichseyn, worin es positiv ist. Das Ansichseyn ist gewöhnlich als +eine abstrakte Weise den Begriff auszudrücken zu nehmen; Setzen fällt +eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion; der +Grund setzt das, was durch ihn begründet wird; die Ursache noch mehr +bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbstständigkeit +unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen +seine Sache, sein Seyn zu haben. In der Sphäre des Seyns geht das +Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein Anderes, +mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche bringt das +Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht. In der Sphäre des Seyns +ist das Sich-bestimmen des Begriffs selbst nur erst an sich, so heißt +es ein Übergehen; auch die reflektirenden Bestimmungen des Seyns, wie +Etwas und Anderes, oder das Endliche und Unendliche, ob sie gleich +wesentlich auf einander hinweisen, oder als Seyn-für-Anderes sind, +gelten als qualitative für sich bestehend; das Andere ist, das Endliche +gilt ebenso als unmittelbar seyend und für sich feststehend, wie das +Unendliche; ihr Sinn erscheint als vollendet auch ohne ihr Anderes. Das +Positive und Negative hingegen, Ursache und Wirkung, so sehr sie auch +als isolirt seyend genommen werden, haben zugleich keinen Sinn ohne +einander; es ist an ihnen selbst ihr Scheinen in einander, das Scheinen +seines Anderen in jedem, vorhanden.—In den verschiedenen Kreisen der +Bestimmung und besonders im Fortgange der Exposition, oder näher im +Fortgange des Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache, +dieß immer wohl zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt ist, +wie die Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder als +seyend-für-Anderes sind. Es ist dieß ein Unterschied, der nur der +dialektischen Entwickelung angehört, den das metaphysische +Philosophiren, worunter auch das kritische gehört, nicht kennt; die +Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen, Unterscheidungen +und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar Ansichseyendes behaupten +und hervorbringen. + +Das Seyn-für-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch +mit seinem Ansich; das Seyn-für-Anderes ist so am Etwas. Diese in sich +reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende, somit +wieder eine Qualität,—die Bestimmung. + +b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze. + +Das Ansich, in welches das Etwas aus seinem Seyn-für-Anderes in sich +reflektirt ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als Negation +seines Seyns-für-Anderes durch dieses vermittelt, welches so sein +Moment ist. Es ist nicht nur die unmittelbare Identität des Etwas mit +sich, sondern die, durch welche das Etwas das, was es an sich ist, auch +an ihm ist; das Seyn-für-Anderes ist an ihm, weil das Ansich das +Aufheben desselben ist, aus demselben in sich ist; aber ebenso sehr +auch schon, weil es abstrakt, also wesentlich mit Negation, mit +Seyn-für-Anderes behaftet ist. Es ist hier nicht nur Qualität und +Realität, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende Bestimmtheit +vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in sich reflektirte +Bestimmtheit zu setzen. + +1. Die Qualität, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in +Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine +Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer Bedeutung +von Bestimmtheit überhaupt unterschieden wird. Die Bestimmung ist die +affirmative Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem das Etwas in seinem +Daseyn gegen seine Verwicklung mit Anderem, wo von es bestimmt würde, +gemäß bleibt, sich in seiner Gleichheit mit sich erhält, sie in seinem +Seyn-für-Anderes geltend macht. Es erfüllt seine Bestimmung, insofern +die weitere Bestimmtheit, welche zunächst durch sein Verhalten zu +Anderem mannigfaltig erwächst, seinem Ansichseyn gemäß, seine Fülle +wird. Die Bestimmung enthält dieß, daß was Etwas an sich ist, auch an +ihm sey. + +Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken überhaupt +ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von dem Thiere +unterschieden; er ist Denken an sich, insofern dasselbe auch von seinem +Seyn-für-Anderes, seiner eigenen Natürlichkeit und Sinnlichkeit, +wodurch er unmittelbar mit Anderem zusammenhängt, unterschieden ist. +Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch selbst ist Denken, er ist +da als denkend, es ist seine Existenz und Wirklichkeit; und ferner +indem es in seinem Daseyn, und sein Daseyn im Denken ist, ist es +konkret, ist mit Inhalt und Erfüllung zu nehmen, es ist denkende +Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen. Aber selbst diese +Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen, d. i. sie mit der +Erfüllung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der Form des Ansich +überhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn, das zugleich noch +als äußerlich gegenüberstehende, unmittelbare Sinnlichkeit und Natur +ist. + +2. Die Erfüllung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch +unterschieden von der Bestimmtheit, die nur Seyn-für-Anderes ist und +außer der Bestimmung bleibt. Denn im Felde des Qualitativen bleibt den +Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare, +qualitative Seyn gegeneinander. Das, was das Etwas an ihm hat, theilt +sich so, und ist nach dieser Seite äußerliches Daseyn des Etwas, das +auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn angehört.—Die +Bestimmtheit ist so Beschaffenheit. + +So oder anders beschaffen, ist Etwas als in äußerem Einfluß und +Verhältnissen begriffen. Diese äußerliche Beziehung, von der die +Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes, +erscheint als etwas Zufälliges. Aber es ist Qualität des Etwas, dieser +Äußerlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu haben. + +Insofern Etwas sich verändert, so fällt die Veränderung in die +Beschaffenheit; sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird. Es selbst +erhält sich in der Veränderung, welche nur diese unstäte Oberfläche +seines Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft. + +Bestimmung und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden; Etwas +ist seiner Bestimmung nach gleichgültig gegen seine Beschaffenheit. Das +aber, was Etwas an ihm hat, ist die sie beide verbindende Mitte dieses +Schlusses. Das Am Etwas seyn zeigte sich aber vielmehr in jene beide +Extreme zu zerfallen. Die einfache Mitte ist die Bestimmtheit als +solche; ihrer Identität gehört sowohl Bestimmung als Beschaffenheit an. +Aber die Bestimmung geht für sich selbst in Beschaffenheit und diese in +jene über. Dieß liegt im Bisherigen; der Zusammenhang ist näher dieser: +Insofern das, was Etwas an sich ist, auch an ihm ist, ist es mit +Seyn-für-Anderes behaftet; die Bestimmung ist damit als solche offen +dem Verhältniß zu Anderem. Die Bestimmtheit ist zugleich Moment, +enthält aber zugleich den qualitativen Unterschied, vom Ansichseyn +verschieden, das Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu seyn. Die so +das Andere in sich fassende Bestimmtheit mit dem Ansichseyn vereinigt +bringt das Andersseyn in das Ansichseyn oder in die Bestimmung hinein, +welche dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt ist. Umgekehrt das +Seyn-für-Anders als Beschaffenheit isolirt und für sich gesetzt ist es +an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm selbst +d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich beziehendes +Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also Bestimmung.—Es hängt +hiermit, insofern beide auch außereinander zu halten sind, die +Beschaffenheit, die in einem Äußerlichen, einem Anderen überhaupt +gegründet erscheint, auch von der Bestimmung ab, und das fremde +Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas zugleich bestimmt. +Aber ferner gehört die Beschaffenheit zu dem, was das Etwas an sich +ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas. + +Diese Änderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veränderung des Etwas +bloß nach seinem Seyn-für-Anderes; jene erste war nur die an sich +seyende, dem innern Begriffe angehörige Veränderung; die Veränderung +ist nunmehr auch die am Etwas gesetzte.—Das Etwas selbst ist weiter +bestimmt, und die Negation als ihm immanent gesetzt, als sein +entwickeltes Insichseyn. + +Zunächst ist das Übergehen der Bestimmung und Beschaffenheit ineinander +das Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn oder Etwas +überhaupt gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede resultirt, der +das qualitative Andersseyn ebenso in sich befaßt, sind Zwei Etwas, aber +nicht nur Andere gegen einander überhaupt, so daß diese Negation noch +abstrakt wäre und nur in die Vergleichung fiele, sondern sie ist +nunmehr den Etwas immanent. Sie sind als daseyend gleichgültig +gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht mehr unmittelbare, +jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des Aufhebens des +Andersseyns, welches in der Bestimmung in das Ansichseyn reflektirt +ist. + +Etwas verhält sich so aus sich selbst zum Anderen, weil das Andersseyn +als sein eigenes Moment in ihm gesetzt ist, sein Insichseyn befaßt die +Negation in sich, vermittelst deren überhaupt es nun sein affirmatives +Daseyn hat. Aber von diesem ist das Andere auch qualitativ +unterschieden, es ist hiermit außer dem Etwas gesetzt. Die Negation +seines Anderen ist nur die Qualität des Etwas, denn als dieses Aufheben +seines Anderen ist es Etwas. Damit tritt erst eigentlich das Andere +einem Daseyn selbst gegenüber; dem ersten Etwas ist das Andere nur +äußerlich gegenüber, oder aber indem sie in der That schlechthin, d. i. +ihrem Begriffe nach zusammenhängen, ist ihr Zusammenhang dieser, daß +das Daseyn in Andersseyn, Etwas in Anderes übergegangen, Etwas sosehr +als das Andere, ein Anderes ist. Insofern nun das Insichseyn das +Nichtseyn des Andersseyns, welches in ihm enthalten, aber Zugleich als +seyend unterschieden, ist das Etwas selbst, die Negation, das Aufhören +eines Anderen an ihm; es ist als sich negativ dagegen verhaltend und +sich damit erhaltend gesetzt; —dieß Andere, das Insichseyn des Etwas +als Negation der Negation ist sein Ansichseyn, und zugleich ist dieß +Aufheben als einfache Negation an ihm, nämlich als seine Negation des +ihm äußerlichen anderen Etwas. Es ist Eine Bestimmtheit derselben, +welche sowohl mit dem Insichseyn der Etwas identisch, als Negation der +Negation, als auch indem diese Negationen als andere Etwas +gegeneinander sind, sie aus ihnen selbst zusammenschließt und ebenso +von einander, jedes das Andere negirend, abscheidet,—die Grenze. + +3. Seyn-für-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von Etwas +mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das Nichtseyn-für-Anderes +hervor, die qualitative Negation des Anderen, welches dadurch von dem +in sich reflektirten Etwas abgehalten wird. Die Entwickelung dieses +Begriffs ist zu sehen, welche sich aber vielmehr als Verwicklung und +Widerspruch zeigt. Dieser ist sogleich darin vorhanden, daß die Grenze +als in sich reflektirte Negation des Etwas die Momente des Etwas und +des Anderen in ihr ideell enthält, und diese als unterschiedene Momente +zugleich in der Sphäre des Daseyns als reell, qualitativ unterschieden +gesetzt sind. + +à. Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und +hat eine Grenze zunächst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des +Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes. —Aber +das Andere ist selbst ein Etwas überhaupt; die Grenze also, welche das +Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen als Etwas, +Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein Anderes von sich +abhält, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist sie nicht nur +Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen Etwas, somit +des Etwas überhaupt. + +Aber sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist Etwas +zugleich durch seine Grenze. Indem Etwas begrenzend ist, wird es zwar +dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine Grenze ist, als +Aufhören des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das Seyn des Etwas; +dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr seine Qualität.—Dieß +Verhältniß ist die äußere Erscheinung dessen, daß die Grenze einfache +Negation oder die erste Negation, das Andere aber zugleich die Negation +der Negation, das Insichseyn des Etwas, ist. + +Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes Etwas, +aber es hat sie an ihm selbst und ist Etwas durch die Vermittelung +derselben, die ebenso sehr sein Nichtseyn ist. Sie ist die +Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist. + +ß. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese +Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied sind, so fällt das +Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas außer einander. Etwas hat sein +Daseyn außer (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb) seiner +Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist, außerhalb +derselben. Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie aufhören. Sie +haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer Grenze; die Grenze als +das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von beiden. + +—Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint die +Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, des Punktes; die Fläche als +Fläche außerhalb der Linie; der Körper als Körper nur außerhalb seiner +begrenzenden Fläche.—Dieß ist die Seite, von welcher die Grenze +zunächst in die Vorstellung,—das Außersichseyn des Begriffes,—fällt, +als vornehmlich auch in den räumlichen Gegenständen genommen wird. + +y. Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das +unbegrenzte Etwas, nur das Daseyn überhaupt. So ist es nicht von seinem +Anderen unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem Anderen +dieselbe Bestimmung, jedes ist nur Etwas überhaupt oder jedes ist +Anderes; beide sind so Dasselbe. Aber dieß ihr zunächst unmittelbares +Daseyn ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze, in welcher +beide sind, was sie sind, unterschieden von einander. Sie ist aber +ebenso ihre gemeinschaftliche Unterschiedenheit, die Einheit und +Unterschiedenheit derselben, wie das Dasein. Diese doppelte Identität +beider, das Daseyn und die Grenze enthält dieß, daß das Etwas sein +Daseyn nur in der Grenze hat, und daß, indem die Grenze und das +unmittelbare Daseyn beide zugleich das Negative von einander sind, das +Etwas, welches nur in seiner Grenze ist, eben so sehr sich von sich +selbst trennt und über sich hinaus auf sein Nichtseyn weißt und dieß +als sein Seyn ausspricht, und so in dasselbe übergeht. Um dieß auf das +vorige Beispiel anzuwenden, so ist die eine Bestimmung, daß Etwas, das +was es ist, nur in seiner Grenze ist;—so ist also der Punkt nicht nur +so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört und sie als Daseyn +außer ihm ist;—die Linie nicht nur so Grenze der Fläche, daß diese in +der Linie nur aufhört, ebenso die Fläche als Grenze des Körpers. +Sondern im Punkte fängt die Linie auch an; er ist ihr absoluter Anfang, +auch insofern sie als nach ihren beiden Seiten unbegrenzt, oder wie man +es ausdrückt, als ins Unendliche verlängert vorgestellt wird, macht der +Punkt ihr Element aus, wie die Linie das Element der Fläche, die Fläche +das des Körpers. Diese Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen; +wie das Eins, z.B. als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des +ganzen Hundert. + +Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in der +es immanent ist, der Widerspruch zu seyn, der es über sich selbst +hinausschickt. So ist der Punkt, diese Dialektik seiner selbst, zur +Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Fläche, die Fläche die +zum totalen Raume zu werden. Von Linie, Fläche, und ganzem Raum wird +eine zweite Definition so gegeben, daß durch die Bewegung des Punktes +die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht u.s.f. +Diese Bewegung des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas +Zufälliges oder nur so Vorgestelltes angesehen. Dieß ist jedoch +eigentlich darin zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen Linie +u.s.f. entstehen sollen, ihre Elemente und Principien seyen, und diese +sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das Entstehen wird so +nicht für zufällig oder nur so vorgestellt, betrachtet. Daß Punkt, +Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend, Anfänge sind, welche +selbst sich von sich abstossen, und der Punkt somit aus sich durch +seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an sich bewegt und sie +entstehen macht, u.s.f.—liegt in dem Begriffe der dem Etwas immanenten +Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehört in die Betrachtung des +Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der Punkt die ganz abstrakte +Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist noch ganz unbestimmt genommen, +es ist der sogenannte absolute, d. h. abstrakte Raum, das schlechthin +kontinuirliche Außereinanderseyn. Damit daß die Grenze s nicht +abstrakte Negation, sondern in diesem Daseyn, daß sie räumliche +Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich, der Widerspruch der +abstrakten Negation und der Kontinuität und damit das Übergehen und +Übergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen Punkt giebt, wie +auch nicht eine Linie und Fläche. + +Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner +selbst, durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist +das Endliche. + +c. Die Endlichkeit. + +Das Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualität, und ist in ihr nicht +nur bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualität ist seine Grenze, mit +welcher behaftet, es zunächst affirmatives, ruhiges Daseyn bleibt. Aber +diese Negation entwickelt, so daß der Gegensatz seines Daseyns und der +Negation als ihm immanenter Grenze selbst das Insichseyn des Etwas, und +dieses somit nur Werden an ihm selbst sey, macht seine Endlichkeit aus. +Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind endlich, so wird darunter +verstanden, daß sie nicht nur eine Bestimmtheit haben, die Qualität +nicht nur als Realität und ansichseyende Bestimmung, daß sie nicht blos +begrenzt sind, sie haben so noch Daseyn außer ihrer Grenze,—sondern daß +vielmehr das Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht. Die endlichen +Dinge sind, aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß sie als +negativ sich auf sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf +sich selbst sich über sich, über ihr Seyn, hinauszuschicken. Sie sind, +aber die Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende. Das Endliche verändert +sich nicht nur, wie Etwas überhaupt, sondern es vergeht, und es ist +nicht bloß möglich, daß es vergeht, so daß es seyn könnte, ohne zu +vergehen. Sondern das Seyn der endlichen Dinge als solches ist, den +Keim des Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt +ist die Stunde ihres Todes. + +1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit. + +Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich, +weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in der +Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives Seyn +unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist. Die +Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation, die +zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn +zurückgegangen ist, die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die +Negation überhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem +Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird für sich als +Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte +Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber. Das +Endliche läßt sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu +seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;—es ist vielmehr +das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen hin +affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also +untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem +Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der +endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand +verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur +Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht. Ihre +Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen, +vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist +ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr +Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig. + +Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut +sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie oder +Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen wollen; vielmehr ist +das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des Endlichen vorhanden; +das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche; das Endliche ist nur +das Endliche, nicht das Unvergängliche; dieß liegt unmittelbar in +seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt darauf an, ob in der +Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird, die Vergänglichkeit +bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und das Vergehen vergeht? +Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum eben in derjenigen +Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum Letzten des Endlichen +macht. Es ist die ausdrückliche Behauptung, daß das Endliche mit dem +Unendlichen unverträglich und unvereinbar sey, das Endliche dem +Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey. Dem Unendlichen ist Seyn, +absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber bleibt so das Endliche +festgehalten, als das Negative desselben; unvereinbar mit dem +Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen Seite; Affirmation +erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und verginge so; aber +eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das Unmögliche erklärt +wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen gegenüber, sondern +vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein Vergehen das Letzte, +nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben des Vergehens seyn +würde. Sollte aber das Endliche nicht im Affirmativen vergehen, sondern +sein Ende als das Nichts gefaßt werden, so wären wir wieder bei jenem +ersten, abstrakten Nichts, das selbst längst vergangen ist. + +Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem zugleich +eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben wird, +kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen, +angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der Endlichkeit +ausdrücklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier wird behauptet, +das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen entgegen, das an sich +Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges. Dieß ist zum Bewußtseyn +zu bringen; und die Entwickelung des Endlichen zeigt, daß es an ihm als +dieser Widerspruch in sich zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich +auflöst, nicht daß es nur vergänglich ist und vergeht, sondern daß das +Vergehen, das Nichts, nicht das Letzte ist, sondern vergeht. + +2. Die Schranke und das Sollen. + +Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, daß das +Etwas endlich ist, oder daß das Endliche ist. Aber Etwas oder das Seyn +ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich reflektirt, und +entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und Beschaffenheit an +ihm hat, und noch bestimmter, daß es eine Grenze an ihm hat, welche als +das dem Etwas immanente und die Qualität seines Insichseyns ausmachend, +die Endlichkeit ist. In diesem Begriffe des endlichen Etwas ist zu +sehen, was für Momente enthalten sind. + +Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten für die +äußerliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem +Ansich des Etwas angehörig; die Äußerlichkeit des Andersseyns ist einer +Seits in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits bleibt sie +als Äußerlichkeit unterschieden davon, sie ist noch Äußerlichkeit als +solche, aber an dem Etwas. Indem aber ferner das Andersseyn als Grenze, +selbst als Negation der Negation, bestimmt ist, so ist das dem Etwas +immanente Andersseyn, als die Beziehung der beiden Seiten gesetzt, und +die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl die Bestimmung als die +Beschaffenheit angehört, seine gegen sich selbst gekehrte Beziehung, +die seine immanente Grenze in ihm negirende Beziehung seiner an sich +seyenden Bestimmung darauf. Das mit sich identische Insichseyn bezieht +sich so auf sich selbst als sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation +der Negation, als dasselbe negirend, das zugleich Daseyn in ihm behält, +denn es ist die Qualität seines Insichseyns. Die eigene Grenze des +Etwas, so von ihm als ein Negatives, das zugleich wesentlich ist, +gesetzt, ist nicht nur Grenze als solche, sondern Schranke. Aber die +Schranke ist nicht allein das als negirt gesetzte; die Negation ist +zweischneidig, indem das von ihr als negirt Gesetzte, die Grenze ist; +diese nämlich ist überhaupt das Gemeinschaftliche des Etwas und des +Anderen, auch Bestimmtheit des Ansichseyns der Bestimmung als solcher. +Dieses Ansichseyn hiermit ist als die negative Beziehung auf seine von +ihm auch unterschiedene Grenze, auf sich als Schranke, Sollen. + +Daß die Grenze, die am Etwas überhaupt ist, Schranke sey, muß es +zugleich in sich selbst über sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf +sie als auf ein Nichtseyendes beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt +ruhig gleichgültig, gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber über +seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobenseyn, das gegen +sie negative Ansichseyn ist. Und indem sie in der Bestimmung selbst als +Schranke ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus. + +Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an +sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber +dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden, +aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist. + +Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf seine +Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist +Schranke. Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst +endlich, sowohl das Sollen, als die Schranke. Aber nur die Schranke ist +als das Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit für uns, +beschränkt. Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon immanente +Grenze ist es beschränkt, aber diese seine Beschränkung ist in das +Ansichseyn eingehüllt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach seiner +Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn gesetzt. + +Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es wäre, so sollte es +nicht bloß seyn. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. Diese +Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die +Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, nämlich +zugleich nur eine Bestimmtheit. + +Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum +Sollen herab, dadurch daß dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in +einer und derselben Rücksicht als Nichtseyn ist; und zwar so, daß im +Insichseyn, der Negation der Negation, jenes Ansichseyn als die eine +Negation (das Negirende) Einheit mit der anderen ist, die zugleich als +qualitativ andere, Grenze ist, wodurch jene Einheit als Beziehung auf +sie ist. Die Schranke des Endlichen ist nicht ein Äußeres, sondern +seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke; und diese ist sowohl +sie selbst als auch Sollen; sie ist das Gemeinschaftliche beider, oder +vielmehr das, worin beide identisch sind. + +Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche über seine Schranke +hinaus; dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch +aufgehoben, und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht +seine Grenze. + +Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat +es aber nur als Sollen seine Schranke. Beides ist untrennbar. Etwas hat +insofern eine Schranke, als es in seiner Bestimmung die Negation hat, +und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke. + +Anmerkung. + +Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie, +vornehmlich in Beziehung auf Moralität, und metaphysisch überhaupt auch +als der letzte und absolute Begriff von der Identität des Ansichseyns +oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit oder der Grenze +gespielt. + +Du kannst, weil du sollst,—dieser Ausdruck, der viel sagen sollte, +liegt im Begriffe des Sollens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn über +die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben, das Ansichseyn +des Sollens ist so identische Beziehung auf sich, somit die Abstraktion +des Könnens.—Aber umgekehrt ist es eben so richtig: Du kannst nicht, +eben weil du sollst. Denn im Sollen liegt ebenso sehr die Schranke als +Schranke; jener Formalismus der Möglichkeit hat an ihr eine Realität, +ein qualitatives Andersseyn, sich gegenüber, und die Beziehung beider +auf einander ist der Widerspruch, somit das Nicht-Können oder vielmehr +die Unmöglichkeit. + +Im Sollen beginnt das Hinausgehen über die Endlichkeit, die +Unendlichkeit. Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer +Entwickelung, nach jener Unmöglichkeit als der Progreß ins Unendliche +darstellt. + +In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens können zwei +Vorurtheile näher gerügt werden. Es pflegt zuerst viel auf die +Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und es +wird behauptet, es könne über die Schranke nicht hinausgegangen werden. +In dieser Behauptung liegt die Bewußtlosigkeit, daß darin selbst, daß +etwas als Schranke bestimmt ist, darüber bereits hinausgegangen ist. +Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke nur bestimmt, im +Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt, also gegen sein Unbeschränktes; +das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus über dieselbe. Der Stein, +das Metall ist nicht über seine Schranke hinaus, darum weil sie für ihn +nicht Schranke ist. Wenn jedoch bei solchen allgemeinen Sätzen des +verständigen Denkens, daß über die Schranke nicht hinausgegangen werden +könne, das Denken sich nicht anwenden will, um zu sehen, was im +Begriffe liegt, so kann an die Wirklichkeit verwiesen werden, wo denn +solche Sätze sich als das Unwirklichste zeigen. Dadurch eben, daß das +Denken etwas Höheres, als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich entfernt +in höheren Regionen halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen +bestimmt ist, geht es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und +geschieht ihm andererseits, daß es sich ebenso unwahr gegen die +Wirklichkeit als gegen den Begriff verhält.—Weil der Stein nicht denkt, +nicht einmal empfindet, ist seine Beschränktheit für ihn keine +Schranke, d. h. in ihm nicht eine Negation für die Empfindung, +Vorstellung, Denken u.s.f. die er nicht hat. Aber auch selbst der Stein +ist als Etwas in seine Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn +unterschieden, und insofern geht auch er über seine Schranke hinaus; +der Begriff der er an sich ist, enthält die Identität mit seinem +Anderen. Ist er eine säurungsfähige Basis, so ist er oxidirbar, +neutralisirbar u.s.f. In der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich +seine Schranke, nur als Basis da zu seyn, auf; er geht darüber hinaus; +sowie die Säure ihre Schranke als Säure zu seyn aufhebt, und es ist in +ihr wie in der kaustischen Basis sosehr das Sollen, über ihre Schranke +hinauszugehen, vorhanden, daß sie nur mit Gewalt als—wasserlose, d. i. +rein nicht neutrale—Säure und kaustische Basis festgehalten werden +können. + +Enthält aber eine Existenz den Begriff nicht bloß als abstraktes +Ansichseyn, sondern als für sich seyende Totalität, als Trieb, als +Leben, Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus ihr +dieß, über die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen. Die Pflanze +geht über die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso über die, als Blüthe, +als Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird entfaltete +Pflanze, die Blüthe verblüht u.s.f. Das Empfindende in der Schranke des +Hungers, Durstes u.s.f. ist der Trieb über diese Schranke hinauszugehen +und vollführt dieß Hinausgehen. Es empfindet Schmerz, und das Vorrecht +empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden; es ist eine Negation in +seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke in seinem Gefühle +bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefühl seiner Selbst hat, +welches die Totalität ist, das über jene Bestimmtheit hinaus ist. Wäre +es nicht darüber hinaus, so empfände es dieselbe nicht als seine +Negation und hätte keinen Schmerz.—Die Vernunft aber, das Denken, +sollte nicht über die Schranke hinausgehen können,—sie, die das +Allgemeine, das für sich über die, d. i. über alle Besonderheit hinaus +ist, nur das Hinausgehen über die Schranke ist.—Freilich ist nicht +jedes Hinausgehen und Hinausseyn über die Schranke eine wahrhafte +Befreiung von derselben, wahrhafte Affirmation; schon das Sollen selbst +ist ein solches unvollkommenes Hinausgehen, und die Abstraktion +überhaupt. Aber das Hinweisen auf das ganz abstrakte Allgemeine reicht +aus gegen die ebenso abstrakte Versicherung, es könne nicht über die +Schranke hinausgegangen werden, oder schon das Hinweisen auf das +Unendliche überhaupt gegen die Versicherung, daß nicht über das +Endliche hinausgegangen werden könne. + +Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens erwähnt +werden,—wenn ein Magnet Bewußtseyn hätte, so würde derselbe seine +Richtung nach Norden für eine Bestimmung seines Willens, ein Gesetz +seiner Freyheit ansehen. Vielmehr wenn er Bewußtseyn damit Willen und +Freiheit hätte, wäre er denkend, somit würde der Raum für ihn als +allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine Richtung +nach Norden vielmehr als eine Schranke für seine Freyheit seyn, so sehr +als es für den Menschen eine Schranke auf einer Stelle festgehalten zu +werden, für die Pflanze aber nicht ist. + +Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen über die Schranke, aber ein +selbst nur endliches Hinausgehen. Es hat daher seine Stelle und sein +Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das +Beschränkte festhält und es als die Regel und das Wesentliche gegen das +Nichtige behauptet. Die Pflicht ist ein Sollen gegen den besonderen +Willen, gegen die selbstsüchtige Begierde und das willkürliche +Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner Beweglichkeit sich +vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein Sollen vorgehalten. +Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch halten, und darin, daß +das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes anerkannt wird, meinen, daß +die Moralität zerstört werden solle, sowie die Raisonneurs, deren +Verstand sich die unaufhörliche Befriedigung giebt, gegen Alles, was da +ist, ein Sollen und somit ein Besser-wissen vorbringen zu können, die +sich das Sollen darum ebenso wenig wollen rauben lassen, sehen nicht, +daß für die Endlichkeit ihrer Kreise das Sollen vollkommen anerkannt +wird.—Aber in der Wirklichkeit selbst steht es nicht so traurig um +Vernünftigkeit und Gesetz, daß sie nur seyn sollten, dabei bleibt nur +das Abstraktum des Ansichseyns,—so wenig als daß das Sollen an ihm +selbst perennirend und, was dasselbe ist, die Endlichkeit absolut wäre. +Die Kantische und Fichtesche Philosophie giebt als den höchsten Punkt +der Auflösung der Widersprüche der Vernunft das Sollen an, was aber +vielmehr nur der Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit +im Widerspruche, ist. + +3. Übergang des Endlichen in das Unendliche. + +Das Sollen für sich enthält die Schranke, und die Schranke das Sollen. +Ihre Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide in +seinem Insichseyn enthält. Diese Momente seiner Bestimmung sind sich +qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das Negative +des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der Schranke. Das +Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es hebt sich auf, +vergeht. Aber dieß sein Resultat, das Negative überhaupt, ist à) seine +Bestimmung selbst; denn es ist das Negative des Negativen. So ist das +Endliche in dem Vergehen nicht vergangen; es ist zunächst nur ein +anderes Endliches geworden, welches aber ebenso das Vergehen als +Übergehen in ein anderes Endliches ist, und so fort, etwa ins +Unendliche. Aber ß) näher dieß Resultat betrachtet, so hat das Endliche +in seinem Vergehen, dieser Negation seiner selbst, sein Ansichseyn +erreicht, es ist darin mit sich selbst zusammengegangen. Jedes seiner +Momente enthält eben dieß Resultat; das Sollen geht über die Schranke, +d. i. über sich selbst hinaus; über es hinaus aber oder sein Anderes +ist nur die Schranke selbst. Die Schranke aber weist über sich selbst +unmittelbar hinaus zu seinem Anderen, welches das Sollen ist; dieses +aber ist dieselbe Entzweiung des Ansichseyns und des Daseyns wie die +Schranke, ist dasselbe; über sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit +sich zusammen. Diese Identität mit sich, die Negation der Negation, ist +affirmatives Seyn, so das Andere des Endlichen, als welches die erste +Negation zu seiner Bestimmtheit haben soll;—jenes Andere ist das +Unendliche. + +C. Die Unendlichkeit. + +Das Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunächst als eine neue +Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die +bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden. Die +Formen des Daseyns fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die für +Definitionen des Absoluten angesehen werden können, da die Formen jener +Sphäre für sich unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als endliche +überhaupt, gesetzt sind. Das Unendliche aber gilt schlechthin für +absolut, da es ausdrücklich als Negation des Endlichen bestimmt ist, +hiermit auf die Beschränktheit, deren das Seyn und Werden, wenn sie +auch an ihnen keine Beschränktheit haben oder zeigen, doch etwa fähig +seyn könnten, im Unendlichen ausdrücklich Beziehung genommen und eine +solche an ihm negirt ist. + +Damit aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der +Beschränktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den +wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit, +das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu +unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche, und es +wird sich ergeben, daß eben indem das Unendliche vom Endlichen rein und +entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird. + +Das Unendliche ist + +a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen; + +b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist +das abstrakte, einseitige Unendliche; + +c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein +Proceß,—ist das wahrhafte Unendliche. + +a. Das Unendliche überhaupt. + +Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das +Seyn, das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat. Das +Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare +Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei dem +Namen des Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht auf, +denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt sich zu +sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit, seiner +Freiheit. + +Zuerst hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das Daseyn +in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die Schranke +hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, über sich +hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden. Das +Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem +Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben +hätte und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft +über das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, daß das +Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft über +das Zeitliche erheben, so läßt man dieß ganz unbeschadet des Endlichen +geschehen, welches jene ihm äußerlich bleibende Erhebung nichts angeht. +Insofern aber das Endliche selbst in die Unendlichkeit erhoben wird, +ist es eben so wenig eine fremde Gewalt, welche ihm dieß anthut, +sondern es ist dieß seine Natur, sich auf sich als Schranke, sowohl als +Schranke als solche, wie als Sollen, zu beziehen, und über dieselbe +hinauszugehen, oder vielmehr als Beziehung auf sich sie negirt zu haben +und über sie hinaus zu seyn. Nicht im Aufheben der Endlichkeit +überhaupt wird die Unendlichkeit überhaupt, sondern das Endliche ist +nur dieß, selbst durch seine Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit +ist seine affirmative Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist. + +So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur +das Unendliche. + +b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. + +Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die +Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als +Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines +bestimmten überhaupt, näher weil es das in sich-reflektirte, +vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit überhaupt resultirende +Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn +gesetzt ist,—in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze, +zurückgefallen. Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem +Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in qualitativer +Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare Seyn des +Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen wieder, das +zunächst im Unendlichen verschwunden schien. + +Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien +der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß Andere +gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist nämlich die als Schranke +gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung gesetzt in sein +Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden. Die Unendlichkeit ist das +Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und Sollen, aber dieses +zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte Sollen, nur sich auf +sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der Unendlichkeit ist die +Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit, Veränderung, alle +Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden, als aufgehoben, +das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese Negation des Endlichen +ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als Negation der Negation in +sich affirmativ ist. Diese Affirmation jedoch ist als qualitativ +unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn; hierdurch ist das Unendliche auf +die Kategorie zurückgeführt, daß es das Endliche als ein Anderes sich +gegenüber hat; seine negative Natur ist als die seyende, hiermit erste +und unmittelbare Negation gesetzt. Das Unendliche ist auf diese Weise +mit dem Gegensatze gegen das Endliche behaftet, welches, als Anderes, +das bestimmte, reale Daseyn zugleich bleibt, obschon es in seinem +Ansichseyn, dem Unendlichen, zugleich als aufgehoben gesetzt ist; +dieses ist das Nicht-endliche; —ein Seyn in der Bestimmtheit der +Negation. Gegen das Endliche, den Kreis der seyenden Bestimmtheiten, +der Realitäten, ist das Unendliche das unbestimmte Leere, das Jenseits +des Endlichen, welches sein Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein +bestimmtes ist, hat. + +So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von +Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das +Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die +absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß, +indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht zu +haben meint, er in dem unversöhnten, unaufgelösten, absoluten +Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die er +nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und +Explikation dieser seiner Kategorien einläßt. + +Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen +das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei +Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine +endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des +Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches +Unendliches. + +Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren +Formen.—Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt, auch +indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird;— dieses +hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu seiner +Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene Negation, als +Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher noch Etwas ist. +Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt erhebende Verstand zu +seinem Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so bleibt ihm diese +endliche Welt als ein Diesseits stehen, so daß das Unendliche nur über +dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und eben damit das +Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;—beide an einen +verschiedenen Platz gestellt,—das Endliche als das hiesige Daseyn, das +Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als ein Jenseits +in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher jenes sich befinde +und dableibe. + +So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie +abscheidende Negation auf einander bezogen. Diese sie, die in sich +reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze des +einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes derselben, sie nicht +bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr +Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst für sich, in seiner +Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist aber als die erste +Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst. Jedoch ist +jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation seiner +Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von sich ab, und +qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes Seyn außer ihm, +das Endliche sein Nichtseyn als dieß Unendliche, dieses ebenso das +Endliche. Daß von dem Endlichen zum Unendlichen nothwendig d. h. durch +die Bestimmung des Endlichen übergegangen und es als zum Ansichseyn +erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das Endliche zwar als +bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an sich nichtige also +sich nach seiner Bestimmung auflösende bestimmt ist, das Unendliche +aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet, bestimmt ist, aber +zugleich auch als das Ansichseyende, so daß diese Abstraktion der sich +auf sich beziehenden Affirmation seine Bestimmung ausmache, nach dieser +hiermit das endliche Daseyn nicht in ihr liege. Aber es ist gezeigt +worden, daß das Unendliche selbst nur vermittelst der Negation, als +Negation der Negation, zum affirmativen Seyn resultirt, und daß diese +seine Affirmation als nur einfaches, qualitatives Seyn genommen, die in +ihm enthaltene Negation, zur einfachen unmittelbaren Negation, und +damit zur Bestimmtheit und Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als +widersprechend seinem Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das +Seinige, vielmehr seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche, +gesetzt wird. Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung +das Setzen seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre +Einheit ist in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist +die innerliche, die nur zu Grunde liegt. + +Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im +Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Übergehen des Endlichen +zum Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an dem Endlichen, +und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem Anderen, nur +hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares Entstehen an +dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey. + +Der Proceß ihres Übergehens hat folgende, ausführliche Gestalt. Es wird +über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Dieß Hinausgehen +erscheint als ein äußerliches Thun. In diesem dem Endlichen jenseitigen +Leeren was entsteht? Was ist das Positive darin? Um der Untrennbarkeit +des Unendlichen und Endlichen willen, (oder weil dieß auf seiner Seite +stehende Unendliche selbst beschränkt ist), entsteht die Grenze; das +Unendliche ist verschwunden, sein Anderes, das Endliche, ist +eingetreten. Aber dieß Eintreten des Endlichen, erscheint als ein dem +Unendlichen äußerliches Geschehen, und die neue Grenze als ein solches, +das nicht aus dem Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso +vorgefunden werde. Es ist damit der Rückfall in die vorherige, +vergebens aufgehobene Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist +selbst nur ein solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen +ist. Somit ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem +ebenso jene Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,—und +sofort ins Unendliche. + +Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden; +das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf +das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf +das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere +gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist jedes +die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner Bestimmtheit +Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein Anderes ist. + +Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist +es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen +Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr +hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins +Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.—Dieser +Progreß tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer +Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in untrennbarer Einheit +sind, und doch jeder gegen die andere ein selbstständiges Daseyn +zugeschrieben wird. Dieser Progreß ist daher der Widerspruch, der nicht +aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen wird. + +Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt, +indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird. Es ist +das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings hinausgegangen, +denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit eben wird vielmehr +nur zum Endlichen zurückgekehrt. Diese schlechte Unendlichkeit ist an +sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie ist zwar die Negation +des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in Wahrheit davon zu +befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor, als ihr Anderes, weil +dieß Unendliche nur ist als in Beziehung auf das ihm andere Endliche. +Der Progreß ins Unendliche ist daher nur die sich wiederholende +Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige Abwechslung dieses +Endlichen und Unendlichen. + +Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen +als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich. Somit +wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und Unendlichen +gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt. Sie ist es +jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im Unendlichen das +Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die Triebfeder des unendlichen +Progresses. Er ist das Äußere jener Einheit, bei welchem die +Vorstellung stehen bleibt, bei jener perennirenden Wiederholung eines +und desselben Abwechselns, der leeren Unruhe des Weitergehens über die +Grenze hinaus zur Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue +Grenze findet, auf derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem +Unendlichen. Dieses Unendliche hat die feste Determination eines +Jenseits, das nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht +werden soll, weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden +Negation nicht abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das +Endliche als ein Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins +Unendliche erheben kann, darum weil es diese Determination eines +Andern, hiermit eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und +zwar als davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat. + +c. Die affirmative Unendlichkeit. + +In dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des +Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon +vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist. +Dieß Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des +Begriffes aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander +fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der +Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit sich +ergiebt, die den Begriff selbst giebt;—die Einheit des Unendlichen und +Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber vornehmlich in +Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für die Einheit, wie +sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen dieser schiefen +Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Äußerung des Begriffes +vorhanden seyn. + +Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist das +Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche; es ist seiner +Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das Endliche nur als +das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation seiner an ihm +selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt hiermit die +Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des unendlichen +Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und nur abwechselnd +auf einander folgen; es kann keines gesetzt und gefaßt werden ohne das +Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche, dieses nicht ohne das +Unendliche. Wenn gesagt wird, was das Unendliche ist, nämlich die +Negation des Endlichen, so wird das Endliche selbst mit ausgesprochen; +es kann zur Bestimmung des Unendlichen nicht entbehrt werden. Man +bedarf nur zu wissen, was man sagt, um die Bestimmung des Endlichen im +Unendlichen zu finden. Vom Endlichen seinerseits wird sogleich +zugegeben, daß es das Nichtige ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die +Unendlichkeit, von der es ebenso untrennbar ist.—In diesem Auffassen +können sie nach ihrer Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn +scheinen. Werden sie hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur +durch das: Und verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes +nur an ihm selbst seyend, einander gegenüber. Es ist zu sehen, wie sie +in solcher Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines +der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es ist +nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem +gegenüberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche. Es +sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, daß es so vom Endlichen +abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt seine +Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.—Das Endliche +seinerseits als für sich vom Unendlichen entfernt gestellt, ist diese +Beziehung auf sich, in der seine Relativität, Abhängigkeit, seine +Vergänglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbstständigkeit und +Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll. + +Beide Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit +zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur +als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden +auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung von +einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das Unendliche +und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die ihnen +äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist, was es +ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung, ebenso sehr +als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet, sein Anderes in +ihm als sein eigenes Moment liegen hat. + +Dieß giebt denn die—verrufene—Einheit des Endlichen und Unendlichen, +—die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und +die Endlichkeit in sich begreift,—also das Unendliche in einem anderen +Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und auf die +andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden werden +müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die Einheit +beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das Gemeinschaftliche, +die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als Einheit sie zunächst als +negirte, da jedes das seyn soll, was es ist in ihrer Unterschiedenheit; +in ihrer Einheit verlieren sie also ihre qualitative Natur;—eine +wichtige Reflexion gegen die Vorstellung, die sich nicht davon +losmachen will, in der Einheit des Unendlichen und Endlichen sie nach +der Qualität, welche sie als außereinander genommen haben sollen, +festzuhalten, und daher in jener Einheit nichts als den Widerspruch, +nicht auch die Auflösung desselben durch die Negation der qualitativen +Bestimmtheit beider sieht; so wird die zunächst einfache, allgemeine +Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht. + +Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so +ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist, +in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner +Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit +an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur +Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das +schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung, +welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag einer +Qualität solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes +Unendliches. Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur das +Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein +Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen +unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt. + +Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch +die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht. Dieß +geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden Einheiten, +das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das An-sich-seyn +angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit und Schranke +gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn herabgesetzt und +verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls als das nicht +negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so daß es in seiner +Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht sey, erhoben, und +dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr perennirende +Bestimmung verunendlicht werde. + +Die Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen +vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit +festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut +getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für +ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die Einheit +des Endlichen und Unendlichen nicht ein äußerliches Zusammenbringen +derselben, noch eine ungehörige, ihrer Bestimmung zuwiderlaufende +Verbindung, in welcher an sich getrennte und entgegengesetzte, +gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit unverträgliche verknüpft +würden, sondern jedes ist an ihm selbst diese Einheit, und dieß nur als +Aufheben seiner selbst worin keines vor dem andern einen Vorzug des +Ansichseyns und affirmativen Daseyns hätte. Wie früher gezeigt, ist die +Endlichkeit nur als Hinausgehen über sich; es ist also in ihr die +Unendlichkeit, das Andere ihrer selbst, enthalten. Eben so ist die +Unendlichkeit nur als Hinausgehen über das Endliche; sie enthält also +wesentlich ihr Anderes, und ist somit an ihr das Andere ihrer selbst. +Das Endliche wird nicht vom Unendlichen als einer außer ihm vorhandenen +Macht aufgehoben, sondern es ist seine Unendlichkeit, sich selbst +aufzuheben. + +Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn +überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas. Das, worin sich das Endliche +aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit; aber diese +ist längst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn bestimmt. Es ist +also nur die Negation, die sich in der Negation aufhebt. So ist ihrer +Seits die Unendlichkeit als das Negative der Endlichkeit und damit der +Bestimmtheit überhaupt, als das leere Jenseits, bestimmt; sein +Sich-aufheben im Endlichen ist ein Zurückkehren aus der leeren Flucht, +Negation des Jenseits, das ein Negatives an ihm selbst ist. + +Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation. +Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation aber +als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung, welche die +Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es, die wesentlich +ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie im unendlichen +Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm gesetzt sind,—nämlich +noch nicht in ihrer letzten Wahrheit. + +Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche +negirt,—es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen; zweitens +werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern, als für sich +Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen vergleichend +heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren Vergleichen, die +zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und Unendlichen in ihrer +Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen, getrennt haben. Aber der +unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist in ihm auch der +Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch zunächst nur noch +als Übergang und Abwechslung; es ist nur in einer einfachen Reflexion +von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden ist. + +Zunächst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im +unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander, +nur aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen, so +wird über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist also +das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in diesem +entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das Unendliche +vorhanden. Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils überhaupt nur als +ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der Momente, Theils noch nicht +als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser Hinaus ist ein eigener Ansatz, +ein neuer Akt, so daß sie so auseinander fallen.—Es ist aber auch +ferner im unendlichen Progresse deren Beziehung vorhanden. Es ist +erstlich das Endliche; dann wird darüber hinausgegangen, dieß Negative +oder Jenseits des Endlichen ist das Unendliche; drittens wird über +diese Negation wieder hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze, +wieder ein Endliches. —Dieß ist die vollständige, sich selbst +schließende Bewegung, die bei dem angekommen, das den Anfang machte; es +entsteht dasselbe, von dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche +ist wiederhergestellt; dasselbe ist also mit sich selbst +zusammengegangen, hat nur sich in seinem Jenseits wiedergefunden. + +Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen, dem +Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe Schicksal +hat, als Endliches negirt werden zu müssen. Was so wieder vorhanden +ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen Grenze +verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben, durch die +neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder von dem +Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur dieß, in das Unendliche +überzugehen,—noch von sich selbst, denn es ist bei sich angekommen. + +So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu sich +durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als Vermittelung in +sich, und das Affirmative beider enthält die Negation beider, und ist +die Negation der Negation.—Sie sind so Resultat, hiermit nicht das, was +sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind; —nicht das Endliche ein +Daseyn seinerseits und das Unendliche ein Daseyn, oder Ansichseyn +jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich bestimmten. Gegen die +Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt sich der Verstand nur +darum so sehr, weil er die Schranke und das Endliche wie das Ansichseyn +als perennirend voraussetzt; damit übersieht er die Negation beider, +die im unendlichen Progresse faktisch vorhanden ist, wie ebenso, daß +sie darin nur als Momente eines Ganzen vorkommen und daß sie nur +vermittelst ihres Gegentheils aber wesentlich ebenso vermittelst des +Aufhebens ihres Gegentheils hervortreten. + +Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als Rückkehr des +Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet +wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit, die +mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt; das Endliche ist das +eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt genommen, und +nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber völlig gleichgültig, +welches als Anfang genommen werde; damit fällt der Unterschied für sich +hinweg, der die Zweiheit der Resultate hervorbrachte. Dieß ist in der +nach beiden Seiten unbegrenzten Linie des unendlichen Progresses +gleichfalls gesetzt, worin jedes der Momente mit gleichem abwechselnden +Vorkommen vorhanden, und es ganz äußerlich ist, in welche Stelle +gegriffen und als Anfang genommen werde.—Sie sind in demselben +unterschieden, aber auf gleiche Weise das eine nur das Moment des +andern. Indem sie beide, das Endliche und das Unendliche selbst Momente +des Processes sind, sind sie gemeinschaftlich das Endliche, und indem +sie ebenso gemeinschaftlich in ihm und im Resultate negirt sind, so +heißt dieses Resultat als Negation jener Endlichkeit beider mit +Wahrheit das Unendliche. Ihr Unterschied ist so der Doppelsinn, den +beide haben. Das Endliche hat den Doppelsinn, erstens nur das Endliche +gegen das Unendliche zu seyn, das ihm gegenübersteht, und zweitens das +Endliche und das ihm gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn. +Auch das Unendliche hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu +seyn, so ist es das Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in +welchem jene beide, es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie +also das Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn, +in welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem +Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn, +und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner +aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu +seyn. + +Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon +gerügte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefaßt +werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit, +und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende. Das Unendliche aber +ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als Werden, aber +das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden. Dieses hat zunächst +das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen Bestimmungen; als Veränderung +Daseyende, Etwas und Anderes; nun als Unendliches, Endliches und +Unendliches, selbst als Werdende. + +Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf +sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn, +denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch +Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die Bestimmtheit. +Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig. Nur das Schlecht-Unendliche +ist das Jenseits, weil es nur die Negation des als real gesetzten +Endlichen ist,—so ist es die abstrakte, erste Negation; nur als negativ +bestimmt, hat es nicht die Affirmation des Daseyns in ihm; festgehalten +als nur Negatives soll es sogar nicht da, soll unerreichbar seyn. Diese +Unerreichbarkeit ist aber nicht seine Hoheit, sondern sein Mangel, +welcher seinen letzten Grund darin hat, daß das Endliche als solches +als seyend festgehalten wird. Das Unwahre ist das Unerreichbare; und es +ist einzusehen, daß solches Unendliche das Unwahre ist.—Das Bild des +Progresses ins Unendliche ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen +nur, das Unendliche und immer nur ist, wo sie,—und sie ist Daseyn—nicht +ist, und die zu diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus +geht; als wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren +Bild der Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und +ganz gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende. + +Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als affirmativ +gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität in höherem +Sinn,—als die früher einfach bestimmte; sie hat hier einen konkreten +Inhalt erhalten. Das Endliche ist nicht das Reale, sondern das +Unendliche. So wird die Realität weiter als das Wesen, der Begriff, die +Idee u.s.f. bestimmt. Es ist jedoch überflüssig, solche frühere, +abstraktere Kategorien, wie die Realität, bei dem Konkreteren zu +wiederholen und sie für konkretere Bestimmungen, als jene an ihnen +selbst sind, zu gebrauchen. Solches Wiederholen, wie zu sagen, daß das +Wesen oder daß die Idee das Reale sey, hat seine Veranlassung darin, +daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten Kategorien, wie Seyn, +Daseyn, Realität Endlichkeit, die geläufigsten sind. + +Hier hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere +Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative ist, +hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener Realität, +die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt.—Die Negation ist so als +Idealität bestimmt; das Ideelle[7] ist das Endliche, wie es im +wahrhaften Unendlichen ist,—als eine Bestimmung, Inhalt, der +unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als Moment ist. +Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche durch Negation des +endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt ist.—In Beziehung auf +Realität und Idealität wird aber der Gegensatz des Endlichen und +Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das Reale gilt, das +Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch weiterhin der Begriff +als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles, das Daseyn überhaupt +dagegen als das Reale betrachtet wird. Auf solche Weise hilft es +freilich nichts für die angegebene konkrete Bestimmung der Negation den +eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben; es wird in jenem Gegensatze +wieder zu der Einseitigkeit des abstrakten Negativen, die dem +Schlechtunendlichen zukommt, zurückgegangen und bei dem affirmativen +Daseyn des Endlichen beharrt. + + [7] Das Ideale hat eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schönen und + was dahin zieht), als das Ideelle; hierher gehört jene noch nicht; es + wird hier deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht. Bei der Realität + findet dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das + Reelle und Reale wird ungefähr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung + beider Ausdrücke etwa gegeneinander hat kein Interesse. + + +Der Übergang. + +Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden; aber +sie ist wesentlich der Proceß des Werdens und damit ein Übergang, wie +des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist. Als Aufheben der +Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der ihr +nur gegenüberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese Rückkehr +in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn. Da in diesem Seyn Negation +ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation der +Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das +Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird. + +Anmerkung 1. + +Das Unendliche,—nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten +Unendlichkeit,—und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind der +Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung und für +das Letzte giebt. Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung des +sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der aber nur +den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend gesetzten, +hat,—eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in sich sammelt, +und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen weiß. Diese +unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des wahrhaft +Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, und die +Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich, aber +bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt untrennbar +den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln. Die Darstellung +dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt allenthalben ein, wo +in dem Widerspruche der Einheit zweier Bestimmungen und des Gegensatzes +derselben verharrt wird. Das Endliche ist das Aufheben seiner selbst, +es schließt seine Negation, die Unendlichkeit in sich;—die Einheit +beider,—es wird hinaus über das Endliche zum Unendlichen als dem +Jenseits desselben gegangen, —Trennung beider; aber über das Unendliche +hinaus ist ein anderes Endliches,—das Hinaus, das Unendliche, enthält +die Endlichkeit, —Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein +Negatives des Unendlichen;—Trennung beider, u.s.f.—So ist im +Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache, die +keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung, die +keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung. Dieß Verhältniß giebt daher +den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist als +Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (—und endlich ist sie +eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst eine +Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als +Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;—Einheit der Ursache +und der Wirkung;—das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem eine +Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und als +ein verschiedenes Etwas zu setzen;—diese neue Ursache ist aber selbst +nur eine Wirkung—Einheit der Ursache und Wirkung;—sie hat ein Anderes +zu ihrer Ursache;—Trennung beider Bestimmungen u.s.f. ins Unendliche. + +Dem Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird +die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit; +diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt +werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt; +diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie untrennbar sind, in der +einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer Einheit +und so fort ins Unendliche.—Es ist eine leichte Forderung, welche um +die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das Bewußtseyn zu +haben, daß der unendliche Progreß, das entwickelte Unendliche des +Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung der beiden +Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente zu seyn, und +dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit und diese +Trennung selbst untrennbar sind. + +Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der +gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider +Behauptungen;—dieß ist nur eine andere Gestalt des bleibenden +Widerspruchs,—sondern die Idealität beider, als in welcher sie in ihrem +Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind; jene +eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der Einheit als +der Trennung derselben. In ihr ist ebenso faktisch das oben Aufgezeigte +vorhanden, daß das Endliche über sich hinaus in das Unendliche fällt, +aber ebenso über dasselbe hinaus sich selbst wieder erzeugt findet, +hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das Unendliche +gleichfalls; so daß dieselbe Negation der Negation sich zur Affirmation +resultirt, welches Resultat sich damit als ihre Wahrheit und +Ursprünglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als der Idealität der +Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt verschwunden, +sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind nicht nur +vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die Natur des +spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem ausgeführten Beispiele +in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein in dem Auffassen der +entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit. Indem jedes und zwar +faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an ihm selbst zu haben, und +in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist die affirmative Wahrheit +diese sich in sich bewegende Einheit, das Zusammenfassen beider +Gedanken, ihre Unendlichkeit,—die Beziehung auf sich selbst, nicht die +unmittelbare, sondern die unendliche. + +Das Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken +schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten, +wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?—Dieß, +meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei dessen +Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser Darstellung +weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit der Formen das +Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken will, zur +Endlichkeit komme. Hier betrachten wir diese Frage nur in ihrer +Unmittelbarkeit, und in Rücksicht des vorhin betrachteten Sinnes, den +das Unendliche zu haben pflegt. + +Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es +eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen zu +wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art von +Vexirfrage, einen unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch den man +gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und das Ankommen +bei derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen Gegenständen +setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch mehr aber bei +philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu erhalten, als +die, daß die Frage nichts tauge.—Es pflegt bei solchen Fragen die +Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die Worte nicht +ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des Ausdrucks verständlich +sey, worauf es ankomme? Ausdrücke sinnlicher Vorstellung, wie +herausgehen und dergleichen, die bei der Frage gebraucht werden, +erwecken den Verdacht, daß sie aus dem Boden des gewöhnlichen +Vorstellens stamme, und für die Beantwortung auch Vorstellungen, die im +gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt eines sinnlichen +Gleichnisses erwartet werden. + +Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so scheint +das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an ihm, +leichter begreiflich. Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte, aber es ist +nicht unmittelbar an ihm ausgedrückt, daß es das Gegentheil des +Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthält dieß ausgedrückt; es +ist das Nicht-Endliche. Die Einheit des Endlichen und Unendlichen +scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die unvollendete Reflexion +ist darum am hartnäckigsten gegen diese Einheit. + +Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die +Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß +das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren genommen +wird,—nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend,—darum weil es ihm +gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon begrenzt, und +selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die Antwort auf die Frage, +wie das Unendliche endlich werde, ist somit diese, daß es nicht ein +Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist, und das nachher erst +endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen nöthig habe, sondern +es ist für sich selbst schon eben so sehr endlich als unendlich. Indem +die Frage annimmt, daß das Unendliche einer Seits für sich, und daß das +Endliche, das aus ihm heraus in die Trennung gegangen, oder wo es +hergekommen seyn möchte, abgesondert von ihm, wahrhaft real sey,—so +wäre vielmehr zu sagen, diese Trennung sey unbegreiflich. Weder solches +Endliches, noch solches Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist +unbegreiflich. Man muß aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die +Betrachtung derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, daß in dem +einen die Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese +ihre Untrennbarkeit haben, heißt sie begreifen; diese Untrennbarkeit +ist ihr Begriff.—In der Selbstständigkeit jenes Unendlichen und +Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und +enthält in sich schon eine unwahre Beziehung desselben. Darum ist nicht +auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen +Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst zu negiren. +Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen wird +der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die Verlegenheit, +welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie zurückbringen; +jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste Frage stammt, +neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative Interesse enthält, +welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht, darauf geht, zu +erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden, etwas Wahres +seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten Unendlichen, und +des eben so auf seiner Seite stehen bleiben sollenden Endlichen erkannt +ist, so ist über das Herausgehen des Endlichen aus dem Unendlichen zu +sagen, das Unendliche gehe zur Endlichkeit heraus, darum weil es keine +Wahrheit, kein Bestehen an ihm, wie es als abstrakte Einheit gefaßt +ist, hat; so umgekehrt geht das Endliche aus demselben Grunde seiner +Nichtigkeit in das Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, daß +das Unendliche ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß es schlechthin +nicht ist, so wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein +Anderes an ihm selbst zu haben. + +Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch die +weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das +Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst und +seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf das +Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider +entgegensteht. In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem +festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das +Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber jene +nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie in jener +Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und Unendlichen +genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits darin auch +vorhanden,—eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein Loslassen +derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie als ideelle +in der Einheit läßt. Diese Einheit des Unendlichen und Endlichen und +deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die Endlichkeit und +Unendlichkeit. + +Anmerkung 2. + +Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus. Der +Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das +Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede Philosophie +ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens zu ihrem +Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe wirklich +durchgeführt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die Religion; denn +die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig als ein wahrhaftes +Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein Nicht-Gesetztes, +Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von idealistischer und +realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung. Eine Philosophie, +welche dem endlichen Daseyn als solchem wahrhaftes, letztes, absolutes +Seyn zuschriebe, verdiente den Namen Philosophie nicht; Principien +älterer oder neuerer Philosophien, das Wasser, oder die Materie oder +die Atome sind Gedanken, Allgemeine, Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich +unmittelbar vorfinden, d. h. in sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes +thaletische Wasser nicht; denn, obgleich auch das empirische Wasser, +ist es außerdem zugleich das Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und +diese sind nicht selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem +Anderen, dem Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip, +das Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff, +die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die +einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch +mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe +Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen +sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das Ideelle das Konkrete, +Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente das +Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine +konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind. + +Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint, und +das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der Idee, +in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so daß Ideelles überhaupt +auch für Einbildungen gilt,—Vorstellungen, die nicht nur vom Reellen +unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen. In der That +ist der Geist der eigentliche Idealiste überhaupt; in ihm, schon wie er +empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er denkend und begreifend +ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes reales Daseyn; in der +Einfachheit des Ich ist solches äußerliches Seyn nur aufgehoben, es ist +für mich, es ist ideell in mir. Dieser subjektive Idealismus, er sey +als der bewußtlose Idealismus des Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als +Princip ausgesprochen und aufgestellt, geht nur auf die Form der +Vorstellung, nach der ein Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im +systematischen Idealismus der Subjektivität als die einzig wahrhafte, +die ausschließende gegen die Form der Objektivität oder Realität, des +äußerlichen Daseyns jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist +formell, indem er den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht +beachtet, welcher im Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner +Endlichkeit bleiben kann. Es ist mit solchem Idealismus nichts +verloren, ebenso wohl weil die Realität solchen endlichen Inhalts, das +mit Endlichkeit erfüllte Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon +abstrahirt wird, an sich an solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll; +und es ist nichts mit ihm gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil +Ich die Vorstellung, der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit +erfüllt bleibt. Der Gegensatz der Form von Subjektivität und +Objektivität ist allerdings eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt, +wie er in die Empfindung, Anschauung oder auch in das abstraktere +Element der Vorstellung, des Denkens, aufgenommen wird, enthält die +Endlichkeiten in Fülle, welche mit dem Ausschließen jener nur einen +Weise der Endlichkeit, der Form von Subjektivem und objektivem, noch +gar nicht weggebracht, noch weniger von selbst weggefallen sind. + + + + +Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn. + + +Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das +unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das Daseyn +ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es enthält +so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das Seyn ist +zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher Einheit +vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und ihre +Einheit noch nicht gesetzt. Das Daseyn ist darum die Sphäre der +Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit. Die Bestimmtheit +ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes +Bestimmtseyn. Im Fürsichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn und +der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualität, +Andersseyn, Grenze, wie Realität, Ansichseyn, Sollen u.s.f.—sind die +unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in welchen +die Differenz beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der +Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte Negation +der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf sich, also +an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;—absolutes Bestimmtseyn. + +Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins. + +Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über,—Repulsion; +welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt, +Attraktion. + +Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in welcher +sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität, die sich im +Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht. + +A. Das Fürsichseyn als solches. + +Der allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben. Es käme nur +darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung entspricht, +die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um berechtigt zu +seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen. Und so scheint es +wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als es das +Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem aufhebt, sie +zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist in ihm nur als +ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fürsichseyn besteht darin, über +die Schranke, über sein Andersseyn so hinausgegangen zu seyn, daß es +als diese Negation die unendliche Rückkehr in sich ist.—Das Bewußtseyn +enthält schon als solches an sich die Bestimmung des Fürsichseyns, +indem es einen Gegenstand, den es empfindet, anschaut u.s.f. sich +vorstellt, d. i. dessen Inhalt in ihm hat, der auf die Weise als +Ideelles ist; es ist in seinem Anschauen selbst, überhaupt in seiner +Verwicklung mit dem Negativen seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst. +Das Fürsichseyn ist das polemische, negative Verhalten, gegen das +begrenzende Andere, und durch diese Negation desselben +In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben dieser Rückkehr des Bewußtseyns +in sich, und der Idealität des Gegenstandes, auch noch die Realität +desselben erhalten ist, indem er zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt +wird. Das Bewußtseyn ist so erscheinend, oder der Dualismus, einer +Seits von einem ihm andern, äußerlichen Gegenstande zu wissen, und +andererseits, für-sich zu seyn, denselben in ihm ideell zu haben, nicht +nur bei solchem Andern, sondern darin auch bei sich selbst zu seyn. Das +Selbstbewußtseyn dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und +gesetzt; jene Seite der Beziehung auf ein Anderes, einen äußern +Gegenstand ist entfernt. Das Selbstbewußtseyn ist so das nächste +Beispiel der Präsenz der Unendlichkeit;—einer freilich immer abstrakten +Unendlichkeit, die jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung +ist, als das Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur +qualitative Bestimmtheit hat. + +a. Daseyn und Fürsichseyn. + +Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn +zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative +Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der +nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als Negation +überhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist. Das Seyn in +solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich vom +Fürsichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fürsichseyn, +insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das Daseyn +zugleich Moment des Fürsichseyns selbst; denn dieses enthält allerdings +auch das mit der Negation behaftete Seyn. So ist die Bestimmtheit, +welche am Daseyn als solchem ein Anderes und Seyn-für-Anderes ist, in +die unendliche Einheit des Fürsichseyns zurückgebogen, und das Moment +des Daseyns ist im Fürsichseyn als Seyn-für-Eines vorhanden. + +b. Seyn-für-eines. + +Dieß Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem +Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fürsichseyn hat die Negation +nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht +als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun dieß Moment als +Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für +welches es wäre,—das Eine nicht, dessen Moment es wäre. Es ist in der +That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für welches +Etwas (—und ist hier kein Etwas—) wäre, was die andere Seite überhaupt +seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur Seyn-für-Eines, noch +nicht Eines.—Somit ist noch eine Ununterschiedenheit zweier Seiten, die +im Seyn-für-eines vorschweben können, vorhanden; nur Ein +Seyn-für-Anderes, und weil es nur Ein Seyn-für-Anderes ist, ist dieses +auch nur Seyn-für-Eines; es ist nur die Eine ldealität dessen, für +welches oder in welchem eine Bestimmung als Moment und dessen, was +Moment in ihm seyn sollte. So machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn +keine wahrhaften Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der +Unterschied auf einen Augenblick angenommen und hier von einem +Fürsichseyenden gesprochen wird, so ist es das Fürsichseyende, als +Aufgehobenseyn des Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf +das aufgehobene Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in +seinem Andern nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber +es ist nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es +selbst.—Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil +sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende, +verschieden von dem, das für-Eines ist. Denn so wären sie nur +unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das, +welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre, wenn +das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. Gott ist +daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist. + +Für-sich-seyn und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene +Bedeutungen der Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare +Momente derselben. + +Anmerkung. + +Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für +die Frage nach der Qualität, was für ein Ding etwas sey, hebt das hier +betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus. Dieser Ausdruck +ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt, was dieß +Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch für einen +anderen Menschen sey;—sondern was dieß für ein Ding, für ein Mensch ist +so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist in dieß Ding, in +diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist, und das für welches +es ist, ein und dasselbe ist,—eine Identität, als welche auch die +Idealität betrachtet werden muß. + +Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als +unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das +Reelle genommen werden kann. So aber ist das Ideelle wieder eins der +Momente und das Reale das andere; die Idealität aber ist dieß, daß +beide Bestimmungen gleicherweise nur für Eines sind, und nur für Eines +gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität ist. In +diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das Ideelle, als +unendliche Beziehung rein auf sich,—Ich-ist für Ich, beide sind +dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien ist jedes nur +für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den Geist, Gott nur für Gott, +und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist. —Das Selbstbewußtseyn +aber tritt als Bewußtseyn in den Unterschied seiner und eines Anderen, +oder seiner Idealität, in der es vorstellend ist, und seiner Realität, +indem seine Vorstellung einen bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite +hat, als das unaufgehobene Negative, als Daseyn, gewußt zu werden. +Jedoch den Gedanken, Geist, Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den +Standpunkt voraus, auf welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt, +und das Ideelle oder das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat. + +In einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und +gesagt worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf +ankomme, in wiefern das Princip durchgeführt ist. Über die Art dieser +Durchführung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir stehen, +noch eine weitere Bemerkung gemacht werden. Diese Durchführung hängt +zunächst davon ab,—ob neben dem Fürsichseyn nicht noch das endliche +Daseyn selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber ob in dem +Unendlichen schon selbst das Moment: für-Eines, ein Verhalten des +Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das eleatische Seyn +oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte Negation aller +Bestimmtheit, ohne daß in ihr selbst die Idealität gesetzt wäre;—bei +Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird, die Unendlichkeit +nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur die unbewegte +Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur Bestimmung des +Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes. Der Idealismus +des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er enthält folgende +Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die Ideen, und +Vollkommenheiten aller Dinge in sich schließt, so daß sie nur die +seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in uns unsere +Empfindungen von den Gegenständen durch eine Aktion, die nichts +Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, daß wir vom Gegenstande nicht +nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern auch die Empfindung +von dem Daseyn desselben erlangen ( De la recherche de la Verité, +Eclairc. sur la nature des idées etc.). Wie also die ewigen Wahrheiten +und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist ihr Daseyn, in Gott, ideell, +nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich als unsere Gegenstände, sind sie +nur für Eines. Dieß Moment des explicirten und konkreten Idealismus, +das im Spinozismus mangelt, ist hier vorhanden, indem die absolute +Idealität als Wissen bestimmt ist. So rein und tief dieser Idealismus +ist, so enthalten jene Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken +Unbestimmtes, Theils aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die +Sünde und die Erlösung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische +Bestimmung der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist +nicht für sich ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte +Idealismus wohl das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber +noch nicht eines reinen spekulativen, allein wahrhaft begründenden, +Denkens. Der leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze +des abstrakten Begriffes.—Das leibnitzische vorstellende Wesen, die +Monade, ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn, in +welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein Daseyn, +sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls eine +konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung, als die +der Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist bei Leibnitz +Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme also das +Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden überhaupt +sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht, haben keine +Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle Verhältnisse weg, +welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die Mannigfaltigkeit ist nur eine +ideelle und innere, die Monade bleibt darin nur auf sich selbst +bezogen, die Veränderungen entwickeln sich innerhalb ihrer, und sind +keine Beziehungen derselben auf andere. Was nach der realen Bestimmung +als da seyende Beziehung der Monaden aufeinander genommen wird, ist ein +unabhängiges nur simultanes Werden, in das Fürsichseyn einer jeden +eingeschlossen.—Daß es mehrere Monaden giebt, daß sie damit auch als +Andere bestimmt werden, geht die Monaden selbst nichts an; es ist dieß +die außer ihnen fallende Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an +ihnen selbst Andere gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das +Daneben eines Daseyns gehalten.—Allein hierin liegt zugleich das +Unvollendete dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in +Gott, als der Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so +Vorstellende. Das Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin +es wolle, in die Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt +werde, welches sie als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit +ihres Daseyns ist nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden +nur durch die Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere +seyen. Wenn es ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es +auch ein Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze +Bewegung, welche sie zu ideellen macht, fällt außer ihnen. Indem aber +daran erinnert werden kann, daß diese Bewegung des Gedankens selbst +doch nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu +erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich +äußerlich ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der +Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (—durch die Vorstellung +des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen) +Vielheit des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt +zurück zu jener Einheit. Die Idealität, das Vorstellen überhaupt, +bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn gesteigerte +Vorstellen. + +Wie in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel, +die wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine +Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als +einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig +sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der +Vielheit äußerlich bleibende Form. Die Idealität soll ihnen immanent, +ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre +Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt; +anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes, noch +weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit +bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung +derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und +angehörig. + +Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche, +kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und +bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns. In diesen +Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar +unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er geht von +einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn perennirt. +Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als fürsichseyend, als +unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das Für-Eines-seyn ist +nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen oder der Richtung +nach dem Jenseits. + +c. Eins. + +Das Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines +Moments, des Seyns für-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, die +Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des Fürsichseyns +sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche Unmittelbarkeit +oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich auf das Negiren +gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das Fürsichseyn ist so, +Fürsichseyendes, und indem in dieser Unmittelbarkeit seine innere +Bedeutung verschwindet, die ganz abstrakte Grenze seiner selbst,—das +Eins. + +Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden +Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser +Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den +Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander; +sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier, die +dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5) Beziehung +auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und doch auf sich +selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander, daß die Form der +Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als Fürsichseyendem +hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes Moment als eine +eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie ebenso +untrennbar. Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr Gegentheil gesagt +werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der abstrakten +Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht. + +B. Eins und Vieles. + +Das Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst, +in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher die +Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun daseyende +werden. + +Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,—und als +Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um der +nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht mehr +nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern zugleich +als Seyende gesetzt. Die Idealität des Fürsichseyns als Totalität +schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die festeste, +abstrakteste, als Eins. Das Fürsichseyn ist im Eins die gesetzte +Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung + +der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt +auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen +Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist, +es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm +unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden vorhanden +zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit sich so als +unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt, und als negative +Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen, Ausschließen des Eins +als eines Anderen aus sich, dem Eins. + +a. Das Eins an ihm selbst. + +An ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn, +keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es +ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist +somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich. + +Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine Unbestimmtheit +ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst ist, absolutes +Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem Begriffe sich auf +sich beziehende Negation hat es den Unterschied in ihm,—eine Richtung +von sich ab hinaus auf Anderes, die aber unmittelbar umgewendet, weil +nach diesem Momente des Selbstbestimmens kein Anderes ist, auf das sie +gehe, und die in sich zurückgekehrt ist. + +In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns +und der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und +Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; dieß Nichts, die +Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden von +dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil dieß Insichseyn nicht +mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat, als +Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar identisch +mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So dieß Nichts +gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.—Das Leere ist so die +Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit. + +b. Das Eins und das Leere. + +Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf +sich selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch +affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin +verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst nämlich, +stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber vom Seyenden +ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins. + +Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das +Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.—Das Eins und das Leere +haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem gemeinschaftlichen, +einfachen Boden. Die Momente des Fürsichseyns treten aus dieser +Einheit, werden sich Äußerliche, indem durch die einfache Einheit der +Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so setzt sie sich selbst +zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und darin stellt sich ihre +andere Bestimmung, die Negation überhaupt, gleichfalls als Daseyn des +Nichts, als das Leere, gegenüber. + +Anmerkung. + +Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die bei +den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach welchem +das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (…..) Die Abstraktion +zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit gewonnen, als +das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. So hoch sie sich +stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des Eins und des Leeren +zum Princip aller Dinge macht, die unendliche Mannigfaltigkeit der Welt +auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt, und sie aus ihm zu erkennen +sich erkühnt, ebenso leicht ist es für das vorstellende Reflektiren, +sich hier Atome und daneben das Leere vorzustellen. Es ist daher kein +Wunder, daß das atomistische Princip sich jederzeit erhalten hat; das +gleich triviale und äußerliche Verhältniß der Zusammensetzung, das noch +hinzukommen muß, um zum Scheine eines Konkreten und einer +Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist eben so populär als die Atome selbst +und das Leere. Das Eins und das Leere ist das Fürsichseyn, das höchste +qualitative Insichseyn zur völligen Äußerlichkeit herabgesunken; die +Unmittelbarkeit oder das Seyn des Eins, weil es die Negation alles +Andersseyns ist, ist gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu +seyn, für dessen absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung, +Mannigfaltigkeit, Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung. + +In dieser Äußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei +den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner +Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als +der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere +Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander +und die Gleichgültigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander. Daß +das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfügigen Sinn, +daß sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen könne, und nicht in +einen schon erfüllten Raum, denn in einem solchen fände es keinen Platz +mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die Voraussetzung oder +Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so wie auch die Bewegung +selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das Wesentliche, ein Grund +derselben, vergessen ist. Die Ansicht, daß das Leere den Grund der +Bewegung ausmache, enthält den tiefern Gedanken, daß im Negativen +überhaupt, der Grund des Werdens, der Unruhe der Selbstbewegung liegt; +in welchem Sinne aber das Negative als die wahrhafte Negativität des +Unendlichen zu nehmen ist.—Das Leere ist Grund der Bewegung nur als die +negative Beziehung des Eins auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf +sich selbst, das jedoch als Daseyendes gesetzt ist. + +Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt, +Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und +äußerlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der +Grundbestimmung des Atomen. An den Atomen, dem Princip der höchsten +Äußerlichkeit und damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die +Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die +Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen +ausgeht. + +c. Viele Eins. Repulsion. + +Das Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten Daseyn +aus. Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die Negation, und +ist zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist das Eins und das +Leere die Beziehung der Negation auf die Negation als eines Andern auf +sein Anderes; das Eins ist die Negation in der Bestimmung des Seyns, +das Leere die Negation in der Bestimmung des Nichtseyns. Aber das Eins +ist wesentlich nur Beziehung auf sich als beziehende Negation d. h. ist +selbst dasjenige, was das Leere außer ihm seyn soll. Beide sind aber +auch gesetzt als ein affirmatives Daseyn, das eine als das Fürsichseyn +als solches, das andere als unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich +aufeinander als auf ein anderes Daseyn beziehend. Das Fürsichseyn des +Eins ist jedoch wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen; +es bezieht sich nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem +aber das Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar +vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich zugleich +Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ ist, bleibt +das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein Anderes bestimmt; +als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das Andere nicht die +unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist gleichfalls Eins. Das +Eins ist somit Werden zu vielen Eins. + +Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein +Übergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins. Eins, das +Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an ihm +selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente +Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und das +Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich selbst von sich ab. +Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion. + +Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins +selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu solchen außer +ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist dieß die Repulsion dem Begriffe +nach, die an sich seyende. Die zweite Repulsion ist davon +unterschieden, und ist die der Vorstellung der äußern Reflexion +zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur +als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins. Es +ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten, der +äußerlichen, sich bestimmt. + +Zunächst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als +solche haben. Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen, +verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins, +nicht für Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. Das +Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern es ist +schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist gleichfalls ein +Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden kommt beiden auf +gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied. + +Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;—gesetzte durch die +Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt; +ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als +sich nur auf sich beziehende. + +Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als eine +dein Eins vollkommen äußere Bestimmung. Eins, indem es sich selbst +repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst als +repellirt genommen wird. Daß die Eins andere gegeneinander, in die +Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins +nichts an. Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst +aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein Seyn-für-Anderes +affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung,—und diese haben sie durch ihre an +sich seyende Einheit,—wie sie hier gesetzt ist, ist als keine bestimmt; +sie ist wieder das vorhingesetzte Leere. Es ist ihre aber ihnen +äußerliche Grenze, in der sie nicht für einander seyn sollen. Die +Grenze ist das, worin die Begrenzten eben so sehr sind als nicht sind; +aber das Leere ist als das reine Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht +ihre Grenze aus. + +Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen, was +das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander gelegt ist +hier die außer sich gekommene Unendlichkeit; außer sich gekommen ist +sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins. Sie ist ein +ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als vielmehr die absolute +Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der einfachen affirmativen +Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben derselben als negativen. +Oder die Vielheit des Eins ist das eigene Setzen des Eins; das Eins ist +nichts als die negative Beziehung des Eins auf sich, und diese +Beziehung, also das Eins selbst, ist das viele Eins. Aber ebenso ist +die Vielheit dem Eins schlechthin äußerlich; denn das Eins ist eben das +Aufheben des Andersseyns, die Repulsion ist seine Beziehung auf sich, +und einfache Gleichheit mit sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die +Unendlichkeit, als unbefangen sich hervorbringender Widerspruch. + +Anmerkung. + +Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden. Es kann +hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade +aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben +betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als +solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das +Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht +für das Eins sind. Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene +Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit, +die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich +zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit +unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine +Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite +ihrer abstrakten Äußerlichkeit. Die Atomistik hat den Begriff der +Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm +selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des Für-es-seyns +enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken +Für-sich-seyendes. Aber sie geht über die bloß gleichgültige Vielheit +hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung gegeneinander, +wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da hingegen in jener +gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die Vielheit als starre +Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur in die Monade der +Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen fällt. + +C. Repulsion und Attraktion. + +a. Ausschließen des Eins. + +Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander ist +Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich;—das abstrakte Leere. Aber sie +selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf seyende +Andere;—der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit, gesetzt in +Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die Repulsion das +unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in dieser +Bestimmung Ausschließen; das Eins repellirt nur die Vielen von ihm +unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. dieß Repelliren ist, +gegenseitig oder allseitig,—relativ, durch das Seyn der Eins +beschränkt. + +Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur +das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in +der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre gemeinsame +Beziehung. Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte Daseyn der +vielen Eins; sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie nur in einem +Dritten als Vieles unterschieden wären, sondern ihr eigenes sie +erhaltendes Unterscheiden.—Sie negiren sich gegenseitig, setzen +einander als solche, die nur für-Eines sind. Aber sie negiren eben so +sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren diese ihre +Idealität und sind.—So sind die Momente getrennt, die in der Idealität +schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem Fürsichseyn auch +für-Eines, aber dieß Eine, für welches es ist, ist es selbst; sein +Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben. Aber in der Vielheit +hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das Seyn-für-Eines, wie es in dem +Ausschließen bestimmt ist, ist daher ein Seyn-für-Anderes. Jedes wird +so von einem Andern repellirt, aufgehoben und zu einem gemacht, das +nicht für sich, sondern für-eines und zwar ein anderes Eins ist. + +Das Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre +Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander, +in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes +Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese +Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht für-ein-Anderes +zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre negative Beziehung +auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung. + +Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr +gegenseitiges Ausschließen. Erstens ist nun das, wodurch sie den festen +Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben sollten, ihr +Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung auf-Anderes; dieß +Ansichseyn ist, daß sie Eins sind. Aber dieß sind Alle; sie sind in +ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen Punkt ihrer +Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr Verhalten zu +einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das gegenseitige +Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe Bestimmung Aller, +durch welche sie sich also vielmehr als identisch setzen; wie dadurch, +daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch Andere zu setzende +Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso wenig repelliren.—Sie +sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur Eine affirmative Einheit. + +Diese Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen +sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen, +sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen, ist +unsere Vergleichung.—Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer Beziehung +aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.—Sie sind, dieß ist in dieser +Beziehung vorausgesetzt,—und sind nur insofern sie sich gegenseitig +negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn zugleich von sich +selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren negiren. Aber sie sind +nur insofern sie negiren, so wird, indem dieß ihr Negiren negirt wird, +ihr Seyn negirt. Zwar indem sie sind, würden sie durch dieß Negiren +nicht negirt, es ist nur ein Äußerliches für sie; dieß Negiren des +Anderen prallt an ihnen ab, und trifft nur berührend ihre Oberfläche. +Allein nur durch das Negiren der Anderen kehren sie in sich selbst +zurück; sie sind nur als diese Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist +ihre Selbsterhaltung und ihr Fürsichseyn. Indem ihr Negiren nichts +effektuirt, durch den Widerstand, den die Seyenden als solche oder als +negirend leisten, so kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich +nicht und sind nicht. + +Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes +derselben Eins ist, wie das Andere. Dieß ist nicht nur unser Beziehen, +ein äußerliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist selbst +Beziehen; das die Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst auf sie, +die Eins, d. h. auf sich selbst. Das negative Verhalten der Eins zu +einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese Identität, in +welche ihr Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer Verschiedenheit +und Äußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als Ausschließende +behaupten sollten. + +Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion. + +Anmerkung. + +Die Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins +getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich +selbst zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die +höchste Wahrheit nimmt;—in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit, +als reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend. Es ist die +Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion zu +setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu +gewinnen. Diese Selbstständigkeit ist bestimmter der Irrthum, das als +negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten, was ihr +eignes Wesen ist. Sie ist so das negative Verhalten gegen sich selbst, +welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will, dasselbe zerstört, +und dieß sein Thun ist nur die Manifestation der Nichtigkeit dieses +Thuns. Die Versöhnung ist die Anerkennung dessen, gegen welches das +negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens, und ist nur als +Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns, statt an ihm +festzuhalten. + +Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das +Viele Eines ist. Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß die +Wahrheit des Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer +unangemessenen Form erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden, +als ein Proceß, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es in +einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und auszudrücken +ist. Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides über die Ableitung +des Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze: Eines ist, erwähnt und +erinnert worden. Die innere Dialektik des Begriffes ist angegeben +worden; am leichtesten ist die Dialektik des Satzes, daß Vieles Eines +ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und äußerlich darf sie hier +seyn, insofern auch der Gegenstand, die Vielen, das einander Äußerliche +ist. Diese Vergleichung der Vielen miteinander ergiebt sogleich, daß +eines schlechthin nur bestimmt ist wie das Andere; jedes ist Eins, +jedes ist Eins der Vielen, ist ausschließend die Anderen;—so daß sie +schlechthin nur dasselbe sind, schlechthin nur Eine Bestimmung +vorhanden ist. Es ist dieß das Faktum, und es ist nur darum zu thun, +dieß einfache Faktum aufzufassen. Die Hartnäckigkeit des Verstandes +weigert sich nur darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der +Unterschied, und zwar mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um +jenes Faktums willen so wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet +des Unterschiedes existirt. Man könnte den Verstand damit für das +schlichte Auffassen des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der +Unterschied auch wieder eintreten werde. + +b. Das Eine Eins der Attraktion. + +Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele, +deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als Seyende +voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese aber wird +realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in Attraktion über, die +vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und Attraktion, sind + +zunächst unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als deren +gesetzte Idealität. Die Attraktion bezieht sich auf diese Weise auf die +Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat. Die Repulsion liefert +die Materie für die Attraktion. Wenn keine Eins wären, so wäre nichts +zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder Attraktion, der Konsumtion +der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes Erzeugen der Eins voraus; die +sinnliche Vorstellung der räumlichen Attraktion läßt den Strom der +attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an die Stelle der Atome, die in +dem attrahirenden Punkte verschwinden, tritt eine andere Menge, und +wenn man will, ins Unendliche, aus dem Leeren hervor. Wenn die +Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf den Punkt Eines Eins +gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein träges Eins, kein +Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion daseyende Idealität +hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer selbst, die vielen +Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und die Attraktion ist +untrennbar von der Repulsion. + +Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar +vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem +andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein +Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und +eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität. Aber es kann hier nicht von +einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen bestimmten +Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn, vielmehr ist +die Attraktion das Setzen der vorhandenen Ununterschiedenheit der Eins. +Erst die Attraktion selbst ist das Setzen eines von den anderen +unterschiedenen Eins; sie sind nur die unmittelbaren durch die +Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch ihre gesetzte Negation +aber geht das Eins der Attraktion hervor, das daher als das +Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist. Die ersten als +unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in sich zurück, sondern +haben dieselbe an einem andern. + +Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität; +es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält +diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es verschlingt +so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt, d. h. es hebt +sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in seiner Bestimmung +enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich in ihm; es bringt, so +zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich, gewinnt einen Umfang +oder Erfüllung. Es ist so in ihm Einheit der Repulsion und Attraktion +überhaupt. + +c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion. + +Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer +Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die +Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst +selbstständig außer der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich +zusammenhängen. Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich näher +zu ergeben. + +Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und +als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als +unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die +Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte äußerlich hinzukommt. +Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt, so +daß an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i. daß +die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die Eins +nicht schon an ihnen Negirte wären. Auf solche Weise haben wir die +Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen die +Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und von +sich aus als ein Anderes an sie kommt. + +Nehmen wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die +Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der +Repulsion selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen +aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie abstrakt +genommen, Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloß das Leere, die +Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht ausschließend, was +ihre Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich negative, doch +wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und Fliehen ist nicht +die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen, das ausschließende +steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm ausgeschlossen wird. dieß +Moment der Beziehung aber ist die Attraktion, somit in der Repulsion +selbst; sie ist das Negiren jener abstrakten Repulsion, nach welcher +die Eins nur sich auf sich beziehende Seyende, nicht ausschließende +wären. + +Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden, +hiermit auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist, +so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene +Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß +nicht bloß die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird, sondern +auch ebenso sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die Attraktion +Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre Voraussetzung hat. + +Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen und +Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre abstrakte +Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit schlechthin über sich +hinausgewiesen ist, und auf die andere sich bezieht, und so jede +vermittelst der andern als andern ist; ihre Selbstständigkeit besteht +darin, daß sie in dieser Vermittelung als ein anderes Bestimmen für +einander gesetzt sind.—Die Repulsion als das Setzen der Vielen, die +Attraktion als das Setzen des Eins, diese zugleich als Negation der +Vielen, und jene als Negation der Idealität derselben im Eins, daß auch +die Attraktion nur vermittelst der Repulsion Attraktion, wie die +Repulsion vermittelst der Attraktion Repulsion ist. Daß aber darin die +Vermittelung durch Anderes mit sich, in der That vielmehr negirt, und +jede dieser Bestimmungen Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß +ergiebt sich aus deren nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit +ihres Begriffes zurück. + +Zuerst daß jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur +sich auf sich bezieht, dieß ist in dem Verhalten der erst noch +relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden. + +Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen +vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber daß viele +Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die sie hätte, +ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des Seyns, die den +Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme,—wodurch sie voraus wären, +gehört gleichfalls der Repulsion an. Das Repelliren ist das, wodurch +die Eins sich als Eins manifestiren und erhalten, wodurch sie als +solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion selbst; sie ist so nicht ein +relatives gegen ein anderes Daseyn, sondern verhält sich durchaus nur +zu sich selbst. + +Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins, +gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und +verschwindend bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich +voraus, in der Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn, +welche sonst für sich seyende und für Andere, also auch für irgend ein +Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen diese +Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch +Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die an +sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins,—das als +attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von +einander, ein und dasselbe sind. + +Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für sich +ist ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält. Das +Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative seiner +setzen,—Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist dasselbe als +das Voraussetzende,—Attraktion. Daß jede an sich nur Moment ist, ist +das Übergehen jeder aus sich selbst in die andere, sich an ihr selbst +zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu setzen. Indem das +Eins als solches das Außersichkommen, es selbst nur dieß ist, sich als +sein Anderes, als das Viele zu setzen und das Viele nur ebenso dieß in +sich zusammenfallen und sich als sein Anderes, als das Eins zu setzen, +und eben darin nur sich auf sich zu beziehen, jedes in seinem Andern +sich zu kontinuiren,—so ist hiermit schon an sich das Außersichkommen +(die Repulsion) und das sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion) +ungetrennt vorhanden. Gesetzt aber ist es an der relativen Repulsion +und Attraktion d. i. welche unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt, +daß jede diese Negation ihrer an ihr selbst, und damit auch die +Kontinuität ihrer in ihre andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist +die Selbsterhaltung des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der +andern, so daß 1) die anderen Eins an ihm negirt werden, dieß ist die +Seite seines Daseyns oder seines Seyns-für-Anderes; diese ist aber +somit Attraktion, als die Idealität der Eins;—und daß 2) das Eins an +sich sey, ohne die Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das +Ansich überhaupt längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an +sich, seiner Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.—Die +Attraktion daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen +des Eins, worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich +selbst aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr, +Repulsion ist. + +Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem +Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte +Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung, +daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die +Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn, +negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die + +Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in +welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares, +Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i. zum +ebenso unmittelbaren, ausschließenden Eins wiederhergestellt hätte, +verschwunden; der Proceß, der es ist, setzt und enthält es allenthalben +nur als ein Aufgehobenes. Das Aufheben zunächst nur zu relativem +Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit selbst eine +differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt, erweist sich ebenso +in die unendliche Beziehung der Vermittelung durch die Negation der +äußerlichen Beziehungen von Unmittelbaren und Daseyenden, überzugehen +und zum Resultate eben jenes Werden zu haben, das in der +Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder vielmehr das +Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit ist. Dieses +Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist die Quantität. + +Übersehen wir kurz die Momente dieses Überganges der Qualität in die +Quantität, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn +und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit mit +dem Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer +Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches +bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der +Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit +des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn überhaupt, +außer jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes widerspricht der +Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit Beziehung auf sich +ist. Dieß Andersseyn hebt sich in der Unendlichkeit des Fürsichseyns +auf, welches den Unterschied, den es in der Negation der Negation an +und in ihm selbst hat, zum Eins und Vielen und zu deren Beziehungen +realisirt, und das Qualitative zur wahrhaften, d. i. nicht mehr +unmittelbaren, sondern als übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit +erhoben hat. + +Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die +Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn +ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f. +hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;—ß) +Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit +als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die +unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes, +sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin—das +An-sich-Bestimmtseyn,—das Eins; das Andersseyn als solches ist selbst +Fürsichseyn;—ç) Fürsichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit hindurch +sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und An-sich-Bestimmtseyn +selbst als Aufgehobenes gesetzt ist. Das Eins ist zugleich als über +sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt, das Eins damit, die +schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die keine ist, die am +Seyn aber ihm gleichgültig ist, gesetzt. + +Anmerkung. + +Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte angesehen zu +werden. Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhängende +Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie ergeben haben, zu +vergleichen.—In jener Vorstellung werden sie als selbstständig +betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf einander +beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte +übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenüber beharren +soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der Materie, +zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht als ihre +Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und +An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben +durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, daß die +Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer Einheit eine +Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich seyende frei von +einander vorausgesetzt werden. + +Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft +konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen +Elemente dieser Konstruction aufgestellt.—Es wird nicht ohne Interesse +seyn, diese Konstruction näher zu beleuchten. Diese metaphysische +Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst, sondern in seinen +Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehören schien, ist eines Theils +dadurch merkwürdig, daß sie als ein Versuch des Begriffs wenigstens den +Anstoß zur neueren Naturphilosophie gegeben hat,—der Philosophie, +welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung sinnlich Gegebenes zum +Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre Bestimmungen aus dem +absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch, weil bei jener +Kantischen Konstruktion noch häufig stehen geblieben und sie für einen +philosophischen Anfang und Grundlage der Physik gehalten wird. + +Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein +Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen. +Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kräfte der +sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten +reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen +aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am +nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde. + +Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das er +eine Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen +nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die +analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich spätere +Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das grundloseste +Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und gedankenlosen +Reflexion,—das besonders die sogenannten Faktoren der Attraktivkraft +und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben vorbrachte,—ein +Konstruiren genannt haben. + +Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend. +Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche +Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten. +So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil durch +die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie daseyn +könnte. (Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die Repulsion andern +Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab, und giebt als Grund +derselben an, weil wir uns die Materie undurchdringlich vorstellen, +indem diese nämlich dem Sinne des Gefühls, durch den sie sich uns +offenbare, sich unter dieser Bestimmung präsentirt. Die Repulsion werde +daher ferner sogleich im Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit +unmittelbar gegeben sey; die Attraktion dagegen werde derselben durch +Schlüsse beigefügt. Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben +Gesagte zu Grunde, daß eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das, +was wir uns unter Materie vorstellen, nicht erschöpfte.—Dieß ist, wie +erhellt, das Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens, +das zuerst in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu +Grunde legt, und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende +Grundstoffe oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der +Erscheinung hervorbringen sollen. + +In Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und wie +die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde, +bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum +Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey. +Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht +abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine Bestimmung, +die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin enthalten +seyn. + +Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt, +besteht darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein +einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die wir +durch das Gefühl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft, als das +Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey. Wenn aber +ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn können, so +liegt für diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung genommene +Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der Attraktion muß +also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn. Es ist auch wohl +wahrzunehmen, daß die Materie außer ihrem Fürsichseyn, welches das +Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand leistet), auch eine Beziehung +des Fürsichseyenden aufeinander, räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt, +und in Starrheit, Festigkeit einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die +erklärende Physik erfordert zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine +Kraft, welche starker sey, als die Attraktion der Theile desselben +gegeneinander. Aus dieser Wahrnehmung kann die Reflexion eben so +unmittelbar die Attraktivkraft ableiten, oder sie als gegeben annehmen, +als sie es mit der Repulsivkraft that. In der That, wenn die kantischen +Schlüsse, aus denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll, +betrachtet werden (der Beweis des Lehrsatzes: daß die Möglichkeit der +Materie eine Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a. O.), +so enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie +nicht räumlich seyn würde. Indem die Materie, als Raum erfüllend +vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuität zugeschrieben, als deren +Grund die Anziehungskraft angenommen wird. + +Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein +analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung +geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen, die +Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren +Grundkräften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung der +gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen +Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden +Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die +Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als +besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Äußerlichem +macht;—die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine +bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch +Einwirkung von Aussen, einräumen will. Diese Äußerlichkeit des +Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich +vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu +fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit +für sich als bewegungslos und als träge angenommen wird. Dieser +Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und freie +Bewegung vor sich.—Indem Kant jene Äußerlichkeit zwar insofern aufhebt, +als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf einander, +insofern diese als von einander getrennt angenommen werden, oder der +Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn, zu einer Kraft der Materie +selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine beiden +Grundkräfte, innerhalb der Materie, äußerliche und für sich +selbstständige gegen einander. + +So nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der +ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso +nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer +Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen, +weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur Momente +sind, die in einander übergehen.—Ich betrachte diese fernern +Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt. + +Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft, +wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche +der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft +dagegen als eine Flächenkraft, dadurch Materien nur in der +gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf einander wirken können. Der +Grund, der angeführt wird, daß die letztere nur eine Flächenkraft seyn +soll, ist folgender: "Die einander berührenden Theile begrenzen einer +den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft könne keinen +entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen liegenden; +eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer Materie auf +eine andere durch Ausdehnungskräfte (das heißt hier Repulsivkräfte) sey +unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u. Zusätze S. 67.) + +Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere Theile +der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion +gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein +anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem und +dem ersten Attrahirenden das Andere sich befände, zunächst in die +Anziehungssphäre des dazwischen liegenden ihm Nähern träte, das Erste +also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausüben +würde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken für die +Attractivkraft, als für die Repulsivkraft ergehe; ferner müßte das +wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle +Theile der Materie an und für sich attrahirend wären, nicht aber eine +gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte. +—Unmittelbar oder in Rücksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist zu +bemerken, daß in der angeführten Stelle sich berührende Theile, also +eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen Materie vorkommt, +welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte. Diese +Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren, nicht +mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn der +Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach der hier +herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche zu nehmen, +die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz tautologisch, daß da, wo +das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist, keine Repulsion Statt +finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter für eine Bestimmung der +Repulsivkraft.—Wird aber darauf reflektirt, daß berührende Theile sich +nur insofern berühren, als sie sich noch außereinander halten, so ist +eben damit die Repulsivkraft nicht bloß auf der Oberfläche der Materie, +sondern innerhalb der Sphäre, welche nur Sphäre der Attraktion seyn +sollte. + +Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft die +Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.) +"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle, so +könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie, die +dazwischen läge, Grenzen setze."—Jener Unterschied ist ungefähr wie der +obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache gehören, +aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die Materie einen +Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen. Alsdenn ist es die +Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen bleiben, durch +welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das heißt hier, durch +den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier aber ist es die +Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie erfüllt den Raum durch +ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie erhält die Atome in +einer negativen Beziehung auf einander.—Wir sehen, daß hier Kant +bewußtlos das begegnet, was in der Natur der Sache liegt, daß er der +Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er der ersten Bestimmung +nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb. Unter dem Geschäfte der +Festsetzung des Unterschiedes beider Kräfte, war es geschehen, daß eine +in die andere übergegangen war.—So soll dagegen durch die Repulsion die +Materie einen Raum erfüllen, somit durch sie der leere Raum, den die +Attraktivkraft läßt, verschwinden, In der That hebt sie somit, indem +sie den leeren Raum aufhebt, die negative Beziehung der Atome oder +Eins, d. h. die Repulsion derselben, auf; d. i. die Repulsion ist als +das Gegentheil ihrer selbst bestimmt. + +Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung hinzu, +daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der +entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage, +die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll, +bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der +Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende +Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere Weise +sollen wirken können.—Sie sind also hier als Kräfte dargestellt, nicht +durch welche die Materie erst zu Stande käme, sondern wodurch sie, +schon fertig, nur bewegt würde. Insofern aber von Kräften die Rede ist, +wodurch verschiedene Materien auf einander einwirken und sich bewegen, +so ist dieß etwas ganz anderes, als die Bestimmung und Beziehung, die +sie als die Momente der Materie haben sollten. + +Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in +weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft. Diese scheinen +einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in ihrer Sphäre Ein +Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen Eins als nicht +fürsichseyende verhalten, der Unterschied der Kräfte daher an diesen +vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und der anderen als +gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden kann. Insofern sie +aber zur Erklärung gebraucht werden—zu welchem Behuf man sie, wie auch +sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in entgegengesetztem +quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine zunehme, wie die +andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung, für deren +Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst aus ihnen +resultiren. Man braucht aber nur die nächste beste Darstellung einer +Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit, die ein Planet in +seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem Gegensatze jener +Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die Verwirrung, die darin +herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen derselben auseinander zu +bringen, so daß immer eben so diejenige als zunehmend anzunehmen ist, +welche in der Erklärung als abnehmend angenommen wird, und umgekehrt; +was, um anschaulich gemacht zu werden, einer weitläufigern Exposition +bedürfte, als hier gegeben werden könnte; aber das Nöthige kommt +späterhin beim umgekehrten Verhältniß vor. + + + + +Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität). + + +Der Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden. +Die Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität +die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze, die +eben so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin identisch mit +dem Seyn-für-Anderes,—die Repulsion der vielen Eins, die unmittelbar +Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist. + +Weil das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht +auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ +fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser +Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben zugleich +nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr unmittelbare +Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt, sich als +repellirend von sich, die Beziehung auf sich als Bestimmtheit vielmehr +in einem anderen Daseyn (einem für-sich-seyenden) zu haben, und indem +sie zugleich als gleichgültige in sich reflektirte, beziehungslose +Grenzen sind, so ist die Bestimmtheit überhaupt außer sich, ein sich +schlechthin Äußerliches und Etwas ebenso Äußerliches; solche Grenze, +die Gleichgültigkeit derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie, +macht die quantitative Bestimmtheit desselben aus. + +Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität, vom +Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens das in sich +zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm +hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit. + +Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird, +als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist. Sie wird Quantum. +Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die über sich +hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß Andersseyn +des Andersseyn in den unendlichen Progreß. Das unendliche Quantum aber +ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist die +Wiederherstellung der Qualität. + +Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative +Verhältniß. Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im +Verhältnisse aber geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus, daß +dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein +anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die +Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist. + +Diesem Verhältnisse liegt noch die Äußerlichkeit des Quantums zu +Grunde, es sind gleichgültige Quanta, die sich zu einander verhalten, +d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Außersichseyn haben; +—das Verhältniß ist damit nur formelle Einheit der Qualität und +Quantität. Die Dialektik desselben ist sein Übergang in ihre absolute +Einheit, in das Maaß. + +Anmerkung. + +Am Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit. +Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. B. +ein Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor wie +nach. Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so ist +dieß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, Wald +u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer Roth; +wenn es aber seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu seyn, es +würde Blau u.s.f.—Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie sie sich +oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde liegt, das +gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist, ergiebt sich an +jedem anderen Beispiel. + +Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum, wie an den angegebenen +Beispielen, verstanden, nicht die Quantität, weswegen wesentlich dieser +Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muß. + +Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird, +betrifft gleichfalls das Quantum. Gewöhnlich wird eine Größe definirt, +als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt. Vermehren aber +heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen. Es liegt darin +ein Unterschied der Größe überhaupt von ihr selbst, und die Größe wäre +also das, dessen Größe sich verändern läßt. Die Definition zeigt sich +insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige Bestimmung selbst +gebraucht wird, welche definirt werden sollte. Insofern in ihr nicht +dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das Mehr und Weniger in +einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der Natur des Quantums als +eine gleichfalls äußerliche, und in ein Wegnehmen, als eine ebenso +äußerliche Negation, aufzulösen. Zu dieser äußerlichen Weise sowohl der +Realität als der Negation bestimmt sich überhaupt die Natur der +Veränderung am Quantum. Daher ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das +Hauptmoment nicht zu verkennen, worauf es ankommt; nämlich die +Gleichgültigkeit der Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr +eigenes Mehr Minder liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst. + + + + +Erstes Kapitel. Die Quantität. + + +A. Die reine Quantität. + +Die Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins, +das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die +Beziehung mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem +Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist in +Attraktion übergegangen. Die absolute Sprödigkeit des repellirenden +Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als dieß Eins +enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich bestimmt, als +Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist. Die Attraktion +ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in der Quantität. + +Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf +sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber +nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins. +Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber +zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes. Die Vielheit +ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist; die Vielen sind +Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die Vielheit daher +einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die Kontinuität ist dieses +Moment der Sichselbstgleichheit des Außereinanderseyns, das +Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in ihre von ihnen +Unterschiedene. + +Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der +Diskretion,—die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist. +—Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch +nicht zum Ausschließenden wird; die Repulsion dehnt erst die +Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus. Die Diskretion ist daher +ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere, +das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne Stätigkeit, +und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht unterbrechen. + +Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und +Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen derselben, +der Kontinuität, als Resultat der Dialektik des Fürsichseyns, das in +die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit zusammengefallen ist. Die +Quantität ist als solche dieß einfache Resultat, insofern es seine +Momente noch nicht entwickelt und an ihm gesetzt hat.—Sie enthält sie +zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt, wie es in Wahrheit ist. Es war +seiner Bestimmung nach das sich aufhebende Beziehen auf sich selbst, +perennirendes Außersichkommen. Aber das Abgestoßene ist es selbst; die +Repulsion ist daher das erzeugende Fortfließen seiner selbst. Um der +Dieselbigkeit willen des Abgestoßenen ist dieß Discerniren, +ununterbrochene Kontinuität; und um des Außersichkommens willen, ist +diese Kontinuität, ohne unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die +eben so unmittelbar in ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt. + +Anmerkung 1. + +Die reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht Quantum; +auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze nicht +beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze nicht +beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in sich zu +haben. Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so ausgedrückt +werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben die reale +Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben so +schlechthin nur als kontinuirliches ist. + +Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur +Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen Beziehung der Eins +aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sprödigkeit und +Ausschließung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß es +an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealität übergeht, +und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich ist, sondern ihm +selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist. Diese Äußerlichkeit +der Kontinuität für die Eins ist es überhaupt, an der die Atomistik +hängen bleibt, und die zu verlassen die Schwierigkeit für das +Vorstellen macht.—Die Mathematik dagegen verwirft eine Metaphysik, +welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum überhaupt oder zunächst die +Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus Linien, den ganzen Raum aus +Flächen bestehen lassen wollte; sie läßt solche unkontinuirliche Eins +nicht gelten. Wenn sie auch z.B. die Größe einer Fläche so bestimmt, +daß sie als die Summe von unendlich vielen Linien vorgestellt wird, +gilt diese Diskretion nur als momentane Vorstellung, und in der +unendlichen Vielheit der Linien, da der Raum, den sie ausmachen sollen, +doch ein beschränkter ist, liegt schon das Aufgehobenseyn ihrer +Diskretion. + +Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat +Spinoza, dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er +(Eth. P. I. Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität +spricht: + +"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet sive +superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia, quod +a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, prout in +imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit, reperietur +finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad ipsam, prout +in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus substantia est, +concipimus, quod difficillime fit,—infinita, unic et indivisibilis +reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem et intellectum +distiuguere sciverint, satis manifestum erit." Bestimmtere Beispiele +der reinen Quantität, wenn man deren verlangt, hat man an Raum und +Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f. selbst Ich, nur ist +unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das Quantum zu verstehen. +Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen, Vielheiten, die ein +Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber nicht ins +Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht, sondern als +Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer Einheit sind. +Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn, das eben so sehr schlechthin +ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn, das identisch mit +sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen, ein Erzeugen des +Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das Zunichtewerden +desselben und stätig wieder das Zunichtewerden dieses Vergebens ist, so +daß dieß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr einfache Gleichheit +und Identität mit sich ist. + +Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den +sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens +aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber, die +zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et +quantitatem esse realiter idem.—In der That sind diese Begriffe auch +nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantität die reine +Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in äußerlicher Existenz ist. +—Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantität zu, als es ein +absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder allseitige +Repulsion zur negativen Freiheit des Fürsichseyns ist, aber welche +schlechthin einfache Kontinuität bleibt,—die Kontinuität der +Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich +mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s. +f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen sträuben, die Vielheit +als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe, daß von den +Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der +Vielen,—indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von +Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich +betrachtet, die Rede ist,—auch eine Vorstellung von dieser Einheit +verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen Stätigkeiten, +die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher Anschauung als +vorhanden geben. + +Anmerkung 2. + +In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und +der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der +unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f. + +Diese Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr +als die Kontinuität behauptet werden muß. Die einseitige Behauptung der +Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit ein +Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der Kontinuität +dagegen die unendliche Theilbarkeit. + +Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier +(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz +betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen. + +Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der +kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der +vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die +neuere Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere die +Überzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit von +Seite des Inhalts herbeiführen halfen,—was ein richtigerer Weg ist, als +der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur dieß ihr +Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an ihnen selbst +sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese Darstellung sehr +unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und verschroben, Theils +schief in Ansehung ihres Resultats, welches voraussetzt, daß das +Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe, als endliche +Kategorien.—In beider Rücksicht verdienen diese Antinomien eine +genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und Methode näher +beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, von der +unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird. + +Zunächst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien +durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der Kategorien +hernahm, einen Schein von Vollständigkeit geben wollte. Allein die +tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in die +dialektische Natur der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als +Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form +antinomischer Behauptungen geben könnte. Werden, Daseyn u.s.f. und +jeder andere Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und +also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe +ergeben.—Der alte Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen +lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand, +diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen. + +Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern in +der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt. Um die +Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu +behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und +Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der +Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der keine +Kraft noch Gewalt dabei hat, rein für sich betrachtet werden, indem sie +allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen. + +Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht +sophistische Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die +Vernunft nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;"—was eine +wichtige Ansicht ist.—"Von dem natürlichen Scheine der Antinomien werde +die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar nicht mehr +hintergegangen, aber immer noch getäuscht."—Die kritische Auflösung +nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der Welt der +Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den sogenannten +Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich noch immer +derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als vorher. Ihre wahrhafte +Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei Bestimmungen, indem sie +entgegengesetzt und einem und demselben Begriffe nothwendig sind, nicht +in ihrer Einseitigkeit, jede für sich, gelten können, sondern daß sie +ihre Wahrheit nur in ihrem Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres +Begriffes haben. + +Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders, +als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei +entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt von der +andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich +assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste von +Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen +hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt und +unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern +Betrachtung derselben zeigen wird. + +Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche +Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente der +Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in sich +enthält. + +Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so: + +Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen +Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was aus +diesem zusammengesetzt ist. + +Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte +gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine sehr +zurückstehende Bestimmung ist.—Das Substrat, das diesen Abstraktionen +gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier weiter nichts, als +die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und hat auf das +Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut auch Raum +oder Zeit genommen werden.—Indem nun die Thesis nur von Zusammensetzung +statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich sogleich ein +analytischer oder tautologischer Satz. Daß das Zusammengesetzte nicht +an und für sich Eines, sondern nur ein äußerlich Verknüpftes ist, und +aus Anderem besteht, ist seine unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber +des Zusammengesetzten ist das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu +sagen, daß das Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.—Wenn einmal +gefragt wird, aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen +verlangt, dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Läßt man die Dinte +wieder aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen +aus Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich +nur. Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas +bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin +ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll. +—Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey, nur +für ein relativ-Einfaches genommen, das für sich wieder zusammengesetzt +sey, so bleibt die Frage vor wie nach. Der Vorstellung schwebt etwa nur +dieß oder jenes Zusammengesetzte vor, von dem auch dieß oder jenes +Etwas als sein Einfaches angegeben würde, was für sich ein +Zusammengesetztes wäre. Aber hier ist von dem Zusammengesetzten als +solchem die Rede. + +Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie +alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg, der +sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn. + +"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen +nicht aus einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in +Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Theil und da es (nach +der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt, auch kein +einfacher, mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine Substanz +seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn es nichts +als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles Zusammengesetzte +weg, so hat man gar nichts übrig;—man wird dieß zugeben, aber dieser +tautologische Überfluß konnte wegbleiben, und der Beweis sogleich mit +dem anfangen, was darauf folgt, nämlich: "Entweder läßt sich unmöglich +alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren +Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung bestehendes, d. i. das Einfache, +übrig bleiben." + +"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus +Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine +zufällige Relation der Substanzen[8] ist, ohne welche diese als für +sich beharrliche Wesen, bestehen müssen.)—Da nun dieser Fall der +Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich +das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Theilen +bestehe." + + [8] Zum Überfluß des Beweisens selbst kommt hier noch der Überfluß der + Sprache,—weil bei diesen (den Substanzen nämlich) die Zusammensetzung + nur eine zufällige Relation der Substanzen ist. + + +Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die +Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig +ist. Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das +Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache. Wäre das Erstere, nämlich +das Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende nicht die +Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur zufällige Relation; +aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das, was bleibt, das +Einfache. + +Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die +zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar +jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die +Zusammensetzung bloß eine zufällige Relation der Substanzen ist, welche +ihnen also äußerlich ist, und die Substanzen selbst nichts angeht.—Hat +es mit der Zufälligkeit der Zusammensetzung seine Richtigkeit, so ist +das Wesen Freilich das Einfache. Diese Zufälligkeit aber, auf welche es +allein ankommt, wird nicht bewiesen, sondern geradezu, und zwar im +Vorbeigehen in Parenthese angenommen, als etwas das sich von selbst +versteht oder eine Nebensache ist. Es versteht sich zwar allerdings von +selbst, daß die Zusammensetzung die Bestimmung der Zufälligkeit und +Äußerlichkeit ist; aber wenn es sich nur um ein zufälliges Zusammen +handeln sollte statt der Kontinuität, so war es nicht der Mühe werth, +darüber eine Antinomie aufzustellen, oder vielmehr es ließ sich gar +keine aufstellen; die Behauptung der Einfachheit der Theile ist +alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch. + +In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst +vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kürzer läßt sich daher der +Beweis so fassen: + +Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen Theilen, +sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle +Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine zufällige +Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine Substanzen übrig, +wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden. Substanzen aber müssen +wir haben, denn wir haben sie angenommen; es soll uns nicht alles +verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn wir haben ein solches +Beharrliches, das wir Substanz nannten, vorausgesetzt; dieß Etwas muß +also einfach seyn. + +Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet +folgendermaßen: + +"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt einfache +Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben +sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als einfache Wesen +denken müsse." + +Hier sehen wir die Äußerlichkeit d. i. Zufälligkeit der Zusammensetzung +als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise parenthetisch +eingeführt und in ihm gebraucht worden war. + +Kant protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der +Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege) +einen Advokatenbeweis zu führen. Der betrachtete Beweis ist nicht so +sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten +Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises +hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu +lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese +der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur eine +Voraussetzung vorhanden ist. + +Die Antithesis lautet: + +Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen, +und es existirt überall nichts Einfaches in derselben. + +Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere +Weise eben so tadelhaft als der vorige. + +"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe +aus einfachen Theilen. Weil alles äußere Verhältniß, mithin auch alle +Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume möglich ist, so muß, aus so +vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen Theilen +auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht aus +einfachen Theilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder Theil des +Zusammengesetzten einen Raum einnehmen." + +"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind +einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein." + +"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander +befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt ist, +und zwar aus Substanzen, so würde das Einfache ein substantielles +Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht." + +Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden +Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt +werden. + +Zunächst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein. Denn die +Annahme, daß alles Substanzielle räumlich sey, der Raum aber nicht aus +einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum +unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze +Beweisen fertig ist. + +Alsdann fängt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "daß alle +Zusammensetzung aus Substanzen, ein äußeres Verhältniß sey," vergißt +ihn aber sonderbar genug sogleich wieder. Es wird nämlich +fortgeschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume möglich sey, der +Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das einen +Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt. Wenn einmal die +Zusammensetzung als ein äußerliches Verhältniß angenommen ist, so ist +die Räumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung möglich +seyn soll, eben darum ein äußerliches Verhältniß für die Substanzen, +das sie nichts angeht und ihre Natur nicht berührt, so wenig als das +übrige, was man aus der Bestimmung der Räumlichkeit noch folgern kann. +Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen nicht in den Raum gesetzt +worden seyn. + +Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier +versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine +Anschauung, nämlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung, die +nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden könne, und kein +sogenannter diskursiver Begriff sey.—Bekanntlich hat sich aus dieser +kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel Unfug mit +dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen, ist der +Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt worden. +Hierher gehört nur, daß der Raum, wie auch die Anschauung selbst, +zugleich begriffen werden muß, wenn man nämlich überhaupt begreifen +will. Damit entstände die Frage, ob der Raum nicht, wenn er auch als +Anschauung einfache Kontinuität wäre, nach seinem Begriffe als aus +einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden müsse, oder der Raum träte +in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die Substanz versetzt wurde. +In der That wenn die Antinomie abstrakt gefaßt wird, betrifft sie, wie +erinnert, die Quantität überhaupt und somit Raum und Zeit eben so sehr. + +Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus +einfachen Theilen bestehe, so dieß hätte Grund seyn sollen, das +Einfache nicht in dieß Element zu versetzen, welches der Bestimmung des +Einfachen nicht angemessen ist.—Hierbei kommt aber auch die Kontinuität +des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es werden beide mit +einander verwechselt, die erstere an die Stelle der letztern +untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum giebt). Es +ist bei Kant die ausdrückliche Bestimmung des Raums, daß er ein einiger +ist, und die Theile desselben nur auf Einschränkungen beruhen, so daß +sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen +Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung möglich sey, vorhergehen". +(Kr. d. r. Vern. 2te Ausg. S. 39). Hier ist die Kontinuität sehr +richtig und bestimmt vom Raume gegen die Zusammensetzung aus +Bestandtheilen angegeben. In der Argumentation dagegen soll das +Versetzen der Substanzen in den Raum ein "außerhalb einander +befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin ein Zusammengesetztes" +mit sich führen. Wogegen, wie angeführt, die Art, wie im Raume eine +Mannigfaltigkeit sich findet, ausdrücklich die Zusammensetzung und der +Einigkeit desselben vorhergehende Bestandtheile ausschließen soll. + +In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdrücklich +die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie +herbeigebracht, daß wir von Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff +haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung der +Möglichkeit aller äußern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn hiermit +unter den Substanzen nur Körper gemeint sind, wie wir sie sehen, fühlen +schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem Begriffe sind, +eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom sinnlich +Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu fassen. Die +ganze Erfahrung unseres Sehens, Fühlens, u.s.f.. zeigt uns nur +Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die feinsten Messer +haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen. Also soll auch die +Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen. + +Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer +ansehen, und ihre Beweise von allem unnützen Überfluß und +Verschrobenheit befreien, so enthält der Beweis der Antithesis, —durch +die Versetzung der Substanzen in den Raum,—die assertorische Annahme +der Kontinuität, so wie der Beweis der Thesis,—durch die Annahme der +Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des Substantiellen,—die +assertorische Annahme der Zufälligkeit dieser Beziehung, und damit die +Annahme der Substanzen als absolute Eins. Die ganze Antinomie reducirt +sich also auf die Trennung und direkte Behauptung der beiden Momente +der Quantität und zwar derselben als schlechthin getrennter. Nach der +bloßen Diskretion genommen sind die Substanz, Materie, Raum, Zeit +u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins ist ihr Princip. Nach der +Kontinuität ist dieses Eins nur ein aufgehobenes; das Theilen bleibt +Theilbarkeit, es bleibt die Möglichkeit zu theilen, als Möglichkeit, +ohne wirklich auf das Atome zu kommen. Bleiben wir nun auch bei der +Bestimmung stehen, die in dem Gesagten von diesen Gegensätzen gegeben +ist, so liegt in der Kontinuität selbst das Moment des Atomen, da sie +schlechthin als die Möglichkeit des Theilens ist, so wie jenes +Getheiltseyn, die Diskretion auch allen Unterschied der Eins +aufhebt,—denn die einfachen Eins ist eines was das andere ist,—somit +ebenso ihre Gleichheit und damit ihre Kontinuität enthält. Indem jede +der beiden entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthält, +und keine ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß +keine dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur +ihre Einheit. Dieß ist die wahrhafte dialektische Betrachtung +derselben, so wie das wahrhafte Resultat. + +Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische +Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen Schule +besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf den Begriff +der Quantität gründen, und in ihm ihre Auflösung haben. Es würde zu +weitläufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie betreffen die +Begriffe von Raum und Zeit, und können bei diesen und in der Geschichte +der Philosophie abgehandelt werden. Sie machen der Vernunft ihrer +Erfinder die höchste Ehre; sie haben das reine Seyn des Parmenides zum +Resultate indem sie die Auflösung alles bestimmten Seyns in sich selbst +aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das Fließen des Heraklit Sie +sind darum auch einer gründlichern Betrachtung würdig, als der +gewöhnlichen Erklärung, daß es eben Sophismen seyen; welche Assertion +sich an das empirische Wahrnehmen nach dem, dem gemeinen +Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des Diogenes hält, der, als +ein Dialektiker den Widerspruch, den die Bewegung enthält, aufzeigte, +seine Vernunft weiter nicht angestrengt haben, sondern durch ein +stummes Hin- und Hergehen auf den Augenschein verwiesen haben +soll,—eine Assertion und Widerlegung, die freilich leichter zu machen +ist, als sich in die Gedanken einzulassen, und die Verwicklungen, in +welche der Gedanke und zwar der nicht weithergehohlte, sondern im +gewöhnlichen Bewußtseyn selbst sich formirende, hineinführt, +festzuhalten und durch den Gedanken selbst aufzulösen. + +Die Auflösung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen +macht, ist hoch zu rühmen und in seinen wahrhaft spekulativen Begriffen +von Raum, Zeit und Bewegung enthalten. Er setzt der unendlichen +Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie bewerkstelligt +werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen, dasselbe ist), als +worauf die berühmtesten jener Beweise beruhen, die Kontinuität, welche +ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht, entgegen, so daß die +unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich, der Möglichkeit nach, +in der Kontinuität enthalten sey. Das Wirkliche gegen die abstrakte +Vielheit, wie gegen die abstrakte Kontinuität ist das Konkrete +derselben, die Zeit und der Raum selbst, wie gegen diese wieder die +Bewegung und die Materie. Nur an sich oder nur der Möglichkeit nach ist +das Abstrakte; es ist nur als Moment eines Reellen. Bayle, der in +seinem Diktionnaire, Art. Zenon, die von Aristoteles gemachte Auflösung +der zenonischen Dialektik, " pitoyable " findet, versteht nicht was es +heißt, daß die Materie nur der Möglichkeit nach ins Unendliche theilbar +sey; er erwiedert, wenn die Materie ins Unendliche theilbar sey, so +enthalte sie wirklich eine unendliche Menge von Theilen, dieß sey also +nicht ein Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell +und aktuell existire.—Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur +eine Möglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit +überhaupt in der Kontinuität nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt. +—Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unübertroffen +ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu +beurtheilen, so wenig als die angeführte Plumpheit sinnlicher +Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand ist +in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie unendliche +Menge von Theilen, für Etwas, für ein Wahres und Wirkliches zu halten; +dieses sinnliche Bewußtseyn aber läßt sich nicht über das Empirische +hinaus zu Gedanken bringen. + +Die kantische Auflösung der Antinomie besteht gleichfalls allein darin, +daß die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht überfliegen, und die +Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Auflösung läßt den Inhalt +der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht die Natur des +Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, für sich isolirt, +nichtig und an ihr selbst nur das Übergehen in ihre Andere ist, und die +Quantität als ihre Einheit und darin ihre Wahrheit hat. + +B. Kontinuirliche und diskrete Größe. + +Die Quantität enthält die beiden Momente der Kontinuität und der +Diskretion. Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.—Sie ist +schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist zunächst +selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuität, gesetzt, +und ist so kontinuirliche Größe. + +Oder die Kontinuität ist zwar eins der Momente der Quantität, die erst +mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist. Aber die Quantität ist +konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit unterschiedener Momente +ist. Diese sind daher auch als unterschieden zu nehmen, jedoch nicht in +Attraktion und Repulsion wieder aufzulösen, sondern nach ihrer Wahrheit +jede in ihrer Einheit mit der anderen d. h. das Ganze bleibend. Die +Kontinuität ist nur die zusammenhängende, gediegene Einheit, als +Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie nicht mehr nur Moment, +sondern ganze Quantität; kontinuirliche Größe. + +2. Die unmittelbare Quantität ist kontinuirliche Größe. Aber die +Quantität ist überhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit +ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie ist +also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins. +Die Quantität ist diskrete Größe. + +Die Diskretion ist, wie die Kontinuität, Moment der Quantität, aber ist +selbst auch die ganze Quantität, eben weil sie Moment in ihr, dem +Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus ihrer +Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.—Die Quantität ist +Außereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Größe ist dieß +Außereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in sich +selbst gleicher Zusammenhang. Die diskrete Größe aber ist dieß +Außereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen. Mit dieser +Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere, die +Repulsion überhaupt, wieder vorhanden. Weil die diskrete Größe +Quantität ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich. Diese +Kontinuität am Diskreten besteht darin, daß die Eins das einander +Gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben. Die diskrete Größe +ist also das Außereinander des vielen Eins, als des Gleichen, nicht das +viele Eins überhaupt, sondern als das Viele einer Einheit gesetzt. + +Anmerkung. + +In gewöhnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Größe +wird es übersehen, daß jede dieser Größen beide Momente, sowohl die +Kontinuität als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur +dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte +Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist. Raum, Zeit, +Materie u.s.f. sind stätige Größen, indem sie Repulsionen von sich +selbst, ein strömendes Außersichkommen sind, das zugleich nicht ein +Übergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist. Sie haben die +absolute Möglichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt werde; +nicht als die leere Möglichkeit eines bloßen Andersseyns (wie man sagt, +es wäre möglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum stünde) +sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst, es ist die +eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind. + +Umgekehrt ist an der diskreten Größe die Kontinuität nicht zu +übersehen; dieß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit. + +Die kontinuirliche und diskrete Größe können als Arten der Quantität +betrachtet werden, aber insofern die Größe nicht unter irgend einer +äußerlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den Bestimmtheiten +ihrer eigenen Momente; der gewöhnliche Übergang von Gattung zu Art läßt +an jene nach irgend einem ihr äußerlichen Eintheilungsgrunde äußerliche +Bestimmungen kommen. Dabei sind die kontinuirliche und diskrete Größe +noch keine Quanta; sie sind nur die Quantität selbst in einer jeden +ihrer beiden Formen. Sie werden etwa Größen genannt, insofern sie mit +dem Quantum dieß überhaupt gemein haben, eine Bestimmtheit an der +Quantität zu seyn. + +C. Begrenzung der Quantität. + +Die diskrete Größe hat erstlich das Eins zum Princip und ist zweitens +Vielheit der Eins, drittens ist sie wesentlich stätig, sie ist das Eins +zugleich als Aufgehobenes, als Einheit, das Sich-kontinuiren als +solches in der Diskretion der Eins. Sie ist daher als Eine Größe +gesetzt, und die Bestimmtheit derselben ist das Eins, das an diesem +Gesetztseyn und Daseyn ausschließendes Eins, Grenze an der Einheit ist. +Die diskrete Größe als solche soll unmittelbar nicht begrenzt seyn; +aber als unterschieden von der kontinuirlichen ist sie als ein Daseyn +und ein Etwas, dessen Bestimmtheit das Eins und als in einem Daseyn +auch erste Negation und Grenze ist. + +Diese Grenze, außer dem, daß sie auf die Einheit bezogen und die +Negation an derselben ist, ist als Eins auch auf sich bezogen; so ist +sie umschließende, befassende Grenze. Die Grenze unterscheidet sich +hier nicht zuerst von dem Etwas ihres Daseyns, sondern ist als Eins +unmittelbar dieser negative Punkt selbst. Aber das Seyn, das hier +begrenzt ist, ist wesentlich als Kontinuität, vermöge der es über die +Grenze und dieß Eins hinausgeht, und gleichgültig dagegen ist. Die +reale diskrete Quantität ist so eine Quantität, oder Quantum,—die +Quantität als ein Daseyn und Etwas. + +Indem das Eins, welches Grenze ist, die vielen Eins der diskreten +Quantität in sich befaßt, setzt sie dieselben ebenso wohl als in ihm +aufgehobene; sie ist Grenze an der Kontinuität überhaupt als solcher, +und damit ist hier der Unterschied von kontinuirlicher und diskreter +Größe gleichgültig; oder richtiger, sie ist Grenze an der Kontinuität +der einen sosehr als der andern; beide gehen darein über, Quanta zu +seyn. + + + + +Zweites Kapitel. Quantum. + + +Das Quantum, zunächst Quantität mit einer Bestimmtheit oder Grenze +überhaupt,—ist in seiner vollkommenen Bestimmtheit die Zahl. Das +Quantum unterscheidet sich + +zweitens zunächst in extensives, an dem die Grenze als Beschränkung der +daseyenden Vielheit ist, alsdann indem dieses Daseyn ins Fürsichseyn +übergeht,—in intensives Quantum, Grad, welches als fürsich und darin +als gleichgültige Grenze ebenso unmittelbar außersich, seine +Bestimmtheit an einem anderen hat. Als dieser gesetzte Widerspruch, so +einfach in sich bestimmt zu seyn und seine Bestimmtheit außer sich zu +haben und für sie außer sich zu weisen, geht das Quantum + +drittens, als das an sich selbst äußerliche Gesetzte in die +quantitative Unendlichkeit über. + +A. Die Zahl. + +Die Quantität ist Quantum, oder hat eine Grenze; sowohl als +kontinuirliche wie als diskrete Größe. Der Unterschied dieser Arten hat +hier zunächst keine Bedeutung. + +Die Quantität ist als das aufgehobene Fürsichseyn schon an und für sich +selbst gegen ihre Grenze gleichgültig. Aber damit ist ihr ebenso die +Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichgültig; denn sie enthält +das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich als ihr eigenes Moment, +das also als gesetzt an ihrer Kontinuität oder Einheit ihre Grenze ist, +die aber als Eins, zu dein sie überhaupt geworden, bleibt. + +Dieß Eins ist also das Princip des Quantums, aber das Eins als der +Quantität. Dadurch ist es erstlich kontinuirlich, es ist Einheit; +zweitens ist es diskret, an sich seyende (wie in der kontinuirlichen) +oder gesetzte (wie in der diskreten Größe) Vielheit der Eins, welche +die Gleichheit miteinander, jene Kontinuität, dieselbe Einheit haben. +Drittens ist die ß Eins auch Negation der vielen Eins als einfache +Grenze, ein Ausschließen seines Andersseyns aus sich, eine Bestimmung +seiner gegen andere Quanta. Das Eins ist insofern sich à) auf sich +beziehende, (ß) umschließende, und (ç) Anderes ausschließende Grenze. + +Das Quantum in diesen Bestimmungen vollständig gesetzt, ist die Zahl. +Das vollständige Gesetztseyn liegt in dem Daseyn der Grenze als +Vielheit und damit ihrem Unterschiedenseyn von der Einheit. Die Zahl +erscheint, deswegen als diskrete Größe, aber sie hat an der Einheit +ebenso die Kontinuität. Sie ist darum auch das Quantum in vollkommener +Bestimmtheit; indem in ihr die Grenze als bestimmte Vielheit, die das +Eins, das schlechthin bestimmte, zu seinem Principe hat. Die +Kontinuität, als in der das Eins nur an sich, als Aufgehobenes +ist,—gesetzt als Einheit,—ist die Form der Unbestimmtheit. + +Das Quantum nur als solches ist begrenzt überhaupt, seine Grenze ist +abstrakte, einfache Bestimmtheit desselben. Indem es aber Zahl ist, ist +diese Grenze als in sich selbst mannigfaltig gesetzt. Sie enthält die +vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen, enthält sie aber nicht auf +unbestimmte Weise, sondern die Bestimmtheit der Grenze fällt in sie; +die Grenze schließt anderes Daseyn, d. i. andere Viele aus, und die von +ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge, —die Anzahl, zu +welcher als der Diskretion, wie sie in der Zahl ist, das andere die +Einheit, die Kontinuität derselben, ist. Anzahl und Einheit machen die +Momente der Zahl aus. + +Von der Anzahl ist noch näher zu sehen, wie die vielen Eins, aus denen +sie besteht, in der Grenze sind; von der Anzahl ist der Ausdruck +richtig, daß sie aus den Vielen besteht, denn die Eins sind in ihr +nicht als aufgehoben, sondern sind in ihr, nur mit der ausschließenden +Grenze gesetzt, gegen welche sie gleichgültig sind. Aber diese ist es +nicht gegen sie. Beim Daseyn hatte sich zunächst das Verhältniß der +Grenze zu demselben so gestellt, daß das Daseyn als das affirmative +diesseits seiner Grenze bestehen blieb, und diese, die Negation, +außerhalb an seinem Rande sich befand; ebenso erscheint an den vielen +Eins das Abbrechen derselben und das Ausschließen anderer Eins als eine +Bestimmung, die außerhalb der umschlossenen Eins fällt. Aber es hat +sich dort ergeben, daß die Grenze das Daseyn durchdringt, soweit geht +als dieses, und daß Etwas dadurch seiner Bestimmung nach begrenzt, d. +i. endlich ist.—So stellt man im Quantitativen der Zahl etwa Hundert so +vor, daß das hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, daß sie +Hundert seyen. Einer Seits ist dieß richtig; anderer Seits aber hat +unter den hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind; +jedes ist ebenso das Hundertste; sie gehören also alle der Grenze an, +wodurch die Zahl Hundert ist; diese kann für ihre Bestimmtheit keines +entbehren; die anderen machen somit gegen das hundertste Eins kein +Daseyn aus, das außerhalb der Grenze oder nur innerhalb ihrer, +überhaupt verschieden von ihr wäre. Die Anzahl ist daher nicht eine +Vielheit gegen das umschließende, begrenzende Eins, sondern macht +selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die +Vielen machen eine Zahl, Ein Zwei, Ein Zehn, Ein Hundert u.s.f. aus. + +Das begrenzende Eins ist nun das Bestimmtseyn gegen Anderes, +Unterscheidung der Zahl von andern. Aber diese Unterscheidung wird +nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, fällt nur +in die vergleichende äußerliche Reflexion; die Zahl bleibt als Eins in +sich zurückgekehrt, und gleichgültig gegen Andere. Diese +Gleichgültigkeit der Zahl gegen Andere ist wesentliche Bestimmung +derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn, aber zugleich ihre +eigene Äußerlichkeit aus.—Sie ist so ein numerisches Eins, als das +absolut bestimmte, das zugleich die Form der einfachen Unmittelbarkeit +hat, und dem daher die Beziehung auf anderes völlig äußerlich ist. Als +Eins, das Zahl ist, hat es ferner die Bestimmtheit, insofern sie +Beziehung auf Anderes ist, als seine Momente in ihm selbst, in seinem +Unterschiede der Einheit und der Anzahl, und die Anzahl ist selbst +Vielheit der Eins d. i. es ist in ihm selbst diese absolute +Äußerlichkeit.—Dieser Widerspruch der Zahl oder des Quantums überhaupt +in sich ist die Qualität des Quantums, in deren weitern Bestimmungen +sich dieser Widerspruch entwickelt. + +Anmerkung 1. + +Die Raumgröße und Zahlgröße pflegen so als zwei Arten betrachtet zu +werden, daß die Raumgröße für sich so sehr bestimmte Größe als die +Zahlgröße wäre; ihr Unterschied bestünde nur in den verschiedenen +Bestimmungen der Kontinuität und Diskretion; als Quantum aber stünden +sie auf derselben Stufe. Die Geometrie hat im Allgemeinen in der +Raumgröße die kontinuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgröße die +diskrete Größe zum Gegenstande. Aber mit dieser Ungleichheit des +Gegenstandes haben sie auch nicht eine gleiche Weise und Vollkommenheit +der Begrenzung oder des Bestimmtseyns. Die Raumgröße hat nur die +Begrenzung überhaupt; insofern sie als ein schlechthin bestimmtes +Quantum betrachtet werden soll, hat sie die Zahl nöthig. Die Geometrie +als solche mißt die Raumfiguren nicht, ist nicht Meßkunst; sondern +vergleicht sie nur. Auch bei ihren Definitionen sind die Bestimmungen +zum Theil von der Gleichheit der Seiten, Winkel, der gleichen +Entfernung hergenommen. So bedarf der Kreis, weil er allein auf die +Gleichheit der Entfernung aller in ihm möglichen Punkte von einem +Mittelpunkte beruht, zu seiner Bestimmung keiner Zahl. Diese auf +Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen sind ächt +geometrisch. Aber sie reichen nicht aus, und zu andern z. B. Dreieck, +Viereck, ist die Zahl erforderlich, die in ihrem Princip, dem Eins das +Für-sich-bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch Hülfe eines Andern, +also nicht durch Vergleichung enthält. Die Raumgröße hat zwar an dem +Punkte die dem Eins entsprechende Bestimmtheit; der Punkt aber wird, +insofern er außer sich kommt, ein Anderes, er wird zur Linie; weil er +wesentlich nur als Eins des Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu +einer Kontinuität, in der die Punktualität, das Für-sich-Bestimmtseyn, +das Eins, aufgehoben ist. Insofern das Für-sich-Bestimmtseyn im +Außersichseyn sich erhalten soll, muß die Linie als eine Menge von Eins +vorgestellt werden, und die Grenze, die Bestimmung der vielen Eins, in +sich bekommen, d. h. die Größe der Linie—eben so der anderen +Raum-Bestimmungen—muß als Zahl genommen werden. + +Die Arithmetik betrachtet die Zahl und deren Figuren, oder vielmehr +betrachtet sie nicht, sondern operirt mit denselben. Denn die Zahl ist +die gleichgültige Bestimmtheit, träge; sie muß von außen bethätigt und +in Beziehung gebracht werden. Die Beziehungsweisen sind die +Rechnungsarten. Sie werden in der Arithmetik nach einander aufgeführt, +und es erhellt, daß eine von der andern abhängt. Der Faden, der ihren +Fortgang leitet, wird jedoch in der Arithmetik nicht herausgehoben. + +Aus der Begriffsbestimmung der Zahl selbst aber ergiebt sich leicht die +systematische Zusammenstellung, auf welche der Vortrag dieser Elemente +in den Lehrbüchern einen gerechten Anspruch hat. Diese leitenden +Bestimmungen sollen hier kurz bemerklich gemacht werden. + +Die Zahl ist um ihres Principes, des Eins, willen ein äußerlich +Zusammengefaßtes überhaupt, eine schlechthin analytische Figur, die +keinen inneren Zusammenhang enthält. Weil sie so nur ein äußerlich +Erzeugtes ist, ist alles Rechnen das Hervorbringen von Zahlen, ein +Zählen oder bestimmter: Zusammenzählen. Eine Verschiedenheit dieses +äußerlichen Hervorbringens, das nur iminer dasselbe thut, kann allein +in einem Unterschiede der Zahlen gegeneinander, die zusammengezählt +werden sollen, liegen; solcher Unterschied muß selbst anderswoher und +aus äußerlicher Bestimmung genommen werden. + +Der qualitative Unterschied, der die Bestimmtheit der Zahl ausmacht, +ist der, den wir gesehen, der Einheit und der Anzahl; auf diesen +reducirt sich daher alle Begriffsbestimmtheit, die in den +Rechnungsarten vorkommen kann. Der Unterschied aber, der den Zahlen als +Quantis zukommt, ist die äußerliche Identität und der äußerliche +Unterschied, die Gleichheit und Ungleichheit, welches +Reflexionsmomente, und unter den Bestimmungen des Wesens beim +Unterschiede, abzuhandeln sind. + +Ferner ist noch vorauszuschicken, daß Zahlen im Allgemeinen auf zwei +Weisen hervorgebracht werden können, entweder durch Zusammenfassen oder +durch Trennen bereits zusammengefaßter;—indem beides bei einer auf +dieselbe Weise bestimmten Art von Zählen Statt findet, so entspricht +einem Zusammenfassen von Zahlen, was man positive Rechnungsart, ein +Trennen, was man negative Rechnungsart nennen kann; die Bestimmung der +Rechnungsart selbst, ist von diesem Gegensatze unabhängig. + +Nach diesen Bemerkungen folgt hiermit die Angabe der Rechnungsweisen. +Das erste Erzeugen der Zahl ist das Zusammenfassen von Vielen als +solchen, d. i. deren jedes nur als Eins gesetzt ist,—das Numeriren. Da +die Eins äußerliche gegeneinander sind, stellen sie sich unter einem +sinnlichen Bilde dar, und die Operation, durch welche die Zahl erzeugt +wird, ist ein Abzählen an den Fingern, an Punkten u.s.f. Was Vier, Fünf +u.s.f. ist, kann nur gewiesen werden. Das Abbrechen, wie viel zugefaßt +werden soll, ist, indem die Grenze äußerlich ist, etwas Zufälliges, +Beliebiges.—Der Unterschied von Anzahl und Einheit, der im Fortgange +der Rechnungsarten eintritt, begründet ein System, dyadisches, +dekadisches u.s.f.—von Zahlen; ein solches beruht im Ganzen auf der +Beliebigkeit, welche Anzahl konstant wieder als Einheit genommen werden +soll. + +Die durch das Numeriren entstandenen Zahlen werden wieder numerirt; und +indem sie so unmittelbar gesetzt sind, sind sie noch ohne alle +Beziehung auf einander bestimmt, gleichgültig gegen Gleichheit und +Ungleichheit, von zufälliger Grösse gegen einander,—daher ungleiche +überhaupt;—Addiren.—Daß 7 und 5 Zwölfe ausmacht, erfährt man dadurch, +daß zu den 7 noch 5 Eins an den Fingern oder sonst hinzunumerirt +werden,—wovon das Resultat nachher im Gedächtnisse, auswendig, behalten +wird; denn Innerliches ist nichts dabei. Ebenso daß 7 x 5 = 35 ist, +weiß man durch das Abzählen an den Fingern u.s.f., daß zu einem Sieben +noch eins hinzu numerirt, dieß fünf Mal bewerkstelligt, und das +Resultat gleichfalls auswendig behalten wird. Die Mühe dieses +Numerirens, der Erfindung der Summen, Produkte, ist durch die fertigen +Eins und Eins oder Eins mal Eins, die man nur auswendig zu lernen hat, +abgethan. + +Kant hat (in der Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft V.) den +Satz: 7 + 5 = 12, als einen synthetischen Satz betrachtet. "Man +sollte," sagt er, "anfänglich zwar denken, (gewiß!) er sey ein bloß +analytischer Satz, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und Fünf +nach dem Satz des Widerspruchs erfolge." Der Begriff der Summe heißt +weiter nichts, als die abstrakte Bestimmung, daß diese zwei Zahlen +zusammengefaßt werden sollen, und zwar als Zahlen auf eine äußerliche, +d. i. begrifflose Weise,—daß von Sieben weiter numerirt werden soll, +bis die hinzuzufügenden Eins, deren Anzahl auf Fünf bestimmt ist, +erschöpft worden; das Resultat führt den sonst bekannten Nahmen Zwölfe. +"Allein," fährt Kant fort, "wenn man es näher betrachtet, so findet +man, daß der Begriff der Summe von 7 + 5 nichts weiter enthalte, als +die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar +nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sey, die beide +zusammenfaßt;"—"ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen +Summe noch so sehr zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölfe +nicht antreffen." Mit dem Denken der Summe, Zergliederung des Begriffs, +hat der Übergang von jener Aufgabe zu dem Resultat allerdings nichts +[zu] thun; "man muß über diese Begriffe hinausgehen und die Anschauung, +fünf Finger u.s.f. zu Hülfe nehmen und so die Einheiten der in der +Anschauung gegebenen Fünf zu dem Begriffe von Sieben hinzuthun," fügt +er hinzu. Fünf ist allerdings in der Anschauung gegeben, d. h. ein ganz +äußerliches Zusammengefügtseyn des beliebig wiederholten Gedankens, +Eins; aber Sieben ist ebenso wenig ein Begriff; es sind keine Begriffe +vorhanden, über die man hinausgeht. Die Summe von 5 und 7 heißt die +begrifflose Verbindung beider Zahlen, das so begrifflos fortgesetzte +Numeriren von Sieben an, bis die Fünfe erschöpft sind, kann man ein +Zusammenfügen, ein Synthesiren, gerade wie das Numeriren von Eins an, +nennen—ein Synthesiren, das aber gänzlich analytischer Natur ist, indem +der Zusammenhang ein ganz gemachter, nichts darin ist noch hineinkommt, +was nicht ganz äußerlich vorliegt. Das Postulat 5 zu 7 zu addiren +verhält sich zu dem Postulate, überhaupt zu numeriren, wie das Postulat +eine gerade Linie zu verlängern, zu dem, eine gerade Linie zu ziehen. + +So leer als der Ausdruck Synthesiren ist, ist die Bestimmung, daß es a +priori geschehe. Zählen ist allerdings keine Empfindungsbestimmung, die +für das a posteriori nach der kantischen Bestimmung von Anschauung +allein übrig bleibt, und Zählen ist wohl eine Beschäftigung auf dem +Boden des abstrakten Anschauens, d. i. welches durch die Kategorie des +Eins bestimmt und wobei von allen anderen Empfindungsbestimmungen, +ebenso sehr als auch von Begriffen abstrahirt ist. Das a priori ist +überhaupt etwas nur Vages; die Gefühlsbestimmung hat als Trieb, Sinn +u.s.f. ebenso sehr das Moment der Aprioritaet in ihr, als Raum und Zeit +als existirend, Zeitliches und Räumliches, a posteriori bestimmt ist. + +Im Zusammenhange hiermit kann hinzugefügt werden, daß Kants Behauptung +von der synthetischen Beschaffenheit der Grundsätze der reinen +Geometrie ebenso wenig etwas Gründliches enthält. Indem er angiebt, daß +mehrere wirklich analytisch seyen, so ist allein der Grundsatz, daß die +gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste ist, für jene +Vorstellung angeführt. "Mein Begriff vom Geraden enthalte nämlich +nichts von Größe, sondern nur eine Qualität; der Begriff des Kürzesten +komme also gänzlich hinzu, und könne durch keine Zergliederung aus dem +Begriffe der geraden Linie gezogen werden; Anschauung müsse also hier +zu Hülfe genommen werden, vermittelst deren allein die Synthesis +möglich sey."—Es handelt sich aber auch hier nicht von einem Begriffe +des Geraden überhaupt, sondern von gerader Linie, und dieselbe ist +bereits ein Räumliches, Angeschautes. Die Bestimmung (oder wenn man +will, der Begriff) der geraden Linie ist doch wohl keine anderes als +daß sie die schlechthin einfache Linie ist, d. i. in dem +Außersichkommen (der sogenannten Bewegung des Punktes) schlechthin sich +auf sich bezieht, in deren Ausdehnung keine Art von Verschiedenheit der +Bestimmung, keine Beziehung auf einen anderen Punkt, oder Linie +außerhalb ihrer gesetzt ist, hält;—die schlechthin in sich einfache +Richtung. Diese Einfachheit ist allerdings ihre Qualität, und wenn die +gerade Linie schwer analytisch zu definiren scheinen sollte, so wäre es +nur um der Bestimmung der Einfachheit oder Beziehung auf sich selbst +willen, und bloß weil die Reflexion beim Bestimmen zunächst vornehmlich +eine Mehrheit, ein Bestimmen durch andere, vor sich hat; es ist aber +für sich schlechthin nichts Schweres, diese Bestimmung der Einfachheit +der Ausdehnung in sich, ihrer Bestimmungslosigkeit durch Anderes, zu +fassen;—Euklids Definition enthält nichts Anderes als diese +Einfachheit.—Der Übergang nun aber dieser Qualität zur quantitativen +Bestimmung (des Kürzesten), welcher das Synthetische ausmachen sollte, +ist ganz nur analytisch. Die Linie ist als räumlich, Quantität +überhaupt; das Einfachste, vom Quantum gesagt, ist das Wenigste, und +dieß von einer Linie gesagt, ist das Kürzeste. Die Geometrie kann diese +Bestimmungen als Corollarium zur Definition aufnehmen; aber Archimedes +in seinen Büchern über Kugel und Cylinder (s. Haubers Übers. S. ) hat +am zweckmäßigsten gethan, jene Bestimmung der geraden Linie als +Grundsatz hinzustellen, in ebenso richtigem Sinne, als Euklides die +Bestimmung, die Parallellinien betreffend, unter die Grundsätze +gestellt hat, da die Entwickelung dieser Bestimmung, um zu einer +Definition zu werden, gleichfalls nicht der Räumlichkeit unmittelbar +angehörige, sondern abstraktere qualitative Bestimmungen, wie vorhin +Einfachheit, Gleichheit der Richtung und dergleichen erfordert hätte. +Diese Alten haben auch ihren Wissenschaften plastischen Charakter +gegeben, ihre Darstellung streng in der Eigenthümlichkeit ihres Stoffes +gehalten, daher das ausgeschlossen, was für denselben heterogener Art +gewesen wäre. + +Der Begriff, den Kant in den synthetischen Urtheilen a priori +aufgestellt hat,—der Begriff von Unterschiedenem, das ebenso untrennbar +ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt Unterschied ist, +gehört zu dem Grossen und Unsterblichen seiner Philosophie. Im +Anschauen ist dieser Begriffe da er der Begriff selbst und Alles an +sich der Begriff ist, freilich gleichfalls vorhanden; aber die +Bestimmungen, die in jenen Beispielen herausgenommen sind, stellen ihn +nicht dar; vielmehr ist die Zahl und das Zählen eine Identität und +Hervorbringen einer Identität, die schlechthin nur äußerlich, nur +oberflächliche Synthese ist, eine Einheit von Eins, solchen, die +vielmehr als an ihnen nicht identisch mit einander, sondern äußerliche, +für sich getrennte, gesetzt sind; in der geraden Linie hat die +Bestimmung, die kleinste zwischen zwei Punkten zu seyn, vielmehr nur +das Moment des abstrakt Identischen, ohne Unterschied an ihm selbst, zu +Grunde zu liegen. + +Ich kehre von dieser Unterbrechung zum Addiren selbst zurück. Die ihm +entsprechende, negative Rechnungsart, das Subtrahiren, ist das ebenso +ganz analytische Trennen in Zahlen, die wie im Addiren, nur als +Ungleiche überhaupt gegeneinander bestimmt sind. + +2. Die nächste Bestimmung ist die Gleichheit der Zahlen, die numerirt +werden sollen. Durch diese Gleichheit sind sie eine Einheit, und es +tritt hiermit an der Zahl der Unterschied von Einheit und Anzahl ein. +Die Multiplikation ist die Aufgabe, eine Anzahl von Einheiten, die +selbst eine Anzahl sind, zusammenzuzählen. Es ist dabei gleichgültig, +welche von den beiden Zahlen als Einheit und welche als Anzahl +angegeben, ob viermal drei, wo Vier die Anzahl, und drei die Einheit +ist, oder umgekehrt dreimal vier, gesagt wird.—Es ist oben schon +angegeben, daß das ursprüngliche Finden des Produkts durch das einfache +Numeriren, d. i. das Abzählen an den Fingern u.s.f. bewerkstelligt +wird; das spätere unmittelbare Angebenkönnen des Produkts beruht auf +der Sammlung jener Produkte, dem Einmaleins, und dem Auswendig-Wissen +desselben. + +Die Division ist die negative Rechnungsart nach derselben Bestimmung +des Unterschieds. Es ist ebenso gleichgültig, welcher von beiden +Faktoren, der Divisor oder der Quotient, als Einheit oder als Anzahl +bestimmt wird. Der Divisor wird als Einheit und der Quotient als Anzahl +bestimmt, wenn die Aufgabe der Division ausgesprochen wird, daß man +sehen wolle, wie oft (Anzahl) eine Zahl (Einheit) in einer gegebenen +enthalten sey; umgekehrt wird der Divisor als Anzahl und der Quotient +als Einheit genommen, wenn gesagt wird, man soll eine Zahl in eine +gegebene Anzahl gleicher Theile theilen und die Grösse solchen Theils +(der Einheit) finden. + +3. Die beiden Zahlen, welche als Einheit und Anzahl gegeneinander +bestimmt sind, sind als Zahl noch unmittelbar gegeneinander, und daher +überhaupt ungleich. Die weitere Gleichheit ist die der Einheit und der +Anzahl selbst; so ist der Fortgang zur Gleichheit der Bestimmungen, die +in der Bestimmung der Zahl liegen, vollendet. Das Zählen, nach dieser +vollständigen Gleichheit ist das Potenziren, (die negative Rechnungsart +das Wurzelausziehen)—und zwar zunächst das Erheben einer Zahl ins +Quadrat,—das vollkommene Bestimmtseyn des Numerirens in sich selbst, wo +1) die vielen Zahlen, die addirt werden, dieselben sind, und 2) deren +Vielheit oder Anzahl selbst dieselbe ist mit der Zahl, die vielmal +gesetzt wird, die Einheit ist. Es sind sonst keine Bestimmungen in dem +Begriffe der Zahl, die einen Unterschied darbieten könnten; noch kann +ein weiteres Ausgleichen des Unterschiedes, der in in der Zahl liegt, +Statt finden. Erhebung in höhere Potenzen als in das Quadrat, ist eine +formelle Fortsetzung Theils—bei den geraden Exponenten,—nur eine +Wiederholung des Quadrirens, Theils bei den ungeraden Potenzen—tritt +wieder die Ungleichheit ein; bei der nämlich formellen Gleichheit (z.B. +zunächst beim Kubus) des neuen Faktors mit der Anzahl sowohl als mit +der Einheit, ist er als Einheit, gegen die Anzahl (das Quadrat, 3 gegen +3. 3) ein Ungleiches; noch mehr beim Kubus von Vier, wo die Anzahl, 3, +nach der die Zahl, die die Einheit ist, mit sich multiplicirt werden +soll, von dieser selbst verschieden ist.—Es sind an sich diese +Bestimmungen als der wesentliche Unterschied des Begriffs, die Anzahl +und die Einheit, vorhanden, welche für das vollständige +In-sich-Zurückgehen des Außer-sich-gehens auszugleichen sind. In dem so +eben Dargestellten liegt weiter der Grund, warum Theils die Auflösung +der höheren Gleichungen in der Zurückführung auf die quadratische +bestehen muß, Theils warum die Gleichungen von ungeraden Exponenten +sich nur formell bestimmen, und gerade wenn die Wurzeln rational sind, +diese sich nicht anders als durch einen imaginären Ausdruck, d. h. der +das Gegentheil dessen ist, was die Wurzeln sind und ausdrücken, finden +lassen.—Das Quadrat der Arithmetik enthält nach dem Angegebenen, allein +das Schlechthin-Bestimmtseyn in sich; weswegen die Gleichungen mit +weitern formellen Potenzen darauf zurückgeführt werden müssen, gerade +wie das rechtwinklichte Dreieck in der Geometrie das +Schlechthin-in-sich-Bestimmtseyn enthält, das im pythagoräischen +Lehrsatz exponirt ist, weswegen auch darauf für die totale Bestimmung +alle anderen geometrischen Figurationen reducirt werden müssen. + +Ein nach einem logisch gebildetem Urtheile fortschreitender Unterricht +handelt die Lehre von den Potenzen vor der Lehre über die Proportionen +ab; diese schließen sich zwar an den Unterschied von Einheit und Anzahl +an, der die Bestimmung der zweiten Rechnungsart ausmacht, aber sie +treten aus dem Eins des unmittelbaren Quantums, in welchem Einheit und +Anzahl nur Momente sind, heraus; die Fortbestimmung nach demselben +bleibt ihm selbst auch noch äußerlich. Die Zahl im Verhältnisse ist +nicht mehr als unmittelbares Quantum; es hat seine Bestimmtheit dann +als Vermittelung; das quantitative Verhältniß wird im Nachfolgenden +betrachtet. + +Von der angegebenen Fortbestimmung der Rechnungsarten kann gesagt +werden, daß sie keine Philosophie über dieselben, keine Darlegung etwa +ihrer innern Bedeutung sey, weil sie in der That nicht eine immanente +Entwickelung des Begriffes ist. Aber die Philosophie muß dieß zu +unterscheiden wissen, was seiner Natur nach ein sich selbst äußerlicher +Stoff ist, daß dann an einem solchen der Fortgang des Begriffs nur auf +äußerliche Weise geschehen, und dessen Momente auch nur in der +eigenthümlichen Form ihrer Äußerlichkeit, wie hier Gleichheit und +Ungleichheit, seyn können. Die Unterscheidung der Sphären, in welche +eine bestimmte Form des Begriffs gehört, d. h. als Existenz vorhanden +ist, ist ein wesentliches Erforderniß zum Philosophiren über reale +Gegenstände, um nicht das Äußerliche und Zufällige durch Ideen in +seiner Eigenthümlichkeit zu stören, wie diese Ideen durch die +Unangemessenheit des Stoffes zu entstellen und formell zu machen. Jene +Äußerlichkeit aber, in welcher die Begriffsmomente an jenem äußerlichen +Stoffe, der Zahl, erscheinen, ist hier die angemessene Form; indem sie +den Gegenstand in seinem Verstande darstellen, auch da sie keine +spekulative Anforderung enthalten und daher leicht erscheinen, +verdienen sie in den Lehrbüchern der Elemente angewendet zu werden. + +Anmerkung 2. + +Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftverhältnisse oder Philosopheme in +Zahlen dargestellt, auch in neueren Zeiten ist von ihnen und Formen +ihrer Beziehungen, wie Potenzen u.s.f. in der Philosophie Gebrauch +gemacht worden, um die Gedanken darnach zu reguliren oder damit +auszudrücken.—In pädagogischer Rücksicht ist die Zahl für den +geeignetsten Gegenstand des innern Anschauens, und die rechnende +Beschäftigung mit Verhältnissen derselben für die Thätigkeit des +Geistes gehalten worden, worin er seine eigensten Verhältnisse und +überhaupt die Grundverhältnisse des Wesens zur Anschauung bringe. +—Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beikommen könne, geht aus ihrem +Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat. + +Die Zahl sahen wir als die absolute Bestimmtheit der Quantität, und ihr +Element als den gleichgültig gewordenen Unterschied;—die Bestimmtheit +an sich, die zugleich völlig nur äußerlich gesetzt ist. Die Arithmetik +ist analytische Wissenschaft, weil alle Verknüpfungen und Unterschiede, +die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm selbst liegen, sondern +ihm völlig äußerlich angethan sind. Sie hat keinen konkreten +Gegenstand, welcher innere Verhältnisse an sich hätte, die zunächst für +das Wissen verborgen, nicht in der unmittelbaren Vorstellung von ihm +gegeben, sondern erst durch die Bemühung des Erkennens herauszubringen +wären. Sie enthält nicht nur den Begriff und damit die Aufgabe für das +begreifende Denken nicht, sondern ist das Gegentheil desselben. Um der +Gleichgültigkeit des Verknüpften gegen die Verknüpfung, der die +Nothwendigkeit fehlt, willen, befindet sich das Denken hier in einer +Thätigkeit, die zugleich die äußerste Entäußerung seiner selbst ist, in +der gewaltsamen Thätigkeit, sich in der Gedankenlosigkeit zu bewegen +und das keiner Nothwendigkeit Fähige zu verknüpfen. Der Gegenstand ist +der abstrakte Gedanke der Äußerlichkeit selbst. + +Als dieser Gedanke der Äußerlichkeit ist die Zahl zugleich die +Abstraktion von der sinnlichen Mannigfaltigkeit; sie hat von dem +Sinnlichen nichts als die abstrakte Bestimmung der Äußerlichkeit selbst +behalten; hierdurch ist dieses in ihr dem Gedanken am nächsten +gebracht; sie ist der reine Gedanke der eignen Entäußerung des +Gedankens. + +Der Geist, der sich über die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen +erkennt, indem er ein Element für seine reine Vorstellung, für den +Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher, ehe er den Gedanken selbst +als dieß Element faßt, und für dessen Darstellung den rein geistigen +Ausdruck gewinnt, darauf verfallen, die Zahl, diese innerliche, +abstrakte Äußerlichkeit zu wählen. Darum sehen wir in der Geschichte +der Wissenschaft früh die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen gebraucht +werden. Sie macht die letzte Stufe der Unvollkommenheit aus, das +Allgemeine mit Sinnlichem behaftet zu fassen. Die Alten haben das +bestimmte Bewußtseyn darüber gehabt, daß die Zahl zwischen dem +Sinnlichen und dem Gedanken in der Mitte stehe. Aristoteles führt es +von Plato an (Metaphys. I,5) daß derselbe sage, daß außer dem +Sinnlichen und den Ideen die mathematischen Bestimmungen der Dinge +dazwischen stehen, von dem Sinnlichen dadurch unterschieden sey, daß +sie unsichtbar (ewig) und unbewegt seyen, von den Ideen aber, daß sie +ein Vieles und ein Ähnliches seyen, die Idee aber schlechthin nur +identisch mit sich und in sich Eines sey.—Eine ausführlichere gründlich +gedachte Reflexion hierüber von Moderatus aus Cadix wird in Malchi Vita +Pythagorae ed. Ritterhus. p. 30f. angeführt; daß die Pythagoräer auf +die Zahlen gefallen seyen, schreibt er dem zu, daß sie noch nicht +vermocht haben, die Grundideen und ersten Principien deutlich in der +Vernunft zu fassen, weil diese Principien schwer zu denken und schwer +auszusprechen seyen; die Zahlen dienen zur Bezeichnung gut beim +Unterrichte; sie haben darin unter anderem die Geometer nachgeahmt, +welche das Körperliche nicht in Gedanken ausdrücken können, die Figuren +gebrauchen, und sagen, dieß sey ein Dreieck, wobei sie aber wollen, daß +nicht die in die Augen fallende Zeichnung für das Dreieck genommen, +sondern damit nur der Gedanke desselben vorgestellt sey. So haben die +Pythagoräer den Gedanken der Einheit, der Dieselbigkeit und Gleichheit +und den Grund der Übereinstimmung, des Zusammenhangs und der Erhaltung +von Allem, des mit sich selbst Identischen, als Eins ausgesprochen +u.s.f.—Es ist überflüssig zu bemerken, daß die Pythagoräer von dem +Zahlenauch zum Gedanken-Ausdruck, zu den ausdrücklichen Kategorien des +Gleichen und Ungleichen, der Grenze und der Unendlichkeit übergegangen +sind, es wird schon in Ansehung jener Zahlausdrücke (ebend. in den Anm. +zu p. 31 l.s. aus einem Leben des Pythagoras bei Photius p. 772) +angeführt, daß die Pythagoräer zwischen der Monas und dem Eins +unterschieden haben; die Monas haben sie als den Gedanken genommen, das +Eins aber als die Zahl; ebenso die Zwei für das Arithmetische, die Dyas +(denn so soll es daselbst wohl heißen) für den Gedanken des +Unbestimmten. —Diese Alten sahen vors Erste das Ungenügende der +Zahlformen für Gedankenbestimmungen sehr richtig ein, und ebenso +richtig forderten sie ferner stattjenes ersten Nothbehelfs für Gedanken +den eigenthümlichen Ausdruck; um wie viel weiter waren sie in ihrem +Nachdenken gekommen, als die, welche heutigestages wieder Zahlen selbst +und Zahlbestimmungen, wie Potenzen, dann das Unendlichgroße, +Unendlichkleine, Eins dividirt durch das Unendliche und sonstige solche +Bestimmungen, die selbst auch oft ein verkehrter mathematischer +Formalismus sind, an die Stelle von Gedankenbestimmungen zu setzen und +zu jener unvermögenden Kindheit zurückzukehren, für etwas Löbliches, ja +Gründliches und Tiefes halten. + +Wenn vorhin der Ausdruck angeführt worden, daß die Zahl zwischen dem +Sinnlichen und dem Gedanken stehe, indem sie zugleich von jenem dieß +habe, das Viele, das Außereinander, an ihr zu seyn, so ist zu bemerken, +daß dieses Viele selbst, das in den Gedanken aufgenommene Sinnliche, +die ihm angehörige Kategorie des an ihm selbst Äußerlichen ist. Die +weiteren, konkreten, wahren Gedanken, das Lebendigste, Beweglichste, +nur im Beziehen Begriffene, in dieses Element des Außersichseyns selbst +versetzt, werden zu todten, bewegungslosen Bestimmungen. Je reicher an +Bestimmtheit und damit an Beziehung die Gedanken werden, desto +verworrener einer Seits und desto willkürlicher und sinnleerer anderer +Seits wird ihre Darstellung in solchen Formen, als die Zahlen sind. Das +Eins, das Zwei, das Drei, das Vier, Henas oder Monas, Dyas, Trias, +Tetraktys, liegen noch den ganz einfachen abstrakten Begriffen nahe; +aber wenn Zahlen zu konkreten Verhältnissen übergehen sollen, so ist es +vergeblich, sie noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen, + +Wenn nun aber die Denkbestimmungen durch Eins, Zwei, Drei, Vier für die +Bewegung des Begriffs, als durch welche er allein Begriff ist, +bezeichnet werden, so ist dieß das Härteste, was dem Denken zugemuthet +wird. Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der +Beziehungslosigkeit; sein Geschäfte ist die Arbeit der Verrücktheit. +Daß z.B. Eins Drei, und Drei Eins ist, zu begreifen, ist darum diese +harte Zumuthung, weil das Eins das Beziehungslose ist, also nicht an +ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein Entgegengesetztes +übergeht, sondern vielmehr dieß ist, eine solche Beziehung schlechthin +auszuschließen und zu verweigern. Umgekehrt benutzt dieß der Verstand +gegen die spekulative Wahrheit (wie z.B. gegen die in der Lehre, welche +die der Dreieinigkeit genannt wird, niedergelegte) und zählt die +Bestimmungen derselben, welche Eine Einheit ausmachen, um sie als +klaren Widersinn aufzuzeigen,—d. h. er selbst begeht den Widersinn, +das, was schlechthin Beziehung ist, zum Beziehungslosen zu machen. Bei +dem Namen Dreieinigkeit ist freilich nicht darauf gerechnet worden, daß +vom Verstand das Eins und die Zahl als die wesentliche Bestimmtheit des +Inhalts betrachtet werden würde. Jener Name drückt die Verachtung gegen +den Verstand aus, der aber seine Eitelkeit, am Eins und der Zahl als +solcher zu halten, festgestellt und sie gegen die Vernunft gestellt +hat. + +Zahlen, geometrische Figuren, wie dieß viel vom Kreis, Dreieck u.s.f. +geschen ist, als bloße Symbole (des Kreises, z.B. von der Ewigkeit, des +Dreiecks von der Dreieinigkeit) zu nehmen ist—einer Seits etwas +Unverfängliches; aber thöricht ist es anderer Seits, zu meinen, daß +dadurch mehr ausgedrückt sey, als der Gedanke zu fassen und +auszudrücken vermöge. Wenn in solchen Symbolen, wie in andern, die von +der Phantasie in den Mythologien der Völker und in der Dichtkunst +überhaupt erzeugt werden, gegen welche die phantasielosen geometrischen +Figuren ohnehin dürftig sind, wie auch in diesen eine tiefe Weisheit, +tiefe Bedeutung liegen soll, so ist es eben dem Denken allein darum zu +thun, die Weisheit, die nur darin liegt, und nicht nur in Symbolen, +sondern in der Natur und im Geiste, heraus zu Tage zu fördern; in +Symbolen ist die Wahrheit durch das sinnliche Element noch getrübt und +verhüllt; ganz offenbar wird sie allein dem Bewußtseyn in der Form des +Gedanken; die Bedeutung ist nur der Gedanke selbst. + +Aber mathematische Kategorien herbeizunehmen, um daraus für die Methode +oder den Inhalt philosophischer Wissenschaft etwas bestimmen zu wollen, +zeigt sich wesentlich dadurch als etwas Verkehrtes, daß insofern +mathematische Formeln Gedanken und Begriffsunterschiede bedeuten, diese +ihre Bedeutung sich vielmehr zuerst in der Philosophie anzugeben, zu +bestimmen und zu rechtfertigen hat. In ihren konkreten Wissenschaften +hat diese das Logische aus der Logik, nicht aus der Mathematik zu +nehmen; es kann nur ein Nothbehelf der philosophischen Unvermögenheit +seyn, zu den Gestaltungen, die das Logische in anderen Wissenschaften +annimmt, und deren viele nur Ahnungen, andere auch Verkümmerungen +desselben sind, für das Logische der Philosophie seine Zuflucht zu +nehmen. Die bloße Anwendung solcher entlehnten Formeln ist ohnehin ein +äußerliches Verhalten; der Anwendung selbst müßte ein Bewußtseyn über +ihren Werth wie über ihre Bedeutung vorangehen; ein solches Bewußtseyn +aber giebt nur die denkende Betrachtung, nicht die Autorität derselben +aus der Mathematik. Solches Bewußtseyn über sie ist die Logik selbst, +und dieß Bewußtseyn streift ihre partikulare Form ab, macht diese +überflüssig und unnütz, berichtigt sie und verschafft ihnen allein ihre +Berechtigung, Sinn und Werth. + +Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat, +insofern er eine pädagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus +dem Bisherigen von selbst hervor. Die Zahl ist ein unsinnlicher +Gegenstand, und die Beschäftigung mit ihr und ihren Verbindungen, ein +unsinnliches Geschäft; der Geist wird somit dadurch zur Reflexion in +sich und einer innerlichen abstrakten Arbeit angehalten, was eine +große, jedoch einseitige Wichtigkeit hat. Denn auf der anderen Seite, +da der Zahl nur der äußerliche, gedankenlose Unterschied zu Grunde +liegt, wird jenes Geschäfte ein gedankenloses, mechanisches. Die +Kraftanstrengung besteht vornehmlich darin, Begriffloses festzuhalten, +und begrifflos es zu verbinden. Der Inhalt ist das leere Eins; der +gediegene Gehalt des sittlichen und geistigen Lebens und der +individuellen Gestaltungen desselben, mit welchem als der edelsten +Nahrung die Erziehung den jugendlichen Geist großziehen soll, sollte +von dem inhaltslosen Eins verdrängt werden; die Wirkung, wenn jene +Übungen zur Hauptsache und Hauptbeschäftigung gemacht werden, kann +keine andere seyn, als den Geist nach Form und Inhalt auszuhöhlen und +abzustumpfen. Weil das Rechnen ein so sehr äußerliches, somit +mechanisches Geschäft ist, haben sich Maschinen verfertigen lassen, +welche die arithmetischen Operationen aufs vollkommenste vollführen. +Wenn man über die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kennte, +so läge darin die Entscheidung, was es mit dem Einfalle für eine +Bewandniß hatte, das Rechnen zum Hauptbildungsmittel des Geistes zu +machen, und ihn auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen, zu +legen. + +B. Extensives und intensives Quantum. + +a. Unterschied derselben. + +1. Das Quantum hat, wie sich vorhin ergeben, seine Bestimmtheit als +Grenze in der Anzahl. Es ist ein in sich Diskretes, ein Vieles, das +nicht ein Seyn hat, welches verschieden wäre von seiner Grenze und sie +außer ihm hätte. Das Quantum so mit seiner Grenze, die ein Vielfaches +an ihr selbst ist, ist extensive Größe. + +Die extensive Größe ist von der kontinuirlichen zu unterscheiden; jener +steht direkt nicht die diskrete, sondern die intensive gegenüber. +Extensive und intensive Größe sind Bestimmtheiten der quantitativen +Grenze selbst, das Quantum aber ist identisch mit seiner Grenze; +kontinuirliche und diskrete Größe sind dagegen Bestimmungen der Größe +an sich, d. i. der Quantität als solcher, insofern beim Quantum von der +Grenze abstrahirt wird.—Die extensive Größe hat das Moment der +Kontinuität an ihr selbst und in ihrer Grenze, indem ihr Vieles +überhaupt Kontinuirliches ist; die Grenze als Negation erscheint +insofern an dieser Gleichheit der Vielen, als Begrenzung der Einheit. +Die kontinuirliche Größe ist die sich fortsetzende Quantität ohne +Rücksicht auf eine Grenze, und insofern sie mit einer solchen +vorgesstellt wird, ist diese eine Begrenzung überhaupt, ohne daß die +Diskretion an ihr gesetzt sey. Das Quantum nur als kontinuirliche Größe +ist noch nicht wahrhaft für sich bestimmt, weil sie des Eins, worin das +Für-sich-bestimmtseyn liegt, und der Zahl entbehrt. Eben so ist die +diskrete Größe unmittelbar nur unterschiedenes Vieles überhaupt, das, +insofern es als solches eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h. +ein unbestimmt Begrenztes wäre; daß es als bestimmtes Quantum sey, dazu +gehört das Zusammenfassen des Vielen in Eins, wodurch sie mit der +Grenze identisch gesetzt werden. Jede, die kontinuirliche und diskrete +Größe, als Quantum überhaupt hat nur eine der beiden Seiten an ihr +gesetzt, wodurch es vollkommen bestimmt und als Zahl ist. Diese ist +unmittelbar extensives Quantum,—die einfache Bestimmtheit, die +wesentlich als Anzahl, jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit +ist; es ist von der Zahl nur dadurch unterschieden, daß ausdrücklich +die Bestimmtheit als Vielheit in dieser gesetzt ist. + +2. Die Bestimmtheit jedoch, wie groß etwas ist, durch die Zahl, bedarf +nicht des Unterschiedes von etwas Anderem Großem, so daß zur +Bestimmtheit dieses Großen es selbst und ein Anderes Großes gehörte, +indem die Bestimmtheit der Größe überhaupt für-sich-bestimmte, +gleichgültige, einfach auf sich bezogene Grenze ist; und in der Zahl +ist sie gesetzt als eingeschlossen in das für-sich-seyende Eins, und +hat die Äußerlichkeit, die Beziehung-auf-Anderes innerhalb ihrer +selbst. Dieses Viele der Grenze selbst ferner, ist wie das Viele +überhaupt, nicht ein in sich Ungleiches, sondern ein Kontinuirliches +jedes der Vielen ist was das Andere ist; es als vieles +Außereinanderseyendes oder Diskretes macht daher die Bestimmtheit als +solche nicht aus. dieß Viele fällt also für sich selbst in seine +Kontinuität zusammen und wird einfache Einheit.—Die Anzahl ist nur +Moment der Zahl; aber macht nicht als eine Menge von numerischen Eins +die Bestimmtheit der Zahl aus, sondern diese Eins als gleichgültige, +sich Äußerliche, sind im Zurückgekehrtseyn der Zahl in sich aufgehoben; +die Äußerlichkeit, welche die Eins der Vielheit ausmachte, verschwindet +in dem Eins, als Beziehung der Zahl auf sich selbst. + +Die Grenze des Quantums, das als extensives seine daseyende +Bestimmtheit als die sich selbst äußerliche Anzahl hatte, geht also in +einfache Bestimmtheit über. In dieser einfachen Bestimmung der Grenze +ist es intensive Größe; und die Grenze oder Bestimmtheit, die mit dem +Quantum identisch ist, ist nun auch so als Einfaches gesetzt, —der +Grad. + +Der Grad ist also bestimmte Größe, Quantum, aber nicht zugleich Menge, +oder Mehreres innerhalb seiner selbst; er ist nur eine Mehrheit; die +Mehrheit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammengenommen, +das Daseyn in das Fürsichseyn zurückgegangen. Seine Bestimmtheit muß +zwar durch eine Zahl ausgedrückt werden als dem vollkommenen +Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht als Anzahl, sondern einfach, +nur Ein Grad. Wenn von 10, 20 Graden gesprochen wird, ist das Quantum, +das so viele Grade hat, der zehente, zwanzigste Grad, nicht die Anzahl +und Summe derselben; so wäre es ein extensives; sondern es ist nur +Einer, der zehnte, zwanzigste Grad. Er enthält die Bestimmtheit, welche +in der Anzahl zehn, zwanzig liegt, aber enthält sie nicht als Mehrere, +sondern ist die Zahl als aufgehobene Anzahl, als einfache Bestimmtheit. + +3. In der Zahl ist das Quantum in seiner vollständigen Bestimmtheit +gesetzt; als intensives Quantum aber als in ihrem Fürsichseyn, ist es +gesetzt, wie es seinem Begriffe nach oder an sich ist. Die Form nämlich +der Beziehung auf sich, welche es im Grade hat, ist zugleich das +Sich-Äußerlichseyn desselben. Die Zahl ist als extensives Quantum +numerische Vielheit, und hat so die Äußerlichkeit innerhalb ihrer. +Diese, als Vieles überhaupt, fällt in die Ununterschiedenheit zusammen, +und hebt sich auf in dem Eins der Zahl, ihrer Beziehung auf sich +selbst. Das Quantum hat aber seine Bestimmtheit als Anzahl; es enthält, +wie vorhin gezeigt worden, sie, ob sie gleich nicht mehr an ihm gesetzt +ist. Der Grad also, der als in sich selbst einfach dieß äußerliche +Andersseyn nicht mehr in ihm hat, hat es außer ihm, und bezieht sich +darauf als auf seine Bestimmtheit. Eine ihm äußerliche Vielheit macht +die Bestimmtheit der einfachen Grenze, welche er für sich ist, aus. + +Daß die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven +Quantum befinden sollte, sich darin aufhob, bestimmt sich somit dahin, +daß sie außerhalb derselben gesetzt ist. Indem die Zahl als Eins, in +sich reflektirte Beziehung auf sich selbst gesetzt ist, schheßt sie die +Gleichgültigkeit und Äußerlichkeit der Anzahl aus sich aus, und ist +Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein Äußerliches. + +Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe gemäße Realität. Die +Gleichgültigkeit der Bestimmtheit macht seine Qualität aus; d. i. die +Bestimmtheit, die an ihr selbst als die sich äußerliche Bestimmtheit +ist.—Sonach ist der Grad einfache Größenbestimmtheit unter einer +Mehrheit solcher Intensitäten, die verschieden, jede nur einfache +Beziehung auf sich selbst, zugleich aber in wesentlicher Beziehung auf +einander sind, so daß jede in dieser Kontinuität mit den anderen ihre +Bestimmtheit hat. Diese Beziehung des Grades durch sich selbst auf sein +Anderes, macht das Auf- und Absteigen an der Skale der Grade zu einem +stätigen Fortgang, einem Fließen, das eine ununterbrochene, untheilbare +Veränderung ist; jedes der Mehrern, die darin unterschieden werden, ist +nicht getrennt von den Anderen, sondern hat sein Bestimmtseyn nur in +diesen. Als sich auf sich beziehende Größebestimmung ist jeder der +Grade gleichgültig gegen die andern; aber er ist eben so sehr an sich +auf diese Äußerlichkeit bezogen, er ist nur vermittelst derselben, was +er ist, seine Beziehung auf sich ist in einem die nicht gleichgültige +Beziehung auf das Äußerliche, hat in dieser seine Qualität. + +b. Identität der extensiven und intensiven Größe. + +Der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Äußerliches. Allein er ist +nicht das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl überhaupt, das nicht +Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu sein. Die intensive +Größe ist zunächst ein einfaches Eins der Mehrern; es sind mehrere +Grade; bestimmt sind sie aber nicht, weder als einfaches Eins, noch als +Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Außersichseyns, oder in +der Identität des Eins und der Mehrheit. Wenn also die Mehreren als +solche zwar außer dem einfachen Grade sind, so besteht in seiner +Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthält also die Anzahl. Wie +zwanzig als extensive Größe die zwanzig Eins als diskrete in sich +enthält, so enthält der bestimmte Grad sie als Kontinuität, welche +diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der zwanzigste Grad; und +ist der zwanzigste Grad nur vermittelst dieser Anzahl, die als solche +außer ihm ist. + +Die Bestimmtheit der intensiven Größe ist daher von doppelter Seite zu +betrachten. Sie ist bestimmt durch andere intensive Quanta, und ist in +Kontinuität mit ihrem Andersseyn, so daß in dieser Beziehung auf +dasselbe ihre Bestimmtheit besteht. Insofern sie nun erstens die +einfache Bestimmtheit ist, ist sie bestimmt gegen andere Grade; sie +schließt dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem +Ausschließen. Aber zweitens ist sie an ihr selbst bestimmt; sie ist +dieß in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht in ihr als +ausgeschlossener, oder nicht in der Anzahl anderer Grade. Der +zwanzigste Grad enthält die zwanzig an ihm selbst; er ist nicht nur +bestimmt als unterschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u.s.f. +sondern seine Bestimmtheit ist seine Anzahl. Aber insofern die Anzahl +die seinige ist, und die Bestimmtheit ist zugleich wesentlich als +Anzahl, so ist er extensives Quantum. + +Extensive und intensive Größe sind also eine und dieselbe Bestimmtheit +des Quantums; sie sind nur dadurch unterschieden, daß die eine die +Anzahl als innerhalb ihrer, die andere dasselbe, die Anzahl als außer +ihr hat. Die extensive Größe geht in intensive Größe über, weil ihr +Vieles an und für sich in die Einheit zusammenfällt, außer welcher das +Viele tritt. Aber umgekehrt hat dieses Einfache seine Bestimmtheit nur +an der Anzahl und zwar als seiner; als gleichgültig gegen die anders +bestimmten Intensitäten hat es die Äußerlichkeit der Anzahl an ihm +selbst; so ist die intensive Größe eben so wesentlich extensive Größe. + +Mit dieser Identität tritt das qualitative Etwas ein; denn sie ist sich +durch die Negation ihrer Unterschiede auf sich beziehende Einheit, +diese Unterschiede aber machen die daseyende Größe-Bestimmtheit aus; +diese negative Identität ist also Etwas, und zwar das gegen seine +quantitative Bestimmtheit gleichgültig ist. Etwas ist ein Quantum, aber +nun ist das qualitative Daseyn, wie es an sich ist, als gleichgültig +dagegen gesetzt. Es konnte vom Quantum, der Zahl als solcher u.s.f. +ohne ein Etwas, das deren Substrat wäre, gesprochen werden. Aber nun +tritt Etwas diesen seinen Bestimmungen, durch deren Negation init sich +vermittelt, als für sich daseyend gegenüber, und, indem es ein Quantum +hat, als dasselbe, welches ein extensives und intensives Quantum habe. +Seine Eine Bestimmtheit, die es als Quantum hat, ist in den +unterschiedenen Momenten der Einheit und der Anzahl gesetzt; sie ist +nicht nur an sich Eine und dieselbe, sondern ihr Setzen in diesen +Unterschieden, als extensives und intensives Quantum, ist das +Zurückgehen in diese Einheit, die als negative das gegen sie +gleichgültig gesetzte Etwas ist. + +Anmerkung 1. + +In der gewöhnlichen Vorstellung pflegen extensives und intensives +Quantum so als Arten von Größen unterschieden zu werden, als ob es +Gegenstände gäbe, die nur intensive, andere, die nur extensive Größe +hätten. Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen +Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive, z. +B. in der Grundbestimmung der Materie, einen Raum zu erfüllen, so wie +in anderen Begriffen, in ein Intensives verwandelte, in dem Sinne, daß +das Intensive, als das Dynamische die wahrhafte Bestimmung sey, und +z.B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfüllung wesentlich nicht +als eine gewisse Menge und Anzahl materieller Theile in einem Quantum +Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfüllenden Kraft der +Materie gefaßt werden müsse. + +Es sind hierbei zweierlei Bestimmungen zu unterscheiden. Bei dem, was +man die Umwandlung der mechanischen Betrachtungsweise in die dynamische +genannt hat, kommt der Begriff von außereinander bestehenden +selbstständigen Theilen, die nur äußerlich in ein Ganzes verbunden +sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor. Was in der +Raumerfüllung einer Seits nur als eine Menge einander äußerlichen Atome +angesehen wird, wird anderer Seits als die Äußerung einer zu Grunde +liegenden einfachen Kraft betrachtet.—Diese Verhältnisse voll Ganzen +und Theilen, der Kraft und ihrer Äußerung, die hier einander gegenüber +treten, gehören aber noch nicht hierher, sondern werden weiterhin +betrachtet werden. Soviel läßt sich sogleich erinnern, daß das +Verhältniß von Kraft und ihrer Äußerung, das dem Intensiven entspricht, +zwar zunächst das wahrhaftere ist gegen das Verhältniß von Ganzen und +Theilen; aber daß darum die Kraft nicht weniger einseitig als das +Intensive, und die Äußerung, die Äußerlichkeit des Extensiven, ebenso +untrennbar von der Kraft ist, so daß ein und derselbe Inhalt ebenso +sehr in beiden Formen, des Intensiven und des Extensiven, vorhanden +ist. + +Die andere Bestimmtheit, die dabei vorkommt, ist die quantitative als +solche, die als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als die +wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird; es ist aber gezeigt +worden, daß dieser ebenso die erstere enthält, so daß die eine Form für +die andere wesentlich ist, somit jedes Daseyn seine Größebestimmung +eben so sehr als extensives wie als intensives Quantum darstellt. + +Als Beispiel hiervon dient daher alles, insofern es in einer +Größebestimmung erscheint. Selbst die Zahl hat diese gedoppelte Form +nothwendig unmittelbar an ihr. Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie +extensive Größe; aber sie ist auch Eins, ein Zehen, ein Hundert; +insofern steht sie auf dem Übergange zur intensiven Größe, indem in +dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht. Eins ist +extensive Größe an sich, es kann als eine beliebige Anzahl von Theilen +vorgestellt werden. So das Zehnte, das Hundertste ist dieß Einfache, +Intensive, das seine Bestimmtheit an dem außer ihm fallenden Mehrern d. +i. am Extensiven hat. Die Zahl ist Zehen, Hundert, und zugleich die +Zehnte, Hundertste im Zahlensystem; beides ist dieselbe Bestimmtheit. + +Das Eins im Kreise heißt Grad, weil der Theil des Kreises wesentlich +seine Bestimmtheit in dem Mehrern außer ihm hat, als eines nur einer +geschlossenen Anzahl solcher Eins bestimmt ist. Der Grad des Kreises +ist als bloße Raumgröße nur eine gewöhnliche Zahl; als Grad angesehen +ist er die intensive Größe, die einen Sinn nur hat, als bestimmt durch +die Anzahl von Graden, in die der Kreis getheilt ist, wie die Zahl +überhaupt ihren Sinn nur hat in der Zahlenreihe. + +Die Größe eines konkretern Gegenstandes stellt ihre gedoppelte Seite, +extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen seines +Daseyns dar, in deren einer er als ein Äußerliches, in der andern aber +als ein Innerliches erscheint. So ist z.B. eine Masse als Gewicht, ein +extensiv-Großes, insofern sie eine Anzahl von Pfunden, Centnern u.s.f. +ausmacht; ein intensiv-Großes, insofern sie einen gewissen Druck +ausübt; die Größe des Drucks ist ein Einfaches, ein Grad, der seine +Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes hat. Als drückend +erscheint die Masse als ein In-sich-seyn, als Subjekt, dem der +intensive Größenunterschied zukommt.—Umgekehrt was diesen Grad des +Drucks ausübt, ist vermögend, eine gewisse Anzahl von Pfunden u.s.f. +von der Stelle zu bewegen, und mißt seine Größe hieran. + +Oder die Wärme hat einen Grad; der Wärmegrad, er sey der l0te, 20ste +u.s.f. ist eine einfache Empfindung, ein Subjektives. Aber dieser Grad +ist eben so sehr vorhanden als extensive Größe, als die Ausdehnung +einer Flüssigkeit, des Quecksilbers im Thermometer, der Luft oder des +Thons u.s.f. Ein höherer Grad der Temperatur drückt sich aus als eine +längere Quecksilbersäule, oder als ein schmälerer Thoncylinder; er +erwärmt einen größern Raum auf dieselbe Weise als ein geringerer Grad +nur den kleinern Raum. + +Der höhere Ton ist als der intensivere, zugleich eine größere Menge von +Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein höherer Grad zugeschrieben +wird, macht sich in einem größern Raume hörbar.—Mit der intensivern +Farbe läßt sich eine größere Fläche, als mit einer schwächern, auf +gleiche Weise färben; oder das Hellere, eine andere Art von Intensität, +ist weiter sichtbar als das weniger Helle u.s.f. + +Eben so im Geistigen ist die hohe Intensität des Charakters, Talents, +Genies, von eben so weitgreifendem Daseyn, ausgedehnter Wirkung und +vielseitiger Berührung. Der tiefste Begriff hat die allgemeinste +Bedeutung und Anwendung. + +Anmerkung 2. + +Kant hat einen eigenthümlichen Gebrauch von der Anwendung der +Bestimmtheit des intensiven Quantums auf eine metaphysische Bestimmung +der Seele gemacht. In der Kritik der metaphysischen Sätze von der +Seele, die er Paralogismen der reinen Vernunft nennt, kommt er auf die +Betrachtung des Schlusses von der Einfachheit der Seele auf die +Beharrlichkeit derselben. Er setzt diesem Schlusse entgegen, (Kr. d. r. +Vern. S. 414), "daß, wenn wir gleich der Seele diese einfache Natur +einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außer einander, mithin +keine extensive Größe enthält, man ihr doch so wenig wie irgend einem +Existirenden, intensive Größe, d. i. einen Grad der Realität in +Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen, was das +Daseyn ausmacht, abläugnen könne, welcher durch alle unendlich viele +kleinere Grade abnehmen, und so die vorgebliche Substanz obgleich nicht +durch Vertheilung, doch durch allmälige Nachlassung (remissio) ihrer +Kräfte, in nichts verwandelt werden könne; denn selbst das Bewußtseyn +hatjederzeit einen Grad, der immer noch vermindert werden kann, +folglich auch das Vermögen sich seiner bewußt zu seyn, und so alle +übrige Vermögen."—Die Seele wird in der rationellen Psychologie, wie +diese abstrakte Metaphysik war, nicht als Geist, sondern als ein nur +unmittelbar Seyendes, als Seelending betrachtet. So hat Kant das Recht, +die Kategorie des Quantums, "wie auf irgend ein Existirendes" und +insofern dieß Seyende als einfach bestimmt ist, die des intensiven +Quantums auf dasselbe anzuwenden. Dem Geiste kommt allerdings Seyn zu, +aber von ganz anderer Intensität, als die des intensiven Quantums ist, +vielmehr einer solchen Intensität, in welcher die Form des nur +unmittelbaren Seyns und alle Kategorie desselben als aufgehoben sind. +Es war nicht nur die Entfernung der Kategorie des extensiven Quantums +zuzugeben, sondern die des Quantums überhaupt zu entfernen. Ein +Weiteres aber ist noch, zu erkennen, wie in der ewigen Natur des +Geistes Daseyn, Bewußtseyn, Endlichkeit ist und daraus hervorgeht, ohne +daß er dadurch ein Ding würde. + +c. Die Veränderung des Quantums. + +Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der +Bestimmtheit des Quantums als solcher gleichgültig. Aber überhaupt ist +das Quantum die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die gleichgültige +Grenze, die Bestimmtheit, welche eben so sehr die Negation ihrer selbst +ist. In der extensiven Größe ist dieser Unterschied entwickelt, aber +die intensive Größe ist das Daseyn dieser Äußerlichkeit, die das +Quantum in sich ist. Er ist als sein Widerspruch in sich selbst +gesetzt, die einfache sich auf sich beziehende Bestimmtheit zu seyn, +welche die Negation ihrer selbst ist, ihre Bestimmtheit nicht an ihr, +sondern in einem anderen Quantum zu haben. + +Ein Quantum ist also seiner Qualität nach in absoluter Kontinuität mit +seiner Äußerlichkeit, mit seinem Andersseyn, gesetzt. Es kann daher +nicht nur über jede Größebestimmtheit hinausgegangen, sie kann nicht +nur verändert werden, sondern es ist dieß gesetzt, daß sie sich +verändern muß. Die Größebestimmung kontinuirt sich so in ihr +Andersseyn, daß sie ihr Seyn nur in dieser Kontinuität mit einem +anderen hat; sie ist nicht eine seyende, sondern eine werdende Grenze. + +Das Eins ist unendlich oder die sich auf sich beziehende Negation, +daher die Repulsion seiner von sich selbst. Das Quantum ist gleichfalls +unendlich, gesetzt als die sich auf sich beziehende Negativität; es +repellirt sich von sich selbst. Aber es ist ein bestimmtes Eins, das +Eins welches in Daseyn und in die Grenze übergegangen ist, also die +Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst, nicht das Erzeugen des sich +selbst Gleichen, wie die Repulsion des Eins, sondern seines +Andersseyns, es ist nun an ihm selbst gesetzt, über sich hinaus zu +schicken, und ein Anderes zu werden. Es besteht darin, sich zu +vermehren oder zu verhindern; es ist die Äußerlichkeit der Bestimmtheit +an ihm selbst. + +Das Quantum schickt sich also selbst über sich hinaus; dieß Andere, zu +dem es wird, ist zunächst selbst ein Quantum; aber ebenso als eine +nicht seyende, sondern sich über sich selbst hinaustreibende Grenze. +Die in diesem Hinausgehen wieder entstandene Grenze ist also +schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt und zu einer +fernern schickt, und so fort ins Unendliche. + +C. Die quantitative Unendlichkeit. + +a. Begriff derselben. + +Das Quantum verändert sich und wird ein anderes Quantum; die weitere +Bestimmung dieser Veränderung, daß sie ins Unendliche fortgeht, liegt +darin, daß das Quantum als an ihm selbst sich widersprechend gestellt +ist.—Das Quantum wird ein Anderes; es kontinuirt sich aber in sein +Andersseyn; das Andere ist also auch ein Quantum. Aber dieses ist das +Andere nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst, das +Negative seiner als eines Begrenzten, somit seine Unbegrenztheit, +Unendlichkeit. Das Quantum ist ein Sollen; es enthält, +Für-sich-bestimmt zu seyn, und dieses Für-sich-bestimmtseyn ist +vielmehr das Bestimmtseyn in einem Anderen; und umgekehrt ist es das +aufgehobene Bestimmtseyn in einem Andern, ist gleichgültiges +Bestehen-für-sich. + +Die Endlichkeit und Unendlichkeit erhalten dadurch sogleich jede an ihr +selbst eine gedoppelte, und zwar entgegengesetzte Bedeutung. Endlich +ist das Quantum erstens als Begrenztes überhaupt, zweitens, als das +Hinausschicken über sich selbst, als das Bestimmtseyn in einem Anderen. +Die Unendlichkeit desselben aber ist erstens sein Nichtbegrenztseyn; +zweitens sein Zurückgekehrtseyn-in-sich, das gleichgültige Fürsichseyn. +Vergleichen wir sogleich diese Momente mit einander, so ergiebt sich, +daß die Bestimmung der Endlichkeit des Quantums, das Hinausschicken +über sich zu einem Anderen, in dem seine Bestimmung liege, ebenso +Bestimmung des Unendlichen ist; die Negation der Grenze ist dasselbe +Hinaus über die Bestimmtheit, so daß das Quantum in dieser Negation, +dem Unendlichen, seine letzte Bestimmtheit habe. Das andere Moment der +Unendlichkeit ist das gegen die Grenze gleichgültige Fürsichseyn; das +Quantum selbst aber ist so das Begrenzte, daß es das für sich +Gleichgültige gegen seine Grenze, damit gegen andere Quanta und sein +Hinaus, ist. Die Endlichkeit und die (von ihr getrennt seyn sollende, +schlechte) Unendlichkeit haben beim Quantum jede das Moment der anderen +bereits an ihr. + +Das qualitative und quantitative Unendliche unterscheiden sich dadurch, +daß im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen qualitativ +ist, und der Übergang des Endlichen in das Unendliche, oder die +Beziehung beider auf einander nur im Ansich, in ihrem Begriffe liegt. +Die qualitative Bestimmtheit ist als unmittelbar, und bezieht sich auf +das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr anderes Seyn, sie ist nicht +gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an ihr selbst zu haben. Die Größe +hingegen ist, als solche, aufgehobene Bestimmtheit; sie ist gesetzt, +ungleich mit sich und gleichgültig gegen sich selbst, daher das +Veränderliche zu seyn. Das qualitative Endliche und Unendliche stehen +sich daher absolut d. h. abstrakt gegeneinander über; ihre Einheit ist, +die zu Grunde liegende innerliche Beziehung; das Endliche kontinuirt +sich daher nur an sich, aber nicht an ihm, in sein Anderes. Hingegen +das quantitative Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein +Unendliches, an dem es seine absolute Bestimmtheit habe. Diese ihre +Beziehung stellt zunächst der quantitativ-unendliche Progreß dar. + +b. Der quantitative unendliche Progreß. + +Der Progreß ins Unendliche ist überhaupt der Ausdruck des Widerspruchs, +hier desjenigen, den das quantitativ-Endliche oder das Quantum +überhaupt enthält. Er ist die Wechselbestimmung des Endlichen und +Unendlichen, die in der qualitativen Sphäre betrachtet worden ist, mit +dem Unterschiede, daß wie so eben erinnert, im Quantitativen sich die +Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits fortschickt und fortsetzt, somit +umgekehrt auch das quantitativ-Unendliche gesetzt ist, das Quantum an +ihm selbst zu haben, denn das Quantum ist in seinem Außersichseyn +zugleich es selbst; seine Äußerlichkeit gehört seiner Bestimmung an. + +Der unendliche Progreß ist nun nur der Ausdruck dieses Widerspruchs, +nicht die Auflösung desselben, aber um der Kontinuität willen der einen +Bestimmtheit in ihre andere führt er eine scheinbare Auflösung in einer +Vereinigung beider herbei. Wie er zunächst gesetzt ist, ist er die +Aufgabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben; das +perennirende Erzeugen desselben, ohne über das Quantum selbst +hinauszukommen, und ohne daß das Unendliche ein Positives und +Gegenwärtiges würde. Das Quantum hat es in seinem Begriffe ein Jenseits +seiner zu haben. Dieß Jenseits ist erstlich das abstrakte Moment des +Nichtseyns des Quantums; dieses löst sich an sich selbst auf; so +bezieht es sich auf sein Jenseits als auf seine Unendlichkeit, nach dem +qualitativen Momente des Gegensatzes. Aber zweitens steht das Quantum +in Kontinuität mit diesem Jenseits; das Quantum besteht eben darin, das +Andere seiner selbst, sich selbst äußerlich zu seyn; also ist dieß +Äußerliche eben so sehr nicht ein Anderes als das Quantum; das Jenseits +oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum. Das Jenseits ist auf +diese Weise aus seiner Flucht zurückgerufen, und das Unendliche +erreicht. Aber weil dieß zum Diesseits gewordene wieder ein Quantum +ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt worden; diese, als +Quantum, ist auch wieder von sich selbst geflohen, ist als solches über +sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn, in sein Jenseits von sich +selbst repellirt, das ebenso perennirend zum Quantum wird, als dieses +sich von sich selbst zum Jenseits abstößt. + +Die Kontinuität des Quantums in sein Anderes bringt die Verbindung +beider in dem Ausdruck eines Unendlich-Großen oder Unendlich-Kleinen +hervor. Da beide die Bestimmung des Quantums noch an ihnen haben, +bleiben sie veränderliche und die absolute Bestimmtheit, die ein +Für-sichseyn wäre, ist also nicht erreicht. Dieß Außersichseyn der +Bestimmung ist in dem gedoppelten Unendlichen, das sich nach dem Mehr +und Weniger entgegengesetzt ist, dem Unendlich-großen und Kleinen, +gesetzt. An jedem selbst ist das Quantum im perennirenden Gegensatze +gegen sein Jenseits erhalten. Das Große noch so sehr erweitert, +schwindet zur Unbeträchtlichkeit zusammen; indem es sich auf das +Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz +qualitativ; das erweiterte Quantum hat daher dem Unendlichen nichts +abgewonnen; dieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben. Oder, die +Vergrößerung des Quantums ist keine Näherung zum Unendlichen, denn der +Unterschied des Quantums und seiner Unendlichkeit hat wesentlich auch +das Moment ein nicht quantitativer Unterschied zu seyn. Es ist nur der +ins Engere gebrachte Ausdruck des Widerspruchs; es soll ein Großes d. +i. ein Quantum, und unendlich, d. i. kein Quantum seyn.—Eben so das +Unendlichkleine ist als Kleines ein Quantum und bleibt daher absolut d. +h. qualitativ zu groß für das Unendliche, und ist diesem +entgegengesetzt. Es bleibt in beiden der Widerspruch des unendlichen +Progresses erhalten der in ihnen sein Ziel gefunden haben sollte. + +Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen beharrlich +bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu +bezeichnen. Sie ist wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, das +perennirende Herüber- und Hinübergehen von dem einen Gliede des +bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn, +von diesem aufs neue zurück zu ebenderselben, zur Grenze. Im Progresse +des Quantitativen ist das, zu dem fortgegangen wird, zwar nicht ein +abstrakt Anderes überhaupt, sondern ein als verschieden gesetztes +Quantum; aber es bleibt auf gleiche Weise im Gegensatze gegen seine +Negation. Der Progreß ist daher gleichfalls nicht ein Fortgehen und +Weiterkommen, sondern ein Wiederholen von einem und eben demselben, +Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben; eine Ohnmacht +des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein Aufheben selbst als +ein Kontinuirliches wiederkehrt. Es sind zwei so zusammengeknüpft, daß +sie sich schlechthin fliehen; und indem sie sich fliehen, können sie +sich nicht trennen, sondern sind in ihrer gegenseitigen Flucht +verknüpft. + +Anmerkung 1. + +Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornehmlich in der Form des +Progresses des Quantitativen ins Unendliche,—dieß fortgehende +Überfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der +perennirende Rückfall in dieselbe,—für etwas Erhabenes und für eine Art +von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der Philosophie +als ein Letztes angesehen worden ist. Dieser Progreß hat vielfach zu +Tiraden gedient, die als erhabene Produktionen bewundert worden sind. +In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht den Gegenstand +groß, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das Subjekt, das so große +Quantitäten in sich verschlingt. Die Dürftigkeit dieser subjektiv +bleibenden Erhebung, die an der Leiter des Quantitativen hinaufsteigt, +thut sich selbst damit kund, daß sie in vergeblicher Arbeit dem +unendlichen Ziele nicht näher zu kommen eingesteht, welches zu +erreichen freilich ganz anders anzugreifen ist. + +Bei folgenden Tiraden dieser Art ist zugleich ausgedrückt, in was +solche Erhebung übergeht und aufhört. Kant z.B. führt es als erhaben +auf, (Kr. d. prakt. V. Schl.) + +"wenn das Subjekt mit dem Gedanken sich über den Platz erhebt, den es +in der Sinnenwelt einnimmt, und die Verknüpfung ins unendlich Große +erweitert, eine Verknüpfung mit Sternen über Sternen, mit Welten über +Welten, Systemen über Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten +ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.—Das Vorstellen +erliegt diesem Fortgehen ins Unermeßlich-Ferne, wo die fernste Welt +immer noch eine fernere hat, die so weit zurückgeführte Vergangenheit +noch eine weitere hinter sich, die noch so weit hinausgeführte Zukunft +immer noch eine andere vor sich; der Gedanke erliegt dieser Vorstellung +des Unermeßlichen; wie ein Traum, daß einer einen langen Gang immer +weiter und unabsehbar weiter fortgehe, ohne ein Ende abzusehen, mit +Fallen oder mit Schwindel endet." + +Diese Darstellung, außerdem daß sie den Inhalt des quantitativen +Erhebens in einen Reichthum der Schilderung zusammendrängt, verdient +wegen der Wahrhaftigkeit vornehmlich Lob, mit der sie es angiebt, wie +es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist +Fallen und Schwindel. Was den Gedanken erliegen macht, und das Fallen +desselben und den Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes, als die +Langeweile der Wiederholung, welche eine Grenze verschwinden und wieder +auftreten und wieder verschwinden, so immer das eine um das andere, und +eins im andern, in dem Jenseits das Diesseits, in dem Diesseits das +Jenseits perennierend entstehen und vergehen läßt, und nur das Gefühl +der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens giebt, das über das +Endliche Meister werden will und nicht kann. + +Auch die hallersche, von Kant sogenannte schauderhafte Beschreibung der +Ewigkeit pflegt besonders bewundert zu werden, aber oft gerade nicht +wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben ausmacht: + +"Ich häuffe ungeheure Zahlen, +Gebürge Millionen auf, +Ich setze Zeit auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauf +Und wenn ich von der grausen Höh +Mit Schwindeln wieder nach dir seh, +Ist alle Macht der Zahl, vermehrt zu tausendmalen, +Noch nicht ein Theil von dir." +"Ich zieh sie ab, und du liegst ganz vor mir." + + +Wenn auf jenes Aufbürgen und Aufthürmen von Zahlen und Welten als auf +eine Beschreibung der Ewigkeit der Werth gelegt wird, so wird +übersehen, daß der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte +Hinausgehen für etwas Vergebliches und Hohles erklärt, und daß er damit +schließt, daß nur durch das Aufgeben dieses leeren unendlichen +Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn komme. + +Es hat Astronomen gegeben, die sich auf das Erhabene ihrer Wissenschaft +gern darum viel zu Gute thaten, weil sie mit einer unermeßlichen Menge +von Sternen, mit so unermeßlichen Räumen und Zeiten zu thun habe, in +denen Entfernungen und Perioden, die für sich schon groß sind, zu +Einheiten dienen, welche noch so vielmal genommen, sich wieder zur +Unbedeutenheit verkürzen. Das schaale Erstaunen, dem sie sich dabei +überlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst noch in jenem Leben von +einem Sterne zum anderen zu reisen und ins Unermeßliche fort +dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, gaben sie für ein Hauptmoment +der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus, —welche bewundernswürdig +ist, nicht um solcher quantitativen Unendlichkeit willen, sondern im +Gegentheil um der Maaßverhältnisse und der Gesetze willen, welche die +Vernunft in diesen Gegenständen erkennt, und die das vernünftige +Unendliche gegen jene unvernünftige Unendlichkeit sind. + +Der Unendlichkeit, die sich auf die äußere sinnliche Anschauung +bezieht, setzt Kant die andere Unendlichkeit gegenüber, wenn + +"das Individuum auf sein unsichtbares Ich zurückgeht, und die absolute +Freiheit seines Willens als ein reines Ich allen Schrecken des +Schicksals und der Thyrannei entgegenstellt, von seinen nächsten +Umgebungen anfangend, sie für sich verschwinden, eben so das, was als +dauernd erscheint, Welten über Welten in Trümmer zusammenstürzen läßt, +und einsam sich als sich selbst gleich erkennt." + +Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das erreichte Jenseits, es +ist zu sich selbst gekommen, ist bei sich, diesseits; im reinen +Selbstbewußtseyn ist die absolute Negativität zur Affirmation und +Gegenwart gebracht, welche in jenem Fortgehen über das sinnliche +Quantum nur flieht. Aber indem dieß reine Ich in seiner Abstraktion und +Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn überhaupt, die Fülle +des natürlichen und geistigen Universums, als ein Jenseits sich +gegenüber. Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem unendlichen +Progresse zu Grunde liegt; nämlich ein Zurückgekehrtseyn in sich, das +unmittelbar zugleich Außersichseyn, Beziehung auf sein Anderes als auf +sein Nichtseyn, ist; welche Beziehung eine Sehnsucht bleibt, weil Ich +sich seine gehaltlose und unhaltbare Leere einer Seits, und die in der +Negation doch präsent bleibende Fülle als sein Jenseits fixirt hat. + +Kant fügt diesen beiden Erhabenheiten die Bemerkung bei, "daß +Bewunderung (für die erstere, äußerliche) und Achtung (für die zweite, +innerliche) Erhabenheit, zwar zur Nachforschung reizen, aber den Mangel +derselben nicht ersetzen können".—Er erklärt damit jene Erhebungen als +unbefriedigend für die Vernunft, welche bei ihnen und den damit +verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das Jenseits und +Leere nicht für das Letzte gelten lassen kann. + +Als ein Letztes aber ist der unendliche Progreß vornehmlich in seiner +Anwendung auf die Moralität genommen worden. Der so eben angeführte +zweite Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, als der mannigfaltigen +Welt und des in seine Freiheit erhobenen Ichs, ist zunächst qualitativ. +Das Selbstbestimmen des Ich geht zugleich darauf, die Natur zu +bestimmen und sich von ihr zu befreien; so bezieht es sich durch sich +selbst auf sein Anderes, welches als äußerliches Daseyn ein +Vielfältiges und auch Quantitatives ist. Die Beziehung auf ein +Quantitatives wird selbst quantitativ; die negative Beziehung des Ich +darauf, die Macht des Ich über das Nicht-Ich, über die Sinnlichkeit und +äußere Natur, wird daher so vorgestellt, daß die Moralität immer +größer, die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner werden könne und +solle. Die völlige Angemessenheit aber des Willens zum moralischen +Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progreß verlegt, das heißt, +als ein absolutes unerreichbares Jenseits vorgestellt, und eben dieß +solle der wahre Anker und der rechte Trost seyn, daß es ein +Unerreichbares ist; denn die Moralität soll als Kampf seyn; dieser aber +ist nur unter der Unangemessenheit des Willens zum Gesetze, dieses +damit schlechthin ein Jenseits für ihn. + +In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich oder der reine Wille und +das moralische Gesetz, und die Natur und Sinnlichkeit des Willens als +vollkommen selbstständig und gleichgültig gegeneinander vorausgesetzt. +Der reine Wille hat sein eigenthümliches Gesetz, das in wesentlicher +Beziehung auf die Sinnlichkeit steht; und die Natur und Sinnlichkeit +hat ihrer Seits Gesetze, die weder aus dem Willen genommen und ihm +entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich verschieden davon, an +sich eine wesentliche Beziehung auf ihn hätten, sondern sie sind +überhaupt für sich bestimmt, in sich fertig und geschlossen. Zugleich +sind beide aber Momente eines und desselben einfachen Wesens, des Ich; +der Wille ist als das Negative gegen die Natur bestimmt, so daß er nur +ist, insofern ein solches von ihm verschiedenes ist, das von ihm +aufgehoben werde, von dem er aber hierin berührt und selbst afficirt +ist. Der Natur und ihr als Sinnlichkeit des Menschen ist als einem +selbstständigen System von Gesetzen das Beschränken durch ein anderes +gleichgültig; sie erhält sich in diesem Begrenztwerden, tritt +selbstständig in die Beziehung ein, und begrenzt den Willen des +Gesetzes eben so sehr, als er sie begrenzt.—Es ist Ein Act, daß der +Wille sich bestimmt und das Andersseyn einer Natur aufhebt, und daß +dieß Andersseyn als daseyend gesetzt ist, sich in sein Aufgehobenwerden +kontinuirt, und nicht aufgehoben ist. Der Widerspruch, der hierin +liegt, wird im unendlichen Progresse nicht aufgelöst, sondern im +Gegentheil als unaufgelöst und unauflösbar dargestellt und behauptet; +der Kampf der Moralität und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das +an und für sich seyende, absolute Verhältniß. + +Die Ohnmacht über den qualitativen Gegensatz des Endlichen und +Unendlichen Meister zu werden und die Idee des wahrhaften Willens, die +substantielle Freiheit, zu fassen, nimmt zur Größe ihre Zuflucht, um +sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene +Qualitative, der gleichgültig gewordene Unterschied, ist. Allein indem +beide Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu Grunde +liegen bleiben, so wird vielmehr dadurch, daß sie sich in ihrer +gegenseitigen Beziehung als Quanta verhalten, jedes sogleich als gegen +diese Veränderung gleichgültig gesetzt. Die Natur wird durch Ich, die +Sinnlichkeit durch den Willen des Guten bestimmt, die durch denselben +an ihr hervorgebrachte Veränderung ist nur ein quantitativer +Unterschied, ein solcher, der sie als das bestehen läßt, was sie ist. + +In der abstraktern Darstellung der kantischen Philosophie oder +wenigstens ihrer Principien, nämlich in der fichteschen +Wissenschaftslehre, macht der unendliche Progreß auf dieselbe Weise die +Grundlage und das Letzte aus. Auf den ersten Grundsatz dieser +Darstellung, Ich=Ich, folgt ein zweiter davon unabhängiger, die +Entgegensetzung des Nicht-Ich; die Beziehung beider wird sogleich auch +als quantitativer Unterschied angenommen, daß Nicht-Ich zum Theil durch +Ich bestimmt werde, zum Theil auch nicht. Das Nicht-Ich kontinuirt sich +auf diese Weise in sein Nichtseyn so, daß es seinem Nichtseyn +entgegengesetzt bleibt, als ein nicht Aufgehobenes. Nachdem daher die +Widersprüche, die darin liegen, im System entwickelt worden sind, so +ist das schließliche Resultat dasjenige Verhältniß, welches der Anfang +war; das Nicht-Ich bleibt ein unendlicher Anstoß, ein absolut-Anderes; +die letzte Beziehung seiner und des Ich aufeinander ist der unendliche +Progreß, Sehnsucht und Streben,—derselbe Widerspruch, mit welchem +angefangen wurde. + +Weil das Quantitative die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit ist, so +glaubte man für die Einheit des Absoluten, für die Eine +Substantialität, Viel oder vielmehr Alles gewonnen zu haben, indem man +den Gegensatz überhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede +herabsetzte. Aller Gegensatz ist nur quantitativ, war einige Zeit ein +Hauptsatz neuerer Philosophie; die entgegengesetzten Bestimmungen haben +dasselbe Wesen, denselben Inhalt, sie sind reale Seiten des +Gegensatzes, insofern jede derselben seine beiden Bestimmungen, beide +Faktoren, in ihr hat, nur daß auf der einen Seite der eine Faktor, auf +der anderen der andere überwiegend, in der einen Seite der eine Faktor, +eine Materie oder Thätigkeit, in größerer Menge oder in stärkerem Grade +vorhanden sey, als in der andern. Insofern verschiedene Stoffe oder +Thätigkeiten vorausgesetzt werden, bestätigt und vollendet der +quantitative Unterschied vielmehr deren Äußerlichkeit und +Gleichgültigkeit gegeneinander und gegen ihre Einheit. Der Unterschied +der absoluten Einheit soll nur quantitativ seyn; das Quantitative ist +zwar die aufgehobene unmittelbare Bestimmtheit, aber die nur +unvollkommene, erst die erste Negation, nicht die unendliche, nicht die +Negation der Negation.—Indem Seyn und Denken als quantitative +Bestimmungen der absoluten Substanz vorgestellt werden, werden auch +sie, als Quanta, wie in untergeordneter Sphäre, der Kohlenstoff, +Stickstoff u.s.f. sich vollkommen äußerlich und beziehungslos. Es ist +ein Drittes, eine äußerliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede +abstrahirt, und ihre innere, nur ansichseyende, nicht ebenso +für-sich-seyende, Einheit erkennt. Diese Einheit, wird dann in der That +nur als erste unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn, welches in +seinem quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt, aber nicht sich +durch sich selbst gleich setzt; es ist somit nicht begriffen, als +Negation der Negation, als unendliche Einheit. Nur im qualitativen +Gegensatze geht die gesetzte Unendlichkeit, das Fürsichseyn, hervor, +und die quantitative Bestimmung selbst geht, wie sich sogleich näher +ergeben wird, in das Qualitative über. + +Anmerkung 2. + +Es ist oben erinnert worden, daß die kantischen Antinomien +Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer +konkreteren Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung +angewendet, sind. Die daselbst betrachtete Antinomie enthielt den +Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Unendlichkeit. In einer +andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr die +quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird. Ich +will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier anstellen. + +Sie betrifft die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit und +Raum.—Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Rücksicht auf Zeit +und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum Verhältnisse +der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung sind, ändert +nichts für das Antinomische der Begrenztheit oder Unbegrenztheit in +ihnen. + +Die nähere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen, +daß die beiden Sätze und eben so ihre Beweise, die wie bei der oben +betrachteten apogogisch geführt sind, auf nichts, als auf die zwei +einfachen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine +Grenze, und: es muß über die Grenze hinausgegangen werden. + +Die Thesis ist: + +"Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raume nach auch in +Grenzen eingeschlossen." + +Der eine Theil des Beweises, die Zeit betreffend, nimmt das Gegentheil +an, "die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist bis zu jedem +gegebenen Zeitpunkt eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin eine +unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der Welt +verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit einer Reihe, +daß sie durch successive Synthesis niemals vollendet seyn kann. Also +ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich, mithin ein Anfang +der Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns; welches zu erweisen +war." + +Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrifft, wird auf die Zeit +zurückgeführt. Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume unendlichen +Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als abgelaufen angesehen +werden müßte, insofern die Welt im Raume nicht als ein Werdendes, +sondern als ein vollendetes Gegebenes anzusehen ist. Von der Zeit aber +wurde im ersten Theile des Beweises gezeigt, daß eine unendliche Zeit +als abgelaufen anzunehmen unmöglich sey. + +Man sieht aber sogleich, daß es unnöthig war, den Beweis apagogisch zu +machen, oder überhaupt einen Beweis zu führen, indem in ihm selbst +unmittelbar die Behauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen werden +sollte. Es wird nämlich irgend ein oder jeder gegebene Zeitpunkt +angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (—Ewigkeit hat hier nur den +geringen Sinii einer schlecht-unendlichen Zeit) abgelaufen sey. Ein +gegebener Zeitpunkt heißt nun nichts Anders, als eine bestimmte Grenze +in der Zeit. Im Beweise wird also eine Grenze der Zeit als wirklich +vorausgesetzt; sie ist aber eben das, was bewiesen werden sollte. Denn +die Thesis besteht darin, daß die Welt einen Anfang in der Zeit habe. + +Nur der Unterschied findet Statt, daß die angenommene Zeitgrenze ein +Jetzt, als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt +als Anfang einer Zukunft ist. Allein dieser Unterschied ist +unwesentlich. Jetzt wird als der Punkt angenommen, in welchem eine +unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der Zeit +verflossen seyn soll, also als Ende, als qualitative Grenze. Würde dieß +Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, welche fließend und über +die nicht nur hinaus zu gehen sondern die vielmehr nur dieß sey, über +sich hinauszugehen, so wäre die unendliche Zeitreihe in ihr nicht +verflossen, sondern führe fort zu fließen, und das Raisonnement des +Beweises fiele weg. Dagegen ist der Zeitpunkt als qualitative Grenze +für die Vergangenheit angenommen, aber ist so zugleich Anfang für die +Zukunft,—denn an sich ist jeder Zeitpunkt die Beziehung der +Vergangenheit und der Zukunft,—auch ist er absoluter d. h. abstrakter +Anfang für dieselbe, d. i. das, was bewiesen werden sollte. Es thut +nichts zur Sache, daß vor seiner Zukunft und diesem ihrem Anfange schon +eine Vergangenheit ist; indem dieser Zeitpunkt qualitative Grenze +ist,—und als qualitative ihn anzunehmen, liegt in der Bestimmung des +Vollendeten, Abgelaufenen, also sich nicht Kontinuirenden,—so ist die +Zeit in ihm abgebrochen, und jene Vergangenheit, ohne Beziehung auf +diejenige Zeit, welche nur Zukunft in Rücksicht auf diese Vergangenheit +genannt werden konnte, und daher ohne solche Beziehung nur Zeit +überhaupt ist, die einen absoluten Anfang hat. Stünde sie aber,—(wie +sie es denn tut—) durch das Jetzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer +Beziehung auf die Vergangenheit, wäre sie somit als Zukunft bestimmt, +so wäre auch dieser Zeitpunkt von der anderen Seite keine Grenze, die +unendliche Zeitreihe kontinuirte sich in dem, was Zukunft hieß, und +wäre nicht, wie angenommen worden, vollendet. + +In Wahrheit ist die Zeit reine Quantität; der im Beweise gebrauchte +Zeitpunkt, in welchem sie unterbrochen seyn sollte, ist vielmehr nur +das sich selbst aufhebende Fürsichseyn des Jetzt. Der Beweis leistet +nichts, als daß er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der +Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und ihn als +vollendeten, d. i. abstrakten Punkt, geradezu annimmt,—eine populare +Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als eine Grenze +passiren, somit im Beweise dieß als Annahme gelten läßt, was vorher als +das zu Beweisende aufgestellt wurde. + +Die Antithesis heißt: + +"Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume, sondern ist +sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich." + +Der Beweis setzt gleichfalls das Gegentheil: + +"Die Welt habe einen Anfang. Da der Anfang ein Daseyn ist, wovor eine +Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit +vorhergegangen seyn, darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit. +Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dings +möglich; weil kein Theil einer solchen Zeit vor einem anderen irgend +eine unterscheidende Bedingung des Daseyns vor der des Nichtdaseyns an +sich hat. Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen, +die Welt selbst aber keinen Anfang nehmen, und ist in Ansehung der +vergangenen Zeit unendlich." + +Dieser apogogische Beweis enthält, wie die andern, die direkte und +unbewiesene Behauptung dessen, was er beweisen sollte. Er nimmt +neihlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit, +an; aber kontinuirt alsdann auch das weltliche Daseyn ebenso sehr über +sich hinaus in diese leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf, und +setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort. Die Welt ist ein Daseyn; +der Beweis setzt voraus, daß dieß Daseyn entstehe, und das Entstehen +eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe. Darin aber eben besteht +die Antithesis selbst, daß es kein unbedingtes Daseyn, keine absolute +Grenze gebe, sondern das weltliche Daseyn immer eine vorhergehende +Bedingung fordere. Das zu Erweisende findet sich somit als Annahme in +dem Beweise.—Die Bedingung wird dann ferner in der leeren Zeit gesucht, +was so viel heißt, als daß sie als zeitlich und somit als Daseyn, und +Beschränktes angenommen wird. Überhaupt also ist die Annahme gemacht, +daß die Welt als Daseyn ein anderes bedingtes Daseyn in der Zeit +voraussetze und hiermit sofort ins Unendliche. + +Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist +dasselbe. Apogogischer Weise wird die räumliche Endlichkeit der Welt +gesetzt; "diese befände sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume, +und hätte ein Verhältniß zu ihm; ein solches Verhältniß der Welt zu +keinem Gegenstande aber ist Nichts." + +Was bewiesen werden sollte, ist hier ebenso im Beweise direkt +vorausgesetzt. Es wird direkt angenommen, daß die begrenzte räumliche +Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhältniß zu ihm +haben sollte, das heißt, daß über sie hinausgegangen werden +müsse,—einer Seits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn +derselben, anderer Seits aber daß sie damit im Verhältniß stehe, d. i. +sich darein hinein kontinuire, das Jenseits hiermit mit weltlichem +Daseyn erfüllt vorzustellen sey. Die Unendlichkeit der Welt im Raume, +die in der Antithesis behauptet wird, ist nichts anderes, als einer +Seits der leere Raum, anderer Seits das Verhältniß der Welt zu ihm, das +heißt Kontinuität derselben in ihm, oder die Erfüllung desselben; +welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als +erfüllt, der unendliche Progreß des Daseyns im Raume ist. Dieser +Widerspruch selbst, das Verhältniß der Welt zum leeren Raume, ist im +Beweise direkt zur Grundlage gemacht. + +Die Thesis und Antithesis und die Beweise derselben stellen daher +nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, daß eine Grenze +ist, und daß die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; daß die +Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie aber in Beziehung steht, wohin +über sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche Grenze +entsteht, die keine ist. + +Die Auflösung dieser Antinomien ist, wie die der obigen, +transcendental, das heißt, sie besteht in der Behauptung der Idealität +des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem Sinne, daß +die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich, nicht ein sich +Aufhebendes, sondern nur das Bewußtseyn in seinem Anschauen und in der +Beziehung der Anschauung auf Verstand und Vernunft, ein sich selbst +widersprechendes Wesen sey. Es ist dieß eine zu große Zärtlichkeit für +die Welt, von ihr den Widerspruch zu entfernen, ihn dagegen in den +Geist, in die Vernunft, zu verlegen und darin unaufgelöst bestehen zu +lassen. In der That ist es der Geist, der so stark ist, den Widerspruch +ertragen zu können, aber er ist es auch, der ihn aufzulösen weiß. Die +sogenannte Welt aber (sie heiße objektive, reale Welt, oder nach dem +transcendentalen Idealismus subjektives Anschauen, und durch die +Verstandes-Kategorie bestimmte Sinnlichkeit), entbehrt darum des +Widerspruchs nicht und nirgends, vermag ihn aber nicht zu ertragen und +ist darum dem Entstehen und Vergehen preisgegeben. + +c. Die Unendlichkeit des Quantums. + +Das unendliche Quantum, als Unendlichgroßes oder Unendlichkleines, ist +selbst an sich der unendliche Progreß; es ist Quantum als ein Großes +oder Kleines, und ist zugleich Nichtseyn des Quantums. Das +Unendlichgroße und Unendlichkleine sind daher Bilder der Vorstellung, +die bei näherer Betrachtung sich als nichtiger Nebel und Schatten +zeigen. Im unendlichen Progreß aber ist dieser Widerspruch explicite +vorhanden, und damit das, was die Natur des Quantums ist, das als +intensive Größe seine Realität erreicht hat, und in seinem Daseyn nun +gesetzt, wie es in seinem Begriffe ist. Diese Identität ist es, die zu +betrachten ist. + +Das Quantum als Grad ist einfach, auf sich bezogen und als an ihm +selbst bestimmt. Indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und die +Bestimmtheit an ihm aufgehoben ist, ist diese ihm äußerlich; es hat +seine Bestimmtheit außer ihm. Dieß sein Außersichseyn ist zunächst das +abstrakte Nichtseyn des Quantums überhaupt, die schlechte +Unendlichkeit. Aber ferner ist dieß Nichtseyn auch ein Großes, das +Quantum kontinuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat eben seine +Bestimmtheit in seiner Äußerlichkeit; diese seine Äußerlichkeit ist +daher eben so sehr selbst Quantum; jenes sein Nichtseyn, die +Unendlichkeit, wird so begrenzt, d. h. dieß Jenseits wird aufgehoben, +dieses ist selbst als Quantum bestimmt, das hiermit in seiner Negation +bei sich selbst ist. + +Dieß ist aber das, was das Quantum als solches an sich ist. Denn es ist +eben es selbst durch sein Äußerlichseyn; die Äußerlichkeit macht das +aus, wodurch es Quantum, bei sich selbst, ist. Es ist also im +unendlichen Progresse der Begriff des Quantums gesetzt. + +Nehmen wir ihn zunächst in seinen abstrakten Bestimmungen wie sie +vorliegen, so ist in ihm das Aufheben des Quantums, aber eben so sehr +seines Jenseits, also die Negation des Quantums sowohl, als die +Negation dieser Negation vorhanden. Seine Wahrheit ist ihre Einheit, +worin sie, aber als Momente, sind.—Sie ist die Auflösung des +Widerspruchs, dessen Ausdruck er ist, und ihr nächster Sinn somit die +Wiederherstellung des Begriffs der Größe, daß sie gleichgültige oder +äußerliche Grenze ist. Im unendlichen Progresse als solchem pflegt nur +darauf reflektirt zu werden, daß jedes Quantum, es sey noch so groß +oder klein, verschwinden, daß über dasselbe muß hinausgegangen werden +können; aber nicht darauf, daß dieß sein Aufheben, das Jenseits, das +schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet. + +Schon das erste Aufheben, die Negation der Qualität überhaupt, wodurch +das Quantum gesetzt wird, ist an sich das Aufheben der Negation,—das +Quantum ist aufgehobene qualitative Grenze, somit aufgehobene +Negation,—aber es ist zugleich nur an sich dieß; gesetzt ist es als ein +Daseyn, und dann ist seine Negation als das Unendliche fixirt, als das +Jenseits des Quantums, welches als ein Diesseits steht, als ein +Unmittelbares; so ist das Unendliche nur als erste Negation bestimmt, +und so erscheint es im unendlichen Progresse. Es ist gezeigt worden, +daß aber in diesem mehr vorhanden ist, die Negation der Negation, oder +das, was das Unendliche in Wahrheit ist. Es ist dieß vorhin so +angesehen worden, daß der Begriff des Quantums damit wieder hergestellt +ist; diese Wiederherstellung heißt zunächst, daß sein Daseyn seine +nähere Bestimmung erhalten hat; es ist nämlich das nach seinem Begriff +bestimmte Quantum entstanden, was verschieden ist, von dem +unmittelbaren Quantum, die Äußerlichkeit ist nun das Gegentheil ihrer +selbst, als Moment der Größe selbst gesetzt,—das Quantum so, daß es +vermittelst seines Nichtseyns, der Unendlichkeit, in einem anderen +Quantum seine Bestimmtheit habe, d. i. qualitativ das ist, was es ist. +Jedoch gehört diese Vergleichung des Begriffs des Quantums mit seinem +Daseyn mehr unserer Reflexion, einem Verhältniß, das hier noch nicht +vorhanden ist, an. Die zunächst liegende Bestimmung ist, daß das +Quantum zur Qualität zurückgekehrt, nunmehr qualitativ bestimmt ist. +Denn seine Eigenthümlichkeit, Qualität, ist die Äußerlichkeit, +Gleichgültigkeit der Bestimmtheit; und es ist nun gesetzt, als in +seiner Äußerlichkeit vielmehr es selbst zu seyn, darin sich auf sich +selbst zu beziehen, in einfacher Einheit mit sich, d. i. qualitativ +bestimmt zu seyn.—dieß Qualitative ist noch näher bestimmt, nämlich als +Fürsichseyn; denn die Beziehung auf sich selbst, zu der es gekommen, +ist aus der Vermittelung, der Negation der Negation, hervorgegangen. +Das Quantum hat die Unendlichkeit, das Fürsichbestimmtseyn nicht mehr +außer ihm, sondern an ihm selbst. + +Das Unendliche, welches im unendlichen Progresse nur die leere +Bedeutung eines Nichtsseyns, eines unerreichten, aber gesuchten +Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualität. Das +Quantum geht als gleichgültige Grenze über sich hinaus ins Unendliche; +es sucht damit nichts Anderes, als das Fürsichbestimmtseyn, das +qualitative Moment, das aber so nur ein Sollen ist. Seine +Gleichgültigkeit gegen die Grenze, damit sein Mangel an fürsichseyender +Bestimmtheit und sein Hinausgehen über sich ist, was das Quantum zum +Quantum macht; jenes sein Hinausgehen soll negirt werden und im +Unendlichen sich seine absolute Bestimmtheit finden. + +Ganz überhaupt: das Quantum ist die aufgehobene Qualität; aber das +Quantum ist unendlich, geht über sich hinaus, es ist die Negation +seiner; dieß sein Hinausgehen ist also an sich die Negation der +negirten Qualität, die Wiederherstellung derselben; und gesetzt ist +dieß, daß die Äußerlichkeit, welche als Jenseits erschien, als das +eigene Moment des Quantums bestimmt ist. + +Das Quantum ist hiermit gesetzt als von sich repellirt, womit also zwei +Quanta sind, diejedoch aufgehoben, nur als Momente einer Einheit sind, +und diese Einheit ist die Bestimmtheit des Quantums.—Dieses so in +seiner Äußerlichkeit als gleichgültige Grenze auf sich bezogen, hiermit +qualitativ gesetzt, ist das quantitative Verhältniß.—Im Verhältnisse +ist das Quantum sich äußerlich, von sich selbst verschieden; diese +seine Äußerlichkeit ist die Beziehung eines Quantums auf ein anderes +Quantum, deren jedes nur gilt in dieser seiner Beziehung auf sein +Anderes; und diese Beziehunng macht die Bestimmtheit des Quantums aus, +das als solche Einheit ist. + +Es hat darin nicht eine gleichgültige, sondern qualitative Bestimmung; +ist in dieser seiner Äußerlichkeit in sich zurückgekehrt, ist in +derselben, das was es ist. + +Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen. + +Das mathematische Unendliche ist eines Theils interessant durch die +Erweiterung der Mathematik und die großen Resultate, welche seine +Einführung in dieselbe hervorgebracht hat; andern Theils aber ist es +dadurch merkwürdig, daß es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen ist, +sich über den Gebrauch desselben durch den Begriff (Begriff im +eigentlichen Sinne genommen) zu rechtfertigen. Die Rechtfertigungen +beruhen am Ende auf der Richtigkeit der mit Hülfe jener Bestimmung sich +ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gründen erwiesen ist; nicht +aber auf der Klarheit des Gegenstandes und der Operation, durch welche +die Resultate herausgebracht werden, sogar daß die Operation vielmehr +selbst als unrichtig zugegeben wird. + +Dieß ist schon ein Mißstand an und für sich; ein solches Verfahren ist +unwissenschaftlich. Es führt aber auch den Nachtheil mit sich, daß die +Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments nicht kennt, +weil sie mit der Metaphysik und Kritik desselben nicht fertig ist, den +Umfang seiner Anwendung nicht bestimmen, und von Misbräuchen desselben +sich nicht sichern konnte. + +In philosophischer Rücksicht aber ist das mathematische Unendliche +darum wichtig, weil ihm in der That der Begriff des wahrhaften +Unendlichen zu Grunde liegt und es viel höher steht, als das gewöhnlich +sogenannte metaphysische Unendliche, von dem aus die Einwürfe gegen +ersteres gemacht werden. Gegen diese Einwürfe weiß sich die +Wissenschaft der Mathematik häufig nur dadurch zu retten, daß sie die +Kompetenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet, mit dieser +Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um deren Begriffe nicht zu +bekümmern zu haben, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden konsequent +verfahre. Sie habe nicht zu betrachten, was an sich, sondern was auf +ihrem Felde das Wahre sey. Die Metaphysik weiß die glänzenden Resultate +des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen bei ihrem Widerspruche +gegen dasselbe nicht zu läugnen oder umzustoßen, und die Mathematik +weiß mit der Metaphysik ihres eigenen Begriffs und daher auch mit der +Ableitung der Verfahrensweisen, die der Gebrauch des Unendlichen nöthig +macht, nicht ins Reine zu kommen. + +Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs überhaupt wäre, von der +die Mathematik gedrückt würde, so könnte sie diesen ohne Umstände auf +der Seite liegen lassen, insofern nämlich der Begriff mehr ist, als nur +die Angabe der wesentlichen Bestimmtheiten, d. i. der +Verstandesbestimmungen einer Sache, und an der Schärfe dieser +Bestimmtheiten hat sie es nicht fehlen lassen; denn sie ist nicht eine +Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstände zu thun, und +durch die Entwickelung des Begriffs, wenn auch nur durch Raisonnement, +ihren Inhalt zu erzeugen hätte. Allein bei der Methode ihres +Unendlichen findet sie den Hauptwiderspruch an der eigenthümlichen +Methode selbst, auf welcher sie überhaupt als Wissenschaft beruht. Denn +die Rechnung des Unendlichen erlaubt und erfordert Verfahrungsweisen, +welche die Mathematik bei Operationen mit endlichen Größen durchaus +verwerfen muß, und zugleich behandelt sie ihre unendlichen Größen, wie +endliche Quanta, und will auf jene dieselben Verfahrungsweisen +anwenden, welche bei diesen gelten; es ist eine Hauptseite der +Ausbildung dieser Wissenschaft, für die transcendenten Bestimmungen und +deren Behandlung, die Form des gewöhnlichen Kalkuls gewonnen zu haben. + +Die Mathematik zeigt bei diesem Widerstreite ihrer Operationen, daß +Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen übereinstimmen, +welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und +analytische, Methode gefunden werden. Aber Theils betrifft dieß nicht +alle Resultate, und der Zweck der Einführung des Unendlichen ist nicht +allein, den gewöhnlichen Weg abzukürzen, sondern zu Resultaten zu +gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden können. Theils +rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht für sich. Diese +Manier aber der Rechnung des Unendlichen zeigt sich durch den Schein +der Ungenauigkeit gedrückt, den sie sich giebt, indem sie endliche +Größen um eine unendlich kleine Größe das eine Mal vermehrt, diese in +der fernern Operation zum Theil beibehält, aber einen Theil derselben +auch vernachlässigt. Dieß Verfahren enthält die Sonderbarkeit, daß der +eingestandenen Ungenauigkeit unerachtet, ein Resultat herauskommt, das +nicht nur ziemlich und so nahe, daß der Unterschied außer Acht gelassen +werden könnte, sondern vollkommen genau ist. In der Operation selbst +aber, die dem Resultate vorher geht, kann die Vorstellung nicht +entbehrt werden, daß Einiges nicht gleich Null, aber so unbeträchtlich +sey, um außer Acht gelassen werden zu können. Allein bei dem, was unter +mathematischer Bestimmtheit zu verstehen ist, fällt aller Unterschied +einer größern oder geringern Genauigkeit gänzlich hinweg, wie in der +Philosophie nicht von größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, +sondern von der Wahrheit allein die Rede seyn kann. Wenn die Methode +und der Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg gerechtfertigt wird, +so ist es nicht so überflüssig dessen ungeachtet die Rechtfertigung +derselben zu fordern, als es bei der Nase überflüssig scheint, nach dem +Erweise des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen. Denn es ist bei +der mathematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniß wesentlich +um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate ist es der +Fall, daß die streng mathematische Methode nicht zu allen den Beleg des +Erfolgs liefert, der aber ohnehin nur ein äußerlicher Beleg ist. + +Es ist der Mühe werth, den mathematischen Begriff des Unendlichen und +die merkwürdigsten Versuche näher zu betrachten, welche die Absicht +haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit, +von der sich die Methode gedrückt fühlt, zu beseitigen. Die Betrachtung +dieser Rechtfertigungen und Bestimmungen des mathematischen +Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung weitläufiger anstellen +will, wird zugleich das beste Licht auf die Natur des wahren Begriffes +selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen vorgeschwebt und zu Grunde +gelegen hat. + +Die gewöhnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, daß es +eine Größe sey, über welche es,—wenn sie als das Unendlichgroße—keine +größere oder,—wenn sie als das Unendlichkleine bestimmt ist—kleinere +mehr gebe, oder die, in jenem Falle, größer, in diesem Falle kleiner +sey, als jede beliebige Größe.—In dieser Definition ist freilich der +wahre Begriff nicht ausgedrückt, vielmehr nur, wie schon bemerkt, +derselbe Widerspruch, der im unendlichen Progresse ist; aber sehen wir, +was an sich darin enthalten ist. Eine Größe wird in der Mathematik +definirt, daß sie etwas sey, das vermehrt und vermindert werden könne; +überhaupt also eine gleichgültige Grenze. Indem nun das Unendlich Große +oder Kleine ein solches ist, das nicht mehr vermehrt oder vermindert +werden könne, so ist es in der That kein Quantum als solches mehr. + +Diese Konsequenz ist nothwendig und unmittelbar. Aber die Reflexion, +daß das Quantum,—und ich nenne in dieser Anmerkung Quantum überhaupt, +wie es ist, das endliche Quantum,—aufgehoben ist, ist es, welche nicht +gemacht zu werden pflegt und die für das gewöhnliche Begreifen die +Schwierigkeit ausmacht, indem das Quantum, indem es unendlich ist, als +ein Aufgehobenes, als ein solches zu denken gefordert wird, das nicht +ein Quantum ist, und dessen quantitative Bestimmtheit doch bleibt. + +Um das anzuführen, wie Kant jene Bestimmung beurtheilt,[9] so findet er +sie nicht übereinstimmend mit dem, was man unter einem unendlichen +Ganzen verstehe. "Nach dem gewöhnlichen Begriffe sey eine Größe +unendlich, über die keine größere (d. i. über die darin enthaltene +Menge einer gegebenen Einheit) möglich ist; es sey aber keine Menge die +größte, weil noch immer eine oder mehrere Einheiten hinzugefügt werden +können.—Durch ein unendliches Ganzes dagegen werde nicht vorgestellt, +wie groß es sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines +Maximums (oder Minimums), sondern es werde dadurch nur sein Verhältniß +zu einer beliebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren +dasselbe größer ist, als alle Zahl. Je nachdem diese Einheit größer +oder kleiner angenommen würde, würde das Unendliche größer oder kleiner +seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu +dieser gegebenen Einheit bestehe, würde immer dieselbe bleiben, +obgleich Freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht +erkannt würde." + + [9] In der Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie, + in der Kritik der reinen Vernunft. + + +Kant tadelt es, wenn unendliche Ganze als ein Maximum, als eine +vollendete Menge einer gegebenen Einheit angesehen werden. Das Maximum +oder Minimum als solches erscheint noch immer als ein Quantum, eine +Menge. Solche Vorstellung kann die von Kant angeführte Konsequenz nicht +ablehnen, die auf ein größeres oder kleineres Unendliches führt. +Überhaupt indem das Unendliche als Quantum vorgestellt wird, gilt noch +für dasselbe der Unterschied eines Größern oder Kleinern. Allein diese +Kritik trifft nicht den Begriff des wahrhaften mathematischen +Unendlichen, der unendlichen Differenz, denn diese ist kein endliches +Quantum mehr. + +Kants Begriff der Unendlichkeit dagegen, den er den wahren +transcendentalen nennt, ist, "daß die successive Synthesis der Einheit +in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn könne." Es ist +ein Quantum überhaupt als gegeben vorausgesetzt; dieß solle durch das +Synthesiren der Einheit zu einer Anzahl, einem bestimmt anzugebenden +Quantum gemacht werden, aber dieß Synthesiren niemals vollendet werden +können. Hiermit ist wie erhellt, nichts als der Progreß ins Unendliche +ausgesprochen, nur transcendental, d. i. eigentlich subjektiv und +psychologisch vorgestellt. An sich soll zwar das Quantum vollendet +seyn, aber transcendentaler Weise, nämlich im Subjekte, welches ihm ein +Verhältniß zu einer Einheit giebt, entstehe nur eine solche Bestimmung +des Quantums, die unvollendet und schlechthin mit einem Jenseits +behaftet sey. Es wird also hier überhaupt beim Widerspruche, den die +Größe enthält, stehen geblieben, aber vertheilt an das Objekt und das +Subjekt, so daß jenem die Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen +über jede von ihm aufgefaßte Bestimmtheit, in das schlechte Unendliche +zukommt. + +Es ist dagegen vorhin gesagt worden, daß die Bestimmung des +mathematischen Unendlichen und zwar wie es in der höhern Analysis +gebraucht wird, dem Begriffe des wahrhaften Unendlichen entspricht; die +Zusammenstellung beider Bestimmungen soll nun in ausführlicher +Entwickelung vorgenommen werden.—Was zuerst das wahrhafte unendliche +Quantum betrifft, so bestimmte es sich als an ihm selbst unendlich; es +ist dieß, indem, wie sich ergeben hat, das endliche Quantum oder das +Quantum überhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche, auf +gleiche Weise aufgehoben sind. Das aufgehobene Quantum ist damit in die +Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst zurückgegangen, aber +nicht nur wie das extensive, indem es in intensives Quantum überging, +das seine Bestimmtheit nur an sich an einer äußern Vielfachheit hat, +gegen die es jedoch gleichgültig und wovon es verschieden seyn soll. +Das unendliche Quantum enthält vielmehr erstens die Äußerlichkeit und +zweitens die Negation derselben an ihm selbst; so ist es nicht mehr +irgend ein endliches Quantum, nicht eine Größebestimmtheit, die ein +Daseyn als Quantum hätte, sondern es ist einfach, und daher nur als +Moment; es ist eine Größebestimmtheit in qualitativer Form; seine +Unendlichkeit ist, als eine qualitative Bestimmtheit zu seyn.—So als +Moment ist es in wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als +bestimmt durch dieses sein Anderes, d. i. es hat nur Bedeutung in +Beziehung auf ein im Verhältniß mit ihm Stehendes. Außer diesem +Verhältnisse ist es Null; —da gerade das Quantum als solches gegen das +Verhältniß gleichgültig, in ihm doch eine unmittelbare ruhende +Bestimmung seyn soll. In dem Verhältnisse als nur Moment ist es nicht +ein für sich Gleichgültiges; es ist, in der Unendlichkeit als +Fürsichseyn, indem es zugleich eine quantitative Bestimmtheit ist, nur +als ein Für-Eines. + +Der Begriff des Unendlichen, wie er sich hier abstrakt exponirt hat, +wird sich zeigen, dem mathematischen Unendlichen zu Grunde liegen, und +er selbst wird deutlicher werden, indem wir die verschiedenen Stufen +des Ausdrucks des Quantums als eines Verhältniß-Moments betrachten, von +der untersten an, wo es noch zugleich Quantum als solches ist, bis zu +der höhern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck eigentlicher +unendlicher Größe erhält. + +Nehmen wir also zuerst das Quantum in dem Verhältnisse, wie es eine +gebrochene Zahl ist. Solcher Bruch 2/7 z.B. ist nicht ein Quantum wie +1, 2, 3 u.s.f., zwar eine gewöhnliche endliche Zahl, jedoch nicht eine +unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch mittelbar +bestimmt durch zwei andere Zahlen, die Anzahl und Einheit gegeneinander +sind, wobei auch die Einheit eine bestimmte Anzahl ist. Aber von dieser +nähern Bestimmung derselben gegeneinander abstrahirt, und sie bloß nach +dem, was ihnen in der qualitativen Beziehung, in der sie hier sind, als +Quantis widerfährt, betrachtet, so sind 2 und 7 sonst gleichgültige +Quanta; indem sie aber hier nur als Momente, eines des andern, und +damit eines Dritten (des Quantums, das der Exponent heißt) auftreten, +so gelten sie sogleich nicht als 2 und 7, sondern nur nach ihrer +Bestimmtheit gegeneinander. Statt ihrer kann darum eben so gut 4 und +14, oder 6 und 21 u.s.f. ins Unendliche gesetzt werden. Hiermit fangen +sie also an, einen qualitativen Charakter zu haben. Gälten sie als +bloße Quanta, so ist 2 und 7, schlechthin das eine nur 2, das andere +nur 7; 4, 14, 6, 21 u.s.f. sind schlechthin etwas Anderes als jene +Zahlen, und können insofern sie nur unmittelbare Quanta wären, die +einen nicht an die Stelle der anderen gesetzt werden. Insofern aber und +nicht nach der Bestimmtheit, solche Quanta zu seyn, gelten, so ist ihre +gleichgültige Grenze aufgehoben; sie haben somit, nach dieser Seite, +das Moment der Unendlichkeit an ihnen, indem sie nicht bloß eben nicht +mehr sie sind, sondern ihre quantitative Bestimmtheit, aber als eine an +sich seyende qualitative,—nämlich nach dem, was sie im Verhältnisse +gelten,—bleibt. Es können unendlich viele andere an ihre Stelle gesetzt +werden, so daß der Werth des Bruches durch, die Bestimmtheit, welche +das Verhältniß hat, sich nicht ändert. + +Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat, +ist aber darum noch unvollkommen, weil die beiden Seiten des Bruchs, 2 +und 7, aus dem Verhältnisse genommen werden können, und gewöhnliche +gleichgültige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhältnisse und +Momente zu seyn, ist ihnen etwas Äußerliches und Gleichgültiges. Ebenso +ist ihre Beziehung selbst ein gewöhnliches Quantum, der Exponent des +Verhältnisses. + +Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird, +die nächste Allgemeinheit, in welche die Zahlen erhoben werden, haben +die Eigenschaft nicht, daß sie von einem bestimmten Zahlenwerth sind; +sie sind nur allgemeine Zeichen und unbestimmte Möglichkeiten jedes +bestimmten Werthes. Der Bruch a/b scheint daher ein passenderer +Ausdruck des Unendlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung +aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen +besonderen eigenthümlichen Werth haben.—Allein diese Buchstaben sind +zwar als unbestimmte Größen gesetzt; ihr Sinn aber ist, daß sie irgend +ein endliches Quantum seyen. Da sie also zwar die allgemeine +Vorstellung, aber nur von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen +ebenfalls gleichgültig, im Verhältnisse zu seyn, und außer demselben +behalten sie diesen Werth. + +Betrachten wir noch näher, was im Verhältnisse vorhanden ist, so hat es +die beiden Bestimmungen an ihm, erstlich ein Quantum zu seyn, dieses +aber ist zweitens nicht als ein unmittelbares, sondern das den +qualitativen Gegensatz an ihm hat; es bleibt in demselben zugleich +jenes bestimmte, gleichgültige Quantum dadurch, daß es aus seinem +Andersseyn, dem Gegensatze, in sich zurückgekehrt, somit auch ein +Unendliches ist. Diese beiden Bestimmungen stellen sich in der +folgenden bekannten Form, in ihrem Unterschiede von einander entwickelt +dar. + +Der Bruch 2/7 kann ausgedrückt werden als 0,285714…als 1 + a + a[hoch2] ++ a[hoch3] u.s.f. So ist er als eine unendliche Reihe; der Bruch selbst +heißt die Summe oder der endliche Ausdruck derselben. Vergleichen wir +die beiden Ausdrücke, so stellt der eine, die unendliche Reihe, ihn +nicht mehr als Verhältniß, sondern nach der Seite dar, daß er ein +Quantum ist als eine Menge von solchen, die zu einander hinzukommen, +als eine Anzahl.—Daß die Größen, die ihn als Anzahl ausmachen sollen, +wieder aus Decimalbrüchen, also selbst aus Verhältnissen bestehen, +darauf kommt es hier nicht an; denn dieser Umstand betrifft die +besondere Art der Einheit dieser Größen, nicht sie, insofern sie die +Anzahl constituiren; wie auch eine aus mehreren Ziffern bestehende +ganze Zahl des Decimalsystems wesentlich als eine Anzahl gilt, und +nicht darauf gesehen wird, daß sie aus Produkten einer Zahl und der +Zahl Zehen und deren Potenzen besteht. So wie es hier auch nicht darauf +ankommt, daß es andere Brüche giebt als der z. B. genommene 2/7, die zu +Dezimalbrüchen gemacht, nicht eine unendliche Reihe geben; jeder aber +kann für ein Zahlensystem von anderer Einheit als eine solche +ausgedrückt werden. + +Indem nun in der unendlichen Reihe, die den Bruch als Anzahl darstellen +soll, die Seite, daß er Verhältniß ist, verschwindet, so verschwindet +auch die Seite, nach welcher er, wie vorhin gezeigt, die Unendlichkeit +an ihm hatte. Diese aber ist auf eine andere Weise hereingekommen; die +Reihe ist nämlich selbst unendlich. + +Von welcher Art nun die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von +selbst; es ist die schlechte Unendlichkeit des Progresses. Die Reihe +enthält und stellt den Widerspruch dar, etwas, das ein Verhältniß ist +und qualitative Natur in ihm hat, als ein Verhältnißloses, als ein +bloßes Quantum, als Anzahl, darzustellen. Die Folge davon ist, daß an +der Anzahl, die in der Reihe ausgedrückt ist, immer etwas fehlt, so daß +über das, was gesetzt ist, immer hinausgegangen werden muß, um die +geforderte Bestimmtheit zu erreichen. Das Gesetz des Fortgangs ist +bekannt, es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche +enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedrückt werden +soll. Die Anzahl kann wohl durch Fortsetzung der Reihe so genau gemacht +werden, als man nöthig hat; aber immer bleibt die Darstellung durch sie +nur ein Sollen; sie ist mit einem Jenseits behaftet, das nicht +aufgehoben werden kann, weil ein auf qualitativer Bestimmtheit +beruhendes als Anzahl auszudrücken der bleibende Widerspruch ist. + +In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauigkeit wirklich vorhanden, +von der am wahrhaften mathematischen Unendlichen nur der Schein +vorkommt. Diese beiden Arten des mathematischen Unendlichen sind so +wenig zu verwechseln, als die beiden Arten des philosophischen +Unendlichen. Bei der Darstellung des wahrhaften mathematischen +Unendlichen ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch +neuerlich wieder hervorgerufen worden. Aber sie ist für dasselbe nicht +nothwendig; im Gegentheil ist das Unendliche der unendlichen Reihe +wesentlich von jenem unterschieden, wie die Folge zeigen soll. Diese +vielmehr steht sogar dem Ausdrucke des Bruches nach. + +Die unendliche Reihe enthält nämlich die schlechte Unendlichkeit, weil +das, was die Reihe ausdrücken soll, ein Sollen bleibt; und was sie +ausdrückt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet und +verschieden von dem ist, was ausgedrückt werden soll. Sie ist unendlich +nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern darum, weil sie +unvollständig sind, weil das Andere, das zu ihnen wesentlich gehört, +jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der gesetzten Glieder mögen so +viele seyn als wollen, ist nur ein Endliches, im eigentlichen Sinne, +gesetzt als Endliches, d. i. als solches, das nicht ist, was es seyn +soll. Dagegen ist aber das, was der endliche Ausdruck, oder die Summe +solcher Reihe genannt wird, ohne Mangel; er enthält den Werth, den die +Reihe nur sucht, vollständig; das Jenseits ist aus der Flucht +zurückgerufen; was er ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt, +sondern ist dasselbe. + +Das beide Unterscheidende liegt näher sogleich darin, daß in der +unendlichen Reihe das Negative außerhalb ihrer Glieder ist, welche +Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten. In dem +endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhältniß ist, ist das Negative +immanent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhältnisses +durcheinander, welches ein in sich Zurückgekehrtseyn, sich auf sich +beziehende Einheit, als Negation der Negation (beide Seiten des +Verhältnisses sind nur als Momente), ist, hiermit die Bestimmung der +Unendlichkeit in sich hat.—Zu der That ist also die gewöhnlich +sogenannte Summe, das 2/7 oder 1/1-a', ein Verhältniß; und dieser +sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck. Die +unendliche Reihe dagegen ist in Wahrheit Summe; ihr Zweck ist, das was +an sich Verhältniß ist, in der Form einer Summe darzustellen, und die +vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines +Verhältnisses, sondern eines Aggregats. Sie ist ferner vielmehr der +endliche Ausdruck; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und bleibt +wesentlich ein Mangelhaftes. Sie ist nach dem, was in ihr da ist, ein +bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie seyn soll; +alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes Quantum; dieser +fehlende Theil ist in der That das, was das Unendliche an der Reihe +heißt, nach der nur formellen Seite, daß er ein Fehlendes, ein +Nichtseyn ist; nach seinem Inhalte ist er ein endliches Quantum. Das +was in der Reihe da ist, zusammen mit dem was ihr fehlt, macht erst das +aus, was der Bruch ist, das bestimmte Quantum, das sie gleichfalls seyn +soll, aber zu seyn nicht vermag. —Das Wort: Unendlich, pflegt, auch in +der unendlichen Reihe, in der Meinung etwas Hohes und Hehres zu seyn; +es ist dieß eine Art von Aberglauben, der Aberglaube des Verstands; man +hat gesehen, wie es sich vielmehr auf die Bestimmung der +Mangelhaftigkeit reducirt. + +Daß es, kann noch bemerkt werden, unendliche Reihen giebt, die nicht +summirbar sind, ist in Bezug auf die Form von Reihe überhaupt ein +äußerlicher und zufälliger Umstand. Sie enthalten eine höhere Art der +Unendlichkeit, als die summirbaren; nämlich eine Incommensurabilität, +oder die Unmöglichkeit, das darin enthaltene quantitative Verhältniß +als ein Quantum, sey es auch als Bruch, darzustellen; die Form der +Reihe aber als solche, die sie haben, enthält dieselbe Bestimmung der +schlechten Unendlichkeit, welche in der summirbaren Reihe ist. + +Die so eben am Bruche und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung in +Ansehung des Ausdrucks findet auch Statt, insofern das mathematische +Unendliche nämlich nicht das so eben genannte sondern das wahrhafte, +das relative Unendliche,—das gewöhnliche metaphysische dagegen, +worunter das abstrakte, schlechte Unendliche verstanden wird, das +absolute genannt worden ist. In der That ist vielmehr dieses +metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdrückt, +nur so im Gegensatze einer Grenze ist, daß diese außer ihm bestehen +bleibt, und von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische Unendliche +hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich aufgehoben, weil das +Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist. + +In dem Sinne, in welchem aufgezeigt worden, daß die sogenannte Summe +oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der +unendliche anzusehen ist, ist es vornehmlich, daß Spinoza den Begriff +der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt und durch +Beispiele erläutert. Sein Begriff gewinnt am neisten Licht, indem ich +das, was er hierüber sagt, an diese Entwickelung anschließe. + +Er definirt zunächst das Unendliche als die absolute Affirmation der +Existenz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als +Bestimmtheit, als Verneinung. Die absolute Affirmation einer Existenz +ist nämlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen, nicht dadurch +zu seyn, daß ein Anderes ist; das Endliche hingegen ist die Verneinung, +ein Aufhören als Beziehung auf ein Anderes, das außer ihm anfängt. Die +absolute Affirmation einer Existenz erschöpft nun zwar den Begriff der +Unendlichkeit nicht; dieser enthält, daß die Unendlichkeit Affirmation +ist, nicht als unmittelbare, sondern nur als wiederhergestellte durch +die Reflexion des Anderen in sich selbst, oder als Negation des +Negativen. Aber bei Spinoza hat die Substanz und deren absolute Einheit +die Form von unbewegter d. i. nicht sich mit sich selbst vermittelnder +Einheit, von einer Starrheit, worin der Begriff der negativen Einheit +des Selbst, die Subjektivität, sich noch nicht findet. + +Das mathematische Beispiel, womit er das wahre Unendliche (Epist. +XXIX.) erläutert, ist ein Raum zwischen zwei ungleichen Kreisen, deren +einer innerhalb des andern, ohne ihn zu berühren, fällt, und die nicht +koncentrisch sind. Er machte, wie es scheint, sich viel aus dieser +Figur und dem Begriffe als deren Beispiel er sie gebrauchte, daß er sie +zum Motto seiner Ethik machte.—"Die Mathematiker, sagt er, schließen, +daß die Ungleichheiten, die in einem solchen Raume möglich sind, +unendlich sind, nicht aus der unendlichen Menge der Theile, denn seine +Größe ist bestimmt und begrenzt, und ich kann größere und kleinere +solche Räume setzen, sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit +übertrift."—Man sieht, Spinoza verwirftjene Vorstellung vom +Unendlichen, nach welcher es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird, +die nicht vollendet ist, und erinnert, daß hier an dem Raume des +Beispiels das Unendliche nichtjenseits, sondern gegenwärtig und +vollständig ist; dieser Raum ist ein Begrenztes, aber darum ein +Unendliches, "weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit übersteigt," +weil die darin enthaltene Größenbestimmung zugleich nicht als ein +Quantum darstellbar ist, oder nach obigem kantischen Ausdruck das +Synthesiren nicht zu einem—diskreten—Quantum vollendet werden kann.—Wie +überhaupt der Gegensatz von kontinuirlichem und diskretem Quantum auf +das Unendliche führt, soll in einer spätern Anmerkung auseinander +gesetzt werden.—Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spinoza das +Unendliche der Imagination; das Unendliche hingegen als Beziehung auf +sich selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu. Es ist +nämlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet und +gegenwärtig ist. So ist die Reihe, 0,285714… oder 1 + a + a[hoch 2] + +a[hoch 3]… das Unendliche bloß der Einbildung oder des Meinens; denn es +hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin etwas; hingegen 2/7 +oder 1/1-a ist das wirklich, nicht nur was die Reihe in ihren +vorhandenen Gliedern ist, sondern noch das dazu, was ihr mangelt, was +sie nur seyn soll. Das 2/7 oder 1/1-a ist gleichfalls eine endliche +Größe, wie der zwischen den zwei Kreisen eingeschlossene Raum Spinoza's +und dessen Ungleichheiten; und kann wie dieser Raum größer oder kleiner +gemacht werden. Aber es kommt damit nicht die Ungereimtheit eines +größern oder kleinern Unendlichen heraus; denn dieß Quantum des Ganzen, +geht das Verhältniß seiner Momente, die Natur der Sache d. h. die +qualitative Größenbestimmung, nichts an; das was in der unendlichen +Reihe da ist, ist ebenso ein endliches Quantum, aber außerdem noch ein +Mangelhaftes.—Die Einbildung dagegen bleibt beim Quantum als solchem +stehen, und reflektirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den +Grund der vorhandenen Inkommensurabilität ausmacht. + +Die Inkommensurabilität, welche in dem Beispiel Spinoza's liegt, +schließt überhaupt die Funktionen krummer Linien in sich, und führt +näher auf das Unendliche, das die Mathematik bei solchen Funktionen, +überhaupt bei den Funktionen veränderlicher Größen eingeführt hat, und +welches das wahrhafte mathematische, quantitative Unendliche ist, das +auch Spinoza sich dachte. Diese Bestimmung soll nun hier näher erörtert +werden. + +Was vors erste die für so wichtig geltende Kategorie der +Veränderlichkeit betrifft, unter welche die in jenen Funktionen +bezogenen Größen gefaßt werden, so sollen sie zunächst veränderlich +nicht in dem Sinne seyn, wie im Bruche 2/7 die beiden Zahlen 2 und 7, +indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche andere +Zahlen an ihre Stelle gesetzt werden können, ohne den im Bruche +gesetzten Werth zu ändern. So kann noch mehr in a/b an die Stelle von a +und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu ändern was a/b +ausdrücken soll. In dem Sinne nur, daß auch an die Stelle von x und y +einer Funktion eine unendliche d. h. unerschöpfliche Menge von Zahlen +gesetzt werden könne, sind a und b so sehr veränderliche Größe als +jene, x und y. Der Ausdruck: veränderliche Größen, ist darum sehr vage, +und unglücklich gewählt für Größebestimmungen, die ihr Interesse und +Behandlungsart in etwas in etwas ganz Anderem liegen haben, als in +ihrer bloßen Veränderlichkeit. + +Um es deutlich zu machen, worin die wahrhafte Bestimmung der Momente +einer Funktion liegt, mit denen sich das Interesse der höhern Analysis +beschäftigt, müssen wir die bemerklich gemachten Stufen noch einmal +durchlaufen. In 2/7 oder a/b sind 2 und 7 jedes für sich, bestimmte +Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und b soll +gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch außer dem Verhältnisse +bleiben, was sie sind. Ferner ist auch 2/7 und a/b ein fixes Quantum, +ein Quotient; das Verhältniß macht eine Anzahl aus, deren Einheit der +Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der Zähler—oder umgekehrt +ausdrückt; wenn auch 4 und 14 u.s.f. an die Stelle von 2 und 7 treten, +bleibt das Verhältniß auch als Quantum dasselbe. Dieß verändert sich +nun aber wesentlich in der Funktion y[hoch 2]/x = p z.B.; hier haben x +und y zwar den Sinn, bestimmte Quanta seyn zu können; aber nicht x und +y, sondern nur x und y[hoch 2] haben einen bestimmten Quotienten. + +Dadurch sind diese Seiten des Verhältnisses, x und y, erstens nicht nur +keine bestimmten Quanta, sondern zweitens ihr Verhältniß ist nicht ein +fixes Quantum, (noch ist dabei ein solches wie bei a und b gemeint), +nicht ein fester Quotient, sondern er ist als Quantum schlechthin +veränderlich. Dieß aber ist allein darin enthalten, daß x nicht zu y +ein Verhältniß hat, sondern zum Quadrate von y. Das Verhältniß einer +Größe zur Potenz ist nicht ein Quantum, sondern wesentlich qualitatives +Verhältniß; das Potenzenverhältniß ist der Umstand, der als +Grundbestimmung anzusehen ist.—In der Function der geraden Linie y = a +x aber, ist x/y = a ein gewöhnlicher Bruch und Quotient; diese Funktion +ist daher nur formell eine Funktion von veränderlichen Größen, oder x +und y sind hier was a und b in a/b, sie sind nicht in derjenigen +Bestimmung, in welcher die Differential- und Integralrechnung sie +betrachtet.—Wegen der besondern Natur der veränderlichen Größen in +dieser Betrachtungsweise, wäre es zweckmäßig gewesen, für sie sowohl +einen besonderen Namen, als andere Bezeichnungen einzuführen, als die +gewöhnlichen der unbekannten Größen in jeder endlichen, bestimmten oder +unbestimmten Gleichung; um ihrer wesentlichen Verschiedenheit willen +von solchen bloß unbekannten Größen, die an sich vollkommen bestimmte +Quanta, oder ein bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind.—Es ist +auch nur der Mangel des Bewußtseyns, über die Eigenthümlichkeit dessen, +was das Interesse der höheren Analysis ausmacht und das Bedürfniß und +die Erfindung des Differential-Kalkuls herbeigeführt hat, daß +Funktionen des ersten Grades wie die Gleichung der geraden Linie in die +Behandlung dieses Kalkuls für sich mit hereingenommen werden; seinen +Antheil an solchem Formalismus hat ferner der Mißverstand, der die an +sich richtige Forderung der Verallgemeinerung einer Methode dadurch zu +erfüllen meint, daß die specifische Bestimmtheit, auf + +die sich das Bedürfniß gründet, weggelassen wird, daß es dafür gilt, +als ob es sich in diesem Felde nur um veränderliche Größen überhaupt +handle. Es wäre wohl viel Formalismus in den Betrachtungen dieser +Gegenstände wie in der Behandlung erspart worden, wenn man eingesehen +hätte, daß derselbe nicht veränderliche Größen als solche, sondern +Potenzenbestimmungen betreffe. + +Aber es ist noch eine weitere Stufe, auf der das mathematische +Unendliche in seiner Eigenthümlichkeit hervortritt. In einer Gleichung, +worin x und y zunächst als durch ein Potenzenverhältniß bestimmt, +gesetzt sind, sollen x und y als solche noch Quanta bedeuten; diese +Bedeutung nun geht vollends in den sogenannten unendlich kleinen +Differenzen gänzlich verloren. d x, d y sind keine Quanta mehr, noch +sollen sie solche bedeuten, sondern haben allein in ihrer Beziehung +eine Bedeutung, einen Sinn blos als Momente. Sie sind nicht mehr Etwas, +das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche Differenzen; aber auch +nicht Nichts, nicht die bestimmungslose Null. Außer ihrem Verhältnisse +sind sie reine Nullen, aber sie sollen nur als Momente des +Verhältnisses, als Bestimmungen des Differential-Koefficienten d x/ d y +genommen werden. + +In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quantum wahrhaft zu einem +qualitativen Daseyn vollendet; es ist als wirklich unendlich gesetzt; +es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern als +Quantum überhaupt. Es bleibt aber die Quantitätsbestimmtheit als +Element von Quantis, Princip, oder sie wie man auch gesagt hat, in +ihrem ersten Begriffe. + +Gegen diesen Begriff ist aller Angriff gerichtet, der auf die +Grundbestimmung der Mathematik dieses Unendlichen, der Differentialund +Integralrechnung, gemacht worden ist. Unrichtige Vorstellungen der +Mathematiker selbst veranlaßten es, wenn er nicht anerkannt worden ist; +vornehmlich aber ist die Unvermögenheit, den Gegenstand als Begriff zu +rechtfertigen, Schuld an diesen Anfechtungen. Den Begriff kann aber die +Mathematik, wie oben erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als +Mathematik des Unendlichen schränkt sie sich nicht auf die endliche +Bestimmtheit ihrer Gegenstände ein,—wie in der reinen Mathematik der +Raum und die Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit +betrachtet und auf einander bezogen werden—; sondern sie versetzt eine +von daher aufgenommene und von ihr behandelte Bestimmung in Identität +mit ihrer entgegengesetzten, wie sie z.B. eine krumme Linie zu einer +geraden, den Kreis zu einem Polygon u.s.f. macht. Die Operationen, die +sie sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der +Natur bloß endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gänzlich +widersprechend und hätten darum ihre Rechtfertigung allein in dem +Begriff. + +Wenn die Mathematik des Unendlichen daran festhielt, daß jene +Quantitäts-Bestimmungen verschwindende Größen d. h. solche, die nicht +mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine +Bestimmtheit gegen Anderes sind, so schien nichts klarer, als daß es +keinen solchen Mittelzustand, wie man es nannte, zwischen Seyn und +Nichts gebe.—Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten Mittelzustande +auf sich habe, ist oben bereits bei der Kategorie des Werdens, Anmerk. +4. gezeigt. Allerdings ist die Einheit des Seyns und Nichts kein +Zustand; ein Zustand wäre eine Bestimmung des Seyns und Nichts, worein +diese Momente nur etwa zufälligerweise gleichsam als in eine Krankheit +oder äußerliche Affektion durch ein irrthümliches Denken gerathen +sollten; sondern diese Mitte und Einheit, das Verschwinden oder eben so +das Werden, ist vielmehr allein ihre Wahrheit. + +Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar als +ein Größeres oder Kleineres; es könne daher nicht ein Verhältniß von +Unendlichen zu Unendlichen, noch Ordnungen oder Dignitäten des +Unendlichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen Differenzen +in der Wissenschaft derselben vorkommen.—Es liegt bei diesem schon +erwähnten Einwurfe immer die Vorstellung zu Grunde, daß hier von +Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen werden; daß +Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhältniß mehr zu +einander haben. Vielmehr ist aber das, was nur im Verhältniß ist, kein +Quantum; das Quantum ist eine solche Bestimmung, die außer ihrem +Verhältniß ein vollkommen gleichgültiges Daseyn haben, der ihr +Unterschied von einem anderen gleichgültig seyn soll, da hingegen das +qualitative nur das ist, was es in seinem Unterschiede von dnem Anderen +ist. Jene unendlichen Größen sind daher nicht nur vergleichbar, sondern +sind nur als Momente der Vergleichung, des Verhältnisses. + +Ich führe die wichtigsten Bestimmungen an, welche in der Mathematik +über dieß Unendliche gegeben worden sind; es wird daraus erhellen, daß +denselben der Gedanke der Sache, übereinstimmend mit dem hier +entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, daß ihre Urheber ihn aber als +Begriff nicht ergründeten und bei der Anwendung wieder Auskunftsmittel +nöthig hatten, welche ihrer besseren Sache widersprechen. + +Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn +gegeben hat. Ich trenne dabei die Bestimmungen ab, die der Vorstellung +der Bewegung und der Geschwindigkeit angehören, (von welcher er +vornehmlich den Namen Fluxionen nahm), weil der Gedanke hierin nicht in +der gehörigen Abstraktion, sondern konkret, vermischt mit +außerwesentlichen Formen erscheint. Diese Fluxionen erklärt Newton +(Princ. mathem. phil. nat. L. 1. Lemma XI. Schol.) dahin, daß er nicht +untheilbare—eine Form, deren sich frühere Mathematiker, Cavalleri und +andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich bestimmten +Quantums enthält,—verstehe, sondern verschwindende Theilbare. Ferner +nicht Summen und Verhältnisse bestimmter Theile, sondern die Grenzen +(limites) der Summen, und Verhältnisse. Es werde die Einwendung +gemacht, daß verschwindende Größen kein letztes Verhältniß haben, weil +es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte, und wenn sie verschwunden, +keines mehr ist. Aber unter dem Verhältnisse verschwindender Größen sey +das Verhältniß zu verstehen, nicht eh sie verschwinden, und nicht +nachher, sondern mit dem sie verschwinden ( quacum evanescunt ). Eben +so ist das erste Verhältniß werdender Größen, das mit dem sie werden. + +Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur +erklärt, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; daß aber dieß oder +jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjektive +Zumuthung oder auch eine historische Forderung, wobei nicht gezeigt +wird, daß ein solcher Begriff an und für sich nothwendig ist und innere +Wahrheit hat. Allein das Angeführte zeigt, daß der von Newton +aufgestellte Begriff dem entspricht, wie die unendliche Größe sich in +der obigen Darstellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab. Es +sind Größen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht mehr +Quanta sind; ferner nicht Verhältnisse bestimmter Theile, sondern die +Grenzen des Verhältnisses. Es sollen also sowohl die Quanta für sich, +die Seiten des Verhältnisses, als damit auch das Verhältniß, insofern +es ein Quantum wäre, verschwinden; die Grenze des Größen-Verhältnisses +ist, worin es ist und nicht ist; dieß heißt genauer, worin das Quantum +verschwunden, und damit das Verhältniß nur als qualitatives +Quantitäts-Verhältniß, und die Seiten desselben ebenso als qualitative +Quantitäts-Momente erhalten sind.—Newton fügt hinzu, daß daraus, daß es +letzte Verhältnisse der verschwindenden Größen gebe, nicht zu schließen +sey, daß es letzte Größen, Untheilbare, gebe. Dieß wäre nämlich wieder +ein Absprung von dem abstrakten Verhältnisse auf solche Seiten +desselben, welche für sich außer ihrer Beziehung einen Werth haben +sollten, als Untheilbare, als etwas, das ein Eins, ein Verhältnißloses +seyn würde. + +Gegen jenen Mißverstand erinnert er noch, daß die letzten Verhältnisse +nicht Verhältnisse letzter Größen seyen, sondern Grenzen, denen die +Verhältnisse der ohne Grenze abnehmenden Größen näher sind als jeder +gegebene d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber nicht +überschreiten, so daß sie Nichts würden.—Unter letzten Größen hätten +nämlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden können. In +der Bestimmung des letzten Verhältnisses aber ist sowohl die +Vorstellung des gleichgültigen Eins, des verhältnißlosen, als auch des +endlichen Quantums entfernt. Es bedürfte aber weder des Abnehmens ohne +Grenze, in das Newton das Quantum versetzt und das nur den Progreß ins +Unendliche ausdrückt, noch der Bestimmung der Theilbarkeit, welche hier +keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn die geforderte Bestimmung +sich zum Begriffe einer Größebestimmung, die rein nur Moment des +Verhältnisses ist, fortgebildet hätte. + +In Rücksicht der Erhaltung des Verhältnisses im Verschwinden der +Quantorum findet sich (anderwärts, wie bei Carnot, Réflexions sur la +Métaphysique du Calcul Infinitésimal.) der Ausdruck, daß vermöge des +Gesetzes der Stätigkeit die verschwindenden Größen noch das Verhältniß, +aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten. —Diese +Vorstellung drückt die wahre Natur der Sache aus, insofern nicht die +Stätigkeit des Quantums verstanden wird, die es im unendlichen Progreß +hat, sich in sein Verschwinden so zu kontinuiren, daß im Jenseits +seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues Glied der Reihe +entsteht; ein stätiger Fortgang wird aber immer so vorgestellt, daß die +Werthe durchloffen werden, welche noch endliche Quanta sind. + +In demjenigen Übergange dagegen, welcher in das wahrhafte Unendliche +gemacht wird, ist das Verhältniß das stätige; es ist so sehr stätig und +sich erhaltend, daß er vielmehr allein darin besteht, das Verhältniß +rein herauszuheben, und die verhältnißlose Bestimmung, d. i. daß ein +Quantum, welches Seite des Verhältnisses ist, auch außer dieser +Beziehung gesetzt, noch Quantum ist, verschwinden zu machen. —Diese +Reinigung des quantitativen Verhältnisses ist insofern nichts anders, +als wenn ein empirisches Daseyn begriffen wird. Dieß wird hierdurch so +über sich selbst erhoben, daß sein Begriff dieselben Bestimmungen +enthält, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und in die Einheit +des Begriffes gefaßt, worin sie ihr gleichgültiges, begriffloses +Bestehen verloren haben. + +Gleich interessant ist die andere Form der newtonischen Darstellung der +in Rede stehenden Größen, nämlich als erzeugender Größen oder +Principien. Eine erzeugte Größe (genita) ist ein Produkt oder Quotient, +Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken, +Quadraten;—überhaupt eine endliche Größe.—"Sie als veränderlich +betrachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fließen zu- oder +abnehmend ist, so verstehe er ihre momentanen Inkremente oder +Dekremente unter dem Namen von Momenten. Diese sollen aber nicht für +Theilchen von bestimmter Größe genommen werden ( particulae finitae ). +Solche seyen nicht selbst Momente, sondern aus Momenten erzeugte +Größen; es seyen vielmehr die werdenden Principien oder Anfänge +endlicher Größen zu verstehen."—Das Quantum wird hier von sich selbst +unterschieden, wie es als ein Produkt oder Daseyendes, und wie es in +seinem Werden, in seinem Anfange und Princip, das heißt, wie es in +seinem Begriffe, oder was hier dasselbe ist, in seiner qualitativen +Bestimmnng ist; in der letztern sind die quantitativen Unterschiede, +die unendlichen Inkremente oder Dekremente, nur Momente; erst das +Gewordene ist das in die Gleichgültigkeit des Daseyns und in die +Äußerlichkeit übergegangene, das Quantum.—Wenn aber diese in Ansehung +der Inkremente oder Dekremente angeführten Bestimmungen des +Unendlichen, von der Philosophie des wahrhaften Begriffs anerkannt +werden müssen, so ist auch sogleich zu bemerken, daß die Formen selbst +von Inkrementen u.s.f. innerhalb der Kategorie des unmittelbaren +Quantums und des erwähnten stätigen Fortgangs fallen, und vielmehr sind +die Vorstellungen von Inkrement, Zuwachs, Zunahme des x um d x oder i +u.s.f. als das in den Methoden vorhandene Grundübel anzusehen;—als das +bleibende Hinderniß, aus der Vorstellung des gewöhnlichen Quantums die +Bestimmung des qualitativen Quantitätsmoments rein herauszuheben. + +Gegen die angegebenen Bestimmungen steht die Vorstellung von +unendlich-kleinen Größen, die auch im Inkrement oder Dekrement selbst +steckt, weit zurück. Nach derselben sollen sie von der Beschaffenheit +seyn, daß nicht nur sie gegen endliche Größen, sondern auch deren +höhere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die Produkte aus +mehrern gegen eine einzelne zu vernachlässigen seyen. —bei Leibnitz +hebt sich die Forderung dieser Vernachlässigung, welche die +vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese Größe bezogen, +gleichfalls eintreten lassen, auffallender hervor. Sie ist es +vornehmlich, die diesem Kalkul beim Gewinne der Bequemlichkeit den +Schein von Ungenauigkeit und ausdrücklicher Unrichtigkeit in dem Wege +seiner Operation giebt.—Wolf hat sie in seiner Weise, die Sachen +populär zu machen, d. h. den Begriff zu verunreinigen und unrichtige +sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle zu setzen, verständlich zu +machen gesucht. Er vergleicht nämlich die Vernachlässigung der +unendlichen Differenzen höherer Ordnungen gegen niedrigere, mit dem +Verfahren eines Geometers, der bei der Messung der Höhe eines Berges um +nicht weniger genau gewesen sey, wenn der Wind indeß ein Sandkörnchen +von der Spitze weggeweht habe, oder mit der Vernachlässigung der Höhen +der Häuser, Thürme bei der Berechnung der Mondfinsternisse (Element. +Mathes. univ. Tom. I. El. Analys. math. P. II. C. I. s. Schol.). + +Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstandes eine solche +Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese Vorstellung +verworfen. Es dringt sich von selbst auf, daß in der Wissenschaft der +Mathematik von einer solchen empirischen Genauigkeit ganz und gar nicht +die Rede ist, daß das mathematische Messen durch Operationen des +Kalkuls oder durch Konstruktionen und Beweise der Geometrie, gänzlich +vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien, Figuren u.s.f. +unterschieden ist. Ohnehin zeigen, wie oben angeführt, die Analytiker +durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf streng geometrischem +Wege und wie es nach der Methode der unendlichen Differenzen erhalten +wird, daß das eine dasselbe ist als das andere, und daß ein Mehr oder +Weniger von Genauigkeit ganz und gar nicht Statt findet. Und es +versteht sich von selbst, daß ein absolut genaues Resultat nicht aus +einem Verfahren herkommen könne, das ungenau wäre. Jedoch kann wieder +auf der anderen Seite das Verfahren selbst, jener Vernachlässigung aus +dem Grunde der Unbedeutenheit, des Protestirens gegen die angeführte +Rechtfertigungsweise unerachtet, nicht entbehren. Und dieß ist die +Schwierigkeit, um welche die Bemühungen der Analytiker gehen, das +hierin liegende Widersinnige begreiflich zu machen, und es zu +entfernen. + +Es ist in dieser Rücksicht vornehmlich Eulers Vorstellung anzuführen. +Indem er die allgemeine Newtonische Definition zu Grunde legt, dringt +er darauf, daß die Differentialrechnung die Verhältnisse der Inkremente +einer Größe betrachte, daß aber die unendliche Differenz als solche +ganz als Null zu betrachten sey, (Institut. Calc. different. P. I. C. +III.).—Wie dieß zu verstehen ist, liegt im Vorhergehenden; die +unendliche Differenz ist Null nur des Quantums, nicht eine qualitative +Null, sondern als Null des Quantums vielmehr reines Moment nur des +Verhältnisses. Sie ist nicht ein Unterschied um eine Größe; aber darum +ist es einer Seits überhaupt schief, jene Momente, welche +unendlich-kleine Größen heißen, auch als Inkremente oder Dekremente, +und als Differenzen auszusprechen. Dieser Bestimmung liegt zu Grunde, +daß zu der zuerst vorhandenen endlichen Größe etwas hinzukomme oder +davon abgezogen werde, eine Subtraktion oder Addition, eine +arithmetische, äußerliche Operation vorgehe. Der Übergang von der +Funktion der veränderlichen Größe in ihr Differential ist aber +anzusehen, daß er von ganz anderer Natur ist, nämlich wie erörtert +worden, daß er als Zurückführung der endlichen Funktion auf das +qualitative Verhältniß ihrer Quantitätsbestimmungen zu betrachten +ist.—Anderer Seits fällt die schiefe Seite für sich auf, wenn gesagt +wird, daß die Inkremente für sich Nullen seyen, daß nur ihre +Verhältnisse betrachtet werden; denn eine Null hat überhaupt keine +Bestimmtheit mehr. Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum Negativen +des Quantums und spricht es bestimmt aus, aber faßt dieß Negative nicht +zugleich in seiner positiven Bedeutung, von qualitativen +Quantitätsbestimmungen, die, wenn sie aus dem Verhältnisse gerissen und +als Quanta genommen werden wollten, nur Nullen wären.—Lagrange ( +Théorie des fonct. analyt. Introd. ) urtheilt über die Vorstellung der +Grenzen oder letzten Verhältnisse, daß wenn man gleich sehr gut das +Verhältniß zweier Größen sich vorstellen könne, so lange sie endlich +bleiben, so gebe dieß Verhältniß dem Verstande keinen deutlichen und +bestimmten Begriff, sobald seine Glieder zugleich Null werden.—In der +That muß der Verstand über diese bloß negative Seite, daß die +Verhältnißglieder Nullen als Quanta sind, hinausgehen, und sie positiv, +als qualitative Momente auffassen.—Was aber Euler (am angeführten Ort +§. 84 ff.) weiter in Betreff der gegebenen Bestimmung hinzufügt, um zu +zeigen, daß zwei sogenannte unendlich kleine Größen, welche nichts +anders als Nullen seyn sollen, doch ein Verhältniß zu einander haben +und deßwegen auch nicht das Zeichen der Null, sondern andere Zeichen +für sie im Gebrauch seyen, kann nicht für genügend angesehen werden. Er +will dieß durch den Unterschied des arithmetischen und geometrischen +Verhältnisses begründen; bei jenem sehen wir auf die Differenz, bei +diesem auf den Quotienten, obgleich das erstere zwischen zwei Nullen +gleich sey, so sey es deßwegen doch das geometrische nicht; wenn 2:1 = +0:0, so müsse wegen der Natur der Proportion, da das erste Glied +doppelt so groß sey als das zweite, auch das dritte Glied doppelt so +groß als das vierte seyn; O:O soll also nach der Proportion als das +Verhältniß von 2:1 genommen werden.—Auch nach der gemeinen Arithmetik +seyn n.O = O; es sey also n:1 = O:O.—Allein eben dadurch, daß 2:1 oder +n:1 ein Verhältniß von Quantis ist, entspricht ihm nicht ein Verhältniß +noch eine Bezeichnung von O:O. + +Ich enthalte mich, die Anführungen zu vermehren, indem die betrachteten +zur Genüge gezeigt haben, daß in ihnen wohl der wahrhafte Begriff des +Unendlichen liegt, daß er aber nicht in seiner Bestimmtheit +herausgehoben und gefaßt worden ist. Indem daher zur Operation selbst +fortgegangen wird, so kann es nicht geschehen, daß in ihr die wahrhafte +Begriffsbestimmung sich geltend mache; die endliche +Quantitätsbestimmtheit kehrt vielmehr zurück und die Operation kann der +Vorstellung eines bloß relativ-kleinen nicht entbehren. Der Kalkul +macht es nothwendig, die sogenannten unendlichen Größen den +gewöhnlichen arithmetischen Operationen des Addirens u.s.f., welche +sich auf die Natur endlicher Größen gründen, zu unterwerfen, und sie +somit als endliche Größen für einen Augenblick gelten zu lassen und als +solche zu behandeln. Der Kalkul hätte sich darüber zu rechtfertigen, +daß er sie das eine Mal in diese Sphäre herabzieht und sie als +Inkremente oder Differenzen behandelt, und daß er auf der anderen Seite +sie als Quanta vernachlässigt, nachdem er so eben Formen und Gesetze +der endlichen Größen auf sie angewendet hatte. + +Über die Versuche der Geometer, diese Schwierigkeiten zu beseitigen, +führe ich noch das Hauptsächlichste an. + +Die ältern Analytiker machten sich hierüber weniger Skrupel; aber die +Bemühungen der Neueren gingen vornehmlich dahin, den Kalkul des +Unendlichen zur Evidenz der eigentlich geometrischen Methode +zurückzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten (- +Ausdrücke von Lagrange—) in der Mathematik zu erreichen. Allein da das +Princip der Analysis des Unendlichen höherer Natur, als das Princip der +Mathematik endlicher Größen ist, so mußte jene von selbst sogleich auf +jene Art von Evidenz Verzicht thun, wie die Philosophie auch auf +diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die +Wissenschaften des Sinnlichen, z.B. Naturgeschichte hat, und wie Essen +und Trinken für ein verständlicheres Geschäfte gilt, als Denken und +Begreifen. Es wird sich demnach nur um die Bemühung handeln, die +Strenge der Beweise der Alten zu erreichen. + +Mehrere haben versucht, den Begriff des Unendlichen ganz zu entbehren, +und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden +schien.—Lagrange spricht z.B. von der Methode, die Landen erfunden hat, +und sagt von ihr, daß sie rein analytisch sey und die unendlich kleinen +Differenzen nicht gebrauche, sondern zuerst verschiedene Werthe der +veränderlichen Größen einführe, und sie in der Folge gleichsetze. Er +urtheilt übrigens, daß darin die der Differentialrechnung eignen +Vorzüge, Einfachheit der Methode und Leichtigkeit der Operationen +verloren gehe.—Es ist dieß wohl ein Verfahren, das mit demjenigen etwas +Entsprechendes hat, von welchem Descartes Tangentenmethode ausgeht, die +weiterhin noch näher zu erwähnen ist. Soviel, kann hier bemerkt werden, +erhellt sogleich im Allgemeinen, daß das Verfahren überhaupt, +verschiedene Werthe der veränderlichen Größen anzunehmen, und sie +nachher gleichzusetzen, einem anderen Kreise mathematischer Behandlung +angehört, als die Methode des Differential-Kalkuls selbst und die +späterhin näher zu erörternde Eigenthümiichkeit des einfachen +Verhältnisses, auf welches sich die wirkliche konkrete Bestimmung +desselben zurückführt, nämlich der abgeleiteten Funktion zu der +ursprünglichen, nicht herausgehoben wird. + +Die Ältern unter den Neuern, wie z.B. Fermat, Barrow und andere, die +sich zuerst des Unendlich-Kleinen in derjenigen Anwendung bedienten, +welche später zur Differential- und Integralrechnung ausgebildet wurde, +und dann auch Leibnitz und die Folgenden, auch Euler, haben immer +unverhohlen, die Produkte von unendlichen Differenzen, so wie ihre +höhern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen zu dürfen geglaubt, weil +sie relativ gegen die niedrige Ordnung verschwinden. Hierauf beruht bei +ihnen allein der Fundamentalsatz, nämlich die Bestimmung dessen, was +das Differential eines Produkts oder einer Potenz sey, denn hierauf +reducirt sich die ganze theoretische Lehre. Das Übrige ist Theils +Mechanismus der Entwickelung, Theils aber Anwendung, in welche jedoch, +was weiterhin zu betrachten ist, in der That auch das höhere oder +vielmehr einzige Interesse fällt.—In Rücksicht auf das Gegenwärtige ist +hier nur das Elementarische anzuführen, daß aus dem gleichen Grunde der +Unbedeutenheit als der Hauptsatz, die Curven betreffend, angenommen +wird, daß die Elemente der Curven, nämlich die Inkremente der Abscisse +und der Ordinate, das Verhältniß der Subtangente und der Ordinate zu +einander haben; für die Absicht, ähnliche Dreiecke zu erhalten, wird +der Bogen, der die dritte Seite eines Dreiecks zu den beiden +Inkrementen, des mit Recht vormals sogenannten charakteristischen +Dreiecks, ausmacht, als eine gerade Linie, als Theil der Tangente, und +damit das eine der Inkremente bis an die Tangente reichend angesehen. +Diese Annahmen erheben jene Bestimmungen einer Seits über die Natur +endlicher Größen; anderer Seits aber wird ein Verfahren auf die nun +unendlich genannten Momente angewendet, das nur von endlichen Größen +gilt, und bei dem nichts aus Rücksicht der Unbedeutenheit +vernachiässigt werden darf. Die Schwierigkeit, von der die Methode +gedrückt wird, bleibt bei solcher Verfahrungsweise in ihrer ganzen +Stärke. + +Es ist hier eine merkwürdige Procedur Newtons anzuführen; (Princ. Math. +phil. nat. Lib. II. Lemma II. Propos. VII.)—die Erfindung eines +sinnreichen Kunststücks, uni das arithmetisch unrichtige Weglassen der +produkte unendlicher Differenzen oder höherer Ordnungen derselben bei +dem Finden der Differentialien, zu beseitigen. Er findet das +Differential des Produkts,—woraus sich dann die Differentialien der +Quotienten, Potenzen u.s.f. leicht herleiten, —auf folgende Art. Das +Produkt, wenn x, y, jedes um die Hälfte seiner unendlichen Differenz +kleiner genommen wird, geht über in x y—xdy/2—ydx/2 + dxdy/4; aber wenn +man x und y um ebenso viel zunehmen läßt, in x y + xdy/2 + ydx/2 + +dxdy/4. Von diesem zweiten Produkt nun das erste abgezogen, bleibt y d +x + x d y als Überschuß, und dieß sey der Überschuß des Wachsthums um +ein ganzes dx und dy, denn um dieses Wachsthum sind beide Produkte +unterschieden; es ist also das Differential von xy.—Man sieht in diesem +Verfahren fällt das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das +Produkt der beiden unendlichen Differenzen, dxdy, durch sich selbst +hinweg. Aber des newtonischen Namens unerachtet muß es gesagt werden +dürfen, daß solche, obgleich sehr elementarische Operation, unrichtig +ist; es ist unrichtig, daß (x + dx/2) (y + dy/2)—(x—dx/2) (y—dy/2) = (x ++ dx) (y + dy)—xy. Es kann nur das Bedürfniß seyn, den Fluxionen-Kalkul +bei seiner Wichtigkeit zu begründen, was einen Newton dahin bringen +konnte, die Täuschung solchen Beweisens sich zu machen. + +Andere Formen, die Newton bei der Ableitung des Differentials +gebraucht, sind an konkrete auf Bewegung sich beziehende Bedeutungen +der Elemente und deren Potenzen gebunden.—Beim Gebrauche der +Reihenform, der sonst seine Methode auszeichnet, liegt es zu nahe zu +sagen, daß man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufügen +weiterer Glieder die Größe so genau zu nehmen, als man nöthig habe, und +daß die weggelassenen relativ unbedeutend, überhaupt das Resultat nur +eine Näherung sey, als daß er nicht auch hier mit diesem Grunde sich +begnügt hätte, wie er bei seiner Methode der Auflösung der Gleichungen +höherer Grade durch Näherung die höheren Potenzen, die bei der +Substitution jedes gefundenen noch ungenauen Werthes in die gegebene +Gleichung entstehen, aus dem rohen Grunde ihrer Kleinigkeit wegläßt; s. +Lagrange Equations Numériques p. 125. + +Der Fehler, in welchen Newton bei der Auflösung eines Problems durch +das Weglassen wesentlicher höherer Potenzen verfiel, der seinen Gegnern +die Gelegenheit eines Triumphs ihrer Methode über die seinige gab, und +von welchem Lagrange in seiner neuerlichen Untersuchung desselben +(Théorie des fonct. analyt. 3me P. Ch. IV.) den wahren Ursprung +aufgezeigt hat, beweist das Formelle und die Unsicherheit, die im +Gebrauche jenes Instruments noch vorhanden war. Lagrange zeigt, daß +Newton dadurch in den Fehler fiel, weil er das Glied der Reihe +vernachlässigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der +bestimmten Aufgabe ankam. Newton hatte sich an jenes formelle +oberflächliche Princip, Glieder wegen ihrer relativen Kleinheit +wegzulassen, gehalten.—Es ist nämlich bekannt, daß in der Mechanik den +Gliedern der Reihe, in der die Funktion einer Bewegung entwickelt wird, +eine bestimmte Bedeutung gegeben wird, so daß sich das erste Glied oder +die erste Funktion auf das Moment der Geschwindigkeit, die zweite auf +die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den Widerstand von +Kräften beziehe. Die Glieder der Reihe sind hiermit hier nicht nur als +Theile einer Summe anzusehen, sondern als qualitative Momente eines +Ganzen des Begriffs. Hiedurch erhält das Weglassen der übrigen Glieder, +die der schlechtunendlichen Reihe angehören, eine gänzlich verschiedene +Bedeutung, von dem Weglassen aus dem Grunde der relativen Kleinheit +derselben.[10] Die newtonsche Auflösung enthielt jenen Fehler, nicht +weil in ihr Glieder der Reihe, nur als Theile einer Summe, sondern weil +das Glied, das die qualitative Bestimmung, auf die es ankam, enthält, +nicht berücksichtigt wurde. + + [10] In einfacher Weise finden sich bei Lagrange in der Anwendung der + Theorie der Funktionen auf die Mechanik, in dem Kapitel von der + geradlinigten Bewegung, beide Rücksichten neben einander gestellt + (Théorie des fonct. 3me P. Ch. I. art. 4.). Der durchloffene Raum als + Funktion der verflossenen Zeit betrachtet, giebt die Gleichung x = ft; + diese als f (t + ë) entwickelt giebt + + +ft + ëft + [ë'[hoch 2]]/2. f"t + u.s.w. + + +Also der während der Zeit durchloffene Raum stellt sich in der Formel +dar, ëft + [ë[hoch 2]]/2. f't + [ë[hoch 3]]/2.3. f"t + u.s.w. Die +Bewegung, vermittelst der dieser Raum durchloffen wird, ist also, wird +gesagt, d. h. weil die analytische Entwickelung mehrere und zwar +unendlich viele Glieder giebt,—zusammengesetzt aus verschiedenen +partiellen Bewegungen, deren der Zeit entsprechende Räume seyn werden +ëft, [ë[hoch 2]]/2. f"t, [ë[hoch 3]]/[2.3]. f"t, u.s.w. die erste +partielle Bewegung ist, in bekannter Bewegung die formell=gleichförmige +mit einer durch f't bestimmten Geschwindigkeit, die zweite die +gleichförmig beschleunigte, die von einer dem f't propertionirten +beschleunigenden Kraft herkommt. "Da nun die übrigen Glieder sich auf +keine einfache bekannte Bewegung beziehen, so ist nicht nöthig, sie +besonders in Rücksicht zu nehmen, und wir werden zeigen, daß man von +ihnen in der Bestimmung der Bewegung zu Anfang des Zeitpunkts +abstrahiren kann." Dieß wird nun gezeigt, aber freilich nur durch die +Vergleichung jener Reihe, deren Glieder alle zur Bestimmung der Größe +des in der Zeit durchloffenen Raumes gehörten, mit der art. 3 für die +Bewegung des Falls angegebenen Gleichung x = at + bt[hoch 2], als in +welcher nur diese zwei Glieder vorkommen. Aber diese Gleichung hat +selbst nur diese Gestalt, durch die Voraussetzung der Erklärung, die +den durch analytische Entwicklung entstehenden Gliedern gegeben wird, +erhalten; diese Voraussetzung ist, daß die gleichförmig beschleunigte +Bewegung zusammengesetzt sey, aus einer formell-gleichförmigen mit der +im vorhergehenden Zeittheile erlangten Geschwindigkeit fortgesetzten +Bewegung, und einem Zuwachse, (dem a in s = at[hoch 2] d.i. dem +empirischen Koefficienten), welcher der Kraft der Schwere zugeschrieben +wird,—einem Unterschiede, der keineswegs in der Natur der Sache irgend +eine Existenz oder Grund hat, sondern nur der fälschlich physikalisch +gemachte Ausdruck dessen ist, was bei einer angenommenen analytischen +Behandlung herauskommt. + + +In diesem Beispiele ist der qualitative Sinn dasjenige, wovon das +Verfahren abhängig gemacht ist. Im Zusammenhange hiermit kann sogleich +die allgemeine Behauptung aufgestellt werden, daß die ganze +Schwierigkeit des Princips beseitigt seyn würde, wenn statt des +Formalismus, die Bestimmung des Differentials nur in die ihm den Namen +gebende Aufgabe, den Unterschied überhaupt einer Funktion von ihrer +Veränderung, nachdem ihre veränderliche Größe einen Zuwachs erhalten, +zu stellen, die qualitative Bedeutung des Princips angegeben, und die +Operation hiervon abhängig gemacht wäre. In diesem Sinne zeigt sich das +Differential von x[hoch n], durch das erste Glied der Reihe, die durch +die Entwickelung von (x + dx)[hoch n] sich ergiebt, gänzlich erschöpft. +Daß die übrigen Glieder nicht berücksichtigt werden, kommt so nicht von +ihrer relativen Kleinheit her;—es wird dabei nicht eine Ungenauigkeit, +ein Fehler oder Irrthum vorausgesetzt, der durch einen anderen Irrthum +ausgeglichen und verbessert würde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot +vornehmlich die gewöhnliche Methode der Infinitesimalrechnung +rechtfertigt. Indem es sich nicht um eine Summe, sondern um ein +Verhältniß handelt, so ist das Differential vollkommen durch das erste +Glied gefunden; und wo es fernerer Glieder, der Differentiale höherer +Ordnungen bedarf, so liegt in ihrer Bestimmung nicht die Fortsetzung +einer Reihe als Summe, sondern die Wiederholung eines und desselben +Verhältnisses, das man allein will, und das somit im ersten Glied +bereits vollkommen bestimmt ist. Das Bedürfniß der Form einer Reihe des +Summirens derselben und was damit zusammenhängt, muß dann ganz von +jenem Interesse des Verhältnisses getrennt werden. + +Die Erläuterungen, welche Carnot über die Methode der unendlichen +Größen giebt, enthalten das Geläutertste und aufs Klarste exponirt, was +in den oben angeführten Vorstellungen vorkam. Aber bei dem Übergange +zur Operation selbst treten mehr oder weniger die gewöhnlichen +Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der weggelassenen Glieder +gegen die andern ein. Er rechtfertigt die Methode vielmehr durch die +Thatsache, daß die Resultate richtig werden, und durch den Nutzen, den +die Einführung unvollkommner Gleichungen, wie er sie nennt, d. h. +solcher, in denen eine solche arithmetisch unrichtige Weglassung +geschehen ist, für die Vereinfachung und Abkürzung des Kalkuls habe, +als durch die Natur der Sache selbst. + +Lagrange hat bekanntlich die ursprüngliche Methode Newtons, die Methode +der Reihen, wieder aufgenommen, um der Schwierigkeiten, welche die +Vorstellung des Unendlich-Kleinen, so wie derjenigen, welche die +Methode der ersten und letzten Verhältnisse und Grenzen mit sich führt, +überhoben zu seyn. Es ist von seinem Funktionen-Kalkul, dessen sonstige +Vorzüge in Rücksicht auf Präcision, Abstraktion und Allgemeinheit +anerkannt genug sind, als hierher gehörig nur dieß anzuführen, daß er +auf dem Fundamentalsatze beruht, daß die Differenz, ohne daß sie Null +werde, so klein angenommen werden könne, daß jedes Glied der Reihe die +Summe aller folgenden an Größe übertreffe.—Es wird auch in dieser +Methode von den Kategorien vom Zuwachs und von der Differenz der +Funktion angefangen, deren veränderliche Größe den Zuwachs erhalte, +womit die lästige Reihe hereinkommt, von der ursprünglichen Funktion; +so wie im Verfolg die wegzulassenden Glieder der Reihe nur in der +Rücksicht, daß sie eine Summe constituiren, in Betracht kommen, und der +Grund, sie wegzulassen, in das Relative ihres Quantums gesetzt wird. +Die Weglassung ist also hier auch nicht für das Allgemeine auf den +Gesichtspunkt zurückgeführt, der Theils in einigen Anwendungen +vorkommt, worin, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine +bestimmte qualitative Bedeutung haben sollen und Glieder außer Acht +gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Größe sind, +sondern weil sie unbedeutend der Qualität nach sind; Theils aber fällt +dann die Weglassung selbst in dem wesentlichen Gesichtspunkte hinweg, +der sich für den sogenannten Differential-Koefficienten erst in der +sogenannten Anwendung des Kalkuls bei Lagrange bestimmt heraushebt, was +in der folgenden Anmerkung ausführlicher auseinandergesetzt werden +wird. + +Der qualitative Charakter überhaupt, der hier an der in Rede stehenden +Größenform in demjenigen, was dabei das Unendlichkleine genannt wird, +nachgewiesen worden ist, findet sich am unmittelbarsten in der +Kategorie der Grenze des Verhältnisses, die oben angeführt worden, und +deren Durchführung im Kalkul zu einer eigenthümlichen Methode +gestempelt worden ist. Was Lagrange von dieser Methode urtheilt, daß +sie der Leichtigkeit in der Anwendung entbehre, und der Ausdruck Grenze +keine bestimmte Idee darbiete, davon wollen wir das Zweite hier +aufnehmen, und näher sehen, was über ihre analytische Bedeutung +aufgestellt wird. In der Vorstellung der Grenze liegt nämlich wohl die +angegebene wahrhafte Kategorie der qualitativen Verhältnißbestimmung +der veränderlichen Größen, denn die Formen, die von ihnen eintreten, dx +und dy, sollen schlechthin nur als Momente von dy/dx genommen, und +dx/dy selbst als ein einziges untheilbares Zeichen angesehen werden. +Daß hiermit für den Mechanismus des Kalkuls besonders in seiner +Anwendung der Vortheil verloren geht, den er davon zieht, daß die +Seiten des Differential-Koefficienten von einander abgesondert werden, +ist hier bei Seite zu setzen. Jene Grenze soll nun Grenze von einer +gegebenen Funktion seyn;—sie soll einen gewissen Werth in Beziehung auf +dieselbe angeben, der sich durch die Weise der Ableitung bestimmt. Mit +der bloßen Kategorie der Grenze aber wären wir nicht weiter, als mit +dem, um das es in dieser Anm. zu thun gewesen ist, nämlich aufzuzeigen, +daß das Unendlichkleine, das in der Differentialrechnung als dx und dy +vorkommt, nicht bloß den negativen, leeren Sinn einer nicht endlichen, +nicht gegebenen Größe habe, wie wenn man sagt, eine unendliche Menge, +ins unendliche fort und dergleichen, sondern den bestimmten Sinn der +qualitativen Bestimmtheit des Quantitativen, eines Verhältnißmoments +als eines solchen. Diese Kategorie hat jedoch so noch kein Verhältniß +zu dem, was eine gegebene Funktion ist, und greift für sich nicht in +die Behandlung einer solchen und in einen Gebrauch, der an ihr von +jener Bestimmung zu machen wäre, ein; so würde auch die Vorstellung der +Grenze, zurückgehalten in dieser von ihr nachgewiesenen Bestimmtheit, +zu nichts führen. Aber der Ausdruck Grenze enthält es schon selbst, daß +sie Grenze von Etwas sey, d. h. einen gewissen Werth ausdrücke, der in +der Funktion veränderlicher Größe liegt; und es ist zu sehen, wie dieß +konkrete Benehmen mit ihr beschaffen ist.—Sie soll die Grenze des +Verhältnisses seyn, welches die zwei Inkremente zu einander haben, um +welche die zwei veränderlichen Größen, die in einer Gleichung verbunden +sind, deren die eine als eine Funktion der andern angesehen wird, als +zunehmend angenommen worden;—der Zuwachs wird hier unbestimmt überhaupt +genommen und insofern von dem Unendlichkleinen kein Gebrauch gemacht. +Aber zunächst führt der Weg, diese Grenze zu finden, dieselben +Inkonsequenzen herbei, die in den übrigen Methoden liegen. Dieser Weg +ist nämlich folgender. Wenn y = fx, soll fx, wenn y in y + k übergeht, +sich in fx + ph + qh[hoch 2] + rh[hoch 3] u.s.f. verändert, hiermit ist +k = ph + qh[hoch 2] u.s.f. und k/h = p + qh + rh[hoch 2] u.s.f. Wenn +nun k und h verschwinden, so verschwindet das zweite Glied außer p, +welches p nun die Grenze des Verhältnisses der beiden Zuwächse sey. Man +sieht, daß h als Quantum = 0 gesetzt wird, aber daß darum k/h nicht +zugleich = 0 seyn, sondern noch ein Verhältniß bleiben soll. Den +Vortheil, die Inkonsequenz, die hierin liegt, abzulehnen, soll nun die +Vorstellung der Grenze gewähren; p soll zugleich nicht das wirkliche +Verhältniß, das = 0/0 wäre, sondern nur der bestimmte Werth seyn, dem +sich das Verhältniß unendlich d.i. so nähern könne, daß der Unterschied +kleiner als jeder gegebene werden könne. Der bestimmtere Sinn der +Näherung in Rücksicht dessen, was sich eigentlich einander nähern soll, +wird unten betrachtet werden. —Daß aber ein quantitativer Unterschied, +der die Bestimmung hat, kleiner als jeder gegebene seyn zu können nicht +nur, sondern seyn zu sollen, kein quantitativer Unterschied mehr ist, +dieß ist für sich klar, so evident als irgend etwas in der Mathematik +evident seyn kann; damit aber ist über dy/dx = 0/0 nicht hinausgekommen +worden. Wenn dagegen dy/dx = p d.i. als ein bestimmtes quantitatives +Verhältniß, angenommen wird, wie dieß in der That der Fall ist, so +kommt umgekehrt die Voraussetzung, welche h = 0 gesetzt hat, in +Verlegenheit, eine Voraussetzung, durch welche allein k/h = p gefunden +wird. Giebt man aber zu, daß k/h = 0 ist, und mit h = 0 wird in der +That von selbst auch k = 0; denn der Zuwachs k zu y findet nur unter +der Bedingung statt, daß der Zuwachs h ist; so wäre zu sagen, was denn +p seyn solle, welches ein ganz bestimmter quantitativer Werth ist. +Hierauf giebt sich sogleich die einfache, trockne Antwort von selbst, +daß es ein Koefficient ist und aus welcher Ableitung er entsteht,—die +auf gewisse bestimmte Weise abgeleitete erste Funktion einer +ursprünglichen Funktion. Begnügte man sich damit, wie denn in der That +Lagrange sich der Sache nach damit begnügt hat, so wäre der allgemeine +Theil der Wissenschaft des Differential-Kalkuls und unmittelbar diese +seine Form selbst, welche die Theorie der Grenzen heißt, von den +Zuwächsen, dann deren unendlicher oder beliebiger Kleinheit, von der +Schwierigkeit, außer dem ersten Gliede oder vielmehr nur dem +Coefficienten des ersten Gliedes die weitern Glieder einer Reihe, als +welche durch die Einführung jener Zuwächse unabwendbar sich einfinden, +wieder wegzubringen, befreit; außerdem aber auch von dem weitern, was +damit zusammenhängt, von den formellen Kategorien vor allem des +Unendlichen, der unendlichen Annäherung, und der weitern hier ebenso +leeren Kategorien von kontinuirlicher Größe,[11] und welche man sonst, +wie Bestreben, Werden, Gelegenheit einer Veränderung für nöthig +erachtet, gereinigt. Aber dann würde gefordert zu zeigen, was denn p, +außer der, für die Theorie ganz genügenden trocknen Bestimmung, daß es +weiter nichts als eine aus der Entwickelung eines Binomiums abgeleitete +Funktion ist, noch für eine Bedeutung und Werth, d. i. welchen +Zusammenhang und Gebrauch für weiteres mathematisches Bedürfniß habe; +hiervon soll die zweite Anmerkung handeln.—Es folgt aber zunächst hier +noch die Auseinandersetzung der Verwirrung, welche durch den +angeführten, in den Darstellungen so geläufigen Gebrauch der +Vorstellung von Annäherung in das Auffassen der eigentlichen, +qualitativen Bestimmtheit des Verhältnisses, um das es zunächst zu thun +war, gebracht worden ist. + + [11] Die Kategorie von der kontinuirlichen oder fließenden Größe + stellt sich mit der Betrachtung der äußerlichen und empirischen + Veränderung der Größen, die durch eine Gleichung in die Beziehung, daß + die Eine eine Funktion der Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der + wissenschaftliche Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses + (durch den Differential-Koefficienten gewöhnlich ausgedrücktes) + Verhältniß, welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann, + ist, so ist für diese specifische Bestimmtheit die bloße Kontinuität + Theils schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die + abstrakte und hier leere Kategorie, da über das Gesetz der Kontinuität + gar nichts damit ausgedrückt ist.—Auf welche formelle Definitionen + dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten Hrn. Collegen, + Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung der + Grundbestimmungen, die für die Deduktion des Differential-Kalkuls + gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke über + diese Wissenschaft anschließt und sich in den Jahrb. f. wissensch. + Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird daselbst S. + 1251 sogar die Definition angeführt: "Eine stätige oder kontinuirliche + Größe, Kontinuum, ist jede Größe, welche man sich im Zustande des + Werdens gedenkt, so daß dieses Werden nicht sprungweise, sondern durch + ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl tautologisch + dasselbe, was das definitum ist. + + +Es ist gezeigt worden, daß die sogenannten unendlichen Differenzen das +Verschwinden der Seiten des Verhältnisses als Quantorum ausdrücken, und +daß das, was übrig bleibt, ihr Quantitätsverhältniß ist, rein insofern +es auf qualitative Weise bestimmt ist; das qualitative Verhältniß geht +hierin so wenig verloren, daß es vielmehr dasjenige ist, was eben durch +die Verwandlung endlicher Größen in unendliche resultirt. Hierin +besteht, wie wir gesehen, die ganze Natur der Sache.—So verschwinden im +letzten Verhältnisse z.B. die Quanta der Abscisse und Ordinate; aber +die Seiten dieses Verhältnisses bleiben wesentlich die eine, Element +der Ordinate, die andere Element der Abscisse. Indem die +Vorstellungsweise gebraucht wird, daß man die eine Ordinate sich der +anderen unendlich nähern läßt, so geht die vorher unterschiedene +Ordinate in die andere Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse +in die andere Abscisse über; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in +die Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate über. Das Element der +Ordinate,—um bei diesem Beispiele von veränderlichen Größen stehen zu +bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer anderen +Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied oder die +qualitative Größenbestimmung gegen das Element der Abscisse; das +Princip der einen veränderlichen Größe gegen das der andern steht im +Verhältnisse miteinander. Der Unterschied, indem er nicht mehr +Unterschied endlicher Größen ist, hat aufgehört, ein Vielfaches +innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensität +zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen +Verhältnißmoments gegen das andere. + +Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, daß das, +was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als Differenz +oder Inkrement gefaßt wird, daß es nur der Unterschied des Quantums +einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate sey. Die +Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhältnisses; sie gilt nur +als der letzte Werth, dem sich eine andere Größe von gleicher Art +beständig so nähere, daß sie von ihm, so wenig als man will, +unterschieden seyn könne, und daß das letzte Verhältniß, ein Verhältniß +der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz das Schweben eines +Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die qualitative +Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine Verhältnißbestimmung gegen +x, sondern gegen dy ist, tritt in der Vorstellung zurück. Man läßt +dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber noch vielmehr verschwindet dx +gegen x, dieß heißt aber wahrhaftig: es hat nur ein Verhältniß zu +dy.—Es ist den Geometern in solchen Darstellungen immer vorzüglich +darum zu thun, die Annäherung einer Größe an ihre Grenze begreiflich zu +machen, und sich an diese Seite des Unterschiedes des Quantums vom +Quantum, wie er kein Unterschied und doch noch ein Unterschied ist, zu +halten. Aber die Annäherung ist ohnehin für sich eine nichts sagende +und nichts begreiflich machende Kategorie; dx hat die Annäherung +bereits im Rücken, es ist nicht nahe noch ein Näheres; und unendlich +nahe heißt selbst die Negation des Naheseyns und des Annäherns. + +Indem es nun damit geschehen ist, daß die Inkremente oder unendlichen +Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen verschwindet, +und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so sind sie so als +verhältnißlose Momente gefaßt. Es würde die unstatthafte Vorstellung +daraus folgen, daß es erlaubt sey, in dem letzten Verhältnisse etwa +Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus, Cosinus, Tangente, Sinus versus +und was alles noch, einander gleich zu setzen.—Diese Vorstellung +scheint zunächst darin obzuwalten, wenn ein Bogen als eine Tangente +behandelt wird; denn auch der Bogen ist wohl inkommensurabel mft der +geraden Linie, und sein Element zunächst von anderer Qualität als das +Element der geraden Linie. Es scheint noch widersinniger und +unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse, Ordinate, des Sinus +versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis, wenn ein ob zwar +unendlich kleiner Theil des Bogens, für ein Stück der Tangente, +genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird. —Allein diese +Behandlung ist von der gerügten Verwechslung wesentlich zu +unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, daß in dem Dreieck, +weilches das Element eines Bogens und die Elemente seiner Abscisse und +der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhältniß dasselbe ist, als +wenn jenes Element des Bogens das Element einer geraden Linie, der +Tangente wäre; die Winkel, welche das wesentliche Verhältniß +konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt, indem von +den ihnen zugehörigen endlichen Größen abstrahirt wird, sind die +nämlichen.—Man kann sich hierüber auch ausdrücken, gerade Linien, als +unendlichklein, seyen in krumme Linien übergegangen, und das Verhältniß +ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhältniß. Da nach ihrer +Definition die gerade Linie der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist, +so gründet sich ihr Unterschied von krummer Linie auf die Bestimmung +von Menge, auf die geringere Menge des Unterscheidbaren auf diesem +Wege, was also eine Bestimmung von Quantum Ist. Aber diese Bestimmung +verschwindet in ihr, sie als intensive Größe, als unendliches Moment, +als Element genommen; somit auch ihr Unterschied von der krummen Linie, +der bloß auf dem Quantumsunterschiede beruhte.—Also als unendlich +behält gerade Linie und Bogen kein quantitatives Verhältniß und damit, +auf den Grund der angenommenen Definition, auch keine qualitative +Verschiedenheit mehr gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese +über. + +Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung +heterogener Bestimmungen ist die für sich unbestimmte und völlig +gleichgültige Annahme, daß unendlich kleine Theile desselben Ganzen +einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen +d. i. mit wesentlicher Ungleichförmigkeit der Größebestimmung +behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthüniliche Verkehrung +hervor, die in dem Satze der höhern Mechanik enthalten ist, daß in +gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile einer +Kurve in gleichförmiger Bewegung durchloffen werden, indem dieß von +einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i. +existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile +der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als +existirend ungleichförmig ist und so angenommen wird. Dieser Satz ist +der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied, das sich +in der oben auch angeführten Entwickelung der Formel von +ungleichförmiger übrigens einem Gesetze gemäßen Bewegung ergiebt, +bedeuten soll. Ältere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu +erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten +Gegenständen zu thun hatte, in Worte und Sätze auszudrücken und sie in +geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie für die +Lehrsätze nach gewöhnlicher Beweise-Art zu gebrauchen. Die Glieder +einer mathematischen Formel, in welche die analytische Behandlung die +Größe des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte, erhielten dort eine +gegenständliche Bedeutung, z.B. der Geschwindigkeit, beschleunigende +Kraft u.s.f. sie sollten nach solcher Bedeutung richtige Sätze, +physikalische Gesetze geben und nach der analytischen Verbindung auch +ihre objektiven Verknüpfungen und Verhältnisse bestimmt seyn, wie z.B. +eben daß in einer gleichförmig beschleunigten Bewegung eine besondere +den Zeiten proportionale Geschwindigkeit existire, außerdem aber ein +Zuwachs von der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme. Solche Sätze +werden in der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als +Ergebnisse des Kalkuls aufgeführt unbekümmert darum, ob sie einen +reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspräche, für sich an ihnen +selbst hätten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit, +den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen +reellen Sinn genommen werden, z.B. den Übergang von jener +schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu einer gleichförmigen +beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafür, durch die +analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher +Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autorität der +Operationen des Kalkuls ist. Es wird für einen Triumph der Wissenschaft +ausgegeben, durch den bloßen Kalkul über die Erfahrung hinaus Gesetze, +d. i. Sätze der Existenz, die keine Existenz haben, zu finden. Aber in +der erstern noch naiven Zeit des Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen +Bestimmungen und Sätzen, in geometrischen Verzeichnungen vorgestellt, +ein reeller Sinn für sich angegeben und plausibel gemacht, und sie in +solchem Sinne zum Beweise von den Hauptsätzen, um die es zu thun war, +angewendet werden, (—man sehe den newtonischen Beweis von seinem +Fundamentalsatze der Theorie der Gravitation in den Princ. mathem. +philosophiae naturalis lib. I. Sect. II. Prop. I. verglichen mit +Schuberts Astronomie (erster Ausg. III. B. §. 20), wo zugestanden wird, +daß es sich nicht genau so, d. i. in dem Punkte, welcher der Nerv des +Beweises ist, sich nicht so verhalte, wie Newton annimmt—). + +Es wird nicht geläugnet werden können, daß man sich in diesem Felde +vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihülfe des Nebels des +Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als +dem, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der +Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, wenigstens den +Schein eines Gerüstes von Beweis zu Stande brachte;—einen Schein, den +man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch vorzog. +Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier für nicht mehr als eine +bloße Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens anzusehen, und +hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins Besondere die zu +dem so eben angeführten gehörigen, wegen welcher man Newton bis an den +Himmel und über Keppler erhoben hat, das was dieser bloß durch +Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben. + +Das leere Gerüste solcher Beweise wurde errichtet, um physische Gesetze +zu beweisen. Aber die Mathematik vermag überhaupt nicht +Größenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind, +welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem +einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist, nicht +vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es nicht +lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, außer ihrer +Sphäre liegt. Die Behauptung der Ehre der Mathematik, daß alle in ihr +vorkommenden Sätze streng bewiesen seyn sollen, ließ sie ihre Grenze +oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, für Erfahrungssätze +einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen Beweis anzuerkennen; +später ist das Bewußtseyn hierüber gebildeter geworden; eh dieses aber +über den Unterschied sich nicht klar wird, was mathematisch beweisbar +ist und was nur anderwärts genommen werden kann, wie darüber was nur +Glieder analytischer Entwickelung und was physikalische Existenzen +sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich nicht zu strenger und reiner +Haltung herausbilden.—Jenem Gerüste newtonischen Beweisens aber wird +ohne Zweifel noch dasselbe Recht widerfahren, das einem anderen +grundlosen newtonischen Kunstgebäude aus optischen Experimenten und +damit verbundenem Schließen angethan worden ist. Die angewandte +Mathematik ist noch voll von einem gleichen Gebräue aus Erfahrung und +Reflexion, aber wie vonjener Optik seit geraumer Zeit bereits ein Theil +nach dem andern anfing in der Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden +mit der Inkonsequenz jedoch, das Übrige obgleich damit Widersprechende +noch gewähren zu lassen, —so ist es auch Faktum, daß bereits ein Theil +jener trügerischen Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder +durch andere ersetzt worden ist. + +Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung +abgeleitet. + +In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des +Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird, +Theils die Grundlage seiner Einführung in denselben betrachtet worden; +Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen; die +sogenannte Anwendung aber bietet größere Schwierigkeiten sowohl als +auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten Seite +sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.—Die ganze Methode der +Differentialrechnung ist in dem Satze, daß dx[hoch n] = nx[hoch n 1]dx, +oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten Gliedes +des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x + d, x + +i, absolvirt. Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die Ableitung der +nächsten Formen, des Differentials eines Produkts, einer +Exponentialgröße und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in wenig +Zeit, vielleicht in einer halben Stunde—mit dem Finden der +Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der ursprünglichen +Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,—kann man die +ganze Theorie inne haben. Was allein länger aufhält, ist die Bemühung +es einzusehn, begreifflich zu machen, daß nachdem der eine Umstand der +Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische d. i. ganz +arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion der +veränderlichen Größe, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form eines +Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch mit dem +andern Umstand, nämlich mit dem Weglassen der übrigen Glieder der +entstehenden Reihe außer den ersten, seine Richtigkeit habe. Wäre es +der Fall, daß man jenen Koefficienten allein nöthig hätte, so wäre mit +der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft, —wie gesagt +in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das Weglassen der +weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine Schwierigkeit, daß +vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als zweiten, dritten u.s.f. +Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der Bestimmung des ersten +gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede wäre, da es um sie ganz und +gar nicht zu thun ist. + +Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, daß man es der Methode des +Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, daß sie nicht für sich +selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht für +sich begründet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens, sondern +die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer Funktion +ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung vollständig zur Sache +zu gehören angenommen ist,—weil die Sache als der Unterschied + +der entwickelten Funktion einer veränderlichen Größe, nachdem dieser +die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der ursprünglichen, +angesehen wird,—geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus +allen mathematischen Grundsätzen. Das Bedürfniß solcher +Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung, +weist sogleich darauf hin, daß anderswo der Ursprung und die Grundlage +sich befinden müsse. Es geschieht auch sonst in den Wissenschaften, daß +das, was als das Elementarische vornehin gestellt ist und woraus die +Sätze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen, nicht einleuchtend +ist, und daß es sich ausweist, vielmehr in dem Nachfolgenden seine +Veranlassung und seine Begründung zu haben. Der Hergang in der +Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, daß er in den +verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die Sache +gleichsam als in Kunststücken, den Anfang genommen hat; die Art des +Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt worden, +ist spater zum Bewußtseyn und in abstrakte Formeln gebracht worden, +welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde. + +Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist die +qualitative Quantitäts-Bestimmtheit solcher, die zunächst als Quanta im +Verhältniß zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden, woran sich die +empirische Untersuchung knüpfte, jene Begriffs-Bestimmtheit in den +Beschreibungen oder Definitionen nachzuweisen, die sich von dem +Unendlich-Kleinen, insofern es als unendliche Differenz und dergleichen +genommen ist, vorfinden.—Dieß ist nur im Interesse der abstrakten +Begriffsbestimmtheit als solcher geschehen; die weitere Frage wäre, wie +von ihr der Übergang zur mathematischen Gestaltung und Anwendung +beschaffen wäre. Zu dem Ende ist zuerst das Theoretische, die +Begriffsbestimmtheit, noch weiter vorzunehmen, welche sich an ihr +selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen wird; alsdenn ist das Verhältniß +derselben zur Anwendung zu betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so +weit es hier angeht, daß die allgeineinen Folgerungen zugleich +demjenigen, um was es in der Differentialrechnung zu thun ist, und der +Art, wie sie es bewerkstelligt, angemessen sind. + +Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Form, welche die in Rede +stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits beiläufig +angegeben ist. Die qualitative Bestimmtheit des Quantitativen ist +zuerst im quantitativen Verhältniß überhaupt aufgewiesen, es ist aber +auch schon bei der Nachweisung der unterschiedenen sogenannten +Rechnungsarten (s. d. betreff. Anm.) anticipirt worden, daß das nachher +an seiner eigenthümlichen Stelle noch zu betrachtende +Potenzenverhältniß es ist, worin die Zahl durch Gleichsetzung ihrer +Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als zu sich selbst +zurückgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der Unendlichkeit, des +Fürsichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich selbst, an ihr erhält. +Die ausdrückliche qualitative Größenbestimmtheit bezieht sich somit, +wie gleichfalls schon erinnert, wesentlich auf Potenzenbestimmungen, +und da die Differentialrechnung das Specifische hat, mit qualitativen +Größenformen zu operiren, so muß ihr eigenthümlicher mathematischer +Gegenstand die Behandlung von Potenzenformen seyn, und die sämmtlichen +Aufgaben und deren Auflösungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung +gebraucht wird, zeigen es, daß das Interesse allein in der Behandlung +von Potenzenbestimmungen als solchen liegt. + +So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas +Bestimmtes stellt, statt der bloß formellen Kategorien von +veränderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Größen und +dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch zu +allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun; schon +das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die Behandlung der +Exponentialgrößen und Logarithmen, Reihen, die Gleichungen höherer +Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemühung allein mit +Verhältnissen, die auf Potenzen beruhen. Ohne Zweifel müssen sie +zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber welches +unter den verschiedenen Verhältnissen, worein Potenzenbestimmungen +gesetzt werden können, dasjenige sey, das der eigentliche Gegenstand +und das Interesse für die Differentialrechnung ist, dieß ist aus dieser +selbst, d. i. aus den sogenannten Anwendungen derselben zu entnehmen. +Diese sind in der That die Sache selbst, das wirkliche Verfahren in der +mathematischen Auflösung eines gewissen Kreises von Problemen; dieß +Verfahren ist früher gewesen, als die Theorie oder der allgemeine +Theil, und Anwendung ist dasselbe später genannt worden nur in +Beziehung auf die nachher erschaffene Theorie, welche die allgemeine +Methode des Verfahrens Theils aufstellen, Theils ihr aber Principien, +d. i. Rechtfertigung geben wollte. Welche vergebliche Bemühung es +gewesen ist, für die bisherige Auffassungsweise des Verfahrens +Principien aufzufinden, welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein +kommt, wirklich lösten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach +dem mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden, +oder durch die auf dasselbe hinauslaufende Möglichkeit der unendlichen +oder beliebigen Annäherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu +verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden. Wenn aus dem +wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung genannt +wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt würde, als bisher +geschehen ist, so würden sich jene Principien und die Bemühung mit +denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen selbst sich als +etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes ausweisen. + +Wenn wir diesem Eigenthümlichen durch einfaches Aufnehmen des in diesem +Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir als +Gegenstand à) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von Größen +(wir können hier überhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem Ganzen der +Bestimmtheit so verbunden sind, daß diese erstens ihre Bestimmtheit in +empirischen Größen, als festen Grenzen und dann in der Art der +Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung untereinander, haben; +wie dieß überhaupt in einer Gleichung der Fall ist; indem aber nur Eine +Gleichung für beide Größen (und ebenso relativ wohl mehrere Gleichungen +für mehrere Größen, aber immer weniger, als die Anzahl der Größen ist—) +vorhanden ist, gehören diese Gleichungen zu den unbestimmten; und daß +zweitens eine Seite, wie diese Größen hier ihre Bestimmtheit haben, +darin liegt, daß sie (wenigstens eine derselben) in einer höhern, als +die erste Potenz, in der Gleichung vorhanden sind. + +Hierüber sind zunächst einige Bemerkungen zu machen, für's Erste, daß +die Größen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den +Charakter solcher veränderlichen Größen haben, wie sie in den Aufgaben +der unbestimmten Analysis vorkommen. Ihr Werth ist unbestimmt, aber so +daß wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter Werth, d. i. ein +Zahlenwerth für die eine kommt, auch die andere bestimmt, so die eine, +eine Funktion der andern, ist. Die Kategorien von veränderlichen +Größen, Funktionen und dergleichen sind darum für die specifische +Größebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur formell, wie vorhin +gesagt worden ist, weil sie von einer Allgemeinheit sind, in welcher +dasjenige Specifische, worauf das ganze Interesse des +Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten ist, noch daraus durch +Analyse explicirt werden kann; sie sind für sich einfache, +unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst schwierig gemacht +werden, insofern das in sie gelegt werden soll, damit es dann aus ihnen +abgeleitet werden könne, was nicht in ihnen liegt, nämlich die +specifische Bestimmung der Differentialrechnung. —Was alsdenn die +sogenannte Konstante betrifft, so kann über sie bemerkt werden, daß sie +zunächst als eine gleichgültige empirische Größe ist, bestimmend für +die veränderlichen Größen bloß in Ansehung ihres empirischen Quantums, +als Grenze ihres Minimums und Maximums; die Art der Verbindung aber der +Konstanten mit den veränderlichen Größen ist selbst eines der Momente +für die Natur der besonderen Funktion, welche diese Größen sind. +Umgekehrt sind aber auch die Konstanten selbst Funktionen; insofern +z.B. eine gerade Linie den Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn, +so ist dieser ihr Sinn dieß, daß sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie +in der Entwickelung des Binomiums überhaupt, die Konstante, welche der +Koefficient des ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln, +der des zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei +u.s.f. also diese Konstanten hier überhaupt Funktionen der Wurzeln +sind; wo in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel +bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser +behandelt. Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer anderen +Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im Konkreten es +ist, worauf das ganze Interesse geht. + +Das Eigenthümliche nun aber, wodurch die Betrachtung der veränderlichen +Größen sich in der Differentialrechnung von ihrer Beschaffenheit in den +unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das Angegebene zu setzen, +daß wenigstens eine jener Größen oder auch alle sich in einer höhern +Potenz als die erste befinde, wobei wieder gleichgültig ist, ob +sämmtliche von derselben höhern oder von ungleichen Potenzen sind; ihre +specifische Unbestimmtheit, die sie hier haben, liegt allein darin, daß +sie in solchem Potenzenverhältnisse Funktionen von einander sind. +Dadurch ist die Veränderung der veränderlichen Größen qualitativ +determinirt, damit kontinuirlich, und diese Kontinuität, die für sich +wieder nur die formelle Kategorie überhaupt einer Identität, einer sich +in der Veränderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat +hier ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem +Potenzenverhältnisse, als welches kein Quantum zu seinem Exponenten +hat, und die nicht quantitative, bleibende Bestimmtheit des +Verhältnisses der veränderlichen Größen ausmacht. Daher ist gegen einen +andern Formalismus die Bemerkung zu machen, daß die erste Potenz nur +Potenz im Verhältniß zu höhern ist; für sich ist x nur irgend ein +unbestimmtes Quantum. So hat es keinen Sinn, für sich die Gleichungen y += ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der schlechtgleichförmigen +Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y = ax, oder auch aus y = ax ++ b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct wird, so ist ebenso sehr a = +y/x, die Bestimmung der Tangente oder s/t = c. die der schlechten +Geschwindigkeit. Letztere wird als dy/dx exponirt im Zusammenhange +dessen, was für die Entwickelung der gleichförmig beschleunigten +Bewegung ausgegeben wird; aber daß ein Moment von einfacher, +schlechtgleichförmiger, d. i. nicht durch die höhere Potenz eines der +Momente der Bewegung bestimmter Geschwindigkeit, im Systeme solcher +Bewegung vorkomme, ist, wie früher bemerkt, selbst eine leere, allein +in der Routine der Methode gegründete Annahme. Indem die Methode von +der Vorstellung des Zuwachses, den die veränderliche Größe erleiden +solle, ausgeht, so kann Freilich auch eine solche, die nur eine +Funktion von erster Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun +hierauf, um das Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch +entstandenen zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll, +so zeigt sich das Leere der Operation, daß, wie bemerkt, die Gleichung +vor und nach derselben, für die sogenannten Zuwächse dieselbe ist als +für die veränderlichen Größen selbst. + +ß) Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung +bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die +Behandlung derselben gerichtet findet. Diese Betrachtung kann nur +bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen +Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die +Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten +heterogenen Bestimmungen zu entfernen.—Als die Grundlage der Behandlung +der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, daß die Potenz innerhalb +ihrer selbst als ein Verhältniß, als ein System von +Verhältnißbestimmungen, gefaßt wird. Die Potenz ist oben als die Zahl +angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, daß ihre Veränderung +durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und Anzahl identisch +ist, wie früher nachgewiesen, vollkommen zunächst im Quadrat, +formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den höhern Potenzen. +Die Potenz nun, da sie als Zahl—wenn man den Ausdruck Größe als den +allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die Zahl,—eine Menge +ist, auch als Summe dargestellt, kann zunächst innerhalb ihrer in eine +beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden, die ohne alle weitere +Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe sind, als nur daß sie +zusammen dieser gleich sind. Aber die Potenz kann auch in eine Summe +von solchen Unterschieden discernirt werden, die durch die Form der +Potenz bestimmt sind. Wird die Potenz als Summe genommen, so ist auch +die Grundzahl derselben, die Wurzel als Summe gefaßt, und beliebig nach +mannigfaltiger Zerlegung, welche Mannigfaltigkeit aber das +gleichgültige empirisch-Quantitative ist. Die Summe als welche die +Wurzel seyn soll, auf ihre einfache Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte +Allgemeinheit zurückgeführt, ist das Binomium; alle weitere Vermehrung +der Glieder ist eine bloße Wiederholung derselben Bestimmung und daher +etwas Leeres.[12] Worauf es ankommt, ist allein die, hiermit +qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die Potenzirung +der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche Bestimmtheit allein +in der Veränderung, die das Potenziren ist, liegt. Diese Glieder sind +somit ganz Funktionen der Potenzirung und der Potenz. Jene Darstellung +nun der Zahl, als Summe einer Menge von solchen Gliedern, welche +Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das Interesse, die Form +solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus der Menge solcher +Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein von jener Form +abhängen muß,—dieß macht bekanntlich die besondere Lehre von den Reihen +aus. Aber hierbei haben wir wesentlich das fernere Interesse zu +unterscheiden, nämlich das Verhältniß der zu Grunde liegenden Größe +selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein Komplex d. i. hier eine +Gleichung, ist, eine Potenz in sich schließt, —zu den Funktionen ihrer +Potenzirung. Dieß Verhältniß, ganz abstrahirt von dem vorhin genannten +Interesse der Summe wird sich als der Gesichtspunkt zeigen, der sich +als der einzige, den die Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der +wirklichen Wissenschaft ergiebt. + + [12] Es gehört nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf + welche die Analysis nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a + + b)[hoch n] für die Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c + + d…)[hoch n] gesagt wird, wie dieß auch in vielen andern Fällen gethan + wird; es ist solche Form, so zu sagen, nur für eine Koketterie des + Scheins der Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache + erschöpft; es wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und + das Gesetz ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die äußerliche nur + leere Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes + a + b + c + d… hervorgebracht wird. + + +Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten hinzuzufügen, +oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen. Es wurde nämlich +gesagt, daß die veränderliche Größe, in deren Bestimmung die Potenz +eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer selbst als Summe und zwar +als ein System von Gliedern, insofern diese Funktionen der Potenzirung +sind, womit auch die Wurzel als eine Summe, und in der einfach +bestimmten Form als Binomium betrachtet werde; x[hoch n] = (y + z)[hoch +n] = (y + ny[hoch n-1] z +….) Diese Darstellung ging für die +Entwickelung der Potenz, d. i. für das Erlangen ihrer +Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus; es ist jedoch +hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus entspringende +Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die Beziehung aufzunehmen. +Die Beziehung als solche der Größen ist das was einer Seits übrig +bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als solcher abstrahirt wird, +und was anderer Seits für das Finden der EntwicklungsFunktionen der +Potenz erforderlich ist. Solche Beziehung aber ist schon darin +bestimmt, daß hier der Gegenstand eine Gleichung, y[hoch m] = ax[hoch +n] auch schon ein Komplex von mehrern (veränderlichen) Größen ist, der +eine Potenzenbestimmung derselben enthält. In diesem Komplex ist jede +dieser Größen schlechthin als in der Beziehung auf die andere mit der +Bedeutung, könnte man sagen, eines plus an ihr selbst,—als Funktion der +andern Größen gesetzt; ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn, +giebt ihnen diese Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz +unbestimmten, nicht eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen. Doch +diesen abstrakten Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen; +es kann ganz einfach dabei stehen geblieben werden, daß nachdem die +veränderlichen Größen in der Gleichung als Funktionen von einander, so +daß diese Bestimmtheit ein Verhältniß von Potenzen enthält, gegeben +sind, nun auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander +verglichen werden,—welche zweiten Funktionen durch gar nichts Anderes +weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind. Es kann zunächst +für ein Belieben oder eine Möglichkeit ausgegeben werden, eine +Gleichung von den Potenzen ihrer veränderlichen Größen auf ein +Verhältniß ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein weiterer Zweck, +Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher Umgestaltung davon +anzugeben; durch ihre Nützlichkeit allein ist jene Umstellung veranlaßt +worden. Wenn vorhin von der Darstellung dieser Potenzirungsbestimungen +an einer Größe, die als Summe in sich different genommen werde, +ausgegangen worden, so diente dieß nur Theils zur Angabe von welcher +Art solche Funktionen seyen, Theils liegt darin die Weise sie zu +finden. + +Wir befinden uns hiermit bei der gewöhnlichen analytischen +Entwickelung, die für den Zweck der Differentialrechnung so gefaßt +wird, daß der veränderlichen Größe ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun +die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehört, +explicirt wird. Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum, nur +eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung behülflich zu +seyn; was man eingestandenermaßen, am bestimmtesten von Euler und +Lagrange, und in der früher erwähnten Vorstellung der Grenze, will, +sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der veränderlichen +Größen, die sogenannten Koefficienten zwar des Zuwachses und der +Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich ordnet und zu denen die +unterschiedenen Koefficienten gehören. Es kann hierzu etwa bemerkt +werden, daß indem nur um der Entwickelung willen ein Zuwachs angenommen +ist, der ohne Quantum sey, es am geschicktesten gewesen wäre, (das +Eins) dafür zu nehmen, indem derselbe in der Entwickelung immer nur als +Faktor vorkommt, womit eben der Faktor Eins den Zweck erfüllt, daß +keine quantitative Bestimmtheit und Veränderung durch den Zuwachs +gesetzt werden solle; dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer +quantitativen Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier +unnützen Scheine von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und +die Prätension von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche +Prätension dann die Mühe herbeibringt, sie dessenungeachtet +wegzubringen und wegzulassen. Um die Form einer nach Potenzen +entwickelten Reihe zu behalten, könnten die Exponentenbezeichnungen als +indices ebenso gut dem Eins angefügt werden. Aber es muß ohnehin von +der Reihe und von der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die +sie in der Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhältniß zwischen +allen ist dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der +ersten, als diese aus der ursprünglichen abgeleitet, und für die als +die zweite gezählte ist die erste abgeleitete wieder ursprüngliche +Funktion. Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe, +sondern ganz allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende +Potenzenbestimmung in ihrem Verhältniß zu der für sie unmittelbaren +Größe. Anstatt also jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der +Entwickelung zu bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf +die andern in der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz +als eines Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehören, +wäre der bloße Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin +gesagt wurde, eine Funktion des Potenzirens der Größe vorzuziehen, +wobei als bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung +als innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird. + +Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der +Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die +Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage, +was mit dem damit erhaltenen Verhältnisse anzufangen ist, wo es eine +Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, für welchen Zweck solche +Funktionen gesucht werden. Durch das Finden von Verhältnissen, an +konkreten Gegenständen, welche sich auf jene abstrakte analytische +zurückführen lassen, hat die Differentialrechnung ihr großes Interesse +erhalten. + +Über die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunächst aus der Natur der +Sache, ohne noch aus den Fällen der Anwendung selbst zu schließen, +vermöge der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst +Folgendes. Die Entwickelung der Potenzengrößen, wodurch sich die +Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthält, von näherer Bestimmung +abstrahirt, zunächst überhaupt die Herabsetzung der Größe auf die +nächst niedrigere Potenz. Die Anwendbarkeit dieser Operation findet +also bei solchen Gegenständen statt, bei welchen gleichfalls ein +solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist. Wenn wir +nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, daß sie die +drei Dimensionen enthält, die wir, um sie von den abstrakten +Unterschieden der Höhe, Länge und Breite zu unterscheiden, als die +konkreten bezeichnen können, nämlich die Linie, die Fläche und den +totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in +Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen +genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Fläche und +dieselbe als Quadrat, und den Kubus. Die gerade Linie hat ein +empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die +Potenzenbestimmung ein; nähere Modificationen, z.B. daß dieß gleich +auch mit den ebenen Kurven geschieht, können wir, insofern es zunächst +um den Unterschied bloß im Allgemeinen zu thun ist, unerörtert lassen. +Hiermit entsteht auch das Bedürfniß, von einer höheren +Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt überzugehen, indem +z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen Gleichungen der Fläche u.s.f. +oder umgekehrt abgeleitet werden sollen. —Die Bewegung ferner, als an +der das Größenverhältniß des durchloffenen Raumes und der dazu +gehörigen verflossenen Zeit zu betrachten ist, zeigt sich in den +verschiedenen Bestimmungen einer schlechtgleichförmigen, einer +gleichförmig beschleunigten, einer abwechselnd gleichförmig +beschleunigten und gleichförmig retardirten, —in sich zurückkehrenden +Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten der Bewegung nach dem +Größenverhältnisse ihrer Momente, des Raums und der Zeit, ausgedrückt +werden, ergeben sich für sie Gleichungen aus unterschiedenen +Potenzenbestimmungen, und insofern es Bedürfniß seyn kann, eine Art der +Bewegung oder auch der Raumgrößen, an welche eine Art gebunden ist, aus +einer anderen Art derselben zu bestimmen, führt die Operation +gleichfalls das Übergehen von einer Potenzenfunktion zu einer höhern +oder medrigern herbei.—Die Beispiele dieser zwei Gegenstände mögen für +den Zweck, zu dem sie angeführt sind, genügen. + +Der Anschein von Zufälligkeit, welchen die Differentialrechnung in +ihren Anwendungen präsentirt, würde schon vereinfacht werden, durch das +Bewußtseyn über die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung statt +finden kann, und über das eigenthümliche Bedürfniß und die Bedingung +dieser Anwendung. Nun aber kommt es weiter innerhalb dieser Gebiete +selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen der Gegenstände +der mathematischen Aufgabe ein solches Verhältniß statt finde, als +durch den Differentialkalkul eigenthümlich gesetzt wird. Es muß gleich +vorläufig bemerkt werden, daß hierbei zweierlei Verhältnisse zu +beachten sind. Die Operation des Depotenzirens einer Gleichung, sie +nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veränderlichen Größen +betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft nicht +mehr eine Gleichung, sondern ein Verhältniß ist; dieses Verhältniß ist +der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung. Eben damit auch +ist zweitens das Verhältniß vorhanden von der höhern Potenzenbestimmung +(der ursprünglichen Gleichung) selbst zu der niedrigern (dem +Abgeleiteten). Dieß zweite Verhältniß haben wir hier zunächst bei Seite +zu lassen; es wird sich als der eigenthüniliche Gegenstand der +Integralrechnung zeigen. + +Betrachten wir zunächst das erste Verhältniß, und nehmen zu der aus der +sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments, worin das +Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an den Kurven +vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt sind. +Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhältniß der +Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung. Folgen von der +Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten +zusammenhängenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente, +Normale u.s.f. Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den +Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile +diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden +Linien. Der Übergang von der Grundgleichung, welche die +Potenzenbestimmung enthält, zu jenen linearen Gleichungen enthält nun +den angegebenen Übergang von der ursprünglichen Funktion, d. i. welche +eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhältniß ist, und +zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien. Der +Zusammenhang zwischen dem Verhältnisse dieser Linien und der Gleichung +der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt. + +Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierüber so viel zu +bemerken, daß die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz +empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der +völlig äußerlich gebliebenen Operation geben zu können. Ich begnüge +mich hierüber mit der Anführung Barrow's, des Lehrers Newtons. In +seinen lect. Opt. et Geom., worin er Probleme der höhern Geometrie nach +der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunächst von dem +Eigenthümlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er auch, +"weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect. X.) sein Verfahren, die +Tangente zu bestimmen, an. Man muß bei ihm selbst nachlesen, wie diese +Angabe beschaffen ist, um sich eine gehörige Vorstellung zu machen, wie +das Verfahren ganz als äußerliche Regel angegeben ist,—in demselben +Style, wie vormals in den arithmetischen Schulbüchern die Regel de tri +oder noch besser die sogenannte Neunerprobe der Rechnungsarten +vorgetragen worden ist. Er macht die Verzeichnung der Linienchen, die +man nachher die Inkremente im charakteristischen Dreieck einer Kurve +genannt hat, und giebt nun die Vorschrift als eine bloße Regel, die +Glieder als überflüssig wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der +Gleichungen, als Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein +kommen, ( etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die +Glieder, die nur aus der ursprünglichen Gleichung bestimmte Größen +enthalten, wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der ursprünglichen +Gleichung von der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt für das +Inkrement der Ordinate die Ordinate selbst und für das Inkrement der +Abscisse die Subtangente zu substituiren. Man kann, wenn es so zu reden +erlaubt ist, das Verfahren nicht schulmeistermässiger angeben;—die +letztere Substitution ist die für die Tangentenbestimmung in der +gewöhnlichen Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der +Proportionalität der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der +Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in +ihrer ganz naiven Nacktheit. Eine einfache Weise, die Subtangente zu +bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen auf +Ähnliches hinaus,—die Methode, die größten und kleinsten Werthe zu +finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben Grundlagen +und demselben Verfahren. Es war eine mathematische Sucht jener Zeiten, +sogenannte Methoden, d. i. Regeln jener Art zu finden, dabei aus ihnen +auch ein Geheimniß zu machen, was nicht nur leicht, sondern selbst in +einer Rücksicht nöthig war, aus demselben Grunde, als es leicht +war,—nämlich weil die Erfinder nur eine empirische äußerliche Regel, +keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten Principien Abgeleitetes, +gefunden hatten. Solche sogenannte Methoden hat Leibnitz von seiner +Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und unmittelbarer von seinem +Lehrer aufgenommen; sie haben durch die Verallgemeinerung ihrer Form +und Anwendbarkeit den Wissenschaften neue Bahnen gebrochen, aber damit +zugleich das Bedürfniß gehabt, das Verfahren aus der Gestalt bloß +äußerlicher Regeln zu reißen, und demselben die erforderliche +Berechtigung zu verschaffen gesucht. + +Analysiren wir die Methode näher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser. +Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der +veränderlichen Größen), welche die Gleichung enthält, auf ihre ersten +Funktionen herabgesetzt. Damit aber wird der Werth der Glieder der +Gleichung verändert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es +ist nur ein Verhältniß entstanden zwischen der ersten Funktion der +einen veränderlichen Größe zu der ersten Funktion der andern; statt px += y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax—x[hoch 2] = y[hoch 2] hat +man a—x : y, was nachher als das Verhältniß dy/dx bezeichnet zu werden +pflegte. Die Gleichung ist Gleichung der Curve, dieß Verhältniß, das +ganz von derselben abhängig, aus derselben (oben nach einer bloßen +Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit welchem gewisse +Linien in Proportion sind; p : 2y oder a—x : y sind selbst Verhältnisse +aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und den Parameters; aber +damit weiß man noch nichts. Das Interesse ist, von andern an der Kurve +vorkommenden Linien zu wissen, daß ihnen jenes Verhältniß zukommt, die +Gleichheit zweier Verhältnisse zu finden.—Es ist also zweitens die +Frage, welches die geraden, durch die Natur der Kurve bestimmten Linien +sind, welche in solchem Verhältnisse stehen?—dieß aber ist es, was +schon früher bekannt war, daß nämlich solches auf jenem Wege erhaltenes +Verhältniß das Verhältniß der Ordinate zur Subtangente ist. dieß hatten +die Alten auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern +Erfinder entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung +der Kurve so zuzurichten, daß jenes erste Verhältniß geliefert wird, +von dem bereits bekannt war, daß es einem Verhältnisse gleich ist, +welches die Linie enthält, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es +zu thun ist. Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch +gefaßt und gemacht worden,—die Differentation,—Theils aber sind die +imaginären Inkremente der Koordinaten und das imaginäre hieraus und +einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete, charakteristische +Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalität des durch die +Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhältnisses mit dem +Verhältnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas empirisch +nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als ein +Erwiesenes dargestellt werde. Die alte Bekanntschaft jedoch erweist +sich überhaupt und am unverkennbarsten in der angeführten Form von +Regeln als die einzige Veranlassung und respektive Berechtigung der +Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener Proportionalität. + +Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den +ächtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die +Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht, die +beiden Übergänge, die für die Auflösung der Aufgabe zu machen sind, zu +trennen und jede dieser Seiten für sich zu behandeln und zu erweisen. +Der eine Theil dieser Auflösung,—indem wir für die nähere Angabe des +Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die Subtangente +zu finden, bleiben,—der theoretische oder allgemeine Theil, nämlich das +Finden der ersten Funktion aus der gegebenen Kurvengleichung, wird für +sich regulirt; derselbe giebt ein lineares Verhältniß, also von geraden +Linien, die in dem Systeme der Kurvenbestimmung vorkommen. Der andere +Theil der Auflösung ist nun die Findung derjenigen Linien an der Kurve, +welche in jenem Verhältnisse stehen. Dieß wird nun auf die direkte +Weise (Théorie des Fonct. Anal. II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i. +ohne das charakteristische Dreieck, nämlich ohne unendlichkleine Bogen, +Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy +und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhältnisses und zugleich +unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate und +Subtangente selbst zu geben. Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat allein +ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks ausmacht, wie +auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen liegt. Dieß ist, +um es ini Vorbeigehen zu erwähnen, der Fundamentalsatz der analytischen +Geometrie, welcher die Coordinaten, wie, was dasselbe ist, in der +Mechanik das Parallelogramm der Kräfte herbeiführt, das eben darum der +vielen Bemühung um einen Beweis ganz unbedürftig ist.—Die Subtangente +wird nun als die Seite eines Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten +die Ordinate und die darauf sich beziehende Tangente ist. Letztere hat +als gerade Linie zu einer Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufügen ist für +die Bestimmung unnütz und wird nur um der beliebten Allgemeinheit +hinzugesetzt);—die Determination des Verhältnisses p/q fällt in a, den +Koefficienten von q, der die respective erste Funktion der Gleichung +ist, überhaupt aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als, +wie gesagt, die wesentliche Determination der geraden Linie, die als +Tangente an die Kurve applicirt ist. Indem nun ferner die erste +Funktion der Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die +Determination einer geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p +der ersten geraden Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben +genommen werden, daß also der Punkt, in welchem jene als Tangente +angenommene erste gerade die Kurve berührt, gleichfalls der +Anfangspunkt der durch die erste Funktion der Kurve bestimmten geraden +Linie ist, so kommt es darauf an, zu zeigen, daß diese zweite gerade +Linie mit der ersten zusammenfällt, d. h. Tangente ist; algebraisch +ausgedrückt, daß indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx = +Fq angenommen wird, auch f'x = F'q. Daß nun die als Tangente applicirte +gerade, und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion +determinirte gerade Linie zusammenfallen, daß die letztere also +Tangente ist; dieß wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse +und des durch die Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der +Ordinate gezeigt. Hier kommt denn also gleichfalls das berüchtigte +Increment herein; aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe +eingeführt wird, und die Entwickelung der Funktion nach demselben, muß +von dem früher erwähnten Gebrauch des Inkrements für das Finden der +Differentialgleichung und für das charakteristische Dreieck, wohl +unterschieden werden. Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und +nothwendig; er fällt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur +geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehört, daß +zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich +hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele, +durchgehen könne. Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualität der +Tangente oder Nicht-Tangente auf den Größenunterschied zurückgeführt, +und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die größere +Kleinheit—schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es +ankommt, falle. Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthält durchaus +nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem Abhängiges, sie +ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt, wenn der Unterschied +des Moments, von dem die zu vergleichende Größe abhängt, ein +Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch 2] +hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann als +ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und für sich kleiner +als i, so daß selbst die Vorstellung von einer beliebigen Größe, in der +man i nehmen könne, hier überflüssig und sogar nicht an ihrem Orte ist. +Ebendamit hat der Erweis der größern Kleinheit nichts mit einem +Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier keineswegs hereinzukommen +hat. + +Wäre es auch nur um der Schönheit und des heutigstags mehr vergessen, +aber wohlverdienten Ruhmes willen, daß ich noch Descartes +Tangentenmethode anführen will; sie hat übrigens auch eine Beziehung +auf die Natur der Gleichungen, über welche dann noch eine fernere +Bemerkung zu machen ist. Descartes trägt diese selbstständige Methode, +worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus derselben +abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch so fruchtbar +gewordenen Geometrie (liv. II. p. 357 ss. Oeuvres compl. ed. Cousin +Tom. V.) vor, indem er in derselben die große Grundlage von der Natur +der Gleichungen und deren geometrischer Konstruktion und der damit +sosehr erweiterten Analysis auf die Geometrie überhaupt, gelehrt hat. +Das Problem hat bei ihm die Form der Aufgabe, gerade Linien senkrecht +auf beliebige Orte einer Kurve zu ziehen, als wodurch Subtangente +u.s.f. bestimmt wird; man begreift die Befriedigung, die er daselbst +über seine Entdeckung, die einen Gegenstand von allgemeinem +wissenschaftlichen Interesse der damaligen Zeit betraf, und die sosehr +geometrisch ist und dadurch so hoch über den oben erwähnten bloßen +Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand, ausdrückt: j'ose dire que c'est +ceci le problème le plus utile et le plus général, non seulement que je +sache, mais même que j'aie jamais desire de savoir en géometrie.—Er +legt für die Auflösung die analytische Gleichung des rechtwinklichten +Dreiecks zu Grund, das durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf +welcher die im Probleme verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll, +dann durch diese selbst, die Normale, und drittens durch den Theil der +Achse, der durch die Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die +Subnormale, gebildet wird. Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird +nun in jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder +der Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades +(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen höhere Grade +enthalten, sich hierauf zurückführen), in welcher nur noch die eine der +veränderlichen Größen und zwar im Quadrat und in der ersten Potenz +vorkommt;—eine quadratische Gleichung, welche zunächst als eine +sogenannte unreine erscheint. Nun macht Descartes die Reflexion, daß +wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt +derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve +noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich für die +zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit +denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;—oder aber nur Eine +Gleichung mit ungleichen Werthen von x. Die Gleichung wird aber nur +Eine, für das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die Kurve +senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, daß man die beiden +Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen, diesen +also die Kurve berühren lasse. Damit aber fällt auch der Umstand der +ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen Gleichung hinweg. Bei +einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen Wurzeln nun aber ist +der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte in der ersten Potenz +enthält, das Doppelte der nur Einen Wurzel; dieß nun giebt eine +Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen gefunden sind. +Dieser Gang ist für den genialen Griff eines ächt analytischen Kopfes +anzusehen, wogegen die ganz assertorisch angenommene Proportionalität +der Subtangente und der Ordinate mit den unendlich klein seyn sollenden +sogenannten Inkrementen der Abscisse und der Ordinate ganz zurücksteht. + +Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den +Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung +gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe, welche +durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird. x[hoch +2]—ax—b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x—a = 0; oder +x[hoch 3]—px—q = 0 giebt 3x[hoch 2]—p = 0. Es bietet sich hierbei aber +die Bemerkung an, daß es sich keineswegs von selbst versteht, daß +solche abgeleitete Gleichung auch + +richtig ist. Bei einer Gleichung mit zwei veränderlichen Größen, die +darum, daß sie veränderliche sind, den Charakter unbekannte Größen zu +seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein +Verhältniß heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch das +Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der Potenzen +selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung verändert wird, und +es für sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen ihnen bei so +veränderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde. Die Gleichung +dy/dx = P drückt gar nichts weiter aus, als daß P ein Verhältniß ist, +und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn zuzuschreiben. Von diesem +Verhältniß = P ist es aber ebenso noch unbekannt, welchem andere +Verhältnisse es gleich sey; solche Gleichung, die Proportionalität, +giebt demselben erst einen Werth und Bedeutung.—Wie angegeben wurde, +daß man diese Bedeutung, was die Anwendung hieß, anderswoher, empirisch +aufnahm, so muß bei den hier in Rede stehenden durch Differentation +abgeleiteten Gleichungen anderswoher gewußt werden, ob sie gleiche +Wurzeln haben, um zu wissen, ob die erhaltene Gleichung noch richtig +sey. Dieser Umstand wird aber in den Lehrbüchern nicht ausdrücklich +bemerklich gemacht; er wird wohl dadurch beseitigt, daß eine Gleichung +mit einer unbekannten, auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird, +wodurch dann bei der Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein +Verhältniß herauskommt. Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit +Funktionen der Potenzirung oder die Differentialrechnung mit +Differentialien zu thun haben, aber daraus folgt für sich noch +keineswegs, daß die Größen, deren Differentialien oder Funktionen der +Potenzirung genommen werden, selbst auch nur Funktionen anderer Größen +seyn sollen. In dem theoretischen Theile, der Anweisung, die +Differentiale, d. i. die Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird +ohnehin noch nicht daran gedacht, daß die Größen, die nach solcher +Ableitung zu behandeln gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Größen +seyn sollen. + +Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem +Differentiiren bemerklich gemacht werden, daß dasselbe hier den Sinn +hat, daß die Konstante für die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer +Gleichheit gleichgültig ist, als welche Bestimmung durch den +Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschöpft ist. Wie im +angeführten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der +Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den +Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie überhaupt, wie die +Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist. In der +gewöhnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur +durch + und—mit den übrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch den +bloßen Mechanismus des Verfahrens, daß um das Differential eines +zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veränderlichen Größen +ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem +ursprünglichen abgezogen wird. Der Sinn der Konstanten und ihres +Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser +Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache. + +Mit dem Weglassen der Konstanten, hängt eine ähnliche Bemerkung +zusammen, die über die Namen von Differentation und Integration, +gemacht werden kann, als früher über den endlichen und unendlichen +Ausdruck gemacht wurde, daß nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das +Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt. Differentiiren +bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber +wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht, +durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit +hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veränderlichen +Größe auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben +aufgehoben. In der Integration hingegen soll die Konstante wieder +hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in dem +Sinne integrirt, daß die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln +wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird. —Der +gewöhnliche Ausdruck trägt dazu bei, die wesentliche Natur der Sache in +Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der Hauptsache +fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen Differenz, des +Increments und dergleichen, Theils der bloßen Differenz überhaupt +zwischen der gegebenen und der abgeleiteten Funktion, ohne deren +specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied zu bezeichnen, zu +stellen. + +Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul Gebrauch +gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen +Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen ihres +Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen bereits +beiläufig erwähnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen. Die +Gleichung, nämlich der mathematische Ausdruck, der +schlechtgleichförmigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die +durch offenen Räume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen +Einheit c, der Größe der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet +für die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits +vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere +Potenzenentwicklung Statt finden.—Wie s = at[hoch 2], die Gleichung der +Bewegung des Falles, analysirt wird, ist früher schon erinnert; —das +erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und resp. in +die Existenz so übersetzt, es solle ein Glied einer Summe (- welche +Vorstellung wir längst entfernt haben), der eine Theil der Bewegung +seyn und zwar solle dieser der Kraft der Trägheit, d. i. einer +schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit so zukommen, daß in den +unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichförmig, in den +endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber +ungleichförmig sey. Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a und +von t für sich bekannt, so wie daß hiermit die Bestimmung von +gleichförmiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a = +s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t überhaupt; damit aber weiß man im +geringsten nichts weiter; nur die fälschliche Annahme, daß 2at ein +Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den fälschlichen Schein +eines physikalischen Satzes. Der Faktor selbst, a, die empirische +Einheit—ein Quantum als solches—wird der Schwere zugeschrieben; wenn +die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist vielmehr zu +sagen, daß eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder besser das +Gesetz der Schwere ist.—Gleichmäßig ist der aus ds/dt = 2at abgeleitete +Satz, daß wenn die Schwere aufhörte zu wirken, der Körper mit der am +Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den doppelten Raum von +dem, welchen er durchloffen hat, in einer der Dauer seines Falles +gleichen Zeit zurücklegen würde.—Es liegt hierin auch eine für sich +schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das Ende eines +Zeittheils, in welchem der Körper gefallen, ist immer selbst noch ein +Zeittheil; wäre es kein Zeittheil, so wäre Ruhe und damit keine +Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur nach dem Raume +angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an seinem Ende, +durchloffen worden ist.—Wenn nun aber vollends in andern physikalischen +Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist, wie z.B. im Verhalten +des Lichts (außer dem, was seine Fortpflanzung im Raume genannt wird) +und Größenbestimmungen an den Farben, eine Anwendung der +Differentialrechnung gemacht wird und die erste Funktion von einer +quadratischen Funktion hier auch Geschwindigkeit genannt wird, so ist +dieß für einen noch unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von +Existenz anzusehen. -Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch +2] vorgestellt wird, finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom +Falle der Körper; die einfachste Bewegung derselben würde die seyn, +deren Gleichung s = ct[hoch 3] wäre, aber die Natur zeige keine +Bewegung dieser Art; wir wüßten nicht was der Koefficient c bedeuten +könnte. Wenn dem wohl so ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren +Gleichung s[hoch 3] = at[hoch 2] ist,—das kepplerische Gesetz der +Bewegung der Körper des Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete +Funktion 2at/[3s [hoch 2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere +direkte Behandlung dieser Gleichung durch die Differentation, die +Entwicklung der Gesetze und Bestimmungen jener absoluten Bewegung von +diesem Ausgangspunkte aus, müßte dagegen wohl als eine interessante +Aufgabe erscheinen, in welcher die Analysis im würdigsten Glanze sich +zeigen würde. + +Für sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die +elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar; +das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des +Kalkuls. Eine andre Bedeutung aber erhält die Zerlegung der Bewegung in +Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine Kurve +ist und ihre Gleichung höhere Potenzen enthält, bedarf es der Übergänge +von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng, zu den +Potenzen selbst, und indem jene aus der ursprünglichen Gleichung der +Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthält, mit Elimination der Zeit +zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die niedrigern +Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene Gleichungen +linearer Bestimmungen erhalten werden können. Diese Seite führt auf das +Interesse des andern Theils der Differentialrechnung. + +Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische Bestimmung +des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen, und dieselbe +in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen. Diese Bestimmung +hat sich ergeben darin zu bestehen, daß aus einer Gleichung von +Potenzenfunktionen der Koefficient des Entwicklungsgliedes, die +sogenannte erste Funktion gefunden, und das Verhältniß, welches diese +ist, in Momenten des konkreten Gegenstands aufgewiesen werde, durch +welche so erhaltene Gleichung zwischen den beiden Verhältnissen diese +Momente selbst bestimmt sind. Es ist ebenso von dem Princip der +Integralrechnung kurz zu betrachten, was sich aus dessen Anwendung, für +die specifische konkrete Bestimmnng derselben ergiebt. Die Ansicht +dieses Kalkuls ist dadurch schon vereinfacht und richtiger bestimmt +worden, daß er nicht mehr als Summationsmethode genommen wird, wie er +im Gegensatz gegen das Differentiiren, wo der Zuwachs als das +wesentliche Ingrediens gilt, genannt wurde, und womit er in +wesentlichem Zusammenhang mit der Form der Reihe erschien.—Die Aufgabe +dieses Kalkuls ist zunächst ebenso die theoretische oder vielmehr +formelle, als die der Differentialrechnung, bekanntlich aber die +umgekehrte von dieser;—es wird hier von einer Funktion ausgegangen, die +als abgeleitete, als der Koefficient des nächsten aus der Entwicklung +einer aber noch unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet +wird, und aus ihr soll die ursprüngliche Potenzen-Funktion gefunden +werden; die in der natürlichen Ordnung der Entwicklung als ursprünglich +anzusehende wird hier abgeleitet und die früher als abgeleitet +betrachtete ist hier die gegebene oder überhaupt die anfangende. Das +Formelle dieser Operation scheint nun aber bereits durch den +Differential-Kalkul geleistet zu seyn; indem darin überhaupt der +Übergang und das Verhältniß von der ursprünglichen zu der +Entwicklungsfunktion festgestellt ist. Wenn hierbei Theils schon um die +Funktion, von der auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Übergang +von ihr zu der ursprünglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen +Fällen zu der Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muß, so ist +zunächst festzuhalten, daß diese Form als solche mit dem +eigenthümlichen Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat. + +Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in +Rücksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben. Diese ist +nun selbst die Aufgabe, nämlich die Bedeutung in dem oben angegebenen +Sinne zu kennen, welche die ursprüngliche Funktion von der gegebenen +als ersten Funktion betrachteten eines besondern Gegenstandes hat. An +sich könnte auch diese Lehre bereits in der Differentialrechnung ganz +abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt ein weiterer Umstand ein, +der die Sache nicht so einfach seyn läßt. Indem nämlich in diesem +Kalkul sich ergeben, daß durch die erste Funktion der Gleichung einer +Kurve das Verhältniß, welches ein lineares ist, erhalten worden, so +weiß man damit auch, daß die Integration dieses Verhältnisses die +Gleichung der Kurve im Verhältnisse der Abscisse und Ordinate giebt; +oder wenn die Gleichung für die Ebene einer Kurve gegeben wäre, so +würde die Differentialrechnung über die Bedeutung der ersten Funktion +solcher Gleichung bereits gelehrt haben sollen, daß diese Funktion die +Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve +darstellte. + +Nun kömmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des +Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem +Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von da +zu den übrigen Bestimmungen des Gegenstands übergehen. Es ist z. B. +nicht die Gleichung eines Flächenraums der Kurve, noch etwa des durch +ihre Umdrehung entstehenden Körpers, noch auch eines Bogens derselben, +sondern nur das Verhältniß der Abscisse und Ordinate in der Gleichung +der Kurve selbst gegeben. Die Übergänge von jenen Bestimmungen zu +dieser Gleichung selbst können daher nicht schon in der +Differentialrechnung behandelt werden; es wird für die Integralrechnung +aufgespart, diese Verhältnisse zu finden. + +Ferner aber ist gezeigt worden, daß die Differentiirung der Gleichung +von mehreren veränderlichen Größen, die Entwicklungspotenz oder +Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als +ein Verhältniß giebt; die Aufgabe ist dann für dieß Verhältniß, welches +die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des +Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey. Dagegen ist das Object +der Integralrechnung das Verhältniß selbst der ursprünglichen zu der +abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe +ist, die Bedeutung der zu findenden ursprünglichen Funktion in dem +Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr +indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu +rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als das +Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, daß solche Bestimmung durch eine +ursprüngliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des +Gegenstandes sey, welches hierfür zur Ausgangs- (der abgeleiteten) +Funktion, angenommen werden müsse. + +Die gewöhnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als +des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; für die +Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel, +ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der +Abscisse, für das Trapez, das zu einer seiner Seiten den +unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse +gegenüberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne +integrirt, daß das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze, die +Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, nämlich die endliche Größe jenes +Elements der Ebene gebe. Ebenso formirt sie aus den Unendlichkleinen +des Bogens, und der dazu gehörigen Ordinate und Abscisse ein +rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes Bogens gleich +sey der Summe der Quadrate der beiden andern Unendlichkleinen, deren +Integration den Bogen als einen endlichen giebt. + +Dieß Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete der +Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der Weise, +daß die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu einer +gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in dem +Verhältniß der sogenannten ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten +steht. Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein gewisser Theil eines +mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve) als die abgeleitete +Funktion angenommen werde, welcher andere Theil desselben durch die +entsprechende ursprüngliche Funktion ausgedrückt ist. Man weiß, daß +wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene Funktion der Ordinate +als abgeleitete Funktion genommen wird, die relativ ursprüngliche +Funktion der Größenausdruck der von dieser Ordinate abgeschnittenen +Area der Kurve ist, daß wenn eine gewisse Tangentenbestimmung als +abgeleitete Funktion angesehen wird, die ursprüngliche Funktion +derselben die Größe des zu dieser Tangentenbestimmung gehörigen Bogens +ausdrückt, u. s. f. daß nun aber diese Verhältnisse, das eine einer +ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten, das andere von den Größen +zweier Theile oder Umstände des mathematischen Gegenstandes, eine +Proportion bilden, dieß zu erkennen und zu beweisen, erspart sich die +Methode, die das Unendlichkleine und die mechanische Operation mit +demselben gebraucht. Das eigenthümliche Verdienst des Scharfsinns ist, +aus den anderwärts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu +haben, daß gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes, +in dem Verhältnisse von ursprünglicher und von abgeleiteter Funktion +stehen. + +Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie bestimmt +worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem Kalkul die +gegebene, relativ gegen die ursprüngliche, als welche erst aus jener +durch die Integration, gefunden werden soll. Allein sie ist nicht +unmittelbar gegeben, noch ist es für sich schon gegeben, welcher Theil +oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die abgeleitete +Funktion angesehen werden soll, um durch Zurückführung derselben auf +die ursprüngliche den andern Theil oder Bestimmung zu finden, deren +Größe das Problem verlangt. Die gewöhnliche Methode, die, wie gesagt, +sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als unendlich klein, in der +Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt, welche sich aus der +ursprünglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes überhaupt durch die +Differentiirung bestimmen lassen, (—wie für die Rektifikation einer +Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und Ordinaten), nimmt dafür +solche, welche sich mit dem Gegenstande des Problems, (in dem +Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein vorgestellt wird, +in eine Verbindung bringen lassen, die in der Elementar-Mathematik +festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile bekannt sind, auch +dieser bestimmt ist, dessen Größe zu finden aufgegeben ist; so werden +für die Rektifikation die angegebenen drei Unendlichkleinen in die +Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks gebracht, für +die Quadratur die Ordinate mit der unendlichkleinen Abscisse in die +Verbindung eines Produkts, indem eine Ebene überhaupt arithmetisch als +Produkt von Linien angenommen ist. Der Übergang von solchem sogenannten +Elemente der Ebene, des Bogens u.s.f. zur Größe der Ebene, des Bogens +u.s.f. selbst, gilt dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen +Ausdruck zum endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente, +aus denen die verlangte Größe bestehen soll. + +Es kann daher nur oberflächlich gesagt werden, daß die Integralrechnung +bloß das umgekehrte, überhaupt jedoch schwierigere Problem der +Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der Integralrechnung +geht vielmehr ausschließlich auf das Verhältniß der ursprünglichen und +der abgeleiteten Funktion in den konkreten Gegenständen, zu einander. + +Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf +eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise jener +direkten Annahmen abzuthun. Es wird zur Erläuterung der Natur der Sache +beitragen, gleichfalls das Nähere seines Verfahrens aus einigen wenigen +Beispielen anzugeben. Dasselbe macht es sich eben zur Aufgabe, für sich +zu beweisen, daß zwischen besondern Bestimmungen eines mathematischen +Ganzen z.B. einer Kurve, ein Verhältniß von der ursprünglichen zu der +abgeleiteten Funktion Statt finde. Dieß kann nun aber in diesem Felde +vermöge der Natur des Verhältnisses selbst, welches am mathematischen +Gegenstande, krumme mit geraden Linien, lineare Dimensionen und +Funktionen derselben mit Ebenen-Flächen-Dimensionen und deren Funktion +u.s.f. also qualitativ verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf +direkte Weise bewerkstelligt werden, die Bestimmung läßt sich so nur +als die Mitte zwischen einem Größern und Kleinern auffassen. Hiermit +tritt von selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und +Minus ein, und das rüstige: Développons, ist an seiner Stelle; aber wie +die Zuwächse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon +ist vorhin gesprochen worden. Aus der Entwicklung jener Bedingung, daß +die zu bestimmende Größe größer als die eine leicht bestimmbare Grenze +und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet, daß die +Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der Funktion +der Area ist. + +Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird, +indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse, die +Übersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern +Analysis einzusehen, + +was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die +andere Art mechanisch betriebenen Geschäftes thun läßt. Die +Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das +archimedische Princip, daß der Bogen einer Kurve größer ist, als seine +Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des Bogens, +gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und ihrem +Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte Gleichung. Die +Übertragung jener archimedischen Grundbestimmung in die moderne +analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der für sich eine +einfache Grundgleichung sey, während jene Form nur die Forderung +aufstellt, zwischen einem zu Großen und zu Kleinen, die sich jedesmal +bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches Fortgehen wieder +immer nur ein neues zu Großes und ein neues zu Kleines jedoch in immer +engern Grenzen giebt. Vermittelst des Formalismus des Unendlichkleinen +wird sogleich die Gleichung dz[hoch 2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2] +angesetzt. Die lagrangesche Exposition ausgehend von der angegebenen +Grundlage zeigt hingegen auf, daß die Größe des Bogens die +ursprüngliche Funktion ist zu einer abgeleiteten, von der das +eigenthümliche Glied selbst eine Funktion aus dem Verhältnisse einer +abgeleiteten zu der ursprünglichen der Ordinate ist. + +Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann später in der +kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstände, die Vorstellung +vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist dieß so oft als eine Autorität +für den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem Differentialkalkul +gemacht wird, angeführt worden, ohne daß das Eigenthümliche und +Unterscheidende herausgehoben worden wäre. Das Unendlichkleine bedeutet +zunächst die Negation des Quantums als eines solchen, d. i. eines +sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten Bestimmtheit, wie sie +das Quantum als solches hat. Ebenso ist in den darauf folgenden +berühmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a., die sich auf die +Betrachtung der Verhältnisse geometrischer Gegenstände gründen, die +Grundbestimmung, daß das Quantum als solches der Bestimmungen, welche +nur im Verhältnisse zunächst betrachtet werden, für diesen Behuf auf +die Seite gestellt und sie hiernach als ein Nicht-Großes sollen +genommen werden. Aber Theils ist hiermit das Affirmative überhaupt, +welches hinter der bloß negativen Bestimmung liegt, nicht erkannt und +herausgehoben, welches sich oben abstrakt als die qualitative +Größebestimmtheit, und diese bestimmter in dem Potenzenverhältnisse +liegend, sich ergeben hat;—Theils aber, indem dieß Verhältniß selbst +wieder eine Menge näher bestimmter Verhältnisse in sich begreift, wie +das einer Potenz und deren Entwicklungsfunktion, so haben sie auch +wieder auf die allgemeine und negative Bestimmung desselben +Unendlichkleinen gegründet und daraus abgeleitet werden sollen. In der +eben ausgehobenen lagrangeschen Exposition ist das bestimmte +Affirmative, das in der archimedischen Entwicklungsweise der Aufgabe +liegt, gefunden und damit dem mit einem unbegrenzten Herausgehen +behafteten Verfahren seine richtige Grenze gegeben worden. Das Große +der modernen Erfindung für sich und ihre Fähigkeit vorher intraktable +Probleme zu lösen, und die früher lösbaren auf eine einfache Weise zu +behandeln, ist allein in die Entdeckung des Verhältnisses der +ursprünglichen zu den sogenannten abgeleiteten und der Theile, welche +an dem mathematischen Ganzen in solchem Verhältnisse stehen, zu setzen. +Die gemachten Anführungen mögen für den Zweck genügen, das +Eigenthümliche des Verhältnisses von Größen herauszuheben, welches der +Gegenstand der in Rede stehenden besondern Art des Kalkuls ist. Diese +Anführungen konnten sich auf einfache Probleme und deren +Auflösungsweisen beschränken; und weder wäre es für die +Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war, zweckmäßig +gewesen, noch hätte es in dem Vermögen des Verfassers gestanden, den +gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der Differential- und +Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, daß das aufgezeigte +Princip derselben zu Grunde liege, durch die Zurückführung aller ihrer +Probleme und deren Lösungen darauf, zu vervollständigen. Das +Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, daß wie jede besondere +Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder Verhältniß der Größe zu +ihrem Gegenstande hat, und ein solches das Addiren, Multipliciren, das +Erheben in Potenzen und Ausziehen der Wurzeln, die Rechnung mit +Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt, ebenso der Differential- und +Integralkalkul; für das diesem Kalkul Angehörige möchte der Name des +Verhältnisses einer Potenzenfunktion und der Funktion ihrer Entwicklung +oder Potenzirung der passendste seyn, weil er der Einsicht der Natur +der Sache am nächsten liegt. Nur wie die Operationen nach den andern +Größenverhältnissen, wie Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul überhaupt +gleichfalls gebraucht werden, werden auch die Logarithmen—Kreisund +Reihen-Verhältnisse angewendet, insbesondere um Ausdrücke zum Behuf der +erforderlichen Operationen des Ableitens der ursprünglichen aus den +Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen. Mit der Reiheform hat die +Differential- und Integralrechnung wohl das nähere Interesse +geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen +die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das +Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhältniß der ursprünglichen +Funktion zu dem nächsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will die +Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen sind, +geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen. Das Unendliche, +das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte Ausdruck des +Negativen des Quantums überhaupt, hat mit der affirmativen Bestimmung, +welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt, nichts gemein. Ebenso ist +das Unendlichkleine, als der Zuwachs, vermittelst dessen die +Entwicklung in die Form der Reihe fällt, nur ein äußeres Mittel für die +Entwickelung, und seine sogenannte Unendlichkeit ohne alle andere +Bedeutung, als die, sonst gar keine zu haben, als die jenes Mittels; +die Reihe, da sie in der That es nicht ist, die verlangt wird, führt +ein Zuviel herbei, welches wieder wegzubringen, die überflüssige Mühe +macht. Von dieser Mühe ist die Methode Lagrange's, der die Form der +Reihe vorzugsweise wieder aufgenommen hat, gleichfalls gedrückt; +obgleich sie es ist, durch welche in dem, was die Anwendung genannt +wird, die wahre Eigenthümlichkeit sich heraushebt, indem ohne die +Formen von dx, dy u. s.f. in die Gegenstände hinein zu zwängen, direkt +derjenige Theil nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der +abgeleiteten (- Entwickelungs—) Funktion zukommt, und es sich damit +zeigt, daß die Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich +handelt.[13] + + [13] In der obenangeführten Kritik (Jahrb. für wissensch. Krit. II. B. + 1827. Nr. 155. 6. folg.) finden sich interessante Äußerungen eines + gründlichen Gelehrten des Faches, Um. Spehr's, aus seinen neuen + Principien des Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angeführt, die + nämlich einen Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten + und dem Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und + stimmen mit dem überein, was über das allgemeine Verhältniß der + Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heißt es daselbst, + "rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen + ähnlichen zunächst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht von + der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese Untersuchungen + wohl gar, wie Lagrange, für die Sache selbst gehalten, während man + diese nur als Anwendung jener ansah. Diese arithmetischen + Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation, die Ableitung + des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die verschiedenen + Integrationsmethoden in sich. Es ist ganz umgekehrt der Fall, jene + Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der eigentlichen + Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene arithmetischen + Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der Analysis voraus."—Es + ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die Trennung der sogenannten + Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen Theils, das von den Reihen + ausgeht, eben dazu dient, die eigenthümliche Sache der + Differ.-Rechnung für sich zum Vorschein zu bringen. Aber bei der + interessanten Einsicht des Hrn. Vfs., daß eben die sogenannten + Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der eigentlichen + Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie derselbe sich in + die (ebendas. angeführte) formelle Metaphysik von kontinuirlicher + Größe, Werden, Fließen u.s.f. hat einlassen und solchen Ballast noch + mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind diese Bestimmungen, + indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche eben das Specifische + der Sache nicht angeben, die aus den konkreten Lehren, den + Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war. + + +Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit +zusammenhängende Formen. + +Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem affirmativen +Sinn als die qualitative Größenbestimmtheit, und von dieser näher +aufgezeigt worden, daß sie in diesem Kalkul als Potenzenbestimmtheit +nicht nur überhaupt, sondern als die besondere des Verhältnisses einer +Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz vorhanden ist. Die +qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in weiterer, so zu sagen, +schwächerer Form vorhanden, und diese, wie auch der damit +zusammenhängende Gebrauch des Unendlichkleinen und dessen Sinn in +diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung betrachtet werden. + +Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Rücksicht +zuerst daran zu erinnern, daß die unterschiedenen Potenzenbestimmungen +von der analytischen Seite zunächst so hervortreten, daß sie nur +formell, und ganz homogen darin sind, daß sie Zahlengrößen bedeuten, +die als solche jene qualitative Verschiedenheit gegeneinander nicht +haben. Aber in der Anwendung auf räumliche Gegenstände zeigt sich das +analytische Verhältniß ganz in seiner qualitativen Bestimmtheit, als +das Übergehen von linearen zu Flächenbestimmungen, von geradlinigten zu +krummlinigten u.s.f. Diese Anwendung bringt es ferner mit sich, daß die +räumlichen ihrer Natur nach in Form von kontinuirlichen Größen +gegebenen Gegenstände in diskreter Weise gefaßt werden, die Fläche also +als eine Menge von Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f. +Diese Auflösung hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die +Linie, die Linien, in welche die Fläche u.s.f. aufgelöst ist, selbst zu +bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich +arithmetisch fortgehen zu können; diese Ausgangspunkte sind für die zu +findenden Größebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion und +Gleichung für das Konkrete, die kontinuirliche Größe, abgeleitet werden +soll. Für die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse zeigt, dieß +Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente für den Ausgang ein für sich +selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt ist, indem er +im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen welchen das +Fürsichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe. Das Resultat +läuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn sich nur das +Gesetz des weitern Fortbestimmens finden läßt, ohne die geforderte +vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen zu können. +Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken jener +Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte gemacht +zu haben. Seine Erklärung, wie er den ersten Satz in Archimed's +Kreismessung verstehe, drückt dieß auf eine einfache Weise aus. Der +erste Satz Archimed's ist bekanntlich, daß der Kreis einem +rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem +Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist. Indem +Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, daß die Peripherie des Kreises +ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe, deren jeder +als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks betrachtet werden +könne, u.s.f., so spricht er die Auflösung des Kontinuirlichen in die +Form des Diskreten aus. Der Ausdruck des Unendlichen, der hierbei +vorkommt, ist noch weit entfernt von der Bestimmung, die er in dem +Differentialkalkul haben soll.—Wenn nun für solche diskrete eine +Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so sollen sie ferner +zusammengefaßt werden, wesentlich als Elemente des Kontinuirlichen +seyn. Da aber eine Summe von Punkten keine Linie, eine Summe von Linien +keine Fläche giebt, werden die Punkte schon sogleich als lineare +genommen, wie die Linien als flächenhafte. Weil jedoch zugleich jene +Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie seyn würden, wenn sie +als Quantum genommen würden, so werden sie als unendlich klein +vorgestellt. Das Diskrete ist nur eines äußerlichen Zusammenfassens +fähig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem Eins behalten; der +analytische Übergang von denselben geschieht nur zu ihrer Summe, er ist +nicht zugleich der geometrische von dem Punkte in die Linie, oder von +der Linie in die Fläche u.s.f.; dem Elemente, das als Punkt oder als +Linie seine Bestimmung hat, wird daher zugleich auch mit jenem die +lineare, dieser die Flächenqualität gegeben, damit die Summe als von +kleinen Linien eine Linie, als von kleinen Flächen eine Fläche werde. + +Das Bedürfniß, dieß Moment des qualitativen Übergangs zu erhalten und +dafür zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muß als die +Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie jene +Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die größte +Schwierigkeit sind. Diese Nothhülfe entbehrlich zu machen, müßte +gezeigt werden können, daß in dem analytischen Verfahren selbst, +welches als ein bloßes Summiren erscheint, in der That schon ein +Multipliciren enthalten ist. Aber in dieser Rücksicht tritt eine neue +Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer +Verhältnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, nämlich daß +das arithmetische Multipliciren auch für die geometrische Bestimmung +ein Übergang in eine höhere Dimension,—die arithmetische Multiplikation +von Größen, die ihrer räumlichen Bestimmungen nach Linien sind, +zugleich eine Produktion des Linearen zur Flächenbestimmung sey; 3mal 4 +lineare Fuße giebt 12 lineare Fuße, aber 3 lineare Fuße, mal 4 linearen +Fußen giebt 12 Flächenfuße und zwar Quadratfuße, indem die Einheit in +beiden als diskreten Größen dieselbe ist. Die Multiplikation von Linien +mit Linien bietet sich zunächst als etwas Widersinniges dar, insofern +die Multiplikation überhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veränderung +von solchen ist, welche mit dem, in das sie übergehen, mit dem Produkte +ganz homogen sind, und nur die Größe verändern. Dagegen ist das, was +Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hieße,—es ist, ductus +lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch +ductus puncti in lineam—eine Veränderung nicht bloß der Größe, sondern +ihrer als qualitativer Bestimmung der Räumlichkeit, als einer +Dimension; das Übergehen der Linie in Fläche ist als Außersichkommen +derselben zu fassen, wie das Außersichkommen des Punktes die Linie, der +Fläche ein ganzer Raum ist. Es ist dieß dasselbe, was so vorgestellt +wird, daß die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey; aber die +Bewegung schließt die Zeitbestimmung ein, und erscheint so in jener +Vorstellung mehr nur als eine zufällige, äußerliche Veränderung des +Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die als Außersichkommen +ausgedrückt worden, zu nehmen,—die qualitative Veränderung, und welche +arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit (als des Punktes u.s.f.) in +die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.—Es kann hiezu noch bemerkt +werden, daß bei dem Außersichkommen der Fläche, was als ein +Multipliciren von Fläche in Fläche erscheinen würde, sich der Schein +eines Unterschiedes des arithmetischen und geometrischen Producirens so +ergiebt, daß das Außersichkommen der Fläche, als ductus plani in planum +arithmetisch eine Multiplikation der zweiten Dimensionsbestimmung mit +solcher, hiermit ein Product von vier Dimensionen gäbe, das aber durch +die geometrische Bestimmung auf drei herabgesetzt wird. Wenn auf der +einen Seite die Zahl darum, weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die +feste Bestimmung für das äußerliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr +Produciren formell; 3. 3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst +producirend ist 3. 3. 3. 3; aber dieselbe Größe als Flächenbestimmung +sich producirend wird bei 3. 3. 3 zurückgehalten, weil der Raum als ein +Hinausgehen vom Punkte, der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt, +seine wahrhafte Grenze, als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in +der dritten Dimension hat. Der angeführte Unterschied könnte sich in +Rücksicht der freien Bewegung, worin die eine die räumliche Seite, +unter der geometrischen Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3] +: t[hoch 2]), die andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen +steht, von Wirksamkeit zeigen. + +Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande der +vor. Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von selbst +erhellen. In dieser lag das Qualitative in der Potenzenbestimmtheit; +hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur als Faktor arithmetisch +gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die Linie, Linie gegen Fläche +u.s.f. Der qualitative Übergang nun, der von dem Diskreten, als in +welches die kontinuirliche Größe aufgelöst vorgestellt wird, zu dem +Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein Summiren bewerkstelligt. + +Daß aber die angebliche bloße Summation in der That eine +Multiplikation, also den Übergang von der linearen in die +Flächenbestimmung in sich selbst enthält, erscheint am einfachsten in +der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, daß der Flächeninhalt eines +Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden gegenüberstehenden +parallelen Linien in die halbe Höhe. Diese Höhe wird nur als die Anzahl +von einer Menge diskreter Größen vorgestellt, welche summirt werden +sollen. + +Diese Größen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei begrenzenden +Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn sie sollen die +Fläche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein Flächenhaftes zu +seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden müssen. Um der +Schwierigkeit zu entgehen, daß eine Summe von Linien eine Fläche geben +sollte, werden Linien sogleich als Flächen aber gleichfalls als +unendlich dünne angenommen, denn ihre Determination haben sie allein in +dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes. Als parallel und +durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des Trapezes begrenzt, +können sie als die Glieder einer arithmetischen Progression vorgestellt +werden, deren Differenz dieselbe überhaupt ist, aber nicht bestimmt zu +werden braucht, und deren erstes und letztes Glied jene beiden +Parallelen sind; die Summe solcher Reihe ist bekanntlich das Produkt +jener Parallelen in die halbe Anzahl der Glieder. Dieß letzte Quantum +ist nur ganz relativ auf die Vorstellung von den unendlich vielen +Linien Anzahl genannt; es ist die Größebestimmtheit überhaupt eines +Kontinuirlichen,—der Höhe. Es ist deutlich, daß was Summe heißt, +zugleich ein ductus lineae in lineam, Multipliciren von Linearem mit +Linearem, nach obiger Bestimmung ein Hervorgehen von Flächenhaftem ist. +In dem einfachsten Falle nun eines Rektangels überhaupt a b ist jeder +der beiden Faktoren eine einfache Größe, aber schon in dem weitern +selbst elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das +Einfache der halben Höhe, der andere dagegen wird durch eine +Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen +Größebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine +Reihe ausgedrückt werden kann, so heißt analytisch, d. h. arithmetisch +das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment darin aber ist +die Multiplikation, das Qualitative des Übergangs aus der Dimension der +Linie in die Fläche; der eine Faktor ist diskret nur für die +arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und ist für sich, +wie dieser, die Größe eines Linearen. + +Das Verfahren, Flächen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber +auch häufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu +Behufe des Resultates Statt hat. Dieß geschieht, wo es nicht darum zu +thun ist, die Größe in der Gleichung als Quantum anzugeben, sondern in +einer Proportion. Es ist z.B. eine bekannte Art zu zeigen, daß eine +Kreisfläche sich zur Fläche einer Ellipse, deren große Achse der +Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die große zur kleinen Achse, +indem jede dieser Flächen als die Summe der ihr zugehörigen Ordinaten +genommen wird; jede Ordinate der Ellipse verhält sich zu der +entsprechenden des Kreises wie die kleine zur großen Achse, also wird +geschlossen, verhalten auch die Summen der Ordinaten d. i. die Flächen +ebenso. Diejenigen, welche dabei die Vorstellung der Fläche als eine +Summe von Linien vermeiden wollen, machen die Ordinaten mit der +gewöhnlichen ganz überflüssigen Aushülfe zu Trapezen von unendlich +kleiner Breite; da die Gleichung nur eine Proportion ist, kommt nur das +Eine der zwei linearen Elemente der Fläche in Vergleichung. Das andere, +die Abscissenachse, ist in Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor +arithmetischer Größebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die +Proportion daher ganz nur von dem Verhältniß des einen bestimmenden +Moments abhängig. Zur Vorstellung der Fläche sind die zwei Dimensionen +nothwendig; aber die Größebestimmung, wie sie in jener Proportion +angegeben werden soll, geht nur auf das eine Moment allein; der +Vorstellung damit nachgeben oder aufhelfen, daß die Vorstellung von +Summe zu diesem einen Momente hinzugefügt wird, ist eigentlich eine +Verkennung dessen, worauf es hier für die mathematische Bestimmtheit +ankömmt. + +Was hier auseinandergesetzt worden, enthält auch das Kriterium für die +früher erwähnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit +ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen +nicht bedarf. Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Fläche, +oder Quadrate, Kreisflächen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f. +betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundfläche nennt +er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe das +erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene Untheilbaren +parallel, also in gleicher Bestimmung in Rücksicht der Figur +betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun, (Exerc. +Geometr. VI.—das spätere Werk-Exerc. I. p. 6.), daß alle sowohl ebene, +als körperliche Figuren im Verhältnisse aller ihrer Indivisibilien +sind, diese kollektive und wenn etwa ein gemeinschaftliches Verhältniß +in solchen Statt findet, distributive mit einander verglichen."—Er +vergleicht zu diesem Behufe in den Figuren von gleicher Grundlinie und +Höhe gemacht, die Verhältnisse von den Linien, die parallel mit jener +und in gleicher Entfernung mit ihr gezogen werden; alle solche Linien +einer Figur haben eine und dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen +Inhalt aus. Auf solche Weise beweist Cavalleri z.B. auch den +elementarischen Satz, daß Parallelogramme von gleicher Höhe im +Verhältnisse ihrer Grundlinie sind; jede zwei Linien, in gleicher +Entfernung von der Grundlinie und mit ihr parallel, in beiden Figuren +gezogen, sind in demselben Verhältnisse der Grundlinien, also die +ganzen Figuren. In der That machen die Linien nicht den Inhalt der +Figur als kontinuirlicher aus, aber den Inhalt, insofern er +arithmetisch bestimmt werden soll; das Lineare ist sein Element, durch +welches allein die Bestimmtheit desselben gefaßt werden muß. + +Wir werden hierbei darauf geführt, auf den Unterschied zu reflektiren, +der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer +Figur fällt, nämlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Höhe der +Figur, oder ist sie äußere Grenze. Insofern sie als äußere Grenze ist, +giebt man zu, daß der Gleichheit oder dem Verhältnisse der Grenze die +Kontinuität der Figur so zu sagen folgt; z.B. die Gleichheit der +Figuren, die sich decken, beruht darauf, daß die begrenzenden Linien +sich decken. Bei Parallelogrammen aber von gleicher Höhe und Grundlinie +ist nur die letztere Bestimmtheit eine äußere Grenze; die Höhe, nicht +die Paralleleität überhaupt, auf welcher die zweite Hauptbestimmung der +Figuren, ihr Verhältniß, beruht, führt ein zweites Princip der +Bestimmung zu den äußern Grenzen herbei. Der euklidische Beweis von der +Gleichheit der Parallelogramme, die gleiche Höhe und Grundlinie haben, +führt sie auf Dreiecke zurück, auf äußerlich begrenzte Kontinuirliche; +in Cavalleri's Beweis, zunächst über die Proportionalität von +Parallelogrammen, ist die Grenze Größebestimmtheit als solche +überhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem +Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird, +Diese gleichen oder in gleichem Verhältniß mit der Grundlinie stehenden +Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem Verhältnisse +stehenden Figuren. Die Vorstellung eines Aggregats von Linien geht +gegen die Kontinuität der Figur; allein die Betrachtung der Linien +erschöpft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt, vollkommen Cavalleri +giebt häufige Antwort auf die Schwierigkeit, als ob die Vorstellung von +den Untheilbaren es mit sich führe, daß der Anzahl nach unendliche +Linien oder Ebenen verglichen werden sollen, (Geom. Lib. II. Prop. 1. +Schol.); er macht den richtigen Unterschied, daß er nicht die Anzahl +derselben, welche wir nicht kennen,—d. i. vielmehr die, wie bemerkt +worden, eine zu Hülfe genommene leere Vorstellung ist,—sondern nur die +Größe, d. i. die quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von +diesen Linien eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser +in Grenzen eingeschlossen ist, ist auch jene seine Größe in dieselben +Grenzen eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die +Untheilbaren selbst, sagt er; wäre es etwas außer diesen, so wäre es +nicht vergleichbar; es würde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte +Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar. + +Man sieht, daß Cavalleri dasjenige, was zur äußerlichen Existenz des +Kontinuirlichen gehört, von demjenigen unterscheiden will, worin dessen +Bestimmtheit fällt und das für die Vergleichung und zum Behufe von +Theoremen über dasselbe allein herauszuheben ist. Die Kategorien, die +er dabei gebraucht, daß das Kontinuirliche aus den Untheilbaren +zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht +genügend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie +vorhin gesagt, dessen äußerliche Existenz, zugleich in Anspruch +genommen wird; statt zu sagen, "daß das Kontinuirliche nichts anderes +ist, als die Untheilbaren selbst," würde es richtiger und damit auch +sogleich für sich klar heißen, daß die Größebestimmtheit des +Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst. +—Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, daß es +größere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, daß +die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen +werde, und drückt weiterhin (Geom. Lib. VII. Praef.) das bestimmtere +Bewußtseyn aus, daß er durch seine Beweisart keineswegs zur Vorstellung +der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem Untheilbaren genöthigt +sey; die Kontinuirlichen folgen nur der Proportion der Untheilbaren. Er +habe die Aggregate der Untheilbaren nicht so genommen, wie sie in die +Bestimmung der Unendlichkeit, um einer unendlichen Menge von Linien +oder Ebenen willen, zu verfallen scheinen, sondern insofern sie eine +bestimmte Beschaffenheit und Natur der Begrenztheit an ihnen haben. Um +denn aber doch diesen Stein des Anstoßes zu entfernen, läßt er sich die +Mühe nicht verdrießen, noch in dem eigens dafür hinzugefügten siebenten +Buche, die Hauptsätze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche +von der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.—Diese Manier +reducirt die Beweise auf die vorhin angeführte, gewöhnliche Form des +Deckens der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der +Bestimmtheit als äußerer Raumgrenze. + +Über diese Form des Deckens kann zunächst noch diese Bemerkung gemacht +werden, daß sie überhaupt eine so zu sagen kindliche Hülfe für die +sinnliche Anschauung ist. In den elementarischen Sätzen über die +Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem von +ihren je sechs Stücken gewisse drei als gleich groß mit den +entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird +gezeigt, daß solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes auch +die übrigen drei Stücke gleich groß mit denen des andern habe, —weil +sie vermöge der Gleichheit nach jenen drei ersten einander decken. Die +Sache abstrakter gefaßt, so ist eben um dieser Gleichheit jeden Paars +der in beiden einander entsprechenden Stücke, nur Ein Dreieck +vorhanden; in diesem sind drei Stücke als bereits bestimmt angenommen, +woraus denn die Bestimmtheit auch der drei übrigen Stücke folgt. Die +Bestimmtheit wird auf diese Weise als in drei Stücken vollendet +aufgezeigt; für die Bestimmtheit als solche sind somit die drei übrigen +Stücke ein Überfluß, der Überfluß der sinnlichen Existenz, d. i. der +Anschauung der Kontinuität. In solcher Form ausgesprochen, tritt hier +die qualitative Bestimmtheit im Unterschiede von dem hervor, was in der +Anschauung vorliegt, dem Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das +Decken läßt diesen Unterschied nicht zum Bewußtseyn kommen. + +Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie bemerkt +worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der Winkel Theils +die Höhe der Figuren ein, von welcher letztern deren äußere Grenzen, +die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind. Hierbei kommt die +Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen Figuren außer der +Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie, welche als äußere Grenze +ist, für die andere Bestimmtheit, die andere äußere Grenze, nämlich die +andere Seite des Parallelogramms, oder aber die Höhe zu nehmen ist. Bei +zwei solchen Figuren von einerlei Grundlinie und Höhe, wovon das eine +rechtwinklich ist, das andere sehr spitze, damit zu den +gegenüberstehenden sehr stumpfe Winkel hat, kann der Anschauung +letzteres leicht größer scheinen, als das erstere, insofern sie die +vorliegende große Seite desselben als bestimmend nimmt, und nach der +Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach einer Menge von +parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten werden können, +vergleicht; die größere Seite könnte als eine Möglichkeit von mehrern +Linien, als die senkrechte Seite des Rechtecks giebt, angesehen werden. +Solche Vorstellung giebtjedoch keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode +an die Hand; denn die in beiden Parallelogrammen für die Vergleichung +vorgestellte Menge von parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer +Entfernung von einander oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus +folgt, daß die Höhe, und nicht die andere Seite des Parallelogramms, +das andere bestimmende Moment ist. Dieß ändert sich aber ferner, wenn +zwei Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher +Höhe und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu +einer dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die +parallelen Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene +durch sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt, +nicht mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind +einander ungleich. Cavalleri macht sehr sorgfältig auf diesen +Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und +transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit. I. n. +XII. ff. wie schon in der Geometr. I. II.) auf merksam, und schneidet +damit oberflächlichen Mißverstand ab, der nach dieser Seite entstehen +könnte. Ich erinnere mich, daß Barrow in seinem obenangeführten Werke +(Lect. Geom. II. p. 21), indem er die Methode der Untheilbaren +gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der von ihm aus auf +seinen Schüler Newton und die sonstigen mathematischen Zeitgenossen, +darunter auch Leibnitz, übergegangenen Annahme der Gleichsetzbarkeit +eines krummlinigten Dreiecks, wie das sogenannte charakteristische ist, +mit einem geradlinigten, insofern beide unendlich d. h. sehr klein +seyen, versetzt und verunreinigt hat, —einen eben dahin gehenden +Einwurf Tacquet's, eines damaligen in neuen Methoden gleichfalls +thätigen, scharfsinnigen Geometers, anführte. Die von diesem gemachte +Schwierigkeit bezieht sich ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei +Berechnung konischer und sphärischer Oberflächen als Grundmoment der +Bestimmung für die auf Anwendung des Diskreten gestützte Betrachtung +genommen werden solle. Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren +ein, daß wenn die Oberfläche eines rechtwinklichten Kegels berechnet +werden solle, so werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des +Kegels als zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie +parallelen auf die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche +zugleich die Radien der Kreise sind, aus denen die Oberfläche des +Kegels bestehe. Wenn nun diese Oberfläche als Summe der Peripherien, +und diese Summe aus der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Größe der Achse, +der Höhe des Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der +sonst von Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch. +Barrow zeigt nun dagegen, daß für die Bestimmung der Oberfläche nicht +die Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige +Linie genommen werden müsse, deren Umdrehung die Oberfläche erzeuge, +und welche daher, und nicht die Achse, als die Größebestimmtheit für +die Menge der Peripherien angenommen werden müsse. + +Dergleichen Einwürfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in +der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von +Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Fläche u. +s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die +wesentliche Größebestimmtheit der Linien oder Flächen in Schatten +gestellt.—Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die +affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der von +dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen im +Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulosität +hervorzuheben, in welche sie durch jene bloß negativ gehaltene +Kategorie gehüllt werden. Bei der unendlichen Reihe, wie in der +archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter, als +daß das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der sogenannte +endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben, die +Zurückführung des Bogens auf die gerade Linie nicht bewerkstelligt +werden kann; diese Inkommensurabilität ist die qualitative +Verschiedenheit derselben. Die qualitative Verschiedenheit des +Diskreten mit dem Kontinuirlichen überhaupt, enthält gleichfalls eine +negative Bestimmung, welche sie als inkommensurabel erscheinen läßt, +und das Unendliche herbeiführt, in dem Sinne, daß das als diskret zu +nehmende Kontinuirliche nun kein Quantum nach seiner kontinuirlichen +Bestimmtheit mehr haben soll. Das Kontinuirliche, das arithmetisch als +Produkt zu nehmen ist, ist damit diskret an ihm selbst gesetzt, nämlich +in die Elemente, die seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt +seine Größebestimmtheit; sie sind als ebendamit, daß sie diese Faktoren +oder Elemente sind, von einer niedrigern Dimension, und insofern die +Potenzenbestimmtheit eintritt, von einer niedrigern Potenz als die +Größe, deren Elemente oder Faktoren sie sind. Arithmetisch erscheint +dieser Unterschied als ein bloß quantitativer, der Wurzel und der +Potenz oder welcher Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der +Ausdruck nur auf das Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2] +oder d.a[hoch 2] = 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder für das Gesetz des +Falles, t : at[hoch 2] so giebt er die nichtssagenden Verhältnisse von +1 : a, 2 : a, 1: at; die Seiten müßten gegen ihre bloß quantitative +Bestimmung durch die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander +gehalten werden, wie s : at[hoch]2; wodurch die Größe als eine Qualität +ausgesprochen wird, als Funktion der Größe einer andern Qualität. +Hierbei steht dann bloß die quantitative Bestimmtheit vor dem +Bewußtseyn, mit der nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und +man kann kein Arges daran haben, die Größe einer Linie mit der Größe +einer andern Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser +selben Größen giebt zugleich die qualitative Veränderung des Überganges +von Linie in Fläche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie +ist es, welche die Schwierigkeit veranlaßt, die durch die Einsicht in +ihre Eigenthümlichkeit und in die einfache Natur der Sache gelöst, aber +durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll, +vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgelöst erhalten +wird. + + + + +Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß. + + +Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, daß sie das +negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat. Dieß +Jenseits ist das Qualitative überhaupt. Das unendliche Quantum ist als +die Einheit beider Momente, der quantitativen und der qualitativen +Bestimmtheit, zunächst Verhältniß. + +Im Verhältnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgültige +Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen +auf sein Jenseits. Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist +zunächst ein anderes Quantum überhaupt. Aber wesentlich sind sie nicht +als äußerliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat seine +Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind so in diesem +ihrem Andersseyn in sich zurückgekehrt; was jedes ist, ist es in dem +Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus. —Das +Hinausgehen des Quantums über sich hat also jetzt diesen Sinn, weder +daß es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes, in sein +negatives Jenseits veränderte, sondern darin zu seiner Bestimmtheit +gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits, welches ein +anderes Quantum ist. Die Qualität des Quantums, seine +Begriffsbestimmtheit, ist seine Äußerlichkeit überhaupt, und im +Verhältniß ist es nun so gesetzt, in seiner Äußerlichkeit, an einem +andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das zu +seyn, was es ist. + +Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander +haben. Diese Beziehung ist selbst auch eine Größe; das Quantum ist +nicht nur im Verhältniß, sondern es selbst ist als Verhältniß gesetzt; +es ist ein Quantum überhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit +innerhalb seiner hat. So als Verhältniß drückt es sich als in sich +geschlossene Totalität und seine Gleichgültigkeit gegen die Grenze aus, +dadurch daß es die Äußerlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb seiner +selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm selbst +unendlich ist. + +Das Verhältniß überhaupt ist + +1. das direkte Verhältniß. In demselben tritt das Qualitative noch +nicht als solches für sich heraus; es ist noch in keiner weitern Weise, +als der des Quantums, daß dieses in seiner Äußerlichkeit selbst seine +Bestimmtheit zu haben gesetzt ist.—Das quantitative Verhältniß ist an +sich der Widerspruch der Äußerlichkeit und der Beziehung auf sich +selbst, des Bestehens der Quantorum und der Negation derselben;—er hebt +sich auf, indem zunächst + +2. im indirekten Verhältnisse, die Negation des einen Quantums als +solche mit in der Veränderung des andern, und die Veränderlichkeit des +direkten Verhältnisses selbst, gesetzt wird; + +3. im Potenzenverhältniß aber macht sich die in ihrem Unterschiede sich +auf sich beziehende Einheit als einfache Selbstproduktion des Quantums +geltend; dieß Qualitative selbst endlich in einfacher Bestimmung und +identisch mit dem Quantum gesetzt, wird das Maaß. + +—Über die Natur der folgenden Verhältnisse ist Vieles in den +vorhergehenden Anmerkungen, welche das Unendliche der Quantität, d. i. +das qualitative Moment an derselben, betreffen, anticipirt worden; es +bleibt daher nur der abstrakte Begriff dieser Verhältnisse auseinander +zu setzen. + +A. Das direkte Verhältniß. + +1. Im Verhältnisse, welches als unmittelbar das direkte ist, liegt die +Bestimmtheit des einen Quantums gegenseitig in der Bestimmtheit des +andern. Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beider, die selbst +Quantum ist, der Exponent des Verhältnisses. + +2. Der Exponent ist irgend ein Quantum, aber in seiner Äußerlichkeit an +ihm selbst sich auf sich beziehendes, qualitativ bestimmtes Quantum ist +er nur, insofern er den Unterschied seiner, sein Jenseits und +Andersseyn an ihm selbst hat. Dieser Unterschied des Quantums an ihm +selbst aber ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl; die +Einheit—das Fürsich-bestimmtseyn; die Anzahl—das gleichgültige Hin- und +Hergehen an der Bestimmtheit, die äußere Gleichgültigkeit des Quantums. +Einheit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quantums; jetzt im +Verhältnisse, dem insofern realisirten Quantum, erscheint jedes seiner +Momente als ein eignes Quantum, und als Bestimmungen seines Daseyns, +als Begrenzungen gegen die sonst nur äußerliche, gleichgültige +Größebestimmtheit. + +Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit d. h. er +hat unmittelbar die Bedeutung beider Bestimmungen an ihm selbst. Er ist +erstens Quantum; so ist er die Anzahl; wenn die eine Seite des +Verhältnisses, welche als Einheit genommen wird, als numerisches Eins +ausgedrückt ist, und sie gilt nur für solches, so ist die andere, die +Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst. Zweitens ist er die einfache +Bestimmtheit als das Qualitative der Seiten des Verhältnisses; wenn das +Quantum der einen bestimmt ist, ist auch das andere durch den +Exponenten bestimmt, und es ist völlig gleichgültig, wie das erste +bestimmt wird; es hat als für sich bestimmtes Quantum keine Bedeutung +mehr, sondern kann ebenso gut jedes Andere seyn, ohne die Bestimmtheit +des Verhältnisses zu ändern, die allein auf dem Exponenten beruht. Das +eine, welches als Einheit genommen ist, bleibt, wie groß es werde, +immer Einheit, und das andere, wie groß es ebenso dabei werde, muß +dieselbe Anzahl jener Einheit bleiben. + +3. Hiernach machen beide eigentlich nur Ein Quantum aus, das eine hat +gegen das andere, nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das +andre nur den der Anzahl; nach ihrer Begriffsbestimmtheit sind sie +selbst somit nicht vollständige Quanta. Diese Unvollständigkeit aber +ist eine Negation an ihnen und dieß nicht nach ihrer Veränderlichkeit +überhaupt, nach der das Eine (und jedes ist Eines der beiden) alle +mögliche Größe annehmen kann, sondern nach der Bestimmung, daß wenn das +eine verändert wird, das andere um ebenso viel vermehrt oder vermindert +wird; dieß heißt, wie gezeigt, nur das Eine, die Einheit, wird als +Quantum verändert, die andere Seite, die Anzahl, bleibt dasselbe +Quantum von Einheiten, aber auch jene bleibt ebenso nur als Einheit +geltend, sie werde als Quantum verändert wie sie wolle. Jede Seite ist +so nur eines der beiden Momente des Quantums, und die +Selbstständigkeit, die zu dessen Eigenthümlichkeit gehört, ist an sich +negirt; in diesem qualitativen Zusammenhange sind sie als negative +gegen einander zu setzen. + +Der Exponent soll das vollständige Quantum seyn, indem die Bestimmung +der beiden Seiten in ihm zusammenläuft; er hat aber in der That als +Quotient selbst nur den Werth der Anzahl, oder der Einheit. Es ist +keine Bestimmung vorhanden, welche der Seiten des Verhältnisses als die +Einheit oder als die Anzahl genommen werden müße; die eine, das Quantum +B an dem Quantum A als der Einheit gemessen, so ist der Quotient C die +Anzahl solcher Einheiten; aber A selbst als Anzahl genommen, ist der +Quotient C die Einheit, welche zu der Anzahl A für das Quantum B +erfordert wird; dieser Quotient ist als Exponent somit nicht als das +gesetzt, was er seyn soll,—das Bestimmende des Verhältnisses, oder als +seine qualitative Einheit. Als diese ist er nur gesetzt, insofern er +den Werth hat, die Einheit der beiden Momente, der Einheit und der +Anzahl, zu seyn. Indem diese Seiten zwar als Quanta, wie sie in dem +expliciten Quantum, dem Verhältnisse, seyn sollen, vorhanden sind, aber +zugleich nur in dem Wertbe, den sie als dessen Seiten haben sollen, +unvollständige Quanta zu seyn und nur als eines jener qualitativen +Momente zu gelten, so sind sie mit dieser ihrer Negation zu setzen; +womit ein seiner Bestimmung entsprechenderes reelleres Verhältniß +entsteht, worin der Exponent die Bedeutung des Produkts derselben hat; +nach dieser Bestimmtheit ist es das umgekehrte Verhältniß. + +B. Das umgekehrte Verhältniß. + +1. Das Verhältniß, wie es sich nun ergeben, ist das aufgehobene direkte +Verhältniß; es war das unmittelbare, somit noch nicht wahrhaft +bestimmte; nunmehr ist die Bestimmtheit so hinzugekommen, daß der +Exponent als Produkt, Einheit der Einheit und der Anzahl, gilt. Nach +der Unmittelbarkeit konnte er gleichgültig ebensowohl als Einheit wie +als Anzahl genommen werden, wie vorhin gezeigt worden; womit er auch +nur als Quantum überhaupt und damit vorzugsweise als Anzahl war; die +eine Seite war die Einheit, und als Eins zu nehmen, zu welcher die +andere eine fixe Anzahl sey, die zugleich der Exponent ist; dessen +Qualität war somit nur dieß, daß dieß Quantum als festes genommen oder +vielmehr das Feste nur den Sinn des Quantums hat. + +In dem umgekehrten Verhältnisse nun ist der Exponent gleichfalls als +Quantum ein unmittelbares, und irgend eines als festes angenommen. Aber +dieß Quantum ist nicht fixe Anzahl zu dem Eins des andern Quantums im +Verhältnisse; dieses im vorhergehenden feste Verhältniß ist nun +vielmehr als veränderlich gesetzt; wenn zum Eins der einen Seite ein +anderes Quantum genommen wird, so bleibt nun die andere nicht mehr +dieselbe Anzahl von Einheiten der ersten. Im direkten Verhältnisse ist +diese Einheit nur das gemeinschaftliche beider Seiten; sie als solche +kontinuirt sich in die andere Seite, in die Anzahl; die Anzahl selbst +für sich, oder der Exponent, ist gegen die Einheit gleichgültig. + +Wie nunmehr aber die Bestimmtheit des Verhältnisses ist, wird die +Anzahl als solche gegen das Eins, zu dem sie die andere Seite des +Verhältnisses ausmacht, verändert; je nachdem zum Eins ein anderes +Quantum genommen wird, wird sie eine andere. Der Exponent ist daher +zwar auch nur ein unmittelbares nur beliebig als fest angenommenes +Quantum, aber er erhält sich nicht als solches in der Seite des +Verhältnisses, sondern diese und damit das direkte Verhältniß der +Seiten ist veränderlich. Hiermit ist, in dem nunmehrigen Verhältnisse, +der Exponent, als das bestimmende Quantum, negativ gegen sich als +Quantum des Verhältnisses, hiermit als qualitativ als Grenze gesetzt, +daß also das Qualitative für sich im Unterschied gegen das Quantitative +hervortritt.—In dem direkten Verhältnisse ist die Veränderung der +beiden Seiten nur die Eine Veränderung des Quantums, als welches die +Einheit, die das Gemeinschaftliche ist, genommen wird, um so viel also +die eine Seite vergrößert oder vermindert wird, um so viel auch die +andere; das Verhältniß selbst ist gegen diese Veränderung gleichgültig, +sie ist ihm äußerlich. Im indirekten Verhältnisse aber ist die +Veränderung, obgleich nach dem gleichgültigen quantitativen Momente +auch beliebig, innerhalb des Verhältnisses gehalten, und auch dieß +beliebige quantitative Hinausgehen durch die negative Bestimmtheit des +Exponenten, als durch eine Grenze, beschränkt. + +2. Diese qualitative Natur des indirekten Verhältnisses ist noch näher, +nämlich in ihrer Realisation zu betrachten, und die Verwicklung des +Affirmativen mit dem Negativen, die darin enthalten ist, auseinander zu +setzen.—Es ist das Quantum gesetzt, als qualitativ das Quantum d. i. +sich selbst bestimmend, als Grenze seiner an ihm sich darstellend. Es +ist hiermit erstens eine unmittelbare Größe als einfache Bestimmtheit, +das Ganze als seyendes, affirmatives Quantum. Aber zweitens ist diese +unmittelbare Bestimmtheit zugleich Grenze; dafür ist es in zwei Quanta +unterschieden, die zunächst andere gegeneinander sind; aber als deren +qualitative Bestimmtheit, und zwar dieselbe als vollständig ist es die +Einheit der Einheit und der Anzahl, Produkt, dessen Faktoren sie sind. +So ist der Exponent ihres Verhältnisses eines Theils in ihnen identisch +mit sich, und das Affirmative derselben, wonach sie Quanta sind; andern +Theils ist er als die an ihnen gesetzte Negation die Einheit an ihnen, +nach der zunächst jedes, ein unmittelbares, begrenztes Quantum +überhaupt, zugleich so ein begrenztes ist, daß es nur an sich identisch +mit seinem Andern ist. Drittens ist er als die einfache Bestimmtheit, +die negative Einheit dieser seiner Unterscheidung in die zwei Quanta +und die Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens. + +Nach diesen Bestimmungen begrenzen sich die beiden Momente innerhalb +des Exponenten und sind das eine das Negative des andern, da er ihre +bestimmte Einheit ist; das eine wird um so vielmal kleiner, als das +andere größer wird, jedes hat insofern seine Größe, als es die des +andern an ihm hat, als dem andern mangelt. Jede kontinuirt sich auf +diese Weise negativ in die andere; soviel sie an Anzahl ist, hebt sie +an der andern als Anzahl auf, und ist, was sie ist, nur durch die +Negation oder Grenze, die an ihr von der andern gesetzt wird. Jede +enthält auf diese Weise auch die andere, und ist an ihr gemessen, denn +jede soll nur das Quantum seyn, das die andere nicht ist; für den Werth +jeder ist die Größe der andern unentbehrlich und damit untrennbar von +ihr. + +Diese Kontinuität jeder in der Andern macht das Moment der Einheit aus, +wodurch sie im Verhältnisse sind;—der Einen Bestimmtheit, der einfachen +Grenze, die der Exponent ist. Diese Einheit, das Ganze, macht das +Ansichseyn einer jeden aus, von dem ihre vorhandene Größe unterschieden +ist, nach welcher jedes nur ist, insofern sie der andern von ihrem +gemeinsamen Ansichseyn, dem Ganzen, entzieht. Aber sie kann nur so +viel, als sie diesem Ansichseyn gleich macht, der andern entziehen, sie +hat an dem Exponent ihr Maximum, der nach der angegebenen zweiten +Bestimmung die Grenze ihrer gegenseitigen Begrenzung ist. Und indem +jede nur insofern Moment des Verhältnisses ist, als sie die andere +begrenzt und damit von der andern begrenzt wird, so verliert sie diese +ihre Bestimmung, indem sie sich ihrem Ansichseyn gleich macht; die +andere Größe wird nicht nur darin Null, sondern sie selbst +verschwindet, da sie nicht bloßes Quantum, sondern was sie als solches +ist, nur als solches Verhältnißmoment seyn soll. So ist jede Seite der +Widerspruch der Bestimmung, als ihres Ansichseyns, d. i. der Einheit +des Ganzen, das der Exponent ist, und der Bestimmung, als +Verhältnißmomentes; dieser Widerspruch ist wieder die Unendlichkeit, in +einer neuen eigenthümlichen Form. + +Der Exponent ist Grenze der Seiten seines Verhältnisses, innerhalb +deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, dem sie nach der affirmativen +Bestimmtheit, die er als Quantum ist, nicht gleich werden können. So +als Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens ist er à) ihr Jenseits, deni +sie sich unendlich nähern, aber das sie nicht erreichen können. Diese +Unendlichkeit, als in der sie sich ihm nähern, ist die schlechte des +unendlichen Progresses; sie ist selbst endlich, hat in ihrem +Gegentheil, in der Endlichkeit jeder Seite und des Exponenten selbst, +ihre Schranke, und ist daher nur Näherung. Aber ß) die schlechte +Unendlichkeit ist hier zugleich gesetzt, als das was sie in Wahrheit +ist, nämlich nur das negative Moment überhaupt, nach welchem der +Exponent gegen die unterschiedenen Quanta des Verhältnisses die +einfache Grenze als das Ansichseyn ist, auf das ihre Endlichkeit, als +das schlechthin Veränderliche, bezogen wird, aber schlechthin von ihnen +verschieden, als ihre Negation, bleibt. Dieß Unendliche, dem sich +dieselben nur annähern können, ist dann gleichfalls als affirmatives +Diesseits vorhanden und gegenwärtig; das simple Quantum des Exponenten. +Darin ist das Jenseits, mit dem die Seiten des Verhältnisses behaftet +sind, erreicht; es ist an sich die Einheit beider oder damit an sich +die andre Seite einer jeden; denn jede hat nur so viel Werth, als die +andere nicht hat, ihre ganze Bestimmtheit liegt so in der andern, und +dieß ihr Ansichseyn ist als affirmative Unendlichkeit einfach der +Exponent. + +3. Hiermit aber hat sich der Übergang des umgekehrten Verhältnisses in +eine andere Bestimmung ergeben, als es zunächst hatte. Diese bestand +darin, daß ein Quantum als unmittelbares zugleich auf ein anderes die +Beziehung hat, um so viel größer zu seyn, als dieses kleiner ist, durch +negatives Verhalten gegen das andere zu seyn, was es ist; ebenso ist +eine dritte Größe die gemeinsame Schranke dieses ihres Größerwerdens. +Diese Veränderung ist hier, im Gegensatze gegen das Qualitative als +feste Grenze, ihre Eigenthünilichkeit; sie haben die Bestimmung von +veränderlichen Größen, für welche jenes Feste ein unendliches Jenseits +ist. + +Die Bestimmungen aber, die sich gezeigt und die wir zusammen zu fassen +haben, sind, nicht nur, daß dieß unendliche Jenseits zugleich als ein +gegenwärtiges und irgend ein endliches Quantum ist, sondern daß seine +Festigkeit, wodurch es solches unendliches Jenseits gegen das +Quantitative ist, und die das Qualitative des Seyns nur als abstrakte +Beziehung auf sich selbst ist, sich als Vermittelung seiner in seinem +Andern, den Endlichen des Verhältnisses, mit sich selbst, entwickelt +hat. Das Allgemeine hiervon liegt darin, daß überhaupt das Ganze als +Exponent die Grenze des gegenseitigen Begrenzens der beiden Glieder, +also die Negation der Negation, somit die Unendlichkeit, affirmatives +Verhalten zu sich selbst, gesetzt ist. Das Bestimmtere ist, daß an sich +der Exponent schon als Produkt die Einheit der Einheit und der Anzahl, +jedes der beiden Glieder aber nur das eine dieser beiden Momente ist, +wodurch er sie also in sich schließt und in ihnen an sich sich auf sich +bezieht. Aber der Unterschied ist im umgekehrten Verhältnisse zur +Äußerlichkeit des quantitativen Seyns entwickelt, und das Qualitative +nicht bloß das Feste, noch nur die Momente unmittelbar in sich +einschließend, sondern in dem außersichseyenden Andersseyn sich mit +sich zusammenschließend vorhanden. Diese Bestimmung ist es, die sich +als Resultat in den Momenten, die sich gezeigt, heraushebt. Der +Exponent ergiebt sich nämlich als das Ansichseyn, dessen Momente in +Quantis und in deren Veränderlichkeit überhaupt realisirt ist; die +Gleichgültigkeit ihrer Größen in ihrer Veränderung stellt sich als +unendlicher Progreß dar; was dem zu Grunde liegt, ist, daß in ihrer +Gleichgültigkeit dieß ihre Bestimmtheit ist, ihren Werth in dem Werthe +des andern zu haben, somit à) nach der affirmativen Seite ihres +Quantums an sich das Ganze des Exponenten zu seyn. Ebenso haben sie ß) +für ihr negatives Moment, für ihr gegenseitiges Begrenzen die Größe des +Exponenten, ihre Grenze ist die seinige. Daß sie keine andere immanente +Grenze, eine feste Unmittelbarkeit, mehr haben, ist in dem unendlichen +Progresse ihres Daseyns und ihrer Begrenzung, in der Negation jedes +besondern Werthes, gesetzt. Diese ist hiernach die Negation des +Außersichseyns des Exponenten, das in ihnen dargestellt ist, und +dieser, d. i. zugleich selbst ein Quantum überhaupt, und in Quanta auch +ausgelegt, ist damit gesetzt, als das in der Negation ihres +gleichgültigen Bestehens sich Erhaltende, mit sich Zusammengehende, so +das Bestimmende solchen Hinausgehens über sich, zu seyn. + +Das Verhältniß ist hiermit zum Potenzenverhältniß bestimmt. + +C. Potenzverhältniß. + +1. Das Quantum in seinem Andersseyn sich identisch mit sich setzend, +sein Hinausgehen über sich selbst bestimmend, ist zum Fürsichseyn +gekommen. So qualitative Totalität, indem sie sich als entwickelt +setzt, hat sie zu ihren Momenten die Begriffsbestimmungen der Zahl, die +Einheit und die Anzahl; die letztere ist noch im umgekehrten +Verhältnisse eine nicht durch die erstere selbst als solche, sondern +anderswoher, durch ein Drittes bestimmte Menge; nun ist sie nur durch +jene bestimmt gesetzt. Dieß ist der Fall im Potenzenverhältnisse, wo +die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zugleich die Anzahl gegen +sich als Einheit ist. Das Andersseyn, die Anzahl der Einheiten, ist die +Einheit selbst. Die Potenz ist eine Menge von Einheiten, deren jede +diese Menge selbst ist. Das Quantum als gleichgültige Bestimmtheit +verändert sich; aber insofern diese Verändernng ein Erheben in die +Potenz ist, ist dieß sein Andersseyn rein durch sich selbst +begrenzt.—Das Quantum ist so in der Potenz als in sich selbst +zurückgekehrt gesetzt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein +Andersseyn. + +Der Exponent dieses Verhältnisses ist nicht mehr ein unmittelbares +Quantum, wie im direkten, und auch im umgekehrten Verhältnisse. Er ist +im Potenzenverhältniß ganz qualitativer Natur, diese einfache +Bestimmtheit, daß die Anzahl die Einheit selbst, das Quantum in seinem +Andersseyn mit sich selbst identisch ist. Darin liegt zugleich die +Seite seiner quantitativen Natur, daß die Grenze oder Negation nicht +als unmittelbar seyendes, sondern das Daseyn als in sein Andersseyn +kontinuirt gesetzt ist; denn die Wahrheit der Qualität ist eben dieß, +Quantität, die unmittdbare Bestimmtheit als aufgehobene, zu seyn. + +2. Das Potenzenverhältniß erscheint zunächst als eine äußere +Veränderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird; es hat aber +die engere Beziehung auf den Begriff des Quantums, daß dieses in dem +Daseyn, zu welchem es in jenem Verhältnisse fortgebildet ist, denselben +erreicht, ihn auf vollständige Weise realisirt hat; dieß Verhältniß ist +die Darstellung dessen, was das Quantum an sich ist, und drückt dessen +Bestimmtheit oder Qualität aus, wodurch es sich von anderem +unterscheidet. Das Quantum ist die gleichgültige, als aufgehoben +gesetzte Bestimmtheit, das heißt, die Bestimmtheit als Grenze, welche +ebenso sehr keine ist, in ihr Andersseyn sich kontinuirt, in ihm sich +also identisch mit sich bleibt; so ist es im Potenzenverhältniß +gesetzt; sein Andersseyn, Hinausgehen über sich in ein anders Quantum, +als durch es selbst bestimmt. + +Vergleichen wir den Fortgang dieser Realisirung in den bisherigen +Verhältnissen, so ist die Qualität des Quantums, als Unterschied seiner +von sich selbst gesetzt zu seyn, überhaupt dieß, Verhältniß zu seyn. +Als direktes Verhältniß ist es als solcher gesetzte Unterschied nur +erst überhaupt oder unmittelbar, so daß seine Beziehung auf sich +selbst, die es gegen seine Unterschiede, als der Exponent hat, nur als +die Festigkeit einer Anzahl der Einheit gilt. Im umgekehrten Verhältniß +ist das Quantum in negativer Bestimmung ein Verhalten seiner zu sich +selbst,—zu sich als seiner Negation, in der es aber seinen Werth hat; +als affirmative Beziehung auf sich ist es ein Exponent, der als Quantum +nur an sich das Bestimmende seiner Momente ist. Im Potenzenverhältniß +aber ist es in dem Unterschied als seiner von sich selbst vorhanden. +Die Äußerlichkeit der Bestimmtheit ist die Qualität des Quantums, diese +Äußerlichkeit ist so nun seinem Begriffe gemäß als sein eigenes +Bestimmen, als seine Beziehung auf sich selbst, seine Qualität, +gesetzt. + +3. Damit aber, daß das Quantum gesetzt ist, wie es seinem Begriffe +gemäß ist, ist es in eine andere Bestimmung übergegangen; oder wie es +auch ausgedrückt werden kann, daß seine Bestimmung nun auch als die +Bestimmtheit, das Ansichseyn auch als Daseyn ist. Es ist als Quantum, +insofern die Äußerlichkeit oder Gleichgültigkeit des Bestimmtseyns +(—daß es das ist, wie man sagt, was vergrößert oder vermindert werden +kann) nur einfach oder unmittelbar gilt und gesetzt ist; es ist zu +seinem Andern, der Qualität, geworden, insofern jene Äußerlichkeit nun +als vermittelt durch es selbst, so als ein Moment gesetzt ist, daß es +eben in ihr sich auf sich selbst bezieht, Seyn als Qualität ist. + +Zunächst erscheint also die Quantität als solche der Qualität +gegenüber; aber die Quantität ist selbst eine Qualität, sich auf sich +beziehende Bestimmtheit überhaupt, unterschieden von der ihr andern +Bestimmtheit, von der Qualität als solcher. Allein sie ist nicht nur +eine Qualität, sondern die Wahrheit der Qualität selbst ist die +Quantität; jene hat sich als in diese übergehend gezeigt. Die Quantität +ist dagegen in ihrer Wahrheit die in sich selbst zurückgekehrte, nicht +gleichgültige Äußerlichkeit. So ist sie die Qualität selbst, so daß +außer dieser Bestimmung nicht die Qualität als solche noch etwas +wäre.—Daß die Totalität gesetzt sey, dazu gehört der gedoppelte +Übergang, nicht nur der der einen Bestimmtheit in ihre andere, sondern +ebenso der Übergang dieser andern, ihr Rückgang, in die erste. Durch +den ersten ist nur erst an sich die Identität beider vorhanden;—die +Qualität ist in der Quantität enthalten, die aber damit noch eine +einseitige Bestimmtheit ist. Daß diese umgekehrt ebenso in der ersten +enthalten, sie ebenso nur als aufgehobene ist, ergiebt sich im zweiten +Übergang,—der Rückkehr in das erste; diese Bemerkung über die +Nothwendigkeit des doppelten Übergangs ist von großer Wichtigkeit für +das Ganze der wissenschaftlichen Methode. + +Das Quantum nunmehr als gleichgültige oder äußerliche Bestimmung, so +daß es ebenso als solche aufgehoben, und die Qualität und das ist, +wodurch etwas das ist, was es ist, ist die Wahrheit des Quantums, Maaß +zu seyn. + +Anmerkung. + +Es ist oben, in den Anmerkungen über das Quantitativ-Unendliche +auseinander gesetzt worden, daß dieses so wie die Schwierigkeiten, die +sich darüber ergeben, in dem qualitativen Momente, das sich im +Quantitativen hervorthut, ihren Ursprung haben, und wie das Qualitative +des Potenzenverhältnisses insbesondere, in die mannigfaltigen +Entwickelungen und Verwickelungen ausgeht; als der Grundmangel, der die +Auffassung des Begriffes verhindert, wurde auf gezeigt, daß bei dem +Unendlichen nur nach der negativen Bestimmung, die Negation des +Quantums zu seyn, stehen geblieben und nicht zu der einfachen +Bestimmung, dem Affirmativen, daß dieses das Qualitative ist, +fortgegangen wird.—Hier bleibt nur übrig, noch eine Bemerkung über die +in der Philosophie geschehene Einmischung von Formen des Quantitativen +in die reinen qualitativen Formen des Denkens, zu machen. Besonders ist +es das Potenzenverhältniß, welches in neuerer Zeit auf +Begriffsbestimmungen angewendet worden ist. Der Begriff in seiner +Unmittelbarkeit wurde die erste Potenz, in seinem Andersseyn oder der +Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweite, und in seiner +Rückkehr in sich oder als Totalität die dritte Potenz genannt. +—Hiergegen fällt sogleich auf, daß die Potenz so gebraucht eine +Kategorie ist, die dem Quantum wesentlich angehört;—es ist bei diesen +Potenzen nicht an die potentia,… des Aristoteles gedacht. So drückt das +Potenzenverhältniß die Bestimmtheit aus, wie dieselbe als der +Unterschied, wie er im besondern Begriffe des Quantums ist, zu seiner +Wahrheit gelangt, aber nicht wie derselbe am Begriffe als solchem ist. +Das Quantum enthält die Negativität, welche zur Natur des Begriffs +gehört, noch gar nicht in dessen eigenthümlicher Bestimmung gesetzt; +Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind oberflächliche +Bestimmungen für den Begriff selbst; sie sind noch weit entfernt, +bestimmt zu seyn, wie sie es im Begriffe sind. Es ist in der Kindheit +des Philosophirens, daß wie von Pythagoras Zahlen—und erste, zweite +Potenz u.s.f. haben insofern vor Zahlen nichts voraus,—zur Bezeichnung +allgemeiner, wesentlicher Unterschiede gebraucht worden sind. Es war +dieß eine Vorstufe des reinen denkenden Erfassens; nach Pythagoras erst +sind die Gedankenbestimmungen selbst erfunden, d. i. für sich zum +Bewußtseyn gebracht worden. Aber von solchen weg zu Zahlenbestimmungen +zurückzugehen, gehört einem sich unvermögend fühlenden Denken an, das +nun im Gegensatze gegen vorhandene philosophische Bildung, die an +Gedankenbestimmungen gewohnt ist, selbst das Lächerliche hinzufügt, +jene Schwäche für etwas Neues, Vornehmes und für einen Fortschritt +geltend machen zu wollen. + +Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Symbol gebraucht wird, so ist +dagegen so wenig zu sagen, als gegen die Zahlen oder Symbole anderer +Art für Begriffe; aber zugleich ebenso viel, als gegen alle Symbolik +überhaupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische Bestimmungen +dargestellt werden sollen. Die Philosophie bedarf solche Hülfe nicht, +weder aus der sinnlichen Welt, noch aus der vorstellenden +Einbildungskraft, auch nicht aus Sphären ihres eigenthümlichen Bodens, +welche untergeordnet sind, deren Bestimmungen daher nicht für höhere +Kreise und für das Ganze passen. Das Letztere geschieht, wenn überhaupt +Kategorien des Endlichen auf das Unendliche angewendet werden; die +geläufigen Bestimmungen von Kraft, oder Substantialität, Ursache und +Wirkung u.s.f. sind gleichfalls nur Symbole für den Ausdruck z.B. +lebendiger oder geistiger Verhältnisse, d. i. unwahre Bestimmungen für +dieselben, so noch mehr die Potenzen des Quantums und gezählte +Potenzen, für dergleichen und für spekulative Verhältnisse +überhaupt.—Wenn Zahlen, Potenzen, das Mathematisch-Unendliche und +dergleichen nicht als Symbole, sondern als Formen für philosophische +Bestimmungen, und damit selbst als philosophische Formen sollen +gebraucht werden, so müßte vor Allem ihre philosophische Bedeutung, d. +i. ihre Begriffsbestimmtheit aufgezeigt werden. Geschieht dieß, so sind +sie selbst überflüssige Bezeichnungen; die Begriffsbestimmtheit +bezeichnet sich selbst, und ihre Bezeichnung ist allein die richtige +und passende. Der Gebrauch jener Formen ist darum weiter nichts, als +ein bequemes Mittel, es zu ersparen, die Begriffsbestimmungen zu +fassen, anzugeben und zu rechtfertigen. + + + + +Dritter Abschnitt. Das Maaß. + + +Im Maaße sind, abstrakt ausgedrückt, Qualität und Quantität vereinigt. +Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit der Bestimmtheit mit +sich selbst. Diese Unmittelbarkeit der Bestimmtheit hat sich +aufgehoben. Die Quantität ist das so in sich zurückgekehrte Seyn, daß +es einfache Gleichheit mit sich als Gleichgültigkeit gegen die +Bestimmtheit ist. Aber diese Gleichgültigkeit ist nur die +Äußerlichkeit, nicht an sich selbst, sondern in Anderem die +Bestimmtheit zu haben. Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst +beziehende Äußerlichkeit; als Beziehung auf sich ist es zugleich +aufgehobene Äußerlichkeit, und hat an ihr selbst den Unterschied von +sich,—der als Äußerlichkeit das quantitative, als in sich +zurückgenommene, das qualitative Moment ist. + +Indem die Modalität, unter den Kategorien des transcendentalen +Idealismus, nach der Quantität und Qualität, auf Einschiebung der +Relation, aufgeführt wird, so kann derselben hier erwähnt werden. Diese +Kategorie hat daselbst die Bedeutung, die Beziehung des Gegenstandes +auf das Denken zu seyn. Im Sinne jenes Idealismus ist das Denken +überhaupt dem Ding-an-sich wesentlich äußerlich. Insofern die andern +Kategorien nur die transcendentale Bestimmung haben, dem Bewußtseyn, +aber als das Objektive desselben, anzugehören, so enthält die +Modalität, als die Kategorie der Beziehung auf das Subjekt, insofern +relativ die Bestimmung der Reflexion in sich; d.h. die Objektivität, +welche den andern Kategorien zukomme, mangelt denen der Modalität; +diese vermehren, nach Kants Ausdruck, den Begriffe als Bestimmung des +Objekts nicht im mindesten, sondern drücken nur das Verhältniß zum +Erkenntnißvermögen aus, (Kr. d. rein. Vern. 2te Aufl. s. S. 99, +266).—Die Kategorien, die Kant unter der Modalität zusammenfaßt, +Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit, werden in der Folge an +ihrer Stelle vorkommen; Kant hat die unendlich wichtige Form der +Triplicität, so sehr sie bei ihm nur erst als ein formeller Lichtfunken +erschienen, nicht auf die Gattungen seiner Kategorien (Quantität, +Qualität u.s.f.) wie auch diesen Namen, nur auf deren Arten angewendet; +daher hat er nicht auf das Dritte der Qualität und Quantität kommen +können. + +Bei Spinoza ist der Modus nach Substanz und Attribut gleichfalls das +Dritte; er erklärt ihn für die Affektionen der Substanz, oder für +dasjenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen +wird. Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur die Äußerlichkeit als +solche; wie sonst erinnert worden, daß bei Spinoza überhaupt der +starren Substantialität die Rückkehr in sich selbst fehlt. + +Die hier gemachte Bemerkung dehnt sich allgemeiner auf die Systeme des +Pantheismus aus, welche der Gedanke etwas ausgebildet hat. Das Seyn, +das Eine, die Substanz, das Unendliche, das Wesen ist das Erste; gegen +dieses Abstraktum kann das Zweite, alle Bestimmtheit, überhaupt als das +nur Endliche, nur Accidentelle, Vergängliche, Außer- und Unwesentliche +u.s.f., ebenso abstrakt zusammengefaßt werden wie in dem ganz formalen +Denken gewöhnlich und zunächst geschieht. Aber es drängt sich zu sehr +der Zusammenhang dieses Zweiten mit dem Ersten auf, um es nicht +zugleich in einer Einheit mit demselben zu fassen, wie das Attribut bei +Spinoza die ganze Substanz ist, aber von dem Verstand, selbst einer +Beschränkung oder Modus, gefaßt; der Modus aber, das Nichtsubstantielle +überhaupt, das nur aus einem Andern gefaßt werden kann, macht so das +andere Extrem zu der Substanz, das Dritte überhaupt, aus. Der indische +Pantheismus hat in seiner ungeheuern Phantasterei gleichfalls, abstrakt +genommen, diese Ausbildung erhalten, die sich durch ihr Maßloses +hindurch als ein mässigender Faden zu einigem Interesse zieht, daß +Brahm, das Eine des abstrakten Denkens durch die Gestaltung in Wischnu +besonders in der Form Krischnas, zu dem Dritten, Siwa, fortgeht. Die +Bestimmung dieses Dritten ist der Modus, Veränderung, Entstehen und +Vergehen, das Feld der Äußerlichkeit überhaupt. Wenn diese indische +Dreiheit zu einer Vergleichung nut der christlichen verleitet hat, so +ist in ihnen zwar ein gemeinsames Element der Begriffsbestimmung zu +erkennen, aber über den Unterschied ist wesentlich ein bestimmteres +Bewußtseyn zu fassen; derselbe ist nicht nur unendlich, sondern die +wahrhafte Unendlichkeit macht den Unterschied selbst aus. Jenes dritte +Princip ist seiner Bestimmung nach das Auseinanderfahren der +substantiellen Einheit, in ihr Gegegentheil, nicht die Rückkehr +derselben zu sich, —das Geistlose vielmehr, nicht der Geist. In der +wahrhaften Dreiheit, ist nicht nur Einheit, sondern Einigkeit, der +Schluß zur inhaltsvollen und wirklichen Einheit, die in ihrer ganz +konkreten Bestimmung der Geist ist, gebracht. Jenes Princip des Modus +und der Veränderung schließt wohl die Einheit nicht überhaupt aus; wie +nämlich im Spinozismus eben der Modus als solcher das Unwahre und nur +die Substanz das wahrhafte ist, Alles auf diese zurückgeführt werden +soll, welches dann ein Versenken alles Inhalts in die Leerheit, in nur +formelle, inhaltslose Einheit ist, so ist auch Siwa wieder das große +Ganze, von Brahm nicht unterschiedene, Brahm selbst; d. h. der +Unterschied und die Bestimmtheit verschwindet nur wieder, aber wird +nicht aufbewahrt, nicht aufgehoben, und die Einheit wird nicht zur +konkreten Einheit, die Entzweiung nicht zur Versöhnung zurückgeführt. +Das höchste Ziel für den in die Sphäre des Entstehens und Vergehens, +der Modalität überhaupt versetzten Menschen ist die Versenkung in die +Bewußtlosigkeit, die Einheit mit Brahm, die Vernichtung; dasselbe ist +das buddhistische Nirvana, Nieban u.s.f. + +Wenn nun der Modus überhaupt die abstrakte Äußerlichkeit, die +Gleichgültigkeit gegen die qualitativen wie gegen die quantitativen +Bestimmungen ist, und es im Wesen auf das Äußerliche, Unwesentliche +nicht ankommen soll, so wird auch wieder in Vielem zugestanden, daß +alles auf die Art und Weise ankomme; der Modus wird damit selbst für +wesentlich zum Substantiellen einer Sache gehörig erklärt; in welcher +sehr unbestimmten Beziehung wenigstens dieß liegt, daß dieß Äußerliche +nicht so abstrakt das Äußerliche sey. + +Hier hat der Modus die bestimmte Bedeutung das Maaß zu seyn. Der +Spinozistische Modus, wie das indische Princip der Veränderung ist das +Maaßlose. Das griechische selbst noch unbestimmte Bewußtseyn, daß Alles +ein Maaß hat, so daß selbst Parmenides nach dem abstrakten Seyn die +Nothwendigkeit, als die alte Grenze, die Allem gesetzt ist, eingeführt, +ist der Anfang eines viel höhern Begriffs als die Substanz und der +Unterschied des Modus von derselben enthält.-Das entwickeltere, +reflektirtere Maaß ist die Nothwendigkeit; das Schicksal, die Nemesis, +schränkt sich im Allgemeinen auf die Bestimmtheit des Maaßes ein, daß +was sich vermesse, zu groß, zu hoch mache, auf das andere Extrem der +Herabsetzung zur Nichtigkeit reducirt, und damit die Mitte des Maaßes, +die Mittelmäßigkeit, hergestellt werde.—Das Absolute, Gott ist das Maaß +aller Dinge, ist nicht stärker pantheistisch als die Definition: das +Absolute, Gott ist das Seyn, aber unendlich wahrhafter.—Das Maaß ist +zwar äußerliche Art und Weise, ein Mehr oder Weniger, welches aber +zugleich ebenso in sich reflektirt, nicht bloß gleichgültige und +äußerliche, sondern an sich seyende Bestimmtheit ist; es ist so die +konkrete Wahrheit des Seyns; in dem Maaße haben darum die Völker etwas +Unantastbares, Heiliges verehrt. + +Es liegt in dem Maaße bereits die Idee des Wesens, nämlich in der +Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn, so daß +jene Unmittelbarkeit durch diese Identität-mit-sich zu einem +Vermittelten herabgesetzt ist, wie diese ebenso nur durch diese +Äußerlichkeit vermittelt aber die Vermittelung mit sich ist;—die +Reflexion, deren Bestimmungen sind, aber in dieseni Seyn schlechthin +nur als Momente ihrer negativen Einheit. Im Maaße ist das Qualitative +quantitativ; die Bestimmtheit oder der Unterschied ist als +gleichgültig, damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; er ist +aufgehoben; diese Quantitativität macht als Rückkehr in sich, worin sie +als das Qualitative ist, das An- und Fürsichseyn aus, welches das Wesen +ist. Aber das Maaß ist erst an sich oder im Begriffe das Wesen; dieser +Begriff des Maaßes ist noch nicht gesetzt. Das Maaß noch als solches +ist selbst die seyende Einheit des Qualitativen und Quantitativen; +seine Momente sind als ein Daseyn, eine Qualität und Quanta derselben, +die nur erst an sich untrennbar, aber noch nicht die Bedeutung dieser +reflektirten Bestimmung haben. Die Entwicklung des Maaßes, enthält die +Unterscheidung dieser Momente, aber zugleich die Beziehung derselben, +so daß die Identität, welche sie an sich sind, als ihre Beziehung +aufeinander wird, d. i. gesetzt wird. Die Bedeutung dieser Entwickelung +ist die Realisation des Maaßes, in der es sich zu sich selbst ins +Verhältniß, und damit zugleich als Moment setzt; durch diese +Vermittelung wird es als Aufgehobenes bestimmt; seine Unmittelbarkeit +wie die seiner Momente verschwindet, sie sind als reflektirte; so als +das hervorgetreten, was es seinem Begriffe nach ist, ist es in das +Wesen übergegangen. + +Das Maaß ist zunächst unmittelbare Einheit des Qualitativen und +Quantitativen, so daß + +erstens ein Quantum ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maaß +ist. Dessen Fortbestimmung ist, daß an ihm, dem an sich bestimmten, +—der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen +Bestimmtseyns, hervortritt. Diese Momente bestimmen sich weiter selbst +zu Ganzen des Maaßes, welche insofern als Selbstständige sind; indem +sie sich wesentlich aufeinander beziehen, wird das Maaß + +zweitens Verhältniß von specifischen Quantis, als selbstständigen +Maaßen. Ihre Selbstständigkeit beruht aber wesentlich zugleich auf dem +quantitativen Verhältnisse und dem Größenunterschiede; so wird ihre +Selbstständigkeit ein Übergehen in einander. Das Maaß geht damit im +Maaßlosen zu Grunde.—Dieß Jenseits des Maaßes ist aber die Negativität +desselben nur an sich selbst; es ist dadurch + +drittens die Indifferenz der Maaßbestimmungen, und als reell mit der in +ihr enthaltenen Negativität das Maaß gesetzt, als umgekehrtes +Verhältniß von Maaßen, welche als selbstständige Qualitäten wesentlich +nur auf ihrer Quantität und auf ihrer negativen Beziehung aufeinander +beruhen, und damit sich erweisen, nur Momente ihrer wahrhaft +selbstständigen Einheit zu seyn, welche ihre Reflexion-in-sich und das +Setzen derselben, das Wesen, ist. + +Die Entwickelung des Maaßes, die im Folgenden versucht worden, ist eine +der schwierigsten Materien; indem sie von dem unmittelbaren, +äußerlichen Maaße anfängt, hätte sie einer Seits zu der abstrakten +Fortbestimmung des Quantitativen (einer Mathematik der Natur) +fortzugehen, anderer Seits den Zusammenhang dieser Maaßbestimmung mit +den Qualitäten der natürlichen Dinge anzuzeigen, wenigstens im +Allgemeinen; denn die bestimmte Nachweisung des aus dem Begriffe des +konkreten Gegenstandes hervorgehenden Zusammenhangs des Qualitativen +und Quantitativen gehört in die besondere Wissenschaft des Konkreten; +wovon Beispiele in der Encykl. der philos. Wissensch. 3te Aufl. §. 267 +u. 270 Anm. das Gesetz des Falles und das der freien himmlischen +Bewegung betreffend, nachzusehen sind. Es mag hierbei dieß überhaupt +bemerkt werden, daß die verschiedenen Formen, in welchen sich das Maaß +realisirt, auch verschiedenen Sphären der natürlichen Realität +angehören. Die vollständige, abstrakte Gleichgültigkeit des +entwickelten Maaßes d. i. der Gesetze desselben kann nur in der Sphäre +des Mechanismus Statt haben, als in welchem das konkrete Körperliche +nur die selbst abstrakte Materie ist; die qualitativen Unterschiede +derselben haben wesentlich das Quantitative zu ihrer Bestimmtheit; Raum +und Zeit sind die reinen Äußerlichkeiten selbst, und die Menge der +Materien, Massen, Intensität des Gewichts, sind ebenso äußerliche +Bestimmungen, die an dem Quantitativen ihre eigenthümliche Bestimmtheit +haben. Dagegen wird solche Größebestimmtheit des abstrakt Materiellen +schon durch die Mehrheit und damit einen Konflikt von Qualitäten, im +Physikalischen, noch mehr aber im Organischen gestört. Aber es tritt +hier nicht bloß der Konflikt von Qualitäten als solchen ein, sondern +das Maaß wird hier höhern Verhältnissen untergeordnet, und die +immanente Entwicklung des Maaßes vielmehr auf die einfache Form des +unmittelbaren Maaßes reducirt. Die Glieder des animalischen Organismus +haben ein Maaß, welches als ein einfaches Quantum im Verhältniß zu +andern Quantis der andern Glieder steht; die Proportionen des +menschlichen Körpers sind die festen Verhältnisse von solchen Quantis; +die Naturwissenschaft hat noch weithin, von dem Zusammenhange solcher +Größen mit den organischen Funktionen, von denen sie ganz abhängig +sind, etwas einzusehen. Aber von der Herabsetzung eines immanenten +Maaßes zu einer bloß äußerlich determinirten Größe ist die Bewegung das +nächste Beispiel. An den Himmelskörpern ist sie die freie nur durch den +Begriff bestimmte Bewegung, deren Größen hiermit ebenso nur von +demselben abhängen (s. oben), aber von dem Organischen wird sie zur +willkürlichen oder mechanisch-regelmäßigen, d. h. überhaupt abstrakten +formellen Bewegung herunter gesetzt. + +Noch weniger aber findet im Reich des Geistes eine eigenthümliche, +freie Entwicklung des Maaßes Statt. Man sieht z.B. wohl ein, daß eine +republikanische Verfassung, wie die atheniensische oder eine durch +Demokratie versetzte aristokratische nur bei einer gewissen Größe des +Staats Platz haben kann; daß in der entwickelten bürgerlichen +Gesellschaft die Mengen von Individuen, welche den verschiedenen +Gewerben angehören, in einem Verhältnisse mit einander stehen; aber +dieß giebt weder Gesetze von Maaßen noch eigenthümliche Formen +desselben. Im Geistigen als solchen kommen Unterschiede von Intensität +des Charakters, Stärke der Einbildungskraft, der Empfindungen, der +Vorstellungen u.s.f. vor; aber über dieß Unbestimmte der Stärke oder +Schwäche geht die Bestimmung nicht hinaus. Wie matt und völlig leer die +sogenannten Gesetze ausfallen, die über das Verhältniß von Stärke und +Schwäche der Empfindungen, Vorstellungen u.s.f. aufgestellt werden, +wird man inne, wenn man die Psychologien nachsieht, welche sich mit +dergleichen bemühen. + + + + +Erstes Kapitel. Die specifische Quantität. + + +Die qualitative Quantität ist zunächst ein unmittelbares specifisches +Quantum; das + +zweitens, als sich zu Anderem verhaltend, ein quantitatives +Specificiren, ein Aheben des gleichgültigen Quantums wird. Dieses Maaß, +ist insofern eine Regel und enthält die beiden Momente des Maaßes +unterschieden, nämlich die ansichseyende quantitative Bestimmtheit, und +das äußerliche Quantum. In diesem Unterschiede werden aber diese beiden +Seiten zu Qualitäten, und die Regel zu einem Verhältnisse derselben; +das Maaß stellt sich daher dar + +drittens als Verhältniß von Qualitäten, die zunächst Ein Maaß haben; +das sich aber ferner so zu einem Unterschiede von Maaßen in sich +specificirt. + +A. Das specifische Quantum. + +1. Das Maaß ist die einfache Beziehung des Quantums auf sich, seine +eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ. +Zunächst ist es als unmittelbares Maaß, ein unmittelbares, daher als +irgend ein bestimmtes, Quantum; ebenso unmittelbar ist die ihm +zugehörige Qualität, sie ist irgend eine bestimmte Qualität.—Das +Quantum als diese nicht mehr gleichgültige Grenze sondern auf sich +beziehende Äußerlichkeit, ist so selbst die Qualität, und unterschieden +von dieser geht es nich über sie hinaus, so wie diese nicht über +dasselbe hinausgeht. Es ist in die einfache Gleichheit mit sich +zurückgekehrte Bestimmtheit; eins mit dem bestimmten Daseyn, so wie +dieses mit seinem Quantum. + +Wenn man aus der erhaltenen Bestimmung einen Satz machen will, so kann +man sich ausdrücken: Alles, was da ist, hat ein Maaß. Alles Daseyn hat +eine Größe, und diese Größe gehört zur Natur von Etwas selbst; sie +macht seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus. Etwas ist gegen +diese Größe nicht gleichgültig, so daß wenn sie geändert würde, es +bliebe was es ist, sondern die Änderung derselben änderte seine +Qualität. Das Quantum hat als Maaß aufgehört Grenze zu seyn, die keine +ist; es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so daß diese, über dieß +Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge. —Ein Maaß, als +Maaßstab im gewöhnlichen Sinne, ist ein Quantum, das als die an sich +bestimmte Einheit gegen äußerliche Anzahl willkürlich angenommen wird. +Eine solche Einheit kann zwar auch in der That an sich bestimmte +Einheit seyn, wie Fuß und dergleichen ursprüngliche Maaße; insofern sie +aber als Maaßstab zugleich für andere Dinge gebraucht wird, ist sie für +diese nur äußerliches, nicht ihr ursprüngliches Maaß.—So mag der +Erddurchmesser, oder die Pendellänge, als specifisches Quantum für sich +genommen werden. Aber es ist willkürlich, den wievielsten Theil des +Erddurchmessers oder der Pendellänge und unter welchem Breitengrade man +diese nehmen wolle, um sie als Maaßstab zu gebrauchen. Noch mehr aber +ist für andere Dinge ein solcher Maaßstab etwas Äußerliches. Diese +haben das allgemeine specifische Quantum wieder auf besondere Art +specificirt, und sind dadurch zu besondern Dingen gemacht. Es ist daher +thöricht, von einem natürlichen Maaßstab der Dinge zu sprechen. Ohnehin +soll ein allgemeiner Maaßstab nur für die äußerliche Vergleichung +dienen; in diesem oberflächlichsten Sinne, in welchem er als +allgemeines Maaß genommen wird, ist es völlig gleichgültig, was dafür +gebraucht wird. Es soll nicht ein Grundmaaß in dem Sinne seyn, daß die +Naturmaaße der besondern Dinge daran dargestellt und daraus nach einer +Regel, als Specifikationen Eines allgemeinen Maaßes, des Maaßes ihres +allgemeinen Körpers, erkannt würden. Ohne diesen Sinn aber hat ein +absoluter Maaßstab nur das Interesse und die Bedeutung eines +Gemeinschaftlichen, und ein solches ist nicht an sich, sondern durch +Übereinkommen ein Allgemeines. + +Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Größenbestimmung; wie z.B. die +Größe der organischen Wesen, ihrer Gliedmaßen und so fort. Aber jedes +Existirende hat eine Größe, um das zu seyn, was es ist, und überhaupt +um Daseyn zu haben.—Als Quantum ist es gleichgültige Größe, äußerlicher +Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und Weniger fähig. +Aber als Maaß ist es zugleich von sich selbst als Quantum, als solcher +gleichgültiger Bestimmung, verschieden und eine Beschränkung jenes +gleichgültigen Hin- und Hergehens an einer Grenze. + +Indem die Quantitätsbestimmtheit so an dem Daseyn die gedoppelte ist, +das eine Mal die, an welche die Qualität gebunden ist, das andere Mal +aber die, an der unbeschadet jener hin- und hergegangen werden kann, so +geschieht das Untergehen von Etwas, das ein Maaß hat, darin daß sein +Quantum verändert wird. Dieß Untergehen erscheint eines Theils als +unerwartet, insofern an dem Quantum, ohne das Maaß und die Qualität zu +verändern, geändert werden kann, andern Theils aber wird es zu einem +als ganz Begreiflichen gemacht, nämlich durch die Allmähligkeit. Zu +dieser Kategorie wird so leicht gegriffen, um das Vergehen von einer +Qualität oder von Etwas vorstellig zu machen oder zu erklären, indem +man so dem Verschwinden beinahe mit den Augen zusehen zu können +scheint, weil das Quantum die als äußerliche, ihrer Natur nach +veränderliche Grenze gesetzt ist, hiermit die Veränderung, als nur des +Quantums, sich von selbst versteht. In der That aber wird nichts +dadurch erklärt; die Veränderung ist zugleich wesentlich der Übergang +einer Qualität in eine andere, oder der abstraktere von einem Daseyn in +ein Nichtdaseyn; darin liegt eine andere Bestimmung als in der +Allmähligkeit, welche nur eine Verminderung oder Vermehrung, und das +einseitige Festhalten an der Größe ist. + +2. Daß aber eine als bloß quantitativ erscheinende Veränderung auch in +eine qualitative umschlägt, auf diesen Zusammenhang sind schon die +Alten aufmerksam gewesen, und haben die der Unkenntniß desselben +entstehenden Kollisionen in populären Beispielen vorgestellt; unter den +Namen des Kahlen, des Haufens sind hierher gehörige Elenchen bekannt, +d. i. nach des Aristoteles Erklärung, Weisen, wodurch man genöthigt +wird, das Gegentheil von dem zu sagen, was man vorher behauptet hatte. +Man fragte: macht das Ausraufen Eines Haares vom Kopfe oder einem +Pferdeschweife kam, oder hört ein Haufe auf ein Haufe zu seyn, wenn ein +Korn weggenommen wird. Dieß kann man unbedenklich zugeben, indem solche +Wegnahme nur einen und zwar selbst ganz unbedeutenden quantitativen +Unterschied ausmacht; so wird Ein Haar, Ein Korn weggenommen, und dieß +so wiederholt, daß jedesmal nach dem, was zugegeben worden, nur Eines +weggenommen wird; zuletzt zeigt sich die qualitative Veränderung, daß +der Kopf, der Schweiff kahl, der Haufe verschwunden ist. Man vergaß bei +jenem Zugeben nicht nur die Wiederhohlung, sondern daß sich die für +sich unbedeutenden Quantitäten (wie die für sich unbedeutenden Ausgaben +von einem Vermögen) summiren, und die Summe das qualitativ Ganze +ausmacht, so daß am Ende dieses verschwunden, der Kopf kahl, der Beutel +leer ist. + +Die Verlegenheit, der Widerspruch, welcher als Resultat herauskommt, +ist nicht etwas Sophistisches im gebräuchlichen Sinne des Worts, als ob +solcher Widerspruch eine falsche Vorspiegelung wäre. Das Falsche ist, +was der angenommene Andere, d. h. unser gewöhnliches Bewußtseyn begeht, +eine Quantität nur für eine gleichgültige Grenze d. h. sie eben im +bestimmten Sinne einer Quantität zu nehmen. Diese Annahme wird durch +die Wahrheit, zu der sie geführt wird, Moment des Maaßes zu seyn und +mit der Qualität zusammenzuhängen, konfondirt; was widerlegt wird, ist +das einseitige Festhalten an der abstrakten Quantumsbestimmtheit.—Jene +Wendungen sind darum auch kein leerer oder pedantischer Spaß, sondern +in sich richtig und Erzeugnisse eines Bewußtseyns, das ein Interesse an +den Erscheinungen hat, die im Denken vorkommen. + +Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze genommen wird, ist +die Seite, an der ein Daseyn unverdächtig angegriffen und zu Grunde +gerichtet wird. Es ist die List des Begriffes ein Daseyn an dieser +Seite zu fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu kommen +scheint,—und zwar so sehr', daß die Vergrößerung eines Staats, eines +Vermögens u.s.f. welche das Unglück des Staats, des Besitzers +herbeiführt, sogar als dessen Glück zunächst erscheint. + +3. Das Maaß ist in seiner Unmittelbarkeit eine gewöhnliche Qualität von +einer bestimmten ihr zugehörigen Größe. Von der Seite nun, nach welcher +das Quantum gleichgültige Grenze ist, an der ohne die Qualität zu +ändern hin- und hergegangen werden kann, ist seine andere Seite, nach +welcher es qualitativ, specifisch ist, auch unterschieden. Beides sind +Größebestimmungen Eines und desselben; aber nach der Unmittelbarkeit, +in der zuerst das Maaß ist, ist ferner dieser Unterschied als ein +unmittelbarer zu nehmen, beide Seiten haben hiernach auch eine +verschiedene Existenz. Die Existenz des Maaßes, welche die an sich +bestimmte Größe ist, ist dann in ihrem Verhalten zu der Existenz der +veränderlichen, äußerlichen Seite, ein Aufheben ihrer Gleichgültigkeit, +ein Specificiren desselben. + +B. Specificirendes Maaß. + +Dasselbe ist + +erstlich eine Regel, ein Maaß äußerlich gegen das bloße Quantum; + +zweitens specifische Quantität, welche das äußerliche Quantum bestimmt; + +drittens verhalten sich beide Seiten als Qualitäten von specifischer +Quantitätsbestimmtheit gegeneinander, als Ein Maaß. + +a. Die Regel. + +Die Regel oder der Maaßstab, von dem schon gesprochen worden, ist +zunächst als eine an sich bestimmte Größe, welche Einheit gegen ein +Quantum ist, das eine besondere Existenz ist, an einem andern Etwas, +als das Etwas der Regel ist, existirt,—an ihr gemessen, d. i. als +Anzahl jener Einheit bestimmt wird. Diese Vergleichung ist ein +äußerliches Thun, jene Einheit selbst eine willkürliche Größe, die +ebenso wieder als Anzahl (der Fuß als eine Anzahl von Zollen) gesetzt +werden kann. Aber das Maaß ist nicht nur äußerliche Regel, sondern als +specifisches ist es dieß, sich an sich selbst zu seinem Andern zu +verhalten, das ein Quantum ist. + +b. Das specificirende Maaß. + +Das Maaß ist specifisches Bestimmen der äußerlichen Größe, d. i. der +gleichgültigen, die nun voi einer andern Existenz überhaupt an dem +Etwas des Maaßes gesetzt wird, welches zwar selbst Quantum, aber im +Unterschiede von solchem das Qualitative, bestimmend das bloß +gleichgültige, äußerliche Quantum, ist. Das Etwas hat diese Seite des +Seyns-für-Anderes an ihm, der das gleichgültige Vermehrt- und +Vermindertwerden, zukommt. Jenes immanente Messende ist eine Qualität +des Etwas, dem dieselbe Qualität all einem andern Etwas gegenübersteht; +aber an diesem zunächst relativ mit maaßlosem Quantum überhaupt gegen +jene, die als messend bestimmt ist. + +An Etwas, insofern es ein Maaß in sich ist, kommt äußerlich eine +Veränderung der Größe seiner Qualität; es nimmt davon nicht die +arithmetische Menge an. Sein Maaß reagirt dagegen, verhält sich als ein +Intensives gegen die Menge, und nimmt sie auf eine eigenthümliche Weise +auf; es verändert die äußerlich gesetzte Veränderung, macht aus diesem +Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specifikation als +Fürsichseyn in dieser Äußerlichkeit.—Diese specifisch-aufgenommene +Menge ist selbst ein Quantum, auch abhängig von der andern oder ihr als +nur äußerlichen Menge. Die specificirte Menge ist daher auch +veränderlich, aber darum nicht ein Quantum als solches, sondern das +äußere Quantum als auf eine konstante Weise specificirt. Das Maaß hat +so sein Daseyn als ein Verhältniß, und das Specifische desselben ist +überhaupt der Exponent dieses Verhältnisses. + +Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich bei diesen +Bestimmungen ergab, dasselbe Quantum, welches das einemal in der Form +der Intensität, das anderemal in der Form der Extensität vorhanden ist. +Das zu Grunde liegende Quantum erleidet in diesem Unterschiede keine +Veränderung, dieser ist nur eine äußere Form. In dem specificirenden +Maaße hingegen ist das Quantum das eine Mal in seiner unmittelbaren +Größe, das andere Mal aber wird es durch den Verhältnisexponenten in +einer andern Anzahl genommen. + +Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunächst ein fixes +Quantum zu seyn scheinen, als Quotient des Verhältnisses zwischen dem +äußerlichen und dem qualitativ bestimmten. Aber so wäre er nichts als +ein äußerliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts +Anderes als das Moment des Qualitativen selbst zu verstehen, welches +das Quantum als solches specificirt. Das eigentlich immanente +Qualitative des Quantums ist, wie sich früher ergeben hat, nur die +Potenz-Bestimmung. Eine solche muß es seyn, welche das Verhältniß +konstituirt, und die hier als die an sich seyende Bestimmung dem +Quantum als der äußerlichen Beschaffenheit gegenübergetreten ist. +Dieses hat zu seinem Princip das numerische Eins, das dessen +An-sich-Bestimmtseyn ausmacht; und die Beziehung des numerischen Eins +ist die äußerliche und die nur durch die Natur des unmittelbaren +Quantums als solchen bestimmte Veränderung besteht für sich in dem +Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen und +so fort. Wenn so das äußerliche Quantum in arithmetischer Progression +sich verändert, so bringt die specificirende Reaktion der qualitativen +Natur des Maaßes eine andere Reihe hervor, welche sich auf die erste +bezieht, init ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem durch einen +Zahlexponenten bestimmten, sondern einer Zahl inkommensurabeln +Verhältnisse, nach einer Potenzenbestimmung. + +Anmerkung. + +Um ein Beispiel anzuführen, so ist die Temperatur eine Qualität, an der +diese beiden Seiten, äußerliches und specificirtes Quantum zu seyn, +sich unterscheiden. Als Quantum ist sie äußerliche Temperatur und zwar +auch eines Körpers als allgemeinen Mediums, von der angenommen wird, +daß ihre Veränderung an der Skale der arithmetischen Progression +fortgehe und daß sie gleichförmig zuoder abnehme, wogegen sie von den +verschiedenen in ihr befindlichen besondern Körpern verschieden +aufgenommen wird, indem dieselben durch ihr immanentes Maaß die +äußerlich empfangene Temperatur bestimmen, die Temperatur-Veränderung +derselben nicht der des Mediums oder ihrer untereinander im direkten +Verhältnisse entspricht. Verschiedene Körper in einer und derselben +Temperatur verglichen, geben Verhältnißzahlen ihrer specifischen +Wärmen, ihrer Wärme-Kapacitäten. Aber diese Kapacitäten der Körper +ändern sich in verschiedenen Temperaturen, womit das Eintreten einer +Veränderung der specifischen Gestalt sich verbindet. In der Vermehrung +oder Verminderung der Temperatur zeigt sich somit eine besondere +Specifikation. Das Verhältniß der Temperatur, die als äußerliche +vorgestellt wird, zur Temperatur eines bestimmten Körpers, die zugleich +von jener abhängig ist, hat nicht einen festen Verhältnissexponenten; +die Vermehrung oder Verminderung dieser Wärme geht nicht gleichförmig +mit der Zu- und Abnahme der äußerlichen fort.—Es wird hierbei eine +Temperatur als äußerlich überhaupt angenommen, deren Veränderung bloß +äußerlich oder rein quantitativ sey. Sie ist jedoch selbst Temperatur +der Luft oder sonst specifische Temperatur. Näher betrachtet würde +daher das Verhältniß eigentlich nicht als Verhältniß von einem bloß +quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwei specifischen +Quantis zu nehmen seyn. Wie sich das specificirende Verhältniß gleich +weiter bestimmen wird, daß die Momente des Maaßes nicht nur in einer +quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer und +derselben Qualität bestehen, sondern im Verhältnisse zweier Qualitäten, +welche an ihnen selbst Maaße sind. + +c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten. + +l. Die qualitative, an sich bestimmte Seite des Quantums ist nur als +Beziehung auf das äußerlich Quantitative; als Specificiren desselben +ist sie das Aufheben seiner Äußerlichkeit, durch welche das Quantum als +solches ist; sie hat so dasselbe zu ihrer Voraussetzung und fängt von +ihm an. Dieses aber ist von der Qualität selbst auch qualitativ +unterschieden; dieser Unterschied beider ist in der Unmittelbarkeit des +Seyns überhaupt, in welcher das Maaß noch ist, zu setzen, so sind beide +Seiten qualitativ gegeneinander, und jede für sich ein solches Daseyn; +und das eine zunächst nur als formelle, an ihm unbestimmte Quantum ist +das Quantum eines Etwas und seiner Qualität, und wie sich deren +Beziehung auf einander nun zum Maaße überhaupt bestimmt hat, +gleichfalls die specifische Größe dieser Qualitäten. Diese Qualitäten +sind nach der Maaßbestimmung im Verhältniß zu einander; diese ist ihr +Exponent, sie sind aber an sich schon im Fürsichseyn des Maaßes +aufeinander bezogen, das Quantum ist in seinem Doppelseyn als +äußerliches und specifisches, so daß jede der unterschiedenen +Quantitäten diese zweifache Bestimmung an ihr hat und zugleich +schlechthin mit der andern verschränkt ist; eben darin allein sind die +Qualitäten bestimmt. Sie sind so nicht nur für einander seyendes Daseyn +überhaupt, sondern untrennbar gesetzt; und die an sie geknüpfte +Größebestimmtheit ist eine qualitative Einheit,—Eine Maaßbestimmung, in +der sie ihrem Begriffe nach, an sich zusammenhängen. Das Maaß ist so +das immanente quantitative Verhalten zweier Qualitäten zu einander. + +2. Im Maaß tritt die wesentliche Bestimmung der veränderlichen Größe +ein, denn es ist das Quantum als aufgehoben, also nicht mehr als das, +was es seyn soll uni Quantum zu seyn, sondern als Quantum und zugleich +als etwas Anderes; dieß Andere ist das Qualitative, und wie bestimmt +worden, nichts anderes als das Potenzenverhältniß desselben. Im +unmittelbaren Maaße ist diese Veränderung noch nicht gesetzt; es ist +nur irgend und zwar ein einzelns Quantum überhaupt, an das eine +Qualität geknüpft ist. Im Specificiren des Maaßes, der vorhergehenden +Bestimmung, als einer Veränderung des bloß äußerlichen Quantums durch +das Qualitative ist Unterschiedenheit beider Größebestimmtheiten und +damit überhaupt die Mehrheit voll Maaßen an einem gemeinschaftlichen +äußerlichen Quantum gesetzt; das Quantum zeigt sich erst als daseyendes +Maaß in solcher Unterschiedenheit seiner von sich selbst, indem es, ein +und dasselbe (z.B. dieselbe Temperatur des Mediums), zugleich als +verschiedenes und zwar quantitatives Daseyn (—in den verschiedenen +Temperaturen der in jenem befindlichen Körper) hervortritt. Diese +Unterschiedenheit des Quantums in den verschiedenen Qualitäten—den +verschiedenen Körpern, —giebt eine weitere, diejenige Form des Maaßes, +in welcher beide Seiten als qualitativ bestimmte Quanta sich zu +einander verhalten, was das realisirte Maaß genannt werden kann. + +Die Größe ist als eine Größe überhaupt veränderlich, denn ihre +Bestimmtheit ist als eine Grenze, die zugleich keine ist; die +Veränderung betrifft insofern nur ein besonderes Quantum, an dessen +Stelle ein anderes gesetzt wird; die wahrhafte Veränderung aber ist die +des Quantums als solchen; dieß giebt die, so gefaßt, interessante +Bestimmung der veränderlichen Größe in der höhern Mathematik; wobei +nicht bei dem Formellen der Veränderlichkeit überhaupt stehen zu +bleiben, noch andere als die einfache Bestimmung des Begriffs +herbeizunehmen ist, nach welcher das Andere des Quantums nur das +Qualitative ist. Die wahrhafte Bestimmung also der reellen +veränderlichen Größe ist, daß sie die qualitativ, hiermit, wie zur +Genüge gezeigt worden, die durch ein Potenzenverhältniß bestimmte ist; +in dieser veränderlichen Größe ist es gesetzt, daß das Quantum nicht +als solches gilt, sondern nach seiner ihm andern Bestimmung, der +qualitativen. + +Die Seiten dieses Verhaltens haben nach ihrer abstrakten Seite als +Qualitäten überhaupt irgend eine besondere Bedeutung, z.B. Raum und +Zeit. In ihrem Maaßverhältniß als Größebestimmtheiten zunächst +überhaupt genommen, ist die eine davon Anzahl, die in äußerlicher, +arithmetischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl, die +durch jene, welche Einheit für sie ist, specifisch bestimmt wird. +Insofern jede ebenso nur eine besondere Qualität überhaupt wäre, läge +kein Unterschied in ihnen, welche von den beiden, in Rücksicht auf ihre +Größen-Bestimmung als die bloß äußerlich quantitative, und welche als +die in quantitativer Specifikation sich verändernde genommen werde. +Wenn sie sich z.B. als Wurzel und Quadrat verhalten, ist es gleichviel, +an welcher die Vermehrung oder Verminderung als bloß äußerlich, in +arithmetischer Progression fortgehend, und welche dagegen an diesem +Quantum sich specifisch bestimmend angesehen wird. + +Aber die Qualitäten sind nicht unbestimmt verschieden gegen einander, +denn in ihnen soll als Momenten des Maaßes die Qualifikation desselben +liegen. Die nächste Bestimmtheit der Qualitäten selbst ist, der einen, +das Extensive, die Äußerlichkeit an ihr selbst zu seyn, der andern, das +Intensive, das Insichseyende oder Negative gegen jene. Von den +quantitativen Momenten kommt hiernach jener die Anzahl, dieser die +Einheit zu, im einfachen direkten Verhältnisse ist jene als der +Dividend, diese als Divisor, im specificirenden Verhältniß jene als die +Potenz oder das Anderswerden, diese als Wurzel zu nehmen. Insofern hier +noch gezählt, d. i. auf das äußerliche Quantum, (das so als die ganz +zufällige, empirischgenannte Größebestimmtheit ist) reflektirt, hiermit +die Veränderung gleichfalls auch als in äußerlicher, arithmetischer +Progression fortgehend genommen wird, so fällt dieß auf die Seite der +Einheit, der intensiven Qualität, die äußerliche, extensive Seite +hingegen ist als in der specificirten Reihe sich verändernd +darzustellen. Aber das direkte Verhältniß (wie die Geschwindigkeit +überhaupt, s/t) ist hier zur formellen, nicht existirenden, sondern nur +der abstrahirenden Reflexion angehörigen Bestimmung herabgesetzt; und +wenn noch im Verhältniß von Wurzel und Quadrat (wie in s = at[hoch 2]) +die Wurzel als empirisches Quantum und in arithmetischer Progression +fortgehend, die andere Seite aber als specificirt zu nehmen ist, so ist +die höhere dem Begriffe entsprechendere Realisation der Qualifikation +des Quantitativen diese, daß beide Seiten in höhern +Potenzenbestimmungen (wie s[hoch 3] = at[hoch 2] der Fall ist) sich +verhalten. + +Anmerkung. + +Das hier Erörterte in Rücksicht des Zusammenhangs der qualitativen +Natur eines Daseyns und seiner Quantitätsbestimmung im Maaße, hat seine +Anwendung in dem schon angedeuteten Beispiel der Bewegung, zunächst daß +in der Geschwindigkeit, als dem direkten Verhältnisse von durchlaufenem +Raume und verflossener Zeit, die Größe der Zeit als Nenner, die Größe +des Raums dagegen als Zähler, angenommen wird. Wenn Geschwindigkeit +überhaupt nur ein Verhältniß vom Raum und der Zeit einer Bewegung ist, +so ist es gleichgültig, welches von beiden Momenten als die Anzahl oder +als die Einheit betrachtet werden soll. Aber Raum, wie in der +specifischen Schwere das Gewicht, ist äußerliches, reales Ganzes +überhaupt, somit Anzahl, die Zeit hingegen, wie das Volumen, ist das +Ideelle, das Negative, die Seite der Einheit.—Wesentlich aber gehört +hierher das wichtigere Verhältniß, daß in der freien Bewegung,—zuerst +der noch bedingten—, des Falls, Zeitund Raum-Quantität, jene als +Wurzel, diese als Quadrat,—oder in der absolutfreien Bewegung der +Himmelskörper die Umlaufszeit und die Entfernung, jene um eine Potenz +tiefer als diese,—jene als Quadrat, diese als Kubus gegen einander +bestimmt seyen. Dergleichen Grundverhältnisse beruhen auf der Natur der +im Verhältniß stehenden Qualitäten, des Raums und der Zeit, und der Art +der Beziehung, in welcher sie stehen, entweder als mechanische Bewegung +d. i. als unfreie, durch den Begriff der Momente nicht bestimmte, oder +als Fall d. i. bedingtfreie, oder als absolutfreie himmlische +Bewegung;— welche Arten der Bewegung ebensowohl als deren Gesetze auf +der Entwicklung des Begriffs ihrer Momente, des Raums und der Zeit, +beruhen, indem diese Qualitäten als solche, an sich d. i. im Begriffe +sich als untrennbar erweisen, und ihr quantitatives Verhältniß das +Fürsichseyn des Maaßes, nur Eine Maaßbestimmung ist. + +In Rücksicht auf die absoluten Maaßverhältnisse darf wohl erinnert +werden, daß die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von +Wissenschaft würdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maaße +seyn müsse,—eine Wissenschaft für welche empirisch wohl viel, aber +eigentlich wissenschaftlich d. i. philosophisch, noch wenig gethan ist. +Mathematische Principien der Naturphilosophie,—wie Newton sein Werk +genannt hat,—wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn erfüllen +sollten, als er und das ganze bakonische Geschlecht von Philosophie und +Wissenschaft hatte, müßten ganz andere Dinge enthalten, um ein Licht in +diese noch dunkeln aber höchst betrachtungswürdigen Regionen zu +bringen.—Es ist ein großes Verdienst, die empirischen Zahlen der Natur +kennen zu lernen, z.B. Entfernungen der Planeten von einander; aber ein +unendlich größeres, die empirischen Quanta verschwinden zu machen, und +sie in eine allgemeine Form von Quantitätsbestimmungen zu erheben, so +daß sie Momente eines Gesetzes oder Maaßes werden;—unsterbliche +Verdienste, die sich z.B. Galilei in Rücksicht auf den Fall, und +Keppler in Rücksicht auf die Bewegung der himmlischen Körper erworben +hat. Sie haben die Gesetze, die sie gefunden haben, so erwiesen, daß +sie gezeigt haben, daß ihnen der Umfang der Einzelnheiten der +Wahrnehmung entspricht. Es muß aber noch ein höheres Beweisen dieser +Gesetze gefordert werden; nämlich nichts anders als daß ihre +Quantitätsbestimmungen aus den Qualitäten, oder bestimmten Begriffen, +die bezogen sind, (wie Zeit und Raum) erkannt werden. Von dieser Art +des Beweisens findet sich in jenen mathematischen Principien der +Naturphilosophie, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch keine +Spur. Es ist oben bei Gelegenheit des Scheins mathematischer Beweise +von Naturverhältnissen, der sich auf den Mißbrauch des Unendlichkleinen +gründet, bemerkt worden, daß der Versuch, solche Beweise eigentlich +mathematisch d. h. weder aus der Empirie noch aus dem Begriffe, zu +führen, ein widersinniges Unternehmen ist. Diese Beweise setzen ihre +Theoreme, eben jene Gesetze, aus der Erfahrung voraus; was sie leisten, +besteht darin, sie auf abstrakte Ausdrücke und bequeme Formeln zu +bringen. Das ganze reelle Verdienst, das Newton im Vorzug gegen Keppler +in Beziehung auf die nämlichen Gegenstände zugeschrieben wird, wird, +das Scheingerüste von Beweisen abgezogen,—ohne Zweifel bei +gereinigterer Reflexion über das, was die Mathematik zu leisten vermag +und was sie geleistet hat, einst mit deutlicher Kenntniß auf jene +Umformung des Ausdrucks[14] und der den Anfängen nach eingeführten +analytischen Behandlung, eingeschränkt werden. + + [14] S Encyklop. der philos. Wissensch. Anm. zu §. 270. über die + Umformung des kepplerischen s[hoch 3]/t[hoch 2] in [s[hoch 2]./t[hoch + 2] in das newtonische, indem der Theil s/t[hoch 2] die Kraft der + Schwere genannt worden ist. + + +C. Das Fürsichseyn im Maaße. + +1. In der so eben betrachteten Form des specificirten Maaßes ist das +Quantitative beider Seiten qualitativ bestimmt, (beide im +Potenzen-Verhältniß); sie sind so Momente Einer Maaßbestimmtheit von +qualitativer Natur. Dabei sind aber die Qualitäten nur erst noch als +unmittelbare, nur verschiedene gesetzt, die nicht selbst in jenem +Verhältnisse stehen, in welchem ihre Größebestimmtheiten sind, nämlich +außer solchem Verhältnisse, keinen Sinn noch Daseyn zu haben, was die +Potenzenbestimmtheit der Größe enthält. Das Qualitative verhüllt sich +so, als nicht sich selbst, sondern die Größebestimmtheit specificirend; +nur als an dieser ist es gesetzt, für sich aber unmittelbare Qualität +als solche, die außerhalb dessen, daß die Größe von ihr in Differenz +gesetzt wird, und außer ihrer Beziehung auf ihre andere, noch für sich +bestehendes Daseyn habe. So Raum und Zeit gelten beide außer jener +Specifikation, die ihre Größebestimmtheit in der Bewegung des Falles +oder in der absolutfreien Bewegung erhält, als Raum überhaupt, Zeit +überhaupt, der Raum bestehend für sich außer und ohne die Zeit als +dauernd, und die Zeit als für sich fließend unabhängig vom Raume. + +Diese Unmittelbarkeit des Qualitativen gegen seine specifische +Maaßbeziehung ist aber ebenso sehr mit einer quantitativen +Unmittelbarkeit und der Gleichgültigkeit eines Quantitativen an ihm +gegen dieß sein Verhältniß verknüpft; die unmittelbare Qualität hat +auch ein nur unmittelbares Quantum. Daher hat denn das specifische Maaß +auch eine Seite zunächst äußerlicher Veränderung, deren Fortgang bloß +arithmetisch ist, von jenem nicht gestört wird, und in welche die +äußerliche, darum nur empirische Größebestimmtheit fällt. Qualität und +Quantum auch so außer dem specifischen Maaße auftretend, sind zugleich +in der Beziehung auf dieses; die Unmittelbarkeit ist ein Moment von +solchen, die selbst zum Maaße gehören. So sind die unmittelbaren +Qualitäten dem Maaße auch angehörig, gleichfalls in Beziehung, und +stehen nach der Größebestimmtheit in einem Verhältniß, welches als +außerhalb des specificirten, der Potenzbestimmung, selbst nur das +direkte Verhältniß, und unmittelbares Maaß ist. Diese Folgerung und +deren Zusammenhang ist näher anzugeben. + +2. Das unmittelbar bestimmte Quantum als solches ist, wenn es auch als +Maaßmoment sonst an sich in einem Begriffszusammenhang begründet ist, +in der Beziehung zu dem specifischen Maaße als ein äußerlich gegebenes. +Die Unmittelbarkeit, die hiermit gesetzt ist, ist aber die Negation der +qualitativen Maaßbestimmung; dieselbe wurde vorhin an den Seiten dieser +Maaßbestimmung aufgezeigt, welche darum als selbstständige Qualitäten +erschienen. Solche Negation und das Zurückkehren zur unmittelbaren +Quantitätsbestimmtheit liegt in dem qualitativbestimmten Verhältnisse +insofern, als das Verhältniß Unterschiedener überhaupt deren Beziehung +als Eine Bestimmtheit enthält, die hiermit hier im Quantitativen, +unterschieden von der Verhältnißbestimmung, ein Quantum ist. Als +Negation der unterschiedenen qualitativbestimmten Seiten ist dieser +Exponent ein Fürsichseyn, das Schlechthin-bestimmtseyn; aber ist +solches Fürsichseyn nur an sich; als Daseyn ein einfaches, +unmittelbares Quantum, Quotient oder Exponent als eines Verhältnisses +der Seiten des Maaßes, dieß Verhältniß als ein direktes genommen; aber +überhaupt die als empirisch erscheinende Einheit in dem Quantitativen +des Maaßes.—Im Falle der Körper stehen die durchloffenen Räume im +Verhältnisse des Quadrats der verflossenen Zeiten; s = at[hoch 2]; +—dieß ist das specifisch-bestimmte, ein Potenzenverhälntiß des Raums +und der Zeit, das andere, das direkte Verhältniß, käme dem Raum und der +Zeit, als gegeneinander gleichgültigen Qualitäten, zu, es soll das des +Raumes zu dem ersten Zeitmomente seyn, derselbe Koefficient, a, bleibt +in allen folgenden Zeitpunkten;—die Einheit als ein gewöhnlichts +Quantum fur die übrigens durch das specificirende Maaß bestimmte +Anzahl. Sie gilt zugleich als der Exponent jenes direkten +Verhältnisses, welches der vorgestellten schlechten, d. i. formellen, +nicht durch den Begriffs specifisch bestimmten Geschwindigkeit zukommt. +Solche Geschwindigkeit existirt hier nicht, so wenig als die früher +erwähnte, die dem Körper am Ende eines Zeitmoments zukommen sollte. +Jene wird dem ersten Zeitmomente des Falles zugeschrieben, aber dieser +sogenannte Zeitmoment ist eine selbst nur angenommene Einheit, und hat +als solcher atomer Punkt kein Daseyn; der Anfang der Bewegung,—die +Kleinheit, die für diesen vorgegeben wird, könnte keinen Unterschied +machen,—ist sogleich eine Größe und zwar eine durch das Gesetz des +Falles specificirte Größe. Jenes empirische Quantum wird der Kraft der +Schwere zugeschrieben, so daß diese Kraft selbst keine Beziehung auf +die vorhandene Specifikation, (die Potenzenbestimmtheit), auf das +Eigenthümliche der Maaßbestimmung haben soll. Das unmittelbare Moment, +daß in der Bewegung des Falles auf eine Zeiteinheit (—eine Sekunde und +zwar die sogenannte erste—) die Anzahl von etwa fünfzehn räumlichen +Einheiten, die als Fuße angenommen sind, komme, ist ein unmittelbares +Maaß, wie die Maaßgröße der menschlichen Gliedmaaßen, die Distanzen, +Durchmesser der Planeten u.s.f. Die Bestimmung solchen Maaßes fällt +anderswohin, als innerhalb der qualitativen Maaßbestimmung hier des +Gesetzes des Falles selbst; wovon aber solche Zahlen, das nur +unmittelbar, daher als empirisch erscheinende eines Maaßes, abhängen, +darüber haben uns die konkreten Wissenschaften noch keinen Aufschluß +gegeben. Hier haben wir es nur mit dieser Begriffsbestimmtheit zu thun; +diese ist, daß jener empirische Koefficient das Fürsichseyn in der +Maaßbestimmung ausmacht, aber nur das Moment des Fürsichseyns, insofern +dasselbe an sich und daher als unmittelbares ist. Das andere ist das +Entwickelte dieses Fürsichseyns, die specifische Maaßbestimmtheit der +Seiten.—Die Schwere, im Verhältnisse des Fallens, einer zwar noch halb +bedingten und nur halbfreien Bewegung, ist nach diesem zweiten Momente +als eine Naturkraft anzusehen, so daß durch die Natur der Zeit und des +Raums ihr Verhältniß bestimmt ist, und daher in die Schwere jene +Specifikation, das Potenzenverhältniß, fällt; jenes das einfache +direkte Verhältniß drückt nur ein mechanisches Verhalten der Zeit und +des Raumes aus, die formelle, äußerliche hervorgebrachte und +determinirte Geschwindigkeit. + +3. Das Maaß hat sich dahin bestimmt, ein specificirtes Größenverhältniß +zu seyn, das als quantitativ das gewohnliche außerliche Quantum an ihm +hat; dieses aber ist nicht ein Quantum überhaupt, sondern wesentlich +als Bestimmungsmoment des Verhältnisses als solchen; es ist so +Exponent, und als nun unmittelbares Bestimmtseyn ein unveränderlicher +Exponent, somit des schon erwähnten direkten Verhaltnisses derselben +Qualitäten, durch welches zugleich ihr Größenverhältniß zu einander +specifisch bestimmt wird. Dieses direkte Verhältniß ist im gebrauchten +Beispiel des Maaßes der Fallbewegung gleichsam anticipirt und als +vorhanden angenommen; aber wie bemerkt existirt es in dieser Bewegung +noch nicht.—Es macht aber die weitere Bestimmung aus, daß das Maaß nun +auf die Weise realisirt ist, daß seine beiden Seiten Maaße, +unterschieden als unmittelbares, äußerliches, und als in sich +specificirtes, sind, und es die Einheit derselben ist. Als diese +Einheit enthält das Maaß das Verhältniß, in welchem die Größen durch +die Natur der Qualitäten bestimmt und different gesetzt sind, und +dessen Bestimmtheit daher ganz immanent und selbstständig, zugleich in +das Fürsichseyn des unmittelbaren Quantums, den Exponenten eines +direkten Verhältnisses, zusammen gegangen ist; seine Selbstbestimmung +ist darin negirt, indem es in diesem seinem Andern die letzte, +fürsichseyende Bestimmtheit hat; und umgekehrt hat das unmittelbare +Maaß welches an ihm selbst qualitativ seyn soll, an jenem erst in +Wahrheit die qualitative Bestimmtheit. Diese negative Einheit ist +reales Fürsichseyn, die Kategorie eines Etwas, als Einheit von +Qualitäten, die im Maaßverhältnisse sind; —eine volle +Selbstständigkeit. Unmittelbar geben die beiden, welche sich als zwei +verschiedene Verhältnisse ergeben haben, auch ein zweifaches Daseyn, +oder näher solches selbstständige Ganze ist als Fürsichseyendes +überhaupt zugleich ein Abstoßen in sich selbst in unterschiedene +Selbstständige, deren qualitative Natur und Bestehen (Materialität) in +ihrer Maaßbestimmtheit liegt. + + + + +Zweites Kapitel. Das reale Maaß. + + +Das Maaß ist bestimmt zu einer Beziehung von Maaßen, welche die +Qualität unterschiedener selbstständiger Etwas, geläufiger: Dinge +ausmachen. Die so eben betrachteten Maaßverhältnisse gehören abstrakten +Qualitäten, wie dem Raume und der Zeit, an; zu den im bevorstehenden zu +betrachtenden sind specifische Schwere, weiterhin die chemischen +Eigenschaften die Beispiele, welche als Bestimmungen materieller +Existenzen sind. Raum und Zeit sind auch Momente solcher Maaße, die +aber nun weitern Bestimmungen untergeordnet, nicht mehr nur nach ihrer +eigenen Begriffsbestimmung sich zu einander verhalten. Im Klange z.B. +ist die Zeit, in welcher eine Anzahl der Schwingungen erfolgt, das +Räumliche der Länge, Dicke, des schwingenden Körpers, unter den +Bestimmungsmomenten; aber die Größen jener ideellen Momente sind +äußerlich bestimmt, sie zeigen sich nicht mehr in einem Potenzen-, +sondern in gewöhnlichem direkten Verhältnisse gegeneinander, und das +Harmonische reducirt sich auf die ganz äußerliche Einfachheit von +Zahlen, deren Verhältnisse sich am leichtesten auffassen lassen, und +damit eine Befriedigung gewähren, die ganz der Empfindung anheimfällt, +da für den Geist keine Vorstellung, Phantasiebild, Gedanke und +dergleichen ihn Erfüllendes vorhanden ist. Indem die Seiten, welche nun +das Maaßverhältniß ausmachen, selbst Maaße, aber zugleich reelle Etwas +sind, sind ihre Maaße zunächst unmittelbare Maaße und als Verhältnisse +an ihnen, direkte Verhältnisse. Es ist das Verhältniß solcher +Verhältnisse zu einander, welches nun in seiner Fortbestimmung zu +betrachten ist. + +Das Maaß, wie es so nunmehr reales ist, ist + +erstens ein selbstständiges Maaß einer Körperlichkeit, das sich zu +andern verhält und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die +selbstständige Materialität, specificirt. Diese Specifikation, als ein +äußerliches Beziehen zu vielen Andern überhaupt ist das Hervorbringen +anderer Verhältnisse, somit anderer Maaße, und die specifische +Selbstständigkeit bleibt nicht in einem direkten Verhältnisse, +bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die eine Reihe von +Maaßen ist, über. + +Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhältnisse, an sich +bestimmte und ausschließende Maaße, (Wahlverwandschaften); indem aber +ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein +Fortgang von Verhältnissen vorhanden, der zum Theil bloß äußerlich +quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhältnisse unterbrochen +wird, und eine Knotenlinie von specifischen Selbstständigen bildet. + +Drittens aber tritt in diesem Fortgange für das Maaß die Maaßlosigkeit +überhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maaßes ein, in welcher +die sich ausschließenden Selbstständigkeiten Eins mit einander sind, +und das Selbstständige in negative Beziehung zu sich selbst tritt. + +A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße. + +Die Maaße heißen nun nicht mehr bloß unmittelbare, sondern +selbstständige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhältnissen von +Maaßen, welche specificirt sind, so in diesem Fürsichseyn Etwas, +physikalische, zunächst materielle Dinge sind. Das Ganze, welches ein +Verhältniß solcher Maaße ist, ist aber + +a. zunächst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als +solche selbstständige Maaße bestimmt sind, außer einander an besondern +Dingen bestehend, und werden äußerlich in Verbindung gesetzt; + +b. die selbstständigen Materialitäten sind aber, was sie qualitativ +sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maaße haben, +somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different +dagegen (sogenannte Affinität) und zwar als Glieder einer Reihe solchen +quantitativen Verhaltens bestimmt; + +c. dieses gleichgültige mannigfaltige Verhalten schließt sich zugleich +zum ausschließenden Fürsichseyn ab;—sogenannte Wahlverwandschaft. + +a. Verbindung zweier Maaße. + +Etwas ist in sich als Maaßverhältniß von Quantis bestimmt, welche +ferner Qualitäten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von diesen +Qualitäten. Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein +Fürsichseyendes,—Materielles—ist, (wie intensiv genommen, das Gewicht, +oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die andere aber +ist die Äußerlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte, Ideelle, der +Raum.) Diese Qualitäten sind quantitativ bestimmt, und das Verhältniß +derselben zu einander macht die qualitative Natur des materiellen Etwas +aus;—das Verhältniß des Gewichts zum Volumen, die bestimmte specifische +Schwere. Das Volumen, das Ideelle, ist als die Einheit anzunehmen, das +Intensive aber, das in quantitativer Bestimmtheit und in der +Vergleichung mit jenem als extensive Größe, Menge von fürsichseyenden +Eins erscheint, als die Anzahl.—Das reine qualitative Verhalten der +beiden Größebestimmtheiten, nach einem Potenzenverhältniß ist darin +verschwunden, daß in der Selbstständigkeit des Fürsichseyns +(—materiellen Seyns—) die Unmittelbarkeit zurückgekehrt ist, an welcher +die Größebestimmtheit ein Quantum als solches, und das Verhältniß eines +solchen zu der andern Seite ebenfalls in dem gewöhnlichen Exponenten +eines direkten Verhältnisses bestimmt ist. + +Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist +unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von +solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten +solcher Verhältnisse bestimmt. Er macht das specifische +An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthümliche Maaß von Etwas aus; +aber indem dieses sein Maaß auf dem Quantum beruht, ist es auch nur als +äußerliche, gleichgültige Bestimmtheit, und solches Etwas ist dadurch +der innerlichen Maaßbestimmung ungeachtet veränderlich. Das Andere, zu +dem es als veränderlich sich verhalten kann, ist nicht eine Menge von +Materie, ein Quantum überhaupt; hiergegen hält sein specifisches +Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das zugleich ebenso +Exponent solchen specifischen Verhältnisses ist. Es sind zwei Dinge, +von verschiedenem inneren Maaße, die in Beziehung stehen, und in +Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener specifischer +Schwere;—welche Gleichartigkeit ihrer Natur, daß es z. B. nicht ein +Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede wäre, sonst zur +Möglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey, gehört nicht hierher +zu betrachten.—Einer Seits erhält sich nun jedes der beiden Maaße in +der Veränderung, die an dasselbe durch die Äußerlichkeit des Quantums +kommen sollte, weil es Maaß ist, anderer Seits aber ist dieses +Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu diesem Quantum, eine +Specifikation desselben, und da dasselbe Exponent des Maaß +Verhältnisses ist, eine Veränderung des Maaßes selbst und zwar eine +gegenseitige Specifikation. + +Nach der bloß quantitativen Bestimmung wäre die Verbindung ein bloßes +Summiren der zwei Größen der einen, und der zwei der andern Qualität, +z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der +Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so +daß nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe, +sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener +Räume. Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte, +—die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite, +welche als die für sichseyende zum festen Daseyn und damit von +bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,—das Gewicht der Materie, +oder was für dasselbe nach der Rücksicht der quantitativen Bestimmtheit +gilt, die Menge der materiellen Theile. Aber in die Exponenten fällt +die Veränderung, indem sie der Ausdruck der qualitativen Bestimmtheit, +des Fürsichseyns als Maaß-Verhältnisse sind, welches, indem das Quantum +als solches die zufällige, äußerliche Veränderung durch Zusatz, der +summirt wird, erleidet, zugleich sich als negirend gegen diese +Äußerlichkeit erweist. + +Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt, nicht +am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern Qualität, +welche die ideelle Seite des Verhältnisses ist. Für die sinnliche +Wahrnehmung kann es auffallend seyn, daß sich nach der Vermischung +zweier specifisch verschiedener Materien eine Veränderung, —gewöhnlich +eine Verminderung,—des summirten Volumens zeigt; der Raum selbst macht +das Bestehen der außereinanderseyenden Materie aus. Aber dieß Bestehen, +gegen die Negativität, welche das Fürsichseyn in sich enthält, ist das +nicht an sich Seyende, das Veränderliche; der Raum wird auf diese Weise +als das, was er wahrhaft ist, als das Ideelle gesetzt. + +Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als +veränderlich gesetzt sondern das Maaß selbst, und damit die darauf +gegründete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt, +nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum +überhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaaßVerhältnissen zu haben. + +b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen. + +1. Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso dieß Andere nur +durch die einfache Qualität bestimmt, das wäre, was es ist, so würden +sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das +Maaßverhältniß in sich ist, ist selbstständig, aber dadurch zugleich +vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit aufgehoben +wird, erhält es sich durch sein gleichgültiges, quantitatives Bestehen, +und verhält sich zugleich als specificirendes Moment eines neuen +Maaßverhältnisses. Seine Qualität ist eingehüllt in das Quantitative; +damit ist sie ebenso gleichgültig gegen das andere Maaß, kontinuirt +sich in dasselbe und in das neue gebildete Maaß hinein; der Exponent +des neuen Maaßes ist selbst nur irgend ein Quantum, äußerliche +Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgültigkeit darin dar, daß das +specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen Maaßen eben +dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen Maaßverhältnisse +eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern gebildeten, drückt sich +seine specifische Eigenthümlichkeit nicht aus. + +2. Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maaße an ihnen sind, +giebt verschiedene Verhältnisse, die also verschiedene Exponenten +haben. Das Selbstständige hat den Exponenten seines +An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die +Neutralität mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit +denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst. +Die Exponenten dieser Verhältnisse aber sind verschieden, und es stellt +hiermit seinen qualitativen Exponenten als die—Reihe dieser +verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;—als eine Reihe +von specifischem Verhalten zu Andern. Der qualitative Exponent als Ein +unmittelbares Quantum drückt eine einzelne Relation aus. Wahrhaft +unterscheidet sich das Selbstständige durch die eigenthümliche Reihe +der Exponenten, die es, als Einheit angenommen, mit andern solchen +Selbstständigen bildet, indem ein anderes derselben ebenso mit +ebendenselben in Beziehung gebracht und als Einheit angenommen, eine +andere Reihe formirt.—Das Verhältniß solcher Reihe innerhalb ihrer +macht nun das Qualitative des Selbstständigen aus. + +Insofern nun solches Selbstständiges mit einer Reihe von +Selbstständigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunächst +von einem Andern außer dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen +wird, dadurch unterschieden zu seyn, daß dieses eine andere Reihe von +Exponenten mit denselben Gegenüberstehenden macht. Aber auf diese Weise +wären diese beiden Selbstständigen nicht vergleichbar, insofern jedes +so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die beiden +aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere sind. Die +beiden, die als Selbstständige verglichen werden sollen, sind zunächst +gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr Verhältniß zu +bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen fürsichseyenden +Einheit. Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu suchen, worin die zu +vergleichenden, wie gezeigt, das specifische Daseyn ihres Maaßes haben, +also in dem Verhältnisse, das die Verhältnissexponenten der Reihe zu +einander haben. Dieß Verhältniß der Exponenten selbst ist aber nur so +für sichseyende, in der That bestimmte Einheit, als die Glieder der +Reihe dasselbe, als ein konstantes Verhältniß unter einander, zu beiden +haben; so kann es ihre gemeinschaftliche Einheit seyn. In ihr also +liegt allein die Vergleichbarkeit der beiden Selbstständigen, die als +sich nicht mit einander neutralisirend, sondern als gleichgültig gegen +einander angenommen wurden. Jedes abgesondert außerhalb der +Vergleichung ist die Einheit der Verhältnisse mit den +gegenüberstehenden Gliedern, welche die Anzahlen gegen jene Einheit +sind, somit die Reihe von Exponenten vorstellen. Diese Reihe ist +dagegen umgekehrt die Einheit für jene beiden, die verglichen +miteinander, Quanta gegeneinander sind; als solche sind sie selbst +verschiedene Anzahlen ihrer so eben aufgezeigten Einheit. + +Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenüber stehenden unter sich +verglichenen beiden oder vielmehr Vielen überhaupt, die Reihe der +Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst +gleichfalls Selbstständige, jedes ein specifisches Etwas von einem ihm +an sich zuständigen Maaßverhältniß. Sie sind insofern gleichfalls jedes +als Einheit zu nehmen, so daß sie an den erst genannten unter sich bloß +verglichenen Beiden oder vielmehr unbestimmt Mehrern eine Reihe von +Exponenten haben, welche Exponenten die Vergleichungszahlen der so eben +genannten unter sich sind; so wie die Vergleichungszahlen der nun +einzeln auch als selbstständig genommenen unter sich gleichfalls +umgekehrt die Reihe der Exponenten für die Glieder der ersten Reihe +sind. Beide Seiten sind auf diese Weise Reihen, in denen jede Zahl +erstens Einheit überhaupt ist gegen ihre gegenüber stehende Reihe, an +der sie ihr Fürsichbestimmtseyn als eine Reihe von Exponenten hat; +zweitens ist sie selbst einer der Exponenten für jedes Glied der +gegenüberstehenden Reihe; und drittens Vergleichungszahl zu den übrigen +Zahlen ihrer Reihe, und hat als solche Anzahl, die ihr auch als +Exponent zukommt, ihre für-sich-bestimmte Einheit an der gegenüber +stehenden Reihe. + +3. In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das +Quantum als fürsichseyend, nämlich als Grad gesetzt ist, einfach zu +seyn, aber die Größebestimmtheit an einem außer ihm seyenden Quantum, +das ein Kreis von Quantis ist, zu haben. Im Maaße aber ist dieß +Äußerliche nicht bloß ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern +eine Reihe von Verhältnißzahlen, und das Ganze derselben ist es, worin +das Fürsich-bestimmtseyn des Maaßes liegt. Wie beim Fürsichseyn des +Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese Äußerlichkeit seiner +selbst sich die Natur des selbstständigen Maaßes verkehrt. Seine +Beziehung auf sich ist zunächst als unmittelbares Verhältniß, und damit +besteht sogleich seine Gleichgültigkeit gegen Anderes nur in dem +Quantum. In diese Äußerlichkeit fällt daher seine qualitative Seite, +und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die specifische +Bestimmung dieses Selbstständigen ausmacht. Sie besteht so schlechthin +in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens, und diese Art und +Weise ist so sehr durch das Andere als durch es selbst bestimmt, und +dieß Andere ist eine Reihe von Quantis, und es selbst gegenseitig ein +solches. Aber diese Beziehung, in welcher sich zwei Specifische zu +etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten, specificiren, enthält ferner +dieß, daß das Eine darin nicht in das Andere übergegangen, also nicht +nur eine Negation überhaupt, sondern Beide darin negativ gesetzt sind, +und indem jedes sich gleichgültig darin erhält, seine Negation auch +wieder negirt ist. Diese ihre qualitative Einheit ist somit für sich +seyende ausschließende Einheit. Die Exponenten, welche zunächst +Vergleichungszahlen unter sich sind, haben in dem Momente des +Ausschließens erst ihre wahrhaft specifische Bestimmtheit gegeneinander +an ihnen und ihr Unterschied wird so zugleich qualitativer Natur. Er +gründet sich aber auf das Quantitative; das Selbstständige verhält sich +erstens nur darum zu einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil +es in diesem Verhalten zugleich gleichgültig ist; zweitens ist nun die +neutrale Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativität nicht +nur Veränderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und +ausschließende Einheit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines +Selbstständigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine +indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft. + +c. Wahlverwandtschaft. + +Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im vorhergehenden +Neutralität, Verwandtschaft, gebraucht worden,— Ausdrücke, die sich auf +das chemische Verhältniß beziehen. Denn in der chemischen Sphäre hat +wesentlich das Materielle seine specifische Bestimmtheit in der +Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als diese Differenz. Diese +specifische Beziehung ist ferner an die Quantität gebunden, und ist +zugleich nicht nur die Beziehung auf ein einzelnes Anderes, sondern auf +eine Reihe solcher ihm gegenüberstehenden Differenten; die Verbindungen +mit dieser Reihe beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem +Gliede derselben, aber bei dieser Gleichgültigkeit ist zugleich jede +ausschließend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter +Bestimmungen noch zu betrachten ist.—Es ist aber nicht nur im +Chemischen, daß sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen +darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem Verhalten +und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von andern; die +Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von Verbindungen macht +seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf quantitativen +Verhältnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten bilden, und die +Verhältnisse von den beiden specifischen Verhältnissen sind, die jeder +der verbundenen Töne an ihm selbst ist. Der einzelne Ton ist der +Grundton eines Systems, aber ebenso wieder einzelnes Glied im Systeme +jedes andern Grundtons. Die Harmonien sind ausschließende +Wahlverwandtschaften, deren qualitative Eigenthümlichkeit sich aber +ebenso sehr wieder in die Äußerlichkeit bloß quantitativen Fortgehens +auflöst.—Worin aber das Princip eines Maaßes für diejenigen +Verwandtschaften, welche (chemische oder musikalische oder andere) +Wahlverwandtschaften unter und gegen die andern sind, liege, darüber +wird im Folgenden in Betreff der chemischen noch eine Bemerkung +vorkommen; aber diese höhere Frage hängt mit dem Specifischen des +eigentlichen Qualitativen aufs engste zusammen, und gehört in die +besondern Theile der konkreten Naturwissenschaft. + +Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem +Verhalten zu dem Ganzen einer gegenüberstehenden Reihe hat, deren +Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie sich +mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die speciellere +Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft gleichfalls nur eine +quantitative. In der Wahlverwandtschaft als ausschließender, +qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich diesem quantitativen +Unterschiede. Die nächste Bestimmung, die sich darbietet, ist: daß nach +dem Unterschied der Menge, also der extensiven Größe, der unter den +Gliedern der einen Seite für die Neutralisirung eines Gliedes der +andern Seite Statt findet, sich auch die Wahlverwandtschaft dieses +Gliedes zu den Gliedern der andern Reihe, mit denen allen es in +Verwandtschaft steht, richte. Das Ausschließen als ein festeres +Zusammenhalten gegen andere Möglichkeiten der Verbindung, welches +dadurch begründet wäre, erschiene so umgewandelt in um so viel größere +Intensität, nach der früher nachgewiesenen Identität der Formen von +extensiver und intensiver Größe, als in welchen beiden Formen die +Größenbestimmtheit eine und dieselbe ist. Dieß Umschlagen der +einseitigen Form der extensiven Größe auch in ihre andere, die +intensive, ändert aber an der Natur der Grundbestimmung, welche das +Eine und dasselbe Quantum ist, nichts; so daß hiermit in der That kein +Ausschließen gesetzt wäre, sondern gleichgültig entweder nur Eine +Verbindung oder ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen +Gliedern, wenn nur die Portionen, die von ihnen einträten, in Gemäßheit +ihrer Verhältnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend +wären, Statt haben könnte. + +Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist +nicht nur die Form der Intensität; der Exponent ist wesentlich +Maaßbestimmung, und damit ausschließend; die Zahlen haben in dieser +Seite ausschließenden Verhaltens ihre Kontinuität und +Zusammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder +Weniger, was einen negativen Charakter erhält, und der Vorzug, den ein +Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Größenbestimmtheit +stehen. Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach +welcher es einem Momente wieder gleichgültig ist von mehrern ihm +gegenüber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten, +von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das +ausschließende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von +der quantitativen Seite her.—Es ist hiermit ein Umschlagen von +gleichgültigem, bloß quantitativem Verhalten in ein qualitatives und +umgekehrt ein Übergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloß +äußerliche Verhältniß gesetzt;—eine Reihe von Verhältnissen, die bald +bloß quantitativer Natur, bald specifische und Maaße sind. + +Anmerkung. + +Die chemischen Stoffe sind die eigenthümlichsten Beispiele solcher +Maaße, welche Maaßmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung +ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben. Säuren und Kalien oder +Basen überhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte Dinge, +aber vielmehr als unvollkommene Körperelemente, als Bestandtheile, die +eigentlich nicht für sich existiren, sondern nur diese Existenz haben, +ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit einem andern zu +verbinden. Der Unterschied ferner, wodurch sie als selbstständige sind, +besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualität, sondern in der +quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Er ist nämlich nicht auf +den chemischen Gegensatz von Säure und Kali oder Basis überhaupt, +eingeschränkt, sondern ist zu einem Maaße der Sättigung specificirt, +und besteht in der specifischen Bestimmtheit der Quantität der sich +neutralisirenden Stoffe. Diese Quantitäts-Bestimmung in Rücksicht auf +die Sättigung macht die qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht +ihn zu dem, was er für sich ist, und die Zahl, die dieß ausdrückt, ist +wesentlich einer von mehrern Exponenten für eine gegenüber stehende +Einheit.—Solcher Stoff steht mit einem andern in sogenannter +Verwandtschafft; insofern diese Beziehung rein qualitativer Natur +bliebe, so wäre,—wie die Beziehung der magnetischen Pole oder der +Elektricitäten,—die eine Bestimmtheit nur die negative der andern, und +beide Seiten zeigten sich nicht auch zugleich gleichgültig +gegeneinander. Aber weil die Beziehung auch quantitativer Natur ist, +ist jeder dieser Stoffe fähig mit Mehrern sich zu neutralisiren, und +nicht auf einen gegenüber stehenden eingeschränkt. Es verhält sich +nicht nur die Säure und das Kali oder Basis, sondern Säuren und Kalien +oder Basen zu einander. Sie charakterisiren sich zunächst dadurch gegen +einander, je nachdem eine Säure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich +mit ihm zu sättigen, als eine andere. Aber die fürsichseyende +Selbstständigkeit zeigt sich darin, daß die Verwandtschaften sich +ausschließend verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem +für sich eine Säure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung +eingehen kann. Es macht so den Hauptunterschied einer Säure gegen eine +andere aus, ob sie zu einer Basis eine nähere Verwandtschaft habe, als +eine andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft. + +Über die chemischen Verwandtschaften der Säuren und Kalien ist das +Gesetz gefunden worden, daß wenn zwei neutrale Solutionen gemischt +werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen +entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus, +daß die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Sättigung einer Säure +erfordert werden, in demselben Verhältnisse zur Sättigung einer andern +nöthig sind; überhaupt wenn für ein Kali als Einheit genommen die Reihe +der Verhältnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die verschiedenen +Säuren dasselbe sättigen, so ist für jedes andere Kali diese Reihe +dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander in +verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;—Anzahlen, die wieder ihrer Seits +eine eben solche beständige Reihe von Exponenten für jede der gegenüber +stehenden Säuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen Säure sich +in demselben Verhältnisse beziehen, als zujeder andern. —Fischer hat +zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in ihrer Einfachheit +herausgehoben; s. in s. Anmerkungen zur Übersetzung von Berthollets +Abhandlung über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie, S. 232. +und Berthollet Statique chimique I. Part. p. 134. ff.—Die, seit dieß +zuerst geschrieben worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete +Kenntniß von den Verhältnißzahlen der Mischungen der chemischen +Elemente, hier berücksichtigen zu wollen, würde auch darum eine +Abschweifung seyn, da diese empirische zu einem Theil aber auch nur +hypothetische Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen +eingeschlossen bleibt. Aber über die dabei gebrauchten Kategorien, +ferner über die Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und +ihrer Beziehung auf das Quantitative, so wie über den Versuch, dieselbe +auf bestimmte physikalische Qualitäten zu gründen, mögen noch einige +Bemerkungen hinzugefügt werden. + +Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der +Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer +chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat, was wohl zu +unterscheiden ist, auf die Quantitäts-Verhältnisse der chemischen +Sättigungs-Gesetze selbst keinen Einfluß, aber das qualitative Moment +der ausschließenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur +geschwächt, sondern vielmehr aufgehoben. Wenn zwei Säuren auf ein Kali +wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, daß sie eine größere +Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum vorhanden ist, +welches fähig ist, das Quantum der Basis zu sättigen, so erfolgt nach +der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese Sättigung; die andere +Säure bleibt ganz unwirksam und von der neutralen Verbindung +ausgeschlossen. Nach jenem Begriffe der Wirksamkeit einer chemischen +Masse hingegen, ist jede von beiden wirksam in einem Verhältniß, das +aus ihrer vorhandenen Menge und ihrer Sättigungsfähigkeit oder +sogenannten Affinität zusammengesetzt ist. Berthollets Untersuchungen +haben die nähern Umstände angegeben, unter welchen die Wirksamkeit der +chemischen Masse aufgehoben wird, und eine (stärker verwandte) Säure +die andere (schwächere) auszutreiben und deren Wirkung auszuschließen, +somit nach dem Sinne der Wahlverwandtschaft thätig zu seyn scheint. Er +hat gezeigt, daß es Umstände, wie die Stärke der Kohäsion, +Unauflösbarkeit der gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen +jenes Ausschließen Statt findet, nicht die qualitative Natur der +Agentien als solche, —Umstände, welche wieder durch andere Umstände +z.B. die Temperatur in ihrer Wirkung aufgehoben werden können. Mit der +Beseitigung dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkümmert +in Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschließen, als +Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in äußerlichen +Modifikationen zu liegen. + +Berzelius wäre es vornehmlich, der weiter über diesen Gegenstand zu +hören ist. Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie über die +Sache nichts Eigenthümliches und Bestimmteres auf. Es sind die +berthollet'schen Ansichten aufgenommen und wörtlich wiederhohlt, nur +mit der eigenthümlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion +ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich für die nähere +Betrachtung darbieten. Die Theorie geht über die Erfahrung hinaus, und +erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in der +Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an, und +macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik. Wir wollen +daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (übers. von +Wöhler S. 82. ff) über die Theorie Vorgetragene vornehmen. Daselbst nun +liest man, "daß man sich vorstellen müsse, in einer gleichförmig +gemischten Flüssigkeit sey ein jedes Atom vom aufgelösten Körper von +einer gleichen Anzahl von Atomen des Auflösungsmittels umgeben; und +wenn mehrere Substanzen zusammen aufgelöst sind, so müssen sie die +Zwischenräume zwischen den Atomen des Auflösungsmittels unter sich +theilen, so daß, bei einer gleichförmigen Mischung der Flüssigkeit, +eine solche Symmetrie in der Lage der Atome entstehe, daß alle Atome +der einzelnen Körper sich in Beziehung zu den Atomen der andern Körper +in einer gleichförmigen Lage befinden; man könne daher sagen, daß die +Auflösung durch die Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die +Verbindung durch die bestimmten Proportionen charakterisirt sey."—Dieß +wird hierauf durch ein Beispiel der Verbindungen erläutert, die aus +einer Auflösung von Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsäure +hinzugesetzt wird, entstehen; aber an diesem Beispiele wird freilich +weder aufgezeigt, daß Atome existiren, noch daß eine Anzahl von Atomen +der aufgelösten Körper Atome der Flüssigkeit umgeben, freie Atome der +beiden Säuren sich um die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden +lagern, noch daß die Symmetrie in der Stellung und Lage, noch daß +Zwischenräume zwischen den Atomen existiren,—am allerwenigsten daß die +aufgelösten Substanzen die Zwischenräume der Atome des +Auflösungsmittels unter sich theilen. Dieß hiesse, daß die aufgelösten +da ihre Stellung nehmen, wo das Auflösungsmittel nicht ist,—denn die +Zwischenräume desselben sind die von ihm leeren Räume,—somit daß die +aufgelösten Substanzen sich nicht im Auflösungsmittel befinden, sondern +wenn auch dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben +und umlagert,—außerhalb desselben, also gewiß auch von ihm nicht +aufgelöst sind. Man sieht somit nicht ein, daß man sich solche +Vorstellungen machen müsse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt +sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf andere +Weise nicht erhärtet sind. Dieß könnte nur durch die Betrachtung dieser +Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik, welche Logik ist, +geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als durch die Erfahrung +bestätigt,—im Gegentheil!—Übrigens giebt Berzelius zu, was auch oben +gesagt worden, daß die Sätze Berthollets der Theorie von den bestimmten +Proportionen nicht entgegen seyen,—er fügt freilich hinzu, daß sie auch +den Ansichten von der Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin +angeführten Vorstellungen von den Atomen, der Erfüllung der +Zwischenräume der auflösenden Flüssigkeit durch die Atome der festen +Körper u.s.f. nicht entgegen seyen,—diese letztere grundlose Metaphysik +hat aber wesentlich nichts mit den Proportionen der Sättigung selbst zu +thun. Das Specifische, was in den Sättigungsgesetzen ausgedrückt ist, +betrifft somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht +Atomen) eines Körpers, mit welcher sich die quantitative Einheit +(ebenso wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten +Körpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen +verschiedenen Proportionen. Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine +Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch +von Affinitätsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische Masse +Berthollets als die Summe des Affinitätsgrades aus der vorhandenen +Quantität des wirksamen Körpers erklärt, statt dessen Berthollet +consequenter den Ausdruck capacité de saturation gebraucht, so verfällt +er damit selbst in die Form intensiver Größe. Dieß ist aber die Form, +welche das Eigenthümliche der sogenannten dynamischen Philosophie +ausmacht, die er früher S. 29. a. a. O. "die speculative Philosophie +gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der vortrefflichen +"Korpuskularphilosophie" nachdrücklich verwirft. Von dieser dynamischen +Philosophie giebt er dort an, daß sie annehme, die Elemente in ihrer +chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die Neutralisation +bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; dieß heißt nichts +Anders, als daß die chemisch differenten Partikeln, die als Menge +gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven Größe +zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund giebt. +Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch verbundenen +Atome sich in den Zwischenräumen, d. h. außereinander erhalten, +(Juxtaposition); Grad der Affinität hat in solchem Verhalten als einer +nur extensiven Größe, eines Perennirens von Menge, keinen Sinn. Wenn +ebendas angegeben wird, daß die Erscheinungen der bestimmten +Proportionen für die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen gekommen +seyen, so wäre dieß nur ein äußerlicher historischer Umstand, abgesehen +davon, daß die richterschen stöchiometrischen Reihen, in der +fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in der +ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien +erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude Korpuskulartheorie +beruht, angeführt sind. Irrthümlich aber urtheilt Berzelius als ob +unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die Erscheinungen der +bestimmten Proportionen "für immer" unbekannt geblieben wären,—in dem +Sinne, daß jene Ansicht sich nicht mit der Bestimmtheit der +Proportionen vertrüge. Diese ist auf allen Fall nur Größebestimmtheit, +gleichgültig ob in extensiver und intensiver Form, —so daß auch +Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge, hängt, selbst die +Vorstellung von Affinitätsgraden gebraucht. + +Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied +zurückgeführt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das +Ausschließende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstände +zurückgeführt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der +Verwandschaft Äußerliches erscheinen, auf Kohäsion, Unauflöslichkeit +der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f. Es kann mit dieser +Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung der +Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst +zukommt, daß der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe übergeht, +nur als der zugleich vorhandene Umstand des äußern Widerstands der Luft +des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung allein statt der Schwere +zugeschrieben wird.—Hier für die Natur des Qualitativen, welches in der +Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen Unterschied, ob dasselbe in +der Form jener Umstände als seiner Bedingungen erscheint und aufgefaßt +wird. Es beginnt mit dem Qualitativen als solchen eine neue Ordnung, +deren Specifikation nicht mehr nur quantitativer Unterschied ist. + +Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinität in einer Reihe +quantitativer Verhältnisse sich genau feststellt gegen die +Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren +Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfällt, so wird dieser +Unterschied wieder in völlige Verwirrung durch die Art geworfen, in +welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten +in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn +sollenden Princip aus über das wichtigste, das Maaßverhältniß, einen +Aufschluß zu erhalten, wird gänzlich getäuscht. Diese Theorie, in +welcher die Erscheinungen der Elektricität und des Chemismus vollkommen +identificirt werden, insofern sie das Physikalische und nicht bloß die +Maaßverhältnisse betrifft, ist hier nicht in nähere Betrachtung zu +nehmen, und nur insofern zu erwähnen, als die Unterschiedenheit der +Maaßbestimmungen dadurch verworren wird. Für sich selbst ist sie seicht +zu nennen, weil die Seichtigkeit darin besteht, das Verschiedene mit +Weglassung der Verschiedenheit identisch zu nehmen. War hierbei die +Affinität betrifft, so ist sie, indem so chemische Processe mit +elektrischen, ingleichen mit Feuer und Licht-Erscheinungen, +identificirt werden, "auf Neutralisation entgegengesetzter +Electricitäten" reducirt worden. Die Identifikation der Elektricität +und des Chemismus selbst ist es beinahe komisch (S. 63. a. a. O.) in +folgender Weise dargestellt zu finden, daß "die eletrischen Phänomene +wohl die Wirkung der Körper auf größern oder geringern Abstand, ihre +Anziehung vor der Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische +Verhalten)—und das durch diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl +erklären, aber uns über die Ursache der mit einer so großen Kraft, nach +Vernichtung des entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden +Vereinigung der Körper keinen Aufschluß geben;" d. h. die Theorie giebt +den Aufschluß, daß die Electricität die Ursache des chemischen +Verhaltens sey, daß aber die Electricität über das, was im chemischen +Processe chemisch ist, keinen Aufschluß gebe.—Damit, daß die chemische +Differenz überhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer +Elektricität zurückgeführt wird, wird die Affinitätsverschiedenheit der +auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter sich als +die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und elektronegativer +Körper bestimmt. Bei dem Identificiren der Elektricität und des +Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach, wird schon dieß übersehen, +daß die erstere überhaupt und deren Neutralisirung flüchtig ist und der +Qualität der Körper äußerlich bleibt, der Chemismus in seiner Aktion +und besonders in der Neutralisation die ganze qualitative Natur der +Körper in Anspruch nimmt und alterirt. Ebenso flüchtig ist innerhalb +der Elektricität ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein +so Unstätes, daß er von den geringsten äußerlichen Umständen abhängig +ist, und in keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit +und Festigkeit des Gegensatzes von Säuren z.B. gegen die Metalle u.s.w. +Die Veränderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch höchst +gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhöhten Temperatur u.s.f. statt +finden kann, steht in keinem Vergleich mit der Oberflächlichkeit des +elektrischen Gegensatzes. Der fernere Unterschied nun innerhalb der +Reihe jeder der beiden Seiten zwischen mehr oder weniger +positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger negativ-elektrischer +Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein völlig Unsicheres als +Unkonstatirtes. Aus diesen Reihen der Körper aber (Berzelius am ang. +Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen Dispositionen soll das +elektrochemische System entstehen, welches sich von allen am besten +eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;" diese Reihen werden nun +angegeben; wie sie aber in der That beschaffen sind, darüber wird S. +67. hinzugefügt: + +"daß dieß ungefähr die Ordnung dieser Körper sey, aber diese Materie +sey so wenig untersucht, daß sich noch nichts ganz Gewisses +hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."—Sowohl die +Verhältnißzahlen jener (von Richter zuerst gemachten) Affinitätsreihen, +als die höchst interessante von Berzelius aufgestellte Reduktion der +Verbindungen von zwei Körpern auf die Einfachheit weniger quantitativen +Verhältnisse sind ganz und gar unabhängig von jenem elektrochemisch +seyn sollenden Gebräue. Wenn in jenen Proportionen und in deren seit +Richter nach allen Seiten hin gewonnenen Ausdehnung der experimentale +Weg der richtige Leitstern gewesen, so kontrastirt für sich damit +umsomehr die Vermischung dieser großen Entdeckungen mit der außer dem +Weg der Erfahrung liegenden Öde der sogenannten Korpuskulartheorie; nur +dieser Anfang, das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es +motiviren, noch weiter jenen früher von Ritter vornehmlich angefangenen +Einfall wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und +elektronegativen Körpern, die zugleich chemische Bedeutung haben +sollten, aufzustellen. + +Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die für die chemische Affinität in +dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Körpern, wenn +dieser für sieh auch faktisch richtiger wäre, als er ist, angenommen +wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege, was denn aber +wieder zu weiterer Inkonsequenz führt. Es wird S. 73. (a. a. O.) +zugestanden, daß zwei sogenannte elektronegative Körper, wie Schwefel +und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit einander verbinden, +als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer, obgleich letzteres +elektropositiv sey. Die auf den allgemeinen Gegensatz von positiver und +negativer-Elektricität basirte Grundlage für die Affinität muß hier +hiermit gegen ein bloßes Mehr oder Weniger innerhalb Einer und +derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit zurückgestellt werden. +Der Verwandschaftsgrad der Körper, wird nun hieraus geschlossen, hänge +demnach nicht allein von ihrer specifischen Unipolarität (mit welcher +Hypothese diese Bestimmung zusammenhängt, thut hierher nichts, sie gilt +hier nur für das Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab; +der Verwandschaftsgrad müsse hauptsächlich von der Intensität ihrer +Polarität im Allgemeinen hergeleitet werden. Hier geht somit näher die +Betrachtung der Affinität zu dem Verhältniß der Wahlverwandschaft über, +um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn für diese +nun ergiebt. Indem sogleich (ebendas. S. 73.) zugestanden wird, daß der +Grad dieser Polarität, wenn sie nicht bloß in unserer Vorstellung +existire, keine konstante Quantität zu seyn scheine, sondern sehr von +der Temperatur abhänge, so findet sich nach allem diesem als Resultat +angegeben, nicht nur, daß jede chemische Wirkung so ihrem Grunde nach +ein elektrisches Phänomensey, sondern auch was Wirkung der sogenannten +Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch eine in gewissen Körpern +stärker, als in andren vorhandene elektrische Polarität bewirkt werde. +Zum Beschlusse des bisherigen Herumwindens in hypothetischen +Vorstellungen bleibt es somit bei der Kategorie stärkerer Intensität, +welche dasselbe Formelle als die Wahlverwandschaft überhaupt ist, und +diese damit, daß sie auf eine stärkere Intensität elektrischer +Polarität gestellt wird, im geringsten nicht weiter auf einen +physikalschen Grund bringt als vorher. Aber auch das was hier als +größere specifische Intensität bestimmt seyn soll, wird späterhin nur +auf die bereits angeführten, von Berthollet aufgezeigten Modifikationen +zurückgeführt. + +Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle chemischen +Verhältnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte für sich kein +Abhaltungsgrund seyn, die Blöße der angeführten Theorie auseinander zu +setzen; ein näherer Grund aber, dieß zu thun, muß der Umstand seyn, daß +solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft, wie bei Newton, +Autorität für ein damit in Zusammenhang gesetztes grundloses Gebäude +von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und daß gerade solche +Metaphysik dasjenige ist, was mit der größten Prätension ausgegeben und +ebenso nachgesprochen wird. + +Außer den Formen des Maaßverhältnisses, die sich auf die chemische +Affinität und Wahlverwandschaft beziehen, können auch noch andere in +Rücksicht auf Quantitäten, die sich zu einem System qualificiren, +betrachtet werden. Die chemischen Körper bilden in Beziehung auf +Sättigung ein System von Verhältnissen; die Sättigung selbst beruht auf +der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen, die +eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich verbinden. +Aber es giebt auch Maaßverhältnisse, deren Momente untrennbar sind und +nicht in einer eignen von einander verschiedenen Existenz dargestellt +werden können. Diese sind das, was vorhin die unmittelbaren +selbstständigen Maaße genannt, und die in den specifischen Schweren der +Körper repräsentirt sind.—Sie sind innerhalb der Körper ein Verhältniß +von Gewicht zum Volumen; der Verhältnissexponent, welcher die +Bestimmtheit einer speeifischen Schwere zum Unterschiede von andern +ausdrückt, ist bestimmtes Quantum nur der Vergleichung, ein ihnen +äußeres Verhältniß in einer äußern Reflexion, das sich nicht auf das +eigne qualitative Verhalten zu einer gegenüber stehenden Existenz +gründet. Es wäre die Aufgabe vorhanden, die Verhältnißexponenten der +Reihe der specifischen Schweren, als ein System aus einer Regel zu +erkennen, welche eine bloß arithmetische Vielheit zu einer Reihe +harmonischer Knoten specificirte.—Dieselbe Forderung fände für die +Erkenntniß der angeführten chemischen Verwandtschaftsreihen statt. Aber +die Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin, +die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem +Maaßsysteme zu fassen. + +Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunächst kein qualitatives +Verhältniß zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls in +qualitative Beziehung. Indem die Körper chemisch verbunden, auch nur +amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine +Neutralisation der specifischen Schweren. Es ist vorhin die Erscheinung +angeführt worden, daß das Volumen, auch des Gemisches von chemisch +gegen einander eigentlich gleichgültig bleibenden Materien, nicht von +gleicher Größe mit der Summe des Volumens derselben vor der Vermischung +ist. Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum der +Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben sich +auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander kund. +Hier äußert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht bloß als +eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhältnißzahl, die +verrückbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von +Maaßen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als den +Verhältnißzahlen der specifischen Schweren, die miteinander verbunden +werden. Die Exponenten dieser Verhältnisse sind nicht ausschließende +Maaßbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher, aber enthält +ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell fortgehenden +Verhältnissen, in denen die Mengen verbunden werden, verschieden und +jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht. + +B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen. + +Die letzte Bestimmung des Maaßverhältnisses war, daß es als specifisch +ausschließend ist; das Ausschließen kommt der Neutralität als negativer +Einheit der unterschiedenen Momente zu. Für diese fürsichseyende +Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung ihrer Beziehung +auf die andern Neutralitäten kein weiteres Princip der Specifikation +ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen Bestimmung der Affinität +überhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind, welche sich +neutralisiren, und damit anderen relativen Wahlverwandtschaften ihrer +Momente gegenüberstehen. Aber ferner um der quantitativen +Grundbestimmung willen kontinuirt sich die ausschließende +Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern Neutralitäten, und diese +Kontinuität ist nicht nur äußerliche Beziehung der verschiedenen +Neutralitäts-Verhältnisse, als eine Vergleichung, sondern die +Neutralität hat als solche eine Trennbarkeit in ihr, indem die, aus +deren Einheit sie geworden ist, als selbstständige Etwas, jedes als +gleichgültig, mit diesem oder mit andern der gegenüberstehenden Reihe, +ob zwar in verschiedenen specifisch bestimmten Mengen sich zu +verbinden, in Beziehung treten. Dadurch ist dieß Maaß, das auf einem +solchen Verhältnisse in ihm selbst beruht, mit eigner Gleichgültigkeit +behaftet; es ist ein an ihm selbst Äußerliches und in seiner Beziehung +auf sich ein Veränderliches. + +Diese Beziehung des Verhältnißmaaßes auf sich ist verschieden von +seiner Äußerlichkeit und Veränderlichkeit, als seiner quantitativen +Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende, +qualitative Grundlage;—bleibendes, materielles Substrat, welches, +zugleich als die Kontinuität des Maaßes in seiner Äußerlichkeit mit +sich selbst, in seiner Qualität jenes Princip der Specification dieser +Äußerlichkeit enthalten müßte. Das ausschließende Maaß nach dieser +nähern Bestimmung nun, in seinem Fürsichseyn sich äußerlich, stößt sich +von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur +quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhältniß, das +zugleich ein anderes Maaß ist; ist als an sich selbst specificirende +Einheit bestimmt, welche an ihr Maaßverhältnisse producirt. Diese +Verhältnisse sind von der obigen Art der Affinitäten, in welchen ein +Selbstständiges sich zu Selbstständigen anderer Qualität und zu einer +Reihe solcher verhält, verschieden; sie finden an einem und demselben +Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralität statt; das Maaß +bestimmt sich von sich abstoßend zu andern nur quantitativ +verschiedenen Verhältnissen, welche gleichfalls Affinitäten und Maaße +bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative +Verschiedenheiten bleiben. Sie bilden auf solche Weise eine Knotenlinie +von Maaßen auf einer Skale des Mehr und Weniger. + +Es ist ein Maaßverhältniß vorhanden; eine selbstständige Realität, die +qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Fürsichseyn ist, +weil es zugleich wesentlich ein Verhältniß von Quantis ist, der +Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen; es hat eine Weite, +innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und +seine Qualität nicht ändert. Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung +des Quantitativen ein, auf welchem die Qualität geändert wird, das +Quantum sich als specificirend erweist, so daß das veränderte +quantitative Verhältniß in ein Maaß und damit in eine neue Qualität, +ein neues Etwas, umgeschlagen ist. Das Verhältniß, das an die Stelle +des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der +qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinität stehen, Theils +nach der quantitativen Kontinuität. Aber indem der Unterschied in +dieses Quantitative fällt, verhält sich das neue Etwas gleichgültig +gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der äußerliche des +Quantums. Es ist also nicht aus dem vorhergehenden, sondern unmittelbar +aus sich hervorgetreten; d. i. aus der innerlichen, noch nicht ins +Daseyn getretenen specificirenden Einheit. —Die neue Qualität oder das +neue Etwas ist demselben Fortgange seiner Veränderung unterworfen und +sofort ins Unendliche. + +Insofern der Fortgang von einer Qualität in stätiger Kontinuität der +Quantität ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich nähernden +Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger +unterschieden. Die Veränderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei +Henning/A.R.] eine allmählige. Aber die Allmähligkeit betrifft bloß das +Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben; das +vorhergehende quantitative Verhältniß, das dem folgenden unendlich nahe +ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn. Nach der qualitativen +Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der Allmähligkeit, das +keine Grenze an sich selbst ist, absolut abgebrochen; indem die neu +eintretende Qualität nach ihrer bloß quantitativen Beziehung eine gegen +die verschwindende unbestimmt andere, eine gleichgültige ist, ist der +Übergang ein Sprung; beide sind s als völlig äußerliche gegeneinander +gesetzt.—Man sucht sich gern durch die Allmähligkeit des Übergangs eine +Veränderung begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmähligkeit +gerade die bloß gleichgültige Änderung, das Gegentheil der +qualitativen. In der Allmähligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der +beiden Realitäten, —sie werden als Zustände, oder als selbstständige +Dinge genommen, —aufgehoben; es ist gesetzt, daß keine die Grenze der +andern, sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist; hiermit wird +gerade das, was zum Begreiffen nöthig ist, wenn auch noch so wenig dazu +erfordert wird, entfernt. + +Anmerkung. + +Das natürliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von +qualitativen Momenten, die sich in dem bloß äußerlichen Fortgang +hervorthun. Es ist eines Theils ein bloß quantitatives Vor- und +Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede +Zahl dasselbe arithmetische Verhältniß zu ihrer vorhergehenden und +nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden +u.s.f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben auch zu andern +vorhergehenden oder folgenden ein specifisches Verhältniß, entweder ein +solches vielfaches von einer derselben als eine ganze Zahl ausdrückt, +oder Potenz und Wurzel zu seyn.—In den musikalischen Verhältnissen, +tritt ein harmonisches Verhältniß in der Skale des quantitativen +Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß dieses Quantum für sich auf +der Skale zu seinem vorhergehenden und nachfolgenden ein anderes +Verhältniß hätte, als diese wieder zu ihren vorhergehenden und +nachfolgenden. Indem folgende Töne vom Grundtone sich immer mehr zu +entfernen oder Zahlen durch das arithmetische Fortgehen nur noch mehr +andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr auf einmal eine Rückkehr, +eine überraschende Übereinstimmung hervor, die nicht durch das +unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet war, sondern als eine +actio in distans, als eine Beziehung zu einem Entfernten, erscheint; +der Fortgang an bloß gleichgültigen Verhältnissen, welche die +vorhergehende specifische Realität nicht ändern oder auch überhaupt +keine solche bilden, unterbricht sich auf einmal, und indem er in +quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise fortgesetzt ist, bricht +somit durch einen Sprung ein specifisches Verhältniß ein. + +In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Änderung der +Mischungsverhältnisse solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß +zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden, +welche besondere Qualitäten zeigen. Diese Produkte unterscheiden sich +nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind sie mit +den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen, schon +vorhanden, etwa nur in einem schwächern Grade, sondern sind an solche +Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen voll Sauerstoff und +Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und Salpetersäuren, +die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der Mischung +hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben, so daß in +dazwischen liegenden Mischungsverhältnissen keine Verbindungen Von +specifischen Existenzen erfolgen.—Die Metalloxyde, z.B. die Bleioxyde +bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten der Oxydation, und +unterscheiden sich durch Farben und andere Qualitäten. Sie gehen nicht +allmählig in einander über, die zwischen jenen Knoten liegende +Verhältnisse geben kein Neutrales, kein specifisches Daseyn. Ohne durch +Zwischenstufen durchgegangen zu seyn, tritt eine specifische Verbindung +auf, die auf einem Maaßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten +hat.—Oder das Wasser, indem es seine Temperatur ändert, wird damit +nicht bloß mehr oder weniger warm, sondern geht durch die Zustände der +Härte, der tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit +hindurch; diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählig ein, +sondern eben das bloß allmählige Fortgehen der Temperatur-Änderung wird +durch diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der +Eintritt eines andern Zustandes ist ein Sprung.—Alle Geburt und Tod, +sind, statt eine fortgesetzte Allmähligkeit zu seyn, vielmehr ein +Abbrechen derselben, und der Sprung aus quantitativer Veränderung in +qualitative. + +Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewöhnliche +Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll, +meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein +allmähliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich aber +gezeigt, daß die Veränderungen des Seyns überhaupt nicht nur das +Übergehen einer Größe in eine andere Größe, sondern Übergang vom +Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein Anders-werden, +das ein Abbrechen des Allmähligen und ein Qualitativ-Anderes gegen das +vorhergehende Daseyn ist. Das Wasser wird durch die Erkältung nicht +nach und nach hart, so daß es breiartig würde und allmählig bis zur +Konsistenz des Eises sich verhärtete, sondern ist auf einmal hart; +schon mit der ganzen Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht, +kann es noch seine ganze Flüssigkeit haben, und eine geringe +Erschütterung bringt es in den Zustand der Härte. + +Bei der Allmähligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde, +daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden, +nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der +Allmähligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andere an +seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar +sey;—und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andere in dem +vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur +unbemerkbar, vorhanden sey. Es wird damit das Entstehen und Vergehen +überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas +vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseyns +verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in einen +äußerlichen, bloßen Größeunterschied.—Das Begreiflichmachen eines +Entstehens oder Vergehens aus der Allmähligkeit der Veränderung hat die +der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende oder +Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veränderung zu einer +bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes, wodurch sie in der +That nur eine Tautologie ist. Die Schwierigkeit für solchen begreifen +wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Übergang von Etwas in sein +Anderes überhaupt und in sein Entgegengesetztes; dagegen spiegelt er +sich die Identität und die Veränderung als die gleichgültige, +äußerliche des Quantitativen vor. + +Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seyns betrachtet wird, +findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und +verschiedene Qualitäten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der +Größe zu gründen. Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maaß des +Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen, +hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht.—So +erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das Übrige +als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen Charakter. +Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der Umfang des +Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert. Der Staat hat ein Maaß +seiner Größe, über welche hinausgetrieben er haltungslos in sich +zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei nur anderem Umfange +sein Glück und seine Stärke ausmachte. + +C. Das Maaßlose. + +Das ausschließende Maaß bleibt in seinem realisirten Fürsichseyn +selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des Auf- +und Absteigens an der Skale des Quantums fähig, auf welcher die +Verhältnisse sich ändern. Etwas oder eine Qualität als auf solchem +Verhältnisse beruhend, wird über sich hinaus in das Maaßlose getrieben, +und geht durch die bloße Änderung seiner Größe zu Grunde. Die Größe ist +die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine von +Unverfänglichkeit ergriffen und wodurch es zerstört werden kann. + +Das abstrakte Maaßlose ist das Quantum überhaupt als in sich +bestimmungslos, und als nur gleichgültige Bestimmtheit, durch welche +das Maaß nicht verändert wird. In der Knotenlinie der Maaße ist sie +zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maaßlose hebt sich +zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maaßverhältniß, in welches +das zuerst vorhandene übergeht, ist ein Maaßloses in Rücksicht auf +dieses, an ihm selbst aber ebenso eine für sich-seyende Qualität; so +ist die Abwechslung von specifischen Existenzen miteinander und +derselben ebenso mit bloß quantitativbleibenden Verhältnissen +gesetzt,—sofort ins Unendliche. Was also in diesem Übergehen vorhanden +ist, ist sowohl die Negation der specifischen Verhältnisse, als die +Negation des quantitativen Fortgangs selbst; das fürsichseyende +Unendliche.—Die qualitative Unendlichkeit, wie sie am Daseyn ist, war +das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, als unmittelbarer +Übergang und Verschwinden des Diesseits in seinem Jenseits. Die +quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer Bestimmtheit nach schon +die Kontinuität des Quantums, eine Kontinuität desselben über sich +hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird zum Unendlichen; das +Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm selbst, und weist über +sich hinaus. Aber diese Unendlichkeit der Specifikation des Maaßes +setzt ebensowohl das Qualitative wie das Quantitative als sich in +einander aufhebend, und damit die erste, unmittelbare Einheit +derselben, welche das Maaß überhaupt ist, als in sich zurückgekehrt und +damit selbst als gesetzt. Das Qualitative, eine specifische Existenz, +geht in eine andere so über, daß nur eine Veränderung der +Größebestimmtheit eines Verhältnisses vorgeht; die Veränderung des +Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als eine äußerliche und +gleichgültige, und als ein Zusammengehen mit sich selbst gesetzt; das +Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in Qualitatives, das An- +und Für-Sichbestimmtseyn, auf. Diese so sich in ihrem Wechsel der Maaße +in sich selbst kontinuirende Einheit ist die wahrhaft +bestehenbleibende, selbstständige Materie, Sache. + +Was hiermit vorhanden ist, ist à) eine und dieselbe Sache, welche als +Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist. +Schon im Quantum überhaupt beginnt dieß Abtrennen des Seyns von seiner +Bestimmtheit; groß ist etwas, als gleichgültig gegen seine seyende +Bestimmtheit. Im Maaße ist die Sache selbst bereits an sich Einheit des +Qualitativen und Quantitativen,—der beiden Momente, die innerhalb der +allgemeinen Sphäre des Seyns, den Unterschied ausmachen, und wovon das +Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende Substrat hat auf +diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung seyender +Unendlichkeit. ß) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist darin gesetzt, +daß die qualitativen Selbstständigkeiten, in welche die maaßbestimmende +Einheit abgestoßen ist, nur in quantitativen Unterschieden bestehen, so +daß das Substrat sich in dieß sein Unterscheiden kontinuirt; ç) in dem +unendlichen Progresse der Knotenreihe ist die Kontinuirung des +Qualitativen in das quantitative Fortgehen, als in eine gleichgültige +Veränderung, aber ebenso die darin enthaltene Negation des +Qualitativen, und zugleich damit der bloß quantitativen Äußerlichkeit, +gesetzt. Das quantitative Hinausweisen über sich zu einem Andern, als +anderem Quantitativen geht unter in dem Hervortreten eines +Verhältnißmaaßes, einer Qualität, und das qualitative Übergehen hebt +sich eben darin auf, daß die neue Qualität selbst nur ein quantitatives +Verhältniß ist. Dieß Übergehen des Qualitativen und des Quantitativen +in einander geht auf dem Boden ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses +Processes ist nur das Daseyn, das Zeigen oder Setzen, daß demselben ein +solches Substrat zu Grunde liegt, welches ihre Einheit sey. + +In den Reihen selbstständiger Maaßverhältnisse sind die einseitigen +Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen +Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen, die +sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (- worunter hier +auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener specifischer Schwere zu +begreiffen sind—) sind selbstständige und selbst ausschließende +Maaßverhältnisse, gegeneinander gleichgültige Totalitäten +fürsichseyenden Daseyns. Nun sind solche Verhältnisse nur als Knoten +eines und desselben Substrats bestimmt. Damit sind die Maaße und die +damit gesetzten Selbstständigkeiten zu Zuständen herabgesetzt. Die +Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes und das Übergehende ist +als darin dasselbe bleibend gesetzt. + +Um die Fortbestimmung, welche das Maaß durchloffen hat, zu übersehen, +so fassen sich die Momente derselben so zusammen, daß das Maaß zunächst +die selbst unmittelbare Einheit der Qualität und der Quantität ist als +ein gewöhnliches Quantum, das aber specifisch ist. Hiermit als nicht +auf Anderes, sondern auf sich beziehende Quantitätsbestimmtheit ist es +wesentlich Verhaltniß. Daher ferner enthält es seine Momente als +aufgehobene und ungetrennte in sich; wie immer in einem Begriffe, ist +der Unterschied in demselben so, daß jedes von dessen Momenten selbst +Einheit des Qualitativen und Quantitativen ist. Dieser hiermit reale +Unterschied ergiebt eine Menge von Maaßverhältnissen die als formelle +Totalitäten in sich selbstständig sind. Die Reihen, welche die Seiten +dieser Verhaltnisse bilden, sind für jedes einzelne Glied, das als +einer Seite zugehörig sich zu der ganzen gegenüberstehenden Reihe +verhält, dieselbe konstante Ordnung. Diese, als bloße Ordnung, noch +ganz äußerliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende +Einheit eines fürsichseyenden Maaßes unterschieden von seinen +Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der +freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente Bestimmung +giebt, sondern das Princip ist zunächst nur Substrat, eine Materie, für +deren Unterschiede, um als Totalitäten, zu seyn, d. i. die Natur des +sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu haben, nur die +äußerliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die sich als +Verschiedenheit der Qualität zugleich zeigt. Die Maaßbestimmnng ist in +dieser Einheit des Substrats mit sich selbst eine aufgehobene, ihre +Qualität ein durch das Quantum (bestimmter, äußerlicher Zustand.—Dieser +Verlauf ist ebensowohl die realisirende Fortbestimmung des Maaßes, als +sie das Herabsetzen desselben zu einem Momente ist. + + + + +Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens. + + +A. Die absolute Indifferenz. + +Das Seyn ist die abstrakte Gleichgültigkeit, wofür, da sie für sich als +Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht worden +ist,—an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die reine +Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so aber daß +diese ihr äußerlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang mit denselben +hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt werden kann, +ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des Seyns, der +Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbaren Einheit, des +Maaßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt. Die +Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein qualitatives +Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat. + +Das aber, was so als qualitatives Äußerliches bestimmt worden, ist nur +ein Verschwindendes; als so äußerlich gegen das Seyn ist das +Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende. +Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch gesetzt +als ein leeres Unterscheiden. Aber eben dieß leere Unterscheiden ist +die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist sie so das Konkrete, +das in ihm selbst durch die Negation aller Bestimmungen des Seyns mit +sich vermittelte. Als diese Vermittelung enthält sie die Negation und +Verhältniß, und was Zustand hieß, ist ihr immanentes, sich auf sich +beziehendes Unterscheiden; eben die Äußerlichkeit und deren +Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur Indifferenz, und ist also +innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur Substrat und an ihr selbst +nur abstrakt zu seyn. + +B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren. + +Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr selbst +und sie damit als fürsichseyend gesetzt ist. + +1. Die Reduktion der zunächst als selbstständig geltenden +Maaßverhältnisse begründet Ein Substrat derselben; dieses ist deren +Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbstständige, das in +seinen Unterschieden ganz vorhanden ist. Für diesen Unterschied sind +die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualität und die Quantität +vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an ihm gesetzt +sind. Dieß aber ist dadurch bestimmt, daß das Substrat zunächst als +Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an ihm noch nicht +als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunächst Substrat und in +Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist. + +Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunächst der nur +quantitative äußerliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines +und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben, +somit selbst als Quantum bestimmt wäre. Die Indifferenz ist aber dieses +feste Maaß, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung auf jene +Unterschiede so, daß sie nicht an ihr selbst Quantum wäre, und in +irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey Summen, +Indifferenzen, gegenüber träte. Es ist nur die abstrakte Bestimmtheit, +welche in die Indifferenz fällt; die beiden Quanta um als Momente an +ihr gesetzt zu seyn, sind veränderlich, gleichgültig, größer oder +kleiner gegeneinander. Durch die feste Grenze ihrer Summe beschränkt +aber verhalten sie sich zugleich nicht äußerlich, sondern negativ +gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist, in der sie zu +einander stehen. Sie sind darnach im umgekehrten Verhältnisse zu +einander. Von dem frühern formellen umgekehrten Verhältnisse ist dieses +dadurch unterschieden, daß hier das Ganze ein reales Substrat, und jede +der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an sich dieß Ganze seyn zu +sollen. + +Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied +ferner als von zwei Qualitäten vorhanden, deren eine durch die andere +aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie ausmachend, +von der andern untrennbar ist. Das Substrat selbst ist als die +Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden Qualitäten; jede +der Seiten des Verhältnisses enthält daher ebenso sie beide in sich, +und ist nur durch ein Mehr der einen Qualität und das Weniger der +andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualität ist durch ihr +Quantum, in der einen Seite nur die überwiegende, die andere in der +andern. + +Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhältniß; dieses +Verhältniß kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurück. +Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen +Bestimmungen in einander, jede der Qualitäten verhält in der andern +sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem +verschiedenen Quantum. Ihr quantitativer Unterschied ist jene +Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese +Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitäten in jeder der beiden +Einheiten.—Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen, +hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander +zugleich als selbstständig gesetzt. + +2. Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des Maaßes +nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die so eben +aufgezeigte entwickelte Weise;—Indifferenz als es an sich das Ganze der +Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit aufgelöst sind;—ebenso +Daseyn, als Totalität der gesetzten Realisation, in welcher die Momente +selbst die ansichseyende Totalität der Indifferenz, von ihr als ihrer +Einheit getragen, sind. Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und +damit nur als an sich festgehalten, und die Momente noch nicht als +fürsichseyend, d. i. noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich +zur Einheit aufhebend, bestimmt sind, so ist damit überhaupt die +Gleichgültigkeit ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit +vorhanden. + +Dieß so untrennbare Selbstständige ist nun näher zu betrachten. Es ist +immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der +Einheit mit sich ungetrübt von ihnen, aber hat à) als an sich die +Totalität bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind, +nur grundlos an ihr hervortretend. Das Ansich der Indifferenz und dieß +ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf +unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren +Unterschied hiermit zunächst als ein aufgehobener, also als +quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstoßen ihrer von +sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als äußerlich +bestimmtseyend und bestimmtwerdend. + +ß) Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhältnisse; +—ein Hin- und Hergehen an der Größe, das aber nicht durch die +Indifferenz, welche eben die Gleichgültigkeit dieses Hinund Hergehens +ist, sondern hiermit nur äußerlich bestimmt ist. Es wird auf ein +Anderes hingewiesen, das außerhalb ihr ist und in welchem das Bestimmen +liegt. Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite den zweiten +Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des Unterschieds +nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den ersten hat, daß +die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d. i. das Setzen +desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung mit sich selbst +ist. + +ç) Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des +Verhältnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn ist +durch diese Gleichgültigkeit dem Übergehen des Qualitativen entnommen. +Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes, ihr an +sichseyendes Bestehen darin, daß sie an sich die Indifferenz selbst, +jede selbst die Einheit der beiden Qualitäten ist, in welche das +qualitative Moment sich spaltet. Der Unterschied der beiden Seiten +beschränkt sich darauf, daß die eine Qualität in der einen Seite mit +einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere darnach +umgekehrt gesetzt ist. So ist jede Seite an ihr die Totalität der +Indifferenz.—Jede der beiden Qualitäten einzeln für sich genommen, +bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die Indifferenz ist; sie +kontinuirt sich aus der einen Seite in die andere, und wird durch die +quantitative Grenze, die dabei in ihr gesetzt wird, nicht beschränkt. +Hieran kommen die Bestimmungen in unmittelbaren Gegensatz, welcher sich +zum Widerspruch entwickelt, was nun zu sehen ist. + +3. Nämlich jede Qualität tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung +zu der andern, und zwar so daß auch, wie bestimmt worden ist, diese +Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll. Sind beide +Qualitäten selbstständig,—etwa genommen wie von einander unabhängige, +sinnliche Materien, so fällt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz +auseinander; ihre Einheit und Totalität wären leere Namen. Sie sind +aber vielmehr zugleich so bestimmt, daß sie in Einer Einheit befaßt, +daß sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realität in dieser einen +qualitativen Beziehung auf die andere hat. Darum nun aber, weil ihre +Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht +jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta verschieden +seyn sollten, ginge die eine über die andere hinaus und hätte in ihrem +Mehr ein gleichgültiges Daseyn, welches die andere nicht hätte. Aber in +ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur insofern die andere +ist.—Hieraus folgt dieß, daß sie im Gleichgewicht sind, daß um soviel +die eine sich vermehrte oder verminderte, die andere gleichfalls zu- +oder abnähme, und in demselben Verhältnisse zu- oder abnähme. + +Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem +quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualität kommen. +Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente über +das andere hinaus wäre, wäre nur eine haltungslose Bestimmung, oder +dieß Mehr wäre nur wieder das andere selbst; in dieser Gleichheit +beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte nur auf der +Ungleichheit ihres Quantums beruhen.—Jeder dieser seyn sollenden +Faktoren verschwindet ebenso, indem er über den andern hinaus als indem +er ihm gleich seyn soll. Jenes Verschwinden erscheint so, daß von der +quantitativen Vorstellung aus das Gleichgewicht gestört und der eine +Faktor größer genommen wird, als der andere; so ist das Aufheben der +Qualität des andern und seine Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere +wird das überwiegende, daß der andere mit beschleunigter +Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten überwältigt wird, dieser +also sich zum einzigen Selbstständigen macht; aber damit sind nicht +mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern nur das eine Ganze. + +Diese Einheit so gesetzt als die Totalität des Bestimmens, wie sie +selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige +Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst +aufhebende Widerspruch, zur fürsichseyenden Selbstständigkeit bestimmt +zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die in ihr +selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und Wahrheit +hat, welche das Wesen ist. + +Anmerkung. + +Das Verhältniß eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem +Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren haben +soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper gebraucht. +Dieß Beispiel zeigt zunächst nur zwei Qualitäten im umgekehrten +Verhältnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede selbst die +Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhältniß wäre. Bei der Festigkeit +der empirischen Grundlage wird die Konsequenz übersehen, auf welche die +in dieselbe gebrachte Theorie führt, nämlich das zu Grunde liegende +Faktum zu zerstören, oder indem dieses, wie gehörig, festgehalten wird, +die Leerheit der Theorie gegen dasselbe darzuthun. Das Ignoriren der +Konsequenz läßt Faktum und die ihm widersprechende Theorie ruhig +nebeneinander bestehen.—Das einfache Faktum ist, daß in der +elliptischen Bewegung der Himmelskörper sich ihre Geschwindigkeit +beschleunigt, indem sie sich dem Perihelium, und sich vermindert, indem +sie sich dem Aphelium nähert. Das Quantitative dieses Faktums ist durch +den unermüdlichen Fleiß des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe +weiter auf sein einfaches Gesetz und Formel zurückgeführt, somit alles +geleistet, was wahrhaft an die Theorie zu fordern ist. Aber dieß hat +dem reflektirenden Verstande nicht genügend geschienen. Zur sogenannten +Erklärung des Phänomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal- +und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der +krummen Linie, angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in der +Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Rücksicht darin, +indem sie als ungleich bestimmt sind, daß wie die eine zu-, die andere +abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, daß das Verhältniß +derselben wieder umschlage, daß nachdem die Centripetalkraft eine +Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber abgenommen, ein Punkt +eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die Centrifugalkraft dagegen +zunehme. Dieser Vorstellung widerspricht aber das Verhältniß ihrer +wesentlich qualitativen Bestimmtheit gegeneinander. Durch diese sind +sie schlechthin nicht auseinander zu bringen; jede hat nur Bedeutung in +Rücksicht auf die andere; insofern also eine einen Überschuß über die +andere hätte, insofern hätte sie keine Beziehung auf diese und wäre +nicht vorhanden.—Bei der Annahme, daß die eine das einemal größer sey +als die andere, wenn sie als größere in Beziehung auf die kleinere +stünde, tritt das oben Gesagte ein, daß sie absolut das Übergewicht +erhielte, und die andere verschwände; die letztere ist als das +Verschwindende, Haltungslose gesetzt, und an dieser Bestimmung ändert +es nichts, daß das Verschwinden nur allmählig geschehen, und ebenso +wenig, daß so viel sie abnähme an Größe, der erstern zuwachsen soll; +dieses geht mit der andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern +ist, insofern die andere ist. Es ist eine sehr einfache Betrachtung, +daß wenn z.B. wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers, +indem er sich dem Perihelium nähert, zunehmen, die Centrifugalkraft +hingegen um ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr +vermöchte, ihn der erstern zu entreißen, und von seinem Centralkörper +wieder zu entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das +Übergewicht haben soll, so ist die andere überwältigt, und der Körper +wird mit beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkörper zugeführt. +Wie umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Nähe des +Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, daß sie nun +im Aphelium selbst von der schwächern überwältigt werden sollte.—Es +erhellt ferner, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung +bewirkte, dieß heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardirte +Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung +jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklärt werden könne, +welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen Unterschied zu +erklären. Die Konsequenz des Verschwindens der einen oder der andern +Richtung und damit der elliptischen Bewegung überhaupt, wird um des +feststehenden Faktums willen, daß diese Bewegung fortdauert und aus der +beschleunigten in die retardirte Geschwindigkeit übergeht, ignorirt und +verborgen. Die Annahme des Umschlagens der Schwäche der +Centripetalkraft im Aphelium in eine überwiegende Stärke gegen die +Centrifugalkraft, und umgekehrt beim Perihelium, enthält Theils +dasjenige, was oben entwickelt worden, daß jede der Seiten des +umgekehrten Verhältnisses an ihr selbst dieß ganze umgekehrte +Verhältniß ist; denn die Seite der Bewegung vom Aphelium zum +Perihelium,—der überwiegend seyn sollenden Centripetalkraft,—soll noch +die Centrifugalkraft enthalten, aber im Abnehmen, wie jene zunimmt; in +eben dem umgekehrten Verhältniß soll sich in der Seite der retardirten +Bewegung die überwiegende und immer überwiegender werdende +Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden, so daß auf keiner Seite +eine derselben verschwunden sey, sondern nur immer kleiner werde bis +zur Zeit ihres Umschlagens zum Überwiegen über die andere. Es rekurrirt +damit nur an jeder Seite das, was der Mangel an diesem umgekehrten +Verhältniß ist, daß entweder jede Kraft selbstständig für sich genommen +wird, und mit dem bloß äußerlichen Zusammentreffen derselben zu einer +Bewegung, wie im Parallelogramm der Kräfte, die Einheit des Begriffs, +die Natur der Sache, aufgehoben ist, oder daß, indem beide sich +qualitativ durch den Begriff zu einander verhalten, keine ein +gleichgültiges, selbstständiges Bestehen gegen die andere erhalten +kann, was ihr durch ein Mehr zugetheilt werden sollte; die Form der +Intensität, das sogenannte Dynamische, ändert nichts, da es selbst in +dem Quantum seine Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft +äußern kann, d. h. nur insoweit existirt, als es an der +entgegengesetzten Kraft sich gegenüber stehen hat. Theils aber enthält +jenes Umschlagen aus dem Überwiegen in das Gegentheil die Abwechslung +der qualitativen Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen +der einen ist ebenso viel Verlust der andern. Der untrennbare +qualitative Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der +Theorie in ein Nacheinander auseinander gerückt; aber damit bleibt sie +die Erklärung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses +Auseinanderrückens selbst schuldig. Der Schein von Einheit, der noch in +dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt, +verschwindet hier vollends; es ist ein bloß äußerliches Erfolgen +angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der +insofern die eine überwiegend geworden, die andere verschwinden muß, +widerspricht. + +Dasselbe Verhältniß ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft angewendet +worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu begreifen; auch +das umgekehrte Verhältniß der Sensibilität und Irritabilität, hat dazu +dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden dieser Faktoren des Lebens die +verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, der Gesundheit, wie auch die +Verschiedenheit der Gattungen der Lebendigen zu begreifen. Jedoch die +Verwirrung, und der Galimathias, in welchen sich dieß Erklären, das +eine naturphilosophische Grundlage der Physiologie, Nosologie, und dann +der Zoologie werden sollte, in dem unkritischen Gebrauche dieser +Begriffsbestimmungen verwickelte, hat hier zur Folge gehabt, daß dieser +Formalismus bald wieder aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft +besonders der physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung +fortgeführt wird. + +Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der +spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierüber noch +bemerkt werden, daß sie dieß allerdings in der Rücksicht ist, daß in +beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie überhaupt jede weitere konkrete +Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als verschwunden +gesetzt werden. Es ist überhaupt gleichgültig, wenn bei der Abstraktion +stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in diesem Abgrund +untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe. Aber die Substanz +als Indifferenz ist Theils mit dem Bedürfniß des Bestimmens und mit der +Rücksicht auf dasselbe verbunden; sie soll nicht die Substanz des +Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das Negative ist, daß in ihr +alles absorbirt sey. Bei Spinoza kommt der Unterschied, die Attribute, +Denken und Ausdehnung, alsdann auch die Modi, die Affekten und alle +übrigen Determinationen, ganz empirisch herbei; es ist der Verstand, +selbst ein Modus, in welchen dieß Unterscheiden fällt; die Attribute +stehen zur Substanz und zu einander in keiner weitern Bestimmtheit, als +daß sie die Substanz ganz ausdrücken, und ihr Inhalt, die Ordnung der +Dinge als ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist. Durch die +Bestimmung der Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf +den Unterschied hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza +an sich ist, nämlich als äußerlicher, und damit näher als +quantitativer. Die Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie +die Substanz, —aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht +ihr immanent, als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der +Immanenz, und die quantitative Indifferenz ist vielmehr das +Außersichseyn der Einheit. Der Unterschied ist damit auch nicht +qualitativ aufgefaßt, die Substanz nicht als das sich selbst +Unterscheidende, nicht als Subjekt bestimmt. Die nächste Folge in +Rücksicht auf die Kategorie der Indifferenz selbst ist, daß an ihr der +Unterschied von quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander +fällt, wie in der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die +Auflösung des Maaßes, in welchem beide Momente unmittelbar als eins +gesetzt waren. + +C. Übergang in das Wesen. + +Die absolute Indifferenz ist die letzte Bestimmung des Seyns, ehe +dieses zum Wesen wird; sie erreicht aber dieses nicht. Sie zeigt sich +noch der Sphäre des Seyns anzugehören, indem sie noch als gleichgültig +bestimmt, den Unterschied als äußerlichen, quantitativen an ihr hat. +Dieß ist ihr Daseyn, womit sie sich zugleich in dem Gegensatze +befindet, gegen dasselbe als nur das an sichseyende bestimmt, nicht als +das fürsichseyende Absolute gedacht zu seyn. Oder es ist die äußere +Reflexion, welche dabei stehen bleibt, daß die Specifischen an sich +oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß ihr Unterschied nur ein +gleichgültiger, kein Unterschied an sich ist. Was hier noch fehlt, +besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die äußere Reflexion des +denkenden, subjektiven Bewußtseyns, sondern die eigene Bestimmung der +Unterschiede jener Einheit sey, sich aufzuheben, welche Einheit denn so +sich erweist, die absolute Negativität, ihre Gleichgültigkeit gegen +sich selbst, gegen ihre eigene Gleichgültigkeit, ebenso sehr als gegen +das Andersseyn zu seyn. + +Dieß Sich-Aufheben der Bestimmung der Indifferenz aber hat sich bereits +ergeben; sie hat sich in der Entwicklung ihres Gesetztseyns nach allen +Seiten als der Widerspruch gezeigt. Sie ist an sich die Totalität, in +der alle Bestimmungen des Seyns aufgehoben und enthalten sind; so ist +sie die Grundlage, aber ist nur erst in der einseitigen Bestimmung des +Ansichseyns und damit sind die Unterschiede, die quantitative Differenz +und das umgekehrte Verhältniß von Faktoren, als äußerlich an ihr. So +der Widerspruch ihrer selbst und ihres Bestimmtseyns, ihrer an sich +seyenden Bestimmung und ihrer gesetzten Bestimmtheit ist sie die +negative Totalität, deren Bestimmtheiten sich an ihnen selbst und damit +diese ihre Grundeinseitigkeit, ihr Ansichseyn, aufgehoben haben. +Gesetzt hiermit als das, was die Indifferenz in der That ist, ist sie +einfache und unendliche negative Beziehung auf sich, die +Unverträglichkeit ihrer mit ihr selbst, Abstoßen ihrer von sich selbst. +Das Bestimmen und Bestimmtwerden ist nicht ein Übergehen, noch +äußerliche Veränderung, noch ein Hervortreten der Bestimmungen an ihr, +sondern ihr eignes Beziehen auf sich, das die Negativität ihrer selbst, +ihres Ansichseyns, ist. + +Die Bestimmungen, als solche abgestoßene, gehören aber nun nicht sich +selbst an, treten nicht in Selbstständigkeit oder Äußerlichkeit hervor, +sondern sind als Momente;—erstens der ansichseyenden Einheit angehörig, +nicht von ihr entlassen, sondern von ihr als dem Substrate getragen und +nur von ihr erfüllt; und zweitens als die Bestimmungen, die der +fürsichseyenden Einheit immanent, nur durch deren Abstoßen von sich, +sind. Sie sind statt Seyender, wie in der ganzen Sphäre des Seyns +nunmehr schlechthin nur als Gesetzte, schlechthin mit der Bestimmung +und Bedeutung, auf ihre Einheit, somit jede auf ihre andere und +Negation, bezogen zu seyn,—bezeichnet mit dieser ihrer Relativität. + +Damit ist das Seyn überhaupt und das Seyn oder die Unmittelbarkeit der +unterschiedenen Bestimmtheiten ebenso sehr als das Ansichseyn +verschwunden, und die Einheit ist Seyn, unmittelbare vorausgesetzte +Totalität, so daß sie diese einfache Beziehung auf sich nur ist, +vermittelt durch das Aufheben dieser Voraussetzung, und dieß +Vorausgesetztseyn und unmittelbare Seyn selbst nur ein Moment ihres +Abstoßens ist, die ursprüngliche Selbstständigkeit und Identität mit +sich nur ist, als das resultirende, unendliche Zusammengehen mit sich; +so ist das Seyn zum Wesen bestimmt, das Seyn, als durch Aufheben des +Seyns einfaches Seyn nnt sich. + + + + +Zweites Buch +Das Wesen. + + +Die Wahrheit des Seyns ist das Wesen. + +Das Seyn ist das Unmittelbare. Indem das Wissen das Wahre erkennen +will, was das Seyn an und für sich ist, so bleibt es nicht beim +Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen, sondern dringt durch +dasselbe hindurch, mit der Voraussetzung, daß hinter diesem Seyn noch +etwas Anderes ist, als das Seyn selbst, daß dieser Hintergrund die +Wahrheit des Seyns ausmacht. Diese Erkenntniß ist ein vermitteltes +Wissen, denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen, +sondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorläufigen +Weg, den Weg des Hinausgehens über das Seyn oder vielmehr des +Hineingehens in dasselbe zu machen. Erst indem das Wissen sich aus dem +unmittelbaren Seyn erinnert, durch diese Vermittlung findet es das +Wesen.—Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Wesen in der vergangenen +Zeit: gewesen, behalten; denn das Wesen ist das vergangene, aber +zeitlos vergangene Seyn. + +Diese Bewegung, als Weg des Wissens vorgestellt, so erscheint dieser +Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Wesen als +einem Vermittelten anlangt, eine Thätigkeit des Erkennens zu seyn, die +dem Seyn äußerlich sey und dessen eigene Natur nichts angehe. + +Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seyns selbst. Es zeigte sich an +diesem, daß es durch seine Natur sich erinnert, und durch dieß +Insichgehen zum Wesen wird. + +Wenn also das Absolute zuerst als Seyn bestimmt war, so ist es jetzt +als Wesen bestimmt. Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem +mannigfaltigen Daseyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn, +stehen bleiben; es dringt sich unmittelbar die Reflexion auf, daß +dieses reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und +Bewegung voraussetzt, welche das unmittelbare Daseyn zum reinen Seyn +gereinigt hat. Das Seyn wird hiernach als Wesen bestimmt, als ein +solches Seyn, an dem alles Bestimmte und Endliche negirt ist. So ist es +die bestimmungslose einfache Einheit, von der das Bestimmte auf eine +äußerliche Weise hinweggenommen worden; dieser Einheit war das +Bestimmte selbst ein Äußerliches, und es bleibt ihr nach diesem +Wegnehmen noch gegenüber stehen; denn es ist nicht an sich, sondern +relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit, aufgehoben worden.—Es +wurde oben schon erinnert, daß wenn das reine Wesen als Inbegriff aller +Realitäten bestimmt wird, diese Realitäten gleichfalls der Natur der +Bestimmtheit, und der abstrahirenden Reflexion unterliegen, und dieser +Innbegriff sich zur leeren Einfachheit reducirt. Das Wesen ist auf +diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes. Die äußerliche Negation, welche +Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seyns nur hinweg von dem, +was als Wesen übrig bleibt; es stellt sie gleichsam nur an einen andern +Ort, und läßt sie als seyende vor wie nach. Das Wesen ist aber auf +diese Weise weder an sich, noch für sich selbst; es ist durch ein +Anderes, die äußerliche, abstrahirende Reflexion; und ist für ein +Anderes, nämlich für die Abstraktion und überhaupt für das ihm +gegenüber stehen bleibende Seyende. In seiner Bestimmung ist es daher +die in sich todte, leere Bestimmungslosigkeit. + +Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist, nicht +durch eine ihm fremde Negativität, sondern durch seine eigne, die +unendliche Bewegung des Seyns. Es ist An-und-Fürsichseyn; absolutes +Ansichseyn, indem es gleichgültig gegen alle Bestimmtheit des Seyns +ist, das Andersseyn und die Beziehung auf anderes schlechthin +aufgehoben worden ist. Es ist aber nicht nur dieß Ansichseyn; als +bloßes Ansichseyn wäre es nur die Abstraktion des reinen Wesens; +sondern es ist ebenso wesentlich Fürsichseyn; es selbst ist diese +Negativität, das sich Aufheben des Andersseyns und der Bestimmtheit. + +Das Wesen als die vollkommene Rückkehr des Seyns in sich ist so +zunächst das unbestimmte Wesen; die Bestimmtheiten des Seyns sind in +ihm aufgehoben; es enthält sie an sich; aber nicht wie sie an ihm +gesetzt sind. Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat +kein Daseyn. Aber es muß zum Daseyn übergehen; denn es ist +An-und-Fürsichseyn, das heißt, es unterscheidet die Bestimmungen, +welche es an sich enthält; weil es Abstoßen seiner von sich oder +Gleichgültigkeit gegen sich, negative Beziehung auf sich ist, setzt es +sich somit sich selbst gegenüber, und ist nur insofern unendliches +Fürsichseyn als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede +von sich ist.—Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur, als das +Bestimmen in der Sphäre des Seyns, und die Bestimmungen des Wesens +haben einen andern Charakter als die Bestimmtheiten des Seyns. Das +Wesen ist absolute Einheit des An-und-Fürsichseyns; sein Bestimmen +bleibt daher innerhalb dieser Einheit, und ist kein Werden noch +Übergehen, so wie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als +anderes, noch Beziehungen auf Anderes sind; sie sind Selbstständige +aber damit nur als solche, die in ihrer Einheit mit einander sind. +—Indem das Wesen zuerst einfache Negativität ist, so hat es nun die +Bestimmtheit, welche es nur an sich enthält, in seiner Sphäre zu +setzen, um sich Daseyn und dann sein Fürsichseyn zu geben. + +Das Wesen ist im Ganzen das, was die Quantität in der Sphäre des Seyns +war; die absolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze. Die Quantität aber +ist diese Gleichgültigkeit in unmittelbarer Bestimmung, und die Grenze +an ihr unmittelbar äußerliche Bestimmtheit, sie geht ins Quantum über; +die äußerliche Grenze ist ihr nothwendig, und ist an ihr seyend. Am +Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht; sie ist nur durch das Wesen +selbst gesetzt; nicht frey, sondern nur in der Beziehung auf seine +Einheit.—Die Negativität des Wesens ist die Reflexion, und die +Bestimmungen reflektirte, durch das Wesen selbst gesetzte und in ihm +als aufgehoben bleibende. + +Das Wesen steht zwischen Seyn und Begriff und macht die Mitte derselben +und seine Bewegung den Übergang von Seyn in den Begriff aus. Das Wesen +ist das An-und-Fürsichseyn, aber dasselbe in der Bestimmung des +Ansichseyns; denn seine allgemeine Bestimmung ist, aus dem Seyn +herzukommen, oder die erste Negation des Seyns zu seyn. Seine Bewegung +besteht darin, die Negation oder Bestimmung an ihm zu setzen, dadurch +sich Daseyn zu geben, und das als unendliches Fürsichseyn zu werden, +was es an sich ist. So giebt es sich sein Daseyn, das seinem Ansichseyn +gleich ist, und wird der Begriff. Denn der Begriff ist das Absolute, +wie es in seinem Daseyn absolut oder an und für sich ist. Das Daseyn +aber, das sich das Wesen giebt, ist noch nicht das Daseyn, wie es an +und für sich ist, sondern wie das Wesen es sich giebt, oder wie es +gesetzt wird, daher noch von dem Daseyn des Begriffs unterschieden. + +Das Wesen scheint zuerst in sich selbst, oder ist Reflexion; zweitens +erscheint es; drittens offenbart es sich. Es setzt sich in seiner +Bewegung in folgende Bestimmungen, + +I. als einfaches, ansichseyendes Wesen in seinen Bestimmungen innerhalb +seiner; + +II. als heraustretend in das Daseyn, oder nach seiner Existenz und +Erscheinung; + +III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit. + + + + +Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst. + + +Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar an +und für sich, sondern ein Resultat jener Bewegung. Oder das Wesen +zunächst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes +Daseyn, dem ein anderes gegenüber steht; es ist nur wesentliches Daseyn +gegen unwesentliches. Das Wesen ist aber das an und für sich +aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenüber steht. Allein +der Schein ist das eigene Setzen des Wesens. + +Das Wesen ist erstens Reflexion. Die Reflexion bestimmt sich; ihre +Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist; +es sind + +zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu +betrachten. + +Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in sich +selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung über. + + + + +Erstes Kapitel. Der Schein. + + +Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenüber zu +stehen; dieß unmittelbare Seyn ist zunächst das Unwesentliche. + +Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses +Seyn, es ist Schein. + +Drittens dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes, +sondern er ist sein eigner Schein. Das Scheinen des Wesens in ihm +selbst ist die Reflexion. + +A. Das Wesentliche und das Unwesentliche. + +Das Wesen ist das aufgehobene Seyn. Es ist einfache Gleichheit mit sich +selbst, aber insofern es die Negation der Sphäre des Seyns überhaupt +ist. So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber, als eine +solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem Aufheben +aufbewahrt und erhalten hat. Das Wesen selbst ist in dieser Bestimmung +seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein Negatives in +Beziehung auf das Wesen, nicht an und für sich selbst, das Wesen ist +also eine bestimmte Negation. Seyn und Wesen verhalten sich auf diese +Weise wieder als Andere überhaupt zu einander, denn jedes hat ein Seyn, +eine Unmittelbarkeit, die gegen einander gleichgültig sind, und stehen +diesem Seyn nach in gleichem Werthe. + +Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das +Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen. +Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes +verhält, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein +anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche. + +Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in +die Sphäre des Daseyns zurückfallen lassen; indem das Wesen, wie es +zunächst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes +bestimmt ist gegen das Seyn. Die Sphäre des Daseyns ist damit zu Grunde +gelegt, und daß das, was das Seyn in diesem Daseyn ist, +An-und-Fürsichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst äußerliche +Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fürsichseyn ist, +aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.—Insofern daher an +einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander +unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches Setzen, +eine das Daseyn selbst nicht berührende Absonderung eines Theils +desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein Drittes +fällt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder +Unwesentlichen gehört. Es ist irgend eine äußerliche Rücksicht und +Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als +wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen. + +Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen ein +Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist, als +aufgehobenes Seyn oder Daseyn. Das Wesen ist auf diese Weise nur die +erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das Seyn +nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird. Das Wesen aber ist +die absolute Negativität des Seyns; es ist das Seyn selbst, aber nicht +nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich sowohl als +unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation, als Negation, +die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat. Das Seyn oder +Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten, +und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist nicht bloß ein +unwesentliches Daseyn, sondern das an und für sich nichtige +Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein. + +B. Der Schein. + +1. Das Seyn ist Schein. Das Seyn des Scheins besteht allein in dem +Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit hat +es im Wesen, und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er +nicht. Er ist das Negative gesetzt, als Negatives. + +Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphäre des Seyns übrig +geblieben ist. Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen unabhängige +unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben überhaupt zu +seyn. Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des Daseyns und des +Nichtdaseyns. Das Unwesentliche, indem es nicht mehr ein Seyn hat, so +bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des Nichtdaseyns, der +Schein ist dieß unmittelbare Nichtdaseyn, so in der Bestimmtheit des +Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in seinem Nichtdaseyn +Daseyn hat; das Unselbstständige, das nur in seiner Negation ist. Es +bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit der Unmittelbarkeit, es ist +als die reflektirte Unmittelbarkeit, das ist, welche nur vermittelst +ihrer Negation ist, und die ihrer Vermittelung gegenüber nichts ist, +als die leere Bestimmung der Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns. + +So ist der Schein, das Phänomen des Skepticismus oder auch die +Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein Etwas +oder kein Ding ist, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn, das außer +seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre. Es ist, +erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere Idealismus +erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom Ding-an-sich +anzusehen; jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage eines Seyns +haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das Ding-an-sich eintreten. +Zugleich aber ließ der Skepticismus mannigfaltige Bestimmmungen seines +Scheins zu, oder vielmehr sein Schein hatte den ganzen mannigfaltigen +Reichthum der Welt zum Inhalte. Ebenso begreift die Erscheinung des +Idealismus den ganzen Umfang dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in +sich. Jener Schein und diese Erscheinung sind unmittelbar so +mannigfaltig bestimmt. Diesem Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein +Ding, oder Ding-an-sich zu Grunde liegen; er für sich bleibt wie er +ist; er ist nur aus dem Seyn in den Schein übersetzt worden; so daß der +Schein innerhalb seiner selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat, +welche unmittelbare, seyende, andere gegen einander sind. Der Schein +ist also selbst ein unmittelbar Bestimmtes. Er kann diesen oder jenen +Inhalt haben; aber welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt, +sondern er hat ihn unmittelbar. Der leibnitzische, oder kantische, +fichtesche Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als +der Skepticismus über das Seyn als Bestimmtheit, über diese +Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus läßt sich den Inhalt +seines Scheins geben; es ist unmittelbar für ihn, welchen Inhalt er +haben soll. Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr selbst ihre +Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und verbindende Kraft, +sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie sind gleichgültig, +unmittelbar gegen einander, und so gegen die Monade selbst. Ebenso ist +die kantische Erscheinung ein gegebener Inhalt der Wahrnehmung, er +setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des Subjekts, welche gegen sich +selbst und gegen dasselbe unmittelbar sind. Der unendliche Anstoß des +fichteschen Idealismus mag wohl kein Ding-an-sich zu Grunde liegen +haben, so daß er rein eine Bestimmtheit im Ich wird. Aber diese +Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu der seinigen macht und ihre +Äußerlichkeit aufhebt, zugleich unmittelbare, eine Schranke desselben, +über die es hinausgehen kann, welche aber eine Seite der +Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie ob zwar im Ich, ein +unmittelbares Nichtseyn desselben enthält.-2. Der Schein also enthält +eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhängige Seite gegen das +Wesen. Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen unterschieden ist, +nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in dasselbe zurückgeht; denn +das Seyn ist in seiner Totalität in das Wesen zurückgegangen; der +Schein ist das an sich nichtige; es ist nur zu zeigen, daß die +Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden, Bestimmungen des Wesens +selbst sind, und ferner, daß diese Bestimmtheit des Wesens, welche der +Schein ist, im Wesen selbst aufgehoben ist. + +Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht; +dieß Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativität des Wesens +an ihm selbst. Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen. Seine Nichtigkeit +an sich ist die negative Natur des Wesens selbst. Die Unmittelbarkeit +oder Gleichgültigkeit aber, welche dieß Nichtseyn enthält, ist das +eigene absolute Ansichseyn des Wesens. Die Negativität des Wesens ist +seine Gleichheit mit sich selbst, oder seine einfache Unmittelbarkeit +und Gleichgültigkeit. Das Seyn hat sich im Wesen erhalten, insofern +dieses an seiner unendlichen Negativität diese Gleichheit mit sich +selbst hat; hierdurch ist das Wesen selbst das Seyn. Die +Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit am Scheine gegen das Wesen +hat, ist daher nichts anderes, als die eigene Unmittelbarkeit des +Wesens; aber nicht die seyende Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin +vermittelte oder reflektirte Unmittelbarkeit, welche der Schein +ist;—das Seyn nicht als Seyn, sondern nur als die Bestimmtheit des +Seyns, gegen die Vermittlung; das Seyn als Moment. + +Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn +aber als Moment, oder die an sich seyende Negativität und die +reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen, +sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein des +Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der +Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der +Schein an sich, der Schein des Wesens selbst. + +Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns. Das, +wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich, und +dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist. Aber diese +Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben. Denn das +Wesen ist das Selbstständige, das ist als durch seine Negation, welche +es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die identische +Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit. —Die +Negativität ist die Negativität an sich; sie ist ihre Beziehung auf +sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative +Beziehung auf sich, abstoßendes Negiren ihrer selbst, so ist die an +sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie. +Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität und dieß +Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst, +Rückkehr in sich ist. + +Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern, in +seiner Negation; er ist die Unselbstständigkeit, die an ihr selbst +aufgehoben und nichtig ist. So ist er das in sich zurückgehende +Negative, das Unselbstständige, als das an ihm selbst Unselbstständige. +Diese Beziehung des Negativen oder der Unselbstständigkeit auf sich, +ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein Anderes als es selbst; sie ist +seine Bestimmtheit gegen sich, oder sie ist die Negation gegen das +Negative. Aber die Negation gegen das Negative ist die sich nur auf +sich beziehende Negativität, das absolute Aufheben der Bestimmtheit +selbst. + +Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche +Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie +ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbstständigkeit, und +nicht bestimmt ist.—Umgekehrt die Selbstständigkeit als sich auf sich +beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit und +Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativität.—Diese +Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die +Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist, ist das Wesen. +Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer +Bestimmtheit, aber so daß sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist +das Scheinen seiner in sich selbst. + +In der Sphäre des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das +Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit +ist das Werden. In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst das Wesen +und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenüber; das +Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns. Aber sie beide, so +wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter nichts, +als darin, daß das Wesen zuerst, als ein unmittelbares genommen wird, +nicht wie es an sich ist, nämlich nicht als die Unmittelbarkeit, die +als die reine Vermittelung oder als absolute Negativität +Unmittelbarkeit ist. Jene erste Unmittelbarkeit, ist somit nur die +Bestimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieser Bestimmtheit des +Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem Aufzeigen, daß das +Unwesentliche nur Schein, und daß das Wesen vielmehr den Schein in sich +selbst enthält, als die unendliche Bewegung in sich, welche seine +Unmittelbarkeit, als die Negativität und seine Negativität als die +Unmittelbarkeit bestimmt und so das Scheinen seiner in sich selbst ist. +Das Wesen in dieser seiner Selbstbewegung ist die Reflexion. + +C. Die Reflexion. + +Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist; aber er ist die +Reflexion als unmittelbare; für den in sich gegangenen, hiermit seiner +Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der fremden +Sprache, die Reflexion. + +Das Wesen ist Reflexion; die Bewegung des Werdens und Übergehens, das +in sich selbst bleibt; worin das unterschiedene schlechthin nur als das +an sich negative, als Schein bestimmt ist.—In dem Werden des Seyns +liegt der Bestimmtheit das Seyn zu Grunde, und sie ist Beziehung auf +Anderes. Die reflectirende Bewegung hingegen ist das Andere als die +Negation an sich, die nur als sich auf sich beziehende Negation ein +Seyn hat. Oder indem diese Beziehung auf sich eben dieß Negiren der +Negation ist, so ist die Negation als Negation vorhanden, als ein +solches, das sein Seyn in seinem Negirtseyn hat, als Schein. Das Andere +ist hier also nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze, sondern die +Negation mit der Negation. Das Erste aber gegen dieß Andere, das +Unmittelbare oder Seyn, ist nur diese Gleichheit selbst der Negation +mit sich, die negirte Negation, die absolute Negativität. Diese +Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit ist daher nicht ein Erstes, +von dem angefangen wird, und das in seine Negation überginge; noch ist +es ein seyendes Substrat, das sich durch die Reflexion hindurch +bewegte; sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung selbst. + +Das Werden im Wesen, seine reflektirende Bewegung, ist daher die +Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu sich selbst zurück. Das +Übergehen oder Werden hebt in seinem Übergehen sich auf; das Andere, +das in diesem Übergehen wird, ist nicht das Nichtseyn eines Seyns, +sondern das Nichts eines Nichts, und dieß, die Negation eines Nichts zu +seyn, macht das Seyn aus.—Das Seyn ist nur als die Bewegung des Nichts +zu Nichts, so ist es das Wesen; und dieses hat nicht diese Bewegung in +sich, sondern ist sie als der absolute Schein selbst, die reine +Negativität, die nichts außer ihr hat, das sie negirte, sondern die nur +ihr Negatives selbst negirt, das nur in diesem Negiren ist. + +Diese reine absolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu +Nichts ist, bestimmt sich selbst weiter. + +Sie ist erstlich setzende Reflexion; sie macht zweitens den Anfang von +dem vorausgesetzten Unmittelbaren, und ist so äußerliche Reflexion. + +Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf, und indem sie in dem +Aufheben der Voraussetzung zugleich voraussetzend ist, ist sie +bestimmende Reflexion. + +1. Die setzende Reflexion. + +Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose; aber das Nichtige oder +Wesenlose hat sein Seyn nicht in einem Andern, in dem es scheint, +sondern sein Seyn ist seine eigne Gleichheit mit sich; dieser Wechsel +des Negativen mit sich selbst hat sich als die absolute Reflexion des +Wesens bestimmt. + +Diese sich auf sich beziehende Negativität ist also das Negiren ihrer +selbst. Sie ist somit überhaupt so sehr aufgehobene Negativität als sie +Negativität ist. Oder sie ist selbst das Negative und die einfache +Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit. Sie besteht also darin sie +selbst und nicht sie selbst und zwar in Einer Einheit zu seyn.-Zunächst +ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts, somit die mit sich +selbst zusammengehende Negation. Dieses Zusammengehen mit sich ist +überhaupt einfache Gleichheit mit sich; die Unmittelbarkeit. Aber dieß +Zusammenfallen ist nicht Übergehen der Negation in die Gleichheit mit +sich als in ihr Andersseyn, sondern die Reflexion ist Übergehen als +Aufheben des Übergehens; denn sie ist unmittelbares Zusammenfallen des +Negativen mit sich selbst; so ist dieß Zusammengehen erstlich +Gleichheit mit sich, oder Unmittelbarkeit; aber zweitens ist diese +Unmittelbarkeit die Gleichheit des Negativen mit sich, somit die sich +selbst negirende Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an sich das +Negative, das Negative ihrer selbst ist, dieß zu seyn was sie nicht +ist. + +Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rückkehr in +sich; sie ist Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen; aber +Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung oder als Rückkehr +aus einem, somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit. —Dieß ist das +Gesetztseyn; die Unmittelbarkeit rein nur als Bestimmtheit oder als +sich reflectirend. Diese Unmittelbarkeit, die nur als Rückkehr des +Negativen in sich ist,—ist jene Unmittelbarkeit, welche die +Bestimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die reflectirende +Bewegung anzufangen schien. Statt von dieser Unmittelbarkeit anfangen +zu können, ist diese vielmehr erst als die Rückkehr, oder als die +Reflexion selbst. Die Reflexion ist also die Bewegung, die, indem sie +die Rückkehr ist, erst darin das ist, das anfängt oder das zurückkehrt. + +Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren +ist; es ist nämlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein solches, aus +dem sie, noch in das sie zurückkehrte; sie ist also nur als Rückkehren +oder als das Negative ihrer selbst. Aber ferner ist diese +Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rückkehr +in sich. Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen, Aufheben ihres +Anderen, der Unmittelbarkeit. Indem sie also die Unmittelbarkeit als +ein Rückkehren, Zusammengehen des Negativen mit sich selbst ist, so ist +sie ebenso Negation des Negativen als des Negativen. So ist sie +Voraussetzen.—Oder die Unmittelbarkeit ist als Rückkehren nur das +Negative ihrer selbst, nur dieß, nicht Unmittelbarkeit zu seyn; aber +die Reflexion ist das Aufheben des Negativen seiner selbst, sie ist +Zusammengehen mit sich; sie hebt also ihr Setzen auf, und indem sie das +Aufheben des Setzens in ihrem Setzen ist, ist sie Voraussetzen.—In dem +Voraussetzen bestimmt die Reflexion die Rückkehr in sich, als das +Negative ihrer selbst, als dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist. Es +ist sein Verhalten zu sich selbst; aber zu sich als dem Negativen +seiner; nur so ist es die insichbleibende, sich auf sich beziehende +Negativität. Die Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr +hervor und ist dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist, +der durch die Rückkehr negirt wird. Die Rückkehr des Wesens ist somit +sein sich Abstoßen von sich selbst. Oder die Reflexion in sich ist +wesentlich das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rückkehr ist. + +Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich, wodurch das Wesen erst +die Gleichheit mit sich ist. Es setzt sich selbst voraus, und das +Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst; umgekehrt ist dieß +Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.—Die Reflexion +also findet ein Unmittelbares vor, über das sie hinausgeht, und aus dem +sie die Rückkehr ist. Aber diese Rückkehr ist erst das Voraussetzen des +Vorgefundenen. Dieß Vorgefundene wird nur darin, daß es verlassen wird; +seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene Unmittelbarkeit.—Die +aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die Rückkehr in sich, das +Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich selbst gleiche Seyn. +Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben seiner und die von sich +selbst abstoßende, voraussetzende Reflexion, und ihr Abstoßen von sich +ist das Ankommen bei sich selbst. + +Die reflektirende Bewegung ist somit, nach dem Betrachteten, als +absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen. Denn die Voraussetzung +der Rückkehr in sich,—das woraus das Wesen herkommt und erst als dieses +Zurückkommen ist—, ist nur in der Rückkehr selbst. Das Hinausgehen über +das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt, ist vielmehr erst +durch dieß Hinausgehen; und das Hinausgehen über das Unmittelbare ist +das Ankommen bei demselben. Die Bewegung wendet sich als Fortgehen +unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so Selbstbewegung,—Bewegung, +die aus sich kommt, insofern die setzende Reflexion voraussetzende, +aber als voraussetzende Reflexion schlechthin setzende ist. + +So ist die Reflexion sie selbst, und ihr Nichtseyn; und ist nur sie +selbst, indem sie das Negative ihrer ist, denn nur so ist das Aufheben +des Negativen zugleich als ein Zusammengehen mit sich. + +Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt, ist +schlechthin nur als Gesetztseyn, als an sich aufgehobenes, das nicht +verschieden ist, von der Rückkehr in sich, und selbst nur dieses +Rückkehren ist. Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives, als +unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes. So ist die Reflexion +bestimmt; sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit, eine +Voraussetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Andern anfängt, +äußere Reflexion. + +2. Die äußere Reflexion. + +Die Reflexion als absolute Reflexion ist das in ihm selbst scheinende +Wesen, und setzt sich nur den Schein, das Gesetztseyn, voraus; sie ist +als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion. Aber die +äußerliche oder reale Reflexion setzt sich als aufgehoben, als das +Negative ihrer voraus. Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt; das +einemal als das Vorausgesetzte, oder die Reflexion in sich, die das +Unmittelbare ist. Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf sich +beziehende Reflexion; sie bezieht sich auf sich als auf jenes ihr +Nichtseyn. + +Die äußerliche Reflexion setzt also ein Seyn voraus, erstens nicht in +dem Sinne, daß seine Unmittelbarkeit nur Gesetztseyn oder Moment ist, +sondern vielmehr, daß diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich, und +die Bestimmtheit nur als Moment ist. Sie bezieht sich auf ihre +Voraussetzung so, daß diese das Negative der Reflexion ist, aber so daß +dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.—Die Reflexion in ihrem +Setzen, hebt unmittelbar ihr Setzen auf, so hat sie eine unmittelbare +Voraussetzung. Sie findet also dasselbe vor, als ein solches von dem +sie anfängt, und von dem aus sie erst das Zurückgehen in sich, das +Negiren dieses ihres Negativen ist. Aber daß dieß Vorausgesetzte ein +Negatives oder Gesetztes ist, geht dasselbe nichts an; diese +Bestimmtheit gehört nur der setzenden Reflexion an, aber in dem +Voraussetzen ist das Gesetztseyn nur als aufgehobenes. Was die +äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt, sind +insofern demselben äußerliche Bestimmungen.—Sie war das Unendliche in +der Sphäre des Seyns; das Endliche gilt als das Erste, als das Reale, +von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen bleibenden +angefangen, und das Unendliche ist die gegenüber stehende Reflexion in +sich. + +Diese äußere Reflexion ist der Schluß, in welchem die beiden Extreme, +das Unmittelbare und die Reflexion in sich, sind; die Mitte desselben +ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare, so daß der eine +Theil derselben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die andere, +die Bestimmtheit oder Negation, nur dem andern Extreme zukommt. + +Aber das Thun der äußeren Reflexion näher betrachtet, so ist sie +zweitens Setzen des Unmittelbaren, das insofern das Negative oder +Bestimmte wird; aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses ihres +Setzens; denn sie setzt das Unmittelbare voraus; sie ist im Negiren das +Negiren dieses ihres Negirens. Sie ist aber unmittelbar damit ebenso +Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und dieses, von dem +sie als von einem Fremden anzufangen schien, ist erst in diesem ihrem +Anfangen. Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht nur an sich, das +hieße für uns oder in der äußeren Reflexion, dasselbe was die Reflexion +ist, sondern es ist gesetzt, daß es dasselbe ist. Es ist nämlich durch +die Reflexion als ihr Negatives oder als ihr Anderes bestimmt, aber sie +ist es selbst, welche dieses Bestimmen negirt.—Es ist damit die +Äußerlichkeit der Reflexion gegen das Unmittelbare aufgehoben; ihr sich +selbst negirendes Setzen ist das Zusammengehen ihrer mit ihrem +Negativen, mit dem Unmittelbaren und dieses Zusammengehen ist die +wesentliche Unmittelbarkeit selbst. —Es ist also vorhanden, daß die +äußere Reflexion nicht äußere, sondern ebenso sehr immanente Reflexion +der Unmittelbarkeit selbst ist; oder daß das was durch die setzende +Reflexion ist, das an und für sich seyende Wesen ist. So ist sie +bestimmende Reflexion. + +Anmerkung. + +Die Reflexion wird gewöhhlicher Weise in subjektivem Sinne genommen, +als die Bewegung der Urtheilskraft, die über eine gegebene unmittelbare +Vorstellung hinausgeht, und allgemeine Bestimmungen für dieselbe sucht +oder damit vergleicht. Kant setzt die reflektirende Urtheilskraft, der +bestimmenden Urtheilskraft entgegen. (Kritik der Urtheilskraft. +Einleit. S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft überhaupt als das +Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken. +Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip, das Gesetz) gegeben, so ist +die Urtheilskraft, welche das Besondere darunter subsumirt, bestimmend. +Ist aber nur das Besondere wozu sie das Allgemeine finden soll, so ist +die Urtheilskraft bloß reflektirend. Die Reflexion ist somit hier +gleichfalls das Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen. Das +Unmittelbare wird theils erst durch diese Beziehung desselben auf sein +Allgemeines bestimmt als Besonders; für sich ist es nur ein Einzelnes, +oder ein unmittelbares Seyendes. Theils aber ist das, worauf es bezogen +wird, sein Allgemeines, seine Regel, Princip, Gesetz; überhaupt das in +sich reflektirte, sich auf sich selbst beziehende, das Wesen oder das +Wesentliche. + +Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtseyns, noch +von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, die das Besondere und +Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, sondern von der Reflexion +überhaupt die Rede. Jene Reflexion, der Kant das Aufsuchen des +Allgemeinen zum gegebenen Besondern zuschreibt, ist, wie erhellt, +gleichfalls nur die äußere Reflexion, die sich auf das Unmittelbare als +auf ein gegebenes bezieht. + +—Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion; denn das +Allgemeine, das Princip oder Regel und Gesetz, zu dem sie in ihrem +Bestimmen fortgeht, gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von dem +angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rückkehr aus +demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des +Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Seyn; also das was die Reflexion +an ihm thut und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als ein +jenem Unmittelbaren Äußerliches, sondern als dessen eigentliches Seyn. + +Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion +überhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neuern Philosophie war, +alles Üble nachgesagt und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode und +Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde. In der That +geht auch die denkende Reflexion, insofern sie sich als äußerliche +verhält, schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden Unmittelbaren +aus, und betrachtet sich als ein bloß formelles Thun, das Inhalt und +Stoff von außen empfange, und für sich nur die durch ihn bedingte +Bewegung sey.—Ferner, wie sich sogleich bei der bestimmenden Reflexion +näher ergeben wird, sind die reflektirten Bestimmungen anderer Art, als +die bloß unmittelbaren Bestimmungen des Seyns. Letztere werden leichter +als vorübergehende, bloß relative, in der Beziehung auf Anderes +stehende zugegeben; aber die reflektirten Bestimmungen haben die Form +des An-und-Fürsichseyns; sie machen sich daher als die Wesentlichen +geltend, und statt übergehend in ihre entgegengesetzten zu seyn, +erscheinen sie vielmehr als absolut, frei und gleichgültig gegen +einander. Sie widersetzen sich daher hartnäckig ihrer Bewegung, das +Seyn derselben ist ihre Identität mit sich in ihrer Bestimmtheit, nach +welcher sie, ob sie sich zwar gegenseitig voraussetzen, in dieser +Beziehung sich schlechthin getrennt erhalten. + +3. Bestimmende Reflexion. + +Die bestimmende Reflexion ist überhaupt die Einheit der setzenden und +der äußeren Reflexion. Dieß ist näher zu betrachten.-1. Die äußere +Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts. +Die äußere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber das +Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt seine +Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine +Voraussetzung. Aber deswegen ist es nicht die vollendete, bestimmende +Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur ein Gesetztes; +es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst gleich, sondern als +sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die Rückkehr in sich, es +ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist nicht diese Reflexion +selbst. + +Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, daß die Gleichheit der +Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist nur +als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst. —In +der Sphäre des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation an ihm +hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser Negation, +die daher selbst die unmittelbare war. Dem Daseyn entspricht in der +Sphäre des Wesens das Gesetztseyn. Es ist gleichfalls ein Daseyn, aber +sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder als reine Negativität; es ist +eine Bestimmtheit oder Negation nicht als seyend, sondern unmittelbar +als aufgehoben. Das Daseyn ist nur Gesetztseyn; dieß ist der Satz des +Wesens vom Daseyn. Das Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn, +anderer Seits dem Wesen gegenüber, und ist als die Mitte zu betrachten, +welche das Daseyn mit dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn +zusammenschließt. —Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein +Gesetztseyn, so kann dieß daher den doppelten Sinn haben; sie ist dieß +im Gegensatze gegen das Daseyn, oder gegen das Wesen. In jenem Sinne +wird das Daseyn für etwas Höheres genommen, als das Gesetztseyn, und +dieses der äußern Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben. In der That +aber ist das Gesetztseyn das Höhere; denn als Gesetztseyn ist das +Daseyn, als das was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur +auf die Rückkehr in sich bezogenes. Deswegen ist das Gesetztseyn nur +ein Gesetztseyn in Rücksicht auf das Wesen, als die Negation des +Zurückgekehrtseyns in sich selbst. + +2. Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur +Bestimmtheit, als Negation überhaupt. Aber das Setzen ist nun in +Einheit mit der äußern Reflexion; diese ist in dieser Einheit absolutes +Voraussetzen; das heißt, das Abstoßen der Reflexion von sich selbst, +oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst. Das Gesetztseyn ist +daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes ist sie als in +sich reflektirte. So ist das Gesetztseyn Reflexions-Bestimmung. + +Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der +Qualität, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes +überhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf das +Reflektirtseyn in sich. Die Negation als Qualität ist Negation als +seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die +Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn +in sich selbst. Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben darum, +weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem Negirtseyn +ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich. Die Bestimmung +besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre Gleichheit mit +sich. Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der Negation ungleiche +ist, so ist die Qualität in sich selbst ungleich, daher übergehendes, +im Andern verschwindendes Moment. Hingegen die Reflexionsbestimmung ist +das Gesetztseyn als Negation, Negation die zu ihrem Grunde das +Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht ungleich ist, somit +wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit. Die Sich-selbst-Gleichheit +der Reflexion, welche das Negative nur als Negatives, als Aufgehobenes +oder Gesetztes hat, ist es, welche demselben Bestehen giebt. + +Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die +Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder +Abstoßung gegen einander schwebende Wesenheiten. In ihnen hat sich die +Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich +fixirt. Es ist das Bestimmte, das sein Übergehen und sein bloßes +Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in +Reflexion in sich umgebogen hat. Diese Bestimmungen machen hierdurch +den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen +Schein. Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die außer sich +gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst ist in +die Negation verloren, die das Herrschende ist. + +Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunächst sich +unterscheiden. Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation als +solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich. Nach dem Gesetztseyn +ist sie die Negation als Negation; dieß ist somit bereits ihre Einheit +mit sich selbst. Aber sie ist dieß nur erst an sich; oder sie ist das +Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das Andere seiner +selbst.—Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes Bestimmen. Das +Wesen geht darin nicht außer sich; die Unterschiede sind schlechthin +gesetzt, in das Wesen zurückgenommen. Aber nach der andern Seite sind +sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst reflektirt; die Negation als +Negation, ist in Gleichheit mit ihr selbst, nicht in ihr Anderes, nicht +in ihr Nichtseyn reflektirt. + +3. Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in +sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus +ihre Natur näher. Als Gesetztseyn nämlich ist sie die Negation als +solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die absolute +Reflexion in sich oder gegen das Wesen. Aber als Beziehung auf sich ist +sie in sich reflektirt.—Diese ihre Reflexion und jenes Gesetztseyn sind +verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr Aufgehobenseyn; ihr +Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen. Insofern es nun also das +Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in sich selbst ist, so ist die +Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf ihr Andersseyn an ihr +selbst.—Sie ist nicht als eine seyende, ruhende Bestimmtheit, welche +bezogen würde auf ein Anderes, so daß das Bezogene und dessen Beziehung +verschieden von einander sind, jenes ein Insichseyendes, ein Etwas, +welches sein Anderes und seine Beziehung auf dieß Andere von sich +ausschließt. Sondern die Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die +bestimmte Seite, und die Beziehung dieser bestimmten Seite als +bestimmter, das heißt, auf ihre Negation.—Die Qualität geht durch ihre +Beziehung in Anderes über; in ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung. +Die Reflexionsbestimmung hingegen hat ihr Andersseyn in sich +zurückgenommen. Sie ist Gesetztseyn, Negation, welche aber die +Beziehung auf Anderes in sich zurückbeugt, und Negation, die sich +selbst gleich, die Einheit ihrer selbst und ihres Andern und nur +dadurch Wesensheit ist. Sie ist also Gesetztseyn, Negation, aber als +Reflexion in sich ist sie zugleich das Aufgehobenseyn dieses +Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich. + + + + +Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen. + + +Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes +Wesen, oder es ist Wesenheit. + +Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst. Das Wesen als +unendliche Rückkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern negative +Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene Momente, +absolute Vermittelung mit sich. Aber es scheint in diese seine Momente; +sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen. + +Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine +Identität. Dieß ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr +Bestimmungslosigkeit ist. + +Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar +theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied, die +Verschiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengesetzte +Verschiedenheit oder als Gegensatz. + +Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst +und geht in seinen Grund zurück. + +Anmerkung. + +Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Sätzen +aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von +Allem gelten. Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze, die +allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und unbeweisbar +seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse, unmittelbar und +unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen werden. + +So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze +ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A kann +nicht zugleich A und nicht A seyn. Es ist zunächst nicht abzusehen, +warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in diese besondere +Form gefaßt werden sollen, und nicht auch die andern Kategorien, wie +alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seyns. Es ergäben sich die Sätze +z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder Alles hat eine +Qualität, Quantität u.s.w. Denn Seyn, Daseyn u.s.f. sind als logische +Bestimmungen überhaupt Prädikate von Allem. Die Kategorie ist ihrer +Etymologie und der Definition des Aristoteles nach, dasjenige, was von +dem Seyenden gesagt, behauptet wird.—Allein eine Bestimmtheit des Seyns +ist wesentlich ein Übergehen ins Entgegengesetzte; die negative einer +jeden Bestimmtheit ist so nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren +Bestimmtheiten steht jeder die andere unmittelbar gegenüber. Wenn diese +Kategorien daher in solche Sätze gefaßt werden, so kommen ebenso sehr +die entgegengesetzten Sätze zum Vorschein; beide bieten sich mit +gleicher Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen +wenigstens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis +gegen den andern, und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der +Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des +Denkens zukommen. + +Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art. +Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen +Anderes zugleich entnommene Bestimmungen. Ferner indem es +Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so +enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich. Denn der Satz +unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem der +Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder daß er eine bestimmte +Beziehung ist. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das Prädikat, +als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich und von ihrer Beziehung, +der einfachen Copula, unterschieden ist. Wenn ein Satz in ein Urtheil +verwandelt werden soll, so wird der bestimmte Inhalt, wenn er z.B. in +einem Zeitworte liegt, in ein Particip verwandelt, um auf diese Art die +Bestimmung selbst und ihre Beziehung auf ein Subjekt zu trennen. Den +Reflexions-Bestimmungen dagegen als in sich reflektirtem Gesetztseyn +liegt die Form des Satzes selbst nahe.—Allein indem sie als allgemeine +Denkgesetze ausgesprochen werden, so bedürfen sie noch eines Subjekts +ihrer Beziehung, und dieß Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso +viel als Alles und Jedes Seyn bedeutet. + +Eines Theils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges; die +Reflexions-Bestimmungen sind an und für sich zu betrachten. Ferner +haben diese Sätze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum +Subjekte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen die +Reflexions-Bestimmungen, die Identität u.s.f. von dem Etwas als eine +Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne, sondern +daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als seyendes, +nicht daß es in die Identität u.s.f. als in seine Wahrheit und sein +Wesen übergegangen sey. + +Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich +selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne Entgegensetzung +zu seyn; aber wie sich aus ihrer nähern Betrachtung ergeben wird,—oder +wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der Verschiedenheit, der +Entgegensetzung erhellt—sind sie bestimmte gegen einander, sie sind +also durch ihre Form der Reflexion, dem Übergehen und dem Widerspruche +nicht entnommen. Die mehrern Sätze, die als absolute Denkgesetze +aufgestellt werden, sind daher, näher betrachtet, einander +entgegengesetzt, sie widersprechen einander und heben sich gegenseitig +auf.—Wenn Alles identisch mit sich ist, so ist es nicht verschieden, +nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund. Oder wenn angenommen wird, es +giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h. Alles ist von einander +verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A auch nicht +entgegengesetzt u.s.f. Die Annahme eines jeden von diesen Sätzen läßt +die Annahme der andern nicht zu.—Die gedankenlose Betrachtung derselben +zählt sie nach einander auf, so daß sie in keiner Beziehung auf +einander erscheinen; sie hat bloß ihr Reflektirtseyn in sich im Sinne, +ohne ihr anderes Moment, das Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als +solche zu beachten, welche sie in den Übergang und in ihre Negation +fortreiBt. + +A. Die Identität. + +1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene +Unmittelbarkeit. Seine Negativität ist sein Seyn; es ist sich selbst +gleich in seiner absoluten Negativität, durch die das Andersseyn und +die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine +Sichselbstgleichheit verschwunden ist. Das Wesen ist also einfache +Identität mit sich. + +Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie ist +nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch das +Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur +Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern, +sondern dieß reine Herstellen aus und in sich selbst; die wesentliche +Identität. Sie ist insofern nicht abstrakte Identität, oder nicht durch +ein relatives Negiren entstanden, das außerhalb ihrer vorgegangen wäre, +und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt, übrigens aber dasselbe +außer ihr als seyend gelassen hätte, vor wie nach. Sondern das Seyn und +alle Bestimmtheit des Seyns hat sich nicht relativ, sondern an sich +selbst aufgehoben; und diese einfache Negativität, des Seyns an sich, +ist die Identität selbst. + +Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe, als das Wesen. + +Anmerkung 1. + +Das Denken, das sich in der äußern Reflexion hält, und von keinem +andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die +Identität wie sie so eben gefaßt worden ist, oder das Wesen, was +dasselbe ist, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die abstrakte +Identität vor sich, und außer und neben derselben den Unterschied. Es +meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein Webstuhl, auf dem sie den +Zettel, etwa die Identität, und dann den Eintrag, den Unterschied, +äußerlich mit einander verbinde und verschlinge; oder auch wieder +analysirend jetzt die Identität besonders herausziehe, und dann auch +wieder den Unterschied daneben erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und +dann auch wieder ein Ungleichsetzen sey;—ein Gleichsetzen, indem man +vom Unterschiede, —ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen +abstrahire.—Man muß diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die +Vernunft thue, ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen +bloß historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist, +an ihm selbst zeigt, daß es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich +und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem +Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung des +Übergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und dieß darum, +weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist. Der Begriff +der Identität, einfache sich auf sich beziehende Negativität zu seyn, +ist nicht ein Produkt der äußern Reflexion, sondern hat sich an dem +Seyn selbst ergeben. Da hingegen jene Identität, die außer dem +Unterschied, und der Unterschied, der außer der Identität sey, Produkte +der äußern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich willkürlicher +Weise auf diesem Punkte der gleichgültigen Verschiedenheit festhält. + +2. Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst, noch keine Bestimmung +desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes Moment +derselben. Als absolute Negation ist sie die Negation, die unmittelbar +sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in seinem +Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts +unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst +zusammenfällt. Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als des +Nichtseyns des Andern. Aber das Nichtseyn des Andern ist Aufheben des +Andern, und somit des Unterscheidens selbst. So ist aber das +Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende Negativität, +als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist; ein Nichtseyn, +das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an sich selbst hat. +Es ist also der sich auf sich beziehende, der reflektirte Unterschied +vorhanden, oder reine, absolute Unterschied. + +Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst, welche dieß nur +ist, als innerliches Abstoßen, und dieß Abstoßen ist es als Reflexion +in sich, unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen. Sie ist +somit die Identität als der mit sich identische Unterschied. Der +Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die +Identität, sondern absolute Nichtidentität ist. Absolut aber ist die +Nichtidentität, insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern +nur sich selbst, das heißt, insofern sie absolute Identität mit sich +ist. + +Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität. Aber sie +ist auch die Bestimmung der Identität dagegen. Denn als Reflexion in +sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist das Ganze, aber +als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment, als Gesetztseyn, +aus welchem sie die Rückkehr in sich ist. So als ihr Moment ist sie +erst die Identität als solche als Bestimmung der einfachen Gleichheit +mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied. + +Anmerkung 2. + +Ich werde in dieser Anmerkung die Identität als den Satz der Identität +näher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgeführt zu werden +pflegt. + +Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunächst nichts +weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es ist daher richtig +bemerkt worden, daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht weiter +führe. So ist die leere Identität, an welcher diejenigen festhangen +bleiben, welche sie als solche für etwas Wahres nehmen und immer +vorzubringen pflegen, die Identität sey nicht die Verschiedenheit, +sondern die Identität und die Verschiedenheit seyen verschieden. Sie +sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen, daß die Identität ein +Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identität sey verschieden von +der Verschiedenheit; indem dieß zugleich als die Natur der Identität +zugegeben werden muß, so liegt darin, daß die Identität nicht +äußerlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dieß sey, verschieden +zu seyn.—Ferner aber indem sie an dieser unbewegten Identität +festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit hat, so sehen +sie nicht, daß sie hiermit dieselbe zu einer einseitigen Bestimmtheit +machen, die als solche keine Wahrheit hat. Es wird zugegeben, daß der +Satz der Identität nur eine einseitige Bestimmtheit ausdrücke, daß er +nur die formelle eine abstrakte, unvollständige Wahrheit enthalte.—In +diesem richtigen Urtheil liegt aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur +in der Einheit der Identität mit der Verschiedenheit vollständig ist, +und somit nur in dieser Einheit bestehe. Indem behauptet wird, daß jene +Identität unvollkommen ist, so schwebt diese Totalität, an der gemessen +die Identität unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor; +indem aber auf der andern Seite die Identität als absolut getrennt von +der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein +Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen +widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese +Gedanken, daß die Identität als abstrakte wesentlich, und daß sie als +solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des +Bewußtseyns über die negative Bewegung, als welche in diesen +Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.—Oder indem sich so +ausgedrückt wird, die Identität sey wesentliche Identität als Trennung +von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der Verschiedenheit, +so ist dieß unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit derselben, daß sie +darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder in der Trennung +wesentlich, das ist, nichts für sich, sondern Moment der Trennung zu +seyn. + +Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes der +Identität betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung gegründet, +als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseyns berufen wird, daß es, wie +man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum, ausspreche, es +denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey, daß der Satz als +unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern Begründung und +Beweises bedürfe. + +Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein jedes +Bewußtseyn ihn anerkenne, bloße Redensart. Denn man will nicht sagen, +daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem Bewußtseyn +gemacht habe. Es ist insofern weiter nicht Ernst mit jener Berufung auf +wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur die Versicherung, daß +wenn man die Erfahrung machte, sich das Resultat des allgemeinen +Anerkennens ergeben würde.—Wäre aber nicht der abstrakte Satz als +solcher, sondern der Satz in konkreter Anwendung gemeint, aus der jener +erst entwickelt werden sollte, so bestünde die Behauptung von seiner +Allgemeinheit und Unmittelbarkeit darin, daß jedes Bewußtseyn, und +selbst in jeder seiner Äußerungen ihn zu Grunde lege, oder daß er +implicite in jeder liege. Allein das Konkrete und die Anwendung ist ja +eben die Beziehung des einfachen Identischen auf ein von ihm +verschiedenes Mannigfaltiges. Als Satz ausgedrückt, wäre das Konkrete +zunächst ein synthetischer Satz. Aus dem Konkreten selbst oder seinem +synthetischen Satze würde die Abstraktion den Satz der Identität wohl +durch Analyse herausbringen können; aber in der That hätte sie die +Erfahrung nicht gelassen wie sie ist, sondern verändert; denn die +Erfahrung enthielt vielmehr die Identität in Einheit mit der +Verschiedenheit, und ist die unmittelbare Widerlegung von der +Behauptung, daß die abstrakte Identität als solche etwas Wahres sey, +denn das gerade Gegentheil, nämlich die Identität nur vereinigt mit der +Verschiedenheit, kommt in jeder Erfahrung vor. + +Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen Satze +der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser +Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen wird. +Wenn nämlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die Antwort +gegeben wird: eine Pflanze ist—eine Pflanze, so wird die Wahrheit eines +solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der sie erprobt wird, +zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig gesagt werden, daß +damit Nichts gesagt ist. Wenn einer den Mund aufthut, und anzugeben +verspricht, was Gott sey, nämlich Gott sey—Gott, so findet sich die +Erwartung getäuscht, denn sie sah einer verschiedenen Bestimmung +entgegen; und wenn dieser Satz absolute Wahrheit ist, wird solche +absolute Rednerei sehr gering geachtet; es wird nichts für langweiliger +und lästiger gehalten werden, als eine nur dasselbe wiederkäuende +Unterhaltung, als solches Reden, das doch Wahrheit seyn soll. + +Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet, so +macht der Anfang: die Pflanze ist—, Anstalten etwas zu sagen, eine +weitere Bestimmung vorzubringen. Indem aber nur dasselbe wiederkehrt, +so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts herausgekommen. +Solches identische Reden widerspricht sich also selbst. Die Identität, +statt an ihr die Wahrheit und absolute Wahrheit zu seyn, ist daher +vielmehr das Gegentheil; statt das unbewegte Einfache zu seyn, ist sie +das Hinausgehen über sich in die Auflösung ihrer selbst. + +Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität ausgedrückt +ist, mehr als die einfache, abstrakte Identität; es liegt diese reine +Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als Schein, als +unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein Beginnen, dem ein +Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen werde; aber es kommt +nicht zu dem Verschiedenen; A ist—A: die Verschiedenheit ist nur ein +Verschwinden; die Bewegung geht in sich selbst zurück.—Die Form des +Satzes kann als die verborgene Nothwendigkeit angesehen werden, noch +das Mehr jener Bewegung zu der abstrakten Identität hinzuzufügen.—So +kommt auch ein A, oder eine Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das +als ein unnützer Inhalt keine Bedeutung hat; aber er macht die +Verschiedenheit aus, die sich zufälligerweise beizugesellen scheint. +Wenn statt des A und jedes andern Substrats, die Identität selbst +genommen wird,—die Identität ist die Identität,—so ist ebenso +zugegeben, daß statt dieser gleichfalls jedes andere Substrat genommen +werden könne. Wenn sich daher einmal darauf berufen werden soll, was +die Erscheinung zeigt, so zeigt sie dieß, daß in dem Ausdrucke der +Identität auch unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;—oder +bestimmter nach dem Obigen, daß diese Identität das Nichts, daß sie die +Negativität, der absolute Unterschied von sich selbst ist. + +Der andre Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A +und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heißt der Satz des +Widerspruchs. Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch +sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme, +keine Rechtfertigung gegeben zu werden.—Diese Form liegt aber darin, +daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache +Negativität ist, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes +entwickelter enthält. Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das +Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden. Die +Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt,—als Negation der +Negation. A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen sind +auf ein und dasselbe A bezogen. Die Identität ist also als diese +Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache Unterschied +an ihnen selbst hier dargestellt. + +Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst und noch mehr der +Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer, sondern synthetischer +Natur ist. Denn der letztere enthält in seinem Ausdrucke nicht nur die +leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern nicht allein das Andere +derselben überhaupt, sondern sogar die absolute Ungleichheit, den +Widerspruch an sich. Der Satz der Identität selbst aber enthält, wie an +ihm gezeigt wurde, die Reflexions-Bewegung, die Identität als +Verschwinden des Andersseyns. + +Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, daß erstens der Satz +der Identität oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte Identität +im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdrücken soll, kein +Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist; zweitens, daß +diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich dieses +Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten. + +B. Der Unterschied. + +1. Der absolute Unterschied. + +Der Unterschied ist die Negativität, welche die Reflexion in sich hat; +das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird; das +wesentliche Moment der Identität selbst, die zugleich als Negativität +ihrer selbst, sich bestimmt und unterschieden vom Unterschied ist. + +1. Dieser Unterschied ist der Unterschied an und für sich, der absolute +Unterschied, der Unterschied des Wesens.—Er ist der Unterschied an und +für sich, nicht Unterschied durch ein Äußerliches, sondern sich auf +sich beziehender, also einfacher Unterschied.—Es ist wesentlich den +absoluten Unterschied als einfachen zu fassen. Im absoluten +Unterschiede des A und Nicht-A von einander ist es das einfache Nicht, +was als solches denselben ausmacht. Der Unterschied selbst ist +einfacher Begriff. Darin, drückt man sich aus, sind zwei Dinge +unterschieden, daß sie u.s.f.—Darin, das heißt, in einer und derselben +Rücksicht, in demselben Bestimmungsgrunde. Er ist der Unterschied der +Reflexion, nicht das Andersseyn des Daseyns. Ein Daseyn und ein anderes +Daseyn sind gesetzt als außereinanderfallend, jedes der gegen einander +bestimmten Daseyn hat ein unmittelbares Seyn für sich. Das Andre des +Wesens dagegen ist das Andre an und für sich, nicht das Andre als eines +andern außer ihm Befindlichen; die einfache Bestimmtheit an sich. Auch +in der Sphäre des Daseyns erwies sich das Andersseyn und die +Bestimmtheit von dieser Natur, einfache Bestimmtheit, identischer +Gegensatz zu seyn; aber diese Identität zeigte sich nur als das +Übergehen einer Bestimmtheit in die andere. Hier in der Sphäre der +Reflexion tritt der Unterschied als reflektirter auf, der so gesetzt +ist, wie er an sich ist. + +2. Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende +Unterschied; so ist er die Negativität seiner selbst, der Unterschied +nicht von einem Andern, sondern seiner von sich selbst; er ist nicht er +selbst, sondern sein Anderes. Das Unterschiedene aber vom Unterschiede +ist die Identität. Er ist also er selbst und die Identität. Beide +zusammen machen den Unterschied aus; er ist das Ganze und sein +Moment.—Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied als einfacher ist +kein Unterschied; er ist dieß erst in Beziehung auf die Identität; aber +vielmehr enthält er als Unterschied ebenso sie und diese Beziehung +selbst.—Der Unterschied ist das Ganze und sein eignes Moment; wie die +Identität ebenso sehr ihr Ganzes und ihr Moment ist.—Dieß ist als die +wesentliche Natur der Reflexion und als bestimmter Urgrund aller +Thätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten. —Unterschied wie die +Identität machen sich zum Momente oder zum Gesetztseyn, weil sie als +Reflexion die negative Beziehung auf sich selbst sind. + +Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identität, ist an sich +selbst bestimmter Unterschied. Er ist nicht Übergehen in ein Anderes, +nicht Beziehung auf Anderes außer ihm; er hat sein Anderes, die +Identität an ihm selbst; so wie diese, indem sie in die Bestimmung des +Unterschieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren hat, +sondern in ihm sich erhält, seine Reflexion in sich und sein Moment +ist. + +3. Der Unterschied hat die beiden Momente, Identität und Unterschied; +beide sind so ein Gesetztseyn, Bestimmtheit. Aber in diesem Gesetztseyn +ist jedes Beziehung auf sich selbst. Das eine, die Identität ist +unmittelbar selbst das Moment der Reflexion in sich; ebenso ist aber +das andere, der Unterschied, Unterschied an sich, der reflektirte +Unterschied. Der Unterschied, indem er zwei solche Momente hat, die +selbst die Reflexionen in sich sind, ist Verschiedenheit. + +2. Die Verschiedenheit. + +1. Die Identität zerfällt an ihr selbst in Verschiedenheit, weil sie +als absoluter Unterschied in sich selbst, sich als das Negative ihrer +setzt, und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer, +Reflexionen in sich, identisch mit sich sind; oder eben weil sie ihr +Negiren unmittelbar selbst aufhebt, und in ihrer Bestimmung in sich +reflektirt ist. Das Unterschiedne besteht als gegen einander +gleichgültig verschiedenes, weil es identisch mit sich ist, weil die +Identität seinen Boden und Element ausmacht; oder das Verschiedene ist +das, was es ist, eben nur in seinem Gegentheile, der Identität. + +Die Verschiedenheit macht das Andersseyn als solches der Reflexion aus. +Das Andere des Daseyns hat das unmittelbare Seyn zu seinem Grunde, in +welchem das Negative besteht. In der Reflexion aber macht die Identität +mit sich, die reflektirte Unmittelbarkeit, das Bestehen des Negativen +und die Gleichgültigkeit desselben aus. + +Die Momente des Unterschiedes sind die Identität und der Unterschied +selbst. Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektirte, sich auf +sich beziehende; so sind sie in der Bestimmung der Identität, +Beziehungen nur auf sich; die Identität ist nicht bezogen auf den +Unterschied, noch ist der Unterschied bezogen auf die Identität; indem +so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist, sind sie nicht +bestimmt gegen einander.—Weil sie nun auf diese Weise nicht an ihnen +selbst unterschiedene sind, so ist der Unterschied ihnen äußerlich. Die +Verschiedenen verhalten sich also nicht als Identität und Unterschied +zu einander, sondern nur als Verschiedene überhaupt, die gleichgültig +gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind. + +2. In der Verschiedenheit als der Gleichgültigkeit des Unterschieds, +ist sich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden; der Unterschied +ist nur ein Gesetztseyn oder als aufgehobener, aber er ist selbst die +ganze Reflexion.—Dieß näher betrachtet, so sind beide, die Identität +und der Unterschied, wie sich so eben bestimmt hat, Reflexionen; jedes +Einheit seiner selbst und seines Andern; jedes ist das Ganze. Damit +aber ist die Bestimmtheit, nur Identität oder nur Unterschied zu seyn, +ein Aufgehobenes. Sie sind darum keine Qualitäten, weil ihre +Bestimmtheit durch die Reflexion in sich zugleich nur als Negation ist. +Es ist also dieß Gedoppelte vorhanden, die Reflexion in sich als +solche, und die Bestimmtheit als Negation, oder das Gesetztseyn. Das +Gesetztseyn ist die sich äußerliche Reflexion; es ist die Negation als +Negation; hiermit an sich zwar die sich auf sich beziehende Negation +und Reflexion in sich; aber nur an sich; es ist die Beziehung darauf +als auf ein Äußerliches. + +Die Reflexion an sich und die äußere Reflexion, sind somit die zwei +Bestimmungen, in die sich die Momente des Unterschiedes, Identität und +Unterschied, setzten. Sie sind diese Momente selbst, insofern sie sich +nunmehr bestimmt haben.—Die Reflexion an sich ist die Identität, aber +bestimmt, gleichgültig gegen den Unterschied zu seyn; nicht den +Unterschied gar nicht zu haben, sondern sich als mit sich identisch +gegen ihn zu verhalten; sie ist die Verschiedenheit. Es ist die +Identität, die sich so in sich reflektirt hat, daß sie eigentlich die +Eine Reflexion der beiden Momente in sich ist, beide sind Reflexionen +in sich. Die Identität ist diese eine Reflexion beider, die den +Unterschied nur als einen gleichgültigen an ihr hat, und +Verschiedenheit überhaupt ist.—Die äußere Reflexion dagegen ist der +bestimmte Unterschied derselben nicht als absolute Reflexion in sich, +sondern als Bestimmung, wogegen die an sich seyende Reflexion +gleichgültig ist; seine beiden Momente, die Identität und der +Unterschied selbst, sind so äußerlich gesetzte, nicht an und für sich +seyende Bestimmungen. + +Diese äußerliche Identität nun ist die Gleichheit, und der äußerliche +Unterschied die Ungleichheit.—Die Gleichheit ist zwar Identität, aber +nur als ein Gesetztseyn, eine Identität, die nicht an und für sich +ist.—Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein äußerlicher, +der nicht an und für sich der Unterschied des Ungleichen selbst ist. Ob +Etwas einem andern Etwas gleich ist oder nicht, geht weder das eine +noch das andere an; jedes derselben ist nur auf sich bezogen; ist an +und für sich selbst was es ist; die Identität oder Nichtidentität als +Gleichheit und Ungleichheit ist die Rücksicht eines Dritten, die außer +ihnen fällt. + +3. Die äußere Reflexion bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit und +Ungleichheit. Diese Beziehung, das Vergleichen, geht von der Gleichheit +zur Ungleichheit, und von dieser zu jener herüber und hinüber. Aber +dieses herüber- und hinübergehende Beziehen der Gleichheit und +Ungleichheit ist diesen Bestimmungen selbst äußerlich; auch werden sie +nicht auf einander, sondern jede für sich nur auf ein Drittes bezogen. +Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar für sich hervor.—Die +äußerliche Reflexion ist als solche sich selbst äußerlich; der +bestimmte Unterschied ist der negirte absolute Unterschied; er ist +somit nicht einfach, nicht die Reflexion in sich, sondern diese hat er +außer ihm; seine Momente fallen daher aus einander, und beziehen sieh +auch als gegen einander äußerliche, auf die ihnen gegenüber stehende +Reflexion in sich. + +An der sich entfremdeten Reflexion kommen also die Gleichheit und +Ungleichheit als gegen einander selbst unbezogene hervor, und sie +trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht, durch die +Insoferns, Seiten und Rücksichten. Die Verschiedenen, die das eine und +dasselbe sind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit, bezogen +werden, sind also nach der einen Seite einander gleich, nach der andern +Seite aber ungleich, und insofern sie gleich sind, insofern sind sie +nicht ungleich. Die Gleichheit bezieht sich nur auf sich, und die +Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit. + +Durch diese ihre Trennung von einander aber heben sie sich nur auf. +Gerade, was den Widerspruch und die Auflösung von ihnen abhalten soll, +daß nämlich Etwas einem Andern in einer Rücksicht gleich, in einer +andern aber ungleich sey;—dieß Auseinanderhalten der Gleichheit und +Ungleichheit ist ihre Zerstörung. Denn beide sind Bestimmungen des +Unterschiedes; sie sind Beziehungen aufeinander, das eine, zu seyn, was +das andere nicht ist; gleich ist nicht ungleich, und ungleich ist nicht +gleich; und beide haben wesentlich diese Beziehung, und außer ihr keine +Bedeutung; als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das was es ist, +als unterschieden von seinem andern. Durch ihre Gleichgültigkeit aber +gegen einander, ist die Gleichheit nur bezogen auf sich, die +Ungleichheit ist ebenso eine eigene Rücksicht und Reflexion für sich; +jede ist somit sich selbst gleich; der Unterschied ist verschwunden, da +sie keine Bestimmtheit gegen einander haben; oder jede ist hiermit nur +Gleichheit. + +Diese gleichgültige Rücksicht, oder der äußerliche Unterschied hebt +somit sich selbst auf, und ist die Negativität seiner an sich selbst. +Er ist diejenige Negativität, welche in dem Vergleichen dem +Vergleichenden zukommt. Das Vergleichende geht von der Gleichheit zur +Ungleichheit, und von dieser zu jener zurück; läßt also das eine im +andern verschwinden, und ist in der That die negative Einheit beider. +Sie ist zunächst jenseits des Verglichenen so wie jenseits der Momente +der Vergleichung, als ein Subjektives, außerhalb ihnen fallendes Thun. +Aber diese negative Einheit ist in der That die Natur der Gleichheit +und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat. Eben die selbstständige +Rücksicht, die eine jede ist, ist vielmehr die ihre Unterschiedenheit +und damit sie selbst aufhebende Beziehung auf sich. + +Nach dieser Seite, als Momente der äußern Reflexion und als sich selbst +äußerlich, verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in ihre +Gleichheit zusammen. Aber diese ihre negative Einheit ist ferner auch +an ihnen gesetzt; sie haben nämlich die an sich seyende Reflexion außer +ihnen, oder sind die Gleichheit und Ungleichheit eines Dritten, eines +Andern als sie selbst sind. So ist das Gleiche nicht das Gleiche seiner +selbst, und das Ungleiche als das Ungleiche nicht seiner selbst, +sondern eines ihm ungleichen, ist selbst das Gleiche. Das Gleiche und +das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner selbst. Jedes ist somit +diese Reflexion, die Gleichheit, daß sie sie selbst und die +Ungleichheit, die Ungleichheit, daß sie sie selbst und die Gleichheit +ist. + +Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseyns, gegen +das Verglichene oder das Verschiedene aus, das sich als die an sich +seyende Reflexion gegen sie bestimmt hatte. Aber dieses hat damit seine +Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren. Eben die Gleichheit und +Ungleichheit, die Bestimmungen der äußerlichen Reflexion, sind die nur +an sich seyende Reflexion, welche das Verschiedene als solches seyn +sollte, sein nur unbestimmter Unterschied. Die an sich seyende +Reflexion ist die Beziehung auf sich ohne Negation, die abstrakte +Identität mit sich; damit eben das Gesetztseyn selbst.—Das bloß +Verschiedene geht also durch das Gesetztseyn über in die negative +Reflexion. Das Verschiedene ist der bloß gesetzte Unterschied, also der +Unterschied, der keiner ist, also die Negation seiner an ihm selbst. So +die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das Gesetztseyn, geht durch die +Gleichgültigkeit oder die an sich seyende Reflexion zurück in die +negative Einheit mit sich; in die Reflexion, welche der Unterschied der +Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst ist. Die Verschiedenheit, +deren gleichgültige Seiten ebenso sehr schlechthin nur Momente als +Einer negativen Einheit sind, ist der Gegensatz. + +Anmerkung. + +Die Verschiedenheit wird, wie die Identität, in einem eigenen Satze +ausgedrückt. Übrigens bleiben diese beide Sätze in der gleichgültigen +Verschiedenheit gegeneinander gehalten, so daß jeder für sich gilt ohne +Rücksicht auf den andern. + +Alle Dinge sind verschieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die +einander gleich sind.—Dieser Satz ist in der That dem Satze der +Identität entgegengesetzt, denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes, +also A ist auch nicht A; oder A ist einem andern ungleich, so ist es +nicht A überhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A. An die Stelle des +A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt, aber A als +Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauscht werden. Es soll zwar +nicht ein Verschiedenes von sich, sondern nur von Anderem seyn; aber +diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung. Als mit sich +identisches A ist es das Unbestimmte; aber als Bestimmtes ist es das +Gegentheil hiervon, es hat nicht mehr nur die Identität mit sich, +sondern auch eine Negation, somit eine Verschiedenheit seiner selbst +von sich an ihm. + +Daß alle Dinge verschieden sind von einander, ist ein sehr +überflüssiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die +Mehrheit und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.—Der Satz aber: es +giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind, drückt +mehr, nämlich die bestimmte Verschiedenheit aus. Zwei Dinge sind nicht +bloß zwei; die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit, sondern +sie sind durch eine Bestimmung verschieden. Der Satz, daß es nicht zwei +Dinge giebt, die einander gleich sind, fällt dem Vorstellen,—auch nach +der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn Leibniz vorgebracht und die +Damen veranlaßt haben soll, unter Baumblättern zu suchen, ob sie nicht +zwei gleiche finden.—Glückliche Zeiten für die Metaphysik, wo man sich +am Hofe mit ihr beschäftigte, und wo es keiner andern Anstrengung +bedurfte, ihre Sätze zu prüfen, als Baumblätter zu vergleichen!—Der +Grund, daß jener Satz auffallend ist, liegt in dem Gesagten, daß zwei +oder die numerische Mehrheit noch keine bestimmte Verschiedenheit +enthält, und daß die Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion +zunächst gleichgültig gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist. Das +Vorstellen, indem es auch zur Bestimmung übergeht, nimmt diese Momente +selbst als gegen einander gleichgültige auf, so daß das eine ohne das +andere, die bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur +Bestimmung hinreiche, oder daß die Dinge verschieden seyen, wenn sie +auch nur numerisch Viele, verschiedene überhaupt, nicht ungleiche sind. +Der Satz der Verschiedenheit hingegen drückt aus, daß die Dinge durch +die Ungleichheit von einander verschieden sind, daß ihnen die +Bestimmung der Ungleichheit so sehr zukomme als die der Gleichheit, +denn erst beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus. + +Dieser Satz nun, daß allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit +zukommt, bedürfte eines Beweises; er kann nicht als unmittelbarer Satz +aufgestellt werden, denn die gewöhnliche Weise des Erkennens selbst +fotdert für die Verknüpfung verschiedener Bestimmungen in einem +synthetischen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines Dritten, +worin sie vermittelt sind. Dieser Beweis müßte den Übergang der +Identität in die Verschiedenheit, und dann den Übergang dieser in die +bestimmte Verschiedenheit, in die Ungleichheit darthun. Dieß pflegt +aber nicht geleistet zu werden; es ergab sich darin, daß die +Verschiedenheit oder der äußerliche Unterschied, in Wahrheit in sich +reflektirter, Unterschied an ihm selbst ist, daß das gleichgültige +Bestehen des Verschiedenen das bloße Gesetztseyn, und damit nicht +äußerlicher, gleichgültiger Unterschied, sondern Eine Beziehung der +beiden Momente ist. + +Es liegt darin auch die Auflösung und Nichtigkeit des Satzes der +Verschiedenheit. Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich; so sind sie +gleich und ungleich zugleich; gleich schon darin, daß sie Dinge oder +zwei überhaupt sind, denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut als +das andere,jedes also dasselbe, was das andere; ungleich aber sind sie +durch die Annahme. Es ist somit die Bestimmung vorhanden, daß beide +Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und demselben +verschieden, oder daß der außereinanderfallende Unterschied, zugleich +eine und dieselbe Beziehung ist. Somit ist sie in Entgegensetzung +übergegangen. + +Das Zugleich der beiden Prädikate wird zwar durch das Insofern aus +einander gehalten; daß zwei Dinge insofern sie gleich, _insofern_ nicht +ungleich, oder nach einer Seite und Rücksicht gleich, nach der andern +Seite und Rücksicht aber ungleich sind. Damit wird die Einheit der +Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und was seine +eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit an sich wäre, +als eine dem Dinge äußerliche Reflexion festgehalten. Diese ist es aber +somit, die in einer und derselben Thätigkeit die zwei Seiten der +Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet, somit in Einer Thätigkeit +beide enthält, die eine in die andere scheinen läßt und reflektirt.—Die +gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber, die nur dafür sorgt, daß +diese sich nicht widersprechen, vergißt hier wie sonst, daß damit der +Widerspruch nicht aufgelöst, sondern nur anderswohin, in die Subjektive +oder äußere Reflexion überhaupt geschoben wird, und daß diese in der +That die beiden Momente, welche durch diese Entfernung und Versetzung +als bloßes Gesetztseyn ausgesprochen werden, als aufgehobene und auf +einander bezogene in Einer Einheit enthält. + +3. Der Gegensatz. + +Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet. +Er ist die Einheit der Identität und der Verschiedenheit; seine Momente +sind in Einer Identität verschiedene; so sind sie entgegengesetzte. + +Die Identität und der Unterschied sind die Momente des Unterschiedes +innerhalb seiner selbst gehalten; sie sind reflektirte Momente seiner +Einheit. Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entäußerte +Reflexion; ihre Identität mit sich ist nicht nur die Gleichgültigkeit +eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene, sondern gegen das +An-und-Fürsichseyn, als solches; eine Identität mit sich gegen die in +sich reflektirte; sie ist also die nicht in sich reflektirte +Unmittelbarkeit. Das Gesetztseyn der Seiten der äußerlichen Reflexion +ist daher ein Seyn; so wie ihr Nichtgesetztseyn ein Nichtseyn. + +Die Momente des Gegensatzes näher betrachtet, so sind sie das in sich +reflektirte Gesetztseyn oder Bestimmung überhaupt. Das Gesetztseyn ist +die Gleichheit und Ungleichheit; sie beide in sich reflektirt machen +die Bestimmungen des Gegensatzes aus. Ihre Reflexion in sich besteht +darin, daß jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und +Ungleichheit ist. Die Gleichheit ist nur in der Reflexion, welche nach +der Ungleichheit vergleicht, somit durch ihr anderes gleichgültiges +Moment vermittelt; ebenso die Ungleichheit ist nur in derselben +reflektirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist. —Jedes dieser +Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze. Es ist das Ganze, +insofern es auch sein anderes Moment enthält; aber dieß sein anderes +ist ein gleichgültig seyendes, so enthält jedes die Beziehung auf sein +Nichtseyn, und ist nur die Reflexion in sich oder das Ganze als sich +wesentlich auf sein Nichtseyn beziehend. + +Diese in sich reflektirte Gleichheit mit sich, die in ihr selbst die +Beziehung auf die Ungleichheit enthält, ist das Positive; so die +Ungleichheit die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtseyn, die +Gleichheit enthält, ist das Negative.—Oder beide sind das Gesetztseyn; +insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit als unterschiedene +bestimmte Beziehung des Gesetztseyns auf sich genommen wird, so ist der +Gegensatz eines Theils das Gesetztseyn in seine Gleichheit mit sich +reflektirt; andern Theils dasselbe in seine Ungleichheit mit sich +reflektirt; das Positive und Negative.—Das Positive ist das Gesetztseyn +als in die Gleichheit mit sich reflektirt; aber das reflektirte ist das +Gesetztseyn, das ist, die Negation als Negation, so hat diese Reflexion +in sich die Beziehung auf das Andere zu ihrer Bestimmung. Das Negative +ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit reflektirt; aber das +Gesetztseyn ist die Ungleichheit selbst, so ist diese Reflexion somit +die Identität der Ungleichheit mit sich selbst und absolute Beziehung +auf sich.—Beide also, das in die Gleichheit mit sich reflektirte +Gesetztseyn hat die Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit sich +reflektirte Gesetztseyn hat auch die Gleichheit an ihm. + +Das Positive und das Negative sind so die selbstständig gewordenen +Seiten des Gegensatzes. Sie sind selbstständig, indem sie die Reflexion +des Ganzen in sich sind, und sie gehören dem Gegensatze an, insofern es +die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektirt ist. Um ihrer +Selbstständigkeit willen machen sie den an sich bestimmten Gegensatz +aus. Jedes ist es selbst und sein Anderes, dadurch hat jedes seine +Bestimmtheit nicht an einem andern, sondern an ihm selbst.—Jedes +bezieht sich auf sich selbst, nur als sich beziehend auf sein Anderes. +Dieß hat die doppelte Seite; jedes ist Beziehung auf sein Nichtseyn als +Aufheben dieses Andersseyns in sich; so ist sein Nichtseyn nur ein +Moment in ihm. Aber andern Theils ist hier das Gesetztseyn ein Seyn, +ein gleichgültiges Bestehen geworden; das andre seiner, das jedes +enthält, ist daher auch das Nichtseyn dessen, in welchem es nur als +Moment enthalten seyn soll. Jedes ist daher nur, insofern sein +Nichtseyn ist, und zwar in einer identischen Beziehung. + +Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituiren, +bestehen also darin, daß das Positive und das Negative erstens absolute +Momente des Gegensatzes sind; ihr Bestehen ist untrennbar Eine +Reflexion; es ist Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das +Nichtseyn seines Andern, damit durch sein Anderes oder sein eigenes +Nichtseyn ist.—So sind sie Entgegengesetzte überhaupt; oder jedes ist +nur das Entgegengesetzte des Andern; das eine ist noch nicht positiv, +und das andre noch nicht negativ, sondern beide sind negativ gegen +einander. Jedes ist so überhaupt erstens insofern das Andre ist; es ist +durch das Andre, durch sein eignes Nichtseyn, das was es ist; es ist +nur Gesetztseyn; zweitens es ist insofern das Andre nicht ist; es ist +durch das Nichtseyn des Andern das was es ist; es ist Reflexion in +sich.—Dieses beides ist aber die eine Vermittelung des Gegensatzes +überhaupt, in der sie überhaupt nur Gesetzte sind. + +Aber ferner dieß bloße Gesetztseyn ist in sich reflektirt überhaupt; +das Positive und Negative ist nach diesem Momente der äußern Reflexion +gleichgültig gegen jene erste Identität, worin sie nur Momente sind; +oder indem jene erste Reflexion die eigne Reflexion des Positiven und +Negativen in sich selbst, jedes sein Gesetztseyn an ihm selbst ist, so +ist jedes gleichgültig gegen diese seine Reflexion in sein Nichtseyn, +gegen sein eigenes Gesetztseyn. Die beiden Seiten sind so bloß +verschiedene, und insofern ihre Bestimmtheit, positiv und negativ zu +seyn, ihr Gesetztseyn gegen einander ausmacht, so ist jede nicht an ihr +selbst so bestimmt, sondern ist nur Bestimmtheit überhaupt; jeder Seite +kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten von Positivem und Negativem +zu; aber sie können verwechselt werden, und jede Seite ist von der Art, +daß sie ebenso gut als positiv wie als negativ genommen werden kann. + +Aber das Positive und Negative ist drittens nicht nur ein Gesetztes, +noch bloß ein Gleichgültiges, sondern ihr Gesetztseyn oder die +Beziehung auf das andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind, +ist in jedes zurückgenommen. Jedes ist an ihm selbst positiv und +negativ; das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an und +für sich; erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich ist es +positiv und negativ. Das Positive hat die Beziehung auf das Andere, in +der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst; ebenso das +Negative ist nicht Negatives als gegen ein anderes, sondern hat die +Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in ihm selbst. + +So ist jedes Selbstständige, für sich seyende Einheit mit sich. Das +Positive ist wohl ein Gesetztseyn, aber so daß für es das Gesetztseyn +nur Gesetztseyn, als aufgehobenes ist. Es ist das +Nichtentgegengesetzte; der aufgehobene Gegensatz, aber als Seite des +Gegensatzes selbst.—Als positiv ist zwar Etwas bestimmt in Beziehung +auf ein Andersseyn, aber so daß seine Natur dieß ist, nicht ein +Gesetztes zu seyn; es ist die das Andersseyn negirende Reflexion in +sich. Aber das Andere seiner, das Negative, ist selbst nicht mehr +Gesetztseyn oder Moment, sondern ein selbstständiges Seyn; so ist die +negirende Reflexion des Positiven in sich bestimmt, dieß sein Nichtseyn +von sich auszuschließen. + +So das Negative als absolute Reflexion ist nicht das unmittelbare +Negative, sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztseyn; das Negative +an und für sich, das positiv auf sich selbst beruht. Als Reflexion in +sich negirt es seine Beziehung auf Anderes; sein Anderes ist das +Positive, ein selbstständiges Seyn;—seine negative Beziehung darauf ist +daher, es aus sich auszuschließen. Das Negative ist das für sich +bestehende Entgegengesetzte, gegen das Positive, das die Bestimmung des +aufgehobenen Gegensatzes ist; der auf sich beruhende ganze Gegensatz, +entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztseyn. + +Das Positive und Negative ist hiermit nicht nur an sich positiv und +negativ, sondern an und für sich. An sich sind sie es, insofern von +ihrer ausschließenden Beziehung auf Anderes abstrahirt, und sie nur +nach ihrer Bestimmung genommen werden. An sich ist etwas positiv oder +negativ, indem es nicht bloß gegen Anderes so bestimmt seyn soll. Aber +das Positive oder Negative nicht als Gesetztseyn und damit nicht als +Entgegengesetztes, ist es jedes das Unmittelbare, Seyn und Nichtseyn. +Das Positive und Negative sind aber die Momente des Gegensatzes, das +Ansichseyn derselben macht nur die Form ihres Reflektirtseyns in sich +aus. Es ist etwas an sich positiv, außer der Beziehung auf das +Negative; und es ist etwas an sich negativ, außer der Beziehung auf das +Negative; in dieser Bestimmung wird bloß an dem abstrakten Momente +dieses Reflektirtseyns festgehalten. Allein das ansichseyende Positive +oder Negative heißt wesentlich, daß entgegengesetzt zu seyn, nicht bloß +Moment sey, noch der Vergleichung angehöre, sondern die eigene +Bestimmung der Seiten des Gegensatzes ist. An sich positiv oder negativ +sind sie also nicht außer der Beziehung auf Anderes, sondern daß diese +Beziehung und zwar als ausschließende, die Bestimmung oder das +Ansichseyn derselben ausmacht; hierin sind sie es also zugleich an und +für sich. + +Anmerkung. + +Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzuführen, wie er +in der Arithmetik vorkommt. Er wird darin als bekannt vorausgesetzt; +weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede aufgefaßt wird, +entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und Verwicklungen. Es +haben sich so eben die beiden realen Bestimmungen des Positiven und +Negativen ergeben,—außer dem einfachen Begriffe ihrer +Entgegensetzung,—daß nämlich das erstemal, ein nur verschiedenes, +unmittelbares Daseyn zu Grunde liegt, dessen einfache Reflexion in sich +unterschieden wird von seinem Gesetztseyn, der Entgegensetzung selbst. +Diese gilt daher nur als nicht an und für sich seyend, und dem +Verschiedenen zwar zukommend, so daß jedes ein Entgegengesetztes +überhaupt ist, aber auch gleichgültig dagegen für sich besteht, und es +einerley ist, welches der beiden entgegengesetzten Verschiedenen als +positiv oder als negativ betrachte werde.—Das andremal aber ist das +Positive das an sich selbst Positive, das Negative das an sich selbst +Negative, so daß das Verschiedene nicht gleichgültig dagegen, sondern +dieß seine Bestimmung an und für sich ist.—Diese beiden Formen des +Positiven und Negativen kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor, +in denen sie in der Arithmetik gebraucht werden. + +Das + a und—a sind zuerst entgegengesetzte Größen überhaupt; a ist die +beiden zum Grunde liegende, ansichseyende Einheit, das gegen die +Entgegensetzung selbst gleichgültige, das hier ohne weitern Begriff als +todte Grundlage dient. Das—a ist zwar als das Negative, das + a als das +Positive bezeichnet, aber das eine ist so gut ein Entgegengesetztes als +das andere. + +Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit, +sondern als + a und—a, ist sie die Reflexion dieser Entgegengesetzten +in sich; es sind zwei verschiedene a vorhanden und es ist gleichgültig, +welches von beiden inan als das positive oder negative bezeichnen will; +beide haben ein besonderes Bestehen und sind positiv. + +Nach jener ersten Seite ist + y—y = 0; oder in—8 + 3, sind die 3 +positiven, negative im 8. Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer +Verbindung auf. Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht, und ebenso viel +zurück nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf; so viel Schulden, +um so viel weniger Vermögen, und so viel Vermögen vorhanden ist, so +viel hebt sich von den Schulden auf. Die Stunde Wegs nach Osten ist +zugleich nicht der positive Weg an sich, noch der nach Westen der +negative Weg; sondern diese Richtungen sind gleichgültig gegen diese +Bestimmtheit des Gegensatzes; nur eine dritte außer ihnen fallende +Rücksicht macht die eine zur positiven, die andere zur negativen. So +auch die Schulden sind nicht an und für sich das Negative; sie sind es +nur in Beziehung auf den Schuldner; für den Gläubiger sind sie sein +positives Vermögen; sie sind eine Summe Geld, oder was es sey von einem +gewissen Werth, das nach außerhalb seiner fallenden Rücksichten +Schulden oder Vermögen ist. + +Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf, so daß +das Resultat gleich Null ist; aber es ist in ihnen auch ihre identische +Beziehung vorhanden, die gegen den Gegensatz selbst gleichgültig ist; +so machen sie Eines aus. Wie so eben von der Summe Geld erinnert +worden, die nur Eine Summe ist, oder das a, das nur Ein a ist im + a +und—a; auch der Weg, der nur ein Stück Wegs ist, nicht zwei Wege, deren +einer nach Osten, der andere nach Westen ginge. So auch eine Ordinate +y, die dasselbe ist, auf dieser oder jener Seite der Axe genommen; +insofern ist + y—y = y; sie ist nur die Ordinate, es ist nur Eine +Bestimmung und Gesetz derselben. + +Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur Ein Gleichgültiges, +sondern auch zwei Gleichgültige. Sie sind nämlich als Entgegengesetzte +auch in sich Reflektirte, und bestehen so als Verschiedene. + +So sind in—8 + 3 überhaupt elf Einheiten vorhanden; + y,—y, sind +Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen +diese Grenze und gegen ihren Gegensatz gleichgültiges Daseyn ist; so +ist + y—y = 2 y.—Auch der nach Osten und nach Westen zurückgelegte Weg, +ist die Summe einer zweifachen Bemühung, oder die Summe von zwei +Zeitperioden. Ebenso ist in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld, +oder von Werth, nicht nur dieß Eine Quantum als Mittel der Subsistenz, +sondern es ist ein verdoppeltes; es ist Mittel der Subsistenz sowohl +für den Gläubiger als den Schuldner. Das Staatsvermögen berechnet sich +nicht bloß als Summe des baaren Gelds und des sonstigen Werths von den +Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden ist, noch weniger aber +als Summe, die übrig bliebe nach Abzug des passiven Vermögens vom +activen, sondern das Kapital, wenn seine active und passive Bestimmung +sich auch zur Null reducirten, bleibt erstens positives Kapital; als + +a—a = a; aber zweitens indem es auf vielfältige Weise passives, +verliehenes und wieder verliehenes ist, ist es dadurch ein sehr +vervielfältigtes Mittel. + +Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Größen, einer Seits bloß +entgegengesetzte überhaupt, anderer Seits reale oder gleichgültige. +Sondern ob zwar das Quantum selbst das gleichgültig begrenzte Seyn ist, +so kommt doch an ihm auch das an sich Positive und das an sich Negative +vor. Das a z.B. insofern es kein Zeichen hat, gilt dafür, daß es als +positives zu nehmmen sey, wenn es zu bezeichnen ist. Wenn es nur +überhaupt ein entgegengesetztes werden sollte, so könnte es ebenso gut +als—a genommen werden. Aber das positive Zeichen wird ihm unmittelbar +gegeben, weil das Positive für sich die eigenthümliche Bedeutung des +Unmittelbaren, als mit sich identischen, gegen die Entgegensetzung hat. + +Ferner indem positive und negative Größen addirt oder subtrahirt +werden, gelten sie als solche, die für sich positiv und negativ seyen, +und es nicht bloß durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens, +auf diese äußerliche Weise werden. In 8—(- 3) heißt das erste Minus +entgegengesetzt gegen 8, das zweite Minus aber (- 3) gilt als +entgegengesetztes an sich, außer dieser Beziehung. + +Näher tritt dieß bei der Multiplikation und Division hervor; hier ist +das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte, das Negative +hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen, nicht beide Bestimmungen +auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte überhaupt. Indem die +Lehrbücher in den Beweisen, wie sich die Zeichen in diesen beiden +Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengesetzten Größen +überhaupt stehen bleiben, so sind diese Beweise unvollständig und +verwickeln sich in Widersprüche.—Plus und Minus erhalten aber bei der +Multiplikation und Division die bestimmtere Bedeutung von Positivem und +Negativem an sich, weil das Verhältniß der Faktoren, Einheit und Anzahl +gegen einander zu seyn, nicht ein bloßes Verhältniß des Mehrens und +Minderns ist, wie bei dem Addiren und Subtrahiren, sondern ein +qualitatives; womit auch Plus und Minus die qualitative Bedeutung des +Positiven und Negativen erhält.—Ohne diese Bestimmung und bloß aus dem +Begriffe entgegengesetzter Größen, kann leicht die schiefe Folgerung +gezogen werden, daß wenn—a.-a =—a[hoch 2] ist, umgekehrt +a.—a = ++a[hoch 2] gebe. Indem der eine Faktor die Anzahl und der andere die +Einheit, und zwar der voranstehende wie gewöhnlich die erstere +bedeutet, so unterscheiden sich die beiden Ausdrücke—a.+a und +a.-a +dadurch, daß im erstern +a die Einheit und—a die Anzahl, und im andern +es umgekehrt ist. Es pflegt nun beim erstern gesagt zu werden, wenn ich ++a nehmen soll—a mal, so nehme ich +a nicht bloß a mal, sondern +zugleich auf die ihm entgegengesetzte Weise, +a mahl—a; also da es Plus +ist, so habe ich es negativ zu nehmen, und das Produkt ist—a[hoch +2].—Wenn aber im zweiten Falle—a zu nehmen ist +a mal, so soll—a +gleichfalls nicht—a mal genommen werden, sondern in der ihm +entgegengesetzten Bestimmung nämlich +a mal. Nach dem Räsonnement des +ersten Falles folgt also, daß das Produkt +a[hoch 2] seyn müsse.—Ebenso +bei der Division. + +Diese Konsequenz ist nothwendig, insofern Plus und Minus nur als +entgegengesetzte Größen überhaupt genommen werden; dem Minus wird im +ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu verändern; aber im +andern sollte Plus nicht dieselbe Kraft über Minus haben, ungeachtet es +so gut eine entgegengesetzte Größebestimmung ist, als dieses. In der +That hat Plus diese Kraft nicht, denn es ist hier nach seiner +qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Faktoren ein +qualitatives Verhältniß zu einander haben. Insofern ist also das +Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches, das Positive +aber ist das Unbestimmte, Gleichgültige überhaupt; es ist wohl auch das +Negative, aber des Andern, nicht an ihm selbst.—Eine Bestimmung als +Negation kommt also allein durch das Negative herein, nicht durch das +Positive. + +So ist denn auch—a.—a = +a[hoch 2], darum weil das negative a nicht +bloß auf die entgegengesetzte Weise, (so würde es zu nehmen seyn, mit—a +multiplicirt) sondern weil es negativ genommen werden soll. Die +Negation der Negation aber ist das Positive. + +C. Der Widerspruch. + +1. Der Unterschied überhaupt enthält seine beiden Seiten als Momente; +in der Verschiedenheit fallen sie gleichgültig auseinander; im +Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes, eines nur +durchs andere bestimmt, somit nur Momente; aber sie sind ebenso sehr +bestimmt an ihnen selbst, gleichgültig gegen einander und sich +gegenseitig ausschließend; die selbstständigen Reflexions-Bestimmungen. + +Die eine ist das Positive, die andere das Negative, aber jene als das +an ihm selbst Positive, diese als das an ihm selbst Negative. Die +gleichgültige Selbstständigkeit für sich hat jedes dadurch, daß es die +Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat; so ist es der +ganze in sich geschlossene Gegensatz.—Als dieses Ganze ist jedes +vermittelt durch sein Anderes mit sich, und enthält dasselbe. Aber es +ist ferner durch das Nichtseyn seines Andern mit sich vermittelt; so +ist es für sich seyende Einheit und schließt das Andere aus sich aus. + +Indem die selbstständige Reflexions-Bestimmung in derselben Rüksicht, +als sie die andere enthält, und dadurch selbstständig ist, die andere +ausschließt, so schließt sie in ihrer Selbstständigkeit ihre eigene +Selbstständigkeit aus sich aus; denn diese besteht darin, die ihr andre +Bestimmung in sich zu enthalten und dadurch allein nicht Beziehung auf +ein äußerliches zu seyn, aber ebenso sehr unmittelbar darin, sie selbst +zu seyn und die ihr negative Bestimmung von sich auszuschließen. Sie +ist so der Widerspruch. + +Der Unterschied überhaupt ist schon der Widerspruch an sich; denn er +ist die Einheit von solchen, die nur sind, insofern sie nicht eins +sind,—und die Trennung solcher, die nur sind als in derselben Beziehung +getrennte. Das Positive und Negative aber sind der gesetzte +Widerspruch, weil sie als negative Einheiten, selbst das Setzen ihrer, +und darin jedes das Aufheben seiner und das Setzen seines Gegentheils +ist.—Sie machen die bestimmende Reflexion als ausschließende aus; weil +das Ausschließen Ein Unterscheiden, und jedes der Unterschiedenen als +Ausschließendes selbst das ganze Ausschließen ist, so schließt jedes in +ihm selbst sich aus. + +Die beiden selbstständigen Reflexions-Bestimmungen für sich betrachtet, +so ist das Positive das Gesetztseyn als in die Gleichheit mit sich +reflektirt; das Gesetztseyn, das nicht Beziehung auf ein Anderes ist, +das Bestehen also, insofern das Gesetztseyn aufgehoben und +ausgeschlossen ist. Damit aber macht sich das Positive zur Beziehung +eines Nichtseyns,—zu einem Gesetztseyn.—So ist es der Widerspruch, daß +es als das Setzen der Identität mit sich durch Ausschließen des +Negativen sich selbst zum Negativen von einem macht, also zu dem +Andern, das es von sich ausschließt. Dieses ist als Ausgeschlossenes +frei von dem Ausschließenden gesetzt; hiermit als in sich reflektirt +und selbst ausschließend. So ist die ausschließende Reflexion Setzen +des Positiven, als ausschließend das Andre, so daß dieß Setzen +unmittelbar das Setzen seines Andern, es ausschließenden, ist. + +Dieß ist der absolute Widerspruch des Positiven, aber er ist +unmittelbar der absolute Widerspruch des Negativen; das Setzen beider +ist Eine Reflexion.—Das Negative für sich betrachtet gegen das Positive +ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit mit sich reflektirt, das +Negative als Negatives. Aber das Negative ist selbst das Ungleiche, das +Nichtseyn eines andern; somit ist die Reflexion in seine Ungleichheit +vielmehr seine Beziehung auf sich selbst.—Die Negation überhaupt ist +das Negative als Qualität, oder unmittelbare Bestimmtheit; das Negative +aber als Negatives, ist es bezogen auf das Negative seiner, auf sein +Anderes. Wird dieß Negative nur als identisch mit dem ersten genommen, +so ist es, wie auch das erstere, nur unmittelbar; sie werden so nicht +genommen als Andere gegeneinander, somit nicht als Negative; das +Negative ist überhaupt nicht ein Unmittelbares.—Indem nun ferner aber +ebenso sehr jedes dasselbe ist, was das Andere, so ist diese Beziehung +der Ungleichen ebenso sehr ihre identische Beziehung. + +Dieß ist also derselbe Widerspruch, der das Positive ist, nämlich +Gesetztseyn oder Negation, als Beziehung auf sich. Aber das Positive +ist nur an sich dieser Widerspruch; das Negative dagegen der gesetzte +Widerspruch; denn in seiner Reflexion in sich, an und für sich +Negatives oder als Negatives identisch mit sich zu seyn, hat es die +Bestimmung, daß es Nichtidentisches, Ausschließen der Identität sey. Es +ist dieß, gegen die Identität identisch mit sich zu seyn, hiermit durch +seine ausschließende Reflexion sich selbst von sich auszuschließen. + +Das Negative ist also die ganze, als Entgegensetzung auf sich beruhende +Entgegensetzung, der absolute sich nicht auf Anderes beziehende +Unterschied; er schließt als Entgegensetzung die Identität von sich +aus; aber somit sich selbst, denn als Beziehung auf sich bestimmt er +sich als die Identität selbst, die er ausschließt. + +2. Der Widerspruch löst sich auf. + +In der sich selbst ausschließenden Reflexion, die betrachtet wurde, +hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbstständigkeit +sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Übergehen oder vielmehr das +sich Übersetzen seiner in sein Gegentheil. Dieß rastlose Verschwinden +der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die nächste Einheit, welche +durch den Widerspruch zu Stande kommt; sie ist die Null. + +Der Widerspruch enthält aber nicht bloß das Negative sondern auch das +Positive; oder die sich selbst ausschließende Reflexion ist zugleich +setzende Reflexion; das Resultat des Widerspruchs ist nicht nur Null. +—Das Positive und Negative machen das Gesetztseyn der Selbstständigkeit +aus; die Negation ihrer durch sie selbst hebt das Gesetztseyn der +Selbstständigkeit auf. Dieß ist es, was in Wahrheit im Widerspruche zu +Grund geht. + +Die Reflexion in sich, wodurch die Seiten des Gegensatzes sich zu +selbstständigen Beziehungen auf sich machen, ist zunächst ihre +Selbstständigkeit als unterschiedener Momente; sie sind so nur an sich +diese Selbstständigkeit, denn sie sind noch entgegengesetzte, und daß +sie es an sich sind, macht ihr Gesetztseyn aus. Aber ihre +ausschließende Reflexion hebt dieß Gesetztseyn auf, macht sie zu +fürsichseyenden Selbstständigen, zu solchen, die nicht nur an sich, +sondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes selbstständig +sind; ihre Selbstständigkeit ist auf diese Weise auch gesetzt. Aber +ferner machen sie sich durch dieß ihr Setzen zu einem Gesetztseyn. Sie +richten sich zu Grunde, indem sie sich bestimmen als das mit sich +Identische, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit sich +Identisches, das Beziehung auf Anderes ist. + +Allein diese ausschließende Reflexion ist näher betrachtet, nicht nur +diese formelle Bestimmung. Sie ist ansichseyende Selbstständigkeit, und +ist das Aufheben dieses Gesetztseyns und durch dieß Aufheben erst +fürsichseyende und in der That selbstständige Einheit. Durch das +Aufheben des Andersseyns oder Gesetztseyns ist zwar wieder das +Gesetztseyn, das Negative eines Andern, vorhanden. Aber in der That ist +diese Negation nicht wieder nur erste unmittelbare Beziehung auf +Anderes, nicht Gesetztseyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, sondern als +aufgehobenes Gesetztseyn. Die ausschließende Reflexion der +Selbstständigkeit, indem sie ausschließend ist, macht sich zum +Gesetztseyn, aber ist ebenso sehr Aufheben ihres Gesetztseyns. Sie ist +aufhebende Beziehung auf sich; sie hebt darin erstens das Negative auf +und zweitens setzt sie sich als Negatives, und dieß ist erst dasjenige +Negative, das sie aufhebt; im Aufheben des Negativen setzt und hebt sie +zugleich es auf. Die ausschließende Bestimmung selbst ist auf diese +Weise sich das Andre, dessen Negation sie ist; das Aufheben dieses +Gesetztseyns ist daher nicht wieder Gesetztseyn als das Negative eines +Andern, sondern ist das Zusammengehen mit sich selbst, das positive +Einheit mit sich ist. Die Selbstständigkeit ist so durch ihre eigene +Negation in sich zurückkehrende Einheit, indem sie durch die Negation +ihres Gesetztseyns in sich zurückkehrt. Sie ist die Einheit des Wesens, +durch die Negation nicht eines Andern, sondern ihrer selbst identisch +mit sich zu seyn. + +3. Nach dieser positiven Seite, daß die Selbstständigkeit im +Gegensatze, als ausschließende Reflexion sich zum Gesetztseyn macht, +und es ebenso sehr aufhebt, Gesetztseyn zu seyn, ist der Gegensatz +nicht nur zu Grunde, sondern in seinen Grund zurückgegangen.—Die +ausschließende Reflexion des selbstständigen Gegensatzes macht ihn zu +einem Negativen, nur Gesetzten; sie setzt dadurch ihre zunächst +selbstständigen Bestimmungen, das Positive und Negative, zu solchen +herab, welche nur Bestimmungen sind; und indem so das Gesetztseyn zum +Gesetztseyn gemacht wird, ist es überhaupt in seine Einheit mit sich +zurückgekehrt; es ist das einfache Wesen, aber das Wesen als Grund. +Durch das Aufheben der sich an sich selbst widersprechenden +Bestimmungen des Wesens, ist dieses wiederhergestellt, jedoch mit der +Bestimmung, ausschließende Reflexionseinheit zu seyn,—einfache Einheit, +welche sich selbst als Negatives bestimmt, aber in diesem Gesetztseyn +unmittelbar sich selbst gleich und mit sich zusammen-gegangen ist. + +Zunächst geht also der selbstständige Gegensatz durch seinen +Widerspruch in den Grund zurück; jener ist das Erste, Unmittelbare, von +dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegensatz oder das aufgehobene +Gesetztseyn ist selbst ein Gesetztseyn. Somit ist das Wesen als Grund +ein Gesetztseyn, ein Gewordenes. Aber umgekehrt hat sich nur dieß +gesetzt, daß der Gegensatz oder das Gesetztseyn ein Aufgehobenes, nur +als Gesetztseyn ist. Das Wesen ist also als Grund so ausschließende +Reflexion, daß es sich selbst zum Gesetztseyn macht, daß der Gegensatz, +von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der das Unmittelbare war, +die nur gesetzte, bestimmte Selbstständigkeit des Wesens ist, und daß +er nur das sich an ihm selbst Aufhebende, das Wesen aber das in seiner +Bestimmtheit in sich Reflektirte ist. Das Wesen schließt als Grund sich +von sich selbst aus, es setzt sich; sein Gesetztseyn,—welches das +Ausgeschlossene ist,—ist nur als Gesetztseyn, als Identität des +Negativen mit sich selbst. Dieß Selbstständige ist das Negative, +gesetzt als Negatives; ein sich selbst Widersprechendes, das daher +unmittelbar im Wesen als seinem Grunde bleibt. + +Der aufgelöste Widerspruch ist also der Grund, das Wesen als Einheit +des Positiven und Negativen. Im Gegensatze ist die Bestimmung zur +Selbstständigkeit gediehen; der Grund aber ist diese vollendete +Selbstständigkeit; das Negative ist in ihm selbstständiges Wesen, aber +als Negatives; so ist er ebenso sehr das Positive als das in dieser +Negativität mit sich Identische. Der Gegensatz und sein Widerspruch ist +daher im Grunde so sehr aufgehoben, als erhalten. Der Grund ist das +Wesen als die positive Identität mit sich; aber die sich zugleich als +die Negativität auf sich bezieht, sich also bestimmt und zum +ausgeschlossenen Gesetztseyn macht; dieß Gesetztseyn aber ist das ganze +selbstständige Wesen, und das Wesen ist Grund, als in dieser seiner +Negation identisch mit sich selbst und positiv. Der sich +widersprechende selbstständige Gegensatz war also bereits selbst der +Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst hinzu, +welche dadurch hervortritt, daß die selbstständigen Entgegengesetzten +jedes sich selbst aufhebt, und sich zu dem andern seiner macht, somit +zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit sich selbst zusammengeht, +also in seinem Untergange, das ist, in seinem Gesetztseyn oder in der +Negation vielmehr erst das in sich reflektirte, mit sich identische +Wesen ist. + +Anmerkung 1. + +Das Positive und Negative ist dasselbe. Dieser Ausdruck gehört der +äußern Reflexion an, insofern sie mit diesen beiden Bestimmungen eine +Vergleichung anstellt. Es ist aber nicht eine äußere Vergleichung, +welche zwischen denselben, ebenso wenig als zwischen andern Kategorien +anzustellen ist, sondern sie sind an ihnen selbst zu betrachten, d. h. +es ist zu betrachten, was ihre eigene Reflexion ist. An dieser aber hat +es sich gezeigt, daß jedes wesentlich das Scheinen seiner im Andern und +selbst das Setzen seiner als des Andern ist. + +Das Vorstellen, insofern es das Positive und Negative nicht betrachtet, +wie sie an und für sich sind, kann aber allerdings an das Vergleichen +verwiesen werden, um das Haltlose dieser Unterschiedenen, die von ihm +als fest einander gegenüber angenommen sind, aufmerksam zu werden. Eine +geringe Erfahrung in dem reflektirenden Denken wird es schon +wahrnehmen, daß wenn etwas als positiv bestimmt worden, indem man nun +von dieser Grundlage weiter geht, sich dasselbe unmittelbar unter der +Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt das negative Bestimmte in +Positives, daß das reflektirende Denken sich in diesen Bestimmungen +verwirrt und sich widersprechend wird. Die Unbekanntschaft mit der +Natur derselben ist der Meinung, diese Verwirrung sey etwas Unrechtes, +das nicht geschehen soll und schreibt sie einem subjektiven Fehler zu. +Dieses Übergehen bleibt in der That auch bloße Verwirrung, insofern das +Bewußtseyn über die Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhan den +ist.—Es ist aber, auch für die äußere Reflexion, eine einfache +Betrachtung, daß fürs erste das Positive nicht ein unmittelbar +Identisches ist, sondern Theils ein Entgegengesetztes gegen das +Negative, und daß es nur in dieser Beziehung Bedeutung hat, also das +Negative selbst in seinem Begriffe liegt, Theils aber, daß es an ihm +selbst die sich auf sich beziehende Negation des bloßen Gesetztseyns +oder des Negativen also selbst die absolute Negation in sich +ist.—Ebenso das Negative, das dem Positiven gegenüber steht, hat nur +Sinn in dieser Beziehung auf dieß sein Anderes; es enthält also +dasselbe in seinem Begriffe. Das Negative hat aber auch ohne Beziehung +auf das Positive ein eigenes Bestehen; es ist mit sich identisch; so +ist es aber selbst das, was das Positive seyn sollte. + +Vornemlich wird der Gegensatz vom Positiven und Negativen in dem Sinne +genommen, daß jenes (ob es gleich seinem Namen nach das Ponirtseyn, +Gesetztseyn ausdrückt) ein Objectives seyn soll, dieses aber ein +Subjektives, welches nur einer äußern Reflexion angehöre, das an und +für sich seyende Objective nichts angehe, und ganz und gar nicht für +dasselbe vorhanden sey. In der That, wenn das Negative nichts anders +als die Abstraktion einer subjektiven Willkür oder eine Bestimmung +einer äußerlichen Vergleichung ausdrückt, so ist es freilich für das +objektive Positive nicht vorhanden, d. h. dieses ist nicht an ihm +selbst auf eine solche leere Abstraktion bezogen; aber dann ist ihm die +Bestimmung, daß es ein Positives sey, gleichfalls nur äußerlich.—So +gilt, um ein Beispiel von dem fixen Gegensatze dieser +Reflexions-Bestimmungen anzuführen, das Licht überhaupt für das nur +Positive, die Finsterniß aber für das nur Negative. Aber das Licht hat +in seiner unendlichen Expansion und der Kraft seiner aufschließenden +und belebenden Wirksamkeit wesentlich die Natur absoluter Negativität. +Die Finsterniß dagegen, als Unmannigfaltiges oder der sich nicht selbst +in sich unterscheidende Schooß der Erzeugung, ist das einfache mit sich +Identische, das Positive. Sie wird als das nur Negative in dem Sinne +genommen, daß sie als bloße Abwesenheit des Lichts für dasselbe ganz +und gar nicht vorhanden seye, —so daß dieses, indem es sich auf sie +bezieht, sich nicht auf ein Anderes, sondern rein auf sich selbst +beziehen, also diese nur vor ihm verschwinden soll. Aber bekanntlich +wird das Licht durch die Finsterniß zum Grau getrübt; und außer dieser +bloß quantitativen Veränderung erleidet es auch die qualitative, durch +die Beziehung darauf zur Farbe bestimmt zu werden.—So ist z.B. auch die +Tugend nicht ohne Kampf; sie ist vielmehr der höchste, vollendete +Kampf; so ist sie nicht nur das Positive, sondern absolute Negativität; +sie ist auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laster Tugend, sondern +ist an ihr selbst Entgegensetzung und Bekämpfung. Oder das Laster ist +nicht nur der Mangel der Tugend,—auch die Unschuld ist dieser +Mangel,—und nicht nur für eine äußere Reflexion von der Tugend +unterschieden, sondern an sich selbst ihr entgegengesetzt, es ist böse. +Das Böse besteht in dem Beruhen auf sich, gegen das Gute; es ist die +positive Negativität. Die Unschuld aber, als Mangel sowohl des Guten +als des Bösen, ist gleichgültig gegen beide Bestimmungen, weder positiv +noch negativ. Aber zugleich ist dieser Mangel auch als Bestimmtheit zu +nehmen, und einer Seits ist sie als die positive Natur von Etwas zu +betrachten, als sie sich anderer Seits auf ein Entgegengesetztes +bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unschuld, aus ihrer gleichgültigen +Identität mit sich, heraustreten, sich durch sich selbst auf ihr +Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder, im positiven +Sinne, in ihren Grund zurückgehen.—Auch die Wahrheit ist das Positive +als das mit dem Objecte übereinstimmende Wissen, aber sie ist nur diese +Gleichheit mit sich, insofern das Wissen sich negativ gegen das Andere +verhalten, das Object durchdrungen und die Negation, die es ist, +aufgehoben hat. Der Irrthum ist ein Positives, als eine Meinung des +nicht an und für sich seyenden, die sich weiß und behauptet. Die +Unwissenheit aber ist entweder das gegen Wahrheit und Irrthum +Gleichgültige, somit weder als positiv noch als negativ bestimmt und +die Bestimmung derselben als ein Mangel gehört der äußeren Reflexion +an, oder aber als objektiv, als eigene Bestimmung einer Natur, ist sie +der Trieb, der gegen sich gerichtet ist; ein Negatives, das eine +positive Richtung in sich enthält.—Es ist eine der wichtigsten +Erkenntnisse, diese Natur der betrachteten Reflexions-Bestimmungen, daß +ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf einander, und damit darin +besteht, daß jede in ihrem Begriffe selbst die andere enthält, +einzusehen und festzuhalten; ohne diese Erkenntniß läßt sich eigentlich +kein Schritt in der Philosophie thun. + +Anmerkung 2. + +Die Bestimmung der Entgegensetzung ist gleichfalls zu einem Satze +gemacht worden, dem sogenannten Satze des ausgeschlossenen Dritten. + +Etwas ist entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes. + +Dieser Satz enthält zuerst, daß Alles ein Entgegengesetztes ist, ein +entweder als positiv oder als negativ Bestimmtes.—Ein wichtiger Satz, +der darin seine Nothwendigkeit hat, daß die Identität in +Verschiedenheit und diese in Entgegensetzung übergeht. Allein er pflegt +nicht in diesem Sinne verstanden zu werden, sondern soll gewöhnlich so +viel heißen, daß einem Dinge von allen Prädikaten entweder dieses +Prädikat selbst oder sein Nichtseyn zukomme. Das Entgegengesetzte +bedeutet hier bloß den Mangel oder vielmehr die Unbestimmtheit; und der +Satz ist so unbedeutend, daß es nicht der Mühe werth ist, ihn zu sagen. +Wenn die Bestimmungen süß, grün, viereckig genommen,—und es sollen alle +Prädikate genommen werden—und nun vom Geiste gesagt wird, er sey +entweder süß oder nicht süß, grün oder nicht grün, u.s.f. so ist dieß +eine Trivialität, die zu nichts führt. Die Bestimmtheit, das Prädikat, +wird auf Etwas bezogen; das Etwas ist bestimmt, sagt der Satz aus; nun +soll er wesentlich dieß enthalten, daß die Bestimmtheit sich näher +bestimme, zur Bestimmtheit an sich, zur Entgegensetzung werde. Statt +dessen geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Bestimmtheit nur +über zu ihrem Nichtseyn überhaupt, zurück zur Unbestimmtheit. + +Der Satz des ausgeschlossenen Dritten unterscheidet sich ferner vom +oben betrachteten Satze der Identität oder des Widerspruchs, der so +hieß: es giebt nicht etwas, das zugleich A und Nicht-A ist. Er enthält, +daß es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, daß es nicht ein +Drittes gebe, das gegen den Gegensatz gleichgültig sey. In der That +aber giebt es in diesem Satze selbst das Dritte, das gleichgültig gegen +den Gegensatz ist, nämlich A selbst ist darin vorhanden. Dieß A ist +weder +A noch—A, und ebenso wohl auch +A als—A.—Das Etwas, das entweder ++A oder Nicht-A seyn sollte, ist hiermit auf +A sowohl als Nicht-A +bezogen; und wieder, indem es auf A bezogen ist, solle es nicht auf +Nicht-A bezogen seyn, so wie nicht auf A, indem es auf Nicht-A bezogen +ist. Das Etwas selbst ist also das Dritte, welches ausgeschlossen seyn +sollte. Indem die entgegengesetzten Bestimmungen, im Etwas ebenso sehr +gesetzt als in diesem Setzen aufgehobene sind, so ist das Dritte, das +hier die Gestalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit +der Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegensetzung +zurückgeht. + +Anmerkung 3. + +Wenn nun die ersten Reflexions-Bestimmungen, die Identität, die +Verschiedenheit und die Entgegensetzung, in einem Satze aufgestellt +worden, so sollte noch vielmehr diejenige, in welche sie als in ihre +Wahrheit übergehen, nämlich der Widerspruch, in einen Satz gefaßt und +gesagt werden: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend, und zwar +in dem Sinne, daß dieser Satz gegen die übrigen vielmehr die Wahrheit +und das Wesen der Dinge ausdrücke.—Der Widerspruch, der an der +Entgegensetzung hervortritt, ist nur das entwickelte Nichts, das in der +Identität enthalten ist, und in dem Ausdrucke vorkam, daß der Satz der +Identität Nichts sage. Diese Negation bestimmt sich weiter zur +Verschiedenheit und zur Entgegensetzung, welche nun der gesetzte +Widerspruch ist. + +Es ist aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des +gewöhnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so +wesenhafte und immanente Bestimmung sey, als die Identität; ja wenn von +Rangordnung die Rede, und beide Bestimmungen als getrennte festzuhalten +wären, so wäre der Widerspruch für das Tiefere und Wesenhaftere zu +nehmen. Denn die Identität ihm gegenüber ist nur die Bestimmung des +einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber ist die Wurzel aller +Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in sich selbst einen +Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Thätigkeit. + +Der Widerspruch wird gewöhnlich fürs erste von den Dingen, von dem +Seyenden und Wahren überhaupt, entfernt; es wird behauptet, daß es +nichts Widersprechendes gebe. Er wird fürs andre dagegen in die +subjektive Reflexion geschoben, die durch ihre Beziehung und +Vergleichung ihn erst setze. Aber auch in dieser Reflexion sey er nicht +eigentlich vorhanden, denn das Widersprechende könne nicht vorgestellt +noch gedacht werden. Er gilt überhaupt, sey es am Wirklichen oder in +der denkenden Reflexion, für eine Zufälligkeit, gleichsam für eine +Abnormität und vorübergehenden Krankheitsparoxysmus. + +Was nun die Behauptung betrifft, daß es den Widerspruch nicht gebe, daß +er nicht ein Vorhandenes sey, so brauchen wir uns um eine solche +Versicherung nicht zu bekümmern; eine absolute Bestimmung des Wesens +muß sich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem +Begriffe. Oben beim Unendlichen, das der Widerspruch ist, wie er in der +Sphäre des Seyns sich zeigt, ist das Gleiche bereits erinnert worden. +Die gemeine Erfahrung aber spricht es selbst aus, daß es wenigstens +eine Menge widersprechender Dinge, widersprechender Einrichtungen +u.s.f. gebe, deren Widerspruch nicht bloß in einer äußerlichen +Reflexion, sondern in ihnen selbst vorhanden ist. Er ist aber ferner +nicht bloß als eine Abnormität zu nehmen, die nur hier und da vorkäme, +sondern ist das Negative in seiner wesenhaften Bestimmung, das Princip +aller Selbstbewegung, die in nichts weiter besteht, als in einer +Darstellung desselben. Die äußerliche sinnliche Bewegung selbst ist +sein unmittelbares Daseyn. Es bewegt sich etwas nur, nicht indem es in +diesem Jetzt hier ist, und in einem andern Jetzt dort, sondern indem es +in einem und demselben Jetzt hier und nicht hier, indem es in diesem +Hier zugleich ist und nicht ist. Man muß den alten Dialektikern die +Widersprüche zugeben, die sie in der Bewegung aufzeigen, aber daraus +folgt nicht, daß darum die Bewegung nicht ist, sondern vielmehr daß die +Bewegung der daseyende Widerspruch selbst ist. + +Ebenso ist die innere, die eigentliche Selbstbewegung, der Trieb +überhaupt, (Appetit oder Nisus der Monade, die Entelechie des absolut +einfachen Wesens) nichts anderes, als daß Etwas in sich selbst, und der +Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben Rücksicht +ist. Die abstrakte Identität mit sich ist noch keine Lebendigkeit, +sondern daß das Positive an sich selbst die Negativität ist, dadurch +geht es außer sich und setzt sich in Veränderung. Etwas ist also +lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar +diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten. +Wenn aber ein Existirendes nicht in seiner positiven Bestimmung +zugleich über seine negative überzugreiffen und eine in der andern +festzuhalten, den Widerspruch nicht in ihm selbst zu haben vermag, so +ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund, sondern geht in +dem Widerspruche zu Grunde.—Das spekulative Denken besteht nur darin, +daß das Denken den Widerspruch und in ihm sich selbst festhält, nicht +aber daß es sich, wie es dem Vorstellen geht, von ihm beherrschen und +durch ihn sich seine Bestimmungen nur in andere oder in Nichts auflösen +läßt. + +Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerspruch in die +Einfachheit dieser Bestimmungen für das Vorstellen verhüllt ist, so +stellt sich hingegen in den Verhältnißbestimmungen der Widerspruch +unmittelbar dar. Die trivialsten Beispiele, von Oben und Unten, Rechts +und Links, Vater und Sohn und so fort ins Unendliche, enthalten alle +den Gegensatz in Einem. Oben ist, was nicht Unten ist; Oben ist +bestimmt nur dieß, nicht Unten zu seyn, und ist nur, insofern ein Unten +ist; und umgekehrt; in der einen Bestimmung liegt ihr Gegentheil. Vater +ist das Andre des Sohnes, und Sohn das Andre des Vaters und jedes ist +nur als dieß Andre des andern; und zugleich ist die eine Bestimmung nur +in Beziehung auf die andere; ihr Seyn ist Ein Bestehen. Der Vater ist +außer der Beziehung auf Sohn auch etwas für sich; aber so ist er nicht +Vater, sondern ein Mann überhaupt; wie Oben und Unten, Rechts und Links +auch in sich reflektirte, außer der Beziehung etwas sind; aber nur Orte +überhaupt.—Die Entgegengesetzten enthalten insofern den Widerspruch, +als sie in derselben Rücksicht sich negativ auf einander beziehende +oder sich gegenseitig aufhebende und gegen einander gleichgültige sind. +Die Vorstellung, indem sie zum Momente der Gleichgültigkeit der +Bestimmungen übergeht, vergißt darin ihre negative Einheit und behält +sie somit nur als Verschiedene überhaupt, in welcher Bestimmung Rechts +nicht mehr Rechts, Links nicht mehr Links u.s.f. ist. Indem sie aber +Rechts und Links in der That vor sich hat, so hat sie diese +Bestimmungen vor sich als sich negirend, die eine in der andern, und in +dieser Einheit zugleich sich nicht negirend, sondern jede gleichgültig +für sich seyend. + +Das Vorstellen hat daher wohl allenthalben den Widerspruch zu seinem +Inhalte, kommt aber nicht zum Bewußtseyn desselben; es bleibt +äußerliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder von +der negativen Beziehung zum Reflektirtseyn der Unterschiedenen in sich, +übergeht. Sie hält diese beiden Bestimmungen einander äußerlich +gegenüber und hat nur sie, nicht aber das Übergehen, welches das +Wesentliche ist, und den Widerspruch enthält, im Sinne. —Die +geistreiche Reflexion, um diese hier zu erwähnen, besteht dagegen im +Auffassen und Aussprechen des Widerspruchs. Ob sie zwar den Begriff der +Dinge und ihrer Verhältnisse nicht ausdrückt und nur +Vorstellungsbestimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, so bringt +sie dieselben in eine Beziehung, die ihren Widerspruch enthält und +durch diesen hindurch ihren Begriff scheinen läßt.—Die denkende +Vernunft aber spitzt, so zu sagen, den abgestumpften Unterschied des +Verschiedenen, die bloße Mannigfaltigkeit der Vorstellung, zum +wesentlichen Unterschiede, zum Gegensatze, zu. Die Mannigfaltigen +werden erst, auf die Spitze des Widerspruchs getrieben, regsam und +lebendig gegen einander, und erhalten in ihm die Negativität, welche +die inwohnende Pulsation der Selbstbewegung und Lebendigkeit ist. + +Es ist schon über den ontologischen Beweis vom Daseyn Gottes erinnert +worden, daß die darin zu Grunde gelegte Bestimmung, der Inbegriff aller +Realitäten ist. Von dieser Bestimmung pflegt zuerst gezeigt zu werden, +daß sie möglich sey, weil sie keinen Widerspruch enthalte, indem die +Realität nur als Realität ohne Schranken genommen werde. Es wurde +erinnert, daß damit jener Inbegriff zum einfachen unbestimmten Seyn, +oder wenn die Realitäten in der That als mehrere Bestimmte genommen +werden, zum Inbegriff aller Negationen wird. Näher den Unterschied der +Realität genommen, so wird er aus der Verschiedenheit zum Gegensatze +und damit zum Widerspruch, und der Inbegriff aller Realitäten überhaupt +zum absoluten Widerspruch in sich selbst. Der gewöhnliche Horror, den +das vorstellende, nicht speculative Denken, wie die Natur vor dem +Vacuum, vor dem Widerspruche hat, verwirft diese Konsequenz; denn es +bleibt bei der einseitigen Betrachtung der Auflösung des Widerspruchs +in Nichts stehen, und erkennt die positive Seite desselben nicht, nach +welcher er absolute Thätigkeit, und absoluter Grund wird. + +Es ist überhaupt aus der Betrachtung der Natur des Widerspruchs +hervorgegangen, daß es für sich noch, so zu sagen, kein Schaden, Mangel +oder Fehler einer Sache ist, wenn an ihr ein Widerspruch aufgezeigt +werden kann. Vielmehr jede Bestimmung, jedes Konkrete, jeder Begriff +ist wesentlich eine Einheit unterschiedener und unterscheidbarer +Momente, die durch den bestimmten, wesentlichen Unterschied in +widersprechende übergehen. Dieses Widersprechende löst sich allerdings +in Nichts auf, es geht in seine negative Einheit zurück. Das Ding, das +Subjekt, der Begriff ist nun eben diese negative Einheit selbst; es ist +ein an sich selbst Widersprechendes, aber ebenso sehr der aufgelöste +Widerspruch; es ist der Grund, der seine Bestimmungen enthält und +trägt. Das Ding, das Subjekt, oder der Begriff ist als in seiner Sphäre +in sich reflektirt, sein aufgelöster Widerspruch, aber seine ganze +Sphäre ist auch wieder eine bestimmte, verschiedene; so ist sie eine +endliche, und dieß heißt eine widersprechende. Von diesem höhern +Widerspruche ist nicht sie selbst die Auflösung; sondern hat eine +höhere Sphäre zu ihrer negativen Einheit, zu ihrem Grunde. Die +endlichen Dinge in ihrer gleichgültigen Mannigfaltigkeit, sind daher +überhaupt dieß, widersprechend an sich selbst, in sich gebrochen zu +seyn und in ihren Grund zurückzugehen.—Wie weiterhin betrachtet werden +wird, so besteht der wahre Schluß von einem Endlichen und Zufälligen +auf ein absolut-nothwendiges Wesen nicht darin, daß von dem Endlichen +und Zufälligen als dem zum Grunde liegenden und liegen bleibenden Seyn, +sondern daß, was auch unmittelbar in der Zufälligkeit liegt, von einem +nur fallenden, sich an sich selbst widersprechendem Seyn aus, auf ein +absolut nothwendiges geschlossen, oder daß vielmehr aufgezeigt wird, +das zufällige Seyn gehe an sich selbst in seinen Grund zurück, worin es +sich aufhebt,—ferner daß es durch dieß Zurückgehen den Grund nur so +setze, daß es sich selbst vielmehr zum Gesetzten macht. Im gewöhnlichen +Schließen erscheint das Seyn des Endlichen als Grund des Absoluten; +darum weil Endliches ist, ist das Absolute. Die Wahrheit aber ist, daß +darum weil das Endliche der an sich selbst widersprechende Gegensatz, +weil es nicht ist, das Absolute ist. In jenem Sinne lautet der Satz des +Schlusses so: Das Seyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten; in +diesem Sinne aber so: Das Nichtseyn des Endlichen ist das Seyn des +Absoluten. + + + + +Drittes Kapitel. Der Grund. + + +Das Wesen bestimmt sich selbst als Grund. + +Wie das Nichts zuerst mit dem Seyn in einfacher unmittelbarer Einheit, +so ist auch hier zuerst die einfache Identität des Wesens mit seiner +absoluten Negativität in unmittelbarer Einheit. Das Wesen ist nur diese +seine Negativität, welche die reine Reflexion ist. Es ist diese reine +Negativität als die Rückkehr des Seyns in sich; so ist es an sich oder +für uns bestimmt, als der Grund, in dem sich das Seyn auflöst. Aber +diese Bestimmtheit ist nicht durch es selbst gesetzt; oder es ist nicht +Grund, eben insofern es diese seine Bestimmtheit nicht selbst gesetzt +hat. Seine Reflexion aber besteht darin, sich als das, was es an sich +ist, als Negatives zu setzen und sich zu bestimmen. Das Positive und +Negative machen die wesenhafte Bestimmung aus, in die es als in seine +Negation verloren ist. Diese selbstständigen Reflexions-Bestimmungen +heben sich auf, und die zu Grunde gegangene Bestimmung ist die +wahrhafte Bestimmung des Wesens. + +Der Grund ist daher selbst eine der Reflexions-Bestimmungen des Wesens, +aber die letzte, vielmehr nur die Bestimmung, daß sie aufgehobene +Bestimmung ist. Die Reflexionsbestimmung, indem sie zu Grunde geht, +erhält ihre wahrhafte Bedeutung, der absolute Gegenstoß ihrer in sich +selbst zu seyn, nämlich daß das Gesetztseyn, das dem Wesen zukommt, nur +als aufgehobenes Gesetztseyn ist, und umgekehrt, daß nur das sich +aufhebende Gesetztseyn das Gesetztseyn des Wesens ist. Das Wesen, indem +es sich als Grund bestimmt, bestimmt sich als das Nichtbestimmte, und +nur das Aufheben seines Bestimmtseyns ist sein Bestimmen.—In diesem +Bestimmtseyn als dem sich selbst aufhebenden, ist es nicht aus anderem +herkommendes, sondern in seiner Negativität mit sich identisches Wesen. + +Insofern von der Bestimmung aus, als dem Ersten, Unmittelbaren zum +Grunde fortgegangen wird, (durch die Natur der Bestimmung selbst, die +durch sich zu Grunde geht,) so ist der Grund zunächst ein durch jenes +Erste Bestimmtes. Allein dieß Bestimmen ist eines Theils als Aufheben +des Bestimmens die nur wiederhergestellte, gereinigte oder geoffenbarte +Identität des Wesens, welche die Reflexions-Bestimmung an sich +ist;—andern Theils ist diese negirende Bewegung als Bestimmen erst das +Setzen jener Reflexionsbestimmtheit, welche als die unmittelbare +erschien, die aber nur von der sich selbst ausschließenden Reflexion +des Grundes gesetzt und hierin als nur Gesetztes oder Aufgehobenes +gesetzt ist.—So kommt das Wesen, indem es sich als Grund bestimmt, nur +aus sich her. Als Grund also setzt es sich als Wesen, und daß es sich +als Wesen setzt, darin besteht sein Bestimmen. Dieß Setzen ist die +Reflexion des Wesens, die in ihrem Bestimmen sich selbst aufhebt, nach +jener Seite Setzen, nach dieser das Setzen des Wesens, somit beides in +einem Thun ist. + +Die Reflexion ist die reine Vermittelung überhaupt, der Grund ist die +reale Vermittelung des Wesens mit sich. Jene, die Bewegung des Nichts +durch Nichts zu sich selbst zurück, ist das Scheinen seiner in einem +Andern; aber weil der Gegensatz in dieser Reflexion noch keine +Selbstständigkeit hat, so ist weder jenes erste, das Scheinende ein +Positives, noch das andere, in dem es scheint, ein Negatives. Beide +sind Substrate, eigentlich nur der Einbildungskraft; sie sind noch +nicht sich auf sich selbst beziehende. Die reine Vermittelung ist nur +reine Beziehung, ohne Bezogene. Die bestimmende Reflexion setzt zwar +solche, die identisch mit sich, aber zugleich nur bestimmte Beziehungen +sind. Der Grund dagegen ist die reale Vermittelung, weil er die +Reflexion als aufgehobene Reflexion enthält; er ist das durch sein +Nichtseyn in sich zurückkehrende und sich setzende Wesen. Nach diesem +Momente der aufgehobenen Reflexion erhält das Gesetzte die Bestimmung +der Unmittelbarkeit, eines solchen, das außer der Beziehung oder seinem +Scheine identisch mit sich ist. Dieß Unmittelbare ist das durch das +Wesen wiederhergestellte Seyn; das Nichtseyn der Reflexion, durch das +das Wesen sich vermittelt. In sich kehrt das Wesen zurück als +negirendes; es giebt sich also in seiner Rückkehr in sich, die +Bestimmtheit, die eben darum das mit sich identische Negative, das +aufgehobene Gesetztseyn, und somit ebenso sehr seyendes, als die +Identität des Wesens mit sich als Grund ist. + +Der Grund ist zuerst absoluter Grund, in dem das Wesen zunächst als +Grundlage überhaupt für die Grundbeziehung ist; näher bestimmt er sich +aber als Form und Materie, und giebt sich einen Inhalt. + +Zweitens ist er bestimmter Grund, als Grund von einem bestimmten +Inhalt; indem die Grundbeziehung sich in ihrer Realisirung überhaupt +äußerlich wird, geht sie in die bedingende Vermittelung über. + +Drittens, der Grund setzt eine Bedingung voraus; aber die Bedingung +setzt ebenso sehr den Grund voraus; das Unbedingte ist ihre Einheit, +die Sache an sich, die durch die Vermittelung der bedingenden Beziehung +in die Existenz übergeht. + +Anmerkung. + +Der Grund ist, wie die andern Reflexions-Bestimmungen, in einem Satze +ausgedrückt worden: Alles hat seinen zureichenden Grund.—Dieß heißt im +Allgemeinen nichts anderes, als was ist, ist nicht als seyendes +Unmittelbares, sondern als Gesetztes zu betrachten; es ist nicht bei +dem unmittelbaren Daseyn oder bei der Bestimmtheit überhaupt stehen zu +bleiben, sondern davon zurückzugehen in seinen Grund, in welcher +Reflexion es als Aufgehobenes und in seinem An- und Fürsichseyn ist. In +dem Satze des Grundes wird also die Wesentlichkeit der Reflexion in +sich gegen das bloße Seyn ausgesprochen.—Daß der Grund zureichend sey, +ist eigentlich sehr überflüssig hinzuzusetzen, denn es versteht sich +von selbst; das, für was der Grund nicht zureicht, hätte keinen Grund, +aber alles soll einen Grund haben. Allein Leibnitz, dem das Princip des +zureichenden Grundes vornemlich am Herzen lag, und der es sogar zum +Grundsatz seiner ganzen Philosophie machte, verband damit einen tiefern +Sinn und wichtigern Begriffe als gewöhnlich damit verbunden wird, indem +man nur bei dem unmittelbaren Ausdruck stehen bleibt; obgleich der Satz +auch nur in diesem Sinne schon für wichtig anzusehen ist, daß nämlich +das Seyn als solches in seiner Unmittelbarkeit für das Unwahre und +wesentlich für ein Gesetztes, der Grund aber für das wahrhafte +Unmittelbare erklärt wird. Leibnitz aber stellte das Zureichende des +Grundes vornemlich der Kausalität in ihrem strengen Sinne, als der +mechanischen Wirkungsweise, entgegen. Indem diese eine äußerliche ihrem +Inhalte nach auf Eine Bestimmtheit beschränkte Thätigkeit überhaupt +ist, so treten die durch sie gesetzten Bestimmungen äußerlich und +zufällig in eine Verbindung; die Theilbestimmungen werden durch ihre +Ursachen begriffen; aber die Beziehung derselben, welche das +Wesentliche einer Existenz ausmacht, ist nicht in den Ursachen des +Mechanismus enthalten. Diese Beziehung, das Ganze als wesentliche +Einheit, liegt nur im Begriffe, im Zwecke. Für diese Einheit sind die +mechanischen Ursachen nicht zureichend, weil ihnen nicht der Zweck, als +die Einheit der Bestimmungen, zu Grunde liegt. Unter dem zureichenden +Grunde hat Leibnitz daher einen solchen verstanden, der auch für diese +Einheit zureichte, daher nicht die bloßen Ursachen, sondern die +Endursachen in sich begriffe. Diese Bestimmung des Grundes gehört aber +noch nicht hierher; der teleologische Grund ist ein Eigenthum des +Begriffs und der Vermittelung durch denselben, welche die Vernunft ist. + +A. Der absolute Grund. + +a. Form und Wesen. + +Die Reflexions-Bestimmung, insofern sie in den Grund zurückgeht, ist +ein erstes, ein unmittelbares Daseyn überhaupt, von dem angefangen +wird. Aber das Daseyn hat nur noch die Bedeutung des Gesetztseyns und +setzt wesentlich einen Grund voraus; in dem Sinne, daß es ihn vielmehr +nicht setzt; daß dieß Setzen ein Aufheben seiner selbst, das +Unmittelbare vielmehr das Gesetzte und der Grund das Nichtgesetzte ist. +Wie es sich ergeben hat, ist dieß Voraussetzen, das auf das Setzende +rückschlagende Setzen; der Grund ist als das aufgehobene Bestimmtseyn +nicht das Unbestimmte, sondern das durch sich selbst bestimmte Wesen, +aber als unbestimmt oder als aufgehobenes Gesetztseyn Bestimmtes. Er +ist das Wesen, das in seiner Negativität mit sich identisch ist. + +Die Bestimmtheit des Wesens als Grund wird hiermit die gedoppelte, des +Grundes und des Begründeten. Sie ist erstens das Wesen als Grund, +bestimmt das Wesen zu seyn gegen das Gesetztseyn, als Nichtgesetztseyn. +Zweitens ist sie das Begründete, das Unmittelbare, das aber nicht an +und für sich ist, das Gesetztseyn als Gesetztseyn. Dieses ist somit +gleichfalls mit sich identisch, aber die Identität des Negativen mit +sich. Das mit sich identische Negative und das mit sich identische +Positive ist nun eine und dieselbe Identität. Denn der Grund ist +Identität des Positiven oder selbst auch des Gesetztseyns mit sich; das +Begründete ist das Gesetztseyn als Gesetztseyn, diese seine Reflexion +in sich aber ist die Identität des Grundes.—Diese einfache Identität +ist also nicht selbst der Grund, denn der Grund ist das Wesen gesetzt, +als das Nichtgesetzte gegen das Gesetztseyn. Sie ist, als die Einheit +dieser bestimmten Identität, (des Grundes) und der negativen Identität +(des Begründeten) das Wesen überhaupt, unterschieden von seiner +Vermittelung. + +Diese Vermittelung, mit den vorhergehenden Reflexionen verglichen, aus +denen sie herkommt, ist erstlich nicht die reine Reflexion, als welche +nicht vom Wesen unterschieden ist, und das Negative, damit auch die +Selbstständigkeit der Bestimmungen, noch nicht an ihr hat. Im Grunde +als der aufgehobenen Reflexion aber haben diese Bestimmungen ein +Bestehen.—Auch ist sie nicht die bestimmende Reflexion, deren +Bestimmungen wesentliche Selbstständigkeit haben; denn diese ist im +Grunde zu Grunde gegangen, in dessen Einheit sind sie nur +gesetzte.—Diese Vermittelung des Grundes ist daher die Einheit der +reinen und der bestimmenden Reflexion; ihre Bestimmungen oder das +Gesetzte hat Bestehen, und umgekehrt das Bestehen derselben ist ein +Gesetztes. Weil dieß ihr Bestehen selbst ein Gesetztes ist oder +Bestimmtheit hat, so sind sie somit von ihrer einfachen Identität +unterschieden, und machen die Form aus gegen das Wesen. + +Das Wesen hat eine Form, und Bestimmungen derselben. Erst als Grund hat +es eine feste Unmittelbarkeit oder ist Substrat. Das Wesen als solches +ist eins mit seiner Reflexion, und ununterschieden ihre Bewegung +selbst. Es ist daher nicht das Wesen, welches sie durchläuft; auch ist +es nicht dasjenige, von dem sie als von einem Ersten anfängt. Dieser +Umstand erschwert die Darstellung der Reflexion überhaupt; denn man +kann eigentlich nicht sagen, das Wesen geht in sich selbst zurück, das +Wesen scheint in sich, weil es nicht vor oder in seiner Bewegung ist, +und diese keine Grundlage hat, an der sie sich verläuft. Ein Bezogenes +tritt erst im Grund nach dem Momente der aufgehobenen Reflexion hervor. +Das Wesen als das bezogene Substrat aber ist das bestimmte Wesen; um +dieses Gesetztseyns willen hat es wesentlich die Form an ihm.—Die +Formbestimmungen dagegen sind nun die Bestimmungen als an dem Wesen; es +liegt ihnen zu Grunde, als das Unbestimmte, das in seiner Bestimmung +gleichgültig gegen sie ist; sie haben an ihm ihre Reflexion in sich. +Die Reflexions-Bestimmungen sollten ihr Bestehen an ihnen selbst haben +und selbstständig seyn; aber ihre Selbstständigkeit ist ihre Auflösung; +so haben sie dieselbe an einem Andern; aber diese Auflösung ist selbst +diese Identität mit sich oder der Grund des Bestehens, den sie sich +geben. + +Der Form gehört überhaupt alles Bestimmte an; es ist Formbestimmung, +insofern es ein Gesetztes, hiermit von einem solchen, dessen Form es +ist, Unterschiedenes ist; die Bestimmtheit als Qualität ist eins mit +ihrem Substrat, dem Seyn; das Seyn ist das unmittelbar Bestimmte, das +von seiner Bestimmtheit noch nicht unterschieden,—oder das in ihr noch +nicht in sich reflektirt, so wie diese daher eine seyende, noch nicht +eine Gesetzte ist.—Die Formbestimmungen des Wesens sind ferner als die +Reflexions-Bestimmtheiten, ihrer nähern Bestimmtheit nach, die oben +betrachteten Momente der Reflexion. Die Identität, und der Unterschied, +dieser Theils als Verschiedenheit, Theils als Gegensatz. Ferner aber +gehört auch die Grundbeziehung dazu, insofern sie zwar die aufgehobene +Reflexions-Bestimmung aber dadurch das Wesen zugleich als Gesetztes +ist. Dagegen gehört zur Form nicht die Identität, welche der Grund in +sich hat, nämlich daß das Gesetztseyn als aufgehobenes und das +Gesetztseyn als solches,—der Grund und das Begründete,—Eine Reflexion +ist, welche das Wesen als einfache Grundlage ausmacht, die das Bestehen +der Form ist. Allein dieß Bestehen ist im Grunde gesetzt; oder dieß +Wesen ist selbst wesentlich als bestimmtes; somit ist es auch wieder +das Moment der Grundbeziehung und Form.—Dieß ist die absolute +Wechselbeziehung der Form und des Wesens, daß dieses einfache Einheit +des Grundes und des Begründeten, darin aber eben selbst bestimmt oder +Negatives ist, und sich als Grundlage von der Form unterscheidet, aber +so zugleich selbst Grund und Moment der Form wird. + +Die Form ist daher das vollendete Ganze der Reflexion; sie enthält auch +diese Bestimmung derselben, aufgehobene zu seyn; daher ist sie ebenso +sehr als sie eine Einheit ihres Bestimmens ist, auch bezogen auf ihr +Aufgehobenseyn, auf ein Anderes, das nicht selbst Form, sondern an dem +sie sey. Als die wesentliche sich auf sich selbst beziehende +Negativität, gegen dieß einfache Negative ist sie das Setzende und +Bestimmende; das einfache Wesen hingegen ist die unbestimmte und +unthätige Grundlage, an welcher die Formbestimmungen das Bestehen oder +die Reflexion in sich haben.—Bei dieser Unterscheidung des Wesens und +der Form pflegt die äußere Reflexion stehen zu bleiben; sie ist +nothwendig, aber dieses Unterscheiden selbst ist ihre Einheit, so wie +diese Grundeinheit das sich von sich abstoßende und zum Gesetztseyn +machende Wesen ist. Die Form ist die absolute Negativität selbst, oder +die negative absolute Identität mit sich, wodurch eben das Wesen nicht +Seyn, sondern Wesen ist. Diese Identität abstrakt genommen, ist das +Wesen gegen die Form; so wie die Negativität abstrakt genommen als das +Gesetztseyn, die einzelne Formbestimmung ist. Die Bestimmung aber, wie +sie sich gezeigt hat, ist in ihrer Wahrheit, die totale sich auf sich +beziehende Negativität, die somit als diese Identität das einfache +Wesen an ihr selbst ist. Die Form hat daher an ihrer eigenen Identität +das Wesen; wie das Wesen an seiner negativen Natur die absolute Form. +Es kann also nicht gefragt werden, wie die Form zum Wesen hinzukomme, +denn sie ist nur das Scheinen desselben in sich selbst, die eigene ihm +inwohnende Reflexion. Die Form ebenso an ihr selbst ist die in sich +zurückkehrende Reflexion, oder das identische Wesen; in ihrem Bestimmen +macht sie die Bestimmung zum Gesetztseyn als Gesetztseyn. —Sie bestimmt +also nicht das Wesen, als ob sie wahrhaft vorausgesetzt, getrennt vom +Wesen sey, denn so ist sie die unwesentliche, rastlos zu Grunde gehende +Reflexionsbestimmung, hiermit ist sie so selbst vielmehr der Grund +ihres Aufhebens oder die identische Beziehung ihrer Bestimmungen. Die +Form bestimmt das Wesen, heißt also, die Form in ihrem Unterscheiden +hebt dieß Unterscheiden selbst auf, und ist die Identität mit sich, +welche das Wesen als das Bestehen der Bestimmung ist; sie ist der +Widerspruch in ihrem Gesetztseyn aufgehoben zu seyn und an diesem +Aufgehobenseyn das Bestehen zu haben; somit der Grund, als das im +Bestimmt- oder Negirtseyn mit sich identische Wesen. + +Diese Unterschiede, der Form und des Wesens, sind daher nur Momente der +einfachen Formbeziehung selbst. Aber sie sind näher zu betrachten und +festzuhalten. Die bestimmende Form bezieht sich auf sich als +aufgehobenes Gesetztseyn, sie bezieht sich damit auf ihre Identität als +auf ein Andres. Sie setzt sich als aufgehoben; sie setzt damit ihre +Identität voraus; das Wesen ist nach diesem Momente das Unbestimmte, +dem die Form ein anderes ist. So ist es nicht das Wesen, das die +absolute Reflexion an ihm selbst ist, sondern bestimmt als die formlose +Identität; es ist die Materie. + +b. Form und Materie. + +Das Wesen wird zur Materie, indem seine Reflexion sich bestimmt, zu +demselben als zu dem formlosen Unbestimmten sich zu verhalten. Die +Materie ist also die einfache unterschiedslose Identität, welche das +Wesen ist, mit der Bestimmung das Andere der Form zu seyn. Sie ist +daher die eigentliche Grundlage oder Substrat der Form, weil sie die +Reflexion in sich der Formbestimmungen oder das Selbstständige +ausmacht, auf das sie sich als auf ihr positives Bestehen beziehen. + +Wenn von allen Bestimmungen, aller Form eines Etwas abstrahirt wird, so +bleibt die unbestimmte Materie übrig. Die Materie ist ein schlechthin +Abstraktes. (—Man kann die Materie nicht sehen, fühlen u. s.f.—was man +sieht, fühlt, ist eine bestimmte Materie, d. h. eine Einheit der +Materie und der Form). Diese Abstraktion, aus der die Materie +hervorgeht, ist aber nicht nur ein äußerliches Wegnehmen und Aufheben +der Form, sondern die Form reducirt sich durch sich selbst, wie sich +ergeben hat, zu dieser einfachen Identität. + +Ferner setzt die Form eine Materie voraus, auf welche sie sich bezieht. +Aber darum finden sich beide nicht äußerlich und zufällig einander +gegenüber; weder die Materie noch die Form ist aus sich selbst, oder in +anderer Sprache ewig. Die Materie ist das gegen die Form gleichgültige, +aber diese Gleichgültigkeit ist die Bestimmtheit der Identität mit +sich, in welche als in ihre Grundlage die Form zurückgeht. Die Form +setzt die Materie voraus; eben darin, daß sie sich als Aufgehobenes +setzt, somit sich auf diese ihre Identität als auf ein Anderes bezieht. +Umgekehrt ist die Form von der Materie vorausgesetzt; denn diese ist +nicht das einfache Wesen, das unmittelbar selbst die absolute Reflexion +ist, sondern dasselbe bestimmt als das Positive, nämlich das nur ist, +als aufgehobene Negation.—Aber von der andern Seite weil die Form sich +nur als Materie setzt, insofern sie sich selbst aufhebt, somit dieselbe +voraussetzt, ist die Materie auch bestimmt als grundloses Bestehen. +Ebenso ist die Materie nicht bestimmt als der Grund der Form; sondern, +indem die Materie sich setzt als die abstrakte Identität der +aufgehobenen Formbestimmung, ist sie nicht die Identität als Grund, und +die Form insofern gegen sie grundlos. Form und Materie sind somit +bestimmt, die eine wie die andere, nicht gesetzt durch einander, nicht +Grund von einander zu seyn. Die Materie ist vielmehr die Identität des +Grundes und des Begründeten, als Grundlage, welche dieser Formbeziehung +gegenüber steht. Diese ihre gemeinschaftliche Bestimmung der +Gleichgültigkeit ist die Bestimmung der Materie als solcher, und macht +auch die Beziehung beider aufeinander aus. Ebenso die Bestimmung der +Form, die Beziehung als unterschiedener zu seyn, ist auch das andere +Moment des Verhaltens beider zu einander.—Die Materie, das als +gleichgültig Bestimmte, ist das Passive gegen die Form als Thätiges. +Diese ist als das sich auf sich beziehende Negative der Widerspruch in +sich selbst, das sich Auflösende sich von sich Abstoßende und +Bestimmende. Sie bezieht sich auf die Materie, und sie ist gesetzt, +sich auf dieß ihr Bestehen, als auf ein Anderes zu beziehen. Die +Materie hingegen ist gesetzt, sich nur auf sich selbst zu beziehen, und +gleichgültig gegen Anderes zu seyn; aber sie bezieht sich an sich auf +die Form; denn sie enthält die aufgehobene Negativität, und ist nur +Materie durch diese Bestimmung. Sie bezieht sich auf sie nur darum als +auf ein Anderes, weil die Form nicht an ihr gesetzt, weil sie dieselbe +nur an sich ist. Sie enthält die Form in sich verschlossen, und ist die +absolute Empfänglichkeit für sie, nur darum weil sie dieselbe absolut +in ihr hat, weil dieß ihre an sich seyende Bestimmung ist. Die Materie +muß daher formirt werden, und die Form muß sich materialisiren, sich an +der Materie die Identität mit sich oder das Bestehen geben. + +2. Die Form bestimmt daher die Materie, und die Materie wird von der +Form bestimmt.—Weil die Form selbst die absolute Identität mit sich +ist, also die Materie in sich enthält; ebenso weil die Materie in ihrer +reinen Abstraktion oder absoluten Negativität die Form in ihr selbst +hat, so ist die Thätigkeit der Form auf die Materie, und das +Bestimmtwerden dieser durch jene vielmehr nur das Aufheben des Scheines +ihrer Gleichgültigkeit und Unterschiedenheit. Diese Beziehung des +Bestimmens ist so die Vermittelung jeder der beiden mit sich durch ihr +eigenes Nichtseyn,—aber diese beiden Vermittelungen sind Eine Bewegung +und die Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Identität;—die +Erinnerung ihrer Entäußerung. + +Zuerst setzen Form und Materie sich gegenseitig voraus. Wie sich +ergeben hat, heißt dieß so viel, die eine wesentliche Einheit ist +negative Beziehung auf sich selbst, so entzweit sie sich in die +wesentliche Identität bestimmt als die gleichgültige Grundlage, und in +den wesentlichen Unterschied oder Negativität, als die bestimmende +Form. Jene Einheit des Wesens und der Form, die sich als Form und +Materie gegenübersetzen, ist der absolute Grund, der sich bestimmt. +Indem sie sich zu einem Verschiedenen macht, wird die Beziehung um der +zu Grunde liegenden Identität der Verschiedenen willen zur +gegenseitigen Voraussetzung. + +Zweitens, die Form als selbstständig ist ohnehin der sich selbst +aufhebende Widerspruch; aber sie ist auch als solcher gesetzt, denn sie +ist zugleich selbstständig und zugleich wesentlich auf ein Anderes +bezogen;—sie hebt sich somit auf. Da sie selbst zweiseitig ist, so hat +auch dieß Aufheben die gedoppeite Seite, erstlich, sie hebt ihre +Selbstständigkeit auf, sie macht sich zu einem Gesetzten, zu einem, das +an einem Andern ist, und dieß ihr Anderes ist die Materie. Zweitens sie +hebt ihre Bestimmtheit gegen die Materie, ihre Beziehung auf dieselbe +somit ihr Gesetztseyn auf, und giebt sich dadurch Bestehen. Indem sie +ihr Gesetztseyn aufhebt, so ist diese ihre Reflexion die eigene +Identität, in welche sie übergeht; indem sie aber diese Identität +zugleich entäußert und als Materie sich gegenübersetzt, so ist jene +Reflexion des Gesetztseyns in sich als Vereinigung mit einer Materie, +an der sie Bestehen erhält; sie geht also in dieser Vereinigung ebenso +sehr mit der Materie als einem Andern,—nach der ersten Seite, daß sie +sich zu einem Gesetzten macht, —als auch darin mit ihrer eigenen +Identität zusammen. + +Die Thätigkeit der Form also, wodurch die Materie bestimmt wird, +besteht in einem negativen Verhalten der Form gegen sich selbst. Aber +umgekehrt verhält sie sich damit auch negativ gegen die Materie; allein +dieß Bestimmtwerden der Materie ist ebenso sehr die eigene Bewegung der +Form selbst. Diese ist frei von der Materie, aber sie hebt diese ihre +Selbstständigkeit auf; aber ihre Selbstständigkeit ist die Materie +selbst, denn an dieser hat sie ihre wesentliche Identität. Indem sie +sich also zum Gesetzten macht, so ist dieß ein und dasselbe, daß sie +die Materie zu einem Bestimmten macht.—Aber von der andern Seite +betrachtet, ist die eigene Identität der Form zugleich sich entäußert, +und die Materie ihr Anderes; insofern wird die Materie auch nicht +bestimmt, dadurch, daß die Form ihre eigne Selbstständigkeit aufhebt. +Allein die Materie ist nur selbstständig der Form gegenüber; indem das +Negative sich aufhebt, hebt sich auch das Positive auf. Indem die Form +also sich aufhebt, so fällt auch die Bestimmtheit der Materie weg, +welche sie gegen die Form hat, nämlich das unbestimmte Bestehen zu +seyn. + +Dieß, was als Thätigkeit der Form erscheint, ist ferner ebenso sehr die +eigene Bewegung der Materie selbst. Die ansichseyende Bestimmung oder +das Sollen der Materie ist ihre absolute Negativität. Durch diese +bezieht sich die Materie schlechthin nicht nur auf die Form als auf ein +Anderes, sondern dieses Äußere ist die Form, welche sie selbst als +verschlossen in sich enthält. Die Materie ist derselbe Widerspruch an +sich, welchen die Form enthält, und dieser Widerspruch ist wie seine +Auflösung, nur Einer. Die Materie ist aber in sich selbst +widersprechend, weil sie als die unbestimmte Identität mit sich +zugleich die absolute Negativität ist; sie hebt sich daher an ihr +selbst auf, und ihre Identität zerfällt in ihrer Negativität, und diese +erhält an jener ihr Bestehen. Indem also die Materie von der Form als +von einem Äußern bestimmt wird, so erreicht damit sie ihre Bestimmung, +und die Äußerlichkeit des Verhaltens sowohl für die Form als für die +Materie besteht darin, daß jede oder vielmehr ihre ursprüngliche +Einheit in ihrem Setzen zugleich voraussetzend ist; wodurch die +Beziehung auf sich, zugleich Beziehung auf sich als aufgehobenes oder +Beziehung auf sein anderes ist. + +Drittens, durch diese Bewegung der Form und Matene ist ihre +ursprüngliche Einheit einer Seits hergestellt, anderer Seits nunmehr +eine gesetzte. Die Materie bestimmt ebensowohl sich selbst, als dieß +Bestimmen ein für sie äußerliches Thun der Form ist; umgekehrt die Form +bestimmt ebenso sehr nur sich oder hat die Materie, die von ihr +bestimmt wird, an ihr selbst, als sie in ihrem Bestimmen sich gegen ein +Anderes verhält; und beides, das Thun der Form und die Bewegung der +Materie ist dasselbe, nur daß jenes ein Thun ist, d. h. die Negativität +als gesetzte, dieß aber Bewegung oder Werden, die Negativität als +ansichseyende Bestimmung. Das Resultat ist daher die Einheit des +Ansichseyns und des Gesetztseyns. Die Materie ist als solche bestimmt, +oder hat nothwendig eine Form, und die Form ist schlechthin materielle, +bestehende Form. + +Die Form, insofern sie eine Materie als das ihr Andere voraussetzt, ist +endlich. Sie ist nicht Grund, sondern nur das Thätige. Ebenso ist die +Materie, insofern sie die Form als ihr Nichtseyn voraussetzt, die +endliche Materie, sie ist ebenso wenig Grund ihrer Einheit mit der +Form, sondern nur die Grundlage für die Form. Aber sowohl diese +endliche Materie als die endliche Form hat keine Wahrheit; jede bezieht +sich auf die andere, oder nur ihre Einheit ist ihre Wahrheit. In diese +Einheit gehen diese beiden Bestimmungen zurück, und heben darin ihre +Selbstständigkeit auf; sie erweist sich damit als ihr Grund. Die +Materie ist daher nur insofern Grund ihrer Formbestimmung, als sie +nicht Materie als Materie, sondern die absolute Einheit des Wesens und +der Form ist; ebenso die Form ist nur Grund des Bestehens ihrer +Bestimmungen, insofern sie dieselbe eine Einheit ist. Aber diese eine +Einheit als die absolute Negativität und bestimmter als ausschließende +Einheit ist in ihrer Reflexion voraussetzend; oder es ist Ein Thun, im +Setzen sich als Gesetztes in der Einheit zu erhalten und sich von sich +selbst abzustoßen, sich auf sich als sich, und sich auf sich als auf +ein Anderes zu beziehen. Oder das Bestimmtwerden der Materie durch die +Form ist die Vermittelung des Wesens als Grund mit sich in einer +Einheit, durch sich selbst und durch die Negation seiner selbst. + +Die formirte Materie oder die Bestehen habende Form, ist nun nicht nur +jene absolute Einheit des Grundes mit sich, sondern auch die gesetzte +Einheit. Die betrachtete Bewegung ist es, in welcher der absolute Grund +seine Momente zugleich als sich aufhebende und somit als gesetzte +dargestellt hat. Oder die wiederhergestellte Einheit hat in ihrem +Zusammengehen mit sich, sich ebenso sehr von sich selbst abgestoßen und +sich bestimmt; denn ihre Einheit ist als durch Negation zu Stande +gekommen, auch negative Einheit. Sie ist daher die Einheit der Form und +der Materie, als ihre Grundlage, aber als ihre bestimmte Grundlage, +welche formirte Materie, aber gegen Form und Materie zugleich als gegen +aufgehobene und unwesendiche gleichgültig ist. Sie ist der Inhalt. + +c. Form und Inhalt. + +Die Form steht zuerst dem Wesen gegenüber; so ist sie Grundbeziehung +überhaupt, und ihre Bestimmungen, der Grund und das Begründete. Alsdenn +steht sie der Materie gegenüber; so ist sie bestimmende Reflexion und +ihre Bestimmungen sind die Reflexionsbestimmung selbst und das Bestehen +derselben. Endlich steht sie dem Inhalte gegenüber, so sind ihre +Bestimmungen wieder sie selbst und die Materie. Was vorher das mit sich +Identische war, zuerst der Grund, dann das Bestehen überhaupt, und +zulezt die Materie tritt unter die Herrschaft der Form und ist wieder +eine ihrer Bestimmungen. + +Der Inhalt hat erstlich eine Form und eine Materie, die ihm angehören +und wesentlich sind; er ist ihre Einheit. Aber indem diese Einheit +zugleich bestimmte oder gesetzte Einheit ist, so steht er der Form +gegenüber; diese macht das Gesetztseyn aus, und ist gegen ihn das +Unwesentliche. Er ist daher gleichgültig gegen sie; sie begreift sowohl +die Form als solche, als auch die Materie; und er hat also eine Form +und eine Materie, deren Grundlage er ausmacht, und die ihm als bloßes +Gesetztseyn sind. + +Der Inhalt ist zweitens das in Form und Materie identische, so daß +diese nur gleichgültige äußerliche Bestimmungen wären. Sie sind das +Gesetztseyn überhaupt, das aber in dem Inhalte in seine Einheit oder +seinen Grund zurückgegangen ist. Die Identität des Inhalts mit sich +selbst ist daher das eine Mal jene gegen die Form gleichgültige +Identität; das andere Mal aber ist sie die Identität des Grundes. Der +Grund ist in dem Inhalte zunächst verschwunden; der Inhalt aber ist +zugleich die negative Reflexion der Formbestimmungen in sich; seine +Einheit, welche zunächst nur die gegen die Form gleichgültige ist, ist +daher auch die formelle Einheit oder die Grundbeziehung als solche. Der +Inhalt hat daher diese zu seiner wesentlichen Form und der Grund +umgekehrt hat einen Inhalt. + +Der Inhalt des Grundes ist also der in seine Einheit mit sich +zurückgekehrte Grund; der Grund ist zunächst das Wesen, das in seinem +Gesetztseyn mit sich identisch ist; als verschieden und gleichgültig +gegen sein Gesetztseyn, ist es die unbestimmte, die Materie; aber als +Inhalt ist es zugleich die formirte Identität, und diese Form wird +darum Grundbeziehung, weil die Bestimmungen ihres Gegensatzes im +Inhalte auch als negirte gesetzt sind.—Der Inhalt ist ferner bestimmt +an ihm selbst; nicht nur wie die Materie als das Gleichgültige +überhaupt, sondern als die formirte Materie, so daß die Bestimmungen +der Form ein materielles, gleichgültiges Bestehen haben. Einer Seits +ist der Inhalt die wesentliche Identität des Grundes mit sich in seinem +Gesetztseyn, anderer Seits die gesetzte Identität gegen die +Grundbeziehung; dieß Gesetztseyn, das als Formbestimmung an dieser +Identität ist, ist dem freien Gesetztseyn, das heißt, der Form als +ganzer Beziehung von Grund und Begründetem, gegenüber; diese Form ist +das totale in sich zurückkehrende Gesetztseyn; jene daher nur das +Gesetztseyn als unmittelbares, die Bestimmtheit als solche. + +Der Grund hat sich damit überhaupt zum bestimmten Grunde gemacht, und +die Bestimmtheit selbst ist die gedoppelte; erstens der Form und +zweitens des Inhalts. Jene ist seine Bestimmtheit dem Inhalte überhaupt +äußerlich zu seyn, der gegen diese Beziehung gleichgültig ist. Diese +ist die Bestimmtheit des Inhalts, den der Grund hat. + +B. Der bestimmte Grund. + +a. Der formelle Grund. + +Der Grund hat einen bestimmten Inhalt. Die Bestimmtheit des Inhalts +ist, wie sich ergeben, die Grundlage für die Form; das einfache +Unmittelbare gegen die Vermittelung der Form. Der Grund ist negativ +sich auf sich beziehende Identität, welche sich dadurch zum Gesetztseyn +macht; sie bezieht sich negativ auf sich, indem sie identisch in dieser +ihrer Negativität mit sich ist; diese Identität ist die Grundlage oder +der Inhalt der auf diese Weise die gleichgültige oder positive Einheit +der Grundbeziehung ausmacht, und das Vermittelnde derselben ist. + +In diesem Inhalte ist zunächst die Bestimmtheit des Grundes und des +Begründeten gegen einander verschwunden. Die Vermittelung ist aber +ferner negative Einheit. Das Negative als an jener gleichgültigen +Grundlage ist die unmittelbare Bestimmtheit derselben, wodurch der +Grund einen bestimmten Inhalt hat. Alsdann aber ist das Negative die +negative Beziehung der Form auf sich selbst. Das Gesetzte einer Seits +liebt sich selbst auf und geht in seinen Grund zurück; der Grund aber, +die wesentliche Selbstständigkeit, bezieht sich negativ auf sich selbst +und macht sich zum Gesetzten. Diese negative Vermittelung des Grundes +und des Begründeten ist die eigenthümliche Vermittelung der Form als +solcher, die formelle Vermittelung. Die beiden Seiten der Form nun, +weil die eine in die andere übergeht, setzen sich damit +gemeinschaftlich in Einer Identität als aufgehobene; sie setzen +dieselbe hierdurch zugleich voraus. Sie ist der bestimmte Inhalt, auf +den sich also die formelle Vermittelung als auf das positive +Vermittelnde durch sich selbst bezieht. Er ist das Identische beider, +und indem sie unterschieden, jedes aber in seinem Unterschiede die +Beziehung auf das andere ist, ist er das Bestehen derselben, eines +jeden als das Ganze selbst. + +Hiernach ergiebt sich, daß im bestimmten Grunde dieß vorhanden ist; +erstens, ein bestimmter Inhalt wird nach zwei Seiten betrachtet, das +eine Mal insofern er als Grund, das andere Mal insofern er als +Begründetes gesetzt ist. Er selbst ist gleichgültig gegen diese Form; +er ist in beiden überhaupt nur Eine Bestimmung. Zweitens ist der Grund +selbst so sehr Moment der Form als das durch ihn gesetzte; dieß ist +ihre Identität der Form nach. Es ist gleichgültig, welche von beiden +Bestimmungen zum Ersten gemacht wird, von dem als dem Gesetzten zum +Andern als zum Grunde, oder von dem als dem Grunde zum Andern als zum +Gesetzten übergegangen wird. Das Begründete für sich betrachtet, ist +das Aufheben seiner selbst; damit macht es sich einer Seits zum +Gesetzten, und ist zugleich Setzen des Grundes. Dieselbe Bewegung ist +der Grund als solcher, er macht sich zum Gesetzten, dadurch wird er +Grund von etwas, das heißt, darin ist er sowohl als Gesetztes, wie auch +erst als Grund vorhanden. Daß ein Grund ist, davon ist das Gesetzte der +Grund, und umgekehrt ist hiermit der Grund Gesetztes. Die Vermittelung +fängt ebenso sehr von dem einen als von dem andern an, jede Seite ist +so sehr Grund als Gesetztes, und jede die ganze Vermittelung oder die +ganze Form.—Diese ganze Form ist ferner selbst als das mit sich +identische, die Grundlage der Bestimmungen, welche die beiden Seiten +des Grundes und des Begründeten sind, Form und Inhalt sind so selbst +eine und dieselbe Identität. + +Um dieser Identität des Grundes und Begründeten willen, sowohl dem +Inhalte als der Form nach, ist der Grund zureichend (das Zureichende +auf dieß Verhältniß eingeschränkt); es ist nichts im Grunde, was nicht +im Begründeten ist, so wie nichts im Begründeten, was nicht im Grunde +ist. Wenn nach einem Grunde gefragt wird, will man dieselbe Bestimmung, +die der Inhalt ist, doppelt sehen, das eine Mal in der Form des +Gesetzten, das andere Mal in der des in sich reflektirten Daseyns, der +Wesentlichkeit. + +Insofern nun im bestimmten Grunde Grund und Begründetes beide die ganze +Form, und ihr Inhalt zwar ein bestimmter, aber einer und derselbe ist, +so ist der Grund in seinen beiden Seiten noch nicht real bestimmt, sie +haben keinen verschiedenen Inhalt; die Bestimmtheit ist erst einfache, +noch nicht an die Seiten übergegangene Bestimmtheit; es ist der +bestimmte Grund erst in seiner reinen Form, der formelle Grund, +vorhanden.—Weil der Inhalt nur diese einfache Bestimmtheit ist, die +nicht die Form der Grundbeziehung an ihr selbst hat, so ist sie der mit +sich identische Inhalt, gegen die Form gleichgültig und diese ihm +äußerlich; er ist ein Anderes als sie. + +Anmerkung. + +Wenn die Reflexion über bestimmte Gründe sich an diejenige Form des +Grundes hält, welche sich hier ergeben hat, so bleibt die Angabe eines +Grundes ein bloßer Formalismus und leere Tautologie, welche denselben +Inhalt in der Form der Reflexion in sich, der Wesentlichkeit, +ausdrückt, der schon in der Form des unmittelbaren, als gesetzt +betrachteten Daseyns vorhanden ist. Ein solches Angeben von Gründen ist +deswegen von derselben Leerheit begleitet, als das Reden nach dem Satze +der Identität. Die Wissenschaften, vornemlich die physikalischen, sind +mit den Tautologien dieser Art angefüllt, welche gleichsam ein Vorrecht +der Wissenschaft ausmachen.—Es wird z. B. als der Grund, daß die +Planeten sich um die Sonne bewegen, die anziehende Kraft der Erde und +Sonne gegen einander angegeben. Es ist damit dem Inhalt nach nichts +Anders ausgesprochen, als was das Phänomen, nämlich die Beziehung +dieser Körper auf einander in ihrer Bewegung, enthält, nur in der Form +von in sich reflektirter Bestimmung, von Kraft. Wenn danach gefragt +wird, was die anziehende Kraft für eine Kraft sey, so ist die Antwort, +daß sie die Kraft ist, welche macht, daß sich die Erde um die Sonne +bewegt; das heißt, sie hat durchaus denselben Inhalt, als das Daseyn, +dessen Grund sie seyn soll; die Beziehung der Erde und der Sonne in +Rüksicht der Bewegung ist die identische Grundlage des Grundes und des +Begründeten.—Wenn eine Krystallisationsform dadurch erklärt wird, daß +sie ihren Grund in dem besondern Arrangement habe, in das die Molecules +zu einander treten, so ist die daseyende Krystallisation dieß +Arrangement selbst, welches als Grund ausgedrückt wird. Im gewöhnlichen +Leben gelten diese Ätiologieen, auf welche die Wissenschaften das +Privilegium haben, für das, was sie sind, für ein tautologisches, +leeres Gerede. Wenn auf die Frage, warum dieser Mensch in die Stadt +reise, der Grund angegeben wird, weil in der Stadt sich eine anziehende +Kraft befinde, die ihn dahin treibe, so gilt diese Art des Antwortens +für abgeschmackt, die in den Wissenschaften sanctionirt ist.—Leibnitz +warf der newtonischen anziehenden Kraft vor, daß sie eine solche +verborgene Qualität sey, als die Scholastiker zum Behuf des Erklärens +gebrauchten. Man müßte ihr eher das Gegentheil zum Vorwurf machen, daß +sie eine zu bekannte Qualität sey; denn sie hat keinen andern Inhalt, +als die Erscheinung selbst.—Wodurch sich diese Erklärungsweise eben +empfiehlt, ist ihre große Deutlichkeit und Begreiflichkeit; denn es ist +nichts deutlicher und begreiflicher, als daß z. E. eine Pflanze ihren +Grund in einer vegetativen, d. h. Pflanzen hervorbringenden Kraft +habe.—Eine occulte Qualität könnte sie nur in dem Sinne genannt werden, +als der Grund einen andern Inhalt haben soll, als das zu Erklärende; +ein solcher ist nicht angegeben; insofern ist jene zum Erklären +gebrauchte Kraft allerdings ein verborgener Grund, als ein Grund, wie +er gefordert wird, nicht angegeben ist. Es wird durch diesen +Formalismus so wenig etwas erklärt, als die Natur einer Pflanze erkannt +wird, wenn ich sage, daß sie eine Pflanze ist; bei aller Deutlichkeit +dieses Satzes, oder daß sie ihren Grund in einer Pflanzen +hervorbringenden Kraft habe, kann man dieß deswegen eine sehr occulte +Erklärungsweise nennen. + +Zweitens, der Form nach, kommen in dieser Erklärungsweise die beiden +entgegengesetzten Richtungen der Grundbeziehung vor, ohne in ihrem +bestimmten Verhältnisse erkannt zu seyn. Der Grund ist eines Theils +Grund, als die in sich reflektirte Inhaltsbestimmung des Daseyns, das +er begründet, andern Theils ist er das Gesetzte. Er ist das, woraus das +Daseyn begriffen werden soll; umgekehrt aber wird von diesem auf ihn +geschlossen und er aus dem Daseyn begriffen. Das Hauptgeschäfte dieser +Reflexion besteht nämlich darin, aus dem Daseyn die Gründe zu finden, +das heißt, das unmittelbare Daseyn in die Form des Reflektirtseyns +umzusetzen; der Grund statt an und für sich und selbstständig zu seyn, +ist somit vielmehr das Gesetzte und Abgeleitete. Weil er nun durch dieß +Verfahren nach dem Phänomen eingerichtet ist, und seine Bestimmungen +auf diesem beruhen, so fließt dieses freilich ganz glatt und mit +günstigem Winde aus seinem Grunde aus. Aber die Erkenntniß ist +hierdurch nicht vom Flecke gekommen; sie treibt sich in einem +Unterschiede der Form herum, den dieß Verfahren selbst umkehrt und +aufhebt. Eine der Hauptschwierigkeiten, sich in die Wissenschaften +einzustudiren, worin dieß Verfahren herrschend ist, beruht deswegen auf +dieser Verkehrtheit der Stellung, das als Grund vorauszuschicken, was +in der That abgeleitet ist und indem zu den Folgen fortgegangen wird, +in ihnen in der That erst den Grund jener seyn sollenden Gründe +anzugeben. Es wird in der Darstellung mit den Gründen angefangen, sie +werden als Principien und erste Begriffe in die Luft hingestellt; sie +sind einfache Bestimmungen, ohne alle Nothwendigkeit an und für sich +selbst; das Folgende soll auf sie gegründet werden. Wer daher in +dergleichen Wissenschaften eindringen will, muß damit anfangen, sich +jene Gründe zu inkulkiren; ein Geschäft, das der Vernunft sauer +ankommt, weil sie Grundloses als Grundlage gelten lassen soll. Am +besten kommt derjenige fort, der sich ohne vieles Nachdenken die +Principien als gegebene gefallen läßt, und sie von nun an als +Grundregeln seines Verstandes gebraucht. Ohne diese Methode kann man +den Anfang nicht gewinnen; ebenso wenig läßt sich ohne sie ein Fortgang +machen. Dieser aber hindert sich nun dadurch, daß in ihnen der +Gegenstoß der Methode zum Vorschein kommt, die im Folgenden das +Abgeleitete aufzeigen will, das aber in der That erst die Gründe zu +jenen Voraussetzungen enthält. Ferner weil das Folgende sich als das +Daseyn zeigt, aus welchem der Grund abgeleitet wurde, so giebt dieß +Verhältniß, in dem das Phänomen aufgeführt wird, ein Mißtrauen gegen +die Darstellung desselben; denn es zeigt sich nicht in seiner +Unmittelbarkeit ausgedrückt, sondern als Beleg des Grundes. Weil aber +dieser hinwieder aus jenem hergeleitet ist, verlangt man es vielmehr in +seiner Unmittelbarkeit zu sehen, um den Grund aus ihm beurtheilen zu +können. Man weiß daher in solcher Darstellung, worin das eigentlich +Begründende als Abgeleitetes vorkommt, nicht, weder wie man mit dem +Grunde, noch wie man mit dem Phänomen daran ist. Die Ungewißheit wird +dadurch vermehrt, besonders wenn der Vortrag nicht streng konsequent, +sondern mehr ehrlich ist, daß sich allenthalben Spuren und Umstände des +Phänomens verrathen, die auf Mehreres und oft ganz Anderes hindeuten, +als bloß in den Principien enthalten ist. Die Verwirrung wird endlich +noch größer, indem reflektirte, und bloß hypothetische Bestimmungen mit +unmittelbaren Bestimmungen des Phänomens selbst vermischt werden, wenn +jene auf eine Art ausgesprochen sind, als ob sie der unmittelbaren +Erfahrung angehörten. So kann wohl mancher, der mit ehrlichem Glauben +zu diesen Wissenschaften hinzutritt, der Meinung seyn, die Molecules, +die leeren Zwischenräume, die Fliehkraft, der Äther, der vereinzelnte +Lichtstrahl, die elektrische, magnetische Materie und noch eine Menge +dergleichen seyen Dinge oder Verhältnisse, die, nach der Art, wie von +ihnen als unmittelbaren Daseynsbestimmungen gesprochen wird, in der +That in der Wahrnehmung vorhanden seyen. Sie dienen als erste Gründe +für Anderes, wer den als Wirklichkeiten ausgesprochen, und +zuversichtlich angewendet; man läßt sie auf guten Glauben hin dafür +gelten, ehe man inne wird, daß sie vielmehr aus dem, was sie begründen +sollen, geschlossene Bestimmungen, von einer unkritischen Reflexion +abgeleitete Hypothesen und Erdichtungen sind. In der That befindet man +sich in einer Art von Hexenkreise, worin Bestimmungen des Daseyns und +Bestimmungen der Reflexion, Grund und Begründetes, Phänomene und +Phantome in unausgeschiedener Gesellschaft durch einander laufen und +gleichen Rang mit einander geniessen. + +Bei dem formellen Geschäfte dieser Erklärungsweise aus Gründen, hört +man zugleich auch wieder, alles Erklärens aus den wohlbekannten Kräften +und Materien ungeachtet, sagen, daß wir das innre Wesen dieser Kräfte +und Materien selbst nicht kennen. Es ist hierin nur das Geständniß zu +sehen, daß dieses Begründen sich selbst völlig ungenügend ist; daß es +selbst etwas ganz Anderes fordere, als solche Gründe. Es ist dann nur +nicht abzusehen, wozu sich denn diese Bemühung mit diesem Erklären +gemacht, warum nicht das Andere gesucht, oder jenes Erklären wenigstens +bei Seite gethan, und bei den einfachen Thatsachen stehen geblieben +wird. + +b. Der reale Grund. + +Die Bestimmtheit des Grundes, ist, wie sich gezeigt hat, eines Theils +Bestimmtheit der Grundlage oder Inhaltsbestimmung; andern Theils das +Andersseyn in der Grundbeziehung selbst, nämlich die Unterschiedenheit +ihres Inhalts und der Form; die Beziehung von Grund und Begründetem +verläuft sich als eine äußerliche Form an dem Inhalt, der gegen diese +Bestimmungen gleichgültig ist.—In der That aber sind beide einander +nicht äußerlich; denn der Inhalt ist dieß, die Identität des Grundes +mit sich selbst im Begründeten, und des Begründeten im Grunde zu seyn. +Die Seite des Grundes hat sich gezeigt, selbst ein Gesetztes, und die +Seite des Begründeten, selbst Grund zu seyn; jede ist an ihr selbst +diese Identität des Ganzen. Weil sie aber zugleich der Form angehören +und ihre bestimmte Unterschiedenheit ausmachen, so ist jede in ihrer +Bestimmtheit die Identität des Ganzen mit sich. Jede hat somit einen +gegen die andere verschiedenen Inhalt.—Oder von Seite des Inhalts +betrachtet, weil er die Identität als der Grundbeziehung mit sich ist, +hat er wesentlich diesen Formunterschied an ihm selbst, und ist als +Grund ein anderer, denn als Begründetes. + +Darin nun, daß Grund und Begründetes einen verschiedenen Inhalt haben, +hat die Grundbeziehung aufgehört, eine formale zu seyn; der Rückgang in +den Grund, und das Hervorgehen aus ihm zum Gesetzten ist nicht mehr die +Tautologie; der Grund ist realisirt. Man verlangt daher, wenn man nach +einem Grund fragt, eigentlich für den Grund eine andere +Inhaltsbestimmung als diejenige ist, nach deren Grund man fragt. + +Diese Beziehung bestimmt sich nun weiter. Insofern nämlich ihre beide +Seiten verschiedener Inhalt sind, sind sie gleichgültig gegen einander; +jede ist eine unmittelbare mit sich identische Bestimmung. Ferner als +Grund und Begründetes auf einander bezogen, ist der Grund das in dem +Andern als in seinem Gesetztseyn in sich reflektirte; der Inhalt also, +welchen die Seite des Grundes hat, ist ebenso im Begründeten; dieses +als das Gesetzte hat nur in jenem seine Identität mit sich und sein +Bestehen. Außer diesem Inhalte des Grundes hat aber das Begründete +nunmehr auch seinen eigenthümlichen, und ist somit die Einheit von +einem zweifachen Inhalt. Diese nun ist zwar als Einheit unterschiedener +deren negative Einheit, aber weil es gegen einander gleichgültige +Inhaltsbestimmungen sind, ist sie nur ihre leere, an ihr selbst +inhaltslose Beziehung, nicht ihre Vermittelung; ein Eins oder Etwas als +äußerliche Verknüpfung derselben. + +Es ist also in der realen Grundbeziehung das doppelte vorhanden, einmal +die Inhaltsbestimmung, welche Grund ist, in dem Gesetztseyn mit sich +selbst kontinuirt, so daß sie das einfach Identische des Grundes und +Begründeten ausmacht; das Begründete enthält so den Grund vollkommen in +sich, ihre Beziehung ist unterschiedslose wesentliche Gediegenheit. Was +im Begründeten zu diesem einfachen Wesen noch hinzukommt, ist daher nur +eine unwesentliche Form, äußerliche Inhaltsbestimmungen, die als solche +vom Grunde frei, und eine unmittelbare Mannigfaltigkeit sind. Von +diesem Unwesentlichen ist also jenes Wesentliche nicht der Grund, noch +ist es Grund von der Beziehung beider aufeinander in dem Begründeten. +Es ist ein positiv Identisches, das dem Begründeten inwohnt, aber sich +darin in keinen Formunterschied setzt, sondern als sich auf sich selbst +beziehender Inhalt gleichgültige positive Grundlage ist.—Fürs andere +ist das mit dieser Grundlage im Etwas Verknüpfte ein gleichgültiger +Inhalt, aber als die unwesentliche Seite. Die Hauptsache ist die +Beziehung der Grundlage und der unwesentlichen Mannigfaltigkeit. Diese +Beziehung aber, weil die bezogenen Bestimmungen gleichgültiger Inhalt +sind, ist auch nicht Grund; eine ist zwar als wesentlicher, das Andere +nur als unwesentlicher oder gesetzter Inhalt bestimmt, aber als sich +auf sich beziehender Inhalt ist beiden diese Form äußerlich. Das Eins +des Etwas, das ihre Beziehung ausmacht, ist deswegen nicht +Formbeziehung, sondern nur ein äußerliches Band, das den unwesentlichen +mannigfaltigen Inhalt nicht als gesetzten enthält; es ist also +gleichfalls nur Grundlage. + +Der Grund, wie er als realer sich bestimmt, zerfällt hiermit um der +Inhaltsverschiedenheit willen, die seine Realität ausmacht, in +äußerliche Bestimmungen. Die beiden Beziehungen, der wesentliche +Inhalt, als die einfache unmittelbare Identität des Grundes und des +Begründeten; und dann das Etwas, als die Beziehung des unterschiedenen +Inhalts, sind zwei verschiedene Grundlagen; die mit sich identische +Form des Grundes, daß Dasselbe das eine Mal als Wesentliches, das +andere Mal als Gesetztes sey, ist verschwunden; die Grundbeziehung ist +so sich selbst äußerlich geworden. + +Es ist daher nun ein äußerlicher Grund, welcher verschiedenen Inhalt in +Verknüpfung bringt und es bestimmt, welcher der Grund und welcher das +durch ihn Gesetzte sey; in dem beiderseitigen Inhalte selbst liegt +diese Bestimmung nicht. Der reale Grund ist daher Beziehung auf +Anderes, einer Seits des Inhalts auf andern Inhalt, anderer Seits der +Grundbeziehung selbst (der Form) auf Anderes, nämlich auf ein +Unmittelbares, nicht durch sie Gesetztes. + +Anmerkung. + +Die formelle Grundbeziehung enthält nur Einen Inhalt für Grund und +Begründetes, in dieser Identität liegt ihre Nothwendigkeit, aber +zugleich ihre Tautologie. Der reale Grund enthält einen verschiedenen +Inhalt, damit tritt aber die Zufälligkeit und Äußerlichkeit der +Grundbeziehung ein. Einer Seits ist dasjenige, was als das Wesentliche +und deswegen als die Grundbestimmung betrachtet wird, nicht Grund der +anderen Bestimmungen, die mit ihr verknüpft sind. Anderer Seits ist es +auch unbestimmt, welche von mehrern Inhaltsbestimmungen eines konkreten +Dinges als die wesentliche und als Grund angenommen werden soll; die +Wahl ist daher zwischen ihnen frei. So ist in ersterer Rücksicht z.B. +der Grund eines Hauses die Unterlage desselben; wodurch diese Grund +ist, ist die der sinnlichen Materie inwohnende Schwere, das sowohl in +dem Grunde als dem begründeten Hause schlechthin Identische. Daß an der +schweren Materie nun ein solcher Unterschied ist, wie der einer +Unterlage und einer davon unterschiedenen Modifikation, wodurch sie +eine Wohnung ausmacht, ist dem Schweren selbst vollkommen gleichgültig, +seine Beziehung auf die anderen Inhaltsbestimmungen des Zwecks, der +Einrichtung des Hauses u.s.f. ist ihm äußerlich; es ist daher wohl +Grundlage, aber nicht Grund derselben. Die Schwere ist so sehr als +Grund, daß ein Haus steht, auch Grund, daß ein Stein fällt; der Stein +hat diesen Grund, die Schwere, in sich; aber daß er eine weitere +Inhaltsbestimmung hat, wodurch er nicht bloß ein Schweres, sondern +Stein ist, ist der Schwere äußerlich; es ist ferner durch ein Anderes +gesetzt, daß er von dem Körper vorher entfernt worden sey, auf welchen +er fällt, wie auch die Zeit und der Raum und deren Beziehung, die +Bewegung, ein anderer Inhalt als die Schwere sind, und ohne sie (wie +man zu sprechen pflegt) vorgestellt werden können, folglich nicht +wesentlich durch sie gesetzt sind.—Sie ist auch so sehr Grund, daß ein +Projektil die dem Fallen entgegengesetzte Wurfbewegung nacht. —Aus der +Verschiedenheit der Bestimmungen, deren Grund sie ist, erhellt, daß ein +Anderes zugleich erfordert wird, welches sie zum Grunde dieser oder +einer andern Bestimmung macht.-Wenn von der Natur gesagt wird, daß sie +der Grund der Welt ist, so ist das, was Natur genannt wird, einer Seits +eins mit der Welt, und die Welt nichts als die Natur selbst. Aber sie +sind auch unterschieden, so daß die Natur mehr das Unbestimmte, oder +wenigstens nur das in den allgemeinen Unterschieden, welche Gesetze +sind, bestimmte, mit sich identische Wesen der Welt ist, und zur Natur, +um Welt zu seyn, noch eine Mannigfaltigkeit von Bestimmungen äußerlich +hinzukommt. Diese aber haben ihren Grund nicht in der Natur als +solcher, sie ist vielmehr das gegen sie als Zufälligkeiten +Gleichgültige.—Es ist dasselbe Verhältniß, wenn Gott als Grund der +Natur bestimmt wird. Als Grund ist er ihr Wesen, sie enthält es in ihr +und ist ein identisches mit ihm; aber sie hat noch eine weitere +Mannigfaltigkeit, die von dem Grunde selbst unterschieden ist; sie ist +das Dritte, worin dieses beide Verschiedene verknüpft ist; jener Grund +ist weder Grund der von ihm verschiedenen Mannigfaltigkeit noch seiner +Verknüpfung mit ihr. Die Natur wird daher nicht aus Gott als dem Grunde +erkannt, denn so wäre er nur ihr allgemeines Wesen, der sie nicht, wie +sie bestimmtes Wesen und Natur ist, enthält. + +Das Angeben von realen Gründen wird also um dieser +Inhaltsverschiedenheit des Grundes oder eigentlich der Grundlage und +dessen, was mit ihm im Begründeten verbunden ist, ebenso sehr ein +Formalismus, als der formale Grund selbst. In diesem ist der mit sich +identische Inhalt gleichgültig gegen die Form; im realen Grunde findet +dieß gleichfalls Statt. Dadurch ist nun ferner der Fall, daß er es +nicht an ihm selbst enthält, welche der mannigfaltigen Bestimmungen als +die wesentliche genommen werden soll. Etwas ist ein Konkretes von +solchen mannigfaltigen Bestimmungen, die sich gleich beständig und +bleibend an ihm zeigen. Die eine kann daher so sehr wie die andere als +Grund bestimmt werden; nämlich als die wesentliche, in Vergleichung mit +welcher alsdann die andere nur ein Gesetztes sey. Es verbindet sich +damit das vorhin Erwähnte, daß, wenn eine Bestimmung vorhanden ist, die +in einem Falle als Grund einer andern angesehen wird, daraus nicht +folgt, daß diese andere in einem andern Falle oder überhaupt, mit ihr +gesetzt sey.—Die Strafe z.B. hat die mannigfaltigen Bestimmungen, daß +sie Wiedervergeltung, ferner abschreckendes Beispiel, daß sie ein vom +Gesetz zur Abschreckung Angedrohtes, auch ein den Verbrecher zur +Besinnung und Besserung Bringendes ist. Jede dieser verschiedenen +Bestimmungen ist als Grund der Strafe betrachtet worden, weil jede eine +wesentliche Bestimmung ist, und dadurch die anderen als von ihr +unterschieden, gegen sie nur als Zufälliges bestimmt werden. Diejenige +aber, die als Grund angenommen wird, ist noch nicht die ganze Strafe +selbst; dieses Konkrete enthält auch jene anderen, die mit ihr darin +nur verknüpft sind, ohne daß sie in ihr ihren Grund hätten.—Oder ein +Beamter hat Amts-Geschicklichkeit, steht als Individuum in +Verwandschaft, hat diese und jene Bekanntschaft, einen besondern +Charakter, war in diesen und jenen Umständen und Gelegenheiten, sich zu +zeigen, u.s.f. Es kann jede dieser Eigenschaften Grund seyn, oder als +solcher angesehen werden, daß er dieß Amt hat; sie sind ein +verschiedener Inhalt, der in einem Dritten verbunden ist; die Form, als +das Wesentliche und als das Gesetzte gegeneinander bestimmt zu seyn, +ist demselben äußerlich. Jede dieser Eigenschaften ist dem Beamten +wesentlich, weil er durch sie das bestimmte Individuum ist, welches er +ist; insofern das Amt als eine äußerliche gesetzte Bestimmung +betrachtet werden kann, kann jede gegen dieses als Grund bestimmt, aber +auch selbst umgekehrt können jene als gesetzte, und das Amt als Grund +derselben angesehen werden. Wie sie sich wirklich, d. h. im einzelnen +Fall, verhalten, dieß ist eine der Grundbeziehung und dem Inhalte +selbst, äußerliche Bestimmung; es ist ein Drittes, was ihnen die Form +von Grund und Begründetem ertheilt. + +So kann überhaupt jedes Daseyn mancherlei Gründe haben, jede seiner +Inhaltsbestimmungen durchdringt als mit sich identisch das konkrete +Ganze, und läßt sich daher als wesentlich betrachten; den mancherlei +Rüksichten d. h. Bestimmungen, die außer der Sache selbst liegen, ist +um der Zufälligkeit der Verknüpfungsweise Thür und Thor unendlich +aufgethan.—Ob ein Grund diese oder jene Folge habe, ist deswegen ebenso +zufällig. Die moralischen Beweggründe z.B. sind wesentliche +Bestimmungen der sittlichen Natur, aber das, was aus ihnen folgt, ist +zugleich eine von ihnen verschiedene Äußerlichkeit, die aus ihnen +folgt, und auch nicht folgt; erst durch ein Drittes kommt sie zu ihnen +hinzu. Genauer ist dieß so zu nehmen, daß es der moralischen +Bestimmung, wenn sie Grund ist, nicht zufällig sey, eine Folge oder ein +Begründetes zu haben, aber ob sie überhaupt zum Grund gemacht werde +oder nicht. Allein da auch wieder der Inhalt, der ihre Folge ist, wenn +sie zum Grund gemacht worden, die Natur der Äußerlichkeit hat, kann er +unmittelbar durch eine andere Äußerlichkeit aufgehoben werden. Aus +einem moralischen Beweggrunde kann also eine Handlung hervorgehen oder +auch nicht. Umgekehrt kann eine Handlung mancherlei Gründe haben; sie +enthält als ein Konkretes mannigfaltige wesentliche Bestimmungen, deren +jede deswegen als Grund angegeben werden kann. Das Aufsuchen und +Angeben von Gründen, worin vornemlich das Raisonnement besteht, ist +darum ein endloses Herumtreiben, das keine letzte Bestimmung enthält; +es kann von allem und jeden einer und mehrere gute Gründe angegeben +werden, so wie von seinem Entgegengesetzten, und es können eine Menge +Gründe vorhanden seyn, ohne daß aus ihnen etwas erfolgt. Was Sokrates +und Plato Sophisterei nennen, ist nichts anderes als das Raisonnement +aus Gründen; Plato setzt demselben die Betrachtung der Idee, d. h. der +Sache an und für sich selbst, oder in ihrem Begriffe entgegen. Die +Gründe sind nur von wesentlichen Inhaltsbestimmungen, Verhältnissen und +Rüksichten genommen, deren jede Sache, gerade wie auch ihr Gegentheil, +mehrere hat; in ihrer Form der Wesentlichkeit gilt die eine so gut als +die andere; weil sie nicht den ganzen Umfang der Sache enthält, ist sie +einseitiger Grund, deren die anderen besondern Seiten wieder besondere +haben, und wovon keiner die Sache, welche ihre Verknüpfung ausmacht und +sie alle enthält, erschöpft; keiner ist zureichender Grund, d. h. der +Begriff + +c. Der vollständige Grund. + +1. Im realen Grunde sind der Grund als Inhalt, und als Beziehung, nur +Grundlagen. Jener ist nur gesetzt als wesentlich und als Grund; die +Beziehung ist das Etwas des Begründeten, als das unbestimmte Substrat +eines verschiedenen Inhalts, eine Verknüpfung desselben, die nicht +seine eigne Reflexion, sondern eine äußerliche und somit nur eine +gesetzte ist. Die reale Grundbeziehung ist daher vielmehr der Grund als +aufgehobener; sie macht somit vielmehr die Seite des Begründeten oder +des Gesetztseyns aus. Als Gesetztseyn aber ist nun der Grund selbst in +seinen Grund zurückgegangen; er ist nun ein Begründetes, das einen +andern Grund hat. Dieser bestimmt sich hierdurch so, daß er erstlich +das mit dem realen Grunde als seinem Begründeten Identische ist; beide +Seiten haben nach dieser Bestimmung einen und denselben Inhalt; die +zwei Inhaltsbestimmungen und deren Verknüpfung im Etwas befinden sich +gleichfalls im neuen Grunde. Aber zweitens der neue Grund, in welchen +sich jene nur gesetzte äußerliche Verknüpfung aufgehoben hat, ist als +ihre Reflexion in sich die absolute Beziehung der zwei +Inhaltsbestimmungen. + +Dadurch daß der reale Grund selbst in seinen Grund zurückgegangen ist, +stellt sich an ihm die Identität des Grundes und Begründeten, oder der +formelle Grund wieder her. Die entstandene Grundbeziehung ist darum die +vollständige, die den formellen und realen Grund zugleich in sich +enthält und die im letztern gegen einander unmittelbaren +Inhaltsbestimmungen vermittelt. + +2. Die Grundbeziehung hat sich hiermit folgendermassen näher bestimmt. +Erstens Etwas hat einen Grund; es enthält die Inhaltsbestimmung, welche +der Grund ist, und noch eine zweite als durch ihn gesetzte. Aber als +gleichgültiger Inhalt, ist die eine nicht an ihr selbst Grund, die +andere nicht an ihr selbst das Begründete von jener, sondern diese +Beziehung ist in der Unmittelbarkeit des Inhalts als eine aufgehobene +oder gesetzte, und hat als solche in einer andern ihren Grund. Diese +zweite Beziehung als nur der Form nach unterschieden, hat denselben +Inhalt als die erstere, nämlich die beiden Inhaltsbestimmungen, ist +aber die unmittelbare Verknüpfung derselben. Indem jedoch das +Verknüpfte überhaupt verschiedener Inhalt, somit gegen einander +gleichgültige Bestimmung ist, ist sie nicht ihre wahrhaft absolute +Beziehung, daß die eine der Bestimmungen das im Gesetztseyn mit sich +Identische, die andere nur dieß Gesetztseyn desselben Identischen wäre; +sondern ein Etwas trägt sie und macht ihre nicht reflektirte, sondern +nur unmittelbare Beziehung aus, welche daher nur relativer Grund gegen +die Verknüpfung im andern Etwas ist. Die beiden Etwas sind also die +zwei unterschiedenen Beziehungen von Inhalt, die sich ergeben haben. +Sie stehen in der identischen Grundbeziehung der Form; sie sind ein und +derselbe ganze Inhalt, nämlich die zwei Inhaltsbestimmungen und deren +Beziehung; unterschieden sind sie nur durch die Art dieser Beziehung, +die in dem einen unmittelbare, in dem andern gesetzte Beziehung ist; +wodurch sich das eine von dem Andern nur der Form nach als Grund und +Begründetes unterscheidet.—Zweitens ist diese Grundbeziehung nicht nur +formell, sondern auch real. Der formelle Grund geht in den realen über, +wie sich gezeigt hat; die Momente der Form reflektiren sich in sich +selbst; sie sind ein selbstständiger Inhalt, und die Grundbeziehung +enthält auch einen eigenthümlichen Inhalt als Grund und einen als +Begründetes. Der Inhalt macht zuerst die unmittelbare Identität der +beiden Seiten des formellen Grundes aus, so haben sie einen und +denselben Inhalt. Aber er hat auch die Form an ihm selbst und ist so +gedoppelter Inhalt, der sich als Grund und Begründetes verhält. Die +eine der zwei Inhaltsbestimmungen der beiden Etwas ist daher bestimmt, +als ihnen nicht bloß gemeinschaftlich nach äußerer Vergleichung, +sondern ihr identisches Substrat und die Grundlage ihrer Beziehung zu +seyn. Gegen die andere Inhaltsbestimmung ist sie die wesentliche und +Grund derselben als der gesetzten, nämlich in dem Etwas, dessen +Beziehung die begründete ist. Im ersten Etwas, das die Grundbeziehung +ist, ist auch diese zweite InhaltsBestimmung unmittelbar und an sich +mit der ersten verknüpft. Das andere Etwas aber enthält nur die eine an +sich als das, worin es mit dem ersten Etwas unmittelbar identisch ist, +die andere aber als die in ihm gesetzte. Die erstere Inhaltsbestimmung +ist Grund derselben dadurch, daß sie in dem ersten Etwas ursprünglich +mit der andern Inhaltsbestimmung verknüpft ist. + +Die Grundbeziehung der Inhaltsbestimmungen im zweiten Etwas ist so +durch die erste an sich seyende Beziehung des ersten Etwas vermittelt. +Der Schluß ist, weil in einem Etwas die Bestimmung B mit der Bestimmung +A an sich verknüpft ist, so ist im zweiten Etwas, dem nur die eine +Bestimmung A unmittelbar zukommt, auch B damit verknüpft. Im zweiten +Etwas ist nicht nur diese zweite Bestimmung mittelbar, sondern auch daß +seine unmittelbare Grund ist, ist vermittelt, nämlich durch ihre +ursprüngliche Beziehung auf B im ersten Etwas. Diese Beziehung ist +somit Grund des Grundes A, und die ganze Grundbeziehung ist zweiten +Etwas als Gesetztes oder Begründetes. + +3. Der reale Grund zeigt sich als die sich äußerliche Reflexion des +Grundes; die vollständige Vermittelung desselben ist die +Wiederherstellung seiner Identität mit sich. Aber indem diese dadurch +zugleich die Äußerlichkeit des realen Grundes erhalten hat, so ist die +Formelle Grundbeziehung in dieser Einheit ihrer selbst und des realen +Grundes, ebenso sehr sich setzender als sich aufhebender Grund; die +Grundbeziehung vermittelt sich durch ihre Negation mit sich. Erstlich +ist der Grund als die ursprüngliche Beziehung, Beziehung von +unmittelbaren Inhaltsbestimmungen. Die Grundbeziehung hat als +wesentliche Form zu ihren Seiten solche, welche aufgehobene oder +Momente sind. Daher als Form unmittelbarer Bestimmungen ist sie die mit +sich identische Beziehung zugleich als Beziehung ihrer Negation; somit +ist sie Grund nicht an und für sich selbst, sondern als Beziehung auf +die aufgehobene Grundbeziehung.—Zweitens die aufgehobene Beziehung oder +das Unmittelbare, das in der ursprünglichen und der gesetzten Beziehung +die identische Grundlage ist, ist realer Grund gleichfalls nicht an und +für sich selbst, sondern es ist durch jene ursprüngliche Verknüpfung +gesetzt, daß es Grund sey.-Die Grundbeziehung in ihrer Totalität ist +somit wesentlich voraussetzende Reflexion; der formelle Grund setzt die +unmittelbare Inhaltsbestimmung voraus, und diese als realer Grund setzt +die Form voraus. Der Grund ist also die Form als unmittelbare +Verknüpfung; aber so daß sie sich von sich selbst abstößt, und die +Unmittelbarkeit vielmehr voraussetzt, sich darin auf sich als auf ein +Anderes bezieht. Dieses Unmittelbare ist die Inhaltsbestimmung, der +einfache Grund; aber er ist als dieß, nämlich als Grund, ebenso von +sich abgestoßen und bezieht sich auf sich gleichfalls als auf ein +Anderes.—So hat sich die totale Grundbeziehung zur bedingenden +Vermittlung bestimmt. + +C. Die Bedingung. + +a. Das relativ Unbedingte. + +1. Der Grund ist das Unmittelbare und das Begründete das Vermittelte. +Aber er ist setzende Reflexion, als solche macht er sich zum +Gesetztseyn, und ist voraussetzende Reflexion, so bezieht er sich auf +sich als auf ein Aufgehobenes, auf ein Unmittelbares, wodurch er selbst +vermittelt ist. Diese Vermittelung, als Fortgehen vom Unmittelbaren zum +Grunde, ist nicht eine äußere Reflexion, sondern, wie sich ergeben, das +eigne Thun des Grundes, oder was dasselbe ist, die Grundbeziehung ist +als Reflexion in die Identität mit sich ebenso wesentlich sich +entäußernde Reflexion. Das Unmittelbare, auf das der Grund sich als auf +seine wesentliche Voraussetzung bezieht, ist die Bedingung; der reale +Grund ist daher wesentlich bedingt. Die Bestimmtheit, die er enthält, +ist das Andersseyn seiner selbst. + +Die Bedingung ist also erstens ein unmittelbares, mannigfaltiges +Daseyn. Zweitens ist dieses Daseyn bezogen auf ein Anderes, auf etwas, +das Grund ist, nicht dieses Daseyns, sondern in anderer Rüksicht; denn +das Daseyn selbst ist unmittelbar und ohne Grund. Nach jener Beziehung +ist es ein Gesetztes; das unmittelbare Daseyn soll als Bedingung nicht +für sich, sondern für Anderes seyn. Aber zugleich ist dieß, daß es so +für Anderes ist, selbst nur ein Gesetztseyn; daß es ein Gesetztes ist, +ist in seiner Unmittelbarkeit aufgehoben, und ein Daseyn ist dagegen, +Bedingung zu seyn, gleichgültig. Drittens ist die Bedingung so ein +Unmittelbares, daß sie die Voraussetzung des Grundes ausmacht. Sie ist +in dieser Bestimmung die in die Identität mit sich zurückgegangene +Formbeziehung des Grundes, hiermit der Inhalt desselben. Aber der +Inhalt als solcher ist nur die gleichgültige Einheit des Grundes, als +in der Form; ohne Form kein Inhalt. Er befreit sich noch von derselben, +indem die Grundbeziehung im vollständigen Grunde zu einer gegen ihre +Identität äußerlichen Beziehung wird; wodurch der Inhalt die +Unmittelbarkeit erhält. Insofern daher die Bedingung das ist, worin die +Grundbeziehung ihre Identität mit sich hat, macht sie seinen Inhalt +aus; aber weil er das gegen diese Form Gleichgültige ist, ist er nur an +sich ihr Inhalt, ein solches, das erst Inhalt werden soll, hiermit das +Material für den Grund ausmacht. Als Bedingung gesetzt, hat das Daseyn +nach dem zweiten Momente die Bestimmung, seine gleichgültige +Unmittelbarkeit zu verlieren und Moment eines Andern zu werden. Durch +seine Unmittelbarkeit ist es gleichgültig gegen diese Beziehung; +insofern es aber in dieselbe tritt, macht es das Ansichseyn des Grundes +aus, und ist das Unbedingte für denselben. Um Bedingung zu seyn, hat es +am Grunde seine Voraussetzung, und ist selbst bedingt; aber diese +Bestimmung ist ihm äußerlich. + +2. Etwas ist nicht durch seine Bedingung; seine Bedingung ist nicht +sein Grund. Sie ist das Moment der unbedingten Unmittelbarkeit für den +Grund, aber ist nicht selbst die Bewegung und das Setzen, das sich +negativ auf sich bezieht, und sich zum Gesetztseyn macht. Der Bedingung +steht daher die Grundbeziehung gegenüber. Etwas hat außer seiner +Bedingung auch einen Grund.—Dieser ist die leere Bewegung der +Reflexion, weil sie die Unmittelbarkeit als ihre Voraussetzung außer +ihr hat. Sie ist aber die ganze Form und das selbstständige Vermitteln; +denn die Bedingung ist nicht ihr Grund. Indem dieses Vermitteln sich +als Setzen auf sich bezieht, ist es nach dieser Seite gleichfalls ein +Unmittelbares und Unbedingtes; es setzt sich zwar voraus, aber als +entäußertes oder aufgehobenes Setzen; das was es hingegen seiner +Bestimmung nach ist, ist es an und für sich selbst. —Insofern so die +Grundbeziehung selbstständige Beziehung auf sich ist und die Identität +der Reflexion an ihr selbst hat, hat sie einen eigenthümlichen Inhalt, +gegen den Inhalt der Bedingung. Jener ist Inhalt des Grundes und darum +wesentlich formirt; dieser hingegen ist nur unmittelbares Material, dem +die Beziehung auf den Grund zugleich ebenso äußerlich ist, als es auch +das Ansichseyn desselben ausmacht; es ist somit eine Vermischung von +selbstständigem Inhalt, der keine Beziehung auf den Inhalt der +Grundbestimmung hat, und von solchem, der in sie eingeht, und als ihr +Material, Moment derselben werden soll. + +3. Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also einer +Seits gleichgültige und unbedingte gegen einander; das eine als das +Unbezogene, dem die Beziehung, in welcher es Bedingung ist, äußerlich +ist; das andere als die Beziehung oder Form, für welche das bestimmte +Daseyn der Bedingung nur als Material ist, als ein Passives, dessen +Form, die es für sich an ihm hat, eine unwesentliche ist. Ferner sind +auch beide vermittelte. Die Bedingung ist das Ansichseyn des Grundes; +sie ist so sehr wesentliches Moment der Grundbeziehung, daß sie die +einfache Identität desselben mit sich ist. Aber dieß ist auch +aufgehoben; dieß Ansichseyn ist nur ein gesetztes; das unmittelbare +Daseyn ist gleichgültig dagegen Bedingung zu seyn. Daß die Bedingung +des Ansichseyns für den Grund ist, macht also ihre Seite aus, nach +welcher sie eine vermittelte ist. Ebenso die Grundbeziehung hat in +ihrer Selbstständigkeit, auch eine Voraussetzung, und ihr Ansichseyn +außer sich.—Somit ist jede der beiden Seiten der Widerspruch der +gleichgültigen Unmittelbarkeit und der wesentlichen Vermittelung, +Beides in Einer Beziehung;—oder der Widerspruch des selbstständigen +Bestehens und der Bestimmung, nur Moment zu seyn. + +b. Das absolute Unbedingte. + +Die beiden relativ-Unbedingten scheinen zunächst, jedes in das andere; +die Bedingung als Unmittelbares in die Formbeziehung des Grundes, und +diese in das unmittelbare Daseyn als sein Gesetztseyn; aber jedes ist +außer diesem Scheine seines Andern an ihm selbstständig und hat seinen +eigenthümlichen Inhalt. + +Zuerst ist die Bedingung unmittelbares Daseyn; seine Form hat die zwei +Momente, das Gesetztseyn, nach welchem es als Bedingung Material und +Moment des Grundes ist;—und das Ansichseyn, nach welchem es die +Wesentlichkeit des Grundes oder seine einfache Reflexion in sich +ausmacht. Beide Seiten der Form sind dem unmittelbaren Daseyn +äußerlich; denn es ist die aufgehobene Grundbeziehung.—Aber erstens ist +das Daseyn an ihm selbst nur dieß, in seiner Unmittelbarkeit sich +aufzuheben und zu Grunde zu gehen. Das Seyn ist überhaupt nur das +Werden zum Wesen; es ist seine wesentliche Natur sich zum Gesetzten und +zur Identität zu machen, die durch die Negation ihrer das Unmittelbare +ist. Die Formbestimmungen also, des Gesetztseyns und des mit sich +identischen Ansichseyns, die Form, wodurch das unmittelbare Daseyn +Bedingung ist, sind ihm daher nicht äußerlich, sondern es ist diese +Reflexion selbst. Zweitens, als Bedingung ist das Seyn nun auch als das +gesetzt, was es wesentlich ist; nämlich als Moment, somit eines Andern, +und zugleich als das Ansichseyn gleichfalls eines Andern; es ist an +sich aber nur durch die Negation seiner, nämlich durch den Grund und +durch dessen sich aufhebende und damit voraussetzende Reflexion; das +Ansichseyn des Seyns ist somit nur ein Gesetztes. Dieß Ansichseyn der +Bedingung hat die zwei Seiten, einer Seits ihre Wesentlichkeit als des +Grundes, anderer Seits aber die Unmittelbarkeit ihres Daseyns zu seyn. +Oder vielmehr Beides ist dasselbe. Das Daseyn ist ein Unmittelbares, +aber die Unmittelbarkeit ist wesentlich das Vermittelte, nämlich durch +den sich selbst aufhebenden Grund. Als diese durch das sich aufhebende +Vermitteln vermittelte Unmittelbarkeit ist es zugleich das Ansichseyn +des Grundes, und das Unbedingte desselben; aber dieß Ansichseyn ist +zugleich selbst wieder ebenso sehr nur Moment oder Gesetztseyn, denn es +ist vermittelt.—Die Bedingung ist daher die ganze Form der +Grundbeziehung; sie ist das vorausgesetzte Ansichseyn derselben, aber +damit selbst ein Gesetztseyn, und ihre Unmittelbarkeit dieß, sich zum +Gesetztseyn zu machen; sich somit von sich selbst so abzustoßen, daß +sie sowohl zu Grunde geht, als sie Grund ist, der sich zum Gesetztseyn +macht und hiermit auch zum Begründeten; und beides ist ein und +dasselbe. + +Ebenso ist an dem bedingten Grunde das Ansichseyn nicht nur als +Scheinen eines Andern an ihm. Er ist die selbstständige, das heißt, die +sich auf sich beziehende Reflexion des Setzens; und hiermit das mit +sich Identische, oder ist in ihm selbst sein Ansichseyn, und sein +Inhalt. Aber zugleich ist er voraussetzende Reflexion; er bezieht sich +negativ auf sich selbst, und setzt sich sein Ansichseyn als ihm Anderes +entgegen, und die Bedingung sowohl nach ihrem Momente des Ansichseyns +als des unmittelbaren Daseyns ist das eigene Moment der Grundbeziehung; +das unmittelbare Daseyn ist wesentlich nur durch seinen Grund, und ist +das Moment seiner als Voraussetzens. Dieser ist daher ebenso das Ganze +selbst. + +Es ist somit überhaupt nur Ein Ganzes der Form vorhanden; aber ebenso +sehr nur Ein Ganzes des Inhalts. Denn der eigenthümliche Inhalt der +Bedingung ist nur wesentlicher Inhalt, insofern er die Identität der +Reflexion mit sich in der Form, oder als dieß unmittelbare Daseyn an +ihm selbst die Grundbeziehung ist. Dieses ist ferner nur Bedingung +durch die voraussetzende Reflexion des Grundes; es ist dessen Identität +mit sich selbst, oder sein Inhalt, dem er sich gegenüber setzt. Das +Daseyn ist daher nicht bloß formloses Material für die Grundbeziehung, +sondern weil es an ihm selbst diese Form hat, ist es formirte Materie, +und als zugleich das in der Identität mit ihr gegen sie Gleichgültige +ist es Inhalt. Es ist endlich derselbe Inhalt, den der Grund hat, denn +es ist eben Inhalt als das in der Formbeziehung mit sich Identische. + +Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also Eine +wesentliche Einheit; sowohl als Inhalt, wie als Form. Sie gehen durch +sich selbst in einander über, oder indem sie Reflexionen sind, so +setzen sie sich selbst als aufgehobene, beziehen sich auf diese ihre +Negation und setzen sich gegenseitig voraus. Aber dieß ist zugleich nur +Eine Reflexion beider, ihr Voraussetzen daher auch nur eines; die +Gegenseitigkeit desselben geht vielmehr darein über, daß sie ihre Eine +Identität als ihr Bestehen und ihre Grundlage voraussetzen. Diese, der +eine Inhalt und Formeinheit beider, ist das wahrhaft Unbedingte; die +Sache an sich selbst.—Die Bedingung ist, wie sich oben ergeben hat, nur +das relativ-Unbedingte. Man pflegt sie daher selbst als ein Bedingtes +zu betrachten, und nach einer neuen Bedingung zu fragen, womit der +gewöhnliche Progreß ins Unendliche von Bedingung zu Bedingung +eingeleitet ist. Warum wird nun bei einer Bedingung nach einer neuen +Bedingung gefragt, das heißt, warum wird sie als Bedingtes angenommen? +Weil sie irgend ein endliches Daseyn ist. Aber dieß ist eine weitere +Bestimmung der Bedingung, die nicht in ihrem Begriffe liegt. Allein die +Bedingung als solche ist darum ein Bedingtes, weil sie das gesetzte +Ansichseyn ist; sie ist daher im absolut Unbedingten aufgehoben. + +Dieses nun enthält die beiden Seiten, die Bedingung und den Grund, als +seine Momente in sich; es ist die Einheit, in welche sie zurückgegangen +sind. Sie beide zusammen machen die Form oder das Gesetztseyn desselben +aus. Die unbedingte Sache ist Bedingung beider, aber die absolute, das +heißt, die Bedingung, welche selbst Grund ist. —Als Grund ist sie nun +die negative Identität, die sich in jene beiden Momente abgestoßen +hat;—erstens in die Gestalt der aufgehobenen Grundbeziehung, einer +unmittelbaren, einheitslosen, sich selbst äußerlichen Mannigfaltigkeit, +welche sich auf den Grund als ein ihr Anderes bezieht, und zugleich das +Ansichseyn desselben ausmacht; zweitens, in die Gestalt einer +innerlichen, einfachen Form, welche Grund ist, aber sich auf das mit +sich identische Unmittelbare als auf ein Anderes bezieht, und dasselbe +als Bedingung, d. h. dieß ihr Ansich als ihr eigenes Moment +bestimmt.—Diese beiden Seiten setzen die Totalität so voraus, daß sie +das Setzende derselben ist. Umgekehrt, weil sie die Totalität +voraussetzen, so scheint diese auch wieder durch jene bedingt zu seyn, +und die Sache aus ihrer Bedingung und aus ihrem Grunde zu entspringen. +Aber indem diese beiden Seiten sich als das Identische gezeigt haben, +so ist das Verhältniß von Bedingung und Grund verschwunden, sie sind zu +einem Scheine herabgesetzt; das absolut Unbedingte ist in seiner +Bewegung des Setzens und Voraussetzens, nur die Bewegung, in welcher +dieser Schein sich aufhebt. Es ist das Thun der Sache, sich zu +bedingen, und ihren Bedingungen sich als Grund gegenüber zu stellen; +ihre Beziehung als der Bedingungen und des Grundes ist aber ein +Scheinen in sich und ihr Verhalten zu ihnen ihr Zusammengehen mit sich +selbst. + +c. Hervorgang der Sache in die Existenz. + +Das absolut Unbedingte ist der absolute mit seiner Bedingung identische +Grund; die unmittelbare Sache, als die wahrhaft Wesenhafte. Als Grund +bezieht sie sich negativ auf sich selbst, macht sich zum Gesetztseyn, +aber zum Gesetztseyn, das die in ihren Seiten vollständige Reflexion, +und die in ihnen mit sich identische Formbeziehung ist, wie sich ihr +Begriff ergeben hat. Dieß Gesetztseyn ist daher erstlich der +aufgehobene Grund, die Sache als das Reflexionslose Unmittelbare; die +Seite der Bedingungen. Diese ist die Totalität der Bestimmungen der +Sache,—die Sache selbst, aber in die Äußerlichkeit des Seyns +hinausgeworfen; der wiederhergestellte Kreis des Seyns. In der +Bedingung entläßt das Wesen die Einheit seiner Reflexion-in-sich als +eine Unmittelbarkeit, die aber nunmehr die Bestimmung hat, bedingende +Voraussetzung zu seyn, und wesentlich nur eine seiner Seiten +auszumachen.—Die Bedingungen sind darum der ganze Inhalt der Sache, +weil sie das Unbedingte in der Form des formlosen Seyns sind. Sie haben +aber um dieser Form willen auch noch eine andere Gestalt, als die +Bestimmungen des Inhalts, wie er in der Sache als solcher ist. Sie +erscheinen als eine einheitslose Mannigfaltigkeit, vermischt mit +Außerwesentlichem und andern Umständen, die zu dem Kreise des Daseyns, +insofern es die Bedingungen dieser bestimmten Sache ausmacht, nicht +gehören.—Für die absolute uneingeschränkte Sache ist die Sphäre des +Seyns selbst die Bedingung. Der Grund, der in sich zurückgeht, setzt +sie als die erste Unmittelbarkeit, worauf er sich als auf sein +Unbedingtes bezieht. Diese Unmittelbarkeit als die aufgehobene +Reflexion, ist die Reflexion in dem Elemente des Seyns, das also sich +als solches zu einem Ganzen ausbildet; die Form wuchert als +Bestimmtheit des Seyns fort, und erscheint so als ein mannigfaltiger +von der Reflexions-Bestimmung verschiedener, und gegen sie +gleichgültiger Inhalt. + +Das Unwesentliche, welches die Sphäre des Seyns an ihr hat, und was +sie, insofern sie Bedingung ist, abstreift, ist die Bestimmtheit der +Unmittelbarkeit, in welche die Formeinheit versenkt ist. Diese +Formeinheit, als die Beziehung des Seyns, ist an ihm zunächst als das +Werden,—das Übergehen einer Bestimmtheit des Seyns in eine andere. Aber +das Werden des Seyns ist ferner Werden zum Wesen und das Zurückgehen in +den Grund. Das Daseyn also, welches die Bedingungen ausmacht, wird in +Wahrheit nicht von einem Andern als Bedingung bestimmt und als Material +gebraucht; sondern es macht sich durch sich selbst zum Moment eines +Andern.—Sein Werden ist ferner nicht ein Anfangen von sich als dem +wahrhaft Ersten und Unmittelbaren; sondern seine Unmittelbarkeit ist +nur das Vorausgesetzte; und die Bewegung seines Werdens ist das Thun +der Reflexion selbst. Die Wahrheit des Daseyns ist daher Bedingung zu +seyn; seine Unmittelbarkeit ist allein durch die Reflexion der +Grundbeziehung, welche sich selbst als aufgehobene setzt. Das Werden +ist somit, wie die Unmittelbarkeit nur der Schein des Unbedingten, +indem dieses sich selbst voraussetzt, und darin seine Form hat; und die +Unmittelbarkeit des Seyns ist daher wesentlich nur Moment der Form. + +Die andere Seite dieses Scheinens des Unbedingten ist die +Grundbeziehung als solche, als Form bestimmt gegen die Unmittelbarkeit +der Bedingungen und des Inhalts. Aber sie ist die Form der absoluten +Sache, welche die Einheit ihrer Form mit sich selbst oder ihren Inhalt +an ihr selbst hat, und indem sie ihn zur Bedingung bestimmt, in diesem +Setzen selbst seine Verschiedenheit aufhebt und ihn zum Momente macht; +so wie sie umgekehrt sich als wesenloser Form in dieser Identität mit +sich die Unmittelbarkeit des Bestehens gibt. Die Reflexion des Grundes +hebt die Unmittelbarkeit der Bedingungen auf, und bezieht sie zu +Momenten in der Einheit der Sache; aber die Bedingungen sind das von +der unbedingten Sache selbst Vorausgesetzte, sie hebt damit also ihr +eigenes Setzen auf; oder ihr Setzen macht sich somit unmittelbar selbst +ebenso sehr zum Werden. —Beides ist daher Eine Einheit; die Bewegung +der Bedingungen an ihnen selbst ist Werden, Zurückgehen in den Grund +und Setzen des Grundes; aber der Grund als gesetzter, das heißt als +aufgehobener, ist das Unmittelbare. Der Grund bezieht sich negativ auf +sich selbst, macht sich zum Gesetztseyn und begründet die Bedingungen; +aber darin, daß so das unmittelbare Daseyn als ein Gesetztes bestimmt +ist, liebt der Grund es auf und macht sich erst zum Grunde.—Diese +Reflexion also ist die Vermittelung der unbedingten Sache durch ihre +Negation mit sich. Oder vielmehr die Reflexion des Unbedingten ist +zuerst Voraussetzen, aber dieß Aufheben ihrer selbst ist unmittelbar +bestimmendes Setzen; zweitens ist sie darin unmittelbar Aufheben des +Vorausgesetzten und Bestimmen aus sich; somit ist dieß Bestimmen wieder +Aufheben des Setzens und ist das Werden an sich selbst. Darin ist die +Vermittelung als Rückehr zu sich durch die Negation, verschwunden; sie +ist einfache in sich scheinende Reflexion, und grundloses absolutes +Werden. Die Bewegung der Sache, durch ihre Bedingungen einer Seits und +anderer Seits durch ihren Grund gesetzt zu werden, ist nur das +Verschwinden des Scheins der Vermittelung. Das Gesetztwerden der Sache +ist hiermit ein Hervortreten, das einfache sich Herausstellen in die +Existenz; reine Bewegung der Sache zu sich selbst. + +Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden sind, so tritt sie in die +Existenz. Die Sache ist, eh sie existirt; und zwar ist sie erstens als +Wesen, oder als Unbedingtes; zweitens hat sie Daseyn, oder ist +bestimmt, und dieß auf die betrachtete gedoppelte Weise, einer Seits in +ihren Bedingungen, anderer Seits in ihrem Grunde. In jenen hat sie sich +die Form des äußerlichen, grundlosen Seyns gegeben, weil sie als +absolute Reflexion die negative Beziehung auf sich ist und sich zu +ihrer Voraussetzung macht. Dieß voraus gesetzte Unbedingte ist daher +das grundlose Unmittelbare, dessen Seyn nichts ist, denn als Grundloses +da zu seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden sind, das +heißt, wenn die Totalität der Sache als grundloses Unmittelbares +gesetzt ist, so erinnert sich diese zerstreute Mannigfaltigkeit an ihr +selbst.—Die ganze Sache muß in ihren Bedingungen da seyn, oder es +gehören alle Bedingungen zu ihrer Existenz; denn Alle machen die +Reflexion aus; oder das Daseyn, weil es Bedingung ist, ist durch die +Form bestimmt, seine Bestimmungen sind daher Reflexions-Bestimmungen +und mit einer wesentlich die andern gesetzt.—Die Erinnerung der +Bedingungen ist zunächst das zu Grunde gehen des unmittelbaren Daseyns, +und das Werden des Grundes. Aber damit ist der Grund ein gesetzter, d. +h. er ist, so sehr er als Grund ist, so sehr als Grund aufgehoben, und +unmittelbares Seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden +sind, so heben sie sich als unmittelbares Daseyn und Voraussetzung und +ebenso sehr hebt sich der Grund auf. Der Grund zeigt sich nur, als ein +Schein, der unmittelbar verschwindet; dieß Hervortreten ist somit die +tautologische Bewegung der Sache zu sich, und ihre Vermittelung durch +die Bedingungen und durch den Grund ist das Verschwinden beider. Das +Hervortreten in die Existenz ist daher so unmittelbar, daß es nur durch +das Verschwinden der Vermittelung vermittelt ist. + +Die Sache geht aus dem Grunde hervor. Sie wird nicht durch ihn so +begründet oder gesetzt, daß er noch unten bliebe, sondern das Setzen +ist die Herausbewegung des Grundes zu sich selbst, und das einfache +Verschwinden desselben. Er erhält durch die Vereinigung mit den +Bedingungen die äußerliche Unmittelbarkeit und das Moment des Seyns. +Aber er erhält sie nicht als ein Äußerliches noch durch eine äußerliche +Beziehung; sondern als Grund macht er sich zum Gesetztseyn, seine +einfache Wesentlichkeit geht im Gesetztseyn mit sich zusammen, und ist +in diesem Aufheben seiner selbst das Verschwinden seines Unterschiedes +von seinem Gesetztseyn, somit einfache wesentliche Unmittelbarkeit. Er +bleibt also nicht als ein Verschiedenes vom Begründeten zurück, sondern +die Wahrheit des Begründens ist, daß der Grund darin mit sich selbst +sich vereint und somit seine Reflexion in Anderes, seine Reflexion in +sich selbst ist. Die Sache ist hiermit ebenso, wie sie das Unbedingte +ist, auch das Grundlose, und tritt aus dem Grunde nur insofern er zu +Grunde gegangen und keiner ist, aus dem Grundlosen, d. h. aus der +eigenen wesentlichen Negativität oder reinen Form hervor. + +Diese durch Grund und Bedingung vermittelte, und durch das Aufheben der +Vermittelung mit sich identische Unmittelbarkeit ist die Existenz. + + + + +Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung. + + +Das Wesen muß erscheinen. + +Das Seyn ist die absolute Abstraktion; diese Negativität ist ihm nicht +ein Äußerliches, sondern es ist Seyn und sonst nichts als Seyn, nur als +diese absolute Negativität. Um derselben willen ist Seyn nur als sich +aufhebendes Seyn, und ist Wesen. Das Wesen aber ist als die einfache +Gleichheit mit sich umgekehrt ebenfalls Seyn. Die Lehre vom Seyn +enthält den ersten Satz: Das Seyn ist Wesen. Der zweite Satz: Das Wesen +ist Seyn, macht den Inhalt des ersten Abschnittes der Lehre vom Wesen +aus. Dieses Seyn aber, zu dem das Wesen sich macht, ist das wesentliche +Seyn, die Existenz; ein Herausgegangenseyn aus der Negativität und +Innerlichkeit. + +So erscheint das Wesen. Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in +ihm selbst. Die Bestimmungen derselben sind in die Einheit +eingeschlossen schlechthin nur als gesetzte, aufgehobene; oder sie ist +das in seinem Gesetztseyn unmittelbar mit sich identische Wesen. Indem +dieses aber Grund ist, bestimmt es sich real, durch seine sich selbst +aufhebende oder in sich zurückkehrende Reflexion; indem weiter diese +Bestimmung oder das Andersseyn der Grundbeziehung sich in der Reflexion +des Grundes aufhebt und Existenz wird, so haben die Formbestimmungen +hieran ein Element des selbstständigen Bestehens. Ihr Schein +vervollständigt sich zur Erscheinung. + +Die zur Unmittelbarkeit fortgegangene Wesenheit ist zunächst Existenz, +und Existirendes oder Ding; als ununterschiedne Einheit des Wesens mit +seiner Unmittelbarkeit. Das Ding enthält zwar die Reflexion, aber ihre +Negativität ist in seiner Unmittelbarkeit zunächst erloschen; allein +weil sein Grund wesentlich die Reflexion ist, hebt sich seine +Unmittelbarkeit auf; es macht sich zu einem Gesetztseyn. + +So ist es zweitens Erscheinung. Die Erscheinung ist das, was das Ding +an sich ist, oder seine Wahrheit. Diese nur gesetzte, in das Andersseyn +reflektirte Existenz ist aber ebenso das Hinausgehen über sich in ihre +Unendlichkeit; der Welt der Erscheinung stellt sich die in sich +reflektirte, an sich seyende Welt gegenüber. Aber das erscheinende und +das wesentliche Seyn stehen schlechthin in Beziehung auf einander. So +ist die Existenz drittens wesendiches Verhältniß; das Erscheinende +zeigt das Wesentliche, und dieses ist in seiner Erscheinung.—Das +Verhältniß ist die noch unvollkommene Vereinigung der Reflexion in das +Andersseyn und der Reflexion in sich; die vollkommene Durchdringung +beider ist die Wirklichkeit. + + + + +Erstes Kapitel. Die Existenz. + + +Wie der Satz des Grundes ausdrückt: Alles was ist, hat einen Grund, +oder ist ein Gesetztes, ein Vermitteltes; so müßte auch ein Satz der +Existenz aufgestellt und so ausgedrückt werden: Alles, was ist, +existirt. Die Wahrheit des Seyns ist, nicht ein erstes Unmittelbares, +sondern das in die Unmittelbarkeit hervorgegangene Wesen zu seyn. + +Wenn aber ferner auch gesagt wurde, was existirt, hat einen Grund und +ist bedingt, so müßte auch ebenso gesagt werden: es hat keinen Grund +und ist unbedingt. Denn die Existenz ist die aus dem Aufheben der durch +Grund und Bedingung beziehenden Vermittelung hervorgegangene +Unmittelbarkeit, die im Hervorgehen eben dieß Hervorgehen selbst +aufhebt. + +Insofern die Beweise von der Existenz Gottes hier erwähnt werden +können, ist zum voraus zu erinnern, daß es außer dem unmittelbaren Seyn +erstens, und zweitens der Existenz, dem Seyn, das aus dem Wesen +hervorgeht, noch ein ferneres Seyn gibt, welches aus dem Begriffe +hervorgeht, die Objektivität.—Das Beweisen ist überhaupt die +vermittelte Erkenntniß. Die verschiedenen Arten des Seyns fordern oder +enthalten ihre eigene Art der Vermittelung; so wird auch die Natur des +Beweisens in Ansehung einer jeden verschieden. Der ontologische Beweis +will vom Begriffe ausgehen; er legt den Inbegriff aller Realitäten zu +Grunde, und subsumirt alsdann auch die Existenz unter die Realität. Er +ist also die Vermittelung, welche Schluß ist, und die hier noch nicht +zu betrachten ist. Es ist bereits oben (I. Th. I. Abth. S. 27.ff.) auf +das, was Kant hiergegen erinnert, Rüksicht genommen und bemerkt worden, +daß Kant unter Existenz das bestimmte Daseyn versteht, wodurch etwas in +den Kontext der gesammten Erfahrung, d. h. in die Bestimmung eines +Andersseyns und in die Beziehung auf Anderes tritt. So ist als +Existirendes Etwas vermittelt durch Anderes, und die Existenz überhaupt +die Seite seiner Vermittelung. Nun liegt in dem, was Kant den Begriff +nennt, nämlich in Etwas, insofern es als nur einfach auf sich bezogen +genommen wird, oder in der Vorstellung als solcher, nicht seine +Vermittelung; in der abstrakten Identität mit sich ist die +Entgegensetzung weggelassen. Der ontologische Beweis hätte nun +darzustellen, daß der absolute Begriff, nämlich der Begriff Gottes, zum +bestimmten Daseyn, zur Vermittelung komme, oder wie das einfache Wesen +sich mit der Vermittelung vermittle. Dieß geschieht durch die +angegebene Subsumtion der Existenz unter ihr Allgemeines, nämlich die +Realität, welche als das Mittlere zwischen Gott in seinem Begriffe +einer Seits, und zwischen der Existenz anderer Seits angenommen +wird.—Von dieser Vermittelung, insofern sie die Form des Schlusses hat, +ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. Wie aber jene Vermittelung des +Wesens mit der Existenz in Wahrheit beschaffen ist, dieß hat die +bisherige Darstellung enthalten. Die Natur des Beweisens selbst ist in +der Lehre von der Erkenntniß zu betrachten. Hier ist nur anzugeben, was +sich auf die Natur der Vermittelung überhaupt bezieht. + +Die Beweise vom Daseyn Gottes geben einen Grund für dieses Daseyn an. + +Er soll nicht ein objektiver Grund des Daseyns Gottes seyn; denn dieses +ist an und für sich selbst. So ist er bloß ein Grund für die +Erkenntniß. Damit giebt er sich zugleich für ein solches aus, das in +dem Gegenstande, der zunächst als begründet dadurch erscheint, +verschwindet. Der Grund nun, der von der Zufälligkeit der Welt +hergenommen ist, enthält den Rükgang derselben in das absolute Wesen; +denn das Zufällige ist das an sich selbst Grundlose, und sich +Aufhebende. Das absolute Wesen geht somit in dieser Weise in der That +aus dem Grundlosen hervor; der Grund hebt sich selbst auf, somit +verschwindet auch der Schein des Verhältnisses, das Gott gegeben wurde, +ein in einem Andern Begründetes zu seyn. Diese Vermittelung ist hiermit +die wahrhafte. Allein jene beweisende Reflexion kennt diese Natur ihrer +Vermittelung nicht; sie nimmt sich einer Seits für ein bloß +Subjektives, und entfernt hiermit ihre Vermittlung von Gott selbst, +andern Theils aber erkennt sie deswegen nicht die vermittelnde +Bewegung, daß und wie sie im Wesen selbst ist. Ihr wahrhaftes +Verhältniß besteht darin, daß sie Beides in Einem ist, die Vermittelung +als solche, aber zugleich allerdings eine Subjektive, äußerliche +nämlich die sich äußerliche Vermittelung, welche sich an ihr selbst +wieder aufhebt. In jener Darstellung aber erhält die Existenz das +schiefe Verhältniß, nur als Vermitteltes oder Gesetztes zu erscheinen. + +So kann auf der andern Seite die Existenz auch nicht bloß als +Unmittelbares betrachtet werden. In der Bestimmung einer +Unmittelbarkeit genommen, ist das Auffassen der Existenz Gottes, für +etwas Unbeweisbares, und das Wissen von ihr als ein nur unmittelbares +Bewußtseyn, als ein Glauben ausgedrückt worden. Das Wissen soll zu +diesem Resultate kommen, daß es Nichts weiß, das heißt, daß es seine +vermittelnde Bewegung und die in ihr vorkommenden Bestimmungen selbst +wieder aufgiebt. Dieß hat sich auch im Vorhergehenden ergeben; allein +es ist hinzuzusetzen, daß die Reflexion, indem sie mit dem Aufheben +ihrer selbst endigt, darum nicht das Nichts zum Resultat hat, so daß +nun das positive Wissen vom Wesen als unmittelbare Beziehung auf +dasselbe, von jenem Resultate getrennt und ein eigenes Hervorgehen, ein +nur von sich anfangender Akt wäre; sondern dieß Ende selbst, dieß zu +Grunde gehen der Vermittlung, ist zugleich der Grund, aus dem das +Unmittelbare hervorgeht. Die Sprache vereinigt, wie oben bemerkt, die +Bedeutung dieses Untergangs und des Grundes; man sagt, das Wesen Gottes +sey der Abgrund für die endliche Vernunft. Er ist es in der That, +insofern sie darin ihre Endlichkeit aufgibt und ihre vermittelnde +Bewegung versenkt; aber dieser Abgrund, der negative Grund, ist +zugleich der positive des Hervorgehens des Seyenden, des an sich selbst +unmittelbaren Wesens; die Vermittelung ist wesentliches Moment. Die +Vermittelung durch den Grund hebt sich auf, läßt aber nicht den Grund +unten, so daß das aus ihm Hervorgehende, ein Gesetztes wäre, das sein +Wesen anderswo nämlich im Grunde hätte, sondern dieser Grund ist als +Abgrund, die verschwundene Vermittelung; und umgekehrt ist nur die +verschwundene Vermittelung zugleich der Grund, und nur durch diese +Negation das sich selbst Gleiche und Unmittelbare. + +So ist die Existenz hier nicht als ein Prädikat oder als Bestimmung des +Wesens zu nehmen, daß ein Satz davon hieße: Das Wesen existirt, oder +hat Existenz;—sondern das Wesen ist in die Existenz übergegangen; die +Existenz ist seine absolute Entäußerung, jenseits deren es nicht +zurückgeblieben ist. Der Satz also hieße: Das Wesen ist die Existenz; +es ist nicht von seiner Existenz unterschieden. —Das Wesen ist in die +Existenz übergegangen, insofern das Wesen als Grund sich von sich als +dem Begründeten nicht mehr nnterscheidet, oder jener Grund sich +aufgehoben hat. Aber diese Negation ist ebenso wesentlich seine +Position, oder schlechthin positive Kontinuität mit sich selbst; die +Existenz ist die Reflexion des Grundes in sich; seine in seiner +Negation zu Stande gekommene Identität mit sich selbst, also die +Vermittelung, die sich mit sich identisch gesetzt hat, und dadurch +Unmittelbarkeit ist. + +Weil nun die Existenz wesentlich die mit sich identische Vermittelung +ist, so hat sie die Bestimmungen der Vermittelung an ihr, aber so daß +sie zugleich in sich reflektirte sind, und das wesentliche und +unmittelbare Bestehen haben. Als die durch Aufheben sich setzende +Unmittelbarkeit ist die Existenz negative Einheit und Insichseyn; sie +bestimmt sich daher unmittelbar als ein Existirendes und als Ding. + +A. Das Ding und seine Eigenschaften. + +Die Existenz als Existirendes ist gesetzt in der Form der negativen +Einheit, welche sie wesentlich ist. Aber diese negative Einheit ist +zunächst nur unmittelbare Bestimmung, somit das Eins des Etwas +überhaupt. Das existirende Etwas ist aber unterschieden von dem +seyenden Etwas. Jenes ist wesentlich eine solche Unmittelbarkeit, die +durch die Reflexion der Vermittelung in sich selbst entstanden ist. So +ist das existirende Etwas ein Ding. + +Das Ding wird von seiner Existenz unterschieden, wie das Etwas von +seinem Seyn unterschieden werden kann. Das Ding und das Existirende ist +unmittelbar eins und dasselbe. Aber weil die Existenz nicht die erste +Unmittelbarkeit des Seyns ist, sondern das Moment der Vermittelung an +ihr selbst hat, so ist ihre Bestimmung zum Dinge und die Unterscheidung +beider nicht ein Übergang, sondern eigentlich eine Analyse; und die +Existenz als solche enthält diese Unterscheidung selbst in dem Momente +ihrer Vermittelung; den Unterschied von Ding-an-sich, und von +äußerlicher Existenz. + +a. Ding an sich und Existenz. + +1. Das Ding an sich ist das Existirende als das durch die aufgehobene +Vermittelung vorhandene, wesentliche Unmittelbare. Darin ist dem Ding +an sich die Vermittelung ebenso wesentlich; aber dieser Unterschied in +dieser ersten oder unmittelbaren Existenz, fällt in gleichgültige +Bestimmungen auseinander. Die eine Seite, nämlich die Vermittelung des +Dinges ist seine nicht reflektirte Unmittelbarkeit; also sein Seyn +überhaupt, das, weil es zugleich als Vermittelung bestimmt ist, ein +sich selbst anderes, in sich mannigfaltiges und äußerliches Daseyn ist. +Es ist aber nicht nur Daseyn, sondern in Beziehung auf die aufgehobene +Vermittelung und wesentliche Unmittelbarkeit; es ist daher das Daseyn +als Unwesentliches, als Gesetztseyn.—(Wenn das Ding von seiner Existenz +unterschieden wird, so ist es das Mögliche, das Ding der Vorstellung, +oder das Gedankending, welches als solches nicht zugleich existiren +soll. Die Bestimmung der Möglichkeit und der Gegensatz des Dings gegen +seine Existenz ist jedoch später.)—Aber das Ding-an-sich und sein +vermitteltes Seyn sind beide in der Existenz enthalten, und beide +selbst Existenzen; das Ding-an-sich existirt, und ist die wesentliche, +das vermittelte Seyn aber die unwesentliche Existenz des Dinges. + +Das Ding an sich, als das einfache Reflektirt-seyn der Existenz in +sich, ist nicht der Grund des unwesentlichen Daseyns; es ist die +unbewegte, unbestimmte Einheit, weil es eben die Bestimmung hat, die +aufgehobene Vermittelung zu seyn, und daher nur die Grundlage +desselben. Darum fällt auch die Reflexion als das sich durch anderes +vermittelnde Daseyn außer dem Dinge-an-sich. Dieses soll keine +bestimmte Mannigfaltigkeit an ihm selbst haben; und erhält sie deswegen +erst an die äußerliche Reflexion gebracht; aber bleibt gleichgültig +dagegen. (—Das Ding-an-sich hat Farbe erst an das Auge gebracht, +Geschmack an die Nase u.s.f.) Seine Verschiedenheit sind Rüksichten, +welche ein Andres nimmt, bestimmte Beziehungen, die sich dieses auf das +Ding-an-sich gibt, und die nicht eigene Bestimmungen desselben sind. + +2. Dieß Andere ist nun die Reflexion, welche bestimmt als äußerlich +erstens sich selbst äußerlich, und die bestimmte Mannigfaltigkeit ist. +Alsdann ist sie dem wesentlich Existirenden äußerlich, und bezieht sich +darauf als auf seine absolute Voraussetzung. Diese beiden Momente der +äußerlichen Reflexion aber, ihre eigene Mannigfaltigkeit und ihre +Beziehung auf das ihr andere Ding-an-sich, sind ein und dasselbe. Denn +diese Existenz ist nur äußerlich, insofern sie sich auf die wesentliche +Identität als auf ein Anderes bezieht. Die Mannigfaltigkeit hat daher +nicht jenseits des Dinges-an-sich ein eigenes selbstständiges Bestehen, +sondern ist erst als Schein gegen dieses, in ihrer nothwendigen +Beziehung darauf, als der sich an ihm brechende Reflex. Die +Verschiedenheit ist also vorhanden, als die Beziehung eines Andern auf +das Ding-an-sich; aber dieses Andere ist nichts für sich Bestehendes, +sondern ist erst als Beziehung auf das Ding-an-sich; zugleich aber ist +es nur als das Abstoßen von diesem; es ist so der haltlose Gegenstoß +seiner in sich selbst. + +Dem Ding-an-sich nun, da es die wesentliche Identität der Existenz ist, +kommt daher diese wesenlose Reflexion nicht zu, sondern sie fällt ihm +äußerlich in sich selbst zusammen. Sie geht zu Grunde, und wird damit +selbst zur wesentlichen Identität oder zum Ding-an-sich. —Dieß kann +auch so betrachtet werden: Die wesenlose Existenz hat am Ding-an-sich +ihre Reflexion in sich; sie bezieht sich dar-auf zunächst als auf ihr +Anderes; aber als das Andre gegen das, was an sich ist, ist sie nur das +Aufheben ihrer selbst, und das Werden zum An- sich-seyn. Das +Ding-an-sich ist somit identisch mit der äußerlichen Existenz. + +Dieß stellt sich am Ding-an-sich so dar. Das Ding-an-sich ist die sich +auf sich beziehende, wesentliche Existenz; es ist nur insofern die +Identität mit sich, als es die Negativität der Reflexion in sich selbst +enthält; das was als ihm äußerliche Existenz erschien, ist daher Moment +in ihm selbst. Es ist deswegen auch sich von sich abstoßendes +Ding-an-sich, das sich also zu sich als zu einem Andern verhält. Somit +sind nun mehrere Dinge-an-sich vorhanden, die in der Beziehung der +äußerlichen Reflexion auf einander stehen. Diese unwesentliche Existenz +ist ihr Verhältniß zu einander als zu anderen; aber sie ist ihnen +ferner selbst wesentlich—oder diese unwesentliche Existenz, indem sie +in sich zusammenfällt, ist Ding-an-sich; aber ein anderes, als jenes +erste; denn jenes erste ist unmittelbare Wesentlichkeit, dieses aber +das aus der unwesentlichen Existenz hervorgehende. Allein dieses andere +Ding-an-sich ist nur ein Anderes überhaupt; denn als mit sich +identisches Ding hat es weiter keine Bestimmtheit gegen das erste; es +ist die Reflexion der unwesentlichen Existenz in sich wie das erste. +Die Bestimmtheit der verschiedenen Dinge-an-sich gegen einander fällt +daher in die äußerliche Reflexion. + +3. Diese äußerliche Reflexion ist nunmehr ein Verhalten der +Dinge-an-sich zu einander, ihre gegenseitige Vermittelung als anderer. +Die Dinge-an-sich sind so die Extreme eines Schlusses, dessen Mitte +ihre äußerliche Existenz ausmacht, die Existenz, durch welche sie +andere für einander und unterschiedene sind. Dieser ihr Unterschied +fällt nur in ihre Beziehung; sie schicken gleichsam nur von ihrer +Oberfläche Bestimmungen in die Beziehung, gegen welche sie als absolut +in sich reflektirte gleichgültig bleiben.—Dieses Verhältniß macht nun +die Totalität der Existenz aus. Das Ding-an-sich steht in Beziehung auf +eine ihm äußerliche Reflexion, worin es mannigfaltige Bestimmungen hat; +es ist dieß das Abstoßen seiner von sich selbst in ein anderes +Ding-an-sich; dieß Abstoßen ist der Gegenstoß seiner in sich selbst, +indem jedes nur ein Anderes ist als sich aus dem Andern +wiederscheinend; es hat sein Gesetztseyn nicht an ihm selbst, sondern +an dem Andern, ist bestimmt nur durch die Bestimmtheit des Andern; dieß +Andere ist ebenso bestimmt nur durch die Bestimmtheit des ersten. Aber +die beiden Dinge-an-sich, da sie hiermit nicht die Verschiedenheit an +ihnen selbst haben, sondern jedes nur an dem andern, sind keine +unterschiedene; das Ding-an-sich verhält sich, indem es sich auf das +andere Extrem als ein anderes Ding-an-sich verhalten soll, zu einem von +ihm Ununterschiedenen, und die äußerliche Reflexion, welche die +vermittelnde Beziehung zwischen Extremen ausmachen sollte, ist ein +Verhalten des Dings-an-sich nur zu sich selbst, oder wesentlich seine +Reflexion in sich; sie ist somit an sich seyende Bestimmtheit, oder die +Bestimmtheit des Dings-an-sich. Dieses hat dieselbe also nicht in einer +ihm äußerlichen Beziehung auf ein anderes Ding-an-sich, und des Anderen +auf es; die Bestimmtheit ist nicht nur eine Oberfläche desselben, +sondern ist die wesentliche Vermittelung seiner mit sich als mit einem +Andern.—Die beiden Dinge-an-sich, welche die Extreme der Beziehung +ausmachen sollen, indem sie an sich keine Bestimmtheit gegen einander +haben sollen, fallen in der That in eins zusammen; es ist nur Ein +Ding-an-sich, das in der äußerlichen Reflexion sich zu sich selbst +verhält, und es ist dessen eigene Beziehung auf sich als auf ein +Anderes, was dessen Bestimmtheit ausmacht. + +Diese Bestimmtheit des Dings-an-sich ist die Eigenschaft des Dings. + +b. Die Eigenschaft. + +Die Qualität ist die unmittelbare Bestimmtheit des Etwas; das Negative +selbst, wodurch das Seyn Etwas ist. So ist die Eigenschaft des Dings +die Negativität der Reflexion, wodurch die Existenz überhaupt ein +Existirendes, und als einfache Identität mit sich, Ding-an-sich ist. +Die Negativität der Reflexion, die aufgehobene Vermittelung, ist aber +wesentlich selbst Vermittelung, und Beziehung, nicht auf ein Anderes +überhaupt, wie die Qualität als die nicht reflektirte Bestimmtheit; +sondern Beziehung auf sich als auf ein Anderes; oder Vermittelung, die +unmittelbar ebenso sehr Identität mit sich ist. Das abstrakte Ding +an-sich ist selbst dieß aus anderem in sich zurückkehrende Verhalten; +es ist dadurch an sich selbst bestimmt; aber seine Bestimmtheit ist +Beschaffenheit, die als solche selbst Bestimmung ist, und als Verhalten +zu Anderem nicht in das Andersseyn übergeht und der Veränderung +entnommen ist. + +Ein Ding hat Eigenschaften; sie sind erstlich seine bestimmten +Beziehungen auf Anderes; die Eigenschaft ist nur vorhanden als eine +Weise des Verhaltens zu einander; sie ist daher die äußerliche +Reflexion, und die Seite des Gesetztseyns des Dings. Aber zweitens ist +das Ding in diesem Gesetztseyn an sich; es erhält sich, in der +Beziehung auf Anderes; es ist also allerdings nur eine Oberfläche, mit +der die Existenz sich dem Werden des Seyns und der Veränderung +preisgibt; die Eigenschaft verliert sich darin nicht. Ein Ding hat die +Eigenschaft, dieß oder jenes im Andern zu bewirken und auf eine +eigenthümliche Weise sich in seiner Beziehung zu äußern. Es beweist +diese Eigenschaft nur unter der Bedingung einer entsprechenden +Beschaffenheit des andern Dinges, aber sie ist ihm zugleich +eigenthümlich und seine mit sich identische Grundlage;—diese +reflektirte Qualität heißt darum Eigenschaft. Es geht darin in eine +Äußerlichkeit über, aber die Eigenschaft erhält sich darin. Das Ding +wird durch seine Eigenschaften Ursache, und die Ursache ist dieß, als +Wirkung sich zu erhalten. Jedoch ist hier das Ding nur erst das ruhige +Ding von vielen Eigenschaften; noch nicht als wirkliche Ursache +bestimmt; es ist nur erst die ansichseyende, noch nicht selbst die +setzende Reflexion seiner Bestimmungen. + +Das Ding-an-sich ist also, wie sich ergeben hat, wesentlich nicht nur +so Ding-an-sich, daß seine Eigenschaften Gesetztseyn einer äußerlichen +Reflexion sind, sondern sie sind seine eigenen Bestimmungen, durch die +es sich auf bestimmte Weise verhält; es ist nicht eine jenseits seiner +äußerlichen Existenz befindliche bestimmungslose Grundlage; sondern ist +in seinen Eigenschaften, als Grund vorhanden, das heißt, die Identität +mit sich in seinem Gesetztseyn; aber zugleich als bedingter Grund; das +heißt, sein Gesetztseyn ist ebenso sehr sich äußerliche Reflexion; es +ist nur insofern in sich reflektirt und an sich, insofern es äußerlich +ist. —Durch die Existenz tritt das Ding-an-sich in äußerliche +Beziehungen; und die Existenz besteht in dieser Äußerlichkeit; sie ist +die Unmittelbarkeit des Seyns, und das Ding dadurch der Veränderung +unterworfen; aber sie ist auch die reflektirte Unmittelbarkeit des +Grundes, das Ding somit an sich in seiner Veränderung.—Diese Erwähnung +der Grundbeziehung ist jedoch hier nicht so zu nehmen, daß das Ding +überhaupt als Grund seiner Eigenschaften bestimmt sey; die Dingheit +selbst ist als solche die Grundbestimmung, die Eigenschaft ist nicht +von ihrem Grunde unterschieden, noch macht sie bloß das Gesetztseyn +aus, sondern ist der in seine Äußerlichkeit übergegangene, und damit +wahrhaft in sich reflektirte Grund; die Eigenschaft selbst als solche +ist der Grund, an sich seyendes Gesetztseyn, oder er macht die Form +ihrer Identität mit sich aus; ihre Bestimmtheit ist die sich äußerliche +Reflexion des Grundes; und das Ganze der in seinem Abstoßen und +Bestimmen, in seiner äußerlichen Unmittelbarkeit sich auf sich +beziehende Grund.—Das Ding-an-sich existirt also wesentlich, und daß es +existirt, heißt umgekehrt, die Existenz ist als äußerliche +Unmittelbarkeit zugleich Ansichseyn. + +Anmerkung. + +Es ist schon oben (1r Thl. 1e Abth. S. 127) bei dem Momente des +Daseyns, dem Ansichseyn, des Dings-an-sich erwähnt, und dabei bemerkt +worden, daß das Ding-an-sich als solches, nichts anderes, als die leere +Abstraktion von aller Bestimmtheit ist, von dem man allerdings nichts +wissen kann, eben darum weil es die Abstraktion von aller Bestimmung +seyn soll.—Nachdem so das Ding-an-sich als das Unbestimmte +vorausgesetzt wird, so fällt alle Bestimmung außerhalb desselben, in +eine ihm fremde Reflexion, gegen welche es gleichgültig ist. Dem +transcendentalen Idealismus ist diese äußerliche Reflexion das +Bewußtseyn. Indem dieses philosophische System alle Bestimmtheit der +Dinge sowohl der Form als dem Inhalte nach in das Bewußtseyn verlegt, +so fällt es nach diesem Standpunkt in mich, in das Subjekt, daß ich die +Baumblätter nicht als schwarz, sondern als grün, die Sonne rund und +nicht viereckig sehe, den Zucker süß und nicht bitter schmecke; daß ich +den ersten und zweiten Schlag einer Uhr als succedirend, und nicht +neben einander, noch den ersten als Ursache, auch nicht als Wirkung des +zweiten bestimme u.s.f.—Dieser grellen Darstellung des subjektiven +Idealismus widerspricht unmittelbar das Bewußtseyn der Freyheit, nach +welchem Ich mich vielmehr als das Allgemeine und Unbestimmte weiß, jene +mannigfaltigen und nothwendigen Bestimmungen von mir abtrenne und sie +als ein für mich Äußerliches nur den Dingen Zukommendes erkenne.—Ich +ist in diesem Bewußtseyn seiner Freyheit sich diejenige wahrhafte in +sich reflektirte Identität, welche das Ding-an-sich seyn +sollte.—Anderwärts habe ich gezeigt, daß jener transcendentale +Idealismus über die Beschränktheit des Ich durch das Object, überhaupt +über die endliche Welt nicht hinauskommt, sondern allein die Form der +Schranke, die ihm ein Absolutes bleibt, ändert, indem er sie nämlich +nur aus der objektiven Gestalt in die Subjektive übersezt, und +dasjenige zu Bestimmtheiten des Ich und einem in diesem als einem Dinge +vorgehenden wilden Wechsel derselben macht, was das gewöhnliche +Bewußtseyn als eine ihm nur äußerlichen Dingen angehörige +Mannigfaltigkeit und Veränderung weiß.—In der gegenwärtigen Betrachtung +steht nur das Ding-an-sich und die ihm zunächst äußerliche Reflexion +gegenüber; diese hat sich noch nicht als Bewußtseyn bestimmt, wie auch +das Ding-an-sich nicht als Ich. Aus der Natur des Dinges-an-sich und +der äußerlichen Reflexion hat sich ergeben, daß dieses Äußerliche +selbst sich zum Dinge-an-sich bestimmt, oder umgekehrt zur eigenen +Bestimmung jenes ersten Dinges-an-sich wird. Das Wesentliche der +Unzulänglichkeit des Standpunkts, auf dem jene Philosophie stehen +bleibt, besteht nun darin, daß sie an dem abstrakten Dinge-an-sich als +einer letzten Bestimmung fest hält und die Reflexion, oder die +Bestimmtheit und Mannigfaltigkeit der Eigenschaften dem Dinge-an-sich +gegenüber stellt, indem in der That das Ding-an-sich wesentlich jene +äußerliche Reflexion an ihm selbst hat, und sich zu einem mit eigenen +Bestimmungen, mit Eigenschaften begabten bestimmt, wodurch sich die +Abstraktion des Dinges, reines Ding-an-sich zu seyn, als eine unwahre +Bestimmung erweist. + +c. Die Wechselwirkung der Dinge. + +Das Ding-an-sich existirt wesentlich; die äußerliche Unmittelbarkeit +und die Bestimmtheit gehört zu seinem Ansichseyn, oder zu seiner +Reflexion-in-sich. Das Ding an-sich ist dadurch ein Ding, das +Eigenschaften hat, und es sind dadurch mehrere Dinge, die nicht durch +eine ihnen fremde Rücksicht, sondern sich durch sich selbst von +einander unterscheiden. Diese mehrern verschiedenen Dinge stehen in +wesentlicher Wechselwirkung durch ihre Eigenschaften; die Eigenschaft +ist diese Wechselbeziehung selbst, und das Ding ist nichts außer +derselben; die gegenseitige Bestimmung, die Mitte der Dinge-an-sich, +die als Extreme gleichgültig gegen diese ihre Beziehung bleiben +sollten, ist selbst die mit sich identische Reflexion und das +Ding-an-sich, das jene Extreme seyn sollten. Die Dingheit ist damit zur +Form der unbestimmten Identität mit sich herabgesetzt, die ihre +Wesentlichkeit nur in ihrer Eigenschaft hat. Wenn daher von einem Dinge +oder von Dingen überhaupt ohne die bestimmte Eigenschaft die Rede ist, +so ist ihr Unterschied ein bloß gleichgültiger, quantitativer. +Dasselbe, was als ein Ding betrachtet wird, kann ebenso sehr zu mehrern +Dingen gemacht, oder als mehrere Dinge betrachtet werden; es ist eine +äußerliche Trennung oder Vereinigung. —Ein Buch ist ein Ding, und jedes +seiner Blätter ist auch ein Ding, und ebenso jedes Stükchen seiner +Blätter und so fort ins Unendliche. Die Bestimmtheit, wodurch ein Ding, +nur dieses Ding ist, liegt allein in seinen Eigenschaften. Es +unterscheidet sich durch sie von andern Dingen, weil die Eigenschaft +die negative Reflexion und das Unterscheiden ist; das Ding hat daher +nur in seiner Eigenschaft den Unterschied seiner von andern, an ihm +selbst. Sie ist der in sich reflektirte Unterschied, wodurch das Ding +in seinem Gesetztseyn, d. h. in seiner Beziehung auf Anderes zugleich +gleichgültig gegen das Andere und gegen seine Beziehung ist. Dem Dinge +ohne seine Eigenschaften, bleibt deswegen nichts als das abstrakte +An-sich-seyn, ein unwesentlicher Umfang und äußerliches Zusammenfassen. +Das wahrhafte Ansichseyn ist das Ansichseyn in seinem Gesetztseyn; +dieses ist die Eigenschaft. + +Damit ist die Dingheit in die Eigenschaft übergegangen. + +Das Ding sollte sich als an-sich-seyendes Extrem gegen die Eigenschaft +verhalten und diese die Mitte zwischen den in Beziehung stehenden +Dingen ausmachen. Allein diese Beziehung ist das, worin die Dinge sich +als die sich von sich selbst abstoßende Reflexion begegnen, worin sie +unterschieden und bezogen sind. Dieser ihr Unterschied und ihre +Beziehung, ist Eine Reflexion und Eine Kontinuität derselben. Die Dinge +selbst fallen hiermit nur in diese Kontinuität, welche die Eigenschaft +ist, und verschwinden als bestehende Extreme, die außer dieser +Eigenschaft eine Existenz hätten. + +Die Eigenschaft, welche die Beziehung der selbstständigen Extreme +ausmachen sollte, ist daher das Selbstständige selbst. Die Dinge +dagegen sind das Unwesentliche. Sie sind ein Wesentliches nur als die, +als sich unterscheidend sich auf sich beziehende Reflexion; aber dieß +ist die Eigenschaft. Diese ist also nicht das im Dinge aufgehobene, +oder sein bloßes Moment; sondern das Ding ist in Wahrheit nur jener +unwesentliche Umfang, der zwar negative Einheit ist, aber nur wie das +Eins des Etwas, nämlich ein unmittelbares Eins. Wenn vorhin das Ding +als unwesentlicher Umfang insofern bestimmt wurde, als es durch eine +äußerliche Abstraktion, welche die Eigenschaft von demselben wegläßt, +dazu gemacht werde, so ist nunmehr diese Abstraktion durch das +Übergehen des Dings-an-sich in die Eigenschaft selbst geschehen, aber +mit umgekehrtem Werthe, so daß wenn jenem Abstrahiren das abstrakte +Ding ohne seine Eigenschaft noch als das Wesentliche, die Eigenschaft +aber als eine äußerliche Bestimmung vorschwebt, hier das Ding als +solches sich durch sich selbst zu einer gleichgültigen äußerlichen Form +der Eigenschaft bestimmt.—Diese ist somit nunmehr befreit von der +unbestimmten und kraftlosen Verbindung, die das Eins des Dinges ist; +sie ist das, was das Bestehen desselben ausmacht; eine selbstständige +Materie.—Indem sie einfache Kontinuität mit sich ist, hat sie die Form +zunächst nur als Verschiedenheit an ihr; es giebt daher mannigfaltige +dergleichen selbstständige Materien und das Ding besteht aus ihnen. + +B. Das Bestehen des Dings aus Materien. + +Der Übergang der Eigenschaft in eine Materie oder in einen +selbstständigen Stoff ist der bekannte Übergang, den an der sinnlichen +Materie die Chemie macht, indem sie die Eigenschaften der Farbe, des +Geruchs, des Geschmacks u.s.f. als Lichtstoff, Färbestoff, Riechstoff, +sauren, bittern u.s.f. Stoff darzustellen sucht oder andere wie den +Wärmestoff, die elektrische, magnetische Materie geradezu nur annimmt, +und damit die Eigenschaften in ihrer Wahrhaftigkeit zu handhaben +überzeugt ist.—Ebenso geläufig ist der Ausdruck, daß die Dinge aus +verschiedenen Materien oder Stoffen bestehen. Man hütet sich, diese +Materien oder Stoffe Dinge zu nennen; ob man wohl auch einräumen wird, +daß z.B. ein Pigment, ein Ding ist; ich weiß aber nicht, ob z.B. auch +der Lichtstoff, der Wärmestoff, oder die elektrische Materie u.s.f. +Dinge genannt werden. Man unterscheidet die Dinge und ihre +Bestandtheile, ohne genau anzugeben, ob diese und in wie weit sie auch +Dinge, oder etwa nur Halbdinge seyen; aber Existirende überhaupt sind +sie wenigstens. + +Die Nothwendigkeit, von den Eigenschaften zu Materien überzugehen, oder +daß die Eigenschaften in Wahrheit Materien sind, hat sich daraus +ergeben, daß sie das Wesentliche und damit das wahrhaft Selbstständige +der Dinge sind.—Zugleich aber macht die Reflexion der Eigenschaft in +sich nur die eine Seite der ganzen Reflexion aus; nämlich das Aufheben +des Unterschieds und die Kontinuität der Eigenschaft, die eine Existenz +für Anderes seyn sollte, mit sich selbst. Die Dingheit, als die +negative Reflexion in sich, und das sich von Anderem abstoßende +Unterscheiden ist dadurch zu einem unwesentlichen Momente herabgesetzt; +zugleich aber hat es sich damit weiter bestimmt. Dieß negative Moment +hat sich erstens erhalten; denn die Eigenschaft ist nur insofern mit +sich kontinuirlich und selbstständige Materie geworden, als sich der +Unterschied der Dinge aufgehoben hat; die Kontinuität der Eigenschaft +in das Andersseyn enthält also selbst das Moment des Negativen, und +ihre Selbstständigkeit ist zugleich als diese negative Einheit das +wiederhergestellte Etwas der Dingheit; die negative Selbstständigkeit +gegen die positive des Stoffes. Zweitens ist hierdurch das Ding aus +seiner Unbestimmtheit zur vollkommenen Bestimmtheit gediehen. Als Ding +an sich ist es die abstrakte Identität, die einfach negative Existenz, +oder sie bestimmt als das Unbestimmte; alsdann ist es bestimmt durch +seine Eigenschaften, durch welche es sich von andern unterscheiden +soll; aber indem es durch die Eigenschaft vielmehr kontinuirlich mit +andern ist, so hebt sich dieser unvollkommene Unterschied auf; das Ding +ist dadurch in sich zurückgegangen und nun bestimmt als bestimmt; es +ist an sich bestimmt oder dieses Ding.-Aber drittens ist diese Rückkehr +in sich zwar die sich auf sich beziehende Bestimmung; aber sie ist +zugleich unwesentlich; das mit sich kontinuirliche Bestehen macht die +selbstständige Materie aus, in welcher der Unterschied der Dinge, ihre +an und für sich seyende Bestimmtheit aufgehoben und ein Äußerliches +ist. Das Ding als dieses ist also zwar vollkommene Bestimmtheit, aber +es ist dieß die Bestimmtheit im Elemente der Unwesentlichkeit. + +Dieß von Seite der Bewegung der Eigenschaft aus betrachtet, ergiebt +sich so. Die Eigenschaft ist nicht nur äußerliche Bestimmung, sondern +an sich seyende Existenz. Diese Einheit der Äußerlichkeit und +Wesentlichkeit stößt sich, weil sie die Reflexion-in-sich und die +Reflexion in Anderes enthält, von sich selbst ab, und ist einer Seits +die Bestimmung als einfaches sich identisch auf sich beziehendes +Selbstständiges, in welchem die negative Einheit, das Eins des Dinges +ein Aufgehobenes ist;—anderer Seits diese Bestimmung gegen Anderes, +aber ebenfalls als in sich reflektirtes an sich bestimmtes Eins; die +Materien also, und dieses Ding. Dieß sind die zwei Momente der mit sich +identischen Äußerlichkeit, oder der in sich reflektirten +Eigenschaft.—Die Eigenschaft war das, wodurch sich die Dinge +unterscheiden sollten; indem sie sich von dieser ihrer negativen Seite, +einem andern zu inhäriren, befreit hat, so ist damit auch das Ding von +seinem Bestimmtseyn durch andere Dinge befreit worden, und aus der +Beziehung auf Anderes, in sich zurückgegangen; aber es ist zugleich nur +das sich anderes gewordene Ding-an-sich; weil die mannigfaltigen +Eigenschaften ihrer Seits selbstständig, hierin also ihre negative +Beziehung in dem Eins des Dinges nur eine aufgehobene geworden ist; es +ist darum die mit sich identische Negation nur gegen die positive +Kontinuität des Stoffes. + +Das Diese macht also so die vollkommene Bestimmtheit des Dinges aus, +daß sie zugleich eine äußerliche ist. Das Ding besteht aus +selbstständigen Materien, die gegen ihre Beziehung im Dinge +gleichgültig sind. Diese Beziehung ist daher nur eine unwesentliche +Verknüpfung derselben, und der Unterschied eines Dinges von anderen +beruht darauf, ob mehrere der besondern Materien und in welcher Menge +sie sich in ihm befinden. Sie gehen über dieses Ding hinaus, +kontinuiren sich in andere, und diesem Dinge anzugehören, ist keine +Schranke derselben. Ebenso wenig sind sie ferner eine Beschränkung für +einander, weil ihre negative Beziehung nur das kraftlose Diese ist. Sie +heben sich daher, indem sie in ihm verbunden werden, nicht auf; sie +sind als Selbstständige undurchdringlich für einander; beziehen sich in +ihrer Bestimmtheit nur auf sich, und sind eine gegen einander +gleichgültige Mannigfaltigkeit des Bestehens; sie sind nur einer +quantitativen Grenze fähig.—Das Ding als dieses ist diese ihre bloß +quantitative Beziehung, eine bloße Sammlung, das Auch derselben. Es +besteht aus irgend einem Quantum von einem Stoffe, auch aus dem eines +andern, auch andern; diesen Zusammenhang, keinen Zusammenhang zu haben, +macht allein das Ding aus. + +C. Die Auflösung des Dings. + +Dieses Ding, wie es sich bestimmt hat, als der bloß quantitative +Zusammenhang der freien Stoffe, ist das schlechthin veränderliche. +Seine Veränderung besteht darin, daß eine oder mehrere Materien aus der +Sammlung ausgeschieden oder zu diesem Auch hinzugefügt werden, oder daß +ihr Mengenverhältniß zu einander verändert wird. Das Entstehen und +Vergehen dieses Dings ist die äußerliche Auflösung solcher äußerlichen +Verbindung, oder die Verbindung solcher, denen es gleichgültig ist +verbunden zu seyn oder nicht. Die Stoffe circuliren aus diesem Dinge +unaufgehalten hinaus oder herein; es selbst ist die absolute Porosität +ohne eigenes Maaß oder Form. + +So ist das Ding in seiner absoluten Bestimmtheit, wodurch es dieses +ist, das schlechthin auflösbare. Diese Auflösung ist ein äußerliches +Bestimmtwerden, so wie auch das Seyn desselben; aber seine Auflösung +und die Äußerlichkeit seines Seyns ist das Wesentliche dieses Seyns; es +ist nur das Auch; es besteht nur in dieser Äußerlichkeit. Aber es +besteht auch aus seinen Materien, und nicht nur das abstrakte Dieses +als solches, sondern das ganze diese Ding ist die Auflösung seiner +selbst. Das Ding ist nämlich bestimmt als eine äußerliche Sammlung +selbst-ständiger Materien; diese Materien sind nicht Dinge, sie haben +nicht die negative Selbstständigkeit; sondern sind die Eigenschaften +als das Selbstständige, nämlich das Bestimmtseyn, das als solches in +sich reflektirt ist. Die Materien sind daher zwar einfach und beziehen +sich nur auf sich selbst; aber ihr Inhalt ist eine Bestimmtheit; die +Reflexion-in-sich ist nur die Form dieses Inhalts, der nicht als +solcher in sich reflektirt ist, sondern nach seiner Bestimmtheit sich +auf Anderes bezieht. Das Ding ist daher nicht nur das Auch +derselben,—die Beziehung derselben als gegen einander gleichgültiger, +sondern ebenso sehr ihre negative Beziehung;—um ihrer Bestimmtheit sind +die Materien selbst, diese ihre negative Reflexion; welche die +Punktualität des Dinges ist. Die eine Materie ist nicht, was die andere +ist, nach der Bestimmtheit ihres Inhalts gegen einander; und die eine +ist nicht, insofern die andere ist, nach ihrer Selbstständigkeit. + +Das Ding ist daher so die Beziehung der Materien, aus denen es besteht, +auf einander, daß in ihm die eine und die andere auch bestehen, aber +daß darin zugleich die eine nicht besteht, insofern die andere besteht. +Insofern also die eine Materie in dem Dinge ist, so ist die andere +dadurch aufgehoben; aber das Ding ist zugleich das Auch, oder das +Bestehen der andern. In dem Bestehen der einen Materie besteht daher +die andere nicht, und ebenso sehr besteht sie auch in der erstern; und +so gegenseitig alle diese verschiedenen Materien. Indem also in +derselben Rüksicht, als die eine besteht, auch die andern bestehen, +welches Eine Bestehen derselben die Punktualität oder negative Einheit +des Dings ist, so durchdringen sie sich schlechthin; und indem das Ding +zugleich nur das Auch der-selben, und die Materien in ihre Bestimmtheit +reflektirt sind, so sind sie gleichgültig gegen einander, und berühren +sich in ihrer Durchdringung nicht. Die Materien sind daher wesentlich +porös, so daß die eine besteht in den Poren oder in dem Nichtbestehen +der andern; aber diese andern sind selbst porös; in ihren Poren oder +ihrem Nichtbestehen besteht auch die erste, und alle die übrigen; ihr +Bestehen ist zugleich ihr Aufgehobenseyn, und das Bestehen von anderen; +und dieß Bestehen der andern ist ebenso sehr dieser ihr Aufgehobenseyn +und das Bestehen der ersteren und auf gleiche Weise aller andern. Das +Ding ist daher die sich widersprechende Vermittelung des +selbstständigen Bestehens mit sich durch sein Gegentheil, nämlich durch +seine Negation, oder einer selbstständigen Materie durch das Bestehen +und Nichtbestehen einer andern.—Die Existenz hat in diesem Dinge ihre +Vollständigkeit erreicht, nämlich in Einem an sich seyendes Seyn oder +selbstständiges Bestehen, und unwesentliche Existenz zu seyn; die +Wahrheit der Existenz ist daher, ihr Ansichseyn in der +Unwesentlichkeit, oder ihr Bestehen in einem Andern und zwar dem +absolut Andern, oder zu ihrer Grundlage ihre Nichtigkeit zu haben. Sie +ist daher Erscheinung. + +Anmerkung. + +Es ist eine der geläufigsten Bestimmungen des Vorstellens, daß ein Ding +aus vielen selbstständigen Materien bestehe. Einer Seits wird das Ding +betrachtet, daß es Eigenschaften habe, deren Bestehen das Ding ist. +Anderer Seits aber werden diese verschiedenen Bestimmungen als Materien +genommen, deren Bestehen nicht das Ding ist, sondern umgekehrt besteht +das Ding aus ihnen; es selbst ist nur ihre äußerliche Verbindung und +quantitative Grenze. Beides, die Eigenschaften und die Materien sind +dieselben Inhaltsbestimmungen, nur daß sie dort Momente, in ihre +negative Einheit als in eine von ihnen selbst unterschiedene Grundlage, +die Dingheit, reflektirte sind, hier selbstständige verschiedene, deren +jedes in seine eigene Einheit mit sich reflektirt ist. Diese Materien +nun bestimmen sich ferner als selbstständiges Bestehen; aber sie sind +auch zusammen in einem Dinge. Dieses Ding hat die zwei Bestimmungen, +erstlich dieses zu seyn, und zweitens das Auch zu seyn. Das Auch ist +dasjenige, was in der äußeren Anschauung als Raumausdehnung vorkommt; +Dieses aber, die negative Einheit, ist die Punktualität des Dinges. Die +Materien sind zusammen in der Punktualität, und ihr Auch oder die +Ausdehnung ist allenthalben diese Punktualität; denn das Auch als +Dingheit ist wesentlich auch als negative Einheit bestimmt. Wo daher +die eine dieser Materien ist, in einem und demselben Punkte ist die +andere; das Ding hat nicht an einem andern Orte seine Farbe, an einem +andern seinen Riechstoff, an einem dritten seinen Wärmestoff u.s.f. +sondern in dem Punkte, in dem es warm ist, ist es auch farbig, sauer, +elektrisch u.s.w. Weil nun diese Stoffe nicht außer einander, sondern +in Einem Diesen sind, werden sie als porös angenommen, so daß die eine +in den Zwischenräumen der andern existirt. Diejenige, die sich in den +Zwischenräumen der andern befindet, ist aber auch selbst porös; in +ihren Poren existirt daher umgekehrt die andere; aber nicht nur diese, +sondern auch die dritte, zehnte, u.s.f. Alle sind porös und in den +Zwischenräumen einer jeden befinden sich alle andern, wie sie sich mit +den übrigen in diesen Poren einer jeden befindet. Sie sind daher eine +Menge, die sich so gegenseitig durchdringt, daß die durchdringenden von +den anderen ebenso durchdrungen werden, daß somit jede ihr eigenes +Durchdrungenseyn wieder durchdringt. Jede ist als ihre Negation +gesetzt, und diese Negation ist das Bestehen einer anderen; aber dieß +Bestehen ist ebenso sehr die Negation dieser andern und das Bestehen +der ersten. + +Die Ausrede, durch welche das Vorstellen den Widerspruch des +selbstständigen Bestehens der mehreren Materien in Einem, oder die +Gleichgültigkeit derselben gegen einander in ihrer Durchdringung +abhält, pflegt bekanntlich die Kleinheit der Theile und der Poren zu +seyn. Wo der Unterschied-an-sich, der Widerspruch und die Negation der +Negation eintritt, überhaupt wo begriffen werden soll, läßt das +Vorstellen sich in den äußerlichen, den quantitativen Unterschied +herunterfallen; in Ansehung des Entstehens und Vergehens nimmt es seine +Zuflucht zur Allmähligkeit und in Ansehung des Seyns zur Kleinheit, +worin das Verschwindende zum Unbemerkbaren, der Widerspruch zu einer +Verwirrung herabgesetzt, und das wahre Verhältniß in ein unbestimmtes +Vorstellen hinübergespielt wird, dessen Trübheit das sich Aufhebende +rettet. + +Näher aber diese Trübheit beleuchtet, so zeigt sie sich als der +Widerspruch, Theils als der subjektive des Vorstellens, Theils als der +objektive des Gegenstands; das Vorstellen selbst enthält vollständig +die Elemente desselben. Was es nämlich erstlich selbst thut, ist der +Widerspruch, sich an die Wahrnehmung halten und Dinge des Daseyns vor +sich haben zu wollen, und anderer Seits dem Nichtwahrnehmbaren, durch +die Reflexion bestimmten, sinnliches Daseyn zuzuschreiben;—die kleinen +Theile und Poren sollen zugleich ein sinnliches Daseyn seyn und es wird +von ihrem Gesetztseyn als von derselben Weise der Realität +gesprochen,—welche der Farbe, Wärme u. s.f. zukommt. Wenn ferner das +Vorstellen diesen gegenständlichen Nebel, die Poren und die kleinen +Theilchen, näher betrachtete, so erkennte es darin nicht nur eine +Materie und auch deren Negation, so daß hier die Materie, und daneben +ihre Negation, der Porus, und neben diesem wieder Materie und so fort +sich befände, sondern daß es in diesem Dinge, 1) die selbstständige +Materie, 2) ihre Negation oder Porosität und die andere selbstständige +Materie in einem in und demselben Punkte hat, daß diese Porosität und +das selbstständige Bestehen der Materien ineinander als in Einem eine +gegenseitige Negation und Durchdringen des Durchdringens ist.—Die +neueren Darstellungen der Physik über die Verbreitung des Wasserdampfes +in der atmosphärischen Luft und der Gasarten durch einander, heben eine +Seite des Begriffs, der sich hier über die Natur des Dinges ergeben +hat, bestimmter heraus. + +Sie zeigen nämlich, daß z.B. ein gewisses Volumen eben so viel +Wasserdampf aufnimmt, es sey leer von athmosphärischer Luft oder damit +erfüllt; auch daß die Gasarten so sich in einander verbreiten, daß jede +für die andere so gut als ein Vacuum ist, wenigstens daß sie in keiner +chemischen Verbindung miteinander sind, jedes ununterbrochen durch das +andere mit sich kontinuirlich bleibt und sich in seiner Durchdringung +mit den andern, gleichgültig gegen sie erhält.—Aber das weitere Moment +im Begriffe des Dinges ist, daß im Diesen die eine Materie sich +befindet wo die andere, und das Durchdringende in demselben Punkte auch +durchdrungen ist, oder das Selbstständige unmittelbar die +Selbstständigkeit eines Andern ist. Dieß ist widersprechend; aber das +Ding ist nichts Anderes als dieser Widerspruch selbst; darum ist es +Erscheinung. + +Eine ähnliche Bewandtniß, als es mit diesen Materien hat, hat es im +Geistigen mit der Vorstellung der Seelenkräfte oder Seelenvermögen. Der +Geist ist in viel tieferem Sinne dieses, die negative Einheit, in +welcher sich seine Bestimmungen durchdringen. Aber als Seele +vorgestellt, pflegt er häufig als ein Ding genommen zu werden. Wie man +den Menschen überhaupt aus Seele und Leib bestehen läßt, deren jedes +als ein Selbstständiges für sich gilt, so läßt man die Seele aus +sogenannten Seelenkräften bestehen, deren jede eine für sich bestehende +Selbstständigkeit hat, oder eine unmittelbare für sich nach ihrer +Bestimmtheit wirkende Thätigkeit ist. Man stellt sich so vor, daß hier +der Verstand, hier die Einbildungskraft für sich wirke, daß man den +Verstand, das Gedächtniß, u.s.f. jede für sich kultivire, und +einstweilen die andern Kräfte in Unthätigkeit linker Hand liegen lasse, +bis die Reihe vielleicht, vielleicht auch nicht an sie komme. Indem sie +in das materiell-einfache Seelending verlegt werden, welches als +einfach immateriell sey, so werden die Vermögen zwar nicht als +besondere Materien vorgestellt; aber als Kräfte werden sie gleich +indifferent gegen einander angenommen, als jene Materien. Aber der +Geist ist nicht jener Widerspruch, welcher das Ding ist, das sich +auflöst und in Erscheinung übergeht; sondern er ist schon an ihm selbst +der in seine absolute Einheit, nämlich den Begriffe zurückgegangene +Widerspruch, worin die Unterschiede nicht mehr als selbstständige, +sondern nur als besondere Momente im Subjekte, der einfachen +Individualität, zu denken sind. + + + + +Zweites Kapitel. Die Erscheinung. + + +Die Existenz ist die Unmittelbarkeit des Seyns, zu der sich das Wesen +wieder hergestellt hat. Diese Unmittelbarkeit ist an sich die Reflexion +des Wesens in sich. Das Wesen ist als Existenz aus seinem Grunde +heraufgetreten, der selbst in sie übergegangen ist. Die Existenz ist +diese reflektirte Unmittelbarkeit, insofern sie an ihr selbst die +absolute Negativität ist. Sie ist nunmehr auch als dieß gesetzt, indem +sie sich als Erscheinung bestimmt hat. + +Die Erscheinung ist daher zunächst das Wesen in seiner Existenz; das +Wesen ist unmittelbar an ihr vorhanden. Daß sie nicht als unmittelbare, +sondern die reflektirte Existenz ist, dieß macht das Moment des Wesens +an ihr aus; oder die Existenz als wesentliche Existenz ist Erscheinung. + +Es ist etwas nur Erscheinung,—in dem Sinne, daß die Existenz als solche +nur ein Gesetztes, nicht an- und für-sich-Seyendes ist. Dieß macht ihre +Wesentlichkeit aus, an ihr selbst die Negativität der Reflexion, die +Natur des Wesens, zu haben. Es ist dieß nicht eine fremde, äußerliche +Reflexion, welcher das Wesen zugehörte, und die durch Vergleichung +desselben mit der Existenz diese für Erscheinung erklärte. Sondern, wie +sich ergeben hat, ist diese Wesentlichkeit der Existenz, Erscheinung zu +seyn, die eigne Wahrheit der Existenz. Die Reflexion, wodurch sie dieß +ist, gehört ihr selbst an. + +Wenn aber gesagt wird, Etwas sey nur Erscheinung in dem Sinne, als ob +dagegen die unmittelbare Existenz die Wahrheit wäre; so ist vielmehr +die Erscheinung die höhere Wahrheit; denn sie ist die Existenz wie sie +als wesentliche, da hingegen die Existenz die noch wesenlose +Erscheinung ist; weil sie nur das eine Moment der Erscheinung, nämlich +die Existenz als unmittelbare, noch nicht ihre negative Reflexion, an +ihr hat. Wenn die Erscheinung wesenlos genannt wird, so wird an das +Moment ihrer Negativität so gedacht, als ob das Unmittelbare dagegen +das Positive und Wahrhafte wäre; aber vielmehr enthält dieß +Unmittelbare die wesentliche Wahrheit noch nicht an ihm. Die Existenz +hört vielmehr auf, wesenlos zu seyn, darin, daß sie in Erscheinung +übergeht. + +Das Wesen scheint zunächst in ihm selbst, in seiner einfachen +Identität; so ist es die abstrakte Reflexion, die reine Bewegung von +Nichts durch Nichts zu sich selbst zurück. Das Wesen erscheint, so ist +es nunmehr realer Schein, indem die Momente des Scheins Existenz haben. +Die Erscheinung ist, wie sich ergeben hat, das Ding als die negative +Vermittelung seiner mit sich selbst; die Unterschiede, welche es +enthält, sind selbstständige Materien, die der Widerspruch sind, ein +unmittelbares Bestehen zu seyn, und zugleich nur in fremder +Selbstständigkeit also in der Negation der eigenen ihr Bestehen zu +haben, und wieder eben darum auch nur in der Negation jener fremden +oder in der Negation ihrer eigenen Negation. Der Schein ist dieselbe +Vermittelung, aber seine haltlosen Momente haben in der Erscheinung die +Gestalt unmittelbarer Selbstständigkeit. Dagegen ist die unmittelbare +Selbstständigkeit, die der Existenz zukommt, ihrer Seits zum Momente +herabgesetzt. Die Erscheinung ist daher Einheit des Scheins und der +Existenz. + +Die Erscheinung bestimmt sich nun näher. Sie ist die wesentliche +Existenz; die Wesentlichkeit derselben unterscheidet sich von ihr als +unwesentlicher und diese beiden Seiten treten in Beziehung mit +einander.—Sie ist daher zuerst einfache Identität mit sich, die +zugleich verschiedene Inhaltsbestimmungen enthält, welche sowohl selbst +als deren Beziehung das im Wechsel der Erscheinung sich gleich +bleibende ist; das Gesetz der Erscheinung. + +Zweitens aber geht das in seiner Verschiedenheit einfache Gesetz in den +Gegensatz über; das Wesentliche der Erscheinung wird ihr selbst +entgegengesetzt und der erscheinenden Welt tritt die an sich seyende +Welt gegenüber. + +Drittens geht dieser Gegensatz in seinen Grund zurück; das +Ansichseyende ist in der Erscheinung und umgekehrt ist das Erscheinende +bestimmt als in sein Ansichseyn aufgenommen; die Erscheinung wird +Verhältniß. + +A. Das Gesetz der Erscheinung. + +1. Die Erscheinung ist das Existirende vermittelt durch seine Negation, +welche sein Bestehen ausmacht. Diese seine Negation ist zwar ein +anderes Selbstständiges; aber dieß ist ebenso wesentlich ein +aufgehobenes. Das Existirende ist daher die Rückkehr seiner in sich +selbst durch seine Negation und durch die Negation dieser seiner +Negation; es hat also wesentliche Selbstständigkeit; so wie es gleich +unmittelbar schlechthin Gesetztseyn ist, das einen Grund und ein +Anderes zu seinem Bestehen hat.—Fürs Erste ist also die Erscheinung die +Existenz zugleich mit ihrer Wesentlichkeit, das Gesetztseyn mit seinem +Grunde; aber dieser Grund ist die Negation; und das andere +Selbstständige, der Grund des ersten, ist gleichfalls nur ein +Gesetztseyn. Oder das Existirende ist als Erscheinendes in ein Anderes +reflektirt und hat es zu seinem Grunde, welches selbst nur dieß ist, in +ein Anderes reflektirt zu seyn. Die wesentliche Selbstständigkeit, die +ihm zukommt, weil es Rückkehr in sich selbst ist, ist um der +Negativität der Momente willen, die Rückkehr des Nichts durch Nichts zu +sich selbst zurück; die Selbstständigkeit des Existirenden ist daher +nur der wesentliche Schein. Der Zusammenhang des sich gegenseitig +begründenden Existirenden besteht darum in dieser gegenseitigen +Negation, daß das Bestehen des einen nicht das Bestehen des andern, +sondern dessen Gesetztseyn ist, welche Beziehung des Gesetztseyns +allein ihr Bestehen ausmacht. Der Grund ist vorhanden, wie er in seiner +Wahrheit ist, nämlich ein Erstes zu seyn, das nur ein Vorausgesetztes +ist. + +Dieß macht nun die negative Seite der Erscheinung aus. Aber in dieser +negativen Vermittelung ist unmittelbar die positive Identität des +Existirenden mit sich enthalten. Denn es ist nicht Gesetztseyn gegen +einen wesentlichen Grund, oder ist nicht der Schein an einem +Selbstständigen; sondern ist Gesetztseyn, das sich auf ein Gesetztseyn +bezieht, oder ist ein Schein nur in einem Scheine. Es bezieht sich in +dieser seiner Negation oder in seinem Andern, das selbst ein +Aufgehobenes ist, auf sich selbst; ist also mit sich identische oder +positive Wesentlichkeit.—Dieses Identische ist nicht die +Unmittelbarkeit, die der Existenz als solcher zukommt, und nur das +Unwesentliche ist, sein Bestehen in einem Andern zu haben. Sondern es +ist der wesentliche Inhalt der Erscheinung, welcher zwei Seiten hat, +erstens in der Form des Gesetztseyns oder der äußerlichen +Unmittelbarkeit, zweitens das Gesetztseyn als mit sich Identisches zu +seyn. Nach der ersten Seite ist er als ein Daseyn, aber als ein +zufälliges, unwesentliches, das nach seiner Unmittelbarkeit dem +Übergehen, Entstehen und Vergehen unterworfen ist. Nach der andern +Seite ist er die einfache jenem Wechsel entnommene Inhaltsbestimmung, +das Bleibende desselben. + +Außerdem daß dieser Inhalt überhaupt das Einfache des Vergänglichen +ist, ist er auch bestimmter, in sich verschiedener Inhalt. Er ist die +Reflexion der Erscheinung, des negativen Daseyns, in sich, enthält also +die Bestimmtheit wesentlich. Die Erscheinung aber ist die seyende +vielfache Verschiedenheit, die sich in unwesentlicher Mannigfaltigkeit +herumwirft; ihr reflektirter Inhalt dagegen ist ihre Mannigfaltigkeit +auf den einfachen Unterschied reducirt. Der bestimmte wesentliche +Inhalt ist nämlich näher, nicht nur bestimmt überhaupt, sondern als das +Wesentliche der Erscheinung die vollständige Bestimmtheit; eines und +sein Anderes. In der Erscheinung hat jedes dieser beiden sein Bestehen +so in dem Andern, daß es zugleich nur in dessen Nichtbestehen ist. +Dieser Widerspruch hebt sich auf; und die Reflexion desselben in sich, +ist die Identität ihres beiderseitigen Bestehens, daß das Gesetztseyn +des einen auch das Gesetztseyn des Andern ist. Sie machen Ein Bestehen +aus, zugleich als verschiedener, gegen einander gleichgültiger Inhalt. +In der wesentlichen Seite der Erscheinung ist somit das Negative des +unwesentlichen Inhalts, sich aufzuheben, in die Identität +zurückgegangen; er ist ein gleichgültiges Bestehen, welches nicht das +Aufgehobenseyn, sondern vielmehr das Bestehen des Andern ist. + +Diese Einheit ist das Gesetz der Erscheinung. + +2. Das Gesetz ist also das Positive der Vermittelung des Erscheinenden. +Die Erscheinung ist zunächst die Existenz als die negative Vermittelung +mit sich, so daß das Existirende durch sein eigenes Nichtbestehen, +durch ein Anderes, und wieder durch das Nichtbestehen dieses Andern mit +sich vermittelt ist. Darin ist enthalten erstens das bloße Scheinen und +das Verschwinden beider, die unwesentliche Erscheinung; zweitens auch +das Bleiben oder das Gesetz; denn jedes der beiden existirt in jenem +Aufheben des Andern; und ihr Gesetztseyn als ihre Negativität ist +zugleich das identische, positive Gesetztseyn beider. + +Dieß bleibende Bestehen, welches die Erscheinung im Gesetze hat, ist +somit, wie es sich bestimmt hat, erstlich entgegengesetzt der +Unmittelbarkeit des Seyns, welche die Existenz hat. Diese +Unmittelbarkeit ist zwar an sich die reflektirte, nämlich der in sich +zurückgegangene Grund; aber in der Erscheinung ist nun diese einfache +Unmittelbarkeit von der reflektirten unterschieden, welche im Dinge +erst sich zu trennen anfingen. Das existirende Ding ist in seiner +Auflösung dieser Gegensatz geworden; das Positive seiner Auflösung ist +jene Identität des Erscheinenden als Gesetztseyns mit sich in seinem +andern Gesetztseyn.—Zweitens ist diese reflektirte Unmittelbarkeit +selbst bestimmt als das Gesetztseyn, gegen die seyende Unmittelbarkeit +der Existenz. Dieß Gesetztseyn ist nunmehr das Wesentliche, und +wahrhaft Positive. Der deutsche Ausdruck Gesetz enthält diese +Bestimmung gleichfalls. In diesem Gesetztseyn liegt die wesentliche +Beziehung der beiden Seiten des Unterschiedes, die das Gesetz enthält; +sie sind verschiedener gegen einander unmittelbarer Inhalt und sind +dieß als die Reflexion des der Erscheinung angehörigen, verschwindenden +Inhalts. Als wesentliche Verschiedenheit, sind die Verschiedenen +einfache sich auf sich beziehende Inhaltsbestimmungen. Aber ebenso sehr +ist keine für sich unmittelbar, sondern jede ist wesentlich +Gesetztseyn, oder ist nur, insofern die andere ist. + +Drittens Erscheinung und Gesetz haben einen und denselben Inhalt. Das +Gesetz ist die Reflexion der Erscheinung in die Identität mit sich; so +steht die Erscheinung als das nichtige Unmittelbare dem +Insichreflektirten gegenüber, und sie sind nach dieser Form +unterschieden. Aber die Reflexion der Erscheinung, wodurch dieser +Unterschied ist, ist auch die wesentliche Identität der Erscheinung +selbst und ihrer Reflexion, was überhaupt die Natur der Reflexion ist; +sie ist das im Gesetztseyn identische mit sich, und gleichgültig gegen +jenen Unterschied, welcher die Form oder das Gesetztseyn ist; also ein +Inhalt, der sich aus der Erscheinung in das Gesetz kontinuirt, der +Inhalt des Gesetzes, und der Erscheinung. + +Dieser Inhalt macht hiermit die Grundlage der Erscheinung aus; das +Gesetz ist diese Grundlage selbst, die Erscheinung ist derselbe Inhalt, +aber enthält noch mehr, nämlich den unwesentlichen Inhalt ihres +unmittelbaren Seyns. Auch die Formbestimmung, wodurch die Erscheinung +als solche von dem Gesetze unterschieden ist, ist nämlich ein Inhalt +und gleichfalls ein vom Inhalte des Gesetzes unterschiedener. Denn die +Existenz ist als Unmittelbarkeit überhaupt gleichfalls ein mit sich +Identisches der Materie und Form, das gegen seine Formbestimmungen +gleichgültig und daher Inhalt ist; sie ist die Dingheit mit ihren +Eigenschaften und Materien. Aber sie ist der Inhalt, dessen +selbstständige Unmittelbarkeit zugleich nur als ein Nichtbestehen ist. +Die Identität desselben mit sich in diesem seinem Nichtbestehen aber +ist der andere, wesentliche Inhalt. Diese Identität, die Grundlage der +Erscheinung, welche das Gesetz ausmacht, ist ihr eigenes Moment; es ist +die positive Seite der Wesentlichkeit, wodurch die Existenz Erscheinung +ist. + +Das Gesetz ist daher nicht jenseits der Erscheinung, sondern in ihr +unmittelbar gegenwärtig; das Reich der Gesetze ist das ruhige Abbild +der existirenden oder erscheinenden Welt. Aber vielmehr ist beides Eine +Totalität, und die existirende Welt ist selbst das Reich der Gesetze, +das als das einfache Identische, zugleich als in dem Gesetztseyn oder +in der sich selbstauflösenden Selbstständigkeit der Existenz identisch +mit sich ist. Die Existenz geht in das Gesetz als in ihren Grund +zurück; die Erscheinung enthält dieß Beides, den einfachen Grund, und +die auflösende Bewegung des erscheinenden Universums, deren +Wesentlichkeit er ist. + +3. Das Gesetz ist also die wesentliche Erscheinung; es ist die +Reflexion derselben in sich in ihrem Gesetztseyn, der identische Inhalt +seiner und der unwesentlichen Existenz. Erstlich ist nun diese +Identität des Gesetzes mit seiner Existenz nur erst die unmittelbare, +einfache Identität, und das Gesetz ist gleichgültig gegen seine +Existenz; die Erscheinung hat noch einen andern Inhalt gegen den Inhalt +des Gesetzes. Jener ist zwar der unwesentliche, und das Zurückgehen in +diesen; aber für das Gesetz ist er ein Erstes, das nicht durch dieses +gesetzt ist; er ist daher als Inhalt äußerlich mit dem Gesetze +verbunden. Die Erscheinung ist eine Menge näherer Bestimmungen, die dem +Diesen oder dem Konkreten angehören und nicht im Gesetze enthalten, +sondern durch ein Anderes bestimmt sind. —Zweitens das, was die +Erscheinung von dem Gesetze Verschiedenes enthält, bestimmte sich als +ein Positives oder als ein anderer Inhalt; aber es ist wesentlich ein +Negatives; es ist die Form und ihre Bewegung als solche, die der +Erscheinung zukommt. Das Reich der Gesetze ist der ruhige Inhalt der +Erscheinung; diese ist derselbe aber sich im unruhigen Wechsel und als +die Reflexion in anderes darstellend. Sie ist das Gesetz als die +negative sich schlechthin verändernde Existenz, die Bewegung des +Übergehens in Entgegengesetzte, des sich Aufhebens und des Zurückgehens +in die Einheit. Diese Seite der unruhigen Form oder der Negativität +enthält das Gesetz nicht; die Erscheinung ist daher gegen das Gesetz +die Totalität, denn sie enthält das Gesetz, aber auch noch mehr, +nämlich das Moment der sich selbst bewegenden Form.—Dieser Mangel ist +drittens am Gesetze so vorhanden, daß dessen Inhalt nur erst ein +verschiedener, damit ein gegen sich gleichgültiger ist; daher die +Identität seiner Seiten miteinander nur erst eine unmittelbare und +damit innere, oder noch nicht nothwendige ist. Im Gesetze sind zwei +Inhaltsbestimmungen als wesentlich verbunden (z.B. im Gesetze der +Bewegung des Falls die Raumgröße und die Zeitgröße; die durchloffenen +Räume verhalten sich wie die Quadrate der verflossenen Zeiten); sie +sind verbunden; diese Beziehung ist nur erst eine unmittelbare. Sie ist +daher gleichfalls nur erst eine gesetzte, wie in der Erscheinung das +Unmittelbare überhaupt die Bedeutung des Gesetztseyns erhalten bat. Die +wesentliche Einheit der beiden Seiten des Gesetzes wäre ihre +Negativität, daß nämlich die eine an ihr selbst ihre andere enthielte; +aber diese wesentliche Einheit ist noch nicht am Gesetze +hervorgetreten. (—So ist es nicht im Begriffe des im Falle +durchloffenen Raumes enthalten, daß ihm die Zeit als Quadrat +entspricht. Weil der Fall eine sinnliche Bewegung ist, ist er die +Beziehung von Zeit und Raum; aber erstens liegt es in der Bestimmung +der Zeit selbst nicht,—d. h. wie die Zeit nach ihrer Vorstellung +genommen wird, daß sie sich auf den Raum bezieht, und umgekehrt; man +sagt, man könne sich die Zeit sehr wohl ohne den Raum und den Raum ohne +die Zeit vorstellen; das eine tritt also äußerlich zu dem andern hinzu, +welche äußerliche Beziehung die Bewegung ist. Zweitens ist die nähere +Bestimmung gleichgültig, nach welchen Größen sich in der Bewegung Raum +und Zeit zu einander verhalten. Das Gesetz hierüber wird aus der +Erfahrung erkannt; insofern ist es nur unmittelbar; es erfordert noch +einen Beweis, d. h. eine Vermittelung, für das Erkennen, daß das Gesetz +nicht nur Statt hat, sondern nothwendig ist; diesen Beweis und seine +objektive Nothwendigkeit enthält das Gesetz als solches nicht.—) Das +Gesetz ist daher nur die positive Wesentlichkeit der Erscheinung, nicht +ihre negative, nach welcher die Inhaltsbestimmungen Momente der Form +sind, als solche in ihr Anderes übergehen, und an ihnen selbst ebenso +sehr nicht sie, sondern ihr anderes sind. Im Gesetze ist also zwar das +Gesetztseyn der einen Seite desselben das Gesetztseyn der andern; aber +ihr Inhalt ist gleichgültig gegen diese Beziehung, er enthält nicht an +ihm selbst dieß Gesetztseyn. Das Gesetz ist daher wohl die wesentliche +Form, aber noch nicht die in ihre Seiten als Inhalt reflektirte, reale +Form. + +B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt. + +I. Die existirende Welt erhebt sich ruhig zu einem Reiche von Gesetzen; +der nichtige Inhalt ihres mannigfaltigen Daseyns hat in einem Andern +sein Bestehen; sein Bestehen ist daher seine Auflösung. Aber in diesem +Andern geht das Erscheinende auch mit sich selbst zusammen; so ist die +Erscheinung in ihrem Wandel auch ein Bleiben, und ihr Gesetztseyn ist +Gesetz. Das Gesetz ist diese einfache Identität der Erscheinung mit +sich; daher die Grundlage, nicht der Grund derselben; denn es ist nicht +die negative Einheit der Erscheinung; sondern als ihre einfache +Identität, die unmittelbare als abstrakte Einheit, neben welcher daher +auch der andre Inhalt derselben Statt hat. Der Inhalt ist dieser, hängt +in sich zusammen, oder hat seine negative Reflexion innerhalb seiner +selbst. Er ist in ein anderes reflektirt; dieß Andere ist selbst eine +Existenz der Erscheinung; die erscheinenden Dinge haben ihre Gründe und +Bedingungen an andern erscheinenden Dingen. + +In der That aber ist das Gesetz auch das Andere der Erscheinung als +solcher, und ihre negative Reflexion als in ihr Anderes. Der Inhalt der +Erscheinung, der vom Inhalt des Gesetzes verschieden ist, ist das +Existirende, das seine Negativität zu seinem Grunde hat oder in sein +Nichtseyn reflektirt ist. Aber dieß Andere, das auch ein Existirendes +ist, ist gleichfalls ein solches in sein Nichtseyn Reflektirtes; es ist +also dasselbe, und das Erscheinende ist darin in der That nicht in ein +anderes, sondern in sich reflektirt; eben diese Reflexion des +Gesetztseyns in sich ist das Gesetz. Aber als Erscheinendes ist es +wesentlich in sein Nichtseyn reflektirt, oder seine Identität ist +selbst wesentlich ebenso sehr seine Negativität und sein Anderes. Die +Reflexion-in-sich der Erscheinung, das Gesetz, ist also auch nicht nur +ihre identische Grundlage, sondern sie hat an ihm ihren Gegensatz, und +es ist ihre negative Einheit. + +Dadurch hat sich nun die Bestimmung des Gesetzes an ihm selbst +verändert. + +Zunächst ist es nur ein verschiedener Inhalt, und die formale Reflexion +des Gesetztseyns in sich, so daß das Gesetztseyn der einen seiner +Seiten das Gesetztseyn der andern ist. Weil es aber auch die negative +Reflexion in sich ist, so verhalten sich seine Seiten nicht nur als +verschiedene, sondern als negativ sich auf einander beziehende.—Oder +das Gesetz bloß für sich betrachtet, so sind die Seiten seines Inhalts +gleichgültige gegen einander; aber ebenso sehr sind sie durch ihre +Identität aufgehobene; das Gesetztseyn der einen ist das Gesetztseyn +der andern; also ist das Bestehen einer jeden auch das Nichtbestehen +ihrer selbst. Dieß Gesetztseyn der einen in der andern ist ihre +negative Einheit und jedes ist nicht nur das Gesetztseyn ihrer, sondern +auch der andern, oder jede ist selbst diese negative Einheit. Die +positive Identität, welche sie im Gesetze als solchem haben, ist nur +erst ihre innere Einheit, welche des Beweises und der Vermittelung +bedarf, weil diese negative Einheit noch nicht an ihnen gesetzt ist. +Aber indem die verschiedenen Seiten des Gesetzes nunmehr bestimmt sind, +als in ihrer negativen Einheit verschiedene zu seyn, oder als solche, +deren jedes sein Anderes an ihm selbst enthält und zugleich als +Selbstständiges dieß sein Andersseyn von sich abstößt, so ist die +Identität des Gesetzes nunmehr auch eine gesetzte und reale. + +Damit hat also das Gesetz das mangelnde Moment der negativen Form +seiner Seiten gleichfalls erhalten; das Moment, das vorhin noch der +Erscheinung angehörte; die Existenz ist somit vollständig in sich +zurückgegangen, und hat sich in ihr absolutes an- und für-sichseyendes +Andersseyn reflektirt. Das, was vorher Gesetz war, ist daher nicht mehr +nur Eine Seite des Ganzen, dessen andere die Erscheinung als solche +war, sondern ist selbst das Ganze. Sie ist die wesentliche Totalität +der Erscheinung, so daß sie nun auch das Moment der Unwesentlichkeit, +das noch dieser zukam, enthält; aber als die reflektirte, an sich +seyende Unwesentlichkeit, d. h. als die wesentliche Negativität.—Das +Gesetz ist als unmittelbarer Inhalt, bestimmt überhaupt, unterschieden +von andern Gesetzen, und es giebt deren eine unbestimmbare Menge. Aber +indem es die wesentliche Negativität nun an ihm selbst hat, enthält es +nicht mehr eine solche nur gleichgültige, zufällige Inhaltsbestimmung; +sondern sein Inhalt ist alle Bestimmtheit überhaupt, in wesentlicher +sich zur Totalität machenden Beziehung. So ist die in sich reflektirte +Erscheinung nun eine Welt, die sich als an und für sich seyende über +der erscheinenden Welt aufthut. + +Das Reich der Gesetze enthält nur den einfachen, wandellosen aber +verschiedenen Inhalt der existirenden Welt. Indem es nun aber die +totale Reflexion von dieser ist, enthält es auch das Moment ihrer +wesenlosen Mannigfaltigkeit. Dieses Moment der Veränderlichkeit und +Veränderung als in sich reflektirtes, wesentliches, ist die absolute +Negativität oder die Form überhaupt als solche, deren Momente aber in +der an- und für-sichseyenden Welt die Realität selbstständiger, aber +reflektirter Existenz haben; so wie umgekehrt diese reflektirte +Selbstständigkeit nunmehr die Form an ihr selbst hat, und dadurch ihr +Inhalt nicht ein bloß mannigfaltiger, sondern ein wesentlich mit sich +zusammenhängender ist. + +—Diese an und für sich seyende Welt heißt auch die übersinnliche Welt; +insofern die existirende Welt als sinnliche, nämlich als solche +bestimmt wird, die für die Anschauung, das unmittelbare Verhalten des +Bewußtseyns, ist.—Die übersinnliche Welt hat gleichfalls +Unmittelbarkeit, Existenz, aber reflektirte, wesentliche Existenz. Das +Wesen hat noch kein Daseyn; aber es ist, und in tieferem Sinne, als das +Seyn; das Ding ist der Beginn der reflektirten Existenz; es ist eine +Unmittelbarkeit, die noch nicht gesetzt ist, als wesentliche oder +reflektirte; es ist aber in Wahrheit nicht ein seyendes Unmittelbares. +Die Dinge erst, als Dinge einer andern, übersinnlichen Welt sind +gesetzt, erstens als wahrhafte Existenzen, und zweitens als das Wahre +gegen das Seyende;—in ihnen ist es anerkannt, daß es ein von dem +unmittelbaren Seyn unterschiedenes Seyn gibt, das wahrhafte Existenz +ist. Eines Theils ist in dieser Bestimmung die sinnliche Vorstellung +überwunden, welche nur dem unmittelbaren Seyn des Gefühls und der +Anschauung Existenz zuschreibt; andern Theils aber auch die bewußtlose +Reflexion, welche zwar die Vorstellung von Dingen, Kräften, Innerlichem +und so fort hat, ohne zu wissen, daß solche Bestimmungen nicht +sinnliche oder seyende Unmittelbarkeiten, sondern reflektirte +Existenzen sind. + +2. Die an und für sich seyende Welt ist die Totalität der Existenz; es +ist nichts Anderes außer ihr. Indem sie aber an ihr selbst die absolute +Negativität oder Form ist, so ist ihre Reflexion-in-sich, negative +Beziehung auf sich. Sie enthält den Gegensatz, und stößt sich ab in +sich als die wesentliche Welt, und in sich als die Welt des Andersseyns +oder die Welt der Erscheinung. So ist sie darum, weil sie die Totalität +ist, auch nur als eine Seite derselben, und macht in dieser Bestimmung +eine gegen die Welt der Erscheinung verschiedene Selbstständigkeit aus. +Die erscheinende Welt hat an der wesentlichen Welt ihre negative +Einheit, in der sie zu Grunde und in die sie als in ihren Grund +zurückgeht. Ferner ist die wesentliche Welt auch der setzende Grund der +erscheinenden Welt; denn, die absolute Form in ihrer Wesentlichkeit +enthaltend, hebt sich ihre Identität mit sich auf, macht sich zum +Gesetztseyn und ist als diese gesetzte Unmittelbarkeit die erscheinende +Welt. + +Sie ist ferner nicht nur überhaupt Grund der erscheinenden Welt, +sondern ihr bestimmter Grund. Schon als das Reich der Gesetze ist sie +mannigfaltiger Inhalt, und zwar der wesentliche der erscheinenden Welt, +und als inhaltsvoller Grund, der bestimmte Grund der andern, aber nur +diesem Inhalt nach; denn die erscheinende Welt hatte noch +mannigfaltigen andern Inhalt als jenes Reich, weil ihr noch das +negative Moment eigenthümlich zukam. Aber indem das Reich der Gesetze +dieß Moment nun gleichfalls an ihm hat, so ist es die Totalität des +Inhalts der erscheinenden Welt und der Grund aller ihrer +Mannigfaltigkeit. Aber sie ist zugleich das negative derselben, so ist +die derselben entgegengesetzte Welt.—Nämlich in der Identität beider +Welten, und indem die eine der Form nach bestimmt ist, als die +wesentliche und die andere als dieselbe aber als gesetzte und +unwesentliche, hat sich zwar die Grundbeziehung wieder hergestellt; +aber zugleich als die Grundbeziehung der Erscheinung, nämlich als +Beziehung nicht eines identischen Inhalts, noch auch eines bloß +verschiedenen, wie das Gesetz ist, sondern als totale Beziehung, oder +als negative Identität und wesentliche Beziehung des Inhalts als +entgegengesetzten.—Das Reich der Gesetze ist nicht nur dieß, daß das +Gesetztseyn eines Inhalts das Gesetztseyn eines Andern ist, sondern +diese Identität ist wesentlich, wie sich ergeben hat, auch negative +Einheit; jede der beiden Seiten des Gesetzes ist in der negativen +Einheit an ihr selbst ihr anderer Inhalt; das Andere ist daher nicht +unbestimmt ein Anderes überhaupt, sondern es ist ihr Anderes, oder es +enthält gleichfalls die Inhaltsbestimmung von jener; so sind die beiden +Seiten entgegengesetzte. Indem das Reich der Gesetze nun dieß negative +Moment und den Gegensatz an ihm hat, und sich somit als die Totalität, +von sich selbst in eine an und für sich seyende und eine erscheinende +Welt abstößt, so ist die Identität beider die wesentliche Beziehung der +Entgegensetzung.—Die Grundbeziehung als solche ist der in seinem +Widerspruch zu Grunde gegangene Gegensatz; und die Existenz der mit +sich selbst zusammengehende Grund. Aber die Existenz wird zur +Erscheinung; der Grund ist in der Existenz aufgehoben; er stellt sich +als Rückkehr der Erscheinung in sich, wieder her; aber zugleich als +aufgehobener, nämlich als Grundbeziehung entgegengesetzter +Bestimmungen; die Identität solcher aber ist wesentlich Werden und +Übergehen, nicht mehr die Grundbeziehung als solche. + +Die an und für sich seyende Welt ist also selbst eine in sich in die +Totalität des mannigfaltigen Inhalts unterschiedene Welt; sie ist +identisch mit der erscheinenden oder gesetzten, insofern Grund +derselben, aber ihr identischer Zusammenhang ist zugleich als +Entgegensetzung bestimmt, weil die Form der erscheinenden Welt die +Reflexion in ihr Andersseyn ist, sie also in der an und für sich +seyenden Welt wahrhaft so in sich selbst zurückgegangen ist, als diese +ihre entgegengesetzte ist. Die Beziehung ist also bestimmt diese, daß +die an und für sich seyende Welt die verkehrte der erscheinenden ist. + +C. Auflösung der Erscheinung. + +Die an und für sich seyende Welt ist der bestimmte Grund der +erscheinenden Welt, und ist dieß nur, insofern sie an ihr selbst das +negative Moment und damit die Totalität der Inhaltsbestimmungen und +ihrer Veränderungen ist, welche der erscheinenden Welt entspricht, aber +zugleich ihre durchaus entgegengesetzte Seite ausmacht. Beide Welten +verhalten sich also so zu einander, daß was in der erscheinenden Welt +positiv, in der an und für sich seyenden Welt negativ, umgekehrt was in +jener negativ, in dieser positiv ist. Der Nordpol in der erscheinenden +Welt, ist an und für sich der Südpol, und umgekehrt; die positive +Elektricität ist an sich negative u.s.f. Was im erscheinenden Daseyn +böse, Unglück u.s.f. ist, ist an und für sich gut und ein Glück.[15] + + [15] Vergl. Phänomenologie des Geistes. S. 121 ff. + + +In der That ist gerade in diesem Gegensatz beider Welten ihr +Unterschied verschwunden, und was an und für sich seyende Welt seyn +sollte, ist selbst erscheinende Welt, und diese umgekehrt an ihr selbst +wesentliche Welt.—Die erscheinende Welt ist zunächst bestimmt als die +Reflexion in das Andersseyn, so daß ihre Bestimmungen und Existenzen in +einem Andern ihren Grund und Bestehen haben; aber indem dieß Andre +gleichfalls ein solches in ein anderes Reflektirtes ist, so beziehen +sie sich darin nur auf ein sich aufhebendes Anderes, somit auf sich +selbst; die erscheinende Welt ist hiermit an ihr selbst sich selbst +gleiches Gesetz.—Umgekehrt die an und für sich seyende Welt ist +zunächst der mit sich identische, dem Andersseyn und Wechsel entnommene +Inhalt; aber dieser, als vollständige Reflexion der erscheinenden Welt +in sich selbst, oder weil seine Verschiedenheit in sich reflektirter +und absoluter Unterschied ist, so enthält er das negative Moment und +die Beziehung auf sich als auf das Andersseyn; er wird dadurch sich +selbst entgegengesetzter, sich verkehrender, wesenloser Inhalt. Ferner +hat dieser Inhalt der an und für sich seyenden Welt damit auch die Form +unmittelbarer Existenz erhalten. Denn sie ist zunächst Grund der +erscheinenden; aber indem sie die Entgegensetznng an ihr selbst hat, +ist sie ebenso sehr aufgehobener Grund und unmittelbare Existenz. + +Die erscheinende und die wesentliche Welt sind hiermit jede an ihr +selbst die Totalität der mit sich identischen Reflexion und der +Reflexion-in-Anderes, oder des An-und-für-sich-seyns und des +Erscheinens. Sie sind beide die selbstständigen Ganzen der Existenz; +die eine sollte nur die reflektirte Existenz, die andere die +unmittelbare Existenz seyn; aber jede kontinuirt sich in ihrer andern +und ist daher an ihr selbst die Identität dieser beiden Momente. Was +also vorhanden ist, ist diese Totalität, welche sich von sich selbst in +zwei Totalitäten abstößt, die eine die reflektirte Totalität, und die +andere die unmittelbare. Beide sind erstlich Selbstständige, aber sie +sind dieß nur als Totalitäten, und dieß sind sie insofern, daß jede +wesentlich das Moment der andern an ihr hat. Die unterschiedene +Selbstständigkeit einer jeden, der als unmittelbar und der als +reflektirt bestimmten, ist daher nunmehr so gesetzt, nur als +wesentliche Beziehung auf die andre zu seyn, und ihre Selbstständigkeit +in dieser Einheit beider zu haben. + +Es wurde vom Gesetz der Erscheinung ausgegangen; dieses ist die +Identität eines verschiedenen Inhalts mit einem andern Inhalte, so daß +das Gesetztseyn des einen das Gesetztseyn des andern ist. Im Gesetze +ist noch dieser Unterschied vorhanden, daß die Identität seiner Seiten +nur erst eine innere ist, und diese Seiten sie noch nicht an ihnen +selbst haben; damit ist eines Theils jene Identität nicht realisirt; +der Inhalt des Gesetzes ist nicht als identischer, sondern ein +gleichgültiger, verschiedener Inhalt; andern Theils ist er damit nur an +sich so bestimmt, daß das Gesetztseyn des einen, das Gesetztseyn des +andern ist; dieß ist noch nicht an ihm vorhanden. Nunmehr aber ist das +Gesetz realisirt; seine innere Identität ist zugleich daseyende, und +umgekehrt ist der Inhalt des Gesetzes in die Idealität erhoben; denn er +ist an ihm selbst aufgehobener, in sich reflektirter, indem jede Seite +an ihr ihre andere hat, und damit wahrhaft mit ihr und mit sich +identisch ist. + +So ist das Gesetz wesentliches Verhältniß. Die Wahrheit der +unwesentlichen Welt ist zunächst eine ihr andere an und für sich +seyende Welt; aber diese ist die Totalität, indem sie, sie selbst und +jene erste ist; so sind beide unmittelbare Existenzen und damit +Reflexionen in ihr Andersseyn, als auch eben damit wahrhaft in sich +reflektirte. Welt drückt überhaupt die formlose Totalität der +Mannigfaltigkeit aus; diese Welt, sowohl als wesentliche wie als +erscheinende ist zu Grunde gegangen, indem die Mannigfaltigkeit +aufgehört hat, eine bloß verschiedene zu seyn; so ist sie noch +Totalität oder Universum aber als wesentliches Verhältniß. Es sind zwei +Totalitäten des Inhalts in der Erscheinung entstanden; zunächst sind +sie als gleichgültige Selbstständige gegen einander bestimmt und haben +zwar die Form jede an ihr selbst, aber nicht gegen einander; diese aber +hat sich auch als ihre Beziehung gezeigt, und das wesentliche +Verhältniß ist die Vollendung ihrer Formeinheit. + + + + +Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhältniß. + + +Die Wahrheit der Erscheinung ist das wesentliche Verhältniß. Sein +Inhalt hat unmittelbare Selbstständigkeit, und zwar die seyende +Unmittelbarkeit, und die reflektirte Unmittelbarkeit oder die mit sich +identische Reflexion. Zugleich ist er in dieser Selbstständigkeit ein +relativer, schlechthin nur als Reflexion in sein Anderes, oder als +Einheit der Beziehung mit seinem Andern. In dieser Einheit ist der +selbstständige Inhalt ein Gesetztes, Aufgehobenes; aber eben diese +Einheit macht seine Wesentlichkeit und Selbstständigkeit aus; diese +Reflexion in Anderes ist Reflexion in sich selbst. Das Verhältniß hat +Seiten, weil es Reflexion in Anderes ist; so hat es den Unterschied +seiner selbst an ihm; und die Seiten desselben sind selbstständiges +Bestehen, indem sie in ihrer gleichgültigen Verschiedenheit gegen +einander, in sich selbst gebrochen sind, so daß das Bestehen einer +jeden, ebenso sehr nur seine Bedeutung in der Beziehung auf die andere +oder in ihrer negativen Einheit hat. + +Das wesentliche Verhältniß ist daher zwar noch nicht das wahrhafte +Dritte zum Wesen und zur Existenz; aber enthält bereits die bestimmte +Vereinigung beider. Das Wesen ist in ihm so realisirt, daß es +selbstständig-existirende zu seinem Bestehen hat; und diese sind aus +ihrer Gleichgültigkeit in ihre wesentliche Einheit zurückgegangen, so +daß sie nur diese zu ihrem Bestehen haben. Die Reflexions-Bestimmungen +des Positiven und Negativen sind gleichfalls in sich reflektirte nur +als reflektirt in ihr Entgegengesetztes; aber sie haben keine andere +Bestimmung als diese ihre negative Einheit; das wesentliche Verhältniß +hingegen hat solche zu seinen Seiten, welche als selbstständige +Totalitäten gesetzt sind. Es ist dieselbe Entgegensetzung als die des +Positiven und Negativen; aber zugleich als eine verkehrte Welt. Die +Seite des wesentlichen Verhältnisses ist eine Totalität, die aber als +wesentlich ein Entgegengesetztes, ein Jenseits seiner hat; es ist nur +Erscheinung; seine Existenz ist vielmehr nicht die seinige, sondern die +seines Andern. Es ist daher ein in sich selbst Gebrochenes; aber dieß +sein Aufgehobenseyn besteht darin, daß es die Einheit seiner selbst und +seines Andern also Ganzes ist, und eben darum hat es selbstständige +Existenz und ist wesentliche Reflexion in sich. + +Dieß ist der Begriff des Verhältnisses. Zunächst aber ist die +Identität, die es enthält, noch nicht vollkommen; die Totalität, welche +jedes relative an ihm selbst ist, ist erst ein Inneres; die Seite des +Verhältnisses ist zunächst gesetzt in einer der Bestimmungen der +negativen Einheit; die eigene Selbstständigkeit jeder der beiden Seiten +ist dasjenige, was die Form des Verhältnisses ausmacht. Seine Identität +ist daher nur eine Beziehung, außerhalb welcher ihre Selbstständigkeit +fällt; nämlich in die Seiten; es ist noch nicht die reflektirte Einheit +jener Identität und der selbstständigen Existenzen vorhanden, noch +nicht die Substanz.—Der Begriff des Verhältnisses hat sich daher zwar +ergeben, Einheit der reflektirten und der unmittelbaren +Selbstständigkeit zu seyn. Aber zuerst ist dieser Begriff selbst noch +unmittelbar, seine Momente daher unmittelbare gegen einander, und die +Einheit deren wesentliche Beziehung, die erst dann die wahrhafte, dem +Begriffe entsprechende Einheit ist, insofern sie sich realisirt, +nämlich durch ihre Bewegung als jene Einheit gesetzt hat. + +Das wesentliche Verhältniß ist daher unmittelbar das Verhältniß des +Ganzen und der Theile;—die Beziehung der reflektirten und der +unmittelbaren Selbstständigkeit, so daß beide zugleich nur sind als +sich gegenseitig bedingend und voraussetzend. + +In diesem Verhältnisse ist noch keine der Seiten als Moment der andern +gesetzt, ihre Identität ist daher selbst eine Seite; oder sie ist nicht +ihre negative Einheit. Es geht darum zweitens darein über, daß die eine +Moment der andern und in ihr als in ihrem Grunde, dem wahrhaft +Selbstständigen von beiden, ist;—Verhältniß der Kraft und ihrer +Äußerung. + +Drittens hebt sich die noch vorhandene Ungleichheit dieser Beziehung +auf, und das letzte Verhältniß ist das des Innern und Äußern.—In diesem +ganz formell gewordenen Unterschiede geht das Verhältniß selbst zu +Grunde, und die Substanz oder das Wirkliche tritt hervor, als die +absolute Einheit der unmittelbaren und der reflektirten Existenz. + +A. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile. + +Das wesentliche Verhältniß enthält erstens die in sich reflektirte +Selbstständigkeit der Existenz; so ist es die einfache Form, deren +Bestimmungen zwar auch Existenzen, aber zugleich gesetzte, Momente in +der Einheit gehalten, sind. Diese in sich reflektirte Selbstständigkeit +ist zugleich Reflexion in ihr Entgegengesetztes, nämlich die +unmittelbare Selbstständigkeit; und ihr Bestehen ist wesentlich ebenso +sehr als es eigene Selbstständigkeit ist, diese Identität mit seinem +Entgegengesetzten.—Eben damit ist auch unmittelbar zweitens die andre +Seite gesetzt; die unmittelbare Selbstständigkeit, welche als das Andre +bestimmt, eine vielfache Mannigfaltigkeit in sich ist, aber so daß +diese Mannigfaltigkeit wesentlich auch die Beziehung der andern Seite, +die Einheit der reflektirten Selbstständigkeit an ihr hat. Jene Seite, +das Ganze, ist die Selbstständigkeit, welche die an und für sich +seyende Welt ausmachte; die andere Seite, die Theile, ist die +unmittelbare Existenz, welche die erscheinende Welt war. Im +Verhältnisse des Ganzen und der Theile sind die beiden Seiten diese +Selbstständigkeiten, aber so daß jede die andere in ihr scheinen hat, +und nur ist zugleich als diese Identität beider. Weil nun das +wesentliche Verhältniß nur erst das erste, unmittelbare ist, so ist die +negative Einheit und die positive Selbstständigkeit durch das Auch +verbunden; beide Seiten sind zwar als Momente gesetzt, aber ebenso sehr +als existirende Selbstständigkeiten.—Daß beide als Momente gesetzt +sind, dieß ist daher so vertheilt, daß erstens das Ganze, die +reflektirte Selbstständigkeit, als Existirendes und in ihr die andere, +die unmittelbare als Moment ist;—hier macht das Ganze die Einheit +beider Seiten, die Grundlage aus, und die unmittelbare Existenz ist als +Gesetztseyn.—Umgekehrt ist auf der andern Seite, nämlich der Seite der +Theile, die unmittelbare, in sich mannigfaltige Existenz, die +selbstständige Grundlage; die reflektirte Einheit dagegen, das Ganze +ist nur äußerliche Beziehung. + +2. Dieß Verhältniß enthält somit die Selbstständigkeit der Seiten, und +ebenso sehr ihr Aufgehobenseyn, und beides schlechthin in Einer +Beziehung. Das Ganze ist das Selbstständige, die Theile sind nur +Momente dieser Einheit; aber ebenso sehr sind sie auch das +Selbstständige, und ihre reflektirte Einheit nur ein Moment; und jedes +ist in seiner Selbstständigkeit schlechthin das Relative eines Andern. +Dieß Verhältniß ist daher der unmittelbare Widerspruch an ihm selbst, +und hebt sich auf. + +Dieß näher betrachtet, so ist das Ganze die reflektirte Einheit, welche +selbstständiges Bestehen für sich hat; aber dieß ihr Bestehen ist +ebenso sehr von ihr abgestoßen; das Ganze ist als die negative Einheit, +negative Beziehung auf sich selbst; so ist sie sich entäußert; sie hat +ihr Bestehen an ihrem Entgegengesetzten, der mannigfaltigen +Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze besteht daher aus den Theilen; +so daß es nicht etwas ist ohne sie. Es ist also das ganze Verhältniß +und die selbstständige Totalität; aber gerade aus demselben Grunde ist +es nur ein Relatives, denn was es zur Totalität macht, ist vielmehr +sein Anderes, die Theile; und es hat nicht an sich selbst, sondern an +seinem Andern sein Bestehen. + +So sind die Theile gleichfalls das ganze Verhältniß. Sie sind die +unmittelbare Selbstständigkeit gegen die reflektirte, und bestehen +nicht im Ganzen, sondern sind für sich. Sie haben ferner dieß Ganze als +ihr Moment an ihnen; es macht ihre Beziehung aus; ohne Ganzes giebt es +keine Theile. Aber weil sie das Selbstständige sind, so ist diese +Beziehung nur ein äußerliches Moment, gegen welches sie an und für sich +gleichgültig sind. Zugleich aber fallen die Theile als mannigfaltige +Existenz in sich selbst zusammen, denn diese ist das reflexionslose +Seyn; sie haben ihre Selbstständigkeit nur in der reflektirten Einheit, +welche sowohl diese Einheit als auch die existirende Mannigfaltigkeit +ist; das heißt, sie haben Selbstständigkeit nur im Ganzen, das aber +zugleich die den Theilen andere Selbstständigkeit ist. + +Das Ganze und die Theile bedingen sich daher gegenseitig; aber das hier +betrachtete Verhältniß, steht zugleich höher, als die Beziehung des +Bedingten und der Bedingung auf einander, wie sie sich oben bestimmt +hatte. Diese Beziehung ist hier realisirt; nämlich es ist gesetzt, daß +die Bedingung so die wesentliche Selbstständigkeit des Bedingten ist, +daß sie durch dieses vorausgesetzt wird. Die Bedingung als solche ist +nur das Unmittelbare, und nur an sich vorausgesetzt. Das Ganze aber ist +die Bedingung zwar der Theile, aber es enthält zugleich unmittelbar +selbst, daß auch es nur ist, insofern es die Theile zur Voraussetzung +hat. Indem so beide Seiten des Verhältnisses gesetzt sind als sich +gegenseitig bedingend, ist jede eine unmittelbare Selbstständigkeit an +ihr selbst, aber ihre Selbstständigkeit ist ebenso sehr vermittelt oder +gesetzt durch die andere. Das ganze Verhältniß ist durch diese +Gegenseitigkeit die Rückkehr des Bedingens in sich selbst, das nicht +Relative, das Unbedingte. + +Indem nun die Seiten des Verhältnisses jede nicht in ihr selbst ihre +Selbstständigkeit, sondern in ihrer andern hat, so ist nur Eine +Identität beider vorhanden, in welcher beide nur Momente sind; aber +indem jede an ihr selbst selbstständig ist, so sind sie zwei +selbstständige Existenzen, die gegen einander gleichgültig sind. + +Nach der ersten Rüksicht, der wesentlichen Identität dieser Seiten, ist +das Ganze den Theilen und die Theile dem Ganzen gleich. Es ist nichts +im Ganzen, was nicht in den Theilen, und nichts in den Theilen, was +nicht im Ganzen ist. Das Ganze ist nicht abstrakte Einheit, sondern die +Einheit als einer verschiedenen Mannigfaltigkeit; diese Einheit aber +als das, worin das Mannigfaltige sich auf einander bezieht, ist die +Bestimmtheit desselben, wodurch es Theil ist. Das Verhältniß hat also +eine untrennbare Identität, und mir Eine Selbstständigkeit. + +Aber ferner ist das Ganze den Theilen gleich; allein nicht denselben +als Theilen; das Ganze ist die reflektirte Einheit, die Theile aber +machen das bestimmte Moment oder das Andersseyn der Einheit aus, und +sind das verschiedene Mannigfaltige. Das Ganze ist ihnen nicht gleich +als diesem selbstständigen Verschiedenen, sondern als ihnen zusammen. +Dieß ihr Zusammen aber ist nichts Anderes, als ihre Einheit, das Ganze +als solches. Das Ganze ist also in den Theilen nur sich selbst gleich, +und die Gleichheit desselben und der Theile drückt nur die Tautologie +aus, daß das Ganze als Ganzes nicht den Theilen, sondern dem Ganzen +gleich ist. + +Umgekehrt sind die Theile dem Ganzen gleich; aber weil sie das Moment +des Andersseyns an ihnen selbst sind, so sind sie ihm nicht gleich als +der Einheit, sondern so daß eine seiner mannigfaltigen Bestimmungen auf +den Theil kommt, oder daß sie ihm als Mannigfaltigem gleich sind; das +heißt, sie sind ihm als getheiltem Ganzen d. i. als den Theilen gleich. +Es ist hiermit dieselbe Tautologie vorhanden, daß die Theile als +Theile, nicht dem Ganzen als solchem, sondern in ihm sich selbst, den +Theilen, gleich sind. + +Das Ganze und die Theile fallen auf diese Weise gleichgültig aus +einander; jede dieser Seiten bezieht sich nur auf sich. Aber so aus +einander gehalten zerstören sie sich selbst. Das Ganze, das +gleichgültig ist gegen die Theile, ist die abstrakte, in sich nicht +unterschiedene Identität; diese ist Ganzes nur als in sich selbst +unterschieden, und zwar so in sich unterschieden, daß diese +mannigfaltigen Bestimmungen in sich reflektirt sind und unmittelbare +Selbstständigkeit haben. Und die Reflexionsidentität hat sich durch +ihre Bewegung gezeigt, diese Reflexion in ihr Anderes zu ihrer Wahrheit +zu haben.—Ebenso sind die Theile als gleichgültig gegen die Einheit des +Ganzen, nur das unbezogene Mannigfaltige, das in sich Andere, welches +als solches das Andere seiner selbst und sich nur Aufhebende ist.—Diese +Beziehung-auf-sich jeder der beiden Seiten, ist ihre Selbstständigkeit; +aber diese ihre Selbstständigkeit, die jede für sich hat, ist vielmehr +die Negation ihrer selbst. Jede hat daher ihre Selbstständigkeit nicht +an ihr selbst, sondern an der andern; diese andere, die das Bestehen +ausmacht, ist ihr vorausgesetztes Unmittelbare, das Erstes und ihr +Anfang seyn soll; aber dieses Erste einer jeder ist selbst nur ein +solches, das nicht Erstes ist, sondern an dem andern seinen Anfang hat. + +Die Wahrheit des Verhältnisses besteht also in der Vermittelung; sein +Wesen ist die negative Einheit, in welcher ebenso wohl die reflektirte +als die seyende Unmittelbarkeit aufgehoben sind. Das Verhältniß ist der +Widerspruch, der in seinen Grund zurückgeht, in die Einheit, welche als +rückkehrend die reflektirte Einheit ist, aber indem diese ebenso sehr +sich als aufgehobene gesetzt hat, bezieht sie sich negativ auf sich +selbst, hebt sich auf, und macht sich zur seyenden Unmittelbarkeit. +Aber diese ihre negative Beziehung, insofern sie ein Erstes und +Unmittelbares ist, ist nur vermittelt durch ihr Anderes, und ebenso +sehr ein Gesetztes. Dieß Andere, die seyende Unmittelbarkeit, ist +ebenso sehr nur als aufgehobene; ihre Selbstständigkeit ist ein Erstes, +aber nur um zu verschwinden, und hat ein Daseyn, das gesetzt und +vermittelt ist. + +In dieser Bestimmung ist das Verhältniß nicht mehr das des Ganzen und +der Theile; die Unmittelbarkeit, welche seine Seiten hatten, ist in +Gesetztseyn und Vermittelung übergegangen; es ist jede gesetzt, +insofern sie unmittelbar ist, als sich aufhebend, und in die andere +übergehend; und insofern sie selbst negative Beziehung ist, zugleich +durch die andere als durch ihr Positives bedingt zu seyn; wie auch ihr +unmittelbares Übergehen ebenso sehr ein Vermitteltes ist, ein Aufheben +nämlich, das durch die andere gesetzt wird.—So ist das Verhältniß des +Ganzen und der Theile in das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung +übergegangen. + +Anmerkung. + +Es ist oben (1ster Th. 1ste Abth. S. 216) die Antinomie der unendlichen +Theilbarkeit der Materie, beim Begriffe der Quantität betrachtet +worden. Die Quantität ist die Einheit der Kontinuität und der +Diskretion; sie enthält im selbstständigen Eins sein +Zusammengeflossenseyn mit andern, und in dieser sich ohne Unterbrechung +fortsetzenden Identität mit sich ebenso die Negation derselben. Indem +die unmittelbare Beziehung dieser Momente der Quantität, als das +wesentliche Verhältniß des Ganzen und der Theile, das Eins der +Quantität als Theil, die Kontinuität desselben aber als Ganzes, das +zusammengesetzt ist aus Theilen, ausgedrückt wird, so besteht die +Antinomie in dem Widerspruche, der am Verhältnisse des Ganzen und der +Theile, vorgekommen und aufgelöst worden ist.—Ganzes und Theile sind +nämlich ebenso wesentlich auf einander bezogen und machen nur Eine +Identität aus, als sie gleichgültig gegen einander sind und +selbstständiges Bestehen haben. Das Verhältniß ist daher diese +Antinomie, daß das Eine Moment, darin, daß es sich vom andern befreit, +unmittelbar das andere herbeiführt. + +Das Existirende also als Ganzes bestimmt, so hat es Theile, und die +Theile machen sein Bestehen aus; die Einheit des Ganzen ist nur eine +gesetzte Beziehung, eine äußere Zusammensetzung, welche das +selbstständig Existirende nichts angeht. Insofern dieses nun Theil ist, +so ist es nicht Ganzes, nicht Zusammengesetztes, somit Einfaches. Aber +indem ihm die Beziehung auf ein Ganzes äußerlich ist, so geht sie +dasselbe nichts an; das Selbstständige ist somit auch nicht an sich +Theil; denn Theil ist es nur durch jene Beziehung. Aber indem es nun +nicht Theil ist, so ist es Ganzes, denn es ist nur dieß Verhältniß von +Ganzem und von Theilen vorhanden; und das Selbstständige ist eins von +beiden. Indem es aber Ganzes ist, so ist es wieder zusammengesetzt; es +besteht wieder aus Theilen und so fort ins Unendliche.—Diese +Unendlichkeit besteht in nichts anderem als in der perennirenden +Abwechslung der beiden Bestimmungen des Verhältnisses, in deren jeder +die andere unmittelbar entsteht, so daß das Gesetztseyn jeder das +Verschwinden ihrer selbst ist. Die Materie als Ganzes bestimmt, so +besteht sie aus Theilen und an diesen wird das Ganze zur unwesentlichen +Beziehung und verschwindet. Der Theil aber so für sich, ist er auch +nicht Theil, sondern das Ganze.—Die Antinomie dieses Schlusses ganz +nahe zusammengerückt, ist eigentlich diese: Weil das Ganze nicht das +Selbstständige ist, ist der Theil das Selbstständige; aber weil er nur +ohne das Ganze selbstständig ist, so ist er selbstständig, nicht als +Theil, sondern vielmehr als Ganzes. Die Unendlichkeit des Progresses, +der entsteht, ist die Unfähigkeit, die beiden Gedanken zusammen zu +bringen, welche diese Vermittelung enthält, daß nämlich jede der beiden +Bestimmungen durch ihre Selbstständigkeit und Trennung von der andern, +in Unselbstständigkeit und in die andre übergeht. + +B. Das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung. + +Die Kraft ist die negative Einheit, in welche sich der Widerspruch des +Ganzen und der Theile aufgelöst hat, die Wahrheit jenes ersten +Verhältnisses. Das Ganze und die Theile ist das gedankenlose +Verhältniß, auf welches die Vorstellung zunächst verfällt; oder +objektiv ist es das todte, mechanische Aggregat, das zwar +Formbestimmungen hat, wodurch die Mannigfaltigkeit seiner +selbstständigen Materie in einer Einheit bezogen wird, welche aber +derselben äußerlich ist.—Das Verhältniß der Kraft aber ist die höhere +Rückkehr in sich, worin die Einheit des Ganzen, welche die Beziehung +des selbstständigen Andersseyns ausmachte, aufhört, dieser +Mannigfaltigkeit ein Äußerliches und Gleichgültiges zu seyn. + +Wie sich das wesentliche Verhältniß nunmehr bestimmt hat, sind die +unmittelbare und die reflektirte Selbstständigkeit in derselben als +aufgehobene oder als Momente gesetzt, die im vorhergehenden +Verhältnisse für sich bestehende Seiten oder Extreme waren. Es ist +darin enthalten erstens, daß die reflektirte Einheit, und ihr +unmittelbares Daseyn, insofern beide erste und unmittelbare sind, sich +an sich selbst aufheben und in ihr Anderes übergehen; jene, die Kraft, +geht in ihre Äußerung, über, und das Äußerliche ist ein +Verschwindendes, das in die Kraft, als in ihren Grund zurückgeht, und +nur ist, als von derselben getragen und gesetzt. Zweitens ist dieß +Übergehen nicht nur ein Werden und Verschwinden, sondern es ist +negative Beziehung auf sich, oder das seine Bestimmung Ändernde ist +darin zugleich in sich reflektirt und erhält sich; die Bewegung der +Kraft ist nicht so sehr ein Übergehen, als daß sie sich selbst über +setzt, und in dieser durch sie selbst gesetzten Veränderung bleibt, was +sie ist.—Drittens ist diese reflektirte, sich auf sich beziehende +Einheit selbst auch aufgehoben und Moment; sie ist vermittelt durch ihr +Anderes, und hat dasselbe zur Bedingung; ihre negative Beziehung auf +sich, die Erstes ist und die Bewegung ihres Übergehens aus sich +anfängt, hat ebenso sehr eine Voraussetzung, von der sie sollicitirt +wird, und ein Anderes, von dem sie anfängt. + +a. Das Bedingtseyn der Kraft. + +In ihren näheren Bestimmungen betrachtet, hat erstens die Kraft das +Moment der seyenden Unmittelbarkeit an ihr; sie selbst ist dagegen +bestimmt als die negative Einheit. Aber diese in der Bestimmung des +unmittelbaren Seyns ist ein existirendes Etwas. Dieß Etwas erscheint, +weil es die negative Einheit als Unmittelbares ist, als das Erste, die +Kraft dagegen, weil sie das reflektirte ist, als das Gesetztseyn, und +insofern als angehörig dem existirenden Dinge oder einer Materie. Nicht +daß sie die Form dieses Dings und das Ding durch sie bestimmt wäre; +sondern das Ding ist als Unmittelbares gleichgültig gegen sie. —Es +liegt in ihm nach dieser Bestimmung kein Grund, eine Kraft zu haben; +die Kraft hingegen als die Seite des Gesetztseyns hat wesentlich das +Ding zu seiner Voraussetzung. Wenn daher gefragt wird, wie das Ding +oder die Materie dazu komme, eine Kraft zu haben, so erscheint diese +als äußerlich damit verbunden und dem Dinge durch eine fremde Gewalt +eingedrückt. + +Als dieß unmittelbare Bestehen ist die Kraft eine ruhige Bestimmtheit +des Dings überhaupt; nicht ein sich Äußerndes, sondern unmittelbar ein +äußerliches. So wird die Kraft auch als Materie bezeichnet, und statt +magnetischer, elektrischer u.s.f. Kraft, eine magnetische, elektrische +u.s.f. Materie angenommen; oder statt der berühmten anziehenden Kraft +ein feiner Äther, der alles zusammenhalte.—Es sind die Materien, in +welche sich die unthätige, kraftlose negative Einheit des Dings +auflöst, und die oben betrachtet wurden. + +Aber die Kraft enthält die unmittelbare Existenz, als Moment, als ein +solches das zwar Bedingung ist, aber übergeht und sich aufhebt; also +nicht als ein existirendes Ding. Sie ist ferner nicht die Negation als +Bestimmtheit, sondern negative, sich in sich reflektirende Einheit. Das +Ding, an dem die Kraft seyn sollte, hat somit hier keine Bedeutung +mehr; sie selbst ist vielmehr Setzen der Äußerlichkeit, welche als +Existenz erscheint. Sie ist also auch nicht bloß eine bestimmte +Materie; solche Selbstständigkeit ist längst in das Gesetztseyn und in +die Erscheinung übergegangen. + +Zweitens, die Kraft ist die Einheit des reflektirten und des +unmittelbaren Bestehens, oder der Formeinheit und der äußerlichen +Selbstständigkeit. Sie ist beides in Einem; sie ist die Berührung +solcher, deren das Eine ist, insofern das Andere nicht ist; die mit +sich identische positive, und die negirte Reflexion. Die Kraft ist so +der sich von sich selbst abstoßende Widerspruch; sie ist thätig; oder +sie ist die sich auf sich beziehende negative Einheit, in welcher die +reflektirte Unmittelbarkeit oder das wesentliche Insichseyn gesetzt +ist, nur als Aufgehobenes oder Moment zu seyn, somit insofern sie sich +von der unmittelbaren Existenz unterscheidet, in diese überzugehen. Die +Kraft also als die Bestimmung der reflektirten Einheit des Ganzen ist +gesetzt, als zur existirenden äußerlichen Mannigfaltigkeit aus sich +selbst zu werden. + +Aber drittens ist die Kraft nur erst ansichseyende und unmittelbare +Thätigkeit; sie ist die reflektirte Einheit, und ebenso wesentlich die +Negation derselben; indem sie von dieser verschieden, aber nur als die +Identität ihrer selbst und ihrer Negation ist, so ist sie auf diese, +als eine ihr äußerliche Unmittelbarkeit wesentlich bezogen und hat +dieselbe zur Voraussetzung und Bedingung. + +Diese Voraussetzung nun ist nicht ein ihr gegenüber sich befindliches +Ding; diese gleichgültige Selbstständigkeit ist in der Kraft +aufgehoben; als ihre Bedingung ist es ein ihr anderes Selbstständiges. +Weil es aber nicht Ding ist, sondern die selbstständige Unmittelbarkeit +hier sich zugleich als sich auf sich selbst beziehende negative Einheit +bestimmt hat, so ist es selbst Kraft. —Die Thätigkeit der Kraft ist +durch sich selbst als durch das sich Andere, durch eine Kraft bedingt. + +Die Kraft ist auf diese Weise Verhältniß, in welchem jede Seite +dasselbe ist als die andere. Es sind Kräfte, die im Verhältnisse +stehen, und zwar wesentlich sich auf einander beziehen.—Sie sind ferner +zunächst nur verschiedene überhaupt; die Einheit ihres Verhältnisses +ist nur erst die innre an sich seyende Einheit. Das Bedingtseyn durch +eine andere Kraft ist so an sich das Thun der Kraft selbst; oder sie +ist insofern erst voraus setzendes, sich nur negativ auf sich +beziehendes Thun; diese andere Kraft liegt noch jenseits ihrer +setzenden Thätigkeit, nämlich der in ihrem Bestimmen unmittelbar in +sich zurückkehrenden Reflexion. + +b. Die Sollicitation der Kraft. + +Die Kraft ist bedingt, weil das Moment der unmittdbaren Existenz, das +sie enthält, nur als ein Gesetztes,—aber weil es zugleich Unmittelbares +ist, ein Vorausgesetztes ist, in welchem die Kraft sich selbst negirt. +Die für die Kraft vorhandene Äußerlichkeit ist daher ihre eigene +voraussetzende Thätigkeit selbst, welche zunächst als eine andere Kraft +gesetzt ist. + +Dieses Voraussetzen ist ferner gegenseitig. Jede der beiden Kräfte +enthält die in sich reflektirte Einheit als aufgehoben, und ist daher +voraussetzend; sie setzt sich selbst als äußerlich; dieß Moment der +Äußerlichkeit ist ihr eigenes; aber weil sie ebenso sehr in sich +reflektirte Einheit ist, setzt sie zugleich diese ihre Äußerlichkeit +nicht in ihr selbst, sondern als eine andre Kraft. + +Aber das Äußerliche als solches ist das sich selbst aufhebende; ferner +die sich in sich reflektirende Thätigkeit ist wesentlich bezogen auf +jenes Äußerliche als auf das ihr Andre, aber ebenso sehr als auf ein an +sich Nichtiges und mit ihr Identisches. Da die voraussetzende +Thätigkeit ebenso sehr Reflexion in sich ist, ist sie das Aufheben +jener ihrer Negation, und setzt dieselbe als sich selbst oder als ihr +Äußerliches. So ist die Kraft als bedingend, gegenseitig ein Anstoß für +die andre Kraft, gegen den sie thätig ist. Ihr Verhalten ist nicht die +Passivität des Bestimmtwerdens, so daß dadurch etwas Anderes in sie +käme; sondern der Anstoß sollicitirt sie nur. Sie ist an ihr selbst die +Negativität ihrer, das Abstoßen ihrer von sich ist ihr eigenes Setzen. +Ihr Thun besteht also darin, dieß aufzuheben, daß jener Anstoß ein +Äußerliches sey; sie macht es zu einem bloßen Anstoß und setzt es als +das eigne Abstoßen ihrer selbst von sich, als ihre eigene Äußerung. + +Die sich äußernde Kraft ist also dasselbe, was zuerst nur die +voraussetzende Thätigkeit war; nämlich sich äußerlich machend; aber die +Kraft als sich äußernd ist zugleich die Äußerlichkeit negirende und sie +als das ihrige setzende Thätigkeit. Insofern nun in dieser Betrachtung +von der Kraft angefangen wird, als sie die negative Einheit ihrer +selbst und damit voraussetzende Reflexion ist, so ist es dasselbe, als +wenn in der Äußerung der Kraft vom sollicitirenden Anstosse angefangen +wird. Die Kraft ist so in ihrem Begriffe zuerst bestimmt als sich +aufhebende Identität, und in ihrer Realität, die eine der beiden Kräfte +als sollicitirend und die andere als sollicitirt werdend. Aber der +Begriff der Kraft ist überhaupt die Identität der setzenden und +voraussetzenden Reflexion oder der reflektirten und der unmittelbaren +Einheit, und jede dieser Bestimmungen schlechthin nur Moment, in +Einheit, und somit als vermittelt durch die andere. Aber ebenso ist +keine Bestimmung an den beiden in Wechselbeziehung stehenden Kräften +vorhanden, welche die sollicitirende oder die sollicitirt werdende sey, +oder vielmehr jeder kommen auf gleiche Weise beide Formbestimmungen zu. +Aber diese Identität ist nicht nur eine äußerliche der Vergleichung, +sondern eine wesentliche Einheit derselben. + +Die eine Kraft nämlich ist zunächst bestimmt als sollicitirende, und +die andere als sollicitirt-werdende; diese Formbestimmungen erscheinen +auf diese Weise als unmittelbare, an sich vorhandene Unterschiede der +beiden Kräfte. Aber sie sind wesentlich vermittelt. Die eine Kraft wird +sollicitirt; dieser Anstoß ist eine in sie von außen gesetzte +Bestimmung. Aber die Kraft ist selbst das Voraussetzende; sie ist +wesentlich sich in sich reflektirend und es aufhebend, daß der Anstoß +ein Äußerliches sey. Daß sie sollicitirt wird, ist daher ihr eigenes +Thun, oder es ist durch sie selbst bestimmt, daß die andere Kraft eine +andere überhaupt und die sollicitirende ist. Die sollicitirende bezieht +sich auf ihre andere negativ, so daß sie die Äußerlichkeit derselben +aufhebt, sie ist insofern setzend; aber sie ist dieß nur durch die +Voraussetzung, sich eine andere gegenüber zu haben; das ist, sie ist +sollicitirend selbst nur, insofern sie eine Äußerlichkeit an ihr hat, +somit insofern sie sollicitirt wird. Oder sie ist sollicitirend nur +insofern als sie dazu sollicitirt wird, sollicitirend zu seyn. Somit +wird umgekehrt die erste sollicitirt, nur insofern als sie selbst die +andere dazu sollicitirt, sie, nämlich die erstere zu sollicitiren. Jede +von beiden erhält also den Anstoß von der anderen; aber der Aiistoß, +den sie als thätige gibt, besteht darin, daß sie von der anderen einen +Anstoß erhalte; der Anstoß, den sie erhält, ist von ihr selbst +sollicitirt. Beides, der gegebene und der empfangene Anstoß, oder die +thätige Äußerung und die passive Äußerlichkeit ist daher nicht ein +Unmittelbares, sondern vermittelt, und zwar ist jede der beiden Kräfte +hiermit selbst die Bestimmtheit, welche die andere gegen sie hat, ist +vermittelt durch die andere, und dieß vermittelnde Andere ist wieder +ihr eigenes bestimmendes Setzen. + +So ist also dieß, daß auf die Kraft ein Anstoß durch eine andere Kraft +geschieht, daß sie sich insofern passiv verhält, aber hinwieder von +dieser Passivität in die Aktivität übergeht,—der Rükgang der Kraft in +sie selbst. Sie äussert sich. Die Äußerung ist Reaktion in dem Sinne, +daß sie die Äußerlichkeit als ihr eigenes Moment setzt, und somit es +aufhebt, daß sie durch eine andere Kraft sollicitirt worden sey. Beides +ist daher eines, die Äußerung der Kraft, wodurch sie sich durch ihre +negative Thätigkeit auf sich selbst ein Daseyn-für-Anderes giebt, und +die unendliche Rückkehr in dieser Äußerlichkeit auf sich selbst, so daß +sie darin sich nur auf sich bezieht. Die voraussetzende Reflexion, +welcher das Bedingtseyn und der Anstoß angehört, ist daher unmittelbar +auch die in sich zurückkehrende Reflexion, und die Thätigkeit ist +wesentlich reagirende, gegen sich. Das Setzen des Anstoßes oder +Äußerlichen ist selbst das Aufheben desselben, und umgekehrt ist das +Aufheben des Anstoßes das Setzen der Äußerlichkeit. + +c. Die Unendlichkeit der Kraft. + +Die Kraft ist endlich, insofern ihre Momente noch die Form der +Unmittelbarkeit haben; ihre voraussetzende und ihre sich auf sich +beziehende Reflexion sind in dieser Bestimmung unterschieden; jene +erscheint als eine für sich bestehende äußerliche Kraft, und die andere +in der Beziehung auf sie als passiv. Die Kraft ist so der Form nach +bedingt, und dem Inhalte nach gleichfalls beschränkt; denn eine +Bestimmtheit der Form nach enthält auch eine Beschränkung des Inhalts. +Aber die Thätigkeit der Kraft besteht darin sich zu äußern; das heißt, +wie sich ergeben hat, die Äußerlichkeit aufzuheben und sie als das zu +bestimmen, worin sie identisch mit sich ist. Was also die Kraft in +Wahrheit äußert, ist dieß, daß ihre Beziehung auf Anderes ihre +Beziehung auf sich selbst ist, daß ihre Passivität in ihrer Aktivität +selbst besteht. Der Anstoß, wodurch sie zur Thätigkeit sollicitirt +wird, ist ihr eigenes Sollicitiren; die Äußerlichkeit, welche an sie +kommt, ist kein Unmittelbares, sondern ein durch sie Vermitteltes; so +wie ihre eigene wesentliche Identität mit sich, nicht unmittelbar, +sondern durch ihre Negation vermittelt ist; oder die Kraft äußert dieß, +daß ihre Äußerlichkeit identisch ist mit ihrer Innerlichkeit. + +C. Verhältniß des Äußern und Innern. + +1. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile ist das unmittelbare; die +reflektirte und die seyende Unmittelbarkeit haben daher in ihm jede +eine eigene Selbstständigkeit; aber indem sie im wesentlichen +Verhältnisse stehen, so ist ihre Selbstständigkeit nur ihre negative +Einheit. Dieß ist nun in der Äußerung der Kraft gesetzt; die +reflektirte Einheit ist wesentlich das Anderswerden, als Übersetzen +ihrer selbst in die Äußerlichkeit; aber diese ist ebenso unmittelbar in +jene zurückgenommen; der Unterschied der selbstständigen Kräfte hebt +sich auf; die Äußerung der Kraft ist nur eine Vermittelung der +reflektirten Einheit mit sich selbst. Es ist nur ein leerer +durchsichtiger Unterschied, der Schein, vorhanden, aber dieser Schein +ist die Vermittelung, welche das selbstständige Bestehen selbst ist. Es +sind nicht nur entgegengesetzte Bestimmungen, die sich an ihnen selbst +aufheben, und ihre Bewegung nicht nur ein Übergehen, sondern Theils ist +die Unmittelbarkeit, von der angefangen und ins Andersseyn übergegangen +wurde, selbst nur als gesetzte, Theils ist dadurch jede der +Bestimmungen in ihrer Unmittelbarkeit schon die Einheit mit ihrer +andern und das Übergehen dadurch schlechthin ebenso sehr die sich +setzende Rückkehr in sich. + +Das Innere ist als die Form der reflektirten Unmittelbarkeit oder des +Wesens, gegen das Äußere als die Form des Seyns bestimmt, aber beide +sind nur Eine Identität.—Diese Identität ist erstens die gediegene +Einheit beider als inhaltsvolle Grundlage, oder die absolute Sache, an +der die beiden Bestimmungen gleichgültige, äußerliche Momente sind. +Insofern ist sie Inhalt und die Totalität, welche das Innere ist, das +ebenso sehr äußerlich wird, aber darin nicht ein Gewordenes oder +Übergegangenes, sondern sich selbst gleich ist. Das Äußere ist nach +dieser Bestimmung dem Innern, dem Inhalte nach nicht nur gleich, +sondern beide sind nur Eine Sache.—Aber diese Sache als einfache +Identität mit sich ist verschieden von ihren Formbestimmungen, oder +diese sind ihr äußerlich; sie ist insofern selbst ein Inneres, das von +ihrer Äußerlichkeit verschieden ist. Diese Äußerlichkeit aber besteht +darin, daß die beiden Bestimmungen selbst, nämlich das Innere und +Äußere, sie ausmachen. Aber die Sache ist selbst nichts Anderes, als +die Einheit beider. Somit sind beide Seiten dem Inhalte nach wieder +dasselbe. Aber in der Sache sind sie als sich durchdringende Identität, +als inhaltsvolle Grundlage. Aber in der Äußerlichkeit, als Formen der +Sache, sind sie gegen jene Identität und somit beide gegen einander +gleichgültig. + +2. Sie sind auf diese Weise die verschiedenen Formbestimmungen, welche +nicht an ihnen selbst, sondern an einem Andern eine identische +Grundlage haben; Reflexions-Bestimmungen, die für sich sind; das Innere +als die Form der Reflexion-in-sich, der Wesentlichkeit; das Äußere aber +als die Form der in Anderes reflektirten Unmittelbarkeit, oder der +Unwesentlichkeit. Allein die Natur des Verhältnisses hat gezeigt, daß +diese Bestimmungen schlechthin nur eine Identität ausmachen. Die Kraft +ist in ihrer Äußerung dieß, daß das voraussetzende und das in sich +zurückkehrende Bestimmen eines und dasselbe ist. Insofern daher Inneres +und Äußeres als Formbestimmungen betrachtet worden, so sind sie +erstlich nur die einfache Form selbst, und zweitens weil sie darin +zugleich als entgegengesetzte bestimmt sind, so ist ihre Einheit die +reine abstrakte Vermittelung, in welcher die eine unmittelbar die +andere, und darum die andere ist, weil sie die eine ist. So ist das +Innere unmittelbar nur das Äußere, und es ist darum die Bestimmtheit +der Äußerlichkeit, weil es das Innere ist; umgekehrt das Äußere ist nur +ein Inneres, weil es nur ein Äußeres ist.—Indem nämlich diese +Formeinheit ihre beiden Bestimmungen als entgegengesetzte enthält, ist +ihre Identität nur dieß Übergehen; und darin nur die andere von beiden, +nicht ihre inhaltsvolle Identität. Oder dieß Festhalten der Form ist +überhaupt die Seite der Bestimmtheit. Was nach derselben gesetzt ist, +ist nicht die reale Totalität des Ganzen, sondern die Totalität oder +die Sache selbst nur in der Bestimmtheit der Form; weil diese die +schlechthin zusammengebundene Einheit beider entgegengesetzter +Bestimmungen ist, so ist, indem die eine zuerst genommen wird, und es +ist gleichgültig, welche es sey, von der Grundlage oder Sache zu sagen, +daß sie darum ebenso wesentlich in der andern Bestimmtheit, aber +gleichfalls nur in der andern ist; so wie zuerst gesagt wurde, daß sie +nur in der erstern ist.-So ist Etwas, das nur erst ein Inneres ist, +eben darum nur ein Äußeres. Oder umgekehrt, etwas das nur ein Äußeres +ist, ist eben darum nur ein Inneres. Oder indem das Innere als Wesen, +das Äußere aber als Seyn bestimmt ist, so ist eine Sache, insofern sie +nur in ihrem Wesen ist, eben darum nur ein unmittelbares Seyn; oder +eine Sache, welche nur ist, ist eben darum nur erst noch in ihrem +Wesen.—Das Äußere und Innere sind die Bestimmtheit so gesetzt, daß jede +dieser beiden Bestimmungen, nicht nur die andere voraussetzt und in sie +als in ihre Wahrheit übergeht, sondern daß sie, insofern sie diese +Wahrheit der andern ist, als Bestimmtheit gesetzt bleibt, und auf die +Totalität beider hinweist.—Das Innere ist somit die Vollendung des +Wesens der Form nach. Das Wesen, indem es nämlich als Inneres bestimmt +ist, enthält es, daß es mangelhaft und nur ist, als Beziehung auf sein +Anderes, das Äußere; aber dieses ist ebenso nicht nur Seyn oder auch +Existenz, sondern als auf das Wesen oder das Innere sich beziehend. +Aber es ist nicht nur die Beziehung beider auf einander, sondern die +bestimmte der absoluten Form, daß jedes unmittelbar sein Gegentheil +ist, und ihre gemeinschaftliche Beziehung auf ihr Drittes oder vielmehr +auf ihre Einheit vorhanden. Ihre Vermittelung entbehrt aber noch dieser +sie beide enthaltenden identischen Grundlage; ihre Beziehung ist +deswegen die unmittelbare Umkehrung des Einen in das Andere; und diese +negative Einheit, die sie zusammenknüpft, ist der einfache, inhaltslose +Punkt. + +Anmerkung. + +Die Bewegung des Wesens ist überhaupt das Werden zum Begriffe. In dem +Verhältnisse des Innern und Äußern tritt das wesentliche Moment +desselben hervor, daß nämlich seine Bestimmungen gesetzt sind, so in +der negativen Einheit zu seyn, daß jede unmittelbar nicht nur als ihre +andere, sondern auch als die Totalität des Ganzen ist. Aber diese +Totalität ist im Begriffe als solchem das Allgemeine;—eine Grundlage, +die im Verhältniß des Innern und Äußern noch nicht vorhanden ist.—In +der negativen Identität des Innern und Äußern, welche die unmittelbare +Umkehrung der einen dieser Bestimmungen in die andere ist, fehlt auch +diejenige Grundlage, welche vorhin die Sache genannt wurde.-Die +unvermittelte Identität der Form, wie sie hier noch ohne die +inhaltsvolle Bewegung der Sache selbst gesetzt ist, ist sehr wichtig +bemerkt zu werden. Sie kommt in der Sache vor, wie diese in ihrem +Anfange ist. So ist das reine Seyn unmittelbar das Nichts. Überhaupt +ist alles Reale in seinem Anfange eine solche nur unmittelbare +Identität; denn in seinem Anfange hat es die Momente noch nicht +entgegengesetzt und entwickelt, einer Seits aus der Äußerlichkeit sich +noch nicht erinnert, anderer Seits sich aus der Innerlichkeit durch +seine Thätigkeit noch nicht entäußert und hervorgebracht; es ist daher +nur das Innere als Bestimmtheit gegen das Äußere, und nur das Äußere +als Bestimmtheit gegen das Innere. Somit ist es Theils nur ein +unmittelbares Seyn; Theils insofern es ebenso sehr die Negativität ist, +welche die Thätigkeit der Entwicklung werden soll, ist es als solches +wesentlich erst nur ein Inneres.—In aller natürlichen, +wissenschaftlichen und geistigen Entwicklung überhaupt, bietet sich +dieß dar, und es ist wesentlich dieß zu erkennen, daß das Erste, indem +Etwas nur erst innerlich oder auch in seinem Begriffe ist, eben darum +nur sein unmittelbares, passives Daseyn ist. So—um gleich das nächste +Beispiel zu nehmen, —ist das hier betrachtete wesentliche Verhältniß, +eh es sich durch die Vermittelung, das Verhältniß der Kraft, hindurch +bewegt und realisirt hat, nur das Verhältniß an sich, sein Begriff, +oder erst innerlich. Deswegen aber ist es nur das äußerliche, +unmittelbare Verhältniß; das Verhältniß des Ganzen und der Theile, in +welchem die Seiten ein gleichgültiges Bestehen gegen einander haben. +Ihre Identität ist an ihnen selbst noch nicht; sie ist erst innerlich, +und deswegen fallen sie auseinander, haben ein unmittelbares, +äußerliches Bestehen.—So ist die Sphäre des Seyns überhaupt nur erst +das schlechthin noch Innere, und deswegen ist sie die Sphäre der +seyenden Unmittelbarkeit oder der Äußerlichkeit.—Das Wesen ist nur erst +das Innere; darum wird es auch für eine ganz äußerliche, systemlose +Gemeinschaftlichkeit genommen; man sagt, das Schulwesen, Zeitungswesen, +und versteht darunter ein Gemeinschaftliches, das durch äußeres +Zusammennehmen von existirenden Gegenständen, insofern sie ohne alle +wesentliche Verbindung, ohne Organisation, gemacht ist. —Oder an +konkreten Gegenständen, so ist der Keim der Pflanze, das Kind, nur erst +innere Pflanze, innerlicher Mensch. Aber darum ist die Pflanze oder der +Mensch als Keim ein Unmittelbares, ein Äußeres, das sich noch nicht die +negative Beziehung auf sich selbst gegeben hat, ein Passives, dem +Andersseyn Preisgegebenes.—So ist auch Gott in seinem unmittelbaren +Begriffe nicht Geist; der Geist ist nicht das Unmittelbare, der +Vermittelung entgegengesetzte, sondern vielmehr das seine +Unmittelbarkeit ewig setzende und ewig aus ihr in sich zurückkehrende +Wesen. Unmittelbar ist daher Gott nur die Natur. Oder die Natur ist nur +der innere, nicht als Geist wirkliche und damit nicht der wahrhafte +Gott.—Oder Gott ist im Denken, als erstem Denken, nur das reine Seyn, +oder auch das Wesen, das abstrakte Absolute; nicht aber Gott als +absoluter Geist, als welcher allein die wahrhafte Natur Gottes ist. + +3. Die erste der betrachteten Identitäten des Innern und Äußern ist die +gegen den Unterschied dieser Bestimmungen als gegen eine ihr äußere +Form gleichgültige Grundlage, oder sie als Inhalt. Die zweite ist die +unvermittelte Identität ihres Unterschiedes, die unmittelbare Umkehrung +jeder in ihre entgegengesetzte;—oder sie als reine Form. Aber diese +beiden Identitäten sind nur die Seiten Einer Totalität; oder sie selbst +ist nur die Umkehrung der einen in die andre. Die Totalität als +Grundlage und Inhalt ist diese in sich reflektirte Unmittelbarkeit nur +durch die voraussetzende Reflexion der Form, die ihren Unterschied +aufhebt, und sich als gleichgültige Identität, als reflektirte Einheit +gegen ihn setzt. Oder der Inhalt ist die Form selbst, insofern sie sich +als Verschiedenheit bestimmt, und sich selbst zu einer ihrer Seiten, +als Äußerlichkeit, zu der andern aber als in sich reflektirte +Unmittelbarkeit oder zum Innern macht. + +Dadurch sind also umgekehrt die Unterschiede der Form, das Innere und +das Äußere, jedes an ihm selbst gesetzt als die Totalität seiner und +seines Andern; das Innere ist als einfache in sich reflektirte +Identität, das Unmittelbare und daher so sehr Seyn und Äußerlichkeit, +als Wesen; und das Äußere ist als das mannigfaltige, bestimmte Seyn, +nur Äußeres d. h. gesetzt als unwesentlich und in seinen Grund +zurückgegangen, somit als Inneres. Dieses Übergehen beider in einander +ist ihre unmittelbare Identität, als Grundlage; aber es ist auch ihre +vermittelte Identität; nämlich jedes ist eben durch sein Anderes, was +es an sich ist, die Totalität des Verhältnisses. Oder umgekehrt die +Bestimmtheit einer jeden Seite ist dadurch, daß sie an ihr die +Totalität ist, mit der andern Bestimmtheit vermittelt; die Totalität +vermittelt sich so durch die Form oder die Bestimmtheit mit sich +selbst, und die Bestimmtheit vermittelt sich durch ihre einfache +Identität mit sich. + +Was Etwas ist, das ist es daher ganz in seiner Äußerlichkeit; seine +Äußerlichkeit ist seine Totalität, sie ist ebenso sehr seine in sich +reflektirte Einheit. Seine Erscheinung ist nicht nur die Reflexion in +Anderes, sondern in sich, und seine Äußerlichkeit daher die Äußerung +dessen, was es an sich ist; und indem so sein Inhalt und seine Form +schlechthin identisch sind, so ist es nichts an und für sich als dieß, +sich zu äußern. Es ist das Offenbaren seines Wesens, so daß dieß Wesen +eben nur darin besteht, das sich Offenbarende zu seyn. + +Das wesentliche Verhältniß hat sich in dieser Identität der Erscheinung +mit dem Innern oder dem Wesen zur Wirklichkeit bestimmt. + + + + +Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit. + + +Die Wirklichkeit ist die Einheit des Wesens und der Existenz; in ihr +hat das gestaltlose Wesen und die haltlose Erscheinung;—oder das +bestimmungslose Bestehen und die bestandlose Mannigfaltigkeit ihre +Wahrheit. Die Existenz ist zwar die aus dem Grunde hervorgegangene +Unmittelbarkeit, aber sie hat die Form noch nicht an ihr gesetzt; indem +sie sich bestimmt und formirt, ist sie die Erscheinung; und indem sich +dieß nur als Reflexion-in-Anderes bestimmte Bestehen zur +Reflexion-in-sich fortbildet, wird es zu zwei Welten, zwei Totalitäten +des Inhalts, deren die eine als in sich, die andere als in Anderes +reflektirte bestimmt ist. Das wesentliche Verhältniß aber stellt ihre +Formbeziehung dar, deren Vollendung das Verhältniß des Innern und +Äußern ist, daß der Inhalt beider nur Eine identische Grundlage und +ebenso sehr nur Eine Identität der Form ist.—Dadurch daß sich auch +diese Identität in Ansehung der Form ergeben hat, ist die +Formbestimmung ihrer Verschiedenheit aufgehoben und es ist gesetzt, daß +sie Eine absolute Totalität sind. + +Diese Einheit des Innern und Äußern ist die absolute Wirklichkeit. +Diese Wirklichkeit aber ist zunächst das Absolute als solches; +—insofern sie als Einheit gesetzt ist, in der sich die Form aufgehoben, +und zu dem leeren oder äußern Unterschiede eines Äußern und Innern +gemacht hat. Die Reflexion verhält sich gegen dieß Absolute als +äußerliche, welche es vielmehr nur betrachtet, als daß sie seine eigene +Bewegung wäre. Indem sie aber wesentlich dieß ist, ist sie als seine +negative Rückkehr in sich. Zweitens die eigentliche Wirklichkeit. +Wirklichkeit, Möglichkeit und Nothwendigkeit machen die formellen +Momente des Absoluten, oder die Reflexion desselben aus. + +Drittens die Einheit des Absoluten und seiner Reflexion ist das +absolute Verhältniß, oder vielmehr das Absolute als Verhältniß zu sich +selbst; Substanz. + + + + +Erstes Kapitel. Das Absolute. + + +Die einfache gediegene Identität des Absoluten ist unbestimmt, oder in +ihr hat sich vielmehr alle Bestimmtheit des Wesens und der Existenz, +oder des Seyns überhaupt sowohl als der Reflexion aufgelöst. Insofern +fällt das Bestimmen dessen, was das Absolute sey, negativ aus, und das +Absolute selbst erscheint nur als die Negation aller Prädikate und als +das Leere. Aber indem es ebenso sehr als die Position aller Prädikate +ausgesprochen werden muß, erscheint es als der formellste Widerspruch. +Insofern jenes Negiren und dieses Setzen, der äußern Reflexion +angehört, so ist es eine formelle unsystematische Dialektik, die mit +leichter Mühe die mancherlei Bestimmungen hierher und dorther +aufgreift, und mit ebenso leichter Mühe einer Seits ihre Endlichkeit +und bloße Relativität aufzeigt, als anderer Seits, indem es ihr als die +Totalität vorschwebt, auch das Innwohnen aller Bestimmungen von ihm +ausspricht,—ohne diese Positionen und jene Negationen zu einer +wahrhaften Einheit erheben zu können.—Es soll aber dargestellt werden, +was das Absolute ist; aber dieß Darstellen kann nicht ein Bestimmen +noch äußere Reflexion seyn, wodurch Bestimmungen desselben würden, +sondern es ist die Auslegung und zwar die eigene Auslegung des +Absoluten, und nur ein Zeigen dessen was es ist. + +A. Die Auslegung des Absoluten. + +Das Absolute ist nicht nur das Seyn, noch auch das Wesen. Jene ist die +erste unreflektirte Unmittelbarkeit, diese die reflektirte; jedes ist +ferner Totalität an ihm selbst; aber eine bestimmte. Am Wesen tritt das +Seyn als Existenz hervor; und die Beziehung von Seyn und Wesen hat sich +bis zum Verhältnisse des Innern und Äußern fortgebildet. Das Innere ist +das Wesen aber als die Totalität, welche wesentlich die Bestimmung hat, +auf das Seyn bezogen und unmittelbar Seyn zu seyn. Das Äußere ist das +Seyn, aber mit der wesentlichen Bestimmung, auf die Reflexion bezogen +unmittelbar ebenso verhältnißlose Identität mit dem Wesen zu seyn. Das +Absolute selbst ist die absolute Einheit beider; es ist dasjenige, was +überhaupt den Grund des wesentlichen Verhältnisses ausmacht, das als +Verhältniß nur noch nicht in diese seine Identität zurückgegangen, und +dessen Grund noch nicht gesetzt ist. + +Hieraus ergiebt sich, daß die Bestimmung des Absoluten ist, die +absolute Form zu seyn, aber zugleich nicht als die Identität, deren +Momente nur eInfache Bestimmtheiten sind;—sondern die Identität, deren +Momente jedes an ihm selbst die Totalität, und somit als gleichgültig +gegen die Form, der vollständige Inhalt des Ganzen ist. Aber umgekehrt +ist das Absolute so der absolute Inhalt, daß der Inhalt, der als +solcher gleichgültige Mannigfaltigkeit ist, die negative Formbeziehung +an ihm hat, wodurch seine Mannigfaltigkeit nur Eine gediegene Identität +ist. + +Die Identität des Absoluten ist somit dadurch die absolute, daß jeder +seiner Theile selbst das Ganze oder jede Bestimmtheit die Totalität +ist, d. h. daß die Bestimmtheit überhaupt ein schlechthin +durchsichtiger Schein, ein in seinem Gesetztseyn verschwundener +Unterschied geworden ist. Wesen, Existenz, an sich seyende Welt, +Ganzes, Theile, Kraft,—diese reflektirten Bestimmungen erscheinen dem +Vorstellen als an und für sich geltendes, wahres Seyn; das Absolute +aber ist gegen sie der Grund, in dem sie untergegangen sind. —Weil nun +im Absoluten die Form nur die einfache Identität mit sich ist, so +bestimmt sich das Absolute nicht; denn die Bestimmung ist ein +Formunterschied, der zunächst als solcher gilt. Weil es aber zugleich +allen Unterschied und Formbestimmung überhaupt enthält, oder weil es +selbst die absolute Form und Reflexion ist, so muß auch die +Verschiedenheit des Inhalts an ihm hervortreten. Aber das Absolute +selbst ist die absolute Identität; dieß ist seine Bestimmung, indem +alle Mannigfaltigkeit der an sich seyenden und der erscheinenden Welt, +oder der innerlichen und äußerlichen Totalität in ihm aufgehoben ist. +—In ihm selbst ist kein Werden, denn es ist nicht das Seyn, noch ist es +das sich reflektirende Bestimmen; denn es ist nicht das sich nur in +sich bestimmende Wesen; es ist auch nicht ein sich Äußern; denn es ist +als die Identität des Innern und Äußern.—Aber so steht die Bewegung der +Reflexion seiner absoluten Identität gegenüber. Sie ist in dieser +aufgehoben, so ist sie nur deren Inneres, hiermit aber ist sie ihr +äußerlich.—Sie besteht daher zunächst nur darin, ihr Thun im Absoluten +aufzuheben. Sie ist das Jenseits der mannigfaltigen Unterschiede und +Bestimmungen und deren Bewegung, welches dem Absoluten im Rücken liegt; +sie ist daher zwar das Aufnehmen derselben, aber zugleich ihr +Untergehen; so ist sie die negative Auslegung des Absoluten, die vorhin +erwähnt wurde.—In ihrer wahrhaften Darstellung ist diese Auslegung das +bisherige Ganze der logischen Bewegung der Sphäre des Seyns und des +Wesens, deren Inhalt nicht von außen als ein gegebener und zufälliger +aufgerafft, noch durch eine ihm äußere Reflexion in den Abgrund des +Absoluten versenkt worden, sondern sich an ihm durch seine innere +Nothwendigkeit bestimmt und als eignes Werden des Seyns, und als +Reflexion des Wesens in das Absolute als in seinen Grund zurückgegangen +ist. + +Diese Auslegung hat aber selbst zugleich eine positive Seite; insofern +nämlich das Endliche darin, daß es zu Grunde geht, diese Natur beweist, +auf das Absolute bezogen zu seyn, oder das Absolute an ihm selbst zu +enthalten. Aber diese Seite ist nicht so sehr die positive Auslegung +des Absoluten selbst, als vielmehr die Auslegung der Bestimmungen, daß +sie nämlich das Absolute zu ihrem Abgrunde, aber auch zu ihrem Grunde +haben, oder daß das, was ihnen, dem Schein, ein Bestehen gibt, das +Absolute selbst ist.—Der Schein ist nicht das Nichts, sondern er ist +Reflexion, Beziehung auf das Absolute; oder er ist Schein, insofern das +Absolute in ihm scheint. Diese positive Auslegung hält so noch das +Endliche vor seinem Verschwinden auf, und betrachtet es als einen +Ausdruck und Abbild des Absoluten. Aber die Durchsichtigkeit des +Endlichen, das nur das Absolute durch sich hindurchblicken läßt, endigt +in gänzliches Verschwinden; denn es ist nichts am Endlichen, was ihm +einen Unterschied gegen das Absolute erhalten könnte; es ist ein +Medium, das von dem, was durch es scheint, absorbirt wird. + +Diese positive Auslegung des Absoluten ist daher selbst nur ein +Scheinen; denn das wahrhaft Positive, was sie und der ausgelegte Inhalt +enthält, ist das Absolute selbst. Was für weitere Bestimmungen +vorkommen, die Form, worin das Absolute scheint, ist ein Nichtiges, das +die Auslegung von außen her aufnimmt, und woran sie einen Anfang zu +ihrem Thun gewinnt. Eine solche Bestimmung hat nicht im Absoluten ihren +Anfang, sondern nur ihr Ende. Dieses Auslegen ist daher zwar absolutes +Thun durch seine Beziehung auf das Absolute, in das es zurückgeht, aber +nicht nach seinem Ausgangspunkte, der eine dem Absoluten äußerliche +Bestimmung ist. + +In der That aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Thun, und +das bei sich anfängt, wie es bei sich ankommt. Das Absolute, nur als +absolute Identität, ist es bestimmt; nämlich als Identisches; es ist +durch die Reflexion so gesetzt, gegen die Entgegensetzung und +Mannigfaltigkeit; oder es ist nur das Negative der Reflexion und des +Bestimmens überhaupt.—Nicht nur jenes Auslegen des Absoluten ist daher +ein Unvollkommenes, sondern auch dieß Absolute selbst, bei welchem nur +angekommen wird. Oder jenes Absolute, das nur als absolute Identität +ist, ist nur das Absolute einer äußern Reflexion. Es ist daher nicht +das Absolut-Absolute, sondern das Absolute in einer Bestimmtheit, oder +es ist Attribut. + +Aber das Absolute ist nicht nur Attribut, weil es Gegenstand einer +äußern Reflexion und somit ein durch sie Bestimmtes ist.—Oder die +Reflexion ist nicht nur ihm äußerlich; sondern unmittelbar, darum weil +sie ihm äußerlich ist, ist sie ihm innerlich. Das Absolute ist nur das +Absolute, weil es nicht die abstrakte Identität, sondern die Identität +des Seyns und Wesens, oder die Identität des Innern und Äußern ist. Es +ist also selbst die absolute Form, welche es in sich scheinen macht, +und es zum Attribut bestimmt. + +B. Das absolute Attribut. + +Der Ausdruck, der gebraucht worden ist: das Absolut-Absolute, +bezeichnet das in seiner Form in sich zurückgekehrte Absolute, oder +dessen Form seinem Inhalte gleich ist. Das Attribut ist das nur +relative Absolute, eine Verknüpfung, welche nichts anderes bedeutet, +als das Absolute in einer Formbestimmung. Die Form ist nämlich zuerst +vor ihrer vollendeten Auslegung nur erst innerlich," oder was dasselbe +ist, nur äußerlich, überhaupt zuerst bestimmte Form oder Negation +überhaupt. Aber weil sie zugleich als Form des Absoluten ist, so ist +das Attribut der ganze Inhalt des Absoluten; es ist die Totalität, +welche früher als eine Welt erschien, oder als eine der Seiten des +wesentlichen Verhältnisses, deren jede selbst das Ganze ist. Aber die +beiden Welten, die erscheinende und die an und für sich seyende, +sollten jede in ihrem Wesen einander entgegengesetzt seyn. Die eine +Seite des wesentlichen Verhältnisses war zwar der andern gleich; das +Ganze so viel als die Theile; die Äußerung der Kraft derselbe Inhalt, +als diese selbst, und das Äußere überhaupt dasselbe was das Innere. +Aber zugleich sollten diese Seiten, jede noch ein eigenes unmittelbares +Bestehen haben, die eine als die seyende, die andere als die +reflektirte Unmittelbarkeit. Im Absoluten dagegen sind diese +unterschiedenen Unmittelbarkeiten zum Scheine herabgesetzt, und die +Totalität, welche das Attribut ist, ist gesetzt als sein wahres und +einziges Bestehen; die Bestimmung aber, in der es ist, als das +unwesentliche. + +Das Absolute ist darum Attribut, weil es als einfache absolute +Identität in der Bestimmung der Identität ist; an die Bestimmung +überhaupt können nun andere Bestimmungen angeknüpft werden, z.B. auch +daß mehrere Attribute seyen. Aber weil die absolute Identität nur diese +Bedeutung hat, nicht nur daß alle Bestimmungen aufgehoben sind, sondern +daß sie auch die Reflexion ist, die sich selbst aufgehoben hat, so sind +an ihr alle Bestimmungen gesetzt, als aufgehobene. Oder die Totalität +ist gesetzt als die absolute, oder das Attribut hat das Absolute zu +seinem Inhalt und Bestehen; seine Formbestimmung, wodurch es Attribut +ist, ist daher auch gesetzt, unmittelbar als bloßer Schein; das +Negative als Negatives. Der positive Schein, den die Auslegung sich +durch das Attribut gibt, indem sie das Endliche in seiner Schranke +nicht als ein an und für sich Seyendes nimmt, sondern sein Bestehen in +das Absolute auflöst, und es zum Attribut erweitert, hebt dieß selbst +auf, daß es Attribut sey; sie versenkt dasselbe und ihr +unterscheidendes Thun in das einfache Absolute. + +Aber indem die Reflexion von ihrem Unterscheiden so nur zur Identität +des Absoluten zurückkehrt, ist sie zugleich nicht aus ihrer +Äußerlichkeit heraus und zum wahrhaften Absoluten gekommen. Sie hat nur +die unbestimmte, abstrakte Identität erreicht; das heißt, diejenige, +welche in der Bestimmtheit der Identität ist.—Oder die Reflexion, indem +sie als innere Form das Absolute zum Attribut bestimmt, so ist dieses +Bestimmen ein noch von der Äußerlichkeit Verschiedenes; die innere +Bestimmung durchdringt das Absolute nicht; seine Äußerung ist, als ein +bloß gesetztes am Absoluten zu verschwinden. + +Die Form also, sie werde als äußere oder innere genommen, wodurch das +Absolute Attribut wäre, ist zugleich gesetzt, ein an sich selbst +Nichtiges, ein äußerlicher Schein, oder bloße Art und Weise zu seyn. + +C. Der Modus des Absoluten. + +Das Attribut ist erstlich das Absolute als in der einfachen Identität +mit sich. Zweitens ist es Negation, und diese als Negation ist die +formelle Reflexion-in-sich. Diese beiden Seiten machen zunächst die +zwei Extreme des Attributs aus, deren Mitte es selbst ist, indem es +sowohl das Absolute als die Bestimmtheit ist.—Das zweite dieser Extreme +ist das Negative als Negatives, die dem Absoluten äußerliche +Reflexion.—Oder insofern es als das Innere des Absoluten genommen wird, +und seine eigene Bestimmung es ist, sich als Modus zu setzen, so ist er +das Außersichseyn des Absoluten, der Verlust seiner in die +Veränderlichkeit und Zufälligkeit des Seyns, sein Übergegangenseyn ins +Entgegengesetzte ohne Rückkehr in sich; die totalitätslose +Mannigfaltigkeit der Form und Inhaltsbestimmungen. + +Der Modus, die Äußerlichkeit des Absoluten, ist aber nicht nur dieß, +sondern die als Äußerlichkeit gesetzte Äußerlichkeit, eine bloße Art +und Weise; somit der Schein als Schein, oder die Reflexion der Form in +sich; somit die Identität mit sich, welche das Absolute ist. In der +That ist also erst im Modus das Absolute als absolute Identität +gesetzt; es ist nur, was es ist, nämlich Identität mit sich, als sich +auf sich beziehende Negativität, als Scheinen, das als Scheinen gesetzt +ist. + +Insofern daher die Auslegung des Absoluten von seiner absoluten +Identität anfängt, und zu dem Attribute und von da zum Modus übergeht, +so hat sie darin vollständig ihre Momente durchloffen. Aber erstlich +ist sie darin nicht ein bloß negatives Verhalten gegen diese +Bestimmungen, sondern dieß ihr Thun ist die reflektirende Bewegung +selbst, als welche das Absolute nur wahrhaft die absolute Identität +ist.—Zweitens hat sie es dabei nicht bloß mit Äußerlichem zu thun, und +der Modus ist nicht nur die äußerste Äußerlichkeit, sondern weil er der +Schein als Schein ist, so ist er die Rückkehr in sich, die sich selbst +auflösende Reflexion, als welche das Absolute absolutes Seyn +ist.—Drittens scheint die auslegende Reflexion von ihren eigenen +Bestimmungen und von Äußerlichem anzufangen, die Modos oder auch die +Bestimmungen des Attributs, als sonst außer dem Absoluten vorgefundene +aufzunehmen, und ihr Thun darin zu bestehen, daß sie dieselben in die +indifferente Identität nur zurückführt. In der That aber hat sie an dem +Absoluten selbst die Bestimmtheit, von der sie anfängt. Denn das +Absolute als erste indifferente Identität ist selbst nur das bestimmte +Absolute, oder Attribut, weil es das unbewegte, noch unreflektirte +Absolute ist. Diese Bestimmtheit, weil sie Bestimmtheit ist, gehört der +reflektirenden Bewegung an; nur durch sie ist es bestimmt als das erste +Identische, ebenso nur durch sie hat es die absolute Form, und ist +nicht das sich Gleichseyende, sondern das sich selbst Gleichsetzende. + +Die wahrhafte Bedeutung des Modus ist daher, daß er die reflektirende +eigene Bewegung des Absoluten ist; ein Bestimmen, aber nicht wodurch es +ein Anderes würde, sondern nur dessen, was es schon ist; die +durchsichtige Äußerlichkeit, welche das Zeigen seiner selbst ist; eine +Bewegung aus sich heraus; aber so daß dieß Seyn-nach-Aussen, ebenso +sehr die Innerlichkeit selbst ist; und damit ebenso sehr ein Setzen, +das nicht bloß Gesetztseyn, sondern absolutes Seyn ist. + +Wenn daher nach einem Inhalt der Auslegung gefragt wird, was denn das +Absolute zeige? so ist der Unterschied von Form und Inhalt im Absoluten +ohnehin aufgelöst. Oder eben dieß ist der Inhalt des Absoluten, sich zu +manifestiren. Das Absolute ist die absolute Form, welche als die +Entzweiung ihrer schlechthin identisch mit sich ist, das Negative als +Negatives; oder das mit sich zusammengeht, und nur so die absolute +Identität mit sich ist, die ebenso sehr gleichgültig gegen ihre +Unterschiede, oder absoluter Inhalt ist; der Inhalt ist daher nur diese +Auslegung selbst. + +Das Absolute als diese sich selbst tragende Bewegung der Auslegung, als +Art und Weise, welche seine absolute Identität mit sich selbst ist, ist +Äußerung, nicht eines Innern, nicht gegen ein Anderes, sondern ist nur +als absolutes sich für sich selbst Manifestiren; es ist so +Wirklichkeit. + +Anmerkung. + +Dem Begriffe des Absoluten und dem Verhältnisse der Reflexion zu +demselben, wie es sich hier dargestellt hat, entspricht der Begriff der +spinozistischen Substanz. Der Spinozismus ist darin eine mangelhafte +Philosophie, daß die Reflexion und deren mannigfaltiges Bestimmen ein +äußerliches Denken ist.—Die Substanz dieses Systems ist Eine Substanz, +Eine untrennbare Totalität; es giebt keine Bestimmtheit, die nicht in +diesem Absoluten enthalten und aufgelöst wäre; und es ist wichtig +genug, daß Alles, was dem natürlichen Vorstellen oder dem bestimmenden +Verstande als selbstständiges erscheint und vorschwebt, in jenem +nothwendigen Begriffe gänzlich zu einem bloßen Gesetztseyn herabgesetzt +ist.—Die Bestimmtheit ist Negation, ist das absolute Princip der +Spinozistischen Philosophie; diese wahrhafte und einfache Einsicht +begründet die absolute Einheit der Substanz. Aber Spinoza bleibt bei +der Negation als Bestimmtheit oder Qualität stehen; er geht nicht zur +Erkenntniß derselben als absoluter, das heißt, sich negirender Negation +fort; somit enthält seine Substanz nicht selbst die absolute Form, und +das Erkennen derselben ist kein immanentes Erkennen. Zwar ist die +Substanz absolute Einheit des Denkens und Seyns oder der Ausdehnung; +sie enthält also das Denken selbst, aber nur in seiner Einheit mit der +Ausdehnung; das heißt nicht als sich von der Ausdehnung trennend, somit +überhaupt nicht als Bestimmen und Formiren, noch auch als die +zurückkehrende und aus sich selbst anfangende Bewegung. Theils fehlt +dadurch der Substanz, das Princip der Persönlichkeit,—ein Mangel, +welcher vornehmlich gegen das spinozistische System empört hat; —Theils +ist das Erkennen die äußerliche Reflexion, welche das, was als +Endliches erscheint, die Bestimmtheit des Attributs und den Modus, wie +auch überhaupt sich selbst, nicht aus der Substanz begreift und +ableitet, sondern als ein äußerlicher Verstand thätig ist, die +Bestimmungen als gegebene aufnimmt, und sie auf das Absolute +zurückführt, nicht aber von diesem ihre Anfänge hernimmt. + +Die Begriffe, die Spinoza von der Substanz giebt, sind die Begriffe der +Ursache seiner selbst,—daß sie das ist, dessen Wesen die Existenz in +sich schließe;—daß der Begriff des Absoluten nicht des Begriffs eines +Andern bedürfe, von dem er gebildet werden müsse; —diese Begriffe, so +tief und richtig sie sind, sind Definitionen, welche vorne in der +Wissenschaft unmittelbar angenommen werden. Mathematik und andere +untergeordnete Wissenschaften müssen mit einem Vorausgesetzten +anfangen, das ihr Element und positive Grundlage ausmacht. Aber das +Absolute kann nicht ein Erstes, Unmittelbares seyn, sondern das +Absolute ist wesentlich sein Resultat. + +Nach der Definition des Absoluten tritt bei Spinoza ferner die +Definition des Attributs auf; und wird als dasjenige bestimmt, wie der +Verstand dessen Wesen begreift. Außerdem daß der Verstand seiner Natur +nach als später angenommen wird, als das Attribut,—denn Spinoza +bestimmt ihn als Modus,—so wird das Attribut, die Bestimmung als +Bestimmung des Absoluten, von einem Andern, dem Verstande, abhängig +gemacht, welches der Substanz gegenüber äußerlich und unmittelbar +auftritt. + +Die Attribute bestimmt Spinoza ferner als unendlich; und zwar unendlich +auch im Sinne einer unendlichen Vielheit. Es kommen zwar weiterhin nur +die zwei vor,—Denken und Ausdehnung, und es ist nicht gezeigt, wie die +unendliche Vielheit sich nothwendig nur auf den Gegensatz und zwar +diesen bestimmten, des Denkens und der Ausdehnung, reducirt.-Diese +beiden Attribute sind deswegen empirisch aufgenommen. Denken und Seyn +stellen das Absolute in einer Determination vor, das Absolute selbst +ist ihre absolute Einheit, so daß sie nur unwesentliche Formen sind, +die Ordnung der Dinge dieselbe ist, als die der Vorstellungen oder +Gedanken, und das Eine Absolute nur von der äußerlichen Reflexion, +einem Modus, unter jenen beiden Bestimmungen, das eine Mal als eine +Totalität von Vorstellungen, das andere Mal als eine Totalität von +Dingen und deren Veränderungen betrachtet wird. Wie es diese äußere +Reflexion ist, welche jenen Unterschied macht, so ist sie es auch, die +ihn in die absolute Identität zurückführt und versenkt. Diese ganze +Bewegung aber geht außer dem Absoluten vor. Zwar ist dieses selbst auch +das Denken, und sofern diese Bewegung nur im Absoluten; aber, wie +bemerkt, ist sie im Absoluten nur als Einheit mit der Ausdehnung, somit +nicht als diese Bewegung, welche wesentlich auch das Moment der +Entgegensetzung ist. —Spinoza macht die erhabene Forderung an das +Denken, alles unter der Gestalt der Ewigkeit, sub Specie aeterni, zu +betrachten, das heißt, wie es im Absoluten ist. Aber in jenem +Absoluten, das nur die unbewegte Identität ist, ist das Attribut, wie +der Modus, nur als verschwindend, nicht als werdend, so daß hiermit +auch jenes Verschwinden seinen positiven Anfang nur von Außen nimmt. + +Das dritte, der Modus, ist bei Spinoza, Affektion der Substanz, die +bestimmte Bestimmtheit, was in einem Andern ist, und durch dieß Andere +gefaßt wird. Die Attribute haben eigentlich nur die unbestimmte +Verschiedenheit zu ihrer Bestimmung; jedes soll die Totalität der +Substanz ausdrücken und aus sich selbst begriffen werden; insofern es +aber das Absolute als bestimmt ist, so enthält es das Andersseyn, und +ist nicht nur aus sich selbst zu begreifen. In dem Modus ist daher erst +eigentlich die Bestimmung des Attributs gesetzt. + +Dieß Dritte bleibt ferner bloßer Modus, einer Seits ist er unmittelbar +Gegebenes, anderer Seits wird seine Nichtigkeit nicht als Reflexion in +sich erkannt.—Die spinozistische Auslegung des Absoluten ist daher +insofern wohl vollständig, als sie von dem Absoluten anfängt, hierauf +das Attribut folgen läßt und mit dem Modus endigt; aber diese drei +werden nur nach einander ohne innere Folge der Entwicklung aufgezählt, +und das Dritte ist nicht die Negation als Negation, nicht sich negativ +auf sich beziehende Negation, wodurch sie an ihr selbst, die Rückkehr +in die erste Identität und diese, wahrhafte Identität wäre. Es fehlt +daher die Nothwendigkeit des Fortgangs des Absoluten zur +Unwesentlichkeit, so wie ihre Auflösung an und für sich selbst in die +Identität; oder es mangelt sowohl das Werden der Identität als ihrer +Bestimmungen. + +Auf gleiche Weise ist in der orientalischen Vorstellung der Emanation +das Absolute das sich selbst erleuchtende Licht. Allein es erleuchtet +sich nicht nur, sondern strömt auch aus. Seine Ausströmungen sind +Entfernungen von seiner ungetrübten Klarheit; die folgenden Ausgeburten +sind unvollkommener als die vorhergehenden, aus denen sie entstehen. +Das Ausströmen ist nur als ein Geschehen genommen, das Werden nur als +ein fortgehender Verlust. So verdunkelt sich das Seyn immer mehr, und +die Nacht, das Negative, ist das Letzte der Linie, das nicht in das +erste Licht zurück kehrt. + +Der Mangel der Reflexion in sich, den die Spinozistische Auslegung des +Absoluten wie die Emanationslehre an ihr hat, ist in dem Begriffe der +leibnizischen Monade ergänzt.—Der Einseitigkeit eines philosophischen +Princips pflegt sich die entgegengesetzte gegenüber zu stellen, und, +wie in Allem, die Totalität wenigstens als eine zerstreute +Vollständigkeit vorhanden zu seyn.—Die Monade ist ein Eins, ein in sich +reflektirtes Negatives; sie ist die Totalität des Inhalts der Welt; das +verschiedene Mannigfaltige ist in ihr nicht nur verschwunden, sondern +auf negative Weise aufbewahrt; die spinozistische Substanz ist die +Einheit alles Inhalts; aber dieser mannigfaltige Inhalt der Welt ist +nicht als solcher in ihr, sondern in der ihr äußerlichen Reflexion. Die +Monade ist daher wesentlich vorstellend; sie hat aber, ob sie wohl eine +endliche ist, keine Passivität; sondern die Veränderungen und +Bestimmungen in ihr sind Manifestationen ihrer in ihr selbst. Sie ist +Entelechie; das Offenbahren ist ihr eigenes Thun.—Dabei ist die Monade +auch bestimmt, von anderen unterschieden; die Bestimmtheit fällt in den +besondern Inhalt und die Art und Weise der Manifestation. Die Monade +ist daher an sich, ihrer Substanz nach, die Totalität, nicht in ihrer +Manifestation. Diese Beschränkung der Monade fällt nothwendig nicht in +die sich selbst setzende oder vorstellende Monade, sondern in ihr +Ansichseyn, oder ist absolute Grenze, eine Prädestination, welche durch +ein anderes Wesen, als sie ist, gesetzt wird. Ferner da Begrenzte nur +sind, als sich auf andere Begrenzte beziehend, die Monade aber zugleich +ein in sich geschlossenes Absolutes ist, so fällt die Harmonie dieser +Begrenzungen, nämlich die Beziehung der Monaden auf einander, außer +ihnen und ist gleichfalls von einem andern Wesen oder an sich +prästabilirt. + +Es erhellt, daß durch das Princip der Reflexion-in-sich, welches die +Grundbestimmung der Monade ausmacht, zwar das Andersseyn und die +Einwirkung von außen überhaupt entfernt ist, und die Veränderungen der +Monade ihr eigenes Setzen sind,—daß aber auf der andern Seite die +Passivität durch Anderes, nur in eine absolute Schranke, in eine +Schranke des Ansichseyns verwandelt ist. Leibnitz schreibt den Monaden +eine gewisse Vollendung in sich zu, eine Art von Selbstständigkeit; sie +sind geschaffene Wesen.—Näher ihre Schranke betrachtet, so ergiebt sich +aus dieser Darstellung, daß die Manifestation ihrer selbst, die ihnen +zukommt, die Totalität der Form ist. Es ist ein höchst wichtiger +Begriffe daß die Veränderungen der Monade als passivitätslose Aktionen, +als Manifestationen ihrer selbst vorgestellt, und das Princip der +Reflexion in sich, oder der Individuation als wesentlich hervorsteht. +Ferner ist es nothwendig, die Endlichkeit darin bestehen zu lassen, daß +der Inhalt oder die Substanz von der Form unterschieden, und dann +weiter jene beschränkt, diese aber unendlich ist. Aber nun wäre im +Begriffe der absoluten Monade nicht nur jene absolute Einheit der Form +und des Inhalts, sondern auch die Natur der Reflexion, als die sich auf +sich selbst beziehende Negativität sich von sich abzustoßen, wodurch +sie setzend und schaffend ist, zu finden. Es ist zwar im leibnitzischen +Systeme das Weitere gleichfalls vorhanden, daß Gott die Quelle der +Existenz und des Wesens der Monaden ist, d. h. daß jene absoluten +Schranken im Ansichseyn der Monaden nicht an und für sich seyende sind, +sondern im Absoluten verschwinden. Aber es zeigen sich in diesen +Bestimmungen nur die gewöhnlichen Vorstellungen, die ohne +philosophische Entwicklung gelassen und nicht zu spekulativen Begriffen +erhoben sind. So erhält das Princip der Individuation seine tiefere +Ausführung nicht; die Begriffe über die Unterscheidungen der +verschiedenen endlichen Monaden, und über ihr Verhältniß zu ihrem +Absoluten, entspringen nicht aus diesem Wesen selbst oder nicht auf +absolute Weise, sondern gehören der räsonnirenden, dogmatischen +Reflexion an, und sind daher zu keiner innern Kohärenz gediehen. + + + + +Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit. + + +Das Absolute ist die Einheit des Innern und Äußern als erste, +ansichseyende Einheit. Die Auslegung erschien als äußere Reflexion, die +auf ihrer Seite das Unmittelbare als ein Vorgefundenes hat, aber +zugleich die Bewegung und Beziehung desselben auf das Absolute ist, und +als solche es in dieses zurückführt, und als eine bloße Art und Weise +bestimmt. Aber diese Art und Weise ist die Bestimmung des Absoluten +selbst, nämlich seine erste Identität oder seine bloß an sich seyende +Einheit. Und zwar wird durch diese Reflexion nicht nur jenes erste +Ansichseyn gesetzt als wesenlose Bestimmung, sondern weil sie negative +Beziehung auf sich ist, wird erst durch sie jener Modus. Diese +Reflexion als sich selbst in ihren Bestimmungen aufhebend, und +überhaupt als die in sich zurückkehrende Bewegung ist erst wahrhaft +absolute Identität, und zugleich ist sie das Bestimmen des Absoluten +oder die Modalität desselben. Der Modus ist daher die Äußerlichkeit des +Absoluten, aber ebenso sehr nur als dessen Reflexion in sich, —oder er +ist die eigne Manifestation desselben, so daß diese Äußerung seine +Reflexion-in-sich und damit sein An-und-für-sich-seyn ist. + +So als die Manifestation, daß es sonst nichts ist und keinen Inhalt +hat, als die Manifestation seiner zu seyn, ist das Absolute die +absolute Form. Die Wirklichkeit ist als diese reflektirte Absolutheit +zu nehmen. Das Seyn ist noch nicht wirklich; es ist die er ste +Unmittelbarkeit; seine Reflexion ist daher Werden und Übergehen in +Anderes; oder seine Unmittelbarkeit ist nicht An-und-für-sich-seyn. Die +Wirklichkeit steht auch höher als die Existenz. Diese ist zwar die aus +dem Grunde und den Bedingungen, oder aus dem Wesen und dessen Reflexion +hervorgegangene Unmittelbarkeit. Sie ist daher an sich das, was die +Wirklichkeit ist, reale Reflexion, aber ist noch nicht die gesetzte +Einheit der Reflexion und der Unmittelbarkeit. Die Existenz geht daher +in Erscheinung über, indem sie die Reflexion, welche sie enthält, +entwickelt. Sie ist der zu Grunde gegangene Grund; ihre Bestimmung ist +die Wiederherstellung desselben, so wird sie wesentliches Verhältniß, +und ihre letzte Reflexion ist, daß ihre Unmittelbarkeit gesetzt ist als +die Reflexion-in-sich, und umgekehrt; diese Einheit, in welcher +Existenz oder Unmittelbarkeit, und das Ansichseyn, der Grund oder das +Reflektirte schlechthin Momente sind, ist nun die Wirklichkeit. Das +Wirkliche ist darum Manifestation, es wird durch seine Äußerlichkeit +nicht in die Sphäre der Veränderung gezogen, noch ist es Scheinen +seiner in einem Andern, sondern es manifestirt sich; das heißt, es ist +in seiner Äußerlichkeit es selbst, und ist nur in ihr, nämlich nur als +sich von sich unterscheidende und bestimmende Bewegung, es selbst. + +In der Wirklichkeit nun als dieser absoluten Form, sind die Momente nur +als aufgehobene oder formelle noch nicht realisirt; ihre +Verschiedenheit gehört so zunächst der äußern Reflexion an und ist +nicht als Inhalt bestimmt. + +Die Wirklichkeit als selbst unmittelbare Formeinheit des Innern und +Äußern ist damit in der Bestimmung der Unmittelbarkeit gegen die +Bestimmung der Reflexion in sich; oder sie ist eine Wirklichkeit gegen +eine Möglichkeit. Die Beziehung beider auf einander ist das Dritte, das +Wirkliche bestimmt ebenso sehr als in sich reflektirtes Seyn, und +dieses zugleich als unmittelbar existirendes. Dieses Dritte ist die +Nothwendigkeit. + +Aber zunächst, indem Wirkliches und Mögliches formelle Unterschiede +sind, ist ihre Beziehung gleichfalls nur formell, und besteht nur +darinn, daß das Eine wie das Andere ein Gesetztseyn ist, oder in der +Zufälligkeit. + +Damit nun, daß in der Zufälligkeit das Wirkliche wie das Mögliche, das +Gesetztseyn ist, haben sie die Bestimmung an ihnen erhalten; es wird +dadurch zweitens die reale Wirklichkeit; womit ebenso reale +Möglichkeit, und die relative Nothwendigkeit hervorgeht. + +Die Reflexion der relativen Nothwendigkeit in sich giebt drittens die +absolute Nothwendigkeit, welche absolute Möglichkeit und Wirklichkeit +ist. + +A. Zufälligkeit oder formelle Wirklichkeit, Möglichkeit und +Nothwendigkeit. + +1. Die Wirklichikeit ist formell, insofern sie als erste Wirklichkeit +nur unmittelbare, unreflektirte Wirklichkeit, somit nur in dieser +Formbestimmung, aber nicht als Totalität der Form ist. Sie ist so +weiter nichts als ein Seyn oder Existenz überhaupt. Aber weil sie +wesentlich nicht bloße unmittelbare Existenz, sondern, als Formeinheit +des Ansichseyns oder der Innerlichkeit, und der Äußerlichkeit ist, so +enthält sie unmittelbar das Ansichseyn oder die Möglichkeit. Was +wirklich ist, ist möglich. + +2. Diese Möglichkeit ist die in sich reflektirte Wirklichkeit. Aber +dieß selbst erste Reflektirtseyn ist ebenfalls das Formelle, und +hiermit überhaupt nur die Bestimmung der Identität mit sich oder des +Ansichseyns überhaupt. + +Weil aber die Bestimmung hier Totalität der Form ist, ist dieses +Ansichseyn, bestimmt als Aufgehobenes, oder als wesentlich nur in +Beziehung auf die Wirklichkeit; als das Negative von dieser, gesetzt +als Negatives. Die Möglichkeit enthält daher die zwei Momente; erstlich +das positive, daß es ein Reflektirtseyn in sich selbst ist; aber indem +es in der absoluten Form herabgesetzt ist zu einem Momente, so gilt das +Reflektirtseyn-in-sich nicht mehr als Wesen, sondern hat zweitens die +negative Bedeutung, daß die Möglichkeit ein Mangelhaftes ist, auf ein +Anderes, die Wirklichkeit, hinweist, und an dieser sich ergänzt. + +Nach der ersten, der bloß positiven Seite ist die Möglichkeit also die +bloße Formbestimmung der Identität mit sich, oder die Form der +Wesentlichkeit. So ist sie der verhältnißlose, unbestimmte Behälter für +Alles überhaupt.—Im Sinne dieser formellen Möglichkeit ist Alles +möglich, was sich nicht widerspricht; das Reich der Möglichkeit ist +daher die grenzenlose Mannigfaltigkeit. Aber jedes Mannigfaltige ist in +sich und gegen Anderes bestimmt und hat die Negation an ihm; überhaupt +geht die gleichgültige Verschiedenheit in die Entgegensetzung über; die +Entgegensetzung aber ist der Widerspruch. Daher ist Alles ebenso sehr +ein Widersprechendes und daher Unmögliches. + +—Dieß bloß formelle von Etwas aussagen,—es ist möglich,—ist daher +ebenso flach und leer, als der Satz des Widerspruchs und jeder in ihn +aufgenommene Inhalt, A ist möglich, heißt so viel als A ist A. Insofern +man sich nicht auf die Entwicklung des Inhalts einläßt, so hat dieser +die Form der Einfachheit; erst durch die Auflösung desselben in seine +Bestimmungen kommt der Unterschied an ihm hervor. Indem man sich an +jene einfache Form hält, so bleibt der Inhalt ein mit sich Identisches +und daher ein Mögliches. Es ist aber damit ebenso Nichts gesagt, als +mit dem formellen identischen Satze. + +Das Mögliche enthält jedoch mehr, als der bloß identische Satz. Das +Mögliche ist das reflektirte In-sich-reflektirtseyn; oder das +Identische schlechthin als Moment der Totalität, somit auch bestimmt, +nicht an sich zu seyn; es hat daher die zweite Bestimmung, nur ein +Mögliches zu seyn, und das Sollen der Totalität der Form. Die +Möglichkeit ohne dieses Sollen ist die Wesentlichkeit als solche; aber +die absolute Form enthält dieß, daß das Wesen selbst nur Moment, und +ohne Seyn seine Wahrheit nicht hat. Die Möglichkeit ist diese bloße +Wesentlichkeit, so gesetzt, daß sie nur Moment und der absoluten Form +nicht gemäß ist. Sie ist das Ansichseyn, bestimmt, als nur ein +Gesetztes; oder ebenso sehr als nicht an sich zu seyn. —Die Möglichkeit +ist daher an ihr selbst auch der Widerspruch, oder sie ist die +Unmöglichkeit. + +Zunächst drückt sieh dieß so aus, daß die Möglichkeit als aufgehoben +gesetzte Formbestimmung, einen Inhalt überhaupt an ihr hat. Dieser ist +als möglich ein Ansichseyn, das zugleich ein aufgehobenes oder ein +Andersseyn ist. Weil er also nur ein möglicher ist, ist ebenso sehr ein +anderer und sein Gegentheil möglich. A ist A; ebenso—A ist—A. Diese +beiden Sätze drücken, jeder die Möglichkeit seiner Inhaltsbestimmung +aus. Aber als diese identischen Sätze sind sie gleichgültig gegen +einander; es ist mit dem einen nicht gesetzt, daß auch der andere +hinzukomme. Die Möglichkeit ist die vergleichende Beziehung beider; sie +enthält es in ihrer Bestimmung, als eine Reflexion der Totalität, daß +auch das Gegentheil möglich sey. Sie ist daher der beziehende Grund, +daß darum, weil A=A, auch—A=-A ist; in dem möglichen A ist auch das +Mögliche Nicht-A enthalten, und diese Beziehung selbst ist es, welche +beide als mögliche bestimmt. + +Als diese Beziehung aber, daß in dem einen Möglichen, auch sein Anderes +enthalten ist, ist sie der Widerspruch, der sich aufhebt. Da sie nun +ihrer Bestimmung nach das Reflektirte, und wie sich gezeigt hat, das +sich aufhebende Reflektirte ist, so ist sie somit auch das +Unmittelbare, und damit wird sie Wirklichkeit. + +3. Diese Wirklichkeit ist nicht die erste, sondern die reflektirte, +gesetzt als Einheit ihrer selbst und der Möglichkeit. Das Wirkliche als +solches ist möglich; es ist in unmittelbarer positiver Identität mit +der Möglichkeit; aber diese hat sich bestimmt als nur Möglichkeit; +somit ist auch das Wirkliche bestimmt als nur ein Mögliches. Und +unmittelbar, darum weil die Möglichkeit in der Wirklichkeit unmittelbar +enthalten ist, ist sie darin als aufgehobene, als nur Möglichkeit. + +Umgekehrt die Wirklichkeit, die in Einheit ist mit der Möglichkeit, ist +nur die aufgehobene Unmittelbarkeit;—oder darum weil die formelle +Wirklichkeit nur unmittelbare erste ist, ist sie nur Moment, nur +aufgehobene Wirklichkeit, oder nur Möglichkeit. + +Hiermit ist zugleich näher die Bestimmung ausgedrückt, inwiefern die +Möglichkeit Wirklichkeit ist. Die Möglichkeit ist nämlich noch nicht +alle Wirklichkeit, von der realen und absoluten Wirklichkeit ist noch +nicht die Rede gewesen;—sie ist nur erst diejenige, welche zuerst +vorkam, nämlich die formelle, die sich bestimmt hat, nur Möglichkeit zu +seyn, also die formelle Wirklichkeit, welche nur Seyn oder Existenz +überhaupt ist. Alles Mögliche hat daher überhaupt ein Seyn oder eine +Existenz. + +Diese Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit ist die Zufälligkeit. +—Das Zufällige ist ein Wirkliches, das zugleich nur als möglich +bestimmt, dessen Anderes oder Gegentheil ebenso sehr ist. Diese +Wirklichkeit ist daher bloßes Seyn oder Existenz, aber in seiner +Wahrheit gesetzt, den Werth eines Gesetztseyns oder der Möglichkeit zu +haben. Umgekehrt ist die Möglichkeit als die Reflexion-in-sich oder das +Ansichseyn gesetzt als Gesetztseyn; was möglich ist, ist ein Wirkliches +in diesem Sinne der Wirklichkeit, es hat nur so viel Werth als die +zufällige Wirklichkeit; es ist selbst ein Zufälliges. + +Das Zufällige bietet daher die zwei Seiten dar; erstens insofern es die +Möglichkeit unmittelbar an ihm hat, oder, was dasselbe ist, insofern +sie in ihm aufgehoben ist, ist es nicht Gesetztseyn noch vermittelt, +sondern unmittelbare Wirklichkeit; es hat keinen Grund. —Weil auch dem +Möglichen diese unmittelbare Wirklichkeit zukommt, so ist es so sehr +als das Wirkliche, bestimmt als zufällig, und ebenfalls ein Grundloses. + +Das Zufällige ist aber zweitens das Wirkliche als ein nur Mögliches +oder als ein Gesetztseyn; so auch das Mögliche ist als formelles +An-sich-seyn nur Gesetztseyn. Somit ist Beides nicht an und für sich +selbst, sondern hat seine wahrhafte Reflexion-in-sich in einem Andern, +oder es hat einen Grund. + +Das Zufällige hat also darum keinen Grund, weil es zufällig ist; und +ebenso wohl hat es einen Grund, darum weil es zufällig ist. + +Es ist das gesetzte, unvermittelte Umschlagen des Innern und Äußern, +oder des In-sich-reflektirt-seyns und des Seyns in einander; gesetzt +dadurch daß Möglichkeit und Wirklichkeit, jede an ihr selbst diese +Bestimmung hat, dadurch daß sie Momente der absoluten Form sind.—So ist +die Wirklichkeit in ihrer unmittelbaren Einheit mit der Möglichkeit nur +die Existenz und bestimmt als Grundloses, das nur ein Gesetztes oder +nur Mögliches ist;—oder als reflektirt und bestimmt gegen die +Möglichkeit, so ist sie von der Möglichkeit, von dem +In-sich-reflektirt-seyn getrennt, und somit ebenso unmittelbar auch nur +ein Mögliches.—Ebenso die Möglichkeit, als einfaches Ansichseyn, ist es +ein Unmittelbares, nur ein Seyendes überhaupt; oder entgegengesetzt +gegen die Wirklichkeit, ebenso ein Wirklichkeitsloses Ansichseyn, nur +ein Mögliches, aber eben darum wieder nur eine nicht in sich +reflektirte Existenz überhaupt. + +Diese absolute Unruhe des Werdens dieser beiden Bestimmungen ist die +Zufälligkeit. Aber darum weil jede unmittelbar in die entgegengesetzte +umschlägt, so geht sie in dieser ebenso schlechthin mit sich selbst +zusammen, und diese Identität derselben einer in der andern ist die +Nothwendigkeit. + +Das Nothwendige ist ein Wirkliches; so ist es als unmittelbares, +Grundloses; es hat aber ebenso sehr seine Wirklichkeit durch ein +Anderes oder in seinem Grunde, aber ist zugleich das Gesetztseyn dieses +Grundes und die Reflexion desselben in sich; die Möglichkeit des +Nothwendigen ist eine aufgehobene. Das Zufällige ist also nothwendig, +darum weil das Wirkliche als Mögliches bestimmt, damit seine +Unmittelbarkeit aufgehoben und in Grund oder Ansichseyn, und in +Begründetes abgestoßen ist, als auch weil diese seine Möglichkeit, die +Grundbeziehung, schlechthin aufgehoben und als Seyn gesetzt ist. Das +Nothwendige ist, und dieß Seyende ist selbst das Nothwendige. Zugleich +ist es an sich; diese Reflexion-in-sich ist ein Anderes als jene +Unmittelbarkeit des Seyns; und die Nothwendigkeit des Seyenden ist ein +Anderes. Das Seyende selbst ist so nicht das Nothwendige; aber dieses +Ansichseyn ist selbst nur Gesetztseyn, es ist aufgehoben und selbst +unmittelbar. So ist die Wirklichkeit in ihrem unterschiedenen, der +Möglichkeit, identisch mit sich selbst. Als diese Identität ist sie +Nothwendigkeit. + +B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Möglichkeit und +Nothwendigkeit. + +1. Die Nothwendigkeit, die sich ergeben hat, ist formell, weil ihre +Momente formell sind, nämlich einfache Bestimmungen, die nur als +unmittelbare Einheit, oder als unmittelbares Umschlagen des Einen in +das Andere Totalität sind, und somit nicht die Gestalt der +Selbstständigkeit haben.—In dieser formellen Nothwendigkeit ist daher +die Einheit zunächst einfach und gegen ihre Unterschiede gleichgültig. +Als unmittelbare Einheit der Formbestimmungen, ist diese Nothwendigkeit +Wirklichkeit; aber eine solche, die, weil ihre Einheit nunmehr bestimmt +ist als gleichgültig gegen den Unterschied der Formbestimmungen, +nämlich ihrer selbst und der Möglichkeit, einen Inhalt hat. Dieser als +gleichgültige Identität enthält auch die Form als gleichgültige, d. h. +als bloß verschiedene Bestimmungen, und ist mannigfaltiger Inhalt +überhaupt. Diese Wirklichkeit ist reale Wirklichkeit. + +Die reale Wirklichkeit als solche ist zunächst das Ding von vielen +Eigenschaften, die existirende Welt; aber sie ist nicht die Existenz, +welche sich in Erscheinung auflöst, sondern als Wirklichkeit ist sie +zugleich Ansichseyn und Reflexion-in-sich; sie erhält sich in der +Mannigfaltigkeit der bloßen Existenz; ihre Äußerlichkeit ist +innerliches Verhalten nur zu sich selbst. Was wirklich ist, kann +wirken; seine Wirklichkeit giebt Etwas kund durch das, was es +hervorbringt. Sein Verhalten zu Anderem ist die Manifestation seiner, +weder ein Übergehen, so bezieht das seyende Etwas sich auf Anderes; +—noch ein Erscheinen, so ist das Ding nur im Verhältniß zu andern, ist +ein Selbstständiges, das aber seine Reflexion-in-sich, seine bestimmte +Wesentlichkeit, in einem andern Selbstständigen hat. + +Die reale Wirklichkeit hat nun gleichfalls die Möglichkeit unmittelbar +an ihr selbst. Sie enthält das Moment des Ansichseyns; aber als nur +erst die unmittelbare Einheit ist sie in einer der Bestimmungen der +Fonn, hiermit als das Seyende von dem Ansichseyn oder der Möglichkeit +unterschieden. + +2. Diese Möglichkeit als das Ansichseyn der realen Wirklichkeit ist +selbst reale Möglichkeit, zunächst das inhaltsvolle Ansichseyn.—Die +formelle Möglichkeit ist die Reflexion-in-sich nur als die abstrakte +Identität, daß Etwas sich in sich nicht widerspreche. Insofern man sich +aber auf die Bestimmungen, Umstände, Bedingungen einer Sache einläßt, +um daraus ihre Möglichkeit zu erkennen, bleibt man nicht mehr bei der +formellen stehen, sondern betrachtet ihre reale Möglichkeit. + +Diese reale Möglichkeit ist selbst unmittelbare Existenz, nicht mehr +aber darum, weil die Möglichkeit als solche, als formelles Moment, +unmittelbar ihr Gegentheil, eine nicht reflektirte Wirklichkeit ist; +sondern weil sie reale Möglichkeit ist, hat sie sogleich diese +Bestimmung an ihr selbst. Die reale Möglichkeit einer Sache ist daher +die daseyende Mannigfaltigkeit von Umständen, die sich auf sie +beziehen. + +Diese Mannigfaltigkeit des Daseyns ist also zwar sowohl Möglichkeit als +Wirklichkeit, aber ihre Identität ist nur erst der Inhalt, der gegen +diese Formbestimmungen gleichgültig ist; sie machen daher die Form aus +bestimmt gegen ihre Identität.—Oder die unmittelbare reale +Wirklichkeit, darum weil sie unmittelbare ist, ist gegen ihre +Möglichkeit bestimmt; als diese bestimmte, somit reflektirte ist sie +die reale Möglichkeit. Diese ist nun zwar das gesetzte Ganze der Form, +aber der Form in ihrer Bestimmtheit, nämlich der Wirklichkeit als +formeller oder unmittelbarer, und ebenso der Möglichkeit, als des +abstrakten Ansichseyns. Diese Wirklichkeit, welche die Möglichkeit +einer Sache ausmacht, ist daher nicht ihre eigene Möglichkeit, sondern +das Ansichseyn eines andern Wirklichen; sie selbst ist die +Wirklichkeit, die aufgehoben werden soll, die Möglichkeit als nur +Möglichkeit.—So macht die reale Möglichkeit das Ganze von Bedingungen +aus, eine nicht in sich reflektirte, zerstreute Wirklichkeit, welche +aber bestimmt ist, das Ansichseyn aber eines Andern zu seyn und in sich +zurückgehen zu sollen. + +Was real möglich ist, ist also nach seinem Ansichseyn, ein formelles +Identisches, das nach seiner einfachen Inhaltsbestimmung sich nicht +widerspricht; aber auch nach seinen entwickelten und unterschiedenen +Umständen und allem, womit es im Zusammenhange steht, muß es als das +mit sich Identische sich nicht widersprechen. Aber zweitens weil es in +sich mannigfaltig und mit Anderem in mannigfaltigem Zusammenhange ist, +die Verschiedenheit aber an sich selbst in Entgegensetzung übergeht, +ist es ein Widersprechendes. Wenn von einer Möglichkeit die Rede ist +und deren Widerspruch aufgezeigt werden soll, so hat man sich nur an +die Mannigfaltigkeit, die sie als Inhalt oder als ihre bedingende +Existenz enthält, zu halten; woraus sich leicht ihr Widerspruch +auffinden läßt.—Dieß ist aber nicht ein Widerspruch der Vergleichung, +sondern die mannigfaltige Existenz ist an sich selbst dieß, sich +aufzuheben und zu Grunde zu gehen; und hat darin wesentlich die +Bestimmung, nur ein Mögliches zu seyn, an ihr selbst. —Wenn alle +Bedingungen einer Sache vollständig vorhanden sind, so tritt sie in +Wirklichkeit;—die Vollständigkeit der Bedingungen ist die Totalität als +am Inhalte, und die Sache selbst ist dieser Inhalt bestimmt ebenso ein +Wirkliches als Mögliches zu seyn. In der Sphäre des bedingten Grundes +haben die Bedingungen die Form, nämlich den Grund oder die für sich +seyende Reflexion, außer ihnen, welche sie zu Momenten der Sache +bezieht und die Existenz an ihnen hervorbringt. Hier hingegen ist die +unmittelbare Wirklichkeit nicht durch eine voraussetzende Reflexion +bestimmt, Bedingung zu seyn, sondern es ist gesetzt, daß sie selbst die +Möglichkeit ist. + +In der sich aufhebenden realen Möglichkeit ist es nun ein Gedoppeltes, +das aufgehoben wird; denn sie ist selbst das Gedoppelte, Wirklichkeit +und Möglichkeit zu seyn. 1) Die Wirklichkeit ist die formelle, oder +eine Existenz, die als selbstständige unmittelbare erschien, und durch +ihr Aufheben zum reflektirten Seyn, zum Moment eines Andern wird, und +somit das Ansichseyn an ihr erhält. 2) Jene Existenz war auch bestimmt +als Möglichkeit oder als das Ansichseyn aber eines Andern. Indem es +sich also aufhebt, so wird auch dieß Ansichseyn aufgehoben, und geht in +Wirklichkeit über.—Diese Bewegung der sich selbst aufhebenden realen +Möglichkeit bringt also dieselben schon vorhandenen Momente hervor, nur +jedes aus dem andern werdend; sie ist daher in dieser Negation auch +nicht ein Übergehen, sondern ein Zusammengehen mit sich selbst.—Nach +der formellen Möglichkeit war darum, weil etwas möglich war, auch nicht +es selbst, sondern sein Anderes möglich. Die reale Möglichkeit hat +nicht mehr ein solches Anderes sich gegenüber, denn sie ist real, +insofern sie selbst auch die Wirklichkeit ist. Indem sich also die +unmittelbare Existenz derselben, der Kreis der Bedingungen, aufhebt, so +macht sie sich zum Ansichseyn, welches sie selbst schon ist, nämlich +als das Ansichseyn eines Andern. Und indem umgekehrt dadurch zugleich +ihr Moment des Ansichseyns sich aufhebt, wird sie zur Wirklichkeit, +also zu dem Momente, das sie gleichfalls selbst schon ist.—Was +verschwindet, ist damit dieß, daß die Wirklichkeit bestimmt war als die +Möglichkeit oder das Ansichseyn eines Andern, und umgekehrt die +Möglichkeit als eine Wirklichkeit, die nicht diejenige ist, deren +Möglichkeit sie ist + +3. Die Negation der realen Möglichkeit ist somit ihre Identität mit +sich: indem sie so in ihrem Aufheben der Gegenstoß dieses Aufhebens in +sich selbsi ist, ist sie die reale Nothwendigkeit. + +Was nothwendig ist, kann nicht anders seyn; aber wohl was überhaupt +möglich ist; denn die Möglichkeit ist das Ansichseyn, das nur +Gesetztseyn, und daher wesentlich Andersseyn ist. Die formelle +Möglichkeit ist diese Identität als Übergehen in schlechthin Anderes; +die reale aber, weil sie das andere Moment, die Wirklichkeit, an ihr +hat, ist schon selbst die Nothwendigkeit. Was daher real möglich ist, +das kann nicht mehr anders seyn; unter diesen Bedingungen und Umständen +kann nicht etwas Anderes erfolgen. Reale Möglichkeit und die +Nothwendigkeit sind daher nur scheinbar unterschieden; diese ist eine +Identität, die nicht erst wird, sondern schon vorausgesetzt ist, und zu +Grunde liegt. Die reale Nothwendigkeit ist daher inhaltsvolle +Beziehung; denn der Inhalt ist jene ansichseyende Identität, die gegen +die Formunterschiede gleichgültig ist. + +Diese Nothwendigkeit aber ist zugleich relativ.—Sie hat nämlich eine +Voraussetzung, von der sie anfängt, sie hat an dem Zufälligen ihren +Ausgangspunkt. Das reale Wirkliche als solches, ist nämlich das +bestimmte Wirkliche, und hat zunächst seine Bestimmtheit als +unmittelbares Seyn darin, daß es eine Mannigfaltigkeit existirender +Umstände ist; aber dieß unmittelbare Seyn als Bestimmtheit, ist es auch +das Negative seiner, ist Ansichseyn oder Möglichkeit; so ist es reale +Möglichkeit. Als diese Einheit der beiden Momente ist sie die Totalität +der Form, aber die sich noch äußerliche Totalität; sie ist so Einheit +der Möglichkeit und Wirklichkeit, daß 1) die mannigfaltige Existenz +unmittelbar oder positiv die Möglichkeit ist;—ein Mögliches, mit sich +Identisches überhaupt, darum weil sie ein Wirkliches ist; 2) insofern +diese Möglichkeit der Existenz gesetzt ist, ist sie bestimmt als nur +Möglichkeit, als unmittelbares Umschlagen der Wirklichkeit in ihr +Gegentheil,—oder als Zufälligkeit. Daher ist diese Möglichkeit, welche +die unmittelbare Wirklichkeit, indem sie Bedingung ist, an ihr hat, nur +das Ansichseyn als die Möglichkeit eines Andern. Dadurch daß, wie +gezeigt, dieß Andersseyn sich aufhebt, und dieß Gesetztseyn selbst +gesetzt wird, wird die reale Möglichkeit zwar Nothwendigkeit; aber +diese fängt somit von jener noch nicht in sich reflektirten Einheit des +Möglichen und Wirklichen an;—dieses Voraussetzen und die in sich +zurückkehrende Bewegung ist noch getrennt;—oder die Nothwendigkeit hat +sich noch nicht aus sich selbst zur Zufälligkeit bestimmt. + +Die Relativität der realen Nothwendigkeit stellt sich an dem Inhalte so +dar, daß er nur erst die gegen die Form gleichgültige Identität, daher +von ihr unterschieden und ein bestimmter Inhalt überhaupt ist. Das real +Nothwendige ist deswegen irgend eine beschränkte Wirklichkeit, die um +dieser Beschränktheit willen in anderer Rüksicht auch nur ein +Zufälliges ist. + +In der That ist somit die reale Nothwendigkeit an sich auch +Zufälligkeit.—Dieß erscheint zunächst so, daß das real Nothwendige, der +Form nach, zwar ein Nothwendiges, aber dem Inhalte nach ein +Beschränktes sey, und durch ihn seine Zufälligkeit habe. Allein auch in +der Form der realen Nothwendigkeit ist die Zufälligkeit enthalten; denn +wie sich gezeigt, ist die reale Möglichkeit nur an sich das +Nothwendige, gesetzt aber ist sie als das Andersseyn der Wirklichkeit +und Möglichkeit gegen einander. Die reale Nothwendigkeit enthält daher +die Zufälligkeit; sie ist die Rückkehr in-sich aus jenem unruhigen +Andersseyn der Wirklichkeit und Möglichkeit gegen einander, aber nicht +aus sich selbst zu sich. + +An sich ist also hier die Einheit der Nothwendigkeit und Zufälligkeit +vorhanden; diese Einheit ist die absolute Wirklichkeit zu nennen. + +C. Absolute Nothwendigkeit. + +Die reale Nothwendigkeit ist bestimmte Nothwendigkeit; die formelle hat +noch keinen Inhalt und Bestimmtheit an ihr. Die Bestimmtheit der +Nothwendigkeit besteht darin, daß sie ihre Negation, die Zufälligkeit, +an ihr hat. So hat sie sich ergeben. + +Diese Bestimmtheit aber in ihrer ersten Einfachheit ist Wirklichkeit; +die bestimmte Nothwendigkeit ist daher unmittelbar wirkliche +Nothwendigkeit. Diese Wirklichkeit, die selbst als solche nothwendig +ist, indem sie nämlich die Nothwendigkeit als ihr Ansichseyn enthält, +ist absolute Wirklichkeit;—Wirklichkeit, die nicht mehr anders seyn +kann, denn ihr Ansichseyn ist nicht die Möglichkeit, sondern die +Nothwendigkeit selbst. + +Aber damit ist diese Wirklichkeit, weil sie gesetzt ist, absolut, das +heißt, selbst die Einheit ihrer und der Möglichkeit zu seyn, nur eine +leere Bestimmung; oder sie ist Zufälligkeit.—Dieß Leere ihrer +Bestimmung macht sie zu einer bloßen Möglichkeit, zu einem, das ebenso +sehr auch anders seyn und als Mögliches bestimmt werden kann. Diese +Möglichkeit aber ist selbst die absolute; denn sie ist eben die +Möglichkeit, ebenso sehr als Möglichkeit wie als Wirklichkeit bestimmt +zu werden. Damit, daß sie diese Gleichgültigkeit gegen sich selbst ist, +ist sie gesetzt als leere, zufällige Bestimmung. + +So enthält die reale Nothwendigkeit nicht nur an sich die Zufälligkeit, +sondern diese wird auch an ihr; aber dieß Werden als die Äußerlichkeit +ist selbst nur das Ansichseyn derselben, weil es nur ein unmittelbares +Bestimmtseyn ist. Aber es ist nicht nur dieß, sondern ihr eigenes +Werden,—oder die Voraussetzung, welche sie hatte, ist ihr eigenes +Setzen. Denn als reale Nothwendigkeit ist sie das Aufgehobenseyn der +Wirklichkeit in der Möglichkeit und umgekehrt; —indem sie dieß einfache +Umschlagen des einen dieser Momente in das andere ist, ist sie auch +ihre einfache positive Einheit, indem jedes, wie sich zeigte, in dem +andern nur mit sich selbst zusammengeht. So ist sie aber die +Wirklichkeit; jedoch eine solche, die nur ist, als dieses einfache +Zusammen-gehen der Form mit sich selbst. Ihr negatives Setzen jener +Momente ist dadurch selbst das Voraussetzen, oder Setzen ihrer selbst +als aufgehobener oder der Unmittelbarkeit. + +Eben darin aber ist diese Wirklichkeit bestimmt als Negatives; sie ist +ein Zusammengehen aus der Wirklichkeit, welche reale Möglichkeit war, +mit sich; also wird diese neue Wirklichkeit nur aus ihrem Ansichseyn, +aus der Negation ihrer selbst.—Damit ist sie zugleich unmittelbar als +Möglichkeit bestimmt, als Vermitteltes durch ihre Negation. Diese +Möglichkeit aber ist somit unmittelbar nichts als dieß Vermitteln, in +welchem das Ansichseyn, nämlich sie selbst, und die Unmittelbarkeit, +beide auf gleiche Weise Gesetztseyn sind.—So ist es die Nothwendigkeit, +welche ebenso sehr Aufheben dieses Gesetztseyns oder Setzen der +Unmittelbarkeit, und des Ansichseyns, so wie eben darin Bestimmen +dieses Aufhebens als Gesetztseyns ist. Sie ist daher es selbst, welche +sich als Zufälligkeit bestimmt;—in ihrem Seyn sich von sich abstößt, in +diesem Abstoßen selbst nur in sich zurückgekehrt ist, und in dieser +Rückkehr als ihrem Seyn sich von sich selbst abgestoßen hat. + +So hat die Form in ihrer Realisirung alle ihre Unterschiede +durchdrungen und sich durchsichtig gemacht, und ist als absolute +Nothwendigkeit nur diese einfache Identität des Seyns in seiner +Negation oder in dem Wesen mit sich selbst.—Der Unterschied von dem +Inhalte und der Form selbst ist ebenso verschwunden; denn jene Einheit +der Möglichkeit in der Wirklichkeit und umgekehrt ist die in ihrer +Bestimmtheit oder im Gesetztseyn gegen sich selbst gleichgültige Form, +die inhaltsvolle Sache, an der sich die Form der Nothwendigkeit +äußerlich verlief. Aber so ist sie diese reflektirte Identität beider +Bestimmungen, als gegen sie gleichgültig, somit die Formbestimmung des +Ansichseyns gegen das Gesetztseyn, und diese Möglichkeit macht die +Beschränktheit des Inhalts aus, den die reale Nothwendigkeit hatte. Die +Auflösung dieses Unterschieds aber ist die absolute Nothwendigkeit, +deren Inhalt dieser in ihr sich durchdringende Unterschied ist. + +Die absolute Nothwendigkeit ist also die Wahrheit, in welche +Wirklichkeit und Möglichkeit überhaupt, so wie die formelle und reale +Nothwendigkeit zurückgeht.—Sie ist, wie sich ergeben hat, das Seyn, das +in seiner Negation, im Wesen, sich auf sich bezieht und Seyn ist. Sie +ist ebenso sehr einfache Unmittelbarkeit oder reines Seyn, als einfache +Reflexion-in-sich, oder reines Wesen; sie ist dieß, daß dieß Beides ein +und dasselbe ist.—Das schlechthin Nothwendige ist nur, weil es ist; es +hat sonst keine Bedingung, noch Grund.—Es ist aber ebenso reines Wesen, +sein Seyn ist die einfache Reflexion-in-sich; es ist, weil es ist. Als +Reflexion hat es Grund und Bedingung, aber es hat nur sich zum Grunde +und Bedingung. Es ist Ansichseyn, aber sein Ansichseyn ist seine +Unmittelbarkeit, seine Möglichkeit ist seine Wirklichkeit.—Es ist also, +weil es ist; als das Zusammengehen des Seyns mit sich, ist es Wesen; +aber weil dieß Einfache ebenso die unmittelbare Einfachheit ist, ist es +Seyn. + +Die absolute Nothwendigkeitt ist so die Reflexion oder Form des +Absoluten; Einheit des Seyns und Wesens, einfache Unmittelbarkeit, +welche absolute Negativität ist. Einer Seits sind ihre Unterschiede +daher nicht als Reflexions-Bestimmungen, sondern als seyende +Mannigfaltigkeit, als unterschiedene Wirklichkeit, welche die Gestalt +von selbstständigen Anderen gegen einander hat. Anderer Seits da ihre +Beziehung die absolute Identität ist, ist sie das absolute Umkehren +ihrer Wirklichkeit in ihre Möglichkeit und ihrer Möglichkeit in +Wirklichkeit.—Die absolute Nothwendigkeit ist daher blind. Einer Seits +haben die unterschiedenen, welche als Wirklichkeit und als die +Möglichkeit bestimmt sind, die Gestalt der Reflexion-in-sich als des +Seyns; sie sind daher beide als freie Wirklichkeiten, deren keins im +Andern scheint, keins eine Spur seiner Beziehung auf das Andere an ihm +zeigen will; in sich gegründet ist jedes das Nothwendige an ihm selbst. +Die Nothwendigkeit als Wesen ist in diesem Seyn verschlossen; die +Berührung dieser Wirklichkeiten durch einander erscheint daher als eine +leere Äußerlichkeit; die Wirklichkeit des einen in dem Andern ist die +nur Möglichkeit, die Zufälligkeit. Denn das Seyn ist gesetzt als +absolut nothwendig, als die Vermittelung-mit-sich, welche absolute +Negation der Vermittelung-durch-Anderes ist, oder als Seyn das nur mit +dem Seyn identisch ist; ein Anderes, das im Seyn Wirklichkeit hat, ist +daher als schlechthin nur Mögliches, leeres Gesetztseyn bestimmt. + +Aber diese Zufälligkeit ist vielmehr die absolute Nothwendigkeit; sie +ist das Wesen jener freien, an sich nothwendigen Wirklichkeiten. Dieses +Wesen ist das Lichtscheue, weil an diesen Wirklichkeiten kein Scheinen, +kein Reflex ist, weil sie nur rein in sich gegründet, für sich +gestaltet sind, sich nur sich selbst manifestiren,—weil sie nur Seyn +sind.—Aber ihr Wesen wird an ihnen hervorbrechen und offenbaren, was es +ist und was sie sind. Die Einfachheit ihres Seyns, ihres Beruhens auf +sich, ist die absolute Negativität; sie ist die Freiheit ihrer +scheinlosen Unmittelbarkeit. Dieses Negative bricht an ihnen hervor, +weil das Seyn durch dieß sein Wesen der Widerspruch mit sich selbst +ist;—und zwar gegen dieß Seyn in der Form des Seyns, also als die +Negation jener Wirklichkeiten, welche absolut verschieden ist von ihrem +Seyn, als ihr Nichts, als ein ebenso freies Andersseyn gegen sie, als +ihr Seyn es ist.—Jedoch war es an ihnen nicht zu verkennen. Sie sind in +ihrer auf sich beruhenden Gestaltung gleichgültig gegen die Form, ein +Inhalt, damit unterschiedene Wirklichkeiten und ein bestimmter Inhalt; +dieser ist das Maal, das die Nothwendigkeit, indem sie, welche absolute +Rückkehr in sich selbst in ihrer Bestimmung ist, dieselben frei als +absolut wirkliche entließ,—ihnen aufdrückte, worauf sie als den Zeugen +ihres Rechts sich beruft, und an dem sie ergriffen nun untergehen. +Diese Manifestation dessen, was die Bestimmtheit in Wahrheit ist, +negative Beziehung auf sich selbst, ist blinder Untergang im +Andersseyn; das hervorbrechende Scheinen oder die Reflexion ist an den +Seyenden als Werden oder Übergehen des Seyns in Nichts. Aber das Seyn +ist umgekehrt ebenso sehr Wesen, und das Werden ist Reflexion oder +Scheinen. So ist die Äußerlichkeit ihre Innerlichkeit, ihre Beziehung +ist absolute Identität; und das Übergehen des Wirklichen in Mögliches, +des Seyns in Nichts ein Zusammengehen mit sich selbst; die Zufälligkeit +ist absolute Nothwendigkeit; sie selbst ist das Voraussetzen jener +ersten absoluten Wirklichkeiten. + +Diese Identität des Seyns in seiner Negation mit sich selbst, ist sie +nun Substanz. Sie ist diese Einheit als in ihrer Negation oder als in +der Zufälligkeit; so ist sie die Substanz als Verhältniß zu sich +selbst. Das blinde Übergehen der Nothwendigkeit ist vielmehr die eigene +Auslegung des Absoluten, die Bewegung desselben in sich, welches in +seiner Entäußerung vielmehr sich selbst zeigt. + + + + +Drittes Kapitel. Das absolute Verhältniß. + + +Die absolute Nothwendigkeit ist nicht sowohl das Nothwendige, noch +weniger ein Nothwendiges, sondern Nothwendigkeit;—Seyn schlechthin als +Reflexion. Sie ist Verhältniß, weil sie Unterscheiden ist, dessen +Momente selbst ihre ganze Totalität sind, die also absolut bestehen, so +daß dieß aber nur Ein Bestehen und der Unterschied nur der Schein des +Auslegens, und dieser das Absolute selbst ist.—Das Wesen als solches +ist die Reflexion oder das Scheinen; das Wesen als absolutes Verhältniß +aber ist der als Schein gesetzte Schein, oder als dieß Beziehen auf +sich die absolute Wirklichkeit ist.—Das Absolute, zuerst von der äußern +Reflexion ausgelegt, legt nun als absolute Form oder als +Nothwendigkeit, sich selbst aus; dieß Auslegen seiner selbst ist sein +Sich-selbst-setzen, und es ist nur dieß Sich-setzen.—Wie das Licht der +Natur nicht Etwas, noch Ding, sondern sein Seyn nur sein Scheinen ist, +so ist die Manifestation die sich selbst gleiche absolute Wirklichkeit. + +Die Seiten des absoluten Verhältnisses sind daher keine Attribute. Im +Attribute scheint das Absolute nur in einem seiner Momente, als einem +vorausgesetzten und von der äußern Reflexion aufgenommenen. Die +Auslegerin des Absoluten aber ist die absolute Nothwendigkeit, die +identisch mit sich ist, als sich selbst bestimmend. Da sie das Scheinen +ist, das als Schein gesetzt ist, so sind die Seiten dieses +Verhältnisses Totalitäten, weil sie als Schein sind; denn als Schein +sind die Unterschiede sie selbst und ihr Entgegengesetztes, oder das +Ganze;—umgekehrt sind sie so Schein, weil sie Totalitäten sind. Dieß +Unterscheiden oder Scheinen des Absoluten ist so nur das identische +Setzen seiner selbst. + +Dieß Verhältniß in seinem unmittelbaren Begriff ist das Verhältniß der +Substanz und der Accidenzen, das unmittelbare Verschwinden und Werden +des absoluten Scheines in sich selbst. Indem die Substanz sich zum +Fürsichseyn gegen ein Anderes bestimmt, oder das absolute Verhältniß +als reales, ist das Verhältniß der Kausalität. Endlich indem dieses als +sich auf sich Beziehendes in Wechselwirkung übergeht, so ist damit das +absolute Verhältniß nach den Bestimmungen, welche es enthält, auch +gesetzt; diese gesetzte Einheit seiner in seinen Bestimmungen, die als +das Ganze selbst und damit ebenso sehr als Bestimmungen gesetzt sind, +ist alsdann der Begriff. + +A. Das Verhältniß der Substantialität. + +Die absolute Nothwendigkeit ist absolutes Verhältniß, weil sie nicht +das Seyn als solches ist, sondern das Seyn, das ist, weil es ist, das +Seyn als die absolute Vermittelung seiner mit sich selbst. Dieses Seyn +ist die Substanz; als die letzte Einheit des Wesens und Seyns, ist sie +das Seyn in allem Seyn; weder das unreflektirte Unmittelbare, noch auch +ein abstraktes, hinter der Existenz und Erscheinung stehendes, sondern +die unmittelbare Wirklichkeit selbst, und diese als absolutes +Reflektirtseyn in sich, als an und fürsichseyendes Bestehen.—Die +Substanz als diese Einheit des Seyns und der Reflexion ist wesentlich +das Scheinen und Gesetztseyn ihrer. Das Scheinen ist das sich auf sich +beziehende Scheinen, so ist es; dieß Seyn ist die Substanz als solche. +Umgekehrt ist dieses Seyn nur das mit sich identische Gesetztseyn, so +ist es scheinende Totalität, die Accidentalität. + +Dieß Scheinen ist die Identität als der Form;—die Einheit der +Möglichkeit und Wirklichkeit. Sie ist erstlich Werden, die Zufälligkeit +als die Sphäre des Entstehens und Vergehens; denn nach der Bestimmung +der Unmittelbarkeit ist die Beziehung der Möglichkeit und Wirklichkeit +unmittelbares Umschlagen derselben als Seyender in einander, eines +jeden als in sein ihm nur Anderes.—Aber weil das Seyn Schein ist, so +ist die Beziehung derselben auch als identischer oder scheinender an +einander, Reflexion. Die Bewegung der Accidentalität stellt daher an +jedem ihrer Momente das Scheinen der Kategorien des Seyns und der +Reflexions-Bestimmungen des Wesens in einander dar.—Das unmittelbare +Etwas hat einen Inhalt; seine Unmittelbarkeit ist zugleich reflektirte +Gleichgültigkeit gegen die Form. Dieser Inhalt ist bestimmt, und indem +dieß Bestimmtheit des Seyns ist, geht das Etwas über in ein Anderes. +Aber die Qualität ist auch Bestimmtheit der Reflexion; so ist sie +gleichgültige Verschiedenheit. Aber diese begeistet sich zur +Entgegensetzung, und geht in den Grund zurück, der das Nichts, aber +auch Reflexion-in-sich ist. Diese hebt sich auf; aber sie ist selbst +reflektirtes Ansichseyn, so ist sie Möglichkeit und dieß Ansichseyn ist +in seinem Übergehen, das ebenso sehr Reflexion-in-sich ist, das +nothwendige Wirkliche. + +Diese Bewegung der Accidentalität ist die Aktuosität der Substanz, als +ruhiges Hervorgehen ihrer selbst. Sie ist nicht thätig gegen Etwas, +sondern nur gegen sich als einfaches widerstandloses Element. Das +Aufheben eines Vorausgesetzten ist der verschwindende Schein; erst in +dem das unmittelbare aufhebenden Thun wird dieß Unmittelbare selbst, +oder ist jenes Scheinen; das Anfangen von sich selbst ist erst das +Setzen dieses Selbsts, von dem das Anfangen ist. + +Die Substanz als diese Identität des Scheinens ist die Totalität des +Ganzen, und begreift die Accidentalität in sich, und die Accidentalität +ist die ganze Substanz selbst. Der Unterschied ihrer in die einfache +Identität des Seyns, und in den Wechsel der Accidenzen an derselben ist +eine Form ihres Scheins. Jenes ist die formlose Substanz des +Vorstellens, dem der Schein sich nicht als Schein bestimmt hat, sondern +das als an einem Absoluten an solcher unbestimmten Identität festhält, +die keine Wahrheit hat, nur die Bestimmtheit der unmittelbaren +Wirklichkeit oder ebenso des Ansichseyns oder der Möglichkeit +ist;—Formbestimmungen, welche in die Accidentalität fallen.-Die andere +Bestimmung, der Wechsel der Accidenzen, ist die absolute Formeinheit +der Accidentalität, die Substanz als die absolute Macht.—Das Vergehen +der Accidenz ist Zurückgehen ihrer als Wirklichkeit in sich als in ihr +Ansichseyn oder in ihre Möglichkeit, aber dieß ihr Ansichseyn ist +selbst nur ein Gesetztseyn; daher ist es auch Wirklichkeit, und weil +diese Formbestimmungen ebenso sehr Inhaltsbestimmungen sind, ist dieß +Mögliche auch dem Inhalte nach ein anders bestimmtes Wirkliches. Die +Substanz manifestirt sich durch die Wirklichkeit mit ihrem Inhalte, in +die sie das Mögliche übersetzt, als schaffende, durch die Möglichkeit, +in die sie das Wirkliche zurückführt, als zerstörende Macht. Aber +beides ist identisch; das Schaffen zerstörend, die Zerstörung +schaffend; denn das Negative und Positive, die Möglichkeit und +Wirklichkeit sind in der substantiellen Nothwendigkeit absolut vereint. + +Die Accidenzen als solche,—und es sind mehrere, indem die Mehrheit eine +der Bestimmungen des Seyns ist,—haben keine Macht über einander. Sie +sind das seyende oder für sich seyende Etwas, existirende Dinge von +mannigfaltigen Eigenschaften, oder Ganze, die aus Theilen bestehen, +selbstständige Theile, Kräfte, die der Sollicitation durch einander +bedürfen und einander zur Bedingung haben. Insofern ein solches +Accidentelles über ein Anderes eine Macht auszuüben scheint, ist es die +Macht der Substanz, welche beide in sich begreift, als Negativität +einen ungleichen Werth setzt, das eine als Vo[e]rgehendes, das Andere +mit anderem Inhalte und als Entstehendes, oder jenes in seine +Möglichkeit, dieses daran in Wirklichkeit übergehend bestimmt; —ewig +sich in diese Unterschiede der Form und des Inhalts entzweit und ewig +sich von dieser Einseitigkeit reinigt, aber in dieser Reinigung selbst +in die Bestimmung und Entzweiung zurückgefallen ist. —Eine Accidenz +vertreibt also eine andere nur darum, weil ihr eigenes Subsistiren +diese Totalität dar Form und des Inhalts selbst ist, in der sie wie +ihre andere ebenso sehr untergeht. + +Um dieser unmittelbaren Identität und Gegenwart der Substanz in den +Accidenzen willen ist noch kein realer Unterschied vorhanden. In dieser +ersten Bestimmung ist die Substanz noch nicht nach ihrem ganzen +Begriffe manifestirt. Wenn die Substanz als das mit sich identische An- +und Fürsichseyn, von ihr selbst als Totalität der Accidenzen +unterschieden wird, so ist sie als Macht das Vermittelnde. Diese ist +die Nothwendigkeit, das in der Negativität der Accidenzen positive +Beharren derselben, und ihr bloßes Gesetztseyn in ihrem Bestehen; diese +Mitte ist somit Einheit der Substantialität und Accidentalität selbst, +und ihre Extreme haben kein eigenthümliches Bestehen. Die +Substantialität ist daher nur das Verhältniß als unmittelbar +verschwindend, sie bezieht sich auf sich nicht als Negatives, ist als +die unmittelbare Einheit der Macht mit sich selbst in der Form nur +ihrer Identität, nicht ihres negativen Wesens; nur das eine Moment, +nämlich das Negative oder der Unterschied, ist das schlechthin +verschwindende, nicht aber das andere, das Identische. —Dieß ist auch +so zu betrachten. Der Schein oder die Accidentalität ist an sich wohl +Substanz durch die Macht, aber er ist nicht so gesetzt als dieser mit +sich identische Schein; so hat die Substanz nur die Accidentalität zu +ihrer Gestalt oder Gesetztseyn, nicht sich selbst; ist nicht Substanz +als Substanz. Das Substantialitäts-Verhältniß ist also zunächst sie +nur, daß sie sich als formelle Macht offenbart, deren Unterschiede +nicht substantiell sind; sie ist in der That nur als Inneres der +Accidenzen, und diese sind nur an der Substanz. Oder dieß Verhältniß +ist nur die scheinende Totalität als Werden; aber sie ist ebenso sehr +Reflexion; die Accidentalität, die an sich Substanz ist, ist eben darum +auch gesetzt als solche; so ist sie bestimmt als sich auf sich +beziehende Negativität, gegen sich, bestimmt als sich auf sich +beziehende einfache Identität mit sich; und ist für-sich-seyende, +mächtige Substanz. So geht das Substantialitäts-Verhältniß in das +Kausalitäts-Verhältniß über. + +B. Das Kausalitäts-Verhältniß. + +Die Substanz ist Macht, und in sich reflektirte nicht bloß übergehende, +sondern die Bestimmungen setzende und von sich unterscheidende Macht. +Als in ihrem Bestimmen sich auf sich selbst beziehend ist sie selbst +das, was sie als negatives setzt oder zum Gesetztseyn macht. Dieses ist +somit überhaupt die aufgehobene Substantialität, das nur Gesetzte, die +Wirkung; die für sich seyende Substanz aber ist die Ursache. + +Dieß Kausalitätsverhältniß ist zunächst nur dieß Verhältniß von Ursache +und Wirkung; so ist es das formelle Kausalitäts-Verhältniß. + +a. Die formelle Kausalität. + +1. Die Ursache ist das Ursprüngliche gegen die Wirkung.—Die Substanz +ist als Macht das Scheinen, oder hat Accidentalität. Aber sie ist als +Macht ebenso sehr Reflexion-in-sich in ihrem Scheine; so legt sie ihr +Übergehen aus, und dieß Scheinen ist bestimmt als Schein, oder die +Accidenz ist gesetzt, als das, daß sie nur ein Gesetztes sey. —Die +Substanz geht aber in ihrem Bestimmen nicht von der Accidentalität aus, +als ob diese voraus ein Anderes wäre, und nun erst als Bestimmtheit +gesetzt würde, son dern beides ist Eine Aktuosität. Die Substanz, als +Macht bestimmt sich; aber dieß Bestimmen ist unmittelbar selbst das +Aufheben des Bestimmens und die Rückkehr. Sie bestimmt sich,—sie, das +Bestimmende ist so das Unmittelbare, und das selbst schon +Bestimmte;—indem sie sich bestimmt, setzt sie also dieß schon Bestimmte +als bestimmt; hat so das Gesetztseyn aufgehoben, und ist in sich +zurückgekehrt.—Umgekehrt ist diese Rückkehr, weil sie die negative +Beziehung der Substanz auf sich ist, selbst ein Bestimmen oder Abstoßen +ihrer von sich; durch diese Rückkehr wird das Bestimmte, von dem sie +anzufangen und es als vorgefundenes Bestimmtes nun als solches zu +setzen scheint.—So ist die absolute Actuosität Ursache;—die Macht der +Substanz in ihrer Wahrheit als Manifestation, die das, was an sich ist, +die Accidenz, die das Gesetztseyn ist, unmittelbar im Werden derselben +auch auslegt, sie setzt als Gesetztseyn; die Wirkung.—Diese ist also +erstlich dasselbe, was die Accidentalität des +Substantialitäts-Verhältnisses ist, nämlich die Substanz als +Gesetztseyn; aber zweitens ist die Accidenz als solche substantiell nur +durch ihr Verschwinden, als Übergehendes; als Wirkung aber ist sie das +Gesetztseyn als mit sich identisch; die Ursache ist in der Wirkung als +ganze Substanz manifestirt, nämlich als an dem Gesetztseyn selbst als +solchem in sich reflektirt. + +2. Diesem in sich reflektirten Gesetztseyn, dem Bestimmten als +Bestimmten, steht die Substanz als nicht gesetztes Ursprüngliches +gegenüber. Weil sie als absolute Macht Rückkehr in sich, aber diese +Rückkehr selbst Bestimmen ist, so ist sie nicht mehr bloß das An-sich +ihrer Accidenz, sondern ist auch gesetzt als dieß Ansichseyn. Die +Substanz hat daher erst als Ursache Wirklichkeit. Aber diese +Wirklichkeit, daß ihr Ansichseyn, ihre Bestimmtheit im +Substantialitäts-Verhältnisse, nunmehr als Bestimmtheit gesetzt ist, +ist die Wirkung; die Substanz hat daher die Wirklichkeit, die sie als +Ursache hat, nur in ihrer Wirkung.—Dieß ist die Nothwendigkeit, welche +die Ursache ist.—Sie ist die wirkliche Substanz, weil die Substanz als +Macht sich selbst bestimmt; aber ist zugleich Ursache, weil sie diese +Bestimmtheit auslegt oder als Gesetztseyn setzt; so setzt sie ihre +Wirklichkeit als das Gesetztseyn oder als die Wirkung. Diese ist das +Andere der Ursache, das Gesetztseyn gegen das Ursprüngliche und durch +dieses vermittelt. Aber die Ursache hebt als Nothwendigkeit ebenso dieß +ihr Vermitteln auf, und ist in dem Bestimmen ihrer selbst als das +ursprünglich sich auf sich beziehende gegen das Vermittelte, die +Rückkehr in sich; denn das Gesetztseyn ist als Gesetztseyn bestimmt, +somit identisch mit sich; die Ursache ist daher erst in ihrer Wirkung +das wahrhaft Wirkliche und mit sich Identische.—Die Wirkung ist daher +nothwendig, weil sie eben Manifestation der Ursache, oder diese +Nothwendigkeit ist, welche die Ursache ist.—Nur als diese +Nothwendigkeit ist die Ursache selbst bewegend, aus sich anfangend, +ohne von einem Andern sollicitirt zu werden, und selbstständige Quelle +des Hervorbringens aus sich;—sie muß wirken, ihre Ursprünglichkeit ist +dieß, daß ihre Reflexion-in-sich bestimmendes Setzen und umgekehrt, +beides eine Einheit ist. + +Die Wirkung enthält daher überhaupt nichts, was nicht die Ursache +enthält. Umgekehrt enthält die Ursache nichts, was nicht in ihrer +Wirkung ist. Die Ursache ist nur Ursache, insofern sie eine Wirkung +hervorbringt; und die Ursache ist nichts als diese Bestimmung, eine +Wirkung zu haben, und die Wirkung nichts, als dieß, eine Ursache zu +haben. In der Ursache als solcher selbst liegt ihre Wirkung, und in der +Wirkung die Ursache; insofern die Ursache noch nicht wirkte, oder +insofern sie aufgehört hätte zu wirken, so wäre sie nicht Ursache; —und +die Wirkung, insofern ihre Ursache verschwunden ist, ist nicht mehr +Wirkung, sondern eine gleichgültige Wirklichkeit.-3. In dieser +Identität der Ursache und Wirkung ist nun die Form, wodurch sie als das +an sich seyende und als das Gesetztseyn sich unterscheiden, aufgehoben. +Die Ursache erlischt in ihrer Wirkung; damit ist ebenso die Wirkung +erloschen, denn sie ist nur die Bestimmtheit der Ursache. Diese in der +Wirkung erloschene Kausalität ist somit eine Unmittelbarkeit, welche +gegen das Verhältniß von Ursache und Wirkung gleichgültig ist, und es +äußerlich an ihr hat. + +b. Das bestimmte Kausalitätsverhältniß. + +1. Die Identität der Ursache in ihrer Wirkung mit sich ist das Aufheben +ihrer Macht und Negativität, daher die gegen die Formunterschiede +gleichgültige Einheit, der Inhalt.—Er ist daher nur an sich auf die +Form, hier die Kausalität, bezogen. Sie sind somit als verschieden +gesetzt, und die Form gegen den Inhalt eine selbst nur unmittelbar +wirkliche, eine zufällige Kausalität. + +Ferner der Inhalt so als bestimmtes, ist ein verschiedener Inhalt an +ihm selbst; und die Ursache ist ihrem Inhalte nach bestimmt, damit +ebenso die Wirkung.—Der Inhalt, da das Reflektirtseyn hier auch +unmittelbare Wirklichkeit ist, ist insofern wirkliche, aber die +endliche Substanz. + +Dieß ist nunmehr das Kausalitäts-Verhältniß in seiner Realität und +Endlichkeit. Als formell ist es das unendliche Verhältniß der absoluten +Macht, deren Inhalt die reine Manifestation oder Nothwendigkeit ist. +Als endliche Kausalität hingegen hat es einen gegebenen Inhalt, und +verläuft sich als ein äußerlicher Unterschied an diesem Identischen, +das in seinen Bestimmungen eine und dieselbe Substanz ist. + +Durch diese Identität des Inhalts ist diese Kausalität ein analytischer +Satz. Es ist dieselbe Sache, welche sich das eine Mal als Ursache, das +andere Mal als Wirkung darstellt, dort als eigenthümliches Bestehen, +hier als Gesetztseyn oder Bestimmung an einem Andern. Da diese +Bestimmungen der Form äußerliche Reflexion sind, so ist es die der +Sache nach tautologische Betrachtung eines subjektiven Verstandes, eine +Erscheinung als Wirkung zu bestimmen und davon zu ihrer Ursache +aufzusteigen, um sie zu begreifen und zu erklären; es wird nur ein und +derselbe Inhalt wiederhohlt; man hat in der Ursache nichts Anderes als +in der Wirkung.—Der Regen z.B. ist Ursache der Feuchtigkeit, welche +seine Wirkung ist;—der Regen macht naß, dieß ist ein analytischer Satz; +dasselbe Wasser, was der Regen ist, ist die Feuchtigkeit; als Regen ist +dieß Wasser nur in der Form einer Sache für sich, als Wässerigkeit oder +Feuchtigkeit dagegen ist es ein adjectives, ein gesetztes, das nicht +mehr sein Bestehen an ihm selbst haben soll; und die eine Bestimmung, +wie die andere, ist ihm äußerlich.—So ist die Ursache dieser Farbe ein +Färbendes, ein Pigment, welches eine und dieselbe Wirklichkeit ist, das +eine Mal in der ihm äußern Form eines thätigen, das heißt, mit einem +von ihm verschiedenen Thätigen äußerlich verbunden, das andere Mal aber +in der ihm ebenso äußerlichen Bestimmung einer Wirkung.—Die Ursache +einer That ist die innere Gesinnung in einem thätigen Subjekt, die als +äußeres Daseyn, das sie durch die Handlung erhält, derselbe Inhalt und +Werth ist. Wenn die Bewegung eines Körpers als Wirkung betrachtet wird, +so ist die Ursache derselben eine stoßende Kraft; aber es ist dasselbe +Quantum der Bewegung, das vor und nach dem Stoß vorhanden ist, dieselbe +Existenz, welche der stoßende Körper enthielt, und dem gestoßenen +mittheilte; und so viel er mittheilt, so viel verliert er selbst. + +Die Ursache, z.B. der Mahler, oder der stoßende Körper hat wohl noch +einen andern Inhalt, jener, als die Farben und deren sie zum Gemälde +verbindende Form; dieser, als eine Bewegung von bestimmter Stärke und +Richtung. Allein dieser weitere Inhalt ist ein zufälliges Beiwesen, das +die Ursache nichts angeht; was der Maler sonst für Qualitäten enthält, +abstrahirt davon, daß er Maler dieses Gemäldes ist, dieß tritt nicht in +dieses Gemälde ein; nur was von seinen Eigenschaften sich in der +Wirkung darstellt, ist in ihm als Ursache vorhanden, nach seinen +übrigen Eigenschaften ist er nicht Ursache. So ob der stoßende Körper +Stein oder Holz, grün, gelb ist u.s.f. dieß tritt nicht in seinen Stoß +ein; insofern ist er nicht Ursache. + +Es ist in Rücksicht dieser Tautologie des Kausalitäts-Verhältnisses zu +bemerken, daß es dieselbe dann nicht zu enthalten scheint, wenn nicht +die nächste, sondern die entfernte Ursache einer Wirkung angegeben +wird. Die Formveränderung, welche die zu Grunde liegende Sache in +diesem Durchgange durch mehrere Mittelglieder erleidet, versteckt die +Identität, die sie darin behält. Sie verknüpft sich zugleich in dieser +Vervielfältigung der Ursachen, welche zwischen sie und die letzte +Wirkung eingetreten sind, mit andern Dingen und Umständen, so daß nicht +jenes Erste, was als Ursache ausgesprochen wird, sondern nur diese +mehrere Ursachen zusammen die vollständige Wirkung enthalten.—So wenn +z. ein Mensch dadurch unter Umstände kam, in denen sich sein Talent +entwickelte, daß er seinen Vater verlor, den in einer Schlacht eine +Kugel traf, so könnte dieser Schuß, (oder noch weiter zurück der Krieg +oder eine Ursache des Kriegs und so fort ins Unendliche) als Ursache +der Geschicklichkeit jenes Menschen angegeben werden. Allein es +erhellt, daß z.B. jener Schuß nicht für sich diese Ursache ist, sondern +nur die Verknüpfung desselben mit andern wirkenden Bestimmungen. Oder +vielmehr ist er überhaupt nicht Ursache, sondern nur ein einzelnes +Moment, das zu den Umständen der Möglichkeit gehörte. + +Denn hauptsächlich ist noch die unstatthafte Anwendung des +Kausalitätsverhältnisses auf Verhältnisse des physisch-organischen und +des geistigen Lebens zu bemerken. Hier zeigt sich das, was als Ursache +genannt wird, freilich von anderem Inhalte als die Wirkung, darum aber, +weil das, was auf das Lebendige wirkt, von diesem selbstständig +bestimmt, verändert und verwandelt wird, weil das Lebendige die Ursache +nicht zu ihrer Wirkung kommen läßt, das heißt, sie als Ursache aufhebt. +So ist es unstatthaft gesprochen, daß die Nahrung die Ursache des +Bluts, oder diese Speisen oder Kälte, Nässe, Ursachen des Fiebers +u.s.fort seyen; so unstatthaft es ist, das jonische Klima als die +Ursache der homerischen Werke, oder Cäsar's Ehrgeiz als die Ursache des +Untergangs der republikanischen Verfassung Roms anzugeben. In der +Geschichte überhaupt sind geistige Massen und Individuen im Spiele und +in der Wechselbestimmung mit einander; die Natur des Geistes ist es +aber noch in viel höherem Sinne, als der Charakter des Lebendigen +überhaupt, vielmehr nicht ein anderes Ursprüngliches in sich +aufzunehmen, oder nicht eine Ursache sich in ihn kontinuiren zu lassen, +sondern sie abzubrechen und zu verwandeln.—Welche Verhältnisse aber der +Idee angehören und bei ihr erst zu betrachten sind.—Dieß kann hier noch +bemerkt werden, daß insofern das Verhältniß von Ursache und Wirkung, +obwohl in uneigentlichem Sinne, zugelassen wird, die Wirkung nicht +größer seyn könne, als die Ursache; denn die Wirkung ist nichts weiter +als die Manifestation der Ursache. Es ist ein gewöhnlich gewordener +Witz in der Geschichte, aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstehen +zu lassen, und für die umfassende und tiefe Begebenheit eine Anekdote +als erste Ursache aufzuführen. Eine solche sogenannte Ursache ist für +nichts weiteres als eine Veranlassung, als äußere Erregung anzusehen, +deren der innere Geist der Begebenheit nicht bedurft hätte, oder deren +er eine unzählige Menge anderer hätte gebrauchen können, um von ihnen +in der Erscheinung anzufangen, sich Luft zu machen und seine +Manifestation zu geben. Vielmehr ist umgekehrt so etwas für sich +Kleinliches und Zufälliges erst von ihm zu seiner Veranlassung bestimmt +worden. Jene Arabesken-Malerei der Geschichte, die aus einem schwanken +Stengel eine große Gestalt hervorgehen läßt, ist daher wohl eine +geistreiche, aber höchst oberflächliche Behandlung. Es ist in diesem +Entspringen des Großen aus dem Kleinen zwar überhaupt die Umkehrung +vorhanden, die der Geist mit dem Äußerlichen vornimmt; aber eben darum +ist dieses nicht Ursache in ihm, oder diese Umkehrung hebt selbst das +Verhältniß der Kausalität auf. + +2. Diese Bestimmtheit des Kausalitäts-Verhältnisses aber, daß Inhalt +und Form verschieden und gleichgültig sind, erstreckt sich weiter. Die +Formbestimmung ist auch Inhaltsbestimmung; Ursache und Wirkung, die +beiden Seiten des Verhältnisses, sind daher auch ein anderer Inhalt. +Oder der Inhalt, weil er nur als Inhalt einer Form ist, hat ihren +Unterschied an ihm selbst und ist wesentlich verschieden. Aber indem +diese seine Form das Kausalitäts-Verhältniß ist, das ein in Ursache und +Wirkung identischer Inhalt ist, so ist der verschiedene Inhalt +äußerlich mit der Ursache einer Seits, und anderer Seits mit der +Wirkung verbunden; er tritt somit nicht selbst in das Wirken und in das +Verhältniß ein. + +Dieser äußerliche Inhalt ist also verhältnißlos;—eine unmittelbare +Existenz;—oder weil er als Inhalt die ansichseyende Identität der +Ursache und Wirkung ist, ist auch er unmittelbare, seyende Identität. +Dieß ist daher irgend ein Ding, das mannigfaltige Bestimmungen seines +Daseyns hat, unter Anderem auch diese, daß es in irgend einer Rücksicht +Ursache oder auch Wirkung ist. Die Formbestimmungen, Ursache und +Wirkung, haben an ihm ihr Substrat, das heißt ihr wesentliches +Bestehen,—und jede ein besonderes—, denn ihre Identität ist ihr +Bestehen;—zugleich aber ist es ihr unmittelbares Bestehen, nicht ihr +Bestehen als Formeinheit, oder als Verhältniß. + +Aber dieses Ding ist nicht nur Substrat, sondern auch Substanz, denn es +ist das identische Bestehen nur als des Verhältnisses. Ferner ist sie +endliche Substanz, denn sie ist bestimmt als unmittelbare gegen ihre +Ursachlichkeit. Aber sie hat zugleich Kausalität, weil sie ebenso sehr +nur das Identische als dieses Verhältnisses ist.—Als Ursache nun ist +dieses Substrat die negative Beziehung auf sich. Aber es selbst, worauf +es sich bezieht, ist erstens ein Gesetztseyn, weil es als unmittelbar +Wirkliches bestimmt ist; dieß Gesetztseyn als Inhalt ist irgend eine +Bestimmung überhaupt.—Zweitens ist ihin die Kausalität äußerlich; diese +macht somit selbst sein Gesetztseyn aus. Indem es nun ursachliche +Substanz ist, besteht seine Kausalität darin, sich negativ auf sich, +also auf sein Gesetztseyn und äußere Kausalität, zu beziehen. Das +Wirken dieser Substanz fängt daher von einem Äußern an, befreit sich +von dieser äußern Bestimmung, und seine Rückkehr in sich ist die +Erhaltung seiner unmittelbaren Existenz und das Aufheben seiner +gesetzten, und damit seiner Kausalität überhaupt. + +So ist ein Stein, der sich bewegt, Ursache; seine Bewegung ist eine +Bestimmung, die er hat, außer welcher er aber noch viele andere +Bestimmungen der Farbe, Gestalt u.s.f. enthält, welche nicht in seine +Ursachlichkeit eingehen. Weil seine unmittelbare Existenz getrennt ist +von seiner Formbeziehung, nämlich der Kausalität, so ist diese ein +Äußerliches; seine Bewegung, und die Kausalität, die ihm in ihr +zukommt, ist an ihm nur Gesetztseyn.—Aber die Kausalität ist auch seine +eigene; dieß ist darin vorhanden, daß sein substantielles Bestehen +seine identische Beziehung auf sich ist, diese aber ist nunmehr als +Gesetztseyn bestimmt, sie ist also zugleich negative Beziehung auf +sich.—Seine Kausalität, welche sich auf sich als auf das Gesetztseyn +oder als ein Äußeres richtet, besteht daher darin, es aufzuheben, und +durch die Entfernung desselben in sich zurückzukehren, —somit insofern +nicht in seinem Gesetztseyn identisch mit sich zu seyn, sondern nur +seine abstrakte Ursprünglichkeit wiederherzustellen. —Oder der Regen +ist Ursache der Nässe, welche dasselbe Wasser ist als jener. Dieses +Wasser hat die Bestimmung, Regen und Ursache zu seyn, dadurch daß sie +von einem Andern in ihm gesetzt ist;—eine andere Kraft oder was es sey, +hat es in die Luft erhoben und in eine Masse zusammengebracht, deren +Schwere es fallen macht. Seine Entfernung von der Erde, ist eine seiner +ursprünglichen Identität mit sich, der Schwere, fremde Bestimmung; +seine Ursachlichkeit besteht darin dieselbe zu entfernen, und jene +Identität wieder herzustellen, damit aber auch seine Kausalität +aufzuheben. + +Die jetzt betrachtete zweite Bestimmtheit der Kausalität geht die Form +an; dieß Verhältniß ist die Kausalität als sich selbst äußerlich, als +die Ursprünglichkeit, welche ebenso sehr an ihr selbst Gesetztseyn oder +Wirkung ist. + +Diese Vereinigung der entgegengesetzten Bestimmungen als im seyenden +Substrat macht den unendlichen Regreß von Ursachen zu Ursachen aus. —Es +wird von der Wirkung angefangen; sie hat als solche eine Ursache, diese +hat wieder eine Ursache und so fort. Warum hat die Ursache wieder eine +Ursachen das heißt, warum wird dieselbe Seite, die vorher als Ursache +bestimmt war, nunmehr als Wirkung bestimmt und damit nach einer neuen +Ursache gefragt?—Aus dem Grunde, weil die Ursache ein Endliches, +Bestimmtes überhaupt ist; bestimmt als Ein Moment der Form gegen die +Wirkung; so hat sie ihre Bestimmtheit oder Negation außer ihr; eben +damit aber ist sie selbst endlich, hat ihre Bestimmtheit an ihr, und +ist somit Gesetztseyn oder Wirkung. Diese ihre Identität ist auch +gesetzt, aber sie ist ein Drittes, odas unmittelbare Substrat; die +Kausalität ist darum sich selbst äußerlich, weil hier ihre +Ursprünglichkeit eine Unmittelbarkeit ist. Der Formunterschied ist +daher erste Bestimmtheit, noch nicht die Bestimmtheit als Bestimmtheit +gesetzt, er ist seyendes Andersseyn. Die endliche Reflexion bleibt +einer Seits bei diesem Unmittelbaren stehen, entfernt die Formeinheit +davon und läßt es in anderer Rüksicht Ursache und in anderer Wirkung +seyn; anderer Seits verlegt sie die Formeinheit in das Unendliche, und +drükt durch das perennirende Fortgehen ihre Ohnmacht aus, sie erreichen +und festhalten zu können. + +Mit der Wirkung ist es unmittelbar der nämliche Fall, oder vielmehr der +unendliche Progreß von Wirkung zu Wirkung ist ganz und dasselbe was der +Regreß von Ursache zu Ursache ist. In diesem wurde die Ursache zur +Wirkung, welche wieder eine andere Ursache hat; ebenso wird umgekehrt +die Wirkung zur Ursache, die wieder eine andere Wirkung hat.—Die +betrachtete bestimmte Ursache fängt von einer Äußerlichkeit an, und +kehrt in ihrer Wirkung nicht als Ursache in sich zurück, sondern +verliert vielmehr die Kausalität darin. Aber umgekehrt kommt die +Wirkung an ein Substrat, welches Substanz, ursprünglich sich auf sich +beziehendes Bestehen ist; an ihm wird daher dieß Gesetztseyn zum +Gesetztseyn; das heißt, diese Substanz, indem eine Wirkung in ihr +gesetzt wird, verhält sich als Ursache. Aber jene erste Wirkung, das +Gesetztseyn, das an sie äußerlich kommt, ist ein Anderes als die +zweite, die von ihr hervorgebracht wird; denn diese zweite ist +bestimmt, als ihre Reflexion-in-sich, jene aber als eine Äußerlichkeit +an ihr.—Aber weil die Kausalität hier die sich selbst äußerliche +Ursachlichkeit ist, so kehrt sie auch ebenso sehr in ihrer Wirkung +nicht in sich zurück; wird sich darin äußerlich, ihre Wirkung wird +wieder Gesetztseyn an einem Substrate,—als einer andern Substanz, die +aber ebenso es zum Gesetztseyn macht, oder sich als Ursache +manifestirt, ihre Wirkung wieder von sich abstößt und so fort in das +Schlecht-Unendliche. + +3. Es ist nun zu sehen, was durch die Bewegung des bestimmten +Kausalitäts-Verhältnisses geworden ist.—Die formelle Kausalität +erlischt in der Wirkung; dadurch ist das Identische dieser beiden +Momente geworden; aber damit nur als an sich die Einheit von Ursache +und Wirkung, woran die Formbeziehung äußerlich ist.—Dieß Identische ist +dadurch auch unmittelbar nach den beiden Bestimmungen der +Unmittelbarkeit, erstens als Ansichseyn, ein Inhalt, an dem die +Kausalität sich äußerlich verläuft; zweitens als ein existirendes +Substrat, dem die Ursache und die Wirkung inhäriren, als unterschiedene +Formbestimmungen. Diese sind darin an sich eins, aber jede ist um +dieses Ansichseyns oder der Äußerlichkeit der Form willen sich selbst +äußerlich, somit in ihrer Einheit mit der andern auch als andre gegen +sie bestimmt. Daher hat zwar die Ursache eine Wirkung, und ist zugleich +selbst Wirkung; und die Wirkung hat nicht nur eine Ursache, sondern ist +auch selbst Ursache. Aber die Wirkung, welche die Ursache hat, und die +Wirkung, die sie ist;—ebenso die Ursache, welche die Wirkung hat, und +die Ursache, die sie ist, sind verschieden. + +Durch die Bewegung des bestimmten Kausalitätsverhältnisses ist aber nun +dieß geworden, daß die Ursache nicht nur in der Wirkung erlischt, und +damit auch die Wirkung, wie in der formellen Kausalität, sondern daß +die Ursache in ihrem Erlöschen, in der Wirkung wieder wird, daß die +Wirkung in Ursache verschwindet, aber in ihr ebenso wieder wird. Jede +dieser Bestimmungen hebt sich in ihrem Setzen auf, und setzt sich in +ihrem Aufheben; es ist nicht ein äußerliches Übergehen der Kausalität +von einem Substrat an ein anderes vorhanden, sondern dieß Anderswerden +derselben ist zugleich ihr eigenes Setzen. Die Kausalität setzt also +sich selbst voraus oder bedingt sich. Die vorher nur an sich seyende +Identität, das Substrat, ist daher nunmehr bestimmt als Voraussetzung +oder gesetzt gegen die wirkende Kausalität, und die vorhin dem +Identischen nur äußerliche Reflexion steht nun im Verhältnisse zu +demselben. + +c. Wirkung und Gegenwirkung. + +Die Kausalität ist voraussetzendes Thun. Die Ursache ist bedingt; sie +ist die negative Beziehung auf sich als vorausgesetztes, als +äußerliches Anderes, welches an sich aber nur an sich die Kausalität +selbst ist. Es ist, wie sich ergeben hat, die substantielle Identität, +in welche die formelle Kausalität übergeht, die sich nunmehr gegen +dieselbe als ihr Negatives bestimmt hat. Oder es ist dasselbe, was die +Substanz des Kausalitätsverhältnisses, aber welcher die Macht der +Accidentalität als selbstsubstantielle Thätigkeit gegenüber steht.—Es +ist die passive Substanz.—Passiv ist das Unmittelbare, oder +Ansichseyende, das nicht auch für sich ist;—das reine Seyn oder das +Wesen, das nur in dieser Bestimmtheit der abstrakten Identität mit sich +ist.—Der passiven steht die als negativ sich auf sich beziebende, die +wirkende Substanz gegenüber. Sie ist die Ursache, insofern sie sich in +der bestimmten Kausalität durch die Negation ihrer selbst, aus der +Wirkung wiederhergestellt hat, das in seinem Andersseyn oder als +Unmittelbares sich wesentlich als setzend verhält, und durch seine +Negation sich mit sich vermittelt. Die Kausalität hat deswegen hier +kein Substrat mehr, dem sie inhärirte und ist nicht Formbestimmung +gegen diese Identität sondern selbst die Substanz, oder das +Ursprüngliche ist nur die Kausalität.—Das Substrat ist die passive +Substanz, die sie sich vorausgesetzt hat. + +Diese Ursache wirkt nun; denn sie ist die negative Macht auf sich +selbst; zugleich ist sie ihr Vorausgesetztes; so wirkt sie auf sich als +auf ein Anderes, auf die passive Substanz.—Somit hebt sie erstlich das +Andersseyn derselben auf; und kehrt in ihr in sich zurück; zweitens +bestimmt sie dieselbe, sie setzt dieß Aufheben ihres Andersseyns oder +die Rückkehr in sich als eine Bestimmtheit. Dieß Gesetztseyn, weil es +zugleich ihre Rückkehr in sich ist, ist zunächst ihre Wirkung. Aber +umgekehrt weil sie als voraussetzend sich selbst als ihr Anderes +bestimmt, so setzt sie die Wirkung in der andern, der passiven +Substanz.—Oder weil die passive Substanz selbst das Gedoppelte ist, +nämlich ein selbstständiges Anderes, und zugleich ein Vorausgesetztes +und an sich schon mit der wirkenden Ursache Identisches, so ist das +Wirken von dieser selbst ein Gedoppeltes; es ist beides in Einem, das +Aufheben ihres Bestimmtseyns, nämlich ihrer Bedingung, oder das +Aufheben der Selbstständigkeit der passiven Substanz;—und daß sie ihre +Identität mit derselben aufhebt, somit sich voraus oder als Anderes +setzt.—Durch das letztere Moment wird die passive Substanz erhalten; +jenes erste Aufheben derselben erscheint in Beziehung hierauf zugleich +auch so, daß nur einige Bestimmungen an ihr aufgehoben werden und die +Identität ihrer mit der ersten in der Wirkung äußerlich an ihr +geschieht. + +Insofern leidet sie Gewalt.—Die Gewalt ist die Erscheinung der Macht, +oder die Macht als Äußerliches. Äußerliches ist aber die Macht, nur +insofern die ursachliche Substanz in ihrem Wirken, d. h. im Setzen +ihrer selbst zugleich voraussetzend ist, d. h. sich selbst als +aufgehobenes setzt. Umgekehrt ist daher ebenso sehr das Thun der +Gewalt, ein Thun der Macht. Es ist nur ein von ihr selbst +vorausgesetztes Anderes, auf welches die gewaltige Ursache wirkt, ihre +Wirkung auf dasselbe ist negative Beziehung auf sich, oder die +Manifestation ihrer selbst. Das Passive ist das Selbstständige, das nur +ein Gesetztes ist; ein in sich selbst Gebrochenes,—eine Wirklichkeit, +welche Bedingung ist und zwar die Bedingung nunmehr in ihrer Wahrheit +nämlich eine Wirklichkeit, welche nur eine Möglichkeit ist, oder +umgekehrt ein Ansichseyn, das nur die Bestimmtheit des Ansichseyns, nur +passiv ist. Demjenigen daher, dem Gewalt geschieht, ist es nicht nur +möglich, Gewalt anzuthun, sondern sie muß ihm auch angethan werden; was +Gewalt über das Andere hat, hat sie nur, weil es die Macht desselben +ist, die sich darin und das Andere manifestirt. Die passive Substanz +wird durch die Gewalt nur gesetzt, als das was sie in Wahrheit ist, +nämlich weil sie das einfache Positive oder unmittelbare Substanz ist, +eben darum nur ein Gesetztes zu seyn; das Voraus, das sie als Bedingung +ist, ist der Schein der Unmittelbarkeit, den die wirkende Kausalität +ihr abstreift. + +Der passiven Substanz wird daher durch die Einwirkung einer andern +Gewalt nur ihr Recht angethan. Was sie verliert, ist jene +Unmittelbarkeit, die ihr fremde Substantialität. Was sie als ein +Fremdes erhält, nämlich als ein Gesetztseyn bestimmt zu werden, ist +ihre eigene Bestimmung. + +Indem sie nun aber in ihrem Gesetztseyn oder in ihrer eigenen +Bestimmung gesetzt wird, wird sie dadurch vielmehr nicht aufgehoben, +sondern geht so nur mit sich selbst zusammen, und ist also in ihrem +Bestimmtwerden Ursprünglichkeit.—Die passive Substanz wird also einer +Seits durch die aktive erhalten oder gesetzt, nämlich insofern diese +sich selbst zur aufgehobenen macht;—anderer Seits aber ist es das Thun +des Passiven selbst, mit sich zusammenzugehen, und somit sich zum +Ursprünglichen und zur Ursache zu machen. Das Gesetztwerden durch ein +Anderes und das eigene Werden ist ein und dasselbe. + +Hierdurch, daß die passive Substanz nun selbst in Ursache verkehrt ist, +wird erstlich die Wirkung in ihr aufgehoben; darin besteht ihre +Gegenwirkung überhaupt. Sie ist an sich das Gesetztseyn, als passive +Substanz; auch ist das Gesetztseyn durch die andere Substanz in ihr +gesetzt worden, insofern sie nämlich die Wirkung derselben an ihr +bekam. Ihre Gegenwirkung enthält daher ebenso das Gedoppelte; daß +nämlich erstlich was sie an sich ist, gesetzt wird, zweitens als was +sie gesetzt wird, sich als ihr Ansichseyn darstellt; sie ist an sich +Gesetztseyn, daher erhält sie eine Wirkung an ihr durch die andere; +aber dieß Gesetztseyn ist umgekehrt ihr eigenes Ansichseyn, so ist dieß +ihre Wirkung, sie selbst stellt sich als Ursache dar. + +Zweitens geht die Gegenwirkung gegen die erste wirkende Ursache. Die +Wirkung, welche die vorher passive Substanz in sich aufhebt, ist +nämlich eben jene Wirkung der ersten. Die Ursache hat aber ihre +substantielle Wirklichkeit nur in ihrer Wirkung; indem diese aufgehoben +wird, so wird ihre ursachliche Substantialität aufgehoben. Dieß +geschieht erstlich an sich durch sich selbst, indem sie sich zur +Wirkung macht; in dieser Identität verschwindet ihre negative +Bestimmung und sie wird Passives; zweitens geschieht es durch die +vorhin passive, nun rückwirkende Substanz, welche deren Wirkung +aufhebt.-In der bestimmten Kausalität wird die Substanz, auf welche +gewirkt wird, zwar auch wieder Ursache, sie wirkt hiermit dagegen, daß +eine Wirkung in ihr gesetzt wurde. Aber sie wirkte nicht zurück gegen +jene Ursache, sondern setzte ihre Wirkung wieder in eine andere +Substanz, wodurch der Progreß von Wirkungen ins Unendliche zum +Vorschein kam; weil hier die Ursache in ihrer Wirkung nur erst an sich +mit sich identisch ist, daher einer Seits in einer unmittelbaren +Identität in ihrer Ruhe verschwindet, anderer Seits in einer andern +Substanz sich wieder erweckt.—In der bedingten Kausalität hingegen +bezieht die Ursache in der Wirkung sich auf sich selbst, wäl sie ihr +Anderes als Bedingung als vorausgesetztes ist, und ihr Wirken dadurch +ebenso sehr Werden, als Setzen und Aufheben des Andern ist. + +Ferner verhält sie sich hiermit als passive Substanz; aber, wie sich +ergab, entsteht diese durch die auf sie geschehene Wirkung als +ursachliche Substanz. Jene erste Ursache, welche zuerst wirkt, und ihre +Wirkung als Gegenwirkung in sich zurück erhält, tritt damit wieder als +Ursache auf; wodurch das in der endlichen Kausalität in den +schlecht-unendlichen Progreß auslaufende Wirken umgebogen, und zu einem +in sich zurückkehrenden, einem unendlichen Wechselwirken wird. + +C. Die Wechselwirkung. + +In der endlichen Kausalität sind es Substanzen, die sich wirkend zu +einander verhalten. Der Mechanismus besteht in dieser Äußerlichkeit der +Kausalität, daß die Reflexion der Ursache in ihrer Wirkung in sich +zugleich ein abstoßendes Seyn ist, oder daß in der Identität, welche +die ursachliche Substanz in ihrer Wirkung mit sich hat, sie sich ebenso +unmittelbar Äußerliches bleibt, und die Wirkung in eine andere Substanz +übergegangen ist. In der Wechselwirkung ist nun dieser Mechanismus +aufgehoben; denn sie enthält erstens das Verschwinden jenes +ursprünglichen Beharrens der unmittelbaren Substantiaiität; zweitens +das Entstehen der Ursache; und damit die Ursprünglichkeit als durch +ihre Negation sich mit sich vermittelnd. + +Zunächst stellt die Wechselwirkung sich dar als eine gegenseitige +Kausalität von vorausgesetzten, sich bedingenden Substanzen; jede ist +gegen die andere zugleich aktive und zugleich passive Substanz. Indem +beide hiermit sowohl passiv als aktiv sind, so hat sich bereits jeder +Unterschied derselben aufgehoben; er ist ein völlig durchsichtiger +Schein; sie sind Substanzen nur darin, daß sie die Identität des +Aktiven und Passiven sind. Die Wechselwirkung selbst ist daher nur noch +leere Art und Weise; und es bedarf bloß noch eines äußern +Zusammenfassens dessen, was bereits sowohl an sich als gesetzt ist. +Fürs erste sind es keine Substrate mehr, welche miteinander in +Beziehung stehen, sondern Substanzen; in der Bewegung der bedingten +Kausalität hat sich die noch übrige vorausgesetzte Unmittelbarkeit +aufgehoben, und das Bedingende der ursachlichen Activität ist nur noch +die Einwirkung, oder die eigene Passivität. Diese Einwirkung kommt aber +ferner nicht von einer andern ursprünglichen Substanz her; sondern eben +von einer Ursachlichkeit, welche durch Einwirkung bedingt, oder ein +Vermitteltes ist. Dieß zunächst Äußerliche, das an die Ursache kommt +und die Seite ihrer Passivität ausmacht, ist daher durch sie selbst +vermittelt, es ist durch ihre eigene Aktivität hervorgebracht, somit +die durch ihre Aktivität selbst gesetzte Passivität.—Die Kausalität ist +bedingt und bedingend; das Bedingende ist das Passive, aber ebenso sehr +ist das Bedingte passiv. Dieß Bedingen oder die Passivität ist die +Negation der Ursache durch sich selbst, indem sie sich wesentlich zur +Wirkung macht, und eben dadurch Ursache ist. Die Wechselwirkung ist +daher nur die Kausalität selbst; die Ursache hat nicht nur eine +Wirkung, sondern in der Wirkung steht sie als Ursache mit sich selbst +in Beziehung. + +Hierdurch ist die Kausalität zu ihrem absoluten Begriffe zurückgekehrt, +und zugleich zum Begriffe selbst gekommen. Sie ist zunächst die reale +Nothwendigkeit; absolute Identität mit sich, so daß der Unterschied der +Nothwendigkeit und die in ihr sich auf einander beziehenden +Bestimmungen, Substanzen, freie Wirklichkeiten, gegen einander, sind. +Die Nothwendigkeit ist auf diese Weise die innere Identität; die +Kausalität ist die Manifestation derselben, worin ihr Schein des +substantiellen Andersseyn sich aufgehoben hat, und die Nothwendigkeit +zur Freiheit erhoben ist.—In der Wechselwirkung stellt die +ursprüngliche Kausalität sich als ein Entstehen aus ihrer Negation, der +Passivität, und als Vergehen in dieselbe, als ein Werden dar; aber so +daß dieß Werden zugleich ebenso sehr nur Scheinen ist; das Übergehen in +Anderes ist Reflexion-in-sich selbst; die Negation, welche Grund der +Ursache ist, ist ihr positives Zusammengehen mit sich selbst. + +Nothwendigkeit und Kausalität sind also darin verschwunden; sie +enthalten beides die unmittelbare Identität als Zusammenhang und +Beziehung, und die absolute Substantialität der Unterschiedenen somit +die absolute Zufälligkeit derselben; die ursprüngliche Einheit +substantieller Verschiedenheit; also den absoluten Widerspruch. Die +Nothwendigkeit ist das Seyn, weil es ist; die Einheit des Seyns mit +sich selbst, das sich zum Grunde hat; aber umgekehrt weil es einen +Grund hat, ist es nicht Seyn, ist es schlechthin nur Schein, Beziehung +oder Vermittelung. Die Kausalität ist dieß gesetzte Übergehen des +ursprünglichen Seyns, der Ursache, in Schein oder bloßes Gesetztseyn, +umgekehrt des Gesetztseyns in Ursprünglichkeit; aber die Identität +selbst des Seyns und Scheins ist noch die innere Nothwendigkeit. Diese +Innerlichkeit oder dieß Ansichseyn hebt die Bewegung der Kausalität +auf; damit verliert sich die Substantialität der im Verhältnisse +stehenden Seiten, und die Nothwendigkeit enthüllt sich. Die +Nothwendigkeit wird nicht dadurch zur Freiheit, daß sie verschwindet, +sondern daß nur ihre noch innere Identität manifestirt wird; eine +Manifestation, welche die identische Bewegung des Unterschiedenen in +sich selbst, die Reflexion des Scheins als Scheins in sich +ist.—Umgekehrt wird zugleich dadurch die Zufälligkeit zur Freiheit, +indem die Seiten der Nothwendigkeit, welche die Gestalt für sich +freier, nicht in einander scheinender Wirklichkeiten haben, nunmehr +gesetzt sind als Identität, so daß diese Totalitäten der +Reflexion-in-sich, in ihrem Unterschiede nun auch als identische +scheinen, oder gesetzt sind nur als eine und dieselbe Reflexion. + +Die absolute Substanz, als absolute Form sich von sich unterscheidend, +stößt sich daher nicht mehr als Nothwendigkeit von sich ab, noch fällt +sie als Zufälligkeit in gleichgültige, sich äußerliche Substanzen aus +einander, sondern unterscheidet sich einer Seits in die Totalität, +welche,—die vorhin passive Substanz Ursprüngliches ist als die +Reflexion aus der Bestimmtheit in sich, als einfaches Ganzes, das sein +Gesetztseyn in sich selbst enthält und als identisch darin mit sich +gesetzt ist, das Allgemeine;—anderer Seits in die Totalität,—die vorhin +ursachliche Substanz,—als in die Reflexion ebenso aus der Bestimmtheit +in sich zur negativen Bestimmtheit, welche so als die mit sich +identische Bestimmtheit ebenfalls das Ganze, aber als die mit sich +identische Negativität gesetzt ist;—das Einzelne. Unmittelbar aber, +weil das Allgemeine nur identisch mit sich ist, indem es die +Bestimmtheit als aufgehoben in sich enthält, also das Negative als +Negatives ist,—ist es dieselbe Negativität, welche die Einzelnheit +ist;—und die Einzelnheit, weil sie ebenso das bestimmte Bestimmte, das +Negative als Negatives ist, ist sie unmittelbar dieselbe Identität, +welche die Allgemeinheit ist. Diese ihre einfache Identität ist die +Besonderheit, welche vom Einzelnen das Moment der Bestimmtheit, vom +Allgemeinen das Moment der Reflexion-in-sich in unmittelbarer Einheit +enthält. Diese drei Totalitäten sind daher Eine und dieselbe Reflexion, +welche als negative Beziehung auf sich in jene beiden sich +unterscheidet, aber als in einen vollkommen durchsichtigen Unterschied, +nämlich in die bestimmte Einfachheit, oder in die einfache +Bestimmtheit, welche ihre Eine und dieselbe Identität ist.—Dieß ist der +Begriff, das Reich der Subjektivität oder der Freiheit. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK *** + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the +United States without permission and without paying copyright +royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part +of this license, apply to copying and distributing Project +Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm +concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, +and may not be used if you charge for an eBook, except by following +the terms of the trademark license, including paying royalties for use +of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for +copies of this eBook, complying with the trademark license is very +easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation +of derivative works, reports, performances and research. Project +Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may +do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected +by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark +license, especially commercial redistribution. + +START: FULL LICENSE + +THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE +PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK + +To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase "Project +Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full +Project Gutenberg-tm License available with this file or online at +www.gutenberg.org/license. + +Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project +Gutenberg-tm electronic works + +1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all +the terms of this agreement, you must cease using and return or +destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your +possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a +Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound +by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the +person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph +1.E.8. + +1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few +things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works +even without complying with the full terms of this agreement. See +paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project +Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this +agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm +electronic works. See paragraph 1.E below. + +1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the +Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection +of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual +works in the collection are in the public domain in the United +States. If an individual work is unprotected by copyright law in the +United States and you are located in the United States, we do not +claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, +displaying or creating derivative works based on the work as long as +all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope +that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting +free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm +works in compliance with the terms of this agreement for keeping the +Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily +comply with the terms of this agreement by keeping this work in the +same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when +you share it without charge with others. + +1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern +what you can do with this work. Copyright laws in most countries are +in a constant state of change. If you are outside the United States, +check the laws of your country in addition to the terms of this +agreement before downloading, copying, displaying, performing, +distributing or creating derivative works based on this work or any +other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no +representations concerning the copyright status of any work in any +country other than the United States. + +1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: + +1.E.1. The following sentence, with active links to, or other +immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear +prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work +on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the +phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, +performed, viewed, copied or distributed: + + This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and + most other parts of the world at no cost and with almost no + restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it + under the terms of the Project Gutenberg License included with this + eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the + United States, you will have to check the laws of the country where + you are located before using this eBook. + +1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is +derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not +contain a notice indicating that it is posted with permission of the +copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in +the United States without paying any fees or charges. If you are +redistributing or providing access to a work with the phrase "Project +Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply +either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or +obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm +trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted +with the permission of the copyright holder, your use and distribution +must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any +additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms +will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works +posted with the permission of the copyright holder found at the +beginning of this work. + +1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm +License terms from this work, or any files containing a part of this +work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. + +1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this +electronic work, or any part of this electronic work, without +prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with +active links or immediate access to the full terms of the Project +Gutenberg-tm License. + +1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, +compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including +any word processing or hypertext form. However, if you provide access +to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format +other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official +version posted on the official Project Gutenberg-tm website +(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense +to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means +of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain +Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the +full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. + +1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, +performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works +unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing +access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works +provided that: + +* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method + you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed + to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has + agreed to donate royalties under this paragraph to the Project + Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid + within 60 days following each date on which you prepare (or are + legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty + payments should be clearly marked as such and sent to the Project + Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in + Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg + Literary Archive Foundation." + +* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he + does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm + License. You must require such a user to return or destroy all + copies of the works possessed in a physical medium and discontinue + all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm + works. + +* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of + any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the + electronic work is discovered and reported to you within 90 days of + receipt of the work. + +* You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenberg-tm works. + +1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project +Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than +are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing +from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of +the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set +forth in Section 3 below. + +1.F. + +1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable +effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread +works not protected by U.S. copyright law in creating the Project +Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm +electronic works, and the medium on which they may be stored, may +contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate +or corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged disk or +other medium, a computer virus, or computer codes that damage or +cannot be read by your equipment. + +1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right +of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project +Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project +Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all +liability to you for damages, costs and expenses, including legal +fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT +LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE +PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE +TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE +LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR +INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH +DAMAGE. + +1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a +defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can +receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a +written explanation to the person you received the work from. If you +received the work on a physical medium, you must return the medium +with your written explanation. The person or entity that provided you +with the defective work may elect to provide a replacement copy in +lieu of a refund. If you received the work electronically, the person +or entity providing it to you may choose to give you a second +opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If +the second copy is also defective, you may demand a refund in writing +without further opportunities to fix the problem. + +1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth +in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO +OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. + +1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied +warranties or the exclusion or limitation of certain types of +damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement +violates the law of the state applicable to this agreement, the +agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or +limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or +unenforceability of any provision of this agreement shall not void the +remaining provisions. + +1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in +accordance with this agreement, and any volunteers associated with the +production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm +electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, +including legal fees, that arise directly or indirectly from any of +the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this +or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or +additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any +Defect you cause. + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of +computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It +exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations +from people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future +generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see +Sections 3 and 4 and the Foundation information page at +www.gutenberg.org + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by +U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, +Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up +to date contact information can be found at the Foundation's website +and official page at www.gutenberg.org/contact + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without +widespread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine-readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To SEND +DONATIONS or determine the status of compliance for any particular +state visit www.gutenberg.org/donate + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including checks, online payments and credit card donations. To +donate, please visit: www.gutenberg.org/donate + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project +Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be +freely shared with anyone. For forty years, he produced and +distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of +volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in +the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not +necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper +edition. + +Most people start at our website which has the main PG search +facility: www.gutenberg.org + +This website includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + |
