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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:28:05 -0700 |
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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + + + + +Wissenschaft der Logik. + +Georg Wilhelm Friedrich Hegel + + +Erster Teil. Die objektive Logik. + +Mit einem Vorwort von Leopold v. Henning, Berlin 1841. + + +Inhalt: + +Vorrede zur ersten Ausgabe. +Vorrede zur zweiten Auflage. +Einleitung + Allgemeiner Begriff der Logik + Allgemeine Eintheilung der Logik + +Erstes Buch Die Lehre vom Seyn. + Womit muss der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? + Allgemeine Eintheilung des Seyns + + Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualitaet). + + Erstes Kapitel + A. Seyn. + B. Nichts. + C. Werden. + 1. Einheit des Seyns und Nichts. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + Anmerkung 3. + Anmerkung 4. + 2. Momente des Werdens. + 3. Aufheben des Werdens. + Anmerkung. + + Zweites Kapitel. Das Daseyn + A. Daseyn als solches. + a. Daseyn ueberhaupt. + b. Qualitaet. + Anmerkung. + c. Etwas. + B. Die Endlichkeit. + a. Etwas und ein Anderes. + b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze. + c. Die Endlichkeit. + 1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit. + 2. Die Schranke und das Sollen. + Anmerkung. + 3. Uebergang des Endlichen in das Unendliche. + C. Die Unendlichkeit + a. Das Unendliche ueberhaupt. + b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. + c. Die affirmative Unendlichkeit. + Der Uebergang. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + + Drittes Kapitel. Das Fuersichseyn. + A. Das Fuersichseyn als solches. + a. Daseyn und Fuersichseyn. + b. Seyn-fuer-eines. + Anmerkung. + c. Eins. + B. Eins und Vieles. + a. Das Eins an ihm selbst. + b. Das Eins und das Leere. + Anmerkung. + c. Viele Eins. Repulsion. + Anmerkung. + C. Repulsion und Attraktion. + a. Ausschliessen des Eins. + Anmerkung + b. Das Eine Eins der Attraktion. + c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion. + Anmerkung. + + Zweiter Abschnitt. Die Groesse (Quantitaet) + Anmerkung. + + Erstes Kapitel. Die Quantitaet. + A. Die reine Quantitaet. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + B. Kontinuirliche und diskrete Groesse. + C. Begrenzung der Quantitaet + + Zweites Kapitel. Quantum + A. Die Zahl. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + B. Extensives und intensives Quantum + a. Unterschied derselben. + b. Identitaet der extensiven und intensiven Groesse. + Anmerkung 1. + Anmerkung 2. + c. Die Veraenderung des Quantums. + C. Die quantitative Unendlichkeit + a. Begriff derselben. + b. Der quantitative unendliche Progress. + Anmerkung 1. + Vers + Anmerkung 2. + c. Die Unendlichkeit des Quantums. + Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen + Unendlichen. + Fussnote + Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner + Anwendung abgeleitet. + Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen + Groessenbestimmtheit zusammenhaengende Formen. + + Drittes Kapitel. Das quantitative Verhaeltniss. + A. Das direkte Verhaeltniss. + B. Das umgekehrte Verhaeltniss. + C. Potenzverhaeltniss. + Anmerkung. + + Dritter Abschnitt. Das Maass. + + Erstes Kapitel. Die specifische Quanititaet. + A. Das specifische Quantum. + B. Specificirendes Maass. + a. Die Regel. + b. Das specificirende Maass. + Anmerkung. + c. Verhaeltniss beider Seiten als Qualitaeten. + Anmerkung. + C. Das Fuersichseyn im Maasse. + + Zweites Kapitel. Das reale Maass + A. Das Verhaeltniss selbststaendiger Maasse. + a. Verbindung zweier Maasse. + b. Das Maass als Reihe von Maassverhaeltnissen. + c. Wahlverwandtschaft. + Anmerkung. + B. Knotenlinie von Maassverhaeltnissen. + Anmerkung. + C. Das Maasslose + + Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens. + A. Die absolute Indifferenz. + B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhaeltniss ihrer Faktoren. + Anmerkung. + C. Uebergang in das Wesen. + + + + +Vorrede zur ersten Ausgabe. + +Die vOellige UmAenderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa +fUenf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der hoehere Standpunkt, +den das Selbstbewusstseyn des Geistes in dieser Zeitperiode ueber sich +erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluss auf die Gestalt der Logik +gehabt. + +Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hiess, ist, so zu sagen, +mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der +Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo duerfen sich Laute der +vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie +oder selbst gar der vormaligen natuerlichen Theologie noch vernehmen +lassen? Untersuchungen, zum Beispiel ueber die Immaterialitaet der +Seele, ueber die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch +ein Interesse finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes +werden nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und +Gemuethserhebung angefuehrt. Es ist diess ein Faktum, dass das Interesse +Theils am Inhalte, Theils an der Form der vormaligen Metaphysik, +Theils an beiden zugleich verloren ist. So merkwuerdig es ist, wenn +einem Volke, z.B. die Wissenschaft seines Staatsrechts, wenn ihm +seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden +unbrauchbar geworden sind, so merkwuerdig ist es wenigstens, wenn ein +Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich +beschaeftigende Geist kein wirkliches Daseyn mehr in demselben hat. + +Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,--dass der Verstand +die Erfahrung nicht ueberfliegen duerfe, sonst werde das +Erkenntnisvermoegen theoretische Vernunft, welche fuer sich nichts als +Hirngespinnste gebaehre, hat es von der wissenschaftlichen Seite +gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zu entsagen. Dieser +popularen Lehre kam das Geschrei der modernen Paedagogik, die Noth der +Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Beduerfniss richtet, +entgegen, dass, wie fuer die Erkenntniss die Erfahrung das Erste, so fuer +die Geschicklichkeit im oeffentlichen und Privatleben, theoretische +Einsicht sogar schaedlich, und Uebung und praktische Bildung ueberhaupt +das Wesentliche, allein Foerderliche sey.--Indem so die Wissenschaft +und der gemeine Menschenverstand sich in die Haende arbeiteten, den +Untergang der Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare +Schauspiel herbeigefuehrt zu werden, ein gebildetes Volk ohne +Metaphysik zu sehen;--wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmueckten +Tempel ohne Allerheiligstes.--Die Theologie, welche in fruehern Zeiten +die Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhaengigen +Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefuehle, gegen das +Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher +Veraenderung entsprechend ist, dass anderwaerts jene Einsamen, die von +ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem +Zwecke, dass die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein dienendes +Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Segens +willen,--verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern +Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das +vorhin Erwaehnte, betrachtet werden kann.--So dass, nach Vertreibung +dieser Finsternisse, der farblosen Beschaeftigung des in sich +gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der +Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine +schwarze giebt. + +Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. +Dass man durch sie denken lerne, was sonst fuer ihren Nutzen und damit +fuer den Zweck derselben galt,--gleichsam als ob man durch das Studium +der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen +sollte--, diess Vorurtheil hat sich laengst verloren, und der Geist des +Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer +Schwester. Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen +Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften +gelassen, ja sie wurde selbst als Gegenstand des oeffentlichen +Unterrichts beibehalten. Diess bessere Loos betrifft jedoch nur das +aeussere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, +als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser +Ueberlieferung immer mehr verduennt und abgemagert hatte; der neue +Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit +aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspueren lassen. Es ist +aber ein fuer allemal vergebens, wenn die substantielle Form des +Geistes sich umgestaltet hat, die Formen frueherer Bildung erhalten zu +wollen; sie sind welke Blaetter, welche von den neuen Knospen, die an +ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestossen werden. + +Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veraenderung faengt es nach gerade an, +auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind +selbst den Gegnern die andern Vorstellung gelaeufig und eigen geworden, +und wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd sproede +thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafuer die +Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich +nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden +negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine +positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als dass sie in den +neuen Vorstellungsweisen mitsprechen. + +Von der andern Seite scheint die Zeit der Gaehrung, mit der eine neue +Schoepfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung +pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die +ausgebreitete Systematisierung des fruehen Princips zu verhalten, +Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern +zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen +Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im Beduerfnisse einer +solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu greifen. Die +Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um +so dringender. Es ist eine Periode in der Bildung einer Zeit, wie in +der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um Erwerbung und +Behauptung des Princips in seiner unentwickelten Intensitaet zu thun +ist. Aber die hoehere Forderung geht darauf, dass es zur Wissenschaft +werde. + +Was nun auch fuer die Sache und fuer die Form der Wissenschaft bereits +in sonstiger Ruecksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft, +welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie +ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlaessigt gesehen. Was ich +unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte naeher verstehe, habe +ich in der Einleitung vorlaeufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit +dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des +Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche fuer die +vorgenommen Umbildung haetten benutzt werden koennen, moegen bei +billigen Beurtheilern in Ruecksicht kommen, wenn auch eine vieljaehrige +Arbeit diesem Versuche nicht eine groessere Vollkommenheit geben konnte. +--Der wesentliche Gesichtspunkt ist, dass es ueberhaupt um einen neuen +Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, +indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwaerts erinnert +Phaenomenologie des Geistes, Vorr. zur ersten Ausg.--Die eigentliche +Ausfuehrung ist die Erkenntniss der Methode, und hat ihre Stelle in der +Logik selbst, habe, hierzu ihre Methode nicht von einer +untergeordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so +wenig als es bei kategorischen Versicherungen innerer Anschauung +bewenden lassen, oder sich des Raisonnements aus Gruenden der aeussern +Reflexion bedienen. Sondern es kann nur die Natur des Inhalts seyn, +welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich +diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung +selbst erst setzt und erzeugt. + +Der Verstand bestimmt und haelt die Bestimmungen fest; die Vernunft +ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands +in Nichts aufloest; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt, +und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas +Getrenntes von der Vernunft ueberhaupt, so pflegt auch die +dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft +genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, +der hoeher als Beides, verstaendige Vernunft, oder vernuenftiger +Verstand ist. Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualitaet +sowohl, der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht;--er +negirt das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des +Verstandes, er loest ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch. Er +haelt sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin +ebenso positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber +als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein +gegebenes Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der +Aufloesung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese +geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, +und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die +immanente Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode +des Erkennens, und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst. +--Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich, +ist die Philosophie faehig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu +seyn.--In dieser Weise habe ich das Bewusstseyn in der Phaenomenologie +des Geistes darzustellen versucht. Das Bewusstseyn ist der Geist als +konkretes und zwar in der Aeusserlichkeit befangenes Wissen; aber die +Formbewegung dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung +alles natuerlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen +Wesenheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewusstseyn, als +der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner +Unmittelbarkeit und aeusserlichen Konkretion befreit, wird zum reinen +Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und fuer +sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind die reinen Gedanken, der +sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges +Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und +dessen Darstellung sie ist. + +Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phaenomenologie +des Geistes nenne, zur Logik angegeben.--Was das aeusserliche +Verhaeltniss betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der +Wissenschaft, (Bamberg und Wuerzburg bei Goebhard 1807). Dieser Titel +wird der zweiten Ausgabe, die auf naechsten Ostern erscheinen wird, +nicht mehr beigegeben werden.--An die Stelle des im Folgenden +erwaehnten Vorhabens eines zweiten Theils, der die saemmtlichen andern +philosophischen Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die +Encyklopaedie der philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der +dritten Ausgabe, ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten +Ausgabe), der die Phaenomenologie enthaelt, ein zweiter Theil zu folgen +bestimmt, welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der +Philosophie, die Philosophie der Natur und die Philosophie des +Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft +beschlossen haben wuerde. Aber die nothwendige Ausdehnung, welche die +Logik fuer sich erhalten musste, hat mich veranlasst, diese besonders +ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane +die erste Folge zur Phaenomenologie des Geistes aus. Spaeterhin werde +ich die Verarbeitung der beiden genannten realen Wissenschaften der +Philosophie folgen lassen.--Dieser erste Band der Logik aber enthaelt +als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom +Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber +wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten. + +Nuernberg, den 22 Maerz 1812 + + + +Vorrede zur zweiten Auflage. + +An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit +der erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewusstseyn +sowohl der Schwierigkeit des Gegenstandes fuer sich und dann seiner +Darstellung, als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung +desselben in der ersten Ausgabe an sich traegt, gegangen; so sehr ich +nach weiterer vieljaehriger Beschaeftigung mit dieser Wissenschaft +bemueht gewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fuehle ich noch +Ursache genug zu haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu +nehmen. Ein Titel solchen Anspruchs aber zunaechst darf wohl auf den +Umstand gegruendet werden, dass sich fuer den Inhalt vornehmlich nur +aeusserliches Material in der frueheren Metaphysik und Logik vorgefunden +hat. So allgemein und haeufig dieselben, die letztere noch bis auf +unsere Zeiten fort, getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung +die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe +Material wiederholt, abwechselnd bald bis zu trivialer +Oberflaechlichkeit verduennt, bald der alte Ballast umfangsreicher von +Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt worden, so dass durch solche, +haeufig ganz nur mechanische Bemuehungen dem philosophischen Gehalt +kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des Gedankens philosophisch, +d.i. in seiner eigenen immanenten Thaetigkeit, oder was dasselbe ist, +in seiner nothwendigen Entwickelung darzustellen, musste deswegen ein +neues Unternehmen seyn, und dabei von vorne angefangen werden; jenes +erworbene Material, die bekannten Denkformen, aber ist als eine +hoechst wichtige Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar +anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier +und da einen duerren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts, +sogar in Unordnung untereinander geworfen, dargiebt. + +Die Denkformen sind zunaechst in der Sprache des Menschen +herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft +genug daran erinnert werden, dass das, wodurch sich der Mensch vom +Thiere unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem +Innerlichen, zur Vorstellung ueberhaupt, wird, was er zu dem Seinigen +macht, hat sich die Sprache eingedraengt, und was er zur Sprache macht +und in ihr aeussert, enthaelt eingehuellter, vermischter, oder +herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natuerlich ist ihm das +Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthuemliche Natur +selbst. Stellt man aber die Natur ueberhaupt, als das Physikalische, +dem Geistigen gegenueber, so muesste man sagen, dass das Logische +vielmehr das Uebernatuerliche ist, welches sich in alles Naturverhalten +des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Beduerfniss, +Trieb eindraengt und es dadurch ueberhaupt zu einem Menschlichen, wenn +auch nur formell, zu Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der +Vortheil einer Sprache, wenn sie einen Reichthum an logischen +Ausdruecken, naemlich eigenthuemlichen und abgesonderten, fuer die +Denkbestimmungen selbst besitzt; von den Praepositionen, Artikeln, +gehoeren schon viele solchen Verhaeltnissen an, die auf dem Denken +beruhen; die chinesische Sprache soll es in ihrer Ausbildung gar +nicht oder nur duerftig bis dahin gebracht haben; aber diese Partikeln +treten ganz dienend, nur etwas weniges abgeloester, als die Augmente, +Flexionszeichen und dergl. auf. Viel wichtiger ist es, dass in einer +Sprache die Denkbestimmungen zu Substantiven und Verben +herausgestellt und so zur gegenstaendlichen Form gestempelt sind; die +deutsche Sprache hat darin viele Vorzuege vor den anderen modernen +Sprachen; sogar sind manche ihrer Woerter von der weiteren Eigenheit, +verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben, +so dass darin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht zu +verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude gewaehren, auf solche +Woerter zu stossen, und die Vereinigung Entgegengesetzter, welches +Resultat der Spekulation fuer den Verstand aber widersinnig ist, auf +naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort von den entgegengesetzten +Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie bedarf daher ueberhaupt +keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen +einige Woerter aufzunehmen, welche jedoch durch den Gebrauch bereits +das Buergerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter Purismus wuerde +da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am +Platze seyn.--Das Fortschreiten der Bildung ueberhaupt und +insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und +sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewoehnlichsten +Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner +Eigenschaften und dergleichen) bewegen, foerdert nach und nach auch +hoehere Denkverhaeltnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu groesserer +Allgemeinheit und damit zu naeherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. +in der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, +so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polaritaet, die uebrigens +zu sehr... tort e... travers in Alles selbst in das Licht eingedraengt +wird, die bedeutendste Rolle,--die Bestimmung von einem Unterschiede, +in welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;--dass auf +solche Weise von der Form der Abstraktion, der Identitaet, durch +welche eine Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbststaendigkeit erhaelt, +fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, +welcher zugleich als ein Untrennbares in der Identitaet bleibt, +herausgehoben und eine gelaeufige Vorstellung geworden, ist von +unendlicher Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die +Realitaet, in welcher ihre Gegenstaende sich festhalten, dieses +Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr nicht laenger ignorirt +werden koennen, wenn auch mit der groessten Inkonsequenz gegen andere, +die auch geltend gelassen werden, zu fixiren, und es nicht zu +gestatten, dass, wie im Geistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen +von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit uebergegangen wird. + +Aber indem so die logischen Gegenstaende, wie deren Ausdruecke, etwa in +der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwaerts gesagt, was +bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld +erregen, sich noch mit Bekanntem beschaeftigen zu sollen, und was ist +bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben +Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde +herausgehen. Ueber den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, +ueber das Verhaeltniss des wissenschaftlichen Denkens zu diesem +natuerlichen Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses +Vorwort bestimmt seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die +fruehere Einleitung enthaelt, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine +Vorstellung, wie man eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, +vor derselben, welche die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von +dem Sinne des logischen Erkennens zu geben. + +Zunaechst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, dass die +Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewussten +Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder +vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (--und es ist +kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen--) versenkt +sind, befreit, diese Allgemeinheiten fuer sich herausgehoben, und wie +Plato, dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der +Betrachtung fuer sich gemacht worden; diess giebt den Anfang des +Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt +Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens +gehoert, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische +Erkenntniss zu bemuehen." "In Aegypten," hatte er vorher bemerkt, "sind +die mathematischen Wissenschaften frueh ausgebildet worden, weil +daselbst der Priesterstand frueh in die Lage versetzt worden, Musse zu +haben."--In der That setzt das Beduerfniss sich mit den reinen Gedanken +zu beschaeftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist +durchgemacht haben muss, es ist, kann man sagen, es ist das Beduerfniss +des schon befriedigten Beduerfnisses der Nothwendigkeit der +Beduerfnisslosigkeit, zu dem er gekommen seyn muss, der Abstraktion von +dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen +des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die +Denkbestimmungen eingehuellt stecken. In den stillen Raeumen des zu +sich selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die +Interessen, welche das Leben der Voelker und der Individuen bewegen. +"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange, +"ist die Natur des Menschen abhaengig, aber diese Wissenschaft, die +nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und fuer sich +freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn. +"--Die Philosophie ueberhaupt hat es noch mit konkreten Gegenstaenden, +Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik +beschaeftigt sich ganz nur mit diesen fuer sich in ihrer vollstaendigen +Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend +zunaechst anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen +des konkreten Lebens eingetreten ist, in der Musse in Ruecksicht +derselben lebt, und nur erst fuer ihren subjektiven Zweck mit der +Erwerbung der Mittel und der Moeglichkeiten, in den Objekten jener +Interessen thaetig zu werden, sich und mit diesen selbst noch +theoretisch sich zu beschaeftigen hat. Unter diese Mittel wird im +Widerspiele von der angefuehrten Vorstellung des Aristoteles, die +logische Wissenschaft gerechnet, die Bemuehung mit derselben ist eine +vorlaeufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst der Ernst des +Lebens und die Thaetigkeit fuer die wahrhaften Zwecke folgen soll. Im +Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden von der Ehre, +fuer sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geistigen +Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln der +darauf bezueglichen Vorstellungen, zu dienen,--Theils als +Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;--denn welche unendliche Menge +von Einzelnheiten des aeusserlichen Daseyns und der Thaetigkeit fasst die +Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich +zusammen;--wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die +Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von +Vorstellungen, Thaetigkeit, Zustaenden u.s.f. epitomirt!--Theils zur +naeheren Bestimmung und Findung der gegenstaendlichen Verhaeltnisse, +wobei aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich +einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhaengig +gemacht ist und den Denkbestimmungen fuer sich keine Inhaltbestimmende +Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der +vorhin die natuerliche Logik genannt worden ist, ist bewusstlos, und +wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhaeltniss, als Mittel +zu dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken ueberhaupt zu +etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. +Von unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, +dass sie uns dienen, sondern sie gelten als selbststaendige Kraefte und +Maechte, so dass wir diess selbst sind, so zu empfinden, diess zu +begehren und zu wollen, in diess unser Interesse zu legen. Aber +wieder kann es vielmehr unser Bewusstseyn werden, dass wir im Dienste +unserer Gefuehle, Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von +Gewohnheiten stehen, als dass wir sie im Besitz haben, noch weniger, +dass sie bei unser innigen Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. +Dergleichen Bestimmungen des Gemueths und Geistes zeigen sich uns bald +als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit, als die wir uns +bewusst werden, in der wir unsere Freiheit haben, und halten dafuer, in +diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht +zu werden. Sonach koennen wir dann viel weniger dafuer halten, dass die +Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen +bloss theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem +Triebe, dem Willen angehoert, hindurch ziehen, uns dienen, dass wir sie, +und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns uebrig gegen +sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere ueber sie +hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn +wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin +beschraenkt, unfrei fuehlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus +und in die Freiheit zurueck zu ziehen vermoegen, dieser Ort der +Gewissheit seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens. Oder +ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die +Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur fuer +das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werden wir noch viel +weniger sagen, dass wir sie beherrschen oder dass die Denkbestimmungen, +von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im Gegentheil muss sich +unser Denken nach ihnen beschraenken und unsere Willkuer oder Freiheit +soll sie nicht nach sich zurichten wollen. Insofern also das +subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun ist, und der +objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so koennen wir +aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht ueber demselben stehen, und +ebenso wenig koennen wir ueber die Natur der Dinge hinaus. Von der +letzteren Bestimmung jedoch koennen wir absehen; sie faellt mit der +ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken +auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergaebe, weil die Sache damit als +Regel fuer unsere Begriffe aufgestellt werden wuerde, aber eben die +Sache fuer uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. +Wenn die kritische Philosophie das Verhaeltniss dieser drei Terminorum +so versteht, dass wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die +Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, dass diese Mitte uns von den +Sachen vielmehr abschliesst, statt uns mit denselben +zusammenzuschliessen, so ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung +entgegenzusetzen, dass eben diese Sachen, die jenseits unserer und +jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken auf dem anderen +Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als ganz unbestimmte, +nur Ein Gedankending, (--das sogenannte Ding-an-sich) der leeren +Abstraktion selbst sind. + +Doch diess mag fuer den Gesichtspunkt genuegen, aus welchem das +Verhaeltniss verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als +zum Gebrauch und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter +damit Zusammenhaengende, nach welchem sie als aeussere Formen gefasst zu +werden pflegen.--Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und +Handlungen durchwirkende Thaetigkeit des Denkens ist, wie gesagt, +bewusstlos geschaeftig (die natuerliche Logik); was unser Bewusstseyn vor +sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstaende der Vorstellungen, das, +womit das Interesse erfuellt ist; die Denkbestimmungen gelten nach +diesem Verhaeltniss als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt +selbst seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, +und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, dass die Natur, das +eigenthuemliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei +der Mannigfaltigkeit und Zufaelligkeit des Erscheinens und der +Zufaelligkeit des Erscheinens und der voruebergehenden Aeusserung, der +Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes +menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthuemliches, das Prius +aller seiner Eigenthuemlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie +jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so waere nicht zu +sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen +sonstigen Praedikaten Ausgeruesteten weggenommen wuerde, ob sie gleich +wie die anderen ein Praedikat genannt werden kann, was so ein +Individuum noch seyn sollte. Die unerlaessliche Grundlage, der Begriff, +das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der +Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist, +kann nicht nur als eine gleichgueltige Form, die an einem Inhalte sey, +angesehen werden. Aber diese Gedanken aller natuerlichen und +geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, sind noch ein +socher, der vielfache Bestimmtheiten enthaelt und noch den Unterschied +einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer relativen +Realitaet an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele fuer sich, +der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstaende, ihr einfacher +Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist. Diese +logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum +Bewusstseyn zu bringen, diess ist die Aufgabe. Das instinktartige Thun +unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch +ueberhaupt, dass dieses mit Bewusstseyn geschieht, indem der Inhalt des +Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur +Gegenstaendlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des +Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den +Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff +zersplittert ist. In diesem Netze schuerzen sich hin und wieder +festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens +und Bewusstseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben +dem, dass sie vor das Bewusstseyn gebracht an und fuer sich seyenden +Begriffe seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt fuer die Natur +des Geistes ist das Verhaeltniss nicht nur dessen, was er an sich ist, +zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiss; +dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewusstseyn, +Grundbestimmung seiner Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur +instinktmaessig als Triebe wirksam sind, und zunaechst vereinzelt, damit +veraenderlich und sich verwirrend in das Bewusstseyn des Geistes +gebracht, und ihm so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit +gewaehren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheit und +Wahrheit zu erheben, diess ist also das hoehere logische Geschaeft. + +Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth fuer sich und +zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniss vorhin anerkannt +worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs +ueberhaupt, die Denkbestimmungen zunaechst als Formen, die von dem +Stoffe verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, diess giebt +sich sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand +und Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. +Denn so als blosse Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie +in einer Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt +und die Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfaehig macht. +Mag das Wahre sonst, in welcher Ruecksicht es sey, wieder mit +Beschraenkung und Endlichkeit vergesellschaftet seyn, diess ist die +Seite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben +seines Endes, nicht der Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen +die Kahlheit der bloss formellen Kategorien hat der Instinkt der +gesunden Vernunft sich endlich so erstarkt gefuehlt, dass er ihre +Kenntniss mit Verachtung dem Gebiete einer Schullogik und +Schulmetaphysik ueberlaesst, zugleich mit der Missachtung des Werthes, +den schon das Bewusstseyn dieser Faeden fuer sich hat, und mit der +Bewusstlosigkeit, in dem instinktartigen Thun natuerlicher Logik, noch +mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniss und Erkenntniss der +Denkbestimmungen selbst, im Dienste des ungereinigten und damit +unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache Grundbestimmung oder +gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung solcher Formen ist die +Identitaet, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der +Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde Vernunft hat ihre +Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher Gesetze der +Wahrheit und in der sie noch immer so fortgefuehrt werden, so sehr +verloren, dass sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, der +nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiss: die Pflanze ist +eine--Pflanze, die Wissenschaft ist--die Wissenschaft, und sofort +ins Unendliche, fuer unertraeglich haelt. Ueber die Formeln auch, +welche die Regeln des Schliessens, das in der That ein Hauptgebrauch +des Verstandes ist, hat sich--so ungerecht es ist zu verkennen, dass +sie ihr Feld in der Erkenntniss haben, worin sie gelten muessen und +zugleich, dass sie wesentliches Material fuer das Denken der Vernunft +sind,--das ebenso gerechte Bewusstsein festgesetzt, dass sie +gleichgueltige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der +Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, +fuer die hoehere, z.B. die religioese Wahrheit unbrauchbar sind; dass sie +ueberhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit +betreffen. + +Die Unvollstaendigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche +die Wahrheit auf der Seite laesst, ist allein dadurch zu ergaenzen, dass +nicht bloss das, was zu aeusseren Form gerechnet zu werden pflegt, +sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es +zeigt sich von selbst bald, dass was in der naechsten gewoehnlichsten +Reflexion als Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht +formlos, nicht bestimmungslos in sich, seyn soll; so waere er nur das +Leere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich,--dass er vielmehr Form +in ihm selbst, ja durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und dass +sie selbst es ist, die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit +auch in den Schein eines an diesem Scheine Aeusserlichen, umschlaegt. +Mit dieser Einfuehrung des Inhalts in die logische Betrachtung, sind +es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher +Gegenstand wird. + +Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, dass es eine Menge +Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge +beschraenkt wird, ist Theils vorhin gesagt worden, dass der Begriff als +Gedanke ueberhaupt, als Allgemeines, die unermessliche Abbreviatur +gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten +Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein +Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist +nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist +er wohl ein bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, +was als Inhalt erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine +Formbestimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als +Totalitaet, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten +Begriffe ist. Dieser wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; +er ist nur Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens, und die an +und fuer sich seyende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist, +die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge fuehrt; am wenigsten ist +es der Logos, was ausserhalb der logischen Wissenschaft gelassen +werden soll. Es muss darum nicht ein Belieben seyn, ihn in die +Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn draussen zu lassen. Wenn die +Denkbestimmungen, welche nur aeusserliche Formen sind, wahrhaft an +ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeit und die +Unwahrheit ihres Fuer-sich-seyn-sollens und als ihre Wahrheit, der +Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische Wissenschaft, indem +sie die Denkbestimmungen, die ueberhaupt unsern Geist instinktartig +und bewusstlos durchziehen, und selbst indem sie in die Sprache +hereintreten, ungegenstaendlich, unbeachtet bleiben, abhandelt, auch +die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die Reflexion +herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt +aeussere Formen fixiert sind. + +Die Darstellung keines Gegenstandes waere an und fuer sich faehig, gar +streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des +Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner fuehrte so sehr diese +Forderung mit sich; seine Wissenschaft muesste darin auch die +Mathematik uebertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese +Freiheit und Unabhaengigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie diess in +seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, +dass bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und +Reflexion vorkaeme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, +und aus den vorhergehenden in sie heruebergekommen ist. Allein auf +solche abstrakte Vollkommenheit der Darstellung muss freilich im +Allgemeinen Verzicht gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit +dem rein Einfachen, hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen +muss, liesse der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdruecke +des Einfachen ohne allen weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;--was +der Sache nach Statt finden duerfte, waeren negirende Reflexionen, die +das abzuhalten und zu entfernen sich bemuehten, was sonst die +Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmischen koennte. Solche +Einfaelle in den einfachen immanenten Gang der Entwickelung sind +jedoch fuer sich zufaellig, und die Bemuehung, sie abzuwehren, wird +somit selbst mit dieser Zufaelligkeit behaftet; ohnehin ist es +vergeblich allen solchen Einfaellen, eben weil sie ausser der Sache +liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens waere Unvollstaendigkeit das, +was hierbei fuer die systematische Befriedigung verlangt wuerde. Aber +die eigenthuemliche Unruhe und Zerstreuung unseres modernen +Bewusstseyns laesst es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder +weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfaelle Ruecksicht zu +nehmen, ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen +Sinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Juenglinge +und Maenner so ruhig mit der Selbstverlaeugnung eigener Reflexionen und +Einfaelle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur +der Sache folgende Zuhoerer, wie sie Plato dichtet, wuerden in einem +modernen Dialoge nicht aufgestellt werden koennen; noch weniger duerfte +auf solche Leser gezaehlt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu +haeufig und zu heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache +Reflexion machen mochten, dass ihre Einfaelle und Einwuerfe Kategorien +enthalten, welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik +beduerfen, ehe sie gebraucht werden. Die Bewusstlosigkeit hierueber +geht unglaublich weit; sie macht das Grund-Missverstaendniss, das ueble d. +h. ungebildete Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, +etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese +Bewusstlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches +Anderes andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme +der Logik aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle +muessen gefunden haben, und daselbst fuer sich der Betrachtung werden +unterworfen seyn. Am auffallendsten ist diess in der ueberwiegenden +Menge von Einwuerfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder +Saetze der Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als welches, +selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten,--die einfachste +Analyse zeigt diess,--jene beiden Bestimmungen als Momente enthaelt. +Die Gruendlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den Grund, +worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht +weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil +vielmehr, wenn diess nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu +verwerfen. Diese Gruendlichkeit hat zugleich den Vortheil, die groesste +Erleichterung fuer das Denkgeschaeft zu gewaehren, sie hat die ganze +Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und haelt sich +fuer mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das +Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache +selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich +diese so selbst zufriedene Gruendlichkeit wesentlich empfiehlt. Diese +Beschraenkung auf das Einfache laesst der Willkuer des Denkens, das fuer +sich nicht einfach bleiben will, sondern seine Reflexionen darueber +anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur +mit dem Princip zu beschaeftigen, und damit sich auf das Weitere nicht +einzulassen, thut diese Gruendlichkeit in ihrem Geschaefte selbst das +Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. andere Kategorien als +nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und Vorurtheile +herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, dass die Unendlichkeit +verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes als die +Form, das Innere ein Anderes als das Aeussere, die Vermittelung ebenso +nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht wuesste, +werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewiesen, +als erzaehlt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen +liegt--man kann es nicht anders nennen,--eine Albernheit; der Sache +nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen +und geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, dass +es das Beduerfniss und Geschaeft des logischen Denkens ist, eben diess zu +untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres +ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser +Inhalt und eine inhaltlose Form, so ein Inneres fuer sich, das keine +Aeusserung hat, eine Aeusserlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.--etwas +Wahres, ebenso etwas Wirkliches ist.--Aber diese Bildung und Zucht +des Denkens, durch welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt +und die Ungeduld der einfallenden Reflexion ueberwunden wuerde, wird +allein durch das Weitergehen, das Studium und die Produktion der +ganzen Entwickelung verschafft. + +Bei der Erwaehnung platonischer Darstellung kann, wer ein +selbststaendiges Gebaeude philosophischer Wissenschaft in modernen +Zeiten neu aufzufuehren arbeitet, an die Erzaehlung erinnert werden, +dass Plato seine Buecher ueber den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. +Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in +sich zu schliessen schiene, duerfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch +treiben, dass fuer ein Werk, das, als der modernen Welt angehoerig, ein +tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von +reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Musse, es +sieben und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewaehrt gewesen waere. So +aber musste der Verfasser, indem er es im Angesicht der Groesse der +Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnuegen, was es hat werden moegen, +unter den Umstaenden einer aeusserlichen Nothwendigkeit, der +unabwendbaren Zerstreuung durch die Groesse und Vielseitigkeit der +Zeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der laute Laerm des Tages +und die betaeubende Geschwaetzigkeit der Einbildung, die auf denselben +sich zu beschraenken eitel ist, noch Raum fuer die Theilnahme an der +leidenschaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntniss offen lasse. + +Berlin, den 7. November 1831. + + + + +Einleitung + +Allgemeiner Begriff der Logik + +Es fuehlt sich bei keiner Wissenschaft staerker das Beduerfniss, ohne +vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei +der logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den +sie behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander +unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang +macht, sondern von andern Begriffen abhaengt, und um sich herum mit +anderem Stoffe zusammenhaengt. Diesen Wissenschaften wird es daher +zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der +Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und +angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen +ohne weiteres anzuwenden, und sich der gewoehnlichen Art des +Raisonnements zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und +Grundbestimmungen zu bedienen. + +Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln +und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil +ihres Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begruendet zu +werden. Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode, +sondern auch der Begriff selbst der Wissenschaft ueberhaupt gehoert zu +ihrem Inhalte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie +ist, kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung +bringt diess Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre +Vollendung hervor. Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder +bestimmter das begreifende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer +abgehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe, +und kann somit nicht vorausgeschickt werden. Was daher in dieser +Einleitung vorausgeschickt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der +Logik etwa zu begruenden, oder den Inhalt und die Methode derselben +zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen, sondern, durch einige +Erlaeuterungen und Reflexionen, in raisonnirendem und historischem +Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft zu +betrachten ist, der Vorstellung naeher zu bringen. + +Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen +angenommen wird, so wird dabei verstanden, dass diess Denken die blosse +Form einer Erkenntniss ausmache, dass die Logik von allem Inhalte +abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstueck, das zu einer +Erkenntniss gehoere, die Materie, anderswoher gegeben werden muesse, dass +somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhaengig +sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniss angeben, +nicht aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu +realer Wahrheit seyn koenne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit, +der Inhalt, ausser ihr liege. + +Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, dass die Logik von +allem Inhalte abstrahire, dass sie nur die Regeln des Denkens lehre, +ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit +Ruecksicht nehmen zu koennen. Denn da das Denken und die Regeln des +Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran +ihren eigenthuemlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite +Bestandstueck der Erkenntniss, eine Materie, um deren Beschaffenheit +sie sich bekuemmert. + +Allein zweitens sind ueberhaupt die Vorstellungen, auf denen der +Begriff der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen, +Theils ist es Zeit, dass sie vollends verschwinden, dass der Standpunkt +dieser Wissenschaft hoeher gefasst werde, und dass sie eine voellig +veraenderte Gestalt gewinne. + +Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewoehnlichen +Bewusstseyn ein fuer allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der +Erkenntniss und der Form derselben, oder der Wahrheit und der +Gewissheit. Es wird erstens vorausgesetzt, dass der Stoff des +Erkennens, als eine fertige Welt ausserhalb des Denkens, an und fuer +sich vorhanden, dass das Denken fuer sich leer sey, als eine Form +aeusserlich zu jener Materie hinzutrete, sich damit erfuelle, erst daran +einen Inhalt gewinne und dadurch ein reales Erkennen werde. + +Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,--(denn sie sollen das +Verhaeltniss von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen +mechanischer oder hoechstens chemischer Weise zusammengesetzt--) in +dieser Rangordnung gegen einander, dass das Objekt ein fuer sich +Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit +vollkommen entbehren koenne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes +sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollstaendigen, und zwar als +eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen +habe. Wahrheit ist die Uebereinstimmung des Denkens mit dem +Gegenstande, und es soll, um diese Uebereinstimmung hervorzubringen, +--denn sie ist nicht an und fuer sich vorhanden,--das Denken nach dem +Gegenstande sich fuegen und bequemen. + +Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des +Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit +gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der +andern geschiedene Sphaere. Das Denken kommt daher in seinem +Empfangen und Formiren des Stoffs nicht ueber sich hinaus, sein +Empfangen und sich nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner +selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewusste +Bestimmen gehoert ohnediess nur ihm an; es kommt also auch in seiner +Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande, +dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des +Denkens. + +Diese Ansichten ueber das Verhaeltnis des Subjektes und Objekts zu +einander druecken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers +gewoehnlichen, des erscheinenden Bewusstseins ausmachen; aber diese +Vorurtheile, in die Vernunft uebergetragen, als ob in ihr dasselbe +Verhaeltniss Gott finde, als ob dieses Verhaeltniss an und fuer sich +Wahrheit habe, so sind sie die Irrthuemer, deren durch alle Theile des +geistigen und natuerlichen Universums durchgefuehrte Widerlegung die +Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die +Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind. + +Die aeltere Metaphysik hatte in dieser Ruecksicht einen hoehern Begriff +von dem Denken als in der neuern Zeit gaeng und gaeb geworden ist. +Jene legte naemlich zu Grunde, dass das, was durchs Denken von und an +den Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey; +somit nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die +Form des Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit +dafuer, dass das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den +Gegenstaenden Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder dass die +Dinge und das Denken derselben, (--wie auch unsere Sprache eine +Verwandtschaft derselben ausdrueckt,--) an und fuer sich uebereinstimmen, +dass das Denken in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte +Natur der Dinge, ein und derselbe Inhalt sey. + +Aber der reflektirende Verstand bemaechtigte sich der Philosophie. Es +ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst +vielfach als Schlagwort gebraucht wird; es ist ueberhaupt darunter der +abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in +seinen Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt betraegt er +sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend, +dass die Wahrheit auf sinnlicher Realitaet beruhe, dass die Gedanken nur +Gedanken seyen, in dem Sinne, dass erst die sinnliche Wahrnehmung +ihnen Gehalt und Realitaet gebe, dass die Vernunft, insofern sie an und +fuer sich bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun +der Vernunft auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren, +sie ist darauf eingeschraenkt, nur subjektive Wahrheit, nur die +Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst +nicht entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurueckgefallen. + +Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust +und Rueckschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf +ueberhaupt die Erhebung der Vernunft in den hoehern Geist der neuern +Philosophie beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung +ist naemlich in der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der +Bestimmungen des Verstandes mit sich selbst, zu suchen.--Die schon +namhaft gemacht Reflexion ist diess, ueber das konkrete Unmittelbare +hinaus zu gehen, und dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie +muss ebenso sehr ueber diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen, +und sie zunaechst beziehen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens +tritt der Widerstreit derselben hervor. Dieses Beziehen der +Reflexion gehoert an sich der Vernunft an; die Erhebung ueber jene +Bestimmungen, die zur Einsicht des Widerstreits derselben gelangt, +ist der grosse negative Schritt zum wahrhaften Begriffe der Vernunft. +Aber die nicht durchgefuehrte Einsicht faellt in den Missverstand, als +ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit sich gerathe; sie +erkennt nicht, dass der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft ueber +die Beschraenkungen des Verstandes und das Aufloesen derselben ist. +Statt von hier aus den letzten Schritt in die Hoehe zu thun, ist die +Erkenntniss von dem Unbefriedigenden der Verstandesbestimmungen zu der +sinnlichen Existenz zurueckgeflohen, an derselben das Feste und Einige +zu haben vermeinend. + +Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniss sich als die +Erkenntniss von Erscheinendem weiss, wird das Unbefriedigende derselben +eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die +Dinge an sich, aber doch innerhalb der Sphaere der Erscheinung richtig +erkannt wuerde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstaende +verschieden waere, und die eine Art, naemlich die Dinge an sich zwar +nicht, aber doch die andere Art, naemlich die Erscheinungen, in die +Erkenntniss fielen. Wie wenn einem Manne richtige Einsicht +beigemessen wuerde, mit dem Zusatz, dass er jedoch nichts Wahres, +sondern nur Unwahres einzusehen faehig sey. So ungereimt das Letztere +waere, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniss, die den Gegenstand +nicht erkennte, wie er an sich ist. + +Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angefuehrte Resultat +gehabt, dass diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben. +--Diess kann keinen andern Sinn haben, als dass diese Formen an ihnen +selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie fuer die subjektive +Vernunft und fuer die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat +die Kritik keine Aenderung an ihnen selbst bewirkt, sondern laesst sie +fuer das Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst fuer das Objekt +galten. Wenn sie aber ungenuegend fuer das Ding an sich sind, so muesste +der Verstand, dem sie angehoeren sollen, noch weniger dieselben sich +gefallen lassen und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht +Bestimmungen des Dings an sich seyn koennen, so koennen sie noch +weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Wuerde +eines Dings an sich zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des +Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, dass +sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder dass sie +Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiss +ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete +mit einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich +aufloest, indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie +uebergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie +beide in sich enthaelt, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich +Aufloesendes.--Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder +Gegenstandes, worauf sie angewendet wuerde, oder in dem sie sich +befaenden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand +hat nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm. + +Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding +entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat +dabei naemlich diese Formen nicht an und fuer sich selbst, nach ihrem +eigenthuemlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der +subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so dass von einer Ableitung +ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als +subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen +Betrachtung derselben die Rede war. + +Der konsequenter durchgefuehrte transcendentale Idealismus hat die +Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch uebrig gelassenen +Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt +abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends +zu zerstoeren. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft +aus sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die +subjektive Haltung dieses Versuchs liess ihn nicht zur Vollendung +kommen. Fernerhin ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang +und die Ausbildung der reinen Wissenschaft aufgegeben worden. + +Ganz ohne Ruecksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige +betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird. Diese +Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat +freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realitaet und als eine +wahrhafte Sache in dem gewoehnlichen Bewusstseyn gilt, Aber sie ist +nicht aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit +entbehrende Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermisst, +welchem Mangel das Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden +pflegt, ist ohnehin das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern +das Gehaltlose der logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art, +sie zu betrachten und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen +aus einander fallen und nicht in organischer Einheit zusammengehalten +werden, sind sie todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht +wohnen, der ihre lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber +entbehren sie des gediegenen Inhalts,--einer Materie, welche Gehalt +an sich selbst waere. Der Inhalt, der an den logischen Formen vermisst +wird, ist nichts anderes, als eine feste Grundlage und Konkretion +dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein solches substantielles Wesen +pflegt fuer sie aussen gesucht zu werden. Aber die logische Vernunft +selbst ist das Substantielle oder Reelle, das alle abstrakten +Bestimmungen in sich zusammenhaelt, und ihre gediegene, +absolut-konkrete Einheit ist. Nach dem also, was eine Materie +genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu werden; es +ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie gehaltlos seyn +soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefasst wird. + +Diese Reflexion fuehrt naeher auf die Angabe des Standpunkts, nach +welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der +bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und +der allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft fuer immer +zu stellen ist. + +In der Phaenomenologie des Geistes habe ich das Bewusstseyn in seiner +Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des +Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht +durch alle Formen des Verhaeltnisses des Bewusstseyns zum Objekte durch, +und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser +Begriff bedarf also (abgesehen davon, dass er innerhalb der Logik +selbst hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst +erhalten hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung faehig, als nur +dieser Hervorbringung desselben durch das Bewusstseyn, dem sich seine +eignen Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit aufloesen. +--Eine raisonnirende Begruendung der Erlaeuterung des Begriffs der +Wissenschaft kann zum hoechsten diess leisten, dass er vor die +Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniss davon bewirkt +werde; aber eine Definition der Wissenschaft oder naeher der Logik hat +ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine +Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den absoluten Anfang +macht, kann nichts anders enthalten, als den bestimmten, regelrechten +Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebner- und bekanntermassen +unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt. Dass man +sich gerade diess darunter vorstelle, ist eine historische +Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes +Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise beibringen kann, +dass man diess und jenes als anerkannt gelten lassen moege. Es hoert gar +nicht auf, dass der Eine daher, der Andere dorther einen Fall und +Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und anderes bei +diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also +noch eine naehere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach +auch die Wissenschaft einzurichten sey.--Es kommt dabei ferner auf +Raisonnement an, was alles und bis zu welcher Grenze und Umfang es +hereingezogen oder ausgeschlossen werden muesse; dem Raisonnement +selbst aber steht das mannigfaltigste und verschiedenartigste +Dafuerhalten offen, worueber am Ende allein die Willkuer eine feste +Bestimmung abschliessen kann. Bei diesem Verfahren, die Wissenschaft +mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem Beduerfniss nicht die +Rede, dass die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer +selbst aufgezeigt wuerde. + +Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in +gegenwaertiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die +Phaenomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben +ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des +Bewusstseins, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in +dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewissheit +seiner selbst vollkommen sich aufgeloest hat, und die Wahrheit, dieser +Gewissheit, so wie diese Gewissheit, der Wahrheit gleich geworden ist. + +Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze +des Bewusstseyns voraus. Sie enthaelt den Gedanken, insofern er eben +so sehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, +insofern sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist +die Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewusstseyn, und hat +die Gestalt des Selbst, dass das an und fuer sich seyende gewusster +Begriff, der Begriff als solcher aber das an und fuer sich seyende ist. +Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft. +Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie +zu einer wirklichen und wahren Erkenntniss, dass ihr Inhalt vielmehr +allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie +bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist,--eine Materie aber, der +die Form nicht ein Aeusserliches ist, da diese Materie vielmehr der +reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist +sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen +Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne +Huelle an und fuer sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdruecken, +dass dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen +Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist. + +Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken +ausgesprochen habe, dass der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt, +dass das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist. Er hat damit +den Grund zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren +reine Gestalt die Logik seyn muss. Es ist in ihr nicht um ein Denken +ueber etwas, das fuer sich ausser dem Denken zu Grunde laege, zu thun, um +Formen, welche blosse Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern +die nothwendigen Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der +Inhalt und die hoechste Wahrheit selbst. + +Um diess in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung +auf die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches +seyn muesse. Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch +in die platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind, +hineingetragen, als ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer +andern Welt oder Region seyen, ausserhalb welcher die Welt der +Wirklichkeit sich befinde und eine von jenen Ideen verschiedene, erst +durch diese Verschiedenheit reale Substantialitaet habe. Die +platonische Idee ist nichts anderes, als das Allgemeine oder +bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in seinem Begriffe hat +Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe verschieden ist, +hoert es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; die Seite der +Handgreiflichkeit und des sinnlichen Aussersichseyns gehoert dieser +nichtigen Seite an.--Von der andern Seite aber kann man sich auf die +eigenen Vorstellungen der gewoehnlichen Logik berufen; es wird naemlich +angenommen, dass z.B. Definitionen nicht Bestimmungen enthalten, die +nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die Bestimmungen des +Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste Natur ausmachen. +Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere geschlossen wird, +wird angenommen, dass das Erschlossene nicht ein dem Gegenstande +Aeusserliches und Fremdes sey, sondern dass es ihm vielmehr selbst +zukomme, dass diesem Denken das Seyn entspreche.--Es liegt ueberhaupt +bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, Schlusses, +Definition, Division u.s.f. zu Grunde, dass sie nicht bloss Formen des +selbstbewussten Denken sind, sondern auch des gegenstaendlichen +Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene +Bestimmung vorzugsweise dem Bewusstseyn beilegt. Aber insofern gesagt +wird, dass Verstand, dass Vernunft in der gegenstaendlichen Welt ist, +dass der Geist und die Natur allgemeine Gesetze habe, nach welchen ihr +Leben und ihre Veraenderung sich machen, so wird zugegeben, dass die +Denkbestimmungen eben so sehr objektiven Werth und Existenz haben. + +Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur +Logik, aber sie, wie der spaetere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert +worden, aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine +wesentlich subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem +Objekte, das sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein +unendlicher Anstoss, blieb als ein Jenseits an ihnen uebrig. Aber die +Befreiung von dem Gegensatze des Bewusstseyns, welche die Wissenschaft +muss voraussetzen koennen, erhebt die Denkbestimmungen ueber diesen +aengstlichen, unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung +derselben, wie sie an und fuer sich, ohne eine solche Beschraenkung und +Ruecksicht, das Logische, das Rein-vernuenftige sind. + +Kant preist sonst die Logik, naemlich das Aggregat von Bestimmungen +und Saetzen, das im gewoehnlichen Sinne Logik heisst, darueber gluecklich, +dass ihr vor andern Wissenschaften eine so fruehe Vollendung zu Theil +geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rueckschritt gethan, +aber auch keinen Schritt vorwaerts, das Letztere deswegen, weil sie +allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.--Wenn +die Logik seit Aristoteles keine Veraenderung erlitten hat,--wie denn +in der That die Veraenderungen, wenn man die neuern Kompendien der +Logik betrachtet, haeufig mehr nur in Weglassungen bestehen,--so ist +daraus eher zu folgern, dass sie um so mehr einer totalen Umarbeitung +beduerfe; denn ein zweitausendjaehriges Fortarbeiten des Geistes muss +ihm ein hoeheres Bewusstseyn ueber sein Denken und ueber seine reine +Wesenheit in sich selbst, verschafft haben. Die Vergleichung der +Gestalten, zu denen sich der Geist der praktischen und der religioesen +Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen +Bewusstseyns emporgehoben hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik, +sein Bewusstseyn ueber sein reines Wesen, befindet, zeigt einen zu +grossen Unterschied, als dass es nicht der oberflaechlichsten +Betrachtung sogleich auffallen sollte, dass diess letztere Bewusstseyn +den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und ihrer unwuerdig ist. + +In der That ist das Beduerfniss einer Umgestaltung der Logik laengst +gefuehlt worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den +Lehrbuechern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen. +Sie wird noch mitgeschleppt mehr im Gefuehle, dass eine Logik ueberhaupt +nicht zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit +an die Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Ueberzeugung, dass +jener gewoehnliche Inhalt und die Beschaeftigung mit jenen leeren +Formen Werth und Nutzen habe. + +Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, paedagogisches und +selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind +nachher fuer Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An +und fuer sich muss ein grosser Theil dieser psychologischen, +paedagogischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie +mochten in der Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und +trivial erscheinen. Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, dass +man dasjenige durchdenken und pruefen solle, was man in Buechern lese +oder muendlich hoere; dass man, wenn man nicht gut sehe, seinen Augen +durch Brillen zu Huelfe zu kommen habe,--Regeln, die von den +Lehrbuechern in der sogenannten angewandten Logik, und zwar ernsthaft +in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf dass man zur Wahrheit +gelange,--muessen jedermann als ueberfluessig vorkommen,--nur hoechstens +dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den +sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch irgend etwas +auszudehnen. + +Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben +worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten +in ihrer Festigkeit unverrueckt, und werden nur in aeusserliche +Beziehung miteinander gebracht. Dadurch dass bei den Urtheilen und +Schluessen die Operationen vornehmlich auf das Quantitative der +Bestimmungen zurueckgefuehrt und gegruendet werden, beruht Alles auf +einem aeusserlichen Unterschiede, auf blosser Vergleichung, wird ein +voellig analytisches Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das +Ableiten der sogenannten Regeln und Gesetze, des Schliessens +vornehmlich, ist nicht viel besser, als ein Befingern von Staebchen +von ungleicher Laenge, um sie nach ihrer Groesse zu sortiren und zu +verbinden,--als die spielende Beschaeftigung der Kinder, von +mannigfaltig zerschnittenen Gemaelden die passenden Stuecke zusammen zu +suchen.--Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem Rechnen +und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt. In der +Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das ausser +seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heisst, ausser seinem ganz +aeusserlichen Verhaeltnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst, +noch dessen Beziehung ein Gedanke ist. + +Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, dass dreiviertel mit +zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthaelt diese +Operation ungefaehr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung, +ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben koenne. + +Damit dass diess todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und +Inhalt belebt werde, muss ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie +allein faehig ist, reine Wissenschaft zu seyn. In dem Zustande, in +dem sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher +Methode zu erkennen. Sie hat ungefaehr die Form einer +Erfahrungswissenschaft. Erfahrungswissenschaften haben fuer das, was +sie seyn sollen, ihre eigenthuemliche Methode, des Definirens und des +Klassificirens ihres Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die +reine Mathematik hat ihre Methode, die fuer ihre abstrakten +Gegenstaende und fuer die quantitative Bestimmung, in der sie allein +betrachtet, passend ist. Ich habe ueber diese Methode und ueberhaupt +das Untergeordnete der Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik +Statt finden kann, in der Vorrede zur Phaenomenologie des Geistes, das +Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst +naeher betrachtet werden. Spinoza, Wolf und Andere haben sie +verfuehren lassen, sie auch auf die Philosophie anzuwenden, und den +aeusserlichen Gang der begrifflosen Quantitaet zum Gange des Begriffes +zu machen, was an und fuer sich widersprechend ist. Bisher hatte die +Philosophie ihre Methode noch nicht gefunden; sie betrachtete mit +Neid das systematische Gebaeude der Mathematik und borgte sie, wie +gesagt, von ihr, oder behalf sich mit der Methode von Wissenschaften, +die nur Vermischungen von gegebenem Stoffe, Erfahrungssaetzen und +Gedanken sind,--oder half sich auch mit dem rohen Wegwerfen aller +Methode. Die Exposition dessen aber, was allein die wahrhafte +Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, faellt in die +Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewusstseyn ueber +die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der +Phaenomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem +konkreteren Gegenstande, an dem Bewusstseyn ein Beispiel von dieser +Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewusstseyn, +aufgestellt. (*Spaeter an den anderen konkreten Gegenstaenden und +resp. Theilen der Philosophie.*) Es sind hier Gestalten des +Bewusstseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst +aufloest, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat,--und damit in +eine hoehere Gestalt uebergegangen ist. Das Einzige, um den +wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um dessen ganz einfache +Einsicht sich wesentlich zu bemuehen ist,--ist die Erkenntniss des +logischen Satzes, dass das Negative ebenso sehr positiv ist, oder dass +das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstrakte Nichts +aufloest, sondern wesentlich nur in die Negation seines besonderen +Inhalts, oder dass eine solche Negation nicht alle Negation, sondern +die Negation der bestimmten Sache, die sich aufloest, somit bestimmte +Negation ist; dass also im Resultate wesentlich das enthalten ist, +woraus es resultirt;--was eigentlich eine Tautologie ist, denn sonst +waere es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das +Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen +Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der hoehere, reichere Begriff +als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder +Entgegengesetztes reicher geworden; enthaelt ihn also, aber auch mehr +als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.--In +diesem Wege hat sich das System der Begriffe ueberhaupt zu bilden,-- +und in unaufhaltsamen, reinem, von Aussen nichts hereinnehmendem Gange, +sich zu vollenden. + +Wie wuerde ich meinen koennen, dass nicht die Methode, die ich in diesem +Systeme der Logik befolgt,--oder vielmehr die diess System an ihm +selbst befolgt,--noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im +Einzelnen faehig sey, aber ich weiss zugleich, dass sie die einzige +wahrhafte ist. Diess erhellt fuer sich schon daraus, dass sie von ihrem +Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist;--denn es ist der +Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn +fortbewegt. Es ist klar, dass keine Darstellungen fuer +wissenschaftlich gelten koennen, welche nicht den Gang dieser Methode +gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemaess sind, denn es ist der Gang +der Sache selbst. + +In Gemaessheit dieser Methode erinnere ich, dass die Eintheilungen und +Ueberschriften der Buecher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke +angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklaerungen, zum +Behuf einer vorlaeufigen Uebersicht gemacht, und dass sie eigentlich nur +von historischem Werthe sind. Sie gehoeren nicht zum Inhalte und +Koerper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der aeusseren +Reflexion, welche das Ganze der Ausfuehrung schon durchlaufen hat, +daher die Folge seiner Momente voraus weiss und angiebt, ehe sie noch +durch die Sache selbst sich herbeifuehren. + +In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und +Eintheilungen gleichfalls fuer sich nichts anderes, als solche aeussere +Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht ueber +diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heisst es +etwa, "die Logik hat zwei Hauptstuecke, die Elementarlehre und die +Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres +etwa die Ueberschrift: Gesetze des Denkens;--alsdann erstes Kapitel: +von den Begriffen. Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u. +s.f.--Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten +Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerueste und +den ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik +sieht es fuer ihren Beruf an, davon zu sprechen, dass die Begriffe und +Wahrheiten aus Principien muessen abgeleitet seyn; aber bei dem, was +sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht. +Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem, +in der Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und +anderen aeusserlichen Ruecksichten. Aber in Ruecksicht eines inneren, +nothwendigen Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der +Abtheilungsbestimmungen, und der Uebergang macht sich nur damit, dass +es jetzt heisst: Zweites Kapitel;--oder: wir kommen nunmehr zu den +Urtheilen, u. dergl. + +Auch die Ueberschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme +vorkommen, sollen fuer sich keine andere Bedeutung haben, als die der +Inhaltsanzeige. Ausserdem aber muss die Nothwendigkeit des +Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in +der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie faellt in die +eigene Fortbestimmung des Begriffes. + +Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin +angegebene Negative, das er in sich selbst hat; diess macht das +wahrhaft Dialektische aus. Die Dialektik, die als ein abgesonderter +Theil der Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und +Standpunktes, man kann sagen, gaenzlich verkannt worden, erhaelt +dadurch eine ganz andere Stellung.--Auch die platonische Dialektik +hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch direkter, Theils +nur die Absicht, beschraenkte Behauptungen durch sich selbst +aufzuloesen und zu widerlegen, Theils aber ueberhaupt das Nichts zum +Resultate. Gewoehnlich sieht man die Dialektik fuer ein aeusserliches +und negatives Thun an, das nicht der Sache selbst angehoere, in blosser +Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, sich das Feste und Wahre in +Schwanken zu setzen und aufzuloesen, seinen Grund habe oder wenigstens +zu Nichts fuehre, als zur Eitelkeit des dialektisch behandelten +Gegenstandes. + +Kant hat die Dialektik hoeher gestellt, und diese Seite gehoert unter +die groessten seiner Verdienste,--indem er ihr den Schein von Willkuer +nahm, den sie nach der gewoehnlichen Vorstellung hat, und sie als ein +nothwendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur fuer die +Kunst, Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt, +wurde schlechthin vorausgesetzt, dass sie ein falsches Spiel spiele, +und ihre ganze Kraft allein darauf beruhe, dass sie den Betrug +verstecke; dass ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver +Schein seyen. Kant's dialektische Darstellungen in den Antinomien +der reinen Vernunft verdienen zwar, wenn sie naeher betrachtet werden, +wie diess im Verfolge dieses Werkes weitlaeufiger geschehen wird, +freilich kein grosses Lob; aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde +gelegt und geltend gemacht hat, ist die Objektivitaet des Scheins und +Nothwendigkeit des Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen +gehoert: zunaechst zwar in der Art, insofern diese Bestimmungen von der +Vernunft auf die Dinge an sich angewendet werden; aber eben, was sie +in der Vernunft und in Ruecksicht auf das sind, was an sich ist, ist +ihre Natur. Es ist diess Resultat in seiner positiven Seiten +aufgefasst, nichts anderes, als die innere Negativitaet derselben, als +ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller natuerlichen und +geistigen Lebendigkeit ueberhaupt. Aber so wie nur bei der +abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird, so +ist das Resultat nur das Bekannte, dass die Vernunft unfaehig sey, das +Unendliche zu erkennen;--ein sonderbares Resultat, indem das +Unendliche das Vernuenftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht +faehig, das Vernuenftige zu erkennen. + +In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem +Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im +Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber fuer +die noch ungeuebte, unfreie Denkkraft schwerste Seite. Ist solche +noch darin begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom +Raisonniren loszureissen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken +zu ueben. Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen +erkennen zu lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf haette +sich in ihrer Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung +des naeheren Inhalts an die Bestimmungen, die sich fuer die einzelnen +Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische +einzulassen. Sie wuerde der aeusseren Gestalt nach dem gewoehnlichen +Vortrag dieser Wissenschaft aehnlich werden, sich uebrigens dem Inhalte +nach auch davon unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das +abstrakte, ob zwar nicht das spekulative Denken zu ueben, welchen +Zweck die durch psychologische und anthropologische Zuthaten populair +gewordene Logik nicht einmal erfuellen kann. Sie wuerde dem Geiste das +Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des +Gebaeudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin +erschiene. + +In Ruecksicht auf die Bildung und das Verhaeltniss des Individuums zur +Logik, merke ich schliesslich noch an, dass diese Wissenschaft wie die +Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint. +Sie ist etwas Anderes fuer den, der zu ihr und den Wissenschaften +ueberhaupt erst hinzutritt, und etwas Anderes fuer den, der von ihnen +zu ihr zurueckkommt. Wer die Grammatik anfaengt kennen zu lernen, +findet in ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufaellig +Regeln, ueberhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den +Werth und die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren +Sinne liegt; das Erkennen erkennt in ihnen zunaechst nichts als sie. +Wer dagegen einer Sprache maechtig ist und zugleich andere Sprachen in +Vergleichung mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die +Bildung eines Volks in der Grammatik seiner Sprache zu fuehlen geben; +dieselben Regeln und Formen haben nunmehr einen erfuellten, lebendigen +Werth. Er kann durch die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes +ueberhaupt, die Logik, erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt, +findet in der Logik zunaechst ein isolirtes System von Abstraktionen, +das auf sich selbst beschraenkt, nicht ueber die anderen Kenntnisse und +Wissenschaften uebergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum +der Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der +anderen Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der +absoluten Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur +des Geistes und der Welt, die Wahrheit zu enthuellen, hat diese +Wissenschaft in ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten +Einfachheit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles +eher zu leisten als diess Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum +gegenueber zu stehen, Die erste Bekanntschaft mit der Logik schraenkt +ihre Bedeutung auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur fuer eine +isolirte Beschaeftigung mit den Denkbestimmungen, neben der die +anderen wissenschaftlichen Beschaeftigungen ein eigener Stoff und +Gehalt fuer sich sind, auf welche das Logische etwa einen formellen +Einfluss hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht, +und fuer den die wissenschaftliche Gestalt und deren Studium +allerdings auch zur Noth entbehrt werden kann. Die anderen +Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine Folge von +Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu seyn, +im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natuerliche Logik macht sich fuer +sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken +selbst gerichtete Erkenntnis fort. Vollends aber haelt sich der Stoff +und Inhalt dieser Wissenschaften fuer sich selbst vom Logischen voellig +unabhaengig, und ist auch fuer Sinn, Gefuehl, Vorstellung und +praktisches Interesse jeder Art ansprechender. + +So muss denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas, +das man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und +weitere Bedeutung anfangs vermisst wird. Erst aus der tiefern +Kenntniss der anderen Wissenschaften erhebt sich fuer den subjektiven +Geist das Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern +als das den Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine; +--wie derselbe Sittenspruch in dem Munde des Juenglings, der ihn ganz +richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen +er im Geiste eines lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die +ganze Kraft des darin enthaltenen Gehaltes ausdrueckt, so erhaelt das +Logische erst dadurch die Schaetzung seines Werths, wenn es zum +Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt +sich daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere +Kenntniss neben anderem Stoffe und Realitaeten, sondern als das Wesen +alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar. + +Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser +bewussten Kraft fuer den Geist vorhanden ist, so empfaengt er durch +dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle +Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten, +die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion +befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die +Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des +Bewusstseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und +Zwecken, von Gefuehlen, von der bloss gemeinten Vorstellungswelt fernes +Geschaeft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht diess +Geschaeft in dem Fernhalten der Zufaelligkeit des raisonnirenden +Denkens und der Willkuer, diese oder die entgegengesetzten Gruende sich +einfallen oder gelten zu lassen. + +Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbststaendigkeit und +Unabhaengigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch +Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewussten +Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniss und Wissenschaften +in die vernuenftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu +erfassen und festzuhalten, das Aeusserliche abzustreifen und auf diese +Weise aus ihnen das Logische auszuziehen,--oder was dasselbe ist, +die vorher durch das Studium erworbene abstrakte Grundlage des +Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfuellen, und ihm den +Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Besonderes +neben anderem Besonderen steht, sondern ueber alles dieses uebergreift +und dessen Wesen, das Absolut-wahre, ist. + + + +Allgemeine Eintheilung der Logik + +In dem, was ueber den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine +Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, dass die allgemeine +Eintheilung hier nur vorlaeufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben +werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher +historisch hier zum Voraus anzufuehren im Stande ist, zu welchen +Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen +wird. + +Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist, +zum Voraus im Allgemeinen verstaendlich zu machen, obgleich auch dabei +ein Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muss, das seine +volle Verstaendigung und Rechtfertigung erst innerhalb der +Wissenschaft erhaelt.--Zuvoerderst also ist zu erinnern, dass hier +vorausgesetzt wird, die Eintheilung muesse mit dem Begriffe +zusammenhaengen, oder vielmehr in ihm selbst liegen. Der Begriff ist +nicht unbestimmt, sondern bestimmt an ihm selbst; die Eintheilung +aber drueckt entwickelt diese seine Bestimmtheit aus; sie ist das +Urtheil desselben, nicht ein Urtheil ueber irgend einen aeusserlich +genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, d.i. Bestimmen des +Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit, Spitzwinklichkeit u.s. +f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach welchen Bestimmungen die +Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in der Bestimmtheit des +Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der Begriff des Dreiecks +genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem, was fuer den +Begriff des Thieres ueberhaupt, oder des Saeugethiers, Vogels u.s.w. +die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Saeugethiere, Voegel u.s. +w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt werden. Solche +Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen Anschauung +aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von Aussen hinzu. +In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muss der Begriff +selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen. + +Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das +Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier +gleichfalls als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik +bestimmte sich danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu +ihrem Princip das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern +dadurch konkrete lebendige Einheit, dass in ihr der Gegensatz des +Bewusstseyns von einem subjektiv--fuer sich Seyenden und einem zweiten +solchen Seyenden, einem Objektiven, als ueberwunden, und das Seyn als +reiner Begriff an sich selbst, und der reine Begriff als das +wahrhafte Seyn gewusst wird. Diess sind sonach die beiden Momente, +welche im Logischen enthalten sind. Aber sie werden nun als +untrennbar seyend gewusst, nicht wie im Bewusstseyn jedes auch als fuer +sich seyend; dadurch, allein, dass sie zugleich als unterschiedene +(jedoch nicht fuer sich seyende) gewusst werden, ist ihre Einheit nicht +abstrakt, todt, unbewegend, sondern konkret. + +Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so +dass die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, +nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die +Eintheilung, wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen +der ihm schon immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes +ist, so darf diess Setzen nicht als ein Wiederaufloesen jener konkreten +Einheit in ihre Bestimmungen, wie sie als fuer sich seyend gelten +sollen, gefasst werden, was hier ein leeres Zurueckgehen auf den +vorigen Standpunkt, den Gegensatz des Bewusstseyns waere; dieser ist +vielmehr verschwunden; jene Einheit bleibt das Element, und aus ihr +tritt jenes Unterscheiden der Eintheilung und ueberhaupt der +Entwickelung nicht mehr heraus. Damit sind die frueher (auf dem Wege +zur Wahrheit) fuer sich seyenden Bestimmungen, wie ein Subjektives und +Objektives, oder auch Denken und Seyn oder Begriff und Realitaet, wie +sie in irgend einer Ruecksicht bestimmt worden seyn moegen, nun in +ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer Einheit, zu Formen herabgesetzt. In +ihrem Unterschiede blieben sie daher selbst an sich der ganze Begriff +und dieser wird in der Eintheilung nur unter seinen eigenen +Bestimmungen gesetzt. + +So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, +das andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff +an sich, der Realitaet oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, +fuer sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, +im denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewusster +noch weniger als gewusster Begriff, im empfindenden Thier, und in der +organischen Individualitaet ueberhaupt ist; Begriff an sich ist er aber +nur in der unorganischen Natur).--Die Logik waere hiernach zunaechst in +die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs, +--oder indem wir uns der sonst gewoehnlichen, obgleich der +unbestimmtesten und darum der vieldeutigsten Ausdruecke bedienen,--in +die objektive und subjektive Logik einzutheilen. + +Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs +in sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, +muessen diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in +ihrem Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander +stehen. Es ergiebt sich daraus eine Sphaere der Vermittelung, der +Begriff als System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum +Insichseyn des Begriffs uebergehenden Seyns, der auf diese Weise noch +nicht als solcher fuer sich gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren +Seyn als einem ihm auch Aeusseren zugleich behaftet ist. Diess ist die +Lehre von dem Wesen, die zwischen der Lehre vom Seyn und der vom +Begriff inmitten steht.--Sie ist in der allgemeinen Eintheilung +dieses logischen Werks noch unter die objektive Logik gestellt worden, +insofern, ob das Wesen zwar bereits das Innere, dem Begriffe der +Charakter des Subjekts ausdruecklich vorzubehalten ist. + +Kant Ich erinnere, dass ich auf die kantische Philosophie in diesem +Werke darum haeufig Ruecksicht nehme, (was manchen ueberfluessig scheinen +koennte) weil sie,--ihre naehere Bestimmtheit so wie die besonderen +Theile der Ausfuehrung moegen sonst und auch in diesem Werke betrachtet +werden, wie sie wollen,--die Grundlage und den Ausgangspunkt der +neueren deutschen Philosophie ausmacht, und diess ihr Verdienst durch +das, was an ihr ausgesetzt werden moege, ihr ungeschmaelert bleibt. +Auch darum ist auf sie in der objektiven Logik haeufig Ruecksicht zu +nehmen, weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen +naeher einlaesst, spaetere Darstellungen von Philosophie hingegen +dasselbe wenig beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,--aber nicht +ungeraechte,--Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am +weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen +Resultaten, dass die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen koenne, und +in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey, +heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem +Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende +Ausfuehrung, aus welche jenes Resultat herkoemmt, und welche +philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische +Philosophie dient so als ein Polster fuer die Traegheit des Denkens, +die sich damit beruhigt, dass bereits Alles bewiesen und abgethan sey. +Fuer Erkenntniss und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in +solcher unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist +sich daher an jene vorangegangene Ausfuehrung zu wenden. hat in +neueren Zeiten dem, was gewoehnlich Logik genannt worden, noch eine, +naemlich eine transcendentale Logik gegenueber gestellt. Das, was hier +objektive Logik genannt worden, wuerde zum Theil dem entsprechen, was +bei ihm die transcendentale Logik ist. Er unterscheidet sie von dem, +was er allgemeine Logik nennt, so, dass sie a) die Begriffe betrachte, +die sich a priori auf Gegenstaende beziehen, somit nicht von allem +Inhalte der objektiven Erkenntniss abstrahire, oder dass sie die Regeln +des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, und ss) zugleich auf +den Ursprung unserer Erkenntniss gehe, insofern sie nicht den +Gegenstaenden zugeschrieben werden koenne.--Diese zweite Seite ist es, +auf die das philosophische Interesse Kants ausschliessend gerichtet +ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem Selbstbewusstseyn, als +dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermoege dieser Bestimmung bleibt +die Ansicht innerhalb des Bewusstseyns und seines Gegensatzes stehen, +und hat ausser dem Empirischen des Gefuehls und der Anschauung noch +Etwas, das nicht durch das denkende Selbstbewusstseyn gesetzt und +bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem Denken fremdes und +aeusserliches, uebrig bleiben; obgleich leicht einzusehen ist, dass ein +solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst nur ein Produkt des, und +zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.--Wenn andere Kantianer sich +ueber das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so ausgedrueckt haben, +dass das Objektiviren des Ich, als ein urspruengliches und nothwendiges +Thun des Bewusstseyns anzusehen sey, so dass in diesem urspruenglichen +Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,--als welche erst +ein Bewusstseyn jenes Bewusstseyns, oder selbst ein Objektiviren jenes +Bewusstseyn sey,--so ist dieses von dem Gegensatze des Bewusstseyns +befreite objektivirende Thun naeher dasjenige, was fuer Denken als +solches ueberhaupt genommen werden kann. Wenn der Ausdruck +objektivirendes Thun des Ich an andere Produktionen des Geistes, z.B. +die der Phantasie erinnern kann, so ist zu bemerken, dass von einem +Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist, insofern dessen +Inhalts-Momente nicht dem Gefuehl und der Anschauung angehoeren. +Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heisst Theils +ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes ist, +weitere Gedanken ueber ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln. +Dieses Thun sollte aber nicht mehr Bewusstseyn genannt werden; +Bewusstseyn schliesst den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in +sich, der in jenem urspruenglichen Thun nicht vorhanden ist. Die +Benennung Bewusstseyn wirft noch mehr den Schein von Subjektivitaet auf +dasselbe, als der Ausdruck Denken, der aber hier ueberhaupt im +absoluten Sinne als unendliches mit der Endlichkeit des Bewusstseyns +nicht behaftetes, Denken, kurz Denken als solches, zu nehmen ist. + +Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte +Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die +Abhandlung derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst +sind, ohne die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre +Bestimmtheit gegen und ihr Verhaeltniss zu einander ist nicht zu einem +Gegenstande der Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniss ihrer +Natur hat sich daher durch diese Philosophie nicht im geringsten +gefoerdert gefunden. Das einzige Interessante, was hierauf Beziehung +hat, kommt in der Kritik der Ideen vor. Fuer den wirklichen +Fortschritt der Philosophie aber war es nothwendig, dass das Interesse +des Denkens auf die Betrachtung der formellen Seite, des Ich, des +Bewusstseyns als solchen, d.i. der abstrakten Beziehung eines +subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen, dass die Erkenntniss der +unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese Weise eingeleitet +wurde. Um jedoch diese Erkenntniss zu erreichen, musste jene endliche +Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewusstseyn ist, noch +abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht, +enthaelt es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt +zu geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,--als System +der Denkbestimmungen. + +Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen +Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebaeude ueber die Welt +war, das nur durch Gedanken aufgefuehrt seyn sollte.--Wenn wir auf die +letzte Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Ruecksicht nehmen, +so ist erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die +objektive Logik tritt,--der Theil jener Metaphysik, der die Natur des +Ens ueberhaupt erforschen sollte;--das Ens begreift sowohl Seyn als +Wesen in sich, fuer welchen Unterschied unsere Sprache +gluecklicherweise den verschiedenen Ausdruck gerettet hat.--Alsdann +aber begreift die objektive Logik auch die uebrige Metaphysik insofern +in sich, als diese mit den reinen Denkformen die besondern, zunaechst +aus der Vorstellung genommenen Substrate, die Seele, die Welt, Gott, +zu fassen suchte, und die Bestimmungen des Denkens das Wesentliche +der Betrachtungsweise ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese +Formen frei von jenen Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und +ihre Natur und Werth an und fuer sich selbst. Jene Metaphysik +unterliess diess und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne +Kritik gebraucht zu haben, ohne die vorgaengige Untersuchung, ob und +wie sie faehig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach kantischem +Ausdruck,--oder vielmehr des Vernuenftigen zu seyen.--Die objektive +Logik ist daher die wahrhafte Kritik derselben,--eine Kritik, die sie +nicht nach der abstrakten Form der Aprioritaet gegen das +Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem besondern Inhalte +betrachtet. + +Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,--des Wesens, das +seine Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und +in seiner Bestimmung nicht aeusserlich mehr, sondern das freie +selbststaendig, sich in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das +Subjekt selbst ist.--Indem das Subjektive das Missverstaendniss von +Zufaelligem und Willkuerlichem, so wie ueberhaupt von Bestimmungen, die +in die Form des Bewusstseyns gehoeren, mit sich fuehrt, so ist hier auf +den Unterschied von Subjektivem und Objektivem, der sich spaeterhin +innerhalb der Logik selbst naeher entwickeln wird, kein besonderes +Gewicht zu legen. + +Die Logik zerfaellt also zwar ueberhaupt in objektive und subjektive +Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile: + +I. Die Logik des Seyns, + +II. die Logik des Wesens und + +III. die Logik des Begriffs. + + + +Erstes Buch + +Die Lehre vom Seyn. + + +Womit muss der Anfang der Wissenschaft gemacht werden? + +In neuern Zeiten erst ist das Bewusstseyn entstanden, dass es eine +Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der +Grund dieser Schwierigkeit so wie die Moeglichkeit, sie zu loesen, ist +vielfaeltig besprochen worden. Der Anfang der Philosophie muss +entweder ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht +zu zeigen, dass es weder das Eine noch das Andere seyn koenne; somit +findet die eine oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung. + +Das Princip einer Philosophie drueckt wohl auch einen Anfang aus, aber +nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge. +Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,--das Wasser, das +Eine, Nus, Idee,--Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die +Natur des Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine +objektive Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die +Subjektivitaet selbst, so ist es hier gleichfalls die +Inhaltsbestimmung, auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als +solches dagegen bleibt als ein Subjektives in dem Sinne einer +zufaelligen Art und Weise, den Vortrag einzuleiten, unbeachtet und +gleichgueltig, somit auch das Beduerfniss der Frage, womit anzufangen +sey, unbedeutend gegen das Beduerfniss des Princips, als in welchem +allein das Interesse der Sache zu liegen scheint, das Interesse, was +das Wahre, was der absolute Grund von Allem sey. + +Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren +Beduerfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es +dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch +um das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches +Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der +Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller +Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik ueberhoben seyn +wollten. Wenn das frueher abstrakte Denken zunaechst nur fuer das +Princip als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung +auf die andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten +getrieben ist, so wird auch das subjektive Thun als wesentliches +Moment der objektiven Wahrheit erfasst, und das Beduerfniss fuehrt sich +herbei, dass die Methode mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip +vereint sey. So soll das Princip auch Anfang und das, was das Prius +fuer das Denken ist, auch das Erste im Gange des Denkens seyn. + +Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die +beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt, +entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang +auf unmittelbare Weise. Die in der Bildung der Zeit so wichtig +erscheinende Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares, +schlechthin anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein +vermitteltes Wissen sey, ist an diesem Orte nicht zu eroertern. +Insofern solche Betrachtung vorlaeufig angestellt werden kann, ist +diess anderwaerts (in m. Encykl. der philos. Wissenschaf. 3te Ausg. +im Vorbegr. _. 61. ff.) geschehen. Hier mag daraus nur diess +angefuehrt werden, dass es Nichts giebt, nichts im Himmel oder in der +Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht ebenso die +Unmittelbarkeit enthaelt, als die Vermittelung, so dass sich diese +beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener Gegensatz +sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche +Eroerterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die +Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die +Eroerterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern +dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die +konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhaelt, +wird die Natur des Erkennens ueberhaupt, sowohl innerhalb der +Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern +konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die +Phaenomenologie desselben faellt. Vor der Wissenschaft aber schon ueber +das Erkennen ins Reine kommen wollen, heisst verlangen, dass es +ausserhalb derselben eroertert werden sollte; ausserhalb der +Wissenschaft laesst sich diess wenigstens nicht auf wissenschaftliche +Weise, um die es hier allein zu thun ist, bewerkstelligen. + +Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei fuer sich +seyenden Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt +ist es hiermit dadurch, dass das reine Wissen die letzte, absolute +Wahrheit des Bewusstseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, dass +die Phaenomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewusstseyns, die +Darstellung davon ist, dass das Bewusstseyn den Begriff der +Wissenschaft, d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik +hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer +Voraussetzung, welche die Nothwendigkeit und damit den Beweis der +Wahrheit des Standpunkts, der das reine Wissen ist, wie dessen +Vermittelung ueberhaupt, enthaelt und aufzeigt. In dieser Wissenschaft +des erscheinenden Geistes wird von dem empirischen, sinnlichen +Bewusstseyn ausgegangen; und dieses ist das eigentliche unmittelbare +Wissen; daselbst wird eroertert, was an diesem unmittelbaren Wissen +ist. Anderes Bewusstseyn, wie der Glaube an goettliche Wahrheiten, +innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung u.s.f. zeigt sich +bei geringer Ueberlegung sehr uneigentlich als unmittelbares Wissen +aufgefuehrt zu werden. In jener Abhandlung ist das unmittelbare +Bewusstseyn auch das in der Wissenschaft Erste und Unmittelbare, somit +die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige die Voraussetzung, +was aus jener Betrachtung sich als das Resultat erwiesen hatte,--die +Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine Wissenschaft, d.i. +das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner Entwickelung. Diese +Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin bestimmt, die zur +Wahrheit gewordenen Gewissheit zu seyn, die Gewissheit, die nach der +einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenueber ist, sondern ihn +innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiss,--und die auf der +andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem +Gegenstaendlichen gegenueber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben, +dieser Subjektivitaet entaeussert und Einheit mit seiner Entaeusserung +ist. + +Dass nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang +seiner Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu +betrachten oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller +Meinungen, die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist. + +Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle +Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das +Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hoert somit selbst auf, +Wissen zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden. + +Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und +bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem +wahren Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine +Seyn. Wie das reine Wissen nichts heissen soll, als das Wissen als +solches, ganz abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heissen, als +das Seyn ueberhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung +und Erfuellung. + +Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar +durch sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden, +dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats +des endlichen Wissens, des Bewusstseyns. Soll aber keine +Voraussetzung gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden, +so bestimmt er sich nur dadurch, dass es der Anfang der Logik des +Denkens fuer sich, seyn soll. Nur der Entschluss, den man auch fuer +eine Willkuer ansehen kann, naemlich dass man das Denken als solches +betrachten wolle, ist vorhanden. So muss der Anfang absoluter oder +was hier gleichbedeutend ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so +nichts voraussetzen, muss durch nichts vermittelt seyn, noch einen +Grund haben; er soll vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft +seyn. Er muss daher schlechthin ein Unmittelbares seyn, oder vielmehr +nur das Unmittelbare selbst. Wie er nicht gegen Anderes eine +Bestimmung haben kann, so kann er auch keine in sich, keinen Inhalt +enthalten, denn dergleichen waere Unterscheidung und Beziehung von +Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung. Der Anfang ist +also das reine Seyn. + +Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunaechst nur zu diesem +selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehoert, koennen noch +folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch koennen sie +nicht sowohl zur Erlaeuterung und Bestaetigung jener Darlegung, die fuer +sich fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch +Vorstellungen und Reflexionen veranlasst werden, die uns zum Voraus in +den Weg kommen koennen, jedoch, wie alle andere vorangehende +Vorurtheile, in der Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden muessen, +und daher eigentlich zur Geduld hierauf zu verweisen waeren. + +Die Einsicht, dass das Absolut-Wahre ein Resultat seyn muesse, und +umgekehrt, dass ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber, +weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach +der subjektiven Seite, nicht erkannt ist,--hat in neuern Zeiten den +Gedanken hervorgebracht, dass die Philosophie nur mit einem +hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das +Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn koenne, eine Ansicht, +welche Reinhold in den spaetern Zeiten seines Philosphirens vielfach +urgiert hat, und der man die Gerechtigkeit widerfahren lassen muss, +dass ihr ein wahrhaftes Interesse zu Grunde liegt, welches die +spekulative Natur des philosophischen Anfangs betrifft. Die +Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich eine Veranlassung, ein +vorlaeufiges Verstaendniss ueber den Sinn des logischen Fortschreitens +ueberhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht schliesst die Ruecksicht auf +das Fortgehen sogleich in sich. Und zwar stellt sie es so vor, dass +das Vorwaertsschreiten in der Philosophie vielmehr ein Rueckwaertsgehen +und Begruenden sey, durch welches erst sich ergebe, dass das, womit +angefangen wurde, nicht bloss ein willkuerlich Angenommenes, sondern in +der That Theils das Wahre, Theils das erste Wahre sey. + +Man muss zugeben, dass es eine wesentliche Betrachtung ist,--die sich +innerhalb der Logik selbst naeher ergeben wird,--dass das Vorwaertsgehen +ein Rueckgang in den Grund, zu dem Urspruenglichen und Wahrhaften ist, +von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhaengt, und in der That +hervorgebracht wird.--So wird das Bewusstseyn auf seinem Wege von der +Unmittelbarkeit aus, mit der es anfaengt, zum absoluten Wissen, als +seiner innersten Wahrheit, zurueckgefuehrt. Diess Letzte, der Grund, +ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst +als Unmittelbares auftrat.--So wird noch mehr der absolute Geist, der +als die konkrete und letzte hoechste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt, +erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entaeussernd +und sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,--zur +Schoepfung einer Welt sich entschliessend, welche alles das enthaelt, +was in die Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und +das durch diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem +Resultate als dem Principe Abhaengiges verwandelt wird. Das +Wesentliche fuer die Wissenschaft, ist nicht so sehr, dass ein rein +Unmittelbares der Anfang sey, sondern dass das Ganze derselben ein +Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das Letzte, und +das Letzte auch das Erste wird. + +Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig, +dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurueckgeht, +als Resultat zu betrachten. Nach dieser Ruecksicht ist das Erste +ebenso sehr der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem +Ersten ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als +auf den Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang +ferner von dem, was den Anfang macht, ist nur als eine weitere +Bestimmung desselben zu betrachten, so dass das Anfangende allem +Folgenden zu Grunde liegen bleibt, und nichts daraus verschwindet. +Das Fortgehen besteht nicht darin, dass nur ein Anderes abgeleitet, +oder dass in ein wahrhaft Anderes uebergegangen wuerde;--und insofern +diess Uebergehen vorkommt, so hebt es sich ebenso sehr wieder auf. So +ist der Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwickelungen +gegenwaertige und sich erhaltende Grundlage, das seinen weiteren +Bestimmungen durchaus immanent Bleibende. + +Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser +Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes ueberhaupt zu seyn, +einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der +wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise. +--Zugleich ergiebt sich, dass das, was den Anfang macht, indem es +darin das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht +wahrhaft erkannt wird, und dass erst die Wissenschaft, und zwar in +ihrer ganzen Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst +wahrhaft begruendete Erkenntniss ist. + +Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt, +ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches, +noch ein problematisches und hypothetisches, sondern es muss durch die +Natur der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist +jener Anfang etwas Willkuerliches und nur einstweilen Angenommenes, +noch ein als willkuerlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes, +von dem sich aber doch in der Folge zeige, dass man Recht daran gethan +habe, es zum Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die +man zum Behuf des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen +angewiesen wird, es der Fall ist, dass von ihnen es sich erst +hinterher an den Beweisen ergiebt, dass man wohlgethan habe, gerade +diese Linien zu ziehen, und dann in den Beweisen selbst, mit der +Vergleichung dieser Linien oder Winkel anzufangen; fuer sich an diesem +Linienziehen oder Vergleichen begreift es sich nicht. So ist vorhin +der Grund, warum in der reinen Wissenschaft vom reinen Seyn +angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst angegeben worden. Diess +reine Seyn ist die Einheit, in die das reine Wissen zurueckgeht, oder +wenn dieses selbst noch als Form von seiner Einheit unterschieden +gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt desselben. Diess ist +die Seite, nach welcher diess reine Seyn, diess Absolut-Unmittelbare, +ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muss ebenso wesentlich nur +in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu seyn, genommen werden, +eben weil es hier als der Anfang ist. Insofern es nicht diese reinen +Unbestimmtheit, insofern es bestimmt waere, wuerde es als Vermitteltes, +schon weiter Gefuehrtes, genommen; ein Bestimmtes enthaelt ein Anderes +zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur des Anfangs selbst, dass +er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf daher keiner sonstigen +Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen, noch +anderweitiger Reflexionen und Anknuepfungspunkte. + +Dass der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich +auch keine naehere Bestimmung oder ein positiver Inhalt fuer denselben +genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die +Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend +eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen +giebt nur diese negative Bestimmung, dass er der abstrakte Anfang seyn +soll. Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen +wird, so hat dieses von seinem Inhalte zurueckzutreten, ihn fuer sich +selbst gewaehren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.--Oder indem +das reine Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen, +auf seiner hoechsten Spitze der Einigung mit dem Objekte, +zusammengefallen, so ist das Wissen in diese Einheit verschwunden, +und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine Bestimmung fuer +sich uebrig gelassen.--Auch sonst ist nicht Etwas, oder irgend ein +Inhalt vorhanden, der gebracht werden koennte, um damit den +bestimmteren Anfang zu machen. + +Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns +koennte weggelassen werden, so dass nur gefordert wuerde, dass ein reiner +Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang +selbst, und es waere zu sehen, was er ist.--Diese Stellung koennte +zugleich als ein Vorschlag zur Guete an diejenigen gemacht werden, +welche Theils damit, dass mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen +Reflexionen es sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem +Erfolge, den das Seyn hat, in das Nichts ueberzugehn,--Theils +ueberhaupt nicht anders wissen, als dass in einer Wissenschaft mit der +Voraussetzung einer Vorstellung angefangen werde,--einer Vorstellung, +welche hierauf analysirt werde, so dass nun das Ergebniss solcher +Analyse den ersten bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe. +Indem wir auch diess Verfahren beobachteten, so haetten wir keinen +besondern Gegenstand, weil der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt, +ganz allgemein, ganz Form ohne allen Inhalt seyn soll; wir haetten +somit gar nichts, als die Vorstellung von einem blossen Anfang als +solchem. Es ist also nur zu sehen, was wir in dieser Vorstellung +haben. + +Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht +das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll; +das Seyn ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthaelt +also Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts; +--oder ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich +Nichtseyn ist. + +Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden; +denn er weisst auf etwas Anderes hin;--er ist ein Nichtseyn, das auf +das Seyn als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch +nicht; es geht erst dem Seyn zu. Der Anfang enthaelt also das Seyn +als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt, +als ein ihm Entgegengesetztes. + +Ferner aber ist das, was anfaengt, schon, eben so sehr aber ist es +auch noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also +in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre +ununterschiedene Einheit. + +Die Analyse des Anfangs gaebe somit den Begriff der Einheit des Seyns +und des Nichtseyns,--oder in reflektirterer Form, der Einheit des +Unterschieden--und des Nichtunterschiedenseyns,--oder der Identitaet +der Identitaet und Nichtidentitaet. Dieser Begriff koennte als die +erste, reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen +werden;--wie er diess in der That seyn wuerde, wenn es ueberhaupt um die +Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun waere. +In diesem Sinne wuerden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so +alle weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und +reichere Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit +dem Seyn als Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts +uebergeht, und daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, moegen +zusehen, ob sie mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des +Anfangs anfaengt, und mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird, +aber gleichfalls auf die Einheit des Seyns und Nichts fuehrt, +zufriedener seyn moegen, als damit, dass das Seyn zum Anfange gemacht +wird. + +Es ist aber noch einen weitere Betrachtung ueber dieses Verfahren zu +machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt +voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren +worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise +an, dass jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin +ungefaehr dieselben Bestimmungen finden moege, die sie durch Analyse, +Vergleichung und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther +beibringen und angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht, +muss gleichfalls ein sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes, +somit in sich mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung, +die es in sich ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit +als etwas Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie +ist nur Beziehung als von Unterschiedenen, enthaelt somit die +Vermittelung in sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufaelligkeit und +Willkuer der Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche +Bestimmungen herausgebracht werden, haengt von dem ab, was jeder in +seiner unmittelbaren zufaelligen Vorstellung vorfindet. Die in einem +Konkreten, einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine +nothwendige nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die +eigenen Bewegung der Momente, in diese Einheit zurueck zu gehen, +hervorgebracht ist;--eine Bewegung, die das Gegentheil des +analytischen Verfahrens ist, eines der Sache selbst aeusserlichen, in +das Subjekt fallenden Thuns. + +Hierin ist auch das Naehere enthalten, dass das, womit der Anfang zu +machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das +eine Beziehung innerhalb seiner selbst enthaelt. Denn ein solches +setzt ein Vermitteln und Heruebergehen von einem Ersten zu einem +Anderen innerhalb seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete +das Resultat waere. Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein +Erstes und ein Anders seyn; ein solches das ein Erstes und ein +Anderes in sich ist, enthaelt bereits ein Fortgegangenseyn. Was den +Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares, +in seiner einfachen unerfuellten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als +das ganz Leere zu nehmen. + +Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs +ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen +werden, sondern geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als +jenes leere Seyn; denn was die Sache sey, diess ist es, was sich eben +erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als +bekannt vorausgesetzt werden kann. + +Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben, +als das leere Seyn, so leidet er an den angefuehrten Maengeln. +Diejenigen, welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, moegen sich +zu der Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese +Maengel zu vermeiden. + +Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwaehnt +gelassen werden, der sich in neuerer Zeit beruehmt gemacht hat, der +Anfang mit dem Ich. Er kam Theils aus der Reflexion, dass aus dem +ersten Wahren alles Folgende abgeleitet werden muesse, Theils aus dem +Beduerfnisse, dass das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein +unmittelbar Gewisses sey. Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht +eine solche Vorstellung, die zufaellig ist, und in einem Subjekte so, +in einem andern anders, beschaffen seyn kann. Denn Ich, diess +unmittelbare Selbstbewusstseyn, erscheint zunaechst selbst Theils als +ein Unmittelbares, Theils als ein in einem viel hoehern Sinne +Bekanntes, als eine sonstige Vorstellung; etwas sonst Bekanntes +gehoert zwar dem Ich an, aber ist noch ein von ihm unterschiedener, +damit sogleich zufaelliger Inhalt; Ich hingegen ist die einfache +Gewissheit seiner selbst. Aber Ich ueberhaupt ist auch zugleich ein +Konkretes, oder Ich ist vielmehr das Konkreteste,--das Bewusstseyn +seiner, als unendlich mannigfaltiger Welt. Dass Ich Anfang und Grund +der Philosophie sey, dazu wird die Absonderung dieses Konkreten +erfordert,--der absolute Akt, wodurch Ich von sich selbst gereinigt +wird, und als abstraktes Ich in sein Bewusstseyn tritt. Allein diess +reine Ich ist nun nicht ein unmittelbares, noch das bekannte, das +gewoehnliche Ich unsers Bewusstseyns, woran unmittelbar und fuer jede +die Wissenschaft angeknuepft werden sollte. Jener Akt waere eigentlich +nichts Anderes, als die Erhebung auf den Standpunkt des reinen +Wissens, auf welchem der Unterschied des Subjektiven und Objektiven +verschwunden ist. Aber wie diese Erhebung so unmittelbar gefordert +ist, ist sie ein subjektives Postulat; um als wahrhafte Forderung +sich zu erweisen, muesste die Fortbewegung des konkreten Ichs vom +unmittelbaren Bewusstseyn zum reinen Wissen an ihm selbst, durch seine +eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und dargestellt worden seyn. Ohne +diese objektive Bewegung erscheint das reine Wissen, auch als die +intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein willkuerlicher Standpunkt, +oder selbst als einer der empirischen Zustaende des Bewusstseyns, in +Ruecksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn der Eine in sich vorfinde +oder hervorbringen koenne, ein Anderer aber nicht. Insofern aber diess +reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn muss, und das reine Wissen +aber nur durch den absoluten Akt der Selbsterhebung im individuellen +Bewusstseyn gesetzt wird, und nicht unmittelbar in ihm vorhanden ist, +geht gerade der Vortheil verloren, der aus diesem Anfange der +Philosophie entspringen soll, dass er naemlich etwas schlechthin +Bekanntes sey, was jeder unmittelbar in sich finde, und daran die +weitere Reflexion anknuepfen koenne; jenes reine Ich ist vielmehr in +seiner abstrakten Wesenheit, etwas dem gewoehnlichen Bewusstseyn +Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet. Damit tritt +vielmehr der Nachtheil der Taeuschung ein, dass von etwas Bekanntem, +dem Ich des empirischen Selbstbewusstseyns die Rede seyn solle, indem +in der That von etwas diesem Bewusstseyn Fernem die Rede ist. Die +Bestimmung des reinen Wissens als Ich, fuehrt die fortdauernde +Rueckerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen Schranken +vergessen werden sollen, und erhaelt die Vorstellung gegenwaertig, als +ob die Saetze und Verhaeltnisse, die sich in der weitern Entwickelung +vom Ich ergeben, im gewoehnlichen Bewusstseyn, da es ja das sey, von +dem sie behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden +koennen. Diese Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit +vielmehr nur eine um so grellere Verwirrung und gaenzliche +Desorientirung hervor; nach Aussen hat sie vollends die groebsten +Missverstaendnisse veranlasst. + +Was ferner die subjektive Bestimmtheit des Ich ueberhaupt betrifft, so +benimmt wohl das reine Wissen dem Ich seine beschraenkte Bedeutung, an +einem Objekte seinen unueberwindlichen Gegensatz zu haben. Aus diesem +Grunde waere es aber wenigstens ueberfluessig, noch diese subjektive +Haltung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten. +Allein diese Bestimmung fuehrt nicht nur jene stoerende Zweideutigkeit +mit sich, sondern sie bleibt auch, naeher betrachtet, ein subjektives +Ich. Die wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich +ausgeht, zeigt es, dass das Objekt darin die perennirende Bestimmung +eines Anderen fuer das Ich hat und behaelt, dass also das Ich, von dem +ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des +Bewusstseyns in Wahrheit ueberwunden hat, sondern noch in der +Erscheinung befangen ist. + +Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, dass wenn an +sich wohl Ich als das reinen Wissen oder als intellektuelle +Anschauung bestimmt und als Anfang behauptet werden koennte, dass es in +der Wissenschaft nicht um das zu thun ist, was an sich oder innerlich +vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und +um die Bestimmtheit, die ein solches in diesem Daseyn hat. Was aber +von der intellektuellen Anschauung--oder wenn ihr Gegenstand das +Ewige, das Goettliche, das Absolute genannt wird,--was vom Ewigen oder +Absoluten im Anfange der Wissenschaft da ist, diess kann nichts +Anderes seyn, als erste, unmittelbare, einfache Bestimmung. Welcher +reichere Name ihm gegeben werde, als das blosse Seyn ausdrueckt, so +kann nur in Betracht kommen, wie solches Absolute in das denkende +Wissen und in das Aussprechen dieses Wissens eintritt. Die +intellektuelle Anschauung ist wohl die gewaltsame Zurueckweisung des +Vermittelns und der beweisenden, aeusserlichen Reflexion. Was sie aber +mehr ausspricht, als einfache Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein +in sich verschiedene Bestimmungen Enthaltendes. Das Aussprechen und +die Darstellung eines solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine +vermittelnde Bewegung, die von einer der Bestimmungen anfaengt, und zu +der anderen fortgeht, wenn diese auch zur ersten zurueckgeht;--es ist +eine Bewegung, die zugleich nicht willkuerlich oder assertorisch seyn +darf. Von was daher in solcher Darstellung angefangen wird, ist +nicht das Konkrete selbst, sondern nur das einfache Unmittelbare, von +dem die Bewegung ausgeht. Ausserdem fehlt, wenn ein Konkretes zum +Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen die Verbindung der im +Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf. + +Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das +unbestrittenste Recht haette Gott, dass mit ihm der Anfang gemacht +werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im +reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes, +nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so +reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst +hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als +der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im +Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem +Anderen. Was somit ueber das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn +soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott, +diess ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; diess Einfache, +das sonst keine weitere Bedeutung hat, diess Leere ist also +schlechthin der Anfang der Philosophie. + +Diese Einsicht ist selbst so einfach, dass dieser Anfang als solcher, +keiner Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese +Vorlaeufigkeit von Raisonnement ueber ihn konnte nicht die Absicht +haben, ihn herbeizufuehren, als vielmehr alle Vorlaeufigkeit zu +entfernen. + + + +Allgemeine Eintheilung des Seyns + +Das Seyn ist zuerst gegen Anderes ueberhaupt bestimmt; + +Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend; + +Drittens, indem diese Vorlaeufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist, +ist es die abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es +der Anfang seyn muss. + +Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab, +indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalitaet nur als +Eine Sphaere des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere +Sphaere gegenueberstellt. + +Nach der zweiten ist es die Sphaere, innerhalb welcher die +Bestimmungen und die ganze Bewegung seiner Reflexion faellt. Das Seyn +wird sich darin in den drei Bestimmungen setzen: + +I. als Bestimmtheit; als solche, Qualitaet; + +II. als aufgehobene Bestimmtheit; Groesse, Quantitaet; + +III. als qualitativ bestimmte Quantitaet; Maass. + +Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen +Eintheilungen ueberhaupt erinnert worden, eine vorlaeufige Anfuehrung; +ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu +entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen. Ueber +die Abweichung dieser Eintheilung von der gewoehnlichen Auffuehrung der +Kategorien, naemlich als Quantitaet, Qualitaet, Relation und Modalitaet, +was uebrigens bei Kant nur die Titel fuer seine Kategorien seyn sollen, +in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,--ist +hier nichts zu erinnern, da die ganze Ausfuehrung das ueberhaupt von +der gewoehnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende +zeigen wird. + +Nur diess kann etwa bemerkt werden, dass sonst die Bestimmung der +Quantitaet von der Qualitaet aufgefuehrt wird,--und diess--wie das +Meiste--ohne weiteren Grund. Es ist bereits gezeigt worden, dass der +Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem +qualitativen Seyn. Aus der Vergleichung der Qualitaet mit der +Quantitaet erhellt leicht, dass jene die der Natur nach erste ist. +Denn die Quantitaet ist die schon negativ gewordenen Qualitaet; die +Groesse ist die Bestimmtheit, die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern +schon von ihm unterschieden, die aufgehobene, gleichgueltig gewordenen +Qualitaet ist. Sie schliesst die Veraenderlichkeit des Seyns ein, ohne +dass die Sache selbst, das Seyn, dessen Bestimmung sie ist, durch sie +veraendert werde; da hingegen die qualitative Bestimmtheit mit ihrem +Seyn Eins ist, nicht darueber hinausgeht, noch innerhalb desselben +steht, sondern dessen unmittelbare Beschraenktheit ist. Die Qualitaet +ist daher, als die unmittelbare Bestimmtheit die erste und mit ihr +der Anfang zu machen. + +Das Maass ist eine Relation, aber nicht die Relation ueberhaupt, +sondern bestimmt der Qualitaet und Quantitaet zu einander; die +Kategorien, die Kant unter der Relation befasst, werden ganz +anderwaerts ihre Stelle nehmen. Das Maass kann auch fuer eine Modalitaet, +wenn man will, angesehen werden; aber indem bei Kant diese nicht +mehr eine Bestimmung des Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung +desselben auf das Denken, auf das Subjektive, angehen soll, so ist +diess eine ganz heterogene, hierher nicht gehoerige Beziehung. + +Die dritte Bestimmung des Seyns faellt innerhalb des Abschnittes, der +Qualitaet, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer +einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphaere +herabsetzt. + + + + +Erster Abschnitt. Bestimmtheit (Qualitaet). + +Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der +Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb +seiner selbst erhalten kann. Diess reflexionslose Seyn ist das Seyn, +wie es unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist, +ist es qualitaetsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der +Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative +zu. Dem Seyn ueberhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches +gegenueber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine +Qualitaet aus. Es wird sich daher zeigen, dass das erste Seyn, an sich +bestimmtes, und hiermit + +Zweitens, dass es in das Daseyn uebergeht, Daseyn ist, dass aber dieses +als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des +Seyns auf sich selbst, + +Drittens in das Fuersichseyn uebergeht. + + + +Erstes Kapitel + + +A. Seyn. + +Seyn, reines Seyn,--ohne alle weitere Bestimmung. In seiner +unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch +nicht ungleich gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb +seiner, noch nach Aussen. Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt, +der in ihm unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem +Anderen gesetzt wuerde, wuerde es nicht in seiner Reinheit festgehalten. +Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere.--Es ist nichts in ihm +anzuschauen, wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es +ist nur diess reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig +etwas in ihm zu denken, oder es ist ebenso nur diess leere Denken. +Das Seyn, das unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und +nicht mehr noch weniger als Nichts. + +B. Nichts. + +Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst, +vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit; +Ununterschiedenheit in ihm selbst.--Insofern Anschauen oder Denken +hier erwaehnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas +oder nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts Anschauen oder +Denken hat also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist +(existirt) Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist +es das leere Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere +Anschauen oder Denken, als das reine Seyn.--Nichts ist somit dieselbe +Bestimmung oder vielmehr Bestimmungslosigkeit, und damit ueberhaupt +dasselbe, was das reine Seyn ist. + +C. Werden. + +1. Einheit des Seyns und Nichts. + +Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die +Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern dass das +Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn,--nicht uebergeht,--sondern +uebergegangen ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre +Ununterschiedenheit, sondern dass sie nicht dasselbe, dass sie absolut +unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und +unmittelbar jedes in seinem Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit +ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in +dem andern; das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, +aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgeloest +hat. + +Anmerkung 1. + +Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist +schon ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas +unterscheidet; so ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts, +das Nichts von irgend Etwas, ein bestimmtes Nichts. + +Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen. +--Wollte man es fuer richtiger halten, dass statt des Nichts dem Seyn +das Nichtseyn entgegengesetzt wuerde, so waere in Ruecksicht auf das +Resultat nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung +auf das Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation +desselben, in Einem ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist. +Aber es ist zunaechst nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i. +zugleich der Beziehung zu thun, sondern um die abstrakte, +unmittelbare Negation, das Nichts rein fuer sich, die beziehungslose +Verneinung,--was man, wenn man will, auch durch das blosse: Nicht +ausdruecken koennte. + +Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst, +vorzueglich Parmenides als das Absolute und als einzige Wahrheit, und +in den uebergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen +Begeisterung des Denkens, das zum ersten Male sich in seiner +absoluten Abstraktion erfasst, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und +das Nichts ist gar nicht.--In orientalischen Systemen, wesentlich im +Buddaismus ist bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute +Princip.--Der tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und +einseitige Abstraktion den hoeheren totalen Begriff des Werdens hervor, +und sagte: das Seyn ist so wenig, als das Nichts, oder auch Alles +fliesst, das heisst, Alles ist Werden.--Die populaeren, besonders +orientalischen Sprueche, dass alles, was ist, den Keim seines Vergehens +in seiner Geburt selbst habe, der Tod umgekehrt der Eingang in neues +Leben sey, druecken im Grunde dieselbe Einigung des Seyns und Nichts +aus. Aber diese Ausdruecke haben ein Substrat, an dem der Uebergang +geschieht; Seyn und Nichts werden in der Zeit auseinander gehalten, +als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht aber in ihrer Abstraktion +gedacht, und daher auch nicht so, dass sie an und fuer sich dasselbe +sind. + +Ex nihilo nihil fit--ist einer der Saetze, denen in der Metaphysik +grosse Bedeutung zugeschrieben wurde. Es ist darin entweder nur die +gehaltlose Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das +Werden wirkliche Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem +nur Nichts aus Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden, +denn Nichts bleibt darin Nichts. Das Werden enthaelt, dass Nichts +nicht Nichts bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn uebergehe. +--Wenn die spaetere vornehmlich christliche Metaphysik den Satz, aus +Nichts werde Nichts, verwarf, so behauptete sie einen Uebergang von +Nichts in Seyn; so synthetisch oder bloss vorstellend sie auch diesen +Satz nahm, so ist doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein +Punkt enthalten, worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre +Unterschiedenheit verschwindet.--Seine eigentliche Wichtigkeit hat +der Satz: Aus Nichts wird Nichts, Nichts ist eben Nichts, durch +seinen Gegensatz gegen das Werden ueberhaupt und damit auch gegen die +Erschaffung der Welt aus Nichts. Diejenigen, welche den Satz: Nichts +ist eben Nichts, sogar sich dafuer ereifernd, behaupten, sind +bewusstlos darueber, dass sie damit dem abstrakten Pantheismus der +Eleaten, der Sache nach auch dem spinozistischen, beipflichten. Die +philosophische Ansicht, welcher: Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur +Nichts, als Princip gilt, verdient den Namen Identitaetssystem; diese +abstrakte Identitaet ist das Wesen des Pantheismus. + +Wenn das Resultat, dass Seyn und Nichts dasselbe ist, fuer sich +auffaellt oder paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten; +es waere sich vielmehr ueber jene Verwunderung zu verwundern, die sich +so neu in der Philosophie zeigt und vergisst, dass in dieser +Wissenschaft ganz andere Bestimmungen vorkommen, als im gewoehnlichen +Bewusstseyn und im sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht +gerade der gesunde, sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem +Glauben oder vielmehr Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete +Verstand ist. Es waere nicht schwer, diese Einheit von Seyn und +Nichts, in jedem Beispiele, in jedem Wirklichen oder Gedanken +aufzuzeigen. Es muss dasselbe, was oben von der Unmittelbarkeit und +Vermittelung, (welche letztere eine Beziehung aufeinander, damit +Negation enthaelt), vom Seyn und Nichts gesagt werden, dass es nirgend +im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was nicht beides Seyn und Nichts +in sich enthielte. Freilich da hierbei von einem irgend Etwas und +Wirklichem die Rede wird, so sind darin jene Bestimmungen nicht mehr +in der vollkommenen Unwahrheit, in der sie als Seyn und Nichts sind, +vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung, und werden z.B. als +Positives und Negatives aufgefasst, jenes das gesetzte, reflektirte +Seyn, dieses das gesetzte, reflektirte Nichts; aber Positives und +Negatives enthalten jenes das Seyn, dieses das Nichts als ihre +abstrakte Grundlage.--So in Gott selbst enthaelt die Qualitaet, +Thaetigkeit, Schoepfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung des +Negativen,--sie sind ein Hervorbringen eines Anderen. Aber eine +empirische Erlaeuterung von jener Behauptung durch Beispiele waere hier +ganz und gar ueberfluessig. Da nunmehr diese Einheit von Seyn und +Nichts als erste Wahrheit ein fuer allemal zu Grunde liegt, und das +Element von allem Folgenden ausmacht, so sind ausser dem Werden selbst, +alle ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualitaet, ueberhaupt +alle Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit.--Aber der +sich so nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den +Versuch hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns +und Nichts verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin +eins vom andern (Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche, +Gott, wie so eben erwaehnt, von Thaetigkeit) getrennt zu finden sey. +Nur die leeren Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese +Getrennte, und sie sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit +beider, die allenthalben vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen +werden. + +Man kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche +sich das gewoehnliche Bewusstseyn bei einem solchen logischen Satze +versetzt, nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind +unerschoepflich. Es koennen nur einige erwaehnt werden. Ein Grund +solcher Verwirrung ist unter andern, dass das Bewusstseyn zu solchem +abstrakten logischen Satze Vorstellungen von einem konkreten Etwas +mitbringt und vergisst, dass von einem solchen nicht die Rede ist, +sondern nur von den reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts, und +dass diese allein festzuhalten sind. + +Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es dasselbe, ob ich bin +oder nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert +Thaler in meinem Vermoegenszustand sind oder nicht.--Dieser Schluss +oder Anwendung jenes Satzes veraendert dessen Sinn vollkommen. Der +Satz enthaelt die reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts; die +Anwendung aber macht ein bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus. +Allein vom bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede. +Ein bestimmtes, ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf +anderes bezieht; es ist ein Inhalt, der im Verhaeltnisse der +Nothwendigkeit mit anderem Inhalte, mit der ganzen Welt, steht. In +Ruecksicht des wechselbestimmenden Zusammenhangs des Ganzen konnte die +Metaphysik die--im Grunde tautologische--Behauptung machen, dass wenn +ein Staeubchen zerstoert wuerde, das ganze Universum zusammenstuerzte. +In den Instanzen, die gegen den in Rede stehenden Satz gemacht werden, +erscheint etwas als nicht gleichgueltig, ob es sey oder nicht sey, +nicht um des Seyns oder Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts +willen, der es mit anderem zusammenhaengt. Wenn ein bestimmter Inhalt, +irgend ein bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist diess Daseyn, +weil es bestimmtes ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen +Inhalt; es ist fuer dasselbe nicht gleichgueltig, ob ein gewisser +anderer Inhalt, mit dem es in Beziehung steht, ist oder nicht ist; +denn nur durch solche Beziehung ist es wesentlich das, was es ist. +Dasselbe ist der Fall in dem Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in +dem bestimmteren Sinne des Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen), +in dessen Zusammenhange das Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts, +der als bestimmt mit anderem in Beziehung vorgestellt wird, nicht +gleichgueltig ist.--Diese Betrachtung enthaelt dasselbe, was ein +Hauptmoment in der Kantischen Kritik des ontologischen Beweises vom +Daseyn Gottes ausmacht, auf welche jedoch hier nur im Betreff des in +ihr vorkommenden Unterschieds von Seyn und Nichts ueberhaupt und von +bestimmtem Seyn oder Nichtseyn Ruecksicht genommen wird.--Bekanntlich +wurde in jenem sogenannten Beweise der Begriff eines Wesens +vorausgesetzt, dem alle Realitaeten zukommen, somit auch die Existenz, +die gleichfalls als eine der Realitaeten angenommen wurde. Die +Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran, dass die Existenz oder +das Seyn (was hier fuer gleichbedeutend gilt) keine Eigenschaft oder +kein reales Praedikat sey, das heisse, nicht ein Begriff von etwas, was +zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen koenne.Kants Kritik der r. +Vern. 2te Aufl. S. 628ff.--Kant will damit sagen, dass Seyn keine +Inhaltsbestimmung sey.--Also enthalte, faehrt er fort, das Moegliche +nicht mehr als das Wirkliche; hundert wirkliche Thaler enthalten +nicht das Mindeste mehr, als hundert moegliche;--naemlich jene haben +keine andere Inhaltsbestimmung als diese. Fuer diesen als isolirt +betrachteten Inhalt ist es in der That gleichgueltig, zu seyn oder +nicht zu seyn; es liegt in ihm kein Unterschied des Seyns oder +Nichtseyns, dieser Unterschied beruehrt ihn ueberhaupt gar nicht; die +hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie nicht sind, und nicht +mehr, wenn sie sind. Ein Unterschied muss erst anderswoher kommen. +--"Hingegen, erinnert Kant, in meinem Vermoegenszustande ist mehr bei +hundert wirklichen Thalern, als bei dem blossen Begriff derselben, +oder bei ihrer Moeglichkeit. Denn der Gegenstand ist bei der +Wirklichkeit nicht bloss in meinem Begriff analytisch enthalten, +sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine Bestimmung meines +Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne dass durch dieses Seyn ausser +meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler selbst im mindesten +vermehrt wuerden." + +Es werden hier zweierlei Zustaende, um bei den Kantischen Ausdruecken, +die nicht ohne verworrene Schwerfaelligkeit sind, zu bleiben, +vorausgesetzt, der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die +Vorstellung zu verstehen ist, und ein anderer, der Vermoegenszustand. +Fuer den einen wie fuer den andern, das Vermoegen wie das Vorstellen, +sind hundert Thaler eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem +solchen, wie Kant sich ausdrueckt, synthetisch hinzu;" Ich als +Besitzer von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder +auch ich als mir hundert Thaler vorstellend, oder sie nicht +vorstellend, ist allerdings ein verschiedener Inhalt. Allgemeiner +gefasst: Die Abstraktionen von Seyn und Nichts hoeren beide auf, +Abstraktionen zu seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten; +Seyn ist dann Realitaet, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts +Negation, das bestimmte Nichtseyn von denselben. Diese +Inhaltsbestimmtheit selbst, die hundert Thaler, auch abstrakt fuer +sich gefasst, ist in dem einen unveraendert dasselbe, was in dem andern. +Indem aber ferner das Seyn als Vermoegens-Zustand genommen wird, +treten die hundert Thaler in Beziehung zu einem Zustand, und fuer +diesen ist solche Bestimmtheit, die sie sind, nicht gleichgueltig; ihr +Seyn oder Nichtseyn ist nur Veraenderung; sie sind in die Sphaere des +Daseyns versetzt. Wenn daher gegen die Einheit des Seyns und Nichts +urgirt wird, es sey doch nicht gleichgueltig, ob diess und jenes (die +Thaler) sey oder nicht sey, so ist es eine Taeuschung, dass wir den +Unterschied bloss aufs Seyn und Nichtseyn hinausschieben, ob ich die +hundert Thaler habe oder nicht habe--eine Taeuschung, die wie gezeigt, +auf der einseitigen Abstraktion beruht, welche das bestimmte Daseyn, +das in solchen Beispielen vorhanden ist, weglaesst und bloss das Seyn +und Nichtseyn festhaelt; wie sie umgekehrt das abstrakte Seyn und +Nichts, das aufgefasst werden soll, in ein bestimmtes Seyn und Nichts, +in ein Daseyn, verwandelt. Erst das Daseyn enthaelt den realen +Unterschied von Seyn und Nichts, naemlich ein Etwas und ein Anderes. +--Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt des +abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten +Unterschiede. + +Wie Kant sich ausdrueckt, so kommt "durch die Existenz etwas in den +Kontext der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen +Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem +Gegenstande wird dadurch nicht vermehrt." + +Diess heisst, wie aus dem Erlaeuterten hervorgeht, so viel, durch die +Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es +in dem Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem +Wahrnehmenden.--"Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde +nicht durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heisst hier die +vorhin bemerkten isolirt vorgestellten hundert Thaler. In dieser +isolirten Weise sind sie zwar ein empirischer Inhalt, aber +abgeschnitten, ohne Zusammenhang und Bestimmtheit gegen Anderes; die +Form der Identitaet mit sich benimmt ihnen die Beziehung auf anderes +und macht sie gleichgueltig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht. +Aber dieser sogenannte Begriff der hundert Thaler ist ein falscher +Begriff, die Form der einfachen Beziehung auf sich gehoert solchem +begraenzten, endlichen Inhalt nicht selbst; es ist eine ihm vom +subjektiven Verstande angethane und geliehene Form; hundert Thaler +sind nicht ein sich auf sich Beziehendes, sondern ein Veraenderliches +und Vergaengliches. + +Das Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn, +vorschwebt, ist zu dem erwaehnten Anfange der Wissenschaft zurueck zu +weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit +auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn +als solchen, gelaeutert und erhoben, und damit das Element der +Wissenschaft erschaffen hat.--Was das Erste in der Wissenschaft ist, +hat sich muessen geschichtlich als das Erste zeigen. Und das +Eleatische Eine oder Seyn haben wir fuer das Erste des Wissens vom +Gedanken anzusehen; das Wasser und dergleichen materielle Principien +sollen wohl das Allgemeine seyn, aber sind als Materien nicht reine +Gedanken; die Zahlen sind weder der erste einfache noch der bei sich +bleibende, sondern der sich selbst ganz aeusserliche Gedanke. + +Die Zurueckweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen +in seiner ganz abstrakten Allgemeinheit ist wie als die allererste +theoretische so auch sogar praktische Forderung anzusehen. Wenn +naemlich ein Aufhebens von den hundert Thalern gemacht wird, dass es in +meinem Vermoegenszustand einen Unterschied mache, ob ich sie habe oder +nicht, noch mehr ob Ich sey oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so +kann--ohne zu erwaehnen, dass es Vermoegenszustaende geben wird, fuer die +solcher Besitz von hundert Thalern gleichgueltig seyn wird,--daran +erinnert werden, dass der Mensch sich zu dieser abstrakten +Allgemeinheit in seiner Gesinnung erheben soll, in welcher es ihm in +der That gleichgueltig sey, ob die hundert Thaler, sie moegen ein +quantitatives Verhaeltniss zu seinem Vermoegenszustand haben, welches +sie wollen, seyen oder ob sie nicht seyen, ebenso sehr als es ihm +gleichgueltig sey, ob er sey oder nicht, d. i. im endlichen Leben sey +oder nicht (denn ein Zustand, bestimmtes Seyn ist gemeint) u.s.f. +--selbst si fractus illabatur orbis, impavidum ferient ruinae, hat +ein Roemer gesagt, und der Christ soll sich noch mehr in dieser +Gleichgueltigkeit befinden. + +Es ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die +Erhebung ueber die hundert Thaler und die endlichen Dinge ueberhaupt +mit dem ontologischen Beweise und der angefuehrten kantischen Kritik +desselben steht. Diese Kritik hat sich durch ihr populaeres Beispiel +allgemein plausibel gemacht; wer weiss nicht, dass hundert wirkliche +Thaler verschieden sind von hundert bloss moeglichen Thalern? dass sie +einen Unterschied in meinem Vermoegenszustand ausmachen? Weil sich so +an den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der +Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Moeglichkeit, und das +Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von +seinem Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Moeglichkeit der +hundert Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig +kann ich aus dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus +diesem Herausklauben aber der Existenz Gottes aus seinem Begriffe +soll der ontologische Beweis bestehen. Wenn es nun allerdings seine +Richtigkeit hat, dass Begriff vom Seyn verschieden ist, so ist noch +mehr Gott verschieden von den hundert Thalern und den anderen +endlichen Dingen. Es ist die Definition der endlichen Dinge, dass in +ihnen Begriff und Seyn verschieden, Begriff und Realitaet, Seele und +Leib, trennbar, sie damit vergaenglich und sterblich sind; die +abstrakte Definition Gottes ist dagegen eben diess, dass sein Begriff +und sein Seyn ungetrennt und untrennbar sind. Die wahrhafte Kritik +der Kategorien und der Vernunft ist gerade diese, das Erkennen ueber +diesen Unterschied zu verstaendigen und dasselbe abzuhalten, die +Bestimmungen und Verhaeltnisse des Endlichen auf Gott anzuwenden. + +Anmerkung 2. + +Es ist weiter ein anderer Grund anzufuehren, welcher zu dem +Widerwillen gegen den Satz ueber Seyn und Nichts behuelflich ist; +dieser Grund ist, dass der Ausdruck des Resultats, das sich aus der +Betrachtung des Seyns und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn +und Nichts ist eins und dasselbe, unvollkommen ist. Der Accent wird +vorzugsweise auf das Eins- und dasselbe-seyn gelegt, wie im Urtheile +ueberhaupt, als in welchem das Praedikat erst es aussagt, was das +Subjekt ist. Der Sinn scheint daher zu seyn, dass der Unterschied +gelaeugnet werde, der doch zugleich im Satze unmittelbar vorkommt; +denn er spricht die beiden Bestimmungen, Seyn und Nichts, aus, und +enthaelt sie als unterschiedene.--Es kann zugleich nicht gemeint seyn, +dass von ihnen abstrahirt und nur die Einheit festgehalten werden soll. +Dieser Sinn gaebe sich selbst fuer einseitig, da das, wovon +abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze vorhanden ist und genannt +wird.--Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts ist dasselbe, die +Identitaet dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der That ebenso sie +beide als unterschieden enthaelt, widerspricht er sich in sich selbst +und loest sich auf. Halten wir diess naeher fest, so ist also hier ein +Satz gesetzt, der naeher betrachtet, die Bewegung hat, durch sich +selbst zu verschwinden. Damit aber, geschieht an ihm selbst das, was +seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, naemlich das Werden. + +Der Satz enthaelt somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst. +Der Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der +Mangel, dass das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrueckt ist; es +ist eine aeussere Reflexion, welche es in ihm erkennt.--Es muss hierueber +sogleich im Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, dass +der Satz, in Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative +Wahrheiten auszudruecken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande waere +geeignet, viele Missverstaendnisse spekulativer Wahrheiten zu +beseitigen. Das Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen +Subjekt und Praedikat; es wird dabei davon abstrahirt, dass das Subjekt +noch mehrere Bestimmtheiten hat als die des Praedikats, so wie davon, +dass das Praedikat weiter ist als das Subjekt. Ist nun aber der Inhalt +spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und +Praedikats wesentliches Moment, aber diess ist im Urtheile nicht +ausgedrueckt. Das paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der +neueren Philosophie den mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten +erscheint, faellt vielfaeltig in die Form des einfachen Urtheils, wenn +sie fuer den Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird. + +Der Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudruecken, +zunaechst so ergaenzt, dass der entgegengesetzte Satz hinzugefuegt wird, +der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe, der oben gleichfalls +ausgesprochen ist. Allein so entsteht der weitere Mangel, dass diese +Saetze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der Antinomie +darstellen, waehrend doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe bezieht, +und die Bestimmungen, die in den zwei Saetzen ausgedrueckt sind, +schlechthin vereinigt seyn sollen,--eine Vereinigung, welche dann nur +als eine Unruhe zugleich unvertraeglicher, als eine Bewegung +ausgesprochen werden kann. Das gewoehnlichste Unrecht, welches +spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d. +i. den einen der Saetze nur, in die er aufgeloest werden kann, heraus +zu heben. Es kann dann nicht gelaeugnet werden, dass dieser Satz +behauptet wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn +wenn einmal Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so muesste +wenigstens ebenso sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben +werden.--Es ist hierbei noch das so zu sagen unglueckliche Wort: +Einheit besonders zu erwaehnen; die Einheit bezeichnet noch mehr als +die Identitaet eine subjektive Reflexion; sie wird vornehmlich als die +Beziehung genommen, welche aus der Vergleichung, der aeusserlichen +Reflexion, entspringt. Insofern diese in zwei verschiedenen +Gegenstaenden dasselbe findet, ist eine Einheit so vorhanden, dass +dabei die vollkommene Gleichgueltigkeit der Gegenstaende selbst, die +verglichen werden, gegen diese Einheit vorausgesetzt wird, so dass +diess Vergleichen und die Einheit die Gegenstaende selbst nichts angeht, +und ein ihnen aeusserliches Thun und Bestimmen ist. Die Einheit +drueckt daher die ganz abstrakte Dieselbigkeit aus, und lautet um so +haerter und auffallender, je mehr die, von denen sie ausgesprochen +wird, sich schlechthin unterschieden zeigen. Fuer Einheit wuerde daher +insofern besser nur Ungetrenntheit und Untrennbarkeit gesagt; aber +damit ist das Affirmative der Beziehung des Ganzen nicht ausgedrueckt. + +So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das +Werden, welches nicht bloss die einseitige oder abstrakte Einheit des +Seyns und Nichts ist. Sondern es besteht in dieser Bewegung, dass das +reine Seyn unmittelbar und einfach ist, dass es darum eben so sehr das +reine Nichts ist, dass der Unterschied derselben ist, aber eben so +sehr sich aufhebt und nicht ist. Das Resultat behauptet also den +Unterschied des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur +gemeinten. + +Man meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das +Nichts ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied, +und es scheint nichts leichter, als ihn angeben zu koennen. Es ist +aber eben so leicht, sich zu ueberzeugen, dass diess unmoeglich, dass er +unsagbar ist. Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts +beharren wollen, moegen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht. +Haette Seyn und Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich +unterschieden, so waeren sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und +bestimmtes Nichts, nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie +es hier noch sind. Ihr Unterschied ist daher voellig leer, jedes der +beiden ist auf gleiche Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht +an ihnen selbst, sondern nur in einem Dritten, im Meinen. Aber das +Meinen ist eine Form des Subjektiven, das nicht in diese Reihe der +Darstellung gehoert. Das Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr +Bestehen haben, muss auch hier vorkommen; und es ist vorgekommen, es +ist das Werden. In ihm sind sie als unterschiedene; Werden ist nur, +insofern sie unterschieden sind. Diess Dritte ist ein Anderes als sie; +--sie bestehen nur in einem Anderen, diess heisst gleichfalls, sie +bestehen nicht fuer sich. Das Werden ist das Bestehen des Seyns so +sehr als des Nichtseyns; oder ihr Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem; +gerade diess ihr Bestehen ist es, was ihren Unterschied eben so sehr +aufhebt. + +Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben, +schliesst auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist. +Die sich dagegen straeuben, das eine wie das andere nur als ein +Uebergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts diess +oder das behaupten, moegen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine +Definition vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, dass sie +richtig ist. Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft +genuegt zu haben, deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und +anwenden, sind alle jene Behauptungen ueber das Seyn und Nichts nur +Versicherungen, wissenschaftliche Ungueltigkeiten. Wenn man sonst +gesagt hat, die Existenz, insofern man diese zunaechst fuer +gleichbedeutend mit Seyn haelt, sey die Ergaenzung zur Moeglichkeit, so +ist damit eine andere Bestimmung, die Moeglichkeit, vorausgesetzt, das +Seyn nicht in seiner Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbststaendig, +als bedingt ausgesprochen. Fuer das Seyn, welches vermittelt ist, +werden wir den Ausdruck: Existenz, aufbehalten. Aber man stellt sich +wohl das Seyn vor--etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die +Klarheit ungetruebten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und +knuepft ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche +Verschiedenheit. In der That aber, wenn man auch diess Sehen sich +genauer vorstellt, so kann man leicht gewahr werden, dass man in der +absoluten Klarheit so viel und so wenig sieht, als in der absoluten +Finsterniss, dass das eine Sehen so gut als das andere, reines Sehen, +Sehen von Nichts ist. Reines Licht und reine Finsterniss sind zwei +Leeren, welche dasselbe sind. Erst in dem bestimmten Lichte--und das +Licht wird durch die Finsterniss bestimmt,--also im getruebten Lichte, +ebenso erst in der bestimmten Finsterniss,--und die Finsterniss wird +durch das Licht bestimmt,--in der erhellten Finsterniss kann etwas +unterschieden werden, weil erst das getruebte Licht und die erhellte +Finsterniss den Unterschied an ihnen selbst haben, und damit +bestimmtes Seyn, Daseyn, sind. + +Anmerkung 3. + +Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind, +ist von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie, +welches in seiner eigenthuemlichsten Form das Werden ist. +Uebergehen ist dasselbe als Werden, nur dass in jenem die beiden, +von deren Einem zum anderen uebergegangen wird, mehr als aussereinander +ruhend und das Uebergehen als zwischen ihnen geschehend vorgestellt +wird. Wo und Wie nun vom Seyn oder Nichts die Rede wird, muss dieses +Dritte vorhanden seyn; denn jene bestehen nicht fuer sich, sondern +sind nur im Werden, in diesem Dritten. Aber dieses Dritte hat +vielfache empirische Gestalten, welche von der Abstraktion bei Seite +gestellt oder vernachlaessigt werden, um jene ihre Produkte, das Seyn +und das Nichts, jedes fuer sich festzuhalten und sie gegen das +Uebergehen geschuetzt zu zeigen. Gegen solches einfaches Verhalten der +Abstraktion ist ebenso einfach nur an die empirische Existenz zu +erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur Etwas ist, ein Daseyn +hat. Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch welche die Trennung +der Untrennbaren fixirt werden soll. An solcher Bestimmung ist an +und fuer sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden, und ohne auf die +Natur der Sache zurueckzugehen und an diese zu appelliren, ist jene +Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu konfondiren, dass sie +genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes an ihr selbst +aufgezeigt wird. Es wuerde eine vergebliche Muehe seyn, alle Wendungen +und Einfaelle der Reflexion und ihres Raisonnements gleichsam +einfangen zu wollen, um ihr die Auswege und Abspruenge, womit sie sich +ihren Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und +unmoeglich zu machen. Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache +sich so nennende Einwuerfe und Widerlegungen, welche dagegen, dass +weder Seyn noch Nichts etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre +Wahrheit ist, aufgebracht worden sind, Ruecksicht zu nehmen; die +Gedanken-Bildung, die dazu gehoert, die Nichtigkeit jener +Widerlegungen einzusehen oder vielmehr solche Einfaelle sich selbst zu +vertreiben, wird nur durch die kritische Erkenntniss der +Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am ergiebigsten an +dergleichen Einwuerfen sind, fallen sogleich ueber die ersten Saetze mit +ihren Reflexionen her, ohne durch das weitere Studium der Logik sich +zum Bewusstseyn ueber die Natur dieser kruden Reflexionen zu verhelfen +oder verholfen zu haben. + +Es sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran +ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins +ausser dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so dass hiermit das +Uebergehen negirt ist. + +Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er +zugleich vom Nichts sagte, dass es gar nicht ist; nur das Seyn ist. +Das Seyn so ganz fuer sich ist das Unbestimmte, hat also keine +Beziehung auf Anderes; es scheint daher, dass von diesem Anfang aus +nicht weiter fortgegangen werden koenne, naemlich aus ihm selbst, und +ein Fortgang nur dadurch geschehen koenne, dass von Aussen etwas Fremdes +daran geknuepft wuerde. Der Fortgang, dass das Seyn dasselbe ist als +das Nichts, erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,--ein +Uebergehen, das fuer sich ist, und aeusserlich zu dem Seyn hinzutraete. +Seyn waere ueberhaupt nicht der absolute Anfang, wenn es eine +Bestimmtheit haette; alsdann haenge es von einem Andern ab, und waere +nicht unmittelbar, nicht der Anfang. Ist es aber unbestimmt, und +damit wahrer Anfang, so hat es auch nichts, wodurch es sich zu einem +anderen ueberleitet, es ist zugleich das Ende. Es kann ebenso wenig +etwas aus demselben hervorbrechen, als etwas in dasselbe einbrechen +kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll von dem Seyn oder der +absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu dem Negativen, +Endlichen. Wird nun dennoch fortgegangen, was wie bemerkt, von dem +beziehungs--hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf aeusserliche Weise +geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter, neuer Anfang. So +ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A = A Setzen; der +zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt, zum Theil +unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn. Es ist diess ein +Fortgehen der aeussern Reflexion, welches ebensowohl das, womit es als +einem Absoluten anfaengt, wieder verneint,--das Entgegensetzen ist die +Negation der ersten Identitaet,--als es sein zweites Unbedingtes +sogleich ausdruecklich zugleich zu einem Bedingten macht. Wenn aber +ueberhaupt eine Berechtigung waere, fortzugehen, d. i. den ersten +Anfang aufzuheben, so muesste es in diesem ersten selbst liegen, dass +ein Anderes sich darauf beziehen koennte; es muesste also ein Bestimmtes +seyn. Allein fuer ein solches giebt sich das Seyn oder auch die +absolute Substanz nicht aus; im Gegentheil. Es ist das Unmittelbare, +das noch schlechthin Unbestimmte. + +Die beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen ueber die +Unmoeglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer +Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner +Polemik gegen die kantische Synthesis des Selbstbewusstseyns a priori, +in seiner Abh. ueber das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu +Verstande zu bringen (Jac. Werke III. Bd.). Er stellt (S. 113) die +Aufgabe so, dass in einem Reinen, sey es des Bewusstseyns, des Raums +oder der Zeit, das Entstehen oder Hervorbringen einer Synthesis +aufgezeigt werde. "Der Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das +Bewusstseyn sey Eines;--sagt nun an, wie sich eines von diesen drei +Einen in ihm selbst rein vermannigfaltiget;--jedes ist nur Eines und +kein Anderes;--eine Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit! +ohne Derheit, Dieheit, Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der, +Die, Das noch im unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und +jedes Bestimmte auch erst hervorgehen soll! Was bringt in jene, drei +Unendlichkeiten, Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori +mit Zahl und Mass, und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges; +was bringt die reine Spontaneitaet (Ich) zur Oscillation? Wie kommt +sein reiner Vokal zum Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein +lautloses ununterbrochenes Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um +wenigstens eine Art von Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?"--Man +sieht, Jacobi hat sehr bestimmt das Unwesen der Abstraktion, es sey +nun sogenannter absoluter d. i. nur abstrakter Raum, oder ebensolche +Zeit, oder ebensolches reines Bewusstseyn, Ich, erkannt; er beharrt +darin zu dem Behuf, die Unmoeglichkeit eines Fortgangs zu Anderem, der +Bedingung einer Synthesis, und zur Synthesis selbst zu behaupten. +Die Synthesis, welche das Interesse ausmacht, muss nicht als eine +Verknuepfung von aeusserlich schon vorhandenen Bestimmungen genommen +werden,--Theils ist es selbst um die Erzeugung eines Zweiten zu einem +Ersten, eines Bestimmten zum unbestimmten Anfaenglichen zu thun; +Theils aber um die immanente Synthesis, Synthesis a priori,--an und +fuer sich seyende Einheit des Unterschiedenen. Werden ist diese +immanente Synthesis des Seyns und Nichts; aber weil der Synthesis der +Sinn von einem aeusserlichen Zusammenbringen aeusserlich gegeneinander +Vorhandener am naechsten liegt, ist mit Recht der Name Synthesis, +synthetische Einheit ausser Gebrauch gesetzt worden.--Jacobi fragt, +wie kommt der reine Vokal des Ich zum Mitlauter, was bringt +Bestimmtheit in die Unbestimmtheit--das was? waere leicht beantwortet, +und von Kant ist diese Frage auf seine Weise beantwortet worden; aber +die Frage nach dem Wie? heisst: auf welche Art und Weise, nach welchem +Verhaeltniss und dergleichen, und verlangt so die Angabe einer +besondern Kategorie; aber von Art und Weise, Verstandes-Kategorien +kann hierbei nicht die Rede seyn. Die Frage nach dem wie? gehoert +selbst zu den uebeln Manieren der Reflexion, welche nach der +Begreiflichkeit fraegt, aber dabei ihre festen Kategorien voraussetzt, +und damit zum Voraus gegen die Beantwortung dessen, nach was sie +fragt, sich gewaffnet weiss. Den hoeheren Sinn einer Frage nach der +Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er +bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen beharren, fuer die +Behauptung der Unmoeglichkeit der Synthese. Insbesondere anschaulich +beschreibt er (S. 147) die Procedur zur Abstraktion des Raumes zu +gelangen. "Ich muss fuer so lange rein zu vergessen suchen, dass ich je +irgend etwas sah, hoerte, ruehrte und beruehrte, mich selbst +ausdruecklich nicht ausgenommen. Rein, rein, rein vergessen muss ich +alle Bewegung, und mir gerade diess Vergessen, weil es das schwerste +ist, am angelegentlichsten seyn lassen. Alles ueberhaupt muss ich, so +wie ich es weggedacht habe, auch ganz und vollkommen weggeschafft +seyn lassen, und gar nichts uebrig behalten, als die mit Gewalt stehen +gebliebene Anschauung allein des unendlichen unveraenderlichen Raums. +Ich darf mich daher auch nicht selbst als etwas von ihm +Unterschiedenes und gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn +hineindenken; ich darf mich nicht von ihm bloss umgeben und +durchdringen lassen; sondern ich muss ganz uebergehen in ihn, Eins mit +ihm werden, mich in ihn verwandeln; ich muss von mir selbst nichts +uebrig lassen, als diese meine Anschauung selbst, um sie als eine +wahrhaft selbststaendige, unabhaengige, Einig- und Alleinige +Vorstellung zu betrachten." + +Bei dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuitaet, d. i. +Unbestimmtheit und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgueltig, +diese Abstraktion Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines +Denken;--es ist alles dasselbe, was der Inder, wenn er aeusserlich +bewegungslos, und ebenso in Empfindung, Vorstellung, Phantasie, +Begierde u.s.f. regungslos jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase +sieht, nur Om, Om, Om innerlich in sich, oder gar Nichts spricht, +--Brahma nennt. Dieses dumpfe, leere Bewusstseyn ist, als Bewusstseyn +aufgefasst,--das Seyn. + +In diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das +Gegentheil von dem, was kantischer Versicherung gemaess, ihm +widerfahren sollte; er finde sich nicht als ein Vieles und +Mannigfaltiges, vielmehr als Eines ohne alle Vielheit und +Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmoeglichkeit selbst, bin die +Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen,--kann aus meinem reinen, +schlechterdings einfachen, unveraenderlichen Wesen auch nicht das +Mindeste wieder herstellen oder in mich hinein gespenstern;--so +offenbart sich in dieser Reinheit, alles Ausserund Nebeneinanderseyn, +alle hierauf beruhende Mannigfaltigkeit und Vielheit, als ein rein +Unmoegliches." + +Diese Unmoeglichkeit heisst nichts anders als die Tautologie, ich halte +an der abstrakten Einheit fest und schliesse alle Vielheit und +Mannigfaltigkeit aus, halte mich im Unterschiedslosen und +Unbestimmten, und sehe weg von allem Unterschiedenen und Bestimmten. +Die kantische Synthesis a priori des Selbstbewusstseyns, das ist, die +Thaetigkeit dieser Einheit, sich zu dirimiren und in dieser Diremtion +sich selbst zu erhalten, verduennt sich Jacobi zu derselben +Abstraktion. Jene "Synthesis an sich", das "urspruengliche Urtheilen," +macht er einseitig zu "der Kopula an sich;--ein Ist, Ist, Ist, ohne +Anfang und Ende und ohne Was, Wer und Welche; dieses ins Unendliche +fortgehende Wiederholen der Wiederholung ist die alleinige +Geschaeftigkeit, Funktion und Produktion der allerreinsten Synthesis; +sie selbst ist das blosse, reine, absolute Wiederholen selbst." Oder +in der That, da kein Absatz, d. i. keine Negation, Unterscheiden +darin ist, so ist sie nicht ein Wiederholen, sondern nur das +ununterschiedene einfache Seyn.--Aber ist diess denn noch Synthesis, +wenn Jacobi gerade das weglaesst, wodurch die Einheit synthetische +Einheit ist? + +Zunaechst, wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum, +Zeit, auch Bewusstseyn festsetzt, ist zu sagen, dass er sich auf diese +Weise in etwas empirisch-Falsches versetzt und festhaelt; es giebt d. +h. empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes +Raeumliches und Zeitliches waeren, nicht in ihrer Kontinuitaet von +mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veraenderung erfuellt waeren, so dass +diese Grenzen und Veraenderungen ungetrennt und untrennbar der +Raeumlichkeit und Zeitlichkeit angehoeren; ebenso ist das Bewusstseyn +mit bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f. erfuellt; es +existirt ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt.--Das +empirische Uebergehen versteht sich ohnehin von selbst; das Bewusstseyn +kann sich wohl den leeren Raum, leere Zeit und das leere Bewusstseyn +selbst, oder das reine Seyn, zum Gegenstand und Inhalt machen; aber +es bleibt nicht dabei, sondern geht nicht nur, sondern draengt sich +aus solcher Leerheit hinaus zu einem besseren, d. i. auf irgend eine +Weise konkreteren Inhalt, und so schlecht ein Inhalt sonst sey, so +ist er insofern besser und wahrer; eben ein solcher Inhalt ist ein +synthetischer ueberhaupt; synthetisch in allgemeinerem Sinne genommen. +So bekommt Parmenides mit dem Scheine und der Meinung, dem +Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so Spinoza mit den +Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem Verstande, +Willen u.s.f. Die Synthesis enthaelt und zeigt die Unwahrheit jener +Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also +nicht als fuer sich bestehende, nicht als absolute, sondern +schlechthin als relative. + +Das Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f. +aber ist es nicht, um das es zu thun ist. Das Bewusstseyn kann sich +abstrahirend allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfuellen, und die +festgehaltenen Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit, +reinen Bewusstseyn, reinem Seyn. Der Gedanke des reinen Raums u.s.f. +d. i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst soll als nichtig aufgezeigt +werden, d. i. dass er als solcher schon sein Gegentheil, dass an ihm +selbst schon sein Gegentheil in ihn eingedrungen, er schon fuer sich +das Herausgegangenseyn aus sich selbst, Bestimmtheit, sey. + +Diess ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen. Sie sind, was Jacobi +reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdruecklich +als Unbestimmte bestimmt, was--um zu seiner einfachsten Form +zurueckzugehen, das Seyn ist. Eben diese Unbestimmtheit ist aber das, +was die Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die Unbestimmtheit ist +der Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als Entgegengesetztes +selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das reine, ganz +abstrakt Negative. Diese Unbestimmtheit oder abstrakte Negation, +welche so das Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die aeussere wie die +innere Reflexion ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich setzt, es +fuer ein leeres Gedankending, fuer Nichts erklaert.--Oder kann man sich +ausdruecken, weil das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die +(affirmative) Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern Nichts. + +In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem +Seyn als solchem gemacht wird, ist der Uebergang noch verborgen; weil +das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm +nur unmittelbar hervor. Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich +das Daseyn, sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was +den Widerspruch jener Abstraktionen und daher ihr Uebergehen enthaelt +und hervorbringt. Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird +die Erinnerung, dass es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also +schon von daher abstrakte Negativitaet, Nichts, ist, hinter der +Wissenschaft zurueckgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst, +ausdruecklich vom Wesen aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine +Vermittelte darstellen wird, wo das Seyn als Existenz und das +Vermittelnde dieses Seyns, der Grund, gesetzt ist. + +Mit jener Erinnerung laesst sich der Uebergang von Seyn in Nichts als +etwas selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man +es nennt, erklaeren und begreiflich machen, dass Freilich das Seyn, +welches zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn +man koenne von Allem abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden, +so bleibe Nichts uebrig. Aber, kann man fortfahren, somit sey der +Anfang nicht ein Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und +Nichts sey dann auch das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare +Seyn und selbst noch vielmehr. Das Kuerzeste ist solches Raisonniren +gewaehren zu lassen und zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen +sind, auf welche es pocht. Dass hiernach das Nichts das Resultat +jenes Raisonnements waere, und nun der Anfang mit Nichts (wie in +chinesischer Philosophie) gemacht werden sollte, so waere darum nicht +die Hand umzukehren, denn ehe man sie umkehrte, haette sich ebenso +sehr diess Nichts in Seyn verkehrt, (s. oben: B. Nichts). Aber ferner +wenn jene Abstraktion von Allem, welches Alles denn doch Seyendes ist, +vorausgesetzt waere, so ist sie genauer zu nehmen; das Resultat der +Abstraktion von allem Seyenden ist zunaechst abstraktes Seyn, Seyn +ueberhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom Daseyn Gottes aus dem +zufaelligen Seyn der Welt, ueber welches sich darin erhoben wird, noch +das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum unendlichen Seyn bestimmt +wird. Es kann aber allerdings auch von diesem reinen Seyn abstrahirt, +das Seyn noch zu dem Allem, wovon bereits abstrahirt worden, +geschlagen werden; dann bleibt Nichts. Man kann nun, wenn man das +Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen will oder +nichts davon wuesste, im Style jenes Koennens fortfahren; es kann +naemlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt werden (wie denn auch +die Schoepfung der Welt eine Abstraktion vom Nichts ist) und dann +bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird abstrahirt, sondern +man ist so wieder im Seyn angekommen.--diess Koennen giebt ein +aeusserliches Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren selbst nur +das einseitige Thun des Negativen ist. Zunaechst liegt in diesem +Koennen selbst, dass ihm das Seyn so gleichgueltig ist als das Nichts, +und dass so sehr jedes von Beiden verschwindet, ebenso sehr jedes auch +entsteht; aber ebenso gleichgueltig ist es, ob vom Thun des Nichts, +oder dem Nichts ausgegangen wird; das Thun des Nichts, d. i. das +blosse Abstrahiren ist nicht mehr noch weniger etwas Wahrhaftes als +das blosse Nichts. + +Die Dialektik, nach welcher Plato das Eine im Parmenides behandelt, +ist gleichfalls mehr fuer eine Dialektik der aeussern Reflexion zu +achten. Das Seyn und das Eine sind beides Eleatische Formen, die +Dasselbe sind. Aber sie sind auch zu unterscheiden, so nimmt sie +Plato in jenem Dialoge. Nachdem er von dem Einen die mancherlei +Bestimmungen von Ganzen und Theilen, in sich selbst, in einem anderen +seyn u.s.f. von Figur, Zeit u.s.f. entfernt, so ist das Resultat, dass +dem Einen das Seyn nicht zukomme, denn anders komme einem Etwas das +Seyn nicht zu, als nach einer jener Weisen (p. 141 e. Vol. III. ed. +Steph.). Hierauf behandelt Plato den Satz: das Eine ist; und es ist +bei ihm nachzusehen, wie von diesem Satze aus der Uebergang zu dem +Nichtseyn des Einen bewerkstelligt wird; es geschieht durch die +Vergleichung der beiden Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das +Eine ist; er enthaelt das Eine und das Seyn; und das Eine ist enthaelt +mehr, als wenn man nur sagt: das Eine. Darin dass sie verschieden +sind, wird das Moment der Negation, das der Satz enthaelt, aufgezeigt. +Es erhellt, dass dieser Weg eine Voraussetzung hat, und eine aeussere +Reflexion ist. + +Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das +Seyn, welches abstrakt fuer sich festgehalten werden soll am +einfachsten, ohne sich in das Denken einzulassen, in einer Verbindung +aufgezeigt, die das Gegentheil dessen enthaelt, was behauptet werden +soll. Das Seyn, wie es unmittelbar ist, genommen gehoert einem +Subjekte an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn +ueberhaupt, und steht damit im Boden der Schranke und des Negativen. +In welchen Ausdruecken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er +sich gegen die Einheit des Seyns und Nichts straeubt, und sich auf das, +was unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser +Erfahrung selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke +oder Negation,--jene Einheit finden, die er verwirft. Die Behauptung +des unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz, +deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die +Unmittelbarkeit ausserhalb des Denkens ist, an die sie sich halten +will. + +Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise, +und diese Reflexion ist bekannt und oft genug ueber dasselbe gemacht +worden. Das Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als +seyend; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das +Nichts wird gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist +also; das Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein +Seyn. Diess Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird +daher gesagt, dass das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber dass +darum nicht es ist, nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, dass nur +Denken oder Vorstellen dieses Seyn ist. Bei diesem Unterscheiden ist +eben so sehr nicht zu laeugnen, dass das Nichts in Beziehung auf ein +Seyn steht; aber in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied +enthaelt, ist eine Einheit mit dem Seyn vorhanden. Auf weiche Weise +das Nichts ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in +Verbindung oder wenn man will Beruehrung mit einem Seyn, ungetrennt +von einem Seyn, eben in einem Daseyn. + +Indem aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch +dieser Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, dass das Daseyn +des Nichts durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, dass es nicht +das Seyn fuer sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches +sey; das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniss so nur +Abwesenheit des Lichts, die Kaelte nur Abwesenheit der Waerme u.s.f. +Finsterniss habe nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in aeusserer +Vergleichung mit dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kaelte sey nur +Etwas in unserer Empfindung, Licht, Waerme, wie Seyn, hingegen seyen +fuer sich das Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer +Qualitaet und Wuerde, als jene Negativen, als Nichts. Man kann es +haeufig als eine sehr wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniss +aufgefuehrt finden, dass Finsterniss nur Abwesenheit des Lichts, Kaelte +nur Abwesenheit der Waerme sey. Ueber diese scharfsinnige Reflexion +kann in diesem Felde von empirischen Gegenstaenden empirisch bemerkt +werden, dass die Finsterniss sich im Lichte allerdings wirksam zeigt, +indem sie dasselbe zur Farbe bestimmt und ihm selbst dadurch erst +Sichtbarkeit ertheilt, indem wie frueher gesagt, im reinen Lichte +ebenso wenig gesehen wird, als in der reinen Finsterniss. Die +Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im Auge, an der jenes Negative +ebenso viel Antheil hat, als das fuer das Reale, Positive geltende +Licht; ebenso giebt sich die Kaelte dem Wasser, unserer Empfindung u.s. +f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr sogenannte objektive +Realitaet absprechen, so ist damit durchaus nichts gegen sie gewonnen. +Aber ferner waere zu ruegen, dass hier gleichfalls, wie oben, von einem +Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird, nicht beim Nichts +selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer Abstraktion +nicht nachsteht, noch etwas voraus hat.--Allein Kaelte, Finsterniss und +dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich fuer sich zu nehmen, +und es ist zu sehen, was damit in Ruecksicht ihrer allgemeinen +Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt ist. Sie +sollen nicht das Nichts ueberhaupt, sondern das Nichts vom Licht, +Waerme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind sie +bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann. Aber eine +Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation; +so sind sie negative Nichts; aber ein negatives Nichts ist etwas +Affirmatives. Das Umschlagen des Nichts durch seine Bestimmtheit +(die vorhin als ein Daseyn im Subjekte, oder in sonst was es sey, +erschien) in ein Affirmatives, erscheint dem Bewusstseyn, das in der +Verstandes-Abstraktion feststeht, als das paradoxeste, so einfach die +Einsicht ist, oder auch wegen ihrer Einfachheit selbst erscheint die +Einsicht, dass die Negation der Negation Positives ist, als etwas +Triviales, auf welches der stolze Verstand daher nicht zu achten +brauche, obgleich die Sache ihre Richtigkeit habe,--und sie hat nicht +nur diese Richtigkeit, sondern um der Allgemeinheit solcher +Bestimmungen willen ihre unendliche Ausdehnung und allgemeine +Anwendung, so dass wohl darauf zu achten waere. + +Noch kann ueber die Bestimmung des Uebergangs von Seyn und Nichts in +einander bemerkt werden, dass derselbe eben so ohne weitere +Reflexionsbestimmung aufzufassen ist. Er ist unmittelbar und ganz +abstrakt, um der Abstraktion der uebergehenden Momente willen, d. i. +indem an diesen Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen +gesetzt ist, vermittelst dessen sie uebergingen; das Nichts ist am +Seyn noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich Nichts ist, und +umgekehrt. Es ist daher unzulaessig, weiters bestimmte Vermittelungen +hier anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem Verhaeltnisse zu +fassen,--jenes Uebergehen ist noch kein Verhaeltniss. Es ist also +unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn +ist der Grund von Nichts;--das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder +es kann nur unter der Bedingung in das Nichts uebergegangen werden, +dass etwas ist, oder in das Seyn nur unter der Bedingung des +Nichtseyns. Die Art der Beziehung kann nicht weiter bestimmt seyn, +ohne dass zugleich die bezogenen Seiten weiter bestimmt wuerden. Der +Zusammenhang von Grund und Folge u.s.f. hat nicht mehr das blosse Seyn +und Nichts zu den Seiten, die er verbindet, sondern ausdruecklich Seyn, +das Grund ist, und etwas, das zwar nur ein gesetztes, nicht +Selbststaendiges sey, das aber nicht das abstrakte Nichts ist. + +Anmerkung 4. + +Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniss es mit der +Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat, +wodurch die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit +der Dialektik gegen das Werden, Entstehen oder Vergehen ueberhaupt. +--Die Kantische Antinomie ueber die Endlichkeit oder Unendlichkeit der +Welt in Raum und Zeit wird unten bei dem Begriffe der quantitativen +Unendlichkeit naeher betrachtet werden.--Jene einfache gewoehnliche +Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und +Nichts. Es wird auf folgende Art bewiesen, dass kein Anfang der Welt +oder von Etwas moeglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern +etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, faengt es +nicht erst an; insofern es aber nicht ist, faengt es auch nicht an. +-Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so haette sie im +Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang; +denn Anfang schliesst ein Seyn in sich, aber das Nichts enthaelt kein +Seyn. Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn +das Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten. +--Aus demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhoeren. Denn so muesste +das Seyn das Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das +Gegentheil seiner selbst. + +Es erhellt, dass hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhoeren, +diese Einheit des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie +assertorisch zu laeugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von +dem andern, Wahrheit zuzuschreiben.--Diese Dialektik ist jedoch +wenigstens konsequenter als das reflektirende Vorstellen. Ihm gilt +es fuer vollkommene Wahrheit, dass Seyn und Nichts nur getrennt seyen; +auf der anderen Seite aber laesst es ein Anfangen und Aufhoeren als eben +so wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die +Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an. + +Bei der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom +Nichts, ist--was man so oft hoert--der Anfang oder das Werden +allerdings etwas Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung, +welche den Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt, +und dieser Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Aufloesung +unmoeglich macht, heisst das Unbegreifliche. + +Das Angefuehrte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen +den Begriff braucht, den die hoehere Analysis von den +unendlich-kleinen Groessen giebt. Von diesem Begriffe wird weiter +unten ausfuehrlicher gehandelt.--Diese Groessen sind als solche, +bestimmt worden, die in ihrem Verschwinden sind, nicht vor ihrem +Verschwinden, denn als dann sind sie endliche Groessen;--nicht nach +ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie nichts. Gegen diesen +reinen Begriff ist eingewendet und immer wiederholt worden, dass +solche Groessen entweder Etwas seyen, oder Nichts; dass es keinen +Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender, barbarischer +Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe.--Es ist hierbei +gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen. +Dagegen ist aber gezeigt worden, dass Seyn und Nichts in der That +dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, dass es gar +nichts giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts +ist. Die Mathematik hat ihre glaenzendsten Erfolge der Annahme jener +Bestimmung, welcher der Verstand widerspricht, zu danken. + +Das angefuehrte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der +absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei +derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei zu +nennen. Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen +Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten laesst; +Dialektik aber nennen wir die hoehere vernuenftige Bewegung, in welche +solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das, +was sie sind, in einander uebergehen, die Voraussetzung sich aufhebt. +Es ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst, +dass sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen. + +2. Momente des Werdens. + +Das Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns +und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt; +sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte +Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist. Aber indem Seyn +und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht. +Sie sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als +Aufgehobene. Sie sinken von ihrer zunaechst vorgestellten +Selbststaendigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber +zugleich aufgehobenen. + +Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefasst, ist jedes in +derselben als Einheit mit dem Anderen. Das Werden enthaelt also Seyn +und Nichts als zwei solche Einheiten, deren jede selbst Einheit des +Seyns und Nichts ist; die eine das Seyn als unmittelbar und als +Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und +als Beziehung auf das Seyn; die Bestimmungen sind in ungleichem +Werthe in diesen Einheiten. + +Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der +einen ist das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom +Nichts, das sich auf das Seyn bezieht, das heisst, in dasselbe +uebergeht, in der anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist +anfangend vom Seyn, das in das Nichts uebergeht,--Entstehen und +Vergehen. + +Beide sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen +Richtungen durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig. Die +eine ist Vergehen; Seyn geht in Nichts ueber, aber Nichts ist eben so +sehr das Gegentheil seiner selbst, Uebergehen in Seyn, Entstehen. +Diess Entstehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn ueber, +aber Seyn hebt ebenso sehr sich selbst auf und ist vielmehr das +Uebergehen in Nichts, ist Vergehen.--Sie heben sich nicht gegenseitig, +nicht das eine aeusserlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an +sich selbst auf und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner. + +3. Aufheben des Werdens. + +Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist +zunaechst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige +Einheit zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende; +aber das Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit +derselben. Ihr Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens, +oder Verschwinden des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine +haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt. + +Diess koennte auch so ausgedrueckt werden: Das Werden ist das +Verschwinden von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das +Verschwinden von Seyn und Nichts ueberhaupt; aber es beruht zugleich +auf dem Unterschiede derselben. Es widerspricht sich also in sich +selbst, weil es solches in sich vereint, das sich entgegengesetzt ist; +eine solche Vereinigung aber zerstoert sich. + +Diess Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so +waere es nur ein Rueckfall in die eine der schon aufgehobenen +Bestimmungen, nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die +zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die +ruhige Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr fuer sich, +sondern als Bestimmung des Ganzen. + +Das Werden so Uebergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche +als seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren +Einheit dieser Momente hat, ist das Daseyn. + +Anmerkung. + +Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten +Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin +allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und +besonders vom Nichts zu unterscheiden ist.--Was sich aufhebt, wird +dadurch nicht zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein +Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende, +aber als Resultat, das von einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher +die Bestimmtheit aus der es herkommt, noch an sich. + +Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, dass es so viel als +aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhoeren +lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schliesst schon das +Negative in sich, dass etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem +den aeusserlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu +erhalten.--So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur +seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist. +--Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens koennen lexikalisch +als zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgefuehrt werden. Auffallend +muesste es aber dabei seyn, dass eine Sprache dazu gekommen ist, ein und +dasselbe Wort fuer zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen. +Fuer das spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Woerter +zu finden welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben; +die deutsche Sprache hat mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des +lateinischen: tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum +esse Octavium, beruehmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative +Bestimmung geht nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern +aufgehoben, als es in die Einheit mit seinem Entgegengesetzten +getreten ist; in dieser naehern Bestimmung als ein reflektirtes kann +es passend Moment genannt werden. Gewicht und Entfernung von einem +Punkt heissen beim Hebel, dessen mechanische Momente, um der +Dieselbigkeit ihrer Wirkung willen bei aller sonstigen +Verschiedenheit eines Reellen, wie das ein Gewicht ist, und eines +Ideellen, der blossen raeumlichen Bestimmung, der Linie; s. Encykl. +der philos. Wissenschaft 3te Ausg. _ 261. Anm.--Noch oefter wird die +Bemerkung sich aufdringen, dass die philosophische Kunstsprache fuer +reflektirte Bestimmungen lateinische Ausdruecke gebraucht, entweder +weil die Muttersprache keine Ausdruecke dafuer hat, oder wenn sie deren +hat, wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an das Unmittelbare, die fremde +Sprache aber mehr an das Reflektirte erinnert. + +Der naehere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr +Momente sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als +der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben. Seyn ist Seyn, +und Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in +ihrer Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese +Bestimmungen verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und +Nichts sind dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht +mehr Seyn und Nichts, und haben eine verschiedene Bestimmung; im +Werden waren sie Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders +bestimmten Einheit sind sie wieder anders bestimmte Momente. Diese +Einheit bleibt nun ihre Grundlage, aus der sie nicht mehr zur +abstrakten Bedeutung von Seyn und Nichts heraustreten. + + + +Zweites Kapitel. Das Daseyn + + +Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende +Bestimmtheit, Qualitaet. Durch seine Qualitaet ist Etwas gegen ein +Anderes, ist veraenderlich und endlich, nicht nur gegen ein Anderes, +sondern an ihm schlechthin negativ bestimmt. Diese seine Negation +dem endlichen Etwas zunaechst gegenueber ist das Unendliche; der +abstrakte Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, loest +sich in die gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fuersichseyn auf. + +Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen: + +A. das Daseyn als solches, + +B. Etwas und Anderes, die Endlichkeit, + +C. die qualitative Unendlichkeit. + +A. Daseyn als solches. + +An dem Daseyn + +a. als solchem, ist zunaechst seine Bestimmtheit + +b. als Qualitaet zu unterscheiden. Diese aber ist sowohl in der einen +als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realitaet und +als Negation. Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr +in sich reflektirt; und als solches gesetzt ist es + +c. Etwas, Daseyendes. + +a. Daseyn ueberhaupt. + +Aus dem Werden geht das Daseyn hervor. Das Daseyn ist das einfache +Einsseyn des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen, +die Form von einem Unmittelbaren. Seine Vermittelung, das Werden, +liegt hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint +daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunaechst in +der einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthaelt, das +Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene. + +Es ist nicht blosses Seyn, sondern Daseyn; etymologisch genommen Seyn +an einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehoert nicht hierher. +Daseyn ist, nach seinem Werden, ueberhaupt Seyn mit einem Nichtseyn, +so dass diess Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen +ist. Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, dass das konkrete +Ganze in der Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die +Bestimmtheit als solche aus. + +Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i. Bestimmtheit des Seyns, +denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu seyn +gezeigt,--ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es fuer +uns in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt an ihm selbst. Aber die +Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die gesetzte, die auch im +Ausdruck Daseyn liegt.--Beides ist immer sehr wohl von einander zu +unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem Begriffe, gehoert in +die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem Inhalte. Die noch +nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehoert unserer +Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst, oder sie +sey aeussere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art +bemerklich zu machen kann nur zur Erlaeuterung oder Vorausandeutung +des Ganges dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen +wird. Dass das Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der +einseitigen Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine aeusserliche Reflexion; +in der Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu +kommen, als gesetzte zu seyn.--Es hat hier auf den angegebenen +Unterschied aufmerksam gemacht werden sollen; ueber alles aber, was +die Reflexion sich erlauben kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben, +wuerde in die Weitlaeufigkeit fuehren, das zu anticipiren, was sich an +der Sache selbst ergeben muss. Wenn dergleichen Reflexionen dienen +koennen, die Uebersicht und damit das Verstaendniss zu erleichtern, so +fuehren sie wohl auch den Nachtheil herbei, als unberechtigte +Behauptungen, Gruende und Grundlagen fuer das Weitere auszusehen. Man +soll sie daher fuer nichts mehr nehmen, als was sie seyn sollen, und +sie von dem unterscheiden, was ein Moment im Fortgange der Sache +selbst ist. + +Das Daseyn entspricht dem Seyn der vorigen Sphaere; das Seyn jedoch +ist das Unbestimmte, es ergeben sich deswegen keine Bestimmungen an +demselben. Aber das Daseyn ist bestimmtes Seyn, ein konkretes; es +thun sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene +Verhaeltnisse seiner Momente an ihm auf. + +b. Qualitaet. + +Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts, +Eins sind, gehen sie nicht uebereinander hinaus; so weit das Daseyn +seyend ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt. Das Seyn ist +nicht das Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die +Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Seyn abgeloest; zwar wird sie +sich auch nicht mehr von ihm abloesen; denn das nunmehr zum Grunde +liegende Wahre ist die Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr +als dem Grunde ergeben sich alle fernern Bestimmungen. Aber die +Beziehung, in der hier die Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die +unmittelbare Einheit beider, so dass noch keine Unterscheidung +derselben gesetzt ist. + +Die Bestimmtheit so fuer sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist +die Qualitaet;--ein ganz Einfaches, Unmittelbares. Die Bestimmtheit +ueberhaupt ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative, +wie weiter Bestimmte seyn kann. Um dieser Einfachheit willen ist +von der Qualitaet als solcher weiter nichts zu sagen. + +Aber das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn +enthalten, ist selbst der Massstab fuer die Einseitigkeit der Qualitaet +als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit. Sie ist ebenso +sehr in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die +unmittelbare oder die seyende Bestimmtheit als eine unterschiedene, +reflektirte gesetzt wird, das Nichts so als das bestimmte einer +Bestimmtheit, ist ebenso ein reflektirtes, eine Verneinung. Die +Qualitaet, so dass sie unterschieden als seyende gelte, ist die +Realitaet; sie als mit einer Verneinung behaftet, Negation ueberhaupt, +gleichfalls eine Qualitaet, aber die fuer einen Mangel gilt, sich +weiterhin als Grenze, Schranke bestimmt. + +Beide sind ein Daseyn, aber in der Realitaet als Qualitaet mit dem +Accente, eine seyende, zu seyn, ist es versteckt, dass sie die +Bestimmtheit, also auch die Negation enthaelt; die Realitaet gilt daher +nur als etwas Positives, aus welchem Verneinung, Beschraenktheit, +Mangel ausgeschlossen sey. Die Negation als blosser Mangel genommen, +waere was Nichts ist; aber sie ist ein Daseyn, eine Qualitaet nur mit +einem Nichtseyn bestimmt. + +Anmerkung. + +Realitaet kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von +verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Im +philosophischen Sinne wird etwa von bloss empirischer Realitaet als +einem werthlosen Daseyn gesprochen. Wenn aber von Gedanken, +Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realitaet, so heisst +diess, dass ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe +koenne die Idee einer platonischen Republik z.B. wohl wahr seyn. +Der Idee wird hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der +Realitaet auch belassen. Aber gegen sogenannte blosse Ideen, gegen +blosse Begriffe gilt das Reelle als das allein Wahrhafte.--Der Sinn, +in welchem das eine Mal dem aeusserlichen Daseyn die Entscheidung ueber +die Wahrheit eines Inhalts zugeschrieben wird, ist ebenso einseitig, +als wenn die Idee, das Wesen oder auch die innere Empfindung als +gleichgueltig gegen das aeusserliche Daseyn vorgestellt und gar fuer um +so vortrefflicher gehalten wird, je mehr es von der Realitaet entfernt +sey. + +Bei dem Ausdrucke: Realitaet ist der sonstige metaphysische Begriff +von Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom +Daseyn Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwaehnen. Gott wurde als +der Inbegriff aller Realitaeten bestimmt, und von diesem Inbegriffe +gesagt, dass er keinen Widerspruch in sich enthalte, dass keine der +Realitaeten die andere aufhebe; denn eine Realitaet sey nur als eine +Vollkommenheit, als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation +enthalte. Somit seyen die Realitaeten sich nicht entgegengesetzt und +widersprechen sich nicht. + +Bei diesem Begriffe der Realitaet wird angenommen, dass sie dann noch +bleibe, wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle +Bestimmtheit derselben aufgehoben. Die Realitaet ist Qualitaet, Daseyn; +damit enthaelt sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch +das Bestimmte, das sie ist. Im sogenannten eminenten Sinne oder als +unendliche,--in der gewoehnlichen Bedeutung des Worts,--wie sie +genommen werden soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und +verliert ihre Bedeutung. Die Guete Gottes soll nicht Guete im +gewoehnlichen, sondern im eminenten Sinne, nicht verschieden von der +Gerechtigkeit, sondern durch sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer +Vermittelungs-Ausdruck) so wie umgekehrt die Gerechtigkeit durch die +Guete; so ist weder Guete mehr Guete, noch Gerechtigkeit mehr +Gerechtigkeit. Die Macht solle durch die Weisheit temperirt seyn, +aber so ist sie nicht Macht als solche, denn sie waere jener +unterworfen,--die Weisheit solle zur Macht erweitert seyn, aber so +verschwindet sie als den Zweck und Maass bestimmende Weisheit. Der +wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute Einheit, der sich +spaeter ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren, gegenseitiges +Beschraenken oder Vermischen zu fassen, als welches eine +oberflaechliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit +der sich nur begriffloses Vorstellen begnuegen kann.--Die Realitaet, +wie sie in jener Definition Gottes als bestimmte Qualitaet genommen +wird, ueber ihre Bestimmtheit hinausgefuehrt, hoert auf Realitaet zu seyn; +sie wird zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem +Realen, oder als Inbegriff aller Realitaeten, ist dasselbe +Bestimmungs- und Gehaltlose, was das leere Absolute, in dem alles +Eins ist. + +Wird dagegen die Realitaet in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da +sie wesentlich das Moment des Negativen enthaelt, der Inbegriff aller +Realitaeten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem +Inbegriffe aller Widersprueche, zunaechst etwa zur absoluten Macht, in +der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist, +insofern sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenueber hat, +so wird sie, indem sie zur ausgefuehrten, schrankenlosen Macht +erweitert gedacht wird, zum abstrakten Nichts. Jenes Reale in allem +Realen, das Seyn in allem Daseyn, welches den Begriff Gottes +ausdruecken soll, ist nichts anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe +was das Nichts ist. + +Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der +Satz des Spinoza: Omnis determinatio est negatio, dieser Satz ist von +unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als solche die formlose +Abstraktion; der spekulativen Philosophie muss aber nicht Schuld +gegeben werden, dass ihr die Negation oder das Nichts ein Letztes sey; +diess ist es ihr so wenig als die Realitaet das Wahrhafte. + +Von diesem Satze, dass die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit +der Spinozistischen Substanz, oder dass nur Eine Substanz ist,--die +nothwendige Konsequenz. Denken und Seyn oder Ausdehnung, die zwei +Bestimmungen, die Spinoza naemlich vor sich hat, musste er in dieser +Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitaeten, sind sie +Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist; nach Spinozas +Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von Etwas seine +Affirmation. Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als solche, +die nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-fuer-sich-Seyn haben, +sondern nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr sind sie +ihm nicht einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr selbst +ganz bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi, +Unterscheidungen, die ein aeusserer Verstand macht.--Eben so kann die +Substantialitaet der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen. Das +Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, dass es allein Anderen +Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner +selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm +selbst. Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten +beschraenkte, aber diess Mehr gehoert in eine andere Sphaere des Begriffs; +in der Metaphysik des Seyns ist es ein schlechthin bestimmtes; und +dass ein solches, dass das Endliche als solches an und fuer sich sey, +dagegen macht sich die Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend, +und reisst es in dieselbe negative Bewegung des Verstandes, welche +alles in der abstrakten Einheit, der Substanz, verschwinden laesst. + +Die Negation steht unmittelbar der Realitaet gegenueber; weiterhin in +der eigentlichen Sphaere der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem +Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende +Realitaet ist,--die Realitaet, an der das Negative scheint, das in der +Realitaet als solcher noch versteckt ist. + +Die Qualitaet ist erst in der Ruecksicht vornehmlich Eigenschaft, als +sie in einer aeusserlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung +zeigt. Unter Eigenschaften z.B. von Kraeutern versteht man +Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur ueberhaupt eigen sind, sondern +insofern es sich dadurch in der Beziehung auf andere auf eine +eigenthuemliche Weise erhaelt, die fremden in ihm gesetzten +Einwirkungen nicht in sich gewaehren laesst, sondern seine eigene +Bestimmungen in dem Anderen,--ob es diess zwar nicht von sich abhaelt, +--geltend macht. Die mehr ruhenden Bestimmtheiten, z.B. Figur, +Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl Eigenschaften, auch etwa nicht +Qualitaeten, insofern sie als veraenderlich, mit dem Seyn nicht +identisch vorgestellt werden. + +Die Qualirung oder Inqualirung, ein Ausdruck der Jacob-Boehmischen, +einer in die Tiefe aber in eine truebe Tiefe gehenden Philosophie, +bedeutet die Bewegung einer Qualitaet (der sauren, herben, feurigen u. +s.f.) in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer +Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, ueberhaupt die Unruhe +ihrer an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt +und erhaelt. + +c. Etwas. + +An dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualitaet unterschieden +worden; an dieser als daseyender ist der Unterschied,--der Realitaet +und der Negation. So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn +vorhanden sind, so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben. Die +Realitaet enthaelt selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes, +abstraktes Seyn. Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das +abstraktseynsollende Nichts, sondern hier gesetzt wie es an sich ist, +als seyend, dem Daseyn angehoerig. So ist die Qualitaet ueberhaupt +nicht vom Daseyn getrennt, welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn +ist. + +Dieses Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein blosses +Zuruecknehmen und aeusseres Wieder-Weglassen derselben oder als ein +einfaches Zurueckkehren zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem. +Der Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist. Das +Faktische, was also vorhanden ist, ist das Daseyn ueberhaupt, +Unterschied an ihm, und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn +nicht als unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst +gleich, durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns +vermittelt durch dieses Aufheben. Diess Aufgehobenseyn des +Unterschieds ist die eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es +Insichseyn; das Daseyn ist Daseyendes, Etwas. + +Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende +Beziehung auf sich. Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich +wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden (Ich) u.s.f. Diese +Bestimmung ist von der hoechsten Wichtigkeit, um nicht bei dem Daseyn, +Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als +Allgemeinheiten stehen zu bleiben. Etwas gilt der Vorstellung mit +Recht als ein Reelles. Jedoch ist Etwas noch eine sehr +oberflaechliche Bestimmung; wie Realitaet und Negation, das Daseyn und +dessen Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und Nichts, aber +ganz abstrakte Bestimmungen sind. Deswegen sind sie auch die +gegenlaeufigsten Ausdruecke, und die philosophisch nicht gebildete +Reflexion gebraucht sie am meisten, giesst ihre Unterscheidungen +darein, und meint daran etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben. +--Das Negative des Negativen ist als Etwas nur der Anfang des +Subjekts;--das Insichseyn nur erst ganz unbestimmt. Es bestimmt sich +fernerhin zunaechst als Fuersichseyendes und sofort bis es erst im +Begriff die konkrete Intensitaet des Subjekts erhaelt. Allen diesen +Bestimmungen liegt die negative Einheit mit sich zu Grunde. Aber +dabei ist die Negation als erste, als Negation ueberhaupt wohl zu +unterscheiden von der zweiten, der Negation der Negation, welche die +konkrete, absolute Negativitaet, wie jene erste dagegen nur die +abstrakte Negativitaet ist. + +Etwas ist seyend als die Negation der Negation; denn diese ist das +Wiederherstellen der einfachen Beziehung auf sich;--aber ebenso ist +damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst. Schon in dem +Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fuersichseyn, Subjekt u.s. +f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden, bereits +auch im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die Vermittelung +mit sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als einfaches Identisches +bestimmt ist.--Auf das Vorhandenseyn der Vermittelung ueberhaupt kann +gegen das Princip der behaupteten blossen Unmittelbarkeit des Wissens, +von welcher die Vermittelung ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam +gemacht werden; aber es bedarf weiterhin nicht besonders auf das +Moment der Vermittelung aufmerksam zu machen; denn es befindet sich +ueberall und allenthalben, in jedem Begriffe. + +Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich ist, hat nur als +Negation der Negation genommen, keine konkrete Bestimmungen zu ihren +Seiten; so faellt sie in die einfache Einheit zusammen, welche Seyn +ist. Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner +auch Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen +Momenten hat. Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und +weiter Daseyendes. Das zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als +Negatives des Etwas bestimmt,--ein Anderes. Das Etwas als Werden ist +ein Uebergehen, dessen Momente selbst Etwas sind, und das darum +Veraenderung ist;--ein bereits konkret gewordenes Werden.--Das Etwas +aber veraendert sich zunaechst nur in seinem Begriffe; es ist noch +nicht so als vermittelnd und vermittelt gesetzt; zunaechst nur als +sich in seiner Beziehung auf sich einfach erhaltend, und das Negative +seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein Anderes ueberhaupt. + +B. Die Endlichkeit. + +a. Etwas und Anderes; sie sind zunaechst gleichgueltig gegeneinander; +ein Anderes ist auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die +Negation faellt so ausser beiden. Etwas ist an sich gegen sein +Seyn-fuer anderes. Aber die Bestimmtheit gehoert auch seinem Ansich an, +und ist + +b. dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit uebergeht, +die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte +Seyn-fuer-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche + +c. die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das +Endliche ist. + + +In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn ueberhaupt betrachtet wurde, +hatte dieses als zunaechst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden. +Die Momente seiner Entwicklung, Qualitaet und Etwas, sind darum ebenso +affirmativer Bestimmung. In dieser Abtheilung hingegen entwickelt +sich die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur +erst Negation ueberhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte +des In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist. + +a. Etwas und ein Anderes. + +1. Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas. + +Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes. Es ist gleichgueltig, welches +zuerst und bloss darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie +in einem Satze vorkommen, heissen beide aliud, oder einer den andern, +alius alium; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter +alterum analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so +ist zunaechst B als das Andere bestimmt. Aber A ist ebenso sehr das +Andere des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere. Um den +Unterschied und das als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren, +dient das Dieses. Aber Dieses spricht eben es aus, dass diess +Unterscheiden und Herausheben des einen Etwas ein subjektives, +ausserhalb des Etwas selbst fallendes Bezeichnen ist. In dieses +aeusserliche Monstriren faellt die ganze Bestimmtheit; selbst der +Ausdruck: Dieses enthaelt keinen Unterschied; alle und jede Etwas sind +gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind. Man meint, durch: +Dieses, etwas vollkommen bestimmtes auszudruecken; es wird uebersehen, +dass die Sprache, als Werk des Verstandes, nur Allgemeines ausspricht, +ausser in dem Namen eines einzelnen Gegenstandes; der individuelle +Name ist aber ein Sinnloses in dem Sinne, dass er nicht ein +Allgemeines ausdrueckt, und erscheint als ein bloss Gesetztes, +Willkuerliches aus demselben Grunde, wie denn auch Einzelnamen +willkuerlich angenommen, gegeben oder ebenso veraendert werden koennen. + +Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn +fremde Bestimmung, oder das Andere ausser dem einen Daseyn; Theils, +dass ein Daseyn erst durch das Vergleichen eines Dritten, Theils, dass +es nur um des Anderen willen, das ausser ihm ist, als anderes bestimmt +werde, aber nicht fuer sich so sey. Zugleich, wie bemerkt worden, +bestimmt sich jedes Daseyn, auch fuer die Vorstellung, ebenso sehr als +ein anderes Daseyn, so dass nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein +Daseyn bestimmt, das nicht ausserhalb eines Daseyns, also nicht selbst +ein Anderes waere. + +Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit +dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden. Diese +Dieselbigkeit der Bestimmungen faellt aber ebenso nur in die aeussere +Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunaechst +gesetzt ist, so ist dasselbe fuer sich zwar in Beziehung auf das Etwas, +aber auch fuer sich ausserhalb desselben. + +Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung +auf sich selbst; abstrakt als das Andere,...... des Plato, der es als +eins der Momente der Totalitaet, dem Einen entgegensetzt, und dem +Anderen auf diese Weise eine eigne Natur zuschreibt. So ist das +Andere allein als solches gefasst, nicht das Andere von Etwas, sondern +das Andere an ihm selbst, d. i. das Andere seiner selbst.--Solches +seiner Bestimmung nach Andere ist die physische Natur; sie ist das +Andere des Geistes; diese ihre Bestimmung ist so zunaechst eine blosse +Relativitaet, wodurch nicht eine Qualitaet der Natur selbst, sondern +nur eine ihr aeusserliche Beziehung ausgedrueckt wird. Aber indem der +Geist das wahrhafte Etwas, und die Natur daher an ihr selbst nur das +ist, was sie gegen den Geist ist, so ist, insofern sie fuer sich +genommen wird, ihre Qualitaet eben diess, das Andere an ihr selbst, das +Ausser-sich-seyende (in den Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der +Materie) zu seyn. + +Das Andere fuer sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere +seiner selbst, so das Andere des Anderen,--also das in sich +schlechthin Ungleiche, sich Negirende, das sich Veraendernde. Aber +ebenso bleibt es identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es +sich veraenderte, ist das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung +hat; aber das sich Veraendernde ist auf keine verschiedene Weise, +sondern auf dieselbe, ein Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in +demselben nur mit sich zusammen. So ist es gesetzt als in sich +Reflektirtes mit Aufheben des Andersseyns; mit sich identisches Etwas, +von dem hiermit das Andersseyn, das zugleich Moment desselben ist, +ein Unterschiedenes, ihm nicht als Etwas selbst zukommendes ist. + +2. Etwas erhaelt sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins +mit ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm. + +Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein +sein Andersseyn. Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und +zugleich noch davon getrennt; es ist Seyn-fuer-Anderes. + +Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in +der Bestimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich +schliessend, ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann +zunaechst Anderes,--aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich +auch erhaelt, nur Seyn-fuer-Anderes. + +Es erhaelt sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn +ueberhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf +Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein +solches Seyn ist Ansichseyn. + +Seyn-fuer-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus. +Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas +und Anderes. 2) Seyn-fuer-Anderes, und Ansichseyn. Die erstern +enthalten die Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas und +Anderes fallen auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung; +das Seyn-fuer-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen +als Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen, welche +Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns +bleiben. Jedes selbst enthaelt damit an ihm zugleich auch sein von +ihm verschiedenes Moment. + +Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr +als Seyn und Nichts;--diess sind sie nur ausser ihrer Einheit; so in +ihrer unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen. +--Seyn im Etwas ist Ansichseyn. Seyn, die Beziehung auf sich, die +Gleichheit mit sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern +Beziehung auf sich nur als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich +reflektirtes Daseyn).--Eben so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in +dieser Einheit des Seyns und Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn ueberhaupt, +sondern Anderes, und bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von +ihm zugleich, Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-fuer-Anderes. + +Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn, +es hat das Andersseyn ausser ihm und ist demselben entgegen; insofern +Etwas an sich ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-fuer-Anderes +entnommen. Aber zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm; +denn es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-fuer Anderes. + +Das Seyn-fuer-Anderes aber ist erstlich Negation der einfachen +Beziehung des Seyns auf sich, die zunaechst Daseyn und Etwas seyn soll; +insofern Etwas in einem Anderen oder fuer ein Anderes ist, entbehrt +es des eigenen Seyns. Aber zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als +reines Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf +sein in sich reflektirtes Seyn hinweist, so wie umgekehrt das +Ansichseyn auf das Seyn-fuer-Anderes hinweist. + +Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, naemlich des +Etwas. Ansich ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-fuer-Anderes heraus, +in sich zurueckgekehrt ist. Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder +Umstand an sich (hier faellt der Accent auf an) oder an ihm, insofern +dieser Umstand aeusserlich an ihm, ein Seyn-fuer-Anderes ist. + +Diess fuehrt zu einer weitern Bestimmung. Ansichseyn und +Seyn-fuer-Anderes sind zunaechst verschieden; aber dass Etwas dasselbe, +was es an sich ist, auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als +Seyn-fuer-Anderes ist, auch an sich ist,--diess ist die Identitaet des +Ansichseyns und Seyns-fuer-Anderes, nach der Bestimmung, dass das Etwas +selbst ein und dasselbe beider Momente ist, sie also ungetrennt in +ihm sind.--Es ergiebt sich formell diese Identitaet schon in der +Sphaere des Daseyns, aber ausdruecklicher in der Betrachtung des Wesens +und dann des Verhaeltnisses der Innerlichkeit und Aeusserlichkeit, und +am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des +Begriffs und der Wirklichkeit.--Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes +zu sagen, wie mit dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist +auch nur an ihm; ansich ist eine nur abstrakte, damit selbst +aeusserliche Bestimmung. Die Ausdruecke: es ist nichts an ihm, oder es +ist etwas daran, enthalten, obgleich etwa dunkel, dass das, was an +einem ist, auch zu seinem Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften +Werthe gehoere. + +Es kann bemerkt werden, dass sich hier der Sinn des Dings-an-sich +ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang +eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der +Satz, dass wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine +vielgeltende Weisheit war.--Die Dinge heissen an-sich, insofern von +allem Seyn-fuer-Anderes abstrahirt wird, das heisst ueberhaupt, insofern +sie ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden. In diesem Sinn +kann man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist. Denn die +Frage: was? verlangt, dass Bestimmungen angegeben werden; indem aber +die Dinge, von denen sie anzugeben verlangt wuerde, zugleich +Dinge-an-sich seyn sollen, das heisst eben ohne Bestimmung, so ist in +die Frage gedankenloserweise die Unmoeglichkeit der Beantwortung +gelegt, oder man macht nur eine widersinnige Antwort.--Das +Ding-an-sich ist dasselbe, was jenes Absolute, von dem man nichts +weiss, als dass Alles eins in ihm ist. Man weiss daher sehr wohl, was +an diesen Dingen-an-sich ist; sie sind als solche nichts als +Wahrheitslose, leere Abstraktionen. Was aber das Ding-an-sich in +Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist die Logik die +Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas Besseres als die +Abstraktion verstanden wird, naemlich was etwas in seinem Begriffe ist; +dieser aber ist konkret in sich, als Begriff ueberhaupt begreiflich, +und als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich +erkennbar. + +Das Ansichseyn hat zunaechst das Seyn-fuer-Anderes zu seinem +gegenueberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das +Gesetztseyn gegenuebergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das +Seyn-fuer-Anderes, aber er enthaelt bestimmt die bereits geschehene +Zurueckbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein +Ansichseyn, worin es positiv ist. Das Ansichseyn ist gewoehnlich als +eine abstrakte Weise den Begriff auszudruecken zu nehmen; Setzen faellt +eigentlich erst in die Sphaere des Wesens, der objektiven Reflexion; +der Grund setzt das, was durch ihn begruendet wird; die Ursache noch +mehr bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbststaendigkeit +unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen +seine Sache, sein Seyn zu haben. In der Sphaere des Seyns geht das +Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein Anderes, +mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche bringt +das Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht. In der Sphaere des +Seyns ist das Sich-bestimmen des Begriffs selbst nur erst an sich, so +heisst es ein Uebergehen; auch die reflektirenden Bestimmungen des +Seyns, wie Etwas und Anderes, oder das Endliche und Unendliche, ob +sie gleich wesentlich auf einander hinweisen, oder als +Seyn-fuer-Anderes sind, gelten als qualitative fuer sich bestehend; das +Andere ist, das Endliche gilt ebenso als unmittelbar seyend und fuer +sich feststehend, wie das Unendliche; ihr Sinn erscheint als +vollendet auch ohne ihr Anderes. Das Positive und Negative hingegen, +Ursache und Wirkung, so sehr sie auch als isolirt seyend genommen +werden, haben zugleich keinen Sinn ohne einander; es ist an ihnen +selbst ihr Scheinen in einander, das Scheinen seines Anderen in jedem, +vorhanden.--In den verschiedenen Kreisen der Bestimmung und +besonders im Fortgange der Exposition, oder naeher im Fortgange des +Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache, diess immer wohl +zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt ist, wie die +Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder als +seyend-fuer-Anderes sind. Es ist diess ein Unterschied, der nur der +dialektischen Entwickelung angehoert, den das metaphysische +Philosophiren, worunter auch das kritische gehoert, nicht kennt; die +Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen, +Unterscheidungen und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar +Ansichseyendes behaupten und hervorbringen. + +Das Seyn-fuer-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch +mit seinem Ansich; das Seyn-fuer-Anderes ist so am Etwas. Diese in +sich reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende, +somit wieder eine Qualitaet,--die Bestimmung. + +b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze. + +Das Ansich, in welches das Etwas aus seinem Seyn-fuer-Anderes in sich +reflektirt ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als +Negation seines Seyns-fuer-Anderes durch dieses vermittelt, welches so +sein Moment ist. Es ist nicht nur die unmittelbare Identitaet des +Etwas mit sich, sondern die, durch welche das Etwas das, was es an +sich ist, auch an ihm ist; das Seyn-fuer-Anderes ist an ihm, weil das +Ansich das Aufheben desselben ist, aus demselben in sich ist; aber +ebenso sehr auch schon, weil es abstrakt, also wesentlich mit +Negation, mit Seyn-fuer-Anderes behaftet ist. Es ist hier nicht nur +Qualitaet und Realitaet, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende +Bestimmtheit vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in +sich reflektirte Bestimmtheit zu setzen. + +1. Die Qualitaet, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in +Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine +Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer +Bedeutung von Bestimmtheit ueberhaupt unterschieden wird. Die +Bestimmung ist die affirmative Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem +das Etwas in seinem Daseyn gegen seine Verwicklung mit Anderem, wo +von es bestimmt wuerde, gemaess bleibt, sich in seiner Gleichheit mit +sich erhaelt, sie in seinem Seyn-fuer-Anderes geltend macht. Es +erfuellt seine Bestimmung, insofern die weitere Bestimmtheit, welche +zunaechst durch sein Verhalten zu Anderem mannigfaltig erwaechst, +seinem Ansichseyn gemaess, seine Fuelle wird. Die Bestimmung enthaelt +diess, dass was Etwas an sich ist, auch an ihm sey. + +Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken +ueberhaupt ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von +dem Thiere unterschieden; er ist Denken an sich, insofern dasselbe +auch von seinem Seyn-fuer-Anderes, seiner eigenen Natuerlichkeit und +Sinnlichkeit, wodurch er unmittelbar mit Anderem zusammenhaengt, +unterschieden ist. Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch +selbst ist Denken, er ist da als denkend, es ist seine Existenz und +Wirklichkeit; und ferner indem es in seinem Daseyn, und sein Daseyn +im Denken ist, ist es konkret, ist mit Inhalt und Erfuellung zu nehmen, +es ist denkende Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen. +Aber selbst diese Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen, +d. i. sie mit der Erfuellung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der +Form des Ansich ueberhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn, +das zugleich noch als aeusserlich gegenueberstehende, unmittelbare +Sinnlichkeit und Natur ist. + +2. Die Erfuellung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch +unterschieden von der Bestimmtheit, die nur Seyn-fuer-Anderes ist und +ausser der Bestimmung bleibt. Denn im Felde des Qualitativen bleibt +den Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare, +qualitative Seyn gegeneinander. Das, was das Etwas an ihm hat, +theilt sich so, und ist nach dieser Seite aeusserliches Daseyn des +Etwas, das auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn +angehoert.--Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit. + +So oder anders beschaffen, ist Etwas als in aeusserem Einfluss und +Verhaeltnissen begriffen. Diese aeusserliche Beziehung, von der die +Beschaffenheit abhaengt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes, +erscheint als etwas Zufaelliges. Aber es ist Qualitaet des Etwas, +dieser Aeusserlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu +haben. + +Insofern Etwas sich veraendert, so faellt die Veraenderung in die +Beschaffenheit; sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird. Es +selbst erhaelt sich in der Veraenderung, welche nur diese unstaete +Oberflaeche seines Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft. + +Bestimmung und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden; +Etwas ist seiner Bestimmung nach gleichgueltig gegen seine +Beschaffenheit. Das aber, was Etwas an ihm hat, ist die sie beide +verbindende Mitte dieses Schlusses. Das Am Etwas seyn zeigte sich +aber vielmehr in jene beide Extreme zu zerfallen. Die einfache Mitte +ist die Bestimmtheit als solche; ihrer Identitaet gehoert sowohl +Bestimmung als Beschaffenheit an. Aber die Bestimmung geht fuer sich +selbst in Beschaffenheit und diese in jene ueber. Diess liegt im +Bisherigen; der Zusammenhang ist naeher dieser: Insofern das, was +Etwas an sich ist, auch an ihm ist, ist es mit Seyn-fuer-Anderes +behaftet; die Bestimmung ist damit als solche offen dem Verhaeltniss zu +Anderem. Die Bestimmtheit ist zugleich Moment, enthaelt aber zugleich +den qualitativen Unterschied, vom Ansichseyn verschieden, das +Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu seyn. Die so das Andere in +sich fassende Bestimmtheit mit dem Ansichseyn vereinigt bringt das +Andersseyn in das Ansichseyn oder in die Bestimmung hinein, welche +dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt ist. Umgekehrt das +Seyn-fuer-Anders als Beschaffenheit isolirt und fuer sich gesetzt ist +es an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm +selbst d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich +beziehendes Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also +Bestimmung.--Es haengt hiermit, insofern beide auch aussereinander zu +halten sind, die Beschaffenheit, die in einem Aeusserlichen, einem +Anderen ueberhaupt gegruendet erscheint, auch von der Bestimmung ab, +und das fremde Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas +zugleich bestimmt. Aber ferner gehoert die Beschaffenheit zu dem, was +das Etwas an sich ist; mit seiner Beschaffenheit aendert sich Etwas. + +Diese Aenderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veraenderung des +Etwas bloss nach seinem Seyn-fuer-Anderes; jene erste war nur die an +sich seyende, dem innern Begriffe angehoerige Veraenderung; die +Veraenderung ist nunmehr auch die am Etwas gesetzte.--Das Etwas selbst +ist weiter bestimmt, und die Negation als ihm immanent gesetzt, als +sein entwickeltes Insichseyn. + +Zunaechst ist das Uebergehen der Bestimmung und Beschaffenheit +ineinander das Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn +oder Etwas ueberhaupt gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede +resultirt, der das qualitative Andersseyn ebenso in sich befasst, sind +Zwei Etwas, aber nicht nur Andere gegen einander ueberhaupt, so dass +diese Negation noch abstrakt waere und nur in die Vergleichung fiele, +sondern sie ist nunmehr den Etwas immanent. Sie sind als daseyend +gleichgueltig gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht +mehr unmittelbare, jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des +Aufhebens des Andersseyns, welches in der Bestimmung in das +Ansichseyn reflektirt ist. + +Etwas verhaelt sich so aus sich selbst zum Anderen, weil das +Andersseyn als sein eigenes Moment in ihm gesetzt ist, sein +Insichseyn befasst die Negation in sich, vermittelst deren ueberhaupt +es nun sein affirmatives Daseyn hat. Aber von diesem ist das Andere +auch qualitativ unterschieden, es ist hiermit ausser dem Etwas gesetzt. +Die Negation seines Anderen ist nur die Qualitaet des Etwas, denn +als dieses Aufheben seines Anderen ist es Etwas. Damit tritt erst +eigentlich das Andere einem Daseyn selbst gegenueber; dem ersten Etwas +ist das Andere nur aeusserlich gegenueber, oder aber indem sie in der +That schlechthin, d. i. ihrem Begriffe nach zusammenhaengen, ist ihr +Zusammenhang dieser, dass das Daseyn in Andersseyn, Etwas in Anderes +uebergegangen, Etwas sosehr als das Andere, ein Anderes ist. Insofern +nun das Insichseyn das Nichtseyn des Andersseyns, welches in ihm +enthalten, aber Zugleich als seyend unterschieden, ist das Etwas +selbst, die Negation, das Aufhoeren eines Anderen an ihm; es ist als +sich negativ dagegen verhaltend und sich damit erhaltend gesetzt; +--diess Andere, das Insichseyn des Etwas als Negation der Negation ist +sein Ansichseyn, und zugleich ist diess Aufheben als einfache Negation +an ihm, naemlich als seine Negation des ihm aeusserlichen anderen Etwas. +Es ist Eine Bestimmtheit derselben, welche sowohl mit dem Insichseyn +der Etwas identisch, als Negation der Negation, als auch indem diese +Negationen als andere Etwas gegeneinander sind, sie aus ihnen selbst +zusammenschliesst und ebenso von einander, jedes das Andere negirend, +abscheidet,--die Grenze. + +3. Seyn-fuer-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von +Etwas mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das +Nichtseyn-fuer-Anderes hervor, die qualitative Negation des Anderen, +welches dadurch von dem in sich reflektirten Etwas abgehalten wird. +Die Entwickelung dieses Begriffs ist zu sehen, welche sich aber +vielmehr als Verwicklung und Widerspruch zeigt. Dieser ist sogleich +darin vorhanden, dass die Grenze als in sich reflektirte Negation des +Etwas die Momente des Etwas und des Anderen in ihr ideell enthaelt, +und diese als unterschiedene Momente zugleich in der Sphaere des +Daseyns als reell, qualitativ unterschieden gesetzt sind. + +a. Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und +hat eine Grenze zunaechst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des +Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes. +--Aber das Andere ist selbst ein Etwas ueberhaupt; die Grenze also, +welche das Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen +als Etwas, Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein +Anderes von sich abhaelt, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist +sie nicht nur Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen +Etwas, somit des Etwas ueberhaupt. + +Aber sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist +Etwas zugleich durch seine Grenze. Indem Etwas begrenzend ist, wird +es zwar dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine +Grenze ist, als Aufhoeren des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das +Seyn des Etwas; dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr +seine Qualitaet.--Diess Verhaeltniss ist die aeussere Erscheinung dessen, +dass die Grenze einfache Negation oder die erste Negation, das Andere +aber zugleich die Negation der Negation, das Insichseyn des Etwas, +ist. + +Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes +Etwas, aber es hat sie an ihm selbst und ist Etwas durch die +Vermittelung derselben, die ebenso sehr sein Nichtseyn ist. Sie ist +die Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist. + +ss. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese +Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied sind, so faellt +das Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas ausser einander. Etwas hat +sein Daseyn ausser (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb) +seiner Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist, +ausserhalb derselben. Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie +aufhoeren. Sie haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer +Grenze; die Grenze als das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von +beiden. + +--Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint +die Linie als Linie nur ausserhalb ihrer Grenze, des Punktes; die +Flaeche als Flaeche ausserhalb der Linie; der Koerper als Koerper nur +ausserhalb seiner begrenzenden Flaeche.--Diess ist die Seite, von +welcher die Grenze zunaechst in die Vorstellung,--das Aussersichseyn +des Begriffes,--faellt, als vornehmlich auch in den raeumlichen +Gegenstaenden genommen wird. + +y. Ferner aber ist das Etwas, wie es ausser der Grenze ist, das +unbegrenzte Etwas, nur das Daseyn ueberhaupt. So ist es nicht von +seinem Anderen unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem +Anderen dieselbe Bestimmung, jedes ist nur Etwas ueberhaupt oder jedes +ist Anderes; beide sind so Dasselbe. Aber diess ihr zunaechst +unmittelbares Daseyn ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze, +in welcher beide sind, was sie sind, unterschieden von einander. Sie +ist aber ebenso ihre gemeinschaftliche Unterschiedenheit, die Einheit +und Unterschiedenheit derselben, wie das Dasein. Diese doppelte +Identitaet beider, das Daseyn und die Grenze enthaelt diess, dass das +Etwas sein Daseyn nur in der Grenze hat, und dass, indem die Grenze +und das unmittelbare Daseyn beide zugleich das Negative von einander +sind, das Etwas, welches nur in seiner Grenze ist, eben so sehr sich +von sich selbst trennt und ueber sich hinaus auf sein Nichtseyn weisst +und diess als sein Seyn ausspricht, und so in dasselbe uebergeht. Um +diess auf das vorige Beispiel anzuwenden, so ist die eine Bestimmung, +dass Etwas, das was es ist, nur in seiner Grenze ist;--so ist also der +Punkt nicht nur so Grenze der Linie, dass diese in ihm nur aufhoert und +sie als Daseyn ausser ihm ist;--die Linie nicht nur so Grenze der +Flaeche, dass diese in der Linie nur aufhoert, ebenso die Flaeche als +Grenze des Koerpers. Sondern im Punkte faengt die Linie auch an; er +ist ihr absoluter Anfang, auch insofern sie als nach ihren beiden +Seiten unbegrenzt, oder wie man es ausdrueckt, als ins Unendliche +verlaengert vorgestellt wird, macht der Punkt ihr Element aus, wie die +Linie das Element der Flaeche, die Flaeche das des Koerpers. Diese +Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z.B. +als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert. + +Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in +der es immanent ist, der Widerspruch zu seyn, der es ueber sich selbst +hinausschickt. So ist der Punkt, diese Dialektik seiner selbst, zur +Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Flaeche, die Flaeche die +zum totalen Raume zu werden. Von Linie, Flaeche, und ganzem Raum wird +eine zweite Definition so gegeben, dass durch die Bewegung des Punktes +die Linie, durch die Bewegung der Linie die Flaeche entsteht u.s.f. +Diese Bewegung des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas +Zufaelliges oder nur so Vorgestelltes angesehen. Diess ist jedoch +eigentlich darin zurueckgenommen, dass die Bestimmungen, aus denen +Linie u.s.f. entstehen sollen, ihre Elemente und Principien seyen, +und diese sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das +Entstehen wird so nicht fuer zufaellig oder nur so vorgestellt, +betrachtet. Dass Punkt, Linie, Flaeche, fuer sich, sich widersprechend, +Anfaenge sind, welche selbst sich von sich abstossen, und der Punkt +somit aus sich durch seinen Begriff in die Linie uebergeht, sich an +sich bewegt und sie entstehen macht, u.s.f.--liegt in dem Begriffe +der dem Etwas immanenten Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehoert +in die Betrachtung des Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der +Punkt die ganz abstrakte Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist +noch ganz unbestimmt genommen, es ist der sogenannte absolute, d. h. +abstrakte Raum, das schlechthin kontinuirliche Aussereinanderseyn. +Damit dass die Grenze s nicht abstrakte Negation, sondern in diesem +Daseyn, dass sie raeumliche Bestimmtheit ist, ist der Punkt raeumlich, +der Widerspruch der abstrakten Negation und der Kontinuitaet und damit +das Uebergehen und Uebergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen +Punkt giebt, wie auch nicht eine Linie und Flaeche. + +Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner +selbst, durch den es ueber sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist +das Endliche. + +c. Die Endlichkeit. + +Das Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualitaet, und ist in ihr +nicht nur bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualitaet ist seine Grenze, +mit welcher behaftet, es zunaechst affirmatives, ruhiges Daseyn +bleibt. Aber diese Negation entwickelt, so dass der Gegensatz seines +Daseyns und der Negation als ihm immanenter Grenze selbst das +Insichseyn des Etwas, und dieses somit nur Werden an ihm selbst sey, +macht seine Endlichkeit aus. Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind +endlich, so wird darunter verstanden, dass sie nicht nur eine +Bestimmtheit haben, die Qualitaet nicht nur als Realitaet und +ansichseyende Bestimmung, dass sie nicht blos begrenzt sind, sie haben +so noch Daseyn ausser ihrer Grenze,--sondern dass vielmehr das +Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht. Die endlichen Dinge sind, +aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, dass sie als negativ sich auf +sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf sich selbst sich +ueber sich, ueber ihr Seyn, hinauszuschicken. Sie sind, aber die +Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende. Das Endliche veraendert sich +nicht nur, wie Etwas ueberhaupt, sondern es vergeht, und es ist nicht +bloss moeglich, dass es vergeht, so dass es seyn koennte, ohne zu vergehen. +Sondern das Seyn der endlichen Dinge als solches ist, den Keim des +Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt ist +die Stunde ihres Todes. + +1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit. + +Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge fuehrt diese Trauer mit sich, +weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in +der Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives +Seyn unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist. +Die Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation, +die zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn +zurueckgegangen ist, die hartnaeckigste Kategorie des Verstandes; die +Negation ueberhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem +Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird fuer sich als +Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte +Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenueber. Das +Endliche laesst sich so in Fluss wohl bringen, es ist selbst diess, zu +seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;--es ist +vielmehr das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen +hin affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also +untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versoehnung mit seinem +Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der +endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand +verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur +Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergaenglich und absolut macht. +Ihre Vergaenglichkeit koennte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen, +vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist +ihre unveraenderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr +Affirmatives uebergehende Qualitaet, so ist sie ewig. + +Diess ist eine sehr wichtige Betrachtung dass aber das Endliche absolut +sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie +oder Ansicht oder der Verstand nicht aufbuerden lassen wollen; +vielmehr ist das Gegentheil ausdruecklich in der Behauptung des +Endlichen vorhanden; das Endliche ist das Beschraenkte, Vergaengliche; +das Endliche ist nur das Endliche, nicht das Unvergaengliche; diess +liegt unmittelbar in seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt +darauf an, ob in der Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird, +die Vergaenglichkeit bestehen bleibt, oder ob die Vergaenglichkeit und +das Vergehen vergeht? Dass diess aber nicht geschieht, ist das Faktum +eben in derjenigen Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum +Letzten des Endlichen macht. Es ist die ausdrueckliche Behauptung, +dass das Endliche mit dem Unendlichen unvertraeglich und unvereinbar +sey, das Endliche dem Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey. +Dem Unendlichen ist Seyn, absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenueber +bleibt so das Endliche festgehalten, als das Negative desselben; +unvereinbar mit dem Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen +Seite; Affirmation erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und +verginge so; aber eine Vereinigung mit demselben ist das, was fuer das +Unmoegliche erklaert wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen +gegenueber, sondern vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein +Vergehen das Letzte, nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben +des Vergehens seyn wuerde. Sollte aber das Endliche nicht im +Affirmativen vergehen, sondern sein Ende als das Nichts gefasst werden, +so waeren wir wieder bei jenem ersten, abstrakten Nichts, das selbst +laengst vergangen ist. + +Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem +zugleich eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben +wird, kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen, +angegeben worden, nur dass er dort nur vorkommt, aber in der +Endlichkeit ausdruecklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier +wird behauptet, das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen +entgegen, das an sich Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges. +Diess ist zum Bewusstseyn zu bringen; und die Entwickelung des +Endlichen zeigt, dass es an ihm als dieser Widerspruch in sich +zusammenfaellt, aber ihn dahin wirklich aufloest, nicht dass es nur +vergaenglich ist und vergeht, sondern dass das Vergehen, das Nichts, +nicht das Letzte ist, sondern vergeht. + +2. Die Schranke und das Sollen. + +Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, dass +das Etwas endlich ist, oder dass das Endliche ist. Aber Etwas oder +das Seyn ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich reflektirt, +und entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und Beschaffenheit +an ihm hat, und noch bestimmter, dass es eine Grenze an ihm hat, +welche als das dem Etwas immanente und die Qualitaet seines +Insichseyns ausmachend, die Endlichkeit ist. In diesem Begriffe des +endlichen Etwas ist zu sehen, was fuer Momente enthalten sind. + +Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten fuer die +aeusserliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem +Ansich des Etwas angehoerig; die Aeusserlichkeit des Andersseyns ist +einer Seits in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits +bleibt sie als Aeusserlichkeit unterschieden davon, sie ist noch +Aeusserlichkeit als solche, aber an dem Etwas. Indem aber ferner das +Andersseyn als Grenze, selbst als Negation der Negation, bestimmt ist, +so ist das dem Etwas immanente Andersseyn, als die Beziehung der +beiden Seiten gesetzt, und die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl +die Bestimmung als die Beschaffenheit angehoert, seine gegen sich +selbst gekehrte Beziehung, die seine immanente Grenze in ihm +negirende Beziehung seiner an sich seyenden Bestimmung darauf. Das +mit sich identische Insichseyn bezieht sich so auf sich selbst als +sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation der Negation, als dasselbe +negirend, das zugleich Daseyn in ihm behaelt, denn es ist die Qualitaet +seines Insichseyns. Die eigene Grenze des Etwas, so von ihm als ein +Negatives, das zugleich wesentlich ist, gesetzt, ist nicht nur Grenze +als solche, sondern Schranke. Aber die Schranke ist nicht allein das +als negirt gesetzte; die Negation ist zweischneidig, indem das von +ihr als negirt Gesetzte, die Grenze ist; diese naemlich ist ueberhaupt +das Gemeinschaftliche des Etwas und des Anderen, auch Bestimmtheit +des Ansichseyns der Bestimmung als solcher. Dieses Ansichseyn +hiermit ist als die negative Beziehung auf seine von ihm auch +unterschiedene Grenze, auf sich als Schranke, Sollen. + +Dass die Grenze, die am Etwas ueberhaupt ist, Schranke sey, muss es +zugleich in sich selbst ueber sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf +sie als auf ein Nichtseyendes beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt +ruhig gleichgueltig, gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber +ueber seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobenseyn, das +gegen sie negative Ansichseyn ist. Und indem sie in der Bestimmung +selbst als Schranke ist, geht Etwas damit ueber sich selbst hinaus. + +Das Sollen enthaelt also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an +sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber +dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden, +aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist. + +Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf +seine Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist +Schranke. Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst +endlich, sowohl das Sollen, als die Schranke. Aber nur die Schranke +ist als das Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit fuer +uns, beschraenkt. Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon +immanente Grenze ist es beschraenkt, aber diese seine Beschraenkung ist +in das Ansichseyn eingehuellt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach +seiner Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn +gesetzt. + +Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es waere, so sollte +es nicht bloss seyn. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke. +Diese Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die +Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, naemlich +zugleich nur eine Bestimmtheit. + +Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum +Sollen herab, dadurch dass dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in +einer und derselben Ruecksicht als Nichtseyn ist; und zwar so, dass im +Insichseyn, der Negation der Negation, jenes Ansichseyn als die eine +Negation (das Negirende) Einheit mit der anderen ist, die zugleich +als qualitativ andere, Grenze ist, wodurch jene Einheit als Beziehung +auf sie ist. Die Schranke des Endlichen ist nicht ein Aeusseres, +sondern seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke; und diese +ist sowohl sie selbst als auch Sollen; sie ist das Gemeinschaftliche +beider, oder vielmehr das, worin beide identisch sind. + +Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche ueber seine Schranke +hinaus; dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch +aufgehoben, und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht +seine Grenze. + +Als Sollen ist somit Etwas ueber seine Schranke erhaben, umgekehrt hat +es aber nur als Sollen seine Schranke. Beides ist untrennbar. Etwas +hat insofern eine Schranke, als es in seiner Bestimmung die Negation +hat, und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke. + +Anmerkung. + +Das Sollen hat neuerlich eine grosse Rolle in der Philosophie, +vornehmlich in Beziehung auf Moralitaet, und metaphysisch ueberhaupt +auch als der letzte und absolute Begriff von der Identitaet des +Ansichseyns oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit +oder der Grenze gespielt. + +Du kannst, weil du sollst,--dieser Ausdruck, der viel sagen sollte, +liegt im Begriffe des Sollens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn +ueber die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben, das +Ansichseyn des Sollens ist so identische Beziehung auf sich, somit +die Abstraktion des Koennens.--Aber umgekehrt ist es eben so richtig: +Du kannst nicht, eben weil du sollst. Denn im Sollen liegt ebenso +sehr die Schranke als Schranke; jener Formalismus der Moeglichkeit hat +an ihr eine Realitaet, ein qualitatives Andersseyn, sich gegenueber, +und die Beziehung beider auf einander ist der Widerspruch, somit das +Nicht-Koennen oder vielmehr die Unmoeglichkeit. + +Im Sollen beginnt das Hinausgehen ueber die Endlichkeit, die +Unendlichkeit. Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer +Entwickelung, nach jener Unmoeglichkeit als der Progress ins Unendliche +darstellt. + +In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens koennen zwei +Vorurtheile naeher geruegt werden. Es pflegt zuerst viel auf die +Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und es +wird behauptet, es koenne ueber die Schranke nicht hinausgegangen +werden. In dieser Behauptung liegt die Bewusstlosigkeit, dass darin +selbst, dass etwas als Schranke bestimmt ist, darueber bereits +hinausgegangen ist. Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke +nur bestimmt, im Gegensatz gegen sein Anderes ueberhaupt, also gegen +sein Unbeschraenktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus +ueber dieselbe. Der Stein, das Metall ist nicht ueber seine Schranke +hinaus, darum weil sie fuer ihn nicht Schranke ist. Wenn jedoch bei +solchen allgemeinen Saetzen des verstaendigen Denkens, dass ueber die +Schranke nicht hinausgegangen werden koenne, das Denken sich nicht +anwenden will, um zu sehen, was im Begriffe liegt, so kann an die +Wirklichkeit verwiesen werden, wo denn solche Saetze sich als das +Unwirklichste zeigen. Dadurch eben, dass das Denken etwas Hoeheres, +als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich entfernt in hoeheren Regionen +halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen bestimmt ist, geht +es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und geschieht ihm +andererseits, dass es sich ebenso unwahr gegen die Wirklichkeit als +gegen den Begriff verhaelt.--Weil der Stein nicht denkt, nicht einmal +empfindet, ist seine Beschraenktheit fuer ihn keine Schranke, d. h. in +ihm nicht eine Negation fuer die Empfindung, Vorstellung, Denken u.s.f. +die er nicht hat. Aber auch selbst der Stein ist als Etwas in seine +Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn unterschieden, und +insofern geht auch er ueber seine Schranke hinaus; der Begriff der er +an sich ist, enthaelt die Identitaet mit seinem Anderen. Ist er eine +saeurungsfaehige Basis, so ist er oxidirbar, neutralisirbar u.s.f. In +der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich seine Schranke, nur +als Basis da zu seyn, auf; er geht darueber hinaus; sowie die Saeure +ihre Schranke als Saeure zu seyn aufhebt, und es ist in ihr wie in der +kaustischen Basis sosehr das Sollen, ueber ihre Schranke hinauszugehen, +vorhanden, dass sie nur mit Gewalt als--wasserlose, d. i. rein nicht +neutrale--Saeure und kaustische Basis festgehalten werden koennen. + +Enthaelt aber eine Existenz den Begriff nicht bloss als abstraktes +Ansichseyn, sondern als fuer sich seyende Totalitaet, als Trieb, als +Leben, Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus +ihr diess, ueber die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen. Die +Pflanze geht ueber die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso ueber die, +als Bluethe, als Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird +entfaltete Pflanze, die Bluethe verblueht u.s.f. Das Empfindende in +der Schranke des Hungers, Durstes u.s.f. ist der Trieb ueber diese +Schranke hinauszugehen und vollfuehrt diess Hinausgehen. Es empfindet +Schmerz, und das Vorrecht empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden; +es ist eine Negation in seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke +in seinem Gefuehle bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefuehl +seiner Selbst hat, welches die Totalitaet ist, das ueber jene +Bestimmtheit hinaus ist. Waere es nicht darueber hinaus, so empfaende +es dieselbe nicht als seine Negation und haette keinen Schmerz.--Die +Vernunft aber, das Denken, sollte nicht ueber die Schranke hinausgehen +koennen,--sie, die das Allgemeine, das fuer sich ueber die, d. i. ueber +alle Besonderheit hinaus ist, nur das Hinausgehen ueber die Schranke +ist.--Freilich ist nicht jedes Hinausgehen und Hinausseyn ueber die +Schranke eine wahrhafte Befreiung von derselben, wahrhafte +Affirmation; schon das Sollen selbst ist ein solches unvollkommenes +Hinausgehen, und die Abstraktion ueberhaupt. Aber das Hinweisen auf +das ganz abstrakte Allgemeine reicht aus gegen die ebenso abstrakte +Versicherung, es koenne nicht ueber die Schranke hinausgegangen werden, +oder schon das Hinweisen auf das Unendliche ueberhaupt gegen die +Versicherung, dass nicht ueber das Endliche hinausgegangen werden koenne. + +Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens erwaehnt +werden,--wenn ein Magnet Bewusstseyn haette, so wuerde derselbe seine +Richtung nach Norden fuer eine Bestimmung seines Willens, ein Gesetz +seiner Freyheit ansehen. Vielmehr wenn er Bewusstseyn damit Willen +und Freiheit haette, waere er denkend, somit wuerde der Raum fuer ihn als +allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine Richtung +nach Norden vielmehr als eine Schranke fuer seine Freyheit seyn, so +sehr als es fuer den Menschen eine Schranke auf einer Stelle +festgehalten zu werden, fuer die Pflanze aber nicht ist. + +Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen ueber die Schranke, aber +ein selbst nur endliches Hinausgehen. Es hat daher seine Stelle und +sein Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das +Beschraenkte festhaelt und es als die Regel und das Wesentliche gegen +das Nichtige behauptet. Die Pflicht ist ein Sollen gegen den +besonderen Willen, gegen die selbstsuechtige Begierde und das +willkuerliche Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner +Beweglichkeit sich vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein +Sollen vorgehalten. Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch +halten, und darin, dass das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes +anerkannt wird, meinen, dass die Moralitaet zerstoert werden solle, +sowie die Raisonneurs, deren Verstand sich die unaufhoerliche +Befriedigung giebt, gegen Alles, was da ist, ein Sollen und somit ein +Besser-wissen vorbringen zu koennen, die sich das Sollen darum ebenso +wenig wollen rauben lassen, sehen nicht, dass fuer die Endlichkeit +ihrer Kreise das Sollen vollkommen anerkannt wird.--Aber in der +Wirklichkeit selbst steht es nicht so traurig um Vernuenftigkeit und +Gesetz, dass sie nur seyn sollten, dabei bleibt nur das Abstraktum des +Ansichseyns,--so wenig als dass das Sollen an ihm selbst perennirend +und, was dasselbe ist, die Endlichkeit absolut waere. Die Kantische +und Fichtesche Philosophie giebt als den hoechsten Punkt der Aufloesung +der Widersprueche der Vernunft das Sollen an, was aber vielmehr nur +der Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit im +Widerspruche, ist. + +3. Uebergang des Endlichen in das Unendliche. + +Das Sollen fuer sich enthaelt die Schranke, und die Schranke das Sollen. +Ihre Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide +in seinem Insichseyn enthaelt. Diese Momente seiner Bestimmung sind +sich qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das +Negative des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der +Schranke. Das Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es +hebt sich auf, vergeht. Aber diess sein Resultat, das Negative +ueberhaupt, ist a) seine Bestimmung selbst; denn es ist das Negative +des Negativen. So ist das Endliche in dem Vergehen nicht vergangen; +es ist zunaechst nur ein anderes Endliches geworden, welches aber +ebenso das Vergehen als Uebergehen in ein anderes Endliches ist, und +so fort, etwa ins Unendliche. Aber ss) naeher diess Resultat betrachtet, +so hat das Endliche in seinem Vergehen, dieser Negation seiner +selbst, sein Ansichseyn erreicht, es ist darin mit sich selbst +zusammengegangen. Jedes seiner Momente enthaelt eben diess Resultat; +das Sollen geht ueber die Schranke, d. i. ueber sich selbst hinaus; +ueber es hinaus aber oder sein Anderes ist nur die Schranke selbst. +Die Schranke aber weist ueber sich selbst unmittelbar hinaus zu seinem +Anderen, welches das Sollen ist; dieses aber ist dieselbe Entzweiung +des Ansichseyns und des Daseyns wie die Schranke, ist dasselbe; ueber +sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit sich zusammen. Diese +Identitaet mit sich, die Negation der Negation, ist affirmatives Seyn, +so das Andere des Endlichen, als welches die erste Negation zu seiner +Bestimmtheit haben soll;--jenes Andere ist das Unendliche. + +C. Die Unendlichkeit + +Das Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunaechst als eine +neue Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die +bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden. Die +Formen des Daseyns fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die fuer +Definitionen des Absoluten angesehen werden koennen, da die Formen +jener Sphaere fuer sich unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als +endliche ueberhaupt, gesetzt sind. Das Unendliche aber gilt +schlechthin fuer absolut, da es ausdruecklich als Negation des +Endlichen bestimmt ist, hiermit auf die Beschraenktheit, deren das +Seyn und Werden, wenn sie auch an ihnen keine Beschraenktheit haben +oder zeigen, doch etwa faehig seyn koennten, im Unendlichen +ausdruecklich Beziehung genommen und eine solche an ihm negirt ist. + +Damit aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der +Beschraenktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den +wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit, +das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu +unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche, und es +wird sich ergeben, dass eben indem das Unendliche vom Endlichen rein +und entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird. + +Das Unendliche ist + +a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen; + +b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist +das abstrakte, einseitige Unendliche; + +c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein +Process,--ist das wahrhafte Unendliche. + +a. Das Unendliche ueberhaupt. + +Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das +Seyn, das sich aus der Beschraenktheit wieder hergestellt hat. Das +Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare +Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei +dem Namen des Unendlichen geht dem Gemueth und dem Geiste sein Licht +auf, denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt +sich zu sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit, +seiner Freiheit. + +Zuerst hat sich fuer den Begriff des Unendlichen ergeben, dass das +Daseyn in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und ueber die +Schranke hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, ueber +sich hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden. +Das Unendliche steht somit nicht als ein fuer sich Fertiges ueber dem +Endlichen, so dass das Endliche ausser oder unter jenem sein Bleiben +haette und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft +ueber das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, dass das +Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft +ueber das Zeitliche erheben, so laesst man diess ganz unbeschadet des +Endlichen geschehen, welches jene ihm aeusserlich bleibende Erhebung +nichts angeht. Insofern aber das Endliche selbst in die +Unendlichkeit erhoben wird, ist es eben so wenig eine fremde Gewalt, +welche ihm diess anthut, sondern es ist diess seine Natur, sich auf +sich als Schranke, sowohl als Schranke als solche, wie als Sollen, zu +beziehen, und ueber dieselbe hinauszugehen, oder vielmehr als +Beziehung auf sich sie negirt zu haben und ueber sie hinaus zu seyn. +Nicht im Aufheben der Endlichkeit ueberhaupt wird die Unendlichkeit +ueberhaupt, sondern das Endliche ist nur diess, selbst durch seine +Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit ist seine affirmative +Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist. + +So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur +das Unendliche. + +b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen. + +Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die +Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als +Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines +bestimmten ueberhaupt, naeher weil es das in sich-reflektirte, +vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit ueberhaupt resultirende +Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn +gesetzt ist,--in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze, +zurueckgefallen. Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem +Unendlichen als reales Daseyn gegenueber; so stehen sie in +qualitativer Beziehung als ausser einander bleibende; das unmittelbare +Seyn des Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen +wieder, das zunaechst im Unendlichen verschwunden schien. + +Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien +der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloss +Andere gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist naemlich die als +Schranke gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung +gesetzt in sein Ansichseyn ueberzugehen, unendlich zu werden. Die +Unendlichkeit ist das Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und +Sollen, aber dieses zugleich als in sich reflektirt, das ausgefuehrte +Sollen, nur sich auf sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der +Unendlichkeit ist die Befriedigung vorhanden, dass alle Bestimmtheit, +Veraenderung, alle Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden, +als aufgehoben, das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese +Negation des Endlichen ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als +Negation der Negation in sich affirmativ ist. Diese Affirmation +jedoch ist als qualitativ unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn; +hierdurch ist das Unendliche auf die Kategorie zurueckgefuehrt, dass es +das Endliche als ein Anderes sich gegenueber hat; seine negative Natur +ist als die seyende, hiermit erste und unmittelbare Negation gesetzt. +Das Unendliche ist auf diese Weise mit dem Gegensatze gegen das +Endliche behaftet, welches, als Anderes, das bestimmte, reale Daseyn +zugleich bleibt, obschon es in seinem Ansichseyn, dem Unendlichen, +zugleich als aufgehoben gesetzt ist; dieses ist das Nicht-endliche; +--ein Seyn in der Bestimmtheit der Negation. Gegen das Endliche, den +Kreis der seyenden Bestimmtheiten, der Realitaeten, ist das Unendliche +das unbestimmte Leere, das Jenseits des Endlichen, welches sein +Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein bestimmtes ist, hat. + +So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von +Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das +Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es fuer die hoechste, fuer die +absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewusstseyn darueber zu bringen, dass, +indem er seine Befriedigung in der Versoehnung der Wahrheit erreicht +zu haben meint, er in dem unversoehnten, unaufgeloesten, absoluten +Widerspruche sich befindet, muessten die Widersprueche bewirken, in die +er nach allen Seiten verfaellt, so wie er sich auf die Anwendung und +Explikation dieser seiner Kategorien einlaesst. + +Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, dass dem Unendlichen +das Endliche als Daseyn gegenueber bleibt; es sind damit zwei +Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine +endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des +Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches +Unendliches. + +Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdruecklicheren +Formen.--Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt, +auch indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, uebergegangen wird;-- +dieses hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu +seiner Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene +Negation, als Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher +noch Etwas ist. Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt +erhebende Verstand zu seinem Hoechsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so +bleibt ihm diese endliche Welt als ein Diesseits stehen, so dass das +Unendliche nur ueber dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und +eben damit das Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;--beide +an einen verschiedenen Platz gestellt,--das Endliche als das hiesige +Daseyn, das Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als +ein Jenseits in die truebe, unerreichbare Ferne, ausserhalb welcher +jenes sich befinde und dableibe. + +So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie +abscheidende Negation auf einander bezogen. Diese sie, die in sich +reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze +des einen gegen das Andere; und zwar so, dass jedes derselben, sie +nicht bloss gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr +Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst fuer sich, in seiner +Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist aber als die erste +Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst. Jedoch +ist jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation +seiner Grenze; so stoesst es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von +sich ab, und qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes +Seyn ausser ihm, das Endliche sein Nichtseyn als diess Unendliche, +dieses ebenso das Endliche. Dass von dem Endlichen zum Unendlichen +nothwendig d. h. durch die Bestimmung des Endlichen uebergegangen und +es als zum Ansichseyn erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das +Endliche zwar als bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an +sich nichtige also sich nach seiner Bestimmung aufloesende bestimmt +ist, das Unendliche aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet, +bestimmt ist, aber zugleich auch als das Ansichseyende, so dass diese +Abstraktion der sich auf sich beziehenden Affirmation seine +Bestimmung ausmache, nach dieser hiermit das endliche Daseyn nicht in +ihr liege. Aber es ist gezeigt worden, dass das Unendliche selbst nur +vermittelst der Negation, als Negation der Negation, zum affirmativen +Seyn resultirt, und dass diese seine Affirmation als nur einfaches, +qualitatives Seyn genommen, die in ihm enthaltene Negation, zur +einfachen unmittelbaren Negation, und damit zur Bestimmtheit und +Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als widersprechend seinem +Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das Seinige, vielmehr +seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche, gesetzt wird. +Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung das Setzen +seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre Einheit ist +in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist die +innerliche, die nur zu Grunde liegt. + +Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im +Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Uebergehen des +Endlichen zum Unendlichen, und umgekehrt; so dass das Unendliche an +dem Endlichen, und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem +Anderen, nur hervortrete, das heisst, jedes ein eigenes unmittelbares +Entstehen an dem Anderen und ihre Beziehung nur eine aeusserliche sey. + +Der Process ihres Uebergehens hat folgende, ausfuehrliche Gestalt. Es +wird ueber das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Diess +Hinausgehen erscheint als ein aeusserliches Thun. In diesem dem +Endlichen jenseitigen Leeren was entsteht? Was ist das Positive +darin? Um der Untrennbarkeit des Unendlichen und Endlichen willen, +(oder weil diess auf seiner Seite stehende Unendliche selbst +beschraenkt ist), entsteht die Grenze; das Unendliche ist verschwunden, +sein Anderes, das Endliche, ist eingetreten. Aber diess Eintreten +des Endlichen, erscheint als ein dem Unendlichen aeusserliches +Geschehen, und die neue Grenze als ein solches, das nicht aus dem +Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso vorgefunden werde. Es +ist damit der Rueckfall in die vorherige, vergebens aufgehobene +Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist selbst nur ein +solches, das aufzuheben, oder ueber das hinaus zu gehen ist. Somit +ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem ebenso jene +Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,--und sofort ins +Unendliche. + +Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden; +das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf +das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf +das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere +gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist +jedes die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner +Bestimmtheit Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein +Anderes ist. + +Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist +es, welche als der Progress ins Unendliche auftritt, der in so vielen +Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, ueber das nicht mehr +hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins +Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.--Dieser +Progress tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer +Entgegensetzung getrieben sind, so dass sie in untrennbarer Einheit +sind, und doch jeder gegen die andere ein selbststaendiges Daseyn +zugeschrieben wird. Dieser Progress ist daher der Widerspruch, der +nicht aufgeloest ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen +wird. + +Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollstaendig bleibt, +indem ueber diess Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird. Es +ist das Unendliche vorhanden; ueber dasselbe wird allerdings +hinausgegangen, denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit +eben wird vielmehr nur zum Endlichen zurueckgekehrt. Diese schlechte +Unendlichkeit ist an sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie +ist zwar die Negation des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in +Wahrheit davon zu befreien; diess tritt an ihr selbst wieder hervor, +als ihr Anderes, weil diess Unendliche nur ist als in Beziehung auf +das ihm andere Endliche. Der Progress ins Unendliche ist daher nur +die sich wiederholende Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige +Abwechslung dieses Endlichen und Unendlichen. + +Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen +als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich. +Somit waere es aber in der That als die Einheit des Endlichen und +Unendlichen gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt. +Sie ist es jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im +Unendlichen das Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die +Triebfeder des unendlichen Progresses. Er ist das Aeussere jener +Einheit, bei welchem die Vorstellung stehen bleibt, bei jener +perennirenden Wiederholung eines und desselben Abwechselns, der +leeren Unruhe des Weitergehens ueber die Grenze hinaus zur +Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue Grenze findet, auf +derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem Unendlichen. +Dieses Unendliche hat die feste Determination eines Jenseits, das +nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht werden soll, +weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden Negation nicht +abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das Endliche als ein +Diesseits sich gegenueber, das sich eben so wenig ins Unendliche +erheben kann, darum weil es diese Determination eines Andern, hiermit +eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und zwar als +davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat. + +c. Die affirmative Unendlichkeit. + +In dem aufgezeigten herueber- und hinuebergehenden Wechselbestimmen des +Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon +vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist. +Diess Herueber- und Hinuebergehen macht die aeussere Realisation des +Begriffes aus; es ist in ihr das, aber aeusserlich, ausser einander +fallend, gesetzt, was der Begriff enthaelt; es bedarf nur der +Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit +sich ergiebt, die den Begriff selbst giebt;--die Einheit des +Unendlichen und Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber +vornehmlich in Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck fuer +die Einheit, wie sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen +dieser schiefen Bestimmung muss in jener vor uns liegenden Aeusserung +des Begriffes vorhanden seyn. + +Nach ihrer naechsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist +das Unendliche nur als das Hinausgehen ueber das Endliche; es ist +seiner Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das +Endliche nur als das, worueber hinausgegangen werden muss, die Negation +seiner an ihm selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt +hiermit die Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des +unendlichen Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und +nur abwechselnd auf einander folgen; es kann keines gesetzt und +gefasst werden ohne das Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche, +dieses nicht ohne das Unendliche. Wenn gesagt wird, was das +Unendliche ist, naemlich die Negation des Endlichen, so wird das +Endliche selbst mit ausgesprochen; es kann zur Bestimmung des +Unendlichen nicht entbehrt werden. Man bedarf nur zu wissen, was man +sagt, um die Bestimmung des Endlichen im Unendlichen zu finden. Vom +Endlichen seinerseits wird sogleich zugegeben, dass es das Nichtige +ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die Unendlichkeit, von der es +ebenso untrennbar ist.--In diesem Auffassen koennen sie nach ihrer +Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn scheinen. Werden sie +hiermit beziehungslos genommen, so dass sie nur durch das: Und +verbunden seyen, so stehen sie als selbststaendig, jedes nur an ihm +selbst seyend, einander gegenueber. Es ist zu sehen, wie sie in +solcher Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines +der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es +ist nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem +gegenueberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche. +Es sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, dass es so vom +Endlichen abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt +seine Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.--Das +Endliche seinerseits als fuer sich vom Unendlichen entfernt gestellt, +ist diese Beziehung auf sich, in der seine Relativitaet, Abhaengigkeit, +seine Vergaenglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbststaendigkeit +und Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll. + +Beide Betrachtungsweisen, die zunaechst eine verschiedene Bestimmtheit +zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur +als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden +auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer voelligen Absonderung +von einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das +Unendliche und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die +ihnen aeusserlich waere, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist, +was es ist, enthaelt so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung, +ebenso sehr als jedes fuer sich genommen, an ihm selbst betrachtet, +sein Anderes in ihm als sein eigenes Moment liegen hat. + +Diess giebt denn die--verrufene--Einheit des Endlichen und Unendlichen, +--die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und +die Endlichkeit in sich begreift,--also das Unendliche in einem +anderen Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und +auf die andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden +werden muessen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die +Einheit beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das +Gemeinschaftliche, die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als +Einheit sie zunaechst als negirte, da jedes das seyn soll, was es ist +in ihrer Unterschiedenheit; in ihrer Einheit verlieren sie also ihre +qualitative Natur;--eine wichtige Reflexion gegen die Vorstellung, +die sich nicht davon losmachen will, in der Einheit des Unendlichen +und Endlichen sie nach der Qualitaet, welche sie als aussereinander +genommen haben sollen, festzuhalten, und daher in jener Einheit +nichts als den Widerspruch, nicht auch die Aufloesung desselben durch +die Negation der qualitativen Bestimmtheit beider sieht; so wird die +zunaechst einfache, allgemeine Einheit des Unendlichen und Endlichen +verfaelscht. + +Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so +ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist, +in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner +Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit +an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur +Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das +schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung, +welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag +einer Qualitaet solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes +Unendliches. Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur +das Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein +Gegentheil an ihm hat, wird es ueber seinen Werth und zwar so zu sagen +unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt. + +Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch +die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfaelscht. +Diess geschieht hier ebenso dadurch, dass in der einen der beiden +Einheiten, das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das +An-sich-seyn angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit +und Schranke gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn +herabgesetzt und verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls +als das nicht negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so +dass es in seiner Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht +sey, erhoben, und dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr +perennirende Bestimmung verunendlicht werde. + +Die Verfaelschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen +vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit +festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut +getrennt zu behaupten, gruendet sich auf das Vergessen dessen, was fuer +ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die +Einheit des Endlichen und Unendlichen nicht ein aeusserliches +Zusammenbringen derselben, noch eine ungehoerige, ihrer Bestimmung +zuwiderlaufende Verbindung, in welcher an sich getrennte und +entgegengesetzte, gegeneinander Selbststaendige, Seyende, somit +unvertraegliche verknuepft wuerden, sondern jedes ist an ihm selbst +diese Einheit, und diess nur als Aufheben seiner selbst worin keines +vor dem andern einen Vorzug des Ansichseyns und affirmativen Daseyns +haette. Wie frueher gezeigt, ist die Endlichkeit nur als Hinausgehen +ueber sich; es ist also in ihr die Unendlichkeit, das Andere ihrer +selbst, enthalten. Eben so ist die Unendlichkeit nur als Hinausgehen +ueber das Endliche; sie enthaelt also wesentlich ihr Anderes, und ist +somit an ihr das Andere ihrer selbst. Das Endliche wird nicht vom +Unendlichen als einer ausser ihm vorhandenen Macht aufgehoben, sondern +es ist seine Unendlichkeit, sich selbst aufzuheben. + +Diess Aufheben ist somit nicht die Veraenderung oder das Andersseyn +ueberhaupt, nicht das Aufheben von Etwas. Das, worin sich das +Endliche aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit; +aber diese ist laengst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn +bestimmt. Es ist also nur die Negation, die sich in der Negation +aufhebt. So ist ihrer Seits die Unendlichkeit als das Negative der +Endlichkeit und damit der Bestimmtheit ueberhaupt, als das leere +Jenseits, bestimmt; sein Sich-aufheben im Endlichen ist ein +Zurueckkehren aus der leeren Flucht, Negation des Jenseits, das ein +Negatives an ihm selbst ist. + +Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation. +Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation +aber als Rueckkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung, +welche die Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es, +die wesentlich ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, dass sie +im unendlichen Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm +gesetzt sind,--naemlich noch nicht in ihrer letzten Wahrheit. + +Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche +negirt,--es wird ueber beide auf gleiche Weise hinausgegangen; +zweitens werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern, +als fuer sich Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen +vergleichend heraus, wie wir in der Vergleichung, einem aeusseren +Vergleichen, die zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und +Unendlichen in ihrer Beziehung, und ihrer jedes fuer sich genommen, +getrennt haben. Aber der unendliche Progress spricht mehr aus, es ist +in ihm auch der Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch +zunaechst nur noch als Uebergang und Abwechslung; es ist nur in einer +einfachen Reflexion von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden +ist. + +Zunaechst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im +unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander, +nur aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen, +so wird ueber die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist +also das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in +diesem entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen ueber das +Unendliche vorhanden. Diess zweifache Aufheben ist jedoch Theils +ueberhaupt nur als ein aeusserliches Geschehen und Abwechseln der +Momente, Theils noch nicht als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser +Hinaus ist ein eigener Ansatz, ein neuer Akt, so dass sie so +auseinander fallen.--Es ist aber auch ferner im unendlichen Progresse +deren Beziehung vorhanden. Es ist erstlich das Endliche; dann wird +darueber hinausgegangen, diess Negative oder Jenseits des Endlichen ist +das Unendliche; drittens wird ueber diese Negation wieder +hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze, wieder ein Endliches. +--Diess ist die vollstaendige, sich selbst schliessende Bewegung, die +bei dem angekommen, das den Anfang machte; es entsteht dasselbe, von +dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche ist wiederhergestellt; +dasselbe ist also mit sich selbst zusammengegangen, hat nur sich in +seinem Jenseits wiedergefunden. + +Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen, +dem Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe +Schicksal hat, als Endliches negirt werden zu muessen. Was so wieder +vorhanden ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen +Grenze verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben, +durch die neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder +von dem Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur diess, in das +Unendliche ueberzugehen,--noch von sich selbst, denn es ist bei sich +angekommen. + +So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu +sich durch seine Negation zurueckzukehren; sie sind nur als +Vermittelung in sich, und das Affirmative beider enthaelt die Negation +beider, und ist die Negation der Negation.--Sie sind so Resultat, +hiermit nicht das, was sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind; +--nicht das Endliche ein Daseyn seinerseits und das Unendliche ein +Daseyn, oder Ansichseyn jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich +bestimmten. Gegen die Einheit des Endlichen und Unendlichen straeubt +sich der Verstand nur darum so sehr, weil er die Schranke und das +Endliche wie das Ansichseyn als perennirend voraussetzt; damit +uebersieht er die Negation beider, die im unendlichen Progresse +faktisch vorhanden ist, wie ebenso, dass sie darin nur als Momente +eines Ganzen vorkommen und dass sie nur vermittelst ihres Gegentheils +aber wesentlich ebenso vermittelst des Aufhebens ihres Gegentheils +hervortreten. + +Wenn zunaechst die Rueckkehr in sich, ebenso wohl als Rueckkehr des +Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet +wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit, +die mit der so eben geruegten Schiefheit zusammenhaengt; das Endliche +ist das eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt +genommen, und nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber +voellig gleichgueltig, welches als Anfang genommen werde; damit faellt +der Unterschied fuer sich hinweg, der die Zweiheit der Resultate +hervorbrachte. Diess ist in der nach beiden Seiten unbegrenzten Linie +des unendlichen Progresses gleichfalls gesetzt, worin jedes der +Momente mit gleichem abwechselnden Vorkommen vorhanden, und es ganz +aeusserlich ist, in welche Stelle gegriffen und als Anfang genommen +werde.--Sie sind in demselben unterschieden, aber auf gleiche Weise +das eine nur das Moment des andern. Indem sie beide, das Endliche +und das Unendliche selbst Momente des Processes sind, sind sie +gemeinschaftlich das Endliche, und indem sie ebenso gemeinschaftlich +in ihm und im Resultate negirt sind, so heisst dieses Resultat als +Negation jener Endlichkeit beider mit Wahrheit das Unendliche. Ihr +Unterschied ist so der Doppelsinn, den beide haben. Das Endliche hat +den Doppelsinn, erstens nur das Endliche gegen das Unendliche zu seyn, +das ihm gegenuebersteht, und zweitens das Endliche und das ihm +gegenueberstehende Unendliche zugleich zu seyn. Auch das Unendliche +hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu seyn, so ist es das +Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in welchem jene beide, +es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie also das +Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Process zu seyn, in +welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem +Endlichen gegenueber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn, +und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner +aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu +seyn. + +Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon +geruegte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefasst +werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit, +und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende. Das Unendliche +aber ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als +Werden, aber das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden. +Dieses hat zunaechst das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen +Bestimmungen; als Veraenderung Daseyende, Etwas und Anderes; nun als +Unendliches, Endliches und Unendliches, selbst als Werdende. + +Dieses Unendliche als In-sich-Zurueckgekehrtseyn, Beziehung seiner auf +sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn, +denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch +Daseyn, denn es enthaelt die Negation ueberhaupt, somit die +Bestimmtheit. Es ist, und ist da, praesent, gegenwaertig. Nur das +Schlecht-Unendliche ist das Jenseits, weil es nur die Negation des +als real gesetzten Endlichen ist,--so ist es die abstrakte, erste +Negation; nur als negativ bestimmt, hat es nicht die Affirmation des +Daseyns in ihm; festgehalten als nur Negatives soll es sogar nicht da, +soll unerreichbar seyn. Diese Unerreichbarkeit ist aber nicht seine +Hoheit, sondern sein Mangel, welcher seinen letzten Grund darin hat, +dass das Endliche als solches als seyend festgehalten wird. Das +Unwahre ist das Unerreichbare; und es ist einzusehen, dass solches +Unendliche das Unwahre ist.--Das Bild des Progresses ins Unendliche +ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen nur, das Unendliche und +immer nur ist, wo sie,--und sie ist Daseyn--nicht ist, und die zu +diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus geht; als +wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurueckgebogen, wird deren Bild der +Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und ganz +gegenwaertig ist, ohne Anfangspunkt und Ende. + +Die wahrhafte Unendlichkeit so ueberhaupt als Daseyn, das als +affirmativ gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realitaet +in hoeherem Sinn,--als die frueher einfach bestimmte; sie hat hier +einen konkreten Inhalt erhalten. Das Endliche ist nicht das Reale, +sondern das Unendliche. So wird die Realitaet weiter als das Wesen, +der Begriff, die Idee u.s.f. bestimmt. Es ist jedoch ueberfluessig, +solche fruehere, abstraktere Kategorien, wie die Realitaet, bei dem +Konkreteren zu wiederholen und sie fuer konkretere Bestimmungen, als +jene an ihnen selbst sind, zu gebrauchen. Solches Wiederholen, wie +zu sagen, dass das Wesen oder dass die Idee das Reale sey, hat seine +Veranlassung darin, dass dem ungebildeten Denken die abstraktesten +Kategorien, wie Seyn, Daseyn, Realitaet Endlichkeit, die gelaeufigsten +sind. + +Hier hat die Zurueckrufung der Kategorie der Realitaet ihre bestimmtere +Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative +ist, hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener +Realitaet, die das endliche Daseyn ist, gegenueber gesetzt.--Die +Negation ist so als Idealitaet bestimmt; das Ideelle Das Ideale hat +eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schoenen und was dahin zieht), +als das Ideelle; hierher gehoert jene noch nicht; es wird hier +deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht. Bei der Realitaet findet +dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das Reelle und +Reale wird ungefaehr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung beider +Ausdruecke etwa gegeneinander hat kein Interesse. ist das Endliche, +wie es im wahrhaften Unendlichen ist,--als eine Bestimmung, Inhalt, +der unterschieden, aber nicht selbststaendig seyend, sondern als +Moment ist. Die Idealitaet hat diese konkretere Bedeutung, welche +durch Negation des endlichen Daseyns nicht vollstaendig ausgedruckt +ist.--In Beziehung auf Realitaet und Idealitaet wird aber der Gegensatz +des Endlichen und Unendlichen so gefasst, dass das Endliche fuer das +Reale gilt, das Unendliche aber fuer das Ideelle gilt; wie auch +weiterhin der Begriff als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles, +das Daseyn ueberhaupt dagegen als das Reale betrachtet wird. Auf +solche Weise hilft es freilich nichts fuer die angegebene konkrete +Bestimmung der Negation den eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben; +es wird in jenem Gegensatze wieder zu der Einseitigkeit des +abstrakten Negativen, die dem Schlechtunendlichen zukommt, +zurueckgegangen und bei dem affirmativen Daseyn des Endlichen beharrt. + +Der Uebergang. + +Die Idealitaet kann die Qualitaet der Unendlichkeit genannt werden; +aber sie ist wesentlich der Process des Werdens und damit ein Uebergang, +wie des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist. Als Aufheben der +Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der +ihr nur gegenueberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese +Rueckkehr in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn. Da in diesem Seyn +Negation ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation +der Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das +Daseyn, welches Fuersichseyn genannt wird. + +Anmerkung 1. + +Das Unendliche,--nach dem gewoehnlichen Sinne der schlechten +Unendlichkeit,--und der Progress ins Unendliche, wie das Sollen, sind +der Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst fuer die Aufloesung +und fuer das Letzte giebt. Diess Unendliche ist eine erste Erhebung +des sinnlichen Vorstellens ueber das Endliche in den Gedanken, der +aber nur den Inhalt von Nichts, dem ausdruecklich als Nichtseyend +gesetzten, hat,--eine Flucht ueber das Beschraenkte, die sich nicht in +sich sammelt, und das Negative nicht zum Positiven zurueckzubringen +weiss. Diese unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des +wahrhaft Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, +und die Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollstaendig vor sich, +aber bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine fuehrt +untrennbar den anderen herbei, aber sie laesst sie nur abwechseln. Die +Darstellung dieser Abwechslung, der unendliche Progress, tritt +allenthalben ein, wo in dem Widerspruche der Einheit zweier +Bestimmungen und des Gegensatzes derselben verharrt wird. Das +Endliche ist das Aufheben seiner selbst, es schliesst seine Negation, +die Unendlichkeit in sich;--die Einheit beider,--es wird hinaus ueber +das Endliche zum Unendlichen als dem Jenseits desselben gegangen, +--Trennung beider; aber ueber das Unendliche hinaus ist ein anderes +Endliches,--das Hinaus, das Unendliche, enthaelt die Endlichkeit, +--Einheit beider; aber diess Endliche ist auch ein Negatives des +Unendlichen;--Trennung beider, u.s.f.--So ist im +Kausalitaetsverhaeltniss Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache, +die keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung, +die keine Ursache haette, nicht mehr Wirkung. Diess Verhaeltniss giebt +daher den unendlichen Progress von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist +als Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (--und endlich +ist sie eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst +eine Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als +Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;--Einheit der +Ursache und der Wirkung;--das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem +eine Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und +als ein verschiedenes Etwas zu setzen;--diese neue Ursache ist aber +selbst nur eine Wirkung--Einheit der Ursache und Wirkung;--sie hat +ein Anderes zu ihrer Ursache;--Trennung beider Bestimmungen u.s.f. +ins Unendliche. + +Dem Progress kann so die eigenthuemlichere Form gegeben werden; es wird +die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit; +diese falsche Behauptung muss durch die entgegengesetzte berichtigt +werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt; +diese ist wieder dahin zu berichtigen, dass sie untrennbar sind, in +der einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer +Einheit und so fort ins Unendliche.--Es ist eine leichte Forderung, +welche um die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das +Bewusstseyn zu haben, dass der unendliche Progress, das entwickelte +Unendliche des Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung +der beiden Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente +zu seyn, und dann das fernere Bewusstseyn zu haben, dass diese Einheit +und diese Trennung selbst untrennbar sind. + +Die Aufloesung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der +gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider +Behauptungen;--diess ist nur eine andere Gestalt des bleibenden +Widerspruchs,--sondern die Idealitaet beider, als in welcher sie in +ihrem Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind; +jene eintoenige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der +Einheit als der Trennung derselben. In ihr ist ebenso faktisch das +oben Aufgezeigte vorhanden, dass das Endliche ueber sich hinaus in das +Unendliche faellt, aber ebenso ueber dasselbe hinaus sich selbst wieder +erzeugt findet, hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das +Unendliche gleichfalls; so dass dieselbe Negation der Negation sich +zur Affirmation resultirt, welches Resultat sich damit als ihre +Wahrheit und Urspruenglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als +der Idealitaet der Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt +verschwunden, sondern aufgeloest und versoehnt, und die Gedanken sind +nicht nur vollstaendig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die +Natur des spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem +ausgefuehrten Beispiele in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein +in dem Auffassen der entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit. +Indem jedes und zwar faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an +ihm selbst zu haben, und in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist +die affirmative Wahrheit diese sich in sich bewegende Einheit, das +Zusammenfassen beider Gedanken, ihre Unendlichkeit,--die Beziehung +auf sich selbst, nicht die unmittelbare, sondern die unendliche. + +Das Wesen der Philosophie ist haeufig von solchen, die mit dem Denken +schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten, +wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?--Diess, +meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei +dessen Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser +Darstellung weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit +der Formen das Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdruecken +will, zur Endlichkeit komme. Hier betrachten wir diese Frage nur in +ihrer Unmittelbarkeit, und in Ruecksicht des vorhin betrachteten +Sinnes, den das Unendliche zu haben pflegt. + +Von der Beantwortung dieser Frage soll es ueberhaupt abhaengen, ob es +eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen +zu wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art +von Vexirfrage, einen unueberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch +den man gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und +das Ankommen bei derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen +Gegenstaenden setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch +mehr aber bei philosophischen Gegenstaenden, um eine andere Antwort zu +erhalten, als die, dass die Frage nichts tauge.--Es pflegt bei solchen +Fragen die Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, dass es auf die +Worte nicht ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des +Ausdrucks verstaendlich sey, worauf es ankomme? Ausdruecke sinnlicher +Vorstellung, wie herausgehen und dergleichen, die bei der Frage +gebraucht werden, erwecken den Verdacht, dass sie aus dem Boden des +gewoehnlichen Vorstellens stamme, und fuer die Beantwortung auch +Vorstellungen, die im gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt +eines sinnlichen Gleichnisses erwartet werden. + +Wenn statt des Unendlichen das Seyn ueberhaupt genommen wird, so +scheint das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an +ihm, leichter begreiflich. Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte, +aber es ist nicht unmittelbar an ihm ausgedrueckt, dass es das +Gegentheil des Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthaelt diess +ausgedrueckt; es ist das Nicht-Endliche. Die Einheit des Endlichen +und Unendlichen scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die +unvollendete Reflexion ist darum am hartnaeckigsten gegen diese +Einheit. + +Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die +Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, dass +das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren +genommen wird,--naemlich als dem Endlichen gegenueberstehend,--darum +weil es ihm gegenuebersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon +begrenzt, und selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die +Antwort auf die Frage, wie das Unendliche endlich werde, ist somit +diese, dass es nicht ein Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist, +und das nachher erst endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen +noethig habe, sondern es ist fuer sich selbst schon eben so sehr +endlich als unendlich. Indem die Frage annimmt, dass das Unendliche +einer Seits fuer sich, und dass das Endliche, das aus ihm heraus in die +Trennung gegangen, oder wo es hergekommen seyn moechte, abgesondert +von ihm, wahrhaft real sey,--so waere vielmehr zu sagen, diese +Trennung sey unbegreiflich. Weder solches Endliches, noch solches +Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist unbegreiflich. Man +muss aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die Betrachtung +derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, dass in dem einen die +Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese ihre +Untrennbarkeit haben, heisst sie begreifen; diese Untrennbarkeit ist +ihr Begriff.--In der Selbststaendigkeit jenes Unendlichen und +Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und +enthaelt in sich schon eine unwahre Beziehung desselben. Darum ist +nicht auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen +Voraussetzungen, die sie enthaelt, d. i. die Frage selbst zu negiren. +Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen +wird der Standpunkt veraendert, und diese Veraenderung wird die +Verlegenheit, welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie +zurueckbringen; jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste +Frage stammt, neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative +Interesse enthaelt, welches, fuer sich und ehe es Bestimmungen bezieht, +darauf geht, zu erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden, +etwas Wahres seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten +Unendlichen, und des eben so auf seiner Seite stehen bleiben +sollenden Endlichen erkannt ist, so ist ueber das Herausgehen des +Endlichen aus dem Unendlichen zu sagen, das Unendliche gehe zur +Endlichkeit heraus, darum weil es keine Wahrheit, kein Bestehen an +ihm, wie es als abstrakte Einheit gefasst ist, hat; so umgekehrt geht +das Endliche aus demselben Grunde seiner Nichtigkeit in das +Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, dass das Unendliche +ewig zur Endlichkeit herausgegangen, dass es schlechthin nicht ist, so +wenig als das reine Seyn, allein fuer sich, ohne sein Anderes an ihm +selbst zu haben. + +Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch +die weitere Voraussetzung enthalten, dass das Unendliche an sich das +Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst +und seines Anderen sey, so dass die Schwierigkeit sich wesentlich auf +das Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider +entgegensteht. In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem +festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das +Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber +jene nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie +in jener Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und +Unendlichen genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits +darin auch vorhanden,--eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein +Loslassen derselben zu getrennter Selbststaendigkeit ist, sondern sie +als ideelle in der Einheit laesst. Diese Einheit des Unendlichen und +Endlichen und deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die +Endlichkeit und Unendlichkeit. + +Anmerkung 2. + +Der Satz, dass das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus. Der +Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das +Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede +Philosophie ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens +zu ihrem Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe +wirklich durchgefuehrt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die +Religion; denn die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig +als ein wahrhaftes Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein +Nicht-Gesetztes, Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von +idealistischer und realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung. +Eine Philosophie, welche dem endlichen Daseyn als solchem +wahrhaftes, letztes, absolutes Seyn zuschriebe, verdiente den Namen +Philosophie nicht; Principien aelterer oder neuerer Philosophien, das +Wasser, oder die Materie oder die Atome sind Gedanken, Allgemeine, +Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich unmittelbar vorfinden, d. h. in +sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes thaletische Wasser nicht; denn, +obgleich auch das empirische Wasser, ist es ausserdem zugleich das +Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und diese sind nicht +selbststaendige, in sich gegruendete, sondern aus einem Anderen, dem +Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip, das +Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff, +die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die +einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch +mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe +Doppelseite vorlaeufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen +sich gezeigt hat, naemlich dass das eine Mal das Ideelle das Konkrete, +Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente +das Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine +konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind. + +Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint, +und das was in meiner Vorstellung ueberhaupt, oder im Begriffe, in der +Idee, in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so dass Ideelles +ueberhaupt auch fuer Einbildungen gilt,--Vorstellungen, die nicht nur +vom Reellen unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen. +In der That ist der Geist der eigentliche Idealiste ueberhaupt; in +ihm, schon wie er empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er +denkend und begreifend ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes +reales Daseyn; in der Einfachheit des Ich ist solches aeusserliches +Seyn nur aufgehoben, es ist fuer mich, es ist ideell in mir. Dieser +subjektive Idealismus, er sey als der bewusstlose Idealismus des +Bewusstseyns ueberhaupt oder bewusst als Princip ausgesprochen und +aufgestellt, geht nur auf die Form der Vorstellung, nach der ein +Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im systematischen Idealismus +der Subjektivitaet als die einzig wahrhafte, die ausschliessende gegen +die Form der Objektivitaet oder Realitaet, des aeusserlichen Daseyns +jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist formell, indem er +den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht beachtet, welcher im +Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner Endlichkeit bleiben kann. +Es ist mit solchem Idealismus nichts verloren, ebenso wohl weil die +Realitaet solchen endlichen Inhalts, das mit Endlichkeit erfuellte +Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon abstrahirt wird, an sich an +solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll; und es ist nichts mit ihm +gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil Ich die Vorstellung, +der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit erfuellt bleibt. Der +Gegensatz der Form von Subjektivitaet und Objektivitaet ist allerdings +eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt, wie er in die Empfindung, +Anschauung oder auch in das abstraktere Element der Vorstellung, des +Denkens, aufgenommen wird, enthaelt die Endlichkeiten in Fuelle, welche +mit dem Ausschliessen jener nur einen Weise der Endlichkeit, der Form +von Subjektivem und objektivem, noch gar nicht weggebracht, noch +weniger von selbst weggefallen sind. + + + +Drittes Kapitel. Das Fuersichseyn. + + +Im Fuersichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das +unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das +Daseyn ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es +enthaelt so zunaechst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das +Seyn ist zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher +Einheit vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und +ihre Einheit noch nicht gesetzt. Das Daseyn ist darum die Sphaere der +Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit. Die Bestimmtheit +ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes +Bestimmtseyn. Im Fuersichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn +und der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualitaet, +Andersseyn, Grenze, wie Realitaet, Ansichseyn, Sollen u.s.f.--sind +die unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in +welchen die Differenz beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der +Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte +Negation der Negation, uebergegangen, ist sie einfache Beziehung auf +sich, also an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;--absolutes +Bestimmtseyn. + +Das Fuersichseyn ist erstens unmittelbar Fuersichseyendes, Eins. + +Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins ueber,--Repulsion; +welches Andersseyn des Eins sich in der Idealitaet desselben aufhebt, +Attraktion. + +Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in +welcher sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualitaet, +die sich im Fuersichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantitaet uebergeht. + +A. Das Fuersichseyn als solches. + +Der allgemeine Begriff des Fuersichseyns hat sich ergeben. Es kaeme +nur darauf an, nachzuweisen, dass jenem Begriffe die Vorstellung +entspricht, die wir mit dem Ausdrucke: Fuersichseyn verbinden, um +berechtigt zu seyn, denselben fuer jenen Begriff zu gebrauchen. Und +so scheint es wohl; wir sagen, dass etwas fuer sich ist, insofern als +es das Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem +aufhebt, sie zurueck-gestossen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist +in ihm nur als ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fuersichseyn +besteht darin, ueber die Schranke, ueber sein Andersseyn so +hinausgegangen zu seyn, dass es als diese Negation die unendliche +Rueckkehr in sich ist.--Das Bewusstseyn enthaelt schon als solches an +sich die Bestimmung des Fuersichseyns, indem es einen Gegenstand, den +es empfindet, anschaut u.s.f. sich vorstellt, d. i. dessen Inhalt in +ihm hat, der auf die Weise als Ideelles ist; es ist in seinem +Anschauen selbst, ueberhaupt in seiner Verwicklung mit dem Negativen +seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst. Das Fuersichseyn ist das +polemische, negative Verhalten, gegen das begrenzende Andere, und +durch diese Negation desselben In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben +dieser Rueckkehr des Bewusstseyns in sich, und der Idealitaet des +Gegenstandes, auch noch die Realitaet desselben erhalten ist, indem er +zugleich als ein aeusseres Daseyn gewusst wird. Das Bewusstseyn ist so +erscheinend, oder der Dualismus, einer Seits von einem ihm andern, +aeusserlichen Gegenstande zu wissen, und andererseits, fuer-sich zu seyn, +denselben in ihm ideell zu haben, nicht nur bei solchem Andern, +sondern darin auch bei sich selbst zu seyn. Das Selbstbewusstseyn +dagegen ist das Fuersichseyn als vollbracht und gesetzt; jene Seite +der Beziehung auf ein Anderes, einen aeussern Gegenstand ist entfernt. +Das Selbstbewusstseyn ist so das naechste Beispiel der Praesenz der +Unendlichkeit;--einer freilich immer abstrakten Unendlichkeit, die +jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung ist, als das +Fuersichseyn ueberhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur qualitative +Bestimmtheit hat. + +a. Daseyn und Fuersichseyn. + +Das Fuersichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn +zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative +Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der +nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als +Negation ueberhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist. Das +Seyn in solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich +vom Fuersichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fuersichseyn, +insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das +Daseyn zugleich Moment des Fuersichseyns selbst; denn dieses enthaelt +allerdings auch das mit der Negation behaftete Seyn. So ist die +Bestimmtheit, welche am Daseyn als solchem ein Anderes und +Seyn-fuer-Anderes ist, in die unendliche Einheit des Fuersichseyns +zurueckgebogen, und das Moment des Daseyns ist im Fuersichseyn als +Seyn-fuer-Eines vorhanden. + +b. Seyn-fuer-eines. + +Diess Moment drueckt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem +Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fuersichseyn hat die Negation +nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht +als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun diess Moment +als Seyn-fuer-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, fuer +welches es waere,--das Eine nicht, dessen Moment es waere. Es ist in +der That dergleichen noch nicht im Fuersichseyn fixirt; das fuer +welches Etwas (--und ist hier kein Etwas--) waere, was die andere +Seite ueberhaupt seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur +Seyn-fuer-Eines, noch nicht Eines.--Somit ist noch eine +Ununterschiedenheit zweier Seiten, die im Seyn-fuer-eines vorschweben +koennen, vorhanden; nur Ein Seyn-fuer-Anderes, und weil es nur Ein +Seyn-fuer-Anderes ist, ist dieses auch nur Seyn-fuer-Eines; es ist nur +die Eine ldealitaet dessen, fuer welches oder in welchem eine +Bestimmung als Moment und dessen, was Moment in ihm seyn sollte. So +machen Fuer-eines-seyn und das Fuersichseyn keine wahrhaften +Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der Unterschied auf einen +Augenblick angenommen und hier von einem Fuersichseyenden gesprochen +wird, so ist es das Fuersichseyende, als Aufgehobenseyn des +Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf das aufgehobene +Andere bezieht, also fuer-Eines ist; es bezieht sich in seinem Andern +nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig fuer-Eines, aber es ist +nicht fuer ein Anderes; das Eine, fuer welches es ist, ist nur es +selbst.--Ich also, der Geist ueberhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil +sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als fuer-sich-seyende, +verschieden von dem, das fuer-Eines ist. Denn so waeren sie nur +unmittelbare, oder naeher Daseyn und ein Seyn-fuer-Anderes, weil das, +welches fuer sie waere, nicht sie selbst, sondern ein Anderes waere, +wenn das Moment, fuer-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. +Gott ist daher fuer sich, insofern er selbst das ist, das fuer ihn ist. + +Fuer-sich-seyn und Fuer-Eines-seyn sind also nicht verschiedene +Bedeutungen der Idealitaet, sondern sind wesentliche, untrennbare +Momente derselben. + +Anmerkung. + +Der zunaechst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache fuer +die Frage nach der Qualitaet, was fuer ein Ding etwas sey, hebt das +hier betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus. Dieser +Ausdruck ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt, +was diess Ding A fuer ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch +fuer einen anderen Menschen sey;--sondern was diess fuer ein Ding, fuer +ein Mensch ist so dass diess Seyn-fuer-Eines zugleich zurueckgenommen ist +in diess Ding, in diesen Menschen selbst, dass dasjenige, welches ist, +und das fuer welches es ist, ein und dasselbe ist,--eine Identitaet, +als welche auch die Idealitaet betrachtet werden muss. + +Die Idealitaet kommt zunaechst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als +unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das +Reelle genommen werden kann. So aber ist das Ideelle wieder eins der +Momente und das Reale das andere; die Idealitaet aber ist diess, dass +beide Bestimmungen gleicherweise nur fuer Eines sind, und nur fuer +Eines gelten, welche Eine Idealitaet somit ununterschieden Realitaet +ist. In diesem Sinn ist das Selbstbewusstseyn, der Geist, Gott, das +Ideelle, als unendliche Beziehung rein auf sich,--Ich-ist fuer Ich, +beide sind dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien +ist jedes nur fuer-Eines, ideell; der Geist ist nur fuer den Geist, +Gott nur fuer Gott, und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist. +--Das Selbstbewusstseyn aber tritt als Bewusstseyn in den Unterschied +seiner und eines Anderen, oder seiner Idealitaet, in der es +vorstellend ist, und seiner Realitaet, indem seine Vorstellung einen +bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite hat, als das unaufgehobene +Negative, als Daseyn, gewusst zu werden. Jedoch den Gedanken, Geist, +Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den Standpunkt voraus, auf +welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt, und das Ideelle oder +das Seyn-fuer-Eines nur einen einseitigen Sinn hat. + +In einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und +gesagt worden, dass es bei einer Philosophie alsdann naeher darauf +ankomme, in wiefern das Princip durchgefuehrt ist. Ueber die Art +dieser Durchfuehrung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir +stehen, noch eine weitere Bemerkung gemacht werden. Diese +Durchfuehrung haengt zunaechst davon ab,--ob neben dem Fuersichseyn nicht +noch das endliche Daseyn selbststaendig bestehen bleibt, ausserdem aber +ob in dem Unendlichen schon selbst das Moment: fuer-Eines, ein +Verhalten des Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das +eleatische Seyn oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte +Negation aller Bestimmtheit, ohne dass in ihr selbst die Idealitaet +gesetzt waere;--bei Spinoza ist, wie weiter unten erwaehnt werden wird, +die Unendlichkeit nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur +die unbewegte Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur +Bestimmung des Fuersichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes. +Der Idealismus des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er +enthaelt folgende Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die +Ideen, und Vollkommenheiten aller Dinge in sich schliesst, so dass sie +nur die seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in +uns unsere Empfindungen von den Gegenstaenden durch eine Aktion, die +nichts Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, dass wir vom +Gegenstande nicht nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern +auch die Empfindung von dem Daseyn desselben erlangen ( De la +recherche de la Verite, Eclairc. sur la nature des idees etc.). Wie +also die ewigen Wahrheiten und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist +ihr Daseyn, in Gott, ideell, nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich +als unsere Gegenstaende, sind sie nur fuer Eines. Diess Moment des +explicirten und konkreten Idealismus, das im Spinozismus mangelt, ist +hier vorhanden, indem die absolute Idealitaet als Wissen bestimmt ist. +So rein und tief dieser Idealismus ist, so enthalten jene +Verhaeltnisse Theils noch viel fuer den Gedanken Unbestimmtes, Theils +aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die Suende und die +Erloesung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische Bestimmung +der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn muesste, ist nicht fuer +sich ausgefuehrt, und so jener erhabene und erfuellte Idealismus wohl +das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber noch nicht eines +reinen spekulativen, allein wahrhaft begruendenden, Denkens. Der +leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze des +abstrakten Begriffes.--Das leibnitzische vorstellende Wesen, die +Monade, ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fuersichseyn, +in welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein +Daseyn, sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls +eine konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung, +als die der Idealitaet; denn auch das Bewusstseynslose ueberhaupt ist +bei Leibnitz Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme +also das Andersseyn aufgehoben; Geist und Koerper, oder die Monaden +ueberhaupt sind nicht Andere fuer einander, sie begrenzen sich nicht, +haben keine Einwirkung aufeinander; es fallen ueberhaupt alle +Verhaeltnisse weg, welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die +Mannigfaltigkeit ist nur eine ideelle und innere, die Monade bleibt +darin nur auf sich selbst bezogen, die Veraenderungen entwickeln sich +innerhalb ihrer, und sind keine Beziehungen derselben auf andere. +Was nach der realen Bestimmung als da seyende Beziehung der Monaden +aufeinander genommen wird, ist ein unabhaengiges nur simultanes Werden, +in das Fuersichseyn einer jeden eingeschlossen.--Dass es mehrere +Monaden giebt, dass sie damit auch als Andere bestimmt werden, geht +die Monaden selbst nichts an; es ist diess die ausser ihnen fallende +Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an ihnen selbst Andere +gegeneinander; das Fuersichseyn ist rein ohne das Daneben eines +Daseyns gehalten.--Allein hierin liegt zugleich das Unvollendete +dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in Gott, als der +Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so Vorstellende. Das +Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin es wolle, in die +Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt werde, welches sie +als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit ihres Daseyns ist +nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden nur durch die +Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere seyen. Wenn es +ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es auch ein +Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze Bewegung, +welche sie zu ideellen macht, faellt ausser ihnen. Indem aber daran +erinnert werden kann, dass diese Bewegung des Gedankens selbst doch +nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu +erinnern, dass eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich +aeusserlich ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealitaet (der +Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (--durch die Vorstellung +des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen) +Vielheit des Daseyns uebergegangen, und von dieser ebenso abstrakt +zurueck zu jener Einheit. Die Idealitaet, das Vorstellen ueberhaupt, +bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewusstseyn +gesteigerte Vorstellen. + +Wie in dem oben angefuehrten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel, +die wenn sie ein Bewusstseyn haette, ihre Richtung nach Norden fuer eine +Bestimmung ihrer Freiheit ansehen wuerde, das Bewusstseyn nur als +einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgueltig +sey, gedacht wird, so ist die Idealitaet in den Monaden eine der +Vielheit aeusserlich bleibende Form. Die Idealitaet soll ihnen immanent, +ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre +Harmonie, die nicht in ihr Daseyn faellt, sie ist daher praestabilirt; +anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-fuer-Anderes, noch +weiter als Idealitaet gefasst, sondern nur als abstrakte Vielheit +bestimmt; die Idealitaet der Vielheit und die weitere Bestimmung +derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und +angehoerig. + +Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche, +kommt nicht ueber das Sollen oder den unendlichen Progress hinaus, und +bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fuersichseyns. In diesen +Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoss zwar +unmittelbar in das Ich und wird nur ein fuer dasselbe; aber er geht +von einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn +perennirt. Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als +fuersichseyend, als unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das +Fuer-Eines-seyn ist nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen +oder der Richtung nach dem Jenseits. + +c. Eins. + +Das Fuersichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines +Moments, des Seyns fuer-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, +die Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des +Fuersichseyns sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche +Unmittelbarkeit oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich +auf das Negiren gruendet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das +Fuersichseyn ist so, Fuersichseyendes, und indem in dieser +Unmittelbarkeit seine innere Bedeutung verschwindet, die ganz +abstrakte Grenze seiner selbst,--das Eins. + +Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden +Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser +Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den +Begriff des Eins als Fuersichseyns ausmachen, treten darin auseinander; +sie sind 1) Negation ueberhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier, +die dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5) +Beziehung auf sich, Identitaet als solche, 6) negative Beziehung und +doch auf sich selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander, +dass die Form der Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fuersichseyn als +Fuersichseyendem hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes +Moment als eine eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie +ebenso untrennbar. Somit muss von jeder Bestimmung ebenso ihr +Gegentheil gesagt werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der +abstrakten Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht. + +B. Eins und Vieles. + +Das Eins ist die einfache Beziehung des Fuersichseyns auf sich selbst, +in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher +die Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun +daseyende werden. + +Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,--und +als Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um +der nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht +mehr nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern +zugleich als Seyende gesetzt. Die Idealitaet des Fuersichseyns als +Totalitaet schlaegt so fuers erste in die Realitaet um, und zwar in die +festeste, abstrakteste, als Eins. Das Fuersichseyn ist im Eins die +gesetzte Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung + +der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt +auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen +Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so dass was Eins an sich ist, +es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm +unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden +vorhanden zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit +sich so als unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt, +und als negative Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen, +Ausschliessen des Eins als eines Anderen aus sich, dem Eins. + +a. Das Eins an ihm selbst. + +An ihm selbst ist das Eins ueberhaupt; diess sein Seyn ist kein Daseyn, +keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es +ist diess, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist +somit keines Anderswerdens faehig; es ist unveraenderlich. + +Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine +Unbestimmtheit ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst +ist, absolutes Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem +Begriffe sich auf sich beziehende Negation hat es den Unterschied in +ihm,--eine Richtung von sich ab hinaus auf Anderes, die aber +unmittelbar umgewendet, weil nach diesem Momente des Selbstbestimmens +kein Anderes ist, auf das sie gehe, und die in sich zurueckgekehrt ist. + +In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns +und der Idealitaet selbst, und damit alle Verschiedenheit und +Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; diess Nichts, +die Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden +von dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil diess Insichseyn +nicht mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat, +als Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar +identisch mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So diess +Nichts gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.--Das Leere +ist so die Qualitaet des Eins in seiner Unmittelbarkeit. + +b. Das Eins und das Leere. + +Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf +sich selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch +affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin +verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst +naemlich, stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber +vom Seyenden ist das Nichts als Leeres ausser dem seyenden Eins. + +Das Fuersichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das +Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.--Das Eins und das +Leere haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem +gemeinschaftlichen, einfachen Boden. Die Momente des Fuersichseyns +treten aus dieser Einheit, werden sich Aeusserliche, indem durch die +einfache Einheit der Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so +setzt sie sich selbst zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und +darin stellt sich ihre andere Bestimmung, die Negation ueberhaupt, +gleichfalls als Daseyn des Nichts, als das Leere, gegenueber. + +Anmerkung. + +Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die +bei den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach +welchem das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (.....) Die +Abstraktion zu dieser Form gediehen, hat eine groessere Bestimmtheit +gewonnen, als das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. +So hoch sie sich stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des +Eins und des Leeren zum Princip aller Dinge macht, die unendliche +Mannigfaltigkeit der Welt auf diesen einfachen Gegensatz zurueckfuehrt, +und sie aus ihm zu erkennen sich erkuehnt, ebenso leicht ist es fuer +das vorstellende Reflektiren, sich hier Atome und daneben das Leere +vorzustellen. Es ist daher kein Wunder, dass das atomistische Princip +sich jederzeit erhalten hat; das gleich triviale und aeusserliche +Verhaeltniss der Zusammensetzung, das noch hinzukommen muss, um zum +Scheine eines Konkreten und einer Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist +eben so populaer als die Atome selbst und das Leere. Das Eins und das +Leere ist das Fuersichseyn, das hoechste qualitative Insichseyn zur +voelligen Aeusserlichkeit herabgesunken; die Unmittelbarkeit oder das +Seyn des Eins, weil es die Negation alles Andersseyns ist, ist +gesetzt nicht mehr bestimmbar und veraenderlich zu seyn, fuer dessen +absolute Sproedigkeit bleibt also alle Bestimmung, Mannigfaltigkeit, +Verknuepfung schlechthin aeusserliche Beziehung. + +In dieser Aeusserlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei +den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte ausser seiner +Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, dass das Leere als +der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere +Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das blosse Nebeneinander +und die Gleichgueltigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander. +Dass das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfuegigen +Sinn, dass sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen koenne, und nicht +in einen schon erfuellten Raum, denn in einem solchen faende es keinen +Platz mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die +Voraussetzung oder Bedingung, nicht der Grund der Bewegung waere, so +wie auch die Bewegung selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das +Wesentliche, ein Grund derselben, vergessen ist. Die Ansicht, dass +das Leere den Grund der Bewegung ausmache, enthaelt den tiefern +Gedanken, dass im Negativen ueberhaupt, der Grund des Werdens, der +Unruhe der Selbstbewegung liegt; in welchem Sinne aber das Negative +als die wahrhafte Negativitaet des Unendlichen zu nehmen ist.--Das +Leere ist Grund der Bewegung nur als die negative Beziehung des Eins +auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf sich selbst, das jedoch +als Daseyendes gesetzt ist. + +Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten ueber eine Gestalt, +Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkuerlich und +aeusserlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der +Grundbestimmung des Atomen. An den Atomen, dem Princip der hoechsten +Aeusserlichkeit und damit der hoechsten Begrifflosigkeit, leidet die +Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die +Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen +ausgeht. + +c. Viele Eins.Repulsion. + +Das Eins und das Leere macht das Fuersichseyn in seinem naechsten +Daseyn aus. Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die +Negation, und ist zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist +das Eins und das Leere die Beziehung der Negation auf die Negation +als eines Andern auf sein Anderes; das Eins ist die Negation in der +Bestimmung des Seyns, das Leere die Negation in der Bestimmung des +Nichtseyns. Aber das Eins ist wesentlich nur Beziehung auf sich als +beziehende Negation d. h. ist selbst dasjenige, was das Leere ausser +ihm seyn soll. Beide sind aber auch gesetzt als ein affirmatives +Daseyn, das eine als das Fuersichseyn als solches, das andere als +unbestimmtes Daseyn ueberhaupt, und sich aufeinander als auf ein +anderes Daseyn beziehend. Das Fuersichseyn des Eins ist jedoch +wesentlich die Idealitaet des Daseyns und des Anderen; es bezieht sich +nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem aber das +Fuersichseyn als Eins, als fuer sich Seyendes, als unmittelbar +vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich +zugleich Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ +ist, bleibt das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein +Anderes bestimmt; als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das +Andere nicht die unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist +gleichfalls Eins. Das Eins ist somit Werden zu vielen Eins. + +Eigentlich ist diess aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein +Uebergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins. Eins, +das Bezogene enthaelt das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an +ihm selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente +Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und +das Eins seyendes zugleich ist, so stoesst das Eins sich selbst von +sich ab. Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion. + +Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins +selbst ist das eigne Aussersichkommen des Eins, aber zu solchen ausser +ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist diess die Repulsion dem +Begriffe nach, die an sich seyende. Die zweite Repulsion ist davon +unterschieden, und ist die der Vorstellung der aeussern Reflexion +zunaechst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur +als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins. +Es ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten, +der aeusserlichen, sich bestimmt. + +Zunaechst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als +solche haben. Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen, +verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins, +nicht fuer Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. +Das Eins stoesst nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern +es ist schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist +gleichfalls ein Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden +kommt beiden auf gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied. + +Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;--gesetzte durch die +Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt; +ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als +sich nur auf sich beziehende. + +Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als +eine dein Eins vollkommen aeussere Bestimmung. Eins, indem es sich +selbst repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunaechst als +repellirt genommen wird. Dass die Eins andere gegeneinander, in die +Bestimmtheit der Vielheit zusammengefasst sind, geht also die Eins +nichts an. Waere die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst +aufeinander, so begrenzten sie einander und haetten ein +Seyn-fuer-Anderes affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung,--und diese +haben sie durch ihre an sich seyende Einheit,--wie sie hier gesetzt +ist, ist als keine bestimmt; sie ist wieder das vorhingesetzte Leere. +Es ist ihre aber ihnen aeusserliche Grenze, in der sie nicht fuer +einander seyn sollen. Die Grenze ist das, worin die Begrenzten eben +so sehr sind als nicht sind; aber das Leere ist als das reine +Nichtseyn bestimmt, und nur diess macht ihre Grenze aus. + +Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen, +was das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander +gelegt ist hier die ausser sich gekommene Unendlichkeit; ausser sich +gekommen ist sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins. +Sie ist ein ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als +vielmehr die absolute Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der +einfachen affirmativen Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben +derselben als negativen. Oder die Vielheit des Eins ist das eigene +Setzen des Eins; das Eins ist nichts als die negative Beziehung des +Eins auf sich, und diese Beziehung, also das Eins selbst, ist das +viele Eins. Aber ebenso ist die Vielheit dem Eins schlechthin +aeusserlich; denn das Eins ist eben das Aufheben des Andersseyns, die +Repulsion ist seine Beziehung auf sich, und einfache Gleichheit mit +sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die Unendlichkeit, als +unbefangen sich hervorbringender Widerspruch. + +Anmerkung. + +Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwaehnt worden. Es kann +hier hinzugesetzt werden, dass derselbe von der vorstellenden Monade +aus, die als Fuersichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben +betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als +solcher, in der die Eins jedes nur fuer sich, gleichgueltig gegen das +Daseyn und Fuer-sich-seyn anderer ist, oder ueberhaupt Andere gar nicht +fuer das Eins sind. Die Monade ist fuer sich die ganze abgeschlossene +Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit, +die sie in ihrem Vorstellen hat, aendert in ihrer Bestimmung, fuer sich +zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit +unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine +Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite +ihrer abstrakten Aeusserlichkeit. Die Atomistik hat den Begriff der +Idealitaet nicht; sie fasst das Eins nicht als ein solches, das in ihm +selbst die beiden Momente des Fuersichseyns und des Fuer-es-seyns +enthaelt, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken +Fuer-sich-seyendes. Aber sie geht ueber die bloss gleichgueltige +Vielheit hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung +gegeneinander, wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da +hingegen in jener gleichgueltigen Unabhaengigkeit der Monaden, die +Vielheit als starre Grundbestimmung bleibt, so dass ihre Beziehung nur +in die Monade der Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen +faellt. + +C. Repulsion und Attraktion. + +a. Ausschliessen des Eins. + +Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander +ist Nicht-Beziehung, sie ist ihnen aeusserlich;--das abstrakte Leere. +Aber sie selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf +seyende Andere;--der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit, +gesetzt in Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die +Repulsion das unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in +dieser Bestimmung Ausschliessen; das Eins repellirt nur die Vielen von +ihm unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. diess Repelliren ist, +gegenseitig oder allseitig,--relativ, durch das Seyn der Eins +beschraenkt. + +Die Vielheit ist zunaechst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur +das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in +der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre +gemeinsame Beziehung. Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte +Daseyn der vielen Eins; sie ist nicht ihr Fuersichseyn, nach dem sie +nur in einem Dritten als Vieles unterschieden waeren, sondern ihr +eigenes sie erhaltendes Unterscheiden.--Sie negiren sich gegenseitig, +setzen einander als solche, die nur fuer-Eines sind. Aber sie negiren +eben so sehr zugleich diess, nur fuer-Eines zu seyn; sie repelliren +diese ihre Idealitaet und sind.--So sind die Momente getrennt, die in +der Idealitaet schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem +Fuersichseyn auch fuer-Eines, aber diess Eine, fuer welches es ist, ist +es selbst; sein Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben. +Aber in der Vielheit hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das +Seyn-fuer-Eines, wie es in dem Ausschliessen bestimmt ist, ist daher +ein Seyn-fuer-Anderes. Jedes wird so von einem Andern repellirt, +aufgehoben und zu einem gemacht, das nicht fuer sich, sondern +fuer-eines und zwar ein anderes Eins ist. + +Das Fuersichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre +Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander, +in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein blosses +Seyn-fuer-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese +Idealitaet zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht +fuer-ein-Anderes zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre +negative Beziehung auf einander ist aber vielmehr ihre Aufloesung. + +Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr +gegenseitiges Ausschliessen. Erstens ist nun das, wodurch sie den +festen Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben +sollten, ihr Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung +auf-Anderes; diess Ansichseyn ist, dass sie Eins sind. Aber diess sind +Alle; sie sind in ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen +Punkt ihrer Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr +Verhalten zu einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das +gegenseitige Negiren; diess ist aber gleichfalls eine und dieselbe +Bestimmung Aller, durch welche sie sich also vielmehr als identisch +setzen; wie dadurch, dass sie an sich dasselbe sind, ihre als durch +Andere zu setzende Idealitaet ihre eigene ist, welche sie also ebenso +wenig repelliren.--Sie sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur +Eine affirmative Einheit. + +Diese Betrachtung der Eins, dass sie nach ihren beiden Bestimmungen +sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen, +sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen, +ist unsere Vergleichung.--Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer +Beziehung aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.--Sie sind, diess +ist in dieser Beziehung vorausgesetzt,--und sind nur insofern sie +sich gegenseitig negiren, und diese ihre Idealitaet, ihr Negirtseyn +zugleich von sich selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren +negiren. Aber sie sind nur insofern sie negiren, so wird, indem diess +ihr Negiren negirt wird, ihr Seyn negirt. Zwar indem sie sind, +wuerden sie durch diess Negiren nicht negirt, es ist nur ein +Aeusserliches fuer sie; diess Negiren des Anderen prallt an ihnen ab, und +trifft nur beruehrend ihre Oberflaeche. Allein nur durch das Negiren +der Anderen kehren sie in sich selbst zurueck; sie sind nur als diese +Vermittelung, diese ihre Rueckkehr ist ihre Selbsterhaltung und ihr +Fuersichseyn. Indem ihr Negiren nichts effektuirt, durch den +Widerstand, den die Seyenden als solche oder als negirend leisten, so +kehren sie nicht in sich zurueck, erhalten sich nicht und sind nicht. + +Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, dass die Eins dasselbe, jedes +derselben Eins ist, wie das Andere. Diess ist nicht nur unser +Beziehen, ein aeusserliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist +selbst Beziehen; das die Eins ausschliessende Eins bezieht sich selbst +auf sie, die Eins, d. h. auf sich selbst. Das negative Verhalten der +Eins zu einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese +Identitaet, in welche ihr Repelliren uebergeht, ist das Aufheben ihrer +Verschiedenheit und Aeusserlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als +Ausschliessende behaupten sollten. + +Diess sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion. + +Anmerkung + +Die Selbststaendigkeit auf die Spitze des fuersichseyenden Eins +getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbststaendigkeit, die sich +selbst zerstoert; der hoechste, hartnaeckigste Irrthum, der sich fuer die +hoechste Wahrheit nimmt;--in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit, +als reines Ich, und dann weiter als das Boese erscheinend. Es ist +die Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion +zu setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu +gewinnen. Diese Selbststaendigkeit ist bestimmter der Irrthum, das +als negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten, +was ihr eignes Wesen ist. Sie ist so das negative Verhalten gegen +sich selbst, welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will, +dasselbe zerstoert, und diess sein Thun ist nur die Manifestation der +Nichtigkeit dieses Thuns. Die Versoehnung ist die Anerkennung dessen, +gegen welches das negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens, +und ist nur als Ablassen von der Negativitaet seines Fuersichseyns, +statt an ihm festzuhalten. + +Es ist ein alter Satz, dass das Eine Vieles und insbesondere: dass das +Viele Eines ist. Es ist hierueber die Bemerkung zu wiederholen, dass +die Wahrheit des Eins und des Vielen in Saetzen ausgedrueckt in einer +unangemessenen Form erscheint, dass diese Wahrheit nur als ein Werden, +als ein Process, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es +in einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und +auszudruecken ist. Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides +ueber die Ableitung des Vielen aus dem Eins, naemlich aus dem Satze: +Eines ist, erwaehnt und erinnert worden. Die innere Dialektik des +Begriffes ist angegeben worden; am leichtesten ist die Dialektik des +Satzes, dass Vieles Eines ist, als aeusserliche Reflexion zu fassen; und +aeusserlich darf sie hier seyn, insofern auch der Gegenstand, die +Vielen, das einander Aeusserliche ist. Diese Vergleichung der Vielen +miteinander ergiebt sogleich, dass eines schlechthin nur bestimmt ist +wie das Andere; jedes ist Eins, jedes ist Eins der Vielen, ist +ausschliessend die Anderen;--so dass sie schlechthin nur dasselbe sind, +schlechthin nur Eine Bestimmung vorhanden ist. Es ist diess das +Faktum, und es ist nur darum zu thun, diess einfache Faktum +aufzufassen. Die Hartnaeckigkeit des Verstandes weigert sich nur +darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der Unterschied, und zwar +mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um jenes Faktums willen so +wenig aus, als gewiss jenes Faktum ungeachtet des Unterschiedes +existirt. Man koennte den Verstand damit fuer das schlichte Auffassen +des Faktums der Einheit gleichsam troesten, dass der Unterschied auch +wieder eintreten werde. + +b. Das Eine Eins der Attraktion. + +Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunaechst in Viele, +deren negatives Verhalten unmaechtig ist, weil sie einander als +Seyende voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealitaet; diese +aber wird realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in +Attraktion ueber, die vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und +Attraktion, sind + +zunaechst unterschieden, jene als die Realitaet der Eins, diese als +deren gesetzte Idealitaet. Die Attraktion bezieht sich auf diese +Weise auf die Repulsion, dass sie diese zur Voraussetzung hat. Die +Repulsion liefert die Materie fuer die Attraktion. Wenn keine Eins +waeren, so waere nichts zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder +Attraktion, der Konsumtion der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes +Erzeugen der Eins voraus; die sinnliche Vorstellung der raeumlichen +Attraktion laesst den Strom der attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an +die Stelle der Atome, die in dem attrahirenden Punkte verschwinden, +tritt eine andere Menge, und wenn man will, ins Unendliche, aus dem +Leeren hervor. Wenn die Attraktion vollfuehrt, d. i. die Vielen auf +den Punkt Eines Eins gebracht, vorgestellt wuerden, so waere nur ein +traeges Eins, kein Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion +daseyende Idealitaet hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer +selbst, die vielen Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und +die Attraktion ist untrennbar von der Repulsion. + +Das Attrahiren kommt zunaechst jedem der vielen als unmittelbar +vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem +andern; so waere ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein +Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und +eine traege Ruhe ohne daseyende Idealitaet. Aber es kann hier nicht +von einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen +bestimmten Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn, +vielmehr ist die Attraktion das Setzen der vorhandenen +Ununterschiedenheit der Eins. Erst die Attraktion selbst ist das +Setzen eines von den anderen unterschiedenen Eins; sie sind nur die +unmittelbaren durch die Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch +ihre gesetzte Negation aber geht das Eins der Attraktion hervor, das +daher als das Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist. +Die ersten als unmittelbare kehren in ihrer Idealitaet nicht in sich +zurueck, sondern haben dieselbe an einem andern. + +Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealitaet; +es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthaelt +diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es +verschlingt so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt, +d. h. es hebt sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in +seiner Bestimmung enthaelt, erhaelt diese die Eins als Viele zugleich +in ihm; es bringt, so zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich, +gewinnt einen Umfang oder Erfuellung. Es ist so in ihm Einheit der +Repulsion und Attraktion ueberhaupt. + +c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion. + +Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer +Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die +Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunaechst +selbststaendig ausser der anderen steht, so dass sie jedoch wesentlich +zusammenhaengen. Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich +naeher zu ergeben. + +Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und +als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als +unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgueltig gegen die +Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte aeusserlich hinzukommt. +Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt, +so dass an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i. +dass die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die +Eins nicht schon an ihnen Negirte waeren. Auf solche Weise haben wir +die Repulsion abstrakt fuer sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen +die Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und +von sich aus als ein Anderes an sie kommt. + +Nehmen wir demnach die blosse Repulsion so fuer sich, so ist sie die +Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, ausserhalb der Sphaere der +Repulsion selbst; denn sie ist diess, die Beziehung der Vielen +aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie +abstrakt genommen, Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloss das +Leere, die Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht +ausschliessend, was ihre Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich +negative, doch wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und +Fliehen ist nicht die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen, +das ausschliessende steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm +ausgeschlossen wird. diess Moment der Beziehung aber ist die +Attraktion, somit in der Repulsion selbst; sie ist das Negiren jener +abstrakten Repulsion, nach welcher die Eins nur sich auf sich +beziehende Seyende, nicht ausschliessende waeren. + +Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden, +hiermit auch die Attraktion als aeusserlich an sie tretend gesetzt ist, +so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene +Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, dass +nicht bloss die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird, +sondern auch ebenso sehr die Rueckbeziehung der Repulsion auf die +Attraktion Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre +Voraussetzung hat. + +Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen +und Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre +abstrakte Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit +schlechthin ueber sich hinausgewiesen ist, und auf die andere sich +bezieht, und so jede vermittelst der andern als andern ist; ihre +Selbststaendigkeit besteht darin, dass sie in dieser Vermittelung als +ein anderes Bestimmen fuer einander gesetzt sind.--Die Repulsion als +das Setzen der Vielen, die Attraktion als das Setzen des Eins, diese +zugleich als Negation der Vielen, und jene als Negation der Idealitaet +derselben im Eins, dass auch die Attraktion nur vermittelst der +Repulsion Attraktion, wie die Repulsion vermittelst der Attraktion +Repulsion ist. Dass aber darin die Vermittelung durch Anderes mit +sich, in der That vielmehr negirt, und jede dieser Bestimmungen +Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, diess ergiebt sich aus deren +naehern Betrachtung und fuehrt sie zu der Einheit ihres Begriffes +zurueck. + +Zuerst dass jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur +sich auf sich bezieht, diess ist in dem Verhalten der erst noch +relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden. + +Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen +vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber dass +viele Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die +sie haette, ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des +Seyns, die den Eins ausserdem, dass sie gesetzte sind, zukaeme,--wodurch +sie voraus waeren, gehoert gleichfalls der Repulsion an. Das +Repelliren ist das, wodurch die Eins sich als Eins manifestiren und +erhalten, wodurch sie als solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion +selbst; sie ist so nicht ein relatives gegen ein anderes Daseyn, +sondern verhaelt sich durchaus nur zu sich selbst. + +Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins, +gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und +verschwindend bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich +voraus, in der Bestimmung naemlich der anderen Eins, ideell zu seyn, +welche sonst fuer sich seyende und fuer Andere, also auch fuer irgend +ein Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen diese +Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealitaet nicht erst durch +Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die +an sich seyende Idealitaet der Eins, indem sie als Eins,--das als +attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von +einander, ein und dasselbe sind. + +Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder fuer +sich ist ferner diess, dass jede die andere als Moment in sich enthaelt. +Das Sich-Voraussetzen ueberhaupt ist in Einem sich als das Negative +seiner setzen,--Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist +dasselbe als das Voraussetzende,--Attraktion. Dass jede an sich nur +Moment ist, ist das Uebergehen jeder aus sich selbst in die andere, +sich an ihr selbst zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu +setzen. Indem das Eins als solches das Aussersichkommen, es selbst +nur diess ist, sich als sein Anderes, als das Viele zu setzen und das +Viele nur ebenso diess in sich zusammenfallen und sich als sein +Anderes, als das Eins zu setzen, und eben darin nur sich auf sich zu +beziehen, jedes in seinem Andern sich zu kontinuiren,--so ist hiermit +schon an sich das Aussersichkommen (die Repulsion) und das +sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion) ungetrennt vorhanden. Gesetzt +aber ist es an der relativen Repulsion und Attraktion d. i. welche +unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt, dass jede diese Negation +ihrer an ihr selbst, und damit auch die Kontinuitaet ihrer in ihre +andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist die Selbsterhaltung +des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der andern, so dass 1) die +anderen Eins an ihm negirt werden, diess ist die Seite seines Daseyns +oder seines Seyns-fuer-Anderes; diese ist aber somit Attraktion, als +die Idealitaet der Eins;--und dass 2) das Eins an sich sey, ohne die +Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das Ansich ueberhaupt +laengst in das Fuersichseyn uebergegangen, sondern an sich, seiner +Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.--Die Attraktion +daseyender Eins ist die Idealitaet derselben, und das Setzen des Eins, +worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich selbst +aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr, +Repulsion ist. + +Damit ist die Entwickelung des Fuersichseyns vollendet und zu ihrem +Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte +Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung, +dass es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die +Vielen) von sich abstoesst und indem es sich auf diess sein Nichtseyn, +negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die + +Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in +welchem die Bestimmung, dass es anfaengt, d. i. als unmittelbares, +Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i. +zum ebenso unmittelbaren, ausschliessenden Eins wiederhergestellt +haette, verschwunden; der Process, der es ist, setzt und enthaelt es +allenthalben nur als ein Aufgehobenes. Das Aufheben zunaechst nur zu +relativem Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit +selbst eine differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt, +erweist sich ebenso in die unendliche Beziehung der Vermittelung +durch die Negation der aeusserlichen Beziehungen von Unmittelbaren und +Daseyenden, ueberzugehen und zum Resultate eben jenes Werden zu haben, +das in der Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder +vielmehr das Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit +ist. Dieses Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist +die Quantitaet. + +Uebersehen wir kurz die Momente dieses Ueberganges der Qualitaet in die +Quantitaet, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn +und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit +mit dem Seyn des Etwas so identisch ist, dass das Etwas mit ihrer +Veraenderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches +bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der +Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit +des Seyns und Nichts, vorhanden ist, faellt er als Andersseyn +ueberhaupt, ausser jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes +widerspricht der Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit +Beziehung auf sich ist. Diess Andersseyn hebt sich in der +Unendlichkeit des Fuersichseyns auf, welches den Unterschied, den es +in der Negation der Negation an und in ihm selbst hat, zum Eins und +Vielen und zu deren Beziehungen realisirt, und das Qualitative zur +wahrhaften, d. i. nicht mehr unmittelbaren, sondern als +uebereinstimmend mit sich gesetzten Einheit erhoben hat. + +Diese Einheit ist somit a) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die +Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn +ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f. +hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;--ss) +Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit +als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die +unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes, +sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin--das +An-sich-Bestimmtseyn,--das Eins; das Andersseyn als solches ist +selbst Fuersichseyn;--c) Fuersichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit +hindurch sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und +An-sich-Bestimmtseyn selbst als Aufgehobenes gesetzt ist. Das Eins +ist zugleich als ueber sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt, +das Eins damit, die schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die +keine ist, die am Seyn aber ihm gleichgueltig ist, gesetzt. + +Anmerkung. + +Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kraefte angesehen zu +werden. Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhaengende +Verhaeltnisse sind mit den Begriffen, die sich fuer sie ergeben haben, +zu vergleichen.--In jener Vorstellung werden sie als selbststaendig +betrachtet, so dass sie sich nicht durch ihre Natur auf einander +beziehen, d. h. dass nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte +uebergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenueber beharren +soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der +Materie, zusammenkommend; so jedoch, dass diess In-Eins-Werden nicht +als ihre Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und +An-und-fuersich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben +durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, dass +die Materie die Kraefte in sich habe, so ist unter dieser ihrer +Einheit eine Verknuepfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich +seyende frei von einander vorausgesetzt werden. + +Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft +konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrueckt, die metaphysischen +Elemente dieser Konstruction aufgestellt.--Es wird nicht ohne +Interesse seyn, diese Konstruction naeher zu beleuchten. Diese +metaphysische Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst, +sondern in seinen Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehoeren schien, +ist eines Theils dadurch merkwuerdig, dass sie als ein Versuch des +Begriffs wenigstens den Anstoss zur neueren Naturphilosophie gegeben +hat,--der Philosophie, welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung +sinnlich Gegebenes zum Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre +Bestimmungen aus dem absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch, +weil bei jener Kantischen Konstruktion noch haeufig stehen geblieben +und sie fuer einen philosophischen Anfang und Grundlage der Physik +gehalten wird. + +Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein +Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen. +Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kraefte +der sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten +reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen +aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am +naechsten liegen, genannt habe, zu Grunde. + +Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kraeften, das +er eine Konstruktion nennt, verdient, naeher betrachtet, diesen Namen +nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die +analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich +spaetere Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das +grundloseste Gebraeue einer willkuerlichen Einbildungskraft und +gedankenlosen Reflexion,--das besonders die sogenannten Faktoren der +Attraktivkraft und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben +vorbrachte,--ein Konstruiren genannt haben. + +Kants Verfahren ist naemlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend. +Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche +Kraefte dazu gehoeren, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten. +So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil +durch die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie +daseyn koennte. (Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die +Repulsion andern Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab, +und giebt als Grund derselben an, weil wir uns die Materie +undurchdringlich vorstellen, indem diese naemlich dem Sinne des +Gefuehls, durch den sie sich uns offenbare, sich unter dieser +Bestimmung praesentirt. Die Repulsion werde daher ferner sogleich im +Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit unmittelbar gegeben sey; +die Attraktion dagegen werde derselben durch Schluesse beigefuegt. +Auch diesen Schluessen aber liegt das so eben Gesagte zu Grunde, dass +eine Materie, die bloss Repulsivkraft haette, das, was wir uns unter +Materie vorstellen, nicht erschoepfte.--Diess ist, wie erhellt, das +Verfahren des ueber die Erfahrung reflektirenden Erkennens, das zuerst +in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu Grunde legt, +und fuer das sogenannte Erklaeren derselben entsprechende Grundstoffe +oder Kraefte annimmt, welche jene Bestimmungen der Erscheinung +hervorbringen sollen. + +In Ansehung des angefuehrten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und +wie die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde, +bemerkt Kant weiter, dass die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum +Begriffe der Materie gehoere, ob sie gleich nicht darin enthalten sey. +Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht +abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine +Bestimmung, die zum Begriffe einer Sache gehoert, muss wahrhaftig darin +enthalten seyn. + +Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeifuehrt, +besteht darin, dass Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein +einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die +wir durch das Gefuehl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft, +als das Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey. +Wenn aber ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn +koennen, so liegt fuer diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung +genommene Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der +Attraktion muss also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn. +Es ist auch wohl wahrzunehmen, dass die Materie ausser ihrem +Fuersichseyn, welches das Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand +leistet), auch eine Beziehung des Fuersichseyenden aufeinander, +raeumliche Ausdehnung und Zusammenhalt, und in Starrheit, Festigkeit +einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die erklaerende Physik erfordert +zum Zerreissen u.s.f. eines Koerpers eine Kraft, welche starker sey, +als die Attraktion der Theile desselben gegeneinander. Aus dieser +Wahrnehmung kann die Reflexion eben so unmittelbar die Attraktivkraft +ableiten, oder sie als gegeben annehmen, als sie es mit der +Repulsivkraft that. In der That, wenn die kantischen Schluesse, aus +denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll, betrachtet werden +(der Beweis des Lehrsatzes: dass die Moeglichkeit der Materie eine +Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a. O.), so +enthalten sie nichts, als dass durch die blosse Repulsion die Materie +nicht raeumlich seyn wuerde. Indem die Materie, als Raum erfuellend +vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuitaet zugeschrieben, als deren +Grund die Anziehungskraft angenommen wird. + +Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie hoechstens ein +analytisches Verdienst haette, das noch durch die unreine Darstellung +geschmaelert wuerde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schaetzen, +die Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren +Grundkraeften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung +der gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen +Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der fuer-sich-seyenden +Punktualitaet, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die +Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als +besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Aeusserlichem +macht;--die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine +bewegenden Kraefte, als nur durch Druck und Stoss, also nur durch +Einwirkung von Aussen, einraeumen will. Diese Aeusserlichkeit des +Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie aeusserlich +vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu +fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit +fuer sich als bewegungslos und als traege angenommen wird. Dieser +Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und +freie Bewegung vor sich.--Indem Kant jene Aeusserlichkeit zwar insofern +aufhebt, als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf +einander, insofern diese als von einander getrennt angenommen werden, +oder der Materie ueberhaupt in ihrem Aussersichseyn, zu einer Kraft der +Materie selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine +beiden Grundkraefte, innerhalb der Materie, aeusserliche und fuer sich +selbststaendige gegen einander. + +So nichtig der selbststaendige Unterschied dieser beiden Kraefte, der +ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso +nichtig muss sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer +Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen, +weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur +Momente sind, die in einander uebergehen.--Ich betrachte diese fernern +Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt. + +Er bestimmt naemlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft, +wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch ueber die Flaeche +der Beruehrung hinaus unmittelbar wirken koenne, die Repulsivkraft +dagegen als eine Flaechenkraft, dadurch Materien nur in der +gemeinschaftlichen Flaeche der Beruehrung auf einander wirken koennen. +Der Grund, der angefuehrt wird, dass die letztere nur eine Flaechenkraft +seyn soll, ist folgender: "Die einander beruehrenden Theile begrenzen +einer den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft koenne +keinen entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen +liegenden; eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer +Materie auf eine andere durch Ausdehnungskraefte (das heisst hier +Repulsivkraefte) sey unmoeglich." (s. ebendas. Erklaer. u. Zusaetze S. +67.) + +Es ist sogleich zu erinnern, dass, indem naehere oder entferntere +Theile der Materie angenommen werden, in Ruecksicht auf die Attraktion +gleichfalls der Unterschied entstuende, dass ein Atom zwar auf ein +anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem +und dem ersten Attrahirenden das Andere sich befaende, zunaechst in die +Anziehungssphaere des dazwischen liegenden ihm Naehern traete, das Erste +also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausueben +wuerde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken fuer die +Attractivkraft, als fuer die Repulsivkraft ergehe; ferner muesste das +wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, dass alle +Theile der Materie an und fuer sich attrahirend waeren, nicht aber eine +gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte. +--Unmittelbar oder in Ruecksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist +zu bemerken, dass in der angefuehrten Stelle sich beruehrende Theile, +also eine Gediegenheit und Kontinuitaet einer fertigen Materie +vorkommt, welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte. +Diese Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich beruehren, +nicht mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn +der Repulsivkraft bereits voraus; sich beruehrende Theile sind nach +der hier herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche +zu nehmen, die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz +tautologisch, dass da, wo das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist, +keine Repulsion Statt finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter +fuer eine Bestimmung der Repulsivkraft.--Wird aber darauf reflektirt, +dass beruehrende Theile sich nur insofern beruehren, als sie sich noch +aussereinander halten, so ist eben damit die Repulsivkraft nicht bloss +auf der Oberflaeche der Materie, sondern innerhalb der Sphaere, welche +nur Sphaere der Attraktion seyn sollte. + +Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, dass "durch die Anziehungskraft +die Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfuellen;" (ebendas.) +"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfuelle, +so koenne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie, +die dazwischen laege, Grenzen setze."--Jener Unterschied ist ungefaehr +wie der obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache +gehoeren, aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die +Materie einen Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfuellen. Alsdenn +ist es die Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen +bleiben, durch welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das +heisst hier, durch den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier +aber ist es die Attraktivkraft, welche den Raum leer erhaelt; sie +erfuellt den Raum durch ihre Beziehung der Atome nicht, das heisst, sie +erhaelt die Atome in einer negativen Beziehung auf einander.--Wir +sehen, dass hier Kant bewusstlos das begegnet, was in der Natur der +Sache liegt, dass er der Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er +der ersten Bestimmung nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb. +Unter dem Geschaefte der Festsetzung des Unterschiedes beider Kraefte, +war es geschehen, dass eine in die andere uebergegangen war.--So soll +dagegen durch die Repulsion die Materie einen Raum erfuellen, somit +durch sie der leere Raum, den die Attraktivkraft laesst, verschwinden, +In der That hebt sie somit, indem sie den leeren Raum aufhebt, die +negative Beziehung der Atome oder Eins, d. h. die Repulsion derselben, +auf; d. i. die Repulsion ist als das Gegentheil ihrer selbst +bestimmt. + +Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung +hinzu, dass, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der +entgegengesetzten Kraefte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage, +die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll, +bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der +Flaechen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende +Kraefte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere +Weise sollen wirken koennen.--Sie sind also hier als Kraefte +dargestellt, nicht durch welche die Materie erst zu Stande kaeme, +sondern wodurch sie, schon fertig, nur bewegt wuerde. Insofern aber +von Kraeften die Rede ist, wodurch verschiedene Materien auf einander +einwirken und sich bewegen, so ist diess etwas ganz anderes, als die +Bestimmung und Beziehung, die sie als die Momente der Materie haben +sollten. + +Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in +weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft. Diese +scheinen einen wesentlichen Unterschied zu gewaehren, indem in ihrer +Sphaere Ein Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen +Eins als nicht fuersichseyende verhalten, der Unterschied der Kraefte +daher an diesen vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und +der anderen als gegen dasselbe nicht feststehend angeknuepft werden +kann. Insofern sie aber zur Erklaerung gebraucht werden--zu welchem +Behuf man sie, wie auch sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in +entgegengesetztem quantitativem Verhaeltniss annimmt, so dass die eine +zunehme, wie die andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung, +fuer deren Erklaerung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst +aus ihnen resultiren. Man braucht aber nur die naechste beste +Darstellung einer Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit, +die ein Planet in seiner Bahn um seinen Centralkoerper hat, aus dem +Gegensatze jener Kraefte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die +Verwirrung, die darin herrscht, und die Unmoeglichkeit, die Groessen +derselben auseinander zu bringen, so dass immer eben so diejenige als +zunehmend anzunehmen ist, welche in der Erklaerung als abnehmend +angenommen wird, und umgekehrt; was, um anschaulich gemacht zu werden, +einer weitlaeufigern Exposition beduerfte, als hier gegeben werden +koennte; aber das Noethige kommt spaeterhin beim umgekehrten Verhaeltniss +vor. + + + + +Zweiter Abschnitt. Die Groesse (Quantitaet) + +Der Unterschied der Quantitaet von der Qualitaet ist angegeben worden. +Die Qualitaet ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantitaet +die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgueltig geworden, eine Grenze, +die eben so sehr keine ist; das Fuersichseyn, das schlechthin +identisch mit dem Seyn-fuer-Anderes,--die Repulsion der vielen Eins, +die unmittelbar Nicht-Repulsion, Kontinuitaet derselben ist. + +Weil das Fuersichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht +auszuschliessen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ +fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser +Kontinuitaet wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben +zugleich nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr +unmittelbare Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt, +sich als repellirend von sich, die Beziehung auf sich als +Bestimmtheit vielmehr in einem anderen Daseyn (einem +fuer-sich-seyenden) zu haben, und indem sie zugleich als gleichgueltige +in sich reflektirte, beziehungslose Grenzen sind, so ist die +Bestimmtheit ueberhaupt ausser sich, ein sich schlechthin Aeusserliches +und Etwas ebenso Aeusserliches; solche Grenze, die Gleichgueltigkeit +derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie, macht die +quantitative Bestimmtheit desselben aus. + +Zunaechst ist die reine Quantitaet von ihr als bestimmter Quantitaet, +vom Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens das in sich +zurueckgekehrte, reale Fuersichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm +hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit. + +Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird, +als solche, die zugleich keine, nur aeusserliche ist. Sie wird +Quantum. Das Quantum ist die gleichgueltige Bestimmtheit, d. h. die +ueber sich hinausgehende, sich selbst negirende; es verfaellt als diess +Andersseyn des Andersseyn in den unendlichen Progress. Das unendliche +Quantum aber ist die aufgehobene gleichgueltige Bestimmtheit, es ist +die Wiederherstellung der Qualitaet. + +Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative +Verhaeltniss. Das Quantum geht nur ueberhaupt ueber sich hinaus; im +Verhaeltnisse aber geht es so ueber s sich in sein Andersseyn hinaus, +dass dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein +anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurueckgekehrtseyn und die +Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist. + +Diesem Verhaeltnisse liegt noch die Aeusserlichkeit des Quantums zu +Grunde, es sind gleichgueltige Quanta, die sich zu einander verhalten, +d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Aussersichseyn haben; +--das Verhaeltniss ist damit nur formelle Einheit der Qualitaet und +Quantitaet. Die Dialektik desselben ist sein Uebergang in ihre +absolute Einheit, in das Maass. + +Anmerkung. + +Am Etwas ist seine Grenze als Qualitaet wesentlich seine Bestimmtheit. +Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. +B. ein Acker diese seine Grenze veraendert, so bleibt er Acker vor +wie nach. Wenn hingegen seine qualitative Grenze veraendert wird, so +ist diess seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, +Wald u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwaecher ist, ist immer +Roth; wenn es aber seine Qualitaet aenderte, so hoerte es auf Roth zu +seyn, es wuerde Blau u.s.f.--Die Bestimmung der Groesse als Quantum, wie +sie sich oben ergeben hat, dass ein Seyn als Bleibendes zu Grunde +liegt, das gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgueltig ist, +ergiebt sich an jedem anderen Beispiel. + +Unter dem Ausdruck Groesse wird das Quantum, wie an den angegebenen +Beispielen, verstanden, nicht die Quantitaet, weswegen wesentlich +dieser Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muss. + +Die Definition, welche in der Mathematik von der Groesse gegeben wird, +betrifft gleichfalls das Quantum. Gewoehnlich wird eine Groesse +definirt, als etwas, das sich vermehren oder vermindern laesst. +Vermehren aber heisst, etwas mehr gross, vermindern weniger gross machen. +Es liegt darin ein Unterschied der Groesse ueberhaupt von ihr selbst, +und die Groesse waere also das, dessen Groesse sich veraendern laesst. Die +Definition zeigt sich insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige +Bestimmung selbst gebraucht wird, welche definirt werden sollte. +Insofern in ihr nicht dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das +Mehr und Weniger in einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der +Natur des Quantums als eine gleichfalls aeusserliche, und in ein +Wegnehmen, als eine ebenso aeusserliche Negation, aufzuloesen. Zu +dieser aeusserlichen Weise sowohl der Realitaet als der Negation +bestimmt sich ueberhaupt die Natur der Veraenderung am Quantum. Daher +ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das Hauptmoment nicht zu +verkennen, worauf es ankommt; naemlich die Gleichgueltigkeit der +Veraenderung, so dass in ihrem Begriff selbst ihr eigenes Mehr Minder +liegt, ihre Gleichgueltigkeit gegen sich selbst. + + + +Erstes Kapitel. Die Quantitaet. + + +A. Die reine Quantitaet. + +Die Quantitaet ist das aufgehobene Fuersichseyn; das repellirende Eins, +das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die +Beziehung mit demselben uebergegangen, verhaelt sich identisch zu dem +Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fuersichseyn ist +in Attraktion uebergegangen. Die absolute Sproedigkeit des +repellirenden Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als +diess Eins enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich +bestimmt, als Einheit des Aussersichseyns Einheit mit sich selbst ist. +Die Attraktion ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuitaet in +der Quantitaet. + +Die Kontinuitaet ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf +sich, die durch keine Grenze und Ausschliessung unterbrochen ist, aber +nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fuersichseyenden Eins. +Es ist darin das Aussereinander der Vielheit noch enthalten, aber +zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes. Die +Vielheit ist in der Kontinuitaet so gesetzt, wie sie an sich ist; die +Vielen sind Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die +Vielheit daher einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die +Kontinuitaet ist dieses Moment der Sichselbstgleichheit des +Aussereinanderseyns, das Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in +ihre von ihnen Unterschiedene. + +Unmittelbar hat daher die Groesse in der Kontinuitaet das Moment der +Diskretion,--die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantitaet ist. +--Die Staetigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch +nicht zum Ausschliessenden wird; die Repulsion dehnt erst die +Sichselbstgleichheit zur Kontinuitaet aus. Die Diskretion ist daher +ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere, +das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne +Staetigkeit, und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht +unterbrechen. + +Die Quantitaet ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuitaet und +Diskretion, aber sie ist diess zunaechst in der Form des einen +derselben, der Kontinuitaet, als Resultat der Dialektik des +Fuersichseyns, das in die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit +zusammengefallen ist. Die Quantitaet ist als solche diess einfache +Resultat, insofern es seine Momente noch nicht entwickelt und an ihm +gesetzt hat.--Sie enthaelt sie zunaechst, als das Fuersichseyn gesetzt, +wie es in Wahrheit ist. Es war seiner Bestimmung nach das sich +aufhebende Beziehen auf sich selbst, perennirendes Aussersichkommen. +Aber das Abgestossene ist es selbst; die Repulsion ist daher das +erzeugende Fortfliessen seiner selbst. Um der Dieselbigkeit willen +des Abgestossenen ist diess Discerniren, ununterbrochene Kontinuitaet; +und um des Aussersichkommens willen, ist diese Kontinuitaet, ohne +unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die eben so unmittelbar in +ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt. + +Anmerkung 1. + +Die reine Quantitaet hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht +Quantum; auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze +nicht beschraenkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze +nicht beschraenkt zu seyn, das Fuersichseyn als ein Aufgehobenes in +sich zu haben. Dass die Diskretion Moment in ihr ist, kann so +ausgedrueckt werden, dass die Quantitaet schlechthin in ihr allenthalben +die reale Moeglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, dass das Eins eben +so schlechthin nur als kontinuirliches ist. + +Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuitaet leicht zur +Zusammensetzung, naemlich einer aeusserlichen Beziehung der Eins +aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sproedigkeit und +Ausschliessung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, dass +es an und fuer sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealitaet +uebergeht, und dass daher die Kontinuitaet ihm nicht aeusserlich ist, +sondern ihm selbst angehoert, und in seinem Wesen gegruendet ist. +Diese Aeusserlichkeit der Kontinuitaet fuer die Eins ist es ueberhaupt, an +der die Atomistik haengen bleibt, und die zu verlassen die +Schwierigkeit fuer das Vorstellen macht.--Die Mathematik dagegen +verwirft eine Metaphysik, welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum +ueberhaupt oder zunaechst die Linie aus Raumpunkten, die Flaeche aus +Linien, den ganzen Raum aus Flaechen bestehen lassen wollte; sie laesst +solche unkontinuirliche Eins nicht gelten. Wenn sie auch z.B. die +Groesse einer Flaeche so bestimmt, dass sie als die Summe von unendlich +vielen Linien vorgestellt wird, gilt diese Diskretion nur als +momentane Vorstellung, und in der unendlichen Vielheit der Linien, da +der Raum, den sie ausmachen sollen, doch ein beschraenkter ist, liegt +schon das Aufgehobenseyn ihrer Diskretion. + +Den Begriff der reinen Quantitaet gegen die blosse Vorstellung hat +Spinoza, dem es vorzueglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er +(Eth. P. I. Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantitaet +spricht: + +"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet +sive superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia, +quod a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, +prout in imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit, +reperietur finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad +ipsam, prout in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus +substantia est, concipimus, quod difficillime fit,--infinita, unic +et indivisibilis reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem +et intellectum distiuguere sciverint, satis manifestum erit." +Bestimmtere Beispiele der reinen Quantitaet, wenn man deren verlangt, +hat man an Raum und Zeit, auch der Materie ueberhaupt, Licht u.s.f. +selbst Ich, nur ist unter Quantitaet, wie schon bemerkt, nicht das +Quantum zu verstehen. Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen, +Vielheiten, die ein Ausser-sich-gehen, ein Stroemen sind, das aber +nicht ins Entgegengesetzte, in die Qualitaet oder das Eins uebergeht, +sondern als Aussersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer +Einheit sind. Der Raum ist diess absolute Aussersichseyn, das eben so +sehr schlechthin ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn, +das identisch mit sich ist; die Zeit ein absolutes Aussersichkommen, +ein Erzeugen des Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das +Zunichtewerden desselben und staetig wieder das Zunichtewerden dieses +Vergebens ist, so dass diess sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr +einfache Gleichheit und Identitaet mit sich ist. + +Was die Materie als Quantitaet betrifft, so befindet sich unter den +sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens +aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierueber, +die zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et +quantitatem esse realiter idem.--In der That sind diese Begriffe auch +nicht weiter verschieden, als darin, dass die Quantitaet die reine +Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in aeusserlicher Existenz ist. +--Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantitaet zu, als es +ein absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder +allseitige Repulsion zur negativen Freiheit des Fuersichseyns ist, +aber welche schlechthin einfache Kontinuitaet bleibt,--die Kontinuitaet +der Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich +mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s. +f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen straeuben, die +Vielheit als einfache Einheit zu fassen, und ausser dem Begriffe, dass +von den Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, naemlich eins der +Vielen,--indem naemlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von +Gruenem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-fuer-sich +betrachtet, die Rede ist,--auch eine Vorstellung von dieser Einheit +verlangen, die finden dergleichen hinlaenglich an jenen Staetigkeiten, +die den deducirten Begriff der Quantitaet in einfacher Anschauung als +vorhanden geben. + +Anmerkung 2. + +In die Natur der Quantitaet, diese einfache Einheit der Diskretion und +der Kontinuitaet zu seyn, faellt der Streit oder die Antinomie der +unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f. + +Diese Antinomie besteht allein, darin dass die Diskretion eben so sehr +als die Kontinuitaet behauptet werden muss. Die einseitige Behauptung +der Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit +ein Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der +Kontinuitaet dagegen die unendliche Theilbarkeit. + +Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier +(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz +betrifft, den die Momente der Quantitaet ausmachen. + +Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der +kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der +vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptuebergang in die +neuere Philosophie angesehen werden koennen, indem sie insbesondere +die Ueberzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit +von Seite des Inhalts herbeifuehren halfen,--was ein richtigerer Weg +ist, als der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur +diess ihr Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an +ihnen selbst sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese +Darstellung sehr unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und +verschroben, Theils schief in Ansehung ihres Resultats, welches +voraussetzt, dass das Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe, +als endliche Kategorien.--In beider Ruecksicht verdienen diese +Antinomien eine genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und +Methode naeher beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, +von der unnuetzen Form, in die er hineingezwaengt ist, befreien wird. + +Zunaechst bemerke ich, dass Kant seinen vier kosmologischen Antinomien +durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der +Kategorien hernahm, einen Schein von Vollstaendigkeit geben wollte. +Allein die tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in +die dialektische Natur der Vernunft zeigt ueberhaupt jeden Begriff als +Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form +antinomischer Behauptungen geben koennte. Werden, Daseyn u.s.f. und +jeder andere Begriff koennte so seine besondere Antinomie liefern, und +also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe +ergeben.--Der alte Skepticismus hat sich die Muehe nicht verdriessen +lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand, +diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen. + +Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern +in der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefasst. +Um die Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu +behandeln, mussten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und +Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der +Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der +keine Kraft noch Gewalt dabei hat, rein fuer sich betrachtet werden, +indem sie allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen. + +Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, dass sie "nicht +sophistische Kuensteleien seyen, sondern Widersprueche, auf welche die +Vernunft nothwendig stossen (nach kantischem Ausdrucke) muesse;"--was +eine wichtige Ansicht ist.--"Von dem natuerlichen Scheine der +Antinomien werde die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar +nicht mehr hintergegangen, aber immer noch getaeuscht."--Die kritische +Aufloesung naemlich durch die sogenannte transcendentale Idealitaet der +Welt der Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als dass sie den +sogenannten Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich +noch immer derselbe Schein, d. h. so unaufgeloest bleibt als vorher. +Ihre wahrhafte Aufloesung kann nur darin bestehen, dass zwei +Bestimmungen, indem sie entgegengesetzt und einem und demselben +Begriffe nothwendig sind, nicht in ihrer Einseitigkeit, jede fuer sich, +gelten koennen, sondern dass sie ihre Wahrheit nur in ihrem +Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres Begriffes haben. + +Die Kantischen Antinomien naeher betrachtet, enthalten nichts anders, +als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei +entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, fuer sich isolirt von der +andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich +assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerueste von +Raisonnement eingehuellt, wodurch ein Schein von Beweisen +hervorgebracht, und das bloss Assertorische der Behauptung versteckt +und unkenntlich gemacht werden soll; wie sich diess bei der naehern +Betrachtung derselben zeigen wird. + +Die Antinomie, die hierher gehoert, betrifft die sogenannte unendliche +Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente +der Kontinuitaet und Diskretion, welche der Begriff der Quantitaet in +sich enthaelt. + +Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so: + +Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen +Theilen, und es existirt ueberall nichts als das Einfache, oder was +aus diesem zusammengesetzt ist. + +Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte +gegenuebergestellt, was gegen das Staetige oder Kontinuirliche eine +sehr zurueckstehende Bestimmung ist.--Das Substrat, das diesen +Abstraktionen gegeben ist, naemlich Substanzen der Welt, heisst hier +weiter nichts, als die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und +hat auf das Antinomische selbst keinen Einfluss, es konnte eben so gut +auch Raum oder Zeit genommen werden.--Indem nun die Thesis nur von +Zusammensetzung statt von Kontinuitaet lautet, so ist sie eigentlich +sogleich ein analytischer oder tautologischer Satz. Dass das +Zusammengesetzte nicht an und fuer sich Eines, sondern nur ein +aeusserlich Verknuepftes ist, und aus Anderem besteht, ist seine +unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber des Zusammengesetzten ist +das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu sagen, dass das +Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.--Wenn einmal gefragt wird, +aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen verlangt, +dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Laesst man die Dinte wieder +aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen aus +Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich nur. +Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas +bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin +ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll. +--Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey, +nur fuer ein relativ-Einfaches genommen, das fuer sich wieder +zusammengesetzt sey, so bleibt die Frage vor wie nach. Der +Vorstellung schwebt etwa nur diess oder jenes Zusammengesetzte vor, +von dem auch diess oder jenes Etwas als sein Einfaches angegeben wuerde, +was fuer sich ein Zusammengesetztes waere. Aber hier ist von dem +Zusammengesetzten als solchem die Rede. + +Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie +alle kantischen Beweise der uebrigen antinomischen Saetze, den Umweg, +der sich als sehr ueberfluessig zeigen wird, apogogisch zu seyn. + +"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen bestaenden +nicht aus einfachen Theilen; so wuerde, wenn alle Zusammensetzung in +Gedanken aufgehoben wuerde, kein zusammengesetzter Theil und da es +(nach der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt, +auch kein einfacher, mithin gar nichts uebrig bleiben, folglich keine +Substanz seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn +es nichts als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles +Zusammengesetzte weg, so hat man gar nichts uebrig;--man wird diess +zugeben, aber dieser tautologische Ueberfluss konnte wegbleiben, und +der Beweis sogleich mit dem anfangen, was darauf folgt, naemlich: +"Entweder laesst sich unmoeglich alle Zusammensetzung in Gedanken +aufheben, oder es muss nach deren Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung +bestehendes, d. i. das Einfache, uebrig bleiben." + +"Im erstern Fall aber wuerde das Zusammengesetze wiederum nicht aus +Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine +zufaellige Relation der SubstanzenZum Ueberfluss des Beweisens selbst +kommt hier noch der Ueberfluss der Sprache,--weil bei diesen (den +Substanzen naemlich) die Zusammensetzung nur eine zufaellige Relation +der Substanzen ist. ist, ohne welche diese als fuer sich beharrliche +Wesen, bestehen muessen.)--Da nun dieser Fall der Voraussetzung +widerspricht, so bleibt nur der + +zweite uebrig: dass naemlich das substantielle Zusammengesetzte in der +Welt aus einfachen Theilen bestehe." + +Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die +Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige voellig ueberfluessig +ist. Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das +Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache. Waere das Erstere, +naemlich das Zusammengesetze, das Bleibende, so waere das Bleibende +nicht die Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur +zufaellige Relation; aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das, +was bleibt, das Einfache. + +Es erhellt, dass ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die +zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar +jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die +Zusammensetzung bloss eine zufaellige Relation der Substanzen ist, +welche ihnen also aeusserlich ist, und die Substanzen selbst nichts +angeht.--Hat es mit der Zufaelligkeit der Zusammensetzung seine +Richtigkeit, so ist das Wesen Freilich das Einfache. Diese +Zufaelligkeit aber, auf welche es allein ankommt, wird nicht bewiesen, +sondern geradezu, und zwar im Vorbeigehen in Parenthese angenommen, +als etwas das sich von selbst versteht oder eine Nebensache ist. Es +versteht sich zwar allerdings von selbst, dass die Zusammensetzung die +Bestimmung der Zufaelligkeit und Aeusserlichkeit ist; aber wenn es sich +nur um ein zufaelliges Zusammen handeln sollte statt der Kontinuitaet, +so war es nicht der Muehe werth, darueber eine Antinomie aufzustellen, +oder vielmehr es liess sich gar keine aufstellen; die Behauptung der +Einfachheit der Theile ist alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch. + +In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst +vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kuerzer laesst sich daher der +Beweis so fassen: + +Man nehme an, die Substanzen bestuenden nicht aus einfachen Theilen, +sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle +Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine +zufaellige Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine +Substanzen uebrig, wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestuenden. +Substanzen aber muessen wir haben, denn wir haben sie angenommen; es +soll uns nicht alles verschwinden, sondern Etwas uebrig bleiben, denn +wir haben ein solches Beharrliches, das wir Substanz nannten, +vorausgesetzt; diess Etwas muss also einfach seyn. + +Es gehoert noch zum Ganzen, den Schlusssatz zu betrachten; er lautet +folgendermassen: + +"Hieraus folgt unmittelbar, dass die Dinge der Welt insgesammt +einfache Wesen seyn, dass die Zusammensetzung nur ein aeusserer Zustand +derselben sey, und dass die Vernunft die Elementarsubstanzen als +einfache Wesen denken muesse." + +Hier sehen wir die Aeusserlichkeit d. i. Zufaelligkeit der +Zusammensetzung als Folge aufgefuehrt, nachdem sie vor her im Beweise +parenthetisch eingefuehrt und in ihm gebraucht worden war. + +Kant protestirt sehr, dass er bei den widerstreitenden Saetzen der +Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege) +einen Advokatenbeweis zu fuehren. Der betrachtete Beweis ist nicht so +sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnuetzen gequaelten +Geschrobenheit, die nur dazu dient, die aeussere Gestalt eines Beweises +hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu +lassen, dass das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese +der Angel des Beweises ist, dass ueberhaupt kein Beweis, sondern nur +eine Voraussetzung vorhanden ist. + +Die Antithesis lautet: + +Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen, +und es existirt ueberall nichts Einfaches in derselben. + +Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere +Weise eben so tadelhaft als der vorige. + +"Setzet, heisst es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe +aus einfachen Theilen. Weil alles aeussere Verhaeltniss, mithin auch +alle Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume moeglich ist, so muss, +aus so vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen +Theilen auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der +Raum nicht aus einfachen Theilen, sondern aus Raeumen. Also muss jeder +Theil des Zusammengesetzten einen Raum einnehmen." + +"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind +einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein." + +"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein ausserhalb einander +befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt +ist, und zwar aus Substanzen, so wuerde das Einfache ein +substantielles Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht." + +Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden +Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt +werden. + +Zunaechst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein. Denn die +Annahme, dass alles Substanzielle raeumlich sey, der Raum aber nicht +aus einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum +unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze +Beweisen fertig ist. + +Alsdann faengt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "dass alle +Zusammensetzung aus Substanzen, ein aeusseres Verhaeltniss sey," vergisst +ihn aber sonderbar genug sogleich wieder. Es wird naemlich +fortgeschlossen, dass die Zusammensetzung nur im Raume moeglich sey, +der Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das +einen Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt. Wenn einmal die +Zusammensetzung als ein aeusserliches Verhaeltniss angenommen ist, so ist +die Raeumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung +moeglich seyn soll, eben darum ein aeusserliches Verhaeltniss fuer die +Substanzen, das sie nichts angeht und ihre Natur nicht beruehrt, so +wenig als das uebrige, was man aus der Bestimmung der Raeumlichkeit +noch folgern kann. Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen +nicht in den Raum gesetzt worden seyn. + +Ferner ist vorausgesetzt, dass der Raum, in den die Substanzen hier +versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine +Anschauung, naemlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung, +die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden koenne, und +kein sogenannter diskursiver Begriff sey.--Bekanntlich hat sich aus +dieser kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel +Unfug mit dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen, +ist der Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt +worden. Hierher gehoert nur, dass der Raum, wie auch die Anschauung +selbst, zugleich begriffen werden muss, wenn man naemlich ueberhaupt +begreifen will. Damit entstaende die Frage, ob der Raum nicht, wenn +er auch als Anschauung einfache Kontinuitaet waere, nach seinem +Begriffe als aus einfachen Theilen bestehend, gefasst werden muesse, +oder der Raum traete in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die +Substanz versetzt wurde. In der That wenn die Antinomie abstrakt +gefasst wird, betrifft sie, wie erinnert, die Quantitaet ueberhaupt und +somit Raum und Zeit eben so sehr. + +Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, dass der Raum nicht aus +einfachen Theilen bestehe, so diess haette Grund seyn sollen, das +Einfache nicht in diess Element zu versetzen, welches der Bestimmung +des Einfachen nicht angemessen ist.--Hierbei kommt aber auch die +Kontinuitaet des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es +werden beide mit einander verwechselt, die erstere an die Stelle der +letztern untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum +giebt). Es ist bei Kant die ausdrueckliche Bestimmung des Raums, dass +er ein einiger ist, und die Theile desselben nur auf Einschraenkungen +beruhen, so dass sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume +gleichsam als dessen Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung +moeglich sey, vorhergehen". (Kr. d. r. Vern. 2te Ausg. S. 39). +Hier ist die Kontinuitaet sehr richtig und bestimmt vom Raume gegen +die Zusammensetzung aus Bestandtheilen angegeben. In der +Argumentation dagegen soll das Versetzen der Substanzen in den Raum +ein "ausserhalb einander befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin +ein Zusammengesetztes" mit sich fuehren. Wogegen, wie angefuehrt, die +Art, wie im Raume eine Mannigfaltigkeit sich findet, ausdruecklich die +Zusammensetzung und der Einigkeit desselben vorhergehende +Bestandtheile ausschliessen soll. + +In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdruecklich +die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie +herbeigebracht, dass wir von Koerpern nur als Erscheinungen einen +Begriff haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung +der Moeglichkeit aller aeussern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn +hiermit unter den Substanzen nur Koerper gemeint sind, wie wir sie +sehen, fuehlen schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem +Begriffe sind, eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom +sinnlich Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu +fassen. Die ganze Erfahrung unseres Sehens, Fuehlens, u.s.f.. zeigt +uns nur Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die +feinsten Messer haben uns noch auf nichts einfaches stossen lassen. +Also soll auch die Vernunft nicht auf etwas einfaches stossen wollen. + +Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer +ansehen, und ihre Beweise von allem unnuetzen Ueberfluss und +Verschrobenheit befreien, so enthaelt der Beweis der Antithesis, +--durch die Versetzung der Substanzen in den Raum,--die assertorische +Annahme der Kontinuitaet, so wie der Beweis der Thesis,--durch die +Annahme der Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des +Substantiellen,--die assertorische Annahme der Zufaelligkeit dieser +Beziehung, und damit die Annahme der Substanzen als absolute Eins. +Die ganze Antinomie reducirt sich also auf die Trennung und direkte +Behauptung der beiden Momente der Quantitaet und zwar derselben als +schlechthin getrennter. Nach der blossen Diskretion genommen sind die +Substanz, Materie, Raum, Zeit u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins +ist ihr Princip. Nach der Kontinuitaet ist dieses Eins nur ein +aufgehobenes; das Theilen bleibt Theilbarkeit, es bleibt die +Moeglichkeit zu theilen, als Moeglichkeit, ohne wirklich auf das Atome +zu kommen. Bleiben wir nun auch bei der Bestimmung stehen, die in +dem Gesagten von diesen Gegensaetzen gegeben ist, so liegt in der +Kontinuitaet selbst das Moment des Atomen, da sie schlechthin als die +Moeglichkeit des Theilens ist, so wie jenes Getheiltseyn, die +Diskretion auch allen Unterschied der Eins aufhebt,--denn die +einfachen Eins ist eines was das andere ist,--somit ebenso ihre +Gleichheit und damit ihre Kontinuitaet enthaelt. Indem jede der beiden +entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthaelt, und keine +ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, dass keine +dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur ihre +Einheit. Diess ist die wahrhafte dialektische Betrachtung derselben, +so wie das wahrhafte Resultat. + +Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische +Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen +Schule besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf +den Begriff der Quantitaet gruenden, und in ihm ihre Aufloesung haben. +Es wuerde zu weitlaeufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie +betreffen die Begriffe von Raum und Zeit, und koennen bei diesen und +in der Geschichte der Philosophie abgehandelt werden. Sie machen der +Vernunft ihrer Erfinder die hoechste Ehre; sie haben das reine Seyn +des Parmenides zum Resultate indem sie die Aufloesung alles bestimmten +Seyns in sich selbst aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das +Fliessen des Heraklit Sie sind darum auch einer gruendlichern +Betrachtung wuerdig, als der gewoehnlichen Erklaerung, dass es eben +Sophismen seyen; welche Assertion sich an das empirische Wahrnehmen +nach dem, dem gemeinen Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des +Diogenes haelt, der, als ein Dialektiker den Widerspruch, den die +Bewegung enthaelt, aufzeigte, seine Vernunft weiter nicht angestrengt +haben, sondern durch ein stummes Hin- und Hergehen auf den +Augenschein verwiesen haben soll,--eine Assertion und Widerlegung, +die freilich leichter zu machen ist, als sich in die Gedanken +einzulassen, und die Verwicklungen, in welche der Gedanke und zwar +der nicht weithergehohlte, sondern im gewoehnlichen Bewusstseyn selbst +sich formirende, hineinfuehrt, festzuhalten und durch den Gedanken +selbst aufzuloesen. + +Die Aufloesung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen +macht, ist hoch zu ruehmen und in seinen wahrhaft spekulativen +Begriffen von Raum, Zeit und Bewegung enthalten. Er setzt der +unendlichen Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie +bewerkstelligt werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen, +dasselbe ist), als worauf die beruehmtesten jener Beweise beruhen, die +Kontinuitaet, welche ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht, +entgegen, so dass die unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich, +der Moeglichkeit nach, in der Kontinuitaet enthalten sey. Das +Wirkliche gegen die abstrakte Vielheit, wie gegen die abstrakte +Kontinuitaet ist das Konkrete derselben, die Zeit und der Raum selbst, +wie gegen diese wieder die Bewegung und die Materie. Nur an sich +oder nur der Moeglichkeit nach ist das Abstrakte; es ist nur als +Moment eines Reellen. Bayle, der in seinem Diktionnaire, Art. Zenon, +die von Aristoteles gemachte Aufloesung der zenonischen Dialektik, " +pitoyable " findet, versteht nicht was es heisst, dass die Materie nur +der Moeglichkeit nach ins Unendliche theilbar sey; er erwiedert, wenn +die Materie ins Unendliche theilbar sey, so enthalte sie wirklich +eine unendliche Menge von Theilen, diess sey also nicht ein +Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell und +aktuell existire.--Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur +eine Moeglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit +ueberhaupt in der Kontinuitaet nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt. +--Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unuebertroffen +ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu +beurtheilen, so wenig als die angefuehrte Plumpheit sinnlicher +Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand +ist in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie +unendliche Menge von Theilen, fuer Etwas, fuer ein Wahres und +Wirkliches zu halten; dieses sinnliche Bewusstseyn aber laesst sich +nicht ueber das Empirische hinaus zu Gedanken bringen. + +Die kantische Aufloesung der Antinomie besteht gleichfalls allein +darin, dass die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht ueberfliegen, +und die Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Aufloesung laesst +den Inhalt der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht +die Natur des Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, fuer +sich isolirt, nichtig und an ihr selbst nur das Uebergehen in ihre +Andere ist, und die Quantitaet als ihre Einheit und darin ihre +Wahrheit hat. + +B. Kontinuirliche und diskrete Groesse. + +Die Quantitaet enthaelt die beiden Momente der Kontinuitaet und der +Diskretion. Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.--Sie +ist schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist +zunaechst selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuitaet, +gesetzt, und ist so kontinuirliche Groesse. + +Oder die Kontinuitaet ist zwar eins der Momente der Quantitaet, die +erst mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist. Aber die +Quantitaet ist konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit +unterschiedener Momente ist. Diese sind daher auch als unterschieden +zu nehmen, jedoch nicht in Attraktion und Repulsion wieder aufzuloesen, +sondern nach ihrer Wahrheit jede in ihrer Einheit mit der anderen d. +h. das Ganze bleibend. Die Kontinuitaet ist nur die zusammenhaengende, +gediegene Einheit, als Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie +nicht mehr nur Moment, sondern ganze Quantitaet; kontinuirliche Groesse. + +2. Die unmittelbare Quantitaet ist kontinuirliche Groesse. Aber die +Quantitaet ist ueberhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit +ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie ist +also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins. +Die Quantitaet ist diskrete Groesse. + +Die Diskretion ist, wie die Kontinuitaet, Moment der Quantitaet, aber +ist selbst auch die ganze Quantitaet, eben weil sie Moment in ihr, dem +Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus +ihrer Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.--Die Quantitaet ist +Aussereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Groesse ist diess +Aussereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in +sich selbst gleicher Zusammenhang. Die diskrete Groesse aber ist diess +Aussereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen. Mit dieser +Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere, +die Repulsion ueberhaupt, wieder vorhanden. Weil die diskrete Groesse +Quantitaet ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich. Diese +Kontinuitaet am Diskreten besteht darin, dass die Eins das einander +Gleiche sind, oder dass sie dieselbe Einheit haben. Die diskrete +Groesse ist also das Aussereinander des vielen Eins, als des Gleichen, +nicht das viele Eins ueberhaupt, sondern als das Viele einer Einheit +gesetzt. + + +Anmerkung. + +In gewoehnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Groesse +wird es uebersehen, dass jede dieser Groessen beide Momente, sowohl die +Kontinuitaet als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur +dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte +Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist. Raum, Zeit, +Materie u.s.f. sind staetige Groessen, indem sie Repulsionen von sich +selbst, ein stroemendes Aussersichkommen sind, das zugleich nicht ein +Uebergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist. Sie haben +die absolute Moeglichkeit, dass das Eins allenthalben an ihnen gesetzt +werde; nicht als die leere Moeglichkeit eines blossen Andersseyns (wie +man sagt, es waere moeglich, dass an der Stelle dieses Steines ein Baum +stuende) sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst, +es ist die eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind. + +Umgekehrt ist an der diskreten Groesse die Kontinuitaet nicht zu +uebersehen; diess Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit. + +Die kontinuirliche und diskrete Groesse koennen als Arten der Quantitaet +betrachtet werden, aber insofern die Groesse nicht unter irgend einer +aeusserlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den +Bestimmtheiten ihrer eigenen Momente; der gewoehnliche Uebergang von +Gattung zu Art laesst an jene nach irgend einem ihr aeusserlichen +Eintheilungsgrunde aeusserliche Bestimmungen kommen. Dabei sind die +kontinuirliche und diskrete Groesse noch keine Quanta; sie sind nur die +Quantitaet selbst in einer jeden ihrer beiden Formen. Sie werden etwa +Groessen genannt, insofern sie mit dem Quantum diess ueberhaupt gemein +haben, eine Bestimmtheit an der Quantitaet zu seyn. + +C. Begrenzung der Quantitaet + +Die diskrete Groesse hat erstlich das Eins zum Princip und ist zweitens +Vielheit der Eins, drittens ist sie wesentlich staetig, sie ist das +Eins zugleich als Aufgehobenes, als Einheit, das Sich-kontinuiren als +solches in der Diskretion der Eins. Sie ist daher als Eine Groesse +gesetzt, und die Bestimmtheit derselben ist das Eins, das an diesem +Gesetztseyn und Daseyn ausschliessendes Eins, Grenze an der Einheit +ist. Die diskrete Groesse als solche soll unmittelbar nicht begrenzt +seyn; aber als unterschieden von der kontinuirlichen ist sie als ein +Daseyn und ein Etwas, dessen Bestimmtheit das Eins und als in einem +Daseyn auch erste Negation und Grenze ist. + +Diese Grenze, ausser dem, dass sie auf die Einheit bezogen und die +Negation an derselben ist, ist als Eins auch auf sich bezogen; so ist +sie umschliessende, befassende Grenze. Die Grenze unterscheidet sich +hier nicht zuerst von dem Etwas ihres Daseyns, sondern ist als Eins +unmittelbar dieser negative Punkt selbst. Aber das Seyn, das hier +begrenzt ist, ist wesentlich als Kontinuitaet, vermoege der es ueber die +Grenze und diess Eins hinausgeht, und gleichgueltig dagegen ist. Die +reale diskrete Quantitaet ist so eine Quantitaet, oder Quantum,--die +Quantitaet als ein Daseyn und Etwas. + +Indem das Eins, welches Grenze ist, die vielen Eins der diskreten +Quantitaet in sich befasst, setzt sie dieselben ebenso wohl als in ihm +aufgehobene; sie ist Grenze an der Kontinuitaet ueberhaupt als solcher, +und damit ist hier der Unterschied von kontinuirlicher und diskreter +Groesse gleichgueltig; oder richtiger, sie ist Grenze an der Kontinuitaet +der einen sosehr als der andern; beide gehen darein ueber, Quanta zu +seyn. + + + +Zweites Kapitel. Quantum + + +Das Quantum, zunaechst Quantitaet mit einer Bestimmtheit oder Grenze +ueberhaupt,--ist in seiner vollkommenen Bestimmtheit die Zahl. Das +Quantum unterscheidet sich + +zweitens zunaechst in extensives, an dem die Grenze als Beschraenkung +der daseyenden Vielheit ist, alsdann indem dieses Daseyn ins +Fuersichseyn uebergeht,--in intensives Quantum, Grad, welches als +fuersich und darin als gleichgueltige Grenze ebenso unmittelbar +aussersich, seine Bestimmtheit an einem anderen hat. Als dieser +gesetzte Widerspruch, so einfach in sich bestimmt zu seyn und seine +Bestimmtheit ausser sich zu haben und fuer sie ausser sich zu weisen, +geht das Quantum + +drittens, als das an sich selbst aeusserliche Gesetzte in die +quantitative Unendlichkeit ueber. + +A. Die Zahl. + +Die Quantitaet ist Quantum, oder hat eine Grenze; sowohl als +kontinuirliche wie als diskrete Groesse. Der Unterschied dieser Arten +hat hier zunaechst keine Bedeutung. + +Die Quantitaet ist als das aufgehobene Fuersichseyn schon an und fuer +sich selbst gegen ihre Grenze gleichgueltig. Aber damit ist ihr +ebenso die Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichgueltig; denn +sie enthaelt das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich als ihr +eigenes Moment, das also als gesetzt an ihrer Kontinuitaet oder +Einheit ihre Grenze ist, die aber als Eins, zu dein sie ueberhaupt +geworden, bleibt. + +Diess Eins ist also das Princip des Quantums, aber das Eins als der +Quantitaet. Dadurch ist es erstlich kontinuirlich, es ist Einheit; +zweitens ist es diskret, an sich seyende (wie in der kontinuirlichen) +oder gesetzte (wie in der diskreten Groesse) Vielheit der Eins, welche +die Gleichheit miteinander, jene Kontinuitaet, dieselbe Einheit haben. +Drittens ist die ss Eins auch Negation der vielen Eins als einfache +Grenze, ein Ausschliessen seines Andersseyns aus sich, eine Bestimmung +seiner gegen andere Quanta. Das Eins ist insofern sich a) auf sich +beziehende, (ss) umschliessende, und (c) Anderes ausschliessende Grenze. + +Das Quantum in diesen Bestimmungen vollstaendig gesetzt, ist die Zahl. +Das vollstaendige Gesetztseyn liegt in dem Daseyn der Grenze als +Vielheit und damit ihrem Unterschiedenseyn von der Einheit. Die Zahl +erscheint, deswegen als diskrete Groesse, aber sie hat an der Einheit +ebenso die Kontinuitaet. Sie ist darum auch das Quantum in +vollkommener Bestimmtheit; indem in ihr die Grenze als bestimmte +Vielheit, die das Eins, das schlechthin bestimmte, zu seinem Principe +hat. Die Kontinuitaet, als in der das Eins nur an sich, als +Aufgehobenes ist,--gesetzt als Einheit,--ist die Form der +Unbestimmtheit. + +Das Quantum nur als solches ist begrenzt ueberhaupt, seine Grenze ist +abstrakte, einfache Bestimmtheit desselben. Indem es aber Zahl ist, +ist diese Grenze als in sich selbst mannigfaltig gesetzt. Sie +enthaelt die vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen, enthaelt sie aber +nicht auf unbestimmte Weise, sondern die Bestimmtheit der Grenze +faellt in sie; die Grenze schliesst anderes Daseyn, d. i. andere Viele +aus, und die von ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge, +--die Anzahl, zu welcher als der Diskretion, wie sie in der Zahl ist, +das andere die Einheit, die Kontinuitaet derselben, ist. Anzahl und +Einheit machen die Momente der Zahl aus. + +Von der Anzahl ist noch naeher zu sehen, wie die vielen Eins, aus +denen sie besteht, in der Grenze sind; von der Anzahl ist der +Ausdruck richtig, dass sie aus den Vielen besteht, denn die Eins sind +in ihr nicht als aufgehoben, sondern sind in ihr, nur mit der +ausschliessenden Grenze gesetzt, gegen welche sie gleichgueltig sind. +Aber diese ist es nicht gegen sie. Beim Daseyn hatte sich zunaechst +das Verhaeltniss der Grenze zu demselben so gestellt, dass das Daseyn +als das affirmative diesseits seiner Grenze bestehen blieb, und diese, +die Negation, ausserhalb an seinem Rande sich befand; ebenso +erscheint an den vielen Eins das Abbrechen derselben und das +Ausschliessen anderer Eins als eine Bestimmung, die ausserhalb der +umschlossenen Eins faellt. Aber es hat sich dort ergeben, dass die +Grenze das Daseyn durchdringt, soweit geht als dieses, und dass Etwas +dadurch seiner Bestimmung nach begrenzt, d. i. endlich ist.--So +stellt man im Quantitativen der Zahl etwa Hundert so vor, dass das +hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, dass sie Hundert seyen. +Einer Seits ist diess richtig; anderer Seits aber hat unter den +hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind; jedes ist +ebenso das Hundertste; sie gehoeren also alle der Grenze an, wodurch +die Zahl Hundert ist; diese kann fuer ihre Bestimmtheit keines +entbehren; die anderen machen somit gegen das hundertste Eins kein +Daseyn aus, das ausserhalb der Grenze oder nur innerhalb ihrer, +ueberhaupt verschieden von ihr waere. Die Anzahl ist daher nicht eine +Vielheit gegen das umschliessende, begrenzende Eins, sondern macht +selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die +Vielen machen eine Zahl, Ein Zwei, Ein Zehn, Ein Hundert u.s.f. aus. + +Das begrenzende Eins ist nun das Bestimmtseyn gegen Anderes, +Unterscheidung der Zahl von andern. Aber diese Unterscheidung wird +nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, faellt nur +in die vergleichende aeusserliche Reflexion; die Zahl bleibt als Eins +in sich zurueckgekehrt, und gleichgueltig gegen Andere. Diese +Gleichgueltigkeit der Zahl gegen Andere ist wesentliche Bestimmung +derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn, aber zugleich ihre +eigene Aeusserlichkeit aus.--Sie ist so ein numerisches Eins, als das +absolut bestimmte, das zugleich die Form der einfachen +Unmittelbarkeit hat, und dem daher die Beziehung auf anderes voellig +aeusserlich ist. Als Eins, das Zahl ist, hat es ferner die +Bestimmtheit, insofern sie Beziehung auf Anderes ist, als seine +Momente in ihm selbst, in seinem Unterschiede der Einheit und der +Anzahl, und die Anzahl ist selbst Vielheit der Eins d. i. es ist in +ihm selbst diese absolute Aeusserlichkeit.--Dieser Widerspruch der Zahl +oder des Quantums ueberhaupt in sich ist die Qualitaet des Quantums, in +deren weitern Bestimmungen sich dieser Widerspruch entwickelt. + +Anmerkung 1. + +Die Raumgroesse und Zahlgroesse pflegen so als zwei Arten betrachtet zu +werden, dass die Raumgroesse fuer sich so sehr bestimmte Groesse als die +Zahlgroesse waere; ihr Unterschied bestuende nur in den verschiedenen +Bestimmungen der Kontinuitaet und Diskretion; als Quantum aber stuenden +sie auf derselben Stufe. Die Geometrie hat im Allgemeinen in der +Raumgroesse die kontinuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgroesse die +diskrete Groesse zum Gegenstande. Aber mit dieser Ungleichheit des +Gegenstandes haben sie auch nicht eine gleiche Weise und +Vollkommenheit der Begrenzung oder des Bestimmtseyns. Die Raumgroesse +hat nur die Begrenzung ueberhaupt; insofern sie als ein schlechthin +bestimmtes Quantum betrachtet werden soll, hat sie die Zahl noethig. +Die Geometrie als solche misst die Raumfiguren nicht, ist nicht +Messkunst; sondern vergleicht sie nur. Auch bei ihren Definitionen +sind die Bestimmungen zum Theil von der Gleichheit der Seiten, Winkel, +der gleichen Entfernung hergenommen. So bedarf der Kreis, weil er +allein auf die Gleichheit der Entfernung aller in ihm moeglichen +Punkte von einem Mittelpunkte beruht, zu seiner Bestimmung keiner +Zahl. Diese auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen +sind aecht geometrisch. Aber sie reichen nicht aus, und zu andern z. +B. Dreieck, Viereck, ist die Zahl erforderlich, die in ihrem Princip, +dem Eins das Fuer-sich-bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch +Huelfe eines Andern, also nicht durch Vergleichung enthaelt. Die +Raumgroesse hat zwar an dem Punkte die dem Eins entsprechende +Bestimmtheit; der Punkt aber wird, insofern er ausser sich kommt, ein +Anderes, er wird zur Linie; weil er wesentlich nur als Eins des +Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu einer Kontinuitaet, in der +die Punktualitaet, das Fuer-sich-Bestimmtseyn, das Eins, aufgehoben ist. +Insofern das Fuer-sich-Bestimmtseyn im Aussersichseyn sich erhalten +soll, muss die Linie als eine Menge von Eins vorgestellt werden, und +die Grenze, die Bestimmung der vielen Eins, in sich bekommen, d. h. +die Groesse der Linie--eben so der anderen Raum-Bestimmungen--muss als +Zahl genommen werden. + +Die Arithmetik betrachtet die Zahl und deren Figuren, oder vielmehr +betrachtet sie nicht, sondern operirt mit denselben. Denn die Zahl +ist die gleichgueltige Bestimmtheit, traege; sie muss von aussen +bethaetigt und in Beziehung gebracht werden. Die Beziehungsweisen +sind die Rechnungsarten. Sie werden in der Arithmetik nach einander +aufgefuehrt, und es erhellt, dass eine von der andern abhaengt. Der +Faden, der ihren Fortgang leitet, wird jedoch in der Arithmetik nicht +herausgehoben. + +Aus der Begriffsbestimmung der Zahl selbst aber ergiebt sich leicht +die systematische Zusammenstellung, auf welche der Vortrag dieser +Elemente in den Lehrbuechern einen gerechten Anspruch hat. Diese +leitenden Bestimmungen sollen hier kurz bemerklich gemacht werden. + +Die Zahl ist um ihres Principes, des Eins, willen ein aeusserlich +Zusammengefasstes ueberhaupt, eine schlechthin analytische Figur, die +keinen inneren Zusammenhang enthaelt. Weil sie so nur ein aeusserlich +Erzeugtes ist, ist alles Rechnen das Hervorbringen von Zahlen, ein +Zaehlen oder bestimmter: Zusammenzaehlen. Eine Verschiedenheit dieses +aeusserlichen Hervorbringens, das nur iminer dasselbe thut, kann allein +in einem Unterschiede der Zahlen gegeneinander, die zusammengezaehlt +werden sollen, liegen; solcher Unterschied muss selbst anderswoher und +aus aeusserlicher Bestimmung genommen werden. + +Der qualitative Unterschied, der die Bestimmtheit der Zahl ausmacht, +ist der, den wir gesehen, der Einheit und der Anzahl; auf diesen +reducirt sich daher alle Begriffsbestimmtheit, die in den +Rechnungsarten vorkommen kann. Der Unterschied aber, der den Zahlen +als Quantis zukommt, ist die aeusserliche Identitaet und der aeusserliche +Unterschied, die Gleichheit und Ungleichheit, welches +Reflexionsmomente, und unter den Bestimmungen des Wesens beim +Unterschiede, abzuhandeln sind. + +Ferner ist noch vorauszuschicken, dass Zahlen im Allgemeinen auf zwei +Weisen hervorgebracht werden koennen, entweder durch Zusammenfassen +oder durch Trennen bereits zusammengefasster;--indem beides bei einer +auf dieselbe Weise bestimmten Art von Zaehlen Statt findet, so +entspricht einem Zusammenfassen von Zahlen, was man positive +Rechnungsart, ein Trennen, was man negative Rechnungsart nennen kann; +die Bestimmung der Rechnungsart selbst, ist von diesem Gegensatze +unabhaengig. + +Nach diesen Bemerkungen folgt hiermit die Angabe der Rechnungsweisen. +Das erste Erzeugen der Zahl ist das Zusammenfassen von Vielen als +solchen, d. i. deren jedes nur als Eins gesetzt ist,--das Numeriren. +Da die Eins aeusserliche gegeneinander sind, stellen sie sich unter +einem sinnlichen Bilde dar, und die Operation, durch welche die Zahl +erzeugt wird, ist ein Abzaehlen an den Fingern, an Punkten u.s.f. Was +Vier, Fuenf u.s.f. ist, kann nur gewiesen werden. Das Abbrechen, wie +viel zugefasst werden soll, ist, indem die Grenze aeusserlich ist, etwas +Zufaelliges, Beliebiges.--Der Unterschied von Anzahl und Einheit, der +im Fortgange der Rechnungsarten eintritt, begruendet ein System, +dyadisches, dekadisches u.s.f.--von Zahlen; ein solches beruht im +Ganzen auf der Beliebigkeit, welche Anzahl konstant wieder als +Einheit genommen werden soll. + +Die durch das Numeriren entstandenen Zahlen werden wieder numerirt; +und indem sie so unmittelbar gesetzt sind, sind sie noch ohne alle +Beziehung auf einander bestimmt, gleichgueltig gegen Gleichheit und +Ungleichheit, von zufaelliger Groesse gegen einander,--daher ungleiche +ueberhaupt;--Addiren.--Dass 7 und 5 Zwoelfe ausmacht, erfaehrt man +dadurch, dass zu den 7 noch 5 Eins an den Fingern oder sonst +hinzunumerirt werden,--wovon das Resultat nachher im Gedaechtnisse, +auswendig, behalten wird; denn Innerliches ist nichts dabei. Ebenso +dass 7 x 5 = 35 ist, weiss man durch das Abzaehlen an den Fingern u.s.f., +dass zu einem Sieben noch eins hinzu numerirt, diess fuenf Mal +bewerkstelligt, und das Resultat gleichfalls auswendig behalten wird. +Die Muehe dieses Numerirens, der Erfindung der Summen, Produkte, ist +durch die fertigen Eins und Eins oder Eins mal Eins, die man nur +auswendig zu lernen hat, abgethan. + +Kant hat (in der Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft V.) den +Satz: 7 + 5 = 12, als einen synthetischen Satz betrachtet. "Man +sollte," sagt er, "anfaenglich zwar denken, (gewiss!) er sey ein bloss +analytischer Satz, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und +Fuenf nach dem Satz des Widerspruchs erfolge." Der Begriff der Summe +heisst weiter nichts, als die abstrakte Bestimmung, dass diese zwei +Zahlen zusammengefasst werden sollen, und zwar als Zahlen auf eine +aeusserliche, d. i. begrifflose Weise,--dass von Sieben weiter numerirt +werden soll, bis die hinzuzufuegenden Eins, deren Anzahl auf Fuenf +bestimmt ist, erschoepft worden; das Resultat fuehrt den sonst +bekannten Nahmen Zwoelfe. "Allein," faehrt Kant fort, "wenn man es +naeher betrachtet, so findet man, dass der Begriff der Summe von 7 + 5 +nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine +einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese +einzige Zahl sey, die beide zusammenfasst;"--"ich mag meinen Begriff +von einer solchen moeglichen Summe noch so sehr zergliedern, so werde +ich doch darin die Zwoelfe nicht antreffen." Mit dem Denken der Summe, +Zergliederung des Begriffs, hat der Uebergang von jener Aufgabe zu dem +Resultat allerdings nichts [zu] thun; "man muss ueber diese Begriffe +hinausgehen und die Anschauung, fuenf Finger u.s.f. zu Huelfe nehmen +und so die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fuenf zu dem +Begriffe von Sieben hinzuthun," fuegt er hinzu. Fuenf ist allerdings +in der Anschauung gegeben, d. h. ein ganz aeusserliches +Zusammengefuegtseyn des beliebig wiederholten Gedankens, Eins; aber +Sieben ist ebenso wenig ein Begriff; es sind keine Begriffe vorhanden, +ueber die man hinausgeht. Die Summe von 5 und 7 heisst die +begrifflose Verbindung beider Zahlen, das so begrifflos fortgesetzte +Numeriren von Sieben an, bis die Fuenfe erschoepft sind, kann man ein +Zusammenfuegen, ein Synthesiren, gerade wie das Numeriren von Eins an, +nennen--ein Synthesiren, das aber gaenzlich analytischer Natur ist, +indem der Zusammenhang ein ganz gemachter, nichts darin ist noch +hineinkommt, was nicht ganz aeusserlich vorliegt. Das Postulat 5 zu 7 +zu addiren verhaelt sich zu dem Postulate, ueberhaupt zu numeriren, wie +das Postulat eine gerade Linie zu verlaengern, zu dem, eine gerade +Linie zu ziehen. + +So leer als der Ausdruck Synthesiren ist, ist die Bestimmung, dass es +a priori geschehe. Zaehlen ist allerdings keine Empfindungsbestimmung, +die fuer das a posteriori nach der kantischen Bestimmung von +Anschauung allein uebrig bleibt, und Zaehlen ist wohl eine +Beschaeftigung auf dem Boden des abstrakten Anschauens, d. i. welches +durch die Kategorie des Eins bestimmt und wobei von allen anderen +Empfindungsbestimmungen, ebenso sehr als auch von Begriffen +abstrahirt ist. Das a priori ist ueberhaupt etwas nur Vages; die +Gefuehlsbestimmung hat als Trieb, Sinn u.s.f. ebenso sehr das Moment +der Aprioritaet in ihr, als Raum und Zeit als existirend, Zeitliches +und Raeumliches, a posteriori bestimmt ist. + +Im Zusammenhange hiermit kann hinzugefuegt werden, dass Kants +Behauptung von der synthetischen Beschaffenheit der Grundsaetze der +reinen Geometrie ebenso wenig etwas Gruendliches enthaelt. Indem er +angiebt, dass mehrere wirklich analytisch seyen, so ist allein der +Grundsatz, dass die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kuerzeste +ist, fuer jene Vorstellung angefuehrt. "Mein Begriff vom Geraden +enthalte naemlich nichts von Groesse, sondern nur eine Qualitaet; der +Begriff des Kuerzesten komme also gaenzlich hinzu, und koenne durch +keine Zergliederung aus dem Begriffe der geraden Linie gezogen werden; +Anschauung muesse also hier zu Huelfe genommen werden, vermittelst +deren allein die Synthesis moeglich sey."--Es handelt sich aber auch +hier nicht von einem Begriffe des Geraden ueberhaupt, sondern von +gerader Linie, und dieselbe ist bereits ein Raeumliches, Angeschautes. +Die Bestimmung (oder wenn man will, der Begriff) der geraden Linie +ist doch wohl keine anderes als dass sie die schlechthin einfache +Linie ist, d. i. in dem Aussersichkommen (der sogenannten Bewegung des +Punktes) schlechthin sich auf sich bezieht, in deren Ausdehnung keine +Art von Verschiedenheit der Bestimmung, keine Beziehung auf einen +anderen Punkt, oder Linie ausserhalb ihrer gesetzt ist, haelt;--die +schlechthin in sich einfache Richtung. Diese Einfachheit ist +allerdings ihre Qualitaet, und wenn die gerade Linie schwer analytisch +zu definiren scheinen sollte, so waere es nur um der Bestimmung der +Einfachheit oder Beziehung auf sich selbst willen, und bloss weil die +Reflexion beim Bestimmen zunaechst vornehmlich eine Mehrheit, ein +Bestimmen durch andere, vor sich hat; es ist aber fuer sich +schlechthin nichts Schweres, diese Bestimmung der Einfachheit der +Ausdehnung in sich, ihrer Bestimmungslosigkeit durch Anderes, zu +fassen;--Euklids Definition enthaelt nichts Anderes als diese +Einfachheit.--Der Uebergang nun aber dieser Qualitaet zur quantitativen +Bestimmung (des Kuerzesten), welcher das Synthetische ausmachen sollte, +ist ganz nur analytisch. Die Linie ist als raeumlich, Quantitaet +ueberhaupt; das Einfachste, vom Quantum gesagt, ist das Wenigste, und +diess von einer Linie gesagt, ist das Kuerzeste. Die Geometrie kann +diese Bestimmungen als Corollarium zur Definition aufnehmen; aber +Archimedes in seinen Buechern ueber Kugel und Cylinder (s. Haubers +Uebers. S. ) hat am zweckmaessigsten gethan, jene Bestimmung der +geraden Linie als Grundsatz hinzustellen, in ebenso richtigem Sinne, +als Euklides die Bestimmung, die Parallellinien betreffend, unter die +Grundsaetze gestellt hat, da die Entwickelung dieser Bestimmung, um zu +einer Definition zu werden, gleichfalls nicht der Raeumlichkeit +unmittelbar angehoerige, sondern abstraktere qualitative Bestimmungen, +wie vorhin Einfachheit, Gleichheit der Richtung und dergleichen +erfordert haette. Diese Alten haben auch ihren Wissenschaften +plastischen Charakter gegeben, ihre Darstellung streng in der +Eigenthuemlichkeit ihres Stoffes gehalten, daher das ausgeschlossen, +was fuer denselben heterogener Art gewesen waere. + +Der Begriff, den Kant in den synthetischen Urtheilen a priori +aufgestellt hat,--der Begriff von Unterschiedenem, das ebenso +untrennbar ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt +Unterschied ist, gehoert zu dem Grossen und Unsterblichen seiner +Philosophie. Im Anschauen ist dieser Begriffe da er der Begriff +selbst und Alles an sich der Begriff ist, freilich gleichfalls +vorhanden; aber die Bestimmungen, die in jenen Beispielen +herausgenommen sind, stellen ihn nicht dar; vielmehr ist die Zahl und +das Zaehlen eine Identitaet und Hervorbringen einer Identitaet, die +schlechthin nur aeusserlich, nur oberflaechliche Synthese ist, eine +Einheit von Eins, solchen, die vielmehr als an ihnen nicht identisch +mit einander, sondern aeusserliche, fuer sich getrennte, gesetzt sind; +in der geraden Linie hat die Bestimmung, die kleinste zwischen zwei +Punkten zu seyn, vielmehr nur das Moment des abstrakt Identischen, +ohne Unterschied an ihm selbst, zu Grunde zu liegen. + +Ich kehre von dieser Unterbrechung zum Addiren selbst zurueck. Die +ihm entsprechende, negative Rechnungsart, das Subtrahiren, ist das +ebenso ganz analytische Trennen in Zahlen, die wie im Addiren, nur +als Ungleiche ueberhaupt gegeneinander bestimmt sind. + +2. Die naechste Bestimmung ist die Gleichheit der Zahlen, die numerirt +werden sollen. Durch diese Gleichheit sind sie eine Einheit, und es +tritt hiermit an der Zahl der Unterschied von Einheit und Anzahl ein. +Die Multiplikation ist die Aufgabe, eine Anzahl von Einheiten, die +selbst eine Anzahl sind, zusammenzuzaehlen. Es ist dabei gleichgueltig, +welche von den beiden Zahlen als Einheit und welche als Anzahl +angegeben, ob viermal drei, wo Vier die Anzahl, und drei die Einheit +ist, oder umgekehrt dreimal vier, gesagt wird.--Es ist oben schon +angegeben, dass das urspruengliche Finden des Produkts durch das +einfache Numeriren, d. i. das Abzaehlen an den Fingern u.s.f. +bewerkstelligt wird; das spaetere unmittelbare Angebenkoennen des +Produkts beruht auf der Sammlung jener Produkte, dem Einmaleins, und +dem Auswendig-Wissen desselben. + +Die Division ist die negative Rechnungsart nach derselben Bestimmung +des Unterschieds. Es ist ebenso gleichgueltig, welcher von beiden +Faktoren, der Divisor oder der Quotient, als Einheit oder als Anzahl +bestimmt wird. Der Divisor wird als Einheit und der Quotient als +Anzahl bestimmt, wenn die Aufgabe der Division ausgesprochen wird, +dass man sehen wolle, wie oft (Anzahl) eine Zahl (Einheit) in einer +gegebenen enthalten sey; umgekehrt wird der Divisor als Anzahl und +der Quotient als Einheit genommen, wenn gesagt wird, man soll eine +Zahl in eine gegebene Anzahl gleicher Theile theilen und die Groesse +solchen Theils (der Einheit) finden. + +3. Die beiden Zahlen, welche als Einheit und Anzahl gegeneinander +bestimmt sind, sind als Zahl noch unmittelbar gegeneinander, und +daher ueberhaupt ungleich. Die weitere Gleichheit ist die der Einheit +und der Anzahl selbst; so ist der Fortgang zur Gleichheit der +Bestimmungen, die in der Bestimmung der Zahl liegen, vollendet. Das +Zaehlen, nach dieser vollstaendigen Gleichheit ist das Potenziren, (die +negative Rechnungsart das Wurzelausziehen)--und zwar zunaechst das +Erheben einer Zahl ins Quadrat,--das vollkommene Bestimmtseyn des +Numerirens in sich selbst, wo 1) die vielen Zahlen, die addirt werden, +dieselben sind, und 2) deren Vielheit oder Anzahl selbst dieselbe +ist mit der Zahl, die vielmal gesetzt wird, die Einheit ist. Es sind +sonst keine Bestimmungen in dem Begriffe der Zahl, die einen +Unterschied darbieten koennten; noch kann ein weiteres Ausgleichen des +Unterschiedes, der in in der Zahl liegt, Statt finden. Erhebung in +hoehere Potenzen als in das Quadrat, ist eine formelle Fortsetzung +Theils--bei den geraden Exponenten,--nur eine Wiederholung des +Quadrirens, Theils bei den ungeraden Potenzen--tritt wieder die +Ungleichheit ein; bei der naemlich formellen Gleichheit (z.B. +zunaechst beim Kubus) des neuen Faktors mit der Anzahl sowohl als mit +der Einheit, ist er als Einheit, gegen die Anzahl (das Quadrat, 3 +gegen 3. 3) ein Ungleiches; noch mehr beim Kubus von Vier, wo die +Anzahl, 3, nach der die Zahl, die die Einheit ist, mit sich +multiplicirt werden soll, von dieser selbst verschieden ist.--Es sind +an sich diese Bestimmungen als der wesentliche Unterschied des +Begriffs, die Anzahl und die Einheit, vorhanden, welche fuer das +vollstaendige In-sich-Zurueckgehen des Ausser-sich-gehens auszugleichen +sind. In dem so eben Dargestellten liegt weiter der Grund, warum +Theils die Aufloesung der hoeheren Gleichungen in der Zurueckfuehrung auf +die quadratische bestehen muss, Theils warum die Gleichungen von +ungeraden Exponenten sich nur formell bestimmen, und gerade wenn die +Wurzeln rational sind, diese sich nicht anders als durch einen +imaginaeren Ausdruck, d. h. der das Gegentheil dessen ist, was die +Wurzeln sind und ausdruecken, finden lassen.--Das Quadrat der +Arithmetik enthaelt nach dem Angegebenen, allein das +Schlechthin-Bestimmtseyn in sich; weswegen die Gleichungen mit +weitern formellen Potenzen darauf zurueckgefuehrt werden muessen, gerade +wie das rechtwinklichte Dreieck in der Geometrie das +Schlechthin-in-sich-Bestimmtseyn enthaelt, das im pythagoraeischen +Lehrsatz exponirt ist, weswegen auch darauf fuer die totale Bestimmung +alle anderen geometrischen Figurationen reducirt werden muessen. + +Ein nach einem logisch gebildetem Urtheile fortschreitender +Unterricht handelt die Lehre von den Potenzen vor der Lehre ueber die +Proportionen ab; diese schliessen sich zwar an den Unterschied von +Einheit und Anzahl an, der die Bestimmung der zweiten Rechnungsart +ausmacht, aber sie treten aus dem Eins des unmittelbaren Quantums, in +welchem Einheit und Anzahl nur Momente sind, heraus; die +Fortbestimmung nach demselben bleibt ihm selbst auch noch aeusserlich. +Die Zahl im Verhaeltnisse ist nicht mehr als unmittelbares Quantum; es +hat seine Bestimmtheit dann als Vermittelung; das quantitative +Verhaeltniss wird im Nachfolgenden betrachtet. + +Von der angegebenen Fortbestimmung der Rechnungsarten kann gesagt +werden, dass sie keine Philosophie ueber dieselben, keine Darlegung +etwa ihrer innern Bedeutung sey, weil sie in der That nicht eine +immanente Entwickelung des Begriffes ist. Aber die Philosophie muss +diess zu unterscheiden wissen, was seiner Natur nach ein sich selbst +aeusserlicher Stoff ist, dass dann an einem solchen der Fortgang des +Begriffs nur auf aeusserliche Weise geschehen, und dessen Momente auch +nur in der eigenthuemlichen Form ihrer Aeusserlichkeit, wie hier +Gleichheit und Ungleichheit, seyn koennen. Die Unterscheidung der +Sphaeren, in welche eine bestimmte Form des Begriffs gehoert, d. h. als +Existenz vorhanden ist, ist ein wesentliches Erforderniss zum +Philosophiren ueber reale Gegenstaende, um nicht das Aeusserliche und +Zufaellige durch Ideen in seiner Eigenthuemlichkeit zu stoeren, wie +diese Ideen durch die Unangemessenheit des Stoffes zu entstellen und +formell zu machen. Jene Aeusserlichkeit aber, in welcher die +Begriffsmomente an jenem aeusserlichen Stoffe, der Zahl, erscheinen, +ist hier die angemessene Form; indem sie den Gegenstand in seinem +Verstande darstellen, auch da sie keine spekulative Anforderung +enthalten und daher leicht erscheinen, verdienen sie in den +Lehrbuechern der Elemente angewendet zu werden. + +Anmerkung 2. + +Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftverhaeltnisse oder Philosopheme in +Zahlen dargestellt, auch in neueren Zeiten ist von ihnen und Formen +ihrer Beziehungen, wie Potenzen u.s.f. in der Philosophie Gebrauch +gemacht worden, um die Gedanken darnach zu reguliren oder damit +auszudruecken.--In paedagogischer Ruecksicht ist die Zahl fuer den +geeignetsten Gegenstand des innern Anschauens, und die rechnende +Beschaeftigung mit Verhaeltnissen derselben fuer die Thaetigkeit des +Geistes gehalten worden, worin er seine eigensten Verhaeltnisse und +ueberhaupt die Grundverhaeltnisse des Wesens zur Anschauung bringe. +--Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beikommen koenne, geht aus ihrem +Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat. + +Die Zahl sahen wir als die absolute Bestimmtheit der Quantitaet, und +ihr Element als den gleichgueltig gewordenen Unterschied;--die +Bestimmtheit an sich, die zugleich voellig nur aeusserlich gesetzt ist. +Die Arithmetik ist analytische Wissenschaft, weil alle Verknuepfungen +und Unterschiede, die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm +selbst liegen, sondern ihm voellig aeusserlich angethan sind. Sie hat +keinen konkreten Gegenstand, welcher innere Verhaeltnisse an sich +haette, die zunaechst fuer das Wissen verborgen, nicht in der +unmittelbaren Vorstellung von ihm gegeben, sondern erst durch die +Bemuehung des Erkennens herauszubringen waeren. Sie enthaelt nicht nur +den Begriff und damit die Aufgabe fuer das begreifende Denken nicht, +sondern ist das Gegentheil desselben. Um der Gleichgueltigkeit des +Verknuepften gegen die Verknuepfung, der die Nothwendigkeit fehlt, +willen, befindet sich das Denken hier in einer Thaetigkeit, die +zugleich die aeusserste Entaeusserung seiner selbst ist, in der +gewaltsamen Thaetigkeit, sich in der Gedankenlosigkeit zu bewegen und +das keiner Nothwendigkeit Faehige zu verknuepfen. Der Gegenstand ist +der abstrakte Gedanke der Aeusserlichkeit selbst. + +Als dieser Gedanke der Aeusserlichkeit ist die Zahl zugleich die +Abstraktion von der sinnlichen Mannigfaltigkeit; sie hat von dem +Sinnlichen nichts als die abstrakte Bestimmung der Aeusserlichkeit +selbst behalten; hierdurch ist dieses in ihr dem Gedanken am naechsten +gebracht; sie ist der reine Gedanke der eignen Entaeusserung des +Gedankens. + +Der Geist, der sich ueber die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen +erkennt, indem er ein Element fuer seine reine Vorstellung, fuer den +Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher, ehe er den Gedanken selbst +als diess Element fasst, und fuer dessen Darstellung den rein geistigen +Ausdruck gewinnt, darauf verfallen, die Zahl, diese innerliche, +abstrakte Aeusserlichkeit zu waehlen. Darum sehen wir in der Geschichte +der Wissenschaft frueh die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen +gebraucht werden. Sie macht die letzte Stufe der Unvollkommenheit +aus, das Allgemeine mit Sinnlichem behaftet zu fassen. Die Alten +haben das bestimmte Bewusstseyn darueber gehabt, dass die Zahl zwischen +dem Sinnlichen und dem Gedanken in der Mitte stehe. Aristoteles +fuehrt es von Plato an (Metaphys. I,5) dass derselbe sage, dass ausser +dem Sinnlichen und den Ideen die mathematischen Bestimmungen der +Dinge dazwischen stehen, von dem Sinnlichen dadurch unterschieden sey, +dass sie unsichtbar (ewig) und unbewegt seyen, von den Ideen aber, +dass sie ein Vieles und ein Aehnliches seyen, die Idee aber schlechthin +nur identisch mit sich und in sich Eines sey.--Eine ausfuehrlichere +gruendlich gedachte Reflexion hierueber von Moderatus aus Cadix wird in +Malchi Vita Pythagorae ed. Ritterhus. p. 30f. angefuehrt; dass die +Pythagoraeer auf die Zahlen gefallen seyen, schreibt er dem zu, dass +sie noch nicht vermocht haben, die Grundideen und ersten Principien +deutlich in der Vernunft zu fassen, weil diese Principien schwer zu +denken und schwer auszusprechen seyen; die Zahlen dienen zur +Bezeichnung gut beim Unterrichte; sie haben darin unter anderem die +Geometer nachgeahmt, welche das Koerperliche nicht in Gedanken +ausdruecken koennen, die Figuren gebrauchen, und sagen, diess sey ein +Dreieck, wobei sie aber wollen, dass nicht die in die Augen fallende +Zeichnung fuer das Dreieck genommen, sondern damit nur der Gedanke +desselben vorgestellt sey. So haben die Pythagoraeer den Gedanken der +Einheit, der Dieselbigkeit und Gleichheit und den Grund der +Uebereinstimmung, des Zusammenhangs und der Erhaltung von Allem, des +mit sich selbst Identischen, als Eins ausgesprochen u.s.f.--Es ist +ueberfluessig zu bemerken, dass die Pythagoraeer von dem Zahlenauch zum +Gedanken-Ausdruck, zu den ausdruecklichen Kategorien des Gleichen und +Ungleichen, der Grenze und der Unendlichkeit uebergegangen sind, es +wird schon in Ansehung jener Zahlausdruecke (ebend. in den Anm. zu p. +31 l.s. aus einem Leben des Pythagoras bei Photius p. 772) angefuehrt, +dass die Pythagoraeer zwischen der Monas und dem Eins unterschieden +haben; die Monas haben sie als den Gedanken genommen, das Eins aber +als die Zahl; ebenso die Zwei fuer das Arithmetische, die Dyas (denn +so soll es daselbst wohl heissen) fuer den Gedanken des Unbestimmten. +--Diese Alten sahen vors Erste das Ungenuegende der Zahlformen fuer +Gedankenbestimmungen sehr richtig ein, und ebenso richtig forderten +sie ferner stattjenes ersten Nothbehelfs fuer Gedanken den +eigenthuemlichen Ausdruck; um wie viel weiter waren sie in ihrem +Nachdenken gekommen, als die, welche heutigestages wieder Zahlen +selbst und Zahlbestimmungen, wie Potenzen, dann das Unendlichgrosse, +Unendlichkleine, Eins dividirt durch das Unendliche und sonstige +solche Bestimmungen, die selbst auch oft ein verkehrter +mathematischer Formalismus sind, an die Stelle von +Gedankenbestimmungen zu setzen und zu jener unvermoegenden Kindheit +zurueckzukehren, fuer etwas Loebliches, ja Gruendliches und Tiefes halten. + +Wenn vorhin der Ausdruck angefuehrt worden, dass die Zahl zwischen dem +Sinnlichen und dem Gedanken stehe, indem sie zugleich von jenem diess +habe, das Viele, das Aussereinander, an ihr zu seyn, so ist zu +bemerken, dass dieses Viele selbst, das in den Gedanken aufgenommene +Sinnliche, die ihm angehoerige Kategorie des an ihm selbst Aeusserlichen +ist. Die weiteren, konkreten, wahren Gedanken, das Lebendigste, +Beweglichste, nur im Beziehen Begriffene, in dieses Element des +Aussersichseyns selbst versetzt, werden zu todten, bewegungslosen +Bestimmungen. Je reicher an Bestimmtheit und damit an Beziehung die +Gedanken werden, desto verworrener einer Seits und desto +willkuerlicher und sinnleerer anderer Seits wird ihre Darstellung in +solchen Formen, als die Zahlen sind. Das Eins, das Zwei, das Drei, +das Vier, Henas oder Monas, Dyas, Trias, Tetraktys, liegen noch den +ganz einfachen abstrakten Begriffen nahe; aber wenn Zahlen zu +konkreten Verhaeltnissen uebergehen sollen, so ist es vergeblich, sie +noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen, + +Wenn nun aber die Denkbestimmungen durch Eins, Zwei, Drei, Vier fuer +die Bewegung des Begriffs, als durch welche er allein Begriff ist, +bezeichnet werden, so ist diess das Haerteste, was dem Denken +zugemuthet wird. Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der +Beziehungslosigkeit; sein Geschaefte ist die Arbeit der Verruecktheit. +Dass z.B. Eins Drei, und Drei Eins ist, zu begreifen, ist darum +diese harte Zumuthung, weil das Eins das Beziehungslose ist, also +nicht an ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein +Entgegengesetztes uebergeht, sondern vielmehr diess ist, eine solche +Beziehung schlechthin auszuschliessen und zu verweigern. Umgekehrt +benutzt diess der Verstand gegen die spekulative Wahrheit (wie z.B. +gegen die in der Lehre, welche die der Dreieinigkeit genannt wird, +niedergelegte) und zaehlt die Bestimmungen derselben, welche Eine +Einheit ausmachen, um sie als klaren Widersinn aufzuzeigen,--d. h. er +selbst begeht den Widersinn, das, was schlechthin Beziehung ist, zum +Beziehungslosen zu machen. Bei dem Namen Dreieinigkeit ist freilich +nicht darauf gerechnet worden, dass vom Verstand das Eins und die Zahl +als die wesentliche Bestimmtheit des Inhalts betrachtet werden wuerde. +Jener Name drueckt die Verachtung gegen den Verstand aus, der aber +seine Eitelkeit, am Eins und der Zahl als solcher zu halten, +festgestellt und sie gegen die Vernunft gestellt hat. + +Zahlen, geometrische Figuren, wie diess viel vom Kreis, Dreieck u.s.f. +geschen ist, als blosse Symbole (des Kreises, z.B. von der Ewigkeit, +des Dreiecks von der Dreieinigkeit) zu nehmen ist--einer Seits etwas +Unverfaengliches; aber thoericht ist es anderer Seits, zu meinen, dass +dadurch mehr ausgedrueckt sey, als der Gedanke zu fassen und +auszudruecken vermoege. Wenn in solchen Symbolen, wie in andern, die +von der Phantasie in den Mythologien der Voelker und in der Dichtkunst +ueberhaupt erzeugt werden, gegen welche die phantasielosen +geometrischen Figuren ohnehin duerftig sind, wie auch in diesen eine +tiefe Weisheit, tiefe Bedeutung liegen soll, so ist es eben dem +Denken allein darum zu thun, die Weisheit, die nur darin liegt, und +nicht nur in Symbolen, sondern in der Natur und im Geiste, heraus zu +Tage zu foerdern; in Symbolen ist die Wahrheit durch das sinnliche +Element noch getruebt und verhuellt; ganz offenbar wird sie allein dem +Bewusstseyn in der Form des Gedanken; die Bedeutung ist nur der +Gedanke selbst. + +Aber mathematische Kategorien herbeizunehmen, um daraus fuer die +Methode oder den Inhalt philosophischer Wissenschaft etwas bestimmen +zu wollen, zeigt sich wesentlich dadurch als etwas Verkehrtes, dass +insofern mathematische Formeln Gedanken und Begriffsunterschiede +bedeuten, diese ihre Bedeutung sich vielmehr zuerst in der +Philosophie anzugeben, zu bestimmen und zu rechtfertigen hat. In +ihren konkreten Wissenschaften hat diese das Logische aus der Logik, +nicht aus der Mathematik zu nehmen; es kann nur ein Nothbehelf der +philosophischen Unvermoegenheit seyn, zu den Gestaltungen, die das +Logische in anderen Wissenschaften annimmt, und deren viele nur +Ahnungen, andere auch Verkuemmerungen desselben sind, fuer das Logische +der Philosophie seine Zuflucht zu nehmen. Die blosse Anwendung +solcher entlehnten Formeln ist ohnehin ein aeusserliches Verhalten; der +Anwendung selbst muesste ein Bewusstseyn ueber ihren Werth wie ueber ihre +Bedeutung vorangehen; ein solches Bewusstseyn aber giebt nur die +denkende Betrachtung, nicht die Autoritaet derselben aus der +Mathematik. Solches Bewusstseyn ueber sie ist die Logik selbst, und +diess Bewusstseyn streift ihre partikulare Form ab, macht diese +ueberfluessig und unnuetz, berichtigt sie und verschafft ihnen allein +ihre Berechtigung, Sinn und Werth. + +Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat, +insofern er eine paedagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus +dem Bisherigen von selbst hervor. Die Zahl ist ein unsinnlicher +Gegenstand, und die Beschaeftigung mit ihr und ihren Verbindungen, ein +unsinnliches Geschaeft; der Geist wird somit dadurch zur Reflexion in +sich und einer innerlichen abstrakten Arbeit angehalten, was eine +grosse, jedoch einseitige Wichtigkeit hat. Denn auf der anderen Seite, +da der Zahl nur der aeusserliche, gedankenlose Unterschied zu Grunde +liegt, wird jenes Geschaefte ein gedankenloses, mechanisches. Die +Kraftanstrengung besteht vornehmlich darin, Begriffloses festzuhalten, +und begrifflos es zu verbinden. Der Inhalt ist das leere Eins; der +gediegene Gehalt des sittlichen und geistigen Lebens und der +individuellen Gestaltungen desselben, mit welchem als der edelsten +Nahrung die Erziehung den jugendlichen Geist grossziehen soll, sollte +von dem inhaltslosen Eins verdraengt werden; die Wirkung, wenn jene +Uebungen zur Hauptsache und Hauptbeschaeftigung gemacht werden, kann +keine andere seyn, als den Geist nach Form und Inhalt auszuhoehlen und +abzustumpfen. Weil das Rechnen ein so sehr aeusserliches, somit +mechanisches Geschaeft ist, haben sich Maschinen verfertigen lassen, +welche die arithmetischen Operationen aufs vollkommenste vollfuehren. +Wenn man ueber die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kennte, +so laege darin die Entscheidung, was es mit dem Einfalle fuer eine +Bewandniss hatte, das Rechnen zum Hauptbildungsmittel des Geistes zu +machen, und ihn auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen, +zu legen. + +B. Extensives und intensives Quantum + +a. Unterschied derselben. + +1. Das Quantum hat, wie sich vorhin ergeben, seine Bestimmtheit als +Grenze in der Anzahl. Es ist ein in sich Diskretes, ein Vieles, das +nicht ein Seyn hat, welches verschieden waere von seiner Grenze und +sie ausser ihm haette. Das Quantum so mit seiner Grenze, die ein +Vielfaches an ihr selbst ist, ist extensive Groesse. + +Die extensive Groesse ist von der kontinuirlichen zu unterscheiden; +jener steht direkt nicht die diskrete, sondern die intensive +gegenueber. Extensive und intensive Groesse sind Bestimmtheiten der +quantitativen Grenze selbst, das Quantum aber ist identisch mit +seiner Grenze; kontinuirliche und diskrete Groesse sind dagegen +Bestimmungen der Groesse an sich, d. i. der Quantitaet als solcher, +insofern beim Quantum von der Grenze abstrahirt wird.--Die extensive +Groesse hat das Moment der Kontinuitaet an ihr selbst und in ihrer +Grenze, indem ihr Vieles ueberhaupt Kontinuirliches ist; die Grenze +als Negation erscheint insofern an dieser Gleichheit der Vielen, als +Begrenzung der Einheit. Die kontinuirliche Groesse ist die sich +fortsetzende Quantitaet ohne Ruecksicht auf eine Grenze, und insofern +sie mit einer solchen vorgesstellt wird, ist diese eine Begrenzung +ueberhaupt, ohne dass die Diskretion an ihr gesetzt sey. Das Quantum +nur als kontinuirliche Groesse ist noch nicht wahrhaft fuer sich +bestimmt, weil sie des Eins, worin das Fuer-sich-bestimmtseyn liegt, +und der Zahl entbehrt. Eben so ist die diskrete Groesse unmittelbar +nur unterschiedenes Vieles ueberhaupt, das, insofern es als solches +eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h. ein unbestimmt +Begrenztes waere; dass es als bestimmtes Quantum sey, dazu gehoert das +Zusammenfassen des Vielen in Eins, wodurch sie mit der Grenze +identisch gesetzt werden. Jede, die kontinuirliche und diskrete +Groesse, als Quantum ueberhaupt hat nur eine der beiden Seiten an ihr +gesetzt, wodurch es vollkommen bestimmt und als Zahl ist. Diese ist +unmittelbar extensives Quantum,--die einfache Bestimmtheit, die +wesentlich als Anzahl, jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit +ist; es ist von der Zahl nur dadurch unterschieden, dass ausdruecklich +die Bestimmtheit als Vielheit in dieser gesetzt ist. + +2. Die Bestimmtheit jedoch, wie gross etwas ist, durch die Zahl, +bedarf nicht des Unterschiedes von etwas Anderem Grossem, so dass zur +Bestimmtheit dieses Grossen es selbst und ein Anderes Grosses gehoerte, +indem die Bestimmtheit der Groesse ueberhaupt fuer-sich-bestimmte, +gleichgueltige, einfach auf sich bezogene Grenze ist; und in der Zahl +ist sie gesetzt als eingeschlossen in das fuer-sich-seyende Eins, und +hat die Aeusserlichkeit, die Beziehung-auf-Anderes innerhalb ihrer +selbst. Dieses Viele der Grenze selbst ferner, ist wie das Viele +ueberhaupt, nicht ein in sich Ungleiches, sondern ein Kontinuirliches +jedes der Vielen ist was das Andere ist; es als vieles +Aussereinanderseyendes oder Diskretes macht daher die Bestimmtheit als +solche nicht aus. diess Viele faellt also fuer sich selbst in seine +Kontinuitaet zusammen und wird einfache Einheit.--Die Anzahl ist nur +Moment der Zahl; aber macht nicht als eine Menge von numerischen Eins +die Bestimmtheit der Zahl aus, sondern diese Eins als gleichgueltige, +sich Aeusserliche, sind im Zurueckgekehrtseyn der Zahl in sich +aufgehoben; die Aeusserlichkeit, welche die Eins der Vielheit ausmachte, +verschwindet in dem Eins, als Beziehung der Zahl auf sich selbst. + +Die Grenze des Quantums, das als extensives seine daseyende +Bestimmtheit als die sich selbst aeusserliche Anzahl hatte, geht also +in einfache Bestimmtheit ueber. In dieser einfachen Bestimmung der +Grenze ist es intensive Groesse; und die Grenze oder Bestimmtheit, die +mit dem Quantum identisch ist, ist nun auch so als Einfaches gesetzt, +--der Grad. + +Der Grad ist also bestimmte Groesse, Quantum, aber nicht zugleich Menge, +oder Mehreres innerhalb seiner selbst; er ist nur eine Mehrheit; die +Mehrheit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammengenommen, +das Daseyn in das Fuersichseyn zurueckgegangen. Seine Bestimmtheit muss +zwar durch eine Zahl ausgedrueckt werden als dem vollkommenen +Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht als Anzahl, sondern einfach, +nur Ein Grad. Wenn von 10, 20 Graden gesprochen wird, ist das +Quantum, das so viele Grade hat, der zehente, zwanzigste Grad, nicht +die Anzahl und Summe derselben; so waere es ein extensives; sondern es +ist nur Einer, der zehnte, zwanzigste Grad. Er enthaelt die +Bestimmtheit, welche in der Anzahl zehn, zwanzig liegt, aber enthaelt +sie nicht als Mehrere, sondern ist die Zahl als aufgehobene Anzahl, +als einfache Bestimmtheit. + +3. In der Zahl ist das Quantum in seiner vollstaendigen Bestimmtheit +gesetzt; als intensives Quantum aber als in ihrem Fuersichseyn, ist es +gesetzt, wie es seinem Begriffe nach oder an sich ist. Die Form +naemlich der Beziehung auf sich, welche es im Grade hat, ist zugleich +das Sich-Aeusserlichseyn desselben. Die Zahl ist als extensives +Quantum numerische Vielheit, und hat so die Aeusserlichkeit innerhalb +ihrer. Diese, als Vieles ueberhaupt, faellt in die Ununterschiedenheit +zusammen, und hebt sich auf in dem Eins der Zahl, ihrer Beziehung auf +sich selbst. Das Quantum hat aber seine Bestimmtheit als Anzahl; es +enthaelt, wie vorhin gezeigt worden, sie, ob sie gleich nicht mehr an +ihm gesetzt ist. Der Grad also, der als in sich selbst einfach diess +aeusserliche Andersseyn nicht mehr in ihm hat, hat es ausser ihm, und +bezieht sich darauf als auf seine Bestimmtheit. Eine ihm aeusserliche +Vielheit macht die Bestimmtheit der einfachen Grenze, welche er fuer +sich ist, aus. + +Dass die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven +Quantum befinden sollte, sich darin aufhob, bestimmt sich somit dahin, +dass sie ausserhalb derselben gesetzt ist. Indem die Zahl als Eins, +in sich reflektirte Beziehung auf sich selbst gesetzt ist, schhesst +sie die Gleichgueltigkeit und Aeusserlichkeit der Anzahl aus sich aus, +und ist Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein +Aeusserliches. + +Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe gemaesse Realitaet. Die +Gleichgueltigkeit der Bestimmtheit macht seine Qualitaet aus; d. i. die +Bestimmtheit, die an ihr selbst als die sich aeusserliche Bestimmtheit +ist.--Sonach ist der Grad einfache Groessenbestimmtheit unter einer +Mehrheit solcher Intensitaeten, die verschieden, jede nur einfache +Beziehung auf sich selbst, zugleich aber in wesentlicher Beziehung +auf einander sind, so dass jede in dieser Kontinuitaet mit den anderen +ihre Bestimmtheit hat. Diese Beziehung des Grades durch sich selbst +auf sein Anderes, macht das Auf- und Absteigen an der Skale der Grade +zu einem staetigen Fortgang, einem Fliessen, das eine ununterbrochene, +untheilbare Veraenderung ist; jedes der Mehrern, die darin +unterschieden werden, ist nicht getrennt von den Anderen, sondern hat +sein Bestimmtseyn nur in diesen. Als sich auf sich beziehende +Groessebestimmung ist jeder der Grade gleichgueltig gegen die andern; +aber er ist eben so sehr an sich auf diese Aeusserlichkeit bezogen, er +ist nur vermittelst derselben, was er ist, seine Beziehung auf sich +ist in einem die nicht gleichgueltige Beziehung auf das Aeusserliche, +hat in dieser seine Qualitaet. + +b. Identitaet der extensiven und intensiven Groesse. + +Der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Aeusserliches. Allein er +ist nicht das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl ueberhaupt, das +nicht Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu sein. Die +intensive Groesse ist zunaechst ein einfaches Eins der Mehrern; es sind +mehrere Grade; bestimmt sind sie aber nicht, weder als einfaches Eins, +noch als Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Aussersichseyns, +oder in der Identitaet des Eins und der Mehrheit. Wenn also die +Mehreren als solche zwar ausser dem einfachen Grade sind, so besteht +in seiner Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthaelt also die +Anzahl. Wie zwanzig als extensive Groesse die zwanzig Eins als +diskrete in sich enthaelt, so enthaelt der bestimmte Grad sie als +Kontinuitaet, welche diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der +zwanzigste Grad; und ist der zwanzigste Grad nur vermittelst dieser +Anzahl, die als solche ausser ihm ist. + +Die Bestimmtheit der intensiven Groesse ist daher von doppelter Seite +zu betrachten. Sie ist bestimmt durch andere intensive Quanta, und +ist in Kontinuitaet mit ihrem Andersseyn, so dass in dieser Beziehung +auf dasselbe ihre Bestimmtheit besteht. Insofern sie nun erstens die +einfache Bestimmtheit ist, ist sie bestimmt gegen andere Grade; sie +schliesst dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem +Ausschliessen. Aber zweitens ist sie an ihr selbst bestimmt; sie ist +diess in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht in ihr als +ausgeschlossener, oder nicht in der Anzahl anderer Grade. Der +zwanzigste Grad enthaelt die zwanzig an ihm selbst; er ist nicht nur +bestimmt als unterschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u.s.f. +sondern seine Bestimmtheit ist seine Anzahl. Aber insofern die +Anzahl die seinige ist, und die Bestimmtheit ist zugleich wesentlich +als Anzahl, so ist er extensives Quantum. + +Extensive und intensive Groesse sind also eine und dieselbe +Bestimmtheit des Quantums; sie sind nur dadurch unterschieden, dass +die eine die Anzahl als innerhalb ihrer, die andere dasselbe, die +Anzahl als ausser ihr hat. Die extensive Groesse geht in intensive +Groesse ueber, weil ihr Vieles an und fuer sich in die Einheit +zusammenfaellt, ausser welcher das Viele tritt. Aber umgekehrt hat +dieses Einfache seine Bestimmtheit nur an der Anzahl und zwar als +seiner; als gleichgueltig gegen die anders bestimmten Intensitaeten hat +es die Aeusserlichkeit der Anzahl an ihm selbst; so ist die intensive +Groesse eben so wesentlich extensive Groesse. + +Mit dieser Identitaet tritt das qualitative Etwas ein; denn sie ist +sich durch die Negation ihrer Unterschiede auf sich beziehende +Einheit, diese Unterschiede aber machen die daseyende +Groesse-Bestimmtheit aus; diese negative Identitaet ist also Etwas, und +zwar das gegen seine quantitative Bestimmtheit gleichgueltig ist. +Etwas ist ein Quantum, aber nun ist das qualitative Daseyn, wie es an +sich ist, als gleichgueltig dagegen gesetzt. Es konnte vom Quantum, +der Zahl als solcher u.s.f. ohne ein Etwas, das deren Substrat waere, +gesprochen werden. Aber nun tritt Etwas diesen seinen Bestimmungen, +durch deren Negation init sich vermittelt, als fuer sich daseyend +gegenueber, und, indem es ein Quantum hat, als dasselbe, welches ein +extensives und intensives Quantum habe. Seine Eine Bestimmtheit, die +es als Quantum hat, ist in den unterschiedenen Momenten der Einheit +und der Anzahl gesetzt; sie ist nicht nur an sich Eine und dieselbe, +sondern ihr Setzen in diesen Unterschieden, als extensives und +intensives Quantum, ist das Zurueckgehen in diese Einheit, die als +negative das gegen sie gleichgueltig gesetzte Etwas ist. + +Anmerkung 1. + +In der gewoehnlichen Vorstellung pflegen extensives und intensives +Quantum so als Arten von Groessen unterschieden zu werden, als ob es +Gegenstaende gaebe, die nur intensive, andere, die nur extensive Groesse +haetten. Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen +Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive, z. +B. in der Grundbestimmung der Materie, einen Raum zu erfuellen, so +wie in anderen Begriffen, in ein Intensives verwandelte, in dem Sinne, +dass das Intensive, als das Dynamische die wahrhafte Bestimmung sey, +und z.B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfuellung wesentlich +nicht als eine gewisse Menge und Anzahl materieller Theile in einem +Quantum Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfuellenden Kraft +der Materie gefasst werden muesse. + +Es sind hierbei zweierlei Bestimmungen zu unterscheiden. Bei dem, +was man die Umwandlung der mechanischen Betrachtungsweise in die +dynamische genannt hat, kommt der Begriff von aussereinander +bestehenden selbststaendigen Theilen, die nur aeusserlich in ein Ganzes +verbunden sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor. +Was in der Raumerfuellung einer Seits nur als eine Menge einander +aeusserlichen Atome angesehen wird, wird anderer Seits als die Aeusserung +einer zu Grunde liegenden einfachen Kraft betrachtet.--Diese +Verhaeltnisse voll Ganzen und Theilen, der Kraft und ihrer Aeusserung, +die hier einander gegenueber treten, gehoeren aber noch nicht hierher, +sondern werden weiterhin betrachtet werden. Soviel laesst sich +sogleich erinnern, dass das Verhaeltniss von Kraft und ihrer Aeusserung, +das dem Intensiven entspricht, zwar zunaechst das wahrhaftere ist +gegen das Verhaeltniss von Ganzen und Theilen; aber dass darum die Kraft +nicht weniger einseitig als das Intensive, und die Aeusserung, die +Aeusserlichkeit des Extensiven, ebenso untrennbar von der Kraft ist, so +dass ein und derselbe Inhalt ebenso sehr in beiden Formen, des +Intensiven und des Extensiven, vorhanden ist. + +Die andere Bestimmtheit, die dabei vorkommt, ist die quantitative als +solche, die als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als +die wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird; es ist aber +gezeigt worden, dass dieser ebenso die erstere enthaelt, so dass die +eine Form fuer die andere wesentlich ist, somit jedes Daseyn seine +Groessebestimmung eben so sehr als extensives wie als intensives +Quantum darstellt. + +Als Beispiel hiervon dient daher alles, insofern es in einer +Groessebestimmung erscheint. Selbst die Zahl hat diese gedoppelte Form +nothwendig unmittelbar an ihr. Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie +extensive Groesse; aber sie ist auch Eins, ein Zehen, ein Hundert; +insofern steht sie auf dem Uebergange zur intensiven Groesse, indem in +dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht. Eins ist +extensive Groesse an sich, es kann als eine beliebige Anzahl von +Theilen vorgestellt werden. So das Zehnte, das Hundertste ist diess +Einfache, Intensive, das seine Bestimmtheit an dem ausser ihm +fallenden Mehrern d. i. am Extensiven hat. Die Zahl ist Zehen, +Hundert, und zugleich die Zehnte, Hundertste im Zahlensystem; beides +ist dieselbe Bestimmtheit. + +Das Eins im Kreise heisst Grad, weil der Theil des Kreises wesentlich +seine Bestimmtheit in dem Mehrern ausser ihm hat, als eines nur einer +geschlossenen Anzahl solcher Eins bestimmt ist. Der Grad des Kreises +ist als blosse Raumgroesse nur eine gewoehnliche Zahl; als Grad angesehen +ist er die intensive Groesse, die einen Sinn nur hat, als bestimmt +durch die Anzahl von Graden, in die der Kreis getheilt ist, wie die +Zahl ueberhaupt ihren Sinn nur hat in der Zahlenreihe. + +Die Groesse eines konkretern Gegenstandes stellt ihre gedoppelte Seite, +extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen seines +Daseyns dar, in deren einer er als ein Aeusserliches, in der andern +aber als ein Innerliches erscheint. So ist z.B. eine Masse als +Gewicht, ein extensiv-Grosses, insofern sie eine Anzahl von Pfunden, +Centnern u.s.f. ausmacht; ein intensiv-Grosses, insofern sie einen +gewissen Druck ausuebt; die Groesse des Drucks ist ein Einfaches, ein +Grad, der seine Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes +hat. Als drueckend erscheint die Masse als ein In-sich-seyn, als +Subjekt, dem der intensive Groessenunterschied zukommt.--Umgekehrt was +diesen Grad des Drucks ausuebt, ist vermoegend, eine gewisse Anzahl von +Pfunden u.s.f. von der Stelle zu bewegen, und misst seine Groesse hieran. + +Oder die Waerme hat einen Grad; der Waermegrad, er sey der l0te, 20ste +u.s.f. ist eine einfache Empfindung, ein Subjektives. Aber dieser +Grad ist eben so sehr vorhanden als extensive Groesse, als die +Ausdehnung einer Fluessigkeit, des Quecksilbers im Thermometer, der +Luft oder des Thons u.s.f. Ein hoeherer Grad der Temperatur drueckt +sich aus als eine laengere Quecksilbersaeule, oder als ein schmaelerer +Thoncylinder; er erwaermt einen groessern Raum auf dieselbe Weise als +ein geringerer Grad nur den kleinern Raum. + +Der hoehere Ton ist als der intensivere, zugleich eine groessere Menge +von Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein hoeherer Grad +zugeschrieben wird, macht sich in einem groessern Raume hoerbar.--Mit +der intensivern Farbe laesst sich eine groessere Flaeche, als mit einer +schwaechern, auf gleiche Weise faerben; oder das Hellere, eine andere +Art von Intensitaet, ist weiter sichtbar als das weniger Helle u.s.f. + +Eben so im Geistigen ist die hohe Intensitaet des Charakters, Talents, +Genies, von eben so weitgreifendem Daseyn, ausgedehnter Wirkung und +vielseitiger Beruehrung. Der tiefste Begriff hat die allgemeinste +Bedeutung und Anwendung. + +Anmerkung 2. + +Kant hat einen eigenthuemlichen Gebrauch von der Anwendung der +Bestimmtheit des intensiven Quantums auf eine metaphysische +Bestimmung der Seele gemacht. In der Kritik der metaphysischen Saetze +von der Seele, die er Paralogismen der reinen Vernunft nennt, kommt +er auf die Betrachtung des Schlusses von der Einfachheit der Seele +auf die Beharrlichkeit derselben. Er setzt diesem Schlusse entgegen, +(Kr. d. r. Vern. S. 414), "dass, wenn wir gleich der Seele diese +einfache Natur einraeumen, da sie naemlich kein Mannigfaltiges ausser +einander, mithin keine extensive Groesse enthaelt, man ihr doch so wenig +wie irgend einem Existirenden, intensive Groesse, d. i. einen Grad der +Realitaet in Ansehung aller ihrer Vermoegen, ja ueberhaupt alles dessen, +was das Daseyn ausmacht, ablaeugnen koenne, welcher durch alle +unendlich viele kleinere Grade abnehmen, und so die vorgebliche +Substanz obgleich nicht durch Vertheilung, doch durch allmaelige +Nachlassung (remissio) ihrer Kraefte, in nichts verwandelt werden +koenne; denn selbst das Bewusstseyn hatjederzeit einen Grad, der immer +noch vermindert werden kann, folglich auch das Vermoegen sich seiner +bewusst zu seyn, und so alle uebrige Vermoegen."--Die Seele wird in der +rationellen Psychologie, wie diese abstrakte Metaphysik war, nicht +als Geist, sondern als ein nur unmittelbar Seyendes, als Seelending +betrachtet. So hat Kant das Recht, die Kategorie des Quantums, "wie +auf irgend ein Existirendes" und insofern diess Seyende als einfach +bestimmt ist, die des intensiven Quantums auf dasselbe anzuwenden. +Dem Geiste kommt allerdings Seyn zu, aber von ganz anderer Intensitaet, +als die des intensiven Quantums ist, vielmehr einer solchen +Intensitaet, in welcher die Form des nur unmittelbaren Seyns und alle +Kategorie desselben als aufgehoben sind. Es war nicht nur die +Entfernung der Kategorie des extensiven Quantums zuzugeben, sondern +die des Quantums ueberhaupt zu entfernen. Ein Weiteres aber ist noch, +zu erkennen, wie in der ewigen Natur des Geistes Daseyn, Bewusstseyn, +Endlichkeit ist und daraus hervorgeht, ohne dass er dadurch ein Ding +wuerde. + +c. Die Veraenderung des Quantums. + +Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der +Bestimmtheit des Quantums als solcher gleichgueltig. Aber ueberhaupt +ist das Quantum die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die +gleichgueltige Grenze, die Bestimmtheit, welche eben so sehr die +Negation ihrer selbst ist. In der extensiven Groesse ist dieser +Unterschied entwickelt, aber die intensive Groesse ist das Daseyn +dieser Aeusserlichkeit, die das Quantum in sich ist. Er ist als sein +Widerspruch in sich selbst gesetzt, die einfache sich auf sich +beziehende Bestimmtheit zu seyn, welche die Negation ihrer selbst ist, +ihre Bestimmtheit nicht an ihr, sondern in einem anderen Quantum zu +haben. + +Ein Quantum ist also seiner Qualitaet nach in absoluter Kontinuitaet +mit seiner Aeusserlichkeit, mit seinem Andersseyn, gesetzt. Es kann +daher nicht nur ueber jede Groessebestimmtheit hinausgegangen, sie kann +nicht nur veraendert werden, sondern es ist diess gesetzt, dass sie sich +veraendern muss. Die Groessebestimmung kontinuirt sich so in ihr +Andersseyn, dass sie ihr Seyn nur in dieser Kontinuitaet mit einem +anderen hat; sie ist nicht eine seyende, sondern eine werdende Grenze. + +Das Eins ist unendlich oder die sich auf sich beziehende Negation, +daher die Repulsion seiner von sich selbst. Das Quantum ist +gleichfalls unendlich, gesetzt als die sich auf sich beziehende +Negativitaet; es repellirt sich von sich selbst. Aber es ist ein +bestimmtes Eins, das Eins welches in Daseyn und in die Grenze +uebergegangen ist, also die Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst, +nicht das Erzeugen des sich selbst Gleichen, wie die Repulsion des +Eins, sondern seines Andersseyns, es ist nun an ihm selbst gesetzt, +ueber sich hinaus zu schicken, und ein Anderes zu werden. Es besteht +darin, sich zu vermehren oder zu verhindern; es ist die Aeusserlichkeit +der Bestimmtheit an ihm selbst. + +Das Quantum schickt sich also selbst ueber sich hinaus; diess Andere, +zu dem es wird, ist zunaechst selbst ein Quantum; aber ebenso als eine +nicht seyende, sondern sich ueber sich selbst hinaustreibende Grenze. +Die in diesem Hinausgehen wieder entstandene Grenze ist also +schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt und zu einer +fernern schickt, und so fort ins Unendliche. + + +C. Die quantitative Unendlichkeit + +a. Begriff derselben. + +Das Quantum veraendert sich und wird ein anderes Quantum; die weitere +Bestimmung dieser Veraenderung, dass sie ins Unendliche fortgeht, liegt +darin, dass das Quantum als an ihm selbst sich widersprechend gestellt +ist.--Das Quantum wird ein Anderes; es kontinuirt sich aber in sein +Andersseyn; das Andere ist also auch ein Quantum. Aber dieses ist +das Andere nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst, das +Negative seiner als eines Begrenzten, somit seine Unbegrenztheit, +Unendlichkeit. Das Quantum ist ein Sollen; es enthaelt, +Fuer-sich-bestimmt zu seyn, und dieses Fuer-sich-bestimmtseyn ist +vielmehr das Bestimmtseyn in einem Anderen; und umgekehrt ist es das +aufgehobene Bestimmtseyn in einem Andern, ist gleichgueltiges +Bestehen-fuer-sich. + +Die Endlichkeit und Unendlichkeit erhalten dadurch sogleich jede an +ihr selbst eine gedoppelte, und zwar entgegengesetzte Bedeutung. +Endlich ist das Quantum erstens als Begrenztes ueberhaupt, zweitens, +als das Hinausschicken ueber sich selbst, als das Bestimmtseyn in +einem Anderen. Die Unendlichkeit desselben aber ist erstens sein +Nichtbegrenztseyn; zweitens sein Zurueckgekehrtseyn-in-sich, das +gleichgueltige Fuersichseyn. Vergleichen wir sogleich diese Momente +mit einander, so ergiebt sich, dass die Bestimmung der Endlichkeit des +Quantums, das Hinausschicken ueber sich zu einem Anderen, in dem seine +Bestimmung liege, ebenso Bestimmung des Unendlichen ist; die Negation +der Grenze ist dasselbe Hinaus ueber die Bestimmtheit, so dass das +Quantum in dieser Negation, dem Unendlichen, seine letzte +Bestimmtheit habe. Das andere Moment der Unendlichkeit ist das gegen +die Grenze gleichgueltige Fuersichseyn; das Quantum selbst aber ist so +das Begrenzte, dass es das fuer sich Gleichgueltige gegen seine Grenze, +damit gegen andere Quanta und sein Hinaus, ist. Die Endlichkeit und +die (von ihr getrennt seyn sollende, schlechte) Unendlichkeit haben +beim Quantum jede das Moment der anderen bereits an ihr. + +Das qualitative und quantitative Unendliche unterscheiden sich +dadurch, dass im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen +qualitativ ist, und der Uebergang des Endlichen in das Unendliche, +oder die Beziehung beider auf einander nur im Ansich, in ihrem +Begriffe liegt. Die qualitative Bestimmtheit ist als unmittelbar, +und bezieht sich auf das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr +anderes Seyn, sie ist nicht gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an +ihr selbst zu haben. Die Groesse hingegen ist, als solche, aufgehobene +Bestimmtheit; sie ist gesetzt, ungleich mit sich und gleichgueltig +gegen sich selbst, daher das Veraenderliche zu seyn. Das qualitative +Endliche und Unendliche stehen sich daher absolut d. h. abstrakt +gegeneinander ueber; ihre Einheit ist, die zu Grunde liegende +innerliche Beziehung; das Endliche kontinuirt sich daher nur an sich, +aber nicht an ihm, in sein Anderes. Hingegen das quantitative +Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein Unendliches, an dem es +seine absolute Bestimmtheit habe. Diese ihre Beziehung stellt +zunaechst der quantitativ-unendliche Progress dar. + +b. Der quantitative unendliche Progress. + +Der Progress ins Unendliche ist ueberhaupt der Ausdruck des +Widerspruchs, hier desjenigen, den das quantitativ-Endliche oder das +Quantum ueberhaupt enthaelt. Er ist die Wechselbestimmung des +Endlichen und Unendlichen, die in der qualitativen Sphaere betrachtet +worden ist, mit dem Unterschiede, dass wie so eben erinnert, im +Quantitativen sich die Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits +fortschickt und fortsetzt, somit umgekehrt auch das +quantitativ-Unendliche gesetzt ist, das Quantum an ihm selbst zu +haben, denn das Quantum ist in seinem Aussersichseyn zugleich es +selbst; seine Aeusserlichkeit gehoert seiner Bestimmung an. + +Der unendliche Progress ist nun nur der Ausdruck dieses Widerspruchs, +nicht die Aufloesung desselben, aber um der Kontinuitaet willen der +einen Bestimmtheit in ihre andere fuehrt er eine scheinbare Aufloesung +in einer Vereinigung beider herbei. Wie er zunaechst gesetzt ist, ist +er die Aufgabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben; das +perennirende Erzeugen desselben, ohne ueber das Quantum selbst +hinauszukommen, und ohne dass das Unendliche ein Positives und +Gegenwaertiges wuerde. Das Quantum hat es in seinem Begriffe ein +Jenseits seiner zu haben. Diess Jenseits ist erstlich das abstrakte +Moment des Nichtseyns des Quantums; dieses loest sich an sich selbst +auf; so bezieht es sich auf sein Jenseits als auf seine Unendlichkeit, +nach dem qualitativen Momente des Gegensatzes. Aber zweitens steht +das Quantum in Kontinuitaet mit diesem Jenseits; das Quantum besteht +eben darin, das Andere seiner selbst, sich selbst aeusserlich zu seyn; +also ist diess Aeusserliche eben so sehr nicht ein Anderes als das +Quantum; das Jenseits oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum. +Das Jenseits ist auf diese Weise aus seiner Flucht zurueckgerufen, +und das Unendliche erreicht. Aber weil diess zum Diesseits gewordene +wieder ein Quantum ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt +worden; diese, als Quantum, ist auch wieder von sich selbst geflohen, +ist als solches ueber sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn, in +sein Jenseits von sich selbst repellirt, das ebenso perennirend zum +Quantum wird, als dieses sich von sich selbst zum Jenseits abstoesst. + +Die Kontinuitaet des Quantums in sein Anderes bringt die Verbindung +beider in dem Ausdruck eines Unendlich-Grossen oder Unendlich-Kleinen +hervor. Da beide die Bestimmung des Quantums noch an ihnen haben, +bleiben sie veraenderliche und die absolute Bestimmtheit, die ein +Fuer-sichseyn waere, ist also nicht erreicht. Diess Aussersichseyn der +Bestimmung ist in dem gedoppelten Unendlichen, das sich nach dem Mehr +und Weniger entgegengesetzt ist, dem Unendlich-grossen und Kleinen, +gesetzt. An jedem selbst ist das Quantum im perennirenden Gegensatze +gegen sein Jenseits erhalten. Das Grosse noch so sehr erweitert, +schwindet zur Unbetraechtlichkeit zusammen; indem es sich auf das +Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz +qualitativ; das erweiterte Quantum hat daher dem Unendlichen nichts +abgewonnen; dieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben. Oder, +die Vergroesserung des Quantums ist keine Naeherung zum Unendlichen, +denn der Unterschied des Quantums und seiner Unendlichkeit hat +wesentlich auch das Moment ein nicht quantitativer Unterschied zu +seyn. Es ist nur der ins Engere gebrachte Ausdruck des Widerspruchs; +es soll ein Grosses d. i. ein Quantum, und unendlich, d. i. kein +Quantum seyn.--Eben so das Unendlichkleine ist als Kleines ein +Quantum und bleibt daher absolut d. h. qualitativ zu gross fuer das +Unendliche, und ist diesem entgegengesetzt. Es bleibt in beiden der +Widerspruch des unendlichen Progresses erhalten der in ihnen sein +Ziel gefunden haben sollte. + +Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen beharrlich +bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu +bezeichnen. Sie ist wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, das +perennirende Herueber- und Hinuebergehen von dem einen Gliede des +bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn, +von diesem aufs neue zurueck zu ebenderselben, zur Grenze. Im +Progresse des Quantitativen ist das, zu dem fortgegangen wird, zwar +nicht ein abstrakt Anderes ueberhaupt, sondern ein als verschieden +gesetztes Quantum; aber es bleibt auf gleiche Weise im Gegensatze +gegen seine Negation. Der Progress ist daher gleichfalls nicht ein +Fortgehen und Weiterkommen, sondern ein Wiederholen von einem und +eben demselben, Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben; +eine Ohnmacht des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein +Aufheben selbst als ein Kontinuirliches wiederkehrt. Es sind zwei so +zusammengeknuepft, dass sie sich schlechthin fliehen; und indem sie +sich fliehen, koennen sie sich nicht trennen, sondern sind in ihrer +gegenseitigen Flucht verknuepft. + +Anmerkung 1. + +Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornehmlich in der Form des +Progresses des Quantitativen ins Unendliche,--diess fortgehende +Ueberfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der +perennirende Rueckfall in dieselbe,--fuer etwas Erhabenes und fuer eine +Art von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der +Philosophie als ein Letztes angesehen worden ist. Dieser Progress hat +vielfach zu Tiraden gedient, die als erhabene Produktionen bewundert +worden sind. In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht +den Gegenstand gross, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das +Subjekt, das so grosse Quantitaeten in sich verschlingt. Die +Duerftigkeit dieser subjektiv bleibenden Erhebung, die an der Leiter +des Quantitativen hinaufsteigt, thut sich selbst damit kund, dass sie +in vergeblicher Arbeit dem unendlichen Ziele nicht naeher zu kommen +eingesteht, welches zu erreichen freilich ganz anders anzugreifen ist. + +Bei folgenden Tiraden dieser Art ist zugleich ausgedrueckt, in was +solche Erhebung uebergeht und aufhoert. Kant z.B. fuehrt es als +erhaben auf, (Kr. d. prakt. V. Schl.) + +"wenn das Subjekt mit dem Gedanken sich ueber den Platz erhebt, den es +in der Sinnenwelt einnimmt, und die Verknuepfung ins unendlich Grosse +erweitert, eine Verknuepfung mit Sternen ueber Sternen, mit Welten ueber +Welten, Systemen ueber Systemen, ueberdem noch in grenzenlose Zeiten +ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.--Das +Vorstellen erliegt diesem Fortgehen ins Unermesslich-Ferne, wo die +fernste Welt immer noch eine fernere hat, die so weit zurueckgefuehrte +Vergangenheit noch eine weitere hinter sich, die noch so weit +hinausgefuehrte Zukunft immer noch eine andere vor sich; der Gedanke +erliegt dieser Vorstellung des Unermesslichen; wie ein Traum, dass +einer einen langen Gang immer weiter und unabsehbar weiter fortgehe, +ohne ein Ende abzusehen, mit Fallen oder mit Schwindel endet." + +Diese Darstellung, ausserdem dass sie den Inhalt des quantitativen +Erhebens in einen Reichthum der Schilderung zusammendraengt, verdient +wegen der Wahrhaftigkeit vornehmlich Lob, mit der sie es angiebt, wie +es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist +Fallen und Schwindel. Was den Gedanken erliegen macht, und das +Fallen desselben und den Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes, +als die Langeweile der Wiederholung, welche eine Grenze verschwinden +und wieder auftreten und wieder verschwinden, so immer das eine um +das andere, und eins im andern, in dem Jenseits das Diesseits, in dem +Diesseits das Jenseits perennierend entstehen und vergehen laesst, und +nur das Gefuehl der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens +giebt, das ueber das Endliche Meister werden will und nicht kann. + +Auch die hallersche, von Kant sogenannte schauderhafte Beschreibung +der Ewigkeit pflegt besonders bewundert zu werden, aber oft gerade +nicht wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben +ausmacht: + +"Ich haeuffe ungeheure Zahlen, Gebuerge Millionen auf, Ich setze Zeit +auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauf Und wenn ich von der grausen Hoeh +Mit Schwindeln wieder nach dir seh, Ist alle Macht der Zahl, vermehrt +zu tausendmalen, Noch nicht ein Theil von dir." "Ich zieh sie ab, und +du liegst ganz vor mir." + +Wenn auf jenes Aufbuergen und Aufthuermen von Zahlen und Welten als auf +eine Beschreibung der Ewigkeit der Werth gelegt wird, so wird +uebersehen, dass der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte +Hinausgehen fuer etwas Vergebliches und Hohles erklaert, und dass er +damit schliesst, dass nur durch das Aufgeben dieses leeren unendlichen +Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn +komme. + +Es hat Astronomen gegeben, die sich auf das Erhabene ihrer +Wissenschaft gern darum viel zu Gute thaten, weil sie mit einer +unermesslichen Menge von Sternen, mit so unermesslichen Raeumen und +Zeiten zu thun habe, in denen Entfernungen und Perioden, die fuer sich +schon gross sind, zu Einheiten dienen, welche noch so vielmal genommen, +sich wieder zur Unbedeutenheit verkuerzen. Das schaale Erstaunen, +dem sie sich dabei ueberlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst +noch in jenem Leben von einem Sterne zum anderen zu reisen und ins +Unermessliche fort dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, gaben sie +fuer ein Hauptmoment der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus, +--welche bewundernswuerdig ist, nicht um solcher quantitativen +Unendlichkeit willen, sondern im Gegentheil um der Maassverhaeltnisse +und der Gesetze willen, welche die Vernunft in diesen Gegenstaenden +erkennt, und die das vernuenftige Unendliche gegen jene unvernuenftige +Unendlichkeit sind. + +Der Unendlichkeit, die sich auf die aeussere sinnliche Anschauung +bezieht, setzt Kant die andere Unendlichkeit gegenueber, wenn + +"das Individuum auf sein unsichtbares Ich zurueckgeht, und die +absolute Freiheit seines Willens als ein reines Ich allen Schrecken +des Schicksals und der Thyrannei entgegenstellt, von seinen naechsten +Umgebungen anfangend, sie fuer sich verschwinden, eben so das, was als +dauernd erscheint, Welten ueber Welten in Truemmer zusammenstuerzen laesst, +und einsam sich als sich selbst gleich erkennt." + +Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das erreichte Jenseits, es +ist zu sich selbst gekommen, ist bei sich, diesseits; im reinen +Selbstbewusstseyn ist die absolute Negativitaet zur Affirmation und +Gegenwart gebracht, welche in jenem Fortgehen ueber das sinnliche +Quantum nur flieht. Aber indem diess reine Ich in seiner Abstraktion +und Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn ueberhaupt, die +Fuelle des natuerlichen und geistigen Universums, als ein Jenseits sich +gegenueber. Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem +unendlichen Progresse zu Grunde liegt; naemlich ein Zurueckgekehrtseyn +in sich, das unmittelbar zugleich Aussersichseyn, Beziehung auf sein +Anderes als auf sein Nichtseyn, ist; welche Beziehung eine Sehnsucht +bleibt, weil Ich sich seine gehaltlose und unhaltbare Leere einer +Seits, und die in der Negation doch praesent bleibende Fuelle als sein +Jenseits fixirt hat. + +Kant fuegt diesen beiden Erhabenheiten die Bemerkung bei, "dass +Bewunderung (fuer die erstere, aeusserliche) und Achtung (fuer die zweite, +innerliche) Erhabenheit, zwar zur Nachforschung reizen, aber den +Mangel derselben nicht ersetzen koennen".--Er erklaert damit jene +Erhebungen als unbefriedigend fuer die Vernunft, welche bei ihnen und +den damit verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das +Jenseits und Leere nicht fuer das Letzte gelten lassen kann. + +Als ein Letztes aber ist der unendliche Progress vornehmlich in seiner +Anwendung auf die Moralitaet genommen worden. Der so eben angefuehrte +zweite Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, als der +mannigfaltigen Welt und des in seine Freiheit erhobenen Ichs, ist +zunaechst qualitativ. Das Selbstbestimmen des Ich geht zugleich +darauf, die Natur zu bestimmen und sich von ihr zu befreien; so +bezieht es sich durch sich selbst auf sein Anderes, welches als +aeusserliches Daseyn ein Vielfaeltiges und auch Quantitatives ist. Die +Beziehung auf ein Quantitatives wird selbst quantitativ; die negative +Beziehung des Ich darauf, die Macht des Ich ueber das Nicht-Ich, ueber +die Sinnlichkeit und aeussere Natur, wird daher so vorgestellt, dass die +Moralitaet immer groesser, die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner +werden koenne und solle. Die voellige Angemessenheit aber des Willens +zum moralischen Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progress +verlegt, das heisst, als ein absolutes unerreichbares Jenseits +vorgestellt, und eben diess solle der wahre Anker und der rechte Trost +seyn, dass es ein Unerreichbares ist; denn die Moralitaet soll als +Kampf seyn; dieser aber ist nur unter der Unangemessenheit des +Willens zum Gesetze, dieses damit schlechthin ein Jenseits fuer ihn. + +In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich oder der reine Wille +und das moralische Gesetz, und die Natur und Sinnlichkeit des Willens +als vollkommen selbststaendig und gleichgueltig gegeneinander +vorausgesetzt. Der reine Wille hat sein eigenthuemliches Gesetz, das +in wesentlicher Beziehung auf die Sinnlichkeit steht; und die Natur +und Sinnlichkeit hat ihrer Seits Gesetze, die weder aus dem Willen +genommen und ihm entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich +verschieden davon, an sich eine wesentliche Beziehung auf ihn haetten, +sondern sie sind ueberhaupt fuer sich bestimmt, in sich fertig und +geschlossen. Zugleich sind beide aber Momente eines und desselben +einfachen Wesens, des Ich; der Wille ist als das Negative gegen die +Natur bestimmt, so dass er nur ist, insofern ein solches von ihm +verschiedenes ist, das von ihm aufgehoben werde, von dem er aber +hierin beruehrt und selbst afficirt ist. Der Natur und ihr als +Sinnlichkeit des Menschen ist als einem selbststaendigen System von +Gesetzen das Beschraenken durch ein anderes gleichgueltig; sie erhaelt +sich in diesem Begrenztwerden, tritt selbststaendig in die Beziehung +ein, und begrenzt den Willen des Gesetzes eben so sehr, als er sie +begrenzt.--Es ist Ein Act, dass der Wille sich bestimmt und das +Andersseyn einer Natur aufhebt, und dass diess Andersseyn als daseyend +gesetzt ist, sich in sein Aufgehobenwerden kontinuirt, und nicht +aufgehoben ist. Der Widerspruch, der hierin liegt, wird im +unendlichen Progresse nicht aufgeloest, sondern im Gegentheil als +unaufgeloest und unaufloesbar dargestellt und behauptet; der Kampf der +Moralitaet und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das an und fuer +sich seyende, absolute Verhaeltniss. + +Die Ohnmacht ueber den qualitativen Gegensatz des Endlichen und +Unendlichen Meister zu werden und die Idee des wahrhaften Willens, +die substantielle Freiheit, zu fassen, nimmt zur Groesse ihre Zuflucht, +um sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene +Qualitative, der gleichgueltig gewordene Unterschied, ist. Allein +indem beide Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu +Grunde liegen bleiben, so wird vielmehr dadurch, dass sie sich in +ihrer gegenseitigen Beziehung als Quanta verhalten, jedes sogleich +als gegen diese Veraenderung gleichgueltig gesetzt. Die Natur wird +durch Ich, die Sinnlichkeit durch den Willen des Guten bestimmt, die +durch denselben an ihr hervorgebrachte Veraenderung ist nur ein +quantitativer Unterschied, ein solcher, der sie als das bestehen laesst, +was sie ist. + +In der abstraktern Darstellung der kantischen Philosophie oder +wenigstens ihrer Principien, naemlich in der fichteschen +Wissenschaftslehre, macht der unendliche Progress auf dieselbe Weise +die Grundlage und das Letzte aus. Auf den ersten Grundsatz dieser +Darstellung, Ich=Ich, folgt ein zweiter davon unabhaengiger, die +Entgegensetzung des Nicht-Ich; die Beziehung beider wird sogleich +auch als quantitativer Unterschied angenommen, dass Nicht-Ich zum +Theil durch Ich bestimmt werde, zum Theil auch nicht. Das Nicht-Ich +kontinuirt sich auf diese Weise in sein Nichtseyn so, dass es seinem +Nichtseyn entgegengesetzt bleibt, als ein nicht Aufgehobenes. +Nachdem daher die Widersprueche, die darin liegen, im System +entwickelt worden sind, so ist das schliessliche Resultat dasjenige +Verhaeltniss, welches der Anfang war; das Nicht-Ich bleibt ein +unendlicher Anstoss, ein absolut-Anderes; die letzte Beziehung seiner +und des Ich aufeinander ist der unendliche Progress, Sehnsucht und +Streben,--derselbe Widerspruch, mit welchem angefangen wurde. + +Weil das Quantitative die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit ist, +so glaubte man fuer die Einheit des Absoluten, fuer die Eine +Substantialitaet, Viel oder vielmehr Alles gewonnen zu haben, indem +man den Gegensatz ueberhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede +herabsetzte. Aller Gegensatz ist nur quantitativ, war einige Zeit +ein Hauptsatz neuerer Philosophie; die entgegengesetzten Bestimmungen +haben dasselbe Wesen, denselben Inhalt, sie sind reale Seiten des +Gegensatzes, insofern jede derselben seine beiden Bestimmungen, beide +Faktoren, in ihr hat, nur dass auf der einen Seite der eine Faktor, +auf der anderen der andere ueberwiegend, in der einen Seite der eine +Faktor, eine Materie oder Thaetigkeit, in groesserer Menge oder in +staerkerem Grade vorhanden sey, als in der andern. Insofern +verschiedene Stoffe oder Thaetigkeiten vorausgesetzt werden, bestaetigt +und vollendet der quantitative Unterschied vielmehr deren +Aeusserlichkeit und Gleichgueltigkeit gegeneinander und gegen ihre +Einheit. Der Unterschied der absoluten Einheit soll nur quantitativ +seyn; das Quantitative ist zwar die aufgehobene unmittelbare +Bestimmtheit, aber die nur unvollkommene, erst die erste Negation, +nicht die unendliche, nicht die Negation der Negation.--Indem Seyn +und Denken als quantitative Bestimmungen der absoluten Substanz +vorgestellt werden, werden auch sie, als Quanta, wie in +untergeordneter Sphaere, der Kohlenstoff, Stickstoff u.s.f. sich +vollkommen aeusserlich und beziehungslos. Es ist ein Drittes, eine +aeusserliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede abstrahirt, und +ihre innere, nur ansichseyende, nicht ebenso fuer-sich-seyende, +Einheit erkennt. Diese Einheit, wird dann in der That nur als erste +unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn, welches in seinem +quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt, aber nicht sich durch +sich selbst gleich setzt; es ist somit nicht begriffen, als Negation +der Negation, als unendliche Einheit. Nur im qualitativen Gegensatze +geht die gesetzte Unendlichkeit, das Fuersichseyn, hervor, und die +quantitative Bestimmung selbst geht, wie sich sogleich naeher ergeben +wird, in das Qualitative ueber. + +Anmerkung 2. + +Es ist oben erinnert worden, dass die kantischen Antinomien +Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer +konkreteren Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung +angewendet, sind. Die daselbst betrachtete Antinomie enthielt den +Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Unendlichkeit. In einer +andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr +die quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird. +Ich will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier anstellen. + +Sie betrifft die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit +und Raum.--Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Ruecksicht +auf Zeit und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum +Verhaeltnisse der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung +sind, aendert nichts fuer das Antinomische der Begrenztheit oder +Unbegrenztheit in ihnen. + +Die naehere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen, +dass die beiden Saetze und eben so ihre Beweise, die wie bei der oben +betrachteten apogogisch gefuehrt sind, auf nichts, als auf die zwei +einfachen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine +Grenze, und: es muss ueber die Grenze hinausgegangen werden. + +Die Thesis ist: + +"Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raume nach auch +in Grenzen eingeschlossen." + +Der eine Theil des Beweises, die Zeit betreffend, nimmt das +Gegentheil an, "die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist bis +zu jedem gegebenen Zeitpunkt eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin +eine unendliche Reihe auf einander folgender Zustaende der Dinge in +der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit +einer Reihe, dass sie durch successive Synthesis niemals vollendet +seyn kann. Also ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmoeglich, +mithin ein Anfang der Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns; +welches zu erweisen war." + +Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrifft, wird auf die +Zeit zurueckgefuehrt. Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume +unendlichen Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als +abgelaufen angesehen werden muesste, insofern die Welt im Raume nicht +als ein Werdendes, sondern als ein vollendetes Gegebenes anzusehen +ist. Von der Zeit aber wurde im ersten Theile des Beweises gezeigt, +dass eine unendliche Zeit als abgelaufen anzunehmen unmoeglich sey. + +Man sieht aber sogleich, dass es unnoethig war, den Beweis apagogisch +zu machen, oder ueberhaupt einen Beweis zu fuehren, indem in ihm selbst +unmittelbar die Behauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen +werden sollte. Es wird naemlich irgend ein oder jeder gegebene +Zeitpunkt angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (--Ewigkeit hat +hier nur den geringen Sinii einer schlecht-unendlichen Zeit) +abgelaufen sey. Ein gegebener Zeitpunkt heisst nun nichts Anders, als +eine bestimmte Grenze in der Zeit. Im Beweise wird also eine Grenze +der Zeit als wirklich vorausgesetzt; sie ist aber eben das, was +bewiesen werden sollte. Denn die Thesis besteht darin, dass die Welt +einen Anfang in der Zeit habe. + +Nur der Unterschied findet Statt, dass die angenommene Zeitgrenze ein +Jetzt, als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt +als Anfang einer Zukunft ist. Allein dieser Unterschied ist +unwesentlich. Jetzt wird als der Punkt angenommen, in welchem eine +unendliche Reihe auf einander folgender Zustaende der Dinge in der +Zeit verflossen seyn soll, also als Ende, als qualitative Grenze. +Wuerde diess Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, welche +fliessend und ueber die nicht nur hinaus zu gehen sondern die vielmehr +nur diess sey, ueber sich hinauszugehen, so waere die unendliche +Zeitreihe in ihr nicht verflossen, sondern fuehre fort zu fliessen, und +das Raisonnement des Beweises fiele weg. Dagegen ist der Zeitpunkt +als qualitative Grenze fuer die Vergangenheit angenommen, aber ist so +zugleich Anfang fuer die Zukunft,--denn an sich ist jeder Zeitpunkt +die Beziehung der Vergangenheit und der Zukunft,--auch ist er +absoluter d. h. abstrakter Anfang fuer dieselbe, d. i. das, was +bewiesen werden sollte. Es thut nichts zur Sache, dass vor seiner +Zukunft und diesem ihrem Anfange schon eine Vergangenheit ist; indem +dieser Zeitpunkt qualitative Grenze ist,--und als qualitative ihn +anzunehmen, liegt in der Bestimmung des Vollendeten, Abgelaufenen, +also sich nicht Kontinuirenden,--so ist die Zeit in ihm abgebrochen, +und jene Vergangenheit, ohne Beziehung auf diejenige Zeit, welche nur +Zukunft in Ruecksicht auf diese Vergangenheit genannt werden konnte, +und daher ohne solche Beziehung nur Zeit ueberhaupt ist, die einen +absoluten Anfang hat. Stuende sie aber,--(wie sie es denn tut--) +durch das Jetzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer Beziehung auf die +Vergangenheit, waere sie somit als Zukunft bestimmt, so waere auch +dieser Zeitpunkt von der anderen Seite keine Grenze, die unendliche +Zeitreihe kontinuirte sich in dem, was Zukunft hiess, und waere nicht, +wie angenommen worden, vollendet. + +In Wahrheit ist die Zeit reine Quantitaet; der im Beweise gebrauchte +Zeitpunkt, in welchem sie unterbrochen seyn sollte, ist vielmehr nur +das sich selbst aufhebende Fuersichseyn des Jetzt. Der Beweis leistet +nichts, als dass er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der +Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und ihn als +vollendeten, d. i. abstrakten Punkt, geradezu annimmt,--eine populare +Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als eine Grenze +passiren, somit im Beweise diess als Annahme gelten laesst, was vorher +als das zu Beweisende aufgestellt wurde. + +Die Antithesis heisst: + +"Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume, sondern ist +sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich." + +Der Beweis setzt gleichfalls das Gegentheil: + +"Die Welt habe einen Anfang. Da der Anfang ein Daseyn ist, wovor +eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muss eine Zeit +vorhergegangen seyn, darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit. +Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dings +moeglich; weil kein Theil einer solchen Zeit vor einem anderen irgend +eine unterscheidende Bedingung des Daseyns vor der des Nichtdaseyns +an sich hat. Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge +anfangen, die Welt selbst aber keinen Anfang nehmen, und ist in +Ansehung der vergangenen Zeit unendlich." + +Dieser apogogische Beweis enthaelt, wie die andern, die direkte und +unbewiesene Behauptung dessen, was er beweisen sollte. Er nimmt +neihlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit, +an; aber kontinuirt alsdann auch das weltliche Daseyn ebenso sehr +ueber sich hinaus in diese leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf, +und setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort. Die Welt ist ein +Daseyn; der Beweis setzt voraus, dass diess Daseyn entstehe, und das +Entstehen eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe. Darin aber +eben besteht die Antithesis selbst, dass es kein unbedingtes Daseyn, +keine absolute Grenze gebe, sondern das weltliche Daseyn immer eine +vorhergehende Bedingung fordere. Das zu Erweisende findet sich somit +als Annahme in dem Beweise.--Die Bedingung wird dann ferner in der +leeren Zeit gesucht, was so viel heisst, als dass sie als zeitlich und +somit als Daseyn, und Beschraenktes angenommen wird. Ueberhaupt +also ist die Annahme gemacht, dass die Welt als Daseyn ein anderes +bedingtes Daseyn in der Zeit voraussetze und hiermit sofort ins +Unendliche. + +Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist +dasselbe. Apogogischer Weise wird die raeumliche Endlichkeit der Welt +gesetzt; "diese befaende sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume, +und haette ein Verhaeltniss zu ihm; ein solches Verhaeltniss der Welt zu +keinem Gegenstande aber ist Nichts." + +Was bewiesen werden sollte, ist hier ebenso im Beweise direkt +vorausgesetzt. Es wird direkt angenommen, dass die begrenzte +raeumliche Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhaeltniss +zu ihm haben sollte, das heisst, dass ueber sie hinausgegangen werden +muesse,--einer Seits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn +derselben, anderer Seits aber dass sie damit im Verhaeltniss stehe, d. i. +sich darein hinein kontinuire, das Jenseits hiermit mit weltlichem +Daseyn erfuellt vorzustellen sey. Die Unendlichkeit der Welt im Raume, +die in der Antithesis behauptet wird, ist nichts anderes, als einer +Seits der leere Raum, anderer Seits das Verhaeltniss der Welt zu ihm, +das heisst Kontinuitaet derselben in ihm, oder die Erfuellung desselben; +welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als +erfuellt, der unendliche Progress des Daseyns im Raume ist. Dieser +Widerspruch selbst, das Verhaeltniss der Welt zum leeren Raume, ist im +Beweise direkt zur Grundlage gemacht. + +Die Thesis und Antithesis und die Beweise derselben stellen daher +nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, dass eine Grenze +ist, und dass die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; dass +die Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie aber in Beziehung steht, +wohin ueber sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche +Grenze entsteht, die keine ist. + +Die Aufloesung dieser Antinomien ist, wie die der obigen, +transcendental, das heisst, sie besteht in der Behauptung der +Idealitaet des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem +Sinne, dass die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich, +nicht ein sich Aufhebendes, sondern nur das Bewusstseyn in seinem +Anschauen und in der Beziehung der Anschauung auf Verstand und +Vernunft, ein sich selbst widersprechendes Wesen sey. Es ist diess +eine zu grosse Zaertlichkeit fuer die Welt, von ihr den Widerspruch zu +entfernen, ihn dagegen in den Geist, in die Vernunft, zu verlegen und +darin unaufgeloest bestehen zu lassen. In der That ist es der Geist, +der so stark ist, den Widerspruch ertragen zu koennen, aber er ist es +auch, der ihn aufzuloesen weiss. Die sogenannte Welt aber (sie heisse +objektive, reale Welt, oder nach dem transcendentalen Idealismus +subjektives Anschauen, und durch die Verstandes-Kategorie bestimmte +Sinnlichkeit), entbehrt darum des Widerspruchs nicht und nirgends, +vermag ihn aber nicht zu ertragen und ist darum dem Entstehen und +Vergehen preisgegeben. + +c. Die Unendlichkeit des Quantums. + +Das unendliche Quantum, als Unendlichgrosses oder Unendlichkleines, +ist selbst an sich der unendliche Progress; es ist Quantum als ein +Grosses oder Kleines, und ist zugleich Nichtseyn des Quantums. Das +Unendlichgrosse und Unendlichkleine sind daher Bilder der Vorstellung, +die bei naeherer Betrachtung sich als nichtiger Nebel und Schatten +zeigen. Im unendlichen Progress aber ist dieser Widerspruch explicite +vorhanden, und damit das, was die Natur des Quantums ist, das als +intensive Groesse seine Realitaet erreicht hat, und in seinem Daseyn nun +gesetzt, wie es in seinem Begriffe ist. Diese Identitaet ist es, die +zu betrachten ist. + +Das Quantum als Grad ist einfach, auf sich bezogen und als an ihm +selbst bestimmt. Indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und +die Bestimmtheit an ihm aufgehoben ist, ist diese ihm aeusserlich; es +hat seine Bestimmtheit ausser ihm. Diess sein Aussersichseyn ist +zunaechst das abstrakte Nichtseyn des Quantums ueberhaupt, die +schlechte Unendlichkeit. Aber ferner ist diess Nichtseyn auch ein +Grosses, das Quantum kontinuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat +eben seine Bestimmtheit in seiner Aeusserlichkeit; diese seine +Aeusserlichkeit ist daher eben so sehr selbst Quantum; jenes sein +Nichtseyn, die Unendlichkeit, wird so begrenzt, d. h. diess Jenseits +wird aufgehoben, dieses ist selbst als Quantum bestimmt, das hiermit +in seiner Negation bei sich selbst ist. + +Diess ist aber das, was das Quantum als solches an sich ist. Denn es +ist eben es selbst durch sein Aeusserlichseyn; die Aeusserlichkeit macht +das aus, wodurch es Quantum, bei sich selbst, ist. Es ist also im +unendlichen Progresse der Begriff des Quantums gesetzt. + +Nehmen wir ihn zunaechst in seinen abstrakten Bestimmungen wie sie +vorliegen, so ist in ihm das Aufheben des Quantums, aber eben so sehr +seines Jenseits, also die Negation des Quantums sowohl, als die +Negation dieser Negation vorhanden. Seine Wahrheit ist ihre Einheit, +worin sie, aber als Momente, sind.--Sie ist die Aufloesung des +Widerspruchs, dessen Ausdruck er ist, und ihr naechster Sinn somit die +Wiederherstellung des Begriffs der Groesse, dass sie gleichgueltige oder +aeusserliche Grenze ist. Im unendlichen Progresse als solchem pflegt +nur darauf reflektirt zu werden, dass jedes Quantum, es sey noch so +gross oder klein, verschwinden, dass ueber dasselbe muss hinausgegangen +werden koennen; aber nicht darauf, dass diess sein Aufheben, das +Jenseits, das schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet. + +Schon das erste Aufheben, die Negation der Qualitaet ueberhaupt, +wodurch das Quantum gesetzt wird, ist an sich das Aufheben der +Negation,--das Quantum ist aufgehobene qualitative Grenze, somit +aufgehobene Negation,--aber es ist zugleich nur an sich diess; gesetzt +ist es als ein Daseyn, und dann ist seine Negation als das Unendliche +fixirt, als das Jenseits des Quantums, welches als ein Diesseits +steht, als ein Unmittelbares; so ist das Unendliche nur als erste +Negation bestimmt, und so erscheint es im unendlichen Progresse. Es +ist gezeigt worden, dass aber in diesem mehr vorhanden ist, die +Negation der Negation, oder das, was das Unendliche in Wahrheit ist. +Es ist diess vorhin so angesehen worden, dass der Begriff des Quantums +damit wieder hergestellt ist; diese Wiederherstellung heisst zunaechst, +dass sein Daseyn seine naehere Bestimmung erhalten hat; es ist naemlich +das nach seinem Begriff bestimmte Quantum entstanden, was verschieden +ist, von dem unmittelbaren Quantum, die Aeusserlichkeit ist nun das +Gegentheil ihrer selbst, als Moment der Groesse selbst gesetzt,--das +Quantum so, dass es vermittelst seines Nichtseyns, der Unendlichkeit, +in einem anderen Quantum seine Bestimmtheit habe, d. i. qualitativ +das ist, was es ist. Jedoch gehoert diese Vergleichung des Begriffs +des Quantums mit seinem Daseyn mehr unserer Reflexion, einem +Verhaeltniss, das hier noch nicht vorhanden ist, an. Die zunaechst +liegende Bestimmung ist, dass das Quantum zur Qualitaet zurueckgekehrt, +nunmehr qualitativ bestimmt ist. Denn seine Eigenthuemlichkeit, +Qualitaet, ist die Aeusserlichkeit, Gleichgueltigkeit der Bestimmtheit; +und es ist nun gesetzt, als in seiner Aeusserlichkeit vielmehr es +selbst zu seyn, darin sich auf sich selbst zu beziehen, in einfacher +Einheit mit sich, d. i. qualitativ bestimmt zu seyn.--diess +Qualitative ist noch naeher bestimmt, naemlich als Fuersichseyn; denn +die Beziehung auf sich selbst, zu der es gekommen, ist aus der +Vermittelung, der Negation der Negation, hervorgegangen. Das Quantum +hat die Unendlichkeit, das Fuersichbestimmtseyn nicht mehr ausser ihm, +sondern an ihm selbst. + +Das Unendliche, welches im unendlichen Progresse nur die leere +Bedeutung eines Nichtsseyns, eines unerreichten, aber gesuchten +Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualitaet. Das +Quantum geht als gleichgueltige Grenze ueber sich hinaus ins Unendliche; +es sucht damit nichts Anderes, als das Fuersichbestimmtseyn, das +qualitative Moment, das aber so nur ein Sollen ist. Seine +Gleichgueltigkeit gegen die Grenze, damit sein Mangel an +fuersichseyender Bestimmtheit und sein Hinausgehen ueber sich ist, was +das Quantum zum Quantum macht; jenes sein Hinausgehen soll negirt +werden und im Unendlichen sich seine absolute Bestimmtheit finden. + +Ganz ueberhaupt: das Quantum ist die aufgehobene Qualitaet; aber das +Quantum ist unendlich, geht ueber sich hinaus, es ist die Negation +seiner; diess sein Hinausgehen ist also an sich die Negation der +negirten Qualitaet, die Wiederherstellung derselben; und gesetzt ist +diess, dass die Aeusserlichkeit, welche als Jenseits erschien, als das +eigene Moment des Quantums bestimmt ist. + +Das Quantum ist hiermit gesetzt als von sich repellirt, womit also +zwei Quanta sind, diejedoch aufgehoben, nur als Momente einer Einheit +sind, und diese Einheit ist die Bestimmtheit des Quantums.--Dieses so +in seiner Aeusserlichkeit als gleichgueltige Grenze auf sich bezogen, +hiermit qualitativ gesetzt, ist das quantitative Verhaeltniss.--Im +Verhaeltnisse ist das Quantum sich aeusserlich, von sich selbst +verschieden; diese seine Aeusserlichkeit ist die Beziehung eines +Quantums auf ein anderes Quantum, deren jedes nur gilt in dieser +seiner Beziehung auf sein Anderes; und diese Beziehunng macht die +Bestimmtheit des Quantums aus, das als solche Einheit ist. + +Es hat darin nicht eine gleichgueltige, sondern qualitative Bestimmung; +ist in dieser seiner Aeusserlichkeit in sich zurueckgekehrt, ist in +derselben, das was es ist. + +Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen. + +Das mathematische Unendliche ist eines Theils interessant durch die +Erweiterung der Mathematik und die grossen Resultate, welche seine +Einfuehrung in dieselbe hervorgebracht hat; andern Theils aber ist es +dadurch merkwuerdig, dass es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen +ist, sich ueber den Gebrauch desselben durch den Begriff (Begriff im +eigentlichen Sinne genommen) zu rechtfertigen. Die Rechtfertigungen +beruhen am Ende auf der Richtigkeit der mit Huelfe jener Bestimmung +sich ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gruenden erwiesen ist; +nicht aber auf der Klarheit des Gegenstandes und der Operation, durch +welche die Resultate herausgebracht werden, sogar dass die Operation +vielmehr selbst als unrichtig zugegeben wird. + +Diess ist schon ein Missstand an und fuer sich; ein solches Verfahren +ist unwissenschaftlich. Es fuehrt aber auch den Nachtheil mit sich, +dass die Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments +nicht kennt, weil sie mit der Metaphysik und Kritik desselben nicht +fertig ist, den Umfang seiner Anwendung nicht bestimmen, und von +Misbraeuchen desselben sich nicht sichern konnte. + +In philosophischer Ruecksicht aber ist das mathematische Unendliche +darum wichtig, weil ihm in der That der Begriff des wahrhaften +Unendlichen zu Grunde liegt und es viel hoeher steht, als das +gewoehnlich sogenannte metaphysische Unendliche, von dem aus die +Einwuerfe gegen ersteres gemacht werden. Gegen diese Einwuerfe weiss +sich die Wissenschaft der Mathematik haeufig nur dadurch zu retten, +dass sie die Kompetenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet, +mit dieser Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um deren Begriffe +nicht zu bekuemmern zu haben, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden +konsequent verfahre. Sie habe nicht zu betrachten, was an sich, +sondern was auf ihrem Felde das Wahre sey. Die Metaphysik weiss die +glaenzenden Resultate des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen bei +ihrem Widerspruche gegen dasselbe nicht zu laeugnen oder umzustossen, +und die Mathematik weiss mit der Metaphysik ihres eigenen Begriffs und +daher auch mit der Ableitung der Verfahrensweisen, die der Gebrauch +des Unendlichen noethig macht, nicht ins Reine zu kommen. + +Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs ueberhaupt waere, von +der die Mathematik gedrueckt wuerde, so koennte sie diesen ohne Umstaende +auf der Seite liegen lassen, insofern naemlich der Begriff mehr ist, +als nur die Angabe der wesentlichen Bestimmtheiten, d. i. der +Verstandesbestimmungen einer Sache, und an der Schaerfe dieser +Bestimmtheiten hat sie es nicht fehlen lassen; denn sie ist nicht +eine Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstaende zu thun, +und durch die Entwickelung des Begriffs, wenn auch nur durch +Raisonnement, ihren Inhalt zu erzeugen haette. Allein bei der Methode +ihres Unendlichen findet sie den Hauptwiderspruch an der +eigenthuemlichen Methode selbst, auf welcher sie ueberhaupt als +Wissenschaft beruht. Denn die Rechnung des Unendlichen erlaubt und +erfordert Verfahrungsweisen, welche die Mathematik bei Operationen +mit endlichen Groessen durchaus verwerfen muss, und zugleich behandelt +sie ihre unendlichen Groessen, wie endliche Quanta, und will auf jene +dieselben Verfahrungsweisen anwenden, welche bei diesen gelten; es +ist eine Hauptseite der Ausbildung dieser Wissenschaft, fuer die +transcendenten Bestimmungen und deren Behandlung, die Form des +gewoehnlichen Kalkuls gewonnen zu haben. + +Die Mathematik zeigt bei diesem Widerstreite ihrer Operationen, dass +Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen uebereinstimmen, +welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und +analytische, Methode gefunden werden. Aber Theils betrifft diess +nicht alle Resultate, und der Zweck der Einfuehrung des Unendlichen +ist nicht allein, den gewoehnlichen Weg abzukuerzen, sondern zu +Resultaten zu gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden +koennen. Theils rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht fuer +sich. Diese Manier aber der Rechnung des Unendlichen zeigt sich +durch den Schein der Ungenauigkeit gedrueckt, den sie sich giebt, +indem sie endliche Groessen um eine unendlich kleine Groesse das eine Mal +vermehrt, diese in der fernern Operation zum Theil beibehaelt, aber +einen Theil derselben auch vernachlaessigt. Diess Verfahren enthaelt +die Sonderbarkeit, dass der eingestandenen Ungenauigkeit unerachtet, +ein Resultat herauskommt, das nicht nur ziemlich und so nahe, dass der +Unterschied ausser Acht gelassen werden koennte, sondern vollkommen +genau ist. In der Operation selbst aber, die dem Resultate vorher +geht, kann die Vorstellung nicht entbehrt werden, dass Einiges nicht +gleich Null, aber so unbetraechtlich sey, um ausser Acht gelassen +werden zu koennen. Allein bei dem, was unter mathematischer +Bestimmtheit zu verstehen ist, faellt aller Unterschied einer groessern +oder geringern Genauigkeit gaenzlich hinweg, wie in der Philosophie +nicht von groesserer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, sondern von +der Wahrheit allein die Rede seyn kann. Wenn die Methode und der +Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg gerechtfertigt wird, so ist +es nicht so ueberfluessig dessen ungeachtet die Rechtfertigung +derselben zu fordern, als es bei der Nase ueberfluessig scheint, nach +dem Erweise des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen. Denn es +ist bei der mathematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniss +wesentlich um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate +ist es der Fall, dass die streng mathematische Methode nicht zu allen +den Beleg des Erfolgs liefert, der aber ohnehin nur ein aeusserlicher +Beleg ist. + +Es ist der Muehe werth, den mathematischen Begriff des Unendlichen und +die merkwuerdigsten Versuche naeher zu betrachten, welche die Absicht +haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit, +von der sich die Methode gedrueckt fuehlt, zu beseitigen. Die +Betrachtung dieser Rechtfertigungen und Bestimmungen des +mathematischen Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung +weitlaeufiger anstellen will, wird zugleich das beste Licht auf die +Natur des wahren Begriffes selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen +vorgeschwebt und zu Grunde gelegen hat. + +Die gewoehnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, dass es +eine Groesse sey, ueber welche es,--wenn sie als das +Unendlichgrosse--keine groessere oder,--wenn sie als das Unendlichkleine +bestimmt ist--kleinere mehr gebe, oder die, in jenem Falle, groesser, +in diesem Falle kleiner sey, als jede beliebige Groesse.--In dieser +Definition ist freilich der wahre Begriff nicht ausgedrueckt, vielmehr +nur, wie schon bemerkt, derselbe Widerspruch, der im unendlichen +Progresse ist; aber sehen wir, was an sich darin enthalten ist. Eine +Groesse wird in der Mathematik definirt, dass sie etwas sey, das +vermehrt und vermindert werden koenne; ueberhaupt also eine +gleichgueltige Grenze. Indem nun das Unendlich Grosse oder Kleine ein +solches ist, das nicht mehr vermehrt oder vermindert werden koenne, so +ist es in der That kein Quantum als solches mehr. + +Diese Konsequenz ist nothwendig und unmittelbar. Aber die Reflexion, +dass das Quantum,--und ich nenne in dieser Anmerkung Quantum ueberhaupt, +wie es ist, das endliche Quantum,--aufgehoben ist, ist es, welche +nicht gemacht zu werden pflegt und die fuer das gewoehnliche Begreifen +die Schwierigkeit ausmacht, indem das Quantum, indem es unendlich ist, +als ein Aufgehobenes, als ein solches zu denken gefordert wird, das +nicht ein Quantum ist, und dessen quantitative Bestimmtheit doch +bleibt. + +Um das anzufuehren, wie Kant jene Bestimmung beurtheilt,In der +Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie, in der +Kritik der reinen Vernunft. so findet er sie nicht uebereinstimmend +mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen verstehe. "Nach dem +gewoehnlichen Begriffe sey eine Groesse unendlich, ueber die keine +groessere (d. i. ueber die darin enthaltene Menge einer gegebenen +Einheit) moeglich ist; es sey aber keine Menge die groesste, weil noch +immer eine oder mehrere Einheiten hinzugefuegt werden koennen.--Durch +ein unendliches Ganzes dagegen werde nicht vorgestellt, wie gross es +sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines Maximums (oder +Minimums), sondern es werde dadurch nur sein Verhaeltniss zu einer +beliebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren dasselbe +groesser ist, als alle Zahl. Je nachdem diese Einheit groesser oder +kleiner angenommen wuerde, wuerde das Unendliche groesser oder kleiner +seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloss in dem Verhaeltnisse zu +dieser gegebenen Einheit bestehe, wuerde immer dieselbe bleiben, +obgleich Freilich die absolute Groesse des Ganzen dadurch gar nicht +erkannt wuerde." + +Kant tadelt es, wenn unendliche Ganze als ein Maximum, als eine +vollendete Menge einer gegebenen Einheit angesehen werden. Das +Maximum oder Minimum als solches erscheint noch immer als ein Quantum, +eine Menge. Solche Vorstellung kann die von Kant angefuehrte +Konsequenz nicht ablehnen, die auf ein groesseres oder kleineres +Unendliches fuehrt. Ueberhaupt indem das Unendliche als Quantum +vorgestellt wird, gilt noch fuer dasselbe der Unterschied eines +Groessern oder Kleinern. Allein diese Kritik trifft nicht den Begriff +des wahrhaften mathematischen Unendlichen, der unendlichen Differenz, +denn diese ist kein endliches Quantum mehr. + +Kants Begriff der Unendlichkeit dagegen, den er den wahren +transcendentalen nennt, ist, "dass die successive Synthesis der +Einheit in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn koenne." +Es ist ein Quantum ueberhaupt als gegeben vorausgesetzt; diess solle +durch das Synthesiren der Einheit zu einer Anzahl, einem bestimmt +anzugebenden Quantum gemacht werden, aber diess Synthesiren niemals +vollendet werden koennen. Hiermit ist wie erhellt, nichts als der +Progress ins Unendliche ausgesprochen, nur transcendental, d. i. +eigentlich subjektiv und psychologisch vorgestellt. An sich soll +zwar das Quantum vollendet seyn, aber transcendentaler Weise, naemlich +im Subjekte, welches ihm ein Verhaeltniss zu einer Einheit giebt, +entstehe nur eine solche Bestimmung des Quantums, die unvollendet und +schlechthin mit einem Jenseits behaftet sey. Es wird also hier +ueberhaupt beim Widerspruche, den die Groesse enthaelt, stehen geblieben, +aber vertheilt an das Objekt und das Subjekt, so dass jenem die +Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen ueber jede von ihm +aufgefasste Bestimmtheit, in das schlechte Unendliche zukommt. + +Es ist dagegen vorhin gesagt worden, dass die Bestimmung des +mathematischen Unendlichen und zwar wie es in der hoehern Analysis +gebraucht wird, dem Begriffe des wahrhaften Unendlichen entspricht; +die Zusammenstellung beider Bestimmungen soll nun in ausfuehrlicher +Entwickelung vorgenommen werden.--Was zuerst das wahrhafte unendliche +Quantum betrifft, so bestimmte es sich als an ihm selbst unendlich; +es ist diess, indem, wie sich ergeben hat, das endliche Quantum oder +das Quantum ueberhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche, +auf gleiche Weise aufgehoben sind. Das aufgehobene Quantum ist damit +in die Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst +zurueckgegangen, aber nicht nur wie das extensive, indem es in +intensives Quantum ueberging, das seine Bestimmtheit nur an sich an +einer aeussern Vielfachheit hat, gegen die es jedoch gleichgueltig und +wovon es verschieden seyn soll. Das unendliche Quantum enthaelt +vielmehr erstens die Aeusserlichkeit und zweitens die Negation +derselben an ihm selbst; so ist es nicht mehr irgend ein endliches +Quantum, nicht eine Groessebestimmtheit, die ein Daseyn als Quantum +haette, sondern es ist einfach, und daher nur als Moment; es ist eine +Groessebestimmtheit in qualitativer Form; seine Unendlichkeit ist, als +eine qualitative Bestimmtheit zu seyn.--So als Moment ist es in +wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als bestimmt durch dieses +sein Anderes, d. i. es hat nur Bedeutung in Beziehung auf ein im +Verhaeltniss mit ihm Stehendes. Ausser diesem Verhaeltnisse ist es Null; +--da gerade das Quantum als solches gegen das Verhaeltniss gleichgueltig, +in ihm doch eine unmittelbare ruhende Bestimmung seyn soll. In dem +Verhaeltnisse als nur Moment ist es nicht ein fuer sich Gleichgueltiges; +es ist, in der Unendlichkeit als Fuersichseyn, indem es zugleich eine +quantitative Bestimmtheit ist, nur als ein Fuer-Eines. + +Der Begriff des Unendlichen, wie er sich hier abstrakt exponirt hat, +wird sich zeigen, dem mathematischen Unendlichen zu Grunde liegen, +und er selbst wird deutlicher werden, indem wir die verschiedenen +Stufen des Ausdrucks des Quantums als eines Verhaeltniss-Moments +betrachten, von der untersten an, wo es noch zugleich Quantum als +solches ist, bis zu der hoehern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck +eigentlicher unendlicher Groesse erhaelt. + +Nehmen wir also zuerst das Quantum in dem Verhaeltnisse, wie es eine +gebrochene Zahl ist. Solcher Bruch 2/7 z.B. ist nicht ein Quantum +wie 1, 2, 3 u.s.f., zwar eine gewoehnliche endliche Zahl, jedoch nicht +eine unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch mittelbar +bestimmt durch zwei andere Zahlen, die Anzahl und Einheit +gegeneinander sind, wobei auch die Einheit eine bestimmte Anzahl ist. +Aber von dieser naehern Bestimmung derselben gegeneinander abstrahirt, +und sie bloss nach dem, was ihnen in der qualitativen Beziehung, in +der sie hier sind, als Quantis widerfaehrt, betrachtet, so sind 2 und +7 sonst gleichgueltige Quanta; indem sie aber hier nur als Momente, +eines des andern, und damit eines Dritten (des Quantums, das der +Exponent heisst) auftreten, so gelten sie sogleich nicht als 2 und 7, +sondern nur nach ihrer Bestimmtheit gegeneinander. Statt ihrer kann +darum eben so gut 4 und 14, oder 6 und 21 u.s.f. ins Unendliche +gesetzt werden. Hiermit fangen sie also an, einen qualitativen +Charakter zu haben. Gaelten sie als blosse Quanta, so ist 2 und 7, +schlechthin das eine nur 2, das andere nur 7; 4, 14, 6, 21 u.s.f. +sind schlechthin etwas Anderes als jene Zahlen, und koennen insofern +sie nur unmittelbare Quanta waeren, die einen nicht an die Stelle der +anderen gesetzt werden. Insofern aber und nicht nach der +Bestimmtheit, solche Quanta zu seyn, gelten, so ist ihre +gleichgueltige Grenze aufgehoben; sie haben somit, nach dieser Seite, +das Moment der Unendlichkeit an ihnen, indem sie nicht bloss eben +nicht mehr sie sind, sondern ihre quantitative Bestimmtheit, aber als +eine an sich seyende qualitative,--naemlich nach dem, was sie im +Verhaeltnisse gelten,--bleibt. Es koennen unendlich viele andere an +ihre Stelle gesetzt werden, so dass der Werth des Bruches durch, die +Bestimmtheit, welche das Verhaeltniss hat, sich nicht aendert. + +Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat, +ist aber darum noch unvollkommen, weil die beiden Seiten des Bruchs, +2 und 7, aus dem Verhaeltnisse genommen werden koennen, und gewoehnliche +gleichgueltige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhaeltnisse +und Momente zu seyn, ist ihnen etwas Aeusserliches und Gleichgueltiges. +Ebenso ist ihre Beziehung selbst ein gewoehnliches Quantum, der +Exponent des Verhaeltnisses. + +Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird, +die naechste Allgemeinheit, in welche die Zahlen erhoben werden, haben +die Eigenschaft nicht, dass sie von einem bestimmten Zahlenwerth sind; +sie sind nur allgemeine Zeichen und unbestimmte Moeglichkeiten jedes +bestimmten Werthes. Der Bruch a/b scheint daher ein passenderer +Ausdruck des Unendlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung +aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen +besonderen eigenthuemlichen Werth haben.--Allein diese Buchstaben sind +zwar als unbestimmte Groessen gesetzt; ihr Sinn aber ist, dass sie +irgend ein endliches Quantum seyen. Da sie also zwar die allgemeine +Vorstellung, aber nur von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen +ebenfalls gleichgueltig, im Verhaeltnisse zu seyn, und ausser demselben +behalten sie diesen Werth. + +Betrachten wir noch naeher, was im Verhaeltnisse vorhanden ist, so hat +es die beiden Bestimmungen an ihm, erstlich ein Quantum zu seyn, +dieses aber ist zweitens nicht als ein unmittelbares, sondern das den +qualitativen Gegensatz an ihm hat; es bleibt in demselben zugleich +jenes bestimmte, gleichgueltige Quantum dadurch, dass es aus seinem +Andersseyn, dem Gegensatze, in sich zurueckgekehrt, somit auch ein +Unendliches ist. Diese beiden Bestimmungen stellen sich in der +folgenden bekannten Form, in ihrem Unterschiede von einander +entwickelt dar. + +Der Bruch 2/7 kann ausgedrueckt werden als 0,285714...als 1 + a + +a[hoch2] + a[hoch3] u.s.f. So ist er als eine unendliche Reihe; der +Bruch selbst heisst die Summe oder der endliche Ausdruck derselben. +Vergleichen wir die beiden Ausdruecke, so stellt der eine, die +unendliche Reihe, ihn nicht mehr als Verhaeltniss, sondern nach der +Seite dar, dass er ein Quantum ist als eine Menge von solchen, die zu +einander hinzukommen, als eine Anzahl.--Dass die Groessen, die ihn als +Anzahl ausmachen sollen, wieder aus Decimalbruechen, also selbst aus +Verhaeltnissen bestehen, darauf kommt es hier nicht an; denn dieser +Umstand betrifft die besondere Art der Einheit dieser Groessen, nicht +sie, insofern sie die Anzahl constituiren; wie auch eine aus mehreren +Ziffern bestehende ganze Zahl des Decimalsystems wesentlich als eine +Anzahl gilt, und nicht darauf gesehen wird, dass sie aus Produkten +einer Zahl und der Zahl Zehen und deren Potenzen besteht. So wie es +hier auch nicht darauf ankommt, dass es andere Brueche giebt als der z. +B. genommene 2/7, die zu Dezimalbruechen gemacht, nicht eine +unendliche Reihe geben; jeder aber kann fuer ein Zahlensystem von +anderer Einheit als eine solche ausgedrueckt werden. + +Indem nun in der unendlichen Reihe, die den Bruch als Anzahl +darstellen soll, die Seite, dass er Verhaeltniss ist, verschwindet, so +verschwindet auch die Seite, nach welcher er, wie vorhin gezeigt, die +Unendlichkeit an ihm hatte. Diese aber ist auf eine andere Weise +hereingekommen; die Reihe ist naemlich selbst unendlich. + +Von welcher Art nun die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von +selbst; es ist die schlechte Unendlichkeit des Progresses. Die Reihe +enthaelt und stellt den Widerspruch dar, etwas, das ein Verhaeltniss ist +und qualitative Natur in ihm hat, als ein Verhaeltnissloses, als ein +blosses Quantum, als Anzahl, darzustellen. Die Folge davon ist, dass +an der Anzahl, die in der Reihe ausgedrueckt ist, immer etwas fehlt, +so dass ueber das, was gesetzt ist, immer hinausgegangen werden muss, um +die geforderte Bestimmtheit zu erreichen. Das Gesetz des Fortgangs +ist bekannt, es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche +enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedrueckt +werden soll. Die Anzahl kann wohl durch Fortsetzung der Reihe so +genau gemacht werden, als man noethig hat; aber immer bleibt die +Darstellung durch sie nur ein Sollen; sie ist mit einem Jenseits +behaftet, das nicht aufgehoben werden kann, weil ein auf qualitativer +Bestimmtheit beruhendes als Anzahl auszudruecken der bleibende +Widerspruch ist. + +In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauigkeit wirklich vorhanden, +von der am wahrhaften mathematischen Unendlichen nur der Schein +vorkommt. Diese beiden Arten des mathematischen Unendlichen sind so +wenig zu verwechseln, als die beiden Arten des philosophischen +Unendlichen. Bei der Darstellung des wahrhaften mathematischen +Unendlichen ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch +neuerlich wieder hervorgerufen worden. Aber sie ist fuer dasselbe +nicht nothwendig; im Gegentheil ist das Unendliche der unendlichen +Reihe wesentlich von jenem unterschieden, wie die Folge zeigen soll. +Diese vielmehr steht sogar dem Ausdrucke des Bruches nach. + +Die unendliche Reihe enthaelt naemlich die schlechte Unendlichkeit, +weil das, was die Reihe ausdruecken soll, ein Sollen bleibt; und was +sie ausdrueckt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet +und verschieden von dem ist, was ausgedrueckt werden soll. Sie ist +unendlich nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern +darum, weil sie unvollstaendig sind, weil das Andere, das zu ihnen +wesentlich gehoert, jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der +gesetzten Glieder moegen so viele seyn als wollen, ist nur ein +Endliches, im eigentlichen Sinne, gesetzt als Endliches, d. i. als +solches, das nicht ist, was es seyn soll. Dagegen ist aber das, was +der endliche Ausdruck, oder die Summe solcher Reihe genannt wird, +ohne Mangel; er enthaelt den Werth, den die Reihe nur sucht, +vollstaendig; das Jenseits ist aus der Flucht zurueckgerufen; was er +ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt, sondern ist dasselbe. + +Das beide Unterscheidende liegt naeher sogleich darin, dass in der +unendlichen Reihe das Negative ausserhalb ihrer Glieder ist, welche +Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten. In dem +endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhaeltniss ist, ist das Negative +immanent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhaeltnisses +durcheinander, welches ein in sich Zurueckgekehrtseyn, sich auf sich +beziehende Einheit, als Negation der Negation (beide Seiten des +Verhaeltnisses sind nur als Momente), ist, hiermit die Bestimmung der +Unendlichkeit in sich hat.--Zu der That ist also die gewoehnlich +sogenannte Summe, das 2/7 oder 1/1-a', ein Verhaeltniss; und dieser +sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck. +Die unendliche Reihe dagegen ist in Wahrheit Summe; ihr Zweck ist, +das was an sich Verhaeltniss ist, in der Form einer Summe darzustellen, +und die vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines +Verhaeltnisses, sondern eines Aggregats. Sie ist ferner vielmehr der +endliche Ausdruck; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und +bleibt wesentlich ein Mangelhaftes. Sie ist nach dem, was in ihr da +ist, ein bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie +seyn soll; alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes +Quantum; dieser fehlende Theil ist in der That das, was das +Unendliche an der Reihe heisst, nach der nur formellen Seite, dass er +ein Fehlendes, ein Nichtseyn ist; nach seinem Inhalte ist er ein +endliches Quantum. Das was in der Reihe da ist, zusammen mit dem was +ihr fehlt, macht erst das aus, was der Bruch ist, das bestimmte +Quantum, das sie gleichfalls seyn soll, aber zu seyn nicht vermag. +--Das Wort: Unendlich, pflegt, auch in der unendlichen Reihe, in der +Meinung etwas Hohes und Hehres zu seyn; es ist diess eine Art von +Aberglauben, der Aberglaube des Verstands; man hat gesehen, wie es +sich vielmehr auf die Bestimmung der Mangelhaftigkeit reducirt. + +Dass es, kann noch bemerkt werden, unendliche Reihen giebt, die nicht +summirbar sind, ist in Bezug auf die Form von Reihe ueberhaupt ein +aeusserlicher und zufaelliger Umstand. Sie enthalten eine hoehere Art +der Unendlichkeit, als die summirbaren; naemlich eine +Incommensurabilitaet, oder die Unmoeglichkeit, das darin enthaltene +quantitative Verhaeltniss als ein Quantum, sey es auch als Bruch, +darzustellen; die Form der Reihe aber als solche, die sie haben, +enthaelt dieselbe Bestimmung der schlechten Unendlichkeit, welche in +der summirbaren Reihe ist. + +Die so eben am Bruche und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung in +Ansehung des Ausdrucks findet auch Statt, insofern das mathematische +Unendliche naemlich nicht das so eben genannte sondern das wahrhafte, +das relative Unendliche,--das gewoehnliche metaphysische dagegen, +worunter das abstrakte, schlechte Unendliche verstanden wird, das +absolute genannt worden ist. In der That ist vielmehr dieses +metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdrueckt, +nur so im Gegensatze einer Grenze ist, dass diese ausser ihm bestehen +bleibt, und von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische +Unendliche hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich +aufgehoben, weil das Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist. + +In dem Sinne, in welchem aufgezeigt worden, dass die sogenannte Summe +oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der +unendliche anzusehen ist, ist es vornehmlich, dass Spinoza den Begriff +der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt und durch +Beispiele erlaeutert. Sein Begriff gewinnt am neisten Licht, indem +ich das, was er hierueber sagt, an diese Entwickelung anschliesse. + +Er definirt zunaechst das Unendliche als die absolute Affirmation der +Existenz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als +Bestimmtheit, als Verneinung. Die absolute Affirmation einer +Existenz ist naemlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen, +nicht dadurch zu seyn, dass ein Anderes ist; das Endliche hingegen ist +die Verneinung, ein Aufhoeren als Beziehung auf ein Anderes, das ausser +ihm anfaengt. Die absolute Affirmation einer Existenz erschoepft nun +zwar den Begriff der Unendlichkeit nicht; dieser enthaelt, dass die +Unendlichkeit Affirmation ist, nicht als unmittelbare, sondern nur +als wiederhergestellte durch die Reflexion des Anderen in sich selbst, +oder als Negation des Negativen. Aber bei Spinoza hat die Substanz +und deren absolute Einheit die Form von unbewegter d. i. nicht sich +mit sich selbst vermittelnder Einheit, von einer Starrheit, worin der +Begriff der negativen Einheit des Selbst, die Subjektivitaet, sich +noch nicht findet. + +Das mathematische Beispiel, womit er das wahre Unendliche (Epist. +XXIX.) erlaeutert, ist ein Raum zwischen zwei ungleichen Kreisen, +deren einer innerhalb des andern, ohne ihn zu beruehren, faellt, und +die nicht koncentrisch sind. Er machte, wie es scheint, sich viel +aus dieser Figur und dem Begriffe als deren Beispiel er sie +gebrauchte, dass er sie zum Motto seiner Ethik machte.--"Die +Mathematiker, sagt er, schliessen, dass die Ungleichheiten, die in +einem solchen Raume moeglich sind, unendlich sind, nicht aus der +unendlichen Menge der Theile, denn seine Groesse ist bestimmt und +begrenzt, und ich kann groessere und kleinere solche Raeume setzen, +sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit uebertrift."--Man +sieht, Spinoza verwirftjene Vorstellung vom Unendlichen, nach welcher +es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird, die nicht vollendet ist, +und erinnert, dass hier an dem Raume des Beispiels das Unendliche +nichtjenseits, sondern gegenwaertig und vollstaendig ist; dieser Raum +ist ein Begrenztes, aber darum ein Unendliches, "weil die Natur der +Sache jede Bestimmtheit uebersteigt," weil die darin enthaltene +Groessenbestimmung zugleich nicht als ein Quantum darstellbar ist, oder +nach obigem kantischen Ausdruck das Synthesiren nicht zu +einem--diskreten--Quantum vollendet werden kann.--Wie ueberhaupt der +Gegensatz von kontinuirlichem und diskretem Quantum auf das +Unendliche fuehrt, soll in einer spaetern Anmerkung auseinander gesetzt +werden.--Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spinoza das Unendliche +der Imagination; das Unendliche hingegen als Beziehung auf sich +selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu. Es ist +naemlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet +und gegenwaertig ist. So ist die Reihe, 0,285714... oder 1 + a + +a[hoch 2] + a[hoch 3]... das Unendliche bloss der Einbildung oder des +Meinens; denn es hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin +etwas; hingegen 2/7 oder 1/1-a ist das wirklich, nicht nur was die +Reihe in ihren vorhandenen Gliedern ist, sondern noch das dazu, was +ihr mangelt, was sie nur seyn soll. Das 2/7 oder 1/1-a ist +gleichfalls eine endliche Groesse, wie der zwischen den zwei Kreisen +eingeschlossene Raum Spinoza's und dessen Ungleichheiten; und kann +wie dieser Raum groesser oder kleiner gemacht werden. Aber es kommt +damit nicht die Ungereimtheit eines groessern oder kleinern Unendlichen +heraus; denn diess Quantum des Ganzen, geht das Verhaeltniss seiner +Momente, die Natur der Sache d. h. die qualitative Groessenbestimmung, +nichts an; das was in der unendlichen Reihe da ist, ist ebenso ein +endliches Quantum, aber ausserdem noch ein Mangelhaftes.--Die +Einbildung dagegen bleibt beim Quantum als solchem stehen, und +reflektirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den Grund der +vorhandenen Inkommensurabilitaet ausmacht. + +Die Inkommensurabilitaet, welche in dem Beispiel Spinoza's liegt, +schliesst ueberhaupt die Funktionen krummer Linien in sich, und fuehrt +naeher auf das Unendliche, das die Mathematik bei solchen Funktionen, +ueberhaupt bei den Funktionen veraenderlicher Groessen eingefuehrt hat, +und welches das wahrhafte mathematische, quantitative Unendliche ist, +das auch Spinoza sich dachte. Diese Bestimmung soll nun hier naeher +eroertert werden. + +Was vors erste die fuer so wichtig geltende Kategorie der +Veraenderlichkeit betrifft, unter welche die in jenen Funktionen +bezogenen Groessen gefasst werden, so sollen sie zunaechst veraenderlich +nicht in dem Sinne seyn, wie im Bruche 2/7 die beiden Zahlen 2 und 7, +indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche +andere Zahlen an ihre Stelle gesetzt werden koennen, ohne den im +Bruche gesetzten Werth zu aendern. So kann noch mehr in a/b an die +Stelle von a und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu +aendern was a/b ausdruecken soll. In dem Sinne nur, dass auch an die +Stelle von x und y einer Funktion eine unendliche d. h. +unerschoepfliche Menge von Zahlen gesetzt werden koenne, sind a und b +so sehr veraenderliche Groesse als jene, x und y. Der Ausdruck: +veraenderliche Groessen, ist darum sehr vage, und ungluecklich gewaehlt +fuer Groessebestimmungen, die ihr Interesse und Behandlungsart in etwas +in etwas ganz Anderem liegen haben, als in ihrer blossen +Veraenderlichkeit. + +Um es deutlich zu machen, worin die wahrhafte Bestimmung der Momente +einer Funktion liegt, mit denen sich das Interesse der hoehern +Analysis beschaeftigt, muessen wir die bemerklich gemachten Stufen noch +einmal durchlaufen. In 2/7 oder a/b sind 2 und 7 jedes fuer sich, +bestimmte Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und +b soll gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch ausser dem +Verhaeltnisse bleiben, was sie sind. Ferner ist auch 2/7 und a/b ein +fixes Quantum, ein Quotient; das Verhaeltniss macht eine Anzahl aus, +deren Einheit der Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der +Zaehler--oder umgekehrt ausdrueckt; wenn auch 4 und 14 u.s.f. an die +Stelle von 2 und 7 treten, bleibt das Verhaeltniss auch als Quantum +dasselbe. Diess veraendert sich nun aber wesentlich in der Funktion +y[hoch 2]/x = p z.B.; hier haben x und y zwar den Sinn, bestimmte +Quanta seyn zu koennen; aber nicht x und y, sondern nur x und y[hoch 2] +haben einen bestimmten Quotienten. + +Dadurch sind diese Seiten des Verhaeltnisses, x und y, erstens nicht +nur keine bestimmten Quanta, sondern zweitens ihr Verhaeltniss ist +nicht ein fixes Quantum, (noch ist dabei ein solches wie bei a und b +gemeint), nicht ein fester Quotient, sondern er ist als Quantum +schlechthin veraenderlich. Diess aber ist allein darin enthalten, dass +x nicht zu y ein Verhaeltniss hat, sondern zum Quadrate von y. Das +Verhaeltniss einer Groesse zur Potenz ist nicht ein Quantum, sondern +wesentlich qualitatives Verhaeltniss; das Potenzenverhaeltniss ist der +Umstand, der als Grundbestimmung anzusehen ist.--In der Function der +geraden Linie y = a x aber, ist x/y = a ein gewoehnlicher Bruch und +Quotient; diese Funktion ist daher nur formell eine Funktion von +veraenderlichen Groessen, oder x und y sind hier was a und b in a/b, sie +sind nicht in derjenigen Bestimmung, in welcher die Differential- und +Integralrechnung sie betrachtet.--Wegen der besondern Natur der +veraenderlichen Groessen in dieser Betrachtungsweise, waere es zweckmaessig +gewesen, fuer sie sowohl einen besonderen Namen, als andere +Bezeichnungen einzufuehren, als die gewoehnlichen der unbekannten +Groessen in jeder endlichen, bestimmten oder unbestimmten Gleichung; um +ihrer wesentlichen Verschiedenheit willen von solchen bloss +unbekannten Groessen, die an sich vollkommen bestimmte Quanta, oder ein +bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind.--Es ist auch nur der +Mangel des Bewusstseyns, ueber die Eigenthuemlichkeit dessen, was das +Interesse der hoeheren Analysis ausmacht und das Beduerfniss und die +Erfindung des Differential-Kalkuls herbeigefuehrt hat, dass Funktionen +des ersten Grades wie die Gleichung der geraden Linie in die +Behandlung dieses Kalkuls fuer sich mit hereingenommen werden; seinen +Antheil an solchem Formalismus hat ferner der Missverstand, der die an +sich richtige Forderung der Verallgemeinerung einer Methode dadurch +zu erfuellen meint, dass die specifische Bestimmtheit, auf + +die sich das Beduerfniss gruendet, weggelassen wird, dass es dafuer gilt, +als ob es sich in diesem Felde nur um veraenderliche Groessen ueberhaupt +handle. Es waere wohl viel Formalismus in den Betrachtungen dieser +Gegenstaende wie in der Behandlung erspart worden, wenn man eingesehen +haette, dass derselbe nicht veraenderliche Groessen als solche, sondern +Potenzenbestimmungen betreffe. + +Aber es ist noch eine weitere Stufe, auf der das mathematische +Unendliche in seiner Eigenthuemlichkeit hervortritt. In einer +Gleichung, worin x und y zunaechst als durch ein Potenzenverhaeltniss +bestimmt, gesetzt sind, sollen x und y als solche noch Quanta +bedeuten; diese Bedeutung nun geht vollends in den sogenannten +unendlich kleinen Differenzen gaenzlich verloren. d x, d y sind keine +Quanta mehr, noch sollen sie solche bedeuten, sondern haben allein in +ihrer Beziehung eine Bedeutung, einen Sinn blos als Momente. Sie +sind nicht mehr Etwas, das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche +Differenzen; aber auch nicht Nichts, nicht die bestimmungslose Null. +Ausser ihrem Verhaeltnisse sind sie reine Nullen, aber sie sollen nur +als Momente des Verhaeltnisses, als Bestimmungen des +Differential-Koefficienten d x/ d y genommen werden. + +In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quantum wahrhaft zu einem +qualitativen Daseyn vollendet; es ist als wirklich unendlich gesetzt; +es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern +als Quantum ueberhaupt. Es bleibt aber die Quantitaetsbestimmtheit als +Element von Quantis, Princip, oder sie wie man auch gesagt hat, in +ihrem ersten Begriffe. + +Gegen diesen Begriff ist aller Angriff gerichtet, der auf die +Grundbestimmung der Mathematik dieses Unendlichen, der +Differentialund Integralrechnung, gemacht worden ist. Unrichtige +Vorstellungen der Mathematiker selbst veranlassten es, wenn er nicht +anerkannt worden ist; vornehmlich aber ist die Unvermoegenheit, den +Gegenstand als Begriff zu rechtfertigen, Schuld an diesen +Anfechtungen. Den Begriff kann aber die Mathematik, wie oben +erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als Mathematik des +Unendlichen schraenkt sie sich nicht auf die endliche Bestimmtheit +ihrer Gegenstaende ein,--wie in der reinen Mathematik der Raum und die +Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit betrachtet und +auf einander bezogen werden--; sondern sie versetzt eine von daher +aufgenommene und von ihr behandelte Bestimmung in Identitaet mit ihrer +entgegengesetzten, wie sie z.B. eine krumme Linie zu einer geraden, +den Kreis zu einem Polygon u.s.f. macht. Die Operationen, die sie +sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der +Natur bloss endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gaenzlich +widersprechend und haetten darum ihre Rechtfertigung allein in dem +Begriff. + +Wenn die Mathematik des Unendlichen daran festhielt, dass jene +Quantitaets-Bestimmungen verschwindende Groessen d. h. solche, die nicht +mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine +Bestimmtheit gegen Anderes sind, so schien nichts klarer, als dass es +keinen solchen Mittelzustand, wie man es nannte, zwischen Seyn und +Nichts gebe.--Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten +Mittelzustande auf sich habe, ist oben bereits bei der Kategorie des +Werdens, Anmerk. 4. gezeigt. Allerdings ist die Einheit des Seyns +und Nichts kein Zustand; ein Zustand waere eine Bestimmung des Seyns +und Nichts, worein diese Momente nur etwa zufaelligerweise gleichsam +als in eine Krankheit oder aeusserliche Affektion durch ein +irrthuemliches Denken gerathen sollten; sondern diese Mitte und +Einheit, das Verschwinden oder eben so das Werden, ist vielmehr +allein ihre Wahrheit. + +Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar +als ein Groesseres oder Kleineres; es koenne daher nicht ein Verhaeltniss +von Unendlichen zu Unendlichen, noch Ordnungen oder Dignitaeten des +Unendlichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen +Differenzen in der Wissenschaft derselben vorkommen.--Es liegt bei +diesem schon erwaehnten Einwurfe immer die Vorstellung zu Grunde, dass +hier von Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen +werden; dass Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhaeltniss +mehr zu einander haben. Vielmehr ist aber das, was nur im Verhaeltniss +ist, kein Quantum; das Quantum ist eine solche Bestimmung, die ausser +ihrem Verhaeltniss ein vollkommen gleichgueltiges Daseyn haben, der ihr +Unterschied von einem anderen gleichgueltig seyn soll, da hingegen das +qualitative nur das ist, was es in seinem Unterschiede von dnem +Anderen ist. Jene unendlichen Groessen sind daher nicht nur +vergleichbar, sondern sind nur als Momente der Vergleichung, des +Verhaeltnisses. + +Ich fuehre die wichtigsten Bestimmungen an, welche in der Mathematik +ueber diess Unendliche gegeben worden sind; es wird daraus erhellen, +dass denselben der Gedanke der Sache, uebereinstimmend mit dem hier +entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, dass ihre Urheber ihn aber als +Begriff nicht ergruendeten und bei der Anwendung wieder +Auskunftsmittel noethig hatten, welche ihrer besseren Sache +widersprechen. + +Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn +gegeben hat. Ich trenne dabei die Bestimmungen ab, die der +Vorstellung der Bewegung und der Geschwindigkeit angehoeren, (von +welcher er vornehmlich den Namen Fluxionen nahm), weil der Gedanke +hierin nicht in der gehoerigen Abstraktion, sondern konkret, vermischt +mit ausserwesentlichen Formen erscheint. Diese Fluxionen erklaert +Newton (Princ. mathem. phil. nat. L. 1. Lemma XI. Schol.) dahin, dass +er nicht untheilbare--eine Form, deren sich fruehere Mathematiker, +Cavalleri und andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich +bestimmten Quantums enthaelt,--verstehe, sondern verschwindende +Theilbare. Ferner nicht Summen und Verhaeltnisse bestimmter Theile, +sondern die Grenzen (limites) der Summen, und Verhaeltnisse. Es werde +die Einwendung gemacht, dass verschwindende Groessen kein letztes +Verhaeltniss haben, weil es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte, +und wenn sie verschwunden, keines mehr ist. Aber unter dem +Verhaeltnisse verschwindender Groessen sey das Verhaeltniss zu verstehen, +nicht eh sie verschwinden, und nicht nachher, sondern mit dem sie +verschwinden ( quacum evanescunt ). Eben so ist das erste Verhaeltniss +werdender Groessen, das mit dem sie werden. + +Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur +erklaert, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; dass aber diess +oder jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjektive +Zumuthung oder auch eine historische Forderung, wobei nicht gezeigt +wird, dass ein solcher Begriff an und fuer sich nothwendig ist und +innere Wahrheit hat. Allein das Angefuehrte zeigt, dass der von Newton +aufgestellte Begriff dem entspricht, wie die unendliche Groesse sich in +der obigen Darstellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab. +Es sind Groessen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht +mehr Quanta sind; ferner nicht Verhaeltnisse bestimmter Theile, +sondern die Grenzen des Verhaeltnisses. Es sollen also sowohl die +Quanta fuer sich, die Seiten des Verhaeltnisses, als damit auch das +Verhaeltniss, insofern es ein Quantum waere, verschwinden; die Grenze +des Groessen-Verhaeltnisses ist, worin es ist und nicht ist; diess heisst +genauer, worin das Quantum verschwunden, und damit das Verhaeltniss nur +als qualitatives Quantitaets-Verhaeltniss, und die Seiten desselben +ebenso als qualitative Quantitaets-Momente erhalten sind.--Newton fuegt +hinzu, dass daraus, dass es letzte Verhaeltnisse der verschwindenden +Groessen gebe, nicht zu schliessen sey, dass es letzte Groessen, +Untheilbare, gebe. Diess waere naemlich wieder ein Absprung von dem +abstrakten Verhaeltnisse auf solche Seiten desselben, welche fuer sich +ausser ihrer Beziehung einen Werth haben sollten, als Untheilbare, als +etwas, das ein Eins, ein Verhaeltnissloses seyn wuerde. + +Gegen jenen Missverstand erinnert er noch, dass die letzten +Verhaeltnisse nicht Verhaeltnisse letzter Groessen seyen, sondern Grenzen, +denen die Verhaeltnisse der ohne Grenze abnehmenden Groessen naeher sind +als jeder gegebene d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber +nicht ueberschreiten, so dass sie Nichts wuerden.--Unter letzten Groessen +haetten naemlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden +koennen. In der Bestimmung des letzten Verhaeltnisses aber ist sowohl +die Vorstellung des gleichgueltigen Eins, des verhaeltnisslosen, als +auch des endlichen Quantums entfernt. Es beduerfte aber weder des +Abnehmens ohne Grenze, in das Newton das Quantum versetzt und das nur +den Progress ins Unendliche ausdrueckt, noch der Bestimmung der +Theilbarkeit, welche hier keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn +die geforderte Bestimmung sich zum Begriffe einer Groessebestimmung, +die rein nur Moment des Verhaeltnisses ist, fortgebildet haette. + +In Ruecksicht der Erhaltung des Verhaeltnisses im Verschwinden der +Quantorum findet sich (anderwaerts, wie bei Carnot, Reflexions sur la +Metaphysique du Calcul Infinitesimal.) der Ausdruck, dass vermoege des +Gesetzes der Staetigkeit die verschwindenden Groessen noch das +Verhaeltniss, aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten. +--Diese Vorstellung drueckt die wahre Natur der Sache aus, insofern +nicht die Staetigkeit des Quantums verstanden wird, die es im +unendlichen Progress hat, sich in sein Verschwinden so zu kontinuiren, +dass im Jenseits seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues +Glied der Reihe entsteht; ein staetiger Fortgang wird aber immer so +vorgestellt, dass die Werthe durchloffen werden, welche noch endliche +Quanta sind. + +In demjenigen Uebergange dagegen, welcher in das wahrhafte Unendliche +gemacht wird, ist das Verhaeltniss das staetige; es ist so sehr staetig +und sich erhaltend, dass er vielmehr allein darin besteht, das +Verhaeltniss rein herauszuheben, und die verhaeltnisslose Bestimmung, d. +i. dass ein Quantum, welches Seite des Verhaeltnisses ist, auch ausser +dieser Beziehung gesetzt, noch Quantum ist, verschwinden zu machen. +--Diese Reinigung des quantitativen Verhaeltnisses ist insofern nichts +anders, als wenn ein empirisches Daseyn begriffen wird. Diess wird +hierdurch so ueber sich selbst erhoben, dass sein Begriff dieselben +Bestimmungen enthaelt, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und +in die Einheit des Begriffes gefasst, worin sie ihr gleichgueltiges, +begriffloses Bestehen verloren haben. + +Gleich interessant ist die andere Form der newtonischen Darstellung +der in Rede stehenden Groessen, naemlich als erzeugender Groessen oder +Principien. Eine erzeugte Groesse (genita) ist ein Produkt oder +Quotient, Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken, +Quadraten;--ueberhaupt eine endliche Groesse.--"Sie als veraenderlich +betrachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fliessen zu- oder +abnehmend ist, so verstehe er ihre momentanen Inkremente oder +Dekremente unter dem Namen von Momenten. Diese sollen aber nicht fuer +Theilchen von bestimmter Groesse genommen werden ( particulae finitae ). +Solche seyen nicht selbst Momente, sondern aus Momenten erzeugte +Groessen; es seyen vielmehr die werdenden Principien oder Anfaenge +endlicher Groessen zu verstehen."--Das Quantum wird hier von sich +selbst unterschieden, wie es als ein Produkt oder Daseyendes, und wie +es in seinem Werden, in seinem Anfange und Princip, das heisst, wie es +in seinem Begriffe, oder was hier dasselbe ist, in seiner +qualitativen Bestimmnng ist; in der letztern sind die quantitativen +Unterschiede, die unendlichen Inkremente oder Dekremente, nur Momente; +erst das Gewordene ist das in die Gleichgueltigkeit des Daseyns und +in die Aeusserlichkeit uebergegangene, das Quantum.--Wenn aber diese in +Ansehung der Inkremente oder Dekremente angefuehrten Bestimmungen des +Unendlichen, von der Philosophie des wahrhaften Begriffs anerkannt +werden muessen, so ist auch sogleich zu bemerken, dass die Formen +selbst von Inkrementen u.s.f. innerhalb der Kategorie des +unmittelbaren Quantums und des erwaehnten staetigen Fortgangs fallen, +und vielmehr sind die Vorstellungen von Inkrement, Zuwachs, Zunahme +des x um d x oder i u.s.f. als das in den Methoden vorhandene +Grunduebel anzusehen;--als das bleibende Hinderniss, aus der +Vorstellung des gewoehnlichen Quantums die Bestimmung des qualitativen +Quantitaetsmoments rein herauszuheben. + +Gegen die angegebenen Bestimmungen steht die Vorstellung von +unendlich-kleinen Groessen, die auch im Inkrement oder Dekrement selbst +steckt, weit zurueck. Nach derselben sollen sie von der +Beschaffenheit seyn, dass nicht nur sie gegen endliche Groessen, sondern +auch deren hoehere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die +Produkte aus mehrern gegen eine einzelne zu vernachlaessigen seyen. +--bei Leibnitz hebt sich die Forderung dieser Vernachlaessigung, +welche die vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese +Groesse bezogen, gleichfalls eintreten lassen, auffallender hervor. +Sie ist es vornehmlich, die diesem Kalkul beim Gewinne der +Bequemlichkeit den Schein von Ungenauigkeit und ausdruecklicher +Unrichtigkeit in dem Wege seiner Operation giebt.--Wolf hat sie in +seiner Weise, die Sachen populaer zu machen, d. h. den Begriff zu +verunreinigen und unrichtige sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle +zu setzen, verstaendlich zu machen gesucht. Er vergleicht naemlich die +Vernachlaessigung der unendlichen Differenzen hoeherer Ordnungen gegen +niedrigere, mit dem Verfahren eines Geometers, der bei der Messung +der Hoehe eines Berges um nicht weniger genau gewesen sey, wenn der +Wind indess ein Sandkoernchen von der Spitze weggeweht habe, oder mit +der Vernachlaessigung der Hoehen der Haeuser, Thuerme bei der Berechnung +der Mondfinsternisse (Element. Mathes. univ. Tom. I. El. Analys. +math. P. II. C. I. s. Schol.). + +Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstandes eine solche +Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese +Vorstellung verworfen. Es dringt sich von selbst auf, dass in der +Wissenschaft der Mathematik von einer solchen empirischen Genauigkeit +ganz und gar nicht die Rede ist, dass das mathematische Messen durch +Operationen des Kalkuls oder durch Konstruktionen und Beweise der +Geometrie, gaenzlich vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien, +Figuren u.s.f. unterschieden ist. Ohnehin zeigen, wie oben angefuehrt, +die Analytiker durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf +streng geometrischem Wege und wie es nach der Methode der unendlichen +Differenzen erhalten wird, dass das eine dasselbe ist als das andere, +und dass ein Mehr oder Weniger von Genauigkeit ganz und gar nicht +Statt findet. Und es versteht sich von selbst, dass ein absolut +genaues Resultat nicht aus einem Verfahren herkommen koenne, das +ungenau waere. Jedoch kann wieder auf der anderen Seite das Verfahren +selbst, jener Vernachlaessigung aus dem Grunde der Unbedeutenheit, des +Protestirens gegen die angefuehrte Rechtfertigungsweise unerachtet, +nicht entbehren. Und diess ist die Schwierigkeit, um welche die +Bemuehungen der Analytiker gehen, das hierin liegende Widersinnige +begreiflich zu machen, und es zu entfernen. + +Es ist in dieser Ruecksicht vornehmlich Eulers Vorstellung anzufuehren. +Indem er die allgemeine Newtonische Definition zu Grunde legt, +dringt er darauf, dass die Differentialrechnung die Verhaeltnisse der +Inkremente einer Groesse betrachte, dass aber die unendliche Differenz +als solche ganz als Null zu betrachten sey, (Institut. Calc. +different. P. I. C. III.).--Wie diess zu verstehen ist, liegt im +Vorhergehenden; die unendliche Differenz ist Null nur des Quantums, +nicht eine qualitative Null, sondern als Null des Quantums vielmehr +reines Moment nur des Verhaeltnisses. Sie ist nicht ein Unterschied +um eine Groesse; aber darum ist es einer Seits ueberhaupt schief, jene +Momente, welche unendlich-kleine Groessen heissen, auch als Inkremente +oder Dekremente, und als Differenzen auszusprechen. Dieser +Bestimmung liegt zu Grunde, dass zu der zuerst vorhandenen endlichen +Groesse etwas hinzukomme oder davon abgezogen werde, eine Subtraktion +oder Addition, eine arithmetische, aeusserliche Operation vorgehe. Der +Uebergang von der Funktion der veraenderlichen Groesse in ihr +Differential ist aber anzusehen, dass er von ganz anderer Natur ist, +naemlich wie eroertert worden, dass er als Zurueckfuehrung der endlichen +Funktion auf das qualitative Verhaeltniss ihrer Quantitaetsbestimmungen +zu betrachten ist.--Anderer Seits faellt die schiefe Seite fuer sich +auf, wenn gesagt wird, dass die Inkremente fuer sich Nullen seyen, dass +nur ihre Verhaeltnisse betrachtet werden; denn eine Null hat ueberhaupt +keine Bestimmtheit mehr. Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum +Negativen des Quantums und spricht es bestimmt aus, aber fasst diess +Negative nicht zugleich in seiner positiven Bedeutung, von +qualitativen Quantitaetsbestimmungen, die, wenn sie aus dem +Verhaeltnisse gerissen und als Quanta genommen werden wollten, nur +Nullen waeren.--Lagrange ( Theorie des fonct. analyt. Introd. ) +urtheilt ueber die Vorstellung der Grenzen oder letzten Verhaeltnisse, +dass wenn man gleich sehr gut das Verhaeltniss zweier Groessen sich +vorstellen koenne, so lange sie endlich bleiben, so gebe diess +Verhaeltniss dem Verstande keinen deutlichen und bestimmten Begriff, +sobald seine Glieder zugleich Null werden.--In der That muss der +Verstand ueber diese bloss negative Seite, dass die Verhaeltnissglieder +Nullen als Quanta sind, hinausgehen, und sie positiv, als qualitative +Momente auffassen.--Was aber Euler (am angefuehrten Ort _. 84 ff.) +weiter in Betreff der gegebenen Bestimmung hinzufuegt, um zu zeigen, +dass zwei sogenannte unendlich kleine Groessen, welche nichts anders als +Nullen seyn sollen, doch ein Verhaeltniss zu einander haben und +desswegen auch nicht das Zeichen der Null, sondern andere Zeichen fuer +sie im Gebrauch seyen, kann nicht fuer genuegend angesehen werden. Er +will diess durch den Unterschied des arithmetischen und geometrischen +Verhaeltnisses begruenden; bei jenem sehen wir auf die Differenz, bei +diesem auf den Quotienten, obgleich das erstere zwischen zwei Nullen +gleich sey, so sey es desswegen doch das geometrische nicht; wenn 2:1 += 0:0, so muesse wegen der Natur der Proportion, da das erste Glied +doppelt so gross sey als das zweite, auch das dritte Glied doppelt so +gross als das vierte seyn; O:O soll also nach der Proportion als das +Verhaeltniss von 2:1 genommen werden.--Auch nach der gemeinen +Arithmetik seyn n.O = O; es sey also n:1 = O:O.--Allein eben dadurch, +dass 2:1 oder n:1 ein Verhaeltniss von Quantis ist, entspricht ihm nicht +ein Verhaeltniss noch eine Bezeichnung von O:O. + +Ich enthalte mich, die Anfuehrungen zu vermehren, indem die +betrachteten zur Genuege gezeigt haben, dass in ihnen wohl der +wahrhafte Begriff des Unendlichen liegt, dass er aber nicht in seiner +Bestimmtheit herausgehoben und gefasst worden ist. Indem daher zur +Operation selbst fortgegangen wird, so kann es nicht geschehen, dass +in ihr die wahrhafte Begriffsbestimmung sich geltend mache; die +endliche Quantitaetsbestimmtheit kehrt vielmehr zurueck und die +Operation kann der Vorstellung eines bloss relativ-kleinen nicht +entbehren. Der Kalkul macht es nothwendig, die sogenannten +unendlichen Groessen den gewoehnlichen arithmetischen Operationen des +Addirens u.s.f., welche sich auf die Natur endlicher Groessen gruenden, +zu unterwerfen, und sie somit als endliche Groessen fuer einen +Augenblick gelten zu lassen und als solche zu behandeln. Der Kalkul +haette sich darueber zu rechtfertigen, dass er sie das eine Mal in diese +Sphaere herabzieht und sie als Inkremente oder Differenzen behandelt, +und dass er auf der anderen Seite sie als Quanta vernachlaessigt, +nachdem er so eben Formen und Gesetze der endlichen Groessen auf sie +angewendet hatte. + +Ueber die Versuche der Geometer, diese Schwierigkeiten zu beseitigen, +fuehre ich noch das Hauptsaechlichste an. + +Die aeltern Analytiker machten sich hierueber weniger Skrupel; aber die +Bemuehungen der Neueren gingen vornehmlich dahin, den Kalkul des +Unendlichen zur Evidenz der eigentlich geometrischen Methode +zurueckzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten (- +Ausdruecke von Lagrange--) in der Mathematik zu erreichen. Allein da +das Princip der Analysis des Unendlichen hoeherer Natur, als das +Princip der Mathematik endlicher Groessen ist, so musste jene von selbst +sogleich auf jene Art von Evidenz Verzicht thun, wie die Philosophie +auch auf diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die +Wissenschaften des Sinnlichen, z.B. Naturgeschichte hat, und wie +Essen und Trinken fuer ein verstaendlicheres Geschaefte gilt, als Denken +und Begreifen. Es wird sich demnach nur um die Bemuehung handeln, die +Strenge der Beweise der Alten zu erreichen. + +Mehrere haben versucht, den Begriff des Unendlichen ganz zu entbehren, +und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden +schien.--Lagrange spricht z.B. von der Methode, die Landen erfunden +hat, und sagt von ihr, dass sie rein analytisch sey und die unendlich +kleinen Differenzen nicht gebrauche, sondern zuerst verschiedene +Werthe der veraenderlichen Groessen einfuehre, und sie in der Folge +gleichsetze. Er urtheilt uebrigens, dass darin die der +Differentialrechnung eignen Vorzuege, Einfachheit der Methode und +Leichtigkeit der Operationen verloren gehe.--Es ist diess wohl ein +Verfahren, das mit demjenigen etwas Entsprechendes hat, von welchem +Descartes Tangentenmethode ausgeht, die weiterhin noch naeher zu +erwaehnen ist. Soviel, kann hier bemerkt werden, erhellt sogleich im +Allgemeinen, dass das Verfahren ueberhaupt, verschiedene Werthe der +veraenderlichen Groessen anzunehmen, und sie nachher gleichzusetzen, +einem anderen Kreise mathematischer Behandlung angehoert, als die +Methode des Differential-Kalkuls selbst und die spaeterhin naeher zu +eroerternde Eigenthuemiichkeit des einfachen Verhaeltnisses, auf welches +sich die wirkliche konkrete Bestimmung desselben zurueckfuehrt, naemlich +der abgeleiteten Funktion zu der urspruenglichen, nicht herausgehoben +wird. + +Die Aeltern unter den Neuern, wie z.B. Fermat, Barrow und andere, +die sich zuerst des Unendlich-Kleinen in derjenigen Anwendung +bedienten, welche spaeter zur Differential- und Integralrechnung +ausgebildet wurde, und dann auch Leibnitz und die Folgenden, auch +Euler, haben immer unverhohlen, die Produkte von unendlichen +Differenzen, so wie ihre hoehern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen +zu duerfen geglaubt, weil sie relativ gegen die niedrige Ordnung +verschwinden. Hierauf beruht bei ihnen allein der Fundamentalsatz, +naemlich die Bestimmung dessen, was das Differential eines Produkts +oder einer Potenz sey, denn hierauf reducirt sich die ganze +theoretische Lehre. Das Uebrige ist Theils Mechanismus der +Entwickelung, Theils aber Anwendung, in welche jedoch, was weiterhin +zu betrachten ist, in der That auch das hoehere oder vielmehr einzige +Interesse faellt.--In Ruecksicht auf das Gegenwaertige ist hier nur das +Elementarische anzufuehren, dass aus dem gleichen Grunde der +Unbedeutenheit als der Hauptsatz, die Curven betreffend, angenommen +wird, dass die Elemente der Curven, naemlich die Inkremente der +Abscisse und der Ordinate, das Verhaeltniss der Subtangente und der +Ordinate zu einander haben; fuer die Absicht, aehnliche Dreiecke zu +erhalten, wird der Bogen, der die dritte Seite eines Dreiecks zu den +beiden Inkrementen, des mit Recht vormals sogenannten +charakteristischen Dreiecks, ausmacht, als eine gerade Linie, als +Theil der Tangente, und damit das eine der Inkremente bis an die +Tangente reichend angesehen. Diese Annahmen erheben jene +Bestimmungen einer Seits ueber die Natur endlicher Groessen; anderer +Seits aber wird ein Verfahren auf die nun unendlich genannten Momente +angewendet, das nur von endlichen Groessen gilt, und bei dem nichts aus +Ruecksicht der Unbedeutenheit vernachiaessigt werden darf. Die +Schwierigkeit, von der die Methode gedrueckt wird, bleibt bei solcher +Verfahrungsweise in ihrer ganzen Staerke. + +Es ist hier eine merkwuerdige Procedur Newtons anzufuehren; (Princ. +Math. phil. nat. Lib. II. Lemma II. Propos. VII.)--die Erfindung +eines sinnreichen Kunststuecks, uni das arithmetisch unrichtige +Weglassen der produkte unendlicher Differenzen oder hoeherer Ordnungen +derselben bei dem Finden der Differentialien, zu beseitigen. Er +findet das Differential des Produkts,--woraus sich dann die +Differentialien der Quotienten, Potenzen u.s.f. leicht herleiten, +--auf folgende Art. Das Produkt, wenn x, y, jedes um die Haelfte +seiner unendlichen Differenz kleiner genommen wird, geht ueber in x +y--xdy/2--ydx/2 + dxdy/4; aber wenn man x und y um ebenso viel +zunehmen laesst, in x y + xdy/2 + ydx/2 + dxdy/4. Von diesem zweiten +Produkt nun das erste abgezogen, bleibt y d x + x d y als Ueberschuss, +und diess sey der Ueberschuss des Wachsthums um ein ganzes dx und dy, +denn um dieses Wachsthum sind beide Produkte unterschieden; es ist +also das Differential von xy.--Man sieht in diesem Verfahren faellt +das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das Produkt der +beiden unendlichen Differenzen, dxdy, durch sich selbst hinweg. Aber +des newtonischen Namens unerachtet muss es gesagt werden duerfen, dass +solche, obgleich sehr elementarische Operation, unrichtig ist; es ist +unrichtig, dass (x + dx/2) (y + dy/2)--(x--dx/2) (y--dy/2) = (x + dx) +(y + dy)--xy. Es kann nur das Beduerfniss seyn, den Fluxionen-Kalkul +bei seiner Wichtigkeit zu begruenden, was einen Newton dahin bringen +konnte, die Taeuschung solchen Beweisens sich zu machen. + +Andere Formen, die Newton bei der Ableitung des Differentials +gebraucht, sind an konkrete auf Bewegung sich beziehende Bedeutungen +der Elemente und deren Potenzen gebunden.--Beim Gebrauche der +Reihenform, der sonst seine Methode auszeichnet, liegt es zu nahe zu +sagen, dass man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufuegen +weiterer Glieder die Groesse so genau zu nehmen, als man noethig habe, +und dass die weggelassenen relativ unbedeutend, ueberhaupt das Resultat +nur eine Naeherung sey, als dass er nicht auch hier mit diesem Grunde +sich begnuegt haette, wie er bei seiner Methode der Aufloesung der +Gleichungen hoeherer Grade durch Naeherung die hoeheren Potenzen, die +bei der Substitution jedes gefundenen noch ungenauen Werthes in die +gegebene Gleichung entstehen, aus dem rohen Grunde ihrer Kleinigkeit +weglaesst; s. Lagrange Equations Numeriques p. 125. + +Der Fehler, in welchen Newton bei der Aufloesung eines Problems durch +das Weglassen wesentlicher hoeherer Potenzen verfiel, der seinen +Gegnern die Gelegenheit eines Triumphs ihrer Methode ueber die seinige +gab, und von welchem Lagrange in seiner neuerlichen Untersuchung +desselben (Theorie des fonct. analyt. 3me P. Ch. IV.) den wahren +Ursprung aufgezeigt hat, beweist das Formelle und die Unsicherheit, +die im Gebrauche jenes Instruments noch vorhanden war. Lagrange +zeigt, dass Newton dadurch in den Fehler fiel, weil er das Glied der +Reihe vernachlaessigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der +bestimmten Aufgabe ankam. Newton hatte sich an jenes formelle +oberflaechliche Princip, Glieder wegen ihrer relativen Kleinheit +wegzulassen, gehalten.--Es ist naemlich bekannt, dass in der Mechanik +den Gliedern der Reihe, in der die Funktion einer Bewegung entwickelt +wird, eine bestimmte Bedeutung gegeben wird, so dass sich das erste +Glied oder die erste Funktion auf das Moment der Geschwindigkeit, die +zweite auf die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den +Widerstand von Kraeften beziehe. Die Glieder der Reihe sind hiermit +hier nicht nur als Theile einer Summe anzusehen, sondern als +qualitative Momente eines Ganzen des Begriffs. Hiedurch erhaelt das +Weglassen der uebrigen Glieder, die der schlechtunendlichen Reihe +angehoeren, eine gaenzlich verschiedene Bedeutung, von dem Weglassen +aus dem Grunde der relativen Kleinheit derselben. + + +*) In einfacher Weise finden sich bei Lagrange in der Anwendung der +Theorie der Funktionen auf die Mechanik, in dem Kapitel von der +geradlinigten Bewegung, beide Ruecksichten neben einander gestellt +(Theorie des fonct. 3me P. Ch. I. art. 4.). Der durchloffene Raum +als Funktion der verflossenen Zeit betrachtet, giebt die Gleichung x += ft; diese als f (t + e) entwickelt giebt + +ft + eft + [e'[hoch 2]]/2. f"t + u.s.w. + +Also der waehrend der Zeit durchloffene Raum stellt sich in der Formel +dar, eft + [e[hoch 2]]/2. f't + [e[hoch 3]]/2.3. f"t + u.s.w. Die +Bewegung, vermittelst der dieser Raum durchloffen wird, ist also, +wird gesagt, d. h. weil die analytische Entwickelung mehrere und zwar +unendlich viele Glieder giebt,--zusammengesetzt aus verschiedenen +partiellen Bewegungen, deren der Zeit entsprechende Raeume seyn werden +eft, [e[hoch 2]]/2. f"t, [e[hoch 3]]/[2.3]. f"t, u.s.w. die erste +partielle Bewegung ist, in bekannter Bewegung die +formell=gleichfoermige mit einer durch f't bestimmten Geschwindigkeit, +die zweite die gleichfoermig beschleunigte, die von einer dem f't +propertionirten beschleunigenden Kraft herkommt. "Da nun die uebrigen +Glieder sich auf keine einfache bekannte Bewegung beziehen, so ist +nicht noethig, sie besonders in Ruecksicht zu nehmen, und wir werden +zeigen, dass man von ihnen in der Bestimmung der Bewegung zu Anfang +des Zeitpunkts abstrahiren kann." Diess wird nun gezeigt, aber +freilich nur durch die Vergleichung jener Reihe, deren Glieder alle +zur Bestimmung der Groesse des in der Zeit durchloffenen Raumes +gehoerten, mit der art. 3 fuer die Bewegung des Falls angegebenen +Gleichung x = at + bt[hoch 2], als in welcher nur diese zwei Glieder +vorkommen. Aber diese Gleichung hat selbst nur diese Gestalt, durch +die Voraussetzung der Erklaerung, die den durch analytische +Entwicklung entstehenden Gliedern gegeben wird, erhalten; diese +Voraussetzung ist, dass die gleichfoermig beschleunigte Bewegung +zusammengesetzt sey, aus einer formell-gleichfoermigen mit der im +vorhergehenden Zeittheile erlangten Geschwindigkeit fortgesetzten +Bewegung, und einem Zuwachse, (dem a in s = at[hoch 2] d.i. dem +empirischen Koefficienten), welcher der Kraft der Schwere +zugeschrieben wird,--einem Unterschiede, der keineswegs in der Natur +der Sache irgend eine Existenz oder Grund hat, sondern nur der +faelschlich physikalisch gemachte Ausdruck dessen ist, was bei einer +angenommenen analytischen Behandlung herauskommt. + +Die Newtonsche Aufloesung enthielt jenen Fehler, nicht weil in ihr +Glieder der Reihe, nur als Theile einer Summe, sondern weil das Glied, +das die qualitative Bestimmung, auf die es ankam, enthaelt, nicht +beruecksichtigt wurde. + +In diesem Beispiele ist der qualitative Sinn dasjenige, wovon das +Verfahren abhaengig gemacht ist. Im Zusammenhange hiermit kann +sogleich die allgemeine Behauptung aufgestellt werden, dass die ganze +Schwierigkeit des Princips beseitigt seyn wuerde, wenn statt des +Formalismus, die Bestimmung des Differentials nur in die ihm den +Namen gebende Aufgabe, den Unterschied ueberhaupt einer Funktion von +ihrer Veraenderung, nachdem ihre veraenderliche Groesse einen Zuwachs +erhalten, zu stellen, die qualitative Bedeutung des Princips +angegeben, und die Operation hiervon abhaengig gemacht waere. In +diesem Sinne zeigt sich das Differential von x[hoch n], durch das +erste Glied der Reihe, die durch die Entwickelung von (x + dx)[hoch +n] sich ergiebt, gaenzlich erschoepft. Dass die uebrigen Glieder nicht +beruecksichtigt werden, kommt so nicht von ihrer relativen Kleinheit +her;--es wird dabei nicht eine Ungenauigkeit, ein Fehler oder Irrthum +vorausgesetzt, der durch einen anderen Irrthum ausgeglichen und +verbessert wuerde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot vornehmlich +die gewoehnliche Methode der Infinitesimalrechnung rechtfertigt. +Indem es sich nicht um eine Summe, sondern um ein Verhaeltniss handelt, +so ist das Differential vollkommen durch das erste Glied gefunden; +und wo es fernerer Glieder, der Differentiale hoeherer Ordnungen +bedarf, so liegt in ihrer Bestimmung nicht die Fortsetzung einer +Reihe als Summe, sondern die Wiederholung eines und desselben +Verhaeltnisses, das man allein will, und das somit im ersten Glied +bereits vollkommen bestimmt ist. Das Beduerfniss der Form einer Reihe +des Summirens derselben und was damit zusammenhaengt, muss dann ganz +von jenem Interesse des Verhaeltnisses getrennt werden. + +Die Erlaeuterungen, welche Carnot ueber die Methode der unendlichen +Groessen giebt, enthalten das Gelaeutertste und aufs Klarste exponirt, +was in den oben angefuehrten Vorstellungen vorkam. Aber bei dem +Uebergange zur Operation selbst treten mehr oder weniger die +gewoehnlichen Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der +weggelassenen Glieder gegen die andern ein. Er rechtfertigt die +Methode vielmehr durch die Thatsache, dass die Resultate richtig +werden, und durch den Nutzen, den die Einfuehrung unvollkommner +Gleichungen, wie er sie nennt, d. h. solcher, in denen eine solche +arithmetisch unrichtige Weglassung geschehen ist, fuer die +Vereinfachung und Abkuerzung des Kalkuls habe, als durch die Natur der +Sache selbst. + +Lagrange hat bekanntlich die urspruengliche Methode Newtons, die +Methode der Reihen, wieder aufgenommen, um der Schwierigkeiten, +welche die Vorstellung des Unendlich-Kleinen, so wie derjenigen, +welche die Methode der ersten und letzten Verhaeltnisse und Grenzen +mit sich fuehrt, ueberhoben zu seyn. Es ist von seinem +Funktionen-Kalkul, dessen sonstige Vorzuege in Ruecksicht auf Praecision, +Abstraktion und Allgemeinheit anerkannt genug sind, als hierher +gehoerig nur diess anzufuehren, dass er auf dem Fundamentalsatze beruht, +dass die Differenz, ohne dass sie Null werde, so klein angenommen +werden koenne, dass jedes Glied der Reihe die Summe aller folgenden an +Groesse uebertreffe.--Es wird auch in dieser Methode von den Kategorien +vom Zuwachs und von der Differenz der Funktion angefangen, deren +veraenderliche Groesse den Zuwachs erhalte, womit die laestige Reihe +hereinkommt, von der urspruenglichen Funktion; so wie im Verfolg die +wegzulassenden Glieder der Reihe nur in der Ruecksicht, dass sie eine +Summe constituiren, in Betracht kommen, und der Grund, sie +wegzulassen, in das Relative ihres Quantums gesetzt wird. Die +Weglassung ist also hier auch nicht fuer das Allgemeine auf den +Gesichtspunkt zurueckgefuehrt, der Theils in einigen Anwendungen +vorkommt, worin, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine +bestimmte qualitative Bedeutung haben sollen und Glieder ausser Acht +gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Groesse sind, +sondern weil sie unbedeutend der Qualitaet nach sind; Theils aber +faellt dann die Weglassung selbst in dem wesentlichen Gesichtspunkte +hinweg, der sich fuer den sogenannten Differential-Koefficienten erst +in der sogenannten Anwendung des Kalkuls bei Lagrange bestimmt +heraushebt, was in der folgenden Anmerkung ausfuehrlicher +auseinandergesetzt werden wird. + +Der qualitative Charakter ueberhaupt, der hier an der in Rede +stehenden Groessenform in demjenigen, was dabei das Unendlichkleine +genannt wird, nachgewiesen worden ist, findet sich am unmittelbarsten +in der Kategorie der Grenze des Verhaeltnisses, die oben angefuehrt +worden, und deren Durchfuehrung im Kalkul zu einer eigenthuemlichen +Methode gestempelt worden ist. Was Lagrange von dieser Methode +urtheilt, dass sie der Leichtigkeit in der Anwendung entbehre, und der +Ausdruck Grenze keine bestimmte Idee darbiete, davon wollen wir das +Zweite hier aufnehmen, und naeher sehen, was ueber ihre analytische +Bedeutung aufgestellt wird. In der Vorstellung der Grenze liegt +naemlich wohl die angegebene wahrhafte Kategorie der qualitativen +Verhaeltnissbestimmung der veraenderlichen Groessen, denn die Formen, die +von ihnen eintreten, dx und dy, sollen schlechthin nur als Momente +von dy/dx genommen, und dx/dy selbst als ein einziges untheilbares +Zeichen angesehen werden. Dass hiermit fuer den Mechanismus des +Kalkuls besonders in seiner Anwendung der Vortheil verloren geht, den +er davon zieht, dass die Seiten des Differential-Koefficienten von +einander abgesondert werden, ist hier bei Seite zu setzen. Jene +Grenze soll nun Grenze von einer gegebenen Funktion seyn;--sie soll +einen gewissen Werth in Beziehung auf dieselbe angeben, der sich +durch die Weise der Ableitung bestimmt. Mit der blossen Kategorie der +Grenze aber waeren wir nicht weiter, als mit dem, um das es in dieser +Anm. zu thun gewesen ist, naemlich aufzuzeigen, dass das +Unendlichkleine, das in der Differentialrechnung als dx und dy +vorkommt, nicht bloss den negativen, leeren Sinn einer nicht endlichen, +nicht gegebenen Groesse habe, wie wenn man sagt, eine unendliche Menge, +ins unendliche fort und dergleichen, sondern den bestimmten Sinn der +qualitativen Bestimmtheit des Quantitativen, eines Verhaeltnissmoments +als eines solchen. Diese Kategorie hat jedoch so noch kein +Verhaeltniss zu dem, was eine gegebene Funktion ist, und greift fuer +sich nicht in die Behandlung einer solchen und in einen Gebrauch, der +an ihr von jener Bestimmung zu machen waere, ein; so wuerde auch die +Vorstellung der Grenze, zurueckgehalten in dieser von ihr +nachgewiesenen Bestimmtheit, zu nichts fuehren. Aber der Ausdruck +Grenze enthaelt es schon selbst, dass sie Grenze von Etwas sey, d. h. +einen gewissen Werth ausdruecke, der in der Funktion veraenderlicher +Groesse liegt; und es ist zu sehen, wie diess konkrete Benehmen mit ihr +beschaffen ist.--Sie soll die Grenze des Verhaeltnisses seyn, welches +die zwei Inkremente zu einander haben, um welche die zwei +veraenderlichen Groessen, die in einer Gleichung verbunden sind, deren +die eine als eine Funktion der andern angesehen wird, als zunehmend +angenommen worden;--der Zuwachs wird hier unbestimmt ueberhaupt +genommen und insofern von dem Unendlichkleinen kein Gebrauch gemacht. +Aber zunaechst fuehrt der Weg, diese Grenze zu finden, dieselben +Inkonsequenzen herbei, die in den uebrigen Methoden liegen. Dieser +Weg ist naemlich folgender. Wenn y = fx, soll fx, wenn y in y + k +uebergeht, sich in fx + ph + qh[hoch 2] + rh[hoch 3] u.s.f. veraendert, +hiermit ist k = ph + qh[hoch 2] u.s.f. und k/h = p + qh + rh[hoch 2] +u.s.f. Wenn nun k und h verschwinden, so verschwindet das zweite +Glied ausser p, welches p nun die Grenze des Verhaeltnisses der beiden +Zuwaechse sey. Man sieht, dass h als Quantum = 0 gesetzt wird, aber +dass darum k/h nicht zugleich = 0 seyn, sondern noch ein Verhaeltniss +bleiben soll. Den Vortheil, die Inkonsequenz, die hierin liegt, +abzulehnen, soll nun die Vorstellung der Grenze gewaehren; p soll +zugleich nicht das wirkliche Verhaeltniss, das = 0/0 waere, sondern nur +der bestimmte Werth seyn, dem sich das Verhaeltniss unendlich d.i. so +naehern koenne, dass der Unterschied kleiner als jeder gegebene werden +koenne. Der bestimmtere Sinn der Naeherung in Ruecksicht dessen, was +sich eigentlich einander naehern soll, wird unten betrachtet werden. +--Dass aber ein quantitativer Unterschied, der die Bestimmung hat, +kleiner als jeder gegebene seyn zu koennen nicht nur, sondern seyn zu +sollen, kein quantitativer Unterschied mehr ist, diess ist fuer sich +klar, so evident als irgend etwas in der Mathematik evident seyn kann; +damit aber ist ueber dy/dx = 0/0 nicht hinausgekommen worden. Wenn +dagegen dy/dx = p d.i. als ein bestimmtes quantitatives Verhaeltniss, +angenommen wird, wie diess in der That der Fall ist, so kommt +umgekehrt die Voraussetzung, welche h = 0 gesetzt hat, in +Verlegenheit, eine Voraussetzung, durch welche allein k/h = p +gefunden wird. Giebt man aber zu, dass k/h = 0 ist, und mit h = 0 +wird in der That von selbst auch k = 0; denn der Zuwachs k zu y +findet nur unter der Bedingung statt, dass der Zuwachs h ist; so waere +zu sagen, was denn p seyn solle, welches ein ganz bestimmter +quantitativer Werth ist. Hierauf giebt sich sogleich die einfache, +trockne Antwort von selbst, dass es ein Koefficient ist und aus +welcher Ableitung er entsteht,--die auf gewisse bestimmte Weise +abgeleitete erste Funktion einer urspruenglichen Funktion. Begnuegte +man sich damit, wie denn in der That Lagrange sich der Sache nach +damit begnuegt hat, so waere der allgemeine Theil der Wissenschaft des +Differential-Kalkuls und unmittelbar diese seine Form selbst, welche +die Theorie der Grenzen heisst, von den Zuwaechsen, dann deren +unendlicher oder beliebiger Kleinheit, von der Schwierigkeit, ausser +dem ersten Gliede oder vielmehr nur dem Coefficienten des ersten +Gliedes die weitern Glieder einer Reihe, als welche durch die +Einfuehrung jener Zuwaechse unabwendbar sich einfinden, wieder +wegzubringen, befreit; ausserdem aber auch von dem weitern, was damit +zusammenhaengt, von den formellen Kategorien vor allem des Unendlichen, +der unendlichen Annaeherung, und der weitern hier ebenso leeren +Kategorien von kontinuirlicher Groesse Die Kategorie von der +kontinuirlichen oder fliessenden Groesse stellt sich mit der Betrachtung +der aeusserlichen und empirischen Veraenderung der Groessen, die durch +eine Gleichung in die Beziehung, dass die Eine eine Funktion der +Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der wissenschaftliche +Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses (durch den +Differential-Koefficienten gewoehnlich ausgedruecktes) Verhaeltniss, +welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann, ist, so +ist fuer diese specifische Bestimmtheit die blosse Kontinuitaet Theils +schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die +abstrakte und hier leere Kategorie, da ueber das Gesetz der +Kontinuitaet gar nichts damit ausgedrueckt ist.--Auf welche formelle +Definitionen dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten +Hrn. Collegen, Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung +der Grundbestimmungen, die fuer die Deduktion des Differential-Kalkuls +gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke +ueber diese Wissenschaft anschliesst und sich in den Jahrb. f. +wissensch. Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird +daselbst S. 1251 sogar die Definition angefuehrt: "Eine staetige oder +kontinuirliche Groesse, Kontinuum, ist jede Groesse, welche man sich im +Zustande des Werdens gedenkt, so dass dieses Werden nicht sprungweise, +sondern durch ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl +tautologisch dasselbe, was das definitum ist. und welche man sonst, +wie Bestreben, Werden, Gelegenheit einer Veraenderung fuer noethig +erachtet, gereinigt. Aber dann wuerde gefordert zu zeigen, was denn p, +ausser der, fuer die Theorie ganz genuegenden trocknen Bestimmung, dass +es weiter nichts als eine aus der Entwickelung eines Binomiums +abgeleitete Funktion ist, noch fuer eine Bedeutung und Werth, d. i. +welchen Zusammenhang und Gebrauch fuer weiteres mathematisches +Beduerfniss habe; hiervon soll die zweite Anmerkung handeln.--Es folgt +aber zunaechst hier noch die Auseinandersetzung der Verwirrung, welche +durch den angefuehrten, in den Darstellungen so gelaeufigen Gebrauch +der Vorstellung von Annaeherung in das Auffassen der eigentlichen, +qualitativen Bestimmtheit des Verhaeltnisses, um das es zunaechst zu +thun war, gebracht worden ist. + +Es ist gezeigt worden, dass die sogenannten unendlichen Differenzen +das Verschwinden der Seiten des Verhaeltnisses als Quantorum +ausdruecken, und dass das, was uebrig bleibt, ihr Quantitaetsverhaeltniss +ist, rein insofern es auf qualitative Weise bestimmt ist; das +qualitative Verhaeltniss geht hierin so wenig verloren, dass es vielmehr +dasjenige ist, was eben durch die Verwandlung endlicher Groessen in +unendliche resultirt. Hierin besteht, wie wir gesehen, die ganze +Natur der Sache.--So verschwinden im letzten Verhaeltnisse z.B. die +Quanta der Abscisse und Ordinate; aber die Seiten dieses +Verhaeltnisses bleiben wesentlich die eine, Element der Ordinate, die +andere Element der Abscisse. Indem die Vorstellungsweise gebraucht +wird, dass man die eine Ordinate sich der anderen unendlich naehern +laesst, so geht die vorher unterschiedene Ordinate in die andere +Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse in die andere +Abscisse ueber; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in die +Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate ueber. Das Element der +Ordinate,--um bei diesem Beispiele von veraenderlichen Groessen stehen +zu bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer +anderen Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied +oder die qualitative Groessenbestimmung gegen das Element der Abscisse; +das Princip der einen veraenderlichen Groesse gegen das der andern steht +im Verhaeltnisse miteinander. Der Unterschied, indem er nicht mehr +Unterschied endlicher Groessen ist, hat aufgehoert, ein Vielfaches +innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensitaet +zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen +Verhaeltnissmoments gegen das andere. + +Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, dass das, +was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als +Differenz oder Inkrement gefasst wird, dass es nur der Unterschied des +Quantums einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate +sey. Die Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhaeltnisses; +sie gilt nur als der letzte Werth, dem sich eine andere Groesse von +gleicher Art bestaendig so naehere, dass sie von ihm, so wenig als man +will, unterschieden seyn koenne, und dass das letzte Verhaeltniss, ein +Verhaeltniss der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz das +Schweben eines Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die +qualitative Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine +Verhaeltnissbestimmung gegen x, sondern gegen dy ist, tritt in der +Vorstellung zurueck. Man laesst dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber +noch vielmehr verschwindet dx gegen x, diess heisst aber wahrhaftig: es +hat nur ein Verhaeltniss zu dy.--Es ist den Geometern in solchen +Darstellungen immer vorzueglich darum zu thun, die Annaeherung einer +Groesse an ihre Grenze begreiflich zu machen, und sich an diese Seite +des Unterschiedes des Quantums vom Quantum, wie er kein Unterschied +und doch noch ein Unterschied ist, zu halten. Aber die Annaeherung +ist ohnehin fuer sich eine nichts sagende und nichts begreiflich +machende Kategorie; dx hat die Annaeherung bereits im Ruecken, es ist +nicht nahe noch ein Naeheres; und unendlich nahe heisst selbst die +Negation des Naheseyns und des Annaeherns. + +Indem es nun damit geschehen ist, dass die Inkremente oder unendlichen +Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen +verschwindet, und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so +sind sie so als verhaeltnisslose Momente gefasst. Es wuerde die +unstatthafte Vorstellung daraus folgen, dass es erlaubt sey, in dem +letzten Verhaeltnisse etwa Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus, +Cosinus, Tangente, Sinus versus und was alles noch, einander gleich +zu setzen.--Diese Vorstellung scheint zunaechst darin obzuwalten, wenn +ein Bogen als eine Tangente behandelt wird; denn auch der Bogen ist +wohl inkommensurabel mft der geraden Linie, und sein Element zunaechst +von anderer Qualitaet als das Element der geraden Linie. Es scheint +noch widersinniger und unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse, +Ordinate, des Sinus versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis, +wenn ein ob zwar unendlich kleiner Theil des Bogens, fuer ein Stueck +der Tangente, genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird. +--Allein diese Behandlung ist von der geruegten Verwechslung +wesentlich zu unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, dass +in dem Dreieck, weilches das Element eines Bogens und die Elemente +seiner Abscisse und der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhaeltniss +dasselbe ist, als wenn jenes Element des Bogens das Element einer +geraden Linie, der Tangente waere; die Winkel, welche das wesentliche +Verhaeltniss konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt, +indem von den ihnen zugehoerigen endlichen Groessen abstrahirt wird, +sind die naemlichen.--Man kann sich hierueber auch ausdruecken, gerade +Linien, als unendlichklein, seyen in krumme Linien uebergegangen, und +das Verhaeltniss ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhaeltniss. +Da nach ihrer Definition die gerade Linie der kuerzeste Weg zwischen +zwei Punkten ist, so gruendet sich ihr Unterschied von krummer Linie +auf die Bestimmung von Menge, auf die geringere Menge des +Unterscheidbaren auf diesem Wege, was also eine Bestimmung von +Quantum Ist. Aber diese Bestimmung verschwindet in ihr, sie als +intensive Groesse, als unendliches Moment, als Element genommen; somit +auch ihr Unterschied von der krummen Linie, der bloss auf dem +Quantumsunterschiede beruhte.--Also als unendlich behaelt gerade Linie +und Bogen kein quantitatives Verhaeltniss und damit, auf den Grund der +angenommenen Definition, auch keine qualitative Verschiedenheit mehr +gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese ueber. + +Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung +heterogener Bestimmungen ist die fuer sich unbestimmte und voellig +gleichgueltige Annahme, dass unendlich kleine Theile desselben Ganzen +einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen +d. i. mit wesentlicher Ungleichfoermigkeit der Groessebestimmung +behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthueniliche Verkehrung +hervor, die in dem Satze der hoehern Mechanik enthalten ist, dass in +gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile +einer Kurve in gleichfoermiger Bewegung durchloffen werden, indem diess +von einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i. +existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile +der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als +existirend ungleichfoermig ist und so angenommen wird. Dieser Satz +ist der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied, +das sich in der oben auch angefuehrten Entwickelung der Formel von +ungleichfoermiger uebrigens einem Gesetze gemaessen Bewegung ergiebt, +bedeuten soll. Aeltere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu +erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten +Gegenstaenden zu thun hatte, in Worte und Saetze auszudruecken und sie +in geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie fuer +die Lehrsaetze nach gewoehnlicher Beweise-Art zu gebrauchen. Die +Glieder einer mathematischen Formel, in welche die analytische +Behandlung die Groesse des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte, +erhielten dort eine gegenstaendliche Bedeutung, z.B. der +Geschwindigkeit, beschleunigende Kraft u.s.f. sie sollten nach +solcher Bedeutung richtige Saetze, physikalische Gesetze geben und +nach der analytischen Verbindung auch ihre objektiven Verknuepfungen +und Verhaeltnisse bestimmt seyn, wie z.B. eben dass in einer +gleichfoermig beschleunigten Bewegung eine besondere den Zeiten +proportionale Geschwindigkeit existire, ausserdem aber ein Zuwachs von +der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme. Solche Saetze werden in +der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als +Ergebnisse des Kalkuls aufgefuehrt unbekuemmert darum, ob sie einen +reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspraeche, fuer sich an ihnen +selbst haetten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit, +den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen +reellen Sinn genommen werden, z.B. den Uebergang von jener +schlechtgleichfoermigen Geschwindigkeit zu einer gleichfoermigen +beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafuer, durch die +analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher +Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autoritaet der +Operationen des Kalkuls ist. Es wird fuer einen Triumph der +Wissenschaft ausgegeben, durch den blossen Kalkul ueber die Erfahrung +hinaus Gesetze, d. i. Saetze der Existenz, die keine Existenz haben, +zu finden. Aber in der erstern noch naiven Zeit des +Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen Bestimmungen und Saetzen, in +geometrischen Verzeichnungen vorgestellt, ein reeller Sinn fuer sich +angegeben und plausibel gemacht, und sie in solchem Sinne zum Beweise +von den Hauptsaetzen, um die es zu thun war, angewendet werden, (--man +sehe den newtonischen Beweis von seinem Fundamentalsatze der Theorie +der Gravitation in den Princ. mathem. philosophiae naturalis lib. I. +Sect. II. Prop. I. verglichen mit Schuberts Astronomie (erster Ausg. +III. B. _. 20), wo zugestanden wird, dass es sich nicht genau so, d. +i. in dem Punkte, welcher der Nerv des Beweises ist, sich nicht so +verhalte, wie Newton annimmt--). + +Es wird nicht gelaeugnet werden koennen, dass man sich in diesem Felde +vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihuelfe des Nebels des +Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als +dem, dass das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der +Beweis, der so eingerichtet wurde, dass es herauskam, wenigstens den +Schein eines Geruestes von Beweis zu Stande brachte;--einen Schein, +den man dem blossen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch +vorzog. Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier fuer nicht mehr +als eine blosse Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens +anzusehen, und hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins +Besondere die zu dem so eben angefuehrten gehoerigen, wegen welcher man +Newton bis an den Himmel und ueber Keppler erhoben hat, das was dieser +bloss durch Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben. + +Das leere Gerueste solcher Beweise wurde errichtet, um physische +Gesetze zu beweisen. Aber die Mathematik vermag ueberhaupt nicht +Groessenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind, +welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem +einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist, +nicht vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es +nicht lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, ausser +ihrer Sphaere liegt. Die Behauptung der Ehre der Mathematik, dass alle +in ihr vorkommenden Saetze streng bewiesen seyn sollen, liess sie ihre +Grenze oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, fuer +Erfahrungssaetze einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen +Beweis anzuerkennen; spaeter ist das Bewusstseyn hierueber gebildeter +geworden; eh dieses aber ueber den Unterschied sich nicht klar wird, +was mathematisch beweisbar ist und was nur anderwaerts genommen werden +kann, wie darueber was nur Glieder analytischer Entwickelung und was +physikalische Existenzen sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich +nicht zu strenger und reiner Haltung herausbilden.--Jenem Gerueste +newtonischen Beweisens aber wird ohne Zweifel noch dasselbe Recht +widerfahren, das einem anderen grundlosen newtonischen Kunstgebaeude +aus optischen Experimenten und damit verbundenem Schliessen angethan +worden ist. Die angewandte Mathematik ist noch voll von einem +gleichen Gebraeue aus Erfahrung und Reflexion, aber wie vonjener Optik +seit geraumer Zeit bereits ein Theil nach dem andern anfing in der +Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden mit der Inkonsequenz jedoch, +das Uebrige obgleich damit Widersprechende noch gewaehren zu lassen, +--so ist es auch Faktum, dass bereits ein Theil jener truegerischen +Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder durch andere +ersetzt worden ist. + +Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung +abgeleitet. + +In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des +Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird, +Theils die Grundlage seiner Einfuehrung in denselben betrachtet worden; +Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen; +die sogenannte Anwendung aber bietet groessere Schwierigkeiten sowohl +als auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten +Seite sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.--Die ganze Methode +der Differentialrechnung ist in dem Satze, dass dx[hoch n] = nx[hoch n +1]dx, oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten +Gliedes des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x ++ d, x + i, absolvirt. Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die +Ableitung der naechsten Formen, des Differentials eines Produkts, +einer Exponentialgroesse und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in +wenig Zeit, vielleicht in einer halben Stunde--mit dem Finden der +Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der urspruenglichen +Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,--kann man +die ganze Theorie inne haben. Was allein laenger aufhaelt, ist die +Bemuehung es einzusehn, begreifflich zu machen, dass nachdem der eine +Umstand der Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische +d. i. ganz arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion +der veraenderlichen Groesse, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form +eines Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch +mit dem andern Umstand, naemlich mit dem Weglassen der uebrigen Glieder +der entstehenden Reihe ausser den ersten, seine Richtigkeit habe. +Waere es der Fall, dass man jenen Koefficienten allein noethig haette, so +waere mit der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft, +--wie gesagt in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das +Weglassen der weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine +Schwierigkeit, dass vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als +zweiten, dritten u.s.f. Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der +Bestimmung des ersten gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede waere, +da es um sie ganz und gar nicht zu thun ist. + +Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, dass man es der Methode +des Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, dass sie nicht fuer sich +selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht +fuer sich begruendet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens, +sondern die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer +Funktion ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung +vollstaendig zur Sache zu gehoeren angenommen ist,--weil die Sache als +der Unterschied + +der entwickelten Funktion einer veraenderlichen Groesse, nachdem dieser +die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der urspruenglichen, +angesehen wird,--geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus +allen mathematischen Grundsaetzen. Das Beduerfniss solcher +Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung, +weist sogleich darauf hin, dass anderswo der Ursprung und die +Grundlage sich befinden muesse. Es geschieht auch sonst in den +Wissenschaften, dass das, was als das Elementarische vornehin gestellt +ist und woraus die Saetze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen, +nicht einleuchtend ist, und dass es sich ausweist, vielmehr in dem +Nachfolgenden seine Veranlassung und seine Begruendung zu haben. Der +Hergang in der Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, dass er +in den verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die +Sache gleichsam als in Kunststuecken, den Anfang genommen hat; die Art +des Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt +worden, ist spater zum Bewusstseyn und in abstrakte Formeln gebracht +worden, welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde. + +Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist +die qualitative Quantitaets-Bestimmtheit solcher, die zunaechst als +Quanta im Verhaeltniss zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden, +woran sich die empirische Untersuchung knuepfte, jene +Begriffs-Bestimmtheit in den Beschreibungen oder Definitionen +nachzuweisen, die sich von dem Unendlich-Kleinen, insofern es als +unendliche Differenz und dergleichen genommen ist, vorfinden.--Diess +ist nur im Interesse der abstrakten Begriffsbestimmtheit als solcher +geschehen; die weitere Frage waere, wie von ihr der Uebergang zur +mathematischen Gestaltung und Anwendung beschaffen waere. Zu dem Ende +ist zuerst das Theoretische, die Begriffsbestimmtheit, noch weiter +vorzunehmen, welche sich an ihr selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen +wird; alsdenn ist das Verhaeltniss derselben zur Anwendung zu +betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so weit es hier angeht, dass +die allgeineinen Folgerungen zugleich demjenigen, um was es in der +Differentialrechnung zu thun ist, und der Art, wie sie es +bewerkstelligt, angemessen sind. + +Zunaechst ist daran zu erinnern, dass die Form, welche die in Rede +stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits +beilaeufig angegeben ist. Die qualitative Bestimmtheit des +Quantitativen ist zuerst im quantitativen Verhaeltniss ueberhaupt +aufgewiesen, es ist aber auch schon bei der Nachweisung der +unterschiedenen sogenannten Rechnungsarten (s. d. betreff. Anm.) +anticipirt worden, dass das nachher an seiner eigenthuemlichen Stelle +noch zu betrachtende Potenzenverhaeltniss es ist, worin die Zahl durch +Gleichsetzung ihrer Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als +zu sich selbst zurueckgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der +Unendlichkeit, des Fuersichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich +selbst, an ihr erhaelt. Die ausdrueckliche qualitative +Groessenbestimmtheit bezieht sich somit, wie gleichfalls schon erinnert, +wesentlich auf Potenzenbestimmungen, und da die Differentialrechnung +das Specifische hat, mit qualitativen Groessenformen zu operiren, so +muss ihr eigenthuemlicher mathematischer Gegenstand die Behandlung von +Potenzenformen seyn, und die saemmtlichen Aufgaben und deren +Aufloesungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung gebraucht wird, +zeigen es, dass das Interesse allein in der Behandlung von +Potenzenbestimmungen als solchen liegt. + +So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas +Bestimmtes stellt, statt der bloss formellen Kategorien von +veraenderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Groessen und +dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch +zu allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun; +schon das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die +Behandlung der Exponentialgroessen und Logarithmen, Reihen, die +Gleichungen hoeherer Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemuehung +allein mit Verhaeltnissen, die auf Potenzen beruhen. Ohne Zweifel +muessen sie zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber +welches unter den verschiedenen Verhaeltnissen, worein +Potenzenbestimmungen gesetzt werden koennen, dasjenige sey, das der +eigentliche Gegenstand und das Interesse fuer die Differentialrechnung +ist, diess ist aus dieser selbst, d. i. aus den sogenannten +Anwendungen derselben zu entnehmen. Diese sind in der That die Sache +selbst, das wirkliche Verfahren in der mathematischen Aufloesung eines +gewissen Kreises von Problemen; diess Verfahren ist frueher gewesen, +als die Theorie oder der allgemeine Theil, und Anwendung ist dasselbe +spaeter genannt worden nur in Beziehung auf die nachher erschaffene +Theorie, welche die allgemeine Methode des Verfahrens Theils +aufstellen, Theils ihr aber Principien, d. i. Rechtfertigung geben +wollte. Welche vergebliche Bemuehung es gewesen ist, fuer die +bisherige Auffassungsweise des Verfahrens Principien aufzufinden, +welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein kommt, wirklich +loesten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach dem +mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden, oder +durch die auf dasselbe hinauslaufende Moeglichkeit der unendlichen +oder beliebigen Annaeherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu +verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden. Wenn aus dem +wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung +genannt wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt wuerde, +als bisher geschehen ist, so wuerden sich jene Principien und die +Bemuehung mit denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen +selbst sich als etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes +ausweisen. + +Wenn wir diesem Eigenthuemlichen durch einfaches Aufnehmen des in +diesem Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir +als Gegenstand a) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von +Groessen (wir koennen hier ueberhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem +Ganzen der Bestimmtheit so verbunden sind, dass diese erstens ihre +Bestimmtheit in empirischen Groessen, als festen Grenzen und dann in +der Art der Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung +untereinander, haben; wie diess ueberhaupt in einer Gleichung der Fall +ist; indem aber nur Eine Gleichung fuer beide Groessen (und ebenso +relativ wohl mehrere Gleichungen fuer mehrere Groessen, aber immer +weniger, als die Anzahl der Groessen ist--) vorhanden ist, gehoeren +diese Gleichungen zu den unbestimmten; und dass zweitens eine Seite, +wie diese Groessen hier ihre Bestimmtheit haben, darin liegt, dass sie +(wenigstens eine derselben) in einer hoehern, als die erste Potenz, in +der Gleichung vorhanden sind. + +Hierueber sind zunaechst einige Bemerkungen zu machen, fuer's Erste, dass +die Groessen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den +Charakter solcher veraenderlichen Groessen haben, wie sie in den +Aufgaben der unbestimmten Analysis vorkommen. Ihr Werth ist +unbestimmt, aber so dass wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter +Werth, d. i. ein Zahlenwerth fuer die eine kommt, auch die andere +bestimmt, so die eine, eine Funktion der andern, ist. Die Kategorien +von veraenderlichen Groessen, Funktionen und dergleichen sind darum fuer +die specifische Groessebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur +formell, wie vorhin gesagt worden ist, weil sie von einer +Allgemeinheit sind, in welcher dasjenige Specifische, worauf das +ganze Interesse des Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten +ist, noch daraus durch Analyse explicirt werden kann; sie sind fuer +sich einfache, unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst +schwierig gemacht werden, insofern das in sie gelegt werden soll, +damit es dann aus ihnen abgeleitet werden koenne, was nicht in ihnen +liegt, naemlich die specifische Bestimmung der Differentialrechnung. +--Was alsdenn die sogenannte Konstante betrifft, so kann ueber sie +bemerkt werden, dass sie zunaechst als eine gleichgueltige empirische +Groesse ist, bestimmend fuer die veraenderlichen Groessen bloss in Ansehung +ihres empirischen Quantums, als Grenze ihres Minimums und Maximums; +die Art der Verbindung aber der Konstanten mit den veraenderlichen +Groessen ist selbst eines der Momente fuer die Natur der besonderen +Funktion, welche diese Groessen sind. Umgekehrt sind aber auch die +Konstanten selbst Funktionen; insofern z.B. eine gerade Linie den +Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn, so ist dieser ihr Sinn +diess, dass sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie in der Entwickelung +des Binomiums ueberhaupt, die Konstante, welche der Koefficient des +ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln, der des +zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei u.s.f. +also diese Konstanten hier ueberhaupt Funktionen der Wurzeln sind; wo +in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel +bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser +behandelt. Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer +anderen Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im +Konkreten es ist, worauf das ganze Interesse geht. + +Das Eigenthuemliche nun aber, wodurch die Betrachtung der +veraenderlichen Groessen sich in der Differentialrechnung von ihrer +Beschaffenheit in den unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das +Angegebene zu setzen, dass wenigstens eine jener Groessen oder auch alle +sich in einer hoehern Potenz als die erste befinde, wobei wieder +gleichgueltig ist, ob saemmtliche von derselben hoehern oder von +ungleichen Potenzen sind; ihre specifische Unbestimmtheit, die sie +hier haben, liegt allein darin, dass sie in solchem +Potenzenverhaeltnisse Funktionen von einander sind. Dadurch ist die +Veraenderung der veraenderlichen Groessen qualitativ determinirt, damit +kontinuirlich, und diese Kontinuitaet, die fuer sich wieder nur die +formelle Kategorie ueberhaupt einer Identitaet, einer sich in der +Veraenderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat hier +ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem Potenzenverhaeltnisse, +als welches kein Quantum zu seinem Exponenten hat, und die nicht +quantitative, bleibende Bestimmtheit des Verhaeltnisses der +veraenderlichen Groessen ausmacht. Daher ist gegen einen andern +Formalismus die Bemerkung zu machen, dass die erste Potenz nur Potenz +im Verhaeltniss zu hoehern ist; fuer sich ist x nur irgend ein +unbestimmtes Quantum. So hat es keinen Sinn, fuer sich die +Gleichungen y = ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der +schlechtgleichfoermigen Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y = +ax, oder auch aus y = ax + b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct +wird, so ist ebenso sehr a = y/x, die Bestimmung der Tangente oder +s/t = c. die der schlechten Geschwindigkeit. Letztere wird als dy/dx +exponirt im Zusammenhange dessen, was fuer die Entwickelung der +gleichfoermig beschleunigten Bewegung ausgegeben wird; aber dass ein +Moment von einfacher, schlechtgleichfoermiger, d. i. nicht durch die +hoehere Potenz eines der Momente der Bewegung bestimmter +Geschwindigkeit, im Systeme solcher Bewegung vorkomme, ist, wie +frueher bemerkt, selbst eine leere, allein in der Routine der Methode +gegruendete Annahme. Indem die Methode von der Vorstellung des +Zuwachses, den die veraenderliche Groesse erleiden solle, ausgeht, so +kann Freilich auch eine solche, die nur eine Funktion von erster +Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun hierauf, um das +Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch entstandenen +zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll, so zeigt +sich das Leere der Operation, dass, wie bemerkt, die Gleichung vor und +nach derselben, fuer die sogenannten Zuwaechse dieselbe ist als fuer die +veraenderlichen Groessen selbst. + +ss) Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung +bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die +Behandlung derselben gerichtet findet. Diese Betrachtung kann nur +bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen +Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die +Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten +heterogenen Bestimmungen zu entfernen.--Als die Grundlage der +Behandlung der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, dass die +Potenz innerhalb ihrer selbst als ein Verhaeltniss, als ein System von +Verhaeltnissbestimmungen, gefasst wird. Die Potenz ist oben als die +Zahl angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, dass ihre +Veraenderung durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und +Anzahl identisch ist, wie frueher nachgewiesen, vollkommen zunaechst im +Quadrat, formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den hoehern +Potenzen. Die Potenz nun, da sie als Zahl--wenn man den Ausdruck +Groesse als den allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die +Zahl,--eine Menge ist, auch als Summe dargestellt, kann zunaechst +innerhalb ihrer in eine beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden, +die ohne alle weitere Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe +sind, als nur dass sie zusammen dieser gleich sind. Aber die Potenz +kann auch in eine Summe von solchen Unterschieden discernirt werden, +die durch die Form der Potenz bestimmt sind. Wird die Potenz als +Summe genommen, so ist auch die Grundzahl derselben, die Wurzel als +Summe gefasst, und beliebig nach mannigfaltiger Zerlegung, welche +Mannigfaltigkeit aber das gleichgueltige empirisch-Quantitative ist. +Die Summe als welche die Wurzel seyn soll, auf ihre einfache +Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte Allgemeinheit zurueckgefuehrt, ist +das Binomium; alle weitere Vermehrung der Glieder ist eine blosse +Wiederholung derselben Bestimmung und daher etwas Leeres.Es gehoert +nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf welche die Analysis +nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a + b)[hoch n] fuer die +Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c + d...)[hoch n] gesagt wird, +wie diess auch in vielen andern Faellen gethan wird; es ist solche +Form, so zu sagen, nur fuer eine Koketterie des Scheins der +Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache erschoepft; es +wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und das Gesetz +ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die aeusserliche nur leere +Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes a + +b + c + d... hervorgebracht wird. Worauf es ankommt, ist allein die, +hiermit qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die +Potenzirung der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche +Bestimmtheit allein in der Veraenderung, die das Potenziren ist, liegt. +Diese Glieder sind somit ganz Funktionen der Potenzirung und der +Potenz. Jene Darstellung nun der Zahl, als Summe einer Menge von +solchen Gliedern, welche Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das +Interesse, die Form solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus +der Menge solcher Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein +von jener Form abhaengen muss,--diess macht bekanntlich die besondere +Lehre von den Reihen aus. Aber hierbei haben wir wesentlich das +fernere Interesse zu unterscheiden, naemlich das Verhaeltniss der zu +Grunde liegenden Groesse selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein +Komplex d. i. hier eine Gleichung, ist, eine Potenz in sich schliesst, +--zu den Funktionen ihrer Potenzirung. Diess Verhaeltniss, ganz +abstrahirt von dem vorhin genannten Interesse der Summe wird sich als +der Gesichtspunkt zeigen, der sich als der einzige, den die +Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der wirklichen Wissenschaft +ergiebt. + +Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten +hinzuzufuegen, oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen. Es +wurde naemlich gesagt, dass die veraenderliche Groesse, in deren +Bestimmung die Potenz eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer +selbst als Summe und zwar als ein System von Gliedern, insofern diese +Funktionen der Potenzirung sind, womit auch die Wurzel als eine Summe, +und in der einfach bestimmten Form als Binomium betrachtet werde; +x[hoch n] = (y + z)[hoch n] = (y + ny[hoch n-1] z +....) Diese +Darstellung ging fuer die Entwickelung der Potenz, d. i. fuer das +Erlangen ihrer Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus; +es ist jedoch hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus +entspringende Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die +Beziehung aufzunehmen. Die Beziehung als solche der Groessen ist das +was einer Seits uebrig bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als +solcher abstrahirt wird, und was anderer Seits fuer das Finden der +EntwicklungsFunktionen der Potenz erforderlich ist. Solche Beziehung +aber ist schon darin bestimmt, dass hier der Gegenstand eine Gleichung, +y[hoch m] = ax[hoch n] auch schon ein Komplex von mehrern +(veraenderlichen) Groessen ist, der eine Potenzenbestimmung derselben +enthaelt. In diesem Komplex ist jede dieser Groessen schlechthin als in +der Beziehung auf die andere mit der Bedeutung, koennte man sagen, +eines plus an ihr selbst,--als Funktion der andern Groessen gesetzt; +ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn, giebt ihnen diese +Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz unbestimmten, nicht +eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen. Doch diesen abstrakten +Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen; es kann ganz +einfach dabei stehen geblieben werden, dass nachdem die veraenderlichen +Groessen in der Gleichung als Funktionen von einander, so dass diese +Bestimmtheit ein Verhaeltniss von Potenzen enthaelt, gegeben sind, nun +auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander +verglichen werden,--welche zweiten Funktionen durch gar nichts +Anderes weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind. Es +kann zunaechst fuer ein Belieben oder eine Moeglichkeit ausgegeben +werden, eine Gleichung von den Potenzen ihrer veraenderlichen Groessen +auf ein Verhaeltniss ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein +weiterer Zweck, Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher +Umgestaltung davon anzugeben; durch ihre Nuetzlichkeit allein ist jene +Umstellung veranlasst worden. Wenn vorhin von der Darstellung dieser +Potenzirungsbestimungen an einer Groesse, die als Summe in sich +different genommen werde, ausgegangen worden, so diente diess nur +Theils zur Angabe von welcher Art solche Funktionen seyen, Theils +liegt darin die Weise sie zu finden. + +Wir befinden uns hiermit bei der gewoehnlichen analytischen +Entwickelung, die fuer den Zweck der Differentialrechnung so gefasst +wird, dass der veraenderlichen Groesse ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun +die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehoert, +explicirt wird. Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum, +nur eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung +behuelflich zu seyn; was man eingestandenermassen, am bestimmtesten von +Euler und Lagrange, und in der frueher erwaehnten Vorstellung der +Grenze, will, sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der +veraenderlichen Groessen, die sogenannten Koefficienten zwar des +Zuwachses und der Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich +ordnet und zu denen die unterschiedenen Koefficienten gehoeren. Es +kann hierzu etwa bemerkt werden, dass indem nur um der Entwickelung +willen ein Zuwachs angenommen ist, der ohne Quantum sey, es am +geschicktesten gewesen waere, (das Eins) dafuer zu nehmen, indem +derselbe in der Entwickelung immer nur als Faktor vorkommt, womit +eben der Faktor Eins den Zweck erfuellt, dass keine quantitative +Bestimmtheit und Veraenderung durch den Zuwachs gesetzt werden solle; +dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer quantitativen +Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier unnuetzen Scheine +von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und die Praetension +von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche Praetension dann +die Muehe herbeibringt, sie dessenungeachtet wegzubringen und +wegzulassen. Um die Form einer nach Potenzen entwickelten Reihe zu +behalten, koennten die Exponentenbezeichnungen als indices ebenso gut +dem Eins angefuegt werden. Aber es muss ohnehin von der Reihe und von +der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die sie in der +Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhaeltniss zwischen allen ist +dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der ersten, als +diese aus der urspruenglichen abgeleitet, und fuer die als die zweite +gezaehlte ist die erste abgeleitete wieder urspruengliche Funktion. +Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe, sondern ganz +allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende Potenzenbestimmung +in ihrem Verhaeltniss zu der fuer sie unmittelbaren Groesse. Anstatt also +jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der Entwickelung zu +bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf die andern in +der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz als eines +Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehoeren, waere der +blosse Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin gesagt +wurde, eine Funktion des Potenzirens der Groesse vorzuziehen, wobei als +bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung als +innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird. + +Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der +Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die +Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage, +was mit dem damit erhaltenen Verhaeltnisse anzufangen ist, wo es eine +Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, fuer welchen Zweck +solche Funktionen gesucht werden. Durch das Finden von Verhaeltnissen, +an konkreten Gegenstaenden, welche sich auf jene abstrakte +analytische zurueckfuehren lassen, hat die Differentialrechnung ihr +grosses Interesse erhalten. + +Ueber die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunaechst aus der Natur der +Sache, ohne noch aus den Faellen der Anwendung selbst zu schliessen, +vermoege der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst +Folgendes. Die Entwickelung der Potenzengroessen, wodurch sich die +Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthaelt, von naeherer Bestimmung +abstrahirt, zunaechst ueberhaupt die Herabsetzung der Groesse auf die +naechst niedrigere Potenz. Die Anwendbarkeit dieser Operation findet +also bei solchen Gegenstaenden statt, bei welchen gleichfalls ein +solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist. Wenn wir +nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, dass sie die +drei Dimensionen enthaelt, die wir, um sie von den abstrakten +Unterschieden der Hoehe, Laenge und Breite zu unterscheiden, als die +konkreten bezeichnen koennen, naemlich die Linie, die Flaeche und den +totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in +Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen +genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Flaeche und +dieselbe als Quadrat, und den Kubus. Die gerade Linie hat ein +empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die +Potenzenbestimmung ein; naehere Modificationen, z.B. dass diess gleich +auch mit den ebenen Kurven geschieht, koennen wir, insofern es +zunaechst um den Unterschied bloss im Allgemeinen zu thun ist, +uneroertert lassen. Hiermit entsteht auch das Beduerfniss, von einer +hoeheren Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt +ueberzugehen, indem z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen +Gleichungen der Flaeche u.s.f. oder umgekehrt abgeleitet werden sollen. +--Die Bewegung ferner, als an der das Groessenverhaeltniss des +durchloffenen Raumes und der dazu gehoerigen verflossenen Zeit zu +betrachten ist, zeigt sich in den verschiedenen Bestimmungen einer +schlechtgleichfoermigen, einer gleichfoermig beschleunigten, einer +abwechselnd gleichfoermig beschleunigten und gleichfoermig retardirten, +--in sich zurueckkehrenden Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten +der Bewegung nach dem Groessenverhaeltnisse ihrer Momente, des Raums und +der Zeit, ausgedrueckt werden, ergeben sich fuer sie Gleichungen aus +unterschiedenen Potenzenbestimmungen, und insofern es Beduerfniss seyn +kann, eine Art der Bewegung oder auch der Raumgroessen, an welche eine +Art gebunden ist, aus einer anderen Art derselben zu bestimmen, fuehrt +die Operation gleichfalls das Uebergehen von einer Potenzenfunktion zu +einer hoehern oder medrigern herbei.--Die Beispiele dieser zwei +Gegenstaende moegen fuer den Zweck, zu dem sie angefuehrt sind, genuegen. + +Der Anschein von Zufaelligkeit, welchen die Differentialrechnung in +ihren Anwendungen praesentirt, wuerde schon vereinfacht werden, durch +das Bewusstseyn ueber die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung +statt finden kann, und ueber das eigenthuemliche Beduerfniss und die +Bedingung dieser Anwendung. Nun aber kommt es weiter innerhalb +dieser Gebiete selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen +der Gegenstaende der mathematischen Aufgabe ein solches Verhaeltniss +statt finde, als durch den Differentialkalkul eigenthuemlich gesetzt +wird. Es muss gleich vorlaeufig bemerkt werden, dass hierbei zweierlei +Verhaeltnisse zu beachten sind. Die Operation des Depotenzirens einer +Gleichung, sie nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veraenderlichen +Groessen betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft +nicht mehr eine Gleichung, sondern ein Verhaeltniss ist; dieses +Verhaeltniss ist der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung. +Eben damit auch ist zweitens das Verhaeltniss vorhanden von der hoehern +Potenzenbestimmung (der urspruenglichen Gleichung) selbst zu der +niedrigern (dem Abgeleiteten). Diess zweite Verhaeltniss haben wir hier +zunaechst bei Seite zu lassen; es wird sich als der eigenthueniliche +Gegenstand der Integralrechnung zeigen. + +Betrachten wir zunaechst das erste Verhaeltniss, und nehmen zu der aus +der sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments, +worin das Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an +den Kurven vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt +sind. Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhaeltniss +der Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung. Folgen von der +Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten +zusammenhaengenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente, +Normale u.s.f. Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den +Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile +diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden +Linien. Der Uebergang von der Grundgleichung, welche die +Potenzenbestimmung enthaelt, zu jenen linearen Gleichungen enthaelt nun +den angegebenen Uebergang von der urspruenglichen Funktion, d. i. +welche eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhaeltniss +ist, und zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien. Der +Zusammenhang zwischen dem Verhaeltnisse dieser Linien und der +Gleichung der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt. + +Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierueber so viel zu +bemerken, dass die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz +empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der +voellig aeusserlich gebliebenen Operation geben zu koennen. Ich begnuege +mich hierueber mit der Anfuehrung Barrow's, des Lehrers Newtons. In +seinen lect. Opt. et Geom., worin er Probleme der hoehern Geometrie +nach der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunaechst von +dem Eigenthuemlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er +auch, "weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect. X.) sein +Verfahren, die Tangente zu bestimmen, an. Man muss bei ihm selbst +nachlesen, wie diese Angabe beschaffen ist, um sich eine gehoerige +Vorstellung zu machen, wie das Verfahren ganz als aeusserliche Regel +angegeben ist,--in demselben Style, wie vormals in den arithmetischen +Schulbuechern die Regel de tri oder noch besser die sogenannte +Neunerprobe der Rechnungsarten vorgetragen worden ist. Er macht die +Verzeichnung der Linienchen, die man nachher die Inkremente im +charakteristischen Dreieck einer Kurve genannt hat, und giebt nun die +Vorschrift als eine blosse Regel, die Glieder als ueberfluessig +wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der Gleichungen, als +Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein kommen, ( +etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die Glieder, die +nur aus der urspruenglichen Gleichung bestimmte Groessen enthalten, +wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der urspruenglichen Gleichung von +der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt fuer das Inkrement der +Ordinate die Ordinate selbst und fuer das Inkrement der Abscisse die +Subtangente zu substituiren. Man kann, wenn es so zu reden erlaubt +ist, das Verfahren nicht schulmeistermaessiger angeben;--die letztere +Substitution ist die fuer die Tangentenbestimmung in der gewoehnlichen +Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der +Proportionalitaet der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der +Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in +ihrer ganz naiven Nacktheit. Eine einfache Weise, die Subtangente zu +bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen +auf Aehnliches hinaus,--die Methode, die groessten und kleinsten Werthe +zu finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben +Grundlagen und demselben Verfahren. Es war eine mathematische Sucht +jener Zeiten, sogenannte Methoden, d. i. Regeln jener Art zu finden, +dabei aus ihnen auch ein Geheimniss zu machen, was nicht nur leicht, +sondern selbst in einer Ruecksicht noethig war, aus demselben Grunde, +als es leicht war,--naemlich weil die Erfinder nur eine empirische +aeusserliche Regel, keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten +Principien Abgeleitetes, gefunden hatten. Solche sogenannte Methoden +hat Leibnitz von seiner Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und +unmittelbarer von seinem Lehrer aufgenommen; sie haben durch die +Verallgemeinerung ihrer Form und Anwendbarkeit den Wissenschaften +neue Bahnen gebrochen, aber damit zugleich das Beduerfniss gehabt, das +Verfahren aus der Gestalt bloss aeusserlicher Regeln zu reissen, und +demselben die erforderliche Berechtigung zu verschaffen gesucht. + +Analysiren wir die Methode naeher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser. +Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der +veraenderlichen Groessen), welche die Gleichung enthaelt, auf ihre ersten +Funktionen herabgesetzt. Damit aber wird der Werth der Glieder der +Gleichung veraendert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es +ist nur ein Verhaeltniss entstanden zwischen der ersten Funktion der +einen veraenderlichen Groesse zu der ersten Funktion der andern; statt +px = y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax--x[hoch 2] = y[hoch 2] +hat man a--x : y, was nachher als das Verhaeltniss dy/dx bezeichnet zu +werden pflegte. Die Gleichung ist Gleichung der Curve, diess +Verhaeltniss, das ganz von derselben abhaengig, aus derselben (oben nach +einer blossen Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit +welchem gewisse Linien in Proportion sind; p : 2y oder a--x : y sind +selbst Verhaeltnisse aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und +den Parameters; aber damit weiss man noch nichts. Das Interesse ist, +von andern an der Kurve vorkommenden Linien zu wissen, dass ihnen +jenes Verhaeltniss zukommt, die Gleichheit zweier Verhaeltnisse zu +finden.--Es ist also zweitens die Frage, welches die geraden, durch +die Natur der Kurve bestimmten Linien sind, welche in solchem +Verhaeltnisse stehen?--diess aber ist es, was schon frueher bekannt war, +dass naemlich solches auf jenem Wege erhaltenes Verhaeltniss das +Verhaeltniss der Ordinate zur Subtangente ist. diess hatten die Alten +auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern Erfinder +entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung der Kurve +so zuzurichten, dass jenes erste Verhaeltniss geliefert wird, von dem +bereits bekannt war, dass es einem Verhaeltnisse gleich ist, welches +die Linie enthaelt, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es zu +thun ist. Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch +gefasst und gemacht worden,--die Differentation,--Theils aber sind die +imaginaeren Inkremente der Koordinaten und das imaginaere hieraus und +einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete, +charakteristische Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalitaet +des durch die Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhaeltnisses +mit dem Verhaeltnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas +empirisch nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als +ein Erwiesenes dargestellt werde. Die alte Bekanntschaft jedoch +erweist sich ueberhaupt und am unverkennbarsten in der angefuehrten +Form von Regeln als die einzige Veranlassung und respektive +Berechtigung der Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener +Proportionalitaet. + +Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den +aechtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die +Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht, +die beiden Uebergaenge, die fuer die Aufloesung der Aufgabe zu machen +sind, zu trennen und jede dieser Seiten fuer sich zu behandeln und zu +erweisen. Der eine Theil dieser Aufloesung,--indem wir fuer die naehere +Angabe des Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die +Subtangente zu finden, bleiben,--der theoretische oder allgemeine +Theil, naemlich das Finden der ersten Funktion aus der gegebenen +Kurvengleichung, wird fuer sich regulirt; derselbe giebt ein lineares +Verhaeltniss, also von geraden Linien, die in dem Systeme der +Kurvenbestimmung vorkommen. Der andere Theil der Aufloesung ist nun +die Findung derjenigen Linien an der Kurve, welche in jenem +Verhaeltnisse stehen. Diess wird nun auf die direkte Weise (Theorie +des Fonct. Anal. II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i. ohne das +charakteristische Dreieck, naemlich ohne unendlichkleine Bogen, +Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy +und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhaeltnisses und zugleich +unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate +und Subtangente selbst zu geben. Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat +allein ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks +ausmacht, wie auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen +liegt. Diess ist, um es ini Vorbeigehen zu erwaehnen, der +Fundamentalsatz der analytischen Geometrie, welcher die Coordinaten, +wie, was dasselbe ist, in der Mechanik das Parallelogramm der Kraefte +herbeifuehrt, das eben darum der vielen Bemuehung um einen Beweis ganz +unbeduerftig ist.--Die Subtangente wird nun als die Seite eines +Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten die Ordinate und die darauf +sich beziehende Tangente ist. Letztere hat als gerade Linie zu einer +Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufuegen ist fuer die Bestimmung unnuetz und +wird nur um der beliebten Allgemeinheit hinzugesetzt);--die +Determination des Verhaeltnisses p/q faellt in a, den Koefficienten von +q, der die respective erste Funktion der Gleichung ist, ueberhaupt +aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als, wie gesagt, +die wesentliche Determination der geraden Linie, die als Tangente an +die Kurve applicirt ist. Indem nun ferner die erste Funktion der +Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die Determination einer +geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p der ersten geraden +Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben genommen werden, +dass also der Punkt, in welchem jene als Tangente angenommene erste +gerade die Kurve beruehrt, gleichfalls der Anfangspunkt der durch die +erste Funktion der Kurve bestimmten geraden Linie ist, so kommt es +darauf an, zu zeigen, dass diese zweite gerade Linie mit der ersten +zusammenfaellt, d. h. Tangente ist; algebraisch ausgedrueckt, dass +indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx = Fq angenommen +wird, auch f'x = F'q. Dass nun die als Tangente applicirte gerade, +und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion determinirte +gerade Linie zusammenfallen, dass die letztere also Tangente ist; diess +wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse und des durch die +Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der Ordinate gezeigt. +Hier kommt denn also gleichfalls das beruechtigte Increment herein; +aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe eingefuehrt wird, und +die Entwickelung der Funktion nach demselben, muss von dem frueher +erwaehnten Gebrauch des Inkrements fuer das Finden der +Differentialgleichung und fuer das charakteristische Dreieck, wohl +unterschieden werden. Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und +nothwendig; er faellt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur +geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehoert, dass +zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich +hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele, +durchgehen koenne. Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualitaet der +Tangente oder Nicht-Tangente auf den Groessenunterschied zurueckgefuehrt, +und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die groessere +Kleinheit--schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es +ankommt, falle. Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthaelt +durchaus nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem +Abhaengiges, sie ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt, +wenn der Unterschied des Moments, von dem die zu vergleichende Groesse +abhaengt, ein Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch +2] hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann +als ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und fuer sich +kleiner als i, so dass selbst die Vorstellung von einer beliebigen +Groesse, in der man i nehmen koenne, hier ueberfluessig und sogar nicht an +ihrem Orte ist. Ebendamit hat der Erweis der groessern Kleinheit +nichts mit einem Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier +keineswegs hereinzukommen hat. + +Waere es auch nur um der Schoenheit und des heutigstags mehr vergessen, +aber wohlverdienten Ruhmes willen, dass ich noch Descartes +Tangentenmethode anfuehren will; sie hat uebrigens auch eine Beziehung +auf die Natur der Gleichungen, ueber welche dann noch eine fernere +Bemerkung zu machen ist. Descartes traegt diese selbststaendige +Methode, worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus +derselben abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch +so fruchtbar gewordenen Geometrie (liv. II. p. 357 ss. Oeuvres +compl. ed. Cousin Tom. V.) vor, indem er in derselben die grosse +Grundlage von der Natur der Gleichungen und deren geometrischer +Konstruktion und der damit sosehr erweiterten Analysis auf die +Geometrie ueberhaupt, gelehrt hat. Das Problem hat bei ihm die Form +der Aufgabe, gerade Linien senkrecht auf beliebige Orte einer Kurve +zu ziehen, als wodurch Subtangente u.s.f. bestimmt wird; man begreift +die Befriedigung, die er daselbst ueber seine Entdeckung, die einen +Gegenstand von allgemeinem wissenschaftlichen Interesse der damaligen +Zeit betraf, und die sosehr geometrisch ist und dadurch so hoch ueber +den oben erwaehnten blossen Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand, +ausdrueckt: j'ose dire que c'est ceci le probleme le plus utile et le +plus general, non seulement que je sache, mais meme que j'aie jamais +desire de savoir en geometrie.--Er legt fuer die Aufloesung die +analytische Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks zu Grund, das +durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf welcher die im Probleme +verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll, dann durch diese selbst, +die Normale, und drittens durch den Theil der Achse, der durch die +Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die Subnormale, +gebildet wird. Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird nun in +jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder der +Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades +(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen hoehere Grade +enthalten, sich hierauf zurueckfuehren), in welcher nur noch die eine +der veraenderlichen Groessen und zwar im Quadrat und in der ersten +Potenz vorkommt;--eine quadratische Gleichung, welche zunaechst als +eine sogenannte unreine erscheint. Nun macht Descartes die Reflexion, +dass wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt +derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve +noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich fuer die +zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit +denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;--oder aber nur +Eine Gleichung mit ungleichen Werthen von x. Die Gleichung wird aber +nur Eine, fuer das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die +Kurve senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, dass man die +beiden Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen, +diesen also die Kurve beruehren lasse. Damit aber faellt auch der +Umstand der ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen +Gleichung hinweg. Bei einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen +Wurzeln nun aber ist der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte +in der ersten Potenz enthaelt, das Doppelte der nur Einen Wurzel; diess +nun giebt eine Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen +gefunden sind. Dieser Gang ist fuer den genialen Griff eines aecht +analytischen Kopfes anzusehen, wogegen die ganz assertorisch +angenommene Proportionalitaet der Subtangente und der Ordinate mit den +unendlich klein seyn sollenden sogenannten Inkrementen der Abscisse +und der Ordinate ganz zuruecksteht. + +Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den +Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung +gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe, +welche durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird. +x[hoch 2]--ax--b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x--a = 0; +oder x[hoch 3]--px--q = 0 giebt 3x[hoch 2]--p = 0. Es bietet sich +hierbei aber die Bemerkung an, dass es sich keineswegs von selbst +versteht, dass solche abgeleitete Gleichung auch + +richtig ist. Bei einer Gleichung mit zwei veraenderlichen Groessen, die +darum, dass sie veraenderliche sind, den Charakter unbekannte Groessen zu +seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein +Verhaeltniss heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch +das Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der +Potenzen selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung veraendert +wird, und es fuer sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen +ihnen bei so veraenderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde. +Die Gleichung dy/dx = P drueckt gar nichts weiter aus, als dass P ein +Verhaeltniss ist, und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn +zuzuschreiben. Von diesem Verhaeltniss = P ist es aber ebenso noch +unbekannt, welchem andere Verhaeltnisse es gleich sey; solche +Gleichung, die Proportionalitaet, giebt demselben erst einen Werth und +Bedeutung.--Wie angegeben wurde, dass man diese Bedeutung, was die +Anwendung hiess, anderswoher, empirisch aufnahm, so muss bei den hier +in Rede stehenden durch Differentation abgeleiteten Gleichungen +anderswoher gewusst werden, ob sie gleiche Wurzeln haben, um zu wissen, +ob die erhaltene Gleichung noch richtig sey. Dieser Umstand wird +aber in den Lehrbuechern nicht ausdruecklich bemerklich gemacht; er +wird wohl dadurch beseitigt, dass eine Gleichung mit einer unbekannten, +auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird, wodurch dann bei der +Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein Verhaeltniss herauskommt. +Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit Funktionen der +Potenzirung oder die Differentialrechnung mit Differentialien zu thun +haben, aber daraus folgt fuer sich noch keineswegs, dass die Groessen, +deren Differentialien oder Funktionen der Potenzirung genommen werden, +selbst auch nur Funktionen anderer Groessen seyn sollen. In dem +theoretischen Theile, der Anweisung, die Differentiale, d. i. die +Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird ohnehin noch nicht daran +gedacht, dass die Groessen, die nach solcher Ableitung zu behandeln +gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Groessen seyn sollen. + +Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem +Differentiiren bemerklich gemacht werden, dass dasselbe hier den Sinn +hat, dass die Konstante fuer die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer +Gleichheit gleichgueltig ist, als welche Bestimmung durch den +Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschoepft ist. Wie +im angefuehrten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der +Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den +Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie ueberhaupt, wie die +Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist. In der +gewoehnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur +durch + und--mit den uebrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch +den blossen Mechanismus des Verfahrens, dass um das Differential eines +zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veraenderlichen Groessen +ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem +urspruenglichen abgezogen wird. Der Sinn der Konstanten und ihres +Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser +Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache. + +Mit dem Weglassen der Konstanten, haengt eine aehnliche Bemerkung +zusammen, die ueber die Namen von Differentation und Integration, +gemacht werden kann, als frueher ueber den endlichen und unendlichen +Ausdruck gemacht wurde, dass naemlich in ihrer Bestimmung vielmehr das +Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt. Differentiiren +bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber +wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht, +durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit +hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veraenderlichen +Groesse auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben +aufgehoben. In der Integration hingegen soll die Konstante wieder +hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in +dem Sinne integrirt, dass die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln +wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird. +--Der gewoehnliche Ausdruck traegt dazu bei, die wesentliche Natur der +Sache in Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der +Hauptsache fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen +Differenz, des Increments und dergleichen, Theils der blossen +Differenz ueberhaupt zwischen der gegebenen und der abgeleiteten +Funktion, ohne deren specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied +zu bezeichnen, zu stellen. + +Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul +Gebrauch gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen +Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen +ihres Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen +bereits beilaeufig erwaehnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen. +Die Gleichung, naemlich der mathematische Ausdruck, der +schlechtgleichfoermigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die +durch offenen Raeume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen +Einheit c, der Groesse der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet +fuer die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits +vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere +Potenzenentwicklung Statt finden.--Wie s = at[hoch 2], die Gleichung +der Bewegung des Falles, analysirt wird, ist frueher schon erinnert; +--das erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und +resp. in die Existenz so uebersetzt, es solle ein Glied einer Summe (- +welche Vorstellung wir laengst entfernt haben), der eine Theil der +Bewegung seyn und zwar solle dieser der Kraft der Traegheit, d. i. +einer schlechtgleichfoermigen Geschwindigkeit so zukommen, dass in den +unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichfoermig, in den +endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber +ungleichfoermig sey. Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a +und von t fuer sich bekannt, so wie dass hiermit die Bestimmung von +gleichfoermiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a = +s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t ueberhaupt; damit aber weiss man im +geringsten nichts weiter; nur die faelschliche Annahme, dass 2at ein +Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den faelschlichen Schein +eines physikalischen Satzes. Der Faktor selbst, a, die empirische +Einheit--ein Quantum als solches--wird der Schwere zugeschrieben; +wenn die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist +vielmehr zu sagen, dass eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder +besser das Gesetz der Schwere ist.--Gleichmaessig ist der aus ds/dt = +2at abgeleitete Satz, dass wenn die Schwere aufhoerte zu wirken, der +Koerper mit der am Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den +doppelten Raum von dem, welchen er durchloffen hat, in einer der +Dauer seines Falles gleichen Zeit zuruecklegen wuerde.--Es liegt hierin +auch eine fuer sich schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das +Ende eines Zeittheils, in welchem der Koerper gefallen, ist immer +selbst noch ein Zeittheil; waere es kein Zeittheil, so waere Ruhe und +damit keine Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur +nach dem Raume angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an +seinem Ende, durchloffen worden ist.--Wenn nun aber vollends in +andern physikalischen Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist, +wie z.B. im Verhalten des Lichts (ausser dem, was seine +Fortpflanzung im Raume genannt wird) und Groessenbestimmungen an den +Farben, eine Anwendung der Differentialrechnung gemacht wird und die +erste Funktion von einer quadratischen Funktion hier auch +Geschwindigkeit genannt wird, so ist diess fuer einen noch +unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von Existenz anzusehen. +-Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch 2] vorgestellt wird, +finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom Falle der Koerper; die +einfachste Bewegung derselben wuerde die seyn, deren Gleichung s = +ct[hoch 3] waere, aber die Natur zeige keine Bewegung dieser Art; wir +wuessten nicht was der Koefficient c bedeuten koennte. Wenn dem wohl so +ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren Gleichung s[hoch 3] = +at[hoch 2] ist,--das kepplerische Gesetz der Bewegung der Koerper des +Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete Funktion 2at/[3s [hoch +2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere direkte Behandlung dieser +Gleichung durch die Differentation, die Entwicklung der Gesetze und +Bestimmungen jener absoluten Bewegung von diesem Ausgangspunkte aus, +muesste dagegen wohl als eine interessante Aufgabe erscheinen, in +welcher die Analysis im wuerdigsten Glanze sich zeigen wuerde. + +Fuer sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die +elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar; +das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des +Kalkuls. Eine andre Bedeutung aber erhaelt die Zerlegung der Bewegung +in Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine +Kurve ist und ihre Gleichung hoehere Potenzen enthaelt, bedarf es der +Uebergaenge von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng, +zu den Potenzen selbst, und indem jene aus der urspruenglichen +Gleichung der Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthaelt, mit +Elimination der Zeit zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die +niedrigern Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene +Gleichungen linearer Bestimmungen erhalten werden koennen. Diese +Seite fuehrt auf das Interesse des andern Theils der +Differentialrechnung. + +Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische +Bestimmung des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen, +und dieselbe in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen. +Diese Bestimmung hat sich ergeben darin zu bestehen, dass aus einer +Gleichung von Potenzenfunktionen der Koefficient des +Entwicklungsgliedes, die sogenannte erste Funktion gefunden, und das +Verhaeltniss, welches diese ist, in Momenten des konkreten Gegenstands +aufgewiesen werde, durch welche so erhaltene Gleichung zwischen den +beiden Verhaeltnissen diese Momente selbst bestimmt sind. Es ist +ebenso von dem Princip der Integralrechnung kurz zu betrachten, was +sich aus dessen Anwendung, fuer die specifische konkrete Bestimmnng +derselben ergiebt. Die Ansicht dieses Kalkuls ist dadurch schon +vereinfacht und richtiger bestimmt worden, dass er nicht mehr als +Summationsmethode genommen wird, wie er im Gegensatz gegen das +Differentiiren, wo der Zuwachs als das wesentliche Ingrediens gilt, +genannt wurde, und womit er in wesentlichem Zusammenhang mit der Form +der Reihe erschien.--Die Aufgabe dieses Kalkuls ist zunaechst ebenso +die theoretische oder vielmehr formelle, als die der +Differentialrechnung, bekanntlich aber die umgekehrte von dieser;--es +wird hier von einer Funktion ausgegangen, die als abgeleitete, als +der Koefficient des naechsten aus der Entwicklung einer aber noch +unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet wird, und aus +ihr soll die urspruengliche Potenzen-Funktion gefunden werden; die in +der natuerlichen Ordnung der Entwicklung als urspruenglich anzusehende +wird hier abgeleitet und die frueher als abgeleitet betrachtete ist +hier die gegebene oder ueberhaupt die anfangende. Das Formelle dieser +Operation scheint nun aber bereits durch den Differential-Kalkul +geleistet zu seyn; indem darin ueberhaupt der Uebergang und das +Verhaeltniss von der urspruenglichen zu der Entwicklungsfunktion +festgestellt ist. Wenn hierbei Theils schon um die Funktion, von der +auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Uebergang von ihr zu der +urspruenglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen Faellen zu der +Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muss, so ist zunaechst +festzuhalten, dass diese Form als solche mit dem eigenthuemlichen +Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat. + +Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in +Ruecksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben. Diese +ist nun selbst die Aufgabe, naemlich die Bedeutung in dem oben +angegebenen Sinne zu kennen, welche die urspruengliche Funktion von +der gegebenen als ersten Funktion betrachteten eines besondern +Gegenstandes hat. An sich koennte auch diese Lehre bereits in der +Differentialrechnung ganz abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt +ein weiterer Umstand ein, der die Sache nicht so einfach seyn laesst. +Indem naemlich in diesem Kalkul sich ergeben, dass durch die erste +Funktion der Gleichung einer Kurve das Verhaeltniss, welches ein +lineares ist, erhalten worden, so weiss man damit auch, dass die +Integration dieses Verhaeltnisses die Gleichung der Kurve im +Verhaeltnisse der Abscisse und Ordinate giebt; oder wenn die Gleichung +fuer die Ebene einer Kurve gegeben waere, so wuerde die +Differentialrechnung ueber die Bedeutung der ersten Funktion solcher +Gleichung bereits gelehrt haben sollen, dass diese Funktion die +Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve +darstellte. + +Nun koemmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des +Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem +Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von +da zu den uebrigen Bestimmungen des Gegenstands uebergehen. Es ist z. +B. nicht die Gleichung eines Flaechenraums der Kurve, noch etwa des +durch ihre Umdrehung entstehenden Koerpers, noch auch eines Bogens +derselben, sondern nur das Verhaeltniss der Abscisse und Ordinate in +der Gleichung der Kurve selbst gegeben. Die Uebergaenge von jenen +Bestimmungen zu dieser Gleichung selbst koennen daher nicht schon in +der Differentialrechnung behandelt werden; es wird fuer die +Integralrechnung aufgespart, diese Verhaeltnisse zu finden. + +Ferner aber ist gezeigt worden, dass die Differentiirung der Gleichung +von mehreren veraenderlichen Groessen, die Entwicklungspotenz oder +Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als +ein Verhaeltniss giebt; die Aufgabe ist dann fuer diess Verhaeltniss, +welches die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des +Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey. Dagegen ist das Object +der Integralrechnung das Verhaeltniss selbst der urspruenglichen zu der +abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe +ist, die Bedeutung der zu findenden urspruenglichen Funktion in dem +Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr +indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu +rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als +das Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, dass solche Bestimmung durch +eine urspruengliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des +Gegenstandes sey, welches hierfuer zur Ausgangs- (der abgeleiteten) +Funktion, angenommen werden muesse. + +Die gewoehnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als +des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; fuer die +Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel, +ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der +Abscisse, fuer das Trapez, das zu einer seiner Seiten den +unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse +gegenueberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne +integrirt, dass das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze, +die Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, naemlich die endliche Groesse +jenes Elements der Ebene gebe. Ebenso formirt sie aus den +Unendlichkleinen des Bogens, und der dazu gehoerigen Ordinate und +Abscisse ein rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes +Bogens gleich sey der Summe der Quadrate der beiden andern +Unendlichkleinen, deren Integration den Bogen als einen endlichen +giebt. + +Diess Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete +der Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der +Weise, dass die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu +einer gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in +dem Verhaeltniss der sogenannten urspruenglichen Funktion zu der +abgeleiteten steht. Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein +gewisser Theil eines mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve) +als die abgeleitete Funktion angenommen werde, welcher andere Theil +desselben durch die entsprechende urspruengliche Funktion ausgedrueckt +ist. Man weiss, dass wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene +Funktion der Ordinate als abgeleitete Funktion genommen wird, die +relativ urspruengliche Funktion der Groessenausdruck der von dieser +Ordinate abgeschnittenen Area der Kurve ist, dass wenn eine gewisse +Tangentenbestimmung als abgeleitete Funktion angesehen wird, die +urspruengliche Funktion derselben die Groesse des zu dieser +Tangentenbestimmung gehoerigen Bogens ausdrueckt, u. s. f. dass nun aber +diese Verhaeltnisse, das eine einer urspruenglichen Funktion zu der +abgeleiteten, das andere von den Groessen zweier Theile oder Umstaende +des mathematischen Gegenstandes, eine Proportion bilden, diess zu +erkennen und zu beweisen, erspart sich die Methode, die das +Unendlichkleine und die mechanische Operation mit demselben gebraucht. +Das eigenthuemliche Verdienst des Scharfsinns ist, aus den +anderwaerts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu haben, +dass gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes, in +dem Verhaeltnisse von urspruenglicher und von abgeleiteter Funktion +stehen. + +Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie +bestimmt worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem +Kalkul die gegebene, relativ gegen die urspruengliche, als welche erst +aus jener durch die Integration, gefunden werden soll. Allein sie +ist nicht unmittelbar gegeben, noch ist es fuer sich schon gegeben, +welcher Theil oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die +abgeleitete Funktion angesehen werden soll, um durch Zurueckfuehrung +derselben auf die urspruengliche den andern Theil oder Bestimmung zu +finden, deren Groesse das Problem verlangt. Die gewoehnliche Methode, +die, wie gesagt, sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als +unendlich klein, in der Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt, +welche sich aus der urspruenglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes +ueberhaupt durch die Differentiirung bestimmen lassen, (--wie fuer die +Rektifikation einer Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und +Ordinaten), nimmt dafuer solche, welche sich mit dem Gegenstande des +Problems, (in dem Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein +vorgestellt wird, in eine Verbindung bringen lassen, die in der +Elementar-Mathematik festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile +bekannt sind, auch dieser bestimmt ist, dessen Groesse zu finden +aufgegeben ist; so werden fuer die Rektifikation die angegebenen drei +Unendlichkleinen in die Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten +Dreiecks gebracht, fuer die Quadratur die Ordinate mit der +unendlichkleinen Abscisse in die Verbindung eines Produkts, indem +eine Ebene ueberhaupt arithmetisch als Produkt von Linien angenommen +ist. Der Uebergang von solchem sogenannten Elemente der Ebene, des +Bogens u.s.f. zur Groesse der Ebene, des Bogens u.s.f. selbst, gilt +dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen Ausdruck zum +endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente, aus denen +die verlangte Groesse bestehen soll. + +Es kann daher nur oberflaechlich gesagt werden, dass die +Integralrechnung bloss das umgekehrte, ueberhaupt jedoch schwierigere +Problem der Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der +Integralrechnung geht vielmehr ausschliesslich auf das Verhaeltniss der +urspruenglichen und der abgeleiteten Funktion in den konkreten +Gegenstaenden, zu einander. + +Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf +eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise +jener direkten Annahmen abzuthun. Es wird zur Erlaeuterung der Natur +der Sache beitragen, gleichfalls das Naehere seines Verfahrens aus +einigen wenigen Beispielen anzugeben. Dasselbe macht es sich eben +zur Aufgabe, fuer sich zu beweisen, dass zwischen besondern +Bestimmungen eines mathematischen Ganzen z.B. einer Kurve, ein +Verhaeltniss von der urspruenglichen zu der abgeleiteten Funktion Statt +finde. Diess kann nun aber in diesem Felde vermoege der Natur des +Verhaeltnisses selbst, welches am mathematischen Gegenstande, krumme +mit geraden Linien, lineare Dimensionen und Funktionen derselben mit +Ebenen-Flaechen-Dimensionen und deren Funktion u.s.f. also qualitativ +verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf direkte Weise +bewerkstelligt werden, die Bestimmung laesst sich so nur als die Mitte +zwischen einem Groessern und Kleinern auffassen. Hiermit tritt von +selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und Minus ein, +und das ruestige: Developpons, ist an seiner Stelle; aber wie die +Zuwaechse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon ist +vorhin gesprochen worden. Aus der Entwicklung jener Bedingung, dass +die zu bestimmende Groesse groesser als die eine leicht bestimmbare +Grenze und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet, +dass die Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der +Funktion der Area ist. + +Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird, +indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse, +die Uebersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern +Analysis einzusehen, + +was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die +andere Art mechanisch betriebenen Geschaeftes thun laesst. Die +Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das +archimedische Princip, dass der Bogen einer Kurve groesser ist, als +seine Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des +Bogens, gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und +ihrem Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte +Gleichung. Die Uebertragung jener archimedischen Grundbestimmung in +die moderne analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der +fuer sich eine einfache Grundgleichung sey, waehrend jene Form nur die +Forderung aufstellt, zwischen einem zu Grossen und zu Kleinen, die +sich jedesmal bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches +Fortgehen wieder immer nur ein neues zu Grosses und ein neues zu +Kleines jedoch in immer engern Grenzen giebt. Vermittelst des +Formalismus des Unendlichkleinen wird sogleich die Gleichung dz[hoch +2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2] angesetzt. Die lagrangesche Exposition +ausgehend von der angegebenen Grundlage zeigt hingegen auf, dass die +Groesse des Bogens die urspruengliche Funktion ist zu einer abgeleiteten, +von der das eigenthuemliche Glied selbst eine Funktion aus dem +Verhaeltnisse einer abgeleiteten zu der urspruenglichen der Ordinate +ist. + +Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann spaeter in der +kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstaende, die Vorstellung +vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist diess so oft als eine Autoritaet +fuer den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem +Differentialkalkul gemacht wird, angefuehrt worden, ohne dass das +Eigenthuemliche und Unterscheidende herausgehoben worden waere. Das +Unendlichkleine bedeutet zunaechst die Negation des Quantums als eines +solchen, d. i. eines sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten +Bestimmtheit, wie sie das Quantum als solches hat. Ebenso ist in den +darauf folgenden beruehmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a., +die sich auf die Betrachtung der Verhaeltnisse geometrischer +Gegenstaende gruenden, die Grundbestimmung, dass das Quantum als solches +der Bestimmungen, welche nur im Verhaeltnisse zunaechst betrachtet +werden, fuer diesen Behuf auf die Seite gestellt und sie hiernach als +ein Nicht-Grosses sollen genommen werden. Aber Theils ist hiermit das +Affirmative ueberhaupt, welches hinter der bloss negativen Bestimmung +liegt, nicht erkannt und herausgehoben, welches sich oben abstrakt +als die qualitative Groessebestimmtheit, und diese bestimmter in dem +Potenzenverhaeltnisse liegend, sich ergeben hat;--Theils aber, indem +diess Verhaeltniss selbst wieder eine Menge naeher bestimmter +Verhaeltnisse in sich begreift, wie das einer Potenz und deren +Entwicklungsfunktion, so haben sie auch wieder auf die allgemeine und +negative Bestimmung desselben Unendlichkleinen gegruendet und daraus +abgeleitet werden sollen. In der eben ausgehobenen lagrangeschen +Exposition ist das bestimmte Affirmative, das in der archimedischen +Entwicklungsweise der Aufgabe liegt, gefunden und damit dem mit einem +unbegrenzten Herausgehen behafteten Verfahren seine richtige Grenze +gegeben worden. Das Grosse der modernen Erfindung fuer sich und ihre +Faehigkeit vorher intraktable Probleme zu loesen, und die frueher +loesbaren auf eine einfache Weise zu behandeln, ist allein in die +Entdeckung des Verhaeltnisses der urspruenglichen zu den sogenannten +abgeleiteten und der Theile, welche an dem mathematischen Ganzen in +solchem Verhaeltnisse stehen, zu setzen. Die gemachten Anfuehrungen +moegen fuer den Zweck genuegen, das Eigenthuemliche des Verhaeltnisses von +Groessen herauszuheben, welches der Gegenstand der in Rede stehenden +besondern Art des Kalkuls ist. Diese Anfuehrungen konnten sich auf +einfache Probleme und deren Aufloesungsweisen beschraenken; und weder +waere es fuer die Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war, +zweckmaessig gewesen, noch haette es in dem Vermoegen des Verfassers +gestanden, den gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der +Differential- und Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, dass +das aufgezeigte Princip derselben zu Grunde liege, durch die +Zurueckfuehrung aller ihrer Probleme und deren Loesungen darauf, zu +vervollstaendigen. Das Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, dass +wie jede besondere Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder +Verhaeltniss der Groesse zu ihrem Gegenstande hat, und ein solches das +Addiren, Multipliciren, das Erheben in Potenzen und Ausziehen der +Wurzeln, die Rechnung mit Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt, +ebenso der Differential- und Integralkalkul; fuer das diesem Kalkul +Angehoerige moechte der Name des Verhaeltnisses einer Potenzenfunktion +und der Funktion ihrer Entwicklung oder Potenzirung der passendste +seyn, weil er der Einsicht der Natur der Sache am naechsten liegt. +Nur wie die Operationen nach den andern Groessenverhaeltnissen, wie +Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul ueberhaupt gleichfalls gebraucht +werden, werden auch die Logarithmen--Kreisund Reihen-Verhaeltnisse +angewendet, insbesondere um Ausdruecke zum Behuf der erforderlichen +Operationen des Ableitens der urspruenglichen aus den +Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen. Mit der Reiheform hat +die Differential- und Integralrechnung wohl das naehere Interesse +geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen +die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das +Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhaeltniss der urspruenglichen +Funktion zu dem naechsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will +die Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen +sind, geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen. Das +Unendliche, das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte +Ausdruck des Negativen des Quantums ueberhaupt, hat mit der +affirmativen Bestimmung, welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt, +nichts gemein. Ebenso ist das Unendlichkleine, als der Zuwachs, +vermittelst dessen die Entwicklung in die Form der Reihe faellt, nur +ein aeusseres Mittel fuer die Entwickelung, und seine sogenannte +Unendlichkeit ohne alle andere Bedeutung, als die, sonst gar keine zu +haben, als die jenes Mittels; die Reihe, da sie in der That es nicht +ist, die verlangt wird, fuehrt ein Zuviel herbei, welches wieder +wegzubringen, die ueberfluessige Muehe macht. Von dieser Muehe ist die +Methode Lagrange's, der die Form der Reihe vorzugsweise wieder +aufgenommen hat, gleichfalls gedrueckt; obgleich sie es ist, durch +welche in dem, was die Anwendung genannt wird, die wahre +Eigenthuemlichkeit sich heraushebt, indem ohne die Formen von dx, dy u. +s.f. in die Gegenstaende hinein zu zwaengen, direkt derjenige Theil +nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der abgeleiteten (- +Entwickelungs--) Funktion zukommt, und es sich damit zeigt, dass die +Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich handelt.In der +obenangefuehrten Kritik (Jahrb. fuer wissensch. Krit. II. B. 1827. Nr. +155. 6. folg.) finden sich interessante Aeusserungen eines gruendlichen +Gelehrten des Faches, Um. Spehr's, aus seinen neuen Principien des +Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angefuehrt, die naemlich einen +Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten und dem +Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und +stimmen mit dem ueberein, was ueber das allgemeine Verhaeltniss der +Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heisst es daselbst, +"rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen +aehnlichen zunaechst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht +von der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese +Untersuchungen wohl gar, wie Lagrange, fuer die Sache selbst gehalten, +waehrend man diese nur als Anwendung jener ansah. Diese +arithmetischen Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation, +die Ableitung des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die +verschiedenen Integrationsmethoden in sich. Es ist ganz umgekehrt +der Fall, jene Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der +eigentlichen Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene +arithmetischen Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der +Analysis voraus."--Es ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die +Trennung der sogenannten Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen +Theils, das von den Reihen ausgeht, eben dazu dient, die +eigenthuemliche Sache der Differ.-Rechnung fuer sich zum Vorschein zu +bringen. Aber bei der interessanten Einsicht des Hrn. Vfs., dass +eben die sogenannten Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der +eigentlichen Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie +derselbe sich in die (ebendas. angefuehrte) formelle Metaphysik von +kontinuirlicher Groesse, Werden, Fliessen u.s.f. hat einlassen und +solchen Ballast noch mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind +diese Bestimmungen, indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche +eben das Specifische der Sache nicht angeben, die aus den konkreten +Lehren, den Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war. + +Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Groessenbestimmtheit +zusammenhaengende Formen. + +Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem +affirmativen Sinn als die qualitative Groessenbestimmtheit, und von +dieser naeher aufgezeigt worden, dass sie in diesem Kalkul als +Potenzenbestimmtheit nicht nur ueberhaupt, sondern als die besondere +des Verhaeltnisses einer Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz +vorhanden ist. Die qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in +weiterer, so zu sagen, schwaecherer Form vorhanden, und diese, wie +auch der damit zusammenhaengende Gebrauch des Unendlichkleinen und +dessen Sinn in diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung +betrachtet werden. + +Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Ruecksicht +zuerst daran zu erinnern, dass die unterschiedenen +Potenzenbestimmungen von der analytischen Seite zunaechst so +hervortreten, dass sie nur formell, und ganz homogen darin sind, dass +sie Zahlengroessen bedeuten, die als solche jene qualitative +Verschiedenheit gegeneinander nicht haben. Aber in der Anwendung auf +raeumliche Gegenstaende zeigt sich das analytische Verhaeltniss ganz in +seiner qualitativen Bestimmtheit, als das Uebergehen von linearen zu +Flaechenbestimmungen, von geradlinigten zu krummlinigten u.s.f. Diese +Anwendung bringt es ferner mit sich, dass die raeumlichen ihrer Natur +nach in Form von kontinuirlichen Groessen gegebenen Gegenstaende in +diskreter Weise gefasst werden, die Flaeche also als eine Menge von +Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f. Diese Aufloesung +hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die Linie, die +Linien, in welche die Flaeche u.s.f. aufgeloest ist, selbst zu +bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich +arithmetisch fortgehen zu koennen; diese Ausgangspunkte sind fuer die +zu findenden Groessebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion +und Gleichung fuer das Konkrete, die kontinuirliche Groesse, abgeleitet +werden soll. Fuer die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse +zeigt, diess Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente fuer den Ausgang +ein fuer sich selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt +ist, indem er im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen +welchen das Fuersichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe. +Das Resultat laeuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn +sich nur das Gesetz des weitern Fortbestimmens finden laesst, ohne die +geforderte vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen +zu koennen. Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken +jener Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte +gemacht zu haben. Seine Erklaerung, wie er den ersten Satz in +Archimed's Kreismessung verstehe, drueckt diess auf eine einfache Weise +aus. Der erste Satz Archimed's ist bekanntlich, dass der Kreis einem +rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem +Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist. Indem +Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, dass die Peripherie des +Kreises ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe, +deren jeder als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks +betrachtet werden koenne, u.s.f., so spricht er die Aufloesung des +Kontinuirlichen in die Form des Diskreten aus. Der Ausdruck des +Unendlichen, der hierbei vorkommt, ist noch weit entfernt von der +Bestimmung, die er in dem Differentialkalkul haben soll.--Wenn nun +fuer solche diskrete eine Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so +sollen sie ferner zusammengefasst werden, wesentlich als Elemente des +Kontinuirlichen seyn. Da aber eine Summe von Punkten keine Linie, +eine Summe von Linien keine Flaeche giebt, werden die Punkte schon +sogleich als lineare genommen, wie die Linien als flaechenhafte. Weil +jedoch zugleich jene Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie +seyn wuerden, wenn sie als Quantum genommen wuerden, so werden sie als +unendlich klein vorgestellt. Das Diskrete ist nur eines aeusserlichen +Zusammenfassens faehig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem +Eins behalten; der analytische Uebergang von denselben geschieht nur +zu ihrer Summe, er ist nicht zugleich der geometrische von dem Punkte +in die Linie, oder von der Linie in die Flaeche u.s.f.; dem Elemente, +das als Punkt oder als Linie seine Bestimmung hat, wird daher +zugleich auch mit jenem die lineare, dieser die Flaechenqualitaet +gegeben, damit die Summe als von kleinen Linien eine Linie, als von +kleinen Flaechen eine Flaeche werde. + +Das Beduerfniss, diess Moment des qualitativen Uebergangs zu erhalten und +dafuer zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muss als die +Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie +jene Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die groesste +Schwierigkeit sind. Diese Nothhuelfe entbehrlich zu machen, muesste +gezeigt werden koennen, dass in dem analytischen Verfahren selbst, +welches als ein blosses Summiren erscheint, in der That schon ein +Multipliciren enthalten ist. Aber in dieser Ruecksicht tritt eine +neue Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer +Verhaeltnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, naemlich dass +das arithmetische Multipliciren auch fuer die geometrische Bestimmung +ein Uebergang in eine hoehere Dimension,--die arithmetische +Multiplikation von Groessen, die ihrer raeumlichen Bestimmungen nach +Linien sind, zugleich eine Produktion des Linearen zur +Flaechenbestimmung sey; 3mal 4 lineare Fusse giebt 12 lineare Fusse, +aber 3 lineare Fusse, mal 4 linearen Fussen giebt 12 Flaechenfusse und +zwar Quadratfusse, indem die Einheit in beiden als diskreten Groessen +dieselbe ist. Die Multiplikation von Linien mit Linien bietet sich +zunaechst als etwas Widersinniges dar, insofern die Multiplikation +ueberhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veraenderung von solchen ist, +welche mit dem, in das sie uebergehen, mit dem Produkte ganz homogen +sind, und nur die Groesse veraendern. Dagegen ist das, was +Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hiesse,--es ist, ductus +lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch +ductus puncti in lineam--eine Veraenderung nicht bloss der Groesse, +sondern ihrer als qualitativer Bestimmung der Raeumlichkeit, als einer +Dimension; das Uebergehen der Linie in Flaeche ist als Aussersichkommen +derselben zu fassen, wie das Aussersichkommen des Punktes die Linie, +der Flaeche ein ganzer Raum ist. Es ist diess dasselbe, was so +vorgestellt wird, dass die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey; +aber die Bewegung schliesst die Zeitbestimmung ein, und erscheint so +in jener Vorstellung mehr nur als eine zufaellige, aeusserliche +Veraenderung des Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die +als Aussersichkommen ausgedrueckt worden, zu nehmen,--die qualitative +Veraenderung, und welche arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit +(als des Punktes u.s.f.) in die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.--Es +kann hiezu noch bemerkt werden, dass bei dem Aussersichkommen der +Flaeche, was als ein Multipliciren von Flaeche in Flaeche erscheinen +wuerde, sich der Schein eines Unterschiedes des arithmetischen und +geometrischen Producirens so ergiebt, dass das Aussersichkommen der +Flaeche, als ductus plani in planum arithmetisch eine Multiplikation +der zweiten Dimensionsbestimmung mit solcher, hiermit ein Product von +vier Dimensionen gaebe, das aber durch die geometrische Bestimmung auf +drei herabgesetzt wird. Wenn auf der einen Seite die Zahl darum, +weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die feste Bestimmung fuer das +aeusserliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr Produciren formell; 3. +3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst producirend ist 3. 3. 3. 3; +aber dieselbe Groesse als Flaechenbestimmung sich producirend wird bei 3. +3. 3 zurueckgehalten, weil der Raum als ein Hinausgehen vom Punkte, +der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt, seine wahrhafte Grenze, +als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in der dritten Dimension +hat. Der angefuehrte Unterschied koennte sich in Ruecksicht der freien +Bewegung, worin die eine die raeumliche Seite, unter der geometrischen +Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3] : t[hoch 2]), die +andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen steht, von +Wirksamkeit zeigen. + +Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande +der vor. Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von +selbst erhellen. In dieser lag das Qualitative in der +Potenzenbestimmtheit; hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur +als Faktor arithmetisch gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die +Linie, Linie gegen Flaeche u.s.f. Der qualitative Uebergang nun, der +von dem Diskreten, als in welches die kontinuirliche Groesse aufgeloest +vorgestellt wird, zu dem Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein +Summiren bewerkstelligt. + +Dass aber die angebliche blosse Summation in der That eine +Multiplikation, also den Uebergang von der linearen in die +Flaechenbestimmung in sich selbst enthaelt, erscheint am einfachsten in +der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, dass der Flaecheninhalt eines +Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden +gegenueberstehenden parallelen Linien in die halbe Hoehe. Diese Hoehe +wird nur als die Anzahl von einer Menge diskreter Groessen vorgestellt, +welche summirt werden sollen. + +Diese Groessen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei +begrenzenden Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn +sie sollen die Flaeche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein +Flaechenhaftes zu seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden +muessen. Um der Schwierigkeit zu entgehen, dass eine Summe von Linien +eine Flaeche geben sollte, werden Linien sogleich als Flaechen aber +gleichfalls als unendlich duenne angenommen, denn ihre Determination +haben sie allein in dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes. +Als parallel und durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des +Trapezes begrenzt, koennen sie als die Glieder einer arithmetischen +Progression vorgestellt werden, deren Differenz dieselbe ueberhaupt +ist, aber nicht bestimmt zu werden braucht, und deren erstes und +letztes Glied jene beiden Parallelen sind; die Summe solcher Reihe +ist bekanntlich das Produkt jener Parallelen in die halbe Anzahl der +Glieder. Diess letzte Quantum ist nur ganz relativ auf die +Vorstellung von den unendlich vielen Linien Anzahl genannt; es ist +die Groessebestimmtheit ueberhaupt eines Kontinuirlichen,--der Hoehe. Es +ist deutlich, dass was Summe heisst, zugleich ein ductus lineae in +lineam, Multipliciren von Linearem mit Linearem, nach obiger +Bestimmung ein Hervorgehen von Flaechenhaftem ist. In dem einfachsten +Falle nun eines Rektangels ueberhaupt a b ist jeder der beiden +Faktoren eine einfache Groesse, aber schon in dem weitern selbst +elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das +Einfache der halben Hoehe, der andere dagegen wird durch eine +Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen +Groessebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine +Reihe ausgedrueckt werden kann, so heisst analytisch, d. h. +arithmetisch das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment +darin aber ist die Multiplikation, das Qualitative des Uebergangs aus +der Dimension der Linie in die Flaeche; der eine Faktor ist diskret +nur fuer die arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und +ist fuer sich, wie dieser, die Groesse eines Linearen. + +Das Verfahren, Flaechen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber +auch haeufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu +Behufe des Resultates Statt hat. Diess geschieht, wo es nicht darum +zu thun ist, die Groesse in der Gleichung als Quantum anzugeben, +sondern in einer Proportion. Es ist z.B. eine bekannte Art zu +zeigen, dass eine Kreisflaeche sich zur Flaeche einer Ellipse, deren +grosse Achse der Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die grosse +zur kleinen Achse, indem jede dieser Flaechen als die Summe der ihr +zugehoerigen Ordinaten genommen wird; jede Ordinate der Ellipse +verhaelt sich zu der entsprechenden des Kreises wie die kleine zur +grossen Achse, also wird geschlossen, verhalten auch die Summen der +Ordinaten d. i. die Flaechen ebenso. Diejenigen, welche dabei die +Vorstellung der Flaeche als eine Summe von Linien vermeiden wollen, +machen die Ordinaten mit der gewoehnlichen ganz ueberfluessigen Aushuelfe +zu Trapezen von unendlich kleiner Breite; da die Gleichung nur eine +Proportion ist, kommt nur das Eine der zwei linearen Elemente der +Flaeche in Vergleichung. Das andere, die Abscissenachse, ist in +Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor arithmetischer +Groessebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die Proportion daher +ganz nur von dem Verhaeltniss des einen bestimmenden Moments abhaengig. +Zur Vorstellung der Flaeche sind die zwei Dimensionen nothwendig; aber +die Groessebestimmung, wie sie in jener Proportion angegeben werden +soll, geht nur auf das eine Moment allein; der Vorstellung damit +nachgeben oder aufhelfen, dass die Vorstellung von Summe zu diesem +einen Momente hinzugefuegt wird, ist eigentlich eine Verkennung dessen, +worauf es hier fuer die mathematische Bestimmtheit ankoemmt. + +Was hier auseinandergesetzt worden, enthaelt auch das Kriterium fuer +die frueher erwaehnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit +ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen +nicht bedarf. Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Flaeche, +oder Quadrate, Kreisflaechen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f. +betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundflaeche +nennt er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe +das erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene +Untheilbaren parallel, also in gleicher Bestimmung in Ruecksicht der +Figur betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun, +(Exerc. Geometr. VI.--das spaetere Werk-Exerc. I. p. 6.), dass alle +sowohl ebene, als koerperliche Figuren im Verhaeltnisse aller ihrer +Indivisibilien sind, diese kollektive und wenn etwa ein +gemeinschaftliches Verhaeltniss in solchen Statt findet, distributive +mit einander verglichen."--Er vergleicht zu diesem Behufe in den +Figuren von gleicher Grundlinie und Hoehe gemacht, die Verhaeltnisse +von den Linien, die parallel mit jener und in gleicher Entfernung mit +ihr gezogen werden; alle solche Linien einer Figur haben eine und +dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen Inhalt aus. Auf solche +Weise beweist Cavalleri z.B. auch den elementarischen Satz, dass +Parallelogramme von gleicher Hoehe im Verhaeltnisse ihrer Grundlinie +sind; jede zwei Linien, in gleicher Entfernung von der Grundlinie und +mit ihr parallel, in beiden Figuren gezogen, sind in demselben +Verhaeltnisse der Grundlinien, also die ganzen Figuren. In der That +machen die Linien nicht den Inhalt der Figur als kontinuirlicher aus, +aber den Inhalt, insofern er arithmetisch bestimmt werden soll; das +Lineare ist sein Element, durch welches allein die Bestimmtheit +desselben gefasst werden muss. + +Wir werden hierbei darauf gefuehrt, auf den Unterschied zu reflektiren, +der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer +Figur faellt, naemlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Hoehe +der Figur, oder ist sie aeussere Grenze. Insofern sie als aeussere +Grenze ist, giebt man zu, dass der Gleichheit oder dem Verhaeltnisse +der Grenze die Kontinuitaet der Figur so zu sagen folgt; z.B. die +Gleichheit der Figuren, die sich decken, beruht darauf, dass die +begrenzenden Linien sich decken. Bei Parallelogrammen aber von +gleicher Hoehe und Grundlinie ist nur die letztere Bestimmtheit eine +aeussere Grenze; die Hoehe, nicht die Paralleleitaet ueberhaupt, auf +welcher die zweite Hauptbestimmung der Figuren, ihr Verhaeltniss, +beruht, fuehrt ein zweites Princip der Bestimmung zu den aeussern +Grenzen herbei. Der euklidische Beweis von der Gleichheit der +Parallelogramme, die gleiche Hoehe und Grundlinie haben, fuehrt sie auf +Dreiecke zurueck, auf aeusserlich begrenzte Kontinuirliche; in +Cavalleri's Beweis, zunaechst ueber die Proportionalitaet von +Parallelogrammen, ist die Grenze Groessebestimmtheit als solche +ueberhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem +Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird, +Diese gleichen oder in gleichem Verhaeltniss mit der Grundlinie +stehenden Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem +Verhaeltnisse stehenden Figuren. Die Vorstellung eines Aggregats von +Linien geht gegen die Kontinuitaet der Figur; allein die Betrachtung +der Linien erschoepft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt, +vollkommen Cavalleri giebt haeufige Antwort auf die Schwierigkeit, als +ob die Vorstellung von den Untheilbaren es mit sich fuehre, dass der +Anzahl nach unendliche Linien oder Ebenen verglichen werden sollen, +(Geom. Lib. II. Prop. 1. Schol.); er macht den richtigen +Unterschied, dass er nicht die Anzahl derselben, welche wir nicht +kennen,--d. i. vielmehr die, wie bemerkt worden, eine zu Huelfe +genommene leere Vorstellung ist,--sondern nur die Groesse, d. i. die +quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von diesen Linien +eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser in Grenzen +eingeschlossen ist, ist auch jene seine Groesse in dieselben Grenzen +eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die +Untheilbaren selbst, sagt er; waere es etwas ausser diesen, so waere es +nicht vergleichbar; es wuerde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte +Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar. + +Man sieht, dass Cavalleri dasjenige, was zur aeusserlichen Existenz des +Kontinuirlichen gehoert, von demjenigen unterscheiden will, worin +dessen Bestimmtheit faellt und das fuer die Vergleichung und zum Behufe +von Theoremen ueber dasselbe allein herauszuheben ist. Die Kategorien, +die er dabei gebraucht, dass das Kontinuirliche aus den Untheilbaren +zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht +genuegend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie +vorhin gesagt, dessen aeusserliche Existenz, zugleich in Anspruch +genommen wird; statt zu sagen, "dass das Kontinuirliche nichts anderes +ist, als die Untheilbaren selbst," wuerde es richtiger und damit auch +sogleich fuer sich klar heissen, dass die Groessebestimmtheit des +Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst. +--Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, dass es +groessere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, dass +die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen +werde, und drueckt weiterhin (Geom. Lib. VII. Praef.) das +bestimmtere Bewusstseyn aus, dass er durch seine Beweisart keineswegs +zur Vorstellung der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem +Untheilbaren genoethigt sey; die Kontinuirlichen folgen nur der +Proportion der Untheilbaren. Er habe die Aggregate der Untheilbaren +nicht so genommen, wie sie in die Bestimmung der Unendlichkeit, um +einer unendlichen Menge von Linien oder Ebenen willen, zu verfallen +scheinen, sondern insofern sie eine bestimmte Beschaffenheit und +Natur der Begrenztheit an ihnen haben. Um denn aber doch diesen +Stein des Anstosses zu entfernen, laesst er sich die Muehe nicht +verdriessen, noch in dem eigens dafuer hinzugefuegten siebenten Buche, +die Hauptsaetze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche von +der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.--Diese Manier reducirt +die Beweise auf die vorhin angefuehrte, gewoehnliche Form des Deckens +der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der +Bestimmtheit als aeusserer Raumgrenze. + +Ueber diese Form des Deckens kann zunaechst noch diese Bemerkung +gemacht werden, dass sie ueberhaupt eine so zu sagen kindliche Huelfe +fuer die sinnliche Anschauung ist. In den elementarischen Saetzen ueber +die Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem +von ihren je sechs Stuecken gewisse drei als gleich gross mit den +entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird +gezeigt, dass solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes +auch die uebrigen drei Stuecke gleich gross mit denen des andern habe, +--weil sie vermoege der Gleichheit nach jenen drei ersten einander +decken. Die Sache abstrakter gefasst, so ist eben um dieser +Gleichheit jeden Paars der in beiden einander entsprechenden Stuecke, +nur Ein Dreieck vorhanden; in diesem sind drei Stuecke als bereits +bestimmt angenommen, woraus denn die Bestimmtheit auch der drei +uebrigen Stuecke folgt. Die Bestimmtheit wird auf diese Weise als in +drei Stuecken vollendet aufgezeigt; fuer die Bestimmtheit als solche +sind somit die drei uebrigen Stuecke ein Ueberfluss, der Ueberfluss der +sinnlichen Existenz, d. i. der Anschauung der Kontinuitaet. In +solcher Form ausgesprochen, tritt hier die qualitative Bestimmtheit +im Unterschiede von dem hervor, was in der Anschauung vorliegt, dem +Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das Decken laesst diesen +Unterschied nicht zum Bewusstseyn kommen. + +Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie +bemerkt worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der +Winkel Theils die Hoehe der Figuren ein, von welcher letztern deren +aeussere Grenzen, die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind. +Hierbei kommt die Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen +Figuren ausser der Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie, +welche als aeussere Grenze ist, fuer die andere Bestimmtheit, die andere +aeussere Grenze, naemlich die andere Seite des Parallelogramms, oder +aber die Hoehe zu nehmen ist. Bei zwei solchen Figuren von einerlei +Grundlinie und Hoehe, wovon das eine rechtwinklich ist, das andere +sehr spitze, damit zu den gegenueberstehenden sehr stumpfe Winkel hat, +kann der Anschauung letzteres leicht groesser scheinen, als das erstere, +insofern sie die vorliegende grosse Seite desselben als bestimmend +nimmt, und nach der Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach +einer Menge von parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten +werden koennen, vergleicht; die groessere Seite koennte als eine +Moeglichkeit von mehrern Linien, als die senkrechte Seite des +Rechtecks giebt, angesehen werden. Solche Vorstellung giebtjedoch +keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode an die Hand; denn die in +beiden Parallelogrammen fuer die Vergleichung vorgestellte Menge von +parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer Entfernung von einander +oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus folgt, dass die Hoehe, +und nicht die andere Seite des Parallelogramms, das andere +bestimmende Moment ist. Diess aendert sich aber ferner, wenn zwei +Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher Hoehe +und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu einer +dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die parallelen +Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene durch +sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt, nicht +mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind +einander ungleich. Cavalleri macht sehr sorgfaeltig auf diesen +Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und +transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit. I. +n. XII. ff. wie schon in der Geometr. I. II.) auf merksam, und +schneidet damit oberflaechlichen Missverstand ab, der nach dieser Seite +entstehen koennte. Ich erinnere mich, dass Barrow in seinem +obenangefuehrten Werke (Lect. Geom. II. p. 21), indem er die Methode +der Untheilbaren gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der +von ihm aus auf seinen Schueler Newton und die sonstigen +mathematischen Zeitgenossen, darunter auch Leibnitz, uebergegangenen +Annahme der Gleichsetzbarkeit eines krummlinigten Dreiecks, wie das +sogenannte charakteristische ist, mit einem geradlinigten, insofern +beide unendlich d. h. sehr klein seyen, versetzt und verunreinigt hat, +--einen eben dahin gehenden Einwurf Tacquet's, eines damaligen in +neuen Methoden gleichfalls thaetigen, scharfsinnigen Geometers, +anfuehrte. Die von diesem gemachte Schwierigkeit bezieht sich +ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei Berechnung konischer und +sphaerischer Oberflaechen als Grundmoment der Bestimmung fuer die auf +Anwendung des Diskreten gestuetzte Betrachtung genommen werden solle. +Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren ein, dass wenn die +Oberflaeche eines rechtwinklichten Kegels berechnet werden solle, so +werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des Kegels als +zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie parallelen auf +die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche zugleich die Radien +der Kreise sind, aus denen die Oberflaeche des Kegels bestehe. Wenn +nun diese Oberflaeche als Summe der Peripherien, und diese Summe aus +der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Groesse der Achse, der Hoehe des +Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der sonst von +Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch. Barrow +zeigt nun dagegen, dass fuer die Bestimmung der Oberflaeche nicht die +Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige Linie +genommen werden muesse, deren Umdrehung die Oberflaeche erzeuge, und +welche daher, und nicht die Achse, als die Groessebestimmtheit fuer die +Menge der Peripherien angenommen werden muesse. + +Dergleichen Einwuerfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in +der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von +Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Flaeche u. +s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die +wesentliche Groessebestimmtheit der Linien oder Flaechen in Schatten +gestellt.--Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die +affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der +von dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen +im Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulositaet +hervorzuheben, in welche sie durch jene bloss negativ gehaltene +Kategorie gehuellt werden. Bei der unendlichen Reihe, wie in der +archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter, +als dass das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der +sogenannte endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben, +die Zurueckfuehrung des Bogens auf die gerade Linie nicht +bewerkstelligt werden kann; diese Inkommensurabilitaet ist die +qualitative Verschiedenheit derselben. Die qualitative +Verschiedenheit des Diskreten mit dem Kontinuirlichen ueberhaupt, +enthaelt gleichfalls eine negative Bestimmung, welche sie als +inkommensurabel erscheinen laesst, und das Unendliche herbeifuehrt, in +dem Sinne, dass das als diskret zu nehmende Kontinuirliche nun kein +Quantum nach seiner kontinuirlichen Bestimmtheit mehr haben soll. +Das Kontinuirliche, das arithmetisch als Produkt zu nehmen ist, ist +damit diskret an ihm selbst gesetzt, naemlich in die Elemente, die +seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt seine Groessebestimmtheit; +sie sind als ebendamit, dass sie diese Faktoren oder Elemente sind, +von einer niedrigern Dimension, und insofern die Potenzenbestimmtheit +eintritt, von einer niedrigern Potenz als die Groesse, deren Elemente +oder Faktoren sie sind. Arithmetisch erscheint dieser Unterschied +als ein bloss quantitativer, der Wurzel und der Potenz oder welcher +Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der Ausdruck nur auf das +Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2] oder d.a[hoch 2] += 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder fuer das Gesetz des Falles, t : at[hoch +2] so giebt er die nichtssagenden Verhaeltnisse von 1 : a, 2 : a, 1: +at; die Seiten muessten gegen ihre bloss quantitative Bestimmung durch +die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander gehalten werden, +wie s : at[hoch]2; wodurch die Groesse als eine Qualitaet ausgesprochen +wird, als Funktion der Groesse einer andern Qualitaet. Hierbei steht +dann bloss die quantitative Bestimmtheit vor dem Bewusstseyn, mit der +nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und man kann kein +Arges daran haben, die Groesse einer Linie mit der Groesse einer andern +Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser selben Groessen +giebt zugleich die qualitative Veraenderung des Ueberganges von Linie +in Flaeche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie ist es, +welche die Schwierigkeit veranlasst, die durch die Einsicht in ihre +Eigenthuemlichkeit und in die einfache Natur der Sache geloest, aber +durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll, +vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgeloest erhalten +wird. + + + +Drittes Kapitel. Das quantitative Verhaeltniss. + + +Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, dass sie das +negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat. Diess +Jenseits ist das Qualitative ueberhaupt. Das unendliche Quantum ist +als die Einheit beider Momente, der quantitativen und der +qualitativen Bestimmtheit, zunaechst Verhaeltniss. + +Im Verhaeltnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgueltige +Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen +auf sein Jenseits. Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist +zunaechst ein anderes Quantum ueberhaupt. Aber wesentlich sind sie +nicht als aeusserliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat +seine Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind so +in diesem ihrem Andersseyn in sich zurueckgekehrt; was jedes ist, ist +es in dem Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus. +--Das Hinausgehen des Quantums ueber sich hat also jetzt diesen Sinn, +weder dass es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes, +in sein negatives Jenseits veraenderte, sondern darin zu seiner +Bestimmtheit gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits, +welches ein anderes Quantum ist. Die Qualitaet des Quantums, seine +Begriffsbestimmtheit, ist seine Aeusserlichkeit ueberhaupt, und im +Verhaeltniss ist es nun so gesetzt, in seiner Aeusserlichkeit, an einem +andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das +zu seyn, was es ist. + +Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander +haben. Diese Beziehung ist selbst auch eine Groesse; das Quantum ist +nicht nur im Verhaeltniss, sondern es selbst ist als Verhaeltniss gesetzt; +es ist ein Quantum ueberhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit +innerhalb seiner hat. So als Verhaeltniss drueckt es sich als in sich +geschlossene Totalitaet und seine Gleichgueltigkeit gegen die Grenze +aus, dadurch dass es die Aeusserlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb +seiner selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm +selbst unendlich ist. + +Das Verhaeltniss ueberhaupt ist + +1. das direkte Verhaeltniss. In demselben tritt das Qualitative noch +nicht als solches fuer sich heraus; es ist noch in keiner weitern +Weise, als der des Quantums, dass dieses in seiner Aeusserlichkeit +selbst seine Bestimmtheit zu haben gesetzt ist.--Das quantitative +Verhaeltniss ist an sich der Widerspruch der Aeusserlichkeit und der +Beziehung auf sich selbst, des Bestehens der Quantorum und der +Negation derselben;--er hebt sich auf, indem zunaechst + +2. im indirekten Verhaeltnisse, die Negation des einen Quantums als +solche mit in der Veraenderung des andern, und die Veraenderlichkeit +des direkten Verhaeltnisses selbst, gesetzt wird; + +3. im Potenzenverhaeltniss aber macht sich die in ihrem Unterschiede +sich auf sich beziehende Einheit als einfache Selbstproduktion des +Quantums geltend; diess Qualitative selbst endlich in einfacher +Bestimmung und identisch mit dem Quantum gesetzt, wird das Maass. + +--Ueber die Natur der folgenden Verhaeltnisse ist Vieles in den +vorhergehenden Anmerkungen, welche das Unendliche der Quantitaet, d. i. +das qualitative Moment an derselben, betreffen, anticipirt worden; +es bleibt daher nur der abstrakte Begriff dieser Verhaeltnisse +auseinander zu setzen. + +A. Das direkte Verhaeltniss. + +1. Im Verhaeltnisse, welches als unmittelbar das direkte ist, liegt +die Bestimmtheit des einen Quantums gegenseitig in der Bestimmtheit +des andern. Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beider, die +selbst Quantum ist, der Exponent des Verhaeltnisses. + +2. Der Exponent ist irgend ein Quantum, aber in seiner Aeusserlichkeit +an ihm selbst sich auf sich beziehendes, qualitativ bestimmtes +Quantum ist er nur, insofern er den Unterschied seiner, sein Jenseits +und Andersseyn an ihm selbst hat. Dieser Unterschied des Quantums an +ihm selbst aber ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl; die +Einheit--das Fuersich-bestimmtseyn; die Anzahl--das gleichgueltige Hin- +und Hergehen an der Bestimmtheit, die aeussere Gleichgueltigkeit des +Quantums. Einheit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quantums; +jetzt im Verhaeltnisse, dem insofern realisirten Quantum, erscheint +jedes seiner Momente als ein eignes Quantum, und als Bestimmungen +seines Daseyns, als Begrenzungen gegen die sonst nur aeusserliche, +gleichgueltige Groessebestimmtheit. + +Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit d. h. +er hat unmittelbar die Bedeutung beider Bestimmungen an ihm selbst. +Er ist erstens Quantum; so ist er die Anzahl; wenn die eine Seite des +Verhaeltnisses, welche als Einheit genommen wird, als numerisches Eins +ausgedrueckt ist, und sie gilt nur fuer solches, so ist die andere, die +Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst. Zweitens ist er die +einfache Bestimmtheit als das Qualitative der Seiten des +Verhaeltnisses; wenn das Quantum der einen bestimmt ist, ist auch das +andere durch den Exponenten bestimmt, und es ist voellig gleichgueltig, +wie das erste bestimmt wird; es hat als fuer sich bestimmtes Quantum +keine Bedeutung mehr, sondern kann ebenso gut jedes Andere seyn, ohne +die Bestimmtheit des Verhaeltnisses zu aendern, die allein auf dem +Exponenten beruht. Das eine, welches als Einheit genommen ist, +bleibt, wie gross es werde, immer Einheit, und das andere, wie gross es +ebenso dabei werde, muss dieselbe Anzahl jener Einheit bleiben. + +3. Hiernach machen beide eigentlich nur Ein Quantum aus, das eine hat +gegen das andere, nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das +andre nur den der Anzahl; nach ihrer Begriffsbestimmtheit sind sie +selbst somit nicht vollstaendige Quanta. Diese Unvollstaendigkeit aber +ist eine Negation an ihnen und diess nicht nach ihrer Veraenderlichkeit +ueberhaupt, nach der das Eine (und jedes ist Eines der beiden) alle +moegliche Groesse annehmen kann, sondern nach der Bestimmung, dass wenn +das eine veraendert wird, das andere um ebenso viel vermehrt oder +vermindert wird; diess heisst, wie gezeigt, nur das Eine, die Einheit, +wird als Quantum veraendert, die andere Seite, die Anzahl, bleibt +dasselbe Quantum von Einheiten, aber auch jene bleibt ebenso nur als +Einheit geltend, sie werde als Quantum veraendert wie sie wolle. Jede +Seite ist so nur eines der beiden Momente des Quantums, und die +Selbststaendigkeit, die zu dessen Eigenthuemlichkeit gehoert, ist an +sich negirt; in diesem qualitativen Zusammenhange sind sie als +negative gegen einander zu setzen. + +Der Exponent soll das vollstaendige Quantum seyn, indem die Bestimmung +der beiden Seiten in ihm zusammenlaeuft; er hat aber in der That als +Quotient selbst nur den Werth der Anzahl, oder der Einheit. Es ist +keine Bestimmung vorhanden, welche der Seiten des Verhaeltnisses als +die Einheit oder als die Anzahl genommen werden muesse; die eine, das +Quantum B an dem Quantum A als der Einheit gemessen, so ist der +Quotient C die Anzahl solcher Einheiten; aber A selbst als Anzahl +genommen, ist der Quotient C die Einheit, welche zu der Anzahl A fuer +das Quantum B erfordert wird; dieser Quotient ist als Exponent somit +nicht als das gesetzt, was er seyn soll,--das Bestimmende des +Verhaeltnisses, oder als seine qualitative Einheit. Als diese ist er +nur gesetzt, insofern er den Werth hat, die Einheit der beiden +Momente, der Einheit und der Anzahl, zu seyn. Indem diese Seiten +zwar als Quanta, wie sie in dem expliciten Quantum, dem Verhaeltnisse, +seyn sollen, vorhanden sind, aber zugleich nur in dem Wertbe, den sie +als dessen Seiten haben sollen, unvollstaendige Quanta zu seyn und nur +als eines jener qualitativen Momente zu gelten, so sind sie mit +dieser ihrer Negation zu setzen; womit ein seiner Bestimmung +entsprechenderes reelleres Verhaeltniss entsteht, worin der Exponent +die Bedeutung des Produkts derselben hat; nach dieser Bestimmtheit +ist es das umgekehrte Verhaeltniss. + +B. Das umgekehrte Verhaeltniss. + +1. Das Verhaeltniss, wie es sich nun ergeben, ist das aufgehobene +direkte Verhaeltniss; es war das unmittelbare, somit noch nicht +wahrhaft bestimmte; nunmehr ist die Bestimmtheit so hinzugekommen, +dass der Exponent als Produkt, Einheit der Einheit und der Anzahl, +gilt. Nach der Unmittelbarkeit konnte er gleichgueltig ebensowohl als +Einheit wie als Anzahl genommen werden, wie vorhin gezeigt worden; +womit er auch nur als Quantum ueberhaupt und damit vorzugsweise als +Anzahl war; die eine Seite war die Einheit, und als Eins zu nehmen, +zu welcher die andere eine fixe Anzahl sey, die zugleich der Exponent +ist; dessen Qualitaet war somit nur diess, dass diess Quantum als festes +genommen oder vielmehr das Feste nur den Sinn des Quantums hat. + +In dem umgekehrten Verhaeltnisse nun ist der Exponent gleichfalls als +Quantum ein unmittelbares, und irgend eines als festes angenommen. +Aber diess Quantum ist nicht fixe Anzahl zu dem Eins des andern +Quantums im Verhaeltnisse; dieses im vorhergehenden feste Verhaeltniss +ist nun vielmehr als veraenderlich gesetzt; wenn zum Eins der einen +Seite ein anderes Quantum genommen wird, so bleibt nun die andere +nicht mehr dieselbe Anzahl von Einheiten der ersten. Im direkten +Verhaeltnisse ist diese Einheit nur das gemeinschaftliche beider +Seiten; sie als solche kontinuirt sich in die andere Seite, in die +Anzahl; die Anzahl selbst fuer sich, oder der Exponent, ist gegen die +Einheit gleichgueltig. + +Wie nunmehr aber die Bestimmtheit des Verhaeltnisses ist, wird die +Anzahl als solche gegen das Eins, zu dem sie die andere Seite des +Verhaeltnisses ausmacht, veraendert; je nachdem zum Eins ein anderes +Quantum genommen wird, wird sie eine andere. Der Exponent ist daher +zwar auch nur ein unmittelbares nur beliebig als fest angenommenes +Quantum, aber er erhaelt sich nicht als solches in der Seite des +Verhaeltnisses, sondern diese und damit das direkte Verhaeltniss der +Seiten ist veraenderlich. Hiermit ist, in dem nunmehrigen +Verhaeltnisse, der Exponent, als das bestimmende Quantum, negativ +gegen sich als Quantum des Verhaeltnisses, hiermit als qualitativ als +Grenze gesetzt, dass also das Qualitative fuer sich im Unterschied +gegen das Quantitative hervortritt.--In dem direkten Verhaeltnisse ist +die Veraenderung der beiden Seiten nur die Eine Veraenderung des +Quantums, als welches die Einheit, die das Gemeinschaftliche ist, +genommen wird, um so viel also die eine Seite vergroessert oder +vermindert wird, um so viel auch die andere; das Verhaeltniss selbst +ist gegen diese Veraenderung gleichgueltig, sie ist ihm aeusserlich. Im +indirekten Verhaeltnisse aber ist die Veraenderung, obgleich nach dem +gleichgueltigen quantitativen Momente auch beliebig, innerhalb des +Verhaeltnisses gehalten, und auch diess beliebige quantitative +Hinausgehen durch die negative Bestimmtheit des Exponenten, als durch +eine Grenze, beschraenkt. + +2. Diese qualitative Natur des indirekten Verhaeltnisses ist noch +naeher, naemlich in ihrer Realisation zu betrachten, und die +Verwicklung des Affirmativen mit dem Negativen, die darin enthalten +ist, auseinander zu setzen.--Es ist das Quantum gesetzt, als +qualitativ das Quantum d. i. sich selbst bestimmend, als Grenze +seiner an ihm sich darstellend. Es ist hiermit erstens eine +unmittelbare Groesse als einfache Bestimmtheit, das Ganze als seyendes, +affirmatives Quantum. Aber zweitens ist diese unmittelbare +Bestimmtheit zugleich Grenze; dafuer ist es in zwei Quanta +unterschieden, die zunaechst andere gegeneinander sind; aber als deren +qualitative Bestimmtheit, und zwar dieselbe als vollstaendig ist es +die Einheit der Einheit und der Anzahl, Produkt, dessen Faktoren sie +sind. So ist der Exponent ihres Verhaeltnisses eines Theils in ihnen +identisch mit sich, und das Affirmative derselben, wonach sie Quanta +sind; andern Theils ist er als die an ihnen gesetzte Negation die +Einheit an ihnen, nach der zunaechst jedes, ein unmittelbares, +begrenztes Quantum ueberhaupt, zugleich so ein begrenztes ist, dass es +nur an sich identisch mit seinem Andern ist. Drittens ist er als die +einfache Bestimmtheit, die negative Einheit dieser seiner +Unterscheidung in die zwei Quanta und die Grenze ihres gegenseitigen +Begrenzens. + +Nach diesen Bestimmungen begrenzen sich die beiden Momente innerhalb +des Exponenten und sind das eine das Negative des andern, da er ihre +bestimmte Einheit ist; das eine wird um so vielmal kleiner, als das +andere groesser wird, jedes hat insofern seine Groesse, als es die des +andern an ihm hat, als dem andern mangelt. Jede kontinuirt sich auf +diese Weise negativ in die andere; soviel sie an Anzahl ist, hebt sie +an der andern als Anzahl auf, und ist, was sie ist, nur durch die +Negation oder Grenze, die an ihr von der andern gesetzt wird. Jede +enthaelt auf diese Weise auch die andere, und ist an ihr gemessen, +denn jede soll nur das Quantum seyn, das die andere nicht ist; fuer +den Werth jeder ist die Groesse der andern unentbehrlich und damit +untrennbar von ihr. + +Diese Kontinuitaet jeder in der Andern macht das Moment der Einheit +aus, wodurch sie im Verhaeltnisse sind;--der Einen Bestimmtheit, der +einfachen Grenze, die der Exponent ist. Diese Einheit, das Ganze, +macht das Ansichseyn einer jeden aus, von dem ihre vorhandene Groesse +unterschieden ist, nach welcher jedes nur ist, insofern sie der +andern von ihrem gemeinsamen Ansichseyn, dem Ganzen, entzieht. Aber +sie kann nur so viel, als sie diesem Ansichseyn gleich macht, der +andern entziehen, sie hat an dem Exponent ihr Maximum, der nach der +angegebenen zweiten Bestimmung die Grenze ihrer gegenseitigen +Begrenzung ist. Und indem jede nur insofern Moment des Verhaeltnisses +ist, als sie die andere begrenzt und damit von der andern begrenzt +wird, so verliert sie diese ihre Bestimmung, indem sie sich ihrem +Ansichseyn gleich macht; die andere Groesse wird nicht nur darin Null, +sondern sie selbst verschwindet, da sie nicht blosses Quantum, sondern +was sie als solches ist, nur als solches Verhaeltnissmoment seyn soll. +So ist jede Seite der Widerspruch der Bestimmung, als ihres +Ansichseyns, d. i. der Einheit des Ganzen, das der Exponent ist, und +der Bestimmung, als Verhaeltnissmomentes; dieser Widerspruch ist wieder +die Unendlichkeit, in einer neuen eigenthuemlichen Form. + +Der Exponent ist Grenze der Seiten seines Verhaeltnisses, innerhalb +deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, dem sie nach der +affirmativen Bestimmtheit, die er als Quantum ist, nicht gleich +werden koennen. So als Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens ist er +a) ihr Jenseits, deni sie sich unendlich naehern, aber das sie nicht +erreichen koennen. Diese Unendlichkeit, als in der sie sich ihm +naehern, ist die schlechte des unendlichen Progresses; sie ist selbst +endlich, hat in ihrem Gegentheil, in der Endlichkeit jeder Seite und +des Exponenten selbst, ihre Schranke, und ist daher nur Naeherung. +Aber ss) die schlechte Unendlichkeit ist hier zugleich gesetzt, als +das was sie in Wahrheit ist, naemlich nur das negative Moment +ueberhaupt, nach welchem der Exponent gegen die unterschiedenen Quanta +des Verhaeltnisses die einfache Grenze als das Ansichseyn ist, auf das +ihre Endlichkeit, als das schlechthin Veraenderliche, bezogen wird, +aber schlechthin von ihnen verschieden, als ihre Negation, bleibt. +Diess Unendliche, dem sich dieselben nur annaehern koennen, ist dann +gleichfalls als affirmatives Diesseits vorhanden und gegenwaertig; das +simple Quantum des Exponenten. Darin ist das Jenseits, mit dem die +Seiten des Verhaeltnisses behaftet sind, erreicht; es ist an sich die +Einheit beider oder damit an sich die andre Seite einer jeden; denn +jede hat nur so viel Werth, als die andere nicht hat, ihre ganze +Bestimmtheit liegt so in der andern, und diess ihr Ansichseyn ist als +affirmative Unendlichkeit einfach der Exponent. + +3. Hiermit aber hat sich der Uebergang des umgekehrten Verhaeltnisses +in eine andere Bestimmung ergeben, als es zunaechst hatte. Diese +bestand darin, dass ein Quantum als unmittelbares zugleich auf ein +anderes die Beziehung hat, um so viel groesser zu seyn, als dieses +kleiner ist, durch negatives Verhalten gegen das andere zu seyn, was +es ist; ebenso ist eine dritte Groesse die gemeinsame Schranke dieses +ihres Groesserwerdens. Diese Veraenderung ist hier, im Gegensatze gegen +das Qualitative als feste Grenze, ihre Eigenthuenilichkeit; sie haben +die Bestimmung von veraenderlichen Groessen, fuer welche jenes Feste ein +unendliches Jenseits ist. + +Die Bestimmungen aber, die sich gezeigt und die wir zusammen zu +fassen haben, sind, nicht nur, dass diess unendliche Jenseits zugleich +als ein gegenwaertiges und irgend ein endliches Quantum ist, sondern +dass seine Festigkeit, wodurch es solches unendliches Jenseits gegen +das Quantitative ist, und die das Qualitative des Seyns nur als +abstrakte Beziehung auf sich selbst ist, sich als Vermittelung seiner +in seinem Andern, den Endlichen des Verhaeltnisses, mit sich selbst, +entwickelt hat. Das Allgemeine hiervon liegt darin, dass ueberhaupt +das Ganze als Exponent die Grenze des gegenseitigen Begrenzens der +beiden Glieder, also die Negation der Negation, somit die +Unendlichkeit, affirmatives Verhalten zu sich selbst, gesetzt ist. +Das Bestimmtere ist, dass an sich der Exponent schon als Produkt die +Einheit der Einheit und der Anzahl, jedes der beiden Glieder aber nur +das eine dieser beiden Momente ist, wodurch er sie also in sich +schliesst und in ihnen an sich sich auf sich bezieht. Aber der +Unterschied ist im umgekehrten Verhaeltnisse zur Aeusserlichkeit des +quantitativen Seyns entwickelt, und das Qualitative nicht bloss das +Feste, noch nur die Momente unmittelbar in sich einschliessend, +sondern in dem aussersichseyenden Andersseyn sich mit sich +zusammenschliessend vorhanden. Diese Bestimmung ist es, die sich als +Resultat in den Momenten, die sich gezeigt, heraushebt. Der Exponent +ergiebt sich naemlich als das Ansichseyn, dessen Momente in Quantis +und in deren Veraenderlichkeit ueberhaupt realisirt ist; die +Gleichgueltigkeit ihrer Groessen in ihrer Veraenderung stellt sich als +unendlicher Progress dar; was dem zu Grunde liegt, ist, dass in ihrer +Gleichgueltigkeit diess ihre Bestimmtheit ist, ihren Werth in dem +Werthe des andern zu haben, somit a) nach der affirmativen Seite +ihres Quantums an sich das Ganze des Exponenten zu seyn. Ebenso +haben sie ss) fuer ihr negatives Moment, fuer ihr gegenseitiges +Begrenzen die Groesse des Exponenten, ihre Grenze ist die seinige. Dass +sie keine andere immanente Grenze, eine feste Unmittelbarkeit, mehr +haben, ist in dem unendlichen Progresse ihres Daseyns und ihrer +Begrenzung, in der Negation jedes besondern Werthes, gesetzt. Diese +ist hiernach die Negation des Aussersichseyns des Exponenten, das in +ihnen dargestellt ist, und dieser, d. i. zugleich selbst ein Quantum +ueberhaupt, und in Quanta auch ausgelegt, ist damit gesetzt, als das +in der Negation ihres gleichgueltigen Bestehens sich Erhaltende, mit +sich Zusammengehende, so das Bestimmende solchen Hinausgehens ueber +sich, zu seyn. + +Das Verhaeltniss ist hiermit zum Potenzenverhaeltniss bestimmt. + +C. Potenzverhaeltniss. + +1. Das Quantum in seinem Andersseyn sich identisch mit sich setzend, +sein Hinausgehen ueber sich selbst bestimmend, ist zum Fuersichseyn +gekommen. So qualitative Totalitaet, indem sie sich als entwickelt +setzt, hat sie zu ihren Momenten die Begriffsbestimmungen der Zahl, +die Einheit und die Anzahl; die letztere ist noch im umgekehrten +Verhaeltnisse eine nicht durch die erstere selbst als solche, sondern +anderswoher, durch ein Drittes bestimmte Menge; nun ist sie nur durch +jene bestimmt gesetzt. Diess ist der Fall im Potenzenverhaeltnisse, wo +die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zugleich die Anzahl +gegen sich als Einheit ist. Das Andersseyn, die Anzahl der Einheiten, +ist die Einheit selbst. Die Potenz ist eine Menge von Einheiten, +deren jede diese Menge selbst ist. Das Quantum als gleichgueltige +Bestimmtheit veraendert sich; aber insofern diese Veraendernng ein +Erheben in die Potenz ist, ist diess sein Andersseyn rein durch sich +selbst begrenzt.--Das Quantum ist so in der Potenz als in sich selbst +zurueckgekehrt gesetzt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein +Andersseyn. + +Der Exponent dieses Verhaeltnisses ist nicht mehr ein unmittelbares +Quantum, wie im direkten, und auch im umgekehrten Verhaeltnisse. Er +ist im Potenzenverhaeltniss ganz qualitativer Natur, diese einfache +Bestimmtheit, dass die Anzahl die Einheit selbst, das Quantum in +seinem Andersseyn mit sich selbst identisch ist. Darin liegt +zugleich die Seite seiner quantitativen Natur, dass die Grenze oder +Negation nicht als unmittelbar seyendes, sondern das Daseyn als in +sein Andersseyn kontinuirt gesetzt ist; denn die Wahrheit der +Qualitaet ist eben diess, Quantitaet, die unmittdbare Bestimmtheit als +aufgehobene, zu seyn. + +2. Das Potenzenverhaeltniss erscheint zunaechst als eine aeussere +Veraenderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird; es hat aber +die engere Beziehung auf den Begriff des Quantums, dass dieses in dem +Daseyn, zu welchem es in jenem Verhaeltnisse fortgebildet ist, +denselben erreicht, ihn auf vollstaendige Weise realisirt hat; diess +Verhaeltniss ist die Darstellung dessen, was das Quantum an sich ist, +und drueckt dessen Bestimmtheit oder Qualitaet aus, wodurch es sich von +anderem unterscheidet. Das Quantum ist die gleichgueltige, als +aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, das heisst, die Bestimmtheit als +Grenze, welche ebenso sehr keine ist, in ihr Andersseyn sich +kontinuirt, in ihm sich also identisch mit sich bleibt; so ist es im +Potenzenverhaeltniss gesetzt; sein Andersseyn, Hinausgehen ueber sich in +ein anders Quantum, als durch es selbst bestimmt. + +Vergleichen wir den Fortgang dieser Realisirung in den bisherigen +Verhaeltnissen, so ist die Qualitaet des Quantums, als Unterschied +seiner von sich selbst gesetzt zu seyn, ueberhaupt diess, Verhaeltniss zu +seyn. Als direktes Verhaeltniss ist es als solcher gesetzte +Unterschied nur erst ueberhaupt oder unmittelbar, so dass seine +Beziehung auf sich selbst, die es gegen seine Unterschiede, als der +Exponent hat, nur als die Festigkeit einer Anzahl der Einheit gilt. +Im umgekehrten Verhaeltniss ist das Quantum in negativer Bestimmung ein +Verhalten seiner zu sich selbst,--zu sich als seiner Negation, in der +es aber seinen Werth hat; als affirmative Beziehung auf sich ist es +ein Exponent, der als Quantum nur an sich das Bestimmende seiner +Momente ist. Im Potenzenverhaeltniss aber ist es in dem Unterschied +als seiner von sich selbst vorhanden. Die Aeusserlichkeit der +Bestimmtheit ist die Qualitaet des Quantums, diese Aeusserlichkeit ist +so nun seinem Begriffe gemaess als sein eigenes Bestimmen, als seine +Beziehung auf sich selbst, seine Qualitaet, gesetzt. + +3. Damit aber, dass das Quantum gesetzt ist, wie es seinem Begriffe +gemaess ist, ist es in eine andere Bestimmung uebergegangen; oder wie es +auch ausgedrueckt werden kann, dass seine Bestimmung nun auch als die +Bestimmtheit, das Ansichseyn auch als Daseyn ist. Es ist als Quantum, +insofern die Aeusserlichkeit oder Gleichgueltigkeit des Bestimmtseyns +(--dass es das ist, wie man sagt, was vergroessert oder vermindert +werden kann) nur einfach oder unmittelbar gilt und gesetzt ist; es +ist zu seinem Andern, der Qualitaet, geworden, insofern jene +Aeusserlichkeit nun als vermittelt durch es selbst, so als ein Moment +gesetzt ist, dass es eben in ihr sich auf sich selbst bezieht, Seyn +als Qualitaet ist. + +Zunaechst erscheint also die Quantitaet als solche der Qualitaet +gegenueber; aber die Quantitaet ist selbst eine Qualitaet, sich auf sich +beziehende Bestimmtheit ueberhaupt, unterschieden von der ihr andern +Bestimmtheit, von der Qualitaet als solcher. Allein sie ist nicht nur +eine Qualitaet, sondern die Wahrheit der Qualitaet selbst ist die +Quantitaet; jene hat sich als in diese uebergehend gezeigt. Die +Quantitaet ist dagegen in ihrer Wahrheit die in sich selbst +zurueckgekehrte, nicht gleichgueltige Aeusserlichkeit. So ist sie die +Qualitaet selbst, so dass ausser dieser Bestimmung nicht die Qualitaet +als solche noch etwas waere.--Dass die Totalitaet gesetzt sey, dazu +gehoert der gedoppelte Uebergang, nicht nur der der einen Bestimmtheit +in ihre andere, sondern ebenso der Uebergang dieser andern, ihr +Rueckgang, in die erste. Durch den ersten ist nur erst an sich die +Identitaet beider vorhanden;--die Qualitaet ist in der Quantitaet +enthalten, die aber damit noch eine einseitige Bestimmtheit ist. Dass +diese umgekehrt ebenso in der ersten enthalten, sie ebenso nur als +aufgehobene ist, ergiebt sich im zweiten Uebergang,--der Rueckkehr in +das erste; diese Bemerkung ueber die Nothwendigkeit des doppelten +Uebergangs ist von grosser Wichtigkeit fuer das Ganze der +wissenschaftlichen Methode. + +Das Quantum nunmehr als gleichgueltige oder aeusserliche Bestimmung, so +dass es ebenso als solche aufgehoben, und die Qualitaet und das ist, +wodurch etwas das ist, was es ist, ist die Wahrheit des Quantums, +Maass zu seyn. + +Anmerkung. + +Es ist oben, in den Anmerkungen ueber das Quantitativ-Unendliche +auseinander gesetzt worden, dass dieses so wie die Schwierigkeiten, +die sich darueber ergeben, in dem qualitativen Momente, das sich im +Quantitativen hervorthut, ihren Ursprung haben, und wie das +Qualitative des Potenzenverhaeltnisses insbesondere, in die +mannigfaltigen Entwickelungen und Verwickelungen ausgeht; als der +Grundmangel, der die Auffassung des Begriffes verhindert, wurde auf +gezeigt, dass bei dem Unendlichen nur nach der negativen Bestimmung, +die Negation des Quantums zu seyn, stehen geblieben und nicht zu der +einfachen Bestimmung, dem Affirmativen, dass dieses das Qualitative +ist, fortgegangen wird.--Hier bleibt nur uebrig, noch eine Bemerkung +ueber die in der Philosophie geschehene Einmischung von Formen des +Quantitativen in die reinen qualitativen Formen des Denkens, zu +machen. Besonders ist es das Potenzenverhaeltniss, welches in neuerer +Zeit auf Begriffsbestimmungen angewendet worden ist. Der Begriff in +seiner Unmittelbarkeit wurde die erste Potenz, in seinem Andersseyn +oder der Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweite, und in +seiner Rueckkehr in sich oder als Totalitaet die dritte Potenz genannt. +--Hiergegen faellt sogleich auf, dass die Potenz so gebraucht eine +Kategorie ist, die dem Quantum wesentlich angehoert;--es ist bei +diesen Potenzen nicht an die potentia,... des Aristoteles gedacht. +So drueckt das Potenzenverhaeltniss die Bestimmtheit aus, wie dieselbe +als der Unterschied, wie er im besondern Begriffe des Quantums ist, +zu seiner Wahrheit gelangt, aber nicht wie derselbe am Begriffe als +solchem ist. Das Quantum enthaelt die Negativitaet, welche zur Natur +des Begriffs gehoert, noch gar nicht in dessen eigenthuemlicher +Bestimmung gesetzt; Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind +oberflaechliche Bestimmungen fuer den Begriff selbst; sie sind noch +weit entfernt, bestimmt zu seyn, wie sie es im Begriffe sind. Es ist +in der Kindheit des Philosophirens, dass wie von Pythagoras +Zahlen--und erste, zweite Potenz u.s.f. haben insofern vor Zahlen +nichts voraus,--zur Bezeichnung allgemeiner, wesentlicher +Unterschiede gebraucht worden sind. Es war diess eine Vorstufe des +reinen denkenden Erfassens; nach Pythagoras erst sind die +Gedankenbestimmungen selbst erfunden, d. i. fuer sich zum Bewusstseyn +gebracht worden. Aber von solchen weg zu Zahlenbestimmungen +zurueckzugehen, gehoert einem sich unvermoegend fuehlenden Denken an, das +nun im Gegensatze gegen vorhandene philosophische Bildung, die an +Gedankenbestimmungen gewohnt ist, selbst das Laecherliche hinzufuegt, +jene Schwaeche fuer etwas Neues, Vornehmes und fuer einen Fortschritt +geltend machen zu wollen. + +Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Symbol gebraucht wird, so ist +dagegen so wenig zu sagen, als gegen die Zahlen oder Symbole anderer +Art fuer Begriffe; aber zugleich ebenso viel, als gegen alle Symbolik +ueberhaupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische +Bestimmungen dargestellt werden sollen. Die Philosophie bedarf +solche Huelfe nicht, weder aus der sinnlichen Welt, noch aus der +vorstellenden Einbildungskraft, auch nicht aus Sphaeren ihres +eigenthuemlichen Bodens, welche untergeordnet sind, deren Bestimmungen +daher nicht fuer hoehere Kreise und fuer das Ganze passen. Das Letztere +geschieht, wenn ueberhaupt Kategorien des Endlichen auf das Unendliche +angewendet werden; die gelaeufigen Bestimmungen von Kraft, oder +Substantialitaet, Ursache und Wirkung u.s.f. sind gleichfalls nur +Symbole fuer den Ausdruck z.B. lebendiger oder geistiger +Verhaeltnisse, d. i. unwahre Bestimmungen fuer dieselben, so noch mehr +die Potenzen des Quantums und gezaehlte Potenzen, fuer dergleichen und +fuer spekulative Verhaeltnisse ueberhaupt.--Wenn Zahlen, Potenzen, das +Mathematisch-Unendliche und dergleichen nicht als Symbole, sondern +als Formen fuer philosophische Bestimmungen, und damit selbst als +philosophische Formen sollen gebraucht werden, so muesste vor Allem +ihre philosophische Bedeutung, d. i. ihre Begriffsbestimmtheit +aufgezeigt werden. Geschieht diess, so sind sie selbst ueberfluessige +Bezeichnungen; die Begriffsbestimmtheit bezeichnet sich selbst, und +ihre Bezeichnung ist allein die richtige und passende. Der Gebrauch +jener Formen ist darum weiter nichts, als ein bequemes Mittel, es zu +ersparen, die Begriffsbestimmungen zu fassen, anzugeben und zu +rechtfertigen. + + + + +Dritter Abschnitt. Das Maass. + +Im Maasse sind, abstrakt ausgedrueckt, Qualitaet und Quantitaet vereinigt. +Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit der Bestimmtheit +mit sich selbst. Diese Unmittelbarkeit der Bestimmtheit hat sich +aufgehoben. Die Quantitaet ist das so in sich zurueckgekehrte Seyn, +dass es einfache Gleichheit mit sich als Gleichgueltigkeit gegen die +Bestimmtheit ist. Aber diese Gleichgueltigkeit ist nur die +Aeusserlichkeit, nicht an sich selbst, sondern in Anderem die +Bestimmtheit zu haben. Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst +beziehende Aeusserlichkeit; als Beziehung auf sich ist es zugleich +aufgehobene Aeusserlichkeit, und hat an ihr selbst den Unterschied von +sich,--der als Aeusserlichkeit das quantitative, als in sich +zurueckgenommene, das qualitative Moment ist. + +Indem die Modalitaet, unter den Kategorien des transcendentalen +Idealismus, nach der Quantitaet und Qualitaet, auf Einschiebung der +Relation, aufgefuehrt wird, so kann derselben hier erwaehnt werden. +Diese Kategorie hat daselbst die Bedeutung, die Beziehung des +Gegenstandes auf das Denken zu seyn. Im Sinne jenes Idealismus ist +das Denken ueberhaupt dem Ding-an-sich wesentlich aeusserlich. Insofern +die andern Kategorien nur die transcendentale Bestimmung haben, dem +Bewusstseyn, aber als das Objektive desselben, anzugehoeren, so enthaelt +die Modalitaet, als die Kategorie der Beziehung auf das Subjekt, +insofern relativ die Bestimmung der Reflexion in sich; d.h. die +Objektivitaet, welche den andern Kategorien zukomme, mangelt denen der +Modalitaet; diese vermehren, nach Kants Ausdruck, den Begriffe als +Bestimmung des Objekts nicht im mindesten, sondern druecken nur das +Verhaeltniss zum Erkenntnissvermoegen aus, (Kr. d. rein. Vern. 2te Aufl. +s. S. 99, 266).--Die Kategorien, die Kant unter der Modalitaet +zusammenfasst, Moeglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit, werden in +der Folge an ihrer Stelle vorkommen; Kant hat die unendlich wichtige +Form der Triplicitaet, so sehr sie bei ihm nur erst als ein formeller +Lichtfunken erschienen, nicht auf die Gattungen seiner Kategorien +(Quantitaet, Qualitaet u.s.f.) wie auch diesen Namen, nur auf deren +Arten angewendet; daher hat er nicht auf das Dritte der Qualitaet und +Quantitaet kommen koennen. + +Bei Spinoza ist der Modus nach Substanz und Attribut gleichfalls das +Dritte; er erklaert ihn fuer die Affektionen der Substanz, oder fuer +dasjenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen +wird. Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur die Aeusserlichkeit +als solche; wie sonst erinnert worden, dass bei Spinoza ueberhaupt der +starren Substantialitaet die Rueckkehr in sich selbst fehlt. + +Die hier gemachte Bemerkung dehnt sich allgemeiner auf die Systeme +des Pantheismus aus, welche der Gedanke etwas ausgebildet hat. Das +Seyn, das Eine, die Substanz, das Unendliche, das Wesen ist das Erste; +gegen dieses Abstraktum kann das Zweite, alle Bestimmtheit, +ueberhaupt als das nur Endliche, nur Accidentelle, Vergaengliche, +Ausser- und Unwesentliche u.s.f., ebenso abstrakt zusammengefasst +werden wie in dem ganz formalen Denken gewoehnlich und zunaechst +geschieht. Aber es draengt sich zu sehr der Zusammenhang dieses +Zweiten mit dem Ersten auf, um es nicht zugleich in einer Einheit mit +demselben zu fassen, wie das Attribut bei Spinoza die ganze Substanz +ist, aber von dem Verstand, selbst einer Beschraenkung oder Modus, +gefasst; der Modus aber, das Nichtsubstantielle ueberhaupt, das nur aus +einem Andern gefasst werden kann, macht so das andere Extrem zu der +Substanz, das Dritte ueberhaupt, aus. Der indische Pantheismus hat in +seiner ungeheuern Phantasterei gleichfalls, abstrakt genommen, diese +Ausbildung erhalten, die sich durch ihr Massloses hindurch als ein +maessigender Faden zu einigem Interesse zieht, dass Brahm, das Eine des +abstrakten Denkens durch die Gestaltung in Wischnu besonders in der +Form Krischnas, zu dem Dritten, Siwa, fortgeht. Die Bestimmung +dieses Dritten ist der Modus, Veraenderung, Entstehen und Vergehen, +das Feld der Aeusserlichkeit ueberhaupt. Wenn diese indische Dreiheit +zu einer Vergleichung nut der christlichen verleitet hat, so ist in +ihnen zwar ein gemeinsames Element der Begriffsbestimmung zu erkennen, +aber ueber den Unterschied ist wesentlich ein bestimmteres Bewusstseyn +zu fassen; derselbe ist nicht nur unendlich, sondern die wahrhafte +Unendlichkeit macht den Unterschied selbst aus. Jenes dritte Princip +ist seiner Bestimmung nach das Auseinanderfahren der substantiellen +Einheit, in ihr Gegegentheil, nicht die Rueckkehr derselben zu sich, +--das Geistlose vielmehr, nicht der Geist. In der wahrhaften +Dreiheit, ist nicht nur Einheit, sondern Einigkeit, der Schluss zur +inhaltsvollen und wirklichen Einheit, die in ihrer ganz konkreten +Bestimmung der Geist ist, gebracht. Jenes Princip des Modus und der +Veraenderung schliesst wohl die Einheit nicht ueberhaupt aus; wie +naemlich im Spinozismus eben der Modus als solcher das Unwahre und nur +die Substanz das wahrhafte ist, Alles auf diese zurueckgefuehrt werden +soll, welches dann ein Versenken alles Inhalts in die Leerheit, in +nur formelle, inhaltslose Einheit ist, so ist auch Siwa wieder das +grosse Ganze, von Brahm nicht unterschiedene, Brahm selbst; d. h. der +Unterschied und die Bestimmtheit verschwindet nur wieder, aber wird +nicht aufbewahrt, nicht aufgehoben, und die Einheit wird nicht zur +konkreten Einheit, die Entzweiung nicht zur Versoehnung zurueckgefuehrt. +Das hoechste Ziel fuer den in die Sphaere des Entstehens und Vergehens, +der Modalitaet ueberhaupt versetzten Menschen ist die Versenkung in die +Bewusstlosigkeit, die Einheit mit Brahm, die Vernichtung; dasselbe ist +das buddhistische Nirvana, Nieban u.s.f. + +Wenn nun der Modus ueberhaupt die abstrakte Aeusserlichkeit, die +Gleichgueltigkeit gegen die qualitativen wie gegen die quantitativen +Bestimmungen ist, und es im Wesen auf das Aeusserliche, Unwesentliche +nicht ankommen soll, so wird auch wieder in Vielem zugestanden, dass +alles auf die Art und Weise ankomme; der Modus wird damit selbst fuer +wesentlich zum Substantiellen einer Sache gehoerig erklaert; in welcher +sehr unbestimmten Beziehung wenigstens diess liegt, dass diess +Aeusserliche nicht so abstrakt das Aeusserliche sey. + +Hier hat der Modus die bestimmte Bedeutung das Maass zu seyn. Der +Spinozistische Modus, wie das indische Princip der Veraenderung ist +das Maasslose. Das griechische selbst noch unbestimmte Bewusstseyn, +dass Alles ein Maass hat, so dass selbst Parmenides nach dem abstrakten +Seyn die Nothwendigkeit, als die alte Grenze, die Allem gesetzt ist, +eingefuehrt, ist der Anfang eines viel hoehern Begriffs als die +Substanz und der Unterschied des Modus von derselben enthaelt.-Das +entwickeltere, reflektirtere Maass ist die Nothwendigkeit; das +Schicksal, die Nemesis, schraenkt sich im Allgemeinen auf die +Bestimmtheit des Maasses ein, dass was sich vermesse, zu gross, zu hoch +mache, auf das andere Extrem der Herabsetzung zur Nichtigkeit +reducirt, und damit die Mitte des Maasses, die Mittelmaessigkeit, +hergestellt werde.--Das Absolute, Gott ist das Maass aller Dinge, ist +nicht staerker pantheistisch als die Definition: das Absolute, Gott +ist das Seyn, aber unendlich wahrhafter.--Das Maass ist zwar +aeusserliche Art und Weise, ein Mehr oder Weniger, welches aber +zugleich ebenso in sich reflektirt, nicht bloss gleichgueltige und +aeusserliche, sondern an sich seyende Bestimmtheit ist; es ist so die +konkrete Wahrheit des Seyns; in dem Maasse haben darum die Voelker +etwas Unantastbares, Heiliges verehrt. + +Es liegt in dem Maasse bereits die Idee des Wesens, naemlich in der +Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn, so dass +jene Unmittelbarkeit durch diese Identitaet-mit-sich zu einem +Vermittelten herabgesetzt ist, wie diese ebenso nur durch diese +Aeusserlichkeit vermittelt aber die Vermittelung mit sich ist;--die +Reflexion, deren Bestimmungen sind, aber in dieseni Seyn schlechthin +nur als Momente ihrer negativen Einheit. Im Maasse ist das +Qualitative quantitativ; die Bestimmtheit oder der Unterschied ist +als gleichgueltig, damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; er +ist aufgehoben; diese Quantitativitaet macht als Rueckkehr in sich, +worin sie als das Qualitative ist, das An- und Fuersichseyn aus, +welches das Wesen ist. Aber das Maass ist erst an sich oder im +Begriffe das Wesen; dieser Begriff des Maasses ist noch nicht gesetzt. +Das Maass noch als solches ist selbst die seyende Einheit des +Qualitativen und Quantitativen; seine Momente sind als ein Daseyn, +eine Qualitaet und Quanta derselben, die nur erst an sich untrennbar, +aber noch nicht die Bedeutung dieser reflektirten Bestimmung haben. +Die Entwicklung des Maasses, enthaelt die Unterscheidung dieser Momente, +aber zugleich die Beziehung derselben, so dass die Identitaet, welche +sie an sich sind, als ihre Beziehung aufeinander wird, d. i. gesetzt +wird. Die Bedeutung dieser Entwickelung ist die Realisation des +Maasses, in der es sich zu sich selbst ins Verhaeltniss, und damit +zugleich als Moment setzt; durch diese Vermittelung wird es als +Aufgehobenes bestimmt; seine Unmittelbarkeit wie die seiner Momente +verschwindet, sie sind als reflektirte; so als das hervorgetreten, +was es seinem Begriffe nach ist, ist es in das Wesen uebergegangen. + +Das Maass ist zunaechst unmittelbare Einheit des Qualitativen und +Quantitativen, so dass + +erstens ein Quantum ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maass +ist. Dessen Fortbestimmung ist, dass an ihm, dem an sich bestimmten, +--der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen +Bestimmtseyns, hervortritt. Diese Momente bestimmen sich weiter +selbst zu Ganzen des Maasses, welche insofern als Selbststaendige sind; +indem sie sich wesentlich aufeinander beziehen, wird das Maass + +zweitens Verhaeltniss von specifischen Quantis, als selbststaendigen +Maassen. Ihre Selbststaendigkeit beruht aber wesentlich zugleich auf +dem quantitativen Verhaeltnisse und dem Groessenunterschiede; so wird +ihre Selbststaendigkeit ein Uebergehen in einander. Das Maass geht +damit im Maasslosen zu Grunde.--Diess Jenseits des Maasses ist aber die +Negativitaet desselben nur an sich selbst; es ist dadurch + +drittens die Indifferenz der Maassbestimmungen, und als reell mit der +in ihr enthaltenen Negativitaet das Maass gesetzt, als umgekehrtes +Verhaeltniss von Maassen, welche als selbststaendige Qualitaeten +wesentlich nur auf ihrer Quantitaet und auf ihrer negativen Beziehung +aufeinander beruhen, und damit sich erweisen, nur Momente ihrer +wahrhaft selbststaendigen Einheit zu seyn, welche ihre +Reflexion-in-sich und das Setzen derselben, das Wesen, ist. + +Die Entwickelung des Maasses, die im Folgenden versucht worden, ist +eine der schwierigsten Materien; indem sie von dem unmittelbaren, +aeusserlichen Maasse anfaengt, haette sie einer Seits zu der abstrakten +Fortbestimmung des Quantitativen (einer Mathematik der Natur) +fortzugehen, anderer Seits den Zusammenhang dieser Maassbestimmung mit +den Qualitaeten der natuerlichen Dinge anzuzeigen, wenigstens im +Allgemeinen; denn die bestimmte Nachweisung des aus dem Begriffe des +konkreten Gegenstandes hervorgehenden Zusammenhangs des Qualitativen +und Quantitativen gehoert in die besondere Wissenschaft des Konkreten; +wovon Beispiele in der Encykl. der philos. Wissensch. 3te Aufl. _. +267 u. 270 Anm. das Gesetz des Falles und das der freien himmlischen +Bewegung betreffend, nachzusehen sind. Es mag hierbei diess ueberhaupt +bemerkt werden, dass die verschiedenen Formen, in welchen sich das +Maass realisirt, auch verschiedenen Sphaeren der natuerlichen Realitaet +angehoeren. Die vollstaendige, abstrakte Gleichgueltigkeit des +entwickelten Maasses d. i. der Gesetze desselben kann nur in der +Sphaere des Mechanismus Statt haben, als in welchem das konkrete +Koerperliche nur die selbst abstrakte Materie ist; die qualitativen +Unterschiede derselben haben wesentlich das Quantitative zu ihrer +Bestimmtheit; Raum und Zeit sind die reinen Aeusserlichkeiten selbst, +und die Menge der Materien, Massen, Intensitaet des Gewichts, sind +ebenso aeusserliche Bestimmungen, die an dem Quantitativen ihre +eigenthuemliche Bestimmtheit haben. Dagegen wird solche +Groessebestimmtheit des abstrakt Materiellen schon durch die Mehrheit +und damit einen Konflikt von Qualitaeten, im Physikalischen, noch mehr +aber im Organischen gestoert. Aber es tritt hier nicht bloss der +Konflikt von Qualitaeten als solchen ein, sondern das Maass wird hier +hoehern Verhaeltnissen untergeordnet, und die immanente Entwicklung des +Maasses vielmehr auf die einfache Form des unmittelbaren Maasses +reducirt. Die Glieder des animalischen Organismus haben ein Maass, +welches als ein einfaches Quantum im Verhaeltniss zu andern Quantis der +andern Glieder steht; die Proportionen des menschlichen Koerpers sind +die festen Verhaeltnisse von solchen Quantis; die Naturwissenschaft +hat noch weithin, von dem Zusammenhange solcher Groessen mit den +organischen Funktionen, von denen sie ganz abhaengig sind, etwas +einzusehen. Aber von der Herabsetzung eines immanenten Maasses zu +einer bloss aeusserlich determinirten Groesse ist die Bewegung das naechste +Beispiel. An den Himmelskoerpern ist sie die freie nur durch den +Begriff bestimmte Bewegung, deren Groessen hiermit ebenso nur von +demselben abhaengen (s. oben), aber von dem Organischen wird sie zur +willkuerlichen oder mechanisch-regelmaessigen, d. h. ueberhaupt +abstrakten formellen Bewegung herunter gesetzt. + +Noch weniger aber findet im Reich des Geistes eine eigenthuemliche, +freie Entwicklung des Maasses Statt. Man sieht z.B. wohl ein, dass +eine republikanische Verfassung, wie die atheniensische oder eine +durch Demokratie versetzte aristokratische nur bei einer gewissen +Groesse des Staats Platz haben kann; dass in der entwickelten +buergerlichen Gesellschaft die Mengen von Individuen, welche den +verschiedenen Gewerben angehoeren, in einem Verhaeltnisse mit einander +stehen; aber diess giebt weder Gesetze von Maassen noch eigenthuemliche +Formen desselben. Im Geistigen als solchen kommen Unterschiede von +Intensitaet des Charakters, Staerke der Einbildungskraft, der +Empfindungen, der Vorstellungen u.s.f. vor; aber ueber diess +Unbestimmte der Staerke oder Schwaeche geht die Bestimmung nicht hinaus. +Wie matt und voellig leer die sogenannten Gesetze ausfallen, die +ueber das Verhaeltniss von Staerke und Schwaeche der Empfindungen, +Vorstellungen u.s.f. aufgestellt werden, wird man inne, wenn man die +Psychologien nachsieht, welche sich mit dergleichen bemuehen. + + + +Erstes Kapitel. Die specifische Quanititaet. + + +Die qualitative Quantitaet ist zunaechst ein unmittelbares specifisches +Quantum; das + +zweitens, als sich zu Anderem verhaltend, ein quantitatives +Specificiren, ein Aheben des gleichgueltigen Quantums wird. Dieses +Maass, ist insofern eine Regel und enthaelt die beiden Momente des +Maasses unterschieden, naemlich die ansichseyende quantitative +Bestimmtheit, und das aeusserliche Quantum. In diesem Unterschiede +werden aber diese beiden Seiten zu Qualitaeten, und die Regel zu einem +Verhaeltnisse derselben; das Maass stellt sich daher dar + +drittens als Verhaeltniss von Qualitaeten, die zunaechst Ein Maass haben; +das sich aber ferner so zu einem Unterschiede von Maassen in sich +specificirt. + +A. Das specifische Quantum. + +1. Das Maass ist die einfache Beziehung des Quantums auf sich, seine +eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ. +Zunaechst ist es als unmittelbares Maass, ein unmittelbares, daher als +irgend ein bestimmtes, Quantum; ebenso unmittelbar ist die ihm +zugehoerige Qualitaet, sie ist irgend eine bestimmte Qualitaet.--Das +Quantum als diese nicht mehr gleichgueltige Grenze sondern auf sich +beziehende Aeusserlichkeit, ist so selbst die Qualitaet, und +unterschieden von dieser geht es nich ueber sie hinaus, so wie diese +nicht ueber dasselbe hinausgeht. Es ist in die einfache Gleichheit +mit sich zurueckgekehrte Bestimmtheit; eins mit dem bestimmten Daseyn, +so wie dieses mit seinem Quantum. + +Wenn man aus der erhaltenen Bestimmung einen Satz machen will, so +kann man sich ausdruecken: Alles, was da ist, hat ein Maass. Alles +Daseyn hat eine Groesse, und diese Groesse gehoert zur Natur von Etwas +selbst; sie macht seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus. +Etwas ist gegen diese Groesse nicht gleichgueltig, so dass wenn sie +geaendert wuerde, es bliebe was es ist, sondern die Aenderung derselben +aenderte seine Qualitaet. Das Quantum hat als Maass aufgehoert Grenze zu +seyn, die keine ist; es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so dass +diese, ueber diess Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge. +--Ein Maass, als Maassstab im gewoehnlichen Sinne, ist ein Quantum, das +als die an sich bestimmte Einheit gegen aeusserliche Anzahl willkuerlich +angenommen wird. Eine solche Einheit kann zwar auch in der That an +sich bestimmte Einheit seyn, wie Fuss und dergleichen urspruengliche +Maasse; insofern sie aber als Maassstab zugleich fuer andere Dinge +gebraucht wird, ist sie fuer diese nur aeusserliches, nicht ihr +urspruengliches Maass.--So mag der Erddurchmesser, oder die Pendellaenge, +als specifisches Quantum fuer sich genommen werden. Aber es ist +willkuerlich, den wievielsten Theil des Erddurchmessers oder der +Pendellaenge und unter welchem Breitengrade man diese nehmen wolle, um +sie als Maassstab zu gebrauchen. Noch mehr aber ist fuer andere Dinge +ein solcher Maassstab etwas Aeusserliches. Diese haben das allgemeine +specifische Quantum wieder auf besondere Art specificirt, und sind +dadurch zu besondern Dingen gemacht. Es ist daher thoericht, von +einem natuerlichen Maassstab der Dinge zu sprechen. Ohnehin soll ein +allgemeiner Maassstab nur fuer die aeusserliche Vergleichung dienen; in +diesem oberflaechlichsten Sinne, in welchem er als allgemeines Maass +genommen wird, ist es voellig gleichgueltig, was dafuer gebraucht wird. +Es soll nicht ein Grundmaass in dem Sinne seyn, dass die Naturmaasse der +besondern Dinge daran dargestellt und daraus nach einer Regel, als +Specifikationen Eines allgemeinen Maasses, des Maasses ihres +allgemeinen Koerpers, erkannt wuerden. Ohne diesen Sinn aber hat ein +absoluter Maassstab nur das Interesse und die Bedeutung eines +Gemeinschaftlichen, und ein solches ist nicht an sich, sondern durch +Uebereinkommen ein Allgemeines. + +Das unmittelbare Maass ist eine einfache Groessenbestimmung; wie z.B. +die Groesse der organischen Wesen, ihrer Gliedmassen und so fort. Aber +jedes Existirende hat eine Groesse, um das zu seyn, was es ist, und +ueberhaupt um Daseyn zu haben.--Als Quantum ist es gleichgueltige Groesse, +aeusserlicher Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und +Weniger faehig. Aber als Maass ist es zugleich von sich selbst als +Quantum, als solcher gleichgueltiger Bestimmung, verschieden und eine +Beschraenkung jenes gleichgueltigen Hin- und Hergehens an einer Grenze. + +Indem die Quantitaetsbestimmtheit so an dem Daseyn die gedoppelte ist, +das eine Mal die, an welche die Qualitaet gebunden ist, das andere Mal +aber die, an der unbeschadet jener hin- und hergegangen werden kann, +so geschieht das Untergehen von Etwas, das ein Maass hat, darin dass +sein Quantum veraendert wird. Diess Untergehen erscheint eines Theils +als unerwartet, insofern an dem Quantum, ohne das Maass und die +Qualitaet zu veraendern, geaendert werden kann, andern Theils aber wird +es zu einem als ganz Begreiflichen gemacht, naemlich durch die +Allmaehligkeit. Zu dieser Kategorie wird so leicht gegriffen, um das +Vergehen von einer Qualitaet oder von Etwas vorstellig zu machen oder +zu erklaeren, indem man so dem Verschwinden beinahe mit den Augen +zusehen zu koennen scheint, weil das Quantum die als aeusserliche, ihrer +Natur nach veraenderliche Grenze gesetzt ist, hiermit die Veraenderung, +als nur des Quantums, sich von selbst versteht. In der That aber +wird nichts dadurch erklaert; die Veraenderung ist zugleich wesentlich +der Uebergang einer Qualitaet in eine andere, oder der abstraktere von +einem Daseyn in ein Nichtdaseyn; darin liegt eine andere Bestimmung +als in der Allmaehligkeit, welche nur eine Verminderung oder +Vermehrung, und das einseitige Festhalten an der Groesse ist. + +2. Dass aber eine als bloss quantitativ erscheinende Veraenderung auch +in eine qualitative umschlaegt, auf diesen Zusammenhang sind schon die +Alten aufmerksam gewesen, und haben die der Unkenntniss desselben +entstehenden Kollisionen in populaeren Beispielen vorgestellt; unter +den Namen des Kahlen, des Haufens sind hierher gehoerige Elenchen +bekannt, d. i. nach des Aristoteles Erklaerung, Weisen, wodurch man +genoethigt wird, das Gegentheil von dem zu sagen, was man vorher +behauptet hatte. Man fragte: macht das Ausraufen Eines Haares vom +Kopfe oder einem Pferdeschweife kam, oder hoert ein Haufe auf ein +Haufe zu seyn, wenn ein Korn weggenommen wird. Diess kann man +unbedenklich zugeben, indem solche Wegnahme nur einen und zwar selbst +ganz unbedeutenden quantitativen Unterschied ausmacht; so wird Ein +Haar, Ein Korn weggenommen, und diess so wiederholt, dass jedesmal nach +dem, was zugegeben worden, nur Eines weggenommen wird; zuletzt zeigt +sich die qualitative Veraenderung, dass der Kopf, der Schweiff kahl, +der Haufe verschwunden ist. Man vergass bei jenem Zugeben nicht nur +die Wiederhohlung, sondern dass sich die fuer sich unbedeutenden +Quantitaeten (wie die fuer sich unbedeutenden Ausgaben von einem +Vermoegen) summiren, und die Summe das qualitativ Ganze ausmacht, so +dass am Ende dieses verschwunden, der Kopf kahl, der Beutel leer ist. + +Die Verlegenheit, der Widerspruch, welcher als Resultat herauskommt, +ist nicht etwas Sophistisches im gebraeuchlichen Sinne des Worts, als +ob solcher Widerspruch eine falsche Vorspiegelung waere. Das Falsche +ist, was der angenommene Andere, d. h. unser gewoehnliches Bewusstseyn +begeht, eine Quantitaet nur fuer eine gleichgueltige Grenze d. h. sie +eben im bestimmten Sinne einer Quantitaet zu nehmen. Diese Annahme +wird durch die Wahrheit, zu der sie gefuehrt wird, Moment des Maasses +zu seyn und mit der Qualitaet zusammenzuhaengen, konfondirt; was +widerlegt wird, ist das einseitige Festhalten an der abstrakten +Quantumsbestimmtheit.--Jene Wendungen sind darum auch kein leerer +oder pedantischer Spass, sondern in sich richtig und Erzeugnisse eines +Bewusstseyns, das ein Interesse an den Erscheinungen hat, die im +Denken vorkommen. + +Das Quantum, indem es als eine gleichgueltige Grenze genommen wird, +ist die Seite, an der ein Daseyn unverdaechtig angegriffen und zu +Grunde gerichtet wird. Es ist die List des Begriffes ein Daseyn an +dieser Seite zu fassen, von der seine Qualitaet nicht ins Spiel zu +kommen scheint,--und zwar so sehr', dass die Vergroesserung eines Staats, +eines Vermoegens u.s.f. welche das Unglueck des Staats, des Besitzers +herbeifuehrt, sogar als dessen Glueck zunaechst erscheint. + +3. Das Maass ist in seiner Unmittelbarkeit eine gewoehnliche Qualitaet +von einer bestimmten ihr zugehoerigen Groesse. Von der Seite nun, nach +welcher das Quantum gleichgueltige Grenze ist, an der ohne die +Qualitaet zu aendern hin- und hergegangen werden kann, ist seine andere +Seite, nach welcher es qualitativ, specifisch ist, auch unterschieden. +Beides sind Groessebestimmungen Eines und desselben; aber nach der +Unmittelbarkeit, in der zuerst das Maass ist, ist ferner dieser +Unterschied als ein unmittelbarer zu nehmen, beide Seiten haben +hiernach auch eine verschiedene Existenz. Die Existenz des Maasses, +welche die an sich bestimmte Groesse ist, ist dann in ihrem Verhalten +zu der Existenz der veraenderlichen, aeusserlichen Seite, ein Aufheben +ihrer Gleichgueltigkeit, ein Specificiren desselben. + +B. Specificirendes Maass. + +Dasselbe ist + +erstlich eine Regel, ein Maass aeusserlich gegen das blosse Quantum; + +zweitens specifische Quantitaet, welche das aeusserliche Quantum +bestimmt; + +drittens verhalten sich beide Seiten als Qualitaeten von specifischer +Quantitaetsbestimmtheit gegeneinander, als Ein Maass. + +a. Die Regel. + +Die Regel oder der Maassstab, von dem schon gesprochen worden, ist +zunaechst als eine an sich bestimmte Groesse, welche Einheit gegen ein +Quantum ist, das eine besondere Existenz ist, an einem andern Etwas, +als das Etwas der Regel ist, existirt,--an ihr gemessen, d. i. als +Anzahl jener Einheit bestimmt wird. Diese Vergleichung ist ein +aeusserliches Thun, jene Einheit selbst eine willkuerliche Groesse, die +ebenso wieder als Anzahl (der Fuss als eine Anzahl von Zollen) gesetzt +werden kann. Aber das Maass ist nicht nur aeusserliche Regel, sondern +als specifisches ist es diess, sich an sich selbst zu seinem Andern zu +verhalten, das ein Quantum ist. + +b. Das specificirende Maass. + +Das Maass ist specifisches Bestimmen der aeusserlichen Groesse, d. i. der +gleichgueltigen, die nun voi einer andern Existenz ueberhaupt an dem +Etwas des Maasses gesetzt wird, welches zwar selbst Quantum, aber im +Unterschiede von solchem das Qualitative, bestimmend das bloss +gleichgueltige, aeusserliche Quantum, ist. Das Etwas hat diese Seite +des Seyns-fuer-Anderes an ihm, der das gleichgueltige Vermehrt- und +Vermindertwerden, zukommt. Jenes immanente Messende ist eine +Qualitaet des Etwas, dem dieselbe Qualitaet all einem andern Etwas +gegenuebersteht; aber an diesem zunaechst relativ mit maasslosem Quantum +ueberhaupt gegen jene, die als messend bestimmt ist. + +An Etwas, insofern es ein Maass in sich ist, kommt aeusserlich eine +Veraenderung der Groesse seiner Qualitaet; es nimmt davon nicht die +arithmetische Menge an. Sein Maass reagirt dagegen, verhaelt sich als +ein Intensives gegen die Menge, und nimmt sie auf eine eigenthuemliche +Weise auf; es veraendert die aeusserlich gesetzte Veraenderung, macht aus +diesem Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specifikation +als Fuersichseyn in dieser Aeusserlichkeit.--Diese +specifisch-aufgenommene Menge ist selbst ein Quantum, auch abhaengig +von der andern oder ihr als nur aeusserlichen Menge. Die specificirte +Menge ist daher auch veraenderlich, aber darum nicht ein Quantum als +solches, sondern das aeussere Quantum als auf eine konstante Weise +specificirt. Das Maass hat so sein Daseyn als ein Verhaeltniss, und das +Specifische desselben ist ueberhaupt der Exponent dieses Verhaeltnisses. + +Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich bei diesen +Bestimmungen ergab, dasselbe Quantum, welches das einemal in der Form +der Intensitaet, das anderemal in der Form der Extensitaet vorhanden +ist. Das zu Grunde liegende Quantum erleidet in diesem Unterschiede +keine Veraenderung, dieser ist nur eine aeussere Form. In dem +specificirenden Maasse hingegen ist das Quantum das eine Mal in seiner +unmittelbaren Groesse, das andere Mal aber wird es durch den +Verhaeltnisexponenten in einer andern Anzahl genommen. + +Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunaechst ein fixes +Quantum zu seyn scheinen, als Quotient des Verhaeltnisses zwischen dem +aeusserlichen und dem qualitativ bestimmten. Aber so waere er nichts +als ein aeusserliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts +Anderes als das Moment des Qualitativen selbst zu verstehen, welches +das Quantum als solches specificirt. Das eigentlich immanente +Qualitative des Quantums ist, wie sich frueher ergeben hat, nur die +Potenz-Bestimmung. Eine solche muss es seyn, welche das Verhaeltniss +konstituirt, und die hier als die an sich seyende Bestimmung dem +Quantum als der aeusserlichen Beschaffenheit gegenuebergetreten ist. +Dieses hat zu seinem Princip das numerische Eins, das dessen +An-sich-Bestimmtseyn ausmacht; und die Beziehung des numerischen Eins +ist die aeusserliche und die nur durch die Natur des unmittelbaren +Quantums als solchen bestimmte Veraenderung besteht fuer sich in dem +Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen +und so fort. Wenn so das aeusserliche Quantum in arithmetischer +Progression sich veraendert, so bringt die specificirende Reaktion der +qualitativen Natur des Maasses eine andere Reihe hervor, welche sich +auf die erste bezieht, init ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem +durch einen Zahlexponenten bestimmten, sondern einer Zahl +inkommensurabeln Verhaeltnisse, nach einer Potenzenbestimmung. + +Anmerkung. + +Um ein Beispiel anzufuehren, so ist die Temperatur eine Qualitaet, an +der diese beiden Seiten, aeusserliches und specificirtes Quantum zu +seyn, sich unterscheiden. Als Quantum ist sie aeusserliche Temperatur +und zwar auch eines Koerpers als allgemeinen Mediums, von der +angenommen wird, dass ihre Veraenderung an der Skale der arithmetischen +Progression fortgehe und dass sie gleichfoermig zuoder abnehme, wogegen +sie von den verschiedenen in ihr befindlichen besondern Koerpern +verschieden aufgenommen wird, indem dieselben durch ihr immanentes +Maass die aeusserlich empfangene Temperatur bestimmen, die +Temperatur-Veraenderung derselben nicht der des Mediums oder ihrer +untereinander im direkten Verhaeltnisse entspricht. Verschiedene +Koerper in einer und derselben Temperatur verglichen, geben +Verhaeltnisszahlen ihrer specifischen Waermen, ihrer Waerme-Kapacitaeten. +Aber diese Kapacitaeten der Koerper aendern sich in verschiedenen +Temperaturen, womit das Eintreten einer Veraenderung der specifischen +Gestalt sich verbindet. In der Vermehrung oder Verminderung der +Temperatur zeigt sich somit eine besondere Specifikation. Das +Verhaeltniss der Temperatur, die als aeusserliche vorgestellt wird, zur +Temperatur eines bestimmten Koerpers, die zugleich von jener abhaengig +ist, hat nicht einen festen Verhaeltnissexponenten; die Vermehrung +oder Verminderung dieser Waerme geht nicht gleichfoermig mit der Zu- +und Abnahme der aeusserlichen fort.--Es wird hierbei eine Temperatur +als aeusserlich ueberhaupt angenommen, deren Veraenderung bloss aeusserlich +oder rein quantitativ sey. Sie ist jedoch selbst Temperatur der Luft +oder sonst specifische Temperatur. Naeher betrachtet wuerde daher das +Verhaeltniss eigentlich nicht als Verhaeltniss von einem bloss +quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwei specifischen +Quantis zu nehmen seyn. Wie sich das specificirende Verhaeltniss +gleich weiter bestimmen wird, dass die Momente des Maasses nicht nur in +einer quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer +und derselben Qualitaet bestehen, sondern im Verhaeltnisse zweier +Qualitaeten, welche an ihnen selbst Maasse sind. + +c. Verhaeltniss beider Seiten als Qualitaeten. + +l. Die qualitative, an sich bestimmte Seite des Quantums ist nur als +Beziehung auf das aeusserlich Quantitative; als Specificiren desselben +ist sie das Aufheben seiner Aeusserlichkeit, durch welche das Quantum +als solches ist; sie hat so dasselbe zu ihrer Voraussetzung und faengt +von ihm an. Dieses aber ist von der Qualitaet selbst auch qualitativ +unterschieden; dieser Unterschied beider ist in der Unmittelbarkeit +des Seyns ueberhaupt, in welcher das Maass noch ist, zu setzen, so sind +beide Seiten qualitativ gegeneinander, und jede fuer sich ein solches +Daseyn; und das eine zunaechst nur als formelle, an ihm unbestimmte +Quantum ist das Quantum eines Etwas und seiner Qualitaet, und wie sich +deren Beziehung auf einander nun zum Maasse ueberhaupt bestimmt hat, +gleichfalls die specifische Groesse dieser Qualitaeten. Diese +Qualitaeten sind nach der Maassbestimmung im Verhaeltniss zu einander; +diese ist ihr Exponent, sie sind aber an sich schon im Fuersichseyn +des Maasses aufeinander bezogen, das Quantum ist in seinem Doppelseyn +als aeusserliches und specifisches, so dass jede der unterschiedenen +Quantitaeten diese zweifache Bestimmung an ihr hat und zugleich +schlechthin mit der andern verschraenkt ist; eben darin allein sind +die Qualitaeten bestimmt. Sie sind so nicht nur fuer einander seyendes +Daseyn ueberhaupt, sondern untrennbar gesetzt; und die an sie +geknuepfte Groessebestimmtheit ist eine qualitative Einheit,--Eine +Maassbestimmung, in der sie ihrem Begriffe nach, an sich +zusammenhaengen. Das Maass ist so das immanente quantitative Verhalten +zweier Qualitaeten zu einander. + +2. Im Maass tritt die wesentliche Bestimmung der veraenderlichen Groesse +ein, denn es ist das Quantum als aufgehoben, also nicht mehr als das, +was es seyn soll uni Quantum zu seyn, sondern als Quantum und +zugleich als etwas Anderes; diess Andere ist das Qualitative, und wie +bestimmt worden, nichts anderes als das Potenzenverhaeltniss desselben. +Im unmittelbaren Maasse ist diese Veraenderung noch nicht gesetzt; es +ist nur irgend und zwar ein einzelns Quantum ueberhaupt, an das eine +Qualitaet geknuepft ist. Im Specificiren des Maasses, der +vorhergehenden Bestimmung, als einer Veraenderung des bloss aeusserlichen +Quantums durch das Qualitative ist Unterschiedenheit beider +Groessebestimmtheiten und damit ueberhaupt die Mehrheit voll Maassen an +einem gemeinschaftlichen aeusserlichen Quantum gesetzt; das Quantum +zeigt sich erst als daseyendes Maass in solcher Unterschiedenheit +seiner von sich selbst, indem es, ein und dasselbe (z.B. dieselbe +Temperatur des Mediums), zugleich als verschiedenes und zwar +quantitatives Daseyn (--in den verschiedenen Temperaturen der in +jenem befindlichen Koerper) hervortritt. Diese Unterschiedenheit des +Quantums in den verschiedenen Qualitaeten--den verschiedenen Koerpern, +--giebt eine weitere, diejenige Form des Maasses, in welcher beide +Seiten als qualitativ bestimmte Quanta sich zu einander verhalten, +was das realisirte Maass genannt werden kann. + +Die Groesse ist als eine Groesse ueberhaupt veraenderlich, denn ihre +Bestimmtheit ist als eine Grenze, die zugleich keine ist; die +Veraenderung betrifft insofern nur ein besonderes Quantum, an dessen +Stelle ein anderes gesetzt wird; die wahrhafte Veraenderung aber ist +die des Quantums als solchen; diess giebt die, so gefasst, interessante +Bestimmung der veraenderlichen Groesse in der hoehern Mathematik; wobei +nicht bei dem Formellen der Veraenderlichkeit ueberhaupt stehen zu +bleiben, noch andere als die einfache Bestimmung des Begriffs +herbeizunehmen ist, nach welcher das Andere des Quantums nur das +Qualitative ist. Die wahrhafte Bestimmung also der reellen +veraenderlichen Groesse ist, dass sie die qualitativ, hiermit, wie zur +Genuege gezeigt worden, die durch ein Potenzenverhaeltniss bestimmte ist; +in dieser veraenderlichen Groesse ist es gesetzt, dass das Quantum nicht +als solches gilt, sondern nach seiner ihm andern Bestimmung, der +qualitativen. + +Die Seiten dieses Verhaltens haben nach ihrer abstrakten Seite als +Qualitaeten ueberhaupt irgend eine besondere Bedeutung, z.B. Raum und +Zeit. In ihrem Maassverhaeltniss als Groessebestimmtheiten zunaechst +ueberhaupt genommen, ist die eine davon Anzahl, die in aeusserlicher, +arithmetischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl, +die durch jene, welche Einheit fuer sie ist, specifisch bestimmt wird. +Insofern jede ebenso nur eine besondere Qualitaet ueberhaupt waere, +laege kein Unterschied in ihnen, welche von den beiden, in Ruecksicht +auf ihre Groessen-Bestimmung als die bloss aeusserlich quantitative, und +welche als die in quantitativer Specifikation sich veraendernde +genommen werde. Wenn sie sich z.B. als Wurzel und Quadrat +verhalten, ist es gleichviel, an welcher die Vermehrung oder +Verminderung als bloss aeusserlich, in arithmetischer Progression +fortgehend, und welche dagegen an diesem Quantum sich specifisch +bestimmend angesehen wird. + +Aber die Qualitaeten sind nicht unbestimmt verschieden gegen einander, +denn in ihnen soll als Momenten des Maasses die Qualifikation +desselben liegen. Die naechste Bestimmtheit der Qualitaeten selbst ist, +der einen, das Extensive, die Aeusserlichkeit an ihr selbst zu seyn, +der andern, das Intensive, das Insichseyende oder Negative gegen jene. +Von den quantitativen Momenten kommt hiernach jener die Anzahl, +dieser die Einheit zu, im einfachen direkten Verhaeltnisse ist jene +als der Dividend, diese als Divisor, im specificirenden Verhaeltniss +jene als die Potenz oder das Anderswerden, diese als Wurzel zu nehmen. +Insofern hier noch gezaehlt, d. i. auf das aeusserliche Quantum, (das +so als die ganz zufaellige, empirischgenannte Groessebestimmtheit ist) +reflektirt, hiermit die Veraenderung gleichfalls auch als in +aeusserlicher, arithmetischer Progression fortgehend genommen wird, so +faellt diess auf die Seite der Einheit, der intensiven Qualitaet, die +aeusserliche, extensive Seite hingegen ist als in der specificirten +Reihe sich veraendernd darzustellen. Aber das direkte Verhaeltniss (wie +die Geschwindigkeit ueberhaupt, s/t) ist hier zur formellen, nicht +existirenden, sondern nur der abstrahirenden Reflexion angehoerigen +Bestimmung herabgesetzt; und wenn noch im Verhaeltniss von Wurzel und +Quadrat (wie in s = at[hoch 2]) die Wurzel als empirisches Quantum +und in arithmetischer Progression fortgehend, die andere Seite aber +als specificirt zu nehmen ist, so ist die hoehere dem Begriffe +entsprechendere Realisation der Qualifikation des Quantitativen diese, +dass beide Seiten in hoehern Potenzenbestimmungen (wie s[hoch 3] = +at[hoch 2] der Fall ist) sich verhalten. + +Anmerkung. + +Das hier Eroerterte in Ruecksicht des Zusammenhangs der qualitativen +Natur eines Daseyns und seiner Quantitaetsbestimmung im Maasse, hat +seine Anwendung in dem schon angedeuteten Beispiel der Bewegung, +zunaechst dass in der Geschwindigkeit, als dem direkten Verhaeltnisse +von durchlaufenem Raume und verflossener Zeit, die Groesse der Zeit als +Nenner, die Groesse des Raums dagegen als Zaehler, angenommen wird. +Wenn Geschwindigkeit ueberhaupt nur ein Verhaeltniss vom Raum und der +Zeit einer Bewegung ist, so ist es gleichgueltig, welches von beiden +Momenten als die Anzahl oder als die Einheit betrachtet werden soll. +Aber Raum, wie in der specifischen Schwere das Gewicht, ist +aeusserliches, reales Ganzes ueberhaupt, somit Anzahl, die Zeit hingegen, +wie das Volumen, ist das Ideelle, das Negative, die Seite der +Einheit.--Wesentlich aber gehoert hierher das wichtigere Verhaeltniss, +dass in der freien Bewegung,--zuerst der noch bedingten--, des Falls, +Zeitund Raum-Quantitaet, jene als Wurzel, diese als Quadrat,--oder in +der absolutfreien Bewegung der Himmelskoerper die Umlaufszeit und die +Entfernung, jene um eine Potenz tiefer als diese,--jene als Quadrat, +diese als Kubus gegen einander bestimmt seyen. Dergleichen +Grundverhaeltnisse beruhen auf der Natur der im Verhaeltniss stehenden +Qualitaeten, des Raums und der Zeit, und der Art der Beziehung, in +welcher sie stehen, entweder als mechanische Bewegung d. i. als +unfreie, durch den Begriff der Momente nicht bestimmte, oder als Fall +d. i. bedingtfreie, oder als absolutfreie himmlische Bewegung;-- +welche Arten der Bewegung ebensowohl als deren Gesetze auf der +Entwicklung des Begriffs ihrer Momente, des Raums und der Zeit, +beruhen, indem diese Qualitaeten als solche, an sich d. i. im Begriffe +sich als untrennbar erweisen, und ihr quantitatives Verhaeltniss das +Fuersichseyn des Maasses, nur Eine Maassbestimmung ist. + +In Ruecksicht auf die absoluten Maassverhaeltnisse darf wohl erinnert +werden, dass die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von +Wissenschaft wuerdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maasse +seyn muesse,--eine Wissenschaft fuer welche empirisch wohl viel, aber +eigentlich wissenschaftlich d. i. philosophisch, noch wenig gethan +ist. Mathematische Principien der Naturphilosophie,--wie Newton sein +Werk genannt hat,--wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn +erfuellen sollten, als er und das ganze bakonische Geschlecht von +Philosophie und Wissenschaft hatte, muessten ganz andere Dinge +enthalten, um ein Licht in diese noch dunkeln aber hoechst +betrachtungswuerdigen Regionen zu bringen.--Es ist ein grosses +Verdienst, die empirischen Zahlen der Natur kennen zu lernen, z.B. +Entfernungen der Planeten von einander; aber ein unendlich groesseres, +die empirischen Quanta verschwinden zu machen, und sie in eine +allgemeine Form von Quantitaetsbestimmungen zu erheben, so dass sie +Momente eines Gesetzes oder Maasses werden;--unsterbliche Verdienste, +die sich z.B. Galilei in Ruecksicht auf den Fall, und Keppler in +Ruecksicht auf die Bewegung der himmlischen Koerper erworben hat. Sie +haben die Gesetze, die sie gefunden haben, so erwiesen, dass sie +gezeigt haben, dass ihnen der Umfang der Einzelnheiten der Wahrnehmung +entspricht. Es muss aber noch ein hoeheres Beweisen dieser Gesetze +gefordert werden; naemlich nichts anders als dass ihre +Quantitaetsbestimmungen aus den Qualitaeten, oder bestimmten Begriffen, +die bezogen sind, (wie Zeit und Raum) erkannt werden. Von dieser Art +des Beweisens findet sich in jenen mathematischen Principien der +Naturphilosophie, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch +keine Spur. Es ist oben bei Gelegenheit des Scheins mathematischer +Beweise von Naturverhaeltnissen, der sich auf den Missbrauch des +Unendlichkleinen gruendet, bemerkt worden, dass der Versuch, solche +Beweise eigentlich mathematisch d. h. weder aus der Empirie noch aus +dem Begriffe, zu fuehren, ein widersinniges Unternehmen ist. Diese +Beweise setzen ihre Theoreme, eben jene Gesetze, aus der Erfahrung +voraus; was sie leisten, besteht darin, sie auf abstrakte Ausdruecke +und bequeme Formeln zu bringen. Das ganze reelle Verdienst, das +Newton im Vorzug gegen Keppler in Beziehung auf die naemlichen +Gegenstaende zugeschrieben wird, wird, das Scheingerueste von Beweisen +abgezogen,--ohne Zweifel bei gereinigterer Reflexion ueber das, was +die Mathematik zu leisten vermag und was sie geleistet hat, einst mit +deutlicher Kenntniss auf jene Umformung des Ausdrucks S Encyklop. der +philos. Wissensch. Anm. zu _. 270. ueber die Umformung des +kepplerischen s[hoch 3]/t[hoch 2] in [s[hoch 2]./t[hoch 2] in das +newtonische, indem der Theil s/t[hoch 2] die Kraft der Schwere +genannt worden ist. und der den Anfaengen nach eingefuehrten +analytischen Behandlung, eingeschraenkt werden. + +C. Das Fuersichseyn im Maasse. + +1. In der so eben betrachteten Form des specificirten Maasses ist das +Quantitative beider Seiten qualitativ bestimmt, (beide im +Potenzen-Verhaeltniss); sie sind so Momente Einer Maassbestimmtheit von +qualitativer Natur. Dabei sind aber die Qualitaeten nur erst noch als +unmittelbare, nur verschiedene gesetzt, die nicht selbst in jenem +Verhaeltnisse stehen, in welchem ihre Groessebestimmtheiten sind, +naemlich ausser solchem Verhaeltnisse, keinen Sinn noch Daseyn zu haben, +was die Potenzenbestimmtheit der Groesse enthaelt. Das Qualitative +verhuellt sich so, als nicht sich selbst, sondern die +Groessebestimmtheit specificirend; nur als an dieser ist es gesetzt, +fuer sich aber unmittelbare Qualitaet als solche, die ausserhalb dessen, +dass die Groesse von ihr in Differenz gesetzt wird, und ausser ihrer +Beziehung auf ihre andere, noch fuer sich bestehendes Daseyn habe. So +Raum und Zeit gelten beide ausser jener Specifikation, die ihre +Groessebestimmtheit in der Bewegung des Falles oder in der +absolutfreien Bewegung erhaelt, als Raum ueberhaupt, Zeit ueberhaupt, +der Raum bestehend fuer sich ausser und ohne die Zeit als dauernd, und +die Zeit als fuer sich fliessend unabhaengig vom Raume. + +Diese Unmittelbarkeit des Qualitativen gegen seine specifische +Maassbeziehung ist aber ebenso sehr mit einer quantitativen +Unmittelbarkeit und der Gleichgueltigkeit eines Quantitativen an ihm +gegen diess sein Verhaeltniss verknuepft; die unmittelbare Qualitaet hat +auch ein nur unmittelbares Quantum. Daher hat denn das specifische +Maass auch eine Seite zunaechst aeusserlicher Veraenderung, deren Fortgang +bloss arithmetisch ist, von jenem nicht gestoert wird, und in welche +die aeusserliche, darum nur empirische Groessebestimmtheit faellt. +Qualitaet und Quantum auch so ausser dem specifischen Maasse auftretend, +sind zugleich in der Beziehung auf dieses; die Unmittelbarkeit ist +ein Moment von solchen, die selbst zum Maasse gehoeren. So sind die +unmittelbaren Qualitaeten dem Maasse auch angehoerig, gleichfalls in +Beziehung, und stehen nach der Groessebestimmtheit in einem Verhaeltniss, +welches als ausserhalb des specificirten, der Potenzbestimmung, selbst +nur das direkte Verhaeltniss, und unmittelbares Maass ist. Diese +Folgerung und deren Zusammenhang ist naeher anzugeben. + +2. Das unmittelbar bestimmte Quantum als solches ist, wenn es auch +als Maassmoment sonst an sich in einem Begriffszusammenhang begruendet +ist, in der Beziehung zu dem specifischen Maasse als ein aeusserlich +gegebenes. Die Unmittelbarkeit, die hiermit gesetzt ist, ist aber +die Negation der qualitativen Maassbestimmung; dieselbe wurde vorhin +an den Seiten dieser Maassbestimmung aufgezeigt, welche darum als +selbststaendige Qualitaeten erschienen. Solche Negation und das +Zurueckkehren zur unmittelbaren Quantitaetsbestimmtheit liegt in dem +qualitativbestimmten Verhaeltnisse insofern, als das Verhaeltniss +Unterschiedener ueberhaupt deren Beziehung als Eine Bestimmtheit +enthaelt, die hiermit hier im Quantitativen, unterschieden von der +Verhaeltnissbestimmung, ein Quantum ist. Als Negation der +unterschiedenen qualitativbestimmten Seiten ist dieser Exponent ein +Fuersichseyn, das Schlechthin-bestimmtseyn; aber ist solches +Fuersichseyn nur an sich; als Daseyn ein einfaches, unmittelbares +Quantum, Quotient oder Exponent als eines Verhaeltnisses der Seiten +des Maasses, diess Verhaeltniss als ein direktes genommen; aber ueberhaupt +die als empirisch erscheinende Einheit in dem Quantitativen des +Maasses.--Im Falle der Koerper stehen die durchloffenen Raeume im +Verhaeltnisse des Quadrats der verflossenen Zeiten; s = at[hoch 2]; +--diess ist das specifisch-bestimmte, ein Potenzenverhaelntiss des Raums +und der Zeit, das andere, das direkte Verhaeltniss, kaeme dem Raum und +der Zeit, als gegeneinander gleichgueltigen Qualitaeten, zu, es soll +das des Raumes zu dem ersten Zeitmomente seyn, derselbe Koefficient, +a, bleibt in allen folgenden Zeitpunkten;--die Einheit als ein +gewoehnlichts Quantum fur die uebrigens durch das specificirende Maass +bestimmte Anzahl. Sie gilt zugleich als der Exponent jenes direkten +Verhaeltnisses, welches der vorgestellten schlechten, d. i. formellen, +nicht durch den Begriffs specifisch bestimmten Geschwindigkeit +zukommt. Solche Geschwindigkeit existirt hier nicht, so wenig als +die frueher erwaehnte, die dem Koerper am Ende eines Zeitmoments +zukommen sollte. Jene wird dem ersten Zeitmomente des Falles +zugeschrieben, aber dieser sogenannte Zeitmoment ist eine selbst nur +angenommene Einheit, und hat als solcher atomer Punkt kein Daseyn; +der Anfang der Bewegung,--die Kleinheit, die fuer diesen vorgegeben +wird, koennte keinen Unterschied machen,--ist sogleich eine Groesse und +zwar eine durch das Gesetz des Falles specificirte Groesse. Jenes +empirische Quantum wird der Kraft der Schwere zugeschrieben, so dass +diese Kraft selbst keine Beziehung auf die vorhandene Specifikation, +(die Potenzenbestimmtheit), auf das Eigenthuemliche der Maassbestimmung +haben soll. Das unmittelbare Moment, dass in der Bewegung des Falles +auf eine Zeiteinheit (--eine Sekunde und zwar die sogenannte erste--) +die Anzahl von etwa fuenfzehn raeumlichen Einheiten, die als Fusse +angenommen sind, komme, ist ein unmittelbares Maass, wie die Maassgroesse +der menschlichen Gliedmaassen, die Distanzen, Durchmesser der Planeten +u.s.f. Die Bestimmung solchen Maasses faellt anderswohin, als +innerhalb der qualitativen Maassbestimmung hier des Gesetzes des +Falles selbst; wovon aber solche Zahlen, das nur unmittelbar, daher +als empirisch erscheinende eines Maasses, abhaengen, darueber haben uns +die konkreten Wissenschaften noch keinen Aufschluss gegeben. Hier +haben wir es nur mit dieser Begriffsbestimmtheit zu thun; diese ist, +dass jener empirische Koefficient das Fuersichseyn in der +Maassbestimmung ausmacht, aber nur das Moment des Fuersichseyns, +insofern dasselbe an sich und daher als unmittelbares ist. Das +andere ist das Entwickelte dieses Fuersichseyns, die specifische +Maassbestimmtheit der Seiten.--Die Schwere, im Verhaeltnisse des +Fallens, einer zwar noch halb bedingten und nur halbfreien Bewegung, +ist nach diesem zweiten Momente als eine Naturkraft anzusehen, so dass +durch die Natur der Zeit und des Raums ihr Verhaeltniss bestimmt ist, +und daher in die Schwere jene Specifikation, das Potenzenverhaeltniss, +faellt; jenes das einfache direkte Verhaeltniss drueckt nur ein +mechanisches Verhalten der Zeit und des Raumes aus, die formelle, +aeusserliche hervorgebrachte und determinirte Geschwindigkeit. + +3. Das Maass hat sich dahin bestimmt, ein specificirtes +Groessenverhaeltniss zu seyn, das als quantitativ das gewohnliche +ausserliche Quantum an ihm hat; dieses aber ist nicht ein Quantum +ueberhaupt, sondern wesentlich als Bestimmungsmoment des Verhaeltnisses +als solchen; es ist so Exponent, und als nun unmittelbares +Bestimmtseyn ein unveraenderlicher Exponent, somit des schon erwaehnten +direkten Verhaltnisses derselben Qualitaeten, durch welches zugleich +ihr Groessenverhaeltniss zu einander specifisch bestimmt wird. Dieses +direkte Verhaeltniss ist im gebrauchten Beispiel des Maasses der +Fallbewegung gleichsam anticipirt und als vorhanden angenommen; aber +wie bemerkt existirt es in dieser Bewegung noch nicht.--Es macht aber +die weitere Bestimmung aus, dass das Maass nun auf die Weise realisirt +ist, dass seine beiden Seiten Maasse, unterschieden als unmittelbares, +aeusserliches, und als in sich specificirtes, sind, und es die Einheit +derselben ist. Als diese Einheit enthaelt das Maass das Verhaeltniss, in +welchem die Groessen durch die Natur der Qualitaeten bestimmt und +different gesetzt sind, und dessen Bestimmtheit daher ganz immanent +und selbststaendig, zugleich in das Fuersichseyn des unmittelbaren +Quantums, den Exponenten eines direkten Verhaeltnisses, zusammen +gegangen ist; seine Selbstbestimmung ist darin negirt, indem es in +diesem seinem Andern die letzte, fuersichseyende Bestimmtheit hat; und +umgekehrt hat das unmittelbare Maass welches an ihm selbst qualitativ +seyn soll, an jenem erst in Wahrheit die qualitative Bestimmtheit. +Diese negative Einheit ist reales Fuersichseyn, die Kategorie eines +Etwas, als Einheit von Qualitaeten, die im Maassverhaeltnisse sind; +--eine volle Selbststaendigkeit. Unmittelbar geben die beiden, welche +sich als zwei verschiedene Verhaeltnisse ergeben haben, auch ein +zweifaches Daseyn, oder naeher solches selbststaendige Ganze ist als +Fuersichseyendes ueberhaupt zugleich ein Abstossen in sich selbst in +unterschiedene Selbststaendige, deren qualitative Natur und Bestehen +(Materialitaet) in ihrer Maassbestimmtheit liegt. + + + +Zweites Kapitel. Das reale Maass + + +Das Maass ist bestimmt zu einer Beziehung von Maassen, welche die +Qualitaet unterschiedener selbststaendiger Etwas, gelaeufiger: Dinge +ausmachen. Die so eben betrachteten Maassverhaeltnisse gehoeren +abstrakten Qualitaeten, wie dem Raume und der Zeit, an; zu den im +bevorstehenden zu betrachtenden sind specifische Schwere, weiterhin +die chemischen Eigenschaften die Beispiele, welche als Bestimmungen +materieller Existenzen sind. Raum und Zeit sind auch Momente solcher +Maasse, die aber nun weitern Bestimmungen untergeordnet, nicht mehr +nur nach ihrer eigenen Begriffsbestimmung sich zu einander verhalten. +Im Klange z.B. ist die Zeit, in welcher eine Anzahl der +Schwingungen erfolgt, das Raeumliche der Laenge, Dicke, des +schwingenden Koerpers, unter den Bestimmungsmomenten; aber die Groessen +jener ideellen Momente sind aeusserlich bestimmt, sie zeigen sich nicht +mehr in einem Potenzen-, sondern in gewoehnlichem direkten +Verhaeltnisse gegeneinander, und das Harmonische reducirt sich auf die +ganz aeusserliche Einfachheit von Zahlen, deren Verhaeltnisse sich am +leichtesten auffassen lassen, und damit eine Befriedigung gewaehren, +die ganz der Empfindung anheimfaellt, da fuer den Geist keine +Vorstellung, Phantasiebild, Gedanke und dergleichen ihn Erfuellendes +vorhanden ist. Indem die Seiten, welche nun das Maassverhaeltniss +ausmachen, selbst Maasse, aber zugleich reelle Etwas sind, sind ihre +Maasse zunaechst unmittelbare Maasse und als Verhaeltnisse an ihnen, +direkte Verhaeltnisse. Es ist das Verhaeltniss solcher Verhaeltnisse zu +einander, welches nun in seiner Fortbestimmung zu betrachten ist. + +Das Maass, wie es so nunmehr reales ist, ist + +erstens ein selbststaendiges Maass einer Koerperlichkeit, das sich zu +andern verhaelt und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die +selbststaendige Materialitaet, specificirt. Diese Specifikation, als +ein aeusserliches Beziehen zu vielen Andern ueberhaupt ist das +Hervorbringen anderer Verhaeltnisse, somit anderer Maasse, und die +specifische Selbststaendigkeit bleibt nicht in einem direkten +Verhaeltnisse, bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die +eine Reihe von Maassen ist, ueber. + +Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhaeltnisse, an sich +bestimmte und ausschliessende Maasse, (Wahlverwandschaften); indem aber +ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein +Fortgang von Verhaeltnissen vorhanden, der zum Theil bloss aeusserlich +quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhaeltnisse +unterbrochen wird, und eine Knotenlinie von specifischen +Selbststaendigen bildet. + +Drittens aber tritt in diesem Fortgange fuer das Maass die +Maasslosigkeit ueberhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maasses +ein, in welcher die sich ausschliessenden Selbststaendigkeiten Eins mit +einander sind, und das Selbststaendige in negative Beziehung zu sich +selbst tritt. + +A. Das Verhaeltniss selbststaendiger Maasse. + +Die Maasse heissen nun nicht mehr bloss unmittelbare, sondern +selbststaendige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhaeltnissen von +Maassen, welche specificirt sind, so in diesem Fuersichseyn Etwas, +physikalische, zunaechst materielle Dinge sind. Das Ganze, welches +ein Verhaeltniss solcher Maasse ist, ist aber + +a. zunaechst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als +solche selbststaendige Maasse bestimmt sind, ausser einander an +besondern Dingen bestehend, und werden aeusserlich in Verbindung +gesetzt; + +b. die selbststaendigen Materialitaeten sind aber, was sie qualitativ +sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maasse haben, +somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different +dagegen (sogenannte Affinitaet) und zwar als Glieder einer Reihe +solchen quantitativen Verhaltens bestimmt; + +c. dieses gleichgueltige mannigfaltige Verhalten schliesst sich +zugleich zum ausschliessenden Fuersichseyn ab;--sogenannte +Wahlverwandschaft. + +a. Verbindung zweier Maasse. + +Etwas ist in sich als Maassverhaeltniss von Quantis bestimmt, welche +ferner Qualitaeten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von +diesen Qualitaeten. Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein +Fuersichseyendes,--Materielles--ist, (wie intensiv genommen, das +Gewicht, oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die +andere aber ist die Aeusserlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte, +Ideelle, der Raum.) Diese Qualitaeten sind quantitativ bestimmt, und +das Verhaeltniss derselben zu einander macht die qualitative Natur des +materiellen Etwas aus;--das Verhaeltniss des Gewichts zum Volumen, die +bestimmte specifische Schwere. Das Volumen, das Ideelle, ist als die +Einheit anzunehmen, das Intensive aber, das in quantitativer +Bestimmtheit und in der Vergleichung mit jenem als extensive Groesse, +Menge von fuersichseyenden Eins erscheint, als die Anzahl.--Das reine +qualitative Verhalten der beiden Groessebestimmtheiten, nach einem +Potenzenverhaeltniss ist darin verschwunden, dass in der +Selbststaendigkeit des Fuersichseyns (--materiellen Seyns--) die +Unmittelbarkeit zurueckgekehrt ist, an welcher die Groessebestimmtheit +ein Quantum als solches, und das Verhaeltniss eines solchen zu der +andern Seite ebenfalls in dem gewoehnlichen Exponenten eines direkten +Verhaeltnisses bestimmt ist. + +Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist +unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von +solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten +solcher Verhaeltnisse bestimmt. Er macht das specifische +An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthuemliche Maass von Etwas aus; +aber indem dieses sein Maass auf dem Quantum beruht, ist es auch nur +als aeusserliche, gleichgueltige Bestimmtheit, und solches Etwas ist +dadurch der innerlichen Maassbestimmung ungeachtet veraenderlich. Das +Andere, zu dem es als veraenderlich sich verhalten kann, ist nicht +eine Menge von Materie, ein Quantum ueberhaupt; hiergegen haelt sein +specifisches Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das +zugleich ebenso Exponent solchen specifischen Verhaeltnisses ist. Es +sind zwei Dinge, von verschiedenem inneren Maasse, die in Beziehung +stehen, und in Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener +specifischer Schwere;--welche Gleichartigkeit ihrer Natur, dass es z. +B. nicht ein Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede +waere, sonst zur Moeglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey, +gehoert nicht hierher zu betrachten.--Einer Seits erhaelt sich nun +jedes der beiden Maasse in der Veraenderung, die an dasselbe durch die +Aeusserlichkeit des Quantums kommen sollte, weil es Maass ist, anderer +Seits aber ist dieses Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu +diesem Quantum, eine Specifikation desselben, und da dasselbe +Exponent des Maass Verhaeltnisses ist, eine Veraenderung des Maasses +selbst und zwar eine gegenseitige Specifikation. + +Nach der bloss quantitativen Bestimmung waere die Verbindung ein blosses +Summiren der zwei Groessen der einen, und der zwei der andern Qualitaet, +z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der +Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so +dass nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe, +sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener +Raeume. Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte, +--die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite, +welche als die fuer sichseyende zum festen Daseyn und damit von +bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,--das Gewicht der +Materie, oder was fuer dasselbe nach der Ruecksicht der quantitativen +Bestimmtheit gilt, die Menge der materiellen Theile. Aber in die +Exponenten faellt die Veraenderung, indem sie der Ausdruck der +qualitativen Bestimmtheit, des Fuersichseyns als Maass-Verhaeltnisse +sind, welches, indem das Quantum als solches die zufaellige, +aeusserliche Veraenderung durch Zusatz, der summirt wird, erleidet, +zugleich sich als negirend gegen diese Aeusserlichkeit erweist. + +Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt, +nicht am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern +Qualitaet, welche die ideelle Seite des Verhaeltnisses ist. Fuer die +sinnliche Wahrnehmung kann es auffallend seyn, dass sich nach der +Vermischung zweier specifisch verschiedener Materien eine Veraenderung, +--gewoehnlich eine Verminderung,--des summirten Volumens zeigt; der +Raum selbst macht das Bestehen der aussereinanderseyenden Materie aus. +Aber diess Bestehen, gegen die Negativitaet, welche das Fuersichseyn in +sich enthaelt, ist das nicht an sich Seyende, das Veraenderliche; der +Raum wird auf diese Weise als das, was er wahrhaft ist, als das +Ideelle gesetzt. + +Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als +veraenderlich gesetzt sondern das Maass selbst, und damit die darauf +gegruendete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt, +nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum +ueberhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaassVerhaeltnissen zu haben. + +b. Das Maass als Reihe von Maassverhaeltnissen. + +1. Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso diess Andere +nur durch die einfache Qualitaet bestimmt, das waere, was es ist, so +wuerden sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das +Maassverhaeltniss in sich ist, ist selbststaendig, aber dadurch zugleich +vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit +aufgehoben wird, erhaelt es sich durch sein gleichgueltiges, +quantitatives Bestehen, und verhaelt sich zugleich als specificirendes +Moment eines neuen Maassverhaeltnisses. Seine Qualitaet ist eingehuellt +in das Quantitative; damit ist sie ebenso gleichgueltig gegen das +andere Maass, kontinuirt sich in dasselbe und in das neue gebildete +Maass hinein; der Exponent des neuen Maasses ist selbst nur irgend ein +Quantum, aeusserliche Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgueltigkeit +darin dar, dass das specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen +Maassen eben dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen +Maassverhaeltnisse eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern +gebildeten, drueckt sich seine specifische Eigenthuemlichkeit nicht aus. + +2. Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maasse an ihnen sind, +giebt verschiedene Verhaeltnisse, die also verschiedene Exponenten +haben. Das Selbststaendige hat den Exponenten seines +An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die +Neutralitaet mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit +denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst. +Die Exponenten dieser Verhaeltnisse aber sind verschieden, und es +stellt hiermit seinen qualitativen Exponenten als die--Reihe dieser +verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;--als eine +Reihe von specifischem Verhalten zu Andern. Der qualitative Exponent +als Ein unmittelbares Quantum drueckt eine einzelne Relation aus. +Wahrhaft unterscheidet sich das Selbststaendige durch die +eigenthuemliche Reihe der Exponenten, die es, als Einheit angenommen, +mit andern solchen Selbststaendigen bildet, indem ein anderes +derselben ebenso mit ebendenselben in Beziehung gebracht und als +Einheit angenommen, eine andere Reihe formirt.--Das Verhaeltniss +solcher Reihe innerhalb ihrer macht nun das Qualitative des +Selbststaendigen aus. + +Insofern nun solches Selbststaendiges mit einer Reihe von +Selbststaendigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunaechst +von einem Andern ausser dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen +wird, dadurch unterschieden zu seyn, dass dieses eine andere Reihe von +Exponenten mit denselben Gegenueberstehenden macht. Aber auf diese +Weise waeren diese beiden Selbststaendigen nicht vergleichbar, insofern +jedes so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die +beiden aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere +sind. Die beiden, die als Selbststaendige verglichen werden sollen, +sind zunaechst gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr +Verhaeltniss zu bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen +fuersichseyenden Einheit. Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu +suchen, worin die zu vergleichenden, wie gezeigt, das specifische +Daseyn ihres Maasses haben, also in dem Verhaeltnisse, das die +Verhaeltnissexponenten der Reihe zu einander haben. Diess Verhaeltniss +der Exponenten selbst ist aber nur so fuer sichseyende, in der That +bestimmte Einheit, als die Glieder der Reihe dasselbe, als ein +konstantes Verhaeltniss unter einander, zu beiden haben; so kann es +ihre gemeinschaftliche Einheit seyn. In ihr also liegt allein die +Vergleichbarkeit der beiden Selbststaendigen, die als sich nicht mit +einander neutralisirend, sondern als gleichgueltig gegen einander +angenommen wurden. Jedes abgesondert ausserhalb der Vergleichung ist +die Einheit der Verhaeltnisse mit den gegenueberstehenden Gliedern, +welche die Anzahlen gegen jene Einheit sind, somit die Reihe von +Exponenten vorstellen. Diese Reihe ist dagegen umgekehrt die Einheit +fuer jene beiden, die verglichen miteinander, Quanta gegeneinander +sind; als solche sind sie selbst verschiedene Anzahlen ihrer so eben +aufgezeigten Einheit. + +Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenueber stehenden unter sich +verglichenen beiden oder vielmehr Vielen ueberhaupt, die Reihe der +Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst +gleichfalls Selbststaendige, jedes ein specifisches Etwas von einem +ihm an sich zustaendigen Maassverhaeltniss. Sie sind insofern +gleichfalls jedes als Einheit zu nehmen, so dass sie an den erst +genannten unter sich bloss verglichenen Beiden oder vielmehr +unbestimmt Mehrern eine Reihe von Exponenten haben, welche Exponenten +die Vergleichungszahlen der so eben genannten unter sich sind; so wie +die Vergleichungszahlen der nun einzeln auch als selbststaendig +genommenen unter sich gleichfalls umgekehrt die Reihe der Exponenten +fuer die Glieder der ersten Reihe sind. Beide Seiten sind auf diese +Weise Reihen, in denen jede Zahl erstens Einheit ueberhaupt ist gegen +ihre gegenueber stehende Reihe, an der sie ihr Fuersichbestimmtseyn als +eine Reihe von Exponenten hat; zweitens ist sie selbst einer der +Exponenten fuer jedes Glied der gegenueberstehenden Reihe; und drittens +Vergleichungszahl zu den uebrigen Zahlen ihrer Reihe, und hat als +solche Anzahl, die ihr auch als Exponent zukommt, ihre +fuer-sich-bestimmte Einheit an der gegenueber stehenden Reihe. + +3. In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das +Quantum als fuersichseyend, naemlich als Grad gesetzt ist, einfach zu +seyn, aber die Groessebestimmtheit an einem ausser ihm seyenden Quantum, +das ein Kreis von Quantis ist, zu haben. Im Maasse aber ist diess +Aeusserliche nicht bloss ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern +eine Reihe von Verhaeltnisszahlen, und das Ganze derselben ist es, +worin das Fuersich-bestimmtseyn des Maasses liegt. Wie beim +Fuersichseyn des Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese +Aeusserlichkeit seiner selbst sich die Natur des selbststaendigen Maasses +verkehrt. Seine Beziehung auf sich ist zunaechst als unmittelbares +Verhaeltniss, und damit besteht sogleich seine Gleichgueltigkeit gegen +Anderes nur in dem Quantum. In diese Aeusserlichkeit faellt daher seine +qualitative Seite, und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die +specifische Bestimmung dieses Selbststaendigen ausmacht. Sie besteht +so schlechthin in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens, +und diese Art und Weise ist so sehr durch das Andere als durch es +selbst bestimmt, und diess Andere ist eine Reihe von Quantis, und es +selbst gegenseitig ein solches. Aber diese Beziehung, in welcher +sich zwei Specifische zu etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten, +specificiren, enthaelt ferner diess, dass das Eine darin nicht in das +Andere uebergegangen, also nicht nur eine Negation ueberhaupt, sondern +Beide darin negativ gesetzt sind, und indem jedes sich gleichgueltig +darin erhaelt, seine Negation auch wieder negirt ist. Diese ihre +qualitative Einheit ist somit fuer sich seyende ausschliessende Einheit. +Die Exponenten, welche zunaechst Vergleichungszahlen unter sich sind, +haben in dem Momente des Ausschliessens erst ihre wahrhaft +specifische Bestimmtheit gegeneinander an ihnen und ihr Unterschied +wird so zugleich qualitativer Natur. Er gruendet sich aber auf das +Quantitative; das Selbststaendige verhaelt sich erstens nur darum zu +einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil es in diesem +Verhalten zugleich gleichgueltig ist; zweitens ist nun die neutrale +Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativitaet nicht nur +Veraenderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und +ausschliessende Einheit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines +Selbststaendigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine +indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft. + +c. Wahlverwandtschaft. + +Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im +vorhergehenden Neutralitaet, Verwandtschaft, gebraucht worden,-- +Ausdruecke, die sich auf das chemische Verhaeltniss beziehen. Denn in +der chemischen Sphaere hat wesentlich das Materielle seine specifische +Bestimmtheit in der Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als +diese Differenz. Diese specifische Beziehung ist ferner an die +Quantitaet gebunden, und ist zugleich nicht nur die Beziehung auf ein +einzelnes Anderes, sondern auf eine Reihe solcher ihm +gegenueberstehenden Differenten; die Verbindungen mit dieser Reihe +beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem Gliede +derselben, aber bei dieser Gleichgueltigkeit ist zugleich jede +ausschliessend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter +Bestimmungen noch zu betrachten ist.--Es ist aber nicht nur im +Chemischen, dass sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen +darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem +Verhalten und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von +andern; die Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von +Verbindungen macht seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf +quantitativen Verhaeltnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten +bilden, und die Verhaeltnisse von den beiden specifischen +Verhaeltnissen sind, die jeder der verbundenen Toene an ihm selbst ist. +Der einzelne Ton ist der Grundton eines Systems, aber ebenso wieder +einzelnes Glied im Systeme jedes andern Grundtons. Die Harmonien +sind ausschliessende Wahlverwandtschaften, deren qualitative +Eigenthuemlichkeit sich aber ebenso sehr wieder in die Aeusserlichkeit +bloss quantitativen Fortgehens aufloest.--Worin aber das Princip eines +Maasses fuer diejenigen Verwandtschaften, welche (chemische oder +musikalische oder andere) Wahlverwandtschaften unter und gegen die +andern sind, liege, darueber wird im Folgenden in Betreff der +chemischen noch eine Bemerkung vorkommen; aber diese hoehere Frage +haengt mit dem Specifischen des eigentlichen Qualitativen aufs engste +zusammen, und gehoert in die besondern Theile der konkreten +Naturwissenschaft. + +Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem +Verhalten zu dem Ganzen einer gegenueberstehenden Reihe hat, deren +Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie +sich mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die +speciellere Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft +gleichfalls nur eine quantitative. In der Wahlverwandtschaft als +ausschliessender, qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich +diesem quantitativen Unterschiede. Die naechste Bestimmung, die sich +darbietet, ist: dass nach dem Unterschied der Menge, also der +extensiven Groesse, der unter den Gliedern der einen Seite fuer die +Neutralisirung eines Gliedes der andern Seite Statt findet, sich auch +die Wahlverwandtschaft dieses Gliedes zu den Gliedern der andern +Reihe, mit denen allen es in Verwandtschaft steht, richte. Das +Ausschliessen als ein festeres Zusammenhalten gegen andere +Moeglichkeiten der Verbindung, welches dadurch begruendet waere, +erschiene so umgewandelt in um so viel groessere Intensitaet, nach der +frueher nachgewiesenen Identitaet der Formen von extensiver und +intensiver Groesse, als in welchen beiden Formen die Groessenbestimmtheit +eine und dieselbe ist. Diess Umschlagen der einseitigen Form der +extensiven Groesse auch in ihre andere, die intensive, aendert aber an +der Natur der Grundbestimmung, welche das Eine und dasselbe Quantum +ist, nichts; so dass hiermit in der That kein Ausschliessen gesetzt +waere, sondern gleichgueltig entweder nur Eine Verbindung oder +ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen Gliedern, wenn +nur die Portionen, die von ihnen eintraeten, in Gemaessheit ihrer +Verhaeltnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend waeren, +Statt haben koennte. + +Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist +nicht nur die Form der Intensitaet; der Exponent ist wesentlich +Maassbestimmung, und damit ausschliessend; die Zahlen haben in dieser +Seite ausschliessenden Verhaltens ihre Kontinuitaet und +Zusammenfliessbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder +Weniger, was einen negativen Charakter erhaelt, und der Vorzug, den +ein Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Groessenbestimmtheit +stehen. Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach +welcher es einem Momente wieder gleichgueltig ist von mehrern ihm +gegenueber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten, +von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das +ausschliessende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von +der quantitativen Seite her.--Es ist hiermit ein Umschlagen von +gleichgueltigem, bloss quantitativem Verhalten in ein qualitatives und +umgekehrt ein Uebergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloss +aeusserliche Verhaeltniss gesetzt;--eine Reihe von Verhaeltnissen, die +bald bloss quantitativer Natur, bald specifische und Maasse sind. + +Anmerkung. + +Die chemischen Stoffe sind die eigenthuemlichsten Beispiele solcher +Maasse, welche Maassmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung +ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben. Saeuren und Kalien +oder Basen ueberhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte +Dinge, aber vielmehr als unvollkommene Koerperelemente, als +Bestandtheile, die eigentlich nicht fuer sich existiren, sondern nur +diese Existenz haben, ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit +einem andern zu verbinden. Der Unterschied ferner, wodurch sie als +selbststaendige sind, besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualitaet, +sondern in der quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Er ist +naemlich nicht auf den chemischen Gegensatz von Saeure und Kali oder +Basis ueberhaupt, eingeschraenkt, sondern ist zu einem Maasse der +Saettigung specificirt, und besteht in der specifischen Bestimmtheit +der Quantitaet der sich neutralisirenden Stoffe. Diese +Quantitaets-Bestimmung in Ruecksicht auf die Saettigung macht die +qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht ihn zu dem, was er fuer +sich ist, und die Zahl, die diess ausdrueckt, ist wesentlich einer von +mehrern Exponenten fuer eine gegenueber stehende Einheit.--Solcher +Stoff steht mit einem andern in sogenannter Verwandtschafft; insofern +diese Beziehung rein qualitativer Natur bliebe, so waere,--wie die +Beziehung der magnetischen Pole oder der Elektricitaeten,--die eine +Bestimmtheit nur die negative der andern, und beide Seiten zeigten +sich nicht auch zugleich gleichgueltig gegeneinander. Aber weil die +Beziehung auch quantitativer Natur ist, ist jeder dieser Stoffe faehig +mit Mehrern sich zu neutralisiren, und nicht auf einen gegenueber +stehenden eingeschraenkt. Es verhaelt sich nicht nur die Saeure und das +Kali oder Basis, sondern Saeuren und Kalien oder Basen zu einander. +Sie charakterisiren sich zunaechst dadurch gegen einander, je nachdem +eine Saeure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich mit ihm zu +saettigen, als eine andere. Aber die fuersichseyende Selbststaendigkeit +zeigt sich darin, dass die Verwandtschaften sich ausschliessend +verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem fuer sich eine +Saeure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung eingehen kann. +Es macht so den Hauptunterschied einer Saeure gegen eine andere aus, +ob sie zu einer Basis eine naehere Verwandtschaft habe, als eine +andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft. + +Ueber die chemischen Verwandtschaften der Saeuren und Kalien ist das +Gesetz gefunden worden, dass wenn zwei neutrale Solutionen gemischt +werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen +entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus, +dass die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Saettigung einer +Saeure erfordert werden, in demselben Verhaeltnisse zur Saettigung einer +andern noethig sind; ueberhaupt wenn fuer ein Kali als Einheit genommen +die Reihe der Verhaeltnisszahlen bestimmt worden ist, in denen die +verschiedenen Saeuren dasselbe saettigen, so ist fuer jedes andere Kali +diese Reihe dieselbe, nur dass die verschiedenen Kalien gegen einander +in verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;--Anzahlen, die wieder ihrer +Seits eine eben solche bestaendige Reihe von Exponenten fuer jede der +gegenueber stehenden Saeuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen +Saeure sich in demselben Verhaeltnisse beziehen, als zujeder andern. +--Fischer hat zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in +ihrer Einfachheit herausgehoben; s. in s. Anmerkungen zur +Uebersetzung von Berthollets Abhandlung ueber die Gesetze der +Verwandtschaft in der Chemie, S. 232. und Berthollet Statique +chimique I. Part. p. 134. ff.--Die, seit diess zuerst geschrieben +worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete Kenntniss von den +Verhaeltnisszahlen der Mischungen der chemischen Elemente, hier +beruecksichtigen zu wollen, wuerde auch darum eine Abschweifung seyn, +da diese empirische zu einem Theil aber auch nur hypothetische +Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen eingeschlossen +bleibt. Aber ueber die dabei gebrauchten Kategorien, ferner ueber die +Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und ihrer +Beziehung auf das Quantitative, so wie ueber den Versuch, dieselbe auf +bestimmte physikalische Qualitaeten zu gruenden, moegen noch einige +Bemerkungen hinzugefuegt werden. + +Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der +Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer +chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat, was wohl zu +unterscheiden ist, auf die Quantitaets-Verhaeltnisse der chemischen +Saettigungs-Gesetze selbst keinen Einfluss, aber das qualitative Moment +der ausschliessenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur +geschwaecht, sondern vielmehr aufgehoben. Wenn zwei Saeuren auf ein +Kali wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, dass sie eine +groessere Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum +vorhanden ist, welches faehig ist, das Quantum der Basis zu saettigen, +so erfolgt nach der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese +Saettigung; die andere Saeure bleibt ganz unwirksam und von der +neutralen Verbindung ausgeschlossen. Nach jenem Begriffe der +Wirksamkeit einer chemischen Masse hingegen, ist jede von beiden +wirksam in einem Verhaeltniss, das aus ihrer vorhandenen Menge und +ihrer Saettigungsfaehigkeit oder sogenannten Affinitaet zusammengesetzt +ist. Berthollets Untersuchungen haben die naehern Umstaende angegeben, +unter welchen die Wirksamkeit der chemischen Masse aufgehoben wird, +und eine (staerker verwandte) Saeure die andere (schwaechere) +auszutreiben und deren Wirkung auszuschliessen, somit nach dem Sinne +der Wahlverwandtschaft thaetig zu seyn scheint. Er hat gezeigt, dass +es Umstaende, wie die Staerke der Kohaesion, Unaufloesbarkeit der +gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen jenes Ausschliessen +Statt findet, nicht die qualitative Natur der Agentien als solche, +--Umstaende, welche wieder durch andere Umstaende z.B. die Temperatur +in ihrer Wirkung aufgehoben werden koennen. Mit der Beseitigung +dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkuemmert in +Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschliessen, als +Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in aeusserlichen +Modifikationen zu liegen. + +Berzelius waere es vornehmlich, der weiter ueber diesen Gegenstand zu +hoeren ist. Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie ueber +die Sache nichts Eigenthuemliches und Bestimmteres auf. Es sind die +berthollet'schen Ansichten aufgenommen und woertlich wiederhohlt, nur +mit der eigenthuemlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion +ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich fuer die naehere +Betrachtung darbieten. Die Theorie geht ueber die Erfahrung hinaus, +und erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in +der Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an, +und macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik. Wir +wollen daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (uebers. +von Woehler S. 82. ff) ueber die Theorie Vorgetragene vornehmen. +Daselbst nun liest man, "dass man sich vorstellen muesse, in einer +gleichfoermig gemischten Fluessigkeit sey ein jedes Atom vom +aufgeloesten Koerper von einer gleichen Anzahl von Atomen des +Aufloesungsmittels umgeben; und wenn mehrere Substanzen zusammen +aufgeloest sind, so muessen sie die Zwischenraeume zwischen den Atomen +des Aufloesungsmittels unter sich theilen, so dass, bei einer +gleichfoermigen Mischung der Fluessigkeit, eine solche Symmetrie in der +Lage der Atome entstehe, dass alle Atome der einzelnen Koerper sich in +Beziehung zu den Atomen der andern Koerper in einer gleichfoermigen +Lage befinden; man koenne daher sagen, dass die Aufloesung durch die +Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die Verbindung durch die +bestimmten Proportionen charakterisirt sey."--Diess wird hierauf durch +ein Beispiel der Verbindungen erlaeutert, die aus einer Aufloesung von +Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsaeure hinzugesetzt wird, entstehen; +aber an diesem Beispiele wird freilich weder aufgezeigt, dass Atome +existiren, noch dass eine Anzahl von Atomen der aufgeloesten Koerper +Atome der Fluessigkeit umgeben, freie Atome der beiden Saeuren sich um +die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden lagern, noch dass die +Symmetrie in der Stellung und Lage, noch dass Zwischenraeume zwischen +den Atomen existiren,--am allerwenigsten dass die aufgeloesten +Substanzen die Zwischenraeume der Atome des Aufloesungsmittels unter +sich theilen. Diess hiesse, dass die aufgeloesten da ihre Stellung +nehmen, wo das Aufloesungsmittel nicht ist,--denn die Zwischenraeume +desselben sind die von ihm leeren Raeume,--somit dass die aufgeloesten +Substanzen sich nicht im Aufloesungsmittel befinden, sondern wenn auch +dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben und +umlagert,--ausserhalb desselben, also gewiss auch von ihm nicht +aufgeloest sind. Man sieht somit nicht ein, dass man sich solche +Vorstellungen machen muesse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt +sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf +andere Weise nicht erhaertet sind. Diess koennte nur durch die +Betrachtung dieser Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik, +welche Logik ist, geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als +durch die Erfahrung bestaetigt,--im Gegentheil!--Uebrigens giebt +Berzelius zu, was auch oben gesagt worden, dass die Saetze Berthollets +der Theorie von den bestimmten Proportionen nicht entgegen seyen,--er +fuegt freilich hinzu, dass sie auch den Ansichten von der +Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin angefuehrten Vorstellungen +von den Atomen, der Erfuellung der Zwischenraeume der aufloesenden +Fluessigkeit durch die Atome der festen Koerper u.s.f. nicht entgegen +seyen,--diese letztere grundlose Metaphysik hat aber wesentlich +nichts mit den Proportionen der Saettigung selbst zu thun. Das +Specifische, was in den Saettigungsgesetzen ausgedrueckt ist, betrifft +somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht Atomen) +eines Koerpers, mit welcher sich die quantitative Einheit (ebenso +wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten +Koerpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen +verschiedenen Proportionen. Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine +Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch +von Affinitaetsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische +Masse Berthollets als die Summe des Affinitaetsgrades aus der +vorhandenen Quantitaet des wirksamen Koerpers erklaert, statt dessen +Berthollet consequenter den Ausdruck capacite de saturation gebraucht, +so verfaellt er damit selbst in die Form intensiver Groesse. Diess ist +aber die Form, welche das Eigenthuemliche der sogenannten dynamischen +Philosophie ausmacht, die er frueher S. 29. a. a. O. "die speculative +Philosophie gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der +vortrefflichen "Korpuskularphilosophie" nachdruecklich verwirft. Von +dieser dynamischen Philosophie giebt er dort an, dass sie annehme, die +Elemente in ihrer chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die +Neutralisation bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; diess +heisst nichts Anders, als dass die chemisch differenten Partikeln, die +als Menge gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven +Groesse zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund +giebt. Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch +verbundenen Atome sich in den Zwischenraeumen, d. h. aussereinander +erhalten, (Juxtaposition); Grad der Affinitaet hat in solchem +Verhalten als einer nur extensiven Groesse, eines Perennirens von Menge, +keinen Sinn. Wenn ebendas angegeben wird, dass die Erscheinungen der +bestimmten Proportionen fuer die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen +gekommen seyen, so waere diess nur ein aeusserlicher historischer Umstand, +abgesehen davon, dass die richterschen stoechiometrischen Reihen, in +der fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in +der ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien +erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude +Korpuskulartheorie beruht, angefuehrt sind. Irrthuemlich aber urtheilt +Berzelius als ob unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die +Erscheinungen der bestimmten Proportionen "fuer immer" unbekannt +geblieben waeren,--in dem Sinne, dass jene Ansicht sich nicht mit der +Bestimmtheit der Proportionen vertruege. Diese ist auf allen Fall nur +Groessebestimmtheit, gleichgueltig ob in extensiver und intensiver Form, +--so dass auch Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge, +haengt, selbst die Vorstellung von Affinitaetsgraden gebraucht. + +Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied +zurueckgefuehrt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das +Ausschliessende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstaende +zurueckgefuehrt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der +Verwandschaft Aeusserliches erscheinen, auf Kohaesion, Unaufloeslichkeit +der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f. Es kann mit dieser +Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung +der Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst +zukommt, dass der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe +uebergeht, nur als der zugleich vorhandene Umstand des aeussern +Widerstands der Luft des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung +allein statt der Schwere zugeschrieben wird.--Hier fuer die Natur des +Qualitativen, welches in der Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen +Unterschied, ob dasselbe in der Form jener Umstaende als seiner +Bedingungen erscheint und aufgefasst wird. Es beginnt mit dem +Qualitativen als solchen eine neue Ordnung, deren Specifikation nicht +mehr nur quantitativer Unterschied ist. + +Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinitaet in einer +Reihe quantitativer Verhaeltnisse sich genau feststellt gegen die +Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren +Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfaellt, so wird dieser +Unterschied wieder in voellige Verwirrung durch die Art geworfen, in +welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten +in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn +sollenden Princip aus ueber das wichtigste, das Maassverhaeltniss, einen +Aufschluss zu erhalten, wird gaenzlich getaeuscht. Diese Theorie, in +welcher die Erscheinungen der Elektricitaet und des Chemismus +vollkommen identificirt werden, insofern sie das Physikalische und +nicht bloss die Maassverhaeltnisse betrifft, ist hier nicht in naehere +Betrachtung zu nehmen, und nur insofern zu erwaehnen, als die +Unterschiedenheit der Maassbestimmungen dadurch verworren wird. Fuer +sich selbst ist sie seicht zu nennen, weil die Seichtigkeit darin +besteht, das Verschiedene mit Weglassung der Verschiedenheit +identisch zu nehmen. War hierbei die Affinitaet betrifft, so ist sie, +indem so chemische Processe mit elektrischen, ingleichen mit Feuer +und Licht-Erscheinungen, identificirt werden, "auf Neutralisation +entgegengesetzter Electricitaeten" reducirt worden. Die +Identifikation der Elektricitaet und des Chemismus selbst ist es +beinahe komisch (S. 63. a. a. O.) in folgender Weise dargestellt zu +finden, dass "die eletrischen Phaenomene wohl die Wirkung der Koerper +auf groessern oder geringern Abstand, ihre Anziehung vor der +Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische Verhalten)--und das durch +diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl erklaeren, aber uns ueber +die Ursache der mit einer so grossen Kraft, nach Vernichtung des +entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden Vereinigung +der Koerper keinen Aufschluss geben;" d. h. die Theorie giebt den +Aufschluss, dass die Electricitaet die Ursache des chemischen Verhaltens +sey, dass aber die Electricitaet ueber das, was im chemischen Processe +chemisch ist, keinen Aufschluss gebe.--Damit, dass die chemische +Differenz ueberhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer +Elektricitaet zurueckgefuehrt wird, wird die Affinitaetsverschiedenheit +der auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter +sich als die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und +elektronegativer Koerper bestimmt. Bei dem Identificiren der +Elektricitaet und des Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach, +wird schon diess uebersehen, dass die erstere ueberhaupt und deren +Neutralisirung fluechtig ist und der Qualitaet der Koerper aeusserlich +bleibt, der Chemismus in seiner Aktion und besonders in der +Neutralisation die ganze qualitative Natur der Koerper in Anspruch +nimmt und alterirt. Ebenso fluechtig ist innerhalb der Elektricitaet +ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein so Unstaetes, +dass er von den geringsten aeusserlichen Umstaenden abhaengig ist, und in +keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit und +Festigkeit des Gegensatzes von Saeuren z.B. gegen die Metalle u.s.w. +Die Veraenderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch +hoechst gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhoehten Temperatur u.s.f. +statt finden kann, steht in keinem Vergleich mit der +Oberflaechlichkeit des elektrischen Gegensatzes. Der fernere +Unterschied nun innerhalb der Reihe jeder der beiden Seiten zwischen +mehr oder weniger positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger +negativ-elektrischer Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein voellig +Unsicheres als Unkonstatirtes. Aus diesen Reihen der Koerper aber +(Berzelius am ang. Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen +Dispositionen soll das elektrochemische System entstehen, welches +sich von allen am besten eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;" +diese Reihen werden nun angegeben; wie sie aber in der That +beschaffen sind, darueber wird S. 67. hinzugefuegt: + +"dass diess ungefaehr die Ordnung dieser Koerper sey, aber diese Materie +sey so wenig untersucht, dass sich noch nichts ganz Gewisses +hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."--Sowohl die +Verhaeltnisszahlen jener (von Richter zuerst gemachten) +Affinitaetsreihen, als die hoechst interessante von Berzelius +aufgestellte Reduktion der Verbindungen von zwei Koerpern auf die +Einfachheit weniger quantitativen Verhaeltnisse sind ganz und gar +unabhaengig von jenem elektrochemisch seyn sollenden Gebraeue. Wenn in +jenen Proportionen und in deren seit Richter nach allen Seiten hin +gewonnenen Ausdehnung der experimentale Weg der richtige Leitstern +gewesen, so kontrastirt fuer sich damit umsomehr die Vermischung +dieser grossen Entdeckungen mit der ausser dem Weg der Erfahrung +liegenden Oede der sogenannten Korpuskulartheorie; nur dieser Anfang, +das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es motiviren, noch +weiter jenen frueher von Ritter vornehmlich angefangenen Einfall +wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und +elektronegativen Koerpern, die zugleich chemische Bedeutung haben +sollten, aufzustellen. + +Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die fuer die chemische Affinitaet +in dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Koerpern, +wenn dieser fuer sieh auch faktisch richtiger waere, als er ist, +angenommen wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege, +was denn aber wieder zu weiterer Inkonsequenz fuehrt. Es wird S. 73. +(a. a. O.) zugestanden, dass zwei sogenannte elektronegative Koerper, +wie Schwefel und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit +einander verbinden, als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer, +obgleich letzteres elektropositiv sey. Die auf den allgemeinen +Gegensatz von positiver und negativer-Elektricitaet basirte Grundlage +fuer die Affinitaet muss hier hiermit gegen ein blosses Mehr oder Weniger +innerhalb Einer und derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit +zurueckgestellt werden. Der Verwandschaftsgrad der Koerper, wird nun +hieraus geschlossen, haenge demnach nicht allein von ihrer +specifischen Unipolaritaet (mit welcher Hypothese diese Bestimmung +zusammenhaengt, thut hierher nichts, sie gilt hier nur fuer das +Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab; der +Verwandschaftsgrad muesse hauptsaechlich von der Intensitaet ihrer +Polaritaet im Allgemeinen hergeleitet werden. Hier geht somit naeher +die Betrachtung der Affinitaet zu dem Verhaeltniss der Wahlverwandschaft +ueber, um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn +fuer diese nun ergiebt. Indem sogleich (ebendas. S. 73.) zugestanden +wird, dass der Grad dieser Polaritaet, wenn sie nicht bloss in unserer +Vorstellung existire, keine konstante Quantitaet zu seyn scheine, +sondern sehr von der Temperatur abhaenge, so findet sich nach allem +diesem als Resultat angegeben, nicht nur, dass jede chemische Wirkung +so ihrem Grunde nach ein elektrisches Phaenomensey, sondern auch was +Wirkung der sogenannten Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch +eine in gewissen Koerpern staerker, als in andren vorhandene +elektrische Polaritaet bewirkt werde. Zum Beschlusse des bisherigen +Herumwindens in hypothetischen Vorstellungen bleibt es somit bei der +Kategorie staerkerer Intensitaet, welche dasselbe Formelle als die +Wahlverwandschaft ueberhaupt ist, und diese damit, dass sie auf eine +staerkere Intensitaet elektrischer Polaritaet gestellt wird, im +geringsten nicht weiter auf einen physikalschen Grund bringt als +vorher. Aber auch das was hier als groessere specifische Intensitaet +bestimmt seyn soll, wird spaeterhin nur auf die bereits angefuehrten, +von Berthollet aufgezeigten Modifikationen zurueckgefuehrt. + +Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle +chemischen Verhaeltnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte fuer +sich kein Abhaltungsgrund seyn, die Bloesse der angefuehrten Theorie +auseinander zu setzen; ein naeherer Grund aber, diess zu thun, muss der +Umstand seyn, dass solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft, +wie bei Newton, Autoritaet fuer ein damit in Zusammenhang gesetztes +grundloses Gebaeude von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und +dass gerade solche Metaphysik dasjenige ist, was mit der groessten +Praetension ausgegeben und ebenso nachgesprochen wird. + +Ausser den Formen des Maassverhaeltnisses, die sich auf die chemische +Affinitaet und Wahlverwandschaft beziehen, koennen auch noch andere in +Ruecksicht auf Quantitaeten, die sich zu einem System qualificiren, +betrachtet werden. Die chemischen Koerper bilden in Beziehung auf +Saettigung ein System von Verhaeltnissen; die Saettigung selbst beruht +auf der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen, +die eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich +verbinden. Aber es giebt auch Maassverhaeltnisse, deren Momente +untrennbar sind und nicht in einer eignen von einander verschiedenen +Existenz dargestellt werden koennen. Diese sind das, was vorhin die +unmittelbaren selbststaendigen Maasse genannt, und die in den +specifischen Schweren der Koerper repraesentirt sind.--Sie sind +innerhalb der Koerper ein Verhaeltniss von Gewicht zum Volumen; der +Verhaeltnissexponent, welcher die Bestimmtheit einer speeifischen +Schwere zum Unterschiede von andern ausdrueckt, ist bestimmtes Quantum +nur der Vergleichung, ein ihnen aeusseres Verhaeltniss in einer aeussern +Reflexion, das sich nicht auf das eigne qualitative Verhalten zu +einer gegenueber stehenden Existenz gruendet. Es waere die Aufgabe +vorhanden, die Verhaeltnissexponenten der Reihe der specifischen +Schweren, als ein System aus einer Regel zu erkennen, welche eine +bloss arithmetische Vielheit zu einer Reihe harmonischer Knoten +specificirte.--Dieselbe Forderung faende fuer die Erkenntniss der +angefuehrten chemischen Verwandtschaftsreihen statt. Aber die +Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin, +die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem +Maasssysteme zu fassen. + +Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunaechst kein qualitatives +Verhaeltniss zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls +in qualitative Beziehung. Indem die Koerper chemisch verbunden, auch +nur amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine +Neutralisation der specifischen Schweren. Es ist vorhin die +Erscheinung angefuehrt worden, dass das Volumen, auch des Gemisches von +chemisch gegen einander eigentlich gleichgueltig bleibenden Materien, +nicht von gleicher Groesse mit der Summe des Volumens derselben vor der +Vermischung ist. Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum +der Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben +sich auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander +kund. Hier aeussert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht +bloss als eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhaeltnisszahl, +die verrueckbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von +Maassen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als +den Verhaeltnisszahlen der specifischen Schweren, die miteinander +verbunden werden. Die Exponenten dieser Verhaeltnisse sind nicht +ausschliessende Maassbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher, +aber enthaelt ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell +fortgehenden Verhaeltnissen, in denen die Mengen verbunden werden, +verschieden und jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht. + +B. Knotenlinie von Maassverhaeltnissen. + +Die letzte Bestimmung des Maassverhaeltnisses war, dass es als +specifisch ausschliessend ist; das Ausschliessen kommt der Neutralitaet +als negativer Einheit der unterschiedenen Momente zu. Fuer diese +fuersichseyende Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung +ihrer Beziehung auf die andern Neutralitaeten kein weiteres Princip +der Specifikation ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen +Bestimmung der Affinitaet ueberhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind, +welche sich neutralisiren, und damit anderen relativen +Wahlverwandtschaften ihrer Momente gegenueberstehen. Aber ferner um +der quantitativen Grundbestimmung willen kontinuirt sich die +ausschliessende Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern +Neutralitaeten, und diese Kontinuitaet ist nicht nur aeusserliche +Beziehung der verschiedenen Neutralitaets-Verhaeltnisse, als eine +Vergleichung, sondern die Neutralitaet hat als solche eine +Trennbarkeit in ihr, indem die, aus deren Einheit sie geworden ist, +als selbststaendige Etwas, jedes als gleichgueltig, mit diesem oder mit +andern der gegenueberstehenden Reihe, ob zwar in verschiedenen +specifisch bestimmten Mengen sich zu verbinden, in Beziehung treten. +Dadurch ist diess Maass, das auf einem solchen Verhaeltnisse in ihm +selbst beruht, mit eigner Gleichgueltigkeit behaftet; es ist ein an +ihm selbst Aeusserliches und in seiner Beziehung auf sich ein +Veraenderliches. + +Diese Beziehung des Verhaeltnissmaasses auf sich ist verschieden von +seiner Aeusserlichkeit und Veraenderlichkeit, als seiner quantitativen +Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende, +qualitative Grundlage;--bleibendes, materielles Substrat, welches, +zugleich als die Kontinuitaet des Maasses in seiner Aeusserlichkeit mit +sich selbst, in seiner Qualitaet jenes Princip der Specification +dieser Aeusserlichkeit enthalten muesste. Das ausschliessende Maass nach +dieser naehern Bestimmung nun, in seinem Fuersichseyn sich aeusserlich, +stoesst sich von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur +quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhaeltniss, das +zugleich ein anderes Maass ist; ist als an sich selbst specificirende +Einheit bestimmt, welche an ihr Maassverhaeltnisse producirt. Diese +Verhaeltnisse sind von der obigen Art der Affinitaeten, in welchen ein +Selbststaendiges sich zu Selbststaendigen anderer Qualitaet und zu einer +Reihe solcher verhaelt, verschieden; sie finden an einem und demselben +Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralitaet statt; das +Maass bestimmt sich von sich abstossend zu andern nur quantitativ +verschiedenen Verhaeltnissen, welche gleichfalls Affinitaeten und Maasse +bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative +Verschiedenheiten bleiben. Sie bilden auf solche Weise eine +Knotenlinie von Maassen auf einer Skale des Mehr und Weniger. + +Es ist ein Maassverhaeltniss vorhanden; eine selbststaendige Realitaet, +die qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Fuersichseyn +ist, weil es zugleich wesentlich ein Verhaeltniss von Quantis ist, der +Aeusserlichkeit und der Quantumsveraenderung offen; es hat eine Weite, +innerhalb deren es gegen diese Veraenderung gleichgueltig bleibt und +seine Qualitaet nicht aendert. Aber es tritt ein Punkt dieser Aenderung +des Quantitativen ein, auf welchem die Qualitaet geaendert wird, das +Quantum sich als specificirend erweist, so dass das veraenderte +quantitative Verhaeltniss in ein Maass und damit in eine neue Qualitaet, +ein neues Etwas, umgeschlagen ist. Das Verhaeltniss, das an die Stelle +des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der +qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinitaet stehen, +Theils nach der quantitativen Kontinuitaet. Aber indem der +Unterschied in dieses Quantitative faellt, verhaelt sich das neue Etwas +gleichgueltig gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der +aeusserliche des Quantums. Es ist also nicht aus dem vorhergehenden, +sondern unmittelbar aus sich hervorgetreten; d. i. aus der +innerlichen, noch nicht ins Daseyn getretenen specificirenden Einheit. +--Die neue Qualitaet oder das neue Etwas ist demselben Fortgange +seiner Veraenderung unterworfen und sofort ins Unendliche. + +Insofern der Fortgang von einer Qualitaet in staetiger Kontinuitaet der +Quantitaet ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich naehernden +Verhaeltnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger +unterschieden. Die Veraenderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei +Henning/A.R.] eine allmaehlige. Aber die Allmaehligkeit betrifft bloss +das Aeusserliche der Veraenderung, nicht das Qualitative derselben; das +vorhergehende quantitative Verhaeltniss, das dem folgenden unendlich +nahe ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn. Nach der +qualitativen Seite wird daher das bloss quantitative Fortgehen der +Allmaehligkeit, das keine Grenze an sich selbst ist, absolut +abgebrochen; indem die neu eintretende Qualitaet nach ihrer bloss +quantitativen Beziehung eine gegen die verschwindende unbestimmt +andere, eine gleichgueltige ist, ist der Uebergang ein Sprung; beide +sind s als voellig aeusserliche gegeneinander gesetzt.--Man sucht sich +gern durch die Allmaehligkeit des Uebergangs eine Veraenderung +begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmaehligkeit gerade die +bloss gleichgueltige Aenderung, das Gegentheil der qualitativen. In der +Allmaehligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der beiden Realitaeten, +--sie werden als Zustaende, oder als selbststaendige Dinge genommen, +--aufgehoben; es ist gesetzt, dass keine die Grenze der andern, +sondern eine der andern schlechthin aeusserlich ist; hiermit wird +gerade das, was zum Begreiffen noethig ist, wenn auch noch so wenig +dazu erfordert wird, entfernt. + +Anmerkung. + +Das natuerliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von +qualitativen Momenten, die sich in dem bloss aeusserlichen Fortgang +hervorthun. Es ist eines Theils ein bloss quantitatives Vor- und +Zurueckgehen, ein fortwaehrendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so dass jede +Zahl dasselbe arithmetische Verhaeltniss zu ihrer vorhergehenden und +nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und +nachfolgenden u.s.f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben +auch zu andern vorhergehenden oder folgenden ein specifisches +Verhaeltniss, entweder ein solches vielfaches von einer derselben als +eine ganze Zahl ausdrueckt, oder Potenz und Wurzel zu seyn.--In den +musikalischen Verhaeltnissen, tritt ein harmonisches Verhaeltniss in der +Skale des quantitativen Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne dass +dieses Quantum fuer sich auf der Skale zu seinem vorhergehenden und +nachfolgenden ein anderes Verhaeltniss haette, als diese wieder zu ihren +vorhergehenden und nachfolgenden. Indem folgende Toene vom Grundtone +sich immer mehr zu entfernen oder Zahlen durch das arithmetische +Fortgehen nur noch mehr andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr +auf einmal eine Rueckkehr, eine ueberraschende Uebereinstimmung hervor, +die nicht durch das unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet +war, sondern als eine actio in distans, als eine Beziehung zu einem +Entfernten, erscheint; der Fortgang an bloss gleichgueltigen +Verhaeltnissen, welche die vorhergehende specifische Realitaet nicht +aendern oder auch ueberhaupt keine solche bilden, unterbricht sich auf +einmal, und indem er in quantitativer Ruecksicht auf dieselbe Weise +fortgesetzt ist, bricht somit durch einen Sprung ein specifisches +Verhaeltniss ein. + +In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Aenderung der +Mischungsverhaeltnisse solche qualitative Knoten und Spruenge vor, dass +zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden, +welche besondere Qualitaeten zeigen. Diese Produkte unterscheiden +sich nicht bloss durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind +sie mit den Verhaeltnissen, die jenen Knotenverhaeltnissen nahe liegen, +schon vorhanden, etwa nur in einem schwaechern Grade, sondern sind an +solche Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen voll +Sauerstoff und Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und +Salpetersaeuren, die nur an bestimmten Quantitaets-Verhaeltnissen der +Mischung hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitaeten haben, +so dass in dazwischen liegenden Mischungsverhaeltnissen keine +Verbindungen Von specifischen Existenzen erfolgen.--Die Metalloxyde, +z.B. die Bleioxyde bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten +der Oxydation, und unterscheiden sich durch Farben und andere +Qualitaeten. Sie gehen nicht allmaehlig in einander ueber, die zwischen +jenen Knoten liegende Verhaeltnisse geben kein Neutrales, kein +specifisches Daseyn. Ohne durch Zwischenstufen durchgegangen zu seyn, +tritt eine specifische Verbindung auf, die auf einem +Maassverhaeltnisse beruht, und eigene Qualitaeten hat.--Oder das Wasser, +indem es seine Temperatur aendert, wird damit nicht bloss mehr oder +weniger warm, sondern geht durch die Zustaende der Haerte, der +tropfbaren Fluessigkeit und der elastischen Fluessigkeit hindurch; +diese verschiedenen Zustaende treten nicht allmaehlig ein, sondern eben +das bloss allmaehlige Fortgehen der Temperatur-Aenderung wird durch +diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der Eintritt +eines andern Zustandes ist ein Sprung.--Alle Geburt und Tod, sind, +statt eine fortgesetzte Allmaehligkeit zu seyn, vielmehr ein Abbrechen +derselben, und der Sprung aus quantitativer Veraenderung in +qualitative. + +Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewoehnliche +Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll, +meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, dass sie es als ein +allmaehliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich +aber gezeigt, dass die Veraenderungen des Seyns ueberhaupt nicht nur das +Uebergehen einer Groesse in eine andere Groesse, sondern Uebergang vom +Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein +Anders-werden, das ein Abbrechen des Allmaehligen und ein +Qualitativ-Anderes gegen das vorhergehende Daseyn ist. Das Wasser +wird durch die Erkaeltung nicht nach und nach hart, so dass es +breiartig wuerde und allmaehlig bis zur Konsistenz des Eises sich +verhaertete, sondern ist auf einmal hart; schon mit der ganzen +Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht, kann es noch seine +ganze Fluessigkeit haben, und eine geringe Erschuetterung bringt es in +den Zustand der Haerte. + +Bei der Allmaehligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde, +dass das Entstehende schon sinnlich oder ueberhaupt wirklich vorhanden, +nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der +Allmaehligkeit des Verschwindens, dass das Nichtseyn oder das Andere an +seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar +sey;--und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, dass das Andere in dem +vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern dass es als Daseyn, nur +unbemerkbar, vorhanden sey. Es wird damit das Entstehen und Vergehen +ueberhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas +vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des aeusserlichen Daseyns +verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in +einen aeusserlichen, blossen Groesseunterschied.--Das Begreiflichmachen +eines Entstehens oder Vergehens aus der Allmaehligkeit der Veraenderung +hat die der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende +oder Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veraenderung zu +einer blossen Aenderung eines aeusserlichen Unterschiedes, wodurch sie in +der That nur eine Tautologie ist. Die Schwierigkeit fuer solchen +begreifen wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Uebergang von +Etwas in sein Anderes ueberhaupt und in sein Entgegengesetztes; +dagegen spiegelt er sich die Identitaet und die Veraenderung als die +gleichgueltige, aeusserliche des Quantitativen vor. + +Im Moralischen, insofern es in der Sphaere des Seyns betrachtet wird, +findet derselbe Uebergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und +verschiedene Qualitaeten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der +Groesse zu gruenden. Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maass des +Leichtsinns ueberschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen, +hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster uebergeht.--So +erhalten auch Staaten durch ihren Groessenunterschied, wenn das Uebrige +als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen +Charakter. Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der +Umfang des Staats und die Anzahl der Buerger sich erweitert. Der +Staat hat ein Maass seiner Groesse, ueber welche hinausgetrieben er +haltungslos in sich zerfaellt, unter derselben Verfassung, welche bei +nur anderem Umfange sein Glueck und seine Staerke ausmachte. + +C. Das Maasslose + +Das ausschliessende Maass bleibt in seinem realisirten Fuersichseyn +selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des +Auf- und Absteigens an der Skale des Quantums faehig, auf welcher die +Verhaeltnisse sich aendern. Etwas oder eine Qualitaet als auf solchem +Verhaeltnisse beruhend, wird ueber sich hinaus in das Maasslose +getrieben, und geht durch die blosse Aenderung seiner Groesse zu Grunde. +Die Groesse ist die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine +von Unverfaenglichkeit ergriffen und wodurch es zerstoert werden kann. + +Das abstrakte Maasslose ist das Quantum ueberhaupt als in sich +bestimmungslos, und als nur gleichgueltige Bestimmtheit, durch welche +das Maass nicht veraendert wird. In der Knotenlinie der Maasse ist sie +zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maasslose hebt +sich zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maassverhaeltniss, in +welches das zuerst vorhandene uebergeht, ist ein Maassloses in +Ruecksicht auf dieses, an ihm selbst aber ebenso eine fuer sich-seyende +Qualitaet; so ist die Abwechslung von specifischen Existenzen +miteinander und derselben ebenso mit bloss quantitativbleibenden +Verhaeltnissen gesetzt,--sofort ins Unendliche. Was also in diesem +Uebergehen vorhanden ist, ist sowohl die Negation der specifischen +Verhaeltnisse, als die Negation des quantitativen Fortgangs selbst; +das fuersichseyende Unendliche.--Die qualitative Unendlichkeit, wie +sie am Daseyn ist, war das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, +als unmittelbarer Uebergang und Verschwinden des Diesseits in seinem +Jenseits. Die quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer +Bestimmtheit nach schon die Kontinuitaet des Quantums, eine +Kontinuitaet desselben ueber sich hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird +zum Unendlichen; das Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm +selbst, und weist ueber sich hinaus. Aber diese Unendlichkeit der +Specifikation des Maasses setzt ebensowohl das Qualitative wie das +Quantitative als sich in einander aufhebend, und damit die erste, +unmittelbare Einheit derselben, welche das Maass ueberhaupt ist, als in +sich zurueckgekehrt und damit selbst als gesetzt. Das Qualitative, +eine specifische Existenz, geht in eine andere so ueber, dass nur eine +Veraenderung der Groessebestimmtheit eines Verhaeltnisses vorgeht; die +Veraenderung des Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als +eine aeusserliche und gleichgueltige, und als ein Zusammengehen mit sich +selbst gesetzt; das Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in +Qualitatives, das An- und Fuer-Sichbestimmtseyn, auf. Diese so sich +in ihrem Wechsel der Maasse in sich selbst kontinuirende Einheit ist +die wahrhaft bestehenbleibende, selbststaendige Materie, Sache. + +Was hiermit vorhanden ist, ist a) eine und dieselbe Sache, welche als +Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist. +Schon im Quantum ueberhaupt beginnt diess Abtrennen des Seyns von +seiner Bestimmtheit; gross ist etwas, als gleichgueltig gegen seine +seyende Bestimmtheit. Im Maasse ist die Sache selbst bereits an sich +Einheit des Qualitativen und Quantitativen,--der beiden Momente, die +innerhalb der allgemeinen Sphaere des Seyns, den Unterschied ausmachen, +und wovon das Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende +Substrat hat auf diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung +seyender Unendlichkeit. ss) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist +darin gesetzt, dass die qualitativen Selbststaendigkeiten, in welche +die maassbestimmende Einheit abgestossen ist, nur in quantitativen +Unterschieden bestehen, so dass das Substrat sich in diess sein +Unterscheiden kontinuirt; c) in dem unendlichen Progresse der +Knotenreihe ist die Kontinuirung des Qualitativen in das quantitative +Fortgehen, als in eine gleichgueltige Veraenderung, aber ebenso die +darin enthaltene Negation des Qualitativen, und zugleich damit der +bloss quantitativen Aeusserlichkeit, gesetzt. Das quantitative +Hinausweisen ueber sich zu einem Andern, als anderem Quantitativen +geht unter in dem Hervortreten eines Verhaeltnissmaasses, einer Qualitaet, +und das qualitative Uebergehen hebt sich eben darin auf, dass die neue +Qualitaet selbst nur ein quantitatives Verhaeltniss ist. Diess Uebergehen +des Qualitativen und des Quantitativen in einander geht auf dem Boden +ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses Processes ist nur das Daseyn, +das Zeigen oder Setzen, dass demselben ein solches Substrat zu Grunde +liegt, welches ihre Einheit sey. + +In den Reihen selbststaendiger Maassverhaeltnisse sind die einseitigen +Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen +Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen, +die sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (- +worunter hier auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener +specifischer Schwere zu begreiffen sind--) sind selbststaendige und +selbst ausschliessende Maassverhaeltnisse, gegeneinander gleichgueltige +Totalitaeten fuersichseyenden Daseyns. Nun sind solche Verhaeltnisse +nur als Knoten eines und desselben Substrats bestimmt. Damit sind +die Maasse und die damit gesetzten Selbststaendigkeiten zu Zustaenden +herabgesetzt. Die Veraenderung ist nur Aenderung eines Zustandes und +das Uebergehende ist als darin dasselbe bleibend gesetzt. + +Um die Fortbestimmung, welche das Maass durchloffen hat, zu uebersehen, +so fassen sich die Momente derselben so zusammen, dass das Maass +zunaechst die selbst unmittelbare Einheit der Qualitaet und der +Quantitaet ist als ein gewoehnliches Quantum, das aber specifisch ist. +Hiermit als nicht auf Anderes, sondern auf sich beziehende +Quantitaetsbestimmtheit ist es wesentlich Verhaltniss. Daher ferner +enthaelt es seine Momente als aufgehobene und ungetrennte in sich; wie +immer in einem Begriffe, ist der Unterschied in demselben so, dass +jedes von dessen Momenten selbst Einheit des Qualitativen und +Quantitativen ist. Dieser hiermit reale Unterschied ergiebt eine +Menge von Maassverhaeltnissen die als formelle Totalitaeten in sich +selbststaendig sind. Die Reihen, welche die Seiten dieser +Verhaltnisse bilden, sind fuer jedes einzelne Glied, das als einer +Seite zugehoerig sich zu der ganzen gegenueberstehenden Reihe verhaelt, +dieselbe konstante Ordnung. Diese, als blosse Ordnung, noch ganz +aeusserliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende +Einheit eines fuersichseyenden Maasses unterschieden von seinen +Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der +freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente +Bestimmung giebt, sondern das Princip ist zunaechst nur Substrat, eine +Materie, fuer deren Unterschiede, um als Totalitaeten, zu seyn, d. i. +die Natur des sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu +haben, nur die aeusserliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die +sich als Verschiedenheit der Qualitaet zugleich zeigt. Die +Maassbestimmnng ist in dieser Einheit des Substrats mit sich selbst +eine aufgehobene, ihre Qualitaet ein durch das Quantum (bestimmter, +aeusserlicher Zustand.--Dieser Verlauf ist ebensowohl die realisirende +Fortbestimmung des Maasses, als sie das Herabsetzen desselben zu einem +Momente ist. + + + +Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens. + + +A. Die absolute Indifferenz. + +Das Seyn ist die abstrakte Gleichgueltigkeit, wofuer, da sie fuer sich +als Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht +worden ist,--an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die +reine Quantitaet ist die Indifferenz als aller Bestimmungen faehig, so +aber dass diese ihr aeusserlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang +mit denselben hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt +werden kann, ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des +Seyns, der Qualitaet und Quantitaet und deren zunaechst unmittelbaren +Einheit, des Maasses, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt. +Die Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein +qualitatives Aeusserliches, das die Indifferenz zum Substrate hat. + +Das aber, was so als qualitatives Aeusserliches bestimmt worden, ist +nur ein Verschwindendes; als so aeusserlich gegen das Seyn ist das +Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende. +Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch +gesetzt als ein leeres Unterscheiden. Aber eben diess leere +Unterscheiden ist die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist +sie so das Konkrete, das in ihm selbst durch die Negation aller +Bestimmungen des Seyns mit sich vermittelte. Als diese Vermittelung +enthaelt sie die Negation und Verhaeltniss, und was Zustand hiess, ist +ihr immanentes, sich auf sich beziehendes Unterscheiden; eben die +Aeusserlichkeit und deren Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur +Indifferenz, und ist also innerhalb dieser, welche damit aufhoert, nur +Substrat und an ihr selbst nur abstrakt zu seyn. + +B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhaeltniss ihrer Faktoren. + +Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr +selbst und sie damit als fuersichseyend gesetzt ist. + +1. Die Reduktion der zunaechst als selbststaendig geltenden +Maassverhaeltnisse begruendet Ein Substrat derselben; dieses ist deren +Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbststaendige, das +in seinen Unterschieden ganz vorhanden ist. Fuer diesen Unterschied +sind die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualitaet und die +Quantitaet vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an +ihm gesetzt sind. Diess aber ist dadurch bestimmt, dass das Substrat +zunaechst als Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an +ihm noch nicht als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunaechst +Substrat und in Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist. + +Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunaechst der nur +quantitative aeusserliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines +und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben, +somit selbst als Quantum bestimmt waere. Die Indifferenz ist aber +dieses feste Maass, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung +auf jene Unterschiede so, dass sie nicht an ihr selbst Quantum waere, +und in irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey +Summen, Indifferenzen, gegenueber traete. Es ist nur die abstrakte +Bestimmtheit, welche in die Indifferenz faellt; die beiden Quanta um +als Momente an ihr gesetzt zu seyn, sind veraenderlich, gleichgueltig, +groesser oder kleiner gegeneinander. Durch die feste Grenze ihrer +Summe beschraenkt aber verhalten sie sich zugleich nicht aeusserlich, +sondern negativ gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist, +in der sie zu einander stehen. Sie sind darnach im umgekehrten +Verhaeltnisse zu einander. Von dem fruehern formellen umgekehrten +Verhaeltnisse ist dieses dadurch unterschieden, dass hier das Ganze ein +reales Substrat, und jede der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an +sich diess Ganze seyn zu sollen. + +Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied +ferner als von zwei Qualitaeten vorhanden, deren eine durch die andere +aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie +ausmachend, von der andern untrennbar ist. Das Substrat selbst ist +als die Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden +Qualitaeten; jede der Seiten des Verhaeltnisses enthaelt daher ebenso +sie beide in sich, und ist nur durch ein Mehr der einen Qualitaet und +das Weniger der andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualitaet +ist durch ihr Quantum, in der einen Seite nur die ueberwiegende, die +andere in der andern. + +Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhaeltniss; dieses +Verhaeltniss kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurueck. +Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen +Bestimmungen in einander, jede der Qualitaeten verhaelt in der andern +sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem +verschiedenen Quantum. Ihr quantitativer Unterschied ist jene +Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese +Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitaeten in jeder der beiden +Einheiten.--Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen, +hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander +zugleich als selbststaendig gesetzt. + +2. Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des +Maasses nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die +so eben aufgezeigte entwickelte Weise;--Indifferenz als es an sich +das Ganze der Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit +aufgeloest sind;--ebenso Daseyn, als Totalitaet der gesetzten +Realisation, in welcher die Momente selbst die ansichseyende +Totalitaet der Indifferenz, von ihr als ihrer Einheit getragen, sind. +Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und damit nur als an sich +festgehalten, und die Momente noch nicht als fuersichseyend, d. i. +noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich zur Einheit +aufhebend, bestimmt sind, so ist damit ueberhaupt die Gleichgueltigkeit +ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit vorhanden. + +Diess so untrennbare Selbststaendige ist nun naeher zu betrachten. Es +ist immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der +Einheit mit sich ungetruebt von ihnen, aber hat a) als an sich die +Totalitaet bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind, +nur grundlos an ihr hervortretend. Das Ansich der Indifferenz und +diess ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf +unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren +Unterschied hiermit zunaechst als ein aufgehobener, also als +quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstossen ihrer +von sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als aeusserlich +bestimmtseyend und bestimmtwerdend. + +ss) Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhaeltnisse; +--ein Hin- und Hergehen an der Groesse, das aber nicht durch die +Indifferenz, welche eben die Gleichgueltigkeit dieses Hinund Hergehens +ist, sondern hiermit nur aeusserlich bestimmt ist. Es wird auf ein +Anderes hingewiesen, das ausserhalb ihr ist und in welchem das +Bestimmen liegt. Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite +den zweiten Mangel der quantitativen Form, dass die Bestimmtheit des +Unterschieds nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den +ersten hat, dass die Unterschiede an ihm nur ueberhaupt hervortreten, d. +i. das Setzen desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung +mit sich selbst ist. + +c) Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des +Verhaeltnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn +ist durch diese Gleichgueltigkeit dem Uebergehen des Qualitativen +entnommen. Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes, +ihr an sichseyendes Bestehen darin, dass sie an sich die Indifferenz +selbst, jede selbst die Einheit der beiden Qualitaeten ist, in welche +das qualitative Moment sich spaltet. Der Unterschied der beiden +Seiten beschraenkt sich darauf, dass die eine Qualitaet in der einen +Seite mit einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere +darnach umgekehrt gesetzt ist. So ist jede Seite an ihr die +Totalitaet der Indifferenz.--Jede der beiden Qualitaeten einzeln fuer +sich genommen, bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die +Indifferenz ist; sie kontinuirt sich aus der einen Seite in die +andere, und wird durch die quantitative Grenze, die dabei in ihr +gesetzt wird, nicht beschraenkt. Hieran kommen die Bestimmungen in +unmittelbaren Gegensatz, welcher sich zum Widerspruch entwickelt, was +nun zu sehen ist. + +3. Naemlich jede Qualitaet tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung +zu der andern, und zwar so dass auch, wie bestimmt worden ist, diese +Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll. Sind beide +Qualitaeten selbststaendig,--etwa genommen wie von einander unabhaengige, +sinnliche Materien, so faellt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz +auseinander; ihre Einheit und Totalitaet waeren leere Namen. Sie sind +aber vielmehr zugleich so bestimmt, dass sie in Einer Einheit befasst, +dass sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realitaet in dieser einen +qualitativen Beziehung auf die andere hat. Darum nun aber, weil ihre +Quantitativitaet schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht +jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta +verschieden seyn sollten, ginge die eine ueber die andere hinaus und +haette in ihrem Mehr ein gleichgueltiges Daseyn, welches die andere +nicht haette. Aber in ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur +insofern die andere ist.--Hieraus folgt diess, dass sie im +Gleichgewicht sind, dass um soviel die eine sich vermehrte oder +verminderte, die andere gleichfalls zu- oder abnaehme, und in +demselben Verhaeltnisse zu- oder abnaehme. + +Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem +quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualitaet kommen. +Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente +ueber das andere hinaus waere, waere nur eine haltungslose Bestimmung, +oder diess Mehr waere nur wieder das andere selbst; in dieser +Gleichheit beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte +nur auf der Ungleichheit ihres Quantums beruhen.--Jeder dieser seyn +sollenden Faktoren verschwindet ebenso, indem er ueber den andern +hinaus als indem er ihm gleich seyn soll. Jenes Verschwinden +erscheint so, dass von der quantitativen Vorstellung aus das +Gleichgewicht gestoert und der eine Faktor groesser genommen wird, als +der andere; so ist das Aufheben der Qualitaet des andern und seine +Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere wird das ueberwiegende, dass der +andere mit beschleunigter Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten +ueberwaeltigt wird, dieser also sich zum einzigen Selbststaendigen macht; +aber damit sind nicht mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern +nur das eine Ganze. + +Diese Einheit so gesetzt als die Totalitaet des Bestimmens, wie sie +selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige +Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst +aufhebende Widerspruch, zur fuersichseyenden Selbststaendigkeit +bestimmt zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die +in ihr selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und +Wahrheit hat, welche das Wesen ist. + +Anmerkung. + +Das Verhaeltniss eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem +Groessenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren +haben soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskoerper +gebraucht. Diess Beispiel zeigt zunaechst nur zwei Qualitaeten im +umgekehrten Verhaeltnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede +selbst die Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhaeltniss waere. Bei +der Festigkeit der empirischen Grundlage wird die Konsequenz +uebersehen, auf welche die in dieselbe gebrachte Theorie fuehrt, +naemlich das zu Grunde liegende Faktum zu zerstoeren, oder indem dieses, +wie gehoerig, festgehalten wird, die Leerheit der Theorie gegen +dasselbe darzuthun. Das Ignoriren der Konsequenz laesst Faktum und die +ihm widersprechende Theorie ruhig nebeneinander bestehen.--Das +einfache Faktum ist, dass in der elliptischen Bewegung der +Himmelskoerper sich ihre Geschwindigkeit beschleunigt, indem sie sich +dem Perihelium, und sich vermindert, indem sie sich dem Aphelium +naehert. Das Quantitative dieses Faktums ist durch den unermuedlichen +Fleiss des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe weiter auf sein +einfaches Gesetz und Formel zurueckgefuehrt, somit alles geleistet, was +wahrhaft an die Theorie zu fordern ist. Aber diess hat dem +reflektirenden Verstande nicht genuegend geschienen. Zur sogenannten +Erklaerung des Phaenomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal- +und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der +krummen Linie, angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in +der Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Ruecksicht +darin, indem sie als ungleich bestimmt sind, dass wie die eine zu-, +die andere abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, dass das +Verhaeltniss derselben wieder umschlage, dass nachdem die +Centripetalkraft eine Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber +abgenommen, ein Punkt eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die +Centrifugalkraft dagegen zunehme. Dieser Vorstellung widerspricht +aber das Verhaeltniss ihrer wesentlich qualitativen Bestimmtheit +gegeneinander. Durch diese sind sie schlechthin nicht auseinander zu +bringen; jede hat nur Bedeutung in Ruecksicht auf die andere; insofern +also eine einen Ueberschuss ueber die andere haette, insofern haette sie +keine Beziehung auf diese und waere nicht vorhanden.--Bei der Annahme, +dass die eine das einemal groesser sey als die andere, wenn sie als +groessere in Beziehung auf die kleinere stuende, tritt das oben Gesagte +ein, dass sie absolut das Uebergewicht erhielte, und die andere +verschwaende; die letztere ist als das Verschwindende, Haltungslose +gesetzt, und an dieser Bestimmung aendert es nichts, dass das +Verschwinden nur allmaehlig geschehen, und ebenso wenig, dass so viel +sie abnaehme an Groesse, der erstern zuwachsen soll; dieses geht mit der +andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern ist, insofern die +andere ist. Es ist eine sehr einfache Betrachtung, dass wenn z.B. +wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Koerpers, indem er sich +dem Perihelium naehert, zunehmen, die Centrifugalkraft hingegen um +ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr vermoechte, ihn der +erstern zu entreissen, und von seinem Centralkoerper wieder zu +entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das Uebergewicht haben +soll, so ist die andere ueberwaeltigt, und der Koerper wird mit +beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkoerper zugefuehrt. Wie +umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Naehe des +Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, dass sie nun +im Aphelium selbst von der schwaechern ueberwaeltigt werden sollte.--Es +erhellt ferner, dass es eine fremde Kraft waere, welche diese Umkehrung +bewirkte, diess heisst, dass die bald beschleunigte, bald retardirte +Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung +jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklaert werden +koenne, welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen +Unterschied zu erklaeren. Die Konsequenz des Verschwindens der einen +oder der andern Richtung und damit der elliptischen Bewegung +ueberhaupt, wird um des feststehenden Faktums willen, dass diese +Bewegung fortdauert und aus der beschleunigten in die retardirte +Geschwindigkeit uebergeht, ignorirt und verborgen. Die Annahme des +Umschlagens der Schwaeche der Centripetalkraft im Aphelium in eine +ueberwiegende Staerke gegen die Centrifugalkraft, und umgekehrt beim +Perihelium, enthaelt Theils dasjenige, was oben entwickelt worden, dass +jede der Seiten des umgekehrten Verhaeltnisses an ihr selbst diess +ganze umgekehrte Verhaeltniss ist; denn die Seite der Bewegung vom +Aphelium zum Perihelium,--der ueberwiegend seyn sollenden +Centripetalkraft,--soll noch die Centrifugalkraft enthalten, aber im +Abnehmen, wie jene zunimmt; in eben dem umgekehrten Verhaeltniss soll +sich in der Seite der retardirten Bewegung die ueberwiegende und immer +ueberwiegender werdende Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden, +so dass auf keiner Seite eine derselben verschwunden sey, sondern nur +immer kleiner werde bis zur Zeit ihres Umschlagens zum Ueberwiegen +ueber die andere. Es rekurrirt damit nur an jeder Seite das, was der +Mangel an diesem umgekehrten Verhaeltniss ist, dass entweder jede Kraft +selbststaendig fuer sich genommen wird, und mit dem bloss aeusserlichen +Zusammentreffen derselben zu einer Bewegung, wie im Parallelogramm +der Kraefte, die Einheit des Begriffs, die Natur der Sache, aufgehoben +ist, oder dass, indem beide sich qualitativ durch den Begriff zu +einander verhalten, keine ein gleichgueltiges, selbststaendiges +Bestehen gegen die andere erhalten kann, was ihr durch ein Mehr +zugetheilt werden sollte; die Form der Intensitaet, das sogenannte +Dynamische, aendert nichts, da es selbst in dem Quantum seine +Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft aeussern kann, d. +h. nur insoweit existirt, als es an der entgegengesetzten Kraft sich +gegenueber stehen hat. Theils aber enthaelt jenes Umschlagen aus dem +Ueberwiegen in das Gegentheil die Abwechslung der qualitativen +Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen der einen ist +ebenso viel Verlust der andern. Der untrennbare qualitative +Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der Theorie in +ein Nacheinander auseinander gerueckt; aber damit bleibt sie die +Erklaerung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses +Auseinanderrueckens selbst schuldig. Der Schein von Einheit, der noch +in dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt, +verschwindet hier vollends; es ist ein bloss aeusserliches Erfolgen +angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der +insofern die eine ueberwiegend geworden, die andere verschwinden muss, +widerspricht. + +Dasselbe Verhaeltniss ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft +angewendet worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Koerper zu +begreifen; auch das umgekehrte Verhaeltniss der Sensibilitaet und +Irritabilitaet, hat dazu dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden +dieser Faktoren des Lebens die verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, +der Gesundheit, wie auch die Verschiedenheit der Gattungen der +Lebendigen zu begreifen. Jedoch die Verwirrung, und der Galimathias, +in welchen sich diess Erklaeren, das eine naturphilosophische Grundlage +der Physiologie, Nosologie, und dann der Zoologie werden sollte, in +dem unkritischen Gebrauche dieser Begriffsbestimmungen verwickelte, +hat hier zur Folge gehabt, dass dieser Formalismus bald wieder +aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft besonders der +physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung fortgefuehrt +wird. + +Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der +spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierueber noch +bemerkt werden, dass sie diess allerdings in der Ruecksicht ist, dass in +beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie ueberhaupt jede weitere +konkrete Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als +verschwunden gesetzt werden. Es ist ueberhaupt gleichgueltig, wenn bei +der Abstraktion stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in +diesem Abgrund untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe. +Aber die Substanz als Indifferenz ist Theils mit dem Beduerfniss des +Bestimmens und mit der Ruecksicht auf dasselbe verbunden; sie soll +nicht die Substanz des Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das +Negative ist, dass in ihr alles absorbirt sey. Bei Spinoza kommt der +Unterschied, die Attribute, Denken und Ausdehnung, alsdann auch die +Modi, die Affekten und alle uebrigen Determinationen, ganz empirisch +herbei; es ist der Verstand, selbst ein Modus, in welchen diess +Unterscheiden faellt; die Attribute stehen zur Substanz und zu +einander in keiner weitern Bestimmtheit, als dass sie die Substanz +ganz ausdruecken, und ihr Inhalt, die Ordnung der Dinge als +ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist. Durch die Bestimmung der +Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf den Unterschied +hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza an sich ist, +naemlich als aeusserlicher, und damit naeher als quantitativer. Die +Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie die Substanz, +--aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht ihr immanent, +als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der Immanenz, und +die quantitative Indifferenz ist vielmehr das Aussersichseyn der +Einheit. Der Unterschied ist damit auch nicht qualitativ aufgefasst, +die Substanz nicht als das sich selbst Unterscheidende, nicht als +Subjekt bestimmt. Die naechste Folge in Ruecksicht auf die Kategorie +der Indifferenz selbst ist, dass an ihr der Unterschied von +quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander faellt, wie in +der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die Aufloesung des +Maasses, in welchem beide Momente unmittelbar als eins gesetzt waren. + +C. Uebergang in das Wesen. + +Die absolute Indifferenz ist die letzte Bestimmung des Seyns, ehe +dieses zum Wesen wird; sie erreicht aber dieses nicht. Sie zeigt +sich noch der Sphaere des Seyns anzugehoeren, indem sie noch als +gleichgueltig bestimmt, den Unterschied als aeusserlichen, quantitativen +an ihr hat. Diess ist ihr Daseyn, womit sie sich zugleich in dem +Gegensatze befindet, gegen dasselbe als nur das an sichseyende +bestimmt, nicht als das fuersichseyende Absolute gedacht zu seyn. +Oder es ist die aeussere Reflexion, welche dabei stehen bleibt, dass die +Specifischen an sich oder im Absoluten dasselbe und eins sind, dass +ihr Unterschied nur ein gleichgueltiger, kein Unterschied an sich ist. +Was hier noch fehlt, besteht darin, dass diese Reflexion, nicht die +aeussere Reflexion des denkenden, subjektiven Bewusstseyns, sondern die +eigene Bestimmung der Unterschiede jener Einheit sey, sich aufzuheben, +welche Einheit denn so sich erweist, die absolute Negativitaet, ihre +Gleichgueltigkeit gegen sich selbst, gegen ihre eigene +Gleichgueltigkeit, ebenso sehr als gegen das Andersseyn zu seyn. + +Diess Sich-Aufheben der Bestimmung der Indifferenz aber hat sich +bereits ergeben; sie hat sich in der Entwicklung ihres Gesetztseyns +nach allen Seiten als der Widerspruch gezeigt. Sie ist an sich die +Totalitaet, in der alle Bestimmungen des Seyns aufgehoben und +enthalten sind; so ist sie die Grundlage, aber ist nur erst in der +einseitigen Bestimmung des Ansichseyns und damit sind die +Unterschiede, die quantitative Differenz und das umgekehrte +Verhaeltniss von Faktoren, als aeusserlich an ihr. So der Widerspruch +ihrer selbst und ihres Bestimmtseyns, ihrer an sich seyenden +Bestimmung und ihrer gesetzten Bestimmtheit ist sie die negative +Totalitaet, deren Bestimmtheiten sich an ihnen selbst und damit diese +ihre Grundeinseitigkeit, ihr Ansichseyn, aufgehoben haben. Gesetzt +hiermit als das, was die Indifferenz in der That ist, ist sie +einfache und unendliche negative Beziehung auf sich, die +Unvertraeglichkeit ihrer mit ihr selbst, Abstossen ihrer von sich +selbst. Das Bestimmen und Bestimmtwerden ist nicht ein Uebergehen, +noch aeusserliche Veraenderung, noch ein Hervortreten der Bestimmungen +an ihr, sondern ihr eignes Beziehen auf sich, das die Negativitaet +ihrer selbst, ihres Ansichseyns, ist. + +Die Bestimmungen, als solche abgestossene, gehoeren aber nun nicht sich +selbst an, treten nicht in Selbststaendigkeit oder Aeusserlichkeit +hervor, sondern sind als Momente;--erstens der ansichseyenden Einheit +angehoerig, nicht von ihr entlassen, sondern von ihr als dem Substrate +getragen und nur von ihr erfuellt; und zweitens als die Bestimmungen, +die der fuersichseyenden Einheit immanent, nur durch deren Abstossen +von sich, sind. Sie sind statt Seyender, wie in der ganzen Sphaere +des Seyns nunmehr schlechthin nur als Gesetzte, schlechthin mit der +Bestimmung und Bedeutung, auf ihre Einheit, somit jede auf ihre +andere und Negation, bezogen zu seyn,--bezeichnet mit dieser ihrer +Relativitaet. + +Damit ist das Seyn ueberhaupt und das Seyn oder die Unmittelbarkeit +der unterschiedenen Bestimmtheiten ebenso sehr als das Ansichseyn +verschwunden, und die Einheit ist Seyn, unmittelbare vorausgesetzte +Totalitaet, so dass sie diese einfache Beziehung auf sich nur ist, +vermittelt durch das Aufheben dieser Voraussetzung, und diess +Vorausgesetztseyn und unmittelbare Seyn selbst nur ein Moment ihres +Abstossens ist, die urspruengliche Selbststaendigkeit und Identitaet mit +sich nur ist, als das resultirende, unendliche Zusammengehen mit sich; +so ist das Seyn zum Wesen bestimmt, das Seyn, als durch Aufheben des +Seyns einfaches Seyn nnt sich. + + + + + +Zweites Buch. Das Wesen. + +Die Wahrheit des Seyns ist das Wesen. + + +Das Seyn ist das Unmittelbare. Indem das Wissen das Wahre erkennen +will, was das Seyn an und fuer sich ist, so bleibt es nicht beim +Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen, sondern dringt durch +dasselbe hindurch, mit der Voraussetzung, dass hinter diesem Seyn noch +etwas Anderes ist, als das Seyn selbst, dass dieser Hintergrund die +Wahrheit des Seyns ausmacht. Diese Erkenntniss ist ein vermitteltes +Wissen, denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen, +sondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorlaeufigen +Weg, den Weg des Hinausgehens ueber das Seyn oder vielmehr des +Hineingehens in dasselbe zu machen. Erst indem das Wissen sich aus +dem unmittelbaren Seyn erinnert, durch diese Vermittlung findet es +das Wesen.--Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Wesen in der +vergangenen Zeit: gewesen, behalten; denn das Wesen ist das +vergangene, aber zeitlos vergangene Seyn. + +Diese Bewegung, als Weg des Wissens vorgestellt, so erscheint dieser +Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Wesen als +einem Vermittelten anlangt, eine Thaetigkeit des Erkennens zu seyn, +die dem Seyn aeusserlich sey und dessen eigene Natur nichts angehe. + +Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seyns selbst. Es zeigte sich +an diesem, dass es durch seine Natur sich erinnert, und durch diess +Insichgehen zum Wesen wird. + +Wenn also das Absolute zuerst als Seyn bestimmt war, so ist es jetzt +als Wesen bestimmt. Das Erkennen kann ueberhaupt nicht bei dem +mannigfaltigen Daseyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn, +stehen bleiben; es dringt sich unmittelbar die Reflexion auf, dass +dieses reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und +Bewegung voraussetzt, welche das unmittelbare Daseyn zum reinen Seyn +gereinigt hat. Das Seyn wird hiernach als Wesen bestimmt, als ein +solches Seyn, an dem alles Bestimmte und Endliche negirt ist. So ist +es die bestimmungslose einfache Einheit, von der das Bestimmte auf +eine aeusserliche Weise hinweggenommen worden; dieser Einheit war das +Bestimmte selbst ein Aeusserliches, und es bleibt ihr nach diesem +Wegnehmen noch gegenueber stehen; denn es ist nicht an sich, sondern +relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit, aufgehoben worden.--Es +wurde oben schon erinnert, dass wenn das reine Wesen als Inbegriff +aller Realitaeten bestimmt wird, diese Realitaeten gleichfalls der +Natur der Bestimmtheit, und der abstrahirenden Reflexion unterliegen, +und dieser Innbegriff sich zur leeren Einfachheit reducirt. Das +Wesen ist auf diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes. Die aeusserliche +Negation, welche Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seyns +nur hinweg von dem, was als Wesen uebrig bleibt; es stellt sie +gleichsam nur an einen andern Ort, und laesst sie als seyende vor wie +nach. Das Wesen ist aber auf diese Weise weder an sich, noch fuer +sich selbst; es ist durch ein Anderes, die aeusserliche, abstrahirende +Reflexion; und ist fuer ein Anderes, naemlich fuer die Abstraktion und +ueberhaupt fuer das ihm gegenueber stehen bleibende Seyende. In seiner +Bestimmung ist es daher die in sich todte, leere Bestimmungslosigkeit. + +Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist, nicht +durch eine ihm fremde Negativitaet, sondern durch seine eigne, die +unendliche Bewegung des Seyns. Es ist An-und-Fuersichseyn; absolutes +Ansichseyn, indem es gleichgueltig gegen alle Bestimmtheit des Seyns +ist, das Andersseyn und die Beziehung auf anderes schlechthin +aufgehoben worden ist. Es ist aber nicht nur diess Ansichseyn; als +blosses Ansichseyn waere es nur die Abstraktion des reinen Wesens; +sondern es ist ebenso wesentlich Fuersichseyn; es selbst ist diese +Negativitaet, das sich Aufheben des Andersseyns und der Bestimmtheit. + +Das Wesen als die vollkommene Rueckkehr des Seyns in sich ist so +zunaechst das unbestimmte Wesen; die Bestimmtheiten des Seyns sind in +ihm aufgehoben; es enthaelt sie an sich; aber nicht wie sie an ihm +gesetzt sind. Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat +kein Daseyn. Aber es muss zum Daseyn uebergehen; denn es ist +An-und-Fuersichseyn, das heisst, es unterscheidet die Bestimmungen, +welche es an sich enthaelt; weil es Abstossen seiner von sich oder +Gleichgueltigkeit gegen sich, negative Beziehung auf sich ist, setzt +es sich somit sich selbst gegenueber, und ist nur insofern unendliches +Fuersichseyn als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede +von sich ist.--Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur, als das +Bestimmen in der Sphaere des Seyns, und die Bestimmungen des Wesens +haben einen andern Charakter als die Bestimmtheiten des Seyns. Das +Wesen ist absolute Einheit des An-und-Fuersichseyns; sein Bestimmen +bleibt daher innerhalb dieser Einheit, und ist kein Werden noch +Uebergehen, so wie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als +anderes, noch Beziehungen auf Anderes sind; sie sind Selbststaendige +aber damit nur als solche, die in ihrer Einheit mit einander sind. +--Indem das Wesen zuerst einfache Negativitaet ist, so hat es nun die +Bestimmtheit, welche es nur an sich enthaelt, in seiner Sphaere zu +setzen, um sich Daseyn und dann sein Fuersichseyn zu geben. + +Das Wesen ist im Ganzen das, was die Quantitaet in der Sphaere des +Seyns war; die absolute Gleichgueltigkeit gegen die Grenze. Die +Quantitaet aber ist diese Gleichgueltigkeit in unmittelbarer Bestimmung, +und die Grenze an ihr unmittelbar aeusserliche Bestimmtheit, sie geht +ins Quantum ueber; die aeusserliche Grenze ist ihr nothwendig, und ist +an ihr seyend. Am Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht; sie ist +nur durch das Wesen selbst gesetzt; nicht frey, sondern nur in der +Beziehung auf seine Einheit.--Die Negativitaet des Wesens ist die +Reflexion, und die Bestimmungen reflektirte, durch das Wesen selbst +gesetzte und in ihm als aufgehoben bleibende. + +Das Wesen steht zwischen Seyn und Begriff und macht die Mitte +derselben und seine Bewegung den Uebergang von Seyn in den Begriff aus. +Das Wesen ist das An-und-Fuersichseyn, aber dasselbe in der +Bestimmung des Ansichseyns; denn seine allgemeine Bestimmung ist, aus +dem Seyn herzukommen, oder die erste Negation des Seyns zu seyn. +Seine Bewegung besteht darin, die Negation oder Bestimmung an ihm zu +setzen, dadurch sich Daseyn zu geben, und das als unendliches +Fuersichseyn zu werden, was es an sich ist. So giebt es sich sein +Daseyn, das seinem Ansichseyn gleich ist, und wird der Begriff. Denn +der Begriff ist das Absolute, wie es in seinem Daseyn absolut oder an +und fuer sich ist. Das Daseyn aber, das sich das Wesen giebt, ist +noch nicht das Daseyn, wie es an und fuer sich ist, sondern wie das +Wesen es sich giebt, oder wie es gesetzt wird, daher noch von dem +Daseyn des Begriffs unterschieden. + +Das Wesen scheint zuerst in sich selbst, oder ist Reflexion; zweitens +erscheint es; drittens offenbart es sich. Es setzt sich in seiner +Bewegung in folgende Bestimmungen, + +I. als einfaches, ansichseyendes Wesen in seinen Bestimmungen +innerhalb seiner; + +II. als heraustretend in das Daseyn, oder nach seiner Existenz und +Erscheinung; + +III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit. + + + + +Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst. + +Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar +an und fuer sich, sondern ein Resultat jener Bewegung. Oder das Wesen +zunaechst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes +Daseyn, dem ein anderes gegenueber steht; es ist nur wesentliches +Daseyn gegen unwesentliches. Das Wesen ist aber das an und fuer sich +aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenueber steht. Allein +der Schein ist das eigene Setzen des Wesens. + +Das Wesen ist erstens Reflexion. Die Reflexion bestimmt sich; ihre +Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist; +es sind + +zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu +betrachten. + +Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in +sich selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung +ueber. + + + +Erstes Kapitel. Der Schein. + + +Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenueber zu +stehen; diess unmittelbare Seyn ist zunaechst das Unwesentliche. + +Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses +Seyn, es ist Schein. + +Drittens dieser Schein ist nicht ein Aeusserliches, dem Wesen Anderes, +sondern er ist sein eigner Schein. Das Scheinen des Wesens in ihm +selbst ist die Reflexion. + +A. Das Wesentliche und das Unwesentliche. + +Das Wesen ist das aufgehobene Seyn. Es ist einfache Gleichheit mit +sich selbst, aber insofern es die Negation der Sphaere des Seyns +ueberhaupt ist. So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenueber, +als eine solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem +Aufheben aufbewahrt und erhalten hat. Das Wesen selbst ist in dieser +Bestimmung seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein +Negatives in Beziehung auf das Wesen, nicht an und fuer sich selbst, +das Wesen ist also eine bestimmte Negation. Seyn und Wesen verhalten +sich auf diese Weise wieder als Andere ueberhaupt zu einander, denn +jedes hat ein Seyn, eine Unmittelbarkeit, die gegen einander +gleichgueltig sind, und stehen diesem Seyn nach in gleichem Werthe. + +Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das +Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen. +Insofern es sich jedoch zum Wesen nur ueberhaupt als ein Anderes +verhaelt, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein +anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche. + +Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in +die Sphaere des Daseyns zurueckfallen lassen; indem das Wesen, wie es +zunaechst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes +bestimmt ist gegen das Seyn. Die Sphaere des Daseyns ist damit zu +Grunde gelegt, und dass das, was das Seyn in diesem Daseyn ist, +An-und-Fuersichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst aeusserliche +Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fuersichseyn +ist, aber nur gegen Anderes, in bestimmter Ruecksicht.--Insofern daher +an einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander +unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein aeusserliches +Setzen, eine das Daseyn selbst nicht beruehrende Absonderung eines +Theils desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein +Drittes faellt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder +Unwesentlichen gehoert. Es ist irgend eine aeusserliche Ruecksicht und +Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als +wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen. + +Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen +ein Unwesentliches dadurch, dass das Wesen nur genommen ist, als +aufgehobenes Seyn oder Daseyn. Das Wesen ist auf diese Weise nur die +erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das +Seyn nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird. Das Wesen +aber ist die absolute Negativitaet des Seyns; es ist das Seyn selbst, +aber nicht nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich +sowohl als unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation, +als Negation, die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat. +Das Seyn oder Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen +ist, erhalten, und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist +nicht bloss ein unwesentliches Daseyn, sondern das an und fuer sich +nichtige Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein. + +B. Der Schein. + +1. Das Seyn ist Schein. Das Seyn des Scheins besteht allein in dem +Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit +hat es im Wesen, und ausser seiner Nichtigkeit, ausser dem Wesen ist er +nicht. Er ist das Negative gesetzt, als Negatives. + +Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphaere des Seyns +uebrig geblieben ist. Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen +unabhaengige unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben +ueberhaupt zu seyn. Das Andere enthaelt ueberhaupt die zwei Momente des +Daseyns und des Nichtdaseyns. Das Unwesentliche, indem es nicht mehr +ein Seyn hat, so bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des +Nichtdaseyns, der Schein ist diess unmittelbare Nichtdaseyn, so in der +Bestimmtheit des Seyns, dass es nur in der Beziehung auf Anderes, in +seinem Nichtdaseyn Daseyn hat; das Unselbststaendige, das nur in +seiner Negation ist. Es bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit +der Unmittelbarkeit, es ist als die reflektirte Unmittelbarkeit, das +ist, welche nur vermittelst ihrer Negation ist, und die ihrer +Vermittelung gegenueber nichts ist, als die leere Bestimmung der +Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns. + +So ist der Schein, das Phaenomen des Skepticismus oder auch die +Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein +Etwas oder kein Ding ist, ueberhaupt nicht ein gleichgueltiges Seyn, +das ausser seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt waere. Es +ist, erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere +Idealismus erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom +Ding-an-sich anzusehen; jener Schein sollte ueberhaupt keine Grundlage +eines Seyns haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das +Ding-an-sich eintreten. Zugleich aber liess der Skepticismus +mannigfaltige Bestimmmungen seines Scheins zu, oder vielmehr sein +Schein hatte den ganzen mannigfaltigen Reichthum der Welt zum Inhalte. +Ebenso begreift die Erscheinung des Idealismus den ganzen Umfang +dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in sich. Jener Schein und diese +Erscheinung sind unmittelbar so mannigfaltig bestimmt. Diesem +Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein Ding, oder Ding-an-sich zu +Grunde liegen; er fuer sich bleibt wie er ist; er ist nur aus dem Seyn +in den Schein uebersetzt worden; so dass der Schein innerhalb seiner +selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat, welche unmittelbare, +seyende, andere gegen einander sind. Der Schein ist also selbst ein +unmittelbar Bestimmtes. Er kann diesen oder jenen Inhalt haben; aber +welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt, sondern er hat +ihn unmittelbar. Der leibnitzische, oder kantische, fichtesche +Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als der +Skepticismus ueber das Seyn als Bestimmtheit, ueber diese +Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus laesst sich den +Inhalt seines Scheins geben; es ist unmittelbar fuer ihn, welchen +Inhalt er haben soll. Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr +selbst ihre Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und +verbindende Kraft, sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie +sind gleichgueltig, unmittelbar gegen einander, und so gegen die +Monade selbst. Ebenso ist die kantische Erscheinung ein gegebener +Inhalt der Wahrnehmung, er setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des +Subjekts, welche gegen sich selbst und gegen dasselbe unmittelbar +sind. Der unendliche Anstoss des fichteschen Idealismus mag wohl kein +Ding-an-sich zu Grunde liegen haben, so dass er rein eine Bestimmtheit +im Ich wird. Aber diese Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu +der seinigen macht und ihre Aeusserlichkeit aufhebt, zugleich +unmittelbare, eine Schranke desselben, ueber die es hinausgehen kann, +welche aber eine Seite der Gleichgueltigkeit an ihr hat, nach der sie +ob zwar im Ich, ein unmittelbares Nichtseyn desselben enthaelt.-2. Der +Schein also enthaelt eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhaengige +Seite gegen das Wesen. Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen +unterschieden ist, nicht zu zeigen, dass er sich aufhebt und in +dasselbe zurueckgeht; denn das Seyn ist in seiner Totalitaet in das +Wesen zurueckgegangen; der Schein ist das an sich nichtige; es ist nur +zu zeigen, dass die Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden, +Bestimmungen des Wesens selbst sind, und ferner, dass diese +Bestimmtheit des Wesens, welche der Schein ist, im Wesen selbst +aufgehoben ist. + +Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht; +diess Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativitaet des +Wesens an ihm selbst. Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen. Seine +Nichtigkeit an sich ist die negative Natur des Wesens selbst. Die +Unmittelbarkeit oder Gleichgueltigkeit aber, welche diess Nichtseyn +enthaelt, ist das eigene absolute Ansichseyn des Wesens. Die +Negativitaet des Wesens ist seine Gleichheit mit sich selbst, oder +seine einfache Unmittelbarkeit und Gleichgueltigkeit. Das Seyn hat +sich im Wesen erhalten, insofern dieses an seiner unendlichen +Negativitaet diese Gleichheit mit sich selbst hat; hierdurch ist das +Wesen selbst das Seyn. Die Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit +am Scheine gegen das Wesen hat, ist daher nichts anderes, als die +eigene Unmittelbarkeit des Wesens; aber nicht die seyende +Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin vermittelte oder reflektirte +Unmittelbarkeit, welche der Schein ist;--das Seyn nicht als Seyn, +sondern nur als die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Vermittlung; +das Seyn als Moment. + +Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn +aber als Moment, oder die an sich seyende Negativitaet und die +reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen, +sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein +des Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der +Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der +Schein an sich, der Schein des Wesens selbst. + +Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns. Das, +wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, dass es bestimmt in sich, und +dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist. Aber diese +Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben. Denn +das Wesen ist das Selbststaendige, das ist als durch seine Negation, +welche es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die +identische Einheit der absoluten Negativitaet und der Unmittelbarkeit. +--Die Negativitaet ist die Negativitaet an sich; sie ist ihre Beziehung +auf sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative +Beziehung auf sich, abstossendes Negiren ihrer selbst, so ist die an +sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie. +Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativitaet und diess +Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst, +Rueckkehr in sich ist. + +Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern, +in seiner Negation; er ist die Unselbststaendigkeit, die an ihr selbst +aufgehoben und nichtig ist. So ist er das in sich zurueckgehende +Negative, das Unselbststaendige, als das an ihm selbst +Unselbststaendige. Diese Beziehung des Negativen oder der +Unselbststaendigkeit auf sich, ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein +Anderes als es selbst; sie ist seine Bestimmtheit gegen sich, oder +sie ist die Negation gegen das Negative. Aber die Negation gegen das +Negative ist die sich nur auf sich beziehende Negativitaet, das +absolute Aufheben der Bestimmtheit selbst. + +Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche +Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie +ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbststaendigkeit, und +nicht bestimmt ist.--Umgekehrt die Selbststaendigkeit als sich auf +sich beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit +und Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativitaet.--Diese +Negativitaet, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die +Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativitaet ist, ist das Wesen. +Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer +Bestimmtheit, aber so dass sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist +das Scheinen seiner in sich selbst. + +In der Sphaere des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das +Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenueber, und ihre Wahrheit +ist das Werden. In der Sphaere des Wesens findet sich zuerst das +Wesen und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenueber; +das Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns. Aber sie beide, +so wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter +nichts, als darin, dass das Wesen zuerst, als ein unmittelbares +genommen wird, nicht wie es an sich ist, naemlich nicht als die +Unmittelbarkeit, die als die reine Vermittelung oder als absolute +Negativitaet Unmittelbarkeit ist. Jene erste Unmittelbarkeit, ist +somit nur die Bestimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieser +Bestimmtheit des Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem +Aufzeigen, dass das Unwesentliche nur Schein, und dass das Wesen +vielmehr den Schein in sich selbst enthaelt, als die unendliche +Bewegung in sich, welche seine Unmittelbarkeit, als die Negativitaet +und seine Negativitaet als die Unmittelbarkeit bestimmt und so das +Scheinen seiner in sich selbst ist. Das Wesen in dieser seiner +Selbstbewegung ist die Reflexion. + +C. Die Reflexion. + +Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist; aber er ist die +Reflexion als unmittelbare; fuer den in sich gegangenen, hiermit +seiner Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der +fremden Sprache, die Reflexion. + +Das Wesen ist Reflexion; die Bewegung des Werdens und Uebergehens, das +in sich selbst bleibt; worin das unterschiedene schlechthin nur als +das an sich negative, als Schein bestimmt ist.--In dem Werden des +Seyns liegt der Bestimmtheit das Seyn zu Grunde, und sie ist +Beziehung auf Anderes. Die reflectirende Bewegung hingegen ist das +Andere als die Negation an sich, die nur als sich auf sich beziehende +Negation ein Seyn hat. Oder indem diese Beziehung auf sich eben diess +Negiren der Negation ist, so ist die Negation als Negation vorhanden, +als ein solches, das sein Seyn in seinem Negirtseyn hat, als Schein. +Das Andere ist hier also nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze, +sondern die Negation mit der Negation. Das Erste aber gegen diess +Andere, das Unmittelbare oder Seyn, ist nur diese Gleichheit selbst +der Negation mit sich, die negirte Negation, die absolute Negativitaet. +Diese Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit ist daher nicht ein +Erstes, von dem angefangen wird, und das in seine Negation ueberginge; +noch ist es ein seyendes Substrat, das sich durch die Reflexion +hindurch bewegte; sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung +selbst. + +Das Werden im Wesen, seine reflektirende Bewegung, ist daher die +Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu sich selbst zurueck. +Das Uebergehen oder Werden hebt in seinem Uebergehen sich auf; das +Andere, das in diesem Uebergehen wird, ist nicht das Nichtseyn eines +Seyns, sondern das Nichts eines Nichts, und diess, die Negation eines +Nichts zu seyn, macht das Seyn aus.--Das Seyn ist nur als die +Bewegung des Nichts zu Nichts, so ist es das Wesen; und dieses hat +nicht diese Bewegung in sich, sondern ist sie als der absolute Schein +selbst, die reine Negativitaet, die nichts ausser ihr hat, das sie +negirte, sondern die nur ihr Negatives selbst negirt, das nur in +diesem Negiren ist. + +Diese reine absolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu +Nichts ist, bestimmt sich selbst weiter. + +Sie ist erstlich setzende Reflexion; sie macht zweitens den Anfang +von dem vorausgesetzten Unmittelbaren, und ist so aeusserliche +Reflexion. + +Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf, und indem sie in dem +Aufheben der Voraussetzung zugleich voraussetzend ist, ist sie +bestimmende Reflexion. + +1. Die setzende Reflexion. + +Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose; aber das Nichtige oder +Wesenlose hat sein Seyn nicht in einem Andern, in dem es scheint, +sondern sein Seyn ist seine eigne Gleichheit mit sich; dieser Wechsel +des Negativen mit sich selbst hat sich als die absolute Reflexion des +Wesens bestimmt. + +Diese sich auf sich beziehende Negativitaet ist also das Negiren ihrer +selbst. Sie ist somit ueberhaupt so sehr aufgehobene Negativitaet als +sie Negativitaet ist. Oder sie ist selbst das Negative und die +einfache Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit. Sie besteht also +darin sie selbst und nicht sie selbst und zwar in Einer Einheit zu +seyn.-Zunaechst ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts, +somit die mit sich selbst zusammengehende Negation. Dieses +Zusammengehen mit sich ist ueberhaupt einfache Gleichheit mit sich; +die Unmittelbarkeit. Aber diess Zusammenfallen ist nicht Uebergehen +der Negation in die Gleichheit mit sich als in ihr Andersseyn, +sondern die Reflexion ist Uebergehen als Aufheben des Uebergehens; denn +sie ist unmittelbares Zusammenfallen des Negativen mit sich selbst; +so ist diess Zusammengehen erstlich Gleichheit mit sich, oder +Unmittelbarkeit; aber zweitens ist diese Unmittelbarkeit die +Gleichheit des Negativen mit sich, somit die sich selbst negirende +Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an sich das Negative, das +Negative ihrer selbst ist, diess zu seyn was sie nicht ist. + +Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rueckkehr +in sich; sie ist Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen; +aber Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung oder als +Rueckkehr aus einem, somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit. +--Diess ist das Gesetztseyn; die Unmittelbarkeit rein nur als +Bestimmtheit oder als sich reflectirend. Diese Unmittelbarkeit, die +nur als Rueckkehr des Negativen in sich ist,--ist jene Unmittelbarkeit, +welche die Bestimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die +reflectirende Bewegung anzufangen schien. Statt von dieser +Unmittelbarkeit anfangen zu koennen, ist diese vielmehr erst als die +Rueckkehr, oder als die Reflexion selbst. Die Reflexion ist also die +Bewegung, die, indem sie die Rueckkehr ist, erst darin das ist, das +anfaengt oder das zurueckkehrt. + +Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rueckkehren +ist; es ist naemlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein solches, +aus dem sie, noch in das sie zurueckkehrte; sie ist also nur als +Rueckkehren oder als das Negative ihrer selbst. Aber ferner ist diese +Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rueckkehr +in sich. Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen, Aufheben +ihres Anderen, der Unmittelbarkeit. Indem sie also die +Unmittelbarkeit als ein Rueckkehren, Zusammengehen des Negativen mit +sich selbst ist, so ist sie ebenso Negation des Negativen als des +Negativen. So ist sie Voraussetzen.--Oder die Unmittelbarkeit ist +als Rueckkehren nur das Negative ihrer selbst, nur diess, nicht +Unmittelbarkeit zu seyn; aber die Reflexion ist das Aufheben des +Negativen seiner selbst, sie ist Zusammengehen mit sich; sie hebt +also ihr Setzen auf, und indem sie das Aufheben des Setzens in ihrem +Setzen ist, ist sie Voraussetzen.--In dem Voraussetzen bestimmt die +Reflexion die Rueckkehr in sich, als das Negative ihrer selbst, als +dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist. Es ist sein Verhalten zu +sich selbst; aber zu sich als dem Negativen seiner; nur so ist es die +insichbleibende, sich auf sich beziehende Negativitaet. Die +Unmittelbarkeit kommt ueberhaupt nur als Rueckkehr hervor und ist +dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist, der durch die +Rueckkehr negirt wird. Die Rueckkehr des Wesens ist somit sein sich +Abstossen von sich selbst. Oder die Reflexion in sich ist wesentlich +das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rueckkehr ist. + +Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich, wodurch das Wesen +erst die Gleichheit mit sich ist. Es setzt sich selbst voraus, und +das Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst; umgekehrt ist diess +Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.--Die +Reflexion also findet ein Unmittelbares vor, ueber das sie hinausgeht, +und aus dem sie die Rueckkehr ist. Aber diese Rueckkehr ist erst das +Voraussetzen des Vorgefundenen. Diess Vorgefundene wird nur darin, +dass es verlassen wird; seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene +Unmittelbarkeit.--Die aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die +Rueckkehr in sich, das Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich +selbst gleiche Seyn. Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben +seiner und die von sich selbst abstossende, voraussetzende Reflexion, +und ihr Abstossen von sich ist das Ankommen bei sich selbst. + +Die reflektirende Bewegung ist somit, nach dem Betrachteten, als +absoluter Gegenstoss in sich selbst zu nehmen. Denn die Voraussetzung +der Rueckkehr in sich,--das woraus das Wesen herkommt und erst als +dieses Zurueckkommen ist--, ist nur in der Rueckkehr selbst. Das +Hinausgehen ueber das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfaengt, ist +vielmehr erst durch diess Hinausgehen; und das Hinausgehen ueber das +Unmittelbare ist das Ankommen bei demselben. Die Bewegung wendet +sich als Fortgehen unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so +Selbstbewegung,--Bewegung, die aus sich kommt, insofern die setzende +Reflexion voraussetzende, aber als voraussetzende Reflexion +schlechthin setzende ist. + +So ist die Reflexion sie selbst, und ihr Nichtseyn; und ist nur sie +selbst, indem sie das Negative ihrer ist, denn nur so ist das +Aufheben des Negativen zugleich als ein Zusammengehen mit sich. + +Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt, ist +schlechthin nur als Gesetztseyn, als an sich aufgehobenes, das nicht +verschieden ist, von der Rueckkehr in sich, und selbst nur dieses +Rueckkehren ist. Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives, als +unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes. So ist die +Reflexion bestimmt; sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit, eine +Voraussetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Andern +anfaengt, aeussere Reflexion. + +2. Die aeussere Reflexion. + +Die Reflexion als absolute Reflexion ist das in ihm selbst scheinende +Wesen, und setzt sich nur den Schein, das Gesetztseyn, voraus; sie +ist als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion. Aber die +aeusserliche oder reale Reflexion setzt sich als aufgehoben, als das +Negative ihrer voraus. Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt; das +einemal als das Vorausgesetzte, oder die Reflexion in sich, die das +Unmittelbare ist. Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf +sich beziehende Reflexion; sie bezieht sich auf sich als auf jenes +ihr Nichtseyn. + +Die aeusserliche Reflexion setzt also ein Seyn voraus, erstens nicht in +dem Sinne, dass seine Unmittelbarkeit nur Gesetztseyn oder Moment ist, +sondern vielmehr, dass diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich, +und die Bestimmtheit nur als Moment ist. Sie bezieht sich auf ihre +Voraussetzung so, dass diese das Negative der Reflexion ist, aber so +dass dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.--Die Reflexion in +ihrem Setzen, hebt unmittelbar ihr Setzen auf, so hat sie eine +unmittelbare Voraussetzung. Sie findet also dasselbe vor, als ein +solches von dem sie anfaengt, und von dem aus sie erst das Zurueckgehen +in sich, das Negiren dieses ihres Negativen ist. Aber dass diess +Vorausgesetzte ein Negatives oder Gesetztes ist, geht dasselbe nichts +an; diese Bestimmtheit gehoert nur der setzenden Reflexion an, aber in +dem Voraussetzen ist das Gesetztseyn nur als aufgehobenes. Was die +aeusserliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt, sind +insofern demselben aeusserliche Bestimmungen.--Sie war das Unendliche +in der Sphaere des Seyns; das Endliche gilt als das Erste, als das +Reale, von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen +bleibenden angefangen, und das Unendliche ist die gegenueber stehende +Reflexion in sich. + +Diese aeussere Reflexion ist der Schluss, in welchem die beiden Extreme, +das Unmittelbare und die Reflexion in sich, sind; die Mitte desselben +ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare, so dass der eine +Theil derselben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die +andere, die Bestimmtheit oder Negation, nur dem andern Extreme +zukommt. + +Aber das Thun der aeusseren Reflexion naeher betrachtet, so ist sie +zweitens Setzen des Unmittelbaren, das insofern das Negative oder +Bestimmte wird; aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses +ihres Setzens; denn sie setzt das Unmittelbare voraus; sie ist im +Negiren das Negiren dieses ihres Negirens. Sie ist aber unmittelbar +damit ebenso Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und +dieses, von dem sie als von einem Fremden anzufangen schien, ist erst +in diesem ihrem Anfangen. Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht +nur an sich, das hiesse fuer uns oder in der aeusseren Reflexion, +dasselbe was die Reflexion ist, sondern es ist gesetzt, dass es +dasselbe ist. Es ist naemlich durch die Reflexion als ihr Negatives +oder als ihr Anderes bestimmt, aber sie ist es selbst, welche dieses +Bestimmen negirt.--Es ist damit die Aeusserlichkeit der Reflexion gegen +das Unmittelbare aufgehoben; ihr sich selbst negirendes Setzen ist +das Zusammengehen ihrer mit ihrem Negativen, mit dem Unmittelbaren +und dieses Zusammengehen ist die wesentliche Unmittelbarkeit selbst. +--Es ist also vorhanden, dass die aeussere Reflexion nicht aeussere, +sondern ebenso sehr immanente Reflexion der Unmittelbarkeit selbst +ist; oder dass das was durch die setzende Reflexion ist, das an und +fuer sich seyende Wesen ist. So ist sie bestimmende Reflexion. + +Anmerkung. + +Die Reflexion wird gewoehhlicher Weise in subjektivem Sinne genommen, +als die Bewegung der Urtheilskraft, die ueber eine gegebene +unmittelbare Vorstellung hinausgeht, und allgemeine Bestimmungen fuer +dieselbe sucht oder damit vergleicht. Kant setzt die reflektirende +Urtheilskraft, der bestimmenden Urtheilskraft entgegen. (Kritik der +Urtheilskraft. Einleit. S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft +ueberhaupt als das Vermoegen, das Besondere als enthalten unter dem +Allgemeinen zu denken. Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip, +das Gesetz) gegeben, so ist die Urtheilskraft, welche das Besondere +darunter subsumirt, bestimmend. Ist aber nur das Besondere wozu sie +das Allgemeine finden soll, so ist die Urtheilskraft bloss +reflektirend. Die Reflexion ist somit hier gleichfalls das +Hinausgehen ueber ein Unmittelbares zum Allgemeinen. Das Unmittelbare +wird theils erst durch diese Beziehung desselben auf sein Allgemeines +bestimmt als Besonders; fuer sich ist es nur ein Einzelnes, oder ein +unmittelbares Seyendes. Theils aber ist das, worauf es bezogen wird, +sein Allgemeines, seine Regel, Princip, Gesetz; ueberhaupt das in sich +reflektirte, sich auf sich selbst beziehende, das Wesen oder das +Wesentliche. + +Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewusstseyns, noch +von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, die das Besondere und +Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, sondern von der Reflexion +ueberhaupt die Rede. Jene Reflexion, der Kant das Aufsuchen des +Allgemeinen zum gegebenen Besondern zuschreibt, ist, wie erhellt, +gleichfalls nur die aeussere Reflexion, die sich auf das Unmittelbare +als auf ein gegebenes bezieht. + +--Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion; denn +das Allgemeine, das Princip oder Regel und Gesetz, zu dem sie in +ihrem Bestimmen fortgeht, gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von +dem angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rueckkehr +aus demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des +Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Seyn; also das was die Reflexion +an ihm thut und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als +ein jenem Unmittelbaren Aeusserliches, sondern als dessen eigentliches +Seyn. + +Die aeusserliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion +ueberhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neuern Philosophie war, +alles Ueble nachgesagt und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode +und Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde. In der +That geht auch die denkende Reflexion, insofern sie sich als +aeusserliche verhaelt, schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden +Unmittelbaren aus, und betrachtet sich als ein bloss formelles Thun, +das Inhalt und Stoff von aussen empfange, und fuer sich nur die durch +ihn bedingte Bewegung sey.--Ferner, wie sich sogleich bei der +bestimmenden Reflexion naeher ergeben wird, sind die reflektirten +Bestimmungen anderer Art, als die bloss unmittelbaren Bestimmungen des +Seyns. Letztere werden leichter als voruebergehende, bloss relative, +in der Beziehung auf Anderes stehende zugegeben; aber die +reflektirten Bestimmungen haben die Form des An-und-Fuersichseyns; sie +machen sich daher als die Wesentlichen geltend, und statt uebergehend +in ihre entgegengesetzten zu seyn, erscheinen sie vielmehr als +absolut, frei und gleichgueltig gegen einander. Sie widersetzen sich +daher hartnaeckig ihrer Bewegung, das Seyn derselben ist ihre +Identitaet mit sich in ihrer Bestimmtheit, nach welcher sie, ob sie +sich zwar gegenseitig voraussetzen, in dieser Beziehung sich +schlechthin getrennt erhalten. + +3. Bestimmende Reflexion. + +Die bestimmende Reflexion ist ueberhaupt die Einheit der setzenden und +der aeusseren Reflexion. Diess ist naeher zu betrachten.-1. Die aeussere +Reflexion faengt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts. +Die aeussere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber +das Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt +seine Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine +Voraussetzung. Aber deswegen ist es nicht die vollendete, +bestimmende Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur +ein Gesetztes; es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst +gleich, sondern als sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die +Rueckkehr in sich, es ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist +nicht diese Reflexion selbst. + +Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, dass die Gleichheit der +Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist +nur als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rueckkehr in sich selbst. +--In der Sphaere des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation +an ihm hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser +Negation, die daher selbst die unmittelbare war. Dem Daseyn +entspricht in der Sphaere des Wesens das Gesetztseyn. Es ist +gleichfalls ein Daseyn, aber sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder +als reine Negativitaet; es ist eine Bestimmtheit oder Negation nicht +als seyend, sondern unmittelbar als aufgehoben. Das Daseyn ist nur +Gesetztseyn; diess ist der Satz des Wesens vom Daseyn. Das +Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn, anderer Seits dem Wesen +gegenueber, und ist als die Mitte zu betrachten, welche das Daseyn mit +dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn zusammenschliesst. +--Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein Gesetztseyn, so kann +diess daher den doppelten Sinn haben; sie ist diess im Gegensatze gegen +das Daseyn, oder gegen das Wesen. In jenem Sinne wird das Daseyn fuer +etwas Hoeheres genommen, als das Gesetztseyn, und dieses der aeussern +Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben. In der That aber ist das +Gesetztseyn das Hoehere; denn als Gesetztseyn ist das Daseyn, als das +was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur auf die +Rueckkehr in sich bezogenes. Deswegen ist das Gesetztseyn nur ein +Gesetztseyn in Ruecksicht auf das Wesen, als die Negation des +Zurueckgekehrtseyns in sich selbst. + +2. Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur +Bestimmtheit, als Negation ueberhaupt. Aber das Setzen ist nun in +Einheit mit der aeussern Reflexion; diese ist in dieser Einheit +absolutes Voraussetzen; das heisst, das Abstossen der Reflexion von +sich selbst, oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst. Das +Gesetztseyn ist daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes +ist sie als in sich reflektirte. So ist das Gesetztseyn +Reflexions-Bestimmung. + +Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der +Qualitaet, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes +ueberhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf +das Reflektirtseyn in sich. Die Negation als Qualitaet ist Negation +als seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die +Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn +in sich selbst. Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben +darum, weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem +Negirtseyn ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich. +Die Bestimmung besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre +Gleichheit mit sich. Weil das Seyn, das die Qualitaet traegt, das der +Negation ungleiche ist, so ist die Qualitaet in sich selbst ungleich, +daher uebergehendes, im Andern verschwindendes Moment. Hingegen die +Reflexionsbestimmung ist das Gesetztseyn als Negation, Negation die +zu ihrem Grunde das Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht +ungleich ist, somit wesentliche, nicht uebergehende Bestimmtheit. Die +Sich-selbst-Gleichheit der Reflexion, welche das Negative nur als +Negatives, als Aufgehobenes oder Gesetztes hat, ist es, welche +demselben Bestehen giebt. + +Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die +Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder +Abstossung gegen einander schwebende Wesenheiten. In ihnen hat sich +die Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich +fixirt. Es ist das Bestimmte, das sein Uebergehen und sein blosses +Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in +Reflexion in sich umgebogen hat. Diese Bestimmungen machen hierdurch +den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen +Schein. Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die ausser +sich gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst +ist in die Negation verloren, die das Herrschende ist. + +Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunaechst +sich unterscheiden. Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation +als solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich. Nach dem +Gesetztseyn ist sie die Negation als Negation; diess ist somit bereits +ihre Einheit mit sich selbst. Aber sie ist diess nur erst an sich; +oder sie ist das Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das +Andere seiner selbst.--Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes +Bestimmen. Das Wesen geht darin nicht ausser sich; die Unterschiede +sind schlechthin gesetzt, in das Wesen zurueckgenommen. Aber nach der +andern Seite sind sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst +reflektirt; die Negation als Negation, ist in Gleichheit mit ihr +selbst, nicht in ihr Anderes, nicht in ihr Nichtseyn reflektirt. + +3. Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in +sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus +ihre Natur naeher. Als Gesetztseyn naemlich ist sie die Negation als +solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, naemlich gegen die absolute +Reflexion in sich oder gegen das Wesen. Aber als Beziehung auf sich +ist sie in sich reflektirt.--Diese ihre Reflexion und jenes +Gesetztseyn sind verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr +Aufgehobenseyn; ihr Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen. +Insofern es nun also das Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in +sich selbst ist, so ist die Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf +ihr Andersseyn an ihr selbst.--Sie ist nicht als eine seyende, +ruhende Bestimmtheit, welche bezogen wuerde auf ein Anderes, so dass +das Bezogene und dessen Beziehung verschieden von einander sind, +jenes ein Insichseyendes, ein Etwas, welches sein Anderes und seine +Beziehung auf diess Andere von sich ausschliesst. Sondern die +Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die bestimmte Seite, und die +Beziehung dieser bestimmten Seite als bestimmter, das heisst, auf ihre +Negation.--Die Qualitaet geht durch ihre Beziehung in Anderes ueber; in +ihrer Beziehung beginnt ihre Veraenderung. Die Reflexionsbestimmung +hingegen hat ihr Andersseyn in sich zurueckgenommen. Sie ist +Gesetztseyn, Negation, welche aber die Beziehung auf Anderes in sich +zurueckbeugt, und Negation, die sich selbst gleich, die Einheit ihrer +selbst und ihres Andern und nur dadurch Wesensheit ist. Sie ist also +Gesetztseyn, Negation, aber als Reflexion in sich ist sie zugleich +das Aufgehobenseyn dieses Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich. + + + +Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen. + + +Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes +Wesen, oder es ist Wesenheit. + +Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst. Das Wesen +als unendliche Rueckkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern +negative Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene +Momente, absolute Vermittelung mit sich. Aber es scheint in diese +seine Momente; sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen. + +Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine +Identitaet. Diess ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr +Bestimmungslosigkeit ist. + +Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar +theils als aeusserlicher oder gleichgueltiger Unterschied, die +Verschiedenheit ueberhaupt; theils aber als entgegengesetzte +Verschiedenheit oder als Gegensatz. + +Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst +und geht in seinen Grund zurueck. + +Anmerkung. + +Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Saetzen +aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, dass sie von +Allem gelten. Diese Saetze galten als die allgemeinen Denkgesetze, +die allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und +unbeweisbar seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse, +unmittelbar und unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen +werden. + +So wird die wesentliche Bestimmung der Identitaet in dem Satze +ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A +kann nicht zugleich A und nicht A seyn. Es ist zunaechst nicht +abzusehen, warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in +diese besondere Form gefasst werden sollen, und nicht auch die andern +Kategorien, wie alle Bestimmtheiten der Sphaere des Seyns. Es ergaeben +sich die Saetze z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder +Alles hat eine Qualitaet, Quantitaet u.s.w. Denn Seyn, Daseyn u.s.f. +sind als logische Bestimmungen ueberhaupt Praedikate von Allem. Die +Kategorie ist ihrer Etymologie und der Definition des Aristoteles +nach, dasjenige, was von dem Seyenden gesagt, behauptet wird.--Allein +eine Bestimmtheit des Seyns ist wesentlich ein Uebergehen ins +Entgegengesetzte; die negative einer jeden Bestimmtheit ist so +nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren Bestimmtheiten steht +jeder die andere unmittelbar gegenueber. Wenn diese Kategorien daher +in solche Saetze gefasst werden, so kommen ebenso sehr die +entgegengesetzten Saetze zum Vorschein; beide bieten sich mit gleicher +Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen +wenigstens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis +gegen den andern, und diesen Behauptungen koennte daher nicht mehr der +Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Saetzen des +Denkens zukommen. + +Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art. +Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen +Anderes zugleich entnommene Bestimmungen. Ferner indem es +Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so +enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich. Denn der +Satz unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, dass in jenem +der Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder dass er eine bestimmte +Beziehung ist. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das +Praedikat, als eine allgemeine Bestimmtheit, die fuer sich und von +ihrer Beziehung, der einfachen Copula, unterschieden ist. Wenn ein +Satz in ein Urtheil verwandelt werden soll, so wird der bestimmte +Inhalt, wenn er z.B. in einem Zeitworte liegt, in ein Particip +verwandelt, um auf diese Art die Bestimmung selbst und ihre Beziehung +auf ein Subjekt zu trennen. Den Reflexions-Bestimmungen dagegen als +in sich reflektirtem Gesetztseyn liegt die Form des Satzes selbst +nahe.--Allein indem sie als allgemeine Denkgesetze ausgesprochen +werden, so beduerfen sie noch eines Subjekts ihrer Beziehung, und diess +Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso viel als Alles und Jedes +Seyn bedeutet. + +Eines Theils ist diese Form von Saetzen etwas Ueberfluessiges; die +Reflexions-Bestimmungen sind an und fuer sich zu betrachten. Ferner +haben diese Saetze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum +Subjekte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen +die Reflexions-Bestimmungen, die Identitaet u.s.f. von dem Etwas als +eine Qualitaet aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne, +sondern dass Etwas als Subjekt in einer solchen Qualitaet bleibe als +seyendes, nicht dass es in die Identitaet u.s.f. als in seine Wahrheit +und sein Wesen uebergegangen sey. + +Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich +selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne +Entgegensetzung zu seyn; aber wie sich aus ihrer naehern Betrachtung +ergeben wird,--oder wie unmittelbar an ihnen, als der Identitaet, der +Verschiedenheit, der Entgegensetzung erhellt--sind sie bestimmte +gegen einander, sie sind also durch ihre Form der Reflexion, dem +Uebergehen und dem Widerspruche nicht entnommen. Die mehrern Saetze, +die als absolute Denkgesetze aufgestellt werden, sind daher, naeher +betrachtet, einander entgegengesetzt, sie widersprechen einander und +heben sich gegenseitig auf.--Wenn Alles identisch mit sich ist, so +ist es nicht verschieden, nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund. +Oder wenn angenommen wird, es giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h. +Alles ist von einander verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A +auch nicht entgegengesetzt u.s.f. Die Annahme eines jeden von diesen +Saetzen laesst die Annahme der andern nicht zu.--Die gedankenlose +Betrachtung derselben zaehlt sie nach einander auf, so dass sie in +keiner Beziehung auf einander erscheinen; sie hat bloss ihr +Reflektirtseyn in sich im Sinne, ohne ihr anderes Moment, das +Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als solche zu beachten, welche sie +in den Uebergang und in ihre Negation fortreiBt. + +A. Die Identitaet. + +1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene +Unmittelbarkeit. Seine Negativitaet ist sein Seyn; es ist sich selbst +gleich in seiner absoluten Negativitaet, durch die das Andersseyn und +die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine +Sichselbstgleichheit verschwunden ist. Das Wesen ist also einfache +Identitaet mit sich. + +Diese Identitaet mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie +ist nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch +das Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur +Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern, +sondern diess reine Herstellen aus und in sich selbst; die +wesentliche Identitaet. Sie ist insofern nicht abstrakte Identitaet, +oder nicht durch ein relatives Negiren entstanden, das ausserhalb +ihrer vorgegangen waere, und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt, +uebrigens aber dasselbe ausser ihr als seyend gelassen haette, vor wie +nach. Sondern das Seyn und alle Bestimmtheit des Seyns hat sich +nicht relativ, sondern an sich selbst aufgehoben; und diese einfache +Negativitaet, des Seyns an sich, ist die Identitaet selbst. + +Sie ist insofern noch ueberhaupt dasselbe, als das Wesen. + +Anmerkung 1. + +Das Denken, das sich in der aeussern Reflexion haelt, und von keinem +andern Denken weiss, als der aeussern Reflexion, kommt nicht dazu, die +Identitaet wie sie so eben gefasst worden ist, oder das Wesen, was +dasselbe ist, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die +abstrakte Identitaet vor sich, und ausser und neben derselben den +Unterschied. Es meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein +Webstuhl, auf dem sie den Zettel, etwa die Identitaet, und dann den +Eintrag, den Unterschied, aeusserlich mit einander verbinde und +verschlinge; oder auch wieder analysirend jetzt die Identitaet +besonders herausziehe, und dann auch wieder den Unterschied daneben +erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und dann auch wieder ein +Ungleichsetzen sey;--ein Gleichsetzen, indem man vom Unterschiede, +--ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen abstrahire.--Man muss +diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die Vernunft thue, +ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen bloss +historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist, an +ihm selbst zeigt, dass es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich +und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem +Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung +des Uebergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und diess +darum, weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist. Der +Begriff der Identitaet, einfache sich auf sich beziehende Negativitaet +zu seyn, ist nicht ein Produkt der aeussern Reflexion, sondern hat sich +an dem Seyn selbst ergeben. Da hingegen jene Identitaet, die ausser +dem Unterschied, und der Unterschied, der ausser der Identitaet sey, +Produkte der aeussern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich +willkuerlicher Weise auf diesem Punkte der gleichgueltigen +Verschiedenheit festhaelt. + +2. Diese Identitaet ist zunaechst das Wesen selbst, noch keine +Bestimmung desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes +Moment derselben. Als absolute Negation ist sie die Negation, die +unmittelbar sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in +seinem Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts +unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst +zusammenfaellt. Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als +des Nichtseyns des Andern. Aber das Nichtseyn des Andern ist +Aufheben des Andern, und somit des Unterscheidens selbst. So ist +aber das Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende +Negativitaet, als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist; +ein Nichtseyn, das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an +sich selbst hat. Es ist also der sich auf sich beziehende, der +reflektirte Unterschied vorhanden, oder reine, absolute Unterschied. + +Oder die Identitaet ist die Reflexion in sich selbst, welche diess nur +ist, als innerliches Abstossen, und diess Abstossen ist es als Reflexion +in sich, unmittelbar sich in sich zuruecknehmendes Abstossen. Sie ist +somit die Identitaet als der mit sich identische Unterschied. Der +Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die +Identitaet, sondern absolute Nichtidentitaet ist. Absolut aber ist die +Nichtidentitaet, insofern sie nichts von ihr Anderes enthaelt, sondern +nur sich selbst, das heisst, insofern sie absolute Identitaet mit sich +ist. + +Die Identitaet ist also an ihr selbst absolute Nichtidentitaet. Aber +sie ist auch die Bestimmung der Identitaet dagegen. Denn als +Reflexion in sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist +das Ganze, aber als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment, +als Gesetztseyn, aus welchem sie die Rueckkehr in sich ist. So als +ihr Moment ist sie erst die Identitaet als solche als Bestimmung der +einfachen Gleichheit mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied. + +Anmerkung 2. + +Ich werde in dieser Anmerkung die Identitaet als den Satz der +Identitaet naeher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgefuehrt +zu werden pflegt. + +Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunaechst nichts +weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es ist daher richtig +bemerkt worden, dass dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht +weiter fuehre. So ist die leere Identitaet, an welcher diejenigen +festhangen bleiben, welche sie als solche fuer etwas Wahres nehmen und +immer vorzubringen pflegen, die Identitaet sey nicht die +Verschiedenheit, sondern die Identitaet und die Verschiedenheit seyen +verschieden. Sie sehen nicht, dass sie schon hierin selbst sagen, dass +die Identitaet ein Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identitaet +sey verschieden von der Verschiedenheit; indem diess zugleich als die +Natur der Identitaet zugegeben werden muss, so liegt darin, dass die +Identitaet nicht aeusserlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur diess +sey, verschieden zu seyn.--Ferner aber indem sie an dieser unbewegten +Identitaet festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit +hat, so sehen sie nicht, dass sie hiermit dieselbe zu einer +einseitigen Bestimmtheit machen, die als solche keine Wahrheit hat. +Es wird zugegeben, dass der Satz der Identitaet nur eine einseitige +Bestimmtheit ausdruecke, dass er nur die formelle eine abstrakte, +unvollstaendige Wahrheit enthalte.--In diesem richtigen Urtheil liegt +aber unmittelbar, dass die Wahrheit nur in der Einheit der Identitaet +mit der Verschiedenheit vollstaendig ist, und somit nur in dieser +Einheit bestehe. Indem behauptet wird, dass jene Identitaet +unvollkommen ist, so schwebt diese Totalitaet, an der gemessen die +Identitaet unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor; +indem aber auf der andern Seite die Identitaet als absolut getrennt +von der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein +Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen +widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese +Gedanken, dass die Identitaet als abstrakte wesentlich, und dass sie als +solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des +Bewusstseyns ueber die negative Bewegung, als welche in diesen +Behauptungen die Identitaet selbst dargestellt wird.--Oder indem sich +so ausgedrueckt wird, die Identitaet sey wesentliche Identitaet als +Trennung von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der +Verschiedenheit, so ist diess unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit +derselben, dass sie darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder +in der Trennung wesentlich, das ist, nichts fuer sich, sondern Moment +der Trennung zu seyn. + +Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes +der Identitaet betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung +gegruendet, als sich auf die Erfahrung jedes Bewusstseyns berufen wird, +dass es, wie man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum, +ausspreche, es denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey, +dass der Satz als unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern +Begruendung und Beweises beduerfe. + +Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, dass allgemein +jedes Bewusstseyn ihn anerkenne, blosse Redensart. Denn man will nicht +sagen, dass man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem +Bewusstseyn gemacht habe. Es ist insofern weiter nicht Ernst mit +jener Berufung auf wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur +die Versicherung, dass wenn man die Erfahrung machte, sich das +Resultat des allgemeinen Anerkennens ergeben wuerde.--Waere aber nicht +der abstrakte Satz als solcher, sondern der Satz in konkreter +Anwendung gemeint, aus der jener erst entwickelt werden sollte, so +bestuende die Behauptung von seiner Allgemeinheit und Unmittelbarkeit +darin, dass jedes Bewusstseyn, und selbst in jeder seiner Aeusserungen +ihn zu Grunde lege, oder dass er implicite in jeder liege. Allein das +Konkrete und die Anwendung ist ja eben die Beziehung des einfachen +Identischen auf ein von ihm verschiedenes Mannigfaltiges. Als Satz +ausgedrueckt, waere das Konkrete zunaechst ein synthetischer Satz. Aus +dem Konkreten selbst oder seinem synthetischen Satze wuerde die +Abstraktion den Satz der Identitaet wohl durch Analyse herausbringen +koennen; aber in der That haette sie die Erfahrung nicht gelassen wie +sie ist, sondern veraendert; denn die Erfahrung enthielt vielmehr die +Identitaet in Einheit mit der Verschiedenheit, und ist die +unmittelbare Widerlegung von der Behauptung, dass die abstrakte +Identitaet als solche etwas Wahres sey, denn das gerade Gegentheil, +naemlich die Identitaet nur vereinigt mit der Verschiedenheit, kommt in +jeder Erfahrung vor. + +Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen +Satze der Identitaet, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser +Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthaelt, angesehen +wird. Wenn naemlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die +Antwort gegeben wird: eine Pflanze ist--eine Pflanze, so wird die +Wahrheit eines solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der +sie erprobt wird, zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig +gesagt werden, dass damit Nichts gesagt ist. Wenn einer den Mund +aufthut, und anzugeben verspricht, was Gott sey, naemlich Gott +sey--Gott, so findet sich die Erwartung getaeuscht, denn sie sah einer +verschiedenen Bestimmung entgegen; und wenn dieser Satz absolute +Wahrheit ist, wird solche absolute Rednerei sehr gering geachtet; es +wird nichts fuer langweiliger und laestiger gehalten werden, als eine +nur dasselbe wiederkaeuende Unterhaltung, als solches Reden, das doch +Wahrheit seyn soll. + +Naeher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet, +so macht der Anfang: die Pflanze ist--, Anstalten etwas zu sagen, +eine weitere Bestimmung vorzubringen. Indem aber nur dasselbe +wiederkehrt, so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts +herausgekommen. Solches identische Reden widerspricht sich also +selbst. Die Identitaet, statt an ihr die Wahrheit und absolute +Wahrheit zu seyn, ist daher vielmehr das Gegentheil; statt das +unbewegte Einfache zu seyn, ist sie das Hinausgehen ueber sich in die +Aufloesung ihrer selbst. + +Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identitaet +ausgedrueckt ist, mehr als die einfache, abstrakte Identitaet; es liegt +diese reine Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als +Schein, als unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein +Beginnen, dem ein Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen +werde; aber es kommt nicht zu dem Verschiedenen; A ist--A: die +Verschiedenheit ist nur ein Verschwinden; die Bewegung geht in sich +selbst zurueck.--Die Form des Satzes kann als die verborgene +Nothwendigkeit angesehen werden, noch das Mehr jener Bewegung zu der +abstrakten Identitaet hinzuzufuegen.--So kommt auch ein A, oder eine +Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das als ein unnuetzer Inhalt +keine Bedeutung hat; aber er macht die Verschiedenheit aus, die sich +zufaelligerweise beizugesellen scheint. Wenn statt des A und jedes +andern Substrats, die Identitaet selbst genommen wird,--die Identitaet +ist die Identitaet,--so ist ebenso zugegeben, dass statt dieser +gleichfalls jedes andere Substrat genommen werden koenne. Wenn sich +daher einmal darauf berufen werden soll, was die Erscheinung zeigt, +so zeigt sie diess, dass in dem Ausdrucke der Identitaet auch +unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;--oder bestimmter nach dem +Obigen, dass diese Identitaet das Nichts, dass sie die Negativitaet, der +absolute Unterschied von sich selbst ist. + +Der andre Ausdruck des Satzes der Identitaet: A kann nicht zugleich A +und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heisst der Satz des +Widerspruchs. Es pflegt darueber, wie die Form der Negation, wodurch +sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identitaet komme, +keine Rechtfertigung gegeben zu werden.--Diese Form liegt aber darin, +dass die Identitaet als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache +Negativitaet ist, welche der angefuehrte zweite Ausdruck des Satzes +entwickelter enthaelt. Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das +Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden. Die +Identitaet ist also in diesem Satze ausgedrueckt,--als Negation der +Negation. A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen +sind auf ein und dasselbe A bezogen. Die Identitaet ist also als +diese Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache +Unterschied an ihnen selbst hier dargestellt. + +Es erhellt hieraus, dass der Satz der Identitaet selbst und noch mehr +der Satz des Widerspruchs nicht bloss analytischer, sondern +synthetischer Natur ist. Denn der letztere enthaelt in seinem +Ausdrucke nicht nur die leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern +nicht allein das Andere derselben ueberhaupt, sondern sogar die +absolute Ungleichheit, den Widerspruch an sich. Der Satz der +Identitaet selbst aber enthaelt, wie an ihm gezeigt wurde, die +Reflexions-Bewegung, die Identitaet als Verschwinden des Andersseyns. + +Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, dass erstens der +Satz der Identitaet oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte +Identitaet im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdruecken +soll, kein Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist; +zweitens, dass diese Saetze mehr, als mit ihnen gemeint wird, naemlich +dieses Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten. + +B. Der Unterschied. + +1. Der absolute Unterschied. + +Der Unterschied ist die Negativitaet, welche die Reflexion in sich hat; +das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird; das +wesentliche Moment der Identitaet selbst, die zugleich als Negativitaet +ihrer selbst, sich bestimmt und unterschieden vom Unterschied ist. + +1. Dieser Unterschied ist der Unterschied an und fuer sich, der +absolute Unterschied, der Unterschied des Wesens.--Er ist der +Unterschied an und fuer sich, nicht Unterschied durch ein Aeusserliches, +sondern sich auf sich beziehender, also einfacher Unterschied.--Es +ist wesentlich den absoluten Unterschied als einfachen zu fassen. Im +absoluten Unterschiede des A und Nicht-A von einander ist es das +einfache Nicht, was als solches denselben ausmacht. Der Unterschied +selbst ist einfacher Begriff. Darin, drueckt man sich aus, sind zwei +Dinge unterschieden, dass sie u.s.f.--Darin, das heisst, in einer und +derselben Ruecksicht, in demselben Bestimmungsgrunde. Er ist der +Unterschied der Reflexion, nicht das Andersseyn des Daseyns. Ein +Daseyn und ein anderes Daseyn sind gesetzt als aussereinanderfallend, +jedes der gegen einander bestimmten Daseyn hat ein unmittelbares Seyn +fuer sich. Das Andre des Wesens dagegen ist das Andre an und fuer sich, +nicht das Andre als eines andern ausser ihm Befindlichen; die +einfache Bestimmtheit an sich. Auch in der Sphaere des Daseyns erwies +sich das Andersseyn und die Bestimmtheit von dieser Natur, einfache +Bestimmtheit, identischer Gegensatz zu seyn; aber diese Identitaet +zeigte sich nur als das Uebergehen einer Bestimmtheit in die andere. +Hier in der Sphaere der Reflexion tritt der Unterschied als +reflektirter auf, der so gesetzt ist, wie er an sich ist. + +2. Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende +Unterschied; so ist er die Negativitaet seiner selbst, der Unterschied +nicht von einem Andern, sondern seiner von sich selbst; er ist nicht +er selbst, sondern sein Anderes. Das Unterschiedene aber vom +Unterschiede ist die Identitaet. Er ist also er selbst und die +Identitaet. Beide zusammen machen den Unterschied aus; er ist das +Ganze und sein Moment.--Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied +als einfacher ist kein Unterschied; er ist diess erst in Beziehung auf +die Identitaet; aber vielmehr enthaelt er als Unterschied ebenso sie +und diese Beziehung selbst.--Der Unterschied ist das Ganze und sein +eignes Moment; wie die Identitaet ebenso sehr ihr Ganzes und ihr +Moment ist.--Diess ist als die wesentliche Natur der Reflexion und als +bestimmter Urgrund aller Thaetigkeit und Selbstbewegung zu betrachten. +--Unterschied wie die Identitaet machen sich zum Momente oder zum +Gesetztseyn, weil sie als Reflexion die negative Beziehung auf sich +selbst sind. + +Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identitaet, ist an sich +selbst bestimmter Unterschied. Er ist nicht Uebergehen in ein Anderes, +nicht Beziehung auf Anderes ausser ihm; er hat sein Anderes, die +Identitaet an ihm selbst; so wie diese, indem sie in die Bestimmung +des Unterschieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren +hat, sondern in ihm sich erhaelt, seine Reflexion in sich und sein +Moment ist. + +3. Der Unterschied hat die beiden Momente, Identitaet und Unterschied; +beide sind so ein Gesetztseyn, Bestimmtheit. Aber in diesem +Gesetztseyn ist jedes Beziehung auf sich selbst. Das eine, die +Identitaet ist unmittelbar selbst das Moment der Reflexion in sich; +ebenso ist aber das andere, der Unterschied, Unterschied an sich, der +reflektirte Unterschied. Der Unterschied, indem er zwei solche +Momente hat, die selbst die Reflexionen in sich sind, ist +Verschiedenheit. + +2. Die Verschiedenheit. + +1. Die Identitaet zerfaellt an ihr selbst in Verschiedenheit, weil sie +als absoluter Unterschied in sich selbst, sich als das Negative ihrer +setzt, und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer, +Reflexionen in sich, identisch mit sich sind; oder eben weil sie ihr +Negiren unmittelbar selbst aufhebt, und in ihrer Bestimmung in sich +reflektirt ist. Das Unterschiedne besteht als gegen einander +gleichgueltig verschiedenes, weil es identisch mit sich ist, weil die +Identitaet seinen Boden und Element ausmacht; oder das Verschiedene +ist das, was es ist, eben nur in seinem Gegentheile, der Identitaet. + +Die Verschiedenheit macht das Andersseyn als solches der Reflexion +aus. Das Andere des Daseyns hat das unmittelbare Seyn zu seinem +Grunde, in welchem das Negative besteht. In der Reflexion aber macht +die Identitaet mit sich, die reflektirte Unmittelbarkeit, das Bestehen +des Negativen und die Gleichgueltigkeit desselben aus. + +Die Momente des Unterschiedes sind die Identitaet und der Unterschied +selbst. Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektirte, sich +auf sich beziehende; so sind sie in der Bestimmung der Identitaet, +Beziehungen nur auf sich; die Identitaet ist nicht bezogen auf den +Unterschied, noch ist der Unterschied bezogen auf die Identitaet; +indem so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist, sind sie +nicht bestimmt gegen einander.--Weil sie nun auf diese Weise nicht an +ihnen selbst unterschiedene sind, so ist der Unterschied ihnen +aeusserlich. Die Verschiedenen verhalten sich also nicht als Identitaet +und Unterschied zu einander, sondern nur als Verschiedene ueberhaupt, +die gleichgueltig gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind. + +2. In der Verschiedenheit als der Gleichgueltigkeit des Unterschieds, +ist sich ueberhaupt die Reflexion aeusserlich geworden; der Unterschied +ist nur ein Gesetztseyn oder als aufgehobener, aber er ist selbst die +ganze Reflexion.--Diess naeher betrachtet, so sind beide, die Identitaet +und der Unterschied, wie sich so eben bestimmt hat, Reflexionen; +jedes Einheit seiner selbst und seines Andern; jedes ist das Ganze. +Damit aber ist die Bestimmtheit, nur Identitaet oder nur Unterschied +zu seyn, ein Aufgehobenes. Sie sind darum keine Qualitaeten, weil +ihre Bestimmtheit durch die Reflexion in sich zugleich nur als +Negation ist. Es ist also diess Gedoppelte vorhanden, die Reflexion +in sich als solche, und die Bestimmtheit als Negation, oder das +Gesetztseyn. Das Gesetztseyn ist die sich aeusserliche Reflexion; es +ist die Negation als Negation; hiermit an sich zwar die sich auf sich +beziehende Negation und Reflexion in sich; aber nur an sich; es ist +die Beziehung darauf als auf ein Aeusserliches. + +Die Reflexion an sich und die aeussere Reflexion, sind somit die zwei +Bestimmungen, in die sich die Momente des Unterschiedes, Identitaet +und Unterschied, setzten. Sie sind diese Momente selbst, insofern +sie sich nunmehr bestimmt haben.--Die Reflexion an sich ist die +Identitaet, aber bestimmt, gleichgueltig gegen den Unterschied zu seyn; +nicht den Unterschied gar nicht zu haben, sondern sich als mit sich +identisch gegen ihn zu verhalten; sie ist die Verschiedenheit. Es +ist die Identitaet, die sich so in sich reflektirt hat, dass sie +eigentlich die Eine Reflexion der beiden Momente in sich ist, beide +sind Reflexionen in sich. Die Identitaet ist diese eine Reflexion +beider, die den Unterschied nur als einen gleichgueltigen an ihr hat, +und Verschiedenheit ueberhaupt ist.--Die aeussere Reflexion dagegen ist +der bestimmte Unterschied derselben nicht als absolute Reflexion in +sich, sondern als Bestimmung, wogegen die an sich seyende Reflexion +gleichgueltig ist; seine beiden Momente, die Identitaet und der +Unterschied selbst, sind so aeusserlich gesetzte, nicht an und fuer sich +seyende Bestimmungen. + +Diese aeusserliche Identitaet nun ist die Gleichheit, und der aeusserliche +Unterschied die Ungleichheit.--Die Gleichheit ist zwar Identitaet, +aber nur als ein Gesetztseyn, eine Identitaet, die nicht an und fuer +sich ist.--Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein +aeusserlicher, der nicht an und fuer sich der Unterschied des Ungleichen +selbst ist. Ob Etwas einem andern Etwas gleich ist oder nicht, geht +weder das eine noch das andere an; jedes derselben ist nur auf sich +bezogen; ist an und fuer sich selbst was es ist; die Identitaet oder +Nichtidentitaet als Gleichheit und Ungleichheit ist die Ruecksicht +eines Dritten, die ausser ihnen faellt. + +3. Die aeussere Reflexion bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit +und Ungleichheit. Diese Beziehung, das Vergleichen, geht von der +Gleichheit zur Ungleichheit, und von dieser zu jener herueber und +hinueber. Aber dieses herueber- und hinuebergehende Beziehen der +Gleichheit und Ungleichheit ist diesen Bestimmungen selbst aeusserlich; +auch werden sie nicht auf einander, sondern jede fuer sich nur auf ein +Drittes bezogen. Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar fuer +sich hervor.--Die aeusserliche Reflexion ist als solche sich selbst +aeusserlich; der bestimmte Unterschied ist der negirte absolute +Unterschied; er ist somit nicht einfach, nicht die Reflexion in sich, +sondern diese hat er ausser ihm; seine Momente fallen daher aus +einander, und beziehen sieh auch als gegen einander aeusserliche, auf +die ihnen gegenueber stehende Reflexion in sich. + +An der sich entfremdeten Reflexion kommen also die Gleichheit und +Ungleichheit als gegen einander selbst unbezogene hervor, und sie +trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht, durch die +Insoferns, Seiten und Ruecksichten. Die Verschiedenen, die das eine +und dasselbe sind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit, +bezogen werden, sind also nach der einen Seite einander gleich, nach +der andern Seite aber ungleich, und insofern sie gleich sind, +insofern sind sie nicht ungleich. Die Gleichheit bezieht sich nur +auf sich, und die Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit. + +Durch diese ihre Trennung von einander aber heben sie sich nur auf. +Gerade, was den Widerspruch und die Aufloesung von ihnen abhalten soll, +dass naemlich Etwas einem Andern in einer Ruecksicht gleich, in einer +andern aber ungleich sey;--diess Auseinanderhalten der Gleichheit und +Ungleichheit ist ihre Zerstoerung. Denn beide sind Bestimmungen des +Unterschiedes; sie sind Beziehungen aufeinander, das eine, zu seyn, +was das andere nicht ist; gleich ist nicht ungleich, und ungleich ist +nicht gleich; und beide haben wesentlich diese Beziehung, und ausser +ihr keine Bedeutung; als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das +was es ist, als unterschieden von seinem andern. Durch ihre +Gleichgueltigkeit aber gegen einander, ist die Gleichheit nur bezogen +auf sich, die Ungleichheit ist ebenso eine eigene Ruecksicht und +Reflexion fuer sich; jede ist somit sich selbst gleich; der +Unterschied ist verschwunden, da sie keine Bestimmtheit gegen +einander haben; oder jede ist hiermit nur Gleichheit. + +Diese gleichgueltige Ruecksicht, oder der aeusserliche Unterschied hebt +somit sich selbst auf, und ist die Negativitaet seiner an sich selbst. +Er ist diejenige Negativitaet, welche in dem Vergleichen dem +Vergleichenden zukommt. Das Vergleichende geht von der Gleichheit +zur Ungleichheit, und von dieser zu jener zurueck; laesst also das eine +im andern verschwinden, und ist in der That die negative Einheit +beider. Sie ist zunaechst jenseits des Verglichenen so wie jenseits +der Momente der Vergleichung, als ein Subjektives, ausserhalb ihnen +fallendes Thun. Aber diese negative Einheit ist in der That die +Natur der Gleichheit und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat. +Eben die selbststaendige Ruecksicht, die eine jede ist, ist vielmehr +die ihre Unterschiedenheit und damit sie selbst aufhebende Beziehung +auf sich. + +Nach dieser Seite, als Momente der aeussern Reflexion und als sich +selbst aeusserlich, verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in +ihre Gleichheit zusammen. Aber diese ihre negative Einheit ist +ferner auch an ihnen gesetzt; sie haben naemlich die an sich seyende +Reflexion ausser ihnen, oder sind die Gleichheit und Ungleichheit +eines Dritten, eines Andern als sie selbst sind. So ist das Gleiche +nicht das Gleiche seiner selbst, und das Ungleiche als das Ungleiche +nicht seiner selbst, sondern eines ihm ungleichen, ist selbst das +Gleiche. Das Gleiche und das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner +selbst. Jedes ist somit diese Reflexion, die Gleichheit, dass sie sie +selbst und die Ungleichheit, die Ungleichheit, dass sie sie selbst und +die Gleichheit ist. + +Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseyns, gegen +das Verglichene oder das Verschiedene aus, das sich als die an sich +seyende Reflexion gegen sie bestimmt hatte. Aber dieses hat damit +seine Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren. Eben die Gleichheit +und Ungleichheit, die Bestimmungen der aeusserlichen Reflexion, sind +die nur an sich seyende Reflexion, welche das Verschiedene als +solches seyn sollte, sein nur unbestimmter Unterschied. Die an sich +seyende Reflexion ist die Beziehung auf sich ohne Negation, die +abstrakte Identitaet mit sich; damit eben das Gesetztseyn selbst.--Das +bloss Verschiedene geht also durch das Gesetztseyn ueber in die +negative Reflexion. Das Verschiedene ist der bloss gesetzte +Unterschied, also der Unterschied, der keiner ist, also die Negation +seiner an ihm selbst. So die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das +Gesetztseyn, geht durch die Gleichgueltigkeit oder die an sich seyende +Reflexion zurueck in die negative Einheit mit sich; in die Reflexion, +welche der Unterschied der Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst +ist. Die Verschiedenheit, deren gleichgueltige Seiten ebenso sehr +schlechthin nur Momente als Einer negativen Einheit sind, ist der +Gegensatz. + +Anmerkung. + +Die Verschiedenheit wird, wie die Identitaet, in einem eigenen Satze +ausgedrueckt. Uebrigens bleiben diese beide Saetze in der +gleichgueltigen Verschiedenheit gegeneinander gehalten, so dass jeder +fuer sich gilt ohne Ruecksicht auf den andern. + +Alle Dinge sind verschieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die +einander gleich sind.--Dieser Satz ist in der That dem Satze der +Identitaet entgegengesetzt, denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes, +also A ist auch nicht A; oder A ist einem andern ungleich, so ist es +nicht A ueberhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A. An die Stelle +des A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt, aber A +als Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauscht werden. Es +soll zwar nicht ein Verschiedenes von sich, sondern nur von Anderem +seyn; aber diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung. Als +mit sich identisches A ist es das Unbestimmte; aber als Bestimmtes +ist es das Gegentheil hiervon, es hat nicht mehr nur die Identitaet +mit sich, sondern auch eine Negation, somit eine Verschiedenheit +seiner selbst von sich an ihm. + +Dass alle Dinge verschieden sind von einander, ist ein sehr +ueberfluessiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die +Mehrheit und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.--Der Satz aber: es +giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind, drueckt +mehr, naemlich die bestimmte Verschiedenheit aus. Zwei Dinge sind +nicht bloss zwei; die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit, +sondern sie sind durch eine Bestimmung verschieden. Der Satz, dass es +nicht zwei Dinge giebt, die einander gleich sind, faellt dem +Vorstellen,--auch nach der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn +Leibniz vorgebracht und die Damen veranlasst haben soll, unter +Baumblaettern zu suchen, ob sie nicht zwei gleiche finden.--Glueckliche +Zeiten fuer die Metaphysik, wo man sich am Hofe mit ihr beschaeftigte, +und wo es keiner andern Anstrengung bedurfte, ihre Saetze zu pruefen, +als Baumblaetter zu vergleichen!--Der Grund, dass jener Satz auffallend +ist, liegt in dem Gesagten, dass zwei oder die numerische Mehrheit +noch keine bestimmte Verschiedenheit enthaelt, und dass die +Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion zunaechst gleichgueltig +gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist. Das Vorstellen, indem es +auch zur Bestimmung uebergeht, nimmt diese Momente selbst als gegen +einander gleichgueltige auf, so dass das eine ohne das andere, die +blosse Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur Bestimmung +hinreiche, oder dass die Dinge verschieden seyen, wenn sie auch nur +numerisch Viele, verschiedene ueberhaupt, nicht ungleiche sind. Der +Satz der Verschiedenheit hingegen drueckt aus, dass die Dinge durch die +Ungleichheit von einander verschieden sind, dass ihnen die Bestimmung +der Ungleichheit so sehr zukomme als die der Gleichheit, denn erst +beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus. + +Dieser Satz nun, dass allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit +zukommt, beduerfte eines Beweises; er kann nicht als unmittelbarer +Satz aufgestellt werden, denn die gewoehnliche Weise des Erkennens +selbst fotdert fuer die Verknuepfung verschiedener Bestimmungen in +einem synthetischen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines +Dritten, worin sie vermittelt sind. Dieser Beweis muesste den Uebergang +der Identitaet in die Verschiedenheit, und dann den Uebergang dieser in +die bestimmte Verschiedenheit, in die Ungleichheit darthun. Diess +pflegt aber nicht geleistet zu werden; es ergab sich darin, dass die +Verschiedenheit oder der aeusserliche Unterschied, in Wahrheit in sich +reflektirter, Unterschied an ihm selbst ist, dass das gleichgueltige +Bestehen des Verschiedenen das blosse Gesetztseyn, und damit nicht +aeusserlicher, gleichgueltiger Unterschied, sondern Eine Beziehung der +beiden Momente ist. + +Es liegt darin auch die Aufloesung und Nichtigkeit des Satzes der +Verschiedenheit. Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich; so sind +sie gleich und ungleich zugleich; gleich schon darin, dass sie Dinge +oder zwei ueberhaupt sind, denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut +als das andere,jedes also dasselbe, was das andere; ungleich aber +sind sie durch die Annahme. Es ist somit die Bestimmung vorhanden, +dass beide Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und +demselben verschieden, oder dass der aussereinanderfallende Unterschied, +zugleich eine und dieselbe Beziehung ist. Somit ist sie in +Entgegensetzung uebergegangen. + +Das Zugleich der beiden Praedikate wird zwar durch das Insofern aus +einander gehalten; dass zwei Dinge insofern sie gleich, _insofern_ +nicht ungleich, oder nach einer Seite und Ruecksicht gleich, nach der +andern Seite und Ruecksicht aber ungleich sind. Damit wird die +Einheit der Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und +was seine eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit +an sich waere, als eine dem Dinge aeusserliche Reflexion festgehalten. +Diese ist es aber somit, die in einer und derselben Thaetigkeit die +zwei Seiten der Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet, somit in +Einer Thaetigkeit beide enthaelt, die eine in die andere scheinen laesst +und reflektirt.--Die gewoehnliche Zaertlichkeit fuer die Dinge aber, die +nur dafuer sorgt, dass diese sich nicht widersprechen, vergisst hier wie +sonst, dass damit der Widerspruch nicht aufgeloest, sondern nur +anderswohin, in die Subjektive oder aeussere Reflexion ueberhaupt +geschoben wird, und dass diese in der That die beiden Momente, welche +durch diese Entfernung und Versetzung als blosses Gesetztseyn +ausgesprochen werden, als aufgehobene und auf einander bezogene in +Einer Einheit enthaelt. + +3. Der Gegensatz. + +Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet. +Er ist die Einheit der Identitaet und der Verschiedenheit; seine +Momente sind in Einer Identitaet verschiedene; so sind sie +entgegengesetzte. + +Die Identitaet und der Unterschied sind die Momente des Unterschiedes +innerhalb seiner selbst gehalten; sie sind reflektirte Momente seiner +Einheit. Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entaeusserte +Reflexion; ihre Identitaet mit sich ist nicht nur die Gleichgueltigkeit +eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene, sondern gegen das +An-und-Fuersichseyn, als solches; eine Identitaet mit sich gegen die in +sich reflektirte; sie ist also die nicht in sich reflektirte +Unmittelbarkeit. Das Gesetztseyn der Seiten der aeusserlichen +Reflexion ist daher ein Seyn; so wie ihr Nichtgesetztseyn ein +Nichtseyn. + +Die Momente des Gegensatzes naeher betrachtet, so sind sie das in sich +reflektirte Gesetztseyn oder Bestimmung ueberhaupt. Das Gesetztseyn +ist die Gleichheit und Ungleichheit; sie beide in sich reflektirt +machen die Bestimmungen des Gegensatzes aus. Ihre Reflexion in sich +besteht darin, dass jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und +Ungleichheit ist. Die Gleichheit ist nur in der Reflexion, welche +nach der Ungleichheit vergleicht, somit durch ihr anderes +gleichgueltiges Moment vermittelt; ebenso die Ungleichheit ist nur in +derselben reflektirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist. +--Jedes dieser Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze. Es +ist das Ganze, insofern es auch sein anderes Moment enthaelt; aber +diess sein anderes ist ein gleichgueltig seyendes, so enthaelt jedes die +Beziehung auf sein Nichtseyn, und ist nur die Reflexion in sich oder +das Ganze als sich wesentlich auf sein Nichtseyn beziehend. + +Diese in sich reflektirte Gleichheit mit sich, die in ihr selbst die +Beziehung auf die Ungleichheit enthaelt, ist das Positive; so die +Ungleichheit die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtseyn, die +Gleichheit enthaelt, ist das Negative.--Oder beide sind das +Gesetztseyn; insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit als +unterschiedene bestimmte Beziehung des Gesetztseyns auf sich genommen +wird, so ist der Gegensatz eines Theils das Gesetztseyn in seine +Gleichheit mit sich reflektirt; andern Theils dasselbe in seine +Ungleichheit mit sich reflektirt; das Positive und Negative.--Das +Positive ist das Gesetztseyn als in die Gleichheit mit sich +reflektirt; aber das reflektirte ist das Gesetztseyn, das ist, die +Negation als Negation, so hat diese Reflexion in sich die Beziehung +auf das Andere zu ihrer Bestimmung. Das Negative ist das Gesetztseyn +als in die Ungleichheit reflektirt; aber das Gesetztseyn ist die +Ungleichheit selbst, so ist diese Reflexion somit die Identitaet der +Ungleichheit mit sich selbst und absolute Beziehung auf sich.--Beide +also, das in die Gleichheit mit sich reflektirte Gesetztseyn hat die +Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit sich reflektirte +Gesetztseyn hat auch die Gleichheit an ihm. + +Das Positive und das Negative sind so die selbststaendig gewordenen +Seiten des Gegensatzes. Sie sind selbststaendig, indem sie die +Reflexion des Ganzen in sich sind, und sie gehoeren dem Gegensatze an, +insofern es die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektirt +ist. Um ihrer Selbststaendigkeit willen machen sie den an sich +bestimmten Gegensatz aus. Jedes ist es selbst und sein Anderes, +dadurch hat jedes seine Bestimmtheit nicht an einem andern, sondern +an ihm selbst.--Jedes bezieht sich auf sich selbst, nur als sich +beziehend auf sein Anderes. Diess hat die doppelte Seite; jedes ist +Beziehung auf sein Nichtseyn als Aufheben dieses Andersseyns in sich; +so ist sein Nichtseyn nur ein Moment in ihm. Aber andern Theils ist +hier das Gesetztseyn ein Seyn, ein gleichgueltiges Bestehen geworden; +das andre seiner, das jedes enthaelt, ist daher auch das Nichtseyn +dessen, in welchem es nur als Moment enthalten seyn soll. Jedes ist +daher nur, insofern sein Nichtseyn ist, und zwar in einer identischen +Beziehung. + +Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituiren, +bestehen also darin, dass das Positive und das Negative erstens +absolute Momente des Gegensatzes sind; ihr Bestehen ist untrennbar +Eine Reflexion; es ist Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das +Nichtseyn seines Andern, damit durch sein Anderes oder sein eigenes +Nichtseyn ist.--So sind sie Entgegengesetzte ueberhaupt; oder jedes +ist nur das Entgegengesetzte des Andern; das eine ist noch nicht +positiv, und das andre noch nicht negativ, sondern beide sind negativ +gegen einander. Jedes ist so ueberhaupt erstens insofern das Andre +ist; es ist durch das Andre, durch sein eignes Nichtseyn, das was es +ist; es ist nur Gesetztseyn; zweitens es ist insofern das Andre nicht +ist; es ist durch das Nichtseyn des Andern das was es ist; es ist +Reflexion in sich.--Dieses beides ist aber die eine Vermittelung des +Gegensatzes ueberhaupt, in der sie ueberhaupt nur Gesetzte sind. + +Aber ferner diess blosse Gesetztseyn ist in sich reflektirt ueberhaupt; +das Positive und Negative ist nach diesem Momente der aeussern +Reflexion gleichgueltig gegen jene erste Identitaet, worin sie nur +Momente sind; oder indem jene erste Reflexion die eigne Reflexion des +Positiven und Negativen in sich selbst, jedes sein Gesetztseyn an ihm +selbst ist, so ist jedes gleichgueltig gegen diese seine Reflexion in +sein Nichtseyn, gegen sein eigenes Gesetztseyn. Die beiden Seiten +sind so bloss verschiedene, und insofern ihre Bestimmtheit, positiv +und negativ zu seyn, ihr Gesetztseyn gegen einander ausmacht, so ist +jede nicht an ihr selbst so bestimmt, sondern ist nur Bestimmtheit +ueberhaupt; jeder Seite kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten von +Positivem und Negativem zu; aber sie koennen verwechselt werden, und +jede Seite ist von der Art, dass sie ebenso gut als positiv wie als +negativ genommen werden kann. + +Aber das Positive und Negative ist drittens nicht nur ein Gesetztes, +noch bloss ein Gleichgueltiges, sondern ihr Gesetztseyn oder die +Beziehung auf das andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind, +ist in jedes zurueckgenommen. Jedes ist an ihm selbst positiv und +negativ; das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an +und fuer sich; erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich +ist es positiv und negativ. Das Positive hat die Beziehung auf das +Andere, in der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst; +ebenso das Negative ist nicht Negatives als gegen ein anderes, +sondern hat die Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in +ihm selbst. + +So ist jedes Selbststaendige, fuer sich seyende Einheit mit sich. Das +Positive ist wohl ein Gesetztseyn, aber so dass fuer es das Gesetztseyn +nur Gesetztseyn, als aufgehobenes ist. Es ist das +Nichtentgegengesetzte; der aufgehobene Gegensatz, aber als Seite des +Gegensatzes selbst.--Als positiv ist zwar Etwas bestimmt in Beziehung +auf ein Andersseyn, aber so dass seine Natur diess ist, nicht ein +Gesetztes zu seyn; es ist die das Andersseyn negirende Reflexion in +sich. Aber das Andere seiner, das Negative, ist selbst nicht mehr +Gesetztseyn oder Moment, sondern ein selbststaendiges Seyn; so ist die +negirende Reflexion des Positiven in sich bestimmt, diess sein +Nichtseyn von sich auszuschliessen. + +So das Negative als absolute Reflexion ist nicht das unmittelbare +Negative, sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztseyn; das Negative +an und fuer sich, das positiv auf sich selbst beruht. Als Reflexion +in sich negirt es seine Beziehung auf Anderes; sein Anderes ist das +Positive, ein selbststaendiges Seyn;--seine negative Beziehung darauf +ist daher, es aus sich auszuschliessen. Das Negative ist das fuer sich +bestehende Entgegengesetzte, gegen das Positive, das die Bestimmung +des aufgehobenen Gegensatzes ist; der auf sich beruhende ganze +Gegensatz, entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztseyn. + +Das Positive und Negative ist hiermit nicht nur an sich positiv und +negativ, sondern an und fuer sich. An sich sind sie es, insofern von +ihrer ausschliessenden Beziehung auf Anderes abstrahirt, und sie nur +nach ihrer Bestimmung genommen werden. An sich ist etwas positiv +oder negativ, indem es nicht bloss gegen Anderes so bestimmt seyn soll. +Aber das Positive oder Negative nicht als Gesetztseyn und damit +nicht als Entgegengesetztes, ist es jedes das Unmittelbare, Seyn und +Nichtseyn. Das Positive und Negative sind aber die Momente des +Gegensatzes, das Ansichseyn derselben macht nur die Form ihres +Reflektirtseyns in sich aus. Es ist etwas an sich positiv, ausser der +Beziehung auf das Negative; und es ist etwas an sich negativ, ausser +der Beziehung auf das Negative; in dieser Bestimmung wird bloss an dem +abstrakten Momente dieses Reflektirtseyns festgehalten. Allein das +ansichseyende Positive oder Negative heisst wesentlich, dass +entgegengesetzt zu seyn, nicht bloss Moment sey, noch der Vergleichung +angehoere, sondern die eigene Bestimmung der Seiten des Gegensatzes +ist. An sich positiv oder negativ sind sie also nicht ausser der +Beziehung auf Anderes, sondern dass diese Beziehung und zwar als +ausschliessende, die Bestimmung oder das Ansichseyn derselben ausmacht; +hierin sind sie es also zugleich an und fuer sich. + +Anmerkung. + +Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzufuehren, wie +er in der Arithmetik vorkommt. Er wird darin als bekannt +vorausgesetzt; weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede +aufgefasst wird, entgeht er nicht unaufloesbaren Schwierigkeiten und +Verwicklungen. Es haben sich so eben die beiden realen Bestimmungen +des Positiven und Negativen ergeben,--ausser dem einfachen Begriffe +ihrer Entgegensetzung,--dass naemlich das erstemal, ein nur +verschiedenes, unmittelbares Daseyn zu Grunde liegt, dessen einfache +Reflexion in sich unterschieden wird von seinem Gesetztseyn, der +Entgegensetzung selbst. Diese gilt daher nur als nicht an und fuer +sich seyend, und dem Verschiedenen zwar zukommend, so dass jedes ein +Entgegengesetztes ueberhaupt ist, aber auch gleichgueltig dagegen fuer +sich besteht, und es einerley ist, welches der beiden +entgegengesetzten Verschiedenen als positiv oder als negativ +betrachte werde.--Das andremal aber ist das Positive das an sich +selbst Positive, das Negative das an sich selbst Negative, so dass das +Verschiedene nicht gleichgueltig dagegen, sondern diess seine +Bestimmung an und fuer sich ist.--Diese beiden Formen des Positiven +und Negativen kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor, in denen +sie in der Arithmetik gebraucht werden. + +Das + a und--a sind zuerst entgegengesetzte Groessen ueberhaupt; a ist +die beiden zum Grunde liegende, ansichseyende Einheit, das gegen die +Entgegensetzung selbst gleichgueltige, das hier ohne weitern Begriff +als todte Grundlage dient. Das--a ist zwar als das Negative, das + a +als das Positive bezeichnet, aber das eine ist so gut ein +Entgegengesetztes als das andere. + +Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit, +sondern als + a und--a, ist sie die Reflexion dieser +Entgegengesetzten in sich; es sind zwei verschiedene a vorhanden und +es ist gleichgueltig, welches von beiden inan als das positive oder +negative bezeichnen will; beide haben ein besonderes Bestehen und +sind positiv. + +Nach jener ersten Seite ist + y--y = 0; oder in--8 + 3, sind die 3 +positiven, negative im 8. Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer +Verbindung auf. Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht, und ebenso viel +zurueck nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf; so viel Schulden, +um so viel weniger Vermoegen, und so viel Vermoegen vorhanden ist, so +viel hebt sich von den Schulden auf. Die Stunde Wegs nach Osten ist +zugleich nicht der positive Weg an sich, noch der nach Westen der +negative Weg; sondern diese Richtungen sind gleichgueltig gegen diese +Bestimmtheit des Gegensatzes; nur eine dritte ausser ihnen fallende +Ruecksicht macht die eine zur positiven, die andere zur negativen. So +auch die Schulden sind nicht an und fuer sich das Negative; sie sind +es nur in Beziehung auf den Schuldner; fuer den Glaeubiger sind sie +sein positives Vermoegen; sie sind eine Summe Geld, oder was es sey +von einem gewissen Werth, das nach ausserhalb seiner fallenden +Ruecksichten Schulden oder Vermoegen ist. + +Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf, so dass +das Resultat gleich Null ist; aber es ist in ihnen auch ihre +identische Beziehung vorhanden, die gegen den Gegensatz selbst +gleichgueltig ist; so machen sie Eines aus. Wie so eben von der Summe +Geld erinnert worden, die nur Eine Summe ist, oder das a, das nur Ein +a ist im + a und--a; auch der Weg, der nur ein Stueck Wegs ist, nicht +zwei Wege, deren einer nach Osten, der andere nach Westen ginge. So +auch eine Ordinate y, die dasselbe ist, auf dieser oder jener Seite +der Axe genommen; insofern ist + y--y = y; sie ist nur die Ordinate, +es ist nur Eine Bestimmung und Gesetz derselben. + +Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur Ein Gleichgueltiges, +sondern auch zwei Gleichgueltige. Sie sind naemlich als +Entgegengesetzte auch in sich Reflektirte, und bestehen so als +Verschiedene. + +So sind in--8 + 3 ueberhaupt elf Einheiten vorhanden; + y,--y, sind +Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen +diese Grenze und gegen ihren Gegensatz gleichgueltiges Daseyn ist; so +ist + y--y = 2 y.--Auch der nach Osten und nach Westen zurueckgelegte +Weg, ist die Summe einer zweifachen Bemuehung, oder die Summe von zwei +Zeitperioden. Ebenso ist in der Staatsoekonomie ein Quantum von Geld, +oder von Werth, nicht nur diess Eine Quantum als Mittel der Subsistenz, +sondern es ist ein verdoppeltes; es ist Mittel der Subsistenz sowohl +fuer den Glaeubiger als den Schuldner. Das Staatsvermoegen berechnet +sich nicht bloss als Summe des baaren Gelds und des sonstigen Werths +von den Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden ist, noch +weniger aber als Summe, die uebrig bliebe nach Abzug des passiven +Vermoegens vom activen, sondern das Kapital, wenn seine active und +passive Bestimmung sich auch zur Null reducirten, bleibt erstens +positives Kapital; als + a--a = a; aber zweitens indem es auf +vielfaeltige Weise passives, verliehenes und wieder verliehenes ist, +ist es dadurch ein sehr vervielfaeltigtes Mittel. + +Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Groessen, einer Seits bloss +entgegengesetzte ueberhaupt, anderer Seits reale oder gleichgueltige. +Sondern ob zwar das Quantum selbst das gleichgueltig begrenzte Seyn +ist, so kommt doch an ihm auch das an sich Positive und das an sich +Negative vor. Das a z.B. insofern es kein Zeichen hat, gilt dafuer, +dass es als positives zu nehmmen sey, wenn es zu bezeichnen ist. Wenn +es nur ueberhaupt ein entgegengesetztes werden sollte, so koennte es +ebenso gut als--a genommen werden. Aber das positive Zeichen wird +ihm unmittelbar gegeben, weil das Positive fuer sich die +eigenthuemliche Bedeutung des Unmittelbaren, als mit sich identischen, +gegen die Entgegensetzung hat. + +Ferner indem positive und negative Groessen addirt oder subtrahirt +werden, gelten sie als solche, die fuer sich positiv und negativ seyen, +und es nicht bloss durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens, +auf diese aeusserliche Weise werden. In 8--(- 3) heisst das erste +Minus entgegengesetzt gegen 8, das zweite Minus aber (- 3) gilt als +entgegengesetztes an sich, ausser dieser Beziehung. + +Naeher tritt diess bei der Multiplikation und Division hervor; hier ist +das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte, das Negative +hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen, nicht beide Bestimmungen +auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte ueberhaupt. Indem die +Lehrbuecher in den Beweisen, wie sich die Zeichen in diesen beiden +Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengesetzten +Groessen ueberhaupt stehen bleiben, so sind diese Beweise unvollstaendig +und verwickeln sich in Widersprueche.--Plus und Minus erhalten aber +bei der Multiplikation und Division die bestimmtere Bedeutung von +Positivem und Negativem an sich, weil das Verhaeltniss der Faktoren, +Einheit und Anzahl gegen einander zu seyn, nicht ein blosses +Verhaeltniss des Mehrens und Minderns ist, wie bei dem Addiren und +Subtrahiren, sondern ein qualitatives; womit auch Plus und Minus die +qualitative Bedeutung des Positiven und Negativen erhaelt.--Ohne diese +Bestimmung und bloss aus dem Begriffe entgegengesetzter Groessen, kann +leicht die schiefe Folgerung gezogen werden, dass wenn--a.-a =--a[hoch +2] ist, umgekehrt +a.--a = +a[hoch 2] gebe. Indem der eine Faktor +die Anzahl und der andere die Einheit, und zwar der voranstehende wie +gewoehnlich die erstere bedeutet, so unterscheiden sich die beiden +Ausdruecke--a.+a und +a.-a dadurch, dass im erstern +a die Einheit +und--a die Anzahl, und im andern es umgekehrt ist. Es pflegt nun +beim erstern gesagt zu werden, wenn ich +a nehmen soll--a mal, so +nehme ich +a nicht bloss a mal, sondern zugleich auf die ihm +entgegengesetzte Weise, +a mahl--a; also da es Plus ist, so habe ich +es negativ zu nehmen, und das Produkt ist--a[hoch 2].--Wenn aber im +zweiten Falle--a zu nehmen ist +a mal, so soll--a gleichfalls +nicht--a mal genommen werden, sondern in der ihm entgegengesetzten +Bestimmung naemlich +a mal. Nach dem Raesonnement des ersten Falles +folgt also, dass das Produkt +a[hoch 2] seyn muesse.--Ebenso bei der +Division. + +Diese Konsequenz ist nothwendig, insofern Plus und Minus nur als +entgegengesetzte Groessen ueberhaupt genommen werden; dem Minus wird im +ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu veraendern; aber im +andern sollte Plus nicht dieselbe Kraft ueber Minus haben, ungeachtet +es so gut eine entgegengesetzte Groessebestimmung ist, als dieses. In +der That hat Plus diese Kraft nicht, denn es ist hier nach seiner +qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Faktoren ein +qualitatives Verhaeltniss zu einander haben. Insofern ist also das +Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches, das Positive +aber ist das Unbestimmte, Gleichgueltige ueberhaupt; es ist wohl auch +das Negative, aber des Andern, nicht an ihm selbst.--Eine Bestimmung +als Negation kommt also allein durch das Negative herein, nicht durch +das Positive. + +So ist denn auch--a.--a = +a[hoch 2], darum weil das negative a nicht +bloss auf die entgegengesetzte Weise, (so wuerde es zu nehmen seyn, +mit--a multiplicirt) sondern weil es negativ genommen werden soll. +Die Negation der Negation aber ist das Positive. + +C. Der Widerspruch. + + +1. Der Unterschied ueberhaupt enthaelt seine beiden Seiten als Momente; +in der Verschiedenheit fallen sie gleichgueltig auseinander; im +Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes, eines nur +durchs andere bestimmt, somit nur Momente; aber sie sind ebenso sehr +bestimmt an ihnen selbst, gleichgueltig gegen einander und sich +gegenseitig ausschliessend; die selbststaendigen +Reflexions-Bestimmungen. + +Die eine ist das Positive, die andere das Negative, aber jene als das +an ihm selbst Positive, diese als das an ihm selbst Negative. Die +gleichgueltige Selbststaendigkeit fuer sich hat jedes dadurch, dass es +die Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat; so ist es +der ganze in sich geschlossene Gegensatz.--Als dieses Ganze ist jedes +vermittelt durch sein Anderes mit sich, und enthaelt dasselbe. Aber +es ist ferner durch das Nichtseyn seines Andern mit sich vermittelt; +so ist es fuer sich seyende Einheit und schliesst das Andere aus sich +aus. + +Indem die selbststaendige Reflexions-Bestimmung in derselben Rueksicht, +als sie die andere enthaelt, und dadurch selbststaendig ist, die andere +ausschliesst, so schliesst sie in ihrer Selbststaendigkeit ihre eigene +Selbststaendigkeit aus sich aus; denn diese besteht darin, die ihr +andre Bestimmung in sich zu enthalten und dadurch allein nicht +Beziehung auf ein aeusserliches zu seyn, aber ebenso sehr unmittelbar +darin, sie selbst zu seyn und die ihr negative Bestimmung von sich +auszuschliessen. Sie ist so der Widerspruch. + +Der Unterschied ueberhaupt ist schon der Widerspruch an sich; denn er +ist die Einheit von solchen, die nur sind, insofern sie nicht eins +sind,--und die Trennung solcher, die nur sind als in derselben +Beziehung getrennte. Das Positive und Negative aber sind der +gesetzte Widerspruch, weil sie als negative Einheiten, selbst das +Setzen ihrer, und darin jedes das Aufheben seiner und das Setzen +seines Gegentheils ist.--Sie machen die bestimmende Reflexion als +ausschliessende aus; weil das Ausschliessen Ein Unterscheiden, und +jedes der Unterschiedenen als Ausschliessendes selbst das ganze +Ausschliessen ist, so schliesst jedes in ihm selbst sich aus. + +Die beiden selbststaendigen Reflexions-Bestimmungen fuer sich +betrachtet, so ist das Positive das Gesetztseyn als in die Gleichheit +mit sich reflektirt; das Gesetztseyn, das nicht Beziehung auf ein +Anderes ist, das Bestehen also, insofern das Gesetztseyn aufgehoben +und ausgeschlossen ist. Damit aber macht sich das Positive zur +Beziehung eines Nichtseyns,--zu einem Gesetztseyn.--So ist es der +Widerspruch, dass es als das Setzen der Identitaet mit sich durch +Ausschliessen des Negativen sich selbst zum Negativen von einem macht, +also zu dem Andern, das es von sich ausschliesst. Dieses ist als +Ausgeschlossenes frei von dem Ausschliessenden gesetzt; hiermit als in +sich reflektirt und selbst ausschliessend. So ist die ausschliessende +Reflexion Setzen des Positiven, als ausschliessend das Andre, so dass +diess Setzen unmittelbar das Setzen seines Andern, es ausschliessenden, +ist. + +Diess ist der absolute Widerspruch des Positiven, aber er ist +unmittelbar der absolute Widerspruch des Negativen; das Setzen beider +ist Eine Reflexion.--Das Negative fuer sich betrachtet gegen das +Positive ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit mit sich +reflektirt, das Negative als Negatives. Aber das Negative ist selbst +das Ungleiche, das Nichtseyn eines andern; somit ist die Reflexion in +seine Ungleichheit vielmehr seine Beziehung auf sich selbst.--Die +Negation ueberhaupt ist das Negative als Qualitaet, oder unmittelbare +Bestimmtheit; das Negative aber als Negatives, ist es bezogen auf das +Negative seiner, auf sein Anderes. Wird diess Negative nur als +identisch mit dem ersten genommen, so ist es, wie auch das erstere, +nur unmittelbar; sie werden so nicht genommen als Andere +gegeneinander, somit nicht als Negative; das Negative ist ueberhaupt +nicht ein Unmittelbares.--Indem nun ferner aber ebenso sehr jedes +dasselbe ist, was das Andere, so ist diese Beziehung der Ungleichen +ebenso sehr ihre identische Beziehung. + +Diess ist also derselbe Widerspruch, der das Positive ist, naemlich +Gesetztseyn oder Negation, als Beziehung auf sich. Aber das Positive +ist nur an sich dieser Widerspruch; das Negative dagegen der gesetzte +Widerspruch; denn in seiner Reflexion in sich, an und fuer sich +Negatives oder als Negatives identisch mit sich zu seyn, hat es die +Bestimmung, dass es Nichtidentisches, Ausschliessen der Identitaet sey. +Es ist diess, gegen die Identitaet identisch mit sich zu seyn, hiermit +durch seine ausschliessende Reflexion sich selbst von sich +auszuschliessen. + +Das Negative ist also die ganze, als Entgegensetzung auf sich +beruhende Entgegensetzung, der absolute sich nicht auf Anderes +beziehende Unterschied; er schliesst als Entgegensetzung die Identitaet +von sich aus; aber somit sich selbst, denn als Beziehung auf sich +bestimmt er sich als die Identitaet selbst, die er ausschliesst. + +2. Der Widerspruch loest sich auf. + +In der sich selbst ausschliessenden Reflexion, die betrachtet wurde, +hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbststaendigkeit +sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Uebergehen oder vielmehr +das sich Uebersetzen seiner in sein Gegentheil. Diess rastlose +Verschwinden der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die naechste +Einheit, welche durch den Widerspruch zu Stande kommt; sie ist die +Null. + +Der Widerspruch enthaelt aber nicht bloss das Negative sondern auch das +Positive; oder die sich selbst ausschliessende Reflexion ist zugleich +setzende Reflexion; das Resultat des Widerspruchs ist nicht nur Null. +--Das Positive und Negative machen das Gesetztseyn der +Selbststaendigkeit aus; die Negation ihrer durch sie selbst hebt das +Gesetztseyn der Selbststaendigkeit auf. Diess ist es, was in Wahrheit +im Widerspruche zu Grund geht. + +Die Reflexion in sich, wodurch die Seiten des Gegensatzes sich zu +selbststaendigen Beziehungen auf sich machen, ist zunaechst ihre +Selbststaendigkeit als unterschiedener Momente; sie sind so nur an +sich diese Selbststaendigkeit, denn sie sind noch entgegengesetzte, +und dass sie es an sich sind, macht ihr Gesetztseyn aus. Aber ihre +ausschliessende Reflexion hebt diess Gesetztseyn auf, macht sie zu +fuersichseyenden Selbststaendigen, zu solchen, die nicht nur an sich, +sondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes selbststaendig +sind; ihre Selbststaendigkeit ist auf diese Weise auch gesetzt. Aber +ferner machen sie sich durch diess ihr Setzen zu einem Gesetztseyn. +Sie richten sich zu Grunde, indem sie sich bestimmen als das mit sich +Identische, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit sich +Identisches, das Beziehung auf Anderes ist. + +Allein diese ausschliessende Reflexion ist naeher betrachtet, nicht nur +diese formelle Bestimmung. Sie ist ansichseyende Selbststaendigkeit, +und ist das Aufheben dieses Gesetztseyns und durch diess Aufheben erst +fuersichseyende und in der That selbststaendige Einheit. Durch das +Aufheben des Andersseyns oder Gesetztseyns ist zwar wieder das +Gesetztseyn, das Negative eines Andern, vorhanden. Aber in der That +ist diese Negation nicht wieder nur erste unmittelbare Beziehung auf +Anderes, nicht Gesetztseyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, sondern +als aufgehobenes Gesetztseyn. Die ausschliessende Reflexion der +Selbststaendigkeit, indem sie ausschliessend ist, macht sich zum +Gesetztseyn, aber ist ebenso sehr Aufheben ihres Gesetztseyns. Sie +ist aufhebende Beziehung auf sich; sie hebt darin erstens das +Negative auf und zweitens setzt sie sich als Negatives, und diess ist +erst dasjenige Negative, das sie aufhebt; im Aufheben des Negativen +setzt und hebt sie zugleich es auf. Die ausschliessende Bestimmung +selbst ist auf diese Weise sich das Andre, dessen Negation sie ist; +das Aufheben dieses Gesetztseyns ist daher nicht wieder Gesetztseyn +als das Negative eines Andern, sondern ist das Zusammengehen mit sich +selbst, das positive Einheit mit sich ist. Die Selbststaendigkeit ist +so durch ihre eigene Negation in sich zurueckkehrende Einheit, indem +sie durch die Negation ihres Gesetztseyns in sich zurueckkehrt. Sie +ist die Einheit des Wesens, durch die Negation nicht eines Andern, +sondern ihrer selbst identisch mit sich zu seyn. + + +3. Nach dieser positiven Seite, dass die Selbststaendigkeit im +Gegensatze, als ausschliessende Reflexion sich zum Gesetztseyn macht, +und es ebenso sehr aufhebt, Gesetztseyn zu seyn, ist der Gegensatz +nicht nur zu Grunde, sondern in seinen Grund zurueckgegangen.--Die +ausschliessende Reflexion des selbststaendigen Gegensatzes macht ihn zu +einem Negativen, nur Gesetzten; sie setzt dadurch ihre zunaechst +selbststaendigen Bestimmungen, das Positive und Negative, zu solchen +herab, welche nur Bestimmungen sind; und indem so das Gesetztseyn zum +Gesetztseyn gemacht wird, ist es ueberhaupt in seine Einheit mit sich +zurueckgekehrt; es ist das einfache Wesen, aber das Wesen als Grund. +Durch das Aufheben der sich an sich selbst widersprechenden +Bestimmungen des Wesens, ist dieses wiederhergestellt, jedoch mit der +Bestimmung, ausschliessende Reflexionseinheit zu seyn,--einfache +Einheit, welche sich selbst als Negatives bestimmt, aber in diesem +Gesetztseyn unmittelbar sich selbst gleich und mit sich +zusammen-gegangen ist. + +Zunaechst geht also der selbststaendige Gegensatz durch seinen +Widerspruch in den Grund zurueck; jener ist das Erste, Unmittelbare, +von dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegensatz oder das +aufgehobene Gesetztseyn ist selbst ein Gesetztseyn. Somit ist das +Wesen als Grund ein Gesetztseyn, ein Gewordenes. Aber umgekehrt hat +sich nur diess gesetzt, dass der Gegensatz oder das Gesetztseyn ein +Aufgehobenes, nur als Gesetztseyn ist. Das Wesen ist also als Grund +so ausschliessende Reflexion, dass es sich selbst zum Gesetztseyn macht, +dass der Gegensatz, von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der +das Unmittelbare war, die nur gesetzte, bestimmte Selbststaendigkeit +des Wesens ist, und dass er nur das sich an ihm selbst Aufhebende, das +Wesen aber das in seiner Bestimmtheit in sich Reflektirte ist. Das +Wesen schliesst als Grund sich von sich selbst aus, es setzt sich; +sein Gesetztseyn,--welches das Ausgeschlossene ist,--ist nur als +Gesetztseyn, als Identitaet des Negativen mit sich selbst. Diess +Selbststaendige ist das Negative, gesetzt als Negatives; ein sich +selbst Widersprechendes, das daher unmittelbar im Wesen als seinem +Grunde bleibt. + +Der aufgeloeste Widerspruch ist also der Grund, das Wesen als Einheit +des Positiven und Negativen. Im Gegensatze ist die Bestimmung zur +Selbststaendigkeit gediehen; der Grund aber ist diese vollendete +Selbststaendigkeit; das Negative ist in ihm selbststaendiges Wesen, +aber als Negatives; so ist er ebenso sehr das Positive als das in +dieser Negativitaet mit sich Identische. Der Gegensatz und sein +Widerspruch ist daher im Grunde so sehr aufgehoben, als erhalten. +Der Grund ist das Wesen als die positive Identitaet mit sich; aber die +sich zugleich als die Negativitaet auf sich bezieht, sich also +bestimmt und zum ausgeschlossenen Gesetztseyn macht; diess Gesetztseyn +aber ist das ganze selbststaendige Wesen, und das Wesen ist Grund, als +in dieser seiner Negation identisch mit sich selbst und positiv. Der +sich widersprechende selbststaendige Gegensatz war also bereits selbst +der Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst +hinzu, welche dadurch hervortritt, dass die selbststaendigen +Entgegengesetzten jedes sich selbst aufhebt, und sich zu dem andern +seiner macht, somit zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit sich +selbst zusammengeht, also in seinem Untergange, das ist, in seinem +Gesetztseyn oder in der Negation vielmehr erst das in sich +reflektirte, mit sich identische Wesen ist. + +Anmerkung 1. + +Das Positive und Negative ist dasselbe. Dieser Ausdruck gehoert der +aeussern Reflexion an, insofern sie mit diesen beiden Bestimmungen eine +Vergleichung anstellt. Es ist aber nicht eine aeussere Vergleichung, +welche zwischen denselben, ebenso wenig als zwischen andern +Kategorien anzustellen ist, sondern sie sind an ihnen selbst zu +betrachten, d. h. es ist zu betrachten, was ihre eigene Reflexion ist. +An dieser aber hat es sich gezeigt, dass jedes wesentlich das +Scheinen seiner im Andern und selbst das Setzen seiner als des Andern +ist. + +Das Vorstellen, insofern es das Positive und Negative nicht +betrachtet, wie sie an und fuer sich sind, kann aber allerdings an das +Vergleichen verwiesen werden, um das Haltlose dieser Unterschiedenen, +die von ihm als fest einander gegenueber angenommen sind, aufmerksam +zu werden. Eine geringe Erfahrung in dem reflektirenden Denken wird +es schon wahrnehmen, dass wenn etwas als positiv bestimmt worden, +indem man nun von dieser Grundlage weiter geht, sich dasselbe +unmittelbar unter der Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt +das negative Bestimmte in Positives, dass das reflektirende Denken +sich in diesen Bestimmungen verwirrt und sich widersprechend wird. +Die Unbekanntschaft mit der Natur derselben ist der Meinung, diese +Verwirrung sey etwas Unrechtes, das nicht geschehen soll und schreibt +sie einem subjektiven Fehler zu. Dieses Uebergehen bleibt in der That +auch blosse Verwirrung, insofern das Bewusstseyn ueber die +Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhan den ist.--Es ist aber, +auch fuer die aeussere Reflexion, eine einfache Betrachtung, dass fuers +erste das Positive nicht ein unmittelbar Identisches ist, sondern +Theils ein Entgegengesetztes gegen das Negative, und dass es nur in +dieser Beziehung Bedeutung hat, also das Negative selbst in seinem +Begriffe liegt, Theils aber, dass es an ihm selbst die sich auf sich +beziehende Negation des blossen Gesetztseyns oder des Negativen also +selbst die absolute Negation in sich ist.--Ebenso das Negative, das +dem Positiven gegenueber steht, hat nur Sinn in dieser Beziehung auf +diess sein Anderes; es enthaelt also dasselbe in seinem Begriffe. Das +Negative hat aber auch ohne Beziehung auf das Positive ein eigenes +Bestehen; es ist mit sich identisch; so ist es aber selbst das, was +das Positive seyn sollte. + +Vornemlich wird der Gegensatz vom Positiven und Negativen in dem +Sinne genommen, dass jenes (ob es gleich seinem Namen nach das +Ponirtseyn, Gesetztseyn ausdrueckt) ein Objectives seyn soll, dieses +aber ein Subjektives, welches nur einer aeussern Reflexion angehoere, +das an und fuer sich seyende Objective nichts angehe, und ganz und gar +nicht fuer dasselbe vorhanden sey. In der That, wenn das Negative +nichts anders als die Abstraktion einer subjektiven Willkuer oder eine +Bestimmung einer aeusserlichen Vergleichung ausdrueckt, so ist es +freilich fuer das objektive Positive nicht vorhanden, d. h. dieses ist +nicht an ihm selbst auf eine solche leere Abstraktion bezogen; aber +dann ist ihm die Bestimmung, dass es ein Positives sey, gleichfalls +nur aeusserlich.--So gilt, um ein Beispiel von dem fixen Gegensatze +dieser Reflexions-Bestimmungen anzufuehren, das Licht ueberhaupt fuer +das nur Positive, die Finsterniss aber fuer das nur Negative. Aber das +Licht hat in seiner unendlichen Expansion und der Kraft seiner +aufschliessenden und belebenden Wirksamkeit wesentlich die Natur +absoluter Negativitaet. Die Finsterniss dagegen, als Unmannigfaltiges +oder der sich nicht selbst in sich unterscheidende Schooss der +Erzeugung, ist das einfache mit sich Identische, das Positive. Sie +wird als das nur Negative in dem Sinne genommen, dass sie als blosse +Abwesenheit des Lichts fuer dasselbe ganz und gar nicht vorhanden seye, +--so dass dieses, indem es sich auf sie bezieht, sich nicht auf ein +Anderes, sondern rein auf sich selbst beziehen, also diese nur vor +ihm verschwinden soll. Aber bekanntlich wird das Licht durch die +Finsterniss zum Grau getruebt; und ausser dieser bloss quantitativen +Veraenderung erleidet es auch die qualitative, durch die Beziehung +darauf zur Farbe bestimmt zu werden.--So ist z.B. auch die Tugend +nicht ohne Kampf; sie ist vielmehr der hoechste, vollendete Kampf; so +ist sie nicht nur das Positive, sondern absolute Negativitaet; sie ist +auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laster Tugend, sondern ist an +ihr selbst Entgegensetzung und Bekaempfung. Oder das Laster ist nicht +nur der Mangel der Tugend,--auch die Unschuld ist dieser Mangel,--und +nicht nur fuer eine aeussere Reflexion von der Tugend unterschieden, +sondern an sich selbst ihr entgegengesetzt, es ist boese. Das Boese +besteht in dem Beruhen auf sich, gegen das Gute; es ist die positive +Negativitaet. Die Unschuld aber, als Mangel sowohl des Guten als des +Boesen, ist gleichgueltig gegen beide Bestimmungen, weder positiv noch +negativ. Aber zugleich ist dieser Mangel auch als Bestimmtheit zu +nehmen, und einer Seits ist sie als die positive Natur von Etwas zu +betrachten, als sie sich anderer Seits auf ein Entgegengesetztes +bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unschuld, aus ihrer +gleichgueltigen Identitaet mit sich, heraustreten, sich durch sich +selbst auf ihr Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder, +im positiven Sinne, in ihren Grund zurueckgehen.--Auch die Wahrheit +ist das Positive als das mit dem Objecte uebereinstimmende Wissen, +aber sie ist nur diese Gleichheit mit sich, insofern das Wissen sich +negativ gegen das Andere verhalten, das Object durchdrungen und die +Negation, die es ist, aufgehoben hat. Der Irrthum ist ein Positives, +als eine Meinung des nicht an und fuer sich seyenden, die sich weiss +und behauptet. Die Unwissenheit aber ist entweder das gegen Wahrheit +und Irrthum Gleichgueltige, somit weder als positiv noch als negativ +bestimmt und die Bestimmung derselben als ein Mangel gehoert der +aeusseren Reflexion an, oder aber als objektiv, als eigene Bestimmung +einer Natur, ist sie der Trieb, der gegen sich gerichtet ist; ein +Negatives, das eine positive Richtung in sich enthaelt.--Es ist eine +der wichtigsten Erkenntnisse, diese Natur der betrachteten +Reflexions-Bestimmungen, dass ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf +einander, und damit darin besteht, dass jede in ihrem Begriffe selbst +die andere enthaelt, einzusehen und festzuhalten; ohne diese +Erkenntniss laesst sich eigentlich kein Schritt in der Philosophie thun. + +Anmerkung 2. + +Die Bestimmung der Entgegensetzung ist gleichfalls zu einem Satze +gemacht worden, dem sogenannten Satze des ausgeschlossenen Dritten. + +Etwas ist entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes. + + +Dieser Satz enthaelt zuerst, dass Alles ein Entgegengesetztes ist, ein +entweder als positiv oder als negativ Bestimmtes.--Ein wichtiger Satz, +der darin seine Nothwendigkeit hat, dass die Identitaet in +Verschiedenheit und diese in Entgegensetzung uebergeht. Allein er +pflegt nicht in diesem Sinne verstanden zu werden, sondern soll +gewoehnlich so viel heissen, dass einem Dinge von allen Praedikaten +entweder dieses Praedikat selbst oder sein Nichtseyn zukomme. Das +Entgegengesetzte bedeutet hier bloss den Mangel oder vielmehr die +Unbestimmtheit; und der Satz ist so unbedeutend, dass es nicht der +Muehe werth ist, ihn zu sagen. Wenn die Bestimmungen suess, gruen, +viereckig genommen,--und es sollen alle Praedikate genommen +werden--und nun vom Geiste gesagt wird, er sey entweder suess oder +nicht suess, gruen oder nicht gruen, u.s.f. so ist diess eine Trivialitaet, +die zu nichts fuehrt. Die Bestimmtheit, das Praedikat, wird auf Etwas +bezogen; das Etwas ist bestimmt, sagt der Satz aus; nun soll er +wesentlich diess enthalten, dass die Bestimmtheit sich naeher bestimme, +zur Bestimmtheit an sich, zur Entgegensetzung werde. Statt dessen +geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Bestimmtheit nur ueber +zu ihrem Nichtseyn ueberhaupt, zurueck zur Unbestimmtheit. + +Der Satz des ausgeschlossenen Dritten unterscheidet sich ferner vom +oben betrachteten Satze der Identitaet oder des Widerspruchs, der so +hiess: es giebt nicht etwas, das zugleich A und Nicht-A ist. Er +enthaelt, dass es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, dass +es nicht ein Drittes gebe, das gegen den Gegensatz gleichgueltig sey. +In der That aber giebt es in diesem Satze selbst das Dritte, das +gleichgueltig gegen den Gegensatz ist, naemlich A selbst ist darin +vorhanden. Diess A ist weder +A noch--A, und ebenso wohl auch +A +als--A.--Das Etwas, das entweder +A oder Nicht-A seyn sollte, ist +hiermit auf +A sowohl als Nicht-A bezogen; und wieder, indem es auf A +bezogen ist, solle es nicht auf Nicht-A bezogen seyn, so wie nicht +auf A, indem es auf Nicht-A bezogen ist. Das Etwas selbst ist also +das Dritte, welches ausgeschlossen seyn sollte. Indem die +entgegengesetzten Bestimmungen, im Etwas ebenso sehr gesetzt als in +diesem Setzen aufgehobene sind, so ist das Dritte, das hier die +Gestalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit der +Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegensetzung zurueckgeht. + +Anmerkung 3. + +Wenn nun die ersten Reflexions-Bestimmungen, die Identitaet, die +Verschiedenheit und die Entgegensetzung, in einem Satze aufgestellt +worden, so sollte noch vielmehr diejenige, in welche sie als in ihre +Wahrheit uebergehen, naemlich der Widerspruch, in einen Satz gefasst und +gesagt werden: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend, und +zwar in dem Sinne, dass dieser Satz gegen die uebrigen vielmehr die +Wahrheit und das Wesen der Dinge ausdruecke.--Der Widerspruch, der an +der Entgegensetzung hervortritt, ist nur das entwickelte Nichts, das +in der Identitaet enthalten ist, und in dem Ausdrucke vorkam, dass der +Satz der Identitaet Nichts sage. Diese Negation bestimmt sich weiter +zur Verschiedenheit und zur Entgegensetzung, welche nun der gesetzte +Widerspruch ist. + +Es ist aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des +gewoehnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so +wesenhafte und immanente Bestimmung sey, als die Identitaet; ja wenn +von Rangordnung die Rede, und beide Bestimmungen als getrennte +festzuhalten waeren, so waere der Widerspruch fuer das Tiefere und +Wesenhaftere zu nehmen. Denn die Identitaet ihm gegenueber ist nur die +Bestimmung des einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber ist +die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in +sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und +Thaetigkeit. + +Der Widerspruch wird gewoehnlich fuers erste von den Dingen, von dem +Seyenden und Wahren ueberhaupt, entfernt; es wird behauptet, dass es +nichts Widersprechendes gebe. Er wird fuers andre dagegen in die +subjektive Reflexion geschoben, die durch ihre Beziehung und +Vergleichung ihn erst setze. Aber auch in dieser Reflexion sey er +nicht eigentlich vorhanden, denn das Widersprechende koenne nicht +vorgestellt noch gedacht werden. Er gilt ueberhaupt, sey es am +Wirklichen oder in der denkenden Reflexion, fuer eine Zufaelligkeit, +gleichsam fuer eine Abnormitaet und voruebergehenden +Krankheitsparoxysmus. + +Was nun die Behauptung betrifft, dass es den Widerspruch nicht gebe, +dass er nicht ein Vorhandenes sey, so brauchen wir uns um eine solche +Versicherung nicht zu bekuemmern; eine absolute Bestimmung des Wesens +muss sich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem +Begriffe. Oben beim Unendlichen, das der Widerspruch ist, wie er in +der Sphaere des Seyns sich zeigt, ist das Gleiche bereits erinnert +worden. Die gemeine Erfahrung aber spricht es selbst aus, dass es +wenigstens eine Menge widersprechender Dinge, widersprechender +Einrichtungen u.s.f. gebe, deren Widerspruch nicht bloss in einer +aeusserlichen Reflexion, sondern in ihnen selbst vorhanden ist. Er ist +aber ferner nicht bloss als eine Abnormitaet zu nehmen, die nur hier +und da vorkaeme, sondern ist das Negative in seiner wesenhaften +Bestimmung, das Princip aller Selbstbewegung, die in nichts weiter +besteht, als in einer Darstellung desselben. Die aeusserliche +sinnliche Bewegung selbst ist sein unmittelbares Daseyn. Es bewegt +sich etwas nur, nicht indem es in diesem Jetzt hier ist, und in einem +andern Jetzt dort, sondern indem es in einem und demselben Jetzt hier +und nicht hier, indem es in diesem Hier zugleich ist und nicht ist. +Man muss den alten Dialektikern die Widersprueche zugeben, die sie in +der Bewegung aufzeigen, aber daraus folgt nicht, dass darum die +Bewegung nicht ist, sondern vielmehr dass die Bewegung der daseyende +Widerspruch selbst ist. + +Ebenso ist die innere, die eigentliche Selbstbewegung, der Trieb +ueberhaupt, (Appetit oder Nisus der Monade, die Entelechie des absolut +einfachen Wesens) nichts anderes, als dass Etwas in sich selbst, und +der Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben +Ruecksicht ist. Die abstrakte Identitaet mit sich ist noch keine +Lebendigkeit, sondern dass das Positive an sich selbst die Negativitaet +ist, dadurch geht es ausser sich und setzt sich in Veraenderung. Etwas +ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthaelt, +und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und +auszuhalten. Wenn aber ein Existirendes nicht in seiner positiven +Bestimmung zugleich ueber seine negative ueberzugreiffen und eine in +der andern festzuhalten, den Widerspruch nicht in ihm selbst zu haben +vermag, so ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund, +sondern geht in dem Widerspruche zu Grunde.--Das spekulative Denken +besteht nur darin, dass das Denken den Widerspruch und in ihm sich +selbst festhaelt, nicht aber dass es sich, wie es dem Vorstellen geht, +von ihm beherrschen und durch ihn sich seine Bestimmungen nur in +andere oder in Nichts aufloesen laesst. + +Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerspruch in +die Einfachheit dieser Bestimmungen fuer das Vorstellen verhuellt ist, +so stellt sich hingegen in den Verhaeltnissbestimmungen der Widerspruch +unmittelbar dar. Die trivialsten Beispiele, von Oben und Unten, +Rechts und Links, Vater und Sohn und so fort ins Unendliche, +enthalten alle den Gegensatz in Einem. Oben ist, was nicht Unten ist; +Oben ist bestimmt nur diess, nicht Unten zu seyn, und ist nur, +insofern ein Unten ist; und umgekehrt; in der einen Bestimmung liegt +ihr Gegentheil. Vater ist das Andre des Sohnes, und Sohn das Andre +des Vaters und jedes ist nur als diess Andre des andern; und zugleich +ist die eine Bestimmung nur in Beziehung auf die andere; ihr Seyn ist +Ein Bestehen. Der Vater ist ausser der Beziehung auf Sohn auch etwas +fuer sich; aber so ist er nicht Vater, sondern ein Mann ueberhaupt; wie +Oben und Unten, Rechts und Links auch in sich reflektirte, ausser der +Beziehung etwas sind; aber nur Orte ueberhaupt.--Die Entgegengesetzten +enthalten insofern den Widerspruch, als sie in derselben Ruecksicht +sich negativ auf einander beziehende oder sich gegenseitig aufhebende +und gegen einander gleichgueltige sind. Die Vorstellung, indem sie +zum Momente der Gleichgueltigkeit der Bestimmungen uebergeht, vergisst +darin ihre negative Einheit und behaelt sie somit nur als Verschiedene +ueberhaupt, in welcher Bestimmung Rechts nicht mehr Rechts, Links +nicht mehr Links u.s.f. ist. Indem sie aber Rechts und Links in der +That vor sich hat, so hat sie diese Bestimmungen vor sich als sich +negirend, die eine in der andern, und in dieser Einheit zugleich sich +nicht negirend, sondern jede gleichgueltig fuer sich seyend. + +Das Vorstellen hat daher wohl allenthalben den Widerspruch zu seinem +Inhalte, kommt aber nicht zum Bewusstseyn desselben; es bleibt +aeusserliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder +von der negativen Beziehung zum Reflektirtseyn der Unterschiedenen in +sich, uebergeht. Sie haelt diese beiden Bestimmungen einander +aeusserlich gegenueber und hat nur sie, nicht aber das Uebergehen, +welches das Wesentliche ist, und den Widerspruch enthaelt, im Sinne. +--Die geistreiche Reflexion, um diese hier zu erwaehnen, besteht +dagegen im Auffassen und Aussprechen des Widerspruchs. Ob sie zwar +den Begriff der Dinge und ihrer Verhaeltnisse nicht ausdrueckt und nur +Vorstellungsbestimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, so bringt +sie dieselben in eine Beziehung, die ihren Widerspruch enthaelt und +durch diesen hindurch ihren Begriff scheinen laesst.--Die denkende +Vernunft aber spitzt, so zu sagen, den abgestumpften Unterschied des +Verschiedenen, die blosse Mannigfaltigkeit der Vorstellung, zum +wesentlichen Unterschiede, zum Gegensatze, zu. Die Mannigfaltigen +werden erst, auf die Spitze des Widerspruchs getrieben, regsam und +lebendig gegen einander, und erhalten in ihm die Negativitaet, welche +die inwohnende Pulsation der Selbstbewegung und Lebendigkeit ist. + +Es ist schon ueber den ontologischen Beweis vom Daseyn Gottes erinnert +worden, dass die darin zu Grunde gelegte Bestimmung, der Inbegriff +aller Realitaeten ist. Von dieser Bestimmung pflegt zuerst gezeigt zu +werden, dass sie moeglich sey, weil sie keinen Widerspruch enthalte, +indem die Realitaet nur als Realitaet ohne Schranken genommen werde. +Es wurde erinnert, dass damit jener Inbegriff zum einfachen +unbestimmten Seyn, oder wenn die Realitaeten in der That als mehrere +Bestimmte genommen werden, zum Inbegriff aller Negationen wird. +Naeher den Unterschied der Realitaet genommen, so wird er aus der +Verschiedenheit zum Gegensatze und damit zum Widerspruch, und der +Inbegriff aller Realitaeten ueberhaupt zum absoluten Widerspruch in +sich selbst. Der gewoehnliche Horror, den das vorstellende, nicht +speculative Denken, wie die Natur vor dem Vacuum, vor dem +Widerspruche hat, verwirft diese Konsequenz; denn es bleibt bei der +einseitigen Betrachtung der Aufloesung des Widerspruchs in Nichts +stehen, und erkennt die positive Seite desselben nicht, nach welcher +er absolute Thaetigkeit, und absoluter Grund wird. + +Es ist ueberhaupt aus der Betrachtung der Natur des Widerspruchs +hervorgegangen, dass es fuer sich noch, so zu sagen, kein Schaden, +Mangel oder Fehler einer Sache ist, wenn an ihr ein Widerspruch +aufgezeigt werden kann. Vielmehr jede Bestimmung, jedes Konkrete, +jeder Begriff ist wesentlich eine Einheit unterschiedener und +unterscheidbarer Momente, die durch den bestimmten, wesentlichen +Unterschied in widersprechende uebergehen. Dieses Widersprechende +loest sich allerdings in Nichts auf, es geht in seine negative Einheit +zurueck. Das Ding, das Subjekt, der Begriff ist nun eben diese +negative Einheit selbst; es ist ein an sich selbst Widersprechendes, +aber ebenso sehr der aufgeloeste Widerspruch; es ist der Grund, der +seine Bestimmungen enthaelt und traegt. Das Ding, das Subjekt, oder +der Begriff ist als in seiner Sphaere in sich reflektirt, sein +aufgeloester Widerspruch, aber seine ganze Sphaere ist auch wieder eine +bestimmte, verschiedene; so ist sie eine endliche, und diess heisst +eine widersprechende. Von diesem hoehern Widerspruche ist nicht sie +selbst die Aufloesung; sondern hat eine hoehere Sphaere zu ihrer +negativen Einheit, zu ihrem Grunde. Die endlichen Dinge in ihrer +gleichgueltigen Mannigfaltigkeit, sind daher ueberhaupt diess, +widersprechend an sich selbst, in sich gebrochen zu seyn und in ihren +Grund zurueckzugehen.--Wie weiterhin betrachtet werden wird, so +besteht der wahre Schluss von einem Endlichen und Zufaelligen auf ein +absolut-nothwendiges Wesen nicht darin, dass von dem Endlichen und +Zufaelligen als dem zum Grunde liegenden und liegen bleibenden Seyn, +sondern dass, was auch unmittelbar in der Zufaelligkeit liegt, von +einem nur fallenden, sich an sich selbst widersprechendem Seyn aus, +auf ein absolut nothwendiges geschlossen, oder dass vielmehr +aufgezeigt wird, das zufaellige Seyn gehe an sich selbst in seinen +Grund zurueck, worin es sich aufhebt,--ferner dass es durch diess +Zurueckgehen den Grund nur so setze, dass es sich selbst vielmehr zum +Gesetzten macht. Im gewoehnlichen Schliessen erscheint das Seyn des +Endlichen als Grund des Absoluten; darum weil Endliches ist, ist das +Absolute. Die Wahrheit aber ist, dass darum weil das Endliche der an +sich selbst widersprechende Gegensatz, weil es nicht ist, das +Absolute ist. In jenem Sinne lautet der Satz des Schlusses so: Das +Seyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten; in diesem Sinne aber +so: Das Nichtseyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten. + + + +Drittes Kapitel. Der Grund. + + +Das Wesen bestimmt sich selbst als Grund. + +Wie das Nichts zuerst mit dem Seyn in einfacher unmittelbarer Einheit, +so ist auch hier zuerst die einfache Identitaet des Wesens mit seiner +absoluten Negativitaet in unmittelbarer Einheit. Das Wesen ist nur +diese seine Negativitaet, welche die reine Reflexion ist. Es ist +diese reine Negativitaet als die Rueckkehr des Seyns in sich; so ist es +an sich oder fuer uns bestimmt, als der Grund, in dem sich das Seyn +aufloest. Aber diese Bestimmtheit ist nicht durch es selbst gesetzt; +oder es ist nicht Grund, eben insofern es diese seine Bestimmtheit +nicht selbst gesetzt hat. Seine Reflexion aber besteht darin, sich +als das, was es an sich ist, als Negatives zu setzen und sich zu +bestimmen. Das Positive und Negative machen die wesenhafte +Bestimmung aus, in die es als in seine Negation verloren ist. Diese +selbststaendigen Reflexions-Bestimmungen heben sich auf, und die zu +Grunde gegangene Bestimmung ist die wahrhafte Bestimmung des Wesens. + +Der Grund ist daher selbst eine der Reflexions-Bestimmungen des +Wesens, aber die letzte, vielmehr nur die Bestimmung, dass sie +aufgehobene Bestimmung ist. Die Reflexionsbestimmung, indem sie zu +Grunde geht, erhaelt ihre wahrhafte Bedeutung, der absolute Gegenstoss +ihrer in sich selbst zu seyn, naemlich dass das Gesetztseyn, das dem +Wesen zukommt, nur als aufgehobenes Gesetztseyn ist, und umgekehrt, +dass nur das sich aufhebende Gesetztseyn das Gesetztseyn des Wesens +ist. Das Wesen, indem es sich als Grund bestimmt, bestimmt sich als +das Nichtbestimmte, und nur das Aufheben seines Bestimmtseyns ist +sein Bestimmen.--In diesem Bestimmtseyn als dem sich selbst +aufhebenden, ist es nicht aus anderem herkommendes, sondern in seiner +Negativitaet mit sich identisches Wesen. + +Insofern von der Bestimmung aus, als dem Ersten, Unmittelbaren zum +Grunde fortgegangen wird, (durch die Natur der Bestimmung selbst, die +durch sich zu Grunde geht,) so ist der Grund zunaechst ein durch jenes +Erste Bestimmtes. Allein diess Bestimmen ist eines Theils als +Aufheben des Bestimmens die nur wiederhergestellte, gereinigte oder +geoffenbarte Identitaet des Wesens, welche die Reflexions-Bestimmung +an sich ist;--andern Theils ist diese negirende Bewegung als +Bestimmen erst das Setzen jener Reflexionsbestimmtheit, welche als +die unmittelbare erschien, die aber nur von der sich selbst +ausschliessenden Reflexion des Grundes gesetzt und hierin als nur +Gesetztes oder Aufgehobenes gesetzt ist.--So kommt das Wesen, indem +es sich als Grund bestimmt, nur aus sich her. Als Grund also setzt +es sich als Wesen, und dass es sich als Wesen setzt, darin besteht +sein Bestimmen. Diess Setzen ist die Reflexion des Wesens, die in +ihrem Bestimmen sich selbst aufhebt, nach jener Seite Setzen, nach +dieser das Setzen des Wesens, somit beides in einem Thun ist. + +Die Reflexion ist die reine Vermittelung ueberhaupt, der Grund ist die +reale Vermittelung des Wesens mit sich. Jene, die Bewegung des +Nichts durch Nichts zu sich selbst zurueck, ist das Scheinen seiner in +einem Andern; aber weil der Gegensatz in dieser Reflexion noch keine +Selbststaendigkeit hat, so ist weder jenes erste, das Scheinende ein +Positives, noch das andere, in dem es scheint, ein Negatives. Beide +sind Substrate, eigentlich nur der Einbildungskraft; sie sind noch +nicht sich auf sich selbst beziehende. Die reine Vermittelung ist +nur reine Beziehung, ohne Bezogene. Die bestimmende Reflexion setzt +zwar solche, die identisch mit sich, aber zugleich nur bestimmte +Beziehungen sind. Der Grund dagegen ist die reale Vermittelung, weil +er die Reflexion als aufgehobene Reflexion enthaelt; er ist das durch +sein Nichtseyn in sich zurueckkehrende und sich setzende Wesen. Nach +diesem Momente der aufgehobenen Reflexion erhaelt das Gesetzte die +Bestimmung der Unmittelbarkeit, eines solchen, das ausser der +Beziehung oder seinem Scheine identisch mit sich ist. Diess +Unmittelbare ist das durch das Wesen wiederhergestellte Seyn; das +Nichtseyn der Reflexion, durch das das Wesen sich vermittelt. In +sich kehrt das Wesen zurueck als negirendes; es giebt sich also in +seiner Rueckkehr in sich, die Bestimmtheit, die eben darum das mit +sich identische Negative, das aufgehobene Gesetztseyn, und somit +ebenso sehr seyendes, als die Identitaet des Wesens mit sich als Grund +ist. + +Der Grund ist zuerst absoluter Grund, in dem das Wesen zunaechst als +Grundlage ueberhaupt fuer die Grundbeziehung ist; naeher bestimmt er +sich aber als Form und Materie, und giebt sich einen Inhalt. + +Zweitens ist er bestimmter Grund, als Grund von einem bestimmten +Inhalt; indem die Grundbeziehung sich in ihrer Realisirung ueberhaupt +aeusserlich wird, geht sie in die bedingende Vermittelung ueber. + +Drittens, der Grund setzt eine Bedingung voraus; aber die Bedingung +setzt ebenso sehr den Grund voraus; das Unbedingte ist ihre Einheit, +die Sache an sich, die durch die Vermittelung der bedingenden +Beziehung in die Existenz uebergeht. + +Anmerkung. + +Der Grund ist, wie die andern Reflexions-Bestimmungen, in einem Satze +ausgedrueckt worden: Alles hat seinen zureichenden Grund.--Diess heisst +im Allgemeinen nichts anderes, als was ist, ist nicht als seyendes +Unmittelbares, sondern als Gesetztes zu betrachten; es ist nicht bei +dem unmittelbaren Daseyn oder bei der Bestimmtheit ueberhaupt stehen +zu bleiben, sondern davon zurueckzugehen in seinen Grund, in welcher +Reflexion es als Aufgehobenes und in seinem An- und Fuersichseyn ist. +In dem Satze des Grundes wird also die Wesentlichkeit der Reflexion +in sich gegen das blosse Seyn ausgesprochen.--Dass der Grund zureichend +sey, ist eigentlich sehr ueberfluessig hinzuzusetzen, denn es versteht +sich von selbst; das, fuer was der Grund nicht zureicht, haette keinen +Grund, aber alles soll einen Grund haben. Allein Leibnitz, dem das +Princip des zureichenden Grundes vornemlich am Herzen lag, und der es +sogar zum Grundsatz seiner ganzen Philosophie machte, verband damit +einen tiefern Sinn und wichtigern Begriffe als gewoehnlich damit +verbunden wird, indem man nur bei dem unmittelbaren Ausdruck stehen +bleibt; obgleich der Satz auch nur in diesem Sinne schon fuer wichtig +anzusehen ist, dass naemlich das Seyn als solches in seiner +Unmittelbarkeit fuer das Unwahre und wesentlich fuer ein Gesetztes, der +Grund aber fuer das wahrhafte Unmittelbare erklaert wird. Leibnitz +aber stellte das Zureichende des Grundes vornemlich der Kausalitaet in +ihrem strengen Sinne, als der mechanischen Wirkungsweise, entgegen. +Indem diese eine aeusserliche ihrem Inhalte nach auf Eine Bestimmtheit +beschraenkte Thaetigkeit ueberhaupt ist, so treten die durch sie +gesetzten Bestimmungen aeusserlich und zufaellig in eine Verbindung; die +Theilbestimmungen werden durch ihre Ursachen begriffen; aber die +Beziehung derselben, welche das Wesentliche einer Existenz ausmacht, +ist nicht in den Ursachen des Mechanismus enthalten. Diese Beziehung, +das Ganze als wesentliche Einheit, liegt nur im Begriffe, im Zwecke. +Fuer diese Einheit sind die mechanischen Ursachen nicht zureichend, +weil ihnen nicht der Zweck, als die Einheit der Bestimmungen, zu +Grunde liegt. Unter dem zureichenden Grunde hat Leibnitz daher einen +solchen verstanden, der auch fuer diese Einheit zureichte, daher nicht +die blossen Ursachen, sondern die Endursachen in sich begriffe. Diese +Bestimmung des Grundes gehoert aber noch nicht hierher; der +teleologische Grund ist ein Eigenthum des Begriffs und der +Vermittelung durch denselben, welche die Vernunft ist. + +A. Der absolute Grund. + +a. Form und Wesen. + +Die Reflexions-Bestimmung, insofern sie in den Grund zurueckgeht, ist +ein erstes, ein unmittelbares Daseyn ueberhaupt, von dem angefangen +wird. Aber das Daseyn hat nur noch die Bedeutung des Gesetztseyns +und setzt wesentlich einen Grund voraus; in dem Sinne, dass es ihn +vielmehr nicht setzt; dass diess Setzen ein Aufheben seiner selbst, das +Unmittelbare vielmehr das Gesetzte und der Grund das Nichtgesetzte +ist. Wie es sich ergeben hat, ist diess Voraussetzen, das auf das +Setzende rueckschlagende Setzen; der Grund ist als das aufgehobene +Bestimmtseyn nicht das Unbestimmte, sondern das durch sich selbst +bestimmte Wesen, aber als unbestimmt oder als aufgehobenes +Gesetztseyn Bestimmtes. Er ist das Wesen, das in seiner Negativitaet +mit sich identisch ist. + +Die Bestimmtheit des Wesens als Grund wird hiermit die gedoppelte, +des Grundes und des Begruendeten. Sie ist erstens das Wesen als Grund, +bestimmt das Wesen zu seyn gegen das Gesetztseyn, als +Nichtgesetztseyn. Zweitens ist sie das Begruendete, das Unmittelbare, +das aber nicht an und fuer sich ist, das Gesetztseyn als Gesetztseyn. +Dieses ist somit gleichfalls mit sich identisch, aber die Identitaet +des Negativen mit sich. Das mit sich identische Negative und das mit +sich identische Positive ist nun eine und dieselbe Identitaet. Denn +der Grund ist Identitaet des Positiven oder selbst auch des +Gesetztseyns mit sich; das Begruendete ist das Gesetztseyn als +Gesetztseyn, diese seine Reflexion in sich aber ist die Identitaet des +Grundes.--Diese einfache Identitaet ist also nicht selbst der Grund, +denn der Grund ist das Wesen gesetzt, als das Nichtgesetzte gegen das +Gesetztseyn. Sie ist, als die Einheit dieser bestimmten Identitaet, +(des Grundes) und der negativen Identitaet (des Begruendeten) das Wesen +ueberhaupt, unterschieden von seiner Vermittelung. + +Diese Vermittelung, mit den vorhergehenden Reflexionen verglichen, +aus denen sie herkommt, ist erstlich nicht die reine Reflexion, als +welche nicht vom Wesen unterschieden ist, und das Negative, damit +auch die Selbststaendigkeit der Bestimmungen, noch nicht an ihr hat. +Im Grunde als der aufgehobenen Reflexion aber haben diese +Bestimmungen ein Bestehen.--Auch ist sie nicht die bestimmende +Reflexion, deren Bestimmungen wesentliche Selbststaendigkeit haben; +denn diese ist im Grunde zu Grunde gegangen, in dessen Einheit sind +sie nur gesetzte.--Diese Vermittelung des Grundes ist daher die +Einheit der reinen und der bestimmenden Reflexion; ihre Bestimmungen +oder das Gesetzte hat Bestehen, und umgekehrt das Bestehen derselben +ist ein Gesetztes. Weil diess ihr Bestehen selbst ein Gesetztes ist +oder Bestimmtheit hat, so sind sie somit von ihrer einfachen +Identitaet unterschieden, und machen die Form aus gegen das Wesen. + +Das Wesen hat eine Form, und Bestimmungen derselben. Erst als Grund +hat es eine feste Unmittelbarkeit oder ist Substrat. Das Wesen als +solches ist eins mit seiner Reflexion, und ununterschieden ihre +Bewegung selbst. Es ist daher nicht das Wesen, welches sie +durchlaeuft; auch ist es nicht dasjenige, von dem sie als von einem +Ersten anfaengt. Dieser Umstand erschwert die Darstellung der +Reflexion ueberhaupt; denn man kann eigentlich nicht sagen, das Wesen +geht in sich selbst zurueck, das Wesen scheint in sich, weil es nicht +vor oder in seiner Bewegung ist, und diese keine Grundlage hat, an +der sie sich verlaeuft. Ein Bezogenes tritt erst im Grund nach dem +Momente der aufgehobenen Reflexion hervor. Das Wesen als das +bezogene Substrat aber ist das bestimmte Wesen; um dieses +Gesetztseyns willen hat es wesentlich die Form an ihm.--Die +Formbestimmungen dagegen sind nun die Bestimmungen als an dem Wesen; +es liegt ihnen zu Grunde, als das Unbestimmte, das in seiner +Bestimmung gleichgueltig gegen sie ist; sie haben an ihm ihre +Reflexion in sich. Die Reflexions-Bestimmungen sollten ihr Bestehen +an ihnen selbst haben und selbststaendig seyn; aber ihre +Selbststaendigkeit ist ihre Aufloesung; so haben sie dieselbe an einem +Andern; aber diese Aufloesung ist selbst diese Identitaet mit sich oder +der Grund des Bestehens, den sie sich geben. + +Der Form gehoert ueberhaupt alles Bestimmte an; es ist Formbestimmung, +insofern es ein Gesetztes, hiermit von einem solchen, dessen Form es +ist, Unterschiedenes ist; die Bestimmtheit als Qualitaet ist eins mit +ihrem Substrat, dem Seyn; das Seyn ist das unmittelbar Bestimmte, das +von seiner Bestimmtheit noch nicht unterschieden,--oder das in ihr +noch nicht in sich reflektirt, so wie diese daher eine seyende, noch +nicht eine Gesetzte ist.--Die Formbestimmungen des Wesens sind ferner +als die Reflexions-Bestimmtheiten, ihrer naehern Bestimmtheit nach, +die oben betrachteten Momente der Reflexion. Die Identitaet, und der +Unterschied, dieser Theils als Verschiedenheit, Theils als Gegensatz. +Ferner aber gehoert auch die Grundbeziehung dazu, insofern sie zwar +die aufgehobene Reflexions-Bestimmung aber dadurch das Wesen zugleich +als Gesetztes ist. Dagegen gehoert zur Form nicht die Identitaet, +welche der Grund in sich hat, naemlich dass das Gesetztseyn als +aufgehobenes und das Gesetztseyn als solches,--der Grund und das +Begruendete,--Eine Reflexion ist, welche das Wesen als einfache +Grundlage ausmacht, die das Bestehen der Form ist. Allein diess +Bestehen ist im Grunde gesetzt; oder diess Wesen ist selbst wesentlich +als bestimmtes; somit ist es auch wieder das Moment der +Grundbeziehung und Form.--Diess ist die absolute Wechselbeziehung der +Form und des Wesens, dass dieses einfache Einheit des Grundes und des +Begruendeten, darin aber eben selbst bestimmt oder Negatives ist, und +sich als Grundlage von der Form unterscheidet, aber so zugleich +selbst Grund und Moment der Form wird. + +Die Form ist daher das vollendete Ganze der Reflexion; sie enthaelt +auch diese Bestimmung derselben, aufgehobene zu seyn; daher ist sie +ebenso sehr als sie eine Einheit ihres Bestimmens ist, auch bezogen +auf ihr Aufgehobenseyn, auf ein Anderes, das nicht selbst Form, +sondern an dem sie sey. Als die wesentliche sich auf sich selbst +beziehende Negativitaet, gegen diess einfache Negative ist sie das +Setzende und Bestimmende; das einfache Wesen hingegen ist die +unbestimmte und unthaetige Grundlage, an welcher die Formbestimmungen +das Bestehen oder die Reflexion in sich haben.--Bei dieser +Unterscheidung des Wesens und der Form pflegt die aeussere Reflexion +stehen zu bleiben; sie ist nothwendig, aber dieses Unterscheiden +selbst ist ihre Einheit, so wie diese Grundeinheit das sich von sich +abstossende und zum Gesetztseyn machende Wesen ist. Die Form ist die +absolute Negativitaet selbst, oder die negative absolute Identitaet mit +sich, wodurch eben das Wesen nicht Seyn, sondern Wesen ist. Diese +Identitaet abstrakt genommen, ist das Wesen gegen die Form; so wie die +Negativitaet abstrakt genommen als das Gesetztseyn, die einzelne +Formbestimmung ist. Die Bestimmung aber, wie sie sich gezeigt hat, +ist in ihrer Wahrheit, die totale sich auf sich beziehende +Negativitaet, die somit als diese Identitaet das einfache Wesen an ihr +selbst ist. Die Form hat daher an ihrer eigenen Identitaet das Wesen; +wie das Wesen an seiner negativen Natur die absolute Form. Es kann +also nicht gefragt werden, wie die Form zum Wesen hinzukomme, denn +sie ist nur das Scheinen desselben in sich selbst, die eigene ihm +inwohnende Reflexion. Die Form ebenso an ihr selbst ist die in sich +zurueckkehrende Reflexion, oder das identische Wesen; in ihrem +Bestimmen macht sie die Bestimmung zum Gesetztseyn als Gesetztseyn. +--Sie bestimmt also nicht das Wesen, als ob sie wahrhaft +vorausgesetzt, getrennt vom Wesen sey, denn so ist sie die +unwesentliche, rastlos zu Grunde gehende Reflexionsbestimmung, +hiermit ist sie so selbst vielmehr der Grund ihres Aufhebens oder die +identische Beziehung ihrer Bestimmungen. Die Form bestimmt das Wesen, +heisst also, die Form in ihrem Unterscheiden hebt diess Unterscheiden +selbst auf, und ist die Identitaet mit sich, welche das Wesen als das +Bestehen der Bestimmung ist; sie ist der Widerspruch in ihrem +Gesetztseyn aufgehoben zu seyn und an diesem Aufgehobenseyn das +Bestehen zu haben; somit der Grund, als das im Bestimmt- oder +Negirtseyn mit sich identische Wesen. + +Diese Unterschiede, der Form und des Wesens, sind daher nur Momente +der einfachen Formbeziehung selbst. Aber sie sind naeher zu +betrachten und festzuhalten. Die bestimmende Form bezieht sich auf +sich als aufgehobenes Gesetztseyn, sie bezieht sich damit auf ihre +Identitaet als auf ein Andres. Sie setzt sich als aufgehoben; sie +setzt damit ihre Identitaet voraus; das Wesen ist nach diesem Momente +das Unbestimmte, dem die Form ein anderes ist. So ist es nicht das +Wesen, das die absolute Reflexion an ihm selbst ist, sondern bestimmt +als die formlose Identitaet; es ist die Materie. + +b. Form und Materie. + +Das Wesen wird zur Materie, indem seine Reflexion sich bestimmt, zu +demselben als zu dem formlosen Unbestimmten sich zu verhalten. Die +Materie ist also die einfache unterschiedslose Identitaet, welche das +Wesen ist, mit der Bestimmung das Andere der Form zu seyn. Sie ist +daher die eigentliche Grundlage oder Substrat der Form, weil sie die +Reflexion in sich der Formbestimmungen oder das Selbststaendige +ausmacht, auf das sie sich als auf ihr positives Bestehen beziehen. + +Wenn von allen Bestimmungen, aller Form eines Etwas abstrahirt wird, +so bleibt die unbestimmte Materie uebrig. Die Materie ist ein +schlechthin Abstraktes. (--Man kann die Materie nicht sehen, fuehlen u. +s.f.--was man sieht, fuehlt, ist eine bestimmte Materie, d. h. eine +Einheit der Materie und der Form). Diese Abstraktion, aus der die +Materie hervorgeht, ist aber nicht nur ein aeusserliches Wegnehmen und +Aufheben der Form, sondern die Form reducirt sich durch sich selbst, +wie sich ergeben hat, zu dieser einfachen Identitaet. + +Ferner setzt die Form eine Materie voraus, auf welche sie sich +bezieht. Aber darum finden sich beide nicht aeusserlich und zufaellig +einander gegenueber; weder die Materie noch die Form ist aus sich +selbst, oder in anderer Sprache ewig. Die Materie ist das gegen die +Form gleichgueltige, aber diese Gleichgueltigkeit ist die Bestimmtheit +der Identitaet mit sich, in welche als in ihre Grundlage die Form +zurueckgeht. Die Form setzt die Materie voraus; eben darin, dass sie +sich als Aufgehobenes setzt, somit sich auf diese ihre Identitaet als +auf ein Anderes bezieht. Umgekehrt ist die Form von der Materie +vorausgesetzt; denn diese ist nicht das einfache Wesen, das +unmittelbar selbst die absolute Reflexion ist, sondern dasselbe +bestimmt als das Positive, naemlich das nur ist, als aufgehobene +Negation.--Aber von der andern Seite weil die Form sich nur als +Materie setzt, insofern sie sich selbst aufhebt, somit dieselbe +voraussetzt, ist die Materie auch bestimmt als grundloses Bestehen. +Ebenso ist die Materie nicht bestimmt als der Grund der Form; sondern, +indem die Materie sich setzt als die abstrakte Identitaet der +aufgehobenen Formbestimmung, ist sie nicht die Identitaet als Grund, +und die Form insofern gegen sie grundlos. Form und Materie sind +somit bestimmt, die eine wie die andere, nicht gesetzt durch einander, +nicht Grund von einander zu seyn. Die Materie ist vielmehr die +Identitaet des Grundes und des Begruendeten, als Grundlage, welche +dieser Formbeziehung gegenueber steht. Diese ihre gemeinschaftliche +Bestimmung der Gleichgueltigkeit ist die Bestimmung der Materie als +solcher, und macht auch die Beziehung beider aufeinander aus. Ebenso +die Bestimmung der Form, die Beziehung als unterschiedener zu seyn, +ist auch das andere Moment des Verhaltens beider zu einander.--Die +Materie, das als gleichgueltig Bestimmte, ist das Passive gegen die +Form als Thaetiges. Diese ist als das sich auf sich beziehende +Negative der Widerspruch in sich selbst, das sich Aufloesende sich von +sich Abstossende und Bestimmende. Sie bezieht sich auf die Materie, +und sie ist gesetzt, sich auf diess ihr Bestehen, als auf ein Anderes +zu beziehen. Die Materie hingegen ist gesetzt, sich nur auf sich +selbst zu beziehen, und gleichgueltig gegen Anderes zu seyn; aber sie +bezieht sich an sich auf die Form; denn sie enthaelt die aufgehobene +Negativitaet, und ist nur Materie durch diese Bestimmung. Sie bezieht +sich auf sie nur darum als auf ein Anderes, weil die Form nicht an +ihr gesetzt, weil sie dieselbe nur an sich ist. Sie enthaelt die Form +in sich verschlossen, und ist die absolute Empfaenglichkeit fuer sie, +nur darum weil sie dieselbe absolut in ihr hat, weil diess ihre an +sich seyende Bestimmung ist. Die Materie muss daher formirt werden, +und die Form muss sich materialisiren, sich an der Materie die +Identitaet mit sich oder das Bestehen geben. + +2. Die Form bestimmt daher die Materie, und die Materie wird von der +Form bestimmt.--Weil die Form selbst die absolute Identitaet mit sich +ist, also die Materie in sich enthaelt; ebenso weil die Materie in +ihrer reinen Abstraktion oder absoluten Negativitaet die Form in ihr +selbst hat, so ist die Thaetigkeit der Form auf die Materie, und das +Bestimmtwerden dieser durch jene vielmehr nur das Aufheben des +Scheines ihrer Gleichgueltigkeit und Unterschiedenheit. Diese +Beziehung des Bestimmens ist so die Vermittelung jeder der beiden mit +sich durch ihr eigenes Nichtseyn,--aber diese beiden Vermittelungen +sind Eine Bewegung und die Wiederherstellung ihrer urspruenglichen +Identitaet;--die Erinnerung ihrer Entaeusserung. + +Zuerst setzen Form und Materie sich gegenseitig voraus. Wie sich +ergeben hat, heisst diess so viel, die eine wesentliche Einheit ist +negative Beziehung auf sich selbst, so entzweit sie sich in die +wesentliche Identitaet bestimmt als die gleichgueltige Grundlage, und +in den wesentlichen Unterschied oder Negativitaet, als die bestimmende +Form. Jene Einheit des Wesens und der Form, die sich als Form und +Materie gegenuebersetzen, ist der absolute Grund, der sich bestimmt. +Indem sie sich zu einem Verschiedenen macht, wird die Beziehung um +der zu Grunde liegenden Identitaet der Verschiedenen willen zur +gegenseitigen Voraussetzung. + +Zweitens, die Form als selbststaendig ist ohnehin der sich selbst +aufhebende Widerspruch; aber sie ist auch als solcher gesetzt, denn +sie ist zugleich selbststaendig und zugleich wesentlich auf ein +Anderes bezogen;--sie hebt sich somit auf. Da sie selbst zweiseitig +ist, so hat auch diess Aufheben die gedoppeite Seite, erstlich, sie +hebt ihre Selbststaendigkeit auf, sie macht sich zu einem Gesetzten, +zu einem, das an einem Andern ist, und diess ihr Anderes ist die +Materie. Zweitens sie hebt ihre Bestimmtheit gegen die Materie, ihre +Beziehung auf dieselbe somit ihr Gesetztseyn auf, und giebt sich +dadurch Bestehen. Indem sie ihr Gesetztseyn aufhebt, so ist diese +ihre Reflexion die eigene Identitaet, in welche sie uebergeht; indem +sie aber diese Identitaet zugleich entaeussert und als Materie sich +gegenuebersetzt, so ist jene Reflexion des Gesetztseyns in sich als +Vereinigung mit einer Materie, an der sie Bestehen erhaelt; sie geht +also in dieser Vereinigung ebenso sehr mit der Materie als einem +Andern,--nach der ersten Seite, dass sie sich zu einem Gesetzten macht, +--als auch darin mit ihrer eigenen Identitaet zusammen. + +Die Thaetigkeit der Form also, wodurch die Materie bestimmt wird, +besteht in einem negativen Verhalten der Form gegen sich selbst. +Aber umgekehrt verhaelt sie sich damit auch negativ gegen die Materie; +allein diess Bestimmtwerden der Materie ist ebenso sehr die eigene +Bewegung der Form selbst. Diese ist frei von der Materie, aber sie +hebt diese ihre Selbststaendigkeit auf; aber ihre Selbststaendigkeit +ist die Materie selbst, denn an dieser hat sie ihre wesentliche +Identitaet. Indem sie sich also zum Gesetzten macht, so ist diess ein +und dasselbe, dass sie die Materie zu einem Bestimmten macht.--Aber +von der andern Seite betrachtet, ist die eigene Identitaet der Form +zugleich sich entaeussert, und die Materie ihr Anderes; insofern wird +die Materie auch nicht bestimmt, dadurch, dass die Form ihre eigne +Selbststaendigkeit aufhebt. Allein die Materie ist nur selbststaendig +der Form gegenueber; indem das Negative sich aufhebt, hebt sich auch +das Positive auf. Indem die Form also sich aufhebt, so faellt auch +die Bestimmtheit der Materie weg, welche sie gegen die Form hat, +naemlich das unbestimmte Bestehen zu seyn. + +Diess, was als Thaetigkeit der Form erscheint, ist ferner ebenso sehr +die eigene Bewegung der Materie selbst. Die ansichseyende Bestimmung +oder das Sollen der Materie ist ihre absolute Negativitaet. Durch +diese bezieht sich die Materie schlechthin nicht nur auf die Form als +auf ein Anderes, sondern dieses Aeussere ist die Form, welche sie +selbst als verschlossen in sich enthaelt. Die Materie ist derselbe +Widerspruch an sich, welchen die Form enthaelt, und dieser Widerspruch +ist wie seine Aufloesung, nur Einer. Die Materie ist aber in sich +selbst widersprechend, weil sie als die unbestimmte Identitaet mit +sich zugleich die absolute Negativitaet ist; sie hebt sich daher an +ihr selbst auf, und ihre Identitaet zerfaellt in ihrer Negativitaet, und +diese erhaelt an jener ihr Bestehen. Indem also die Materie von der +Form als von einem Aeussern bestimmt wird, so erreicht damit sie ihre +Bestimmung, und die Aeusserlichkeit des Verhaltens sowohl fuer die Form +als fuer die Materie besteht darin, dass jede oder vielmehr ihre +urspruengliche Einheit in ihrem Setzen zugleich voraussetzend ist; +wodurch die Beziehung auf sich, zugleich Beziehung auf sich als +aufgehobenes oder Beziehung auf sein anderes ist. + +Drittens, durch diese Bewegung der Form und Matene ist ihre +urspruengliche Einheit einer Seits hergestellt, anderer Seits nunmehr +eine gesetzte. Die Materie bestimmt ebensowohl sich selbst, als diess +Bestimmen ein fuer sie aeusserliches Thun der Form ist; umgekehrt die +Form bestimmt ebenso sehr nur sich oder hat die Materie, die von ihr +bestimmt wird, an ihr selbst, als sie in ihrem Bestimmen sich gegen +ein Anderes verhaelt; und beides, das Thun der Form und die Bewegung +der Materie ist dasselbe, nur dass jenes ein Thun ist, d. h. die +Negativitaet als gesetzte, diess aber Bewegung oder Werden, die +Negativitaet als ansichseyende Bestimmung. Das Resultat ist daher die +Einheit des Ansichseyns und des Gesetztseyns. Die Materie ist als +solche bestimmt, oder hat nothwendig eine Form, und die Form ist +schlechthin materielle, bestehende Form. + +Die Form, insofern sie eine Materie als das ihr Andere voraussetzt, +ist endlich. Sie ist nicht Grund, sondern nur das Thaetige. Ebenso +ist die Materie, insofern sie die Form als ihr Nichtseyn voraussetzt, +die endliche Materie, sie ist ebenso wenig Grund ihrer Einheit mit +der Form, sondern nur die Grundlage fuer die Form. Aber sowohl diese +endliche Materie als die endliche Form hat keine Wahrheit; jede +bezieht sich auf die andere, oder nur ihre Einheit ist ihre Wahrheit. +In diese Einheit gehen diese beiden Bestimmungen zurueck, und heben +darin ihre Selbststaendigkeit auf; sie erweist sich damit als ihr +Grund. Die Materie ist daher nur insofern Grund ihrer Formbestimmung, +als sie nicht Materie als Materie, sondern die absolute Einheit des +Wesens und der Form ist; ebenso die Form ist nur Grund des Bestehens +ihrer Bestimmungen, insofern sie dieselbe eine Einheit ist. Aber +diese eine Einheit als die absolute Negativitaet und bestimmter als +ausschliessende Einheit ist in ihrer Reflexion voraussetzend; oder es +ist Ein Thun, im Setzen sich als Gesetztes in der Einheit zu erhalten +und sich von sich selbst abzustossen, sich auf sich als sich, und sich +auf sich als auf ein Anderes zu beziehen. Oder das Bestimmtwerden +der Materie durch die Form ist die Vermittelung des Wesens als Grund +mit sich in einer Einheit, durch sich selbst und durch die Negation +seiner selbst. + +Die formirte Materie oder die Bestehen habende Form, ist nun nicht +nur jene absolute Einheit des Grundes mit sich, sondern auch die +gesetzte Einheit. Die betrachtete Bewegung ist es, in welcher der +absolute Grund seine Momente zugleich als sich aufhebende und somit +als gesetzte dargestellt hat. Oder die wiederhergestellte Einheit +hat in ihrem Zusammengehen mit sich, sich ebenso sehr von sich selbst +abgestossen und sich bestimmt; denn ihre Einheit ist als durch +Negation zu Stande gekommen, auch negative Einheit. Sie ist daher +die Einheit der Form und der Materie, als ihre Grundlage, aber als +ihre bestimmte Grundlage, welche formirte Materie, aber gegen Form +und Materie zugleich als gegen aufgehobene und unwesendiche +gleichgueltig ist. Sie ist der Inhalt. + +c. Form und Inhalt. + +Die Form steht zuerst dem Wesen gegenueber; so ist sie Grundbeziehung +ueberhaupt, und ihre Bestimmungen, der Grund und das Begruendete. +Alsdenn steht sie der Materie gegenueber; so ist sie bestimmende +Reflexion und ihre Bestimmungen sind die Reflexionsbestimmung selbst +und das Bestehen derselben. Endlich steht sie dem Inhalte gegenueber, +so sind ihre Bestimmungen wieder sie selbst und die Materie. Was +vorher das mit sich Identische war, zuerst der Grund, dann das +Bestehen ueberhaupt, und zulezt die Materie tritt unter die Herrschaft +der Form und ist wieder eine ihrer Bestimmungen. + +Der Inhalt hat erstlich eine Form und eine Materie, die ihm angehoeren +und wesentlich sind; er ist ihre Einheit. Aber indem diese Einheit +zugleich bestimmte oder gesetzte Einheit ist, so steht er der Form +gegenueber; diese macht das Gesetztseyn aus, und ist gegen ihn das +Unwesentliche. Er ist daher gleichgueltig gegen sie; sie begreift +sowohl die Form als solche, als auch die Materie; und er hat also +eine Form und eine Materie, deren Grundlage er ausmacht, und die ihm +als blosses Gesetztseyn sind. + +Der Inhalt ist zweitens das in Form und Materie identische, so dass +diese nur gleichgueltige aeusserliche Bestimmungen waeren. Sie sind das +Gesetztseyn ueberhaupt, das aber in dem Inhalte in seine Einheit oder +seinen Grund zurueckgegangen ist. Die Identitaet des Inhalts mit sich +selbst ist daher das eine Mal jene gegen die Form gleichgueltige +Identitaet; das andere Mal aber ist sie die Identitaet des Grundes. +Der Grund ist in dem Inhalte zunaechst verschwunden; der Inhalt aber +ist zugleich die negative Reflexion der Formbestimmungen in sich; +seine Einheit, welche zunaechst nur die gegen die Form gleichgueltige +ist, ist daher auch die formelle Einheit oder die Grundbeziehung als +solche. Der Inhalt hat daher diese zu seiner wesentlichen Form und +der Grund umgekehrt hat einen Inhalt. + +Der Inhalt des Grundes ist also der in seine Einheit mit sich +zurueckgekehrte Grund; der Grund ist zunaechst das Wesen, das in seinem +Gesetztseyn mit sich identisch ist; als verschieden und gleichgueltig +gegen sein Gesetztseyn, ist es die unbestimmte, die Materie; aber als +Inhalt ist es zugleich die formirte Identitaet, und diese Form wird +darum Grundbeziehung, weil die Bestimmungen ihres Gegensatzes im +Inhalte auch als negirte gesetzt sind.--Der Inhalt ist ferner +bestimmt an ihm selbst; nicht nur wie die Materie als das +Gleichgueltige ueberhaupt, sondern als die formirte Materie, so dass die +Bestimmungen der Form ein materielles, gleichgueltiges Bestehen haben. +Einer Seits ist der Inhalt die wesentliche Identitaet des Grundes mit +sich in seinem Gesetztseyn, anderer Seits die gesetzte Identitaet +gegen die Grundbeziehung; diess Gesetztseyn, das als Formbestimmung an +dieser Identitaet ist, ist dem freien Gesetztseyn, das heisst, der Form +als ganzer Beziehung von Grund und Begruendetem, gegenueber; diese Form +ist das totale in sich zurueckkehrende Gesetztseyn; jene daher nur das +Gesetztseyn als unmittelbares, die Bestimmtheit als solche. + +Der Grund hat sich damit ueberhaupt zum bestimmten Grunde gemacht, und +die Bestimmtheit selbst ist die gedoppelte; erstens der Form und +zweitens des Inhalts. Jene ist seine Bestimmtheit dem Inhalte +ueberhaupt aeusserlich zu seyn, der gegen diese Beziehung gleichgueltig +ist. Diese ist die Bestimmtheit des Inhalts, den der Grund hat. + +B. Der bestimmte Grund. + +a. Der formelle Grund. + +Der Grund hat einen bestimmten Inhalt. Die Bestimmtheit des Inhalts +ist, wie sich ergeben, die Grundlage fuer die Form; das einfache +Unmittelbare gegen die Vermittelung der Form. Der Grund ist negativ +sich auf sich beziehende Identitaet, welche sich dadurch zum +Gesetztseyn macht; sie bezieht sich negativ auf sich, indem sie +identisch in dieser ihrer Negativitaet mit sich ist; diese Identitaet +ist die Grundlage oder der Inhalt der auf diese Weise die +gleichgueltige oder positive Einheit der Grundbeziehung ausmacht, und +das Vermittelnde derselben ist. + +In diesem Inhalte ist zunaechst die Bestimmtheit des Grundes und des +Begruendeten gegen einander verschwunden. Die Vermittelung ist aber +ferner negative Einheit. Das Negative als an jener gleichgueltigen +Grundlage ist die unmittelbare Bestimmtheit derselben, wodurch der +Grund einen bestimmten Inhalt hat. Alsdann aber ist das Negative die +negative Beziehung der Form auf sich selbst. Das Gesetzte einer +Seits liebt sich selbst auf und geht in seinen Grund zurueck; der +Grund aber, die wesentliche Selbststaendigkeit, bezieht sich negativ +auf sich selbst und macht sich zum Gesetzten. Diese negative +Vermittelung des Grundes und des Begruendeten ist die eigenthuemliche +Vermittelung der Form als solcher, die formelle Vermittelung. Die +beiden Seiten der Form nun, weil die eine in die andere uebergeht, +setzen sich damit gemeinschaftlich in Einer Identitaet als aufgehobene; +sie setzen dieselbe hierdurch zugleich voraus. Sie ist der +bestimmte Inhalt, auf den sich also die formelle Vermittelung als auf +das positive Vermittelnde durch sich selbst bezieht. Er ist das +Identische beider, und indem sie unterschieden, jedes aber in seinem +Unterschiede die Beziehung auf das andere ist, ist er das Bestehen +derselben, eines jeden als das Ganze selbst. + +Hiernach ergiebt sich, dass im bestimmten Grunde diess vorhanden ist; +erstens, ein bestimmter Inhalt wird nach zwei Seiten betrachtet, das +eine Mal insofern er als Grund, das andere Mal insofern er als +Begruendetes gesetzt ist. Er selbst ist gleichgueltig gegen diese Form; +er ist in beiden ueberhaupt nur Eine Bestimmung. Zweitens ist der +Grund selbst so sehr Moment der Form als das durch ihn gesetzte; diess +ist ihre Identitaet der Form nach. Es ist gleichgueltig, welche von +beiden Bestimmungen zum Ersten gemacht wird, von dem als dem +Gesetzten zum Andern als zum Grunde, oder von dem als dem Grunde zum +Andern als zum Gesetzten uebergegangen wird. Das Begruendete fuer sich +betrachtet, ist das Aufheben seiner selbst; damit macht es sich einer +Seits zum Gesetzten, und ist zugleich Setzen des Grundes. Dieselbe +Bewegung ist der Grund als solcher, er macht sich zum Gesetzten, +dadurch wird er Grund von etwas, das heisst, darin ist er sowohl als +Gesetztes, wie auch erst als Grund vorhanden. Dass ein Grund ist, +davon ist das Gesetzte der Grund, und umgekehrt ist hiermit der Grund +Gesetztes. Die Vermittelung faengt ebenso sehr von dem einen als von +dem andern an, jede Seite ist so sehr Grund als Gesetztes, und jede +die ganze Vermittelung oder die ganze Form.--Diese ganze Form ist +ferner selbst als das mit sich identische, die Grundlage der +Bestimmungen, welche die beiden Seiten des Grundes und des +Begruendeten sind, Form und Inhalt sind so selbst eine und dieselbe +Identitaet. + +Um dieser Identitaet des Grundes und Begruendeten willen, sowohl dem +Inhalte als der Form nach, ist der Grund zureichend (das Zureichende +auf diess Verhaeltniss eingeschraenkt); es ist nichts im Grunde, was +nicht im Begruendeten ist, so wie nichts im Begruendeten, was nicht im +Grunde ist. Wenn nach einem Grunde gefragt wird, will man dieselbe +Bestimmung, die der Inhalt ist, doppelt sehen, das eine Mal in der +Form des Gesetzten, das andere Mal in der des in sich reflektirten +Daseyns, der Wesentlichkeit. + +Insofern nun im bestimmten Grunde Grund und Begruendetes beide die +ganze Form, und ihr Inhalt zwar ein bestimmter, aber einer und +derselbe ist, so ist der Grund in seinen beiden Seiten noch nicht +real bestimmt, sie haben keinen verschiedenen Inhalt; die +Bestimmtheit ist erst einfache, noch nicht an die Seiten +uebergegangene Bestimmtheit; es ist der bestimmte Grund erst in seiner +reinen Form, der formelle Grund, vorhanden.--Weil der Inhalt nur +diese einfache Bestimmtheit ist, die nicht die Form der +Grundbeziehung an ihr selbst hat, so ist sie der mit sich identische +Inhalt, gegen die Form gleichgueltig und diese ihm aeusserlich; er ist +ein Anderes als sie. + +Anmerkung. + +Wenn die Reflexion ueber bestimmte Gruende sich an diejenige Form des +Grundes haelt, welche sich hier ergeben hat, so bleibt die Angabe +eines Grundes ein blosser Formalismus und leere Tautologie, welche +denselben Inhalt in der Form der Reflexion in sich, der +Wesentlichkeit, ausdrueckt, der schon in der Form des unmittelbaren, +als gesetzt betrachteten Daseyns vorhanden ist. Ein solches Angeben +von Gruenden ist deswegen von derselben Leerheit begleitet, als das +Reden nach dem Satze der Identitaet. Die Wissenschaften, vornemlich +die physikalischen, sind mit den Tautologien dieser Art angefuellt, +welche gleichsam ein Vorrecht der Wissenschaft ausmachen.--Es wird z. +B. als der Grund, dass die Planeten sich um die Sonne bewegen, die +anziehende Kraft der Erde und Sonne gegen einander angegeben. Es ist +damit dem Inhalt nach nichts Anders ausgesprochen, als was das +Phaenomen, naemlich die Beziehung dieser Koerper auf einander in ihrer +Bewegung, enthaelt, nur in der Form von in sich reflektirter +Bestimmung, von Kraft. Wenn danach gefragt wird, was die anziehende +Kraft fuer eine Kraft sey, so ist die Antwort, dass sie die Kraft ist, +welche macht, dass sich die Erde um die Sonne bewegt; das heisst, sie +hat durchaus denselben Inhalt, als das Daseyn, dessen Grund sie seyn +soll; die Beziehung der Erde und der Sonne in Rueksicht der Bewegung +ist die identische Grundlage des Grundes und des Begruendeten.--Wenn +eine Krystallisationsform dadurch erklaert wird, dass sie ihren Grund +in dem besondern Arrangement habe, in das die Molecules zu einander +treten, so ist die daseyende Krystallisation diess Arrangement selbst, +welches als Grund ausgedrueckt wird. Im gewoehnlichen Leben gelten +diese Aetiologieen, auf welche die Wissenschaften das Privilegium +haben, fuer das, was sie sind, fuer ein tautologisches, leeres Gerede. +Wenn auf die Frage, warum dieser Mensch in die Stadt reise, der Grund +angegeben wird, weil in der Stadt sich eine anziehende Kraft befinde, +die ihn dahin treibe, so gilt diese Art des Antwortens fuer +abgeschmackt, die in den Wissenschaften sanctionirt ist.--Leibnitz +warf der newtonischen anziehenden Kraft vor, dass sie eine solche +verborgene Qualitaet sey, als die Scholastiker zum Behuf des Erklaerens +gebrauchten. Man muesste ihr eher das Gegentheil zum Vorwurf machen, +dass sie eine zu bekannte Qualitaet sey; denn sie hat keinen andern +Inhalt, als die Erscheinung selbst.--Wodurch sich diese +Erklaerungsweise eben empfiehlt, ist ihre grosse Deutlichkeit und +Begreiflichkeit; denn es ist nichts deutlicher und begreiflicher, als +dass z. E. eine Pflanze ihren Grund in einer vegetativen, d. h. +Pflanzen hervorbringenden Kraft habe.--Eine occulte Qualitaet koennte +sie nur in dem Sinne genannt werden, als der Grund einen andern +Inhalt haben soll, als das zu Erklaerende; ein solcher ist nicht +angegeben; insofern ist jene zum Erklaeren gebrauchte Kraft allerdings +ein verborgener Grund, als ein Grund, wie er gefordert wird, nicht +angegeben ist. Es wird durch diesen Formalismus so wenig etwas +erklaert, als die Natur einer Pflanze erkannt wird, wenn ich sage, dass +sie eine Pflanze ist; bei aller Deutlichkeit dieses Satzes, oder dass +sie ihren Grund in einer Pflanzen hervorbringenden Kraft habe, kann +man diess deswegen eine sehr occulte Erklaerungsweise nennen. + +Zweitens, der Form nach, kommen in dieser Erklaerungsweise die beiden +entgegengesetzten Richtungen der Grundbeziehung vor, ohne in ihrem +bestimmten Verhaeltnisse erkannt zu seyn. Der Grund ist eines Theils +Grund, als die in sich reflektirte Inhaltsbestimmung des Daseyns, das +er begruendet, andern Theils ist er das Gesetzte. Er ist das, woraus +das Daseyn begriffen werden soll; umgekehrt aber wird von diesem auf +ihn geschlossen und er aus dem Daseyn begriffen. Das Hauptgeschaefte +dieser Reflexion besteht naemlich darin, aus dem Daseyn die Gruende zu +finden, das heisst, das unmittelbare Daseyn in die Form des +Reflektirtseyns umzusetzen; der Grund statt an und fuer sich und +selbststaendig zu seyn, ist somit vielmehr das Gesetzte und +Abgeleitete. Weil er nun durch diess Verfahren nach dem Phaenomen +eingerichtet ist, und seine Bestimmungen auf diesem beruhen, so +fliesst dieses freilich ganz glatt und mit guenstigem Winde aus seinem +Grunde aus. Aber die Erkenntniss ist hierdurch nicht vom Flecke +gekommen; sie treibt sich in einem Unterschiede der Form herum, den +diess Verfahren selbst umkehrt und aufhebt. Eine der +Hauptschwierigkeiten, sich in die Wissenschaften einzustudiren, worin +diess Verfahren herrschend ist, beruht deswegen auf dieser +Verkehrtheit der Stellung, das als Grund vorauszuschicken, was in der +That abgeleitet ist und indem zu den Folgen fortgegangen wird, in +ihnen in der That erst den Grund jener seyn sollenden Gruende +anzugeben. Es wird in der Darstellung mit den Gruenden angefangen, +sie werden als Principien und erste Begriffe in die Luft hingestellt; +sie sind einfache Bestimmungen, ohne alle Nothwendigkeit an und fuer +sich selbst; das Folgende soll auf sie gegruendet werden. Wer daher +in dergleichen Wissenschaften eindringen will, muss damit anfangen, +sich jene Gruende zu inkulkiren; ein Geschaeft, das der Vernunft sauer +ankommt, weil sie Grundloses als Grundlage gelten lassen soll. Am +besten kommt derjenige fort, der sich ohne vieles Nachdenken die +Principien als gegebene gefallen laesst, und sie von nun an als +Grundregeln seines Verstandes gebraucht. Ohne diese Methode kann man +den Anfang nicht gewinnen; ebenso wenig laesst sich ohne sie ein +Fortgang machen. Dieser aber hindert sich nun dadurch, dass in ihnen +der Gegenstoss der Methode zum Vorschein kommt, die im Folgenden das +Abgeleitete aufzeigen will, das aber in der That erst die Gruende zu +jenen Voraussetzungen enthaelt. Ferner weil das Folgende sich als das +Daseyn zeigt, aus welchem der Grund abgeleitet wurde, so giebt diess +Verhaeltniss, in dem das Phaenomen aufgefuehrt wird, ein Misstrauen gegen +die Darstellung desselben; denn es zeigt sich nicht in seiner +Unmittelbarkeit ausgedrueckt, sondern als Beleg des Grundes. Weil +aber dieser hinwieder aus jenem hergeleitet ist, verlangt man es +vielmehr in seiner Unmittelbarkeit zu sehen, um den Grund aus ihm +beurtheilen zu koennen. Man weiss daher in solcher Darstellung, worin +das eigentlich Begruendende als Abgeleitetes vorkommt, nicht, weder +wie man mit dem Grunde, noch wie man mit dem Phaenomen daran ist. Die +Ungewissheit wird dadurch vermehrt, besonders wenn der Vortrag nicht +streng konsequent, sondern mehr ehrlich ist, dass sich allenthalben +Spuren und Umstaende des Phaenomens verrathen, die auf Mehreres und oft +ganz Anderes hindeuten, als bloss in den Principien enthalten ist. +Die Verwirrung wird endlich noch groesser, indem reflektirte, und bloss +hypothetische Bestimmungen mit unmittelbaren Bestimmungen des +Phaenomens selbst vermischt werden, wenn jene auf eine Art +ausgesprochen sind, als ob sie der unmittelbaren Erfahrung angehoerten. +So kann wohl mancher, der mit ehrlichem Glauben zu diesen +Wissenschaften hinzutritt, der Meinung seyn, die Molecules, die +leeren Zwischenraeume, die Fliehkraft, der Aether, der vereinzelnte +Lichtstrahl, die elektrische, magnetische Materie und noch eine Menge +dergleichen seyen Dinge oder Verhaeltnisse, die, nach der Art, wie von +ihnen als unmittelbaren Daseynsbestimmungen gesprochen wird, in der +That in der Wahrnehmung vorhanden seyen. Sie dienen als erste Gruende +fuer Anderes, wer den als Wirklichkeiten ausgesprochen, und +zuversichtlich angewendet; man laesst sie auf guten Glauben hin dafuer +gelten, ehe man inne wird, dass sie vielmehr aus dem, was sie +begruenden sollen, geschlossene Bestimmungen, von einer unkritischen +Reflexion abgeleitete Hypothesen und Erdichtungen sind. In der That +befindet man sich in einer Art von Hexenkreise, worin Bestimmungen +des Daseyns und Bestimmungen der Reflexion, Grund und Begruendetes, +Phaenomene und Phantome in unausgeschiedener Gesellschaft durch +einander laufen und gleichen Rang mit einander geniessen. + +Bei dem formellen Geschaefte dieser Erklaerungsweise aus Gruenden, hoert +man zugleich auch wieder, alles Erklaerens aus den wohlbekannten +Kraeften und Materien ungeachtet, sagen, dass wir das innre Wesen +dieser Kraefte und Materien selbst nicht kennen. Es ist hierin nur +das Gestaendniss zu sehen, dass dieses Begruenden sich selbst voellig +ungenuegend ist; dass es selbst etwas ganz Anderes fordere, als solche +Gruende. Es ist dann nur nicht abzusehen, wozu sich denn diese +Bemuehung mit diesem Erklaeren gemacht, warum nicht das Andere gesucht, +oder jenes Erklaeren wenigstens bei Seite gethan, und bei den +einfachen Thatsachen stehen geblieben wird. + +b. Der reale Grund. + +Die Bestimmtheit des Grundes, ist, wie sich gezeigt hat, eines Theils +Bestimmtheit der Grundlage oder Inhaltsbestimmung; andern Theils das +Andersseyn in der Grundbeziehung selbst, naemlich die +Unterschiedenheit ihres Inhalts und der Form; die Beziehung von Grund +und Begruendetem verlaeuft sich als eine aeusserliche Form an dem Inhalt, +der gegen diese Bestimmungen gleichgueltig ist.--In der That aber sind +beide einander nicht aeusserlich; denn der Inhalt ist diess, die +Identitaet des Grundes mit sich selbst im Begruendeten, und des +Begruendeten im Grunde zu seyn. Die Seite des Grundes hat sich +gezeigt, selbst ein Gesetztes, und die Seite des Begruendeten, selbst +Grund zu seyn; jede ist an ihr selbst diese Identitaet des Ganzen. +Weil sie aber zugleich der Form angehoeren und ihre bestimmte +Unterschiedenheit ausmachen, so ist jede in ihrer Bestimmtheit die +Identitaet des Ganzen mit sich. Jede hat somit einen gegen die andere +verschiedenen Inhalt.--Oder von Seite des Inhalts betrachtet, weil er +die Identitaet als der Grundbeziehung mit sich ist, hat er wesentlich +diesen Formunterschied an ihm selbst, und ist als Grund ein anderer, +denn als Begruendetes. + +Darin nun, dass Grund und Begruendetes einen verschiedenen Inhalt haben, +hat die Grundbeziehung aufgehoert, eine formale zu seyn; der Rueckgang +in den Grund, und das Hervorgehen aus ihm zum Gesetzten ist nicht +mehr die Tautologie; der Grund ist realisirt. Man verlangt daher, +wenn man nach einem Grund fragt, eigentlich fuer den Grund eine andere +Inhaltsbestimmung als diejenige ist, nach deren Grund man fragt. + +Diese Beziehung bestimmt sich nun weiter. Insofern naemlich ihre +beide Seiten verschiedener Inhalt sind, sind sie gleichgueltig gegen +einander; jede ist eine unmittelbare mit sich identische Bestimmung. +Ferner als Grund und Begruendetes auf einander bezogen, ist der Grund +das in dem Andern als in seinem Gesetztseyn in sich reflektirte; der +Inhalt also, welchen die Seite des Grundes hat, ist ebenso im +Begruendeten; dieses als das Gesetzte hat nur in jenem seine Identitaet +mit sich und sein Bestehen. Ausser diesem Inhalte des Grundes hat +aber das Begruendete nunmehr auch seinen eigenthuemlichen, und ist +somit die Einheit von einem zweifachen Inhalt. Diese nun ist zwar +als Einheit unterschiedener deren negative Einheit, aber weil es +gegen einander gleichgueltige Inhaltsbestimmungen sind, ist sie nur +ihre leere, an ihr selbst inhaltslose Beziehung, nicht ihre +Vermittelung; ein Eins oder Etwas als aeusserliche Verknuepfung +derselben. + +Es ist also in der realen Grundbeziehung das doppelte vorhanden, +einmal die Inhaltsbestimmung, welche Grund ist, in dem Gesetztseyn +mit sich selbst kontinuirt, so dass sie das einfach Identische des +Grundes und Begruendeten ausmacht; das Begruendete enthaelt so den Grund +vollkommen in sich, ihre Beziehung ist unterschiedslose wesentliche +Gediegenheit. Was im Begruendeten zu diesem einfachen Wesen noch +hinzukommt, ist daher nur eine unwesentliche Form, aeusserliche +Inhaltsbestimmungen, die als solche vom Grunde frei, und eine +unmittelbare Mannigfaltigkeit sind. Von diesem Unwesentlichen ist +also jenes Wesentliche nicht der Grund, noch ist es Grund von der +Beziehung beider aufeinander in dem Begruendeten. Es ist ein positiv +Identisches, das dem Begruendeten inwohnt, aber sich darin in keinen +Formunterschied setzt, sondern als sich auf sich selbst beziehender +Inhalt gleichgueltige positive Grundlage ist.--Fuers andere ist das mit +dieser Grundlage im Etwas Verknuepfte ein gleichgueltiger Inhalt, aber +als die unwesentliche Seite. Die Hauptsache ist die Beziehung der +Grundlage und der unwesentlichen Mannigfaltigkeit. Diese Beziehung +aber, weil die bezogenen Bestimmungen gleichgueltiger Inhalt sind, ist +auch nicht Grund; eine ist zwar als wesentlicher, das Andere nur als +unwesentlicher oder gesetzter Inhalt bestimmt, aber als sich auf sich +beziehender Inhalt ist beiden diese Form aeusserlich. Das Eins des +Etwas, das ihre Beziehung ausmacht, ist deswegen nicht Formbeziehung, +sondern nur ein aeusserliches Band, das den unwesentlichen +mannigfaltigen Inhalt nicht als gesetzten enthaelt; es ist also +gleichfalls nur Grundlage. + +Der Grund, wie er als realer sich bestimmt, zerfaellt hiermit um der +Inhaltsverschiedenheit willen, die seine Realitaet ausmacht, in +aeusserliche Bestimmungen. Die beiden Beziehungen, der wesentliche +Inhalt, als die einfache unmittelbare Identitaet des Grundes und des +Begruendeten; und dann das Etwas, als die Beziehung des +unterschiedenen Inhalts, sind zwei verschiedene Grundlagen; die mit +sich identische Form des Grundes, dass Dasselbe das eine Mal als +Wesentliches, das andere Mal als Gesetztes sey, ist verschwunden; die +Grundbeziehung ist so sich selbst aeusserlich geworden. + +Es ist daher nun ein aeusserlicher Grund, welcher verschiedenen Inhalt +in Verknuepfung bringt und es bestimmt, welcher der Grund und welcher +das durch ihn Gesetzte sey; in dem beiderseitigen Inhalte selbst +liegt diese Bestimmung nicht. Der reale Grund ist daher Beziehung +auf Anderes, einer Seits des Inhalts auf andern Inhalt, anderer Seits +der Grundbeziehung selbst (der Form) auf Anderes, naemlich auf ein +Unmittelbares, nicht durch sie Gesetztes. + +Anmerkung. + +Die formelle Grundbeziehung enthaelt nur Einen Inhalt fuer Grund und +Begruendetes, in dieser Identitaet liegt ihre Nothwendigkeit, aber +zugleich ihre Tautologie. Der reale Grund enthaelt einen +verschiedenen Inhalt, damit tritt aber die Zufaelligkeit und +Aeusserlichkeit der Grundbeziehung ein. Einer Seits ist dasjenige, was +als das Wesentliche und deswegen als die Grundbestimmung betrachtet +wird, nicht Grund der anderen Bestimmungen, die mit ihr verknuepft +sind. Anderer Seits ist es auch unbestimmt, welche von mehrern +Inhaltsbestimmungen eines konkreten Dinges als die wesentliche und +als Grund angenommen werden soll; die Wahl ist daher zwischen ihnen +frei. So ist in ersterer Ruecksicht z.B. der Grund eines Hauses die +Unterlage desselben; wodurch diese Grund ist, ist die der sinnlichen +Materie inwohnende Schwere, das sowohl in dem Grunde als dem +begruendeten Hause schlechthin Identische. Dass an der schweren +Materie nun ein solcher Unterschied ist, wie der einer Unterlage und +einer davon unterschiedenen Modifikation, wodurch sie eine Wohnung +ausmacht, ist dem Schweren selbst vollkommen gleichgueltig, seine +Beziehung auf die anderen Inhaltsbestimmungen des Zwecks, der +Einrichtung des Hauses u.s.f. ist ihm aeusserlich; es ist daher wohl +Grundlage, aber nicht Grund derselben. Die Schwere ist so sehr als +Grund, dass ein Haus steht, auch Grund, dass ein Stein faellt; der Stein +hat diesen Grund, die Schwere, in sich; aber dass er eine weitere +Inhaltsbestimmung hat, wodurch er nicht bloss ein Schweres, sondern +Stein ist, ist der Schwere aeusserlich; es ist ferner durch ein Anderes +gesetzt, dass er von dem Koerper vorher entfernt worden sey, auf +welchen er faellt, wie auch die Zeit und der Raum und deren Beziehung, +die Bewegung, ein anderer Inhalt als die Schwere sind, und ohne sie +(wie man zu sprechen pflegt) vorgestellt werden koennen, folglich +nicht wesentlich durch sie gesetzt sind.--Sie ist auch so sehr Grund, +dass ein Projektil die dem Fallen entgegengesetzte Wurfbewegung nacht. +--Aus der Verschiedenheit der Bestimmungen, deren Grund sie ist, +erhellt, dass ein Anderes zugleich erfordert wird, welches sie zum +Grunde dieser oder einer andern Bestimmung macht.-Wenn von der Natur +gesagt wird, dass sie der Grund der Welt ist, so ist das, was Natur +genannt wird, einer Seits eins mit der Welt, und die Welt nichts als +die Natur selbst. Aber sie sind auch unterschieden, so dass die Natur +mehr das Unbestimmte, oder wenigstens nur das in den allgemeinen +Unterschieden, welche Gesetze sind, bestimmte, mit sich identische +Wesen der Welt ist, und zur Natur, um Welt zu seyn, noch eine +Mannigfaltigkeit von Bestimmungen aeusserlich hinzukommt. Diese aber +haben ihren Grund nicht in der Natur als solcher, sie ist vielmehr +das gegen sie als Zufaelligkeiten Gleichgueltige.--Es ist dasselbe +Verhaeltniss, wenn Gott als Grund der Natur bestimmt wird. Als Grund +ist er ihr Wesen, sie enthaelt es in ihr und ist ein identisches mit +ihm; aber sie hat noch eine weitere Mannigfaltigkeit, die von dem +Grunde selbst unterschieden ist; sie ist das Dritte, worin dieses +beide Verschiedene verknuepft ist; jener Grund ist weder Grund der von +ihm verschiedenen Mannigfaltigkeit noch seiner Verknuepfung mit ihr. +Die Natur wird daher nicht aus Gott als dem Grunde erkannt, denn so +waere er nur ihr allgemeines Wesen, der sie nicht, wie sie bestimmtes +Wesen und Natur ist, enthaelt. + +Das Angeben von realen Gruenden wird also um dieser +Inhaltsverschiedenheit des Grundes oder eigentlich der Grundlage und +dessen, was mit ihm im Begruendeten verbunden ist, ebenso sehr ein +Formalismus, als der formale Grund selbst. In diesem ist der mit +sich identische Inhalt gleichgueltig gegen die Form; im realen Grunde +findet diess gleichfalls Statt. Dadurch ist nun ferner der Fall, dass +er es nicht an ihm selbst enthaelt, welche der mannigfaltigen +Bestimmungen als die wesentliche genommen werden soll. Etwas ist ein +Konkretes von solchen mannigfaltigen Bestimmungen, die sich gleich +bestaendig und bleibend an ihm zeigen. Die eine kann daher so sehr +wie die andere als Grund bestimmt werden; naemlich als die wesentliche, +in Vergleichung mit welcher alsdann die andere nur ein Gesetztes sey. +Es verbindet sich damit das vorhin Erwaehnte, dass, wenn eine +Bestimmung vorhanden ist, die in einem Falle als Grund einer andern +angesehen wird, daraus nicht folgt, dass diese andere in einem andern +Falle oder ueberhaupt, mit ihr gesetzt sey.--Die Strafe z.B. hat die +mannigfaltigen Bestimmungen, dass sie Wiedervergeltung, ferner +abschreckendes Beispiel, dass sie ein vom Gesetz zur Abschreckung +Angedrohtes, auch ein den Verbrecher zur Besinnung und Besserung +Bringendes ist. Jede dieser verschiedenen Bestimmungen ist als Grund +der Strafe betrachtet worden, weil jede eine wesentliche Bestimmung +ist, und dadurch die anderen als von ihr unterschieden, gegen sie nur +als Zufaelliges bestimmt werden. Diejenige aber, die als Grund +angenommen wird, ist noch nicht die ganze Strafe selbst; dieses +Konkrete enthaelt auch jene anderen, die mit ihr darin nur verknuepft +sind, ohne dass sie in ihr ihren Grund haetten.--Oder ein Beamter hat +Amts-Geschicklichkeit, steht als Individuum in Verwandschaft, hat +diese und jene Bekanntschaft, einen besondern Charakter, war in +diesen und jenen Umstaenden und Gelegenheiten, sich zu zeigen, u.s.f. +Es kann jede dieser Eigenschaften Grund seyn, oder als solcher +angesehen werden, dass er diess Amt hat; sie sind ein verschiedener +Inhalt, der in einem Dritten verbunden ist; die Form, als das +Wesentliche und als das Gesetzte gegeneinander bestimmt zu seyn, ist +demselben aeusserlich. Jede dieser Eigenschaften ist dem Beamten +wesentlich, weil er durch sie das bestimmte Individuum ist, welches +er ist; insofern das Amt als eine aeusserliche gesetzte Bestimmung +betrachtet werden kann, kann jede gegen dieses als Grund bestimmt, +aber auch selbst umgekehrt koennen jene als gesetzte, und das Amt als +Grund derselben angesehen werden. Wie sie sich wirklich, d. h. im +einzelnen Fall, verhalten, diess ist eine der Grundbeziehung und dem +Inhalte selbst, aeusserliche Bestimmung; es ist ein Drittes, was ihnen +die Form von Grund und Begruendetem ertheilt. + +So kann ueberhaupt jedes Daseyn mancherlei Gruende haben, jede seiner +Inhaltsbestimmungen durchdringt als mit sich identisch das konkrete +Ganze, und laesst sich daher als wesentlich betrachten; den mancherlei +Rueksichten d. h. Bestimmungen, die ausser der Sache selbst liegen, +ist um der Zufaelligkeit der Verknuepfungsweise Thuer und Thor unendlich +aufgethan.--Ob ein Grund diese oder jene Folge habe, ist deswegen +ebenso zufaellig. Die moralischen Beweggruende z.B. sind wesentliche +Bestimmungen der sittlichen Natur, aber das, was aus ihnen folgt, ist +zugleich eine von ihnen verschiedene Aeusserlichkeit, die aus ihnen +folgt, und auch nicht folgt; erst durch ein Drittes kommt sie zu +ihnen hinzu. Genauer ist diess so zu nehmen, dass es der moralischen +Bestimmung, wenn sie Grund ist, nicht zufaellig sey, eine Folge oder +ein Begruendetes zu haben, aber ob sie ueberhaupt zum Grund gemacht +werde oder nicht. Allein da auch wieder der Inhalt, der ihre Folge +ist, wenn sie zum Grund gemacht worden, die Natur der Aeusserlichkeit +hat, kann er unmittelbar durch eine andere Aeusserlichkeit aufgehoben +werden. Aus einem moralischen Beweggrunde kann also eine Handlung +hervorgehen oder auch nicht. Umgekehrt kann eine Handlung mancherlei +Gruende haben; sie enthaelt als ein Konkretes mannigfaltige wesentliche +Bestimmungen, deren jede deswegen als Grund angegeben werden kann. +Das Aufsuchen und Angeben von Gruenden, worin vornemlich das +Raisonnement besteht, ist darum ein endloses Herumtreiben, das keine +letzte Bestimmung enthaelt; es kann von allem und jeden einer und +mehrere gute Gruende angegeben werden, so wie von seinem +Entgegengesetzten, und es koennen eine Menge Gruende vorhanden seyn, +ohne dass aus ihnen etwas erfolgt. Was Sokrates und Plato Sophisterei +nennen, ist nichts anderes als das Raisonnement aus Gruenden; Plato +setzt demselben die Betrachtung der Idee, d. h. der Sache an und fuer +sich selbst, oder in ihrem Begriffe entgegen. Die Gruende sind nur +von wesentlichen Inhaltsbestimmungen, Verhaeltnissen und Rueksichten +genommen, deren jede Sache, gerade wie auch ihr Gegentheil, mehrere +hat; in ihrer Form der Wesentlichkeit gilt die eine so gut als die +andere; weil sie nicht den ganzen Umfang der Sache enthaelt, ist sie +einseitiger Grund, deren die anderen besondern Seiten wieder +besondere haben, und wovon keiner die Sache, welche ihre Verknuepfung +ausmacht und sie alle enthaelt, erschoepft; keiner ist zureichender +Grund, d. h. der Begriff + +c. Der vollstaendige Grund. + +1. Im realen Grunde sind der Grund als Inhalt, und als Beziehung, nur +Grundlagen. Jener ist nur gesetzt als wesentlich und als Grund; die +Beziehung ist das Etwas des Begruendeten, als das unbestimmte Substrat +eines verschiedenen Inhalts, eine Verknuepfung desselben, die nicht +seine eigne Reflexion, sondern eine aeusserliche und somit nur eine +gesetzte ist. Die reale Grundbeziehung ist daher vielmehr der Grund +als aufgehobener; sie macht somit vielmehr die Seite des Begruendeten +oder des Gesetztseyns aus. Als Gesetztseyn aber ist nun der Grund +selbst in seinen Grund zurueckgegangen; er ist nun ein Begruendetes, +das einen andern Grund hat. Dieser bestimmt sich hierdurch so, dass +er erstlich das mit dem realen Grunde als seinem Begruendeten +Identische ist; beide Seiten haben nach dieser Bestimmung einen und +denselben Inhalt; die zwei Inhaltsbestimmungen und deren Verknuepfung +im Etwas befinden sich gleichfalls im neuen Grunde. Aber zweitens +der neue Grund, in welchen sich jene nur gesetzte aeusserliche +Verknuepfung aufgehoben hat, ist als ihre Reflexion in sich die +absolute Beziehung der zwei Inhaltsbestimmungen. + +Dadurch dass der reale Grund selbst in seinen Grund zurueckgegangen ist, +stellt sich an ihm die Identitaet des Grundes und Begruendeten, oder +der formelle Grund wieder her. Die entstandene Grundbeziehung ist +darum die vollstaendige, die den formellen und realen Grund zugleich +in sich enthaelt und die im letztern gegen einander unmittelbaren +Inhaltsbestimmungen vermittelt. + +2. Die Grundbeziehung hat sich hiermit folgendermassen naeher bestimmt. +Erstens Etwas hat einen Grund; es enthaelt die Inhaltsbestimmung, +welche der Grund ist, und noch eine zweite als durch ihn gesetzte. +Aber als gleichgueltiger Inhalt, ist die eine nicht an ihr selbst +Grund, die andere nicht an ihr selbst das Begruendete von jener, +sondern diese Beziehung ist in der Unmittelbarkeit des Inhalts als +eine aufgehobene oder gesetzte, und hat als solche in einer andern +ihren Grund. Diese zweite Beziehung als nur der Form nach +unterschieden, hat denselben Inhalt als die erstere, naemlich die +beiden Inhaltsbestimmungen, ist aber die unmittelbare Verknuepfung +derselben. Indem jedoch das Verknuepfte ueberhaupt verschiedener +Inhalt, somit gegen einander gleichgueltige Bestimmung ist, ist sie +nicht ihre wahrhaft absolute Beziehung, dass die eine der Bestimmungen +das im Gesetztseyn mit sich Identische, die andere nur diess +Gesetztseyn desselben Identischen waere; sondern ein Etwas traegt sie +und macht ihre nicht reflektirte, sondern nur unmittelbare Beziehung +aus, welche daher nur relativer Grund gegen die Verknuepfung im andern +Etwas ist. Die beiden Etwas sind also die zwei unterschiedenen +Beziehungen von Inhalt, die sich ergeben haben. Sie stehen in der +identischen Grundbeziehung der Form; sie sind ein und derselbe ganze +Inhalt, naemlich die zwei Inhaltsbestimmungen und deren Beziehung; +unterschieden sind sie nur durch die Art dieser Beziehung, die in dem +einen unmittelbare, in dem andern gesetzte Beziehung ist; wodurch +sich das eine von dem Andern nur der Form nach als Grund und +Begruendetes unterscheidet.--Zweitens ist diese Grundbeziehung nicht +nur formell, sondern auch real. Der formelle Grund geht in den +realen ueber, wie sich gezeigt hat; die Momente der Form reflektiren +sich in sich selbst; sie sind ein selbststaendiger Inhalt, und die +Grundbeziehung enthaelt auch einen eigenthuemlichen Inhalt als Grund +und einen als Begruendetes. Der Inhalt macht zuerst die unmittelbare +Identitaet der beiden Seiten des formellen Grundes aus, so haben sie +einen und denselben Inhalt. Aber er hat auch die Form an ihm selbst +und ist so gedoppelter Inhalt, der sich als Grund und Begruendetes +verhaelt. Die eine der zwei Inhaltsbestimmungen der beiden Etwas ist +daher bestimmt, als ihnen nicht bloss gemeinschaftlich nach aeusserer +Vergleichung, sondern ihr identisches Substrat und die Grundlage +ihrer Beziehung zu seyn. Gegen die andere Inhaltsbestimmung ist sie +die wesentliche und Grund derselben als der gesetzten, naemlich in dem +Etwas, dessen Beziehung die begruendete ist. Im ersten Etwas, das die +Grundbeziehung ist, ist auch diese zweite InhaltsBestimmung +unmittelbar und an sich mit der ersten verknuepft. Das andere Etwas +aber enthaelt nur die eine an sich als das, worin es mit dem ersten +Etwas unmittelbar identisch ist, die andere aber als die in ihm +gesetzte. Die erstere Inhaltsbestimmung ist Grund derselben dadurch, +dass sie in dem ersten Etwas urspruenglich mit der andern +Inhaltsbestimmung verknuepft ist. + +Die Grundbeziehung der Inhaltsbestimmungen im zweiten Etwas ist so +durch die erste an sich seyende Beziehung des ersten Etwas vermittelt. +Der Schluss ist, weil in einem Etwas die Bestimmung B mit der +Bestimmung A an sich verknuepft ist, so ist im zweiten Etwas, dem nur +die eine Bestimmung A unmittelbar zukommt, auch B damit verknuepft. +Im zweiten Etwas ist nicht nur diese zweite Bestimmung mittelbar, +sondern auch dass seine unmittelbare Grund ist, ist vermittelt, +naemlich durch ihre urspruengliche Beziehung auf B im ersten Etwas. +Diese Beziehung ist somit Grund des Grundes A, und die ganze +Grundbeziehung ist zweiten Etwas als Gesetztes oder Begruendetes. + +3. Der reale Grund zeigt sich als die sich aeusserliche Reflexion des +Grundes; die vollstaendige Vermittelung desselben ist die +Wiederherstellung seiner Identitaet mit sich. Aber indem diese +dadurch zugleich die Aeusserlichkeit des realen Grundes erhalten hat, +so ist die Formelle Grundbeziehung in dieser Einheit ihrer selbst und +des realen Grundes, ebenso sehr sich setzender als sich aufhebender +Grund; die Grundbeziehung vermittelt sich durch ihre Negation mit +sich. Erstlich ist der Grund als die urspruengliche Beziehung, +Beziehung von unmittelbaren Inhaltsbestimmungen. Die Grundbeziehung +hat als wesentliche Form zu ihren Seiten solche, welche aufgehobene +oder Momente sind. Daher als Form unmittelbarer Bestimmungen ist sie +die mit sich identische Beziehung zugleich als Beziehung ihrer +Negation; somit ist sie Grund nicht an und fuer sich selbst, sondern +als Beziehung auf die aufgehobene Grundbeziehung.--Zweitens die +aufgehobene Beziehung oder das Unmittelbare, das in der +urspruenglichen und der gesetzten Beziehung die identische Grundlage +ist, ist realer Grund gleichfalls nicht an und fuer sich selbst, +sondern es ist durch jene urspruengliche Verknuepfung gesetzt, dass es +Grund sey.-Die Grundbeziehung in ihrer Totalitaet ist somit wesentlich +voraussetzende Reflexion; der formelle Grund setzt die unmittelbare +Inhaltsbestimmung voraus, und diese als realer Grund setzt die Form +voraus. Der Grund ist also die Form als unmittelbare Verknuepfung; +aber so dass sie sich von sich selbst abstoesst, und die Unmittelbarkeit +vielmehr voraussetzt, sich darin auf sich als auf ein Anderes bezieht. +Dieses Unmittelbare ist die Inhaltsbestimmung, der einfache Grund; +aber er ist als diess, naemlich als Grund, ebenso von sich abgestossen +und bezieht sich auf sich gleichfalls als auf ein Anderes.--So hat +sich die totale Grundbeziehung zur bedingenden Vermittlung bestimmt. + +C. Die Bedingung. + +a. Das relativ Unbedingte. + +1. Der Grund ist das Unmittelbare und das Begruendete das Vermittelte. +Aber er ist setzende Reflexion, als solche macht er sich zum +Gesetztseyn, und ist voraussetzende Reflexion, so bezieht er sich auf +sich als auf ein Aufgehobenes, auf ein Unmittelbares, wodurch er +selbst vermittelt ist. Diese Vermittelung, als Fortgehen vom +Unmittelbaren zum Grunde, ist nicht eine aeussere Reflexion, sondern, +wie sich ergeben, das eigne Thun des Grundes, oder was dasselbe ist, +die Grundbeziehung ist als Reflexion in die Identitaet mit sich ebenso +wesentlich sich entaeussernde Reflexion. Das Unmittelbare, auf das der +Grund sich als auf seine wesentliche Voraussetzung bezieht, ist die +Bedingung; der reale Grund ist daher wesentlich bedingt. Die +Bestimmtheit, die er enthaelt, ist das Andersseyn seiner selbst. + +Die Bedingung ist also erstens ein unmittelbares, mannigfaltiges +Daseyn. Zweitens ist dieses Daseyn bezogen auf ein Anderes, auf +etwas, das Grund ist, nicht dieses Daseyns, sondern in anderer +Rueksicht; denn das Daseyn selbst ist unmittelbar und ohne Grund. +Nach jener Beziehung ist es ein Gesetztes; das unmittelbare Daseyn +soll als Bedingung nicht fuer sich, sondern fuer Anderes seyn. Aber +zugleich ist diess, dass es so fuer Anderes ist, selbst nur ein +Gesetztseyn; dass es ein Gesetztes ist, ist in seiner Unmittelbarkeit +aufgehoben, und ein Daseyn ist dagegen, Bedingung zu seyn, +gleichgueltig. Drittens ist die Bedingung so ein Unmittelbares, dass +sie die Voraussetzung des Grundes ausmacht. Sie ist in dieser +Bestimmung die in die Identitaet mit sich zurueckgegangene +Formbeziehung des Grundes, hiermit der Inhalt desselben. Aber der +Inhalt als solcher ist nur die gleichgueltige Einheit des Grundes, als +in der Form; ohne Form kein Inhalt. Er befreit sich noch von +derselben, indem die Grundbeziehung im vollstaendigen Grunde zu einer +gegen ihre Identitaet aeusserlichen Beziehung wird; wodurch der Inhalt +die Unmittelbarkeit erhaelt. Insofern daher die Bedingung das ist, +worin die Grundbeziehung ihre Identitaet mit sich hat, macht sie +seinen Inhalt aus; aber weil er das gegen diese Form Gleichgueltige +ist, ist er nur an sich ihr Inhalt, ein solches, das erst Inhalt +werden soll, hiermit das Material fuer den Grund ausmacht. Als +Bedingung gesetzt, hat das Daseyn nach dem zweiten Momente die +Bestimmung, seine gleichgueltige Unmittelbarkeit zu verlieren und +Moment eines Andern zu werden. Durch seine Unmittelbarkeit ist es +gleichgueltig gegen diese Beziehung; insofern es aber in dieselbe +tritt, macht es das Ansichseyn des Grundes aus, und ist das +Unbedingte fuer denselben. Um Bedingung zu seyn, hat es am Grunde +seine Voraussetzung, und ist selbst bedingt; aber diese Bestimmung +ist ihm aeusserlich. + +2. Etwas ist nicht durch seine Bedingung; seine Bedingung ist nicht +sein Grund. Sie ist das Moment der unbedingten Unmittelbarkeit fuer +den Grund, aber ist nicht selbst die Bewegung und das Setzen, das +sich negativ auf sich bezieht, und sich zum Gesetztseyn macht. Der +Bedingung steht daher die Grundbeziehung gegenueber. Etwas hat ausser +seiner Bedingung auch einen Grund.--Dieser ist die leere Bewegung der +Reflexion, weil sie die Unmittelbarkeit als ihre Voraussetzung ausser +ihr hat. Sie ist aber die ganze Form und das selbststaendige +Vermitteln; denn die Bedingung ist nicht ihr Grund. Indem dieses +Vermitteln sich als Setzen auf sich bezieht, ist es nach dieser Seite +gleichfalls ein Unmittelbares und Unbedingtes; es setzt sich zwar +voraus, aber als entaeussertes oder aufgehobenes Setzen; das was es +hingegen seiner Bestimmung nach ist, ist es an und fuer sich selbst. +--Insofern so die Grundbeziehung selbststaendige Beziehung auf sich +ist und die Identitaet der Reflexion an ihr selbst hat, hat sie einen +eigenthuemlichen Inhalt, gegen den Inhalt der Bedingung. Jener ist +Inhalt des Grundes und darum wesentlich formirt; dieser hingegen ist +nur unmittelbares Material, dem die Beziehung auf den Grund zugleich +ebenso aeusserlich ist, als es auch das Ansichseyn desselben ausmacht; +es ist somit eine Vermischung von selbststaendigem Inhalt, der keine +Beziehung auf den Inhalt der Grundbestimmung hat, und von solchem, +der in sie eingeht, und als ihr Material, Moment derselben werden +soll. + +3. Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also einer +Seits gleichgueltige und unbedingte gegen einander; das eine als das +Unbezogene, dem die Beziehung, in welcher es Bedingung ist, aeusserlich +ist; das andere als die Beziehung oder Form, fuer welche das bestimmte +Daseyn der Bedingung nur als Material ist, als ein Passives, dessen +Form, die es fuer sich an ihm hat, eine unwesentliche ist. Ferner +sind auch beide vermittelte. Die Bedingung ist das Ansichseyn des +Grundes; sie ist so sehr wesentliches Moment der Grundbeziehung, dass +sie die einfache Identitaet desselben mit sich ist. Aber diess ist +auch aufgehoben; diess Ansichseyn ist nur ein gesetztes; das +unmittelbare Daseyn ist gleichgueltig dagegen Bedingung zu seyn. Dass +die Bedingung des Ansichseyns fuer den Grund ist, macht also ihre +Seite aus, nach welcher sie eine vermittelte ist. Ebenso die +Grundbeziehung hat in ihrer Selbststaendigkeit, auch eine +Voraussetzung, und ihr Ansichseyn ausser sich.--Somit ist jede der +beiden Seiten der Widerspruch der gleichgueltigen Unmittelbarkeit und +der wesentlichen Vermittelung, Beides in Einer Beziehung;--oder der +Widerspruch des selbststaendigen Bestehens und der Bestimmung, nur +Moment zu seyn. + +b. Das absolute Unbedingte. + +Die beiden relativ-Unbedingten scheinen zunaechst, jedes in das andere; +die Bedingung als Unmittelbares in die Formbeziehung des Grundes, +und diese in das unmittelbare Daseyn als sein Gesetztseyn; aber jedes +ist ausser diesem Scheine seines Andern an ihm selbststaendig und hat +seinen eigenthuemlichen Inhalt. + +Zuerst ist die Bedingung unmittelbares Daseyn; seine Form hat die +zwei Momente, das Gesetztseyn, nach welchem es als Bedingung Material +und Moment des Grundes ist;--und das Ansichseyn, nach welchem es die +Wesentlichkeit des Grundes oder seine einfache Reflexion in sich +ausmacht. Beide Seiten der Form sind dem unmittelbaren Daseyn +aeusserlich; denn es ist die aufgehobene Grundbeziehung.--Aber erstens +ist das Daseyn an ihm selbst nur diess, in seiner Unmittelbarkeit sich +aufzuheben und zu Grunde zu gehen. Das Seyn ist ueberhaupt nur das +Werden zum Wesen; es ist seine wesentliche Natur sich zum Gesetzten +und zur Identitaet zu machen, die durch die Negation ihrer das +Unmittelbare ist. Die Formbestimmungen also, des Gesetztseyns und +des mit sich identischen Ansichseyns, die Form, wodurch das +unmittelbare Daseyn Bedingung ist, sind ihm daher nicht aeusserlich, +sondern es ist diese Reflexion selbst. Zweitens, als Bedingung ist +das Seyn nun auch als das gesetzt, was es wesentlich ist; naemlich als +Moment, somit eines Andern, und zugleich als das Ansichseyn +gleichfalls eines Andern; es ist an sich aber nur durch die Negation +seiner, naemlich durch den Grund und durch dessen sich aufhebende und +damit voraussetzende Reflexion; das Ansichseyn des Seyns ist somit +nur ein Gesetztes. Diess Ansichseyn der Bedingung hat die zwei Seiten, +einer Seits ihre Wesentlichkeit als des Grundes, anderer Seits aber +die Unmittelbarkeit ihres Daseyns zu seyn. Oder vielmehr Beides ist +dasselbe. Das Daseyn ist ein Unmittelbares, aber die Unmittelbarkeit +ist wesentlich das Vermittelte, naemlich durch den sich selbst +aufhebenden Grund. Als diese durch das sich aufhebende Vermitteln +vermittelte Unmittelbarkeit ist es zugleich das Ansichseyn des +Grundes, und das Unbedingte desselben; aber diess Ansichseyn ist +zugleich selbst wieder ebenso sehr nur Moment oder Gesetztseyn, denn +es ist vermittelt.--Die Bedingung ist daher die ganze Form der +Grundbeziehung; sie ist das vorausgesetzte Ansichseyn derselben, aber +damit selbst ein Gesetztseyn, und ihre Unmittelbarkeit diess, sich zum +Gesetztseyn zu machen; sich somit von sich selbst so abzustossen, dass +sie sowohl zu Grunde geht, als sie Grund ist, der sich zum +Gesetztseyn macht und hiermit auch zum Begruendeten; und beides ist +ein und dasselbe. + +Ebenso ist an dem bedingten Grunde das Ansichseyn nicht nur als +Scheinen eines Andern an ihm. Er ist die selbststaendige, das heisst, +die sich auf sich beziehende Reflexion des Setzens; und hiermit das +mit sich Identische, oder ist in ihm selbst sein Ansichseyn, und sein +Inhalt. Aber zugleich ist er voraussetzende Reflexion; er bezieht +sich negativ auf sich selbst, und setzt sich sein Ansichseyn als ihm +Anderes entgegen, und die Bedingung sowohl nach ihrem Momente des +Ansichseyns als des unmittelbaren Daseyns ist das eigene Moment der +Grundbeziehung; das unmittelbare Daseyn ist wesentlich nur durch +seinen Grund, und ist das Moment seiner als Voraussetzens. Dieser +ist daher ebenso das Ganze selbst. + +Es ist somit ueberhaupt nur Ein Ganzes der Form vorhanden; aber ebenso +sehr nur Ein Ganzes des Inhalts. Denn der eigenthuemliche Inhalt der +Bedingung ist nur wesentlicher Inhalt, insofern er die Identitaet der +Reflexion mit sich in der Form, oder als diess unmittelbare Daseyn an +ihm selbst die Grundbeziehung ist. Dieses ist ferner nur Bedingung +durch die voraussetzende Reflexion des Grundes; es ist dessen +Identitaet mit sich selbst, oder sein Inhalt, dem er sich gegenueber +setzt. Das Daseyn ist daher nicht bloss formloses Material fuer die +Grundbeziehung, sondern weil es an ihm selbst diese Form hat, ist es +formirte Materie, und als zugleich das in der Identitaet mit ihr gegen +sie Gleichgueltige ist es Inhalt. Es ist endlich derselbe Inhalt, den +der Grund hat, denn es ist eben Inhalt als das in der Formbeziehung +mit sich Identische. + +Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also Eine +wesentliche Einheit; sowohl als Inhalt, wie als Form. Sie gehen +durch sich selbst in einander ueber, oder indem sie Reflexionen sind, +so setzen sie sich selbst als aufgehobene, beziehen sich auf diese +ihre Negation und setzen sich gegenseitig voraus. Aber diess ist +zugleich nur Eine Reflexion beider, ihr Voraussetzen daher auch nur +eines; die Gegenseitigkeit desselben geht vielmehr darein ueber, dass +sie ihre Eine Identitaet als ihr Bestehen und ihre Grundlage +voraussetzen. Diese, der eine Inhalt und Formeinheit beider, ist das +wahrhaft Unbedingte; die Sache an sich selbst.--Die Bedingung ist, +wie sich oben ergeben hat, nur das relativ-Unbedingte. Man pflegt +sie daher selbst als ein Bedingtes zu betrachten, und nach einer +neuen Bedingung zu fragen, womit der gewoehnliche Progress ins +Unendliche von Bedingung zu Bedingung eingeleitet ist. Warum wird +nun bei einer Bedingung nach einer neuen Bedingung gefragt, das heisst, +warum wird sie als Bedingtes angenommen? Weil sie irgend ein +endliches Daseyn ist. Aber diess ist eine weitere Bestimmung der +Bedingung, die nicht in ihrem Begriffe liegt. Allein die Bedingung +als solche ist darum ein Bedingtes, weil sie das gesetzte Ansichseyn +ist; sie ist daher im absolut Unbedingten aufgehoben. + +Dieses nun enthaelt die beiden Seiten, die Bedingung und den Grund, +als seine Momente in sich; es ist die Einheit, in welche sie +zurueckgegangen sind. Sie beide zusammen machen die Form oder das +Gesetztseyn desselben aus. Die unbedingte Sache ist Bedingung beider, +aber die absolute, das heisst, die Bedingung, welche selbst Grund ist. +--Als Grund ist sie nun die negative Identitaet, die sich in jene +beiden Momente abgestossen hat;--erstens in die Gestalt der +aufgehobenen Grundbeziehung, einer unmittelbaren, einheitslosen, sich +selbst aeusserlichen Mannigfaltigkeit, welche sich auf den Grund als +ein ihr Anderes bezieht, und zugleich das Ansichseyn desselben +ausmacht; zweitens, in die Gestalt einer innerlichen, einfachen Form, +welche Grund ist, aber sich auf das mit sich identische Unmittelbare +als auf ein Anderes bezieht, und dasselbe als Bedingung, d. h. diess +ihr Ansich als ihr eigenes Moment bestimmt.--Diese beiden Seiten +setzen die Totalitaet so voraus, dass sie das Setzende derselben ist. +Umgekehrt, weil sie die Totalitaet voraussetzen, so scheint diese auch +wieder durch jene bedingt zu seyn, und die Sache aus ihrer Bedingung +und aus ihrem Grunde zu entspringen. Aber indem diese beiden Seiten +sich als das Identische gezeigt haben, so ist das Verhaeltniss von +Bedingung und Grund verschwunden, sie sind zu einem Scheine +herabgesetzt; das absolut Unbedingte ist in seiner Bewegung des +Setzens und Voraussetzens, nur die Bewegung, in welcher dieser Schein +sich aufhebt. Es ist das Thun der Sache, sich zu bedingen, und ihren +Bedingungen sich als Grund gegenueber zu stellen; ihre Beziehung als +der Bedingungen und des Grundes ist aber ein Scheinen in sich und ihr +Verhalten zu ihnen ihr Zusammengehen mit sich selbst. + +c. Hervorgang der Sache in die Existenz. + +Das absolut Unbedingte ist der absolute mit seiner Bedingung +identische Grund; die unmittelbare Sache, als die wahrhaft Wesenhafte. +Als Grund bezieht sie sich negativ auf sich selbst, macht sich zum +Gesetztseyn, aber zum Gesetztseyn, das die in ihren Seiten +vollstaendige Reflexion, und die in ihnen mit sich identische +Formbeziehung ist, wie sich ihr Begriff ergeben hat. Diess +Gesetztseyn ist daher erstlich der aufgehobene Grund, die Sache als +das Reflexionslose Unmittelbare; die Seite der Bedingungen. Diese +ist die Totalitaet der Bestimmungen der Sache,--die Sache selbst, aber +in die Aeusserlichkeit des Seyns hinausgeworfen; der wiederhergestellte +Kreis des Seyns. In der Bedingung entlaesst das Wesen die Einheit +seiner Reflexion-in-sich als eine Unmittelbarkeit, die aber nunmehr +die Bestimmung hat, bedingende Voraussetzung zu seyn, und wesentlich +nur eine seiner Seiten auszumachen.--Die Bedingungen sind darum der +ganze Inhalt der Sache, weil sie das Unbedingte in der Form des +formlosen Seyns sind. Sie haben aber um dieser Form willen auch noch +eine andere Gestalt, als die Bestimmungen des Inhalts, wie er in der +Sache als solcher ist. Sie erscheinen als eine einheitslose +Mannigfaltigkeit, vermischt mit Ausserwesentlichem und andern +Umstaenden, die zu dem Kreise des Daseyns, insofern es die Bedingungen +dieser bestimmten Sache ausmacht, nicht gehoeren.--Fuer die absolute +uneingeschraenkte Sache ist die Sphaere des Seyns selbst die Bedingung. +Der Grund, der in sich zurueckgeht, setzt sie als die erste +Unmittelbarkeit, worauf er sich als auf sein Unbedingtes bezieht. +Diese Unmittelbarkeit als die aufgehobene Reflexion, ist die +Reflexion in dem Elemente des Seyns, das also sich als solches zu +einem Ganzen ausbildet; die Form wuchert als Bestimmtheit des Seyns +fort, und erscheint so als ein mannigfaltiger von der +Reflexions-Bestimmung verschiedener, und gegen sie gleichgueltiger +Inhalt. + +Das Unwesentliche, welches die Sphaere des Seyns an ihr hat, und was +sie, insofern sie Bedingung ist, abstreift, ist die Bestimmtheit der +Unmittelbarkeit, in welche die Formeinheit versenkt ist. Diese +Formeinheit, als die Beziehung des Seyns, ist an ihm zunaechst als das +Werden,--das Uebergehen einer Bestimmtheit des Seyns in eine andere. +Aber das Werden des Seyns ist ferner Werden zum Wesen und das +Zurueckgehen in den Grund. Das Daseyn also, welches die Bedingungen +ausmacht, wird in Wahrheit nicht von einem Andern als Bedingung +bestimmt und als Material gebraucht; sondern es macht sich durch sich +selbst zum Moment eines Andern.--Sein Werden ist ferner nicht ein +Anfangen von sich als dem wahrhaft Ersten und Unmittelbaren; sondern +seine Unmittelbarkeit ist nur das Vorausgesetzte; und die Bewegung +seines Werdens ist das Thun der Reflexion selbst. Die Wahrheit des +Daseyns ist daher Bedingung zu seyn; seine Unmittelbarkeit ist allein +durch die Reflexion der Grundbeziehung, welche sich selbst als +aufgehobene setzt. Das Werden ist somit, wie die Unmittelbarkeit nur +der Schein des Unbedingten, indem dieses sich selbst voraussetzt, und +darin seine Form hat; und die Unmittelbarkeit des Seyns ist daher +wesentlich nur Moment der Form. + +Die andere Seite dieses Scheinens des Unbedingten ist die +Grundbeziehung als solche, als Form bestimmt gegen die +Unmittelbarkeit der Bedingungen und des Inhalts. Aber sie ist die +Form der absoluten Sache, welche die Einheit ihrer Form mit sich +selbst oder ihren Inhalt an ihr selbst hat, und indem sie ihn zur +Bedingung bestimmt, in diesem Setzen selbst seine Verschiedenheit +aufhebt und ihn zum Momente macht; so wie sie umgekehrt sich als +wesenloser Form in dieser Identitaet mit sich die Unmittelbarkeit des +Bestehens gibt. Die Reflexion des Grundes hebt die Unmittelbarkeit +der Bedingungen auf, und bezieht sie zu Momenten in der Einheit der +Sache; aber die Bedingungen sind das von der unbedingten Sache selbst +Vorausgesetzte, sie hebt damit also ihr eigenes Setzen auf; oder ihr +Setzen macht sich somit unmittelbar selbst ebenso sehr zum Werden. +--Beides ist daher Eine Einheit; die Bewegung der Bedingungen an +ihnen selbst ist Werden, Zurueckgehen in den Grund und Setzen des +Grundes; aber der Grund als gesetzter, das heisst als aufgehobener, +ist das Unmittelbare. Der Grund bezieht sich negativ auf sich selbst, +macht sich zum Gesetztseyn und begruendet die Bedingungen; aber darin, +dass so das unmittelbare Daseyn als ein Gesetztes bestimmt ist, liebt +der Grund es auf und macht sich erst zum Grunde.--Diese Reflexion +also ist die Vermittelung der unbedingten Sache durch ihre Negation +mit sich. Oder vielmehr die Reflexion des Unbedingten ist zuerst +Voraussetzen, aber diess Aufheben ihrer selbst ist unmittelbar +bestimmendes Setzen; zweitens ist sie darin unmittelbar Aufheben des +Vorausgesetzten und Bestimmen aus sich; somit ist diess Bestimmen +wieder Aufheben des Setzens und ist das Werden an sich selbst. Darin +ist die Vermittelung als Rueckehr zu sich durch die Negation, +verschwunden; sie ist einfache in sich scheinende Reflexion, und +grundloses absolutes Werden. Die Bewegung der Sache, durch ihre +Bedingungen einer Seits und anderer Seits durch ihren Grund gesetzt +zu werden, ist nur das Verschwinden des Scheins der Vermittelung. +Das Gesetztwerden der Sache ist hiermit ein Hervortreten, das +einfache sich Herausstellen in die Existenz; reine Bewegung der Sache +zu sich selbst. + +Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden sind, so tritt sie in die +Existenz. Die Sache ist, eh sie existirt; und zwar ist sie erstens +als Wesen, oder als Unbedingtes; zweitens hat sie Daseyn, oder ist +bestimmt, und diess auf die betrachtete gedoppelte Weise, einer Seits +in ihren Bedingungen, anderer Seits in ihrem Grunde. In jenen hat +sie sich die Form des aeusserlichen, grundlosen Seyns gegeben, weil sie +als absolute Reflexion die negative Beziehung auf sich ist und sich +zu ihrer Voraussetzung macht. Diess voraus gesetzte Unbedingte ist +daher das grundlose Unmittelbare, dessen Seyn nichts ist, denn als +Grundloses da zu seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache +vorhanden sind, das heisst, wenn die Totalitaet der Sache als +grundloses Unmittelbares gesetzt ist, so erinnert sich diese +zerstreute Mannigfaltigkeit an ihr selbst.--Die ganze Sache muss in +ihren Bedingungen da seyn, oder es gehoeren alle Bedingungen zu ihrer +Existenz; denn Alle machen die Reflexion aus; oder das Daseyn, weil +es Bedingung ist, ist durch die Form bestimmt, seine Bestimmungen +sind daher Reflexions-Bestimmungen und mit einer wesentlich die +andern gesetzt.--Die Erinnerung der Bedingungen ist zunaechst das zu +Grunde gehen des unmittelbaren Daseyns, und das Werden des Grundes. +Aber damit ist der Grund ein gesetzter, d. h. er ist, so sehr er als +Grund ist, so sehr als Grund aufgehoben, und unmittelbares Seyn. +Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden sind, so heben sie +sich als unmittelbares Daseyn und Voraussetzung und ebenso sehr hebt +sich der Grund auf. Der Grund zeigt sich nur, als ein Schein, der +unmittelbar verschwindet; diess Hervortreten ist somit die +tautologische Bewegung der Sache zu sich, und ihre Vermittelung durch +die Bedingungen und durch den Grund ist das Verschwinden beider. Das +Hervortreten in die Existenz ist daher so unmittelbar, dass es nur +durch das Verschwinden der Vermittelung vermittelt ist. + +Die Sache geht aus dem Grunde hervor. Sie wird nicht durch ihn so +begruendet oder gesetzt, dass er noch unten bliebe, sondern das Setzen +ist die Herausbewegung des Grundes zu sich selbst, und das einfache +Verschwinden desselben. Er erhaelt durch die Vereinigung mit den +Bedingungen die aeusserliche Unmittelbarkeit und das Moment des Seyns. +Aber er erhaelt sie nicht als ein Aeusserliches noch durch eine +aeusserliche Beziehung; sondern als Grund macht er sich zum Gesetztseyn, +seine einfache Wesentlichkeit geht im Gesetztseyn mit sich zusammen, +und ist in diesem Aufheben seiner selbst das Verschwinden seines +Unterschiedes von seinem Gesetztseyn, somit einfache wesentliche +Unmittelbarkeit. Er bleibt also nicht als ein Verschiedenes vom +Begruendeten zurueck, sondern die Wahrheit des Begruendens ist, dass der +Grund darin mit sich selbst sich vereint und somit seine Reflexion in +Anderes, seine Reflexion in sich selbst ist. Die Sache ist hiermit +ebenso, wie sie das Unbedingte ist, auch das Grundlose, und tritt aus +dem Grunde nur insofern er zu Grunde gegangen und keiner ist, aus dem +Grundlosen, d. h. aus der eigenen wesentlichen Negativitaet oder +reinen Form hervor. + +Diese durch Grund und Bedingung vermittelte, und durch das Aufheben +der Vermittelung mit sich identische Unmittelbarkeit ist die Existenz. + + + + +Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung. + +Das Wesen muss erscheinen. + +Das Seyn ist die absolute Abstraktion; diese Negativitaet ist ihm +nicht ein Aeusserliches, sondern es ist Seyn und sonst nichts als Seyn, +nur als diese absolute Negativitaet. Um derselben willen ist Seyn nur +als sich aufhebendes Seyn, und ist Wesen. Das Wesen aber ist als die +einfache Gleichheit mit sich umgekehrt ebenfalls Seyn. Die Lehre vom +Seyn enthaelt den ersten Satz: Das Seyn ist Wesen. Der zweite Satz: +Das Wesen ist Seyn, macht den Inhalt des ersten Abschnittes der Lehre +vom Wesen aus. Dieses Seyn aber, zu dem das Wesen sich macht, ist +das wesentliche Seyn, die Existenz; ein Herausgegangenseyn aus der +Negativitaet und Innerlichkeit. + +So erscheint das Wesen. Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in +ihm selbst. Die Bestimmungen derselben sind in die Einheit +eingeschlossen schlechthin nur als gesetzte, aufgehobene; oder sie +ist das in seinem Gesetztseyn unmittelbar mit sich identische Wesen. +Indem dieses aber Grund ist, bestimmt es sich real, durch seine sich +selbst aufhebende oder in sich zurueckkehrende Reflexion; indem weiter +diese Bestimmung oder das Andersseyn der Grundbeziehung sich in der +Reflexion des Grundes aufhebt und Existenz wird, so haben die +Formbestimmungen hieran ein Element des selbststaendigen Bestehens. +Ihr Schein vervollstaendigt sich zur Erscheinung. + +Die zur Unmittelbarkeit fortgegangene Wesenheit ist zunaechst Existenz, +und Existirendes oder Ding; als ununterschiedne Einheit des Wesens +mit seiner Unmittelbarkeit. Das Ding enthaelt zwar die Reflexion, +aber ihre Negativitaet ist in seiner Unmittelbarkeit zunaechst +erloschen; allein weil sein Grund wesentlich die Reflexion ist, hebt +sich seine Unmittelbarkeit auf; es macht sich zu einem Gesetztseyn. + +So ist es zweitens Erscheinung. Die Erscheinung ist das, was das +Ding an sich ist, oder seine Wahrheit. Diese nur gesetzte, in das +Andersseyn reflektirte Existenz ist aber ebenso das Hinausgehen ueber +sich in ihre Unendlichkeit; der Welt der Erscheinung stellt sich die +in sich reflektirte, an sich seyende Welt gegenueber. Aber das +erscheinende und das wesentliche Seyn stehen schlechthin in Beziehung +auf einander. So ist die Existenz drittens wesendiches Verhaeltniss; +das Erscheinende zeigt das Wesentliche, und dieses ist in seiner +Erscheinung.--Das Verhaeltniss ist die noch unvollkommene Vereinigung +der Reflexion in das Andersseyn und der Reflexion in sich; die +vollkommene Durchdringung beider ist die Wirklichkeit. + + + +Erstes Kapitel. Die Existenz. + + +Wie der Satz des Grundes ausdrueckt: Alles was ist, hat einen Grund, +oder ist ein Gesetztes, ein Vermitteltes; so muesste auch ein Satz der +Existenz aufgestellt und so ausgedrueckt werden: Alles, was ist, +existirt. Die Wahrheit des Seyns ist, nicht ein erstes Unmittelbares, +sondern das in die Unmittelbarkeit hervorgegangene Wesen zu seyn. + +Wenn aber ferner auch gesagt wurde, was existirt, hat einen Grund und +ist bedingt, so muesste auch ebenso gesagt werden: es hat keinen Grund +und ist unbedingt. Denn die Existenz ist die aus dem Aufheben der +durch Grund und Bedingung beziehenden Vermittelung hervorgegangene +Unmittelbarkeit, die im Hervorgehen eben diess Hervorgehen selbst +aufhebt. + +Insofern die Beweise von der Existenz Gottes hier erwaehnt werden +koennen, ist zum voraus zu erinnern, dass es ausser dem unmittelbaren +Seyn erstens, und zweitens der Existenz, dem Seyn, das aus dem Wesen +hervorgeht, noch ein ferneres Seyn gibt, welches aus dem Begriffe +hervorgeht, die Objektivitaet.--Das Beweisen ist ueberhaupt die +vermittelte Erkenntniss. Die verschiedenen Arten des Seyns fordern +oder enthalten ihre eigene Art der Vermittelung; so wird auch die +Natur des Beweisens in Ansehung einer jeden verschieden. Der +ontologische Beweis will vom Begriffe ausgehen; er legt den Inbegriff +aller Realitaeten zu Grunde, und subsumirt alsdann auch die Existenz +unter die Realitaet. Er ist also die Vermittelung, welche Schluss ist, +und die hier noch nicht zu betrachten ist. Es ist bereits oben (I. +Th. I. Abth. S. 27.ff.) auf das, was Kant hiergegen erinnert, +Rueksicht genommen und bemerkt worden, dass Kant unter Existenz das +bestimmte Daseyn versteht, wodurch etwas in den Kontext der gesammten +Erfahrung, d. h. in die Bestimmung eines Andersseyns und in die +Beziehung auf Anderes tritt. So ist als Existirendes Etwas +vermittelt durch Anderes, und die Existenz ueberhaupt die Seite seiner +Vermittelung. Nun liegt in dem, was Kant den Begriff nennt, naemlich +in Etwas, insofern es als nur einfach auf sich bezogen genommen wird, +oder in der Vorstellung als solcher, nicht seine Vermittelung; in der +abstrakten Identitaet mit sich ist die Entgegensetzung weggelassen. +Der ontologische Beweis haette nun darzustellen, dass der absolute +Begriff, naemlich der Begriff Gottes, zum bestimmten Daseyn, zur +Vermittelung komme, oder wie das einfache Wesen sich mit der +Vermittelung vermittle. Diess geschieht durch die angegebene +Subsumtion der Existenz unter ihr Allgemeines, naemlich die Realitaet, +welche als das Mittlere zwischen Gott in seinem Begriffe einer Seits, +und zwischen der Existenz anderer Seits angenommen wird.--Von dieser +Vermittelung, insofern sie die Form des Schlusses hat, ist, wie +gesagt, hier nicht die Rede. Wie aber jene Vermittelung des Wesens +mit der Existenz in Wahrheit beschaffen ist, diess hat die bisherige +Darstellung enthalten. Die Natur des Beweisens selbst ist in der +Lehre von der Erkenntniss zu betrachten. Hier ist nur anzugeben, was +sich auf die Natur der Vermittelung ueberhaupt bezieht. + +Die Beweise vom Daseyn Gottes geben einen Grund fuer dieses Daseyn an. + +Er soll nicht ein objektiver Grund des Daseyns Gottes seyn; denn +dieses ist an und fuer sich selbst. So ist er bloss ein Grund fuer die +Erkenntniss. Damit giebt er sich zugleich fuer ein solches aus, das in +dem Gegenstande, der zunaechst als begruendet dadurch erscheint, +verschwindet. Der Grund nun, der von der Zufaelligkeit der Welt +hergenommen ist, enthaelt den Ruekgang derselben in das absolute Wesen; +denn das Zufaellige ist das an sich selbst Grundlose, und sich +Aufhebende. Das absolute Wesen geht somit in dieser Weise in der +That aus dem Grundlosen hervor; der Grund hebt sich selbst auf, somit +verschwindet auch der Schein des Verhaeltnisses, das Gott gegeben +wurde, ein in einem Andern Begruendetes zu seyn. Diese Vermittelung +ist hiermit die wahrhafte. Allein jene beweisende Reflexion kennt +diese Natur ihrer Vermittelung nicht; sie nimmt sich einer Seits fuer +ein bloss Subjektives, und entfernt hiermit ihre Vermittlung von Gott +selbst, andern Theils aber erkennt sie deswegen nicht die +vermittelnde Bewegung, dass und wie sie im Wesen selbst ist. Ihr +wahrhaftes Verhaeltniss besteht darin, dass sie Beides in Einem ist, die +Vermittelung als solche, aber zugleich allerdings eine Subjektive, +aeusserliche naemlich die sich aeusserliche Vermittelung, welche sich an +ihr selbst wieder aufhebt. In jener Darstellung aber erhaelt die +Existenz das schiefe Verhaeltniss, nur als Vermitteltes oder Gesetztes +zu erscheinen. + +So kann auf der andern Seite die Existenz auch nicht bloss als +Unmittelbares betrachtet werden. In der Bestimmung einer +Unmittelbarkeit genommen, ist das Auffassen der Existenz Gottes, fuer +etwas Unbeweisbares, und das Wissen von ihr als ein nur unmittelbares +Bewusstseyn, als ein Glauben ausgedrueckt worden. Das Wissen soll zu +diesem Resultate kommen, dass es Nichts weiss, das heisst, dass es seine +vermittelnde Bewegung und die in ihr vorkommenden Bestimmungen selbst +wieder aufgiebt. Diess hat sich auch im Vorhergehenden ergeben; +allein es ist hinzuzusetzen, dass die Reflexion, indem sie mit dem +Aufheben ihrer selbst endigt, darum nicht das Nichts zum Resultat hat, +so dass nun das positive Wissen vom Wesen als unmittelbare Beziehung +auf dasselbe, von jenem Resultate getrennt und ein eigenes +Hervorgehen, ein nur von sich anfangender Akt waere; sondern diess Ende +selbst, diess zu Grunde gehen der Vermittlung, ist zugleich der Grund, +aus dem das Unmittelbare hervorgeht. Die Sprache vereinigt, wie oben +bemerkt, die Bedeutung dieses Untergangs und des Grundes; man sagt, +das Wesen Gottes sey der Abgrund fuer die endliche Vernunft. Er ist +es in der That, insofern sie darin ihre Endlichkeit aufgibt und ihre +vermittelnde Bewegung versenkt; aber dieser Abgrund, der negative +Grund, ist zugleich der positive des Hervorgehens des Seyenden, des +an sich selbst unmittelbaren Wesens; die Vermittelung ist +wesentliches Moment. Die Vermittelung durch den Grund hebt sich auf, +laesst aber nicht den Grund unten, so dass das aus ihm Hervorgehende, +ein Gesetztes waere, das sein Wesen anderswo naemlich im Grunde haette, +sondern dieser Grund ist als Abgrund, die verschwundene Vermittelung; +und umgekehrt ist nur die verschwundene Vermittelung zugleich der +Grund, und nur durch diese Negation das sich selbst Gleiche und +Unmittelbare. + +So ist die Existenz hier nicht als ein Praedikat oder als Bestimmung +des Wesens zu nehmen, dass ein Satz davon hiesse: Das Wesen existirt, +oder hat Existenz;--sondern das Wesen ist in die Existenz +uebergegangen; die Existenz ist seine absolute Entaeusserung, jenseits +deren es nicht zurueckgeblieben ist. Der Satz also hiesse: Das Wesen +ist die Existenz; es ist nicht von seiner Existenz unterschieden. +--Das Wesen ist in die Existenz uebergegangen, insofern das Wesen als +Grund sich von sich als dem Begruendeten nicht mehr nnterscheidet, +oder jener Grund sich aufgehoben hat. Aber diese Negation ist ebenso +wesentlich seine Position, oder schlechthin positive Kontinuitaet mit +sich selbst; die Existenz ist die Reflexion des Grundes in sich; +seine in seiner Negation zu Stande gekommene Identitaet mit sich +selbst, also die Vermittelung, die sich mit sich identisch gesetzt +hat, und dadurch Unmittelbarkeit ist. + +Weil nun die Existenz wesentlich die mit sich identische Vermittelung +ist, so hat sie die Bestimmungen der Vermittelung an ihr, aber so dass +sie zugleich in sich reflektirte sind, und das wesentliche und +unmittelbare Bestehen haben. Als die durch Aufheben sich setzende +Unmittelbarkeit ist die Existenz negative Einheit und Insichseyn; sie +bestimmt sich daher unmittelbar als ein Existirendes und als Ding. + +A. Das Ding und seine Eigenschaften. + +Die Existenz als Existirendes ist gesetzt in der Form der negativen +Einheit, welche sie wesentlich ist. Aber diese negative Einheit ist +zunaechst nur unmittelbare Bestimmung, somit das Eins des Etwas +ueberhaupt. Das existirende Etwas ist aber unterschieden von dem +seyenden Etwas. Jenes ist wesentlich eine solche Unmittelbarkeit, +die durch die Reflexion der Vermittelung in sich selbst entstanden +ist. So ist das existirende Etwas ein Ding. + +Das Ding wird von seiner Existenz unterschieden, wie das Etwas von +seinem Seyn unterschieden werden kann. Das Ding und das Existirende +ist unmittelbar eins und dasselbe. Aber weil die Existenz nicht die +erste Unmittelbarkeit des Seyns ist, sondern das Moment der +Vermittelung an ihr selbst hat, so ist ihre Bestimmung zum Dinge und +die Unterscheidung beider nicht ein Uebergang, sondern eigentlich eine +Analyse; und die Existenz als solche enthaelt diese Unterscheidung +selbst in dem Momente ihrer Vermittelung; den Unterschied von +Ding-an-sich, und von aeusserlicher Existenz. + +a. Ding an sich und Existenz. + +1. Das Ding an sich ist das Existirende als das durch die aufgehobene +Vermittelung vorhandene, wesentliche Unmittelbare. Darin ist dem +Ding an sich die Vermittelung ebenso wesentlich; aber dieser +Unterschied in dieser ersten oder unmittelbaren Existenz, faellt in +gleichgueltige Bestimmungen auseinander. Die eine Seite, naemlich die +Vermittelung des Dinges ist seine nicht reflektirte Unmittelbarkeit; +also sein Seyn ueberhaupt, das, weil es zugleich als Vermittelung +bestimmt ist, ein sich selbst anderes, in sich mannigfaltiges und +aeusserliches Daseyn ist. Es ist aber nicht nur Daseyn, sondern in +Beziehung auf die aufgehobene Vermittelung und wesentliche +Unmittelbarkeit; es ist daher das Daseyn als Unwesentliches, als +Gesetztseyn.--(Wenn das Ding von seiner Existenz unterschieden wird, +so ist es das Moegliche, das Ding der Vorstellung, oder das +Gedankending, welches als solches nicht zugleich existiren soll. Die +Bestimmung der Moeglichkeit und der Gegensatz des Dings gegen seine +Existenz ist jedoch spaeter.)--Aber das Ding-an-sich und sein +vermitteltes Seyn sind beide in der Existenz enthalten, und beide +selbst Existenzen; das Ding-an-sich existirt, und ist die wesentliche, +das vermittelte Seyn aber die unwesentliche Existenz des Dinges. + +Das Ding an sich, als das einfache Reflektirt-seyn der Existenz in +sich, ist nicht der Grund des unwesentlichen Daseyns; es ist die +unbewegte, unbestimmte Einheit, weil es eben die Bestimmung hat, die +aufgehobene Vermittelung zu seyn, und daher nur die Grundlage +desselben. Darum faellt auch die Reflexion als das sich durch anderes +vermittelnde Daseyn ausser dem Dinge-an-sich. Dieses soll keine +bestimmte Mannigfaltigkeit an ihm selbst haben; und erhaelt sie +deswegen erst an die aeusserliche Reflexion gebracht; aber bleibt +gleichgueltig dagegen. (--Das Ding-an-sich hat Farbe erst an das Auge +gebracht, Geschmack an die Nase u.s.f.) Seine Verschiedenheit sind +Rueksichten, welche ein Andres nimmt, bestimmte Beziehungen, die sich +dieses auf das Ding-an-sich gibt, und die nicht eigene Bestimmungen +desselben sind. + +2. Diess Andere ist nun die Reflexion, welche bestimmt als aeusserlich +erstens sich selbst aeusserlich, und die bestimmte Mannigfaltigkeit ist. +Alsdann ist sie dem wesentlich Existirenden aeusserlich, und bezieht +sich darauf als auf seine absolute Voraussetzung. Diese beiden +Momente der aeusserlichen Reflexion aber, ihre eigene Mannigfaltigkeit +und ihre Beziehung auf das ihr andere Ding-an-sich, sind ein und +dasselbe. Denn diese Existenz ist nur aeusserlich, insofern sie sich +auf die wesentliche Identitaet als auf ein Anderes bezieht. Die +Mannigfaltigkeit hat daher nicht jenseits des Dinges-an-sich ein +eigenes selbststaendiges Bestehen, sondern ist erst als Schein gegen +dieses, in ihrer nothwendigen Beziehung darauf, als der sich an ihm +brechende Reflex. Die Verschiedenheit ist also vorhanden, als die +Beziehung eines Andern auf das Ding-an-sich; aber dieses Andere ist +nichts fuer sich Bestehendes, sondern ist erst als Beziehung auf das +Ding-an-sich; zugleich aber ist es nur als das Abstossen von diesem; +es ist so der haltlose Gegenstoss seiner in sich selbst. + +Dem Ding-an-sich nun, da es die wesentliche Identitaet der Existenz +ist, kommt daher diese wesenlose Reflexion nicht zu, sondern sie +faellt ihm aeusserlich in sich selbst zusammen. Sie geht zu Grunde, und +wird damit selbst zur wesentlichen Identitaet oder zum Ding-an-sich. +--Diess kann auch so betrachtet werden: Die wesenlose Existenz hat am +Ding-an-sich ihre Reflexion in sich; sie bezieht sich dar-auf +zunaechst als auf ihr Anderes; aber als das Andre gegen das, was an +sich ist, ist sie nur das Aufheben ihrer selbst, und das Werden zum +An- sich-seyn. Das Ding-an-sich ist somit identisch mit der +aeusserlichen Existenz. + +Diess stellt sich am Ding-an-sich so dar. Das Ding-an-sich ist die +sich auf sich beziehende, wesentliche Existenz; es ist nur insofern +die Identitaet mit sich, als es die Negativitaet der Reflexion in sich +selbst enthaelt; das was als ihm aeusserliche Existenz erschien, ist +daher Moment in ihm selbst. Es ist deswegen auch sich von sich +abstossendes Ding-an-sich, das sich also zu sich als zu einem Andern +verhaelt. Somit sind nun mehrere Dinge-an-sich vorhanden, die in der +Beziehung der aeusserlichen Reflexion auf einander stehen. Diese +unwesentliche Existenz ist ihr Verhaeltniss zu einander als zu anderen; +aber sie ist ihnen ferner selbst wesentlich--oder diese unwesentliche +Existenz, indem sie in sich zusammenfaellt, ist Ding-an-sich; aber ein +anderes, als jenes erste; denn jenes erste ist unmittelbare +Wesentlichkeit, dieses aber das aus der unwesentlichen Existenz +hervorgehende. Allein dieses andere Ding-an-sich ist nur ein Anderes +ueberhaupt; denn als mit sich identisches Ding hat es weiter keine +Bestimmtheit gegen das erste; es ist die Reflexion der unwesentlichen +Existenz in sich wie das erste. Die Bestimmtheit der verschiedenen +Dinge-an-sich gegen einander faellt daher in die aeusserliche Reflexion. + +3. Diese aeusserliche Reflexion ist nunmehr ein Verhalten der +Dinge-an-sich zu einander, ihre gegenseitige Vermittelung als anderer. +Die Dinge-an-sich sind so die Extreme eines Schlusses, dessen Mitte +ihre aeusserliche Existenz ausmacht, die Existenz, durch welche sie +andere fuer einander und unterschiedene sind. Dieser ihr Unterschied +faellt nur in ihre Beziehung; sie schicken gleichsam nur von ihrer +Oberflaeche Bestimmungen in die Beziehung, gegen welche sie als +absolut in sich reflektirte gleichgueltig bleiben.--Dieses Verhaeltniss +macht nun die Totalitaet der Existenz aus. Das Ding-an-sich steht in +Beziehung auf eine ihm aeusserliche Reflexion, worin es mannigfaltige +Bestimmungen hat; es ist diess das Abstossen seiner von sich selbst in +ein anderes Ding-an-sich; diess Abstossen ist der Gegenstoss seiner in +sich selbst, indem jedes nur ein Anderes ist als sich aus dem Andern +wiederscheinend; es hat sein Gesetztseyn nicht an ihm selbst, sondern +an dem Andern, ist bestimmt nur durch die Bestimmtheit des Andern; +diess Andere ist ebenso bestimmt nur durch die Bestimmtheit des ersten. +Aber die beiden Dinge-an-sich, da sie hiermit nicht die +Verschiedenheit an ihnen selbst haben, sondern jedes nur an dem +andern, sind keine unterschiedene; das Ding-an-sich verhaelt sich, +indem es sich auf das andere Extrem als ein anderes Ding-an-sich +verhalten soll, zu einem von ihm Ununterschiedenen, und die +aeusserliche Reflexion, welche die vermittelnde Beziehung zwischen +Extremen ausmachen sollte, ist ein Verhalten des Dings-an-sich nur zu +sich selbst, oder wesentlich seine Reflexion in sich; sie ist somit +an sich seyende Bestimmtheit, oder die Bestimmtheit des Dings-an-sich. +Dieses hat dieselbe also nicht in einer ihm aeusserlichen Beziehung +auf ein anderes Ding-an-sich, und des Anderen auf es; die +Bestimmtheit ist nicht nur eine Oberflaeche desselben, sondern ist die +wesentliche Vermittelung seiner mit sich als mit einem Andern.--Die +beiden Dinge-an-sich, welche die Extreme der Beziehung ausmachen +sollen, indem sie an sich keine Bestimmtheit gegen einander haben +sollen, fallen in der That in eins zusammen; es ist nur Ein +Ding-an-sich, das in der aeusserlichen Reflexion sich zu sich selbst +verhaelt, und es ist dessen eigene Beziehung auf sich als auf ein +Anderes, was dessen Bestimmtheit ausmacht. + +Diese Bestimmtheit des Dings-an-sich ist die Eigenschaft des Dings. + +b. Die Eigenschaft. + +Die Qualitaet ist die unmittelbare Bestimmtheit des Etwas; das +Negative selbst, wodurch das Seyn Etwas ist. So ist die Eigenschaft +des Dings die Negativitaet der Reflexion, wodurch die Existenz +ueberhaupt ein Existirendes, und als einfache Identitaet mit sich, +Ding-an-sich ist. Die Negativitaet der Reflexion, die aufgehobene +Vermittelung, ist aber wesentlich selbst Vermittelung, und Beziehung, +nicht auf ein Anderes ueberhaupt, wie die Qualitaet als die nicht +reflektirte Bestimmtheit; sondern Beziehung auf sich als auf ein +Anderes; oder Vermittelung, die unmittelbar ebenso sehr Identitaet mit +sich ist. Das abstrakte Ding an-sich ist selbst diess aus anderem in +sich zurueckkehrende Verhalten; es ist dadurch an sich selbst bestimmt; +aber seine Bestimmtheit ist Beschaffenheit, die als solche selbst +Bestimmung ist, und als Verhalten zu Anderem nicht in das Andersseyn +uebergeht und der Veraenderung entnommen ist. + +Ein Ding hat Eigenschaften; sie sind erstlich seine bestimmten +Beziehungen auf Anderes; die Eigenschaft ist nur vorhanden als eine +Weise des Verhaltens zu einander; sie ist daher die aeusserliche +Reflexion, und die Seite des Gesetztseyns des Dings. Aber zweitens +ist das Ding in diesem Gesetztseyn an sich; es erhaelt sich, in der +Beziehung auf Anderes; es ist also allerdings nur eine Oberflaeche, +mit der die Existenz sich dem Werden des Seyns und der Veraenderung +preisgibt; die Eigenschaft verliert sich darin nicht. Ein Ding hat +die Eigenschaft, diess oder jenes im Andern zu bewirken und auf eine +eigenthuemliche Weise sich in seiner Beziehung zu aeussern. Es beweist +diese Eigenschaft nur unter der Bedingung einer entsprechenden +Beschaffenheit des andern Dinges, aber sie ist ihm zugleich +eigenthuemlich und seine mit sich identische Grundlage;--diese +reflektirte Qualitaet heisst darum Eigenschaft. Es geht darin in eine +Aeusserlichkeit ueber, aber die Eigenschaft erhaelt sich darin. Das Ding +wird durch seine Eigenschaften Ursache, und die Ursache ist diess, als +Wirkung sich zu erhalten. Jedoch ist hier das Ding nur erst das +ruhige Ding von vielen Eigenschaften; noch nicht als wirkliche +Ursache bestimmt; es ist nur erst die ansichseyende, noch nicht +selbst die setzende Reflexion seiner Bestimmungen. + +Das Ding-an-sich ist also, wie sich ergeben hat, wesentlich nicht nur +so Ding-an-sich, dass seine Eigenschaften Gesetztseyn einer +aeusserlichen Reflexion sind, sondern sie sind seine eigenen +Bestimmungen, durch die es sich auf bestimmte Weise verhaelt; es ist +nicht eine jenseits seiner aeusserlichen Existenz befindliche +bestimmungslose Grundlage; sondern ist in seinen Eigenschaften, als +Grund vorhanden, das heisst, die Identitaet mit sich in seinem +Gesetztseyn; aber zugleich als bedingter Grund; das heisst, sein +Gesetztseyn ist ebenso sehr sich aeusserliche Reflexion; es ist nur +insofern in sich reflektirt und an sich, insofern es aeusserlich ist. +--Durch die Existenz tritt das Ding-an-sich in aeusserliche Beziehungen; +und die Existenz besteht in dieser Aeusserlichkeit; sie ist die +Unmittelbarkeit des Seyns, und das Ding dadurch der Veraenderung +unterworfen; aber sie ist auch die reflektirte Unmittelbarkeit des +Grundes, das Ding somit an sich in seiner Veraenderung.--Diese +Erwaehnung der Grundbeziehung ist jedoch hier nicht so zu nehmen, dass +das Ding ueberhaupt als Grund seiner Eigenschaften bestimmt sey; die +Dingheit selbst ist als solche die Grundbestimmung, die Eigenschaft +ist nicht von ihrem Grunde unterschieden, noch macht sie bloss das +Gesetztseyn aus, sondern ist der in seine Aeusserlichkeit uebergegangene, +und damit wahrhaft in sich reflektirte Grund; die Eigenschaft selbst +als solche ist der Grund, an sich seyendes Gesetztseyn, oder er macht +die Form ihrer Identitaet mit sich aus; ihre Bestimmtheit ist die sich +aeusserliche Reflexion des Grundes; und das Ganze der in seinem +Abstossen und Bestimmen, in seiner aeusserlichen Unmittelbarkeit sich +auf sich beziehende Grund.--Das Ding-an-sich existirt also wesentlich, +und dass es existirt, heisst umgekehrt, die Existenz ist als +aeusserliche Unmittelbarkeit zugleich Ansichseyn. + +Anmerkung. + +Es ist schon oben (1r Thl. 1e Abth. S. 127) bei dem Momente des +Daseyns, dem Ansichseyn, des Dings-an-sich erwaehnt, und dabei bemerkt +worden, dass das Ding-an-sich als solches, nichts anderes, als die +leere Abstraktion von aller Bestimmtheit ist, von dem man allerdings +nichts wissen kann, eben darum weil es die Abstraktion von aller +Bestimmung seyn soll.--Nachdem so das Ding-an-sich als das +Unbestimmte vorausgesetzt wird, so faellt alle Bestimmung ausserhalb +desselben, in eine ihm fremde Reflexion, gegen welche es gleichgueltig +ist. Dem transcendentalen Idealismus ist diese aeusserliche Reflexion +das Bewusstseyn. Indem dieses philosophische System alle Bestimmtheit +der Dinge sowohl der Form als dem Inhalte nach in das Bewusstseyn +verlegt, so faellt es nach diesem Standpunkt in mich, in das Subjekt, +dass ich die Baumblaetter nicht als schwarz, sondern als gruen, die +Sonne rund und nicht viereckig sehe, den Zucker suess und nicht bitter +schmecke; dass ich den ersten und zweiten Schlag einer Uhr als +succedirend, und nicht neben einander, noch den ersten als Ursache, +auch nicht als Wirkung des zweiten bestimme u.s.f.--Dieser grellen +Darstellung des subjektiven Idealismus widerspricht unmittelbar das +Bewusstseyn der Freyheit, nach welchem Ich mich vielmehr als das +Allgemeine und Unbestimmte weiss, jene mannigfaltigen und nothwendigen +Bestimmungen von mir abtrenne und sie als ein fuer mich Aeusserliches +nur den Dingen Zukommendes erkenne.--Ich ist in diesem Bewusstseyn +seiner Freyheit sich diejenige wahrhafte in sich reflektirte +Identitaet, welche das Ding-an-sich seyn sollte.--Anderwaerts habe ich +gezeigt, dass jener transcendentale Idealismus ueber die Beschraenktheit +des Ich durch das Object, ueberhaupt ueber die endliche Welt nicht +hinauskommt, sondern allein die Form der Schranke, die ihm ein +Absolutes bleibt, aendert, indem er sie naemlich nur aus der objektiven +Gestalt in die Subjektive uebersezt, und dasjenige zu Bestimmtheiten +des Ich und einem in diesem als einem Dinge vorgehenden wilden +Wechsel derselben macht, was das gewoehnliche Bewusstseyn als eine ihm +nur aeusserlichen Dingen angehoerige Mannigfaltigkeit und Veraenderung +weiss.--In der gegenwaertigen Betrachtung steht nur das Ding-an-sich +und die ihm zunaechst aeusserliche Reflexion gegenueber; diese hat sich +noch nicht als Bewusstseyn bestimmt, wie auch das Ding-an-sich nicht +als Ich. Aus der Natur des Dinges-an-sich und der aeusserlichen +Reflexion hat sich ergeben, dass dieses Aeusserliche selbst sich zum +Dinge-an-sich bestimmt, oder umgekehrt zur eigenen Bestimmung jenes +ersten Dinges-an-sich wird. Das Wesentliche der Unzulaenglichkeit des +Standpunkts, auf dem jene Philosophie stehen bleibt, besteht nun +darin, dass sie an dem abstrakten Dinge-an-sich als einer letzten +Bestimmung fest haelt und die Reflexion, oder die Bestimmtheit und +Mannigfaltigkeit der Eigenschaften dem Dinge-an-sich gegenueber stellt, +indem in der That das Ding-an-sich wesentlich jene aeusserliche +Reflexion an ihm selbst hat, und sich zu einem mit eigenen +Bestimmungen, mit Eigenschaften begabten bestimmt, wodurch sich die +Abstraktion des Dinges, reines Ding-an-sich zu seyn, als eine unwahre +Bestimmung erweist. + +c. Die Wechselwirkung der Dinge. + +Das Ding-an-sich existirt wesentlich; die aeusserliche Unmittelbarkeit +und die Bestimmtheit gehoert zu seinem Ansichseyn, oder zu seiner +Reflexion-in-sich. Das Ding an-sich ist dadurch ein Ding, das +Eigenschaften hat, und es sind dadurch mehrere Dinge, die nicht durch +eine ihnen fremde Ruecksicht, sondern sich durch sich selbst von +einander unterscheiden. Diese mehrern verschiedenen Dinge stehen in +wesentlicher Wechselwirkung durch ihre Eigenschaften; die Eigenschaft +ist diese Wechselbeziehung selbst, und das Ding ist nichts ausser +derselben; die gegenseitige Bestimmung, die Mitte der Dinge-an-sich, +die als Extreme gleichgueltig gegen diese ihre Beziehung bleiben +sollten, ist selbst die mit sich identische Reflexion und das +Ding-an-sich, das jene Extreme seyn sollten. Die Dingheit ist damit +zur Form der unbestimmten Identitaet mit sich herabgesetzt, die ihre +Wesentlichkeit nur in ihrer Eigenschaft hat. Wenn daher von einem +Dinge oder von Dingen ueberhaupt ohne die bestimmte Eigenschaft die +Rede ist, so ist ihr Unterschied ein bloss gleichgueltiger, +quantitativer. Dasselbe, was als ein Ding betrachtet wird, kann +ebenso sehr zu mehrern Dingen gemacht, oder als mehrere Dinge +betrachtet werden; es ist eine aeusserliche Trennung oder Vereinigung. +--Ein Buch ist ein Ding, und jedes seiner Blaetter ist auch ein Ding, +und ebenso jedes Stuekchen seiner Blaetter und so fort ins Unendliche. +Die Bestimmtheit, wodurch ein Ding, nur dieses Ding ist, liegt allein +in seinen Eigenschaften. Es unterscheidet sich durch sie von andern +Dingen, weil die Eigenschaft die negative Reflexion und das +Unterscheiden ist; das Ding hat daher nur in seiner Eigenschaft den +Unterschied seiner von andern, an ihm selbst. Sie ist der in sich +reflektirte Unterschied, wodurch das Ding in seinem Gesetztseyn, d. h. +in seiner Beziehung auf Anderes zugleich gleichgueltig gegen das +Andere und gegen seine Beziehung ist. Dem Dinge ohne seine +Eigenschaften, bleibt deswegen nichts als das abstrakte An-sich-seyn, +ein unwesentlicher Umfang und aeusserliches Zusammenfassen. Das +wahrhafte Ansichseyn ist das Ansichseyn in seinem Gesetztseyn; dieses +ist die Eigenschaft. + +Damit ist die Dingheit in die Eigenschaft uebergegangen. + +Das Ding sollte sich als an-sich-seyendes Extrem gegen die +Eigenschaft verhalten und diese die Mitte zwischen den in Beziehung +stehenden Dingen ausmachen. Allein diese Beziehung ist das, worin +die Dinge sich als die sich von sich selbst abstossende Reflexion +begegnen, worin sie unterschieden und bezogen sind. Dieser ihr +Unterschied und ihre Beziehung, ist Eine Reflexion und Eine +Kontinuitaet derselben. Die Dinge selbst fallen hiermit nur in diese +Kontinuitaet, welche die Eigenschaft ist, und verschwinden als +bestehende Extreme, die ausser dieser Eigenschaft eine Existenz haetten. + +Die Eigenschaft, welche die Beziehung der selbststaendigen Extreme +ausmachen sollte, ist daher das Selbststaendige selbst. Die Dinge +dagegen sind das Unwesentliche. Sie sind ein Wesentliches nur als +die, als sich unterscheidend sich auf sich beziehende Reflexion; aber +diess ist die Eigenschaft. Diese ist also nicht das im Dinge +aufgehobene, oder sein blosses Moment; sondern das Ding ist in +Wahrheit nur jener unwesentliche Umfang, der zwar negative Einheit +ist, aber nur wie das Eins des Etwas, naemlich ein unmittelbares Eins. +Wenn vorhin das Ding als unwesentlicher Umfang insofern bestimmt +wurde, als es durch eine aeusserliche Abstraktion, welche die +Eigenschaft von demselben weglaesst, dazu gemacht werde, so ist nunmehr +diese Abstraktion durch das Uebergehen des Dings-an-sich in die +Eigenschaft selbst geschehen, aber mit umgekehrtem Werthe, so dass +wenn jenem Abstrahiren das abstrakte Ding ohne seine Eigenschaft noch +als das Wesentliche, die Eigenschaft aber als eine aeusserliche +Bestimmung vorschwebt, hier das Ding als solches sich durch sich +selbst zu einer gleichgueltigen aeusserlichen Form der Eigenschaft +bestimmt.--Diese ist somit nunmehr befreit von der unbestimmten und +kraftlosen Verbindung, die das Eins des Dinges ist; sie ist das, was +das Bestehen desselben ausmacht; eine selbststaendige Materie.--Indem +sie einfache Kontinuitaet mit sich ist, hat sie die Form zunaechst nur +als Verschiedenheit an ihr; es giebt daher mannigfaltige dergleichen +selbststaendige Materien und das Ding besteht aus ihnen. + +B. Das Bestehen des Dings aus Materien. + +Der Uebergang der Eigenschaft in eine Materie oder in einen +selbststaendigen Stoff ist der bekannte Uebergang, den an der +sinnlichen Materie die Chemie macht, indem sie die Eigenschaften der +Farbe, des Geruchs, des Geschmacks u.s.f. als Lichtstoff, Faerbestoff, +Riechstoff, sauren, bittern u.s.f. Stoff darzustellen sucht oder +andere wie den Waermestoff, die elektrische, magnetische Materie +geradezu nur annimmt, und damit die Eigenschaften in ihrer +Wahrhaftigkeit zu handhaben ueberzeugt ist.--Ebenso gelaeufig ist der +Ausdruck, dass die Dinge aus verschiedenen Materien oder Stoffen +bestehen. Man huetet sich, diese Materien oder Stoffe Dinge zu nennen; +ob man wohl auch einraeumen wird, dass z.B. ein Pigment, ein Ding +ist; ich weiss aber nicht, ob z.B. auch der Lichtstoff, der +Waermestoff, oder die elektrische Materie u.s.f. Dinge genannt werden. +Man unterscheidet die Dinge und ihre Bestandtheile, ohne genau +anzugeben, ob diese und in wie weit sie auch Dinge, oder etwa nur +Halbdinge seyen; aber Existirende ueberhaupt sind sie wenigstens. + +Die Nothwendigkeit, von den Eigenschaften zu Materien ueberzugehen, +oder dass die Eigenschaften in Wahrheit Materien sind, hat sich daraus +ergeben, dass sie das Wesentliche und damit das wahrhaft +Selbststaendige der Dinge sind.--Zugleich aber macht die Reflexion der +Eigenschaft in sich nur die eine Seite der ganzen Reflexion aus; +naemlich das Aufheben des Unterschieds und die Kontinuitaet der +Eigenschaft, die eine Existenz fuer Anderes seyn sollte, mit sich +selbst. Die Dingheit, als die negative Reflexion in sich, und das +sich von Anderem abstossende Unterscheiden ist dadurch zu einem +unwesentlichen Momente herabgesetzt; zugleich aber hat es sich damit +weiter bestimmt. Diess negative Moment hat sich erstens erhalten; +denn die Eigenschaft ist nur insofern mit sich kontinuirlich und +selbststaendige Materie geworden, als sich der Unterschied der Dinge +aufgehoben hat; die Kontinuitaet der Eigenschaft in das Andersseyn +enthaelt also selbst das Moment des Negativen, und ihre +Selbststaendigkeit ist zugleich als diese negative Einheit das +wiederhergestellte Etwas der Dingheit; die negative Selbststaendigkeit +gegen die positive des Stoffes. Zweitens ist hierdurch das Ding aus +seiner Unbestimmtheit zur vollkommenen Bestimmtheit gediehen. Als +Ding an sich ist es die abstrakte Identitaet, die einfach negative +Existenz, oder sie bestimmt als das Unbestimmte; alsdann ist es +bestimmt durch seine Eigenschaften, durch welche es sich von andern +unterscheiden soll; aber indem es durch die Eigenschaft vielmehr +kontinuirlich mit andern ist, so hebt sich dieser unvollkommene +Unterschied auf; das Ding ist dadurch in sich zurueckgegangen und nun +bestimmt als bestimmt; es ist an sich bestimmt oder dieses Ding.-Aber +drittens ist diese Rueckkehr in sich zwar die sich auf sich beziehende +Bestimmung; aber sie ist zugleich unwesentlich; das mit sich +kontinuirliche Bestehen macht die selbststaendige Materie aus, in +welcher der Unterschied der Dinge, ihre an und fuer sich seyende +Bestimmtheit aufgehoben und ein Aeusserliches ist. Das Ding als dieses +ist also zwar vollkommene Bestimmtheit, aber es ist diess die +Bestimmtheit im Elemente der Unwesentlichkeit. + +Diess von Seite der Bewegung der Eigenschaft aus betrachtet, ergiebt +sich so. Die Eigenschaft ist nicht nur aeusserliche Bestimmung, +sondern an sich seyende Existenz. Diese Einheit der Aeusserlichkeit +und Wesentlichkeit stoesst sich, weil sie die Reflexion-in-sich und die +Reflexion in Anderes enthaelt, von sich selbst ab, und ist einer Seits +die Bestimmung als einfaches sich identisch auf sich beziehendes +Selbststaendiges, in welchem die negative Einheit, das Eins des Dinges +ein Aufgehobenes ist;--anderer Seits diese Bestimmung gegen Anderes, +aber ebenfalls als in sich reflektirtes an sich bestimmtes Eins; die +Materien also, und dieses Ding. Diess sind die zwei Momente der mit +sich identischen Aeusserlichkeit, oder der in sich reflektirten +Eigenschaft.--Die Eigenschaft war das, wodurch sich die Dinge +unterscheiden sollten; indem sie sich von dieser ihrer negativen +Seite, einem andern zu inhaeriren, befreit hat, so ist damit auch das +Ding von seinem Bestimmtseyn durch andere Dinge befreit worden, und +aus der Beziehung auf Anderes, in sich zurueckgegangen; aber es ist +zugleich nur das sich anderes gewordene Ding-an-sich; weil die +mannigfaltigen Eigenschaften ihrer Seits selbststaendig, hierin also +ihre negative Beziehung in dem Eins des Dinges nur eine aufgehobene +geworden ist; es ist darum die mit sich identische Negation nur gegen +die positive Kontinuitaet des Stoffes. + +Das Diese macht also so die vollkommene Bestimmtheit des Dinges aus, +dass sie zugleich eine aeusserliche ist. Das Ding besteht aus +selbststaendigen Materien, die gegen ihre Beziehung im Dinge +gleichgueltig sind. Diese Beziehung ist daher nur eine unwesentliche +Verknuepfung derselben, und der Unterschied eines Dinges von anderen +beruht darauf, ob mehrere der besondern Materien und in welcher Menge +sie sich in ihm befinden. Sie gehen ueber dieses Ding hinaus, +kontinuiren sich in andere, und diesem Dinge anzugehoeren, ist keine +Schranke derselben. Ebenso wenig sind sie ferner eine Beschraenkung +fuer einander, weil ihre negative Beziehung nur das kraftlose Diese +ist. Sie heben sich daher, indem sie in ihm verbunden werden, nicht +auf; sie sind als Selbststaendige undurchdringlich fuer einander; +beziehen sich in ihrer Bestimmtheit nur auf sich, und sind eine gegen +einander gleichgueltige Mannigfaltigkeit des Bestehens; sie sind nur +einer quantitativen Grenze faehig.--Das Ding als dieses ist diese ihre +bloss quantitative Beziehung, eine blosse Sammlung, das Auch derselben. +Es besteht aus irgend einem Quantum von einem Stoffe, auch aus dem +eines andern, auch andern; diesen Zusammenhang, keinen Zusammenhang +zu haben, macht allein das Ding aus. + +C. Die Aufloesung des Dinges. + +Dieses Ding, wie es sich bestimmt hat, als der bloss quantitative +Zusammenhang der freien Stoffe, ist das schlechthin veraenderliche. +Seine Veraenderung besteht darin, dass eine oder mehrere Materien aus +der Sammlung ausgeschieden oder zu diesem Auch hinzugefuegt werden, +oder dass ihr Mengenverhaeltniss zu einander veraendert wird. Das +Entstehen und Vergehen dieses Dings ist die aeusserliche Aufloesung +solcher aeusserlichen Verbindung, oder die Verbindung solcher, denen es +gleichgueltig ist verbunden zu seyn oder nicht. Die Stoffe circuliren +aus diesem Dinge unaufgehalten hinaus oder herein; es selbst ist die +absolute Porositaet ohne eigenes Maass oder Form. + +So ist das Ding in seiner absoluten Bestimmtheit, wodurch es dieses +ist, das schlechthin aufloesbare. Diese Aufloesung ist ein aeusserliches +Bestimmtwerden, so wie auch das Seyn desselben; aber seine Aufloesung +und die Aeusserlichkeit seines Seyns ist das Wesentliche dieses Seyns; +es ist nur das Auch; es besteht nur in dieser Aeusserlichkeit. Aber es +besteht auch aus seinen Materien, und nicht nur das abstrakte Dieses +als solches, sondern das ganze diese Ding ist die Aufloesung seiner +selbst. Das Ding ist naemlich bestimmt als eine aeusserliche Sammlung +selbst-staendiger Materien; diese Materien sind nicht Dinge, sie haben +nicht die negative Selbststaendigkeit; sondern sind die Eigenschaften +als das Selbststaendige, naemlich das Bestimmtseyn, das als solches in +sich reflektirt ist. Die Materien sind daher zwar einfach und +beziehen sich nur auf sich selbst; aber ihr Inhalt ist eine +Bestimmtheit; die Reflexion-in-sich ist nur die Form dieses Inhalts, +der nicht als solcher in sich reflektirt ist, sondern nach seiner +Bestimmtheit sich auf Anderes bezieht. Das Ding ist daher nicht nur +das Auch derselben,--die Beziehung derselben als gegen einander +gleichgueltiger, sondern ebenso sehr ihre negative Beziehung;--um +ihrer Bestimmtheit sind die Materien selbst, diese ihre negative +Reflexion; welche die Punktualitaet des Dinges ist. Die eine Materie +ist nicht, was die andere ist, nach der Bestimmtheit ihres Inhalts +gegen einander; und die eine ist nicht, insofern die andere ist, nach +ihrer Selbststaendigkeit. + +Das Ding ist daher so die Beziehung der Materien, aus denen es +besteht, auf einander, dass in ihm die eine und die andere auch +bestehen, aber dass darin zugleich die eine nicht besteht, insofern +die andere besteht. Insofern also die eine Materie in dem Dinge ist, +so ist die andere dadurch aufgehoben; aber das Ding ist zugleich das +Auch, oder das Bestehen der andern. In dem Bestehen der einen +Materie besteht daher die andere nicht, und ebenso sehr besteht sie +auch in der erstern; und so gegenseitig alle diese verschiedenen +Materien. Indem also in derselben Rueksicht, als die eine besteht, +auch die andern bestehen, welches Eine Bestehen derselben die +Punktualitaet oder negative Einheit des Dings ist, so durchdringen sie +sich schlechthin; und indem das Ding zugleich nur das Auch der-selben, +und die Materien in ihre Bestimmtheit reflektirt sind, so sind sie +gleichgueltig gegen einander, und beruehren sich in ihrer Durchdringung +nicht. Die Materien sind daher wesentlich poroes, so dass die eine +besteht in den Poren oder in dem Nichtbestehen der andern; aber diese +andern sind selbst poroes; in ihren Poren oder ihrem Nichtbestehen +besteht auch die erste, und alle die uebrigen; ihr Bestehen ist +zugleich ihr Aufgehobenseyn, und das Bestehen von anderen; und diess +Bestehen der andern ist ebenso sehr dieser ihr Aufgehobenseyn und das +Bestehen der ersteren und auf gleiche Weise aller andern. Das Ding +ist daher die sich widersprechende Vermittelung des selbststaendigen +Bestehens mit sich durch sein Gegentheil, naemlich durch seine +Negation, oder einer selbststaendigen Materie durch das Bestehen und +Nichtbestehen einer andern.--Die Existenz hat in diesem Dinge ihre +Vollstaendigkeit erreicht, naemlich in Einem an sich seyendes Seyn oder +selbststaendiges Bestehen, und unwesentliche Existenz zu seyn; die +Wahrheit der Existenz ist daher, ihr Ansichseyn in der +Unwesentlichkeit, oder ihr Bestehen in einem Andern und zwar dem +absolut Andern, oder zu ihrer Grundlage ihre Nichtigkeit zu haben. +Sie ist daher Erscheinung. + +Anmerkung. + +Es ist eine der gelaeufigsten Bestimmungen des Vorstellens, dass ein +Ding aus vielen selbststaendigen Materien bestehe. Einer Seits wird +das Ding betrachtet, dass es Eigenschaften habe, deren Bestehen das +Ding ist. Anderer Seits aber werden diese verschiedenen Bestimmungen +als Materien genommen, deren Bestehen nicht das Ding ist, sondern +umgekehrt besteht das Ding aus ihnen; es selbst ist nur ihre +aeusserliche Verbindung und quantitative Grenze. Beides, die +Eigenschaften und die Materien sind dieselben Inhaltsbestimmungen, +nur dass sie dort Momente, in ihre negative Einheit als in eine von +ihnen selbst unterschiedene Grundlage, die Dingheit, reflektirte sind, +hier selbststaendige verschiedene, deren jedes in seine eigene +Einheit mit sich reflektirt ist. Diese Materien nun bestimmen sich +ferner als selbststaendiges Bestehen; aber sie sind auch zusammen in +einem Dinge. Dieses Ding hat die zwei Bestimmungen, erstlich dieses +zu seyn, und zweitens das Auch zu seyn. Das Auch ist dasjenige, was +in der aeusseren Anschauung als Raumausdehnung vorkommt; Dieses aber, +die negative Einheit, ist die Punktualitaet des Dinges. Die Materien +sind zusammen in der Punktualitaet, und ihr Auch oder die Ausdehnung +ist allenthalben diese Punktualitaet; denn das Auch als Dingheit ist +wesentlich auch als negative Einheit bestimmt. Wo daher die eine +dieser Materien ist, in einem und demselben Punkte ist die andere; +das Ding hat nicht an einem andern Orte seine Farbe, an einem andern +seinen Riechstoff, an einem dritten seinen Waermestoff u.s.f. sondern +in dem Punkte, in dem es warm ist, ist es auch farbig, sauer, +elektrisch u.s.w. Weil nun diese Stoffe nicht ausser einander, +sondern in Einem Diesen sind, werden sie als poroes angenommen, so dass +die eine in den Zwischenraeumen der andern existirt. Diejenige, die +sich in den Zwischenraeumen der andern befindet, ist aber auch selbst +poroes; in ihren Poren existirt daher umgekehrt die andere; aber nicht +nur diese, sondern auch die dritte, zehnte, u.s.f. Alle sind poroes +und in den Zwischenraeumen einer jeden befinden sich alle andern, wie +sie sich mit den uebrigen in diesen Poren einer jeden befindet. Sie +sind daher eine Menge, die sich so gegenseitig durchdringt, dass die +durchdringenden von den anderen ebenso durchdrungen werden, dass somit +jede ihr eigenes Durchdrungenseyn wieder durchdringt. Jede ist als +ihre Negation gesetzt, und diese Negation ist das Bestehen einer +anderen; aber diess Bestehen ist ebenso sehr die Negation dieser +andern und das Bestehen der ersten. + +Die Ausrede, durch welche das Vorstellen den Widerspruch des +selbststaendigen Bestehens der mehreren Materien in Einem, oder die +Gleichgueltigkeit derselben gegen einander in ihrer Durchdringung +abhaelt, pflegt bekanntlich die Kleinheit der Theile und der Poren zu +seyn. Wo der Unterschied-an-sich, der Widerspruch und die Negation +der Negation eintritt, ueberhaupt wo begriffen werden soll, laesst das +Vorstellen sich in den aeusserlichen, den quantitativen Unterschied +herunterfallen; in Ansehung des Entstehens und Vergehens nimmt es +seine Zuflucht zur Allmaehligkeit und in Ansehung des Seyns zur +Kleinheit, worin das Verschwindende zum Unbemerkbaren, der +Widerspruch zu einer Verwirrung herabgesetzt, und das wahre +Verhaeltniss in ein unbestimmtes Vorstellen hinuebergespielt wird, +dessen Truebheit das sich Aufhebende rettet. + +Naeher aber diese Truebheit beleuchtet, so zeigt sie sich als der +Widerspruch, Theils als der subjektive des Vorstellens, Theils als +der objektive des Gegenstands; das Vorstellen selbst enthaelt +vollstaendig die Elemente desselben. Was es naemlich erstlich selbst +thut, ist der Widerspruch, sich an die Wahrnehmung halten und Dinge +des Daseyns vor sich haben zu wollen, und anderer Seits dem +Nichtwahrnehmbaren, durch die Reflexion bestimmten, sinnliches Daseyn +zuzuschreiben;--die kleinen Theile und Poren sollen zugleich ein +sinnliches Daseyn seyn und es wird von ihrem Gesetztseyn als von +derselben Weise der Realitaet gesprochen,--welche der Farbe, Waerme u. +s.f. zukommt. Wenn ferner das Vorstellen diesen gegenstaendlichen +Nebel, die Poren und die kleinen Theilchen, naeher betrachtete, so +erkennte es darin nicht nur eine Materie und auch deren Negation, so +dass hier die Materie, und daneben ihre Negation, der Porus, und neben +diesem wieder Materie und so fort sich befaende, sondern dass es in +diesem Dinge, 1) die selbststaendige Materie, 2) ihre Negation oder +Porositaet und die andere selbststaendige Materie in einem in und +demselben Punkte hat, dass diese Porositaet und das selbststaendige +Bestehen der Materien ineinander als in Einem eine gegenseitige +Negation und Durchdringen des Durchdringens ist.--Die neueren +Darstellungen der Physik ueber die Verbreitung des Wasserdampfes in +der atmosphaerischen Luft und der Gasarten durch einander, heben eine +Seite des Begriffs, der sich hier ueber die Natur des Dinges ergeben +hat, bestimmter heraus. + +Sie zeigen naemlich, dass z.B. ein gewisses Volumen eben so viel +Wasserdampf aufnimmt, es sey leer von athmosphaerischer Luft oder +damit erfuellt; auch dass die Gasarten so sich in einander verbreiten, +dass jede fuer die andere so gut als ein Vacuum ist, wenigstens dass sie +in keiner chemischen Verbindung miteinander sind, jedes +ununterbrochen durch das andere mit sich kontinuirlich bleibt und +sich in seiner Durchdringung mit den andern, gleichgueltig gegen sie +erhaelt.--Aber das weitere Moment im Begriffe des Dinges ist, dass im +Diesen die eine Materie sich befindet wo die andere, und das +Durchdringende in demselben Punkte auch durchdrungen ist, oder das +Selbststaendige unmittelbar die Selbststaendigkeit eines Andern ist. +Diess ist widersprechend; aber das Ding ist nichts Anderes als dieser +Widerspruch selbst; darum ist es Erscheinung. + +Eine aehnliche Bewandtniss, als es mit diesen Materien hat, hat es im +Geistigen mit der Vorstellung der Seelenkraefte oder Seelenvermoegen. +Der Geist ist in viel tieferem Sinne dieses, die negative Einheit, in +welcher sich seine Bestimmungen durchdringen. Aber als Seele +vorgestellt, pflegt er haeufig als ein Ding genommen zu werden. Wie +man den Menschen ueberhaupt aus Seele und Leib bestehen laesst, deren +jedes als ein Selbststaendiges fuer sich gilt, so laesst man die Seele +aus sogenannten Seelenkraeften bestehen, deren jede eine fuer sich +bestehende Selbststaendigkeit hat, oder eine unmittelbare fuer sich +nach ihrer Bestimmtheit wirkende Thaetigkeit ist. Man stellt sich so +vor, dass hier der Verstand, hier die Einbildungskraft fuer sich wirke, +dass man den Verstand, das Gedaechtniss, u.s.f. jede fuer sich kultivire, +und einstweilen die andern Kraefte in Unthaetigkeit linker Hand liegen +lasse, bis die Reihe vielleicht, vielleicht auch nicht an sie komme. +Indem sie in das materiell-einfache Seelending verlegt werden, +welches als einfach immateriell sey, so werden die Vermoegen zwar +nicht als besondere Materien vorgestellt; aber als Kraefte werden sie +gleich indifferent gegen einander angenommen, als jene Materien. +Aber der Geist ist nicht jener Widerspruch, welcher das Ding ist, das +sich aufloest und in Erscheinung uebergeht; sondern er ist schon an ihm +selbst der in seine absolute Einheit, naemlich den Begriffe +zurueckgegangene Widerspruch, worin die Unterschiede nicht mehr als +selbststaendige, sondern nur als besondere Momente im Subjekte, der +einfachen Individualitaet, zu denken sind. + + + +Zweites Kapitel. Die Erscheinung. + + +Die Existenz ist die Unmittelbarkeit des Seyns, zu der sich das Wesen +wieder hergestellt hat. Diese Unmittelbarkeit ist an sich die +Reflexion des Wesens in sich. Das Wesen ist als Existenz aus seinem +Grunde heraufgetreten, der selbst in sie uebergegangen ist. Die +Existenz ist diese reflektirte Unmittelbarkeit, insofern sie an ihr +selbst die absolute Negativitaet ist. Sie ist nunmehr auch als diess +gesetzt, indem sie sich als Erscheinung bestimmt hat. + +Die Erscheinung ist daher zunaechst das Wesen in seiner Existenz; das +Wesen ist unmittelbar an ihr vorhanden. Dass sie nicht als +unmittelbare, sondern die reflektirte Existenz ist, diess macht das +Moment des Wesens an ihr aus; oder die Existenz als wesentliche +Existenz ist Erscheinung. + +Es ist etwas nur Erscheinung,--in dem Sinne, dass die Existenz als +solche nur ein Gesetztes, nicht an- und fuer-sich-Seyendes ist. Diess +macht ihre Wesentlichkeit aus, an ihr selbst die Negativitaet der +Reflexion, die Natur des Wesens, zu haben. Es ist diess nicht eine +fremde, aeusserliche Reflexion, welcher das Wesen zugehoerte, und die +durch Vergleichung desselben mit der Existenz diese fuer Erscheinung +erklaerte. Sondern, wie sich ergeben hat, ist diese Wesentlichkeit +der Existenz, Erscheinung zu seyn, die eigne Wahrheit der Existenz. +Die Reflexion, wodurch sie diess ist, gehoert ihr selbst an. + +Wenn aber gesagt wird, Etwas sey nur Erscheinung in dem Sinne, als ob +dagegen die unmittelbare Existenz die Wahrheit waere; so ist vielmehr +die Erscheinung die hoehere Wahrheit; denn sie ist die Existenz wie +sie als wesentliche, da hingegen die Existenz die noch wesenlose +Erscheinung ist; weil sie nur das eine Moment der Erscheinung, +naemlich die Existenz als unmittelbare, noch nicht ihre negative +Reflexion, an ihr hat. Wenn die Erscheinung wesenlos genannt wird, +so wird an das Moment ihrer Negativitaet so gedacht, als ob das +Unmittelbare dagegen das Positive und Wahrhafte waere; aber vielmehr +enthaelt diess Unmittelbare die wesentliche Wahrheit noch nicht an ihm. +Die Existenz hoert vielmehr auf, wesenlos zu seyn, darin, dass sie in +Erscheinung uebergeht. + +Das Wesen scheint zunaechst in ihm selbst, in seiner einfachen +Identitaet; so ist es die abstrakte Reflexion, die reine Bewegung von +Nichts durch Nichts zu sich selbst zurueck. Das Wesen erscheint, so +ist es nunmehr realer Schein, indem die Momente des Scheins Existenz +haben. Die Erscheinung ist, wie sich ergeben hat, das Ding als die +negative Vermittelung seiner mit sich selbst; die Unterschiede, +welche es enthaelt, sind selbststaendige Materien, die der Widerspruch +sind, ein unmittelbares Bestehen zu seyn, und zugleich nur in fremder +Selbststaendigkeit also in der Negation der eigenen ihr Bestehen zu +haben, und wieder eben darum auch nur in der Negation jener fremden +oder in der Negation ihrer eigenen Negation. Der Schein ist dieselbe +Vermittelung, aber seine haltlosen Momente haben in der Erscheinung +die Gestalt unmittelbarer Selbststaendigkeit. Dagegen ist die +unmittelbare Selbststaendigkeit, die der Existenz zukommt, ihrer Seits +zum Momente herabgesetzt. Die Erscheinung ist daher Einheit des +Scheins und der Existenz. + +Die Erscheinung bestimmt sich nun naeher. Sie ist die wesentliche +Existenz; die Wesentlichkeit derselben unterscheidet sich von ihr als +unwesentlicher und diese beiden Seiten treten in Beziehung mit +einander.--Sie ist daher zuerst einfache Identitaet mit sich, die +zugleich verschiedene Inhaltsbestimmungen enthaelt, welche sowohl +selbst als deren Beziehung das im Wechsel der Erscheinung sich gleich +bleibende ist; das Gesetz der Erscheinung. + +Zweitens aber geht das in seiner Verschiedenheit einfache Gesetz in +den Gegensatz ueber; das Wesentliche der Erscheinung wird ihr selbst +entgegengesetzt und der erscheinenden Welt tritt die an sich seyende +Welt gegenueber. + +Drittens geht dieser Gegensatz in seinen Grund zurueck; das +Ansichseyende ist in der Erscheinung und umgekehrt ist das +Erscheinende bestimmt als in sein Ansichseyn aufgenommen; die +Erscheinung wird Verhaeltniss. + +A. Das Gesetz der Erscheinung. + +1. Die Erscheinung ist das Existirende vermittelt durch seine +Negation, welche sein Bestehen ausmacht. Diese seine Negation ist +zwar ein anderes Selbststaendiges; aber diess ist ebenso wesentlich ein +aufgehobenes. Das Existirende ist daher die Rueckkehr seiner in sich +selbst durch seine Negation und durch die Negation dieser seiner +Negation; es hat also wesentliche Selbststaendigkeit; so wie es gleich +unmittelbar schlechthin Gesetztseyn ist, das einen Grund und ein +Anderes zu seinem Bestehen hat.--Fuers Erste ist also die Erscheinung +die Existenz zugleich mit ihrer Wesentlichkeit, das Gesetztseyn mit +seinem Grunde; aber dieser Grund ist die Negation; und das andere +Selbststaendige, der Grund des ersten, ist gleichfalls nur ein +Gesetztseyn. Oder das Existirende ist als Erscheinendes in ein +Anderes reflektirt und hat es zu seinem Grunde, welches selbst nur +diess ist, in ein Anderes reflektirt zu seyn. Die wesentliche +Selbststaendigkeit, die ihm zukommt, weil es Rueckkehr in sich selbst +ist, ist um der Negativitaet der Momente willen, die Rueckkehr des +Nichts durch Nichts zu sich selbst zurueck; die Selbststaendigkeit des +Existirenden ist daher nur der wesentliche Schein. Der Zusammenhang +des sich gegenseitig begruendenden Existirenden besteht darum in +dieser gegenseitigen Negation, dass das Bestehen des einen nicht das +Bestehen des andern, sondern dessen Gesetztseyn ist, welche Beziehung +des Gesetztseyns allein ihr Bestehen ausmacht. Der Grund ist +vorhanden, wie er in seiner Wahrheit ist, naemlich ein Erstes zu seyn, +das nur ein Vorausgesetztes ist. + +Diess macht nun die negative Seite der Erscheinung aus. Aber in +dieser negativen Vermittelung ist unmittelbar die positive Identitaet +des Existirenden mit sich enthalten. Denn es ist nicht Gesetztseyn +gegen einen wesentlichen Grund, oder ist nicht der Schein an einem +Selbststaendigen; sondern ist Gesetztseyn, das sich auf ein +Gesetztseyn bezieht, oder ist ein Schein nur in einem Scheine. Es +bezieht sich in dieser seiner Negation oder in seinem Andern, das +selbst ein Aufgehobenes ist, auf sich selbst; ist also mit sich +identische oder positive Wesentlichkeit.--Dieses Identische ist nicht +die Unmittelbarkeit, die der Existenz als solcher zukommt, und nur +das Unwesentliche ist, sein Bestehen in einem Andern zu haben. +Sondern es ist der wesentliche Inhalt der Erscheinung, welcher zwei +Seiten hat, erstens in der Form des Gesetztseyns oder der aeusserlichen +Unmittelbarkeit, zweitens das Gesetztseyn als mit sich Identisches zu +seyn. Nach der ersten Seite ist er als ein Daseyn, aber als ein +zufaelliges, unwesentliches, das nach seiner Unmittelbarkeit dem +Uebergehen, Entstehen und Vergehen unterworfen ist. Nach der andern +Seite ist er die einfache jenem Wechsel entnommene Inhaltsbestimmung, +das Bleibende desselben. + +Ausserdem dass dieser Inhalt ueberhaupt das Einfache des Vergaenglichen +ist, ist er auch bestimmter, in sich verschiedener Inhalt. Er ist +die Reflexion der Erscheinung, des negativen Daseyns, in sich, +enthaelt also die Bestimmtheit wesentlich. Die Erscheinung aber ist +die seyende vielfache Verschiedenheit, die sich in unwesentlicher +Mannigfaltigkeit herumwirft; ihr reflektirter Inhalt dagegen ist ihre +Mannigfaltigkeit auf den einfachen Unterschied reducirt. Der +bestimmte wesentliche Inhalt ist naemlich naeher, nicht nur bestimmt +ueberhaupt, sondern als das Wesentliche der Erscheinung die +vollstaendige Bestimmtheit; eines und sein Anderes. In der +Erscheinung hat jedes dieser beiden sein Bestehen so in dem Andern, +dass es zugleich nur in dessen Nichtbestehen ist. Dieser Widerspruch +hebt sich auf; und die Reflexion desselben in sich, ist die Identitaet +ihres beiderseitigen Bestehens, dass das Gesetztseyn des einen auch +das Gesetztseyn des Andern ist. Sie machen Ein Bestehen aus, +zugleich als verschiedener, gegen einander gleichgueltiger Inhalt. In +der wesentlichen Seite der Erscheinung ist somit das Negative des +unwesentlichen Inhalts, sich aufzuheben, in die Identitaet +zurueckgegangen; er ist ein gleichgueltiges Bestehen, welches nicht das +Aufgehobenseyn, sondern vielmehr das Bestehen des Andern ist. + +Diese Einheit ist das Gesetz der Erscheinung. + +2. Das Gesetz ist also das Positive der Vermittelung des +Erscheinenden. Die Erscheinung ist zunaechst die Existenz als die +negative Vermittelung mit sich, so dass das Existirende durch sein +eigenes Nichtbestehen, durch ein Anderes, und wieder durch das +Nichtbestehen dieses Andern mit sich vermittelt ist. Darin ist +enthalten erstens das blosse Scheinen und das Verschwinden beider, die +unwesentliche Erscheinung; zweitens auch das Bleiben oder das Gesetz; +denn jedes der beiden existirt in jenem Aufheben des Andern; und ihr +Gesetztseyn als ihre Negativitaet ist zugleich das identische, +positive Gesetztseyn beider. + +Diess bleibende Bestehen, welches die Erscheinung im Gesetze hat, ist +somit, wie es sich bestimmt hat, erstlich entgegengesetzt der +Unmittelbarkeit des Seyns, welche die Existenz hat. Diese +Unmittelbarkeit ist zwar an sich die reflektirte, naemlich der in sich +zurueckgegangene Grund; aber in der Erscheinung ist nun diese einfache +Unmittelbarkeit von der reflektirten unterschieden, welche im Dinge +erst sich zu trennen anfingen. Das existirende Ding ist in seiner +Aufloesung dieser Gegensatz geworden; das Positive seiner Aufloesung +ist jene Identitaet des Erscheinenden als Gesetztseyns mit sich in +seinem andern Gesetztseyn.--Zweitens ist diese reflektirte +Unmittelbarkeit selbst bestimmt als das Gesetztseyn, gegen die +seyende Unmittelbarkeit der Existenz. Diess Gesetztseyn ist nunmehr +das Wesentliche, und wahrhaft Positive. Der deutsche Ausdruck Gesetz +enthaelt diese Bestimmung gleichfalls. In diesem Gesetztseyn liegt +die wesentliche Beziehung der beiden Seiten des Unterschiedes, die +das Gesetz enthaelt; sie sind verschiedener gegen einander +unmittelbarer Inhalt und sind diess als die Reflexion des der +Erscheinung angehoerigen, verschwindenden Inhalts. Als wesentliche +Verschiedenheit, sind die Verschiedenen einfache sich auf sich +beziehende Inhaltsbestimmungen. Aber ebenso sehr ist keine fuer sich +unmittelbar, sondern jede ist wesentlich Gesetztseyn, oder ist nur, +insofern die andere ist. + +Drittens Erscheinung und Gesetz haben einen und denselben Inhalt. +Das Gesetz ist die Reflexion der Erscheinung in die Identitaet mit +sich; so steht die Erscheinung als das nichtige Unmittelbare dem +Insichreflektirten gegenueber, und sie sind nach dieser Form +unterschieden. Aber die Reflexion der Erscheinung, wodurch dieser +Unterschied ist, ist auch die wesentliche Identitaet der Erscheinung +selbst und ihrer Reflexion, was ueberhaupt die Natur der Reflexion ist; +sie ist das im Gesetztseyn identische mit sich, und gleichgueltig +gegen jenen Unterschied, welcher die Form oder das Gesetztseyn ist; +also ein Inhalt, der sich aus der Erscheinung in das Gesetz +kontinuirt, der Inhalt des Gesetzes, und der Erscheinung. + +Dieser Inhalt macht hiermit die Grundlage der Erscheinung aus; das +Gesetz ist diese Grundlage selbst, die Erscheinung ist derselbe +Inhalt, aber enthaelt noch mehr, naemlich den unwesentlichen Inhalt +ihres unmittelbaren Seyns. Auch die Formbestimmung, wodurch die +Erscheinung als solche von dem Gesetze unterschieden ist, ist naemlich +ein Inhalt und gleichfalls ein vom Inhalte des Gesetzes +unterschiedener. Denn die Existenz ist als Unmittelbarkeit ueberhaupt +gleichfalls ein mit sich Identisches der Materie und Form, das gegen +seine Formbestimmungen gleichgueltig und daher Inhalt ist; sie ist die +Dingheit mit ihren Eigenschaften und Materien. Aber sie ist der +Inhalt, dessen selbststaendige Unmittelbarkeit zugleich nur als ein +Nichtbestehen ist. Die Identitaet desselben mit sich in diesem seinem +Nichtbestehen aber ist der andere, wesentliche Inhalt. Diese +Identitaet, die Grundlage der Erscheinung, welche das Gesetz ausmacht, +ist ihr eigenes Moment; es ist die positive Seite der Wesentlichkeit, +wodurch die Existenz Erscheinung ist. + +Das Gesetz ist daher nicht jenseits der Erscheinung, sondern in ihr +unmittelbar gegenwaertig; das Reich der Gesetze ist das ruhige Abbild +der existirenden oder erscheinenden Welt. Aber vielmehr ist beides +Eine Totalitaet, und die existirende Welt ist selbst das Reich der +Gesetze, das als das einfache Identische, zugleich als in dem +Gesetztseyn oder in der sich selbstaufloesenden Selbststaendigkeit der +Existenz identisch mit sich ist. Die Existenz geht in das Gesetz als +in ihren Grund zurueck; die Erscheinung enthaelt diess Beides, den +einfachen Grund, und die aufloesende Bewegung des erscheinenden +Universums, deren Wesentlichkeit er ist. + +3. Das Gesetz ist also die wesentliche Erscheinung; es ist die +Reflexion derselben in sich in ihrem Gesetztseyn, der identische +Inhalt seiner und der unwesentlichen Existenz. Erstlich ist nun +diese Identitaet des Gesetzes mit seiner Existenz nur erst die +unmittelbare, einfache Identitaet, und das Gesetz ist gleichgueltig +gegen seine Existenz; die Erscheinung hat noch einen andern Inhalt +gegen den Inhalt des Gesetzes. Jener ist zwar der unwesentliche, und +das Zurueckgehen in diesen; aber fuer das Gesetz ist er ein Erstes, das +nicht durch dieses gesetzt ist; er ist daher als Inhalt aeusserlich mit +dem Gesetze verbunden. Die Erscheinung ist eine Menge naeherer +Bestimmungen, die dem Diesen oder dem Konkreten angehoeren und nicht +im Gesetze enthalten, sondern durch ein Anderes bestimmt sind. +--Zweitens das, was die Erscheinung von dem Gesetze Verschiedenes +enthaelt, bestimmte sich als ein Positives oder als ein anderer Inhalt; +aber es ist wesentlich ein Negatives; es ist die Form und ihre +Bewegung als solche, die der Erscheinung zukommt. Das Reich der +Gesetze ist der ruhige Inhalt der Erscheinung; diese ist derselbe +aber sich im unruhigen Wechsel und als die Reflexion in anderes +darstellend. Sie ist das Gesetz als die negative sich schlechthin +veraendernde Existenz, die Bewegung des Uebergehens in Entgegengesetzte, +des sich Aufhebens und des Zurueckgehens in die Einheit. Diese Seite +der unruhigen Form oder der Negativitaet enthaelt das Gesetz nicht; die +Erscheinung ist daher gegen das Gesetz die Totalitaet, denn sie +enthaelt das Gesetz, aber auch noch mehr, naemlich das Moment der sich +selbst bewegenden Form.--Dieser Mangel ist drittens am Gesetze so +vorhanden, dass dessen Inhalt nur erst ein verschiedener, damit ein +gegen sich gleichgueltiger ist; daher die Identitaet seiner Seiten +miteinander nur erst eine unmittelbare und damit innere, oder noch +nicht nothwendige ist. Im Gesetze sind zwei Inhaltsbestimmungen als +wesentlich verbunden (z.B. im Gesetze der Bewegung des Falls die +Raumgroesse und die Zeitgroesse; die durchloffenen Raeume verhalten sich +wie die Quadrate der verflossenen Zeiten); sie sind verbunden; diese +Beziehung ist nur erst eine unmittelbare. Sie ist daher gleichfalls +nur erst eine gesetzte, wie in der Erscheinung das Unmittelbare +ueberhaupt die Bedeutung des Gesetztseyns erhalten bat. Die +wesentliche Einheit der beiden Seiten des Gesetzes waere ihre +Negativitaet, dass naemlich die eine an ihr selbst ihre andere enthielte; +aber diese wesentliche Einheit ist noch nicht am Gesetze +hervorgetreten. (--So ist es nicht im Begriffe des im Falle +durchloffenen Raumes enthalten, dass ihm die Zeit als Quadrat +entspricht. Weil der Fall eine sinnliche Bewegung ist, ist er die +Beziehung von Zeit und Raum; aber erstens liegt es in der Bestimmung +der Zeit selbst nicht,--d. h. wie die Zeit nach ihrer Vorstellung +genommen wird, dass sie sich auf den Raum bezieht, und umgekehrt; man +sagt, man koenne sich die Zeit sehr wohl ohne den Raum und den Raum +ohne die Zeit vorstellen; das eine tritt also aeusserlich zu dem andern +hinzu, welche aeusserliche Beziehung die Bewegung ist. Zweitens ist +die naehere Bestimmung gleichgueltig, nach welchen Groessen sich in der +Bewegung Raum und Zeit zu einander verhalten. Das Gesetz hierueber +wird aus der Erfahrung erkannt; insofern ist es nur unmittelbar; es +erfordert noch einen Beweis, d. h. eine Vermittelung, fuer das +Erkennen, dass das Gesetz nicht nur Statt hat, sondern nothwendig ist; +diesen Beweis und seine objektive Nothwendigkeit enthaelt das Gesetz +als solches nicht.--) Das Gesetz ist daher nur die positive +Wesentlichkeit der Erscheinung, nicht ihre negative, nach welcher die +Inhaltsbestimmungen Momente der Form sind, als solche in ihr Anderes +uebergehen, und an ihnen selbst ebenso sehr nicht sie, sondern ihr +anderes sind. Im Gesetze ist also zwar das Gesetztseyn der einen +Seite desselben das Gesetztseyn der andern; aber ihr Inhalt ist +gleichgueltig gegen diese Beziehung, er enthaelt nicht an ihm selbst +diess Gesetztseyn. Das Gesetz ist daher wohl die wesentliche Form, +aber noch nicht die in ihre Seiten als Inhalt reflektirte, reale Form. + +B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt. + +I. Die existirende Welt erhebt sich ruhig zu einem Reiche von +Gesetzen; der nichtige Inhalt ihres mannigfaltigen Daseyns hat in +einem Andern sein Bestehen; sein Bestehen ist daher seine Aufloesung. +Aber in diesem Andern geht das Erscheinende auch mit sich selbst +zusammen; so ist die Erscheinung in ihrem Wandel auch ein Bleiben, +und ihr Gesetztseyn ist Gesetz. Das Gesetz ist diese einfache +Identitaet der Erscheinung mit sich; daher die Grundlage, nicht der +Grund derselben; denn es ist nicht die negative Einheit der +Erscheinung; sondern als ihre einfache Identitaet, die unmittelbare +als abstrakte Einheit, neben welcher daher auch der andre Inhalt +derselben Statt hat. Der Inhalt ist dieser, haengt in sich zusammen, +oder hat seine negative Reflexion innerhalb seiner selbst. Er ist in +ein anderes reflektirt; diess Andere ist selbst eine Existenz der +Erscheinung; die erscheinenden Dinge haben ihre Gruende und +Bedingungen an andern erscheinenden Dingen. + +In der That aber ist das Gesetz auch das Andere der Erscheinung als +solcher, und ihre negative Reflexion als in ihr Anderes. Der Inhalt +der Erscheinung, der vom Inhalt des Gesetzes verschieden ist, ist das +Existirende, das seine Negativitaet zu seinem Grunde hat oder in sein +Nichtseyn reflektirt ist. Aber diess Andere, das auch ein +Existirendes ist, ist gleichfalls ein solches in sein Nichtseyn +Reflektirtes; es ist also dasselbe, und das Erscheinende ist darin in +der That nicht in ein anderes, sondern in sich reflektirt; eben diese +Reflexion des Gesetztseyns in sich ist das Gesetz. Aber als +Erscheinendes ist es wesentlich in sein Nichtseyn reflektirt, oder +seine Identitaet ist selbst wesentlich ebenso sehr seine Negativitaet +und sein Anderes. Die Reflexion-in-sich der Erscheinung, das Gesetz, +ist also auch nicht nur ihre identische Grundlage, sondern sie hat an +ihm ihren Gegensatz, und es ist ihre negative Einheit. + +Dadurch hat sich nun die Bestimmung des Gesetzes an ihm selbst +veraendert. + +Zunaechst ist es nur ein verschiedener Inhalt, und die formale +Reflexion des Gesetztseyns in sich, so dass das Gesetztseyn der einen +seiner Seiten das Gesetztseyn der andern ist. Weil es aber auch die +negative Reflexion in sich ist, so verhalten sich seine Seiten nicht +nur als verschiedene, sondern als negativ sich auf einander +beziehende.--Oder das Gesetz bloss fuer sich betrachtet, so sind die +Seiten seines Inhalts gleichgueltige gegen einander; aber ebenso sehr +sind sie durch ihre Identitaet aufgehobene; das Gesetztseyn der einen +ist das Gesetztseyn der andern; also ist das Bestehen einer jeden +auch das Nichtbestehen ihrer selbst. Diess Gesetztseyn der einen in +der andern ist ihre negative Einheit und jedes ist nicht nur das +Gesetztseyn ihrer, sondern auch der andern, oder jede ist selbst +diese negative Einheit. Die positive Identitaet, welche sie im +Gesetze als solchem haben, ist nur erst ihre innere Einheit, welche +des Beweises und der Vermittelung bedarf, weil diese negative Einheit +noch nicht an ihnen gesetzt ist. Aber indem die verschiedenen Seiten +des Gesetzes nunmehr bestimmt sind, als in ihrer negativen Einheit +verschiedene zu seyn, oder als solche, deren jedes sein Anderes an +ihm selbst enthaelt und zugleich als Selbststaendiges diess sein +Andersseyn von sich abstoesst, so ist die Identitaet des Gesetzes +nunmehr auch eine gesetzte und reale. + +Damit hat also das Gesetz das mangelnde Moment der negativen Form +seiner Seiten gleichfalls erhalten; das Moment, das vorhin noch der +Erscheinung angehoerte; die Existenz ist somit vollstaendig in sich +zurueckgegangen, und hat sich in ihr absolutes an- und +fuer-sichseyendes Andersseyn reflektirt. Das, was vorher Gesetz war, +ist daher nicht mehr nur Eine Seite des Ganzen, dessen andere die +Erscheinung als solche war, sondern ist selbst das Ganze. Sie ist +die wesentliche Totalitaet der Erscheinung, so dass sie nun auch das +Moment der Unwesentlichkeit, das noch dieser zukam, enthaelt; aber als +die reflektirte, an sich seyende Unwesentlichkeit, d. h. als die +wesentliche Negativitaet.--Das Gesetz ist als unmittelbarer Inhalt, +bestimmt ueberhaupt, unterschieden von andern Gesetzen, und es giebt +deren eine unbestimmbare Menge. Aber indem es die wesentliche +Negativitaet nun an ihm selbst hat, enthaelt es nicht mehr eine solche +nur gleichgueltige, zufaellige Inhaltsbestimmung; sondern sein Inhalt +ist alle Bestimmtheit ueberhaupt, in wesentlicher sich zur Totalitaet +machenden Beziehung. So ist die in sich reflektirte Erscheinung nun +eine Welt, die sich als an und fuer sich seyende ueber der +erscheinenden Welt aufthut. + +Das Reich der Gesetze enthaelt nur den einfachen, wandellosen aber +verschiedenen Inhalt der existirenden Welt. Indem es nun aber die +totale Reflexion von dieser ist, enthaelt es auch das Moment ihrer +wesenlosen Mannigfaltigkeit. Dieses Moment der Veraenderlichkeit und +Veraenderung als in sich reflektirtes, wesentliches, ist die absolute +Negativitaet oder die Form ueberhaupt als solche, deren Momente aber in +der an- und fuer-sichseyenden Welt die Realitaet selbststaendiger, aber +reflektirter Existenz haben; so wie umgekehrt diese reflektirte +Selbststaendigkeit nunmehr die Form an ihr selbst hat, und dadurch ihr +Inhalt nicht ein bloss mannigfaltiger, sondern ein wesentlich mit sich +zusammenhaengender ist. + +--Diese an und fuer sich seyende Welt heisst auch die uebersinnliche +Welt; insofern die existirende Welt als sinnliche, naemlich als solche +bestimmt wird, die fuer die Anschauung, das unmittelbare Verhalten des +Bewusstseyns, ist.--Die uebersinnliche Welt hat gleichfalls +Unmittelbarkeit, Existenz, aber reflektirte, wesentliche Existenz. +Das Wesen hat noch kein Daseyn; aber es ist, und in tieferem Sinne, +als das Seyn; das Ding ist der Beginn der reflektirten Existenz; es +ist eine Unmittelbarkeit, die noch nicht gesetzt ist, als wesentliche +oder reflektirte; es ist aber in Wahrheit nicht ein seyendes +Unmittelbares. Die Dinge erst, als Dinge einer andern, +uebersinnlichen Welt sind gesetzt, erstens als wahrhafte Existenzen, +und zweitens als das Wahre gegen das Seyende;--in ihnen ist es +anerkannt, dass es ein von dem unmittelbaren Seyn unterschiedenes Seyn +gibt, das wahrhafte Existenz ist. Eines Theils ist in dieser +Bestimmung die sinnliche Vorstellung ueberwunden, welche nur dem +unmittelbaren Seyn des Gefuehls und der Anschauung Existenz zuschreibt; +andern Theils aber auch die bewusstlose Reflexion, welche zwar die +Vorstellung von Dingen, Kraeften, Innerlichem und so fort hat, ohne zu +wissen, dass solche Bestimmungen nicht sinnliche oder seyende +Unmittelbarkeiten, sondern reflektirte Existenzen sind. + +2. Die an und fuer sich seyende Welt ist die Totalitaet der Existenz; +es ist nichts Anderes ausser ihr. Indem sie aber an ihr selbst die +absolute Negativitaet oder Form ist, so ist ihre Reflexion-in-sich, +negative Beziehung auf sich. Sie enthaelt den Gegensatz, und stoesst +sich ab in sich als die wesentliche Welt, und in sich als die Welt +des Andersseyns oder die Welt der Erscheinung. So ist sie darum, +weil sie die Totalitaet ist, auch nur als eine Seite derselben, und +macht in dieser Bestimmung eine gegen die Welt der Erscheinung +verschiedene Selbststaendigkeit aus. Die erscheinende Welt hat an der +wesentlichen Welt ihre negative Einheit, in der sie zu Grunde und in +die sie als in ihren Grund zurueckgeht. Ferner ist die wesentliche +Welt auch der setzende Grund der erscheinenden Welt; denn, die +absolute Form in ihrer Wesentlichkeit enthaltend, hebt sich ihre +Identitaet mit sich auf, macht sich zum Gesetztseyn und ist als diese +gesetzte Unmittelbarkeit die erscheinende Welt. + +Sie ist ferner nicht nur ueberhaupt Grund der erscheinenden Welt, +sondern ihr bestimmter Grund. Schon als das Reich der Gesetze ist +sie mannigfaltiger Inhalt, und zwar der wesentliche der erscheinenden +Welt, und als inhaltsvoller Grund, der bestimmte Grund der andern, +aber nur diesem Inhalt nach; denn die erscheinende Welt hatte noch +mannigfaltigen andern Inhalt als jenes Reich, weil ihr noch das +negative Moment eigenthuemlich zukam. Aber indem das Reich der +Gesetze diess Moment nun gleichfalls an ihm hat, so ist es die +Totalitaet des Inhalts der erscheinenden Welt und der Grund aller +ihrer Mannigfaltigkeit. Aber sie ist zugleich das negative derselben, +so ist die derselben entgegengesetzte Welt.--Naemlich in der +Identitaet beider Welten, und indem die eine der Form nach bestimmt +ist, als die wesentliche und die andere als dieselbe aber als +gesetzte und unwesentliche, hat sich zwar die Grundbeziehung wieder +hergestellt; aber zugleich als die Grundbeziehung der Erscheinung, +naemlich als Beziehung nicht eines identischen Inhalts, noch auch +eines bloss verschiedenen, wie das Gesetz ist, sondern als totale +Beziehung, oder als negative Identitaet und wesentliche Beziehung des +Inhalts als entgegengesetzten.--Das Reich der Gesetze ist nicht nur +diess, dass das Gesetztseyn eines Inhalts das Gesetztseyn eines Andern +ist, sondern diese Identitaet ist wesentlich, wie sich ergeben hat, +auch negative Einheit; jede der beiden Seiten des Gesetzes ist in der +negativen Einheit an ihr selbst ihr anderer Inhalt; das Andere ist +daher nicht unbestimmt ein Anderes ueberhaupt, sondern es ist ihr +Anderes, oder es enthaelt gleichfalls die Inhaltsbestimmung von jener; +so sind die beiden Seiten entgegengesetzte. Indem das Reich der +Gesetze nun diess negative Moment und den Gegensatz an ihm hat, und +sich somit als die Totalitaet, von sich selbst in eine an und fuer sich +seyende und eine erscheinende Welt abstoesst, so ist die Identitaet +beider die wesentliche Beziehung der Entgegensetzung.--Die +Grundbeziehung als solche ist der in seinem Widerspruch zu Grunde +gegangene Gegensatz; und die Existenz der mit sich selbst +zusammengehende Grund. Aber die Existenz wird zur Erscheinung; der +Grund ist in der Existenz aufgehoben; er stellt sich als Rueckkehr der +Erscheinung in sich, wieder her; aber zugleich als aufgehobener, +naemlich als Grundbeziehung entgegengesetzter Bestimmungen; die +Identitaet solcher aber ist wesentlich Werden und Uebergehen, nicht +mehr die Grundbeziehung als solche. + +Die an und fuer sich seyende Welt ist also selbst eine in sich in die +Totalitaet des mannigfaltigen Inhalts unterschiedene Welt; sie ist +identisch mit der erscheinenden oder gesetzten, insofern Grund +derselben, aber ihr identischer Zusammenhang ist zugleich als +Entgegensetzung bestimmt, weil die Form der erscheinenden Welt die +Reflexion in ihr Andersseyn ist, sie also in der an und fuer sich +seyenden Welt wahrhaft so in sich selbst zurueckgegangen ist, als +diese ihre entgegengesetzte ist. Die Beziehung ist also bestimmt +diese, dass die an und fuer sich seyende Welt die verkehrte der +erscheinenden ist. + +C. Aufloesung der Erscheinung. + +Die an und fuer sich seyende Welt ist der bestimmte Grund der +erscheinenden Welt, und ist diess nur, insofern sie an ihr selbst das +negative Moment und damit die Totalitaet der Inhaltsbestimmungen und +ihrer Veraenderungen ist, welche der erscheinenden Welt entspricht, +aber zugleich ihre durchaus entgegengesetzte Seite ausmacht. Beide +Welten verhalten sich also so zu einander, dass was in der +erscheinenden Welt positiv, in der an und fuer sich seyenden Welt +negativ, umgekehrt was in jener negativ, in dieser positiv ist. Der +Nordpol in der erscheinenden Welt, ist an und fuer sich der Suedpol, +und umgekehrt; die positive Elektricitaet ist an sich negative u.s.f. +Was im erscheinenden Daseyn boese, Unglueck u.s.f. ist, ist an und fuer +sich gut und ein Glueck*). + +In der That ist gerade in diesem Gegensatz beider Welten ihr +Unterschied verschwunden, und was an und fuer sich seyende Welt seyn +sollte, ist selbst erscheinende Welt, und diese umgekehrt an ihr +selbst wesentliche Welt.--Die erscheinende Welt ist zunaechst bestimmt +als die Reflexion in das Andersseyn, so dass ihre Bestimmungen und +Existenzen in einem Andern ihren Grund und Bestehen haben; aber indem +diess Andre gleichfalls ein solches in ein anderes Reflektirtes ist, +so beziehen sie sich darin nur auf ein sich aufhebendes Anderes, +somit auf sich selbst; die erscheinende Welt ist hiermit an ihr +selbst sich selbst gleiches Gesetz.--Umgekehrt die an und fuer sich +seyende Welt ist zunaechst der mit sich identische, dem Andersseyn und +Wechsel entnommene Inhalt; aber dieser, als vollstaendige Reflexion +der erscheinenden Welt in sich selbst, oder weil seine +Verschiedenheit in sich reflektirter und absoluter Unterschied ist, +so enthaelt er das negative Moment und die Beziehung auf sich als auf +das Andersseyn; er wird dadurch sich selbst entgegengesetzter, sich +verkehrender, wesenloser Inhalt. Ferner hat dieser Inhalt der an und +fuer sich seyenden Welt damit auch die Form unmittelbarer Existenz +erhalten. Denn sie ist zunaechst Grund der erscheinenden; aber indem +sie die Entgegensetznng an ihr selbst hat, ist sie ebenso sehr +aufgehobener Grund und unmittelbare Existenz. + +Die erscheinende und die wesentliche Welt sind hiermit jede an ihr +selbst die Totalitaet der mit sich identischen Reflexion und der +Reflexion-in-Anderes, oder des An-und-fuer-sich-seyns und des +Erscheinens. Sie sind beide die selbststaendigen Ganzen der Existenz; +die eine sollte nur die reflektirte Existenz, die andere die +unmittelbare Existenz seyn; aber jede kontinuirt sich in ihrer andern +und ist daher an ihr selbst die Identitaet dieser beiden Momente. Was +also vorhanden ist, ist diese Totalitaet, welche sich von sich selbst +in zwei Totalitaeten abstoesst, die eine die reflektirte Totalitaet, und +die andere die unmittelbare. Beide sind erstlich Selbststaendige, +aber sie sind diess nur als Totalitaeten, und diess sind sie insofern, +dass jede wesentlich das Moment der andern an ihr hat. Die +unterschiedene Selbststaendigkeit einer jeden, der als unmittelbar und +der als reflektirt bestimmten, ist daher nunmehr so gesetzt, nur als +wesentliche Beziehung auf die andre zu seyn, und ihre +Selbststaendigkeit in dieser Einheit beider zu haben. + +Es wurde vom Gesetz der Erscheinung ausgegangen; dieses ist die +Identitaet eines verschiedenen Inhalts mit einem andern Inhalte, so +dass das Gesetztseyn des einen das Gesetztseyn des andern ist. Im +Gesetze ist noch dieser Unterschied vorhanden, dass die Identitaet +seiner Seiten nur erst eine innere ist, und diese Seiten sie noch +nicht an ihnen selbst haben; damit ist eines Theils jene Identitaet +nicht realisirt; der Inhalt des Gesetzes ist nicht als identischer, +sondern ein gleichgueltiger, verschiedener Inhalt; andern Theils ist +er damit nur an sich so bestimmt, dass das Gesetztseyn des einen, das +Gesetztseyn des andern ist; diess ist noch nicht an ihm vorhanden. +Nunmehr aber ist das Gesetz realisirt; seine innere Identitaet ist +zugleich daseyende, und umgekehrt ist der Inhalt des Gesetzes in die +Idealitaet erhoben; denn er ist an ihm selbst aufgehobener, in sich +reflektirter, indem jede Seite an ihr ihre andere hat, und damit +wahrhaft mit ihr und mit sich identisch ist. + +So ist das Gesetz wesentliches Verhaeltniss. Die Wahrheit der +unwesentlichen Welt ist zunaechst eine ihr andere an und fuer sich +seyende Welt; aber diese ist die Totalitaet, indem sie, sie selbst und +jene erste ist; so sind beide unmittelbare Existenzen und damit +Reflexionen in ihr Andersseyn, als auch eben damit wahrhaft in sich +reflektirte. Welt drueckt ueberhaupt die formlose Totalitaet der +Mannigfaltigkeit aus; diese Welt, sowohl als wesentliche wie als +erscheinende ist zu Grunde gegangen, indem die Mannigfaltigkeit +aufgehoert hat, eine bloss verschiedene zu seyn; so ist sie noch +Totalitaet oder Universum aber als wesentliches Verhaeltniss. Es sind +zwei Totalitaeten des Inhalts in der Erscheinung entstanden; zunaechst +sind sie als gleichgueltige Selbststaendige gegen einander bestimmt und +haben zwar die Form jede an ihr selbst, aber nicht gegen einander; +diese aber hat sich auch als ihre Beziehung gezeigt, und das +wesentliche Verhaeltniss ist die Vollendung ihrer Formeinheit. + + + +Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhaeltniss. + + +Die Wahrheit der Erscheinung ist das wesentliche Verhaeltniss. Sein +Inhalt hat unmittelbare Selbststaendigkeit, und zwar die seyende +Unmittelbarkeit, und die reflektirte Unmittelbarkeit oder die mit +sich identische Reflexion. Zugleich ist er in dieser +Selbststaendigkeit ein relativer, schlechthin nur als Reflexion in +sein Anderes, oder als Einheit der Beziehung mit seinem Andern. In +dieser Einheit ist der selbststaendige Inhalt ein Gesetztes, +Aufgehobenes; aber eben diese Einheit macht seine Wesentlichkeit und +Selbststaendigkeit aus; diese Reflexion in Anderes ist Reflexion in +sich selbst. Das Verhaeltniss hat Seiten, weil es Reflexion in Anderes +ist; so hat es den Unterschied seiner selbst an ihm; und die Seiten +desselben sind selbststaendiges Bestehen, indem sie in ihrer +gleichgueltigen Verschiedenheit gegen einander, in sich selbst +gebrochen sind, so dass das Bestehen einer jeden, ebenso sehr nur +seine Bedeutung in der Beziehung auf die andere oder in ihrer +negativen Einheit hat. + +Das wesentliche Verhaeltniss ist daher zwar noch nicht das wahrhafte +Dritte zum Wesen und zur Existenz; aber enthaelt bereits die bestimmte +Vereinigung beider. Das Wesen ist in ihm so realisirt, dass es +selbststaendig-existirende zu seinem Bestehen hat; und diese sind aus +ihrer Gleichgueltigkeit in ihre wesentliche Einheit zurueckgegangen, so +dass sie nur diese zu ihrem Bestehen haben. Die +Reflexions-Bestimmungen des Positiven und Negativen sind gleichfalls +in sich reflektirte nur als reflektirt in ihr Entgegengesetztes; aber +sie haben keine andere Bestimmung als diese ihre negative Einheit; +das wesentliche Verhaeltniss hingegen hat solche zu seinen Seiten, +welche als selbststaendige Totalitaeten gesetzt sind. Es ist dieselbe +Entgegensetzung als die des Positiven und Negativen; aber zugleich +als eine verkehrte Welt. Die Seite des wesentlichen Verhaeltnisses +ist eine Totalitaet, die aber als wesentlich ein Entgegengesetztes, +ein Jenseits seiner hat; es ist nur Erscheinung; seine Existenz ist +vielmehr nicht die seinige, sondern die seines Andern. Es ist daher +ein in sich selbst Gebrochenes; aber diess sein Aufgehobenseyn besteht +darin, dass es die Einheit seiner selbst und seines Andern also Ganzes +ist, und eben darum hat es selbststaendige Existenz und ist +wesentliche Reflexion in sich. + +Diess ist der Begriff des Verhaeltnisses. Zunaechst aber ist die +Identitaet, die es enthaelt, noch nicht vollkommen; die Totalitaet, +welche jedes relative an ihm selbst ist, ist erst ein Inneres; die +Seite des Verhaeltnisses ist zunaechst gesetzt in einer der +Bestimmungen der negativen Einheit; die eigene Selbststaendigkeit +jeder der beiden Seiten ist dasjenige, was die Form des Verhaeltnisses +ausmacht. Seine Identitaet ist daher nur eine Beziehung, ausserhalb +welcher ihre Selbststaendigkeit faellt; naemlich in die Seiten; es ist +noch nicht die reflektirte Einheit jener Identitaet und der +selbststaendigen Existenzen vorhanden, noch nicht die Substanz.--Der +Begriff des Verhaeltnisses hat sich daher zwar ergeben, Einheit der +reflektirten und der unmittelbaren Selbststaendigkeit zu seyn. Aber +zuerst ist dieser Begriff selbst noch unmittelbar, seine Momente +daher unmittelbare gegen einander, und die Einheit deren wesentliche +Beziehung, die erst dann die wahrhafte, dem Begriffe entsprechende +Einheit ist, insofern sie sich realisirt, naemlich durch ihre Bewegung +als jene Einheit gesetzt hat. + +Das wesentliche Verhaeltniss ist daher unmittelbar das Verhaeltniss des +Ganzen und der Theile;--die Beziehung der reflektirten und der +unmittelbaren Selbststaendigkeit, so dass beide zugleich nur sind als +sich gegenseitig bedingend und voraussetzend. + +In diesem Verhaeltnisse ist noch keine der Seiten als Moment der +andern gesetzt, ihre Identitaet ist daher selbst eine Seite; oder sie +ist nicht ihre negative Einheit. Es geht darum zweitens darein ueber, +dass die eine Moment der andern und in ihr als in ihrem Grunde, dem +wahrhaft Selbststaendigen von beiden, ist;--Verhaeltniss der Kraft und +ihrer Aeusserung. + +Drittens hebt sich die noch vorhandene Ungleichheit dieser Beziehung +auf, und das letzte Verhaeltniss ist das des Innern und Aeussern.--In +diesem ganz formell gewordenen Unterschiede geht das Verhaeltniss +selbst zu Grunde, und die Substanz oder das Wirkliche tritt hervor, +als die absolute Einheit der unmittelbaren und der reflektirten +Existenz. + +A. Das Verhaeltniss des Ganzen und der Theile. + +Das wesentliche Verhaeltniss enthaelt erstens die in sich reflektirte +Selbststaendigkeit der Existenz; so ist es die einfache Form, deren +Bestimmungen zwar auch Existenzen, aber zugleich gesetzte, Momente in +der Einheit gehalten, sind. Diese in sich reflektirte +Selbststaendigkeit ist zugleich Reflexion in ihr Entgegengesetztes, +naemlich die unmittelbare Selbststaendigkeit; und ihr Bestehen ist +wesentlich ebenso sehr als es eigene Selbststaendigkeit ist, diese +Identitaet mit seinem Entgegengesetzten.--Eben damit ist auch +unmittelbar zweitens die andre Seite gesetzt; die unmittelbare +Selbststaendigkeit, welche als das Andre bestimmt, eine vielfache +Mannigfaltigkeit in sich ist, aber so dass diese Mannigfaltigkeit +wesentlich auch die Beziehung der andern Seite, die Einheit der +reflektirten Selbststaendigkeit an ihr hat. Jene Seite, das Ganze, +ist die Selbststaendigkeit, welche die an und fuer sich seyende Welt +ausmachte; die andere Seite, die Theile, ist die unmittelbare +Existenz, welche die erscheinende Welt war. Im Verhaeltnisse des +Ganzen und der Theile sind die beiden Seiten diese +Selbststaendigkeiten, aber so dass jede die andere in ihr scheinen hat, +und nur ist zugleich als diese Identitaet beider. Weil nun das +wesentliche Verhaeltniss nur erst das erste, unmittelbare ist, so ist +die negative Einheit und die positive Selbststaendigkeit durch das +Auch verbunden; beide Seiten sind zwar als Momente gesetzt, aber +ebenso sehr als existirende Selbststaendigkeiten.--Dass beide als +Momente gesetzt sind, diess ist daher so vertheilt, dass erstens das +Ganze, die reflektirte Selbststaendigkeit, als Existirendes und in ihr +die andere, die unmittelbare als Moment ist;--hier macht das Ganze +die Einheit beider Seiten, die Grundlage aus, und die unmittelbare +Existenz ist als Gesetztseyn.--Umgekehrt ist auf der andern Seite, +naemlich der Seite der Theile, die unmittelbare, in sich mannigfaltige +Existenz, die selbststaendige Grundlage; die reflektirte Einheit +dagegen, das Ganze ist nur aeusserliche Beziehung. + +2. Diess Verhaeltniss enthaelt somit die Selbststaendigkeit der Seiten, +und ebenso sehr ihr Aufgehobenseyn, und beides schlechthin in Einer +Beziehung. Das Ganze ist das Selbststaendige, die Theile sind nur +Momente dieser Einheit; aber ebenso sehr sind sie auch das +Selbststaendige, und ihre reflektirte Einheit nur ein Moment; und +jedes ist in seiner Selbststaendigkeit schlechthin das Relative eines +Andern. Diess Verhaeltniss ist daher der unmittelbare Widerspruch an +ihm selbst, und hebt sich auf. + +Diess naeher betrachtet, so ist das Ganze die reflektirte Einheit, +welche selbststaendiges Bestehen fuer sich hat; aber diess ihr Bestehen +ist ebenso sehr von ihr abgestossen; das Ganze ist als die negative +Einheit, negative Beziehung auf sich selbst; so ist sie sich +entaeussert; sie hat ihr Bestehen an ihrem Entgegengesetzten, der +mannigfaltigen Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze besteht daher +aus den Theilen; so dass es nicht etwas ist ohne sie. Es ist also das +ganze Verhaeltniss und die selbststaendige Totalitaet; aber gerade aus +demselben Grunde ist es nur ein Relatives, denn was es zur Totalitaet +macht, ist vielmehr sein Anderes, die Theile; und es hat nicht an +sich selbst, sondern an seinem Andern sein Bestehen. + +So sind die Theile gleichfalls das ganze Verhaeltniss. Sie sind die +unmittelbare Selbststaendigkeit gegen die reflektirte, und bestehen +nicht im Ganzen, sondern sind fuer sich. Sie haben ferner diess Ganze +als ihr Moment an ihnen; es macht ihre Beziehung aus; ohne Ganzes +giebt es keine Theile. Aber weil sie das Selbststaendige sind, so ist +diese Beziehung nur ein aeusserliches Moment, gegen welches sie an und +fuer sich gleichgueltig sind. Zugleich aber fallen die Theile als +mannigfaltige Existenz in sich selbst zusammen, denn diese ist das +reflexionslose Seyn; sie haben ihre Selbststaendigkeit nur in der +reflektirten Einheit, welche sowohl diese Einheit als auch die +existirende Mannigfaltigkeit ist; das heisst, sie haben +Selbststaendigkeit nur im Ganzen, das aber zugleich die den Theilen +andere Selbststaendigkeit ist. + +Das Ganze und die Theile bedingen sich daher gegenseitig; aber das +hier betrachtete Verhaeltniss, steht zugleich hoeher, als die Beziehung +des Bedingten und der Bedingung auf einander, wie sie sich oben +bestimmt hatte. Diese Beziehung ist hier realisirt; naemlich es ist +gesetzt, dass die Bedingung so die wesentliche Selbststaendigkeit des +Bedingten ist, dass sie durch dieses vorausgesetzt wird. Die +Bedingung als solche ist nur das Unmittelbare, und nur an sich +vorausgesetzt. Das Ganze aber ist die Bedingung zwar der Theile, +aber es enthaelt zugleich unmittelbar selbst, dass auch es nur ist, +insofern es die Theile zur Voraussetzung hat. Indem so beide Seiten +des Verhaeltnisses gesetzt sind als sich gegenseitig bedingend, ist +jede eine unmittelbare Selbststaendigkeit an ihr selbst, aber ihre +Selbststaendigkeit ist ebenso sehr vermittelt oder gesetzt durch die +andere. Das ganze Verhaeltniss ist durch diese Gegenseitigkeit die +Rueckkehr des Bedingens in sich selbst, das nicht Relative, das +Unbedingte. + +Indem nun die Seiten des Verhaeltnisses jede nicht in ihr selbst ihre +Selbststaendigkeit, sondern in ihrer andern hat, so ist nur Eine +Identitaet beider vorhanden, in welcher beide nur Momente sind; aber +indem jede an ihr selbst selbststaendig ist, so sind sie zwei +selbststaendige Existenzen, die gegen einander gleichgueltig sind. + +Nach der ersten Rueksicht, der wesentlichen Identitaet dieser Seiten, +ist das Ganze den Theilen und die Theile dem Ganzen gleich. Es ist +nichts im Ganzen, was nicht in den Theilen, und nichts in den Theilen, +was nicht im Ganzen ist. Das Ganze ist nicht abstrakte Einheit, +sondern die Einheit als einer verschiedenen Mannigfaltigkeit; diese +Einheit aber als das, worin das Mannigfaltige sich auf einander +bezieht, ist die Bestimmtheit desselben, wodurch es Theil ist. Das +Verhaeltniss hat also eine untrennbare Identitaet, und mir Eine +Selbststaendigkeit. + +Aber ferner ist das Ganze den Theilen gleich; allein nicht denselben +als Theilen; das Ganze ist die reflektirte Einheit, die Theile aber +machen das bestimmte Moment oder das Andersseyn der Einheit aus, und +sind das verschiedene Mannigfaltige. Das Ganze ist ihnen nicht +gleich als diesem selbststaendigen Verschiedenen, sondern als ihnen +zusammen. Diess ihr Zusammen aber ist nichts Anderes, als ihre +Einheit, das Ganze als solches. Das Ganze ist also in den Theilen +nur sich selbst gleich, und die Gleichheit desselben und der Theile +drueckt nur die Tautologie aus, dass das Ganze als Ganzes nicht den +Theilen, sondern dem Ganzen gleich ist. + +Umgekehrt sind die Theile dem Ganzen gleich; aber weil sie das Moment +des Andersseyns an ihnen selbst sind, so sind sie ihm nicht gleich +als der Einheit, sondern so dass eine seiner mannigfaltigen +Bestimmungen auf den Theil kommt, oder dass sie ihm als Mannigfaltigem +gleich sind; das heisst, sie sind ihm als getheiltem Ganzen d. i. als +den Theilen gleich. Es ist hiermit dieselbe Tautologie vorhanden, +dass die Theile als Theile, nicht dem Ganzen als solchem, sondern in +ihm sich selbst, den Theilen, gleich sind. + +Das Ganze und die Theile fallen auf diese Weise gleichgueltig aus +einander; jede dieser Seiten bezieht sich nur auf sich. Aber so aus +einander gehalten zerstoeren sie sich selbst. Das Ganze, das +gleichgueltig ist gegen die Theile, ist die abstrakte, in sich nicht +unterschiedene Identitaet; diese ist Ganzes nur als in sich selbst +unterschieden, und zwar so in sich unterschieden, dass diese +mannigfaltigen Bestimmungen in sich reflektirt sind und unmittelbare +Selbststaendigkeit haben. Und die Reflexionsidentitaet hat sich durch +ihre Bewegung gezeigt, diese Reflexion in ihr Anderes zu ihrer +Wahrheit zu haben.--Ebenso sind die Theile als gleichgueltig gegen die +Einheit des Ganzen, nur das unbezogene Mannigfaltige, das in sich +Andere, welches als solches das Andere seiner selbst und sich nur +Aufhebende ist.--Diese Beziehung-auf-sich jeder der beiden Seiten, +ist ihre Selbststaendigkeit; aber diese ihre Selbststaendigkeit, die +jede fuer sich hat, ist vielmehr die Negation ihrer selbst. Jede hat +daher ihre Selbststaendigkeit nicht an ihr selbst, sondern an der +andern; diese andere, die das Bestehen ausmacht, ist ihr +vorausgesetztes Unmittelbare, das Erstes und ihr Anfang seyn soll; +aber dieses Erste einer jeder ist selbst nur ein solches, das nicht +Erstes ist, sondern an dem andern seinen Anfang hat. + +Die Wahrheit des Verhaeltnisses besteht also in der Vermittelung; sein +Wesen ist die negative Einheit, in welcher ebenso wohl die +reflektirte als die seyende Unmittelbarkeit aufgehoben sind. Das +Verhaeltniss ist der Widerspruch, der in seinen Grund zurueckgeht, in +die Einheit, welche als rueckkehrend die reflektirte Einheit ist, aber +indem diese ebenso sehr sich als aufgehobene gesetzt hat, bezieht sie +sich negativ auf sich selbst, hebt sich auf, und macht sich zur +seyenden Unmittelbarkeit. Aber diese ihre negative Beziehung, +insofern sie ein Erstes und Unmittelbares ist, ist nur vermittelt +durch ihr Anderes, und ebenso sehr ein Gesetztes. Diess Andere, die +seyende Unmittelbarkeit, ist ebenso sehr nur als aufgehobene; ihre +Selbststaendigkeit ist ein Erstes, aber nur um zu verschwinden, und +hat ein Daseyn, das gesetzt und vermittelt ist. + +In dieser Bestimmung ist das Verhaeltniss nicht mehr das des Ganzen und +der Theile; die Unmittelbarkeit, welche seine Seiten hatten, ist in +Gesetztseyn und Vermittelung uebergegangen; es ist jede gesetzt, +insofern sie unmittelbar ist, als sich aufhebend, und in die andere +uebergehend; und insofern sie selbst negative Beziehung ist, zugleich +durch die andere als durch ihr Positives bedingt zu seyn; wie auch +ihr unmittelbares Uebergehen ebenso sehr ein Vermitteltes ist, ein +Aufheben naemlich, das durch die andere gesetzt wird.--So ist das +Verhaeltniss des Ganzen und der Theile in das Verhaeltniss der Kraft und +ihrer Aeusserung uebergegangen. + +Anmerkung. + +Es ist oben (1ster Th. 1ste Abth. S. 216) die Antinomie der +unendlichen Theilbarkeit der Materie, beim Begriffe der Quantitaet +betrachtet worden. Die Quantitaet ist die Einheit der Kontinuitaet und +der Diskretion; sie enthaelt im selbststaendigen Eins sein +Zusammengeflossenseyn mit andern, und in dieser sich ohne +Unterbrechung fortsetzenden Identitaet mit sich ebenso die Negation +derselben. Indem die unmittelbare Beziehung dieser Momente der +Quantitaet, als das wesentliche Verhaeltniss des Ganzen und der Theile, +das Eins der Quantitaet als Theil, die Kontinuitaet desselben aber als +Ganzes, das zusammengesetzt ist aus Theilen, ausgedrueckt wird, so +besteht die Antinomie in dem Widerspruche, der am Verhaeltnisse des +Ganzen und der Theile, vorgekommen und aufgeloest worden ist.--Ganzes +und Theile sind naemlich ebenso wesentlich auf einander bezogen und +machen nur Eine Identitaet aus, als sie gleichgueltig gegen einander +sind und selbststaendiges Bestehen haben. Das Verhaeltniss ist daher +diese Antinomie, dass das Eine Moment, darin, dass es sich vom andern +befreit, unmittelbar das andere herbeifuehrt. + +Das Existirende also als Ganzes bestimmt, so hat es Theile, und die +Theile machen sein Bestehen aus; die Einheit des Ganzen ist nur eine +gesetzte Beziehung, eine aeussere Zusammensetzung, welche das +selbststaendig Existirende nichts angeht. Insofern dieses nun Theil +ist, so ist es nicht Ganzes, nicht Zusammengesetztes, somit Einfaches. +Aber indem ihm die Beziehung auf ein Ganzes aeusserlich ist, so geht +sie dasselbe nichts an; das Selbststaendige ist somit auch nicht an +sich Theil; denn Theil ist es nur durch jene Beziehung. Aber indem +es nun nicht Theil ist, so ist es Ganzes, denn es ist nur diess +Verhaeltniss von Ganzem und von Theilen vorhanden; und das +Selbststaendige ist eins von beiden. Indem es aber Ganzes ist, so ist +es wieder zusammengesetzt; es besteht wieder aus Theilen und so fort +ins Unendliche.--Diese Unendlichkeit besteht in nichts anderem als in +der perennirenden Abwechslung der beiden Bestimmungen des +Verhaeltnisses, in deren jeder die andere unmittelbar entsteht, so dass +das Gesetztseyn jeder das Verschwinden ihrer selbst ist. Die Materie +als Ganzes bestimmt, so besteht sie aus Theilen und an diesen wird +das Ganze zur unwesentlichen Beziehung und verschwindet. Der Theil +aber so fuer sich, ist er auch nicht Theil, sondern das Ganze.--Die +Antinomie dieses Schlusses ganz nahe zusammengerueckt, ist eigentlich +diese: Weil das Ganze nicht das Selbststaendige ist, ist der Theil das +Selbststaendige; aber weil er nur ohne das Ganze selbststaendig ist, so +ist er selbststaendig, nicht als Theil, sondern vielmehr als Ganzes. +Die Unendlichkeit des Progresses, der entsteht, ist die Unfaehigkeit, +die beiden Gedanken zusammen zu bringen, welche diese Vermittelung +enthaelt, dass naemlich jede der beiden Bestimmungen durch ihre +Selbststaendigkeit und Trennung von der andern, in Unselbststaendigkeit +und in die andre uebergeht. + +B. Das Verhaeltniss der Kraft und ihrer Aeusserung. + +Die Kraft ist die negative Einheit, in welche sich der Widerspruch +des Ganzen und der Theile aufgeloest hat, die Wahrheit jenes ersten +Verhaeltnisses. Das Ganze und die Theile ist das gedankenlose +Verhaeltniss, auf welches die Vorstellung zunaechst verfaellt; oder +objektiv ist es das todte, mechanische Aggregat, das zwar +Formbestimmungen hat, wodurch die Mannigfaltigkeit seiner +selbststaendigen Materie in einer Einheit bezogen wird, welche aber +derselben aeusserlich ist.--Das Verhaeltniss der Kraft aber ist die +hoehere Rueckkehr in sich, worin die Einheit des Ganzen, welche die +Beziehung des selbststaendigen Andersseyns ausmachte, aufhoert, dieser +Mannigfaltigkeit ein Aeusserliches und Gleichgueltiges zu seyn. + +Wie sich das wesentliche Verhaeltniss nunmehr bestimmt hat, sind die +unmittelbare und die reflektirte Selbststaendigkeit in derselben als +aufgehobene oder als Momente gesetzt, die im vorhergehenden +Verhaeltnisse fuer sich bestehende Seiten oder Extreme waren. Es ist +darin enthalten erstens, dass die reflektirte Einheit, und ihr +unmittelbares Daseyn, insofern beide erste und unmittelbare sind, +sich an sich selbst aufheben und in ihr Anderes uebergehen; jene, die +Kraft, geht in ihre Aeusserung, ueber, und das Aeusserliche ist ein +Verschwindendes, das in die Kraft, als in ihren Grund zurueckgeht, und +nur ist, als von derselben getragen und gesetzt. Zweitens ist diess +Uebergehen nicht nur ein Werden und Verschwinden, sondern es ist +negative Beziehung auf sich, oder das seine Bestimmung Aendernde ist +darin zugleich in sich reflektirt und erhaelt sich; die Bewegung der +Kraft ist nicht so sehr ein Uebergehen, als dass sie sich selbst ueber +setzt, und in dieser durch sie selbst gesetzten Veraenderung bleibt, +was sie ist.--Drittens ist diese reflektirte, sich auf sich +beziehende Einheit selbst auch aufgehoben und Moment; sie ist +vermittelt durch ihr Anderes, und hat dasselbe zur Bedingung; ihre +negative Beziehung auf sich, die Erstes ist und die Bewegung ihres +Uebergehens aus sich anfaengt, hat ebenso sehr eine Voraussetzung, von +der sie sollicitirt wird, und ein Anderes, von dem sie anfaengt. + +a. Das Bedingtseyn der Kraft. + +In ihren naeheren Bestimmungen betrachtet, hat erstens die Kraft das +Moment der seyenden Unmittelbarkeit an ihr; sie selbst ist dagegen +bestimmt als die negative Einheit. Aber diese in der Bestimmung des +unmittelbaren Seyns ist ein existirendes Etwas. Diess Etwas erscheint, +weil es die negative Einheit als Unmittelbares ist, als das Erste, +die Kraft dagegen, weil sie das reflektirte ist, als das Gesetztseyn, +und insofern als angehoerig dem existirenden Dinge oder einer Materie. +Nicht dass sie die Form dieses Dings und das Ding durch sie bestimmt +waere; sondern das Ding ist als Unmittelbares gleichgueltig gegen sie. +--Es liegt in ihm nach dieser Bestimmung kein Grund, eine Kraft zu +haben; die Kraft hingegen als die Seite des Gesetztseyns hat +wesentlich das Ding zu seiner Voraussetzung. Wenn daher gefragt wird, +wie das Ding oder die Materie dazu komme, eine Kraft zu haben, so +erscheint diese als aeusserlich damit verbunden und dem Dinge durch +eine fremde Gewalt eingedrueckt. + +Als diess unmittelbare Bestehen ist die Kraft eine ruhige Bestimmtheit +des Dings ueberhaupt; nicht ein sich Aeusserndes, sondern unmittelbar +ein aeusserliches. So wird die Kraft auch als Materie bezeichnet, und +statt magnetischer, elektrischer u.s.f. Kraft, eine magnetische, +elektrische u.s.f. Materie angenommen; oder statt der beruehmten +anziehenden Kraft ein feiner Aether, der alles zusammenhalte.--Es sind +die Materien, in welche sich die unthaetige, kraftlose negative +Einheit des Dings aufloest, und die oben betrachtet wurden. + +Aber die Kraft enthaelt die unmittelbare Existenz, als Moment, als ein +solches das zwar Bedingung ist, aber uebergeht und sich aufhebt; also +nicht als ein existirendes Ding. Sie ist ferner nicht die Negation +als Bestimmtheit, sondern negative, sich in sich reflektirende +Einheit. Das Ding, an dem die Kraft seyn sollte, hat somit hier +keine Bedeutung mehr; sie selbst ist vielmehr Setzen der +Aeusserlichkeit, welche als Existenz erscheint. Sie ist also auch +nicht bloss eine bestimmte Materie; solche Selbststaendigkeit ist +laengst in das Gesetztseyn und in die Erscheinung uebergegangen. + +Zweitens, die Kraft ist die Einheit des reflektirten und des +unmittelbaren Bestehens, oder der Formeinheit und der aeusserlichen +Selbststaendigkeit. Sie ist beides in Einem; sie ist die Beruehrung +solcher, deren das Eine ist, insofern das Andere nicht ist; die mit +sich identische positive, und die negirte Reflexion. Die Kraft ist +so der sich von sich selbst abstossende Widerspruch; sie ist thaetig; +oder sie ist die sich auf sich beziehende negative Einheit, in +welcher die reflektirte Unmittelbarkeit oder das wesentliche +Insichseyn gesetzt ist, nur als Aufgehobenes oder Moment zu seyn, +somit insofern sie sich von der unmittelbaren Existenz unterscheidet, +in diese ueberzugehen. Die Kraft also als die Bestimmung der +reflektirten Einheit des Ganzen ist gesetzt, als zur existirenden +aeusserlichen Mannigfaltigkeit aus sich selbst zu werden. + +Aber drittens ist die Kraft nur erst ansichseyende und unmittelbare +Thaetigkeit; sie ist die reflektirte Einheit, und ebenso wesentlich +die Negation derselben; indem sie von dieser verschieden, aber nur +als die Identitaet ihrer selbst und ihrer Negation ist, so ist sie auf +diese, als eine ihr aeusserliche Unmittelbarkeit wesentlich bezogen und +hat dieselbe zur Voraussetzung und Bedingung. + +Diese Voraussetzung nun ist nicht ein ihr gegenueber sich befindliches +Ding; diese gleichgueltige Selbststaendigkeit ist in der Kraft +aufgehoben; als ihre Bedingung ist es ein ihr anderes Selbststaendiges. +Weil es aber nicht Ding ist, sondern die selbststaendige +Unmittelbarkeit hier sich zugleich als sich auf sich selbst +beziehende negative Einheit bestimmt hat, so ist es selbst Kraft. +--Die Thaetigkeit der Kraft ist durch sich selbst als durch das sich +Andere, durch eine Kraft bedingt. + +Die Kraft ist auf diese Weise Verhaeltniss, in welchem jede Seite +dasselbe ist als die andere. Es sind Kraefte, die im Verhaeltnisse +stehen, und zwar wesentlich sich auf einander beziehen.--Sie sind +ferner zunaechst nur verschiedene ueberhaupt; die Einheit ihres +Verhaeltnisses ist nur erst die innre an sich seyende Einheit. Das +Bedingtseyn durch eine andere Kraft ist so an sich das Thun der Kraft +selbst; oder sie ist insofern erst voraus setzendes, sich nur negativ +auf sich beziehendes Thun; diese andere Kraft liegt noch jenseits +ihrer setzenden Thaetigkeit, naemlich der in ihrem Bestimmen +unmittelbar in sich zurueckkehrenden Reflexion. + +b. Die Sollicitation der Kraft. + +Die Kraft ist bedingt, weil das Moment der unmittdbaren Existenz, das +sie enthaelt, nur als ein Gesetztes,--aber weil es zugleich +Unmittelbares ist, ein Vorausgesetztes ist, in welchem die Kraft sich +selbst negirt. Die fuer die Kraft vorhandene Aeusserlichkeit ist daher +ihre eigene voraussetzende Thaetigkeit selbst, welche zunaechst als +eine andere Kraft gesetzt ist. + +Dieses Voraussetzen ist ferner gegenseitig. Jede der beiden Kraefte +enthaelt die in sich reflektirte Einheit als aufgehoben, und ist daher +voraussetzend; sie setzt sich selbst als aeusserlich; diess Moment der +Aeusserlichkeit ist ihr eigenes; aber weil sie ebenso sehr in sich +reflektirte Einheit ist, setzt sie zugleich diese ihre Aeusserlichkeit +nicht in ihr selbst, sondern als eine andre Kraft. + +Aber das Aeusserliche als solches ist das sich selbst aufhebende; +ferner die sich in sich reflektirende Thaetigkeit ist wesentlich +bezogen auf jenes Aeusserliche als auf das ihr Andre, aber ebenso sehr +als auf ein an sich Nichtiges und mit ihr Identisches. Da die +voraussetzende Thaetigkeit ebenso sehr Reflexion in sich ist, ist sie +das Aufheben jener ihrer Negation, und setzt dieselbe als sich selbst +oder als ihr Aeusserliches. So ist die Kraft als bedingend, +gegenseitig ein Anstoss fuer die andre Kraft, gegen den sie thaetig ist. +Ihr Verhalten ist nicht die Passivitaet des Bestimmtwerdens, so dass +dadurch etwas Anderes in sie kaeme; sondern der Anstoss sollicitirt sie +nur. Sie ist an ihr selbst die Negativitaet ihrer, das Abstossen ihrer +von sich ist ihr eigenes Setzen. Ihr Thun besteht also darin, diess +aufzuheben, dass jener Anstoss ein Aeusserliches sey; sie macht es zu +einem blossen Anstoss und setzt es als das eigne Abstossen ihrer selbst +von sich, als ihre eigene Aeusserung. + +Die sich aeussernde Kraft ist also dasselbe, was zuerst nur die +voraussetzende Thaetigkeit war; naemlich sich aeusserlich machend; aber +die Kraft als sich aeussernd ist zugleich die Aeusserlichkeit negirende +und sie als das ihrige setzende Thaetigkeit. Insofern nun in dieser +Betrachtung von der Kraft angefangen wird, als sie die negative +Einheit ihrer selbst und damit voraussetzende Reflexion ist, so ist +es dasselbe, als wenn in der Aeusserung der Kraft vom sollicitirenden +Anstosse angefangen wird. Die Kraft ist so in ihrem Begriffe zuerst +bestimmt als sich aufhebende Identitaet, und in ihrer Realitaet, die +eine der beiden Kraefte als sollicitirend und die andere als +sollicitirt werdend. Aber der Begriff der Kraft ist ueberhaupt die +Identitaet der setzenden und voraussetzenden Reflexion oder der +reflektirten und der unmittelbaren Einheit, und jede dieser +Bestimmungen schlechthin nur Moment, in Einheit, und somit als +vermittelt durch die andere. Aber ebenso ist keine Bestimmung an den +beiden in Wechselbeziehung stehenden Kraeften vorhanden, welche die +sollicitirende oder die sollicitirt werdende sey, oder vielmehr jeder +kommen auf gleiche Weise beide Formbestimmungen zu. Aber diese +Identitaet ist nicht nur eine aeusserliche der Vergleichung, sondern +eine wesentliche Einheit derselben. + +Die eine Kraft naemlich ist zunaechst bestimmt als sollicitirende, und +die andere als sollicitirt-werdende; diese Formbestimmungen +erscheinen auf diese Weise als unmittelbare, an sich vorhandene +Unterschiede der beiden Kraefte. Aber sie sind wesentlich vermittelt. +Die eine Kraft wird sollicitirt; dieser Anstoss ist eine in sie von +aussen gesetzte Bestimmung. Aber die Kraft ist selbst das +Voraussetzende; sie ist wesentlich sich in sich reflektirend und es +aufhebend, dass der Anstoss ein Aeusserliches sey. Dass sie sollicitirt +wird, ist daher ihr eigenes Thun, oder es ist durch sie selbst +bestimmt, dass die andere Kraft eine andere ueberhaupt und die +sollicitirende ist. Die sollicitirende bezieht sich auf ihre andere +negativ, so dass sie die Aeusserlichkeit derselben aufhebt, sie ist +insofern setzend; aber sie ist diess nur durch die Voraussetzung, sich +eine andere gegenueber zu haben; das ist, sie ist sollicitirend selbst +nur, insofern sie eine Aeusserlichkeit an ihr hat, somit insofern sie +sollicitirt wird. Oder sie ist sollicitirend nur insofern als sie +dazu sollicitirt wird, sollicitirend zu seyn. Somit wird umgekehrt +die erste sollicitirt, nur insofern als sie selbst die andere dazu +sollicitirt, sie, naemlich die erstere zu sollicitiren. Jede von +beiden erhaelt also den Anstoss von der anderen; aber der Aiistoss, den +sie als thaetige gibt, besteht darin, dass sie von der anderen einen +Anstoss erhalte; der Anstoss, den sie erhaelt, ist von ihr selbst +sollicitirt. Beides, der gegebene und der empfangene Anstoss, oder +die thaetige Aeusserung und die passive Aeusserlichkeit ist daher nicht +ein Unmittelbares, sondern vermittelt, und zwar ist jede der beiden +Kraefte hiermit selbst die Bestimmtheit, welche die andere gegen sie +hat, ist vermittelt durch die andere, und diess vermittelnde Andere +ist wieder ihr eigenes bestimmendes Setzen. + +So ist also diess, dass auf die Kraft ein Anstoss durch eine andere +Kraft geschieht, dass sie sich insofern passiv verhaelt, aber hinwieder +von dieser Passivitaet in die Aktivitaet uebergeht,--der Ruekgang der +Kraft in sie selbst. Sie aeussert sich. Die Aeusserung ist Reaktion in +dem Sinne, dass sie die Aeusserlichkeit als ihr eigenes Moment setzt, +und somit es aufhebt, dass sie durch eine andere Kraft sollicitirt +worden sey. Beides ist daher eines, die Aeusserung der Kraft, wodurch +sie sich durch ihre negative Thaetigkeit auf sich selbst ein +Daseyn-fuer-Anderes giebt, und die unendliche Rueckkehr in dieser +Aeusserlichkeit auf sich selbst, so dass sie darin sich nur auf sich +bezieht. Die voraussetzende Reflexion, welcher das Bedingtseyn und +der Anstoss angehoert, ist daher unmittelbar auch die in sich +zurueckkehrende Reflexion, und die Thaetigkeit ist wesentlich +reagirende, gegen sich. Das Setzen des Anstosses oder Aeusserlichen ist +selbst das Aufheben desselben, und umgekehrt ist das Aufheben des +Anstosses das Setzen der Aeusserlichkeit. + +c. Die Unendlichkeit der Kraft. + +Die Kraft ist endlich, insofern ihre Momente noch die Form der +Unmittelbarkeit haben; ihre voraussetzende und ihre sich auf sich +beziehende Reflexion sind in dieser Bestimmung unterschieden; jene +erscheint als eine fuer sich bestehende aeusserliche Kraft, und die +andere in der Beziehung auf sie als passiv. Die Kraft ist so der +Form nach bedingt, und dem Inhalte nach gleichfalls beschraenkt; denn +eine Bestimmtheit der Form nach enthaelt auch eine Beschraenkung des +Inhalts. Aber die Thaetigkeit der Kraft besteht darin sich zu aeussern; +das heisst, wie sich ergeben hat, die Aeusserlichkeit aufzuheben und sie +als das zu bestimmen, worin sie identisch mit sich ist. Was also die +Kraft in Wahrheit aeussert, ist diess, dass ihre Beziehung auf Anderes +ihre Beziehung auf sich selbst ist, dass ihre Passivitaet in ihrer +Aktivitaet selbst besteht. Der Anstoss, wodurch sie zur Thaetigkeit +sollicitirt wird, ist ihr eigenes Sollicitiren; die Aeusserlichkeit, +welche an sie kommt, ist kein Unmittelbares, sondern ein durch sie +Vermitteltes; so wie ihre eigene wesentliche Identitaet mit sich, +nicht unmittelbar, sondern durch ihre Negation vermittelt ist; oder +die Kraft aeussert diess, dass ihre Aeusserlichkeit identisch ist mit ihrer +Innerlichkeit. + +C. Verhaeltniss des Aeussern und Innern. + +1. Das Verhaeltniss des Ganzen und der Theile ist das unmittelbare; die +reflektirte und die seyende Unmittelbarkeit haben daher in ihm jede +eine eigene Selbststaendigkeit; aber indem sie im wesentlichen +Verhaeltnisse stehen, so ist ihre Selbststaendigkeit nur ihre negative +Einheit. Diess ist nun in der Aeusserung der Kraft gesetzt; die +reflektirte Einheit ist wesentlich das Anderswerden, als Uebersetzen +ihrer selbst in die Aeusserlichkeit; aber diese ist ebenso unmittelbar +in jene zurueckgenommen; der Unterschied der selbststaendigen Kraefte +hebt sich auf; die Aeusserung der Kraft ist nur eine Vermittelung der +reflektirten Einheit mit sich selbst. Es ist nur ein leerer +durchsichtiger Unterschied, der Schein, vorhanden, aber dieser Schein +ist die Vermittelung, welche das selbststaendige Bestehen selbst ist. +Es sind nicht nur entgegengesetzte Bestimmungen, die sich an ihnen +selbst aufheben, und ihre Bewegung nicht nur ein Uebergehen, sondern +Theils ist die Unmittelbarkeit, von der angefangen und ins Andersseyn +uebergegangen wurde, selbst nur als gesetzte, Theils ist dadurch jede +der Bestimmungen in ihrer Unmittelbarkeit schon die Einheit mit ihrer +andern und das Uebergehen dadurch schlechthin ebenso sehr die sich +setzende Rueckkehr in sich. + +Das Innere ist als die Form der reflektirten Unmittelbarkeit oder des +Wesens, gegen das Aeussere als die Form des Seyns bestimmt, aber beide +sind nur Eine Identitaet.--Diese Identitaet ist erstens die gediegene +Einheit beider als inhaltsvolle Grundlage, oder die absolute Sache, +an der die beiden Bestimmungen gleichgueltige, aeusserliche Momente sind. +Insofern ist sie Inhalt und die Totalitaet, welche das Innere ist, +das ebenso sehr aeusserlich wird, aber darin nicht ein Gewordenes oder +Uebergegangenes, sondern sich selbst gleich ist. Das Aeussere ist nach +dieser Bestimmung dem Innern, dem Inhalte nach nicht nur gleich, +sondern beide sind nur Eine Sache.--Aber diese Sache als einfache +Identitaet mit sich ist verschieden von ihren Formbestimmungen, oder +diese sind ihr aeusserlich; sie ist insofern selbst ein Inneres, das +von ihrer Aeusserlichkeit verschieden ist. Diese Aeusserlichkeit aber +besteht darin, dass die beiden Bestimmungen selbst, naemlich das Innere +und Aeussere, sie ausmachen. Aber die Sache ist selbst nichts Anderes, +als die Einheit beider. Somit sind beide Seiten dem Inhalte nach +wieder dasselbe. Aber in der Sache sind sie als sich durchdringende +Identitaet, als inhaltsvolle Grundlage. Aber in der Aeusserlichkeit, +als Formen der Sache, sind sie gegen jene Identitaet und somit beide +gegen einander gleichgueltig. + +2. Sie sind auf diese Weise die verschiedenen Formbestimmungen, +welche nicht an ihnen selbst, sondern an einem Andern eine identische +Grundlage haben; Reflexions-Bestimmungen, die fuer sich sind; das +Innere als die Form der Reflexion-in-sich, der Wesentlichkeit; das +Aeussere aber als die Form der in Anderes reflektirten Unmittelbarkeit, +oder der Unwesentlichkeit. Allein die Natur des Verhaeltnisses hat +gezeigt, dass diese Bestimmungen schlechthin nur eine Identitaet +ausmachen. Die Kraft ist in ihrer Aeusserung diess, dass das +voraussetzende und das in sich zurueckkehrende Bestimmen eines und +dasselbe ist. Insofern daher Inneres und Aeusseres als +Formbestimmungen betrachtet worden, so sind sie erstlich nur die +einfache Form selbst, und zweitens weil sie darin zugleich als +entgegengesetzte bestimmt sind, so ist ihre Einheit die reine +abstrakte Vermittelung, in welcher die eine unmittelbar die andere, +und darum die andere ist, weil sie die eine ist. So ist das Innere +unmittelbar nur das Aeussere, und es ist darum die Bestimmtheit der +Aeusserlichkeit, weil es das Innere ist; umgekehrt das Aeussere ist nur +ein Inneres, weil es nur ein Aeusseres ist.--Indem naemlich diese +Formeinheit ihre beiden Bestimmungen als entgegengesetzte enthaelt, +ist ihre Identitaet nur diess Uebergehen; und darin nur die andere von +beiden, nicht ihre inhaltsvolle Identitaet. Oder diess Festhalten der +Form ist ueberhaupt die Seite der Bestimmtheit. Was nach derselben +gesetzt ist, ist nicht die reale Totalitaet des Ganzen, sondern die +Totalitaet oder die Sache selbst nur in der Bestimmtheit der Form; +weil diese die schlechthin zusammengebundene Einheit beider +entgegengesetzter Bestimmungen ist, so ist, indem die eine zuerst +genommen wird, und es ist gleichgueltig, welche es sey, von der +Grundlage oder Sache zu sagen, dass sie darum ebenso wesentlich in der +andern Bestimmtheit, aber gleichfalls nur in der andern ist; so wie +zuerst gesagt wurde, dass sie nur in der erstern ist.-So ist Etwas, +das nur erst ein Inneres ist, eben darum nur ein Aeusseres. Oder +umgekehrt, etwas das nur ein Aeusseres ist, ist eben darum nur ein +Inneres. Oder indem das Innere als Wesen, das Aeussere aber als Seyn +bestimmt ist, so ist eine Sache, insofern sie nur in ihrem Wesen ist, +eben darum nur ein unmittelbares Seyn; oder eine Sache, welche nur +ist, ist eben darum nur erst noch in ihrem Wesen.--Das Aeussere und +Innere sind die Bestimmtheit so gesetzt, dass jede dieser beiden +Bestimmungen, nicht nur die andere voraussetzt und in sie als in ihre +Wahrheit uebergeht, sondern dass sie, insofern sie diese Wahrheit der +andern ist, als Bestimmtheit gesetzt bleibt, und auf die Totalitaet +beider hinweist.--Das Innere ist somit die Vollendung des Wesens der +Form nach. Das Wesen, indem es naemlich als Inneres bestimmt ist, +enthaelt es, dass es mangelhaft und nur ist, als Beziehung auf sein +Anderes, das Aeussere; aber dieses ist ebenso nicht nur Seyn oder auch +Existenz, sondern als auf das Wesen oder das Innere sich beziehend. +Aber es ist nicht nur die Beziehung beider auf einander, sondern die +bestimmte der absoluten Form, dass jedes unmittelbar sein Gegentheil +ist, und ihre gemeinschaftliche Beziehung auf ihr Drittes oder +vielmehr auf ihre Einheit vorhanden. Ihre Vermittelung entbehrt aber +noch dieser sie beide enthaltenden identischen Grundlage; ihre +Beziehung ist deswegen die unmittelbare Umkehrung des Einen in das +Andere; und diese negative Einheit, die sie zusammenknuepft, ist der +einfache, inhaltslose Punkt. + +Anmerkung. + +Die Bewegung des Wesens ist ueberhaupt das Werden zum Begriffe. In +dem Verhaeltnisse des Innern und Aeussern tritt das wesentliche Moment +desselben hervor, dass naemlich seine Bestimmungen gesetzt sind, so in +der negativen Einheit zu seyn, dass jede unmittelbar nicht nur als +ihre andere, sondern auch als die Totalitaet des Ganzen ist. Aber +diese Totalitaet ist im Begriffe als solchem das Allgemeine;--eine +Grundlage, die im Verhaeltniss des Innern und Aeussern noch nicht +vorhanden ist.--In der negativen Identitaet des Innern und Aeussern, +welche die unmittelbare Umkehrung der einen dieser Bestimmungen in +die andere ist, fehlt auch diejenige Grundlage, welche vorhin die +Sache genannt wurde.-Die unvermittelte Identitaet der Form, wie sie +hier noch ohne die inhaltsvolle Bewegung der Sache selbst gesetzt ist, +ist sehr wichtig bemerkt zu werden. Sie kommt in der Sache vor, wie +diese in ihrem Anfange ist. So ist das reine Seyn unmittelbar das +Nichts. Ueberhaupt ist alles Reale in seinem Anfange eine solche +nur unmittelbare Identitaet; denn in seinem Anfange hat es die Momente +noch nicht entgegengesetzt und entwickelt, einer Seits aus der +Aeusserlichkeit sich noch nicht erinnert, anderer Seits sich aus der +Innerlichkeit durch seine Thaetigkeit noch nicht entaeussert und +hervorgebracht; es ist daher nur das Innere als Bestimmtheit gegen +das Aeussere, und nur das Aeussere als Bestimmtheit gegen das Innere. +Somit ist es Theils nur ein unmittelbares Seyn; Theils insofern es +ebenso sehr die Negativitaet ist, welche die Thaetigkeit der +Entwicklung werden soll, ist es als solches wesentlich erst nur ein +Inneres.--In aller natuerlichen, wissenschaftlichen und geistigen +Entwicklung ueberhaupt, bietet sich diess dar, und es ist wesentlich +diess zu erkennen, dass das Erste, indem Etwas nur erst innerlich oder +auch in seinem Begriffe ist, eben darum nur sein unmittelbares, +passives Daseyn ist. So--um gleich das naechste Beispiel zu nehmen, +--ist das hier betrachtete wesentliche Verhaeltniss, eh es sich durch +die Vermittelung, das Verhaeltniss der Kraft, hindurch bewegt und +realisirt hat, nur das Verhaeltniss an sich, sein Begriff, oder erst +innerlich. Deswegen aber ist es nur das aeusserliche, unmittelbare +Verhaeltniss; das Verhaeltniss des Ganzen und der Theile, in welchem die +Seiten ein gleichgueltiges Bestehen gegen einander haben. Ihre +Identitaet ist an ihnen selbst noch nicht; sie ist erst innerlich, und +deswegen fallen sie auseinander, haben ein unmittelbares, aeusserliches +Bestehen.--So ist die Sphaere des Seyns ueberhaupt nur erst das +schlechthin noch Innere, und deswegen ist sie die Sphaere der seyenden +Unmittelbarkeit oder der Aeusserlichkeit.--Das Wesen ist nur erst das +Innere; darum wird es auch fuer eine ganz aeusserliche, systemlose +Gemeinschaftlichkeit genommen; man sagt, das Schulwesen, +Zeitungswesen, und versteht darunter ein Gemeinschaftliches, das +durch aeusseres Zusammennehmen von existirenden Gegenstaenden, insofern +sie ohne alle wesentliche Verbindung, ohne Organisation, gemacht ist. +--Oder an konkreten Gegenstaenden, so ist der Keim der Pflanze, das +Kind, nur erst innere Pflanze, innerlicher Mensch. Aber darum ist +die Pflanze oder der Mensch als Keim ein Unmittelbares, ein Aeusseres, +das sich noch nicht die negative Beziehung auf sich selbst gegeben +hat, ein Passives, dem Andersseyn Preisgegebenes.--So ist auch Gott +in seinem unmittelbaren Begriffe nicht Geist; der Geist ist nicht das +Unmittelbare, der Vermittelung entgegengesetzte, sondern vielmehr das +seine Unmittelbarkeit ewig setzende und ewig aus ihr in sich +zurueckkehrende Wesen. Unmittelbar ist daher Gott nur die Natur. +Oder die Natur ist nur der innere, nicht als Geist wirkliche und +damit nicht der wahrhafte Gott.--Oder Gott ist im Denken, als erstem +Denken, nur das reine Seyn, oder auch das Wesen, das abstrakte +Absolute; nicht aber Gott als absoluter Geist, als welcher allein die +wahrhafte Natur Gottes ist. + +3. Die erste der betrachteten Identitaeten des Innern und Aeussern ist +die gegen den Unterschied dieser Bestimmungen als gegen eine ihr +aeussere Form gleichgueltige Grundlage, oder sie als Inhalt. Die zweite +ist die unvermittelte Identitaet ihres Unterschiedes, die unmittelbare +Umkehrung jeder in ihre entgegengesetzte;--oder sie als reine Form. +Aber diese beiden Identitaeten sind nur die Seiten Einer Totalitaet; +oder sie selbst ist nur die Umkehrung der einen in die andre. Die +Totalitaet als Grundlage und Inhalt ist diese in sich reflektirte +Unmittelbarkeit nur durch die voraussetzende Reflexion der Form, die +ihren Unterschied aufhebt, und sich als gleichgueltige Identitaet, als +reflektirte Einheit gegen ihn setzt. Oder der Inhalt ist die Form +selbst, insofern sie sich als Verschiedenheit bestimmt, und sich +selbst zu einer ihrer Seiten, als Aeusserlichkeit, zu der andern aber +als in sich reflektirte Unmittelbarkeit oder zum Innern macht. + +Dadurch sind also umgekehrt die Unterschiede der Form, das Innere und +das Aeussere, jedes an ihm selbst gesetzt als die Totalitaet seiner und +seines Andern; das Innere ist als einfache in sich reflektirte +Identitaet, das Unmittelbare und daher so sehr Seyn und Aeusserlichkeit, +als Wesen; und das Aeussere ist als das mannigfaltige, bestimmte Seyn, +nur Aeusseres d. h. gesetzt als unwesentlich und in seinen Grund +zurueckgegangen, somit als Inneres. Dieses Uebergehen beider in +einander ist ihre unmittelbare Identitaet, als Grundlage; aber es ist +auch ihre vermittelte Identitaet; naemlich jedes ist eben durch sein +Anderes, was es an sich ist, die Totalitaet des Verhaeltnisses. Oder +umgekehrt die Bestimmtheit einer jeden Seite ist dadurch, dass sie an +ihr die Totalitaet ist, mit der andern Bestimmtheit vermittelt; die +Totalitaet vermittelt sich so durch die Form oder die Bestimmtheit mit +sich selbst, und die Bestimmtheit vermittelt sich durch ihre einfache +Identitaet mit sich. + +Was Etwas ist, das ist es daher ganz in seiner Aeusserlichkeit; seine +Aeusserlichkeit ist seine Totalitaet, sie ist ebenso sehr seine in sich +reflektirte Einheit. Seine Erscheinung ist nicht nur die Reflexion +in Anderes, sondern in sich, und seine Aeusserlichkeit daher die +Aeusserung dessen, was es an sich ist; und indem so sein Inhalt und +seine Form schlechthin identisch sind, so ist es nichts an und fuer +sich als diess, sich zu aeussern. Es ist das Offenbaren seines Wesens, +so dass diess Wesen eben nur darin besteht, das sich Offenbarende zu +seyn. + +Das wesentliche Verhaeltniss hat sich in dieser Identitaet der +Erscheinung mit dem Innern oder dem Wesen zur Wirklichkeit bestimmt. + + + + +Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit. + +Die Wirklichkeit ist die Einheit des Wesens und der Existenz; in ihr +hat das gestaltlose Wesen und die haltlose Erscheinung;--oder das +bestimmungslose Bestehen und die bestandlose Mannigfaltigkeit ihre +Wahrheit. Die Existenz ist zwar die aus dem Grunde hervorgegangene +Unmittelbarkeit, aber sie hat die Form noch nicht an ihr gesetzt; +indem sie sich bestimmt und formirt, ist sie die Erscheinung; und +indem sich diess nur als Reflexion-in-Anderes bestimmte Bestehen zur +Reflexion-in-sich fortbildet, wird es zu zwei Welten, zwei +Totalitaeten des Inhalts, deren die eine als in sich, die andere als +in Anderes reflektirte bestimmt ist. Das wesentliche Verhaeltniss aber +stellt ihre Formbeziehung dar, deren Vollendung das Verhaeltniss des +Innern und Aeussern ist, dass der Inhalt beider nur Eine identische +Grundlage und ebenso sehr nur Eine Identitaet der Form ist.--Dadurch +dass sich auch diese Identitaet in Ansehung der Form ergeben hat, ist +die Formbestimmung ihrer Verschiedenheit aufgehoben und es ist +gesetzt, dass sie Eine absolute Totalitaet sind. + +Diese Einheit des Innern und Aeussern ist die absolute Wirklichkeit. +Diese Wirklichkeit aber ist zunaechst das Absolute als solches; +--insofern sie als Einheit gesetzt ist, in der sich die Form +aufgehoben, und zu dem leeren oder aeussern Unterschiede eines Aeussern +und Innern gemacht hat. Die Reflexion verhaelt sich gegen diess +Absolute als aeusserliche, welche es vielmehr nur betrachtet, als dass +sie seine eigene Bewegung waere. Indem sie aber wesentlich diess ist, +ist sie als seine negative Rueckkehr in sich. Zweitens die +eigentliche Wirklichkeit. Wirklichkeit, Moeglichkeit und +Nothwendigkeit machen die formellen Momente des Absoluten, oder die +Reflexion desselben aus. + +Drittens die Einheit des Absoluten und seiner Reflexion ist das +absolute Verhaeltniss, oder vielmehr das Absolute als Verhaeltniss zu +sich selbst; Substanz. + + + +Erstes Kapitel. Das Absolute. + + +Die einfache gediegene Identitaet des Absoluten ist unbestimmt, oder +in ihr hat sich vielmehr alle Bestimmtheit des Wesens und der +Existenz, oder des Seyns ueberhaupt sowohl als der Reflexion aufgeloest. +Insofern faellt das Bestimmen dessen, was das Absolute sey, negativ +aus, und das Absolute selbst erscheint nur als die Negation aller +Praedikate und als das Leere. Aber indem es ebenso sehr als die +Position aller Praedikate ausgesprochen werden muss, erscheint es als +der formellste Widerspruch. Insofern jenes Negiren und dieses Setzen, +der aeussern Reflexion angehoert, so ist es eine formelle +unsystematische Dialektik, die mit leichter Muehe die mancherlei +Bestimmungen hierher und dorther aufgreift, und mit ebenso leichter +Muehe einer Seits ihre Endlichkeit und blosse Relativitaet aufzeigt, als +anderer Seits, indem es ihr als die Totalitaet vorschwebt, auch das +Innwohnen aller Bestimmungen von ihm ausspricht,--ohne diese +Positionen und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erheben zu +koennen.--Es soll aber dargestellt werden, was das Absolute ist; aber +diess Darstellen kann nicht ein Bestimmen noch aeussere Reflexion seyn, +wodurch Bestimmungen desselben wuerden, sondern es ist die Auslegung +und zwar die eigene Auslegung des Absoluten, und nur ein Zeigen +dessen was es ist. + +A. Die Auslegung des Absoluten. + +Das Absolute ist nicht nur das Seyn, noch auch das Wesen. Jene ist +die erste unreflektirte Unmittelbarkeit, diese die reflektirte; jedes +ist ferner Totalitaet an ihm selbst; aber eine bestimmte. Am Wesen +tritt das Seyn als Existenz hervor; und die Beziehung von Seyn und +Wesen hat sich bis zum Verhaeltnisse des Innern und Aeussern +fortgebildet. Das Innere ist das Wesen aber als die Totalitaet, +welche wesentlich die Bestimmung hat, auf das Seyn bezogen und +unmittelbar Seyn zu seyn. Das Aeussere ist das Seyn, aber mit der +wesentlichen Bestimmung, auf die Reflexion bezogen unmittelbar ebenso +verhaeltnisslose Identitaet mit dem Wesen zu seyn. Das Absolute selbst +ist die absolute Einheit beider; es ist dasjenige, was ueberhaupt den +Grund des wesentlichen Verhaeltnisses ausmacht, das als Verhaeltniss nur +noch nicht in diese seine Identitaet zurueckgegangen, und dessen Grund +noch nicht gesetzt ist. + +Hieraus ergiebt sich, dass die Bestimmung des Absoluten ist, die +absolute Form zu seyn, aber zugleich nicht als die Identitaet, deren +Momente nur eInfache Bestimmtheiten sind;--sondern die Identitaet, +deren Momente jedes an ihm selbst die Totalitaet, und somit als +gleichgueltig gegen die Form, der vollstaendige Inhalt des Ganzen ist. +Aber umgekehrt ist das Absolute so der absolute Inhalt, dass der +Inhalt, der als solcher gleichgueltige Mannigfaltigkeit ist, die +negative Formbeziehung an ihm hat, wodurch seine Mannigfaltigkeit nur +Eine gediegene Identitaet ist. + +Die Identitaet des Absoluten ist somit dadurch die absolute, dass jeder +seiner Theile selbst das Ganze oder jede Bestimmtheit die Totalitaet +ist, d. h. dass die Bestimmtheit ueberhaupt ein schlechthin +durchsichtiger Schein, ein in seinem Gesetztseyn verschwundener +Unterschied geworden ist. Wesen, Existenz, an sich seyende Welt, +Ganzes, Theile, Kraft,--diese reflektirten Bestimmungen erscheinen +dem Vorstellen als an und fuer sich geltendes, wahres Seyn; das +Absolute aber ist gegen sie der Grund, in dem sie untergegangen sind. +--Weil nun im Absoluten die Form nur die einfache Identitaet mit sich +ist, so bestimmt sich das Absolute nicht; denn die Bestimmung ist ein +Formunterschied, der zunaechst als solcher gilt. Weil es aber +zugleich allen Unterschied und Formbestimmung ueberhaupt enthaelt, oder +weil es selbst die absolute Form und Reflexion ist, so muss auch die +Verschiedenheit des Inhalts an ihm hervortreten. Aber das Absolute +selbst ist die absolute Identitaet; diess ist seine Bestimmung, indem +alle Mannigfaltigkeit der an sich seyenden und der erscheinenden Welt, +oder der innerlichen und aeusserlichen Totalitaet in ihm aufgehoben ist. +--In ihm selbst ist kein Werden, denn es ist nicht das Seyn, noch ist +es das sich reflektirende Bestimmen; denn es ist nicht das sich nur +in sich bestimmende Wesen; es ist auch nicht ein sich Aeussern; denn es +ist als die Identitaet des Innern und Aeussern.--Aber so steht die +Bewegung der Reflexion seiner absoluten Identitaet gegenueber. Sie ist +in dieser aufgehoben, so ist sie nur deren Inneres, hiermit aber ist +sie ihr aeusserlich.--Sie besteht daher zunaechst nur darin, ihr Thun im +Absoluten aufzuheben. Sie ist das Jenseits der mannigfaltigen +Unterschiede und Bestimmungen und deren Bewegung, welches dem +Absoluten im Ruecken liegt; sie ist daher zwar das Aufnehmen derselben, +aber zugleich ihr Untergehen; so ist sie die negative Auslegung des +Absoluten, die vorhin erwaehnt wurde.--In ihrer wahrhaften Darstellung +ist diese Auslegung das bisherige Ganze der logischen Bewegung der +Sphaere des Seyns und des Wesens, deren Inhalt nicht von aussen als ein +gegebener und zufaelliger aufgerafft, noch durch eine ihm aeussere +Reflexion in den Abgrund des Absoluten versenkt worden, sondern sich +an ihm durch seine innere Nothwendigkeit bestimmt und als eignes +Werden des Seyns, und als Reflexion des Wesens in das Absolute als in +seinen Grund zurueckgegangen ist. + +Diese Auslegung hat aber selbst zugleich eine positive Seite; +insofern naemlich das Endliche darin, dass es zu Grunde geht, diese +Natur beweist, auf das Absolute bezogen zu seyn, oder das Absolute an +ihm selbst zu enthalten. Aber diese Seite ist nicht so sehr die +positive Auslegung des Absoluten selbst, als vielmehr die Auslegung +der Bestimmungen, dass sie naemlich das Absolute zu ihrem Abgrunde, +aber auch zu ihrem Grunde haben, oder dass das, was ihnen, dem Schein, +ein Bestehen gibt, das Absolute selbst ist.--Der Schein ist nicht das +Nichts, sondern er ist Reflexion, Beziehung auf das Absolute; oder er +ist Schein, insofern das Absolute in ihm scheint. Diese positive +Auslegung haelt so noch das Endliche vor seinem Verschwinden auf, und +betrachtet es als einen Ausdruck und Abbild des Absoluten. Aber die +Durchsichtigkeit des Endlichen, das nur das Absolute durch sich +hindurchblicken laesst, endigt in gaenzliches Verschwinden; denn es ist +nichts am Endlichen, was ihm einen Unterschied gegen das Absolute +erhalten koennte; es ist ein Medium, das von dem, was durch es scheint, +absorbirt wird. + +Diese positive Auslegung des Absoluten ist daher selbst nur ein +Scheinen; denn das wahrhaft Positive, was sie und der ausgelegte +Inhalt enthaelt, ist das Absolute selbst. Was fuer weitere +Bestimmungen vorkommen, die Form, worin das Absolute scheint, ist ein +Nichtiges, das die Auslegung von aussen her aufnimmt, und woran sie +einen Anfang zu ihrem Thun gewinnt. Eine solche Bestimmung hat nicht +im Absoluten ihren Anfang, sondern nur ihr Ende. Dieses Auslegen ist +daher zwar absolutes Thun durch seine Beziehung auf das Absolute, in +das es zurueckgeht, aber nicht nach seinem Ausgangspunkte, der eine +dem Absoluten aeusserliche Bestimmung ist. + +In der That aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Thun, +und das bei sich anfaengt, wie es bei sich ankommt. Das Absolute, nur +als absolute Identitaet, ist es bestimmt; naemlich als Identisches; es +ist durch die Reflexion so gesetzt, gegen die Entgegensetzung und +Mannigfaltigkeit; oder es ist nur das Negative der Reflexion und des +Bestimmens ueberhaupt.--Nicht nur jenes Auslegen des Absoluten ist +daher ein Unvollkommenes, sondern auch diess Absolute selbst, bei +welchem nur angekommen wird. Oder jenes Absolute, das nur als +absolute Identitaet ist, ist nur das Absolute einer aeussern Reflexion. +Es ist daher nicht das Absolut-Absolute, sondern das Absolute in +einer Bestimmtheit, oder es ist Attribut. + +Aber das Absolute ist nicht nur Attribut, weil es Gegenstand einer +aeussern Reflexion und somit ein durch sie Bestimmtes ist.--Oder die +Reflexion ist nicht nur ihm aeusserlich; sondern unmittelbar, darum +weil sie ihm aeusserlich ist, ist sie ihm innerlich. Das Absolute ist +nur das Absolute, weil es nicht die abstrakte Identitaet, sondern die +Identitaet des Seyns und Wesens, oder die Identitaet des Innern und +Aeussern ist. Es ist also selbst die absolute Form, welche es in sich +scheinen macht, und es zum Attribut bestimmt. + +B. Das absolute Attribut. + +Der Ausdruck, der gebraucht worden ist: das Absolut-Absolute, +bezeichnet das in seiner Form in sich zurueckgekehrte Absolute, oder +dessen Form seinem Inhalte gleich ist. Das Attribut ist das nur +relative Absolute, eine Verknuepfung, welche nichts anderes bedeutet, +als das Absolute in einer Formbestimmung. Die Form ist naemlich +zuerst vor ihrer vollendeten Auslegung nur erst innerlich," oder was +dasselbe ist, nur aeusserlich, ueberhaupt zuerst bestimmte Form oder +Negation ueberhaupt. Aber weil sie zugleich als Form des Absoluten +ist, so ist das Attribut der ganze Inhalt des Absoluten; es ist die +Totalitaet, welche frueher als eine Welt erschien, oder als eine der +Seiten des wesentlichen Verhaeltnisses, deren jede selbst das Ganze +ist. Aber die beiden Welten, die erscheinende und die an und fuer +sich seyende, sollten jede in ihrem Wesen einander entgegengesetzt +seyn. Die eine Seite des wesentlichen Verhaeltnisses war zwar der +andern gleich; das Ganze so viel als die Theile; die Aeusserung der +Kraft derselbe Inhalt, als diese selbst, und das Aeussere ueberhaupt +dasselbe was das Innere. Aber zugleich sollten diese Seiten, jede +noch ein eigenes unmittelbares Bestehen haben, die eine als die +seyende, die andere als die reflektirte Unmittelbarkeit. Im +Absoluten dagegen sind diese unterschiedenen Unmittelbarkeiten zum +Scheine herabgesetzt, und die Totalitaet, welche das Attribut ist, ist +gesetzt als sein wahres und einziges Bestehen; die Bestimmung aber, +in der es ist, als das unwesentliche. + +Das Absolute ist darum Attribut, weil es als einfache absolute +Identitaet in der Bestimmung der Identitaet ist; an die Bestimmung +ueberhaupt koennen nun andere Bestimmungen angeknuepft werden, z.B. +auch dass mehrere Attribute seyen. Aber weil die absolute Identitaet +nur diese Bedeutung hat, nicht nur dass alle Bestimmungen aufgehoben +sind, sondern dass sie auch die Reflexion ist, die sich selbst +aufgehoben hat, so sind an ihr alle Bestimmungen gesetzt, als +aufgehobene. Oder die Totalitaet ist gesetzt als die absolute, oder +das Attribut hat das Absolute zu seinem Inhalt und Bestehen; seine +Formbestimmung, wodurch es Attribut ist, ist daher auch gesetzt, +unmittelbar als blosser Schein; das Negative als Negatives. Der +positive Schein, den die Auslegung sich durch das Attribut gibt, +indem sie das Endliche in seiner Schranke nicht als ein an und fuer +sich Seyendes nimmt, sondern sein Bestehen in das Absolute aufloest, +und es zum Attribut erweitert, hebt diess selbst auf, dass es Attribut +sey; sie versenkt dasselbe und ihr unterscheidendes Thun in das +einfache Absolute. + +Aber indem die Reflexion von ihrem Unterscheiden so nur zur Identitaet +des Absoluten zurueckkehrt, ist sie zugleich nicht aus ihrer +Aeusserlichkeit heraus und zum wahrhaften Absoluten gekommen. Sie hat +nur die unbestimmte, abstrakte Identitaet erreicht; das heisst, +diejenige, welche in der Bestimmtheit der Identitaet ist.--Oder die +Reflexion, indem sie als innere Form das Absolute zum Attribut +bestimmt, so ist dieses Bestimmen ein noch von der Aeusserlichkeit +Verschiedenes; die innere Bestimmung durchdringt das Absolute nicht; +seine Aeusserung ist, als ein bloss gesetztes am Absoluten zu +verschwinden. + +Die Form also, sie werde als aeussere oder innere genommen, wodurch das +Absolute Attribut waere, ist zugleich gesetzt, ein an sich selbst +Nichtiges, ein aeusserlicher Schein, oder blosse Art und Weise zu seyn. + +C. Der Modus des Absoluten. + +Das Attribut ist erstlich das Absolute als in der einfachen Identitaet +mit sich. Zweitens ist es Negation, und diese als Negation ist die +formelle Reflexion-in-sich. Diese beiden Seiten machen zunaechst die +zwei Extreme des Attributs aus, deren Mitte es selbst ist, indem es +sowohl das Absolute als die Bestimmtheit ist.--Das zweite dieser +Extreme ist das Negative als Negatives, die dem Absoluten aeusserliche +Reflexion.--Oder insofern es als das Innere des Absoluten genommen +wird, und seine eigene Bestimmung es ist, sich als Modus zu setzen, +so ist er das Aussersichseyn des Absoluten, der Verlust seiner in die +Veraenderlichkeit und Zufaelligkeit des Seyns, sein Uebergegangenseyn +ins Entgegengesetzte ohne Rueckkehr in sich; die totalitaetslose +Mannigfaltigkeit der Form und Inhaltsbestimmungen. + +Der Modus, die Aeusserlichkeit des Absoluten, ist aber nicht nur diess, +sondern die als Aeusserlichkeit gesetzte Aeusserlichkeit, eine blosse Art +und Weise; somit der Schein als Schein, oder die Reflexion der Form +in sich; somit die Identitaet mit sich, welche das Absolute ist. In +der That ist also erst im Modus das Absolute als absolute Identitaet +gesetzt; es ist nur, was es ist, naemlich Identitaet mit sich, als sich +auf sich beziehende Negativitaet, als Scheinen, das als Scheinen +gesetzt ist. + +Insofern daher die Auslegung des Absoluten von seiner absoluten +Identitaet anfaengt, und zu dem Attribute und von da zum Modus uebergeht, +so hat sie darin vollstaendig ihre Momente durchloffen. Aber +erstlich ist sie darin nicht ein bloss negatives Verhalten gegen diese +Bestimmungen, sondern diess ihr Thun ist die reflektirende Bewegung +selbst, als welche das Absolute nur wahrhaft die absolute Identitaet +ist.--Zweitens hat sie es dabei nicht bloss mit Aeusserlichem zu thun, +und der Modus ist nicht nur die aeusserste Aeusserlichkeit, sondern weil +er der Schein als Schein ist, so ist er die Rueckkehr in sich, die +sich selbst aufloesende Reflexion, als welche das Absolute absolutes +Seyn ist.--Drittens scheint die auslegende Reflexion von ihren +eigenen Bestimmungen und von Aeusserlichem anzufangen, die Modos oder +auch die Bestimmungen des Attributs, als sonst ausser dem Absoluten +vorgefundene aufzunehmen, und ihr Thun darin zu bestehen, dass sie +dieselben in die indifferente Identitaet nur zurueckfuehrt. In der That +aber hat sie an dem Absoluten selbst die Bestimmtheit, von der sie +anfaengt. Denn das Absolute als erste indifferente Identitaet ist +selbst nur das bestimmte Absolute, oder Attribut, weil es das +unbewegte, noch unreflektirte Absolute ist. Diese Bestimmtheit, weil +sie Bestimmtheit ist, gehoert der reflektirenden Bewegung an; nur +durch sie ist es bestimmt als das erste Identische, ebenso nur durch +sie hat es die absolute Form, und ist nicht das sich Gleichseyende, +sondern das sich selbst Gleichsetzende. + +Die wahrhafte Bedeutung des Modus ist daher, dass er die reflektirende +eigene Bewegung des Absoluten ist; ein Bestimmen, aber nicht wodurch +es ein Anderes wuerde, sondern nur dessen, was es schon ist; die +durchsichtige Aeusserlichkeit, welche das Zeigen seiner selbst ist; +eine Bewegung aus sich heraus; aber so dass diess Seyn-nach-Aussen, +ebenso sehr die Innerlichkeit selbst ist; und damit ebenso sehr ein +Setzen, das nicht bloss Gesetztseyn, sondern absolutes Seyn ist. + +Wenn daher nach einem Inhalt der Auslegung gefragt wird, was denn das +Absolute zeige? so ist der Unterschied von Form und Inhalt im +Absoluten ohnehin aufgeloest. Oder eben diess ist der Inhalt des +Absoluten, sich zu manifestiren. Das Absolute ist die absolute Form, +welche als die Entzweiung ihrer schlechthin identisch mit sich ist, +das Negative als Negatives; oder das mit sich zusammengeht, und nur +so die absolute Identitaet mit sich ist, die ebenso sehr gleichgueltig +gegen ihre Unterschiede, oder absoluter Inhalt ist; der Inhalt ist +daher nur diese Auslegung selbst. + +Das Absolute als diese sich selbst tragende Bewegung der Auslegung, +als Art und Weise, welche seine absolute Identitaet mit sich selbst +ist, ist Aeusserung, nicht eines Innern, nicht gegen ein Anderes, +sondern ist nur als absolutes sich fuer sich selbst Manifestiren; es +ist so Wirklichkeit. + +Anmerkung. + +Dem Begriffe des Absoluten und dem Verhaeltnisse der Reflexion zu +demselben, wie es sich hier dargestellt hat, entspricht der Begriff +der spinozistischen Substanz. Der Spinozismus ist darin eine +mangelhafte Philosophie, dass die Reflexion und deren mannigfaltiges +Bestimmen ein aeusserliches Denken ist.--Die Substanz dieses Systems +ist Eine Substanz, Eine untrennbare Totalitaet; es giebt keine +Bestimmtheit, die nicht in diesem Absoluten enthalten und aufgeloest +waere; und es ist wichtig genug, dass Alles, was dem natuerlichen +Vorstellen oder dem bestimmenden Verstande als selbststaendiges +erscheint und vorschwebt, in jenem nothwendigen Begriffe gaenzlich zu +einem blossen Gesetztseyn herabgesetzt ist.--Die Bestimmtheit ist +Negation, ist das absolute Princip der Spinozistischen Philosophie; +diese wahrhafte und einfache Einsicht begruendet die absolute Einheit +der Substanz. Aber Spinoza bleibt bei der Negation als Bestimmtheit +oder Qualitaet stehen; er geht nicht zur Erkenntniss derselben als +absoluter, das heisst, sich negirender Negation fort; somit enthaelt +seine Substanz nicht selbst die absolute Form, und das Erkennen +derselben ist kein immanentes Erkennen. Zwar ist die Substanz +absolute Einheit des Denkens und Seyns oder der Ausdehnung; sie +enthaelt also das Denken selbst, aber nur in seiner Einheit mit der +Ausdehnung; das heisst nicht als sich von der Ausdehnung trennend, +somit ueberhaupt nicht als Bestimmen und Formiren, noch auch als die +zurueckkehrende und aus sich selbst anfangende Bewegung. Theils fehlt +dadurch der Substanz, das Princip der Persoenlichkeit,--ein Mangel, +welcher vornehmlich gegen das spinozistische System empoert hat; +--Theils ist das Erkennen die aeusserliche Reflexion, welche das, was +als Endliches erscheint, die Bestimmtheit des Attributs und den Modus, +wie auch ueberhaupt sich selbst, nicht aus der Substanz begreift und +ableitet, sondern als ein aeusserlicher Verstand thaetig ist, die +Bestimmungen als gegebene aufnimmt, und sie auf das Absolute +zurueckfuehrt, nicht aber von diesem ihre Anfaenge hernimmt. + +Die Begriffe, die Spinoza von der Substanz giebt, sind die Begriffe +der Ursache seiner selbst,--dass sie das ist, dessen Wesen die +Existenz in sich schliesse;--dass der Begriff des Absoluten nicht des +Begriffs eines Andern beduerfe, von dem er gebildet werden muesse; +--diese Begriffe, so tief und richtig sie sind, sind Definitionen, +welche vorne in der Wissenschaft unmittelbar angenommen werden. +Mathematik und andere untergeordnete Wissenschaften muessen mit einem +Vorausgesetzten anfangen, das ihr Element und positive Grundlage +ausmacht. Aber das Absolute kann nicht ein Erstes, Unmittelbares +seyn, sondern das Absolute ist wesentlich sein Resultat. + +Nach der Definition des Absoluten tritt bei Spinoza ferner die +Definition des Attributs auf; und wird als dasjenige bestimmt, wie +der Verstand dessen Wesen begreift. Ausserdem dass der Verstand seiner +Natur nach als spaeter angenommen wird, als das Attribut,--denn +Spinoza bestimmt ihn als Modus,--so wird das Attribut, die Bestimmung +als Bestimmung des Absoluten, von einem Andern, dem Verstande, +abhaengig gemacht, welches der Substanz gegenueber aeusserlich und +unmittelbar auftritt. + +Die Attribute bestimmt Spinoza ferner als unendlich; und zwar +unendlich auch im Sinne einer unendlichen Vielheit. Es kommen zwar +weiterhin nur die zwei vor,--Denken und Ausdehnung, und es ist nicht +gezeigt, wie die unendliche Vielheit sich nothwendig nur auf den +Gegensatz und zwar diesen bestimmten, des Denkens und der Ausdehnung, +reducirt.-Diese beiden Attribute sind deswegen empirisch aufgenommen. +Denken und Seyn stellen das Absolute in einer Determination vor, das +Absolute selbst ist ihre absolute Einheit, so dass sie nur +unwesentliche Formen sind, die Ordnung der Dinge dieselbe ist, als +die der Vorstellungen oder Gedanken, und das Eine Absolute nur von +der aeusserlichen Reflexion, einem Modus, unter jenen beiden +Bestimmungen, das eine Mal als eine Totalitaet von Vorstellungen, das +andere Mal als eine Totalitaet von Dingen und deren Veraenderungen +betrachtet wird. Wie es diese aeussere Reflexion ist, welche jenen +Unterschied macht, so ist sie es auch, die ihn in die absolute +Identitaet zurueckfuehrt und versenkt. Diese ganze Bewegung aber geht +ausser dem Absoluten vor. Zwar ist dieses selbst auch das Denken, und +sofern diese Bewegung nur im Absoluten; aber, wie bemerkt, ist sie im +Absoluten nur als Einheit mit der Ausdehnung, somit nicht als diese +Bewegung, welche wesentlich auch das Moment der Entgegensetzung ist. +--Spinoza macht die erhabene Forderung an das Denken, alles unter der +Gestalt der Ewigkeit, sub Specie aeterni, zu betrachten, das heisst, +wie es im Absoluten ist. Aber in jenem Absoluten, das nur die +unbewegte Identitaet ist, ist das Attribut, wie der Modus, nur als +verschwindend, nicht als werdend, so dass hiermit auch jenes +Verschwinden seinen positiven Anfang nur von Aussen nimmt. + +Das dritte, der Modus, ist bei Spinoza, Affektion der Substanz, die +bestimmte Bestimmtheit, was in einem Andern ist, und durch diess +Andere gefasst wird. Die Attribute haben eigentlich nur die +unbestimmte Verschiedenheit zu ihrer Bestimmung; jedes soll die +Totalitaet der Substanz ausdruecken und aus sich selbst begriffen +werden; insofern es aber das Absolute als bestimmt ist, so enthaelt es +das Andersseyn, und ist nicht nur aus sich selbst zu begreifen. In +dem Modus ist daher erst eigentlich die Bestimmung des Attributs +gesetzt. + +Diess Dritte bleibt ferner blosser Modus, einer Seits ist er +unmittelbar Gegebenes, anderer Seits wird seine Nichtigkeit nicht als +Reflexion in sich erkannt.--Die spinozistische Auslegung des +Absoluten ist daher insofern wohl vollstaendig, als sie von dem +Absoluten anfaengt, hierauf das Attribut folgen laesst und mit dem Modus +endigt; aber diese drei werden nur nach einander ohne innere Folge +der Entwicklung aufgezaehlt, und das Dritte ist nicht die Negation als +Negation, nicht sich negativ auf sich beziehende Negation, wodurch +sie an ihr selbst, die Rueckkehr in die erste Identitaet und diese, +wahrhafte Identitaet waere. Es fehlt daher die Nothwendigkeit des +Fortgangs des Absoluten zur Unwesentlichkeit, so wie ihre Aufloesung +an und fuer sich selbst in die Identitaet; oder es mangelt sowohl das +Werden der Identitaet als ihrer Bestimmungen. + +Auf gleiche Weise ist in der orientalischen Vorstellung der Emanation +das Absolute das sich selbst erleuchtende Licht. Allein es +erleuchtet sich nicht nur, sondern stroemt auch aus. Seine +Ausstroemungen sind Entfernungen von seiner ungetruebten Klarheit; die +folgenden Ausgeburten sind unvollkommener als die vorhergehenden, aus +denen sie entstehen. Das Ausstroemen ist nur als ein Geschehen +genommen, das Werden nur als ein fortgehender Verlust. So verdunkelt +sich das Seyn immer mehr, und die Nacht, das Negative, ist das Letzte +der Linie, das nicht in das erste Licht zurueck kehrt. + +Der Mangel der Reflexion in sich, den die Spinozistische Auslegung +des Absoluten wie die Emanationslehre an ihr hat, ist in dem Begriffe +der leibnizischen Monade ergaenzt.--Der Einseitigkeit eines +philosophischen Princips pflegt sich die entgegengesetzte gegenueber +zu stellen, und, wie in Allem, die Totalitaet wenigstens als eine +zerstreute Vollstaendigkeit vorhanden zu seyn.--Die Monade ist ein +Eins, ein in sich reflektirtes Negatives; sie ist die Totalitaet des +Inhalts der Welt; das verschiedene Mannigfaltige ist in ihr nicht nur +verschwunden, sondern auf negative Weise aufbewahrt; die +spinozistische Substanz ist die Einheit alles Inhalts; aber dieser +mannigfaltige Inhalt der Welt ist nicht als solcher in ihr, sondern +in der ihr aeusserlichen Reflexion. Die Monade ist daher wesentlich +vorstellend; sie hat aber, ob sie wohl eine endliche ist, keine +Passivitaet; sondern die Veraenderungen und Bestimmungen in ihr sind +Manifestationen ihrer in ihr selbst. Sie ist Entelechie; das +Offenbahren ist ihr eigenes Thun.--Dabei ist die Monade auch bestimmt, +von anderen unterschieden; die Bestimmtheit faellt in den besondern +Inhalt und die Art und Weise der Manifestation. Die Monade ist daher +an sich, ihrer Substanz nach, die Totalitaet, nicht in ihrer +Manifestation. Diese Beschraenkung der Monade faellt nothwendig nicht +in die sich selbst setzende oder vorstellende Monade, sondern in ihr +Ansichseyn, oder ist absolute Grenze, eine Praedestination, welche +durch ein anderes Wesen, als sie ist, gesetzt wird. Ferner da +Begrenzte nur sind, als sich auf andere Begrenzte beziehend, die +Monade aber zugleich ein in sich geschlossenes Absolutes ist, so +faellt die Harmonie dieser Begrenzungen, naemlich die Beziehung der +Monaden auf einander, ausser ihnen und ist gleichfalls von einem +andern Wesen oder an sich praestabilirt. + +Es erhellt, dass durch das Princip der Reflexion-in-sich, welches die +Grundbestimmung der Monade ausmacht, zwar das Andersseyn und die +Einwirkung von aussen ueberhaupt entfernt ist, und die Veraenderungen +der Monade ihr eigenes Setzen sind,--dass aber auf der andern Seite +die Passivitaet durch Anderes, nur in eine absolute Schranke, in eine +Schranke des Ansichseyns verwandelt ist. Leibnitz schreibt den +Monaden eine gewisse Vollendung in sich zu, eine Art von +Selbststaendigkeit; sie sind geschaffene Wesen.--Naeher ihre Schranke +betrachtet, so ergiebt sich aus dieser Darstellung, dass die +Manifestation ihrer selbst, die ihnen zukommt, die Totalitaet der Form +ist. Es ist ein hoechst wichtiger Begriffe dass die Veraenderungen der +Monade als passivitaetslose Aktionen, als Manifestationen ihrer selbst +vorgestellt, und das Princip der Reflexion in sich, oder der +Individuation als wesentlich hervorsteht. Ferner ist es nothwendig, +die Endlichkeit darin bestehen zu lassen, dass der Inhalt oder die +Substanz von der Form unterschieden, und dann weiter jene beschraenkt, +diese aber unendlich ist. Aber nun waere im Begriffe der absoluten +Monade nicht nur jene absolute Einheit der Form und des Inhalts, +sondern auch die Natur der Reflexion, als die sich auf sich selbst +beziehende Negativitaet sich von sich abzustossen, wodurch sie setzend +und schaffend ist, zu finden. Es ist zwar im leibnitzischen Systeme +das Weitere gleichfalls vorhanden, dass Gott die Quelle der Existenz +und des Wesens der Monaden ist, d. h. dass jene absoluten Schranken im +Ansichseyn der Monaden nicht an und fuer sich seyende sind, sondern im +Absoluten verschwinden. Aber es zeigen sich in diesen Bestimmungen +nur die gewoehnlichen Vorstellungen, die ohne philosophische +Entwicklung gelassen und nicht zu spekulativen Begriffen erhoben sind. +So erhaelt das Princip der Individuation seine tiefere Ausfuehrung +nicht; die Begriffe ueber die Unterscheidungen der verschiedenen +endlichen Monaden, und ueber ihr Verhaeltniss zu ihrem Absoluten, +entspringen nicht aus diesem Wesen selbst oder nicht auf absolute +Weise, sondern gehoeren der raesonnirenden, dogmatischen Reflexion an, +und sind daher zu keiner innern Kohaerenz gediehen. + + + +Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit. + + +Das Absolute ist die Einheit des Innern und Aeussern als erste, +ansichseyende Einheit. Die Auslegung erschien als aeussere Reflexion, +die auf ihrer Seite das Unmittelbare als ein Vorgefundenes hat, aber +zugleich die Bewegung und Beziehung desselben auf das Absolute ist, +und als solche es in dieses zurueckfuehrt, und als eine blosse Art und +Weise bestimmt. Aber diese Art und Weise ist die Bestimmung des +Absoluten selbst, naemlich seine erste Identitaet oder seine bloss an +sich seyende Einheit. Und zwar wird durch diese Reflexion nicht nur +jenes erste Ansichseyn gesetzt als wesenlose Bestimmung, sondern weil +sie negative Beziehung auf sich ist, wird erst durch sie jener Modus. +Diese Reflexion als sich selbst in ihren Bestimmungen aufhebend, und +ueberhaupt als die in sich zurueckkehrende Bewegung ist erst wahrhaft +absolute Identitaet, und zugleich ist sie das Bestimmen des Absoluten +oder die Modalitaet desselben. Der Modus ist daher die Aeusserlichkeit +des Absoluten, aber ebenso sehr nur als dessen Reflexion in sich, +--oder er ist die eigne Manifestation desselben, so dass diese +Aeusserung seine Reflexion-in-sich und damit sein An-und-fuer-sich-seyn +ist. + +So als die Manifestation, dass es sonst nichts ist und keinen Inhalt +hat, als die Manifestation seiner zu seyn, ist das Absolute die +absolute Form. Die Wirklichkeit ist als diese reflektirte +Absolutheit zu nehmen. Das Seyn ist noch nicht wirklich; es ist die +er ste Unmittelbarkeit; seine Reflexion ist daher Werden und +Uebergehen in Anderes; oder seine Unmittelbarkeit ist nicht +An-und-fuer-sich-seyn. Die Wirklichkeit steht auch hoeher als die +Existenz. Diese ist zwar die aus dem Grunde und den Bedingungen, +oder aus dem Wesen und dessen Reflexion hervorgegangene +Unmittelbarkeit. Sie ist daher an sich das, was die Wirklichkeit ist, +reale Reflexion, aber ist noch nicht die gesetzte Einheit der +Reflexion und der Unmittelbarkeit. Die Existenz geht daher in +Erscheinung ueber, indem sie die Reflexion, welche sie enthaelt, +entwickelt. Sie ist der zu Grunde gegangene Grund; ihre Bestimmung +ist die Wiederherstellung desselben, so wird sie wesentliches +Verhaeltniss, und ihre letzte Reflexion ist, dass ihre Unmittelbarkeit +gesetzt ist als die Reflexion-in-sich, und umgekehrt; diese Einheit, +in welcher Existenz oder Unmittelbarkeit, und das Ansichseyn, der +Grund oder das Reflektirte schlechthin Momente sind, ist nun die +Wirklichkeit. Das Wirkliche ist darum Manifestation, es wird durch +seine Aeusserlichkeit nicht in die Sphaere der Veraenderung gezogen, noch +ist es Scheinen seiner in einem Andern, sondern es manifestirt sich; +das heisst, es ist in seiner Aeusserlichkeit es selbst, und ist nur in +ihr, naemlich nur als sich von sich unterscheidende und bestimmende +Bewegung, es selbst. + +In der Wirklichkeit nun als dieser absoluten Form, sind die Momente +nur als aufgehobene oder formelle noch nicht realisirt; ihre +Verschiedenheit gehoert so zunaechst der aeussern Reflexion an und ist +nicht als Inhalt bestimmt. + +Die Wirklichkeit als selbst unmittelbare Formeinheit des Innern und +Aeussern ist damit in der Bestimmung der Unmittelbarkeit gegen die +Bestimmung der Reflexion in sich; oder sie ist eine Wirklichkeit +gegen eine Moeglichkeit. Die Beziehung beider auf einander ist das +Dritte, das Wirkliche bestimmt ebenso sehr als in sich reflektirtes +Seyn, und dieses zugleich als unmittelbar existirendes. Dieses +Dritte ist die Nothwendigkeit. + +Aber zunaechst, indem Wirkliches und Moegliches formelle Unterschiede +sind, ist ihre Beziehung gleichfalls nur formell, und besteht nur +darinn, dass das Eine wie das Andere ein Gesetztseyn ist, oder in der +Zufaelligkeit. + +Damit nun, dass in der Zufaelligkeit das Wirkliche wie das Moegliche, +das Gesetztseyn ist, haben sie die Bestimmung an ihnen erhalten; es +wird dadurch zweitens die reale Wirklichkeit; womit ebenso reale +Moeglichkeit, und die relative Nothwendigkeit hervorgeht. + +Die Reflexion der relativen Nothwendigkeit in sich giebt drittens die +absolute Nothwendigkeit, welche absolute Moeglichkeit und Wirklichkeit +ist. + +A. Zufaelligkeit oder formelle Wirklichkeit, Moeglichkeit und +Nothwendigkeit. + +1. Die Wirklichikeit ist formell, insofern sie als erste Wirklichkeit +nur unmittelbare, unreflektirte Wirklichkeit, somit nur in dieser +Formbestimmung, aber nicht als Totalitaet der Form ist. Sie ist so +weiter nichts als ein Seyn oder Existenz ueberhaupt. Aber weil sie +wesentlich nicht blosse unmittelbare Existenz, sondern, als +Formeinheit des Ansichseyns oder der Innerlichkeit, und der +Aeusserlichkeit ist, so enthaelt sie unmittelbar das Ansichseyn oder die +Moeglichkeit. Was wirklich ist, ist moeglich. + +2. Diese Moeglichkeit ist die in sich reflektirte Wirklichkeit. Aber +diess selbst erste Reflektirtseyn ist ebenfalls das Formelle, und +hiermit ueberhaupt nur die Bestimmung der Identitaet mit sich oder des +Ansichseyns ueberhaupt. + +Weil aber die Bestimmung hier Totalitaet der Form ist, ist dieses +Ansichseyn, bestimmt als Aufgehobenes, oder als wesentlich nur in +Beziehung auf die Wirklichkeit; als das Negative von dieser, gesetzt +als Negatives. Die Moeglichkeit enthaelt daher die zwei Momente; +erstlich das positive, dass es ein Reflektirtseyn in sich selbst ist; +aber indem es in der absoluten Form herabgesetzt ist zu einem Momente, +so gilt das Reflektirtseyn-in-sich nicht mehr als Wesen, sondern hat +zweitens die negative Bedeutung, dass die Moeglichkeit ein Mangelhaftes +ist, auf ein Anderes, die Wirklichkeit, hinweist, und an dieser sich +ergaenzt. + +Nach der ersten, der bloss positiven Seite ist die Moeglichkeit also +die blosse Formbestimmung der Identitaet mit sich, oder die Form der +Wesentlichkeit. So ist sie der verhaeltnisslose, unbestimmte Behaelter +fuer Alles ueberhaupt.--Im Sinne dieser formellen Moeglichkeit ist Alles +moeglich, was sich nicht widerspricht; das Reich der Moeglichkeit ist +daher die grenzenlose Mannigfaltigkeit. Aber jedes Mannigfaltige ist +in sich und gegen Anderes bestimmt und hat die Negation an ihm; +ueberhaupt geht die gleichgueltige Verschiedenheit in die +Entgegensetzung ueber; die Entgegensetzung aber ist der Widerspruch. +Daher ist Alles ebenso sehr ein Widersprechendes und daher +Unmoegliches. + +--Diess bloss formelle von Etwas aussagen,--es ist moeglich,--ist daher +ebenso flach und leer, als der Satz des Widerspruchs und jeder in ihn +aufgenommene Inhalt, A ist moeglich, heisst so viel als A ist A. +Insofern man sich nicht auf die Entwicklung des Inhalts einlaesst, so +hat dieser die Form der Einfachheit; erst durch die Aufloesung +desselben in seine Bestimmungen kommt der Unterschied an ihm hervor. +Indem man sich an jene einfache Form haelt, so bleibt der Inhalt ein +mit sich Identisches und daher ein Moegliches. Es ist aber damit +ebenso Nichts gesagt, als mit dem formellen identischen Satze. + +Das Moegliche enthaelt jedoch mehr, als der bloss identische Satz. Das +Moegliche ist das reflektirte In-sich-reflektirtseyn; oder das +Identische schlechthin als Moment der Totalitaet, somit auch bestimmt, +nicht an sich zu seyn; es hat daher die zweite Bestimmung, nur ein +Moegliches zu seyn, und das Sollen der Totalitaet der Form. Die +Moeglichkeit ohne dieses Sollen ist die Wesentlichkeit als solche; +aber die absolute Form enthaelt diess, dass das Wesen selbst nur Moment, +und ohne Seyn seine Wahrheit nicht hat. Die Moeglichkeit ist diese +blosse Wesentlichkeit, so gesetzt, dass sie nur Moment und der +absoluten Form nicht gemaess ist. Sie ist das Ansichseyn, bestimmt, +als nur ein Gesetztes; oder ebenso sehr als nicht an sich zu seyn. +--Die Moeglichkeit ist daher an ihr selbst auch der Widerspruch, oder +sie ist die Unmoeglichkeit. + +Zunaechst drueckt sieh diess so aus, dass die Moeglichkeit als aufgehoben +gesetzte Formbestimmung, einen Inhalt ueberhaupt an ihr hat. Dieser +ist als moeglich ein Ansichseyn, das zugleich ein aufgehobenes oder +ein Andersseyn ist. Weil er also nur ein moeglicher ist, ist ebenso +sehr ein anderer und sein Gegentheil moeglich. A ist A; ebenso--A +ist--A. Diese beiden Saetze druecken, jeder die Moeglichkeit seiner +Inhaltsbestimmung aus. Aber als diese identischen Saetze sind sie +gleichgueltig gegen einander; es ist mit dem einen nicht gesetzt, dass +auch der andere hinzukomme. Die Moeglichkeit ist die vergleichende +Beziehung beider; sie enthaelt es in ihrer Bestimmung, als eine +Reflexion der Totalitaet, dass auch das Gegentheil moeglich sey. Sie +ist daher der beziehende Grund, dass darum, weil A=A, auch--A=-A ist; +in dem moeglichen A ist auch das Moegliche Nicht-A enthalten, und diese +Beziehung selbst ist es, welche beide als moegliche bestimmt. + +Als diese Beziehung aber, dass in dem einen Moeglichen, auch sein +Anderes enthalten ist, ist sie der Widerspruch, der sich aufhebt. Da +sie nun ihrer Bestimmung nach das Reflektirte, und wie sich gezeigt +hat, das sich aufhebende Reflektirte ist, so ist sie somit auch das +Unmittelbare, und damit wird sie Wirklichkeit. + +3. Diese Wirklichkeit ist nicht die erste, sondern die reflektirte, +gesetzt als Einheit ihrer selbst und der Moeglichkeit. Das Wirkliche +als solches ist moeglich; es ist in unmittelbarer positiver Identitaet +mit der Moeglichkeit; aber diese hat sich bestimmt als nur Moeglichkeit; +somit ist auch das Wirkliche bestimmt als nur ein Moegliches. Und +unmittelbar, darum weil die Moeglichkeit in der Wirklichkeit +unmittelbar enthalten ist, ist sie darin als aufgehobene, als nur +Moeglichkeit. + +Umgekehrt die Wirklichkeit, die in Einheit ist mit der Moeglichkeit, +ist nur die aufgehobene Unmittelbarkeit;--oder darum weil die +formelle Wirklichkeit nur unmittelbare erste ist, ist sie nur Moment, +nur aufgehobene Wirklichkeit, oder nur Moeglichkeit. + +Hiermit ist zugleich naeher die Bestimmung ausgedrueckt, inwiefern die +Moeglichkeit Wirklichkeit ist. Die Moeglichkeit ist naemlich noch nicht +alle Wirklichkeit, von der realen und absoluten Wirklichkeit ist noch +nicht die Rede gewesen;--sie ist nur erst diejenige, welche zuerst +vorkam, naemlich die formelle, die sich bestimmt hat, nur Moeglichkeit +zu seyn, also die formelle Wirklichkeit, welche nur Seyn oder +Existenz ueberhaupt ist. Alles Moegliche hat daher ueberhaupt ein Seyn +oder eine Existenz. + +Diese Einheit der Moeglichkeit und Wirklichkeit ist die Zufaelligkeit. +--Das Zufaellige ist ein Wirkliches, das zugleich nur als moeglich +bestimmt, dessen Anderes oder Gegentheil ebenso sehr ist. Diese +Wirklichkeit ist daher blosses Seyn oder Existenz, aber in seiner +Wahrheit gesetzt, den Werth eines Gesetztseyns oder der Moeglichkeit +zu haben. Umgekehrt ist die Moeglichkeit als die Reflexion-in-sich +oder das Ansichseyn gesetzt als Gesetztseyn; was moeglich ist, ist ein +Wirkliches in diesem Sinne der Wirklichkeit, es hat nur so viel Werth +als die zufaellige Wirklichkeit; es ist selbst ein Zufaelliges. + +Das Zufaellige bietet daher die zwei Seiten dar; erstens insofern es +die Moeglichkeit unmittelbar an ihm hat, oder, was dasselbe ist, +insofern sie in ihm aufgehoben ist, ist es nicht Gesetztseyn noch +vermittelt, sondern unmittelbare Wirklichkeit; es hat keinen Grund. +--Weil auch dem Moeglichen diese unmittelbare Wirklichkeit zukommt, so +ist es so sehr als das Wirkliche, bestimmt als zufaellig, und +ebenfalls ein Grundloses. + +Das Zufaellige ist aber zweitens das Wirkliche als ein nur Moegliches +oder als ein Gesetztseyn; so auch das Moegliche ist als formelles +An-sich-seyn nur Gesetztseyn. Somit ist Beides nicht an und fuer sich +selbst, sondern hat seine wahrhafte Reflexion-in-sich in einem Andern, +oder es hat einen Grund. + +Das Zufaellige hat also darum keinen Grund, weil es zufaellig ist; und +ebenso wohl hat es einen Grund, darum weil es zufaellig ist. + +Es ist das gesetzte, unvermittelte Umschlagen des Innern und Aeussern, +oder des In-sich-reflektirt-seyns und des Seyns in einander; gesetzt +dadurch dass Moeglichkeit und Wirklichkeit, jede an ihr selbst diese +Bestimmung hat, dadurch dass sie Momente der absoluten Form sind.--So +ist die Wirklichkeit in ihrer unmittelbaren Einheit mit der +Moeglichkeit nur die Existenz und bestimmt als Grundloses, das nur ein +Gesetztes oder nur Moegliches ist;--oder als reflektirt und bestimmt +gegen die Moeglichkeit, so ist sie von der Moeglichkeit, von dem +In-sich-reflektirt-seyn getrennt, und somit ebenso unmittelbar auch +nur ein Moegliches.--Ebenso die Moeglichkeit, als einfaches Ansichseyn, +ist es ein Unmittelbares, nur ein Seyendes ueberhaupt; oder +entgegengesetzt gegen die Wirklichkeit, ebenso ein Wirklichkeitsloses +Ansichseyn, nur ein Moegliches, aber eben darum wieder nur eine nicht +in sich reflektirte Existenz ueberhaupt. + +Diese absolute Unruhe des Werdens dieser beiden Bestimmungen ist die +Zufaelligkeit. Aber darum weil jede unmittelbar in die +entgegengesetzte umschlaegt, so geht sie in dieser ebenso schlechthin +mit sich selbst zusammen, und diese Identitaet derselben einer in der +andern ist die Nothwendigkeit. + +Das Nothwendige ist ein Wirkliches; so ist es als unmittelbares, +Grundloses; es hat aber ebenso sehr seine Wirklichkeit durch ein +Anderes oder in seinem Grunde, aber ist zugleich das Gesetztseyn +dieses Grundes und die Reflexion desselben in sich; die Moeglichkeit +des Nothwendigen ist eine aufgehobene. Das Zufaellige ist also +nothwendig, darum weil das Wirkliche als Moegliches bestimmt, damit +seine Unmittelbarkeit aufgehoben und in Grund oder Ansichseyn, und in +Begruendetes abgestossen ist, als auch weil diese seine Moeglichkeit, +die Grundbeziehung, schlechthin aufgehoben und als Seyn gesetzt ist. +Das Nothwendige ist, und diess Seyende ist selbst das Nothwendige. +Zugleich ist es an sich; diese Reflexion-in-sich ist ein Anderes als +jene Unmittelbarkeit des Seyns; und die Nothwendigkeit des Seyenden +ist ein Anderes. Das Seyende selbst ist so nicht das Nothwendige; +aber dieses Ansichseyn ist selbst nur Gesetztseyn, es ist aufgehoben +und selbst unmittelbar. So ist die Wirklichkeit in ihrem +unterschiedenen, der Moeglichkeit, identisch mit sich selbst. Als +diese Identitaet ist sie Nothwendigkeit. + +B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Moeglichkeit und +Nothwendigkeit. + +1. Die Nothwendigkeit, die sich ergeben hat, ist formell, weil ihre +Momente formell sind, naemlich einfache Bestimmungen, die nur als +unmittelbare Einheit, oder als unmittelbares Umschlagen des Einen in +das Andere Totalitaet sind, und somit nicht die Gestalt der +Selbststaendigkeit haben.--In dieser formellen Nothwendigkeit ist +daher die Einheit zunaechst einfach und gegen ihre Unterschiede +gleichgueltig. Als unmittelbare Einheit der Formbestimmungen, ist +diese Nothwendigkeit Wirklichkeit; aber eine solche, die, weil ihre +Einheit nunmehr bestimmt ist als gleichgueltig gegen den Unterschied +der Formbestimmungen, naemlich ihrer selbst und der Moeglichkeit, einen +Inhalt hat. Dieser als gleichgueltige Identitaet enthaelt auch die Form +als gleichgueltige, d. h. als bloss verschiedene Bestimmungen, und ist +mannigfaltiger Inhalt ueberhaupt. Diese Wirklichkeit ist reale +Wirklichkeit. + +Die reale Wirklichkeit als solche ist zunaechst das Ding von vielen +Eigenschaften, die existirende Welt; aber sie ist nicht die Existenz, +welche sich in Erscheinung aufloest, sondern als Wirklichkeit ist sie +zugleich Ansichseyn und Reflexion-in-sich; sie erhaelt sich in der +Mannigfaltigkeit der blossen Existenz; ihre Aeusserlichkeit ist +innerliches Verhalten nur zu sich selbst. Was wirklich ist, kann +wirken; seine Wirklichkeit giebt Etwas kund durch das, was es +hervorbringt. Sein Verhalten zu Anderem ist die Manifestation seiner, +weder ein Uebergehen, so bezieht das seyende Etwas sich auf Anderes; +--noch ein Erscheinen, so ist das Ding nur im Verhaeltniss zu andern, +ist ein Selbststaendiges, das aber seine Reflexion-in-sich, seine +bestimmte Wesentlichkeit, in einem andern Selbststaendigen hat. + +Die reale Wirklichkeit hat nun gleichfalls die Moeglichkeit +unmittelbar an ihr selbst. Sie enthaelt das Moment des Ansichseyns; +aber als nur erst die unmittelbare Einheit ist sie in einer der +Bestimmungen der Fonn, hiermit als das Seyende von dem Ansichseyn +oder der Moeglichkeit unterschieden. + +2. Diese Moeglichkeit als das Ansichseyn der realen Wirklichkeit ist +selbst reale Moeglichkeit, zunaechst das inhaltsvolle Ansichseyn.--Die +formelle Moeglichkeit ist die Reflexion-in-sich nur als die abstrakte +Identitaet, dass Etwas sich in sich nicht widerspreche. Insofern man +sich aber auf die Bestimmungen, Umstaende, Bedingungen einer Sache +einlaesst, um daraus ihre Moeglichkeit zu erkennen, bleibt man nicht +mehr bei der formellen stehen, sondern betrachtet ihre reale +Moeglichkeit. + +Diese reale Moeglichkeit ist selbst unmittelbare Existenz, nicht mehr +aber darum, weil die Moeglichkeit als solche, als formelles Moment, +unmittelbar ihr Gegentheil, eine nicht reflektirte Wirklichkeit ist; +sondern weil sie reale Moeglichkeit ist, hat sie sogleich diese +Bestimmung an ihr selbst. Die reale Moeglichkeit einer Sache ist +daher die daseyende Mannigfaltigkeit von Umstaenden, die sich auf sie +beziehen. + +Diese Mannigfaltigkeit des Daseyns ist also zwar sowohl Moeglichkeit +als Wirklichkeit, aber ihre Identitaet ist nur erst der Inhalt, der +gegen diese Formbestimmungen gleichgueltig ist; sie machen daher die +Form aus bestimmt gegen ihre Identitaet.--Oder die unmittelbare reale +Wirklichkeit, darum weil sie unmittelbare ist, ist gegen ihre +Moeglichkeit bestimmt; als diese bestimmte, somit reflektirte ist sie +die reale Moeglichkeit. Diese ist nun zwar das gesetzte Ganze der +Form, aber der Form in ihrer Bestimmtheit, naemlich der Wirklichkeit +als formeller oder unmittelbarer, und ebenso der Moeglichkeit, als des +abstrakten Ansichseyns. Diese Wirklichkeit, welche die Moeglichkeit +einer Sache ausmacht, ist daher nicht ihre eigene Moeglichkeit, +sondern das Ansichseyn eines andern Wirklichen; sie selbst ist die +Wirklichkeit, die aufgehoben werden soll, die Moeglichkeit als nur +Moeglichkeit.--So macht die reale Moeglichkeit das Ganze von +Bedingungen aus, eine nicht in sich reflektirte, zerstreute +Wirklichkeit, welche aber bestimmt ist, das Ansichseyn aber eines +Andern zu seyn und in sich zurueckgehen zu sollen. + +Was real moeglich ist, ist also nach seinem Ansichseyn, ein formelles +Identisches, das nach seiner einfachen Inhaltsbestimmung sich nicht +widerspricht; aber auch nach seinen entwickelten und unterschiedenen +Umstaenden und allem, womit es im Zusammenhange steht, muss es als das +mit sich Identische sich nicht widersprechen. Aber zweitens weil es +in sich mannigfaltig und mit Anderem in mannigfaltigem Zusammenhange +ist, die Verschiedenheit aber an sich selbst in Entgegensetzung +uebergeht, ist es ein Widersprechendes. Wenn von einer Moeglichkeit +die Rede ist und deren Widerspruch aufgezeigt werden soll, so hat man +sich nur an die Mannigfaltigkeit, die sie als Inhalt oder als ihre +bedingende Existenz enthaelt, zu halten; woraus sich leicht ihr +Widerspruch auffinden laesst.--Diess ist aber nicht ein Widerspruch der +Vergleichung, sondern die mannigfaltige Existenz ist an sich selbst +diess, sich aufzuheben und zu Grunde zu gehen; und hat darin +wesentlich die Bestimmung, nur ein Moegliches zu seyn, an ihr selbst. +--Wenn alle Bedingungen einer Sache vollstaendig vorhanden sind, so +tritt sie in Wirklichkeit;--die Vollstaendigkeit der Bedingungen ist +die Totalitaet als am Inhalte, und die Sache selbst ist dieser Inhalt +bestimmt ebenso ein Wirkliches als Moegliches zu seyn. In der Sphaere +des bedingten Grundes haben die Bedingungen die Form, naemlich den +Grund oder die fuer sich seyende Reflexion, ausser ihnen, welche sie zu +Momenten der Sache bezieht und die Existenz an ihnen hervorbringt. +Hier hingegen ist die unmittelbare Wirklichkeit nicht durch eine +voraussetzende Reflexion bestimmt, Bedingung zu seyn, sondern es ist +gesetzt, dass sie selbst die Moeglichkeit ist. + +In der sich aufhebenden realen Moeglichkeit ist es nun ein Gedoppeltes, +das aufgehoben wird; denn sie ist selbst das Gedoppelte, +Wirklichkeit und Moeglichkeit zu seyn. 1) Die Wirklichkeit ist die +formelle, oder eine Existenz, die als selbststaendige unmittelbare +erschien, und durch ihr Aufheben zum reflektirten Seyn, zum Moment +eines Andern wird, und somit das Ansichseyn an ihr erhaelt. 2) Jene +Existenz war auch bestimmt als Moeglichkeit oder als das Ansichseyn +aber eines Andern. Indem es sich also aufhebt, so wird auch diess +Ansichseyn aufgehoben, und geht in Wirklichkeit ueber.--Diese Bewegung +der sich selbst aufhebenden realen Moeglichkeit bringt also dieselben +schon vorhandenen Momente hervor, nur jedes aus dem andern werdend; +sie ist daher in dieser Negation auch nicht ein Uebergehen, sondern +ein Zusammengehen mit sich selbst.--Nach der formellen Moeglichkeit +war darum, weil etwas moeglich war, auch nicht es selbst, sondern sein +Anderes moeglich. Die reale Moeglichkeit hat nicht mehr ein solches +Anderes sich gegenueber, denn sie ist real, insofern sie selbst auch +die Wirklichkeit ist. Indem sich also die unmittelbare Existenz +derselben, der Kreis der Bedingungen, aufhebt, so macht sie sich zum +Ansichseyn, welches sie selbst schon ist, naemlich als das Ansichseyn +eines Andern. Und indem umgekehrt dadurch zugleich ihr Moment des +Ansichseyns sich aufhebt, wird sie zur Wirklichkeit, also zu dem +Momente, das sie gleichfalls selbst schon ist.--Was verschwindet, ist +damit diess, dass die Wirklichkeit bestimmt war als die Moeglichkeit +oder das Ansichseyn eines Andern, und umgekehrt die Moeglichkeit als +eine Wirklichkeit, die nicht diejenige ist, deren Moeglichkeit sie ist + +3. Die Negation der realen Moeglichkeit ist somit ihre Identitaet mit +sich: indem sie so in ihrem Aufheben der Gegenstoss dieses Aufhebens +in sich selbsi ist, ist sie die reale Nothwendigkeit. + +Was nothwendig ist, kann nicht anders seyn; aber wohl was ueberhaupt +moeglich ist; denn die Moeglichkeit ist das Ansichseyn, das nur +Gesetztseyn, und daher wesentlich Andersseyn ist. Die formelle +Moeglichkeit ist diese Identitaet als Uebergehen in schlechthin Anderes; +die reale aber, weil sie das andere Moment, die Wirklichkeit, an ihr +hat, ist schon selbst die Nothwendigkeit. Was daher real moeglich ist, +das kann nicht mehr anders seyn; unter diesen Bedingungen und +Umstaenden kann nicht etwas Anderes erfolgen. Reale Moeglichkeit und +die Nothwendigkeit sind daher nur scheinbar unterschieden; diese ist +eine Identitaet, die nicht erst wird, sondern schon vorausgesetzt ist, +und zu Grunde liegt. Die reale Nothwendigkeit ist daher inhaltsvolle +Beziehung; denn der Inhalt ist jene ansichseyende Identitaet, die +gegen die Formunterschiede gleichgueltig ist. + +Diese Nothwendigkeit aber ist zugleich relativ.--Sie hat naemlich eine +Voraussetzung, von der sie anfaengt, sie hat an dem Zufaelligen ihren +Ausgangspunkt. Das reale Wirkliche als solches, ist naemlich das +bestimmte Wirkliche, und hat zunaechst seine Bestimmtheit als +unmittelbares Seyn darin, dass es eine Mannigfaltigkeit existirender +Umstaende ist; aber diess unmittelbare Seyn als Bestimmtheit, ist es +auch das Negative seiner, ist Ansichseyn oder Moeglichkeit; so ist es +reale Moeglichkeit. Als diese Einheit der beiden Momente ist sie die +Totalitaet der Form, aber die sich noch aeusserliche Totalitaet; sie ist +so Einheit der Moeglichkeit und Wirklichkeit, dass 1) die mannigfaltige +Existenz unmittelbar oder positiv die Moeglichkeit ist;--ein Moegliches, +mit sich Identisches ueberhaupt, darum weil sie ein Wirkliches ist; +2) insofern diese Moeglichkeit der Existenz gesetzt ist, ist sie +bestimmt als nur Moeglichkeit, als unmittelbares Umschlagen der +Wirklichkeit in ihr Gegentheil,--oder als Zufaelligkeit. Daher ist +diese Moeglichkeit, welche die unmittelbare Wirklichkeit, indem sie +Bedingung ist, an ihr hat, nur das Ansichseyn als die Moeglichkeit +eines Andern. Dadurch dass, wie gezeigt, diess Andersseyn sich aufhebt, +und diess Gesetztseyn selbst gesetzt wird, wird die reale Moeglichkeit +zwar Nothwendigkeit; aber diese faengt somit von jener noch nicht in +sich reflektirten Einheit des Moeglichen und Wirklichen an;--dieses +Voraussetzen und die in sich zurueckkehrende Bewegung ist noch +getrennt;--oder die Nothwendigkeit hat sich noch nicht aus sich +selbst zur Zufaelligkeit bestimmt. + +Die Relativitaet der realen Nothwendigkeit stellt sich an dem Inhalte +so dar, dass er nur erst die gegen die Form gleichgueltige Identitaet, +daher von ihr unterschieden und ein bestimmter Inhalt ueberhaupt ist. +Das real Nothwendige ist deswegen irgend eine beschraenkte +Wirklichkeit, die um dieser Beschraenktheit willen in anderer Rueksicht +auch nur ein Zufaelliges ist. + +In der That ist somit die reale Nothwendigkeit an sich auch +Zufaelligkeit.--Diess erscheint zunaechst so, dass das real Nothwendige, +der Form nach, zwar ein Nothwendiges, aber dem Inhalte nach ein +Beschraenktes sey, und durch ihn seine Zufaelligkeit habe. Allein auch +in der Form der realen Nothwendigkeit ist die Zufaelligkeit enthalten; +denn wie sich gezeigt, ist die reale Moeglichkeit nur an sich das +Nothwendige, gesetzt aber ist sie als das Andersseyn der Wirklichkeit +und Moeglichkeit gegen einander. Die reale Nothwendigkeit enthaelt +daher die Zufaelligkeit; sie ist die Rueckkehr in-sich aus jenem +unruhigen Andersseyn der Wirklichkeit und Moeglichkeit gegen einander, +aber nicht aus sich selbst zu sich. + +An sich ist also hier die Einheit der Nothwendigkeit und Zufaelligkeit +vorhanden; diese Einheit ist die absolute Wirklichkeit zu nennen. + +C. Absolute Nothwendigkeit. + +Die reale Nothwendigkeit ist bestimmte Nothwendigkeit; die formelle +hat noch keinen Inhalt und Bestimmtheit an ihr. Die Bestimmtheit der +Nothwendigkeit besteht darin, dass sie ihre Negation, die Zufaelligkeit, +an ihr hat. So hat sie sich ergeben. + +Diese Bestimmtheit aber in ihrer ersten Einfachheit ist Wirklichkeit; +die bestimmte Nothwendigkeit ist daher unmittelbar wirkliche +Nothwendigkeit. Diese Wirklichkeit, die selbst als solche nothwendig +ist, indem sie naemlich die Nothwendigkeit als ihr Ansichseyn enthaelt, +ist absolute Wirklichkeit;--Wirklichkeit, die nicht mehr anders seyn +kann, denn ihr Ansichseyn ist nicht die Moeglichkeit, sondern die +Nothwendigkeit selbst. + +Aber damit ist diese Wirklichkeit, weil sie gesetzt ist, absolut, das +heisst, selbst die Einheit ihrer und der Moeglichkeit zu seyn, nur eine +leere Bestimmung; oder sie ist Zufaelligkeit.--Diess Leere ihrer +Bestimmung macht sie zu einer blossen Moeglichkeit, zu einem, das +ebenso sehr auch anders seyn und als Moegliches bestimmt werden kann. +Diese Moeglichkeit aber ist selbst die absolute; denn sie ist eben die +Moeglichkeit, ebenso sehr als Moeglichkeit wie als Wirklichkeit +bestimmt zu werden. Damit, dass sie diese Gleichgueltigkeit gegen sich +selbst ist, ist sie gesetzt als leere, zufaellige Bestimmung. + +So enthaelt die reale Nothwendigkeit nicht nur an sich die +Zufaelligkeit, sondern diese wird auch an ihr; aber diess Werden als +die Aeusserlichkeit ist selbst nur das Ansichseyn derselben, weil es +nur ein unmittelbares Bestimmtseyn ist. Aber es ist nicht nur diess, +sondern ihr eigenes Werden,--oder die Voraussetzung, welche sie hatte, +ist ihr eigenes Setzen. Denn als reale Nothwendigkeit ist sie das +Aufgehobenseyn der Wirklichkeit in der Moeglichkeit und umgekehrt; +--indem sie diess einfache Umschlagen des einen dieser Momente in das +andere ist, ist sie auch ihre einfache positive Einheit, indem jedes, +wie sich zeigte, in dem andern nur mit sich selbst zusammengeht. So +ist sie aber die Wirklichkeit; jedoch eine solche, die nur ist, als +dieses einfache Zusammen-gehen der Form mit sich selbst. Ihr +negatives Setzen jener Momente ist dadurch selbst das Voraussetzen, +oder Setzen ihrer selbst als aufgehobener oder der Unmittelbarkeit. + +Eben darin aber ist diese Wirklichkeit bestimmt als Negatives; sie +ist ein Zusammengehen aus der Wirklichkeit, welche reale Moeglichkeit +war, mit sich; also wird diese neue Wirklichkeit nur aus ihrem +Ansichseyn, aus der Negation ihrer selbst.--Damit ist sie zugleich +unmittelbar als Moeglichkeit bestimmt, als Vermitteltes durch ihre +Negation. Diese Moeglichkeit aber ist somit unmittelbar nichts als +diess Vermitteln, in welchem das Ansichseyn, naemlich sie selbst, und +die Unmittelbarkeit, beide auf gleiche Weise Gesetztseyn sind.--So +ist es die Nothwendigkeit, welche ebenso sehr Aufheben dieses +Gesetztseyns oder Setzen der Unmittelbarkeit, und des Ansichseyns, so +wie eben darin Bestimmen dieses Aufhebens als Gesetztseyns ist. Sie +ist daher es selbst, welche sich als Zufaelligkeit bestimmt;--in ihrem +Seyn sich von sich abstoesst, in diesem Abstossen selbst nur in sich +zurueckgekehrt ist, und in dieser Rueckkehr als ihrem Seyn sich von +sich selbst abgestossen hat. + +So hat die Form in ihrer Realisirung alle ihre Unterschiede +durchdrungen und sich durchsichtig gemacht, und ist als absolute +Nothwendigkeit nur diese einfache Identitaet des Seyns in seiner +Negation oder in dem Wesen mit sich selbst.--Der Unterschied von dem +Inhalte und der Form selbst ist ebenso verschwunden; denn jene +Einheit der Moeglichkeit in der Wirklichkeit und umgekehrt ist die in +ihrer Bestimmtheit oder im Gesetztseyn gegen sich selbst +gleichgueltige Form, die inhaltsvolle Sache, an der sich die Form der +Nothwendigkeit aeusserlich verlief. Aber so ist sie diese reflektirte +Identitaet beider Bestimmungen, als gegen sie gleichgueltig, somit die +Formbestimmung des Ansichseyns gegen das Gesetztseyn, und diese +Moeglichkeit macht die Beschraenktheit des Inhalts aus, den die reale +Nothwendigkeit hatte. Die Aufloesung dieses Unterschieds aber ist die +absolute Nothwendigkeit, deren Inhalt dieser in ihr sich +durchdringende Unterschied ist. + +Die absolute Nothwendigkeit ist also die Wahrheit, in welche +Wirklichkeit und Moeglichkeit ueberhaupt, so wie die formelle und reale +Nothwendigkeit zurueckgeht.--Sie ist, wie sich ergeben hat, das Seyn, +das in seiner Negation, im Wesen, sich auf sich bezieht und Seyn ist. +Sie ist ebenso sehr einfache Unmittelbarkeit oder reines Seyn, als +einfache Reflexion-in-sich, oder reines Wesen; sie ist diess, dass diess +Beides ein und dasselbe ist.--Das schlechthin Nothwendige ist nur, +weil es ist; es hat sonst keine Bedingung, noch Grund.--Es ist aber +ebenso reines Wesen, sein Seyn ist die einfache Reflexion-in-sich; es +ist, weil es ist. Als Reflexion hat es Grund und Bedingung, aber es +hat nur sich zum Grunde und Bedingung. Es ist Ansichseyn, aber sein +Ansichseyn ist seine Unmittelbarkeit, seine Moeglichkeit ist seine +Wirklichkeit.--Es ist also, weil es ist; als das Zusammengehen des +Seyns mit sich, ist es Wesen; aber weil diess Einfache ebenso die +unmittelbare Einfachheit ist, ist es Seyn. + +Die absolute Nothwendigkeitt ist so die Reflexion oder Form des +Absoluten; Einheit des Seyns und Wesens, einfache Unmittelbarkeit, +welche absolute Negativitaet ist. Einer Seits sind ihre Unterschiede +daher nicht als Reflexions-Bestimmungen, sondern als seyende +Mannigfaltigkeit, als unterschiedene Wirklichkeit, welche die Gestalt +von selbststaendigen Anderen gegen einander hat. Anderer Seits da +ihre Beziehung die absolute Identitaet ist, ist sie das absolute +Umkehren ihrer Wirklichkeit in ihre Moeglichkeit und ihrer Moeglichkeit +in Wirklichkeit.--Die absolute Nothwendigkeit ist daher blind. Einer +Seits haben die unterschiedenen, welche als Wirklichkeit und als die +Moeglichkeit bestimmt sind, die Gestalt der Reflexion-in-sich als des +Seyns; sie sind daher beide als freie Wirklichkeiten, deren keins im +Andern scheint, keins eine Spur seiner Beziehung auf das Andere an +ihm zeigen will; in sich gegruendet ist jedes das Nothwendige an ihm +selbst. Die Nothwendigkeit als Wesen ist in diesem Seyn verschlossen; +die Beruehrung dieser Wirklichkeiten durch einander erscheint daher +als eine leere Aeusserlichkeit; die Wirklichkeit des einen in dem +Andern ist die nur Moeglichkeit, die Zufaelligkeit. Denn das Seyn ist +gesetzt als absolut nothwendig, als die Vermittelung-mit-sich, welche +absolute Negation der Vermittelung-durch-Anderes ist, oder als Seyn +das nur mit dem Seyn identisch ist; ein Anderes, das im Seyn +Wirklichkeit hat, ist daher als schlechthin nur Moegliches, leeres +Gesetztseyn bestimmt. + +Aber diese Zufaelligkeit ist vielmehr die absolute Nothwendigkeit; sie +ist das Wesen jener freien, an sich nothwendigen Wirklichkeiten. +Dieses Wesen ist das Lichtscheue, weil an diesen Wirklichkeiten kein +Scheinen, kein Reflex ist, weil sie nur rein in sich gegruendet, fuer +sich gestaltet sind, sich nur sich selbst manifestiren,--weil sie nur +Seyn sind.--Aber ihr Wesen wird an ihnen hervorbrechen und offenbaren, +was es ist und was sie sind. Die Einfachheit ihres Seyns, ihres +Beruhens auf sich, ist die absolute Negativitaet; sie ist die Freiheit +ihrer scheinlosen Unmittelbarkeit. Dieses Negative bricht an ihnen +hervor, weil das Seyn durch diess sein Wesen der Widerspruch mit sich +selbst ist;--und zwar gegen diess Seyn in der Form des Seyns, also als +die Negation jener Wirklichkeiten, welche absolut verschieden ist von +ihrem Seyn, als ihr Nichts, als ein ebenso freies Andersseyn gegen +sie, als ihr Seyn es ist.--Jedoch war es an ihnen nicht zu verkennen. +Sie sind in ihrer auf sich beruhenden Gestaltung gleichgueltig gegen +die Form, ein Inhalt, damit unterschiedene Wirklichkeiten und ein +bestimmter Inhalt; dieser ist das Maal, das die Nothwendigkeit, indem +sie, welche absolute Rueckkehr in sich selbst in ihrer Bestimmung ist, +dieselben frei als absolut wirkliche entliess,--ihnen aufdrueckte, +worauf sie als den Zeugen ihres Rechts sich beruft, und an dem sie +ergriffen nun untergehen. Diese Manifestation dessen, was die +Bestimmtheit in Wahrheit ist, negative Beziehung auf sich selbst, ist +blinder Untergang im Andersseyn; das hervorbrechende Scheinen oder +die Reflexion ist an den Seyenden als Werden oder Uebergehen des Seyns +in Nichts. Aber das Seyn ist umgekehrt ebenso sehr Wesen, und das +Werden ist Reflexion oder Scheinen. So ist die Aeusserlichkeit ihre +Innerlichkeit, ihre Beziehung ist absolute Identitaet; und das +Uebergehen des Wirklichen in Moegliches, des Seyns in Nichts ein +Zusammengehen mit sich selbst; die Zufaelligkeit ist absolute +Nothwendigkeit; sie selbst ist das Voraussetzen jener ersten +absoluten Wirklichkeiten. + +Diese Identitaet des Seyns in seiner Negation mit sich selbst, ist sie +nun Substanz. Sie ist diese Einheit als in ihrer Negation oder als +in der Zufaelligkeit; so ist sie die Substanz als Verhaeltniss zu sich +selbst. Das blinde Uebergehen der Nothwendigkeit ist vielmehr die +eigene Auslegung des Absoluten, die Bewegung desselben in sich, +welches in seiner Entaeusserung vielmehr sich selbst zeigt. + + + +Drittes Kapitel. Das absolute Verhaeltniss. + + +Die absolute Nothwendigkeit ist nicht sowohl das Nothwendige, noch +weniger ein Nothwendiges, sondern Nothwendigkeit;--Seyn schlechthin +als Reflexion. Sie ist Verhaeltniss, weil sie Unterscheiden ist, +dessen Momente selbst ihre ganze Totalitaet sind, die also absolut +bestehen, so dass diess aber nur Ein Bestehen und der Unterschied nur +der Schein des Auslegens, und dieser das Absolute selbst ist.--Das +Wesen als solches ist die Reflexion oder das Scheinen; das Wesen als +absolutes Verhaeltniss aber ist der als Schein gesetzte Schein, oder +als diess Beziehen auf sich die absolute Wirklichkeit ist.--Das +Absolute, zuerst von der aeussern Reflexion ausgelegt, legt nun als +absolute Form oder als Nothwendigkeit, sich selbst aus; diess Auslegen +seiner selbst ist sein Sich-selbst-setzen, und es ist nur diess +Sich-setzen.--Wie das Licht der Natur nicht Etwas, noch Ding, sondern +sein Seyn nur sein Scheinen ist, so ist die Manifestation die sich +selbst gleiche absolute Wirklichkeit. + +Die Seiten des absoluten Verhaeltnisses sind daher keine Attribute. +Im Attribute scheint das Absolute nur in einem seiner Momente, als +einem vorausgesetzten und von der aeussern Reflexion aufgenommenen. +Die Auslegerin des Absoluten aber ist die absolute Nothwendigkeit, +die identisch mit sich ist, als sich selbst bestimmend. Da sie das +Scheinen ist, das als Schein gesetzt ist, so sind die Seiten dieses +Verhaeltnisses Totalitaeten, weil sie als Schein sind; denn als Schein +sind die Unterschiede sie selbst und ihr Entgegengesetztes, oder das +Ganze;--umgekehrt sind sie so Schein, weil sie Totalitaeten sind. +Diess Unterscheiden oder Scheinen des Absoluten ist so nur das +identische Setzen seiner selbst. + +Diess Verhaeltniss in seinem unmittelbaren Begriff ist das Verhaeltniss +der Substanz und der Accidenzen, das unmittelbare Verschwinden und +Werden des absoluten Scheines in sich selbst. Indem die Substanz +sich zum Fuersichseyn gegen ein Anderes bestimmt, oder das absolute +Verhaeltniss als reales, ist das Verhaeltniss der Kausalitaet. Endlich +indem dieses als sich auf sich Beziehendes in Wechselwirkung uebergeht, +so ist damit das absolute Verhaeltniss nach den Bestimmungen, welche +es enthaelt, auch gesetzt; diese gesetzte Einheit seiner in seinen +Bestimmungen, die als das Ganze selbst und damit ebenso sehr als +Bestimmungen gesetzt sind, ist alsdann der Begriff. + +A. Das Verhaeltniss der Substantialitaet. + +Die absolute Nothwendigkeit ist absolutes Verhaeltniss, weil sie nicht +das Seyn als solches ist, sondern das Seyn, das ist, weil es ist, +das Seyn als die absolute Vermittelung seiner mit sich selbst. +Dieses Seyn ist die Substanz; als die letzte Einheit des Wesens und +Seyns, ist sie das Seyn in allem Seyn; weder das unreflektirte +Unmittelbare, noch auch ein abstraktes, hinter der Existenz und +Erscheinung stehendes, sondern die unmittelbare Wirklichkeit selbst, +und diese als absolutes Reflektirtseyn in sich, als an und +fuersichseyendes Bestehen.--Die Substanz als diese Einheit des Seyns +und der Reflexion ist wesentlich das Scheinen und Gesetztseyn ihrer. +Das Scheinen ist das sich auf sich beziehende Scheinen, so ist es; +diess Seyn ist die Substanz als solche. Umgekehrt ist dieses Seyn nur +das mit sich identische Gesetztseyn, so ist es scheinende Totalitaet, +die Accidentalitaet. + +Diess Scheinen ist die Identitaet als der Form;--die Einheit der +Moeglichkeit und Wirklichkeit. Sie ist erstlich Werden, die +Zufaelligkeit als die Sphaere des Entstehens und Vergehens; denn nach +der Bestimmung der Unmittelbarkeit ist die Beziehung der Moeglichkeit +und Wirklichkeit unmittelbares Umschlagen derselben als Seyender in +einander, eines jeden als in sein ihm nur Anderes.--Aber weil das +Seyn Schein ist, so ist die Beziehung derselben auch als identischer +oder scheinender an einander, Reflexion. Die Bewegung der +Accidentalitaet stellt daher an jedem ihrer Momente das Scheinen der +Kategorien des Seyns und der Reflexions-Bestimmungen des Wesens in +einander dar.--Das unmittelbare Etwas hat einen Inhalt; seine +Unmittelbarkeit ist zugleich reflektirte Gleichgueltigkeit gegen die +Form. Dieser Inhalt ist bestimmt, und indem diess Bestimmtheit des +Seyns ist, geht das Etwas ueber in ein Anderes. Aber die Qualitaet ist +auch Bestimmtheit der Reflexion; so ist sie gleichgueltige +Verschiedenheit. Aber diese begeistet sich zur Entgegensetzung, und +geht in den Grund zurueck, der das Nichts, aber auch Reflexion-in-sich +ist. Diese hebt sich auf; aber sie ist selbst reflektirtes +Ansichseyn, so ist sie Moeglichkeit und diess Ansichseyn ist in seinem +Uebergehen, das ebenso sehr Reflexion-in-sich ist, das nothwendige +Wirkliche. + +Diese Bewegung der Accidentalitaet ist die Aktuositaet der Substanz, +als ruhiges Hervorgehen ihrer selbst. Sie ist nicht thaetig gegen +Etwas, sondern nur gegen sich als einfaches widerstandloses Element. +Das Aufheben eines Vorausgesetzten ist der verschwindende Schein; +erst in dem das unmittelbare aufhebenden Thun wird diess Unmittelbare +selbst, oder ist jenes Scheinen; das Anfangen von sich selbst ist +erst das Setzen dieses Selbsts, von dem das Anfangen ist. + +Die Substanz als diese Identitaet des Scheinens ist die Totalitaet des +Ganzen, und begreift die Accidentalitaet in sich, und die +Accidentalitaet ist die ganze Substanz selbst. Der Unterschied ihrer +in die einfache Identitaet des Seyns, und in den Wechsel der +Accidenzen an derselben ist eine Form ihres Scheins. Jenes ist die +formlose Substanz des Vorstellens, dem der Schein sich nicht als +Schein bestimmt hat, sondern das als an einem Absoluten an solcher +unbestimmten Identitaet festhaelt, die keine Wahrheit hat, nur die +Bestimmtheit der unmittelbaren Wirklichkeit oder ebenso des +Ansichseyns oder der Moeglichkeit ist;--Formbestimmungen, welche in +die Accidentalitaet fallen.-Die andere Bestimmung, der Wechsel der +Accidenzen, ist die absolute Formeinheit der Accidentalitaet, die +Substanz als die absolute Macht.--Das Vergehen der Accidenz ist +Zurueckgehen ihrer als Wirklichkeit in sich als in ihr Ansichseyn oder +in ihre Moeglichkeit, aber diess ihr Ansichseyn ist selbst nur ein +Gesetztseyn; daher ist es auch Wirklichkeit, und weil diese +Formbestimmungen ebenso sehr Inhaltsbestimmungen sind, ist diess +Moegliche auch dem Inhalte nach ein anders bestimmtes Wirkliches. Die +Substanz manifestirt sich durch die Wirklichkeit mit ihrem Inhalte, +in die sie das Moegliche uebersetzt, als schaffende, durch die +Moeglichkeit, in die sie das Wirkliche zurueckfuehrt, als zerstoerende +Macht. Aber beides ist identisch; das Schaffen zerstoerend, die +Zerstoerung schaffend; denn das Negative und Positive, die Moeglichkeit +und Wirklichkeit sind in der substantiellen Nothwendigkeit absolut +vereint. + +Die Accidenzen als solche,--und es sind mehrere, indem die Mehrheit +eine der Bestimmungen des Seyns ist,--haben keine Macht ueber einander. +Sie sind das seyende oder fuer sich seyende Etwas, existirende Dinge +von mannigfaltigen Eigenschaften, oder Ganze, die aus Theilen +bestehen, selbststaendige Theile, Kraefte, die der Sollicitation durch +einander beduerfen und einander zur Bedingung haben. Insofern ein +solches Accidentelles ueber ein Anderes eine Macht auszuueben scheint, +ist es die Macht der Substanz, welche beide in sich begreift, als +Negativitaet einen ungleichen Werth setzt, das eine als Vo[e]rgehendes, +das Andere mit anderem Inhalte und als Entstehendes, oder jenes in +seine Moeglichkeit, dieses daran in Wirklichkeit uebergehend bestimmt; +--ewig sich in diese Unterschiede der Form und des Inhalts entzweit +und ewig sich von dieser Einseitigkeit reinigt, aber in dieser +Reinigung selbst in die Bestimmung und Entzweiung zurueckgefallen ist. +--Eine Accidenz vertreibt also eine andere nur darum, weil ihr +eigenes Subsistiren diese Totalitaet dar Form und des Inhalts selbst +ist, in der sie wie ihre andere ebenso sehr untergeht. + +Um dieser unmittelbaren Identitaet und Gegenwart der Substanz in den +Accidenzen willen ist noch kein realer Unterschied vorhanden. In +dieser ersten Bestimmung ist die Substanz noch nicht nach ihrem +ganzen Begriffe manifestirt. Wenn die Substanz als das mit sich +identische An- und Fuersichseyn, von ihr selbst als Totalitaet der +Accidenzen unterschieden wird, so ist sie als Macht das Vermittelnde. +Diese ist die Nothwendigkeit, das in der Negativitaet der Accidenzen +positive Beharren derselben, und ihr blosses Gesetztseyn in ihrem +Bestehen; diese Mitte ist somit Einheit der Substantialitaet und +Accidentalitaet selbst, und ihre Extreme haben kein eigenthuemliches +Bestehen. Die Substantialitaet ist daher nur das Verhaeltniss als +unmittelbar verschwindend, sie bezieht sich auf sich nicht als +Negatives, ist als die unmittelbare Einheit der Macht mit sich selbst +in der Form nur ihrer Identitaet, nicht ihres negativen Wesens; nur +das eine Moment, naemlich das Negative oder der Unterschied, ist das +schlechthin verschwindende, nicht aber das andere, das Identische. +--Diess ist auch so zu betrachten. Der Schein oder die Accidentalitaet +ist an sich wohl Substanz durch die Macht, aber er ist nicht so +gesetzt als dieser mit sich identische Schein; so hat die Substanz +nur die Accidentalitaet zu ihrer Gestalt oder Gesetztseyn, nicht sich +selbst; ist nicht Substanz als Substanz. Das +Substantialitaets-Verhaeltniss ist also zunaechst sie nur, dass sie sich +als formelle Macht offenbart, deren Unterschiede nicht substantiell +sind; sie ist in der That nur als Inneres der Accidenzen, und diese +sind nur an der Substanz. Oder diess Verhaeltniss ist nur die +scheinende Totalitaet als Werden; aber sie ist ebenso sehr Reflexion; +die Accidentalitaet, die an sich Substanz ist, ist eben darum auch +gesetzt als solche; so ist sie bestimmt als sich auf sich beziehende +Negativitaet, gegen sich, bestimmt als sich auf sich beziehende +einfache Identitaet mit sich; und ist fuer-sich-seyende, maechtige +Substanz. So geht das Substantialitaets-Verhaeltniss in das +Kausalitaets-Verhaeltniss ueber. + +B. Das Kausalitaets-Verhaeltniss. + +Die Substanz ist Macht, und in sich reflektirte nicht bloss +uebergehende, sondern die Bestimmungen setzende und von sich +unterscheidende Macht. Als in ihrem Bestimmen sich auf sich selbst +beziehend ist sie selbst das, was sie als negatives setzt oder zum +Gesetztseyn macht. Dieses ist somit ueberhaupt die aufgehobene +Substantialitaet, das nur Gesetzte, die Wirkung; die fuer sich seyende +Substanz aber ist die Ursache. + +Diess Kausalitaetsverhaeltniss ist zunaechst nur diess Verhaeltniss von +Ursache und Wirkung; so ist es das formelle Kausalitaets-Verhaeltniss. + +a. Die formelle Kausalitaet. + +1. Die Ursache ist das Urspruengliche gegen die Wirkung.--Die Substanz +ist als Macht das Scheinen, oder hat Accidentalitaet. Aber sie ist +als Macht ebenso sehr Reflexion-in-sich in ihrem Scheine; so legt sie +ihr Uebergehen aus, und diess Scheinen ist bestimmt als Schein, oder +die Accidenz ist gesetzt, als das, dass sie nur ein Gesetztes sey. +--Die Substanz geht aber in ihrem Bestimmen nicht von der +Accidentalitaet aus, als ob diese voraus ein Anderes waere, und nun +erst als Bestimmtheit gesetzt wuerde, son dern beides ist Eine +Aktuositaet. Die Substanz, als Macht bestimmt sich; aber diess +Bestimmen ist unmittelbar selbst das Aufheben des Bestimmens und die +Rueckkehr. Sie bestimmt sich,--sie, das Bestimmende ist so das +Unmittelbare, und das selbst schon Bestimmte;--indem sie sich +bestimmt, setzt sie also diess schon Bestimmte als bestimmt; hat so +das Gesetztseyn aufgehoben, und ist in sich zurueckgekehrt.--Umgekehrt +ist diese Rueckkehr, weil sie die negative Beziehung der Substanz auf +sich ist, selbst ein Bestimmen oder Abstossen ihrer von sich; durch +diese Rueckkehr wird das Bestimmte, von dem sie anzufangen und es als +vorgefundenes Bestimmtes nun als solches zu setzen scheint.--So ist +die absolute Actuositaet Ursache;--die Macht der Substanz in ihrer +Wahrheit als Manifestation, die das, was an sich ist, die Accidenz, +die das Gesetztseyn ist, unmittelbar im Werden derselben auch auslegt, +sie setzt als Gesetztseyn; die Wirkung.--Diese ist also erstlich +dasselbe, was die Accidentalitaet des Substantialitaets-Verhaeltnisses +ist, naemlich die Substanz als Gesetztseyn; aber zweitens ist die +Accidenz als solche substantiell nur durch ihr Verschwinden, als +Uebergehendes; als Wirkung aber ist sie das Gesetztseyn als mit sich +identisch; die Ursache ist in der Wirkung als ganze Substanz +manifestirt, naemlich als an dem Gesetztseyn selbst als solchem in +sich reflektirt. + +2. Diesem in sich reflektirten Gesetztseyn, dem Bestimmten als +Bestimmten, steht die Substanz als nicht gesetztes Urspruengliches +gegenueber. Weil sie als absolute Macht Rueckkehr in sich, aber diese +Rueckkehr selbst Bestimmen ist, so ist sie nicht mehr bloss das An-sich +ihrer Accidenz, sondern ist auch gesetzt als diess Ansichseyn. Die +Substanz hat daher erst als Ursache Wirklichkeit. Aber diese +Wirklichkeit, dass ihr Ansichseyn, ihre Bestimmtheit im +Substantialitaets-Verhaeltnisse, nunmehr als Bestimmtheit gesetzt ist, +ist die Wirkung; die Substanz hat daher die Wirklichkeit, die sie als +Ursache hat, nur in ihrer Wirkung.--Diess ist die Nothwendigkeit, +welche die Ursache ist.--Sie ist die wirkliche Substanz, weil die +Substanz als Macht sich selbst bestimmt; aber ist zugleich Ursache, +weil sie diese Bestimmtheit auslegt oder als Gesetztseyn setzt; so +setzt sie ihre Wirklichkeit als das Gesetztseyn oder als die Wirkung. +Diese ist das Andere der Ursache, das Gesetztseyn gegen das +Urspruengliche und durch dieses vermittelt. Aber die Ursache hebt als +Nothwendigkeit ebenso diess ihr Vermitteln auf, und ist in dem +Bestimmen ihrer selbst als das urspruenglich sich auf sich beziehende +gegen das Vermittelte, die Rueckkehr in sich; denn das Gesetztseyn ist +als Gesetztseyn bestimmt, somit identisch mit sich; die Ursache ist +daher erst in ihrer Wirkung das wahrhaft Wirkliche und mit sich +Identische.--Die Wirkung ist daher nothwendig, weil sie eben +Manifestation der Ursache, oder diese Nothwendigkeit ist, welche die +Ursache ist.--Nur als diese Nothwendigkeit ist die Ursache selbst +bewegend, aus sich anfangend, ohne von einem Andern sollicitirt zu +werden, und selbststaendige Quelle des Hervorbringens aus sich;--sie +muss wirken, ihre Urspruenglichkeit ist diess, dass ihre +Reflexion-in-sich bestimmendes Setzen und umgekehrt, beides eine +Einheit ist. + +Die Wirkung enthaelt daher ueberhaupt nichts, was nicht die Ursache +enthaelt. Umgekehrt enthaelt die Ursache nichts, was nicht in ihrer +Wirkung ist. Die Ursache ist nur Ursache, insofern sie eine Wirkung +hervorbringt; und die Ursache ist nichts als diese Bestimmung, eine +Wirkung zu haben, und die Wirkung nichts, als diess, eine Ursache zu +haben. In der Ursache als solcher selbst liegt ihre Wirkung, und in +der Wirkung die Ursache; insofern die Ursache noch nicht wirkte, oder +insofern sie aufgehoert haette zu wirken, so waere sie nicht Ursache; +--und die Wirkung, insofern ihre Ursache verschwunden ist, ist nicht +mehr Wirkung, sondern eine gleichgueltige Wirklichkeit.-3. In dieser +Identitaet der Ursache und Wirkung ist nun die Form, wodurch sie als +das an sich seyende und als das Gesetztseyn sich unterscheiden, +aufgehoben. Die Ursache erlischt in ihrer Wirkung; damit ist ebenso +die Wirkung erloschen, denn sie ist nur die Bestimmtheit der Ursache. +Diese in der Wirkung erloschene Kausalitaet ist somit eine +Unmittelbarkeit, welche gegen das Verhaeltniss von Ursache und Wirkung +gleichgueltig ist, und es aeusserlich an ihr hat. + +b. Das bestimmte Kausalitaetsverhaeltniss. + +1. Die Identitaet der Ursache in ihrer Wirkung mit sich ist das +Aufheben ihrer Macht und Negativitaet, daher die gegen die +Formunterschiede gleichgueltige Einheit, der Inhalt.--Er ist daher nur +an sich auf die Form, hier die Kausalitaet, bezogen. Sie sind somit +als verschieden gesetzt, und die Form gegen den Inhalt eine selbst +nur unmittelbar wirkliche, eine zufaellige Kausalitaet. + +Ferner der Inhalt so als bestimmtes, ist ein verschiedener Inhalt an +ihm selbst; und die Ursache ist ihrem Inhalte nach bestimmt, damit +ebenso die Wirkung.--Der Inhalt, da das Reflektirtseyn hier auch +unmittelbare Wirklichkeit ist, ist insofern wirkliche, aber die +endliche Substanz. + +Diess ist nunmehr das Kausalitaets-Verhaeltniss in seiner Realitaet und +Endlichkeit. Als formell ist es das unendliche Verhaeltniss der +absoluten Macht, deren Inhalt die reine Manifestation oder +Nothwendigkeit ist. Als endliche Kausalitaet hingegen hat es einen +gegebenen Inhalt, und verlaeuft sich als ein aeusserlicher Unterschied +an diesem Identischen, das in seinen Bestimmungen eine und dieselbe +Substanz ist. + +Durch diese Identitaet des Inhalts ist diese Kausalitaet ein +analytischer Satz. Es ist dieselbe Sache, welche sich das eine Mal +als Ursache, das andere Mal als Wirkung darstellt, dort als +eigenthuemliches Bestehen, hier als Gesetztseyn oder Bestimmung an +einem Andern. Da diese Bestimmungen der Form aeusserliche Reflexion +sind, so ist es die der Sache nach tautologische Betrachtung eines +subjektiven Verstandes, eine Erscheinung als Wirkung zu bestimmen und +davon zu ihrer Ursache aufzusteigen, um sie zu begreifen und zu +erklaeren; es wird nur ein und derselbe Inhalt wiederhohlt; man hat in +der Ursache nichts Anderes als in der Wirkung.--Der Regen z.B. ist +Ursache der Feuchtigkeit, welche seine Wirkung ist;--der Regen macht +nass, diess ist ein analytischer Satz; dasselbe Wasser, was der Regen +ist, ist die Feuchtigkeit; als Regen ist diess Wasser nur in der Form +einer Sache fuer sich, als Waesserigkeit oder Feuchtigkeit dagegen ist +es ein adjectives, ein gesetztes, das nicht mehr sein Bestehen an ihm +selbst haben soll; und die eine Bestimmung, wie die andere, ist ihm +aeusserlich.--So ist die Ursache dieser Farbe ein Faerbendes, ein +Pigment, welches eine und dieselbe Wirklichkeit ist, das eine Mal in +der ihm aeussern Form eines thaetigen, das heisst, mit einem von ihm +verschiedenen Thaetigen aeusserlich verbunden, das andere Mal aber in +der ihm ebenso aeusserlichen Bestimmung einer Wirkung.--Die Ursache +einer That ist die innere Gesinnung in einem thaetigen Subjekt, die +als aeusseres Daseyn, das sie durch die Handlung erhaelt, derselbe +Inhalt und Werth ist. Wenn die Bewegung eines Koerpers als Wirkung +betrachtet wird, so ist die Ursache derselben eine stossende Kraft; +aber es ist dasselbe Quantum der Bewegung, das vor und nach dem Stoss +vorhanden ist, dieselbe Existenz, welche der stossende Koerper enthielt, +und dem gestossenen mittheilte; und so viel er mittheilt, so viel +verliert er selbst. + +Die Ursache, z.B. der Mahler, oder der stossende Koerper hat wohl +noch einen andern Inhalt, jener, als die Farben und deren sie zum +Gemaelde verbindende Form; dieser, als eine Bewegung von bestimmter +Staerke und Richtung. Allein dieser weitere Inhalt ist ein zufaelliges +Beiwesen, das die Ursache nichts angeht; was der Maler sonst fuer +Qualitaeten enthaelt, abstrahirt davon, dass er Maler dieses Gemaeldes +ist, diess tritt nicht in dieses Gemaelde ein; nur was von seinen +Eigenschaften sich in der Wirkung darstellt, ist in ihm als Ursache +vorhanden, nach seinen uebrigen Eigenschaften ist er nicht Ursache. +So ob der stossende Koerper Stein oder Holz, gruen, gelb ist u.s.f. diess +tritt nicht in seinen Stoss ein; insofern ist er nicht Ursache. + +Es ist in Ruecksicht dieser Tautologie des Kausalitaets-Verhaeltnisses +zu bemerken, dass es dieselbe dann nicht zu enthalten scheint, wenn +nicht die naechste, sondern die entfernte Ursache einer Wirkung +angegeben wird. Die Formveraenderung, welche die zu Grunde liegende +Sache in diesem Durchgange durch mehrere Mittelglieder erleidet, +versteckt die Identitaet, die sie darin behaelt. Sie verknuepft sich +zugleich in dieser Vervielfaeltigung der Ursachen, welche zwischen sie +und die letzte Wirkung eingetreten sind, mit andern Dingen und +Umstaenden, so dass nicht jenes Erste, was als Ursache ausgesprochen +wird, sondern nur diese mehrere Ursachen zusammen die vollstaendige +Wirkung enthalten.--So wenn z. ein Mensch dadurch unter Umstaende kam, +in denen sich sein Talent entwickelte, dass er seinen Vater verlor, +den in einer Schlacht eine Kugel traf, so koennte dieser Schuss, (oder +noch weiter zurueck der Krieg oder eine Ursache des Kriegs und so fort +ins Unendliche) als Ursache der Geschicklichkeit jenes Menschen +angegeben werden. Allein es erhellt, dass z.B. jener Schuss nicht +fuer sich diese Ursache ist, sondern nur die Verknuepfung desselben mit +andern wirkenden Bestimmungen. Oder vielmehr ist er ueberhaupt nicht +Ursache, sondern nur ein einzelnes Moment, das zu den Umstaenden der +Moeglichkeit gehoerte. + +Denn hauptsaechlich ist noch die unstatthafte Anwendung des +Kausalitaetsverhaeltnisses auf Verhaeltnisse des physisch-organischen +und des geistigen Lebens zu bemerken. Hier zeigt sich das, was als +Ursache genannt wird, freilich von anderem Inhalte als die Wirkung, +darum aber, weil das, was auf das Lebendige wirkt, von diesem +selbststaendig bestimmt, veraendert und verwandelt wird, weil das +Lebendige die Ursache nicht zu ihrer Wirkung kommen laesst, das heisst, +sie als Ursache aufhebt. So ist es unstatthaft gesprochen, dass die +Nahrung die Ursache des Bluts, oder diese Speisen oder Kaelte, Naesse, +Ursachen des Fiebers u.s.fort seyen; so unstatthaft es ist, das +jonische Klima als die Ursache der homerischen Werke, oder Caesar's +Ehrgeiz als die Ursache des Untergangs der republikanischen +Verfassung Roms anzugeben. In der Geschichte ueberhaupt sind geistige +Massen und Individuen im Spiele und in der Wechselbestimmung mit +einander; die Natur des Geistes ist es aber noch in viel hoeherem +Sinne, als der Charakter des Lebendigen ueberhaupt, vielmehr nicht ein +anderes Urspruengliches in sich aufzunehmen, oder nicht eine Ursache +sich in ihn kontinuiren zu lassen, sondern sie abzubrechen und zu +verwandeln.--Welche Verhaeltnisse aber der Idee angehoeren und bei ihr +erst zu betrachten sind.--Diess kann hier noch bemerkt werden, dass +insofern das Verhaeltniss von Ursache und Wirkung, obwohl in +uneigentlichem Sinne, zugelassen wird, die Wirkung nicht groesser seyn +koenne, als die Ursache; denn die Wirkung ist nichts weiter als die +Manifestation der Ursache. Es ist ein gewoehnlich gewordener Witz in +der Geschichte, aus kleinen Ursachen grosse Wirkungen entstehen zu +lassen, und fuer die umfassende und tiefe Begebenheit eine Anekdote +als erste Ursache aufzufuehren. Eine solche sogenannte Ursache ist +fuer nichts weiteres als eine Veranlassung, als aeussere Erregung +anzusehen, deren der innere Geist der Begebenheit nicht bedurft haette, +oder deren er eine unzaehlige Menge anderer haette gebrauchen koennen, +um von ihnen in der Erscheinung anzufangen, sich Luft zu machen und +seine Manifestation zu geben. Vielmehr ist umgekehrt so etwas fuer +sich Kleinliches und Zufaelliges erst von ihm zu seiner Veranlassung +bestimmt worden. Jene Arabesken-Malerei der Geschichte, die aus +einem schwanken Stengel eine grosse Gestalt hervorgehen laesst, ist +daher wohl eine geistreiche, aber hoechst oberflaechliche Behandlung. +Es ist in diesem Entspringen des Grossen aus dem Kleinen zwar +ueberhaupt die Umkehrung vorhanden, die der Geist mit dem Aeusserlichen +vornimmt; aber eben darum ist dieses nicht Ursache in ihm, oder diese +Umkehrung hebt selbst das Verhaeltniss der Kausalitaet auf. + +2. Diese Bestimmtheit des Kausalitaets-Verhaeltnisses aber, dass Inhalt +und Form verschieden und gleichgueltig sind, erstreckt sich weiter. +Die Formbestimmung ist auch Inhaltsbestimmung; Ursache und Wirkung, +die beiden Seiten des Verhaeltnisses, sind daher auch ein anderer +Inhalt. Oder der Inhalt, weil er nur als Inhalt einer Form ist, hat +ihren Unterschied an ihm selbst und ist wesentlich verschieden. Aber +indem diese seine Form das Kausalitaets-Verhaeltniss ist, das ein in +Ursache und Wirkung identischer Inhalt ist, so ist der verschiedene +Inhalt aeusserlich mit der Ursache einer Seits, und anderer Seits mit +der Wirkung verbunden; er tritt somit nicht selbst in das Wirken und +in das Verhaeltniss ein. + +Dieser aeusserliche Inhalt ist also verhaeltnisslos;--eine unmittelbare +Existenz;--oder weil er als Inhalt die ansichseyende Identitaet der +Ursache und Wirkung ist, ist auch er unmittelbare, seyende Identitaet. +Diess ist daher irgend ein Ding, das mannigfaltige Bestimmungen +seines Daseyns hat, unter Anderem auch diese, dass es in irgend einer +Ruecksicht Ursache oder auch Wirkung ist. Die Formbestimmungen, +Ursache und Wirkung, haben an ihm ihr Substrat, das heisst ihr +wesentliches Bestehen,--und jede ein besonderes--, denn ihre +Identitaet ist ihr Bestehen;--zugleich aber ist es ihr unmittelbares +Bestehen, nicht ihr Bestehen als Formeinheit, oder als Verhaeltniss. + +Aber dieses Ding ist nicht nur Substrat, sondern auch Substanz, denn +es ist das identische Bestehen nur als des Verhaeltnisses. Ferner ist +sie endliche Substanz, denn sie ist bestimmt als unmittelbare gegen +ihre Ursachlichkeit. Aber sie hat zugleich Kausalitaet, weil sie +ebenso sehr nur das Identische als dieses Verhaeltnisses ist.--Als +Ursache nun ist dieses Substrat die negative Beziehung auf sich. +Aber es selbst, worauf es sich bezieht, ist erstens ein Gesetztseyn, +weil es als unmittelbar Wirkliches bestimmt ist; diess Gesetztseyn als +Inhalt ist irgend eine Bestimmung ueberhaupt.--Zweitens ist ihin die +Kausalitaet aeusserlich; diese macht somit selbst sein Gesetztseyn aus. +Indem es nun ursachliche Substanz ist, besteht seine Kausalitaet darin, +sich negativ auf sich, also auf sein Gesetztseyn und aeussere +Kausalitaet, zu beziehen. Das Wirken dieser Substanz faengt daher von +einem Aeussern an, befreit sich von dieser aeussern Bestimmung, und seine +Rueckkehr in sich ist die Erhaltung seiner unmittelbaren Existenz und +das Aufheben seiner gesetzten, und damit seiner Kausalitaet ueberhaupt. + +So ist ein Stein, der sich bewegt, Ursache; seine Bewegung ist eine +Bestimmung, die er hat, ausser welcher er aber noch viele andere +Bestimmungen der Farbe, Gestalt u.s.f. enthaelt, welche nicht in seine +Ursachlichkeit eingehen. Weil seine unmittelbare Existenz getrennt +ist von seiner Formbeziehung, naemlich der Kausalitaet, so ist diese +ein Aeusserliches; seine Bewegung, und die Kausalitaet, die ihm in ihr +zukommt, ist an ihm nur Gesetztseyn.--Aber die Kausalitaet ist auch +seine eigene; diess ist darin vorhanden, dass sein substantielles +Bestehen seine identische Beziehung auf sich ist, diese aber ist +nunmehr als Gesetztseyn bestimmt, sie ist also zugleich negative +Beziehung auf sich.--Seine Kausalitaet, welche sich auf sich als auf +das Gesetztseyn oder als ein Aeusseres richtet, besteht daher darin, es +aufzuheben, und durch die Entfernung desselben in sich zurueckzukehren, +--somit insofern nicht in seinem Gesetztseyn identisch mit sich zu +seyn, sondern nur seine abstrakte Urspruenglichkeit wiederherzustellen. +--Oder der Regen ist Ursache der Naesse, welche dasselbe Wasser ist +als jener. Dieses Wasser hat die Bestimmung, Regen und Ursache zu +seyn, dadurch dass sie von einem Andern in ihm gesetzt ist;--eine +andere Kraft oder was es sey, hat es in die Luft erhoben und in eine +Masse zusammengebracht, deren Schwere es fallen macht. Seine +Entfernung von der Erde, ist eine seiner urspruenglichen Identitaet mit +sich, der Schwere, fremde Bestimmung; seine Ursachlichkeit besteht +darin dieselbe zu entfernen, und jene Identitaet wieder herzustellen, +damit aber auch seine Kausalitaet aufzuheben. + +Die jetzt betrachtete zweite Bestimmtheit der Kausalitaet geht die +Form an; diess Verhaeltniss ist die Kausalitaet als sich selbst aeusserlich, +als die Urspruenglichkeit, welche ebenso sehr an ihr selbst +Gesetztseyn oder Wirkung ist. + +Diese Vereinigung der entgegengesetzten Bestimmungen als im seyenden +Substrat macht den unendlichen Regress von Ursachen zu Ursachen aus. +--Es wird von der Wirkung angefangen; sie hat als solche eine Ursache, +diese hat wieder eine Ursache und so fort. Warum hat die Ursache +wieder eine Ursachen das heisst, warum wird dieselbe Seite, die vorher +als Ursache bestimmt war, nunmehr als Wirkung bestimmt und damit nach +einer neuen Ursache gefragt?--Aus dem Grunde, weil die Ursache ein +Endliches, Bestimmtes ueberhaupt ist; bestimmt als Ein Moment der Form +gegen die Wirkung; so hat sie ihre Bestimmtheit oder Negation ausser +ihr; eben damit aber ist sie selbst endlich, hat ihre Bestimmtheit an +ihr, und ist somit Gesetztseyn oder Wirkung. Diese ihre Identitaet +ist auch gesetzt, aber sie ist ein Drittes, odas unmittelbare +Substrat; die Kausalitaet ist darum sich selbst aeusserlich, weil hier +ihre Urspruenglichkeit eine Unmittelbarkeit ist. Der Formunterschied +ist daher erste Bestimmtheit, noch nicht die Bestimmtheit als +Bestimmtheit gesetzt, er ist seyendes Andersseyn. Die endliche +Reflexion bleibt einer Seits bei diesem Unmittelbaren stehen, +entfernt die Formeinheit davon und laesst es in anderer Rueksicht +Ursache und in anderer Wirkung seyn; anderer Seits verlegt sie die +Formeinheit in das Unendliche, und druekt durch das perennirende +Fortgehen ihre Ohnmacht aus, sie erreichen und festhalten zu koennen. + +Mit der Wirkung ist es unmittelbar der naemliche Fall, oder vielmehr +der unendliche Progress von Wirkung zu Wirkung ist ganz und dasselbe +was der Regress von Ursache zu Ursache ist. In diesem wurde die +Ursache zur Wirkung, welche wieder eine andere Ursache hat; ebenso +wird umgekehrt die Wirkung zur Ursache, die wieder eine andere +Wirkung hat.--Die betrachtete bestimmte Ursache faengt von einer +Aeusserlichkeit an, und kehrt in ihrer Wirkung nicht als Ursache in +sich zurueck, sondern verliert vielmehr die Kausalitaet darin. Aber +umgekehrt kommt die Wirkung an ein Substrat, welches Substanz, +urspruenglich sich auf sich beziehendes Bestehen ist; an ihm wird +daher diess Gesetztseyn zum Gesetztseyn; das heisst, diese Substanz, +indem eine Wirkung in ihr gesetzt wird, verhaelt sich als Ursache. +Aber jene erste Wirkung, das Gesetztseyn, das an sie aeusserlich kommt, +ist ein Anderes als die zweite, die von ihr hervorgebracht wird; denn +diese zweite ist bestimmt, als ihre Reflexion-in-sich, jene aber als +eine Aeusserlichkeit an ihr.--Aber weil die Kausalitaet hier die sich +selbst aeusserliche Ursachlichkeit ist, so kehrt sie auch ebenso sehr +in ihrer Wirkung nicht in sich zurueck; wird sich darin aeusserlich, +ihre Wirkung wird wieder Gesetztseyn an einem Substrate,--als einer +andern Substanz, die aber ebenso es zum Gesetztseyn macht, oder sich +als Ursache manifestirt, ihre Wirkung wieder von sich abstoesst und so +fort in das Schlecht-Unendliche. + +3. Es ist nun zu sehen, was durch die Bewegung des bestimmten +Kausalitaets-Verhaeltnisses geworden ist.--Die formelle Kausalitaet +erlischt in der Wirkung; dadurch ist das Identische dieser beiden +Momente geworden; aber damit nur als an sich die Einheit von Ursache +und Wirkung, woran die Formbeziehung aeusserlich ist.--Diess Identische +ist dadurch auch unmittelbar nach den beiden Bestimmungen der +Unmittelbarkeit, erstens als Ansichseyn, ein Inhalt, an dem die +Kausalitaet sich aeusserlich verlaeuft; zweitens als ein existirendes +Substrat, dem die Ursache und die Wirkung inhaeriren, als +unterschiedene Formbestimmungen. Diese sind darin an sich eins, aber +jede ist um dieses Ansichseyns oder der Aeusserlichkeit der Form willen +sich selbst aeusserlich, somit in ihrer Einheit mit der andern auch als +andre gegen sie bestimmt. Daher hat zwar die Ursache eine Wirkung, +und ist zugleich selbst Wirkung; und die Wirkung hat nicht nur eine +Ursache, sondern ist auch selbst Ursache. Aber die Wirkung, welche +die Ursache hat, und die Wirkung, die sie ist;--ebenso die Ursache, +welche die Wirkung hat, und die Ursache, die sie ist, sind +verschieden. + +Durch die Bewegung des bestimmten Kausalitaetsverhaeltnisses ist aber +nun diess geworden, dass die Ursache nicht nur in der Wirkung erlischt, +und damit auch die Wirkung, wie in der formellen Kausalitaet, sondern +dass die Ursache in ihrem Erloeschen, in der Wirkung wieder wird, dass +die Wirkung in Ursache verschwindet, aber in ihr ebenso wieder wird. +Jede dieser Bestimmungen hebt sich in ihrem Setzen auf, und setzt +sich in ihrem Aufheben; es ist nicht ein aeusserliches Uebergehen der +Kausalitaet von einem Substrat an ein anderes vorhanden, sondern diess +Anderswerden derselben ist zugleich ihr eigenes Setzen. Die +Kausalitaet setzt also sich selbst voraus oder bedingt sich. Die +vorher nur an sich seyende Identitaet, das Substrat, ist daher nunmehr +bestimmt als Voraussetzung oder gesetzt gegen die wirkende Kausalitaet, +und die vorhin dem Identischen nur aeusserliche Reflexion steht nun im +Verhaeltnisse zu demselben. + +c. Wirkung und Gegenwirkung. + +Die Kausalitaet ist voraussetzendes Thun. Die Ursache ist bedingt; +sie ist die negative Beziehung auf sich als vorausgesetztes, als +aeusserliches Anderes, welches an sich aber nur an sich die Kausalitaet +selbst ist. Es ist, wie sich ergeben hat, die substantielle +Identitaet, in welche die formelle Kausalitaet uebergeht, die sich +nunmehr gegen dieselbe als ihr Negatives bestimmt hat. Oder es ist +dasselbe, was die Substanz des Kausalitaetsverhaeltnisses, aber welcher +die Macht der Accidentalitaet als selbstsubstantielle Thaetigkeit +gegenueber steht.--Es ist die passive Substanz.--Passiv ist das +Unmittelbare, oder Ansichseyende, das nicht auch fuer sich ist;--das +reine Seyn oder das Wesen, das nur in dieser Bestimmtheit der +abstrakten Identitaet mit sich ist.--Der passiven steht die als +negativ sich auf sich beziebende, die wirkende Substanz gegenueber. +Sie ist die Ursache, insofern sie sich in der bestimmten Kausalitaet +durch die Negation ihrer selbst, aus der Wirkung wiederhergestellt +hat, das in seinem Andersseyn oder als Unmittelbares sich wesentlich +als setzend verhaelt, und durch seine Negation sich mit sich +vermittelt. Die Kausalitaet hat deswegen hier kein Substrat mehr, dem +sie inhaerirte und ist nicht Formbestimmung gegen diese Identitaet +sondern selbst die Substanz, oder das Urspruengliche ist nur die +Kausalitaet.--Das Substrat ist die passive Substanz, die sie sich +vorausgesetzt hat. + +Diese Ursache wirkt nun; denn sie ist die negative Macht auf sich +selbst; zugleich ist sie ihr Vorausgesetztes; so wirkt sie auf sich +als auf ein Anderes, auf die passive Substanz.--Somit hebt sie +erstlich das Andersseyn derselben auf; und kehrt in ihr in sich +zurueck; zweitens bestimmt sie dieselbe, sie setzt diess Aufheben ihres +Andersseyns oder die Rueckkehr in sich als eine Bestimmtheit. Diess +Gesetztseyn, weil es zugleich ihre Rueckkehr in sich ist, ist zunaechst +ihre Wirkung. Aber umgekehrt weil sie als voraussetzend sich selbst +als ihr Anderes bestimmt, so setzt sie die Wirkung in der andern, der +passiven Substanz.--Oder weil die passive Substanz selbst das +Gedoppelte ist, naemlich ein selbststaendiges Anderes, und zugleich ein +Vorausgesetztes und an sich schon mit der wirkenden Ursache +Identisches, so ist das Wirken von dieser selbst ein Gedoppeltes; es +ist beides in Einem, das Aufheben ihres Bestimmtseyns, naemlich ihrer +Bedingung, oder das Aufheben der Selbststaendigkeit der passiven +Substanz;--und dass sie ihre Identitaet mit derselben aufhebt, somit +sich voraus oder als Anderes setzt.--Durch das letztere Moment wird +die passive Substanz erhalten; jenes erste Aufheben derselben +erscheint in Beziehung hierauf zugleich auch so, dass nur einige +Bestimmungen an ihr aufgehoben werden und die Identitaet ihrer mit der +ersten in der Wirkung aeusserlich an ihr geschieht. + +Insofern leidet sie Gewalt.--Die Gewalt ist die Erscheinung der Macht, +oder die Macht als Aeusserliches. Aeusserliches ist aber die Macht, +nur insofern die ursachliche Substanz in ihrem Wirken, d. h. im +Setzen ihrer selbst zugleich voraussetzend ist, d. h. sich selbst als +aufgehobenes setzt. Umgekehrt ist daher ebenso sehr das Thun der +Gewalt, ein Thun der Macht. Es ist nur ein von ihr selbst +vorausgesetztes Anderes, auf welches die gewaltige Ursache wirkt, +ihre Wirkung auf dasselbe ist negative Beziehung auf sich, oder die +Manifestation ihrer selbst. Das Passive ist das Selbststaendige, das +nur ein Gesetztes ist; ein in sich selbst Gebrochenes,--eine +Wirklichkeit, welche Bedingung ist und zwar die Bedingung nunmehr in +ihrer Wahrheit naemlich eine Wirklichkeit, welche nur eine Moeglichkeit +ist, oder umgekehrt ein Ansichseyn, das nur die Bestimmtheit des +Ansichseyns, nur passiv ist. Demjenigen daher, dem Gewalt geschieht, +ist es nicht nur moeglich, Gewalt anzuthun, sondern sie muss ihm auch +angethan werden; was Gewalt ueber das Andere hat, hat sie nur, weil es +die Macht desselben ist, die sich darin und das Andere manifestirt. +Die passive Substanz wird durch die Gewalt nur gesetzt, als das was +sie in Wahrheit ist, naemlich weil sie das einfache Positive oder +unmittelbare Substanz ist, eben darum nur ein Gesetztes zu seyn; das +Voraus, das sie als Bedingung ist, ist der Schein der Unmittelbarkeit, +den die wirkende Kausalitaet ihr abstreift. + +Der passiven Substanz wird daher durch die Einwirkung einer andern +Gewalt nur ihr Recht angethan. Was sie verliert, ist jene +Unmittelbarkeit, die ihr fremde Substantialitaet. Was sie als ein +Fremdes erhaelt, naemlich als ein Gesetztseyn bestimmt zu werden, ist +ihre eigene Bestimmung. + +Indem sie nun aber in ihrem Gesetztseyn oder in ihrer eigenen +Bestimmung gesetzt wird, wird sie dadurch vielmehr nicht aufgehoben, +sondern geht so nur mit sich selbst zusammen, und ist also in ihrem +Bestimmtwerden Urspruenglichkeit.--Die passive Substanz wird also +einer Seits durch die aktive erhalten oder gesetzt, naemlich insofern +diese sich selbst zur aufgehobenen macht;--anderer Seits aber ist es +das Thun des Passiven selbst, mit sich zusammenzugehen, und somit +sich zum Urspruenglichen und zur Ursache zu machen. Das Gesetztwerden +durch ein Anderes und das eigene Werden ist ein und dasselbe. + +Hierdurch, dass die passive Substanz nun selbst in Ursache verkehrt +ist, wird erstlich die Wirkung in ihr aufgehoben; darin besteht ihre +Gegenwirkung ueberhaupt. Sie ist an sich das Gesetztseyn, als passive +Substanz; auch ist das Gesetztseyn durch die andere Substanz in ihr +gesetzt worden, insofern sie naemlich die Wirkung derselben an ihr +bekam. Ihre Gegenwirkung enthaelt daher ebenso das Gedoppelte; dass +naemlich erstlich was sie an sich ist, gesetzt wird, zweitens als was +sie gesetzt wird, sich als ihr Ansichseyn darstellt; sie ist an sich +Gesetztseyn, daher erhaelt sie eine Wirkung an ihr durch die andere; +aber diess Gesetztseyn ist umgekehrt ihr eigenes Ansichseyn, so ist +diess ihre Wirkung, sie selbst stellt sich als Ursache dar. + +Zweitens geht die Gegenwirkung gegen die erste wirkende Ursache. Die +Wirkung, welche die vorher passive Substanz in sich aufhebt, ist +naemlich eben jene Wirkung der ersten. Die Ursache hat aber ihre +substantielle Wirklichkeit nur in ihrer Wirkung; indem diese +aufgehoben wird, so wird ihre ursachliche Substantialitaet aufgehoben. +Diess geschieht erstlich an sich durch sich selbst, indem sie sich +zur Wirkung macht; in dieser Identitaet verschwindet ihre negative +Bestimmung und sie wird Passives; zweitens geschieht es durch die +vorhin passive, nun rueckwirkende Substanz, welche deren Wirkung +aufhebt.-In der bestimmten Kausalitaet wird die Substanz, auf welche +gewirkt wird, zwar auch wieder Ursache, sie wirkt hiermit dagegen, +dass eine Wirkung in ihr gesetzt wurde. Aber sie wirkte nicht zurueck +gegen jene Ursache, sondern setzte ihre Wirkung wieder in eine andere +Substanz, wodurch der Progress von Wirkungen ins Unendliche zum +Vorschein kam; weil hier die Ursache in ihrer Wirkung nur erst an +sich mit sich identisch ist, daher einer Seits in einer unmittelbaren +Identitaet in ihrer Ruhe verschwindet, anderer Seits in einer andern +Substanz sich wieder erweckt.--In der bedingten Kausalitaet hingegen +bezieht die Ursache in der Wirkung sich auf sich selbst, wael sie ihr +Anderes als Bedingung als vorausgesetztes ist, und ihr Wirken dadurch +ebenso sehr Werden, als Setzen und Aufheben des Andern ist. + +Ferner verhaelt sie sich hiermit als passive Substanz; aber, wie sich +ergab, entsteht diese durch die auf sie geschehene Wirkung als +ursachliche Substanz. Jene erste Ursache, welche zuerst wirkt, und +ihre Wirkung als Gegenwirkung in sich zurueck erhaelt, tritt damit +wieder als Ursache auf; wodurch das in der endlichen Kausalitaet in +den schlecht-unendlichen Progress auslaufende Wirken umgebogen, und zu +einem in sich zurueckkehrenden, einem unendlichen Wechselwirken wird. + +C. Die Wechselwirkung. + +In der endlichen Kausalitaet sind es Substanzen, die sich wirkend zu +einander verhalten. Der Mechanismus besteht in dieser Aeusserlichkeit +der Kausalitaet, dass die Reflexion der Ursache in ihrer Wirkung in +sich zugleich ein abstossendes Seyn ist, oder dass in der Identitaet, +welche die ursachliche Substanz in ihrer Wirkung mit sich hat, sie +sich ebenso unmittelbar Aeusserliches bleibt, und die Wirkung in eine +andere Substanz uebergegangen ist. In der Wechselwirkung ist nun +dieser Mechanismus aufgehoben; denn sie enthaelt erstens das +Verschwinden jenes urspruenglichen Beharrens der unmittelbaren +Substantiaiitaet; zweitens das Entstehen der Ursache; und damit die +Urspruenglichkeit als durch ihre Negation sich mit sich vermittelnd. + +Zunaechst stellt die Wechselwirkung sich dar als eine gegenseitige +Kausalitaet von vorausgesetzten, sich bedingenden Substanzen; jede ist +gegen die andere zugleich aktive und zugleich passive Substanz. +Indem beide hiermit sowohl passiv als aktiv sind, so hat sich bereits +jeder Unterschied derselben aufgehoben; er ist ein voellig +durchsichtiger Schein; sie sind Substanzen nur darin, dass sie die +Identitaet des Aktiven und Passiven sind. Die Wechselwirkung selbst +ist daher nur noch leere Art und Weise; und es bedarf bloss noch eines +aeussern Zusammenfassens dessen, was bereits sowohl an sich als gesetzt +ist. Fuers erste sind es keine Substrate mehr, welche miteinander in +Beziehung stehen, sondern Substanzen; in der Bewegung der bedingten +Kausalitaet hat sich die noch uebrige vorausgesetzte Unmittelbarkeit +aufgehoben, und das Bedingende der ursachlichen Activitaet ist nur +noch die Einwirkung, oder die eigene Passivitaet. Diese Einwirkung +kommt aber ferner nicht von einer andern urspruenglichen Substanz her; +sondern eben von einer Ursachlichkeit, welche durch Einwirkung +bedingt, oder ein Vermitteltes ist. Diess zunaechst Aeusserliche, das an +die Ursache kommt und die Seite ihrer Passivitaet ausmacht, ist daher +durch sie selbst vermittelt, es ist durch ihre eigene Aktivitaet +hervorgebracht, somit die durch ihre Aktivitaet selbst gesetzte +Passivitaet.--Die Kausalitaet ist bedingt und bedingend; das Bedingende +ist das Passive, aber ebenso sehr ist das Bedingte passiv. Diess +Bedingen oder die Passivitaet ist die Negation der Ursache durch sich +selbst, indem sie sich wesentlich zur Wirkung macht, und eben dadurch +Ursache ist. Die Wechselwirkung ist daher nur die Kausalitaet selbst; +die Ursache hat nicht nur eine Wirkung, sondern in der Wirkung steht +sie als Ursache mit sich selbst in Beziehung. + +Hierdurch ist die Kausalitaet zu ihrem absoluten Begriffe +zurueckgekehrt, und zugleich zum Begriffe selbst gekommen. Sie ist +zunaechst die reale Nothwendigkeit; absolute Identitaet mit sich, so +dass der Unterschied der Nothwendigkeit und die in ihr sich auf +einander beziehenden Bestimmungen, Substanzen, freie Wirklichkeiten, +gegen einander, sind. Die Nothwendigkeit ist auf diese Weise die +innere Identitaet; die Kausalitaet ist die Manifestation derselben, +worin ihr Schein des substantiellen Andersseyn sich aufgehoben hat, +und die Nothwendigkeit zur Freiheit erhoben ist.--In der +Wechselwirkung stellt die urspruengliche Kausalitaet sich als ein +Entstehen aus ihrer Negation, der Passivitaet, und als Vergehen in +dieselbe, als ein Werden dar; aber so dass diess Werden zugleich ebenso +sehr nur Scheinen ist; das Uebergehen in Anderes ist Reflexion-in-sich +selbst; die Negation, welche Grund der Ursache ist, ist ihr positives +Zusammengehen mit sich selbst. + +Nothwendigkeit und Kausalitaet sind also darin verschwunden; sie +enthalten beides die unmittelbare Identitaet als Zusammenhang und +Beziehung, und die absolute Substantialitaet der Unterschiedenen somit +die absolute Zufaelligkeit derselben; die urspruengliche Einheit +substantieller Verschiedenheit; also den absoluten Widerspruch. Die +Nothwendigkeit ist das Seyn, weil es ist; die Einheit des Seyns mit +sich selbst, das sich zum Grunde hat; aber umgekehrt weil es einen +Grund hat, ist es nicht Seyn, ist es schlechthin nur Schein, +Beziehung oder Vermittelung. Die Kausalitaet ist diess gesetzte +Uebergehen des urspruenglichen Seyns, der Ursache, in Schein oder +blosses Gesetztseyn, umgekehrt des Gesetztseyns in Urspruenglichkeit; +aber die Identitaet selbst des Seyns und Scheins ist noch die innere +Nothwendigkeit. Diese Innerlichkeit oder diess Ansichseyn hebt die +Bewegung der Kausalitaet auf; damit verliert sich die Substantialitaet +der im Verhaeltnisse stehenden Seiten, und die Nothwendigkeit enthuellt +sich. Die Nothwendigkeit wird nicht dadurch zur Freiheit, dass sie +verschwindet, sondern dass nur ihre noch innere Identitaet manifestirt +wird; eine Manifestation, welche die identische Bewegung des +Unterschiedenen in sich selbst, die Reflexion des Scheins als Scheins +in sich ist.--Umgekehrt wird zugleich dadurch die Zufaelligkeit zur +Freiheit, indem die Seiten der Nothwendigkeit, welche die Gestalt fuer +sich freier, nicht in einander scheinender Wirklichkeiten haben, +nunmehr gesetzt sind als Identitaet, so dass diese Totalitaeten der +Reflexion-in-sich, in ihrem Unterschiede nun auch als identische +scheinen, oder gesetzt sind nur als eine und dieselbe Reflexion. + +Die absolute Substanz, als absolute Form sich von sich unterscheidend, +stoesst sich daher nicht mehr als Nothwendigkeit von sich ab, noch +faellt sie als Zufaelligkeit in gleichgueltige, sich aeusserliche +Substanzen aus einander, sondern unterscheidet sich einer Seits in +die Totalitaet, welche,--die vorhin passive Substanz Urspruengliches +ist als die Reflexion aus der Bestimmtheit in sich, als einfaches +Ganzes, das sein Gesetztseyn in sich selbst enthaelt und als identisch +darin mit sich gesetzt ist, das Allgemeine;--anderer Seits in die +Totalitaet,--die vorhin ursachliche Substanz,--als in die Reflexion +ebenso aus der Bestimmtheit in sich zur negativen Bestimmtheit, +welche so als die mit sich identische Bestimmtheit ebenfalls das +Ganze, aber als die mit sich identische Negativitaet gesetzt ist;--das +Einzelne. Unmittelbar aber, weil das Allgemeine nur identisch mit +sich ist, indem es die Bestimmtheit als aufgehoben in sich enthaelt, +also das Negative als Negatives ist,--ist es dieselbe Negativitaet, +welche die Einzelnheit ist;--und die Einzelnheit, weil sie ebenso +das bestimmte Bestimmte, das Negative als Negatives ist, ist sie +unmittelbar dieselbe Identitaet, welche die Allgemeinheit ist. Diese +ihre einfache Identitaet ist die Besonderheit, welche vom Einzelnen +das Moment der Bestimmtheit, vom Allgemeinen das Moment der +Reflexion-in-sich in unmittelbarer Einheit enthaelt. Diese drei +Totalitaeten sind daher Eine und dieselbe Reflexion, welche als +negative Beziehung auf sich in jene beiden sich unterscheidet, aber +als in einen vollkommen durchsichtigen Unterschied, naemlich in die +bestimmte Einfachheit, oder in die einfache Bestimmtheit, welche ihre +Eine und dieselbe Identitaet ist.--Diess ist der Begriff, das Reich der +Subjektivitaet oder der Freiheit. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wissenschaft der Logik: +Erster Teil--Die objektive Logik, von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil +by Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK 1 *** + +This file should be named 7wsl110.txt or 7wsl110.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7wsl111.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7wsl110a.txt + +This text was produced for Project Gutenberg +by Mike Pullen and Delphine Lettau. + +We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, +known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- +and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- +which requires a binary transfer, or sent as email attachment and +may require more specialized programs to display the accents. +This is the 7-bit version. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. 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