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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:28:05 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:28:05 -0700
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+The Project Gutenberg EBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil, by
+Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Wissenschaft der Logik, Erster Teil
+
+Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+Posting Date: November 9, 2012 [EBook #6729]
+Release Date: October, 2004
+First Posted: January 20, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WISSENSCHAFT DER LOGIK ***
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+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
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+
+Wissenschaft der Logik.
+
+Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+
+Erster Teil. Die objektive Logik.
+
+Mit einem Vorwort von Leopold v. Henning, Berlin 1841.
+
+
+Inhalt:
+
+Vorrede zur ersten Ausgabe.
+Vorrede zur zweiten Auflage.
+Einleitung
+ Allgemeiner Begriff der Logik
+ Allgemeine Eintheilung der Logik
+
+Erstes Buch Die Lehre vom Seyn.
+ Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?
+ Allgemeine Eintheilung des Seyns
+
+ Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualität).
+
+ Erstes Kapitel
+ A. Seyn.
+ B. Nichts.
+ C. Werden.
+ 1. Einheit des Seyns und Nichts.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ Anmerkung 3.
+ Anmerkung 4.
+ 2. Momente des Werdens.
+ 3. Aufheben des Werdens.
+ Anmerkung.
+
+ Zweites Kapitel. Das Daseyn
+ A. Daseyn als solches.
+ a. Daseyn überhaupt.
+ b. Qualität.
+ Anmerkung.
+ c. Etwas.
+ B. Die Endlichkeit.
+ a. Etwas und ein Anderes.
+ b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.
+ c. Die Endlichkeit.
+ 1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.
+ 2. Die Schranke und das Sollen.
+ Anmerkung.
+ 3. Übergang des Endlichen in das Unendliche.
+ C. Die Unendlichkeit
+ a. Das Unendliche überhaupt.
+ b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.
+ c. Die affirmative Unendlichkeit.
+ Der Übergang.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+
+ Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn.
+ A. Das Fürsichseyn als solches.
+ a. Daseyn und Fürsichseyn.
+ b. Seyn-für-eines.
+ Anmerkung.
+ c. Eins.
+ B. Eins und Vieles.
+ a. Das Eins an ihm selbst.
+ b. Das Eins und das Leere.
+ Anmerkung.
+ c. Viele Eins. Repulsion.
+ Anmerkung.
+ C. Repulsion und Attraktion.
+ a. Ausschließen des Eins.
+ Anmerkung
+ b. Das Eine Eins der Attraktion.
+ c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
+ Anmerkung.
+
+ Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität)
+ Anmerkung.
+
+ Erstes Kapitel. Die Quantität.
+ A. Die reine Quantität.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
+ C. Begrenzung der Quantität
+
+ Zweites Kapitel. Quantum
+ A. Die Zahl.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ B. Extensives und intensives Quantum
+ a. Unterschied derselben.
+ b. Identität der extensiven und intensiven Größe.
+ Anmerkung 1.
+ Anmerkung 2.
+ c. Die Veränderung des Quantums.
+ C. Die quantitative Unendlichkeit
+ a. Begriff derselben.
+ b. Der quantitative unendliche Progreß.
+ Anmerkung 1.
+ Vers
+ Anmerkung 2.
+ c. Die Unendlichkeit des Quantums.
+ Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen
+ Unendlichen.
+ Fußnote
+ Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner
+ Anwendung abgeleitet.
+ Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen
+ Größenbestimmtheit zusammenhängende Formen.
+
+ Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß.
+ A. Das direkte Verhältniß.
+ B. Das umgekehrte Verhältniß.
+ C. Potenzverhältniß.
+ Anmerkung.
+
+ Dritter Abschnitt. Das Maaß.
+
+ Erstes Kapitel. Die specifische Quantität.
+ A. Das specifische Quantum.
+ B. Specificirendes Maaß.
+ a. Die Regel.
+ b. Das specificirende Maaß.
+ Anmerkung.
+ c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.
+ Anmerkung.
+ C. Das Fürsichseyn im Maaße.
+
+ Zweites Kapitel. Das reale Maaß
+ A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.
+ a. Verbindung zweier Maaße.
+ b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.
+ c. Wahlverwandtschaft.
+ Anmerkung.
+ B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.
+ Anmerkung.
+ C. Das Maaßlose
+
+ Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens.
+ A. Die absolute Indifferenz.
+ B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.
+ Anmerkung.
+ C. Übergang in das Wesen.
+
+
+
+
+Vorrede zur ersten Ausgabe.
+
+Die vÖllige UmÄnderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa
+fÜnf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der höhere Standpunkt,
+den das Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode über sich
+erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik
+gehabt.
+
+Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hieß, ist, so zu sagen,
+mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der
+Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo dürfen sich Laute der
+vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie
+oder selbst gar der vormaligen natürlichen Theologie noch vernehmen
+lassen? Untersuchungen, zum Beispiel über die Immaterialität der
+Seele, über die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch
+ein Interesse finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes
+werden nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und
+Gemüthserhebung angeführt. Es ist dieß ein Faktum, daß das Interesse
+Theils am Inhalte, Theils an der Form der vormaligen Metaphysik,
+Theils an beiden zugleich verloren ist. So merkwürdig es ist, wenn
+einem Volke, z.B. die Wissenschaft seines Staatsrechts, wenn ihm
+seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden
+unbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist es wenigstens, wenn ein
+Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich
+beschäftigende Geist kein wirkliches Daseyn mehr in demselben hat.
+
+Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,--daß der Verstand
+die Erfahrung nicht überfliegen dürfe, sonst werde das
+Erkenntnisvermögen theoretische Vernunft, welche für sich nichts als
+Hirngespinnste gebähre, hat es von der wissenschaftlichen Seite
+gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zu entsagen. Dieser
+popularen Lehre kam das Geschrei der modernen Pädagogik, die Noth der
+Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Bedürfniß richtet,
+entgegen, daß, wie für die Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so für
+die Geschicklichkeit im öffentlichen und Privatleben, theoretische
+Einsicht sogar schädlich, und Übung und praktische Bildung überhaupt
+das Wesentliche, allein Förderliche sey.--Indem so die Wissenschaft
+und der gemeine Menschenverstand sich in die Hände arbeiteten, den
+Untergang der Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare
+Schauspiel herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne
+Metaphysik zu sehen;--wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmückten
+Tempel ohne Allerheiligstes.--Die Theologie, welche in frühern Zeiten
+die Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhängigen
+Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das
+Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher
+Veränderung entsprechend ist, daß anderwärts jene Einsamen, die von
+ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem
+Zwecke, daß die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein dienendes
+Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Segens
+willen,--verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern
+Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das
+vorhin Erwähnte, betrachtet werden kann.--So daß, nach Vertreibung
+dieser Finsternisse, der farblosen Beschäftigung des in sich
+gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der
+Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine
+schwarze giebt.
+
+Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen.
+Daß man durch sie denken lerne, was sonst für ihren Nutzen und damit
+für den Zweck derselben galt,--gleichsam als ob man durch das Studium
+der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen
+sollte--, dieß Vorurtheil hat sich längst verloren, und der Geist des
+Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer
+Schwester. Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen
+Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften
+gelassen, ja sie wurde selbst als Gegenstand des öffentlichen
+Unterrichts beibehalten. Dieß bessere Loos betrifft jedoch nur das
+äußere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben,
+als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser
+Überlieferung immer mehr verdünnt und abgemagert hatte; der neue
+Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit
+aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspüren lassen. Es ist
+aber ein für allemal vergebens, wenn die substantielle Form des
+Geistes sich umgestaltet hat, die Formen früherer Bildung erhalten zu
+wollen; sie sind welke Blätter, welche von den neuen Knospen, die an
+ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestoßen werden.
+
+Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veränderung fängt es nach gerade an,
+auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind
+selbst den Gegnern die andern Vorstellung geläufig und eigen geworden,
+und wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd spröde
+thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafür die
+Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich
+nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden
+negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine
+positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den
+neuen Vorstellungsweisen mitsprechen.
+
+Von der andern Seite scheint die Zeit der Gährung, mit der eine neue
+Schöpfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung
+pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die
+ausgebreitete Systematisierung des frühen Princips zu verhalten,
+Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern
+zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen
+Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im Bedürfnisse einer
+solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu greifen. Die
+Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um
+so dringender. Es ist eine Periode in der Bildung einer Zeit, wie in
+der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um Erwerbung und
+Behauptung des Princips in seiner unentwickelten Intensität zu thun
+ist. Aber die höhere Forderung geht darauf, daß es zur Wissenschaft
+werde.
+
+Was nun auch für die Sache und für die Form der Wissenschaft bereits
+in sonstiger Rücksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft,
+welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie
+ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlässigt gesehen. Was ich
+unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte näher verstehe, habe
+ich in der Einleitung vorläufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit
+dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des
+Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche für die
+vorgenommen Umbildung hätten benutzt werden können, mögen bei
+billigen Beurtheilern in Rücksicht kommen, wenn auch eine vieljährige
+Arbeit diesem Versuche nicht eine größere Vollkommenheit geben konnte.
+--Der wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt um einen neuen
+Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie,
+indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwärts erinnert
+Phänomenologie des Geistes, Vorr. zur ersten Ausg.--Die eigentliche
+Ausführung ist die Erkenntniß der Methode, und hat ihre Stelle in der
+Logik selbst, habe, hierzu ihre Methode nicht von einer
+untergeordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so
+wenig als es bei kategorischen Versicherungen innerer Anschauung
+bewenden lassen, oder sich des Raisonnements aus Gründen der äußern
+Reflexion bedienen. Sondern es kann nur die Natur des Inhalts seyn,
+welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich
+diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung
+selbst erst setzt und erzeugt.
+
+Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft
+ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands
+in Nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt,
+und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas
+Getrenntes von der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die
+dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft
+genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist,
+der höher als Beides, verständige Vernunft, oder vernünftiger
+Verstand ist. Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualität
+sowohl, der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht;--er
+negirt das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des
+Verstandes, er löst ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch. Er
+hält sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin
+ebenso positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber
+als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein
+gegebenes Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der
+Auflösung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese
+geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit,
+und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die
+immanente Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode
+des Erkennens, und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst.
+--Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich,
+ist die Philosophie fähig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu
+seyn.--In dieser Weise habe ich das Bewußtseyn in der Phänomenologie
+des Geistes darzustellen versucht. Das Bewußtseyn ist der Geist als
+konkretes und zwar in der Äußerlichkeit befangenes Wissen; aber die
+Formbewegung dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung
+alles natürlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen
+Wesenheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewußtseyn, als
+der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner
+Unmittelbarkeit und äußerlichen Konkretion befreit, wird zum reinen
+Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und für
+sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind die reinen Gedanken, der
+sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges
+Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und
+dessen Darstellung sie ist.
+
+Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phänomenologie
+des Geistes nenne, zur Logik angegeben.--Was das äußerliche
+Verhältniß betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der
+Wissenschaft, (Bamberg und Würzburg bei Göbhard 1807). Dieser Titel
+wird der zweiten Ausgabe, die auf nächsten Ostern erscheinen wird,
+nicht mehr beigegeben werden.--An die Stelle des im Folgenden
+erwähnten Vorhabens eines zweiten Theils, der die sämmtlichen andern
+philosophischen Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die
+Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der
+dritten Ausgabe, ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten
+Ausgabe), der die Phänomenologie enthält, ein zweiter Theil zu folgen
+bestimmt, welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der
+Philosophie, die Philosophie der Natur und die Philosophie des
+Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft
+beschlossen haben würde. Aber die nothwendige Ausdehnung, welche die
+Logik für sich erhalten mußte, hat mich veranlaßt, diese besonders
+ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane
+die erste Folge zur Phänomenologie des Geistes aus. Späterhin werde
+ich die Verarbeitung der beiden genannten realen Wissenschaften der
+Philosophie folgen lassen.--Dieser erste Band der Logik aber enthält
+als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom
+Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber
+wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten.
+
+Nürnberg, den 22 März 1812
+
+
+
+Vorrede zur zweiten Auflage.
+
+An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit
+der erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn
+sowohl der Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner
+Darstellung, als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung
+desselben in der ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich
+nach weiterer vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft
+bemüht gewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch
+Ursache genug zu haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu
+nehmen. Ein Titel solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den
+Umstand gegründet werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur
+äußerliches Material in der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden
+hat. So allgemein und häufig dieselben, die letztere noch bis auf
+unsere Zeiten fort, getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung
+die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe
+Material wiederholt, abwechselnd bald bis zu trivialer
+Oberflächlichkeit verdünnt, bald der alte Ballast umfangsreicher von
+Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt worden, so daß durch solche,
+häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem philosophischen Gehalt
+kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des Gedankens philosophisch,
+d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit, oder was dasselbe ist,
+in seiner nothwendigen Entwickelung darzustellen, mußte deswegen ein
+neues Unternehmen seyn, und dabei von vorne angefangen werden; jenes
+erworbene Material, die bekannten Denkformen, aber ist als eine
+höchst wichtige Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar
+anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier
+und da einen dürren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts,
+sogar in Unordnung untereinander geworfen, dargiebt.
+
+Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des Menschen
+herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft
+genug daran erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom
+Thiere unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem
+Innerlichen, zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen
+macht, hat sich die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht
+und in ihr äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder
+herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das
+Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthümliche Natur
+selbst. Stellt man aber die Natur überhaupt, als das Physikalische,
+dem Geistigen gegenüber, so müßte man sagen, daß das Logische
+vielmehr das Übernatürliche ist, welches sich in alles Naturverhalten
+des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Bedürfniß,
+Trieb eindrängt und es dadurch überhaupt zu einem Menschlichen, wenn
+auch nur formell, zu Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der
+Vortheil einer Sprache, wenn sie einen Reichthum an logischen
+Ausdrücken, nämlich eigenthümlichen und abgesonderten, für die
+Denkbestimmungen selbst besitzt; von den Präpositionen, Artikeln,
+gehören schon viele solchen Verhältnissen an, die auf dem Denken
+beruhen; die chinesische Sprache soll es in ihrer Ausbildung gar
+nicht oder nur dürftig bis dahin gebracht haben; aber diese Partikeln
+treten ganz dienend, nur etwas weniges abgelöster, als die Augmente,
+Flexionszeichen und dergl. auf. Viel wichtiger ist es, daß in einer
+Sprache die Denkbestimmungen zu Substantiven und Verben
+herausgestellt und so zur gegenständlichen Form gestempelt sind; die
+deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den anderen modernen
+Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter von der weiteren Eigenheit,
+verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben,
+so daß darin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht zu
+verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude gewähren, auf solche
+Wörter zu stoßen, und die Vereinigung Entgegengesetzter, welches
+Resultat der Spekulation für den Verstand aber widersinnig ist, auf
+naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort von den entgegengesetzten
+Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie bedarf daher überhaupt
+keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen
+einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch den Gebrauch bereits
+das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter Purismus würde
+da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am
+Platze seyn.--Das Fortschreiten der Bildung überhaupt und
+insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und
+sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten
+Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner
+Eigenschaften und dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch
+höhere Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer
+Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B.
+in der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist,
+so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens
+zu sehr... tort e... travers in Alles selbst in das Licht eingedrängt
+wird, die bedeutendste Rolle,--die Bestimmung von einem Unterschiede,
+in welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;--daß auf
+solche Weise von der Form der Abstraktion, der Identität, durch
+welche eine Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbstständigkeit erhält,
+fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes,
+welcher zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt,
+herausgehoben und eine geläufige Vorstellung geworden, ist von
+unendlicher Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die
+Realität, in welcher ihre Gegenstände sich festhalten, dieses
+Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr nicht länger ignorirt
+werden können, wenn auch mit der größten Inkonsequenz gegen andere,
+die auch geltend gelassen werden, zu fixiren, und es nicht zu
+gestatten, daß, wie im Geistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen
+von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit übergegangen wird.
+
+Aber indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in
+der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was
+bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld
+erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen zu sollen, und was ist
+bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben
+Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde
+herausgehen. Über den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus,
+über das Verhältniß des wissenschaftlichen Denkens zu diesem
+natürlichen Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses
+Vorwort bestimmt seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die
+frühere Einleitung enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine
+Vorstellung, wie man eine solche von einer Wissenschaft zum voraus,
+vor derselben, welche die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von
+dem Sinne des logischen Erkennens zu geben.
+
+Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die
+Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten
+Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder
+vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (--und es ist
+kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen--) versenkt
+sind, befreit, diese Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie
+Plato, dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der
+Betrachtung für sich gemacht worden; dieß giebt den Anfang des
+Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt
+Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens
+gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische
+Erkenntniß zu bemühen." "In Ägypten," hatte er vorher bemerkt, "sind
+die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil
+daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu
+haben."--In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken
+zu beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist
+durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß
+des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der
+Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von
+dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen
+des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die
+Denkbestimmungen eingehüllt stecken. In den stillen Räumen des zu
+sich selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die
+Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen.
+"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
+"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die
+nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich
+freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn.
+"--Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen,
+Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik
+beschäftigt sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen
+Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend
+zunächst anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen
+des konkreten Lebens eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht
+derselben lebt, und nur erst für ihren subjektiven Zweck mit der
+Erwerbung der Mittel und der Möglichkeiten, in den Objekten jener
+Interessen thätig zu werden, sich und mit diesen selbst noch
+theoretisch sich zu beschäftigen hat. Unter diese Mittel wird im
+Widerspiele von der angeführten Vorstellung des Aristoteles, die
+logische Wissenschaft gerechnet, die Bemühung mit derselben ist eine
+vorläufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst der Ernst des
+Lebens und die Thätigkeit für die wahrhaften Zwecke folgen soll. Im
+Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden von der Ehre,
+für sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geistigen
+Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln der
+darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen,--Theils als
+Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;--denn welche unendliche Menge
+von Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die
+Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich
+zusammen;--wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die
+Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von
+Vorstellungen, Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt!--Theils zur
+näheren Bestimmung und Findung der gegenständlichen Verhältnisse,
+wobei aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich
+einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig
+gemacht ist und den Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende
+Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der
+vorhin die natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und
+wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel
+zu dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu
+etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht.
+Von unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl,
+daß sie uns dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und
+Mächte, so daß wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu
+begehren und zu wollen, in dieß unser Interesse zu legen. Aber
+wieder kann es vielmehr unser Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste
+unserer Gefühle, Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von
+Gewohnheiten stehen, als daß wir sie im Besitz haben, noch weniger,
+daß sie bei unser innigen Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen.
+Dergleichen Bestimmungen des Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald
+als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit, als die wir uns
+bewußt werden, in der wir unsere Freiheit haben, und halten dafür, in
+diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht
+zu werden. Sonach können wir dann viel weniger dafür halten, daß die
+Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen
+bloß theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem
+Triebe, dem Willen angehört, hindurch ziehen, uns dienen, daß wir sie,
+und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns übrig gegen
+sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere über sie
+hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn
+wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin
+beschränkt, unfrei fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus
+und in die Freiheit zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der
+Gewißheit seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens. Oder
+ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die
+Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur für
+das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werden wir noch viel
+weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder daß die Denkbestimmungen,
+von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im Gegentheil muß sich
+unser Denken nach ihnen beschränken und unsere Willkür oder Freiheit
+soll sie nicht nach sich zurichten wollen. Insofern also das
+subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun ist, und der
+objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so können wir
+aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben stehen, und
+ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus. Von der
+letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit der
+ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken
+auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als
+Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die
+Sache für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann.
+Wenn die kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum
+so versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die
+Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den
+Sachen vielmehr abschließt, statt uns mit denselben
+zusammenzuschließen, so ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung
+entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen, die jenseits unserer und
+jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken auf dem anderen
+Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als ganz unbestimmte,
+nur Ein Gedankending, (--das sogenannte Ding-an-sich) der leeren
+Abstraktion selbst sind.
+
+Doch dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das
+Verhältniß verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als
+zum Gebrauch und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter
+damit Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu
+werden pflegen.--Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und
+Handlungen durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt,
+bewußtlos geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor
+sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das,
+womit das Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach
+diesem Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt
+selbst seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden,
+und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das
+eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei
+der Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der
+Zufälligkeit des Erscheinens und der vorübergehenden Äußerung, der
+Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes
+menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius
+aller seiner Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie
+jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu
+sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen
+sonstigen Prädikaten Ausgerüsteten weggenommen würde, ob sie gleich
+wie die anderen ein Prädikat genannt werden kann, was so ein
+Individuum noch seyn sollte. Die unerläßliche Grundlage, der Begriff,
+das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der
+Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist,
+kann nicht nur als eine gleichgültige Form, die an einem Inhalte sey,
+angesehen werden. Aber diese Gedanken aller natürlichen und
+geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, sind noch ein
+socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den Unterschied
+einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer relativen
+Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für sich,
+der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr einfacher
+Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist. Diese
+logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum
+Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe. Das instinktartige Thun
+unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch
+überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der Inhalt des
+Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur
+Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des
+Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den
+Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff
+zersplittert ist. In diesem Netze schürzen sich hin und wieder
+festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens
+und Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben
+dem, daß sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich seyenden
+Begriffe seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt für die Natur
+des Geistes ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist,
+zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß;
+dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn,
+Grundbestimmung seiner Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur
+instinktmäßig als Triebe wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit
+veränderlich und sich verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes
+gebracht, und ihm so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit
+gewähren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheit und
+Wahrheit zu erheben, dieß ist also das höhere logische Geschäft.
+
+Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und
+zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt
+worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs
+überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem
+Stoffe verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt
+sich sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand
+und Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund.
+Denn so als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie
+in einer Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt
+und die Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht.
+Mag das Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit
+Beschränkung und Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die
+Seite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben
+seines Endes, nicht der Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen
+die Kahlheit der bloß formellen Kategorien hat der Instinkt der
+gesunden Vernunft sich endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre
+Kenntniß mit Verachtung dem Gebiete einer Schullogik und
+Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der Mißachtung des Werthes,
+den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich hat, und mit der
+Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun natürlicher Logik, noch
+mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß und Erkenntniß der
+Denkbestimmungen selbst, im Dienste des ungereinigten und damit
+unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache Grundbestimmung oder
+gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung solcher Formen ist die
+Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der
+Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde Vernunft hat ihre
+Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher Gesetze der
+Wahrheit und in der sie noch immer so fortgeführt werden, so sehr
+verloren, daß sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, der
+nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiß: die Pflanze ist
+eine--Pflanze, die Wissenschaft ist--die Wissenschaft, und sofort
+ins Unendliche, für unerträglich hält. Über die Formeln auch,
+welche die Regeln des Schließens, das in der That ein Hauptgebrauch
+des Verstandes ist, hat sich--so ungerecht es ist zu verkennen, daß
+sie ihr Feld in der Erkenntniß haben, worin sie gelten müssen und
+zugleich, daß sie wesentliches Material für das Denken der Vernunft
+sind,--das ebenso gerechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie
+gleichgültige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der
+Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag,
+für die höhere, z.B. die religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß sie
+überhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit
+betreffen.
+
+Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche
+die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß
+nicht bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt,
+sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es
+zeigt sich von selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten
+Reflexion als Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht
+formlos, nicht bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das
+Leere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich,--daß er vielmehr Form
+in ihm selbst, ja durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß
+sie selbst es ist, die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit
+auch in den Schein eines an diesem Scheine Äußerlichen, umschlägt.
+Mit dieser Einführung des Inhalts in die logische Betrachtung, sind
+es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher
+Gegenstand wird.
+
+Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge
+Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge
+beschränkt wird, ist Theils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als
+Gedanke überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche Abbreviatur
+gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten
+Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein
+Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist
+nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist
+er wohl ein bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist,
+was als Inhalt erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine
+Formbestimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als
+Totalität, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten
+Begriffe ist. Dieser wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt;
+er ist nur Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens, und die an
+und für sich seyende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist,
+die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge führt; am wenigsten ist
+es der Logos, was außerhalb der logischen Wissenschaft gelassen
+werden soll. Es muß darum nicht ein Belieben seyn, ihn in die
+Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn draußen zu lassen. Wenn die
+Denkbestimmungen, welche nur äußerliche Formen sind, wahrhaft an
+ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeit und die
+Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre Wahrheit, der
+Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische Wissenschaft, indem
+sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern Geist instinktartig
+und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in die Sprache
+hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben, abhandelt, auch
+die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die Reflexion
+herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt
+äußere Formen fixiert sind.
+
+Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar
+streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des
+Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so sehr diese
+Forderung mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die
+Mathematik übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese
+Freiheit und Unabhängigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in
+seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist,
+daß bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und
+Reflexion vorkäme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht,
+und aus den vorhergehenden in sie herübergekommen ist. Allein auf
+solche abstrakte Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im
+Allgemeinen Verzicht gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit
+dem rein Einfachen, hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen
+muß, ließe der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke
+des Einfachen ohne allen weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;--was
+der Sache nach Statt finden dürfte, wären negirende Reflexionen, die
+das abzuhalten und zu entfernen sich bemühten, was sonst die
+Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmischen könnte. Solche
+Einfälle in den einfachen immanenten Gang der Entwickelung sind
+jedoch für sich zufällig, und die Bemühung, sie abzuwehren, wird
+somit selbst mit dieser Zufälligkeit behaftet; ohnehin ist es
+vergeblich allen solchen Einfällen, eben weil sie außer der Sache
+liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens wäre Unvollständigkeit das,
+was hierbei für die systematische Befriedigung verlangt würde. Aber
+die eigenthümliche Unruhe und Zerstreuung unseres modernen
+Bewußtseyns läßt es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder
+weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu
+nehmen, ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen
+Sinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Jünglinge
+und Männer so ruhig mit der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und
+Einfälle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur
+der Sache folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem
+modernen Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte
+auf solche Leser gezählt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu
+häufig und zu heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache
+Reflexion machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien
+enthalten, welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik
+bedürfen, ehe sie gebraucht werden. Die Bewußtlosigkeit hierüber
+geht unglaublich weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d.
+h. ungebildete Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird,
+etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese
+Bewußtlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches
+Anderes andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme
+der Logik aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle
+müssen gefunden haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden
+unterworfen seyn. Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden
+Menge von Einwürfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder
+Sätze der Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als welches,
+selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten,--die einfachste
+Analyse zeigt dieß,--jene beiden Bestimmungen als Momente enthält.
+Die Gründlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den Grund,
+worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht
+weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil
+vielmehr, wenn dieß nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu
+verwerfen. Diese Gründlichkeit hat zugleich den Vortheil, die größte
+Erleichterung für das Denkgeschäft zu gewähren, sie hat die ganze
+Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und hält sich
+für mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das
+Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache
+selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich
+diese so selbst zufriedene Gründlichkeit wesentlich empfiehlt. Diese
+Beschränkung auf das Einfache läßt der Willkür des Denkens, das für
+sich nicht einfach bleiben will, sondern seine Reflexionen darüber
+anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur
+mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich auf das Weitere nicht
+einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem Geschäfte selbst das
+Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. andere Kategorien als
+nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und Vorurtheile
+herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, daß die Unendlichkeit
+verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes als die
+Form, das Innere ein Anderes als das Äußere, die Vermittelung ebenso
+nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht wüßte,
+werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewiesen,
+als erzählt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen
+liegt--man kann es nicht anders nennen,--eine Albernheit; der Sache
+nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen
+und geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß
+es das Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu
+untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres
+ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser
+Inhalt und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine
+Äußerung hat, eine Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.--etwas
+Wahres, ebenso etwas Wirkliches ist.--Aber diese Bildung und Zucht
+des Denkens, durch welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt
+und die Ungeduld der einfallenden Reflexion überwunden würde, wird
+allein durch das Weitergehen, das Studium und die Produktion der
+ganzen Entwickelung verschafft.
+
+Bei der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein
+selbstständiges Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen
+Zeiten neu aufzuführen arbeitet, an die Erzählung erinnert werden,
+daß Plato seine Bücher über den Staat sieben Mal umgearbeitet habe.
+Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in
+sich zu schließen schiene, dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch
+treiben, daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein
+tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von
+reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es
+sieben und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre. So
+aber mußte der Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der
+Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen,
+unter den Umständen einer äußerlichen Nothwendigkeit, der
+unabwendbaren Zerstreuung durch die Größe und Vielseitigkeit der
+Zeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der laute Lärm des Tages
+und die betäubende Geschwätzigkeit der Einbildung, die auf denselben
+sich zu beschränken eitel ist, noch Raum für die Theilnahme an der
+leidenschaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntniß offen lasse.
+
+Berlin, den 7. November 1831.
+
+
+
+
+Einleitung
+
+Allgemeiner Begriff der Logik
+
+Es fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker das Bedürfniß, ohne
+vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei
+der logischen Wissenschaft. In jeder andern ist der Gegenstand, den
+sie behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander
+unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang
+macht, sondern von andern Begriffen abhängt, und um sich herum mit
+anderem Stoffe zusammenhängt. Diesen Wissenschaften wird es daher
+zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der
+Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und
+angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen
+ohne weiteres anzuwenden, und sich der gewöhnlichen Art des
+Raisonnements zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und
+Grundbestimmungen zu bedienen.
+
+Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln
+und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil
+ihres Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zu
+werden. Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode,
+sondern auch der Begriff selbst der Wissenschaft überhaupt gehört zu
+ihrem Inhalte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie
+ist, kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung
+bringt dieß Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre
+Vollendung hervor. Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder
+bestimmter das begreifende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer
+abgehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe,
+und kann somit nicht vorausgeschickt werden. Was daher in dieser
+Einleitung vorausgeschickt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der
+Logik etwa zu begründen, oder den Inhalt und die Methode derselben
+zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen, sondern, durch einige
+Erläuterungen und Reflexionen, in raisonnirendem und historischem
+Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft zu
+betrachten ist, der Vorstellung näher zu bringen.
+
+Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen
+angenommen wird, so wird dabei verstanden, daß dieß Denken die bloße
+Form einer Erkenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte
+abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer
+Erkenntniß gehöre, die Materie, anderswoher gegeben werden müsse, daß
+somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhängig
+sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniß angeben,
+nicht aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu
+realer Wahrheit seyn könne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit,
+der Inhalt, außer ihr liege.
+
+Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, daß die Logik von
+allem Inhalte abstrahire, daß sie nur die Regeln des Denkens lehre,
+ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit
+Rücksicht nehmen zu können. Denn da das Denken und die Regeln des
+Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran
+ihren eigenthümlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite
+Bestandstück der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit
+sie sich bekümmert.
+
+Allein zweitens sind überhaupt die Vorstellungen, auf denen der
+Begriff der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen,
+Theils ist es Zeit, daß sie vollends verschwinden, daß der Standpunkt
+dieser Wissenschaft höher gefaßt werde, und daß sie eine völlig
+veränderte Gestalt gewinne.
+
+Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewöhnlichen
+Bewußtseyn ein für allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der
+Erkenntniß und der Form derselben, oder der Wahrheit und der
+Gewißheit. Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des
+Erkennens, als eine fertige Welt außerhalb des Denkens, an und für
+sich vorhanden, daß das Denken für sich leer sey, als eine Form
+äußerlich zu jener Materie hinzutrete, sich damit erfülle, erst daran
+einen Inhalt gewinne und dadurch ein reales Erkennen werde.
+
+Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,--(denn sie sollen das
+Verhältniß von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen
+mechanischer oder höchstens chemischer Weise zusammengesetzt--) in
+dieser Rangordnung gegen einander, daß das Objekt ein für sich
+Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit
+vollkommen entbehren könne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes
+sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, und zwar als
+eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen
+habe. Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit dem
+Gegenstande, und es soll, um diese Übereinstimmung hervorzubringen,
+--denn sie ist nicht an und für sich vorhanden,--das Denken nach dem
+Gegenstande sich fügen und bequemen.
+
+Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des
+Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit
+gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der
+andern geschiedene Sphäre. Das Denken kommt daher in seinem
+Empfangen und Formiren des Stoffs nicht über sich hinaus, sein
+Empfangen und sich nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner
+selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewußte
+Bestimmen gehört ohnedieß nur ihm an; es kommt also auch in seiner
+Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande,
+dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des
+Denkens.
+
+Diese Ansichten über das Verhältnis des Subjektes und Objekts zu
+einander drücken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers
+gewöhnlichen, des erscheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese
+Vorurtheile, in die Vernunft übergetragen, als ob in ihr dasselbe
+Verhältniß Gott finde, als ob dieses Verhältniß an und für sich
+Wahrheit habe, so sind sie die Irrthümer, deren durch alle Theile des
+geistigen und natürlichen Universums durchgeführte Widerlegung die
+Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die
+Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind.
+
+Die ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksicht einen höhern Begriff
+von dem Denken als in der neuern Zeit gäng und gäb geworden ist.
+Jene legte nämlich zu Grunde, daß das, was durchs Denken von und an
+den Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey;
+somit nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die
+Form des Denkens erhoben, als Gedachte. Diese Metaphysik hielt somit
+dafür, daß das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den
+Gegenständen Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die
+Dinge und das Denken derselben, (--wie auch unsere Sprache eine
+Verwandtschaft derselben ausdrückt,--) an und für sich übereinstimmen,
+daß das Denken in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte
+Natur der Dinge, ein und derselbe Inhalt sey.
+
+Aber der reflektirende Verstand bemächtigte sich der Philosophie. Es
+ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst
+vielfach als Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt darunter der
+abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in
+seinen Trennungen beharrt. Gegen die Vernunft gekehrt beträgt er
+sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend,
+daß die Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur
+Gedanken seyen, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung
+ihnen Gehalt und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und
+für sich bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge. In diesem Verzichtthun
+der Vernunft auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren,
+sie ist darauf eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die
+Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst
+nicht entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen.
+
+Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust
+und Rückschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf
+überhaupt die Erhebung der Vernunft in den höhern Geist der neuern
+Philosophie beruht. Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung
+ist nämlich in der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der
+Bestimmungen des Verstandes mit sich selbst, zu suchen.--Die schon
+namhaft gemacht Reflexion ist dieß, über das konkrete Unmittelbare
+hinaus zu gehen, und dasselbe zu bestimmen und zu trennen. Aber sie
+muß ebenso sehr über diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen,
+und sie zunächst beziehen. Auf dem Standpunkte dieses Beziehens
+tritt der Widerstreit derselben hervor. Dieses Beziehen der
+Reflexion gehört an sich der Vernunft an; die Erhebung über jene
+Bestimmungen, die zur Einsicht des Widerstreits derselben gelangt,
+ist der große negative Schritt zum wahrhaften Begriffe der Vernunft.
+Aber die nicht durchgeführte Einsicht fällt in den Mißverstand, als
+ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit sich gerathe; sie
+erkennt nicht, daß der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft über
+die Beschränkungen des Verstandes und das Auflösen derselben ist.
+Statt von hier aus den letzten Schritt in die Höhe zu thun, ist die
+Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der Verstandesbestimmungen zu der
+sinnlichen Existenz zurückgeflohen, an derselben das Feste und Einige
+zu haben vermeinend.
+
+Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die
+Erkenntniß von Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedigende derselben
+eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die
+Dinge an sich, aber doch innerhalb der Sphäre der Erscheinung richtig
+erkannt würde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstände
+verschieden wäre, und die eine Art, nämlich die Dinge an sich zwar
+nicht, aber doch die andere Art, nämlich die Erscheinungen, in die
+Erkenntniß fielen. Wie wenn einem Manne richtige Einsicht
+beigemessen würde, mit dem Zusatz, daß er jedoch nichts Wahres,
+sondern nur Unwahres einzusehen fähig sey. So ungereimt das Letztere
+wäre, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniß, die den Gegenstand
+nicht erkennte, wie er an sich ist.
+
+Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angeführte Resultat
+gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben.
+--Dieß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an ihnen
+selbst etwas Unwahres sind. Allein indem sie für die subjektive
+Vernunft und für die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat
+die Kritik keine Änderung an ihnen selbst bewirkt, sondern läßt sie
+für das Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst für das Objekt
+galten. Wenn sie aber ungenügend für das Ding an sich sind, so müßte
+der Verstand, dem sie angehören sollen, noch weniger dieselben sich
+gefallen lassen und damit vorlieb nehmen wollen. Wenn sie nicht
+Bestimmungen des Dings an sich seyn können, so können sie noch
+weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Würde
+eines Dings an sich zugestanden werden sollte. Die Bestimmungen des
+Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, daß
+sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie
+Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiß
+ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete
+mit einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich
+auflöst, indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie
+übergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie
+beide in sich enthält, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich
+Auflösendes.--Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder
+Gegenstandes, worauf sie angewendet würde, oder in dem sie sich
+befänden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand
+hat nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm.
+
+Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding
+entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden. Sie hat
+dabei nämlich diese Formen nicht an und für sich selbst, nach ihrem
+eigenthümlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der
+subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung
+ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als
+subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen
+Betrachtung derselben die Rede war.
+
+Der konsequenter durchgeführte transcendentale Idealismus hat die
+Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch übrig gelassenen
+Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt
+abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends
+zu zerstören. Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft
+aus sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen. Aber die
+subjektive Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung
+kommen. Fernerhin ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang
+und die Ausbildung der reinen Wissenschaft aufgegeben worden.
+
+Ganz ohne Rücksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige
+betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird. Diese
+Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat
+freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realität und als eine
+wahrhafte Sache in dem gewöhnlichen Bewußtseyn gilt, Aber sie ist
+nicht aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit
+entbehrende Wissenschaft. In jenem Stoffe, der in ihr vermißt,
+welchem Mangel das Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden
+pflegt, ist ohnehin das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen. Sondern
+das Gehaltlose der logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art,
+sie zu betrachten und zu behandeln. Indem sie als feste Bestimmungen
+aus einander fallen und nicht in organischer Einheit zusammengehalten
+werden, sind sie todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht
+wohnen, der ihre lebendige konkrete Einheit ist. Damit aber
+entbehren sie des gediegenen Inhalts,--einer Materie, welche Gehalt
+an sich selbst wäre. Der Inhalt, der an den logischen Formen vermißt
+wird, ist nichts anderes, als eine feste Grundlage und Konkretion
+dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein solches substantielles Wesen
+pflegt für sie außen gesucht zu werden. Aber die logische Vernunft
+selbst ist das Substantielle oder Reelle, das alle abstrakten
+Bestimmungen in sich zusammenhält, und ihre gediegene,
+absolut-konkrete Einheit ist. Nach dem also, was eine Materie
+genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu werden; es
+ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie gehaltlos seyn
+soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefaßt wird.
+
+Diese Reflexion führt näher auf die Angabe des Standpunkts, nach
+welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der
+bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und
+der allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft für immer
+zu stellen ist.
+
+In der Phänomenologie des Geistes habe ich das Bewußtseyn in seiner
+Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des
+Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt. Dieser Weg geht
+durch alle Formen des Verhältnisses des Bewußtseyns zum Objekte durch,
+und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate. Dieser
+Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß er innerhalb der Logik
+selbst hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst
+erhalten hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung fähig, als nur
+dieser Hervorbringung desselben durch das Bewußtseyn, dem sich seine
+eignen Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit auflösen.
+--Eine raisonnirende Begründung der Erläuterung des Begriffs der
+Wissenschaft kann zum höchsten dieß leisten, daß er vor die
+Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniß davon bewirkt
+werde; aber eine Definition der Wissenschaft oder näher der Logik hat
+ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres Hervorgangs. Eine
+Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den absoluten Anfang
+macht, kann nichts anders enthalten, als den bestimmten, regelrechten
+Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebner- und bekanntermaßen
+unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt. Daß man
+sich gerade dieß darunter vorstelle, ist eine historische
+Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes
+Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise beibringen kann,
+daß man dieß und jenes als anerkannt gelten lassen möge. Es hört gar
+nicht auf, daß der Eine daher, der Andere dorther einen Fall und
+Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und anderes bei
+diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also
+noch eine nähere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach
+auch die Wissenschaft einzurichten sey.--Es kommt dabei ferner auf
+Raisonnement an, was alles und bis zu welcher Grenze und Umfang es
+hereingezogen oder ausgeschlossen werden müsse; dem Raisonnement
+selbst aber steht das mannigfaltigste und verschiedenartigste
+Dafürhalten offen, worüber am Ende allein die Willkür eine feste
+Bestimmung abschließen kann. Bei diesem Verfahren, die Wissenschaft
+mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem Bedürfniß nicht die
+Rede, daß die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer
+selbst aufgezeigt würde.
+
+Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in
+gegenwärtiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die
+Phänomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben
+ist. Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des
+Bewußtseins, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in
+dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit
+seiner selbst vollkommen sich aufgelöst hat, und die Wahrheit, dieser
+Gewißheit, so wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist.
+
+Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze
+des Bewußtseyns voraus. Sie enthält den Gedanken, insofern er eben
+so sehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst,
+insofern sie ebenso sehr der reine Gedanke ist. Als Wissenschaft ist
+die Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewußtseyn, und hat
+die Gestalt des Selbst, daß das an und für sich seyende gewußter
+Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich seyende ist.
+Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft.
+Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie
+zu einer wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr Inhalt vielmehr
+allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie
+bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist,--eine Materie aber, der
+die Form nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der
+reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist. Die Logik ist
+sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen
+Gedankens zu fassen. Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne
+Hülle an und für sich selbst ist. Man kann sich deswegen ausdrücken,
+daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen
+Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist.
+
+Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken
+ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt,
+daß das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist. Er hat damit
+den Grund zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren
+reine Gestalt die Logik seyn muß. Es ist in ihr nicht um ein Denken
+über etwas, das für sich außer dem Denken zu Grunde läge, zu thun, um
+Formen, welche bloße Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern
+die nothwendigen Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der
+Inhalt und die höchste Wahrheit selbst.
+
+Um dieß in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung
+auf die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches
+seyn müsse. Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch
+in die platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind,
+hineingetragen, als ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer
+andern Welt oder Region seyen, außerhalb welcher die Welt der
+Wirklichkeit sich befinde und eine von jenen Ideen verschiedene, erst
+durch diese Verschiedenheit reale Substantialität habe. Die
+platonische Idee ist nichts anderes, als das Allgemeine oder
+bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in seinem Begriffe hat
+Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe verschieden ist,
+hört es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; die Seite der
+Handgreiflichkeit und des sinnlichen Außersichseyns gehört dieser
+nichtigen Seite an.--Von der andern Seite aber kann man sich auf die
+eigenen Vorstellungen der gewöhnlichen Logik berufen; es wird nämlich
+angenommen, daß z.B. Definitionen nicht Bestimmungen enthalten, die
+nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die Bestimmungen des
+Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste Natur ausmachen.
+Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere geschlossen wird,
+wird angenommen, daß das Erschlossene nicht ein dem Gegenstande
+Äußerliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr selbst
+zukomme, daß diesem Denken das Seyn entspreche.--Es liegt überhaupt
+bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, Schlusses,
+Definition, Division u.s.f. zu Grunde, daß sie nicht bloß Formen des
+selbstbewußten Denken sind, sondern auch des gegenständlichen
+Verstandes. Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene
+Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beilegt. Aber insofern gesagt
+wird, daß Verstand, daß Vernunft in der gegenständlichen Welt ist,
+daß der Geist und die Natur allgemeine Gesetze habe, nach welchen ihr
+Leben und ihre Veränderung sich machen, so wird zugegeben, daß die
+Denkbestimmungen eben so sehr objektiven Werth und Existenz haben.
+
+Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur
+Logik, aber sie, wie der spätere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert
+worden, aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine
+wesentlich subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem
+Objekte, das sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein
+unendlicher Anstoß, blieb als ein Jenseits an ihnen übrig. Aber die
+Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wissenschaft
+muß voraussetzen können, erhebt die Denkbestimmungen über diesen
+ängstlichen, unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung
+derselben, wie sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und
+Rücksicht, das Logische, das Rein-vernünftige sind.
+
+Kant preist sonst die Logik, nämlich das Aggregat von Bestimmungen
+und Sätzen, das im gewöhnlichen Sinne Logik heißt, darüber glücklich,
+daß ihr vor andern Wissenschaften eine so frühe Vollendung zu Theil
+geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rückschritt gethan,
+aber auch keinen Schritt vorwärts, das Letztere deswegen, weil sie
+allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.--Wenn
+die Logik seit Aristoteles keine Veränderung erlitten hat,--wie denn
+in der That die Veränderungen, wenn man die neuern Kompendien der
+Logik betrachtet, häufig mehr nur in Weglassungen bestehen,--so ist
+daraus eher zu folgern, daß sie um so mehr einer totalen Umarbeitung
+bedürfe; denn ein zweitausendjähriges Fortarbeiten des Geistes muß
+ihm ein höheres Bewußtseyn über sein Denken und über seine reine
+Wesenheit in sich selbst, verschafft haben. Die Vergleichung der
+Gestalten, zu denen sich der Geist der praktischen und der religiösen
+Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen
+Bewußtseyns emporgehoben hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik,
+sein Bewußtseyn über sein reines Wesen, befindet, zeigt einen zu
+großen Unterschied, als daß es nicht der oberflächlichsten
+Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß dieß letztere Bewußtseyn
+den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und ihrer unwürdig ist.
+
+In der That ist das Bedürfniß einer Umgestaltung der Logik längst
+gefühlt worden. In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den
+Lehrbüchern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen.
+Sie wird noch mitgeschleppt mehr im Gefühle, daß eine Logik überhaupt
+nicht zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit
+an die Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Überzeugung, daß
+jener gewöhnliche Inhalt und die Beschäftigung mit jenen leeren
+Formen Werth und Nutzen habe.
+
+Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, pädagogisches und
+selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind
+nachher für Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden. An
+und für sich muß ein großer Theil dieser psychologischen,
+pädagogischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie
+mochten in der Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und
+trivial erscheinen. Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, daß
+man dasjenige durchdenken und prüfen solle, was man in Büchern lese
+oder mündlich höre; daß man, wenn man nicht gut sehe, seinen Augen
+durch Brillen zu Hülfe zu kommen habe,--Regeln, die von den
+Lehrbüchern in der sogenannten angewandten Logik, und zwar ernsthaft
+in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf daß man zur Wahrheit
+gelange,--müssen jedermann als überflüßig vorkommen,--nur höchstens
+dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den
+sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch irgend etwas
+auszudehnen.
+
+Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben
+worden, warum er so geistlos ist. Die Bestimmungen desselben gelten
+in ihrer Festigkeit unverrückt, und werden nur in äußerliche
+Beziehung miteinander gebracht. Dadurch daß bei den Urtheilen und
+Schlüssen die Operationen vornehmlich auf das Quantitative der
+Bestimmungen zurückgeführt und gegründet werden, beruht Alles auf
+einem äußerlichen Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein
+völlig analytisches Verfahren und begriffloses Kalkuliren. Das
+Ableiten der sogenannten Regeln und Gesetze, des Schließens
+vornehmlich, ist nicht viel besser, als ein Befingern von Stäbchen
+von ungleicher Länge, um sie nach ihrer Größe zu sortiren und zu
+verbinden,--als die spielende Beschäftigung der Kinder, von
+mannigfaltig zerschnittenen Gemälden die passenden Stücke zusammen zu
+suchen.--Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem Rechnen
+und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt. In der
+Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das außer
+seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, außer seinem ganz
+äußerlichen Verhältnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst,
+noch dessen Beziehung ein Gedanke ist.
+
+Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreiviertel mit
+zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthält diese
+Operation ungefähr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung,
+ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben könne.
+
+Damit daß dieß todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und
+Inhalt belebt werde, muß ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie
+allein fähig ist, reine Wissenschaft zu seyn. In dem Zustande, in
+dem sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher
+Methode zu erkennen. Sie hat ungefähr die Form einer
+Erfahrungswissenschaft. Erfahrungswissenschaften haben für das, was
+sie seyn sollen, ihre eigenthümliche Methode, des Definirens und des
+Klassificirens ihres Stoffes, so gut es geht, gefunden. Auch die
+reine Mathematik hat ihre Methode, die für ihre abstrakten
+Gegenstände und für die quantitative Bestimmung, in der sie allein
+betrachtet, passend ist. Ich habe über diese Methode und überhaupt
+das Untergeordnete der Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik
+Statt finden kann, in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, das
+Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst
+näher betrachtet werden. Spinoza, Wolf und Andere haben sie
+verführen lassen, sie auch auf die Philosophie anzuwenden, und den
+äußerlichen Gang der begrifflosen Quantität zum Gange des Begriffes
+zu machen, was an und für sich widersprechend ist. Bisher hatte die
+Philosophie ihre Methode noch nicht gefunden; sie betrachtete mit
+Neid das systematische Gebäude der Mathematik und borgte sie, wie
+gesagt, von ihr, oder behalf sich mit der Methode von Wissenschaften,
+die nur Vermischungen von gegebenem Stoffe, Erfahrungssätzen und
+Gedanken sind,--oder half sich auch mit dem rohen Wegwerfen aller
+Methode. Die Exposition dessen aber, was allein die wahrhafte
+Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, fällt in die
+Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn über
+die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts. Ich habe in der
+Phänomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem
+konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn ein Beispiel von dieser
+Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn,
+aufgestellt. (*Später an den anderen konkreten Gegenständen und
+resp. Theilen der Philosophie.*) Es sind hier Gestalten des
+Bewußtseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst
+auflöst, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat,--und damit in
+eine höhere Gestalt übergegangen ist. Das Einzige, um den
+wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um dessen ganz einfache
+Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist,--ist die Erkenntniß des
+logischen Satzes, daß das Negative ebenso sehr positiv ist, oder daß
+das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstrakte Nichts
+auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines besonderen
+Inhalts, oder daß eine solche Negation nicht alle Negation, sondern
+die Negation der bestimmten Sache, die sich auflöst, somit bestimmte
+Negation ist; daß also im Resultate wesentlich das enthalten ist,
+woraus es resultirt;--was eigentlich eine Tautologie ist, denn sonst
+wäre es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat. Indem das
+Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen
+Inhalt. Sie ist ein neuer Begriff, aber der höhere, reichere Begriff
+als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder
+Entgegengesetztes reicher geworden; enthält ihn also, aber auch mehr
+als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.--In
+diesem Wege hat sich das System der Begriffe überhaupt zu bilden,--
+und in unaufhaltsamen, reinem, von Außen nichts hereinnehmendem Gange,
+sich zu vollenden.
+
+Wie würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem
+Systeme der Logik befolgt,--oder vielmehr die dieß System an ihm
+selbst befolgt,--noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im
+Einzelnen fähig sey, aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige
+wahrhafte ist. Dieß erhellt für sich schon daraus, daß sie von ihrem
+Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist;--denn es ist der
+Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn
+fortbewegt. Es ist klar, daß keine Darstellungen für
+wissenschaftlich gelten können, welche nicht den Gang dieser Methode
+gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemäß sind, denn es ist der Gang
+der Sache selbst.
+
+In Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und
+Überschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke
+angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum
+Behuf einer vorläufigen Übersicht gemacht, und daß sie eigentlich nur
+von historischem Werthe sind. Sie gehören nicht zum Inhalte und
+Körper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren
+Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat,
+daher die Folge seiner Momente voraus weiß und angiebt, ehe sie noch
+durch die Sache selbst sich herbeiführen.
+
+In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und
+Eintheilungen gleichfalls für sich nichts anderes, als solche äußere
+Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über
+diesen Charakter erhoben. Selbst in der Logik zum Beispiel, heißt es
+etwa, "die Logik hat zwei Hauptstücke, die Elementarlehre und die
+Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres
+etwa die Überschrift: Gesetze des Denkens;--alsdann erstes Kapitel:
+von den Begriffen. Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u.
+s.f.--Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten
+Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerüste und
+den ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus. Eine solche Logik
+sieht es für ihren Beruf an, davon zu sprechen, daß die Begriffe und
+Wahrheiten aus Principien müssen abgeleitet seyn; aber bei dem, was
+sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht.
+Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem,
+in der Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und
+anderen äußerlichen Rücksichten. Aber in Rücksicht eines inneren,
+nothwendigen Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der
+Abtheilungsbestimmungen, und der Übergang macht sich nur damit, daß
+es jetzt heißt: Zweites Kapitel;--oder: wir kommen nunmehr zu den
+Urtheilen, u. dergl.
+
+Auch die Überschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme
+vorkommen, sollen für sich keine andere Bedeutung haben, als die der
+Inhaltsanzeige. Außerdem aber muß die Nothwendigkeit des
+Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in
+der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die
+eigene Fortbestimmung des Begriffes.
+
+Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin
+angegebene Negative, das er in sich selbst hat; dieß macht das
+wahrhaft Dialektische aus. Die Dialektik, die als ein abgesonderter
+Theil der Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und
+Standpunktes, man kann sagen, gänzlich verkannt worden, erhält
+dadurch eine ganz andere Stellung.--Auch die platonische Dialektik
+hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch direkter, Theils
+nur die Absicht, beschränkte Behauptungen durch sich selbst
+aufzulösen und zu widerlegen, Theils aber überhaupt das Nichts zum
+Resultate. Gewöhnlich sieht man die Dialektik für ein äußerliches
+und negatives Thun an, das nicht der Sache selbst angehöre, in bloßer
+Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, sich das Feste und Wahre in
+Schwanken zu setzen und aufzulösen, seinen Grund habe oder wenigstens
+zu Nichts führe, als zur Eitelkeit des dialektisch behandelten
+Gegenstandes.
+
+Kant hat die Dialektik höher gestellt, und diese Seite gehört unter
+die größten seiner Verdienste,--indem er ihr den Schein von Willkür
+nahm, den sie nach der gewöhnlichen Vorstellung hat, und sie als ein
+nothwendiges Thun der Vernunft darstellte. Indem sie nur für die
+Kunst, Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt,
+wurde schlechthin vorausgesetzt, daß sie ein falsches Spiel spiele,
+und ihre ganze Kraft allein darauf beruhe, daß sie den Betrug
+verstecke; daß ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver
+Schein seyen. Kant's dialektische Darstellungen in den Antinomien
+der reinen Vernunft verdienen zwar, wenn sie näher betrachtet werden,
+wie dieß im Verfolge dieses Werkes weitläufiger geschehen wird,
+freilich kein großes Lob; aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde
+gelegt und geltend gemacht hat, ist die Objektivität des Scheins und
+Nothwendigkeit des Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen
+gehört: zunächst zwar in der Art, insofern diese Bestimmungen von der
+Vernunft auf die Dinge an sich angewendet werden; aber eben, was sie
+in der Vernunft und in Rücksicht auf das sind, was an sich ist, ist
+ihre Natur. Es ist dieß Resultat in seiner positiven Seiten
+aufgefaßt, nichts anderes, als die innere Negativität derselben, als
+ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller natürlichen und
+geistigen Lebendigkeit überhaupt. Aber so wie nur bei der
+abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird, so
+ist das Resultat nur das Bekannte, daß die Vernunft unfähig sey, das
+Unendliche zu erkennen;--ein sonderbares Resultat, indem das
+Unendliche das Vernünftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht
+fähig, das Vernünftige zu erkennen.
+
+In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem
+Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im
+Negativen besteht das Spekulative. Es ist die wichtigste, aber für
+die noch ungeübte, unfreie Denkkraft schwerste Seite. Ist solche
+noch darin begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom
+Raisonniren loszureißen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken
+zu üben. Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen
+erkennen zu lernen. Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf hätte
+sich in ihrer Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung
+des näheren Inhalts an die Bestimmungen, die sich für die einzelnen
+Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische
+einzulassen. Sie würde der äußeren Gestalt nach dem gewöhnlichen
+Vortrag dieser Wissenschaft ähnlich werden, sich übrigens dem Inhalte
+nach auch davon unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das
+abstrakte, ob zwar nicht das spekulative Denken zu üben, welchen
+Zweck die durch psychologische und anthropologische Zuthaten populair
+gewordene Logik nicht einmal erfüllen kann. Sie würde dem Geiste das
+Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des
+Gebäudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin
+erschiene.
+
+In Rücksicht auf die Bildung und das Verhältniß des Individuums zur
+Logik, merke ich schließlich noch an, daß diese Wissenschaft wie die
+Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint.
+Sie ist etwas Anderes für den, der zu ihr und den Wissenschaften
+überhaupt erst hinzutritt, und etwas Anderes für den, der von ihnen
+zu ihr zurückkommt. Wer die Grammatik anfängt kennen zu lernen,
+findet in ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufällig
+Regeln, überhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den
+Werth und die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren
+Sinne liegt; das Erkennen erkennt in ihnen zunächst nichts als sie.
+Wer dagegen einer Sprache mächtig ist und zugleich andere Sprachen in
+Vergleichung mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die
+Bildung eines Volks in der Grammatik seiner Sprache zu fühlen geben;
+dieselben Regeln und Formen haben nunmehr einen erfüllten, lebendigen
+Werth. Er kann durch die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes
+überhaupt, die Logik, erkennen. So wer zur Wissenschaft hinzutritt,
+findet in der Logik zunächst ein isolirtes System von Abstraktionen,
+das auf sich selbst beschränkt, nicht über die anderen Kenntnisse und
+Wissenschaften übergreift. Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum
+der Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der
+anderen Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der
+absoluten Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur
+des Geistes und der Welt, die Wahrheit zu enthüllen, hat diese
+Wissenschaft in ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten
+Einfachheit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles
+eher zu leisten als dieß Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum
+gegenüber zu stehen, Die erste Bekanntschaft mit der Logik schränkt
+ihre Bedeutung auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur für eine
+isolirte Beschäftigung mit den Denkbestimmungen, neben der die
+anderen wissenschaftlichen Beschäftigungen ein eigener Stoff und
+Gehalt für sich sind, auf welche das Logische etwa einen formellen
+Einfluß hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht,
+und für den die wissenschaftliche Gestalt und deren Studium
+allerdings auch zur Noth entbehrt werden kann. Die anderen
+Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine Folge von
+Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu seyn,
+im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natürliche Logik macht sich für
+sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken
+selbst gerichtete Erkenntnis fort. Vollends aber hält sich der Stoff
+und Inhalt dieser Wissenschaften für sich selbst vom Logischen völlig
+unabhängig, und ist auch für Sinn, Gefühl, Vorstellung und
+praktisches Interesse jeder Art ansprechender.
+
+So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas,
+das man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und
+weitere Bedeutung anfangs vermißt wird. Erst aus der tiefern
+Kenntniß der anderen Wissenschaften erhebt sich für den subjektiven
+Geist das Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern
+als das den Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine;
+--wie derselbe Sittenspruch in dem Munde des Jünglings, der ihn ganz
+richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen
+er im Geiste eines lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die
+ganze Kraft des darin enthaltenen Gehaltes ausdrückt, so erhält das
+Logische erst dadurch die Schätzung seines Werths, wenn es zum
+Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt
+sich daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere
+Kenntniß neben anderem Stoffe und Realitäten, sondern als das Wesen
+alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar.
+
+Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser
+bewußten Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch
+dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle
+Wahrheit leitet. Das System der Logik ist das Reich der Schatten,
+die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion
+befreit. Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die
+Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des
+Bewußtseyns. Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und
+Zwecken, von Gefühlen, von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes
+Geschäft. Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht dieß
+Geschäft in dem Fernhalten der Zufälligkeit des raisonnirenden
+Denkens und der Willkür, diese oder die entgegengesetzten Gründe sich
+einfallen oder gelten zu lassen.
+
+Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbstständigkeit und
+Unabhängigkeit. Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch
+Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten
+Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniß und Wissenschaften
+in die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu
+erfassen und festzuhalten, das Äußerliche abzustreifen und auf diese
+Weise aus ihnen das Logische auszuziehen,--oder was dasselbe ist,
+die vorher durch das Studium erworbene abstrakte Grundlage des
+Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfüllen, und ihm den
+Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Besonderes
+neben anderem Besonderen steht, sondern über alles dieses übergreift
+und dessen Wesen, das Absolut-wahre, ist.
+
+
+
+Allgemeine Eintheilung der Logik
+
+In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine
+Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine
+Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben
+werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher
+historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen
+Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen
+wird.
+
+Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist,
+zum Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen, obgleich auch dabei
+ein Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muß, das seine
+volle Verständigung und Rechtfertigung erst innerhalb der
+Wissenschaft erhält.--Zuvörderst also ist zu erinnern, daß hier
+vorausgesetzt wird, die Eintheilung müsse mit dem Begriffe
+zusammenhängen, oder vielmehr in ihm selbst liegen. Der Begriff ist
+nicht unbestimmt, sondern bestimmt an ihm selbst; die Eintheilung
+aber drückt entwickelt diese seine Bestimmtheit aus; sie ist das
+Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über irgend einen äußerlich
+genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, d.i. Bestimmen des
+Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit, Spitzwinklichkeit u.s.
+f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach welchen Bestimmungen die
+Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in der Bestimmtheit des
+Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der Begriff des Dreiecks
+genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem, was für den
+Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels u.s.w.
+die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere, Vögel u.s.
+w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt werden. Solche
+Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen Anschauung
+aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von Außen hinzu.
+In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der Begriff
+selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen.
+
+Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das
+Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier
+gleichfalls als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik
+bestimmte sich danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu
+ihrem Princip das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern
+dadurch konkrete lebendige Einheit, daß in ihr der Gegensatz des
+Bewußtseyns von einem subjektiv--für sich Seyenden und einem zweiten
+solchen Seyenden, einem Objektiven, als überwunden, und das Seyn als
+reiner Begriff an sich selbst, und der reine Begriff als das
+wahrhafte Seyn gewußt wird. Dieß sind sonach die beiden Momente,
+welche im Logischen enthalten sind. Aber sie werden nun als
+untrennbar seyend gewußt, nicht wie im Bewußtseyn jedes auch als für
+sich seyend; dadurch, allein, daß sie zugleich als unterschiedene
+(jedoch nicht für sich seyende) gewußt werden, ist ihre Einheit nicht
+abstrakt, todt, unbewegend, sondern konkret.
+
+Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so
+daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist,
+nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die
+Eintheilung, wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen
+der ihm schon immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes
+ist, so darf dieß Setzen nicht als ein Wiederauflösen jener konkreten
+Einheit in ihre Bestimmungen, wie sie als für sich seyend gelten
+sollen, gefaßt werden, was hier ein leeres Zurückgehen auf den
+vorigen Standpunkt, den Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist
+vielmehr verschwunden; jene Einheit bleibt das Element, und aus ihr
+tritt jenes Unterscheiden der Eintheilung und überhaupt der
+Entwickelung nicht mehr heraus. Damit sind die früher (auf dem Wege
+zur Wahrheit) für sich seyenden Bestimmungen, wie ein Subjektives und
+Objektives, oder auch Denken und Seyn oder Begriff und Realität, wie
+sie in irgend einer Rücksicht bestimmt worden seyn mögen, nun in
+ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer Einheit, zu Formen herabgesetzt. In
+ihrem Unterschiede blieben sie daher selbst an sich der ganze Begriff
+und dieser wird in der Eintheilung nur unter seinen eigenen
+Bestimmungen gesetzt.
+
+So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff,
+das andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff
+an sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher,
+für sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen,
+im denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter
+noch weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der
+organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber
+nur in der unorganischen Natur).--Die Logik wäre hiernach zunächst in
+die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs,
+--oder indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der
+unbestimmtesten und darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen,--in
+die objektive und subjektive Logik einzutheilen.
+
+Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs
+in sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen,
+müssen diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in
+ihrem Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander
+stehen. Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der
+Begriff als System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum
+Insichseyn des Begriffs übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch
+nicht als solcher für sich gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren
+Seyn als einem ihm auch Äußeren zugleich behaftet ist. Dieß ist die
+Lehre von dem Wesen, die zwischen der Lehre vom Seyn und der vom
+Begriff inmitten steht.--Sie ist in der allgemeinen Eintheilung
+dieses logischen Werks noch unter die objektive Logik gestellt worden,
+insofern, ob das Wesen zwar bereits das Innere, dem Begriffe der
+Charakter des Subjekts ausdrücklich vorzubehalten ist.
+
+Kant Ich erinnere, daß ich auf die kantische Philosophie in diesem
+Werke darum häufig Rücksicht nehme, (was manchen überflüssig scheinen
+könnte) weil sie,--ihre nähere Bestimmtheit so wie die besonderen
+Theile der Ausführung mögen sonst und auch in diesem Werke betrachtet
+werden, wie sie wollen,--die Grundlage und den Ausgangspunkt der
+neueren deutschen Philosophie ausmacht, und dieß ihr Verdienst durch
+das, was an ihr ausgesetzt werden möge, ihr ungeschmälert bleibt.
+Auch darum ist auf sie in der objektiven Logik häufig Rücksicht zu
+nehmen, weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen
+näher einläßt, spätere Darstellungen von Philosophie hingegen
+dasselbe wenig beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,--aber nicht
+ungerächte,--Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am
+weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen
+Resultaten, daß die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen könne, und
+in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey,
+heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem
+Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende
+Ausführung, aus welche jenes Resultat herkömmt, und welche
+philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische
+Philosophie dient so als ein Polster für die Trägheit des Denkens,
+die sich damit beruhigt, daß bereits Alles bewiesen und abgethan sey.
+Für Erkenntniß und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in
+solcher unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist
+sich daher an jene vorangegangene Ausführung zu wenden. hat in
+neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden, noch eine,
+nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt. Das, was hier
+objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem entsprechen, was
+bei ihm die transcendentale Logik ist. Er unterscheidet sie von dem,
+was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie à) die Begriffe betrachte,
+die sich a priori auf Gegenstände beziehen, somit nicht von allem
+Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire, oder daß sie die Regeln
+des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, und ß) zugleich auf
+den Ursprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie nicht den
+Gegenständen zugeschrieben werden könne.--Diese zweite Seite ist es,
+auf die das philosophische Interesse Kants ausschließend gerichtet
+ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem Selbstbewußtseyn, als
+dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermöge dieser Bestimmung bleibt
+die Ansicht innerhalb des Bewußtseyns und seines Gegensatzes stehen,
+und hat außer dem Empirischen des Gefühls und der Anschauung noch
+Etwas, das nicht durch das denkende Selbstbewußtseyn gesetzt und
+bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem Denken fremdes und
+äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht einzusehen ist, daß ein
+solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst nur ein Produkt des, und
+zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.--Wenn andere Kantianer sich
+über das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so ausgedrückt haben,
+daß das Objektiviren des Ich, als ein ursprüngliches und nothwendiges
+Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem ursprünglichen
+Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,--als welche erst
+ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein Objektiviren jenes
+Bewußtseyn sey,--so ist dieses von dem Gegensatze des Bewußtseyns
+befreite objektivirende Thun näher dasjenige, was für Denken als
+solches überhaupt genommen werden kann. Wenn der Ausdruck
+objektivirendes Thun des Ich an andere Produktionen des Geistes, z.B.
+die der Phantasie erinnern kann, so ist zu bemerken, daß von einem
+Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist, insofern dessen
+Inhalts-Momente nicht dem Gefühl und der Anschauung angehören.
+Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heißt Theils
+ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes ist,
+weitere Gedanken über ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln.
+Dieses Thun sollte aber nicht mehr Bewußtseyn genannt werden;
+Bewußtseyn schließt den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in
+sich, der in jenem ursprünglichen Thun nicht vorhanden ist. Die
+Benennung Bewußtseyn wirft noch mehr den Schein von Subjektivität auf
+dasselbe, als der Ausdruck Denken, der aber hier überhaupt im
+absoluten Sinne als unendliches mit der Endlichkeit des Bewußtseyns
+nicht behaftetes, Denken, kurz Denken als solches, zu nehmen ist.
+
+Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte
+Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die
+Abhandlung derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst
+sind, ohne die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre
+Bestimmtheit gegen und ihr Verhältniß zu einander ist nicht zu einem
+Gegenstande der Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniß ihrer
+Natur hat sich daher durch diese Philosophie nicht im geringsten
+gefördert gefunden. Das einzige Interessante, was hierauf Beziehung
+hat, kommt in der Kritik der Ideen vor. Für den wirklichen
+Fortschritt der Philosophie aber war es nothwendig, daß das Interesse
+des Denkens auf die Betrachtung der formellen Seite, des Ich, des
+Bewußtseyns als solchen, d.i. der abstrakten Beziehung eines
+subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen, daß die Erkenntniß der
+unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese Weise eingeleitet
+wurde. Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen, mußte jene endliche
+Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn ist, noch
+abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht,
+enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt
+zu geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,--als System
+der Denkbestimmungen.
+
+Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen
+Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt
+war, das nur durch Gedanken aufgeführt seyn sollte.--Wenn wir auf die
+letzte Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Rücksicht nehmen,
+so ist erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die
+objektive Logik tritt,--der Theil jener Metaphysik, der die Natur des
+Ens überhaupt erforschen sollte;--das Ens begreift sowohl Seyn als
+Wesen in sich, für welchen Unterschied unsere Sprache
+glücklicherweise den verschiedenen Ausdruck gerettet hat.--Alsdann
+aber begreift die objektive Logik auch die übrige Metaphysik insofern
+in sich, als diese mit den reinen Denkformen die besondern, zunächst
+aus der Vorstellung genommenen Substrate, die Seele, die Welt, Gott,
+zu fassen suchte, und die Bestimmungen des Denkens das Wesentliche
+der Betrachtungsweise ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese
+Formen frei von jenen Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und
+ihre Natur und Werth an und für sich selbst. Jene Metaphysik
+unterließ dieß und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne
+Kritik gebraucht zu haben, ohne die vorgängige Untersuchung, ob und
+wie sie fähig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach kantischem
+Ausdruck,--oder vielmehr des Vernünftigen zu seyen.--Die objektive
+Logik ist daher die wahrhafte Kritik derselben,--eine Kritik, die sie
+nicht nach der abstrakten Form der Apriorität gegen das
+Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem besondern Inhalte
+betrachtet.
+
+Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,--des Wesens, das
+seine Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und
+in seiner Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern das freie
+selbstständig, sich in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das
+Subjekt selbst ist.--Indem das Subjektive das Mißverständniß von
+Zufälligem und Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die
+in die Form des Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf
+den Unterschied von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin
+innerhalb der Logik selbst näher entwickeln wird, kein besonderes
+Gewicht zu legen.
+
+Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive
+Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile:
+
+I. Die Logik des Seyns,
+
+II. die Logik des Wesens und
+
+III. die Logik des Begriffs.
+
+
+
+Erstes Buch
+
+Die Lehre vom Seyn.
+
+
+Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?
+
+In neuern Zeiten erst ist das Bewußtseyn entstanden, daß es eine
+Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der
+Grund dieser Schwierigkeit so wie die Möglichkeit, sie zu lösen, ist
+vielfältig besprochen worden. Der Anfang der Philosophie muß
+entweder ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht
+zu zeigen, daß es weder das Eine noch das Andere seyn könne; somit
+findet die eine oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung.
+
+Das Princip einer Philosophie drückt wohl auch einen Anfang aus, aber
+nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge.
+Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,--das Wasser, das
+Eine, Nus, Idee,--Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die
+Natur des Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine
+objektive Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die
+Subjektivität selbst, so ist es hier gleichfalls die
+Inhaltsbestimmung, auf welche das Interesse geht. Das Anfangen als
+solches dagegen bleibt als ein Subjektives in dem Sinne einer
+zufälligen Art und Weise, den Vortrag einzuleiten, unbeachtet und
+gleichgültig, somit auch das Bedürfniß der Frage, womit anzufangen
+sey, unbedeutend gegen das Bedürfniß des Princips, als in welchem
+allein das Interesse der Sache zu liegen scheint, das Interesse, was
+das Wahre, was der absolute Grund von Allem sey.
+
+Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren
+Bedürfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es
+dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch
+um das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches
+Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der
+Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller
+Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik überhoben seyn
+wollten. Wenn das früher abstrakte Denken zunächst nur für das
+Princip als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung
+auf die andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten
+getrieben ist, so wird auch das subjektive Thun als wesentliches
+Moment der objektiven Wahrheit erfaßt, und das Bedürfniß führt sich
+herbei, daß die Methode mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip
+vereint sey. So soll das Princip auch Anfang und das, was das Prius
+für das Denken ist, auch das Erste im Gange des Denkens seyn.
+
+Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die
+beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt,
+entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang
+auf unmittelbare Weise. Die in der Bildung der Zeit so wichtig
+erscheinende Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares,
+schlechthin anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein
+vermitteltes Wissen sey, ist an diesem Orte nicht zu erörtern.
+Insofern solche Betrachtung vorläufig angestellt werden kann, ist
+dieß anderwärts (in m. Encykl. der philos. Wissenschaf. 3te Ausg.
+im Vorbegr. _. 61. ff.) geschehen. Hier mag daraus nur dieß
+angeführt werden, daß es Nichts giebt, nichts im Himmel oder in der
+Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht ebenso die
+Unmittelbarkeit enthält, als die Vermittelung, so daß sich diese
+beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener Gegensatz
+sich als ein Richtiges zeigt. Was aber die wissenschaftliche
+Erörterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die
+Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die
+Erörterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt. Insofern
+dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die
+konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhält,
+wird die Natur des Erkennens überhaupt, sowohl innerhalb der
+Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern
+konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die
+Phänomenologie desselben fällt. Vor der Wissenschaft aber schon über
+das Erkennen ins Reine kommen wollen, heißt verlangen, daß es
+außerhalb derselben erörtert werden sollte; außerhalb der
+Wissenschaft läßt sich dieß wenigstens nicht auf wissenschaftliche
+Weise, um die es hier allein zu thun ist, bewerkstelligen.
+
+Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei für sich
+seyenden Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll. Vermittelt
+ist es hiermit dadurch, daß das reine Wissen die letzte, absolute
+Wahrheit des Bewußtseyns ist. Es ist in der Einleitung bemerkt, daß
+die Phänomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewußtseyns, die
+Darstellung davon ist, daß das Bewußtseyn den Begriff der
+Wissenschaft, d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat. Die Logik
+hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer
+Voraussetzung, welche die Nothwendigkeit und damit den Beweis der
+Wahrheit des Standpunkts, der das reine Wissen ist, wie dessen
+Vermittelung überhaupt, enthält und aufzeigt. In dieser Wissenschaft
+des erscheinenden Geistes wird von dem empirischen, sinnlichen
+Bewußtseyn ausgegangen; und dieses ist das eigentliche unmittelbare
+Wissen; daselbst wird erörtert, was an diesem unmittelbaren Wissen
+ist. Anderes Bewußtseyn, wie der Glaube an göttliche Wahrheiten,
+innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung u.s.f. zeigt sich
+bei geringer Überlegung sehr uneigentlich als unmittelbares Wissen
+aufgeführt zu werden. In jener Abhandlung ist das unmittelbare
+Bewußtseyn auch das in der Wissenschaft Erste und Unmittelbare, somit
+die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige die Voraussetzung,
+was aus jener Betrachtung sich als das Resultat erwiesen hatte,--die
+Idee als reines Wissen. Die Logik, ist die reine Wissenschaft, d.i.
+das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner Entwickelung. Diese
+Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin bestimmt, die zur
+Wahrheit gewordenen Gewißheit zu seyn, die Gewißheit, die nach der
+einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenüber ist, sondern ihn
+innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiß,--und die auf der
+andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem
+Gegenständlichen gegenüber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben,
+dieser Subjektivität entäußert und Einheit mit seiner Entäußerung
+ist.
+
+Daß nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang
+seiner Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu
+betrachten oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller
+Meinungen, die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist.
+
+Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle
+Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das
+Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hört somit selbst auf,
+Wissen zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden.
+
+Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und
+bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten. In ihrem
+wahren Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine
+Seyn. Wie das reine Wissen nichts heißen soll, als das Wissen als
+solches, ganz abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heißen, als
+das Seyn überhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung
+und Erfüllung.
+
+Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar
+durch sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden,
+dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats
+des endlichen Wissens, des Bewußtseyns. Soll aber keine
+Voraussetzung gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden,
+so bestimmt er sich nur dadurch, daß es der Anfang der Logik des
+Denkens für sich, seyn soll. Nur der Entschluß, den man auch für
+eine Willkür ansehen kann, nämlich daß man das Denken als solches
+betrachten wolle, ist vorhanden. So muß der Anfang absoluter oder
+was hier gleichbedeutend ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so
+nichts voraussetzen, muß durch nichts vermittelt seyn, noch einen
+Grund haben; er soll vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft
+seyn. Er muß daher schlechthin ein Unmittelbares seyn, oder vielmehr
+nur das Unmittelbare selbst. Wie er nicht gegen Anderes eine
+Bestimmung haben kann, so kann er auch keine in sich, keinen Inhalt
+enthalten, denn dergleichen wäre Unterscheidung und Beziehung von
+Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung. Der Anfang ist
+also das reine Seyn.
+
+Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunächst nur zu diesem
+selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehört, können noch
+folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch können sie
+nicht sowohl zur Erläuterung und Bestätigung jener Darlegung, die für
+sich fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch
+Vorstellungen und Reflexionen veranlaßt werden, die uns zum Voraus in
+den Weg kommen können, jedoch, wie alle andere vorangehende
+Vorurtheile, in der Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden müssen,
+und daher eigentlich zur Geduld hierauf zu verweisen wären.
+
+Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resultat seyn müsse, und
+umgekehrt, daß ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber,
+weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach
+der subjektiven Seite, nicht erkannt ist,--hat in neuern Zeiten den
+Gedanken hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem
+hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das
+Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn könne, eine Ansicht,
+welche Reinhold in den spätern Zeiten seines Philosphirens vielfach
+urgiert hat, und der man die Gerechtigkeit widerfahren lassen muß,
+daß ihr ein wahrhaftes Interesse zu Grunde liegt, welches die
+spekulative Natur des philosophischen Anfangs betrifft. Die
+Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich eine Veranlassung, ein
+vorläufiges Verständniß über den Sinn des logischen Fortschreitens
+überhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht schließt die Rücksicht auf
+das Fortgehen sogleich in sich. Und zwar stellt sie es so vor, daß
+das Vorwärtsschreiten in der Philosophie vielmehr ein Rückwärtsgehen
+und Begründen sey, durch welches erst sich ergebe, daß das, womit
+angefangen wurde, nicht bloß ein willkürlich Angenommenes, sondern in
+der That Theils das Wahre, Theils das erste Wahre sey.
+
+Man muß zugeben, daß es eine wesentliche Betrachtung ist,--die sich
+innerhalb der Logik selbst näher ergeben wird,--daß das Vorwärtsgehen
+ein Rückgang in den Grund, zu dem Ursprünglichen und Wahrhaften ist,
+von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhängt, und in der That
+hervorgebracht wird.--So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von der
+Unmittelbarkeit aus, mit der es anfängt, zum absoluten Wissen, als
+seiner innersten Wahrheit, zurückgeführt. Dieß Letzte, der Grund,
+ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst
+als Unmittelbares auftrat.--So wird noch mehr der absolute Geist, der
+als die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt,
+erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entäußernd
+und sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,--zur
+Schöpfung einer Welt sich entschließend, welche alles das enthält,
+was in die Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und
+das durch diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem
+Resultate als dem Principe Abhängiges verwandelt wird. Das
+Wesentliche für die Wissenschaft, ist nicht so sehr, daß ein rein
+Unmittelbares der Anfang sey, sondern daß das Ganze derselben ein
+Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das Letzte, und
+das Letzte auch das Erste wird.
+
+Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig,
+dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurückgeht,
+als Resultat zu betrachten. Nach dieser Rücksicht ist das Erste
+ebenso sehr der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem
+Ersten ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als
+auf den Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat. Der Fortgang
+ferner von dem, was den Anfang macht, ist nur als eine weitere
+Bestimmung desselben zu betrachten, so daß das Anfangende allem
+Folgenden zu Grunde liegen bleibt, und nichts daraus verschwindet.
+Das Fortgehen besteht nicht darin, daß nur ein Anderes abgeleitet,
+oder daß in ein wahrhaft Anderes übergegangen würde;--und insofern
+dieß Übergehen vorkommt, so hebt es sich ebenso sehr wieder auf. So
+ist der Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwickelungen
+gegenwärtige und sich erhaltende Grundlage, das seinen weiteren
+Bestimmungen durchaus immanent Bleibende.
+
+Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser
+Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu seyn,
+einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der
+wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise.
+--Zugleich ergiebt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es
+darin das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht
+wahrhaft erkannt wird, und daß erst die Wissenschaft, und zwar in
+ihrer ganzen Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst
+wahrhaft begründete Erkenntniß ist.
+
+Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt,
+ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches,
+noch ein problematisches und hypothetisches, sondern es muß durch die
+Natur der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn. Weder ist
+jener Anfang etwas Willkürliches und nur einstweilen Angenommenes,
+noch ein als willkürlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes,
+von dem sich aber doch in der Folge zeige, daß man Recht daran gethan
+habe, es zum Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die
+man zum Behuf des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen
+angewiesen wird, es der Fall ist, daß von ihnen es sich erst
+hinterher an den Beweisen ergiebt, daß man wohlgethan habe, gerade
+diese Linien zu ziehen, und dann in den Beweisen selbst, mit der
+Vergleichung dieser Linien oder Winkel anzufangen; für sich an diesem
+Linienziehen oder Vergleichen begreift es sich nicht. So ist vorhin
+der Grund, warum in der reinen Wissenschaft vom reinen Seyn
+angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst angegeben worden. Dieß
+reine Seyn ist die Einheit, in die das reine Wissen zurückgeht, oder
+wenn dieses selbst noch als Form von seiner Einheit unterschieden
+gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt desselben. Dieß ist
+die Seite, nach welcher dieß reine Seyn, dieß Absolut-Unmittelbare,
+ebenso absolut Vermitteltes ist. Aber es muß ebenso wesentlich nur
+in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu seyn, genommen werden,
+eben weil es hier als der Anfang ist. Insofern es nicht diese reinen
+Unbestimmtheit, insofern es bestimmt wäre, würde es als Vermitteltes,
+schon weiter Geführtes, genommen; ein Bestimmtes enthält ein Anderes
+zu einem Ersten. Es liegt also in der Natur des Anfangs selbst, daß
+er das Seyn sey, und sonst nichts. Es bedarf daher keiner sonstigen
+Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen, noch
+anderweitiger Reflexionen und Anknüpfungspunkte.
+
+Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich
+auch keine nähere Bestimmung oder ein positiver Inhalt für denselben
+genommen werden. Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die
+Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend
+eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung. Das reine Wissen
+giebt nur diese negative Bestimmung, daß er der abstrakte Anfang seyn
+soll. Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen
+wird, so hat dieses von seinem Inhalte zurückzutreten, ihn für sich
+selbst gewähren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.--Oder indem
+das reine Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen,
+auf seiner höchsten Spitze der Einigung mit dem Objekte,
+zusammengefallen, so ist das Wissen in diese Einheit verschwunden,
+und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine Bestimmung für
+sich übrig gelassen.--Auch sonst ist nicht Etwas, oder irgend ein
+Inhalt vorhanden, der gebracht werden könnte, um damit den
+bestimmteren Anfang zu machen.
+
+Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns
+könnte weggelassen werden, so daß nur gefordert würde, daß ein reiner
+Anfang gemacht werde. Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang
+selbst, und es wäre zu sehen, was er ist.--Diese Stellung könnte
+zugleich als ein Vorschlag zur Güte an diejenigen gemacht werden,
+welche Theils damit, daß mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen
+Reflexionen es sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem
+Erfolge, den das Seyn hat, in das Nichts überzugehn,--Theils
+überhaupt nicht anders wissen, als daß in einer Wissenschaft mit der
+Voraussetzung einer Vorstellung angefangen werde,--einer Vorstellung,
+welche hierauf analysirt werde, so daß nun das Ergebniß solcher
+Analyse den ersten bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe.
+Indem wir auch dieß Verfahren beobachteten, so hätten wir keinen
+besondern Gegenstand, weil der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt,
+ganz allgemein, ganz Form ohne allen Inhalt seyn soll; wir hätten
+somit gar nichts, als die Vorstellung von einem bloßen Anfang als
+solchem. Es ist also nur zu sehen, was wir in dieser Vorstellung
+haben.
+
+Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden. Der Anfang ist nicht
+das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll;
+das Seyn ist also auch schon im Anfang enthalten. Der Anfang enthält
+also Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts;
+--oder ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich
+Nichtseyn ist.
+
+Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden;
+denn er weißt auf etwas Anderes hin;--er ist ein Nichtseyn, das auf
+das Seyn als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch
+nicht; es geht erst dem Seyn zu. Der Anfang enthält also das Seyn
+als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt,
+als ein ihm Entgegengesetztes.
+
+Ferner aber ist das, was anfängt, schon, eben so sehr aber ist es
+auch noch nicht. Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also
+in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre
+ununterschiedene Einheit.
+
+Die Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seyns
+und des Nichtseyns,--oder in reflektirterer Form, der Einheit des
+Unterschieden--und des Nichtunterschiedenseyns,--oder der Identität
+der Identität und Nichtidentität. Dieser Begriff könnte als die
+erste, reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen
+werden;--wie er dieß in der That seyn würde, wenn es überhaupt um die
+Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun wäre.
+In diesem Sinne würden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so
+alle weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und
+reichere Definitionen dieses Absoluten seyn. Aber die, welche mit
+dem Seyn als Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts
+übergeht, und daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, mögen
+zusehen, ob sie mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des
+Anfangs anfängt, und mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird,
+aber gleichfalls auf die Einheit des Seyns und Nichts führt,
+zufriedener seyn mögen, als damit, daß das Seyn zum Anfange gemacht
+wird.
+
+Es ist aber noch einen weitere Betrachtung über dieses Verfahren zu
+machen. Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt
+voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren
+worden. Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise
+an, daß jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin
+ungefähr dieselben Bestimmungen finden möge, die sie durch Analyse,
+Vergleichung und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther
+beibringen und angeben. Das aber, was den absoluten Anfang macht,
+muß gleichfalls ein sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes,
+somit in sich mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung,
+die es in sich ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit
+als etwas Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie
+ist nur Beziehung als von Unterschiedenen, enthält somit die
+Vermittelung in sich. Ferner tritt am Konkreten die Zufälligkeit und
+Willkür der Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein. Welche
+Bestimmungen herausgebracht werden, hängt von dem ab, was jeder in
+seiner unmittelbaren zufälligen Vorstellung vorfindet. Die in einem
+Konkreten, einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine
+nothwendige nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die
+eigenen Bewegung der Momente, in diese Einheit zurück zu gehen,
+hervorgebracht ist;--eine Bewegung, die das Gegentheil des
+analytischen Verfahrens ist, eines der Sache selbst äußerlichen, in
+das Subjekt fallenden Thuns.
+
+Hierin ist auch das Nähere enthalten, daß das, womit der Anfang zu
+machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das
+eine Beziehung innerhalb seiner selbst enthält. Denn ein solches
+setzt ein Vermitteln und Herübergehen von einem Ersten zu einem
+Anderen innerhalb seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete
+das Resultat wäre. Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein
+Erstes und ein Anders seyn; ein solches das ein Erstes und ein
+Anderes in sich ist, enthält bereits ein Fortgegangenseyn. Was den
+Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares,
+in seiner einfachen unerfüllten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als
+das ganz Leere zu nehmen.
+
+Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs
+ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen
+werden, sondern geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als
+jenes leere Seyn; denn was die Sache sey, dieß ist es, was sich eben
+erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als
+bekannt vorausgesetzt werden kann.
+
+Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben,
+als das leere Seyn, so leidet er an den angeführten Mängeln.
+Diejenigen, welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, mögen sich
+zu der Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese
+Mängel zu vermeiden.
+
+Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwähnt
+gelassen werden, der sich in neuerer Zeit berühmt gemacht hat, der
+Anfang mit dem Ich. Er kam Theils aus der Reflexion, daß aus dem
+ersten Wahren alles Folgende abgeleitet werden müsse, Theils aus dem
+Bedürfnisse, daß das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein
+unmittelbar Gewisses sey. Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht
+eine solche Vorstellung, die zufällig ist, und in einem Subjekte so,
+in einem andern anders, beschaffen seyn kann. Denn Ich, dieß
+unmittelbare Selbstbewußtseyn, erscheint zunächst selbst Theils als
+ein Unmittelbares, Theils als ein in einem viel höhern Sinne
+Bekanntes, als eine sonstige Vorstellung; etwas sonst Bekanntes
+gehört zwar dem Ich an, aber ist noch ein von ihm unterschiedener,
+damit sogleich zufälliger Inhalt; Ich hingegen ist die einfache
+Gewißheit seiner selbst. Aber Ich überhaupt ist auch zugleich ein
+Konkretes, oder Ich ist vielmehr das Konkreteste,--das Bewußtseyn
+seiner, als unendlich mannigfaltiger Welt. Daß Ich Anfang und Grund
+der Philosophie sey, dazu wird die Absonderung dieses Konkreten
+erfordert,--der absolute Akt, wodurch Ich von sich selbst gereinigt
+wird, und als abstraktes Ich in sein Bewußtseyn tritt. Allein dieß
+reine Ich ist nun nicht ein unmittelbares, noch das bekannte, das
+gewöhnliche Ich unsers Bewußtseyns, woran unmittelbar und für jede
+die Wissenschaft angeknüpft werden sollte. Jener Akt wäre eigentlich
+nichts Anderes, als die Erhebung auf den Standpunkt des reinen
+Wissens, auf welchem der Unterschied des Subjektiven und Objektiven
+verschwunden ist. Aber wie diese Erhebung so unmittelbar gefordert
+ist, ist sie ein subjektives Postulat; um als wahrhafte Forderung
+sich zu erweisen, müßte die Fortbewegung des konkreten Ichs vom
+unmittelbaren Bewußtseyn zum reinen Wissen an ihm selbst, durch seine
+eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und dargestellt worden seyn. Ohne
+diese objektive Bewegung erscheint das reine Wissen, auch als die
+intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein willkürlicher Standpunkt,
+oder selbst als einer der empirischen Zustände des Bewußtseyns, in
+Rücksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn der Eine in sich vorfinde
+oder hervorbringen könne, ein Anderer aber nicht. Insofern aber dieß
+reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn muß, und das reine Wissen
+aber nur durch den absoluten Akt der Selbsterhebung im individuellen
+Bewußtseyn gesetzt wird, und nicht unmittelbar in ihm vorhanden ist,
+geht gerade der Vortheil verloren, der aus diesem Anfange der
+Philosophie entspringen soll, daß er nämlich etwas schlechthin
+Bekanntes sey, was jeder unmittelbar in sich finde, und daran die
+weitere Reflexion anknüpfen könne; jenes reine Ich ist vielmehr in
+seiner abstrakten Wesenheit, etwas dem gewöhnlichen Bewußtseyn
+Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet. Damit tritt
+vielmehr der Nachtheil der Täuschung ein, daß von etwas Bekanntem,
+dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die Rede seyn solle, indem
+in der That von etwas diesem Bewußtseyn Fernem die Rede ist. Die
+Bestimmung des reinen Wissens als Ich, führt die fortdauernde
+Rückerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen Schranken
+vergessen werden sollen, und erhält die Vorstellung gegenwärtig, als
+ob die Sätze und Verhältnisse, die sich in der weitern Entwickelung
+vom Ich ergeben, im gewöhnlichen Bewußtseyn, da es ja das sey, von
+dem sie behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden
+können. Diese Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit
+vielmehr nur eine um so grellere Verwirrung und gänzliche
+Desorientirung hervor; nach Außen hat sie vollends die gröbsten
+Mißverständnisse veranlaßt.
+
+Was ferner die subjektive Bestimmtheit des Ich überhaupt betrifft, so
+benimmt wohl das reine Wissen dem Ich seine beschränkte Bedeutung, an
+einem Objekte seinen unüberwindlichen Gegensatz zu haben. Aus diesem
+Grunde wäre es aber wenigstens überflüssig, noch diese subjektive
+Haltung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten.
+Allein diese Bestimmung führt nicht nur jene störende Zweideutigkeit
+mit sich, sondern sie bleibt auch, näher betrachtet, ein subjektives
+Ich. Die wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich
+ausgeht, zeigt es, daß das Objekt darin die perennirende Bestimmung
+eines Anderen für das Ich hat und behält, daß also das Ich, von dem
+ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des
+Bewußtseyns in Wahrheit überwunden hat, sondern noch in der
+Erscheinung befangen ist.
+
+Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, daß wenn an
+sich wohl Ich als das reinen Wissen oder als intellektuelle
+Anschauung bestimmt und als Anfang behauptet werden könnte, daß es in
+der Wissenschaft nicht um das zu thun ist, was an sich oder innerlich
+vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und
+um die Bestimmtheit, die ein solches in diesem Daseyn hat. Was aber
+von der intellektuellen Anschauung--oder wenn ihr Gegenstand das
+Ewige, das Göttliche, das Absolute genannt wird,--was vom Ewigen oder
+Absoluten im Anfange der Wissenschaft da ist, dieß kann nichts
+Anderes seyn, als erste, unmittelbare, einfache Bestimmung. Welcher
+reichere Name ihm gegeben werde, als das bloße Seyn ausdrückt, so
+kann nur in Betracht kommen, wie solches Absolute in das denkende
+Wissen und in das Aussprechen dieses Wissens eintritt. Die
+intellektuelle Anschauung ist wohl die gewaltsame Zurückweisung des
+Vermittelns und der beweisenden, äußerlichen Reflexion. Was sie aber
+mehr ausspricht, als einfache Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein
+in sich verschiedene Bestimmungen Enthaltendes. Das Aussprechen und
+die Darstellung eines solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine
+vermittelnde Bewegung, die von einer der Bestimmungen anfängt, und zu
+der anderen fortgeht, wenn diese auch zur ersten zurückgeht;--es ist
+eine Bewegung, die zugleich nicht willkürlich oder assertorisch seyn
+darf. Von was daher in solcher Darstellung angefangen wird, ist
+nicht das Konkrete selbst, sondern nur das einfache Unmittelbare, von
+dem die Bewegung ausgeht. Außerdem fehlt, wenn ein Konkretes zum
+Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen die Verbindung der im
+Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf.
+
+Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das
+unbestrittenste Recht hätte Gott, daß mit ihm der Anfang gemacht
+werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im
+reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes,
+nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so
+reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst
+hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als
+der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im
+Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem
+Anderen. Was somit über das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn
+soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott,
+dieß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; dieß Einfache,
+das sonst keine weitere Bedeutung hat, dieß Leere ist also
+schlechthin der Anfang der Philosophie.
+
+Diese Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser Anfang als solcher,
+keiner Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese
+Vorläufigkeit von Raisonnement über ihn konnte nicht die Absicht
+haben, ihn herbeizuführen, als vielmehr alle Vorläufigkeit zu
+entfernen.
+
+
+
+Allgemeine Eintheilung des Seyns
+
+Das Seyn ist zuerst gegen Anderes überhaupt bestimmt;
+
+Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend;
+
+Drittens, indem diese Vorläufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist,
+ist es die abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es
+der Anfang seyn muß.
+
+Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab,
+indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalität nur als
+Eine Sphäre des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere
+Sphäre gegenüberstellt.
+
+Nach der zweiten ist es die Sphäre, innerhalb welcher die
+Bestimmungen und die ganze Bewegung seiner Reflexion fällt. Das Seyn
+wird sich darin in den drei Bestimmungen setzen:
+
+I. als Bestimmtheit; als solche, Qualität;
+
+II. als aufgehobene Bestimmtheit; Größe, Quantität;
+
+III. als qualitativ bestimmte Quantität; Maaß.
+
+Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen
+Eintheilungen überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung;
+ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu
+entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen. Über
+die Abweichung dieser Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der
+Kategorien, nämlich als Quantität, Qualität, Relation und Modalität,
+was übrigens bei Kant nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen,
+in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,--ist
+hier nichts zu erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von
+der gewöhnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende
+zeigen wird.
+
+Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der
+Quantität von der Qualität aufgeführt wird,--und dieß--wie das
+Meiste--ohne weiteren Grund. Es ist bereits gezeigt worden, daß der
+Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem
+qualitativen Seyn. Aus der Vergleichung der Qualität mit der
+Quantität erhellt leicht, daß jene die der Natur nach erste ist.
+Denn die Quantität ist die schon negativ gewordenen Qualität; die
+Größe ist die Bestimmtheit, die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern
+schon von ihm unterschieden, die aufgehobene, gleichgültig gewordenen
+Qualität ist. Sie schließt die Veränderlichkeit des Seyns ein, ohne
+daß die Sache selbst, das Seyn, dessen Bestimmung sie ist, durch sie
+verändert werde; da hingegen die qualitative Bestimmtheit mit ihrem
+Seyn Eins ist, nicht darüber hinausgeht, noch innerhalb desselben
+steht, sondern dessen unmittelbare Beschränktheit ist. Die Qualität
+ist daher, als die unmittelbare Bestimmtheit die erste und mit ihr
+der Anfang zu machen.
+
+Das Maaß ist eine Relation, aber nicht die Relation überhaupt,
+sondern bestimmt der Qualität und Quantität zu einander; die
+Kategorien, die Kant unter der Relation befaßt, werden ganz
+anderwärts ihre Stelle nehmen. Das Maaß kann auch für eine Modalität,
+wenn man will, angesehen werden; aber indem bei Kant diese nicht
+mehr eine Bestimmung des Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung
+desselben auf das Denken, auf das Subjektive, angehen soll, so ist
+dieß eine ganz heterogene, hierher nicht gehörige Beziehung.
+
+Die dritte Bestimmung des Seyns fällt innerhalb des Abschnittes, der
+Qualität, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer
+einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphäre
+herabsetzt.
+
+
+
+
+Erster Abschnitt. Bestimmtheit (Qualität).
+
+Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der
+Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb
+seiner selbst erhalten kann. Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn,
+wie es unmittelbar nur an ihm selber ist. Weil es unbestimmt ist,
+ist es qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der
+Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative
+zu. Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches
+gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine
+Qualität aus. Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich
+bestimmtes, und hiermit
+
+Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses
+als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des
+Seyns auf sich selbst,
+
+Drittens in das Fürsichseyn übergeht.
+
+
+
+Erstes Kapitel
+
+
+A. Seyn.
+
+Seyn, reines Seyn,--ohne alle weitere Bestimmung. In seiner
+unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch
+nicht ungleich gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb
+seiner, noch nach Außen. Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt,
+der in ihm unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem
+Anderen gesetzt würde, würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten.
+Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere.--Es ist nichts in ihm
+anzuschauen, wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es
+ist nur dieß reine, leere Anschauen selbst. Es ist eben so wenig
+etwas in ihm zu denken, oder es ist ebenso nur dieß leere Denken.
+Das Seyn, das unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und
+nicht mehr noch weniger als Nichts.
+
+B. Nichts.
+
+Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
+vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit;
+Ununterschiedenheit in ihm selbst.--Insofern Anschauen oder Denken
+hier erwähnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas
+oder nichts angeschaut oder gedacht wird. Nichts Anschauen oder
+Denken hat also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist
+(existirt) Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist
+es das leere Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere
+Anschauen oder Denken, als das reine Seyn.--Nichts ist somit dieselbe
+Bestimmung oder vielmehr Bestimmungslosigkeit, und damit überhaupt
+dasselbe, was das reine Seyn ist.
+
+C. Werden.
+
+1. Einheit des Seyns und Nichts.
+
+Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die
+Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das
+Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn,--nicht übergeht,--sondern
+übergegangen ist. Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre
+Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut
+unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und
+unmittelbar jedes in seinem Gegentheil verschwindet. Ihre Wahrheit
+ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in
+dem andern; das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind,
+aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgelöst
+hat.
+
+Anmerkung 1.
+
+Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist
+schon ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas
+unterscheidet; so ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts,
+das Nichts von irgend Etwas, ein bestimmtes Nichts.
+
+Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen.
+--Wollte man es für richtiger halten, daß statt des Nichts dem Seyn
+das Nichtseyn entgegengesetzt würde, so wäre in Rücksicht auf das
+Resultat nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung
+auf das Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation
+desselben, in Einem ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist.
+Aber es ist zunächst nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i.
+zugleich der Beziehung zu thun, sondern um die abstrakte,
+unmittelbare Negation, das Nichts rein für sich, die beziehungslose
+Verneinung,--was man, wenn man will, auch durch das bloße: Nicht
+ausdrücken könnte.
+
+Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst,
+vorzüglich Parmenides als das Absolute und als einzige Wahrheit, und
+in den übergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen
+Begeisterung des Denkens, das zum ersten Male sich in seiner
+absoluten Abstraktion erfaßt, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und
+das Nichts ist gar nicht.--In orientalischen Systemen, wesentlich im
+Buddaismus ist bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute
+Princip.--Der tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und
+einseitige Abstraktion den höheren totalen Begriff des Werdens hervor,
+und sagte: das Seyn ist so wenig, als das Nichts, oder auch Alles
+fließt, das heißt, Alles ist Werden.--Die populären, besonders
+orientalischen Sprüche, daß alles, was ist, den Keim seines Vergehens
+in seiner Geburt selbst habe, der Tod umgekehrt der Eingang in neues
+Leben sey, drücken im Grunde dieselbe Einigung des Seyns und Nichts
+aus. Aber diese Ausdrücke haben ein Substrat, an dem der Übergang
+geschieht; Seyn und Nichts werden in der Zeit auseinander gehalten,
+als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht aber in ihrer Abstraktion
+gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an und für sich dasselbe
+sind.
+
+Ex nihilo nihil fit--ist einer der Sätze, denen in der Metaphysik
+große Bedeutung zugeschrieben wurde. Es ist darin entweder nur die
+gehaltlose Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das
+Werden wirkliche Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem
+nur Nichts aus Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden,
+denn Nichts bleibt darin Nichts. Das Werden enthält, daß Nichts
+nicht Nichts bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn übergehe.
+--Wenn die spätere vornehmlich christliche Metaphysik den Satz, aus
+Nichts werde Nichts, verwarf, so behauptete sie einen Übergang von
+Nichts in Seyn; so synthetisch oder bloß vorstellend sie auch diesen
+Satz nahm, so ist doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein
+Punkt enthalten, worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre
+Unterschiedenheit verschwindet.--Seine eigentliche Wichtigkeit hat
+der Satz: Aus Nichts wird Nichts, Nichts ist eben Nichts, durch
+seinen Gegensatz gegen das Werden überhaupt und damit auch gegen die
+Erschaffung der Welt aus Nichts. Diejenigen, welche den Satz: Nichts
+ist eben Nichts, sogar sich dafür ereifernd, behaupten, sind
+bewußtlos darüber, daß sie damit dem abstrakten Pantheismus der
+Eleaten, der Sache nach auch dem spinozistischen, beipflichten. Die
+philosophische Ansicht, welcher: Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur
+Nichts, als Princip gilt, verdient den Namen Identitätssystem; diese
+abstrakte Identität ist das Wesen des Pantheismus.
+
+Wenn das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, für sich
+auffällt oder paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten;
+es wäre sich vielmehr über jene Verwunderung zu verwundern, die sich
+so neu in der Philosophie zeigt und vergißt, daß in dieser
+Wissenschaft ganz andere Bestimmungen vorkommen, als im gewöhnlichen
+Bewußtseyn und im sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht
+gerade der gesunde, sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem
+Glauben oder vielmehr Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete
+Verstand ist. Es wäre nicht schwer, diese Einheit von Seyn und
+Nichts, in jedem Beispiele, in jedem Wirklichen oder Gedanken
+aufzuzeigen. Es muß dasselbe, was oben von der Unmittelbarkeit und
+Vermittelung, (welche letztere eine Beziehung aufeinander, damit
+Negation enthält), vom Seyn und Nichts gesagt werden, daß es nirgend
+im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was nicht beides Seyn und Nichts
+in sich enthielte. Freilich da hierbei von einem irgend Etwas und
+Wirklichem die Rede wird, so sind darin jene Bestimmungen nicht mehr
+in der vollkommenen Unwahrheit, in der sie als Seyn und Nichts sind,
+vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung, und werden z.B. als
+Positives und Negatives aufgefaßt, jenes das gesetzte, reflektirte
+Seyn, dieses das gesetzte, reflektirte Nichts; aber Positives und
+Negatives enthalten jenes das Seyn, dieses das Nichts als ihre
+abstrakte Grundlage.--So in Gott selbst enthält die Qualität,
+Thätigkeit, Schöpfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung des
+Negativen,--sie sind ein Hervorbringen eines Anderen. Aber eine
+empirische Erläuterung von jener Behauptung durch Beispiele wäre hier
+ganz und gar überflüssig. Da nunmehr diese Einheit von Seyn und
+Nichts als erste Wahrheit ein für allemal zu Grunde liegt, und das
+Element von allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst,
+alle ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualität, überhaupt
+alle Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit.--Aber der
+sich so nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den
+Versuch hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns
+und Nichts verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin
+eins vom andern (Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche,
+Gott, wie so eben erwähnt, von Thätigkeit) getrennt zu finden sey.
+Nur die leeren Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese
+Getrennte, und sie sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit
+beider, die allenthalben vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen
+werden.
+
+Man kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche
+sich das gewöhnliche Bewußtseyn bei einem solchen logischen Satze
+versetzt, nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind
+unerschöpflich. Es können nur einige erwähnt werden. Ein Grund
+solcher Verwirrung ist unter andern, daß das Bewußtseyn zu solchem
+abstrakten logischen Satze Vorstellungen von einem konkreten Etwas
+mitbringt und vergißt, daß von einem solchen nicht die Rede ist,
+sondern nur von den reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts, und
+daß diese allein festzuhalten sind.
+
+Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es dasselbe, ob ich bin
+oder nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert
+Thaler in meinem Vermögenszustand sind oder nicht.--Dieser Schluß
+oder Anwendung jenes Satzes verändert dessen Sinn vollkommen. Der
+Satz enthält die reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts; die
+Anwendung aber macht ein bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus.
+Allein vom bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede.
+Ein bestimmtes, ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf
+anderes bezieht; es ist ein Inhalt, der im Verhältnisse der
+Nothwendigkeit mit anderem Inhalte, mit der ganzen Welt, steht. In
+Rücksicht des wechselbestimmenden Zusammenhangs des Ganzen konnte die
+Metaphysik die--im Grunde tautologische--Behauptung machen, daß wenn
+ein Stäubchen zerstört würde, das ganze Universum zusammenstürzte.
+In den Instanzen, die gegen den in Rede stehenden Satz gemacht werden,
+erscheint etwas als nicht gleichgültig, ob es sey oder nicht sey,
+nicht um des Seyns oder Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts
+willen, der es mit anderem zusammenhängt. Wenn ein bestimmter Inhalt,
+irgend ein bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist dieß Daseyn,
+weil es bestimmtes ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen
+Inhalt; es ist für dasselbe nicht gleichgültig, ob ein gewisser
+anderer Inhalt, mit dem es in Beziehung steht, ist oder nicht ist;
+denn nur durch solche Beziehung ist es wesentlich das, was es ist.
+Dasselbe ist der Fall in dem Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in
+dem bestimmteren Sinne des Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen),
+in dessen Zusammenhange das Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts,
+der als bestimmt mit anderem in Beziehung vorgestellt wird, nicht
+gleichgültig ist.--Diese Betrachtung enthält dasselbe, was ein
+Hauptmoment in der Kantischen Kritik des ontologischen Beweises vom
+Daseyn Gottes ausmacht, auf welche jedoch hier nur im Betreff des in
+ihr vorkommenden Unterschieds von Seyn und Nichts überhaupt und von
+bestimmtem Seyn oder Nichtseyn Rücksicht genommen wird.--Bekanntlich
+wurde in jenem sogenannten Beweise der Begriff eines Wesens
+vorausgesetzt, dem alle Realitäten zukommen, somit auch die Existenz,
+die gleichfalls als eine der Realitäten angenommen wurde. Die
+Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran, daß die Existenz oder
+das Seyn (was hier für gleichbedeutend gilt) keine Eigenschaft oder
+kein reales Prädikat sey, das heiße, nicht ein Begriff von etwas, was
+zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen könne.Kants Kritik der r.
+Vern. 2te Aufl. S. 628ff.--Kant will damit sagen, daß Seyn keine
+Inhaltsbestimmung sey.--Also enthalte, fährt er fort, das Mögliche
+nicht mehr als das Wirkliche; hundert wirkliche Thaler enthalten
+nicht das Mindeste mehr, als hundert mögliche;--nämlich jene haben
+keine andere Inhaltsbestimmung als diese. Für diesen als isolirt
+betrachteten Inhalt ist es in der That gleichgültig, zu seyn oder
+nicht zu seyn; es liegt in ihm kein Unterschied des Seyns oder
+Nichtseyns, dieser Unterschied berührt ihn überhaupt gar nicht; die
+hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie nicht sind, und nicht
+mehr, wenn sie sind. Ein Unterschied muß erst anderswoher kommen.
+--"Hingegen, erinnert Kant, in meinem Vermögenszustande ist mehr bei
+hundert wirklichen Thalern, als bei dem bloßen Begriff derselben,
+oder bei ihrer Möglichkeit. Denn der Gegenstand ist bei der
+Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriff analytisch enthalten,
+sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine Bestimmung meines
+Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Seyn außer
+meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler selbst im mindesten
+vermehrt würden."
+
+Es werden hier zweierlei Zustände, um bei den Kantischen Ausdrücken,
+die nicht ohne verworrene Schwerfälligkeit sind, zu bleiben,
+vorausgesetzt, der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die
+Vorstellung zu verstehen ist, und ein anderer, der Vermögenszustand.
+Für den einen wie für den andern, das Vermögen wie das Vorstellen,
+sind hundert Thaler eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem
+solchen, wie Kant sich ausdrückt, synthetisch hinzu;" Ich als
+Besitzer von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder
+auch ich als mir hundert Thaler vorstellend, oder sie nicht
+vorstellend, ist allerdings ein verschiedener Inhalt. Allgemeiner
+gefaßt: Die Abstraktionen von Seyn und Nichts hören beide auf,
+Abstraktionen zu seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten;
+Seyn ist dann Realität, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts
+Negation, das bestimmte Nichtseyn von denselben. Diese
+Inhaltsbestimmtheit selbst, die hundert Thaler, auch abstrakt für
+sich gefaßt, ist in dem einen unverändert dasselbe, was in dem andern.
+Indem aber ferner das Seyn als Vermögens-Zustand genommen wird,
+treten die hundert Thaler in Beziehung zu einem Zustand, und für
+diesen ist solche Bestimmtheit, die sie sind, nicht gleichgültig; ihr
+Seyn oder Nichtseyn ist nur Veränderung; sie sind in die Sphäre des
+Daseyns versetzt. Wenn daher gegen die Einheit des Seyns und Nichts
+urgirt wird, es sey doch nicht gleichgültig, ob dieß und jenes (die
+Thaler) sey oder nicht sey, so ist es eine Täuschung, daß wir den
+Unterschied bloß aufs Seyn und Nichtseyn hinausschieben, ob ich die
+hundert Thaler habe oder nicht habe--eine Täuschung, die wie gezeigt,
+auf der einseitigen Abstraktion beruht, welche das bestimmte Daseyn,
+das in solchen Beispielen vorhanden ist, wegläßt und bloß das Seyn
+und Nichtseyn festhält; wie sie umgekehrt das abstrakte Seyn und
+Nichts, das aufgefaßt werden soll, in ein bestimmtes Seyn und Nichts,
+in ein Daseyn, verwandelt. Erst das Daseyn enthält den realen
+Unterschied von Seyn und Nichts, nämlich ein Etwas und ein Anderes.
+--Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt des
+abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten
+Unterschiede.
+
+Wie Kant sich ausdrückt, so kommt "durch die Existenz etwas in den
+Kontext der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen
+Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem
+Gegenstande wird dadurch nicht vermehrt."
+
+Dieß heißt, wie aus dem Erläuterten hervorgeht, so viel, durch die
+Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es
+in dem Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem
+Wahrnehmenden.--"Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde
+nicht durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heißt hier die
+vorhin bemerkten isolirt vorgestellten hundert Thaler. In dieser
+isolirten Weise sind sie zwar ein empirischer Inhalt, aber
+abgeschnitten, ohne Zusammenhang und Bestimmtheit gegen Anderes; die
+Form der Identität mit sich benimmt ihnen die Beziehung auf anderes
+und macht sie gleichgültig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht.
+Aber dieser sogenannte Begriff der hundert Thaler ist ein falscher
+Begriff, die Form der einfachen Beziehung auf sich gehört solchem
+begränzten, endlichen Inhalt nicht selbst; es ist eine ihm vom
+subjektiven Verstande angethane und geliehene Form; hundert Thaler
+sind nicht ein sich auf sich Beziehendes, sondern ein Veränderliches
+und Vergängliches.
+
+Das Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn,
+vorschwebt, ist zu dem erwähnten Anfange der Wissenschaft zurück zu
+weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit
+auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn
+als solchen, geläutert und erhoben, und damit das Element der
+Wissenschaft erschaffen hat.--Was das Erste in der Wissenschaft ist,
+hat sich müssen geschichtlich als das Erste zeigen. Und das
+Eleatische Eine oder Seyn haben wir für das Erste des Wissens vom
+Gedanken anzusehen; das Wasser und dergleichen materielle Principien
+sollen wohl das Allgemeine seyn, aber sind als Materien nicht reine
+Gedanken; die Zahlen sind weder der erste einfache noch der bei sich
+bleibende, sondern der sich selbst ganz äußerliche Gedanke.
+
+Die Zurückweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen
+in seiner ganz abstrakten Allgemeinheit ist wie als die allererste
+theoretische so auch sogar praktische Forderung anzusehen. Wenn
+nämlich ein Aufhebens von den hundert Thalern gemacht wird, daß es in
+meinem Vermögenszustand einen Unterschied mache, ob ich sie habe oder
+nicht, noch mehr ob Ich sey oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so
+kann--ohne zu erwähnen, daß es Vermögenszustände geben wird, für die
+solcher Besitz von hundert Thalern gleichgültig seyn wird,--daran
+erinnert werden, daß der Mensch sich zu dieser abstrakten
+Allgemeinheit in seiner Gesinnung erheben soll, in welcher es ihm in
+der That gleichgültig sey, ob die hundert Thaler, sie mögen ein
+quantitatives Verhältniß zu seinem Vermögenszustand haben, welches
+sie wollen, seyen oder ob sie nicht seyen, ebenso sehr als es ihm
+gleichgültig sey, ob er sey oder nicht, d. i. im endlichen Leben sey
+oder nicht (denn ein Zustand, bestimmtes Seyn ist gemeint) u.s.f.
+--selbst si fractus illabatur orbis, impavidum ferient ruinae, hat
+ein Römer gesagt, und der Christ soll sich noch mehr in dieser
+Gleichgültigkeit befinden.
+
+Es ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die
+Erhebung über die hundert Thaler und die endlichen Dinge überhaupt
+mit dem ontologischen Beweise und der angeführten kantischen Kritik
+desselben steht. Diese Kritik hat sich durch ihr populäres Beispiel
+allgemein plausibel gemacht; wer weiß nicht, daß hundert wirkliche
+Thaler verschieden sind von hundert bloß möglichen Thalern? daß sie
+einen Unterschied in meinem Vermögenszustand ausmachen? Weil sich so
+an den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der
+Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Möglichkeit, und das
+Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von
+seinem Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Möglichkeit der
+hundert Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig
+kann ich aus dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus
+diesem Herausklauben aber der Existenz Gottes aus seinem Begriffe
+soll der ontologische Beweis bestehen. Wenn es nun allerdings seine
+Richtigkeit hat, daß Begriff vom Seyn verschieden ist, so ist noch
+mehr Gott verschieden von den hundert Thalern und den anderen
+endlichen Dingen. Es ist die Definition der endlichen Dinge, daß in
+ihnen Begriff und Seyn verschieden, Begriff und Realität, Seele und
+Leib, trennbar, sie damit vergänglich und sterblich sind; die
+abstrakte Definition Gottes ist dagegen eben dieß, daß sein Begriff
+und sein Seyn ungetrennt und untrennbar sind. Die wahrhafte Kritik
+der Kategorien und der Vernunft ist gerade diese, das Erkennen über
+diesen Unterschied zu verständigen und dasselbe abzuhalten, die
+Bestimmungen und Verhältnisse des Endlichen auf Gott anzuwenden.
+
+Anmerkung 2.
+
+Es ist weiter ein anderer Grund anzuführen, welcher zu dem
+Widerwillen gegen den Satz über Seyn und Nichts behülflich ist;
+dieser Grund ist, daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der
+Betrachtung des Seyns und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn
+und Nichts ist eins und dasselbe, unvollkommen ist. Der Accent wird
+vorzugsweise auf das Eins- und dasselbe-seyn gelegt, wie im Urtheile
+überhaupt, als in welchem das Prädikat erst es aussagt, was das
+Subjekt ist. Der Sinn scheint daher zu seyn, daß der Unterschied
+geläugnet werde, der doch zugleich im Satze unmittelbar vorkommt;
+denn er spricht die beiden Bestimmungen, Seyn und Nichts, aus, und
+enthält sie als unterschiedene.--Es kann zugleich nicht gemeint seyn,
+daß von ihnen abstrahirt und nur die Einheit festgehalten werden soll.
+Dieser Sinn gäbe sich selbst für einseitig, da das, wovon
+abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze vorhanden ist und genannt
+wird.--Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts ist dasselbe, die
+Identität dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der That ebenso sie
+beide als unterschieden enthält, widerspricht er sich in sich selbst
+und löst sich auf. Halten wir dieß näher fest, so ist also hier ein
+Satz gesetzt, der näher betrachtet, die Bewegung hat, durch sich
+selbst zu verschwinden. Damit aber, geschieht an ihm selbst das, was
+seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nämlich das Werden.
+
+Der Satz enthält somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst.
+Der Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der
+Mangel, daß das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrückt ist; es
+ist eine äußere Reflexion, welche es in ihm erkennt.--Es muß hierüber
+sogleich im Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, daß
+der Satz, in Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative
+Wahrheiten auszudrücken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande wäre
+geeignet, viele Mißverständnisse spekulativer Wahrheiten zu
+beseitigen. Das Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen
+Subjekt und Prädikat; es wird dabei davon abstrahirt, daß das Subjekt
+noch mehrere Bestimmtheiten hat als die des Prädikats, so wie davon,
+daß das Prädikat weiter ist als das Subjekt. Ist nun aber der Inhalt
+spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und
+Prädikats wesentliches Moment, aber dieß ist im Urtheile nicht
+ausgedrückt. Das paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der
+neueren Philosophie den mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten
+erscheint, fällt vielfältig in die Form des einfachen Urtheils, wenn
+sie für den Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird.
+
+Der Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudrücken,
+zunächst so ergänzt, daß der entgegengesetzte Satz hinzugefügt wird,
+der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe, der oben gleichfalls
+ausgesprochen ist. Allein so entsteht der weitere Mangel, daß diese
+Sätze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der Antinomie
+darstellen, während doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe bezieht,
+und die Bestimmungen, die in den zwei Sätzen ausgedrückt sind,
+schlechthin vereinigt seyn sollen,--eine Vereinigung, welche dann nur
+als eine Unruhe zugleich unverträglicher, als eine Bewegung
+ausgesprochen werden kann. Das gewöhnlichste Unrecht, welches
+spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d.
+i. den einen der Sätze nur, in die er aufgelöst werden kann, heraus
+zu heben. Es kann dann nicht geläugnet werden, daß dieser Satz
+behauptet wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn
+wenn einmal Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so müßte
+wenigstens ebenso sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben
+werden.--Es ist hierbei noch das so zu sagen unglückliche Wort:
+Einheit besonders zu erwähnen; die Einheit bezeichnet noch mehr als
+die Identität eine subjektive Reflexion; sie wird vornehmlich als die
+Beziehung genommen, welche aus der Vergleichung, der äußerlichen
+Reflexion, entspringt. Insofern diese in zwei verschiedenen
+Gegenständen dasselbe findet, ist eine Einheit so vorhanden, daß
+dabei die vollkommene Gleichgültigkeit der Gegenstände selbst, die
+verglichen werden, gegen diese Einheit vorausgesetzt wird, so daß
+dieß Vergleichen und die Einheit die Gegenstände selbst nichts angeht,
+und ein ihnen äußerliches Thun und Bestimmen ist. Die Einheit
+drückt daher die ganz abstrakte Dieselbigkeit aus, und lautet um so
+härter und auffallender, je mehr die, von denen sie ausgesprochen
+wird, sich schlechthin unterschieden zeigen. Für Einheit würde daher
+insofern besser nur Ungetrenntheit und Untrennbarkeit gesagt; aber
+damit ist das Affirmative der Beziehung des Ganzen nicht ausgedrückt.
+
+So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das
+Werden, welches nicht bloß die einseitige oder abstrakte Einheit des
+Seyns und Nichts ist. Sondern es besteht in dieser Bewegung, daß das
+reine Seyn unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das
+reine Nichts ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so
+sehr sich aufhebt und nicht ist. Das Resultat behauptet also den
+Unterschied des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur
+gemeinten.
+
+Man meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das
+Nichts ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied,
+und es scheint nichts leichter, als ihn angeben zu können. Es ist
+aber eben so leicht, sich zu überzeugen, daß dieß unmöglich, daß er
+unsagbar ist. Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts
+beharren wollen, mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht.
+Hätte Seyn und Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich
+unterschieden, so wären sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und
+bestimmtes Nichts, nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie
+es hier noch sind. Ihr Unterschied ist daher völlig leer, jedes der
+beiden ist auf gleiche Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht
+an ihnen selbst, sondern nur in einem Dritten, im Meinen. Aber das
+Meinen ist eine Form des Subjektiven, das nicht in diese Reihe der
+Darstellung gehört. Das Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr
+Bestehen haben, muß auch hier vorkommen; und es ist vorgekommen, es
+ist das Werden. In ihm sind sie als unterschiedene; Werden ist nur,
+insofern sie unterschieden sind. Dieß Dritte ist ein Anderes als sie;
+--sie bestehen nur in einem Anderen, dieß heißt gleichfalls, sie
+bestehen nicht für sich. Das Werden ist das Bestehen des Seyns so
+sehr als des Nichtseyns; oder ihr Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem;
+gerade dieß ihr Bestehen ist es, was ihren Unterschied eben so sehr
+aufhebt.
+
+Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben,
+schließt auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist.
+Die sich dagegen sträuben, das eine wie das andere nur als ein
+Übergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts dieß
+oder das behaupten, mögen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine
+Definition vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, daß sie
+richtig ist. Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft
+genügt zu haben, deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und
+anwenden, sind alle jene Behauptungen über das Seyn und Nichts nur
+Versicherungen, wissenschaftliche Ungültigkeiten. Wenn man sonst
+gesagt hat, die Existenz, insofern man diese zunächst für
+gleichbedeutend mit Seyn hält, sey die Ergänzung zur Möglichkeit, so
+ist damit eine andere Bestimmung, die Möglichkeit, vorausgesetzt, das
+Seyn nicht in seiner Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbstständig,
+als bedingt ausgesprochen. Für das Seyn, welches vermittelt ist,
+werden wir den Ausdruck: Existenz, aufbehalten. Aber man stellt sich
+wohl das Seyn vor--etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die
+Klarheit ungetrübten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und
+knüpft ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche
+Verschiedenheit. In der That aber, wenn man auch dieß Sehen sich
+genauer vorstellt, so kann man leicht gewahr werden, daß man in der
+absoluten Klarheit so viel und so wenig sieht, als in der absoluten
+Finsterniß, daß das eine Sehen so gut als das andere, reines Sehen,
+Sehen von Nichts ist. Reines Licht und reine Finsterniß sind zwei
+Leeren, welche dasselbe sind. Erst in dem bestimmten Lichte--und das
+Licht wird durch die Finsterniß bestimmt,--also im getrübten Lichte,
+ebenso erst in der bestimmten Finsterniß,--und die Finsterniß wird
+durch das Licht bestimmt,--in der erhellten Finsterniß kann etwas
+unterschieden werden, weil erst das getrübte Licht und die erhellte
+Finsterniß den Unterschied an ihnen selbst haben, und damit
+bestimmtes Seyn, Daseyn, sind.
+
+Anmerkung 3.
+
+Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind,
+ist von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie,
+welches in seiner eigenthümlichsten Form das Werden ist.
+Übergehen ist dasselbe als Werden, nur daß in jenem die beiden,
+von deren Einem zum anderen übergegangen wird, mehr als außereinander
+ruhend und das Übergehen als zwischen ihnen geschehend vorgestellt
+wird. Wo und Wie nun vom Seyn oder Nichts die Rede wird, muß dieses
+Dritte vorhanden seyn; denn jene bestehen nicht für sich, sondern
+sind nur im Werden, in diesem Dritten. Aber dieses Dritte hat
+vielfache empirische Gestalten, welche von der Abstraktion bei Seite
+gestellt oder vernachläßigt werden, um jene ihre Produkte, das Seyn
+und das Nichts, jedes für sich festzuhalten und sie gegen das
+Übergehen geschützt zu zeigen. Gegen solches einfaches Verhalten der
+Abstraktion ist ebenso einfach nur an die empirische Existenz zu
+erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur Etwas ist, ein Daseyn
+hat. Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch welche die Trennung
+der Untrennbaren fixirt werden soll. An solcher Bestimmung ist an
+und für sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden, und ohne auf die
+Natur der Sache zurückzugehen und an diese zu appelliren, ist jene
+Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu konfondiren, daß sie
+genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes an ihr selbst
+aufgezeigt wird. Es würde eine vergebliche Mühe seyn, alle Wendungen
+und Einfälle der Reflexion und ihres Raisonnements gleichsam
+einfangen zu wollen, um ihr die Auswege und Absprünge, womit sie sich
+ihren Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und
+unmöglich zu machen. Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache
+sich so nennende Einwürfe und Widerlegungen, welche dagegen, daß
+weder Seyn noch Nichts etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre
+Wahrheit ist, aufgebracht worden sind, Rücksicht zu nehmen; die
+Gedanken-Bildung, die dazu gehört, die Nichtigkeit jener
+Widerlegungen einzusehen oder vielmehr solche Einfälle sich selbst zu
+vertreiben, wird nur durch die kritische Erkenntniß der
+Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am ergiebigsten an
+dergleichen Einwürfen sind, fallen sogleich über die ersten Sätze mit
+ihren Reflexionen her, ohne durch das weitere Studium der Logik sich
+zum Bewußtseyn über die Natur dieser kruden Reflexionen zu verhelfen
+oder verholfen zu haben.
+
+Es sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran
+ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins
+außer dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so daß hiermit das
+Übergehen negirt ist.
+
+Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er
+zugleich vom Nichts sagte, daß es gar nicht ist; nur das Seyn ist.
+Das Seyn so ganz für sich ist das Unbestimmte, hat also keine
+Beziehung auf Anderes; es scheint daher, daß von diesem Anfang aus
+nicht weiter fortgegangen werden könne, nämlich aus ihm selbst, und
+ein Fortgang nur dadurch geschehen könne, daß von Außen etwas Fremdes
+daran geknüpft würde. Der Fortgang, daß das Seyn dasselbe ist als
+das Nichts, erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,--ein
+Übergehen, das für sich ist, und äußerlich zu dem Seyn hinzuträte.
+Seyn wäre überhaupt nicht der absolute Anfang, wenn es eine
+Bestimmtheit hätte; alsdann hänge es von einem Andern ab, und wäre
+nicht unmittelbar, nicht der Anfang. Ist es aber unbestimmt, und
+damit wahrer Anfang, so hat es auch nichts, wodurch es sich zu einem
+anderen überleitet, es ist zugleich das Ende. Es kann ebenso wenig
+etwas aus demselben hervorbrechen, als etwas in dasselbe einbrechen
+kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll von dem Seyn oder der
+absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu dem Negativen,
+Endlichen. Wird nun dennoch fortgegangen, was wie bemerkt, von dem
+beziehungs--hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf äußerliche Weise
+geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter, neuer Anfang. So
+ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A = A Setzen; der
+zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt, zum Theil
+unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn. Es ist dieß ein
+Fortgehen der äußern Reflexion, welches ebensowohl das, womit es als
+einem Absoluten anfängt, wieder verneint,--das Entgegensetzen ist die
+Negation der ersten Identität,--als es sein zweites Unbedingtes
+sogleich ausdrücklich zugleich zu einem Bedingten macht. Wenn aber
+überhaupt eine Berechtigung wäre, fortzugehen, d. i. den ersten
+Anfang aufzuheben, so müßte es in diesem ersten selbst liegen, daß
+ein Anderes sich darauf beziehen könnte; es müßte also ein Bestimmtes
+seyn. Allein für ein solches giebt sich das Seyn oder auch die
+absolute Substanz nicht aus; im Gegentheil. Es ist das Unmittelbare,
+das noch schlechthin Unbestimmte.
+
+Die beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen über die
+Unmöglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer
+Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner
+Polemik gegen die kantische Synthesis des Selbstbewußtseyns a priori,
+in seiner Abh. über das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu
+Verstande zu bringen (Jac. Werke III. Bd.). Er stellt (S. 113) die
+Aufgabe so, daß in einem Reinen, sey es des Bewußtseyns, des Raums
+oder der Zeit, das Entstehen oder Hervorbringen einer Synthesis
+aufgezeigt werde. "Der Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das
+Bewußtseyn sey Eines;--sagt nun an, wie sich eines von diesen drei
+Einen in ihm selbst rein vermannigfaltiget;--jedes ist nur Eines und
+kein Anderes;--eine Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit!
+ohne Derheit, Dieheit, Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der,
+Die, Das noch im unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und
+jedes Bestimmte auch erst hervorgehen soll! Was bringt in jene, drei
+Unendlichkeiten, Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori
+mit Zahl und Maß, und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges;
+was bringt die reine Spontaneität (Ich) zur Oscillation? Wie kommt
+sein reiner Vokal zum Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein
+lautloses ununterbrochenes Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um
+wenigstens eine Art von Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?"--Man
+sieht, Jacobi hat sehr bestimmt das Unwesen der Abstraktion, es sey
+nun sogenannter absoluter d. i. nur abstrakter Raum, oder ebensolche
+Zeit, oder ebensolches reines Bewußtseyn, Ich, erkannt; er beharrt
+darin zu dem Behuf, die Unmöglichkeit eines Fortgangs zu Anderem, der
+Bedingung einer Synthesis, und zur Synthesis selbst zu behaupten.
+Die Synthesis, welche das Interesse ausmacht, muß nicht als eine
+Verknüpfung von äußerlich schon vorhandenen Bestimmungen genommen
+werden,--Theils ist es selbst um die Erzeugung eines Zweiten zu einem
+Ersten, eines Bestimmten zum unbestimmten Anfänglichen zu thun;
+Theils aber um die immanente Synthesis, Synthesis a priori,--an und
+für sich seyende Einheit des Unterschiedenen. Werden ist diese
+immanente Synthesis des Seyns und Nichts; aber weil der Synthesis der
+Sinn von einem äußerlichen Zusammenbringen äußerlich gegeneinander
+Vorhandener am nächsten liegt, ist mit Recht der Name Synthesis,
+synthetische Einheit außer Gebrauch gesetzt worden.--Jacobi fragt,
+wie kommt der reine Vokal des Ich zum Mitlauter, was bringt
+Bestimmtheit in die Unbestimmtheit--das was? wäre leicht beantwortet,
+und von Kant ist diese Frage auf seine Weise beantwortet worden; aber
+die Frage nach dem Wie? heißt: auf welche Art und Weise, nach welchem
+Verhältniß und dergleichen, und verlangt so die Angabe einer
+besondern Kategorie; aber von Art und Weise, Verstandes-Kategorien
+kann hierbei nicht die Rede seyn. Die Frage nach dem wie? gehört
+selbst zu den übeln Manieren der Reflexion, welche nach der
+Begreiflichkeit frägt, aber dabei ihre festen Kategorien voraussetzt,
+und damit zum Voraus gegen die Beantwortung dessen, nach was sie
+fragt, sich gewaffnet weiß. Den höheren Sinn einer Frage nach der
+Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er
+bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen beharren, für die
+Behauptung der Unmöglichkeit der Synthese. Insbesondere anschaulich
+beschreibt er (S. 147) die Procedur zur Abstraktion des Raumes zu
+gelangen. "Ich muß für so lange rein zu vergessen suchen, daß ich je
+irgend etwas sah, hörte, rührte und berührte, mich selbst
+ausdrücklich nicht ausgenommen. Rein, rein, rein vergessen muß ich
+alle Bewegung, und mir gerade dieß Vergessen, weil es das schwerste
+ist, am angelegentlichsten seyn lassen. Alles überhaupt muß ich, so
+wie ich es weggedacht habe, auch ganz und vollkommen weggeschafft
+seyn lassen, und gar nichts übrig behalten, als die mit Gewalt stehen
+gebliebene Anschauung allein des unendlichen unveränderlichen Raums.
+Ich darf mich daher auch nicht selbst als etwas von ihm
+Unterschiedenes und gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn
+hineindenken; ich darf mich nicht von ihm bloß umgeben und
+durchdringen lassen; sondern ich muß ganz übergehen in ihn, Eins mit
+ihm werden, mich in ihn verwandeln; ich muß von mir selbst nichts
+übrig lassen, als diese meine Anschauung selbst, um sie als eine
+wahrhaft selbstständige, unabhängige, Einig- und Alleinige
+Vorstellung zu betrachten."
+
+Bei dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuität, d. i.
+Unbestimmtheit und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgültig,
+diese Abstraktion Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines
+Denken;--es ist alles dasselbe, was der Inder, wenn er äußerlich
+bewegungslos, und ebenso in Empfindung, Vorstellung, Phantasie,
+Begierde u.s.f. regungslos jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase
+sieht, nur Om, Om, Om innerlich in sich, oder gar Nichts spricht,
+--Brahma nennt. Dieses dumpfe, leere Bewußtseyn ist, als Bewußtseyn
+aufgefaßt,--das Seyn.
+
+In diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das
+Gegentheil von dem, was kantischer Versicherung gemäß, ihm
+widerfahren sollte; er finde sich nicht als ein Vieles und
+Mannigfaltiges, vielmehr als Eines ohne alle Vielheit und
+Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmöglichkeit selbst, bin die
+Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen,--kann aus meinem reinen,
+schlechterdings einfachen, unveränderlichen Wesen auch nicht das
+Mindeste wieder herstellen oder in mich hinein gespenstern;--so
+offenbart sich in dieser Reinheit, alles Außerund Nebeneinanderseyn,
+alle hierauf beruhende Mannigfaltigkeit und Vielheit, als ein rein
+Unmögliches."
+
+Diese Unmöglichkeit heißt nichts anders als die Tautologie, ich halte
+an der abstrakten Einheit fest und schließe alle Vielheit und
+Mannigfaltigkeit aus, halte mich im Unterschiedslosen und
+Unbestimmten, und sehe weg von allem Unterschiedenen und Bestimmten.
+Die kantische Synthesis a priori des Selbstbewußtseyns, das ist, die
+Thätigkeit dieser Einheit, sich zu dirimiren und in dieser Diremtion
+sich selbst zu erhalten, verdünnt sich Jacobi zu derselben
+Abstraktion. Jene "Synthesis an sich", das "ursprüngliche Urtheilen,"
+macht er einseitig zu "der Kopula an sich;--ein Ist, Ist, Ist, ohne
+Anfang und Ende und ohne Was, Wer und Welche; dieses ins Unendliche
+fortgehende Wiederholen der Wiederholung ist die alleinige
+Geschäftigkeit, Funktion und Produktion der allerreinsten Synthesis;
+sie selbst ist das bloße, reine, absolute Wiederholen selbst." Oder
+in der That, da kein Absatz, d. i. keine Negation, Unterscheiden
+darin ist, so ist sie nicht ein Wiederholen, sondern nur das
+ununterschiedene einfache Seyn.--Aber ist dieß denn noch Synthesis,
+wenn Jacobi gerade das wegläßt, wodurch die Einheit synthetische
+Einheit ist?
+
+Zunächst, wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum,
+Zeit, auch Bewußtseyn festsetzt, ist zu sagen, daß er sich auf diese
+Weise in etwas empirisch-Falsches versetzt und festhält; es giebt d.
+h. empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes
+Räumliches und Zeitliches wären, nicht in ihrer Kontinuität von
+mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veränderung erfüllt wären, so daß
+diese Grenzen und Veränderungen ungetrennt und untrennbar der
+Räumlichkeit und Zeitlichkeit angehören; ebenso ist das Bewußtseyn
+mit bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f. erfüllt; es
+existirt ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt.--Das
+empirische Übergehen versteht sich ohnehin von selbst; das Bewußtseyn
+kann sich wohl den leeren Raum, leere Zeit und das leere Bewußtseyn
+selbst, oder das reine Seyn, zum Gegenstand und Inhalt machen; aber
+es bleibt nicht dabei, sondern geht nicht nur, sondern drängt sich
+aus solcher Leerheit hinaus zu einem besseren, d. i. auf irgend eine
+Weise konkreteren Inhalt, und so schlecht ein Inhalt sonst sey, so
+ist er insofern besser und wahrer; eben ein solcher Inhalt ist ein
+synthetischer überhaupt; synthetisch in allgemeinerem Sinne genommen.
+So bekommt Parmenides mit dem Scheine und der Meinung, dem
+Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so Spinoza mit den
+Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem Verstande,
+Willen u.s.f. Die Synthesis enthält und zeigt die Unwahrheit jener
+Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also
+nicht als für sich bestehende, nicht als absolute, sondern
+schlechthin als relative.
+
+Das Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f.
+aber ist es nicht, um das es zu thun ist. Das Bewußtseyn kann sich
+abstrahirend allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfüllen, und die
+festgehaltenen Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit,
+reinen Bewußtseyn, reinem Seyn. Der Gedanke des reinen Raums u.s.f.
+d. i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst soll als nichtig aufgezeigt
+werden, d. i. daß er als solcher schon sein Gegentheil, daß an ihm
+selbst schon sein Gegentheil in ihn eingedrungen, er schon für sich
+das Herausgegangenseyn aus sich selbst, Bestimmtheit, sey.
+
+Dieß ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen. Sie sind, was Jacobi
+reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdrücklich
+als Unbestimmte bestimmt, was--um zu seiner einfachsten Form
+zurückzugehen, das Seyn ist. Eben diese Unbestimmtheit ist aber das,
+was die Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die Unbestimmtheit ist
+der Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als Entgegengesetztes
+selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das reine, ganz
+abstrakt Negative. Diese Unbestimmtheit oder abstrakte Negation,
+welche so das Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die äußere wie die
+innere Reflexion ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich setzt, es
+für ein leeres Gedankending, für Nichts erklärt.--Oder kann man sich
+ausdrücken, weil das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die
+(affirmative) Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern Nichts.
+
+In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem
+Seyn als solchem gemacht wird, ist der Übergang noch verborgen; weil
+das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm
+nur unmittelbar hervor. Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich
+das Daseyn, sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was
+den Widerspruch jener Abstraktionen und daher ihr Übergehen enthält
+und hervorbringt. Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird
+die Erinnerung, daß es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also
+schon von daher abstrakte Negativität, Nichts, ist, hinter der
+Wissenschaft zurückgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst,
+ausdrücklich vom Wesen aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine
+Vermittelte darstellen wird, wo das Seyn als Existenz und das
+Vermittelnde dieses Seyns, der Grund, gesetzt ist.
+
+Mit jener Erinnerung läßt sich der Übergang von Seyn in Nichts als
+etwas selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man
+es nennt, erklären und begreiflich machen, daß Freilich das Seyn,
+welches zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn
+man könne von Allem abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden,
+so bleibe Nichts übrig. Aber, kann man fortfahren, somit sey der
+Anfang nicht ein Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und
+Nichts sey dann auch das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare
+Seyn und selbst noch vielmehr. Das Kürzeste ist solches Raisonniren
+gewähren zu lassen und zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen
+sind, auf welche es pocht. Daß hiernach das Nichts das Resultat
+jenes Raisonnements wäre, und nun der Anfang mit Nichts (wie in
+chinesischer Philosophie) gemacht werden sollte, so wäre darum nicht
+die Hand umzukehren, denn ehe man sie umkehrte, hätte sich ebenso
+sehr dieß Nichts in Seyn verkehrt, (s. oben: B. Nichts). Aber ferner
+wenn jene Abstraktion von Allem, welches Alles denn doch Seyendes ist,
+vorausgesetzt wäre, so ist sie genauer zu nehmen; das Resultat der
+Abstraktion von allem Seyenden ist zunächst abstraktes Seyn, Seyn
+überhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom Daseyn Gottes aus dem
+zufälligen Seyn der Welt, über welches sich darin erhoben wird, noch
+das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum unendlichen Seyn bestimmt
+wird. Es kann aber allerdings auch von diesem reinen Seyn abstrahirt,
+das Seyn noch zu dem Allem, wovon bereits abstrahirt worden,
+geschlagen werden; dann bleibt Nichts. Man kann nun, wenn man das
+Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen will oder
+nichts davon wüßte, im Style jenes Könnens fortfahren; es kann
+nämlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt werden (wie denn auch
+die Schöpfung der Welt eine Abstraktion vom Nichts ist) und dann
+bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird abstrahirt, sondern
+man ist so wieder im Seyn angekommen.--dieß Können giebt ein
+äußerliches Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren selbst nur
+das einseitige Thun des Negativen ist. Zunächst liegt in diesem
+Können selbst, daß ihm das Seyn so gleichgültig ist als das Nichts,
+und daß so sehr jedes von Beiden verschwindet, ebenso sehr jedes auch
+entsteht; aber ebenso gleichgültig ist es, ob vom Thun des Nichts,
+oder dem Nichts ausgegangen wird; das Thun des Nichts, d. i. das
+bloße Abstrahiren ist nicht mehr noch weniger etwas Wahrhaftes als
+das bloße Nichts.
+
+Die Dialektik, nach welcher Plato das Eine im Parmenides behandelt,
+ist gleichfalls mehr für eine Dialektik der äußern Reflexion zu
+achten. Das Seyn und das Eine sind beides Eleatische Formen, die
+Dasselbe sind. Aber sie sind auch zu unterscheiden, so nimmt sie
+Plato in jenem Dialoge. Nachdem er von dem Einen die mancherlei
+Bestimmungen von Ganzen und Theilen, in sich selbst, in einem anderen
+seyn u.s.f. von Figur, Zeit u.s.f. entfernt, so ist das Resultat, daß
+dem Einen das Seyn nicht zukomme, denn anders komme einem Etwas das
+Seyn nicht zu, als nach einer jener Weisen (p. 141 e. Vol. III. ed.
+Steph.). Hierauf behandelt Plato den Satz: das Eine ist; und es ist
+bei ihm nachzusehen, wie von diesem Satze aus der Übergang zu dem
+Nichtseyn des Einen bewerkstelligt wird; es geschieht durch die
+Vergleichung der beiden Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das
+Eine ist; er enthält das Eine und das Seyn; und das Eine ist enthält
+mehr, als wenn man nur sagt: das Eine. Darin daß sie verschieden
+sind, wird das Moment der Negation, das der Satz enthält, aufgezeigt.
+Es erhellt, daß dieser Weg eine Voraussetzung hat, und eine äußere
+Reflexion ist.
+
+Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das
+Seyn, welches abstrakt für sich festgehalten werden soll am
+einfachsten, ohne sich in das Denken einzulassen, in einer Verbindung
+aufgezeigt, die das Gegentheil dessen enthält, was behauptet werden
+soll. Das Seyn, wie es unmittelbar ist, genommen gehört einem
+Subjekte an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn
+überhaupt, und steht damit im Boden der Schranke und des Negativen.
+In welchen Ausdrücken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er
+sich gegen die Einheit des Seyns und Nichts sträubt, und sich auf das,
+was unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser
+Erfahrung selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke
+oder Negation,--jene Einheit finden, die er verwirft. Die Behauptung
+des unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz,
+deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die
+Unmittelbarkeit außerhalb des Denkens ist, an die sie sich halten
+will.
+
+Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise,
+und diese Reflexion ist bekannt und oft genug über dasselbe gemacht
+worden. Das Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als
+seyend; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn. Das
+Nichts wird gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist
+also; das Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein
+Seyn. Dieß Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird
+daher gesagt, daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß
+darum nicht es ist, nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, daß nur
+Denken oder Vorstellen dieses Seyn ist. Bei diesem Unterscheiden ist
+eben so sehr nicht zu läugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein
+Seyn steht; aber in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied
+enthält, ist eine Einheit mit dem Seyn vorhanden. Auf weiche Weise
+das Nichts ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in
+Verbindung oder wenn man will Berührung mit einem Seyn, ungetrennt
+von einem Seyn, eben in einem Daseyn.
+
+Indem aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch
+dieser Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, daß das Daseyn
+des Nichts durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, daß es nicht
+das Seyn für sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches
+sey; das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniß so nur
+Abwesenheit des Lichts, die Kälte nur Abwesenheit der Wärme u.s.f.
+Finsterniß habe nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in äußerer
+Vergleichung mit dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kälte sey nur
+Etwas in unserer Empfindung, Licht, Wärme, wie Seyn, hingegen seyen
+für sich das Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer
+Qualität und Würde, als jene Negativen, als Nichts. Man kann es
+häufig als eine sehr wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniß
+aufgeführt finden, daß Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, Kälte
+nur Abwesenheit der Wärme sey. Über diese scharfsinnige Reflexion
+kann in diesem Felde von empirischen Gegenständen empirisch bemerkt
+werden, daß die Finsterniß sich im Lichte allerdings wirksam zeigt,
+indem sie dasselbe zur Farbe bestimmt und ihm selbst dadurch erst
+Sichtbarkeit ertheilt, indem wie früher gesagt, im reinen Lichte
+ebenso wenig gesehen wird, als in der reinen Finsterniß. Die
+Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im Auge, an der jenes Negative
+ebenso viel Antheil hat, als das für das Reale, Positive geltende
+Licht; ebenso giebt sich die Kälte dem Wasser, unserer Empfindung u.s.
+f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr sogenannte objektive
+Realität absprechen, so ist damit durchaus nichts gegen sie gewonnen.
+Aber ferner wäre zu rügen, daß hier gleichfalls, wie oben, von einem
+Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird, nicht beim Nichts
+selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer Abstraktion
+nicht nachsteht, noch etwas voraus hat.--Allein Kälte, Finsterniß und
+dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich für sich zu nehmen,
+und es ist zu sehen, was damit in Rücksicht ihrer allgemeinen
+Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt ist. Sie
+sollen nicht das Nichts überhaupt, sondern das Nichts vom Licht,
+Wärme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind sie
+bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann. Aber eine
+Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation;
+so sind sie negative Nichts; aber ein negatives Nichts ist etwas
+Affirmatives. Das Umschlagen des Nichts durch seine Bestimmtheit
+(die vorhin als ein Daseyn im Subjekte, oder in sonst was es sey,
+erschien) in ein Affirmatives, erscheint dem Bewußtseyn, das in der
+Verstandes-Abstraktion feststeht, als das paradoxeste, so einfach die
+Einsicht ist, oder auch wegen ihrer Einfachheit selbst erscheint die
+Einsicht, daß die Negation der Negation Positives ist, als etwas
+Triviales, auf welches der stolze Verstand daher nicht zu achten
+brauche, obgleich die Sache ihre Richtigkeit habe,--und sie hat nicht
+nur diese Richtigkeit, sondern um der Allgemeinheit solcher
+Bestimmungen willen ihre unendliche Ausdehnung und allgemeine
+Anwendung, so daß wohl darauf zu achten wäre.
+
+Noch kann über die Bestimmung des Übergangs von Seyn und Nichts in
+einander bemerkt werden, daß derselbe eben so ohne weitere
+Reflexionsbestimmung aufzufassen ist. Er ist unmittelbar und ganz
+abstrakt, um der Abstraktion der übergehenden Momente willen, d. i.
+indem an diesen Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen
+gesetzt ist, vermittelst dessen sie übergingen; das Nichts ist am
+Seyn noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich Nichts ist, und
+umgekehrt. Es ist daher unzulässig, weiters bestimmte Vermittelungen
+hier anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem Verhältnisse zu
+fassen,--jenes Übergehen ist noch kein Verhältniß. Es ist also
+unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn
+ist der Grund von Nichts;--das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder
+es kann nur unter der Bedingung in das Nichts übergegangen werden,
+daß etwas ist, oder in das Seyn nur unter der Bedingung des
+Nichtseyns. Die Art der Beziehung kann nicht weiter bestimmt seyn,
+ohne daß zugleich die bezogenen Seiten weiter bestimmt würden. Der
+Zusammenhang von Grund und Folge u.s.f. hat nicht mehr das bloße Seyn
+und Nichts zu den Seiten, die er verbindet, sondern ausdrücklich Seyn,
+das Grund ist, und etwas, das zwar nur ein gesetztes, nicht
+Selbstständiges sey, das aber nicht das abstrakte Nichts ist.
+
+Anmerkung 4.
+
+Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniß es mit der
+Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat,
+wodurch die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit
+der Dialektik gegen das Werden, Entstehen oder Vergehen überhaupt.
+--Die Kantische Antinomie über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der
+Welt in Raum und Zeit wird unten bei dem Begriffe der quantitativen
+Unendlichkeit näher betrachtet werden.--Jene einfache gewöhnliche
+Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und
+Nichts. Es wird auf folgende Art bewiesen, daß kein Anfang der Welt
+oder von Etwas möglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern
+etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, fängt es
+nicht erst an; insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an.
+-Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im
+Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang;
+denn Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthält kein
+Seyn. Nichts ist nur Nichts. In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn
+das Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten.
+--Aus demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhören. Denn so müßte
+das Seyn das Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das
+Gegentheil seiner selbst.
+
+Es erhellt, daß hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhören,
+diese Einheit des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie
+assertorisch zu läugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von
+dem andern, Wahrheit zuzuschreiben.--Diese Dialektik ist jedoch
+wenigstens konsequenter als das reflektirende Vorstellen. Ihm gilt
+es für vollkommene Wahrheit, daß Seyn und Nichts nur getrennt seyen;
+auf der anderen Seite aber läßt es ein Anfangen und Aufhören als eben
+so wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die
+Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an.
+
+Bei der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom
+Nichts, ist--was man so oft hört--der Anfang oder das Werden
+allerdings etwas Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung,
+welche den Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt,
+und dieser Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung
+unmöglich macht, heißt das Unbegreifliche.
+
+Das Angeführte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen
+den Begriff braucht, den die höhere Analysis von den
+unendlich-kleinen Größen giebt. Von diesem Begriffe wird weiter
+unten ausführlicher gehandelt.--Diese Größen sind als solche,
+bestimmt worden, die in ihrem Verschwinden sind, nicht vor ihrem
+Verschwinden, denn als dann sind sie endliche Größen;--nicht nach
+ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie nichts. Gegen diesen
+reinen Begriff ist eingewendet und immer wiederholt worden, daß
+solche Größen entweder Etwas seyen, oder Nichts; daß es keinen
+Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender, barbarischer
+Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe.--Es ist hierbei
+gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen.
+Dagegen ist aber gezeigt worden, daß Seyn und Nichts in der That
+dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, daß es gar
+nichts giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts
+ist. Die Mathematik hat ihre glänzendsten Erfolge der Annahme jener
+Bestimmung, welcher der Verstand widerspricht, zu danken.
+
+Das angeführte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der
+absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei
+derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei zu
+nennen. Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen
+Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten läßt;
+Dialektik aber nennen wir die höhere vernünftige Bewegung, in welche
+solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das,
+was sie sind, in einander übergehen, die Voraussetzung sich aufhebt.
+Es ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst,
+daß sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen.
+
+2. Momente des Werdens.
+
+Das Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns
+und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt;
+sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte
+Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist. Aber indem Seyn
+und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht.
+Sie sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als
+Aufgehobene. Sie sinken von ihrer zunächst vorgestellten
+Selbstständigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber
+zugleich aufgehobenen.
+
+Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefaßt, ist jedes in
+derselben als Einheit mit dem Anderen. Das Werden enthält also Seyn
+und Nichts als zwei solche Einheiten, deren jede selbst Einheit des
+Seyns und Nichts ist; die eine das Seyn als unmittelbar und als
+Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und
+als Beziehung auf das Seyn; die Bestimmungen sind in ungleichem
+Werthe in diesen Einheiten.
+
+Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der
+einen ist das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom
+Nichts, das sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe
+übergeht, in der anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist
+anfangend vom Seyn, das in das Nichts übergeht,--Entstehen und
+Vergehen.
+
+Beide sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen
+Richtungen durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig. Die
+eine ist Vergehen; Seyn geht in Nichts über, aber Nichts ist eben so
+sehr das Gegentheil seiner selbst, Übergehen in Seyn, Entstehen.
+Dieß Entstehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn über,
+aber Seyn hebt ebenso sehr sich selbst auf und ist vielmehr das
+Übergehen in Nichts, ist Vergehen.--Sie heben sich nicht gegenseitig,
+nicht das eine äußerlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an
+sich selbst auf und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner.
+
+3. Aufheben des Werdens.
+
+Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist
+zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige
+Einheit zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende;
+aber das Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit
+derselben. Ihr Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens,
+oder Verschwinden des Verschwindens selbst. Das Werden ist eine
+haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.
+
+Dieß könnte auch so ausgedrückt werden: Das Werden ist das
+Verschwinden von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das
+Verschwinden von Seyn und Nichts überhaupt; aber es beruht zugleich
+auf dem Unterschiede derselben. Es widerspricht sich also in sich
+selbst, weil es solches in sich vereint, das sich entgegengesetzt ist;
+eine solche Vereinigung aber zerstört sich.
+
+Dieß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so
+wäre es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen
+Bestimmungen, nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die
+zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die
+ruhige Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich,
+sondern als Bestimmung des Ganzen.
+
+Das Werden so Übergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche
+als seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren
+Einheit dieser Momente hat, ist das Daseyn.
+
+Anmerkung.
+
+Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten
+Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin
+allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und
+besonders vom Nichts zu unterscheiden ist.--Was sich aufhebt, wird
+dadurch nicht zu Nichts. Nichts ist das Unmittelbare; ein
+Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende,
+aber als Resultat, das von einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher
+die Bestimmtheit aus der es herkommt, noch an sich.
+
+Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als
+aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören
+lassen, ein Ende machen. Das Aufbewahren selbst schließt schon das
+Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem
+den äußerlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu
+erhalten.--So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur
+seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist.
+--Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch
+als zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden. Auffallend
+müßte es aber dabei seyn, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und
+dasselbe Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen.
+Für das spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter
+zu finden welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben;
+die deutsche Sprache hat mehrere dergleichen. Der Doppelsinn des
+lateinischen: tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum
+esse Octavium, berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative
+Bestimmung geht nur bis zum Emporheben. Etwas ist nur insofern
+aufgehoben, als es in die Einheit mit seinem Entgegengesetzten
+getreten ist; in dieser nähern Bestimmung als ein reflektirtes kann
+es passend Moment genannt werden. Gewicht und Entfernung von einem
+Punkt heißen beim Hebel, dessen mechanische Momente, um der
+Dieselbigkeit ihrer Wirkung willen bei aller sonstigen
+Verschiedenheit eines Reellen, wie das ein Gewicht ist, und eines
+Ideellen, der bloßen räumlichen Bestimmung, der Linie; s. Encykl.
+der philos. Wissenschaft 3te Ausg. _ 261. Anm.--Noch öfter wird die
+Bemerkung sich aufdringen, daß die philosophische Kunstsprache für
+reflektirte Bestimmungen lateinische Ausdrücke gebraucht, entweder
+weil die Muttersprache keine Ausdrücke dafür hat, oder wenn sie deren
+hat, wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an das Unmittelbare, die fremde
+Sprache aber mehr an das Reflektirte erinnert.
+
+Der nähere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr
+Momente sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als
+der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben. Seyn ist Seyn,
+und Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in
+ihrer Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese
+Bestimmungen verschwunden, und sind nun etwas anderes. Seyn und
+Nichts sind dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht
+mehr Seyn und Nichts, und haben eine verschiedene Bestimmung; im
+Werden waren sie Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders
+bestimmten Einheit sind sie wieder anders bestimmte Momente. Diese
+Einheit bleibt nun ihre Grundlage, aus der sie nicht mehr zur
+abstrakten Bedeutung von Seyn und Nichts heraustreten.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Das Daseyn
+
+
+Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende
+Bestimmtheit, Qualität. Durch seine Qualität ist Etwas gegen ein
+Anderes, ist veränderlich und endlich, nicht nur gegen ein Anderes,
+sondern an ihm schlechthin negativ bestimmt. Diese seine Negation
+dem endlichen Etwas zunächst gegenüber ist das Unendliche; der
+abstrakte Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, löst
+sich in die gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fürsichseyn auf.
+
+Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen:
+
+A. das Daseyn als solches,
+
+B. Etwas und Anderes, die Endlichkeit,
+
+C. die qualitative Unendlichkeit.
+
+A. Daseyn als solches.
+
+An dem Daseyn
+
+a. als solchem, ist zunächst seine Bestimmtheit
+
+b. als Qualität zu unterscheiden. Diese aber ist sowohl in der einen
+als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realität und
+als Negation. Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr
+in sich reflektirt; und als solches gesetzt ist es
+
+c. Etwas, Daseyendes.
+
+a. Daseyn überhaupt.
+
+Aus dem Werden geht das Daseyn hervor. Das Daseyn ist das einfache
+Einsseyn des Seyns und Nichts. Es hat um dieser Einfachheit willen,
+die Form von einem Unmittelbaren. Seine Vermittelung, das Werden,
+liegt hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint
+daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunächst in
+der einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthält, das
+Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene.
+
+Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn; etymologisch genommen Seyn
+an einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehört nicht hierher.
+Daseyn ist, nach seinem Werden, überhaupt Seyn mit einem Nichtseyn,
+so daß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen
+ist. Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete
+Ganze in der Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die
+Bestimmtheit als solche aus.
+
+Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i. Bestimmtheit des Seyns,
+denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu seyn
+gezeigt,--ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es für
+uns in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt an ihm selbst. Aber die
+Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die gesetzte, die auch im
+Ausdruck Daseyn liegt.--Beides ist immer sehr wohl von einander zu
+unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem Begriffe, gehört in
+die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem Inhalte. Die noch
+nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehört unserer
+Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst, oder sie
+sey äußere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art
+bemerklich zu machen kann nur zur Erläuterung oder Vorausandeutung
+des Ganges dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen
+wird. Daß das Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der
+einseitigen Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine äußerliche Reflexion;
+in der Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu
+kommen, als gesetzte zu seyn.--Es hat hier auf den angegebenen
+Unterschied aufmerksam gemacht werden sollen; über alles aber, was
+die Reflexion sich erlauben kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben,
+würde in die Weitläufigkeit führen, das zu anticipiren, was sich an
+der Sache selbst ergeben muß. Wenn dergleichen Reflexionen dienen
+können, die Übersicht und damit das Verständniß zu erleichtern, so
+führen sie wohl auch den Nachtheil herbei, als unberechtigte
+Behauptungen, Gründe und Grundlagen für das Weitere auszusehen. Man
+soll sie daher für nichts mehr nehmen, als was sie seyn sollen, und
+sie von dem unterscheiden, was ein Moment im Fortgange der Sache
+selbst ist.
+
+Das Daseyn entspricht dem Seyn der vorigen Sphäre; das Seyn jedoch
+ist das Unbestimmte, es ergeben sich deswegen keine Bestimmungen an
+demselben. Aber das Daseyn ist bestimmtes Seyn, ein konkretes; es
+thun sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene
+Verhältnisse seiner Momente an ihm auf.
+
+b. Qualität.
+
+Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts,
+Eins sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; so weit das Daseyn
+seyend ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt. Das Seyn ist
+nicht das Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere. Die
+Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Seyn abgelöst; zwar wird sie
+sich auch nicht mehr von ihm ablösen; denn das nunmehr zum Grunde
+liegende Wahre ist die Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr
+als dem Grunde ergeben sich alle fernern Bestimmungen. Aber die
+Beziehung, in der hier die Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die
+unmittelbare Einheit beider, so daß noch keine Unterscheidung
+derselben gesetzt ist.
+
+Die Bestimmtheit so für sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist
+die Qualität;--ein ganz Einfaches, Unmittelbares. Die Bestimmtheit
+überhaupt ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative,
+wie weiter Bestimmte seyn kann. Um dieser Einfachheit willen ist
+von der Qualität als solcher weiter nichts zu sagen.
+
+Aber das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn
+enthalten, ist selbst der Maßstab für die Einseitigkeit der Qualität
+als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit. Sie ist ebenso
+sehr in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die
+unmittelbare oder die seyende Bestimmtheit als eine unterschiedene,
+reflektirte gesetzt wird, das Nichts so als das bestimmte einer
+Bestimmtheit, ist ebenso ein reflektirtes, eine Verneinung. Die
+Qualität, so daß sie unterschieden als seyende gelte, ist die
+Realität; sie als mit einer Verneinung behaftet, Negation überhaupt,
+gleichfalls eine Qualität, aber die für einen Mangel gilt, sich
+weiterhin als Grenze, Schranke bestimmt.
+
+Beide sind ein Daseyn, aber in der Realität als Qualität mit dem
+Accente, eine seyende, zu seyn, ist es versteckt, daß sie die
+Bestimmtheit, also auch die Negation enthält; die Realität gilt daher
+nur als etwas Positives, aus welchem Verneinung, Beschränktheit,
+Mangel ausgeschlossen sey. Die Negation als bloßer Mangel genommen,
+wäre was Nichts ist; aber sie ist ein Daseyn, eine Qualität nur mit
+einem Nichtseyn bestimmt.
+
+Anmerkung.
+
+Realität kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von
+verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird. Im
+philosophischen Sinne wird etwa von bloß empirischer Realität als
+einem werthlosen Daseyn gesprochen. Wenn aber von Gedanken,
+Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt
+dieß, daß ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe
+könne die Idee einer platonischen Republik z.B. wohl wahr seyn.
+Der Idee wird hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der
+Realität auch belassen. Aber gegen sogenannte bloße Ideen, gegen
+bloße Begriffe gilt das Reelle als das allein Wahrhafte.--Der Sinn,
+in welchem das eine Mal dem äußerlichen Daseyn die Entscheidung über
+die Wahrheit eines Inhalts zugeschrieben wird, ist ebenso einseitig,
+als wenn die Idee, das Wesen oder auch die innere Empfindung als
+gleichgültig gegen das äußerliche Daseyn vorgestellt und gar für um
+so vortrefflicher gehalten wird, je mehr es von der Realität entfernt
+sey.
+
+Bei dem Ausdrucke: Realität ist der sonstige metaphysische Begriff
+von Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom
+Daseyn Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwähnen. Gott wurde als
+der Inbegriff aller Realitäten bestimmt, und von diesem Inbegriffe
+gesagt, daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der
+Realitäten die andere aufhebe; denn eine Realität sey nur als eine
+Vollkommenheit, als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation
+enthalte. Somit seyen die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und
+widersprechen sich nicht.
+
+Bei diesem Begriffe der Realität wird angenommen, daß sie dann noch
+bleibe, wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle
+Bestimmtheit derselben aufgehoben. Die Realität ist Qualität, Daseyn;
+damit enthält sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch
+das Bestimmte, das sie ist. Im sogenannten eminenten Sinne oder als
+unendliche,--in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts,--wie sie
+genommen werden soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und
+verliert ihre Bedeutung. Die Güte Gottes soll nicht Güte im
+gewöhnlichen, sondern im eminenten Sinne, nicht verschieden von der
+Gerechtigkeit, sondern durch sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer
+Vermittelungs-Ausdruck) so wie umgekehrt die Gerechtigkeit durch die
+Güte; so ist weder Güte mehr Güte, noch Gerechtigkeit mehr
+Gerechtigkeit. Die Macht solle durch die Weisheit temperirt seyn,
+aber so ist sie nicht Macht als solche, denn sie wäre jener
+unterworfen,--die Weisheit solle zur Macht erweitert seyn, aber so
+verschwindet sie als den Zweck und Maaß bestimmende Weisheit. Der
+wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute Einheit, der sich
+später ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren, gegenseitiges
+Beschränken oder Vermischen zu fassen, als welches eine
+oberflächliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit
+der sich nur begriffloses Vorstellen begnügen kann.--Die Realität,
+wie sie in jener Definition Gottes als bestimmte Qualität genommen
+wird, über ihre Bestimmtheit hinausgeführt, hört auf Realität zu seyn;
+sie wird zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem
+Realen, oder als Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe
+Bestimmungs- und Gehaltlose, was das leere Absolute, in dem alles
+Eins ist.
+
+Wird dagegen die Realität in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da
+sie wesentlich das Moment des Negativen enthält, der Inbegriff aller
+Realitäten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem
+Inbegriffe aller Widersprüche, zunächst etwa zur absoluten Macht, in
+der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist,
+insofern sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenüber hat,
+so wird sie, indem sie zur ausgeführten, schrankenlosen Macht
+erweitert gedacht wird, zum abstrakten Nichts. Jenes Reale in allem
+Realen, das Seyn in allem Daseyn, welches den Begriff Gottes
+ausdrücken soll, ist nichts anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe
+was das Nichts ist.
+
+Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der
+Satz des Spinoza: Omnis determinatio est negatio, dieser Satz ist von
+unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als solche die formlose
+Abstraktion; der spekulativen Philosophie muß aber nicht Schuld
+gegeben werden, daß ihr die Negation oder das Nichts ein Letztes sey;
+dieß ist es ihr so wenig als die Realität das Wahrhafte.
+
+Von diesem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit
+der Spinozistischen Substanz, oder daß nur Eine Substanz ist,--die
+nothwendige Konsequenz. Denken und Seyn oder Ausdehnung, die zwei
+Bestimmungen, die Spinoza nämlich vor sich hat, mußte er in dieser
+Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitäten, sind sie
+Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist; nach Spinozas
+Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von Etwas seine
+Affirmation. Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als solche,
+die nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-für-sich-Seyn haben,
+sondern nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr sind sie
+ihm nicht einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr selbst
+ganz bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi,
+Unterscheidungen, die ein äußerer Verstand macht.--Eben so kann die
+Substantialität der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen. Das
+Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, daß es allein Anderen
+Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner
+selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm
+selbst. Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten
+beschränkte, aber dieß Mehr gehört in eine andere Sphäre des Begriffs;
+in der Metaphysik des Seyns ist es ein schlechthin bestimmtes; und
+daß ein solches, daß das Endliche als solches an und für sich sey,
+dagegen macht sich die Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend,
+und reißt es in dieselbe negative Bewegung des Verstandes, welche
+alles in der abstrakten Einheit, der Substanz, verschwinden läßt.
+
+Die Negation steht unmittelbar der Realität gegenüber; weiterhin in
+der eigentlichen Sphäre der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem
+Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende
+Realität ist,--die Realität, an der das Negative scheint, das in der
+Realität als solcher noch versteckt ist.
+
+Die Qualität ist erst in der Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als
+sie in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung
+zeigt. Unter Eigenschaften z.B. von Kräutern versteht man
+Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern
+insofern es sich dadurch in der Beziehung auf andere auf eine
+eigenthümliche Weise erhält, die fremden in ihm gesetzten
+Einwirkungen nicht in sich gewähren läßt, sondern seine eigene
+Bestimmungen in dem Anderen,--ob es dieß zwar nicht von sich abhält,
+--geltend macht. Die mehr ruhenden Bestimmtheiten, z.B. Figur,
+Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl Eigenschaften, auch etwa nicht
+Qualitäten, insofern sie als veränderlich, mit dem Seyn nicht
+identisch vorgestellt werden.
+
+Die Qualirung oder Inqualirung, ein Ausdruck der Jacob-Böhmischen,
+einer in die Tiefe aber in eine trübe Tiefe gehenden Philosophie,
+bedeutet die Bewegung einer Qualität (der sauren, herben, feurigen u.
+s.f.) in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer
+Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, überhaupt die Unruhe
+ihrer an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt
+und erhält.
+
+c. Etwas.
+
+An dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualität unterschieden
+worden; an dieser als daseyender ist der Unterschied,--der Realität
+und der Negation. So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn
+vorhanden sind, so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben. Die
+Realität enthält selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes,
+abstraktes Seyn. Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das
+abstraktseynsollende Nichts, sondern hier gesetzt wie es an sich ist,
+als seyend, dem Daseyn angehörig. So ist die Qualität überhaupt
+nicht vom Daseyn getrennt, welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn
+ist.
+
+Dieses Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein bloßes
+Zurücknehmen und äußeres Wieder-Weglassen derselben oder als ein
+einfaches Zurückkehren zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem.
+Der Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist. Das
+Faktische, was also vorhanden ist, ist das Daseyn überhaupt,
+Unterschied an ihm, und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn
+nicht als unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst
+gleich, durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns
+vermittelt durch dieses Aufheben. Dieß Aufgehobenseyn des
+Unterschieds ist die eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es
+Insichseyn; das Daseyn ist Daseyendes, Etwas.
+
+Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende
+Beziehung auf sich. Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich
+wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden (Ich) u.s.f. Diese
+Bestimmung ist von der höchsten Wichtigkeit, um nicht bei dem Daseyn,
+Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als
+Allgemeinheiten stehen zu bleiben. Etwas gilt der Vorstellung mit
+Recht als ein Reelles. Jedoch ist Etwas noch eine sehr
+oberflächliche Bestimmung; wie Realität und Negation, das Daseyn und
+dessen Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und Nichts, aber
+ganz abstrakte Bestimmungen sind. Deswegen sind sie auch die
+gegenläufigsten Ausdrücke, und die philosophisch nicht gebildete
+Reflexion gebraucht sie am meisten, gießt ihre Unterscheidungen
+darein, und meint daran etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben.
+--Das Negative des Negativen ist als Etwas nur der Anfang des
+Subjekts;--das Insichseyn nur erst ganz unbestimmt. Es bestimmt sich
+fernerhin zunächst als Fürsichseyendes und sofort bis es erst im
+Begriff die konkrete Intensität des Subjekts erhält. Allen diesen
+Bestimmungen liegt die negative Einheit mit sich zu Grunde. Aber
+dabei ist die Negation als erste, als Negation überhaupt wohl zu
+unterscheiden von der zweiten, der Negation der Negation, welche die
+konkrete, absolute Negativität, wie jene erste dagegen nur die
+abstrakte Negativität ist.
+
+Etwas ist seyend als die Negation der Negation; denn diese ist das
+Wiederherstellen der einfachen Beziehung auf sich;--aber ebenso ist
+damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst. Schon in dem
+Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fürsichseyn, Subjekt u.s.
+f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden, bereits
+auch im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die Vermittelung
+mit sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als einfaches Identisches
+bestimmt ist.--Auf das Vorhandenseyn der Vermittelung überhaupt kann
+gegen das Princip der behaupteten bloßen Unmittelbarkeit des Wissens,
+von welcher die Vermittelung ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam
+gemacht werden; aber es bedarf weiterhin nicht besonders auf das
+Moment der Vermittelung aufmerksam zu machen; denn es befindet sich
+überall und allenthalben, in jedem Begriffe.
+
+Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich ist, hat nur als
+Negation der Negation genommen, keine konkrete Bestimmungen zu ihren
+Seiten; so fällt sie in die einfache Einheit zusammen, welche Seyn
+ist. Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner
+auch Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen
+Momenten hat. Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und
+weiter Daseyendes. Das zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als
+Negatives des Etwas bestimmt,--ein Anderes. Das Etwas als Werden ist
+ein Übergehen, dessen Momente selbst Etwas sind, und das darum
+Veränderung ist;--ein bereits konkret gewordenes Werden.--Das Etwas
+aber verändert sich zunächst nur in seinem Begriffe; es ist noch
+nicht so als vermittelnd und vermittelt gesetzt; zunächst nur als
+sich in seiner Beziehung auf sich einfach erhaltend, und das Negative
+seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein Anderes überhaupt.
+
+B. Die Endlichkeit.
+
+a. Etwas und Anderes; sie sind zunächst gleichgültig gegeneinander;
+ein Anderes ist auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die
+Negation fällt so außer beiden. Etwas ist an sich gegen sein
+Seyn-für anderes. Aber die Bestimmtheit gehört auch seinem Ansich an,
+und ist
+
+b. dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit übergeht,
+die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte
+Seyn-für-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche
+
+c. die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das
+Endliche ist.
+
+
+In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn überhaupt betrachtet wurde,
+hatte dieses als zunächst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden.
+Die Momente seiner Entwicklung, Qualität und Etwas, sind darum ebenso
+affirmativer Bestimmung. In dieser Abtheilung hingegen entwickelt
+sich die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur
+erst Negation überhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte
+des In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist.
+
+a. Etwas und ein Anderes.
+
+1. Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas.
+
+Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes. Es ist gleichgültig, welches
+zuerst und bloß darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie
+in einem Satze vorkommen, heißen beide aliud, oder einer den andern,
+alius alium; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter
+alterum analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so
+ist zunächst B als das Andere bestimmt. Aber A ist ebenso sehr das
+Andere des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere. Um den
+Unterschied und das als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren,
+dient das Dieses. Aber Dieses spricht eben es aus, daß dieß
+Unterscheiden und Herausheben des einen Etwas ein subjektives,
+außerhalb des Etwas selbst fallendes Bezeichnen ist. In dieses
+äußerliche Monstriren fällt die ganze Bestimmtheit; selbst der
+Ausdruck: Dieses enthält keinen Unterschied; alle und jede Etwas sind
+gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind. Man meint, durch:
+Dieses, etwas vollkommen bestimmtes auszudrücken; es wird übersehen,
+daß die Sprache, als Werk des Verstandes, nur Allgemeines ausspricht,
+außer in dem Namen eines einzelnen Gegenstandes; der individuelle
+Name ist aber ein Sinnloses in dem Sinne, daß er nicht ein
+Allgemeines ausdrückt, und erscheint als ein bloß Gesetztes,
+Willkürliches aus demselben Grunde, wie denn auch Einzelnamen
+willkürlich angenommen, gegeben oder ebenso verändert werden können.
+
+Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn
+fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Daseyn; Theils,
+daß ein Daseyn erst durch das Vergleichen eines Dritten, Theils, daß
+es nur um des Anderen willen, das außer ihm ist, als anderes bestimmt
+werde, aber nicht für sich so sey. Zugleich, wie bemerkt worden,
+bestimmt sich jedes Daseyn, auch für die Vorstellung, ebenso sehr als
+ein anderes Daseyn, so daß nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein
+Daseyn bestimmt, das nicht außerhalb eines Daseyns, also nicht selbst
+ein Anderes wäre.
+
+Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit
+dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden. Diese
+Dieselbigkeit der Bestimmungen fällt aber ebenso nur in die äußere
+Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunächst
+gesetzt ist, so ist dasselbe für sich zwar in Beziehung auf das Etwas,
+aber auch für sich außerhalb desselben.
+
+Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung
+auf sich selbst; abstrakt als das Andere,...... des Plato, der es als
+eins der Momente der Totalität, dem Einen entgegensetzt, und dem
+Anderen auf diese Weise eine eigne Natur zuschreibt. So ist das
+Andere allein als solches gefaßt, nicht das Andere von Etwas, sondern
+das Andere an ihm selbst, d. i. das Andere seiner selbst.--Solches
+seiner Bestimmung nach Andere ist die physische Natur; sie ist das
+Andere des Geistes; diese ihre Bestimmung ist so zunächst eine bloße
+Relativität, wodurch nicht eine Qualität der Natur selbst, sondern
+nur eine ihr äußerliche Beziehung ausgedrückt wird. Aber indem der
+Geist das wahrhafte Etwas, und die Natur daher an ihr selbst nur das
+ist, was sie gegen den Geist ist, so ist, insofern sie für sich
+genommen wird, ihre Qualität eben dieß, das Andere an ihr selbst, das
+Außer-sich-seyende (in den Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der
+Materie) zu seyn.
+
+Das Andere für sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere
+seiner selbst, so das Andere des Anderen,--also das in sich
+schlechthin Ungleiche, sich Negirende, das sich Verändernde. Aber
+ebenso bleibt es identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es
+sich veränderte, ist das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung
+hat; aber das sich Verändernde ist auf keine verschiedene Weise,
+sondern auf dieselbe, ein Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in
+demselben nur mit sich zusammen. So ist es gesetzt als in sich
+Reflektirtes mit Aufheben des Andersseyns; mit sich identisches Etwas,
+von dem hiermit das Andersseyn, das zugleich Moment desselben ist,
+ein Unterschiedenes, ihm nicht als Etwas selbst zukommendes ist.
+
+2. Etwas erhält sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins
+mit ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm.
+
+Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein
+sein Andersseyn. Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und
+zugleich noch davon getrennt; es ist Seyn-für-Anderes.
+
+Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in
+der Bestimmung des Seyns. Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich
+schließend, ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann
+zunächst Anderes,--aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich
+auch erhält, nur Seyn-für-Anderes.
+
+Es erhält sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn
+überhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf
+Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit. Ein
+solches Seyn ist Ansichseyn.
+
+Seyn-für-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus.
+Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas
+und Anderes. 2) Seyn-für-Anderes, und Ansichseyn. Die erstern
+enthalten die Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas und
+Anderes fallen auseinander. Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung;
+das Seyn-für-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen
+als Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen, welche
+Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns
+bleiben. Jedes selbst enthält damit an ihm zugleich auch sein von
+ihm verschiedenes Moment.
+
+Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr
+als Seyn und Nichts;--dieß sind sie nur außer ihrer Einheit; so in
+ihrer unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen.
+--Seyn im Etwas ist Ansichseyn. Seyn, die Beziehung auf sich, die
+Gleichheit mit sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern
+Beziehung auf sich nur als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich
+reflektirtes Daseyn).--Eben so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in
+dieser Einheit des Seyns und Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn überhaupt,
+sondern Anderes, und bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von
+ihm zugleich, Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-für-Anderes.
+
+Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn,
+es hat das Andersseyn außer ihm und ist demselben entgegen; insofern
+Etwas an sich ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-für-Anderes
+entnommen. Aber zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm;
+denn es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-für Anderes.
+
+Das Seyn-für-Anderes aber ist erstlich Negation der einfachen
+Beziehung des Seyns auf sich, die zunächst Daseyn und Etwas seyn soll;
+insofern Etwas in einem Anderen oder für ein Anderes ist, entbehrt
+es des eigenen Seyns. Aber zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als
+reines Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf
+sein in sich reflektirtes Seyn hinweist, so wie umgekehrt das
+Ansichseyn auf das Seyn-für-Anderes hinweist.
+
+Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, nämlich des
+Etwas. Ansich ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-für-Anderes heraus,
+in sich zurückgekehrt ist. Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder
+Umstand an sich (hier fällt der Accent auf an) oder an ihm, insofern
+dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Seyn-für-Anderes ist.
+
+Dieß führt zu einer weitern Bestimmung. Ansichseyn und
+Seyn-für-Anderes sind zunächst verschieden; aber daß Etwas dasselbe,
+was es an sich ist, auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als
+Seyn-für-Anderes ist, auch an sich ist,--dieß ist die Identität des
+Ansichseyns und Seyns-für-Anderes, nach der Bestimmung, daß das Etwas
+selbst ein und dasselbe beider Momente ist, sie also ungetrennt in
+ihm sind.--Es ergiebt sich formell diese Identität schon in der
+Sphäre des Daseyns, aber ausdrücklicher in der Betrachtung des Wesens
+und dann des Verhältnisses der Innerlichkeit und Äußerlichkeit, und
+am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des
+Begriffs und der Wirklichkeit.--Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes
+zu sagen, wie mit dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist
+auch nur an ihm; ansich ist eine nur abstrakte, damit selbst
+äußerliche Bestimmung. Die Ausdrücke: es ist nichts an ihm, oder es
+ist etwas daran, enthalten, obgleich etwa dunkel, daß das, was an
+einem ist, auch zu seinem Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften
+Werthe gehöre.
+
+Es kann bemerkt werden, daß sich hier der Sinn des Dings-an-sich
+ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang
+eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der
+Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine
+vielgeltende Weisheit war.--Die Dinge heißen an-sich, insofern von
+allem Seyn-für-Anderes abstrahirt wird, das heißt überhaupt, insofern
+sie ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden. In diesem Sinn
+kann man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist. Denn die
+Frage: was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem aber
+die Dinge, von denen sie anzugeben verlangt würde, zugleich
+Dinge-an-sich seyn sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in
+die Frage gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung
+gelegt, oder man macht nur eine widersinnige Antwort.--Das
+Ding-an-sich ist dasselbe, was jenes Absolute, von dem man nichts
+weiß, als daß Alles eins in ihm ist. Man weiß daher sehr wohl, was
+an diesen Dingen-an-sich ist; sie sind als solche nichts als
+Wahrheitslose, leere Abstraktionen. Was aber das Ding-an-sich in
+Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist die Logik die
+Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas Besseres als die
+Abstraktion verstanden wird, nämlich was etwas in seinem Begriffe ist;
+dieser aber ist konkret in sich, als Begriff überhaupt begreiflich,
+und als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich
+erkennbar.
+
+Das Ansichseyn hat zunächst das Seyn-für-Anderes zu seinem
+gegenüberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das
+Gesetztseyn gegenübergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das
+Seyn-für-Anderes, aber er enthält bestimmt die bereits geschehene
+Zurückbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein
+Ansichseyn, worin es positiv ist. Das Ansichseyn ist gewöhnlich als
+eine abstrakte Weise den Begriff auszudrücken zu nehmen; Setzen fällt
+eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion;
+der Grund setzt das, was durch ihn begründet wird; die Ursache noch
+mehr bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbstständigkeit
+unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen
+seine Sache, sein Seyn zu haben. In der Sphäre des Seyns geht das
+Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein Anderes,
+mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche bringt
+das Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht. In der Sphäre des
+Seyns ist das Sich-bestimmen des Begriffs selbst nur erst an sich, so
+heißt es ein Übergehen; auch die reflektirenden Bestimmungen des
+Seyns, wie Etwas und Anderes, oder das Endliche und Unendliche, ob
+sie gleich wesentlich auf einander hinweisen, oder als
+Seyn-für-Anderes sind, gelten als qualitative für sich bestehend; das
+Andere ist, das Endliche gilt ebenso als unmittelbar seyend und für
+sich feststehend, wie das Unendliche; ihr Sinn erscheint als
+vollendet auch ohne ihr Anderes. Das Positive und Negative hingegen,
+Ursache und Wirkung, so sehr sie auch als isolirt seyend genommen
+werden, haben zugleich keinen Sinn ohne einander; es ist an ihnen
+selbst ihr Scheinen in einander, das Scheinen seines Anderen in jedem,
+vorhanden.--In den verschiedenen Kreisen der Bestimmung und
+besonders im Fortgange der Exposition, oder näher im Fortgange des
+Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache, dieß immer wohl
+zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt ist, wie die
+Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder als
+seyend-für-Anderes sind. Es ist dieß ein Unterschied, der nur der
+dialektischen Entwickelung angehört, den das metaphysische
+Philosophiren, worunter auch das kritische gehört, nicht kennt; die
+Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen,
+Unterscheidungen und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar
+Ansichseyendes behaupten und hervorbringen.
+
+Das Seyn-für-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch
+mit seinem Ansich; das Seyn-für-Anderes ist so am Etwas. Diese in
+sich reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende,
+somit wieder eine Qualität,--die Bestimmung.
+
+b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.
+
+Das Ansich, in welches das Etwas aus seinem Seyn-für-Anderes in sich
+reflektirt ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als
+Negation seines Seyns-für-Anderes durch dieses vermittelt, welches so
+sein Moment ist. Es ist nicht nur die unmittelbare Identität des
+Etwas mit sich, sondern die, durch welche das Etwas das, was es an
+sich ist, auch an ihm ist; das Seyn-für-Anderes ist an ihm, weil das
+Ansich das Aufheben desselben ist, aus demselben in sich ist; aber
+ebenso sehr auch schon, weil es abstrakt, also wesentlich mit
+Negation, mit Seyn-für-Anderes behaftet ist. Es ist hier nicht nur
+Qualität und Realität, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende
+Bestimmtheit vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in
+sich reflektirte Bestimmtheit zu setzen.
+
+1. Die Qualität, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in
+Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine
+Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer
+Bedeutung von Bestimmtheit überhaupt unterschieden wird. Die
+Bestimmung ist die affirmative Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem
+das Etwas in seinem Daseyn gegen seine Verwicklung mit Anderem, wo
+von es bestimmt würde, gemäß bleibt, sich in seiner Gleichheit mit
+sich erhält, sie in seinem Seyn-für-Anderes geltend macht. Es
+erfüllt seine Bestimmung, insofern die weitere Bestimmtheit, welche
+zunächst durch sein Verhalten zu Anderem mannigfaltig erwächst,
+seinem Ansichseyn gemäß, seine Fülle wird. Die Bestimmung enthält
+dieß, daß was Etwas an sich ist, auch an ihm sey.
+
+Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken
+überhaupt ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von
+dem Thiere unterschieden; er ist Denken an sich, insofern dasselbe
+auch von seinem Seyn-für-Anderes, seiner eigenen Natürlichkeit und
+Sinnlichkeit, wodurch er unmittelbar mit Anderem zusammenhängt,
+unterschieden ist. Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch
+selbst ist Denken, er ist da als denkend, es ist seine Existenz und
+Wirklichkeit; und ferner indem es in seinem Daseyn, und sein Daseyn
+im Denken ist, ist es konkret, ist mit Inhalt und Erfüllung zu nehmen,
+es ist denkende Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen.
+Aber selbst diese Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen,
+d. i. sie mit der Erfüllung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der
+Form des Ansich überhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn,
+das zugleich noch als äußerlich gegenüberstehende, unmittelbare
+Sinnlichkeit und Natur ist.
+
+2. Die Erfüllung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch
+unterschieden von der Bestimmtheit, die nur Seyn-für-Anderes ist und
+außer der Bestimmung bleibt. Denn im Felde des Qualitativen bleibt
+den Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare,
+qualitative Seyn gegeneinander. Das, was das Etwas an ihm hat,
+theilt sich so, und ist nach dieser Seite äußerliches Daseyn des
+Etwas, das auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn
+angehört.--Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit.
+
+So oder anders beschaffen, ist Etwas als in äußerem Einfluß und
+Verhältnissen begriffen. Diese äußerliche Beziehung, von der die
+Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes,
+erscheint als etwas Zufälliges. Aber es ist Qualität des Etwas,
+dieser Äußerlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu
+haben.
+
+Insofern Etwas sich verändert, so fällt die Veränderung in die
+Beschaffenheit; sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird. Es
+selbst erhält sich in der Veränderung, welche nur diese unstäte
+Oberfläche seines Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft.
+
+Bestimmung und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden;
+Etwas ist seiner Bestimmung nach gleichgültig gegen seine
+Beschaffenheit. Das aber, was Etwas an ihm hat, ist die sie beide
+verbindende Mitte dieses Schlusses. Das Am Etwas seyn zeigte sich
+aber vielmehr in jene beide Extreme zu zerfallen. Die einfache Mitte
+ist die Bestimmtheit als solche; ihrer Identität gehört sowohl
+Bestimmung als Beschaffenheit an. Aber die Bestimmung geht für sich
+selbst in Beschaffenheit und diese in jene über. Dieß liegt im
+Bisherigen; der Zusammenhang ist näher dieser: Insofern das, was
+Etwas an sich ist, auch an ihm ist, ist es mit Seyn-für-Anderes
+behaftet; die Bestimmung ist damit als solche offen dem Verhältniß zu
+Anderem. Die Bestimmtheit ist zugleich Moment, enthält aber zugleich
+den qualitativen Unterschied, vom Ansichseyn verschieden, das
+Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu seyn. Die so das Andere in
+sich fassende Bestimmtheit mit dem Ansichseyn vereinigt bringt das
+Andersseyn in das Ansichseyn oder in die Bestimmung hinein, welche
+dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt ist. Umgekehrt das
+Seyn-für-Anders als Beschaffenheit isolirt und für sich gesetzt ist
+es an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm
+selbst d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich
+beziehendes Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also
+Bestimmung.--Es hängt hiermit, insofern beide auch außereinander zu
+halten sind, die Beschaffenheit, die in einem Äußerlichen, einem
+Anderen überhaupt gegründet erscheint, auch von der Bestimmung ab,
+und das fremde Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas
+zugleich bestimmt. Aber ferner gehört die Beschaffenheit zu dem, was
+das Etwas an sich ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas.
+
+Diese Änderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veränderung des
+Etwas bloß nach seinem Seyn-für-Anderes; jene erste war nur die an
+sich seyende, dem innern Begriffe angehörige Veränderung; die
+Veränderung ist nunmehr auch die am Etwas gesetzte.--Das Etwas selbst
+ist weiter bestimmt, und die Negation als ihm immanent gesetzt, als
+sein entwickeltes Insichseyn.
+
+Zunächst ist das Übergehen der Bestimmung und Beschaffenheit
+ineinander das Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn
+oder Etwas überhaupt gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede
+resultirt, der das qualitative Andersseyn ebenso in sich befaßt, sind
+Zwei Etwas, aber nicht nur Andere gegen einander überhaupt, so daß
+diese Negation noch abstrakt wäre und nur in die Vergleichung fiele,
+sondern sie ist nunmehr den Etwas immanent. Sie sind als daseyend
+gleichgültig gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht
+mehr unmittelbare, jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des
+Aufhebens des Andersseyns, welches in der Bestimmung in das
+Ansichseyn reflektirt ist.
+
+Etwas verhält sich so aus sich selbst zum Anderen, weil das
+Andersseyn als sein eigenes Moment in ihm gesetzt ist, sein
+Insichseyn befaßt die Negation in sich, vermittelst deren überhaupt
+es nun sein affirmatives Daseyn hat. Aber von diesem ist das Andere
+auch qualitativ unterschieden, es ist hiermit außer dem Etwas gesetzt.
+Die Negation seines Anderen ist nur die Qualität des Etwas, denn
+als dieses Aufheben seines Anderen ist es Etwas. Damit tritt erst
+eigentlich das Andere einem Daseyn selbst gegenüber; dem ersten Etwas
+ist das Andere nur äußerlich gegenüber, oder aber indem sie in der
+That schlechthin, d. i. ihrem Begriffe nach zusammenhängen, ist ihr
+Zusammenhang dieser, daß das Daseyn in Andersseyn, Etwas in Anderes
+übergegangen, Etwas sosehr als das Andere, ein Anderes ist. Insofern
+nun das Insichseyn das Nichtseyn des Andersseyns, welches in ihm
+enthalten, aber Zugleich als seyend unterschieden, ist das Etwas
+selbst, die Negation, das Aufhören eines Anderen an ihm; es ist als
+sich negativ dagegen verhaltend und sich damit erhaltend gesetzt;
+--dieß Andere, das Insichseyn des Etwas als Negation der Negation ist
+sein Ansichseyn, und zugleich ist dieß Aufheben als einfache Negation
+an ihm, nämlich als seine Negation des ihm äußerlichen anderen Etwas.
+Es ist Eine Bestimmtheit derselben, welche sowohl mit dem Insichseyn
+der Etwas identisch, als Negation der Negation, als auch indem diese
+Negationen als andere Etwas gegeneinander sind, sie aus ihnen selbst
+zusammenschließt und ebenso von einander, jedes das Andere negirend,
+abscheidet,--die Grenze.
+
+3. Seyn-für-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von
+Etwas mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das
+Nichtseyn-für-Anderes hervor, die qualitative Negation des Anderen,
+welches dadurch von dem in sich reflektirten Etwas abgehalten wird.
+Die Entwickelung dieses Begriffs ist zu sehen, welche sich aber
+vielmehr als Verwicklung und Widerspruch zeigt. Dieser ist sogleich
+darin vorhanden, daß die Grenze als in sich reflektirte Negation des
+Etwas die Momente des Etwas und des Anderen in ihr ideell enthält,
+und diese als unterschiedene Momente zugleich in der Sphäre des
+Daseyns als reell, qualitativ unterschieden gesetzt sind.
+
+à. Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und
+hat eine Grenze zunächst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des
+Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes.
+--Aber das Andere ist selbst ein Etwas überhaupt; die Grenze also,
+welche das Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen
+als Etwas, Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein
+Anderes von sich abhält, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist
+sie nicht nur Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen
+Etwas, somit des Etwas überhaupt.
+
+Aber sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist
+Etwas zugleich durch seine Grenze. Indem Etwas begrenzend ist, wird
+es zwar dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine
+Grenze ist, als Aufhören des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das
+Seyn des Etwas; dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr
+seine Qualität.--Dieß Verhältniß ist die äußere Erscheinung dessen,
+daß die Grenze einfache Negation oder die erste Negation, das Andere
+aber zugleich die Negation der Negation, das Insichseyn des Etwas,
+ist.
+
+Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes
+Etwas, aber es hat sie an ihm selbst und ist Etwas durch die
+Vermittelung derselben, die ebenso sehr sein Nichtseyn ist. Sie ist
+die Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist.
+
+ß. Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese
+Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied sind, so fällt
+das Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas außer einander. Etwas hat
+sein Daseyn außer (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb)
+seiner Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist,
+außerhalb derselben. Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie
+aufhören. Sie haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer
+Grenze; die Grenze als das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von
+beiden.
+
+--Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint
+die Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, des Punktes; die
+Fläche als Fläche außerhalb der Linie; der Körper als Körper nur
+außerhalb seiner begrenzenden Fläche.--Dieß ist die Seite, von
+welcher die Grenze zunächst in die Vorstellung,--das Außersichseyn
+des Begriffes,--fällt, als vornehmlich auch in den räumlichen
+Gegenständen genommen wird.
+
+y. Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das
+unbegrenzte Etwas, nur das Daseyn überhaupt. So ist es nicht von
+seinem Anderen unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem
+Anderen dieselbe Bestimmung, jedes ist nur Etwas überhaupt oder jedes
+ist Anderes; beide sind so Dasselbe. Aber dieß ihr zunächst
+unmittelbares Daseyn ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze,
+in welcher beide sind, was sie sind, unterschieden von einander. Sie
+ist aber ebenso ihre gemeinschaftliche Unterschiedenheit, die Einheit
+und Unterschiedenheit derselben, wie das Dasein. Diese doppelte
+Identität beider, das Daseyn und die Grenze enthält dieß, daß das
+Etwas sein Daseyn nur in der Grenze hat, und daß, indem die Grenze
+und das unmittelbare Daseyn beide zugleich das Negative von einander
+sind, das Etwas, welches nur in seiner Grenze ist, eben so sehr sich
+von sich selbst trennt und über sich hinaus auf sein Nichtseyn weißt
+und dieß als sein Seyn ausspricht, und so in dasselbe übergeht. Um
+dieß auf das vorige Beispiel anzuwenden, so ist die eine Bestimmung,
+daß Etwas, das was es ist, nur in seiner Grenze ist;--so ist also der
+Punkt nicht nur so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört und
+sie als Daseyn außer ihm ist;--die Linie nicht nur so Grenze der
+Fläche, daß diese in der Linie nur aufhört, ebenso die Fläche als
+Grenze des Körpers. Sondern im Punkte fängt die Linie auch an; er
+ist ihr absoluter Anfang, auch insofern sie als nach ihren beiden
+Seiten unbegrenzt, oder wie man es ausdrückt, als ins Unendliche
+verlängert vorgestellt wird, macht der Punkt ihr Element aus, wie die
+Linie das Element der Fläche, die Fläche das des Körpers. Diese
+Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z.B.
+als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert.
+
+Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in
+der es immanent ist, der Widerspruch zu seyn, der es über sich selbst
+hinausschickt. So ist der Punkt, diese Dialektik seiner selbst, zur
+Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Fläche, die Fläche die
+zum totalen Raume zu werden. Von Linie, Fläche, und ganzem Raum wird
+eine zweite Definition so gegeben, daß durch die Bewegung des Punktes
+die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht u.s.f.
+Diese Bewegung des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas
+Zufälliges oder nur so Vorgestelltes angesehen. Dieß ist jedoch
+eigentlich darin zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen
+Linie u.s.f. entstehen sollen, ihre Elemente und Principien seyen,
+und diese sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das
+Entstehen wird so nicht für zufällig oder nur so vorgestellt,
+betrachtet. Daß Punkt, Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend,
+Anfänge sind, welche selbst sich von sich abstossen, und der Punkt
+somit aus sich durch seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an
+sich bewegt und sie entstehen macht, u.s.f.--liegt in dem Begriffe
+der dem Etwas immanenten Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehört
+in die Betrachtung des Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der
+Punkt die ganz abstrakte Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist
+noch ganz unbestimmt genommen, es ist der sogenannte absolute, d. h.
+abstrakte Raum, das schlechthin kontinuirliche Außereinanderseyn.
+Damit daß die Grenze s nicht abstrakte Negation, sondern in diesem
+Daseyn, daß sie räumliche Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich,
+der Widerspruch der abstrakten Negation und der Kontinuität und damit
+das Übergehen und Übergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen
+Punkt giebt, wie auch nicht eine Linie und Fläche.
+
+Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner
+selbst, durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist
+das Endliche.
+
+c. Die Endlichkeit.
+
+Das Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualität, und ist in ihr
+nicht nur bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualität ist seine Grenze,
+mit welcher behaftet, es zunächst affirmatives, ruhiges Daseyn
+bleibt. Aber diese Negation entwickelt, so daß der Gegensatz seines
+Daseyns und der Negation als ihm immanenter Grenze selbst das
+Insichseyn des Etwas, und dieses somit nur Werden an ihm selbst sey,
+macht seine Endlichkeit aus. Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind
+endlich, so wird darunter verstanden, daß sie nicht nur eine
+Bestimmtheit haben, die Qualität nicht nur als Realität und
+ansichseyende Bestimmung, daß sie nicht blos begrenzt sind, sie haben
+so noch Daseyn außer ihrer Grenze,--sondern daß vielmehr das
+Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht. Die endlichen Dinge sind,
+aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß sie als negativ sich auf
+sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf sich selbst sich
+über sich, über ihr Seyn, hinauszuschicken. Sie sind, aber die
+Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende. Das Endliche verändert sich
+nicht nur, wie Etwas überhaupt, sondern es vergeht, und es ist nicht
+bloß möglich, daß es vergeht, so daß es seyn könnte, ohne zu vergehen.
+Sondern das Seyn der endlichen Dinge als solches ist, den Keim des
+Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt ist
+die Stunde ihres Todes.
+
+1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.
+
+Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich,
+weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in
+der Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives
+Seyn unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist.
+Die Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation,
+die zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn
+zurückgegangen ist, die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die
+Negation überhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem
+Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird für sich als
+Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte
+Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber. Das
+Endliche läßt sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu
+seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;--es ist
+vielmehr das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen
+hin affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also
+untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem
+Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der
+endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand
+verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur
+Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht.
+Ihre Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen,
+vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist
+ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr
+Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig.
+
+Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut
+sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie
+oder Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen wollen;
+vielmehr ist das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des
+Endlichen vorhanden; das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche;
+das Endliche ist nur das Endliche, nicht das Unvergängliche; dieß
+liegt unmittelbar in seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt
+darauf an, ob in der Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird,
+die Vergänglichkeit bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und
+das Vergehen vergeht? Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum
+eben in derjenigen Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum
+Letzten des Endlichen macht. Es ist die ausdrückliche Behauptung,
+daß das Endliche mit dem Unendlichen unverträglich und unvereinbar
+sey, das Endliche dem Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey.
+Dem Unendlichen ist Seyn, absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber
+bleibt so das Endliche festgehalten, als das Negative desselben;
+unvereinbar mit dem Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen
+Seite; Affirmation erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und
+verginge so; aber eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das
+Unmögliche erklärt wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen
+gegenüber, sondern vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein
+Vergehen das Letzte, nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben
+des Vergehens seyn würde. Sollte aber das Endliche nicht im
+Affirmativen vergehen, sondern sein Ende als das Nichts gefaßt werden,
+so wären wir wieder bei jenem ersten, abstrakten Nichts, das selbst
+längst vergangen ist.
+
+Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem
+zugleich eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben
+wird, kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen,
+angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der
+Endlichkeit ausdrücklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier
+wird behauptet, das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen
+entgegen, das an sich Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges.
+Dieß ist zum Bewußtseyn zu bringen; und die Entwickelung des
+Endlichen zeigt, daß es an ihm als dieser Widerspruch in sich
+zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich auflöst, nicht daß es nur
+vergänglich ist und vergeht, sondern daß das Vergehen, das Nichts,
+nicht das Letzte ist, sondern vergeht.
+
+2. Die Schranke und das Sollen.
+
+Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, daß
+das Etwas endlich ist, oder daß das Endliche ist. Aber Etwas oder
+das Seyn ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich reflektirt,
+und entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und Beschaffenheit
+an ihm hat, und noch bestimmter, daß es eine Grenze an ihm hat,
+welche als das dem Etwas immanente und die Qualität seines
+Insichseyns ausmachend, die Endlichkeit ist. In diesem Begriffe des
+endlichen Etwas ist zu sehen, was für Momente enthalten sind.
+
+Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten für die
+äußerliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem
+Ansich des Etwas angehörig; die Äußerlichkeit des Andersseyns ist
+einer Seits in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits
+bleibt sie als Äußerlichkeit unterschieden davon, sie ist noch
+Äußerlichkeit als solche, aber an dem Etwas. Indem aber ferner das
+Andersseyn als Grenze, selbst als Negation der Negation, bestimmt ist,
+so ist das dem Etwas immanente Andersseyn, als die Beziehung der
+beiden Seiten gesetzt, und die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl
+die Bestimmung als die Beschaffenheit angehört, seine gegen sich
+selbst gekehrte Beziehung, die seine immanente Grenze in ihm
+negirende Beziehung seiner an sich seyenden Bestimmung darauf. Das
+mit sich identische Insichseyn bezieht sich so auf sich selbst als
+sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation der Negation, als dasselbe
+negirend, das zugleich Daseyn in ihm behält, denn es ist die Qualität
+seines Insichseyns. Die eigene Grenze des Etwas, so von ihm als ein
+Negatives, das zugleich wesentlich ist, gesetzt, ist nicht nur Grenze
+als solche, sondern Schranke. Aber die Schranke ist nicht allein das
+als negirt gesetzte; die Negation ist zweischneidig, indem das von
+ihr als negirt Gesetzte, die Grenze ist; diese nämlich ist überhaupt
+das Gemeinschaftliche des Etwas und des Anderen, auch Bestimmtheit
+des Ansichseyns der Bestimmung als solcher. Dieses Ansichseyn
+hiermit ist als die negative Beziehung auf seine von ihm auch
+unterschiedene Grenze, auf sich als Schranke, Sollen.
+
+Daß die Grenze, die am Etwas überhaupt ist, Schranke sey, muß es
+zugleich in sich selbst über sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf
+sie als auf ein Nichtseyendes beziehen. Das Daseyn des Etwas liegt
+ruhig gleichgültig, gleichsam neben seiner Grenze. Etwas geht aber
+über seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobenseyn, das
+gegen sie negative Ansichseyn ist. Und indem sie in der Bestimmung
+selbst als Schranke ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus.
+
+Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an
+sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber
+dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden,
+aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist.
+
+Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf
+seine Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist
+Schranke. Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst
+endlich, sowohl das Sollen, als die Schranke. Aber nur die Schranke
+ist als das Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit für
+uns, beschränkt. Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon
+immanente Grenze ist es beschränkt, aber diese seine Beschränkung ist
+in das Ansichseyn eingehüllt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach
+seiner Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn
+gesetzt.
+
+Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht. Wenn es wäre, so sollte
+es nicht bloß seyn. Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke.
+Diese Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die
+Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, nämlich
+zugleich nur eine Bestimmtheit.
+
+Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum
+Sollen herab, dadurch daß dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in
+einer und derselben Rücksicht als Nichtseyn ist; und zwar so, daß im
+Insichseyn, der Negation der Negation, jenes Ansichseyn als die eine
+Negation (das Negirende) Einheit mit der anderen ist, die zugleich
+als qualitativ andere, Grenze ist, wodurch jene Einheit als Beziehung
+auf sie ist. Die Schranke des Endlichen ist nicht ein Äußeres,
+sondern seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke; und diese
+ist sowohl sie selbst als auch Sollen; sie ist das Gemeinschaftliche
+beider, oder vielmehr das, worin beide identisch sind.
+
+Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche über seine Schranke
+hinaus; dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch
+aufgehoben, und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht
+seine Grenze.
+
+Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat
+es aber nur als Sollen seine Schranke. Beides ist untrennbar. Etwas
+hat insofern eine Schranke, als es in seiner Bestimmung die Negation
+hat, und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke.
+
+Anmerkung.
+
+Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie,
+vornehmlich in Beziehung auf Moralität, und metaphysisch überhaupt
+auch als der letzte und absolute Begriff von der Identität des
+Ansichseyns oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit
+oder der Grenze gespielt.
+
+Du kannst, weil du sollst,--dieser Ausdruck, der viel sagen sollte,
+liegt im Begriffe des Sollens. Denn das Sollen ist das Hinausseyn
+über die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben, das
+Ansichseyn des Sollens ist so identische Beziehung auf sich, somit
+die Abstraktion des Könnens.--Aber umgekehrt ist es eben so richtig:
+Du kannst nicht, eben weil du sollst. Denn im Sollen liegt ebenso
+sehr die Schranke als Schranke; jener Formalismus der Möglichkeit hat
+an ihr eine Realität, ein qualitatives Andersseyn, sich gegenüber,
+und die Beziehung beider auf einander ist der Widerspruch, somit das
+Nicht-Können oder vielmehr die Unmöglichkeit.
+
+Im Sollen beginnt das Hinausgehen über die Endlichkeit, die
+Unendlichkeit. Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer
+Entwickelung, nach jener Unmöglichkeit als der Progreß ins Unendliche
+darstellt.
+
+In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens können zwei
+Vorurtheile näher gerügt werden. Es pflegt zuerst viel auf die
+Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und es
+wird behauptet, es könne über die Schranke nicht hinausgegangen
+werden. In dieser Behauptung liegt die Bewußtlosigkeit, daß darin
+selbst, daß etwas als Schranke bestimmt ist, darüber bereits
+hinausgegangen ist. Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke
+nur bestimmt, im Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt, also gegen
+sein Unbeschränktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus
+über dieselbe. Der Stein, das Metall ist nicht über seine Schranke
+hinaus, darum weil sie für ihn nicht Schranke ist. Wenn jedoch bei
+solchen allgemeinen Sätzen des verständigen Denkens, daß über die
+Schranke nicht hinausgegangen werden könne, das Denken sich nicht
+anwenden will, um zu sehen, was im Begriffe liegt, so kann an die
+Wirklichkeit verwiesen werden, wo denn solche Sätze sich als das
+Unwirklichste zeigen. Dadurch eben, daß das Denken etwas Höheres,
+als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich entfernt in höheren Regionen
+halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen bestimmt ist, geht
+es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und geschieht ihm
+andererseits, daß es sich ebenso unwahr gegen die Wirklichkeit als
+gegen den Begriff verhält.--Weil der Stein nicht denkt, nicht einmal
+empfindet, ist seine Beschränktheit für ihn keine Schranke, d. h. in
+ihm nicht eine Negation für die Empfindung, Vorstellung, Denken u.s.f.
+die er nicht hat. Aber auch selbst der Stein ist als Etwas in seine
+Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn unterschieden, und
+insofern geht auch er über seine Schranke hinaus; der Begriff der er
+an sich ist, enthält die Identität mit seinem Anderen. Ist er eine
+säurungsfähige Basis, so ist er oxidirbar, neutralisirbar u.s.f. In
+der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich seine Schranke, nur
+als Basis da zu seyn, auf; er geht darüber hinaus; sowie die Säure
+ihre Schranke als Säure zu seyn aufhebt, und es ist in ihr wie in der
+kaustischen Basis sosehr das Sollen, über ihre Schranke hinauszugehen,
+vorhanden, daß sie nur mit Gewalt als--wasserlose, d. i. rein nicht
+neutrale--Säure und kaustische Basis festgehalten werden können.
+
+Enthält aber eine Existenz den Begriff nicht bloß als abstraktes
+Ansichseyn, sondern als für sich seyende Totalität, als Trieb, als
+Leben, Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus
+ihr dieß, über die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen. Die
+Pflanze geht über die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso über die,
+als Blüthe, als Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird
+entfaltete Pflanze, die Blüthe verblüht u.s.f. Das Empfindende in
+der Schranke des Hungers, Durstes u.s.f. ist der Trieb über diese
+Schranke hinauszugehen und vollführt dieß Hinausgehen. Es empfindet
+Schmerz, und das Vorrecht empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden;
+es ist eine Negation in seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke
+in seinem Gefühle bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefühl
+seiner Selbst hat, welches die Totalität ist, das über jene
+Bestimmtheit hinaus ist. Wäre es nicht darüber hinaus, so empfände
+es dieselbe nicht als seine Negation und hätte keinen Schmerz.--Die
+Vernunft aber, das Denken, sollte nicht über die Schranke hinausgehen
+können,--sie, die das Allgemeine, das für sich über die, d. i. über
+alle Besonderheit hinaus ist, nur das Hinausgehen über die Schranke
+ist.--Freilich ist nicht jedes Hinausgehen und Hinausseyn über die
+Schranke eine wahrhafte Befreiung von derselben, wahrhafte
+Affirmation; schon das Sollen selbst ist ein solches unvollkommenes
+Hinausgehen, und die Abstraktion überhaupt. Aber das Hinweisen auf
+das ganz abstrakte Allgemeine reicht aus gegen die ebenso abstrakte
+Versicherung, es könne nicht über die Schranke hinausgegangen werden,
+oder schon das Hinweisen auf das Unendliche überhaupt gegen die
+Versicherung, daß nicht über das Endliche hinausgegangen werden könne.
+
+Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens erwähnt
+werden,--wenn ein Magnet Bewußtseyn hätte, so würde derselbe seine
+Richtung nach Norden für eine Bestimmung seines Willens, ein Gesetz
+seiner Freyheit ansehen. Vielmehr wenn er Bewußtseyn damit Willen
+und Freiheit hätte, wäre er denkend, somit würde der Raum für ihn als
+allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine Richtung
+nach Norden vielmehr als eine Schranke für seine Freyheit seyn, so
+sehr als es für den Menschen eine Schranke auf einer Stelle
+festgehalten zu werden, für die Pflanze aber nicht ist.
+
+Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen über die Schranke, aber
+ein selbst nur endliches Hinausgehen. Es hat daher seine Stelle und
+sein Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das
+Beschränkte festhält und es als die Regel und das Wesentliche gegen
+das Nichtige behauptet. Die Pflicht ist ein Sollen gegen den
+besonderen Willen, gegen die selbstsüchtige Begierde und das
+willkürliche Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner
+Beweglichkeit sich vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein
+Sollen vorgehalten. Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch
+halten, und darin, daß das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes
+anerkannt wird, meinen, daß die Moralität zerstört werden solle,
+sowie die Raisonneurs, deren Verstand sich die unaufhörliche
+Befriedigung giebt, gegen Alles, was da ist, ein Sollen und somit ein
+Besser-wissen vorbringen zu können, die sich das Sollen darum ebenso
+wenig wollen rauben lassen, sehen nicht, daß für die Endlichkeit
+ihrer Kreise das Sollen vollkommen anerkannt wird.--Aber in der
+Wirklichkeit selbst steht es nicht so traurig um Vernünftigkeit und
+Gesetz, daß sie nur seyn sollten, dabei bleibt nur das Abstraktum des
+Ansichseyns,--so wenig als daß das Sollen an ihm selbst perennirend
+und, was dasselbe ist, die Endlichkeit absolut wäre. Die Kantische
+und Fichtesche Philosophie giebt als den höchsten Punkt der Auflösung
+der Widersprüche der Vernunft das Sollen an, was aber vielmehr nur
+der Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit im
+Widerspruche, ist.
+
+3. Übergang des Endlichen in das Unendliche.
+
+Das Sollen für sich enthält die Schranke, und die Schranke das Sollen.
+Ihre Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide
+in seinem Insichseyn enthält. Diese Momente seiner Bestimmung sind
+sich qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das
+Negative des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der
+Schranke. Das Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es
+hebt sich auf, vergeht. Aber dieß sein Resultat, das Negative
+überhaupt, ist à) seine Bestimmung selbst; denn es ist das Negative
+des Negativen. So ist das Endliche in dem Vergehen nicht vergangen;
+es ist zunächst nur ein anderes Endliches geworden, welches aber
+ebenso das Vergehen als Übergehen in ein anderes Endliches ist, und
+so fort, etwa ins Unendliche. Aber ß) näher dieß Resultat betrachtet,
+so hat das Endliche in seinem Vergehen, dieser Negation seiner
+selbst, sein Ansichseyn erreicht, es ist darin mit sich selbst
+zusammengegangen. Jedes seiner Momente enthält eben dieß Resultat;
+das Sollen geht über die Schranke, d. i. über sich selbst hinaus;
+über es hinaus aber oder sein Anderes ist nur die Schranke selbst.
+Die Schranke aber weist über sich selbst unmittelbar hinaus zu seinem
+Anderen, welches das Sollen ist; dieses aber ist dieselbe Entzweiung
+des Ansichseyns und des Daseyns wie die Schranke, ist dasselbe; über
+sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit sich zusammen. Diese
+Identität mit sich, die Negation der Negation, ist affirmatives Seyn,
+so das Andere des Endlichen, als welches die erste Negation zu seiner
+Bestimmtheit haben soll;--jenes Andere ist das Unendliche.
+
+C. Die Unendlichkeit
+
+Das Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunächst als eine
+neue Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die
+bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden. Die
+Formen des Daseyns fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die für
+Definitionen des Absoluten angesehen werden können, da die Formen
+jener Sphäre für sich unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als
+endliche überhaupt, gesetzt sind. Das Unendliche aber gilt
+schlechthin für absolut, da es ausdrücklich als Negation des
+Endlichen bestimmt ist, hiermit auf die Beschränktheit, deren das
+Seyn und Werden, wenn sie auch an ihnen keine Beschränktheit haben
+oder zeigen, doch etwa fähig seyn könnten, im Unendlichen
+ausdrücklich Beziehung genommen und eine solche an ihm negirt ist.
+
+Damit aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der
+Beschränktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den
+wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit,
+das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu
+unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche, und es
+wird sich ergeben, daß eben indem das Unendliche vom Endlichen rein
+und entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird.
+
+Das Unendliche ist
+
+a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen;
+
+b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist
+das abstrakte, einseitige Unendliche;
+
+c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein
+Proceß,--ist das wahrhafte Unendliche.
+
+a. Das Unendliche überhaupt.
+
+Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das
+Seyn, das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat. Das
+Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare
+Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei
+dem Namen des Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht
+auf, denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt
+sich zu sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit,
+seiner Freiheit.
+
+Zuerst hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das
+Daseyn in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die
+Schranke hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, über
+sich hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden.
+Das Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem
+Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben
+hätte und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft
+über das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, daß das
+Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft
+über das Zeitliche erheben, so läßt man dieß ganz unbeschadet des
+Endlichen geschehen, welches jene ihm äußerlich bleibende Erhebung
+nichts angeht. Insofern aber das Endliche selbst in die
+Unendlichkeit erhoben wird, ist es eben so wenig eine fremde Gewalt,
+welche ihm dieß anthut, sondern es ist dieß seine Natur, sich auf
+sich als Schranke, sowohl als Schranke als solche, wie als Sollen, zu
+beziehen, und über dieselbe hinauszugehen, oder vielmehr als
+Beziehung auf sich sie negirt zu haben und über sie hinaus zu seyn.
+Nicht im Aufheben der Endlichkeit überhaupt wird die Unendlichkeit
+überhaupt, sondern das Endliche ist nur dieß, selbst durch seine
+Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit ist seine affirmative
+Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist.
+
+So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur
+das Unendliche.
+
+b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.
+
+Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die
+Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als
+Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines
+bestimmten überhaupt, näher weil es das in sich-reflektirte,
+vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit überhaupt resultirende
+Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn
+gesetzt ist,--in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze,
+zurückgefallen. Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem
+Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in
+qualitativer Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare
+Seyn des Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen
+wieder, das zunächst im Unendlichen verschwunden schien.
+
+Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien
+der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß
+Andere gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist nämlich die als
+Schranke gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung
+gesetzt in sein Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden. Die
+Unendlichkeit ist das Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und
+Sollen, aber dieses zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte
+Sollen, nur sich auf sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der
+Unendlichkeit ist die Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit,
+Veränderung, alle Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden,
+als aufgehoben, das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese
+Negation des Endlichen ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als
+Negation der Negation in sich affirmativ ist. Diese Affirmation
+jedoch ist als qualitativ unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn;
+hierdurch ist das Unendliche auf die Kategorie zurückgeführt, daß es
+das Endliche als ein Anderes sich gegenüber hat; seine negative Natur
+ist als die seyende, hiermit erste und unmittelbare Negation gesetzt.
+Das Unendliche ist auf diese Weise mit dem Gegensatze gegen das
+Endliche behaftet, welches, als Anderes, das bestimmte, reale Daseyn
+zugleich bleibt, obschon es in seinem Ansichseyn, dem Unendlichen,
+zugleich als aufgehoben gesetzt ist; dieses ist das Nicht-endliche;
+--ein Seyn in der Bestimmtheit der Negation. Gegen das Endliche, den
+Kreis der seyenden Bestimmtheiten, der Realitäten, ist das Unendliche
+das unbestimmte Leere, das Jenseits des Endlichen, welches sein
+Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein bestimmtes ist, hat.
+
+So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von
+Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das
+Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die
+absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß,
+indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht
+zu haben meint, er in dem unversöhnten, unaufgelösten, absoluten
+Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die
+er nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und
+Explikation dieser seiner Kategorien einläßt.
+
+Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen
+das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei
+Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine
+endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des
+Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches
+Unendliches.
+
+Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren
+Formen.--Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt,
+auch indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird;--
+dieses hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu
+seiner Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene
+Negation, als Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher
+noch Etwas ist. Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt
+erhebende Verstand zu seinem Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so
+bleibt ihm diese endliche Welt als ein Diesseits stehen, so daß das
+Unendliche nur über dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und
+eben damit das Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;--beide
+an einen verschiedenen Platz gestellt,--das Endliche als das hiesige
+Daseyn, das Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als
+ein Jenseits in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher
+jenes sich befinde und dableibe.
+
+So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie
+abscheidende Negation auf einander bezogen. Diese sie, die in sich
+reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze
+des einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes derselben, sie
+nicht bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr
+Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst für sich, in seiner
+Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist aber als die erste
+Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst. Jedoch
+ist jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation
+seiner Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von
+sich ab, und qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes
+Seyn außer ihm, das Endliche sein Nichtseyn als dieß Unendliche,
+dieses ebenso das Endliche. Daß von dem Endlichen zum Unendlichen
+nothwendig d. h. durch die Bestimmung des Endlichen übergegangen und
+es als zum Ansichseyn erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das
+Endliche zwar als bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an
+sich nichtige also sich nach seiner Bestimmung auflösende bestimmt
+ist, das Unendliche aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet,
+bestimmt ist, aber zugleich auch als das Ansichseyende, so daß diese
+Abstraktion der sich auf sich beziehenden Affirmation seine
+Bestimmung ausmache, nach dieser hiermit das endliche Daseyn nicht in
+ihr liege. Aber es ist gezeigt worden, daß das Unendliche selbst nur
+vermittelst der Negation, als Negation der Negation, zum affirmativen
+Seyn resultirt, und daß diese seine Affirmation als nur einfaches,
+qualitatives Seyn genommen, die in ihm enthaltene Negation, zur
+einfachen unmittelbaren Negation, und damit zur Bestimmtheit und
+Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als widersprechend seinem
+Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das Seinige, vielmehr
+seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche, gesetzt wird.
+Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung das Setzen
+seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre Einheit ist
+in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist die
+innerliche, die nur zu Grunde liegt.
+
+Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im
+Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Übergehen des
+Endlichen zum Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an
+dem Endlichen, und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem
+Anderen, nur hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares
+Entstehen an dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey.
+
+Der Proceß ihres Übergehens hat folgende, ausführliche Gestalt. Es
+wird über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Dieß
+Hinausgehen erscheint als ein äußerliches Thun. In diesem dem
+Endlichen jenseitigen Leeren was entsteht? Was ist das Positive
+darin? Um der Untrennbarkeit des Unendlichen und Endlichen willen,
+(oder weil dieß auf seiner Seite stehende Unendliche selbst
+beschränkt ist), entsteht die Grenze; das Unendliche ist verschwunden,
+sein Anderes, das Endliche, ist eingetreten. Aber dieß Eintreten
+des Endlichen, erscheint als ein dem Unendlichen äußerliches
+Geschehen, und die neue Grenze als ein solches, das nicht aus dem
+Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso vorgefunden werde. Es
+ist damit der Rückfall in die vorherige, vergebens aufgehobene
+Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist selbst nur ein
+solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen ist. Somit
+ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem ebenso jene
+Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,--und sofort ins
+Unendliche.
+
+Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden;
+das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf
+das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf
+das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere
+gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist
+jedes die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner
+Bestimmtheit Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein
+Anderes ist.
+
+Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist
+es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen
+Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr
+hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins
+Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.--Dieser
+Progreß tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer
+Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in untrennbarer Einheit
+sind, und doch jeder gegen die andere ein selbstständiges Daseyn
+zugeschrieben wird. Dieser Progreß ist daher der Widerspruch, der
+nicht aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen
+wird.
+
+Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt,
+indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird. Es
+ist das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings
+hinausgegangen, denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit
+eben wird vielmehr nur zum Endlichen zurückgekehrt. Diese schlechte
+Unendlichkeit ist an sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie
+ist zwar die Negation des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in
+Wahrheit davon zu befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor,
+als ihr Anderes, weil dieß Unendliche nur ist als in Beziehung auf
+das ihm andere Endliche. Der Progreß ins Unendliche ist daher nur
+die sich wiederholende Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige
+Abwechslung dieses Endlichen und Unendlichen.
+
+Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen
+als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich.
+Somit wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und
+Unendlichen gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt.
+Sie ist es jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im
+Unendlichen das Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die
+Triebfeder des unendlichen Progresses. Er ist das Äußere jener
+Einheit, bei welchem die Vorstellung stehen bleibt, bei jener
+perennirenden Wiederholung eines und desselben Abwechselns, der
+leeren Unruhe des Weitergehens über die Grenze hinaus zur
+Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue Grenze findet, auf
+derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem Unendlichen.
+Dieses Unendliche hat die feste Determination eines Jenseits, das
+nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht werden soll,
+weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden Negation nicht
+abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das Endliche als ein
+Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins Unendliche
+erheben kann, darum weil es diese Determination eines Andern, hiermit
+eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und zwar als
+davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat.
+
+c. Die affirmative Unendlichkeit.
+
+In dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des
+Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon
+vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist.
+Dieß Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des
+Begriffes aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander
+fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der
+Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit
+sich ergiebt, die den Begriff selbst giebt;--die Einheit des
+Unendlichen und Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber
+vornehmlich in Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für
+die Einheit, wie sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen
+dieser schiefen Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Äußerung
+des Begriffes vorhanden seyn.
+
+Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist
+das Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche; es ist
+seiner Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das
+Endliche nur als das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation
+seiner an ihm selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt
+hiermit die Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des
+unendlichen Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und
+nur abwechselnd auf einander folgen; es kann keines gesetzt und
+gefaßt werden ohne das Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche,
+dieses nicht ohne das Unendliche. Wenn gesagt wird, was das
+Unendliche ist, nämlich die Negation des Endlichen, so wird das
+Endliche selbst mit ausgesprochen; es kann zur Bestimmung des
+Unendlichen nicht entbehrt werden. Man bedarf nur zu wissen, was man
+sagt, um die Bestimmung des Endlichen im Unendlichen zu finden. Vom
+Endlichen seinerseits wird sogleich zugegeben, daß es das Nichtige
+ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die Unendlichkeit, von der es
+ebenso untrennbar ist.--In diesem Auffassen können sie nach ihrer
+Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn scheinen. Werden sie
+hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur durch das: Und
+verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes nur an ihm
+selbst seyend, einander gegenüber. Es ist zu sehen, wie sie in
+solcher Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines
+der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es
+ist nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem
+gegenüberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche.
+Es sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, daß es so vom
+Endlichen abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt
+seine Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.--Das
+Endliche seinerseits als für sich vom Unendlichen entfernt gestellt,
+ist diese Beziehung auf sich, in der seine Relativität, Abhängigkeit,
+seine Vergänglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbstständigkeit
+und Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll.
+
+Beide Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit
+zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur
+als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden
+auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung
+von einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das
+Unendliche und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die
+ihnen äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist,
+was es ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung,
+ebenso sehr als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet,
+sein Anderes in ihm als sein eigenes Moment liegen hat.
+
+Dieß giebt denn die--verrufene--Einheit des Endlichen und Unendlichen,
+--die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und
+die Endlichkeit in sich begreift,--also das Unendliche in einem
+anderen Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und
+auf die andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden
+werden müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die
+Einheit beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das
+Gemeinschaftliche, die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als
+Einheit sie zunächst als negirte, da jedes das seyn soll, was es ist
+in ihrer Unterschiedenheit; in ihrer Einheit verlieren sie also ihre
+qualitative Natur;--eine wichtige Reflexion gegen die Vorstellung,
+die sich nicht davon losmachen will, in der Einheit des Unendlichen
+und Endlichen sie nach der Qualität, welche sie als außereinander
+genommen haben sollen, festzuhalten, und daher in jener Einheit
+nichts als den Widerspruch, nicht auch die Auflösung desselben durch
+die Negation der qualitativen Bestimmtheit beider sieht; so wird die
+zunächst einfache, allgemeine Einheit des Unendlichen und Endlichen
+verfälscht.
+
+Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so
+ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist,
+in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner
+Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit
+an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur
+Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das
+schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung,
+welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag
+einer Qualität solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes
+Unendliches. Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur
+das Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein
+Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen
+unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt.
+
+Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch
+die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht.
+Dieß geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden
+Einheiten, das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das
+An-sich-seyn angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit
+und Schranke gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn
+herabgesetzt und verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls
+als das nicht negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so
+daß es in seiner Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht
+sey, erhoben, und dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr
+perennirende Bestimmung verunendlicht werde.
+
+Die Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen
+vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit
+festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut
+getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für
+ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die
+Einheit des Endlichen und Unendlichen nicht ein äußerliches
+Zusammenbringen derselben, noch eine ungehörige, ihrer Bestimmung
+zuwiderlaufende Verbindung, in welcher an sich getrennte und
+entgegengesetzte, gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit
+unverträgliche verknüpft würden, sondern jedes ist an ihm selbst
+diese Einheit, und dieß nur als Aufheben seiner selbst worin keines
+vor dem andern einen Vorzug des Ansichseyns und affirmativen Daseyns
+hätte. Wie früher gezeigt, ist die Endlichkeit nur als Hinausgehen
+über sich; es ist also in ihr die Unendlichkeit, das Andere ihrer
+selbst, enthalten. Eben so ist die Unendlichkeit nur als Hinausgehen
+über das Endliche; sie enthält also wesentlich ihr Anderes, und ist
+somit an ihr das Andere ihrer selbst. Das Endliche wird nicht vom
+Unendlichen als einer außer ihm vorhandenen Macht aufgehoben, sondern
+es ist seine Unendlichkeit, sich selbst aufzuheben.
+
+Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn
+überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas. Das, worin sich das
+Endliche aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit;
+aber diese ist längst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn
+bestimmt. Es ist also nur die Negation, die sich in der Negation
+aufhebt. So ist ihrer Seits die Unendlichkeit als das Negative der
+Endlichkeit und damit der Bestimmtheit überhaupt, als das leere
+Jenseits, bestimmt; sein Sich-aufheben im Endlichen ist ein
+Zurückkehren aus der leeren Flucht, Negation des Jenseits, das ein
+Negatives an ihm selbst ist.
+
+Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation.
+Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation
+aber als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung,
+welche die Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es,
+die wesentlich ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie
+im unendlichen Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm
+gesetzt sind,--nämlich noch nicht in ihrer letzten Wahrheit.
+
+Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche
+negirt,--es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen;
+zweitens werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern,
+als für sich Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen
+vergleichend heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren
+Vergleichen, die zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und
+Unendlichen in ihrer Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen,
+getrennt haben. Aber der unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist
+in ihm auch der Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch
+zunächst nur noch als Übergang und Abwechslung; es ist nur in einer
+einfachen Reflexion von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden
+ist.
+
+Zunächst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im
+unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander,
+nur aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen,
+so wird über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist
+also das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in
+diesem entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das
+Unendliche vorhanden. Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils
+überhaupt nur als ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der
+Momente, Theils noch nicht als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser
+Hinaus ist ein eigener Ansatz, ein neuer Akt, so daß sie so
+auseinander fallen.--Es ist aber auch ferner im unendlichen Progresse
+deren Beziehung vorhanden. Es ist erstlich das Endliche; dann wird
+darüber hinausgegangen, dieß Negative oder Jenseits des Endlichen ist
+das Unendliche; drittens wird über diese Negation wieder
+hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze, wieder ein Endliches.
+--Dieß ist die vollständige, sich selbst schließende Bewegung, die
+bei dem angekommen, das den Anfang machte; es entsteht dasselbe, von
+dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche ist wiederhergestellt;
+dasselbe ist also mit sich selbst zusammengegangen, hat nur sich in
+seinem Jenseits wiedergefunden.
+
+Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen,
+dem Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe
+Schicksal hat, als Endliches negirt werden zu müssen. Was so wieder
+vorhanden ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen
+Grenze verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben,
+durch die neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder
+von dem Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur dieß, in das
+Unendliche überzugehen,--noch von sich selbst, denn es ist bei sich
+angekommen.
+
+So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu
+sich durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als
+Vermittelung in sich, und das Affirmative beider enthält die Negation
+beider, und ist die Negation der Negation.--Sie sind so Resultat,
+hiermit nicht das, was sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind;
+--nicht das Endliche ein Daseyn seinerseits und das Unendliche ein
+Daseyn, oder Ansichseyn jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich
+bestimmten. Gegen die Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt
+sich der Verstand nur darum so sehr, weil er die Schranke und das
+Endliche wie das Ansichseyn als perennirend voraussetzt; damit
+übersieht er die Negation beider, die im unendlichen Progresse
+faktisch vorhanden ist, wie ebenso, daß sie darin nur als Momente
+eines Ganzen vorkommen und daß sie nur vermittelst ihres Gegentheils
+aber wesentlich ebenso vermittelst des Aufhebens ihres Gegentheils
+hervortreten.
+
+Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als Rückkehr des
+Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet
+wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit,
+die mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt; das Endliche
+ist das eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt
+genommen, und nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber
+völlig gleichgültig, welches als Anfang genommen werde; damit fällt
+der Unterschied für sich hinweg, der die Zweiheit der Resultate
+hervorbrachte. Dieß ist in der nach beiden Seiten unbegrenzten Linie
+des unendlichen Progresses gleichfalls gesetzt, worin jedes der
+Momente mit gleichem abwechselnden Vorkommen vorhanden, und es ganz
+äußerlich ist, in welche Stelle gegriffen und als Anfang genommen
+werde.--Sie sind in demselben unterschieden, aber auf gleiche Weise
+das eine nur das Moment des andern. Indem sie beide, das Endliche
+und das Unendliche selbst Momente des Processes sind, sind sie
+gemeinschaftlich das Endliche, und indem sie ebenso gemeinschaftlich
+in ihm und im Resultate negirt sind, so heißt dieses Resultat als
+Negation jener Endlichkeit beider mit Wahrheit das Unendliche. Ihr
+Unterschied ist so der Doppelsinn, den beide haben. Das Endliche hat
+den Doppelsinn, erstens nur das Endliche gegen das Unendliche zu seyn,
+das ihm gegenübersteht, und zweitens das Endliche und das ihm
+gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn. Auch das Unendliche
+hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu seyn, so ist es das
+Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in welchem jene beide,
+es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie also das
+Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn, in
+welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem
+Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn,
+und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner
+aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu
+seyn.
+
+Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon
+gerügte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefaßt
+werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit,
+und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende. Das Unendliche
+aber ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als
+Werden, aber das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden.
+Dieses hat zunächst das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen
+Bestimmungen; als Veränderung Daseyende, Etwas und Anderes; nun als
+Unendliches, Endliches und Unendliches, selbst als Werdende.
+
+Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf
+sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn,
+denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch
+Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die
+Bestimmtheit. Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig. Nur das
+Schlecht-Unendliche ist das Jenseits, weil es nur die Negation des
+als real gesetzten Endlichen ist,--so ist es die abstrakte, erste
+Negation; nur als negativ bestimmt, hat es nicht die Affirmation des
+Daseyns in ihm; festgehalten als nur Negatives soll es sogar nicht da,
+soll unerreichbar seyn. Diese Unerreichbarkeit ist aber nicht seine
+Hoheit, sondern sein Mangel, welcher seinen letzten Grund darin hat,
+daß das Endliche als solches als seyend festgehalten wird. Das
+Unwahre ist das Unerreichbare; und es ist einzusehen, daß solches
+Unendliche das Unwahre ist.--Das Bild des Progresses ins Unendliche
+ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen nur, das Unendliche und
+immer nur ist, wo sie,--und sie ist Daseyn--nicht ist, und die zu
+diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus geht; als
+wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren Bild der
+Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und ganz
+gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende.
+
+Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als
+affirmativ gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität
+in höherem Sinn,--als die früher einfach bestimmte; sie hat hier
+einen konkreten Inhalt erhalten. Das Endliche ist nicht das Reale,
+sondern das Unendliche. So wird die Realität weiter als das Wesen,
+der Begriff, die Idee u.s.f. bestimmt. Es ist jedoch überflüssig,
+solche frühere, abstraktere Kategorien, wie die Realität, bei dem
+Konkreteren zu wiederholen und sie für konkretere Bestimmungen, als
+jene an ihnen selbst sind, zu gebrauchen. Solches Wiederholen, wie
+zu sagen, daß das Wesen oder daß die Idee das Reale sey, hat seine
+Veranlassung darin, daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten
+Kategorien, wie Seyn, Daseyn, Realität Endlichkeit, die geläufigsten
+sind.
+
+Hier hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere
+Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative
+ist, hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener
+Realität, die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt.--Die
+Negation ist so als Idealität bestimmt; das Ideelle Das Ideale hat
+eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schönen und was dahin zieht),
+als das Ideelle; hierher gehört jene noch nicht; es wird hier
+deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht. Bei der Realität findet
+dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das Reelle und
+Reale wird ungefähr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung beider
+Ausdrücke etwa gegeneinander hat kein Interesse. ist das Endliche,
+wie es im wahrhaften Unendlichen ist,--als eine Bestimmung, Inhalt,
+der unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als
+Moment ist. Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche
+durch Negation des endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt
+ist.--In Beziehung auf Realität und Idealität wird aber der Gegensatz
+des Endlichen und Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das
+Reale gilt, das Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch
+weiterhin der Begriff als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles,
+das Daseyn überhaupt dagegen als das Reale betrachtet wird. Auf
+solche Weise hilft es freilich nichts für die angegebene konkrete
+Bestimmung der Negation den eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben;
+es wird in jenem Gegensatze wieder zu der Einseitigkeit des
+abstrakten Negativen, die dem Schlechtunendlichen zukommt,
+zurückgegangen und bei dem affirmativen Daseyn des Endlichen beharrt.
+
+Der Übergang.
+
+Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden;
+aber sie ist wesentlich der Proceß des Werdens und damit ein Übergang,
+wie des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist. Als Aufheben der
+Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der
+ihr nur gegenüberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese
+Rückkehr in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn. Da in diesem Seyn
+Negation ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation
+der Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das
+Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Unendliche,--nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten
+Unendlichkeit,--und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind
+der Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung
+und für das Letzte giebt. Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung
+des sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der
+aber nur den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend
+gesetzten, hat,--eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in
+sich sammelt, und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen
+weiß. Diese unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des
+wahrhaft Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen,
+und die Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich,
+aber bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt
+untrennbar den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln. Die
+Darstellung dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt
+allenthalben ein, wo in dem Widerspruche der Einheit zweier
+Bestimmungen und des Gegensatzes derselben verharrt wird. Das
+Endliche ist das Aufheben seiner selbst, es schließt seine Negation,
+die Unendlichkeit in sich;--die Einheit beider,--es wird hinaus über
+das Endliche zum Unendlichen als dem Jenseits desselben gegangen,
+--Trennung beider; aber über das Unendliche hinaus ist ein anderes
+Endliches,--das Hinaus, das Unendliche, enthält die Endlichkeit,
+--Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein Negatives des
+Unendlichen;--Trennung beider, u.s.f.--So ist im
+Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache,
+die keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung,
+die keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung. Dieß Verhältniß giebt
+daher den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist
+als Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (--und endlich
+ist sie eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst
+eine Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als
+Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;--Einheit der
+Ursache und der Wirkung;--das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem
+eine Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und
+als ein verschiedenes Etwas zu setzen;--diese neue Ursache ist aber
+selbst nur eine Wirkung--Einheit der Ursache und Wirkung;--sie hat
+ein Anderes zu ihrer Ursache;--Trennung beider Bestimmungen u.s.f.
+ins Unendliche.
+
+Dem Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird
+die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit;
+diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt
+werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt;
+diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie untrennbar sind, in
+der einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer
+Einheit und so fort ins Unendliche.--Es ist eine leichte Forderung,
+welche um die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das
+Bewußtseyn zu haben, daß der unendliche Progreß, das entwickelte
+Unendliche des Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung
+der beiden Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente
+zu seyn, und dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit
+und diese Trennung selbst untrennbar sind.
+
+Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der
+gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider
+Behauptungen;--dieß ist nur eine andere Gestalt des bleibenden
+Widerspruchs,--sondern die Idealität beider, als in welcher sie in
+ihrem Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind;
+jene eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der
+Einheit als der Trennung derselben. In ihr ist ebenso faktisch das
+oben Aufgezeigte vorhanden, daß das Endliche über sich hinaus in das
+Unendliche fällt, aber ebenso über dasselbe hinaus sich selbst wieder
+erzeugt findet, hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das
+Unendliche gleichfalls; so daß dieselbe Negation der Negation sich
+zur Affirmation resultirt, welches Resultat sich damit als ihre
+Wahrheit und Ursprünglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als
+der Idealität der Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt
+verschwunden, sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind
+nicht nur vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die
+Natur des spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem
+ausgeführten Beispiele in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein
+in dem Auffassen der entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit.
+Indem jedes und zwar faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an
+ihm selbst zu haben, und in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist
+die affirmative Wahrheit diese sich in sich bewegende Einheit, das
+Zusammenfassen beider Gedanken, ihre Unendlichkeit,--die Beziehung
+auf sich selbst, nicht die unmittelbare, sondern die unendliche.
+
+Das Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken
+schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten,
+wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?--Dieß,
+meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei
+dessen Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser
+Darstellung weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit
+der Formen das Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken
+will, zur Endlichkeit komme. Hier betrachten wir diese Frage nur in
+ihrer Unmittelbarkeit, und in Rücksicht des vorhin betrachteten
+Sinnes, den das Unendliche zu haben pflegt.
+
+Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es
+eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen
+zu wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art
+von Vexirfrage, einen unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch
+den man gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und
+das Ankommen bei derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen
+Gegenständen setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch
+mehr aber bei philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu
+erhalten, als die, daß die Frage nichts tauge.--Es pflegt bei solchen
+Fragen die Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die
+Worte nicht ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des
+Ausdrucks verständlich sey, worauf es ankomme? Ausdrücke sinnlicher
+Vorstellung, wie herausgehen und dergleichen, die bei der Frage
+gebraucht werden, erwecken den Verdacht, daß sie aus dem Boden des
+gewöhnlichen Vorstellens stamme, und für die Beantwortung auch
+Vorstellungen, die im gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt
+eines sinnlichen Gleichnisses erwartet werden.
+
+Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so
+scheint das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an
+ihm, leichter begreiflich. Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte,
+aber es ist nicht unmittelbar an ihm ausgedrückt, daß es das
+Gegentheil des Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthält dieß
+ausgedrückt; es ist das Nicht-Endliche. Die Einheit des Endlichen
+und Unendlichen scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die
+unvollendete Reflexion ist darum am hartnäckigsten gegen diese
+Einheit.
+
+Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die
+Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß
+das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren
+genommen wird,--nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend,--darum
+weil es ihm gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon
+begrenzt, und selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die
+Antwort auf die Frage, wie das Unendliche endlich werde, ist somit
+diese, daß es nicht ein Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist,
+und das nachher erst endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen
+nöthig habe, sondern es ist für sich selbst schon eben so sehr
+endlich als unendlich. Indem die Frage annimmt, daß das Unendliche
+einer Seits für sich, und daß das Endliche, das aus ihm heraus in die
+Trennung gegangen, oder wo es hergekommen seyn möchte, abgesondert
+von ihm, wahrhaft real sey,--so wäre vielmehr zu sagen, diese
+Trennung sey unbegreiflich. Weder solches Endliches, noch solches
+Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist unbegreiflich. Man
+muß aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die Betrachtung
+derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, daß in dem einen die
+Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese ihre
+Untrennbarkeit haben, heißt sie begreifen; diese Untrennbarkeit ist
+ihr Begriff.--In der Selbstständigkeit jenes Unendlichen und
+Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und
+enthält in sich schon eine unwahre Beziehung desselben. Darum ist
+nicht auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen
+Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst zu negiren.
+Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen
+wird der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die
+Verlegenheit, welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie
+zurückbringen; jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste
+Frage stammt, neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative
+Interesse enthält, welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht,
+darauf geht, zu erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden,
+etwas Wahres seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten
+Unendlichen, und des eben so auf seiner Seite stehen bleiben
+sollenden Endlichen erkannt ist, so ist über das Herausgehen des
+Endlichen aus dem Unendlichen zu sagen, das Unendliche gehe zur
+Endlichkeit heraus, darum weil es keine Wahrheit, kein Bestehen an
+ihm, wie es als abstrakte Einheit gefaßt ist, hat; so umgekehrt geht
+das Endliche aus demselben Grunde seiner Nichtigkeit in das
+Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, daß das Unendliche
+ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß es schlechthin nicht ist, so
+wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein Anderes an ihm
+selbst zu haben.
+
+Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch
+die weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das
+Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst
+und seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf
+das Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider
+entgegensteht. In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem
+festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das
+Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber
+jene nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie
+in jener Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und
+Unendlichen genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits
+darin auch vorhanden,--eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein
+Loslassen derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie
+als ideelle in der Einheit läßt. Diese Einheit des Unendlichen und
+Endlichen und deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die
+Endlichkeit und Unendlichkeit.
+
+Anmerkung 2.
+
+Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus. Der
+Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das
+Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede
+Philosophie ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens
+zu ihrem Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe
+wirklich durchgeführt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die
+Religion; denn die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig
+als ein wahrhaftes Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein
+Nicht-Gesetztes, Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von
+idealistischer und realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung.
+Eine Philosophie, welche dem endlichen Daseyn als solchem
+wahrhaftes, letztes, absolutes Seyn zuschriebe, verdiente den Namen
+Philosophie nicht; Principien älterer oder neuerer Philosophien, das
+Wasser, oder die Materie oder die Atome sind Gedanken, Allgemeine,
+Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich unmittelbar vorfinden, d. h. in
+sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes thaletische Wasser nicht; denn,
+obgleich auch das empirische Wasser, ist es außerdem zugleich das
+Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und diese sind nicht
+selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem Anderen, dem
+Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip, das
+Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff,
+die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die
+einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch
+mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe
+Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen
+sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das Ideelle das Konkrete,
+Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente
+das Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine
+konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind.
+
+Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint,
+und das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der
+Idee, in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so daß Ideelles
+überhaupt auch für Einbildungen gilt,--Vorstellungen, die nicht nur
+vom Reellen unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen.
+In der That ist der Geist der eigentliche Idealiste überhaupt; in
+ihm, schon wie er empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er
+denkend und begreifend ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes
+reales Daseyn; in der Einfachheit des Ich ist solches äußerliches
+Seyn nur aufgehoben, es ist für mich, es ist ideell in mir. Dieser
+subjektive Idealismus, er sey als der bewußtlose Idealismus des
+Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als Princip ausgesprochen und
+aufgestellt, geht nur auf die Form der Vorstellung, nach der ein
+Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im systematischen Idealismus
+der Subjektivität als die einzig wahrhafte, die ausschließende gegen
+die Form der Objektivität oder Realität, des äußerlichen Daseyns
+jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist formell, indem er
+den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht beachtet, welcher im
+Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner Endlichkeit bleiben kann.
+Es ist mit solchem Idealismus nichts verloren, ebenso wohl weil die
+Realität solchen endlichen Inhalts, das mit Endlichkeit erfüllte
+Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon abstrahirt wird, an sich an
+solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll; und es ist nichts mit ihm
+gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil Ich die Vorstellung,
+der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit erfüllt bleibt. Der
+Gegensatz der Form von Subjektivität und Objektivität ist allerdings
+eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt, wie er in die Empfindung,
+Anschauung oder auch in das abstraktere Element der Vorstellung, des
+Denkens, aufgenommen wird, enthält die Endlichkeiten in Fülle, welche
+mit dem Ausschließen jener nur einen Weise der Endlichkeit, der Form
+von Subjektivem und objektivem, noch gar nicht weggebracht, noch
+weniger von selbst weggefallen sind.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn.
+
+
+Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das
+unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das
+Daseyn ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es
+enthält so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das
+Seyn ist zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher
+Einheit vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und
+ihre Einheit noch nicht gesetzt. Das Daseyn ist darum die Sphäre der
+Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit. Die Bestimmtheit
+ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes
+Bestimmtseyn. Im Fürsichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn
+und der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualität,
+Andersseyn, Grenze, wie Realität, Ansichseyn, Sollen u.s.f.--sind
+die unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in
+welchen die Differenz beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der
+Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte
+Negation der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf
+sich, also an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;--absolutes
+Bestimmtseyn.
+
+Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins.
+
+Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über,--Repulsion;
+welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt,
+Attraktion.
+
+Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in
+welcher sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität,
+die sich im Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht.
+
+A. Das Fürsichseyn als solches.
+
+Der allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben. Es käme
+nur darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung
+entspricht, die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um
+berechtigt zu seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen. Und
+so scheint es wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als
+es das Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem
+aufhebt, sie zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist
+in ihm nur als ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fürsichseyn
+besteht darin, über die Schranke, über sein Andersseyn so
+hinausgegangen zu seyn, daß es als diese Negation die unendliche
+Rückkehr in sich ist.--Das Bewußtseyn enthält schon als solches an
+sich die Bestimmung des Fürsichseyns, indem es einen Gegenstand, den
+es empfindet, anschaut u.s.f. sich vorstellt, d. i. dessen Inhalt in
+ihm hat, der auf die Weise als Ideelles ist; es ist in seinem
+Anschauen selbst, überhaupt in seiner Verwicklung mit dem Negativen
+seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst. Das Fürsichseyn ist das
+polemische, negative Verhalten, gegen das begrenzende Andere, und
+durch diese Negation desselben In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben
+dieser Rückkehr des Bewußtseyns in sich, und der Idealität des
+Gegenstandes, auch noch die Realität desselben erhalten ist, indem er
+zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt wird. Das Bewußtseyn ist so
+erscheinend, oder der Dualismus, einer Seits von einem ihm andern,
+äußerlichen Gegenstande zu wissen, und andererseits, für-sich zu seyn,
+denselben in ihm ideell zu haben, nicht nur bei solchem Andern,
+sondern darin auch bei sich selbst zu seyn. Das Selbstbewußtseyn
+dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und gesetzt; jene Seite
+der Beziehung auf ein Anderes, einen äußern Gegenstand ist entfernt.
+Das Selbstbewußtseyn ist so das nächste Beispiel der Präsenz der
+Unendlichkeit;--einer freilich immer abstrakten Unendlichkeit, die
+jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung ist, als das
+Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur qualitative
+Bestimmtheit hat.
+
+a. Daseyn und Fürsichseyn.
+
+Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn
+zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative
+Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der
+nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als
+Negation überhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist. Das
+Seyn in solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich
+vom Fürsichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fürsichseyn,
+insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das
+Daseyn zugleich Moment des Fürsichseyns selbst; denn dieses enthält
+allerdings auch das mit der Negation behaftete Seyn. So ist die
+Bestimmtheit, welche am Daseyn als solchem ein Anderes und
+Seyn-für-Anderes ist, in die unendliche Einheit des Fürsichseyns
+zurückgebogen, und das Moment des Daseyns ist im Fürsichseyn als
+Seyn-für-Eines vorhanden.
+
+b. Seyn-für-eines.
+
+Dieß Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem
+Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fürsichseyn hat die Negation
+nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht
+als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun dieß Moment
+als Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für
+welches es wäre,--das Eine nicht, dessen Moment es wäre. Es ist in
+der That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für
+welches Etwas (--und ist hier kein Etwas--) wäre, was die andere
+Seite überhaupt seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur
+Seyn-für-Eines, noch nicht Eines.--Somit ist noch eine
+Ununterschiedenheit zweier Seiten, die im Seyn-für-eines vorschweben
+können, vorhanden; nur Ein Seyn-für-Anderes, und weil es nur Ein
+Seyn-für-Anderes ist, ist dieses auch nur Seyn-für-Eines; es ist nur
+die Eine ldealität dessen, für welches oder in welchem eine
+Bestimmung als Moment und dessen, was Moment in ihm seyn sollte. So
+machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn keine wahrhaften
+Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der Unterschied auf einen
+Augenblick angenommen und hier von einem Fürsichseyenden gesprochen
+wird, so ist es das Fürsichseyende, als Aufgehobenseyn des
+Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf das aufgehobene
+Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in seinem Andern
+nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber es ist
+nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es
+selbst.--Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil
+sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende,
+verschieden von dem, das für-Eines ist. Denn so wären sie nur
+unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das,
+welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre,
+wenn das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte.
+Gott ist daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist.
+
+Für-sich-seyn und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene
+Bedeutungen der Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare
+Momente derselben.
+
+Anmerkung.
+
+Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für
+die Frage nach der Qualität, was für ein Ding etwas sey, hebt das
+hier betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus. Dieser
+Ausdruck ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt,
+was dieß Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch
+für einen anderen Menschen sey;--sondern was dieß für ein Ding, für
+ein Mensch ist so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist
+in dieß Ding, in diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist,
+und das für welches es ist, ein und dasselbe ist,--eine Identität,
+als welche auch die Idealität betrachtet werden muß.
+
+Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als
+unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das
+Reelle genommen werden kann. So aber ist das Ideelle wieder eins der
+Momente und das Reale das andere; die Idealität aber ist dieß, daß
+beide Bestimmungen gleicherweise nur für Eines sind, und nur für
+Eines gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität
+ist. In diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das
+Ideelle, als unendliche Beziehung rein auf sich,--Ich-ist für Ich,
+beide sind dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien
+ist jedes nur für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den Geist,
+Gott nur für Gott, und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist.
+--Das Selbstbewußtseyn aber tritt als Bewußtseyn in den Unterschied
+seiner und eines Anderen, oder seiner Idealität, in der es
+vorstellend ist, und seiner Realität, indem seine Vorstellung einen
+bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite hat, als das unaufgehobene
+Negative, als Daseyn, gewußt zu werden. Jedoch den Gedanken, Geist,
+Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den Standpunkt voraus, auf
+welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt, und das Ideelle oder
+das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat.
+
+In einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und
+gesagt worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf
+ankomme, in wiefern das Princip durchgeführt ist. Über die Art
+dieser Durchführung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir
+stehen, noch eine weitere Bemerkung gemacht werden. Diese
+Durchführung hängt zunächst davon ab,--ob neben dem Fürsichseyn nicht
+noch das endliche Daseyn selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber
+ob in dem Unendlichen schon selbst das Moment: für-Eines, ein
+Verhalten des Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das
+eleatische Seyn oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte
+Negation aller Bestimmtheit, ohne daß in ihr selbst die Idealität
+gesetzt wäre;--bei Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird,
+die Unendlichkeit nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur
+die unbewegte Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur
+Bestimmung des Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes.
+Der Idealismus des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er
+enthält folgende Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die
+Ideen, und Vollkommenheiten aller Dinge in sich schließt, so daß sie
+nur die seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in
+uns unsere Empfindungen von den Gegenständen durch eine Aktion, die
+nichts Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, daß wir vom
+Gegenstande nicht nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern
+auch die Empfindung von dem Daseyn desselben erlangen ( De la
+recherche de la Verité, Eclairc. sur la nature des idées etc.). Wie
+also die ewigen Wahrheiten und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist
+ihr Daseyn, in Gott, ideell, nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich
+als unsere Gegenstände, sind sie nur für Eines. Dieß Moment des
+explicirten und konkreten Idealismus, das im Spinozismus mangelt, ist
+hier vorhanden, indem die absolute Idealität als Wissen bestimmt ist.
+So rein und tief dieser Idealismus ist, so enthalten jene
+Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken Unbestimmtes, Theils
+aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die Sünde und die
+Erlösung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische Bestimmung
+der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist nicht für
+sich ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte Idealismus wohl
+das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber noch nicht eines
+reinen spekulativen, allein wahrhaft begründenden, Denkens. Der
+leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze des
+abstrakten Begriffes.--Das leibnitzische vorstellende Wesen, die
+Monade, ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn,
+in welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein
+Daseyn, sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls
+eine konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung,
+als die der Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist
+bei Leibnitz Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme
+also das Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden
+überhaupt sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht,
+haben keine Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle
+Verhältnisse weg, welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die
+Mannigfaltigkeit ist nur eine ideelle und innere, die Monade bleibt
+darin nur auf sich selbst bezogen, die Veränderungen entwickeln sich
+innerhalb ihrer, und sind keine Beziehungen derselben auf andere.
+Was nach der realen Bestimmung als da seyende Beziehung der Monaden
+aufeinander genommen wird, ist ein unabhängiges nur simultanes Werden,
+in das Fürsichseyn einer jeden eingeschlossen.--Daß es mehrere
+Monaden giebt, daß sie damit auch als Andere bestimmt werden, geht
+die Monaden selbst nichts an; es ist dieß die außer ihnen fallende
+Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an ihnen selbst Andere
+gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das Daneben eines
+Daseyns gehalten.--Allein hierin liegt zugleich das Unvollendete
+dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in Gott, als der
+Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so Vorstellende. Das
+Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin es wolle, in die
+Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt werde, welches sie
+als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit ihres Daseyns ist
+nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden nur durch die
+Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere seyen. Wenn es
+ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es auch ein
+Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze Bewegung,
+welche sie zu ideellen macht, fällt außer ihnen. Indem aber daran
+erinnert werden kann, daß diese Bewegung des Gedankens selbst doch
+nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu
+erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich
+äußerlich ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der
+Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (--durch die Vorstellung
+des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen)
+Vielheit des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt
+zurück zu jener Einheit. Die Idealität, das Vorstellen überhaupt,
+bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn
+gesteigerte Vorstellen.
+
+Wie in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel,
+die wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine
+Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als
+einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig
+sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der
+Vielheit äußerlich bleibende Form. Die Idealität soll ihnen immanent,
+ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre
+Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt;
+anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes, noch
+weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit
+bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung
+derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und
+angehörig.
+
+Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche,
+kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und
+bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns. In diesen
+Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar
+unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er geht
+von einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn
+perennirt. Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als
+fürsichseyend, als unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das
+Für-Eines-seyn ist nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen
+oder der Richtung nach dem Jenseits.
+
+c. Eins.
+
+Das Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines
+Moments, des Seyns für-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden,
+die Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des
+Fürsichseyns sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche
+Unmittelbarkeit oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich
+auf das Negiren gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das
+Fürsichseyn ist so, Fürsichseyendes, und indem in dieser
+Unmittelbarkeit seine innere Bedeutung verschwindet, die ganz
+abstrakte Grenze seiner selbst,--das Eins.
+
+Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden
+Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser
+Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den
+Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander;
+sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier,
+die dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5)
+Beziehung auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und
+doch auf sich selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander,
+daß die Form der Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als
+Fürsichseyendem hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes
+Moment als eine eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie
+ebenso untrennbar. Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr
+Gegentheil gesagt werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der
+abstrakten Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht.
+
+B. Eins und Vieles.
+
+Das Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst,
+in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher
+die Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun
+daseyende werden.
+
+Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,--und
+als Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um
+der nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht
+mehr nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern
+zugleich als Seyende gesetzt. Die Idealität des Fürsichseyns als
+Totalität schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die
+festeste, abstrakteste, als Eins. Das Fürsichseyn ist im Eins die
+gesetzte Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung
+
+der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt
+auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen
+Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist,
+es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm
+unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden
+vorhanden zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit
+sich so als unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt,
+und als negative Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen,
+Ausschließen des Eins als eines Anderen aus sich, dem Eins.
+
+a. Das Eins an ihm selbst.
+
+An ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn,
+keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es
+ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist
+somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich.
+
+Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine
+Unbestimmtheit ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst
+ist, absolutes Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem
+Begriffe sich auf sich beziehende Negation hat es den Unterschied in
+ihm,--eine Richtung von sich ab hinaus auf Anderes, die aber
+unmittelbar umgewendet, weil nach diesem Momente des Selbstbestimmens
+kein Anderes ist, auf das sie gehe, und die in sich zurückgekehrt ist.
+
+In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns
+und der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und
+Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; dieß Nichts,
+die Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden
+von dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil dieß Insichseyn
+nicht mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat,
+als Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar
+identisch mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So dieß
+Nichts gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.--Das Leere
+ist so die Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit.
+
+b. Das Eins und das Leere.
+
+Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf
+sich selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch
+affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin
+verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst
+nämlich, stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber
+vom Seyenden ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins.
+
+Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das
+Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.--Das Eins und das
+Leere haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem
+gemeinschaftlichen, einfachen Boden. Die Momente des Fürsichseyns
+treten aus dieser Einheit, werden sich Äußerliche, indem durch die
+einfache Einheit der Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so
+setzt sie sich selbst zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und
+darin stellt sich ihre andere Bestimmung, die Negation überhaupt,
+gleichfalls als Daseyn des Nichts, als das Leere, gegenüber.
+
+Anmerkung.
+
+Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die
+bei den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach
+welchem das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (.....) Die
+Abstraktion zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit
+gewonnen, als das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits.
+So hoch sie sich stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des
+Eins und des Leeren zum Princip aller Dinge macht, die unendliche
+Mannigfaltigkeit der Welt auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt,
+und sie aus ihm zu erkennen sich erkühnt, ebenso leicht ist es für
+das vorstellende Reflektiren, sich hier Atome und daneben das Leere
+vorzustellen. Es ist daher kein Wunder, daß das atomistische Princip
+sich jederzeit erhalten hat; das gleich triviale und äußerliche
+Verhältniß der Zusammensetzung, das noch hinzukommen muß, um zum
+Scheine eines Konkreten und einer Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist
+eben so populär als die Atome selbst und das Leere. Das Eins und das
+Leere ist das Fürsichseyn, das höchste qualitative Insichseyn zur
+völligen Äußerlichkeit herabgesunken; die Unmittelbarkeit oder das
+Seyn des Eins, weil es die Negation alles Andersseyns ist, ist
+gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu seyn, für dessen
+absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung, Mannigfaltigkeit,
+Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung.
+
+In dieser Äußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei
+den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner
+Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als
+der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere
+Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander
+und die Gleichgültigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander.
+Daß das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfügigen
+Sinn, daß sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen könne, und nicht
+in einen schon erfüllten Raum, denn in einem solchen fände es keinen
+Platz mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die
+Voraussetzung oder Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so
+wie auch die Bewegung selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das
+Wesentliche, ein Grund derselben, vergessen ist. Die Ansicht, daß
+das Leere den Grund der Bewegung ausmache, enthält den tiefern
+Gedanken, daß im Negativen überhaupt, der Grund des Werdens, der
+Unruhe der Selbstbewegung liegt; in welchem Sinne aber das Negative
+als die wahrhafte Negativität des Unendlichen zu nehmen ist.--Das
+Leere ist Grund der Bewegung nur als die negative Beziehung des Eins
+auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf sich selbst, das jedoch
+als Daseyendes gesetzt ist.
+
+Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt,
+Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und
+äußerlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der
+Grundbestimmung des Atomen. An den Atomen, dem Princip der höchsten
+Äußerlichkeit und damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die
+Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die
+Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen
+ausgeht.
+
+c. Viele Eins.Repulsion.
+
+Das Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten
+Daseyn aus. Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die
+Negation, und ist zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist
+das Eins und das Leere die Beziehung der Negation auf die Negation
+als eines Andern auf sein Anderes; das Eins ist die Negation in der
+Bestimmung des Seyns, das Leere die Negation in der Bestimmung des
+Nichtseyns. Aber das Eins ist wesentlich nur Beziehung auf sich als
+beziehende Negation d. h. ist selbst dasjenige, was das Leere außer
+ihm seyn soll. Beide sind aber auch gesetzt als ein affirmatives
+Daseyn, das eine als das Fürsichseyn als solches, das andere als
+unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich aufeinander als auf ein
+anderes Daseyn beziehend. Das Fürsichseyn des Eins ist jedoch
+wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen; es bezieht sich
+nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem aber das
+Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar
+vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich
+zugleich Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ
+ist, bleibt das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein
+Anderes bestimmt; als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das
+Andere nicht die unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist
+gleichfalls Eins. Das Eins ist somit Werden zu vielen Eins.
+
+Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein
+Übergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins. Eins,
+das Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an
+ihm selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente
+Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und
+das Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich selbst von
+sich ab. Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion.
+
+Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins
+selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu solchen außer
+ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist dieß die Repulsion dem
+Begriffe nach, die an sich seyende. Die zweite Repulsion ist davon
+unterschieden, und ist die der Vorstellung der äußern Reflexion
+zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur
+als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins.
+Es ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten,
+der äußerlichen, sich bestimmt.
+
+Zunächst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als
+solche haben. Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen,
+verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins,
+nicht für Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst.
+Das Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern
+es ist schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist
+gleichfalls ein Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden
+kommt beiden auf gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied.
+
+Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;--gesetzte durch die
+Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt;
+ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als
+sich nur auf sich beziehende.
+
+Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als
+eine dein Eins vollkommen äußere Bestimmung. Eins, indem es sich
+selbst repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst als
+repellirt genommen wird. Daß die Eins andere gegeneinander, in die
+Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins
+nichts an. Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst
+aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein
+Seyn-für-Anderes affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung,--und diese
+haben sie durch ihre an sich seyende Einheit,--wie sie hier gesetzt
+ist, ist als keine bestimmt; sie ist wieder das vorhingesetzte Leere.
+Es ist ihre aber ihnen äußerliche Grenze, in der sie nicht für
+einander seyn sollen. Die Grenze ist das, worin die Begrenzten eben
+so sehr sind als nicht sind; aber das Leere ist als das reine
+Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht ihre Grenze aus.
+
+Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen,
+was das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander
+gelegt ist hier die außer sich gekommene Unendlichkeit; außer sich
+gekommen ist sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins.
+Sie ist ein ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als
+vielmehr die absolute Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der
+einfachen affirmativen Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben
+derselben als negativen. Oder die Vielheit des Eins ist das eigene
+Setzen des Eins; das Eins ist nichts als die negative Beziehung des
+Eins auf sich, und diese Beziehung, also das Eins selbst, ist das
+viele Eins. Aber ebenso ist die Vielheit dem Eins schlechthin
+äußerlich; denn das Eins ist eben das Aufheben des Andersseyns, die
+Repulsion ist seine Beziehung auf sich, und einfache Gleichheit mit
+sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die Unendlichkeit, als
+unbefangen sich hervorbringender Widerspruch.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden. Es kann
+hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade
+aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben
+betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als
+solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das
+Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht
+für das Eins sind. Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene
+Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit,
+die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich
+zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit
+unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine
+Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite
+ihrer abstrakten Äußerlichkeit. Die Atomistik hat den Begriff der
+Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm
+selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des Für-es-seyns
+enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken
+Für-sich-seyendes. Aber sie geht über die bloß gleichgültige
+Vielheit hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung
+gegeneinander, wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da
+hingegen in jener gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die
+Vielheit als starre Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur
+in die Monade der Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen
+fällt.
+
+C. Repulsion und Attraktion.
+
+a. Ausschließen des Eins.
+
+Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander
+ist Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich;--das abstrakte Leere.
+Aber sie selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf
+seyende Andere;--der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit,
+gesetzt in Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die
+Repulsion das unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in
+dieser Bestimmung Ausschließen; das Eins repellirt nur die Vielen von
+ihm unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. dieß Repelliren ist,
+gegenseitig oder allseitig,--relativ, durch das Seyn der Eins
+beschränkt.
+
+Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur
+das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in
+der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre
+gemeinsame Beziehung. Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte
+Daseyn der vielen Eins; sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie
+nur in einem Dritten als Vieles unterschieden wären, sondern ihr
+eigenes sie erhaltendes Unterscheiden.--Sie negiren sich gegenseitig,
+setzen einander als solche, die nur für-Eines sind. Aber sie negiren
+eben so sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren
+diese ihre Idealität und sind.--So sind die Momente getrennt, die in
+der Idealität schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem
+Fürsichseyn auch für-Eines, aber dieß Eine, für welches es ist, ist
+es selbst; sein Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben.
+Aber in der Vielheit hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das
+Seyn-für-Eines, wie es in dem Ausschließen bestimmt ist, ist daher
+ein Seyn-für-Anderes. Jedes wird so von einem Andern repellirt,
+aufgehoben und zu einem gemacht, das nicht für sich, sondern
+für-eines und zwar ein anderes Eins ist.
+
+Das Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre
+Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander,
+in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes
+Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese
+Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht
+für-ein-Anderes zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre
+negative Beziehung auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung.
+
+Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr
+gegenseitiges Ausschließen. Erstens ist nun das, wodurch sie den
+festen Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben
+sollten, ihr Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung
+auf-Anderes; dieß Ansichseyn ist, daß sie Eins sind. Aber dieß sind
+Alle; sie sind in ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen
+Punkt ihrer Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr
+Verhalten zu einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das
+gegenseitige Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe
+Bestimmung Aller, durch welche sie sich also vielmehr als identisch
+setzen; wie dadurch, daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch
+Andere zu setzende Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso
+wenig repelliren.--Sie sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur
+Eine affirmative Einheit.
+
+Diese Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen
+sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen,
+sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen,
+ist unsere Vergleichung.--Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer
+Beziehung aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.--Sie sind, dieß
+ist in dieser Beziehung vorausgesetzt,--und sind nur insofern sie
+sich gegenseitig negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn
+zugleich von sich selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren
+negiren. Aber sie sind nur insofern sie negiren, so wird, indem dieß
+ihr Negiren negirt wird, ihr Seyn negirt. Zwar indem sie sind,
+würden sie durch dieß Negiren nicht negirt, es ist nur ein
+Äußerliches für sie; dieß Negiren des Anderen prallt an ihnen ab, und
+trifft nur berührend ihre Oberfläche. Allein nur durch das Negiren
+der Anderen kehren sie in sich selbst zurück; sie sind nur als diese
+Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist ihre Selbsterhaltung und ihr
+Fürsichseyn. Indem ihr Negiren nichts effektuirt, durch den
+Widerstand, den die Seyenden als solche oder als negirend leisten, so
+kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich nicht und sind nicht.
+
+Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes
+derselben Eins ist, wie das Andere. Dieß ist nicht nur unser
+Beziehen, ein äußerliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist
+selbst Beziehen; das die Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst
+auf sie, die Eins, d. h. auf sich selbst. Das negative Verhalten der
+Eins zu einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese
+Identität, in welche ihr Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer
+Verschiedenheit und Äußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als
+Ausschließende behaupten sollten.
+
+Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion.
+
+Anmerkung
+
+Die Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins
+getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich
+selbst zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die
+höchste Wahrheit nimmt;--in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit,
+als reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend. Es ist
+die Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion
+zu setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu
+gewinnen. Diese Selbstständigkeit ist bestimmter der Irrthum, das
+als negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten,
+was ihr eignes Wesen ist. Sie ist so das negative Verhalten gegen
+sich selbst, welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will,
+dasselbe zerstört, und dieß sein Thun ist nur die Manifestation der
+Nichtigkeit dieses Thuns. Die Versöhnung ist die Anerkennung dessen,
+gegen welches das negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens,
+und ist nur als Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns,
+statt an ihm festzuhalten.
+
+Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das
+Viele Eines ist. Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß
+die Wahrheit des Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer
+unangemessenen Form erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden,
+als ein Proceß, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es
+in einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und
+auszudrücken ist. Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides
+über die Ableitung des Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze:
+Eines ist, erwähnt und erinnert worden. Die innere Dialektik des
+Begriffes ist angegeben worden; am leichtesten ist die Dialektik des
+Satzes, daß Vieles Eines ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und
+äußerlich darf sie hier seyn, insofern auch der Gegenstand, die
+Vielen, das einander Äußerliche ist. Diese Vergleichung der Vielen
+miteinander ergiebt sogleich, daß eines schlechthin nur bestimmt ist
+wie das Andere; jedes ist Eins, jedes ist Eins der Vielen, ist
+ausschließend die Anderen;--so daß sie schlechthin nur dasselbe sind,
+schlechthin nur Eine Bestimmung vorhanden ist. Es ist dieß das
+Faktum, und es ist nur darum zu thun, dieß einfache Faktum
+aufzufassen. Die Hartnäckigkeit des Verstandes weigert sich nur
+darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der Unterschied, und zwar
+mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um jenes Faktums willen so
+wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet des Unterschiedes
+existirt. Man könnte den Verstand damit für das schlichte Auffassen
+des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der Unterschied auch
+wieder eintreten werde.
+
+b. Das Eine Eins der Attraktion.
+
+Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele,
+deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als
+Seyende voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese
+aber wird realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in
+Attraktion über, die vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und
+Attraktion, sind
+
+zunächst unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als
+deren gesetzte Idealität. Die Attraktion bezieht sich auf diese
+Weise auf die Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat. Die
+Repulsion liefert die Materie für die Attraktion. Wenn keine Eins
+wären, so wäre nichts zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder
+Attraktion, der Konsumtion der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes
+Erzeugen der Eins voraus; die sinnliche Vorstellung der räumlichen
+Attraktion läßt den Strom der attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an
+die Stelle der Atome, die in dem attrahirenden Punkte verschwinden,
+tritt eine andere Menge, und wenn man will, ins Unendliche, aus dem
+Leeren hervor. Wenn die Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf
+den Punkt Eines Eins gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein
+träges Eins, kein Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion
+daseyende Idealität hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer
+selbst, die vielen Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und
+die Attraktion ist untrennbar von der Repulsion.
+
+Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar
+vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem
+andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein
+Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und
+eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität. Aber es kann hier nicht
+von einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen
+bestimmten Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn,
+vielmehr ist die Attraktion das Setzen der vorhandenen
+Ununterschiedenheit der Eins. Erst die Attraktion selbst ist das
+Setzen eines von den anderen unterschiedenen Eins; sie sind nur die
+unmittelbaren durch die Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch
+ihre gesetzte Negation aber geht das Eins der Attraktion hervor, das
+daher als das Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist.
+Die ersten als unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in sich
+zurück, sondern haben dieselbe an einem andern.
+
+Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität;
+es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält
+diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es
+verschlingt so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt,
+d. h. es hebt sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in
+seiner Bestimmung enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich
+in ihm; es bringt, so zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich,
+gewinnt einen Umfang oder Erfüllung. Es ist so in ihm Einheit der
+Repulsion und Attraktion überhaupt.
+
+c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
+
+Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer
+Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die
+Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst
+selbstständig außer der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich
+zusammenhängen. Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich
+näher zu ergeben.
+
+Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und
+als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als
+unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die
+Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte äußerlich hinzukommt.
+Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt,
+so daß an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i.
+daß die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die
+Eins nicht schon an ihnen Negirte wären. Auf solche Weise haben wir
+die Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen
+die Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und
+von sich aus als ein Anderes an sie kommt.
+
+Nehmen wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die
+Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der
+Repulsion selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen
+aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie
+abstrakt genommen, Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloß das
+Leere, die Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht
+ausschließend, was ihre Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich
+negative, doch wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und
+Fliehen ist nicht die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen,
+das ausschließende steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm
+ausgeschlossen wird. dieß Moment der Beziehung aber ist die
+Attraktion, somit in der Repulsion selbst; sie ist das Negiren jener
+abstrakten Repulsion, nach welcher die Eins nur sich auf sich
+beziehende Seyende, nicht ausschließende wären.
+
+Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden,
+hiermit auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist,
+so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene
+Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß
+nicht bloß die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird,
+sondern auch ebenso sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die
+Attraktion Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre
+Voraussetzung hat.
+
+Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen
+und Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre
+abstrakte Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit
+schlechthin über sich hinausgewiesen ist, und auf die andere sich
+bezieht, und so jede vermittelst der andern als andern ist; ihre
+Selbstständigkeit besteht darin, daß sie in dieser Vermittelung als
+ein anderes Bestimmen für einander gesetzt sind.--Die Repulsion als
+das Setzen der Vielen, die Attraktion als das Setzen des Eins, diese
+zugleich als Negation der Vielen, und jene als Negation der Idealität
+derselben im Eins, daß auch die Attraktion nur vermittelst der
+Repulsion Attraktion, wie die Repulsion vermittelst der Attraktion
+Repulsion ist. Daß aber darin die Vermittelung durch Anderes mit
+sich, in der That vielmehr negirt, und jede dieser Bestimmungen
+Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß ergiebt sich aus deren
+nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit ihres Begriffes
+zurück.
+
+Zuerst daß jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur
+sich auf sich bezieht, dieß ist in dem Verhalten der erst noch
+relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden.
+
+Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen
+vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber daß
+viele Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die
+sie hätte, ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des
+Seyns, die den Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme,--wodurch
+sie voraus wären, gehört gleichfalls der Repulsion an. Das
+Repelliren ist das, wodurch die Eins sich als Eins manifestiren und
+erhalten, wodurch sie als solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion
+selbst; sie ist so nicht ein relatives gegen ein anderes Daseyn,
+sondern verhält sich durchaus nur zu sich selbst.
+
+Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins,
+gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und
+verschwindend bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich
+voraus, in der Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn,
+welche sonst für sich seyende und für Andere, also auch für irgend
+ein Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen diese
+Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch
+Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die
+an sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins,--das als
+attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von
+einander, ein und dasselbe sind.
+
+Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für
+sich ist ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält.
+Das Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative
+seiner setzen,--Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist
+dasselbe als das Voraussetzende,--Attraktion. Daß jede an sich nur
+Moment ist, ist das Übergehen jeder aus sich selbst in die andere,
+sich an ihr selbst zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu
+setzen. Indem das Eins als solches das Außersichkommen, es selbst
+nur dieß ist, sich als sein Anderes, als das Viele zu setzen und das
+Viele nur ebenso dieß in sich zusammenfallen und sich als sein
+Anderes, als das Eins zu setzen, und eben darin nur sich auf sich zu
+beziehen, jedes in seinem Andern sich zu kontinuiren,--so ist hiermit
+schon an sich das Außersichkommen (die Repulsion) und das
+sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion) ungetrennt vorhanden. Gesetzt
+aber ist es an der relativen Repulsion und Attraktion d. i. welche
+unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt, daß jede diese Negation
+ihrer an ihr selbst, und damit auch die Kontinuität ihrer in ihre
+andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist die Selbsterhaltung
+des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der andern, so daß 1) die
+anderen Eins an ihm negirt werden, dieß ist die Seite seines Daseyns
+oder seines Seyns-für-Anderes; diese ist aber somit Attraktion, als
+die Idealität der Eins;--und daß 2) das Eins an sich sey, ohne die
+Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das Ansich überhaupt
+längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an sich, seiner
+Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.--Die Attraktion
+daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen des Eins,
+worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich selbst
+aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr,
+Repulsion ist.
+
+Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem
+Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte
+Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung,
+daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die
+Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn,
+negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die
+
+Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in
+welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares,
+Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i.
+zum ebenso unmittelbaren, ausschließenden Eins wiederhergestellt
+hätte, verschwunden; der Proceß, der es ist, setzt und enthält es
+allenthalben nur als ein Aufgehobenes. Das Aufheben zunächst nur zu
+relativem Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit
+selbst eine differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt,
+erweist sich ebenso in die unendliche Beziehung der Vermittelung
+durch die Negation der äußerlichen Beziehungen von Unmittelbaren und
+Daseyenden, überzugehen und zum Resultate eben jenes Werden zu haben,
+das in der Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder
+vielmehr das Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit
+ist. Dieses Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist
+die Quantität.
+
+Übersehen wir kurz die Momente dieses Überganges der Qualität in die
+Quantität, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn
+und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit
+mit dem Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer
+Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches
+bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der
+Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit
+des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn
+überhaupt, außer jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes
+widerspricht der Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit
+Beziehung auf sich ist. Dieß Andersseyn hebt sich in der
+Unendlichkeit des Fürsichseyns auf, welches den Unterschied, den es
+in der Negation der Negation an und in ihm selbst hat, zum Eins und
+Vielen und zu deren Beziehungen realisirt, und das Qualitative zur
+wahrhaften, d. i. nicht mehr unmittelbaren, sondern als
+übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit erhoben hat.
+
+Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die
+Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn
+ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f.
+hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;--ß)
+Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit
+als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die
+unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes,
+sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin--das
+An-sich-Bestimmtseyn,--das Eins; das Andersseyn als solches ist
+selbst Fürsichseyn;--ç) Fürsichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit
+hindurch sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und
+An-sich-Bestimmtseyn selbst als Aufgehobenes gesetzt ist. Das Eins
+ist zugleich als über sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt,
+das Eins damit, die schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die
+keine ist, die am Seyn aber ihm gleichgültig ist, gesetzt.
+
+Anmerkung.
+
+Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte angesehen zu
+werden. Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhängende
+Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie ergeben haben,
+zu vergleichen.--In jener Vorstellung werden sie als selbstständig
+betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf einander
+beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte
+übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenüber beharren
+soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der
+Materie, zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht
+als ihre Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und
+An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben
+durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, daß
+die Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer
+Einheit eine Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich
+seyende frei von einander vorausgesetzt werden.
+
+Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft
+konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen
+Elemente dieser Konstruction aufgestellt.--Es wird nicht ohne
+Interesse seyn, diese Konstruction näher zu beleuchten. Diese
+metaphysische Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst,
+sondern in seinen Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehören schien,
+ist eines Theils dadurch merkwürdig, daß sie als ein Versuch des
+Begriffs wenigstens den Anstoß zur neueren Naturphilosophie gegeben
+hat,--der Philosophie, welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung
+sinnlich Gegebenes zum Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre
+Bestimmungen aus dem absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch,
+weil bei jener Kantischen Konstruktion noch häufig stehen geblieben
+und sie für einen philosophischen Anfang und Grundlage der Physik
+gehalten wird.
+
+Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein
+Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen.
+Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kräfte
+der sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten
+reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen
+aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am
+nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde.
+
+Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das
+er eine Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen
+nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die
+analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich
+spätere Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das
+grundloseste Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und
+gedankenlosen Reflexion,--das besonders die sogenannten Faktoren der
+Attraktivkraft und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben
+vorbrachte,--ein Konstruiren genannt haben.
+
+Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend.
+Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche
+Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten.
+So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil
+durch die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie
+daseyn könnte. (Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die
+Repulsion andern Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab,
+und giebt als Grund derselben an, weil wir uns die Materie
+undurchdringlich vorstellen, indem diese nämlich dem Sinne des
+Gefühls, durch den sie sich uns offenbare, sich unter dieser
+Bestimmung präsentirt. Die Repulsion werde daher ferner sogleich im
+Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit unmittelbar gegeben sey;
+die Attraktion dagegen werde derselben durch Schlüsse beigefügt.
+Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben Gesagte zu Grunde, daß
+eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das, was wir uns unter
+Materie vorstellen, nicht erschöpfte.--Dieß ist, wie erhellt, das
+Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens, das zuerst
+in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu Grunde legt,
+und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende Grundstoffe
+oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der Erscheinung
+hervorbringen sollen.
+
+In Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und
+wie die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde,
+bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum
+Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey.
+Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht
+abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine
+Bestimmung, die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin
+enthalten seyn.
+
+Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt,
+besteht darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein
+einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die
+wir durch das Gefühl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft,
+als das Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey.
+Wenn aber ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn
+können, so liegt für diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung
+genommene Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der
+Attraktion muß also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn.
+Es ist auch wohl wahrzunehmen, daß die Materie außer ihrem
+Fürsichseyn, welches das Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand
+leistet), auch eine Beziehung des Fürsichseyenden aufeinander,
+räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt, und in Starrheit, Festigkeit
+einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die erklärende Physik erfordert
+zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine Kraft, welche starker sey,
+als die Attraktion der Theile desselben gegeneinander. Aus dieser
+Wahrnehmung kann die Reflexion eben so unmittelbar die Attraktivkraft
+ableiten, oder sie als gegeben annehmen, als sie es mit der
+Repulsivkraft that. In der That, wenn die kantischen Schlüsse, aus
+denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll, betrachtet werden
+(der Beweis des Lehrsatzes: daß die Möglichkeit der Materie eine
+Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a. O.), so
+enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie
+nicht räumlich seyn würde. Indem die Materie, als Raum erfüllend
+vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuität zugeschrieben, als deren
+Grund die Anziehungskraft angenommen wird.
+
+Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein
+analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung
+geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen,
+die Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren
+Grundkräften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung
+der gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen
+Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden
+Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die
+Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als
+besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Äußerlichem
+macht;--die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine
+bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch
+Einwirkung von Aussen, einräumen will. Diese Äußerlichkeit des
+Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich
+vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu
+fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit
+für sich als bewegungslos und als träge angenommen wird. Dieser
+Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und
+freie Bewegung vor sich.--Indem Kant jene Äußerlichkeit zwar insofern
+aufhebt, als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf
+einander, insofern diese als von einander getrennt angenommen werden,
+oder der Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn, zu einer Kraft der
+Materie selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine
+beiden Grundkräfte, innerhalb der Materie, äußerliche und für sich
+selbstständige gegen einander.
+
+So nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der
+ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso
+nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer
+Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen,
+weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur
+Momente sind, die in einander übergehen.--Ich betrachte diese fernern
+Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt.
+
+Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft,
+wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche
+der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft
+dagegen als eine Flächenkraft, dadurch Materien nur in der
+gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf einander wirken können.
+Der Grund, der angeführt wird, daß die letztere nur eine Flächenkraft
+seyn soll, ist folgender: "Die einander berührenden Theile begrenzen
+einer den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft könne
+keinen entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen
+liegenden; eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer
+Materie auf eine andere durch Ausdehnungskräfte (das heißt hier
+Repulsivkräfte) sey unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u. Zusätze S.
+67.)
+
+Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere
+Theile der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion
+gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein
+anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem
+und dem ersten Attrahirenden das Andere sich befände, zunächst in die
+Anziehungssphäre des dazwischen liegenden ihm Nähern träte, das Erste
+also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausüben
+würde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken für die
+Attractivkraft, als für die Repulsivkraft ergehe; ferner müßte das
+wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle
+Theile der Materie an und für sich attrahirend wären, nicht aber eine
+gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte.
+--Unmittelbar oder in Rücksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist
+zu bemerken, daß in der angeführten Stelle sich berührende Theile,
+also eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen Materie
+vorkommt, welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte.
+Diese Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren,
+nicht mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn
+der Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach
+der hier herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche
+zu nehmen, die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz
+tautologisch, daß da, wo das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist,
+keine Repulsion Statt finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter
+für eine Bestimmung der Repulsivkraft.--Wird aber darauf reflektirt,
+daß berührende Theile sich nur insofern berühren, als sie sich noch
+außereinander halten, so ist eben damit die Repulsivkraft nicht bloß
+auf der Oberfläche der Materie, sondern innerhalb der Sphäre, welche
+nur Sphäre der Attraktion seyn sollte.
+
+Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft
+die Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.)
+"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle,
+so könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie,
+die dazwischen läge, Grenzen setze."--Jener Unterschied ist ungefähr
+wie der obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache
+gehören, aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die
+Materie einen Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen. Alsdenn
+ist es die Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen
+bleiben, durch welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das
+heißt hier, durch den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier
+aber ist es die Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie
+erfüllt den Raum durch ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie
+erhält die Atome in einer negativen Beziehung auf einander.--Wir
+sehen, daß hier Kant bewußtlos das begegnet, was in der Natur der
+Sache liegt, daß er der Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er
+der ersten Bestimmung nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb.
+Unter dem Geschäfte der Festsetzung des Unterschiedes beider Kräfte,
+war es geschehen, daß eine in die andere übergegangen war.--So soll
+dagegen durch die Repulsion die Materie einen Raum erfüllen, somit
+durch sie der leere Raum, den die Attraktivkraft läßt, verschwinden,
+In der That hebt sie somit, indem sie den leeren Raum aufhebt, die
+negative Beziehung der Atome oder Eins, d. h. die Repulsion derselben,
+auf; d. i. die Repulsion ist als das Gegentheil ihrer selbst
+bestimmt.
+
+Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung
+hinzu, daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der
+entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage,
+die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll,
+bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der
+Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende
+Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere
+Weise sollen wirken können.--Sie sind also hier als Kräfte
+dargestellt, nicht durch welche die Materie erst zu Stande käme,
+sondern wodurch sie, schon fertig, nur bewegt würde. Insofern aber
+von Kräften die Rede ist, wodurch verschiedene Materien auf einander
+einwirken und sich bewegen, so ist dieß etwas ganz anderes, als die
+Bestimmung und Beziehung, die sie als die Momente der Materie haben
+sollten.
+
+Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in
+weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft. Diese
+scheinen einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in ihrer
+Sphäre Ein Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen
+Eins als nicht fürsichseyende verhalten, der Unterschied der Kräfte
+daher an diesen vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und
+der anderen als gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden
+kann. Insofern sie aber zur Erklärung gebraucht werden--zu welchem
+Behuf man sie, wie auch sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in
+entgegengesetztem quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine
+zunehme, wie die andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung,
+für deren Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst
+aus ihnen resultiren. Man braucht aber nur die nächste beste
+Darstellung einer Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit,
+die ein Planet in seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem
+Gegensatze jener Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die
+Verwirrung, die darin herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen
+derselben auseinander zu bringen, so daß immer eben so diejenige als
+zunehmend anzunehmen ist, welche in der Erklärung als abnehmend
+angenommen wird, und umgekehrt; was, um anschaulich gemacht zu werden,
+einer weitläufigern Exposition bedürfte, als hier gegeben werden
+könnte; aber das Nöthige kommt späterhin beim umgekehrten Verhältniß
+vor.
+
+
+
+
+Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität)
+
+Der Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden.
+Die Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität
+die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze,
+die eben so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin
+identisch mit dem Seyn-für-Anderes,--die Repulsion der vielen Eins,
+die unmittelbar Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist.
+
+Weil das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht
+auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ
+fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser
+Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben
+zugleich nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr
+unmittelbare Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt,
+sich als repellirend von sich, die Beziehung auf sich als
+Bestimmtheit vielmehr in einem anderen Daseyn (einem
+für-sich-seyenden) zu haben, und indem sie zugleich als gleichgültige
+in sich reflektirte, beziehungslose Grenzen sind, so ist die
+Bestimmtheit überhaupt außer sich, ein sich schlechthin Äußerliches
+und Etwas ebenso Äußerliches; solche Grenze, die Gleichgültigkeit
+derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie, macht die
+quantitative Bestimmtheit desselben aus.
+
+Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität,
+vom Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens das in sich
+zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm
+hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit.
+
+Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird,
+als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist. Sie wird
+Quantum. Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die
+über sich hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß
+Andersseyn des Andersseyn in den unendlichen Progreß. Das unendliche
+Quantum aber ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist
+die Wiederherstellung der Qualität.
+
+Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative
+Verhältniß. Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im
+Verhältnisse aber geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus,
+daß dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein
+anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die
+Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist.
+
+Diesem Verhältnisse liegt noch die Äußerlichkeit des Quantums zu
+Grunde, es sind gleichgültige Quanta, die sich zu einander verhalten,
+d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Außersichseyn haben;
+--das Verhältniß ist damit nur formelle Einheit der Qualität und
+Quantität. Die Dialektik desselben ist sein Übergang in ihre
+absolute Einheit, in das Maaß.
+
+Anmerkung.
+
+Am Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit.
+Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z.
+B. ein Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor
+wie nach. Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so
+ist dieß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese,
+Wald u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer
+Roth; wenn es aber seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu
+seyn, es würde Blau u.s.f.--Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie
+sie sich oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde
+liegt, das gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist,
+ergiebt sich an jedem anderen Beispiel.
+
+Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum, wie an den angegebenen
+Beispielen, verstanden, nicht die Quantität, weswegen wesentlich
+dieser Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muß.
+
+Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird,
+betrifft gleichfalls das Quantum. Gewöhnlich wird eine Größe
+definirt, als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt.
+Vermehren aber heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen.
+Es liegt darin ein Unterschied der Größe überhaupt von ihr selbst,
+und die Größe wäre also das, dessen Größe sich verändern läßt. Die
+Definition zeigt sich insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige
+Bestimmung selbst gebraucht wird, welche definirt werden sollte.
+Insofern in ihr nicht dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das
+Mehr und Weniger in einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der
+Natur des Quantums als eine gleichfalls äußerliche, und in ein
+Wegnehmen, als eine ebenso äußerliche Negation, aufzulösen. Zu
+dieser äußerlichen Weise sowohl der Realität als der Negation
+bestimmt sich überhaupt die Natur der Veränderung am Quantum. Daher
+ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das Hauptmoment nicht zu
+verkennen, worauf es ankommt; nämlich die Gleichgültigkeit der
+Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr eigenes Mehr Minder
+liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst.
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die Quantität.
+
+
+A. Die reine Quantität.
+
+Die Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins,
+das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die
+Beziehung mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem
+Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist
+in Attraktion übergegangen. Die absolute Sprödigkeit des
+repellirenden Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als
+dieß Eins enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich
+bestimmt, als Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist.
+Die Attraktion ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in
+der Quantität.
+
+Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf
+sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber
+nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins.
+Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber
+zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes. Die
+Vielheit ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist; die
+Vielen sind Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die
+Vielheit daher einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die
+Kontinuität ist dieses Moment der Sichselbstgleichheit des
+Außereinanderseyns, das Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in
+ihre von ihnen Unterschiedene.
+
+Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der
+Diskretion,--die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist.
+--Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch
+nicht zum Ausschließenden wird; die Repulsion dehnt erst die
+Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus. Die Diskretion ist daher
+ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere,
+das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne
+Stätigkeit, und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht
+unterbrechen.
+
+Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und
+Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen
+derselben, der Kontinuität, als Resultat der Dialektik des
+Fürsichseyns, das in die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit
+zusammengefallen ist. Die Quantität ist als solche dieß einfache
+Resultat, insofern es seine Momente noch nicht entwickelt und an ihm
+gesetzt hat.--Sie enthält sie zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt,
+wie es in Wahrheit ist. Es war seiner Bestimmung nach das sich
+aufhebende Beziehen auf sich selbst, perennirendes Außersichkommen.
+Aber das Abgestoßene ist es selbst; die Repulsion ist daher das
+erzeugende Fortfließen seiner selbst. Um der Dieselbigkeit willen
+des Abgestoßenen ist dieß Discerniren, ununterbrochene Kontinuität;
+und um des Außersichkommens willen, ist diese Kontinuität, ohne
+unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die eben so unmittelbar in
+ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht
+Quantum; auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze
+nicht beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze
+nicht beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in
+sich zu haben. Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so
+ausgedrückt werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben
+die reale Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben
+so schlechthin nur als kontinuirliches ist.
+
+Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur
+Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen Beziehung der Eins
+aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sprödigkeit und
+Ausschließung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß
+es an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealität
+übergeht, und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich ist,
+sondern ihm selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist.
+Diese Äußerlichkeit der Kontinuität für die Eins ist es überhaupt, an
+der die Atomistik hängen bleibt, und die zu verlassen die
+Schwierigkeit für das Vorstellen macht.--Die Mathematik dagegen
+verwirft eine Metaphysik, welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum
+überhaupt oder zunächst die Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus
+Linien, den ganzen Raum aus Flächen bestehen lassen wollte; sie läßt
+solche unkontinuirliche Eins nicht gelten. Wenn sie auch z.B. die
+Größe einer Fläche so bestimmt, daß sie als die Summe von unendlich
+vielen Linien vorgestellt wird, gilt diese Diskretion nur als
+momentane Vorstellung, und in der unendlichen Vielheit der Linien, da
+der Raum, den sie ausmachen sollen, doch ein beschränkter ist, liegt
+schon das Aufgehobenseyn ihrer Diskretion.
+
+Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat
+Spinoza, dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er
+(Eth. P. I. Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität
+spricht:
+
+"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet
+sive superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia,
+quod a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus,
+prout in imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit,
+reperietur finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad
+ipsam, prout in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus
+substantia est, concipimus, quod difficillime fit,--infinita, unic
+et indivisibilis reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem
+et intellectum distiuguere sciverint, satis manifestum erit."
+Bestimmtere Beispiele der reinen Quantität, wenn man deren verlangt,
+hat man an Raum und Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f.
+selbst Ich, nur ist unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das
+Quantum zu verstehen. Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen,
+Vielheiten, die ein Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber
+nicht ins Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht,
+sondern als Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer
+Einheit sind. Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn, das eben so
+sehr schlechthin ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn,
+das identisch mit sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen,
+ein Erzeugen des Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das
+Zunichtewerden desselben und stätig wieder das Zunichtewerden dieses
+Vergebens ist, so daß dieß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr
+einfache Gleichheit und Identität mit sich ist.
+
+Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den
+sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens
+aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber,
+die zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et
+quantitatem esse realiter idem.--In der That sind diese Begriffe auch
+nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantität die reine
+Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in äußerlicher Existenz ist.
+--Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantität zu, als es
+ein absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder
+allseitige Repulsion zur negativen Freiheit des Fürsichseyns ist,
+aber welche schlechthin einfache Kontinuität bleibt,--die Kontinuität
+der Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich
+mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s.
+f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen sträuben, die
+Vielheit als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe, daß
+von den Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der
+Vielen,--indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von
+Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich
+betrachtet, die Rede ist,--auch eine Vorstellung von dieser Einheit
+verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen Stätigkeiten,
+die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher Anschauung als
+vorhanden geben.
+
+Anmerkung 2.
+
+In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und
+der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der
+unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f.
+
+Diese Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr
+als die Kontinuität behauptet werden muß. Die einseitige Behauptung
+der Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit
+ein Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der
+Kontinuität dagegen die unendliche Theilbarkeit.
+
+Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier
+(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz
+betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen.
+
+Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der
+kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der
+vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die
+neuere Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere
+die Überzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit
+von Seite des Inhalts herbeiführen halfen,--was ein richtigerer Weg
+ist, als der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur
+dieß ihr Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an
+ihnen selbst sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese
+Darstellung sehr unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und
+verschroben, Theils schief in Ansehung ihres Resultats, welches
+voraussetzt, daß das Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe,
+als endliche Kategorien.--In beider Rücksicht verdienen diese
+Antinomien eine genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und
+Methode näher beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt,
+von der unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird.
+
+Zunächst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien
+durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der
+Kategorien hernahm, einen Schein von Vollständigkeit geben wollte.
+Allein die tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in
+die dialektische Natur der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als
+Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form
+antinomischer Behauptungen geben könnte. Werden, Daseyn u.s.f. und
+jeder andere Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und
+also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe
+ergeben.--Der alte Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen
+lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand,
+diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen.
+
+Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern
+in der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt.
+Um die Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu
+behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und
+Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der
+Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der
+keine Kraft noch Gewalt dabei hat, rein für sich betrachtet werden,
+indem sie allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen.
+
+Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht
+sophistische Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die
+Vernunft nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;"--was
+eine wichtige Ansicht ist.--"Von dem natürlichen Scheine der
+Antinomien werde die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar
+nicht mehr hintergegangen, aber immer noch getäuscht."--Die kritische
+Auflösung nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der
+Welt der Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den
+sogenannten Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich
+noch immer derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als vorher.
+Ihre wahrhafte Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei
+Bestimmungen, indem sie entgegengesetzt und einem und demselben
+Begriffe nothwendig sind, nicht in ihrer Einseitigkeit, jede für sich,
+gelten können, sondern daß sie ihre Wahrheit nur in ihrem
+Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres Begriffes haben.
+
+Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders,
+als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei
+entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt von der
+andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich
+assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste von
+Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen
+hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt
+und unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern
+Betrachtung derselben zeigen wird.
+
+Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche
+Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente
+der Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in
+sich enthält.
+
+Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so:
+
+Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen
+Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was
+aus diesem zusammengesetzt ist.
+
+Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte
+gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine
+sehr zurückstehende Bestimmung ist.--Das Substrat, das diesen
+Abstraktionen gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier
+weiter nichts, als die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und
+hat auf das Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut
+auch Raum oder Zeit genommen werden.--Indem nun die Thesis nur von
+Zusammensetzung statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich
+sogleich ein analytischer oder tautologischer Satz. Daß das
+Zusammengesetzte nicht an und für sich Eines, sondern nur ein
+äußerlich Verknüpftes ist, und aus Anderem besteht, ist seine
+unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber des Zusammengesetzten ist
+das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu sagen, daß das
+Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.--Wenn einmal gefragt wird,
+aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen verlangt,
+dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Läßt man die Dinte wieder
+aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen aus
+Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich nur.
+Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas
+bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin
+ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll.
+--Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey,
+nur für ein relativ-Einfaches genommen, das für sich wieder
+zusammengesetzt sey, so bleibt die Frage vor wie nach. Der
+Vorstellung schwebt etwa nur dieß oder jenes Zusammengesetzte vor,
+von dem auch dieß oder jenes Etwas als sein Einfaches angegeben würde,
+was für sich ein Zusammengesetztes wäre. Aber hier ist von dem
+Zusammengesetzten als solchem die Rede.
+
+Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie
+alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg,
+der sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn.
+
+"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen
+nicht aus einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in
+Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Theil und da es
+(nach der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt,
+auch kein einfacher, mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine
+Substanz seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn
+es nichts als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles
+Zusammengesetzte weg, so hat man gar nichts übrig;--man wird dieß
+zugeben, aber dieser tautologische Überfluß konnte wegbleiben, und
+der Beweis sogleich mit dem anfangen, was darauf folgt, nämlich:
+"Entweder läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in Gedanken
+aufheben, oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung
+bestehendes, d. i. das Einfache, übrig bleiben."
+
+"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus
+Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine
+zufällige Relation der SubstanzenZum Überfluß des Beweisens selbst
+kommt hier noch der Überfluß der Sprache,--weil bei diesen (den
+Substanzen nämlich) die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation
+der Substanzen ist. ist, ohne welche diese als für sich beharrliche
+Wesen, bestehen müssen.)--Da nun dieser Fall der Voraussetzung
+widerspricht, so bleibt nur der
+
+zweite übrig: daß nämlich das substantielle Zusammengesetzte in der
+Welt aus einfachen Theilen bestehe."
+
+Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die
+Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig
+ist. Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das
+Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache. Wäre das Erstere,
+nämlich das Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende
+nicht die Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur
+zufällige Relation; aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das,
+was bleibt, das Einfache.
+
+Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die
+zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar
+jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die
+Zusammensetzung bloß eine zufällige Relation der Substanzen ist,
+welche ihnen also äußerlich ist, und die Substanzen selbst nichts
+angeht.--Hat es mit der Zufälligkeit der Zusammensetzung seine
+Richtigkeit, so ist das Wesen Freilich das Einfache. Diese
+Zufälligkeit aber, auf welche es allein ankommt, wird nicht bewiesen,
+sondern geradezu, und zwar im Vorbeigehen in Parenthese angenommen,
+als etwas das sich von selbst versteht oder eine Nebensache ist. Es
+versteht sich zwar allerdings von selbst, daß die Zusammensetzung die
+Bestimmung der Zufälligkeit und Äußerlichkeit ist; aber wenn es sich
+nur um ein zufälliges Zusammen handeln sollte statt der Kontinuität,
+so war es nicht der Mühe werth, darüber eine Antinomie aufzustellen,
+oder vielmehr es ließ sich gar keine aufstellen; die Behauptung der
+Einfachheit der Theile ist alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch.
+
+In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst
+vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kürzer läßt sich daher der
+Beweis so fassen:
+
+Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen Theilen,
+sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle
+Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine
+zufällige Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine
+Substanzen übrig, wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden.
+Substanzen aber müssen wir haben, denn wir haben sie angenommen; es
+soll uns nicht alles verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn
+wir haben ein solches Beharrliches, das wir Substanz nannten,
+vorausgesetzt; dieß Etwas muß also einfach seyn.
+
+Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet
+folgendermaßen:
+
+"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt
+einfache Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand
+derselben sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als
+einfache Wesen denken müsse."
+
+Hier sehen wir die Äußerlichkeit d. i. Zufälligkeit der
+Zusammensetzung als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise
+parenthetisch eingeführt und in ihm gebraucht worden war.
+
+Kant protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der
+Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege)
+einen Advokatenbeweis zu führen. Der betrachtete Beweis ist nicht so
+sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten
+Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises
+hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu
+lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese
+der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur
+eine Voraussetzung vorhanden ist.
+
+Die Antithesis lautet:
+
+Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen,
+und es existirt überall nichts Einfaches in derselben.
+
+Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere
+Weise eben so tadelhaft als der vorige.
+
+"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe
+aus einfachen Theilen. Weil alles äußere Verhältniß, mithin auch
+alle Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume möglich ist, so muß,
+aus so vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen
+Theilen auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der
+Raum nicht aus einfachen Theilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder
+Theil des Zusammengesetzten einen Raum einnehmen."
+
+"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind
+einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein."
+
+"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander
+befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt
+ist, und zwar aus Substanzen, so würde das Einfache ein
+substantielles Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht."
+
+Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden
+Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt
+werden.
+
+Zunächst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein. Denn die
+Annahme, daß alles Substanzielle räumlich sey, der Raum aber nicht
+aus einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum
+unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze
+Beweisen fertig ist.
+
+Alsdann fängt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "daß alle
+Zusammensetzung aus Substanzen, ein äußeres Verhältniß sey," vergißt
+ihn aber sonderbar genug sogleich wieder. Es wird nämlich
+fortgeschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume möglich sey,
+der Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das
+einen Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt. Wenn einmal die
+Zusammensetzung als ein äußerliches Verhältniß angenommen ist, so ist
+die Räumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung
+möglich seyn soll, eben darum ein äußerliches Verhältniß für die
+Substanzen, das sie nichts angeht und ihre Natur nicht berührt, so
+wenig als das übrige, was man aus der Bestimmung der Räumlichkeit
+noch folgern kann. Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen
+nicht in den Raum gesetzt worden seyn.
+
+Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier
+versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine
+Anschauung, nämlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung,
+die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden könne, und
+kein sogenannter diskursiver Begriff sey.--Bekanntlich hat sich aus
+dieser kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel
+Unfug mit dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen,
+ist der Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt
+worden. Hierher gehört nur, daß der Raum, wie auch die Anschauung
+selbst, zugleich begriffen werden muß, wenn man nämlich überhaupt
+begreifen will. Damit entstände die Frage, ob der Raum nicht, wenn
+er auch als Anschauung einfache Kontinuität wäre, nach seinem
+Begriffe als aus einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden müsse,
+oder der Raum träte in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die
+Substanz versetzt wurde. In der That wenn die Antinomie abstrakt
+gefaßt wird, betrifft sie, wie erinnert, die Quantität überhaupt und
+somit Raum und Zeit eben so sehr.
+
+Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus
+einfachen Theilen bestehe, so dieß hätte Grund seyn sollen, das
+Einfache nicht in dieß Element zu versetzen, welches der Bestimmung
+des Einfachen nicht angemessen ist.--Hierbei kommt aber auch die
+Kontinuität des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es
+werden beide mit einander verwechselt, die erstere an die Stelle der
+letztern untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum
+giebt). Es ist bei Kant die ausdrückliche Bestimmung des Raums, daß
+er ein einiger ist, und die Theile desselben nur auf Einschränkungen
+beruhen, so daß sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume
+gleichsam als dessen Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung
+möglich sey, vorhergehen". (Kr. d. r. Vern. 2te Ausg. S. 39).
+Hier ist die Kontinuität sehr richtig und bestimmt vom Raume gegen
+die Zusammensetzung aus Bestandtheilen angegeben. In der
+Argumentation dagegen soll das Versetzen der Substanzen in den Raum
+ein "außerhalb einander befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin
+ein Zusammengesetztes" mit sich führen. Wogegen, wie angeführt, die
+Art, wie im Raume eine Mannigfaltigkeit sich findet, ausdrücklich die
+Zusammensetzung und der Einigkeit desselben vorhergehende
+Bestandtheile ausschließen soll.
+
+In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdrücklich
+die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie
+herbeigebracht, daß wir von Körpern nur als Erscheinungen einen
+Begriff haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung
+der Möglichkeit aller äußern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn
+hiermit unter den Substanzen nur Körper gemeint sind, wie wir sie
+sehen, fühlen schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem
+Begriffe sind, eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom
+sinnlich Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu
+fassen. Die ganze Erfahrung unseres Sehens, Fühlens, u.s.f.. zeigt
+uns nur Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die
+feinsten Messer haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen.
+Also soll auch die Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen.
+
+Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer
+ansehen, und ihre Beweise von allem unnützen Überfluß und
+Verschrobenheit befreien, so enthält der Beweis der Antithesis,
+--durch die Versetzung der Substanzen in den Raum,--die assertorische
+Annahme der Kontinuität, so wie der Beweis der Thesis,--durch die
+Annahme der Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des
+Substantiellen,--die assertorische Annahme der Zufälligkeit dieser
+Beziehung, und damit die Annahme der Substanzen als absolute Eins.
+Die ganze Antinomie reducirt sich also auf die Trennung und direkte
+Behauptung der beiden Momente der Quantität und zwar derselben als
+schlechthin getrennter. Nach der bloßen Diskretion genommen sind die
+Substanz, Materie, Raum, Zeit u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins
+ist ihr Princip. Nach der Kontinuität ist dieses Eins nur ein
+aufgehobenes; das Theilen bleibt Theilbarkeit, es bleibt die
+Möglichkeit zu theilen, als Möglichkeit, ohne wirklich auf das Atome
+zu kommen. Bleiben wir nun auch bei der Bestimmung stehen, die in
+dem Gesagten von diesen Gegensätzen gegeben ist, so liegt in der
+Kontinuität selbst das Moment des Atomen, da sie schlechthin als die
+Möglichkeit des Theilens ist, so wie jenes Getheiltseyn, die
+Diskretion auch allen Unterschied der Eins aufhebt,--denn die
+einfachen Eins ist eines was das andere ist,--somit ebenso ihre
+Gleichheit und damit ihre Kontinuität enthält. Indem jede der beiden
+entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthält, und keine
+ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß keine
+dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur ihre
+Einheit. Dieß ist die wahrhafte dialektische Betrachtung derselben,
+so wie das wahrhafte Resultat.
+
+Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische
+Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen
+Schule besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf
+den Begriff der Quantität gründen, und in ihm ihre Auflösung haben.
+Es würde zu weitläufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie
+betreffen die Begriffe von Raum und Zeit, und können bei diesen und
+in der Geschichte der Philosophie abgehandelt werden. Sie machen der
+Vernunft ihrer Erfinder die höchste Ehre; sie haben das reine Seyn
+des Parmenides zum Resultate indem sie die Auflösung alles bestimmten
+Seyns in sich selbst aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das
+Fließen des Heraklit Sie sind darum auch einer gründlichern
+Betrachtung würdig, als der gewöhnlichen Erklärung, daß es eben
+Sophismen seyen; welche Assertion sich an das empirische Wahrnehmen
+nach dem, dem gemeinen Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des
+Diogenes hält, der, als ein Dialektiker den Widerspruch, den die
+Bewegung enthält, aufzeigte, seine Vernunft weiter nicht angestrengt
+haben, sondern durch ein stummes Hin- und Hergehen auf den
+Augenschein verwiesen haben soll,--eine Assertion und Widerlegung,
+die freilich leichter zu machen ist, als sich in die Gedanken
+einzulassen, und die Verwicklungen, in welche der Gedanke und zwar
+der nicht weithergehohlte, sondern im gewöhnlichen Bewußtseyn selbst
+sich formirende, hineinführt, festzuhalten und durch den Gedanken
+selbst aufzulösen.
+
+Die Auflösung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen
+macht, ist hoch zu rühmen und in seinen wahrhaft spekulativen
+Begriffen von Raum, Zeit und Bewegung enthalten. Er setzt der
+unendlichen Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie
+bewerkstelligt werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen,
+dasselbe ist), als worauf die berühmtesten jener Beweise beruhen, die
+Kontinuität, welche ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht,
+entgegen, so daß die unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich,
+der Möglichkeit nach, in der Kontinuität enthalten sey. Das
+Wirkliche gegen die abstrakte Vielheit, wie gegen die abstrakte
+Kontinuität ist das Konkrete derselben, die Zeit und der Raum selbst,
+wie gegen diese wieder die Bewegung und die Materie. Nur an sich
+oder nur der Möglichkeit nach ist das Abstrakte; es ist nur als
+Moment eines Reellen. Bayle, der in seinem Diktionnaire, Art. Zenon,
+die von Aristoteles gemachte Auflösung der zenonischen Dialektik, "
+pitoyable " findet, versteht nicht was es heißt, daß die Materie nur
+der Möglichkeit nach ins Unendliche theilbar sey; er erwiedert, wenn
+die Materie ins Unendliche theilbar sey, so enthalte sie wirklich
+eine unendliche Menge von Theilen, dieß sey also nicht ein
+Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell und
+aktuell existire.--Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur
+eine Möglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit
+überhaupt in der Kontinuität nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt.
+--Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unübertroffen
+ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu
+beurtheilen, so wenig als die angeführte Plumpheit sinnlicher
+Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand
+ist in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie
+unendliche Menge von Theilen, für Etwas, für ein Wahres und
+Wirkliches zu halten; dieses sinnliche Bewußtseyn aber läßt sich
+nicht über das Empirische hinaus zu Gedanken bringen.
+
+Die kantische Auflösung der Antinomie besteht gleichfalls allein
+darin, daß die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht überfliegen,
+und die Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Auflösung läßt
+den Inhalt der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht
+die Natur des Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, für
+sich isolirt, nichtig und an ihr selbst nur das Übergehen in ihre
+Andere ist, und die Quantität als ihre Einheit und darin ihre
+Wahrheit hat.
+
+B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
+
+Die Quantität enthält die beiden Momente der Kontinuität und der
+Diskretion. Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.--Sie
+ist schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist
+zunächst selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuität,
+gesetzt, und ist so kontinuirliche Größe.
+
+Oder die Kontinuität ist zwar eins der Momente der Quantität, die
+erst mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist. Aber die
+Quantität ist konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit
+unterschiedener Momente ist. Diese sind daher auch als unterschieden
+zu nehmen, jedoch nicht in Attraktion und Repulsion wieder aufzulösen,
+sondern nach ihrer Wahrheit jede in ihrer Einheit mit der anderen d.
+h. das Ganze bleibend. Die Kontinuität ist nur die zusammenhängende,
+gediegene Einheit, als Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie
+nicht mehr nur Moment, sondern ganze Quantität; kontinuirliche Größe.
+
+2. Die unmittelbare Quantität ist kontinuirliche Größe. Aber die
+Quantität ist überhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit
+ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie ist
+also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins.
+Die Quantität ist diskrete Größe.
+
+Die Diskretion ist, wie die Kontinuität, Moment der Quantität, aber
+ist selbst auch die ganze Quantität, eben weil sie Moment in ihr, dem
+Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus
+ihrer Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.--Die Quantität ist
+Außereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Größe ist dieß
+Außereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in
+sich selbst gleicher Zusammenhang. Die diskrete Größe aber ist dieß
+Außereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen. Mit dieser
+Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere,
+die Repulsion überhaupt, wieder vorhanden. Weil die diskrete Größe
+Quantität ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich. Diese
+Kontinuität am Diskreten besteht darin, daß die Eins das einander
+Gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben. Die diskrete
+Größe ist also das Außereinander des vielen Eins, als des Gleichen,
+nicht das viele Eins überhaupt, sondern als das Viele einer Einheit
+gesetzt.
+
+
+Anmerkung.
+
+In gewöhnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Größe
+wird es übersehen, daß jede dieser Größen beide Momente, sowohl die
+Kontinuität als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur
+dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte
+Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist. Raum, Zeit,
+Materie u.s.f. sind stätige Größen, indem sie Repulsionen von sich
+selbst, ein strömendes Außersichkommen sind, das zugleich nicht ein
+Übergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist. Sie haben
+die absolute Möglichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt
+werde; nicht als die leere Möglichkeit eines bloßen Andersseyns (wie
+man sagt, es wäre möglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum
+stünde) sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst,
+es ist die eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind.
+
+Umgekehrt ist an der diskreten Größe die Kontinuität nicht zu
+übersehen; dieß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit.
+
+Die kontinuirliche und diskrete Größe können als Arten der Quantität
+betrachtet werden, aber insofern die Größe nicht unter irgend einer
+äußerlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den
+Bestimmtheiten ihrer eigenen Momente; der gewöhnliche Übergang von
+Gattung zu Art läßt an jene nach irgend einem ihr äußerlichen
+Eintheilungsgrunde äußerliche Bestimmungen kommen. Dabei sind die
+kontinuirliche und diskrete Größe noch keine Quanta; sie sind nur die
+Quantität selbst in einer jeden ihrer beiden Formen. Sie werden etwa
+Größen genannt, insofern sie mit dem Quantum dieß überhaupt gemein
+haben, eine Bestimmtheit an der Quantität zu seyn.
+
+C. Begrenzung der Quantität
+
+Die diskrete Größe hat erstlich das Eins zum Princip und ist zweitens
+Vielheit der Eins, drittens ist sie wesentlich stätig, sie ist das
+Eins zugleich als Aufgehobenes, als Einheit, das Sich-kontinuiren als
+solches in der Diskretion der Eins. Sie ist daher als Eine Größe
+gesetzt, und die Bestimmtheit derselben ist das Eins, das an diesem
+Gesetztseyn und Daseyn ausschließendes Eins, Grenze an der Einheit
+ist. Die diskrete Größe als solche soll unmittelbar nicht begrenzt
+seyn; aber als unterschieden von der kontinuirlichen ist sie als ein
+Daseyn und ein Etwas, dessen Bestimmtheit das Eins und als in einem
+Daseyn auch erste Negation und Grenze ist.
+
+Diese Grenze, außer dem, daß sie auf die Einheit bezogen und die
+Negation an derselben ist, ist als Eins auch auf sich bezogen; so ist
+sie umschließende, befassende Grenze. Die Grenze unterscheidet sich
+hier nicht zuerst von dem Etwas ihres Daseyns, sondern ist als Eins
+unmittelbar dieser negative Punkt selbst. Aber das Seyn, das hier
+begrenzt ist, ist wesentlich als Kontinuität, vermöge der es über die
+Grenze und dieß Eins hinausgeht, und gleichgültig dagegen ist. Die
+reale diskrete Quantität ist so eine Quantität, oder Quantum,--die
+Quantität als ein Daseyn und Etwas.
+
+Indem das Eins, welches Grenze ist, die vielen Eins der diskreten
+Quantität in sich befaßt, setzt sie dieselben ebenso wohl als in ihm
+aufgehobene; sie ist Grenze an der Kontinuität überhaupt als solcher,
+und damit ist hier der Unterschied von kontinuirlicher und diskreter
+Größe gleichgültig; oder richtiger, sie ist Grenze an der Kontinuität
+der einen sosehr als der andern; beide gehen darein über, Quanta zu
+seyn.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Quantum
+
+
+Das Quantum, zunächst Quantität mit einer Bestimmtheit oder Grenze
+überhaupt,--ist in seiner vollkommenen Bestimmtheit die Zahl. Das
+Quantum unterscheidet sich
+
+zweitens zunächst in extensives, an dem die Grenze als Beschränkung
+der daseyenden Vielheit ist, alsdann indem dieses Daseyn ins
+Fürsichseyn übergeht,--in intensives Quantum, Grad, welches als
+fürsich und darin als gleichgültige Grenze ebenso unmittelbar
+außersich, seine Bestimmtheit an einem anderen hat. Als dieser
+gesetzte Widerspruch, so einfach in sich bestimmt zu seyn und seine
+Bestimmtheit außer sich zu haben und für sie außer sich zu weisen,
+geht das Quantum
+
+drittens, als das an sich selbst äußerliche Gesetzte in die
+quantitative Unendlichkeit über.
+
+A. Die Zahl.
+
+Die Quantität ist Quantum, oder hat eine Grenze; sowohl als
+kontinuirliche wie als diskrete Größe. Der Unterschied dieser Arten
+hat hier zunächst keine Bedeutung.
+
+Die Quantität ist als das aufgehobene Fürsichseyn schon an und für
+sich selbst gegen ihre Grenze gleichgültig. Aber damit ist ihr
+ebenso die Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichgültig; denn
+sie enthält das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich als ihr
+eigenes Moment, das also als gesetzt an ihrer Kontinuität oder
+Einheit ihre Grenze ist, die aber als Eins, zu dein sie überhaupt
+geworden, bleibt.
+
+Dieß Eins ist also das Princip des Quantums, aber das Eins als der
+Quantität. Dadurch ist es erstlich kontinuirlich, es ist Einheit;
+zweitens ist es diskret, an sich seyende (wie in der kontinuirlichen)
+oder gesetzte (wie in der diskreten Größe) Vielheit der Eins, welche
+die Gleichheit miteinander, jene Kontinuität, dieselbe Einheit haben.
+Drittens ist die ß Eins auch Negation der vielen Eins als einfache
+Grenze, ein Ausschließen seines Andersseyns aus sich, eine Bestimmung
+seiner gegen andere Quanta. Das Eins ist insofern sich à) auf sich
+beziehende, (ß) umschließende, und (ç) Anderes ausschließende Grenze.
+
+Das Quantum in diesen Bestimmungen vollständig gesetzt, ist die Zahl.
+Das vollständige Gesetztseyn liegt in dem Daseyn der Grenze als
+Vielheit und damit ihrem Unterschiedenseyn von der Einheit. Die Zahl
+erscheint, deswegen als diskrete Größe, aber sie hat an der Einheit
+ebenso die Kontinuität. Sie ist darum auch das Quantum in
+vollkommener Bestimmtheit; indem in ihr die Grenze als bestimmte
+Vielheit, die das Eins, das schlechthin bestimmte, zu seinem Principe
+hat. Die Kontinuität, als in der das Eins nur an sich, als
+Aufgehobenes ist,--gesetzt als Einheit,--ist die Form der
+Unbestimmtheit.
+
+Das Quantum nur als solches ist begrenzt überhaupt, seine Grenze ist
+abstrakte, einfache Bestimmtheit desselben. Indem es aber Zahl ist,
+ist diese Grenze als in sich selbst mannigfaltig gesetzt. Sie
+enthält die vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen, enthält sie aber
+nicht auf unbestimmte Weise, sondern die Bestimmtheit der Grenze
+fällt in sie; die Grenze schließt anderes Daseyn, d. i. andere Viele
+aus, und die von ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge,
+--die Anzahl, zu welcher als der Diskretion, wie sie in der Zahl ist,
+das andere die Einheit, die Kontinuität derselben, ist. Anzahl und
+Einheit machen die Momente der Zahl aus.
+
+Von der Anzahl ist noch näher zu sehen, wie die vielen Eins, aus
+denen sie besteht, in der Grenze sind; von der Anzahl ist der
+Ausdruck richtig, daß sie aus den Vielen besteht, denn die Eins sind
+in ihr nicht als aufgehoben, sondern sind in ihr, nur mit der
+ausschließenden Grenze gesetzt, gegen welche sie gleichgültig sind.
+Aber diese ist es nicht gegen sie. Beim Daseyn hatte sich zunächst
+das Verhältniß der Grenze zu demselben so gestellt, daß das Daseyn
+als das affirmative diesseits seiner Grenze bestehen blieb, und diese,
+die Negation, außerhalb an seinem Rande sich befand; ebenso
+erscheint an den vielen Eins das Abbrechen derselben und das
+Ausschließen anderer Eins als eine Bestimmung, die außerhalb der
+umschlossenen Eins fällt. Aber es hat sich dort ergeben, daß die
+Grenze das Daseyn durchdringt, soweit geht als dieses, und daß Etwas
+dadurch seiner Bestimmung nach begrenzt, d. i. endlich ist.--So
+stellt man im Quantitativen der Zahl etwa Hundert so vor, daß das
+hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, daß sie Hundert seyen.
+Einer Seits ist dieß richtig; anderer Seits aber hat unter den
+hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind; jedes ist
+ebenso das Hundertste; sie gehören also alle der Grenze an, wodurch
+die Zahl Hundert ist; diese kann für ihre Bestimmtheit keines
+entbehren; die anderen machen somit gegen das hundertste Eins kein
+Daseyn aus, das außerhalb der Grenze oder nur innerhalb ihrer,
+überhaupt verschieden von ihr wäre. Die Anzahl ist daher nicht eine
+Vielheit gegen das umschließende, begrenzende Eins, sondern macht
+selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die
+Vielen machen eine Zahl, Ein Zwei, Ein Zehn, Ein Hundert u.s.f. aus.
+
+Das begrenzende Eins ist nun das Bestimmtseyn gegen Anderes,
+Unterscheidung der Zahl von andern. Aber diese Unterscheidung wird
+nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, fällt nur
+in die vergleichende äußerliche Reflexion; die Zahl bleibt als Eins
+in sich zurückgekehrt, und gleichgültig gegen Andere. Diese
+Gleichgültigkeit der Zahl gegen Andere ist wesentliche Bestimmung
+derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn, aber zugleich ihre
+eigene Äußerlichkeit aus.--Sie ist so ein numerisches Eins, als das
+absolut bestimmte, das zugleich die Form der einfachen
+Unmittelbarkeit hat, und dem daher die Beziehung auf anderes völlig
+äußerlich ist. Als Eins, das Zahl ist, hat es ferner die
+Bestimmtheit, insofern sie Beziehung auf Anderes ist, als seine
+Momente in ihm selbst, in seinem Unterschiede der Einheit und der
+Anzahl, und die Anzahl ist selbst Vielheit der Eins d. i. es ist in
+ihm selbst diese absolute Äußerlichkeit.--Dieser Widerspruch der Zahl
+oder des Quantums überhaupt in sich ist die Qualität des Quantums, in
+deren weitern Bestimmungen sich dieser Widerspruch entwickelt.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die Raumgröße und Zahlgröße pflegen so als zwei Arten betrachtet zu
+werden, daß die Raumgröße für sich so sehr bestimmte Größe als die
+Zahlgröße wäre; ihr Unterschied bestünde nur in den verschiedenen
+Bestimmungen der Kontinuität und Diskretion; als Quantum aber stünden
+sie auf derselben Stufe. Die Geometrie hat im Allgemeinen in der
+Raumgröße die kontinuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgröße die
+diskrete Größe zum Gegenstande. Aber mit dieser Ungleichheit des
+Gegenstandes haben sie auch nicht eine gleiche Weise und
+Vollkommenheit der Begrenzung oder des Bestimmtseyns. Die Raumgröße
+hat nur die Begrenzung überhaupt; insofern sie als ein schlechthin
+bestimmtes Quantum betrachtet werden soll, hat sie die Zahl nöthig.
+Die Geometrie als solche mißt die Raumfiguren nicht, ist nicht
+Meßkunst; sondern vergleicht sie nur. Auch bei ihren Definitionen
+sind die Bestimmungen zum Theil von der Gleichheit der Seiten, Winkel,
+der gleichen Entfernung hergenommen. So bedarf der Kreis, weil er
+allein auf die Gleichheit der Entfernung aller in ihm möglichen
+Punkte von einem Mittelpunkte beruht, zu seiner Bestimmung keiner
+Zahl. Diese auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen
+sind ächt geometrisch. Aber sie reichen nicht aus, und zu andern z.
+B. Dreieck, Viereck, ist die Zahl erforderlich, die in ihrem Princip,
+dem Eins das Für-sich-bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch
+Hülfe eines Andern, also nicht durch Vergleichung enthält. Die
+Raumgröße hat zwar an dem Punkte die dem Eins entsprechende
+Bestimmtheit; der Punkt aber wird, insofern er außer sich kommt, ein
+Anderes, er wird zur Linie; weil er wesentlich nur als Eins des
+Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu einer Kontinuität, in der
+die Punktualität, das Für-sich-Bestimmtseyn, das Eins, aufgehoben ist.
+Insofern das Für-sich-Bestimmtseyn im Außersichseyn sich erhalten
+soll, muß die Linie als eine Menge von Eins vorgestellt werden, und
+die Grenze, die Bestimmung der vielen Eins, in sich bekommen, d. h.
+die Größe der Linie--eben so der anderen Raum-Bestimmungen--muß als
+Zahl genommen werden.
+
+Die Arithmetik betrachtet die Zahl und deren Figuren, oder vielmehr
+betrachtet sie nicht, sondern operirt mit denselben. Denn die Zahl
+ist die gleichgültige Bestimmtheit, träge; sie muß von außen
+bethätigt und in Beziehung gebracht werden. Die Beziehungsweisen
+sind die Rechnungsarten. Sie werden in der Arithmetik nach einander
+aufgeführt, und es erhellt, daß eine von der andern abhängt. Der
+Faden, der ihren Fortgang leitet, wird jedoch in der Arithmetik nicht
+herausgehoben.
+
+Aus der Begriffsbestimmung der Zahl selbst aber ergiebt sich leicht
+die systematische Zusammenstellung, auf welche der Vortrag dieser
+Elemente in den Lehrbüchern einen gerechten Anspruch hat. Diese
+leitenden Bestimmungen sollen hier kurz bemerklich gemacht werden.
+
+Die Zahl ist um ihres Principes, des Eins, willen ein äußerlich
+Zusammengefaßtes überhaupt, eine schlechthin analytische Figur, die
+keinen inneren Zusammenhang enthält. Weil sie so nur ein äußerlich
+Erzeugtes ist, ist alles Rechnen das Hervorbringen von Zahlen, ein
+Zählen oder bestimmter: Zusammenzählen. Eine Verschiedenheit dieses
+äußerlichen Hervorbringens, das nur iminer dasselbe thut, kann allein
+in einem Unterschiede der Zahlen gegeneinander, die zusammengezählt
+werden sollen, liegen; solcher Unterschied muß selbst anderswoher und
+aus äußerlicher Bestimmung genommen werden.
+
+Der qualitative Unterschied, der die Bestimmtheit der Zahl ausmacht,
+ist der, den wir gesehen, der Einheit und der Anzahl; auf diesen
+reducirt sich daher alle Begriffsbestimmtheit, die in den
+Rechnungsarten vorkommen kann. Der Unterschied aber, der den Zahlen
+als Quantis zukommt, ist die äußerliche Identität und der äußerliche
+Unterschied, die Gleichheit und Ungleichheit, welches
+Reflexionsmomente, und unter den Bestimmungen des Wesens beim
+Unterschiede, abzuhandeln sind.
+
+Ferner ist noch vorauszuschicken, daß Zahlen im Allgemeinen auf zwei
+Weisen hervorgebracht werden können, entweder durch Zusammenfassen
+oder durch Trennen bereits zusammengefaßter;--indem beides bei einer
+auf dieselbe Weise bestimmten Art von Zählen Statt findet, so
+entspricht einem Zusammenfassen von Zahlen, was man positive
+Rechnungsart, ein Trennen, was man negative Rechnungsart nennen kann;
+die Bestimmung der Rechnungsart selbst, ist von diesem Gegensatze
+unabhängig.
+
+Nach diesen Bemerkungen folgt hiermit die Angabe der Rechnungsweisen.
+Das erste Erzeugen der Zahl ist das Zusammenfassen von Vielen als
+solchen, d. i. deren jedes nur als Eins gesetzt ist,--das Numeriren.
+Da die Eins äußerliche gegeneinander sind, stellen sie sich unter
+einem sinnlichen Bilde dar, und die Operation, durch welche die Zahl
+erzeugt wird, ist ein Abzählen an den Fingern, an Punkten u.s.f. Was
+Vier, Fünf u.s.f. ist, kann nur gewiesen werden. Das Abbrechen, wie
+viel zugefaßt werden soll, ist, indem die Grenze äußerlich ist, etwas
+Zufälliges, Beliebiges.--Der Unterschied von Anzahl und Einheit, der
+im Fortgange der Rechnungsarten eintritt, begründet ein System,
+dyadisches, dekadisches u.s.f.--von Zahlen; ein solches beruht im
+Ganzen auf der Beliebigkeit, welche Anzahl konstant wieder als
+Einheit genommen werden soll.
+
+Die durch das Numeriren entstandenen Zahlen werden wieder numerirt;
+und indem sie so unmittelbar gesetzt sind, sind sie noch ohne alle
+Beziehung auf einander bestimmt, gleichgültig gegen Gleichheit und
+Ungleichheit, von zufälliger Grösse gegen einander,--daher ungleiche
+überhaupt;--Addiren.--Daß 7 und 5 Zwölfe ausmacht, erfährt man
+dadurch, daß zu den 7 noch 5 Eins an den Fingern oder sonst
+hinzunumerirt werden,--wovon das Resultat nachher im Gedächtnisse,
+auswendig, behalten wird; denn Innerliches ist nichts dabei. Ebenso
+daß 7 x 5 = 35 ist, weiß man durch das Abzählen an den Fingern u.s.f.,
+daß zu einem Sieben noch eins hinzu numerirt, dieß fünf Mal
+bewerkstelligt, und das Resultat gleichfalls auswendig behalten wird.
+Die Mühe dieses Numerirens, der Erfindung der Summen, Produkte, ist
+durch die fertigen Eins und Eins oder Eins mal Eins, die man nur
+auswendig zu lernen hat, abgethan.
+
+Kant hat (in der Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft V.) den
+Satz: 7 + 5 = 12, als einen synthetischen Satz betrachtet. "Man
+sollte," sagt er, "anfänglich zwar denken, (gewiß!) er sey ein bloß
+analytischer Satz, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und
+Fünf nach dem Satz des Widerspruchs erfolge." Der Begriff der Summe
+heißt weiter nichts, als die abstrakte Bestimmung, daß diese zwei
+Zahlen zusammengefaßt werden sollen, und zwar als Zahlen auf eine
+äußerliche, d. i. begrifflose Weise,--daß von Sieben weiter numerirt
+werden soll, bis die hinzuzufügenden Eins, deren Anzahl auf Fünf
+bestimmt ist, erschöpft worden; das Resultat führt den sonst
+bekannten Nahmen Zwölfe. "Allein," fährt Kant fort, "wenn man es
+näher betrachtet, so findet man, daß der Begriff der Summe von 7 + 5
+nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine
+einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese
+einzige Zahl sey, die beide zusammenfaßt;"--"ich mag meinen Begriff
+von einer solchen möglichen Summe noch so sehr zergliedern, so werde
+ich doch darin die Zwölfe nicht antreffen." Mit dem Denken der Summe,
+Zergliederung des Begriffs, hat der Übergang von jener Aufgabe zu dem
+Resultat allerdings nichts [zu] thun; "man muß über diese Begriffe
+hinausgehen und die Anschauung, fünf Finger u.s.f. zu Hülfe nehmen
+und so die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fünf zu dem
+Begriffe von Sieben hinzuthun," fügt er hinzu. Fünf ist allerdings
+in der Anschauung gegeben, d. h. ein ganz äußerliches
+Zusammengefügtseyn des beliebig wiederholten Gedankens, Eins; aber
+Sieben ist ebenso wenig ein Begriff; es sind keine Begriffe vorhanden,
+über die man hinausgeht. Die Summe von 5 und 7 heißt die
+begrifflose Verbindung beider Zahlen, das so begrifflos fortgesetzte
+Numeriren von Sieben an, bis die Fünfe erschöpft sind, kann man ein
+Zusammenfügen, ein Synthesiren, gerade wie das Numeriren von Eins an,
+nennen--ein Synthesiren, das aber gänzlich analytischer Natur ist,
+indem der Zusammenhang ein ganz gemachter, nichts darin ist noch
+hineinkommt, was nicht ganz äußerlich vorliegt. Das Postulat 5 zu 7
+zu addiren verhält sich zu dem Postulate, überhaupt zu numeriren, wie
+das Postulat eine gerade Linie zu verlängern, zu dem, eine gerade
+Linie zu ziehen.
+
+So leer als der Ausdruck Synthesiren ist, ist die Bestimmung, daß es
+a priori geschehe. Zählen ist allerdings keine Empfindungsbestimmung,
+die für das a posteriori nach der kantischen Bestimmung von
+Anschauung allein übrig bleibt, und Zählen ist wohl eine
+Beschäftigung auf dem Boden des abstrakten Anschauens, d. i. welches
+durch die Kategorie des Eins bestimmt und wobei von allen anderen
+Empfindungsbestimmungen, ebenso sehr als auch von Begriffen
+abstrahirt ist. Das a priori ist überhaupt etwas nur Vages; die
+Gefühlsbestimmung hat als Trieb, Sinn u.s.f. ebenso sehr das Moment
+der Aprioritaet in ihr, als Raum und Zeit als existirend, Zeitliches
+und Räumliches, a posteriori bestimmt ist.
+
+Im Zusammenhange hiermit kann hinzugefügt werden, daß Kants
+Behauptung von der synthetischen Beschaffenheit der Grundsätze der
+reinen Geometrie ebenso wenig etwas Gründliches enthält. Indem er
+angiebt, daß mehrere wirklich analytisch seyen, so ist allein der
+Grundsatz, daß die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste
+ist, für jene Vorstellung angeführt. "Mein Begriff vom Geraden
+enthalte nämlich nichts von Größe, sondern nur eine Qualität; der
+Begriff des Kürzesten komme also gänzlich hinzu, und könne durch
+keine Zergliederung aus dem Begriffe der geraden Linie gezogen werden;
+Anschauung müsse also hier zu Hülfe genommen werden, vermittelst
+deren allein die Synthesis möglich sey."--Es handelt sich aber auch
+hier nicht von einem Begriffe des Geraden überhaupt, sondern von
+gerader Linie, und dieselbe ist bereits ein Räumliches, Angeschautes.
+Die Bestimmung (oder wenn man will, der Begriff) der geraden Linie
+ist doch wohl keine anderes als daß sie die schlechthin einfache
+Linie ist, d. i. in dem Außersichkommen (der sogenannten Bewegung des
+Punktes) schlechthin sich auf sich bezieht, in deren Ausdehnung keine
+Art von Verschiedenheit der Bestimmung, keine Beziehung auf einen
+anderen Punkt, oder Linie außerhalb ihrer gesetzt ist, hält;--die
+schlechthin in sich einfache Richtung. Diese Einfachheit ist
+allerdings ihre Qualität, und wenn die gerade Linie schwer analytisch
+zu definiren scheinen sollte, so wäre es nur um der Bestimmung der
+Einfachheit oder Beziehung auf sich selbst willen, und bloß weil die
+Reflexion beim Bestimmen zunächst vornehmlich eine Mehrheit, ein
+Bestimmen durch andere, vor sich hat; es ist aber für sich
+schlechthin nichts Schweres, diese Bestimmung der Einfachheit der
+Ausdehnung in sich, ihrer Bestimmungslosigkeit durch Anderes, zu
+fassen;--Euklids Definition enthält nichts Anderes als diese
+Einfachheit.--Der Übergang nun aber dieser Qualität zur quantitativen
+Bestimmung (des Kürzesten), welcher das Synthetische ausmachen sollte,
+ist ganz nur analytisch. Die Linie ist als räumlich, Quantität
+überhaupt; das Einfachste, vom Quantum gesagt, ist das Wenigste, und
+dieß von einer Linie gesagt, ist das Kürzeste. Die Geometrie kann
+diese Bestimmungen als Corollarium zur Definition aufnehmen; aber
+Archimedes in seinen Büchern über Kugel und Cylinder (s. Haubers
+Übers. S. ) hat am zweckmäßigsten gethan, jene Bestimmung der
+geraden Linie als Grundsatz hinzustellen, in ebenso richtigem Sinne,
+als Euklides die Bestimmung, die Parallellinien betreffend, unter die
+Grundsätze gestellt hat, da die Entwickelung dieser Bestimmung, um zu
+einer Definition zu werden, gleichfalls nicht der Räumlichkeit
+unmittelbar angehörige, sondern abstraktere qualitative Bestimmungen,
+wie vorhin Einfachheit, Gleichheit der Richtung und dergleichen
+erfordert hätte. Diese Alten haben auch ihren Wissenschaften
+plastischen Charakter gegeben, ihre Darstellung streng in der
+Eigenthümlichkeit ihres Stoffes gehalten, daher das ausgeschlossen,
+was für denselben heterogener Art gewesen wäre.
+
+Der Begriff, den Kant in den synthetischen Urtheilen a priori
+aufgestellt hat,--der Begriff von Unterschiedenem, das ebenso
+untrennbar ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt
+Unterschied ist, gehört zu dem Grossen und Unsterblichen seiner
+Philosophie. Im Anschauen ist dieser Begriffe da er der Begriff
+selbst und Alles an sich der Begriff ist, freilich gleichfalls
+vorhanden; aber die Bestimmungen, die in jenen Beispielen
+herausgenommen sind, stellen ihn nicht dar; vielmehr ist die Zahl und
+das Zählen eine Identität und Hervorbringen einer Identität, die
+schlechthin nur äußerlich, nur oberflächliche Synthese ist, eine
+Einheit von Eins, solchen, die vielmehr als an ihnen nicht identisch
+mit einander, sondern äußerliche, für sich getrennte, gesetzt sind;
+in der geraden Linie hat die Bestimmung, die kleinste zwischen zwei
+Punkten zu seyn, vielmehr nur das Moment des abstrakt Identischen,
+ohne Unterschied an ihm selbst, zu Grunde zu liegen.
+
+Ich kehre von dieser Unterbrechung zum Addiren selbst zurück. Die
+ihm entsprechende, negative Rechnungsart, das Subtrahiren, ist das
+ebenso ganz analytische Trennen in Zahlen, die wie im Addiren, nur
+als Ungleiche überhaupt gegeneinander bestimmt sind.
+
+2. Die nächste Bestimmung ist die Gleichheit der Zahlen, die numerirt
+werden sollen. Durch diese Gleichheit sind sie eine Einheit, und es
+tritt hiermit an der Zahl der Unterschied von Einheit und Anzahl ein.
+Die Multiplikation ist die Aufgabe, eine Anzahl von Einheiten, die
+selbst eine Anzahl sind, zusammenzuzählen. Es ist dabei gleichgültig,
+welche von den beiden Zahlen als Einheit und welche als Anzahl
+angegeben, ob viermal drei, wo Vier die Anzahl, und drei die Einheit
+ist, oder umgekehrt dreimal vier, gesagt wird.--Es ist oben schon
+angegeben, daß das ursprüngliche Finden des Produkts durch das
+einfache Numeriren, d. i. das Abzählen an den Fingern u.s.f.
+bewerkstelligt wird; das spätere unmittelbare Angebenkönnen des
+Produkts beruht auf der Sammlung jener Produkte, dem Einmaleins, und
+dem Auswendig-Wissen desselben.
+
+Die Division ist die negative Rechnungsart nach derselben Bestimmung
+des Unterschieds. Es ist ebenso gleichgültig, welcher von beiden
+Faktoren, der Divisor oder der Quotient, als Einheit oder als Anzahl
+bestimmt wird. Der Divisor wird als Einheit und der Quotient als
+Anzahl bestimmt, wenn die Aufgabe der Division ausgesprochen wird,
+daß man sehen wolle, wie oft (Anzahl) eine Zahl (Einheit) in einer
+gegebenen enthalten sey; umgekehrt wird der Divisor als Anzahl und
+der Quotient als Einheit genommen, wenn gesagt wird, man soll eine
+Zahl in eine gegebene Anzahl gleicher Theile theilen und die Grösse
+solchen Theils (der Einheit) finden.
+
+3. Die beiden Zahlen, welche als Einheit und Anzahl gegeneinander
+bestimmt sind, sind als Zahl noch unmittelbar gegeneinander, und
+daher überhaupt ungleich. Die weitere Gleichheit ist die der Einheit
+und der Anzahl selbst; so ist der Fortgang zur Gleichheit der
+Bestimmungen, die in der Bestimmung der Zahl liegen, vollendet. Das
+Zählen, nach dieser vollständigen Gleichheit ist das Potenziren, (die
+negative Rechnungsart das Wurzelausziehen)--und zwar zunächst das
+Erheben einer Zahl ins Quadrat,--das vollkommene Bestimmtseyn des
+Numerirens in sich selbst, wo 1) die vielen Zahlen, die addirt werden,
+dieselben sind, und 2) deren Vielheit oder Anzahl selbst dieselbe
+ist mit der Zahl, die vielmal gesetzt wird, die Einheit ist. Es sind
+sonst keine Bestimmungen in dem Begriffe der Zahl, die einen
+Unterschied darbieten könnten; noch kann ein weiteres Ausgleichen des
+Unterschiedes, der in in der Zahl liegt, Statt finden. Erhebung in
+höhere Potenzen als in das Quadrat, ist eine formelle Fortsetzung
+Theils--bei den geraden Exponenten,--nur eine Wiederholung des
+Quadrirens, Theils bei den ungeraden Potenzen--tritt wieder die
+Ungleichheit ein; bei der nämlich formellen Gleichheit (z.B.
+zunächst beim Kubus) des neuen Faktors mit der Anzahl sowohl als mit
+der Einheit, ist er als Einheit, gegen die Anzahl (das Quadrat, 3
+gegen 3. 3) ein Ungleiches; noch mehr beim Kubus von Vier, wo die
+Anzahl, 3, nach der die Zahl, die die Einheit ist, mit sich
+multiplicirt werden soll, von dieser selbst verschieden ist.--Es sind
+an sich diese Bestimmungen als der wesentliche Unterschied des
+Begriffs, die Anzahl und die Einheit, vorhanden, welche für das
+vollständige In-sich-Zurückgehen des Außer-sich-gehens auszugleichen
+sind. In dem so eben Dargestellten liegt weiter der Grund, warum
+Theils die Auflösung der höheren Gleichungen in der Zurückführung auf
+die quadratische bestehen muß, Theils warum die Gleichungen von
+ungeraden Exponenten sich nur formell bestimmen, und gerade wenn die
+Wurzeln rational sind, diese sich nicht anders als durch einen
+imaginären Ausdruck, d. h. der das Gegentheil dessen ist, was die
+Wurzeln sind und ausdrücken, finden lassen.--Das Quadrat der
+Arithmetik enthält nach dem Angegebenen, allein das
+Schlechthin-Bestimmtseyn in sich; weswegen die Gleichungen mit
+weitern formellen Potenzen darauf zurückgeführt werden müssen, gerade
+wie das rechtwinklichte Dreieck in der Geometrie das
+Schlechthin-in-sich-Bestimmtseyn enthält, das im pythagoräischen
+Lehrsatz exponirt ist, weswegen auch darauf für die totale Bestimmung
+alle anderen geometrischen Figurationen reducirt werden müssen.
+
+Ein nach einem logisch gebildetem Urtheile fortschreitender
+Unterricht handelt die Lehre von den Potenzen vor der Lehre über die
+Proportionen ab; diese schließen sich zwar an den Unterschied von
+Einheit und Anzahl an, der die Bestimmung der zweiten Rechnungsart
+ausmacht, aber sie treten aus dem Eins des unmittelbaren Quantums, in
+welchem Einheit und Anzahl nur Momente sind, heraus; die
+Fortbestimmung nach demselben bleibt ihm selbst auch noch äußerlich.
+Die Zahl im Verhältnisse ist nicht mehr als unmittelbares Quantum; es
+hat seine Bestimmtheit dann als Vermittelung; das quantitative
+Verhältniß wird im Nachfolgenden betrachtet.
+
+Von der angegebenen Fortbestimmung der Rechnungsarten kann gesagt
+werden, daß sie keine Philosophie über dieselben, keine Darlegung
+etwa ihrer innern Bedeutung sey, weil sie in der That nicht eine
+immanente Entwickelung des Begriffes ist. Aber die Philosophie muß
+dieß zu unterscheiden wissen, was seiner Natur nach ein sich selbst
+äußerlicher Stoff ist, daß dann an einem solchen der Fortgang des
+Begriffs nur auf äußerliche Weise geschehen, und dessen Momente auch
+nur in der eigenthümlichen Form ihrer Äußerlichkeit, wie hier
+Gleichheit und Ungleichheit, seyn können. Die Unterscheidung der
+Sphären, in welche eine bestimmte Form des Begriffs gehört, d. h. als
+Existenz vorhanden ist, ist ein wesentliches Erforderniß zum
+Philosophiren über reale Gegenstände, um nicht das Äußerliche und
+Zufällige durch Ideen in seiner Eigenthümlichkeit zu stören, wie
+diese Ideen durch die Unangemessenheit des Stoffes zu entstellen und
+formell zu machen. Jene Äußerlichkeit aber, in welcher die
+Begriffsmomente an jenem äußerlichen Stoffe, der Zahl, erscheinen,
+ist hier die angemessene Form; indem sie den Gegenstand in seinem
+Verstande darstellen, auch da sie keine spekulative Anforderung
+enthalten und daher leicht erscheinen, verdienen sie in den
+Lehrbüchern der Elemente angewendet zu werden.
+
+Anmerkung 2.
+
+Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftverhältnisse oder Philosopheme in
+Zahlen dargestellt, auch in neueren Zeiten ist von ihnen und Formen
+ihrer Beziehungen, wie Potenzen u.s.f. in der Philosophie Gebrauch
+gemacht worden, um die Gedanken darnach zu reguliren oder damit
+auszudrücken.--In pädagogischer Rücksicht ist die Zahl für den
+geeignetsten Gegenstand des innern Anschauens, und die rechnende
+Beschäftigung mit Verhältnissen derselben für die Thätigkeit des
+Geistes gehalten worden, worin er seine eigensten Verhältnisse und
+überhaupt die Grundverhältnisse des Wesens zur Anschauung bringe.
+--Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beikommen könne, geht aus ihrem
+Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat.
+
+Die Zahl sahen wir als die absolute Bestimmtheit der Quantität, und
+ihr Element als den gleichgültig gewordenen Unterschied;--die
+Bestimmtheit an sich, die zugleich völlig nur äußerlich gesetzt ist.
+Die Arithmetik ist analytische Wissenschaft, weil alle Verknüpfungen
+und Unterschiede, die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm
+selbst liegen, sondern ihm völlig äußerlich angethan sind. Sie hat
+keinen konkreten Gegenstand, welcher innere Verhältnisse an sich
+hätte, die zunächst für das Wissen verborgen, nicht in der
+unmittelbaren Vorstellung von ihm gegeben, sondern erst durch die
+Bemühung des Erkennens herauszubringen wären. Sie enthält nicht nur
+den Begriff und damit die Aufgabe für das begreifende Denken nicht,
+sondern ist das Gegentheil desselben. Um der Gleichgültigkeit des
+Verknüpften gegen die Verknüpfung, der die Nothwendigkeit fehlt,
+willen, befindet sich das Denken hier in einer Thätigkeit, die
+zugleich die äußerste Entäußerung seiner selbst ist, in der
+gewaltsamen Thätigkeit, sich in der Gedankenlosigkeit zu bewegen und
+das keiner Nothwendigkeit Fähige zu verknüpfen. Der Gegenstand ist
+der abstrakte Gedanke der Äußerlichkeit selbst.
+
+Als dieser Gedanke der Äußerlichkeit ist die Zahl zugleich die
+Abstraktion von der sinnlichen Mannigfaltigkeit; sie hat von dem
+Sinnlichen nichts als die abstrakte Bestimmung der Äußerlichkeit
+selbst behalten; hierdurch ist dieses in ihr dem Gedanken am nächsten
+gebracht; sie ist der reine Gedanke der eignen Entäußerung des
+Gedankens.
+
+Der Geist, der sich über die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen
+erkennt, indem er ein Element für seine reine Vorstellung, für den
+Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher, ehe er den Gedanken selbst
+als dieß Element faßt, und für dessen Darstellung den rein geistigen
+Ausdruck gewinnt, darauf verfallen, die Zahl, diese innerliche,
+abstrakte Äußerlichkeit zu wählen. Darum sehen wir in der Geschichte
+der Wissenschaft früh die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen
+gebraucht werden. Sie macht die letzte Stufe der Unvollkommenheit
+aus, das Allgemeine mit Sinnlichem behaftet zu fassen. Die Alten
+haben das bestimmte Bewußtseyn darüber gehabt, daß die Zahl zwischen
+dem Sinnlichen und dem Gedanken in der Mitte stehe. Aristoteles
+führt es von Plato an (Metaphys. I,5) daß derselbe sage, daß außer
+dem Sinnlichen und den Ideen die mathematischen Bestimmungen der
+Dinge dazwischen stehen, von dem Sinnlichen dadurch unterschieden sey,
+daß sie unsichtbar (ewig) und unbewegt seyen, von den Ideen aber,
+daß sie ein Vieles und ein Ähnliches seyen, die Idee aber schlechthin
+nur identisch mit sich und in sich Eines sey.--Eine ausführlichere
+gründlich gedachte Reflexion hierüber von Moderatus aus Cadix wird in
+Malchi Vita Pythagorae ed. Ritterhus. p. 30f. angeführt; daß die
+Pythagoräer auf die Zahlen gefallen seyen, schreibt er dem zu, daß
+sie noch nicht vermocht haben, die Grundideen und ersten Principien
+deutlich in der Vernunft zu fassen, weil diese Principien schwer zu
+denken und schwer auszusprechen seyen; die Zahlen dienen zur
+Bezeichnung gut beim Unterrichte; sie haben darin unter anderem die
+Geometer nachgeahmt, welche das Körperliche nicht in Gedanken
+ausdrücken können, die Figuren gebrauchen, und sagen, dieß sey ein
+Dreieck, wobei sie aber wollen, daß nicht die in die Augen fallende
+Zeichnung für das Dreieck genommen, sondern damit nur der Gedanke
+desselben vorgestellt sey. So haben die Pythagoräer den Gedanken der
+Einheit, der Dieselbigkeit und Gleichheit und den Grund der
+Übereinstimmung, des Zusammenhangs und der Erhaltung von Allem, des
+mit sich selbst Identischen, als Eins ausgesprochen u.s.f.--Es ist
+überflüssig zu bemerken, daß die Pythagoräer von dem Zahlenauch zum
+Gedanken-Ausdruck, zu den ausdrücklichen Kategorien des Gleichen und
+Ungleichen, der Grenze und der Unendlichkeit übergegangen sind, es
+wird schon in Ansehung jener Zahlausdrücke (ebend. in den Anm. zu p.
+31 l.s. aus einem Leben des Pythagoras bei Photius p. 772) angeführt,
+daß die Pythagoräer zwischen der Monas und dem Eins unterschieden
+haben; die Monas haben sie als den Gedanken genommen, das Eins aber
+als die Zahl; ebenso die Zwei für das Arithmetische, die Dyas (denn
+so soll es daselbst wohl heißen) für den Gedanken des Unbestimmten.
+--Diese Alten sahen vors Erste das Ungenügende der Zahlformen für
+Gedankenbestimmungen sehr richtig ein, und ebenso richtig forderten
+sie ferner stattjenes ersten Nothbehelfs für Gedanken den
+eigenthümlichen Ausdruck; um wie viel weiter waren sie in ihrem
+Nachdenken gekommen, als die, welche heutigestages wieder Zahlen
+selbst und Zahlbestimmungen, wie Potenzen, dann das Unendlichgroße,
+Unendlichkleine, Eins dividirt durch das Unendliche und sonstige
+solche Bestimmungen, die selbst auch oft ein verkehrter
+mathematischer Formalismus sind, an die Stelle von
+Gedankenbestimmungen zu setzen und zu jener unvermögenden Kindheit
+zurückzukehren, für etwas Löbliches, ja Gründliches und Tiefes halten.
+
+Wenn vorhin der Ausdruck angeführt worden, daß die Zahl zwischen dem
+Sinnlichen und dem Gedanken stehe, indem sie zugleich von jenem dieß
+habe, das Viele, das Außereinander, an ihr zu seyn, so ist zu
+bemerken, daß dieses Viele selbst, das in den Gedanken aufgenommene
+Sinnliche, die ihm angehörige Kategorie des an ihm selbst Äußerlichen
+ist. Die weiteren, konkreten, wahren Gedanken, das Lebendigste,
+Beweglichste, nur im Beziehen Begriffene, in dieses Element des
+Außersichseyns selbst versetzt, werden zu todten, bewegungslosen
+Bestimmungen. Je reicher an Bestimmtheit und damit an Beziehung die
+Gedanken werden, desto verworrener einer Seits und desto
+willkürlicher und sinnleerer anderer Seits wird ihre Darstellung in
+solchen Formen, als die Zahlen sind. Das Eins, das Zwei, das Drei,
+das Vier, Henas oder Monas, Dyas, Trias, Tetraktys, liegen noch den
+ganz einfachen abstrakten Begriffen nahe; aber wenn Zahlen zu
+konkreten Verhältnissen übergehen sollen, so ist es vergeblich, sie
+noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen,
+
+Wenn nun aber die Denkbestimmungen durch Eins, Zwei, Drei, Vier für
+die Bewegung des Begriffs, als durch welche er allein Begriff ist,
+bezeichnet werden, so ist dieß das Härteste, was dem Denken
+zugemuthet wird. Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der
+Beziehungslosigkeit; sein Geschäfte ist die Arbeit der Verrücktheit.
+Daß z.B. Eins Drei, und Drei Eins ist, zu begreifen, ist darum
+diese harte Zumuthung, weil das Eins das Beziehungslose ist, also
+nicht an ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein
+Entgegengesetztes übergeht, sondern vielmehr dieß ist, eine solche
+Beziehung schlechthin auszuschließen und zu verweigern. Umgekehrt
+benutzt dieß der Verstand gegen die spekulative Wahrheit (wie z.B.
+gegen die in der Lehre, welche die der Dreieinigkeit genannt wird,
+niedergelegte) und zählt die Bestimmungen derselben, welche Eine
+Einheit ausmachen, um sie als klaren Widersinn aufzuzeigen,--d. h. er
+selbst begeht den Widersinn, das, was schlechthin Beziehung ist, zum
+Beziehungslosen zu machen. Bei dem Namen Dreieinigkeit ist freilich
+nicht darauf gerechnet worden, daß vom Verstand das Eins und die Zahl
+als die wesentliche Bestimmtheit des Inhalts betrachtet werden würde.
+Jener Name drückt die Verachtung gegen den Verstand aus, der aber
+seine Eitelkeit, am Eins und der Zahl als solcher zu halten,
+festgestellt und sie gegen die Vernunft gestellt hat.
+
+Zahlen, geometrische Figuren, wie dieß viel vom Kreis, Dreieck u.s.f.
+geschen ist, als bloße Symbole (des Kreises, z.B. von der Ewigkeit,
+des Dreiecks von der Dreieinigkeit) zu nehmen ist--einer Seits etwas
+Unverfängliches; aber thöricht ist es anderer Seits, zu meinen, daß
+dadurch mehr ausgedrückt sey, als der Gedanke zu fassen und
+auszudrücken vermöge. Wenn in solchen Symbolen, wie in andern, die
+von der Phantasie in den Mythologien der Völker und in der Dichtkunst
+überhaupt erzeugt werden, gegen welche die phantasielosen
+geometrischen Figuren ohnehin dürftig sind, wie auch in diesen eine
+tiefe Weisheit, tiefe Bedeutung liegen soll, so ist es eben dem
+Denken allein darum zu thun, die Weisheit, die nur darin liegt, und
+nicht nur in Symbolen, sondern in der Natur und im Geiste, heraus zu
+Tage zu fördern; in Symbolen ist die Wahrheit durch das sinnliche
+Element noch getrübt und verhüllt; ganz offenbar wird sie allein dem
+Bewußtseyn in der Form des Gedanken; die Bedeutung ist nur der
+Gedanke selbst.
+
+Aber mathematische Kategorien herbeizunehmen, um daraus für die
+Methode oder den Inhalt philosophischer Wissenschaft etwas bestimmen
+zu wollen, zeigt sich wesentlich dadurch als etwas Verkehrtes, daß
+insofern mathematische Formeln Gedanken und Begriffsunterschiede
+bedeuten, diese ihre Bedeutung sich vielmehr zuerst in der
+Philosophie anzugeben, zu bestimmen und zu rechtfertigen hat. In
+ihren konkreten Wissenschaften hat diese das Logische aus der Logik,
+nicht aus der Mathematik zu nehmen; es kann nur ein Nothbehelf der
+philosophischen Unvermögenheit seyn, zu den Gestaltungen, die das
+Logische in anderen Wissenschaften annimmt, und deren viele nur
+Ahnungen, andere auch Verkümmerungen desselben sind, für das Logische
+der Philosophie seine Zuflucht zu nehmen. Die bloße Anwendung
+solcher entlehnten Formeln ist ohnehin ein äußerliches Verhalten; der
+Anwendung selbst müßte ein Bewußtseyn über ihren Werth wie über ihre
+Bedeutung vorangehen; ein solches Bewußtseyn aber giebt nur die
+denkende Betrachtung, nicht die Autorität derselben aus der
+Mathematik. Solches Bewußtseyn über sie ist die Logik selbst, und
+dieß Bewußtseyn streift ihre partikulare Form ab, macht diese
+überflüssig und unnütz, berichtigt sie und verschafft ihnen allein
+ihre Berechtigung, Sinn und Werth.
+
+Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat,
+insofern er eine pädagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus
+dem Bisherigen von selbst hervor. Die Zahl ist ein unsinnlicher
+Gegenstand, und die Beschäftigung mit ihr und ihren Verbindungen, ein
+unsinnliches Geschäft; der Geist wird somit dadurch zur Reflexion in
+sich und einer innerlichen abstrakten Arbeit angehalten, was eine
+große, jedoch einseitige Wichtigkeit hat. Denn auf der anderen Seite,
+da der Zahl nur der äußerliche, gedankenlose Unterschied zu Grunde
+liegt, wird jenes Geschäfte ein gedankenloses, mechanisches. Die
+Kraftanstrengung besteht vornehmlich darin, Begriffloses festzuhalten,
+und begrifflos es zu verbinden. Der Inhalt ist das leere Eins; der
+gediegene Gehalt des sittlichen und geistigen Lebens und der
+individuellen Gestaltungen desselben, mit welchem als der edelsten
+Nahrung die Erziehung den jugendlichen Geist großziehen soll, sollte
+von dem inhaltslosen Eins verdrängt werden; die Wirkung, wenn jene
+Übungen zur Hauptsache und Hauptbeschäftigung gemacht werden, kann
+keine andere seyn, als den Geist nach Form und Inhalt auszuhöhlen und
+abzustumpfen. Weil das Rechnen ein so sehr äußerliches, somit
+mechanisches Geschäft ist, haben sich Maschinen verfertigen lassen,
+welche die arithmetischen Operationen aufs vollkommenste vollführen.
+Wenn man über die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kennte,
+so läge darin die Entscheidung, was es mit dem Einfalle für eine
+Bewandniß hatte, das Rechnen zum Hauptbildungsmittel des Geistes zu
+machen, und ihn auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen,
+zu legen.
+
+B. Extensives und intensives Quantum
+
+a. Unterschied derselben.
+
+1. Das Quantum hat, wie sich vorhin ergeben, seine Bestimmtheit als
+Grenze in der Anzahl. Es ist ein in sich Diskretes, ein Vieles, das
+nicht ein Seyn hat, welches verschieden wäre von seiner Grenze und
+sie außer ihm hätte. Das Quantum so mit seiner Grenze, die ein
+Vielfaches an ihr selbst ist, ist extensive Größe.
+
+Die extensive Größe ist von der kontinuirlichen zu unterscheiden;
+jener steht direkt nicht die diskrete, sondern die intensive
+gegenüber. Extensive und intensive Größe sind Bestimmtheiten der
+quantitativen Grenze selbst, das Quantum aber ist identisch mit
+seiner Grenze; kontinuirliche und diskrete Größe sind dagegen
+Bestimmungen der Größe an sich, d. i. der Quantität als solcher,
+insofern beim Quantum von der Grenze abstrahirt wird.--Die extensive
+Größe hat das Moment der Kontinuität an ihr selbst und in ihrer
+Grenze, indem ihr Vieles überhaupt Kontinuirliches ist; die Grenze
+als Negation erscheint insofern an dieser Gleichheit der Vielen, als
+Begrenzung der Einheit. Die kontinuirliche Größe ist die sich
+fortsetzende Quantität ohne Rücksicht auf eine Grenze, und insofern
+sie mit einer solchen vorgesstellt wird, ist diese eine Begrenzung
+überhaupt, ohne daß die Diskretion an ihr gesetzt sey. Das Quantum
+nur als kontinuirliche Größe ist noch nicht wahrhaft für sich
+bestimmt, weil sie des Eins, worin das Für-sich-bestimmtseyn liegt,
+und der Zahl entbehrt. Eben so ist die diskrete Größe unmittelbar
+nur unterschiedenes Vieles überhaupt, das, insofern es als solches
+eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h. ein unbestimmt
+Begrenztes wäre; daß es als bestimmtes Quantum sey, dazu gehört das
+Zusammenfassen des Vielen in Eins, wodurch sie mit der Grenze
+identisch gesetzt werden. Jede, die kontinuirliche und diskrete
+Größe, als Quantum überhaupt hat nur eine der beiden Seiten an ihr
+gesetzt, wodurch es vollkommen bestimmt und als Zahl ist. Diese ist
+unmittelbar extensives Quantum,--die einfache Bestimmtheit, die
+wesentlich als Anzahl, jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit
+ist; es ist von der Zahl nur dadurch unterschieden, daß ausdrücklich
+die Bestimmtheit als Vielheit in dieser gesetzt ist.
+
+2. Die Bestimmtheit jedoch, wie groß etwas ist, durch die Zahl,
+bedarf nicht des Unterschiedes von etwas Anderem Großem, so daß zur
+Bestimmtheit dieses Großen es selbst und ein Anderes Großes gehörte,
+indem die Bestimmtheit der Größe überhaupt für-sich-bestimmte,
+gleichgültige, einfach auf sich bezogene Grenze ist; und in der Zahl
+ist sie gesetzt als eingeschlossen in das für-sich-seyende Eins, und
+hat die Äußerlichkeit, die Beziehung-auf-Anderes innerhalb ihrer
+selbst. Dieses Viele der Grenze selbst ferner, ist wie das Viele
+überhaupt, nicht ein in sich Ungleiches, sondern ein Kontinuirliches
+jedes der Vielen ist was das Andere ist; es als vieles
+Außereinanderseyendes oder Diskretes macht daher die Bestimmtheit als
+solche nicht aus. dieß Viele fällt also für sich selbst in seine
+Kontinuität zusammen und wird einfache Einheit.--Die Anzahl ist nur
+Moment der Zahl; aber macht nicht als eine Menge von numerischen Eins
+die Bestimmtheit der Zahl aus, sondern diese Eins als gleichgültige,
+sich Äußerliche, sind im Zurückgekehrtseyn der Zahl in sich
+aufgehoben; die Äußerlichkeit, welche die Eins der Vielheit ausmachte,
+verschwindet in dem Eins, als Beziehung der Zahl auf sich selbst.
+
+Die Grenze des Quantums, das als extensives seine daseyende
+Bestimmtheit als die sich selbst äußerliche Anzahl hatte, geht also
+in einfache Bestimmtheit über. In dieser einfachen Bestimmung der
+Grenze ist es intensive Größe; und die Grenze oder Bestimmtheit, die
+mit dem Quantum identisch ist, ist nun auch so als Einfaches gesetzt,
+--der Grad.
+
+Der Grad ist also bestimmte Größe, Quantum, aber nicht zugleich Menge,
+oder Mehreres innerhalb seiner selbst; er ist nur eine Mehrheit; die
+Mehrheit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammengenommen,
+das Daseyn in das Fürsichseyn zurückgegangen. Seine Bestimmtheit muß
+zwar durch eine Zahl ausgedrückt werden als dem vollkommenen
+Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht als Anzahl, sondern einfach,
+nur Ein Grad. Wenn von 10, 20 Graden gesprochen wird, ist das
+Quantum, das so viele Grade hat, der zehente, zwanzigste Grad, nicht
+die Anzahl und Summe derselben; so wäre es ein extensives; sondern es
+ist nur Einer, der zehnte, zwanzigste Grad. Er enthält die
+Bestimmtheit, welche in der Anzahl zehn, zwanzig liegt, aber enthält
+sie nicht als Mehrere, sondern ist die Zahl als aufgehobene Anzahl,
+als einfache Bestimmtheit.
+
+3. In der Zahl ist das Quantum in seiner vollständigen Bestimmtheit
+gesetzt; als intensives Quantum aber als in ihrem Fürsichseyn, ist es
+gesetzt, wie es seinem Begriffe nach oder an sich ist. Die Form
+nämlich der Beziehung auf sich, welche es im Grade hat, ist zugleich
+das Sich-Äußerlichseyn desselben. Die Zahl ist als extensives
+Quantum numerische Vielheit, und hat so die Äußerlichkeit innerhalb
+ihrer. Diese, als Vieles überhaupt, fällt in die Ununterschiedenheit
+zusammen, und hebt sich auf in dem Eins der Zahl, ihrer Beziehung auf
+sich selbst. Das Quantum hat aber seine Bestimmtheit als Anzahl; es
+enthält, wie vorhin gezeigt worden, sie, ob sie gleich nicht mehr an
+ihm gesetzt ist. Der Grad also, der als in sich selbst einfach dieß
+äußerliche Andersseyn nicht mehr in ihm hat, hat es außer ihm, und
+bezieht sich darauf als auf seine Bestimmtheit. Eine ihm äußerliche
+Vielheit macht die Bestimmtheit der einfachen Grenze, welche er für
+sich ist, aus.
+
+Daß die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven
+Quantum befinden sollte, sich darin aufhob, bestimmt sich somit dahin,
+daß sie außerhalb derselben gesetzt ist. Indem die Zahl als Eins,
+in sich reflektirte Beziehung auf sich selbst gesetzt ist, schheßt
+sie die Gleichgültigkeit und Äußerlichkeit der Anzahl aus sich aus,
+und ist Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein
+Äußerliches.
+
+Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe gemäße Realität. Die
+Gleichgültigkeit der Bestimmtheit macht seine Qualität aus; d. i. die
+Bestimmtheit, die an ihr selbst als die sich äußerliche Bestimmtheit
+ist.--Sonach ist der Grad einfache Größenbestimmtheit unter einer
+Mehrheit solcher Intensitäten, die verschieden, jede nur einfache
+Beziehung auf sich selbst, zugleich aber in wesentlicher Beziehung
+auf einander sind, so daß jede in dieser Kontinuität mit den anderen
+ihre Bestimmtheit hat. Diese Beziehung des Grades durch sich selbst
+auf sein Anderes, macht das Auf- und Absteigen an der Skale der Grade
+zu einem stätigen Fortgang, einem Fließen, das eine ununterbrochene,
+untheilbare Veränderung ist; jedes der Mehrern, die darin
+unterschieden werden, ist nicht getrennt von den Anderen, sondern hat
+sein Bestimmtseyn nur in diesen. Als sich auf sich beziehende
+Größebestimmung ist jeder der Grade gleichgültig gegen die andern;
+aber er ist eben so sehr an sich auf diese Äußerlichkeit bezogen, er
+ist nur vermittelst derselben, was er ist, seine Beziehung auf sich
+ist in einem die nicht gleichgültige Beziehung auf das Äußerliche,
+hat in dieser seine Qualität.
+
+b. Identität der extensiven und intensiven Größe.
+
+Der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Äußerliches. Allein er
+ist nicht das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl überhaupt, das
+nicht Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu sein. Die
+intensive Größe ist zunächst ein einfaches Eins der Mehrern; es sind
+mehrere Grade; bestimmt sind sie aber nicht, weder als einfaches Eins,
+noch als Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Außersichseyns,
+oder in der Identität des Eins und der Mehrheit. Wenn also die
+Mehreren als solche zwar außer dem einfachen Grade sind, so besteht
+in seiner Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthält also die
+Anzahl. Wie zwanzig als extensive Größe die zwanzig Eins als
+diskrete in sich enthält, so enthält der bestimmte Grad sie als
+Kontinuität, welche diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der
+zwanzigste Grad; und ist der zwanzigste Grad nur vermittelst dieser
+Anzahl, die als solche außer ihm ist.
+
+Die Bestimmtheit der intensiven Größe ist daher von doppelter Seite
+zu betrachten. Sie ist bestimmt durch andere intensive Quanta, und
+ist in Kontinuität mit ihrem Andersseyn, so daß in dieser Beziehung
+auf dasselbe ihre Bestimmtheit besteht. Insofern sie nun erstens die
+einfache Bestimmtheit ist, ist sie bestimmt gegen andere Grade; sie
+schließt dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem
+Ausschließen. Aber zweitens ist sie an ihr selbst bestimmt; sie ist
+dieß in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht in ihr als
+ausgeschlossener, oder nicht in der Anzahl anderer Grade. Der
+zwanzigste Grad enthält die zwanzig an ihm selbst; er ist nicht nur
+bestimmt als unterschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u.s.f.
+sondern seine Bestimmtheit ist seine Anzahl. Aber insofern die
+Anzahl die seinige ist, und die Bestimmtheit ist zugleich wesentlich
+als Anzahl, so ist er extensives Quantum.
+
+Extensive und intensive Größe sind also eine und dieselbe
+Bestimmtheit des Quantums; sie sind nur dadurch unterschieden, daß
+die eine die Anzahl als innerhalb ihrer, die andere dasselbe, die
+Anzahl als außer ihr hat. Die extensive Größe geht in intensive
+Größe über, weil ihr Vieles an und für sich in die Einheit
+zusammenfällt, außer welcher das Viele tritt. Aber umgekehrt hat
+dieses Einfache seine Bestimmtheit nur an der Anzahl und zwar als
+seiner; als gleichgültig gegen die anders bestimmten Intensitäten hat
+es die Äußerlichkeit der Anzahl an ihm selbst; so ist die intensive
+Größe eben so wesentlich extensive Größe.
+
+Mit dieser Identität tritt das qualitative Etwas ein; denn sie ist
+sich durch die Negation ihrer Unterschiede auf sich beziehende
+Einheit, diese Unterschiede aber machen die daseyende
+Größe-Bestimmtheit aus; diese negative Identität ist also Etwas, und
+zwar das gegen seine quantitative Bestimmtheit gleichgültig ist.
+Etwas ist ein Quantum, aber nun ist das qualitative Daseyn, wie es an
+sich ist, als gleichgültig dagegen gesetzt. Es konnte vom Quantum,
+der Zahl als solcher u.s.f. ohne ein Etwas, das deren Substrat wäre,
+gesprochen werden. Aber nun tritt Etwas diesen seinen Bestimmungen,
+durch deren Negation init sich vermittelt, als für sich daseyend
+gegenüber, und, indem es ein Quantum hat, als dasselbe, welches ein
+extensives und intensives Quantum habe. Seine Eine Bestimmtheit, die
+es als Quantum hat, ist in den unterschiedenen Momenten der Einheit
+und der Anzahl gesetzt; sie ist nicht nur an sich Eine und dieselbe,
+sondern ihr Setzen in diesen Unterschieden, als extensives und
+intensives Quantum, ist das Zurückgehen in diese Einheit, die als
+negative das gegen sie gleichgültig gesetzte Etwas ist.
+
+Anmerkung 1.
+
+In der gewöhnlichen Vorstellung pflegen extensives und intensives
+Quantum so als Arten von Größen unterschieden zu werden, als ob es
+Gegenstände gäbe, die nur intensive, andere, die nur extensive Größe
+hätten. Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen
+Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive, z.
+B. in der Grundbestimmung der Materie, einen Raum zu erfüllen, so
+wie in anderen Begriffen, in ein Intensives verwandelte, in dem Sinne,
+daß das Intensive, als das Dynamische die wahrhafte Bestimmung sey,
+und z.B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfüllung wesentlich
+nicht als eine gewisse Menge und Anzahl materieller Theile in einem
+Quantum Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfüllenden Kraft
+der Materie gefaßt werden müsse.
+
+Es sind hierbei zweierlei Bestimmungen zu unterscheiden. Bei dem,
+was man die Umwandlung der mechanischen Betrachtungsweise in die
+dynamische genannt hat, kommt der Begriff von außereinander
+bestehenden selbstständigen Theilen, die nur äußerlich in ein Ganzes
+verbunden sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor.
+Was in der Raumerfüllung einer Seits nur als eine Menge einander
+äußerlichen Atome angesehen wird, wird anderer Seits als die Äußerung
+einer zu Grunde liegenden einfachen Kraft betrachtet.--Diese
+Verhältnisse voll Ganzen und Theilen, der Kraft und ihrer Äußerung,
+die hier einander gegenüber treten, gehören aber noch nicht hierher,
+sondern werden weiterhin betrachtet werden. Soviel läßt sich
+sogleich erinnern, daß das Verhältniß von Kraft und ihrer Äußerung,
+das dem Intensiven entspricht, zwar zunächst das wahrhaftere ist
+gegen das Verhältniß von Ganzen und Theilen; aber daß darum die Kraft
+nicht weniger einseitig als das Intensive, und die Äußerung, die
+Äußerlichkeit des Extensiven, ebenso untrennbar von der Kraft ist, so
+daß ein und derselbe Inhalt ebenso sehr in beiden Formen, des
+Intensiven und des Extensiven, vorhanden ist.
+
+Die andere Bestimmtheit, die dabei vorkommt, ist die quantitative als
+solche, die als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als
+die wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird; es ist aber
+gezeigt worden, daß dieser ebenso die erstere enthält, so daß die
+eine Form für die andere wesentlich ist, somit jedes Daseyn seine
+Größebestimmung eben so sehr als extensives wie als intensives
+Quantum darstellt.
+
+Als Beispiel hiervon dient daher alles, insofern es in einer
+Größebestimmung erscheint. Selbst die Zahl hat diese gedoppelte Form
+nothwendig unmittelbar an ihr. Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie
+extensive Größe; aber sie ist auch Eins, ein Zehen, ein Hundert;
+insofern steht sie auf dem Übergange zur intensiven Größe, indem in
+dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht. Eins ist
+extensive Größe an sich, es kann als eine beliebige Anzahl von
+Theilen vorgestellt werden. So das Zehnte, das Hundertste ist dieß
+Einfache, Intensive, das seine Bestimmtheit an dem außer ihm
+fallenden Mehrern d. i. am Extensiven hat. Die Zahl ist Zehen,
+Hundert, und zugleich die Zehnte, Hundertste im Zahlensystem; beides
+ist dieselbe Bestimmtheit.
+
+Das Eins im Kreise heißt Grad, weil der Theil des Kreises wesentlich
+seine Bestimmtheit in dem Mehrern außer ihm hat, als eines nur einer
+geschlossenen Anzahl solcher Eins bestimmt ist. Der Grad des Kreises
+ist als bloße Raumgröße nur eine gewöhnliche Zahl; als Grad angesehen
+ist er die intensive Größe, die einen Sinn nur hat, als bestimmt
+durch die Anzahl von Graden, in die der Kreis getheilt ist, wie die
+Zahl überhaupt ihren Sinn nur hat in der Zahlenreihe.
+
+Die Größe eines konkretern Gegenstandes stellt ihre gedoppelte Seite,
+extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen seines
+Daseyns dar, in deren einer er als ein Äußerliches, in der andern
+aber als ein Innerliches erscheint. So ist z.B. eine Masse als
+Gewicht, ein extensiv-Großes, insofern sie eine Anzahl von Pfunden,
+Centnern u.s.f. ausmacht; ein intensiv-Großes, insofern sie einen
+gewissen Druck ausübt; die Größe des Drucks ist ein Einfaches, ein
+Grad, der seine Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes
+hat. Als drückend erscheint die Masse als ein In-sich-seyn, als
+Subjekt, dem der intensive Größenunterschied zukommt.--Umgekehrt was
+diesen Grad des Drucks ausübt, ist vermögend, eine gewisse Anzahl von
+Pfunden u.s.f. von der Stelle zu bewegen, und mißt seine Größe hieran.
+
+Oder die Wärme hat einen Grad; der Wärmegrad, er sey der l0te, 20ste
+u.s.f. ist eine einfache Empfindung, ein Subjektives. Aber dieser
+Grad ist eben so sehr vorhanden als extensive Größe, als die
+Ausdehnung einer Flüssigkeit, des Quecksilbers im Thermometer, der
+Luft oder des Thons u.s.f. Ein höherer Grad der Temperatur drückt
+sich aus als eine längere Quecksilbersäule, oder als ein schmälerer
+Thoncylinder; er erwärmt einen größern Raum auf dieselbe Weise als
+ein geringerer Grad nur den kleinern Raum.
+
+Der höhere Ton ist als der intensivere, zugleich eine größere Menge
+von Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein höherer Grad
+zugeschrieben wird, macht sich in einem größern Raume hörbar.--Mit
+der intensivern Farbe läßt sich eine größere Fläche, als mit einer
+schwächern, auf gleiche Weise färben; oder das Hellere, eine andere
+Art von Intensität, ist weiter sichtbar als das weniger Helle u.s.f.
+
+Eben so im Geistigen ist die hohe Intensität des Charakters, Talents,
+Genies, von eben so weitgreifendem Daseyn, ausgedehnter Wirkung und
+vielseitiger Berührung. Der tiefste Begriff hat die allgemeinste
+Bedeutung und Anwendung.
+
+Anmerkung 2.
+
+Kant hat einen eigenthümlichen Gebrauch von der Anwendung der
+Bestimmtheit des intensiven Quantums auf eine metaphysische
+Bestimmung der Seele gemacht. In der Kritik der metaphysischen Sätze
+von der Seele, die er Paralogismen der reinen Vernunft nennt, kommt
+er auf die Betrachtung des Schlusses von der Einfachheit der Seele
+auf die Beharrlichkeit derselben. Er setzt diesem Schlusse entgegen,
+(Kr. d. r. Vern. S. 414), "daß, wenn wir gleich der Seele diese
+einfache Natur einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außer
+einander, mithin keine extensive Größe enthält, man ihr doch so wenig
+wie irgend einem Existirenden, intensive Größe, d. i. einen Grad der
+Realität in Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen,
+was das Daseyn ausmacht, abläugnen könne, welcher durch alle
+unendlich viele kleinere Grade abnehmen, und so die vorgebliche
+Substanz obgleich nicht durch Vertheilung, doch durch allmälige
+Nachlassung (remissio) ihrer Kräfte, in nichts verwandelt werden
+könne; denn selbst das Bewußtseyn hatjederzeit einen Grad, der immer
+noch vermindert werden kann, folglich auch das Vermögen sich seiner
+bewußt zu seyn, und so alle übrige Vermögen."--Die Seele wird in der
+rationellen Psychologie, wie diese abstrakte Metaphysik war, nicht
+als Geist, sondern als ein nur unmittelbar Seyendes, als Seelending
+betrachtet. So hat Kant das Recht, die Kategorie des Quantums, "wie
+auf irgend ein Existirendes" und insofern dieß Seyende als einfach
+bestimmt ist, die des intensiven Quantums auf dasselbe anzuwenden.
+Dem Geiste kommt allerdings Seyn zu, aber von ganz anderer Intensität,
+als die des intensiven Quantums ist, vielmehr einer solchen
+Intensität, in welcher die Form des nur unmittelbaren Seyns und alle
+Kategorie desselben als aufgehoben sind. Es war nicht nur die
+Entfernung der Kategorie des extensiven Quantums zuzugeben, sondern
+die des Quantums überhaupt zu entfernen. Ein Weiteres aber ist noch,
+zu erkennen, wie in der ewigen Natur des Geistes Daseyn, Bewußtseyn,
+Endlichkeit ist und daraus hervorgeht, ohne daß er dadurch ein Ding
+würde.
+
+c. Die Veränderung des Quantums.
+
+Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der
+Bestimmtheit des Quantums als solcher gleichgültig. Aber überhaupt
+ist das Quantum die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die
+gleichgültige Grenze, die Bestimmtheit, welche eben so sehr die
+Negation ihrer selbst ist. In der extensiven Größe ist dieser
+Unterschied entwickelt, aber die intensive Größe ist das Daseyn
+dieser Äußerlichkeit, die das Quantum in sich ist. Er ist als sein
+Widerspruch in sich selbst gesetzt, die einfache sich auf sich
+beziehende Bestimmtheit zu seyn, welche die Negation ihrer selbst ist,
+ihre Bestimmtheit nicht an ihr, sondern in einem anderen Quantum zu
+haben.
+
+Ein Quantum ist also seiner Qualität nach in absoluter Kontinuität
+mit seiner Äußerlichkeit, mit seinem Andersseyn, gesetzt. Es kann
+daher nicht nur über jede Größebestimmtheit hinausgegangen, sie kann
+nicht nur verändert werden, sondern es ist dieß gesetzt, daß sie sich
+verändern muß. Die Größebestimmung kontinuirt sich so in ihr
+Andersseyn, daß sie ihr Seyn nur in dieser Kontinuität mit einem
+anderen hat; sie ist nicht eine seyende, sondern eine werdende Grenze.
+
+Das Eins ist unendlich oder die sich auf sich beziehende Negation,
+daher die Repulsion seiner von sich selbst. Das Quantum ist
+gleichfalls unendlich, gesetzt als die sich auf sich beziehende
+Negativität; es repellirt sich von sich selbst. Aber es ist ein
+bestimmtes Eins, das Eins welches in Daseyn und in die Grenze
+übergegangen ist, also die Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst,
+nicht das Erzeugen des sich selbst Gleichen, wie die Repulsion des
+Eins, sondern seines Andersseyns, es ist nun an ihm selbst gesetzt,
+über sich hinaus zu schicken, und ein Anderes zu werden. Es besteht
+darin, sich zu vermehren oder zu verhindern; es ist die Äußerlichkeit
+der Bestimmtheit an ihm selbst.
+
+Das Quantum schickt sich also selbst über sich hinaus; dieß Andere,
+zu dem es wird, ist zunächst selbst ein Quantum; aber ebenso als eine
+nicht seyende, sondern sich über sich selbst hinaustreibende Grenze.
+Die in diesem Hinausgehen wieder entstandene Grenze ist also
+schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt und zu einer
+fernern schickt, und so fort ins Unendliche.
+
+
+C. Die quantitative Unendlichkeit
+
+a. Begriff derselben.
+
+Das Quantum verändert sich und wird ein anderes Quantum; die weitere
+Bestimmung dieser Veränderung, daß sie ins Unendliche fortgeht, liegt
+darin, daß das Quantum als an ihm selbst sich widersprechend gestellt
+ist.--Das Quantum wird ein Anderes; es kontinuirt sich aber in sein
+Andersseyn; das Andere ist also auch ein Quantum. Aber dieses ist
+das Andere nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst, das
+Negative seiner als eines Begrenzten, somit seine Unbegrenztheit,
+Unendlichkeit. Das Quantum ist ein Sollen; es enthält,
+Für-sich-bestimmt zu seyn, und dieses Für-sich-bestimmtseyn ist
+vielmehr das Bestimmtseyn in einem Anderen; und umgekehrt ist es das
+aufgehobene Bestimmtseyn in einem Andern, ist gleichgültiges
+Bestehen-für-sich.
+
+Die Endlichkeit und Unendlichkeit erhalten dadurch sogleich jede an
+ihr selbst eine gedoppelte, und zwar entgegengesetzte Bedeutung.
+Endlich ist das Quantum erstens als Begrenztes überhaupt, zweitens,
+als das Hinausschicken über sich selbst, als das Bestimmtseyn in
+einem Anderen. Die Unendlichkeit desselben aber ist erstens sein
+Nichtbegrenztseyn; zweitens sein Zurückgekehrtseyn-in-sich, das
+gleichgültige Fürsichseyn. Vergleichen wir sogleich diese Momente
+mit einander, so ergiebt sich, daß die Bestimmung der Endlichkeit des
+Quantums, das Hinausschicken über sich zu einem Anderen, in dem seine
+Bestimmung liege, ebenso Bestimmung des Unendlichen ist; die Negation
+der Grenze ist dasselbe Hinaus über die Bestimmtheit, so daß das
+Quantum in dieser Negation, dem Unendlichen, seine letzte
+Bestimmtheit habe. Das andere Moment der Unendlichkeit ist das gegen
+die Grenze gleichgültige Fürsichseyn; das Quantum selbst aber ist so
+das Begrenzte, daß es das für sich Gleichgültige gegen seine Grenze,
+damit gegen andere Quanta und sein Hinaus, ist. Die Endlichkeit und
+die (von ihr getrennt seyn sollende, schlechte) Unendlichkeit haben
+beim Quantum jede das Moment der anderen bereits an ihr.
+
+Das qualitative und quantitative Unendliche unterscheiden sich
+dadurch, daß im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen
+qualitativ ist, und der Übergang des Endlichen in das Unendliche,
+oder die Beziehung beider auf einander nur im Ansich, in ihrem
+Begriffe liegt. Die qualitative Bestimmtheit ist als unmittelbar,
+und bezieht sich auf das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr
+anderes Seyn, sie ist nicht gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an
+ihr selbst zu haben. Die Größe hingegen ist, als solche, aufgehobene
+Bestimmtheit; sie ist gesetzt, ungleich mit sich und gleichgültig
+gegen sich selbst, daher das Veränderliche zu seyn. Das qualitative
+Endliche und Unendliche stehen sich daher absolut d. h. abstrakt
+gegeneinander über; ihre Einheit ist, die zu Grunde liegende
+innerliche Beziehung; das Endliche kontinuirt sich daher nur an sich,
+aber nicht an ihm, in sein Anderes. Hingegen das quantitative
+Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein Unendliches, an dem es
+seine absolute Bestimmtheit habe. Diese ihre Beziehung stellt
+zunächst der quantitativ-unendliche Progreß dar.
+
+b. Der quantitative unendliche Progreß.
+
+Der Progreß ins Unendliche ist überhaupt der Ausdruck des
+Widerspruchs, hier desjenigen, den das quantitativ-Endliche oder das
+Quantum überhaupt enthält. Er ist die Wechselbestimmung des
+Endlichen und Unendlichen, die in der qualitativen Sphäre betrachtet
+worden ist, mit dem Unterschiede, daß wie so eben erinnert, im
+Quantitativen sich die Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits
+fortschickt und fortsetzt, somit umgekehrt auch das
+quantitativ-Unendliche gesetzt ist, das Quantum an ihm selbst zu
+haben, denn das Quantum ist in seinem Außersichseyn zugleich es
+selbst; seine Äußerlichkeit gehört seiner Bestimmung an.
+
+Der unendliche Progreß ist nun nur der Ausdruck dieses Widerspruchs,
+nicht die Auflösung desselben, aber um der Kontinuität willen der
+einen Bestimmtheit in ihre andere führt er eine scheinbare Auflösung
+in einer Vereinigung beider herbei. Wie er zunächst gesetzt ist, ist
+er die Aufgabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben; das
+perennirende Erzeugen desselben, ohne über das Quantum selbst
+hinauszukommen, und ohne daß das Unendliche ein Positives und
+Gegenwärtiges würde. Das Quantum hat es in seinem Begriffe ein
+Jenseits seiner zu haben. Dieß Jenseits ist erstlich das abstrakte
+Moment des Nichtseyns des Quantums; dieses löst sich an sich selbst
+auf; so bezieht es sich auf sein Jenseits als auf seine Unendlichkeit,
+nach dem qualitativen Momente des Gegensatzes. Aber zweitens steht
+das Quantum in Kontinuität mit diesem Jenseits; das Quantum besteht
+eben darin, das Andere seiner selbst, sich selbst äußerlich zu seyn;
+also ist dieß Äußerliche eben so sehr nicht ein Anderes als das
+Quantum; das Jenseits oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum.
+Das Jenseits ist auf diese Weise aus seiner Flucht zurückgerufen,
+und das Unendliche erreicht. Aber weil dieß zum Diesseits gewordene
+wieder ein Quantum ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt
+worden; diese, als Quantum, ist auch wieder von sich selbst geflohen,
+ist als solches über sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn, in
+sein Jenseits von sich selbst repellirt, das ebenso perennirend zum
+Quantum wird, als dieses sich von sich selbst zum Jenseits abstößt.
+
+Die Kontinuität des Quantums in sein Anderes bringt die Verbindung
+beider in dem Ausdruck eines Unendlich-Großen oder Unendlich-Kleinen
+hervor. Da beide die Bestimmung des Quantums noch an ihnen haben,
+bleiben sie veränderliche und die absolute Bestimmtheit, die ein
+Für-sichseyn wäre, ist also nicht erreicht. Dieß Außersichseyn der
+Bestimmung ist in dem gedoppelten Unendlichen, das sich nach dem Mehr
+und Weniger entgegengesetzt ist, dem Unendlich-großen und Kleinen,
+gesetzt. An jedem selbst ist das Quantum im perennirenden Gegensatze
+gegen sein Jenseits erhalten. Das Große noch so sehr erweitert,
+schwindet zur Unbeträchtlichkeit zusammen; indem es sich auf das
+Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz
+qualitativ; das erweiterte Quantum hat daher dem Unendlichen nichts
+abgewonnen; dieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben. Oder,
+die Vergrößerung des Quantums ist keine Näherung zum Unendlichen,
+denn der Unterschied des Quantums und seiner Unendlichkeit hat
+wesentlich auch das Moment ein nicht quantitativer Unterschied zu
+seyn. Es ist nur der ins Engere gebrachte Ausdruck des Widerspruchs;
+es soll ein Großes d. i. ein Quantum, und unendlich, d. i. kein
+Quantum seyn.--Eben so das Unendlichkleine ist als Kleines ein
+Quantum und bleibt daher absolut d. h. qualitativ zu groß für das
+Unendliche, und ist diesem entgegengesetzt. Es bleibt in beiden der
+Widerspruch des unendlichen Progresses erhalten der in ihnen sein
+Ziel gefunden haben sollte.
+
+Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen beharrlich
+bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu
+bezeichnen. Sie ist wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, das
+perennirende Herüber- und Hinübergehen von dem einen Gliede des
+bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn,
+von diesem aufs neue zurück zu ebenderselben, zur Grenze. Im
+Progresse des Quantitativen ist das, zu dem fortgegangen wird, zwar
+nicht ein abstrakt Anderes überhaupt, sondern ein als verschieden
+gesetztes Quantum; aber es bleibt auf gleiche Weise im Gegensatze
+gegen seine Negation. Der Progreß ist daher gleichfalls nicht ein
+Fortgehen und Weiterkommen, sondern ein Wiederholen von einem und
+eben demselben, Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben;
+eine Ohnmacht des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein
+Aufheben selbst als ein Kontinuirliches wiederkehrt. Es sind zwei so
+zusammengeknüpft, daß sie sich schlechthin fliehen; und indem sie
+sich fliehen, können sie sich nicht trennen, sondern sind in ihrer
+gegenseitigen Flucht verknüpft.
+
+Anmerkung 1.
+
+Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornehmlich in der Form des
+Progresses des Quantitativen ins Unendliche,--dieß fortgehende
+Überfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der
+perennirende Rückfall in dieselbe,--für etwas Erhabenes und für eine
+Art von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der
+Philosophie als ein Letztes angesehen worden ist. Dieser Progreß hat
+vielfach zu Tiraden gedient, die als erhabene Produktionen bewundert
+worden sind. In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht
+den Gegenstand groß, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das
+Subjekt, das so große Quantitäten in sich verschlingt. Die
+Dürftigkeit dieser subjektiv bleibenden Erhebung, die an der Leiter
+des Quantitativen hinaufsteigt, thut sich selbst damit kund, daß sie
+in vergeblicher Arbeit dem unendlichen Ziele nicht näher zu kommen
+eingesteht, welches zu erreichen freilich ganz anders anzugreifen ist.
+
+Bei folgenden Tiraden dieser Art ist zugleich ausgedrückt, in was
+solche Erhebung übergeht und aufhört. Kant z.B. führt es als
+erhaben auf, (Kr. d. prakt. V. Schl.)
+
+"wenn das Subjekt mit dem Gedanken sich über den Platz erhebt, den es
+in der Sinnenwelt einnimmt, und die Verknüpfung ins unendlich Große
+erweitert, eine Verknüpfung mit Sternen über Sternen, mit Welten über
+Welten, Systemen über Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten
+ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.--Das
+Vorstellen erliegt diesem Fortgehen ins Unermeßlich-Ferne, wo die
+fernste Welt immer noch eine fernere hat, die so weit zurückgeführte
+Vergangenheit noch eine weitere hinter sich, die noch so weit
+hinausgeführte Zukunft immer noch eine andere vor sich; der Gedanke
+erliegt dieser Vorstellung des Unermeßlichen; wie ein Traum, daß
+einer einen langen Gang immer weiter und unabsehbar weiter fortgehe,
+ohne ein Ende abzusehen, mit Fallen oder mit Schwindel endet."
+
+Diese Darstellung, außerdem daß sie den Inhalt des quantitativen
+Erhebens in einen Reichthum der Schilderung zusammendrängt, verdient
+wegen der Wahrhaftigkeit vornehmlich Lob, mit der sie es angiebt, wie
+es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist
+Fallen und Schwindel. Was den Gedanken erliegen macht, und das
+Fallen desselben und den Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes,
+als die Langeweile der Wiederholung, welche eine Grenze verschwinden
+und wieder auftreten und wieder verschwinden, so immer das eine um
+das andere, und eins im andern, in dem Jenseits das Diesseits, in dem
+Diesseits das Jenseits perennierend entstehen und vergehen läßt, und
+nur das Gefühl der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens
+giebt, das über das Endliche Meister werden will und nicht kann.
+
+Auch die hallersche, von Kant sogenannte schauderhafte Beschreibung
+der Ewigkeit pflegt besonders bewundert zu werden, aber oft gerade
+nicht wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben
+ausmacht:
+
+"Ich häuffe ungeheure Zahlen, Gebürge Millionen auf, Ich setze Zeit
+auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauf Und wenn ich von der grausen Höh
+Mit Schwindeln wieder nach dir seh, Ist alle Macht der Zahl, vermehrt
+zu tausendmalen, Noch nicht ein Theil von dir." "Ich zieh sie ab, und
+du liegst ganz vor mir."
+
+Wenn auf jenes Aufbürgen und Aufthürmen von Zahlen und Welten als auf
+eine Beschreibung der Ewigkeit der Werth gelegt wird, so wird
+übersehen, daß der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte
+Hinausgehen für etwas Vergebliches und Hohles erklärt, und daß er
+damit schließt, daß nur durch das Aufgeben dieses leeren unendlichen
+Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn
+komme.
+
+Es hat Astronomen gegeben, die sich auf das Erhabene ihrer
+Wissenschaft gern darum viel zu Gute thaten, weil sie mit einer
+unermeßlichen Menge von Sternen, mit so unermeßlichen Räumen und
+Zeiten zu thun habe, in denen Entfernungen und Perioden, die für sich
+schon groß sind, zu Einheiten dienen, welche noch so vielmal genommen,
+sich wieder zur Unbedeutenheit verkürzen. Das schaale Erstaunen,
+dem sie sich dabei überlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst
+noch in jenem Leben von einem Sterne zum anderen zu reisen und ins
+Unermeßliche fort dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, gaben sie
+für ein Hauptmoment der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus,
+--welche bewundernswürdig ist, nicht um solcher quantitativen
+Unendlichkeit willen, sondern im Gegentheil um der Maaßverhältnisse
+und der Gesetze willen, welche die Vernunft in diesen Gegenständen
+erkennt, und die das vernünftige Unendliche gegen jene unvernünftige
+Unendlichkeit sind.
+
+Der Unendlichkeit, die sich auf die äußere sinnliche Anschauung
+bezieht, setzt Kant die andere Unendlichkeit gegenüber, wenn
+
+"das Individuum auf sein unsichtbares Ich zurückgeht, und die
+absolute Freiheit seines Willens als ein reines Ich allen Schrecken
+des Schicksals und der Thyrannei entgegenstellt, von seinen nächsten
+Umgebungen anfangend, sie für sich verschwinden, eben so das, was als
+dauernd erscheint, Welten über Welten in Trümmer zusammenstürzen läßt,
+und einsam sich als sich selbst gleich erkennt."
+
+Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das erreichte Jenseits, es
+ist zu sich selbst gekommen, ist bei sich, diesseits; im reinen
+Selbstbewußtseyn ist die absolute Negativität zur Affirmation und
+Gegenwart gebracht, welche in jenem Fortgehen über das sinnliche
+Quantum nur flieht. Aber indem dieß reine Ich in seiner Abstraktion
+und Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn überhaupt, die
+Fülle des natürlichen und geistigen Universums, als ein Jenseits sich
+gegenüber. Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem
+unendlichen Progresse zu Grunde liegt; nämlich ein Zurückgekehrtseyn
+in sich, das unmittelbar zugleich Außersichseyn, Beziehung auf sein
+Anderes als auf sein Nichtseyn, ist; welche Beziehung eine Sehnsucht
+bleibt, weil Ich sich seine gehaltlose und unhaltbare Leere einer
+Seits, und die in der Negation doch präsent bleibende Fülle als sein
+Jenseits fixirt hat.
+
+Kant fügt diesen beiden Erhabenheiten die Bemerkung bei, "daß
+Bewunderung (für die erstere, äußerliche) und Achtung (für die zweite,
+innerliche) Erhabenheit, zwar zur Nachforschung reizen, aber den
+Mangel derselben nicht ersetzen können".--Er erklärt damit jene
+Erhebungen als unbefriedigend für die Vernunft, welche bei ihnen und
+den damit verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das
+Jenseits und Leere nicht für das Letzte gelten lassen kann.
+
+Als ein Letztes aber ist der unendliche Progreß vornehmlich in seiner
+Anwendung auf die Moralität genommen worden. Der so eben angeführte
+zweite Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, als der
+mannigfaltigen Welt und des in seine Freiheit erhobenen Ichs, ist
+zunächst qualitativ. Das Selbstbestimmen des Ich geht zugleich
+darauf, die Natur zu bestimmen und sich von ihr zu befreien; so
+bezieht es sich durch sich selbst auf sein Anderes, welches als
+äußerliches Daseyn ein Vielfältiges und auch Quantitatives ist. Die
+Beziehung auf ein Quantitatives wird selbst quantitativ; die negative
+Beziehung des Ich darauf, die Macht des Ich über das Nicht-Ich, über
+die Sinnlichkeit und äußere Natur, wird daher so vorgestellt, daß die
+Moralität immer größer, die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner
+werden könne und solle. Die völlige Angemessenheit aber des Willens
+zum moralischen Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progreß
+verlegt, das heißt, als ein absolutes unerreichbares Jenseits
+vorgestellt, und eben dieß solle der wahre Anker und der rechte Trost
+seyn, daß es ein Unerreichbares ist; denn die Moralität soll als
+Kampf seyn; dieser aber ist nur unter der Unangemessenheit des
+Willens zum Gesetze, dieses damit schlechthin ein Jenseits für ihn.
+
+In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich oder der reine Wille
+und das moralische Gesetz, und die Natur und Sinnlichkeit des Willens
+als vollkommen selbstständig und gleichgültig gegeneinander
+vorausgesetzt. Der reine Wille hat sein eigenthümliches Gesetz, das
+in wesentlicher Beziehung auf die Sinnlichkeit steht; und die Natur
+und Sinnlichkeit hat ihrer Seits Gesetze, die weder aus dem Willen
+genommen und ihm entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich
+verschieden davon, an sich eine wesentliche Beziehung auf ihn hätten,
+sondern sie sind überhaupt für sich bestimmt, in sich fertig und
+geschlossen. Zugleich sind beide aber Momente eines und desselben
+einfachen Wesens, des Ich; der Wille ist als das Negative gegen die
+Natur bestimmt, so daß er nur ist, insofern ein solches von ihm
+verschiedenes ist, das von ihm aufgehoben werde, von dem er aber
+hierin berührt und selbst afficirt ist. Der Natur und ihr als
+Sinnlichkeit des Menschen ist als einem selbstständigen System von
+Gesetzen das Beschränken durch ein anderes gleichgültig; sie erhält
+sich in diesem Begrenztwerden, tritt selbstständig in die Beziehung
+ein, und begrenzt den Willen des Gesetzes eben so sehr, als er sie
+begrenzt.--Es ist Ein Act, daß der Wille sich bestimmt und das
+Andersseyn einer Natur aufhebt, und daß dieß Andersseyn als daseyend
+gesetzt ist, sich in sein Aufgehobenwerden kontinuirt, und nicht
+aufgehoben ist. Der Widerspruch, der hierin liegt, wird im
+unendlichen Progresse nicht aufgelöst, sondern im Gegentheil als
+unaufgelöst und unauflösbar dargestellt und behauptet; der Kampf der
+Moralität und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das an und für
+sich seyende, absolute Verhältniß.
+
+Die Ohnmacht über den qualitativen Gegensatz des Endlichen und
+Unendlichen Meister zu werden und die Idee des wahrhaften Willens,
+die substantielle Freiheit, zu fassen, nimmt zur Größe ihre Zuflucht,
+um sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene
+Qualitative, der gleichgültig gewordene Unterschied, ist. Allein
+indem beide Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu
+Grunde liegen bleiben, so wird vielmehr dadurch, daß sie sich in
+ihrer gegenseitigen Beziehung als Quanta verhalten, jedes sogleich
+als gegen diese Veränderung gleichgültig gesetzt. Die Natur wird
+durch Ich, die Sinnlichkeit durch den Willen des Guten bestimmt, die
+durch denselben an ihr hervorgebrachte Veränderung ist nur ein
+quantitativer Unterschied, ein solcher, der sie als das bestehen läßt,
+was sie ist.
+
+In der abstraktern Darstellung der kantischen Philosophie oder
+wenigstens ihrer Principien, nämlich in der fichteschen
+Wissenschaftslehre, macht der unendliche Progreß auf dieselbe Weise
+die Grundlage und das Letzte aus. Auf den ersten Grundsatz dieser
+Darstellung, Ich=Ich, folgt ein zweiter davon unabhängiger, die
+Entgegensetzung des Nicht-Ich; die Beziehung beider wird sogleich
+auch als quantitativer Unterschied angenommen, daß Nicht-Ich zum
+Theil durch Ich bestimmt werde, zum Theil auch nicht. Das Nicht-Ich
+kontinuirt sich auf diese Weise in sein Nichtseyn so, daß es seinem
+Nichtseyn entgegengesetzt bleibt, als ein nicht Aufgehobenes.
+Nachdem daher die Widersprüche, die darin liegen, im System
+entwickelt worden sind, so ist das schließliche Resultat dasjenige
+Verhältniß, welches der Anfang war; das Nicht-Ich bleibt ein
+unendlicher Anstoß, ein absolut-Anderes; die letzte Beziehung seiner
+und des Ich aufeinander ist der unendliche Progreß, Sehnsucht und
+Streben,--derselbe Widerspruch, mit welchem angefangen wurde.
+
+Weil das Quantitative die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit ist,
+so glaubte man für die Einheit des Absoluten, für die Eine
+Substantialität, Viel oder vielmehr Alles gewonnen zu haben, indem
+man den Gegensatz überhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede
+herabsetzte. Aller Gegensatz ist nur quantitativ, war einige Zeit
+ein Hauptsatz neuerer Philosophie; die entgegengesetzten Bestimmungen
+haben dasselbe Wesen, denselben Inhalt, sie sind reale Seiten des
+Gegensatzes, insofern jede derselben seine beiden Bestimmungen, beide
+Faktoren, in ihr hat, nur daß auf der einen Seite der eine Faktor,
+auf der anderen der andere überwiegend, in der einen Seite der eine
+Faktor, eine Materie oder Thätigkeit, in größerer Menge oder in
+stärkerem Grade vorhanden sey, als in der andern. Insofern
+verschiedene Stoffe oder Thätigkeiten vorausgesetzt werden, bestätigt
+und vollendet der quantitative Unterschied vielmehr deren
+Äußerlichkeit und Gleichgültigkeit gegeneinander und gegen ihre
+Einheit. Der Unterschied der absoluten Einheit soll nur quantitativ
+seyn; das Quantitative ist zwar die aufgehobene unmittelbare
+Bestimmtheit, aber die nur unvollkommene, erst die erste Negation,
+nicht die unendliche, nicht die Negation der Negation.--Indem Seyn
+und Denken als quantitative Bestimmungen der absoluten Substanz
+vorgestellt werden, werden auch sie, als Quanta, wie in
+untergeordneter Sphäre, der Kohlenstoff, Stickstoff u.s.f. sich
+vollkommen äußerlich und beziehungslos. Es ist ein Drittes, eine
+äußerliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede abstrahirt, und
+ihre innere, nur ansichseyende, nicht ebenso für-sich-seyende,
+Einheit erkennt. Diese Einheit, wird dann in der That nur als erste
+unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn, welches in seinem
+quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt, aber nicht sich durch
+sich selbst gleich setzt; es ist somit nicht begriffen, als Negation
+der Negation, als unendliche Einheit. Nur im qualitativen Gegensatze
+geht die gesetzte Unendlichkeit, das Fürsichseyn, hervor, und die
+quantitative Bestimmung selbst geht, wie sich sogleich näher ergeben
+wird, in das Qualitative über.
+
+Anmerkung 2.
+
+Es ist oben erinnert worden, daß die kantischen Antinomien
+Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer
+konkreteren Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung
+angewendet, sind. Die daselbst betrachtete Antinomie enthielt den
+Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Unendlichkeit. In einer
+andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr
+die quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird.
+Ich will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier anstellen.
+
+Sie betrifft die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit
+und Raum.--Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Rücksicht
+auf Zeit und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum
+Verhältnisse der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung
+sind, ändert nichts für das Antinomische der Begrenztheit oder
+Unbegrenztheit in ihnen.
+
+Die nähere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen,
+daß die beiden Sätze und eben so ihre Beweise, die wie bei der oben
+betrachteten apogogisch geführt sind, auf nichts, als auf die zwei
+einfachen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine
+Grenze, und: es muß über die Grenze hinausgegangen werden.
+
+Die Thesis ist:
+
+"Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raume nach auch
+in Grenzen eingeschlossen."
+
+Der eine Theil des Beweises, die Zeit betreffend, nimmt das
+Gegentheil an, "die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist bis
+zu jedem gegebenen Zeitpunkt eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin
+eine unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in
+der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit
+einer Reihe, daß sie durch successive Synthesis niemals vollendet
+seyn kann. Also ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich,
+mithin ein Anfang der Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns;
+welches zu erweisen war."
+
+Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrifft, wird auf die
+Zeit zurückgeführt. Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume
+unendlichen Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als
+abgelaufen angesehen werden müßte, insofern die Welt im Raume nicht
+als ein Werdendes, sondern als ein vollendetes Gegebenes anzusehen
+ist. Von der Zeit aber wurde im ersten Theile des Beweises gezeigt,
+daß eine unendliche Zeit als abgelaufen anzunehmen unmöglich sey.
+
+Man sieht aber sogleich, daß es unnöthig war, den Beweis apagogisch
+zu machen, oder überhaupt einen Beweis zu führen, indem in ihm selbst
+unmittelbar die Behauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen
+werden sollte. Es wird nämlich irgend ein oder jeder gegebene
+Zeitpunkt angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (--Ewigkeit hat
+hier nur den geringen Sinii einer schlecht-unendlichen Zeit)
+abgelaufen sey. Ein gegebener Zeitpunkt heißt nun nichts Anders, als
+eine bestimmte Grenze in der Zeit. Im Beweise wird also eine Grenze
+der Zeit als wirklich vorausgesetzt; sie ist aber eben das, was
+bewiesen werden sollte. Denn die Thesis besteht darin, daß die Welt
+einen Anfang in der Zeit habe.
+
+Nur der Unterschied findet Statt, daß die angenommene Zeitgrenze ein
+Jetzt, als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt
+als Anfang einer Zukunft ist. Allein dieser Unterschied ist
+unwesentlich. Jetzt wird als der Punkt angenommen, in welchem eine
+unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der
+Zeit verflossen seyn soll, also als Ende, als qualitative Grenze.
+Würde dieß Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, welche
+fließend und über die nicht nur hinaus zu gehen sondern die vielmehr
+nur dieß sey, über sich hinauszugehen, so wäre die unendliche
+Zeitreihe in ihr nicht verflossen, sondern führe fort zu fließen, und
+das Raisonnement des Beweises fiele weg. Dagegen ist der Zeitpunkt
+als qualitative Grenze für die Vergangenheit angenommen, aber ist so
+zugleich Anfang für die Zukunft,--denn an sich ist jeder Zeitpunkt
+die Beziehung der Vergangenheit und der Zukunft,--auch ist er
+absoluter d. h. abstrakter Anfang für dieselbe, d. i. das, was
+bewiesen werden sollte. Es thut nichts zur Sache, daß vor seiner
+Zukunft und diesem ihrem Anfange schon eine Vergangenheit ist; indem
+dieser Zeitpunkt qualitative Grenze ist,--und als qualitative ihn
+anzunehmen, liegt in der Bestimmung des Vollendeten, Abgelaufenen,
+also sich nicht Kontinuirenden,--so ist die Zeit in ihm abgebrochen,
+und jene Vergangenheit, ohne Beziehung auf diejenige Zeit, welche nur
+Zukunft in Rücksicht auf diese Vergangenheit genannt werden konnte,
+und daher ohne solche Beziehung nur Zeit überhaupt ist, die einen
+absoluten Anfang hat. Stünde sie aber,--(wie sie es denn tut--)
+durch das Jetzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer Beziehung auf die
+Vergangenheit, wäre sie somit als Zukunft bestimmt, so wäre auch
+dieser Zeitpunkt von der anderen Seite keine Grenze, die unendliche
+Zeitreihe kontinuirte sich in dem, was Zukunft hieß, und wäre nicht,
+wie angenommen worden, vollendet.
+
+In Wahrheit ist die Zeit reine Quantität; der im Beweise gebrauchte
+Zeitpunkt, in welchem sie unterbrochen seyn sollte, ist vielmehr nur
+das sich selbst aufhebende Fürsichseyn des Jetzt. Der Beweis leistet
+nichts, als daß er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der
+Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und ihn als
+vollendeten, d. i. abstrakten Punkt, geradezu annimmt,--eine populare
+Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als eine Grenze
+passiren, somit im Beweise dieß als Annahme gelten läßt, was vorher
+als das zu Beweisende aufgestellt wurde.
+
+Die Antithesis heißt:
+
+"Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume, sondern ist
+sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich."
+
+Der Beweis setzt gleichfalls das Gegentheil:
+
+"Die Welt habe einen Anfang. Da der Anfang ein Daseyn ist, wovor
+eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit
+vorhergegangen seyn, darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit.
+Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dings
+möglich; weil kein Theil einer solchen Zeit vor einem anderen irgend
+eine unterscheidende Bedingung des Daseyns vor der des Nichtdaseyns
+an sich hat. Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge
+anfangen, die Welt selbst aber keinen Anfang nehmen, und ist in
+Ansehung der vergangenen Zeit unendlich."
+
+Dieser apogogische Beweis enthält, wie die andern, die direkte und
+unbewiesene Behauptung dessen, was er beweisen sollte. Er nimmt
+neihlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit,
+an; aber kontinuirt alsdann auch das weltliche Daseyn ebenso sehr
+über sich hinaus in diese leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf,
+und setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort. Die Welt ist ein
+Daseyn; der Beweis setzt voraus, daß dieß Daseyn entstehe, und das
+Entstehen eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe. Darin aber
+eben besteht die Antithesis selbst, daß es kein unbedingtes Daseyn,
+keine absolute Grenze gebe, sondern das weltliche Daseyn immer eine
+vorhergehende Bedingung fordere. Das zu Erweisende findet sich somit
+als Annahme in dem Beweise.--Die Bedingung wird dann ferner in der
+leeren Zeit gesucht, was so viel heißt, als daß sie als zeitlich und
+somit als Daseyn, und Beschränktes angenommen wird. Überhaupt
+also ist die Annahme gemacht, daß die Welt als Daseyn ein anderes
+bedingtes Daseyn in der Zeit voraussetze und hiermit sofort ins
+Unendliche.
+
+Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist
+dasselbe. Apogogischer Weise wird die räumliche Endlichkeit der Welt
+gesetzt; "diese befände sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume,
+und hätte ein Verhältniß zu ihm; ein solches Verhältniß der Welt zu
+keinem Gegenstande aber ist Nichts."
+
+Was bewiesen werden sollte, ist hier ebenso im Beweise direkt
+vorausgesetzt. Es wird direkt angenommen, daß die begrenzte
+räumliche Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhältniß
+zu ihm haben sollte, das heißt, daß über sie hinausgegangen werden
+müsse,--einer Seits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn
+derselben, anderer Seits aber daß sie damit im Verhältniß stehe, d. i.
+sich darein hinein kontinuire, das Jenseits hiermit mit weltlichem
+Daseyn erfüllt vorzustellen sey. Die Unendlichkeit der Welt im Raume,
+die in der Antithesis behauptet wird, ist nichts anderes, als einer
+Seits der leere Raum, anderer Seits das Verhältniß der Welt zu ihm,
+das heißt Kontinuität derselben in ihm, oder die Erfüllung desselben;
+welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als
+erfüllt, der unendliche Progreß des Daseyns im Raume ist. Dieser
+Widerspruch selbst, das Verhältniß der Welt zum leeren Raume, ist im
+Beweise direkt zur Grundlage gemacht.
+
+Die Thesis und Antithesis und die Beweise derselben stellen daher
+nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, daß eine Grenze
+ist, und daß die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; daß
+die Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie aber in Beziehung steht,
+wohin über sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche
+Grenze entsteht, die keine ist.
+
+Die Auflösung dieser Antinomien ist, wie die der obigen,
+transcendental, das heißt, sie besteht in der Behauptung der
+Idealität des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem
+Sinne, daß die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich,
+nicht ein sich Aufhebendes, sondern nur das Bewußtseyn in seinem
+Anschauen und in der Beziehung der Anschauung auf Verstand und
+Vernunft, ein sich selbst widersprechendes Wesen sey. Es ist dieß
+eine zu große Zärtlichkeit für die Welt, von ihr den Widerspruch zu
+entfernen, ihn dagegen in den Geist, in die Vernunft, zu verlegen und
+darin unaufgelöst bestehen zu lassen. In der That ist es der Geist,
+der so stark ist, den Widerspruch ertragen zu können, aber er ist es
+auch, der ihn aufzulösen weiß. Die sogenannte Welt aber (sie heiße
+objektive, reale Welt, oder nach dem transcendentalen Idealismus
+subjektives Anschauen, und durch die Verstandes-Kategorie bestimmte
+Sinnlichkeit), entbehrt darum des Widerspruchs nicht und nirgends,
+vermag ihn aber nicht zu ertragen und ist darum dem Entstehen und
+Vergehen preisgegeben.
+
+c. Die Unendlichkeit des Quantums.
+
+Das unendliche Quantum, als Unendlichgroßes oder Unendlichkleines,
+ist selbst an sich der unendliche Progreß; es ist Quantum als ein
+Großes oder Kleines, und ist zugleich Nichtseyn des Quantums. Das
+Unendlichgroße und Unendlichkleine sind daher Bilder der Vorstellung,
+die bei näherer Betrachtung sich als nichtiger Nebel und Schatten
+zeigen. Im unendlichen Progreß aber ist dieser Widerspruch explicite
+vorhanden, und damit das, was die Natur des Quantums ist, das als
+intensive Größe seine Realität erreicht hat, und in seinem Daseyn nun
+gesetzt, wie es in seinem Begriffe ist. Diese Identität ist es, die
+zu betrachten ist.
+
+Das Quantum als Grad ist einfach, auf sich bezogen und als an ihm
+selbst bestimmt. Indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und
+die Bestimmtheit an ihm aufgehoben ist, ist diese ihm äußerlich; es
+hat seine Bestimmtheit außer ihm. Dieß sein Außersichseyn ist
+zunächst das abstrakte Nichtseyn des Quantums überhaupt, die
+schlechte Unendlichkeit. Aber ferner ist dieß Nichtseyn auch ein
+Großes, das Quantum kontinuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat
+eben seine Bestimmtheit in seiner Äußerlichkeit; diese seine
+Äußerlichkeit ist daher eben so sehr selbst Quantum; jenes sein
+Nichtseyn, die Unendlichkeit, wird so begrenzt, d. h. dieß Jenseits
+wird aufgehoben, dieses ist selbst als Quantum bestimmt, das hiermit
+in seiner Negation bei sich selbst ist.
+
+Dieß ist aber das, was das Quantum als solches an sich ist. Denn es
+ist eben es selbst durch sein Äußerlichseyn; die Äußerlichkeit macht
+das aus, wodurch es Quantum, bei sich selbst, ist. Es ist also im
+unendlichen Progresse der Begriff des Quantums gesetzt.
+
+Nehmen wir ihn zunächst in seinen abstrakten Bestimmungen wie sie
+vorliegen, so ist in ihm das Aufheben des Quantums, aber eben so sehr
+seines Jenseits, also die Negation des Quantums sowohl, als die
+Negation dieser Negation vorhanden. Seine Wahrheit ist ihre Einheit,
+worin sie, aber als Momente, sind.--Sie ist die Auflösung des
+Widerspruchs, dessen Ausdruck er ist, und ihr nächster Sinn somit die
+Wiederherstellung des Begriffs der Größe, daß sie gleichgültige oder
+äußerliche Grenze ist. Im unendlichen Progresse als solchem pflegt
+nur darauf reflektirt zu werden, daß jedes Quantum, es sey noch so
+groß oder klein, verschwinden, daß über dasselbe muß hinausgegangen
+werden können; aber nicht darauf, daß dieß sein Aufheben, das
+Jenseits, das schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet.
+
+Schon das erste Aufheben, die Negation der Qualität überhaupt,
+wodurch das Quantum gesetzt wird, ist an sich das Aufheben der
+Negation,--das Quantum ist aufgehobene qualitative Grenze, somit
+aufgehobene Negation,--aber es ist zugleich nur an sich dieß; gesetzt
+ist es als ein Daseyn, und dann ist seine Negation als das Unendliche
+fixirt, als das Jenseits des Quantums, welches als ein Diesseits
+steht, als ein Unmittelbares; so ist das Unendliche nur als erste
+Negation bestimmt, und so erscheint es im unendlichen Progresse. Es
+ist gezeigt worden, daß aber in diesem mehr vorhanden ist, die
+Negation der Negation, oder das, was das Unendliche in Wahrheit ist.
+Es ist dieß vorhin so angesehen worden, daß der Begriff des Quantums
+damit wieder hergestellt ist; diese Wiederherstellung heißt zunächst,
+daß sein Daseyn seine nähere Bestimmung erhalten hat; es ist nämlich
+das nach seinem Begriff bestimmte Quantum entstanden, was verschieden
+ist, von dem unmittelbaren Quantum, die Äußerlichkeit ist nun das
+Gegentheil ihrer selbst, als Moment der Größe selbst gesetzt,--das
+Quantum so, daß es vermittelst seines Nichtseyns, der Unendlichkeit,
+in einem anderen Quantum seine Bestimmtheit habe, d. i. qualitativ
+das ist, was es ist. Jedoch gehört diese Vergleichung des Begriffs
+des Quantums mit seinem Daseyn mehr unserer Reflexion, einem
+Verhältniß, das hier noch nicht vorhanden ist, an. Die zunächst
+liegende Bestimmung ist, daß das Quantum zur Qualität zurückgekehrt,
+nunmehr qualitativ bestimmt ist. Denn seine Eigenthümlichkeit,
+Qualität, ist die Äußerlichkeit, Gleichgültigkeit der Bestimmtheit;
+und es ist nun gesetzt, als in seiner Äußerlichkeit vielmehr es
+selbst zu seyn, darin sich auf sich selbst zu beziehen, in einfacher
+Einheit mit sich, d. i. qualitativ bestimmt zu seyn.--dieß
+Qualitative ist noch näher bestimmt, nämlich als Fürsichseyn; denn
+die Beziehung auf sich selbst, zu der es gekommen, ist aus der
+Vermittelung, der Negation der Negation, hervorgegangen. Das Quantum
+hat die Unendlichkeit, das Fürsichbestimmtseyn nicht mehr außer ihm,
+sondern an ihm selbst.
+
+Das Unendliche, welches im unendlichen Progresse nur die leere
+Bedeutung eines Nichtsseyns, eines unerreichten, aber gesuchten
+Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualität. Das
+Quantum geht als gleichgültige Grenze über sich hinaus ins Unendliche;
+es sucht damit nichts Anderes, als das Fürsichbestimmtseyn, das
+qualitative Moment, das aber so nur ein Sollen ist. Seine
+Gleichgültigkeit gegen die Grenze, damit sein Mangel an
+fürsichseyender Bestimmtheit und sein Hinausgehen über sich ist, was
+das Quantum zum Quantum macht; jenes sein Hinausgehen soll negirt
+werden und im Unendlichen sich seine absolute Bestimmtheit finden.
+
+Ganz überhaupt: das Quantum ist die aufgehobene Qualität; aber das
+Quantum ist unendlich, geht über sich hinaus, es ist die Negation
+seiner; dieß sein Hinausgehen ist also an sich die Negation der
+negirten Qualität, die Wiederherstellung derselben; und gesetzt ist
+dieß, daß die Äußerlichkeit, welche als Jenseits erschien, als das
+eigene Moment des Quantums bestimmt ist.
+
+Das Quantum ist hiermit gesetzt als von sich repellirt, womit also
+zwei Quanta sind, diejedoch aufgehoben, nur als Momente einer Einheit
+sind, und diese Einheit ist die Bestimmtheit des Quantums.--Dieses so
+in seiner Äußerlichkeit als gleichgültige Grenze auf sich bezogen,
+hiermit qualitativ gesetzt, ist das quantitative Verhältniß.--Im
+Verhältnisse ist das Quantum sich äußerlich, von sich selbst
+verschieden; diese seine Äußerlichkeit ist die Beziehung eines
+Quantums auf ein anderes Quantum, deren jedes nur gilt in dieser
+seiner Beziehung auf sein Anderes; und diese Beziehunng macht die
+Bestimmtheit des Quantums aus, das als solche Einheit ist.
+
+Es hat darin nicht eine gleichgültige, sondern qualitative Bestimmung;
+ist in dieser seiner Äußerlichkeit in sich zurückgekehrt, ist in
+derselben, das was es ist.
+
+Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen.
+
+Das mathematische Unendliche ist eines Theils interessant durch die
+Erweiterung der Mathematik und die großen Resultate, welche seine
+Einführung in dieselbe hervorgebracht hat; andern Theils aber ist es
+dadurch merkwürdig, daß es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen
+ist, sich über den Gebrauch desselben durch den Begriff (Begriff im
+eigentlichen Sinne genommen) zu rechtfertigen. Die Rechtfertigungen
+beruhen am Ende auf der Richtigkeit der mit Hülfe jener Bestimmung
+sich ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gründen erwiesen ist;
+nicht aber auf der Klarheit des Gegenstandes und der Operation, durch
+welche die Resultate herausgebracht werden, sogar daß die Operation
+vielmehr selbst als unrichtig zugegeben wird.
+
+Dieß ist schon ein Mißstand an und für sich; ein solches Verfahren
+ist unwissenschaftlich. Es führt aber auch den Nachtheil mit sich,
+daß die Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments
+nicht kennt, weil sie mit der Metaphysik und Kritik desselben nicht
+fertig ist, den Umfang seiner Anwendung nicht bestimmen, und von
+Misbräuchen desselben sich nicht sichern konnte.
+
+In philosophischer Rücksicht aber ist das mathematische Unendliche
+darum wichtig, weil ihm in der That der Begriff des wahrhaften
+Unendlichen zu Grunde liegt und es viel höher steht, als das
+gewöhnlich sogenannte metaphysische Unendliche, von dem aus die
+Einwürfe gegen ersteres gemacht werden. Gegen diese Einwürfe weiß
+sich die Wissenschaft der Mathematik häufig nur dadurch zu retten,
+daß sie die Kompetenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet,
+mit dieser Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um deren Begriffe
+nicht zu bekümmern zu haben, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden
+konsequent verfahre. Sie habe nicht zu betrachten, was an sich,
+sondern was auf ihrem Felde das Wahre sey. Die Metaphysik weiß die
+glänzenden Resultate des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen bei
+ihrem Widerspruche gegen dasselbe nicht zu läugnen oder umzustoßen,
+und die Mathematik weiß mit der Metaphysik ihres eigenen Begriffs und
+daher auch mit der Ableitung der Verfahrensweisen, die der Gebrauch
+des Unendlichen nöthig macht, nicht ins Reine zu kommen.
+
+Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs überhaupt wäre, von
+der die Mathematik gedrückt würde, so könnte sie diesen ohne Umstände
+auf der Seite liegen lassen, insofern nämlich der Begriff mehr ist,
+als nur die Angabe der wesentlichen Bestimmtheiten, d. i. der
+Verstandesbestimmungen einer Sache, und an der Schärfe dieser
+Bestimmtheiten hat sie es nicht fehlen lassen; denn sie ist nicht
+eine Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstände zu thun,
+und durch die Entwickelung des Begriffs, wenn auch nur durch
+Raisonnement, ihren Inhalt zu erzeugen hätte. Allein bei der Methode
+ihres Unendlichen findet sie den Hauptwiderspruch an der
+eigenthümlichen Methode selbst, auf welcher sie überhaupt als
+Wissenschaft beruht. Denn die Rechnung des Unendlichen erlaubt und
+erfordert Verfahrungsweisen, welche die Mathematik bei Operationen
+mit endlichen Größen durchaus verwerfen muß, und zugleich behandelt
+sie ihre unendlichen Größen, wie endliche Quanta, und will auf jene
+dieselben Verfahrungsweisen anwenden, welche bei diesen gelten; es
+ist eine Hauptseite der Ausbildung dieser Wissenschaft, für die
+transcendenten Bestimmungen und deren Behandlung, die Form des
+gewöhnlichen Kalkuls gewonnen zu haben.
+
+Die Mathematik zeigt bei diesem Widerstreite ihrer Operationen, daß
+Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen übereinstimmen,
+welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und
+analytische, Methode gefunden werden. Aber Theils betrifft dieß
+nicht alle Resultate, und der Zweck der Einführung des Unendlichen
+ist nicht allein, den gewöhnlichen Weg abzukürzen, sondern zu
+Resultaten zu gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden
+können. Theils rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht für
+sich. Diese Manier aber der Rechnung des Unendlichen zeigt sich
+durch den Schein der Ungenauigkeit gedrückt, den sie sich giebt,
+indem sie endliche Größen um eine unendlich kleine Größe das eine Mal
+vermehrt, diese in der fernern Operation zum Theil beibehält, aber
+einen Theil derselben auch vernachlässigt. Dieß Verfahren enthält
+die Sonderbarkeit, daß der eingestandenen Ungenauigkeit unerachtet,
+ein Resultat herauskommt, das nicht nur ziemlich und so nahe, daß der
+Unterschied außer Acht gelassen werden könnte, sondern vollkommen
+genau ist. In der Operation selbst aber, die dem Resultate vorher
+geht, kann die Vorstellung nicht entbehrt werden, daß Einiges nicht
+gleich Null, aber so unbeträchtlich sey, um außer Acht gelassen
+werden zu können. Allein bei dem, was unter mathematischer
+Bestimmtheit zu verstehen ist, fällt aller Unterschied einer größern
+oder geringern Genauigkeit gänzlich hinweg, wie in der Philosophie
+nicht von größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, sondern von
+der Wahrheit allein die Rede seyn kann. Wenn die Methode und der
+Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg gerechtfertigt wird, so ist
+es nicht so überflüssig dessen ungeachtet die Rechtfertigung
+derselben zu fordern, als es bei der Nase überflüssig scheint, nach
+dem Erweise des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen. Denn es
+ist bei der mathematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniß
+wesentlich um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate
+ist es der Fall, daß die streng mathematische Methode nicht zu allen
+den Beleg des Erfolgs liefert, der aber ohnehin nur ein äußerlicher
+Beleg ist.
+
+Es ist der Mühe werth, den mathematischen Begriff des Unendlichen und
+die merkwürdigsten Versuche näher zu betrachten, welche die Absicht
+haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit,
+von der sich die Methode gedrückt fühlt, zu beseitigen. Die
+Betrachtung dieser Rechtfertigungen und Bestimmungen des
+mathematischen Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung
+weitläufiger anstellen will, wird zugleich das beste Licht auf die
+Natur des wahren Begriffes selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen
+vorgeschwebt und zu Grunde gelegen hat.
+
+Die gewöhnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, daß es
+eine Größe sey, über welche es,--wenn sie als das
+Unendlichgroße--keine größere oder,--wenn sie als das Unendlichkleine
+bestimmt ist--kleinere mehr gebe, oder die, in jenem Falle, größer,
+in diesem Falle kleiner sey, als jede beliebige Größe.--In dieser
+Definition ist freilich der wahre Begriff nicht ausgedrückt, vielmehr
+nur, wie schon bemerkt, derselbe Widerspruch, der im unendlichen
+Progresse ist; aber sehen wir, was an sich darin enthalten ist. Eine
+Größe wird in der Mathematik definirt, daß sie etwas sey, das
+vermehrt und vermindert werden könne; überhaupt also eine
+gleichgültige Grenze. Indem nun das Unendlich Große oder Kleine ein
+solches ist, das nicht mehr vermehrt oder vermindert werden könne, so
+ist es in der That kein Quantum als solches mehr.
+
+Diese Konsequenz ist nothwendig und unmittelbar. Aber die Reflexion,
+daß das Quantum,--und ich nenne in dieser Anmerkung Quantum überhaupt,
+wie es ist, das endliche Quantum,--aufgehoben ist, ist es, welche
+nicht gemacht zu werden pflegt und die für das gewöhnliche Begreifen
+die Schwierigkeit ausmacht, indem das Quantum, indem es unendlich ist,
+als ein Aufgehobenes, als ein solches zu denken gefordert wird, das
+nicht ein Quantum ist, und dessen quantitative Bestimmtheit doch
+bleibt.
+
+Um das anzuführen, wie Kant jene Bestimmung beurtheilt,In der
+Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie, in der
+Kritik der reinen Vernunft. so findet er sie nicht übereinstimmend
+mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen verstehe. "Nach dem
+gewöhnlichen Begriffe sey eine Größe unendlich, über die keine
+größere (d. i. über die darin enthaltene Menge einer gegebenen
+Einheit) möglich ist; es sey aber keine Menge die größte, weil noch
+immer eine oder mehrere Einheiten hinzugefügt werden können.--Durch
+ein unendliches Ganzes dagegen werde nicht vorgestellt, wie groß es
+sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines Maximums (oder
+Minimums), sondern es werde dadurch nur sein Verhältniß zu einer
+beliebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren dasselbe
+größer ist, als alle Zahl. Je nachdem diese Einheit größer oder
+kleiner angenommen würde, würde das Unendliche größer oder kleiner
+seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu
+dieser gegebenen Einheit bestehe, würde immer dieselbe bleiben,
+obgleich Freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht
+erkannt würde."
+
+Kant tadelt es, wenn unendliche Ganze als ein Maximum, als eine
+vollendete Menge einer gegebenen Einheit angesehen werden. Das
+Maximum oder Minimum als solches erscheint noch immer als ein Quantum,
+eine Menge. Solche Vorstellung kann die von Kant angeführte
+Konsequenz nicht ablehnen, die auf ein größeres oder kleineres
+Unendliches führt. Überhaupt indem das Unendliche als Quantum
+vorgestellt wird, gilt noch für dasselbe der Unterschied eines
+Größern oder Kleinern. Allein diese Kritik trifft nicht den Begriff
+des wahrhaften mathematischen Unendlichen, der unendlichen Differenz,
+denn diese ist kein endliches Quantum mehr.
+
+Kants Begriff der Unendlichkeit dagegen, den er den wahren
+transcendentalen nennt, ist, "daß die successive Synthesis der
+Einheit in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn könne."
+Es ist ein Quantum überhaupt als gegeben vorausgesetzt; dieß solle
+durch das Synthesiren der Einheit zu einer Anzahl, einem bestimmt
+anzugebenden Quantum gemacht werden, aber dieß Synthesiren niemals
+vollendet werden können. Hiermit ist wie erhellt, nichts als der
+Progreß ins Unendliche ausgesprochen, nur transcendental, d. i.
+eigentlich subjektiv und psychologisch vorgestellt. An sich soll
+zwar das Quantum vollendet seyn, aber transcendentaler Weise, nämlich
+im Subjekte, welches ihm ein Verhältniß zu einer Einheit giebt,
+entstehe nur eine solche Bestimmung des Quantums, die unvollendet und
+schlechthin mit einem Jenseits behaftet sey. Es wird also hier
+überhaupt beim Widerspruche, den die Größe enthält, stehen geblieben,
+aber vertheilt an das Objekt und das Subjekt, so daß jenem die
+Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen über jede von ihm
+aufgefaßte Bestimmtheit, in das schlechte Unendliche zukommt.
+
+Es ist dagegen vorhin gesagt worden, daß die Bestimmung des
+mathematischen Unendlichen und zwar wie es in der höhern Analysis
+gebraucht wird, dem Begriffe des wahrhaften Unendlichen entspricht;
+die Zusammenstellung beider Bestimmungen soll nun in ausführlicher
+Entwickelung vorgenommen werden.--Was zuerst das wahrhafte unendliche
+Quantum betrifft, so bestimmte es sich als an ihm selbst unendlich;
+es ist dieß, indem, wie sich ergeben hat, das endliche Quantum oder
+das Quantum überhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche,
+auf gleiche Weise aufgehoben sind. Das aufgehobene Quantum ist damit
+in die Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst
+zurückgegangen, aber nicht nur wie das extensive, indem es in
+intensives Quantum überging, das seine Bestimmtheit nur an sich an
+einer äußern Vielfachheit hat, gegen die es jedoch gleichgültig und
+wovon es verschieden seyn soll. Das unendliche Quantum enthält
+vielmehr erstens die Äußerlichkeit und zweitens die Negation
+derselben an ihm selbst; so ist es nicht mehr irgend ein endliches
+Quantum, nicht eine Größebestimmtheit, die ein Daseyn als Quantum
+hätte, sondern es ist einfach, und daher nur als Moment; es ist eine
+Größebestimmtheit in qualitativer Form; seine Unendlichkeit ist, als
+eine qualitative Bestimmtheit zu seyn.--So als Moment ist es in
+wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als bestimmt durch dieses
+sein Anderes, d. i. es hat nur Bedeutung in Beziehung auf ein im
+Verhältniß mit ihm Stehendes. Außer diesem Verhältnisse ist es Null;
+--da gerade das Quantum als solches gegen das Verhältniß gleichgültig,
+in ihm doch eine unmittelbare ruhende Bestimmung seyn soll. In dem
+Verhältnisse als nur Moment ist es nicht ein für sich Gleichgültiges;
+es ist, in der Unendlichkeit als Fürsichseyn, indem es zugleich eine
+quantitative Bestimmtheit ist, nur als ein Für-Eines.
+
+Der Begriff des Unendlichen, wie er sich hier abstrakt exponirt hat,
+wird sich zeigen, dem mathematischen Unendlichen zu Grunde liegen,
+und er selbst wird deutlicher werden, indem wir die verschiedenen
+Stufen des Ausdrucks des Quantums als eines Verhältniß-Moments
+betrachten, von der untersten an, wo es noch zugleich Quantum als
+solches ist, bis zu der höhern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck
+eigentlicher unendlicher Größe erhält.
+
+Nehmen wir also zuerst das Quantum in dem Verhältnisse, wie es eine
+gebrochene Zahl ist. Solcher Bruch 2/7 z.B. ist nicht ein Quantum
+wie 1, 2, 3 u.s.f., zwar eine gewöhnliche endliche Zahl, jedoch nicht
+eine unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch mittelbar
+bestimmt durch zwei andere Zahlen, die Anzahl und Einheit
+gegeneinander sind, wobei auch die Einheit eine bestimmte Anzahl ist.
+Aber von dieser nähern Bestimmung derselben gegeneinander abstrahirt,
+und sie bloß nach dem, was ihnen in der qualitativen Beziehung, in
+der sie hier sind, als Quantis widerfährt, betrachtet, so sind 2 und
+7 sonst gleichgültige Quanta; indem sie aber hier nur als Momente,
+eines des andern, und damit eines Dritten (des Quantums, das der
+Exponent heißt) auftreten, so gelten sie sogleich nicht als 2 und 7,
+sondern nur nach ihrer Bestimmtheit gegeneinander. Statt ihrer kann
+darum eben so gut 4 und 14, oder 6 und 21 u.s.f. ins Unendliche
+gesetzt werden. Hiermit fangen sie also an, einen qualitativen
+Charakter zu haben. Gälten sie als bloße Quanta, so ist 2 und 7,
+schlechthin das eine nur 2, das andere nur 7; 4, 14, 6, 21 u.s.f.
+sind schlechthin etwas Anderes als jene Zahlen, und können insofern
+sie nur unmittelbare Quanta wären, die einen nicht an die Stelle der
+anderen gesetzt werden. Insofern aber und nicht nach der
+Bestimmtheit, solche Quanta zu seyn, gelten, so ist ihre
+gleichgültige Grenze aufgehoben; sie haben somit, nach dieser Seite,
+das Moment der Unendlichkeit an ihnen, indem sie nicht bloß eben
+nicht mehr sie sind, sondern ihre quantitative Bestimmtheit, aber als
+eine an sich seyende qualitative,--nämlich nach dem, was sie im
+Verhältnisse gelten,--bleibt. Es können unendlich viele andere an
+ihre Stelle gesetzt werden, so daß der Werth des Bruches durch, die
+Bestimmtheit, welche das Verhältniß hat, sich nicht ändert.
+
+Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat,
+ist aber darum noch unvollkommen, weil die beiden Seiten des Bruchs,
+2 und 7, aus dem Verhältnisse genommen werden können, und gewöhnliche
+gleichgültige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhältnisse
+und Momente zu seyn, ist ihnen etwas Äußerliches und Gleichgültiges.
+Ebenso ist ihre Beziehung selbst ein gewöhnliches Quantum, der
+Exponent des Verhältnisses.
+
+Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird,
+die nächste Allgemeinheit, in welche die Zahlen erhoben werden, haben
+die Eigenschaft nicht, daß sie von einem bestimmten Zahlenwerth sind;
+sie sind nur allgemeine Zeichen und unbestimmte Möglichkeiten jedes
+bestimmten Werthes. Der Bruch a/b scheint daher ein passenderer
+Ausdruck des Unendlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung
+aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen
+besonderen eigenthümlichen Werth haben.--Allein diese Buchstaben sind
+zwar als unbestimmte Größen gesetzt; ihr Sinn aber ist, daß sie
+irgend ein endliches Quantum seyen. Da sie also zwar die allgemeine
+Vorstellung, aber nur von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen
+ebenfalls gleichgültig, im Verhältnisse zu seyn, und außer demselben
+behalten sie diesen Werth.
+
+Betrachten wir noch näher, was im Verhältnisse vorhanden ist, so hat
+es die beiden Bestimmungen an ihm, erstlich ein Quantum zu seyn,
+dieses aber ist zweitens nicht als ein unmittelbares, sondern das den
+qualitativen Gegensatz an ihm hat; es bleibt in demselben zugleich
+jenes bestimmte, gleichgültige Quantum dadurch, daß es aus seinem
+Andersseyn, dem Gegensatze, in sich zurückgekehrt, somit auch ein
+Unendliches ist. Diese beiden Bestimmungen stellen sich in der
+folgenden bekannten Form, in ihrem Unterschiede von einander
+entwickelt dar.
+
+Der Bruch 2/7 kann ausgedrückt werden als 0,285714...als 1 + a +
+a[hoch2] + a[hoch3] u.s.f. So ist er als eine unendliche Reihe; der
+Bruch selbst heißt die Summe oder der endliche Ausdruck derselben.
+Vergleichen wir die beiden Ausdrücke, so stellt der eine, die
+unendliche Reihe, ihn nicht mehr als Verhältniß, sondern nach der
+Seite dar, daß er ein Quantum ist als eine Menge von solchen, die zu
+einander hinzukommen, als eine Anzahl.--Daß die Größen, die ihn als
+Anzahl ausmachen sollen, wieder aus Decimalbrüchen, also selbst aus
+Verhältnissen bestehen, darauf kommt es hier nicht an; denn dieser
+Umstand betrifft die besondere Art der Einheit dieser Größen, nicht
+sie, insofern sie die Anzahl constituiren; wie auch eine aus mehreren
+Ziffern bestehende ganze Zahl des Decimalsystems wesentlich als eine
+Anzahl gilt, und nicht darauf gesehen wird, daß sie aus Produkten
+einer Zahl und der Zahl Zehen und deren Potenzen besteht. So wie es
+hier auch nicht darauf ankommt, daß es andere Brüche giebt als der z.
+B. genommene 2/7, die zu Dezimalbrüchen gemacht, nicht eine
+unendliche Reihe geben; jeder aber kann für ein Zahlensystem von
+anderer Einheit als eine solche ausgedrückt werden.
+
+Indem nun in der unendlichen Reihe, die den Bruch als Anzahl
+darstellen soll, die Seite, daß er Verhältniß ist, verschwindet, so
+verschwindet auch die Seite, nach welcher er, wie vorhin gezeigt, die
+Unendlichkeit an ihm hatte. Diese aber ist auf eine andere Weise
+hereingekommen; die Reihe ist nämlich selbst unendlich.
+
+Von welcher Art nun die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von
+selbst; es ist die schlechte Unendlichkeit des Progresses. Die Reihe
+enthält und stellt den Widerspruch dar, etwas, das ein Verhältniß ist
+und qualitative Natur in ihm hat, als ein Verhältnißloses, als ein
+bloßes Quantum, als Anzahl, darzustellen. Die Folge davon ist, daß
+an der Anzahl, die in der Reihe ausgedrückt ist, immer etwas fehlt,
+so daß über das, was gesetzt ist, immer hinausgegangen werden muß, um
+die geforderte Bestimmtheit zu erreichen. Das Gesetz des Fortgangs
+ist bekannt, es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche
+enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedrückt
+werden soll. Die Anzahl kann wohl durch Fortsetzung der Reihe so
+genau gemacht werden, als man nöthig hat; aber immer bleibt die
+Darstellung durch sie nur ein Sollen; sie ist mit einem Jenseits
+behaftet, das nicht aufgehoben werden kann, weil ein auf qualitativer
+Bestimmtheit beruhendes als Anzahl auszudrücken der bleibende
+Widerspruch ist.
+
+In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauigkeit wirklich vorhanden,
+von der am wahrhaften mathematischen Unendlichen nur der Schein
+vorkommt. Diese beiden Arten des mathematischen Unendlichen sind so
+wenig zu verwechseln, als die beiden Arten des philosophischen
+Unendlichen. Bei der Darstellung des wahrhaften mathematischen
+Unendlichen ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch
+neuerlich wieder hervorgerufen worden. Aber sie ist für dasselbe
+nicht nothwendig; im Gegentheil ist das Unendliche der unendlichen
+Reihe wesentlich von jenem unterschieden, wie die Folge zeigen soll.
+Diese vielmehr steht sogar dem Ausdrucke des Bruches nach.
+
+Die unendliche Reihe enthält nämlich die schlechte Unendlichkeit,
+weil das, was die Reihe ausdrücken soll, ein Sollen bleibt; und was
+sie ausdrückt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet
+und verschieden von dem ist, was ausgedrückt werden soll. Sie ist
+unendlich nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern
+darum, weil sie unvollständig sind, weil das Andere, das zu ihnen
+wesentlich gehört, jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der
+gesetzten Glieder mögen so viele seyn als wollen, ist nur ein
+Endliches, im eigentlichen Sinne, gesetzt als Endliches, d. i. als
+solches, das nicht ist, was es seyn soll. Dagegen ist aber das, was
+der endliche Ausdruck, oder die Summe solcher Reihe genannt wird,
+ohne Mangel; er enthält den Werth, den die Reihe nur sucht,
+vollständig; das Jenseits ist aus der Flucht zurückgerufen; was er
+ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt, sondern ist dasselbe.
+
+Das beide Unterscheidende liegt näher sogleich darin, daß in der
+unendlichen Reihe das Negative außerhalb ihrer Glieder ist, welche
+Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten. In dem
+endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhältniß ist, ist das Negative
+immanent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhältnisses
+durcheinander, welches ein in sich Zurückgekehrtseyn, sich auf sich
+beziehende Einheit, als Negation der Negation (beide Seiten des
+Verhältnisses sind nur als Momente), ist, hiermit die Bestimmung der
+Unendlichkeit in sich hat.--Zu der That ist also die gewöhnlich
+sogenannte Summe, das 2/7 oder 1/1-a', ein Verhältniß; und dieser
+sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck.
+Die unendliche Reihe dagegen ist in Wahrheit Summe; ihr Zweck ist,
+das was an sich Verhältniß ist, in der Form einer Summe darzustellen,
+und die vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines
+Verhältnisses, sondern eines Aggregats. Sie ist ferner vielmehr der
+endliche Ausdruck; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und
+bleibt wesentlich ein Mangelhaftes. Sie ist nach dem, was in ihr da
+ist, ein bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie
+seyn soll; alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes
+Quantum; dieser fehlende Theil ist in der That das, was das
+Unendliche an der Reihe heißt, nach der nur formellen Seite, daß er
+ein Fehlendes, ein Nichtseyn ist; nach seinem Inhalte ist er ein
+endliches Quantum. Das was in der Reihe da ist, zusammen mit dem was
+ihr fehlt, macht erst das aus, was der Bruch ist, das bestimmte
+Quantum, das sie gleichfalls seyn soll, aber zu seyn nicht vermag.
+--Das Wort: Unendlich, pflegt, auch in der unendlichen Reihe, in der
+Meinung etwas Hohes und Hehres zu seyn; es ist dieß eine Art von
+Aberglauben, der Aberglaube des Verstands; man hat gesehen, wie es
+sich vielmehr auf die Bestimmung der Mangelhaftigkeit reducirt.
+
+Daß es, kann noch bemerkt werden, unendliche Reihen giebt, die nicht
+summirbar sind, ist in Bezug auf die Form von Reihe überhaupt ein
+äußerlicher und zufälliger Umstand. Sie enthalten eine höhere Art
+der Unendlichkeit, als die summirbaren; nämlich eine
+Incommensurabilität, oder die Unmöglichkeit, das darin enthaltene
+quantitative Verhältniß als ein Quantum, sey es auch als Bruch,
+darzustellen; die Form der Reihe aber als solche, die sie haben,
+enthält dieselbe Bestimmung der schlechten Unendlichkeit, welche in
+der summirbaren Reihe ist.
+
+Die so eben am Bruche und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung in
+Ansehung des Ausdrucks findet auch Statt, insofern das mathematische
+Unendliche nämlich nicht das so eben genannte sondern das wahrhafte,
+das relative Unendliche,--das gewöhnliche metaphysische dagegen,
+worunter das abstrakte, schlechte Unendliche verstanden wird, das
+absolute genannt worden ist. In der That ist vielmehr dieses
+metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdrückt,
+nur so im Gegensatze einer Grenze ist, daß diese außer ihm bestehen
+bleibt, und von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische
+Unendliche hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich
+aufgehoben, weil das Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist.
+
+In dem Sinne, in welchem aufgezeigt worden, daß die sogenannte Summe
+oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der
+unendliche anzusehen ist, ist es vornehmlich, daß Spinoza den Begriff
+der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt und durch
+Beispiele erläutert. Sein Begriff gewinnt am neisten Licht, indem
+ich das, was er hierüber sagt, an diese Entwickelung anschließe.
+
+Er definirt zunächst das Unendliche als die absolute Affirmation der
+Existenz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als
+Bestimmtheit, als Verneinung. Die absolute Affirmation einer
+Existenz ist nämlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen,
+nicht dadurch zu seyn, daß ein Anderes ist; das Endliche hingegen ist
+die Verneinung, ein Aufhören als Beziehung auf ein Anderes, das außer
+ihm anfängt. Die absolute Affirmation einer Existenz erschöpft nun
+zwar den Begriff der Unendlichkeit nicht; dieser enthält, daß die
+Unendlichkeit Affirmation ist, nicht als unmittelbare, sondern nur
+als wiederhergestellte durch die Reflexion des Anderen in sich selbst,
+oder als Negation des Negativen. Aber bei Spinoza hat die Substanz
+und deren absolute Einheit die Form von unbewegter d. i. nicht sich
+mit sich selbst vermittelnder Einheit, von einer Starrheit, worin der
+Begriff der negativen Einheit des Selbst, die Subjektivität, sich
+noch nicht findet.
+
+Das mathematische Beispiel, womit er das wahre Unendliche (Epist.
+XXIX.) erläutert, ist ein Raum zwischen zwei ungleichen Kreisen,
+deren einer innerhalb des andern, ohne ihn zu berühren, fällt, und
+die nicht koncentrisch sind. Er machte, wie es scheint, sich viel
+aus dieser Figur und dem Begriffe als deren Beispiel er sie
+gebrauchte, daß er sie zum Motto seiner Ethik machte.--"Die
+Mathematiker, sagt er, schließen, daß die Ungleichheiten, die in
+einem solchen Raume möglich sind, unendlich sind, nicht aus der
+unendlichen Menge der Theile, denn seine Größe ist bestimmt und
+begrenzt, und ich kann größere und kleinere solche Räume setzen,
+sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit übertrift."--Man
+sieht, Spinoza verwirftjene Vorstellung vom Unendlichen, nach welcher
+es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird, die nicht vollendet ist,
+und erinnert, daß hier an dem Raume des Beispiels das Unendliche
+nichtjenseits, sondern gegenwärtig und vollständig ist; dieser Raum
+ist ein Begrenztes, aber darum ein Unendliches, "weil die Natur der
+Sache jede Bestimmtheit übersteigt," weil die darin enthaltene
+Größenbestimmung zugleich nicht als ein Quantum darstellbar ist, oder
+nach obigem kantischen Ausdruck das Synthesiren nicht zu
+einem--diskreten--Quantum vollendet werden kann.--Wie überhaupt der
+Gegensatz von kontinuirlichem und diskretem Quantum auf das
+Unendliche führt, soll in einer spätern Anmerkung auseinander gesetzt
+werden.--Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spinoza das Unendliche
+der Imagination; das Unendliche hingegen als Beziehung auf sich
+selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu. Es ist
+nämlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet
+und gegenwärtig ist. So ist die Reihe, 0,285714... oder 1 + a +
+a[hoch 2] + a[hoch 3]... das Unendliche bloß der Einbildung oder des
+Meinens; denn es hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin
+etwas; hingegen 2/7 oder 1/1-a ist das wirklich, nicht nur was die
+Reihe in ihren vorhandenen Gliedern ist, sondern noch das dazu, was
+ihr mangelt, was sie nur seyn soll. Das 2/7 oder 1/1-a ist
+gleichfalls eine endliche Größe, wie der zwischen den zwei Kreisen
+eingeschlossene Raum Spinoza's und dessen Ungleichheiten; und kann
+wie dieser Raum größer oder kleiner gemacht werden. Aber es kommt
+damit nicht die Ungereimtheit eines größern oder kleinern Unendlichen
+heraus; denn dieß Quantum des Ganzen, geht das Verhältniß seiner
+Momente, die Natur der Sache d. h. die qualitative Größenbestimmung,
+nichts an; das was in der unendlichen Reihe da ist, ist ebenso ein
+endliches Quantum, aber außerdem noch ein Mangelhaftes.--Die
+Einbildung dagegen bleibt beim Quantum als solchem stehen, und
+reflektirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den Grund der
+vorhandenen Inkommensurabilität ausmacht.
+
+Die Inkommensurabilität, welche in dem Beispiel Spinoza's liegt,
+schließt überhaupt die Funktionen krummer Linien in sich, und führt
+näher auf das Unendliche, das die Mathematik bei solchen Funktionen,
+überhaupt bei den Funktionen veränderlicher Größen eingeführt hat,
+und welches das wahrhafte mathematische, quantitative Unendliche ist,
+das auch Spinoza sich dachte. Diese Bestimmung soll nun hier näher
+erörtert werden.
+
+Was vors erste die für so wichtig geltende Kategorie der
+Veränderlichkeit betrifft, unter welche die in jenen Funktionen
+bezogenen Größen gefaßt werden, so sollen sie zunächst veränderlich
+nicht in dem Sinne seyn, wie im Bruche 2/7 die beiden Zahlen 2 und 7,
+indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche
+andere Zahlen an ihre Stelle gesetzt werden können, ohne den im
+Bruche gesetzten Werth zu ändern. So kann noch mehr in a/b an die
+Stelle von a und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu
+ändern was a/b ausdrücken soll. In dem Sinne nur, daß auch an die
+Stelle von x und y einer Funktion eine unendliche d. h.
+unerschöpfliche Menge von Zahlen gesetzt werden könne, sind a und b
+so sehr veränderliche Größe als jene, x und y. Der Ausdruck:
+veränderliche Größen, ist darum sehr vage, und unglücklich gewählt
+für Größebestimmungen, die ihr Interesse und Behandlungsart in etwas
+in etwas ganz Anderem liegen haben, als in ihrer bloßen
+Veränderlichkeit.
+
+Um es deutlich zu machen, worin die wahrhafte Bestimmung der Momente
+einer Funktion liegt, mit denen sich das Interesse der höhern
+Analysis beschäftigt, müssen wir die bemerklich gemachten Stufen noch
+einmal durchlaufen. In 2/7 oder a/b sind 2 und 7 jedes für sich,
+bestimmte Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und
+b soll gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch außer dem
+Verhältnisse bleiben, was sie sind. Ferner ist auch 2/7 und a/b ein
+fixes Quantum, ein Quotient; das Verhältniß macht eine Anzahl aus,
+deren Einheit der Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der
+Zähler--oder umgekehrt ausdrückt; wenn auch 4 und 14 u.s.f. an die
+Stelle von 2 und 7 treten, bleibt das Verhältniß auch als Quantum
+dasselbe. Dieß verändert sich nun aber wesentlich in der Funktion
+y[hoch 2]/x = p z.B.; hier haben x und y zwar den Sinn, bestimmte
+Quanta seyn zu können; aber nicht x und y, sondern nur x und y[hoch 2]
+haben einen bestimmten Quotienten.
+
+Dadurch sind diese Seiten des Verhältnisses, x und y, erstens nicht
+nur keine bestimmten Quanta, sondern zweitens ihr Verhältniß ist
+nicht ein fixes Quantum, (noch ist dabei ein solches wie bei a und b
+gemeint), nicht ein fester Quotient, sondern er ist als Quantum
+schlechthin veränderlich. Dieß aber ist allein darin enthalten, daß
+x nicht zu y ein Verhältniß hat, sondern zum Quadrate von y. Das
+Verhältniß einer Größe zur Potenz ist nicht ein Quantum, sondern
+wesentlich qualitatives Verhältniß; das Potenzenverhältniß ist der
+Umstand, der als Grundbestimmung anzusehen ist.--In der Function der
+geraden Linie y = a x aber, ist x/y = a ein gewöhnlicher Bruch und
+Quotient; diese Funktion ist daher nur formell eine Funktion von
+veränderlichen Größen, oder x und y sind hier was a und b in a/b, sie
+sind nicht in derjenigen Bestimmung, in welcher die Differential- und
+Integralrechnung sie betrachtet.--Wegen der besondern Natur der
+veränderlichen Größen in dieser Betrachtungsweise, wäre es zweckmäßig
+gewesen, für sie sowohl einen besonderen Namen, als andere
+Bezeichnungen einzuführen, als die gewöhnlichen der unbekannten
+Größen in jeder endlichen, bestimmten oder unbestimmten Gleichung; um
+ihrer wesentlichen Verschiedenheit willen von solchen bloß
+unbekannten Größen, die an sich vollkommen bestimmte Quanta, oder ein
+bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind.--Es ist auch nur der
+Mangel des Bewußtseyns, über die Eigenthümlichkeit dessen, was das
+Interesse der höheren Analysis ausmacht und das Bedürfniß und die
+Erfindung des Differential-Kalkuls herbeigeführt hat, daß Funktionen
+des ersten Grades wie die Gleichung der geraden Linie in die
+Behandlung dieses Kalkuls für sich mit hereingenommen werden; seinen
+Antheil an solchem Formalismus hat ferner der Mißverstand, der die an
+sich richtige Forderung der Verallgemeinerung einer Methode dadurch
+zu erfüllen meint, daß die specifische Bestimmtheit, auf
+
+die sich das Bedürfniß gründet, weggelassen wird, daß es dafür gilt,
+als ob es sich in diesem Felde nur um veränderliche Größen überhaupt
+handle. Es wäre wohl viel Formalismus in den Betrachtungen dieser
+Gegenstände wie in der Behandlung erspart worden, wenn man eingesehen
+hätte, daß derselbe nicht veränderliche Größen als solche, sondern
+Potenzenbestimmungen betreffe.
+
+Aber es ist noch eine weitere Stufe, auf der das mathematische
+Unendliche in seiner Eigenthümlichkeit hervortritt. In einer
+Gleichung, worin x und y zunächst als durch ein Potenzenverhältniß
+bestimmt, gesetzt sind, sollen x und y als solche noch Quanta
+bedeuten; diese Bedeutung nun geht vollends in den sogenannten
+unendlich kleinen Differenzen gänzlich verloren. d x, d y sind keine
+Quanta mehr, noch sollen sie solche bedeuten, sondern haben allein in
+ihrer Beziehung eine Bedeutung, einen Sinn blos als Momente. Sie
+sind nicht mehr Etwas, das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche
+Differenzen; aber auch nicht Nichts, nicht die bestimmungslose Null.
+Außer ihrem Verhältnisse sind sie reine Nullen, aber sie sollen nur
+als Momente des Verhältnisses, als Bestimmungen des
+Differential-Koefficienten d x/ d y genommen werden.
+
+In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quantum wahrhaft zu einem
+qualitativen Daseyn vollendet; es ist als wirklich unendlich gesetzt;
+es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern
+als Quantum überhaupt. Es bleibt aber die Quantitätsbestimmtheit als
+Element von Quantis, Princip, oder sie wie man auch gesagt hat, in
+ihrem ersten Begriffe.
+
+Gegen diesen Begriff ist aller Angriff gerichtet, der auf die
+Grundbestimmung der Mathematik dieses Unendlichen, der
+Differentialund Integralrechnung, gemacht worden ist. Unrichtige
+Vorstellungen der Mathematiker selbst veranlaßten es, wenn er nicht
+anerkannt worden ist; vornehmlich aber ist die Unvermögenheit, den
+Gegenstand als Begriff zu rechtfertigen, Schuld an diesen
+Anfechtungen. Den Begriff kann aber die Mathematik, wie oben
+erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als Mathematik des
+Unendlichen schränkt sie sich nicht auf die endliche Bestimmtheit
+ihrer Gegenstände ein,--wie in der reinen Mathematik der Raum und die
+Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit betrachtet und
+auf einander bezogen werden--; sondern sie versetzt eine von daher
+aufgenommene und von ihr behandelte Bestimmung in Identität mit ihrer
+entgegengesetzten, wie sie z.B. eine krumme Linie zu einer geraden,
+den Kreis zu einem Polygon u.s.f. macht. Die Operationen, die sie
+sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der
+Natur bloß endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gänzlich
+widersprechend und hätten darum ihre Rechtfertigung allein in dem
+Begriff.
+
+Wenn die Mathematik des Unendlichen daran festhielt, daß jene
+Quantitäts-Bestimmungen verschwindende Größen d. h. solche, die nicht
+mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine
+Bestimmtheit gegen Anderes sind, so schien nichts klarer, als daß es
+keinen solchen Mittelzustand, wie man es nannte, zwischen Seyn und
+Nichts gebe.--Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten
+Mittelzustande auf sich habe, ist oben bereits bei der Kategorie des
+Werdens, Anmerk. 4. gezeigt. Allerdings ist die Einheit des Seyns
+und Nichts kein Zustand; ein Zustand wäre eine Bestimmung des Seyns
+und Nichts, worein diese Momente nur etwa zufälligerweise gleichsam
+als in eine Krankheit oder äußerliche Affektion durch ein
+irrthümliches Denken gerathen sollten; sondern diese Mitte und
+Einheit, das Verschwinden oder eben so das Werden, ist vielmehr
+allein ihre Wahrheit.
+
+Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar
+als ein Größeres oder Kleineres; es könne daher nicht ein Verhältniß
+von Unendlichen zu Unendlichen, noch Ordnungen oder Dignitäten des
+Unendlichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen
+Differenzen in der Wissenschaft derselben vorkommen.--Es liegt bei
+diesem schon erwähnten Einwurfe immer die Vorstellung zu Grunde, daß
+hier von Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen
+werden; daß Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhältniß
+mehr zu einander haben. Vielmehr ist aber das, was nur im Verhältniß
+ist, kein Quantum; das Quantum ist eine solche Bestimmung, die außer
+ihrem Verhältniß ein vollkommen gleichgültiges Daseyn haben, der ihr
+Unterschied von einem anderen gleichgültig seyn soll, da hingegen das
+qualitative nur das ist, was es in seinem Unterschiede von dnem
+Anderen ist. Jene unendlichen Größen sind daher nicht nur
+vergleichbar, sondern sind nur als Momente der Vergleichung, des
+Verhältnisses.
+
+Ich führe die wichtigsten Bestimmungen an, welche in der Mathematik
+über dieß Unendliche gegeben worden sind; es wird daraus erhellen,
+daß denselben der Gedanke der Sache, übereinstimmend mit dem hier
+entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, daß ihre Urheber ihn aber als
+Begriff nicht ergründeten und bei der Anwendung wieder
+Auskunftsmittel nöthig hatten, welche ihrer besseren Sache
+widersprechen.
+
+Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn
+gegeben hat. Ich trenne dabei die Bestimmungen ab, die der
+Vorstellung der Bewegung und der Geschwindigkeit angehören, (von
+welcher er vornehmlich den Namen Fluxionen nahm), weil der Gedanke
+hierin nicht in der gehörigen Abstraktion, sondern konkret, vermischt
+mit außerwesentlichen Formen erscheint. Diese Fluxionen erklärt
+Newton (Princ. mathem. phil. nat. L. 1. Lemma XI. Schol.) dahin, daß
+er nicht untheilbare--eine Form, deren sich frühere Mathematiker,
+Cavalleri und andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich
+bestimmten Quantums enthält,--verstehe, sondern verschwindende
+Theilbare. Ferner nicht Summen und Verhältnisse bestimmter Theile,
+sondern die Grenzen (limites) der Summen, und Verhältnisse. Es werde
+die Einwendung gemacht, daß verschwindende Größen kein letztes
+Verhältniß haben, weil es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte,
+und wenn sie verschwunden, keines mehr ist. Aber unter dem
+Verhältnisse verschwindender Größen sey das Verhältniß zu verstehen,
+nicht eh sie verschwinden, und nicht nachher, sondern mit dem sie
+verschwinden ( quacum evanescunt ). Eben so ist das erste Verhältniß
+werdender Größen, das mit dem sie werden.
+
+Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur
+erklärt, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; daß aber dieß
+oder jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjektive
+Zumuthung oder auch eine historische Forderung, wobei nicht gezeigt
+wird, daß ein solcher Begriff an und für sich nothwendig ist und
+innere Wahrheit hat. Allein das Angeführte zeigt, daß der von Newton
+aufgestellte Begriff dem entspricht, wie die unendliche Größe sich in
+der obigen Darstellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab.
+Es sind Größen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht
+mehr Quanta sind; ferner nicht Verhältnisse bestimmter Theile,
+sondern die Grenzen des Verhältnisses. Es sollen also sowohl die
+Quanta für sich, die Seiten des Verhältnisses, als damit auch das
+Verhältniß, insofern es ein Quantum wäre, verschwinden; die Grenze
+des Größen-Verhältnisses ist, worin es ist und nicht ist; dieß heißt
+genauer, worin das Quantum verschwunden, und damit das Verhältniß nur
+als qualitatives Quantitäts-Verhältniß, und die Seiten desselben
+ebenso als qualitative Quantitäts-Momente erhalten sind.--Newton fügt
+hinzu, daß daraus, daß es letzte Verhältnisse der verschwindenden
+Größen gebe, nicht zu schließen sey, daß es letzte Größen,
+Untheilbare, gebe. Dieß wäre nämlich wieder ein Absprung von dem
+abstrakten Verhältnisse auf solche Seiten desselben, welche für sich
+außer ihrer Beziehung einen Werth haben sollten, als Untheilbare, als
+etwas, das ein Eins, ein Verhältnißloses seyn würde.
+
+Gegen jenen Mißverstand erinnert er noch, daß die letzten
+Verhältnisse nicht Verhältnisse letzter Größen seyen, sondern Grenzen,
+denen die Verhältnisse der ohne Grenze abnehmenden Größen näher sind
+als jeder gegebene d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber
+nicht überschreiten, so daß sie Nichts würden.--Unter letzten Größen
+hätten nämlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden
+können. In der Bestimmung des letzten Verhältnisses aber ist sowohl
+die Vorstellung des gleichgültigen Eins, des verhältnißlosen, als
+auch des endlichen Quantums entfernt. Es bedürfte aber weder des
+Abnehmens ohne Grenze, in das Newton das Quantum versetzt und das nur
+den Progreß ins Unendliche ausdrückt, noch der Bestimmung der
+Theilbarkeit, welche hier keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn
+die geforderte Bestimmung sich zum Begriffe einer Größebestimmung,
+die rein nur Moment des Verhältnisses ist, fortgebildet hätte.
+
+In Rücksicht der Erhaltung des Verhältnisses im Verschwinden der
+Quantorum findet sich (anderwärts, wie bei Carnot, Réflexions sur la
+Métaphysique du Calcul Infinitésimal.) der Ausdruck, daß vermöge des
+Gesetzes der Stätigkeit die verschwindenden Größen noch das
+Verhältniß, aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten.
+--Diese Vorstellung drückt die wahre Natur der Sache aus, insofern
+nicht die Stätigkeit des Quantums verstanden wird, die es im
+unendlichen Progreß hat, sich in sein Verschwinden so zu kontinuiren,
+daß im Jenseits seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues
+Glied der Reihe entsteht; ein stätiger Fortgang wird aber immer so
+vorgestellt, daß die Werthe durchloffen werden, welche noch endliche
+Quanta sind.
+
+In demjenigen Übergange dagegen, welcher in das wahrhafte Unendliche
+gemacht wird, ist das Verhältniß das stätige; es ist so sehr stätig
+und sich erhaltend, daß er vielmehr allein darin besteht, das
+Verhältniß rein herauszuheben, und die verhältnißlose Bestimmung, d.
+i. daß ein Quantum, welches Seite des Verhältnisses ist, auch außer
+dieser Beziehung gesetzt, noch Quantum ist, verschwinden zu machen.
+--Diese Reinigung des quantitativen Verhältnisses ist insofern nichts
+anders, als wenn ein empirisches Daseyn begriffen wird. Dieß wird
+hierdurch so über sich selbst erhoben, daß sein Begriff dieselben
+Bestimmungen enthält, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und
+in die Einheit des Begriffes gefaßt, worin sie ihr gleichgültiges,
+begriffloses Bestehen verloren haben.
+
+Gleich interessant ist die andere Form der newtonischen Darstellung
+der in Rede stehenden Größen, nämlich als erzeugender Größen oder
+Principien. Eine erzeugte Größe (genita) ist ein Produkt oder
+Quotient, Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken,
+Quadraten;--überhaupt eine endliche Größe.--"Sie als veränderlich
+betrachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fließen zu- oder
+abnehmend ist, so verstehe er ihre momentanen Inkremente oder
+Dekremente unter dem Namen von Momenten. Diese sollen aber nicht für
+Theilchen von bestimmter Größe genommen werden ( particulae finitae ).
+Solche seyen nicht selbst Momente, sondern aus Momenten erzeugte
+Größen; es seyen vielmehr die werdenden Principien oder Anfänge
+endlicher Größen zu verstehen."--Das Quantum wird hier von sich
+selbst unterschieden, wie es als ein Produkt oder Daseyendes, und wie
+es in seinem Werden, in seinem Anfange und Princip, das heißt, wie es
+in seinem Begriffe, oder was hier dasselbe ist, in seiner
+qualitativen Bestimmnng ist; in der letztern sind die quantitativen
+Unterschiede, die unendlichen Inkremente oder Dekremente, nur Momente;
+erst das Gewordene ist das in die Gleichgültigkeit des Daseyns und
+in die Äußerlichkeit übergegangene, das Quantum.--Wenn aber diese in
+Ansehung der Inkremente oder Dekremente angeführten Bestimmungen des
+Unendlichen, von der Philosophie des wahrhaften Begriffs anerkannt
+werden müssen, so ist auch sogleich zu bemerken, daß die Formen
+selbst von Inkrementen u.s.f. innerhalb der Kategorie des
+unmittelbaren Quantums und des erwähnten stätigen Fortgangs fallen,
+und vielmehr sind die Vorstellungen von Inkrement, Zuwachs, Zunahme
+des x um d x oder i u.s.f. als das in den Methoden vorhandene
+Grundübel anzusehen;--als das bleibende Hinderniß, aus der
+Vorstellung des gewöhnlichen Quantums die Bestimmung des qualitativen
+Quantitätsmoments rein herauszuheben.
+
+Gegen die angegebenen Bestimmungen steht die Vorstellung von
+unendlich-kleinen Größen, die auch im Inkrement oder Dekrement selbst
+steckt, weit zurück. Nach derselben sollen sie von der
+Beschaffenheit seyn, daß nicht nur sie gegen endliche Größen, sondern
+auch deren höhere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die
+Produkte aus mehrern gegen eine einzelne zu vernachlässigen seyen.
+--bei Leibnitz hebt sich die Forderung dieser Vernachlässigung,
+welche die vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese
+Größe bezogen, gleichfalls eintreten lassen, auffallender hervor.
+Sie ist es vornehmlich, die diesem Kalkul beim Gewinne der
+Bequemlichkeit den Schein von Ungenauigkeit und ausdrücklicher
+Unrichtigkeit in dem Wege seiner Operation giebt.--Wolf hat sie in
+seiner Weise, die Sachen populär zu machen, d. h. den Begriff zu
+verunreinigen und unrichtige sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle
+zu setzen, verständlich zu machen gesucht. Er vergleicht nämlich die
+Vernachlässigung der unendlichen Differenzen höherer Ordnungen gegen
+niedrigere, mit dem Verfahren eines Geometers, der bei der Messung
+der Höhe eines Berges um nicht weniger genau gewesen sey, wenn der
+Wind indeß ein Sandkörnchen von der Spitze weggeweht habe, oder mit
+der Vernachlässigung der Höhen der Häuser, Thürme bei der Berechnung
+der Mondfinsternisse (Element. Mathes. univ. Tom. I. El. Analys.
+math. P. II. C. I. s. Schol.).
+
+Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstandes eine solche
+Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese
+Vorstellung verworfen. Es dringt sich von selbst auf, daß in der
+Wissenschaft der Mathematik von einer solchen empirischen Genauigkeit
+ganz und gar nicht die Rede ist, daß das mathematische Messen durch
+Operationen des Kalkuls oder durch Konstruktionen und Beweise der
+Geometrie, gänzlich vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien,
+Figuren u.s.f. unterschieden ist. Ohnehin zeigen, wie oben angeführt,
+die Analytiker durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf
+streng geometrischem Wege und wie es nach der Methode der unendlichen
+Differenzen erhalten wird, daß das eine dasselbe ist als das andere,
+und daß ein Mehr oder Weniger von Genauigkeit ganz und gar nicht
+Statt findet. Und es versteht sich von selbst, daß ein absolut
+genaues Resultat nicht aus einem Verfahren herkommen könne, das
+ungenau wäre. Jedoch kann wieder auf der anderen Seite das Verfahren
+selbst, jener Vernachlässigung aus dem Grunde der Unbedeutenheit, des
+Protestirens gegen die angeführte Rechtfertigungsweise unerachtet,
+nicht entbehren. Und dieß ist die Schwierigkeit, um welche die
+Bemühungen der Analytiker gehen, das hierin liegende Widersinnige
+begreiflich zu machen, und es zu entfernen.
+
+Es ist in dieser Rücksicht vornehmlich Eulers Vorstellung anzuführen.
+Indem er die allgemeine Newtonische Definition zu Grunde legt,
+dringt er darauf, daß die Differentialrechnung die Verhältnisse der
+Inkremente einer Größe betrachte, daß aber die unendliche Differenz
+als solche ganz als Null zu betrachten sey, (Institut. Calc.
+different. P. I. C. III.).--Wie dieß zu verstehen ist, liegt im
+Vorhergehenden; die unendliche Differenz ist Null nur des Quantums,
+nicht eine qualitative Null, sondern als Null des Quantums vielmehr
+reines Moment nur des Verhältnisses. Sie ist nicht ein Unterschied
+um eine Größe; aber darum ist es einer Seits überhaupt schief, jene
+Momente, welche unendlich-kleine Größen heißen, auch als Inkremente
+oder Dekremente, und als Differenzen auszusprechen. Dieser
+Bestimmung liegt zu Grunde, daß zu der zuerst vorhandenen endlichen
+Größe etwas hinzukomme oder davon abgezogen werde, eine Subtraktion
+oder Addition, eine arithmetische, äußerliche Operation vorgehe. Der
+Übergang von der Funktion der veränderlichen Größe in ihr
+Differential ist aber anzusehen, daß er von ganz anderer Natur ist,
+nämlich wie erörtert worden, daß er als Zurückführung der endlichen
+Funktion auf das qualitative Verhältniß ihrer Quantitätsbestimmungen
+zu betrachten ist.--Anderer Seits fällt die schiefe Seite für sich
+auf, wenn gesagt wird, daß die Inkremente für sich Nullen seyen, daß
+nur ihre Verhältnisse betrachtet werden; denn eine Null hat überhaupt
+keine Bestimmtheit mehr. Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum
+Negativen des Quantums und spricht es bestimmt aus, aber faßt dieß
+Negative nicht zugleich in seiner positiven Bedeutung, von
+qualitativen Quantitätsbestimmungen, die, wenn sie aus dem
+Verhältnisse gerissen und als Quanta genommen werden wollten, nur
+Nullen wären.--Lagrange ( Théorie des fonct. analyt. Introd. )
+urtheilt über die Vorstellung der Grenzen oder letzten Verhältnisse,
+daß wenn man gleich sehr gut das Verhältniß zweier Größen sich
+vorstellen könne, so lange sie endlich bleiben, so gebe dieß
+Verhältniß dem Verstande keinen deutlichen und bestimmten Begriff,
+sobald seine Glieder zugleich Null werden.--In der That muß der
+Verstand über diese bloß negative Seite, daß die Verhältnißglieder
+Nullen als Quanta sind, hinausgehen, und sie positiv, als qualitative
+Momente auffassen.--Was aber Euler (am angeführten Ort _. 84 ff.)
+weiter in Betreff der gegebenen Bestimmung hinzufügt, um zu zeigen,
+daß zwei sogenannte unendlich kleine Größen, welche nichts anders als
+Nullen seyn sollen, doch ein Verhältniß zu einander haben und
+deßwegen auch nicht das Zeichen der Null, sondern andere Zeichen für
+sie im Gebrauch seyen, kann nicht für genügend angesehen werden. Er
+will dieß durch den Unterschied des arithmetischen und geometrischen
+Verhältnisses begründen; bei jenem sehen wir auf die Differenz, bei
+diesem auf den Quotienten, obgleich das erstere zwischen zwei Nullen
+gleich sey, so sey es deßwegen doch das geometrische nicht; wenn 2:1
+= 0:0, so müsse wegen der Natur der Proportion, da das erste Glied
+doppelt so groß sey als das zweite, auch das dritte Glied doppelt so
+groß als das vierte seyn; O:O soll also nach der Proportion als das
+Verhältniß von 2:1 genommen werden.--Auch nach der gemeinen
+Arithmetik seyn n.O = O; es sey also n:1 = O:O.--Allein eben dadurch,
+daß 2:1 oder n:1 ein Verhältniß von Quantis ist, entspricht ihm nicht
+ein Verhältniß noch eine Bezeichnung von O:O.
+
+Ich enthalte mich, die Anführungen zu vermehren, indem die
+betrachteten zur Genüge gezeigt haben, daß in ihnen wohl der
+wahrhafte Begriff des Unendlichen liegt, daß er aber nicht in seiner
+Bestimmtheit herausgehoben und gefaßt worden ist. Indem daher zur
+Operation selbst fortgegangen wird, so kann es nicht geschehen, daß
+in ihr die wahrhafte Begriffsbestimmung sich geltend mache; die
+endliche Quantitätsbestimmtheit kehrt vielmehr zurück und die
+Operation kann der Vorstellung eines bloß relativ-kleinen nicht
+entbehren. Der Kalkul macht es nothwendig, die sogenannten
+unendlichen Größen den gewöhnlichen arithmetischen Operationen des
+Addirens u.s.f., welche sich auf die Natur endlicher Größen gründen,
+zu unterwerfen, und sie somit als endliche Größen für einen
+Augenblick gelten zu lassen und als solche zu behandeln. Der Kalkul
+hätte sich darüber zu rechtfertigen, daß er sie das eine Mal in diese
+Sphäre herabzieht und sie als Inkremente oder Differenzen behandelt,
+und daß er auf der anderen Seite sie als Quanta vernachlässigt,
+nachdem er so eben Formen und Gesetze der endlichen Größen auf sie
+angewendet hatte.
+
+Über die Versuche der Geometer, diese Schwierigkeiten zu beseitigen,
+führe ich noch das Hauptsächlichste an.
+
+Die ältern Analytiker machten sich hierüber weniger Skrupel; aber die
+Bemühungen der Neueren gingen vornehmlich dahin, den Kalkul des
+Unendlichen zur Evidenz der eigentlich geometrischen Methode
+zurückzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten (-
+Ausdrücke von Lagrange--) in der Mathematik zu erreichen. Allein da
+das Princip der Analysis des Unendlichen höherer Natur, als das
+Princip der Mathematik endlicher Größen ist, so mußte jene von selbst
+sogleich auf jene Art von Evidenz Verzicht thun, wie die Philosophie
+auch auf diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die
+Wissenschaften des Sinnlichen, z.B. Naturgeschichte hat, und wie
+Essen und Trinken für ein verständlicheres Geschäfte gilt, als Denken
+und Begreifen. Es wird sich demnach nur um die Bemühung handeln, die
+Strenge der Beweise der Alten zu erreichen.
+
+Mehrere haben versucht, den Begriff des Unendlichen ganz zu entbehren,
+und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden
+schien.--Lagrange spricht z.B. von der Methode, die Landen erfunden
+hat, und sagt von ihr, daß sie rein analytisch sey und die unendlich
+kleinen Differenzen nicht gebrauche, sondern zuerst verschiedene
+Werthe der veränderlichen Größen einführe, und sie in der Folge
+gleichsetze. Er urtheilt übrigens, daß darin die der
+Differentialrechnung eignen Vorzüge, Einfachheit der Methode und
+Leichtigkeit der Operationen verloren gehe.--Es ist dieß wohl ein
+Verfahren, das mit demjenigen etwas Entsprechendes hat, von welchem
+Descartes Tangentenmethode ausgeht, die weiterhin noch näher zu
+erwähnen ist. Soviel, kann hier bemerkt werden, erhellt sogleich im
+Allgemeinen, daß das Verfahren überhaupt, verschiedene Werthe der
+veränderlichen Größen anzunehmen, und sie nachher gleichzusetzen,
+einem anderen Kreise mathematischer Behandlung angehört, als die
+Methode des Differential-Kalkuls selbst und die späterhin näher zu
+erörternde Eigenthümiichkeit des einfachen Verhältnisses, auf welches
+sich die wirkliche konkrete Bestimmung desselben zurückführt, nämlich
+der abgeleiteten Funktion zu der ursprünglichen, nicht herausgehoben
+wird.
+
+Die Ältern unter den Neuern, wie z.B. Fermat, Barrow und andere,
+die sich zuerst des Unendlich-Kleinen in derjenigen Anwendung
+bedienten, welche später zur Differential- und Integralrechnung
+ausgebildet wurde, und dann auch Leibnitz und die Folgenden, auch
+Euler, haben immer unverhohlen, die Produkte von unendlichen
+Differenzen, so wie ihre höhern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen
+zu dürfen geglaubt, weil sie relativ gegen die niedrige Ordnung
+verschwinden. Hierauf beruht bei ihnen allein der Fundamentalsatz,
+nämlich die Bestimmung dessen, was das Differential eines Produkts
+oder einer Potenz sey, denn hierauf reducirt sich die ganze
+theoretische Lehre. Das Übrige ist Theils Mechanismus der
+Entwickelung, Theils aber Anwendung, in welche jedoch, was weiterhin
+zu betrachten ist, in der That auch das höhere oder vielmehr einzige
+Interesse fällt.--In Rücksicht auf das Gegenwärtige ist hier nur das
+Elementarische anzuführen, daß aus dem gleichen Grunde der
+Unbedeutenheit als der Hauptsatz, die Curven betreffend, angenommen
+wird, daß die Elemente der Curven, nämlich die Inkremente der
+Abscisse und der Ordinate, das Verhältniß der Subtangente und der
+Ordinate zu einander haben; für die Absicht, ähnliche Dreiecke zu
+erhalten, wird der Bogen, der die dritte Seite eines Dreiecks zu den
+beiden Inkrementen, des mit Recht vormals sogenannten
+charakteristischen Dreiecks, ausmacht, als eine gerade Linie, als
+Theil der Tangente, und damit das eine der Inkremente bis an die
+Tangente reichend angesehen. Diese Annahmen erheben jene
+Bestimmungen einer Seits über die Natur endlicher Größen; anderer
+Seits aber wird ein Verfahren auf die nun unendlich genannten Momente
+angewendet, das nur von endlichen Größen gilt, und bei dem nichts aus
+Rücksicht der Unbedeutenheit vernachiässigt werden darf. Die
+Schwierigkeit, von der die Methode gedrückt wird, bleibt bei solcher
+Verfahrungsweise in ihrer ganzen Stärke.
+
+Es ist hier eine merkwürdige Procedur Newtons anzuführen; (Princ.
+Math. phil. nat. Lib. II. Lemma II. Propos. VII.)--die Erfindung
+eines sinnreichen Kunststücks, uni das arithmetisch unrichtige
+Weglassen der produkte unendlicher Differenzen oder höherer Ordnungen
+derselben bei dem Finden der Differentialien, zu beseitigen. Er
+findet das Differential des Produkts,--woraus sich dann die
+Differentialien der Quotienten, Potenzen u.s.f. leicht herleiten,
+--auf folgende Art. Das Produkt, wenn x, y, jedes um die Hälfte
+seiner unendlichen Differenz kleiner genommen wird, geht über in x
+y--xdy/2--ydx/2 + dxdy/4; aber wenn man x und y um ebenso viel
+zunehmen läßt, in x y + xdy/2 + ydx/2 + dxdy/4. Von diesem zweiten
+Produkt nun das erste abgezogen, bleibt y d x + x d y als Überschuß,
+und dieß sey der Überschuß des Wachsthums um ein ganzes dx und dy,
+denn um dieses Wachsthum sind beide Produkte unterschieden; es ist
+also das Differential von xy.--Man sieht in diesem Verfahren fällt
+das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das Produkt der
+beiden unendlichen Differenzen, dxdy, durch sich selbst hinweg. Aber
+des newtonischen Namens unerachtet muß es gesagt werden dürfen, daß
+solche, obgleich sehr elementarische Operation, unrichtig ist; es ist
+unrichtig, daß (x + dx/2) (y + dy/2)--(x--dx/2) (y--dy/2) = (x + dx)
+(y + dy)--xy. Es kann nur das Bedürfniß seyn, den Fluxionen-Kalkul
+bei seiner Wichtigkeit zu begründen, was einen Newton dahin bringen
+konnte, die Täuschung solchen Beweisens sich zu machen.
+
+Andere Formen, die Newton bei der Ableitung des Differentials
+gebraucht, sind an konkrete auf Bewegung sich beziehende Bedeutungen
+der Elemente und deren Potenzen gebunden.--Beim Gebrauche der
+Reihenform, der sonst seine Methode auszeichnet, liegt es zu nahe zu
+sagen, daß man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufügen
+weiterer Glieder die Größe so genau zu nehmen, als man nöthig habe,
+und daß die weggelassenen relativ unbedeutend, überhaupt das Resultat
+nur eine Näherung sey, als daß er nicht auch hier mit diesem Grunde
+sich begnügt hätte, wie er bei seiner Methode der Auflösung der
+Gleichungen höherer Grade durch Näherung die höheren Potenzen, die
+bei der Substitution jedes gefundenen noch ungenauen Werthes in die
+gegebene Gleichung entstehen, aus dem rohen Grunde ihrer Kleinigkeit
+wegläßt; s. Lagrange Equations Numériques p. 125.
+
+Der Fehler, in welchen Newton bei der Auflösung eines Problems durch
+das Weglassen wesentlicher höherer Potenzen verfiel, der seinen
+Gegnern die Gelegenheit eines Triumphs ihrer Methode über die seinige
+gab, und von welchem Lagrange in seiner neuerlichen Untersuchung
+desselben (Théorie des fonct. analyt. 3me P. Ch. IV.) den wahren
+Ursprung aufgezeigt hat, beweist das Formelle und die Unsicherheit,
+die im Gebrauche jenes Instruments noch vorhanden war. Lagrange
+zeigt, daß Newton dadurch in den Fehler fiel, weil er das Glied der
+Reihe vernachlässigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der
+bestimmten Aufgabe ankam. Newton hatte sich an jenes formelle
+oberflächliche Princip, Glieder wegen ihrer relativen Kleinheit
+wegzulassen, gehalten.--Es ist nämlich bekannt, daß in der Mechanik
+den Gliedern der Reihe, in der die Funktion einer Bewegung entwickelt
+wird, eine bestimmte Bedeutung gegeben wird, so daß sich das erste
+Glied oder die erste Funktion auf das Moment der Geschwindigkeit, die
+zweite auf die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den
+Widerstand von Kräften beziehe. Die Glieder der Reihe sind hiermit
+hier nicht nur als Theile einer Summe anzusehen, sondern als
+qualitative Momente eines Ganzen des Begriffs. Hiedurch erhält das
+Weglassen der übrigen Glieder, die der schlechtunendlichen Reihe
+angehören, eine gänzlich verschiedene Bedeutung, von dem Weglassen
+aus dem Grunde der relativen Kleinheit derselben.
+
+
+*) In einfacher Weise finden sich bei Lagrange in der Anwendung der
+Theorie der Funktionen auf die Mechanik, in dem Kapitel von der
+geradlinigten Bewegung, beide Rücksichten neben einander gestellt
+(Théorie des fonct. 3me P. Ch. I. art. 4.). Der durchloffene Raum
+als Funktion der verflossenen Zeit betrachtet, giebt die Gleichung x
+= ft; diese als f (t + ë) entwickelt giebt
+
+ft + ëft + [ë'[hoch 2]]/2. f"t + u.s.w.
+
+Also der während der Zeit durchloffene Raum stellt sich in der Formel
+dar, ëft + [ë[hoch 2]]/2. f't + [ë[hoch 3]]/2.3. f"t + u.s.w. Die
+Bewegung, vermittelst der dieser Raum durchloffen wird, ist also,
+wird gesagt, d. h. weil die analytische Entwickelung mehrere und zwar
+unendlich viele Glieder giebt,--zusammengesetzt aus verschiedenen
+partiellen Bewegungen, deren der Zeit entsprechende Räume seyn werden
+ëft, [ë[hoch 2]]/2. f"t, [ë[hoch 3]]/[2.3]. f"t, u.s.w. die erste
+partielle Bewegung ist, in bekannter Bewegung die
+formell=gleichförmige mit einer durch f't bestimmten Geschwindigkeit,
+die zweite die gleichförmig beschleunigte, die von einer dem f't
+propertionirten beschleunigenden Kraft herkommt. "Da nun die übrigen
+Glieder sich auf keine einfache bekannte Bewegung beziehen, so ist
+nicht nöthig, sie besonders in Rücksicht zu nehmen, und wir werden
+zeigen, daß man von ihnen in der Bestimmung der Bewegung zu Anfang
+des Zeitpunkts abstrahiren kann." Dieß wird nun gezeigt, aber
+freilich nur durch die Vergleichung jener Reihe, deren Glieder alle
+zur Bestimmung der Größe des in der Zeit durchloffenen Raumes
+gehörten, mit der art. 3 für die Bewegung des Falls angegebenen
+Gleichung x = at + bt[hoch 2], als in welcher nur diese zwei Glieder
+vorkommen. Aber diese Gleichung hat selbst nur diese Gestalt, durch
+die Voraussetzung der Erklärung, die den durch analytische
+Entwicklung entstehenden Gliedern gegeben wird, erhalten; diese
+Voraussetzung ist, daß die gleichförmig beschleunigte Bewegung
+zusammengesetzt sey, aus einer formell-gleichförmigen mit der im
+vorhergehenden Zeittheile erlangten Geschwindigkeit fortgesetzten
+Bewegung, und einem Zuwachse, (dem a in s = at[hoch 2] d.i. dem
+empirischen Koefficienten), welcher der Kraft der Schwere
+zugeschrieben wird,--einem Unterschiede, der keineswegs in der Natur
+der Sache irgend eine Existenz oder Grund hat, sondern nur der
+fälschlich physikalisch gemachte Ausdruck dessen ist, was bei einer
+angenommenen analytischen Behandlung herauskommt.
+
+Die Newtonsche Auflösung enthielt jenen Fehler, nicht weil in ihr
+Glieder der Reihe, nur als Theile einer Summe, sondern weil das Glied,
+das die qualitative Bestimmung, auf die es ankam, enthält, nicht
+berücksichtigt wurde.
+
+In diesem Beispiele ist der qualitative Sinn dasjenige, wovon das
+Verfahren abhängig gemacht ist. Im Zusammenhange hiermit kann
+sogleich die allgemeine Behauptung aufgestellt werden, daß die ganze
+Schwierigkeit des Princips beseitigt seyn würde, wenn statt des
+Formalismus, die Bestimmung des Differentials nur in die ihm den
+Namen gebende Aufgabe, den Unterschied überhaupt einer Funktion von
+ihrer Veränderung, nachdem ihre veränderliche Größe einen Zuwachs
+erhalten, zu stellen, die qualitative Bedeutung des Princips
+angegeben, und die Operation hiervon abhängig gemacht wäre. In
+diesem Sinne zeigt sich das Differential von x[hoch n], durch das
+erste Glied der Reihe, die durch die Entwickelung von (x + dx)[hoch
+n] sich ergiebt, gänzlich erschöpft. Daß die übrigen Glieder nicht
+berücksichtigt werden, kommt so nicht von ihrer relativen Kleinheit
+her;--es wird dabei nicht eine Ungenauigkeit, ein Fehler oder Irrthum
+vorausgesetzt, der durch einen anderen Irrthum ausgeglichen und
+verbessert würde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot vornehmlich
+die gewöhnliche Methode der Infinitesimalrechnung rechtfertigt.
+Indem es sich nicht um eine Summe, sondern um ein Verhältniß handelt,
+so ist das Differential vollkommen durch das erste Glied gefunden;
+und wo es fernerer Glieder, der Differentiale höherer Ordnungen
+bedarf, so liegt in ihrer Bestimmung nicht die Fortsetzung einer
+Reihe als Summe, sondern die Wiederholung eines und desselben
+Verhältnisses, das man allein will, und das somit im ersten Glied
+bereits vollkommen bestimmt ist. Das Bedürfniß der Form einer Reihe
+des Summirens derselben und was damit zusammenhängt, muß dann ganz
+von jenem Interesse des Verhältnisses getrennt werden.
+
+Die Erläuterungen, welche Carnot über die Methode der unendlichen
+Größen giebt, enthalten das Geläutertste und aufs Klarste exponirt,
+was in den oben angeführten Vorstellungen vorkam. Aber bei dem
+Übergange zur Operation selbst treten mehr oder weniger die
+gewöhnlichen Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der
+weggelassenen Glieder gegen die andern ein. Er rechtfertigt die
+Methode vielmehr durch die Thatsache, daß die Resultate richtig
+werden, und durch den Nutzen, den die Einführung unvollkommner
+Gleichungen, wie er sie nennt, d. h. solcher, in denen eine solche
+arithmetisch unrichtige Weglassung geschehen ist, für die
+Vereinfachung und Abkürzung des Kalkuls habe, als durch die Natur der
+Sache selbst.
+
+Lagrange hat bekanntlich die ursprüngliche Methode Newtons, die
+Methode der Reihen, wieder aufgenommen, um der Schwierigkeiten,
+welche die Vorstellung des Unendlich-Kleinen, so wie derjenigen,
+welche die Methode der ersten und letzten Verhältnisse und Grenzen
+mit sich führt, überhoben zu seyn. Es ist von seinem
+Funktionen-Kalkul, dessen sonstige Vorzüge in Rücksicht auf Präcision,
+Abstraktion und Allgemeinheit anerkannt genug sind, als hierher
+gehörig nur dieß anzuführen, daß er auf dem Fundamentalsatze beruht,
+daß die Differenz, ohne daß sie Null werde, so klein angenommen
+werden könne, daß jedes Glied der Reihe die Summe aller folgenden an
+Größe übertreffe.--Es wird auch in dieser Methode von den Kategorien
+vom Zuwachs und von der Differenz der Funktion angefangen, deren
+veränderliche Größe den Zuwachs erhalte, womit die lästige Reihe
+hereinkommt, von der ursprünglichen Funktion; so wie im Verfolg die
+wegzulassenden Glieder der Reihe nur in der Rücksicht, daß sie eine
+Summe constituiren, in Betracht kommen, und der Grund, sie
+wegzulassen, in das Relative ihres Quantums gesetzt wird. Die
+Weglassung ist also hier auch nicht für das Allgemeine auf den
+Gesichtspunkt zurückgeführt, der Theils in einigen Anwendungen
+vorkommt, worin, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine
+bestimmte qualitative Bedeutung haben sollen und Glieder außer Acht
+gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Größe sind,
+sondern weil sie unbedeutend der Qualität nach sind; Theils aber
+fällt dann die Weglassung selbst in dem wesentlichen Gesichtspunkte
+hinweg, der sich für den sogenannten Differential-Koefficienten erst
+in der sogenannten Anwendung des Kalkuls bei Lagrange bestimmt
+heraushebt, was in der folgenden Anmerkung ausführlicher
+auseinandergesetzt werden wird.
+
+Der qualitative Charakter überhaupt, der hier an der in Rede
+stehenden Größenform in demjenigen, was dabei das Unendlichkleine
+genannt wird, nachgewiesen worden ist, findet sich am unmittelbarsten
+in der Kategorie der Grenze des Verhältnisses, die oben angeführt
+worden, und deren Durchführung im Kalkul zu einer eigenthümlichen
+Methode gestempelt worden ist. Was Lagrange von dieser Methode
+urtheilt, daß sie der Leichtigkeit in der Anwendung entbehre, und der
+Ausdruck Grenze keine bestimmte Idee darbiete, davon wollen wir das
+Zweite hier aufnehmen, und näher sehen, was über ihre analytische
+Bedeutung aufgestellt wird. In der Vorstellung der Grenze liegt
+nämlich wohl die angegebene wahrhafte Kategorie der qualitativen
+Verhältnißbestimmung der veränderlichen Größen, denn die Formen, die
+von ihnen eintreten, dx und dy, sollen schlechthin nur als Momente
+von dy/dx genommen, und dx/dy selbst als ein einziges untheilbares
+Zeichen angesehen werden. Daß hiermit für den Mechanismus des
+Kalkuls besonders in seiner Anwendung der Vortheil verloren geht, den
+er davon zieht, daß die Seiten des Differential-Koefficienten von
+einander abgesondert werden, ist hier bei Seite zu setzen. Jene
+Grenze soll nun Grenze von einer gegebenen Funktion seyn;--sie soll
+einen gewissen Werth in Beziehung auf dieselbe angeben, der sich
+durch die Weise der Ableitung bestimmt. Mit der bloßen Kategorie der
+Grenze aber wären wir nicht weiter, als mit dem, um das es in dieser
+Anm. zu thun gewesen ist, nämlich aufzuzeigen, daß das
+Unendlichkleine, das in der Differentialrechnung als dx und dy
+vorkommt, nicht bloß den negativen, leeren Sinn einer nicht endlichen,
+nicht gegebenen Größe habe, wie wenn man sagt, eine unendliche Menge,
+ins unendliche fort und dergleichen, sondern den bestimmten Sinn der
+qualitativen Bestimmtheit des Quantitativen, eines Verhältnißmoments
+als eines solchen. Diese Kategorie hat jedoch so noch kein
+Verhältniß zu dem, was eine gegebene Funktion ist, und greift für
+sich nicht in die Behandlung einer solchen und in einen Gebrauch, der
+an ihr von jener Bestimmung zu machen wäre, ein; so würde auch die
+Vorstellung der Grenze, zurückgehalten in dieser von ihr
+nachgewiesenen Bestimmtheit, zu nichts führen. Aber der Ausdruck
+Grenze enthält es schon selbst, daß sie Grenze von Etwas sey, d. h.
+einen gewissen Werth ausdrücke, der in der Funktion veränderlicher
+Größe liegt; und es ist zu sehen, wie dieß konkrete Benehmen mit ihr
+beschaffen ist.--Sie soll die Grenze des Verhältnisses seyn, welches
+die zwei Inkremente zu einander haben, um welche die zwei
+veränderlichen Größen, die in einer Gleichung verbunden sind, deren
+die eine als eine Funktion der andern angesehen wird, als zunehmend
+angenommen worden;--der Zuwachs wird hier unbestimmt überhaupt
+genommen und insofern von dem Unendlichkleinen kein Gebrauch gemacht.
+Aber zunächst führt der Weg, diese Grenze zu finden, dieselben
+Inkonsequenzen herbei, die in den übrigen Methoden liegen. Dieser
+Weg ist nämlich folgender. Wenn y = fx, soll fx, wenn y in y + k
+übergeht, sich in fx + ph + qh[hoch 2] + rh[hoch 3] u.s.f. verändert,
+hiermit ist k = ph + qh[hoch 2] u.s.f. und k/h = p + qh + rh[hoch 2]
+u.s.f. Wenn nun k und h verschwinden, so verschwindet das zweite
+Glied außer p, welches p nun die Grenze des Verhältnisses der beiden
+Zuwächse sey. Man sieht, daß h als Quantum = 0 gesetzt wird, aber
+daß darum k/h nicht zugleich = 0 seyn, sondern noch ein Verhältniß
+bleiben soll. Den Vortheil, die Inkonsequenz, die hierin liegt,
+abzulehnen, soll nun die Vorstellung der Grenze gewähren; p soll
+zugleich nicht das wirkliche Verhältniß, das = 0/0 wäre, sondern nur
+der bestimmte Werth seyn, dem sich das Verhältniß unendlich d.i. so
+nähern könne, daß der Unterschied kleiner als jeder gegebene werden
+könne. Der bestimmtere Sinn der Näherung in Rücksicht dessen, was
+sich eigentlich einander nähern soll, wird unten betrachtet werden.
+--Daß aber ein quantitativer Unterschied, der die Bestimmung hat,
+kleiner als jeder gegebene seyn zu können nicht nur, sondern seyn zu
+sollen, kein quantitativer Unterschied mehr ist, dieß ist für sich
+klar, so evident als irgend etwas in der Mathematik evident seyn kann;
+damit aber ist über dy/dx = 0/0 nicht hinausgekommen worden. Wenn
+dagegen dy/dx = p d.i. als ein bestimmtes quantitatives Verhältniß,
+angenommen wird, wie dieß in der That der Fall ist, so kommt
+umgekehrt die Voraussetzung, welche h = 0 gesetzt hat, in
+Verlegenheit, eine Voraussetzung, durch welche allein k/h = p
+gefunden wird. Giebt man aber zu, daß k/h = 0 ist, und mit h = 0
+wird in der That von selbst auch k = 0; denn der Zuwachs k zu y
+findet nur unter der Bedingung statt, daß der Zuwachs h ist; so wäre
+zu sagen, was denn p seyn solle, welches ein ganz bestimmter
+quantitativer Werth ist. Hierauf giebt sich sogleich die einfache,
+trockne Antwort von selbst, daß es ein Koefficient ist und aus
+welcher Ableitung er entsteht,--die auf gewisse bestimmte Weise
+abgeleitete erste Funktion einer ursprünglichen Funktion. Begnügte
+man sich damit, wie denn in der That Lagrange sich der Sache nach
+damit begnügt hat, so wäre der allgemeine Theil der Wissenschaft des
+Differential-Kalkuls und unmittelbar diese seine Form selbst, welche
+die Theorie der Grenzen heißt, von den Zuwächsen, dann deren
+unendlicher oder beliebiger Kleinheit, von der Schwierigkeit, außer
+dem ersten Gliede oder vielmehr nur dem Coefficienten des ersten
+Gliedes die weitern Glieder einer Reihe, als welche durch die
+Einführung jener Zuwächse unabwendbar sich einfinden, wieder
+wegzubringen, befreit; außerdem aber auch von dem weitern, was damit
+zusammenhängt, von den formellen Kategorien vor allem des Unendlichen,
+der unendlichen Annäherung, und der weitern hier ebenso leeren
+Kategorien von kontinuirlicher Größe Die Kategorie von der
+kontinuirlichen oder fließenden Größe stellt sich mit der Betrachtung
+der äußerlichen und empirischen Veränderung der Größen, die durch
+eine Gleichung in die Beziehung, daß die Eine eine Funktion der
+Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der wissenschaftliche
+Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses (durch den
+Differential-Koefficienten gewöhnlich ausgedrücktes) Verhältniß,
+welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann, ist, so
+ist für diese specifische Bestimmtheit die bloße Kontinuität Theils
+schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die
+abstrakte und hier leere Kategorie, da über das Gesetz der
+Kontinuität gar nichts damit ausgedrückt ist.--Auf welche formelle
+Definitionen dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten
+Hrn. Collegen, Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung
+der Grundbestimmungen, die für die Deduktion des Differential-Kalkuls
+gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke
+über diese Wissenschaft anschließt und sich in den Jahrb. f.
+wissensch. Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird
+daselbst S. 1251 sogar die Definition angeführt: "Eine stätige oder
+kontinuirliche Größe, Kontinuum, ist jede Größe, welche man sich im
+Zustande des Werdens gedenkt, so daß dieses Werden nicht sprungweise,
+sondern durch ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl
+tautologisch dasselbe, was das definitum ist. und welche man sonst,
+wie Bestreben, Werden, Gelegenheit einer Veränderung für nöthig
+erachtet, gereinigt. Aber dann würde gefordert zu zeigen, was denn p,
+außer der, für die Theorie ganz genügenden trocknen Bestimmung, daß
+es weiter nichts als eine aus der Entwickelung eines Binomiums
+abgeleitete Funktion ist, noch für eine Bedeutung und Werth, d. i.
+welchen Zusammenhang und Gebrauch für weiteres mathematisches
+Bedürfniß habe; hiervon soll die zweite Anmerkung handeln.--Es folgt
+aber zunächst hier noch die Auseinandersetzung der Verwirrung, welche
+durch den angeführten, in den Darstellungen so geläufigen Gebrauch
+der Vorstellung von Annäherung in das Auffassen der eigentlichen,
+qualitativen Bestimmtheit des Verhältnisses, um das es zunächst zu
+thun war, gebracht worden ist.
+
+Es ist gezeigt worden, daß die sogenannten unendlichen Differenzen
+das Verschwinden der Seiten des Verhältnisses als Quantorum
+ausdrücken, und daß das, was übrig bleibt, ihr Quantitätsverhältniß
+ist, rein insofern es auf qualitative Weise bestimmt ist; das
+qualitative Verhältniß geht hierin so wenig verloren, daß es vielmehr
+dasjenige ist, was eben durch die Verwandlung endlicher Größen in
+unendliche resultirt. Hierin besteht, wie wir gesehen, die ganze
+Natur der Sache.--So verschwinden im letzten Verhältnisse z.B. die
+Quanta der Abscisse und Ordinate; aber die Seiten dieses
+Verhältnisses bleiben wesentlich die eine, Element der Ordinate, die
+andere Element der Abscisse. Indem die Vorstellungsweise gebraucht
+wird, daß man die eine Ordinate sich der anderen unendlich nähern
+läßt, so geht die vorher unterschiedene Ordinate in die andere
+Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse in die andere
+Abscisse über; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in die
+Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate über. Das Element der
+Ordinate,--um bei diesem Beispiele von veränderlichen Größen stehen
+zu bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer
+anderen Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied
+oder die qualitative Größenbestimmung gegen das Element der Abscisse;
+das Princip der einen veränderlichen Größe gegen das der andern steht
+im Verhältnisse miteinander. Der Unterschied, indem er nicht mehr
+Unterschied endlicher Größen ist, hat aufgehört, ein Vielfaches
+innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensität
+zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen
+Verhältnißmoments gegen das andere.
+
+Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, daß das,
+was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als
+Differenz oder Inkrement gefaßt wird, daß es nur der Unterschied des
+Quantums einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate
+sey. Die Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhältnisses;
+sie gilt nur als der letzte Werth, dem sich eine andere Größe von
+gleicher Art beständig so nähere, daß sie von ihm, so wenig als man
+will, unterschieden seyn könne, und daß das letzte Verhältniß, ein
+Verhältniß der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz das
+Schweben eines Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die
+qualitative Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine
+Verhältnißbestimmung gegen x, sondern gegen dy ist, tritt in der
+Vorstellung zurück. Man läßt dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber
+noch vielmehr verschwindet dx gegen x, dieß heißt aber wahrhaftig: es
+hat nur ein Verhältniß zu dy.--Es ist den Geometern in solchen
+Darstellungen immer vorzüglich darum zu thun, die Annäherung einer
+Größe an ihre Grenze begreiflich zu machen, und sich an diese Seite
+des Unterschiedes des Quantums vom Quantum, wie er kein Unterschied
+und doch noch ein Unterschied ist, zu halten. Aber die Annäherung
+ist ohnehin für sich eine nichts sagende und nichts begreiflich
+machende Kategorie; dx hat die Annäherung bereits im Rücken, es ist
+nicht nahe noch ein Näheres; und unendlich nahe heißt selbst die
+Negation des Naheseyns und des Annäherns.
+
+Indem es nun damit geschehen ist, daß die Inkremente oder unendlichen
+Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen
+verschwindet, und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so
+sind sie so als verhältnißlose Momente gefaßt. Es würde die
+unstatthafte Vorstellung daraus folgen, daß es erlaubt sey, in dem
+letzten Verhältnisse etwa Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus,
+Cosinus, Tangente, Sinus versus und was alles noch, einander gleich
+zu setzen.--Diese Vorstellung scheint zunächst darin obzuwalten, wenn
+ein Bogen als eine Tangente behandelt wird; denn auch der Bogen ist
+wohl inkommensurabel mft der geraden Linie, und sein Element zunächst
+von anderer Qualität als das Element der geraden Linie. Es scheint
+noch widersinniger und unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse,
+Ordinate, des Sinus versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis,
+wenn ein ob zwar unendlich kleiner Theil des Bogens, für ein Stück
+der Tangente, genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird.
+--Allein diese Behandlung ist von der gerügten Verwechslung
+wesentlich zu unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, daß
+in dem Dreieck, weilches das Element eines Bogens und die Elemente
+seiner Abscisse und der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhältniß
+dasselbe ist, als wenn jenes Element des Bogens das Element einer
+geraden Linie, der Tangente wäre; die Winkel, welche das wesentliche
+Verhältniß konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt,
+indem von den ihnen zugehörigen endlichen Größen abstrahirt wird,
+sind die nämlichen.--Man kann sich hierüber auch ausdrücken, gerade
+Linien, als unendlichklein, seyen in krumme Linien übergegangen, und
+das Verhältniß ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhältniß.
+Da nach ihrer Definition die gerade Linie der kürzeste Weg zwischen
+zwei Punkten ist, so gründet sich ihr Unterschied von krummer Linie
+auf die Bestimmung von Menge, auf die geringere Menge des
+Unterscheidbaren auf diesem Wege, was also eine Bestimmung von
+Quantum Ist. Aber diese Bestimmung verschwindet in ihr, sie als
+intensive Größe, als unendliches Moment, als Element genommen; somit
+auch ihr Unterschied von der krummen Linie, der bloß auf dem
+Quantumsunterschiede beruhte.--Also als unendlich behält gerade Linie
+und Bogen kein quantitatives Verhältniß und damit, auf den Grund der
+angenommenen Definition, auch keine qualitative Verschiedenheit mehr
+gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese über.
+
+Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung
+heterogener Bestimmungen ist die für sich unbestimmte und völlig
+gleichgültige Annahme, daß unendlich kleine Theile desselben Ganzen
+einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen
+d. i. mit wesentlicher Ungleichförmigkeit der Größebestimmung
+behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthüniliche Verkehrung
+hervor, die in dem Satze der höhern Mechanik enthalten ist, daß in
+gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile
+einer Kurve in gleichförmiger Bewegung durchloffen werden, indem dieß
+von einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i.
+existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile
+der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als
+existirend ungleichförmig ist und so angenommen wird. Dieser Satz
+ist der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied,
+das sich in der oben auch angeführten Entwickelung der Formel von
+ungleichförmiger übrigens einem Gesetze gemäßen Bewegung ergiebt,
+bedeuten soll. Ältere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu
+erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten
+Gegenständen zu thun hatte, in Worte und Sätze auszudrücken und sie
+in geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie für
+die Lehrsätze nach gewöhnlicher Beweise-Art zu gebrauchen. Die
+Glieder einer mathematischen Formel, in welche die analytische
+Behandlung die Größe des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte,
+erhielten dort eine gegenständliche Bedeutung, z.B. der
+Geschwindigkeit, beschleunigende Kraft u.s.f. sie sollten nach
+solcher Bedeutung richtige Sätze, physikalische Gesetze geben und
+nach der analytischen Verbindung auch ihre objektiven Verknüpfungen
+und Verhältnisse bestimmt seyn, wie z.B. eben daß in einer
+gleichförmig beschleunigten Bewegung eine besondere den Zeiten
+proportionale Geschwindigkeit existire, außerdem aber ein Zuwachs von
+der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme. Solche Sätze werden in
+der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als
+Ergebnisse des Kalkuls aufgeführt unbekümmert darum, ob sie einen
+reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspräche, für sich an ihnen
+selbst hätten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit,
+den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen
+reellen Sinn genommen werden, z.B. den Übergang von jener
+schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu einer gleichförmigen
+beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafür, durch die
+analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher
+Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autorität der
+Operationen des Kalkuls ist. Es wird für einen Triumph der
+Wissenschaft ausgegeben, durch den bloßen Kalkul über die Erfahrung
+hinaus Gesetze, d. i. Sätze der Existenz, die keine Existenz haben,
+zu finden. Aber in der erstern noch naiven Zeit des
+Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen Bestimmungen und Sätzen, in
+geometrischen Verzeichnungen vorgestellt, ein reeller Sinn für sich
+angegeben und plausibel gemacht, und sie in solchem Sinne zum Beweise
+von den Hauptsätzen, um die es zu thun war, angewendet werden, (--man
+sehe den newtonischen Beweis von seinem Fundamentalsatze der Theorie
+der Gravitation in den Princ. mathem. philosophiae naturalis lib. I.
+Sect. II. Prop. I. verglichen mit Schuberts Astronomie (erster Ausg.
+III. B. _. 20), wo zugestanden wird, daß es sich nicht genau so, d.
+i. in dem Punkte, welcher der Nerv des Beweises ist, sich nicht so
+verhalte, wie Newton annimmt--).
+
+Es wird nicht geläugnet werden können, daß man sich in diesem Felde
+vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihülfe des Nebels des
+Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als
+dem, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der
+Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, wenigstens den
+Schein eines Gerüstes von Beweis zu Stande brachte;--einen Schein,
+den man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch
+vorzog. Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier für nicht mehr
+als eine bloße Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens
+anzusehen, und hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins
+Besondere die zu dem so eben angeführten gehörigen, wegen welcher man
+Newton bis an den Himmel und über Keppler erhoben hat, das was dieser
+bloß durch Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben.
+
+Das leere Gerüste solcher Beweise wurde errichtet, um physische
+Gesetze zu beweisen. Aber die Mathematik vermag überhaupt nicht
+Größenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind,
+welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem
+einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist,
+nicht vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es
+nicht lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, außer
+ihrer Sphäre liegt. Die Behauptung der Ehre der Mathematik, daß alle
+in ihr vorkommenden Sätze streng bewiesen seyn sollen, ließ sie ihre
+Grenze oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, für
+Erfahrungssätze einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen
+Beweis anzuerkennen; später ist das Bewußtseyn hierüber gebildeter
+geworden; eh dieses aber über den Unterschied sich nicht klar wird,
+was mathematisch beweisbar ist und was nur anderwärts genommen werden
+kann, wie darüber was nur Glieder analytischer Entwickelung und was
+physikalische Existenzen sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich
+nicht zu strenger und reiner Haltung herausbilden.--Jenem Gerüste
+newtonischen Beweisens aber wird ohne Zweifel noch dasselbe Recht
+widerfahren, das einem anderen grundlosen newtonischen Kunstgebäude
+aus optischen Experimenten und damit verbundenem Schließen angethan
+worden ist. Die angewandte Mathematik ist noch voll von einem
+gleichen Gebräue aus Erfahrung und Reflexion, aber wie vonjener Optik
+seit geraumer Zeit bereits ein Theil nach dem andern anfing in der
+Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden mit der Inkonsequenz jedoch,
+das Übrige obgleich damit Widersprechende noch gewähren zu lassen,
+--so ist es auch Faktum, daß bereits ein Theil jener trügerischen
+Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder durch andere
+ersetzt worden ist.
+
+Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung
+abgeleitet.
+
+In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des
+Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird,
+Theils die Grundlage seiner Einführung in denselben betrachtet worden;
+Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen;
+die sogenannte Anwendung aber bietet größere Schwierigkeiten sowohl
+als auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten
+Seite sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.--Die ganze Methode
+der Differentialrechnung ist in dem Satze, daß dx[hoch n] = nx[hoch n
+1]dx, oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten
+Gliedes des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x
++ d, x + i, absolvirt. Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die
+Ableitung der nächsten Formen, des Differentials eines Produkts,
+einer Exponentialgröße und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in
+wenig Zeit, vielleicht in einer halben Stunde--mit dem Finden der
+Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der ursprünglichen
+Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,--kann man
+die ganze Theorie inne haben. Was allein länger aufhält, ist die
+Bemühung es einzusehn, begreifflich zu machen, daß nachdem der eine
+Umstand der Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische
+d. i. ganz arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion
+der veränderlichen Größe, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form
+eines Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch
+mit dem andern Umstand, nämlich mit dem Weglassen der übrigen Glieder
+der entstehenden Reihe außer den ersten, seine Richtigkeit habe.
+Wäre es der Fall, daß man jenen Koefficienten allein nöthig hätte, so
+wäre mit der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft,
+--wie gesagt in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das
+Weglassen der weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine
+Schwierigkeit, daß vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als
+zweiten, dritten u.s.f. Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der
+Bestimmung des ersten gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede wäre,
+da es um sie ganz und gar nicht zu thun ist.
+
+Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, daß man es der Methode
+des Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, daß sie nicht für sich
+selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht
+für sich begründet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens,
+sondern die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer
+Funktion ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung
+vollständig zur Sache zu gehören angenommen ist,--weil die Sache als
+der Unterschied
+
+der entwickelten Funktion einer veränderlichen Größe, nachdem dieser
+die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der ursprünglichen,
+angesehen wird,--geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus
+allen mathematischen Grundsätzen. Das Bedürfniß solcher
+Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung,
+weist sogleich darauf hin, daß anderswo der Ursprung und die
+Grundlage sich befinden müsse. Es geschieht auch sonst in den
+Wissenschaften, daß das, was als das Elementarische vornehin gestellt
+ist und woraus die Sätze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen,
+nicht einleuchtend ist, und daß es sich ausweist, vielmehr in dem
+Nachfolgenden seine Veranlassung und seine Begründung zu haben. Der
+Hergang in der Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, daß er
+in den verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die
+Sache gleichsam als in Kunststücken, den Anfang genommen hat; die Art
+des Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt
+worden, ist spater zum Bewußtseyn und in abstrakte Formeln gebracht
+worden, welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde.
+
+Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist
+die qualitative Quantitäts-Bestimmtheit solcher, die zunächst als
+Quanta im Verhältniß zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden,
+woran sich die empirische Untersuchung knüpfte, jene
+Begriffs-Bestimmtheit in den Beschreibungen oder Definitionen
+nachzuweisen, die sich von dem Unendlich-Kleinen, insofern es als
+unendliche Differenz und dergleichen genommen ist, vorfinden.--Dieß
+ist nur im Interesse der abstrakten Begriffsbestimmtheit als solcher
+geschehen; die weitere Frage wäre, wie von ihr der Übergang zur
+mathematischen Gestaltung und Anwendung beschaffen wäre. Zu dem Ende
+ist zuerst das Theoretische, die Begriffsbestimmtheit, noch weiter
+vorzunehmen, welche sich an ihr selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen
+wird; alsdenn ist das Verhältniß derselben zur Anwendung zu
+betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so weit es hier angeht, daß
+die allgeineinen Folgerungen zugleich demjenigen, um was es in der
+Differentialrechnung zu thun ist, und der Art, wie sie es
+bewerkstelligt, angemessen sind.
+
+Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Form, welche die in Rede
+stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits
+beiläufig angegeben ist. Die qualitative Bestimmtheit des
+Quantitativen ist zuerst im quantitativen Verhältniß überhaupt
+aufgewiesen, es ist aber auch schon bei der Nachweisung der
+unterschiedenen sogenannten Rechnungsarten (s. d. betreff. Anm.)
+anticipirt worden, daß das nachher an seiner eigenthümlichen Stelle
+noch zu betrachtende Potenzenverhältniß es ist, worin die Zahl durch
+Gleichsetzung ihrer Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als
+zu sich selbst zurückgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der
+Unendlichkeit, des Fürsichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich
+selbst, an ihr erhält. Die ausdrückliche qualitative
+Größenbestimmtheit bezieht sich somit, wie gleichfalls schon erinnert,
+wesentlich auf Potenzenbestimmungen, und da die Differentialrechnung
+das Specifische hat, mit qualitativen Größenformen zu operiren, so
+muß ihr eigenthümlicher mathematischer Gegenstand die Behandlung von
+Potenzenformen seyn, und die sämmtlichen Aufgaben und deren
+Auflösungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung gebraucht wird,
+zeigen es, daß das Interesse allein in der Behandlung von
+Potenzenbestimmungen als solchen liegt.
+
+So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas
+Bestimmtes stellt, statt der bloß formellen Kategorien von
+veränderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Größen und
+dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch
+zu allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun;
+schon das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die
+Behandlung der Exponentialgrößen und Logarithmen, Reihen, die
+Gleichungen höherer Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemühung
+allein mit Verhältnissen, die auf Potenzen beruhen. Ohne Zweifel
+müssen sie zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber
+welches unter den verschiedenen Verhältnissen, worein
+Potenzenbestimmungen gesetzt werden können, dasjenige sey, das der
+eigentliche Gegenstand und das Interesse für die Differentialrechnung
+ist, dieß ist aus dieser selbst, d. i. aus den sogenannten
+Anwendungen derselben zu entnehmen. Diese sind in der That die Sache
+selbst, das wirkliche Verfahren in der mathematischen Auflösung eines
+gewissen Kreises von Problemen; dieß Verfahren ist früher gewesen,
+als die Theorie oder der allgemeine Theil, und Anwendung ist dasselbe
+später genannt worden nur in Beziehung auf die nachher erschaffene
+Theorie, welche die allgemeine Methode des Verfahrens Theils
+aufstellen, Theils ihr aber Principien, d. i. Rechtfertigung geben
+wollte. Welche vergebliche Bemühung es gewesen ist, für die
+bisherige Auffassungsweise des Verfahrens Principien aufzufinden,
+welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein kommt, wirklich
+lösten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach dem
+mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden, oder
+durch die auf dasselbe hinauslaufende Möglichkeit der unendlichen
+oder beliebigen Annäherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu
+verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden. Wenn aus dem
+wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung
+genannt wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt würde,
+als bisher geschehen ist, so würden sich jene Principien und die
+Bemühung mit denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen
+selbst sich als etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes
+ausweisen.
+
+Wenn wir diesem Eigenthümlichen durch einfaches Aufnehmen des in
+diesem Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir
+als Gegenstand à) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von
+Größen (wir können hier überhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem
+Ganzen der Bestimmtheit so verbunden sind, daß diese erstens ihre
+Bestimmtheit in empirischen Größen, als festen Grenzen und dann in
+der Art der Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung
+untereinander, haben; wie dieß überhaupt in einer Gleichung der Fall
+ist; indem aber nur Eine Gleichung für beide Größen (und ebenso
+relativ wohl mehrere Gleichungen für mehrere Größen, aber immer
+weniger, als die Anzahl der Größen ist--) vorhanden ist, gehören
+diese Gleichungen zu den unbestimmten; und daß zweitens eine Seite,
+wie diese Größen hier ihre Bestimmtheit haben, darin liegt, daß sie
+(wenigstens eine derselben) in einer höhern, als die erste Potenz, in
+der Gleichung vorhanden sind.
+
+Hierüber sind zunächst einige Bemerkungen zu machen, für's Erste, daß
+die Größen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den
+Charakter solcher veränderlichen Größen haben, wie sie in den
+Aufgaben der unbestimmten Analysis vorkommen. Ihr Werth ist
+unbestimmt, aber so daß wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter
+Werth, d. i. ein Zahlenwerth für die eine kommt, auch die andere
+bestimmt, so die eine, eine Funktion der andern, ist. Die Kategorien
+von veränderlichen Größen, Funktionen und dergleichen sind darum für
+die specifische Größebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur
+formell, wie vorhin gesagt worden ist, weil sie von einer
+Allgemeinheit sind, in welcher dasjenige Specifische, worauf das
+ganze Interesse des Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten
+ist, noch daraus durch Analyse explicirt werden kann; sie sind für
+sich einfache, unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst
+schwierig gemacht werden, insofern das in sie gelegt werden soll,
+damit es dann aus ihnen abgeleitet werden könne, was nicht in ihnen
+liegt, nämlich die specifische Bestimmung der Differentialrechnung.
+--Was alsdenn die sogenannte Konstante betrifft, so kann über sie
+bemerkt werden, daß sie zunächst als eine gleichgültige empirische
+Größe ist, bestimmend für die veränderlichen Größen bloß in Ansehung
+ihres empirischen Quantums, als Grenze ihres Minimums und Maximums;
+die Art der Verbindung aber der Konstanten mit den veränderlichen
+Größen ist selbst eines der Momente für die Natur der besonderen
+Funktion, welche diese Größen sind. Umgekehrt sind aber auch die
+Konstanten selbst Funktionen; insofern z.B. eine gerade Linie den
+Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn, so ist dieser ihr Sinn
+dieß, daß sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie in der Entwickelung
+des Binomiums überhaupt, die Konstante, welche der Koefficient des
+ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln, der des
+zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei u.s.f.
+also diese Konstanten hier überhaupt Funktionen der Wurzeln sind; wo
+in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel
+bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser
+behandelt. Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer
+anderen Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im
+Konkreten es ist, worauf das ganze Interesse geht.
+
+Das Eigenthümliche nun aber, wodurch die Betrachtung der
+veränderlichen Größen sich in der Differentialrechnung von ihrer
+Beschaffenheit in den unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das
+Angegebene zu setzen, daß wenigstens eine jener Größen oder auch alle
+sich in einer höhern Potenz als die erste befinde, wobei wieder
+gleichgültig ist, ob sämmtliche von derselben höhern oder von
+ungleichen Potenzen sind; ihre specifische Unbestimmtheit, die sie
+hier haben, liegt allein darin, daß sie in solchem
+Potenzenverhältnisse Funktionen von einander sind. Dadurch ist die
+Veränderung der veränderlichen Größen qualitativ determinirt, damit
+kontinuirlich, und diese Kontinuität, die für sich wieder nur die
+formelle Kategorie überhaupt einer Identität, einer sich in der
+Veränderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat hier
+ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem Potenzenverhältnisse,
+als welches kein Quantum zu seinem Exponenten hat, und die nicht
+quantitative, bleibende Bestimmtheit des Verhältnisses der
+veränderlichen Größen ausmacht. Daher ist gegen einen andern
+Formalismus die Bemerkung zu machen, daß die erste Potenz nur Potenz
+im Verhältniß zu höhern ist; für sich ist x nur irgend ein
+unbestimmtes Quantum. So hat es keinen Sinn, für sich die
+Gleichungen y = ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der
+schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y =
+ax, oder auch aus y = ax + b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct
+wird, so ist ebenso sehr a = y/x, die Bestimmung der Tangente oder
+s/t = c. die der schlechten Geschwindigkeit. Letztere wird als dy/dx
+exponirt im Zusammenhange dessen, was für die Entwickelung der
+gleichförmig beschleunigten Bewegung ausgegeben wird; aber daß ein
+Moment von einfacher, schlechtgleichförmiger, d. i. nicht durch die
+höhere Potenz eines der Momente der Bewegung bestimmter
+Geschwindigkeit, im Systeme solcher Bewegung vorkomme, ist, wie
+früher bemerkt, selbst eine leere, allein in der Routine der Methode
+gegründete Annahme. Indem die Methode von der Vorstellung des
+Zuwachses, den die veränderliche Größe erleiden solle, ausgeht, so
+kann Freilich auch eine solche, die nur eine Funktion von erster
+Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun hierauf, um das
+Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch entstandenen
+zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll, so zeigt
+sich das Leere der Operation, daß, wie bemerkt, die Gleichung vor und
+nach derselben, für die sogenannten Zuwächse dieselbe ist als für die
+veränderlichen Größen selbst.
+
+ß) Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung
+bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die
+Behandlung derselben gerichtet findet. Diese Betrachtung kann nur
+bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen
+Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die
+Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten
+heterogenen Bestimmungen zu entfernen.--Als die Grundlage der
+Behandlung der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, daß die
+Potenz innerhalb ihrer selbst als ein Verhältniß, als ein System von
+Verhältnißbestimmungen, gefaßt wird. Die Potenz ist oben als die
+Zahl angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, daß ihre
+Veränderung durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und
+Anzahl identisch ist, wie früher nachgewiesen, vollkommen zunächst im
+Quadrat, formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den höhern
+Potenzen. Die Potenz nun, da sie als Zahl--wenn man den Ausdruck
+Größe als den allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die
+Zahl,--eine Menge ist, auch als Summe dargestellt, kann zunächst
+innerhalb ihrer in eine beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden,
+die ohne alle weitere Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe
+sind, als nur daß sie zusammen dieser gleich sind. Aber die Potenz
+kann auch in eine Summe von solchen Unterschieden discernirt werden,
+die durch die Form der Potenz bestimmt sind. Wird die Potenz als
+Summe genommen, so ist auch die Grundzahl derselben, die Wurzel als
+Summe gefaßt, und beliebig nach mannigfaltiger Zerlegung, welche
+Mannigfaltigkeit aber das gleichgültige empirisch-Quantitative ist.
+Die Summe als welche die Wurzel seyn soll, auf ihre einfache
+Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte Allgemeinheit zurückgeführt, ist
+das Binomium; alle weitere Vermehrung der Glieder ist eine bloße
+Wiederholung derselben Bestimmung und daher etwas Leeres.Es gehört
+nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf welche die Analysis
+nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a + b)[hoch n] für die
+Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c + d...)[hoch n] gesagt wird,
+wie dieß auch in vielen andern Fällen gethan wird; es ist solche
+Form, so zu sagen, nur für eine Koketterie des Scheins der
+Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache erschöpft; es
+wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und das Gesetz
+ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die äußerliche nur leere
+Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes a +
+b + c + d... hervorgebracht wird. Worauf es ankommt, ist allein die,
+hiermit qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die
+Potenzirung der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche
+Bestimmtheit allein in der Veränderung, die das Potenziren ist, liegt.
+Diese Glieder sind somit ganz Funktionen der Potenzirung und der
+Potenz. Jene Darstellung nun der Zahl, als Summe einer Menge von
+solchen Gliedern, welche Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das
+Interesse, die Form solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus
+der Menge solcher Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein
+von jener Form abhängen muß,--dieß macht bekanntlich die besondere
+Lehre von den Reihen aus. Aber hierbei haben wir wesentlich das
+fernere Interesse zu unterscheiden, nämlich das Verhältniß der zu
+Grunde liegenden Größe selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein
+Komplex d. i. hier eine Gleichung, ist, eine Potenz in sich schließt,
+--zu den Funktionen ihrer Potenzirung. Dieß Verhältniß, ganz
+abstrahirt von dem vorhin genannten Interesse der Summe wird sich als
+der Gesichtspunkt zeigen, der sich als der einzige, den die
+Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der wirklichen Wissenschaft
+ergiebt.
+
+Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten
+hinzuzufügen, oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen. Es
+wurde nämlich gesagt, daß die veränderliche Größe, in deren
+Bestimmung die Potenz eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer
+selbst als Summe und zwar als ein System von Gliedern, insofern diese
+Funktionen der Potenzirung sind, womit auch die Wurzel als eine Summe,
+und in der einfach bestimmten Form als Binomium betrachtet werde;
+x[hoch n] = (y + z)[hoch n] = (y + ny[hoch n-1] z +....) Diese
+Darstellung ging für die Entwickelung der Potenz, d. i. für das
+Erlangen ihrer Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus;
+es ist jedoch hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus
+entspringende Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die
+Beziehung aufzunehmen. Die Beziehung als solche der Größen ist das
+was einer Seits übrig bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als
+solcher abstrahirt wird, und was anderer Seits für das Finden der
+EntwicklungsFunktionen der Potenz erforderlich ist. Solche Beziehung
+aber ist schon darin bestimmt, daß hier der Gegenstand eine Gleichung,
+y[hoch m] = ax[hoch n] auch schon ein Komplex von mehrern
+(veränderlichen) Größen ist, der eine Potenzenbestimmung derselben
+enthält. In diesem Komplex ist jede dieser Größen schlechthin als in
+der Beziehung auf die andere mit der Bedeutung, könnte man sagen,
+eines plus an ihr selbst,--als Funktion der andern Größen gesetzt;
+ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn, giebt ihnen diese
+Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz unbestimmten, nicht
+eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen. Doch diesen abstrakten
+Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen; es kann ganz
+einfach dabei stehen geblieben werden, daß nachdem die veränderlichen
+Größen in der Gleichung als Funktionen von einander, so daß diese
+Bestimmtheit ein Verhältniß von Potenzen enthält, gegeben sind, nun
+auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander
+verglichen werden,--welche zweiten Funktionen durch gar nichts
+Anderes weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind. Es
+kann zunächst für ein Belieben oder eine Möglichkeit ausgegeben
+werden, eine Gleichung von den Potenzen ihrer veränderlichen Größen
+auf ein Verhältniß ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein
+weiterer Zweck, Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher
+Umgestaltung davon anzugeben; durch ihre Nützlichkeit allein ist jene
+Umstellung veranlaßt worden. Wenn vorhin von der Darstellung dieser
+Potenzirungsbestimungen an einer Größe, die als Summe in sich
+different genommen werde, ausgegangen worden, so diente dieß nur
+Theils zur Angabe von welcher Art solche Funktionen seyen, Theils
+liegt darin die Weise sie zu finden.
+
+Wir befinden uns hiermit bei der gewöhnlichen analytischen
+Entwickelung, die für den Zweck der Differentialrechnung so gefaßt
+wird, daß der veränderlichen Größe ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun
+die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehört,
+explicirt wird. Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum,
+nur eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung
+behülflich zu seyn; was man eingestandenermaßen, am bestimmtesten von
+Euler und Lagrange, und in der früher erwähnten Vorstellung der
+Grenze, will, sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der
+veränderlichen Größen, die sogenannten Koefficienten zwar des
+Zuwachses und der Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich
+ordnet und zu denen die unterschiedenen Koefficienten gehören. Es
+kann hierzu etwa bemerkt werden, daß indem nur um der Entwickelung
+willen ein Zuwachs angenommen ist, der ohne Quantum sey, es am
+geschicktesten gewesen wäre, (das Eins) dafür zu nehmen, indem
+derselbe in der Entwickelung immer nur als Faktor vorkommt, womit
+eben der Faktor Eins den Zweck erfüllt, daß keine quantitative
+Bestimmtheit und Veränderung durch den Zuwachs gesetzt werden solle;
+dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer quantitativen
+Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier unnützen Scheine
+von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und die Prätension
+von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche Prätension dann
+die Mühe herbeibringt, sie dessenungeachtet wegzubringen und
+wegzulassen. Um die Form einer nach Potenzen entwickelten Reihe zu
+behalten, könnten die Exponentenbezeichnungen als indices ebenso gut
+dem Eins angefügt werden. Aber es muß ohnehin von der Reihe und von
+der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die sie in der
+Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhältniß zwischen allen ist
+dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der ersten, als
+diese aus der ursprünglichen abgeleitet, und für die als die zweite
+gezählte ist die erste abgeleitete wieder ursprüngliche Funktion.
+Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe, sondern ganz
+allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende Potenzenbestimmung
+in ihrem Verhältniß zu der für sie unmittelbaren Größe. Anstatt also
+jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der Entwickelung zu
+bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf die andern in
+der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz als eines
+Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehören, wäre der
+bloße Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin gesagt
+wurde, eine Funktion des Potenzirens der Größe vorzuziehen, wobei als
+bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung als
+innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird.
+
+Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der
+Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die
+Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage,
+was mit dem damit erhaltenen Verhältnisse anzufangen ist, wo es eine
+Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, für welchen Zweck
+solche Funktionen gesucht werden. Durch das Finden von Verhältnissen,
+an konkreten Gegenständen, welche sich auf jene abstrakte
+analytische zurückführen lassen, hat die Differentialrechnung ihr
+großes Interesse erhalten.
+
+Über die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunächst aus der Natur der
+Sache, ohne noch aus den Fällen der Anwendung selbst zu schließen,
+vermöge der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst
+Folgendes. Die Entwickelung der Potenzengrößen, wodurch sich die
+Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthält, von näherer Bestimmung
+abstrahirt, zunächst überhaupt die Herabsetzung der Größe auf die
+nächst niedrigere Potenz. Die Anwendbarkeit dieser Operation findet
+also bei solchen Gegenständen statt, bei welchen gleichfalls ein
+solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist. Wenn wir
+nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, daß sie die
+drei Dimensionen enthält, die wir, um sie von den abstrakten
+Unterschieden der Höhe, Länge und Breite zu unterscheiden, als die
+konkreten bezeichnen können, nämlich die Linie, die Fläche und den
+totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in
+Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen
+genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Fläche und
+dieselbe als Quadrat, und den Kubus. Die gerade Linie hat ein
+empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die
+Potenzenbestimmung ein; nähere Modificationen, z.B. daß dieß gleich
+auch mit den ebenen Kurven geschieht, können wir, insofern es
+zunächst um den Unterschied bloß im Allgemeinen zu thun ist,
+unerörtert lassen. Hiermit entsteht auch das Bedürfniß, von einer
+höheren Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt
+überzugehen, indem z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen
+Gleichungen der Fläche u.s.f. oder umgekehrt abgeleitet werden sollen.
+--Die Bewegung ferner, als an der das Größenverhältniß des
+durchloffenen Raumes und der dazu gehörigen verflossenen Zeit zu
+betrachten ist, zeigt sich in den verschiedenen Bestimmungen einer
+schlechtgleichförmigen, einer gleichförmig beschleunigten, einer
+abwechselnd gleichförmig beschleunigten und gleichförmig retardirten,
+--in sich zurückkehrenden Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten
+der Bewegung nach dem Größenverhältnisse ihrer Momente, des Raums und
+der Zeit, ausgedrückt werden, ergeben sich für sie Gleichungen aus
+unterschiedenen Potenzenbestimmungen, und insofern es Bedürfniß seyn
+kann, eine Art der Bewegung oder auch der Raumgrößen, an welche eine
+Art gebunden ist, aus einer anderen Art derselben zu bestimmen, führt
+die Operation gleichfalls das Übergehen von einer Potenzenfunktion zu
+einer höhern oder medrigern herbei.--Die Beispiele dieser zwei
+Gegenstände mögen für den Zweck, zu dem sie angeführt sind, genügen.
+
+Der Anschein von Zufälligkeit, welchen die Differentialrechnung in
+ihren Anwendungen präsentirt, würde schon vereinfacht werden, durch
+das Bewußtseyn über die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung
+statt finden kann, und über das eigenthümliche Bedürfniß und die
+Bedingung dieser Anwendung. Nun aber kommt es weiter innerhalb
+dieser Gebiete selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen
+der Gegenstände der mathematischen Aufgabe ein solches Verhältniß
+statt finde, als durch den Differentialkalkul eigenthümlich gesetzt
+wird. Es muß gleich vorläufig bemerkt werden, daß hierbei zweierlei
+Verhältnisse zu beachten sind. Die Operation des Depotenzirens einer
+Gleichung, sie nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veränderlichen
+Größen betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft
+nicht mehr eine Gleichung, sondern ein Verhältniß ist; dieses
+Verhältniß ist der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung.
+Eben damit auch ist zweitens das Verhältniß vorhanden von der höhern
+Potenzenbestimmung (der ursprünglichen Gleichung) selbst zu der
+niedrigern (dem Abgeleiteten). Dieß zweite Verhältniß haben wir hier
+zunächst bei Seite zu lassen; es wird sich als der eigenthüniliche
+Gegenstand der Integralrechnung zeigen.
+
+Betrachten wir zunächst das erste Verhältniß, und nehmen zu der aus
+der sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments,
+worin das Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an
+den Kurven vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt
+sind. Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhältniß
+der Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung. Folgen von der
+Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten
+zusammenhängenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente,
+Normale u.s.f. Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den
+Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile
+diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden
+Linien. Der Übergang von der Grundgleichung, welche die
+Potenzenbestimmung enthält, zu jenen linearen Gleichungen enthält nun
+den angegebenen Übergang von der ursprünglichen Funktion, d. i.
+welche eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhältniß
+ist, und zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien. Der
+Zusammenhang zwischen dem Verhältnisse dieser Linien und der
+Gleichung der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt.
+
+Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierüber so viel zu
+bemerken, daß die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz
+empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der
+völlig äußerlich gebliebenen Operation geben zu können. Ich begnüge
+mich hierüber mit der Anführung Barrow's, des Lehrers Newtons. In
+seinen lect. Opt. et Geom., worin er Probleme der höhern Geometrie
+nach der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunächst von
+dem Eigenthümlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er
+auch, "weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect. X.) sein
+Verfahren, die Tangente zu bestimmen, an. Man muß bei ihm selbst
+nachlesen, wie diese Angabe beschaffen ist, um sich eine gehörige
+Vorstellung zu machen, wie das Verfahren ganz als äußerliche Regel
+angegeben ist,--in demselben Style, wie vormals in den arithmetischen
+Schulbüchern die Regel de tri oder noch besser die sogenannte
+Neunerprobe der Rechnungsarten vorgetragen worden ist. Er macht die
+Verzeichnung der Linienchen, die man nachher die Inkremente im
+charakteristischen Dreieck einer Kurve genannt hat, und giebt nun die
+Vorschrift als eine bloße Regel, die Glieder als überflüssig
+wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der Gleichungen, als
+Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein kommen, (
+etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die Glieder, die
+nur aus der ursprünglichen Gleichung bestimmte Größen enthalten,
+wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der ursprünglichen Gleichung von
+der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt für das Inkrement der
+Ordinate die Ordinate selbst und für das Inkrement der Abscisse die
+Subtangente zu substituiren. Man kann, wenn es so zu reden erlaubt
+ist, das Verfahren nicht schulmeistermässiger angeben;--die letztere
+Substitution ist die für die Tangentenbestimmung in der gewöhnlichen
+Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der
+Proportionalität der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der
+Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in
+ihrer ganz naiven Nacktheit. Eine einfache Weise, die Subtangente zu
+bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen
+auf Ähnliches hinaus,--die Methode, die größten und kleinsten Werthe
+zu finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben
+Grundlagen und demselben Verfahren. Es war eine mathematische Sucht
+jener Zeiten, sogenannte Methoden, d. i. Regeln jener Art zu finden,
+dabei aus ihnen auch ein Geheimniß zu machen, was nicht nur leicht,
+sondern selbst in einer Rücksicht nöthig war, aus demselben Grunde,
+als es leicht war,--nämlich weil die Erfinder nur eine empirische
+äußerliche Regel, keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten
+Principien Abgeleitetes, gefunden hatten. Solche sogenannte Methoden
+hat Leibnitz von seiner Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und
+unmittelbarer von seinem Lehrer aufgenommen; sie haben durch die
+Verallgemeinerung ihrer Form und Anwendbarkeit den Wissenschaften
+neue Bahnen gebrochen, aber damit zugleich das Bedürfniß gehabt, das
+Verfahren aus der Gestalt bloß äußerlicher Regeln zu reißen, und
+demselben die erforderliche Berechtigung zu verschaffen gesucht.
+
+Analysiren wir die Methode näher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser.
+Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der
+veränderlichen Größen), welche die Gleichung enthält, auf ihre ersten
+Funktionen herabgesetzt. Damit aber wird der Werth der Glieder der
+Gleichung verändert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es
+ist nur ein Verhältniß entstanden zwischen der ersten Funktion der
+einen veränderlichen Größe zu der ersten Funktion der andern; statt
+px = y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax--x[hoch 2] = y[hoch 2]
+hat man a--x : y, was nachher als das Verhältniß dy/dx bezeichnet zu
+werden pflegte. Die Gleichung ist Gleichung der Curve, dieß
+Verhältniß, das ganz von derselben abhängig, aus derselben (oben nach
+einer bloßen Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit
+welchem gewisse Linien in Proportion sind; p : 2y oder a--x : y sind
+selbst Verhältnisse aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und
+den Parameters; aber damit weiß man noch nichts. Das Interesse ist,
+von andern an der Kurve vorkommenden Linien zu wissen, daß ihnen
+jenes Verhältniß zukommt, die Gleichheit zweier Verhältnisse zu
+finden.--Es ist also zweitens die Frage, welches die geraden, durch
+die Natur der Kurve bestimmten Linien sind, welche in solchem
+Verhältnisse stehen?--dieß aber ist es, was schon früher bekannt war,
+daß nämlich solches auf jenem Wege erhaltenes Verhältniß das
+Verhältniß der Ordinate zur Subtangente ist. dieß hatten die Alten
+auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern Erfinder
+entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung der Kurve
+so zuzurichten, daß jenes erste Verhältniß geliefert wird, von dem
+bereits bekannt war, daß es einem Verhältnisse gleich ist, welches
+die Linie enthält, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es zu
+thun ist. Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch
+gefaßt und gemacht worden,--die Differentation,--Theils aber sind die
+imaginären Inkremente der Koordinaten und das imaginäre hieraus und
+einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete,
+charakteristische Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalität
+des durch die Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhältnisses
+mit dem Verhältnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas
+empirisch nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als
+ein Erwiesenes dargestellt werde. Die alte Bekanntschaft jedoch
+erweist sich überhaupt und am unverkennbarsten in der angeführten
+Form von Regeln als die einzige Veranlassung und respektive
+Berechtigung der Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener
+Proportionalität.
+
+Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den
+ächtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die
+Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht,
+die beiden Übergänge, die für die Auflösung der Aufgabe zu machen
+sind, zu trennen und jede dieser Seiten für sich zu behandeln und zu
+erweisen. Der eine Theil dieser Auflösung,--indem wir für die nähere
+Angabe des Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die
+Subtangente zu finden, bleiben,--der theoretische oder allgemeine
+Theil, nämlich das Finden der ersten Funktion aus der gegebenen
+Kurvengleichung, wird für sich regulirt; derselbe giebt ein lineares
+Verhältniß, also von geraden Linien, die in dem Systeme der
+Kurvenbestimmung vorkommen. Der andere Theil der Auflösung ist nun
+die Findung derjenigen Linien an der Kurve, welche in jenem
+Verhältnisse stehen. Dieß wird nun auf die direkte Weise (Théorie
+des Fonct. Anal. II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i. ohne das
+charakteristische Dreieck, nämlich ohne unendlichkleine Bogen,
+Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy
+und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhältnisses und zugleich
+unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate
+und Subtangente selbst zu geben. Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat
+allein ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks
+ausmacht, wie auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen
+liegt. Dieß ist, um es ini Vorbeigehen zu erwähnen, der
+Fundamentalsatz der analytischen Geometrie, welcher die Coordinaten,
+wie, was dasselbe ist, in der Mechanik das Parallelogramm der Kräfte
+herbeiführt, das eben darum der vielen Bemühung um einen Beweis ganz
+unbedürftig ist.--Die Subtangente wird nun als die Seite eines
+Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten die Ordinate und die darauf
+sich beziehende Tangente ist. Letztere hat als gerade Linie zu einer
+Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufügen ist für die Bestimmung unnütz und
+wird nur um der beliebten Allgemeinheit hinzugesetzt);--die
+Determination des Verhältnisses p/q fällt in a, den Koefficienten von
+q, der die respective erste Funktion der Gleichung ist, überhaupt
+aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als, wie gesagt,
+die wesentliche Determination der geraden Linie, die als Tangente an
+die Kurve applicirt ist. Indem nun ferner die erste Funktion der
+Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die Determination einer
+geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p der ersten geraden
+Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben genommen werden,
+daß also der Punkt, in welchem jene als Tangente angenommene erste
+gerade die Kurve berührt, gleichfalls der Anfangspunkt der durch die
+erste Funktion der Kurve bestimmten geraden Linie ist, so kommt es
+darauf an, zu zeigen, daß diese zweite gerade Linie mit der ersten
+zusammenfällt, d. h. Tangente ist; algebraisch ausgedrückt, daß
+indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx = Fq angenommen
+wird, auch f'x = F'q. Daß nun die als Tangente applicirte gerade,
+und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion determinirte
+gerade Linie zusammenfallen, daß die letztere also Tangente ist; dieß
+wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse und des durch die
+Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der Ordinate gezeigt.
+Hier kommt denn also gleichfalls das berüchtigte Increment herein;
+aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe eingeführt wird, und
+die Entwickelung der Funktion nach demselben, muß von dem früher
+erwähnten Gebrauch des Inkrements für das Finden der
+Differentialgleichung und für das charakteristische Dreieck, wohl
+unterschieden werden. Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und
+nothwendig; er fällt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur
+geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehört, daß
+zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich
+hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele,
+durchgehen könne. Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualität der
+Tangente oder Nicht-Tangente auf den Größenunterschied zurückgeführt,
+und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die größere
+Kleinheit--schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es
+ankommt, falle. Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthält
+durchaus nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem
+Abhängiges, sie ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt,
+wenn der Unterschied des Moments, von dem die zu vergleichende Größe
+abhängt, ein Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch
+2] hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann
+als ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und für sich
+kleiner als i, so daß selbst die Vorstellung von einer beliebigen
+Größe, in der man i nehmen könne, hier überflüssig und sogar nicht an
+ihrem Orte ist. Ebendamit hat der Erweis der größern Kleinheit
+nichts mit einem Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier
+keineswegs hereinzukommen hat.
+
+Wäre es auch nur um der Schönheit und des heutigstags mehr vergessen,
+aber wohlverdienten Ruhmes willen, daß ich noch Descartes
+Tangentenmethode anführen will; sie hat übrigens auch eine Beziehung
+auf die Natur der Gleichungen, über welche dann noch eine fernere
+Bemerkung zu machen ist. Descartes trägt diese selbstständige
+Methode, worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus
+derselben abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch
+so fruchtbar gewordenen Geometrie (liv. II. p. 357 ss. Oeuvres
+compl. ed. Cousin Tom. V.) vor, indem er in derselben die große
+Grundlage von der Natur der Gleichungen und deren geometrischer
+Konstruktion und der damit sosehr erweiterten Analysis auf die
+Geometrie überhaupt, gelehrt hat. Das Problem hat bei ihm die Form
+der Aufgabe, gerade Linien senkrecht auf beliebige Orte einer Kurve
+zu ziehen, als wodurch Subtangente u.s.f. bestimmt wird; man begreift
+die Befriedigung, die er daselbst über seine Entdeckung, die einen
+Gegenstand von allgemeinem wissenschaftlichen Interesse der damaligen
+Zeit betraf, und die sosehr geometrisch ist und dadurch so hoch über
+den oben erwähnten bloßen Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand,
+ausdrückt: j'ose dire que c'est ceci le problème le plus utile et le
+plus général, non seulement que je sache, mais même que j'aie jamais
+desire de savoir en géometrie.--Er legt für die Auflösung die
+analytische Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks zu Grund, das
+durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf welcher die im Probleme
+verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll, dann durch diese selbst,
+die Normale, und drittens durch den Theil der Achse, der durch die
+Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die Subnormale,
+gebildet wird. Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird nun in
+jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder der
+Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades
+(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen höhere Grade
+enthalten, sich hierauf zurückführen), in welcher nur noch die eine
+der veränderlichen Größen und zwar im Quadrat und in der ersten
+Potenz vorkommt;--eine quadratische Gleichung, welche zunächst als
+eine sogenannte unreine erscheint. Nun macht Descartes die Reflexion,
+daß wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt
+derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve
+noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich für die
+zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit
+denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;--oder aber nur
+Eine Gleichung mit ungleichen Werthen von x. Die Gleichung wird aber
+nur Eine, für das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die
+Kurve senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, daß man die
+beiden Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen,
+diesen also die Kurve berühren lasse. Damit aber fällt auch der
+Umstand der ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen
+Gleichung hinweg. Bei einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen
+Wurzeln nun aber ist der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte
+in der ersten Potenz enthält, das Doppelte der nur Einen Wurzel; dieß
+nun giebt eine Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen
+gefunden sind. Dieser Gang ist für den genialen Griff eines ächt
+analytischen Kopfes anzusehen, wogegen die ganz assertorisch
+angenommene Proportionalität der Subtangente und der Ordinate mit den
+unendlich klein seyn sollenden sogenannten Inkrementen der Abscisse
+und der Ordinate ganz zurücksteht.
+
+Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den
+Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung
+gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe,
+welche durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird.
+x[hoch 2]--ax--b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x--a = 0;
+oder x[hoch 3]--px--q = 0 giebt 3x[hoch 2]--p = 0. Es bietet sich
+hierbei aber die Bemerkung an, daß es sich keineswegs von selbst
+versteht, daß solche abgeleitete Gleichung auch
+
+richtig ist. Bei einer Gleichung mit zwei veränderlichen Größen, die
+darum, daß sie veränderliche sind, den Charakter unbekannte Größen zu
+seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein
+Verhältniß heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch
+das Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der
+Potenzen selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung verändert
+wird, und es für sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen
+ihnen bei so veränderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde.
+Die Gleichung dy/dx = P drückt gar nichts weiter aus, als daß P ein
+Verhältniß ist, und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn
+zuzuschreiben. Von diesem Verhältniß = P ist es aber ebenso noch
+unbekannt, welchem andere Verhältnisse es gleich sey; solche
+Gleichung, die Proportionalität, giebt demselben erst einen Werth und
+Bedeutung.--Wie angegeben wurde, daß man diese Bedeutung, was die
+Anwendung hieß, anderswoher, empirisch aufnahm, so muß bei den hier
+in Rede stehenden durch Differentation abgeleiteten Gleichungen
+anderswoher gewußt werden, ob sie gleiche Wurzeln haben, um zu wissen,
+ob die erhaltene Gleichung noch richtig sey. Dieser Umstand wird
+aber in den Lehrbüchern nicht ausdrücklich bemerklich gemacht; er
+wird wohl dadurch beseitigt, daß eine Gleichung mit einer unbekannten,
+auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird, wodurch dann bei der
+Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein Verhältniß herauskommt.
+Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit Funktionen der
+Potenzirung oder die Differentialrechnung mit Differentialien zu thun
+haben, aber daraus folgt für sich noch keineswegs, daß die Größen,
+deren Differentialien oder Funktionen der Potenzirung genommen werden,
+selbst auch nur Funktionen anderer Größen seyn sollen. In dem
+theoretischen Theile, der Anweisung, die Differentiale, d. i. die
+Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird ohnehin noch nicht daran
+gedacht, daß die Größen, die nach solcher Ableitung zu behandeln
+gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Größen seyn sollen.
+
+Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem
+Differentiiren bemerklich gemacht werden, daß dasselbe hier den Sinn
+hat, daß die Konstante für die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer
+Gleichheit gleichgültig ist, als welche Bestimmung durch den
+Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschöpft ist. Wie
+im angeführten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der
+Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den
+Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie überhaupt, wie die
+Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist. In der
+gewöhnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur
+durch + und--mit den übrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch
+den bloßen Mechanismus des Verfahrens, daß um das Differential eines
+zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veränderlichen Größen
+ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem
+ursprünglichen abgezogen wird. Der Sinn der Konstanten und ihres
+Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser
+Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache.
+
+Mit dem Weglassen der Konstanten, hängt eine ähnliche Bemerkung
+zusammen, die über die Namen von Differentation und Integration,
+gemacht werden kann, als früher über den endlichen und unendlichen
+Ausdruck gemacht wurde, daß nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das
+Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt. Differentiiren
+bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber
+wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht,
+durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit
+hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veränderlichen
+Größe auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben
+aufgehoben. In der Integration hingegen soll die Konstante wieder
+hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in
+dem Sinne integrirt, daß die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln
+wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird.
+--Der gewöhnliche Ausdruck trägt dazu bei, die wesentliche Natur der
+Sache in Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der
+Hauptsache fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen
+Differenz, des Increments und dergleichen, Theils der bloßen
+Differenz überhaupt zwischen der gegebenen und der abgeleiteten
+Funktion, ohne deren specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied
+zu bezeichnen, zu stellen.
+
+Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul
+Gebrauch gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen
+Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen
+ihres Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen
+bereits beiläufig erwähnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen.
+Die Gleichung, nämlich der mathematische Ausdruck, der
+schlechtgleichförmigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die
+durch offenen Räume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen
+Einheit c, der Größe der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet
+für die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits
+vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere
+Potenzenentwicklung Statt finden.--Wie s = at[hoch 2], die Gleichung
+der Bewegung des Falles, analysirt wird, ist früher schon erinnert;
+--das erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und
+resp. in die Existenz so übersetzt, es solle ein Glied einer Summe (-
+welche Vorstellung wir längst entfernt haben), der eine Theil der
+Bewegung seyn und zwar solle dieser der Kraft der Trägheit, d. i.
+einer schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit so zukommen, daß in den
+unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichförmig, in den
+endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber
+ungleichförmig sey. Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a
+und von t für sich bekannt, so wie daß hiermit die Bestimmung von
+gleichförmiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a =
+s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t überhaupt; damit aber weiß man im
+geringsten nichts weiter; nur die fälschliche Annahme, daß 2at ein
+Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den fälschlichen Schein
+eines physikalischen Satzes. Der Faktor selbst, a, die empirische
+Einheit--ein Quantum als solches--wird der Schwere zugeschrieben;
+wenn die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist
+vielmehr zu sagen, daß eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder
+besser das Gesetz der Schwere ist.--Gleichmäßig ist der aus ds/dt =
+2at abgeleitete Satz, daß wenn die Schwere aufhörte zu wirken, der
+Körper mit der am Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den
+doppelten Raum von dem, welchen er durchloffen hat, in einer der
+Dauer seines Falles gleichen Zeit zurücklegen würde.--Es liegt hierin
+auch eine für sich schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das
+Ende eines Zeittheils, in welchem der Körper gefallen, ist immer
+selbst noch ein Zeittheil; wäre es kein Zeittheil, so wäre Ruhe und
+damit keine Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur
+nach dem Raume angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an
+seinem Ende, durchloffen worden ist.--Wenn nun aber vollends in
+andern physikalischen Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist,
+wie z.B. im Verhalten des Lichts (außer dem, was seine
+Fortpflanzung im Raume genannt wird) und Größenbestimmungen an den
+Farben, eine Anwendung der Differentialrechnung gemacht wird und die
+erste Funktion von einer quadratischen Funktion hier auch
+Geschwindigkeit genannt wird, so ist dieß für einen noch
+unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von Existenz anzusehen.
+-Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch 2] vorgestellt wird,
+finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom Falle der Körper; die
+einfachste Bewegung derselben würde die seyn, deren Gleichung s =
+ct[hoch 3] wäre, aber die Natur zeige keine Bewegung dieser Art; wir
+wüßten nicht was der Koefficient c bedeuten könnte. Wenn dem wohl so
+ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren Gleichung s[hoch 3] =
+at[hoch 2] ist,--das kepplerische Gesetz der Bewegung der Körper des
+Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete Funktion 2at/[3s [hoch
+2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere direkte Behandlung dieser
+Gleichung durch die Differentation, die Entwicklung der Gesetze und
+Bestimmungen jener absoluten Bewegung von diesem Ausgangspunkte aus,
+müßte dagegen wohl als eine interessante Aufgabe erscheinen, in
+welcher die Analysis im würdigsten Glanze sich zeigen würde.
+
+Für sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die
+elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar;
+das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des
+Kalkuls. Eine andre Bedeutung aber erhält die Zerlegung der Bewegung
+in Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine
+Kurve ist und ihre Gleichung höhere Potenzen enthält, bedarf es der
+Übergänge von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng,
+zu den Potenzen selbst, und indem jene aus der ursprünglichen
+Gleichung der Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthält, mit
+Elimination der Zeit zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die
+niedrigern Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene
+Gleichungen linearer Bestimmungen erhalten werden können. Diese
+Seite führt auf das Interesse des andern Theils der
+Differentialrechnung.
+
+Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische
+Bestimmung des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen,
+und dieselbe in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen.
+Diese Bestimmung hat sich ergeben darin zu bestehen, daß aus einer
+Gleichung von Potenzenfunktionen der Koefficient des
+Entwicklungsgliedes, die sogenannte erste Funktion gefunden, und das
+Verhältniß, welches diese ist, in Momenten des konkreten Gegenstands
+aufgewiesen werde, durch welche so erhaltene Gleichung zwischen den
+beiden Verhältnissen diese Momente selbst bestimmt sind. Es ist
+ebenso von dem Princip der Integralrechnung kurz zu betrachten, was
+sich aus dessen Anwendung, für die specifische konkrete Bestimmnng
+derselben ergiebt. Die Ansicht dieses Kalkuls ist dadurch schon
+vereinfacht und richtiger bestimmt worden, daß er nicht mehr als
+Summationsmethode genommen wird, wie er im Gegensatz gegen das
+Differentiiren, wo der Zuwachs als das wesentliche Ingrediens gilt,
+genannt wurde, und womit er in wesentlichem Zusammenhang mit der Form
+der Reihe erschien.--Die Aufgabe dieses Kalkuls ist zunächst ebenso
+die theoretische oder vielmehr formelle, als die der
+Differentialrechnung, bekanntlich aber die umgekehrte von dieser;--es
+wird hier von einer Funktion ausgegangen, die als abgeleitete, als
+der Koefficient des nächsten aus der Entwicklung einer aber noch
+unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet wird, und aus
+ihr soll die ursprüngliche Potenzen-Funktion gefunden werden; die in
+der natürlichen Ordnung der Entwicklung als ursprünglich anzusehende
+wird hier abgeleitet und die früher als abgeleitet betrachtete ist
+hier die gegebene oder überhaupt die anfangende. Das Formelle dieser
+Operation scheint nun aber bereits durch den Differential-Kalkul
+geleistet zu seyn; indem darin überhaupt der Übergang und das
+Verhältniß von der ursprünglichen zu der Entwicklungsfunktion
+festgestellt ist. Wenn hierbei Theils schon um die Funktion, von der
+auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Übergang von ihr zu der
+ursprünglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen Fällen zu der
+Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muß, so ist zunächst
+festzuhalten, daß diese Form als solche mit dem eigenthümlichen
+Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat.
+
+Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in
+Rücksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben. Diese
+ist nun selbst die Aufgabe, nämlich die Bedeutung in dem oben
+angegebenen Sinne zu kennen, welche die ursprüngliche Funktion von
+der gegebenen als ersten Funktion betrachteten eines besondern
+Gegenstandes hat. An sich könnte auch diese Lehre bereits in der
+Differentialrechnung ganz abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt
+ein weiterer Umstand ein, der die Sache nicht so einfach seyn läßt.
+Indem nämlich in diesem Kalkul sich ergeben, daß durch die erste
+Funktion der Gleichung einer Kurve das Verhältniß, welches ein
+lineares ist, erhalten worden, so weiß man damit auch, daß die
+Integration dieses Verhältnisses die Gleichung der Kurve im
+Verhältnisse der Abscisse und Ordinate giebt; oder wenn die Gleichung
+für die Ebene einer Kurve gegeben wäre, so würde die
+Differentialrechnung über die Bedeutung der ersten Funktion solcher
+Gleichung bereits gelehrt haben sollen, daß diese Funktion die
+Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve
+darstellte.
+
+Nun kömmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des
+Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem
+Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von
+da zu den übrigen Bestimmungen des Gegenstands übergehen. Es ist z.
+B. nicht die Gleichung eines Flächenraums der Kurve, noch etwa des
+durch ihre Umdrehung entstehenden Körpers, noch auch eines Bogens
+derselben, sondern nur das Verhältniß der Abscisse und Ordinate in
+der Gleichung der Kurve selbst gegeben. Die Übergänge von jenen
+Bestimmungen zu dieser Gleichung selbst können daher nicht schon in
+der Differentialrechnung behandelt werden; es wird für die
+Integralrechnung aufgespart, diese Verhältnisse zu finden.
+
+Ferner aber ist gezeigt worden, daß die Differentiirung der Gleichung
+von mehreren veränderlichen Größen, die Entwicklungspotenz oder
+Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als
+ein Verhältniß giebt; die Aufgabe ist dann für dieß Verhältniß,
+welches die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des
+Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey. Dagegen ist das Object
+der Integralrechnung das Verhältniß selbst der ursprünglichen zu der
+abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe
+ist, die Bedeutung der zu findenden ursprünglichen Funktion in dem
+Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr
+indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu
+rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als
+das Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, daß solche Bestimmung durch
+eine ursprüngliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des
+Gegenstandes sey, welches hierfür zur Ausgangs- (der abgeleiteten)
+Funktion, angenommen werden müsse.
+
+Die gewöhnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als
+des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; für die
+Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel,
+ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der
+Abscisse, für das Trapez, das zu einer seiner Seiten den
+unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse
+gegenüberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne
+integrirt, daß das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze,
+die Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, nämlich die endliche Größe
+jenes Elements der Ebene gebe. Ebenso formirt sie aus den
+Unendlichkleinen des Bogens, und der dazu gehörigen Ordinate und
+Abscisse ein rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes
+Bogens gleich sey der Summe der Quadrate der beiden andern
+Unendlichkleinen, deren Integration den Bogen als einen endlichen
+giebt.
+
+Dieß Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete
+der Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der
+Weise, daß die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu
+einer gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in
+dem Verhältniß der sogenannten ursprünglichen Funktion zu der
+abgeleiteten steht. Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein
+gewisser Theil eines mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve)
+als die abgeleitete Funktion angenommen werde, welcher andere Theil
+desselben durch die entsprechende ursprüngliche Funktion ausgedrückt
+ist. Man weiß, daß wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene
+Funktion der Ordinate als abgeleitete Funktion genommen wird, die
+relativ ursprüngliche Funktion der Größenausdruck der von dieser
+Ordinate abgeschnittenen Area der Kurve ist, daß wenn eine gewisse
+Tangentenbestimmung als abgeleitete Funktion angesehen wird, die
+ursprüngliche Funktion derselben die Größe des zu dieser
+Tangentenbestimmung gehörigen Bogens ausdrückt, u. s. f. daß nun aber
+diese Verhältnisse, das eine einer ursprünglichen Funktion zu der
+abgeleiteten, das andere von den Größen zweier Theile oder Umstände
+des mathematischen Gegenstandes, eine Proportion bilden, dieß zu
+erkennen und zu beweisen, erspart sich die Methode, die das
+Unendlichkleine und die mechanische Operation mit demselben gebraucht.
+Das eigenthümliche Verdienst des Scharfsinns ist, aus den
+anderwärts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu haben,
+daß gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes, in
+dem Verhältnisse von ursprünglicher und von abgeleiteter Funktion
+stehen.
+
+Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie
+bestimmt worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem
+Kalkul die gegebene, relativ gegen die ursprüngliche, als welche erst
+aus jener durch die Integration, gefunden werden soll. Allein sie
+ist nicht unmittelbar gegeben, noch ist es für sich schon gegeben,
+welcher Theil oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die
+abgeleitete Funktion angesehen werden soll, um durch Zurückführung
+derselben auf die ursprüngliche den andern Theil oder Bestimmung zu
+finden, deren Größe das Problem verlangt. Die gewöhnliche Methode,
+die, wie gesagt, sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als
+unendlich klein, in der Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt,
+welche sich aus der ursprünglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes
+überhaupt durch die Differentiirung bestimmen lassen, (--wie für die
+Rektifikation einer Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und
+Ordinaten), nimmt dafür solche, welche sich mit dem Gegenstande des
+Problems, (in dem Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein
+vorgestellt wird, in eine Verbindung bringen lassen, die in der
+Elementar-Mathematik festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile
+bekannt sind, auch dieser bestimmt ist, dessen Größe zu finden
+aufgegeben ist; so werden für die Rektifikation die angegebenen drei
+Unendlichkleinen in die Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten
+Dreiecks gebracht, für die Quadratur die Ordinate mit der
+unendlichkleinen Abscisse in die Verbindung eines Produkts, indem
+eine Ebene überhaupt arithmetisch als Produkt von Linien angenommen
+ist. Der Übergang von solchem sogenannten Elemente der Ebene, des
+Bogens u.s.f. zur Größe der Ebene, des Bogens u.s.f. selbst, gilt
+dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen Ausdruck zum
+endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente, aus denen
+die verlangte Größe bestehen soll.
+
+Es kann daher nur oberflächlich gesagt werden, daß die
+Integralrechnung bloß das umgekehrte, überhaupt jedoch schwierigere
+Problem der Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der
+Integralrechnung geht vielmehr ausschließlich auf das Verhältniß der
+ursprünglichen und der abgeleiteten Funktion in den konkreten
+Gegenständen, zu einander.
+
+Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf
+eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise
+jener direkten Annahmen abzuthun. Es wird zur Erläuterung der Natur
+der Sache beitragen, gleichfalls das Nähere seines Verfahrens aus
+einigen wenigen Beispielen anzugeben. Dasselbe macht es sich eben
+zur Aufgabe, für sich zu beweisen, daß zwischen besondern
+Bestimmungen eines mathematischen Ganzen z.B. einer Kurve, ein
+Verhältniß von der ursprünglichen zu der abgeleiteten Funktion Statt
+finde. Dieß kann nun aber in diesem Felde vermöge der Natur des
+Verhältnisses selbst, welches am mathematischen Gegenstande, krumme
+mit geraden Linien, lineare Dimensionen und Funktionen derselben mit
+Ebenen-Flächen-Dimensionen und deren Funktion u.s.f. also qualitativ
+verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf direkte Weise
+bewerkstelligt werden, die Bestimmung läßt sich so nur als die Mitte
+zwischen einem Größern und Kleinern auffassen. Hiermit tritt von
+selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und Minus ein,
+und das rüstige: Développons, ist an seiner Stelle; aber wie die
+Zuwächse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon ist
+vorhin gesprochen worden. Aus der Entwicklung jener Bedingung, daß
+die zu bestimmende Größe größer als die eine leicht bestimmbare
+Grenze und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet,
+daß die Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der
+Funktion der Area ist.
+
+Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird,
+indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse,
+die Übersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern
+Analysis einzusehen,
+
+was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die
+andere Art mechanisch betriebenen Geschäftes thun läßt. Die
+Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das
+archimedische Princip, daß der Bogen einer Kurve größer ist, als
+seine Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des
+Bogens, gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und
+ihrem Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte
+Gleichung. Die Übertragung jener archimedischen Grundbestimmung in
+die moderne analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der
+für sich eine einfache Grundgleichung sey, während jene Form nur die
+Forderung aufstellt, zwischen einem zu Großen und zu Kleinen, die
+sich jedesmal bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches
+Fortgehen wieder immer nur ein neues zu Großes und ein neues zu
+Kleines jedoch in immer engern Grenzen giebt. Vermittelst des
+Formalismus des Unendlichkleinen wird sogleich die Gleichung dz[hoch
+2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2] angesetzt. Die lagrangesche Exposition
+ausgehend von der angegebenen Grundlage zeigt hingegen auf, daß die
+Größe des Bogens die ursprüngliche Funktion ist zu einer abgeleiteten,
+von der das eigenthümliche Glied selbst eine Funktion aus dem
+Verhältnisse einer abgeleiteten zu der ursprünglichen der Ordinate
+ist.
+
+Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann später in der
+kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstände, die Vorstellung
+vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist dieß so oft als eine Autorität
+für den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem
+Differentialkalkul gemacht wird, angeführt worden, ohne daß das
+Eigenthümliche und Unterscheidende herausgehoben worden wäre. Das
+Unendlichkleine bedeutet zunächst die Negation des Quantums als eines
+solchen, d. i. eines sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten
+Bestimmtheit, wie sie das Quantum als solches hat. Ebenso ist in den
+darauf folgenden berühmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a.,
+die sich auf die Betrachtung der Verhältnisse geometrischer
+Gegenstände gründen, die Grundbestimmung, daß das Quantum als solches
+der Bestimmungen, welche nur im Verhältnisse zunächst betrachtet
+werden, für diesen Behuf auf die Seite gestellt und sie hiernach als
+ein Nicht-Großes sollen genommen werden. Aber Theils ist hiermit das
+Affirmative überhaupt, welches hinter der bloß negativen Bestimmung
+liegt, nicht erkannt und herausgehoben, welches sich oben abstrakt
+als die qualitative Größebestimmtheit, und diese bestimmter in dem
+Potenzenverhältnisse liegend, sich ergeben hat;--Theils aber, indem
+dieß Verhältniß selbst wieder eine Menge näher bestimmter
+Verhältnisse in sich begreift, wie das einer Potenz und deren
+Entwicklungsfunktion, so haben sie auch wieder auf die allgemeine und
+negative Bestimmung desselben Unendlichkleinen gegründet und daraus
+abgeleitet werden sollen. In der eben ausgehobenen lagrangeschen
+Exposition ist das bestimmte Affirmative, das in der archimedischen
+Entwicklungsweise der Aufgabe liegt, gefunden und damit dem mit einem
+unbegrenzten Herausgehen behafteten Verfahren seine richtige Grenze
+gegeben worden. Das Große der modernen Erfindung für sich und ihre
+Fähigkeit vorher intraktable Probleme zu lösen, und die früher
+lösbaren auf eine einfache Weise zu behandeln, ist allein in die
+Entdeckung des Verhältnisses der ursprünglichen zu den sogenannten
+abgeleiteten und der Theile, welche an dem mathematischen Ganzen in
+solchem Verhältnisse stehen, zu setzen. Die gemachten Anführungen
+mögen für den Zweck genügen, das Eigenthümliche des Verhältnisses von
+Größen herauszuheben, welches der Gegenstand der in Rede stehenden
+besondern Art des Kalkuls ist. Diese Anführungen konnten sich auf
+einfache Probleme und deren Auflösungsweisen beschränken; und weder
+wäre es für die Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war,
+zweckmäßig gewesen, noch hätte es in dem Vermögen des Verfassers
+gestanden, den gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der
+Differential- und Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, daß
+das aufgezeigte Princip derselben zu Grunde liege, durch die
+Zurückführung aller ihrer Probleme und deren Lösungen darauf, zu
+vervollständigen. Das Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, daß
+wie jede besondere Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder
+Verhältniß der Größe zu ihrem Gegenstande hat, und ein solches das
+Addiren, Multipliciren, das Erheben in Potenzen und Ausziehen der
+Wurzeln, die Rechnung mit Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt,
+ebenso der Differential- und Integralkalkul; für das diesem Kalkul
+Angehörige möchte der Name des Verhältnisses einer Potenzenfunktion
+und der Funktion ihrer Entwicklung oder Potenzirung der passendste
+seyn, weil er der Einsicht der Natur der Sache am nächsten liegt.
+Nur wie die Operationen nach den andern Größenverhältnissen, wie
+Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul überhaupt gleichfalls gebraucht
+werden, werden auch die Logarithmen--Kreisund Reihen-Verhältnisse
+angewendet, insbesondere um Ausdrücke zum Behuf der erforderlichen
+Operationen des Ableitens der ursprünglichen aus den
+Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen. Mit der Reiheform hat
+die Differential- und Integralrechnung wohl das nähere Interesse
+geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen
+die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das
+Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhältniß der ursprünglichen
+Funktion zu dem nächsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will
+die Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen
+sind, geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen. Das
+Unendliche, das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte
+Ausdruck des Negativen des Quantums überhaupt, hat mit der
+affirmativen Bestimmung, welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt,
+nichts gemein. Ebenso ist das Unendlichkleine, als der Zuwachs,
+vermittelst dessen die Entwicklung in die Form der Reihe fällt, nur
+ein äußeres Mittel für die Entwickelung, und seine sogenannte
+Unendlichkeit ohne alle andere Bedeutung, als die, sonst gar keine zu
+haben, als die jenes Mittels; die Reihe, da sie in der That es nicht
+ist, die verlangt wird, führt ein Zuviel herbei, welches wieder
+wegzubringen, die überflüssige Mühe macht. Von dieser Mühe ist die
+Methode Lagrange's, der die Form der Reihe vorzugsweise wieder
+aufgenommen hat, gleichfalls gedrückt; obgleich sie es ist, durch
+welche in dem, was die Anwendung genannt wird, die wahre
+Eigenthümlichkeit sich heraushebt, indem ohne die Formen von dx, dy u.
+s.f. in die Gegenstände hinein zu zwängen, direkt derjenige Theil
+nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der abgeleiteten (-
+Entwickelungs--) Funktion zukommt, und es sich damit zeigt, daß die
+Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich handelt.In der
+obenangeführten Kritik (Jahrb. für wissensch. Krit. II. B. 1827. Nr.
+155. 6. folg.) finden sich interessante Äußerungen eines gründlichen
+Gelehrten des Faches, Um. Spehr's, aus seinen neuen Principien des
+Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angeführt, die nämlich einen
+Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten und dem
+Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und
+stimmen mit dem überein, was über das allgemeine Verhältniß der
+Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heißt es daselbst,
+"rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen
+ähnlichen zunächst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht
+von der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese
+Untersuchungen wohl gar, wie Lagrange, für die Sache selbst gehalten,
+während man diese nur als Anwendung jener ansah. Diese
+arithmetischen Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation,
+die Ableitung des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die
+verschiedenen Integrationsmethoden in sich. Es ist ganz umgekehrt
+der Fall, jene Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der
+eigentlichen Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene
+arithmetischen Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der
+Analysis voraus."--Es ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die
+Trennung der sogenannten Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen
+Theils, das von den Reihen ausgeht, eben dazu dient, die
+eigenthümliche Sache der Differ.-Rechnung für sich zum Vorschein zu
+bringen. Aber bei der interessanten Einsicht des Hrn. Vfs., daß
+eben die sogenannten Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der
+eigentlichen Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie
+derselbe sich in die (ebendas. angeführte) formelle Metaphysik von
+kontinuirlicher Größe, Werden, Fließen u.s.f. hat einlassen und
+solchen Ballast noch mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind
+diese Bestimmungen, indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche
+eben das Specifische der Sache nicht angeben, die aus den konkreten
+Lehren, den Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war.
+
+Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit
+zusammenhängende Formen.
+
+Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem
+affirmativen Sinn als die qualitative Größenbestimmtheit, und von
+dieser näher aufgezeigt worden, daß sie in diesem Kalkul als
+Potenzenbestimmtheit nicht nur überhaupt, sondern als die besondere
+des Verhältnisses einer Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz
+vorhanden ist. Die qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in
+weiterer, so zu sagen, schwächerer Form vorhanden, und diese, wie
+auch der damit zusammenhängende Gebrauch des Unendlichkleinen und
+dessen Sinn in diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung
+betrachtet werden.
+
+Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Rücksicht
+zuerst daran zu erinnern, daß die unterschiedenen
+Potenzenbestimmungen von der analytischen Seite zunächst so
+hervortreten, daß sie nur formell, und ganz homogen darin sind, daß
+sie Zahlengrößen bedeuten, die als solche jene qualitative
+Verschiedenheit gegeneinander nicht haben. Aber in der Anwendung auf
+räumliche Gegenstände zeigt sich das analytische Verhältniß ganz in
+seiner qualitativen Bestimmtheit, als das Übergehen von linearen zu
+Flächenbestimmungen, von geradlinigten zu krummlinigten u.s.f. Diese
+Anwendung bringt es ferner mit sich, daß die räumlichen ihrer Natur
+nach in Form von kontinuirlichen Größen gegebenen Gegenstände in
+diskreter Weise gefaßt werden, die Fläche also als eine Menge von
+Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f. Diese Auflösung
+hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die Linie, die
+Linien, in welche die Fläche u.s.f. aufgelöst ist, selbst zu
+bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich
+arithmetisch fortgehen zu können; diese Ausgangspunkte sind für die
+zu findenden Größebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion
+und Gleichung für das Konkrete, die kontinuirliche Größe, abgeleitet
+werden soll. Für die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse
+zeigt, dieß Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente für den Ausgang
+ein für sich selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt
+ist, indem er im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen
+welchen das Fürsichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe.
+Das Resultat läuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn
+sich nur das Gesetz des weitern Fortbestimmens finden läßt, ohne die
+geforderte vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen
+zu können. Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken
+jener Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte
+gemacht zu haben. Seine Erklärung, wie er den ersten Satz in
+Archimed's Kreismessung verstehe, drückt dieß auf eine einfache Weise
+aus. Der erste Satz Archimed's ist bekanntlich, daß der Kreis einem
+rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem
+Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist. Indem
+Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, daß die Peripherie des
+Kreises ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe,
+deren jeder als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks
+betrachtet werden könne, u.s.f., so spricht er die Auflösung des
+Kontinuirlichen in die Form des Diskreten aus. Der Ausdruck des
+Unendlichen, der hierbei vorkommt, ist noch weit entfernt von der
+Bestimmung, die er in dem Differentialkalkul haben soll.--Wenn nun
+für solche diskrete eine Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so
+sollen sie ferner zusammengefaßt werden, wesentlich als Elemente des
+Kontinuirlichen seyn. Da aber eine Summe von Punkten keine Linie,
+eine Summe von Linien keine Fläche giebt, werden die Punkte schon
+sogleich als lineare genommen, wie die Linien als flächenhafte. Weil
+jedoch zugleich jene Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie
+seyn würden, wenn sie als Quantum genommen würden, so werden sie als
+unendlich klein vorgestellt. Das Diskrete ist nur eines äußerlichen
+Zusammenfassens fähig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem
+Eins behalten; der analytische Übergang von denselben geschieht nur
+zu ihrer Summe, er ist nicht zugleich der geometrische von dem Punkte
+in die Linie, oder von der Linie in die Fläche u.s.f.; dem Elemente,
+das als Punkt oder als Linie seine Bestimmung hat, wird daher
+zugleich auch mit jenem die lineare, dieser die Flächenqualität
+gegeben, damit die Summe als von kleinen Linien eine Linie, als von
+kleinen Flächen eine Fläche werde.
+
+Das Bedürfniß, dieß Moment des qualitativen Übergangs zu erhalten und
+dafür zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muß als die
+Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie
+jene Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die größte
+Schwierigkeit sind. Diese Nothhülfe entbehrlich zu machen, müßte
+gezeigt werden können, daß in dem analytischen Verfahren selbst,
+welches als ein bloßes Summiren erscheint, in der That schon ein
+Multipliciren enthalten ist. Aber in dieser Rücksicht tritt eine
+neue Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer
+Verhältnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, nämlich daß
+das arithmetische Multipliciren auch für die geometrische Bestimmung
+ein Übergang in eine höhere Dimension,--die arithmetische
+Multiplikation von Größen, die ihrer räumlichen Bestimmungen nach
+Linien sind, zugleich eine Produktion des Linearen zur
+Flächenbestimmung sey; 3mal 4 lineare Fuße giebt 12 lineare Fuße,
+aber 3 lineare Fuße, mal 4 linearen Fußen giebt 12 Flächenfuße und
+zwar Quadratfuße, indem die Einheit in beiden als diskreten Größen
+dieselbe ist. Die Multiplikation von Linien mit Linien bietet sich
+zunächst als etwas Widersinniges dar, insofern die Multiplikation
+überhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veränderung von solchen ist,
+welche mit dem, in das sie übergehen, mit dem Produkte ganz homogen
+sind, und nur die Größe verändern. Dagegen ist das, was
+Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hieße,--es ist, ductus
+lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch
+ductus puncti in lineam--eine Veränderung nicht bloß der Größe,
+sondern ihrer als qualitativer Bestimmung der Räumlichkeit, als einer
+Dimension; das Übergehen der Linie in Fläche ist als Außersichkommen
+derselben zu fassen, wie das Außersichkommen des Punktes die Linie,
+der Fläche ein ganzer Raum ist. Es ist dieß dasselbe, was so
+vorgestellt wird, daß die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey;
+aber die Bewegung schließt die Zeitbestimmung ein, und erscheint so
+in jener Vorstellung mehr nur als eine zufällige, äußerliche
+Veränderung des Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die
+als Außersichkommen ausgedrückt worden, zu nehmen,--die qualitative
+Veränderung, und welche arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit
+(als des Punktes u.s.f.) in die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.--Es
+kann hiezu noch bemerkt werden, daß bei dem Außersichkommen der
+Fläche, was als ein Multipliciren von Fläche in Fläche erscheinen
+würde, sich der Schein eines Unterschiedes des arithmetischen und
+geometrischen Producirens so ergiebt, daß das Außersichkommen der
+Fläche, als ductus plani in planum arithmetisch eine Multiplikation
+der zweiten Dimensionsbestimmung mit solcher, hiermit ein Product von
+vier Dimensionen gäbe, das aber durch die geometrische Bestimmung auf
+drei herabgesetzt wird. Wenn auf der einen Seite die Zahl darum,
+weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die feste Bestimmung für das
+äußerliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr Produciren formell; 3.
+3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst producirend ist 3. 3. 3. 3;
+aber dieselbe Größe als Flächenbestimmung sich producirend wird bei 3.
+3. 3 zurückgehalten, weil der Raum als ein Hinausgehen vom Punkte,
+der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt, seine wahrhafte Grenze,
+als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in der dritten Dimension
+hat. Der angeführte Unterschied könnte sich in Rücksicht der freien
+Bewegung, worin die eine die räumliche Seite, unter der geometrischen
+Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3] : t[hoch 2]), die
+andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen steht, von
+Wirksamkeit zeigen.
+
+Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande
+der vor. Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von
+selbst erhellen. In dieser lag das Qualitative in der
+Potenzenbestimmtheit; hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur
+als Faktor arithmetisch gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die
+Linie, Linie gegen Fläche u.s.f. Der qualitative Übergang nun, der
+von dem Diskreten, als in welches die kontinuirliche Größe aufgelöst
+vorgestellt wird, zu dem Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein
+Summiren bewerkstelligt.
+
+Daß aber die angebliche bloße Summation in der That eine
+Multiplikation, also den Übergang von der linearen in die
+Flächenbestimmung in sich selbst enthält, erscheint am einfachsten in
+der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, daß der Flächeninhalt eines
+Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden
+gegenüberstehenden parallelen Linien in die halbe Höhe. Diese Höhe
+wird nur als die Anzahl von einer Menge diskreter Größen vorgestellt,
+welche summirt werden sollen.
+
+Diese Größen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei
+begrenzenden Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn
+sie sollen die Fläche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein
+Flächenhaftes zu seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden
+müssen. Um der Schwierigkeit zu entgehen, daß eine Summe von Linien
+eine Fläche geben sollte, werden Linien sogleich als Flächen aber
+gleichfalls als unendlich dünne angenommen, denn ihre Determination
+haben sie allein in dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes.
+Als parallel und durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des
+Trapezes begrenzt, können sie als die Glieder einer arithmetischen
+Progression vorgestellt werden, deren Differenz dieselbe überhaupt
+ist, aber nicht bestimmt zu werden braucht, und deren erstes und
+letztes Glied jene beiden Parallelen sind; die Summe solcher Reihe
+ist bekanntlich das Produkt jener Parallelen in die halbe Anzahl der
+Glieder. Dieß letzte Quantum ist nur ganz relativ auf die
+Vorstellung von den unendlich vielen Linien Anzahl genannt; es ist
+die Größebestimmtheit überhaupt eines Kontinuirlichen,--der Höhe. Es
+ist deutlich, daß was Summe heißt, zugleich ein ductus lineae in
+lineam, Multipliciren von Linearem mit Linearem, nach obiger
+Bestimmung ein Hervorgehen von Flächenhaftem ist. In dem einfachsten
+Falle nun eines Rektangels überhaupt a b ist jeder der beiden
+Faktoren eine einfache Größe, aber schon in dem weitern selbst
+elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das
+Einfache der halben Höhe, der andere dagegen wird durch eine
+Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen
+Größebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine
+Reihe ausgedrückt werden kann, so heißt analytisch, d. h.
+arithmetisch das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment
+darin aber ist die Multiplikation, das Qualitative des Übergangs aus
+der Dimension der Linie in die Fläche; der eine Faktor ist diskret
+nur für die arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und
+ist für sich, wie dieser, die Größe eines Linearen.
+
+Das Verfahren, Flächen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber
+auch häufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu
+Behufe des Resultates Statt hat. Dieß geschieht, wo es nicht darum
+zu thun ist, die Größe in der Gleichung als Quantum anzugeben,
+sondern in einer Proportion. Es ist z.B. eine bekannte Art zu
+zeigen, daß eine Kreisfläche sich zur Fläche einer Ellipse, deren
+große Achse der Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die große
+zur kleinen Achse, indem jede dieser Flächen als die Summe der ihr
+zugehörigen Ordinaten genommen wird; jede Ordinate der Ellipse
+verhält sich zu der entsprechenden des Kreises wie die kleine zur
+großen Achse, also wird geschlossen, verhalten auch die Summen der
+Ordinaten d. i. die Flächen ebenso. Diejenigen, welche dabei die
+Vorstellung der Fläche als eine Summe von Linien vermeiden wollen,
+machen die Ordinaten mit der gewöhnlichen ganz überflüssigen Aushülfe
+zu Trapezen von unendlich kleiner Breite; da die Gleichung nur eine
+Proportion ist, kommt nur das Eine der zwei linearen Elemente der
+Fläche in Vergleichung. Das andere, die Abscissenachse, ist in
+Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor arithmetischer
+Größebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die Proportion daher
+ganz nur von dem Verhältniß des einen bestimmenden Moments abhängig.
+Zur Vorstellung der Fläche sind die zwei Dimensionen nothwendig; aber
+die Größebestimmung, wie sie in jener Proportion angegeben werden
+soll, geht nur auf das eine Moment allein; der Vorstellung damit
+nachgeben oder aufhelfen, daß die Vorstellung von Summe zu diesem
+einen Momente hinzugefügt wird, ist eigentlich eine Verkennung dessen,
+worauf es hier für die mathematische Bestimmtheit ankömmt.
+
+Was hier auseinandergesetzt worden, enthält auch das Kriterium für
+die früher erwähnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit
+ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen
+nicht bedarf. Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Fläche,
+oder Quadrate, Kreisflächen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f.
+betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundfläche
+nennt er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe
+das erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene
+Untheilbaren parallel, also in gleicher Bestimmung in Rücksicht der
+Figur betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun,
+(Exerc. Geometr. VI.--das spätere Werk-Exerc. I. p. 6.), daß alle
+sowohl ebene, als körperliche Figuren im Verhältnisse aller ihrer
+Indivisibilien sind, diese kollektive und wenn etwa ein
+gemeinschaftliches Verhältniß in solchen Statt findet, distributive
+mit einander verglichen."--Er vergleicht zu diesem Behufe in den
+Figuren von gleicher Grundlinie und Höhe gemacht, die Verhältnisse
+von den Linien, die parallel mit jener und in gleicher Entfernung mit
+ihr gezogen werden; alle solche Linien einer Figur haben eine und
+dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen Inhalt aus. Auf solche
+Weise beweist Cavalleri z.B. auch den elementarischen Satz, daß
+Parallelogramme von gleicher Höhe im Verhältnisse ihrer Grundlinie
+sind; jede zwei Linien, in gleicher Entfernung von der Grundlinie und
+mit ihr parallel, in beiden Figuren gezogen, sind in demselben
+Verhältnisse der Grundlinien, also die ganzen Figuren. In der That
+machen die Linien nicht den Inhalt der Figur als kontinuirlicher aus,
+aber den Inhalt, insofern er arithmetisch bestimmt werden soll; das
+Lineare ist sein Element, durch welches allein die Bestimmtheit
+desselben gefaßt werden muß.
+
+Wir werden hierbei darauf geführt, auf den Unterschied zu reflektiren,
+der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer
+Figur fällt, nämlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Höhe
+der Figur, oder ist sie äußere Grenze. Insofern sie als äußere
+Grenze ist, giebt man zu, daß der Gleichheit oder dem Verhältnisse
+der Grenze die Kontinuität der Figur so zu sagen folgt; z.B. die
+Gleichheit der Figuren, die sich decken, beruht darauf, daß die
+begrenzenden Linien sich decken. Bei Parallelogrammen aber von
+gleicher Höhe und Grundlinie ist nur die letztere Bestimmtheit eine
+äußere Grenze; die Höhe, nicht die Paralleleität überhaupt, auf
+welcher die zweite Hauptbestimmung der Figuren, ihr Verhältniß,
+beruht, führt ein zweites Princip der Bestimmung zu den äußern
+Grenzen herbei. Der euklidische Beweis von der Gleichheit der
+Parallelogramme, die gleiche Höhe und Grundlinie haben, führt sie auf
+Dreiecke zurück, auf äußerlich begrenzte Kontinuirliche; in
+Cavalleri's Beweis, zunächst über die Proportionalität von
+Parallelogrammen, ist die Grenze Größebestimmtheit als solche
+überhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem
+Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird,
+Diese gleichen oder in gleichem Verhältniß mit der Grundlinie
+stehenden Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem
+Verhältnisse stehenden Figuren. Die Vorstellung eines Aggregats von
+Linien geht gegen die Kontinuität der Figur; allein die Betrachtung
+der Linien erschöpft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt,
+vollkommen Cavalleri giebt häufige Antwort auf die Schwierigkeit, als
+ob die Vorstellung von den Untheilbaren es mit sich führe, daß der
+Anzahl nach unendliche Linien oder Ebenen verglichen werden sollen,
+(Geom. Lib. II. Prop. 1. Schol.); er macht den richtigen
+Unterschied, daß er nicht die Anzahl derselben, welche wir nicht
+kennen,--d. i. vielmehr die, wie bemerkt worden, eine zu Hülfe
+genommene leere Vorstellung ist,--sondern nur die Größe, d. i. die
+quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von diesen Linien
+eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser in Grenzen
+eingeschlossen ist, ist auch jene seine Größe in dieselben Grenzen
+eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die
+Untheilbaren selbst, sagt er; wäre es etwas außer diesen, so wäre es
+nicht vergleichbar; es würde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte
+Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar.
+
+Man sieht, daß Cavalleri dasjenige, was zur äußerlichen Existenz des
+Kontinuirlichen gehört, von demjenigen unterscheiden will, worin
+dessen Bestimmtheit fällt und das für die Vergleichung und zum Behufe
+von Theoremen über dasselbe allein herauszuheben ist. Die Kategorien,
+die er dabei gebraucht, daß das Kontinuirliche aus den Untheilbaren
+zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht
+genügend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie
+vorhin gesagt, dessen äußerliche Existenz, zugleich in Anspruch
+genommen wird; statt zu sagen, "daß das Kontinuirliche nichts anderes
+ist, als die Untheilbaren selbst," würde es richtiger und damit auch
+sogleich für sich klar heißen, daß die Größebestimmtheit des
+Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst.
+--Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, daß es
+größere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, daß
+die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen
+werde, und drückt weiterhin (Geom. Lib. VII. Praef.) das
+bestimmtere Bewußtseyn aus, daß er durch seine Beweisart keineswegs
+zur Vorstellung der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem
+Untheilbaren genöthigt sey; die Kontinuirlichen folgen nur der
+Proportion der Untheilbaren. Er habe die Aggregate der Untheilbaren
+nicht so genommen, wie sie in die Bestimmung der Unendlichkeit, um
+einer unendlichen Menge von Linien oder Ebenen willen, zu verfallen
+scheinen, sondern insofern sie eine bestimmte Beschaffenheit und
+Natur der Begrenztheit an ihnen haben. Um denn aber doch diesen
+Stein des Anstoßes zu entfernen, läßt er sich die Mühe nicht
+verdrießen, noch in dem eigens dafür hinzugefügten siebenten Buche,
+die Hauptsätze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche von
+der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.--Diese Manier reducirt
+die Beweise auf die vorhin angeführte, gewöhnliche Form des Deckens
+der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der
+Bestimmtheit als äußerer Raumgrenze.
+
+Über diese Form des Deckens kann zunächst noch diese Bemerkung
+gemacht werden, daß sie überhaupt eine so zu sagen kindliche Hülfe
+für die sinnliche Anschauung ist. In den elementarischen Sätzen über
+die Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem
+von ihren je sechs Stücken gewisse drei als gleich groß mit den
+entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird
+gezeigt, daß solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes
+auch die übrigen drei Stücke gleich groß mit denen des andern habe,
+--weil sie vermöge der Gleichheit nach jenen drei ersten einander
+decken. Die Sache abstrakter gefaßt, so ist eben um dieser
+Gleichheit jeden Paars der in beiden einander entsprechenden Stücke,
+nur Ein Dreieck vorhanden; in diesem sind drei Stücke als bereits
+bestimmt angenommen, woraus denn die Bestimmtheit auch der drei
+übrigen Stücke folgt. Die Bestimmtheit wird auf diese Weise als in
+drei Stücken vollendet aufgezeigt; für die Bestimmtheit als solche
+sind somit die drei übrigen Stücke ein Überfluß, der Überfluß der
+sinnlichen Existenz, d. i. der Anschauung der Kontinuität. In
+solcher Form ausgesprochen, tritt hier die qualitative Bestimmtheit
+im Unterschiede von dem hervor, was in der Anschauung vorliegt, dem
+Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das Decken läßt diesen
+Unterschied nicht zum Bewußtseyn kommen.
+
+Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie
+bemerkt worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der
+Winkel Theils die Höhe der Figuren ein, von welcher letztern deren
+äußere Grenzen, die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind.
+Hierbei kommt die Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen
+Figuren außer der Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie,
+welche als äußere Grenze ist, für die andere Bestimmtheit, die andere
+äußere Grenze, nämlich die andere Seite des Parallelogramms, oder
+aber die Höhe zu nehmen ist. Bei zwei solchen Figuren von einerlei
+Grundlinie und Höhe, wovon das eine rechtwinklich ist, das andere
+sehr spitze, damit zu den gegenüberstehenden sehr stumpfe Winkel hat,
+kann der Anschauung letzteres leicht größer scheinen, als das erstere,
+insofern sie die vorliegende große Seite desselben als bestimmend
+nimmt, und nach der Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach
+einer Menge von parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten
+werden können, vergleicht; die größere Seite könnte als eine
+Möglichkeit von mehrern Linien, als die senkrechte Seite des
+Rechtecks giebt, angesehen werden. Solche Vorstellung giebtjedoch
+keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode an die Hand; denn die in
+beiden Parallelogrammen für die Vergleichung vorgestellte Menge von
+parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer Entfernung von einander
+oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus folgt, daß die Höhe,
+und nicht die andere Seite des Parallelogramms, das andere
+bestimmende Moment ist. Dieß ändert sich aber ferner, wenn zwei
+Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher Höhe
+und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu einer
+dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die parallelen
+Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene durch
+sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt, nicht
+mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind
+einander ungleich. Cavalleri macht sehr sorgfältig auf diesen
+Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und
+transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit. I.
+n. XII. ff. wie schon in der Geometr. I. II.) auf merksam, und
+schneidet damit oberflächlichen Mißverstand ab, der nach dieser Seite
+entstehen könnte. Ich erinnere mich, daß Barrow in seinem
+obenangeführten Werke (Lect. Geom. II. p. 21), indem er die Methode
+der Untheilbaren gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der
+von ihm aus auf seinen Schüler Newton und die sonstigen
+mathematischen Zeitgenossen, darunter auch Leibnitz, übergegangenen
+Annahme der Gleichsetzbarkeit eines krummlinigten Dreiecks, wie das
+sogenannte charakteristische ist, mit einem geradlinigten, insofern
+beide unendlich d. h. sehr klein seyen, versetzt und verunreinigt hat,
+--einen eben dahin gehenden Einwurf Tacquet's, eines damaligen in
+neuen Methoden gleichfalls thätigen, scharfsinnigen Geometers,
+anführte. Die von diesem gemachte Schwierigkeit bezieht sich
+ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei Berechnung konischer und
+sphärischer Oberflächen als Grundmoment der Bestimmung für die auf
+Anwendung des Diskreten gestützte Betrachtung genommen werden solle.
+Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren ein, daß wenn die
+Oberfläche eines rechtwinklichten Kegels berechnet werden solle, so
+werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des Kegels als
+zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie parallelen auf
+die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche zugleich die Radien
+der Kreise sind, aus denen die Oberfläche des Kegels bestehe. Wenn
+nun diese Oberfläche als Summe der Peripherien, und diese Summe aus
+der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Größe der Achse, der Höhe des
+Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der sonst von
+Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch. Barrow
+zeigt nun dagegen, daß für die Bestimmung der Oberfläche nicht die
+Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige Linie
+genommen werden müsse, deren Umdrehung die Oberfläche erzeuge, und
+welche daher, und nicht die Achse, als die Größebestimmtheit für die
+Menge der Peripherien angenommen werden müsse.
+
+Dergleichen Einwürfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in
+der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von
+Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Fläche u.
+s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die
+wesentliche Größebestimmtheit der Linien oder Flächen in Schatten
+gestellt.--Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die
+affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der
+von dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen
+im Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulosität
+hervorzuheben, in welche sie durch jene bloß negativ gehaltene
+Kategorie gehüllt werden. Bei der unendlichen Reihe, wie in der
+archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter,
+als daß das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der
+sogenannte endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben,
+die Zurückführung des Bogens auf die gerade Linie nicht
+bewerkstelligt werden kann; diese Inkommensurabilität ist die
+qualitative Verschiedenheit derselben. Die qualitative
+Verschiedenheit des Diskreten mit dem Kontinuirlichen überhaupt,
+enthält gleichfalls eine negative Bestimmung, welche sie als
+inkommensurabel erscheinen läßt, und das Unendliche herbeiführt, in
+dem Sinne, daß das als diskret zu nehmende Kontinuirliche nun kein
+Quantum nach seiner kontinuirlichen Bestimmtheit mehr haben soll.
+Das Kontinuirliche, das arithmetisch als Produkt zu nehmen ist, ist
+damit diskret an ihm selbst gesetzt, nämlich in die Elemente, die
+seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt seine Größebestimmtheit;
+sie sind als ebendamit, daß sie diese Faktoren oder Elemente sind,
+von einer niedrigern Dimension, und insofern die Potenzenbestimmtheit
+eintritt, von einer niedrigern Potenz als die Größe, deren Elemente
+oder Faktoren sie sind. Arithmetisch erscheint dieser Unterschied
+als ein bloß quantitativer, der Wurzel und der Potenz oder welcher
+Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der Ausdruck nur auf das
+Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2] oder d.a[hoch 2]
+= 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder für das Gesetz des Falles, t : at[hoch
+2] so giebt er die nichtssagenden Verhältnisse von 1 : a, 2 : a, 1:
+at; die Seiten müßten gegen ihre bloß quantitative Bestimmung durch
+die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander gehalten werden,
+wie s : at[hoch]2; wodurch die Größe als eine Qualität ausgesprochen
+wird, als Funktion der Größe einer andern Qualität. Hierbei steht
+dann bloß die quantitative Bestimmtheit vor dem Bewußtseyn, mit der
+nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und man kann kein
+Arges daran haben, die Größe einer Linie mit der Größe einer andern
+Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser selben Größen
+giebt zugleich die qualitative Veränderung des Überganges von Linie
+in Fläche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie ist es,
+welche die Schwierigkeit veranlaßt, die durch die Einsicht in ihre
+Eigenthümlichkeit und in die einfache Natur der Sache gelöst, aber
+durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll,
+vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgelöst erhalten
+wird.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß.
+
+
+Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, daß sie das
+negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat. Dieß
+Jenseits ist das Qualitative überhaupt. Das unendliche Quantum ist
+als die Einheit beider Momente, der quantitativen und der
+qualitativen Bestimmtheit, zunächst Verhältniß.
+
+Im Verhältnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgültige
+Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen
+auf sein Jenseits. Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist
+zunächst ein anderes Quantum überhaupt. Aber wesentlich sind sie
+nicht als äußerliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat
+seine Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind so
+in diesem ihrem Andersseyn in sich zurückgekehrt; was jedes ist, ist
+es in dem Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus.
+--Das Hinausgehen des Quantums über sich hat also jetzt diesen Sinn,
+weder daß es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes,
+in sein negatives Jenseits veränderte, sondern darin zu seiner
+Bestimmtheit gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits,
+welches ein anderes Quantum ist. Die Qualität des Quantums, seine
+Begriffsbestimmtheit, ist seine Äußerlichkeit überhaupt, und im
+Verhältniß ist es nun so gesetzt, in seiner Äußerlichkeit, an einem
+andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das
+zu seyn, was es ist.
+
+Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander
+haben. Diese Beziehung ist selbst auch eine Größe; das Quantum ist
+nicht nur im Verhältniß, sondern es selbst ist als Verhältniß gesetzt;
+es ist ein Quantum überhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit
+innerhalb seiner hat. So als Verhältniß drückt es sich als in sich
+geschlossene Totalität und seine Gleichgültigkeit gegen die Grenze
+aus, dadurch daß es die Äußerlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb
+seiner selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm
+selbst unendlich ist.
+
+Das Verhältniß überhaupt ist
+
+1. das direkte Verhältniß. In demselben tritt das Qualitative noch
+nicht als solches für sich heraus; es ist noch in keiner weitern
+Weise, als der des Quantums, daß dieses in seiner Äußerlichkeit
+selbst seine Bestimmtheit zu haben gesetzt ist.--Das quantitative
+Verhältniß ist an sich der Widerspruch der Äußerlichkeit und der
+Beziehung auf sich selbst, des Bestehens der Quantorum und der
+Negation derselben;--er hebt sich auf, indem zunächst
+
+2. im indirekten Verhältnisse, die Negation des einen Quantums als
+solche mit in der Veränderung des andern, und die Veränderlichkeit
+des direkten Verhältnisses selbst, gesetzt wird;
+
+3. im Potenzenverhältniß aber macht sich die in ihrem Unterschiede
+sich auf sich beziehende Einheit als einfache Selbstproduktion des
+Quantums geltend; dieß Qualitative selbst endlich in einfacher
+Bestimmung und identisch mit dem Quantum gesetzt, wird das Maaß.
+
+--Über die Natur der folgenden Verhältnisse ist Vieles in den
+vorhergehenden Anmerkungen, welche das Unendliche der Quantität, d. i.
+das qualitative Moment an derselben, betreffen, anticipirt worden;
+es bleibt daher nur der abstrakte Begriff dieser Verhältnisse
+auseinander zu setzen.
+
+A. Das direkte Verhältniß.
+
+1. Im Verhältnisse, welches als unmittelbar das direkte ist, liegt
+die Bestimmtheit des einen Quantums gegenseitig in der Bestimmtheit
+des andern. Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beider, die
+selbst Quantum ist, der Exponent des Verhältnisses.
+
+2. Der Exponent ist irgend ein Quantum, aber in seiner Äußerlichkeit
+an ihm selbst sich auf sich beziehendes, qualitativ bestimmtes
+Quantum ist er nur, insofern er den Unterschied seiner, sein Jenseits
+und Andersseyn an ihm selbst hat. Dieser Unterschied des Quantums an
+ihm selbst aber ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl; die
+Einheit--das Fürsich-bestimmtseyn; die Anzahl--das gleichgültige Hin-
+und Hergehen an der Bestimmtheit, die äußere Gleichgültigkeit des
+Quantums. Einheit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quantums;
+jetzt im Verhältnisse, dem insofern realisirten Quantum, erscheint
+jedes seiner Momente als ein eignes Quantum, und als Bestimmungen
+seines Daseyns, als Begrenzungen gegen die sonst nur äußerliche,
+gleichgültige Größebestimmtheit.
+
+Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit d. h.
+er hat unmittelbar die Bedeutung beider Bestimmungen an ihm selbst.
+Er ist erstens Quantum; so ist er die Anzahl; wenn die eine Seite des
+Verhältnisses, welche als Einheit genommen wird, als numerisches Eins
+ausgedrückt ist, und sie gilt nur für solches, so ist die andere, die
+Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst. Zweitens ist er die
+einfache Bestimmtheit als das Qualitative der Seiten des
+Verhältnisses; wenn das Quantum der einen bestimmt ist, ist auch das
+andere durch den Exponenten bestimmt, und es ist völlig gleichgültig,
+wie das erste bestimmt wird; es hat als für sich bestimmtes Quantum
+keine Bedeutung mehr, sondern kann ebenso gut jedes Andere seyn, ohne
+die Bestimmtheit des Verhältnisses zu ändern, die allein auf dem
+Exponenten beruht. Das eine, welches als Einheit genommen ist,
+bleibt, wie groß es werde, immer Einheit, und das andere, wie groß es
+ebenso dabei werde, muß dieselbe Anzahl jener Einheit bleiben.
+
+3. Hiernach machen beide eigentlich nur Ein Quantum aus, das eine hat
+gegen das andere, nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das
+andre nur den der Anzahl; nach ihrer Begriffsbestimmtheit sind sie
+selbst somit nicht vollständige Quanta. Diese Unvollständigkeit aber
+ist eine Negation an ihnen und dieß nicht nach ihrer Veränderlichkeit
+überhaupt, nach der das Eine (und jedes ist Eines der beiden) alle
+mögliche Größe annehmen kann, sondern nach der Bestimmung, daß wenn
+das eine verändert wird, das andere um ebenso viel vermehrt oder
+vermindert wird; dieß heißt, wie gezeigt, nur das Eine, die Einheit,
+wird als Quantum verändert, die andere Seite, die Anzahl, bleibt
+dasselbe Quantum von Einheiten, aber auch jene bleibt ebenso nur als
+Einheit geltend, sie werde als Quantum verändert wie sie wolle. Jede
+Seite ist so nur eines der beiden Momente des Quantums, und die
+Selbstständigkeit, die zu dessen Eigenthümlichkeit gehört, ist an
+sich negirt; in diesem qualitativen Zusammenhange sind sie als
+negative gegen einander zu setzen.
+
+Der Exponent soll das vollständige Quantum seyn, indem die Bestimmung
+der beiden Seiten in ihm zusammenläuft; er hat aber in der That als
+Quotient selbst nur den Werth der Anzahl, oder der Einheit. Es ist
+keine Bestimmung vorhanden, welche der Seiten des Verhältnisses als
+die Einheit oder als die Anzahl genommen werden müße; die eine, das
+Quantum B an dem Quantum A als der Einheit gemessen, so ist der
+Quotient C die Anzahl solcher Einheiten; aber A selbst als Anzahl
+genommen, ist der Quotient C die Einheit, welche zu der Anzahl A für
+das Quantum B erfordert wird; dieser Quotient ist als Exponent somit
+nicht als das gesetzt, was er seyn soll,--das Bestimmende des
+Verhältnisses, oder als seine qualitative Einheit. Als diese ist er
+nur gesetzt, insofern er den Werth hat, die Einheit der beiden
+Momente, der Einheit und der Anzahl, zu seyn. Indem diese Seiten
+zwar als Quanta, wie sie in dem expliciten Quantum, dem Verhältnisse,
+seyn sollen, vorhanden sind, aber zugleich nur in dem Wertbe, den sie
+als dessen Seiten haben sollen, unvollständige Quanta zu seyn und nur
+als eines jener qualitativen Momente zu gelten, so sind sie mit
+dieser ihrer Negation zu setzen; womit ein seiner Bestimmung
+entsprechenderes reelleres Verhältniß entsteht, worin der Exponent
+die Bedeutung des Produkts derselben hat; nach dieser Bestimmtheit
+ist es das umgekehrte Verhältniß.
+
+B. Das umgekehrte Verhältniß.
+
+1. Das Verhältniß, wie es sich nun ergeben, ist das aufgehobene
+direkte Verhältniß; es war das unmittelbare, somit noch nicht
+wahrhaft bestimmte; nunmehr ist die Bestimmtheit so hinzugekommen,
+daß der Exponent als Produkt, Einheit der Einheit und der Anzahl,
+gilt. Nach der Unmittelbarkeit konnte er gleichgültig ebensowohl als
+Einheit wie als Anzahl genommen werden, wie vorhin gezeigt worden;
+womit er auch nur als Quantum überhaupt und damit vorzugsweise als
+Anzahl war; die eine Seite war die Einheit, und als Eins zu nehmen,
+zu welcher die andere eine fixe Anzahl sey, die zugleich der Exponent
+ist; dessen Qualität war somit nur dieß, daß dieß Quantum als festes
+genommen oder vielmehr das Feste nur den Sinn des Quantums hat.
+
+In dem umgekehrten Verhältnisse nun ist der Exponent gleichfalls als
+Quantum ein unmittelbares, und irgend eines als festes angenommen.
+Aber dieß Quantum ist nicht fixe Anzahl zu dem Eins des andern
+Quantums im Verhältnisse; dieses im vorhergehenden feste Verhältniß
+ist nun vielmehr als veränderlich gesetzt; wenn zum Eins der einen
+Seite ein anderes Quantum genommen wird, so bleibt nun die andere
+nicht mehr dieselbe Anzahl von Einheiten der ersten. Im direkten
+Verhältnisse ist diese Einheit nur das gemeinschaftliche beider
+Seiten; sie als solche kontinuirt sich in die andere Seite, in die
+Anzahl; die Anzahl selbst für sich, oder der Exponent, ist gegen die
+Einheit gleichgültig.
+
+Wie nunmehr aber die Bestimmtheit des Verhältnisses ist, wird die
+Anzahl als solche gegen das Eins, zu dem sie die andere Seite des
+Verhältnisses ausmacht, verändert; je nachdem zum Eins ein anderes
+Quantum genommen wird, wird sie eine andere. Der Exponent ist daher
+zwar auch nur ein unmittelbares nur beliebig als fest angenommenes
+Quantum, aber er erhält sich nicht als solches in der Seite des
+Verhältnisses, sondern diese und damit das direkte Verhältniß der
+Seiten ist veränderlich. Hiermit ist, in dem nunmehrigen
+Verhältnisse, der Exponent, als das bestimmende Quantum, negativ
+gegen sich als Quantum des Verhältnisses, hiermit als qualitativ als
+Grenze gesetzt, daß also das Qualitative für sich im Unterschied
+gegen das Quantitative hervortritt.--In dem direkten Verhältnisse ist
+die Veränderung der beiden Seiten nur die Eine Veränderung des
+Quantums, als welches die Einheit, die das Gemeinschaftliche ist,
+genommen wird, um so viel also die eine Seite vergrößert oder
+vermindert wird, um so viel auch die andere; das Verhältniß selbst
+ist gegen diese Veränderung gleichgültig, sie ist ihm äußerlich. Im
+indirekten Verhältnisse aber ist die Veränderung, obgleich nach dem
+gleichgültigen quantitativen Momente auch beliebig, innerhalb des
+Verhältnisses gehalten, und auch dieß beliebige quantitative
+Hinausgehen durch die negative Bestimmtheit des Exponenten, als durch
+eine Grenze, beschränkt.
+
+2. Diese qualitative Natur des indirekten Verhältnisses ist noch
+näher, nämlich in ihrer Realisation zu betrachten, und die
+Verwicklung des Affirmativen mit dem Negativen, die darin enthalten
+ist, auseinander zu setzen.--Es ist das Quantum gesetzt, als
+qualitativ das Quantum d. i. sich selbst bestimmend, als Grenze
+seiner an ihm sich darstellend. Es ist hiermit erstens eine
+unmittelbare Größe als einfache Bestimmtheit, das Ganze als seyendes,
+affirmatives Quantum. Aber zweitens ist diese unmittelbare
+Bestimmtheit zugleich Grenze; dafür ist es in zwei Quanta
+unterschieden, die zunächst andere gegeneinander sind; aber als deren
+qualitative Bestimmtheit, und zwar dieselbe als vollständig ist es
+die Einheit der Einheit und der Anzahl, Produkt, dessen Faktoren sie
+sind. So ist der Exponent ihres Verhältnisses eines Theils in ihnen
+identisch mit sich, und das Affirmative derselben, wonach sie Quanta
+sind; andern Theils ist er als die an ihnen gesetzte Negation die
+Einheit an ihnen, nach der zunächst jedes, ein unmittelbares,
+begrenztes Quantum überhaupt, zugleich so ein begrenztes ist, daß es
+nur an sich identisch mit seinem Andern ist. Drittens ist er als die
+einfache Bestimmtheit, die negative Einheit dieser seiner
+Unterscheidung in die zwei Quanta und die Grenze ihres gegenseitigen
+Begrenzens.
+
+Nach diesen Bestimmungen begrenzen sich die beiden Momente innerhalb
+des Exponenten und sind das eine das Negative des andern, da er ihre
+bestimmte Einheit ist; das eine wird um so vielmal kleiner, als das
+andere größer wird, jedes hat insofern seine Größe, als es die des
+andern an ihm hat, als dem andern mangelt. Jede kontinuirt sich auf
+diese Weise negativ in die andere; soviel sie an Anzahl ist, hebt sie
+an der andern als Anzahl auf, und ist, was sie ist, nur durch die
+Negation oder Grenze, die an ihr von der andern gesetzt wird. Jede
+enthält auf diese Weise auch die andere, und ist an ihr gemessen,
+denn jede soll nur das Quantum seyn, das die andere nicht ist; für
+den Werth jeder ist die Größe der andern unentbehrlich und damit
+untrennbar von ihr.
+
+Diese Kontinuität jeder in der Andern macht das Moment der Einheit
+aus, wodurch sie im Verhältnisse sind;--der Einen Bestimmtheit, der
+einfachen Grenze, die der Exponent ist. Diese Einheit, das Ganze,
+macht das Ansichseyn einer jeden aus, von dem ihre vorhandene Größe
+unterschieden ist, nach welcher jedes nur ist, insofern sie der
+andern von ihrem gemeinsamen Ansichseyn, dem Ganzen, entzieht. Aber
+sie kann nur so viel, als sie diesem Ansichseyn gleich macht, der
+andern entziehen, sie hat an dem Exponent ihr Maximum, der nach der
+angegebenen zweiten Bestimmung die Grenze ihrer gegenseitigen
+Begrenzung ist. Und indem jede nur insofern Moment des Verhältnisses
+ist, als sie die andere begrenzt und damit von der andern begrenzt
+wird, so verliert sie diese ihre Bestimmung, indem sie sich ihrem
+Ansichseyn gleich macht; die andere Größe wird nicht nur darin Null,
+sondern sie selbst verschwindet, da sie nicht bloßes Quantum, sondern
+was sie als solches ist, nur als solches Verhältnißmoment seyn soll.
+So ist jede Seite der Widerspruch der Bestimmung, als ihres
+Ansichseyns, d. i. der Einheit des Ganzen, das der Exponent ist, und
+der Bestimmung, als Verhältnißmomentes; dieser Widerspruch ist wieder
+die Unendlichkeit, in einer neuen eigenthümlichen Form.
+
+Der Exponent ist Grenze der Seiten seines Verhältnisses, innerhalb
+deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, dem sie nach der
+affirmativen Bestimmtheit, die er als Quantum ist, nicht gleich
+werden können. So als Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens ist er
+à) ihr Jenseits, deni sie sich unendlich nähern, aber das sie nicht
+erreichen können. Diese Unendlichkeit, als in der sie sich ihm
+nähern, ist die schlechte des unendlichen Progresses; sie ist selbst
+endlich, hat in ihrem Gegentheil, in der Endlichkeit jeder Seite und
+des Exponenten selbst, ihre Schranke, und ist daher nur Näherung.
+Aber ß) die schlechte Unendlichkeit ist hier zugleich gesetzt, als
+das was sie in Wahrheit ist, nämlich nur das negative Moment
+überhaupt, nach welchem der Exponent gegen die unterschiedenen Quanta
+des Verhältnisses die einfache Grenze als das Ansichseyn ist, auf das
+ihre Endlichkeit, als das schlechthin Veränderliche, bezogen wird,
+aber schlechthin von ihnen verschieden, als ihre Negation, bleibt.
+Dieß Unendliche, dem sich dieselben nur annähern können, ist dann
+gleichfalls als affirmatives Diesseits vorhanden und gegenwärtig; das
+simple Quantum des Exponenten. Darin ist das Jenseits, mit dem die
+Seiten des Verhältnisses behaftet sind, erreicht; es ist an sich die
+Einheit beider oder damit an sich die andre Seite einer jeden; denn
+jede hat nur so viel Werth, als die andere nicht hat, ihre ganze
+Bestimmtheit liegt so in der andern, und dieß ihr Ansichseyn ist als
+affirmative Unendlichkeit einfach der Exponent.
+
+3. Hiermit aber hat sich der Übergang des umgekehrten Verhältnisses
+in eine andere Bestimmung ergeben, als es zunächst hatte. Diese
+bestand darin, daß ein Quantum als unmittelbares zugleich auf ein
+anderes die Beziehung hat, um so viel größer zu seyn, als dieses
+kleiner ist, durch negatives Verhalten gegen das andere zu seyn, was
+es ist; ebenso ist eine dritte Größe die gemeinsame Schranke dieses
+ihres Größerwerdens. Diese Veränderung ist hier, im Gegensatze gegen
+das Qualitative als feste Grenze, ihre Eigenthünilichkeit; sie haben
+die Bestimmung von veränderlichen Größen, für welche jenes Feste ein
+unendliches Jenseits ist.
+
+Die Bestimmungen aber, die sich gezeigt und die wir zusammen zu
+fassen haben, sind, nicht nur, daß dieß unendliche Jenseits zugleich
+als ein gegenwärtiges und irgend ein endliches Quantum ist, sondern
+daß seine Festigkeit, wodurch es solches unendliches Jenseits gegen
+das Quantitative ist, und die das Qualitative des Seyns nur als
+abstrakte Beziehung auf sich selbst ist, sich als Vermittelung seiner
+in seinem Andern, den Endlichen des Verhältnisses, mit sich selbst,
+entwickelt hat. Das Allgemeine hiervon liegt darin, daß überhaupt
+das Ganze als Exponent die Grenze des gegenseitigen Begrenzens der
+beiden Glieder, also die Negation der Negation, somit die
+Unendlichkeit, affirmatives Verhalten zu sich selbst, gesetzt ist.
+Das Bestimmtere ist, daß an sich der Exponent schon als Produkt die
+Einheit der Einheit und der Anzahl, jedes der beiden Glieder aber nur
+das eine dieser beiden Momente ist, wodurch er sie also in sich
+schließt und in ihnen an sich sich auf sich bezieht. Aber der
+Unterschied ist im umgekehrten Verhältnisse zur Äußerlichkeit des
+quantitativen Seyns entwickelt, und das Qualitative nicht bloß das
+Feste, noch nur die Momente unmittelbar in sich einschließend,
+sondern in dem außersichseyenden Andersseyn sich mit sich
+zusammenschließend vorhanden. Diese Bestimmung ist es, die sich als
+Resultat in den Momenten, die sich gezeigt, heraushebt. Der Exponent
+ergiebt sich nämlich als das Ansichseyn, dessen Momente in Quantis
+und in deren Veränderlichkeit überhaupt realisirt ist; die
+Gleichgültigkeit ihrer Größen in ihrer Veränderung stellt sich als
+unendlicher Progreß dar; was dem zu Grunde liegt, ist, daß in ihrer
+Gleichgültigkeit dieß ihre Bestimmtheit ist, ihren Werth in dem
+Werthe des andern zu haben, somit à) nach der affirmativen Seite
+ihres Quantums an sich das Ganze des Exponenten zu seyn. Ebenso
+haben sie ß) für ihr negatives Moment, für ihr gegenseitiges
+Begrenzen die Größe des Exponenten, ihre Grenze ist die seinige. Daß
+sie keine andere immanente Grenze, eine feste Unmittelbarkeit, mehr
+haben, ist in dem unendlichen Progresse ihres Daseyns und ihrer
+Begrenzung, in der Negation jedes besondern Werthes, gesetzt. Diese
+ist hiernach die Negation des Außersichseyns des Exponenten, das in
+ihnen dargestellt ist, und dieser, d. i. zugleich selbst ein Quantum
+überhaupt, und in Quanta auch ausgelegt, ist damit gesetzt, als das
+in der Negation ihres gleichgültigen Bestehens sich Erhaltende, mit
+sich Zusammengehende, so das Bestimmende solchen Hinausgehens über
+sich, zu seyn.
+
+Das Verhältniß ist hiermit zum Potenzenverhältniß bestimmt.
+
+C. Potenzverhältniß.
+
+1. Das Quantum in seinem Andersseyn sich identisch mit sich setzend,
+sein Hinausgehen über sich selbst bestimmend, ist zum Fürsichseyn
+gekommen. So qualitative Totalität, indem sie sich als entwickelt
+setzt, hat sie zu ihren Momenten die Begriffsbestimmungen der Zahl,
+die Einheit und die Anzahl; die letztere ist noch im umgekehrten
+Verhältnisse eine nicht durch die erstere selbst als solche, sondern
+anderswoher, durch ein Drittes bestimmte Menge; nun ist sie nur durch
+jene bestimmt gesetzt. Dieß ist der Fall im Potenzenverhältnisse, wo
+die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zugleich die Anzahl
+gegen sich als Einheit ist. Das Andersseyn, die Anzahl der Einheiten,
+ist die Einheit selbst. Die Potenz ist eine Menge von Einheiten,
+deren jede diese Menge selbst ist. Das Quantum als gleichgültige
+Bestimmtheit verändert sich; aber insofern diese Verändernng ein
+Erheben in die Potenz ist, ist dieß sein Andersseyn rein durch sich
+selbst begrenzt.--Das Quantum ist so in der Potenz als in sich selbst
+zurückgekehrt gesetzt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein
+Andersseyn.
+
+Der Exponent dieses Verhältnisses ist nicht mehr ein unmittelbares
+Quantum, wie im direkten, und auch im umgekehrten Verhältnisse. Er
+ist im Potenzenverhältniß ganz qualitativer Natur, diese einfache
+Bestimmtheit, daß die Anzahl die Einheit selbst, das Quantum in
+seinem Andersseyn mit sich selbst identisch ist. Darin liegt
+zugleich die Seite seiner quantitativen Natur, daß die Grenze oder
+Negation nicht als unmittelbar seyendes, sondern das Daseyn als in
+sein Andersseyn kontinuirt gesetzt ist; denn die Wahrheit der
+Qualität ist eben dieß, Quantität, die unmittdbare Bestimmtheit als
+aufgehobene, zu seyn.
+
+2. Das Potenzenverhältniß erscheint zunächst als eine äußere
+Veränderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird; es hat aber
+die engere Beziehung auf den Begriff des Quantums, daß dieses in dem
+Daseyn, zu welchem es in jenem Verhältnisse fortgebildet ist,
+denselben erreicht, ihn auf vollständige Weise realisirt hat; dieß
+Verhältniß ist die Darstellung dessen, was das Quantum an sich ist,
+und drückt dessen Bestimmtheit oder Qualität aus, wodurch es sich von
+anderem unterscheidet. Das Quantum ist die gleichgültige, als
+aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, das heißt, die Bestimmtheit als
+Grenze, welche ebenso sehr keine ist, in ihr Andersseyn sich
+kontinuirt, in ihm sich also identisch mit sich bleibt; so ist es im
+Potenzenverhältniß gesetzt; sein Andersseyn, Hinausgehen über sich in
+ein anders Quantum, als durch es selbst bestimmt.
+
+Vergleichen wir den Fortgang dieser Realisirung in den bisherigen
+Verhältnissen, so ist die Qualität des Quantums, als Unterschied
+seiner von sich selbst gesetzt zu seyn, überhaupt dieß, Verhältniß zu
+seyn. Als direktes Verhältniß ist es als solcher gesetzte
+Unterschied nur erst überhaupt oder unmittelbar, so daß seine
+Beziehung auf sich selbst, die es gegen seine Unterschiede, als der
+Exponent hat, nur als die Festigkeit einer Anzahl der Einheit gilt.
+Im umgekehrten Verhältniß ist das Quantum in negativer Bestimmung ein
+Verhalten seiner zu sich selbst,--zu sich als seiner Negation, in der
+es aber seinen Werth hat; als affirmative Beziehung auf sich ist es
+ein Exponent, der als Quantum nur an sich das Bestimmende seiner
+Momente ist. Im Potenzenverhältniß aber ist es in dem Unterschied
+als seiner von sich selbst vorhanden. Die Äußerlichkeit der
+Bestimmtheit ist die Qualität des Quantums, diese Äußerlichkeit ist
+so nun seinem Begriffe gemäß als sein eigenes Bestimmen, als seine
+Beziehung auf sich selbst, seine Qualität, gesetzt.
+
+3. Damit aber, daß das Quantum gesetzt ist, wie es seinem Begriffe
+gemäß ist, ist es in eine andere Bestimmung übergegangen; oder wie es
+auch ausgedrückt werden kann, daß seine Bestimmung nun auch als die
+Bestimmtheit, das Ansichseyn auch als Daseyn ist. Es ist als Quantum,
+insofern die Äußerlichkeit oder Gleichgültigkeit des Bestimmtseyns
+(--daß es das ist, wie man sagt, was vergrößert oder vermindert
+werden kann) nur einfach oder unmittelbar gilt und gesetzt ist; es
+ist zu seinem Andern, der Qualität, geworden, insofern jene
+Äußerlichkeit nun als vermittelt durch es selbst, so als ein Moment
+gesetzt ist, daß es eben in ihr sich auf sich selbst bezieht, Seyn
+als Qualität ist.
+
+Zunächst erscheint also die Quantität als solche der Qualität
+gegenüber; aber die Quantität ist selbst eine Qualität, sich auf sich
+beziehende Bestimmtheit überhaupt, unterschieden von der ihr andern
+Bestimmtheit, von der Qualität als solcher. Allein sie ist nicht nur
+eine Qualität, sondern die Wahrheit der Qualität selbst ist die
+Quantität; jene hat sich als in diese übergehend gezeigt. Die
+Quantität ist dagegen in ihrer Wahrheit die in sich selbst
+zurückgekehrte, nicht gleichgültige Äußerlichkeit. So ist sie die
+Qualität selbst, so daß außer dieser Bestimmung nicht die Qualität
+als solche noch etwas wäre.--Daß die Totalität gesetzt sey, dazu
+gehört der gedoppelte Übergang, nicht nur der der einen Bestimmtheit
+in ihre andere, sondern ebenso der Übergang dieser andern, ihr
+Rückgang, in die erste. Durch den ersten ist nur erst an sich die
+Identität beider vorhanden;--die Qualität ist in der Quantität
+enthalten, die aber damit noch eine einseitige Bestimmtheit ist. Daß
+diese umgekehrt ebenso in der ersten enthalten, sie ebenso nur als
+aufgehobene ist, ergiebt sich im zweiten Übergang,--der Rückkehr in
+das erste; diese Bemerkung über die Nothwendigkeit des doppelten
+Übergangs ist von großer Wichtigkeit für das Ganze der
+wissenschaftlichen Methode.
+
+Das Quantum nunmehr als gleichgültige oder äußerliche Bestimmung, so
+daß es ebenso als solche aufgehoben, und die Qualität und das ist,
+wodurch etwas das ist, was es ist, ist die Wahrheit des Quantums,
+Maaß zu seyn.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist oben, in den Anmerkungen über das Quantitativ-Unendliche
+auseinander gesetzt worden, daß dieses so wie die Schwierigkeiten,
+die sich darüber ergeben, in dem qualitativen Momente, das sich im
+Quantitativen hervorthut, ihren Ursprung haben, und wie das
+Qualitative des Potenzenverhältnisses insbesondere, in die
+mannigfaltigen Entwickelungen und Verwickelungen ausgeht; als der
+Grundmangel, der die Auffassung des Begriffes verhindert, wurde auf
+gezeigt, daß bei dem Unendlichen nur nach der negativen Bestimmung,
+die Negation des Quantums zu seyn, stehen geblieben und nicht zu der
+einfachen Bestimmung, dem Affirmativen, daß dieses das Qualitative
+ist, fortgegangen wird.--Hier bleibt nur übrig, noch eine Bemerkung
+über die in der Philosophie geschehene Einmischung von Formen des
+Quantitativen in die reinen qualitativen Formen des Denkens, zu
+machen. Besonders ist es das Potenzenverhältniß, welches in neuerer
+Zeit auf Begriffsbestimmungen angewendet worden ist. Der Begriff in
+seiner Unmittelbarkeit wurde die erste Potenz, in seinem Andersseyn
+oder der Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweite, und in
+seiner Rückkehr in sich oder als Totalität die dritte Potenz genannt.
+--Hiergegen fällt sogleich auf, daß die Potenz so gebraucht eine
+Kategorie ist, die dem Quantum wesentlich angehört;--es ist bei
+diesen Potenzen nicht an die potentia,... des Aristoteles gedacht.
+So drückt das Potenzenverhältniß die Bestimmtheit aus, wie dieselbe
+als der Unterschied, wie er im besondern Begriffe des Quantums ist,
+zu seiner Wahrheit gelangt, aber nicht wie derselbe am Begriffe als
+solchem ist. Das Quantum enthält die Negativität, welche zur Natur
+des Begriffs gehört, noch gar nicht in dessen eigenthümlicher
+Bestimmung gesetzt; Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind
+oberflächliche Bestimmungen für den Begriff selbst; sie sind noch
+weit entfernt, bestimmt zu seyn, wie sie es im Begriffe sind. Es ist
+in der Kindheit des Philosophirens, daß wie von Pythagoras
+Zahlen--und erste, zweite Potenz u.s.f. haben insofern vor Zahlen
+nichts voraus,--zur Bezeichnung allgemeiner, wesentlicher
+Unterschiede gebraucht worden sind. Es war dieß eine Vorstufe des
+reinen denkenden Erfassens; nach Pythagoras erst sind die
+Gedankenbestimmungen selbst erfunden, d. i. für sich zum Bewußtseyn
+gebracht worden. Aber von solchen weg zu Zahlenbestimmungen
+zurückzugehen, gehört einem sich unvermögend fühlenden Denken an, das
+nun im Gegensatze gegen vorhandene philosophische Bildung, die an
+Gedankenbestimmungen gewohnt ist, selbst das Lächerliche hinzufügt,
+jene Schwäche für etwas Neues, Vornehmes und für einen Fortschritt
+geltend machen zu wollen.
+
+Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Symbol gebraucht wird, so ist
+dagegen so wenig zu sagen, als gegen die Zahlen oder Symbole anderer
+Art für Begriffe; aber zugleich ebenso viel, als gegen alle Symbolik
+überhaupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische
+Bestimmungen dargestellt werden sollen. Die Philosophie bedarf
+solche Hülfe nicht, weder aus der sinnlichen Welt, noch aus der
+vorstellenden Einbildungskraft, auch nicht aus Sphären ihres
+eigenthümlichen Bodens, welche untergeordnet sind, deren Bestimmungen
+daher nicht für höhere Kreise und für das Ganze passen. Das Letztere
+geschieht, wenn überhaupt Kategorien des Endlichen auf das Unendliche
+angewendet werden; die geläufigen Bestimmungen von Kraft, oder
+Substantialität, Ursache und Wirkung u.s.f. sind gleichfalls nur
+Symbole für den Ausdruck z.B. lebendiger oder geistiger
+Verhältnisse, d. i. unwahre Bestimmungen für dieselben, so noch mehr
+die Potenzen des Quantums und gezählte Potenzen, für dergleichen und
+für spekulative Verhältnisse überhaupt.--Wenn Zahlen, Potenzen, das
+Mathematisch-Unendliche und dergleichen nicht als Symbole, sondern
+als Formen für philosophische Bestimmungen, und damit selbst als
+philosophische Formen sollen gebraucht werden, so müßte vor Allem
+ihre philosophische Bedeutung, d. i. ihre Begriffsbestimmtheit
+aufgezeigt werden. Geschieht dieß, so sind sie selbst überflüssige
+Bezeichnungen; die Begriffsbestimmtheit bezeichnet sich selbst, und
+ihre Bezeichnung ist allein die richtige und passende. Der Gebrauch
+jener Formen ist darum weiter nichts, als ein bequemes Mittel, es zu
+ersparen, die Begriffsbestimmungen zu fassen, anzugeben und zu
+rechtfertigen.
+
+
+
+
+Dritter Abschnitt. Das Maaß.
+
+Im Maaße sind, abstrakt ausgedrückt, Qualität und Quantität vereinigt.
+Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit der Bestimmtheit
+mit sich selbst. Diese Unmittelbarkeit der Bestimmtheit hat sich
+aufgehoben. Die Quantität ist das so in sich zurückgekehrte Seyn,
+daß es einfache Gleichheit mit sich als Gleichgültigkeit gegen die
+Bestimmtheit ist. Aber diese Gleichgültigkeit ist nur die
+Äußerlichkeit, nicht an sich selbst, sondern in Anderem die
+Bestimmtheit zu haben. Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst
+beziehende Äußerlichkeit; als Beziehung auf sich ist es zugleich
+aufgehobene Äußerlichkeit, und hat an ihr selbst den Unterschied von
+sich,--der als Äußerlichkeit das quantitative, als in sich
+zurückgenommene, das qualitative Moment ist.
+
+Indem die Modalität, unter den Kategorien des transcendentalen
+Idealismus, nach der Quantität und Qualität, auf Einschiebung der
+Relation, aufgeführt wird, so kann derselben hier erwähnt werden.
+Diese Kategorie hat daselbst die Bedeutung, die Beziehung des
+Gegenstandes auf das Denken zu seyn. Im Sinne jenes Idealismus ist
+das Denken überhaupt dem Ding-an-sich wesentlich äußerlich. Insofern
+die andern Kategorien nur die transcendentale Bestimmung haben, dem
+Bewußtseyn, aber als das Objektive desselben, anzugehören, so enthält
+die Modalität, als die Kategorie der Beziehung auf das Subjekt,
+insofern relativ die Bestimmung der Reflexion in sich; d.h. die
+Objektivität, welche den andern Kategorien zukomme, mangelt denen der
+Modalität; diese vermehren, nach Kants Ausdruck, den Begriffe als
+Bestimmung des Objekts nicht im mindesten, sondern drücken nur das
+Verhältniß zum Erkenntnißvermögen aus, (Kr. d. rein. Vern. 2te Aufl.
+s. S. 99, 266).--Die Kategorien, die Kant unter der Modalität
+zusammenfaßt, Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit, werden in
+der Folge an ihrer Stelle vorkommen; Kant hat die unendlich wichtige
+Form der Triplicität, so sehr sie bei ihm nur erst als ein formeller
+Lichtfunken erschienen, nicht auf die Gattungen seiner Kategorien
+(Quantität, Qualität u.s.f.) wie auch diesen Namen, nur auf deren
+Arten angewendet; daher hat er nicht auf das Dritte der Qualität und
+Quantität kommen können.
+
+Bei Spinoza ist der Modus nach Substanz und Attribut gleichfalls das
+Dritte; er erklärt ihn für die Affektionen der Substanz, oder für
+dasjenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen
+wird. Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur die Äußerlichkeit
+als solche; wie sonst erinnert worden, daß bei Spinoza überhaupt der
+starren Substantialität die Rückkehr in sich selbst fehlt.
+
+Die hier gemachte Bemerkung dehnt sich allgemeiner auf die Systeme
+des Pantheismus aus, welche der Gedanke etwas ausgebildet hat. Das
+Seyn, das Eine, die Substanz, das Unendliche, das Wesen ist das Erste;
+gegen dieses Abstraktum kann das Zweite, alle Bestimmtheit,
+überhaupt als das nur Endliche, nur Accidentelle, Vergängliche,
+Außer- und Unwesentliche u.s.f., ebenso abstrakt zusammengefaßt
+werden wie in dem ganz formalen Denken gewöhnlich und zunächst
+geschieht. Aber es drängt sich zu sehr der Zusammenhang dieses
+Zweiten mit dem Ersten auf, um es nicht zugleich in einer Einheit mit
+demselben zu fassen, wie das Attribut bei Spinoza die ganze Substanz
+ist, aber von dem Verstand, selbst einer Beschränkung oder Modus,
+gefaßt; der Modus aber, das Nichtsubstantielle überhaupt, das nur aus
+einem Andern gefaßt werden kann, macht so das andere Extrem zu der
+Substanz, das Dritte überhaupt, aus. Der indische Pantheismus hat in
+seiner ungeheuern Phantasterei gleichfalls, abstrakt genommen, diese
+Ausbildung erhalten, die sich durch ihr Maßloses hindurch als ein
+mässigender Faden zu einigem Interesse zieht, daß Brahm, das Eine des
+abstrakten Denkens durch die Gestaltung in Wischnu besonders in der
+Form Krischnas, zu dem Dritten, Siwa, fortgeht. Die Bestimmung
+dieses Dritten ist der Modus, Veränderung, Entstehen und Vergehen,
+das Feld der Äußerlichkeit überhaupt. Wenn diese indische Dreiheit
+zu einer Vergleichung nut der christlichen verleitet hat, so ist in
+ihnen zwar ein gemeinsames Element der Begriffsbestimmung zu erkennen,
+aber über den Unterschied ist wesentlich ein bestimmteres Bewußtseyn
+zu fassen; derselbe ist nicht nur unendlich, sondern die wahrhafte
+Unendlichkeit macht den Unterschied selbst aus. Jenes dritte Princip
+ist seiner Bestimmung nach das Auseinanderfahren der substantiellen
+Einheit, in ihr Gegegentheil, nicht die Rückkehr derselben zu sich,
+--das Geistlose vielmehr, nicht der Geist. In der wahrhaften
+Dreiheit, ist nicht nur Einheit, sondern Einigkeit, der Schluß zur
+inhaltsvollen und wirklichen Einheit, die in ihrer ganz konkreten
+Bestimmung der Geist ist, gebracht. Jenes Princip des Modus und der
+Veränderung schließt wohl die Einheit nicht überhaupt aus; wie
+nämlich im Spinozismus eben der Modus als solcher das Unwahre und nur
+die Substanz das wahrhafte ist, Alles auf diese zurückgeführt werden
+soll, welches dann ein Versenken alles Inhalts in die Leerheit, in
+nur formelle, inhaltslose Einheit ist, so ist auch Siwa wieder das
+große Ganze, von Brahm nicht unterschiedene, Brahm selbst; d. h. der
+Unterschied und die Bestimmtheit verschwindet nur wieder, aber wird
+nicht aufbewahrt, nicht aufgehoben, und die Einheit wird nicht zur
+konkreten Einheit, die Entzweiung nicht zur Versöhnung zurückgeführt.
+Das höchste Ziel für den in die Sphäre des Entstehens und Vergehens,
+der Modalität überhaupt versetzten Menschen ist die Versenkung in die
+Bewußtlosigkeit, die Einheit mit Brahm, die Vernichtung; dasselbe ist
+das buddhistische Nirvana, Nieban u.s.f.
+
+Wenn nun der Modus überhaupt die abstrakte Äußerlichkeit, die
+Gleichgültigkeit gegen die qualitativen wie gegen die quantitativen
+Bestimmungen ist, und es im Wesen auf das Äußerliche, Unwesentliche
+nicht ankommen soll, so wird auch wieder in Vielem zugestanden, daß
+alles auf die Art und Weise ankomme; der Modus wird damit selbst für
+wesentlich zum Substantiellen einer Sache gehörig erklärt; in welcher
+sehr unbestimmten Beziehung wenigstens dieß liegt, daß dieß
+Äußerliche nicht so abstrakt das Äußerliche sey.
+
+Hier hat der Modus die bestimmte Bedeutung das Maaß zu seyn. Der
+Spinozistische Modus, wie das indische Princip der Veränderung ist
+das Maaßlose. Das griechische selbst noch unbestimmte Bewußtseyn,
+daß Alles ein Maaß hat, so daß selbst Parmenides nach dem abstrakten
+Seyn die Nothwendigkeit, als die alte Grenze, die Allem gesetzt ist,
+eingeführt, ist der Anfang eines viel höhern Begriffs als die
+Substanz und der Unterschied des Modus von derselben enthält.-Das
+entwickeltere, reflektirtere Maaß ist die Nothwendigkeit; das
+Schicksal, die Nemesis, schränkt sich im Allgemeinen auf die
+Bestimmtheit des Maaßes ein, daß was sich vermesse, zu groß, zu hoch
+mache, auf das andere Extrem der Herabsetzung zur Nichtigkeit
+reducirt, und damit die Mitte des Maaßes, die Mittelmäßigkeit,
+hergestellt werde.--Das Absolute, Gott ist das Maaß aller Dinge, ist
+nicht stärker pantheistisch als die Definition: das Absolute, Gott
+ist das Seyn, aber unendlich wahrhafter.--Das Maaß ist zwar
+äußerliche Art und Weise, ein Mehr oder Weniger, welches aber
+zugleich ebenso in sich reflektirt, nicht bloß gleichgültige und
+äußerliche, sondern an sich seyende Bestimmtheit ist; es ist so die
+konkrete Wahrheit des Seyns; in dem Maaße haben darum die Völker
+etwas Unantastbares, Heiliges verehrt.
+
+Es liegt in dem Maaße bereits die Idee des Wesens, nämlich in der
+Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn, so daß
+jene Unmittelbarkeit durch diese Identität-mit-sich zu einem
+Vermittelten herabgesetzt ist, wie diese ebenso nur durch diese
+Äußerlichkeit vermittelt aber die Vermittelung mit sich ist;--die
+Reflexion, deren Bestimmungen sind, aber in dieseni Seyn schlechthin
+nur als Momente ihrer negativen Einheit. Im Maaße ist das
+Qualitative quantitativ; die Bestimmtheit oder der Unterschied ist
+als gleichgültig, damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; er
+ist aufgehoben; diese Quantitativität macht als Rückkehr in sich,
+worin sie als das Qualitative ist, das An- und Fürsichseyn aus,
+welches das Wesen ist. Aber das Maaß ist erst an sich oder im
+Begriffe das Wesen; dieser Begriff des Maaßes ist noch nicht gesetzt.
+Das Maaß noch als solches ist selbst die seyende Einheit des
+Qualitativen und Quantitativen; seine Momente sind als ein Daseyn,
+eine Qualität und Quanta derselben, die nur erst an sich untrennbar,
+aber noch nicht die Bedeutung dieser reflektirten Bestimmung haben.
+Die Entwicklung des Maaßes, enthält die Unterscheidung dieser Momente,
+aber zugleich die Beziehung derselben, so daß die Identität, welche
+sie an sich sind, als ihre Beziehung aufeinander wird, d. i. gesetzt
+wird. Die Bedeutung dieser Entwickelung ist die Realisation des
+Maaßes, in der es sich zu sich selbst ins Verhältniß, und damit
+zugleich als Moment setzt; durch diese Vermittelung wird es als
+Aufgehobenes bestimmt; seine Unmittelbarkeit wie die seiner Momente
+verschwindet, sie sind als reflektirte; so als das hervorgetreten,
+was es seinem Begriffe nach ist, ist es in das Wesen übergegangen.
+
+Das Maaß ist zunächst unmittelbare Einheit des Qualitativen und
+Quantitativen, so daß
+
+erstens ein Quantum ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maaß
+ist. Dessen Fortbestimmung ist, daß an ihm, dem an sich bestimmten,
+--der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen
+Bestimmtseyns, hervortritt. Diese Momente bestimmen sich weiter
+selbst zu Ganzen des Maaßes, welche insofern als Selbstständige sind;
+indem sie sich wesentlich aufeinander beziehen, wird das Maaß
+
+zweitens Verhältniß von specifischen Quantis, als selbstständigen
+Maaßen. Ihre Selbstständigkeit beruht aber wesentlich zugleich auf
+dem quantitativen Verhältnisse und dem Größenunterschiede; so wird
+ihre Selbstständigkeit ein Übergehen in einander. Das Maaß geht
+damit im Maaßlosen zu Grunde.--Dieß Jenseits des Maaßes ist aber die
+Negativität desselben nur an sich selbst; es ist dadurch
+
+drittens die Indifferenz der Maaßbestimmungen, und als reell mit der
+in ihr enthaltenen Negativität das Maaß gesetzt, als umgekehrtes
+Verhältniß von Maaßen, welche als selbstständige Qualitäten
+wesentlich nur auf ihrer Quantität und auf ihrer negativen Beziehung
+aufeinander beruhen, und damit sich erweisen, nur Momente ihrer
+wahrhaft selbstständigen Einheit zu seyn, welche ihre
+Reflexion-in-sich und das Setzen derselben, das Wesen, ist.
+
+Die Entwickelung des Maaßes, die im Folgenden versucht worden, ist
+eine der schwierigsten Materien; indem sie von dem unmittelbaren,
+äußerlichen Maaße anfängt, hätte sie einer Seits zu der abstrakten
+Fortbestimmung des Quantitativen (einer Mathematik der Natur)
+fortzugehen, anderer Seits den Zusammenhang dieser Maaßbestimmung mit
+den Qualitäten der natürlichen Dinge anzuzeigen, wenigstens im
+Allgemeinen; denn die bestimmte Nachweisung des aus dem Begriffe des
+konkreten Gegenstandes hervorgehenden Zusammenhangs des Qualitativen
+und Quantitativen gehört in die besondere Wissenschaft des Konkreten;
+wovon Beispiele in der Encykl. der philos. Wissensch. 3te Aufl. _.
+267 u. 270 Anm. das Gesetz des Falles und das der freien himmlischen
+Bewegung betreffend, nachzusehen sind. Es mag hierbei dieß überhaupt
+bemerkt werden, daß die verschiedenen Formen, in welchen sich das
+Maaß realisirt, auch verschiedenen Sphären der natürlichen Realität
+angehören. Die vollständige, abstrakte Gleichgültigkeit des
+entwickelten Maaßes d. i. der Gesetze desselben kann nur in der
+Sphäre des Mechanismus Statt haben, als in welchem das konkrete
+Körperliche nur die selbst abstrakte Materie ist; die qualitativen
+Unterschiede derselben haben wesentlich das Quantitative zu ihrer
+Bestimmtheit; Raum und Zeit sind die reinen Äußerlichkeiten selbst,
+und die Menge der Materien, Massen, Intensität des Gewichts, sind
+ebenso äußerliche Bestimmungen, die an dem Quantitativen ihre
+eigenthümliche Bestimmtheit haben. Dagegen wird solche
+Größebestimmtheit des abstrakt Materiellen schon durch die Mehrheit
+und damit einen Konflikt von Qualitäten, im Physikalischen, noch mehr
+aber im Organischen gestört. Aber es tritt hier nicht bloß der
+Konflikt von Qualitäten als solchen ein, sondern das Maaß wird hier
+höhern Verhältnissen untergeordnet, und die immanente Entwicklung des
+Maaßes vielmehr auf die einfache Form des unmittelbaren Maaßes
+reducirt. Die Glieder des animalischen Organismus haben ein Maaß,
+welches als ein einfaches Quantum im Verhältniß zu andern Quantis der
+andern Glieder steht; die Proportionen des menschlichen Körpers sind
+die festen Verhältnisse von solchen Quantis; die Naturwissenschaft
+hat noch weithin, von dem Zusammenhange solcher Größen mit den
+organischen Funktionen, von denen sie ganz abhängig sind, etwas
+einzusehen. Aber von der Herabsetzung eines immanenten Maaßes zu
+einer bloß äußerlich determinirten Größe ist die Bewegung das nächste
+Beispiel. An den Himmelskörpern ist sie die freie nur durch den
+Begriff bestimmte Bewegung, deren Größen hiermit ebenso nur von
+demselben abhängen (s. oben), aber von dem Organischen wird sie zur
+willkürlichen oder mechanisch-regelmäßigen, d. h. überhaupt
+abstrakten formellen Bewegung herunter gesetzt.
+
+Noch weniger aber findet im Reich des Geistes eine eigenthümliche,
+freie Entwicklung des Maaßes Statt. Man sieht z.B. wohl ein, daß
+eine republikanische Verfassung, wie die atheniensische oder eine
+durch Demokratie versetzte aristokratische nur bei einer gewissen
+Größe des Staats Platz haben kann; daß in der entwickelten
+bürgerlichen Gesellschaft die Mengen von Individuen, welche den
+verschiedenen Gewerben angehören, in einem Verhältnisse mit einander
+stehen; aber dieß giebt weder Gesetze von Maaßen noch eigenthümliche
+Formen desselben. Im Geistigen als solchen kommen Unterschiede von
+Intensität des Charakters, Stärke der Einbildungskraft, der
+Empfindungen, der Vorstellungen u.s.f. vor; aber über dieß
+Unbestimmte der Stärke oder Schwäche geht die Bestimmung nicht hinaus.
+Wie matt und völlig leer die sogenannten Gesetze ausfallen, die
+über das Verhältniß von Stärke und Schwäche der Empfindungen,
+Vorstellungen u.s.f. aufgestellt werden, wird man inne, wenn man die
+Psychologien nachsieht, welche sich mit dergleichen bemühen.
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die specifische Quantität.
+
+
+Die qualitative Quantität ist zunächst ein unmittelbares specifisches
+Quantum; das
+
+zweitens, als sich zu Anderem verhaltend, ein quantitatives
+Specificiren, ein Aheben des gleichgültigen Quantums wird. Dieses
+Maaß, ist insofern eine Regel und enthält die beiden Momente des
+Maaßes unterschieden, nämlich die ansichseyende quantitative
+Bestimmtheit, und das äußerliche Quantum. In diesem Unterschiede
+werden aber diese beiden Seiten zu Qualitäten, und die Regel zu einem
+Verhältnisse derselben; das Maaß stellt sich daher dar
+
+drittens als Verhältniß von Qualitäten, die zunächst Ein Maaß haben;
+das sich aber ferner so zu einem Unterschiede von Maaßen in sich
+specificirt.
+
+A. Das specifische Quantum.
+
+1. Das Maaß ist die einfache Beziehung des Quantums auf sich, seine
+eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ.
+Zunächst ist es als unmittelbares Maaß, ein unmittelbares, daher als
+irgend ein bestimmtes, Quantum; ebenso unmittelbar ist die ihm
+zugehörige Qualität, sie ist irgend eine bestimmte Qualität.--Das
+Quantum als diese nicht mehr gleichgültige Grenze sondern auf sich
+beziehende Äußerlichkeit, ist so selbst die Qualität, und
+unterschieden von dieser geht es nich über sie hinaus, so wie diese
+nicht über dasselbe hinausgeht. Es ist in die einfache Gleichheit
+mit sich zurückgekehrte Bestimmtheit; eins mit dem bestimmten Daseyn,
+so wie dieses mit seinem Quantum.
+
+Wenn man aus der erhaltenen Bestimmung einen Satz machen will, so
+kann man sich ausdrücken: Alles, was da ist, hat ein Maaß. Alles
+Daseyn hat eine Größe, und diese Größe gehört zur Natur von Etwas
+selbst; sie macht seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus.
+Etwas ist gegen diese Größe nicht gleichgültig, so daß wenn sie
+geändert würde, es bliebe was es ist, sondern die Änderung derselben
+änderte seine Qualität. Das Quantum hat als Maaß aufgehört Grenze zu
+seyn, die keine ist; es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so daß
+diese, über dieß Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge.
+--Ein Maaß, als Maaßstab im gewöhnlichen Sinne, ist ein Quantum, das
+als die an sich bestimmte Einheit gegen äußerliche Anzahl willkürlich
+angenommen wird. Eine solche Einheit kann zwar auch in der That an
+sich bestimmte Einheit seyn, wie Fuß und dergleichen ursprüngliche
+Maaße; insofern sie aber als Maaßstab zugleich für andere Dinge
+gebraucht wird, ist sie für diese nur äußerliches, nicht ihr
+ursprüngliches Maaß.--So mag der Erddurchmesser, oder die Pendellänge,
+als specifisches Quantum für sich genommen werden. Aber es ist
+willkürlich, den wievielsten Theil des Erddurchmessers oder der
+Pendellänge und unter welchem Breitengrade man diese nehmen wolle, um
+sie als Maaßstab zu gebrauchen. Noch mehr aber ist für andere Dinge
+ein solcher Maaßstab etwas Äußerliches. Diese haben das allgemeine
+specifische Quantum wieder auf besondere Art specificirt, und sind
+dadurch zu besondern Dingen gemacht. Es ist daher thöricht, von
+einem natürlichen Maaßstab der Dinge zu sprechen. Ohnehin soll ein
+allgemeiner Maaßstab nur für die äußerliche Vergleichung dienen; in
+diesem oberflächlichsten Sinne, in welchem er als allgemeines Maaß
+genommen wird, ist es völlig gleichgültig, was dafür gebraucht wird.
+Es soll nicht ein Grundmaaß in dem Sinne seyn, daß die Naturmaaße der
+besondern Dinge daran dargestellt und daraus nach einer Regel, als
+Specifikationen Eines allgemeinen Maaßes, des Maaßes ihres
+allgemeinen Körpers, erkannt würden. Ohne diesen Sinn aber hat ein
+absoluter Maaßstab nur das Interesse und die Bedeutung eines
+Gemeinschaftlichen, und ein solches ist nicht an sich, sondern durch
+Übereinkommen ein Allgemeines.
+
+Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Größenbestimmung; wie z.B.
+die Größe der organischen Wesen, ihrer Gliedmaßen und so fort. Aber
+jedes Existirende hat eine Größe, um das zu seyn, was es ist, und
+überhaupt um Daseyn zu haben.--Als Quantum ist es gleichgültige Größe,
+äußerlicher Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und
+Weniger fähig. Aber als Maaß ist es zugleich von sich selbst als
+Quantum, als solcher gleichgültiger Bestimmung, verschieden und eine
+Beschränkung jenes gleichgültigen Hin- und Hergehens an einer Grenze.
+
+Indem die Quantitätsbestimmtheit so an dem Daseyn die gedoppelte ist,
+das eine Mal die, an welche die Qualität gebunden ist, das andere Mal
+aber die, an der unbeschadet jener hin- und hergegangen werden kann,
+so geschieht das Untergehen von Etwas, das ein Maaß hat, darin daß
+sein Quantum verändert wird. Dieß Untergehen erscheint eines Theils
+als unerwartet, insofern an dem Quantum, ohne das Maaß und die
+Qualität zu verändern, geändert werden kann, andern Theils aber wird
+es zu einem als ganz Begreiflichen gemacht, nämlich durch die
+Allmähligkeit. Zu dieser Kategorie wird so leicht gegriffen, um das
+Vergehen von einer Qualität oder von Etwas vorstellig zu machen oder
+zu erklären, indem man so dem Verschwinden beinahe mit den Augen
+zusehen zu können scheint, weil das Quantum die als äußerliche, ihrer
+Natur nach veränderliche Grenze gesetzt ist, hiermit die Veränderung,
+als nur des Quantums, sich von selbst versteht. In der That aber
+wird nichts dadurch erklärt; die Veränderung ist zugleich wesentlich
+der Übergang einer Qualität in eine andere, oder der abstraktere von
+einem Daseyn in ein Nichtdaseyn; darin liegt eine andere Bestimmung
+als in der Allmähligkeit, welche nur eine Verminderung oder
+Vermehrung, und das einseitige Festhalten an der Größe ist.
+
+2. Daß aber eine als bloß quantitativ erscheinende Veränderung auch
+in eine qualitative umschlägt, auf diesen Zusammenhang sind schon die
+Alten aufmerksam gewesen, und haben die der Unkenntniß desselben
+entstehenden Kollisionen in populären Beispielen vorgestellt; unter
+den Namen des Kahlen, des Haufens sind hierher gehörige Elenchen
+bekannt, d. i. nach des Aristoteles Erklärung, Weisen, wodurch man
+genöthigt wird, das Gegentheil von dem zu sagen, was man vorher
+behauptet hatte. Man fragte: macht das Ausraufen Eines Haares vom
+Kopfe oder einem Pferdeschweife kam, oder hört ein Haufe auf ein
+Haufe zu seyn, wenn ein Korn weggenommen wird. Dieß kann man
+unbedenklich zugeben, indem solche Wegnahme nur einen und zwar selbst
+ganz unbedeutenden quantitativen Unterschied ausmacht; so wird Ein
+Haar, Ein Korn weggenommen, und dieß so wiederholt, daß jedesmal nach
+dem, was zugegeben worden, nur Eines weggenommen wird; zuletzt zeigt
+sich die qualitative Veränderung, daß der Kopf, der Schweiff kahl,
+der Haufe verschwunden ist. Man vergaß bei jenem Zugeben nicht nur
+die Wiederhohlung, sondern daß sich die für sich unbedeutenden
+Quantitäten (wie die für sich unbedeutenden Ausgaben von einem
+Vermögen) summiren, und die Summe das qualitativ Ganze ausmacht, so
+daß am Ende dieses verschwunden, der Kopf kahl, der Beutel leer ist.
+
+Die Verlegenheit, der Widerspruch, welcher als Resultat herauskommt,
+ist nicht etwas Sophistisches im gebräuchlichen Sinne des Worts, als
+ob solcher Widerspruch eine falsche Vorspiegelung wäre. Das Falsche
+ist, was der angenommene Andere, d. h. unser gewöhnliches Bewußtseyn
+begeht, eine Quantität nur für eine gleichgültige Grenze d. h. sie
+eben im bestimmten Sinne einer Quantität zu nehmen. Diese Annahme
+wird durch die Wahrheit, zu der sie geführt wird, Moment des Maaßes
+zu seyn und mit der Qualität zusammenzuhängen, konfondirt; was
+widerlegt wird, ist das einseitige Festhalten an der abstrakten
+Quantumsbestimmtheit.--Jene Wendungen sind darum auch kein leerer
+oder pedantischer Spaß, sondern in sich richtig und Erzeugnisse eines
+Bewußtseyns, das ein Interesse an den Erscheinungen hat, die im
+Denken vorkommen.
+
+Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze genommen wird,
+ist die Seite, an der ein Daseyn unverdächtig angegriffen und zu
+Grunde gerichtet wird. Es ist die List des Begriffes ein Daseyn an
+dieser Seite zu fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu
+kommen scheint,--und zwar so sehr', daß die Vergrößerung eines Staats,
+eines Vermögens u.s.f. welche das Unglück des Staats, des Besitzers
+herbeiführt, sogar als dessen Glück zunächst erscheint.
+
+3. Das Maaß ist in seiner Unmittelbarkeit eine gewöhnliche Qualität
+von einer bestimmten ihr zugehörigen Größe. Von der Seite nun, nach
+welcher das Quantum gleichgültige Grenze ist, an der ohne die
+Qualität zu ändern hin- und hergegangen werden kann, ist seine andere
+Seite, nach welcher es qualitativ, specifisch ist, auch unterschieden.
+Beides sind Größebestimmungen Eines und desselben; aber nach der
+Unmittelbarkeit, in der zuerst das Maaß ist, ist ferner dieser
+Unterschied als ein unmittelbarer zu nehmen, beide Seiten haben
+hiernach auch eine verschiedene Existenz. Die Existenz des Maaßes,
+welche die an sich bestimmte Größe ist, ist dann in ihrem Verhalten
+zu der Existenz der veränderlichen, äußerlichen Seite, ein Aufheben
+ihrer Gleichgültigkeit, ein Specificiren desselben.
+
+B. Specificirendes Maaß.
+
+Dasselbe ist
+
+erstlich eine Regel, ein Maaß äußerlich gegen das bloße Quantum;
+
+zweitens specifische Quantität, welche das äußerliche Quantum
+bestimmt;
+
+drittens verhalten sich beide Seiten als Qualitäten von specifischer
+Quantitätsbestimmtheit gegeneinander, als Ein Maaß.
+
+a. Die Regel.
+
+Die Regel oder der Maaßstab, von dem schon gesprochen worden, ist
+zunächst als eine an sich bestimmte Größe, welche Einheit gegen ein
+Quantum ist, das eine besondere Existenz ist, an einem andern Etwas,
+als das Etwas der Regel ist, existirt,--an ihr gemessen, d. i. als
+Anzahl jener Einheit bestimmt wird. Diese Vergleichung ist ein
+äußerliches Thun, jene Einheit selbst eine willkürliche Größe, die
+ebenso wieder als Anzahl (der Fuß als eine Anzahl von Zollen) gesetzt
+werden kann. Aber das Maaß ist nicht nur äußerliche Regel, sondern
+als specifisches ist es dieß, sich an sich selbst zu seinem Andern zu
+verhalten, das ein Quantum ist.
+
+b. Das specificirende Maaß.
+
+Das Maaß ist specifisches Bestimmen der äußerlichen Größe, d. i. der
+gleichgültigen, die nun voi einer andern Existenz überhaupt an dem
+Etwas des Maaßes gesetzt wird, welches zwar selbst Quantum, aber im
+Unterschiede von solchem das Qualitative, bestimmend das bloß
+gleichgültige, äußerliche Quantum, ist. Das Etwas hat diese Seite
+des Seyns-für-Anderes an ihm, der das gleichgültige Vermehrt- und
+Vermindertwerden, zukommt. Jenes immanente Messende ist eine
+Qualität des Etwas, dem dieselbe Qualität all einem andern Etwas
+gegenübersteht; aber an diesem zunächst relativ mit maaßlosem Quantum
+überhaupt gegen jene, die als messend bestimmt ist.
+
+An Etwas, insofern es ein Maaß in sich ist, kommt äußerlich eine
+Veränderung der Größe seiner Qualität; es nimmt davon nicht die
+arithmetische Menge an. Sein Maaß reagirt dagegen, verhält sich als
+ein Intensives gegen die Menge, und nimmt sie auf eine eigenthümliche
+Weise auf; es verändert die äußerlich gesetzte Veränderung, macht aus
+diesem Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specifikation
+als Fürsichseyn in dieser Äußerlichkeit.--Diese
+specifisch-aufgenommene Menge ist selbst ein Quantum, auch abhängig
+von der andern oder ihr als nur äußerlichen Menge. Die specificirte
+Menge ist daher auch veränderlich, aber darum nicht ein Quantum als
+solches, sondern das äußere Quantum als auf eine konstante Weise
+specificirt. Das Maaß hat so sein Daseyn als ein Verhältniß, und das
+Specifische desselben ist überhaupt der Exponent dieses Verhältnisses.
+
+Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich bei diesen
+Bestimmungen ergab, dasselbe Quantum, welches das einemal in der Form
+der Intensität, das anderemal in der Form der Extensität vorhanden
+ist. Das zu Grunde liegende Quantum erleidet in diesem Unterschiede
+keine Veränderung, dieser ist nur eine äußere Form. In dem
+specificirenden Maaße hingegen ist das Quantum das eine Mal in seiner
+unmittelbaren Größe, das andere Mal aber wird es durch den
+Verhältnisexponenten in einer andern Anzahl genommen.
+
+Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunächst ein fixes
+Quantum zu seyn scheinen, als Quotient des Verhältnisses zwischen dem
+äußerlichen und dem qualitativ bestimmten. Aber so wäre er nichts
+als ein äußerliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts
+Anderes als das Moment des Qualitativen selbst zu verstehen, welches
+das Quantum als solches specificirt. Das eigentlich immanente
+Qualitative des Quantums ist, wie sich früher ergeben hat, nur die
+Potenz-Bestimmung. Eine solche muß es seyn, welche das Verhältniß
+konstituirt, und die hier als die an sich seyende Bestimmung dem
+Quantum als der äußerlichen Beschaffenheit gegenübergetreten ist.
+Dieses hat zu seinem Princip das numerische Eins, das dessen
+An-sich-Bestimmtseyn ausmacht; und die Beziehung des numerischen Eins
+ist die äußerliche und die nur durch die Natur des unmittelbaren
+Quantums als solchen bestimmte Veränderung besteht für sich in dem
+Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen
+und so fort. Wenn so das äußerliche Quantum in arithmetischer
+Progression sich verändert, so bringt die specificirende Reaktion der
+qualitativen Natur des Maaßes eine andere Reihe hervor, welche sich
+auf die erste bezieht, init ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem
+durch einen Zahlexponenten bestimmten, sondern einer Zahl
+inkommensurabeln Verhältnisse, nach einer Potenzenbestimmung.
+
+Anmerkung.
+
+Um ein Beispiel anzuführen, so ist die Temperatur eine Qualität, an
+der diese beiden Seiten, äußerliches und specificirtes Quantum zu
+seyn, sich unterscheiden. Als Quantum ist sie äußerliche Temperatur
+und zwar auch eines Körpers als allgemeinen Mediums, von der
+angenommen wird, daß ihre Veränderung an der Skale der arithmetischen
+Progression fortgehe und daß sie gleichförmig zuoder abnehme, wogegen
+sie von den verschiedenen in ihr befindlichen besondern Körpern
+verschieden aufgenommen wird, indem dieselben durch ihr immanentes
+Maaß die äußerlich empfangene Temperatur bestimmen, die
+Temperatur-Veränderung derselben nicht der des Mediums oder ihrer
+untereinander im direkten Verhältnisse entspricht. Verschiedene
+Körper in einer und derselben Temperatur verglichen, geben
+Verhältnißzahlen ihrer specifischen Wärmen, ihrer Wärme-Kapacitäten.
+Aber diese Kapacitäten der Körper ändern sich in verschiedenen
+Temperaturen, womit das Eintreten einer Veränderung der specifischen
+Gestalt sich verbindet. In der Vermehrung oder Verminderung der
+Temperatur zeigt sich somit eine besondere Specifikation. Das
+Verhältniß der Temperatur, die als äußerliche vorgestellt wird, zur
+Temperatur eines bestimmten Körpers, die zugleich von jener abhängig
+ist, hat nicht einen festen Verhältnissexponenten; die Vermehrung
+oder Verminderung dieser Wärme geht nicht gleichförmig mit der Zu-
+und Abnahme der äußerlichen fort.--Es wird hierbei eine Temperatur
+als äußerlich überhaupt angenommen, deren Veränderung bloß äußerlich
+oder rein quantitativ sey. Sie ist jedoch selbst Temperatur der Luft
+oder sonst specifische Temperatur. Näher betrachtet würde daher das
+Verhältniß eigentlich nicht als Verhältniß von einem bloß
+quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwei specifischen
+Quantis zu nehmen seyn. Wie sich das specificirende Verhältniß
+gleich weiter bestimmen wird, daß die Momente des Maaßes nicht nur in
+einer quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer
+und derselben Qualität bestehen, sondern im Verhältnisse zweier
+Qualitäten, welche an ihnen selbst Maaße sind.
+
+c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.
+
+l. Die qualitative, an sich bestimmte Seite des Quantums ist nur als
+Beziehung auf das äußerlich Quantitative; als Specificiren desselben
+ist sie das Aufheben seiner Äußerlichkeit, durch welche das Quantum
+als solches ist; sie hat so dasselbe zu ihrer Voraussetzung und fängt
+von ihm an. Dieses aber ist von der Qualität selbst auch qualitativ
+unterschieden; dieser Unterschied beider ist in der Unmittelbarkeit
+des Seyns überhaupt, in welcher das Maaß noch ist, zu setzen, so sind
+beide Seiten qualitativ gegeneinander, und jede für sich ein solches
+Daseyn; und das eine zunächst nur als formelle, an ihm unbestimmte
+Quantum ist das Quantum eines Etwas und seiner Qualität, und wie sich
+deren Beziehung auf einander nun zum Maaße überhaupt bestimmt hat,
+gleichfalls die specifische Größe dieser Qualitäten. Diese
+Qualitäten sind nach der Maaßbestimmung im Verhältniß zu einander;
+diese ist ihr Exponent, sie sind aber an sich schon im Fürsichseyn
+des Maaßes aufeinander bezogen, das Quantum ist in seinem Doppelseyn
+als äußerliches und specifisches, so daß jede der unterschiedenen
+Quantitäten diese zweifache Bestimmung an ihr hat und zugleich
+schlechthin mit der andern verschränkt ist; eben darin allein sind
+die Qualitäten bestimmt. Sie sind so nicht nur für einander seyendes
+Daseyn überhaupt, sondern untrennbar gesetzt; und die an sie
+geknüpfte Größebestimmtheit ist eine qualitative Einheit,--Eine
+Maaßbestimmung, in der sie ihrem Begriffe nach, an sich
+zusammenhängen. Das Maaß ist so das immanente quantitative Verhalten
+zweier Qualitäten zu einander.
+
+2. Im Maaß tritt die wesentliche Bestimmung der veränderlichen Größe
+ein, denn es ist das Quantum als aufgehoben, also nicht mehr als das,
+was es seyn soll uni Quantum zu seyn, sondern als Quantum und
+zugleich als etwas Anderes; dieß Andere ist das Qualitative, und wie
+bestimmt worden, nichts anderes als das Potenzenverhältniß desselben.
+Im unmittelbaren Maaße ist diese Veränderung noch nicht gesetzt; es
+ist nur irgend und zwar ein einzelns Quantum überhaupt, an das eine
+Qualität geknüpft ist. Im Specificiren des Maaßes, der
+vorhergehenden Bestimmung, als einer Veränderung des bloß äußerlichen
+Quantums durch das Qualitative ist Unterschiedenheit beider
+Größebestimmtheiten und damit überhaupt die Mehrheit voll Maaßen an
+einem gemeinschaftlichen äußerlichen Quantum gesetzt; das Quantum
+zeigt sich erst als daseyendes Maaß in solcher Unterschiedenheit
+seiner von sich selbst, indem es, ein und dasselbe (z.B. dieselbe
+Temperatur des Mediums), zugleich als verschiedenes und zwar
+quantitatives Daseyn (--in den verschiedenen Temperaturen der in
+jenem befindlichen Körper) hervortritt. Diese Unterschiedenheit des
+Quantums in den verschiedenen Qualitäten--den verschiedenen Körpern,
+--giebt eine weitere, diejenige Form des Maaßes, in welcher beide
+Seiten als qualitativ bestimmte Quanta sich zu einander verhalten,
+was das realisirte Maaß genannt werden kann.
+
+Die Größe ist als eine Größe überhaupt veränderlich, denn ihre
+Bestimmtheit ist als eine Grenze, die zugleich keine ist; die
+Veränderung betrifft insofern nur ein besonderes Quantum, an dessen
+Stelle ein anderes gesetzt wird; die wahrhafte Veränderung aber ist
+die des Quantums als solchen; dieß giebt die, so gefaßt, interessante
+Bestimmung der veränderlichen Größe in der höhern Mathematik; wobei
+nicht bei dem Formellen der Veränderlichkeit überhaupt stehen zu
+bleiben, noch andere als die einfache Bestimmung des Begriffs
+herbeizunehmen ist, nach welcher das Andere des Quantums nur das
+Qualitative ist. Die wahrhafte Bestimmung also der reellen
+veränderlichen Größe ist, daß sie die qualitativ, hiermit, wie zur
+Genüge gezeigt worden, die durch ein Potenzenverhältniß bestimmte ist;
+in dieser veränderlichen Größe ist es gesetzt, daß das Quantum nicht
+als solches gilt, sondern nach seiner ihm andern Bestimmung, der
+qualitativen.
+
+Die Seiten dieses Verhaltens haben nach ihrer abstrakten Seite als
+Qualitäten überhaupt irgend eine besondere Bedeutung, z.B. Raum und
+Zeit. In ihrem Maaßverhältniß als Größebestimmtheiten zunächst
+überhaupt genommen, ist die eine davon Anzahl, die in äußerlicher,
+arithmetischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl,
+die durch jene, welche Einheit für sie ist, specifisch bestimmt wird.
+Insofern jede ebenso nur eine besondere Qualität überhaupt wäre,
+läge kein Unterschied in ihnen, welche von den beiden, in Rücksicht
+auf ihre Größen-Bestimmung als die bloß äußerlich quantitative, und
+welche als die in quantitativer Specifikation sich verändernde
+genommen werde. Wenn sie sich z.B. als Wurzel und Quadrat
+verhalten, ist es gleichviel, an welcher die Vermehrung oder
+Verminderung als bloß äußerlich, in arithmetischer Progression
+fortgehend, und welche dagegen an diesem Quantum sich specifisch
+bestimmend angesehen wird.
+
+Aber die Qualitäten sind nicht unbestimmt verschieden gegen einander,
+denn in ihnen soll als Momenten des Maaßes die Qualifikation
+desselben liegen. Die nächste Bestimmtheit der Qualitäten selbst ist,
+der einen, das Extensive, die Äußerlichkeit an ihr selbst zu seyn,
+der andern, das Intensive, das Insichseyende oder Negative gegen jene.
+Von den quantitativen Momenten kommt hiernach jener die Anzahl,
+dieser die Einheit zu, im einfachen direkten Verhältnisse ist jene
+als der Dividend, diese als Divisor, im specificirenden Verhältniß
+jene als die Potenz oder das Anderswerden, diese als Wurzel zu nehmen.
+Insofern hier noch gezählt, d. i. auf das äußerliche Quantum, (das
+so als die ganz zufällige, empirischgenannte Größebestimmtheit ist)
+reflektirt, hiermit die Veränderung gleichfalls auch als in
+äußerlicher, arithmetischer Progression fortgehend genommen wird, so
+fällt dieß auf die Seite der Einheit, der intensiven Qualität, die
+äußerliche, extensive Seite hingegen ist als in der specificirten
+Reihe sich verändernd darzustellen. Aber das direkte Verhältniß (wie
+die Geschwindigkeit überhaupt, s/t) ist hier zur formellen, nicht
+existirenden, sondern nur der abstrahirenden Reflexion angehörigen
+Bestimmung herabgesetzt; und wenn noch im Verhältniß von Wurzel und
+Quadrat (wie in s = at[hoch 2]) die Wurzel als empirisches Quantum
+und in arithmetischer Progression fortgehend, die andere Seite aber
+als specificirt zu nehmen ist, so ist die höhere dem Begriffe
+entsprechendere Realisation der Qualifikation des Quantitativen diese,
+daß beide Seiten in höhern Potenzenbestimmungen (wie s[hoch 3] =
+at[hoch 2] der Fall ist) sich verhalten.
+
+Anmerkung.
+
+Das hier Erörterte in Rücksicht des Zusammenhangs der qualitativen
+Natur eines Daseyns und seiner Quantitätsbestimmung im Maaße, hat
+seine Anwendung in dem schon angedeuteten Beispiel der Bewegung,
+zunächst daß in der Geschwindigkeit, als dem direkten Verhältnisse
+von durchlaufenem Raume und verflossener Zeit, die Größe der Zeit als
+Nenner, die Größe des Raums dagegen als Zähler, angenommen wird.
+Wenn Geschwindigkeit überhaupt nur ein Verhältniß vom Raum und der
+Zeit einer Bewegung ist, so ist es gleichgültig, welches von beiden
+Momenten als die Anzahl oder als die Einheit betrachtet werden soll.
+Aber Raum, wie in der specifischen Schwere das Gewicht, ist
+äußerliches, reales Ganzes überhaupt, somit Anzahl, die Zeit hingegen,
+wie das Volumen, ist das Ideelle, das Negative, die Seite der
+Einheit.--Wesentlich aber gehört hierher das wichtigere Verhältniß,
+daß in der freien Bewegung,--zuerst der noch bedingten--, des Falls,
+Zeitund Raum-Quantität, jene als Wurzel, diese als Quadrat,--oder in
+der absolutfreien Bewegung der Himmelskörper die Umlaufszeit und die
+Entfernung, jene um eine Potenz tiefer als diese,--jene als Quadrat,
+diese als Kubus gegen einander bestimmt seyen. Dergleichen
+Grundverhältnisse beruhen auf der Natur der im Verhältniß stehenden
+Qualitäten, des Raums und der Zeit, und der Art der Beziehung, in
+welcher sie stehen, entweder als mechanische Bewegung d. i. als
+unfreie, durch den Begriff der Momente nicht bestimmte, oder als Fall
+d. i. bedingtfreie, oder als absolutfreie himmlische Bewegung;--
+welche Arten der Bewegung ebensowohl als deren Gesetze auf der
+Entwicklung des Begriffs ihrer Momente, des Raums und der Zeit,
+beruhen, indem diese Qualitäten als solche, an sich d. i. im Begriffe
+sich als untrennbar erweisen, und ihr quantitatives Verhältniß das
+Fürsichseyn des Maaßes, nur Eine Maaßbestimmung ist.
+
+In Rücksicht auf die absoluten Maaßverhältnisse darf wohl erinnert
+werden, daß die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von
+Wissenschaft würdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maaße
+seyn müsse,--eine Wissenschaft für welche empirisch wohl viel, aber
+eigentlich wissenschaftlich d. i. philosophisch, noch wenig gethan
+ist. Mathematische Principien der Naturphilosophie,--wie Newton sein
+Werk genannt hat,--wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn
+erfüllen sollten, als er und das ganze bakonische Geschlecht von
+Philosophie und Wissenschaft hatte, müßten ganz andere Dinge
+enthalten, um ein Licht in diese noch dunkeln aber höchst
+betrachtungswürdigen Regionen zu bringen.--Es ist ein großes
+Verdienst, die empirischen Zahlen der Natur kennen zu lernen, z.B.
+Entfernungen der Planeten von einander; aber ein unendlich größeres,
+die empirischen Quanta verschwinden zu machen, und sie in eine
+allgemeine Form von Quantitätsbestimmungen zu erheben, so daß sie
+Momente eines Gesetzes oder Maaßes werden;--unsterbliche Verdienste,
+die sich z.B. Galilei in Rücksicht auf den Fall, und Keppler in
+Rücksicht auf die Bewegung der himmlischen Körper erworben hat. Sie
+haben die Gesetze, die sie gefunden haben, so erwiesen, daß sie
+gezeigt haben, daß ihnen der Umfang der Einzelnheiten der Wahrnehmung
+entspricht. Es muß aber noch ein höheres Beweisen dieser Gesetze
+gefordert werden; nämlich nichts anders als daß ihre
+Quantitätsbestimmungen aus den Qualitäten, oder bestimmten Begriffen,
+die bezogen sind, (wie Zeit und Raum) erkannt werden. Von dieser Art
+des Beweisens findet sich in jenen mathematischen Principien der
+Naturphilosophie, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch
+keine Spur. Es ist oben bei Gelegenheit des Scheins mathematischer
+Beweise von Naturverhältnissen, der sich auf den Mißbrauch des
+Unendlichkleinen gründet, bemerkt worden, daß der Versuch, solche
+Beweise eigentlich mathematisch d. h. weder aus der Empirie noch aus
+dem Begriffe, zu führen, ein widersinniges Unternehmen ist. Diese
+Beweise setzen ihre Theoreme, eben jene Gesetze, aus der Erfahrung
+voraus; was sie leisten, besteht darin, sie auf abstrakte Ausdrücke
+und bequeme Formeln zu bringen. Das ganze reelle Verdienst, das
+Newton im Vorzug gegen Keppler in Beziehung auf die nämlichen
+Gegenstände zugeschrieben wird, wird, das Scheingerüste von Beweisen
+abgezogen,--ohne Zweifel bei gereinigterer Reflexion über das, was
+die Mathematik zu leisten vermag und was sie geleistet hat, einst mit
+deutlicher Kenntniß auf jene Umformung des Ausdrucks S Encyklop. der
+philos. Wissensch. Anm. zu _. 270. über die Umformung des
+kepplerischen s[hoch 3]/t[hoch 2] in [s[hoch 2]./t[hoch 2] in das
+newtonische, indem der Theil s/t[hoch 2] die Kraft der Schwere
+genannt worden ist. und der den Anfängen nach eingeführten
+analytischen Behandlung, eingeschränkt werden.
+
+C. Das Fürsichseyn im Maaße.
+
+1. In der so eben betrachteten Form des specificirten Maaßes ist das
+Quantitative beider Seiten qualitativ bestimmt, (beide im
+Potenzen-Verhältniß); sie sind so Momente Einer Maaßbestimmtheit von
+qualitativer Natur. Dabei sind aber die Qualitäten nur erst noch als
+unmittelbare, nur verschiedene gesetzt, die nicht selbst in jenem
+Verhältnisse stehen, in welchem ihre Größebestimmtheiten sind,
+nämlich außer solchem Verhältnisse, keinen Sinn noch Daseyn zu haben,
+was die Potenzenbestimmtheit der Größe enthält. Das Qualitative
+verhüllt sich so, als nicht sich selbst, sondern die
+Größebestimmtheit specificirend; nur als an dieser ist es gesetzt,
+für sich aber unmittelbare Qualität als solche, die außerhalb dessen,
+daß die Größe von ihr in Differenz gesetzt wird, und außer ihrer
+Beziehung auf ihre andere, noch für sich bestehendes Daseyn habe. So
+Raum und Zeit gelten beide außer jener Specifikation, die ihre
+Größebestimmtheit in der Bewegung des Falles oder in der
+absolutfreien Bewegung erhält, als Raum überhaupt, Zeit überhaupt,
+der Raum bestehend für sich außer und ohne die Zeit als dauernd, und
+die Zeit als für sich fließend unabhängig vom Raume.
+
+Diese Unmittelbarkeit des Qualitativen gegen seine specifische
+Maaßbeziehung ist aber ebenso sehr mit einer quantitativen
+Unmittelbarkeit und der Gleichgültigkeit eines Quantitativen an ihm
+gegen dieß sein Verhältniß verknüpft; die unmittelbare Qualität hat
+auch ein nur unmittelbares Quantum. Daher hat denn das specifische
+Maaß auch eine Seite zunächst äußerlicher Veränderung, deren Fortgang
+bloß arithmetisch ist, von jenem nicht gestört wird, und in welche
+die äußerliche, darum nur empirische Größebestimmtheit fällt.
+Qualität und Quantum auch so außer dem specifischen Maaße auftretend,
+sind zugleich in der Beziehung auf dieses; die Unmittelbarkeit ist
+ein Moment von solchen, die selbst zum Maaße gehören. So sind die
+unmittelbaren Qualitäten dem Maaße auch angehörig, gleichfalls in
+Beziehung, und stehen nach der Größebestimmtheit in einem Verhältniß,
+welches als außerhalb des specificirten, der Potenzbestimmung, selbst
+nur das direkte Verhältniß, und unmittelbares Maaß ist. Diese
+Folgerung und deren Zusammenhang ist näher anzugeben.
+
+2. Das unmittelbar bestimmte Quantum als solches ist, wenn es auch
+als Maaßmoment sonst an sich in einem Begriffszusammenhang begründet
+ist, in der Beziehung zu dem specifischen Maaße als ein äußerlich
+gegebenes. Die Unmittelbarkeit, die hiermit gesetzt ist, ist aber
+die Negation der qualitativen Maaßbestimmung; dieselbe wurde vorhin
+an den Seiten dieser Maaßbestimmung aufgezeigt, welche darum als
+selbstständige Qualitäten erschienen. Solche Negation und das
+Zurückkehren zur unmittelbaren Quantitätsbestimmtheit liegt in dem
+qualitativbestimmten Verhältnisse insofern, als das Verhältniß
+Unterschiedener überhaupt deren Beziehung als Eine Bestimmtheit
+enthält, die hiermit hier im Quantitativen, unterschieden von der
+Verhältnißbestimmung, ein Quantum ist. Als Negation der
+unterschiedenen qualitativbestimmten Seiten ist dieser Exponent ein
+Fürsichseyn, das Schlechthin-bestimmtseyn; aber ist solches
+Fürsichseyn nur an sich; als Daseyn ein einfaches, unmittelbares
+Quantum, Quotient oder Exponent als eines Verhältnisses der Seiten
+des Maaßes, dieß Verhältniß als ein direktes genommen; aber überhaupt
+die als empirisch erscheinende Einheit in dem Quantitativen des
+Maaßes.--Im Falle der Körper stehen die durchloffenen Räume im
+Verhältnisse des Quadrats der verflossenen Zeiten; s = at[hoch 2];
+--dieß ist das specifisch-bestimmte, ein Potenzenverhälntiß des Raums
+und der Zeit, das andere, das direkte Verhältniß, käme dem Raum und
+der Zeit, als gegeneinander gleichgültigen Qualitäten, zu, es soll
+das des Raumes zu dem ersten Zeitmomente seyn, derselbe Koefficient,
+a, bleibt in allen folgenden Zeitpunkten;--die Einheit als ein
+gewöhnlichts Quantum fur die übrigens durch das specificirende Maaß
+bestimmte Anzahl. Sie gilt zugleich als der Exponent jenes direkten
+Verhältnisses, welches der vorgestellten schlechten, d. i. formellen,
+nicht durch den Begriffs specifisch bestimmten Geschwindigkeit
+zukommt. Solche Geschwindigkeit existirt hier nicht, so wenig als
+die früher erwähnte, die dem Körper am Ende eines Zeitmoments
+zukommen sollte. Jene wird dem ersten Zeitmomente des Falles
+zugeschrieben, aber dieser sogenannte Zeitmoment ist eine selbst nur
+angenommene Einheit, und hat als solcher atomer Punkt kein Daseyn;
+der Anfang der Bewegung,--die Kleinheit, die für diesen vorgegeben
+wird, könnte keinen Unterschied machen,--ist sogleich eine Größe und
+zwar eine durch das Gesetz des Falles specificirte Größe. Jenes
+empirische Quantum wird der Kraft der Schwere zugeschrieben, so daß
+diese Kraft selbst keine Beziehung auf die vorhandene Specifikation,
+(die Potenzenbestimmtheit), auf das Eigenthümliche der Maaßbestimmung
+haben soll. Das unmittelbare Moment, daß in der Bewegung des Falles
+auf eine Zeiteinheit (--eine Sekunde und zwar die sogenannte erste--)
+die Anzahl von etwa fünfzehn räumlichen Einheiten, die als Fuße
+angenommen sind, komme, ist ein unmittelbares Maaß, wie die Maaßgröße
+der menschlichen Gliedmaaßen, die Distanzen, Durchmesser der Planeten
+u.s.f. Die Bestimmung solchen Maaßes fällt anderswohin, als
+innerhalb der qualitativen Maaßbestimmung hier des Gesetzes des
+Falles selbst; wovon aber solche Zahlen, das nur unmittelbar, daher
+als empirisch erscheinende eines Maaßes, abhängen, darüber haben uns
+die konkreten Wissenschaften noch keinen Aufschluß gegeben. Hier
+haben wir es nur mit dieser Begriffsbestimmtheit zu thun; diese ist,
+daß jener empirische Koefficient das Fürsichseyn in der
+Maaßbestimmung ausmacht, aber nur das Moment des Fürsichseyns,
+insofern dasselbe an sich und daher als unmittelbares ist. Das
+andere ist das Entwickelte dieses Fürsichseyns, die specifische
+Maaßbestimmtheit der Seiten.--Die Schwere, im Verhältnisse des
+Fallens, einer zwar noch halb bedingten und nur halbfreien Bewegung,
+ist nach diesem zweiten Momente als eine Naturkraft anzusehen, so daß
+durch die Natur der Zeit und des Raums ihr Verhältniß bestimmt ist,
+und daher in die Schwere jene Specifikation, das Potenzenverhältniß,
+fällt; jenes das einfache direkte Verhältniß drückt nur ein
+mechanisches Verhalten der Zeit und des Raumes aus, die formelle,
+äußerliche hervorgebrachte und determinirte Geschwindigkeit.
+
+3. Das Maaß hat sich dahin bestimmt, ein specificirtes
+Größenverhältniß zu seyn, das als quantitativ das gewohnliche
+außerliche Quantum an ihm hat; dieses aber ist nicht ein Quantum
+überhaupt, sondern wesentlich als Bestimmungsmoment des Verhältnisses
+als solchen; es ist so Exponent, und als nun unmittelbares
+Bestimmtseyn ein unveränderlicher Exponent, somit des schon erwähnten
+direkten Verhaltnisses derselben Qualitäten, durch welches zugleich
+ihr Größenverhältniß zu einander specifisch bestimmt wird. Dieses
+direkte Verhältniß ist im gebrauchten Beispiel des Maaßes der
+Fallbewegung gleichsam anticipirt und als vorhanden angenommen; aber
+wie bemerkt existirt es in dieser Bewegung noch nicht.--Es macht aber
+die weitere Bestimmung aus, daß das Maaß nun auf die Weise realisirt
+ist, daß seine beiden Seiten Maaße, unterschieden als unmittelbares,
+äußerliches, und als in sich specificirtes, sind, und es die Einheit
+derselben ist. Als diese Einheit enthält das Maaß das Verhältniß, in
+welchem die Größen durch die Natur der Qualitäten bestimmt und
+different gesetzt sind, und dessen Bestimmtheit daher ganz immanent
+und selbstständig, zugleich in das Fürsichseyn des unmittelbaren
+Quantums, den Exponenten eines direkten Verhältnisses, zusammen
+gegangen ist; seine Selbstbestimmung ist darin negirt, indem es in
+diesem seinem Andern die letzte, fürsichseyende Bestimmtheit hat; und
+umgekehrt hat das unmittelbare Maaß welches an ihm selbst qualitativ
+seyn soll, an jenem erst in Wahrheit die qualitative Bestimmtheit.
+Diese negative Einheit ist reales Fürsichseyn, die Kategorie eines
+Etwas, als Einheit von Qualitäten, die im Maaßverhältnisse sind;
+--eine volle Selbstständigkeit. Unmittelbar geben die beiden, welche
+sich als zwei verschiedene Verhältnisse ergeben haben, auch ein
+zweifaches Daseyn, oder näher solches selbstständige Ganze ist als
+Fürsichseyendes überhaupt zugleich ein Abstoßen in sich selbst in
+unterschiedene Selbstständige, deren qualitative Natur und Bestehen
+(Materialität) in ihrer Maaßbestimmtheit liegt.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Das reale Maaß
+
+
+Das Maaß ist bestimmt zu einer Beziehung von Maaßen, welche die
+Qualität unterschiedener selbstständiger Etwas, geläufiger: Dinge
+ausmachen. Die so eben betrachteten Maaßverhältnisse gehören
+abstrakten Qualitäten, wie dem Raume und der Zeit, an; zu den im
+bevorstehenden zu betrachtenden sind specifische Schwere, weiterhin
+die chemischen Eigenschaften die Beispiele, welche als Bestimmungen
+materieller Existenzen sind. Raum und Zeit sind auch Momente solcher
+Maaße, die aber nun weitern Bestimmungen untergeordnet, nicht mehr
+nur nach ihrer eigenen Begriffsbestimmung sich zu einander verhalten.
+Im Klange z.B. ist die Zeit, in welcher eine Anzahl der
+Schwingungen erfolgt, das Räumliche der Länge, Dicke, des
+schwingenden Körpers, unter den Bestimmungsmomenten; aber die Größen
+jener ideellen Momente sind äußerlich bestimmt, sie zeigen sich nicht
+mehr in einem Potenzen-, sondern in gewöhnlichem direkten
+Verhältnisse gegeneinander, und das Harmonische reducirt sich auf die
+ganz äußerliche Einfachheit von Zahlen, deren Verhältnisse sich am
+leichtesten auffassen lassen, und damit eine Befriedigung gewähren,
+die ganz der Empfindung anheimfällt, da für den Geist keine
+Vorstellung, Phantasiebild, Gedanke und dergleichen ihn Erfüllendes
+vorhanden ist. Indem die Seiten, welche nun das Maaßverhältniß
+ausmachen, selbst Maaße, aber zugleich reelle Etwas sind, sind ihre
+Maaße zunächst unmittelbare Maaße und als Verhältnisse an ihnen,
+direkte Verhältnisse. Es ist das Verhältniß solcher Verhältnisse zu
+einander, welches nun in seiner Fortbestimmung zu betrachten ist.
+
+Das Maaß, wie es so nunmehr reales ist, ist
+
+erstens ein selbstständiges Maaß einer Körperlichkeit, das sich zu
+andern verhält und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die
+selbstständige Materialität, specificirt. Diese Specifikation, als
+ein äußerliches Beziehen zu vielen Andern überhaupt ist das
+Hervorbringen anderer Verhältnisse, somit anderer Maaße, und die
+specifische Selbstständigkeit bleibt nicht in einem direkten
+Verhältnisse, bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die
+eine Reihe von Maaßen ist, über.
+
+Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhältnisse, an sich
+bestimmte und ausschließende Maaße, (Wahlverwandschaften); indem aber
+ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein
+Fortgang von Verhältnissen vorhanden, der zum Theil bloß äußerlich
+quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhältnisse
+unterbrochen wird, und eine Knotenlinie von specifischen
+Selbstständigen bildet.
+
+Drittens aber tritt in diesem Fortgange für das Maaß die
+Maaßlosigkeit überhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maaßes
+ein, in welcher die sich ausschließenden Selbstständigkeiten Eins mit
+einander sind, und das Selbstständige in negative Beziehung zu sich
+selbst tritt.
+
+A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.
+
+Die Maaße heißen nun nicht mehr bloß unmittelbare, sondern
+selbstständige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhältnissen von
+Maaßen, welche specificirt sind, so in diesem Fürsichseyn Etwas,
+physikalische, zunächst materielle Dinge sind. Das Ganze, welches
+ein Verhältniß solcher Maaße ist, ist aber
+
+a. zunächst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als
+solche selbstständige Maaße bestimmt sind, außer einander an
+besondern Dingen bestehend, und werden äußerlich in Verbindung
+gesetzt;
+
+b. die selbstständigen Materialitäten sind aber, was sie qualitativ
+sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maaße haben,
+somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different
+dagegen (sogenannte Affinität) und zwar als Glieder einer Reihe
+solchen quantitativen Verhaltens bestimmt;
+
+c. dieses gleichgültige mannigfaltige Verhalten schließt sich
+zugleich zum ausschließenden Fürsichseyn ab;--sogenannte
+Wahlverwandschaft.
+
+a. Verbindung zweier Maaße.
+
+Etwas ist in sich als Maaßverhältniß von Quantis bestimmt, welche
+ferner Qualitäten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von
+diesen Qualitäten. Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein
+Fürsichseyendes,--Materielles--ist, (wie intensiv genommen, das
+Gewicht, oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die
+andere aber ist die Äußerlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte,
+Ideelle, der Raum.) Diese Qualitäten sind quantitativ bestimmt, und
+das Verhältniß derselben zu einander macht die qualitative Natur des
+materiellen Etwas aus;--das Verhältniß des Gewichts zum Volumen, die
+bestimmte specifische Schwere. Das Volumen, das Ideelle, ist als die
+Einheit anzunehmen, das Intensive aber, das in quantitativer
+Bestimmtheit und in der Vergleichung mit jenem als extensive Größe,
+Menge von fürsichseyenden Eins erscheint, als die Anzahl.--Das reine
+qualitative Verhalten der beiden Größebestimmtheiten, nach einem
+Potenzenverhältniß ist darin verschwunden, daß in der
+Selbstständigkeit des Fürsichseyns (--materiellen Seyns--) die
+Unmittelbarkeit zurückgekehrt ist, an welcher die Größebestimmtheit
+ein Quantum als solches, und das Verhältniß eines solchen zu der
+andern Seite ebenfalls in dem gewöhnlichen Exponenten eines direkten
+Verhältnisses bestimmt ist.
+
+Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist
+unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von
+solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten
+solcher Verhältnisse bestimmt. Er macht das specifische
+An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthümliche Maaß von Etwas aus;
+aber indem dieses sein Maaß auf dem Quantum beruht, ist es auch nur
+als äußerliche, gleichgültige Bestimmtheit, und solches Etwas ist
+dadurch der innerlichen Maaßbestimmung ungeachtet veränderlich. Das
+Andere, zu dem es als veränderlich sich verhalten kann, ist nicht
+eine Menge von Materie, ein Quantum überhaupt; hiergegen hält sein
+specifisches Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das
+zugleich ebenso Exponent solchen specifischen Verhältnisses ist. Es
+sind zwei Dinge, von verschiedenem inneren Maaße, die in Beziehung
+stehen, und in Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener
+specifischer Schwere;--welche Gleichartigkeit ihrer Natur, daß es z.
+B. nicht ein Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede
+wäre, sonst zur Möglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey,
+gehört nicht hierher zu betrachten.--Einer Seits erhält sich nun
+jedes der beiden Maaße in der Veränderung, die an dasselbe durch die
+Äußerlichkeit des Quantums kommen sollte, weil es Maaß ist, anderer
+Seits aber ist dieses Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu
+diesem Quantum, eine Specifikation desselben, und da dasselbe
+Exponent des Maaß Verhältnisses ist, eine Veränderung des Maaßes
+selbst und zwar eine gegenseitige Specifikation.
+
+Nach der bloß quantitativen Bestimmung wäre die Verbindung ein bloßes
+Summiren der zwei Größen der einen, und der zwei der andern Qualität,
+z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der
+Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so
+daß nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe,
+sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener
+Räume. Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte,
+--die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite,
+welche als die für sichseyende zum festen Daseyn und damit von
+bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,--das Gewicht der
+Materie, oder was für dasselbe nach der Rücksicht der quantitativen
+Bestimmtheit gilt, die Menge der materiellen Theile. Aber in die
+Exponenten fällt die Veränderung, indem sie der Ausdruck der
+qualitativen Bestimmtheit, des Fürsichseyns als Maaß-Verhältnisse
+sind, welches, indem das Quantum als solches die zufällige,
+äußerliche Veränderung durch Zusatz, der summirt wird, erleidet,
+zugleich sich als negirend gegen diese Äußerlichkeit erweist.
+
+Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt,
+nicht am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern
+Qualität, welche die ideelle Seite des Verhältnisses ist. Für die
+sinnliche Wahrnehmung kann es auffallend seyn, daß sich nach der
+Vermischung zweier specifisch verschiedener Materien eine Veränderung,
+--gewöhnlich eine Verminderung,--des summirten Volumens zeigt; der
+Raum selbst macht das Bestehen der außereinanderseyenden Materie aus.
+Aber dieß Bestehen, gegen die Negativität, welche das Fürsichseyn in
+sich enthält, ist das nicht an sich Seyende, das Veränderliche; der
+Raum wird auf diese Weise als das, was er wahrhaft ist, als das
+Ideelle gesetzt.
+
+Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als
+veränderlich gesetzt sondern das Maaß selbst, und damit die darauf
+gegründete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt,
+nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum
+überhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaaßVerhältnissen zu haben.
+
+b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.
+
+1. Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso dieß Andere
+nur durch die einfache Qualität bestimmt, das wäre, was es ist, so
+würden sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das
+Maaßverhältniß in sich ist, ist selbstständig, aber dadurch zugleich
+vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit
+aufgehoben wird, erhält es sich durch sein gleichgültiges,
+quantitatives Bestehen, und verhält sich zugleich als specificirendes
+Moment eines neuen Maaßverhältnisses. Seine Qualität ist eingehüllt
+in das Quantitative; damit ist sie ebenso gleichgültig gegen das
+andere Maaß, kontinuirt sich in dasselbe und in das neue gebildete
+Maaß hinein; der Exponent des neuen Maaßes ist selbst nur irgend ein
+Quantum, äußerliche Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgültigkeit
+darin dar, daß das specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen
+Maaßen eben dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen
+Maaßverhältnisse eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern
+gebildeten, drückt sich seine specifische Eigenthümlichkeit nicht aus.
+
+2. Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maaße an ihnen sind,
+giebt verschiedene Verhältnisse, die also verschiedene Exponenten
+haben. Das Selbstständige hat den Exponenten seines
+An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die
+Neutralität mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit
+denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst.
+Die Exponenten dieser Verhältnisse aber sind verschieden, und es
+stellt hiermit seinen qualitativen Exponenten als die--Reihe dieser
+verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;--als eine
+Reihe von specifischem Verhalten zu Andern. Der qualitative Exponent
+als Ein unmittelbares Quantum drückt eine einzelne Relation aus.
+Wahrhaft unterscheidet sich das Selbstständige durch die
+eigenthümliche Reihe der Exponenten, die es, als Einheit angenommen,
+mit andern solchen Selbstständigen bildet, indem ein anderes
+derselben ebenso mit ebendenselben in Beziehung gebracht und als
+Einheit angenommen, eine andere Reihe formirt.--Das Verhältniß
+solcher Reihe innerhalb ihrer macht nun das Qualitative des
+Selbstständigen aus.
+
+Insofern nun solches Selbstständiges mit einer Reihe von
+Selbstständigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunächst
+von einem Andern außer dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen
+wird, dadurch unterschieden zu seyn, daß dieses eine andere Reihe von
+Exponenten mit denselben Gegenüberstehenden macht. Aber auf diese
+Weise wären diese beiden Selbstständigen nicht vergleichbar, insofern
+jedes so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die
+beiden aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere
+sind. Die beiden, die als Selbstständige verglichen werden sollen,
+sind zunächst gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr
+Verhältniß zu bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen
+fürsichseyenden Einheit. Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu
+suchen, worin die zu vergleichenden, wie gezeigt, das specifische
+Daseyn ihres Maaßes haben, also in dem Verhältnisse, das die
+Verhältnissexponenten der Reihe zu einander haben. Dieß Verhältniß
+der Exponenten selbst ist aber nur so für sichseyende, in der That
+bestimmte Einheit, als die Glieder der Reihe dasselbe, als ein
+konstantes Verhältniß unter einander, zu beiden haben; so kann es
+ihre gemeinschaftliche Einheit seyn. In ihr also liegt allein die
+Vergleichbarkeit der beiden Selbstständigen, die als sich nicht mit
+einander neutralisirend, sondern als gleichgültig gegen einander
+angenommen wurden. Jedes abgesondert außerhalb der Vergleichung ist
+die Einheit der Verhältnisse mit den gegenüberstehenden Gliedern,
+welche die Anzahlen gegen jene Einheit sind, somit die Reihe von
+Exponenten vorstellen. Diese Reihe ist dagegen umgekehrt die Einheit
+für jene beiden, die verglichen miteinander, Quanta gegeneinander
+sind; als solche sind sie selbst verschiedene Anzahlen ihrer so eben
+aufgezeigten Einheit.
+
+Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenüber stehenden unter sich
+verglichenen beiden oder vielmehr Vielen überhaupt, die Reihe der
+Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst
+gleichfalls Selbstständige, jedes ein specifisches Etwas von einem
+ihm an sich zuständigen Maaßverhältniß. Sie sind insofern
+gleichfalls jedes als Einheit zu nehmen, so daß sie an den erst
+genannten unter sich bloß verglichenen Beiden oder vielmehr
+unbestimmt Mehrern eine Reihe von Exponenten haben, welche Exponenten
+die Vergleichungszahlen der so eben genannten unter sich sind; so wie
+die Vergleichungszahlen der nun einzeln auch als selbstständig
+genommenen unter sich gleichfalls umgekehrt die Reihe der Exponenten
+für die Glieder der ersten Reihe sind. Beide Seiten sind auf diese
+Weise Reihen, in denen jede Zahl erstens Einheit überhaupt ist gegen
+ihre gegenüber stehende Reihe, an der sie ihr Fürsichbestimmtseyn als
+eine Reihe von Exponenten hat; zweitens ist sie selbst einer der
+Exponenten für jedes Glied der gegenüberstehenden Reihe; und drittens
+Vergleichungszahl zu den übrigen Zahlen ihrer Reihe, und hat als
+solche Anzahl, die ihr auch als Exponent zukommt, ihre
+für-sich-bestimmte Einheit an der gegenüber stehenden Reihe.
+
+3. In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das
+Quantum als fürsichseyend, nämlich als Grad gesetzt ist, einfach zu
+seyn, aber die Größebestimmtheit an einem außer ihm seyenden Quantum,
+das ein Kreis von Quantis ist, zu haben. Im Maaße aber ist dieß
+Äußerliche nicht bloß ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern
+eine Reihe von Verhältnißzahlen, und das Ganze derselben ist es,
+worin das Fürsich-bestimmtseyn des Maaßes liegt. Wie beim
+Fürsichseyn des Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese
+Äußerlichkeit seiner selbst sich die Natur des selbstständigen Maaßes
+verkehrt. Seine Beziehung auf sich ist zunächst als unmittelbares
+Verhältniß, und damit besteht sogleich seine Gleichgültigkeit gegen
+Anderes nur in dem Quantum. In diese Äußerlichkeit fällt daher seine
+qualitative Seite, und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die
+specifische Bestimmung dieses Selbstständigen ausmacht. Sie besteht
+so schlechthin in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens,
+und diese Art und Weise ist so sehr durch das Andere als durch es
+selbst bestimmt, und dieß Andere ist eine Reihe von Quantis, und es
+selbst gegenseitig ein solches. Aber diese Beziehung, in welcher
+sich zwei Specifische zu etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten,
+specificiren, enthält ferner dieß, daß das Eine darin nicht in das
+Andere übergegangen, also nicht nur eine Negation überhaupt, sondern
+Beide darin negativ gesetzt sind, und indem jedes sich gleichgültig
+darin erhält, seine Negation auch wieder negirt ist. Diese ihre
+qualitative Einheit ist somit für sich seyende ausschließende Einheit.
+Die Exponenten, welche zunächst Vergleichungszahlen unter sich sind,
+haben in dem Momente des Ausschließens erst ihre wahrhaft
+specifische Bestimmtheit gegeneinander an ihnen und ihr Unterschied
+wird so zugleich qualitativer Natur. Er gründet sich aber auf das
+Quantitative; das Selbstständige verhält sich erstens nur darum zu
+einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil es in diesem
+Verhalten zugleich gleichgültig ist; zweitens ist nun die neutrale
+Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativität nicht nur
+Veränderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und
+ausschließende Einheit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines
+Selbstständigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine
+indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft.
+
+c. Wahlverwandtschaft.
+
+Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im
+vorhergehenden Neutralität, Verwandtschaft, gebraucht worden,--
+Ausdrücke, die sich auf das chemische Verhältniß beziehen. Denn in
+der chemischen Sphäre hat wesentlich das Materielle seine specifische
+Bestimmtheit in der Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als
+diese Differenz. Diese specifische Beziehung ist ferner an die
+Quantität gebunden, und ist zugleich nicht nur die Beziehung auf ein
+einzelnes Anderes, sondern auf eine Reihe solcher ihm
+gegenüberstehenden Differenten; die Verbindungen mit dieser Reihe
+beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem Gliede
+derselben, aber bei dieser Gleichgültigkeit ist zugleich jede
+ausschließend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter
+Bestimmungen noch zu betrachten ist.--Es ist aber nicht nur im
+Chemischen, daß sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen
+darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem
+Verhalten und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von
+andern; die Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von
+Verbindungen macht seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf
+quantitativen Verhältnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten
+bilden, und die Verhältnisse von den beiden specifischen
+Verhältnissen sind, die jeder der verbundenen Töne an ihm selbst ist.
+Der einzelne Ton ist der Grundton eines Systems, aber ebenso wieder
+einzelnes Glied im Systeme jedes andern Grundtons. Die Harmonien
+sind ausschließende Wahlverwandtschaften, deren qualitative
+Eigenthümlichkeit sich aber ebenso sehr wieder in die Äußerlichkeit
+bloß quantitativen Fortgehens auflöst.--Worin aber das Princip eines
+Maaßes für diejenigen Verwandtschaften, welche (chemische oder
+musikalische oder andere) Wahlverwandtschaften unter und gegen die
+andern sind, liege, darüber wird im Folgenden in Betreff der
+chemischen noch eine Bemerkung vorkommen; aber diese höhere Frage
+hängt mit dem Specifischen des eigentlichen Qualitativen aufs engste
+zusammen, und gehört in die besondern Theile der konkreten
+Naturwissenschaft.
+
+Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem
+Verhalten zu dem Ganzen einer gegenüberstehenden Reihe hat, deren
+Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie
+sich mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die
+speciellere Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft
+gleichfalls nur eine quantitative. In der Wahlverwandtschaft als
+ausschließender, qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich
+diesem quantitativen Unterschiede. Die nächste Bestimmung, die sich
+darbietet, ist: daß nach dem Unterschied der Menge, also der
+extensiven Größe, der unter den Gliedern der einen Seite für die
+Neutralisirung eines Gliedes der andern Seite Statt findet, sich auch
+die Wahlverwandtschaft dieses Gliedes zu den Gliedern der andern
+Reihe, mit denen allen es in Verwandtschaft steht, richte. Das
+Ausschließen als ein festeres Zusammenhalten gegen andere
+Möglichkeiten der Verbindung, welches dadurch begründet wäre,
+erschiene so umgewandelt in um so viel größere Intensität, nach der
+früher nachgewiesenen Identität der Formen von extensiver und
+intensiver Größe, als in welchen beiden Formen die Größenbestimmtheit
+eine und dieselbe ist. Dieß Umschlagen der einseitigen Form der
+extensiven Größe auch in ihre andere, die intensive, ändert aber an
+der Natur der Grundbestimmung, welche das Eine und dasselbe Quantum
+ist, nichts; so daß hiermit in der That kein Ausschließen gesetzt
+wäre, sondern gleichgültig entweder nur Eine Verbindung oder
+ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen Gliedern, wenn
+nur die Portionen, die von ihnen einträten, in Gemäßheit ihrer
+Verhältnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend wären,
+Statt haben könnte.
+
+Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist
+nicht nur die Form der Intensität; der Exponent ist wesentlich
+Maaßbestimmung, und damit ausschließend; die Zahlen haben in dieser
+Seite ausschließenden Verhaltens ihre Kontinuität und
+Zusammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder
+Weniger, was einen negativen Charakter erhält, und der Vorzug, den
+ein Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Größenbestimmtheit
+stehen. Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach
+welcher es einem Momente wieder gleichgültig ist von mehrern ihm
+gegenüber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten,
+von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das
+ausschließende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von
+der quantitativen Seite her.--Es ist hiermit ein Umschlagen von
+gleichgültigem, bloß quantitativem Verhalten in ein qualitatives und
+umgekehrt ein Übergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloß
+äußerliche Verhältniß gesetzt;--eine Reihe von Verhältnissen, die
+bald bloß quantitativer Natur, bald specifische und Maaße sind.
+
+Anmerkung.
+
+Die chemischen Stoffe sind die eigenthümlichsten Beispiele solcher
+Maaße, welche Maaßmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung
+ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben. Säuren und Kalien
+oder Basen überhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte
+Dinge, aber vielmehr als unvollkommene Körperelemente, als
+Bestandtheile, die eigentlich nicht für sich existiren, sondern nur
+diese Existenz haben, ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit
+einem andern zu verbinden. Der Unterschied ferner, wodurch sie als
+selbstständige sind, besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualität,
+sondern in der quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Er ist
+nämlich nicht auf den chemischen Gegensatz von Säure und Kali oder
+Basis überhaupt, eingeschränkt, sondern ist zu einem Maaße der
+Sättigung specificirt, und besteht in der specifischen Bestimmtheit
+der Quantität der sich neutralisirenden Stoffe. Diese
+Quantitäts-Bestimmung in Rücksicht auf die Sättigung macht die
+qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht ihn zu dem, was er für
+sich ist, und die Zahl, die dieß ausdrückt, ist wesentlich einer von
+mehrern Exponenten für eine gegenüber stehende Einheit.--Solcher
+Stoff steht mit einem andern in sogenannter Verwandtschafft; insofern
+diese Beziehung rein qualitativer Natur bliebe, so wäre,--wie die
+Beziehung der magnetischen Pole oder der Elektricitäten,--die eine
+Bestimmtheit nur die negative der andern, und beide Seiten zeigten
+sich nicht auch zugleich gleichgültig gegeneinander. Aber weil die
+Beziehung auch quantitativer Natur ist, ist jeder dieser Stoffe fähig
+mit Mehrern sich zu neutralisiren, und nicht auf einen gegenüber
+stehenden eingeschränkt. Es verhält sich nicht nur die Säure und das
+Kali oder Basis, sondern Säuren und Kalien oder Basen zu einander.
+Sie charakterisiren sich zunächst dadurch gegen einander, je nachdem
+eine Säure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich mit ihm zu
+sättigen, als eine andere. Aber die fürsichseyende Selbstständigkeit
+zeigt sich darin, daß die Verwandtschaften sich ausschließend
+verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem für sich eine
+Säure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung eingehen kann.
+Es macht so den Hauptunterschied einer Säure gegen eine andere aus,
+ob sie zu einer Basis eine nähere Verwandtschaft habe, als eine
+andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft.
+
+Über die chemischen Verwandtschaften der Säuren und Kalien ist das
+Gesetz gefunden worden, daß wenn zwei neutrale Solutionen gemischt
+werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen
+entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus,
+daß die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Sättigung einer
+Säure erfordert werden, in demselben Verhältnisse zur Sättigung einer
+andern nöthig sind; überhaupt wenn für ein Kali als Einheit genommen
+die Reihe der Verhältnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die
+verschiedenen Säuren dasselbe sättigen, so ist für jedes andere Kali
+diese Reihe dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander
+in verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;--Anzahlen, die wieder ihrer
+Seits eine eben solche beständige Reihe von Exponenten für jede der
+gegenüber stehenden Säuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen
+Säure sich in demselben Verhältnisse beziehen, als zujeder andern.
+--Fischer hat zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in
+ihrer Einfachheit herausgehoben; s. in s. Anmerkungen zur
+Übersetzung von Berthollets Abhandlung über die Gesetze der
+Verwandtschaft in der Chemie, S. 232. und Berthollet Statique
+chimique I. Part. p. 134. ff.--Die, seit dieß zuerst geschrieben
+worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete Kenntniß von den
+Verhältnißzahlen der Mischungen der chemischen Elemente, hier
+berücksichtigen zu wollen, würde auch darum eine Abschweifung seyn,
+da diese empirische zu einem Theil aber auch nur hypothetische
+Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen eingeschlossen
+bleibt. Aber über die dabei gebrauchten Kategorien, ferner über die
+Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und ihrer
+Beziehung auf das Quantitative, so wie über den Versuch, dieselbe auf
+bestimmte physikalische Qualitäten zu gründen, mögen noch einige
+Bemerkungen hinzugefügt werden.
+
+Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der
+Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer
+chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat, was wohl zu
+unterscheiden ist, auf die Quantitäts-Verhältnisse der chemischen
+Sättigungs-Gesetze selbst keinen Einfluß, aber das qualitative Moment
+der ausschließenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur
+geschwächt, sondern vielmehr aufgehoben. Wenn zwei Säuren auf ein
+Kali wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, daß sie eine
+größere Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum
+vorhanden ist, welches fähig ist, das Quantum der Basis zu sättigen,
+so erfolgt nach der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese
+Sättigung; die andere Säure bleibt ganz unwirksam und von der
+neutralen Verbindung ausgeschlossen. Nach jenem Begriffe der
+Wirksamkeit einer chemischen Masse hingegen, ist jede von beiden
+wirksam in einem Verhältniß, das aus ihrer vorhandenen Menge und
+ihrer Sättigungsfähigkeit oder sogenannten Affinität zusammengesetzt
+ist. Berthollets Untersuchungen haben die nähern Umstände angegeben,
+unter welchen die Wirksamkeit der chemischen Masse aufgehoben wird,
+und eine (stärker verwandte) Säure die andere (schwächere)
+auszutreiben und deren Wirkung auszuschließen, somit nach dem Sinne
+der Wahlverwandtschaft thätig zu seyn scheint. Er hat gezeigt, daß
+es Umstände, wie die Stärke der Kohäsion, Unauflösbarkeit der
+gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen jenes Ausschließen
+Statt findet, nicht die qualitative Natur der Agentien als solche,
+--Umstände, welche wieder durch andere Umstände z.B. die Temperatur
+in ihrer Wirkung aufgehoben werden können. Mit der Beseitigung
+dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkümmert in
+Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschließen, als
+Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in äußerlichen
+Modifikationen zu liegen.
+
+Berzelius wäre es vornehmlich, der weiter über diesen Gegenstand zu
+hören ist. Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie über
+die Sache nichts Eigenthümliches und Bestimmteres auf. Es sind die
+berthollet'schen Ansichten aufgenommen und wörtlich wiederhohlt, nur
+mit der eigenthümlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion
+ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich für die nähere
+Betrachtung darbieten. Die Theorie geht über die Erfahrung hinaus,
+und erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in
+der Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an,
+und macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik. Wir
+wollen daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (übers.
+von Wöhler S. 82. ff) über die Theorie Vorgetragene vornehmen.
+Daselbst nun liest man, "daß man sich vorstellen müsse, in einer
+gleichförmig gemischten Flüssigkeit sey ein jedes Atom vom
+aufgelösten Körper von einer gleichen Anzahl von Atomen des
+Auflösungsmittels umgeben; und wenn mehrere Substanzen zusammen
+aufgelöst sind, so müssen sie die Zwischenräume zwischen den Atomen
+des Auflösungsmittels unter sich theilen, so daß, bei einer
+gleichförmigen Mischung der Flüssigkeit, eine solche Symmetrie in der
+Lage der Atome entstehe, daß alle Atome der einzelnen Körper sich in
+Beziehung zu den Atomen der andern Körper in einer gleichförmigen
+Lage befinden; man könne daher sagen, daß die Auflösung durch die
+Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die Verbindung durch die
+bestimmten Proportionen charakterisirt sey."--Dieß wird hierauf durch
+ein Beispiel der Verbindungen erläutert, die aus einer Auflösung von
+Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsäure hinzugesetzt wird, entstehen;
+aber an diesem Beispiele wird freilich weder aufgezeigt, daß Atome
+existiren, noch daß eine Anzahl von Atomen der aufgelösten Körper
+Atome der Flüssigkeit umgeben, freie Atome der beiden Säuren sich um
+die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden lagern, noch daß die
+Symmetrie in der Stellung und Lage, noch daß Zwischenräume zwischen
+den Atomen existiren,--am allerwenigsten daß die aufgelösten
+Substanzen die Zwischenräume der Atome des Auflösungsmittels unter
+sich theilen. Dieß hiesse, daß die aufgelösten da ihre Stellung
+nehmen, wo das Auflösungsmittel nicht ist,--denn die Zwischenräume
+desselben sind die von ihm leeren Räume,--somit daß die aufgelösten
+Substanzen sich nicht im Auflösungsmittel befinden, sondern wenn auch
+dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben und
+umlagert,--außerhalb desselben, also gewiß auch von ihm nicht
+aufgelöst sind. Man sieht somit nicht ein, daß man sich solche
+Vorstellungen machen müsse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt
+sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf
+andere Weise nicht erhärtet sind. Dieß könnte nur durch die
+Betrachtung dieser Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik,
+welche Logik ist, geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als
+durch die Erfahrung bestätigt,--im Gegentheil!--Übrigens giebt
+Berzelius zu, was auch oben gesagt worden, daß die Sätze Berthollets
+der Theorie von den bestimmten Proportionen nicht entgegen seyen,--er
+fügt freilich hinzu, daß sie auch den Ansichten von der
+Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin angeführten Vorstellungen
+von den Atomen, der Erfüllung der Zwischenräume der auflösenden
+Flüssigkeit durch die Atome der festen Körper u.s.f. nicht entgegen
+seyen,--diese letztere grundlose Metaphysik hat aber wesentlich
+nichts mit den Proportionen der Sättigung selbst zu thun. Das
+Specifische, was in den Sättigungsgesetzen ausgedrückt ist, betrifft
+somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht Atomen)
+eines Körpers, mit welcher sich die quantitative Einheit (ebenso
+wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten
+Körpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen
+verschiedenen Proportionen. Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine
+Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch
+von Affinitätsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische
+Masse Berthollets als die Summe des Affinitätsgrades aus der
+vorhandenen Quantität des wirksamen Körpers erklärt, statt dessen
+Berthollet consequenter den Ausdruck capacité de saturation gebraucht,
+so verfällt er damit selbst in die Form intensiver Größe. Dieß ist
+aber die Form, welche das Eigenthümliche der sogenannten dynamischen
+Philosophie ausmacht, die er früher S. 29. a. a. O. "die speculative
+Philosophie gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der
+vortrefflichen "Korpuskularphilosophie" nachdrücklich verwirft. Von
+dieser dynamischen Philosophie giebt er dort an, daß sie annehme, die
+Elemente in ihrer chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die
+Neutralisation bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; dieß
+heißt nichts Anders, als daß die chemisch differenten Partikeln, die
+als Menge gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven
+Größe zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund
+giebt. Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch
+verbundenen Atome sich in den Zwischenräumen, d. h. außereinander
+erhalten, (Juxtaposition); Grad der Affinität hat in solchem
+Verhalten als einer nur extensiven Größe, eines Perennirens von Menge,
+keinen Sinn. Wenn ebendas angegeben wird, daß die Erscheinungen der
+bestimmten Proportionen für die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen
+gekommen seyen, so wäre dieß nur ein äußerlicher historischer Umstand,
+abgesehen davon, daß die richterschen stöchiometrischen Reihen, in
+der fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in
+der ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien
+erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude
+Korpuskulartheorie beruht, angeführt sind. Irrthümlich aber urtheilt
+Berzelius als ob unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die
+Erscheinungen der bestimmten Proportionen "für immer" unbekannt
+geblieben wären,--in dem Sinne, daß jene Ansicht sich nicht mit der
+Bestimmtheit der Proportionen vertrüge. Diese ist auf allen Fall nur
+Größebestimmtheit, gleichgültig ob in extensiver und intensiver Form,
+--so daß auch Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge,
+hängt, selbst die Vorstellung von Affinitätsgraden gebraucht.
+
+Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied
+zurückgeführt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das
+Ausschließende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstände
+zurückgeführt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der
+Verwandschaft Äußerliches erscheinen, auf Kohäsion, Unauflöslichkeit
+der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f. Es kann mit dieser
+Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung
+der Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst
+zukommt, daß der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe
+übergeht, nur als der zugleich vorhandene Umstand des äußern
+Widerstands der Luft des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung
+allein statt der Schwere zugeschrieben wird.--Hier für die Natur des
+Qualitativen, welches in der Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen
+Unterschied, ob dasselbe in der Form jener Umstände als seiner
+Bedingungen erscheint und aufgefaßt wird. Es beginnt mit dem
+Qualitativen als solchen eine neue Ordnung, deren Specifikation nicht
+mehr nur quantitativer Unterschied ist.
+
+Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinität in einer
+Reihe quantitativer Verhältnisse sich genau feststellt gegen die
+Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren
+Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfällt, so wird dieser
+Unterschied wieder in völlige Verwirrung durch die Art geworfen, in
+welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten
+in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn
+sollenden Princip aus über das wichtigste, das Maaßverhältniß, einen
+Aufschluß zu erhalten, wird gänzlich getäuscht. Diese Theorie, in
+welcher die Erscheinungen der Elektricität und des Chemismus
+vollkommen identificirt werden, insofern sie das Physikalische und
+nicht bloß die Maaßverhältnisse betrifft, ist hier nicht in nähere
+Betrachtung zu nehmen, und nur insofern zu erwähnen, als die
+Unterschiedenheit der Maaßbestimmungen dadurch verworren wird. Für
+sich selbst ist sie seicht zu nennen, weil die Seichtigkeit darin
+besteht, das Verschiedene mit Weglassung der Verschiedenheit
+identisch zu nehmen. War hierbei die Affinität betrifft, so ist sie,
+indem so chemische Processe mit elektrischen, ingleichen mit Feuer
+und Licht-Erscheinungen, identificirt werden, "auf Neutralisation
+entgegengesetzter Electricitäten" reducirt worden. Die
+Identifikation der Elektricität und des Chemismus selbst ist es
+beinahe komisch (S. 63. a. a. O.) in folgender Weise dargestellt zu
+finden, daß "die eletrischen Phänomene wohl die Wirkung der Körper
+auf größern oder geringern Abstand, ihre Anziehung vor der
+Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische Verhalten)--und das durch
+diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl erklären, aber uns über
+die Ursache der mit einer so großen Kraft, nach Vernichtung des
+entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden Vereinigung
+der Körper keinen Aufschluß geben;" d. h. die Theorie giebt den
+Aufschluß, daß die Electricität die Ursache des chemischen Verhaltens
+sey, daß aber die Electricität über das, was im chemischen Processe
+chemisch ist, keinen Aufschluß gebe.--Damit, daß die chemische
+Differenz überhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer
+Elektricität zurückgeführt wird, wird die Affinitätsverschiedenheit
+der auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter
+sich als die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und
+elektronegativer Körper bestimmt. Bei dem Identificiren der
+Elektricität und des Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach,
+wird schon dieß übersehen, daß die erstere überhaupt und deren
+Neutralisirung flüchtig ist und der Qualität der Körper äußerlich
+bleibt, der Chemismus in seiner Aktion und besonders in der
+Neutralisation die ganze qualitative Natur der Körper in Anspruch
+nimmt und alterirt. Ebenso flüchtig ist innerhalb der Elektricität
+ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein so Unstätes,
+daß er von den geringsten äußerlichen Umständen abhängig ist, und in
+keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit und
+Festigkeit des Gegensatzes von Säuren z.B. gegen die Metalle u.s.w.
+Die Veränderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch
+höchst gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhöhten Temperatur u.s.f.
+statt finden kann, steht in keinem Vergleich mit der
+Oberflächlichkeit des elektrischen Gegensatzes. Der fernere
+Unterschied nun innerhalb der Reihe jeder der beiden Seiten zwischen
+mehr oder weniger positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger
+negativ-elektrischer Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein völlig
+Unsicheres als Unkonstatirtes. Aus diesen Reihen der Körper aber
+(Berzelius am ang. Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen
+Dispositionen soll das elektrochemische System entstehen, welches
+sich von allen am besten eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;"
+diese Reihen werden nun angegeben; wie sie aber in der That
+beschaffen sind, darüber wird S. 67. hinzugefügt:
+
+"daß dieß ungefähr die Ordnung dieser Körper sey, aber diese Materie
+sey so wenig untersucht, daß sich noch nichts ganz Gewisses
+hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."--Sowohl die
+Verhältnißzahlen jener (von Richter zuerst gemachten)
+Affinitätsreihen, als die höchst interessante von Berzelius
+aufgestellte Reduktion der Verbindungen von zwei Körpern auf die
+Einfachheit weniger quantitativen Verhältnisse sind ganz und gar
+unabhängig von jenem elektrochemisch seyn sollenden Gebräue. Wenn in
+jenen Proportionen und in deren seit Richter nach allen Seiten hin
+gewonnenen Ausdehnung der experimentale Weg der richtige Leitstern
+gewesen, so kontrastirt für sich damit umsomehr die Vermischung
+dieser großen Entdeckungen mit der außer dem Weg der Erfahrung
+liegenden Öde der sogenannten Korpuskulartheorie; nur dieser Anfang,
+das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es motiviren, noch
+weiter jenen früher von Ritter vornehmlich angefangenen Einfall
+wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und
+elektronegativen Körpern, die zugleich chemische Bedeutung haben
+sollten, aufzustellen.
+
+Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die für die chemische Affinität
+in dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Körpern,
+wenn dieser für sieh auch faktisch richtiger wäre, als er ist,
+angenommen wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege,
+was denn aber wieder zu weiterer Inkonsequenz führt. Es wird S. 73.
+(a. a. O.) zugestanden, daß zwei sogenannte elektronegative Körper,
+wie Schwefel und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit
+einander verbinden, als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer,
+obgleich letzteres elektropositiv sey. Die auf den allgemeinen
+Gegensatz von positiver und negativer-Elektricität basirte Grundlage
+für die Affinität muß hier hiermit gegen ein bloßes Mehr oder Weniger
+innerhalb Einer und derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit
+zurückgestellt werden. Der Verwandschaftsgrad der Körper, wird nun
+hieraus geschlossen, hänge demnach nicht allein von ihrer
+specifischen Unipolarität (mit welcher Hypothese diese Bestimmung
+zusammenhängt, thut hierher nichts, sie gilt hier nur für das
+Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab; der
+Verwandschaftsgrad müsse hauptsächlich von der Intensität ihrer
+Polarität im Allgemeinen hergeleitet werden. Hier geht somit näher
+die Betrachtung der Affinität zu dem Verhältniß der Wahlverwandschaft
+über, um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn
+für diese nun ergiebt. Indem sogleich (ebendas. S. 73.) zugestanden
+wird, daß der Grad dieser Polarität, wenn sie nicht bloß in unserer
+Vorstellung existire, keine konstante Quantität zu seyn scheine,
+sondern sehr von der Temperatur abhänge, so findet sich nach allem
+diesem als Resultat angegeben, nicht nur, daß jede chemische Wirkung
+so ihrem Grunde nach ein elektrisches Phänomensey, sondern auch was
+Wirkung der sogenannten Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch
+eine in gewissen Körpern stärker, als in andren vorhandene
+elektrische Polarität bewirkt werde. Zum Beschlusse des bisherigen
+Herumwindens in hypothetischen Vorstellungen bleibt es somit bei der
+Kategorie stärkerer Intensität, welche dasselbe Formelle als die
+Wahlverwandschaft überhaupt ist, und diese damit, daß sie auf eine
+stärkere Intensität elektrischer Polarität gestellt wird, im
+geringsten nicht weiter auf einen physikalschen Grund bringt als
+vorher. Aber auch das was hier als größere specifische Intensität
+bestimmt seyn soll, wird späterhin nur auf die bereits angeführten,
+von Berthollet aufgezeigten Modifikationen zurückgeführt.
+
+Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle
+chemischen Verhältnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte für
+sich kein Abhaltungsgrund seyn, die Blöße der angeführten Theorie
+auseinander zu setzen; ein näherer Grund aber, dieß zu thun, muß der
+Umstand seyn, daß solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft,
+wie bei Newton, Autorität für ein damit in Zusammenhang gesetztes
+grundloses Gebäude von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und
+daß gerade solche Metaphysik dasjenige ist, was mit der größten
+Prätension ausgegeben und ebenso nachgesprochen wird.
+
+Außer den Formen des Maaßverhältnisses, die sich auf die chemische
+Affinität und Wahlverwandschaft beziehen, können auch noch andere in
+Rücksicht auf Quantitäten, die sich zu einem System qualificiren,
+betrachtet werden. Die chemischen Körper bilden in Beziehung auf
+Sättigung ein System von Verhältnissen; die Sättigung selbst beruht
+auf der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen,
+die eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich
+verbinden. Aber es giebt auch Maaßverhältnisse, deren Momente
+untrennbar sind und nicht in einer eignen von einander verschiedenen
+Existenz dargestellt werden können. Diese sind das, was vorhin die
+unmittelbaren selbstständigen Maaße genannt, und die in den
+specifischen Schweren der Körper repräsentirt sind.--Sie sind
+innerhalb der Körper ein Verhältniß von Gewicht zum Volumen; der
+Verhältnissexponent, welcher die Bestimmtheit einer speeifischen
+Schwere zum Unterschiede von andern ausdrückt, ist bestimmtes Quantum
+nur der Vergleichung, ein ihnen äußeres Verhältniß in einer äußern
+Reflexion, das sich nicht auf das eigne qualitative Verhalten zu
+einer gegenüber stehenden Existenz gründet. Es wäre die Aufgabe
+vorhanden, die Verhältnißexponenten der Reihe der specifischen
+Schweren, als ein System aus einer Regel zu erkennen, welche eine
+bloß arithmetische Vielheit zu einer Reihe harmonischer Knoten
+specificirte.--Dieselbe Forderung fände für die Erkenntniß der
+angeführten chemischen Verwandtschaftsreihen statt. Aber die
+Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin,
+die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem
+Maaßsysteme zu fassen.
+
+Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunächst kein qualitatives
+Verhältniß zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls
+in qualitative Beziehung. Indem die Körper chemisch verbunden, auch
+nur amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine
+Neutralisation der specifischen Schweren. Es ist vorhin die
+Erscheinung angeführt worden, daß das Volumen, auch des Gemisches von
+chemisch gegen einander eigentlich gleichgültig bleibenden Materien,
+nicht von gleicher Größe mit der Summe des Volumens derselben vor der
+Vermischung ist. Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum
+der Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben
+sich auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander
+kund. Hier äußert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht
+bloß als eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhältnißzahl,
+die verrückbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von
+Maaßen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als
+den Verhältnißzahlen der specifischen Schweren, die miteinander
+verbunden werden. Die Exponenten dieser Verhältnisse sind nicht
+ausschließende Maaßbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher,
+aber enthält ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell
+fortgehenden Verhältnissen, in denen die Mengen verbunden werden,
+verschieden und jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht.
+
+B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.
+
+Die letzte Bestimmung des Maaßverhältnisses war, daß es als
+specifisch ausschließend ist; das Ausschließen kommt der Neutralität
+als negativer Einheit der unterschiedenen Momente zu. Für diese
+fürsichseyende Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung
+ihrer Beziehung auf die andern Neutralitäten kein weiteres Princip
+der Specifikation ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen
+Bestimmung der Affinität überhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind,
+welche sich neutralisiren, und damit anderen relativen
+Wahlverwandtschaften ihrer Momente gegenüberstehen. Aber ferner um
+der quantitativen Grundbestimmung willen kontinuirt sich die
+ausschließende Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern
+Neutralitäten, und diese Kontinuität ist nicht nur äußerliche
+Beziehung der verschiedenen Neutralitäts-Verhältnisse, als eine
+Vergleichung, sondern die Neutralität hat als solche eine
+Trennbarkeit in ihr, indem die, aus deren Einheit sie geworden ist,
+als selbstständige Etwas, jedes als gleichgültig, mit diesem oder mit
+andern der gegenüberstehenden Reihe, ob zwar in verschiedenen
+specifisch bestimmten Mengen sich zu verbinden, in Beziehung treten.
+Dadurch ist dieß Maaß, das auf einem solchen Verhältnisse in ihm
+selbst beruht, mit eigner Gleichgültigkeit behaftet; es ist ein an
+ihm selbst Äußerliches und in seiner Beziehung auf sich ein
+Veränderliches.
+
+Diese Beziehung des Verhältnißmaaßes auf sich ist verschieden von
+seiner Äußerlichkeit und Veränderlichkeit, als seiner quantitativen
+Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende,
+qualitative Grundlage;--bleibendes, materielles Substrat, welches,
+zugleich als die Kontinuität des Maaßes in seiner Äußerlichkeit mit
+sich selbst, in seiner Qualität jenes Princip der Specification
+dieser Äußerlichkeit enthalten müßte. Das ausschließende Maaß nach
+dieser nähern Bestimmung nun, in seinem Fürsichseyn sich äußerlich,
+stößt sich von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur
+quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhältniß, das
+zugleich ein anderes Maaß ist; ist als an sich selbst specificirende
+Einheit bestimmt, welche an ihr Maaßverhältnisse producirt. Diese
+Verhältnisse sind von der obigen Art der Affinitäten, in welchen ein
+Selbstständiges sich zu Selbstständigen anderer Qualität und zu einer
+Reihe solcher verhält, verschieden; sie finden an einem und demselben
+Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralität statt; das
+Maaß bestimmt sich von sich abstoßend zu andern nur quantitativ
+verschiedenen Verhältnissen, welche gleichfalls Affinitäten und Maaße
+bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative
+Verschiedenheiten bleiben. Sie bilden auf solche Weise eine
+Knotenlinie von Maaßen auf einer Skale des Mehr und Weniger.
+
+Es ist ein Maaßverhältniß vorhanden; eine selbstständige Realität,
+die qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Fürsichseyn
+ist, weil es zugleich wesentlich ein Verhältniß von Quantis ist, der
+Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen; es hat eine Weite,
+innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und
+seine Qualität nicht ändert. Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung
+des Quantitativen ein, auf welchem die Qualität geändert wird, das
+Quantum sich als specificirend erweist, so daß das veränderte
+quantitative Verhältniß in ein Maaß und damit in eine neue Qualität,
+ein neues Etwas, umgeschlagen ist. Das Verhältniß, das an die Stelle
+des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der
+qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinität stehen,
+Theils nach der quantitativen Kontinuität. Aber indem der
+Unterschied in dieses Quantitative fällt, verhält sich das neue Etwas
+gleichgültig gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der
+äußerliche des Quantums. Es ist also nicht aus dem vorhergehenden,
+sondern unmittelbar aus sich hervorgetreten; d. i. aus der
+innerlichen, noch nicht ins Daseyn getretenen specificirenden Einheit.
+--Die neue Qualität oder das neue Etwas ist demselben Fortgange
+seiner Veränderung unterworfen und sofort ins Unendliche.
+
+Insofern der Fortgang von einer Qualität in stätiger Kontinuität der
+Quantität ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich nähernden
+Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger
+unterschieden. Die Veränderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei
+Henning/A.R.] eine allmählige. Aber die Allmähligkeit betrifft bloß
+das Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben; das
+vorhergehende quantitative Verhältniß, das dem folgenden unendlich
+nahe ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn. Nach der
+qualitativen Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der
+Allmähligkeit, das keine Grenze an sich selbst ist, absolut
+abgebrochen; indem die neu eintretende Qualität nach ihrer bloß
+quantitativen Beziehung eine gegen die verschwindende unbestimmt
+andere, eine gleichgültige ist, ist der Übergang ein Sprung; beide
+sind s als völlig äußerliche gegeneinander gesetzt.--Man sucht sich
+gern durch die Allmähligkeit des Übergangs eine Veränderung
+begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmähligkeit gerade die
+bloß gleichgültige Änderung, das Gegentheil der qualitativen. In der
+Allmähligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der beiden Realitäten,
+--sie werden als Zustände, oder als selbstständige Dinge genommen,
+--aufgehoben; es ist gesetzt, daß keine die Grenze der andern,
+sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist; hiermit wird
+gerade das, was zum Begreiffen nöthig ist, wenn auch noch so wenig
+dazu erfordert wird, entfernt.
+
+Anmerkung.
+
+Das natürliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von
+qualitativen Momenten, die sich in dem bloß äußerlichen Fortgang
+hervorthun. Es ist eines Theils ein bloß quantitatives Vor- und
+Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede
+Zahl dasselbe arithmetische Verhältniß zu ihrer vorhergehenden und
+nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und
+nachfolgenden u.s.f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben
+auch zu andern vorhergehenden oder folgenden ein specifisches
+Verhältniß, entweder ein solches vielfaches von einer derselben als
+eine ganze Zahl ausdrückt, oder Potenz und Wurzel zu seyn.--In den
+musikalischen Verhältnissen, tritt ein harmonisches Verhältniß in der
+Skale des quantitativen Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß
+dieses Quantum für sich auf der Skale zu seinem vorhergehenden und
+nachfolgenden ein anderes Verhältniß hätte, als diese wieder zu ihren
+vorhergehenden und nachfolgenden. Indem folgende Töne vom Grundtone
+sich immer mehr zu entfernen oder Zahlen durch das arithmetische
+Fortgehen nur noch mehr andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr
+auf einmal eine Rückkehr, eine überraschende Übereinstimmung hervor,
+die nicht durch das unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet
+war, sondern als eine actio in distans, als eine Beziehung zu einem
+Entfernten, erscheint; der Fortgang an bloß gleichgültigen
+Verhältnissen, welche die vorhergehende specifische Realität nicht
+ändern oder auch überhaupt keine solche bilden, unterbricht sich auf
+einmal, und indem er in quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise
+fortgesetzt ist, bricht somit durch einen Sprung ein specifisches
+Verhältniß ein.
+
+In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Änderung der
+Mischungsverhältnisse solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß
+zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden,
+welche besondere Qualitäten zeigen. Diese Produkte unterscheiden
+sich nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind
+sie mit den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen,
+schon vorhanden, etwa nur in einem schwächern Grade, sondern sind an
+solche Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen voll
+Sauerstoff und Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und
+Salpetersäuren, die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der
+Mischung hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben,
+so daß in dazwischen liegenden Mischungsverhältnissen keine
+Verbindungen Von specifischen Existenzen erfolgen.--Die Metalloxyde,
+z.B. die Bleioxyde bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten
+der Oxydation, und unterscheiden sich durch Farben und andere
+Qualitäten. Sie gehen nicht allmählig in einander über, die zwischen
+jenen Knoten liegende Verhältnisse geben kein Neutrales, kein
+specifisches Daseyn. Ohne durch Zwischenstufen durchgegangen zu seyn,
+tritt eine specifische Verbindung auf, die auf einem
+Maaßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten hat.--Oder das Wasser,
+indem es seine Temperatur ändert, wird damit nicht bloß mehr oder
+weniger warm, sondern geht durch die Zustände der Härte, der
+tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit hindurch;
+diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählig ein, sondern eben
+das bloß allmählige Fortgehen der Temperatur-Änderung wird durch
+diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der Eintritt
+eines andern Zustandes ist ein Sprung.--Alle Geburt und Tod, sind,
+statt eine fortgesetzte Allmähligkeit zu seyn, vielmehr ein Abbrechen
+derselben, und der Sprung aus quantitativer Veränderung in
+qualitative.
+
+Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewöhnliche
+Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll,
+meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein
+allmähliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich
+aber gezeigt, daß die Veränderungen des Seyns überhaupt nicht nur das
+Übergehen einer Größe in eine andere Größe, sondern Übergang vom
+Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein
+Anders-werden, das ein Abbrechen des Allmähligen und ein
+Qualitativ-Anderes gegen das vorhergehende Daseyn ist. Das Wasser
+wird durch die Erkältung nicht nach und nach hart, so daß es
+breiartig würde und allmählig bis zur Konsistenz des Eises sich
+verhärtete, sondern ist auf einmal hart; schon mit der ganzen
+Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht, kann es noch seine
+ganze Flüssigkeit haben, und eine geringe Erschütterung bringt es in
+den Zustand der Härte.
+
+Bei der Allmähligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde,
+daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden,
+nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der
+Allmähligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andere an
+seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar
+sey;--und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andere in dem
+vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur
+unbemerkbar, vorhanden sey. Es wird damit das Entstehen und Vergehen
+überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas
+vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseyns
+verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in
+einen äußerlichen, bloßen Größeunterschied.--Das Begreiflichmachen
+eines Entstehens oder Vergehens aus der Allmähligkeit der Veränderung
+hat die der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende
+oder Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veränderung zu
+einer bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes, wodurch sie in
+der That nur eine Tautologie ist. Die Schwierigkeit für solchen
+begreifen wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Übergang von
+Etwas in sein Anderes überhaupt und in sein Entgegengesetztes;
+dagegen spiegelt er sich die Identität und die Veränderung als die
+gleichgültige, äußerliche des Quantitativen vor.
+
+Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seyns betrachtet wird,
+findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und
+verschiedene Qualitäten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der
+Größe zu gründen. Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maaß des
+Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen,
+hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht.--So
+erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das Übrige
+als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen
+Charakter. Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der
+Umfang des Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert. Der
+Staat hat ein Maaß seiner Größe, über welche hinausgetrieben er
+haltungslos in sich zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei
+nur anderem Umfange sein Glück und seine Stärke ausmachte.
+
+C. Das Maaßlose
+
+Das ausschließende Maaß bleibt in seinem realisirten Fürsichseyn
+selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des
+Auf- und Absteigens an der Skale des Quantums fähig, auf welcher die
+Verhältnisse sich ändern. Etwas oder eine Qualität als auf solchem
+Verhältnisse beruhend, wird über sich hinaus in das Maaßlose
+getrieben, und geht durch die bloße Änderung seiner Größe zu Grunde.
+Die Größe ist die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine
+von Unverfänglichkeit ergriffen und wodurch es zerstört werden kann.
+
+Das abstrakte Maaßlose ist das Quantum überhaupt als in sich
+bestimmungslos, und als nur gleichgültige Bestimmtheit, durch welche
+das Maaß nicht verändert wird. In der Knotenlinie der Maaße ist sie
+zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maaßlose hebt
+sich zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maaßverhältniß, in
+welches das zuerst vorhandene übergeht, ist ein Maaßloses in
+Rücksicht auf dieses, an ihm selbst aber ebenso eine für sich-seyende
+Qualität; so ist die Abwechslung von specifischen Existenzen
+miteinander und derselben ebenso mit bloß quantitativbleibenden
+Verhältnissen gesetzt,--sofort ins Unendliche. Was also in diesem
+Übergehen vorhanden ist, ist sowohl die Negation der specifischen
+Verhältnisse, als die Negation des quantitativen Fortgangs selbst;
+das fürsichseyende Unendliche.--Die qualitative Unendlichkeit, wie
+sie am Daseyn ist, war das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen,
+als unmittelbarer Übergang und Verschwinden des Diesseits in seinem
+Jenseits. Die quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer
+Bestimmtheit nach schon die Kontinuität des Quantums, eine
+Kontinuität desselben über sich hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird
+zum Unendlichen; das Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm
+selbst, und weist über sich hinaus. Aber diese Unendlichkeit der
+Specifikation des Maaßes setzt ebensowohl das Qualitative wie das
+Quantitative als sich in einander aufhebend, und damit die erste,
+unmittelbare Einheit derselben, welche das Maaß überhaupt ist, als in
+sich zurückgekehrt und damit selbst als gesetzt. Das Qualitative,
+eine specifische Existenz, geht in eine andere so über, daß nur eine
+Veränderung der Größebestimmtheit eines Verhältnisses vorgeht; die
+Veränderung des Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als
+eine äußerliche und gleichgültige, und als ein Zusammengehen mit sich
+selbst gesetzt; das Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in
+Qualitatives, das An- und Für-Sichbestimmtseyn, auf. Diese so sich
+in ihrem Wechsel der Maaße in sich selbst kontinuirende Einheit ist
+die wahrhaft bestehenbleibende, selbstständige Materie, Sache.
+
+Was hiermit vorhanden ist, ist à) eine und dieselbe Sache, welche als
+Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist.
+Schon im Quantum überhaupt beginnt dieß Abtrennen des Seyns von
+seiner Bestimmtheit; groß ist etwas, als gleichgültig gegen seine
+seyende Bestimmtheit. Im Maaße ist die Sache selbst bereits an sich
+Einheit des Qualitativen und Quantitativen,--der beiden Momente, die
+innerhalb der allgemeinen Sphäre des Seyns, den Unterschied ausmachen,
+und wovon das Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende
+Substrat hat auf diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung
+seyender Unendlichkeit. ß) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist
+darin gesetzt, daß die qualitativen Selbstständigkeiten, in welche
+die maaßbestimmende Einheit abgestoßen ist, nur in quantitativen
+Unterschieden bestehen, so daß das Substrat sich in dieß sein
+Unterscheiden kontinuirt; ç) in dem unendlichen Progresse der
+Knotenreihe ist die Kontinuirung des Qualitativen in das quantitative
+Fortgehen, als in eine gleichgültige Veränderung, aber ebenso die
+darin enthaltene Negation des Qualitativen, und zugleich damit der
+bloß quantitativen Äußerlichkeit, gesetzt. Das quantitative
+Hinausweisen über sich zu einem Andern, als anderem Quantitativen
+geht unter in dem Hervortreten eines Verhältnißmaaßes, einer Qualität,
+und das qualitative Übergehen hebt sich eben darin auf, daß die neue
+Qualität selbst nur ein quantitatives Verhältniß ist. Dieß Übergehen
+des Qualitativen und des Quantitativen in einander geht auf dem Boden
+ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses Processes ist nur das Daseyn,
+das Zeigen oder Setzen, daß demselben ein solches Substrat zu Grunde
+liegt, welches ihre Einheit sey.
+
+In den Reihen selbstständiger Maaßverhältnisse sind die einseitigen
+Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen
+Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen,
+die sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (-
+worunter hier auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener
+specifischer Schwere zu begreiffen sind--) sind selbstständige und
+selbst ausschließende Maaßverhältnisse, gegeneinander gleichgültige
+Totalitäten fürsichseyenden Daseyns. Nun sind solche Verhältnisse
+nur als Knoten eines und desselben Substrats bestimmt. Damit sind
+die Maaße und die damit gesetzten Selbstständigkeiten zu Zuständen
+herabgesetzt. Die Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes und
+das Übergehende ist als darin dasselbe bleibend gesetzt.
+
+Um die Fortbestimmung, welche das Maaß durchloffen hat, zu übersehen,
+so fassen sich die Momente derselben so zusammen, daß das Maaß
+zunächst die selbst unmittelbare Einheit der Qualität und der
+Quantität ist als ein gewöhnliches Quantum, das aber specifisch ist.
+Hiermit als nicht auf Anderes, sondern auf sich beziehende
+Quantitätsbestimmtheit ist es wesentlich Verhaltniß. Daher ferner
+enthält es seine Momente als aufgehobene und ungetrennte in sich; wie
+immer in einem Begriffe, ist der Unterschied in demselben so, daß
+jedes von dessen Momenten selbst Einheit des Qualitativen und
+Quantitativen ist. Dieser hiermit reale Unterschied ergiebt eine
+Menge von Maaßverhältnissen die als formelle Totalitäten in sich
+selbstständig sind. Die Reihen, welche die Seiten dieser
+Verhaltnisse bilden, sind für jedes einzelne Glied, das als einer
+Seite zugehörig sich zu der ganzen gegenüberstehenden Reihe verhält,
+dieselbe konstante Ordnung. Diese, als bloße Ordnung, noch ganz
+äußerliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende
+Einheit eines fürsichseyenden Maaßes unterschieden von seinen
+Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der
+freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente
+Bestimmung giebt, sondern das Princip ist zunächst nur Substrat, eine
+Materie, für deren Unterschiede, um als Totalitäten, zu seyn, d. i.
+die Natur des sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu
+haben, nur die äußerliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die
+sich als Verschiedenheit der Qualität zugleich zeigt. Die
+Maaßbestimmnng ist in dieser Einheit des Substrats mit sich selbst
+eine aufgehobene, ihre Qualität ein durch das Quantum (bestimmter,
+äußerlicher Zustand.--Dieser Verlauf ist ebensowohl die realisirende
+Fortbestimmung des Maaßes, als sie das Herabsetzen desselben zu einem
+Momente ist.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens.
+
+
+A. Die absolute Indifferenz.
+
+Das Seyn ist die abstrakte Gleichgültigkeit, wofür, da sie für sich
+als Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht
+worden ist,--an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die
+reine Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so
+aber daß diese ihr äußerlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang
+mit denselben hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt
+werden kann, ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des
+Seyns, der Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbaren
+Einheit, des Maaßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt.
+Die Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein
+qualitatives Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat.
+
+Das aber, was so als qualitatives Äußerliches bestimmt worden, ist
+nur ein Verschwindendes; als so äußerlich gegen das Seyn ist das
+Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende.
+Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch
+gesetzt als ein leeres Unterscheiden. Aber eben dieß leere
+Unterscheiden ist die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist
+sie so das Konkrete, das in ihm selbst durch die Negation aller
+Bestimmungen des Seyns mit sich vermittelte. Als diese Vermittelung
+enthält sie die Negation und Verhältniß, und was Zustand hieß, ist
+ihr immanentes, sich auf sich beziehendes Unterscheiden; eben die
+Äußerlichkeit und deren Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur
+Indifferenz, und ist also innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur
+Substrat und an ihr selbst nur abstrakt zu seyn.
+
+B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.
+
+Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr
+selbst und sie damit als fürsichseyend gesetzt ist.
+
+1. Die Reduktion der zunächst als selbstständig geltenden
+Maaßverhältnisse begründet Ein Substrat derselben; dieses ist deren
+Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbstständige, das
+in seinen Unterschieden ganz vorhanden ist. Für diesen Unterschied
+sind die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualität und die
+Quantität vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an
+ihm gesetzt sind. Dieß aber ist dadurch bestimmt, daß das Substrat
+zunächst als Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an
+ihm noch nicht als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunächst
+Substrat und in Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist.
+
+Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunächst der nur
+quantitative äußerliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines
+und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben,
+somit selbst als Quantum bestimmt wäre. Die Indifferenz ist aber
+dieses feste Maaß, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung
+auf jene Unterschiede so, daß sie nicht an ihr selbst Quantum wäre,
+und in irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey
+Summen, Indifferenzen, gegenüber träte. Es ist nur die abstrakte
+Bestimmtheit, welche in die Indifferenz fällt; die beiden Quanta um
+als Momente an ihr gesetzt zu seyn, sind veränderlich, gleichgültig,
+größer oder kleiner gegeneinander. Durch die feste Grenze ihrer
+Summe beschränkt aber verhalten sie sich zugleich nicht äußerlich,
+sondern negativ gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist,
+in der sie zu einander stehen. Sie sind darnach im umgekehrten
+Verhältnisse zu einander. Von dem frühern formellen umgekehrten
+Verhältnisse ist dieses dadurch unterschieden, daß hier das Ganze ein
+reales Substrat, und jede der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an
+sich dieß Ganze seyn zu sollen.
+
+Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied
+ferner als von zwei Qualitäten vorhanden, deren eine durch die andere
+aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie
+ausmachend, von der andern untrennbar ist. Das Substrat selbst ist
+als die Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden
+Qualitäten; jede der Seiten des Verhältnisses enthält daher ebenso
+sie beide in sich, und ist nur durch ein Mehr der einen Qualität und
+das Weniger der andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualität
+ist durch ihr Quantum, in der einen Seite nur die überwiegende, die
+andere in der andern.
+
+Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhältniß; dieses
+Verhältniß kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurück.
+Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen
+Bestimmungen in einander, jede der Qualitäten verhält in der andern
+sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem
+verschiedenen Quantum. Ihr quantitativer Unterschied ist jene
+Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese
+Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitäten in jeder der beiden
+Einheiten.--Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen,
+hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander
+zugleich als selbstständig gesetzt.
+
+2. Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des
+Maaßes nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die
+so eben aufgezeigte entwickelte Weise;--Indifferenz als es an sich
+das Ganze der Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit
+aufgelöst sind;--ebenso Daseyn, als Totalität der gesetzten
+Realisation, in welcher die Momente selbst die ansichseyende
+Totalität der Indifferenz, von ihr als ihrer Einheit getragen, sind.
+Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und damit nur als an sich
+festgehalten, und die Momente noch nicht als fürsichseyend, d. i.
+noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich zur Einheit
+aufhebend, bestimmt sind, so ist damit überhaupt die Gleichgültigkeit
+ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit vorhanden.
+
+Dieß so untrennbare Selbstständige ist nun näher zu betrachten. Es
+ist immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der
+Einheit mit sich ungetrübt von ihnen, aber hat à) als an sich die
+Totalität bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind,
+nur grundlos an ihr hervortretend. Das Ansich der Indifferenz und
+dieß ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf
+unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren
+Unterschied hiermit zunächst als ein aufgehobener, also als
+quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstoßen ihrer
+von sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als äußerlich
+bestimmtseyend und bestimmtwerdend.
+
+ß) Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhältnisse;
+--ein Hin- und Hergehen an der Größe, das aber nicht durch die
+Indifferenz, welche eben die Gleichgültigkeit dieses Hinund Hergehens
+ist, sondern hiermit nur äußerlich bestimmt ist. Es wird auf ein
+Anderes hingewiesen, das außerhalb ihr ist und in welchem das
+Bestimmen liegt. Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite
+den zweiten Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des
+Unterschieds nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den
+ersten hat, daß die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d.
+i. das Setzen desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung
+mit sich selbst ist.
+
+ç) Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des
+Verhältnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn
+ist durch diese Gleichgültigkeit dem Übergehen des Qualitativen
+entnommen. Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes,
+ihr an sichseyendes Bestehen darin, daß sie an sich die Indifferenz
+selbst, jede selbst die Einheit der beiden Qualitäten ist, in welche
+das qualitative Moment sich spaltet. Der Unterschied der beiden
+Seiten beschränkt sich darauf, daß die eine Qualität in der einen
+Seite mit einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere
+darnach umgekehrt gesetzt ist. So ist jede Seite an ihr die
+Totalität der Indifferenz.--Jede der beiden Qualitäten einzeln für
+sich genommen, bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die
+Indifferenz ist; sie kontinuirt sich aus der einen Seite in die
+andere, und wird durch die quantitative Grenze, die dabei in ihr
+gesetzt wird, nicht beschränkt. Hieran kommen die Bestimmungen in
+unmittelbaren Gegensatz, welcher sich zum Widerspruch entwickelt, was
+nun zu sehen ist.
+
+3. Nämlich jede Qualität tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung
+zu der andern, und zwar so daß auch, wie bestimmt worden ist, diese
+Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll. Sind beide
+Qualitäten selbstständig,--etwa genommen wie von einander unabhängige,
+sinnliche Materien, so fällt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz
+auseinander; ihre Einheit und Totalität wären leere Namen. Sie sind
+aber vielmehr zugleich so bestimmt, daß sie in Einer Einheit befaßt,
+daß sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realität in dieser einen
+qualitativen Beziehung auf die andere hat. Darum nun aber, weil ihre
+Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht
+jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta
+verschieden seyn sollten, ginge die eine über die andere hinaus und
+hätte in ihrem Mehr ein gleichgültiges Daseyn, welches die andere
+nicht hätte. Aber in ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur
+insofern die andere ist.--Hieraus folgt dieß, daß sie im
+Gleichgewicht sind, daß um soviel die eine sich vermehrte oder
+verminderte, die andere gleichfalls zu- oder abnähme, und in
+demselben Verhältnisse zu- oder abnähme.
+
+Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem
+quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualität kommen.
+Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente
+über das andere hinaus wäre, wäre nur eine haltungslose Bestimmung,
+oder dieß Mehr wäre nur wieder das andere selbst; in dieser
+Gleichheit beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte
+nur auf der Ungleichheit ihres Quantums beruhen.--Jeder dieser seyn
+sollenden Faktoren verschwindet ebenso, indem er über den andern
+hinaus als indem er ihm gleich seyn soll. Jenes Verschwinden
+erscheint so, daß von der quantitativen Vorstellung aus das
+Gleichgewicht gestört und der eine Faktor größer genommen wird, als
+der andere; so ist das Aufheben der Qualität des andern und seine
+Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere wird das überwiegende, daß der
+andere mit beschleunigter Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten
+überwältigt wird, dieser also sich zum einzigen Selbstständigen macht;
+aber damit sind nicht mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern
+nur das eine Ganze.
+
+Diese Einheit so gesetzt als die Totalität des Bestimmens, wie sie
+selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige
+Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst
+aufhebende Widerspruch, zur fürsichseyenden Selbstständigkeit
+bestimmt zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die
+in ihr selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und
+Wahrheit hat, welche das Wesen ist.
+
+Anmerkung.
+
+Das Verhältniß eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem
+Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren
+haben soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper
+gebraucht. Dieß Beispiel zeigt zunächst nur zwei Qualitäten im
+umgekehrten Verhältnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede
+selbst die Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhältniß wäre. Bei
+der Festigkeit der empirischen Grundlage wird die Konsequenz
+übersehen, auf welche die in dieselbe gebrachte Theorie führt,
+nämlich das zu Grunde liegende Faktum zu zerstören, oder indem dieses,
+wie gehörig, festgehalten wird, die Leerheit der Theorie gegen
+dasselbe darzuthun. Das Ignoriren der Konsequenz läßt Faktum und die
+ihm widersprechende Theorie ruhig nebeneinander bestehen.--Das
+einfache Faktum ist, daß in der elliptischen Bewegung der
+Himmelskörper sich ihre Geschwindigkeit beschleunigt, indem sie sich
+dem Perihelium, und sich vermindert, indem sie sich dem Aphelium
+nähert. Das Quantitative dieses Faktums ist durch den unermüdlichen
+Fleiß des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe weiter auf sein
+einfaches Gesetz und Formel zurückgeführt, somit alles geleistet, was
+wahrhaft an die Theorie zu fordern ist. Aber dieß hat dem
+reflektirenden Verstande nicht genügend geschienen. Zur sogenannten
+Erklärung des Phänomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal-
+und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der
+krummen Linie, angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in
+der Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Rücksicht
+darin, indem sie als ungleich bestimmt sind, daß wie die eine zu-,
+die andere abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, daß das
+Verhältniß derselben wieder umschlage, daß nachdem die
+Centripetalkraft eine Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber
+abgenommen, ein Punkt eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die
+Centrifugalkraft dagegen zunehme. Dieser Vorstellung widerspricht
+aber das Verhältniß ihrer wesentlich qualitativen Bestimmtheit
+gegeneinander. Durch diese sind sie schlechthin nicht auseinander zu
+bringen; jede hat nur Bedeutung in Rücksicht auf die andere; insofern
+also eine einen Überschuß über die andere hätte, insofern hätte sie
+keine Beziehung auf diese und wäre nicht vorhanden.--Bei der Annahme,
+daß die eine das einemal größer sey als die andere, wenn sie als
+größere in Beziehung auf die kleinere stünde, tritt das oben Gesagte
+ein, daß sie absolut das Übergewicht erhielte, und die andere
+verschwände; die letztere ist als das Verschwindende, Haltungslose
+gesetzt, und an dieser Bestimmung ändert es nichts, daß das
+Verschwinden nur allmählig geschehen, und ebenso wenig, daß so viel
+sie abnähme an Größe, der erstern zuwachsen soll; dieses geht mit der
+andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern ist, insofern die
+andere ist. Es ist eine sehr einfache Betrachtung, daß wenn z.B.
+wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers, indem er sich
+dem Perihelium nähert, zunehmen, die Centrifugalkraft hingegen um
+ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr vermöchte, ihn der
+erstern zu entreißen, und von seinem Centralkörper wieder zu
+entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das Übergewicht haben
+soll, so ist die andere überwältigt, und der Körper wird mit
+beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkörper zugeführt. Wie
+umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Nähe des
+Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, daß sie nun
+im Aphelium selbst von der schwächern überwältigt werden sollte.--Es
+erhellt ferner, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung
+bewirkte, dieß heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardirte
+Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung
+jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklärt werden
+könne, welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen
+Unterschied zu erklären. Die Konsequenz des Verschwindens der einen
+oder der andern Richtung und damit der elliptischen Bewegung
+überhaupt, wird um des feststehenden Faktums willen, daß diese
+Bewegung fortdauert und aus der beschleunigten in die retardirte
+Geschwindigkeit übergeht, ignorirt und verborgen. Die Annahme des
+Umschlagens der Schwäche der Centripetalkraft im Aphelium in eine
+überwiegende Stärke gegen die Centrifugalkraft, und umgekehrt beim
+Perihelium, enthält Theils dasjenige, was oben entwickelt worden, daß
+jede der Seiten des umgekehrten Verhältnisses an ihr selbst dieß
+ganze umgekehrte Verhältniß ist; denn die Seite der Bewegung vom
+Aphelium zum Perihelium,--der überwiegend seyn sollenden
+Centripetalkraft,--soll noch die Centrifugalkraft enthalten, aber im
+Abnehmen, wie jene zunimmt; in eben dem umgekehrten Verhältniß soll
+sich in der Seite der retardirten Bewegung die überwiegende und immer
+überwiegender werdende Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden,
+so daß auf keiner Seite eine derselben verschwunden sey, sondern nur
+immer kleiner werde bis zur Zeit ihres Umschlagens zum Überwiegen
+über die andere. Es rekurrirt damit nur an jeder Seite das, was der
+Mangel an diesem umgekehrten Verhältniß ist, daß entweder jede Kraft
+selbstständig für sich genommen wird, und mit dem bloß äußerlichen
+Zusammentreffen derselben zu einer Bewegung, wie im Parallelogramm
+der Kräfte, die Einheit des Begriffs, die Natur der Sache, aufgehoben
+ist, oder daß, indem beide sich qualitativ durch den Begriff zu
+einander verhalten, keine ein gleichgültiges, selbstständiges
+Bestehen gegen die andere erhalten kann, was ihr durch ein Mehr
+zugetheilt werden sollte; die Form der Intensität, das sogenannte
+Dynamische, ändert nichts, da es selbst in dem Quantum seine
+Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft äußern kann, d.
+h. nur insoweit existirt, als es an der entgegengesetzten Kraft sich
+gegenüber stehen hat. Theils aber enthält jenes Umschlagen aus dem
+Überwiegen in das Gegentheil die Abwechslung der qualitativen
+Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen der einen ist
+ebenso viel Verlust der andern. Der untrennbare qualitative
+Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der Theorie in
+ein Nacheinander auseinander gerückt; aber damit bleibt sie die
+Erklärung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses
+Auseinanderrückens selbst schuldig. Der Schein von Einheit, der noch
+in dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt,
+verschwindet hier vollends; es ist ein bloß äußerliches Erfolgen
+angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der
+insofern die eine überwiegend geworden, die andere verschwinden muß,
+widerspricht.
+
+Dasselbe Verhältniß ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft
+angewendet worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu
+begreifen; auch das umgekehrte Verhältniß der Sensibilität und
+Irritabilität, hat dazu dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden
+dieser Faktoren des Lebens die verschiedenen Bestimmungen des Ganzen,
+der Gesundheit, wie auch die Verschiedenheit der Gattungen der
+Lebendigen zu begreifen. Jedoch die Verwirrung, und der Galimathias,
+in welchen sich dieß Erklären, das eine naturphilosophische Grundlage
+der Physiologie, Nosologie, und dann der Zoologie werden sollte, in
+dem unkritischen Gebrauche dieser Begriffsbestimmungen verwickelte,
+hat hier zur Folge gehabt, daß dieser Formalismus bald wieder
+aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft besonders der
+physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung fortgeführt
+wird.
+
+Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der
+spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierüber noch
+bemerkt werden, daß sie dieß allerdings in der Rücksicht ist, daß in
+beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie überhaupt jede weitere
+konkrete Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als
+verschwunden gesetzt werden. Es ist überhaupt gleichgültig, wenn bei
+der Abstraktion stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in
+diesem Abgrund untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe.
+Aber die Substanz als Indifferenz ist Theils mit dem Bedürfniß des
+Bestimmens und mit der Rücksicht auf dasselbe verbunden; sie soll
+nicht die Substanz des Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das
+Negative ist, daß in ihr alles absorbirt sey. Bei Spinoza kommt der
+Unterschied, die Attribute, Denken und Ausdehnung, alsdann auch die
+Modi, die Affekten und alle übrigen Determinationen, ganz empirisch
+herbei; es ist der Verstand, selbst ein Modus, in welchen dieß
+Unterscheiden fällt; die Attribute stehen zur Substanz und zu
+einander in keiner weitern Bestimmtheit, als daß sie die Substanz
+ganz ausdrücken, und ihr Inhalt, die Ordnung der Dinge als
+ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist. Durch die Bestimmung der
+Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf den Unterschied
+hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza an sich ist,
+nämlich als äußerlicher, und damit näher als quantitativer. Die
+Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie die Substanz,
+--aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht ihr immanent,
+als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der Immanenz, und
+die quantitative Indifferenz ist vielmehr das Außersichseyn der
+Einheit. Der Unterschied ist damit auch nicht qualitativ aufgefaßt,
+die Substanz nicht als das sich selbst Unterscheidende, nicht als
+Subjekt bestimmt. Die nächste Folge in Rücksicht auf die Kategorie
+der Indifferenz selbst ist, daß an ihr der Unterschied von
+quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander fällt, wie in
+der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die Auflösung des
+Maaßes, in welchem beide Momente unmittelbar als eins gesetzt waren.
+
+C. Übergang in das Wesen.
+
+Die absolute Indifferenz ist die letzte Bestimmung des Seyns, ehe
+dieses zum Wesen wird; sie erreicht aber dieses nicht. Sie zeigt
+sich noch der Sphäre des Seyns anzugehören, indem sie noch als
+gleichgültig bestimmt, den Unterschied als äußerlichen, quantitativen
+an ihr hat. Dieß ist ihr Daseyn, womit sie sich zugleich in dem
+Gegensatze befindet, gegen dasselbe als nur das an sichseyende
+bestimmt, nicht als das fürsichseyende Absolute gedacht zu seyn.
+Oder es ist die äußere Reflexion, welche dabei stehen bleibt, daß die
+Specifischen an sich oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß
+ihr Unterschied nur ein gleichgültiger, kein Unterschied an sich ist.
+Was hier noch fehlt, besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die
+äußere Reflexion des denkenden, subjektiven Bewußtseyns, sondern die
+eigene Bestimmung der Unterschiede jener Einheit sey, sich aufzuheben,
+welche Einheit denn so sich erweist, die absolute Negativität, ihre
+Gleichgültigkeit gegen sich selbst, gegen ihre eigene
+Gleichgültigkeit, ebenso sehr als gegen das Andersseyn zu seyn.
+
+Dieß Sich-Aufheben der Bestimmung der Indifferenz aber hat sich
+bereits ergeben; sie hat sich in der Entwicklung ihres Gesetztseyns
+nach allen Seiten als der Widerspruch gezeigt. Sie ist an sich die
+Totalität, in der alle Bestimmungen des Seyns aufgehoben und
+enthalten sind; so ist sie die Grundlage, aber ist nur erst in der
+einseitigen Bestimmung des Ansichseyns und damit sind die
+Unterschiede, die quantitative Differenz und das umgekehrte
+Verhältniß von Faktoren, als äußerlich an ihr. So der Widerspruch
+ihrer selbst und ihres Bestimmtseyns, ihrer an sich seyenden
+Bestimmung und ihrer gesetzten Bestimmtheit ist sie die negative
+Totalität, deren Bestimmtheiten sich an ihnen selbst und damit diese
+ihre Grundeinseitigkeit, ihr Ansichseyn, aufgehoben haben. Gesetzt
+hiermit als das, was die Indifferenz in der That ist, ist sie
+einfache und unendliche negative Beziehung auf sich, die
+Unverträglichkeit ihrer mit ihr selbst, Abstoßen ihrer von sich
+selbst. Das Bestimmen und Bestimmtwerden ist nicht ein Übergehen,
+noch äußerliche Veränderung, noch ein Hervortreten der Bestimmungen
+an ihr, sondern ihr eignes Beziehen auf sich, das die Negativität
+ihrer selbst, ihres Ansichseyns, ist.
+
+Die Bestimmungen, als solche abgestoßene, gehören aber nun nicht sich
+selbst an, treten nicht in Selbstständigkeit oder Äußerlichkeit
+hervor, sondern sind als Momente;--erstens der ansichseyenden Einheit
+angehörig, nicht von ihr entlassen, sondern von ihr als dem Substrate
+getragen und nur von ihr erfüllt; und zweitens als die Bestimmungen,
+die der fürsichseyenden Einheit immanent, nur durch deren Abstoßen
+von sich, sind. Sie sind statt Seyender, wie in der ganzen Sphäre
+des Seyns nunmehr schlechthin nur als Gesetzte, schlechthin mit der
+Bestimmung und Bedeutung, auf ihre Einheit, somit jede auf ihre
+andere und Negation, bezogen zu seyn,--bezeichnet mit dieser ihrer
+Relativität.
+
+Damit ist das Seyn überhaupt und das Seyn oder die Unmittelbarkeit
+der unterschiedenen Bestimmtheiten ebenso sehr als das Ansichseyn
+verschwunden, und die Einheit ist Seyn, unmittelbare vorausgesetzte
+Totalität, so daß sie diese einfache Beziehung auf sich nur ist,
+vermittelt durch das Aufheben dieser Voraussetzung, und dieß
+Vorausgesetztseyn und unmittelbare Seyn selbst nur ein Moment ihres
+Abstoßens ist, die ursprüngliche Selbstständigkeit und Identität mit
+sich nur ist, als das resultirende, unendliche Zusammengehen mit sich;
+so ist das Seyn zum Wesen bestimmt, das Seyn, als durch Aufheben des
+Seyns einfaches Seyn nnt sich.
+
+
+
+
+
+Zweites Buch. Das Wesen.
+
+Die Wahrheit des Seyns ist das Wesen.
+
+
+Das Seyn ist das Unmittelbare. Indem das Wissen das Wahre erkennen
+will, was das Seyn an und für sich ist, so bleibt es nicht beim
+Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen, sondern dringt durch
+dasselbe hindurch, mit der Voraussetzung, daß hinter diesem Seyn noch
+etwas Anderes ist, als das Seyn selbst, daß dieser Hintergrund die
+Wahrheit des Seyns ausmacht. Diese Erkenntniß ist ein vermitteltes
+Wissen, denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen,
+sondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorläufigen
+Weg, den Weg des Hinausgehens über das Seyn oder vielmehr des
+Hineingehens in dasselbe zu machen. Erst indem das Wissen sich aus
+dem unmittelbaren Seyn erinnert, durch diese Vermittlung findet es
+das Wesen.--Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Wesen in der
+vergangenen Zeit: gewesen, behalten; denn das Wesen ist das
+vergangene, aber zeitlos vergangene Seyn.
+
+Diese Bewegung, als Weg des Wissens vorgestellt, so erscheint dieser
+Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Wesen als
+einem Vermittelten anlangt, eine Thätigkeit des Erkennens zu seyn,
+die dem Seyn äußerlich sey und dessen eigene Natur nichts angehe.
+
+Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seyns selbst. Es zeigte sich
+an diesem, daß es durch seine Natur sich erinnert, und durch dieß
+Insichgehen zum Wesen wird.
+
+Wenn also das Absolute zuerst als Seyn bestimmt war, so ist es jetzt
+als Wesen bestimmt. Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem
+mannigfaltigen Daseyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn,
+stehen bleiben; es dringt sich unmittelbar die Reflexion auf, daß
+dieses reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und
+Bewegung voraussetzt, welche das unmittelbare Daseyn zum reinen Seyn
+gereinigt hat. Das Seyn wird hiernach als Wesen bestimmt, als ein
+solches Seyn, an dem alles Bestimmte und Endliche negirt ist. So ist
+es die bestimmungslose einfache Einheit, von der das Bestimmte auf
+eine äußerliche Weise hinweggenommen worden; dieser Einheit war das
+Bestimmte selbst ein Äußerliches, und es bleibt ihr nach diesem
+Wegnehmen noch gegenüber stehen; denn es ist nicht an sich, sondern
+relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit, aufgehoben worden.--Es
+wurde oben schon erinnert, daß wenn das reine Wesen als Inbegriff
+aller Realitäten bestimmt wird, diese Realitäten gleichfalls der
+Natur der Bestimmtheit, und der abstrahirenden Reflexion unterliegen,
+und dieser Innbegriff sich zur leeren Einfachheit reducirt. Das
+Wesen ist auf diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes. Die äußerliche
+Negation, welche Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seyns
+nur hinweg von dem, was als Wesen übrig bleibt; es stellt sie
+gleichsam nur an einen andern Ort, und läßt sie als seyende vor wie
+nach. Das Wesen ist aber auf diese Weise weder an sich, noch für
+sich selbst; es ist durch ein Anderes, die äußerliche, abstrahirende
+Reflexion; und ist für ein Anderes, nämlich für die Abstraktion und
+überhaupt für das ihm gegenüber stehen bleibende Seyende. In seiner
+Bestimmung ist es daher die in sich todte, leere Bestimmungslosigkeit.
+
+Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist, nicht
+durch eine ihm fremde Negativität, sondern durch seine eigne, die
+unendliche Bewegung des Seyns. Es ist An-und-Fürsichseyn; absolutes
+Ansichseyn, indem es gleichgültig gegen alle Bestimmtheit des Seyns
+ist, das Andersseyn und die Beziehung auf anderes schlechthin
+aufgehoben worden ist. Es ist aber nicht nur dieß Ansichseyn; als
+bloßes Ansichseyn wäre es nur die Abstraktion des reinen Wesens;
+sondern es ist ebenso wesentlich Fürsichseyn; es selbst ist diese
+Negativität, das sich Aufheben des Andersseyns und der Bestimmtheit.
+
+Das Wesen als die vollkommene Rückkehr des Seyns in sich ist so
+zunächst das unbestimmte Wesen; die Bestimmtheiten des Seyns sind in
+ihm aufgehoben; es enthält sie an sich; aber nicht wie sie an ihm
+gesetzt sind. Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat
+kein Daseyn. Aber es muß zum Daseyn übergehen; denn es ist
+An-und-Fürsichseyn, das heißt, es unterscheidet die Bestimmungen,
+welche es an sich enthält; weil es Abstoßen seiner von sich oder
+Gleichgültigkeit gegen sich, negative Beziehung auf sich ist, setzt
+es sich somit sich selbst gegenüber, und ist nur insofern unendliches
+Fürsichseyn als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede
+von sich ist.--Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur, als das
+Bestimmen in der Sphäre des Seyns, und die Bestimmungen des Wesens
+haben einen andern Charakter als die Bestimmtheiten des Seyns. Das
+Wesen ist absolute Einheit des An-und-Fürsichseyns; sein Bestimmen
+bleibt daher innerhalb dieser Einheit, und ist kein Werden noch
+Übergehen, so wie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als
+anderes, noch Beziehungen auf Anderes sind; sie sind Selbstständige
+aber damit nur als solche, die in ihrer Einheit mit einander sind.
+--Indem das Wesen zuerst einfache Negativität ist, so hat es nun die
+Bestimmtheit, welche es nur an sich enthält, in seiner Sphäre zu
+setzen, um sich Daseyn und dann sein Fürsichseyn zu geben.
+
+Das Wesen ist im Ganzen das, was die Quantität in der Sphäre des
+Seyns war; die absolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze. Die
+Quantität aber ist diese Gleichgültigkeit in unmittelbarer Bestimmung,
+und die Grenze an ihr unmittelbar äußerliche Bestimmtheit, sie geht
+ins Quantum über; die äußerliche Grenze ist ihr nothwendig, und ist
+an ihr seyend. Am Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht; sie ist
+nur durch das Wesen selbst gesetzt; nicht frey, sondern nur in der
+Beziehung auf seine Einheit.--Die Negativität des Wesens ist die
+Reflexion, und die Bestimmungen reflektirte, durch das Wesen selbst
+gesetzte und in ihm als aufgehoben bleibende.
+
+Das Wesen steht zwischen Seyn und Begriff und macht die Mitte
+derselben und seine Bewegung den Übergang von Seyn in den Begriff aus.
+Das Wesen ist das An-und-Fürsichseyn, aber dasselbe in der
+Bestimmung des Ansichseyns; denn seine allgemeine Bestimmung ist, aus
+dem Seyn herzukommen, oder die erste Negation des Seyns zu seyn.
+Seine Bewegung besteht darin, die Negation oder Bestimmung an ihm zu
+setzen, dadurch sich Daseyn zu geben, und das als unendliches
+Fürsichseyn zu werden, was es an sich ist. So giebt es sich sein
+Daseyn, das seinem Ansichseyn gleich ist, und wird der Begriff. Denn
+der Begriff ist das Absolute, wie es in seinem Daseyn absolut oder an
+und für sich ist. Das Daseyn aber, das sich das Wesen giebt, ist
+noch nicht das Daseyn, wie es an und für sich ist, sondern wie das
+Wesen es sich giebt, oder wie es gesetzt wird, daher noch von dem
+Daseyn des Begriffs unterschieden.
+
+Das Wesen scheint zuerst in sich selbst, oder ist Reflexion; zweitens
+erscheint es; drittens offenbart es sich. Es setzt sich in seiner
+Bewegung in folgende Bestimmungen,
+
+I. als einfaches, ansichseyendes Wesen in seinen Bestimmungen
+innerhalb seiner;
+
+II. als heraustretend in das Daseyn, oder nach seiner Existenz und
+Erscheinung;
+
+III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit.
+
+
+
+
+Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst.
+
+Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar
+an und für sich, sondern ein Resultat jener Bewegung. Oder das Wesen
+zunächst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes
+Daseyn, dem ein anderes gegenüber steht; es ist nur wesentliches
+Daseyn gegen unwesentliches. Das Wesen ist aber das an und für sich
+aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenüber steht. Allein
+der Schein ist das eigene Setzen des Wesens.
+
+Das Wesen ist erstens Reflexion. Die Reflexion bestimmt sich; ihre
+Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist;
+es sind
+
+zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu
+betrachten.
+
+Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in
+sich selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung
+über.
+
+
+
+Erstes Kapitel. Der Schein.
+
+
+Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenüber zu
+stehen; dieß unmittelbare Seyn ist zunächst das Unwesentliche.
+
+Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses
+Seyn, es ist Schein.
+
+Drittens dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes,
+sondern er ist sein eigner Schein. Das Scheinen des Wesens in ihm
+selbst ist die Reflexion.
+
+A. Das Wesentliche und das Unwesentliche.
+
+Das Wesen ist das aufgehobene Seyn. Es ist einfache Gleichheit mit
+sich selbst, aber insofern es die Negation der Sphäre des Seyns
+überhaupt ist. So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber,
+als eine solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem
+Aufheben aufbewahrt und erhalten hat. Das Wesen selbst ist in dieser
+Bestimmung seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein
+Negatives in Beziehung auf das Wesen, nicht an und für sich selbst,
+das Wesen ist also eine bestimmte Negation. Seyn und Wesen verhalten
+sich auf diese Weise wieder als Andere überhaupt zu einander, denn
+jedes hat ein Seyn, eine Unmittelbarkeit, die gegen einander
+gleichgültig sind, und stehen diesem Seyn nach in gleichem Werthe.
+
+Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das
+Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen.
+Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes
+verhält, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein
+anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche.
+
+Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in
+die Sphäre des Daseyns zurückfallen lassen; indem das Wesen, wie es
+zunächst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes
+bestimmt ist gegen das Seyn. Die Sphäre des Daseyns ist damit zu
+Grunde gelegt, und daß das, was das Seyn in diesem Daseyn ist,
+An-und-Fürsichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst äußerliche
+Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fürsichseyn
+ist, aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.--Insofern daher
+an einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander
+unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches
+Setzen, eine das Daseyn selbst nicht berührende Absonderung eines
+Theils desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein
+Drittes fällt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder
+Unwesentlichen gehört. Es ist irgend eine äußerliche Rücksicht und
+Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als
+wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.
+
+Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen
+ein Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist, als
+aufgehobenes Seyn oder Daseyn. Das Wesen ist auf diese Weise nur die
+erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das
+Seyn nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird. Das Wesen
+aber ist die absolute Negativität des Seyns; es ist das Seyn selbst,
+aber nicht nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich
+sowohl als unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation,
+als Negation, die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat.
+Das Seyn oder Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen
+ist, erhalten, und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist
+nicht bloß ein unwesentliches Daseyn, sondern das an und für sich
+nichtige Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein.
+
+B. Der Schein.
+
+1. Das Seyn ist Schein. Das Seyn des Scheins besteht allein in dem
+Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit
+hat es im Wesen, und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er
+nicht. Er ist das Negative gesetzt, als Negatives.
+
+Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphäre des Seyns
+übrig geblieben ist. Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen
+unabhängige unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben
+überhaupt zu seyn. Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des
+Daseyns und des Nichtdaseyns. Das Unwesentliche, indem es nicht mehr
+ein Seyn hat, so bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des
+Nichtdaseyns, der Schein ist dieß unmittelbare Nichtdaseyn, so in der
+Bestimmtheit des Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in
+seinem Nichtdaseyn Daseyn hat; das Unselbstständige, das nur in
+seiner Negation ist. Es bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit
+der Unmittelbarkeit, es ist als die reflektirte Unmittelbarkeit, das
+ist, welche nur vermittelst ihrer Negation ist, und die ihrer
+Vermittelung gegenüber nichts ist, als die leere Bestimmung der
+Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns.
+
+So ist der Schein, das Phänomen des Skepticismus oder auch die
+Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein
+Etwas oder kein Ding ist, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn,
+das außer seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre. Es
+ist, erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere
+Idealismus erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom
+Ding-an-sich anzusehen; jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage
+eines Seyns haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das
+Ding-an-sich eintreten. Zugleich aber ließ der Skepticismus
+mannigfaltige Bestimmmungen seines Scheins zu, oder vielmehr sein
+Schein hatte den ganzen mannigfaltigen Reichthum der Welt zum Inhalte.
+Ebenso begreift die Erscheinung des Idealismus den ganzen Umfang
+dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in sich. Jener Schein und diese
+Erscheinung sind unmittelbar so mannigfaltig bestimmt. Diesem
+Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein Ding, oder Ding-an-sich zu
+Grunde liegen; er für sich bleibt wie er ist; er ist nur aus dem Seyn
+in den Schein übersetzt worden; so daß der Schein innerhalb seiner
+selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat, welche unmittelbare,
+seyende, andere gegen einander sind. Der Schein ist also selbst ein
+unmittelbar Bestimmtes. Er kann diesen oder jenen Inhalt haben; aber
+welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt, sondern er hat
+ihn unmittelbar. Der leibnitzische, oder kantische, fichtesche
+Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als der
+Skepticismus über das Seyn als Bestimmtheit, über diese
+Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus läßt sich den
+Inhalt seines Scheins geben; es ist unmittelbar für ihn, welchen
+Inhalt er haben soll. Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr
+selbst ihre Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und
+verbindende Kraft, sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie
+sind gleichgültig, unmittelbar gegen einander, und so gegen die
+Monade selbst. Ebenso ist die kantische Erscheinung ein gegebener
+Inhalt der Wahrnehmung, er setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des
+Subjekts, welche gegen sich selbst und gegen dasselbe unmittelbar
+sind. Der unendliche Anstoß des fichteschen Idealismus mag wohl kein
+Ding-an-sich zu Grunde liegen haben, so daß er rein eine Bestimmtheit
+im Ich wird. Aber diese Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu
+der seinigen macht und ihre Äußerlichkeit aufhebt, zugleich
+unmittelbare, eine Schranke desselben, über die es hinausgehen kann,
+welche aber eine Seite der Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie
+ob zwar im Ich, ein unmittelbares Nichtseyn desselben enthält.-2. Der
+Schein also enthält eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhängige
+Seite gegen das Wesen. Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen
+unterschieden ist, nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in
+dasselbe zurückgeht; denn das Seyn ist in seiner Totalität in das
+Wesen zurückgegangen; der Schein ist das an sich nichtige; es ist nur
+zu zeigen, daß die Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden,
+Bestimmungen des Wesens selbst sind, und ferner, daß diese
+Bestimmtheit des Wesens, welche der Schein ist, im Wesen selbst
+aufgehoben ist.
+
+Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht;
+dieß Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativität des
+Wesens an ihm selbst. Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen. Seine
+Nichtigkeit an sich ist die negative Natur des Wesens selbst. Die
+Unmittelbarkeit oder Gleichgültigkeit aber, welche dieß Nichtseyn
+enthält, ist das eigene absolute Ansichseyn des Wesens. Die
+Negativität des Wesens ist seine Gleichheit mit sich selbst, oder
+seine einfache Unmittelbarkeit und Gleichgültigkeit. Das Seyn hat
+sich im Wesen erhalten, insofern dieses an seiner unendlichen
+Negativität diese Gleichheit mit sich selbst hat; hierdurch ist das
+Wesen selbst das Seyn. Die Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit
+am Scheine gegen das Wesen hat, ist daher nichts anderes, als die
+eigene Unmittelbarkeit des Wesens; aber nicht die seyende
+Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin vermittelte oder reflektirte
+Unmittelbarkeit, welche der Schein ist;--das Seyn nicht als Seyn,
+sondern nur als die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Vermittlung;
+das Seyn als Moment.
+
+Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn
+aber als Moment, oder die an sich seyende Negativität und die
+reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen,
+sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein
+des Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der
+Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der
+Schein an sich, der Schein des Wesens selbst.
+
+Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns. Das,
+wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich, und
+dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist. Aber diese
+Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben. Denn
+das Wesen ist das Selbstständige, das ist als durch seine Negation,
+welche es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die
+identische Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit.
+--Die Negativität ist die Negativität an sich; sie ist ihre Beziehung
+auf sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative
+Beziehung auf sich, abstoßendes Negiren ihrer selbst, so ist die an
+sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie.
+Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität und dieß
+Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst,
+Rückkehr in sich ist.
+
+Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern,
+in seiner Negation; er ist die Unselbstständigkeit, die an ihr selbst
+aufgehoben und nichtig ist. So ist er das in sich zurückgehende
+Negative, das Unselbstständige, als das an ihm selbst
+Unselbstständige. Diese Beziehung des Negativen oder der
+Unselbstständigkeit auf sich, ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein
+Anderes als es selbst; sie ist seine Bestimmtheit gegen sich, oder
+sie ist die Negation gegen das Negative. Aber die Negation gegen das
+Negative ist die sich nur auf sich beziehende Negativität, das
+absolute Aufheben der Bestimmtheit selbst.
+
+Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche
+Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie
+ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbstständigkeit, und
+nicht bestimmt ist.--Umgekehrt die Selbstständigkeit als sich auf
+sich beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit
+und Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativität.--Diese
+Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die
+Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist, ist das Wesen.
+Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer
+Bestimmtheit, aber so daß sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist
+das Scheinen seiner in sich selbst.
+
+In der Sphäre des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das
+Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit
+ist das Werden. In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst das
+Wesen und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenüber;
+das Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns. Aber sie beide,
+so wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter
+nichts, als darin, daß das Wesen zuerst, als ein unmittelbares
+genommen wird, nicht wie es an sich ist, nämlich nicht als die
+Unmittelbarkeit, die als die reine Vermittelung oder als absolute
+Negativität Unmittelbarkeit ist. Jene erste Unmittelbarkeit, ist
+somit nur die Bestimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieser
+Bestimmtheit des Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem
+Aufzeigen, daß das Unwesentliche nur Schein, und daß das Wesen
+vielmehr den Schein in sich selbst enthält, als die unendliche
+Bewegung in sich, welche seine Unmittelbarkeit, als die Negativität
+und seine Negativität als die Unmittelbarkeit bestimmt und so das
+Scheinen seiner in sich selbst ist. Das Wesen in dieser seiner
+Selbstbewegung ist die Reflexion.
+
+C. Die Reflexion.
+
+Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist; aber er ist die
+Reflexion als unmittelbare; für den in sich gegangenen, hiermit
+seiner Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der
+fremden Sprache, die Reflexion.
+
+Das Wesen ist Reflexion; die Bewegung des Werdens und Übergehens, das
+in sich selbst bleibt; worin das unterschiedene schlechthin nur als
+das an sich negative, als Schein bestimmt ist.--In dem Werden des
+Seyns liegt der Bestimmtheit das Seyn zu Grunde, und sie ist
+Beziehung auf Anderes. Die reflectirende Bewegung hingegen ist das
+Andere als die Negation an sich, die nur als sich auf sich beziehende
+Negation ein Seyn hat. Oder indem diese Beziehung auf sich eben dieß
+Negiren der Negation ist, so ist die Negation als Negation vorhanden,
+als ein solches, das sein Seyn in seinem Negirtseyn hat, als Schein.
+Das Andere ist hier also nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze,
+sondern die Negation mit der Negation. Das Erste aber gegen dieß
+Andere, das Unmittelbare oder Seyn, ist nur diese Gleichheit selbst
+der Negation mit sich, die negirte Negation, die absolute Negativität.
+Diese Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit ist daher nicht ein
+Erstes, von dem angefangen wird, und das in seine Negation überginge;
+noch ist es ein seyendes Substrat, das sich durch die Reflexion
+hindurch bewegte; sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung
+selbst.
+
+Das Werden im Wesen, seine reflektirende Bewegung, ist daher die
+Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu sich selbst zurück.
+Das Übergehen oder Werden hebt in seinem Übergehen sich auf; das
+Andere, das in diesem Übergehen wird, ist nicht das Nichtseyn eines
+Seyns, sondern das Nichts eines Nichts, und dieß, die Negation eines
+Nichts zu seyn, macht das Seyn aus.--Das Seyn ist nur als die
+Bewegung des Nichts zu Nichts, so ist es das Wesen; und dieses hat
+nicht diese Bewegung in sich, sondern ist sie als der absolute Schein
+selbst, die reine Negativität, die nichts außer ihr hat, das sie
+negirte, sondern die nur ihr Negatives selbst negirt, das nur in
+diesem Negiren ist.
+
+Diese reine absolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu
+Nichts ist, bestimmt sich selbst weiter.
+
+Sie ist erstlich setzende Reflexion; sie macht zweitens den Anfang
+von dem vorausgesetzten Unmittelbaren, und ist so äußerliche
+Reflexion.
+
+Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf, und indem sie in dem
+Aufheben der Voraussetzung zugleich voraussetzend ist, ist sie
+bestimmende Reflexion.
+
+1. Die setzende Reflexion.
+
+Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose; aber das Nichtige oder
+Wesenlose hat sein Seyn nicht in einem Andern, in dem es scheint,
+sondern sein Seyn ist seine eigne Gleichheit mit sich; dieser Wechsel
+des Negativen mit sich selbst hat sich als die absolute Reflexion des
+Wesens bestimmt.
+
+Diese sich auf sich beziehende Negativität ist also das Negiren ihrer
+selbst. Sie ist somit überhaupt so sehr aufgehobene Negativität als
+sie Negativität ist. Oder sie ist selbst das Negative und die
+einfache Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit. Sie besteht also
+darin sie selbst und nicht sie selbst und zwar in Einer Einheit zu
+seyn.-Zunächst ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts,
+somit die mit sich selbst zusammengehende Negation. Dieses
+Zusammengehen mit sich ist überhaupt einfache Gleichheit mit sich;
+die Unmittelbarkeit. Aber dieß Zusammenfallen ist nicht Übergehen
+der Negation in die Gleichheit mit sich als in ihr Andersseyn,
+sondern die Reflexion ist Übergehen als Aufheben des Übergehens; denn
+sie ist unmittelbares Zusammenfallen des Negativen mit sich selbst;
+so ist dieß Zusammengehen erstlich Gleichheit mit sich, oder
+Unmittelbarkeit; aber zweitens ist diese Unmittelbarkeit die
+Gleichheit des Negativen mit sich, somit die sich selbst negirende
+Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an sich das Negative, das
+Negative ihrer selbst ist, dieß zu seyn was sie nicht ist.
+
+Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rückkehr
+in sich; sie ist Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen;
+aber Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung oder als
+Rückkehr aus einem, somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit.
+--Dieß ist das Gesetztseyn; die Unmittelbarkeit rein nur als
+Bestimmtheit oder als sich reflectirend. Diese Unmittelbarkeit, die
+nur als Rückkehr des Negativen in sich ist,--ist jene Unmittelbarkeit,
+welche die Bestimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die
+reflectirende Bewegung anzufangen schien. Statt von dieser
+Unmittelbarkeit anfangen zu können, ist diese vielmehr erst als die
+Rückkehr, oder als die Reflexion selbst. Die Reflexion ist also die
+Bewegung, die, indem sie die Rückkehr ist, erst darin das ist, das
+anfängt oder das zurückkehrt.
+
+Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren
+ist; es ist nämlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein solches,
+aus dem sie, noch in das sie zurückkehrte; sie ist also nur als
+Rückkehren oder als das Negative ihrer selbst. Aber ferner ist diese
+Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rückkehr
+in sich. Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen, Aufheben
+ihres Anderen, der Unmittelbarkeit. Indem sie also die
+Unmittelbarkeit als ein Rückkehren, Zusammengehen des Negativen mit
+sich selbst ist, so ist sie ebenso Negation des Negativen als des
+Negativen. So ist sie Voraussetzen.--Oder die Unmittelbarkeit ist
+als Rückkehren nur das Negative ihrer selbst, nur dieß, nicht
+Unmittelbarkeit zu seyn; aber die Reflexion ist das Aufheben des
+Negativen seiner selbst, sie ist Zusammengehen mit sich; sie hebt
+also ihr Setzen auf, und indem sie das Aufheben des Setzens in ihrem
+Setzen ist, ist sie Voraussetzen.--In dem Voraussetzen bestimmt die
+Reflexion die Rückkehr in sich, als das Negative ihrer selbst, als
+dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist. Es ist sein Verhalten zu
+sich selbst; aber zu sich als dem Negativen seiner; nur so ist es die
+insichbleibende, sich auf sich beziehende Negativität. Die
+Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr hervor und ist
+dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist, der durch die
+Rückkehr negirt wird. Die Rückkehr des Wesens ist somit sein sich
+Abstoßen von sich selbst. Oder die Reflexion in sich ist wesentlich
+das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rückkehr ist.
+
+Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich, wodurch das Wesen
+erst die Gleichheit mit sich ist. Es setzt sich selbst voraus, und
+das Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst; umgekehrt ist dieß
+Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.--Die
+Reflexion also findet ein Unmittelbares vor, über das sie hinausgeht,
+und aus dem sie die Rückkehr ist. Aber diese Rückkehr ist erst das
+Voraussetzen des Vorgefundenen. Dieß Vorgefundene wird nur darin,
+daß es verlassen wird; seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene
+Unmittelbarkeit.--Die aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die
+Rückkehr in sich, das Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich
+selbst gleiche Seyn. Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben
+seiner und die von sich selbst abstoßende, voraussetzende Reflexion,
+und ihr Abstoßen von sich ist das Ankommen bei sich selbst.
+
+Die reflektirende Bewegung ist somit, nach dem Betrachteten, als
+absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen. Denn die Voraussetzung
+der Rückkehr in sich,--das woraus das Wesen herkommt und erst als
+dieses Zurückkommen ist--, ist nur in der Rückkehr selbst. Das
+Hinausgehen über das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt, ist
+vielmehr erst durch dieß Hinausgehen; und das Hinausgehen über das
+Unmittelbare ist das Ankommen bei demselben. Die Bewegung wendet
+sich als Fortgehen unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so
+Selbstbewegung,--Bewegung, die aus sich kommt, insofern die setzende
+Reflexion voraussetzende, aber als voraussetzende Reflexion
+schlechthin setzende ist.
+
+So ist die Reflexion sie selbst, und ihr Nichtseyn; und ist nur sie
+selbst, indem sie das Negative ihrer ist, denn nur so ist das
+Aufheben des Negativen zugleich als ein Zusammengehen mit sich.
+
+Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt, ist
+schlechthin nur als Gesetztseyn, als an sich aufgehobenes, das nicht
+verschieden ist, von der Rückkehr in sich, und selbst nur dieses
+Rückkehren ist. Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives, als
+unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes. So ist die
+Reflexion bestimmt; sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit, eine
+Voraussetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Andern
+anfängt, äußere Reflexion.
+
+2. Die äußere Reflexion.
+
+Die Reflexion als absolute Reflexion ist das in ihm selbst scheinende
+Wesen, und setzt sich nur den Schein, das Gesetztseyn, voraus; sie
+ist als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion. Aber die
+äußerliche oder reale Reflexion setzt sich als aufgehoben, als das
+Negative ihrer voraus. Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt; das
+einemal als das Vorausgesetzte, oder die Reflexion in sich, die das
+Unmittelbare ist. Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf
+sich beziehende Reflexion; sie bezieht sich auf sich als auf jenes
+ihr Nichtseyn.
+
+Die äußerliche Reflexion setzt also ein Seyn voraus, erstens nicht in
+dem Sinne, daß seine Unmittelbarkeit nur Gesetztseyn oder Moment ist,
+sondern vielmehr, daß diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich,
+und die Bestimmtheit nur als Moment ist. Sie bezieht sich auf ihre
+Voraussetzung so, daß diese das Negative der Reflexion ist, aber so
+daß dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.--Die Reflexion in
+ihrem Setzen, hebt unmittelbar ihr Setzen auf, so hat sie eine
+unmittelbare Voraussetzung. Sie findet also dasselbe vor, als ein
+solches von dem sie anfängt, und von dem aus sie erst das Zurückgehen
+in sich, das Negiren dieses ihres Negativen ist. Aber daß dieß
+Vorausgesetzte ein Negatives oder Gesetztes ist, geht dasselbe nichts
+an; diese Bestimmtheit gehört nur der setzenden Reflexion an, aber in
+dem Voraussetzen ist das Gesetztseyn nur als aufgehobenes. Was die
+äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt, sind
+insofern demselben äußerliche Bestimmungen.--Sie war das Unendliche
+in der Sphäre des Seyns; das Endliche gilt als das Erste, als das
+Reale, von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen
+bleibenden angefangen, und das Unendliche ist die gegenüber stehende
+Reflexion in sich.
+
+Diese äußere Reflexion ist der Schluß, in welchem die beiden Extreme,
+das Unmittelbare und die Reflexion in sich, sind; die Mitte desselben
+ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare, so daß der eine
+Theil derselben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die
+andere, die Bestimmtheit oder Negation, nur dem andern Extreme
+zukommt.
+
+Aber das Thun der äußeren Reflexion näher betrachtet, so ist sie
+zweitens Setzen des Unmittelbaren, das insofern das Negative oder
+Bestimmte wird; aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses
+ihres Setzens; denn sie setzt das Unmittelbare voraus; sie ist im
+Negiren das Negiren dieses ihres Negirens. Sie ist aber unmittelbar
+damit ebenso Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und
+dieses, von dem sie als von einem Fremden anzufangen schien, ist erst
+in diesem ihrem Anfangen. Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht
+nur an sich, das hieße für uns oder in der äußeren Reflexion,
+dasselbe was die Reflexion ist, sondern es ist gesetzt, daß es
+dasselbe ist. Es ist nämlich durch die Reflexion als ihr Negatives
+oder als ihr Anderes bestimmt, aber sie ist es selbst, welche dieses
+Bestimmen negirt.--Es ist damit die Äußerlichkeit der Reflexion gegen
+das Unmittelbare aufgehoben; ihr sich selbst negirendes Setzen ist
+das Zusammengehen ihrer mit ihrem Negativen, mit dem Unmittelbaren
+und dieses Zusammengehen ist die wesentliche Unmittelbarkeit selbst.
+--Es ist also vorhanden, daß die äußere Reflexion nicht äußere,
+sondern ebenso sehr immanente Reflexion der Unmittelbarkeit selbst
+ist; oder daß das was durch die setzende Reflexion ist, das an und
+für sich seyende Wesen ist. So ist sie bestimmende Reflexion.
+
+Anmerkung.
+
+Die Reflexion wird gewöhhlicher Weise in subjektivem Sinne genommen,
+als die Bewegung der Urtheilskraft, die über eine gegebene
+unmittelbare Vorstellung hinausgeht, und allgemeine Bestimmungen für
+dieselbe sucht oder damit vergleicht. Kant setzt die reflektirende
+Urtheilskraft, der bestimmenden Urtheilskraft entgegen. (Kritik der
+Urtheilskraft. Einleit. S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft
+überhaupt als das Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem
+Allgemeinen zu denken. Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip,
+das Gesetz) gegeben, so ist die Urtheilskraft, welche das Besondere
+darunter subsumirt, bestimmend. Ist aber nur das Besondere wozu sie
+das Allgemeine finden soll, so ist die Urtheilskraft bloß
+reflektirend. Die Reflexion ist somit hier gleichfalls das
+Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen. Das Unmittelbare
+wird theils erst durch diese Beziehung desselben auf sein Allgemeines
+bestimmt als Besonders; für sich ist es nur ein Einzelnes, oder ein
+unmittelbares Seyendes. Theils aber ist das, worauf es bezogen wird,
+sein Allgemeines, seine Regel, Princip, Gesetz; überhaupt das in sich
+reflektirte, sich auf sich selbst beziehende, das Wesen oder das
+Wesentliche.
+
+Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtseyns, noch
+von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, die das Besondere und
+Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, sondern von der Reflexion
+überhaupt die Rede. Jene Reflexion, der Kant das Aufsuchen des
+Allgemeinen zum gegebenen Besondern zuschreibt, ist, wie erhellt,
+gleichfalls nur die äußere Reflexion, die sich auf das Unmittelbare
+als auf ein gegebenes bezieht.
+
+--Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion; denn
+das Allgemeine, das Princip oder Regel und Gesetz, zu dem sie in
+ihrem Bestimmen fortgeht, gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von
+dem angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rückkehr
+aus demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des
+Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Seyn; also das was die Reflexion
+an ihm thut und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als
+ein jenem Unmittelbaren Äußerliches, sondern als dessen eigentliches
+Seyn.
+
+Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion
+überhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neuern Philosophie war,
+alles Üble nachgesagt und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode
+und Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde. In der
+That geht auch die denkende Reflexion, insofern sie sich als
+äußerliche verhält, schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden
+Unmittelbaren aus, und betrachtet sich als ein bloß formelles Thun,
+das Inhalt und Stoff von außen empfange, und für sich nur die durch
+ihn bedingte Bewegung sey.--Ferner, wie sich sogleich bei der
+bestimmenden Reflexion näher ergeben wird, sind die reflektirten
+Bestimmungen anderer Art, als die bloß unmittelbaren Bestimmungen des
+Seyns. Letztere werden leichter als vorübergehende, bloß relative,
+in der Beziehung auf Anderes stehende zugegeben; aber die
+reflektirten Bestimmungen haben die Form des An-und-Fürsichseyns; sie
+machen sich daher als die Wesentlichen geltend, und statt übergehend
+in ihre entgegengesetzten zu seyn, erscheinen sie vielmehr als
+absolut, frei und gleichgültig gegen einander. Sie widersetzen sich
+daher hartnäckig ihrer Bewegung, das Seyn derselben ist ihre
+Identität mit sich in ihrer Bestimmtheit, nach welcher sie, ob sie
+sich zwar gegenseitig voraussetzen, in dieser Beziehung sich
+schlechthin getrennt erhalten.
+
+3. Bestimmende Reflexion.
+
+Die bestimmende Reflexion ist überhaupt die Einheit der setzenden und
+der äußeren Reflexion. Dieß ist näher zu betrachten.-1. Die äußere
+Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts.
+Die äußere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber
+das Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt
+seine Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine
+Voraussetzung. Aber deswegen ist es nicht die vollendete,
+bestimmende Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur
+ein Gesetztes; es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst
+gleich, sondern als sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die
+Rückkehr in sich, es ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist
+nicht diese Reflexion selbst.
+
+Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, daß die Gleichheit der
+Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist
+nur als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst.
+--In der Sphäre des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation
+an ihm hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser
+Negation, die daher selbst die unmittelbare war. Dem Daseyn
+entspricht in der Sphäre des Wesens das Gesetztseyn. Es ist
+gleichfalls ein Daseyn, aber sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder
+als reine Negativität; es ist eine Bestimmtheit oder Negation nicht
+als seyend, sondern unmittelbar als aufgehoben. Das Daseyn ist nur
+Gesetztseyn; dieß ist der Satz des Wesens vom Daseyn. Das
+Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn, anderer Seits dem Wesen
+gegenüber, und ist als die Mitte zu betrachten, welche das Daseyn mit
+dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn zusammenschließt.
+--Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein Gesetztseyn, so kann
+dieß daher den doppelten Sinn haben; sie ist dieß im Gegensatze gegen
+das Daseyn, oder gegen das Wesen. In jenem Sinne wird das Daseyn für
+etwas Höheres genommen, als das Gesetztseyn, und dieses der äußern
+Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben. In der That aber ist das
+Gesetztseyn das Höhere; denn als Gesetztseyn ist das Daseyn, als das
+was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur auf die
+Rückkehr in sich bezogenes. Deswegen ist das Gesetztseyn nur ein
+Gesetztseyn in Rücksicht auf das Wesen, als die Negation des
+Zurückgekehrtseyns in sich selbst.
+
+2. Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur
+Bestimmtheit, als Negation überhaupt. Aber das Setzen ist nun in
+Einheit mit der äußern Reflexion; diese ist in dieser Einheit
+absolutes Voraussetzen; das heißt, das Abstoßen der Reflexion von
+sich selbst, oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst. Das
+Gesetztseyn ist daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes
+ist sie als in sich reflektirte. So ist das Gesetztseyn
+Reflexions-Bestimmung.
+
+Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der
+Qualität, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes
+überhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf
+das Reflektirtseyn in sich. Die Negation als Qualität ist Negation
+als seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die
+Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn
+in sich selbst. Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben
+darum, weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem
+Negirtseyn ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich.
+Die Bestimmung besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre
+Gleichheit mit sich. Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der
+Negation ungleiche ist, so ist die Qualität in sich selbst ungleich,
+daher übergehendes, im Andern verschwindendes Moment. Hingegen die
+Reflexionsbestimmung ist das Gesetztseyn als Negation, Negation die
+zu ihrem Grunde das Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht
+ungleich ist, somit wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit. Die
+Sich-selbst-Gleichheit der Reflexion, welche das Negative nur als
+Negatives, als Aufgehobenes oder Gesetztes hat, ist es, welche
+demselben Bestehen giebt.
+
+Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die
+Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder
+Abstoßung gegen einander schwebende Wesenheiten. In ihnen hat sich
+die Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich
+fixirt. Es ist das Bestimmte, das sein Übergehen und sein bloßes
+Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in
+Reflexion in sich umgebogen hat. Diese Bestimmungen machen hierdurch
+den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen
+Schein. Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die außer
+sich gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst
+ist in die Negation verloren, die das Herrschende ist.
+
+Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunächst
+sich unterscheiden. Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation
+als solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich. Nach dem
+Gesetztseyn ist sie die Negation als Negation; dieß ist somit bereits
+ihre Einheit mit sich selbst. Aber sie ist dieß nur erst an sich;
+oder sie ist das Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das
+Andere seiner selbst.--Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes
+Bestimmen. Das Wesen geht darin nicht außer sich; die Unterschiede
+sind schlechthin gesetzt, in das Wesen zurückgenommen. Aber nach der
+andern Seite sind sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst
+reflektirt; die Negation als Negation, ist in Gleichheit mit ihr
+selbst, nicht in ihr Anderes, nicht in ihr Nichtseyn reflektirt.
+
+3. Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in
+sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus
+ihre Natur näher. Als Gesetztseyn nämlich ist sie die Negation als
+solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die absolute
+Reflexion in sich oder gegen das Wesen. Aber als Beziehung auf sich
+ist sie in sich reflektirt.--Diese ihre Reflexion und jenes
+Gesetztseyn sind verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr
+Aufgehobenseyn; ihr Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen.
+Insofern es nun also das Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in
+sich selbst ist, so ist die Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf
+ihr Andersseyn an ihr selbst.--Sie ist nicht als eine seyende,
+ruhende Bestimmtheit, welche bezogen würde auf ein Anderes, so daß
+das Bezogene und dessen Beziehung verschieden von einander sind,
+jenes ein Insichseyendes, ein Etwas, welches sein Anderes und seine
+Beziehung auf dieß Andere von sich ausschließt. Sondern die
+Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die bestimmte Seite, und die
+Beziehung dieser bestimmten Seite als bestimmter, das heißt, auf ihre
+Negation.--Die Qualität geht durch ihre Beziehung in Anderes über; in
+ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung. Die Reflexionsbestimmung
+hingegen hat ihr Andersseyn in sich zurückgenommen. Sie ist
+Gesetztseyn, Negation, welche aber die Beziehung auf Anderes in sich
+zurückbeugt, und Negation, die sich selbst gleich, die Einheit ihrer
+selbst und ihres Andern und nur dadurch Wesensheit ist. Sie ist also
+Gesetztseyn, Negation, aber als Reflexion in sich ist sie zugleich
+das Aufgehobenseyn dieses Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen.
+
+
+Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes
+Wesen, oder es ist Wesenheit.
+
+Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst. Das Wesen
+als unendliche Rückkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern
+negative Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene
+Momente, absolute Vermittelung mit sich. Aber es scheint in diese
+seine Momente; sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen.
+
+Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine
+Identität. Dieß ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr
+Bestimmungslosigkeit ist.
+
+Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar
+theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied, die
+Verschiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengesetzte
+Verschiedenheit oder als Gegensatz.
+
+Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst
+und geht in seinen Grund zurück.
+
+Anmerkung.
+
+Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Sätzen
+aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von
+Allem gelten. Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze,
+die allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und
+unbeweisbar seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse,
+unmittelbar und unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen
+werden.
+
+So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze
+ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A
+kann nicht zugleich A und nicht A seyn. Es ist zunächst nicht
+abzusehen, warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in
+diese besondere Form gefaßt werden sollen, und nicht auch die andern
+Kategorien, wie alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seyns. Es ergäben
+sich die Sätze z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder
+Alles hat eine Qualität, Quantität u.s.w. Denn Seyn, Daseyn u.s.f.
+sind als logische Bestimmungen überhaupt Prädikate von Allem. Die
+Kategorie ist ihrer Etymologie und der Definition des Aristoteles
+nach, dasjenige, was von dem Seyenden gesagt, behauptet wird.--Allein
+eine Bestimmtheit des Seyns ist wesentlich ein Übergehen ins
+Entgegengesetzte; die negative einer jeden Bestimmtheit ist so
+nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren Bestimmtheiten steht
+jeder die andere unmittelbar gegenüber. Wenn diese Kategorien daher
+in solche Sätze gefaßt werden, so kommen ebenso sehr die
+entgegengesetzten Sätze zum Vorschein; beide bieten sich mit gleicher
+Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen
+wenigstens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis
+gegen den andern, und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der
+Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des
+Denkens zukommen.
+
+Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art.
+Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen
+Anderes zugleich entnommene Bestimmungen. Ferner indem es
+Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so
+enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich. Denn der
+Satz unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem
+der Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder daß er eine bestimmte
+Beziehung ist. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das
+Prädikat, als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich und von
+ihrer Beziehung, der einfachen Copula, unterschieden ist. Wenn ein
+Satz in ein Urtheil verwandelt werden soll, so wird der bestimmte
+Inhalt, wenn er z.B. in einem Zeitworte liegt, in ein Particip
+verwandelt, um auf diese Art die Bestimmung selbst und ihre Beziehung
+auf ein Subjekt zu trennen. Den Reflexions-Bestimmungen dagegen als
+in sich reflektirtem Gesetztseyn liegt die Form des Satzes selbst
+nahe.--Allein indem sie als allgemeine Denkgesetze ausgesprochen
+werden, so bedürfen sie noch eines Subjekts ihrer Beziehung, und dieß
+Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso viel als Alles und Jedes
+Seyn bedeutet.
+
+Eines Theils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges; die
+Reflexions-Bestimmungen sind an und für sich zu betrachten. Ferner
+haben diese Sätze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum
+Subjekte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen
+die Reflexions-Bestimmungen, die Identität u.s.f. von dem Etwas als
+eine Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne,
+sondern daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als
+seyendes, nicht daß es in die Identität u.s.f. als in seine Wahrheit
+und sein Wesen übergegangen sey.
+
+Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich
+selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne
+Entgegensetzung zu seyn; aber wie sich aus ihrer nähern Betrachtung
+ergeben wird,--oder wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der
+Verschiedenheit, der Entgegensetzung erhellt--sind sie bestimmte
+gegen einander, sie sind also durch ihre Form der Reflexion, dem
+Übergehen und dem Widerspruche nicht entnommen. Die mehrern Sätze,
+die als absolute Denkgesetze aufgestellt werden, sind daher, näher
+betrachtet, einander entgegengesetzt, sie widersprechen einander und
+heben sich gegenseitig auf.--Wenn Alles identisch mit sich ist, so
+ist es nicht verschieden, nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund.
+Oder wenn angenommen wird, es giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h.
+Alles ist von einander verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A
+auch nicht entgegengesetzt u.s.f. Die Annahme eines jeden von diesen
+Sätzen läßt die Annahme der andern nicht zu.--Die gedankenlose
+Betrachtung derselben zählt sie nach einander auf, so daß sie in
+keiner Beziehung auf einander erscheinen; sie hat bloß ihr
+Reflektirtseyn in sich im Sinne, ohne ihr anderes Moment, das
+Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als solche zu beachten, welche sie
+in den Übergang und in ihre Negation fortreiBt.
+
+A. Die Identität.
+
+1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene
+Unmittelbarkeit. Seine Negativität ist sein Seyn; es ist sich selbst
+gleich in seiner absoluten Negativität, durch die das Andersseyn und
+die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine
+Sichselbstgleichheit verschwunden ist. Das Wesen ist also einfache
+Identität mit sich.
+
+Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie
+ist nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch
+das Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur
+Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern,
+sondern dieß reine Herstellen aus und in sich selbst; die
+wesentliche Identität. Sie ist insofern nicht abstrakte Identität,
+oder nicht durch ein relatives Negiren entstanden, das außerhalb
+ihrer vorgegangen wäre, und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt,
+übrigens aber dasselbe außer ihr als seyend gelassen hätte, vor wie
+nach. Sondern das Seyn und alle Bestimmtheit des Seyns hat sich
+nicht relativ, sondern an sich selbst aufgehoben; und diese einfache
+Negativität, des Seyns an sich, ist die Identität selbst.
+
+Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe, als das Wesen.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Denken, das sich in der äußern Reflexion hält, und von keinem
+andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die
+Identität wie sie so eben gefaßt worden ist, oder das Wesen, was
+dasselbe ist, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die
+abstrakte Identität vor sich, und außer und neben derselben den
+Unterschied. Es meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein
+Webstuhl, auf dem sie den Zettel, etwa die Identität, und dann den
+Eintrag, den Unterschied, äußerlich mit einander verbinde und
+verschlinge; oder auch wieder analysirend jetzt die Identität
+besonders herausziehe, und dann auch wieder den Unterschied daneben
+erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und dann auch wieder ein
+Ungleichsetzen sey;--ein Gleichsetzen, indem man vom Unterschiede,
+--ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen abstrahire.--Man muß
+diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die Vernunft thue,
+ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen bloß
+historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist, an
+ihm selbst zeigt, daß es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich
+und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem
+Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung
+des Übergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und dieß
+darum, weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist. Der
+Begriff der Identität, einfache sich auf sich beziehende Negativität
+zu seyn, ist nicht ein Produkt der äußern Reflexion, sondern hat sich
+an dem Seyn selbst ergeben. Da hingegen jene Identität, die außer
+dem Unterschied, und der Unterschied, der außer der Identität sey,
+Produkte der äußern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich
+willkürlicher Weise auf diesem Punkte der gleichgültigen
+Verschiedenheit festhält.
+
+2. Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst, noch keine
+Bestimmung desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes
+Moment derselben. Als absolute Negation ist sie die Negation, die
+unmittelbar sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in
+seinem Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts
+unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst
+zusammenfällt. Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als
+des Nichtseyns des Andern. Aber das Nichtseyn des Andern ist
+Aufheben des Andern, und somit des Unterscheidens selbst. So ist
+aber das Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende
+Negativität, als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist;
+ein Nichtseyn, das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an
+sich selbst hat. Es ist also der sich auf sich beziehende, der
+reflektirte Unterschied vorhanden, oder reine, absolute Unterschied.
+
+Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst, welche dieß nur
+ist, als innerliches Abstoßen, und dieß Abstoßen ist es als Reflexion
+in sich, unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen. Sie ist
+somit die Identität als der mit sich identische Unterschied. Der
+Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die
+Identität, sondern absolute Nichtidentität ist. Absolut aber ist die
+Nichtidentität, insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern
+nur sich selbst, das heißt, insofern sie absolute Identität mit sich
+ist.
+
+Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität. Aber
+sie ist auch die Bestimmung der Identität dagegen. Denn als
+Reflexion in sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist
+das Ganze, aber als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment,
+als Gesetztseyn, aus welchem sie die Rückkehr in sich ist. So als
+ihr Moment ist sie erst die Identität als solche als Bestimmung der
+einfachen Gleichheit mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied.
+
+Anmerkung 2.
+
+Ich werde in dieser Anmerkung die Identität als den Satz der
+Identität näher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgeführt
+zu werden pflegt.
+
+Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunächst nichts
+weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es ist daher richtig
+bemerkt worden, daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht
+weiter führe. So ist die leere Identität, an welcher diejenigen
+festhangen bleiben, welche sie als solche für etwas Wahres nehmen und
+immer vorzubringen pflegen, die Identität sey nicht die
+Verschiedenheit, sondern die Identität und die Verschiedenheit seyen
+verschieden. Sie sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen, daß
+die Identität ein Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identität
+sey verschieden von der Verschiedenheit; indem dieß zugleich als die
+Natur der Identität zugegeben werden muß, so liegt darin, daß die
+Identität nicht äußerlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dieß
+sey, verschieden zu seyn.--Ferner aber indem sie an dieser unbewegten
+Identität festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit
+hat, so sehen sie nicht, daß sie hiermit dieselbe zu einer
+einseitigen Bestimmtheit machen, die als solche keine Wahrheit hat.
+Es wird zugegeben, daß der Satz der Identität nur eine einseitige
+Bestimmtheit ausdrücke, daß er nur die formelle eine abstrakte,
+unvollständige Wahrheit enthalte.--In diesem richtigen Urtheil liegt
+aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur in der Einheit der Identität
+mit der Verschiedenheit vollständig ist, und somit nur in dieser
+Einheit bestehe. Indem behauptet wird, daß jene Identität
+unvollkommen ist, so schwebt diese Totalität, an der gemessen die
+Identität unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor;
+indem aber auf der andern Seite die Identität als absolut getrennt
+von der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein
+Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen
+widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese
+Gedanken, daß die Identität als abstrakte wesentlich, und daß sie als
+solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des
+Bewußtseyns über die negative Bewegung, als welche in diesen
+Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.--Oder indem sich
+so ausgedrückt wird, die Identität sey wesentliche Identität als
+Trennung von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der
+Verschiedenheit, so ist dieß unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit
+derselben, daß sie darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder
+in der Trennung wesentlich, das ist, nichts für sich, sondern Moment
+der Trennung zu seyn.
+
+Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes
+der Identität betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung
+gegründet, als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseyns berufen wird,
+daß es, wie man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum,
+ausspreche, es denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey,
+daß der Satz als unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern
+Begründung und Beweises bedürfe.
+
+Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein
+jedes Bewußtseyn ihn anerkenne, bloße Redensart. Denn man will nicht
+sagen, daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem
+Bewußtseyn gemacht habe. Es ist insofern weiter nicht Ernst mit
+jener Berufung auf wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur
+die Versicherung, daß wenn man die Erfahrung machte, sich das
+Resultat des allgemeinen Anerkennens ergeben würde.--Wäre aber nicht
+der abstrakte Satz als solcher, sondern der Satz in konkreter
+Anwendung gemeint, aus der jener erst entwickelt werden sollte, so
+bestünde die Behauptung von seiner Allgemeinheit und Unmittelbarkeit
+darin, daß jedes Bewußtseyn, und selbst in jeder seiner Äußerungen
+ihn zu Grunde lege, oder daß er implicite in jeder liege. Allein das
+Konkrete und die Anwendung ist ja eben die Beziehung des einfachen
+Identischen auf ein von ihm verschiedenes Mannigfaltiges. Als Satz
+ausgedrückt, wäre das Konkrete zunächst ein synthetischer Satz. Aus
+dem Konkreten selbst oder seinem synthetischen Satze würde die
+Abstraktion den Satz der Identität wohl durch Analyse herausbringen
+können; aber in der That hätte sie die Erfahrung nicht gelassen wie
+sie ist, sondern verändert; denn die Erfahrung enthielt vielmehr die
+Identität in Einheit mit der Verschiedenheit, und ist die
+unmittelbare Widerlegung von der Behauptung, daß die abstrakte
+Identität als solche etwas Wahres sey, denn das gerade Gegentheil,
+nämlich die Identität nur vereinigt mit der Verschiedenheit, kommt in
+jeder Erfahrung vor.
+
+Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen
+Satze der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser
+Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen
+wird. Wenn nämlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die
+Antwort gegeben wird: eine Pflanze ist--eine Pflanze, so wird die
+Wahrheit eines solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der
+sie erprobt wird, zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig
+gesagt werden, daß damit Nichts gesagt ist. Wenn einer den Mund
+aufthut, und anzugeben verspricht, was Gott sey, nämlich Gott
+sey--Gott, so findet sich die Erwartung getäuscht, denn sie sah einer
+verschiedenen Bestimmung entgegen; und wenn dieser Satz absolute
+Wahrheit ist, wird solche absolute Rednerei sehr gering geachtet; es
+wird nichts für langweiliger und lästiger gehalten werden, als eine
+nur dasselbe wiederkäuende Unterhaltung, als solches Reden, das doch
+Wahrheit seyn soll.
+
+Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet,
+so macht der Anfang: die Pflanze ist--, Anstalten etwas zu sagen,
+eine weitere Bestimmung vorzubringen. Indem aber nur dasselbe
+wiederkehrt, so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts
+herausgekommen. Solches identische Reden widerspricht sich also
+selbst. Die Identität, statt an ihr die Wahrheit und absolute
+Wahrheit zu seyn, ist daher vielmehr das Gegentheil; statt das
+unbewegte Einfache zu seyn, ist sie das Hinausgehen über sich in die
+Auflösung ihrer selbst.
+
+Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität
+ausgedrückt ist, mehr als die einfache, abstrakte Identität; es liegt
+diese reine Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als
+Schein, als unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein
+Beginnen, dem ein Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen
+werde; aber es kommt nicht zu dem Verschiedenen; A ist--A: die
+Verschiedenheit ist nur ein Verschwinden; die Bewegung geht in sich
+selbst zurück.--Die Form des Satzes kann als die verborgene
+Nothwendigkeit angesehen werden, noch das Mehr jener Bewegung zu der
+abstrakten Identität hinzuzufügen.--So kommt auch ein A, oder eine
+Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das als ein unnützer Inhalt
+keine Bedeutung hat; aber er macht die Verschiedenheit aus, die sich
+zufälligerweise beizugesellen scheint. Wenn statt des A und jedes
+andern Substrats, die Identität selbst genommen wird,--die Identität
+ist die Identität,--so ist ebenso zugegeben, daß statt dieser
+gleichfalls jedes andere Substrat genommen werden könne. Wenn sich
+daher einmal darauf berufen werden soll, was die Erscheinung zeigt,
+so zeigt sie dieß, daß in dem Ausdrucke der Identität auch
+unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;--oder bestimmter nach dem
+Obigen, daß diese Identität das Nichts, daß sie die Negativität, der
+absolute Unterschied von sich selbst ist.
+
+Der andre Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A
+und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heißt der Satz des
+Widerspruchs. Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch
+sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme,
+keine Rechtfertigung gegeben zu werden.--Diese Form liegt aber darin,
+daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache
+Negativität ist, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes
+entwickelter enthält. Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das
+Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden. Die
+Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt,--als Negation der
+Negation. A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen
+sind auf ein und dasselbe A bezogen. Die Identität ist also als
+diese Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache
+Unterschied an ihnen selbst hier dargestellt.
+
+Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst und noch mehr
+der Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer, sondern
+synthetischer Natur ist. Denn der letztere enthält in seinem
+Ausdrucke nicht nur die leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern
+nicht allein das Andere derselben überhaupt, sondern sogar die
+absolute Ungleichheit, den Widerspruch an sich. Der Satz der
+Identität selbst aber enthält, wie an ihm gezeigt wurde, die
+Reflexions-Bewegung, die Identität als Verschwinden des Andersseyns.
+
+Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, daß erstens der
+Satz der Identität oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte
+Identität im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdrücken
+soll, kein Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist;
+zweitens, daß diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich
+dieses Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten.
+
+B. Der Unterschied.
+
+1. Der absolute Unterschied.
+
+Der Unterschied ist die Negativität, welche die Reflexion in sich hat;
+das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird; das
+wesentliche Moment der Identität selbst, die zugleich als Negativität
+ihrer selbst, sich bestimmt und unterschieden vom Unterschied ist.
+
+1. Dieser Unterschied ist der Unterschied an und für sich, der
+absolute Unterschied, der Unterschied des Wesens.--Er ist der
+Unterschied an und für sich, nicht Unterschied durch ein Äußerliches,
+sondern sich auf sich beziehender, also einfacher Unterschied.--Es
+ist wesentlich den absoluten Unterschied als einfachen zu fassen. Im
+absoluten Unterschiede des A und Nicht-A von einander ist es das
+einfache Nicht, was als solches denselben ausmacht. Der Unterschied
+selbst ist einfacher Begriff. Darin, drückt man sich aus, sind zwei
+Dinge unterschieden, daß sie u.s.f.--Darin, das heißt, in einer und
+derselben Rücksicht, in demselben Bestimmungsgrunde. Er ist der
+Unterschied der Reflexion, nicht das Andersseyn des Daseyns. Ein
+Daseyn und ein anderes Daseyn sind gesetzt als außereinanderfallend,
+jedes der gegen einander bestimmten Daseyn hat ein unmittelbares Seyn
+für sich. Das Andre des Wesens dagegen ist das Andre an und für sich,
+nicht das Andre als eines andern außer ihm Befindlichen; die
+einfache Bestimmtheit an sich. Auch in der Sphäre des Daseyns erwies
+sich das Andersseyn und die Bestimmtheit von dieser Natur, einfache
+Bestimmtheit, identischer Gegensatz zu seyn; aber diese Identität
+zeigte sich nur als das Übergehen einer Bestimmtheit in die andere.
+Hier in der Sphäre der Reflexion tritt der Unterschied als
+reflektirter auf, der so gesetzt ist, wie er an sich ist.
+
+2. Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende
+Unterschied; so ist er die Negativität seiner selbst, der Unterschied
+nicht von einem Andern, sondern seiner von sich selbst; er ist nicht
+er selbst, sondern sein Anderes. Das Unterschiedene aber vom
+Unterschiede ist die Identität. Er ist also er selbst und die
+Identität. Beide zusammen machen den Unterschied aus; er ist das
+Ganze und sein Moment.--Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied
+als einfacher ist kein Unterschied; er ist dieß erst in Beziehung auf
+die Identität; aber vielmehr enthält er als Unterschied ebenso sie
+und diese Beziehung selbst.--Der Unterschied ist das Ganze und sein
+eignes Moment; wie die Identität ebenso sehr ihr Ganzes und ihr
+Moment ist.--Dieß ist als die wesentliche Natur der Reflexion und als
+bestimmter Urgrund aller Thätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten.
+--Unterschied wie die Identität machen sich zum Momente oder zum
+Gesetztseyn, weil sie als Reflexion die negative Beziehung auf sich
+selbst sind.
+
+Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identität, ist an sich
+selbst bestimmter Unterschied. Er ist nicht Übergehen in ein Anderes,
+nicht Beziehung auf Anderes außer ihm; er hat sein Anderes, die
+Identität an ihm selbst; so wie diese, indem sie in die Bestimmung
+des Unterschieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren
+hat, sondern in ihm sich erhält, seine Reflexion in sich und sein
+Moment ist.
+
+3. Der Unterschied hat die beiden Momente, Identität und Unterschied;
+beide sind so ein Gesetztseyn, Bestimmtheit. Aber in diesem
+Gesetztseyn ist jedes Beziehung auf sich selbst. Das eine, die
+Identität ist unmittelbar selbst das Moment der Reflexion in sich;
+ebenso ist aber das andere, der Unterschied, Unterschied an sich, der
+reflektirte Unterschied. Der Unterschied, indem er zwei solche
+Momente hat, die selbst die Reflexionen in sich sind, ist
+Verschiedenheit.
+
+2. Die Verschiedenheit.
+
+1. Die Identität zerfällt an ihr selbst in Verschiedenheit, weil sie
+als absoluter Unterschied in sich selbst, sich als das Negative ihrer
+setzt, und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer,
+Reflexionen in sich, identisch mit sich sind; oder eben weil sie ihr
+Negiren unmittelbar selbst aufhebt, und in ihrer Bestimmung in sich
+reflektirt ist. Das Unterschiedne besteht als gegen einander
+gleichgültig verschiedenes, weil es identisch mit sich ist, weil die
+Identität seinen Boden und Element ausmacht; oder das Verschiedene
+ist das, was es ist, eben nur in seinem Gegentheile, der Identität.
+
+Die Verschiedenheit macht das Andersseyn als solches der Reflexion
+aus. Das Andere des Daseyns hat das unmittelbare Seyn zu seinem
+Grunde, in welchem das Negative besteht. In der Reflexion aber macht
+die Identität mit sich, die reflektirte Unmittelbarkeit, das Bestehen
+des Negativen und die Gleichgültigkeit desselben aus.
+
+Die Momente des Unterschiedes sind die Identität und der Unterschied
+selbst. Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektirte, sich
+auf sich beziehende; so sind sie in der Bestimmung der Identität,
+Beziehungen nur auf sich; die Identität ist nicht bezogen auf den
+Unterschied, noch ist der Unterschied bezogen auf die Identität;
+indem so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist, sind sie
+nicht bestimmt gegen einander.--Weil sie nun auf diese Weise nicht an
+ihnen selbst unterschiedene sind, so ist der Unterschied ihnen
+äußerlich. Die Verschiedenen verhalten sich also nicht als Identität
+und Unterschied zu einander, sondern nur als Verschiedene überhaupt,
+die gleichgültig gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind.
+
+2. In der Verschiedenheit als der Gleichgültigkeit des Unterschieds,
+ist sich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden; der Unterschied
+ist nur ein Gesetztseyn oder als aufgehobener, aber er ist selbst die
+ganze Reflexion.--Dieß näher betrachtet, so sind beide, die Identität
+und der Unterschied, wie sich so eben bestimmt hat, Reflexionen;
+jedes Einheit seiner selbst und seines Andern; jedes ist das Ganze.
+Damit aber ist die Bestimmtheit, nur Identität oder nur Unterschied
+zu seyn, ein Aufgehobenes. Sie sind darum keine Qualitäten, weil
+ihre Bestimmtheit durch die Reflexion in sich zugleich nur als
+Negation ist. Es ist also dieß Gedoppelte vorhanden, die Reflexion
+in sich als solche, und die Bestimmtheit als Negation, oder das
+Gesetztseyn. Das Gesetztseyn ist die sich äußerliche Reflexion; es
+ist die Negation als Negation; hiermit an sich zwar die sich auf sich
+beziehende Negation und Reflexion in sich; aber nur an sich; es ist
+die Beziehung darauf als auf ein Äußerliches.
+
+Die Reflexion an sich und die äußere Reflexion, sind somit die zwei
+Bestimmungen, in die sich die Momente des Unterschiedes, Identität
+und Unterschied, setzten. Sie sind diese Momente selbst, insofern
+sie sich nunmehr bestimmt haben.--Die Reflexion an sich ist die
+Identität, aber bestimmt, gleichgültig gegen den Unterschied zu seyn;
+nicht den Unterschied gar nicht zu haben, sondern sich als mit sich
+identisch gegen ihn zu verhalten; sie ist die Verschiedenheit. Es
+ist die Identität, die sich so in sich reflektirt hat, daß sie
+eigentlich die Eine Reflexion der beiden Momente in sich ist, beide
+sind Reflexionen in sich. Die Identität ist diese eine Reflexion
+beider, die den Unterschied nur als einen gleichgültigen an ihr hat,
+und Verschiedenheit überhaupt ist.--Die äußere Reflexion dagegen ist
+der bestimmte Unterschied derselben nicht als absolute Reflexion in
+sich, sondern als Bestimmung, wogegen die an sich seyende Reflexion
+gleichgültig ist; seine beiden Momente, die Identität und der
+Unterschied selbst, sind so äußerlich gesetzte, nicht an und für sich
+seyende Bestimmungen.
+
+Diese äußerliche Identität nun ist die Gleichheit, und der äußerliche
+Unterschied die Ungleichheit.--Die Gleichheit ist zwar Identität,
+aber nur als ein Gesetztseyn, eine Identität, die nicht an und für
+sich ist.--Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein
+äußerlicher, der nicht an und für sich der Unterschied des Ungleichen
+selbst ist. Ob Etwas einem andern Etwas gleich ist oder nicht, geht
+weder das eine noch das andere an; jedes derselben ist nur auf sich
+bezogen; ist an und für sich selbst was es ist; die Identität oder
+Nichtidentität als Gleichheit und Ungleichheit ist die Rücksicht
+eines Dritten, die außer ihnen fällt.
+
+3. Die äußere Reflexion bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit
+und Ungleichheit. Diese Beziehung, das Vergleichen, geht von der
+Gleichheit zur Ungleichheit, und von dieser zu jener herüber und
+hinüber. Aber dieses herüber- und hinübergehende Beziehen der
+Gleichheit und Ungleichheit ist diesen Bestimmungen selbst äußerlich;
+auch werden sie nicht auf einander, sondern jede für sich nur auf ein
+Drittes bezogen. Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar für
+sich hervor.--Die äußerliche Reflexion ist als solche sich selbst
+äußerlich; der bestimmte Unterschied ist der negirte absolute
+Unterschied; er ist somit nicht einfach, nicht die Reflexion in sich,
+sondern diese hat er außer ihm; seine Momente fallen daher aus
+einander, und beziehen sieh auch als gegen einander äußerliche, auf
+die ihnen gegenüber stehende Reflexion in sich.
+
+An der sich entfremdeten Reflexion kommen also die Gleichheit und
+Ungleichheit als gegen einander selbst unbezogene hervor, und sie
+trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht, durch die
+Insoferns, Seiten und Rücksichten. Die Verschiedenen, die das eine
+und dasselbe sind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit,
+bezogen werden, sind also nach der einen Seite einander gleich, nach
+der andern Seite aber ungleich, und insofern sie gleich sind,
+insofern sind sie nicht ungleich. Die Gleichheit bezieht sich nur
+auf sich, und die Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit.
+
+Durch diese ihre Trennung von einander aber heben sie sich nur auf.
+Gerade, was den Widerspruch und die Auflösung von ihnen abhalten soll,
+daß nämlich Etwas einem Andern in einer Rücksicht gleich, in einer
+andern aber ungleich sey;--dieß Auseinanderhalten der Gleichheit und
+Ungleichheit ist ihre Zerstörung. Denn beide sind Bestimmungen des
+Unterschiedes; sie sind Beziehungen aufeinander, das eine, zu seyn,
+was das andere nicht ist; gleich ist nicht ungleich, und ungleich ist
+nicht gleich; und beide haben wesentlich diese Beziehung, und außer
+ihr keine Bedeutung; als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das
+was es ist, als unterschieden von seinem andern. Durch ihre
+Gleichgültigkeit aber gegen einander, ist die Gleichheit nur bezogen
+auf sich, die Ungleichheit ist ebenso eine eigene Rücksicht und
+Reflexion für sich; jede ist somit sich selbst gleich; der
+Unterschied ist verschwunden, da sie keine Bestimmtheit gegen
+einander haben; oder jede ist hiermit nur Gleichheit.
+
+Diese gleichgültige Rücksicht, oder der äußerliche Unterschied hebt
+somit sich selbst auf, und ist die Negativität seiner an sich selbst.
+Er ist diejenige Negativität, welche in dem Vergleichen dem
+Vergleichenden zukommt. Das Vergleichende geht von der Gleichheit
+zur Ungleichheit, und von dieser zu jener zurück; läßt also das eine
+im andern verschwinden, und ist in der That die negative Einheit
+beider. Sie ist zunächst jenseits des Verglichenen so wie jenseits
+der Momente der Vergleichung, als ein Subjektives, außerhalb ihnen
+fallendes Thun. Aber diese negative Einheit ist in der That die
+Natur der Gleichheit und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat.
+Eben die selbstständige Rücksicht, die eine jede ist, ist vielmehr
+die ihre Unterschiedenheit und damit sie selbst aufhebende Beziehung
+auf sich.
+
+Nach dieser Seite, als Momente der äußern Reflexion und als sich
+selbst äußerlich, verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in
+ihre Gleichheit zusammen. Aber diese ihre negative Einheit ist
+ferner auch an ihnen gesetzt; sie haben nämlich die an sich seyende
+Reflexion außer ihnen, oder sind die Gleichheit und Ungleichheit
+eines Dritten, eines Andern als sie selbst sind. So ist das Gleiche
+nicht das Gleiche seiner selbst, und das Ungleiche als das Ungleiche
+nicht seiner selbst, sondern eines ihm ungleichen, ist selbst das
+Gleiche. Das Gleiche und das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner
+selbst. Jedes ist somit diese Reflexion, die Gleichheit, daß sie sie
+selbst und die Ungleichheit, die Ungleichheit, daß sie sie selbst und
+die Gleichheit ist.
+
+Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseyns, gegen
+das Verglichene oder das Verschiedene aus, das sich als die an sich
+seyende Reflexion gegen sie bestimmt hatte. Aber dieses hat damit
+seine Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren. Eben die Gleichheit
+und Ungleichheit, die Bestimmungen der äußerlichen Reflexion, sind
+die nur an sich seyende Reflexion, welche das Verschiedene als
+solches seyn sollte, sein nur unbestimmter Unterschied. Die an sich
+seyende Reflexion ist die Beziehung auf sich ohne Negation, die
+abstrakte Identität mit sich; damit eben das Gesetztseyn selbst.--Das
+bloß Verschiedene geht also durch das Gesetztseyn über in die
+negative Reflexion. Das Verschiedene ist der bloß gesetzte
+Unterschied, also der Unterschied, der keiner ist, also die Negation
+seiner an ihm selbst. So die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das
+Gesetztseyn, geht durch die Gleichgültigkeit oder die an sich seyende
+Reflexion zurück in die negative Einheit mit sich; in die Reflexion,
+welche der Unterschied der Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst
+ist. Die Verschiedenheit, deren gleichgültige Seiten ebenso sehr
+schlechthin nur Momente als Einer negativen Einheit sind, ist der
+Gegensatz.
+
+Anmerkung.
+
+Die Verschiedenheit wird, wie die Identität, in einem eigenen Satze
+ausgedrückt. Übrigens bleiben diese beide Sätze in der
+gleichgültigen Verschiedenheit gegeneinander gehalten, so daß jeder
+für sich gilt ohne Rücksicht auf den andern.
+
+Alle Dinge sind verschieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die
+einander gleich sind.--Dieser Satz ist in der That dem Satze der
+Identität entgegengesetzt, denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes,
+also A ist auch nicht A; oder A ist einem andern ungleich, so ist es
+nicht A überhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A. An die Stelle
+des A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt, aber A
+als Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauscht werden. Es
+soll zwar nicht ein Verschiedenes von sich, sondern nur von Anderem
+seyn; aber diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung. Als
+mit sich identisches A ist es das Unbestimmte; aber als Bestimmtes
+ist es das Gegentheil hiervon, es hat nicht mehr nur die Identität
+mit sich, sondern auch eine Negation, somit eine Verschiedenheit
+seiner selbst von sich an ihm.
+
+Daß alle Dinge verschieden sind von einander, ist ein sehr
+überflüssiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die
+Mehrheit und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.--Der Satz aber: es
+giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind, drückt
+mehr, nämlich die bestimmte Verschiedenheit aus. Zwei Dinge sind
+nicht bloß zwei; die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit,
+sondern sie sind durch eine Bestimmung verschieden. Der Satz, daß es
+nicht zwei Dinge giebt, die einander gleich sind, fällt dem
+Vorstellen,--auch nach der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn
+Leibniz vorgebracht und die Damen veranlaßt haben soll, unter
+Baumblättern zu suchen, ob sie nicht zwei gleiche finden.--Glückliche
+Zeiten für die Metaphysik, wo man sich am Hofe mit ihr beschäftigte,
+und wo es keiner andern Anstrengung bedurfte, ihre Sätze zu prüfen,
+als Baumblätter zu vergleichen!--Der Grund, daß jener Satz auffallend
+ist, liegt in dem Gesagten, daß zwei oder die numerische Mehrheit
+noch keine bestimmte Verschiedenheit enthält, und daß die
+Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion zunächst gleichgültig
+gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist. Das Vorstellen, indem es
+auch zur Bestimmung übergeht, nimmt diese Momente selbst als gegen
+einander gleichgültige auf, so daß das eine ohne das andere, die
+bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur Bestimmung
+hinreiche, oder daß die Dinge verschieden seyen, wenn sie auch nur
+numerisch Viele, verschiedene überhaupt, nicht ungleiche sind. Der
+Satz der Verschiedenheit hingegen drückt aus, daß die Dinge durch die
+Ungleichheit von einander verschieden sind, daß ihnen die Bestimmung
+der Ungleichheit so sehr zukomme als die der Gleichheit, denn erst
+beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus.
+
+Dieser Satz nun, daß allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit
+zukommt, bedürfte eines Beweises; er kann nicht als unmittelbarer
+Satz aufgestellt werden, denn die gewöhnliche Weise des Erkennens
+selbst fotdert für die Verknüpfung verschiedener Bestimmungen in
+einem synthetischen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines
+Dritten, worin sie vermittelt sind. Dieser Beweis müßte den Übergang
+der Identität in die Verschiedenheit, und dann den Übergang dieser in
+die bestimmte Verschiedenheit, in die Ungleichheit darthun. Dieß
+pflegt aber nicht geleistet zu werden; es ergab sich darin, daß die
+Verschiedenheit oder der äußerliche Unterschied, in Wahrheit in sich
+reflektirter, Unterschied an ihm selbst ist, daß das gleichgültige
+Bestehen des Verschiedenen das bloße Gesetztseyn, und damit nicht
+äußerlicher, gleichgültiger Unterschied, sondern Eine Beziehung der
+beiden Momente ist.
+
+Es liegt darin auch die Auflösung und Nichtigkeit des Satzes der
+Verschiedenheit. Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich; so sind
+sie gleich und ungleich zugleich; gleich schon darin, daß sie Dinge
+oder zwei überhaupt sind, denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut
+als das andere,jedes also dasselbe, was das andere; ungleich aber
+sind sie durch die Annahme. Es ist somit die Bestimmung vorhanden,
+daß beide Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und
+demselben verschieden, oder daß der außereinanderfallende Unterschied,
+zugleich eine und dieselbe Beziehung ist. Somit ist sie in
+Entgegensetzung übergegangen.
+
+Das Zugleich der beiden Prädikate wird zwar durch das Insofern aus
+einander gehalten; daß zwei Dinge insofern sie gleich, _insofern_
+nicht ungleich, oder nach einer Seite und Rücksicht gleich, nach der
+andern Seite und Rücksicht aber ungleich sind. Damit wird die
+Einheit der Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und
+was seine eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit
+an sich wäre, als eine dem Dinge äußerliche Reflexion festgehalten.
+Diese ist es aber somit, die in einer und derselben Thätigkeit die
+zwei Seiten der Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet, somit in
+Einer Thätigkeit beide enthält, die eine in die andere scheinen läßt
+und reflektirt.--Die gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber, die
+nur dafür sorgt, daß diese sich nicht widersprechen, vergißt hier wie
+sonst, daß damit der Widerspruch nicht aufgelöst, sondern nur
+anderswohin, in die Subjektive oder äußere Reflexion überhaupt
+geschoben wird, und daß diese in der That die beiden Momente, welche
+durch diese Entfernung und Versetzung als bloßes Gesetztseyn
+ausgesprochen werden, als aufgehobene und auf einander bezogene in
+Einer Einheit enthält.
+
+3. Der Gegensatz.
+
+Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet.
+Er ist die Einheit der Identität und der Verschiedenheit; seine
+Momente sind in Einer Identität verschiedene; so sind sie
+entgegengesetzte.
+
+Die Identität und der Unterschied sind die Momente des Unterschiedes
+innerhalb seiner selbst gehalten; sie sind reflektirte Momente seiner
+Einheit. Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entäußerte
+Reflexion; ihre Identität mit sich ist nicht nur die Gleichgültigkeit
+eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene, sondern gegen das
+An-und-Fürsichseyn, als solches; eine Identität mit sich gegen die in
+sich reflektirte; sie ist also die nicht in sich reflektirte
+Unmittelbarkeit. Das Gesetztseyn der Seiten der äußerlichen
+Reflexion ist daher ein Seyn; so wie ihr Nichtgesetztseyn ein
+Nichtseyn.
+
+Die Momente des Gegensatzes näher betrachtet, so sind sie das in sich
+reflektirte Gesetztseyn oder Bestimmung überhaupt. Das Gesetztseyn
+ist die Gleichheit und Ungleichheit; sie beide in sich reflektirt
+machen die Bestimmungen des Gegensatzes aus. Ihre Reflexion in sich
+besteht darin, daß jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und
+Ungleichheit ist. Die Gleichheit ist nur in der Reflexion, welche
+nach der Ungleichheit vergleicht, somit durch ihr anderes
+gleichgültiges Moment vermittelt; ebenso die Ungleichheit ist nur in
+derselben reflektirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist.
+--Jedes dieser Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze. Es
+ist das Ganze, insofern es auch sein anderes Moment enthält; aber
+dieß sein anderes ist ein gleichgültig seyendes, so enthält jedes die
+Beziehung auf sein Nichtseyn, und ist nur die Reflexion in sich oder
+das Ganze als sich wesentlich auf sein Nichtseyn beziehend.
+
+Diese in sich reflektirte Gleichheit mit sich, die in ihr selbst die
+Beziehung auf die Ungleichheit enthält, ist das Positive; so die
+Ungleichheit die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtseyn, die
+Gleichheit enthält, ist das Negative.--Oder beide sind das
+Gesetztseyn; insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit als
+unterschiedene bestimmte Beziehung des Gesetztseyns auf sich genommen
+wird, so ist der Gegensatz eines Theils das Gesetztseyn in seine
+Gleichheit mit sich reflektirt; andern Theils dasselbe in seine
+Ungleichheit mit sich reflektirt; das Positive und Negative.--Das
+Positive ist das Gesetztseyn als in die Gleichheit mit sich
+reflektirt; aber das reflektirte ist das Gesetztseyn, das ist, die
+Negation als Negation, so hat diese Reflexion in sich die Beziehung
+auf das Andere zu ihrer Bestimmung. Das Negative ist das Gesetztseyn
+als in die Ungleichheit reflektirt; aber das Gesetztseyn ist die
+Ungleichheit selbst, so ist diese Reflexion somit die Identität der
+Ungleichheit mit sich selbst und absolute Beziehung auf sich.--Beide
+also, das in die Gleichheit mit sich reflektirte Gesetztseyn hat die
+Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit sich reflektirte
+Gesetztseyn hat auch die Gleichheit an ihm.
+
+Das Positive und das Negative sind so die selbstständig gewordenen
+Seiten des Gegensatzes. Sie sind selbstständig, indem sie die
+Reflexion des Ganzen in sich sind, und sie gehören dem Gegensatze an,
+insofern es die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektirt
+ist. Um ihrer Selbstständigkeit willen machen sie den an sich
+bestimmten Gegensatz aus. Jedes ist es selbst und sein Anderes,
+dadurch hat jedes seine Bestimmtheit nicht an einem andern, sondern
+an ihm selbst.--Jedes bezieht sich auf sich selbst, nur als sich
+beziehend auf sein Anderes. Dieß hat die doppelte Seite; jedes ist
+Beziehung auf sein Nichtseyn als Aufheben dieses Andersseyns in sich;
+so ist sein Nichtseyn nur ein Moment in ihm. Aber andern Theils ist
+hier das Gesetztseyn ein Seyn, ein gleichgültiges Bestehen geworden;
+das andre seiner, das jedes enthält, ist daher auch das Nichtseyn
+dessen, in welchem es nur als Moment enthalten seyn soll. Jedes ist
+daher nur, insofern sein Nichtseyn ist, und zwar in einer identischen
+Beziehung.
+
+Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituiren,
+bestehen also darin, daß das Positive und das Negative erstens
+absolute Momente des Gegensatzes sind; ihr Bestehen ist untrennbar
+Eine Reflexion; es ist Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das
+Nichtseyn seines Andern, damit durch sein Anderes oder sein eigenes
+Nichtseyn ist.--So sind sie Entgegengesetzte überhaupt; oder jedes
+ist nur das Entgegengesetzte des Andern; das eine ist noch nicht
+positiv, und das andre noch nicht negativ, sondern beide sind negativ
+gegen einander. Jedes ist so überhaupt erstens insofern das Andre
+ist; es ist durch das Andre, durch sein eignes Nichtseyn, das was es
+ist; es ist nur Gesetztseyn; zweitens es ist insofern das Andre nicht
+ist; es ist durch das Nichtseyn des Andern das was es ist; es ist
+Reflexion in sich.--Dieses beides ist aber die eine Vermittelung des
+Gegensatzes überhaupt, in der sie überhaupt nur Gesetzte sind.
+
+Aber ferner dieß bloße Gesetztseyn ist in sich reflektirt überhaupt;
+das Positive und Negative ist nach diesem Momente der äußern
+Reflexion gleichgültig gegen jene erste Identität, worin sie nur
+Momente sind; oder indem jene erste Reflexion die eigne Reflexion des
+Positiven und Negativen in sich selbst, jedes sein Gesetztseyn an ihm
+selbst ist, so ist jedes gleichgültig gegen diese seine Reflexion in
+sein Nichtseyn, gegen sein eigenes Gesetztseyn. Die beiden Seiten
+sind so bloß verschiedene, und insofern ihre Bestimmtheit, positiv
+und negativ zu seyn, ihr Gesetztseyn gegen einander ausmacht, so ist
+jede nicht an ihr selbst so bestimmt, sondern ist nur Bestimmtheit
+überhaupt; jeder Seite kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten von
+Positivem und Negativem zu; aber sie können verwechselt werden, und
+jede Seite ist von der Art, daß sie ebenso gut als positiv wie als
+negativ genommen werden kann.
+
+Aber das Positive und Negative ist drittens nicht nur ein Gesetztes,
+noch bloß ein Gleichgültiges, sondern ihr Gesetztseyn oder die
+Beziehung auf das andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind,
+ist in jedes zurückgenommen. Jedes ist an ihm selbst positiv und
+negativ; das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an
+und für sich; erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich
+ist es positiv und negativ. Das Positive hat die Beziehung auf das
+Andere, in der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst;
+ebenso das Negative ist nicht Negatives als gegen ein anderes,
+sondern hat die Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in
+ihm selbst.
+
+So ist jedes Selbstständige, für sich seyende Einheit mit sich. Das
+Positive ist wohl ein Gesetztseyn, aber so daß für es das Gesetztseyn
+nur Gesetztseyn, als aufgehobenes ist. Es ist das
+Nichtentgegengesetzte; der aufgehobene Gegensatz, aber als Seite des
+Gegensatzes selbst.--Als positiv ist zwar Etwas bestimmt in Beziehung
+auf ein Andersseyn, aber so daß seine Natur dieß ist, nicht ein
+Gesetztes zu seyn; es ist die das Andersseyn negirende Reflexion in
+sich. Aber das Andere seiner, das Negative, ist selbst nicht mehr
+Gesetztseyn oder Moment, sondern ein selbstständiges Seyn; so ist die
+negirende Reflexion des Positiven in sich bestimmt, dieß sein
+Nichtseyn von sich auszuschließen.
+
+So das Negative als absolute Reflexion ist nicht das unmittelbare
+Negative, sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztseyn; das Negative
+an und für sich, das positiv auf sich selbst beruht. Als Reflexion
+in sich negirt es seine Beziehung auf Anderes; sein Anderes ist das
+Positive, ein selbstständiges Seyn;--seine negative Beziehung darauf
+ist daher, es aus sich auszuschließen. Das Negative ist das für sich
+bestehende Entgegengesetzte, gegen das Positive, das die Bestimmung
+des aufgehobenen Gegensatzes ist; der auf sich beruhende ganze
+Gegensatz, entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztseyn.
+
+Das Positive und Negative ist hiermit nicht nur an sich positiv und
+negativ, sondern an und für sich. An sich sind sie es, insofern von
+ihrer ausschließenden Beziehung auf Anderes abstrahirt, und sie nur
+nach ihrer Bestimmung genommen werden. An sich ist etwas positiv
+oder negativ, indem es nicht bloß gegen Anderes so bestimmt seyn soll.
+Aber das Positive oder Negative nicht als Gesetztseyn und damit
+nicht als Entgegengesetztes, ist es jedes das Unmittelbare, Seyn und
+Nichtseyn. Das Positive und Negative sind aber die Momente des
+Gegensatzes, das Ansichseyn derselben macht nur die Form ihres
+Reflektirtseyns in sich aus. Es ist etwas an sich positiv, außer der
+Beziehung auf das Negative; und es ist etwas an sich negativ, außer
+der Beziehung auf das Negative; in dieser Bestimmung wird bloß an dem
+abstrakten Momente dieses Reflektirtseyns festgehalten. Allein das
+ansichseyende Positive oder Negative heißt wesentlich, daß
+entgegengesetzt zu seyn, nicht bloß Moment sey, noch der Vergleichung
+angehöre, sondern die eigene Bestimmung der Seiten des Gegensatzes
+ist. An sich positiv oder negativ sind sie also nicht außer der
+Beziehung auf Anderes, sondern daß diese Beziehung und zwar als
+ausschließende, die Bestimmung oder das Ansichseyn derselben ausmacht;
+hierin sind sie es also zugleich an und für sich.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzuführen, wie
+er in der Arithmetik vorkommt. Er wird darin als bekannt
+vorausgesetzt; weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede
+aufgefaßt wird, entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und
+Verwicklungen. Es haben sich so eben die beiden realen Bestimmungen
+des Positiven und Negativen ergeben,--außer dem einfachen Begriffe
+ihrer Entgegensetzung,--daß nämlich das erstemal, ein nur
+verschiedenes, unmittelbares Daseyn zu Grunde liegt, dessen einfache
+Reflexion in sich unterschieden wird von seinem Gesetztseyn, der
+Entgegensetzung selbst. Diese gilt daher nur als nicht an und für
+sich seyend, und dem Verschiedenen zwar zukommend, so daß jedes ein
+Entgegengesetztes überhaupt ist, aber auch gleichgültig dagegen für
+sich besteht, und es einerley ist, welches der beiden
+entgegengesetzten Verschiedenen als positiv oder als negativ
+betrachte werde.--Das andremal aber ist das Positive das an sich
+selbst Positive, das Negative das an sich selbst Negative, so daß das
+Verschiedene nicht gleichgültig dagegen, sondern dieß seine
+Bestimmung an und für sich ist.--Diese beiden Formen des Positiven
+und Negativen kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor, in denen
+sie in der Arithmetik gebraucht werden.
+
+Das + a und--a sind zuerst entgegengesetzte Größen überhaupt; a ist
+die beiden zum Grunde liegende, ansichseyende Einheit, das gegen die
+Entgegensetzung selbst gleichgültige, das hier ohne weitern Begriff
+als todte Grundlage dient. Das--a ist zwar als das Negative, das + a
+als das Positive bezeichnet, aber das eine ist so gut ein
+Entgegengesetztes als das andere.
+
+Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit,
+sondern als + a und--a, ist sie die Reflexion dieser
+Entgegengesetzten in sich; es sind zwei verschiedene a vorhanden und
+es ist gleichgültig, welches von beiden inan als das positive oder
+negative bezeichnen will; beide haben ein besonderes Bestehen und
+sind positiv.
+
+Nach jener ersten Seite ist + y--y = 0; oder in--8 + 3, sind die 3
+positiven, negative im 8. Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer
+Verbindung auf. Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht, und ebenso viel
+zurück nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf; so viel Schulden,
+um so viel weniger Vermögen, und so viel Vermögen vorhanden ist, so
+viel hebt sich von den Schulden auf. Die Stunde Wegs nach Osten ist
+zugleich nicht der positive Weg an sich, noch der nach Westen der
+negative Weg; sondern diese Richtungen sind gleichgültig gegen diese
+Bestimmtheit des Gegensatzes; nur eine dritte außer ihnen fallende
+Rücksicht macht die eine zur positiven, die andere zur negativen. So
+auch die Schulden sind nicht an und für sich das Negative; sie sind
+es nur in Beziehung auf den Schuldner; für den Gläubiger sind sie
+sein positives Vermögen; sie sind eine Summe Geld, oder was es sey
+von einem gewissen Werth, das nach außerhalb seiner fallenden
+Rücksichten Schulden oder Vermögen ist.
+
+Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf, so daß
+das Resultat gleich Null ist; aber es ist in ihnen auch ihre
+identische Beziehung vorhanden, die gegen den Gegensatz selbst
+gleichgültig ist; so machen sie Eines aus. Wie so eben von der Summe
+Geld erinnert worden, die nur Eine Summe ist, oder das a, das nur Ein
+a ist im + a und--a; auch der Weg, der nur ein Stück Wegs ist, nicht
+zwei Wege, deren einer nach Osten, der andere nach Westen ginge. So
+auch eine Ordinate y, die dasselbe ist, auf dieser oder jener Seite
+der Axe genommen; insofern ist + y--y = y; sie ist nur die Ordinate,
+es ist nur Eine Bestimmung und Gesetz derselben.
+
+Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur Ein Gleichgültiges,
+sondern auch zwei Gleichgültige. Sie sind nämlich als
+Entgegengesetzte auch in sich Reflektirte, und bestehen so als
+Verschiedene.
+
+So sind in--8 + 3 überhaupt elf Einheiten vorhanden; + y,--y, sind
+Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen
+diese Grenze und gegen ihren Gegensatz gleichgültiges Daseyn ist; so
+ist + y--y = 2 y.--Auch der nach Osten und nach Westen zurückgelegte
+Weg, ist die Summe einer zweifachen Bemühung, oder die Summe von zwei
+Zeitperioden. Ebenso ist in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld,
+oder von Werth, nicht nur dieß Eine Quantum als Mittel der Subsistenz,
+sondern es ist ein verdoppeltes; es ist Mittel der Subsistenz sowohl
+für den Gläubiger als den Schuldner. Das Staatsvermögen berechnet
+sich nicht bloß als Summe des baaren Gelds und des sonstigen Werths
+von den Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden ist, noch
+weniger aber als Summe, die übrig bliebe nach Abzug des passiven
+Vermögens vom activen, sondern das Kapital, wenn seine active und
+passive Bestimmung sich auch zur Null reducirten, bleibt erstens
+positives Kapital; als + a--a = a; aber zweitens indem es auf
+vielfältige Weise passives, verliehenes und wieder verliehenes ist,
+ist es dadurch ein sehr vervielfältigtes Mittel.
+
+Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Größen, einer Seits bloß
+entgegengesetzte überhaupt, anderer Seits reale oder gleichgültige.
+Sondern ob zwar das Quantum selbst das gleichgültig begrenzte Seyn
+ist, so kommt doch an ihm auch das an sich Positive und das an sich
+Negative vor. Das a z.B. insofern es kein Zeichen hat, gilt dafür,
+daß es als positives zu nehmmen sey, wenn es zu bezeichnen ist. Wenn
+es nur überhaupt ein entgegengesetztes werden sollte, so könnte es
+ebenso gut als--a genommen werden. Aber das positive Zeichen wird
+ihm unmittelbar gegeben, weil das Positive für sich die
+eigenthümliche Bedeutung des Unmittelbaren, als mit sich identischen,
+gegen die Entgegensetzung hat.
+
+Ferner indem positive und negative Größen addirt oder subtrahirt
+werden, gelten sie als solche, die für sich positiv und negativ seyen,
+und es nicht bloß durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens,
+auf diese äußerliche Weise werden. In 8--(- 3) heißt das erste
+Minus entgegengesetzt gegen 8, das zweite Minus aber (- 3) gilt als
+entgegengesetztes an sich, außer dieser Beziehung.
+
+Näher tritt dieß bei der Multiplikation und Division hervor; hier ist
+das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte, das Negative
+hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen, nicht beide Bestimmungen
+auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte überhaupt. Indem die
+Lehrbücher in den Beweisen, wie sich die Zeichen in diesen beiden
+Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengesetzten
+Größen überhaupt stehen bleiben, so sind diese Beweise unvollständig
+und verwickeln sich in Widersprüche.--Plus und Minus erhalten aber
+bei der Multiplikation und Division die bestimmtere Bedeutung von
+Positivem und Negativem an sich, weil das Verhältniß der Faktoren,
+Einheit und Anzahl gegen einander zu seyn, nicht ein bloßes
+Verhältniß des Mehrens und Minderns ist, wie bei dem Addiren und
+Subtrahiren, sondern ein qualitatives; womit auch Plus und Minus die
+qualitative Bedeutung des Positiven und Negativen erhält.--Ohne diese
+Bestimmung und bloß aus dem Begriffe entgegengesetzter Größen, kann
+leicht die schiefe Folgerung gezogen werden, daß wenn--a.-a =--a[hoch
+2] ist, umgekehrt +a.--a = +a[hoch 2] gebe. Indem der eine Faktor
+die Anzahl und der andere die Einheit, und zwar der voranstehende wie
+gewöhnlich die erstere bedeutet, so unterscheiden sich die beiden
+Ausdrücke--a.+a und +a.-a dadurch, daß im erstern +a die Einheit
+und--a die Anzahl, und im andern es umgekehrt ist. Es pflegt nun
+beim erstern gesagt zu werden, wenn ich +a nehmen soll--a mal, so
+nehme ich +a nicht bloß a mal, sondern zugleich auf die ihm
+entgegengesetzte Weise, +a mahl--a; also da es Plus ist, so habe ich
+es negativ zu nehmen, und das Produkt ist--a[hoch 2].--Wenn aber im
+zweiten Falle--a zu nehmen ist +a mal, so soll--a gleichfalls
+nicht--a mal genommen werden, sondern in der ihm entgegengesetzten
+Bestimmung nämlich +a mal. Nach dem Räsonnement des ersten Falles
+folgt also, daß das Produkt +a[hoch 2] seyn müsse.--Ebenso bei der
+Division.
+
+Diese Konsequenz ist nothwendig, insofern Plus und Minus nur als
+entgegengesetzte Größen überhaupt genommen werden; dem Minus wird im
+ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu verändern; aber im
+andern sollte Plus nicht dieselbe Kraft über Minus haben, ungeachtet
+es so gut eine entgegengesetzte Größebestimmung ist, als dieses. In
+der That hat Plus diese Kraft nicht, denn es ist hier nach seiner
+qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Faktoren ein
+qualitatives Verhältniß zu einander haben. Insofern ist also das
+Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches, das Positive
+aber ist das Unbestimmte, Gleichgültige überhaupt; es ist wohl auch
+das Negative, aber des Andern, nicht an ihm selbst.--Eine Bestimmung
+als Negation kommt also allein durch das Negative herein, nicht durch
+das Positive.
+
+So ist denn auch--a.--a = +a[hoch 2], darum weil das negative a nicht
+bloß auf die entgegengesetzte Weise, (so würde es zu nehmen seyn,
+mit--a multiplicirt) sondern weil es negativ genommen werden soll.
+Die Negation der Negation aber ist das Positive.
+
+C. Der Widerspruch.
+
+
+1. Der Unterschied überhaupt enthält seine beiden Seiten als Momente;
+in der Verschiedenheit fallen sie gleichgültig auseinander; im
+Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes, eines nur
+durchs andere bestimmt, somit nur Momente; aber sie sind ebenso sehr
+bestimmt an ihnen selbst, gleichgültig gegen einander und sich
+gegenseitig ausschließend; die selbstständigen
+Reflexions-Bestimmungen.
+
+Die eine ist das Positive, die andere das Negative, aber jene als das
+an ihm selbst Positive, diese als das an ihm selbst Negative. Die
+gleichgültige Selbstständigkeit für sich hat jedes dadurch, daß es
+die Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat; so ist es
+der ganze in sich geschlossene Gegensatz.--Als dieses Ganze ist jedes
+vermittelt durch sein Anderes mit sich, und enthält dasselbe. Aber
+es ist ferner durch das Nichtseyn seines Andern mit sich vermittelt;
+so ist es für sich seyende Einheit und schließt das Andere aus sich
+aus.
+
+Indem die selbstständige Reflexions-Bestimmung in derselben Rüksicht,
+als sie die andere enthält, und dadurch selbstständig ist, die andere
+ausschließt, so schließt sie in ihrer Selbstständigkeit ihre eigene
+Selbstständigkeit aus sich aus; denn diese besteht darin, die ihr
+andre Bestimmung in sich zu enthalten und dadurch allein nicht
+Beziehung auf ein äußerliches zu seyn, aber ebenso sehr unmittelbar
+darin, sie selbst zu seyn und die ihr negative Bestimmung von sich
+auszuschließen. Sie ist so der Widerspruch.
+
+Der Unterschied überhaupt ist schon der Widerspruch an sich; denn er
+ist die Einheit von solchen, die nur sind, insofern sie nicht eins
+sind,--und die Trennung solcher, die nur sind als in derselben
+Beziehung getrennte. Das Positive und Negative aber sind der
+gesetzte Widerspruch, weil sie als negative Einheiten, selbst das
+Setzen ihrer, und darin jedes das Aufheben seiner und das Setzen
+seines Gegentheils ist.--Sie machen die bestimmende Reflexion als
+ausschließende aus; weil das Ausschließen Ein Unterscheiden, und
+jedes der Unterschiedenen als Ausschließendes selbst das ganze
+Ausschließen ist, so schließt jedes in ihm selbst sich aus.
+
+Die beiden selbstständigen Reflexions-Bestimmungen für sich
+betrachtet, so ist das Positive das Gesetztseyn als in die Gleichheit
+mit sich reflektirt; das Gesetztseyn, das nicht Beziehung auf ein
+Anderes ist, das Bestehen also, insofern das Gesetztseyn aufgehoben
+und ausgeschlossen ist. Damit aber macht sich das Positive zur
+Beziehung eines Nichtseyns,--zu einem Gesetztseyn.--So ist es der
+Widerspruch, daß es als das Setzen der Identität mit sich durch
+Ausschließen des Negativen sich selbst zum Negativen von einem macht,
+also zu dem Andern, das es von sich ausschließt. Dieses ist als
+Ausgeschlossenes frei von dem Ausschließenden gesetzt; hiermit als in
+sich reflektirt und selbst ausschließend. So ist die ausschließende
+Reflexion Setzen des Positiven, als ausschließend das Andre, so daß
+dieß Setzen unmittelbar das Setzen seines Andern, es ausschließenden,
+ist.
+
+Dieß ist der absolute Widerspruch des Positiven, aber er ist
+unmittelbar der absolute Widerspruch des Negativen; das Setzen beider
+ist Eine Reflexion.--Das Negative für sich betrachtet gegen das
+Positive ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit mit sich
+reflektirt, das Negative als Negatives. Aber das Negative ist selbst
+das Ungleiche, das Nichtseyn eines andern; somit ist die Reflexion in
+seine Ungleichheit vielmehr seine Beziehung auf sich selbst.--Die
+Negation überhaupt ist das Negative als Qualität, oder unmittelbare
+Bestimmtheit; das Negative aber als Negatives, ist es bezogen auf das
+Negative seiner, auf sein Anderes. Wird dieß Negative nur als
+identisch mit dem ersten genommen, so ist es, wie auch das erstere,
+nur unmittelbar; sie werden so nicht genommen als Andere
+gegeneinander, somit nicht als Negative; das Negative ist überhaupt
+nicht ein Unmittelbares.--Indem nun ferner aber ebenso sehr jedes
+dasselbe ist, was das Andere, so ist diese Beziehung der Ungleichen
+ebenso sehr ihre identische Beziehung.
+
+Dieß ist also derselbe Widerspruch, der das Positive ist, nämlich
+Gesetztseyn oder Negation, als Beziehung auf sich. Aber das Positive
+ist nur an sich dieser Widerspruch; das Negative dagegen der gesetzte
+Widerspruch; denn in seiner Reflexion in sich, an und für sich
+Negatives oder als Negatives identisch mit sich zu seyn, hat es die
+Bestimmung, daß es Nichtidentisches, Ausschließen der Identität sey.
+Es ist dieß, gegen die Identität identisch mit sich zu seyn, hiermit
+durch seine ausschließende Reflexion sich selbst von sich
+auszuschließen.
+
+Das Negative ist also die ganze, als Entgegensetzung auf sich
+beruhende Entgegensetzung, der absolute sich nicht auf Anderes
+beziehende Unterschied; er schließt als Entgegensetzung die Identität
+von sich aus; aber somit sich selbst, denn als Beziehung auf sich
+bestimmt er sich als die Identität selbst, die er ausschließt.
+
+2. Der Widerspruch löst sich auf.
+
+In der sich selbst ausschließenden Reflexion, die betrachtet wurde,
+hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbstständigkeit
+sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Übergehen oder vielmehr
+das sich Übersetzen seiner in sein Gegentheil. Dieß rastlose
+Verschwinden der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die nächste
+Einheit, welche durch den Widerspruch zu Stande kommt; sie ist die
+Null.
+
+Der Widerspruch enthält aber nicht bloß das Negative sondern auch das
+Positive; oder die sich selbst ausschließende Reflexion ist zugleich
+setzende Reflexion; das Resultat des Widerspruchs ist nicht nur Null.
+--Das Positive und Negative machen das Gesetztseyn der
+Selbstständigkeit aus; die Negation ihrer durch sie selbst hebt das
+Gesetztseyn der Selbstständigkeit auf. Dieß ist es, was in Wahrheit
+im Widerspruche zu Grund geht.
+
+Die Reflexion in sich, wodurch die Seiten des Gegensatzes sich zu
+selbstständigen Beziehungen auf sich machen, ist zunächst ihre
+Selbstständigkeit als unterschiedener Momente; sie sind so nur an
+sich diese Selbstständigkeit, denn sie sind noch entgegengesetzte,
+und daß sie es an sich sind, macht ihr Gesetztseyn aus. Aber ihre
+ausschließende Reflexion hebt dieß Gesetztseyn auf, macht sie zu
+fürsichseyenden Selbstständigen, zu solchen, die nicht nur an sich,
+sondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes selbstständig
+sind; ihre Selbstständigkeit ist auf diese Weise auch gesetzt. Aber
+ferner machen sie sich durch dieß ihr Setzen zu einem Gesetztseyn.
+Sie richten sich zu Grunde, indem sie sich bestimmen als das mit sich
+Identische, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit sich
+Identisches, das Beziehung auf Anderes ist.
+
+Allein diese ausschließende Reflexion ist näher betrachtet, nicht nur
+diese formelle Bestimmung. Sie ist ansichseyende Selbstständigkeit,
+und ist das Aufheben dieses Gesetztseyns und durch dieß Aufheben erst
+fürsichseyende und in der That selbstständige Einheit. Durch das
+Aufheben des Andersseyns oder Gesetztseyns ist zwar wieder das
+Gesetztseyn, das Negative eines Andern, vorhanden. Aber in der That
+ist diese Negation nicht wieder nur erste unmittelbare Beziehung auf
+Anderes, nicht Gesetztseyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, sondern
+als aufgehobenes Gesetztseyn. Die ausschließende Reflexion der
+Selbstständigkeit, indem sie ausschließend ist, macht sich zum
+Gesetztseyn, aber ist ebenso sehr Aufheben ihres Gesetztseyns. Sie
+ist aufhebende Beziehung auf sich; sie hebt darin erstens das
+Negative auf und zweitens setzt sie sich als Negatives, und dieß ist
+erst dasjenige Negative, das sie aufhebt; im Aufheben des Negativen
+setzt und hebt sie zugleich es auf. Die ausschließende Bestimmung
+selbst ist auf diese Weise sich das Andre, dessen Negation sie ist;
+das Aufheben dieses Gesetztseyns ist daher nicht wieder Gesetztseyn
+als das Negative eines Andern, sondern ist das Zusammengehen mit sich
+selbst, das positive Einheit mit sich ist. Die Selbstständigkeit ist
+so durch ihre eigene Negation in sich zurückkehrende Einheit, indem
+sie durch die Negation ihres Gesetztseyns in sich zurückkehrt. Sie
+ist die Einheit des Wesens, durch die Negation nicht eines Andern,
+sondern ihrer selbst identisch mit sich zu seyn.
+
+
+3. Nach dieser positiven Seite, daß die Selbstständigkeit im
+Gegensatze, als ausschließende Reflexion sich zum Gesetztseyn macht,
+und es ebenso sehr aufhebt, Gesetztseyn zu seyn, ist der Gegensatz
+nicht nur zu Grunde, sondern in seinen Grund zurückgegangen.--Die
+ausschließende Reflexion des selbstständigen Gegensatzes macht ihn zu
+einem Negativen, nur Gesetzten; sie setzt dadurch ihre zunächst
+selbstständigen Bestimmungen, das Positive und Negative, zu solchen
+herab, welche nur Bestimmungen sind; und indem so das Gesetztseyn zum
+Gesetztseyn gemacht wird, ist es überhaupt in seine Einheit mit sich
+zurückgekehrt; es ist das einfache Wesen, aber das Wesen als Grund.
+Durch das Aufheben der sich an sich selbst widersprechenden
+Bestimmungen des Wesens, ist dieses wiederhergestellt, jedoch mit der
+Bestimmung, ausschließende Reflexionseinheit zu seyn,--einfache
+Einheit, welche sich selbst als Negatives bestimmt, aber in diesem
+Gesetztseyn unmittelbar sich selbst gleich und mit sich
+zusammen-gegangen ist.
+
+Zunächst geht also der selbstständige Gegensatz durch seinen
+Widerspruch in den Grund zurück; jener ist das Erste, Unmittelbare,
+von dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegensatz oder das
+aufgehobene Gesetztseyn ist selbst ein Gesetztseyn. Somit ist das
+Wesen als Grund ein Gesetztseyn, ein Gewordenes. Aber umgekehrt hat
+sich nur dieß gesetzt, daß der Gegensatz oder das Gesetztseyn ein
+Aufgehobenes, nur als Gesetztseyn ist. Das Wesen ist also als Grund
+so ausschließende Reflexion, daß es sich selbst zum Gesetztseyn macht,
+daß der Gegensatz, von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der
+das Unmittelbare war, die nur gesetzte, bestimmte Selbstständigkeit
+des Wesens ist, und daß er nur das sich an ihm selbst Aufhebende, das
+Wesen aber das in seiner Bestimmtheit in sich Reflektirte ist. Das
+Wesen schließt als Grund sich von sich selbst aus, es setzt sich;
+sein Gesetztseyn,--welches das Ausgeschlossene ist,--ist nur als
+Gesetztseyn, als Identität des Negativen mit sich selbst. Dieß
+Selbstständige ist das Negative, gesetzt als Negatives; ein sich
+selbst Widersprechendes, das daher unmittelbar im Wesen als seinem
+Grunde bleibt.
+
+Der aufgelöste Widerspruch ist also der Grund, das Wesen als Einheit
+des Positiven und Negativen. Im Gegensatze ist die Bestimmung zur
+Selbstständigkeit gediehen; der Grund aber ist diese vollendete
+Selbstständigkeit; das Negative ist in ihm selbstständiges Wesen,
+aber als Negatives; so ist er ebenso sehr das Positive als das in
+dieser Negativität mit sich Identische. Der Gegensatz und sein
+Widerspruch ist daher im Grunde so sehr aufgehoben, als erhalten.
+Der Grund ist das Wesen als die positive Identität mit sich; aber die
+sich zugleich als die Negativität auf sich bezieht, sich also
+bestimmt und zum ausgeschlossenen Gesetztseyn macht; dieß Gesetztseyn
+aber ist das ganze selbstständige Wesen, und das Wesen ist Grund, als
+in dieser seiner Negation identisch mit sich selbst und positiv. Der
+sich widersprechende selbstständige Gegensatz war also bereits selbst
+der Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst
+hinzu, welche dadurch hervortritt, daß die selbstständigen
+Entgegengesetzten jedes sich selbst aufhebt, und sich zu dem andern
+seiner macht, somit zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit sich
+selbst zusammengeht, also in seinem Untergange, das ist, in seinem
+Gesetztseyn oder in der Negation vielmehr erst das in sich
+reflektirte, mit sich identische Wesen ist.
+
+Anmerkung 1.
+
+Das Positive und Negative ist dasselbe. Dieser Ausdruck gehört der
+äußern Reflexion an, insofern sie mit diesen beiden Bestimmungen eine
+Vergleichung anstellt. Es ist aber nicht eine äußere Vergleichung,
+welche zwischen denselben, ebenso wenig als zwischen andern
+Kategorien anzustellen ist, sondern sie sind an ihnen selbst zu
+betrachten, d. h. es ist zu betrachten, was ihre eigene Reflexion ist.
+An dieser aber hat es sich gezeigt, daß jedes wesentlich das
+Scheinen seiner im Andern und selbst das Setzen seiner als des Andern
+ist.
+
+Das Vorstellen, insofern es das Positive und Negative nicht
+betrachtet, wie sie an und für sich sind, kann aber allerdings an das
+Vergleichen verwiesen werden, um das Haltlose dieser Unterschiedenen,
+die von ihm als fest einander gegenüber angenommen sind, aufmerksam
+zu werden. Eine geringe Erfahrung in dem reflektirenden Denken wird
+es schon wahrnehmen, daß wenn etwas als positiv bestimmt worden,
+indem man nun von dieser Grundlage weiter geht, sich dasselbe
+unmittelbar unter der Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt
+das negative Bestimmte in Positives, daß das reflektirende Denken
+sich in diesen Bestimmungen verwirrt und sich widersprechend wird.
+Die Unbekanntschaft mit der Natur derselben ist der Meinung, diese
+Verwirrung sey etwas Unrechtes, das nicht geschehen soll und schreibt
+sie einem subjektiven Fehler zu. Dieses Übergehen bleibt in der That
+auch bloße Verwirrung, insofern das Bewußtseyn über die
+Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhan den ist.--Es ist aber,
+auch für die äußere Reflexion, eine einfache Betrachtung, daß fürs
+erste das Positive nicht ein unmittelbar Identisches ist, sondern
+Theils ein Entgegengesetztes gegen das Negative, und daß es nur in
+dieser Beziehung Bedeutung hat, also das Negative selbst in seinem
+Begriffe liegt, Theils aber, daß es an ihm selbst die sich auf sich
+beziehende Negation des bloßen Gesetztseyns oder des Negativen also
+selbst die absolute Negation in sich ist.--Ebenso das Negative, das
+dem Positiven gegenüber steht, hat nur Sinn in dieser Beziehung auf
+dieß sein Anderes; es enthält also dasselbe in seinem Begriffe. Das
+Negative hat aber auch ohne Beziehung auf das Positive ein eigenes
+Bestehen; es ist mit sich identisch; so ist es aber selbst das, was
+das Positive seyn sollte.
+
+Vornemlich wird der Gegensatz vom Positiven und Negativen in dem
+Sinne genommen, daß jenes (ob es gleich seinem Namen nach das
+Ponirtseyn, Gesetztseyn ausdrückt) ein Objectives seyn soll, dieses
+aber ein Subjektives, welches nur einer äußern Reflexion angehöre,
+das an und für sich seyende Objective nichts angehe, und ganz und gar
+nicht für dasselbe vorhanden sey. In der That, wenn das Negative
+nichts anders als die Abstraktion einer subjektiven Willkür oder eine
+Bestimmung einer äußerlichen Vergleichung ausdrückt, so ist es
+freilich für das objektive Positive nicht vorhanden, d. h. dieses ist
+nicht an ihm selbst auf eine solche leere Abstraktion bezogen; aber
+dann ist ihm die Bestimmung, daß es ein Positives sey, gleichfalls
+nur äußerlich.--So gilt, um ein Beispiel von dem fixen Gegensatze
+dieser Reflexions-Bestimmungen anzuführen, das Licht überhaupt für
+das nur Positive, die Finsterniß aber für das nur Negative. Aber das
+Licht hat in seiner unendlichen Expansion und der Kraft seiner
+aufschließenden und belebenden Wirksamkeit wesentlich die Natur
+absoluter Negativität. Die Finsterniß dagegen, als Unmannigfaltiges
+oder der sich nicht selbst in sich unterscheidende Schooß der
+Erzeugung, ist das einfache mit sich Identische, das Positive. Sie
+wird als das nur Negative in dem Sinne genommen, daß sie als bloße
+Abwesenheit des Lichts für dasselbe ganz und gar nicht vorhanden seye,
+--so daß dieses, indem es sich auf sie bezieht, sich nicht auf ein
+Anderes, sondern rein auf sich selbst beziehen, also diese nur vor
+ihm verschwinden soll. Aber bekanntlich wird das Licht durch die
+Finsterniß zum Grau getrübt; und außer dieser bloß quantitativen
+Veränderung erleidet es auch die qualitative, durch die Beziehung
+darauf zur Farbe bestimmt zu werden.--So ist z.B. auch die Tugend
+nicht ohne Kampf; sie ist vielmehr der höchste, vollendete Kampf; so
+ist sie nicht nur das Positive, sondern absolute Negativität; sie ist
+auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laster Tugend, sondern ist an
+ihr selbst Entgegensetzung und Bekämpfung. Oder das Laster ist nicht
+nur der Mangel der Tugend,--auch die Unschuld ist dieser Mangel,--und
+nicht nur für eine äußere Reflexion von der Tugend unterschieden,
+sondern an sich selbst ihr entgegengesetzt, es ist böse. Das Böse
+besteht in dem Beruhen auf sich, gegen das Gute; es ist die positive
+Negativität. Die Unschuld aber, als Mangel sowohl des Guten als des
+Bösen, ist gleichgültig gegen beide Bestimmungen, weder positiv noch
+negativ. Aber zugleich ist dieser Mangel auch als Bestimmtheit zu
+nehmen, und einer Seits ist sie als die positive Natur von Etwas zu
+betrachten, als sie sich anderer Seits auf ein Entgegengesetztes
+bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unschuld, aus ihrer
+gleichgültigen Identität mit sich, heraustreten, sich durch sich
+selbst auf ihr Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder,
+im positiven Sinne, in ihren Grund zurückgehen.--Auch die Wahrheit
+ist das Positive als das mit dem Objecte übereinstimmende Wissen,
+aber sie ist nur diese Gleichheit mit sich, insofern das Wissen sich
+negativ gegen das Andere verhalten, das Object durchdrungen und die
+Negation, die es ist, aufgehoben hat. Der Irrthum ist ein Positives,
+als eine Meinung des nicht an und für sich seyenden, die sich weiß
+und behauptet. Die Unwissenheit aber ist entweder das gegen Wahrheit
+und Irrthum Gleichgültige, somit weder als positiv noch als negativ
+bestimmt und die Bestimmung derselben als ein Mangel gehört der
+äußeren Reflexion an, oder aber als objektiv, als eigene Bestimmung
+einer Natur, ist sie der Trieb, der gegen sich gerichtet ist; ein
+Negatives, das eine positive Richtung in sich enthält.--Es ist eine
+der wichtigsten Erkenntnisse, diese Natur der betrachteten
+Reflexions-Bestimmungen, daß ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf
+einander, und damit darin besteht, daß jede in ihrem Begriffe selbst
+die andere enthält, einzusehen und festzuhalten; ohne diese
+Erkenntniß läßt sich eigentlich kein Schritt in der Philosophie thun.
+
+Anmerkung 2.
+
+Die Bestimmung der Entgegensetzung ist gleichfalls zu einem Satze
+gemacht worden, dem sogenannten Satze des ausgeschlossenen Dritten.
+
+Etwas ist entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes.
+
+
+Dieser Satz enthält zuerst, daß Alles ein Entgegengesetztes ist, ein
+entweder als positiv oder als negativ Bestimmtes.--Ein wichtiger Satz,
+der darin seine Nothwendigkeit hat, daß die Identität in
+Verschiedenheit und diese in Entgegensetzung übergeht. Allein er
+pflegt nicht in diesem Sinne verstanden zu werden, sondern soll
+gewöhnlich so viel heißen, daß einem Dinge von allen Prädikaten
+entweder dieses Prädikat selbst oder sein Nichtseyn zukomme. Das
+Entgegengesetzte bedeutet hier bloß den Mangel oder vielmehr die
+Unbestimmtheit; und der Satz ist so unbedeutend, daß es nicht der
+Mühe werth ist, ihn zu sagen. Wenn die Bestimmungen süß, grün,
+viereckig genommen,--und es sollen alle Prädikate genommen
+werden--und nun vom Geiste gesagt wird, er sey entweder süß oder
+nicht süß, grün oder nicht grün, u.s.f. so ist dieß eine Trivialität,
+die zu nichts führt. Die Bestimmtheit, das Prädikat, wird auf Etwas
+bezogen; das Etwas ist bestimmt, sagt der Satz aus; nun soll er
+wesentlich dieß enthalten, daß die Bestimmtheit sich näher bestimme,
+zur Bestimmtheit an sich, zur Entgegensetzung werde. Statt dessen
+geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Bestimmtheit nur über
+zu ihrem Nichtseyn überhaupt, zurück zur Unbestimmtheit.
+
+Der Satz des ausgeschlossenen Dritten unterscheidet sich ferner vom
+oben betrachteten Satze der Identität oder des Widerspruchs, der so
+hieß: es giebt nicht etwas, das zugleich A und Nicht-A ist. Er
+enthält, daß es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, daß
+es nicht ein Drittes gebe, das gegen den Gegensatz gleichgültig sey.
+In der That aber giebt es in diesem Satze selbst das Dritte, das
+gleichgültig gegen den Gegensatz ist, nämlich A selbst ist darin
+vorhanden. Dieß A ist weder +A noch--A, und ebenso wohl auch +A
+als--A.--Das Etwas, das entweder +A oder Nicht-A seyn sollte, ist
+hiermit auf +A sowohl als Nicht-A bezogen; und wieder, indem es auf A
+bezogen ist, solle es nicht auf Nicht-A bezogen seyn, so wie nicht
+auf A, indem es auf Nicht-A bezogen ist. Das Etwas selbst ist also
+das Dritte, welches ausgeschlossen seyn sollte. Indem die
+entgegengesetzten Bestimmungen, im Etwas ebenso sehr gesetzt als in
+diesem Setzen aufgehobene sind, so ist das Dritte, das hier die
+Gestalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit der
+Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegensetzung zurückgeht.
+
+Anmerkung 3.
+
+Wenn nun die ersten Reflexions-Bestimmungen, die Identität, die
+Verschiedenheit und die Entgegensetzung, in einem Satze aufgestellt
+worden, so sollte noch vielmehr diejenige, in welche sie als in ihre
+Wahrheit übergehen, nämlich der Widerspruch, in einen Satz gefaßt und
+gesagt werden: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend, und
+zwar in dem Sinne, daß dieser Satz gegen die übrigen vielmehr die
+Wahrheit und das Wesen der Dinge ausdrücke.--Der Widerspruch, der an
+der Entgegensetzung hervortritt, ist nur das entwickelte Nichts, das
+in der Identität enthalten ist, und in dem Ausdrucke vorkam, daß der
+Satz der Identität Nichts sage. Diese Negation bestimmt sich weiter
+zur Verschiedenheit und zur Entgegensetzung, welche nun der gesetzte
+Widerspruch ist.
+
+Es ist aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des
+gewöhnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so
+wesenhafte und immanente Bestimmung sey, als die Identität; ja wenn
+von Rangordnung die Rede, und beide Bestimmungen als getrennte
+festzuhalten wären, so wäre der Widerspruch für das Tiefere und
+Wesenhaftere zu nehmen. Denn die Identität ihm gegenüber ist nur die
+Bestimmung des einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber ist
+die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in
+sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und
+Thätigkeit.
+
+Der Widerspruch wird gewöhnlich fürs erste von den Dingen, von dem
+Seyenden und Wahren überhaupt, entfernt; es wird behauptet, daß es
+nichts Widersprechendes gebe. Er wird fürs andre dagegen in die
+subjektive Reflexion geschoben, die durch ihre Beziehung und
+Vergleichung ihn erst setze. Aber auch in dieser Reflexion sey er
+nicht eigentlich vorhanden, denn das Widersprechende könne nicht
+vorgestellt noch gedacht werden. Er gilt überhaupt, sey es am
+Wirklichen oder in der denkenden Reflexion, für eine Zufälligkeit,
+gleichsam für eine Abnormität und vorübergehenden
+Krankheitsparoxysmus.
+
+Was nun die Behauptung betrifft, daß es den Widerspruch nicht gebe,
+daß er nicht ein Vorhandenes sey, so brauchen wir uns um eine solche
+Versicherung nicht zu bekümmern; eine absolute Bestimmung des Wesens
+muß sich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem
+Begriffe. Oben beim Unendlichen, das der Widerspruch ist, wie er in
+der Sphäre des Seyns sich zeigt, ist das Gleiche bereits erinnert
+worden. Die gemeine Erfahrung aber spricht es selbst aus, daß es
+wenigstens eine Menge widersprechender Dinge, widersprechender
+Einrichtungen u.s.f. gebe, deren Widerspruch nicht bloß in einer
+äußerlichen Reflexion, sondern in ihnen selbst vorhanden ist. Er ist
+aber ferner nicht bloß als eine Abnormität zu nehmen, die nur hier
+und da vorkäme, sondern ist das Negative in seiner wesenhaften
+Bestimmung, das Princip aller Selbstbewegung, die in nichts weiter
+besteht, als in einer Darstellung desselben. Die äußerliche
+sinnliche Bewegung selbst ist sein unmittelbares Daseyn. Es bewegt
+sich etwas nur, nicht indem es in diesem Jetzt hier ist, und in einem
+andern Jetzt dort, sondern indem es in einem und demselben Jetzt hier
+und nicht hier, indem es in diesem Hier zugleich ist und nicht ist.
+Man muß den alten Dialektikern die Widersprüche zugeben, die sie in
+der Bewegung aufzeigen, aber daraus folgt nicht, daß darum die
+Bewegung nicht ist, sondern vielmehr daß die Bewegung der daseyende
+Widerspruch selbst ist.
+
+Ebenso ist die innere, die eigentliche Selbstbewegung, der Trieb
+überhaupt, (Appetit oder Nisus der Monade, die Entelechie des absolut
+einfachen Wesens) nichts anderes, als daß Etwas in sich selbst, und
+der Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben
+Rücksicht ist. Die abstrakte Identität mit sich ist noch keine
+Lebendigkeit, sondern daß das Positive an sich selbst die Negativität
+ist, dadurch geht es außer sich und setzt sich in Veränderung. Etwas
+ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält,
+und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und
+auszuhalten. Wenn aber ein Existirendes nicht in seiner positiven
+Bestimmung zugleich über seine negative überzugreiffen und eine in
+der andern festzuhalten, den Widerspruch nicht in ihm selbst zu haben
+vermag, so ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund,
+sondern geht in dem Widerspruche zu Grunde.--Das spekulative Denken
+besteht nur darin, daß das Denken den Widerspruch und in ihm sich
+selbst festhält, nicht aber daß es sich, wie es dem Vorstellen geht,
+von ihm beherrschen und durch ihn sich seine Bestimmungen nur in
+andere oder in Nichts auflösen läßt.
+
+Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerspruch in
+die Einfachheit dieser Bestimmungen für das Vorstellen verhüllt ist,
+so stellt sich hingegen in den Verhältnißbestimmungen der Widerspruch
+unmittelbar dar. Die trivialsten Beispiele, von Oben und Unten,
+Rechts und Links, Vater und Sohn und so fort ins Unendliche,
+enthalten alle den Gegensatz in Einem. Oben ist, was nicht Unten ist;
+Oben ist bestimmt nur dieß, nicht Unten zu seyn, und ist nur,
+insofern ein Unten ist; und umgekehrt; in der einen Bestimmung liegt
+ihr Gegentheil. Vater ist das Andre des Sohnes, und Sohn das Andre
+des Vaters und jedes ist nur als dieß Andre des andern; und zugleich
+ist die eine Bestimmung nur in Beziehung auf die andere; ihr Seyn ist
+Ein Bestehen. Der Vater ist außer der Beziehung auf Sohn auch etwas
+für sich; aber so ist er nicht Vater, sondern ein Mann überhaupt; wie
+Oben und Unten, Rechts und Links auch in sich reflektirte, außer der
+Beziehung etwas sind; aber nur Orte überhaupt.--Die Entgegengesetzten
+enthalten insofern den Widerspruch, als sie in derselben Rücksicht
+sich negativ auf einander beziehende oder sich gegenseitig aufhebende
+und gegen einander gleichgültige sind. Die Vorstellung, indem sie
+zum Momente der Gleichgültigkeit der Bestimmungen übergeht, vergißt
+darin ihre negative Einheit und behält sie somit nur als Verschiedene
+überhaupt, in welcher Bestimmung Rechts nicht mehr Rechts, Links
+nicht mehr Links u.s.f. ist. Indem sie aber Rechts und Links in der
+That vor sich hat, so hat sie diese Bestimmungen vor sich als sich
+negirend, die eine in der andern, und in dieser Einheit zugleich sich
+nicht negirend, sondern jede gleichgültig für sich seyend.
+
+Das Vorstellen hat daher wohl allenthalben den Widerspruch zu seinem
+Inhalte, kommt aber nicht zum Bewußtseyn desselben; es bleibt
+äußerliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder
+von der negativen Beziehung zum Reflektirtseyn der Unterschiedenen in
+sich, übergeht. Sie hält diese beiden Bestimmungen einander
+äußerlich gegenüber und hat nur sie, nicht aber das Übergehen,
+welches das Wesentliche ist, und den Widerspruch enthält, im Sinne.
+--Die geistreiche Reflexion, um diese hier zu erwähnen, besteht
+dagegen im Auffassen und Aussprechen des Widerspruchs. Ob sie zwar
+den Begriff der Dinge und ihrer Verhältnisse nicht ausdrückt und nur
+Vorstellungsbestimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, so bringt
+sie dieselben in eine Beziehung, die ihren Widerspruch enthält und
+durch diesen hindurch ihren Begriff scheinen läßt.--Die denkende
+Vernunft aber spitzt, so zu sagen, den abgestumpften Unterschied des
+Verschiedenen, die bloße Mannigfaltigkeit der Vorstellung, zum
+wesentlichen Unterschiede, zum Gegensatze, zu. Die Mannigfaltigen
+werden erst, auf die Spitze des Widerspruchs getrieben, regsam und
+lebendig gegen einander, und erhalten in ihm die Negativität, welche
+die inwohnende Pulsation der Selbstbewegung und Lebendigkeit ist.
+
+Es ist schon über den ontologischen Beweis vom Daseyn Gottes erinnert
+worden, daß die darin zu Grunde gelegte Bestimmung, der Inbegriff
+aller Realitäten ist. Von dieser Bestimmung pflegt zuerst gezeigt zu
+werden, daß sie möglich sey, weil sie keinen Widerspruch enthalte,
+indem die Realität nur als Realität ohne Schranken genommen werde.
+Es wurde erinnert, daß damit jener Inbegriff zum einfachen
+unbestimmten Seyn, oder wenn die Realitäten in der That als mehrere
+Bestimmte genommen werden, zum Inbegriff aller Negationen wird.
+Näher den Unterschied der Realität genommen, so wird er aus der
+Verschiedenheit zum Gegensatze und damit zum Widerspruch, und der
+Inbegriff aller Realitäten überhaupt zum absoluten Widerspruch in
+sich selbst. Der gewöhnliche Horror, den das vorstellende, nicht
+speculative Denken, wie die Natur vor dem Vacuum, vor dem
+Widerspruche hat, verwirft diese Konsequenz; denn es bleibt bei der
+einseitigen Betrachtung der Auflösung des Widerspruchs in Nichts
+stehen, und erkennt die positive Seite desselben nicht, nach welcher
+er absolute Thätigkeit, und absoluter Grund wird.
+
+Es ist überhaupt aus der Betrachtung der Natur des Widerspruchs
+hervorgegangen, daß es für sich noch, so zu sagen, kein Schaden,
+Mangel oder Fehler einer Sache ist, wenn an ihr ein Widerspruch
+aufgezeigt werden kann. Vielmehr jede Bestimmung, jedes Konkrete,
+jeder Begriff ist wesentlich eine Einheit unterschiedener und
+unterscheidbarer Momente, die durch den bestimmten, wesentlichen
+Unterschied in widersprechende übergehen. Dieses Widersprechende
+löst sich allerdings in Nichts auf, es geht in seine negative Einheit
+zurück. Das Ding, das Subjekt, der Begriff ist nun eben diese
+negative Einheit selbst; es ist ein an sich selbst Widersprechendes,
+aber ebenso sehr der aufgelöste Widerspruch; es ist der Grund, der
+seine Bestimmungen enthält und trägt. Das Ding, das Subjekt, oder
+der Begriff ist als in seiner Sphäre in sich reflektirt, sein
+aufgelöster Widerspruch, aber seine ganze Sphäre ist auch wieder eine
+bestimmte, verschiedene; so ist sie eine endliche, und dieß heißt
+eine widersprechende. Von diesem höhern Widerspruche ist nicht sie
+selbst die Auflösung; sondern hat eine höhere Sphäre zu ihrer
+negativen Einheit, zu ihrem Grunde. Die endlichen Dinge in ihrer
+gleichgültigen Mannigfaltigkeit, sind daher überhaupt dieß,
+widersprechend an sich selbst, in sich gebrochen zu seyn und in ihren
+Grund zurückzugehen.--Wie weiterhin betrachtet werden wird, so
+besteht der wahre Schluß von einem Endlichen und Zufälligen auf ein
+absolut-nothwendiges Wesen nicht darin, daß von dem Endlichen und
+Zufälligen als dem zum Grunde liegenden und liegen bleibenden Seyn,
+sondern daß, was auch unmittelbar in der Zufälligkeit liegt, von
+einem nur fallenden, sich an sich selbst widersprechendem Seyn aus,
+auf ein absolut nothwendiges geschlossen, oder daß vielmehr
+aufgezeigt wird, das zufällige Seyn gehe an sich selbst in seinen
+Grund zurück, worin es sich aufhebt,--ferner daß es durch dieß
+Zurückgehen den Grund nur so setze, daß es sich selbst vielmehr zum
+Gesetzten macht. Im gewöhnlichen Schließen erscheint das Seyn des
+Endlichen als Grund des Absoluten; darum weil Endliches ist, ist das
+Absolute. Die Wahrheit aber ist, daß darum weil das Endliche der an
+sich selbst widersprechende Gegensatz, weil es nicht ist, das
+Absolute ist. In jenem Sinne lautet der Satz des Schlusses so: Das
+Seyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten; in diesem Sinne aber
+so: Das Nichtseyn des Endlichen ist das Seyn des Absoluten.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Der Grund.
+
+
+Das Wesen bestimmt sich selbst als Grund.
+
+Wie das Nichts zuerst mit dem Seyn in einfacher unmittelbarer Einheit,
+so ist auch hier zuerst die einfache Identität des Wesens mit seiner
+absoluten Negativität in unmittelbarer Einheit. Das Wesen ist nur
+diese seine Negativität, welche die reine Reflexion ist. Es ist
+diese reine Negativität als die Rückkehr des Seyns in sich; so ist es
+an sich oder für uns bestimmt, als der Grund, in dem sich das Seyn
+auflöst. Aber diese Bestimmtheit ist nicht durch es selbst gesetzt;
+oder es ist nicht Grund, eben insofern es diese seine Bestimmtheit
+nicht selbst gesetzt hat. Seine Reflexion aber besteht darin, sich
+als das, was es an sich ist, als Negatives zu setzen und sich zu
+bestimmen. Das Positive und Negative machen die wesenhafte
+Bestimmung aus, in die es als in seine Negation verloren ist. Diese
+selbstständigen Reflexions-Bestimmungen heben sich auf, und die zu
+Grunde gegangene Bestimmung ist die wahrhafte Bestimmung des Wesens.
+
+Der Grund ist daher selbst eine der Reflexions-Bestimmungen des
+Wesens, aber die letzte, vielmehr nur die Bestimmung, daß sie
+aufgehobene Bestimmung ist. Die Reflexionsbestimmung, indem sie zu
+Grunde geht, erhält ihre wahrhafte Bedeutung, der absolute Gegenstoß
+ihrer in sich selbst zu seyn, nämlich daß das Gesetztseyn, das dem
+Wesen zukommt, nur als aufgehobenes Gesetztseyn ist, und umgekehrt,
+daß nur das sich aufhebende Gesetztseyn das Gesetztseyn des Wesens
+ist. Das Wesen, indem es sich als Grund bestimmt, bestimmt sich als
+das Nichtbestimmte, und nur das Aufheben seines Bestimmtseyns ist
+sein Bestimmen.--In diesem Bestimmtseyn als dem sich selbst
+aufhebenden, ist es nicht aus anderem herkommendes, sondern in seiner
+Negativität mit sich identisches Wesen.
+
+Insofern von der Bestimmung aus, als dem Ersten, Unmittelbaren zum
+Grunde fortgegangen wird, (durch die Natur der Bestimmung selbst, die
+durch sich zu Grunde geht,) so ist der Grund zunächst ein durch jenes
+Erste Bestimmtes. Allein dieß Bestimmen ist eines Theils als
+Aufheben des Bestimmens die nur wiederhergestellte, gereinigte oder
+geoffenbarte Identität des Wesens, welche die Reflexions-Bestimmung
+an sich ist;--andern Theils ist diese negirende Bewegung als
+Bestimmen erst das Setzen jener Reflexionsbestimmtheit, welche als
+die unmittelbare erschien, die aber nur von der sich selbst
+ausschließenden Reflexion des Grundes gesetzt und hierin als nur
+Gesetztes oder Aufgehobenes gesetzt ist.--So kommt das Wesen, indem
+es sich als Grund bestimmt, nur aus sich her. Als Grund also setzt
+es sich als Wesen, und daß es sich als Wesen setzt, darin besteht
+sein Bestimmen. Dieß Setzen ist die Reflexion des Wesens, die in
+ihrem Bestimmen sich selbst aufhebt, nach jener Seite Setzen, nach
+dieser das Setzen des Wesens, somit beides in einem Thun ist.
+
+Die Reflexion ist die reine Vermittelung überhaupt, der Grund ist die
+reale Vermittelung des Wesens mit sich. Jene, die Bewegung des
+Nichts durch Nichts zu sich selbst zurück, ist das Scheinen seiner in
+einem Andern; aber weil der Gegensatz in dieser Reflexion noch keine
+Selbstständigkeit hat, so ist weder jenes erste, das Scheinende ein
+Positives, noch das andere, in dem es scheint, ein Negatives. Beide
+sind Substrate, eigentlich nur der Einbildungskraft; sie sind noch
+nicht sich auf sich selbst beziehende. Die reine Vermittelung ist
+nur reine Beziehung, ohne Bezogene. Die bestimmende Reflexion setzt
+zwar solche, die identisch mit sich, aber zugleich nur bestimmte
+Beziehungen sind. Der Grund dagegen ist die reale Vermittelung, weil
+er die Reflexion als aufgehobene Reflexion enthält; er ist das durch
+sein Nichtseyn in sich zurückkehrende und sich setzende Wesen. Nach
+diesem Momente der aufgehobenen Reflexion erhält das Gesetzte die
+Bestimmung der Unmittelbarkeit, eines solchen, das außer der
+Beziehung oder seinem Scheine identisch mit sich ist. Dieß
+Unmittelbare ist das durch das Wesen wiederhergestellte Seyn; das
+Nichtseyn der Reflexion, durch das das Wesen sich vermittelt. In
+sich kehrt das Wesen zurück als negirendes; es giebt sich also in
+seiner Rückkehr in sich, die Bestimmtheit, die eben darum das mit
+sich identische Negative, das aufgehobene Gesetztseyn, und somit
+ebenso sehr seyendes, als die Identität des Wesens mit sich als Grund
+ist.
+
+Der Grund ist zuerst absoluter Grund, in dem das Wesen zunächst als
+Grundlage überhaupt für die Grundbeziehung ist; näher bestimmt er
+sich aber als Form und Materie, und giebt sich einen Inhalt.
+
+Zweitens ist er bestimmter Grund, als Grund von einem bestimmten
+Inhalt; indem die Grundbeziehung sich in ihrer Realisirung überhaupt
+äußerlich wird, geht sie in die bedingende Vermittelung über.
+
+Drittens, der Grund setzt eine Bedingung voraus; aber die Bedingung
+setzt ebenso sehr den Grund voraus; das Unbedingte ist ihre Einheit,
+die Sache an sich, die durch die Vermittelung der bedingenden
+Beziehung in die Existenz übergeht.
+
+Anmerkung.
+
+Der Grund ist, wie die andern Reflexions-Bestimmungen, in einem Satze
+ausgedrückt worden: Alles hat seinen zureichenden Grund.--Dieß heißt
+im Allgemeinen nichts anderes, als was ist, ist nicht als seyendes
+Unmittelbares, sondern als Gesetztes zu betrachten; es ist nicht bei
+dem unmittelbaren Daseyn oder bei der Bestimmtheit überhaupt stehen
+zu bleiben, sondern davon zurückzugehen in seinen Grund, in welcher
+Reflexion es als Aufgehobenes und in seinem An- und Fürsichseyn ist.
+In dem Satze des Grundes wird also die Wesentlichkeit der Reflexion
+in sich gegen das bloße Seyn ausgesprochen.--Daß der Grund zureichend
+sey, ist eigentlich sehr überflüssig hinzuzusetzen, denn es versteht
+sich von selbst; das, für was der Grund nicht zureicht, hätte keinen
+Grund, aber alles soll einen Grund haben. Allein Leibnitz, dem das
+Princip des zureichenden Grundes vornemlich am Herzen lag, und der es
+sogar zum Grundsatz seiner ganzen Philosophie machte, verband damit
+einen tiefern Sinn und wichtigern Begriffe als gewöhnlich damit
+verbunden wird, indem man nur bei dem unmittelbaren Ausdruck stehen
+bleibt; obgleich der Satz auch nur in diesem Sinne schon für wichtig
+anzusehen ist, daß nämlich das Seyn als solches in seiner
+Unmittelbarkeit für das Unwahre und wesentlich für ein Gesetztes, der
+Grund aber für das wahrhafte Unmittelbare erklärt wird. Leibnitz
+aber stellte das Zureichende des Grundes vornemlich der Kausalität in
+ihrem strengen Sinne, als der mechanischen Wirkungsweise, entgegen.
+Indem diese eine äußerliche ihrem Inhalte nach auf Eine Bestimmtheit
+beschränkte Thätigkeit überhaupt ist, so treten die durch sie
+gesetzten Bestimmungen äußerlich und zufällig in eine Verbindung; die
+Theilbestimmungen werden durch ihre Ursachen begriffen; aber die
+Beziehung derselben, welche das Wesentliche einer Existenz ausmacht,
+ist nicht in den Ursachen des Mechanismus enthalten. Diese Beziehung,
+das Ganze als wesentliche Einheit, liegt nur im Begriffe, im Zwecke.
+Für diese Einheit sind die mechanischen Ursachen nicht zureichend,
+weil ihnen nicht der Zweck, als die Einheit der Bestimmungen, zu
+Grunde liegt. Unter dem zureichenden Grunde hat Leibnitz daher einen
+solchen verstanden, der auch für diese Einheit zureichte, daher nicht
+die bloßen Ursachen, sondern die Endursachen in sich begriffe. Diese
+Bestimmung des Grundes gehört aber noch nicht hierher; der
+teleologische Grund ist ein Eigenthum des Begriffs und der
+Vermittelung durch denselben, welche die Vernunft ist.
+
+A. Der absolute Grund.
+
+a. Form und Wesen.
+
+Die Reflexions-Bestimmung, insofern sie in den Grund zurückgeht, ist
+ein erstes, ein unmittelbares Daseyn überhaupt, von dem angefangen
+wird. Aber das Daseyn hat nur noch die Bedeutung des Gesetztseyns
+und setzt wesentlich einen Grund voraus; in dem Sinne, daß es ihn
+vielmehr nicht setzt; daß dieß Setzen ein Aufheben seiner selbst, das
+Unmittelbare vielmehr das Gesetzte und der Grund das Nichtgesetzte
+ist. Wie es sich ergeben hat, ist dieß Voraussetzen, das auf das
+Setzende rückschlagende Setzen; der Grund ist als das aufgehobene
+Bestimmtseyn nicht das Unbestimmte, sondern das durch sich selbst
+bestimmte Wesen, aber als unbestimmt oder als aufgehobenes
+Gesetztseyn Bestimmtes. Er ist das Wesen, das in seiner Negativität
+mit sich identisch ist.
+
+Die Bestimmtheit des Wesens als Grund wird hiermit die gedoppelte,
+des Grundes und des Begründeten. Sie ist erstens das Wesen als Grund,
+bestimmt das Wesen zu seyn gegen das Gesetztseyn, als
+Nichtgesetztseyn. Zweitens ist sie das Begründete, das Unmittelbare,
+das aber nicht an und für sich ist, das Gesetztseyn als Gesetztseyn.
+Dieses ist somit gleichfalls mit sich identisch, aber die Identität
+des Negativen mit sich. Das mit sich identische Negative und das mit
+sich identische Positive ist nun eine und dieselbe Identität. Denn
+der Grund ist Identität des Positiven oder selbst auch des
+Gesetztseyns mit sich; das Begründete ist das Gesetztseyn als
+Gesetztseyn, diese seine Reflexion in sich aber ist die Identität des
+Grundes.--Diese einfache Identität ist also nicht selbst der Grund,
+denn der Grund ist das Wesen gesetzt, als das Nichtgesetzte gegen das
+Gesetztseyn. Sie ist, als die Einheit dieser bestimmten Identität,
+(des Grundes) und der negativen Identität (des Begründeten) das Wesen
+überhaupt, unterschieden von seiner Vermittelung.
+
+Diese Vermittelung, mit den vorhergehenden Reflexionen verglichen,
+aus denen sie herkommt, ist erstlich nicht die reine Reflexion, als
+welche nicht vom Wesen unterschieden ist, und das Negative, damit
+auch die Selbstständigkeit der Bestimmungen, noch nicht an ihr hat.
+Im Grunde als der aufgehobenen Reflexion aber haben diese
+Bestimmungen ein Bestehen.--Auch ist sie nicht die bestimmende
+Reflexion, deren Bestimmungen wesentliche Selbstständigkeit haben;
+denn diese ist im Grunde zu Grunde gegangen, in dessen Einheit sind
+sie nur gesetzte.--Diese Vermittelung des Grundes ist daher die
+Einheit der reinen und der bestimmenden Reflexion; ihre Bestimmungen
+oder das Gesetzte hat Bestehen, und umgekehrt das Bestehen derselben
+ist ein Gesetztes. Weil dieß ihr Bestehen selbst ein Gesetztes ist
+oder Bestimmtheit hat, so sind sie somit von ihrer einfachen
+Identität unterschieden, und machen die Form aus gegen das Wesen.
+
+Das Wesen hat eine Form, und Bestimmungen derselben. Erst als Grund
+hat es eine feste Unmittelbarkeit oder ist Substrat. Das Wesen als
+solches ist eins mit seiner Reflexion, und ununterschieden ihre
+Bewegung selbst. Es ist daher nicht das Wesen, welches sie
+durchläuft; auch ist es nicht dasjenige, von dem sie als von einem
+Ersten anfängt. Dieser Umstand erschwert die Darstellung der
+Reflexion überhaupt; denn man kann eigentlich nicht sagen, das Wesen
+geht in sich selbst zurück, das Wesen scheint in sich, weil es nicht
+vor oder in seiner Bewegung ist, und diese keine Grundlage hat, an
+der sie sich verläuft. Ein Bezogenes tritt erst im Grund nach dem
+Momente der aufgehobenen Reflexion hervor. Das Wesen als das
+bezogene Substrat aber ist das bestimmte Wesen; um dieses
+Gesetztseyns willen hat es wesentlich die Form an ihm.--Die
+Formbestimmungen dagegen sind nun die Bestimmungen als an dem Wesen;
+es liegt ihnen zu Grunde, als das Unbestimmte, das in seiner
+Bestimmung gleichgültig gegen sie ist; sie haben an ihm ihre
+Reflexion in sich. Die Reflexions-Bestimmungen sollten ihr Bestehen
+an ihnen selbst haben und selbstständig seyn; aber ihre
+Selbstständigkeit ist ihre Auflösung; so haben sie dieselbe an einem
+Andern; aber diese Auflösung ist selbst diese Identität mit sich oder
+der Grund des Bestehens, den sie sich geben.
+
+Der Form gehört überhaupt alles Bestimmte an; es ist Formbestimmung,
+insofern es ein Gesetztes, hiermit von einem solchen, dessen Form es
+ist, Unterschiedenes ist; die Bestimmtheit als Qualität ist eins mit
+ihrem Substrat, dem Seyn; das Seyn ist das unmittelbar Bestimmte, das
+von seiner Bestimmtheit noch nicht unterschieden,--oder das in ihr
+noch nicht in sich reflektirt, so wie diese daher eine seyende, noch
+nicht eine Gesetzte ist.--Die Formbestimmungen des Wesens sind ferner
+als die Reflexions-Bestimmtheiten, ihrer nähern Bestimmtheit nach,
+die oben betrachteten Momente der Reflexion. Die Identität, und der
+Unterschied, dieser Theils als Verschiedenheit, Theils als Gegensatz.
+Ferner aber gehört auch die Grundbeziehung dazu, insofern sie zwar
+die aufgehobene Reflexions-Bestimmung aber dadurch das Wesen zugleich
+als Gesetztes ist. Dagegen gehört zur Form nicht die Identität,
+welche der Grund in sich hat, nämlich daß das Gesetztseyn als
+aufgehobenes und das Gesetztseyn als solches,--der Grund und das
+Begründete,--Eine Reflexion ist, welche das Wesen als einfache
+Grundlage ausmacht, die das Bestehen der Form ist. Allein dieß
+Bestehen ist im Grunde gesetzt; oder dieß Wesen ist selbst wesentlich
+als bestimmtes; somit ist es auch wieder das Moment der
+Grundbeziehung und Form.--Dieß ist die absolute Wechselbeziehung der
+Form und des Wesens, daß dieses einfache Einheit des Grundes und des
+Begründeten, darin aber eben selbst bestimmt oder Negatives ist, und
+sich als Grundlage von der Form unterscheidet, aber so zugleich
+selbst Grund und Moment der Form wird.
+
+Die Form ist daher das vollendete Ganze der Reflexion; sie enthält
+auch diese Bestimmung derselben, aufgehobene zu seyn; daher ist sie
+ebenso sehr als sie eine Einheit ihres Bestimmens ist, auch bezogen
+auf ihr Aufgehobenseyn, auf ein Anderes, das nicht selbst Form,
+sondern an dem sie sey. Als die wesentliche sich auf sich selbst
+beziehende Negativität, gegen dieß einfache Negative ist sie das
+Setzende und Bestimmende; das einfache Wesen hingegen ist die
+unbestimmte und unthätige Grundlage, an welcher die Formbestimmungen
+das Bestehen oder die Reflexion in sich haben.--Bei dieser
+Unterscheidung des Wesens und der Form pflegt die äußere Reflexion
+stehen zu bleiben; sie ist nothwendig, aber dieses Unterscheiden
+selbst ist ihre Einheit, so wie diese Grundeinheit das sich von sich
+abstoßende und zum Gesetztseyn machende Wesen ist. Die Form ist die
+absolute Negativität selbst, oder die negative absolute Identität mit
+sich, wodurch eben das Wesen nicht Seyn, sondern Wesen ist. Diese
+Identität abstrakt genommen, ist das Wesen gegen die Form; so wie die
+Negativität abstrakt genommen als das Gesetztseyn, die einzelne
+Formbestimmung ist. Die Bestimmung aber, wie sie sich gezeigt hat,
+ist in ihrer Wahrheit, die totale sich auf sich beziehende
+Negativität, die somit als diese Identität das einfache Wesen an ihr
+selbst ist. Die Form hat daher an ihrer eigenen Identität das Wesen;
+wie das Wesen an seiner negativen Natur die absolute Form. Es kann
+also nicht gefragt werden, wie die Form zum Wesen hinzukomme, denn
+sie ist nur das Scheinen desselben in sich selbst, die eigene ihm
+inwohnende Reflexion. Die Form ebenso an ihr selbst ist die in sich
+zurückkehrende Reflexion, oder das identische Wesen; in ihrem
+Bestimmen macht sie die Bestimmung zum Gesetztseyn als Gesetztseyn.
+--Sie bestimmt also nicht das Wesen, als ob sie wahrhaft
+vorausgesetzt, getrennt vom Wesen sey, denn so ist sie die
+unwesentliche, rastlos zu Grunde gehende Reflexionsbestimmung,
+hiermit ist sie so selbst vielmehr der Grund ihres Aufhebens oder die
+identische Beziehung ihrer Bestimmungen. Die Form bestimmt das Wesen,
+heißt also, die Form in ihrem Unterscheiden hebt dieß Unterscheiden
+selbst auf, und ist die Identität mit sich, welche das Wesen als das
+Bestehen der Bestimmung ist; sie ist der Widerspruch in ihrem
+Gesetztseyn aufgehoben zu seyn und an diesem Aufgehobenseyn das
+Bestehen zu haben; somit der Grund, als das im Bestimmt- oder
+Negirtseyn mit sich identische Wesen.
+
+Diese Unterschiede, der Form und des Wesens, sind daher nur Momente
+der einfachen Formbeziehung selbst. Aber sie sind näher zu
+betrachten und festzuhalten. Die bestimmende Form bezieht sich auf
+sich als aufgehobenes Gesetztseyn, sie bezieht sich damit auf ihre
+Identität als auf ein Andres. Sie setzt sich als aufgehoben; sie
+setzt damit ihre Identität voraus; das Wesen ist nach diesem Momente
+das Unbestimmte, dem die Form ein anderes ist. So ist es nicht das
+Wesen, das die absolute Reflexion an ihm selbst ist, sondern bestimmt
+als die formlose Identität; es ist die Materie.
+
+b. Form und Materie.
+
+Das Wesen wird zur Materie, indem seine Reflexion sich bestimmt, zu
+demselben als zu dem formlosen Unbestimmten sich zu verhalten. Die
+Materie ist also die einfache unterschiedslose Identität, welche das
+Wesen ist, mit der Bestimmung das Andere der Form zu seyn. Sie ist
+daher die eigentliche Grundlage oder Substrat der Form, weil sie die
+Reflexion in sich der Formbestimmungen oder das Selbstständige
+ausmacht, auf das sie sich als auf ihr positives Bestehen beziehen.
+
+Wenn von allen Bestimmungen, aller Form eines Etwas abstrahirt wird,
+so bleibt die unbestimmte Materie übrig. Die Materie ist ein
+schlechthin Abstraktes. (--Man kann die Materie nicht sehen, fühlen u.
+s.f.--was man sieht, fühlt, ist eine bestimmte Materie, d. h. eine
+Einheit der Materie und der Form). Diese Abstraktion, aus der die
+Materie hervorgeht, ist aber nicht nur ein äußerliches Wegnehmen und
+Aufheben der Form, sondern die Form reducirt sich durch sich selbst,
+wie sich ergeben hat, zu dieser einfachen Identität.
+
+Ferner setzt die Form eine Materie voraus, auf welche sie sich
+bezieht. Aber darum finden sich beide nicht äußerlich und zufällig
+einander gegenüber; weder die Materie noch die Form ist aus sich
+selbst, oder in anderer Sprache ewig. Die Materie ist das gegen die
+Form gleichgültige, aber diese Gleichgültigkeit ist die Bestimmtheit
+der Identität mit sich, in welche als in ihre Grundlage die Form
+zurückgeht. Die Form setzt die Materie voraus; eben darin, daß sie
+sich als Aufgehobenes setzt, somit sich auf diese ihre Identität als
+auf ein Anderes bezieht. Umgekehrt ist die Form von der Materie
+vorausgesetzt; denn diese ist nicht das einfache Wesen, das
+unmittelbar selbst die absolute Reflexion ist, sondern dasselbe
+bestimmt als das Positive, nämlich das nur ist, als aufgehobene
+Negation.--Aber von der andern Seite weil die Form sich nur als
+Materie setzt, insofern sie sich selbst aufhebt, somit dieselbe
+voraussetzt, ist die Materie auch bestimmt als grundloses Bestehen.
+Ebenso ist die Materie nicht bestimmt als der Grund der Form; sondern,
+indem die Materie sich setzt als die abstrakte Identität der
+aufgehobenen Formbestimmung, ist sie nicht die Identität als Grund,
+und die Form insofern gegen sie grundlos. Form und Materie sind
+somit bestimmt, die eine wie die andere, nicht gesetzt durch einander,
+nicht Grund von einander zu seyn. Die Materie ist vielmehr die
+Identität des Grundes und des Begründeten, als Grundlage, welche
+dieser Formbeziehung gegenüber steht. Diese ihre gemeinschaftliche
+Bestimmung der Gleichgültigkeit ist die Bestimmung der Materie als
+solcher, und macht auch die Beziehung beider aufeinander aus. Ebenso
+die Bestimmung der Form, die Beziehung als unterschiedener zu seyn,
+ist auch das andere Moment des Verhaltens beider zu einander.--Die
+Materie, das als gleichgültig Bestimmte, ist das Passive gegen die
+Form als Thätiges. Diese ist als das sich auf sich beziehende
+Negative der Widerspruch in sich selbst, das sich Auflösende sich von
+sich Abstoßende und Bestimmende. Sie bezieht sich auf die Materie,
+und sie ist gesetzt, sich auf dieß ihr Bestehen, als auf ein Anderes
+zu beziehen. Die Materie hingegen ist gesetzt, sich nur auf sich
+selbst zu beziehen, und gleichgültig gegen Anderes zu seyn; aber sie
+bezieht sich an sich auf die Form; denn sie enthält die aufgehobene
+Negativität, und ist nur Materie durch diese Bestimmung. Sie bezieht
+sich auf sie nur darum als auf ein Anderes, weil die Form nicht an
+ihr gesetzt, weil sie dieselbe nur an sich ist. Sie enthält die Form
+in sich verschlossen, und ist die absolute Empfänglichkeit für sie,
+nur darum weil sie dieselbe absolut in ihr hat, weil dieß ihre an
+sich seyende Bestimmung ist. Die Materie muß daher formirt werden,
+und die Form muß sich materialisiren, sich an der Materie die
+Identität mit sich oder das Bestehen geben.
+
+2. Die Form bestimmt daher die Materie, und die Materie wird von der
+Form bestimmt.--Weil die Form selbst die absolute Identität mit sich
+ist, also die Materie in sich enthält; ebenso weil die Materie in
+ihrer reinen Abstraktion oder absoluten Negativität die Form in ihr
+selbst hat, so ist die Thätigkeit der Form auf die Materie, und das
+Bestimmtwerden dieser durch jene vielmehr nur das Aufheben des
+Scheines ihrer Gleichgültigkeit und Unterschiedenheit. Diese
+Beziehung des Bestimmens ist so die Vermittelung jeder der beiden mit
+sich durch ihr eigenes Nichtseyn,--aber diese beiden Vermittelungen
+sind Eine Bewegung und die Wiederherstellung ihrer ursprünglichen
+Identität;--die Erinnerung ihrer Entäußerung.
+
+Zuerst setzen Form und Materie sich gegenseitig voraus. Wie sich
+ergeben hat, heißt dieß so viel, die eine wesentliche Einheit ist
+negative Beziehung auf sich selbst, so entzweit sie sich in die
+wesentliche Identität bestimmt als die gleichgültige Grundlage, und
+in den wesentlichen Unterschied oder Negativität, als die bestimmende
+Form. Jene Einheit des Wesens und der Form, die sich als Form und
+Materie gegenübersetzen, ist der absolute Grund, der sich bestimmt.
+Indem sie sich zu einem Verschiedenen macht, wird die Beziehung um
+der zu Grunde liegenden Identität der Verschiedenen willen zur
+gegenseitigen Voraussetzung.
+
+Zweitens, die Form als selbstständig ist ohnehin der sich selbst
+aufhebende Widerspruch; aber sie ist auch als solcher gesetzt, denn
+sie ist zugleich selbstständig und zugleich wesentlich auf ein
+Anderes bezogen;--sie hebt sich somit auf. Da sie selbst zweiseitig
+ist, so hat auch dieß Aufheben die gedoppeite Seite, erstlich, sie
+hebt ihre Selbstständigkeit auf, sie macht sich zu einem Gesetzten,
+zu einem, das an einem Andern ist, und dieß ihr Anderes ist die
+Materie. Zweitens sie hebt ihre Bestimmtheit gegen die Materie, ihre
+Beziehung auf dieselbe somit ihr Gesetztseyn auf, und giebt sich
+dadurch Bestehen. Indem sie ihr Gesetztseyn aufhebt, so ist diese
+ihre Reflexion die eigene Identität, in welche sie übergeht; indem
+sie aber diese Identität zugleich entäußert und als Materie sich
+gegenübersetzt, so ist jene Reflexion des Gesetztseyns in sich als
+Vereinigung mit einer Materie, an der sie Bestehen erhält; sie geht
+also in dieser Vereinigung ebenso sehr mit der Materie als einem
+Andern,--nach der ersten Seite, daß sie sich zu einem Gesetzten macht,
+--als auch darin mit ihrer eigenen Identität zusammen.
+
+Die Thätigkeit der Form also, wodurch die Materie bestimmt wird,
+besteht in einem negativen Verhalten der Form gegen sich selbst.
+Aber umgekehrt verhält sie sich damit auch negativ gegen die Materie;
+allein dieß Bestimmtwerden der Materie ist ebenso sehr die eigene
+Bewegung der Form selbst. Diese ist frei von der Materie, aber sie
+hebt diese ihre Selbstständigkeit auf; aber ihre Selbstständigkeit
+ist die Materie selbst, denn an dieser hat sie ihre wesentliche
+Identität. Indem sie sich also zum Gesetzten macht, so ist dieß ein
+und dasselbe, daß sie die Materie zu einem Bestimmten macht.--Aber
+von der andern Seite betrachtet, ist die eigene Identität der Form
+zugleich sich entäußert, und die Materie ihr Anderes; insofern wird
+die Materie auch nicht bestimmt, dadurch, daß die Form ihre eigne
+Selbstständigkeit aufhebt. Allein die Materie ist nur selbstständig
+der Form gegenüber; indem das Negative sich aufhebt, hebt sich auch
+das Positive auf. Indem die Form also sich aufhebt, so fällt auch
+die Bestimmtheit der Materie weg, welche sie gegen die Form hat,
+nämlich das unbestimmte Bestehen zu seyn.
+
+Dieß, was als Thätigkeit der Form erscheint, ist ferner ebenso sehr
+die eigene Bewegung der Materie selbst. Die ansichseyende Bestimmung
+oder das Sollen der Materie ist ihre absolute Negativität. Durch
+diese bezieht sich die Materie schlechthin nicht nur auf die Form als
+auf ein Anderes, sondern dieses Äußere ist die Form, welche sie
+selbst als verschlossen in sich enthält. Die Materie ist derselbe
+Widerspruch an sich, welchen die Form enthält, und dieser Widerspruch
+ist wie seine Auflösung, nur Einer. Die Materie ist aber in sich
+selbst widersprechend, weil sie als die unbestimmte Identität mit
+sich zugleich die absolute Negativität ist; sie hebt sich daher an
+ihr selbst auf, und ihre Identität zerfällt in ihrer Negativität, und
+diese erhält an jener ihr Bestehen. Indem also die Materie von der
+Form als von einem Äußern bestimmt wird, so erreicht damit sie ihre
+Bestimmung, und die Äußerlichkeit des Verhaltens sowohl für die Form
+als für die Materie besteht darin, daß jede oder vielmehr ihre
+ursprüngliche Einheit in ihrem Setzen zugleich voraussetzend ist;
+wodurch die Beziehung auf sich, zugleich Beziehung auf sich als
+aufgehobenes oder Beziehung auf sein anderes ist.
+
+Drittens, durch diese Bewegung der Form und Matene ist ihre
+ursprüngliche Einheit einer Seits hergestellt, anderer Seits nunmehr
+eine gesetzte. Die Materie bestimmt ebensowohl sich selbst, als dieß
+Bestimmen ein für sie äußerliches Thun der Form ist; umgekehrt die
+Form bestimmt ebenso sehr nur sich oder hat die Materie, die von ihr
+bestimmt wird, an ihr selbst, als sie in ihrem Bestimmen sich gegen
+ein Anderes verhält; und beides, das Thun der Form und die Bewegung
+der Materie ist dasselbe, nur daß jenes ein Thun ist, d. h. die
+Negativität als gesetzte, dieß aber Bewegung oder Werden, die
+Negativität als ansichseyende Bestimmung. Das Resultat ist daher die
+Einheit des Ansichseyns und des Gesetztseyns. Die Materie ist als
+solche bestimmt, oder hat nothwendig eine Form, und die Form ist
+schlechthin materielle, bestehende Form.
+
+Die Form, insofern sie eine Materie als das ihr Andere voraussetzt,
+ist endlich. Sie ist nicht Grund, sondern nur das Thätige. Ebenso
+ist die Materie, insofern sie die Form als ihr Nichtseyn voraussetzt,
+die endliche Materie, sie ist ebenso wenig Grund ihrer Einheit mit
+der Form, sondern nur die Grundlage für die Form. Aber sowohl diese
+endliche Materie als die endliche Form hat keine Wahrheit; jede
+bezieht sich auf die andere, oder nur ihre Einheit ist ihre Wahrheit.
+In diese Einheit gehen diese beiden Bestimmungen zurück, und heben
+darin ihre Selbstständigkeit auf; sie erweist sich damit als ihr
+Grund. Die Materie ist daher nur insofern Grund ihrer Formbestimmung,
+als sie nicht Materie als Materie, sondern die absolute Einheit des
+Wesens und der Form ist; ebenso die Form ist nur Grund des Bestehens
+ihrer Bestimmungen, insofern sie dieselbe eine Einheit ist. Aber
+diese eine Einheit als die absolute Negativität und bestimmter als
+ausschließende Einheit ist in ihrer Reflexion voraussetzend; oder es
+ist Ein Thun, im Setzen sich als Gesetztes in der Einheit zu erhalten
+und sich von sich selbst abzustoßen, sich auf sich als sich, und sich
+auf sich als auf ein Anderes zu beziehen. Oder das Bestimmtwerden
+der Materie durch die Form ist die Vermittelung des Wesens als Grund
+mit sich in einer Einheit, durch sich selbst und durch die Negation
+seiner selbst.
+
+Die formirte Materie oder die Bestehen habende Form, ist nun nicht
+nur jene absolute Einheit des Grundes mit sich, sondern auch die
+gesetzte Einheit. Die betrachtete Bewegung ist es, in welcher der
+absolute Grund seine Momente zugleich als sich aufhebende und somit
+als gesetzte dargestellt hat. Oder die wiederhergestellte Einheit
+hat in ihrem Zusammengehen mit sich, sich ebenso sehr von sich selbst
+abgestoßen und sich bestimmt; denn ihre Einheit ist als durch
+Negation zu Stande gekommen, auch negative Einheit. Sie ist daher
+die Einheit der Form und der Materie, als ihre Grundlage, aber als
+ihre bestimmte Grundlage, welche formirte Materie, aber gegen Form
+und Materie zugleich als gegen aufgehobene und unwesendiche
+gleichgültig ist. Sie ist der Inhalt.
+
+c. Form und Inhalt.
+
+Die Form steht zuerst dem Wesen gegenüber; so ist sie Grundbeziehung
+überhaupt, und ihre Bestimmungen, der Grund und das Begründete.
+Alsdenn steht sie der Materie gegenüber; so ist sie bestimmende
+Reflexion und ihre Bestimmungen sind die Reflexionsbestimmung selbst
+und das Bestehen derselben. Endlich steht sie dem Inhalte gegenüber,
+so sind ihre Bestimmungen wieder sie selbst und die Materie. Was
+vorher das mit sich Identische war, zuerst der Grund, dann das
+Bestehen überhaupt, und zulezt die Materie tritt unter die Herrschaft
+der Form und ist wieder eine ihrer Bestimmungen.
+
+Der Inhalt hat erstlich eine Form und eine Materie, die ihm angehören
+und wesentlich sind; er ist ihre Einheit. Aber indem diese Einheit
+zugleich bestimmte oder gesetzte Einheit ist, so steht er der Form
+gegenüber; diese macht das Gesetztseyn aus, und ist gegen ihn das
+Unwesentliche. Er ist daher gleichgültig gegen sie; sie begreift
+sowohl die Form als solche, als auch die Materie; und er hat also
+eine Form und eine Materie, deren Grundlage er ausmacht, und die ihm
+als bloßes Gesetztseyn sind.
+
+Der Inhalt ist zweitens das in Form und Materie identische, so daß
+diese nur gleichgültige äußerliche Bestimmungen wären. Sie sind das
+Gesetztseyn überhaupt, das aber in dem Inhalte in seine Einheit oder
+seinen Grund zurückgegangen ist. Die Identität des Inhalts mit sich
+selbst ist daher das eine Mal jene gegen die Form gleichgültige
+Identität; das andere Mal aber ist sie die Identität des Grundes.
+Der Grund ist in dem Inhalte zunächst verschwunden; der Inhalt aber
+ist zugleich die negative Reflexion der Formbestimmungen in sich;
+seine Einheit, welche zunächst nur die gegen die Form gleichgültige
+ist, ist daher auch die formelle Einheit oder die Grundbeziehung als
+solche. Der Inhalt hat daher diese zu seiner wesentlichen Form und
+der Grund umgekehrt hat einen Inhalt.
+
+Der Inhalt des Grundes ist also der in seine Einheit mit sich
+zurückgekehrte Grund; der Grund ist zunächst das Wesen, das in seinem
+Gesetztseyn mit sich identisch ist; als verschieden und gleichgültig
+gegen sein Gesetztseyn, ist es die unbestimmte, die Materie; aber als
+Inhalt ist es zugleich die formirte Identität, und diese Form wird
+darum Grundbeziehung, weil die Bestimmungen ihres Gegensatzes im
+Inhalte auch als negirte gesetzt sind.--Der Inhalt ist ferner
+bestimmt an ihm selbst; nicht nur wie die Materie als das
+Gleichgültige überhaupt, sondern als die formirte Materie, so daß die
+Bestimmungen der Form ein materielles, gleichgültiges Bestehen haben.
+Einer Seits ist der Inhalt die wesentliche Identität des Grundes mit
+sich in seinem Gesetztseyn, anderer Seits die gesetzte Identität
+gegen die Grundbeziehung; dieß Gesetztseyn, das als Formbestimmung an
+dieser Identität ist, ist dem freien Gesetztseyn, das heißt, der Form
+als ganzer Beziehung von Grund und Begründetem, gegenüber; diese Form
+ist das totale in sich zurückkehrende Gesetztseyn; jene daher nur das
+Gesetztseyn als unmittelbares, die Bestimmtheit als solche.
+
+Der Grund hat sich damit überhaupt zum bestimmten Grunde gemacht, und
+die Bestimmtheit selbst ist die gedoppelte; erstens der Form und
+zweitens des Inhalts. Jene ist seine Bestimmtheit dem Inhalte
+überhaupt äußerlich zu seyn, der gegen diese Beziehung gleichgültig
+ist. Diese ist die Bestimmtheit des Inhalts, den der Grund hat.
+
+B. Der bestimmte Grund.
+
+a. Der formelle Grund.
+
+Der Grund hat einen bestimmten Inhalt. Die Bestimmtheit des Inhalts
+ist, wie sich ergeben, die Grundlage für die Form; das einfache
+Unmittelbare gegen die Vermittelung der Form. Der Grund ist negativ
+sich auf sich beziehende Identität, welche sich dadurch zum
+Gesetztseyn macht; sie bezieht sich negativ auf sich, indem sie
+identisch in dieser ihrer Negativität mit sich ist; diese Identität
+ist die Grundlage oder der Inhalt der auf diese Weise die
+gleichgültige oder positive Einheit der Grundbeziehung ausmacht, und
+das Vermittelnde derselben ist.
+
+In diesem Inhalte ist zunächst die Bestimmtheit des Grundes und des
+Begründeten gegen einander verschwunden. Die Vermittelung ist aber
+ferner negative Einheit. Das Negative als an jener gleichgültigen
+Grundlage ist die unmittelbare Bestimmtheit derselben, wodurch der
+Grund einen bestimmten Inhalt hat. Alsdann aber ist das Negative die
+negative Beziehung der Form auf sich selbst. Das Gesetzte einer
+Seits liebt sich selbst auf und geht in seinen Grund zurück; der
+Grund aber, die wesentliche Selbstständigkeit, bezieht sich negativ
+auf sich selbst und macht sich zum Gesetzten. Diese negative
+Vermittelung des Grundes und des Begründeten ist die eigenthümliche
+Vermittelung der Form als solcher, die formelle Vermittelung. Die
+beiden Seiten der Form nun, weil die eine in die andere übergeht,
+setzen sich damit gemeinschaftlich in Einer Identität als aufgehobene;
+sie setzen dieselbe hierdurch zugleich voraus. Sie ist der
+bestimmte Inhalt, auf den sich also die formelle Vermittelung als auf
+das positive Vermittelnde durch sich selbst bezieht. Er ist das
+Identische beider, und indem sie unterschieden, jedes aber in seinem
+Unterschiede die Beziehung auf das andere ist, ist er das Bestehen
+derselben, eines jeden als das Ganze selbst.
+
+Hiernach ergiebt sich, daß im bestimmten Grunde dieß vorhanden ist;
+erstens, ein bestimmter Inhalt wird nach zwei Seiten betrachtet, das
+eine Mal insofern er als Grund, das andere Mal insofern er als
+Begründetes gesetzt ist. Er selbst ist gleichgültig gegen diese Form;
+er ist in beiden überhaupt nur Eine Bestimmung. Zweitens ist der
+Grund selbst so sehr Moment der Form als das durch ihn gesetzte; dieß
+ist ihre Identität der Form nach. Es ist gleichgültig, welche von
+beiden Bestimmungen zum Ersten gemacht wird, von dem als dem
+Gesetzten zum Andern als zum Grunde, oder von dem als dem Grunde zum
+Andern als zum Gesetzten übergegangen wird. Das Begründete für sich
+betrachtet, ist das Aufheben seiner selbst; damit macht es sich einer
+Seits zum Gesetzten, und ist zugleich Setzen des Grundes. Dieselbe
+Bewegung ist der Grund als solcher, er macht sich zum Gesetzten,
+dadurch wird er Grund von etwas, das heißt, darin ist er sowohl als
+Gesetztes, wie auch erst als Grund vorhanden. Daß ein Grund ist,
+davon ist das Gesetzte der Grund, und umgekehrt ist hiermit der Grund
+Gesetztes. Die Vermittelung fängt ebenso sehr von dem einen als von
+dem andern an, jede Seite ist so sehr Grund als Gesetztes, und jede
+die ganze Vermittelung oder die ganze Form.--Diese ganze Form ist
+ferner selbst als das mit sich identische, die Grundlage der
+Bestimmungen, welche die beiden Seiten des Grundes und des
+Begründeten sind, Form und Inhalt sind so selbst eine und dieselbe
+Identität.
+
+Um dieser Identität des Grundes und Begründeten willen, sowohl dem
+Inhalte als der Form nach, ist der Grund zureichend (das Zureichende
+auf dieß Verhältniß eingeschränkt); es ist nichts im Grunde, was
+nicht im Begründeten ist, so wie nichts im Begründeten, was nicht im
+Grunde ist. Wenn nach einem Grunde gefragt wird, will man dieselbe
+Bestimmung, die der Inhalt ist, doppelt sehen, das eine Mal in der
+Form des Gesetzten, das andere Mal in der des in sich reflektirten
+Daseyns, der Wesentlichkeit.
+
+Insofern nun im bestimmten Grunde Grund und Begründetes beide die
+ganze Form, und ihr Inhalt zwar ein bestimmter, aber einer und
+derselbe ist, so ist der Grund in seinen beiden Seiten noch nicht
+real bestimmt, sie haben keinen verschiedenen Inhalt; die
+Bestimmtheit ist erst einfache, noch nicht an die Seiten
+übergegangene Bestimmtheit; es ist der bestimmte Grund erst in seiner
+reinen Form, der formelle Grund, vorhanden.--Weil der Inhalt nur
+diese einfache Bestimmtheit ist, die nicht die Form der
+Grundbeziehung an ihr selbst hat, so ist sie der mit sich identische
+Inhalt, gegen die Form gleichgültig und diese ihm äußerlich; er ist
+ein Anderes als sie.
+
+Anmerkung.
+
+Wenn die Reflexion über bestimmte Gründe sich an diejenige Form des
+Grundes hält, welche sich hier ergeben hat, so bleibt die Angabe
+eines Grundes ein bloßer Formalismus und leere Tautologie, welche
+denselben Inhalt in der Form der Reflexion in sich, der
+Wesentlichkeit, ausdrückt, der schon in der Form des unmittelbaren,
+als gesetzt betrachteten Daseyns vorhanden ist. Ein solches Angeben
+von Gründen ist deswegen von derselben Leerheit begleitet, als das
+Reden nach dem Satze der Identität. Die Wissenschaften, vornemlich
+die physikalischen, sind mit den Tautologien dieser Art angefüllt,
+welche gleichsam ein Vorrecht der Wissenschaft ausmachen.--Es wird z.
+B. als der Grund, daß die Planeten sich um die Sonne bewegen, die
+anziehende Kraft der Erde und Sonne gegen einander angegeben. Es ist
+damit dem Inhalt nach nichts Anders ausgesprochen, als was das
+Phänomen, nämlich die Beziehung dieser Körper auf einander in ihrer
+Bewegung, enthält, nur in der Form von in sich reflektirter
+Bestimmung, von Kraft. Wenn danach gefragt wird, was die anziehende
+Kraft für eine Kraft sey, so ist die Antwort, daß sie die Kraft ist,
+welche macht, daß sich die Erde um die Sonne bewegt; das heißt, sie
+hat durchaus denselben Inhalt, als das Daseyn, dessen Grund sie seyn
+soll; die Beziehung der Erde und der Sonne in Rüksicht der Bewegung
+ist die identische Grundlage des Grundes und des Begründeten.--Wenn
+eine Krystallisationsform dadurch erklärt wird, daß sie ihren Grund
+in dem besondern Arrangement habe, in das die Molecules zu einander
+treten, so ist die daseyende Krystallisation dieß Arrangement selbst,
+welches als Grund ausgedrückt wird. Im gewöhnlichen Leben gelten
+diese Ätiologieen, auf welche die Wissenschaften das Privilegium
+haben, für das, was sie sind, für ein tautologisches, leeres Gerede.
+Wenn auf die Frage, warum dieser Mensch in die Stadt reise, der Grund
+angegeben wird, weil in der Stadt sich eine anziehende Kraft befinde,
+die ihn dahin treibe, so gilt diese Art des Antwortens für
+abgeschmackt, die in den Wissenschaften sanctionirt ist.--Leibnitz
+warf der newtonischen anziehenden Kraft vor, daß sie eine solche
+verborgene Qualität sey, als die Scholastiker zum Behuf des Erklärens
+gebrauchten. Man müßte ihr eher das Gegentheil zum Vorwurf machen,
+daß sie eine zu bekannte Qualität sey; denn sie hat keinen andern
+Inhalt, als die Erscheinung selbst.--Wodurch sich diese
+Erklärungsweise eben empfiehlt, ist ihre große Deutlichkeit und
+Begreiflichkeit; denn es ist nichts deutlicher und begreiflicher, als
+daß z. E. eine Pflanze ihren Grund in einer vegetativen, d. h.
+Pflanzen hervorbringenden Kraft habe.--Eine occulte Qualität könnte
+sie nur in dem Sinne genannt werden, als der Grund einen andern
+Inhalt haben soll, als das zu Erklärende; ein solcher ist nicht
+angegeben; insofern ist jene zum Erklären gebrauchte Kraft allerdings
+ein verborgener Grund, als ein Grund, wie er gefordert wird, nicht
+angegeben ist. Es wird durch diesen Formalismus so wenig etwas
+erklärt, als die Natur einer Pflanze erkannt wird, wenn ich sage, daß
+sie eine Pflanze ist; bei aller Deutlichkeit dieses Satzes, oder daß
+sie ihren Grund in einer Pflanzen hervorbringenden Kraft habe, kann
+man dieß deswegen eine sehr occulte Erklärungsweise nennen.
+
+Zweitens, der Form nach, kommen in dieser Erklärungsweise die beiden
+entgegengesetzten Richtungen der Grundbeziehung vor, ohne in ihrem
+bestimmten Verhältnisse erkannt zu seyn. Der Grund ist eines Theils
+Grund, als die in sich reflektirte Inhaltsbestimmung des Daseyns, das
+er begründet, andern Theils ist er das Gesetzte. Er ist das, woraus
+das Daseyn begriffen werden soll; umgekehrt aber wird von diesem auf
+ihn geschlossen und er aus dem Daseyn begriffen. Das Hauptgeschäfte
+dieser Reflexion besteht nämlich darin, aus dem Daseyn die Gründe zu
+finden, das heißt, das unmittelbare Daseyn in die Form des
+Reflektirtseyns umzusetzen; der Grund statt an und für sich und
+selbstständig zu seyn, ist somit vielmehr das Gesetzte und
+Abgeleitete. Weil er nun durch dieß Verfahren nach dem Phänomen
+eingerichtet ist, und seine Bestimmungen auf diesem beruhen, so
+fließt dieses freilich ganz glatt und mit günstigem Winde aus seinem
+Grunde aus. Aber die Erkenntniß ist hierdurch nicht vom Flecke
+gekommen; sie treibt sich in einem Unterschiede der Form herum, den
+dieß Verfahren selbst umkehrt und aufhebt. Eine der
+Hauptschwierigkeiten, sich in die Wissenschaften einzustudiren, worin
+dieß Verfahren herrschend ist, beruht deswegen auf dieser
+Verkehrtheit der Stellung, das als Grund vorauszuschicken, was in der
+That abgeleitet ist und indem zu den Folgen fortgegangen wird, in
+ihnen in der That erst den Grund jener seyn sollenden Gründe
+anzugeben. Es wird in der Darstellung mit den Gründen angefangen,
+sie werden als Principien und erste Begriffe in die Luft hingestellt;
+sie sind einfache Bestimmungen, ohne alle Nothwendigkeit an und für
+sich selbst; das Folgende soll auf sie gegründet werden. Wer daher
+in dergleichen Wissenschaften eindringen will, muß damit anfangen,
+sich jene Gründe zu inkulkiren; ein Geschäft, das der Vernunft sauer
+ankommt, weil sie Grundloses als Grundlage gelten lassen soll. Am
+besten kommt derjenige fort, der sich ohne vieles Nachdenken die
+Principien als gegebene gefallen läßt, und sie von nun an als
+Grundregeln seines Verstandes gebraucht. Ohne diese Methode kann man
+den Anfang nicht gewinnen; ebenso wenig läßt sich ohne sie ein
+Fortgang machen. Dieser aber hindert sich nun dadurch, daß in ihnen
+der Gegenstoß der Methode zum Vorschein kommt, die im Folgenden das
+Abgeleitete aufzeigen will, das aber in der That erst die Gründe zu
+jenen Voraussetzungen enthält. Ferner weil das Folgende sich als das
+Daseyn zeigt, aus welchem der Grund abgeleitet wurde, so giebt dieß
+Verhältniß, in dem das Phänomen aufgeführt wird, ein Mißtrauen gegen
+die Darstellung desselben; denn es zeigt sich nicht in seiner
+Unmittelbarkeit ausgedrückt, sondern als Beleg des Grundes. Weil
+aber dieser hinwieder aus jenem hergeleitet ist, verlangt man es
+vielmehr in seiner Unmittelbarkeit zu sehen, um den Grund aus ihm
+beurtheilen zu können. Man weiß daher in solcher Darstellung, worin
+das eigentlich Begründende als Abgeleitetes vorkommt, nicht, weder
+wie man mit dem Grunde, noch wie man mit dem Phänomen daran ist. Die
+Ungewißheit wird dadurch vermehrt, besonders wenn der Vortrag nicht
+streng konsequent, sondern mehr ehrlich ist, daß sich allenthalben
+Spuren und Umstände des Phänomens verrathen, die auf Mehreres und oft
+ganz Anderes hindeuten, als bloß in den Principien enthalten ist.
+Die Verwirrung wird endlich noch größer, indem reflektirte, und bloß
+hypothetische Bestimmungen mit unmittelbaren Bestimmungen des
+Phänomens selbst vermischt werden, wenn jene auf eine Art
+ausgesprochen sind, als ob sie der unmittelbaren Erfahrung angehörten.
+So kann wohl mancher, der mit ehrlichem Glauben zu diesen
+Wissenschaften hinzutritt, der Meinung seyn, die Molecules, die
+leeren Zwischenräume, die Fliehkraft, der Äther, der vereinzelnte
+Lichtstrahl, die elektrische, magnetische Materie und noch eine Menge
+dergleichen seyen Dinge oder Verhältnisse, die, nach der Art, wie von
+ihnen als unmittelbaren Daseynsbestimmungen gesprochen wird, in der
+That in der Wahrnehmung vorhanden seyen. Sie dienen als erste Gründe
+für Anderes, wer den als Wirklichkeiten ausgesprochen, und
+zuversichtlich angewendet; man läßt sie auf guten Glauben hin dafür
+gelten, ehe man inne wird, daß sie vielmehr aus dem, was sie
+begründen sollen, geschlossene Bestimmungen, von einer unkritischen
+Reflexion abgeleitete Hypothesen und Erdichtungen sind. In der That
+befindet man sich in einer Art von Hexenkreise, worin Bestimmungen
+des Daseyns und Bestimmungen der Reflexion, Grund und Begründetes,
+Phänomene und Phantome in unausgeschiedener Gesellschaft durch
+einander laufen und gleichen Rang mit einander geniessen.
+
+Bei dem formellen Geschäfte dieser Erklärungsweise aus Gründen, hört
+man zugleich auch wieder, alles Erklärens aus den wohlbekannten
+Kräften und Materien ungeachtet, sagen, daß wir das innre Wesen
+dieser Kräfte und Materien selbst nicht kennen. Es ist hierin nur
+das Geständniß zu sehen, daß dieses Begründen sich selbst völlig
+ungenügend ist; daß es selbst etwas ganz Anderes fordere, als solche
+Gründe. Es ist dann nur nicht abzusehen, wozu sich denn diese
+Bemühung mit diesem Erklären gemacht, warum nicht das Andere gesucht,
+oder jenes Erklären wenigstens bei Seite gethan, und bei den
+einfachen Thatsachen stehen geblieben wird.
+
+b. Der reale Grund.
+
+Die Bestimmtheit des Grundes, ist, wie sich gezeigt hat, eines Theils
+Bestimmtheit der Grundlage oder Inhaltsbestimmung; andern Theils das
+Andersseyn in der Grundbeziehung selbst, nämlich die
+Unterschiedenheit ihres Inhalts und der Form; die Beziehung von Grund
+und Begründetem verläuft sich als eine äußerliche Form an dem Inhalt,
+der gegen diese Bestimmungen gleichgültig ist.--In der That aber sind
+beide einander nicht äußerlich; denn der Inhalt ist dieß, die
+Identität des Grundes mit sich selbst im Begründeten, und des
+Begründeten im Grunde zu seyn. Die Seite des Grundes hat sich
+gezeigt, selbst ein Gesetztes, und die Seite des Begründeten, selbst
+Grund zu seyn; jede ist an ihr selbst diese Identität des Ganzen.
+Weil sie aber zugleich der Form angehören und ihre bestimmte
+Unterschiedenheit ausmachen, so ist jede in ihrer Bestimmtheit die
+Identität des Ganzen mit sich. Jede hat somit einen gegen die andere
+verschiedenen Inhalt.--Oder von Seite des Inhalts betrachtet, weil er
+die Identität als der Grundbeziehung mit sich ist, hat er wesentlich
+diesen Formunterschied an ihm selbst, und ist als Grund ein anderer,
+denn als Begründetes.
+
+Darin nun, daß Grund und Begründetes einen verschiedenen Inhalt haben,
+hat die Grundbeziehung aufgehört, eine formale zu seyn; der Rückgang
+in den Grund, und das Hervorgehen aus ihm zum Gesetzten ist nicht
+mehr die Tautologie; der Grund ist realisirt. Man verlangt daher,
+wenn man nach einem Grund fragt, eigentlich für den Grund eine andere
+Inhaltsbestimmung als diejenige ist, nach deren Grund man fragt.
+
+Diese Beziehung bestimmt sich nun weiter. Insofern nämlich ihre
+beide Seiten verschiedener Inhalt sind, sind sie gleichgültig gegen
+einander; jede ist eine unmittelbare mit sich identische Bestimmung.
+Ferner als Grund und Begründetes auf einander bezogen, ist der Grund
+das in dem Andern als in seinem Gesetztseyn in sich reflektirte; der
+Inhalt also, welchen die Seite des Grundes hat, ist ebenso im
+Begründeten; dieses als das Gesetzte hat nur in jenem seine Identität
+mit sich und sein Bestehen. Außer diesem Inhalte des Grundes hat
+aber das Begründete nunmehr auch seinen eigenthümlichen, und ist
+somit die Einheit von einem zweifachen Inhalt. Diese nun ist zwar
+als Einheit unterschiedener deren negative Einheit, aber weil es
+gegen einander gleichgültige Inhaltsbestimmungen sind, ist sie nur
+ihre leere, an ihr selbst inhaltslose Beziehung, nicht ihre
+Vermittelung; ein Eins oder Etwas als äußerliche Verknüpfung
+derselben.
+
+Es ist also in der realen Grundbeziehung das doppelte vorhanden,
+einmal die Inhaltsbestimmung, welche Grund ist, in dem Gesetztseyn
+mit sich selbst kontinuirt, so daß sie das einfach Identische des
+Grundes und Begründeten ausmacht; das Begründete enthält so den Grund
+vollkommen in sich, ihre Beziehung ist unterschiedslose wesentliche
+Gediegenheit. Was im Begründeten zu diesem einfachen Wesen noch
+hinzukommt, ist daher nur eine unwesentliche Form, äußerliche
+Inhaltsbestimmungen, die als solche vom Grunde frei, und eine
+unmittelbare Mannigfaltigkeit sind. Von diesem Unwesentlichen ist
+also jenes Wesentliche nicht der Grund, noch ist es Grund von der
+Beziehung beider aufeinander in dem Begründeten. Es ist ein positiv
+Identisches, das dem Begründeten inwohnt, aber sich darin in keinen
+Formunterschied setzt, sondern als sich auf sich selbst beziehender
+Inhalt gleichgültige positive Grundlage ist.--Fürs andere ist das mit
+dieser Grundlage im Etwas Verknüpfte ein gleichgültiger Inhalt, aber
+als die unwesentliche Seite. Die Hauptsache ist die Beziehung der
+Grundlage und der unwesentlichen Mannigfaltigkeit. Diese Beziehung
+aber, weil die bezogenen Bestimmungen gleichgültiger Inhalt sind, ist
+auch nicht Grund; eine ist zwar als wesentlicher, das Andere nur als
+unwesentlicher oder gesetzter Inhalt bestimmt, aber als sich auf sich
+beziehender Inhalt ist beiden diese Form äußerlich. Das Eins des
+Etwas, das ihre Beziehung ausmacht, ist deswegen nicht Formbeziehung,
+sondern nur ein äußerliches Band, das den unwesentlichen
+mannigfaltigen Inhalt nicht als gesetzten enthält; es ist also
+gleichfalls nur Grundlage.
+
+Der Grund, wie er als realer sich bestimmt, zerfällt hiermit um der
+Inhaltsverschiedenheit willen, die seine Realität ausmacht, in
+äußerliche Bestimmungen. Die beiden Beziehungen, der wesentliche
+Inhalt, als die einfache unmittelbare Identität des Grundes und des
+Begründeten; und dann das Etwas, als die Beziehung des
+unterschiedenen Inhalts, sind zwei verschiedene Grundlagen; die mit
+sich identische Form des Grundes, daß Dasselbe das eine Mal als
+Wesentliches, das andere Mal als Gesetztes sey, ist verschwunden; die
+Grundbeziehung ist so sich selbst äußerlich geworden.
+
+Es ist daher nun ein äußerlicher Grund, welcher verschiedenen Inhalt
+in Verknüpfung bringt und es bestimmt, welcher der Grund und welcher
+das durch ihn Gesetzte sey; in dem beiderseitigen Inhalte selbst
+liegt diese Bestimmung nicht. Der reale Grund ist daher Beziehung
+auf Anderes, einer Seits des Inhalts auf andern Inhalt, anderer Seits
+der Grundbeziehung selbst (der Form) auf Anderes, nämlich auf ein
+Unmittelbares, nicht durch sie Gesetztes.
+
+Anmerkung.
+
+Die formelle Grundbeziehung enthält nur Einen Inhalt für Grund und
+Begründetes, in dieser Identität liegt ihre Nothwendigkeit, aber
+zugleich ihre Tautologie. Der reale Grund enthält einen
+verschiedenen Inhalt, damit tritt aber die Zufälligkeit und
+Äußerlichkeit der Grundbeziehung ein. Einer Seits ist dasjenige, was
+als das Wesentliche und deswegen als die Grundbestimmung betrachtet
+wird, nicht Grund der anderen Bestimmungen, die mit ihr verknüpft
+sind. Anderer Seits ist es auch unbestimmt, welche von mehrern
+Inhaltsbestimmungen eines konkreten Dinges als die wesentliche und
+als Grund angenommen werden soll; die Wahl ist daher zwischen ihnen
+frei. So ist in ersterer Rücksicht z.B. der Grund eines Hauses die
+Unterlage desselben; wodurch diese Grund ist, ist die der sinnlichen
+Materie inwohnende Schwere, das sowohl in dem Grunde als dem
+begründeten Hause schlechthin Identische. Daß an der schweren
+Materie nun ein solcher Unterschied ist, wie der einer Unterlage und
+einer davon unterschiedenen Modifikation, wodurch sie eine Wohnung
+ausmacht, ist dem Schweren selbst vollkommen gleichgültig, seine
+Beziehung auf die anderen Inhaltsbestimmungen des Zwecks, der
+Einrichtung des Hauses u.s.f. ist ihm äußerlich; es ist daher wohl
+Grundlage, aber nicht Grund derselben. Die Schwere ist so sehr als
+Grund, daß ein Haus steht, auch Grund, daß ein Stein fällt; der Stein
+hat diesen Grund, die Schwere, in sich; aber daß er eine weitere
+Inhaltsbestimmung hat, wodurch er nicht bloß ein Schweres, sondern
+Stein ist, ist der Schwere äußerlich; es ist ferner durch ein Anderes
+gesetzt, daß er von dem Körper vorher entfernt worden sey, auf
+welchen er fällt, wie auch die Zeit und der Raum und deren Beziehung,
+die Bewegung, ein anderer Inhalt als die Schwere sind, und ohne sie
+(wie man zu sprechen pflegt) vorgestellt werden können, folglich
+nicht wesentlich durch sie gesetzt sind.--Sie ist auch so sehr Grund,
+daß ein Projektil die dem Fallen entgegengesetzte Wurfbewegung nacht.
+--Aus der Verschiedenheit der Bestimmungen, deren Grund sie ist,
+erhellt, daß ein Anderes zugleich erfordert wird, welches sie zum
+Grunde dieser oder einer andern Bestimmung macht.-Wenn von der Natur
+gesagt wird, daß sie der Grund der Welt ist, so ist das, was Natur
+genannt wird, einer Seits eins mit der Welt, und die Welt nichts als
+die Natur selbst. Aber sie sind auch unterschieden, so daß die Natur
+mehr das Unbestimmte, oder wenigstens nur das in den allgemeinen
+Unterschieden, welche Gesetze sind, bestimmte, mit sich identische
+Wesen der Welt ist, und zur Natur, um Welt zu seyn, noch eine
+Mannigfaltigkeit von Bestimmungen äußerlich hinzukommt. Diese aber
+haben ihren Grund nicht in der Natur als solcher, sie ist vielmehr
+das gegen sie als Zufälligkeiten Gleichgültige.--Es ist dasselbe
+Verhältniß, wenn Gott als Grund der Natur bestimmt wird. Als Grund
+ist er ihr Wesen, sie enthält es in ihr und ist ein identisches mit
+ihm; aber sie hat noch eine weitere Mannigfaltigkeit, die von dem
+Grunde selbst unterschieden ist; sie ist das Dritte, worin dieses
+beide Verschiedene verknüpft ist; jener Grund ist weder Grund der von
+ihm verschiedenen Mannigfaltigkeit noch seiner Verknüpfung mit ihr.
+Die Natur wird daher nicht aus Gott als dem Grunde erkannt, denn so
+wäre er nur ihr allgemeines Wesen, der sie nicht, wie sie bestimmtes
+Wesen und Natur ist, enthält.
+
+Das Angeben von realen Gründen wird also um dieser
+Inhaltsverschiedenheit des Grundes oder eigentlich der Grundlage und
+dessen, was mit ihm im Begründeten verbunden ist, ebenso sehr ein
+Formalismus, als der formale Grund selbst. In diesem ist der mit
+sich identische Inhalt gleichgültig gegen die Form; im realen Grunde
+findet dieß gleichfalls Statt. Dadurch ist nun ferner der Fall, daß
+er es nicht an ihm selbst enthält, welche der mannigfaltigen
+Bestimmungen als die wesentliche genommen werden soll. Etwas ist ein
+Konkretes von solchen mannigfaltigen Bestimmungen, die sich gleich
+beständig und bleibend an ihm zeigen. Die eine kann daher so sehr
+wie die andere als Grund bestimmt werden; nämlich als die wesentliche,
+in Vergleichung mit welcher alsdann die andere nur ein Gesetztes sey.
+Es verbindet sich damit das vorhin Erwähnte, daß, wenn eine
+Bestimmung vorhanden ist, die in einem Falle als Grund einer andern
+angesehen wird, daraus nicht folgt, daß diese andere in einem andern
+Falle oder überhaupt, mit ihr gesetzt sey.--Die Strafe z.B. hat die
+mannigfaltigen Bestimmungen, daß sie Wiedervergeltung, ferner
+abschreckendes Beispiel, daß sie ein vom Gesetz zur Abschreckung
+Angedrohtes, auch ein den Verbrecher zur Besinnung und Besserung
+Bringendes ist. Jede dieser verschiedenen Bestimmungen ist als Grund
+der Strafe betrachtet worden, weil jede eine wesentliche Bestimmung
+ist, und dadurch die anderen als von ihr unterschieden, gegen sie nur
+als Zufälliges bestimmt werden. Diejenige aber, die als Grund
+angenommen wird, ist noch nicht die ganze Strafe selbst; dieses
+Konkrete enthält auch jene anderen, die mit ihr darin nur verknüpft
+sind, ohne daß sie in ihr ihren Grund hätten.--Oder ein Beamter hat
+Amts-Geschicklichkeit, steht als Individuum in Verwandschaft, hat
+diese und jene Bekanntschaft, einen besondern Charakter, war in
+diesen und jenen Umständen und Gelegenheiten, sich zu zeigen, u.s.f.
+Es kann jede dieser Eigenschaften Grund seyn, oder als solcher
+angesehen werden, daß er dieß Amt hat; sie sind ein verschiedener
+Inhalt, der in einem Dritten verbunden ist; die Form, als das
+Wesentliche und als das Gesetzte gegeneinander bestimmt zu seyn, ist
+demselben äußerlich. Jede dieser Eigenschaften ist dem Beamten
+wesentlich, weil er durch sie das bestimmte Individuum ist, welches
+er ist; insofern das Amt als eine äußerliche gesetzte Bestimmung
+betrachtet werden kann, kann jede gegen dieses als Grund bestimmt,
+aber auch selbst umgekehrt können jene als gesetzte, und das Amt als
+Grund derselben angesehen werden. Wie sie sich wirklich, d. h. im
+einzelnen Fall, verhalten, dieß ist eine der Grundbeziehung und dem
+Inhalte selbst, äußerliche Bestimmung; es ist ein Drittes, was ihnen
+die Form von Grund und Begründetem ertheilt.
+
+So kann überhaupt jedes Daseyn mancherlei Gründe haben, jede seiner
+Inhaltsbestimmungen durchdringt als mit sich identisch das konkrete
+Ganze, und läßt sich daher als wesentlich betrachten; den mancherlei
+Rüksichten d. h. Bestimmungen, die außer der Sache selbst liegen,
+ist um der Zufälligkeit der Verknüpfungsweise Thür und Thor unendlich
+aufgethan.--Ob ein Grund diese oder jene Folge habe, ist deswegen
+ebenso zufällig. Die moralischen Beweggründe z.B. sind wesentliche
+Bestimmungen der sittlichen Natur, aber das, was aus ihnen folgt, ist
+zugleich eine von ihnen verschiedene Äußerlichkeit, die aus ihnen
+folgt, und auch nicht folgt; erst durch ein Drittes kommt sie zu
+ihnen hinzu. Genauer ist dieß so zu nehmen, daß es der moralischen
+Bestimmung, wenn sie Grund ist, nicht zufällig sey, eine Folge oder
+ein Begründetes zu haben, aber ob sie überhaupt zum Grund gemacht
+werde oder nicht. Allein da auch wieder der Inhalt, der ihre Folge
+ist, wenn sie zum Grund gemacht worden, die Natur der Äußerlichkeit
+hat, kann er unmittelbar durch eine andere Äußerlichkeit aufgehoben
+werden. Aus einem moralischen Beweggrunde kann also eine Handlung
+hervorgehen oder auch nicht. Umgekehrt kann eine Handlung mancherlei
+Gründe haben; sie enthält als ein Konkretes mannigfaltige wesentliche
+Bestimmungen, deren jede deswegen als Grund angegeben werden kann.
+Das Aufsuchen und Angeben von Gründen, worin vornemlich das
+Raisonnement besteht, ist darum ein endloses Herumtreiben, das keine
+letzte Bestimmung enthält; es kann von allem und jeden einer und
+mehrere gute Gründe angegeben werden, so wie von seinem
+Entgegengesetzten, und es können eine Menge Gründe vorhanden seyn,
+ohne daß aus ihnen etwas erfolgt. Was Sokrates und Plato Sophisterei
+nennen, ist nichts anderes als das Raisonnement aus Gründen; Plato
+setzt demselben die Betrachtung der Idee, d. h. der Sache an und für
+sich selbst, oder in ihrem Begriffe entgegen. Die Gründe sind nur
+von wesentlichen Inhaltsbestimmungen, Verhältnissen und Rüksichten
+genommen, deren jede Sache, gerade wie auch ihr Gegentheil, mehrere
+hat; in ihrer Form der Wesentlichkeit gilt die eine so gut als die
+andere; weil sie nicht den ganzen Umfang der Sache enthält, ist sie
+einseitiger Grund, deren die anderen besondern Seiten wieder
+besondere haben, und wovon keiner die Sache, welche ihre Verknüpfung
+ausmacht und sie alle enthält, erschöpft; keiner ist zureichender
+Grund, d. h. der Begriff
+
+c. Der vollständige Grund.
+
+1. Im realen Grunde sind der Grund als Inhalt, und als Beziehung, nur
+Grundlagen. Jener ist nur gesetzt als wesentlich und als Grund; die
+Beziehung ist das Etwas des Begründeten, als das unbestimmte Substrat
+eines verschiedenen Inhalts, eine Verknüpfung desselben, die nicht
+seine eigne Reflexion, sondern eine äußerliche und somit nur eine
+gesetzte ist. Die reale Grundbeziehung ist daher vielmehr der Grund
+als aufgehobener; sie macht somit vielmehr die Seite des Begründeten
+oder des Gesetztseyns aus. Als Gesetztseyn aber ist nun der Grund
+selbst in seinen Grund zurückgegangen; er ist nun ein Begründetes,
+das einen andern Grund hat. Dieser bestimmt sich hierdurch so, daß
+er erstlich das mit dem realen Grunde als seinem Begründeten
+Identische ist; beide Seiten haben nach dieser Bestimmung einen und
+denselben Inhalt; die zwei Inhaltsbestimmungen und deren Verknüpfung
+im Etwas befinden sich gleichfalls im neuen Grunde. Aber zweitens
+der neue Grund, in welchen sich jene nur gesetzte äußerliche
+Verknüpfung aufgehoben hat, ist als ihre Reflexion in sich die
+absolute Beziehung der zwei Inhaltsbestimmungen.
+
+Dadurch daß der reale Grund selbst in seinen Grund zurückgegangen ist,
+stellt sich an ihm die Identität des Grundes und Begründeten, oder
+der formelle Grund wieder her. Die entstandene Grundbeziehung ist
+darum die vollständige, die den formellen und realen Grund zugleich
+in sich enthält und die im letztern gegen einander unmittelbaren
+Inhaltsbestimmungen vermittelt.
+
+2. Die Grundbeziehung hat sich hiermit folgendermassen näher bestimmt.
+Erstens Etwas hat einen Grund; es enthält die Inhaltsbestimmung,
+welche der Grund ist, und noch eine zweite als durch ihn gesetzte.
+Aber als gleichgültiger Inhalt, ist die eine nicht an ihr selbst
+Grund, die andere nicht an ihr selbst das Begründete von jener,
+sondern diese Beziehung ist in der Unmittelbarkeit des Inhalts als
+eine aufgehobene oder gesetzte, und hat als solche in einer andern
+ihren Grund. Diese zweite Beziehung als nur der Form nach
+unterschieden, hat denselben Inhalt als die erstere, nämlich die
+beiden Inhaltsbestimmungen, ist aber die unmittelbare Verknüpfung
+derselben. Indem jedoch das Verknüpfte überhaupt verschiedener
+Inhalt, somit gegen einander gleichgültige Bestimmung ist, ist sie
+nicht ihre wahrhaft absolute Beziehung, daß die eine der Bestimmungen
+das im Gesetztseyn mit sich Identische, die andere nur dieß
+Gesetztseyn desselben Identischen wäre; sondern ein Etwas trägt sie
+und macht ihre nicht reflektirte, sondern nur unmittelbare Beziehung
+aus, welche daher nur relativer Grund gegen die Verknüpfung im andern
+Etwas ist. Die beiden Etwas sind also die zwei unterschiedenen
+Beziehungen von Inhalt, die sich ergeben haben. Sie stehen in der
+identischen Grundbeziehung der Form; sie sind ein und derselbe ganze
+Inhalt, nämlich die zwei Inhaltsbestimmungen und deren Beziehung;
+unterschieden sind sie nur durch die Art dieser Beziehung, die in dem
+einen unmittelbare, in dem andern gesetzte Beziehung ist; wodurch
+sich das eine von dem Andern nur der Form nach als Grund und
+Begründetes unterscheidet.--Zweitens ist diese Grundbeziehung nicht
+nur formell, sondern auch real. Der formelle Grund geht in den
+realen über, wie sich gezeigt hat; die Momente der Form reflektiren
+sich in sich selbst; sie sind ein selbstständiger Inhalt, und die
+Grundbeziehung enthält auch einen eigenthümlichen Inhalt als Grund
+und einen als Begründetes. Der Inhalt macht zuerst die unmittelbare
+Identität der beiden Seiten des formellen Grundes aus, so haben sie
+einen und denselben Inhalt. Aber er hat auch die Form an ihm selbst
+und ist so gedoppelter Inhalt, der sich als Grund und Begründetes
+verhält. Die eine der zwei Inhaltsbestimmungen der beiden Etwas ist
+daher bestimmt, als ihnen nicht bloß gemeinschaftlich nach äußerer
+Vergleichung, sondern ihr identisches Substrat und die Grundlage
+ihrer Beziehung zu seyn. Gegen die andere Inhaltsbestimmung ist sie
+die wesentliche und Grund derselben als der gesetzten, nämlich in dem
+Etwas, dessen Beziehung die begründete ist. Im ersten Etwas, das die
+Grundbeziehung ist, ist auch diese zweite InhaltsBestimmung
+unmittelbar und an sich mit der ersten verknüpft. Das andere Etwas
+aber enthält nur die eine an sich als das, worin es mit dem ersten
+Etwas unmittelbar identisch ist, die andere aber als die in ihm
+gesetzte. Die erstere Inhaltsbestimmung ist Grund derselben dadurch,
+daß sie in dem ersten Etwas ursprünglich mit der andern
+Inhaltsbestimmung verknüpft ist.
+
+Die Grundbeziehung der Inhaltsbestimmungen im zweiten Etwas ist so
+durch die erste an sich seyende Beziehung des ersten Etwas vermittelt.
+Der Schluß ist, weil in einem Etwas die Bestimmung B mit der
+Bestimmung A an sich verknüpft ist, so ist im zweiten Etwas, dem nur
+die eine Bestimmung A unmittelbar zukommt, auch B damit verknüpft.
+Im zweiten Etwas ist nicht nur diese zweite Bestimmung mittelbar,
+sondern auch daß seine unmittelbare Grund ist, ist vermittelt,
+nämlich durch ihre ursprüngliche Beziehung auf B im ersten Etwas.
+Diese Beziehung ist somit Grund des Grundes A, und die ganze
+Grundbeziehung ist zweiten Etwas als Gesetztes oder Begründetes.
+
+3. Der reale Grund zeigt sich als die sich äußerliche Reflexion des
+Grundes; die vollständige Vermittelung desselben ist die
+Wiederherstellung seiner Identität mit sich. Aber indem diese
+dadurch zugleich die Äußerlichkeit des realen Grundes erhalten hat,
+so ist die Formelle Grundbeziehung in dieser Einheit ihrer selbst und
+des realen Grundes, ebenso sehr sich setzender als sich aufhebender
+Grund; die Grundbeziehung vermittelt sich durch ihre Negation mit
+sich. Erstlich ist der Grund als die ursprüngliche Beziehung,
+Beziehung von unmittelbaren Inhaltsbestimmungen. Die Grundbeziehung
+hat als wesentliche Form zu ihren Seiten solche, welche aufgehobene
+oder Momente sind. Daher als Form unmittelbarer Bestimmungen ist sie
+die mit sich identische Beziehung zugleich als Beziehung ihrer
+Negation; somit ist sie Grund nicht an und für sich selbst, sondern
+als Beziehung auf die aufgehobene Grundbeziehung.--Zweitens die
+aufgehobene Beziehung oder das Unmittelbare, das in der
+ursprünglichen und der gesetzten Beziehung die identische Grundlage
+ist, ist realer Grund gleichfalls nicht an und für sich selbst,
+sondern es ist durch jene ursprüngliche Verknüpfung gesetzt, daß es
+Grund sey.-Die Grundbeziehung in ihrer Totalität ist somit wesentlich
+voraussetzende Reflexion; der formelle Grund setzt die unmittelbare
+Inhaltsbestimmung voraus, und diese als realer Grund setzt die Form
+voraus. Der Grund ist also die Form als unmittelbare Verknüpfung;
+aber so daß sie sich von sich selbst abstößt, und die Unmittelbarkeit
+vielmehr voraussetzt, sich darin auf sich als auf ein Anderes bezieht.
+Dieses Unmittelbare ist die Inhaltsbestimmung, der einfache Grund;
+aber er ist als dieß, nämlich als Grund, ebenso von sich abgestoßen
+und bezieht sich auf sich gleichfalls als auf ein Anderes.--So hat
+sich die totale Grundbeziehung zur bedingenden Vermittlung bestimmt.
+
+C. Die Bedingung.
+
+a. Das relativ Unbedingte.
+
+1. Der Grund ist das Unmittelbare und das Begründete das Vermittelte.
+Aber er ist setzende Reflexion, als solche macht er sich zum
+Gesetztseyn, und ist voraussetzende Reflexion, so bezieht er sich auf
+sich als auf ein Aufgehobenes, auf ein Unmittelbares, wodurch er
+selbst vermittelt ist. Diese Vermittelung, als Fortgehen vom
+Unmittelbaren zum Grunde, ist nicht eine äußere Reflexion, sondern,
+wie sich ergeben, das eigne Thun des Grundes, oder was dasselbe ist,
+die Grundbeziehung ist als Reflexion in die Identität mit sich ebenso
+wesentlich sich entäußernde Reflexion. Das Unmittelbare, auf das der
+Grund sich als auf seine wesentliche Voraussetzung bezieht, ist die
+Bedingung; der reale Grund ist daher wesentlich bedingt. Die
+Bestimmtheit, die er enthält, ist das Andersseyn seiner selbst.
+
+Die Bedingung ist also erstens ein unmittelbares, mannigfaltiges
+Daseyn. Zweitens ist dieses Daseyn bezogen auf ein Anderes, auf
+etwas, das Grund ist, nicht dieses Daseyns, sondern in anderer
+Rüksicht; denn das Daseyn selbst ist unmittelbar und ohne Grund.
+Nach jener Beziehung ist es ein Gesetztes; das unmittelbare Daseyn
+soll als Bedingung nicht für sich, sondern für Anderes seyn. Aber
+zugleich ist dieß, daß es so für Anderes ist, selbst nur ein
+Gesetztseyn; daß es ein Gesetztes ist, ist in seiner Unmittelbarkeit
+aufgehoben, und ein Daseyn ist dagegen, Bedingung zu seyn,
+gleichgültig. Drittens ist die Bedingung so ein Unmittelbares, daß
+sie die Voraussetzung des Grundes ausmacht. Sie ist in dieser
+Bestimmung die in die Identität mit sich zurückgegangene
+Formbeziehung des Grundes, hiermit der Inhalt desselben. Aber der
+Inhalt als solcher ist nur die gleichgültige Einheit des Grundes, als
+in der Form; ohne Form kein Inhalt. Er befreit sich noch von
+derselben, indem die Grundbeziehung im vollständigen Grunde zu einer
+gegen ihre Identität äußerlichen Beziehung wird; wodurch der Inhalt
+die Unmittelbarkeit erhält. Insofern daher die Bedingung das ist,
+worin die Grundbeziehung ihre Identität mit sich hat, macht sie
+seinen Inhalt aus; aber weil er das gegen diese Form Gleichgültige
+ist, ist er nur an sich ihr Inhalt, ein solches, das erst Inhalt
+werden soll, hiermit das Material für den Grund ausmacht. Als
+Bedingung gesetzt, hat das Daseyn nach dem zweiten Momente die
+Bestimmung, seine gleichgültige Unmittelbarkeit zu verlieren und
+Moment eines Andern zu werden. Durch seine Unmittelbarkeit ist es
+gleichgültig gegen diese Beziehung; insofern es aber in dieselbe
+tritt, macht es das Ansichseyn des Grundes aus, und ist das
+Unbedingte für denselben. Um Bedingung zu seyn, hat es am Grunde
+seine Voraussetzung, und ist selbst bedingt; aber diese Bestimmung
+ist ihm äußerlich.
+
+2. Etwas ist nicht durch seine Bedingung; seine Bedingung ist nicht
+sein Grund. Sie ist das Moment der unbedingten Unmittelbarkeit für
+den Grund, aber ist nicht selbst die Bewegung und das Setzen, das
+sich negativ auf sich bezieht, und sich zum Gesetztseyn macht. Der
+Bedingung steht daher die Grundbeziehung gegenüber. Etwas hat außer
+seiner Bedingung auch einen Grund.--Dieser ist die leere Bewegung der
+Reflexion, weil sie die Unmittelbarkeit als ihre Voraussetzung außer
+ihr hat. Sie ist aber die ganze Form und das selbstständige
+Vermitteln; denn die Bedingung ist nicht ihr Grund. Indem dieses
+Vermitteln sich als Setzen auf sich bezieht, ist es nach dieser Seite
+gleichfalls ein Unmittelbares und Unbedingtes; es setzt sich zwar
+voraus, aber als entäußertes oder aufgehobenes Setzen; das was es
+hingegen seiner Bestimmung nach ist, ist es an und für sich selbst.
+--Insofern so die Grundbeziehung selbstständige Beziehung auf sich
+ist und die Identität der Reflexion an ihr selbst hat, hat sie einen
+eigenthümlichen Inhalt, gegen den Inhalt der Bedingung. Jener ist
+Inhalt des Grundes und darum wesentlich formirt; dieser hingegen ist
+nur unmittelbares Material, dem die Beziehung auf den Grund zugleich
+ebenso äußerlich ist, als es auch das Ansichseyn desselben ausmacht;
+es ist somit eine Vermischung von selbstständigem Inhalt, der keine
+Beziehung auf den Inhalt der Grundbestimmung hat, und von solchem,
+der in sie eingeht, und als ihr Material, Moment derselben werden
+soll.
+
+3. Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also einer
+Seits gleichgültige und unbedingte gegen einander; das eine als das
+Unbezogene, dem die Beziehung, in welcher es Bedingung ist, äußerlich
+ist; das andere als die Beziehung oder Form, für welche das bestimmte
+Daseyn der Bedingung nur als Material ist, als ein Passives, dessen
+Form, die es für sich an ihm hat, eine unwesentliche ist. Ferner
+sind auch beide vermittelte. Die Bedingung ist das Ansichseyn des
+Grundes; sie ist so sehr wesentliches Moment der Grundbeziehung, daß
+sie die einfache Identität desselben mit sich ist. Aber dieß ist
+auch aufgehoben; dieß Ansichseyn ist nur ein gesetztes; das
+unmittelbare Daseyn ist gleichgültig dagegen Bedingung zu seyn. Daß
+die Bedingung des Ansichseyns für den Grund ist, macht also ihre
+Seite aus, nach welcher sie eine vermittelte ist. Ebenso die
+Grundbeziehung hat in ihrer Selbstständigkeit, auch eine
+Voraussetzung, und ihr Ansichseyn außer sich.--Somit ist jede der
+beiden Seiten der Widerspruch der gleichgültigen Unmittelbarkeit und
+der wesentlichen Vermittelung, Beides in Einer Beziehung;--oder der
+Widerspruch des selbstständigen Bestehens und der Bestimmung, nur
+Moment zu seyn.
+
+b. Das absolute Unbedingte.
+
+Die beiden relativ-Unbedingten scheinen zunächst, jedes in das andere;
+die Bedingung als Unmittelbares in die Formbeziehung des Grundes,
+und diese in das unmittelbare Daseyn als sein Gesetztseyn; aber jedes
+ist außer diesem Scheine seines Andern an ihm selbstständig und hat
+seinen eigenthümlichen Inhalt.
+
+Zuerst ist die Bedingung unmittelbares Daseyn; seine Form hat die
+zwei Momente, das Gesetztseyn, nach welchem es als Bedingung Material
+und Moment des Grundes ist;--und das Ansichseyn, nach welchem es die
+Wesentlichkeit des Grundes oder seine einfache Reflexion in sich
+ausmacht. Beide Seiten der Form sind dem unmittelbaren Daseyn
+äußerlich; denn es ist die aufgehobene Grundbeziehung.--Aber erstens
+ist das Daseyn an ihm selbst nur dieß, in seiner Unmittelbarkeit sich
+aufzuheben und zu Grunde zu gehen. Das Seyn ist überhaupt nur das
+Werden zum Wesen; es ist seine wesentliche Natur sich zum Gesetzten
+und zur Identität zu machen, die durch die Negation ihrer das
+Unmittelbare ist. Die Formbestimmungen also, des Gesetztseyns und
+des mit sich identischen Ansichseyns, die Form, wodurch das
+unmittelbare Daseyn Bedingung ist, sind ihm daher nicht äußerlich,
+sondern es ist diese Reflexion selbst. Zweitens, als Bedingung ist
+das Seyn nun auch als das gesetzt, was es wesentlich ist; nämlich als
+Moment, somit eines Andern, und zugleich als das Ansichseyn
+gleichfalls eines Andern; es ist an sich aber nur durch die Negation
+seiner, nämlich durch den Grund und durch dessen sich aufhebende und
+damit voraussetzende Reflexion; das Ansichseyn des Seyns ist somit
+nur ein Gesetztes. Dieß Ansichseyn der Bedingung hat die zwei Seiten,
+einer Seits ihre Wesentlichkeit als des Grundes, anderer Seits aber
+die Unmittelbarkeit ihres Daseyns zu seyn. Oder vielmehr Beides ist
+dasselbe. Das Daseyn ist ein Unmittelbares, aber die Unmittelbarkeit
+ist wesentlich das Vermittelte, nämlich durch den sich selbst
+aufhebenden Grund. Als diese durch das sich aufhebende Vermitteln
+vermittelte Unmittelbarkeit ist es zugleich das Ansichseyn des
+Grundes, und das Unbedingte desselben; aber dieß Ansichseyn ist
+zugleich selbst wieder ebenso sehr nur Moment oder Gesetztseyn, denn
+es ist vermittelt.--Die Bedingung ist daher die ganze Form der
+Grundbeziehung; sie ist das vorausgesetzte Ansichseyn derselben, aber
+damit selbst ein Gesetztseyn, und ihre Unmittelbarkeit dieß, sich zum
+Gesetztseyn zu machen; sich somit von sich selbst so abzustoßen, daß
+sie sowohl zu Grunde geht, als sie Grund ist, der sich zum
+Gesetztseyn macht und hiermit auch zum Begründeten; und beides ist
+ein und dasselbe.
+
+Ebenso ist an dem bedingten Grunde das Ansichseyn nicht nur als
+Scheinen eines Andern an ihm. Er ist die selbstständige, das heißt,
+die sich auf sich beziehende Reflexion des Setzens; und hiermit das
+mit sich Identische, oder ist in ihm selbst sein Ansichseyn, und sein
+Inhalt. Aber zugleich ist er voraussetzende Reflexion; er bezieht
+sich negativ auf sich selbst, und setzt sich sein Ansichseyn als ihm
+Anderes entgegen, und die Bedingung sowohl nach ihrem Momente des
+Ansichseyns als des unmittelbaren Daseyns ist das eigene Moment der
+Grundbeziehung; das unmittelbare Daseyn ist wesentlich nur durch
+seinen Grund, und ist das Moment seiner als Voraussetzens. Dieser
+ist daher ebenso das Ganze selbst.
+
+Es ist somit überhaupt nur Ein Ganzes der Form vorhanden; aber ebenso
+sehr nur Ein Ganzes des Inhalts. Denn der eigenthümliche Inhalt der
+Bedingung ist nur wesentlicher Inhalt, insofern er die Identität der
+Reflexion mit sich in der Form, oder als dieß unmittelbare Daseyn an
+ihm selbst die Grundbeziehung ist. Dieses ist ferner nur Bedingung
+durch die voraussetzende Reflexion des Grundes; es ist dessen
+Identität mit sich selbst, oder sein Inhalt, dem er sich gegenüber
+setzt. Das Daseyn ist daher nicht bloß formloses Material für die
+Grundbeziehung, sondern weil es an ihm selbst diese Form hat, ist es
+formirte Materie, und als zugleich das in der Identität mit ihr gegen
+sie Gleichgültige ist es Inhalt. Es ist endlich derselbe Inhalt, den
+der Grund hat, denn es ist eben Inhalt als das in der Formbeziehung
+mit sich Identische.
+
+Die beiden Seiten des Ganzen, Bedingung und Grund, sind also Eine
+wesentliche Einheit; sowohl als Inhalt, wie als Form. Sie gehen
+durch sich selbst in einander über, oder indem sie Reflexionen sind,
+so setzen sie sich selbst als aufgehobene, beziehen sich auf diese
+ihre Negation und setzen sich gegenseitig voraus. Aber dieß ist
+zugleich nur Eine Reflexion beider, ihr Voraussetzen daher auch nur
+eines; die Gegenseitigkeit desselben geht vielmehr darein über, daß
+sie ihre Eine Identität als ihr Bestehen und ihre Grundlage
+voraussetzen. Diese, der eine Inhalt und Formeinheit beider, ist das
+wahrhaft Unbedingte; die Sache an sich selbst.--Die Bedingung ist,
+wie sich oben ergeben hat, nur das relativ-Unbedingte. Man pflegt
+sie daher selbst als ein Bedingtes zu betrachten, und nach einer
+neuen Bedingung zu fragen, womit der gewöhnliche Progreß ins
+Unendliche von Bedingung zu Bedingung eingeleitet ist. Warum wird
+nun bei einer Bedingung nach einer neuen Bedingung gefragt, das heißt,
+warum wird sie als Bedingtes angenommen? Weil sie irgend ein
+endliches Daseyn ist. Aber dieß ist eine weitere Bestimmung der
+Bedingung, die nicht in ihrem Begriffe liegt. Allein die Bedingung
+als solche ist darum ein Bedingtes, weil sie das gesetzte Ansichseyn
+ist; sie ist daher im absolut Unbedingten aufgehoben.
+
+Dieses nun enthält die beiden Seiten, die Bedingung und den Grund,
+als seine Momente in sich; es ist die Einheit, in welche sie
+zurückgegangen sind. Sie beide zusammen machen die Form oder das
+Gesetztseyn desselben aus. Die unbedingte Sache ist Bedingung beider,
+aber die absolute, das heißt, die Bedingung, welche selbst Grund ist.
+--Als Grund ist sie nun die negative Identität, die sich in jene
+beiden Momente abgestoßen hat;--erstens in die Gestalt der
+aufgehobenen Grundbeziehung, einer unmittelbaren, einheitslosen, sich
+selbst äußerlichen Mannigfaltigkeit, welche sich auf den Grund als
+ein ihr Anderes bezieht, und zugleich das Ansichseyn desselben
+ausmacht; zweitens, in die Gestalt einer innerlichen, einfachen Form,
+welche Grund ist, aber sich auf das mit sich identische Unmittelbare
+als auf ein Anderes bezieht, und dasselbe als Bedingung, d. h. dieß
+ihr Ansich als ihr eigenes Moment bestimmt.--Diese beiden Seiten
+setzen die Totalität so voraus, daß sie das Setzende derselben ist.
+Umgekehrt, weil sie die Totalität voraussetzen, so scheint diese auch
+wieder durch jene bedingt zu seyn, und die Sache aus ihrer Bedingung
+und aus ihrem Grunde zu entspringen. Aber indem diese beiden Seiten
+sich als das Identische gezeigt haben, so ist das Verhältniß von
+Bedingung und Grund verschwunden, sie sind zu einem Scheine
+herabgesetzt; das absolut Unbedingte ist in seiner Bewegung des
+Setzens und Voraussetzens, nur die Bewegung, in welcher dieser Schein
+sich aufhebt. Es ist das Thun der Sache, sich zu bedingen, und ihren
+Bedingungen sich als Grund gegenüber zu stellen; ihre Beziehung als
+der Bedingungen und des Grundes ist aber ein Scheinen in sich und ihr
+Verhalten zu ihnen ihr Zusammengehen mit sich selbst.
+
+c. Hervorgang der Sache in die Existenz.
+
+Das absolut Unbedingte ist der absolute mit seiner Bedingung
+identische Grund; die unmittelbare Sache, als die wahrhaft Wesenhafte.
+Als Grund bezieht sie sich negativ auf sich selbst, macht sich zum
+Gesetztseyn, aber zum Gesetztseyn, das die in ihren Seiten
+vollständige Reflexion, und die in ihnen mit sich identische
+Formbeziehung ist, wie sich ihr Begriff ergeben hat. Dieß
+Gesetztseyn ist daher erstlich der aufgehobene Grund, die Sache als
+das Reflexionslose Unmittelbare; die Seite der Bedingungen. Diese
+ist die Totalität der Bestimmungen der Sache,--die Sache selbst, aber
+in die Äußerlichkeit des Seyns hinausgeworfen; der wiederhergestellte
+Kreis des Seyns. In der Bedingung entläßt das Wesen die Einheit
+seiner Reflexion-in-sich als eine Unmittelbarkeit, die aber nunmehr
+die Bestimmung hat, bedingende Voraussetzung zu seyn, und wesentlich
+nur eine seiner Seiten auszumachen.--Die Bedingungen sind darum der
+ganze Inhalt der Sache, weil sie das Unbedingte in der Form des
+formlosen Seyns sind. Sie haben aber um dieser Form willen auch noch
+eine andere Gestalt, als die Bestimmungen des Inhalts, wie er in der
+Sache als solcher ist. Sie erscheinen als eine einheitslose
+Mannigfaltigkeit, vermischt mit Außerwesentlichem und andern
+Umständen, die zu dem Kreise des Daseyns, insofern es die Bedingungen
+dieser bestimmten Sache ausmacht, nicht gehören.--Für die absolute
+uneingeschränkte Sache ist die Sphäre des Seyns selbst die Bedingung.
+Der Grund, der in sich zurückgeht, setzt sie als die erste
+Unmittelbarkeit, worauf er sich als auf sein Unbedingtes bezieht.
+Diese Unmittelbarkeit als die aufgehobene Reflexion, ist die
+Reflexion in dem Elemente des Seyns, das also sich als solches zu
+einem Ganzen ausbildet; die Form wuchert als Bestimmtheit des Seyns
+fort, und erscheint so als ein mannigfaltiger von der
+Reflexions-Bestimmung verschiedener, und gegen sie gleichgültiger
+Inhalt.
+
+Das Unwesentliche, welches die Sphäre des Seyns an ihr hat, und was
+sie, insofern sie Bedingung ist, abstreift, ist die Bestimmtheit der
+Unmittelbarkeit, in welche die Formeinheit versenkt ist. Diese
+Formeinheit, als die Beziehung des Seyns, ist an ihm zunächst als das
+Werden,--das Übergehen einer Bestimmtheit des Seyns in eine andere.
+Aber das Werden des Seyns ist ferner Werden zum Wesen und das
+Zurückgehen in den Grund. Das Daseyn also, welches die Bedingungen
+ausmacht, wird in Wahrheit nicht von einem Andern als Bedingung
+bestimmt und als Material gebraucht; sondern es macht sich durch sich
+selbst zum Moment eines Andern.--Sein Werden ist ferner nicht ein
+Anfangen von sich als dem wahrhaft Ersten und Unmittelbaren; sondern
+seine Unmittelbarkeit ist nur das Vorausgesetzte; und die Bewegung
+seines Werdens ist das Thun der Reflexion selbst. Die Wahrheit des
+Daseyns ist daher Bedingung zu seyn; seine Unmittelbarkeit ist allein
+durch die Reflexion der Grundbeziehung, welche sich selbst als
+aufgehobene setzt. Das Werden ist somit, wie die Unmittelbarkeit nur
+der Schein des Unbedingten, indem dieses sich selbst voraussetzt, und
+darin seine Form hat; und die Unmittelbarkeit des Seyns ist daher
+wesentlich nur Moment der Form.
+
+Die andere Seite dieses Scheinens des Unbedingten ist die
+Grundbeziehung als solche, als Form bestimmt gegen die
+Unmittelbarkeit der Bedingungen und des Inhalts. Aber sie ist die
+Form der absoluten Sache, welche die Einheit ihrer Form mit sich
+selbst oder ihren Inhalt an ihr selbst hat, und indem sie ihn zur
+Bedingung bestimmt, in diesem Setzen selbst seine Verschiedenheit
+aufhebt und ihn zum Momente macht; so wie sie umgekehrt sich als
+wesenloser Form in dieser Identität mit sich die Unmittelbarkeit des
+Bestehens gibt. Die Reflexion des Grundes hebt die Unmittelbarkeit
+der Bedingungen auf, und bezieht sie zu Momenten in der Einheit der
+Sache; aber die Bedingungen sind das von der unbedingten Sache selbst
+Vorausgesetzte, sie hebt damit also ihr eigenes Setzen auf; oder ihr
+Setzen macht sich somit unmittelbar selbst ebenso sehr zum Werden.
+--Beides ist daher Eine Einheit; die Bewegung der Bedingungen an
+ihnen selbst ist Werden, Zurückgehen in den Grund und Setzen des
+Grundes; aber der Grund als gesetzter, das heißt als aufgehobener,
+ist das Unmittelbare. Der Grund bezieht sich negativ auf sich selbst,
+macht sich zum Gesetztseyn und begründet die Bedingungen; aber darin,
+daß so das unmittelbare Daseyn als ein Gesetztes bestimmt ist, liebt
+der Grund es auf und macht sich erst zum Grunde.--Diese Reflexion
+also ist die Vermittelung der unbedingten Sache durch ihre Negation
+mit sich. Oder vielmehr die Reflexion des Unbedingten ist zuerst
+Voraussetzen, aber dieß Aufheben ihrer selbst ist unmittelbar
+bestimmendes Setzen; zweitens ist sie darin unmittelbar Aufheben des
+Vorausgesetzten und Bestimmen aus sich; somit ist dieß Bestimmen
+wieder Aufheben des Setzens und ist das Werden an sich selbst. Darin
+ist die Vermittelung als Rückehr zu sich durch die Negation,
+verschwunden; sie ist einfache in sich scheinende Reflexion, und
+grundloses absolutes Werden. Die Bewegung der Sache, durch ihre
+Bedingungen einer Seits und anderer Seits durch ihren Grund gesetzt
+zu werden, ist nur das Verschwinden des Scheins der Vermittelung.
+Das Gesetztwerden der Sache ist hiermit ein Hervortreten, das
+einfache sich Herausstellen in die Existenz; reine Bewegung der Sache
+zu sich selbst.
+
+Wenn alle Bedingungen einer Sache vorhanden sind, so tritt sie in die
+Existenz. Die Sache ist, eh sie existirt; und zwar ist sie erstens
+als Wesen, oder als Unbedingtes; zweitens hat sie Daseyn, oder ist
+bestimmt, und dieß auf die betrachtete gedoppelte Weise, einer Seits
+in ihren Bedingungen, anderer Seits in ihrem Grunde. In jenen hat
+sie sich die Form des äußerlichen, grundlosen Seyns gegeben, weil sie
+als absolute Reflexion die negative Beziehung auf sich ist und sich
+zu ihrer Voraussetzung macht. Dieß voraus gesetzte Unbedingte ist
+daher das grundlose Unmittelbare, dessen Seyn nichts ist, denn als
+Grundloses da zu seyn. Wenn also alle Bedingungen der Sache
+vorhanden sind, das heißt, wenn die Totalität der Sache als
+grundloses Unmittelbares gesetzt ist, so erinnert sich diese
+zerstreute Mannigfaltigkeit an ihr selbst.--Die ganze Sache muß in
+ihren Bedingungen da seyn, oder es gehören alle Bedingungen zu ihrer
+Existenz; denn Alle machen die Reflexion aus; oder das Daseyn, weil
+es Bedingung ist, ist durch die Form bestimmt, seine Bestimmungen
+sind daher Reflexions-Bestimmungen und mit einer wesentlich die
+andern gesetzt.--Die Erinnerung der Bedingungen ist zunächst das zu
+Grunde gehen des unmittelbaren Daseyns, und das Werden des Grundes.
+Aber damit ist der Grund ein gesetzter, d. h. er ist, so sehr er als
+Grund ist, so sehr als Grund aufgehoben, und unmittelbares Seyn.
+Wenn also alle Bedingungen der Sache vorhanden sind, so heben sie
+sich als unmittelbares Daseyn und Voraussetzung und ebenso sehr hebt
+sich der Grund auf. Der Grund zeigt sich nur, als ein Schein, der
+unmittelbar verschwindet; dieß Hervortreten ist somit die
+tautologische Bewegung der Sache zu sich, und ihre Vermittelung durch
+die Bedingungen und durch den Grund ist das Verschwinden beider. Das
+Hervortreten in die Existenz ist daher so unmittelbar, daß es nur
+durch das Verschwinden der Vermittelung vermittelt ist.
+
+Die Sache geht aus dem Grunde hervor. Sie wird nicht durch ihn so
+begründet oder gesetzt, daß er noch unten bliebe, sondern das Setzen
+ist die Herausbewegung des Grundes zu sich selbst, und das einfache
+Verschwinden desselben. Er erhält durch die Vereinigung mit den
+Bedingungen die äußerliche Unmittelbarkeit und das Moment des Seyns.
+Aber er erhält sie nicht als ein Äußerliches noch durch eine
+äußerliche Beziehung; sondern als Grund macht er sich zum Gesetztseyn,
+seine einfache Wesentlichkeit geht im Gesetztseyn mit sich zusammen,
+und ist in diesem Aufheben seiner selbst das Verschwinden seines
+Unterschiedes von seinem Gesetztseyn, somit einfache wesentliche
+Unmittelbarkeit. Er bleibt also nicht als ein Verschiedenes vom
+Begründeten zurück, sondern die Wahrheit des Begründens ist, daß der
+Grund darin mit sich selbst sich vereint und somit seine Reflexion in
+Anderes, seine Reflexion in sich selbst ist. Die Sache ist hiermit
+ebenso, wie sie das Unbedingte ist, auch das Grundlose, und tritt aus
+dem Grunde nur insofern er zu Grunde gegangen und keiner ist, aus dem
+Grundlosen, d. h. aus der eigenen wesentlichen Negativität oder
+reinen Form hervor.
+
+Diese durch Grund und Bedingung vermittelte, und durch das Aufheben
+der Vermittelung mit sich identische Unmittelbarkeit ist die Existenz.
+
+
+
+
+Zweiter Abschnitt. Die Erscheinung.
+
+Das Wesen muß erscheinen.
+
+Das Seyn ist die absolute Abstraktion; diese Negativität ist ihm
+nicht ein Äußerliches, sondern es ist Seyn und sonst nichts als Seyn,
+nur als diese absolute Negativität. Um derselben willen ist Seyn nur
+als sich aufhebendes Seyn, und ist Wesen. Das Wesen aber ist als die
+einfache Gleichheit mit sich umgekehrt ebenfalls Seyn. Die Lehre vom
+Seyn enthält den ersten Satz: Das Seyn ist Wesen. Der zweite Satz:
+Das Wesen ist Seyn, macht den Inhalt des ersten Abschnittes der Lehre
+vom Wesen aus. Dieses Seyn aber, zu dem das Wesen sich macht, ist
+das wesentliche Seyn, die Existenz; ein Herausgegangenseyn aus der
+Negativität und Innerlichkeit.
+
+So erscheint das Wesen. Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in
+ihm selbst. Die Bestimmungen derselben sind in die Einheit
+eingeschlossen schlechthin nur als gesetzte, aufgehobene; oder sie
+ist das in seinem Gesetztseyn unmittelbar mit sich identische Wesen.
+Indem dieses aber Grund ist, bestimmt es sich real, durch seine sich
+selbst aufhebende oder in sich zurückkehrende Reflexion; indem weiter
+diese Bestimmung oder das Andersseyn der Grundbeziehung sich in der
+Reflexion des Grundes aufhebt und Existenz wird, so haben die
+Formbestimmungen hieran ein Element des selbstständigen Bestehens.
+Ihr Schein vervollständigt sich zur Erscheinung.
+
+Die zur Unmittelbarkeit fortgegangene Wesenheit ist zunächst Existenz,
+und Existirendes oder Ding; als ununterschiedne Einheit des Wesens
+mit seiner Unmittelbarkeit. Das Ding enthält zwar die Reflexion,
+aber ihre Negativität ist in seiner Unmittelbarkeit zunächst
+erloschen; allein weil sein Grund wesentlich die Reflexion ist, hebt
+sich seine Unmittelbarkeit auf; es macht sich zu einem Gesetztseyn.
+
+So ist es zweitens Erscheinung. Die Erscheinung ist das, was das
+Ding an sich ist, oder seine Wahrheit. Diese nur gesetzte, in das
+Andersseyn reflektirte Existenz ist aber ebenso das Hinausgehen über
+sich in ihre Unendlichkeit; der Welt der Erscheinung stellt sich die
+in sich reflektirte, an sich seyende Welt gegenüber. Aber das
+erscheinende und das wesentliche Seyn stehen schlechthin in Beziehung
+auf einander. So ist die Existenz drittens wesendiches Verhältniß;
+das Erscheinende zeigt das Wesentliche, und dieses ist in seiner
+Erscheinung.--Das Verhältniß ist die noch unvollkommene Vereinigung
+der Reflexion in das Andersseyn und der Reflexion in sich; die
+vollkommene Durchdringung beider ist die Wirklichkeit.
+
+
+
+Erstes Kapitel. Die Existenz.
+
+
+Wie der Satz des Grundes ausdrückt: Alles was ist, hat einen Grund,
+oder ist ein Gesetztes, ein Vermitteltes; so müßte auch ein Satz der
+Existenz aufgestellt und so ausgedrückt werden: Alles, was ist,
+existirt. Die Wahrheit des Seyns ist, nicht ein erstes Unmittelbares,
+sondern das in die Unmittelbarkeit hervorgegangene Wesen zu seyn.
+
+Wenn aber ferner auch gesagt wurde, was existirt, hat einen Grund und
+ist bedingt, so müßte auch ebenso gesagt werden: es hat keinen Grund
+und ist unbedingt. Denn die Existenz ist die aus dem Aufheben der
+durch Grund und Bedingung beziehenden Vermittelung hervorgegangene
+Unmittelbarkeit, die im Hervorgehen eben dieß Hervorgehen selbst
+aufhebt.
+
+Insofern die Beweise von der Existenz Gottes hier erwähnt werden
+können, ist zum voraus zu erinnern, daß es außer dem unmittelbaren
+Seyn erstens, und zweitens der Existenz, dem Seyn, das aus dem Wesen
+hervorgeht, noch ein ferneres Seyn gibt, welches aus dem Begriffe
+hervorgeht, die Objektivität.--Das Beweisen ist überhaupt die
+vermittelte Erkenntniß. Die verschiedenen Arten des Seyns fordern
+oder enthalten ihre eigene Art der Vermittelung; so wird auch die
+Natur des Beweisens in Ansehung einer jeden verschieden. Der
+ontologische Beweis will vom Begriffe ausgehen; er legt den Inbegriff
+aller Realitäten zu Grunde, und subsumirt alsdann auch die Existenz
+unter die Realität. Er ist also die Vermittelung, welche Schluß ist,
+und die hier noch nicht zu betrachten ist. Es ist bereits oben (I.
+Th. I. Abth. S. 27.ff.) auf das, was Kant hiergegen erinnert,
+Rüksicht genommen und bemerkt worden, daß Kant unter Existenz das
+bestimmte Daseyn versteht, wodurch etwas in den Kontext der gesammten
+Erfahrung, d. h. in die Bestimmung eines Andersseyns und in die
+Beziehung auf Anderes tritt. So ist als Existirendes Etwas
+vermittelt durch Anderes, und die Existenz überhaupt die Seite seiner
+Vermittelung. Nun liegt in dem, was Kant den Begriff nennt, nämlich
+in Etwas, insofern es als nur einfach auf sich bezogen genommen wird,
+oder in der Vorstellung als solcher, nicht seine Vermittelung; in der
+abstrakten Identität mit sich ist die Entgegensetzung weggelassen.
+Der ontologische Beweis hätte nun darzustellen, daß der absolute
+Begriff, nämlich der Begriff Gottes, zum bestimmten Daseyn, zur
+Vermittelung komme, oder wie das einfache Wesen sich mit der
+Vermittelung vermittle. Dieß geschieht durch die angegebene
+Subsumtion der Existenz unter ihr Allgemeines, nämlich die Realität,
+welche als das Mittlere zwischen Gott in seinem Begriffe einer Seits,
+und zwischen der Existenz anderer Seits angenommen wird.--Von dieser
+Vermittelung, insofern sie die Form des Schlusses hat, ist, wie
+gesagt, hier nicht die Rede. Wie aber jene Vermittelung des Wesens
+mit der Existenz in Wahrheit beschaffen ist, dieß hat die bisherige
+Darstellung enthalten. Die Natur des Beweisens selbst ist in der
+Lehre von der Erkenntniß zu betrachten. Hier ist nur anzugeben, was
+sich auf die Natur der Vermittelung überhaupt bezieht.
+
+Die Beweise vom Daseyn Gottes geben einen Grund für dieses Daseyn an.
+
+Er soll nicht ein objektiver Grund des Daseyns Gottes seyn; denn
+dieses ist an und für sich selbst. So ist er bloß ein Grund für die
+Erkenntniß. Damit giebt er sich zugleich für ein solches aus, das in
+dem Gegenstande, der zunächst als begründet dadurch erscheint,
+verschwindet. Der Grund nun, der von der Zufälligkeit der Welt
+hergenommen ist, enthält den Rükgang derselben in das absolute Wesen;
+denn das Zufällige ist das an sich selbst Grundlose, und sich
+Aufhebende. Das absolute Wesen geht somit in dieser Weise in der
+That aus dem Grundlosen hervor; der Grund hebt sich selbst auf, somit
+verschwindet auch der Schein des Verhältnisses, das Gott gegeben
+wurde, ein in einem Andern Begründetes zu seyn. Diese Vermittelung
+ist hiermit die wahrhafte. Allein jene beweisende Reflexion kennt
+diese Natur ihrer Vermittelung nicht; sie nimmt sich einer Seits für
+ein bloß Subjektives, und entfernt hiermit ihre Vermittlung von Gott
+selbst, andern Theils aber erkennt sie deswegen nicht die
+vermittelnde Bewegung, daß und wie sie im Wesen selbst ist. Ihr
+wahrhaftes Verhältniß besteht darin, daß sie Beides in Einem ist, die
+Vermittelung als solche, aber zugleich allerdings eine Subjektive,
+äußerliche nämlich die sich äußerliche Vermittelung, welche sich an
+ihr selbst wieder aufhebt. In jener Darstellung aber erhält die
+Existenz das schiefe Verhältniß, nur als Vermitteltes oder Gesetztes
+zu erscheinen.
+
+So kann auf der andern Seite die Existenz auch nicht bloß als
+Unmittelbares betrachtet werden. In der Bestimmung einer
+Unmittelbarkeit genommen, ist das Auffassen der Existenz Gottes, für
+etwas Unbeweisbares, und das Wissen von ihr als ein nur unmittelbares
+Bewußtseyn, als ein Glauben ausgedrückt worden. Das Wissen soll zu
+diesem Resultate kommen, daß es Nichts weiß, das heißt, daß es seine
+vermittelnde Bewegung und die in ihr vorkommenden Bestimmungen selbst
+wieder aufgiebt. Dieß hat sich auch im Vorhergehenden ergeben;
+allein es ist hinzuzusetzen, daß die Reflexion, indem sie mit dem
+Aufheben ihrer selbst endigt, darum nicht das Nichts zum Resultat hat,
+so daß nun das positive Wissen vom Wesen als unmittelbare Beziehung
+auf dasselbe, von jenem Resultate getrennt und ein eigenes
+Hervorgehen, ein nur von sich anfangender Akt wäre; sondern dieß Ende
+selbst, dieß zu Grunde gehen der Vermittlung, ist zugleich der Grund,
+aus dem das Unmittelbare hervorgeht. Die Sprache vereinigt, wie oben
+bemerkt, die Bedeutung dieses Untergangs und des Grundes; man sagt,
+das Wesen Gottes sey der Abgrund für die endliche Vernunft. Er ist
+es in der That, insofern sie darin ihre Endlichkeit aufgibt und ihre
+vermittelnde Bewegung versenkt; aber dieser Abgrund, der negative
+Grund, ist zugleich der positive des Hervorgehens des Seyenden, des
+an sich selbst unmittelbaren Wesens; die Vermittelung ist
+wesentliches Moment. Die Vermittelung durch den Grund hebt sich auf,
+läßt aber nicht den Grund unten, so daß das aus ihm Hervorgehende,
+ein Gesetztes wäre, das sein Wesen anderswo nämlich im Grunde hätte,
+sondern dieser Grund ist als Abgrund, die verschwundene Vermittelung;
+und umgekehrt ist nur die verschwundene Vermittelung zugleich der
+Grund, und nur durch diese Negation das sich selbst Gleiche und
+Unmittelbare.
+
+So ist die Existenz hier nicht als ein Prädikat oder als Bestimmung
+des Wesens zu nehmen, daß ein Satz davon hieße: Das Wesen existirt,
+oder hat Existenz;--sondern das Wesen ist in die Existenz
+übergegangen; die Existenz ist seine absolute Entäußerung, jenseits
+deren es nicht zurückgeblieben ist. Der Satz also hieße: Das Wesen
+ist die Existenz; es ist nicht von seiner Existenz unterschieden.
+--Das Wesen ist in die Existenz übergegangen, insofern das Wesen als
+Grund sich von sich als dem Begründeten nicht mehr nnterscheidet,
+oder jener Grund sich aufgehoben hat. Aber diese Negation ist ebenso
+wesentlich seine Position, oder schlechthin positive Kontinuität mit
+sich selbst; die Existenz ist die Reflexion des Grundes in sich;
+seine in seiner Negation zu Stande gekommene Identität mit sich
+selbst, also die Vermittelung, die sich mit sich identisch gesetzt
+hat, und dadurch Unmittelbarkeit ist.
+
+Weil nun die Existenz wesentlich die mit sich identische Vermittelung
+ist, so hat sie die Bestimmungen der Vermittelung an ihr, aber so daß
+sie zugleich in sich reflektirte sind, und das wesentliche und
+unmittelbare Bestehen haben. Als die durch Aufheben sich setzende
+Unmittelbarkeit ist die Existenz negative Einheit und Insichseyn; sie
+bestimmt sich daher unmittelbar als ein Existirendes und als Ding.
+
+A. Das Ding und seine Eigenschaften.
+
+Die Existenz als Existirendes ist gesetzt in der Form der negativen
+Einheit, welche sie wesentlich ist. Aber diese negative Einheit ist
+zunächst nur unmittelbare Bestimmung, somit das Eins des Etwas
+überhaupt. Das existirende Etwas ist aber unterschieden von dem
+seyenden Etwas. Jenes ist wesentlich eine solche Unmittelbarkeit,
+die durch die Reflexion der Vermittelung in sich selbst entstanden
+ist. So ist das existirende Etwas ein Ding.
+
+Das Ding wird von seiner Existenz unterschieden, wie das Etwas von
+seinem Seyn unterschieden werden kann. Das Ding und das Existirende
+ist unmittelbar eins und dasselbe. Aber weil die Existenz nicht die
+erste Unmittelbarkeit des Seyns ist, sondern das Moment der
+Vermittelung an ihr selbst hat, so ist ihre Bestimmung zum Dinge und
+die Unterscheidung beider nicht ein Übergang, sondern eigentlich eine
+Analyse; und die Existenz als solche enthält diese Unterscheidung
+selbst in dem Momente ihrer Vermittelung; den Unterschied von
+Ding-an-sich, und von äußerlicher Existenz.
+
+a. Ding an sich und Existenz.
+
+1. Das Ding an sich ist das Existirende als das durch die aufgehobene
+Vermittelung vorhandene, wesentliche Unmittelbare. Darin ist dem
+Ding an sich die Vermittelung ebenso wesentlich; aber dieser
+Unterschied in dieser ersten oder unmittelbaren Existenz, fällt in
+gleichgültige Bestimmungen auseinander. Die eine Seite, nämlich die
+Vermittelung des Dinges ist seine nicht reflektirte Unmittelbarkeit;
+also sein Seyn überhaupt, das, weil es zugleich als Vermittelung
+bestimmt ist, ein sich selbst anderes, in sich mannigfaltiges und
+äußerliches Daseyn ist. Es ist aber nicht nur Daseyn, sondern in
+Beziehung auf die aufgehobene Vermittelung und wesentliche
+Unmittelbarkeit; es ist daher das Daseyn als Unwesentliches, als
+Gesetztseyn.--(Wenn das Ding von seiner Existenz unterschieden wird,
+so ist es das Mögliche, das Ding der Vorstellung, oder das
+Gedankending, welches als solches nicht zugleich existiren soll. Die
+Bestimmung der Möglichkeit und der Gegensatz des Dings gegen seine
+Existenz ist jedoch später.)--Aber das Ding-an-sich und sein
+vermitteltes Seyn sind beide in der Existenz enthalten, und beide
+selbst Existenzen; das Ding-an-sich existirt, und ist die wesentliche,
+das vermittelte Seyn aber die unwesentliche Existenz des Dinges.
+
+Das Ding an sich, als das einfache Reflektirt-seyn der Existenz in
+sich, ist nicht der Grund des unwesentlichen Daseyns; es ist die
+unbewegte, unbestimmte Einheit, weil es eben die Bestimmung hat, die
+aufgehobene Vermittelung zu seyn, und daher nur die Grundlage
+desselben. Darum fällt auch die Reflexion als das sich durch anderes
+vermittelnde Daseyn außer dem Dinge-an-sich. Dieses soll keine
+bestimmte Mannigfaltigkeit an ihm selbst haben; und erhält sie
+deswegen erst an die äußerliche Reflexion gebracht; aber bleibt
+gleichgültig dagegen. (--Das Ding-an-sich hat Farbe erst an das Auge
+gebracht, Geschmack an die Nase u.s.f.) Seine Verschiedenheit sind
+Rüksichten, welche ein Andres nimmt, bestimmte Beziehungen, die sich
+dieses auf das Ding-an-sich gibt, und die nicht eigene Bestimmungen
+desselben sind.
+
+2. Dieß Andere ist nun die Reflexion, welche bestimmt als äußerlich
+erstens sich selbst äußerlich, und die bestimmte Mannigfaltigkeit ist.
+Alsdann ist sie dem wesentlich Existirenden äußerlich, und bezieht
+sich darauf als auf seine absolute Voraussetzung. Diese beiden
+Momente der äußerlichen Reflexion aber, ihre eigene Mannigfaltigkeit
+und ihre Beziehung auf das ihr andere Ding-an-sich, sind ein und
+dasselbe. Denn diese Existenz ist nur äußerlich, insofern sie sich
+auf die wesentliche Identität als auf ein Anderes bezieht. Die
+Mannigfaltigkeit hat daher nicht jenseits des Dinges-an-sich ein
+eigenes selbstständiges Bestehen, sondern ist erst als Schein gegen
+dieses, in ihrer nothwendigen Beziehung darauf, als der sich an ihm
+brechende Reflex. Die Verschiedenheit ist also vorhanden, als die
+Beziehung eines Andern auf das Ding-an-sich; aber dieses Andere ist
+nichts für sich Bestehendes, sondern ist erst als Beziehung auf das
+Ding-an-sich; zugleich aber ist es nur als das Abstoßen von diesem;
+es ist so der haltlose Gegenstoß seiner in sich selbst.
+
+Dem Ding-an-sich nun, da es die wesentliche Identität der Existenz
+ist, kommt daher diese wesenlose Reflexion nicht zu, sondern sie
+fällt ihm äußerlich in sich selbst zusammen. Sie geht zu Grunde, und
+wird damit selbst zur wesentlichen Identität oder zum Ding-an-sich.
+--Dieß kann auch so betrachtet werden: Die wesenlose Existenz hat am
+Ding-an-sich ihre Reflexion in sich; sie bezieht sich dar-auf
+zunächst als auf ihr Anderes; aber als das Andre gegen das, was an
+sich ist, ist sie nur das Aufheben ihrer selbst, und das Werden zum
+An- sich-seyn. Das Ding-an-sich ist somit identisch mit der
+äußerlichen Existenz.
+
+Dieß stellt sich am Ding-an-sich so dar. Das Ding-an-sich ist die
+sich auf sich beziehende, wesentliche Existenz; es ist nur insofern
+die Identität mit sich, als es die Negativität der Reflexion in sich
+selbst enthält; das was als ihm äußerliche Existenz erschien, ist
+daher Moment in ihm selbst. Es ist deswegen auch sich von sich
+abstoßendes Ding-an-sich, das sich also zu sich als zu einem Andern
+verhält. Somit sind nun mehrere Dinge-an-sich vorhanden, die in der
+Beziehung der äußerlichen Reflexion auf einander stehen. Diese
+unwesentliche Existenz ist ihr Verhältniß zu einander als zu anderen;
+aber sie ist ihnen ferner selbst wesentlich--oder diese unwesentliche
+Existenz, indem sie in sich zusammenfällt, ist Ding-an-sich; aber ein
+anderes, als jenes erste; denn jenes erste ist unmittelbare
+Wesentlichkeit, dieses aber das aus der unwesentlichen Existenz
+hervorgehende. Allein dieses andere Ding-an-sich ist nur ein Anderes
+überhaupt; denn als mit sich identisches Ding hat es weiter keine
+Bestimmtheit gegen das erste; es ist die Reflexion der unwesentlichen
+Existenz in sich wie das erste. Die Bestimmtheit der verschiedenen
+Dinge-an-sich gegen einander fällt daher in die äußerliche Reflexion.
+
+3. Diese äußerliche Reflexion ist nunmehr ein Verhalten der
+Dinge-an-sich zu einander, ihre gegenseitige Vermittelung als anderer.
+Die Dinge-an-sich sind so die Extreme eines Schlusses, dessen Mitte
+ihre äußerliche Existenz ausmacht, die Existenz, durch welche sie
+andere für einander und unterschiedene sind. Dieser ihr Unterschied
+fällt nur in ihre Beziehung; sie schicken gleichsam nur von ihrer
+Oberfläche Bestimmungen in die Beziehung, gegen welche sie als
+absolut in sich reflektirte gleichgültig bleiben.--Dieses Verhältniß
+macht nun die Totalität der Existenz aus. Das Ding-an-sich steht in
+Beziehung auf eine ihm äußerliche Reflexion, worin es mannigfaltige
+Bestimmungen hat; es ist dieß das Abstoßen seiner von sich selbst in
+ein anderes Ding-an-sich; dieß Abstoßen ist der Gegenstoß seiner in
+sich selbst, indem jedes nur ein Anderes ist als sich aus dem Andern
+wiederscheinend; es hat sein Gesetztseyn nicht an ihm selbst, sondern
+an dem Andern, ist bestimmt nur durch die Bestimmtheit des Andern;
+dieß Andere ist ebenso bestimmt nur durch die Bestimmtheit des ersten.
+Aber die beiden Dinge-an-sich, da sie hiermit nicht die
+Verschiedenheit an ihnen selbst haben, sondern jedes nur an dem
+andern, sind keine unterschiedene; das Ding-an-sich verhält sich,
+indem es sich auf das andere Extrem als ein anderes Ding-an-sich
+verhalten soll, zu einem von ihm Ununterschiedenen, und die
+äußerliche Reflexion, welche die vermittelnde Beziehung zwischen
+Extremen ausmachen sollte, ist ein Verhalten des Dings-an-sich nur zu
+sich selbst, oder wesentlich seine Reflexion in sich; sie ist somit
+an sich seyende Bestimmtheit, oder die Bestimmtheit des Dings-an-sich.
+Dieses hat dieselbe also nicht in einer ihm äußerlichen Beziehung
+auf ein anderes Ding-an-sich, und des Anderen auf es; die
+Bestimmtheit ist nicht nur eine Oberfläche desselben, sondern ist die
+wesentliche Vermittelung seiner mit sich als mit einem Andern.--Die
+beiden Dinge-an-sich, welche die Extreme der Beziehung ausmachen
+sollen, indem sie an sich keine Bestimmtheit gegen einander haben
+sollen, fallen in der That in eins zusammen; es ist nur Ein
+Ding-an-sich, das in der äußerlichen Reflexion sich zu sich selbst
+verhält, und es ist dessen eigene Beziehung auf sich als auf ein
+Anderes, was dessen Bestimmtheit ausmacht.
+
+Diese Bestimmtheit des Dings-an-sich ist die Eigenschaft des Dings.
+
+b. Die Eigenschaft.
+
+Die Qualität ist die unmittelbare Bestimmtheit des Etwas; das
+Negative selbst, wodurch das Seyn Etwas ist. So ist die Eigenschaft
+des Dings die Negativität der Reflexion, wodurch die Existenz
+überhaupt ein Existirendes, und als einfache Identität mit sich,
+Ding-an-sich ist. Die Negativität der Reflexion, die aufgehobene
+Vermittelung, ist aber wesentlich selbst Vermittelung, und Beziehung,
+nicht auf ein Anderes überhaupt, wie die Qualität als die nicht
+reflektirte Bestimmtheit; sondern Beziehung auf sich als auf ein
+Anderes; oder Vermittelung, die unmittelbar ebenso sehr Identität mit
+sich ist. Das abstrakte Ding an-sich ist selbst dieß aus anderem in
+sich zurückkehrende Verhalten; es ist dadurch an sich selbst bestimmt;
+aber seine Bestimmtheit ist Beschaffenheit, die als solche selbst
+Bestimmung ist, und als Verhalten zu Anderem nicht in das Andersseyn
+übergeht und der Veränderung entnommen ist.
+
+Ein Ding hat Eigenschaften; sie sind erstlich seine bestimmten
+Beziehungen auf Anderes; die Eigenschaft ist nur vorhanden als eine
+Weise des Verhaltens zu einander; sie ist daher die äußerliche
+Reflexion, und die Seite des Gesetztseyns des Dings. Aber zweitens
+ist das Ding in diesem Gesetztseyn an sich; es erhält sich, in der
+Beziehung auf Anderes; es ist also allerdings nur eine Oberfläche,
+mit der die Existenz sich dem Werden des Seyns und der Veränderung
+preisgibt; die Eigenschaft verliert sich darin nicht. Ein Ding hat
+die Eigenschaft, dieß oder jenes im Andern zu bewirken und auf eine
+eigenthümliche Weise sich in seiner Beziehung zu äußern. Es beweist
+diese Eigenschaft nur unter der Bedingung einer entsprechenden
+Beschaffenheit des andern Dinges, aber sie ist ihm zugleich
+eigenthümlich und seine mit sich identische Grundlage;--diese
+reflektirte Qualität heißt darum Eigenschaft. Es geht darin in eine
+Äußerlichkeit über, aber die Eigenschaft erhält sich darin. Das Ding
+wird durch seine Eigenschaften Ursache, und die Ursache ist dieß, als
+Wirkung sich zu erhalten. Jedoch ist hier das Ding nur erst das
+ruhige Ding von vielen Eigenschaften; noch nicht als wirkliche
+Ursache bestimmt; es ist nur erst die ansichseyende, noch nicht
+selbst die setzende Reflexion seiner Bestimmungen.
+
+Das Ding-an-sich ist also, wie sich ergeben hat, wesentlich nicht nur
+so Ding-an-sich, daß seine Eigenschaften Gesetztseyn einer
+äußerlichen Reflexion sind, sondern sie sind seine eigenen
+Bestimmungen, durch die es sich auf bestimmte Weise verhält; es ist
+nicht eine jenseits seiner äußerlichen Existenz befindliche
+bestimmungslose Grundlage; sondern ist in seinen Eigenschaften, als
+Grund vorhanden, das heißt, die Identität mit sich in seinem
+Gesetztseyn; aber zugleich als bedingter Grund; das heißt, sein
+Gesetztseyn ist ebenso sehr sich äußerliche Reflexion; es ist nur
+insofern in sich reflektirt und an sich, insofern es äußerlich ist.
+--Durch die Existenz tritt das Ding-an-sich in äußerliche Beziehungen;
+und die Existenz besteht in dieser Äußerlichkeit; sie ist die
+Unmittelbarkeit des Seyns, und das Ding dadurch der Veränderung
+unterworfen; aber sie ist auch die reflektirte Unmittelbarkeit des
+Grundes, das Ding somit an sich in seiner Veränderung.--Diese
+Erwähnung der Grundbeziehung ist jedoch hier nicht so zu nehmen, daß
+das Ding überhaupt als Grund seiner Eigenschaften bestimmt sey; die
+Dingheit selbst ist als solche die Grundbestimmung, die Eigenschaft
+ist nicht von ihrem Grunde unterschieden, noch macht sie bloß das
+Gesetztseyn aus, sondern ist der in seine Äußerlichkeit übergegangene,
+und damit wahrhaft in sich reflektirte Grund; die Eigenschaft selbst
+als solche ist der Grund, an sich seyendes Gesetztseyn, oder er macht
+die Form ihrer Identität mit sich aus; ihre Bestimmtheit ist die sich
+äußerliche Reflexion des Grundes; und das Ganze der in seinem
+Abstoßen und Bestimmen, in seiner äußerlichen Unmittelbarkeit sich
+auf sich beziehende Grund.--Das Ding-an-sich existirt also wesentlich,
+und daß es existirt, heißt umgekehrt, die Existenz ist als
+äußerliche Unmittelbarkeit zugleich Ansichseyn.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist schon oben (1r Thl. 1e Abth. S. 127) bei dem Momente des
+Daseyns, dem Ansichseyn, des Dings-an-sich erwähnt, und dabei bemerkt
+worden, daß das Ding-an-sich als solches, nichts anderes, als die
+leere Abstraktion von aller Bestimmtheit ist, von dem man allerdings
+nichts wissen kann, eben darum weil es die Abstraktion von aller
+Bestimmung seyn soll.--Nachdem so das Ding-an-sich als das
+Unbestimmte vorausgesetzt wird, so fällt alle Bestimmung außerhalb
+desselben, in eine ihm fremde Reflexion, gegen welche es gleichgültig
+ist. Dem transcendentalen Idealismus ist diese äußerliche Reflexion
+das Bewußtseyn. Indem dieses philosophische System alle Bestimmtheit
+der Dinge sowohl der Form als dem Inhalte nach in das Bewußtseyn
+verlegt, so fällt es nach diesem Standpunkt in mich, in das Subjekt,
+daß ich die Baumblätter nicht als schwarz, sondern als grün, die
+Sonne rund und nicht viereckig sehe, den Zucker süß und nicht bitter
+schmecke; daß ich den ersten und zweiten Schlag einer Uhr als
+succedirend, und nicht neben einander, noch den ersten als Ursache,
+auch nicht als Wirkung des zweiten bestimme u.s.f.--Dieser grellen
+Darstellung des subjektiven Idealismus widerspricht unmittelbar das
+Bewußtseyn der Freyheit, nach welchem Ich mich vielmehr als das
+Allgemeine und Unbestimmte weiß, jene mannigfaltigen und nothwendigen
+Bestimmungen von mir abtrenne und sie als ein für mich Äußerliches
+nur den Dingen Zukommendes erkenne.--Ich ist in diesem Bewußtseyn
+seiner Freyheit sich diejenige wahrhafte in sich reflektirte
+Identität, welche das Ding-an-sich seyn sollte.--Anderwärts habe ich
+gezeigt, daß jener transcendentale Idealismus über die Beschränktheit
+des Ich durch das Object, überhaupt über die endliche Welt nicht
+hinauskommt, sondern allein die Form der Schranke, die ihm ein
+Absolutes bleibt, ändert, indem er sie nämlich nur aus der objektiven
+Gestalt in die Subjektive übersezt, und dasjenige zu Bestimmtheiten
+des Ich und einem in diesem als einem Dinge vorgehenden wilden
+Wechsel derselben macht, was das gewöhnliche Bewußtseyn als eine ihm
+nur äußerlichen Dingen angehörige Mannigfaltigkeit und Veränderung
+weiß.--In der gegenwärtigen Betrachtung steht nur das Ding-an-sich
+und die ihm zunächst äußerliche Reflexion gegenüber; diese hat sich
+noch nicht als Bewußtseyn bestimmt, wie auch das Ding-an-sich nicht
+als Ich. Aus der Natur des Dinges-an-sich und der äußerlichen
+Reflexion hat sich ergeben, daß dieses Äußerliche selbst sich zum
+Dinge-an-sich bestimmt, oder umgekehrt zur eigenen Bestimmung jenes
+ersten Dinges-an-sich wird. Das Wesentliche der Unzulänglichkeit des
+Standpunkts, auf dem jene Philosophie stehen bleibt, besteht nun
+darin, daß sie an dem abstrakten Dinge-an-sich als einer letzten
+Bestimmung fest hält und die Reflexion, oder die Bestimmtheit und
+Mannigfaltigkeit der Eigenschaften dem Dinge-an-sich gegenüber stellt,
+indem in der That das Ding-an-sich wesentlich jene äußerliche
+Reflexion an ihm selbst hat, und sich zu einem mit eigenen
+Bestimmungen, mit Eigenschaften begabten bestimmt, wodurch sich die
+Abstraktion des Dinges, reines Ding-an-sich zu seyn, als eine unwahre
+Bestimmung erweist.
+
+c. Die Wechselwirkung der Dinge.
+
+Das Ding-an-sich existirt wesentlich; die äußerliche Unmittelbarkeit
+und die Bestimmtheit gehört zu seinem Ansichseyn, oder zu seiner
+Reflexion-in-sich. Das Ding an-sich ist dadurch ein Ding, das
+Eigenschaften hat, und es sind dadurch mehrere Dinge, die nicht durch
+eine ihnen fremde Rücksicht, sondern sich durch sich selbst von
+einander unterscheiden. Diese mehrern verschiedenen Dinge stehen in
+wesentlicher Wechselwirkung durch ihre Eigenschaften; die Eigenschaft
+ist diese Wechselbeziehung selbst, und das Ding ist nichts außer
+derselben; die gegenseitige Bestimmung, die Mitte der Dinge-an-sich,
+die als Extreme gleichgültig gegen diese ihre Beziehung bleiben
+sollten, ist selbst die mit sich identische Reflexion und das
+Ding-an-sich, das jene Extreme seyn sollten. Die Dingheit ist damit
+zur Form der unbestimmten Identität mit sich herabgesetzt, die ihre
+Wesentlichkeit nur in ihrer Eigenschaft hat. Wenn daher von einem
+Dinge oder von Dingen überhaupt ohne die bestimmte Eigenschaft die
+Rede ist, so ist ihr Unterschied ein bloß gleichgültiger,
+quantitativer. Dasselbe, was als ein Ding betrachtet wird, kann
+ebenso sehr zu mehrern Dingen gemacht, oder als mehrere Dinge
+betrachtet werden; es ist eine äußerliche Trennung oder Vereinigung.
+--Ein Buch ist ein Ding, und jedes seiner Blätter ist auch ein Ding,
+und ebenso jedes Stükchen seiner Blätter und so fort ins Unendliche.
+Die Bestimmtheit, wodurch ein Ding, nur dieses Ding ist, liegt allein
+in seinen Eigenschaften. Es unterscheidet sich durch sie von andern
+Dingen, weil die Eigenschaft die negative Reflexion und das
+Unterscheiden ist; das Ding hat daher nur in seiner Eigenschaft den
+Unterschied seiner von andern, an ihm selbst. Sie ist der in sich
+reflektirte Unterschied, wodurch das Ding in seinem Gesetztseyn, d. h.
+in seiner Beziehung auf Anderes zugleich gleichgültig gegen das
+Andere und gegen seine Beziehung ist. Dem Dinge ohne seine
+Eigenschaften, bleibt deswegen nichts als das abstrakte An-sich-seyn,
+ein unwesentlicher Umfang und äußerliches Zusammenfassen. Das
+wahrhafte Ansichseyn ist das Ansichseyn in seinem Gesetztseyn; dieses
+ist die Eigenschaft.
+
+Damit ist die Dingheit in die Eigenschaft übergegangen.
+
+Das Ding sollte sich als an-sich-seyendes Extrem gegen die
+Eigenschaft verhalten und diese die Mitte zwischen den in Beziehung
+stehenden Dingen ausmachen. Allein diese Beziehung ist das, worin
+die Dinge sich als die sich von sich selbst abstoßende Reflexion
+begegnen, worin sie unterschieden und bezogen sind. Dieser ihr
+Unterschied und ihre Beziehung, ist Eine Reflexion und Eine
+Kontinuität derselben. Die Dinge selbst fallen hiermit nur in diese
+Kontinuität, welche die Eigenschaft ist, und verschwinden als
+bestehende Extreme, die außer dieser Eigenschaft eine Existenz hätten.
+
+Die Eigenschaft, welche die Beziehung der selbstständigen Extreme
+ausmachen sollte, ist daher das Selbstständige selbst. Die Dinge
+dagegen sind das Unwesentliche. Sie sind ein Wesentliches nur als
+die, als sich unterscheidend sich auf sich beziehende Reflexion; aber
+dieß ist die Eigenschaft. Diese ist also nicht das im Dinge
+aufgehobene, oder sein bloßes Moment; sondern das Ding ist in
+Wahrheit nur jener unwesentliche Umfang, der zwar negative Einheit
+ist, aber nur wie das Eins des Etwas, nämlich ein unmittelbares Eins.
+Wenn vorhin das Ding als unwesentlicher Umfang insofern bestimmt
+wurde, als es durch eine äußerliche Abstraktion, welche die
+Eigenschaft von demselben wegläßt, dazu gemacht werde, so ist nunmehr
+diese Abstraktion durch das Übergehen des Dings-an-sich in die
+Eigenschaft selbst geschehen, aber mit umgekehrtem Werthe, so daß
+wenn jenem Abstrahiren das abstrakte Ding ohne seine Eigenschaft noch
+als das Wesentliche, die Eigenschaft aber als eine äußerliche
+Bestimmung vorschwebt, hier das Ding als solches sich durch sich
+selbst zu einer gleichgültigen äußerlichen Form der Eigenschaft
+bestimmt.--Diese ist somit nunmehr befreit von der unbestimmten und
+kraftlosen Verbindung, die das Eins des Dinges ist; sie ist das, was
+das Bestehen desselben ausmacht; eine selbstständige Materie.--Indem
+sie einfache Kontinuität mit sich ist, hat sie die Form zunächst nur
+als Verschiedenheit an ihr; es giebt daher mannigfaltige dergleichen
+selbstständige Materien und das Ding besteht aus ihnen.
+
+B. Das Bestehen des Dings aus Materien.
+
+Der Übergang der Eigenschaft in eine Materie oder in einen
+selbstständigen Stoff ist der bekannte Übergang, den an der
+sinnlichen Materie die Chemie macht, indem sie die Eigenschaften der
+Farbe, des Geruchs, des Geschmacks u.s.f. als Lichtstoff, Färbestoff,
+Riechstoff, sauren, bittern u.s.f. Stoff darzustellen sucht oder
+andere wie den Wärmestoff, die elektrische, magnetische Materie
+geradezu nur annimmt, und damit die Eigenschaften in ihrer
+Wahrhaftigkeit zu handhaben überzeugt ist.--Ebenso geläufig ist der
+Ausdruck, daß die Dinge aus verschiedenen Materien oder Stoffen
+bestehen. Man hütet sich, diese Materien oder Stoffe Dinge zu nennen;
+ob man wohl auch einräumen wird, daß z.B. ein Pigment, ein Ding
+ist; ich weiß aber nicht, ob z.B. auch der Lichtstoff, der
+Wärmestoff, oder die elektrische Materie u.s.f. Dinge genannt werden.
+Man unterscheidet die Dinge und ihre Bestandtheile, ohne genau
+anzugeben, ob diese und in wie weit sie auch Dinge, oder etwa nur
+Halbdinge seyen; aber Existirende überhaupt sind sie wenigstens.
+
+Die Nothwendigkeit, von den Eigenschaften zu Materien überzugehen,
+oder daß die Eigenschaften in Wahrheit Materien sind, hat sich daraus
+ergeben, daß sie das Wesentliche und damit das wahrhaft
+Selbstständige der Dinge sind.--Zugleich aber macht die Reflexion der
+Eigenschaft in sich nur die eine Seite der ganzen Reflexion aus;
+nämlich das Aufheben des Unterschieds und die Kontinuität der
+Eigenschaft, die eine Existenz für Anderes seyn sollte, mit sich
+selbst. Die Dingheit, als die negative Reflexion in sich, und das
+sich von Anderem abstoßende Unterscheiden ist dadurch zu einem
+unwesentlichen Momente herabgesetzt; zugleich aber hat es sich damit
+weiter bestimmt. Dieß negative Moment hat sich erstens erhalten;
+denn die Eigenschaft ist nur insofern mit sich kontinuirlich und
+selbstständige Materie geworden, als sich der Unterschied der Dinge
+aufgehoben hat; die Kontinuität der Eigenschaft in das Andersseyn
+enthält also selbst das Moment des Negativen, und ihre
+Selbstständigkeit ist zugleich als diese negative Einheit das
+wiederhergestellte Etwas der Dingheit; die negative Selbstständigkeit
+gegen die positive des Stoffes. Zweitens ist hierdurch das Ding aus
+seiner Unbestimmtheit zur vollkommenen Bestimmtheit gediehen. Als
+Ding an sich ist es die abstrakte Identität, die einfach negative
+Existenz, oder sie bestimmt als das Unbestimmte; alsdann ist es
+bestimmt durch seine Eigenschaften, durch welche es sich von andern
+unterscheiden soll; aber indem es durch die Eigenschaft vielmehr
+kontinuirlich mit andern ist, so hebt sich dieser unvollkommene
+Unterschied auf; das Ding ist dadurch in sich zurückgegangen und nun
+bestimmt als bestimmt; es ist an sich bestimmt oder dieses Ding.-Aber
+drittens ist diese Rückkehr in sich zwar die sich auf sich beziehende
+Bestimmung; aber sie ist zugleich unwesentlich; das mit sich
+kontinuirliche Bestehen macht die selbstständige Materie aus, in
+welcher der Unterschied der Dinge, ihre an und für sich seyende
+Bestimmtheit aufgehoben und ein Äußerliches ist. Das Ding als dieses
+ist also zwar vollkommene Bestimmtheit, aber es ist dieß die
+Bestimmtheit im Elemente der Unwesentlichkeit.
+
+Dieß von Seite der Bewegung der Eigenschaft aus betrachtet, ergiebt
+sich so. Die Eigenschaft ist nicht nur äußerliche Bestimmung,
+sondern an sich seyende Existenz. Diese Einheit der Äußerlichkeit
+und Wesentlichkeit stößt sich, weil sie die Reflexion-in-sich und die
+Reflexion in Anderes enthält, von sich selbst ab, und ist einer Seits
+die Bestimmung als einfaches sich identisch auf sich beziehendes
+Selbstständiges, in welchem die negative Einheit, das Eins des Dinges
+ein Aufgehobenes ist;--anderer Seits diese Bestimmung gegen Anderes,
+aber ebenfalls als in sich reflektirtes an sich bestimmtes Eins; die
+Materien also, und dieses Ding. Dieß sind die zwei Momente der mit
+sich identischen Äußerlichkeit, oder der in sich reflektirten
+Eigenschaft.--Die Eigenschaft war das, wodurch sich die Dinge
+unterscheiden sollten; indem sie sich von dieser ihrer negativen
+Seite, einem andern zu inhäriren, befreit hat, so ist damit auch das
+Ding von seinem Bestimmtseyn durch andere Dinge befreit worden, und
+aus der Beziehung auf Anderes, in sich zurückgegangen; aber es ist
+zugleich nur das sich anderes gewordene Ding-an-sich; weil die
+mannigfaltigen Eigenschaften ihrer Seits selbstständig, hierin also
+ihre negative Beziehung in dem Eins des Dinges nur eine aufgehobene
+geworden ist; es ist darum die mit sich identische Negation nur gegen
+die positive Kontinuität des Stoffes.
+
+Das Diese macht also so die vollkommene Bestimmtheit des Dinges aus,
+daß sie zugleich eine äußerliche ist. Das Ding besteht aus
+selbstständigen Materien, die gegen ihre Beziehung im Dinge
+gleichgültig sind. Diese Beziehung ist daher nur eine unwesentliche
+Verknüpfung derselben, und der Unterschied eines Dinges von anderen
+beruht darauf, ob mehrere der besondern Materien und in welcher Menge
+sie sich in ihm befinden. Sie gehen über dieses Ding hinaus,
+kontinuiren sich in andere, und diesem Dinge anzugehören, ist keine
+Schranke derselben. Ebenso wenig sind sie ferner eine Beschränkung
+für einander, weil ihre negative Beziehung nur das kraftlose Diese
+ist. Sie heben sich daher, indem sie in ihm verbunden werden, nicht
+auf; sie sind als Selbstständige undurchdringlich für einander;
+beziehen sich in ihrer Bestimmtheit nur auf sich, und sind eine gegen
+einander gleichgültige Mannigfaltigkeit des Bestehens; sie sind nur
+einer quantitativen Grenze fähig.--Das Ding als dieses ist diese ihre
+bloß quantitative Beziehung, eine bloße Sammlung, das Auch derselben.
+Es besteht aus irgend einem Quantum von einem Stoffe, auch aus dem
+eines andern, auch andern; diesen Zusammenhang, keinen Zusammenhang
+zu haben, macht allein das Ding aus.
+
+C. Die Auflösung des Dinges.
+
+Dieses Ding, wie es sich bestimmt hat, als der bloß quantitative
+Zusammenhang der freien Stoffe, ist das schlechthin veränderliche.
+Seine Veränderung besteht darin, daß eine oder mehrere Materien aus
+der Sammlung ausgeschieden oder zu diesem Auch hinzugefügt werden,
+oder daß ihr Mengenverhältniß zu einander verändert wird. Das
+Entstehen und Vergehen dieses Dings ist die äußerliche Auflösung
+solcher äußerlichen Verbindung, oder die Verbindung solcher, denen es
+gleichgültig ist verbunden zu seyn oder nicht. Die Stoffe circuliren
+aus diesem Dinge unaufgehalten hinaus oder herein; es selbst ist die
+absolute Porosität ohne eigenes Maaß oder Form.
+
+So ist das Ding in seiner absoluten Bestimmtheit, wodurch es dieses
+ist, das schlechthin auflösbare. Diese Auflösung ist ein äußerliches
+Bestimmtwerden, so wie auch das Seyn desselben; aber seine Auflösung
+und die Äußerlichkeit seines Seyns ist das Wesentliche dieses Seyns;
+es ist nur das Auch; es besteht nur in dieser Äußerlichkeit. Aber es
+besteht auch aus seinen Materien, und nicht nur das abstrakte Dieses
+als solches, sondern das ganze diese Ding ist die Auflösung seiner
+selbst. Das Ding ist nämlich bestimmt als eine äußerliche Sammlung
+selbst-ständiger Materien; diese Materien sind nicht Dinge, sie haben
+nicht die negative Selbstständigkeit; sondern sind die Eigenschaften
+als das Selbstständige, nämlich das Bestimmtseyn, das als solches in
+sich reflektirt ist. Die Materien sind daher zwar einfach und
+beziehen sich nur auf sich selbst; aber ihr Inhalt ist eine
+Bestimmtheit; die Reflexion-in-sich ist nur die Form dieses Inhalts,
+der nicht als solcher in sich reflektirt ist, sondern nach seiner
+Bestimmtheit sich auf Anderes bezieht. Das Ding ist daher nicht nur
+das Auch derselben,--die Beziehung derselben als gegen einander
+gleichgültiger, sondern ebenso sehr ihre negative Beziehung;--um
+ihrer Bestimmtheit sind die Materien selbst, diese ihre negative
+Reflexion; welche die Punktualität des Dinges ist. Die eine Materie
+ist nicht, was die andere ist, nach der Bestimmtheit ihres Inhalts
+gegen einander; und die eine ist nicht, insofern die andere ist, nach
+ihrer Selbstständigkeit.
+
+Das Ding ist daher so die Beziehung der Materien, aus denen es
+besteht, auf einander, daß in ihm die eine und die andere auch
+bestehen, aber daß darin zugleich die eine nicht besteht, insofern
+die andere besteht. Insofern also die eine Materie in dem Dinge ist,
+so ist die andere dadurch aufgehoben; aber das Ding ist zugleich das
+Auch, oder das Bestehen der andern. In dem Bestehen der einen
+Materie besteht daher die andere nicht, und ebenso sehr besteht sie
+auch in der erstern; und so gegenseitig alle diese verschiedenen
+Materien. Indem also in derselben Rüksicht, als die eine besteht,
+auch die andern bestehen, welches Eine Bestehen derselben die
+Punktualität oder negative Einheit des Dings ist, so durchdringen sie
+sich schlechthin; und indem das Ding zugleich nur das Auch der-selben,
+und die Materien in ihre Bestimmtheit reflektirt sind, so sind sie
+gleichgültig gegen einander, und berühren sich in ihrer Durchdringung
+nicht. Die Materien sind daher wesentlich porös, so daß die eine
+besteht in den Poren oder in dem Nichtbestehen der andern; aber diese
+andern sind selbst porös; in ihren Poren oder ihrem Nichtbestehen
+besteht auch die erste, und alle die übrigen; ihr Bestehen ist
+zugleich ihr Aufgehobenseyn, und das Bestehen von anderen; und dieß
+Bestehen der andern ist ebenso sehr dieser ihr Aufgehobenseyn und das
+Bestehen der ersteren und auf gleiche Weise aller andern. Das Ding
+ist daher die sich widersprechende Vermittelung des selbstständigen
+Bestehens mit sich durch sein Gegentheil, nämlich durch seine
+Negation, oder einer selbstständigen Materie durch das Bestehen und
+Nichtbestehen einer andern.--Die Existenz hat in diesem Dinge ihre
+Vollständigkeit erreicht, nämlich in Einem an sich seyendes Seyn oder
+selbstständiges Bestehen, und unwesentliche Existenz zu seyn; die
+Wahrheit der Existenz ist daher, ihr Ansichseyn in der
+Unwesentlichkeit, oder ihr Bestehen in einem Andern und zwar dem
+absolut Andern, oder zu ihrer Grundlage ihre Nichtigkeit zu haben.
+Sie ist daher Erscheinung.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist eine der geläufigsten Bestimmungen des Vorstellens, daß ein
+Ding aus vielen selbstständigen Materien bestehe. Einer Seits wird
+das Ding betrachtet, daß es Eigenschaften habe, deren Bestehen das
+Ding ist. Anderer Seits aber werden diese verschiedenen Bestimmungen
+als Materien genommen, deren Bestehen nicht das Ding ist, sondern
+umgekehrt besteht das Ding aus ihnen; es selbst ist nur ihre
+äußerliche Verbindung und quantitative Grenze. Beides, die
+Eigenschaften und die Materien sind dieselben Inhaltsbestimmungen,
+nur daß sie dort Momente, in ihre negative Einheit als in eine von
+ihnen selbst unterschiedene Grundlage, die Dingheit, reflektirte sind,
+hier selbstständige verschiedene, deren jedes in seine eigene
+Einheit mit sich reflektirt ist. Diese Materien nun bestimmen sich
+ferner als selbstständiges Bestehen; aber sie sind auch zusammen in
+einem Dinge. Dieses Ding hat die zwei Bestimmungen, erstlich dieses
+zu seyn, und zweitens das Auch zu seyn. Das Auch ist dasjenige, was
+in der äußeren Anschauung als Raumausdehnung vorkommt; Dieses aber,
+die negative Einheit, ist die Punktualität des Dinges. Die Materien
+sind zusammen in der Punktualität, und ihr Auch oder die Ausdehnung
+ist allenthalben diese Punktualität; denn das Auch als Dingheit ist
+wesentlich auch als negative Einheit bestimmt. Wo daher die eine
+dieser Materien ist, in einem und demselben Punkte ist die andere;
+das Ding hat nicht an einem andern Orte seine Farbe, an einem andern
+seinen Riechstoff, an einem dritten seinen Wärmestoff u.s.f. sondern
+in dem Punkte, in dem es warm ist, ist es auch farbig, sauer,
+elektrisch u.s.w. Weil nun diese Stoffe nicht außer einander,
+sondern in Einem Diesen sind, werden sie als porös angenommen, so daß
+die eine in den Zwischenräumen der andern existirt. Diejenige, die
+sich in den Zwischenräumen der andern befindet, ist aber auch selbst
+porös; in ihren Poren existirt daher umgekehrt die andere; aber nicht
+nur diese, sondern auch die dritte, zehnte, u.s.f. Alle sind porös
+und in den Zwischenräumen einer jeden befinden sich alle andern, wie
+sie sich mit den übrigen in diesen Poren einer jeden befindet. Sie
+sind daher eine Menge, die sich so gegenseitig durchdringt, daß die
+durchdringenden von den anderen ebenso durchdrungen werden, daß somit
+jede ihr eigenes Durchdrungenseyn wieder durchdringt. Jede ist als
+ihre Negation gesetzt, und diese Negation ist das Bestehen einer
+anderen; aber dieß Bestehen ist ebenso sehr die Negation dieser
+andern und das Bestehen der ersten.
+
+Die Ausrede, durch welche das Vorstellen den Widerspruch des
+selbstständigen Bestehens der mehreren Materien in Einem, oder die
+Gleichgültigkeit derselben gegen einander in ihrer Durchdringung
+abhält, pflegt bekanntlich die Kleinheit der Theile und der Poren zu
+seyn. Wo der Unterschied-an-sich, der Widerspruch und die Negation
+der Negation eintritt, überhaupt wo begriffen werden soll, läßt das
+Vorstellen sich in den äußerlichen, den quantitativen Unterschied
+herunterfallen; in Ansehung des Entstehens und Vergehens nimmt es
+seine Zuflucht zur Allmähligkeit und in Ansehung des Seyns zur
+Kleinheit, worin das Verschwindende zum Unbemerkbaren, der
+Widerspruch zu einer Verwirrung herabgesetzt, und das wahre
+Verhältniß in ein unbestimmtes Vorstellen hinübergespielt wird,
+dessen Trübheit das sich Aufhebende rettet.
+
+Näher aber diese Trübheit beleuchtet, so zeigt sie sich als der
+Widerspruch, Theils als der subjektive des Vorstellens, Theils als
+der objektive des Gegenstands; das Vorstellen selbst enthält
+vollständig die Elemente desselben. Was es nämlich erstlich selbst
+thut, ist der Widerspruch, sich an die Wahrnehmung halten und Dinge
+des Daseyns vor sich haben zu wollen, und anderer Seits dem
+Nichtwahrnehmbaren, durch die Reflexion bestimmten, sinnliches Daseyn
+zuzuschreiben;--die kleinen Theile und Poren sollen zugleich ein
+sinnliches Daseyn seyn und es wird von ihrem Gesetztseyn als von
+derselben Weise der Realität gesprochen,--welche der Farbe, Wärme u.
+s.f. zukommt. Wenn ferner das Vorstellen diesen gegenständlichen
+Nebel, die Poren und die kleinen Theilchen, näher betrachtete, so
+erkennte es darin nicht nur eine Materie und auch deren Negation, so
+daß hier die Materie, und daneben ihre Negation, der Porus, und neben
+diesem wieder Materie und so fort sich befände, sondern daß es in
+diesem Dinge, 1) die selbstständige Materie, 2) ihre Negation oder
+Porosität und die andere selbstständige Materie in einem in und
+demselben Punkte hat, daß diese Porosität und das selbstständige
+Bestehen der Materien ineinander als in Einem eine gegenseitige
+Negation und Durchdringen des Durchdringens ist.--Die neueren
+Darstellungen der Physik über die Verbreitung des Wasserdampfes in
+der atmosphärischen Luft und der Gasarten durch einander, heben eine
+Seite des Begriffs, der sich hier über die Natur des Dinges ergeben
+hat, bestimmter heraus.
+
+Sie zeigen nämlich, daß z.B. ein gewisses Volumen eben so viel
+Wasserdampf aufnimmt, es sey leer von athmosphärischer Luft oder
+damit erfüllt; auch daß die Gasarten so sich in einander verbreiten,
+daß jede für die andere so gut als ein Vacuum ist, wenigstens daß sie
+in keiner chemischen Verbindung miteinander sind, jedes
+ununterbrochen durch das andere mit sich kontinuirlich bleibt und
+sich in seiner Durchdringung mit den andern, gleichgültig gegen sie
+erhält.--Aber das weitere Moment im Begriffe des Dinges ist, daß im
+Diesen die eine Materie sich befindet wo die andere, und das
+Durchdringende in demselben Punkte auch durchdrungen ist, oder das
+Selbstständige unmittelbar die Selbstständigkeit eines Andern ist.
+Dieß ist widersprechend; aber das Ding ist nichts Anderes als dieser
+Widerspruch selbst; darum ist es Erscheinung.
+
+Eine ähnliche Bewandtniß, als es mit diesen Materien hat, hat es im
+Geistigen mit der Vorstellung der Seelenkräfte oder Seelenvermögen.
+Der Geist ist in viel tieferem Sinne dieses, die negative Einheit, in
+welcher sich seine Bestimmungen durchdringen. Aber als Seele
+vorgestellt, pflegt er häufig als ein Ding genommen zu werden. Wie
+man den Menschen überhaupt aus Seele und Leib bestehen läßt, deren
+jedes als ein Selbstständiges für sich gilt, so läßt man die Seele
+aus sogenannten Seelenkräften bestehen, deren jede eine für sich
+bestehende Selbstständigkeit hat, oder eine unmittelbare für sich
+nach ihrer Bestimmtheit wirkende Thätigkeit ist. Man stellt sich so
+vor, daß hier der Verstand, hier die Einbildungskraft für sich wirke,
+daß man den Verstand, das Gedächtniß, u.s.f. jede für sich kultivire,
+und einstweilen die andern Kräfte in Unthätigkeit linker Hand liegen
+lasse, bis die Reihe vielleicht, vielleicht auch nicht an sie komme.
+Indem sie in das materiell-einfache Seelending verlegt werden,
+welches als einfach immateriell sey, so werden die Vermögen zwar
+nicht als besondere Materien vorgestellt; aber als Kräfte werden sie
+gleich indifferent gegen einander angenommen, als jene Materien.
+Aber der Geist ist nicht jener Widerspruch, welcher das Ding ist, das
+sich auflöst und in Erscheinung übergeht; sondern er ist schon an ihm
+selbst der in seine absolute Einheit, nämlich den Begriffe
+zurückgegangene Widerspruch, worin die Unterschiede nicht mehr als
+selbstständige, sondern nur als besondere Momente im Subjekte, der
+einfachen Individualität, zu denken sind.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Erscheinung.
+
+
+Die Existenz ist die Unmittelbarkeit des Seyns, zu der sich das Wesen
+wieder hergestellt hat. Diese Unmittelbarkeit ist an sich die
+Reflexion des Wesens in sich. Das Wesen ist als Existenz aus seinem
+Grunde heraufgetreten, der selbst in sie übergegangen ist. Die
+Existenz ist diese reflektirte Unmittelbarkeit, insofern sie an ihr
+selbst die absolute Negativität ist. Sie ist nunmehr auch als dieß
+gesetzt, indem sie sich als Erscheinung bestimmt hat.
+
+Die Erscheinung ist daher zunächst das Wesen in seiner Existenz; das
+Wesen ist unmittelbar an ihr vorhanden. Daß sie nicht als
+unmittelbare, sondern die reflektirte Existenz ist, dieß macht das
+Moment des Wesens an ihr aus; oder die Existenz als wesentliche
+Existenz ist Erscheinung.
+
+Es ist etwas nur Erscheinung,--in dem Sinne, daß die Existenz als
+solche nur ein Gesetztes, nicht an- und für-sich-Seyendes ist. Dieß
+macht ihre Wesentlichkeit aus, an ihr selbst die Negativität der
+Reflexion, die Natur des Wesens, zu haben. Es ist dieß nicht eine
+fremde, äußerliche Reflexion, welcher das Wesen zugehörte, und die
+durch Vergleichung desselben mit der Existenz diese für Erscheinung
+erklärte. Sondern, wie sich ergeben hat, ist diese Wesentlichkeit
+der Existenz, Erscheinung zu seyn, die eigne Wahrheit der Existenz.
+Die Reflexion, wodurch sie dieß ist, gehört ihr selbst an.
+
+Wenn aber gesagt wird, Etwas sey nur Erscheinung in dem Sinne, als ob
+dagegen die unmittelbare Existenz die Wahrheit wäre; so ist vielmehr
+die Erscheinung die höhere Wahrheit; denn sie ist die Existenz wie
+sie als wesentliche, da hingegen die Existenz die noch wesenlose
+Erscheinung ist; weil sie nur das eine Moment der Erscheinung,
+nämlich die Existenz als unmittelbare, noch nicht ihre negative
+Reflexion, an ihr hat. Wenn die Erscheinung wesenlos genannt wird,
+so wird an das Moment ihrer Negativität so gedacht, als ob das
+Unmittelbare dagegen das Positive und Wahrhafte wäre; aber vielmehr
+enthält dieß Unmittelbare die wesentliche Wahrheit noch nicht an ihm.
+Die Existenz hört vielmehr auf, wesenlos zu seyn, darin, daß sie in
+Erscheinung übergeht.
+
+Das Wesen scheint zunächst in ihm selbst, in seiner einfachen
+Identität; so ist es die abstrakte Reflexion, die reine Bewegung von
+Nichts durch Nichts zu sich selbst zurück. Das Wesen erscheint, so
+ist es nunmehr realer Schein, indem die Momente des Scheins Existenz
+haben. Die Erscheinung ist, wie sich ergeben hat, das Ding als die
+negative Vermittelung seiner mit sich selbst; die Unterschiede,
+welche es enthält, sind selbstständige Materien, die der Widerspruch
+sind, ein unmittelbares Bestehen zu seyn, und zugleich nur in fremder
+Selbstständigkeit also in der Negation der eigenen ihr Bestehen zu
+haben, und wieder eben darum auch nur in der Negation jener fremden
+oder in der Negation ihrer eigenen Negation. Der Schein ist dieselbe
+Vermittelung, aber seine haltlosen Momente haben in der Erscheinung
+die Gestalt unmittelbarer Selbstständigkeit. Dagegen ist die
+unmittelbare Selbstständigkeit, die der Existenz zukommt, ihrer Seits
+zum Momente herabgesetzt. Die Erscheinung ist daher Einheit des
+Scheins und der Existenz.
+
+Die Erscheinung bestimmt sich nun näher. Sie ist die wesentliche
+Existenz; die Wesentlichkeit derselben unterscheidet sich von ihr als
+unwesentlicher und diese beiden Seiten treten in Beziehung mit
+einander.--Sie ist daher zuerst einfache Identität mit sich, die
+zugleich verschiedene Inhaltsbestimmungen enthält, welche sowohl
+selbst als deren Beziehung das im Wechsel der Erscheinung sich gleich
+bleibende ist; das Gesetz der Erscheinung.
+
+Zweitens aber geht das in seiner Verschiedenheit einfache Gesetz in
+den Gegensatz über; das Wesentliche der Erscheinung wird ihr selbst
+entgegengesetzt und der erscheinenden Welt tritt die an sich seyende
+Welt gegenüber.
+
+Drittens geht dieser Gegensatz in seinen Grund zurück; das
+Ansichseyende ist in der Erscheinung und umgekehrt ist das
+Erscheinende bestimmt als in sein Ansichseyn aufgenommen; die
+Erscheinung wird Verhältniß.
+
+A. Das Gesetz der Erscheinung.
+
+1. Die Erscheinung ist das Existirende vermittelt durch seine
+Negation, welche sein Bestehen ausmacht. Diese seine Negation ist
+zwar ein anderes Selbstständiges; aber dieß ist ebenso wesentlich ein
+aufgehobenes. Das Existirende ist daher die Rückkehr seiner in sich
+selbst durch seine Negation und durch die Negation dieser seiner
+Negation; es hat also wesentliche Selbstständigkeit; so wie es gleich
+unmittelbar schlechthin Gesetztseyn ist, das einen Grund und ein
+Anderes zu seinem Bestehen hat.--Fürs Erste ist also die Erscheinung
+die Existenz zugleich mit ihrer Wesentlichkeit, das Gesetztseyn mit
+seinem Grunde; aber dieser Grund ist die Negation; und das andere
+Selbstständige, der Grund des ersten, ist gleichfalls nur ein
+Gesetztseyn. Oder das Existirende ist als Erscheinendes in ein
+Anderes reflektirt und hat es zu seinem Grunde, welches selbst nur
+dieß ist, in ein Anderes reflektirt zu seyn. Die wesentliche
+Selbstständigkeit, die ihm zukommt, weil es Rückkehr in sich selbst
+ist, ist um der Negativität der Momente willen, die Rückkehr des
+Nichts durch Nichts zu sich selbst zurück; die Selbstständigkeit des
+Existirenden ist daher nur der wesentliche Schein. Der Zusammenhang
+des sich gegenseitig begründenden Existirenden besteht darum in
+dieser gegenseitigen Negation, daß das Bestehen des einen nicht das
+Bestehen des andern, sondern dessen Gesetztseyn ist, welche Beziehung
+des Gesetztseyns allein ihr Bestehen ausmacht. Der Grund ist
+vorhanden, wie er in seiner Wahrheit ist, nämlich ein Erstes zu seyn,
+das nur ein Vorausgesetztes ist.
+
+Dieß macht nun die negative Seite der Erscheinung aus. Aber in
+dieser negativen Vermittelung ist unmittelbar die positive Identität
+des Existirenden mit sich enthalten. Denn es ist nicht Gesetztseyn
+gegen einen wesentlichen Grund, oder ist nicht der Schein an einem
+Selbstständigen; sondern ist Gesetztseyn, das sich auf ein
+Gesetztseyn bezieht, oder ist ein Schein nur in einem Scheine. Es
+bezieht sich in dieser seiner Negation oder in seinem Andern, das
+selbst ein Aufgehobenes ist, auf sich selbst; ist also mit sich
+identische oder positive Wesentlichkeit.--Dieses Identische ist nicht
+die Unmittelbarkeit, die der Existenz als solcher zukommt, und nur
+das Unwesentliche ist, sein Bestehen in einem Andern zu haben.
+Sondern es ist der wesentliche Inhalt der Erscheinung, welcher zwei
+Seiten hat, erstens in der Form des Gesetztseyns oder der äußerlichen
+Unmittelbarkeit, zweitens das Gesetztseyn als mit sich Identisches zu
+seyn. Nach der ersten Seite ist er als ein Daseyn, aber als ein
+zufälliges, unwesentliches, das nach seiner Unmittelbarkeit dem
+Übergehen, Entstehen und Vergehen unterworfen ist. Nach der andern
+Seite ist er die einfache jenem Wechsel entnommene Inhaltsbestimmung,
+das Bleibende desselben.
+
+Außerdem daß dieser Inhalt überhaupt das Einfache des Vergänglichen
+ist, ist er auch bestimmter, in sich verschiedener Inhalt. Er ist
+die Reflexion der Erscheinung, des negativen Daseyns, in sich,
+enthält also die Bestimmtheit wesentlich. Die Erscheinung aber ist
+die seyende vielfache Verschiedenheit, die sich in unwesentlicher
+Mannigfaltigkeit herumwirft; ihr reflektirter Inhalt dagegen ist ihre
+Mannigfaltigkeit auf den einfachen Unterschied reducirt. Der
+bestimmte wesentliche Inhalt ist nämlich näher, nicht nur bestimmt
+überhaupt, sondern als das Wesentliche der Erscheinung die
+vollständige Bestimmtheit; eines und sein Anderes. In der
+Erscheinung hat jedes dieser beiden sein Bestehen so in dem Andern,
+daß es zugleich nur in dessen Nichtbestehen ist. Dieser Widerspruch
+hebt sich auf; und die Reflexion desselben in sich, ist die Identität
+ihres beiderseitigen Bestehens, daß das Gesetztseyn des einen auch
+das Gesetztseyn des Andern ist. Sie machen Ein Bestehen aus,
+zugleich als verschiedener, gegen einander gleichgültiger Inhalt. In
+der wesentlichen Seite der Erscheinung ist somit das Negative des
+unwesentlichen Inhalts, sich aufzuheben, in die Identität
+zurückgegangen; er ist ein gleichgültiges Bestehen, welches nicht das
+Aufgehobenseyn, sondern vielmehr das Bestehen des Andern ist.
+
+Diese Einheit ist das Gesetz der Erscheinung.
+
+2. Das Gesetz ist also das Positive der Vermittelung des
+Erscheinenden. Die Erscheinung ist zunächst die Existenz als die
+negative Vermittelung mit sich, so daß das Existirende durch sein
+eigenes Nichtbestehen, durch ein Anderes, und wieder durch das
+Nichtbestehen dieses Andern mit sich vermittelt ist. Darin ist
+enthalten erstens das bloße Scheinen und das Verschwinden beider, die
+unwesentliche Erscheinung; zweitens auch das Bleiben oder das Gesetz;
+denn jedes der beiden existirt in jenem Aufheben des Andern; und ihr
+Gesetztseyn als ihre Negativität ist zugleich das identische,
+positive Gesetztseyn beider.
+
+Dieß bleibende Bestehen, welches die Erscheinung im Gesetze hat, ist
+somit, wie es sich bestimmt hat, erstlich entgegengesetzt der
+Unmittelbarkeit des Seyns, welche die Existenz hat. Diese
+Unmittelbarkeit ist zwar an sich die reflektirte, nämlich der in sich
+zurückgegangene Grund; aber in der Erscheinung ist nun diese einfache
+Unmittelbarkeit von der reflektirten unterschieden, welche im Dinge
+erst sich zu trennen anfingen. Das existirende Ding ist in seiner
+Auflösung dieser Gegensatz geworden; das Positive seiner Auflösung
+ist jene Identität des Erscheinenden als Gesetztseyns mit sich in
+seinem andern Gesetztseyn.--Zweitens ist diese reflektirte
+Unmittelbarkeit selbst bestimmt als das Gesetztseyn, gegen die
+seyende Unmittelbarkeit der Existenz. Dieß Gesetztseyn ist nunmehr
+das Wesentliche, und wahrhaft Positive. Der deutsche Ausdruck Gesetz
+enthält diese Bestimmung gleichfalls. In diesem Gesetztseyn liegt
+die wesentliche Beziehung der beiden Seiten des Unterschiedes, die
+das Gesetz enthält; sie sind verschiedener gegen einander
+unmittelbarer Inhalt und sind dieß als die Reflexion des der
+Erscheinung angehörigen, verschwindenden Inhalts. Als wesentliche
+Verschiedenheit, sind die Verschiedenen einfache sich auf sich
+beziehende Inhaltsbestimmungen. Aber ebenso sehr ist keine für sich
+unmittelbar, sondern jede ist wesentlich Gesetztseyn, oder ist nur,
+insofern die andere ist.
+
+Drittens Erscheinung und Gesetz haben einen und denselben Inhalt.
+Das Gesetz ist die Reflexion der Erscheinung in die Identität mit
+sich; so steht die Erscheinung als das nichtige Unmittelbare dem
+Insichreflektirten gegenüber, und sie sind nach dieser Form
+unterschieden. Aber die Reflexion der Erscheinung, wodurch dieser
+Unterschied ist, ist auch die wesentliche Identität der Erscheinung
+selbst und ihrer Reflexion, was überhaupt die Natur der Reflexion ist;
+sie ist das im Gesetztseyn identische mit sich, und gleichgültig
+gegen jenen Unterschied, welcher die Form oder das Gesetztseyn ist;
+also ein Inhalt, der sich aus der Erscheinung in das Gesetz
+kontinuirt, der Inhalt des Gesetzes, und der Erscheinung.
+
+Dieser Inhalt macht hiermit die Grundlage der Erscheinung aus; das
+Gesetz ist diese Grundlage selbst, die Erscheinung ist derselbe
+Inhalt, aber enthält noch mehr, nämlich den unwesentlichen Inhalt
+ihres unmittelbaren Seyns. Auch die Formbestimmung, wodurch die
+Erscheinung als solche von dem Gesetze unterschieden ist, ist nämlich
+ein Inhalt und gleichfalls ein vom Inhalte des Gesetzes
+unterschiedener. Denn die Existenz ist als Unmittelbarkeit überhaupt
+gleichfalls ein mit sich Identisches der Materie und Form, das gegen
+seine Formbestimmungen gleichgültig und daher Inhalt ist; sie ist die
+Dingheit mit ihren Eigenschaften und Materien. Aber sie ist der
+Inhalt, dessen selbstständige Unmittelbarkeit zugleich nur als ein
+Nichtbestehen ist. Die Identität desselben mit sich in diesem seinem
+Nichtbestehen aber ist der andere, wesentliche Inhalt. Diese
+Identität, die Grundlage der Erscheinung, welche das Gesetz ausmacht,
+ist ihr eigenes Moment; es ist die positive Seite der Wesentlichkeit,
+wodurch die Existenz Erscheinung ist.
+
+Das Gesetz ist daher nicht jenseits der Erscheinung, sondern in ihr
+unmittelbar gegenwärtig; das Reich der Gesetze ist das ruhige Abbild
+der existirenden oder erscheinenden Welt. Aber vielmehr ist beides
+Eine Totalität, und die existirende Welt ist selbst das Reich der
+Gesetze, das als das einfache Identische, zugleich als in dem
+Gesetztseyn oder in der sich selbstauflösenden Selbstständigkeit der
+Existenz identisch mit sich ist. Die Existenz geht in das Gesetz als
+in ihren Grund zurück; die Erscheinung enthält dieß Beides, den
+einfachen Grund, und die auflösende Bewegung des erscheinenden
+Universums, deren Wesentlichkeit er ist.
+
+3. Das Gesetz ist also die wesentliche Erscheinung; es ist die
+Reflexion derselben in sich in ihrem Gesetztseyn, der identische
+Inhalt seiner und der unwesentlichen Existenz. Erstlich ist nun
+diese Identität des Gesetzes mit seiner Existenz nur erst die
+unmittelbare, einfache Identität, und das Gesetz ist gleichgültig
+gegen seine Existenz; die Erscheinung hat noch einen andern Inhalt
+gegen den Inhalt des Gesetzes. Jener ist zwar der unwesentliche, und
+das Zurückgehen in diesen; aber für das Gesetz ist er ein Erstes, das
+nicht durch dieses gesetzt ist; er ist daher als Inhalt äußerlich mit
+dem Gesetze verbunden. Die Erscheinung ist eine Menge näherer
+Bestimmungen, die dem Diesen oder dem Konkreten angehören und nicht
+im Gesetze enthalten, sondern durch ein Anderes bestimmt sind.
+--Zweitens das, was die Erscheinung von dem Gesetze Verschiedenes
+enthält, bestimmte sich als ein Positives oder als ein anderer Inhalt;
+aber es ist wesentlich ein Negatives; es ist die Form und ihre
+Bewegung als solche, die der Erscheinung zukommt. Das Reich der
+Gesetze ist der ruhige Inhalt der Erscheinung; diese ist derselbe
+aber sich im unruhigen Wechsel und als die Reflexion in anderes
+darstellend. Sie ist das Gesetz als die negative sich schlechthin
+verändernde Existenz, die Bewegung des Übergehens in Entgegengesetzte,
+des sich Aufhebens und des Zurückgehens in die Einheit. Diese Seite
+der unruhigen Form oder der Negativität enthält das Gesetz nicht; die
+Erscheinung ist daher gegen das Gesetz die Totalität, denn sie
+enthält das Gesetz, aber auch noch mehr, nämlich das Moment der sich
+selbst bewegenden Form.--Dieser Mangel ist drittens am Gesetze so
+vorhanden, daß dessen Inhalt nur erst ein verschiedener, damit ein
+gegen sich gleichgültiger ist; daher die Identität seiner Seiten
+miteinander nur erst eine unmittelbare und damit innere, oder noch
+nicht nothwendige ist. Im Gesetze sind zwei Inhaltsbestimmungen als
+wesentlich verbunden (z.B. im Gesetze der Bewegung des Falls die
+Raumgröße und die Zeitgröße; die durchloffenen Räume verhalten sich
+wie die Quadrate der verflossenen Zeiten); sie sind verbunden; diese
+Beziehung ist nur erst eine unmittelbare. Sie ist daher gleichfalls
+nur erst eine gesetzte, wie in der Erscheinung das Unmittelbare
+überhaupt die Bedeutung des Gesetztseyns erhalten bat. Die
+wesentliche Einheit der beiden Seiten des Gesetzes wäre ihre
+Negativität, daß nämlich die eine an ihr selbst ihre andere enthielte;
+aber diese wesentliche Einheit ist noch nicht am Gesetze
+hervorgetreten. (--So ist es nicht im Begriffe des im Falle
+durchloffenen Raumes enthalten, daß ihm die Zeit als Quadrat
+entspricht. Weil der Fall eine sinnliche Bewegung ist, ist er die
+Beziehung von Zeit und Raum; aber erstens liegt es in der Bestimmung
+der Zeit selbst nicht,--d. h. wie die Zeit nach ihrer Vorstellung
+genommen wird, daß sie sich auf den Raum bezieht, und umgekehrt; man
+sagt, man könne sich die Zeit sehr wohl ohne den Raum und den Raum
+ohne die Zeit vorstellen; das eine tritt also äußerlich zu dem andern
+hinzu, welche äußerliche Beziehung die Bewegung ist. Zweitens ist
+die nähere Bestimmung gleichgültig, nach welchen Größen sich in der
+Bewegung Raum und Zeit zu einander verhalten. Das Gesetz hierüber
+wird aus der Erfahrung erkannt; insofern ist es nur unmittelbar; es
+erfordert noch einen Beweis, d. h. eine Vermittelung, für das
+Erkennen, daß das Gesetz nicht nur Statt hat, sondern nothwendig ist;
+diesen Beweis und seine objektive Nothwendigkeit enthält das Gesetz
+als solches nicht.--) Das Gesetz ist daher nur die positive
+Wesentlichkeit der Erscheinung, nicht ihre negative, nach welcher die
+Inhaltsbestimmungen Momente der Form sind, als solche in ihr Anderes
+übergehen, und an ihnen selbst ebenso sehr nicht sie, sondern ihr
+anderes sind. Im Gesetze ist also zwar das Gesetztseyn der einen
+Seite desselben das Gesetztseyn der andern; aber ihr Inhalt ist
+gleichgültig gegen diese Beziehung, er enthält nicht an ihm selbst
+dieß Gesetztseyn. Das Gesetz ist daher wohl die wesentliche Form,
+aber noch nicht die in ihre Seiten als Inhalt reflektirte, reale Form.
+
+B. Die erscheinende und die an-sich-seynede Welt.
+
+I. Die existirende Welt erhebt sich ruhig zu einem Reiche von
+Gesetzen; der nichtige Inhalt ihres mannigfaltigen Daseyns hat in
+einem Andern sein Bestehen; sein Bestehen ist daher seine Auflösung.
+Aber in diesem Andern geht das Erscheinende auch mit sich selbst
+zusammen; so ist die Erscheinung in ihrem Wandel auch ein Bleiben,
+und ihr Gesetztseyn ist Gesetz. Das Gesetz ist diese einfache
+Identität der Erscheinung mit sich; daher die Grundlage, nicht der
+Grund derselben; denn es ist nicht die negative Einheit der
+Erscheinung; sondern als ihre einfache Identität, die unmittelbare
+als abstrakte Einheit, neben welcher daher auch der andre Inhalt
+derselben Statt hat. Der Inhalt ist dieser, hängt in sich zusammen,
+oder hat seine negative Reflexion innerhalb seiner selbst. Er ist in
+ein anderes reflektirt; dieß Andere ist selbst eine Existenz der
+Erscheinung; die erscheinenden Dinge haben ihre Gründe und
+Bedingungen an andern erscheinenden Dingen.
+
+In der That aber ist das Gesetz auch das Andere der Erscheinung als
+solcher, und ihre negative Reflexion als in ihr Anderes. Der Inhalt
+der Erscheinung, der vom Inhalt des Gesetzes verschieden ist, ist das
+Existirende, das seine Negativität zu seinem Grunde hat oder in sein
+Nichtseyn reflektirt ist. Aber dieß Andere, das auch ein
+Existirendes ist, ist gleichfalls ein solches in sein Nichtseyn
+Reflektirtes; es ist also dasselbe, und das Erscheinende ist darin in
+der That nicht in ein anderes, sondern in sich reflektirt; eben diese
+Reflexion des Gesetztseyns in sich ist das Gesetz. Aber als
+Erscheinendes ist es wesentlich in sein Nichtseyn reflektirt, oder
+seine Identität ist selbst wesentlich ebenso sehr seine Negativität
+und sein Anderes. Die Reflexion-in-sich der Erscheinung, das Gesetz,
+ist also auch nicht nur ihre identische Grundlage, sondern sie hat an
+ihm ihren Gegensatz, und es ist ihre negative Einheit.
+
+Dadurch hat sich nun die Bestimmung des Gesetzes an ihm selbst
+verändert.
+
+Zunächst ist es nur ein verschiedener Inhalt, und die formale
+Reflexion des Gesetztseyns in sich, so daß das Gesetztseyn der einen
+seiner Seiten das Gesetztseyn der andern ist. Weil es aber auch die
+negative Reflexion in sich ist, so verhalten sich seine Seiten nicht
+nur als verschiedene, sondern als negativ sich auf einander
+beziehende.--Oder das Gesetz bloß für sich betrachtet, so sind die
+Seiten seines Inhalts gleichgültige gegen einander; aber ebenso sehr
+sind sie durch ihre Identität aufgehobene; das Gesetztseyn der einen
+ist das Gesetztseyn der andern; also ist das Bestehen einer jeden
+auch das Nichtbestehen ihrer selbst. Dieß Gesetztseyn der einen in
+der andern ist ihre negative Einheit und jedes ist nicht nur das
+Gesetztseyn ihrer, sondern auch der andern, oder jede ist selbst
+diese negative Einheit. Die positive Identität, welche sie im
+Gesetze als solchem haben, ist nur erst ihre innere Einheit, welche
+des Beweises und der Vermittelung bedarf, weil diese negative Einheit
+noch nicht an ihnen gesetzt ist. Aber indem die verschiedenen Seiten
+des Gesetzes nunmehr bestimmt sind, als in ihrer negativen Einheit
+verschiedene zu seyn, oder als solche, deren jedes sein Anderes an
+ihm selbst enthält und zugleich als Selbstständiges dieß sein
+Andersseyn von sich abstößt, so ist die Identität des Gesetzes
+nunmehr auch eine gesetzte und reale.
+
+Damit hat also das Gesetz das mangelnde Moment der negativen Form
+seiner Seiten gleichfalls erhalten; das Moment, das vorhin noch der
+Erscheinung angehörte; die Existenz ist somit vollständig in sich
+zurückgegangen, und hat sich in ihr absolutes an- und
+für-sichseyendes Andersseyn reflektirt. Das, was vorher Gesetz war,
+ist daher nicht mehr nur Eine Seite des Ganzen, dessen andere die
+Erscheinung als solche war, sondern ist selbst das Ganze. Sie ist
+die wesentliche Totalität der Erscheinung, so daß sie nun auch das
+Moment der Unwesentlichkeit, das noch dieser zukam, enthält; aber als
+die reflektirte, an sich seyende Unwesentlichkeit, d. h. als die
+wesentliche Negativität.--Das Gesetz ist als unmittelbarer Inhalt,
+bestimmt überhaupt, unterschieden von andern Gesetzen, und es giebt
+deren eine unbestimmbare Menge. Aber indem es die wesentliche
+Negativität nun an ihm selbst hat, enthält es nicht mehr eine solche
+nur gleichgültige, zufällige Inhaltsbestimmung; sondern sein Inhalt
+ist alle Bestimmtheit überhaupt, in wesentlicher sich zur Totalität
+machenden Beziehung. So ist die in sich reflektirte Erscheinung nun
+eine Welt, die sich als an und für sich seyende über der
+erscheinenden Welt aufthut.
+
+Das Reich der Gesetze enthält nur den einfachen, wandellosen aber
+verschiedenen Inhalt der existirenden Welt. Indem es nun aber die
+totale Reflexion von dieser ist, enthält es auch das Moment ihrer
+wesenlosen Mannigfaltigkeit. Dieses Moment der Veränderlichkeit und
+Veränderung als in sich reflektirtes, wesentliches, ist die absolute
+Negativität oder die Form überhaupt als solche, deren Momente aber in
+der an- und für-sichseyenden Welt die Realität selbstständiger, aber
+reflektirter Existenz haben; so wie umgekehrt diese reflektirte
+Selbstständigkeit nunmehr die Form an ihr selbst hat, und dadurch ihr
+Inhalt nicht ein bloß mannigfaltiger, sondern ein wesentlich mit sich
+zusammenhängender ist.
+
+--Diese an und für sich seyende Welt heißt auch die übersinnliche
+Welt; insofern die existirende Welt als sinnliche, nämlich als solche
+bestimmt wird, die für die Anschauung, das unmittelbare Verhalten des
+Bewußtseyns, ist.--Die übersinnliche Welt hat gleichfalls
+Unmittelbarkeit, Existenz, aber reflektirte, wesentliche Existenz.
+Das Wesen hat noch kein Daseyn; aber es ist, und in tieferem Sinne,
+als das Seyn; das Ding ist der Beginn der reflektirten Existenz; es
+ist eine Unmittelbarkeit, die noch nicht gesetzt ist, als wesentliche
+oder reflektirte; es ist aber in Wahrheit nicht ein seyendes
+Unmittelbares. Die Dinge erst, als Dinge einer andern,
+übersinnlichen Welt sind gesetzt, erstens als wahrhafte Existenzen,
+und zweitens als das Wahre gegen das Seyende;--in ihnen ist es
+anerkannt, daß es ein von dem unmittelbaren Seyn unterschiedenes Seyn
+gibt, das wahrhafte Existenz ist. Eines Theils ist in dieser
+Bestimmung die sinnliche Vorstellung überwunden, welche nur dem
+unmittelbaren Seyn des Gefühls und der Anschauung Existenz zuschreibt;
+andern Theils aber auch die bewußtlose Reflexion, welche zwar die
+Vorstellung von Dingen, Kräften, Innerlichem und so fort hat, ohne zu
+wissen, daß solche Bestimmungen nicht sinnliche oder seyende
+Unmittelbarkeiten, sondern reflektirte Existenzen sind.
+
+2. Die an und für sich seyende Welt ist die Totalität der Existenz;
+es ist nichts Anderes außer ihr. Indem sie aber an ihr selbst die
+absolute Negativität oder Form ist, so ist ihre Reflexion-in-sich,
+negative Beziehung auf sich. Sie enthält den Gegensatz, und stößt
+sich ab in sich als die wesentliche Welt, und in sich als die Welt
+des Andersseyns oder die Welt der Erscheinung. So ist sie darum,
+weil sie die Totalität ist, auch nur als eine Seite derselben, und
+macht in dieser Bestimmung eine gegen die Welt der Erscheinung
+verschiedene Selbstständigkeit aus. Die erscheinende Welt hat an der
+wesentlichen Welt ihre negative Einheit, in der sie zu Grunde und in
+die sie als in ihren Grund zurückgeht. Ferner ist die wesentliche
+Welt auch der setzende Grund der erscheinenden Welt; denn, die
+absolute Form in ihrer Wesentlichkeit enthaltend, hebt sich ihre
+Identität mit sich auf, macht sich zum Gesetztseyn und ist als diese
+gesetzte Unmittelbarkeit die erscheinende Welt.
+
+Sie ist ferner nicht nur überhaupt Grund der erscheinenden Welt,
+sondern ihr bestimmter Grund. Schon als das Reich der Gesetze ist
+sie mannigfaltiger Inhalt, und zwar der wesentliche der erscheinenden
+Welt, und als inhaltsvoller Grund, der bestimmte Grund der andern,
+aber nur diesem Inhalt nach; denn die erscheinende Welt hatte noch
+mannigfaltigen andern Inhalt als jenes Reich, weil ihr noch das
+negative Moment eigenthümlich zukam. Aber indem das Reich der
+Gesetze dieß Moment nun gleichfalls an ihm hat, so ist es die
+Totalität des Inhalts der erscheinenden Welt und der Grund aller
+ihrer Mannigfaltigkeit. Aber sie ist zugleich das negative derselben,
+so ist die derselben entgegengesetzte Welt.--Nämlich in der
+Identität beider Welten, und indem die eine der Form nach bestimmt
+ist, als die wesentliche und die andere als dieselbe aber als
+gesetzte und unwesentliche, hat sich zwar die Grundbeziehung wieder
+hergestellt; aber zugleich als die Grundbeziehung der Erscheinung,
+nämlich als Beziehung nicht eines identischen Inhalts, noch auch
+eines bloß verschiedenen, wie das Gesetz ist, sondern als totale
+Beziehung, oder als negative Identität und wesentliche Beziehung des
+Inhalts als entgegengesetzten.--Das Reich der Gesetze ist nicht nur
+dieß, daß das Gesetztseyn eines Inhalts das Gesetztseyn eines Andern
+ist, sondern diese Identität ist wesentlich, wie sich ergeben hat,
+auch negative Einheit; jede der beiden Seiten des Gesetzes ist in der
+negativen Einheit an ihr selbst ihr anderer Inhalt; das Andere ist
+daher nicht unbestimmt ein Anderes überhaupt, sondern es ist ihr
+Anderes, oder es enthält gleichfalls die Inhaltsbestimmung von jener;
+so sind die beiden Seiten entgegengesetzte. Indem das Reich der
+Gesetze nun dieß negative Moment und den Gegensatz an ihm hat, und
+sich somit als die Totalität, von sich selbst in eine an und für sich
+seyende und eine erscheinende Welt abstößt, so ist die Identität
+beider die wesentliche Beziehung der Entgegensetzung.--Die
+Grundbeziehung als solche ist der in seinem Widerspruch zu Grunde
+gegangene Gegensatz; und die Existenz der mit sich selbst
+zusammengehende Grund. Aber die Existenz wird zur Erscheinung; der
+Grund ist in der Existenz aufgehoben; er stellt sich als Rückkehr der
+Erscheinung in sich, wieder her; aber zugleich als aufgehobener,
+nämlich als Grundbeziehung entgegengesetzter Bestimmungen; die
+Identität solcher aber ist wesentlich Werden und Übergehen, nicht
+mehr die Grundbeziehung als solche.
+
+Die an und für sich seyende Welt ist also selbst eine in sich in die
+Totalität des mannigfaltigen Inhalts unterschiedene Welt; sie ist
+identisch mit der erscheinenden oder gesetzten, insofern Grund
+derselben, aber ihr identischer Zusammenhang ist zugleich als
+Entgegensetzung bestimmt, weil die Form der erscheinenden Welt die
+Reflexion in ihr Andersseyn ist, sie also in der an und für sich
+seyenden Welt wahrhaft so in sich selbst zurückgegangen ist, als
+diese ihre entgegengesetzte ist. Die Beziehung ist also bestimmt
+diese, daß die an und für sich seyende Welt die verkehrte der
+erscheinenden ist.
+
+C. Auflösung der Erscheinung.
+
+Die an und für sich seyende Welt ist der bestimmte Grund der
+erscheinenden Welt, und ist dieß nur, insofern sie an ihr selbst das
+negative Moment und damit die Totalität der Inhaltsbestimmungen und
+ihrer Veränderungen ist, welche der erscheinenden Welt entspricht,
+aber zugleich ihre durchaus entgegengesetzte Seite ausmacht. Beide
+Welten verhalten sich also so zu einander, daß was in der
+erscheinenden Welt positiv, in der an und für sich seyenden Welt
+negativ, umgekehrt was in jener negativ, in dieser positiv ist. Der
+Nordpol in der erscheinenden Welt, ist an und für sich der Südpol,
+und umgekehrt; die positive Elektricität ist an sich negative u.s.f.
+Was im erscheinenden Daseyn böse, Unglück u.s.f. ist, ist an und für
+sich gut und ein Glück*).
+
+In der That ist gerade in diesem Gegensatz beider Welten ihr
+Unterschied verschwunden, und was an und für sich seyende Welt seyn
+sollte, ist selbst erscheinende Welt, und diese umgekehrt an ihr
+selbst wesentliche Welt.--Die erscheinende Welt ist zunächst bestimmt
+als die Reflexion in das Andersseyn, so daß ihre Bestimmungen und
+Existenzen in einem Andern ihren Grund und Bestehen haben; aber indem
+dieß Andre gleichfalls ein solches in ein anderes Reflektirtes ist,
+so beziehen sie sich darin nur auf ein sich aufhebendes Anderes,
+somit auf sich selbst; die erscheinende Welt ist hiermit an ihr
+selbst sich selbst gleiches Gesetz.--Umgekehrt die an und für sich
+seyende Welt ist zunächst der mit sich identische, dem Andersseyn und
+Wechsel entnommene Inhalt; aber dieser, als vollständige Reflexion
+der erscheinenden Welt in sich selbst, oder weil seine
+Verschiedenheit in sich reflektirter und absoluter Unterschied ist,
+so enthält er das negative Moment und die Beziehung auf sich als auf
+das Andersseyn; er wird dadurch sich selbst entgegengesetzter, sich
+verkehrender, wesenloser Inhalt. Ferner hat dieser Inhalt der an und
+für sich seyenden Welt damit auch die Form unmittelbarer Existenz
+erhalten. Denn sie ist zunächst Grund der erscheinenden; aber indem
+sie die Entgegensetznng an ihr selbst hat, ist sie ebenso sehr
+aufgehobener Grund und unmittelbare Existenz.
+
+Die erscheinende und die wesentliche Welt sind hiermit jede an ihr
+selbst die Totalität der mit sich identischen Reflexion und der
+Reflexion-in-Anderes, oder des An-und-für-sich-seyns und des
+Erscheinens. Sie sind beide die selbstständigen Ganzen der Existenz;
+die eine sollte nur die reflektirte Existenz, die andere die
+unmittelbare Existenz seyn; aber jede kontinuirt sich in ihrer andern
+und ist daher an ihr selbst die Identität dieser beiden Momente. Was
+also vorhanden ist, ist diese Totalität, welche sich von sich selbst
+in zwei Totalitäten abstößt, die eine die reflektirte Totalität, und
+die andere die unmittelbare. Beide sind erstlich Selbstständige,
+aber sie sind dieß nur als Totalitäten, und dieß sind sie insofern,
+daß jede wesentlich das Moment der andern an ihr hat. Die
+unterschiedene Selbstständigkeit einer jeden, der als unmittelbar und
+der als reflektirt bestimmten, ist daher nunmehr so gesetzt, nur als
+wesentliche Beziehung auf die andre zu seyn, und ihre
+Selbstständigkeit in dieser Einheit beider zu haben.
+
+Es wurde vom Gesetz der Erscheinung ausgegangen; dieses ist die
+Identität eines verschiedenen Inhalts mit einem andern Inhalte, so
+daß das Gesetztseyn des einen das Gesetztseyn des andern ist. Im
+Gesetze ist noch dieser Unterschied vorhanden, daß die Identität
+seiner Seiten nur erst eine innere ist, und diese Seiten sie noch
+nicht an ihnen selbst haben; damit ist eines Theils jene Identität
+nicht realisirt; der Inhalt des Gesetzes ist nicht als identischer,
+sondern ein gleichgültiger, verschiedener Inhalt; andern Theils ist
+er damit nur an sich so bestimmt, daß das Gesetztseyn des einen, das
+Gesetztseyn des andern ist; dieß ist noch nicht an ihm vorhanden.
+Nunmehr aber ist das Gesetz realisirt; seine innere Identität ist
+zugleich daseyende, und umgekehrt ist der Inhalt des Gesetzes in die
+Idealität erhoben; denn er ist an ihm selbst aufgehobener, in sich
+reflektirter, indem jede Seite an ihr ihre andere hat, und damit
+wahrhaft mit ihr und mit sich identisch ist.
+
+So ist das Gesetz wesentliches Verhältniß. Die Wahrheit der
+unwesentlichen Welt ist zunächst eine ihr andere an und für sich
+seyende Welt; aber diese ist die Totalität, indem sie, sie selbst und
+jene erste ist; so sind beide unmittelbare Existenzen und damit
+Reflexionen in ihr Andersseyn, als auch eben damit wahrhaft in sich
+reflektirte. Welt drückt überhaupt die formlose Totalität der
+Mannigfaltigkeit aus; diese Welt, sowohl als wesentliche wie als
+erscheinende ist zu Grunde gegangen, indem die Mannigfaltigkeit
+aufgehört hat, eine bloß verschiedene zu seyn; so ist sie noch
+Totalität oder Universum aber als wesentliches Verhältniß. Es sind
+zwei Totalitäten des Inhalts in der Erscheinung entstanden; zunächst
+sind sie als gleichgültige Selbstständige gegen einander bestimmt und
+haben zwar die Form jede an ihr selbst, aber nicht gegen einander;
+diese aber hat sich auch als ihre Beziehung gezeigt, und das
+wesentliche Verhältniß ist die Vollendung ihrer Formeinheit.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das wesentliche Verhältniß.
+
+
+Die Wahrheit der Erscheinung ist das wesentliche Verhältniß. Sein
+Inhalt hat unmittelbare Selbstständigkeit, und zwar die seyende
+Unmittelbarkeit, und die reflektirte Unmittelbarkeit oder die mit
+sich identische Reflexion. Zugleich ist er in dieser
+Selbstständigkeit ein relativer, schlechthin nur als Reflexion in
+sein Anderes, oder als Einheit der Beziehung mit seinem Andern. In
+dieser Einheit ist der selbstständige Inhalt ein Gesetztes,
+Aufgehobenes; aber eben diese Einheit macht seine Wesentlichkeit und
+Selbstständigkeit aus; diese Reflexion in Anderes ist Reflexion in
+sich selbst. Das Verhältniß hat Seiten, weil es Reflexion in Anderes
+ist; so hat es den Unterschied seiner selbst an ihm; und die Seiten
+desselben sind selbstständiges Bestehen, indem sie in ihrer
+gleichgültigen Verschiedenheit gegen einander, in sich selbst
+gebrochen sind, so daß das Bestehen einer jeden, ebenso sehr nur
+seine Bedeutung in der Beziehung auf die andere oder in ihrer
+negativen Einheit hat.
+
+Das wesentliche Verhältniß ist daher zwar noch nicht das wahrhafte
+Dritte zum Wesen und zur Existenz; aber enthält bereits die bestimmte
+Vereinigung beider. Das Wesen ist in ihm so realisirt, daß es
+selbstständig-existirende zu seinem Bestehen hat; und diese sind aus
+ihrer Gleichgültigkeit in ihre wesentliche Einheit zurückgegangen, so
+daß sie nur diese zu ihrem Bestehen haben. Die
+Reflexions-Bestimmungen des Positiven und Negativen sind gleichfalls
+in sich reflektirte nur als reflektirt in ihr Entgegengesetztes; aber
+sie haben keine andere Bestimmung als diese ihre negative Einheit;
+das wesentliche Verhältniß hingegen hat solche zu seinen Seiten,
+welche als selbstständige Totalitäten gesetzt sind. Es ist dieselbe
+Entgegensetzung als die des Positiven und Negativen; aber zugleich
+als eine verkehrte Welt. Die Seite des wesentlichen Verhältnisses
+ist eine Totalität, die aber als wesentlich ein Entgegengesetztes,
+ein Jenseits seiner hat; es ist nur Erscheinung; seine Existenz ist
+vielmehr nicht die seinige, sondern die seines Andern. Es ist daher
+ein in sich selbst Gebrochenes; aber dieß sein Aufgehobenseyn besteht
+darin, daß es die Einheit seiner selbst und seines Andern also Ganzes
+ist, und eben darum hat es selbstständige Existenz und ist
+wesentliche Reflexion in sich.
+
+Dieß ist der Begriff des Verhältnisses. Zunächst aber ist die
+Identität, die es enthält, noch nicht vollkommen; die Totalität,
+welche jedes relative an ihm selbst ist, ist erst ein Inneres; die
+Seite des Verhältnisses ist zunächst gesetzt in einer der
+Bestimmungen der negativen Einheit; die eigene Selbstständigkeit
+jeder der beiden Seiten ist dasjenige, was die Form des Verhältnisses
+ausmacht. Seine Identität ist daher nur eine Beziehung, außerhalb
+welcher ihre Selbstständigkeit fällt; nämlich in die Seiten; es ist
+noch nicht die reflektirte Einheit jener Identität und der
+selbstständigen Existenzen vorhanden, noch nicht die Substanz.--Der
+Begriff des Verhältnisses hat sich daher zwar ergeben, Einheit der
+reflektirten und der unmittelbaren Selbstständigkeit zu seyn. Aber
+zuerst ist dieser Begriff selbst noch unmittelbar, seine Momente
+daher unmittelbare gegen einander, und die Einheit deren wesentliche
+Beziehung, die erst dann die wahrhafte, dem Begriffe entsprechende
+Einheit ist, insofern sie sich realisirt, nämlich durch ihre Bewegung
+als jene Einheit gesetzt hat.
+
+Das wesentliche Verhältniß ist daher unmittelbar das Verhältniß des
+Ganzen und der Theile;--die Beziehung der reflektirten und der
+unmittelbaren Selbstständigkeit, so daß beide zugleich nur sind als
+sich gegenseitig bedingend und voraussetzend.
+
+In diesem Verhältnisse ist noch keine der Seiten als Moment der
+andern gesetzt, ihre Identität ist daher selbst eine Seite; oder sie
+ist nicht ihre negative Einheit. Es geht darum zweitens darein über,
+daß die eine Moment der andern und in ihr als in ihrem Grunde, dem
+wahrhaft Selbstständigen von beiden, ist;--Verhältniß der Kraft und
+ihrer Äußerung.
+
+Drittens hebt sich die noch vorhandene Ungleichheit dieser Beziehung
+auf, und das letzte Verhältniß ist das des Innern und Äußern.--In
+diesem ganz formell gewordenen Unterschiede geht das Verhältniß
+selbst zu Grunde, und die Substanz oder das Wirkliche tritt hervor,
+als die absolute Einheit der unmittelbaren und der reflektirten
+Existenz.
+
+A. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile.
+
+Das wesentliche Verhältniß enthält erstens die in sich reflektirte
+Selbstständigkeit der Existenz; so ist es die einfache Form, deren
+Bestimmungen zwar auch Existenzen, aber zugleich gesetzte, Momente in
+der Einheit gehalten, sind. Diese in sich reflektirte
+Selbstständigkeit ist zugleich Reflexion in ihr Entgegengesetztes,
+nämlich die unmittelbare Selbstständigkeit; und ihr Bestehen ist
+wesentlich ebenso sehr als es eigene Selbstständigkeit ist, diese
+Identität mit seinem Entgegengesetzten.--Eben damit ist auch
+unmittelbar zweitens die andre Seite gesetzt; die unmittelbare
+Selbstständigkeit, welche als das Andre bestimmt, eine vielfache
+Mannigfaltigkeit in sich ist, aber so daß diese Mannigfaltigkeit
+wesentlich auch die Beziehung der andern Seite, die Einheit der
+reflektirten Selbstständigkeit an ihr hat. Jene Seite, das Ganze,
+ist die Selbstständigkeit, welche die an und für sich seyende Welt
+ausmachte; die andere Seite, die Theile, ist die unmittelbare
+Existenz, welche die erscheinende Welt war. Im Verhältnisse des
+Ganzen und der Theile sind die beiden Seiten diese
+Selbstständigkeiten, aber so daß jede die andere in ihr scheinen hat,
+und nur ist zugleich als diese Identität beider. Weil nun das
+wesentliche Verhältniß nur erst das erste, unmittelbare ist, so ist
+die negative Einheit und die positive Selbstständigkeit durch das
+Auch verbunden; beide Seiten sind zwar als Momente gesetzt, aber
+ebenso sehr als existirende Selbstständigkeiten.--Daß beide als
+Momente gesetzt sind, dieß ist daher so vertheilt, daß erstens das
+Ganze, die reflektirte Selbstständigkeit, als Existirendes und in ihr
+die andere, die unmittelbare als Moment ist;--hier macht das Ganze
+die Einheit beider Seiten, die Grundlage aus, und die unmittelbare
+Existenz ist als Gesetztseyn.--Umgekehrt ist auf der andern Seite,
+nämlich der Seite der Theile, die unmittelbare, in sich mannigfaltige
+Existenz, die selbstständige Grundlage; die reflektirte Einheit
+dagegen, das Ganze ist nur äußerliche Beziehung.
+
+2. Dieß Verhältniß enthält somit die Selbstständigkeit der Seiten,
+und ebenso sehr ihr Aufgehobenseyn, und beides schlechthin in Einer
+Beziehung. Das Ganze ist das Selbstständige, die Theile sind nur
+Momente dieser Einheit; aber ebenso sehr sind sie auch das
+Selbstständige, und ihre reflektirte Einheit nur ein Moment; und
+jedes ist in seiner Selbstständigkeit schlechthin das Relative eines
+Andern. Dieß Verhältniß ist daher der unmittelbare Widerspruch an
+ihm selbst, und hebt sich auf.
+
+Dieß näher betrachtet, so ist das Ganze die reflektirte Einheit,
+welche selbstständiges Bestehen für sich hat; aber dieß ihr Bestehen
+ist ebenso sehr von ihr abgestoßen; das Ganze ist als die negative
+Einheit, negative Beziehung auf sich selbst; so ist sie sich
+entäußert; sie hat ihr Bestehen an ihrem Entgegengesetzten, der
+mannigfaltigen Unmittelbarkeit, den Theilen. Das Ganze besteht daher
+aus den Theilen; so daß es nicht etwas ist ohne sie. Es ist also das
+ganze Verhältniß und die selbstständige Totalität; aber gerade aus
+demselben Grunde ist es nur ein Relatives, denn was es zur Totalität
+macht, ist vielmehr sein Anderes, die Theile; und es hat nicht an
+sich selbst, sondern an seinem Andern sein Bestehen.
+
+So sind die Theile gleichfalls das ganze Verhältniß. Sie sind die
+unmittelbare Selbstständigkeit gegen die reflektirte, und bestehen
+nicht im Ganzen, sondern sind für sich. Sie haben ferner dieß Ganze
+als ihr Moment an ihnen; es macht ihre Beziehung aus; ohne Ganzes
+giebt es keine Theile. Aber weil sie das Selbstständige sind, so ist
+diese Beziehung nur ein äußerliches Moment, gegen welches sie an und
+für sich gleichgültig sind. Zugleich aber fallen die Theile als
+mannigfaltige Existenz in sich selbst zusammen, denn diese ist das
+reflexionslose Seyn; sie haben ihre Selbstständigkeit nur in der
+reflektirten Einheit, welche sowohl diese Einheit als auch die
+existirende Mannigfaltigkeit ist; das heißt, sie haben
+Selbstständigkeit nur im Ganzen, das aber zugleich die den Theilen
+andere Selbstständigkeit ist.
+
+Das Ganze und die Theile bedingen sich daher gegenseitig; aber das
+hier betrachtete Verhältniß, steht zugleich höher, als die Beziehung
+des Bedingten und der Bedingung auf einander, wie sie sich oben
+bestimmt hatte. Diese Beziehung ist hier realisirt; nämlich es ist
+gesetzt, daß die Bedingung so die wesentliche Selbstständigkeit des
+Bedingten ist, daß sie durch dieses vorausgesetzt wird. Die
+Bedingung als solche ist nur das Unmittelbare, und nur an sich
+vorausgesetzt. Das Ganze aber ist die Bedingung zwar der Theile,
+aber es enthält zugleich unmittelbar selbst, daß auch es nur ist,
+insofern es die Theile zur Voraussetzung hat. Indem so beide Seiten
+des Verhältnisses gesetzt sind als sich gegenseitig bedingend, ist
+jede eine unmittelbare Selbstständigkeit an ihr selbst, aber ihre
+Selbstständigkeit ist ebenso sehr vermittelt oder gesetzt durch die
+andere. Das ganze Verhältniß ist durch diese Gegenseitigkeit die
+Rückkehr des Bedingens in sich selbst, das nicht Relative, das
+Unbedingte.
+
+Indem nun die Seiten des Verhältnisses jede nicht in ihr selbst ihre
+Selbstständigkeit, sondern in ihrer andern hat, so ist nur Eine
+Identität beider vorhanden, in welcher beide nur Momente sind; aber
+indem jede an ihr selbst selbstständig ist, so sind sie zwei
+selbstständige Existenzen, die gegen einander gleichgültig sind.
+
+Nach der ersten Rüksicht, der wesentlichen Identität dieser Seiten,
+ist das Ganze den Theilen und die Theile dem Ganzen gleich. Es ist
+nichts im Ganzen, was nicht in den Theilen, und nichts in den Theilen,
+was nicht im Ganzen ist. Das Ganze ist nicht abstrakte Einheit,
+sondern die Einheit als einer verschiedenen Mannigfaltigkeit; diese
+Einheit aber als das, worin das Mannigfaltige sich auf einander
+bezieht, ist die Bestimmtheit desselben, wodurch es Theil ist. Das
+Verhältniß hat also eine untrennbare Identität, und mir Eine
+Selbstständigkeit.
+
+Aber ferner ist das Ganze den Theilen gleich; allein nicht denselben
+als Theilen; das Ganze ist die reflektirte Einheit, die Theile aber
+machen das bestimmte Moment oder das Andersseyn der Einheit aus, und
+sind das verschiedene Mannigfaltige. Das Ganze ist ihnen nicht
+gleich als diesem selbstständigen Verschiedenen, sondern als ihnen
+zusammen. Dieß ihr Zusammen aber ist nichts Anderes, als ihre
+Einheit, das Ganze als solches. Das Ganze ist also in den Theilen
+nur sich selbst gleich, und die Gleichheit desselben und der Theile
+drückt nur die Tautologie aus, daß das Ganze als Ganzes nicht den
+Theilen, sondern dem Ganzen gleich ist.
+
+Umgekehrt sind die Theile dem Ganzen gleich; aber weil sie das Moment
+des Andersseyns an ihnen selbst sind, so sind sie ihm nicht gleich
+als der Einheit, sondern so daß eine seiner mannigfaltigen
+Bestimmungen auf den Theil kommt, oder daß sie ihm als Mannigfaltigem
+gleich sind; das heißt, sie sind ihm als getheiltem Ganzen d. i. als
+den Theilen gleich. Es ist hiermit dieselbe Tautologie vorhanden,
+daß die Theile als Theile, nicht dem Ganzen als solchem, sondern in
+ihm sich selbst, den Theilen, gleich sind.
+
+Das Ganze und die Theile fallen auf diese Weise gleichgültig aus
+einander; jede dieser Seiten bezieht sich nur auf sich. Aber so aus
+einander gehalten zerstören sie sich selbst. Das Ganze, das
+gleichgültig ist gegen die Theile, ist die abstrakte, in sich nicht
+unterschiedene Identität; diese ist Ganzes nur als in sich selbst
+unterschieden, und zwar so in sich unterschieden, daß diese
+mannigfaltigen Bestimmungen in sich reflektirt sind und unmittelbare
+Selbstständigkeit haben. Und die Reflexionsidentität hat sich durch
+ihre Bewegung gezeigt, diese Reflexion in ihr Anderes zu ihrer
+Wahrheit zu haben.--Ebenso sind die Theile als gleichgültig gegen die
+Einheit des Ganzen, nur das unbezogene Mannigfaltige, das in sich
+Andere, welches als solches das Andere seiner selbst und sich nur
+Aufhebende ist.--Diese Beziehung-auf-sich jeder der beiden Seiten,
+ist ihre Selbstständigkeit; aber diese ihre Selbstständigkeit, die
+jede für sich hat, ist vielmehr die Negation ihrer selbst. Jede hat
+daher ihre Selbstständigkeit nicht an ihr selbst, sondern an der
+andern; diese andere, die das Bestehen ausmacht, ist ihr
+vorausgesetztes Unmittelbare, das Erstes und ihr Anfang seyn soll;
+aber dieses Erste einer jeder ist selbst nur ein solches, das nicht
+Erstes ist, sondern an dem andern seinen Anfang hat.
+
+Die Wahrheit des Verhältnisses besteht also in der Vermittelung; sein
+Wesen ist die negative Einheit, in welcher ebenso wohl die
+reflektirte als die seyende Unmittelbarkeit aufgehoben sind. Das
+Verhältniß ist der Widerspruch, der in seinen Grund zurückgeht, in
+die Einheit, welche als rückkehrend die reflektirte Einheit ist, aber
+indem diese ebenso sehr sich als aufgehobene gesetzt hat, bezieht sie
+sich negativ auf sich selbst, hebt sich auf, und macht sich zur
+seyenden Unmittelbarkeit. Aber diese ihre negative Beziehung,
+insofern sie ein Erstes und Unmittelbares ist, ist nur vermittelt
+durch ihr Anderes, und ebenso sehr ein Gesetztes. Dieß Andere, die
+seyende Unmittelbarkeit, ist ebenso sehr nur als aufgehobene; ihre
+Selbstständigkeit ist ein Erstes, aber nur um zu verschwinden, und
+hat ein Daseyn, das gesetzt und vermittelt ist.
+
+In dieser Bestimmung ist das Verhältniß nicht mehr das des Ganzen und
+der Theile; die Unmittelbarkeit, welche seine Seiten hatten, ist in
+Gesetztseyn und Vermittelung übergegangen; es ist jede gesetzt,
+insofern sie unmittelbar ist, als sich aufhebend, und in die andere
+übergehend; und insofern sie selbst negative Beziehung ist, zugleich
+durch die andere als durch ihr Positives bedingt zu seyn; wie auch
+ihr unmittelbares Übergehen ebenso sehr ein Vermitteltes ist, ein
+Aufheben nämlich, das durch die andere gesetzt wird.--So ist das
+Verhältniß des Ganzen und der Theile in das Verhältniß der Kraft und
+ihrer Äußerung übergegangen.
+
+Anmerkung.
+
+Es ist oben (1ster Th. 1ste Abth. S. 216) die Antinomie der
+unendlichen Theilbarkeit der Materie, beim Begriffe der Quantität
+betrachtet worden. Die Quantität ist die Einheit der Kontinuität und
+der Diskretion; sie enthält im selbstständigen Eins sein
+Zusammengeflossenseyn mit andern, und in dieser sich ohne
+Unterbrechung fortsetzenden Identität mit sich ebenso die Negation
+derselben. Indem die unmittelbare Beziehung dieser Momente der
+Quantität, als das wesentliche Verhältniß des Ganzen und der Theile,
+das Eins der Quantität als Theil, die Kontinuität desselben aber als
+Ganzes, das zusammengesetzt ist aus Theilen, ausgedrückt wird, so
+besteht die Antinomie in dem Widerspruche, der am Verhältnisse des
+Ganzen und der Theile, vorgekommen und aufgelöst worden ist.--Ganzes
+und Theile sind nämlich ebenso wesentlich auf einander bezogen und
+machen nur Eine Identität aus, als sie gleichgültig gegen einander
+sind und selbstständiges Bestehen haben. Das Verhältniß ist daher
+diese Antinomie, daß das Eine Moment, darin, daß es sich vom andern
+befreit, unmittelbar das andere herbeiführt.
+
+Das Existirende also als Ganzes bestimmt, so hat es Theile, und die
+Theile machen sein Bestehen aus; die Einheit des Ganzen ist nur eine
+gesetzte Beziehung, eine äußere Zusammensetzung, welche das
+selbstständig Existirende nichts angeht. Insofern dieses nun Theil
+ist, so ist es nicht Ganzes, nicht Zusammengesetztes, somit Einfaches.
+Aber indem ihm die Beziehung auf ein Ganzes äußerlich ist, so geht
+sie dasselbe nichts an; das Selbstständige ist somit auch nicht an
+sich Theil; denn Theil ist es nur durch jene Beziehung. Aber indem
+es nun nicht Theil ist, so ist es Ganzes, denn es ist nur dieß
+Verhältniß von Ganzem und von Theilen vorhanden; und das
+Selbstständige ist eins von beiden. Indem es aber Ganzes ist, so ist
+es wieder zusammengesetzt; es besteht wieder aus Theilen und so fort
+ins Unendliche.--Diese Unendlichkeit besteht in nichts anderem als in
+der perennirenden Abwechslung der beiden Bestimmungen des
+Verhältnisses, in deren jeder die andere unmittelbar entsteht, so daß
+das Gesetztseyn jeder das Verschwinden ihrer selbst ist. Die Materie
+als Ganzes bestimmt, so besteht sie aus Theilen und an diesen wird
+das Ganze zur unwesentlichen Beziehung und verschwindet. Der Theil
+aber so für sich, ist er auch nicht Theil, sondern das Ganze.--Die
+Antinomie dieses Schlusses ganz nahe zusammengerückt, ist eigentlich
+diese: Weil das Ganze nicht das Selbstständige ist, ist der Theil das
+Selbstständige; aber weil er nur ohne das Ganze selbstständig ist, so
+ist er selbstständig, nicht als Theil, sondern vielmehr als Ganzes.
+Die Unendlichkeit des Progresses, der entsteht, ist die Unfähigkeit,
+die beiden Gedanken zusammen zu bringen, welche diese Vermittelung
+enthält, daß nämlich jede der beiden Bestimmungen durch ihre
+Selbstständigkeit und Trennung von der andern, in Unselbstständigkeit
+und in die andre übergeht.
+
+B. Das Verhältniß der Kraft und ihrer Äußerung.
+
+Die Kraft ist die negative Einheit, in welche sich der Widerspruch
+des Ganzen und der Theile aufgelöst hat, die Wahrheit jenes ersten
+Verhältnisses. Das Ganze und die Theile ist das gedankenlose
+Verhältniß, auf welches die Vorstellung zunächst verfällt; oder
+objektiv ist es das todte, mechanische Aggregat, das zwar
+Formbestimmungen hat, wodurch die Mannigfaltigkeit seiner
+selbstständigen Materie in einer Einheit bezogen wird, welche aber
+derselben äußerlich ist.--Das Verhältniß der Kraft aber ist die
+höhere Rückkehr in sich, worin die Einheit des Ganzen, welche die
+Beziehung des selbstständigen Andersseyns ausmachte, aufhört, dieser
+Mannigfaltigkeit ein Äußerliches und Gleichgültiges zu seyn.
+
+Wie sich das wesentliche Verhältniß nunmehr bestimmt hat, sind die
+unmittelbare und die reflektirte Selbstständigkeit in derselben als
+aufgehobene oder als Momente gesetzt, die im vorhergehenden
+Verhältnisse für sich bestehende Seiten oder Extreme waren. Es ist
+darin enthalten erstens, daß die reflektirte Einheit, und ihr
+unmittelbares Daseyn, insofern beide erste und unmittelbare sind,
+sich an sich selbst aufheben und in ihr Anderes übergehen; jene, die
+Kraft, geht in ihre Äußerung, über, und das Äußerliche ist ein
+Verschwindendes, das in die Kraft, als in ihren Grund zurückgeht, und
+nur ist, als von derselben getragen und gesetzt. Zweitens ist dieß
+Übergehen nicht nur ein Werden und Verschwinden, sondern es ist
+negative Beziehung auf sich, oder das seine Bestimmung Ändernde ist
+darin zugleich in sich reflektirt und erhält sich; die Bewegung der
+Kraft ist nicht so sehr ein Übergehen, als daß sie sich selbst über
+setzt, und in dieser durch sie selbst gesetzten Veränderung bleibt,
+was sie ist.--Drittens ist diese reflektirte, sich auf sich
+beziehende Einheit selbst auch aufgehoben und Moment; sie ist
+vermittelt durch ihr Anderes, und hat dasselbe zur Bedingung; ihre
+negative Beziehung auf sich, die Erstes ist und die Bewegung ihres
+Übergehens aus sich anfängt, hat ebenso sehr eine Voraussetzung, von
+der sie sollicitirt wird, und ein Anderes, von dem sie anfängt.
+
+a. Das Bedingtseyn der Kraft.
+
+In ihren näheren Bestimmungen betrachtet, hat erstens die Kraft das
+Moment der seyenden Unmittelbarkeit an ihr; sie selbst ist dagegen
+bestimmt als die negative Einheit. Aber diese in der Bestimmung des
+unmittelbaren Seyns ist ein existirendes Etwas. Dieß Etwas erscheint,
+weil es die negative Einheit als Unmittelbares ist, als das Erste,
+die Kraft dagegen, weil sie das reflektirte ist, als das Gesetztseyn,
+und insofern als angehörig dem existirenden Dinge oder einer Materie.
+Nicht daß sie die Form dieses Dings und das Ding durch sie bestimmt
+wäre; sondern das Ding ist als Unmittelbares gleichgültig gegen sie.
+--Es liegt in ihm nach dieser Bestimmung kein Grund, eine Kraft zu
+haben; die Kraft hingegen als die Seite des Gesetztseyns hat
+wesentlich das Ding zu seiner Voraussetzung. Wenn daher gefragt wird,
+wie das Ding oder die Materie dazu komme, eine Kraft zu haben, so
+erscheint diese als äußerlich damit verbunden und dem Dinge durch
+eine fremde Gewalt eingedrückt.
+
+Als dieß unmittelbare Bestehen ist die Kraft eine ruhige Bestimmtheit
+des Dings überhaupt; nicht ein sich Äußerndes, sondern unmittelbar
+ein äußerliches. So wird die Kraft auch als Materie bezeichnet, und
+statt magnetischer, elektrischer u.s.f. Kraft, eine magnetische,
+elektrische u.s.f. Materie angenommen; oder statt der berühmten
+anziehenden Kraft ein feiner Äther, der alles zusammenhalte.--Es sind
+die Materien, in welche sich die unthätige, kraftlose negative
+Einheit des Dings auflöst, und die oben betrachtet wurden.
+
+Aber die Kraft enthält die unmittelbare Existenz, als Moment, als ein
+solches das zwar Bedingung ist, aber übergeht und sich aufhebt; also
+nicht als ein existirendes Ding. Sie ist ferner nicht die Negation
+als Bestimmtheit, sondern negative, sich in sich reflektirende
+Einheit. Das Ding, an dem die Kraft seyn sollte, hat somit hier
+keine Bedeutung mehr; sie selbst ist vielmehr Setzen der
+Äußerlichkeit, welche als Existenz erscheint. Sie ist also auch
+nicht bloß eine bestimmte Materie; solche Selbstständigkeit ist
+längst in das Gesetztseyn und in die Erscheinung übergegangen.
+
+Zweitens, die Kraft ist die Einheit des reflektirten und des
+unmittelbaren Bestehens, oder der Formeinheit und der äußerlichen
+Selbstständigkeit. Sie ist beides in Einem; sie ist die Berührung
+solcher, deren das Eine ist, insofern das Andere nicht ist; die mit
+sich identische positive, und die negirte Reflexion. Die Kraft ist
+so der sich von sich selbst abstoßende Widerspruch; sie ist thätig;
+oder sie ist die sich auf sich beziehende negative Einheit, in
+welcher die reflektirte Unmittelbarkeit oder das wesentliche
+Insichseyn gesetzt ist, nur als Aufgehobenes oder Moment zu seyn,
+somit insofern sie sich von der unmittelbaren Existenz unterscheidet,
+in diese überzugehen. Die Kraft also als die Bestimmung der
+reflektirten Einheit des Ganzen ist gesetzt, als zur existirenden
+äußerlichen Mannigfaltigkeit aus sich selbst zu werden.
+
+Aber drittens ist die Kraft nur erst ansichseyende und unmittelbare
+Thätigkeit; sie ist die reflektirte Einheit, und ebenso wesentlich
+die Negation derselben; indem sie von dieser verschieden, aber nur
+als die Identität ihrer selbst und ihrer Negation ist, so ist sie auf
+diese, als eine ihr äußerliche Unmittelbarkeit wesentlich bezogen und
+hat dieselbe zur Voraussetzung und Bedingung.
+
+Diese Voraussetzung nun ist nicht ein ihr gegenüber sich befindliches
+Ding; diese gleichgültige Selbstständigkeit ist in der Kraft
+aufgehoben; als ihre Bedingung ist es ein ihr anderes Selbstständiges.
+Weil es aber nicht Ding ist, sondern die selbstständige
+Unmittelbarkeit hier sich zugleich als sich auf sich selbst
+beziehende negative Einheit bestimmt hat, so ist es selbst Kraft.
+--Die Thätigkeit der Kraft ist durch sich selbst als durch das sich
+Andere, durch eine Kraft bedingt.
+
+Die Kraft ist auf diese Weise Verhältniß, in welchem jede Seite
+dasselbe ist als die andere. Es sind Kräfte, die im Verhältnisse
+stehen, und zwar wesentlich sich auf einander beziehen.--Sie sind
+ferner zunächst nur verschiedene überhaupt; die Einheit ihres
+Verhältnisses ist nur erst die innre an sich seyende Einheit. Das
+Bedingtseyn durch eine andere Kraft ist so an sich das Thun der Kraft
+selbst; oder sie ist insofern erst voraus setzendes, sich nur negativ
+auf sich beziehendes Thun; diese andere Kraft liegt noch jenseits
+ihrer setzenden Thätigkeit, nämlich der in ihrem Bestimmen
+unmittelbar in sich zurückkehrenden Reflexion.
+
+b. Die Sollicitation der Kraft.
+
+Die Kraft ist bedingt, weil das Moment der unmittdbaren Existenz, das
+sie enthält, nur als ein Gesetztes,--aber weil es zugleich
+Unmittelbares ist, ein Vorausgesetztes ist, in welchem die Kraft sich
+selbst negirt. Die für die Kraft vorhandene Äußerlichkeit ist daher
+ihre eigene voraussetzende Thätigkeit selbst, welche zunächst als
+eine andere Kraft gesetzt ist.
+
+Dieses Voraussetzen ist ferner gegenseitig. Jede der beiden Kräfte
+enthält die in sich reflektirte Einheit als aufgehoben, und ist daher
+voraussetzend; sie setzt sich selbst als äußerlich; dieß Moment der
+Äußerlichkeit ist ihr eigenes; aber weil sie ebenso sehr in sich
+reflektirte Einheit ist, setzt sie zugleich diese ihre Äußerlichkeit
+nicht in ihr selbst, sondern als eine andre Kraft.
+
+Aber das Äußerliche als solches ist das sich selbst aufhebende;
+ferner die sich in sich reflektirende Thätigkeit ist wesentlich
+bezogen auf jenes Äußerliche als auf das ihr Andre, aber ebenso sehr
+als auf ein an sich Nichtiges und mit ihr Identisches. Da die
+voraussetzende Thätigkeit ebenso sehr Reflexion in sich ist, ist sie
+das Aufheben jener ihrer Negation, und setzt dieselbe als sich selbst
+oder als ihr Äußerliches. So ist die Kraft als bedingend,
+gegenseitig ein Anstoß für die andre Kraft, gegen den sie thätig ist.
+Ihr Verhalten ist nicht die Passivität des Bestimmtwerdens, so daß
+dadurch etwas Anderes in sie käme; sondern der Anstoß sollicitirt sie
+nur. Sie ist an ihr selbst die Negativität ihrer, das Abstoßen ihrer
+von sich ist ihr eigenes Setzen. Ihr Thun besteht also darin, dieß
+aufzuheben, daß jener Anstoß ein Äußerliches sey; sie macht es zu
+einem bloßen Anstoß und setzt es als das eigne Abstoßen ihrer selbst
+von sich, als ihre eigene Äußerung.
+
+Die sich äußernde Kraft ist also dasselbe, was zuerst nur die
+voraussetzende Thätigkeit war; nämlich sich äußerlich machend; aber
+die Kraft als sich äußernd ist zugleich die Äußerlichkeit negirende
+und sie als das ihrige setzende Thätigkeit. Insofern nun in dieser
+Betrachtung von der Kraft angefangen wird, als sie die negative
+Einheit ihrer selbst und damit voraussetzende Reflexion ist, so ist
+es dasselbe, als wenn in der Äußerung der Kraft vom sollicitirenden
+Anstosse angefangen wird. Die Kraft ist so in ihrem Begriffe zuerst
+bestimmt als sich aufhebende Identität, und in ihrer Realität, die
+eine der beiden Kräfte als sollicitirend und die andere als
+sollicitirt werdend. Aber der Begriff der Kraft ist überhaupt die
+Identität der setzenden und voraussetzenden Reflexion oder der
+reflektirten und der unmittelbaren Einheit, und jede dieser
+Bestimmungen schlechthin nur Moment, in Einheit, und somit als
+vermittelt durch die andere. Aber ebenso ist keine Bestimmung an den
+beiden in Wechselbeziehung stehenden Kräften vorhanden, welche die
+sollicitirende oder die sollicitirt werdende sey, oder vielmehr jeder
+kommen auf gleiche Weise beide Formbestimmungen zu. Aber diese
+Identität ist nicht nur eine äußerliche der Vergleichung, sondern
+eine wesentliche Einheit derselben.
+
+Die eine Kraft nämlich ist zunächst bestimmt als sollicitirende, und
+die andere als sollicitirt-werdende; diese Formbestimmungen
+erscheinen auf diese Weise als unmittelbare, an sich vorhandene
+Unterschiede der beiden Kräfte. Aber sie sind wesentlich vermittelt.
+Die eine Kraft wird sollicitirt; dieser Anstoß ist eine in sie von
+außen gesetzte Bestimmung. Aber die Kraft ist selbst das
+Voraussetzende; sie ist wesentlich sich in sich reflektirend und es
+aufhebend, daß der Anstoß ein Äußerliches sey. Daß sie sollicitirt
+wird, ist daher ihr eigenes Thun, oder es ist durch sie selbst
+bestimmt, daß die andere Kraft eine andere überhaupt und die
+sollicitirende ist. Die sollicitirende bezieht sich auf ihre andere
+negativ, so daß sie die Äußerlichkeit derselben aufhebt, sie ist
+insofern setzend; aber sie ist dieß nur durch die Voraussetzung, sich
+eine andere gegenüber zu haben; das ist, sie ist sollicitirend selbst
+nur, insofern sie eine Äußerlichkeit an ihr hat, somit insofern sie
+sollicitirt wird. Oder sie ist sollicitirend nur insofern als sie
+dazu sollicitirt wird, sollicitirend zu seyn. Somit wird umgekehrt
+die erste sollicitirt, nur insofern als sie selbst die andere dazu
+sollicitirt, sie, nämlich die erstere zu sollicitiren. Jede von
+beiden erhält also den Anstoß von der anderen; aber der Aiistoß, den
+sie als thätige gibt, besteht darin, daß sie von der anderen einen
+Anstoß erhalte; der Anstoß, den sie erhält, ist von ihr selbst
+sollicitirt. Beides, der gegebene und der empfangene Anstoß, oder
+die thätige Äußerung und die passive Äußerlichkeit ist daher nicht
+ein Unmittelbares, sondern vermittelt, und zwar ist jede der beiden
+Kräfte hiermit selbst die Bestimmtheit, welche die andere gegen sie
+hat, ist vermittelt durch die andere, und dieß vermittelnde Andere
+ist wieder ihr eigenes bestimmendes Setzen.
+
+So ist also dieß, daß auf die Kraft ein Anstoß durch eine andere
+Kraft geschieht, daß sie sich insofern passiv verhält, aber hinwieder
+von dieser Passivität in die Aktivität übergeht,--der Rükgang der
+Kraft in sie selbst. Sie äussert sich. Die Äußerung ist Reaktion in
+dem Sinne, daß sie die Äußerlichkeit als ihr eigenes Moment setzt,
+und somit es aufhebt, daß sie durch eine andere Kraft sollicitirt
+worden sey. Beides ist daher eines, die Äußerung der Kraft, wodurch
+sie sich durch ihre negative Thätigkeit auf sich selbst ein
+Daseyn-für-Anderes giebt, und die unendliche Rückkehr in dieser
+Äußerlichkeit auf sich selbst, so daß sie darin sich nur auf sich
+bezieht. Die voraussetzende Reflexion, welcher das Bedingtseyn und
+der Anstoß angehört, ist daher unmittelbar auch die in sich
+zurückkehrende Reflexion, und die Thätigkeit ist wesentlich
+reagirende, gegen sich. Das Setzen des Anstoßes oder Äußerlichen ist
+selbst das Aufheben desselben, und umgekehrt ist das Aufheben des
+Anstoßes das Setzen der Äußerlichkeit.
+
+c. Die Unendlichkeit der Kraft.
+
+Die Kraft ist endlich, insofern ihre Momente noch die Form der
+Unmittelbarkeit haben; ihre voraussetzende und ihre sich auf sich
+beziehende Reflexion sind in dieser Bestimmung unterschieden; jene
+erscheint als eine für sich bestehende äußerliche Kraft, und die
+andere in der Beziehung auf sie als passiv. Die Kraft ist so der
+Form nach bedingt, und dem Inhalte nach gleichfalls beschränkt; denn
+eine Bestimmtheit der Form nach enthält auch eine Beschränkung des
+Inhalts. Aber die Thätigkeit der Kraft besteht darin sich zu äußern;
+das heißt, wie sich ergeben hat, die Äußerlichkeit aufzuheben und sie
+als das zu bestimmen, worin sie identisch mit sich ist. Was also die
+Kraft in Wahrheit äußert, ist dieß, daß ihre Beziehung auf Anderes
+ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß ihre Passivität in ihrer
+Aktivität selbst besteht. Der Anstoß, wodurch sie zur Thätigkeit
+sollicitirt wird, ist ihr eigenes Sollicitiren; die Äußerlichkeit,
+welche an sie kommt, ist kein Unmittelbares, sondern ein durch sie
+Vermitteltes; so wie ihre eigene wesentliche Identität mit sich,
+nicht unmittelbar, sondern durch ihre Negation vermittelt ist; oder
+die Kraft äußert dieß, daß ihre Äußerlichkeit identisch ist mit ihrer
+Innerlichkeit.
+
+C. Verhältniß des Äußern und Innern.
+
+1. Das Verhältniß des Ganzen und der Theile ist das unmittelbare; die
+reflektirte und die seyende Unmittelbarkeit haben daher in ihm jede
+eine eigene Selbstständigkeit; aber indem sie im wesentlichen
+Verhältnisse stehen, so ist ihre Selbstständigkeit nur ihre negative
+Einheit. Dieß ist nun in der Äußerung der Kraft gesetzt; die
+reflektirte Einheit ist wesentlich das Anderswerden, als Übersetzen
+ihrer selbst in die Äußerlichkeit; aber diese ist ebenso unmittelbar
+in jene zurückgenommen; der Unterschied der selbstständigen Kräfte
+hebt sich auf; die Äußerung der Kraft ist nur eine Vermittelung der
+reflektirten Einheit mit sich selbst. Es ist nur ein leerer
+durchsichtiger Unterschied, der Schein, vorhanden, aber dieser Schein
+ist die Vermittelung, welche das selbstständige Bestehen selbst ist.
+Es sind nicht nur entgegengesetzte Bestimmungen, die sich an ihnen
+selbst aufheben, und ihre Bewegung nicht nur ein Übergehen, sondern
+Theils ist die Unmittelbarkeit, von der angefangen und ins Andersseyn
+übergegangen wurde, selbst nur als gesetzte, Theils ist dadurch jede
+der Bestimmungen in ihrer Unmittelbarkeit schon die Einheit mit ihrer
+andern und das Übergehen dadurch schlechthin ebenso sehr die sich
+setzende Rückkehr in sich.
+
+Das Innere ist als die Form der reflektirten Unmittelbarkeit oder des
+Wesens, gegen das Äußere als die Form des Seyns bestimmt, aber beide
+sind nur Eine Identität.--Diese Identität ist erstens die gediegene
+Einheit beider als inhaltsvolle Grundlage, oder die absolute Sache,
+an der die beiden Bestimmungen gleichgültige, äußerliche Momente sind.
+Insofern ist sie Inhalt und die Totalität, welche das Innere ist,
+das ebenso sehr äußerlich wird, aber darin nicht ein Gewordenes oder
+Übergegangenes, sondern sich selbst gleich ist. Das Äußere ist nach
+dieser Bestimmung dem Innern, dem Inhalte nach nicht nur gleich,
+sondern beide sind nur Eine Sache.--Aber diese Sache als einfache
+Identität mit sich ist verschieden von ihren Formbestimmungen, oder
+diese sind ihr äußerlich; sie ist insofern selbst ein Inneres, das
+von ihrer Äußerlichkeit verschieden ist. Diese Äußerlichkeit aber
+besteht darin, daß die beiden Bestimmungen selbst, nämlich das Innere
+und Äußere, sie ausmachen. Aber die Sache ist selbst nichts Anderes,
+als die Einheit beider. Somit sind beide Seiten dem Inhalte nach
+wieder dasselbe. Aber in der Sache sind sie als sich durchdringende
+Identität, als inhaltsvolle Grundlage. Aber in der Äußerlichkeit,
+als Formen der Sache, sind sie gegen jene Identität und somit beide
+gegen einander gleichgültig.
+
+2. Sie sind auf diese Weise die verschiedenen Formbestimmungen,
+welche nicht an ihnen selbst, sondern an einem Andern eine identische
+Grundlage haben; Reflexions-Bestimmungen, die für sich sind; das
+Innere als die Form der Reflexion-in-sich, der Wesentlichkeit; das
+Äußere aber als die Form der in Anderes reflektirten Unmittelbarkeit,
+oder der Unwesentlichkeit. Allein die Natur des Verhältnisses hat
+gezeigt, daß diese Bestimmungen schlechthin nur eine Identität
+ausmachen. Die Kraft ist in ihrer Äußerung dieß, daß das
+voraussetzende und das in sich zurückkehrende Bestimmen eines und
+dasselbe ist. Insofern daher Inneres und Äußeres als
+Formbestimmungen betrachtet worden, so sind sie erstlich nur die
+einfache Form selbst, und zweitens weil sie darin zugleich als
+entgegengesetzte bestimmt sind, so ist ihre Einheit die reine
+abstrakte Vermittelung, in welcher die eine unmittelbar die andere,
+und darum die andere ist, weil sie die eine ist. So ist das Innere
+unmittelbar nur das Äußere, und es ist darum die Bestimmtheit der
+Äußerlichkeit, weil es das Innere ist; umgekehrt das Äußere ist nur
+ein Inneres, weil es nur ein Äußeres ist.--Indem nämlich diese
+Formeinheit ihre beiden Bestimmungen als entgegengesetzte enthält,
+ist ihre Identität nur dieß Übergehen; und darin nur die andere von
+beiden, nicht ihre inhaltsvolle Identität. Oder dieß Festhalten der
+Form ist überhaupt die Seite der Bestimmtheit. Was nach derselben
+gesetzt ist, ist nicht die reale Totalität des Ganzen, sondern die
+Totalität oder die Sache selbst nur in der Bestimmtheit der Form;
+weil diese die schlechthin zusammengebundene Einheit beider
+entgegengesetzter Bestimmungen ist, so ist, indem die eine zuerst
+genommen wird, und es ist gleichgültig, welche es sey, von der
+Grundlage oder Sache zu sagen, daß sie darum ebenso wesentlich in der
+andern Bestimmtheit, aber gleichfalls nur in der andern ist; so wie
+zuerst gesagt wurde, daß sie nur in der erstern ist.-So ist Etwas,
+das nur erst ein Inneres ist, eben darum nur ein Äußeres. Oder
+umgekehrt, etwas das nur ein Äußeres ist, ist eben darum nur ein
+Inneres. Oder indem das Innere als Wesen, das Äußere aber als Seyn
+bestimmt ist, so ist eine Sache, insofern sie nur in ihrem Wesen ist,
+eben darum nur ein unmittelbares Seyn; oder eine Sache, welche nur
+ist, ist eben darum nur erst noch in ihrem Wesen.--Das Äußere und
+Innere sind die Bestimmtheit so gesetzt, daß jede dieser beiden
+Bestimmungen, nicht nur die andere voraussetzt und in sie als in ihre
+Wahrheit übergeht, sondern daß sie, insofern sie diese Wahrheit der
+andern ist, als Bestimmtheit gesetzt bleibt, und auf die Totalität
+beider hinweist.--Das Innere ist somit die Vollendung des Wesens der
+Form nach. Das Wesen, indem es nämlich als Inneres bestimmt ist,
+enthält es, daß es mangelhaft und nur ist, als Beziehung auf sein
+Anderes, das Äußere; aber dieses ist ebenso nicht nur Seyn oder auch
+Existenz, sondern als auf das Wesen oder das Innere sich beziehend.
+Aber es ist nicht nur die Beziehung beider auf einander, sondern die
+bestimmte der absoluten Form, daß jedes unmittelbar sein Gegentheil
+ist, und ihre gemeinschaftliche Beziehung auf ihr Drittes oder
+vielmehr auf ihre Einheit vorhanden. Ihre Vermittelung entbehrt aber
+noch dieser sie beide enthaltenden identischen Grundlage; ihre
+Beziehung ist deswegen die unmittelbare Umkehrung des Einen in das
+Andere; und diese negative Einheit, die sie zusammenknüpft, ist der
+einfache, inhaltslose Punkt.
+
+Anmerkung.
+
+Die Bewegung des Wesens ist überhaupt das Werden zum Begriffe. In
+dem Verhältnisse des Innern und Äußern tritt das wesentliche Moment
+desselben hervor, daß nämlich seine Bestimmungen gesetzt sind, so in
+der negativen Einheit zu seyn, daß jede unmittelbar nicht nur als
+ihre andere, sondern auch als die Totalität des Ganzen ist. Aber
+diese Totalität ist im Begriffe als solchem das Allgemeine;--eine
+Grundlage, die im Verhältniß des Innern und Äußern noch nicht
+vorhanden ist.--In der negativen Identität des Innern und Äußern,
+welche die unmittelbare Umkehrung der einen dieser Bestimmungen in
+die andere ist, fehlt auch diejenige Grundlage, welche vorhin die
+Sache genannt wurde.-Die unvermittelte Identität der Form, wie sie
+hier noch ohne die inhaltsvolle Bewegung der Sache selbst gesetzt ist,
+ist sehr wichtig bemerkt zu werden. Sie kommt in der Sache vor, wie
+diese in ihrem Anfange ist. So ist das reine Seyn unmittelbar das
+Nichts. Überhaupt ist alles Reale in seinem Anfange eine solche
+nur unmittelbare Identität; denn in seinem Anfange hat es die Momente
+noch nicht entgegengesetzt und entwickelt, einer Seits aus der
+Äußerlichkeit sich noch nicht erinnert, anderer Seits sich aus der
+Innerlichkeit durch seine Thätigkeit noch nicht entäußert und
+hervorgebracht; es ist daher nur das Innere als Bestimmtheit gegen
+das Äußere, und nur das Äußere als Bestimmtheit gegen das Innere.
+Somit ist es Theils nur ein unmittelbares Seyn; Theils insofern es
+ebenso sehr die Negativität ist, welche die Thätigkeit der
+Entwicklung werden soll, ist es als solches wesentlich erst nur ein
+Inneres.--In aller natürlichen, wissenschaftlichen und geistigen
+Entwicklung überhaupt, bietet sich dieß dar, und es ist wesentlich
+dieß zu erkennen, daß das Erste, indem Etwas nur erst innerlich oder
+auch in seinem Begriffe ist, eben darum nur sein unmittelbares,
+passives Daseyn ist. So--um gleich das nächste Beispiel zu nehmen,
+--ist das hier betrachtete wesentliche Verhältniß, eh es sich durch
+die Vermittelung, das Verhältniß der Kraft, hindurch bewegt und
+realisirt hat, nur das Verhältniß an sich, sein Begriff, oder erst
+innerlich. Deswegen aber ist es nur das äußerliche, unmittelbare
+Verhältniß; das Verhältniß des Ganzen und der Theile, in welchem die
+Seiten ein gleichgültiges Bestehen gegen einander haben. Ihre
+Identität ist an ihnen selbst noch nicht; sie ist erst innerlich, und
+deswegen fallen sie auseinander, haben ein unmittelbares, äußerliches
+Bestehen.--So ist die Sphäre des Seyns überhaupt nur erst das
+schlechthin noch Innere, und deswegen ist sie die Sphäre der seyenden
+Unmittelbarkeit oder der Äußerlichkeit.--Das Wesen ist nur erst das
+Innere; darum wird es auch für eine ganz äußerliche, systemlose
+Gemeinschaftlichkeit genommen; man sagt, das Schulwesen,
+Zeitungswesen, und versteht darunter ein Gemeinschaftliches, das
+durch äußeres Zusammennehmen von existirenden Gegenständen, insofern
+sie ohne alle wesentliche Verbindung, ohne Organisation, gemacht ist.
+--Oder an konkreten Gegenständen, so ist der Keim der Pflanze, das
+Kind, nur erst innere Pflanze, innerlicher Mensch. Aber darum ist
+die Pflanze oder der Mensch als Keim ein Unmittelbares, ein Äußeres,
+das sich noch nicht die negative Beziehung auf sich selbst gegeben
+hat, ein Passives, dem Andersseyn Preisgegebenes.--So ist auch Gott
+in seinem unmittelbaren Begriffe nicht Geist; der Geist ist nicht das
+Unmittelbare, der Vermittelung entgegengesetzte, sondern vielmehr das
+seine Unmittelbarkeit ewig setzende und ewig aus ihr in sich
+zurückkehrende Wesen. Unmittelbar ist daher Gott nur die Natur.
+Oder die Natur ist nur der innere, nicht als Geist wirkliche und
+damit nicht der wahrhafte Gott.--Oder Gott ist im Denken, als erstem
+Denken, nur das reine Seyn, oder auch das Wesen, das abstrakte
+Absolute; nicht aber Gott als absoluter Geist, als welcher allein die
+wahrhafte Natur Gottes ist.
+
+3. Die erste der betrachteten Identitäten des Innern und Äußern ist
+die gegen den Unterschied dieser Bestimmungen als gegen eine ihr
+äußere Form gleichgültige Grundlage, oder sie als Inhalt. Die zweite
+ist die unvermittelte Identität ihres Unterschiedes, die unmittelbare
+Umkehrung jeder in ihre entgegengesetzte;--oder sie als reine Form.
+Aber diese beiden Identitäten sind nur die Seiten Einer Totalität;
+oder sie selbst ist nur die Umkehrung der einen in die andre. Die
+Totalität als Grundlage und Inhalt ist diese in sich reflektirte
+Unmittelbarkeit nur durch die voraussetzende Reflexion der Form, die
+ihren Unterschied aufhebt, und sich als gleichgültige Identität, als
+reflektirte Einheit gegen ihn setzt. Oder der Inhalt ist die Form
+selbst, insofern sie sich als Verschiedenheit bestimmt, und sich
+selbst zu einer ihrer Seiten, als Äußerlichkeit, zu der andern aber
+als in sich reflektirte Unmittelbarkeit oder zum Innern macht.
+
+Dadurch sind also umgekehrt die Unterschiede der Form, das Innere und
+das Äußere, jedes an ihm selbst gesetzt als die Totalität seiner und
+seines Andern; das Innere ist als einfache in sich reflektirte
+Identität, das Unmittelbare und daher so sehr Seyn und Äußerlichkeit,
+als Wesen; und das Äußere ist als das mannigfaltige, bestimmte Seyn,
+nur Äußeres d. h. gesetzt als unwesentlich und in seinen Grund
+zurückgegangen, somit als Inneres. Dieses Übergehen beider in
+einander ist ihre unmittelbare Identität, als Grundlage; aber es ist
+auch ihre vermittelte Identität; nämlich jedes ist eben durch sein
+Anderes, was es an sich ist, die Totalität des Verhältnisses. Oder
+umgekehrt die Bestimmtheit einer jeden Seite ist dadurch, daß sie an
+ihr die Totalität ist, mit der andern Bestimmtheit vermittelt; die
+Totalität vermittelt sich so durch die Form oder die Bestimmtheit mit
+sich selbst, und die Bestimmtheit vermittelt sich durch ihre einfache
+Identität mit sich.
+
+Was Etwas ist, das ist es daher ganz in seiner Äußerlichkeit; seine
+Äußerlichkeit ist seine Totalität, sie ist ebenso sehr seine in sich
+reflektirte Einheit. Seine Erscheinung ist nicht nur die Reflexion
+in Anderes, sondern in sich, und seine Äußerlichkeit daher die
+Äußerung dessen, was es an sich ist; und indem so sein Inhalt und
+seine Form schlechthin identisch sind, so ist es nichts an und für
+sich als dieß, sich zu äußern. Es ist das Offenbaren seines Wesens,
+so daß dieß Wesen eben nur darin besteht, das sich Offenbarende zu
+seyn.
+
+Das wesentliche Verhältniß hat sich in dieser Identität der
+Erscheinung mit dem Innern oder dem Wesen zur Wirklichkeit bestimmt.
+
+
+
+
+Dritter Abschnitt. Die Wirklichkeit.
+
+Die Wirklichkeit ist die Einheit des Wesens und der Existenz; in ihr
+hat das gestaltlose Wesen und die haltlose Erscheinung;--oder das
+bestimmungslose Bestehen und die bestandlose Mannigfaltigkeit ihre
+Wahrheit. Die Existenz ist zwar die aus dem Grunde hervorgegangene
+Unmittelbarkeit, aber sie hat die Form noch nicht an ihr gesetzt;
+indem sie sich bestimmt und formirt, ist sie die Erscheinung; und
+indem sich dieß nur als Reflexion-in-Anderes bestimmte Bestehen zur
+Reflexion-in-sich fortbildet, wird es zu zwei Welten, zwei
+Totalitäten des Inhalts, deren die eine als in sich, die andere als
+in Anderes reflektirte bestimmt ist. Das wesentliche Verhältniß aber
+stellt ihre Formbeziehung dar, deren Vollendung das Verhältniß des
+Innern und Äußern ist, daß der Inhalt beider nur Eine identische
+Grundlage und ebenso sehr nur Eine Identität der Form ist.--Dadurch
+daß sich auch diese Identität in Ansehung der Form ergeben hat, ist
+die Formbestimmung ihrer Verschiedenheit aufgehoben und es ist
+gesetzt, daß sie Eine absolute Totalität sind.
+
+Diese Einheit des Innern und Äußern ist die absolute Wirklichkeit.
+Diese Wirklichkeit aber ist zunächst das Absolute als solches;
+--insofern sie als Einheit gesetzt ist, in der sich die Form
+aufgehoben, und zu dem leeren oder äußern Unterschiede eines Äußern
+und Innern gemacht hat. Die Reflexion verhält sich gegen dieß
+Absolute als äußerliche, welche es vielmehr nur betrachtet, als daß
+sie seine eigene Bewegung wäre. Indem sie aber wesentlich dieß ist,
+ist sie als seine negative Rückkehr in sich. Zweitens die
+eigentliche Wirklichkeit. Wirklichkeit, Möglichkeit und
+Nothwendigkeit machen die formellen Momente des Absoluten, oder die
+Reflexion desselben aus.
+
+Drittens die Einheit des Absoluten und seiner Reflexion ist das
+absolute Verhältniß, oder vielmehr das Absolute als Verhältniß zu
+sich selbst; Substanz.
+
+
+
+Erstes Kapitel. Das Absolute.
+
+
+Die einfache gediegene Identität des Absoluten ist unbestimmt, oder
+in ihr hat sich vielmehr alle Bestimmtheit des Wesens und der
+Existenz, oder des Seyns überhaupt sowohl als der Reflexion aufgelöst.
+Insofern fällt das Bestimmen dessen, was das Absolute sey, negativ
+aus, und das Absolute selbst erscheint nur als die Negation aller
+Prädikate und als das Leere. Aber indem es ebenso sehr als die
+Position aller Prädikate ausgesprochen werden muß, erscheint es als
+der formellste Widerspruch. Insofern jenes Negiren und dieses Setzen,
+der äußern Reflexion angehört, so ist es eine formelle
+unsystematische Dialektik, die mit leichter Mühe die mancherlei
+Bestimmungen hierher und dorther aufgreift, und mit ebenso leichter
+Mühe einer Seits ihre Endlichkeit und bloße Relativität aufzeigt, als
+anderer Seits, indem es ihr als die Totalität vorschwebt, auch das
+Innwohnen aller Bestimmungen von ihm ausspricht,--ohne diese
+Positionen und jene Negationen zu einer wahrhaften Einheit erheben zu
+können.--Es soll aber dargestellt werden, was das Absolute ist; aber
+dieß Darstellen kann nicht ein Bestimmen noch äußere Reflexion seyn,
+wodurch Bestimmungen desselben würden, sondern es ist die Auslegung
+und zwar die eigene Auslegung des Absoluten, und nur ein Zeigen
+dessen was es ist.
+
+A. Die Auslegung des Absoluten.
+
+Das Absolute ist nicht nur das Seyn, noch auch das Wesen. Jene ist
+die erste unreflektirte Unmittelbarkeit, diese die reflektirte; jedes
+ist ferner Totalität an ihm selbst; aber eine bestimmte. Am Wesen
+tritt das Seyn als Existenz hervor; und die Beziehung von Seyn und
+Wesen hat sich bis zum Verhältnisse des Innern und Äußern
+fortgebildet. Das Innere ist das Wesen aber als die Totalität,
+welche wesentlich die Bestimmung hat, auf das Seyn bezogen und
+unmittelbar Seyn zu seyn. Das Äußere ist das Seyn, aber mit der
+wesentlichen Bestimmung, auf die Reflexion bezogen unmittelbar ebenso
+verhältnißlose Identität mit dem Wesen zu seyn. Das Absolute selbst
+ist die absolute Einheit beider; es ist dasjenige, was überhaupt den
+Grund des wesentlichen Verhältnisses ausmacht, das als Verhältniß nur
+noch nicht in diese seine Identität zurückgegangen, und dessen Grund
+noch nicht gesetzt ist.
+
+Hieraus ergiebt sich, daß die Bestimmung des Absoluten ist, die
+absolute Form zu seyn, aber zugleich nicht als die Identität, deren
+Momente nur eInfache Bestimmtheiten sind;--sondern die Identität,
+deren Momente jedes an ihm selbst die Totalität, und somit als
+gleichgültig gegen die Form, der vollständige Inhalt des Ganzen ist.
+Aber umgekehrt ist das Absolute so der absolute Inhalt, daß der
+Inhalt, der als solcher gleichgültige Mannigfaltigkeit ist, die
+negative Formbeziehung an ihm hat, wodurch seine Mannigfaltigkeit nur
+Eine gediegene Identität ist.
+
+Die Identität des Absoluten ist somit dadurch die absolute, daß jeder
+seiner Theile selbst das Ganze oder jede Bestimmtheit die Totalität
+ist, d. h. daß die Bestimmtheit überhaupt ein schlechthin
+durchsichtiger Schein, ein in seinem Gesetztseyn verschwundener
+Unterschied geworden ist. Wesen, Existenz, an sich seyende Welt,
+Ganzes, Theile, Kraft,--diese reflektirten Bestimmungen erscheinen
+dem Vorstellen als an und für sich geltendes, wahres Seyn; das
+Absolute aber ist gegen sie der Grund, in dem sie untergegangen sind.
+--Weil nun im Absoluten die Form nur die einfache Identität mit sich
+ist, so bestimmt sich das Absolute nicht; denn die Bestimmung ist ein
+Formunterschied, der zunächst als solcher gilt. Weil es aber
+zugleich allen Unterschied und Formbestimmung überhaupt enthält, oder
+weil es selbst die absolute Form und Reflexion ist, so muß auch die
+Verschiedenheit des Inhalts an ihm hervortreten. Aber das Absolute
+selbst ist die absolute Identität; dieß ist seine Bestimmung, indem
+alle Mannigfaltigkeit der an sich seyenden und der erscheinenden Welt,
+oder der innerlichen und äußerlichen Totalität in ihm aufgehoben ist.
+--In ihm selbst ist kein Werden, denn es ist nicht das Seyn, noch ist
+es das sich reflektirende Bestimmen; denn es ist nicht das sich nur
+in sich bestimmende Wesen; es ist auch nicht ein sich Äußern; denn es
+ist als die Identität des Innern und Äußern.--Aber so steht die
+Bewegung der Reflexion seiner absoluten Identität gegenüber. Sie ist
+in dieser aufgehoben, so ist sie nur deren Inneres, hiermit aber ist
+sie ihr äußerlich.--Sie besteht daher zunächst nur darin, ihr Thun im
+Absoluten aufzuheben. Sie ist das Jenseits der mannigfaltigen
+Unterschiede und Bestimmungen und deren Bewegung, welches dem
+Absoluten im Rücken liegt; sie ist daher zwar das Aufnehmen derselben,
+aber zugleich ihr Untergehen; so ist sie die negative Auslegung des
+Absoluten, die vorhin erwähnt wurde.--In ihrer wahrhaften Darstellung
+ist diese Auslegung das bisherige Ganze der logischen Bewegung der
+Sphäre des Seyns und des Wesens, deren Inhalt nicht von außen als ein
+gegebener und zufälliger aufgerafft, noch durch eine ihm äußere
+Reflexion in den Abgrund des Absoluten versenkt worden, sondern sich
+an ihm durch seine innere Nothwendigkeit bestimmt und als eignes
+Werden des Seyns, und als Reflexion des Wesens in das Absolute als in
+seinen Grund zurückgegangen ist.
+
+Diese Auslegung hat aber selbst zugleich eine positive Seite;
+insofern nämlich das Endliche darin, daß es zu Grunde geht, diese
+Natur beweist, auf das Absolute bezogen zu seyn, oder das Absolute an
+ihm selbst zu enthalten. Aber diese Seite ist nicht so sehr die
+positive Auslegung des Absoluten selbst, als vielmehr die Auslegung
+der Bestimmungen, daß sie nämlich das Absolute zu ihrem Abgrunde,
+aber auch zu ihrem Grunde haben, oder daß das, was ihnen, dem Schein,
+ein Bestehen gibt, das Absolute selbst ist.--Der Schein ist nicht das
+Nichts, sondern er ist Reflexion, Beziehung auf das Absolute; oder er
+ist Schein, insofern das Absolute in ihm scheint. Diese positive
+Auslegung hält so noch das Endliche vor seinem Verschwinden auf, und
+betrachtet es als einen Ausdruck und Abbild des Absoluten. Aber die
+Durchsichtigkeit des Endlichen, das nur das Absolute durch sich
+hindurchblicken läßt, endigt in gänzliches Verschwinden; denn es ist
+nichts am Endlichen, was ihm einen Unterschied gegen das Absolute
+erhalten könnte; es ist ein Medium, das von dem, was durch es scheint,
+absorbirt wird.
+
+Diese positive Auslegung des Absoluten ist daher selbst nur ein
+Scheinen; denn das wahrhaft Positive, was sie und der ausgelegte
+Inhalt enthält, ist das Absolute selbst. Was für weitere
+Bestimmungen vorkommen, die Form, worin das Absolute scheint, ist ein
+Nichtiges, das die Auslegung von außen her aufnimmt, und woran sie
+einen Anfang zu ihrem Thun gewinnt. Eine solche Bestimmung hat nicht
+im Absoluten ihren Anfang, sondern nur ihr Ende. Dieses Auslegen ist
+daher zwar absolutes Thun durch seine Beziehung auf das Absolute, in
+das es zurückgeht, aber nicht nach seinem Ausgangspunkte, der eine
+dem Absoluten äußerliche Bestimmung ist.
+
+In der That aber ist das Auslegen des Absoluten sein eigenes Thun,
+und das bei sich anfängt, wie es bei sich ankommt. Das Absolute, nur
+als absolute Identität, ist es bestimmt; nämlich als Identisches; es
+ist durch die Reflexion so gesetzt, gegen die Entgegensetzung und
+Mannigfaltigkeit; oder es ist nur das Negative der Reflexion und des
+Bestimmens überhaupt.--Nicht nur jenes Auslegen des Absoluten ist
+daher ein Unvollkommenes, sondern auch dieß Absolute selbst, bei
+welchem nur angekommen wird. Oder jenes Absolute, das nur als
+absolute Identität ist, ist nur das Absolute einer äußern Reflexion.
+Es ist daher nicht das Absolut-Absolute, sondern das Absolute in
+einer Bestimmtheit, oder es ist Attribut.
+
+Aber das Absolute ist nicht nur Attribut, weil es Gegenstand einer
+äußern Reflexion und somit ein durch sie Bestimmtes ist.--Oder die
+Reflexion ist nicht nur ihm äußerlich; sondern unmittelbar, darum
+weil sie ihm äußerlich ist, ist sie ihm innerlich. Das Absolute ist
+nur das Absolute, weil es nicht die abstrakte Identität, sondern die
+Identität des Seyns und Wesens, oder die Identität des Innern und
+Äußern ist. Es ist also selbst die absolute Form, welche es in sich
+scheinen macht, und es zum Attribut bestimmt.
+
+B. Das absolute Attribut.
+
+Der Ausdruck, der gebraucht worden ist: das Absolut-Absolute,
+bezeichnet das in seiner Form in sich zurückgekehrte Absolute, oder
+dessen Form seinem Inhalte gleich ist. Das Attribut ist das nur
+relative Absolute, eine Verknüpfung, welche nichts anderes bedeutet,
+als das Absolute in einer Formbestimmung. Die Form ist nämlich
+zuerst vor ihrer vollendeten Auslegung nur erst innerlich," oder was
+dasselbe ist, nur äußerlich, überhaupt zuerst bestimmte Form oder
+Negation überhaupt. Aber weil sie zugleich als Form des Absoluten
+ist, so ist das Attribut der ganze Inhalt des Absoluten; es ist die
+Totalität, welche früher als eine Welt erschien, oder als eine der
+Seiten des wesentlichen Verhältnisses, deren jede selbst das Ganze
+ist. Aber die beiden Welten, die erscheinende und die an und für
+sich seyende, sollten jede in ihrem Wesen einander entgegengesetzt
+seyn. Die eine Seite des wesentlichen Verhältnisses war zwar der
+andern gleich; das Ganze so viel als die Theile; die Äußerung der
+Kraft derselbe Inhalt, als diese selbst, und das Äußere überhaupt
+dasselbe was das Innere. Aber zugleich sollten diese Seiten, jede
+noch ein eigenes unmittelbares Bestehen haben, die eine als die
+seyende, die andere als die reflektirte Unmittelbarkeit. Im
+Absoluten dagegen sind diese unterschiedenen Unmittelbarkeiten zum
+Scheine herabgesetzt, und die Totalität, welche das Attribut ist, ist
+gesetzt als sein wahres und einziges Bestehen; die Bestimmung aber,
+in der es ist, als das unwesentliche.
+
+Das Absolute ist darum Attribut, weil es als einfache absolute
+Identität in der Bestimmung der Identität ist; an die Bestimmung
+überhaupt können nun andere Bestimmungen angeknüpft werden, z.B.
+auch daß mehrere Attribute seyen. Aber weil die absolute Identität
+nur diese Bedeutung hat, nicht nur daß alle Bestimmungen aufgehoben
+sind, sondern daß sie auch die Reflexion ist, die sich selbst
+aufgehoben hat, so sind an ihr alle Bestimmungen gesetzt, als
+aufgehobene. Oder die Totalität ist gesetzt als die absolute, oder
+das Attribut hat das Absolute zu seinem Inhalt und Bestehen; seine
+Formbestimmung, wodurch es Attribut ist, ist daher auch gesetzt,
+unmittelbar als bloßer Schein; das Negative als Negatives. Der
+positive Schein, den die Auslegung sich durch das Attribut gibt,
+indem sie das Endliche in seiner Schranke nicht als ein an und für
+sich Seyendes nimmt, sondern sein Bestehen in das Absolute auflöst,
+und es zum Attribut erweitert, hebt dieß selbst auf, daß es Attribut
+sey; sie versenkt dasselbe und ihr unterscheidendes Thun in das
+einfache Absolute.
+
+Aber indem die Reflexion von ihrem Unterscheiden so nur zur Identität
+des Absoluten zurückkehrt, ist sie zugleich nicht aus ihrer
+Äußerlichkeit heraus und zum wahrhaften Absoluten gekommen. Sie hat
+nur die unbestimmte, abstrakte Identität erreicht; das heißt,
+diejenige, welche in der Bestimmtheit der Identität ist.--Oder die
+Reflexion, indem sie als innere Form das Absolute zum Attribut
+bestimmt, so ist dieses Bestimmen ein noch von der Äußerlichkeit
+Verschiedenes; die innere Bestimmung durchdringt das Absolute nicht;
+seine Äußerung ist, als ein bloß gesetztes am Absoluten zu
+verschwinden.
+
+Die Form also, sie werde als äußere oder innere genommen, wodurch das
+Absolute Attribut wäre, ist zugleich gesetzt, ein an sich selbst
+Nichtiges, ein äußerlicher Schein, oder bloße Art und Weise zu seyn.
+
+C. Der Modus des Absoluten.
+
+Das Attribut ist erstlich das Absolute als in der einfachen Identität
+mit sich. Zweitens ist es Negation, und diese als Negation ist die
+formelle Reflexion-in-sich. Diese beiden Seiten machen zunächst die
+zwei Extreme des Attributs aus, deren Mitte es selbst ist, indem es
+sowohl das Absolute als die Bestimmtheit ist.--Das zweite dieser
+Extreme ist das Negative als Negatives, die dem Absoluten äußerliche
+Reflexion.--Oder insofern es als das Innere des Absoluten genommen
+wird, und seine eigene Bestimmung es ist, sich als Modus zu setzen,
+so ist er das Außersichseyn des Absoluten, der Verlust seiner in die
+Veränderlichkeit und Zufälligkeit des Seyns, sein Übergegangenseyn
+ins Entgegengesetzte ohne Rückkehr in sich; die totalitätslose
+Mannigfaltigkeit der Form und Inhaltsbestimmungen.
+
+Der Modus, die Äußerlichkeit des Absoluten, ist aber nicht nur dieß,
+sondern die als Äußerlichkeit gesetzte Äußerlichkeit, eine bloße Art
+und Weise; somit der Schein als Schein, oder die Reflexion der Form
+in sich; somit die Identität mit sich, welche das Absolute ist. In
+der That ist also erst im Modus das Absolute als absolute Identität
+gesetzt; es ist nur, was es ist, nämlich Identität mit sich, als sich
+auf sich beziehende Negativität, als Scheinen, das als Scheinen
+gesetzt ist.
+
+Insofern daher die Auslegung des Absoluten von seiner absoluten
+Identität anfängt, und zu dem Attribute und von da zum Modus übergeht,
+so hat sie darin vollständig ihre Momente durchloffen. Aber
+erstlich ist sie darin nicht ein bloß negatives Verhalten gegen diese
+Bestimmungen, sondern dieß ihr Thun ist die reflektirende Bewegung
+selbst, als welche das Absolute nur wahrhaft die absolute Identität
+ist.--Zweitens hat sie es dabei nicht bloß mit Äußerlichem zu thun,
+und der Modus ist nicht nur die äußerste Äußerlichkeit, sondern weil
+er der Schein als Schein ist, so ist er die Rückkehr in sich, die
+sich selbst auflösende Reflexion, als welche das Absolute absolutes
+Seyn ist.--Drittens scheint die auslegende Reflexion von ihren
+eigenen Bestimmungen und von Äußerlichem anzufangen, die Modos oder
+auch die Bestimmungen des Attributs, als sonst außer dem Absoluten
+vorgefundene aufzunehmen, und ihr Thun darin zu bestehen, daß sie
+dieselben in die indifferente Identität nur zurückführt. In der That
+aber hat sie an dem Absoluten selbst die Bestimmtheit, von der sie
+anfängt. Denn das Absolute als erste indifferente Identität ist
+selbst nur das bestimmte Absolute, oder Attribut, weil es das
+unbewegte, noch unreflektirte Absolute ist. Diese Bestimmtheit, weil
+sie Bestimmtheit ist, gehört der reflektirenden Bewegung an; nur
+durch sie ist es bestimmt als das erste Identische, ebenso nur durch
+sie hat es die absolute Form, und ist nicht das sich Gleichseyende,
+sondern das sich selbst Gleichsetzende.
+
+Die wahrhafte Bedeutung des Modus ist daher, daß er die reflektirende
+eigene Bewegung des Absoluten ist; ein Bestimmen, aber nicht wodurch
+es ein Anderes würde, sondern nur dessen, was es schon ist; die
+durchsichtige Äußerlichkeit, welche das Zeigen seiner selbst ist;
+eine Bewegung aus sich heraus; aber so daß dieß Seyn-nach-Aussen,
+ebenso sehr die Innerlichkeit selbst ist; und damit ebenso sehr ein
+Setzen, das nicht bloß Gesetztseyn, sondern absolutes Seyn ist.
+
+Wenn daher nach einem Inhalt der Auslegung gefragt wird, was denn das
+Absolute zeige? so ist der Unterschied von Form und Inhalt im
+Absoluten ohnehin aufgelöst. Oder eben dieß ist der Inhalt des
+Absoluten, sich zu manifestiren. Das Absolute ist die absolute Form,
+welche als die Entzweiung ihrer schlechthin identisch mit sich ist,
+das Negative als Negatives; oder das mit sich zusammengeht, und nur
+so die absolute Identität mit sich ist, die ebenso sehr gleichgültig
+gegen ihre Unterschiede, oder absoluter Inhalt ist; der Inhalt ist
+daher nur diese Auslegung selbst.
+
+Das Absolute als diese sich selbst tragende Bewegung der Auslegung,
+als Art und Weise, welche seine absolute Identität mit sich selbst
+ist, ist Äußerung, nicht eines Innern, nicht gegen ein Anderes,
+sondern ist nur als absolutes sich für sich selbst Manifestiren; es
+ist so Wirklichkeit.
+
+Anmerkung.
+
+Dem Begriffe des Absoluten und dem Verhältnisse der Reflexion zu
+demselben, wie es sich hier dargestellt hat, entspricht der Begriff
+der spinozistischen Substanz. Der Spinozismus ist darin eine
+mangelhafte Philosophie, daß die Reflexion und deren mannigfaltiges
+Bestimmen ein äußerliches Denken ist.--Die Substanz dieses Systems
+ist Eine Substanz, Eine untrennbare Totalität; es giebt keine
+Bestimmtheit, die nicht in diesem Absoluten enthalten und aufgelöst
+wäre; und es ist wichtig genug, daß Alles, was dem natürlichen
+Vorstellen oder dem bestimmenden Verstande als selbstständiges
+erscheint und vorschwebt, in jenem nothwendigen Begriffe gänzlich zu
+einem bloßen Gesetztseyn herabgesetzt ist.--Die Bestimmtheit ist
+Negation, ist das absolute Princip der Spinozistischen Philosophie;
+diese wahrhafte und einfache Einsicht begründet die absolute Einheit
+der Substanz. Aber Spinoza bleibt bei der Negation als Bestimmtheit
+oder Qualität stehen; er geht nicht zur Erkenntniß derselben als
+absoluter, das heißt, sich negirender Negation fort; somit enthält
+seine Substanz nicht selbst die absolute Form, und das Erkennen
+derselben ist kein immanentes Erkennen. Zwar ist die Substanz
+absolute Einheit des Denkens und Seyns oder der Ausdehnung; sie
+enthält also das Denken selbst, aber nur in seiner Einheit mit der
+Ausdehnung; das heißt nicht als sich von der Ausdehnung trennend,
+somit überhaupt nicht als Bestimmen und Formiren, noch auch als die
+zurückkehrende und aus sich selbst anfangende Bewegung. Theils fehlt
+dadurch der Substanz, das Princip der Persönlichkeit,--ein Mangel,
+welcher vornehmlich gegen das spinozistische System empört hat;
+--Theils ist das Erkennen die äußerliche Reflexion, welche das, was
+als Endliches erscheint, die Bestimmtheit des Attributs und den Modus,
+wie auch überhaupt sich selbst, nicht aus der Substanz begreift und
+ableitet, sondern als ein äußerlicher Verstand thätig ist, die
+Bestimmungen als gegebene aufnimmt, und sie auf das Absolute
+zurückführt, nicht aber von diesem ihre Anfänge hernimmt.
+
+Die Begriffe, die Spinoza von der Substanz giebt, sind die Begriffe
+der Ursache seiner selbst,--daß sie das ist, dessen Wesen die
+Existenz in sich schließe;--daß der Begriff des Absoluten nicht des
+Begriffs eines Andern bedürfe, von dem er gebildet werden müsse;
+--diese Begriffe, so tief und richtig sie sind, sind Definitionen,
+welche vorne in der Wissenschaft unmittelbar angenommen werden.
+Mathematik und andere untergeordnete Wissenschaften müssen mit einem
+Vorausgesetzten anfangen, das ihr Element und positive Grundlage
+ausmacht. Aber das Absolute kann nicht ein Erstes, Unmittelbares
+seyn, sondern das Absolute ist wesentlich sein Resultat.
+
+Nach der Definition des Absoluten tritt bei Spinoza ferner die
+Definition des Attributs auf; und wird als dasjenige bestimmt, wie
+der Verstand dessen Wesen begreift. Außerdem daß der Verstand seiner
+Natur nach als später angenommen wird, als das Attribut,--denn
+Spinoza bestimmt ihn als Modus,--so wird das Attribut, die Bestimmung
+als Bestimmung des Absoluten, von einem Andern, dem Verstande,
+abhängig gemacht, welches der Substanz gegenüber äußerlich und
+unmittelbar auftritt.
+
+Die Attribute bestimmt Spinoza ferner als unendlich; und zwar
+unendlich auch im Sinne einer unendlichen Vielheit. Es kommen zwar
+weiterhin nur die zwei vor,--Denken und Ausdehnung, und es ist nicht
+gezeigt, wie die unendliche Vielheit sich nothwendig nur auf den
+Gegensatz und zwar diesen bestimmten, des Denkens und der Ausdehnung,
+reducirt.-Diese beiden Attribute sind deswegen empirisch aufgenommen.
+Denken und Seyn stellen das Absolute in einer Determination vor, das
+Absolute selbst ist ihre absolute Einheit, so daß sie nur
+unwesentliche Formen sind, die Ordnung der Dinge dieselbe ist, als
+die der Vorstellungen oder Gedanken, und das Eine Absolute nur von
+der äußerlichen Reflexion, einem Modus, unter jenen beiden
+Bestimmungen, das eine Mal als eine Totalität von Vorstellungen, das
+andere Mal als eine Totalität von Dingen und deren Veränderungen
+betrachtet wird. Wie es diese äußere Reflexion ist, welche jenen
+Unterschied macht, so ist sie es auch, die ihn in die absolute
+Identität zurückführt und versenkt. Diese ganze Bewegung aber geht
+außer dem Absoluten vor. Zwar ist dieses selbst auch das Denken, und
+sofern diese Bewegung nur im Absoluten; aber, wie bemerkt, ist sie im
+Absoluten nur als Einheit mit der Ausdehnung, somit nicht als diese
+Bewegung, welche wesentlich auch das Moment der Entgegensetzung ist.
+--Spinoza macht die erhabene Forderung an das Denken, alles unter der
+Gestalt der Ewigkeit, sub Specie aeterni, zu betrachten, das heißt,
+wie es im Absoluten ist. Aber in jenem Absoluten, das nur die
+unbewegte Identität ist, ist das Attribut, wie der Modus, nur als
+verschwindend, nicht als werdend, so daß hiermit auch jenes
+Verschwinden seinen positiven Anfang nur von Außen nimmt.
+
+Das dritte, der Modus, ist bei Spinoza, Affektion der Substanz, die
+bestimmte Bestimmtheit, was in einem Andern ist, und durch dieß
+Andere gefaßt wird. Die Attribute haben eigentlich nur die
+unbestimmte Verschiedenheit zu ihrer Bestimmung; jedes soll die
+Totalität der Substanz ausdrücken und aus sich selbst begriffen
+werden; insofern es aber das Absolute als bestimmt ist, so enthält es
+das Andersseyn, und ist nicht nur aus sich selbst zu begreifen. In
+dem Modus ist daher erst eigentlich die Bestimmung des Attributs
+gesetzt.
+
+Dieß Dritte bleibt ferner bloßer Modus, einer Seits ist er
+unmittelbar Gegebenes, anderer Seits wird seine Nichtigkeit nicht als
+Reflexion in sich erkannt.--Die spinozistische Auslegung des
+Absoluten ist daher insofern wohl vollständig, als sie von dem
+Absoluten anfängt, hierauf das Attribut folgen läßt und mit dem Modus
+endigt; aber diese drei werden nur nach einander ohne innere Folge
+der Entwicklung aufgezählt, und das Dritte ist nicht die Negation als
+Negation, nicht sich negativ auf sich beziehende Negation, wodurch
+sie an ihr selbst, die Rückkehr in die erste Identität und diese,
+wahrhafte Identität wäre. Es fehlt daher die Nothwendigkeit des
+Fortgangs des Absoluten zur Unwesentlichkeit, so wie ihre Auflösung
+an und für sich selbst in die Identität; oder es mangelt sowohl das
+Werden der Identität als ihrer Bestimmungen.
+
+Auf gleiche Weise ist in der orientalischen Vorstellung der Emanation
+das Absolute das sich selbst erleuchtende Licht. Allein es
+erleuchtet sich nicht nur, sondern strömt auch aus. Seine
+Ausströmungen sind Entfernungen von seiner ungetrübten Klarheit; die
+folgenden Ausgeburten sind unvollkommener als die vorhergehenden, aus
+denen sie entstehen. Das Ausströmen ist nur als ein Geschehen
+genommen, das Werden nur als ein fortgehender Verlust. So verdunkelt
+sich das Seyn immer mehr, und die Nacht, das Negative, ist das Letzte
+der Linie, das nicht in das erste Licht zurück kehrt.
+
+Der Mangel der Reflexion in sich, den die Spinozistische Auslegung
+des Absoluten wie die Emanationslehre an ihr hat, ist in dem Begriffe
+der leibnizischen Monade ergänzt.--Der Einseitigkeit eines
+philosophischen Princips pflegt sich die entgegengesetzte gegenüber
+zu stellen, und, wie in Allem, die Totalität wenigstens als eine
+zerstreute Vollständigkeit vorhanden zu seyn.--Die Monade ist ein
+Eins, ein in sich reflektirtes Negatives; sie ist die Totalität des
+Inhalts der Welt; das verschiedene Mannigfaltige ist in ihr nicht nur
+verschwunden, sondern auf negative Weise aufbewahrt; die
+spinozistische Substanz ist die Einheit alles Inhalts; aber dieser
+mannigfaltige Inhalt der Welt ist nicht als solcher in ihr, sondern
+in der ihr äußerlichen Reflexion. Die Monade ist daher wesentlich
+vorstellend; sie hat aber, ob sie wohl eine endliche ist, keine
+Passivität; sondern die Veränderungen und Bestimmungen in ihr sind
+Manifestationen ihrer in ihr selbst. Sie ist Entelechie; das
+Offenbahren ist ihr eigenes Thun.--Dabei ist die Monade auch bestimmt,
+von anderen unterschieden; die Bestimmtheit fällt in den besondern
+Inhalt und die Art und Weise der Manifestation. Die Monade ist daher
+an sich, ihrer Substanz nach, die Totalität, nicht in ihrer
+Manifestation. Diese Beschränkung der Monade fällt nothwendig nicht
+in die sich selbst setzende oder vorstellende Monade, sondern in ihr
+Ansichseyn, oder ist absolute Grenze, eine Prädestination, welche
+durch ein anderes Wesen, als sie ist, gesetzt wird. Ferner da
+Begrenzte nur sind, als sich auf andere Begrenzte beziehend, die
+Monade aber zugleich ein in sich geschlossenes Absolutes ist, so
+fällt die Harmonie dieser Begrenzungen, nämlich die Beziehung der
+Monaden auf einander, außer ihnen und ist gleichfalls von einem
+andern Wesen oder an sich prästabilirt.
+
+Es erhellt, daß durch das Princip der Reflexion-in-sich, welches die
+Grundbestimmung der Monade ausmacht, zwar das Andersseyn und die
+Einwirkung von außen überhaupt entfernt ist, und die Veränderungen
+der Monade ihr eigenes Setzen sind,--daß aber auf der andern Seite
+die Passivität durch Anderes, nur in eine absolute Schranke, in eine
+Schranke des Ansichseyns verwandelt ist. Leibnitz schreibt den
+Monaden eine gewisse Vollendung in sich zu, eine Art von
+Selbstständigkeit; sie sind geschaffene Wesen.--Näher ihre Schranke
+betrachtet, so ergiebt sich aus dieser Darstellung, daß die
+Manifestation ihrer selbst, die ihnen zukommt, die Totalität der Form
+ist. Es ist ein höchst wichtiger Begriffe daß die Veränderungen der
+Monade als passivitätslose Aktionen, als Manifestationen ihrer selbst
+vorgestellt, und das Princip der Reflexion in sich, oder der
+Individuation als wesentlich hervorsteht. Ferner ist es nothwendig,
+die Endlichkeit darin bestehen zu lassen, daß der Inhalt oder die
+Substanz von der Form unterschieden, und dann weiter jene beschränkt,
+diese aber unendlich ist. Aber nun wäre im Begriffe der absoluten
+Monade nicht nur jene absolute Einheit der Form und des Inhalts,
+sondern auch die Natur der Reflexion, als die sich auf sich selbst
+beziehende Negativität sich von sich abzustoßen, wodurch sie setzend
+und schaffend ist, zu finden. Es ist zwar im leibnitzischen Systeme
+das Weitere gleichfalls vorhanden, daß Gott die Quelle der Existenz
+und des Wesens der Monaden ist, d. h. daß jene absoluten Schranken im
+Ansichseyn der Monaden nicht an und für sich seyende sind, sondern im
+Absoluten verschwinden. Aber es zeigen sich in diesen Bestimmungen
+nur die gewöhnlichen Vorstellungen, die ohne philosophische
+Entwicklung gelassen und nicht zu spekulativen Begriffen erhoben sind.
+So erhält das Princip der Individuation seine tiefere Ausführung
+nicht; die Begriffe über die Unterscheidungen der verschiedenen
+endlichen Monaden, und über ihr Verhältniß zu ihrem Absoluten,
+entspringen nicht aus diesem Wesen selbst oder nicht auf absolute
+Weise, sondern gehören der räsonnirenden, dogmatischen Reflexion an,
+und sind daher zu keiner innern Kohärenz gediehen.
+
+
+
+Zweites Kapitel. Die Wirklichkeit.
+
+
+Das Absolute ist die Einheit des Innern und Äußern als erste,
+ansichseyende Einheit. Die Auslegung erschien als äußere Reflexion,
+die auf ihrer Seite das Unmittelbare als ein Vorgefundenes hat, aber
+zugleich die Bewegung und Beziehung desselben auf das Absolute ist,
+und als solche es in dieses zurückführt, und als eine bloße Art und
+Weise bestimmt. Aber diese Art und Weise ist die Bestimmung des
+Absoluten selbst, nämlich seine erste Identität oder seine bloß an
+sich seyende Einheit. Und zwar wird durch diese Reflexion nicht nur
+jenes erste Ansichseyn gesetzt als wesenlose Bestimmung, sondern weil
+sie negative Beziehung auf sich ist, wird erst durch sie jener Modus.
+Diese Reflexion als sich selbst in ihren Bestimmungen aufhebend, und
+überhaupt als die in sich zurückkehrende Bewegung ist erst wahrhaft
+absolute Identität, und zugleich ist sie das Bestimmen des Absoluten
+oder die Modalität desselben. Der Modus ist daher die Äußerlichkeit
+des Absoluten, aber ebenso sehr nur als dessen Reflexion in sich,
+--oder er ist die eigne Manifestation desselben, so daß diese
+Äußerung seine Reflexion-in-sich und damit sein An-und-für-sich-seyn
+ist.
+
+So als die Manifestation, daß es sonst nichts ist und keinen Inhalt
+hat, als die Manifestation seiner zu seyn, ist das Absolute die
+absolute Form. Die Wirklichkeit ist als diese reflektirte
+Absolutheit zu nehmen. Das Seyn ist noch nicht wirklich; es ist die
+er ste Unmittelbarkeit; seine Reflexion ist daher Werden und
+Übergehen in Anderes; oder seine Unmittelbarkeit ist nicht
+An-und-für-sich-seyn. Die Wirklichkeit steht auch höher als die
+Existenz. Diese ist zwar die aus dem Grunde und den Bedingungen,
+oder aus dem Wesen und dessen Reflexion hervorgegangene
+Unmittelbarkeit. Sie ist daher an sich das, was die Wirklichkeit ist,
+reale Reflexion, aber ist noch nicht die gesetzte Einheit der
+Reflexion und der Unmittelbarkeit. Die Existenz geht daher in
+Erscheinung über, indem sie die Reflexion, welche sie enthält,
+entwickelt. Sie ist der zu Grunde gegangene Grund; ihre Bestimmung
+ist die Wiederherstellung desselben, so wird sie wesentliches
+Verhältniß, und ihre letzte Reflexion ist, daß ihre Unmittelbarkeit
+gesetzt ist als die Reflexion-in-sich, und umgekehrt; diese Einheit,
+in welcher Existenz oder Unmittelbarkeit, und das Ansichseyn, der
+Grund oder das Reflektirte schlechthin Momente sind, ist nun die
+Wirklichkeit. Das Wirkliche ist darum Manifestation, es wird durch
+seine Äußerlichkeit nicht in die Sphäre der Veränderung gezogen, noch
+ist es Scheinen seiner in einem Andern, sondern es manifestirt sich;
+das heißt, es ist in seiner Äußerlichkeit es selbst, und ist nur in
+ihr, nämlich nur als sich von sich unterscheidende und bestimmende
+Bewegung, es selbst.
+
+In der Wirklichkeit nun als dieser absoluten Form, sind die Momente
+nur als aufgehobene oder formelle noch nicht realisirt; ihre
+Verschiedenheit gehört so zunächst der äußern Reflexion an und ist
+nicht als Inhalt bestimmt.
+
+Die Wirklichkeit als selbst unmittelbare Formeinheit des Innern und
+Äußern ist damit in der Bestimmung der Unmittelbarkeit gegen die
+Bestimmung der Reflexion in sich; oder sie ist eine Wirklichkeit
+gegen eine Möglichkeit. Die Beziehung beider auf einander ist das
+Dritte, das Wirkliche bestimmt ebenso sehr als in sich reflektirtes
+Seyn, und dieses zugleich als unmittelbar existirendes. Dieses
+Dritte ist die Nothwendigkeit.
+
+Aber zunächst, indem Wirkliches und Mögliches formelle Unterschiede
+sind, ist ihre Beziehung gleichfalls nur formell, und besteht nur
+darinn, daß das Eine wie das Andere ein Gesetztseyn ist, oder in der
+Zufälligkeit.
+
+Damit nun, daß in der Zufälligkeit das Wirkliche wie das Mögliche,
+das Gesetztseyn ist, haben sie die Bestimmung an ihnen erhalten; es
+wird dadurch zweitens die reale Wirklichkeit; womit ebenso reale
+Möglichkeit, und die relative Nothwendigkeit hervorgeht.
+
+Die Reflexion der relativen Nothwendigkeit in sich giebt drittens die
+absolute Nothwendigkeit, welche absolute Möglichkeit und Wirklichkeit
+ist.
+
+A. Zufälligkeit oder formelle Wirklichkeit, Möglichkeit und
+Nothwendigkeit.
+
+1. Die Wirklichikeit ist formell, insofern sie als erste Wirklichkeit
+nur unmittelbare, unreflektirte Wirklichkeit, somit nur in dieser
+Formbestimmung, aber nicht als Totalität der Form ist. Sie ist so
+weiter nichts als ein Seyn oder Existenz überhaupt. Aber weil sie
+wesentlich nicht bloße unmittelbare Existenz, sondern, als
+Formeinheit des Ansichseyns oder der Innerlichkeit, und der
+Äußerlichkeit ist, so enthält sie unmittelbar das Ansichseyn oder die
+Möglichkeit. Was wirklich ist, ist möglich.
+
+2. Diese Möglichkeit ist die in sich reflektirte Wirklichkeit. Aber
+dieß selbst erste Reflektirtseyn ist ebenfalls das Formelle, und
+hiermit überhaupt nur die Bestimmung der Identität mit sich oder des
+Ansichseyns überhaupt.
+
+Weil aber die Bestimmung hier Totalität der Form ist, ist dieses
+Ansichseyn, bestimmt als Aufgehobenes, oder als wesentlich nur in
+Beziehung auf die Wirklichkeit; als das Negative von dieser, gesetzt
+als Negatives. Die Möglichkeit enthält daher die zwei Momente;
+erstlich das positive, daß es ein Reflektirtseyn in sich selbst ist;
+aber indem es in der absoluten Form herabgesetzt ist zu einem Momente,
+so gilt das Reflektirtseyn-in-sich nicht mehr als Wesen, sondern hat
+zweitens die negative Bedeutung, daß die Möglichkeit ein Mangelhaftes
+ist, auf ein Anderes, die Wirklichkeit, hinweist, und an dieser sich
+ergänzt.
+
+Nach der ersten, der bloß positiven Seite ist die Möglichkeit also
+die bloße Formbestimmung der Identität mit sich, oder die Form der
+Wesentlichkeit. So ist sie der verhältnißlose, unbestimmte Behälter
+für Alles überhaupt.--Im Sinne dieser formellen Möglichkeit ist Alles
+möglich, was sich nicht widerspricht; das Reich der Möglichkeit ist
+daher die grenzenlose Mannigfaltigkeit. Aber jedes Mannigfaltige ist
+in sich und gegen Anderes bestimmt und hat die Negation an ihm;
+überhaupt geht die gleichgültige Verschiedenheit in die
+Entgegensetzung über; die Entgegensetzung aber ist der Widerspruch.
+Daher ist Alles ebenso sehr ein Widersprechendes und daher
+Unmögliches.
+
+--Dieß bloß formelle von Etwas aussagen,--es ist möglich,--ist daher
+ebenso flach und leer, als der Satz des Widerspruchs und jeder in ihn
+aufgenommene Inhalt, A ist möglich, heißt so viel als A ist A.
+Insofern man sich nicht auf die Entwicklung des Inhalts einläßt, so
+hat dieser die Form der Einfachheit; erst durch die Auflösung
+desselben in seine Bestimmungen kommt der Unterschied an ihm hervor.
+Indem man sich an jene einfache Form hält, so bleibt der Inhalt ein
+mit sich Identisches und daher ein Mögliches. Es ist aber damit
+ebenso Nichts gesagt, als mit dem formellen identischen Satze.
+
+Das Mögliche enthält jedoch mehr, als der bloß identische Satz. Das
+Mögliche ist das reflektirte In-sich-reflektirtseyn; oder das
+Identische schlechthin als Moment der Totalität, somit auch bestimmt,
+nicht an sich zu seyn; es hat daher die zweite Bestimmung, nur ein
+Mögliches zu seyn, und das Sollen der Totalität der Form. Die
+Möglichkeit ohne dieses Sollen ist die Wesentlichkeit als solche;
+aber die absolute Form enthält dieß, daß das Wesen selbst nur Moment,
+und ohne Seyn seine Wahrheit nicht hat. Die Möglichkeit ist diese
+bloße Wesentlichkeit, so gesetzt, daß sie nur Moment und der
+absoluten Form nicht gemäß ist. Sie ist das Ansichseyn, bestimmt,
+als nur ein Gesetztes; oder ebenso sehr als nicht an sich zu seyn.
+--Die Möglichkeit ist daher an ihr selbst auch der Widerspruch, oder
+sie ist die Unmöglichkeit.
+
+Zunächst drückt sieh dieß so aus, daß die Möglichkeit als aufgehoben
+gesetzte Formbestimmung, einen Inhalt überhaupt an ihr hat. Dieser
+ist als möglich ein Ansichseyn, das zugleich ein aufgehobenes oder
+ein Andersseyn ist. Weil er also nur ein möglicher ist, ist ebenso
+sehr ein anderer und sein Gegentheil möglich. A ist A; ebenso--A
+ist--A. Diese beiden Sätze drücken, jeder die Möglichkeit seiner
+Inhaltsbestimmung aus. Aber als diese identischen Sätze sind sie
+gleichgültig gegen einander; es ist mit dem einen nicht gesetzt, daß
+auch der andere hinzukomme. Die Möglichkeit ist die vergleichende
+Beziehung beider; sie enthält es in ihrer Bestimmung, als eine
+Reflexion der Totalität, daß auch das Gegentheil möglich sey. Sie
+ist daher der beziehende Grund, daß darum, weil A=A, auch--A=-A ist;
+in dem möglichen A ist auch das Mögliche Nicht-A enthalten, und diese
+Beziehung selbst ist es, welche beide als mögliche bestimmt.
+
+Als diese Beziehung aber, daß in dem einen Möglichen, auch sein
+Anderes enthalten ist, ist sie der Widerspruch, der sich aufhebt. Da
+sie nun ihrer Bestimmung nach das Reflektirte, und wie sich gezeigt
+hat, das sich aufhebende Reflektirte ist, so ist sie somit auch das
+Unmittelbare, und damit wird sie Wirklichkeit.
+
+3. Diese Wirklichkeit ist nicht die erste, sondern die reflektirte,
+gesetzt als Einheit ihrer selbst und der Möglichkeit. Das Wirkliche
+als solches ist möglich; es ist in unmittelbarer positiver Identität
+mit der Möglichkeit; aber diese hat sich bestimmt als nur Möglichkeit;
+somit ist auch das Wirkliche bestimmt als nur ein Mögliches. Und
+unmittelbar, darum weil die Möglichkeit in der Wirklichkeit
+unmittelbar enthalten ist, ist sie darin als aufgehobene, als nur
+Möglichkeit.
+
+Umgekehrt die Wirklichkeit, die in Einheit ist mit der Möglichkeit,
+ist nur die aufgehobene Unmittelbarkeit;--oder darum weil die
+formelle Wirklichkeit nur unmittelbare erste ist, ist sie nur Moment,
+nur aufgehobene Wirklichkeit, oder nur Möglichkeit.
+
+Hiermit ist zugleich näher die Bestimmung ausgedrückt, inwiefern die
+Möglichkeit Wirklichkeit ist. Die Möglichkeit ist nämlich noch nicht
+alle Wirklichkeit, von der realen und absoluten Wirklichkeit ist noch
+nicht die Rede gewesen;--sie ist nur erst diejenige, welche zuerst
+vorkam, nämlich die formelle, die sich bestimmt hat, nur Möglichkeit
+zu seyn, also die formelle Wirklichkeit, welche nur Seyn oder
+Existenz überhaupt ist. Alles Mögliche hat daher überhaupt ein Seyn
+oder eine Existenz.
+
+Diese Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit ist die Zufälligkeit.
+--Das Zufällige ist ein Wirkliches, das zugleich nur als möglich
+bestimmt, dessen Anderes oder Gegentheil ebenso sehr ist. Diese
+Wirklichkeit ist daher bloßes Seyn oder Existenz, aber in seiner
+Wahrheit gesetzt, den Werth eines Gesetztseyns oder der Möglichkeit
+zu haben. Umgekehrt ist die Möglichkeit als die Reflexion-in-sich
+oder das Ansichseyn gesetzt als Gesetztseyn; was möglich ist, ist ein
+Wirkliches in diesem Sinne der Wirklichkeit, es hat nur so viel Werth
+als die zufällige Wirklichkeit; es ist selbst ein Zufälliges.
+
+Das Zufällige bietet daher die zwei Seiten dar; erstens insofern es
+die Möglichkeit unmittelbar an ihm hat, oder, was dasselbe ist,
+insofern sie in ihm aufgehoben ist, ist es nicht Gesetztseyn noch
+vermittelt, sondern unmittelbare Wirklichkeit; es hat keinen Grund.
+--Weil auch dem Möglichen diese unmittelbare Wirklichkeit zukommt, so
+ist es so sehr als das Wirkliche, bestimmt als zufällig, und
+ebenfalls ein Grundloses.
+
+Das Zufällige ist aber zweitens das Wirkliche als ein nur Mögliches
+oder als ein Gesetztseyn; so auch das Mögliche ist als formelles
+An-sich-seyn nur Gesetztseyn. Somit ist Beides nicht an und für sich
+selbst, sondern hat seine wahrhafte Reflexion-in-sich in einem Andern,
+oder es hat einen Grund.
+
+Das Zufällige hat also darum keinen Grund, weil es zufällig ist; und
+ebenso wohl hat es einen Grund, darum weil es zufällig ist.
+
+Es ist das gesetzte, unvermittelte Umschlagen des Innern und Äußern,
+oder des In-sich-reflektirt-seyns und des Seyns in einander; gesetzt
+dadurch daß Möglichkeit und Wirklichkeit, jede an ihr selbst diese
+Bestimmung hat, dadurch daß sie Momente der absoluten Form sind.--So
+ist die Wirklichkeit in ihrer unmittelbaren Einheit mit der
+Möglichkeit nur die Existenz und bestimmt als Grundloses, das nur ein
+Gesetztes oder nur Mögliches ist;--oder als reflektirt und bestimmt
+gegen die Möglichkeit, so ist sie von der Möglichkeit, von dem
+In-sich-reflektirt-seyn getrennt, und somit ebenso unmittelbar auch
+nur ein Mögliches.--Ebenso die Möglichkeit, als einfaches Ansichseyn,
+ist es ein Unmittelbares, nur ein Seyendes überhaupt; oder
+entgegengesetzt gegen die Wirklichkeit, ebenso ein Wirklichkeitsloses
+Ansichseyn, nur ein Mögliches, aber eben darum wieder nur eine nicht
+in sich reflektirte Existenz überhaupt.
+
+Diese absolute Unruhe des Werdens dieser beiden Bestimmungen ist die
+Zufälligkeit. Aber darum weil jede unmittelbar in die
+entgegengesetzte umschlägt, so geht sie in dieser ebenso schlechthin
+mit sich selbst zusammen, und diese Identität derselben einer in der
+andern ist die Nothwendigkeit.
+
+Das Nothwendige ist ein Wirkliches; so ist es als unmittelbares,
+Grundloses; es hat aber ebenso sehr seine Wirklichkeit durch ein
+Anderes oder in seinem Grunde, aber ist zugleich das Gesetztseyn
+dieses Grundes und die Reflexion desselben in sich; die Möglichkeit
+des Nothwendigen ist eine aufgehobene. Das Zufällige ist also
+nothwendig, darum weil das Wirkliche als Mögliches bestimmt, damit
+seine Unmittelbarkeit aufgehoben und in Grund oder Ansichseyn, und in
+Begründetes abgestoßen ist, als auch weil diese seine Möglichkeit,
+die Grundbeziehung, schlechthin aufgehoben und als Seyn gesetzt ist.
+Das Nothwendige ist, und dieß Seyende ist selbst das Nothwendige.
+Zugleich ist es an sich; diese Reflexion-in-sich ist ein Anderes als
+jene Unmittelbarkeit des Seyns; und die Nothwendigkeit des Seyenden
+ist ein Anderes. Das Seyende selbst ist so nicht das Nothwendige;
+aber dieses Ansichseyn ist selbst nur Gesetztseyn, es ist aufgehoben
+und selbst unmittelbar. So ist die Wirklichkeit in ihrem
+unterschiedenen, der Möglichkeit, identisch mit sich selbst. Als
+diese Identität ist sie Nothwendigkeit.
+
+B. Relative Nothwendigkeit oder reale Wirklichkeit, Möglichkeit und
+Nothwendigkeit.
+
+1. Die Nothwendigkeit, die sich ergeben hat, ist formell, weil ihre
+Momente formell sind, nämlich einfache Bestimmungen, die nur als
+unmittelbare Einheit, oder als unmittelbares Umschlagen des Einen in
+das Andere Totalität sind, und somit nicht die Gestalt der
+Selbstständigkeit haben.--In dieser formellen Nothwendigkeit ist
+daher die Einheit zunächst einfach und gegen ihre Unterschiede
+gleichgültig. Als unmittelbare Einheit der Formbestimmungen, ist
+diese Nothwendigkeit Wirklichkeit; aber eine solche, die, weil ihre
+Einheit nunmehr bestimmt ist als gleichgültig gegen den Unterschied
+der Formbestimmungen, nämlich ihrer selbst und der Möglichkeit, einen
+Inhalt hat. Dieser als gleichgültige Identität enthält auch die Form
+als gleichgültige, d. h. als bloß verschiedene Bestimmungen, und ist
+mannigfaltiger Inhalt überhaupt. Diese Wirklichkeit ist reale
+Wirklichkeit.
+
+Die reale Wirklichkeit als solche ist zunächst das Ding von vielen
+Eigenschaften, die existirende Welt; aber sie ist nicht die Existenz,
+welche sich in Erscheinung auflöst, sondern als Wirklichkeit ist sie
+zugleich Ansichseyn und Reflexion-in-sich; sie erhält sich in der
+Mannigfaltigkeit der bloßen Existenz; ihre Äußerlichkeit ist
+innerliches Verhalten nur zu sich selbst. Was wirklich ist, kann
+wirken; seine Wirklichkeit giebt Etwas kund durch das, was es
+hervorbringt. Sein Verhalten zu Anderem ist die Manifestation seiner,
+weder ein Übergehen, so bezieht das seyende Etwas sich auf Anderes;
+--noch ein Erscheinen, so ist das Ding nur im Verhältniß zu andern,
+ist ein Selbstständiges, das aber seine Reflexion-in-sich, seine
+bestimmte Wesentlichkeit, in einem andern Selbstständigen hat.
+
+Die reale Wirklichkeit hat nun gleichfalls die Möglichkeit
+unmittelbar an ihr selbst. Sie enthält das Moment des Ansichseyns;
+aber als nur erst die unmittelbare Einheit ist sie in einer der
+Bestimmungen der Fonn, hiermit als das Seyende von dem Ansichseyn
+oder der Möglichkeit unterschieden.
+
+2. Diese Möglichkeit als das Ansichseyn der realen Wirklichkeit ist
+selbst reale Möglichkeit, zunächst das inhaltsvolle Ansichseyn.--Die
+formelle Möglichkeit ist die Reflexion-in-sich nur als die abstrakte
+Identität, daß Etwas sich in sich nicht widerspreche. Insofern man
+sich aber auf die Bestimmungen, Umstände, Bedingungen einer Sache
+einläßt, um daraus ihre Möglichkeit zu erkennen, bleibt man nicht
+mehr bei der formellen stehen, sondern betrachtet ihre reale
+Möglichkeit.
+
+Diese reale Möglichkeit ist selbst unmittelbare Existenz, nicht mehr
+aber darum, weil die Möglichkeit als solche, als formelles Moment,
+unmittelbar ihr Gegentheil, eine nicht reflektirte Wirklichkeit ist;
+sondern weil sie reale Möglichkeit ist, hat sie sogleich diese
+Bestimmung an ihr selbst. Die reale Möglichkeit einer Sache ist
+daher die daseyende Mannigfaltigkeit von Umständen, die sich auf sie
+beziehen.
+
+Diese Mannigfaltigkeit des Daseyns ist also zwar sowohl Möglichkeit
+als Wirklichkeit, aber ihre Identität ist nur erst der Inhalt, der
+gegen diese Formbestimmungen gleichgültig ist; sie machen daher die
+Form aus bestimmt gegen ihre Identität.--Oder die unmittelbare reale
+Wirklichkeit, darum weil sie unmittelbare ist, ist gegen ihre
+Möglichkeit bestimmt; als diese bestimmte, somit reflektirte ist sie
+die reale Möglichkeit. Diese ist nun zwar das gesetzte Ganze der
+Form, aber der Form in ihrer Bestimmtheit, nämlich der Wirklichkeit
+als formeller oder unmittelbarer, und ebenso der Möglichkeit, als des
+abstrakten Ansichseyns. Diese Wirklichkeit, welche die Möglichkeit
+einer Sache ausmacht, ist daher nicht ihre eigene Möglichkeit,
+sondern das Ansichseyn eines andern Wirklichen; sie selbst ist die
+Wirklichkeit, die aufgehoben werden soll, die Möglichkeit als nur
+Möglichkeit.--So macht die reale Möglichkeit das Ganze von
+Bedingungen aus, eine nicht in sich reflektirte, zerstreute
+Wirklichkeit, welche aber bestimmt ist, das Ansichseyn aber eines
+Andern zu seyn und in sich zurückgehen zu sollen.
+
+Was real möglich ist, ist also nach seinem Ansichseyn, ein formelles
+Identisches, das nach seiner einfachen Inhaltsbestimmung sich nicht
+widerspricht; aber auch nach seinen entwickelten und unterschiedenen
+Umständen und allem, womit es im Zusammenhange steht, muß es als das
+mit sich Identische sich nicht widersprechen. Aber zweitens weil es
+in sich mannigfaltig und mit Anderem in mannigfaltigem Zusammenhange
+ist, die Verschiedenheit aber an sich selbst in Entgegensetzung
+übergeht, ist es ein Widersprechendes. Wenn von einer Möglichkeit
+die Rede ist und deren Widerspruch aufgezeigt werden soll, so hat man
+sich nur an die Mannigfaltigkeit, die sie als Inhalt oder als ihre
+bedingende Existenz enthält, zu halten; woraus sich leicht ihr
+Widerspruch auffinden läßt.--Dieß ist aber nicht ein Widerspruch der
+Vergleichung, sondern die mannigfaltige Existenz ist an sich selbst
+dieß, sich aufzuheben und zu Grunde zu gehen; und hat darin
+wesentlich die Bestimmung, nur ein Mögliches zu seyn, an ihr selbst.
+--Wenn alle Bedingungen einer Sache vollständig vorhanden sind, so
+tritt sie in Wirklichkeit;--die Vollständigkeit der Bedingungen ist
+die Totalität als am Inhalte, und die Sache selbst ist dieser Inhalt
+bestimmt ebenso ein Wirkliches als Mögliches zu seyn. In der Sphäre
+des bedingten Grundes haben die Bedingungen die Form, nämlich den
+Grund oder die für sich seyende Reflexion, außer ihnen, welche sie zu
+Momenten der Sache bezieht und die Existenz an ihnen hervorbringt.
+Hier hingegen ist die unmittelbare Wirklichkeit nicht durch eine
+voraussetzende Reflexion bestimmt, Bedingung zu seyn, sondern es ist
+gesetzt, daß sie selbst die Möglichkeit ist.
+
+In der sich aufhebenden realen Möglichkeit ist es nun ein Gedoppeltes,
+das aufgehoben wird; denn sie ist selbst das Gedoppelte,
+Wirklichkeit und Möglichkeit zu seyn. 1) Die Wirklichkeit ist die
+formelle, oder eine Existenz, die als selbstständige unmittelbare
+erschien, und durch ihr Aufheben zum reflektirten Seyn, zum Moment
+eines Andern wird, und somit das Ansichseyn an ihr erhält. 2) Jene
+Existenz war auch bestimmt als Möglichkeit oder als das Ansichseyn
+aber eines Andern. Indem es sich also aufhebt, so wird auch dieß
+Ansichseyn aufgehoben, und geht in Wirklichkeit über.--Diese Bewegung
+der sich selbst aufhebenden realen Möglichkeit bringt also dieselben
+schon vorhandenen Momente hervor, nur jedes aus dem andern werdend;
+sie ist daher in dieser Negation auch nicht ein Übergehen, sondern
+ein Zusammengehen mit sich selbst.--Nach der formellen Möglichkeit
+war darum, weil etwas möglich war, auch nicht es selbst, sondern sein
+Anderes möglich. Die reale Möglichkeit hat nicht mehr ein solches
+Anderes sich gegenüber, denn sie ist real, insofern sie selbst auch
+die Wirklichkeit ist. Indem sich also die unmittelbare Existenz
+derselben, der Kreis der Bedingungen, aufhebt, so macht sie sich zum
+Ansichseyn, welches sie selbst schon ist, nämlich als das Ansichseyn
+eines Andern. Und indem umgekehrt dadurch zugleich ihr Moment des
+Ansichseyns sich aufhebt, wird sie zur Wirklichkeit, also zu dem
+Momente, das sie gleichfalls selbst schon ist.--Was verschwindet, ist
+damit dieß, daß die Wirklichkeit bestimmt war als die Möglichkeit
+oder das Ansichseyn eines Andern, und umgekehrt die Möglichkeit als
+eine Wirklichkeit, die nicht diejenige ist, deren Möglichkeit sie ist
+
+3. Die Negation der realen Möglichkeit ist somit ihre Identität mit
+sich: indem sie so in ihrem Aufheben der Gegenstoß dieses Aufhebens
+in sich selbsi ist, ist sie die reale Nothwendigkeit.
+
+Was nothwendig ist, kann nicht anders seyn; aber wohl was überhaupt
+möglich ist; denn die Möglichkeit ist das Ansichseyn, das nur
+Gesetztseyn, und daher wesentlich Andersseyn ist. Die formelle
+Möglichkeit ist diese Identität als Übergehen in schlechthin Anderes;
+die reale aber, weil sie das andere Moment, die Wirklichkeit, an ihr
+hat, ist schon selbst die Nothwendigkeit. Was daher real möglich ist,
+das kann nicht mehr anders seyn; unter diesen Bedingungen und
+Umständen kann nicht etwas Anderes erfolgen. Reale Möglichkeit und
+die Nothwendigkeit sind daher nur scheinbar unterschieden; diese ist
+eine Identität, die nicht erst wird, sondern schon vorausgesetzt ist,
+und zu Grunde liegt. Die reale Nothwendigkeit ist daher inhaltsvolle
+Beziehung; denn der Inhalt ist jene ansichseyende Identität, die
+gegen die Formunterschiede gleichgültig ist.
+
+Diese Nothwendigkeit aber ist zugleich relativ.--Sie hat nämlich eine
+Voraussetzung, von der sie anfängt, sie hat an dem Zufälligen ihren
+Ausgangspunkt. Das reale Wirkliche als solches, ist nämlich das
+bestimmte Wirkliche, und hat zunächst seine Bestimmtheit als
+unmittelbares Seyn darin, daß es eine Mannigfaltigkeit existirender
+Umstände ist; aber dieß unmittelbare Seyn als Bestimmtheit, ist es
+auch das Negative seiner, ist Ansichseyn oder Möglichkeit; so ist es
+reale Möglichkeit. Als diese Einheit der beiden Momente ist sie die
+Totalität der Form, aber die sich noch äußerliche Totalität; sie ist
+so Einheit der Möglichkeit und Wirklichkeit, daß 1) die mannigfaltige
+Existenz unmittelbar oder positiv die Möglichkeit ist;--ein Mögliches,
+mit sich Identisches überhaupt, darum weil sie ein Wirkliches ist;
+2) insofern diese Möglichkeit der Existenz gesetzt ist, ist sie
+bestimmt als nur Möglichkeit, als unmittelbares Umschlagen der
+Wirklichkeit in ihr Gegentheil,--oder als Zufälligkeit. Daher ist
+diese Möglichkeit, welche die unmittelbare Wirklichkeit, indem sie
+Bedingung ist, an ihr hat, nur das Ansichseyn als die Möglichkeit
+eines Andern. Dadurch daß, wie gezeigt, dieß Andersseyn sich aufhebt,
+und dieß Gesetztseyn selbst gesetzt wird, wird die reale Möglichkeit
+zwar Nothwendigkeit; aber diese fängt somit von jener noch nicht in
+sich reflektirten Einheit des Möglichen und Wirklichen an;--dieses
+Voraussetzen und die in sich zurückkehrende Bewegung ist noch
+getrennt;--oder die Nothwendigkeit hat sich noch nicht aus sich
+selbst zur Zufälligkeit bestimmt.
+
+Die Relativität der realen Nothwendigkeit stellt sich an dem Inhalte
+so dar, daß er nur erst die gegen die Form gleichgültige Identität,
+daher von ihr unterschieden und ein bestimmter Inhalt überhaupt ist.
+Das real Nothwendige ist deswegen irgend eine beschränkte
+Wirklichkeit, die um dieser Beschränktheit willen in anderer Rüksicht
+auch nur ein Zufälliges ist.
+
+In der That ist somit die reale Nothwendigkeit an sich auch
+Zufälligkeit.--Dieß erscheint zunächst so, daß das real Nothwendige,
+der Form nach, zwar ein Nothwendiges, aber dem Inhalte nach ein
+Beschränktes sey, und durch ihn seine Zufälligkeit habe. Allein auch
+in der Form der realen Nothwendigkeit ist die Zufälligkeit enthalten;
+denn wie sich gezeigt, ist die reale Möglichkeit nur an sich das
+Nothwendige, gesetzt aber ist sie als das Andersseyn der Wirklichkeit
+und Möglichkeit gegen einander. Die reale Nothwendigkeit enthält
+daher die Zufälligkeit; sie ist die Rückkehr in-sich aus jenem
+unruhigen Andersseyn der Wirklichkeit und Möglichkeit gegen einander,
+aber nicht aus sich selbst zu sich.
+
+An sich ist also hier die Einheit der Nothwendigkeit und Zufälligkeit
+vorhanden; diese Einheit ist die absolute Wirklichkeit zu nennen.
+
+C. Absolute Nothwendigkeit.
+
+Die reale Nothwendigkeit ist bestimmte Nothwendigkeit; die formelle
+hat noch keinen Inhalt und Bestimmtheit an ihr. Die Bestimmtheit der
+Nothwendigkeit besteht darin, daß sie ihre Negation, die Zufälligkeit,
+an ihr hat. So hat sie sich ergeben.
+
+Diese Bestimmtheit aber in ihrer ersten Einfachheit ist Wirklichkeit;
+die bestimmte Nothwendigkeit ist daher unmittelbar wirkliche
+Nothwendigkeit. Diese Wirklichkeit, die selbst als solche nothwendig
+ist, indem sie nämlich die Nothwendigkeit als ihr Ansichseyn enthält,
+ist absolute Wirklichkeit;--Wirklichkeit, die nicht mehr anders seyn
+kann, denn ihr Ansichseyn ist nicht die Möglichkeit, sondern die
+Nothwendigkeit selbst.
+
+Aber damit ist diese Wirklichkeit, weil sie gesetzt ist, absolut, das
+heißt, selbst die Einheit ihrer und der Möglichkeit zu seyn, nur eine
+leere Bestimmung; oder sie ist Zufälligkeit.--Dieß Leere ihrer
+Bestimmung macht sie zu einer bloßen Möglichkeit, zu einem, das
+ebenso sehr auch anders seyn und als Mögliches bestimmt werden kann.
+Diese Möglichkeit aber ist selbst die absolute; denn sie ist eben die
+Möglichkeit, ebenso sehr als Möglichkeit wie als Wirklichkeit
+bestimmt zu werden. Damit, daß sie diese Gleichgültigkeit gegen sich
+selbst ist, ist sie gesetzt als leere, zufällige Bestimmung.
+
+So enthält die reale Nothwendigkeit nicht nur an sich die
+Zufälligkeit, sondern diese wird auch an ihr; aber dieß Werden als
+die Äußerlichkeit ist selbst nur das Ansichseyn derselben, weil es
+nur ein unmittelbares Bestimmtseyn ist. Aber es ist nicht nur dieß,
+sondern ihr eigenes Werden,--oder die Voraussetzung, welche sie hatte,
+ist ihr eigenes Setzen. Denn als reale Nothwendigkeit ist sie das
+Aufgehobenseyn der Wirklichkeit in der Möglichkeit und umgekehrt;
+--indem sie dieß einfache Umschlagen des einen dieser Momente in das
+andere ist, ist sie auch ihre einfache positive Einheit, indem jedes,
+wie sich zeigte, in dem andern nur mit sich selbst zusammengeht. So
+ist sie aber die Wirklichkeit; jedoch eine solche, die nur ist, als
+dieses einfache Zusammen-gehen der Form mit sich selbst. Ihr
+negatives Setzen jener Momente ist dadurch selbst das Voraussetzen,
+oder Setzen ihrer selbst als aufgehobener oder der Unmittelbarkeit.
+
+Eben darin aber ist diese Wirklichkeit bestimmt als Negatives; sie
+ist ein Zusammengehen aus der Wirklichkeit, welche reale Möglichkeit
+war, mit sich; also wird diese neue Wirklichkeit nur aus ihrem
+Ansichseyn, aus der Negation ihrer selbst.--Damit ist sie zugleich
+unmittelbar als Möglichkeit bestimmt, als Vermitteltes durch ihre
+Negation. Diese Möglichkeit aber ist somit unmittelbar nichts als
+dieß Vermitteln, in welchem das Ansichseyn, nämlich sie selbst, und
+die Unmittelbarkeit, beide auf gleiche Weise Gesetztseyn sind.--So
+ist es die Nothwendigkeit, welche ebenso sehr Aufheben dieses
+Gesetztseyns oder Setzen der Unmittelbarkeit, und des Ansichseyns, so
+wie eben darin Bestimmen dieses Aufhebens als Gesetztseyns ist. Sie
+ist daher es selbst, welche sich als Zufälligkeit bestimmt;--in ihrem
+Seyn sich von sich abstößt, in diesem Abstoßen selbst nur in sich
+zurückgekehrt ist, und in dieser Rückkehr als ihrem Seyn sich von
+sich selbst abgestoßen hat.
+
+So hat die Form in ihrer Realisirung alle ihre Unterschiede
+durchdrungen und sich durchsichtig gemacht, und ist als absolute
+Nothwendigkeit nur diese einfache Identität des Seyns in seiner
+Negation oder in dem Wesen mit sich selbst.--Der Unterschied von dem
+Inhalte und der Form selbst ist ebenso verschwunden; denn jene
+Einheit der Möglichkeit in der Wirklichkeit und umgekehrt ist die in
+ihrer Bestimmtheit oder im Gesetztseyn gegen sich selbst
+gleichgültige Form, die inhaltsvolle Sache, an der sich die Form der
+Nothwendigkeit äußerlich verlief. Aber so ist sie diese reflektirte
+Identität beider Bestimmungen, als gegen sie gleichgültig, somit die
+Formbestimmung des Ansichseyns gegen das Gesetztseyn, und diese
+Möglichkeit macht die Beschränktheit des Inhalts aus, den die reale
+Nothwendigkeit hatte. Die Auflösung dieses Unterschieds aber ist die
+absolute Nothwendigkeit, deren Inhalt dieser in ihr sich
+durchdringende Unterschied ist.
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist also die Wahrheit, in welche
+Wirklichkeit und Möglichkeit überhaupt, so wie die formelle und reale
+Nothwendigkeit zurückgeht.--Sie ist, wie sich ergeben hat, das Seyn,
+das in seiner Negation, im Wesen, sich auf sich bezieht und Seyn ist.
+Sie ist ebenso sehr einfache Unmittelbarkeit oder reines Seyn, als
+einfache Reflexion-in-sich, oder reines Wesen; sie ist dieß, daß dieß
+Beides ein und dasselbe ist.--Das schlechthin Nothwendige ist nur,
+weil es ist; es hat sonst keine Bedingung, noch Grund.--Es ist aber
+ebenso reines Wesen, sein Seyn ist die einfache Reflexion-in-sich; es
+ist, weil es ist. Als Reflexion hat es Grund und Bedingung, aber es
+hat nur sich zum Grunde und Bedingung. Es ist Ansichseyn, aber sein
+Ansichseyn ist seine Unmittelbarkeit, seine Möglichkeit ist seine
+Wirklichkeit.--Es ist also, weil es ist; als das Zusammengehen des
+Seyns mit sich, ist es Wesen; aber weil dieß Einfache ebenso die
+unmittelbare Einfachheit ist, ist es Seyn.
+
+Die absolute Nothwendigkeitt ist so die Reflexion oder Form des
+Absoluten; Einheit des Seyns und Wesens, einfache Unmittelbarkeit,
+welche absolute Negativität ist. Einer Seits sind ihre Unterschiede
+daher nicht als Reflexions-Bestimmungen, sondern als seyende
+Mannigfaltigkeit, als unterschiedene Wirklichkeit, welche die Gestalt
+von selbstständigen Anderen gegen einander hat. Anderer Seits da
+ihre Beziehung die absolute Identität ist, ist sie das absolute
+Umkehren ihrer Wirklichkeit in ihre Möglichkeit und ihrer Möglichkeit
+in Wirklichkeit.--Die absolute Nothwendigkeit ist daher blind. Einer
+Seits haben die unterschiedenen, welche als Wirklichkeit und als die
+Möglichkeit bestimmt sind, die Gestalt der Reflexion-in-sich als des
+Seyns; sie sind daher beide als freie Wirklichkeiten, deren keins im
+Andern scheint, keins eine Spur seiner Beziehung auf das Andere an
+ihm zeigen will; in sich gegründet ist jedes das Nothwendige an ihm
+selbst. Die Nothwendigkeit als Wesen ist in diesem Seyn verschlossen;
+die Berührung dieser Wirklichkeiten durch einander erscheint daher
+als eine leere Äußerlichkeit; die Wirklichkeit des einen in dem
+Andern ist die nur Möglichkeit, die Zufälligkeit. Denn das Seyn ist
+gesetzt als absolut nothwendig, als die Vermittelung-mit-sich, welche
+absolute Negation der Vermittelung-durch-Anderes ist, oder als Seyn
+das nur mit dem Seyn identisch ist; ein Anderes, das im Seyn
+Wirklichkeit hat, ist daher als schlechthin nur Mögliches, leeres
+Gesetztseyn bestimmt.
+
+Aber diese Zufälligkeit ist vielmehr die absolute Nothwendigkeit; sie
+ist das Wesen jener freien, an sich nothwendigen Wirklichkeiten.
+Dieses Wesen ist das Lichtscheue, weil an diesen Wirklichkeiten kein
+Scheinen, kein Reflex ist, weil sie nur rein in sich gegründet, für
+sich gestaltet sind, sich nur sich selbst manifestiren,--weil sie nur
+Seyn sind.--Aber ihr Wesen wird an ihnen hervorbrechen und offenbaren,
+was es ist und was sie sind. Die Einfachheit ihres Seyns, ihres
+Beruhens auf sich, ist die absolute Negativität; sie ist die Freiheit
+ihrer scheinlosen Unmittelbarkeit. Dieses Negative bricht an ihnen
+hervor, weil das Seyn durch dieß sein Wesen der Widerspruch mit sich
+selbst ist;--und zwar gegen dieß Seyn in der Form des Seyns, also als
+die Negation jener Wirklichkeiten, welche absolut verschieden ist von
+ihrem Seyn, als ihr Nichts, als ein ebenso freies Andersseyn gegen
+sie, als ihr Seyn es ist.--Jedoch war es an ihnen nicht zu verkennen.
+Sie sind in ihrer auf sich beruhenden Gestaltung gleichgültig gegen
+die Form, ein Inhalt, damit unterschiedene Wirklichkeiten und ein
+bestimmter Inhalt; dieser ist das Maal, das die Nothwendigkeit, indem
+sie, welche absolute Rückkehr in sich selbst in ihrer Bestimmung ist,
+dieselben frei als absolut wirkliche entließ,--ihnen aufdrückte,
+worauf sie als den Zeugen ihres Rechts sich beruft, und an dem sie
+ergriffen nun untergehen. Diese Manifestation dessen, was die
+Bestimmtheit in Wahrheit ist, negative Beziehung auf sich selbst, ist
+blinder Untergang im Andersseyn; das hervorbrechende Scheinen oder
+die Reflexion ist an den Seyenden als Werden oder Übergehen des Seyns
+in Nichts. Aber das Seyn ist umgekehrt ebenso sehr Wesen, und das
+Werden ist Reflexion oder Scheinen. So ist die Äußerlichkeit ihre
+Innerlichkeit, ihre Beziehung ist absolute Identität; und das
+Übergehen des Wirklichen in Mögliches, des Seyns in Nichts ein
+Zusammengehen mit sich selbst; die Zufälligkeit ist absolute
+Nothwendigkeit; sie selbst ist das Voraussetzen jener ersten
+absoluten Wirklichkeiten.
+
+Diese Identität des Seyns in seiner Negation mit sich selbst, ist sie
+nun Substanz. Sie ist diese Einheit als in ihrer Negation oder als
+in der Zufälligkeit; so ist sie die Substanz als Verhältniß zu sich
+selbst. Das blinde Übergehen der Nothwendigkeit ist vielmehr die
+eigene Auslegung des Absoluten, die Bewegung desselben in sich,
+welches in seiner Entäußerung vielmehr sich selbst zeigt.
+
+
+
+Drittes Kapitel. Das absolute Verhältniß.
+
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist nicht sowohl das Nothwendige, noch
+weniger ein Nothwendiges, sondern Nothwendigkeit;--Seyn schlechthin
+als Reflexion. Sie ist Verhältniß, weil sie Unterscheiden ist,
+dessen Momente selbst ihre ganze Totalität sind, die also absolut
+bestehen, so daß dieß aber nur Ein Bestehen und der Unterschied nur
+der Schein des Auslegens, und dieser das Absolute selbst ist.--Das
+Wesen als solches ist die Reflexion oder das Scheinen; das Wesen als
+absolutes Verhältniß aber ist der als Schein gesetzte Schein, oder
+als dieß Beziehen auf sich die absolute Wirklichkeit ist.--Das
+Absolute, zuerst von der äußern Reflexion ausgelegt, legt nun als
+absolute Form oder als Nothwendigkeit, sich selbst aus; dieß Auslegen
+seiner selbst ist sein Sich-selbst-setzen, und es ist nur dieß
+Sich-setzen.--Wie das Licht der Natur nicht Etwas, noch Ding, sondern
+sein Seyn nur sein Scheinen ist, so ist die Manifestation die sich
+selbst gleiche absolute Wirklichkeit.
+
+Die Seiten des absoluten Verhältnisses sind daher keine Attribute.
+Im Attribute scheint das Absolute nur in einem seiner Momente, als
+einem vorausgesetzten und von der äußern Reflexion aufgenommenen.
+Die Auslegerin des Absoluten aber ist die absolute Nothwendigkeit,
+die identisch mit sich ist, als sich selbst bestimmend. Da sie das
+Scheinen ist, das als Schein gesetzt ist, so sind die Seiten dieses
+Verhältnisses Totalitäten, weil sie als Schein sind; denn als Schein
+sind die Unterschiede sie selbst und ihr Entgegengesetztes, oder das
+Ganze;--umgekehrt sind sie so Schein, weil sie Totalitäten sind.
+Dieß Unterscheiden oder Scheinen des Absoluten ist so nur das
+identische Setzen seiner selbst.
+
+Dieß Verhältniß in seinem unmittelbaren Begriff ist das Verhältniß
+der Substanz und der Accidenzen, das unmittelbare Verschwinden und
+Werden des absoluten Scheines in sich selbst. Indem die Substanz
+sich zum Fürsichseyn gegen ein Anderes bestimmt, oder das absolute
+Verhältniß als reales, ist das Verhältniß der Kausalität. Endlich
+indem dieses als sich auf sich Beziehendes in Wechselwirkung übergeht,
+so ist damit das absolute Verhältniß nach den Bestimmungen, welche
+es enthält, auch gesetzt; diese gesetzte Einheit seiner in seinen
+Bestimmungen, die als das Ganze selbst und damit ebenso sehr als
+Bestimmungen gesetzt sind, ist alsdann der Begriff.
+
+A. Das Verhältniß der Substantialität.
+
+Die absolute Nothwendigkeit ist absolutes Verhältniß, weil sie nicht
+das Seyn als solches ist, sondern das Seyn, das ist, weil es ist,
+das Seyn als die absolute Vermittelung seiner mit sich selbst.
+Dieses Seyn ist die Substanz; als die letzte Einheit des Wesens und
+Seyns, ist sie das Seyn in allem Seyn; weder das unreflektirte
+Unmittelbare, noch auch ein abstraktes, hinter der Existenz und
+Erscheinung stehendes, sondern die unmittelbare Wirklichkeit selbst,
+und diese als absolutes Reflektirtseyn in sich, als an und
+fürsichseyendes Bestehen.--Die Substanz als diese Einheit des Seyns
+und der Reflexion ist wesentlich das Scheinen und Gesetztseyn ihrer.
+Das Scheinen ist das sich auf sich beziehende Scheinen, so ist es;
+dieß Seyn ist die Substanz als solche. Umgekehrt ist dieses Seyn nur
+das mit sich identische Gesetztseyn, so ist es scheinende Totalität,
+die Accidentalität.
+
+Dieß Scheinen ist die Identität als der Form;--die Einheit der
+Möglichkeit und Wirklichkeit. Sie ist erstlich Werden, die
+Zufälligkeit als die Sphäre des Entstehens und Vergehens; denn nach
+der Bestimmung der Unmittelbarkeit ist die Beziehung der Möglichkeit
+und Wirklichkeit unmittelbares Umschlagen derselben als Seyender in
+einander, eines jeden als in sein ihm nur Anderes.--Aber weil das
+Seyn Schein ist, so ist die Beziehung derselben auch als identischer
+oder scheinender an einander, Reflexion. Die Bewegung der
+Accidentalität stellt daher an jedem ihrer Momente das Scheinen der
+Kategorien des Seyns und der Reflexions-Bestimmungen des Wesens in
+einander dar.--Das unmittelbare Etwas hat einen Inhalt; seine
+Unmittelbarkeit ist zugleich reflektirte Gleichgültigkeit gegen die
+Form. Dieser Inhalt ist bestimmt, und indem dieß Bestimmtheit des
+Seyns ist, geht das Etwas über in ein Anderes. Aber die Qualität ist
+auch Bestimmtheit der Reflexion; so ist sie gleichgültige
+Verschiedenheit. Aber diese begeistet sich zur Entgegensetzung, und
+geht in den Grund zurück, der das Nichts, aber auch Reflexion-in-sich
+ist. Diese hebt sich auf; aber sie ist selbst reflektirtes
+Ansichseyn, so ist sie Möglichkeit und dieß Ansichseyn ist in seinem
+Übergehen, das ebenso sehr Reflexion-in-sich ist, das nothwendige
+Wirkliche.
+
+Diese Bewegung der Accidentalität ist die Aktuosität der Substanz,
+als ruhiges Hervorgehen ihrer selbst. Sie ist nicht thätig gegen
+Etwas, sondern nur gegen sich als einfaches widerstandloses Element.
+Das Aufheben eines Vorausgesetzten ist der verschwindende Schein;
+erst in dem das unmittelbare aufhebenden Thun wird dieß Unmittelbare
+selbst, oder ist jenes Scheinen; das Anfangen von sich selbst ist
+erst das Setzen dieses Selbsts, von dem das Anfangen ist.
+
+Die Substanz als diese Identität des Scheinens ist die Totalität des
+Ganzen, und begreift die Accidentalität in sich, und die
+Accidentalität ist die ganze Substanz selbst. Der Unterschied ihrer
+in die einfache Identität des Seyns, und in den Wechsel der
+Accidenzen an derselben ist eine Form ihres Scheins. Jenes ist die
+formlose Substanz des Vorstellens, dem der Schein sich nicht als
+Schein bestimmt hat, sondern das als an einem Absoluten an solcher
+unbestimmten Identität festhält, die keine Wahrheit hat, nur die
+Bestimmtheit der unmittelbaren Wirklichkeit oder ebenso des
+Ansichseyns oder der Möglichkeit ist;--Formbestimmungen, welche in
+die Accidentalität fallen.-Die andere Bestimmung, der Wechsel der
+Accidenzen, ist die absolute Formeinheit der Accidentalität, die
+Substanz als die absolute Macht.--Das Vergehen der Accidenz ist
+Zurückgehen ihrer als Wirklichkeit in sich als in ihr Ansichseyn oder
+in ihre Möglichkeit, aber dieß ihr Ansichseyn ist selbst nur ein
+Gesetztseyn; daher ist es auch Wirklichkeit, und weil diese
+Formbestimmungen ebenso sehr Inhaltsbestimmungen sind, ist dieß
+Mögliche auch dem Inhalte nach ein anders bestimmtes Wirkliches. Die
+Substanz manifestirt sich durch die Wirklichkeit mit ihrem Inhalte,
+in die sie das Mögliche übersetzt, als schaffende, durch die
+Möglichkeit, in die sie das Wirkliche zurückführt, als zerstörende
+Macht. Aber beides ist identisch; das Schaffen zerstörend, die
+Zerstörung schaffend; denn das Negative und Positive, die Möglichkeit
+und Wirklichkeit sind in der substantiellen Nothwendigkeit absolut
+vereint.
+
+Die Accidenzen als solche,--und es sind mehrere, indem die Mehrheit
+eine der Bestimmungen des Seyns ist,--haben keine Macht über einander.
+Sie sind das seyende oder für sich seyende Etwas, existirende Dinge
+von mannigfaltigen Eigenschaften, oder Ganze, die aus Theilen
+bestehen, selbstständige Theile, Kräfte, die der Sollicitation durch
+einander bedürfen und einander zur Bedingung haben. Insofern ein
+solches Accidentelles über ein Anderes eine Macht auszuüben scheint,
+ist es die Macht der Substanz, welche beide in sich begreift, als
+Negativität einen ungleichen Werth setzt, das eine als Vo[e]rgehendes,
+das Andere mit anderem Inhalte und als Entstehendes, oder jenes in
+seine Möglichkeit, dieses daran in Wirklichkeit übergehend bestimmt;
+--ewig sich in diese Unterschiede der Form und des Inhalts entzweit
+und ewig sich von dieser Einseitigkeit reinigt, aber in dieser
+Reinigung selbst in die Bestimmung und Entzweiung zurückgefallen ist.
+--Eine Accidenz vertreibt also eine andere nur darum, weil ihr
+eigenes Subsistiren diese Totalität dar Form und des Inhalts selbst
+ist, in der sie wie ihre andere ebenso sehr untergeht.
+
+Um dieser unmittelbaren Identität und Gegenwart der Substanz in den
+Accidenzen willen ist noch kein realer Unterschied vorhanden. In
+dieser ersten Bestimmung ist die Substanz noch nicht nach ihrem
+ganzen Begriffe manifestirt. Wenn die Substanz als das mit sich
+identische An- und Fürsichseyn, von ihr selbst als Totalität der
+Accidenzen unterschieden wird, so ist sie als Macht das Vermittelnde.
+Diese ist die Nothwendigkeit, das in der Negativität der Accidenzen
+positive Beharren derselben, und ihr bloßes Gesetztseyn in ihrem
+Bestehen; diese Mitte ist somit Einheit der Substantialität und
+Accidentalität selbst, und ihre Extreme haben kein eigenthümliches
+Bestehen. Die Substantialität ist daher nur das Verhältniß als
+unmittelbar verschwindend, sie bezieht sich auf sich nicht als
+Negatives, ist als die unmittelbare Einheit der Macht mit sich selbst
+in der Form nur ihrer Identität, nicht ihres negativen Wesens; nur
+das eine Moment, nämlich das Negative oder der Unterschied, ist das
+schlechthin verschwindende, nicht aber das andere, das Identische.
+--Dieß ist auch so zu betrachten. Der Schein oder die Accidentalität
+ist an sich wohl Substanz durch die Macht, aber er ist nicht so
+gesetzt als dieser mit sich identische Schein; so hat die Substanz
+nur die Accidentalität zu ihrer Gestalt oder Gesetztseyn, nicht sich
+selbst; ist nicht Substanz als Substanz. Das
+Substantialitäts-Verhältniß ist also zunächst sie nur, daß sie sich
+als formelle Macht offenbart, deren Unterschiede nicht substantiell
+sind; sie ist in der That nur als Inneres der Accidenzen, und diese
+sind nur an der Substanz. Oder dieß Verhältniß ist nur die
+scheinende Totalität als Werden; aber sie ist ebenso sehr Reflexion;
+die Accidentalität, die an sich Substanz ist, ist eben darum auch
+gesetzt als solche; so ist sie bestimmt als sich auf sich beziehende
+Negativität, gegen sich, bestimmt als sich auf sich beziehende
+einfache Identität mit sich; und ist für-sich-seyende, mächtige
+Substanz. So geht das Substantialitäts-Verhältniß in das
+Kausalitäts-Verhältniß über.
+
+B. Das Kausalitäts-Verhältniß.
+
+Die Substanz ist Macht, und in sich reflektirte nicht bloß
+übergehende, sondern die Bestimmungen setzende und von sich
+unterscheidende Macht. Als in ihrem Bestimmen sich auf sich selbst
+beziehend ist sie selbst das, was sie als negatives setzt oder zum
+Gesetztseyn macht. Dieses ist somit überhaupt die aufgehobene
+Substantialität, das nur Gesetzte, die Wirkung; die für sich seyende
+Substanz aber ist die Ursache.
+
+Dieß Kausalitätsverhältniß ist zunächst nur dieß Verhältniß von
+Ursache und Wirkung; so ist es das formelle Kausalitäts-Verhältniß.
+
+a. Die formelle Kausalität.
+
+1. Die Ursache ist das Ursprüngliche gegen die Wirkung.--Die Substanz
+ist als Macht das Scheinen, oder hat Accidentalität. Aber sie ist
+als Macht ebenso sehr Reflexion-in-sich in ihrem Scheine; so legt sie
+ihr Übergehen aus, und dieß Scheinen ist bestimmt als Schein, oder
+die Accidenz ist gesetzt, als das, daß sie nur ein Gesetztes sey.
+--Die Substanz geht aber in ihrem Bestimmen nicht von der
+Accidentalität aus, als ob diese voraus ein Anderes wäre, und nun
+erst als Bestimmtheit gesetzt würde, son dern beides ist Eine
+Aktuosität. Die Substanz, als Macht bestimmt sich; aber dieß
+Bestimmen ist unmittelbar selbst das Aufheben des Bestimmens und die
+Rückkehr. Sie bestimmt sich,--sie, das Bestimmende ist so das
+Unmittelbare, und das selbst schon Bestimmte;--indem sie sich
+bestimmt, setzt sie also dieß schon Bestimmte als bestimmt; hat so
+das Gesetztseyn aufgehoben, und ist in sich zurückgekehrt.--Umgekehrt
+ist diese Rückkehr, weil sie die negative Beziehung der Substanz auf
+sich ist, selbst ein Bestimmen oder Abstoßen ihrer von sich; durch
+diese Rückkehr wird das Bestimmte, von dem sie anzufangen und es als
+vorgefundenes Bestimmtes nun als solches zu setzen scheint.--So ist
+die absolute Actuosität Ursache;--die Macht der Substanz in ihrer
+Wahrheit als Manifestation, die das, was an sich ist, die Accidenz,
+die das Gesetztseyn ist, unmittelbar im Werden derselben auch auslegt,
+sie setzt als Gesetztseyn; die Wirkung.--Diese ist also erstlich
+dasselbe, was die Accidentalität des Substantialitäts-Verhältnisses
+ist, nämlich die Substanz als Gesetztseyn; aber zweitens ist die
+Accidenz als solche substantiell nur durch ihr Verschwinden, als
+Übergehendes; als Wirkung aber ist sie das Gesetztseyn als mit sich
+identisch; die Ursache ist in der Wirkung als ganze Substanz
+manifestirt, nämlich als an dem Gesetztseyn selbst als solchem in
+sich reflektirt.
+
+2. Diesem in sich reflektirten Gesetztseyn, dem Bestimmten als
+Bestimmten, steht die Substanz als nicht gesetztes Ursprüngliches
+gegenüber. Weil sie als absolute Macht Rückkehr in sich, aber diese
+Rückkehr selbst Bestimmen ist, so ist sie nicht mehr bloß das An-sich
+ihrer Accidenz, sondern ist auch gesetzt als dieß Ansichseyn. Die
+Substanz hat daher erst als Ursache Wirklichkeit. Aber diese
+Wirklichkeit, daß ihr Ansichseyn, ihre Bestimmtheit im
+Substantialitäts-Verhältnisse, nunmehr als Bestimmtheit gesetzt ist,
+ist die Wirkung; die Substanz hat daher die Wirklichkeit, die sie als
+Ursache hat, nur in ihrer Wirkung.--Dieß ist die Nothwendigkeit,
+welche die Ursache ist.--Sie ist die wirkliche Substanz, weil die
+Substanz als Macht sich selbst bestimmt; aber ist zugleich Ursache,
+weil sie diese Bestimmtheit auslegt oder als Gesetztseyn setzt; so
+setzt sie ihre Wirklichkeit als das Gesetztseyn oder als die Wirkung.
+Diese ist das Andere der Ursache, das Gesetztseyn gegen das
+Ursprüngliche und durch dieses vermittelt. Aber die Ursache hebt als
+Nothwendigkeit ebenso dieß ihr Vermitteln auf, und ist in dem
+Bestimmen ihrer selbst als das ursprünglich sich auf sich beziehende
+gegen das Vermittelte, die Rückkehr in sich; denn das Gesetztseyn ist
+als Gesetztseyn bestimmt, somit identisch mit sich; die Ursache ist
+daher erst in ihrer Wirkung das wahrhaft Wirkliche und mit sich
+Identische.--Die Wirkung ist daher nothwendig, weil sie eben
+Manifestation der Ursache, oder diese Nothwendigkeit ist, welche die
+Ursache ist.--Nur als diese Nothwendigkeit ist die Ursache selbst
+bewegend, aus sich anfangend, ohne von einem Andern sollicitirt zu
+werden, und selbstständige Quelle des Hervorbringens aus sich;--sie
+muß wirken, ihre Ursprünglichkeit ist dieß, daß ihre
+Reflexion-in-sich bestimmendes Setzen und umgekehrt, beides eine
+Einheit ist.
+
+Die Wirkung enthält daher überhaupt nichts, was nicht die Ursache
+enthält. Umgekehrt enthält die Ursache nichts, was nicht in ihrer
+Wirkung ist. Die Ursache ist nur Ursache, insofern sie eine Wirkung
+hervorbringt; und die Ursache ist nichts als diese Bestimmung, eine
+Wirkung zu haben, und die Wirkung nichts, als dieß, eine Ursache zu
+haben. In der Ursache als solcher selbst liegt ihre Wirkung, und in
+der Wirkung die Ursache; insofern die Ursache noch nicht wirkte, oder
+insofern sie aufgehört hätte zu wirken, so wäre sie nicht Ursache;
+--und die Wirkung, insofern ihre Ursache verschwunden ist, ist nicht
+mehr Wirkung, sondern eine gleichgültige Wirklichkeit.-3. In dieser
+Identität der Ursache und Wirkung ist nun die Form, wodurch sie als
+das an sich seyende und als das Gesetztseyn sich unterscheiden,
+aufgehoben. Die Ursache erlischt in ihrer Wirkung; damit ist ebenso
+die Wirkung erloschen, denn sie ist nur die Bestimmtheit der Ursache.
+Diese in der Wirkung erloschene Kausalität ist somit eine
+Unmittelbarkeit, welche gegen das Verhältniß von Ursache und Wirkung
+gleichgültig ist, und es äußerlich an ihr hat.
+
+b. Das bestimmte Kausalitätsverhältniß.
+
+1. Die Identität der Ursache in ihrer Wirkung mit sich ist das
+Aufheben ihrer Macht und Negativität, daher die gegen die
+Formunterschiede gleichgültige Einheit, der Inhalt.--Er ist daher nur
+an sich auf die Form, hier die Kausalität, bezogen. Sie sind somit
+als verschieden gesetzt, und die Form gegen den Inhalt eine selbst
+nur unmittelbar wirkliche, eine zufällige Kausalität.
+
+Ferner der Inhalt so als bestimmtes, ist ein verschiedener Inhalt an
+ihm selbst; und die Ursache ist ihrem Inhalte nach bestimmt, damit
+ebenso die Wirkung.--Der Inhalt, da das Reflektirtseyn hier auch
+unmittelbare Wirklichkeit ist, ist insofern wirkliche, aber die
+endliche Substanz.
+
+Dieß ist nunmehr das Kausalitäts-Verhältniß in seiner Realität und
+Endlichkeit. Als formell ist es das unendliche Verhältniß der
+absoluten Macht, deren Inhalt die reine Manifestation oder
+Nothwendigkeit ist. Als endliche Kausalität hingegen hat es einen
+gegebenen Inhalt, und verläuft sich als ein äußerlicher Unterschied
+an diesem Identischen, das in seinen Bestimmungen eine und dieselbe
+Substanz ist.
+
+Durch diese Identität des Inhalts ist diese Kausalität ein
+analytischer Satz. Es ist dieselbe Sache, welche sich das eine Mal
+als Ursache, das andere Mal als Wirkung darstellt, dort als
+eigenthümliches Bestehen, hier als Gesetztseyn oder Bestimmung an
+einem Andern. Da diese Bestimmungen der Form äußerliche Reflexion
+sind, so ist es die der Sache nach tautologische Betrachtung eines
+subjektiven Verstandes, eine Erscheinung als Wirkung zu bestimmen und
+davon zu ihrer Ursache aufzusteigen, um sie zu begreifen und zu
+erklären; es wird nur ein und derselbe Inhalt wiederhohlt; man hat in
+der Ursache nichts Anderes als in der Wirkung.--Der Regen z.B. ist
+Ursache der Feuchtigkeit, welche seine Wirkung ist;--der Regen macht
+naß, dieß ist ein analytischer Satz; dasselbe Wasser, was der Regen
+ist, ist die Feuchtigkeit; als Regen ist dieß Wasser nur in der Form
+einer Sache für sich, als Wässerigkeit oder Feuchtigkeit dagegen ist
+es ein adjectives, ein gesetztes, das nicht mehr sein Bestehen an ihm
+selbst haben soll; und die eine Bestimmung, wie die andere, ist ihm
+äußerlich.--So ist die Ursache dieser Farbe ein Färbendes, ein
+Pigment, welches eine und dieselbe Wirklichkeit ist, das eine Mal in
+der ihm äußern Form eines thätigen, das heißt, mit einem von ihm
+verschiedenen Thätigen äußerlich verbunden, das andere Mal aber in
+der ihm ebenso äußerlichen Bestimmung einer Wirkung.--Die Ursache
+einer That ist die innere Gesinnung in einem thätigen Subjekt, die
+als äußeres Daseyn, das sie durch die Handlung erhält, derselbe
+Inhalt und Werth ist. Wenn die Bewegung eines Körpers als Wirkung
+betrachtet wird, so ist die Ursache derselben eine stoßende Kraft;
+aber es ist dasselbe Quantum der Bewegung, das vor und nach dem Stoß
+vorhanden ist, dieselbe Existenz, welche der stoßende Körper enthielt,
+und dem gestoßenen mittheilte; und so viel er mittheilt, so viel
+verliert er selbst.
+
+Die Ursache, z.B. der Mahler, oder der stoßende Körper hat wohl
+noch einen andern Inhalt, jener, als die Farben und deren sie zum
+Gemälde verbindende Form; dieser, als eine Bewegung von bestimmter
+Stärke und Richtung. Allein dieser weitere Inhalt ist ein zufälliges
+Beiwesen, das die Ursache nichts angeht; was der Maler sonst für
+Qualitäten enthält, abstrahirt davon, daß er Maler dieses Gemäldes
+ist, dieß tritt nicht in dieses Gemälde ein; nur was von seinen
+Eigenschaften sich in der Wirkung darstellt, ist in ihm als Ursache
+vorhanden, nach seinen übrigen Eigenschaften ist er nicht Ursache.
+So ob der stoßende Körper Stein oder Holz, grün, gelb ist u.s.f. dieß
+tritt nicht in seinen Stoß ein; insofern ist er nicht Ursache.
+
+Es ist in Rücksicht dieser Tautologie des Kausalitäts-Verhältnisses
+zu bemerken, daß es dieselbe dann nicht zu enthalten scheint, wenn
+nicht die nächste, sondern die entfernte Ursache einer Wirkung
+angegeben wird. Die Formveränderung, welche die zu Grunde liegende
+Sache in diesem Durchgange durch mehrere Mittelglieder erleidet,
+versteckt die Identität, die sie darin behält. Sie verknüpft sich
+zugleich in dieser Vervielfältigung der Ursachen, welche zwischen sie
+und die letzte Wirkung eingetreten sind, mit andern Dingen und
+Umständen, so daß nicht jenes Erste, was als Ursache ausgesprochen
+wird, sondern nur diese mehrere Ursachen zusammen die vollständige
+Wirkung enthalten.--So wenn z. ein Mensch dadurch unter Umstände kam,
+in denen sich sein Talent entwickelte, daß er seinen Vater verlor,
+den in einer Schlacht eine Kugel traf, so könnte dieser Schuß, (oder
+noch weiter zurück der Krieg oder eine Ursache des Kriegs und so fort
+ins Unendliche) als Ursache der Geschicklichkeit jenes Menschen
+angegeben werden. Allein es erhellt, daß z.B. jener Schuß nicht
+für sich diese Ursache ist, sondern nur die Verknüpfung desselben mit
+andern wirkenden Bestimmungen. Oder vielmehr ist er überhaupt nicht
+Ursache, sondern nur ein einzelnes Moment, das zu den Umständen der
+Möglichkeit gehörte.
+
+Denn hauptsächlich ist noch die unstatthafte Anwendung des
+Kausalitätsverhältnisses auf Verhältnisse des physisch-organischen
+und des geistigen Lebens zu bemerken. Hier zeigt sich das, was als
+Ursache genannt wird, freilich von anderem Inhalte als die Wirkung,
+darum aber, weil das, was auf das Lebendige wirkt, von diesem
+selbstständig bestimmt, verändert und verwandelt wird, weil das
+Lebendige die Ursache nicht zu ihrer Wirkung kommen läßt, das heißt,
+sie als Ursache aufhebt. So ist es unstatthaft gesprochen, daß die
+Nahrung die Ursache des Bluts, oder diese Speisen oder Kälte, Nässe,
+Ursachen des Fiebers u.s.fort seyen; so unstatthaft es ist, das
+jonische Klima als die Ursache der homerischen Werke, oder Cäsar's
+Ehrgeiz als die Ursache des Untergangs der republikanischen
+Verfassung Roms anzugeben. In der Geschichte überhaupt sind geistige
+Massen und Individuen im Spiele und in der Wechselbestimmung mit
+einander; die Natur des Geistes ist es aber noch in viel höherem
+Sinne, als der Charakter des Lebendigen überhaupt, vielmehr nicht ein
+anderes Ursprüngliches in sich aufzunehmen, oder nicht eine Ursache
+sich in ihn kontinuiren zu lassen, sondern sie abzubrechen und zu
+verwandeln.--Welche Verhältnisse aber der Idee angehören und bei ihr
+erst zu betrachten sind.--Dieß kann hier noch bemerkt werden, daß
+insofern das Verhältniß von Ursache und Wirkung, obwohl in
+uneigentlichem Sinne, zugelassen wird, die Wirkung nicht größer seyn
+könne, als die Ursache; denn die Wirkung ist nichts weiter als die
+Manifestation der Ursache. Es ist ein gewöhnlich gewordener Witz in
+der Geschichte, aus kleinen Ursachen große Wirkungen entstehen zu
+lassen, und für die umfassende und tiefe Begebenheit eine Anekdote
+als erste Ursache aufzuführen. Eine solche sogenannte Ursache ist
+für nichts weiteres als eine Veranlassung, als äußere Erregung
+anzusehen, deren der innere Geist der Begebenheit nicht bedurft hätte,
+oder deren er eine unzählige Menge anderer hätte gebrauchen können,
+um von ihnen in der Erscheinung anzufangen, sich Luft zu machen und
+seine Manifestation zu geben. Vielmehr ist umgekehrt so etwas für
+sich Kleinliches und Zufälliges erst von ihm zu seiner Veranlassung
+bestimmt worden. Jene Arabesken-Malerei der Geschichte, die aus
+einem schwanken Stengel eine große Gestalt hervorgehen läßt, ist
+daher wohl eine geistreiche, aber höchst oberflächliche Behandlung.
+Es ist in diesem Entspringen des Großen aus dem Kleinen zwar
+überhaupt die Umkehrung vorhanden, die der Geist mit dem Äußerlichen
+vornimmt; aber eben darum ist dieses nicht Ursache in ihm, oder diese
+Umkehrung hebt selbst das Verhältniß der Kausalität auf.
+
+2. Diese Bestimmtheit des Kausalitäts-Verhältnisses aber, daß Inhalt
+und Form verschieden und gleichgültig sind, erstreckt sich weiter.
+Die Formbestimmung ist auch Inhaltsbestimmung; Ursache und Wirkung,
+die beiden Seiten des Verhältnisses, sind daher auch ein anderer
+Inhalt. Oder der Inhalt, weil er nur als Inhalt einer Form ist, hat
+ihren Unterschied an ihm selbst und ist wesentlich verschieden. Aber
+indem diese seine Form das Kausalitäts-Verhältniß ist, das ein in
+Ursache und Wirkung identischer Inhalt ist, so ist der verschiedene
+Inhalt äußerlich mit der Ursache einer Seits, und anderer Seits mit
+der Wirkung verbunden; er tritt somit nicht selbst in das Wirken und
+in das Verhältniß ein.
+
+Dieser äußerliche Inhalt ist also verhältnißlos;--eine unmittelbare
+Existenz;--oder weil er als Inhalt die ansichseyende Identität der
+Ursache und Wirkung ist, ist auch er unmittelbare, seyende Identität.
+Dieß ist daher irgend ein Ding, das mannigfaltige Bestimmungen
+seines Daseyns hat, unter Anderem auch diese, daß es in irgend einer
+Rücksicht Ursache oder auch Wirkung ist. Die Formbestimmungen,
+Ursache und Wirkung, haben an ihm ihr Substrat, das heißt ihr
+wesentliches Bestehen,--und jede ein besonderes--, denn ihre
+Identität ist ihr Bestehen;--zugleich aber ist es ihr unmittelbares
+Bestehen, nicht ihr Bestehen als Formeinheit, oder als Verhältniß.
+
+Aber dieses Ding ist nicht nur Substrat, sondern auch Substanz, denn
+es ist das identische Bestehen nur als des Verhältnisses. Ferner ist
+sie endliche Substanz, denn sie ist bestimmt als unmittelbare gegen
+ihre Ursachlichkeit. Aber sie hat zugleich Kausalität, weil sie
+ebenso sehr nur das Identische als dieses Verhältnisses ist.--Als
+Ursache nun ist dieses Substrat die negative Beziehung auf sich.
+Aber es selbst, worauf es sich bezieht, ist erstens ein Gesetztseyn,
+weil es als unmittelbar Wirkliches bestimmt ist; dieß Gesetztseyn als
+Inhalt ist irgend eine Bestimmung überhaupt.--Zweitens ist ihin die
+Kausalität äußerlich; diese macht somit selbst sein Gesetztseyn aus.
+Indem es nun ursachliche Substanz ist, besteht seine Kausalität darin,
+sich negativ auf sich, also auf sein Gesetztseyn und äußere
+Kausalität, zu beziehen. Das Wirken dieser Substanz fängt daher von
+einem Äußern an, befreit sich von dieser äußern Bestimmung, und seine
+Rückkehr in sich ist die Erhaltung seiner unmittelbaren Existenz und
+das Aufheben seiner gesetzten, und damit seiner Kausalität überhaupt.
+
+So ist ein Stein, der sich bewegt, Ursache; seine Bewegung ist eine
+Bestimmung, die er hat, außer welcher er aber noch viele andere
+Bestimmungen der Farbe, Gestalt u.s.f. enthält, welche nicht in seine
+Ursachlichkeit eingehen. Weil seine unmittelbare Existenz getrennt
+ist von seiner Formbeziehung, nämlich der Kausalität, so ist diese
+ein Äußerliches; seine Bewegung, und die Kausalität, die ihm in ihr
+zukommt, ist an ihm nur Gesetztseyn.--Aber die Kausalität ist auch
+seine eigene; dieß ist darin vorhanden, daß sein substantielles
+Bestehen seine identische Beziehung auf sich ist, diese aber ist
+nunmehr als Gesetztseyn bestimmt, sie ist also zugleich negative
+Beziehung auf sich.--Seine Kausalität, welche sich auf sich als auf
+das Gesetztseyn oder als ein Äußeres richtet, besteht daher darin, es
+aufzuheben, und durch die Entfernung desselben in sich zurückzukehren,
+--somit insofern nicht in seinem Gesetztseyn identisch mit sich zu
+seyn, sondern nur seine abstrakte Ursprünglichkeit wiederherzustellen.
+--Oder der Regen ist Ursache der Nässe, welche dasselbe Wasser ist
+als jener. Dieses Wasser hat die Bestimmung, Regen und Ursache zu
+seyn, dadurch daß sie von einem Andern in ihm gesetzt ist;--eine
+andere Kraft oder was es sey, hat es in die Luft erhoben und in eine
+Masse zusammengebracht, deren Schwere es fallen macht. Seine
+Entfernung von der Erde, ist eine seiner ursprünglichen Identität mit
+sich, der Schwere, fremde Bestimmung; seine Ursachlichkeit besteht
+darin dieselbe zu entfernen, und jene Identität wieder herzustellen,
+damit aber auch seine Kausalität aufzuheben.
+
+Die jetzt betrachtete zweite Bestimmtheit der Kausalität geht die
+Form an; dieß Verhältniß ist die Kausalität als sich selbst äußerlich,
+als die Ursprünglichkeit, welche ebenso sehr an ihr selbst
+Gesetztseyn oder Wirkung ist.
+
+Diese Vereinigung der entgegengesetzten Bestimmungen als im seyenden
+Substrat macht den unendlichen Regreß von Ursachen zu Ursachen aus.
+--Es wird von der Wirkung angefangen; sie hat als solche eine Ursache,
+diese hat wieder eine Ursache und so fort. Warum hat die Ursache
+wieder eine Ursachen das heißt, warum wird dieselbe Seite, die vorher
+als Ursache bestimmt war, nunmehr als Wirkung bestimmt und damit nach
+einer neuen Ursache gefragt?--Aus dem Grunde, weil die Ursache ein
+Endliches, Bestimmtes überhaupt ist; bestimmt als Ein Moment der Form
+gegen die Wirkung; so hat sie ihre Bestimmtheit oder Negation außer
+ihr; eben damit aber ist sie selbst endlich, hat ihre Bestimmtheit an
+ihr, und ist somit Gesetztseyn oder Wirkung. Diese ihre Identität
+ist auch gesetzt, aber sie ist ein Drittes, odas unmittelbare
+Substrat; die Kausalität ist darum sich selbst äußerlich, weil hier
+ihre Ursprünglichkeit eine Unmittelbarkeit ist. Der Formunterschied
+ist daher erste Bestimmtheit, noch nicht die Bestimmtheit als
+Bestimmtheit gesetzt, er ist seyendes Andersseyn. Die endliche
+Reflexion bleibt einer Seits bei diesem Unmittelbaren stehen,
+entfernt die Formeinheit davon und läßt es in anderer Rüksicht
+Ursache und in anderer Wirkung seyn; anderer Seits verlegt sie die
+Formeinheit in das Unendliche, und drükt durch das perennirende
+Fortgehen ihre Ohnmacht aus, sie erreichen und festhalten zu können.
+
+Mit der Wirkung ist es unmittelbar der nämliche Fall, oder vielmehr
+der unendliche Progreß von Wirkung zu Wirkung ist ganz und dasselbe
+was der Regreß von Ursache zu Ursache ist. In diesem wurde die
+Ursache zur Wirkung, welche wieder eine andere Ursache hat; ebenso
+wird umgekehrt die Wirkung zur Ursache, die wieder eine andere
+Wirkung hat.--Die betrachtete bestimmte Ursache fängt von einer
+Äußerlichkeit an, und kehrt in ihrer Wirkung nicht als Ursache in
+sich zurück, sondern verliert vielmehr die Kausalität darin. Aber
+umgekehrt kommt die Wirkung an ein Substrat, welches Substanz,
+ursprünglich sich auf sich beziehendes Bestehen ist; an ihm wird
+daher dieß Gesetztseyn zum Gesetztseyn; das heißt, diese Substanz,
+indem eine Wirkung in ihr gesetzt wird, verhält sich als Ursache.
+Aber jene erste Wirkung, das Gesetztseyn, das an sie äußerlich kommt,
+ist ein Anderes als die zweite, die von ihr hervorgebracht wird; denn
+diese zweite ist bestimmt, als ihre Reflexion-in-sich, jene aber als
+eine Äußerlichkeit an ihr.--Aber weil die Kausalität hier die sich
+selbst äußerliche Ursachlichkeit ist, so kehrt sie auch ebenso sehr
+in ihrer Wirkung nicht in sich zurück; wird sich darin äußerlich,
+ihre Wirkung wird wieder Gesetztseyn an einem Substrate,--als einer
+andern Substanz, die aber ebenso es zum Gesetztseyn macht, oder sich
+als Ursache manifestirt, ihre Wirkung wieder von sich abstößt und so
+fort in das Schlecht-Unendliche.
+
+3. Es ist nun zu sehen, was durch die Bewegung des bestimmten
+Kausalitäts-Verhältnisses geworden ist.--Die formelle Kausalität
+erlischt in der Wirkung; dadurch ist das Identische dieser beiden
+Momente geworden; aber damit nur als an sich die Einheit von Ursache
+und Wirkung, woran die Formbeziehung äußerlich ist.--Dieß Identische
+ist dadurch auch unmittelbar nach den beiden Bestimmungen der
+Unmittelbarkeit, erstens als Ansichseyn, ein Inhalt, an dem die
+Kausalität sich äußerlich verläuft; zweitens als ein existirendes
+Substrat, dem die Ursache und die Wirkung inhäriren, als
+unterschiedene Formbestimmungen. Diese sind darin an sich eins, aber
+jede ist um dieses Ansichseyns oder der Äußerlichkeit der Form willen
+sich selbst äußerlich, somit in ihrer Einheit mit der andern auch als
+andre gegen sie bestimmt. Daher hat zwar die Ursache eine Wirkung,
+und ist zugleich selbst Wirkung; und die Wirkung hat nicht nur eine
+Ursache, sondern ist auch selbst Ursache. Aber die Wirkung, welche
+die Ursache hat, und die Wirkung, die sie ist;--ebenso die Ursache,
+welche die Wirkung hat, und die Ursache, die sie ist, sind
+verschieden.
+
+Durch die Bewegung des bestimmten Kausalitätsverhältnisses ist aber
+nun dieß geworden, daß die Ursache nicht nur in der Wirkung erlischt,
+und damit auch die Wirkung, wie in der formellen Kausalität, sondern
+daß die Ursache in ihrem Erlöschen, in der Wirkung wieder wird, daß
+die Wirkung in Ursache verschwindet, aber in ihr ebenso wieder wird.
+Jede dieser Bestimmungen hebt sich in ihrem Setzen auf, und setzt
+sich in ihrem Aufheben; es ist nicht ein äußerliches Übergehen der
+Kausalität von einem Substrat an ein anderes vorhanden, sondern dieß
+Anderswerden derselben ist zugleich ihr eigenes Setzen. Die
+Kausalität setzt also sich selbst voraus oder bedingt sich. Die
+vorher nur an sich seyende Identität, das Substrat, ist daher nunmehr
+bestimmt als Voraussetzung oder gesetzt gegen die wirkende Kausalität,
+und die vorhin dem Identischen nur äußerliche Reflexion steht nun im
+Verhältnisse zu demselben.
+
+c. Wirkung und Gegenwirkung.
+
+Die Kausalität ist voraussetzendes Thun. Die Ursache ist bedingt;
+sie ist die negative Beziehung auf sich als vorausgesetztes, als
+äußerliches Anderes, welches an sich aber nur an sich die Kausalität
+selbst ist. Es ist, wie sich ergeben hat, die substantielle
+Identität, in welche die formelle Kausalität übergeht, die sich
+nunmehr gegen dieselbe als ihr Negatives bestimmt hat. Oder es ist
+dasselbe, was die Substanz des Kausalitätsverhältnisses, aber welcher
+die Macht der Accidentalität als selbstsubstantielle Thätigkeit
+gegenüber steht.--Es ist die passive Substanz.--Passiv ist das
+Unmittelbare, oder Ansichseyende, das nicht auch für sich ist;--das
+reine Seyn oder das Wesen, das nur in dieser Bestimmtheit der
+abstrakten Identität mit sich ist.--Der passiven steht die als
+negativ sich auf sich beziebende, die wirkende Substanz gegenüber.
+Sie ist die Ursache, insofern sie sich in der bestimmten Kausalität
+durch die Negation ihrer selbst, aus der Wirkung wiederhergestellt
+hat, das in seinem Andersseyn oder als Unmittelbares sich wesentlich
+als setzend verhält, und durch seine Negation sich mit sich
+vermittelt. Die Kausalität hat deswegen hier kein Substrat mehr, dem
+sie inhärirte und ist nicht Formbestimmung gegen diese Identität
+sondern selbst die Substanz, oder das Ursprüngliche ist nur die
+Kausalität.--Das Substrat ist die passive Substanz, die sie sich
+vorausgesetzt hat.
+
+Diese Ursache wirkt nun; denn sie ist die negative Macht auf sich
+selbst; zugleich ist sie ihr Vorausgesetztes; so wirkt sie auf sich
+als auf ein Anderes, auf die passive Substanz.--Somit hebt sie
+erstlich das Andersseyn derselben auf; und kehrt in ihr in sich
+zurück; zweitens bestimmt sie dieselbe, sie setzt dieß Aufheben ihres
+Andersseyns oder die Rückkehr in sich als eine Bestimmtheit. Dieß
+Gesetztseyn, weil es zugleich ihre Rückkehr in sich ist, ist zunächst
+ihre Wirkung. Aber umgekehrt weil sie als voraussetzend sich selbst
+als ihr Anderes bestimmt, so setzt sie die Wirkung in der andern, der
+passiven Substanz.--Oder weil die passive Substanz selbst das
+Gedoppelte ist, nämlich ein selbstständiges Anderes, und zugleich ein
+Vorausgesetztes und an sich schon mit der wirkenden Ursache
+Identisches, so ist das Wirken von dieser selbst ein Gedoppeltes; es
+ist beides in Einem, das Aufheben ihres Bestimmtseyns, nämlich ihrer
+Bedingung, oder das Aufheben der Selbstständigkeit der passiven
+Substanz;--und daß sie ihre Identität mit derselben aufhebt, somit
+sich voraus oder als Anderes setzt.--Durch das letztere Moment wird
+die passive Substanz erhalten; jenes erste Aufheben derselben
+erscheint in Beziehung hierauf zugleich auch so, daß nur einige
+Bestimmungen an ihr aufgehoben werden und die Identität ihrer mit der
+ersten in der Wirkung äußerlich an ihr geschieht.
+
+Insofern leidet sie Gewalt.--Die Gewalt ist die Erscheinung der Macht,
+oder die Macht als Äußerliches. Äußerliches ist aber die Macht,
+nur insofern die ursachliche Substanz in ihrem Wirken, d. h. im
+Setzen ihrer selbst zugleich voraussetzend ist, d. h. sich selbst als
+aufgehobenes setzt. Umgekehrt ist daher ebenso sehr das Thun der
+Gewalt, ein Thun der Macht. Es ist nur ein von ihr selbst
+vorausgesetztes Anderes, auf welches die gewaltige Ursache wirkt,
+ihre Wirkung auf dasselbe ist negative Beziehung auf sich, oder die
+Manifestation ihrer selbst. Das Passive ist das Selbstständige, das
+nur ein Gesetztes ist; ein in sich selbst Gebrochenes,--eine
+Wirklichkeit, welche Bedingung ist und zwar die Bedingung nunmehr in
+ihrer Wahrheit nämlich eine Wirklichkeit, welche nur eine Möglichkeit
+ist, oder umgekehrt ein Ansichseyn, das nur die Bestimmtheit des
+Ansichseyns, nur passiv ist. Demjenigen daher, dem Gewalt geschieht,
+ist es nicht nur möglich, Gewalt anzuthun, sondern sie muß ihm auch
+angethan werden; was Gewalt über das Andere hat, hat sie nur, weil es
+die Macht desselben ist, die sich darin und das Andere manifestirt.
+Die passive Substanz wird durch die Gewalt nur gesetzt, als das was
+sie in Wahrheit ist, nämlich weil sie das einfache Positive oder
+unmittelbare Substanz ist, eben darum nur ein Gesetztes zu seyn; das
+Voraus, das sie als Bedingung ist, ist der Schein der Unmittelbarkeit,
+den die wirkende Kausalität ihr abstreift.
+
+Der passiven Substanz wird daher durch die Einwirkung einer andern
+Gewalt nur ihr Recht angethan. Was sie verliert, ist jene
+Unmittelbarkeit, die ihr fremde Substantialität. Was sie als ein
+Fremdes erhält, nämlich als ein Gesetztseyn bestimmt zu werden, ist
+ihre eigene Bestimmung.
+
+Indem sie nun aber in ihrem Gesetztseyn oder in ihrer eigenen
+Bestimmung gesetzt wird, wird sie dadurch vielmehr nicht aufgehoben,
+sondern geht so nur mit sich selbst zusammen, und ist also in ihrem
+Bestimmtwerden Ursprünglichkeit.--Die passive Substanz wird also
+einer Seits durch die aktive erhalten oder gesetzt, nämlich insofern
+diese sich selbst zur aufgehobenen macht;--anderer Seits aber ist es
+das Thun des Passiven selbst, mit sich zusammenzugehen, und somit
+sich zum Ursprünglichen und zur Ursache zu machen. Das Gesetztwerden
+durch ein Anderes und das eigene Werden ist ein und dasselbe.
+
+Hierdurch, daß die passive Substanz nun selbst in Ursache verkehrt
+ist, wird erstlich die Wirkung in ihr aufgehoben; darin besteht ihre
+Gegenwirkung überhaupt. Sie ist an sich das Gesetztseyn, als passive
+Substanz; auch ist das Gesetztseyn durch die andere Substanz in ihr
+gesetzt worden, insofern sie nämlich die Wirkung derselben an ihr
+bekam. Ihre Gegenwirkung enthält daher ebenso das Gedoppelte; daß
+nämlich erstlich was sie an sich ist, gesetzt wird, zweitens als was
+sie gesetzt wird, sich als ihr Ansichseyn darstellt; sie ist an sich
+Gesetztseyn, daher erhält sie eine Wirkung an ihr durch die andere;
+aber dieß Gesetztseyn ist umgekehrt ihr eigenes Ansichseyn, so ist
+dieß ihre Wirkung, sie selbst stellt sich als Ursache dar.
+
+Zweitens geht die Gegenwirkung gegen die erste wirkende Ursache. Die
+Wirkung, welche die vorher passive Substanz in sich aufhebt, ist
+nämlich eben jene Wirkung der ersten. Die Ursache hat aber ihre
+substantielle Wirklichkeit nur in ihrer Wirkung; indem diese
+aufgehoben wird, so wird ihre ursachliche Substantialität aufgehoben.
+Dieß geschieht erstlich an sich durch sich selbst, indem sie sich
+zur Wirkung macht; in dieser Identität verschwindet ihre negative
+Bestimmung und sie wird Passives; zweitens geschieht es durch die
+vorhin passive, nun rückwirkende Substanz, welche deren Wirkung
+aufhebt.-In der bestimmten Kausalität wird die Substanz, auf welche
+gewirkt wird, zwar auch wieder Ursache, sie wirkt hiermit dagegen,
+daß eine Wirkung in ihr gesetzt wurde. Aber sie wirkte nicht zurück
+gegen jene Ursache, sondern setzte ihre Wirkung wieder in eine andere
+Substanz, wodurch der Progreß von Wirkungen ins Unendliche zum
+Vorschein kam; weil hier die Ursache in ihrer Wirkung nur erst an
+sich mit sich identisch ist, daher einer Seits in einer unmittelbaren
+Identität in ihrer Ruhe verschwindet, anderer Seits in einer andern
+Substanz sich wieder erweckt.--In der bedingten Kausalität hingegen
+bezieht die Ursache in der Wirkung sich auf sich selbst, wäl sie ihr
+Anderes als Bedingung als vorausgesetztes ist, und ihr Wirken dadurch
+ebenso sehr Werden, als Setzen und Aufheben des Andern ist.
+
+Ferner verhält sie sich hiermit als passive Substanz; aber, wie sich
+ergab, entsteht diese durch die auf sie geschehene Wirkung als
+ursachliche Substanz. Jene erste Ursache, welche zuerst wirkt, und
+ihre Wirkung als Gegenwirkung in sich zurück erhält, tritt damit
+wieder als Ursache auf; wodurch das in der endlichen Kausalität in
+den schlecht-unendlichen Progreß auslaufende Wirken umgebogen, und zu
+einem in sich zurückkehrenden, einem unendlichen Wechselwirken wird.
+
+C. Die Wechselwirkung.
+
+In der endlichen Kausalität sind es Substanzen, die sich wirkend zu
+einander verhalten. Der Mechanismus besteht in dieser Äußerlichkeit
+der Kausalität, daß die Reflexion der Ursache in ihrer Wirkung in
+sich zugleich ein abstoßendes Seyn ist, oder daß in der Identität,
+welche die ursachliche Substanz in ihrer Wirkung mit sich hat, sie
+sich ebenso unmittelbar Äußerliches bleibt, und die Wirkung in eine
+andere Substanz übergegangen ist. In der Wechselwirkung ist nun
+dieser Mechanismus aufgehoben; denn sie enthält erstens das
+Verschwinden jenes ursprünglichen Beharrens der unmittelbaren
+Substantiaiität; zweitens das Entstehen der Ursache; und damit die
+Ursprünglichkeit als durch ihre Negation sich mit sich vermittelnd.
+
+Zunächst stellt die Wechselwirkung sich dar als eine gegenseitige
+Kausalität von vorausgesetzten, sich bedingenden Substanzen; jede ist
+gegen die andere zugleich aktive und zugleich passive Substanz.
+Indem beide hiermit sowohl passiv als aktiv sind, so hat sich bereits
+jeder Unterschied derselben aufgehoben; er ist ein völlig
+durchsichtiger Schein; sie sind Substanzen nur darin, daß sie die
+Identität des Aktiven und Passiven sind. Die Wechselwirkung selbst
+ist daher nur noch leere Art und Weise; und es bedarf bloß noch eines
+äußern Zusammenfassens dessen, was bereits sowohl an sich als gesetzt
+ist. Fürs erste sind es keine Substrate mehr, welche miteinander in
+Beziehung stehen, sondern Substanzen; in der Bewegung der bedingten
+Kausalität hat sich die noch übrige vorausgesetzte Unmittelbarkeit
+aufgehoben, und das Bedingende der ursachlichen Activität ist nur
+noch die Einwirkung, oder die eigene Passivität. Diese Einwirkung
+kommt aber ferner nicht von einer andern ursprünglichen Substanz her;
+sondern eben von einer Ursachlichkeit, welche durch Einwirkung
+bedingt, oder ein Vermitteltes ist. Dieß zunächst Äußerliche, das an
+die Ursache kommt und die Seite ihrer Passivität ausmacht, ist daher
+durch sie selbst vermittelt, es ist durch ihre eigene Aktivität
+hervorgebracht, somit die durch ihre Aktivität selbst gesetzte
+Passivität.--Die Kausalität ist bedingt und bedingend; das Bedingende
+ist das Passive, aber ebenso sehr ist das Bedingte passiv. Dieß
+Bedingen oder die Passivität ist die Negation der Ursache durch sich
+selbst, indem sie sich wesentlich zur Wirkung macht, und eben dadurch
+Ursache ist. Die Wechselwirkung ist daher nur die Kausalität selbst;
+die Ursache hat nicht nur eine Wirkung, sondern in der Wirkung steht
+sie als Ursache mit sich selbst in Beziehung.
+
+Hierdurch ist die Kausalität zu ihrem absoluten Begriffe
+zurückgekehrt, und zugleich zum Begriffe selbst gekommen. Sie ist
+zunächst die reale Nothwendigkeit; absolute Identität mit sich, so
+daß der Unterschied der Nothwendigkeit und die in ihr sich auf
+einander beziehenden Bestimmungen, Substanzen, freie Wirklichkeiten,
+gegen einander, sind. Die Nothwendigkeit ist auf diese Weise die
+innere Identität; die Kausalität ist die Manifestation derselben,
+worin ihr Schein des substantiellen Andersseyn sich aufgehoben hat,
+und die Nothwendigkeit zur Freiheit erhoben ist.--In der
+Wechselwirkung stellt die ursprüngliche Kausalität sich als ein
+Entstehen aus ihrer Negation, der Passivität, und als Vergehen in
+dieselbe, als ein Werden dar; aber so daß dieß Werden zugleich ebenso
+sehr nur Scheinen ist; das Übergehen in Anderes ist Reflexion-in-sich
+selbst; die Negation, welche Grund der Ursache ist, ist ihr positives
+Zusammengehen mit sich selbst.
+
+Nothwendigkeit und Kausalität sind also darin verschwunden; sie
+enthalten beides die unmittelbare Identität als Zusammenhang und
+Beziehung, und die absolute Substantialität der Unterschiedenen somit
+die absolute Zufälligkeit derselben; die ursprüngliche Einheit
+substantieller Verschiedenheit; also den absoluten Widerspruch. Die
+Nothwendigkeit ist das Seyn, weil es ist; die Einheit des Seyns mit
+sich selbst, das sich zum Grunde hat; aber umgekehrt weil es einen
+Grund hat, ist es nicht Seyn, ist es schlechthin nur Schein,
+Beziehung oder Vermittelung. Die Kausalität ist dieß gesetzte
+Übergehen des ursprünglichen Seyns, der Ursache, in Schein oder
+bloßes Gesetztseyn, umgekehrt des Gesetztseyns in Ursprünglichkeit;
+aber die Identität selbst des Seyns und Scheins ist noch die innere
+Nothwendigkeit. Diese Innerlichkeit oder dieß Ansichseyn hebt die
+Bewegung der Kausalität auf; damit verliert sich die Substantialität
+der im Verhältnisse stehenden Seiten, und die Nothwendigkeit enthüllt
+sich. Die Nothwendigkeit wird nicht dadurch zur Freiheit, daß sie
+verschwindet, sondern daß nur ihre noch innere Identität manifestirt
+wird; eine Manifestation, welche die identische Bewegung des
+Unterschiedenen in sich selbst, die Reflexion des Scheins als Scheins
+in sich ist.--Umgekehrt wird zugleich dadurch die Zufälligkeit zur
+Freiheit, indem die Seiten der Nothwendigkeit, welche die Gestalt für
+sich freier, nicht in einander scheinender Wirklichkeiten haben,
+nunmehr gesetzt sind als Identität, so daß diese Totalitäten der
+Reflexion-in-sich, in ihrem Unterschiede nun auch als identische
+scheinen, oder gesetzt sind nur als eine und dieselbe Reflexion.
+
+Die absolute Substanz, als absolute Form sich von sich unterscheidend,
+stößt sich daher nicht mehr als Nothwendigkeit von sich ab, noch
+fällt sie als Zufälligkeit in gleichgültige, sich äußerliche
+Substanzen aus einander, sondern unterscheidet sich einer Seits in
+die Totalität, welche,--die vorhin passive Substanz Ursprüngliches
+ist als die Reflexion aus der Bestimmtheit in sich, als einfaches
+Ganzes, das sein Gesetztseyn in sich selbst enthält und als identisch
+darin mit sich gesetzt ist, das Allgemeine;--anderer Seits in die
+Totalität,--die vorhin ursachliche Substanz,--als in die Reflexion
+ebenso aus der Bestimmtheit in sich zur negativen Bestimmtheit,
+welche so als die mit sich identische Bestimmtheit ebenfalls das
+Ganze, aber als die mit sich identische Negativität gesetzt ist;--das
+Einzelne. Unmittelbar aber, weil das Allgemeine nur identisch mit
+sich ist, indem es die Bestimmtheit als aufgehoben in sich enthält,
+also das Negative als Negatives ist,--ist es dieselbe Negativität,
+welche die Einzelnheit ist;--und die Einzelnheit, weil sie ebenso
+das bestimmte Bestimmte, das Negative als Negatives ist, ist sie
+unmittelbar dieselbe Identität, welche die Allgemeinheit ist. Diese
+ihre einfache Identität ist die Besonderheit, welche vom Einzelnen
+das Moment der Bestimmtheit, vom Allgemeinen das Moment der
+Reflexion-in-sich in unmittelbarer Einheit enthält. Diese drei
+Totalitäten sind daher Eine und dieselbe Reflexion, welche als
+negative Beziehung auf sich in jene beiden sich unterscheidet, aber
+als in einen vollkommen durchsichtigen Unterschied, nämlich in die
+bestimmte Einfachheit, oder in die einfache Bestimmtheit, welche ihre
+Eine und dieselbe Identität ist.--Dieß ist der Begriff, das Reich der
+Subjektivität oder der Freiheit.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wissenschaft der Logik:
+Erster Teil--Die objektive Logik, von Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
+
+
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+
+End of the Project Gutenberg EBook of Wissenschaft der Logik, Erster Teil, by
+Georg Wilhelm Friedrich Hegel
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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