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+The Project Gutenberg EBook of Phaenomenologie des Geistes
+by Georg Wilhelm Friedrich Hegel
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+Title: Phaenomenologie des Geistes
+
+Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+Release Date: October, 2004 [EBook #6698]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on January 16, 2003]
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+Edition: 10
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+Language: German
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+Character set encoding: ASCII
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, PHAENOMENOLOGIE DES GEISTES ***
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+Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient
+German books in London.
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+This Etext is in German.
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+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
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+This is the 8-bit version.
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
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+Phaenomenologie des Geistes
+
+Georg Wilhelm Friedrich Hegel
+
+(1807)
+
+
+
+Dieser Band stellt das _werdende Wissen_ dar. Die PhAenomenologie des
+Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklaerungen oder auch
+der abstraktem ErOerterungen Ueber die Begruendung des Wissens treten.
+Sie betrachtet die _Vorbereitung_ zur Wissenschaft aus einem
+Gesichtspunkte, wodurch sie eine neue, interessante, und die erste
+Wissenschaft der Philosophie ist. Sie fasst die verschiedenen
+_Gestalten des Geistes_ als Stationen des Weges in sich, durch
+welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird. Es wird daher in
+den Hauptabteilungen dieser Wissenschaft, die wieder in mehrere
+zerfallen, das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein, die beobachtende und
+handelnde Vernunft, der Geist selbst, als sittlicher, gebildeter und
+moralischer Geist, und endlich als religioeser in seinen
+unterschiedenen Formen betrachtet. Der dem ersten Blicke sich als
+Chaos darbietende Reichtum der Erscheinungen des Geistes ist in eine
+wissenschaftliche Ordnung gebracht, welche sie nach ihrer
+Notwendigkeit darstellt, in der die unvollkommnen sich aufloesen und
+in hoehere uebergehen, welche ihre naechste Wahrheit sind. Die letzte
+Wahrheit finden sie zunaechst in der Religion, und dann in der
+Wissenschaft, als dem Resultate des Ganzen.
+
+
+Inhalt:
+
+Vorrede
+
+Einleitung
+
+
+I. Die sinnliche Gewissheit; oder das Diese und das Meinen
+
+II. Die Wahrnehmung; oder das Ding, und die Taeuschung
+
+III. Kraft und Verstand, Erscheinung und uebersinnliche Welt
+
+IV. Die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst
+
+ A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und
+ Knechtschaft
+
+ B. Freiheit des Selbstbewusstseins; Stoizismus, Skeptizismus und das
+ unglueckliche Bewusstsein
+
+V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft
+
+ A. Beobachtende Vernunft
+
+ a. Beobachtung der Natur
+ b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseins in seiner Reinheit und
+ seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit; logische und
+ psychologische Gesetze
+ c. Beobachtung der Beziehung des Selbstbewusstseins auf seine
+ unmittelbare Wirklichkeit; Physiognomik und Schaedellehre
+
+ B. Die Verwirklichung des vernuenftigen Selbstbewusstseins durch sich
+ selbst
+
+ a. Die Lust und die Notwendigkeit
+ b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigenduenkels
+ c. Die Tugend und der Weltlauf
+
+ C. Die Individualitaet, welche sich an und fuer sich selbst reell ist
+
+ a. Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst
+ b. Die gesetzgebende Vernunft
+ c. Gesetzpruefende Vernunft
+
+VI. Der Geist
+
+ A. Der wahre Geist, die Sittlichkeit
+
+ a. Die sittliche Welt, das menschliche und goettliche Gesetz,
+ der Mann und das Weib
+ b. Die sittliche Handlung, das menschliche und goettliche Wissen, die
+ Schuld und das Schicksal
+ c. Rechtszustand
+
+ B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung
+
+ I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes
+
+ a. Die Bildung und ihr Reich der Wirklichkeit
+ b. Der Glauben und die reine Einsicht
+
+ II. Die Aufklaerung
+
+ a. Der Kampf der Aufklaerung mit dem Aberglauben
+ b. Die Wahrheit der Aufklaerung
+
+ III. Die absolute Freiheit und der Schrecken
+
+ C.Der seiner selbst gewisse Geist. Die Moralitaet
+
+ a. Die moralische Weltanschauung
+ b. Die Verstellung
+ c. Das Gewissen, die schoene Seele, das Boese und seine Verzeihung
+
+VII. Die Religion
+
+ A. Natuerliche Religion
+
+ a. Das Lichtwesen
+ b. Die Pflanze und das Tier
+ c. Der Werkmeister
+
+ B. Die Kunst-Religion
+
+ a. Das abstrakte Kunstwerk
+ b. Das lebendige Kunstwerk
+ c. Das geistige Kunstwerk
+
+ C. Die offenbare Religion
+
+VIII. Das absolute Wissen
+
+
+
+Vorrede
+
+Eine ErklAerung, wie sie einer Schrift in einer Vorrede nach der
+Gewohnheit vorausgeschickt wird--Ueber den Zweck, den der Verfasser
+sich in ihr vorgesetzt, sowie ueber die Veranlassungen und das
+Verhaeltnis, worin er sie zu andern fruehern oder gleichzeitigen
+Behandlungen desselben Gegenstandes zu stehen glaubt--scheint bei
+einer philosophischen Schrift nicht nur ueberfluessig, sondern um der
+Natur der Sache willen sogar unpassend und zweckwidrig zu sein. Denn
+wie und was von Philosophie in einer Vorrede zu sagen schicklich
+waere--etwa eine historische _Angabe_ der Tendenz und des Standpunkts,
+des allgemeinen Inhalts und der Resultate, eine Verbindung von hin
+und her sprechenden Behauptungen und Versicherungen ueber das Wahre--,
+kann nicht fuer die Art und Weise gelten, in der die philosophische
+Wahrheit darzustellen sei.--Auch weil die Philosophie wesentlich im
+Elemente der Allgemeinheit ist, die das Besondere in sich schliesst,
+so findet bei ihr mehr als bei andern Wissenschaften der Schein statt,
+als ob in dem Zwecke oder den letzten Resultaten die Sache selbst
+und sogar in ihrem vollkommenen Wesen ausgedrueckt waere, gegen welches
+die Ausfuehrung eigentlich das Unwesentliche sei. In der allgemeinen
+Vorstellung hingegen, zum Beispiel was Anatomie sei, etwa die
+Kenntnis der Teile des KOerpers nach ihrem unlebendigen Dasein
+betrachtet, ist man ueberzeugt, die Sache selbst, den Inhalt dieser
+Wissenschaft, noch nicht zu besitzen, sondern ausserdem um das
+Besondere sich bemuehen zu muessen.--Ferner ist bei einem solchen
+Aggregate von Kenntnissen, das den Namen Wissenschaft nicht mit Recht
+fuehrt, eine Konversation ueber Zweck und dergleichen Allgemeinheiten
+nicht von der historischen und begrifflosen Weise verschieden, worin
+von dem Inhalte selbst, diesen Nerven, Muskeln und so fort,
+gesprochen wird. Bei der Philosophie hingegen wuerde die Ungleichheit
+entstehen, dass von einer solchen Weise Gebrauch gemacht, und diese
+doch von ihr selbst als unfaehig, die Wahrheit zu fassen, aufgezeigt
+wuerde.
+
+So wird auch durch die Bestimmung des Verhaeltnisses, das ein
+philosophisches Werk zu andern Bestrebungen ueber denselben Gegenstand
+zu haben glaubt, ein fremdartiges Interesse hereingezogen, und das,
+worauf es bei der Erkenntnis der Wahrheit ankommt, verdunkelt. So
+fest der Meinung der Gegensatz des Wahren und des Falschen wird, so
+pflegt sie auch entweder Beistimmung oder Widerspruch gegen ein
+vorhandenes philosophisches System zu erwarten, und in einer
+Erklaerung ueber ein solches nur entweder das eine oder das andre zu
+sehen. Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme
+nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als
+sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe
+verschwindet in dem Hervorbrechen der Bluete, und man koennte sagen,
+dass jene von dieser widerlegt wird, ebenso wird durch die Frucht die
+Bluete fuer ein falsches Dasein der Pflanze erklaert, und als ihre
+Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen
+unterscheiden sich nicht nur, sondern verdraengen sich auch als
+unvertraeglich miteinander. Aber ihre fluessige Natur macht sie
+zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht
+nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist,
+und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus.
+Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils
+sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiss das
+auffassende Bewusstsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit
+zu befreien oder frei zu erhalten, und in der Gestalt des streitend
+und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu
+erkennen.
+
+Die Foderung von dergleichen Erklaerungen sowie die Befriedigungen
+derselben scheinen vielleicht das Wesentliche zu betreiben. Worin
+koennte mehr das Innere einer philosophischen Schrift ausgesprochen
+sein als in den Zwecken und Resultaten derselben, und wodurch diese
+bestimmter erkannt werden als durch ihre Verschiedenheit von dem, was
+das Zeitalter sonst in derselben Sphaere hervorbringt? Wenn aber ein
+solches Tun fuer mehr als fuer den Anfang des Erkennens, wenn es fuer
+das wirkliche Erkennen gelten soll, ist es in der Tat zu den
+Erfindungen zu rechnen, die Sache selbst zu umgehen, und dieses
+beides zu verbinden, den Anschein des Ernstes und Bemuehens um sie,
+und die wirkliche Ersparung desselben.--Denn die Sache ist nicht in
+ihrem _Zwecke_ erschoepft, sondern in ihrer _Ausfuehrung_, noch ist das
+_Resultat_ das _wirkliche_ Ganze, sondern es zusammen mit seinem
+Werden; der Zweck fuer sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die
+Tendenz das blosse Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt, und
+das nackte Resultat ist der Leichnam, der sie hinter sich gelassen.
+--Ebenso ist die _Verschiedenheit_ vielmehr die _Grenze_ der Sache;
+sie ist da, wo die Sache aufhoert, oder sie ist das, was diese nicht
+ist. Solche Bemuehungen mit dem Zwecke oder den Resultaten, sowie mit
+den Verschiedenheiten und Beurteilungen des einen und des andern,
+sind daher eine leichtere Arbeit, als sie vielleicht scheinen. Denn
+statt mit der Sache sich zu befassen, ist solches Tun immer ueber sie
+hinaus, statt in ihr zu verweilen und sich in ihr zu vergessen,
+greift solches Wissen immer nach einem Andern, und bleibt vielmehr
+bei sich selbst, als dass es bei der Sache ist und sich ihr hingibt.
+--Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen,
+schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt, seine
+Darstellung hervorzubringen.
+
+Der Anfang der Bildung und des Herausarbeitens aus der
+Unmittelbarkeit des substantiellen Lebens wird immer damit gemacht
+werden muessen, Kenntnisse allgemeiner Grundsaetze und Gesichtspunkte
+zu erwerben, sich nur erst zu dem Gedanken der Sache ueberhaupt
+heraufzuarbeiten, nicht weniger sie mit Gruenden zu unterstuetzen oder
+zu widerlegen, die konkrete und reiche Fuelle nach Bestimmtheiten
+aufzufassen, und ordentlichen Bescheid und ernsthaftes Urteil ueber
+sie zu erteilen zu wissen. Dieser Anfang der Bildung wird aber
+zunaechst dem Ernste des erfuellten Lebens Platz machen, der in die
+Erfahrung der Sache selbst hineinfuehrt, und wenn auch dies noch
+hinzukommt, dass der Ernst des Begriffs in ihre Tiefe steigt, so wird
+eine solche Kenntnis und Beurteilung in der Konversation ihre
+schickliche Stelle behalten.
+
+Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das
+wissenschaftliche System derselben sein. Daran mitzuarbeiten, dass
+die Philosophie der Form der Wissenschaft naeher komme--dem Ziele,
+ihren Namen der _Liebe_ zum _Wissen_ ablegen zu koennen und
+_wirkliches Wissen_ zu sein--, ist es, was ich mir vorgesetzt. Die
+innere Notwendigkeit, dass das Wissen Wissenschaft sei, liegt in
+seiner Natur, und die befriedigende Erklaerung hierueber ist allein die
+Darstellung der Philosophie selbst. Die aeussere Notwendigkeit aber,
+insofern sie, abgesehen von der Zufaelligkeit der Person und der
+individuellen Veranlassungen, auf eine allgemeine Weise gefasst wird,
+ist dasselbe, was die innere, in der Gestalt, wie die Zeit das Dasein
+ihrer Momente vorstellt. Dass die Erhebung der Philosophie zur
+Wissenschaft an der Zeit ist, dies aufzuzeigen wuerde daher die einzig
+wahre Rechtfertigung der Versuche sein, die diesen Zweck haben, weil
+sie die Notwendigkeit desselben dartun, ja weil sie ihn zugleich
+ausfuehren wuerde.
+
+Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit
+gesetzt wird--oder, was dasselbe ist, indem die Wahrheit behauptet
+wird, an dem _Begriffe_ allein das Element ihrer Existenz zu haben--,
+so weiss ich, dass dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren
+Folgen zu stehen scheint, welche eine so grosse Anmassung als
+Ausbreitung in der Ueberzeugung des Zeitalters hat. Eine Erklaerung
+ueber diesen Widerspruch scheint darum nicht ueberfluessig; wenn sie
+auch hier weiter nichts als gleichfalls eine Versicherung, wie das,
+gegen was sie geht, sein kann. Wenn naemlich das Wahre nur in
+demjenigen oder vielmehr nur als dasjenige existiert, was bald
+Anschauung, bald unmittelbares Wissen des Absoluten, Religion, das
+Sein--nicht im Zentrum der goettlichen Liebe, sondern das Sein
+desselben selbst--genannt wird, so wird von da aus zugleich fuer die
+Darstellung der Philosophie vielmehr das Gegenteil der Form des
+Begriffs gefodert. Das Absolute soll nicht begriffen, sondern
+gefuehlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefuehl und
+Anschauung sollen das Wort fuehren und ausgesprochen werden.
+
+Wird die Erscheinung einer solchen Foderung nach ihrem allgemeinem
+Zusammenhange aufgefasst, und auf die Stufe gesehen, worauf der
+selbstbewusste Geist gegenwaertig steht, so ist er ueber das
+substantielle Leben, das er sonst im Elemente des Gedankens fuehrte,
+hinaus,--ueber diese Unmittelbarkeit seines Glaubens, ueber die
+Befriedigung und Sicherheit der Gewissheit, welche das Bewusstsein von
+seiner Versoehnung mit dem Wesen und dessen allgemeiner, der innern
+und aeussern, Gegenwart besass. Er ist nicht nur darueber hinausgegangen,
+in das andere Extrem der substanzlosen Reflexion seiner in sich
+selbst, sondern auch ueber diese. Sein wesentliches Leben ist ihm
+nicht nur verloren, er ist auch dieses Verlustes, und der Endlichkeit,
+die sein Inhalt ist, bewusst. Von den Trebern sich wegwendend, dass
+er im Argen liegt, bekennend und darauf schmaehend, verlangt er nun
+von der Philosophie nicht sowohl das _Wissen_ dessen, was er _ist_,
+als zur Herstellung jener Substantialitaet und der Gediegenheit des
+Seins erst wieder durch sie zu gelangen. Diesem Beduerfnisse soll sie
+also nicht so sehr die Verschlossenheit der Substanz aufschliessen,
+und diese zum Selbstbewusstsein erheben--nicht so sehr ihr chaotisches
+Bewusstsein zur gedachten Ordnung und zur Einfachheit des Begriffes
+zurueckbringen, als vielmehr die Sonderungen des Gedankens
+zusammenschuetten, den unterscheidenden Begriff unterdruecken und das
+Gefuehl des Wesens herstellen, nicht sowohl _Einsicht_ als _Erbauung_
+gewaehren. Das Schoene, Heilige, Ewige, die Religion und Liebe sind
+der Koeder, der gefodert wird, um die Lust zum Anbeissen zu erwecken,
+nicht der Begriff, sondern die Ekstase, nicht die kalt
+fortschreitende Notwendigkeit der Sache, sondern die gaerende
+Begeisterung soll die Haltung und fortleitende Ausbreitung des
+Reichtums der Substanz sein.
+
+Dieser Foderung entspricht die angestrengte und fast eifernd und
+gereizt sich zeigende Bemuehung, die Menschen aus der Versunkenheit
+ins Sinnliche, Gemeine und Einzelne herauszureissen und ihren Blick zu
+den Sternen aufzurichten; als ob sie, des Goettlichen ganz vergessend,
+mit Staub und Wasser, wie der Wurm, auf dem Punkte sich zu
+befriedigen stuenden. Sonst hatten sie einen Himmel mit weitlaeufigem
+Reichtume von Gedanken und Bildern ausgestattet. Von allem, was ist,
+lag die Bedeutung in dem Lichtfaden, durch den es an den Himmel
+geknuepft war; an ihm, statt in _dieser_ Gegenwart zu verweilen, glitt
+der Blick ueber sie hinaus, zum goettlichen Wesen, zu einer, wenn man
+so sagen kann, jenseitigen Gegenwart hinauf. Das Auge des Geistes
+musste mit Zwang auf das Irdische gerichtet und bei ihm festgehalten
+werden; und es hat einer langen Zeit bedurft, jene Klarheit, die nur
+das Ueberirdische hatte, in die Dumpfheit und Verworrenheit, worin der
+Sinn des Diesseitigen lag, hineinzuarbeiten, und die Aufmerksamkeit
+auf das Gegenwaertige als solches, welche _Erfahrung_ genannt wurde,
+interessant und geltend zu machen.--Jetzt scheint die Not des
+Gegenteils vorhanden, der Sinn so sehr in das Irdische festgewurzelt,
+dass es gleicher Gewalt bedarf, ihn darueber zu erheben. Der Geist
+zeigt sich so arm, dass er sich, wie in der Sandwueste der Wanderer
+nach einem einfachen Trunk Wasser, nur nach dem duerftigen Gefuehle des
+Goettlichen ueberhaupt fuer seine Erquickung zu sehnen scheint. An
+diesem, woran dem Geiste genuegt, ist die Groesse seines Verlustes zu
+ermessen.
+
+Diese Genuegsamkeit des Empfangens oder Sparsamkeit des Gebens ziemt
+jedoch der Wissenschaft nicht. Wer nur die Erbauung sucht, wer seine
+irdische Mannigfaltigkeit des Daseins und des Gedankens in Nebel
+einzuhuellen und nach dem unbestimmten Genusse dieser unbestimmten
+Goettlichkeit verlangt, mag zusehen, wo er dies findet; er wird leicht
+selbst sich etwas vorzuschwaermen und damit sich aufzuspreizen die
+Mittel finden. Die Philosophie aber muss sich hueten, erbaulich sein
+zu wollen.
+
+Noch weniger muss diese Genuegsamkeit, die auf die Wissenschaft
+Verzicht tut, darauf Anspruch machen, dass solche Begeisterung und
+Truebheit etwas Hoeheres sei als die Wissenschaft. Dieses prophetische
+Reden meint gerade so recht im Mittelpunkte und der Tiefe zu bleiben,
+blickt veraechtlich auf die Bestimmtheit (den *Horos*) und haelt sich
+absichtlich von dem Begriffe und der Notwendigkeit entfernt, als von
+der Reflexion, die nur in der Endlichkeit hause. Wie es aber eine
+leere Breite gibt, so auch eine leere Tiefe, wie eine Extension der
+Substanz, die sich in endliche Mannigfaltigkeit ergiesst, ohne Kraft,
+sie zusammenzuhalten--so ist dies eine gehaltlose Intensitaet, welche
+als lautere Kraft ohne Ausbreitung sich haltend, dasselbe ist, was
+die Oberflaechlichkeit. Die Kraft des Geistes ist nur so gross als
+ihre Aeusserung, seine Tiefe nur so tief, als er in seiner Auslegung
+sich auszubreiten und sich zu verlieren getraut.--Zugleich wenn dies
+begrifflose substantielle Wissen die Eigenheit des Selbsts in dem
+Wesen versenkt zu haben und wahr und heilig zu philosophieren vorgibt,
+so verbirgt es sich, dass es, statt dem Gotte ergeben zu sein, durch
+die Verschmaehung des Masses und der Bestimmung vielmehr nur bald in
+sich selbst die Zufaelligkeit des Inhalts, bald in ihm die eigne
+Willkuer gewaehren laesst.--Indem sie sich dem ungebaendigten Gaeren der
+Substanz ueberlassen, meinen sie, durch die Einhuellung des
+Selbstbewusstseins und Aufgeben des Verstands, die _Seinen_ zu sein,
+denen Gott die Weisheit im Schlafe gibt; was sie so in der Tat im
+Schlafe empfangen und gebaeren, sind darum auch Traeume.
+
+Es ist uebrigens nicht schwer, zu sehen, dass unsre Zeit eine Zeit der
+Geburt und des Uebergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat
+mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und
+steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in
+der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie in Ruhe, sondern in
+immer fortschreitender Bewegung begriffen. Aber wie beim Kinde nach
+langer stiller Ernaehrung der erste Atemzug jene Allmaehlichkeit des
+nur vermehrenden Fortgangs abbricht--ein qualitativer Sprung--und
+itzt das Kind geboren ist, so reift der sich bildende Geist langsam
+und stille der neuen Gestalt entgegen, loest ein Teilchen des Baues
+seiner vorgehenden *Welt* nach dem andern auf, ihr Wanken wird nur
+durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile,
+die im Bestehenden einreissen, die unbestimmte Ahnung eines
+Unbekannten sind Vorboten, dass etwas anderes im Anzuge ist. Dies
+allmaehliche Zerbroeckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht
+veraenderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in
+einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt.
+
+Allein eine vollkommne Wirklichkeit hat dies Neue sowenig als das
+eben geborne Kind; und dies ist wesentlich nicht ausser acht zu lassen.
+Das erste Auftreten ist erst seine Unmittelbarkeit oder sein
+Begriff. Sowenig ein Gebaeude fertig ist, wenn sein Grund gelegt
+worden, sowenig ist der erreichte Begriff des Ganzen das Ganze selbst.
+Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung
+ihrer Aeste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wuenschen, sind wir
+nicht zufrieden, wenn uns an dieser Stelle eine Eichel gezeigt wird.
+So ist die Wissenschaft, die Krone einer Welt des Geistes, nicht in
+ihrem Anfange vollendet. Der Anfang des neuen Geistes ist das
+Produkt einer weitlaeufigen Umwaelzung von mannigfaltigen
+Bildungsformen, der Preis eines vielfach verschlungnen Weges und
+ebenso vielfacher Anstrengung und Bemuehung. Er ist das aus der
+Sukzession wie aus seiner Ausdehnung in sich zurueckgegangene Ganze,
+der gewordne _einfache Begriff_ desselben. Die Wirklichkeit dieses
+einfachen Ganzen aber besteht darin, dass jene zu Momenten gewordne
+Gestaltungen sich wieder von neuem, aber in ihrem neuen Elemente, in
+dem gewordenen Sinne entwickeln und Gestaltung geben.
+
+Indem einerseits die erste Erscheinung der neuen Welt nur erst das in
+seine _Einfachheit_ verhuellte Ganze oder sein allgemeiner Grund ist,
+so ist dem Bewusstsein dagegen der Reichtum des vorhergehenden Daseins
+noch in der Erinnerung gegenwaertig. Es vermisst an der neu
+erscheinenden Gestalt die Ausbreitung und Besonderung des Inhalts;
+noch mehr aber vermisst es die Ausbildung der Form, wodurch die
+Unterschiede mit Sicherheit bestimmt und in ihre festen Verhaeltnisse
+geordnet sind. Ohne diese Ausbildung entbehrt die Wissenschaft der
+allgemeinen *Verstaendlichkeit*, und hat den Schein, ein esoterisches
+Besitztum einiger Einzelnen zu sein;--ein esoterisches Besitztum:
+denn sie ist nur erst in ihrem Begriffe oder ihr Innres vorhanden;
+einiger Einzelnen: denn ihre unausgebreitete Erscheinung macht ihr
+Dasein zum Einzelnen. Erst was vollkommen bestimmt ist, ist zugleich
+exoterisch, begreiflich, und faehig, gelernt und das Eigentum aller zu
+sein. Die verstaendige Form der Wissenschaft ist der allen
+dargebotene und fuer alle gleichgemachte Weg zu ihr, und durch den
+Verstand zum vernuenftigen Wissen zu gelangen ist die gerechte
+Foderung des Bewusstseins, das zur Wissenschaft hinzutritt; denn der
+Verstand ist das Denken, das reine Ich ueberhaupt; und das Verstaendige
+ist das schon Bekannte und das Gemeinschaftliche der Wissenschaft und
+des unwissenschaftlichen Bewusstseins, wodurch dieses unmittelbar in
+jene einzutreten vermag.
+
+Die Wissenschaft, die erst beginnt, und es also noch weder zur
+Vollstaendigkeit des Details noch zur Vollkommenheit der Form gebracht
+hat, ist dem Tadel darueber ausgesetzt. Aber wenn dieser ihr Wesen
+treffen soll, so wuerde er ebenso ungerecht sein, als es unstatthaft
+ist, die Foderung jener Ausbildung nicht anerkennen zu wollen.
+Dieser Gegensatz scheint der hauptsaechlichste Knoten zu sein, an dem
+die wissenschaftliche Bildung sich gegenwaertig zerarbeitet und
+worueber sie sich noch nicht gehoerig versteht. Der eine Teil pocht
+auf den Reichtum des Materials und die Verstaendlichkeit, der andre
+verschmaeht wenigstens diese und pocht auf die unmittelbare
+Vernuenftigkeit und Goettlichkeit. Wenn auch jener Teil, es sei durch
+die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestuem des andern,
+zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds
+der Sache sich ueberwaeltigt fuehlte, so ist er darum in Ansehung jener
+Foderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht
+erfuellt. Sein Stillschweigen gehoert nur halb dem Siege, halb aber
+der Langeweile und Gleichgueltigkeit, welche die Folge einer bestaendig
+erregten Erwartung und nicht erfolgten Erfuellung der Versprechungen
+zu sein pflegt.
+
+In Ansehung des Inhalts machen die andern sich es wohl zuweilen
+leicht genug, eine grosse Ausdehnung zu haben. Sie ziehen auf ihren
+Boden eine Menge Material, naemlich das schon Bekannte und Geordnete,
+herein, und indem sie sich vornehmlich mit den Sonderbarkeiten und
+Kuriositaeten zu tun machen, scheinen sie um so mehr das uebrige, womit
+das Wissen in seiner Art schon fertig war, zu besitzen, zugleich auch
+das noch Ungeregelte zu beherrschen, und somit alles der absoluten
+Idee zu unterwerfen, welche hiemit in allem erkannt, und zur
+ausgebreiteten Wissenschaft gediehen zu sein scheint. Naeher aber
+diese Ausbreitung betrachtet, so zeigt sie sich nicht dadurch
+zustande gekommen, dass ein und dasselbe sich selbst verschieden
+gestaltet haette, sondern sie ist die gestaltlose Wiederholung des
+einen und desselben, das nur an das verschiedene Material aeusserlich
+angewendet ist, und einen langweiligen Schein der Verschiedenheit
+erhaelt. Die fuer sich wohl wahre Idee bleibt in der Tat nur immer in
+ihrem Anfange stehen, wenn die Entwicklung in nichts als in einer
+solchen Wiederholung derselben Formel besteht. Die eine unbewegte
+Form vom wissenden Subjekte an dem Vorhandenen herumgefuehrt, das
+Material in dies ruhende Element von aussenher eingetaucht, dies ist
+so wenig, als willkuerliche Einfaelle ueber den Inhalt, die Erfuellung
+dessen, was gefodert wird, naemlich der aus sich entspringende
+Reichtum und sich selbst bestimmende Unterschied der Gestalten. Es
+ist vielmehr ein einfarbiger Formalismus, der nur zum Unterschiede
+des Stoffes, und zwar dadurch kommt, weil dieser schon bereitet und
+bekannt ist.
+
+Dabei behauptet er diese Eintoenigkeit und die abstrakte Allgemeinheit
+fuer das Absolute; er versichert, dass die Ungenuegsamkeit mit ihr eine
+Unfaehigkeit sei, sich des absoluten Standpunktes zu bemaechtigen und
+auf ihm festzuhalten. Wenn sonst die leere Moeglichkeit, sich etwas
+auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung
+zu widerlegen, und dieselbe blosse Moeglichkeit, der allgemeine Gedanke,
+auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so
+sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der
+Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Aufloesung des
+Unterschiedenen und Bestimmten, oder vielmehr das weiter nicht
+entwickelte noch an ihm selbst sich rechtfertigende Hinunterwerfen
+desselben in den Abgrund des Leeren fuer spekulative Betrachtungsart
+gelten. Irgendein Dasein, wie es im _Absoluten_ ist, betrachten,
+besteht hier in nichts anderem, als dass davon gesagt wird, es sei
+zwar jetzt von ihm gesprochen worden, als von einem Etwas, im
+Absoluten, dem A = A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern
+darin sei alles eins. Dies _eine_ Wissen, dass im Absoluten alles
+gleich ist, der unterscheidenden und erfuellten oder Erfuellung
+suchenden und fodernden Erkenntnis entgegenzusetzen--oder sein
+_Absolutes_ fuer die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt,
+alle Kuehe schwarz sind, ist die Naivitaet der Leere an Erkenntnis.
+--Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und
+geschmaeht, und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn
+auch seine Ungenuegsamkeit bekannt und gefuehlt ist, aus der
+Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten
+Wirklichkeit sich ueber seine Natur vollkommen klar geworden ist.--In
+der Ruecksicht, dass die allgemeine Vorstellung, wenn sie dem, was ein
+Versuch ihrer Ausfuehrung ist, vorangeht, das Auffassen der letztern
+erleichtert, ist es dienlich, das Ungefaehre derselben hier anzudeuten,
+in der Absicht zugleich, bei dieser Gelegenheit einige Formen zu
+entfernen, deren Gewohnheit ein Hindernis fuer das philosophische
+Erkennen ist.
+
+Es koemmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des
+Systems selbst rechtfertigen muss, alles darauf an, das Wahre nicht
+als _Substanz_, sondern ebensosehr als _Subjekt_ aufzufassen und
+auszudruecken. Zugleich ist zu bemerken, dass die Substantialitaet
+sosehr das Allgemeine oder die _Unmittelbarkeit des Wissens_ als
+diejenige, welche _Sein_ oder Unmittelbarkeit _fuer das_ Wissen ist,
+in sich schliesst.--Wenn, Gott als die _eine_ Substanz zu fassen, das
+Zeitalter empoerte, worin diese Bestimmung ausgesprochen wurde, so lag
+teils der Grund hievon in dem Instinkte, dass darin das
+Selbstbewusstsein nur untergegangen, nicht erhalten ist, teils aber
+ist das Gegenteil, welches das Denken als Denken festhaelt, die
+_Allgemeinheit_, dieselbe Einfachheit oder ununterschiedne, unbewegte
+Substantialitaet, und wenn drittens das Denken das Sein der Substanz
+als solche mit sich vereint und die Unmittelbarkeit oder das
+Anschauen als Denken erfasst, so koemmt es noch darauf an, ob dieses
+intellektuelle Anschauen nicht wieder in die traege Einfachheit
+zurueckfaellt, und die Wirklichkeit selbst auf eine unwirkliche Weise
+darstellt.
+
+Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit
+_Subjekt_, oder, was dasselbe heisst, welches in Wahrheit wirklich ist,
+nur insofern sie die Bewegung des Sich-selbst-setzens, oder die
+Vermittlung des Sich-anders-werdens mit sich selbst ist. Sie ist als
+Subjekt die reine _einfache Negativitaet_, eben dadurch die Entzweiung
+des Einfachen, oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder
+die Negation dieser gleichgueltigen Verschiedenheit und ihres
+Gegensatzes ist; nur diese sich _wiederherstellende_ Gleichheit oder
+die Reflexion im Anderssein in sich selbst--nicht eine
+_urspruengliche_ Einheit als solche, oder _unmittelbare_ als solche,
+ist das Wahre. Es ist das Werden seiner selbst, der Kreis, der sein
+Ende als seinen Zweck voraussetzt und zum Anfange hat, und nur durch
+die Ausfuehrung und sein Ende wirklich ist.
+
+Das Leben Gottes und das goettliche Erkennen mag also wohl als ein
+Spielen der Liebe mit sich selbst ausgesprochen werden; diese Idee
+sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst,
+der Schmerz, die Geduld und Arbeit des Negativen darin fehlt. _An
+sich_ ist jenes Leben wohl die ungetruebte Gleichheit und Einheit mit
+sich selbst, der es kein Ernst mit dem Anderssein und der Entfremdung,
+so wie mit dem Ueberwinden dieser Entfremdung ist. Aber dies
+_An-sich_ ist die abstrakte Allgemeinheit, in welcher von seiner
+Natur, _fuer sich zu sein_, und damit ueberhaupt von der Selbstbewegung
+der Form abgesehen wird. Wenn die Form als dem Wesen gleich
+ausgesagt wird, so ist es eben darum ein Missverstand, zu meinen, dass
+das Erkennen sich mit dem An-sich oder dem Wesen begnuegen, die Form
+aber ersparen koenne;--dass der absolute Grundsatz oder die absolute
+Anschauung, die Ausfuehrung des erstern oder die Entwicklung der
+andern entbehrlich mache. Gerade weil die Form dem Wesen so
+wesentlich ist, als es sich selbst, ist es nicht bloss als Wesen, d.h.
+als unmittelbare Substanz, oder als reine Selbstanschauung des
+Goettlichen zu fassen und auszudruecken, sondern ebensosehr als _Form_
+und im ganzen Reichtum der entwickelten Form; dadurch wird es erst
+als Wirkliches gefasst und ausgedrueckt.
+
+Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine
+Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu
+sagen, dass es wesentlich _Resultat_, dass es erst am _Ende_ das ist,
+was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur,
+Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So
+widersprechend es scheinen mag, dass das Absolute wesentlich als
+Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Ueberlegung
+diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder
+das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist
+nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: _alle_ Tiere, dies Wort
+fuer eine Zoologie gelten kann, ebenso faellt es auf, dass die Worte des
+Goettlichen, Absoluten, Ewigen u.s.w. das nicht aussprechen, was darin
+enthalten ist;--und nur solche Worte druecken in der Tat die
+Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches
+Wort, der Uebergang auch nur zu einem Satze, ist _ein Anderswerden_,
+das zurueckgenommen werden muss, ist eine Vermittlung. Diese aber ist
+das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, dass mehr aus ihr
+gemacht wird denn nur dies, dass sie nichts Absolutes und im Absoluten
+gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben waere.
+
+Dies Perhorreszieren stammt aber in der Tat aus der Unbekanntschaft
+mit der Natur der Vermittlung und des absoluten Erkennens selbst.
+Denn die Vermittlung ist nichts anders als die sich bewegende
+Sichselbstgleichheit, oder sie ist die Reflexion in sich selbst, das
+Moment des fuersichseienden ich, die reine Negativitaet oder das
+_einfache Werden_. Das Ich, oder das Werden ueberhaupt, dieses
+Vermitteln ist um seiner Einfachheit willen eben die werdende
+Unmittelbarkeit und das Unmittelbare selbst.--Es ist daher ein
+Verkennen der Vernunft, wenn die Reflexion aus dem Wahren
+ausgeschlossen und nicht als positives Moment des Absoluten erfasst
+wird. Sie ist es, die das Wahre zum Resultate macht, aber diesen
+Gegensatz gegen sein Werden ebenso aufhebt, denn dies Werden ist
+ebenso einfach und daher von der Form des Wahren, im Resultate sich
+als _einfach_ zu zeigen, nicht verschieden; es ist vielmehr eben dies
+Zurueckgegangensein in die Einfachheit.--Wenn der Embryo wohl _an
+sich_ Mensch ist, so ist er es aber nicht _fuer sich_; fuer sich ist er
+es nur als gebildete Vernunft, die sich zu dem _gemacht_ hat, was sie
+_an sich_ ist. Dies erst ist ihre Wirklichkeit. Aber dies Resultat
+ist selbst einfache Unmittelbarkeit, denn es ist die selbstbewusste
+Freiheit, die in sich selbst ruht, und den Gegensatz nicht auf die
+Seite gebracht hat und ihn da liegen laesst, sondern mit ihm versoehnt
+ist.
+
+Das Gesagte kann auch so ausgedrueckt werden, dass die Vernunft das
+_zweckmaessige Tun_ ist. Die Erhebung der vermeinten Natur ueber das
+misskannte Denken, und zunaechst die Verbannung der aeussern
+Zweckmaessigkeit hat die Form des _Zwecks_ ueberhaupt in Misskredit
+gebracht. Allein, wie auch Aristoteles die Natur als das zweckmaessige
+Tun bestimmt, der Zweck ist das Unmittelbare, das Ruhende, welches
+selbst bewegend oder Subjekt ist. Seine abstrakte Kraft zu bewegen
+ist das _Fuer-sich-sein_ oder die reine Negativitaet. Das Resultat ist
+nur darum dasselbe, was der Anfang, weil der Anfang Zweck ist;--oder
+das Wirkliche ist nur darum dasselbe, was sein Begriff, weil das
+Unmittelbare als Zweck das Selbst oder die reine Wirklichkeit in ihm
+selbst hat. Der ausgefuehrte Zweck oder das daseiende Wirkliche ist
+die Bewegung und das entfaltete Werden; eben diese Unruhe aber ist
+das Selbst; und jener Unmittelbarkeit und Einfachheit des Anfangs ist
+es darum gleich, weil es das Resultat, das in sich Zurueckgekehrte,
+--das in sich Zurueckgekehrte aber eben das Selbst, und das Selbst die
+sich auf sich beziehende Gleichheit und Einfachheit ist.
+
+Das Beduerfnis, das Absolute als _Subjekt_ vorzustellen, bediente sich
+der Saetze: _Gott_ ist das Ewige, oder die moralische Weltordnung oder
+die Liebe u.s.f. In solchen Saetzen ist das Wahre nur geradezu als
+Subjekt gesetzt, nicht aber als die Bewegung des sich
+In-sich-selbst-reflektierens dargestellt. Es wird in einem Satze der
+Art mit dem Worte: _Gott_ angefangen. Dies fuer sich ist ein
+sinnloser Laut, ein blosser Name; erst das Praedikat sagt, _was er ist_,
+ist seine Erfuellung und Bedeutung; der leere Anfang wird nur in
+diesem Ende ein wirkliches Wissen. Insofern ist nicht abzusehen,
+warum nicht vom Ewigen, der moralischen Weltordnung u.s.f., oder, wie
+die Alten taten, von reinen Begriffen, dem Sein, dem Einen u.s.f.,
+von dem, was die Bedeutung ist, allein gesprochen wird, ohne den
+sinnlosen Laut noch hinzuzufuegen. Aber durch dies Wort wird eben
+bezeichnet, dass nicht ein Sein oder Wesen oder Allgemeines ueberhaupt,
+sondern ein in sich Reflektiertes, ein Subjekt gesetzt ist. Allein
+zugleich ist dies nur antizipiert. Das Subjekt ist als fester Punkt
+angenommen, an den als ihren Halt die Praedikate geheftet sind, durch
+eine Bewegung, die dem von ihm Wissenden angehoert, und die auch nicht
+dafuer angesehen wird, dem Punkte selbst anzugehoeren; durch sie aber
+waere allein der Inhalt als Subjekt dargestellt. In der Art, wie
+diese Bewegung beschaffen ist, kann sie ihm nicht angehoeren; aber
+nach Voraussetzung jenes Punkts kann sie auch nicht anders beschaffen,
+kann sie nur aeusserlich sein. Jene Antizipation, dass das Absolute
+Subjekt ist, ist daher nicht nur nicht die Wirklichkeit dieses
+Begriffs, sondern macht sie sogar unmoeglich, denn jene setzt ihn als
+ruhenden Punkt, diese aber ist die Selbstbewegung.
+
+Unter mancherlei Folgerungen, die aus dem Gesagten fliessen, kann
+diese herausgehoben werden, dass das Wissen nur als Wissenschaft oder
+als _System_ wirklich ist und dargestellt werden kann. Dass ferner
+ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr
+ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist.
+--Es ist deswegen leicht, ihn zu widerlegen. Die Widerlegung besteht
+darin, dass sein Mangel aufgezeigt wird; mangelhaft aber ist er, weil
+er nur das Allgemeine oder Prinzip, der Anfang, ist. Ist die
+Widerlegung gruendlich, so ist sie aus ihm selbst genommen und
+entwickelt,--nicht durch entgegengesetzte Versicherungen und Einfaelle
+von aussen her bewerkstelligt. Sie wuerde also eigentlich seine
+Entwicklung und somit die Ergaenzung seiner Mangelhaftigkeit sein,
+wenn sie sich nicht darin verkaennte, dass sie ihre _negative_ Seite
+allein beachtet, und ihres Fortgangs und Resultates nicht auch nach
+seiner _positiven_ Seite bewusst wird.--Die eigentliche _positive_
+Ausfuehrung des Anfangs ist zugleich umgekehrt ebensosehr ein
+negatives Verhalten gegen ihn, naemlich gegen seine einseitige Form,
+erst _unmittelbar_ oder _Zweck_ zu sein. Sie kann somit ebensosehr
+als die Widerlegung desjenigen genommen werden, was den _Grund_ des
+Systems ausmacht, besser aber als ein Aufzeigen, dass der _Grund_ oder
+das Prinzip des Systems in der Tat nur sein _Anfang_ ist.
+
+Dass das Wahre nur als System wirklich, oder dass die Substanz
+wesentlich Subjekt ist, ist in der Vorstellung ausgedrueckt, welche
+das Absolute als _Geist_ ausspricht,--der erhabenste Begriff, und der
+der neuern Zeit und ihrer Religion angehoert. Das Geistige allein ist
+das _Wirkliche_; es ist das Wesen oder _An-sich-seiende_,--das sich
+_Verhaltende_ oder Bestimmte, das _Anderssein_ und
+_Fuer-sich-sein_--und in dieser Bestimmtheit oder seinem
+Ausser-sich-sein in sich selbst Bleibende;--oder es ist _an und fuer
+sich_.--Dies An-und-fuer-sich-sein aber ist es erst fuer uns oder _an
+sich_, oder es ist die geistige _Substanz_. Es muss dies auch _fuer
+sich selbst_--muss das Wissen von dem Geistigen und das Wissen von
+sich als dem Geiste sein; das heisst, es muss sich als _Gegenstand_
+sein, aber ebenso unmittelbar als _vermittelter_, das heisst
+aufgehobener, in sich reflektierter Gegenstand. Er ist _fuer sich_
+nur fuer uns, insofern sein geistiger Inhalt durch ihn selbst erzeugt
+ist; insofern er aber auch fuer sich selbst fuer sich ist, so ist
+dieses Selbsterzeugen, der reine Begriff, ihm zugleich das
+gegenstaendliche Element, worin er sein Dasein hat; und er ist auf
+diese Weise in seinem Dasein fuer sich selbst in sich reflektierter
+Gegenstand.--Der Geist, der sich so als Geist weiss, ist die
+_Wissenschaft_. Sie ist seine Wirklichkeit und das Reich, das er
+sich in seinem eigenen Elemente erbaut.
+
+Das reine Selbsterkennen im absoluten Anderssein, dieser Aether _als
+solcher_, ist der Grund und Boden der Wissenschaft oder das _Wissen
+im Allgemeinen_. Der Anfang der Philosophie macht die Voraussetzung
+oder Foderung, dass das Bewusstsein sich in diesem Elemente befinde.
+Aber dieses Element hat seine Vollendung und Durchsichtigkeit selbst
+nur durch die Bewegung seines Werdens. Es ist die reine Geistigkeit,
+oder das Allgemeine, das die Weise der einfachen Unmittelbarkeit hat.
+Weil es die Unmittelbarkeit des Geistes, weil die Substanz ueberhaupt
+der Geists ist, ist sie die _verklaerte Wesenheit_, die Reflexion, die
+selbst einfach oder die Unmittelbarkeit ist, das Sein, das die
+Reflexion in sich selbst ist. Die Wissenschaft von ihrer Seite
+verlangt vom Selbstbewusstsein, dass es in diesen Aether sich erhoben
+habe, um mit ihr und in ihr leben zu koennen und zu leben. Umgekehrt
+hat das Individuum das Recht zu fodern, dass die Wissenschaft ihm die
+Leiter wenigstens zu diesem Standpunkte reiche. Sein Recht gruendet
+sich auf seine absolute Selbststaendigkeit, die es in jeder Gestalt
+seines Wissens zu besitzen weiss, denn in jeder, sei sie von der
+Wissenschaft anerkannt oder nicht, und der Inhalt sei welcher er
+wolle, ist es die absolute Form zugleich oder hat die _unmittelbare
+Gewissheit_ seiner selbst; und, wenn dieser Ausdruck vorgezogen wuerde,
+damit unbedingtes _Sein_. Wenn der Standpunkt des Bewusstseins, von
+gegenstaendlichen Dingen im Gegensatze gegen sich selbst und von sich
+selbst im Gegensatze gegen sie zu wissen, der Wissenschaft als das
+_Andre_ gilt--das, worin es bei sich selbst ist, vielmehr als der
+Verlust des Geistes--, so ist ihm dagegen das Element der
+Wissenschaft eine jenseitige Ferne, worin es nicht mehr sich selbst
+besitzt. Jeder von diesen beiden Teilen scheint fuer den andern das
+Verkehrte der Wahrheit zu sein. Dass das natuerliche Bewusstsein sich
+der Wissenschaft unmittelbar anvertraut, ist ein Versuch, den es, es
+weiss nicht von was angezogen, macht, auch einmal auf dem Kopfe zu
+gehen; der Zwang, diese ungewohnte Stellung anzunehmen und sich in
+ihr zu bewegen, ist eine so unvorbereitete als unnoetig scheinende
+Gewalt, die ihm angemutet wird, sich anzutun.--Die Wissenschaft sei
+an ihr selbst, was sie will, im Verhaeltnisse zum unmittelbaren
+Selbstbewusstsein stellt sie sich als ein Verkehrtes gegen es dar,
+oder weil das unmittelbare Selbstbewusstsein das Prinzip der
+Wirklichkeit ist, traegt sie, indem es fuer sich ausser ihr ist, die
+Form der Unwirklichkeit. Sie hat darum jenes Element mit ihr zu
+vereinigen, oder vielmehr zu zeigen, dass und wie es ihr selbst
+angehoert. Der Wirklichkeit entbehrend, ist sie nur das _An-sich_,
+der _Zweck_, der erst noch ein _Innres_, nicht als Geist, nur erst
+geistige Substanz ist. Sie hat sich zu aeussern und fuer sich selbst zu
+werden, dies heisst nichts anders als: sie hat das Selbstbewusstsein
+als eins mit sich zu setzen.
+
+Dies Werden der _Wissenschaft ueberhaupt_, oder des _Wissens_, ist es,
+was diese _Phaenomenologie_ des Geistes, als der erste Teil des
+Systems derselben, darstellt. Das Wissen, wie es zuerst ist, oder
+der _unmittelbare Geist_ ist das Geistlose, oder ist das _sinnliche
+Bewusstsein_. Um zum eigentlichen Wissen zu werden, oder das Element
+der Wissenschaft, was ihr reiner Begriff ist, zu erzeugen, hat er
+durch einen langen Weg sich hindurchzuarbeiten.--Dieses Werden, wie
+es in seinem Inhalte und den Gestalten, die sich in ihm zeigen,
+aufgestellt ist, erscheint als etwas anderes denn als die Anleitung
+des unwissenschaftlichen Bewusstseins zur Wissenschaft; auch etwas
+anderes als die Begruendung der Wissenschaft;--so ohnehin, als die
+Begeisterung, die wie aus der Pistole mit dem absoluten Wissen
+unmittelbar anfaengt, und mit andern Standpunkten dadurch schon fertig
+ist, dass sie keine Notiz davon zu nehmen erklaert.
+
+Die Aufgabe aber, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkte
+aus zum Wissen zu fuehren, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen,
+und das allgemeine Individuum, der Weltgeist, in seiner Bildung zu
+betrachten.--Was das Verhaeltnis beider betrifft, so zeigt sich in dem
+allgemeinen Individuum jedes Moment, wie es die konkrete Form und
+eigne Gestaltung gewinnt. Das besondre Individuum aber ist der
+unvollstaendige Geist, eine konkrete Gestalt, deren ganzes Dasein
+_einer_ Bestimmtheit zufaellt, und worin die andern nur in vermischten
+Zuegen vorhanden sind. In dem Geiste, der hoeher steht als ein anderer,
+ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente
+herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine
+Spur; ihre Gestalt ist eingehuellt und eine einfache Schattierung
+geworden. Diese Vergangenheit durchlaeuft das Individuum, dessen
+Substanz der hoeherstehende Geist ist, auf die Art, wie der eine
+hoehere Wissenschaft vornimmt, die Vorbereitungskenntnisse, die er
+laengst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwaertig zu machen, durchgeht;
+er ruft die Erinnerung desselben zurueck, ohne darin sein Interesse
+und Verweilen zu haben. So durchlauft jeder einzelne auch die
+Bildungsstufen des allgemeinen Geistes, aber als vom Geiste schon
+abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und
+geebnet ist; wie wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in fruehern
+Zeitaltern den reifen Geist der Maenner beschaeftigte, zu Kenntnissen,
+Uebungen und selbst Spielen des Knabensalters herabgesunken sehen, und
+in dem paedagogischen Fortschreiten die wie im Schattenrisse
+nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen werden.
+Dies vergangne Dasein ist schon erworbnes Eigentum des allgemeinen
+Geistes, der die Substanz des Individuums oder seine unorganische
+Natur ausmacht.--Die Bildung des Individuums in dieser Ruecksicht
+besteht, von seiner Seite aus betrachtet, darin, dass es dies
+Vorhandne erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre und fuer
+sich in Besitz nehme. Dies ist aber ebensosehr nichts anders, als
+dass der allgemeine Geist oder die Substanz sich ihr Selbstbewusstsein
+gibt, oder ihr Werden und Reflexion in sich.
+
+Die Wissenschaft stellt diese bildende Bewegung sowohl in ihrer
+Ausfuehrlichkeit und Notwendigkeit, als das, was schon zum Momente und
+Eigentum des Geists herabgesunken ist, in seiner Gestaltung dar. Das
+Ziel ist die Einsicht des Geistes in das, was das Wissen ist. Die
+Ungeduld verlangt das Unmoegliche, naemlich die Erreichung des Ziels
+ohne die Mittel. Einesteils ist die _Laenge_ dieses Wegs zu ertragen,
+denn jedes Moment ist notwendig,--andernteils bei jedem sich zu
+_verweilen_, denn jedes ist selbst eine individuelle ganze Gestalt,
+und wird nur absolut betrachtet, insofern seine Bestimmtheit als
+Ganzes oder Konkretes, oder das Ganze in der Eigentuemlichkeit dieser
+Bestimmung betrachtet wird.--Weil die Substanz des Individuums, weil
+der Weltgeist die Geduld gehabt, diese Formen in der langen
+Ausdehnung der Zeit zu durchgehen und die ungeheure Arbeit der
+Weltgeschichte zu uebernehmen, und weil er durch keine geringere das
+Bewusstsein ueber sich erreichen konnte, so kann zwar das Individuum
+nicht mit weniger seine Substanz begreifen. Inzwischen hat es
+zugleich geringere Muehe, weil _an sich_ dies vollbracht,--der Inhalt
+schon die zur Moeglichkeit getilgte Wirklichkeit und die bezwungne
+Unmittelbarkeit ist. Schon ein _Gedachtes_, ist er Eigentum der
+Individualitaet; es ist nicht mehr das _Dasein_ in das _An-sich-sein_,
+sondern nur _das An-sich_ in die Form des _Fuer-sich_-seins umzukehren,
+dessen Art naeher zu bestimmen ist.
+
+Was dem Individuum an dieser Bewegung erspart ist, ist das Aufheben
+des _Daseins_; was aber noch uebrig ist, ist die _Vorstellung_ und die
+_Bekanntschaft_ mit den Formen. Das in die Substanz zurueckgenommne
+Dasein ist durch jene erste Negation nur erst _unmittelbar_ in das
+Element des Selbsts versetzt; es hat also noch denselben Charakter
+der unbegriffnen Unmittelbarkeit oder unbewegten Gleichgueltigkeit als
+das Dasein selbst, oder es ist nur in die _Vorstellung_ uebergegangen.
+--Zugleich ist es dadurch ein _Bekanntes_, ein solches, mit dem der
+Geist fertig geworden, worin daher seine Taetigkeit und somit sein
+Interesse nicht mehr ist. Wenn die Taetigkeit, die mit dem Dasein
+fertig wird, die unmittelbare oder daseiende Vermittlung, und hiemit
+die Bewegung nur des besondern sich nicht begreifenden Geistes ist,
+so ist dagegen das Wissen gegen die hiedurch zustande gekommne
+Vorstellung, gegen dies Bekanntsein gerichtet, ist das Tun des
+allgemeinen Selbsts und das Interesse des Denkens.
+
+Das Bekannte ueberhaupt ist darum, weil es _bekannt_ ist, nicht
+erkannt. Es ist die gewoehnlichste Selbsttaeuschung wie Taeuschung
+anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich
+ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches
+Wissen, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, nicht von der Stelle. Das
+Subjekt und Objekt u.s.f., Gott, Natur, der Verstand, die
+Sinnlichkeit u.s.f. werden unbesehen als bekannt und als etwas
+Gueltiges zugrunde gelegt und machen feste Punkte sowohl des Ausgangs
+als der Rueckkehr aus. Die Bewegung geht zwischen ihnen, die unbewegt
+bleiben, hin und her, und somit nur auf ihrer Oberflaeche vor. So
+besteht auch das Auffassen und Pruefen darin, zu sehen, ob jeder das
+von ihnen Gesagte auch in seiner Vorstellung findet, ob es ihm so
+scheint und bekannt ist oder nicht.
+
+Das _Analysieren_ einer Vorstellung, wie es sonst getrieben worden,
+war schon nichts anderes als das Aufheben der Form ihres Bekanntseins.
+Eine Vorstellung in ihre urspruenglichen Elemente auseinanderlegen,
+ist das Zurueckgehen zu ihren Momenten, die wenigstens nicht die Form
+der vorgefundenen Vorstellung haben, sondern das unmittelbare
+Eigentum des Selbsts ausmachen. Diese Analyse koemmt zwar nur zu
+_Gedanken_, welche selbst bekannte, feste und ruhende Bestimmungen
+sind. Aber ein wesentliches Moment ist dies _Geschiedne_,
+Unwirkliche selbst; denn nur darum, dass das Konkrete sich scheidet
+und zum Unwirklichen macht, ist es das sich Bewegende. Die Taetigkeit
+des Scheidens ist die Kraft und Arbeit des _Verstandes_, der
+verwundersamsten und groessten, oder vielmehr der absoluten Macht. Der
+Kreis, der in sich geschlossen ruht, und als Substanz seine Momente
+haelt, ist das unmittelbare und darum nicht verwundersame Verhaeltnis.
+Aber dass das von seinem Umfange getrennte Akzidentelle als solches,
+das gebundne und nur in seinem Zusammenhange mit anderm Wirkliche ein
+eigenes Dasein und abgesonderte Freiheit gewinnt, ist die ungeheure
+Macht des Negativen; es ist die Energie des Denkens, des reinen Ichs.
+Der Tod, wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen, ist das
+Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die groesste Kraft
+erfodert. Die kraftlose Schoenheit hasst den Verstand, weil er ihr
+dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich
+vor dem Tode scheut und von der Verwuestung rein bewahrt, sondern das
+ihn ertraegt und in ihm sich erhaelt, ist das Leben des Geistes. Er
+gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit
+sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive,
+welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen,
+dies ist nichts oder falsch, und nun, damit fertig, davon weg zu
+irgend etwas anderem uebergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem
+er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses
+Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.--Sie ist
+dasselbe, was oben das Subjekt genannt worden, welches darin, dass es
+der Bestimmtheit in seinem Elemente Dasein gibt, die abstrakte, d.h.
+nur ueberhaupt _seiende_ Unmittelbarkeit aufhebt, und dadurch die
+wahrhafte Substanz ist, das Sein oder die Unmittelbarkeit, welche
+nicht die Vermittlung ausser ihr hat, sondern diese selbst ist.
+
+Dass das Vorgestellte Eigentum des reinen Selbstbewusstseins wird,
+diese Erhebung zur Allgemeinheit ueberhaupt ist nur die _eine_ Seite,
+noch nicht die vollendete Bildung.--Die Art des Studiums der alten
+Zeit hat diese Verschiedenheit von dem der neuern, dass jenes die
+eigentliche Durchbildung des natuerlichen Bewusstseins war. An jedem
+Teile seines Daseins sich besonders versuchend und ueber alles
+Vorkommende philosophierend, erzeugte es sich zu einer durch und
+durch betaetigten Allgemeinheit. In der neuern Zeit hingegen findet
+das Individuum die abstrakte Form vorbereitet; die Anstrengung, sie
+zu ergreifen und sich zu eigen zu machen, ist mehr das unvermittelte
+Hervortreiben des Innern und abgeschnittne Erzeugen des Allgemeinen
+als ein Hervorgehen desselben aus dem Konkreten und der
+Mannigfaltigkeit des Daseins. Itzt besteht darum die Arbeit nicht so
+sehr darin, das Individuum aus der unmittelbaren sinnlichen Weise zu
+reinigen und es zur gedachten und denkenden Substanz zu machen, als
+vielmehr in dem Entgegengesetzten, durch das Aufheben der festen
+bestimmten Gedanken das Allgemeine zu verwirklichen und zu begeistert.
+Es ist aber weit schwerer, die festen Gedanken in Fluessigkeit zu
+bringen, als das sinnliche Dasein. Der Grund ist das vorhin
+Angegebene; jene Bestimmungen haben das Ich, die Macht des Negativen
+oder die reine Wirklichkeit zur Substanz und zum Element ihres
+Daseins; die sinnlichen Bestimmungen dagegen nur die unmaechtige
+abstrakte Unmittelbarkeit oder das Sein als solches. Die Gedanken
+werden fluessig, indem das reine Denken, diese innere
+_Unmittelbarkeit_, sich als Moment erkennt oder indem die reine
+Gewissheit seiner selbst von sich abstrahiert;--nicht sich weglaesst,
+auf die Seite setzt, sondern das _Fixe_ ihres Sich-selbst-setzens
+aufgibt, sowohl das Fixe des reinen Konkreten, welches Ich selbst im
+Gegensatze gegen unterschiedenen Inhalt ist,--als das Fixe von
+Unterschiedenen, die im Elemente des reinen Denkens gesetzt an jener
+Unbedingtheit des Ich Anteil haben. Durch diese Bewegung werden die
+reinen Gedanken _Begriffe_, und sind erst, was sie in Wahrheit sind,
+Selbstbewegungen, Kreise, das, was ihre Substanz ist, geistige
+Wesenheiten.
+
+Diese Bewegung der reinen Wesenheiten macht die Natur der
+Wissenschaftlichkeit ueberhaupt aus. Als der Zusammenhang ihres
+Inhalts betrachtet, ist sie die Notwendigkeit und Ausbreitung
+desselben zum organischen Ganzen. Der Weg, wodurch der Begriff des
+Wissens erreicht wird, wird durch sie gleichfalls ein notwendiges und
+vollstaendiges Werden, so dass diese Vorbereitung aufhoert, ein
+zufaelliges Philosophieren zu sein, das sich an diese und jene
+Gegenstaende, Verhaeltnisse und Gedanken des unvollkommenen Bewusstseins,
+wie die Zufaelligkeit es mit sich bringt, anknuepft, oder durch ein
+hin- und hergehendes Raesonnement, Schliessen und Folgern aus
+bestimmten Gedanken das Wahre zu begruenden sucht; sondern dieser Weg
+wird durch die Bewegung des Begriffs die vollstaendige Weltlichkeit
+des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit umfassen.
+
+Eine solche Darstellung macht ferner den _ersten_ Teil der
+Wissenschaft darum aus, weil das Dasein des Geistes als Erstes nichts
+anderes als das Unmittelbare oder der Anfang, der Anfang aber noch
+nicht seine Rueckkehr in sich ist. Das _Element des unmittelbaren
+Daseins_ ist daher die Bestimmtheit, wodurch sich dieser Teil der
+Wissenschaft von den andern unterscheidet.--Die Angabe dieses
+Unterschiedes fuehrt zur Eroerterung einiger festen Gedanken, die
+hiebei vorzukommen pflegen.
+
+Das unmittelbare Dasein des Geistes, das _Bewusstsein_, hat die zwei
+Momente des Wissens und der dem Wissen negativen Gegenstaendlichkeit.
+Indem in diesem Elemente sich der Geist entwickelt und seine Momente
+auslegt, so kommt ihnen dieser Gegensatz zu, und sie treten alle als
+Gestalten des Bewusstseins auf. Die Wissenschaft dieses Wegs ist
+Wissenschaft der _Erfahrung_, die das Bewusstsein macht; die Substanz
+wird betrachtet, wie sie und ihre Bewegung sein Gegenstand ist. Das
+Bewusstsein weiss und begreift nichts, als was in seiner Erfahrung ist;
+denn was in dieser ist, ist nur die geistige Substanz, und zwar als
+_Gegenstand_ ihres Selbsts. Der Geist wird aber Gegenstand, denn er
+ist diese Bewegung, _sich_ ein _anderes_, d.h. _Gegenstand seines
+Selbsts_ zu werden, und dieses Anderssein aufzuheben. Und die
+Erfahrung wird eben diese Bewegung genannt, worin das Unmittelbare,
+das Unerfahrne, d. h. das Abstrakte, es sei des sinnlichen Seins oder
+des nur gedachten Einfachen, sich entfremdet, und dann aus dieser
+Entfremdung zu sich zurueckgeht, und hiemit itzt erst in seiner
+Wirklichkeit und Wahrheit dargestellt wie auch Eigentum des
+Bewusstseins ist.
+
+Die Ungleichheit, die im Bewusstsein zwischen dem Ich und der Substanz,
+die sein Gegenstand ist, stattfindet, ist ihr Unterschied, das
+_Negative_ ueberhaupt. Es kann als der _Mangel_ beider angesehen
+werden, ist aber ihre Seele oder das Bewegende derselben; weswegen
+einige Alte das _Leere_ als das Bewegende begriffen, indem sie das
+Bewegende zwar als das _Negative_, aber dieses noch nicht als das
+Selbst erfassten.--Wenn nun dies Negative zunaechst als Ungleichheit
+des Ichs zum Gegenstande erscheint, so ist es ebensosehr die
+Ungleichheit der Substanz zu sich selbst. Was ausser ihr vorzugehen,
+eine Taetigkeit gegen sie zu sein scheint, ist ihr eigenes Tun, und
+sie zeigt sich wesentlich Subjekt zu sein. Indem sie dies vollkommen
+gezeigt, hat der Geist sein Dasein seinem Wesen gleich gemacht; er
+ist sich Gegenstand, wie er ist, und das abstrakte Element der
+Unmittelbarkeit und der Trennung des Wissens und der Wahrheit ist
+ueberwunden. Das Sein ist absolut vermittelt;--es ist substantieller
+Inhalt, der ebenso unmittelbar Eigentum des Ich, selbstisch oder der
+Begriff ist. Hiemit beschliesst sich die Phaenomenologie des Geistes.
+Was er in ihr sich bereitet, ist das Element des Wissens. In diesem
+breiten sich nun die Momente des Geistes in der _Form der
+Einfachheit_ aus, die ihren Gegenstand als sich selbst weiss. Sie
+fallen nicht mehr in den Gegensatz des Seins und Wissens auseinander,
+sondern bleiben in der Einfachheit des Wissens, sind das Wahre in der
+Form des Wahren, und ihre Verschiedenheit ist nur Verschiedenheit des
+Inhalts. Ihre Bewegung, die sich in diesem Elemente zum Ganzen
+organisiert, ist die _Logik_ oder _spekulative Philosophie_.
+
+Weil nun jenes System der Erfahrung des Geistes nur die _Erscheinung_
+desselben befasst, so scheint der Fortgang von ihm zur Wissenschaft
+des _Wahren_, das in der _Gestalt_ des _Wahren_ ist, bloss negativ zu
+sein, und man koennte mit dem Negativen als dem _Falschen_ verschont
+bleiben wollen und verlangen, ohne weiteres zur Wahrheit gefuehrt zu
+werden; wozu sich mit dem Falschen abgeben?--Wovon schon oben die
+Rede war, dass sogleich mit der Wissenschaft sollte angefangen werden,
+darauf ist hier nach der Seite zu antworten, welche Beschaffenheit es
+mit dem Negativen als _Falschem_ ueberhaupt hat. Die Vorstellungen
+hierueber hindern vornehmlich den Eingang zur Wahrheit. Dies wird
+Veranlassung geben, vom mathematischen Erkennen zu sprechen, welches
+das unphilosophische Wissen als das Ideal ansieht, das zu erreichen
+die Philosophie streben muesste, bisher aber vergeblich gestrebt habe.
+
+Das _Wahre_ und _Falsche_ gehoert zu den bestimmten Gedanken, die
+bewegungslos fuer eigne Wesen gelten, deren eines drueben, das andre
+hueben ohne Gemeinschaft mit dem andern isoliert und fest steht.
+Dagegen muss behauptet werden, dass die Wahrheit nicht eine ausgepraegte
+Muenze ist, die fertig gegeben und so eingestrichen werden kann. Noch
+_gibt_ es ein Falsches, sowenig es ein Boeses gibt. So schlimm zwar
+als der Teufel ist das Boese und Falsche nicht, denn als dieser sind
+sie sogar zum besondern _Subjekte_ gemacht; als Falsches und Boeses
+sind sie nur _Allgemeine_, haben aber doch eigne Wesenheit
+gegeneinander.--Das Falsche, denn nur von ihm ist hier die Rede, waere
+das Andre, das Negative der Substanz, die als Inhalt des Wissens das
+Wahre ist. Aber die Substanz ist selbst wesentlich das Negative,
+teils als Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts, teils als ein
+_einfaches_ Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen ueberhaupt. Man
+kann wohl falsch wissen. Es wird etwas falsch gewusst, heisst, das
+Wissen ist in Ungleichheit mit seiner Substanz. Allein eben diese
+Ungleichheit ist das Unterscheiden ueberhaupt, das wesentliches Moment
+ist. Es wird aus dieser Unterscheidung wohl ihre Gleichheit, und
+diese gewordene Gleichheit ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht so
+Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen worden waere, wie die
+Schlacke vom reinen Metall, auch nicht einmal so, wie das Werkzeug
+von dem fertigen Gefaesse wegbleibt, sondern die Ungleichheit ist als
+das Negative, als das Selbst im Wahren als solchem selbst noch
+unmittelbar vorhanden. Es kann jedoch darum nicht gesagt werden, dass
+das _Falsche_ ein Moment oder gar einen Bestandteil des Wahren
+ausmache. Dass an jedem Falschen etwas Wahres sei--in diesem
+Ausdrucke gelten beide, wie Oel und Wasser, die unmischbar nur
+aeusserlich verbunden sind. Gerade um der Bedeutung willen, das Moment
+des _vollkommenen Andersseins_ zu bezeichnen, muessen ihre Ausdruecke
+da, wo ihr Anderssein aufgehoben ist, nicht mehr gebraucht werden.
+So wie der Ausdruck der _Einheit_ des Subjekts und Objekts, des
+Endlichen und Unendlichen, des Seins und Denkens u.s.f. das
+Ungeschickte hat, dass Objekt und Subjekt u.s.f. das bedeuten, was
+_sie ausser ihrer Einheit_ sind, in der Einheit also nicht als das
+gemeint sind, was ihr Ausdruck sagt, ebenso ist das Falsche nicht
+mehr als Falsches ein Moment der Wahrheit.
+
+Der _Dogmatismus_ der Denkungsart im Wissen und im Studium der
+Philosophie ist nichts anderes als die Meinung, dass das Wahre in
+einem Satze, der ein festes Resultat oder auch der unmittelbar gewusst
+wird, bestehe. Auf solche Fragen: wann Caesar geboren worden, wie
+viele Toisen ein Stadium und welches betrug u.s.f., soll eine _nette_
+Antwort gegeben werden, ebenso wie es bestimmt wahr ist, dass das
+Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der beiden
+uebrigen Seiten des rechtwinklichten Dreiecks ist. Aber die Natur
+einer solchen sogenannten Wahrheit ist verschieden von der Natur
+philosophischer Wahrheiten.
+
+In Ansehung der _historischen_ Wahrheiten, um ihrer kurz zu erwaehnen,
+insofern naemlich das rein Historische derselben betrachtet wird, wird
+leicht zugegeben, dass sie das einzelne Dasein, einen Inhalt nach der
+Seite seiner Zufaelligkeit und Willkuer, Bestimmungen desselben, die
+nicht notwendig sind, betreffen.--Selbst aber solche nackte
+Wahrheiten wie die als Beispiel angefuehrte sind nicht ohne die
+Bewegung des Selbstbewusstseins. Um eine derselben zu kennen, muss
+viel verglichen, auch in Buechern nachgeschlagen oder, auf welche
+Weise es sei, untersucht werden; auch bei einer unmittelbaren
+Anschauung wird erst die Kenntnis derselben mit ihren Gruenden fuer
+etwas gehalten, das wahren Wert habe, obgleich eigentlich nur das
+nackte Resultat das sein soll, um das es zu tun sei.
+
+Was die _mathematischen_ Wahrheiten betrifft, so wuerde noch weniger
+der fuer einen Geometer gehalten werden, der die Theoreme Euklids
+_auswendig_ wuesste, ohne ihre Beweise, ohne sie, wie man im Gegensatze
+sich ausdruecken koenne, _inwendig_ zu wissen. Ebenso wuerde die
+Kenntnis, die einer durch Messung vieler rechtwinklichten Dreiecke
+sich erwuerbe, dass ihre Seiten das bekannte Verhaeltnis zueinander
+haben, fuer unbefriedigend gehalten werden. Die _Wesentlichkeit_ des
+Beweises hat jedoch auch beim mathematischen Erkennen noch nicht die
+Bedeutung und Natur, Moment des Resultates selbst zu sein, sondern in
+diesem ist er vielmehr vorbei und verschwunden. Als Resultat ist
+zwar das Theorem _ein als wahr eingesehenes_. Aber dieser
+hinzugekommene Umstand betrifft nicht seinen Inhalt, sondern nur das
+Verhaeltnis zum Subjekt; die Bewegung des mathematischen Beweises
+gehoert nicht dem an, was Gegenstand ist, sondern ist ein der Sache
+_aeusserliches_ Tun. So zerlegt sich die Natur des rechtwinklichten
+Dreiecks nicht selbst so, wie es in der Konstruktion dargestellt wird,
+die fuer den Beweis des Satzes, der sein Verhaeltnis ausdrueckt, noetig
+ist; das ganze Hervorbringen des Resultats ist ein Gang und Mittel
+des Erkennens.--Auch im philosophischen Erkennen ist das Werden des
+_Daseins_ als Daseins verschieden von dem Werden des _Wesens_ oder
+der innern Natur der Sache. Aber das philosophische Erkennen enthaelt
+erstens beides, da hingegen das mathematische nur das Werden des
+_Daseins_, d.h. des _Seins_ der Natur der Sache im _Erkennen_ als
+solchem darstellt. Fuers andre vereinigt jenes auch diese beiden
+besondern Bewegungen. Das innre Entstehen oder das Werden der
+Substanz ist ungetrennt Uebergehen in das Aeussere oder in das Dasein,
+Sein fuer anderes; und umgekehrt ist das Werden des Daseins das
+Sich-zuruecknehmen ins Wesen. Die Bewegung ist so der gedoppelte
+Prozess und Werden des Ganzen, dass zugleich ein jedes das andre setzt
+und jedes darum auch beide als zwei Ansichten an ihm hat; sie
+zusammen machen dadurch das Ganze, dass sie sich selbst aufloesen und
+zu seinen Momenten machen.
+
+Im mathematischen Erkennen ist die Einsicht ein fuer die Sache
+aeusserliches Tun; es folgt daraus, dass die wahre Sache dadurch
+veraendert wird. Das Mittel, Konstruktion und Beweis, enthaelt daher
+wohl wahre Saetze; aber ebensosehr muss gesagt werden, dass der Inhalt
+falsch ist. Das Dreieck wird in dem obigen Beispiele zerrissen und
+seine Teile zu andern Figuren, die die Konstruktion an ihm entstehen
+laesst, geschlagen. Erst am Ende wird das Dreieck wiederhergestellt,
+um das es eigentlich zu tun ist, das im Fortgange aus den Augen
+verloren wurde, und nur in Stuecken, die andern Ganzen angehoerten,
+vorkam.--Hier sehen wir also auch die Negativitaet des Inhalts
+eintreten, welche eine Falschheit desselben ebensogut genannt werden
+muesste als in der Bewegung des Begriffs das Verschwinden der
+festgemeinten Gedanken.
+
+Die eigentliche Mangelhaftigkeit dieses Erkennens aber betrifft
+sowohl das Erkennen selbst als seinen Stoff ueberhaupt.--Was das
+Erkennen betrifft, so wird vors erste die Notwendigkeit der
+Konstruktion nicht eingesehen. Sie geht nicht aus dem Begriffe des
+Theorems hervor, sondern wird geboten, und man hat dieser Vorschrift,
+gerade diese Linien, deren unendliche andere gezogen werden koennten,
+zu ziehen, blindlings zu gehorchen, ohne etwas weiter zu wissen, als
+den guten Glauben zu haben, dass dies zu Fuehrung des Beweises
+zweckmaessig sein werde. Hintennach zeigt sich denn auch diese
+Zweckmaessigkeit, die deswegen nur eine aeusserliche ist, weil sie sich
+erst hintennach, beim Beweise, zeigt.--Ebenso geht dieser einen Weg,
+der irgendwo anfaengt, man weiss noch nicht in welcher Beziehung auf
+das Resultat, das herauskommen soll. Sein Fortgang nimmt _diese_
+Bestimmungen und Beziehungen auf und laesst andre liegen, ohne dass man
+unmittelbar einsehe, nach welcher Notwendigkeit; ein aeusserer Zweck
+regiert diese Bewegung.
+
+Die _Evidenz_ dieses mangelhaften Erkennens, auf welche die
+Mathematik stolz ist, und womit sie sich auch gegen die Philosophie
+bruestet, beruht allein auf der Armut ihres _Zwecks_ und der
+Mangelhaftigkeit ihres _Stoffs_, und ist darum von einer Art, die die
+Philosophie verschmaehen muss.--Ihr _Zweck_ oder Begriff ist die
+_Groesse_. Dies ist gerade das unwesentliche, begrifflose Verhaeltnis.
+Die Bewegung des Wissens geht darum auf der Oberflaeche vor, beruehrt
+nicht die Sache selbst, nicht das Wesen oder den Begriff, und ist
+deswegen kein Begreifen.--Der _Stoff_, ueber den die Mathematik den
+erfreulichen Schatz von Wahrheiten gewaehrt, ist der _Raum_ und das
+_Eins_. Der Raum ist das Dasein, worin der Begriff seine
+Unterschiede einschreibt, als in ein leeres, totes Element, worin sie
+ebenso unbewegt und leblos sind. Das _Wirkliche_ ist nicht ein
+Raeumliches, wie es in der Mathematik betrachtet wird; Mit solcher
+Unwirklichkeit, als die Dinge der Mathematik sind, gibt sich weder
+das konkrete sinnliche Anschauen noch die Philosophie ab. In solchem
+unwirklichen Elemente gibt es denn auch nur unwirkliches Wahres, d.h.
+fixierte, tote Saetze; bei jedem derselben kann aufgehoert werden; der
+folgende faengt fuer sich von neuem an, ohne dass der erste sich selbst
+zum andern fortbewegte und ohne dass auf diese Weise ein notwendiger
+Zusammenhang durch die Natur der Sache selbst entstuende.--Auch laeuft
+um jenes Prinzips und Elements willen--und hierin besteht das
+Formelle der mathematischen Evidenz--das Wissen an der Linie der
+_Gleichheit_ fort. Denn das Tote, weil es sich nicht selbst bewegt,
+kommt nicht zu Unterschieden des Wesens, nicht zur wesentlichen
+Entgegensetzung oder Ungleichheit, daher nicht zum Uebergange des
+Entgegengesetzten in das Entgegengesetzte, nicht zur qualitativen,
+immanenten, nicht zur Selbstbewegung. Denn es ist die Groesse, der
+unwesentliche Unterschied, den die Mathematik allein betrachtet. Dass
+es der Begriff ist, der den Raum in seine Dimensionen entzweit und
+die Verbindungen derselben und in denselben bestimmt, davon
+abstrahiert sie; sie betrachtet z.B. nicht das Verhaeltnis der Linie
+zur Flaeche; und wo sie den Durchmesser des Kreises mit der Peripherie
+vergleicht, stoesst sie auf die Inkommensurabilitaet derselben, d.h. ein
+Verhaeltnis des Begriffs, ein Unendliches, das ihrer Bestimmung
+entflieht.
+
+Die immanente, sogenannte reine Mathematik stellt auch nicht die
+_Zeit_ als Zeit dem Raume gegenueber, als den zweiten Stoff ihrer
+Betrachtung. Die angewandte handelt wohl von ihr, wie von der
+Bewegung, auch sonst andern wirklichen Dingen, sie nimmt aber die
+synthetischen, d.h. Saetze ihrer Verhaeltnisse, die durch ihren
+Begriff bestimmt sind, aus der Erfahrung auf, und wendet nur auf
+diese Voraussetzungen ihre Formeln an. Dass die sogenannten Beweise
+solcher Saetze, als der vom Gleichgewichte des Hebels, dem
+Verhaeltnisse des Raums und der Zeit in der Bewegung des Fallens u.s.f.
+, welche sie haeufig gibt, fuer Beweise gegeben und angenommen werden,
+ist selbst nur ein Beweis, wie gross das Beduerfnis des Beweisens fuer
+das Erkennen ist, weil es, wo es nicht mehr hat, auch den leeren
+Schein desselben achtet und eine Zufriedenheit dadurch gewinnt. Eine
+Kritik jener Beweise wuerde ebenso merkwuerdig als belehrend sein, um
+die Mathematik teils von diesem falschen Putze zu reinigen, teils
+ihre Grenze zu zeigen, und daraus die Notwendigkeit eines andern
+Wissens.--Was die _Zeit_ betrifft, von der man meinen sollte, dass sie,
+zum Gegenstuecke gegen den Raum, den Stoff des andern Teils der
+reinen Mathematik ausmachen wuerde, so ist sie der daseiende Begriff
+selbst. Das Prinzip der _Groesse_, des begrifflosen Unterschiedes, und
+das Prinzip der _Gleichheit_, der abstrakten unlebendigen Einheit,
+vermag es nicht, sich mit jener reinen Unruhe des Lebens und
+absoluten Unterscheidung zu befassen. Diese Negativitaet wird daher
+nur als paralysiert, naemlich als das _Eins_, zum zweiten Stoffe
+dieses Erkennens, das, ein aeusserliches Tun, das Sichselbstbewegende
+zum Stoffe herabsetzt, um nun an ihm einen gleichgueltigen,
+aeusserlichen unlebendigen Inhalt zu haben.
+
+Die Philosophie dagegen betrachtet nicht _unwesentliche_ Bestimmung,
+sondern sie, insofern sie wesentliche ist; nicht das Abstrakte oder
+Unwirkliche ist ihr Element und Inhalt, sondern das _Wirkliche_, sich
+selbst Setzende und in sich Lebende, das Dasein in seinem Begriffe.
+Es ist der Prozess, der sich seine Momente erzeugt und durchlaeuft, und
+diese ganze Bewegung macht das Positive und seine Wahrheit aus.
+Diese schliesst also ebensosehr das Negative in sich, dasjenige, was
+das Falsche genannt werden wuerde, wenn es als ein solches betrachtet
+werden koennte, von dem zu abstrahieren sei. Das Verschwindende ist
+vielmehr selbst als wesentlich zu betrachten, nicht in der Bestimmung
+eines Festen, das vom Wahren abgeschnitten, ausser ihm, man weiss nicht
+wo, liegenzulassen sei, sowie auch das Wahre nicht als das auf der
+andern Seite ruhende, tote Positive. Die Erscheinung ist das
+Entstehen und Vergehen, das selbst nicht entsteht und vergeht,
+sondern an sich ist, und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der
+Wahrheit ausmacht. Das Wahre ist so der bacchantische Taumel, an dem
+kein Glied nicht trunken ist, und weil jedes, indem es sich absondert,
+ebenso unmittelbar aufloest,--ist er ebenso die durchsichtige und
+einfache Ruhe. In dem Gerichte jener Bewegung bestehen zwar die
+einzelnen Gestalten des Geistes wie die bestimmten Gedanken nicht,
+aber sie sind so sehr auch positive notwendige Momente, als sie
+negativ und verschwindend sind.--In dem _Ganzen_ der Bewegung, es als
+Ruhe aufgefasst, ist dasjenige, was sich in ihr unterscheidet und
+besonderes Dasein gibt, als ein solches, das sich _erinnert_,
+aufbewahrt, dessen Dasein das Wissen von sich selbst ist, wie dieses
+ebenso unmittelbar Dasein ist.
+
+Von der _Methode_ dieser Bewegung oder der Wissenschaft koennte es
+noetig scheinen, voraus das Mehrere anzugeben. Ihr Begriff liegt aber
+schon in dem Gesagten, und ihre eigentliche Darstellung gehoert der
+Logik an oder ist vielmehr diese selbst. Denn die Methode ist nichts
+anderes als der Bau des Ganzen in seiner reinen Wesenheit aufgestellt.
+Von dem hierueber bisher Gangbaren aber muessen wir das Bewusstsein
+haben, dass auch das System der sich auf das, was philosophische
+Methode ist, beziehenden Vorstellungen einer verschollenen Bildung
+angehoert.--Wenn dies etwa renommistisch oder revolutionaer lauten
+sollte, von welchem Tone ich mich entfernt weiss, so ist zu bedenken,
+dass der wissenschaftliche Staat, den die Mathematik herlieh--von
+Erklaerungen, Einteilungen, Axiomen, Reihen von Theoremen, ihren
+Beweisen, Grundsaetzen und dem Folgern und Schliessen aus ihnen--,
+schon in der Meinung selbst wenigstens _veraltet_ ist. Wenn auch
+seine Untauglichkeit nicht deutlich eingesehen wird, so wird doch
+kein oder wenig Gebrauch mehr davon gemacht, und wenn er nicht an
+sich gemissbilligt wird, doch nicht geliebt. Und wir muessen das
+Vorurteil fuer das Vortreffliche haben, dass es sich in den Gebrauch
+setze und beliebt mache. Es ist aber nicht schwer einzusehen, dass
+die Manier, einen Satz aufzustellen, Gruende fuer ihn anzufuehren und
+den entgegengesetzten durch Gruende ebenso zu widerlegen, nicht die
+Form ist, in der die Wahrheit auftreten kann. Die Wahrheit ist die
+Bewegung ihrer an ihr selbst, jene Methode aber ist das Erkennen, das
+dem Stoffe aeusserlich ist. Darum ist sie der Mathematik, die, wie
+bemerkt, das begriffslose Verhaeltnis der Groesse zu ihrem Prinzip und
+den toten Raum wie das ebenso tote Eins zu ihrem Stoffe hat,
+eigentuemlich und muss ihr gelassen werden. Auch mag sie in freierer
+Manier, das heisst, mehr mit Willkuer und Zufaelligkeit gemischt, im
+gemeinen Leben, in einer Konversation oder historischen Belehrung
+mehr der Neugierde als der Erkenntnis, wie ungefaehr auch eine Vorrede
+ist, bleiben. Im gemeinen Leben hat das Bewusstsein Kenntnisse,
+Erfahrungen, sinnliche Konkretionen, auch Gedanken, Grundsaetze,
+ueberhaupt solches zu seinem Inhalte, das als ein Vorhandenes oder als
+ein festes ruhendes Sein oder Wesen gilt. Es laeuft teils daran fort,
+teils unterbricht es den Zusammenhang durch die freie Willkuer ueber
+solchen Inhalt, und verhaelt sich als ein aeusserliches Bestimmen und
+Handhaben desselben. Es fuehrt ihn auf irgend etwas Gewisses, sei es
+auch nur die Empfindung des Augenblicks, zurueck, und die Ueberzeugung
+ist befriedigt, wenn sie auf einem ihr bekannten Ruhepunkte angelangt
+ist.
+
+Wenn aber die Notwendigkeit des Begriffs den losern Gang der
+raesonierenden Konversation wie den steifern des wissenschaftlichen
+Gepraenges verbannt, so ist schon oben erinnert worden, dass seine
+Stelle nicht durch die Unmethode des Ahndens und der Begeisterung und
+die Willkuer des prophetischen Redens ersetzt werden soll, welches
+nicht jene Wissenschaftlichkeit nur, sondern die Wissenschaftlichkeit
+ueberhaupt verachtet.
+
+Ebensowenig ist--nachdem die Kantische, noch erst durch den Instinkt
+wiedergefundne, noch tote, noch unbegriffne _Triplizitaet_ zu ihrer
+absoluten Bedeutung erhoben, damit die wahrhafte Form in ihrem
+wahrhaften Inhalte zugleich aufgestellt und der Begriff der
+Wissenschaft hervorgegangen ist--derjenige Gebrauch dieser Form fuer
+etwas Wissenschaftliches zu halten, durch den wir sie zum leblosen
+Schema, zu einem eigentlichen Scheinen, und die wissenschaftliche
+Organisation zur Tabelle herabgebracht sehen.--Dieser Formalismus,
+von dem oben schon im allgemeinen gesprochen, und dessen Manier wir
+hier naeher angeben wollen, meint die Natur und das Leben einer
+Gestalt begriffen und ausgesprochen zu haben, wenn er von ihr eine
+Bestimmung des Schemas als Praedikat ausgesagt--es sei die
+Subjektivitaet oder Objektivitaet, oder auch der Magnetismus, die
+Elektrizitaet und so fort, die Kontraktion oder Expansion, der Osten
+oder Westen und dergleichen, was sich ins Unendliche vervielfaeltigen
+laesst, weil nach dieser Weise jede Bestimmung oder Gestalt bei der
+andern wieder als Form oder Moment des Schemas gebraucht werden und
+jede dankbar der andern denselben Dienst leisten kann;--ein Zirkel
+von Gegenseitigkeit, wodurch man nicht erfaehrt, was die Sache selbst,
+weder was die eine noch die andre ist. Es werden dabei teils
+sinnliche Bestimmungen aus der gemeinen Anschauung aufgenommen, die
+freilich etwas anderes _bedeuten_ sollen, als sie sagen, teils wird
+das an sich bedeutende, die reinen Bestimmungen des Gedankens, wie
+Subjekt, Objekt, Substanz, Ursache, das Allgemeine u.s.f. gerade so
+unbesehen und unkritisch gebraucht wie im gemeinen Leben und wie
+Staerken und Schwaechen, Expansion und Kontraktion; so dass jene
+Metaphysik so unwissenschaftlich ist als diese sinnlichen
+Vorstellungen.
+
+Statt des innern Lebens und der Selbstbewegung seines Daseins wird
+nun eine solche einfache Bestimmtheit von der Anschauung, das heisst
+hier dem sinnlichen Wissen, nach einer oberflaechlichen Analogie
+ausgesprochen und diese aeusserliche und leere Anwendung der Formel die
+_Konstruktion_ genannt.--Es ist mit solchem Formalismus derselbe Fall
+als mit jedem. Wie stumpf muesste der Kopf sein, dem nicht in einer
+Viertelstunde die Theorie, dass es asthenische, sthenische und
+indirekt asthenische Krankheiten und ebenso viele Heilplane gebe,
+beigebracht, und der nicht, da ein solcher Unterricht noch vor kurzem
+dazu hinreichte, aus einem Routinier in dieser kleinen Zeit in einen
+theoretischen Arzt verwandelt werden koennte? Wenn der
+naturphilosophische Formalismus etwa lehrt, der Verstand sei die
+Elektrizitaet oder das Tier sei der Stickstoff, oder auch _gleich_ dem
+Sued oder Nord und so fort, oder repraesentiere ihn, so nackt, wie es
+hier ausgedrueckt ist, oder auch mit mehr Terminologie zusammengebraut,
+so mag ueber solche Kraft, die das weit entlegen Scheinende
+zusammengreift, und ueber die Gewalt, die das ruhende Sinnliche durch
+diese Verbindung erleidet, und die ihm dadurch den Schein eines
+Begriffes erteilt, die Hauptsache aber, den Begriff selbst oder die
+Bedeutung der sinnlichen Vorstellung auszusprechen erspart--es mag
+hierueber die Unerfahrenheit in ein bewunderndes Staunen geraten,
+darin eine tiefe Genialitaet verehren; sowie an der Heiterkeit solcher
+Bestimmungen, da sie den abstrakten Begriff durch Anschauliches
+ersetzen und erfreulicher machen, sich ergoetzen und sich selbst zu
+der geahndeten Seelenverwandtschaft mit solchem herrlichem Tun Glueck
+wuenschen. Der Pfiff einer solchen Weisheit ist so bald erlernt, als
+es leicht ist, ihn auszuueben; seine Wiederholung wird, wenn er
+bekannt ist, so unertraeglich als die Wiederholung einer eingesehenen
+Taschenspielerkunst. Das Instrument dieses gleichtoenigen Formalismus
+ist nicht schwerer zu handhaben als die Palette eines Malers, auf der
+sich nur zwei Farben befinden wuerden, etwa Rot und Gruen, um mit jener
+eine Flaeche anzufaerben, wenn ein historisches Stueck, mit dieser, wenn
+eine Landschaft verlangt waere.--Es wuerde schwer zu entscheiden sein,
+was dabei groesser ist, die Behaglichkeit, mit der alles, was im Himmel,
+auf Erden und unter der Erden ist, mit solcher Farbenbruehe
+angetuencht wird, oder die Einbildung auf die Vortrefflichkeit dieses
+Universalmittels; die eine unterstuetzt die andere. Was diese Methode,
+allem Himmlischen und Irdischen, allen natuerlichen und geistigen
+Gestalten die paar Bestimmungen des allgemeinen Schemas aufzukleben
+und auf diese Weise alles einzurangieren, hervorbringt, ist nichts
+Geringeres als ein sonnenklarer Bericht ueber den Organismus des
+Universums, naemlich eine Tabelle, die einem Skelette mit angeklebten
+Zettelchen oder den Reihen verschlossner Buechsen mit ihren
+aufgehefteten Etiketten in einer Gewuerzkraemerbude gleicht, die so
+deutlich als das eine und das andre ist, und wie dort von den Knochen
+Fleisch und Blut weggenommen, hier aber die eben auch nicht lebendige
+Sache in den Buechsen verborgen ist, auch das lebendige Wesen der
+Sache weggelassen oder verborgen hat.--Dass sich diese Manier zugleich
+zur einfarbigen absoluten Malerei vollendet, indem sie auch, der
+Unterschiede des Schemas sich schaemend, sie als der Reflexion
+angehoerig in der Leerheit des Absoluten versenkt, auf dass die reine
+Identitaet, das formlose Weisse hergestellt werde, ist oben schon
+bemerkt worden. Jene Gleichfaerbigkeit des Schemas und seiner
+leblosen Bestimmungen und diese absolute Identitaet, und das Uebergehen
+von einem zum andern, ist eines gleich toter Verstand als das andere,
+und gleich aeusserliches Erkennen.
+
+Das Vortreffliche kann aber dem Schicksale nicht nur nicht entgehen,
+so entlebt und entgeistet zu werden und, so geschunden, seine Haut
+vom leblosen Wissen und dessen Eitelkeit umgenommen zu sehen.
+Vielmehr ist noch in diesem Schicksale selbst die Gewalt, welche es
+auf die Gemueter, wenn nicht auf Geister, ausuebt, zu erkennen, so wie
+die Herausbildung zur Allgemeinheit und Bestimmtheit der Form, in der
+seine Vollendung besteht, und die es allein moeglich macht, dass diese
+Allgemeinheit zur Oberflaechlichkeit gebraucht wird.
+
+Die Wissenschaft darf sich nur durch das eigne Leben des Begriffs
+organisieren; in ihr ist die Bestimmtheit, welche aus dem Schema
+aeusserlich dem Dasein aufgeklebt wird, die sich selbst bewegende Seele
+des erfuellten Inhalts. Die Bewegung des Seienden ist, sich
+einesteils ein Anders und so zu seinem immanenten Inhalte zu werden;
+andernteils nimmt es diese Entfaltung oder dies sein Dasein in sich
+zurueck, das heisst, macht sich selbst zu einem _Momente_ und
+vereinfacht sich zur Bestimmtheit. In jener Bewegung ist die
+_Negativitaet_ das Unterscheiden und das Setzen des _Daseins_; in
+diesem Zurueckgehen in sich ist sie das Werden der _bestimmten
+Einfachheit_. Auf diese Weise ist es, dass der Inhalt seine
+Bestimmtheit nicht von einem andern empfangen und aufgeheftet zeigt,
+sondern er gibt sie sich selbst und rangiert sich aus sich zum
+Momente und zu einer Stelle des Ganzen. Der tabellarische Verstand
+behaelt fuer sich die Notwendigkeit und den Begriff des Inhalts, das,
+was das Konkrete, die Wirklichkeit und lebendige Bewegung der Sache
+ausmacht, die er rangiert, oder vielmehr behaelt er dies nicht fuer
+sich, sondern kennt es nicht; denn wenn er diese Einsicht haette,
+wuerde er sie wohl zeigen. Er kennt nicht einmal das Beduerfnis
+derselben; sonst wuerde er sein Schematisieren unterlassen oder
+wenigstens sich nicht mehr damit wissen als mit einer Inhaltsanzeige;
+er gibt nur die Inhaltsanzeige, den Inhalt selbst aber liefert er
+nicht.--Wenn die Bestimmtheit, auch eine solche wie zum Beispiel
+Magnetismus, eine an sich konkrete oder wirkliche ist, so ist sie
+doch zu etwas Totem herabgesunken, da sie von einem andern Dasein nur
+praediziert und nicht als immanentes Leben dieses Daseins, oder wie
+sie in diesem ihre einheimische und eigentuemliche Selbsterzeugung und
+Darstellung hat, erkannt ist. Diese Hauptsache hinzuzufuegen ueberlaesst
+der formelle Verstand den Andern.--Statt in den immanenten Inhalt der
+Sache einzugehen, uebersieht er immer das Ganze und steht ueber dem
+einzelnen Dasein, von dem er spricht, das heisst, er sieht es gar
+nicht. Das wissenschaftliche Erkennen erfodert aber vielmehr, sich
+dem Leben des Gegenstandes zu uebergeben, oder, was dasselbe ist, die
+innere Notwendigkeit desselben vor sich zu haben und auszusprechen.
+Sich so in seinen Gegenstand vertiefend, vergisst es jener Uebersicht,
+welche nur die Reflexion des Wissens aus dem Inhalte in sich selbst
+ist. Aber in die Materie versenkt und in deren Bewegung fortgehend,
+kommt es in sich selbst zurueck, aber nicht eher als darin, dass die
+Erfuellung oder der Inhalt sich in sich zuruecknimmt, zur Bestimmtheit
+vereinfacht, sich selbst zu _einer_ Seite eines Daseins herabsetzt
+und in seine hoehere Wahrheit uebergeht. Dadurch emergiert das
+einfache sich uebersehende Ganze selbst aus dem Reichtume, worin seine
+Reflexion verloren schien.
+
+Dadurch ueberhaupt, dass, wie es oben ausgedrueckt wurde, die Substanz
+an ihr selbst Subjekt ist, ist aller Inhalt seine eigene Reflexion in
+sich. Das Bestehen oder die Substanz eines Daseins ist die
+Sichselbstgleichheit; denn seine Ungleichheit mit sich waere seine
+Aufloesung. Die Sichselbstgleichheit aber ist die reine Abstraktion;
+diese aber ist das _Denken_. Wenn ich sage _Qualitaet_, sage ich die
+einfache Bestimmtheit; durch die Qualitaet ist ein Dasein von einem
+andern unterschieden, oder ist ein Dasein; es ist fuer sich selbst,
+oder es besteht durch diese Einfachheit mit sich. Aber dadurch ist
+es wesentlich der _Gedanke_.--Hierin ist es begriffen, dass das Sein
+Denken ist; hierein faellt die Einsicht, die dem gewoehnlichen
+begrifflosen Sprechen von der Identitaet des Denkens und Seins
+abzugehen pflegt.--Dadurch nun, dass das Bestehen des Daseins die
+Sichselbstgleichheit oder die reine Abstraktion ist, ist es die
+Abstraktion seiner von sich selbst, oder es ist selbst seine
+Ungleichheit mit sich und seine Aufloesung,--seine eigne Innerlichkeit
+und Zuruecknahme in sich,--sein Werden.--Durch diese Natur des
+Seienden und insofern das Seiende diese Natur fuer das Wissen hat, ist
+dieses nicht die Taetigkeit, die den Inhalt als ein Fremdes handhabt,
+nicht die Reflexion in sich aus dem Inhalte heraus; die Wissenschaft
+ist nicht jener Idealismus, der an die Stelle des _behauptenden_
+Dogmatismus als ein _versichernder Dogmatismus_ oder der
+_Dogmatismus_ der _Gewissheit seiner selbst_ trat,--sondern indem das
+Wissen den Inhalt in seine eigne Innerlichkeit zurueckgehen sieht, ist
+seine Taetigkeit vielmehr sowohl versenkt in ihn, denn sie ist das
+immanente Selbst des Inhalts, als zugleich in sich zurueckgekehrt,
+denn sie ist die reine Sichselbstgleichheit im Anderssein; so ist sie
+die List, die, der Taetigkeit sich zu enthalten scheinend, zusieht,
+wie die Bestimmtheit und ihr konkretes Leben, darin eben, dass es
+seine Selbsterhaltung und besonderes Interesse zu treiben vermeint,
+das Verkehrte, sich selbst aufloesendes und zum Momente des Ganzen
+machendes Tun ist.
+
+Wenn oben die Bedeutung des _Verstandes_ nach der Seite des
+Selbstbewusstseins der Substanz angegeben wurde, so erhellt aus dem
+hier Gesagten seine Bedeutung nach der Bestimmung derselben als
+Seiender.--Das Dasein ist Qualitaet, sich selbst gleiche Bestimmtheit
+oder bestimmte Einfachheit, bestimmter Gedanke; dies ist der Verstand
+des Daseins. Dadurch ist es *Nus*, als fuer welchen Anaxagoras zuerst
+das Wesen erkannte. Die nach ihm begriffen bestimmter die Natur des
+Daseins als *Eidos* oder *Idea*; das heisst, _bestimmte Allgemeinheit,
+Art_. Der Ausdruck _Art_ scheint etwa zu gemein und zu wenig fuer die
+Ideen, fuer das Schoene und Heilige und Ewige zu sein, die zu dieser
+Zeit grassieren. Aber in der Tat drueckt die Idee nicht mehr noch
+weniger aus als Art. Allein wir sehen itzt oft einen Ausdruck, der
+einen Begriff bestimmt bezeichnet, verschmaeht und einen andern
+vorgezogen, der, wenn es auch nur darum ist, weil er einer fremden
+Sprache angehoert, den Begriff in Nebel einhuellt und damit erbaulicher
+lautet.--Eben darin, dass das Dasein als Art bestimmt ist, ist es
+einfacher Gedanke; der *Nus*, die Einfachheit, ist die Substanz. Um
+ihrer Einfachheit oder Sichselbstgleichheit willen erscheint sie als
+fest und bleibend. Aber diese Sichselbstgleichheit ist ebenso
+Negativitaet; dadurch geht jenes feste Dasein in seine Aufloesung ueber.
+Die Bestimmtheit scheint zuerst es nur dadurch zu sein, dass sie sich
+auf _Andres_ bezieht, und ihre Bewegung ihr durch eine fremde Gewalt
+angetan zu werden; aber dass sie ihr Anderssein selbst an ihr hat und
+Selbstbewegung ist, dies ist eben in jener _Einfachheit_ des Denkens
+selbst enthalten; denn diese ist der sich selbst bewegende und
+unterscheidende Gedanke, und die eigene Innerlichkeit, der reine
+_Begriff_. So ist also die _Verstaendigkeit_ ein Werden, und als dies
+Werden ist sie die _Vernuenftigkeit_.
+
+In dieser Natur dessen, was ist, in seinem Sein sein Begriff zu sein,
+ist es, dass ueberhaupt die _logische Notwendigkeit_ besteht; sie
+allein ist das Vernuenftige und der Rhythmus des organischen Ganzen,
+sie ist ebensosehr _Wissen_ des Inhalts, als der Inhalt Begriff und
+Wesen ist--oder sie allein ist das _Spekulative_.--Die konkrete
+Gestalt, sich selbst bewegend, macht sich zur einfachen Bestimmtheit,
+damit erhebt sie sich zur logischen Form und ist in ihrer
+Wesentlichkeit; ihr konkretes Dasein ist nur diese Bewegung und ist
+unmittelbar logisches Dasein. Es ist darum unnoetig, dem konkreten
+Inhalt den Formalismus aeusserlich anzutun; jener ist an ihm selbst das
+Uebergehen in diesen, der aber aufhoert, dieser aeusserliche Formalismus
+zu sein, weil die Form das einheimische Werden des konkreten Inhalts
+selbst ist.
+
+Diese Natur der wissenschaftlichen Methode, teils von dem Inhalte
+ungetrennt zu sein, teils sich durch sich selbst ihren Rhythmus zu
+bestimmen, hat, wie schon erinnert, in der spekulativen Philosophie
+ihre eigentliche Darstellung.--Das hier Gesagte drueckt zwar den
+Begriff aus, kann aber fuer nicht mehr als fuer eine antizipierte
+Versicherung gelten. Ihre Wahrheit liegt nicht in dieser zum Teil
+erzaehlenden Exposition; und ist darum auch ebensowenig widerlegt,
+wenn dagegen versichert wird, dem sei nicht so, sondern es verhalte
+sich damit so und so, wenn gewohnte Vorstellungen als ausgemachte und
+bekannte Wahrheiten in Erinnrung gebracht und hererzaehlt, oder auch
+aus dem Schreine des innern goettlichen Anschauens Neues aufgetischt
+und versichert wird.--Eine solche Aufnahme pflegt die erste Reaktion
+des Wissens, dem etwas unbekannt war, dagegen zu sein, um die
+Freiheit und eigne Einsicht, die eigne Autoritaet gegen die fremde,
+denn unter dieser Gestalt erscheint das itzt zuerst Aufgenommene, zu
+retten--auch um den Schein und die Art von Schande, die darin liegen
+soll, dass etwas gelernt worden sei, wegzuschaffen, so wie bei der
+Beifall gebenden Annahme des Unbekannten die Reaktion derselben Art
+in dem besteht, was in einer andren Sphaere das ultrarevolutionaere
+Reden und Handeln war.
+
+Worauf es deswegen bei dem _Studium_ der _Wissenschaft_ ankommt, ist
+die Anstrengung des Begriffs auf sich zu nehmen. Sie erfodert die
+Aufmerksamkeit auf ihn als solchen, auf die einfachen Bestimmungen,
+zum Beispiel des _An-sich-seins_, des _Fuer-sich-seins_, der
+_Sichselbstgleichheit_ und so fort; denn diese sind solche reine
+Selbstbewegungen, die man Seelen nennen koennte, wenn nicht ihr
+Begriff etwas Hoeheres bezeichnete als diese. Der Gewohnheit, an
+Vorstellungen fortzulaufen, ist die Unterbrechung derselben durch den
+Begriff ebenso laestig als dem formalen Denken, das in unwirklichen
+Gedanken hin und her raesoniert. Jene Gewohnheit ist ein materielles
+Denken zu nennen, ein zufaelliges Bewusstsein, das in den Stoff nur
+versenkt ist, welchem es daher sauer ankoemmt, aus der Materie
+zugleich sein Selbst rein herauszuheben und bei sich zu sein. Das
+andere, das Raesonieren, hingegen ist die Freiheit von dem Inhalt und
+die Eitelkeit ueber ihn; ihr wird die Anstrengung zugemutet, diese
+Freiheit aufzugeben, und statt das willkuerlich bewegende Prinzip des
+Inhalts zu sein, diese Freiheit in ihn zu versenken, ihn durch seine
+eigne Natur, das heisst, durch das Selbst als das seinige, sich
+bewegen zu lassen und diese Bewegung zu betrachten. Sich des eignen
+Einfallens in den immanenten Rhythmus der Begriffe entschlagen, in
+ihn nicht durch die Willkuer und sonst erworbene Weisheit eingreifen,
+diese Enthaltsamkeit ist selbst ein wesentliches Moment der
+Aufmerksamkeit auf den Begriff.
+
+Es sind an dem raesonierenden Verhalten die beiden Seiten bemerklicher
+zu machen, nach welchen das begreifende Denken ihm entgegengesetzt
+ist.--Teils verhaelt sich jenes negativ gegen den aufgefassten Inhalt,
+weiss ihn zu widerlegen und zunichte zu machen. Dass dem nicht so sei,
+diese Einsicht ist das bloss _Negative_, es ist das Letzte, das nicht
+selbst ueber sich hinaus zu einem neuen Inhalt geht, sondern um wieder
+einen Inhalt zu haben, muss etwas *Anderes* irgendwoher vorgenommen
+werden. Es ist die Reflexion in das leere Ich, die Eitelkeit seines
+Wissens.--Diese Eitelkeit drueckt aber nicht nur dies aus, dass dieser
+Inhalt eitel, sondern auch, dass diese Einsicht selbst es ist; denn
+sie ist das Negative, das nicht das Positive in sich erblickt.
+Dadurch, dass diese Reflexion ihre Negativitaet selbst nicht zum
+Inhalte gewinnt, ist sie ueberhaupt nicht in der Sache, sondern immer
+darueber hinaus; sie bildet sich deswegen ein, mit der Behauptung der
+Leere immer weiter zu sein als eine inhaltsreiche Einsicht. Dagegen,
+wie vorhin gezeigt, gehoert im begreifenden Denken das Negative dem
+Inhalte selbst an und ist sowohl als seine _immanente_ Bewegung und
+Bestimmung wie als _Ganzes_ derselben das _Positive_. Als Resultat
+aufgefasst, ist es das aus dieser Bewegung herkommende, das
+_bestimmte_ Negative, und hiemit ebenso ein positiver Inhalt.
+
+In Ansehung dessen aber, dass solches Denken einen Inhalt hat, es sei
+der Vorstellungen oder Gedanken oder der Vermischung beider, hat es
+eine andre Seite, die ihm das Begreifen erschwert. Die merkwuerdige
+Natur derselben haengt mit dem oben angegebenen Wesen der Idee selbst
+enge zusammen, oder drueckt sie vielmehr aus, wie sie als die Bewegung
+erscheint, die denkendes Auffassen ist.--Wie naemlich in seinem
+negativen Verhalten, wovon soeben die Rede war, das raesonierende
+Denken selber das Selbst ist, in das der Inhalt zurueckgeht, so ist
+dagegen in seinem positiven Erkennen das Selbst ein vorgestelltes
+_Subjekt_, worauf sich der Inhalt als Akzidens und Praedikat bezieht.
+Dies Subjekt macht die Basis aus, an die er geknuepft wird und auf der
+die Bewegung hin und wider laeuft. Anders verhaelt es sich im
+begreifenden Denken. Indem der Begriff das eigene Selbst des
+Gegenstandes ist, das sich als _sein Werden_ darstellt, ist es nicht
+ein ruhendes Subjekt, das unbewegt die Akzidenzen traegt, sondern der
+sich bewegende und seine Bestimmungen in sich zuruecknehmende Begriff.
+In dieser Bewegung geht jenes ruhende Subjekt selbst zugrunde; es
+geht in die Unterschiede und Inhalt ein und macht vielmehr die
+Bestimmtheit, das heisst, den unterschiednen Inhalt wie die Bewegung
+desselben aus, statt ihr gegenueberstehen zu bleiben. Der feste Boden,
+den das Raesonieren an dem ruhenden Subjekte hat, schwankt also, und
+nur diese Bewegung selbst wird der Gegenstand. Das Subjekt, das
+seinen Inhalt erfuellt, hoert auf, ueber diesen hinauszugehen, und kann
+nicht noch andre Praedikate oder Akzidenzen haben. Die Zerstreutheit
+des Inhalts ist umgekehrt dadurch unter das Selbst gebunden; er ist
+nicht das Allgemeine, das frei vom Subjekte mehrern zukaeme. Der
+Inhalt ist somit in der Tat nicht mehr Praedikat des Subjekts, sondern
+ist die Substanz, ist das Wesen und der Begriff dessen, wovon die
+Rede ist. Das vorstellende Denken, da seine Natur ist, an den
+Akzidenzen oder Praedikaten fortzulaufen, und mit Recht, weil sie
+nicht mehr als Praedikate und Akzidenzen sind, ueber sie hinauszugehen,
+wird, indem das, was im Satze die Form eines Praedikats hat, die
+Substanz selbst ist, in seinem Fortlaufen gehemmt. Es erleidet, es
+so vorzustellen, einen Gegenstoss. Vom Subjekte anfangend, als ob
+dieses zum Grunde liegen bliebe, findet es, indem das Praedikat
+vielmehr die Substanz ist, das Subjekt zum Praedikat uebergegangen und
+hiemit aufgehoben; und indem so das, was Praedikat zu sein scheint,
+zur ganzen und selbststaendigen Masse geworden, kann das Denken nicht
+frei herumirren, sondern ist durch diese Schwere aufgehalten.--Sonst
+ist zuerst das Subjekt als das _gegenstaendliche_ fixe Selbst zugrunde
+gelegt; von hier aus geht die notwendige Bewegung zur
+Mannigfaltigkeit der Bestimmungen oder der Praedikate fort; hier tritt
+an die Stelle jenes Subjekts das wissende Ich selbst ein, und ist das
+Verknuepfen der Praedikate und das sie haltende Subjekt. Indem aber
+jenes erste Subjekt in die Bestimmungen selbst eingeht und ihre Seele
+ist, findet das zweite Subjekt, naemlich das wissende, jenes, mit dem
+es schon fertig sein und worueber hinaus es in sich zurueckgehen will,
+noch im Praedikate vor, und statt in dem Bewegen des Praedikats das
+Tuende, als Raesonieren, ob jenem dies oder jenes Praedikat beizulegen
+waere, sein zu koennen, hat es vielmehr mit dem Selbst des Inhalts noch
+zu tun, soll nicht fuer sich, sondern mit diesem zusammensein.
+
+Formell kann das Gesagte so ausgedrueckt werden, dass die Natur des
+Urteils oder Satzes ueberhaupt, die den Unterschied des Subjekts und
+Praedikats in sich schliesst, durch den spekulativen Satz zerstoert wird,
+und der identische Satz, zu dem der erstere wird, den Gegenstoss zu
+jenem Verhaeltnisse enthaelt.--Dieser Konflikt der Form eines Satzes
+ueberhaupt und der sie zerstoerenden Einheit des Begriffs ist dem
+aehnlich, der im Rhythmus zwischen dem Metrum und dem Akzente
+stattfindet. Der Rhythmus resultiert aus der schwebenden Mitte und
+Vereinigung beider. So soll auch im philosophischen Satze die
+Identitaet des Subjekts und Praedikats den Unterschied derselben, den
+die Form des Satzes ausdrueckt, nicht vernichten, sondern ihre Einheit
+als eine Harmonie hervorgehen. Die Form des Satzes ist die
+Erscheinung des bestimmten Sinnes oder der Akzent, der seine
+Erfuellung unterscheidet; dass aber das Praedikat die Substanz ausdrueckt
+und das Subjekt selbst ins Allgemeine faellt, ist die _Einheit_, worin
+jener Akzent verklingt.
+
+Um das Gesagte durch Beispiele zu erlaeutern, so ist in dem Satz:
+_Gott ist das Sein_, das Praedikat _das_ Sein; es hat substantielle
+Bedeutung, in der das Subjekt zerfliesst. Sein soll hier nicht
+Praedikat, sondern das Wesen sein; dadurch scheint Gott aufzuhoeren,
+das zu sein, was er durch die Stellung des Satzes ist, naemlich das
+feste Subjekt.--Das Denken, statt im Uebergange vom Subjekte zum
+Praedikate weiterzukommen, fuehlt sich, da das Subjekt verlorengeht,
+vielmehr gehemmt und zu dem Gedanken des Subjekts, weil es dasselbe
+vermisst, zurueckgeworfen; oder es findet, da das Praedikat selbst als
+ein Subjekt, als _das_ Sein, als das _Wesen_ ausgesprochen ist,
+welches die Natur des Subjekts erschoepft, das Subjekt unmittelbar
+auch im Praedikate; und nun, statt dass es im Praedikate in sich
+gegangen die freie Stellung des Raesonierens erhielte, ist es in den
+Inhalt noch vertieft, oder wenigstens ist die Foderung vorhanden, in
+ihn vertieft zu sein.--So auch wenn gesagt wird: das _Wirkliche_ ist
+das _Allgemeine_, so vergeht das Wirkliche als Subjekt, in seinem
+Praedikate. Das Allgemeine soll nicht nur die Bedeutung des Praedikats
+haben, so dass der Satz dies aussagte, das Wirkliche sei allgemein,
+sondern das Allgemeine soll das Wesen des Wirklichen ausdruecken.--Das
+Denken verliert daher so sehr seinen festen gegenstaendlichen Boden,
+den es am Subjekte hatte, als es im Praedikate darauf zurueckgeworfen
+wird, und in diesem nicht in sich, sondern in das Subjekt des Inhalts
+zurueckgeht.
+
+
+
+Einleitung
+
+Es ist eine natuerliche Vorstellung, dass, eh in der Philosophie an die
+Sache selbst, naemlich an das wirkliche Erkennen dessen, was in
+Wahrheit ist, gegangen wird, es notwendig sei, vorher ueber das
+Erkennen sich zu verstaendigen, das als das Werkzeug, wodurch man des
+Absoluten sich bemaechtige, oder als das Mittel, durch welches
+hindurch man es erblicke, betrachtet wird. Die Besorgnis scheint
+gerecht, teils dass es verschiedene Arten der Erkenntnis geben, und
+darunter eine geschickter als eine andere zur Erreichung dieses
+Endzwecks sein moechte, hiemit durch falsche Wahl unter ihnen,--teils
+auch dass, indem das Erkennen ein Vermoegen von bestimmter Art und
+Umfange ist, ohne die genauere Bestimmung seiner Natur und Grenze
+Wolken des Irrtums statt des Himmels der Wahrheit erfasst werden.
+Diese Besorgnis muss sich wohl sogar in die Ueberzeugung verwandeln,
+dass das ganze Beginnen, dasjenige, was An-sich ist, durch das
+Erkennen dem Bewusstsein zu erwerben, in seinem Begriffe widersinnig
+sei, und zwischen das Erkennen und das Absolute eine sie schlechthin
+scheidende Grenze falle. Denn ist das Erkennen das Werkzeug, sich
+des absoluten Wesens zu bemaechtigen, so faellt sogleich auf, dass die
+Anwendung eines Werkzeugs auf eine Sache sie vielmehr nicht laesst, wie
+sie fuer sich ist, sondern eine Formierung und Veraenderung mit ihr
+vornimmt. Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Taetigkeit,
+sondern gewissermassen ein passives Medium, durch welches hindurch das
+Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht,
+wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist. Wir
+gebrauchen in beiden Faellen ein Mittel, welches unmittelbar das
+Gegenteil seines Zwecks hervorbringt; oder das Widersinnige ist
+vielmehr, dass wir uns ueberhaupt eines Mittels bedienen. Es scheint
+zwar, dass diesem Uebelstande durch die Kenntnis der Wirkungsweise des
+_Werkzeugs_ abzuhelfen steht, denn sie macht es moeglich, den Teil,
+welcher in der Vorstellung, die wir durch es vom Absoluten erhalten,
+dem Werkzeuge angehoert, im Resultate abzuziehen, und so das Wahre
+rein zu erhalten. Allein, diese Verbesserung wuerde uns in der Tat
+nur dahin zurueckbringen, wo wir vorher waren. Wenn wir von einem
+formierten Dinge das wieder wegnehmen, was das Werkzeug daran getan
+hat, so ist uns das Ding--hier das Absolute--gerade wieder so viel
+als vor dieser somit ueberfluessiger Bemuehung. Sollte das Absolute
+durch das Werkzeug uns nur ueberhaupt naeher gebracht werden, ohne
+etwas an ihm zu veraendern, wie etwa durch die Leimrute der Vogel, so
+wuerde es wohl, wenn es nicht an und fuer sich schon bei uns waere und
+sein wollte, dieser List spotten; denn eine List waere in diesem Falle
+das Erkennen, da es durch sein vielfaches Bemuehen ganz etwas anderes
+zu treiben sich die Miene gibt, als nur die unmittelbare und somit
+muehelose Beziehung hervorzubringen. Oder wenn die Pruefung des
+Erkennens, das wir als ein _Medium_ uns vorstellen, uns das Gesetz
+seiner Strahlenbrechung kennen lehrt, so nuetzt es ebenso nichts, sie
+im Resultate abzuziehen; denn nicht das Brechen des Strahls, sondern
+der Strahl selbst, wodurch die Wahrheit uns beruehrt, ist das Erkennen,
+und dieses abgezogen, waere uns nur die reine Richtung oder der leere
+Ort bezeichnet worden.
+
+Inzwischen wenn die Besorgnis, in Irrtum zu geraten, ein Misstrauen in
+die Wissenschaft setzt, welche ohne dergleichen Bedenklichkeiten ans
+Werk selbst geht und wirklich erkennt, so ist nicht abzusehen, warum
+nicht umgekehrt ein Misstrauen in dies Misstrauen gesetzt und besorgt
+werden soll, dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.
+In der Tat setzt sie etwas, und zwar manches, als Wahrheit voraus,
+und stuetzt darauf ihre Bedenklichkeiten und Konsequenzen, was selbst
+vorher zu pruefen ist, ob es Wahrheit sei. Sie setzt naemlich
+_Vorstellungen_ von dem _Erkennen_ als einem _Werkzeuge_ und _Medium_,
+auch einen _Unterschied unserer selbst von diesem Erkennen_ voraus;
+vorzueglich aber dies, dass das Absolute _auf einer Seite_ stehe, und
+_das Erkennen auf der andern Seite_ fuer sich und getrennt von dem
+Absoluten doch etwas Reelles, oder hiemit, dass das Erkennen, welches,
+indem es ausser dem Absoluten, wohl auch ausser der Wahrheit ist, doch
+wahrhaft sei; eine Annahme, wodurch das, was sich Furcht vor dem
+Irrtume nennt, sich eher als Furcht vor der Wahrheit zu erkennen gibt.
+
+Diese Konsequenz ergibt sich daraus, dass das Absolute allein wahr,
+oder das Wahre allein absolut ist. Sie kann abgelehnt werden, durch
+den Unterschied, dass ein Erkennen, welches zwar nicht, wie die
+Wissenschaft will, das Absolute erkennt, doch auch wahr; und das
+Erkennen ueberhaupt, wenn es dasselbe zu fassen zwar unfaehig sei, doch
+anderer Wahrheit faehig sein koenne. Aber wir sehen nachgerade, dass
+solches Hinundherreden auf einen trueben Unterschied zwischen einem
+absoluten Wahren und einem sonstigen Wahren hinauslaeuft, und das
+Absolute, das Erkennen, und so fort, Worte sind, welche eine
+Bedeutung voraussetzen, um die zu erlangen es erst zu tun ist.
+
+Statt mit dergleichen unnuetzen Vorstellungen und Redensarten von dem
+Erkennen als einem Werkzeuge, des Absoluten habhaft zu werden, oder
+als einem Medium, durch das hindurch wir die Wahrheit erblicken und
+so fort--Verhaeltnisse, worauf wohl alle diese Vorstellungen von einem
+Erkennen, das vom Absoluten, und einem Absoluten, das von dem
+Erkennen getrennt ist, hinauslaufen--, statt mit den Ausreden, welche
+das Unvermoegen der Wissenschaft aus der Voraussetzung solcher
+Verhaeltnisse schoepft, um von der Muehe der Wissenschaft zugleich sich
+zu befreien, und zugleich sich das Ansehen eines ernsthaften und
+eifrigen Bemuehens zu geben, sowie statt mit Antworten auf alles
+dieses sich herumzuplacken, koennten sie als zufaellige und
+willkuerliche Vorstellungen geradezu verworfen, und der damit
+verbundne Gebrauch von Worten als dem Absoluten, dem Erkennen, auch
+dem Objektiven und Subjektiven, und unzaehligen andern, deren
+Bedeutung als allgemein bekannt vorausgesetzt wird, sogar als Betrug
+angesehen werden. Denn das Vorgeben, teils dass ihre Bedeutung
+allgemein bekannt ist, teils auch, dass man selbst ihren Begriff hat,
+scheint eher nur die Hauptsache ersparen zu sollen, naemlich diesen
+Begriff zu geben. Mit mehr Recht dagegen koennte die Muehe gespart
+werden, von solchen Vorstellungen und Redensarten, wodurch die
+Wissenschaft selbst abgewehrt werden soll, ueberhaupt Notiz zu nehmen,
+denn sie machen nur eine leere Erscheinung des Wissens aus, welche
+vor der auftretenden Wissenschaft unmittelbar verschwindet. Aber die
+Wissenschaft darin, dass sie auftritt, ist sie selbst eine Erscheinung;
+ihr Auftreten ist noch nicht sie in ihrer Wahrheit ausgefuehrt und
+ausgebreitet. Es ist hiebei gleichgueltig, sich vorzustellen, _dass
+sie_ die Erscheinung ist, weil sie _neben anderem_ auftritt, oder
+jenes andere unwahre Wissen ihr Erscheinen zu nennen. Die
+Wissenschaft muss sich aber von diesem Scheine befreien; und sie kann
+dies nur dadurch, dass sie sich gegen ihn wendet. Denn sie kann ein
+Wissen, welches nicht wahrhaft ist, weder als eine gemeine Ansicht
+der Dinge nur verwerfen, und versichern, dass sie eine ganz andere
+Erkenntnis und jenes Wissen fuer sie gar nichts ist; noch sich auf die
+Ahndung eines bessern in ihm selbst berufen. Durch jene
+_Versicherung_ erklaerte sie ihr Sein fuer ihre Kraft; aber das unwahre
+Wissen beruft sich ebenso darauf, dass _es ist_, und _versichert_, dass
+ihm die Wissenschaft nichts ist; _ein_ trockenes Versichern gilt aber
+gerade soviel als ein anderes. Noch weniger kann sie sich auf die
+bessere Ahndung berufen, welche in dem nicht wahrhaften Erkennen
+vorhanden, und in ihm selbst die Hinweisung auf sie sei; denn
+einesteils beriefe sie sich ebenso wieder auf ein Sein; andernteils
+aber auf sich, als auf die Weise, wie sie im nicht wahrhaften
+Erkennen ist, das heisst, auf eine schlechte Weise ihres Seins, und
+auf ihre Erscheinung vielmehr als darauf, wie sie an und fuer sich ist.
+Aus diesem Grunde soll hier die Darstellung des erscheinenden
+Wissens vorgenommen werden.
+
+Weil nun diese Darstellung nur das erscheinende Wissen zum
+Gegenstande hat, so scheint sie selbst nicht die freie, in ihrer
+eigentuemlichen Gestalt sich bewegende Wissenschaft zu sein, sondern
+sie kann von diesem Standpunkte aus, als der Weg des natuerlichen
+Bewusstseins, das zum wahren Wissen dringt, genommen werden; oder als
+der Weg der Seele, welche die Reihe ihrer Gestaltungen, als durch
+ihre Natur ihr vorgesteckter Stationen, durchwandert, dass sie sich
+zum Geiste laeutere, indem sie durch die vollstaendige Erfahrung ihrer
+selbst zur Kenntnis desjenigen gelangt, was sie an sich selbst ist.
+
+Das natuerliche Bewusstsein wird sich erweisen, nur Begriff des Wissens,
+oder nicht reales Wissen zu sein. Indem es aber unmittelbar sich
+vielmehr fuer das reale Wissen haelt, so hat dieser Weg fuer es negative
+Bedeutung, und ihm gilt das vielmehr fuer Verlust seiner selbst, was
+die Realisierung des Begriffs ist; denn es verliert auf diesem Wege
+seine Wahrheit. Er kann deswegen als der Weg des _Zweifels_
+angesehen werden, oder eigentlicher als Weg der Verzweiflung; auf ihm
+geschieht naemlich nicht das, was unter Zweifeln verstanden zu werden
+pflegt, ein Ruetteln an dieser oder jener vermeinten Wahrheit, auf
+welches ein gehoeriges Wiederverschwinden des Zweifels und eine
+Rueckkehr zu jener Wahrheit erfolgt, so dass am Ende die Sache genommen
+wird wie vorher. Sondern er ist die bewusste Einsicht in die
+Unwahrheit des erscheinenden Wissens, dem dasjenige das Reellste ist,
+was in Wahrheit vielmehr nur der nichtrealisierte Begriff ist.
+Dieser sich vollbringende Skeptizismus ist darum auch nicht dasjenige,
+womit wohl der ernsthafte Eifer um Wahrheit und Wissenschaft sich
+fuer diese fertig gemacht und ausgeruestet zu haben waehnt; naemlich mit
+dem _Vorsatze_, in der Wissenschaft auf die Autoritaet sich den
+Gedanken anderer nicht zu ergeben, sondern alles selbst zu pruefen und
+nur der eigenen Ueberzeugung zu folgen, oder besser noch, alles selbst
+zu produzieren und nur die eigne Tat fuer das Wahre zu halten. Die
+Reihe seiner Gestaltungen, welche das Bewusstsein auf diesem Wege
+durchlaeuft, ist vielmehr die ausfuehrliche Geschichte der _Bildung_
+des Bewusstseins selbst zur Wissenschaft. Jener Vorsatz stellt die
+Bildung in der einfachen Weise des Vorsatzes als unmittelbar abgetan
+und geschehen vor; dieser Weg aber ist gegen diese Unwahrheit die
+wirkliche Ausfuehrung. Der eigenen Ueberzeugung folgen ist allerdings
+mehr als sich der Autoritaet ergeben; aber durch die Verkehrung des
+Dafuerhaltens aus Autoritaet in Dafuerhalten aus eigener Ueberzeugung ist
+nicht notwendig der Inhalt desselben geaendert und an die Stelle des
+Irrtums Wahrheit getreten. Auf die Autoritaet anderer oder aus
+eigener Ueberzeugung im Systeme des Meinens und des Vorurteils zu
+stecken, unterscheidet sich voneinander allein durch die Eitelkeit,
+welche der letztern Weise beiwohnt. Der sich auf den ganzen Umfang
+des erscheinenden Bewusstseins richtende Skeptizismus macht dagegen
+den Geist erst geschickt zu pruefen, was Wahrheit ist, indem er eine
+Verzweiflung an den sogenannten natuerlichen Vorstellungen, Gedanken
+und Meinungen zustande bringt, welche es gleichgueltig ist, eigene
+oder fremde zu nennen, und mit welchen das Bewusstsein, das _geradezu_
+ans Pruefen geht, noch erfuellt und behaftet, dadurch aber in der Tat
+dessen unfaehig ist, was es unternehmen will.
+
+Die _Vollstaendigkeit_ der Formen des nicht realen Bewusstseins wird
+sich durch die Notwendigkeit des Fortganges und Zusammenhanges selbst
+ergeben. Um dies begreiflich zu machen, kann im allgemeinen zum
+Voraus bemerkt werden, dass die Darstellung des nicht wahrhaften
+Bewusstseins in seiner Unwahrheit nicht eine bloss _negative_ Bewegung
+ist. Eine solche einseitige Ansicht hat das natuerliche Bewusstsein
+ueberhaupt von ihr; und ein Wissen, welches diese Einseitigkeit zu
+seinem Wesen macht, ist eine der Gestalten des unvollendeten
+Bewusstseins, welche in den Verlauf des Weges selbst faellt, und darin
+sich darbieten wird. Sie ist naemlich der Skeptizismus, der in dem
+Resultate nur immer das _reine Nichts_ sieht, und davon abstrahiert,
+dass dies Nichts bestimmt das Nichts _dessen_ ist, _woraus es
+resultiert_. Das Nichts ist aber nur, genommen als das Nichts dessen,
+woraus es herkoemmt, in der Tat das wahrhafte Resultat; es ist hiemit
+selbst ein _bestimmtes_ und hat einen _Inhalt._ Der Skeptizismus, der
+mit der Abstraktion des Nichts oder der Leerheit endigt, kann von
+dieser nicht weiter fortgehen, sondern muss es erwarten, ob, und was
+ihm etwas Neues sich darbietet, um es in denselben leeren Abgrund zu
+werfen. Indem dagegen das Resultat, wie es in Wahrheit ist,
+aufgefasst wird, als _bestimmte_ Negation, so ist damit unmittelbar
+eine neue Form entsprungen, und in der Negation der Uebergang gemacht,
+wodurch sich der Fortgang durch die vollstaendige Reihe der Gestalten
+von selbst ergibt.
+
+Das _Ziel_ aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des
+Fortganges gesteckt; es ist da, wo es nicht mehr ueber sich selbst
+hinauszugehen noetig hat, wo es sich selbst findet, und der Begriff
+dem Gegenstande, der Gegenstand dem Begriffe entspricht. Der
+Fortgang zu diesem Ziele ist daher auch unaufhaltsam, und auf keiner
+fruehern Station Befriedigung zu finden. Was auf ein natuerliches
+Leben beschraenkt ist, vermag durch sich selbst nicht ueber sein
+unmittelbares Dasein hinauszugehen; aber es wird durch ein anderes
+darueber hinausgetrieben, und dies Hinausgerissenwerden ist sein Tod.
+Das Bewusstsein aber ist fuer sich selbst sein _Begriff_, dadurch
+unmittelbar das Hinausgehen ueber das Beschraenkte, und, da ihm dies
+Beschraenkte angehoert, ueber sich selbst; mit dem Einzelnen ist ihm
+zugleich das Jenseits gesetzt, waere es auch nur, wie im raeumlichen
+Anschauen, _neben_ dem Beschraenkten. Das Bewusstsein leidet also
+diese Gewalt, sich die beschraenkte Befriedigung zu verderben, von ihm
+selbst. Bei dem Gefuehle dieser Gewalt mag die Angst vor der Wahrheit
+wohl zuruecktreten, und sich dasjenige, dessen Verlust droht, zu
+erhalten streben. Sie kann aber keine Ruhe finden; es sei, dass sie
+in gedankenloser Traegheit stehenbleiben will; der Gedanke verkuemmert
+die Gedankenlosigkeit, und seine Unruhe stoert die Traegheit; oder dass
+sie als Empfindsamkeit sich befestigt, welche alles in _seiner Art
+gut_ zu finden versichert; diese Versicherung leidet ebenso Gewalt
+von der Vernunft, welche gerade darum etwas nicht gut findet,
+insofern es eine Art ist. Oder die Furcht der Wahrheit mag sich vor
+sich und andern hinter dem Scheine verbergen, als ob gerade der heisse
+Eifer fuer die Wahrheit selbst es ihr so schwer, ja unmoeglich mache,
+eine andere Wahrheit zu finden als die einzige der Eitelkeit, immer
+noch gescheuter zu sein als jede Gedanken, welche man aus sich selbst
+oder von andern hat; diese Eitelkeit, welche sich jede Wahrheit zu
+vereiteln, daraus in sich zurueckzukehren versteht, und an diesem
+eignen Verstande sich weidet, der alle Gedanken immer aufzuloesen und
+statt alles Inhalts nur das trockne Ich zu finden weiss, ist eine
+Befriedigung, welche sich selbst ueberlassen werden muss, denn sie
+flieht das Allgemeine, und sucht nur das Fuer-sich-sein.
+
+Wie dieses vorlaeufig und im allgemeinen ueber die Weise und
+Notwendigkeit des Fortgangs gesagt worden ist, so kann noch ueber die
+_Methode der Ausfuehrung_ etwas zu erinnern dienlich sein. Diese
+Darstellung als ein _Verhalten_ der _Wissenschaft_ zu dem
+_erscheinenden_ Wissen, und als _Untersuchung_ und _Pruefung der
+Realitaet des Erkennens_ vorgestellt, scheint nicht ohne irgendeine
+Voraussetzung, die als _Massstab_ zugrunde gelegt wird, stattfinden zu
+koennen. Denn die Pruefung besteht in dem Anlegen eines angenommenen
+Massstabes, und in der sich ergebenden Gleichheit oder Ungleichheit
+dessen, was geprueft wird, mit ihm die Entscheidung, ob es richtig
+oder unrichtig ist; und der Massstab ueberhaupt, und ebenso die
+Wissenschaft, wenn sie der Massstab waere, ist dabei als das _Wesen_
+oder als _das An-sich_ angenommen. Aber hier, wo die Wissenschaft
+erst auftritt, hat weder sie selbst, noch was es sei, sich als das
+Wesen oder als das An-sich gerechtfertigt; und ohne ein solches
+scheint keine Pruefung stattfinden zu koennen.
+
+Dieser Widerspruch und seine Wegraeumung wird sich bestimmter ergeben,
+wenn zuerst an die abstrakten Bestimmungen des Wissens und der
+Wahrheit erinnert wird, wie sie an dem Bewusstsein vorkommen. Dieses
+_unterscheidet_ naemlich etwas von sich, worauf es sich zugleich
+_bezieht_; oder wie dies ausgedrueckt wird, es ist etwas _fuer
+dasselbe_; und die bestimmte Seite dieses _Beziehens_, oder des
+_Seins_ von etwas _fuer ein Bewusstsein_ ist das _Wissen._ Von diesem
+Sein fuer ein anderes unterscheiden wir aber das _An-sich-sein_; das
+auf das Wissen bezogene wird ebenso von ihm unterschieden, und
+gesetzt als _seiend_ auch ausser dieser Beziehung; die Seite dieses
+An-sich heisst _Wahrheit_. Was eigentlich an diesen Bestimmungen sei,
+geht uns weiter hier nichts an, denn indem das erscheinende Wissen
+unser Gegenstand ist, so werden auch zunaechst seine Bestimmungen
+aufgenommen, wie sie sich unmittelbar darbieten; und so, wie sie
+gefasst worden sind, ist es wohl, dass sie sich darbieten.
+
+Untersuchen wir nun die Wahrheit des Wissens, so scheint es, wir
+untersuchen, was es _an sich_ ist. Allein in dieser Untersuchung ist
+es _unser_ Gegenstand, es ist _fuer uns_; und das _An-sich_ desselben,
+welches sich ergaebe, waere so vielmehr sein Sein _fuer uns_; was wir
+als sein Wesen behaupten wuerden, vielmehr nicht seine Wahrheit,
+sondern nur unser Wissen von ihm. Das Wesen oder der Massstab fiele
+in uns, und dasjenige, was mit ihm verglichen, und ueber welches durch
+diese Vergleichung entschieden werden sollte, haette ihn nicht
+notwendig anzuerkennen.
+
+Aber die Natur des Gegenstandes, den wir untersuchen, ueberhebt dieser
+Trennung oder dieses Scheins von Trennung und Voraussetzung. Das
+Bewusstsein gibt seinen Massstab an ihm selbst, und die Untersuchung
+wird dadurch eine Vergleichung seiner mit sich selbst sein; denn die
+Unterscheidung, welche soeben gemacht worden ist, faellt in es. Es
+ist in ihm eines _fuer ein_ anderes, oder es hat ueberhaupt die
+Bestimmtheit des Moments des Wissens an ihm; zugleich ist ihm dies
+andere nicht nur _fuer es_, sondern auch ausser dieser Beziehung oder
+_an sich_: das Moment der Wahrheit. An dem also, was das Bewusstsein
+innerhalb seiner fuer das _An-sich_ oder das _Wahre_ erklaert, haben
+wir den Massstab, den es selbst aufstellt, sein Wissen daran zu messen.
+Nennen wir das _Wissen_ den _Begriff_, das Wesen oder das _Wahre_
+aber das Seiende oder den _Gegenstand_, so besteht die Pruefung darin,
+zuzusehen, ob der Begriff dem Gegenstande entspricht. Nennen wir
+aber _das Wesen_ oder das An-sich _des Gegenstandes den Begriff_, und
+verstehen dagegen unter dem _Gegenstande_, ihn als _Gegenstand_,
+naemlich wie er _fuer ein anderes_ ist, so besteht die Pruefung darin,
+dass wir zusehen, ob der Gegenstand seinem Begriff entspricht. Man
+sieht wohl, dass beides dasselbe ist; das Wesentliche aber ist, dies
+fuer die ganze Untersuchung festzuhalten, dass diese beiden Momente,
+_Begriff_ und _Gegenstand, Fuer-ein-anderes-_ und
+_An-sich-selbst-sein_, in das Wissen, das wir untersuchen, selbst
+fallen, und hiemit wir nicht noetig haben, Massstaebe mitzubringen, und
+_unsere_ Einfaelle und Gedanken bei der Untersuchung zu applizieren;
+dadurch, dass wir diese weglassen, erreichen wir es, die Sache, wie
+sie _an_ und _fuer sich_ selbst ist, zu betrachten.
+
+Aber nicht nur nach dieser Seite, dass Begriff und Gegenstand, der
+Massstab und das zu Pruefende, in dem Bewusstsein selbst vorhanden sind,
+wird eine Zutat von uns ueberfluessig, sondern wir werden auch der Muehe
+der Vergleichung beider und der eigentlichen _Pruefung_ ueberhoben, so
+dass, indem das Bewusstsein sich selbst prueft, uns auch von dieser
+Seite nur das reine Zusehen bleibt. Denn das Bewusstsein ist
+einerseits Bewusstsein des Gegenstandes, anderseits Bewusstsein seiner
+selbst; Bewusstsein dessen, was ihm das Wahre ist, und Bewusstsein
+seines Wissens davon. Indem beide _fuer dasselbe_ sind, ist es selbst
+ihre Vergleichung; es wird _fuer dasselbe_, ob sein Wissen von dem
+Gegenstande diesem entspricht oder nicht. Der Gegenstand scheint
+zwar fuer dasselbe nur so zu sein, wie es ihn weiss; es scheint
+gleichsam nicht dahinterkommen zu koennen, wie er, _nicht fuer
+dasselbe_, sondern wie er _an sich_ ist, und also auch sein Wissen
+nicht an ihm pruefen zu koennen. Allein gerade darin, dass es ueberhaupt
+von einem Gegenstande weiss, ist schon der Unterschied vorhanden, dass
+ihm etwas das _An-sich_, ein anderes Moment aber das Wissen, oder das
+Sein des Gegenstandes _fuer das_ Bewusstsein ist. Auf dieser
+Unterscheidung, welche vorhanden ist, beruht die Pruefung. Entspricht
+sich in dieser Vergleichung beides nicht, so scheint das Bewusstsein
+sein Wissen aendern zu muessen, um es dem Gegenstande gemaess zu machen,
+aber in der Veraenderung des Wissens aendert sich ihm in der Tat auch
+der Gegenstand selbst; denn das vorhandene Wissen war wesentlich ein
+Wissen von dem Gegenstande; mit dem Wissen wird auch er ein anderer,
+denn er gehoerte wesentlich diesem Wissen an. Es wird hiemit dem
+Bewusstsein, dass dasjenige, was ihm vorher das _An-sich_ war, nicht an
+sich ist, oder dass es nur _*fuer es* an sich_ war. Indem es also an
+seinem Gegenstande sein Wissen diesem nicht entsprechend findet, haelt
+auch der Gegenstand selbst nicht aus; oder der Massstab der Pruefung
+aendert sich, wenn dasjenige, dessen Massstab er sein sollte, in der
+Pruefung nicht besteht; und die Pruefung ist nicht nur eine Pruefung des
+Wissens, sondern auch ihres Massstabes.
+
+Diese _dialektische_ Bewegung, welche das Bewusstsein an ihm selbst,
+sowohl an seinem Wissen als an seinem Gegenstande ausuebt, _insofern
+ihm der neue wahre Gegenstand_ daraus _entspringt_, ist eigentlich
+dasjenige, was _Erfahrung_ genannt wird. Es ist in dieser Beziehung
+an dem soeben erwaehnten Verlaufe ein Moment noch naeher herauszuheben,
+wodurch sich ueber die wissenschaftliche Seite der folgenden
+Darstellung ein neues Licht verbreiten wird. Das Bewusstsein weiss
+_Etwas_, dieser Gegenstand ist das Wesen oder das _An-sich_; er ist
+aber auch fuer das Bewusstsein das _An-sich_; damit tritt die
+Zweideutigkeit dieses Wahren ein. Wir sehen, dass das Bewusstsein itzt
+zwei Gegenstaende hat, den einen das erste _An-sich_, den zweiten das
+_Fuer-es-sein dieses An-sich_. Der letztere scheint zunaechst nur die
+Reflexion des Bewusstseins in sich selbst zu sein, ein Vorstellen,
+nicht eines Gegenstandes, sondern nur seines Wissens von jenem ersten.
+Allein wie vorhin gezeigt worden, aendert sich ihm dabei der erste
+Gegenstand; er hoert auf, das An-sich zu sein, und wird ihm zu einem
+solchen, der nur _fuer es_ das _An-sich_ ist; somit aber ist dann dies:
+_das Fuer-es-sein dieses An-sich_, das Wahre, das heisst aber, dies
+ist das _Wesen_, oder sein _Gegenstand_. Dieser neue Gegenstand
+enthaelt die Nichtigkeit des ersten, er ist die ueber ihn gemachte
+Erfahrung.
+
+An dieser Darstellung des Verlaufs der Erfahrung ist ein Moment,
+wodurch sie mit demjenigen nicht uebereinzustimmen scheint, was unter
+der Erfahrung verstanden zu werden pflegt. Der Uebergang naemlich vom
+ersten Gegenstande und dem Wissen desselben zu dem andern Gegenstande,
+_an dem_ man sagt, dass die Erfahrung gemacht worden sei, wurde so
+angegeben, dass das Wissen vom ersten Gegenstande, oder das
+_Fuer_-das-Bewusstsein des ersten An-sich, der zweite Gegenstand selbst
+werden soll. Dagegen es sonst scheint, dass wir die Erfahrung von der
+Unwahrheit unseres ersten Begriffs _an einem andern_ Gegenstande
+machen, den wir zufaelligerweise und aeusserlich etwa finden, so dass
+ueberhaupt nur das reine _Auffassen_ dessen, was an und fuer sich ist,
+in uns falle. In jener Ansicht aber zeigt sich der neue Gegenstand
+als geworden, durch eine _Umkehrung des Bewusstseins_ selbst. Diese
+Betrachtung der Sache ist unsere Zutat, wodurch sich die Reihe der
+Erfahrungen des Bewusstseins zum wissenschaftlichen Gange erhebt, und
+welche nicht fuer das Bewusstsein ist, das wir betrachten. Es ist aber
+dies in der Tat auch derselbe Umstand, von welchem oben schon in
+Ansehung des Verhaeltnisses dieser Darstellung zum Skeptizismus die
+Rede war, dass naemlich das jedesmalige Resultat, welches sich an einem
+nicht wahrhaften Wissen ergibt, nicht in ein leeres Nichts
+zusammenlaufen duerfe, sondern notwendig als Nichts _desjenigen_,
+dessen _Resultat_ es ist, aufgefasst werden muesse; ein Resultat,
+welches das enthaelt, was das vorhergehende Wissen Wahres an ihm hat.
+Dies bietet sich hier so dar, dass, indem das, was zuerst als der
+Gegenstand erschien, dem Bewusstsein zu einem Wissen von ihm
+herabsinkt, und das _An-sich_ zu einem _Fuer-das-Bewusstsein-sein_ des
+_An-sich_ wird, dies der neue Gegenstand ist, womit auch eine neue
+Gestalt des Bewusstseins auftritt, welcher etwas anderes das Wesen ist
+als der vorhergehenden. Dieser Umstand ist es, welcher die ganze
+Folge der Gestalten des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit leitet.
+Nur diese Notwendigkeit selbst, oder die _Entstehung_ des neuen
+Gegenstandes, der dem Bewusstsein, ohne zu wissen, wie ihm geschieht,
+sich darbietet, ist es, was fuer uns gleichsam hinter seinem Ruecken
+vorgeht. Es kommt dadurch in seine Bewegung ein Moment des
+_An-sich-_ oder _Fuer-uns-seins_, welches nicht fuer das Bewusstsein,
+das in der Erfahrung selbst begriffen ist, sich darstellt; der
+_Inhalt_ aber dessen, was uns entsteht, ist _fuer es_, und wir
+begreifen nur das Formelle desselben, oder sein reines Entstehen;
+_fuer es_ ist dies Entstandene nur als Gegenstand, _fuer uns_ zugleich
+als Bewegung und Werden.
+
+Durch diese Notwendigkeit ist dieser Weg zur Wissenschaft selbst
+schon _Wissenschaft_, und nach ihrem Inhalte hiemit Wissenschaft der
+_Erfahrung des Bewusstseins_.
+
+Die Erfahrung, welche das Bewusstsein ueber sich macht, kann ihrem
+Begriffe nach nichts weniger in sich begreifen als das ganze System
+desselben, oder das ganze Reich der Wahrheit des Geistes, so dass die
+Momente derselben in dieser eigentuemlichen Bestimmtheit sich
+darstellen, nicht abstrakte, reine Momente zu sein, sondern so, wie
+sie fuer das Bewusstsein sind, oder wie dieses selbst in seiner
+Beziehung auf sie auftritt, wodurch die Momente des Ganzen,
+_Gestalten des Bewusstseins_ sind. Indem es zu seiner wahren Existenz
+sich forttreibt, wird es einen Punkt erreichen, auf welchem es seinen
+Schein ablegt, mit Fremdartigem, das nur fuer es und als ein anderes
+ist, behaftet zu sein, oder wo die Erscheinung dem Wesen gleich wird,
+seine Darstellung hiemit mit eben diesem Punkte der eigentlichen
+Wissenschaft des Geistes zusammenfaellt, und endlich, indem es selbst
+dies sein Wesen erfasst, wird es die Natur des absoluten Wissens
+selbst bezeichnen.
+
+
+
+I. Die sinnliche Gewissheit;oder das Diese und das Meinen
+
+Das Wissen, welches zuerst oder unmittelbar unser Gegenstand ist,
+kann kein anderes sein als dasjenige, welches selbst unmittelbares
+Wissen, _Wissen_ des _Unmittelbaren_ oder _Seienden_ ist. Wir haben
+uns ebenso _unmittelbar_ oder _aufnehmend_ zu verhalten, also nichts
+an ihm, wie es sich darbietet, zu veraendern, und von dem Auffassen
+das Begreifen abzuhalten.
+
+Der konkrete Inhalt der _sinnlichen Gewissheit_ laesst sie unmittelbar
+als die _reichste_ Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem
+Reichtum erscheinen, fuer welchen ebensowohl wenn wir im Raume und in
+der Zeit, als worin er sich ausbreitet, _hinaus-_, als wenn wir uns
+ein Stueck aus dieser Fuelle nehmen, und durch Teilung in dasselbe
+_hineingehen_, keine Grenze zu finden ist. Sie erscheint ausserdem
+als die _wahrhafteste_; denn sie hat von dem Gegenstande noch nichts
+weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollstaendigkeit vor sich.
+Diese _Gewissheit_ aber gibt in der Tat sich selbst fuer die
+abstrakteste und aermste _Wahrheit_ aus. Sie sagt von dem, was sie
+weiss, nur dies aus: es _ist_; und ihre Wahrheit enthaelt allein das
+_Sein_ der Sache; das Bewusstsein seinerseits ist in dieser Gewissheit
+nur als reines _Ich_; oder _Ich_ bin darin nur als reiner _Dieser_,
+und der Gegenstand ebenso nur als reines _Dieses_. Ich, _dieser_,
+bin _dieser_ Sache nicht darum gewiss, weil _Ich_ als Bewusstsein
+hiebei mich entwickelte und mannigfaltig den Gedanken bewegte. Auch
+nicht darum, weil _die Sache_, deren ich gewiss bin, nach einer Menge
+unterschiedener Beschaffenheiten eine reiche Beziehung an ihr selbst,
+oder ein vielfaches Verhalten zu andern waere. Beides geht die
+Wahrheit der sinnlichen Gewissheit nichts an; weder Ich noch die Sache
+hat darin die Bedeutung einer mannigfaltigen Vermittlung; Ich nicht
+die Bedeutung eines mannigfaltigen Vorstellens oder Denkens, noch die
+Sache die Bedeutung mannigfaltiger Beschaffenheiten; sondern die
+Sache _ist_; und sie _ist_, nur weil sie _ist_; sie _ist_, dies ist
+dem sinnlichen Wissen das Wesentliche, und dieses reine _Sein_ oder
+diese einfache Unmittelbarkeit macht ihre _Wahrheit_ aus. Ebenso ist
+die Gewissheit als _Beziehung unmittelbare_ reine Beziehung; das
+Bewusstsein ist _Ich_, weiter nichts, ein reiner _Dieser_; der
+_Einzelne_ weiss reines Dieses, oder _das Einzelne_.
+
+An dem _reinen Sein_ aber, welches das Wesen dieser Gewissheit
+ausmacht, und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir
+zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche
+Gewissheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein
+_Beispiel_ derselben. Unter den unzaehligen dabei vorkommenden
+Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, dass
+naemlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon
+genannten _Diesen_, ein _Dieser_ als _Ich_, und ein _Dieses_ als
+_Gegenstand_ herausfallen. Reflektieren _wir_ ueber diesen
+Unterschied, so ergibt sich, dass weder das eine noch das andere nur
+_unmittelbar_, in der sinnlichen Gewissheit ist, sondern zugleich als
+_vermittelt_; Ich habe die Gewissheit _durch_ ein anderes, naemlich die
+Sache; und diese ist ebenso in der Gewissheit _durch_ ein anderes,
+naemlich durch Ich.
+
+Diesen Unterschied des Wesens und des Beispiels, der Unmittelbarkeit
+und der Vermittlung, machen nicht nur wir, sondern wir finden ihn an
+der sinnlichen Gewissheit selbst; und in der Form, wie er an ihr ist,
+nicht wie wir ihn soeben bestimmten, ist er aufzunehmen. Es ist in
+ihr eines als das einfache unmittelbar seiende, oder als das Wesen
+gesetzt, _der Gegenstand_; das andere aber, als das unwesentliche und
+vermittelte, welches darin nicht _an sich_, sondern durch ein anderes
+ist, Ich, _ein Wissen_, das den Gegenstand nur darum weiss, weil er
+ist, und das sein oder auch nicht sein kann. Der Gegenstand aber
+_ist_, das Wahre und das Wesen; er _ist_, gleichgueltig dagegen, ob er
+gewusst wird oder nicht; er bleibt, wenn er auch nicht gewusst wird;
+das Wissen aber ist nicht, wenn nicht der Gegenstand ist.
+
+Der Gegenstand ist also zu betrachten, ob er in der Tat, in der
+sinnlichen Gewissheit selbst, als solches Wesen ist, fuer welches er
+von ihr ausgegeben wird; ob dieser sein Begriff, Wesen zu sein, dem
+entspricht, wie er in ihr vorhanden ist. Wir haben zu dem Ende nicht
+ueber ihn zu reflektieren und nachzudenken, was er in Wahrheit sein
+moechte, sondern ihn nur zu betrachten, wie ihn die sinnliche
+Gewissheit an ihr hat.
+
+_Sie_ ist also selbst zu fragen: _Was ist das Diese?_ Nehmen wir es
+in der gedoppelten Gestalt seines Seins, als das _Itzt_ und als das
+_Hier_, so wird die Dialektik, die es an ihm hat, eine so
+verstaendliche Form erhalten, als es selbst ist. Auf die Frage: _Was
+ist das Itzt?_ antworten wir also zum Beispiel: _Das Itzt ist die
+Nacht_. Um die Wahrheit dieser sinnlichen Gewissheit zu pruefen, ist
+ein einfacher Versuch hinreichend. Wir schreiben diese Wahrheit auf;
+eine Wahrheit kann durch Aufschreiben nicht verlieren; ebensowenig
+dadurch, dass wir sie aufbewahren. Sehen wir _itzt, diesen Mittag_,
+die aufgeschriebene Wahrheit wieder an, so werden wir sagen muessen,
+dass sie schal geworden ist.
+
+Das Itzt, welches Nacht ist, wird _aufbewahrt_, das heisst, es wird
+behandelt als das, fuer was es ausgegeben wird, als ein _Seiendes_; es
+erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das _Itzt_ selbst
+erhaelt sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso
+erhaelt es sich gegen den Tag, der es itzt ist, als ein solches, das
+auch nicht Tag ist; oder als ein _Negatives_ ueberhaupt. Dieses sich
+erhaltende Itzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein
+vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes
+_dadurch_ bestimmt, dass anderes, naemlich der Tag und die Nacht, nicht
+ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, _Itzt_, und in
+dieser Einfachheit gleichgueltig gegen das, was noch bei ihm herspielt;
+so wenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch
+Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert.
+Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder dieses noch
+jenes, ein _Nichtdieses_, und ebenso gleichgueltig, auch dieses wie
+jenes zu sein, nennen wir ein _Allgemeines_; das Allgemeine ist also
+in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewissheit.
+
+Als ein Allgemeines _sprechen_ wir auch das Sinnliche _aus_; was wir
+sagen, ist: _Dieses_, das heisst das _allgemeine Diese_; oder_: es
+ist_; das heisst das _Sein ueberhaupt_. Wir _stellen_ uns dabei
+freilich nicht das allgemeine Diese, oder das Sein ueberhaupt _vor_,
+aber wir _sprechen_ das Allgemeine _aus_; oder wir sprechen
+schlechthin nicht, wie wir es in dieser sinnlichen Gewissheit _meinen_.
+Die Sprache aber ist, wie wir sehen, das Wahrhaftere; in ihr
+widerlegen wir selbst unmittelbar unsere _Meinung_, und da das
+Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewissheit ist, und die Sprache
+nur dieses Wahre ausdrueckt, so ist es gar nicht moeglich, dass wir ein
+sinnliches Sein, das wir _meinen_, je sagen koennen.
+
+Es wird derselbe Fall sein mit der andern Form des Dieses, mit _dem
+Hier_. _Das Hier_ ist zum Beispiel der _Baum_. Ich wende mich um, so
+ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte
+verkehrt: _Das Hier ist nicht ein Baum_, sondern vielmehr _ein Haus_.
+Das _Hier_ selbst verschwindet nicht; sondern _es ist_ bleibend im
+Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgueltig, Haus,
+Baum zu sein. Das _Dieses_ zeigt sich also wieder als _vermittelte
+Einfachheit_, oder als _Allgemeinheit_.
+
+Dieser sinnlichen Gewissheit, indem sie an ihr selbst das Allgemeine
+als die Wahrheit ihres Gegenstandes erweist, bleibt also das _reine
+Sein_ als ihr Wesen, aber nicht als unmittelbares, sondern ein
+solches, dem die Negation und Vermittlung wesentlich ist; hiemit
+nicht als das, was wir unter dem _Sein meinen_, sondern das _Sein_
+mit der _Bestimmung_, dass es die Abstraktion oder das rein Allgemeine
+ist, und _unsere Meinung_, fuer welche das wahre der sinnlichen
+Gewissheit nicht das Allgemeine ist, bleibt allein diesem leeren oder
+gleichgueltigen Itzt und Hier gegenueber noch uebrig.
+
+Vergleichen wir das Verhaeltnis, in welchem das _Wissen_ und der
+_Gegenstand_ zuerst auftrat, mit dem Verhaeltnisse derselben, wie sie
+in diesem Resultate zu stehen kommen, so hat es sich umgekehrt. Der
+Gegenstand, der das Wesentliche sein sollte, ist nun das
+Unwesentliche der sinnlichen Gewissheit, denn das Allgemeine, zu dem
+er geworden ist, ist nicht mehr ein solches, wie er fuer sie
+wesentlich sein sollte, sondern sie ist itzt in dem Entgegengesetzten,
+naemlich in dem Wissen, das vorher das Unwesentliche war, vorhanden.
+Ihre Wahrheit ist in dem Gegenstande als _meinem_ Gegenstande, oder
+im _Meinen_, er ist, weil _Ich_ von ihm weiss. Die sinnliche
+Gewissheit ist also zwar aus dem Gegenstande vertrieben, aber dadurch
+noch nicht aufgehoben, sondern nur in das Ich zurueckgedraengt; es ist
+zu sehen, was uns die Erfahrung ueber diese ihre Realitaet zeigt.
+
+Die Kraft ihrer Wahrheit liegt also nun im _Ich_, in der
+Unmittelbarkeit meines _Sehens, Hoerens_, und so fort; das
+Verschwinden des einzelnen Itzt, und Hier, das wir meinen, wird
+dadurch abgehalten, dass _Ich_ sie festhalte. _Das Itzt ist Tag_, weil
+ich ihn sehe; _das Hier ein Baum_, eben darum. Die sinnliche
+Gewissheit erfaehrt aber in diesem Verhaeltnisse dieselbe Dialektik an
+ihr, als in dem vorigen. _Ich, dieses_, sehe den Baum, und _behaupte
+den Baum als das Hier_; ein _anderer Ich_ sieht aber das Haus, und
+behauptet, das Hier sei nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus.
+Beide Wahrheiten haben dieselbe Beglaubigung, naemlich die
+Unmittelbarkeit des Sehens, und die Sicherheit und Versicherung
+beider ueber ihr Wissen; die eine verschwindet aber in der andern.
+
+Was darin nicht verschwindet, ist _Ich_, als _allgemeines_, dessen
+Sehen weder ein Sehen des Baums noch dieses Hauses, sondern ein
+einfaches Sehen ist, das durch die Negation dieses Hauses und so fort
+vermittelt, darin ebenso einfach und gleichgueltig gegen das, was noch
+beiher spielt, gegen das Haus, den Baum ist. Ich ist nur allgemeines,
+wie _Itzt, Hier_ oder _Dieses_ ueberhaupt; ich meine wohl einen
+_einzelnen Ich_, aber sowenig ich das, was ich bei Itzt, Hier meine,
+sagen kann, so wenig bei Ich. Indem ich sage: _dieses Hier, Itzt_
+oder ein _Einzelnes_, sage ich: _*alle* diese, alle Hier, Itzt,
+Einzelne_; ebenso indem ich sage: _Ich, dieser einzelne_ Ich, sage
+ich ueberhaupt: _*alle* Ich_; jeder ist das was ich sage: _Ich, dieser
+einzelne Ich_. Wenn der Wissenschaft diese Forderung, als ihr
+Probierstein, auf dem sie schlechthin nicht aushalten koennte,
+vorgelegt wird, ein sogenanntes _dieses Ding_, oder einen _diesen
+Menschen_, zu deduzieren, konstruieren, a priori zu finden oder wie
+man dies ausdruecken will, so ist billig, dass die Forderung _sage_,
+welches _dieses_ Ding oder welchen _diesen_ Ich sie meine; aber dies
+zu sagen ist unmoeglich.
+
+Die sinnliche Gewissheit erfaehrt also, dass ihr Wesen weder in dem
+Gegenstande noch in dem Ich, und die Unmittelbarkeit weder eine
+Unmittelbarkeit des einen noch des andern ist, denn an beiden ist das,
+was Ich meine, vielmehr ein Unwesentliches, und der Gegenstand und
+Ich sind Allgemeine, in welchen dasjenige Itzt und Hier und Ich, das
+ich meine, nicht bestehen bleibt, oder _ist_. Wir kommen hiedurch
+dahin, das _Ganze_ der sinnlichen Gewissheit selbst als ihr _Wesen_ zu
+setzen, nicht mehr nur ein Moment derselben, wie in den beiden Faellen
+geschehen ist, worin zuerst der dem Ich entgegengesetzte Gegenstand,
+dann Ich ihre Realitaet sein sollte. Es ist also nur die _ganze_
+sinnliche Gewissheit selbst, welche an ihr als _Unmittelbarkeit_
+festhaelt, und hiedurch alle Entgegensetzung, die im vorherigen
+stattfand, aus sich ausschliesst.
+
+Diese reine Unmittelbarkeit geht also das Anderssein des Hier als
+Baums, welches in ein Hier, das Nichtbaum ist, das Anderssein des
+Itzt als Tages, das in ein Itzt, das Nacht ist, uebergeht, oder ein
+anderes Ich, dem etwas anderes Gegenstand ist, nichts mehr an. Ihre
+Wahrheit erhaelt sich als sich selbst gleichbleibende Beziehung, die
+zwischen dem Ich und dem Gegenstande keinen Unterschied der
+Wesentlichkeit und Unwesentlichkeit macht, und in die daher auch
+ueberhaupt kein Unterschied eindringen kann. Ich, dieses, behaupte
+also das Hier als Baum, und wende mich nicht um, so dass mir das Hier
+zu einem Nichtbaume wuerde; ich nehme auch keine Notiz davon, dass ein
+anderer Ich das Hier als Nichtbaum sieht, oder dass Ich selbst, ein
+anderesmal, das Hier als Nichtbaum, das Itzt als Nicht-Tag nehme,
+sondern Ich bin reines Anschauen; Ich fuer mich bleibe dabei, das Itzt
+ist Tag, oder auch dabei, das Hier ist Baum; vergleiche auch nicht
+das Hier und Itzt selbst miteinander, sondern halte an einer
+unmittelbaren Beziehung fest: das Itzt ist Tag.
+
+Da hiemit diese Gewissheit nicht mehr herzutreten will, wenn wir sie
+auf ein Itzt, das Nacht ist, oder auf einen Ich, dem es Nacht ist,
+aufmerksam machen, so treten wir zu ihr hinzu, und lassen uns das
+Itzt zeigen, das behauptet wird. _Zeigen_ muessen wir es uns lassen,
+denn die Wahrheit dieser unmittelbaren Beziehung ist die Wahrheit
+_dieses_ Ich, der sich auf ein _Itzt_ oder ein _Hier_ einschraenkt.
+Wuerden wir _nachher_ diese Wahrheit vornehmen, oder _entfernt_ davon
+stehen, so haette sie gar keine Bedeutung, denn wir hoeben die
+Unmittelbarkeit auf, die ihr wesentlich ist. Wir muessen daher in
+denselben Punkt der Zeit oder des Raums eintreten, sie uns zeigen, d.
+h. uns zu demselben diesen Ich, welches das gewiss Wissende ist,
+machen lassen. Sehen wir also, wie das Unmittelbare beschaffen ist,
+das uns aufgezeigt wird.
+
+Es wird das _Itzt_ gezeigt; _dieses Itzt_. _Itzt_; es hat schon
+aufgehoert zu sein, indem es gezeigt wird; das _Itzt_, das _ist_, ist
+ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, dass das Itzt eben dieses
+ist, indem es ist, schon nicht mehr zu sein. Das Itzt, wie es uns
+gezeigt wird, ist es ein _gewesenes_; und dies ist seine Wahrheit; es
+hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, dass es
+gewesen ist. Aber was _gewesen_ ist, ist in der Tat _kein Wesen_;
+_es *ist* nicht_, und um das Sein war es zu tun.
+
+Wir sehen also in diesem Aufzeigen nur eine Bewegung und folgenden
+Verlauf derselben: 1) Ich zeige das Itzt auf, es ist als das Wahre
+behauptet; ich zeige es aber als Gewesenes, oder als ein Aufgehobenes,
+hebe die erste Wahrheit auf, und 2) Itzt behaupte Ich als die zweite
+Wahrheit, dass es _gewesen_, aufgehoben ist. 3) Aber das Gewesene ist
+nicht; Ich hebe das Gewesen- oder Aufgehobensein, die zweite Wahrheit
+auf, negiere damit die Negation des Itzt, und kehre so zur ersten
+Behauptung zurueck: dass _Itzt_ ist. Das Itzt und das Aufzeigen des
+Itzt ist also so beschaffen, dass weder das Itzt noch das Aufzeigen
+des Itzt ein unmittelbares Einfaches ist, sondern eine Bewegung,
+welche verschiedene Momente an ihr hat; es wird _Dieses_ gesetzt, es
+wird aber vielmehr _ein Anderes_ gesetzt, oder das Diese wird
+aufgehoben: und dieses _Anderssein_ oder Aufheben des ersten wird
+selbst _wieder aufgehoben_, und so zu dem ersten zurueckgekehrt. Aber
+dieses in sich reflektierte erste ist nicht ganz genau dasselbe, was
+es zuerst, naemlich ein _Unmittelbares_, war; sondern es ist eben _ein
+in sich Reflektiertes_, oder _Einfaches_, welches im Anderssein
+bleibt, was es ist; ein Itzt, welches absolut viele Itzt ist; und
+dies ist das wahrhafte Itzt; das Itzt als einfacher Tag, das viele
+Itzt in sich hat, Stunden; ein solches Itzt, eine Stunde, ist ebenso
+viele Minuten, und diese Itzt gleichfalls viele Itzt und so fort.
+--Das _Aufzeigen_ ist also selbst die Bewegung, welche es ausspricht,
+was das Itzt in Wahrheit ist; naemlich ein Resultat, oder eine
+Vielheit von Itzt zusammengefasst; und das Aufzeigen ist das Erfahren,
+dass Itzt _Allgemeines_ ist.
+
+Das _aufgezeigte Hier_, das ich festhalte, ist ebenso ein _dieses_
+Hier, das in der Tat _nicht dieses_ Hier ist, sondern ein Vornen und
+Hinten, ein Oben und Unten, ein Rechts und Links ist. Das Oben ist
+selbst ebenso dieses vielfache Anderssein in oben, unten, und so fort.
+Das Hier, welches aufgezeigt werden sollte, verschwindet in andern
+Hier, aber diese verschwinden ebenso; das Aufgezeigte, Festgehaltene
+und Bleibende ist ein _negatives Dieses_, das nur so _ist_, indem die
+_Hier_, wie sie sollen, genommen werden, aber darin sich aufheben; es
+ist eine einfache Komplexion vieler Hier. Das Hier, das gemeint wird,
+waere der Punkt; er _ist_ aber nicht, sondern, indem er als seiend
+aufgezeigt wird, zeigt sich das Aufzeigen, nicht unmittelbares Wissen,
+sondern eine Bewegung, von dem gemeinten Hier aus durch viele Hier
+in das allgemeine Hier zu sein, welches wie der Tag eine einfache
+Vielheit der Itzt, so eine einfache Vielheit der Hier ist.
+
+Es erhellt, dass die Dialektik der sinnlichen Gewissheit nichts anders
+als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung, und
+die sinnliche Gewissheit selbst nichts anders als nur diese Geschichte
+ist. Das natuerliche Bewusstsein geht deswegen auch zu diesem
+Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die
+Erfahrung darueber; aber vergisst es nur ebenso immer wieder, und faengt
+die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen
+diese Erfahrung, als allgemeine Erfahrung, auch als philosophische
+Behauptung, und gar als Resultat des Skeptizismus aufgestellt wird,
+die Realitaet oder das Sein von aeussern Dingen als _diesen_, oder
+sinnlichen, habe absolute Wahrheit fuer das Bewusstsein; eine solche
+Behauptung weiss zugleich nicht, was sie spricht, weiss nicht, dass sie
+das Gegenteil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des
+sinnlichen _Diesen_ fuer das Bewusstsein soll allgemeine Erfahrung sein;
+aber vielmehr ist das Gegenteil allgemeine Erfahrung; jedes
+Bewusstsein hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beispiel: _das Hier ist
+ein Baum_, oder _das Itzt ist Mittag_, selbst wieder auf, und spricht
+das Gegenteil aus: das Hier ist _nicht_ ein Baum, _sondern_ ein Haus;
+und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine
+ebensolche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es sofort
+ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Gewissheit in Wahrheit nur
+dies erfahren, was wir gesehen haben, das _dieses_ naemlich als ein
+_Allgemeines_, das Gegenteil dessen, was jene Behauptung allgemeine
+Erfahrung zu sein versichert.--Bei dieser Berufung auf die allgemeine
+Erfahrung kann es erlaubt sein, die Ruecksicht auf das Praktische zu
+antizipieren. In dieser Ruecksicht kann denjenigen, welche jene
+Wahrheit und Gewissheit der Realitaet der sinnlichen Gegenstaende
+behaupten, gesagt werden, dass sie in die unterste Schule der Weisheit,
+naemlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus
+zurueckzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des
+Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese
+Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der
+sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in
+ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen.
+Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern
+erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn
+sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden
+stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realitaet und in der voelligen
+Gewissheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren
+sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien,
+welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist.
+
+Die, welche solche Behauptung aufstellen, sagen aber, gemaess
+vorhergehenden Bemerkungen, auch selbst unmittelbar das Gegenteil
+dessen, was sie meinen; eine Erscheinung, die vielleicht am faehigsten
+ist, zum Nachdenken ueber die Natur der sinnlichen Gewissheit zu
+bringen. Sie sprechen von dem Dasein _aeusserer_ Gegenstaende, welche
+noch genauer, als _wirkliche_, absolut _einzelne, ganz persoenliche,
+individuelle_ Dinge, deren jedes seines absolutgleichen nicht mehr
+hat, bestimmt werden koennen; dies Dasein habe absolute Gewissheit und
+Wahrheit. Sie meinen _dieses_ Stueck Papier, worauf ich _dies_
+schreibe, oder vielmehr geschrieben habe; aber was sie meinen, sagen
+sie nicht. Wenn sie wirklich dieses Stueck Papier, das sie meinen,
+_sagen_ wollten, und sie wollten _sagen_, so ist dies unmoeglich, weil
+das sinnliche Diese, das gemeint wird, der Sprache, die dem
+Bewusstsein, dem an sich allgemeinen, angehoert, _unerreichbar_ ist.
+Unter dem wirklichen Versuche, es zu sagen, wuerde es daher vermodern;
+die seine Beschreibung angefangen, koennten sie nicht vollenden,
+sondern muessten sie andern ueberlassen, welche von einem Dinge zu
+sprechen, das nicht _ist_, zuletzt selbst eingestehen wuerden. Sie
+meinen also wohl _dieses_ Stueck Papier, das hier ein ganz anderes als
+das obige ist; aber sie sprechen wirkliche _Dinge, aeussere_ oder
+_sinnliche Gegenstaende, absolut einzelne Wesen_, und so fort, das
+heisst, sie sagen von ihnen nur das _Allgemeine_; daher was das
+Unaussprechliche genannt wird, nichts anderes ist, als das Unwahre,
+Unvernuenftige, bloss Gemeinte.--Wird von etwas weiter nichts gesagt,
+als dass es ein _wirkliches Ding_, ein _aeusserer Gegenstand_ ist, so
+ist es nur als das Allerallgemeinste, und damit viel mehr seine
+_Gleichheit_ mit allem, als die Unterschiedenheit ausgesprochen.
+Sage ich ein _einzelnes Ding_, so sage ich es vielmehr ebenso als
+ganz _Allgemeines_, denn alle sind ein einzelnes Ding; und
+gleichfalls _dieses_ Ding ist alles, was man will. Genauer
+bezeichnet, als _dieses Stueck Papier_, so ist _alles_ und _jedes_
+Papier, ein _dieses_ Stueck Papier, und ich habe nur immer das
+Allgemeine gesagt. Will ich aber dem Sprechen, welches die goettliche
+Natur hat, die Meinung unmittelbar zu verkehren, zu etwas anderem zu
+machen, und so sie gar nicht _zum Worte kommen_ zu lassen, dadurch
+nachhelfen, dass ich dies Stueck Papier _aufzeige_, so mache ich die
+Erfahrung, was die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit in der Tat ist;
+ich zeige es auf, als ein _Hier_, das ein Hier anderer Hier, oder an
+ihm selbst ein _einfaches Zusammen vieler Hier_, das heisst, ein
+Allgemeines ist, ich nehme so es auf, wie es in Wahrheit ist, und
+statt ein Unmittelbares zu wissen, _nehme ich wahr_.
+
+
+
+II. Die Wahrnehmung;oder das Ding, und die Taeuschung
+
+Die unmittelbare Gewissheit nimmt sich nicht das Wahre, denn ihre
+Wahrheit ist das Allgemeine, sie aber will das _Diese_ nehmen. Die
+Wahrnehmung nimmt hingegen das, was ihr das Seiende ist, als
+Allgemeines. Wie die Allgemeinheit ihr Prinzip ueberhaupt, so sind
+auch ihre in ihr unmittelbar sich unterscheidenden Momente, Ich ein
+allgemeines, und der Gegenstand ein allgemeiner. Jenes Prinzip ist
+uns _entstanden_, und unser Aufnehmen der Wahrnehmung daher nicht
+mehr ein erscheinendes Aufnehmen, wie der sinnlichen Gewissheit,
+sondern ein notwendiges. In dem Entstehen des Prinzips sind zugleich
+die beiden Momente, die an ihrer Erscheinung nur _herausfallen_,
+geworden; das eine naemlich die Bewegung des Aufzeigens, das andere
+dieselbe Bewegung, aber als Einfaches; jenes das _Wahrnehmen_, dies
+der _Gegenstand_. Der Gegenstand ist dem Wesen nach dasselbe, was
+die Bewegung ist, sie die Entfaltung und Unterscheidung der Momente,
+er das Zusammengefasstsein derselben. Fuer uns oder an sich ist das
+Allgemeine als Prinzip das _Wesen_ der Wahrnehmung; und gegen diese
+Abstraktion, die beiden unterschiednen, das Wahrnehmende und das
+Wahrgenommene das _Unwesentliche_. Aber in der Tat, weil beide
+selbst das Allgemeine oder das Wesen sind, sind sie beide wesentlich;
+indem sie aber sich als entgegengesetzte aufeinander beziehen, so
+kann in der Beziehung nur das eine das wesentliche sein; und der
+Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen muss sich an sie
+verteilen. Das eine als das einfache bestimmt, der Gegenstand, ist
+das Wesen, gleichgueltig dagegen, ob er wahrgenommen wird oder nicht;
+das Wahrnehmen aber als die Bewegung ist das Unbestaendige, das sein
+kann oder auch nicht, und das Unwesentliche.
+
+Dieser Gegenstand ist nun naeher zu bestimmen, und diese Bestimmung
+aus dem Resultate, das sich ergeben, kurz zu entwickeln; die
+ausgefuehrtere Entwicklung gehoert nicht hierher. Da sein Prinzip, das
+Allgemeine, in seiner Einfachheit ein _vermitteltes_ ist, so muss er
+dies als seine Natur an ihm ausdruecken; er zeigt sich dadurch als
+_das Ding von vielen Eigenschaften_. Der Reichtum des sinnlichen
+Wissens gehoert der Wahrnehmung, nicht der unmittelbaren Gewissheit an,
+an der er nur das Beiherspielende war, denn nur jene hat die
+_Negation_, den Unterschied oder die Mannigfaltigkeit an ihrem Wesen.
+
+Das Dieses ist also gesetzt als _nicht dieses_, oder als _aufgehoben_;
+und damit nicht Nichts, sondern ein bestimmtes Nichts, oder _ein
+Nichts von einem Inhalte_, naemlich _dem Diesen_. Das Sinnliche ist
+hiedurch selbst noch vorhanden, aber nicht, wie es in der
+unmittelbaren Gewissheit sein sollte, als das gemeinte Einzelne,
+sondern als Allgemeines, oder als das, was sich als _Eigenschaft_
+bestimmen wird. Das _Aufheben_ stellt seine wahrhafte gedoppelte
+Bedeutung dar, welche wir an dem Negativen gesehen haben; es ist ein
+_Negieren_ und ein _Aufbewahren_ zugleich; das Nichts, als _Nichts
+des Diesen_, bewahrt die Unmittelbarkeit auf, und ist selbst sinnlich,
+aber eine allgemeine Unmittelbarkeit.--Das Sein aber ist ein
+Allgemeines dadurch, dass es die Vermittlung oder das Negative an ihm
+hat; indem es dies an seiner Unmittelbarkeit _ausdrueckt_, ist es eine
+_unterschiedene, bestimmte_ Eigenschaft. Damit sind zugleich _viele_
+solche Eigenschaften, eine die negative der andern, gesetzt. Indem
+sie in der _Einfachheit_ des Allgemeinen ausgedrueckt sind, beziehen
+sich diese _Bestimmtheiten_, die eigentlich erst durch eine ferner
+hinzukommende Bestimmung Eigenschaften sind, _auf sich selbst_, sind
+_gleichgueltig_ gegeneinander, jede fuer sich, frei von der andern.
+Die einfache sich selbst gleiche Allgemeinheit selbst aber ist wieder
+von diesen ihren Bestimmtheiten unterschieden, und frei; sie ist das
+reine Sich-auf-sich-beziehen, oder das _Medium_, worin diese
+Bestimmtheiten alle sind, sich also in ihr als in einer _einfachen_
+Einheit _durchdringen_, ohne sich aber zu _beruehren_; denn eben durch
+die Teilnahme an dieser Allgemeinheit sind sie gleichgueltig fuer sich.
+--Dies abstrakte allgemeine Medium, das die _Dingheit_ ueberhaupt oder
+das _reine Wesen_ genannt werden kann, ist nichts anderes als das
+_Hier_ und _Itzt_, wie es sich erwiesen hat, naemlich als ein
+_einfaches Zusammen_ von vielen, aber die vielen sind _in ihrer
+Bestimmtheit_ selbst _einfach allgemeine_. Dies Salz ist einfaches
+Hier, und zugleich vielfach; es ist weiss, und _auch_ scharf, _auch_
+kubisch gestaltet, _auch_ von bestimmter Schwere, und so weiter.
+Alle diese vielen Eigenschaften sind in _einem_ einfachen _Hier_,
+worin sie sich also durchdringen; keine hat ein anderes Hier als die
+andere, sondern jede ist allenthalben, in demselben, worin die andere
+ist; und zugleich, ohne durch verschiedene Hier geschieden zu sein,
+affizieren sie sich in dieser Durchdringung nicht; das Weisse
+affiziert oder veraendert das Kubische nicht, beide nicht das Scharfe,
+und so weiter, sondern da jede selbst einfaches
+_Sich-auf-sich-beziehen_ ist, laesst sie die andern ruhig und bezieht
+sich nur durch das gleichgueltige _Auch_ auf sie. Dieses _Auch_ ist
+also das reine Allgemeine selbst, oder das Medium, die sie so
+zusammenfassende _Dingheit_.
+
+In diesem Verhaeltnisse, das sich ergeben hat, ist nur erst der
+Charakter der positiven Allgemeinheit beobachtet und entwickelt; es
+bietet sich aber noch eine Seite dar, welche auch hereingenommen
+werden muss. Naemlich wenn die vielen bestimmten Eigenschaften
+schlechterdings gleichgueltig waeren, und sich durchaus nur auf sich
+selbst bezoegen, so waeren sie keine _bestimmte_; denn sie sind dies
+nur insofern sie sich _unterscheiden_, und sich _auf andere_ als
+entgegengesetzte _beziehen_. Nach dieser Entgegensetzung aber koennen
+sie nicht in der einfachen Einheit ihres Mediums zusammen sein, die
+ihnen ebenso wesentlich ist als die Negation; die Unterscheidung
+derselben, insofern sie nicht eine gleichgueltige, sondern
+ausschliessende, anderes negierende ist, faellt also ausser diesem
+einfachen Medium; und dieses ist daher nicht nur ein _Auch_,
+gleichgueltige Einheit, sondern auch _Eins, ausschliessende Einheit_.
+--Das Eins ist das _Moment der Negation_, wie es selbst auf eine
+einfache Weise sich auf sich bezieht, und Anderes ausschliesst; und
+wodurch die _Dingheit_ als _Ding_ bestimmt ist. An der Eigenschaft
+ist die Negation als _Bestimmtheit_, die unmittelbar eins ist mit der
+Unmittelbarkeit des Seins, welche durch diese Einheit mit der
+Negation, Allgemeinheit ist; als _Eins_ aber ist sie, wie sie von
+dieser Einheit mit dem Gegenteil befreit, und an und fuer sich selbst
+ist.
+
+In diesen Momenten zusammen ist das Ding als das Wahre der
+Wahrnehmung vollendet, so weit es noetig ist, es hier zu entwickeln.
+Es ist a) die gleichgueltige passive Allgemeinheit, das _Auch_ der
+vielen Eigenschaften, oder vielmehr _Materien,_ b) die Negation
+ebenso als einfach; oder das _Eins_, das Ausschliessen
+entgegengesetzter Eigenschaften, und g) die vielen _Eigenschaften_
+selbst, die Beziehung der zwei ersten Momente; die Negation, wie sie
+sich auf das gleichgueltige Element bezieht, und sich darin als eine
+Menge von Unterschieden ausbreitet; der Punkt der Einzelnheit in dem
+Medium des Bestehens in die Vielheit ausstrahlend. Nach der Seite,
+dass diese Unterschiede dem gleichgueltigen Medium angehoeren, sind sie
+selbst allgemein, beziehen sich nur auf sich, und affizieren sich
+nicht; nach der Seite aber, dass sie der negativen Einheit angehoeren,
+sind sie zugleich ausschliessend; haben aber diese entgegengesetzte
+Beziehung notwendig an Eigenschaften, die aus _*ihrem* Auch_ entfernt
+sind. Die sinnliche Allgemeinheit, oder die _unmittelbare_ Einheit
+des Seins und des Negativen, ist erst so _Eigenschaft_, insofern das
+Eins und die reine Allgemeinheit aus ihr entwickelt, und voneinander
+unterschieden sind, und sie diese miteinander zusammenschliesst; diese
+Beziehung derselben auf die reinen wesentlichen Momente vollendet
+erst das _Ding_.
+
+So ist nun das Ding der Wahrnehmung beschaffen; und das Bewusstsein
+ist als Wahrnehmendes bestimmt, insofern dies Ding sein Gegenstand
+ist; es hat ihn _nur zu nehmen_, und sich als reines Auffassen zu
+verhalten; was sich ihm dadurch ergibt, ist das Wahre. Wenn es
+selbst bei diesem Nehmen etwas taete, wuerde es durch solches
+Hinzusetzen oder Weglassen die Wahrheit veraendern. Indem der
+Gegenstand das Wahre und Allgemeine, sich selbst Gleiche, das
+Bewusstsein sich aber das Veraenderliche und Unwesentliche ist, kann es
+ihm geschehen, dass es den Gegenstand unrichtig auffasst und sich
+taeuscht. Das Wahrnehmende hat das Bewusstsein der Moeglichkeit der
+Taeuschung; denn in der Allgemeinheit, welche das Prinzip ist, ist das
+_Anderssein_ selbst unmittelbar fuer es, aber als das _Nichtige_,
+Aufgehobene. Sein Kriterium der Wahrheit ist daher die
+_Sichselbstgleichheit_, und sein Verhalten als sich selbst gleiches
+aufzufassen. Indem zugleich das verschiedene fuer es ist, ist es ein
+Beziehen der verschiedenen Momente seines Auffassens aufeinander;
+wenn sich aber in dieser Vergleichung eine Ungleichheit hervortut, so
+ist dies nicht eine Unwahrheit des Gegenstandes, denn er ist das sich
+selbst Gleiche, sondern des Wahrnehmens.
+
+Sehen wir nun zu, welche Erfahrung das Bewusstsein in seinem
+wirklichen Wahrnehmen macht. Sie ist _fuer uns_ in der soeben
+gegebenen Entwicklung des Gegenstandes und des Verhaltens des
+Bewusstseins zu ihm schon enthalten; und wird nur die Entwicklung der
+darin vorhandenen Widersprueche sein.--Der Gegenstand, den Ich
+aufnehme, bietet sich als _rein Einer_ dar; auch werde ich die
+Eigenschaft an ihm gewahr, die _allgemein_ ist, dadurch aber ueber die
+Einzelnheit hinausgeht. Das erste Sein des gegenstaendlichen Wesens
+als eines Einen war also nicht sein wahres Sein; da er das Wahre ist,
+faellt die Unwahrheit in mich, und das Auffassen war nicht richtig.
+Ich muss um der _Allgemeinheit_ der Eigenschaft willen das
+gegenstaendliche Wesen vielmehr als eine _Gemeinschaft_ ueberhaupt
+nehmen. Ich nehme nun ferner die Eigenschaft wahr als _bestimmte_,
+anderem _entgegengesetzte_, und es ausschliessende. Ich fasste das
+gegenstaendliche Wesen also in der Tat nicht richtig auf, als Ich es
+als eine _Gemeinschaft_ mit andern oder als die Kontinuitaet bestimmte,
+und muss, vielmehr um der _Bestimmtheit_ der Eigenschaft willen, die
+Kontinuitaet trennen, und es als ausschliessendes Eins setzen. An dem
+getrennten Eins finde ich viele solche Eigenschaften, die einander
+nicht affizieren, sondern gleichgueltig gegeneinander sind; ich nahm
+den Gegenstand also nicht richtig wahr, als ich ihn als ein
+_Ausschliessendes_ auffasste, sondern er ist, wie vorhin nur
+Kontinuitaet ueberhaupt, so itzt ein allgemeines _gemeinschaftliches
+Medium_, worin viele Eigenschaften als sinnliche _Allgemeinheiten_,
+jede fuer sich ist, und als _bestimmte_ die andern ausschliesst. Das
+Einfache und Wahre, das ich wahrnehme, ist aber hiemit auch nicht ein
+allgemeines Medium, sondern die _einzelne Eigenschaft_ fuer sich, die
+aber so weder Eigenschaft noch ein bestimmtes Sein ist; denn sie ist
+nun weder an einem Eins noch in Beziehung auf andere. Eigenschaft
+ist sie aber nur am Eins, und bestimmt nur in Beziehung auf andere.
+Sie bleibt als dies reine Sich-auf-sich-selbst-beziehen nur
+_sinnliches Sein_ ueberhaupt, da sie den Charakter der Negativitaet
+nicht mehr an ihr hat; und das Bewusstsein, fuer welches itzt ein
+sinnliches Sein ist, ist nur ein _Meinen_, das heisst, es ist aus dem
+Wahrnehmen ganz heraus und in sich zurueckgegangen. Allein das
+sinnliche Sein und Meinen geht selbst in das Wahrnehmen ueber; ich bin
+zu dem Anfang zurueckgeworfen, und wieder in denselben, sich in jedem
+Momente und als Ganzes aufhebenden Kreislauf hineingerissen.
+
+Das Bewusstsein durchlauft ihn also notwendig wieder, aber zugleich
+nicht auf dieselbe Weise wie das erstemal. Es hat naemlich die
+Erfahrung ueber das Wahrnehmen gemacht, dass das Resultat und das Wahre
+desselben seine Aufloesung, oder die Reflexion in sich selbst aus dem
+Wahren ist. Es hat sich hiemit fuer das Bewusstsein bestimmt, wie sein
+Wahrnehmen wesentlich beschaffen ist, naemlich nicht ein einfaches
+reines Auffassen, sondern _in seinem Auffassen_ zugleich aus dem
+Wahren _heraus in sich reflektiert_ zu sein. Diese Rueckkehr des
+Bewusstseins in sich selbst, die sich in das reine Auffassen
+unmittelbar--denn sie hat sich als dem Wahrnehmen wesentlich
+gezeigt--_einmischt_, veraendert das Wahre. Das Bewusstsein erkennt
+diese Seite zugleich als die seinige, und nimmt sie auf sich, wodurch
+es also den wahren Gegenstand rein erhalten wird.--Es ist hiemit itzt,
+wie es bei der sinnlichen Gewissheit geschah, an dem Wahrnehmen die
+Seite vorhanden, dass das Bewusstsein in sich zurueckgedraengt wird, aber
+zunaechst nicht in dem Sinne, in welchem dies bei jener der Fall war;
+als ob in es die _Wahrheit_ des Wahrnehmens fiele, sondern vielmehr
+erkennt es, dass die _Unwahrheit_, die darin vorkoemmt, in es faellt.
+Durch diese Erkenntnis aber ist es zugleich faehig, sie aufzuheben; es
+unterscheidet sein Auffassen des Wahren von der Unwahrheit seines
+Wahrnehmens, korrigiert diese, und insofern es diese Berichtigung
+selbst vornimmt, faellt allerdings die Wahrheit als Wahrheit des
+_Wahrnehmens in dasselbe_. Das Verhalten des Bewusstseins, das
+nunmehr zu betrachten ist, ist also so beschaffen, dass es nicht mehr
+bloss wahrnimmt, sondern auch seiner Reflexion in sich bewusst ist, und
+diese von der einfachen Auffassung selbst abtrennt.
+
+Ich werde also zuerst des Dings als _Eines_ gewahr, und habe es in
+dieser wahren Bestimmung festzuhalten; wenn in der Bewegung des
+Wahrnehmens etwas dem Widersprechendes vorkommt, so ist dies als
+meine Reflexion zu erkennen. Es kommen nun in der Wahrnehmung auch
+verschiedene Eigenschaften vor, welche Eigenschaften des Dings zu
+sein scheinen; allein das Ding ist Eins und von dieser
+Verschiedenheit, wodurch es aufhoerte, Eins zu sein, sind wir uns
+bewusst, dass sie in uns faellt. Dies Ding ist also in der Tat nur weiss,
+an _unser_ Auge gebracht, scharf _auch_, an _unsre_ Zunge, _auch_
+kubisch an _unser_ Gefuehl, und so fort. Die gaenzliche
+Verschiedenheit dieser Seiten nehmen wir nicht aus dem Dinge, sondern
+aus uns; sie fallen uns an unserem von der Zunge ganz unterschiedenen
+Auge und so fort, so auseinander. Wir sind somit das _allgemeine
+Medium_, worin solche Momente sich absondern und fuer sich sind.
+Hiedurch also, dass wir die Bestimmtheit, allgemeines Medium zu sein,
+als unsre Reflexion betrachten, erhalten wir die Sichselbstgleichheit
+und Wahrheit des Dinges, Eins zu sein.
+
+Diese _verschiedenen Seiten_, welche das Bewusstsein auf sich nimmt,
+sind aber, jede so fuer sich, als in dem allgemeinen Medium sich
+befindend betrachtet, _bestimmt_; das Weisse ist nur in
+Entgegensetzung gegen das Schwarze, und so fort, und das Ding Eins
+gerade dadurch, dass es andern sich entgegensetzt. Es schliesst aber
+andere nicht, insofern es Eins ist, von sich aus; denn Eins zu sein
+ist das allgemeine Auf-sich-selbst-beziehen, und dadurch, dass es Eins
+ist, ist es vielmehr allen gleich; sondern durch die _Bestimmtheit_.
+Die Dinge selbst also sind _an und fuer sich bestimmte_; sie haben
+Eigenschaften, wodurch sie sich von andern unterscheiden. Indem die
+_Eigenschaft_ die _eigene_ Eigenschaft des Dinges, oder eine
+Bestimmtheit an ihm selbst ist, hat es _mehrere_ Eigenschaften. Denn
+vors erste ist das Ding das Wahre, es ist _an sich selbst_; und was
+an ihm ist, ist an ihm als sein eigenes Wesen, nicht um anderer
+willen; also sind zweitens die bestimmten Eigenschaften nicht nur um
+anderer Dinge willen, und fuer andere Dinge, sondern an ihm selbst;
+sie sind aber bestimmte Eigenschaften _an ihm_ nur, indem sie mehrere
+sich voneinander unterscheidende sind; und drittens, indem sie so in
+der Dingheit sind, sind sie an und fuer sich und gleichgueltig
+gegeneinander. Es ist also in Wahrheit das Ding selbst, welches weiss,
+und _auch_ kubisch, _auch_ scharf, und so fort ist, oder das Ding
+ist das _Auch_, oder das _allgemeine Medium_, worin die vielen
+Eigenschaften aussereinander bestehen, ohne sich zu beruehren und
+aufzuheben; und so genommen wird es als das Wahre genommen.
+
+Bei diesem Wahrnehmen nun ist das Bewusstsein zugleich sich bewusst,
+dass es sich _auch_ in sich selbst reflektiert und in dem Wahrnehmen
+das dem _Auch_ entgegengesetzte Moment vorkommt. Dies Moment aber
+ist _Einheit_ des Dings mit sich selbst, welche den Unterschied aus
+sich ausschliesst. Sie ist es demnach, welche das Bewusstsein auf sich
+zu nehmen hat; denn das Ding selbst ist das _Bestehen der vielen
+verschiedenen_ und _unabhaengigen Eigenschaften_. Es wird also von
+dem Dinge gesagt, _es ist_ weiss, _auch_ kubisch, und _auch_ scharf u.
+s.f. Aber _insofern_ es weiss ist, ist es nicht kubisch, und
+_insofern es_ kubisch und auch weiss ist, ist es nicht scharf u.s.f.
+Das _In-eins-setzen_ dieser Eigenschaften kommt nur dem Bewusstsein zu,
+welches sie daher an dem Ding nicht in Eins fallen zu lassen hat.
+Zu dem Ende bringt es das _Insofern_ herbei, wodurch es sie
+auseinander, und das Ding als das Auch erhaelt. Recht eigentlich wird
+das _Einssein_ von dem Bewusstsein erst so auf sich genommen, dass
+dasjenige, was Eigenschaft genannt wurde, als _freie Materie_
+vorgestellt wird. Das Ding ist auf diese Weise zum wahrhaften _Auch_
+erhoben, indem es eine Sammlung von Materien, und statt Eins zu sein
+zu einer bloss umschliessenden Oberflaeche wird.
+
+Sehen wir zurueck auf dasjenige, was das Bewusstsein vorhin auf sich
+genommen, und itzt auf sich nimmt; was es vorhin dem Dinge zuschrieb,
+und itzt ihm zuschreibt, so ergibt sich dass es abwechslungsweise
+ebensowohl sich selbst als auch das Ding zu beidem macht, zum reinen
+vielheitslosen _Eins_, wie zu einem in selbststaendige Materien
+aufgeloesten _Auch_. Das Bewusstsein findet also durch diese
+Vergleichung, dass nicht nur _sein_ Nehmen des Wahren, die
+_Verschiedenheit des Auffassens_ und _des In-sich-zurueckgehens_ an
+ihm hat, sondern dass vielmehr das Wahre selbst, das Ding, sich auf
+diese gedoppelte Weise zeigt. Es ist hiemit die Erfahrung vorhanden,
+dass das Ding sich _fuer das_ auffassende _Bewusstsein_ auf eine
+bestimmte Weise _darstellt_, aber _zugleich_ aus der Weise, in der es
+sich darbietet, _heraus_ und _in sich reflektiert ist_, oder an ihm
+selbst eine entgegengesetzte Wahrheit hat.
+
+Das Bewusstsein ist also auch aus dieser zweiten Art, sich im
+Wahrnehmen zu verhalten, naemlich das Ding als das Wahre sich selbst
+Gleiche, sich aber fuer das Ungleiche, fuer das aus der Gleichheit
+heraus in sich Zurueckgehende, zu nehmen, selbst heraus, und der
+Gegenstand ist ihm itzt diese ganze Bewegung, welche vorher an den
+Gegenstand und an das Bewusstsein verteilt war. Das Ding ist _Eins_,
+in sich reflektiert; es ist _fuer sich_; aber es ist auch _fuer ein
+Anderes_; und zwar ist es ein _anderes_ fuer sich, _als es_ fuer
+Anderes ist. Das Ding ist hienach fuer sich, und _auch_ fuer ein
+Anderes, ein _gedoppeltes_ verschiedenes Sein; aber es ist _auch
+Eins_; das Einssein aber widerspricht dieser seiner Verschiedenheit;
+das Bewusstsein haette hienach dies In-eins-setzen wieder auf sich zu
+nehmen, und von dem Dinge abzuhalten. Es muesste also sagen, dass das
+Ding, _insofern_ es fuer sich ist, nicht fuer Anderes ist. Allein dem
+Dinge selbst kommt auch das Einssein zu, wie das Bewusstsein erfahren
+hat; das Ding ist wesentlich in sich reflektiert. Das _Auch_, oder
+der gleichgueltige Unterschied faellt also wohl ebenso in das Ding, als
+das _Einssein_; aber da beides verschieden, nicht in dasselbe,
+sondern in _verschiedene_ Dinge; der Widerspruch, der an dem
+gegenstaendlichen Wesen ueberhaupt ist, verteilt sich an zwei
+Gegenstaende. Das Ding ist also wohl an und fuer sich, sich selbst
+gleich; aber diese Einheit mit sich selbst wird durch andere Dinge
+gestoert; so ist die Einheit des Dings erhalten, und zugleich das
+Anderssein ausser ihm, so wie ausser dem Bewusstsein.
+
+Ob nun zwar so der Widerspruch des gegenstaendlichen Wesens an
+verschiedene Dinge verteilt ist, so wird darum doch an das
+abgesonderte einzelne Ding selbst der Unterschied kommen. Die
+_verschiedenen Dinge_ sind also _fuer sich_ gesetzt; und der
+Widerstreit faellt in sie so gegenseitig, dass jedes nicht von sich
+selbst, sondern nur von dem andern verschieden ist. Jedes ist aber
+hiemit _selbst als ein Unterschiedenes_ bestimmt, und hat den
+wesentlichen Unterschied von den andern _an ihm_; aber zugleich nicht
+so, dass dies eine Entgegensetzung an ihm selbst waere, sondern es fuer
+sich ist _einfache Bestimmtheit_, welche seinen _wesentlichen_ es von
+andern unterscheidenden Charakter ausmacht. In der Tat ist zwar, da
+die Verschiedenheit an ihm ist, dieselbe notwendig als _wirklicher_
+Unterschied mannigfaltiger Beschaffenheit an ihm. Allein weil die
+Bestimmtheit das _Wesen_ des Dinges ausmacht, wodurch es von andern
+sich unterscheidet und fuer sich ist, so ist diese sonstige
+mannigfaltige Beschaffenheit das _Unwesentliche_. Das Ding hat
+hiemit zwar in seiner Einheit das _gedoppelte Insofern_ an ihm, aber
+mit _ungleichem Werte_; wodurch dies Engegengesetztsein also nicht
+zur wirklichen Entgegensetzung des Dings selbst wird, sondern
+insofern dies durch seinen _*absoluten* Unterschied_ in
+Entgegensetzung kommt, hat es sie gegen ein anderes Ding ausser ihm.
+Die sonstige Mannigfaltigkeit aber ist zwar auch notwendig an dem
+Dinge, so dass sie nicht von ihm wegbleiben kann, aber sie ist ihm
+_unwesentlich_.
+
+Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings
+ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt,
+dass das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin
+fuer sich erhalten soll. Ding aber, oder fuer sich seiendes Eins ist
+es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn
+in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt;
+und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhoeren des Fuer-sich-seins.
+Durch den _absoluten Charakter_ gerade und seine Entgegensetzung
+_verhaelt_ es sich zu _andern_, und ist wesentlich nur dies Verhalten;
+das Verhaeltnis aber ist die Negation seiner Selbststaendigkeit, und
+das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde.
+
+Die Notwendigkeit der Erfahrung fuer das Bewusstsein, dass das Ding eben
+durch die Bestimmtheit, welche sein Wesen und sein Fuer-sich-sein
+ausmacht, zugrunde geht, kann kurz dem einfachen Begriffe nach so
+betrachtet werden. Das Ding ist gesetzt als _Fuer-sich-sein_, oder
+als absolute Negation alles Andersseins; daher absolute, nur sich auf
+sich beziehende Negation; aber die sich auf sich beziehende Negation
+ist Aufheben _seiner selbst_, oder sein Wesen in einem andern zu
+haben.
+
+In der Tat enthaelt die Bestimmung des Gegenstandes, wie er sich
+ergeben hat, nichts anderes; er soll eine wesentliche Eigenschaft,
+welche sein einfaches Fuer-sich-sein ausmacht, bei dieser Einfachheit
+aber auch die Verschiedenheit an ihm selbst haben, welche zwar
+_notwendig_ sein, aber nicht die _wesentliche_ Bestimmtheit ausmachen
+soll. Aber dies ist eine Unterscheidung, welche nur noch in den
+Worten liegt; das _Unwesentliche_, welches doch zugleich _notwendig_
+sein soll, hebt sich selbst auf, oder ist dasjenige, was soeben die
+Negation seiner selbst genannt wurde.
+
+Es faellt hiemit das letzte _Insofern_ hinweg, welches das
+Fuer-sich-sein und das Sein fuer Anderes trennte; der Gegenstand ist
+vielmehr _in einer und derselben Ruecksicht das Gegenteil seiner
+selbst, fuer sich, insofern er fuer Anderes_, und _fuer Anderes,
+insofern er fuer sich ist_. Er ist _fuer sich_, in sich reflektiert,
+Eins; aber dies _fuer sich_, in sich reflektiert, Einssein ist mit
+seinem Gegenteile, dem _Sein fuer ein Anderes_, in einer Einheit, und
+darum nur als Aufgehobenes gesetzt; oder dies _Fuer-sich-sein_ ist
+ebenso _unwesentlich_ als dasjenige, was allein das Unwesentliche
+sein sollte, naemlich das Verhaeltnis zu anderem.
+
+Der Gegenstand ist hiedurch in seinen reinen Bestimmtheiten oder in
+den Bestimmtheiten, welche seine Wesenheit ausmachen sollten, ebenso
+aufgehoben, als er in seinem sinnlichen Sein zu einem Aufgehobenen
+wurde. Aus dem sinnlichen Sein wird er ein Allgemeines; aber dies
+Allgemeine ist, da es _aus dem sinnlichen herkommt_, wesentlich durch
+dasselbe _bedingt_, und daher ueberhaupt nicht wahrhaft sich selbst
+gleiche, sondern _mit einem Gegensatze affizierte_ Allgemeinheit,
+welche sich darum in die Extreme der Einzelnheit und Allgemeinheit,
+des Eins der Eigenschaften und des Auchs der freien Materien trennt.
+Diese reinen Bestimmtheiten scheinen die _Wesenheit_ selbst
+auszudruecken, aber sie sind nur ein _Fuer-sich-sein_, welches mit dem
+_Sein fuer ein Anderes_ behaftet ist; indem aber beide wesentlich _in
+einer Einheit_ sind, so ist itzt die unbedingte absolute
+Allgemeinheit vorhanden, und das Bewusstsein tritt hier erst wahrhaft
+in das Reich des Verstandes ein.
+
+Die sinnliche Einzelnheit also verschwindet zwar in der dialektischen
+Bewegung der unmittelbaren Gewissheit und wird Allgemeinheit, aber nur
+_sinnliche Allgemeinheit_. Das Meinen ist verschwunden, und das
+Wahrnehmen nimmt den Gegenstand, wie _er an sich_ ist, oder als
+Allgemeines ueberhaupt; die Einzelnheit tritt daher an ihm, als wahre
+Einzelnheit, als _An-sich-sein_ des _Eins_ hervor, oder als
+_Reflektiertsein in sich_ selbst. Es ist aber noch ein _bedingtes_
+Fuer-sich-sein, _neben welchem_ ein anderes Fuer-sich-sein, die der
+Einzelnheit entgegengesetzte und durch sie bedingte Allgemeinheit
+vorkommt; aber diese beiden widersprechenden Extreme sind nicht nur
+_nebeneinander,_ sondern in _einer_ Einheit, oder, was dasselbe ist,
+das Gemeinschaftliche beider, das _Fuer-sich-sein_ ist mit dem
+Gegensatze ueberhaupt behaftet, das heisst, es ist zugleich nicht ein
+_Fuer-sich-sein_. Diese Momente sucht die Sophisterei des Wahrnehmens
+von ihrem Widerspruche zu retten, und durch die Unterscheidung der
+_Ruecksichten_, durch das _Auch_ und _Insofern_ festzuhalten, sowie
+endlich durch die Unterscheidung des _Unwesentlichen_ und eines ihm
+entgegengesetzten _Wesens_ das Wahre zu ergreifen. Allein diese
+Auskunftsmittel, statt die Taeuschung in dem Auffassen abzuhalten,
+erweisen sich vielmehr selbst als nichtig, und das Wahre, das durch
+diese Logik des Wahrnehmens gewonnen werden soll, erweist sich in
+einer und derselben Ruecksicht, das Gegenteil zu sein, und hiemit zu
+seinem Wesen die unterscheidungs- und bestimmungslose Allgemeinheit
+zu haben.
+
+Diese leeren Abstraktionen der _Einzelnheit_ und der ihr
+entgegengesetzten _Allgemeinheit_, sowie des _Wesens_, das mit einem
+Unwesentlichen verknuepft, eines _Unwesentlichen_, das doch zugleich
+notwendig ist, sind die Maechte, deren Spiel der wahrnehmende, oft so
+genannte gesunde Menschenverstand ist; er, der sich fuer das gediegne
+reale Bewusstsein nimmt, ist im Wahrnehmen nur das Spiel _dieser
+Abstraktionen_; er ist ueberhaupt immer da am aermsten, wo er am
+reichsten zu sein meint. Indem er von diesen nichtigen Wesen
+herumgetrieben, von dem einen dem andern in die Arme geworfen wird
+und durch seine Sophisterei abwechslungsweise itzt das eine, dann das
+gerad Entgegengesetzte festzuhalten und zu behaupten bemueht, sich der
+Wahrheit widersetzt, meint er von der Philosophie, sie habe es nur
+mit _Gedankendingen_ zu tun. Sie hat in der Tat auch damit zu tun,
+und erkennt sie fuer die reinen Wesen, fuer die absoluten Elemente und
+Maechte; aber damit erkennt sie dieselben zugleich _in ihrer
+Bestimmtheit_, und ist darum Meister ueber sie, waehrend jener
+wahrnehmende Verstand sie fuer das Wahre nimmt, und von ihnen aus
+einer Irre in die andere geschickt wird. Er selbst kommt nicht zu
+dem Bewusstsein, dass es solche einfache Wesenheiten sind, die in ihm
+walten, sondern er meint es immer mit ganz gediegnem Stoffe und
+Inhalte zu tun zu haben, so wie die sinnliche Gewissheit nicht weiss,
+dass die leere Abstraktion des reinen Seins ihr Wesen ist; aber in der
+Tat sind sie es, an welchen er durch allen Stoff und Inhalt hindurch
+und hin und her laeuft; sie sind der Zusammenhalt und die Herrschaft
+desselben, und allein dasjenige, was das sinnliche _als Wesen_ fuer
+das Bewusstsein ist, was seine Verhaeltnisse zu ihm bestimmt, und woran
+die Bewegung des Wahrnehmens und seines Wahren ablaeuft. Dieser
+Verlauf, ein bestaendig abwechselndes Bestimmen des Wahren und
+Aufheben dieses Bestimmens, macht eigentlich das taegliche und
+bestaendige Leben und Treiben des Wahrnehmenden und in der Wahrheit
+sich zu bewegen meinenden Bewusstseins aus. Es geht darin
+unaufhaltsam zu dem Resultate des gleichen Aufhebens aller dieser
+wesentlichen Wesenheiten oder Bestimmungen fort, ist aber in jedem
+einzelnen Momente nur dieser _einen Bestimmtheit_ als des Wahren sich
+bewusst, und dann wieder der entgegengesetzten. Es wittert wohl ihre
+Unwesenheit; sie gegen die drohende Gefahr zu retten, geht es zur
+Sophisterei ueber, das, was es selbst soeben als das Nichtwahre
+behauptete, itzt als das Wahre zu behaupten. Wozu diesen Verstand
+eigentlich die Natur dieser unwahren Wesen treiben will, die Gedanken
+von jener _Allgemeinheit_ und _Einzelnheit_, vom _Auch_ und _Eins_,
+von jener _Wesentlichkeit_, die mit einer _Unwesentlichkeit
+notwendig_ verknuepft ist, und von einem _Unwesentlichen_, das doch
+notwendig ist,--die _Gedanken_ von diesen Unwesen _zusammenzubringen_
+und sie dadurch aufzuheben, dagegen straeubt er sich durch die Stuetzen
+des _Insofern_ und der verschiedenen _Ruecksichten_, oder dadurch, den
+einen Gedanken auf sich zu nehmen, um den andern getrennt und als den
+wahren zu erhalten. Aber die Natur dieser Abstraktionen bringt sie
+an und fuer sich zusammen, der gesunde Verstand ist der Raub derselben,
+die ihn in ihrem wirbelnden Kreise umhertreiben. Indem er ihnen die
+Wahrheit dadurch geben will, dass er bald die Unwahrheit derselben auf
+sich nimmt, bald aber auch die Taeuschung einen Schein der
+unzuverlaessigen Dinge nennt und das Wesentliche von einem ihnen
+notwendigen, und doch unwesentlich sein sollenden abtrennt, und jenes
+als ihre Wahrheit gegen dieses festhaelt, erhaelt er ihnen nicht ihre
+Wahrheit, sich aber gibt er die Unwahrheit.
+
+
+
+III. Kraft und Verstand,Erscheinung und uebersinnliche Welt
+
+Dem Bewusstsein ist in der Dialektik der sinnlichen Gewissheit das
+Hoeren und Sehen u.s.w. vergangen, und als Wahrnehmen ist es zu
+Gedanken gekommen, welche es aber erst im unbedingt Allgemeinen
+zusammenbringt. Dies Unbedingte waere nun selbst wieder nichts anders
+als das auf eine Seite tretende _Extrem_ des _Fuer-sich-seins_, wenn
+es als ruhiges einfaches Wesen genommen wuerde, denn so traete ihm das
+Unwesen gegenueber; aber auf dieses bezogen waere es selbst
+unwesentlich, und das Bewusstsein nicht aus der Taeuschung des
+Wahrnehmens herausgekommen; allein es hat sich als ein solches
+ergeben, welches aus einem solchen bedingten Fuer-sich-sein in sich
+zurueckgegangen ist.--Dies unbedingte Allgemeine, das nunmehr der
+wahre Gegenstand des Bewusstseins ist, ist noch als _Gegenstand_
+desselben; es hat seinen _Begriff_ als _Begriff_ noch nicht erfasst.
+Beides ist wesentlich zu unterscheiden; dem Bewusstsein ist der
+Gegenstand aus dem Verhaeltnisse zu einem andern in sich
+zurueckgegangen, und hiemit _an sich_ Begriff geworden; aber das
+Bewusstsein ist noch nicht fuer sich selbst der Begriff, und deswegen
+erkennt es in jenem reflektierten Gegenstande nicht sich. _Fuer uns_
+ist dieser Gegenstand durch die Bewegung des Bewusstseins so geworden,
+dass dieses in das Werden desselben verflochten, und die Reflexion auf
+beiden Seiten dieselbe, oder nur _eine_ ist. Weil aber das
+Bewusstsein in dieser Bewegung nur das gegenstaendliche Wesen, nicht
+das Bewusstsein als solches zu seinem Inhalte hatte, so ist fuer es das
+Resultat in gegenstaendlicher Bedeutung zu setzen, und das Bewusstsein
+noch von dem gewordenen zuruecktretend, so dass ihm dasselbe als
+Gegenstaendliches das Wesen ist.
+
+Der Verstand hat damit zwar seine eigne Unwahrheit und die Unwahrheit
+des Gegenstandes aufgehoben; und was ihm dadurch geworden, ist der
+Begriff des Wahren; als _an sich_ seiendes Wahres, das noch nicht
+Begriff ist, oder das des _Fuer-sich-seins_ des Bewusstseins entbehrt,
+und das der Verstand, ohne sich darin zu wissen, gewaehren laesst.
+Dieses treibt sein Wesen fuer sich selbst; so dass das Bewusstsein
+keinen Anteil an seiner freien Realisierung hat, sondern ihr nur
+zusieht, und sie rein auffasst. _Wir_ haben hiemit noch vors erste an
+seine Stelle zu treten, und der Begriff zu sein, welcher das
+ausbildet, was in dem Resultate enthalten ist; an diesem
+ausgebildeten Gegenstande, der dem Bewusstsein als ein seiendes sich
+darbietet, wird es sich erst zum begreifenden Bewusstsein.
+
+Das Resultat war das unbedingt Allgemeine, zunaechst in dem negativen
+und abstrakten Sinne, dass das Bewusstsein seine einseitigen Begriffe
+negierte, und sie abstrahierte, naemlich sie aufgab. Das Resultat hat
+aber an sich die positive Bedeutung, dass darin die Einheit, _des
+Fuer-sich-seins_ und _des Fuer-ein-Anderes-seins_, oder der absolute
+Gegensatz unmittelbar als dasselbe Wesen gesetzt ist. Es scheint
+zunaechst nur die Form der Momente zueinander zu betreffen; aber das
+Fuer-sich-sein und das Fuer-Anderes-sein ist ebensowohl der _Inhalt_
+selbst, weil der Gegensatz in seiner Wahrheit keine andere Natur
+haben kann, als die sich im Resultate ergeben hat, dass naemlich der in
+der Wahrnehmung fuer wahr gehaltene Inhalt in der Tat nur der Form
+angehoert, und in ihre Einheit sich aufloest. Dieser Inhalt ist
+zugleich allgemein; es kann keinen andern Inhalt geben, der durch
+seine besondere Beschaffenheit sich dem entzoege, in diese unbedingte
+Allgemeinheit zurueckzugehen. Ein solcher Inhalt waere irgendeine
+bestimmte Weise, fuer sich zu sein, und zu Anderem sich zu verhalten.
+Allein _fuer sich zu sein_, und _zu Anderem sich zu verhalten
+ueberhaupt_, macht seine _Natur_ und _Wesen_ aus, deren Wahrheit ist,
+unbedingt Allgemeines zu sein; und das Resultat ist schlechthin
+allgemein.
+
+Weil aber dies unbedingt Allgemeine Gegenstand fuer das Bewusstsein ist,
+so tritt an ihm der Unterschied der Form und des Inhalts hervor, und
+in der Gestalt des Inhalts haben die Momente das Aussehen, in welchem
+sie sich zuerst darboten, einerseits allgemeines Medium vieler
+bestehender Materien, und anderseits in sich reflektiertes Eins,
+worin ihre Selbststaendigkeit vertilgt ist, zu sein. Jenes ist die
+Aufloesung der Selbststaendigkeit des Dinges, oder die Passivitaet, die
+ein Sein fuer ein Anderes ist, dies aber das Fuer-sich-sein. Es ist zu
+sehen, wie diese Momente in der unbedingten Allgemeinheit, die ihr
+Wesen ist, sich darstellen. Es erhellt zunaechst, dass sie dadurch,
+dass sie nur in dieser sind, ueberhaupt nicht mehr auseinander liegen,
+sondern wesentlich an ihnen selbst sich aufhebende Seiten sind, und
+nur das Uebergehen derselben ineinander gesetzt ist.
+
+Das eine Moment erscheint also als das auf die Seite getretene Wesen,
+als allgemeines Medium oder als das Bestehen selbststaendiger Materien.
+Die _Selbststaendigkeit_ dieser Materien aber ist nichts anders als
+dies Medium; oder dies _Allgemeine_ ist durchaus die _Vielheit_
+solcher verschiedenen Allgemeinen. Das Allgemeine ist an ihm selbst
+in ungetrennter Einheit mit dieser Vielheit, heisst aber, diese
+Materien sind, jede wo die andere ist, sie durchdringen sich
+gegenseitig--ohne aber sich zu beruehren, weil umgekehrt das viele
+Unterschiedene ebenso selbststaendig ist. Damit ist zugleich auch
+ihre reine Porositaet oder ihr Aufgehobensein gesetzt. Dies
+Aufgehobensein wieder, oder die Reduktion dieser Verschiedenheit zum
+_reinen Fuer-sich-sein_ ist nichts anders als das Medium selbst und
+dies die _Selbststaendigkeit_ der Unterschiede. Oder die
+selbststaendig gesetzten gehen unmittelbar in ihre Einheit, und ihre
+Einheit unmittelbar in die Entfaltung ueber, und diese wieder zurueck
+in die Reduktion. Diese Bewegung ist aber dasjenige, was _Kraft_
+genannt wird; das eine Moment derselben, naemlich sie als Ausbreitung
+der selbststaendigen Materien in ihrem Sein, ist ihre _Aeusserung_; sie
+aber als das Verschwundensein derselben ist die in sich aus ihrer
+Aeusserung _zurueckgedraengte_, oder _die eigentliche Kraft_. Aber
+erstens die in sich zurueckgedraengte Kraft _muss_ sich aeussern; und
+zweitens in der Aeusserung ist sie ebenso _in sich_ selbst seiende
+Kraft, als sie in diesem In-sich-selbst-sein Aeusserung ist.--Indem wir
+so beide Momente in ihrer unmittelbaren Einheit erhalten, so ist
+eigentlich der Verstand, dem der Begriff der Kraft angehoert, _der
+Begriff_, welcher die unterschiedenen Momente als unterschiedene
+traegt; denn _an ihr selbst_ sollen sie nicht unterschieden sein; der
+Unterschied ist hiemit nur im Gedanken.--Oder es ist im obigen nur
+erst der Begriff der Kraft, nicht ihre Realitaet gesetzt worden. In
+der Tat aber ist die Kraft das unbedingt Allgemeine, welches, was es
+_fuer ein Anderes_, ebenso an sich selbst ist; oder welches den
+Unterschied--denn er ist nichts anderes, als das
+_Fuer-ein-Anderes-sein_--an ihm selbst hat. Dass also die Kraft in
+ihrer Wahrheit sei, muss sie ganz vom Gedanken frei gelassen und als
+die Substanz dieser Unterschiede gesetzt werden, das heisst _einmal,
+sie_ als diese ganze Kraft wesentlich _an und fuer sich_ bleibend, und
+_dann_ ihre _Unterschiede_ als _substantiell_, oder als fuer sich
+bestehende Momente. Die Kraft als solche, oder als in sich
+zurueckgedraengte ist hiemit fuer sich als ein _ausschliessendes_ Eins,
+welchem die Entfaltung der Materien ein _anderes bestehendes Wesen_
+ist, und es sind so zwei unterschiedne selbststaendige Seiten gesetzt.
+Aber die Kraft ist auch das Ganze, oder sie bleibt, was sie ihrem
+Begriffe nach ist, naemlich diese _Unterschiede_ bleiben reine Formen,
+oberflaechliche _verschwindende Momente. Die Unterschiede_ der in
+sich _zurueckgedraengten_ eigentlichen Kraft und der _Entfaltung_ der
+selbststaendigen Materien waeren zugleich gar nicht, wenn sie nicht ein
+_Bestehen_ haetten, oder die Kraft waere nicht, wenn sie nicht auf
+diese entgegengesetzte Weise _existierte_; aber, sie existiert auf
+diese entgegengesetzte Weise, heisst nichts anderes, als beide Momente
+sind selbst zugleich _selbststaendig_.--Diese Bewegung des
+Sich-bestaendig-verselbststaendigens der beiden Momente und ihres
+Sich-wieder-aufhebens ist es also, was zu betrachten ist.--Es erhellt
+im allgemeinen, dass diese Bewegung nichts anderes ist als die
+Bewegung des Wahrnehmens, worin die beiden Seiten, das Wahrnehmende
+und das Wahrgenommene zugleich, einmal als das _Auffassen_ des Wahren
+eins und ununterschieden, dabei aber ebensowohl jede Seite in sich
+_reflektiert_ oder fuer sich ist. Hier sind diese beiden Seiten
+Momente der Kraft; sie sind ebensowohl in einer Einheit, als diese
+Einheit, welche gegen die fuer sich seienden Extreme als die Mitte
+erscheint, sich immer in eben diese Extreme zersetzt, die erst
+dadurch sind.--Die Bewegung, welche sich vorhin als das
+Sich-selbst-vernichten widersprechender Begriffe darstellte, hat also
+hier die _gegenstaendliche_ Form, und ist Bewegung der Kraft, als
+deren Resultat das unbedingt Allgemeine als _Ungegenstaendliches_,
+oder als _Innres_ der Dinge hervorgeht.
+
+Die Kraft ist, wie sie bestimmt worden, indem sie als _solche_, oder
+als _in sich reflektiert_ vorgestellt wird, die eine Seite ihres
+Begriffs; aber als ein substantiiertes Extrem, und zwar das unter der
+Bestimmtheit des Eins gesetzte. Hiemit ist das _Bestehen_ der
+entfalteten Materien aus ihr ausgeschlossen, und ein _Anderes_ als
+sie. Indem es notwendig ist, dass _sie selbst_ dieses _Bestehen_ sei,
+oder dass sie sich _aeussere_, so stellt sich ihre Aeusserung so vor, dass
+_jenes andere_ zu ihr _hinzutritt_, und sie sollizitiert. Aber in
+der Tat, indem sie _notwendig_ sich aeussert, hat sie dies, was als ein
+anderes Wesen gesetzt war, an ihr selbst. Es muss zurueckgenommen
+werden, dass sie als _ein Eins_, und ihr Wesen, sich zu aeussern, als
+ein Anderes zu ihr von aussen Hinzutretendes gesetzt wurde; sie ist
+vielmehr selbst dies allgemeine Medium des Bestehens der Momente als
+Materien; oder _sie hat sich geaeussert_, und was das andere
+Sollizitierende sein sollte, ist sie vielmehr. Sie existiert also
+itzt als das Medium der entfalteten Materien. Aber sie hat gleich
+wesentlich die Form des Aufgehobenseins der bestehenden Materien,
+oder ist wesentlich _Eins_; _dies Eins-sein_ ist hiemit _itzt_, da
+_sie_ gesetzt ist als das Medium von Materien, _ein anderes als sie_,
+und sie hat dies ihr Wesen ausser ihr. Indem sie aber notwendig dies
+sein muss, als was sie _noch nicht_ gesetzt ist, so _tritt dies andere
+hinzu_ und sollizitiert sie zur Reflexion in sich selbst, oder hebt
+ihre Aeusserung auf. In der Tat aber ist _sie selbst_ dieses
+In-sich-reflektiert-sein, oder dies Aufgehobensein der Aeusserung; das
+Einssein verschwindet, _wie_ es erschien, naemlich als _ein anderes_;
+_sie ist es selbst_, sie ist in sich zurueckgedraengte Kraft.
+
+Das, was als Anderes auftritt, und sie sowohl zur Aeusserung als zur
+Rueckkehr in sich selbst sollizitiert, ist, wie sich unmittelbar
+ergibt, _selbst Kraft_; denn das Andre zeigt sich ebensowohl als
+allgemeines Medium wie als Eins; und so, dass jede dieser Gestalten
+zugleich nur als verschwindendes Moment auftritt. Die Kraft ist
+hiemit dadurch, dass ein Anderes fuer sie, und sie fuer ein Anderes ist,
+ueberhaupt noch nicht aus ihrem Begriffe herausgetreten. Es sind aber
+zugleich zwei Kraefte vorhanden; der Begriff beider zwar derselbe,
+aber aus seiner Einheit in die Zweiheit herausgegangen. Statt dass
+der Gegensatz durchaus wesentlich nur Moment bliebe, scheint er sich
+durch die Entzweiung in ganz _selbststaendige Kraefte_ der Herrschaft
+der Einheit entzogen zu haben. Was es mit dieser Selbststaendigkeit
+fuer eine Bewandtnis hat, ist naeher zu sehen. Zunaechst tritt die
+zweite Kraft als das Sollizitierende, und zwar als allgemeines Medium
+seinem Inhalte nach gegen die auf, welche als sollizitierte bestimmt
+ist; indem aber jene wesentlich Abwechslung dieser beiden Momente und
+selbst Kraft ist, so ist sie in der Tat gleichfalls _nur erst_
+allgemeines Medium, _indem sie dazu sollizitiert wird_, und ebenso
+auch nur negative Einheit, oder zum Zurueckgehen der Kraft
+Sollizitierendes, _dadurch, dass sie sollizitiert wird_. Es
+verwandelt sich hiemit auch dieser Unterschied, der zwischen beiden
+stattfand, dass das eine das _Sollizitierende_, das andere das
+_Sollizitierte_ sein sollte, in dieselbe Austauschung der
+Bestimmtheiten gegeneinander.
+
+Das Spiel der beiden Kraefte besteht hiemit in diesem
+entgegengesetzten Bestimmtsein beider, ihrem Fuereinander-sein in
+dieser Bestimmung, und der absoluten unmittelbaren Verwechslung der
+Bestimmungen--einem Uebergange, wodurch allein diese Bestimmungen sind,
+in denen die Kraefte _selbststaendig_ aufzutreten scheinen. Das
+Sollizitierende ist, zum Beispiel, als allgemeines Medium, und
+dagegen das Sollizitierte als zurueckgedraengte Kraft gesetzt; aber
+jenes ist allgemeines Medium selbst nur dadurch, dass das andere
+zurueckgedraengte Kraft ist; oder diese ist vielmehr das
+Sollizitierende fuer jenes, und macht dasselbe erst zum Medium. Jenes
+hat nur durch das andere seine Bestimmtheit, und ist sollizitierend,
+nur insofern es vom andern dazu sollizitiert wird, sollizitierend zu
+sein; und es verliert ebenso unmittelbar diese ihm gegebene
+Bestimmtheit; denn diese geht an das andere ueber oder vielmehr ist
+schon an dasselbe uebergegangen; das fremde die Kraft Sollizitierende
+tritt als allgemeines Medium auf, aber nur dadurch, dass es von ihr
+dazu sollizitiert worden ist; das heisst aber, _sie setzt_ es so und
+_ist_ vielmehr _selbst wesentlich_ allgemeines Medium; sie setzt das
+Sollizitierende so, darum weil diese andere Bestimmung _ihr_
+wesentlich, das heisst, weil _sie vielmehr sie selbst ist._
+
+Zur Vervollstaendigung der Einsicht in den Begriff dieser Bewegung
+kann noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich die Unterschiede
+selbst in einem gedoppelten Unterschiede zeigen, _einmal_ als
+Unterschiede des _Inhalts_, indem das eine Extrem in sich
+reflektierte Kraft, das andere aber Medium der Materien ist; das
+_andremal_ als Unterschiede der _Form_, indem das eine
+Sollizitierendes, das andre Sollizitiertes, jenes taetig, dies passiv
+ist. Nach dem Unterschiede des Inhalts _sind_ sie ueberhaupt, oder
+fuer uns unterschieden; nach dem Unterschiede der Form aber sind sie
+selbststaendig, in ihrer Beziehung sich voneinander selbst abscheidend
+und entgegengesetzt. Dass so die Extreme nach diesen beiden Seiten
+nichts _an sich_, sondern diese Seiten, worin ihr unterschiedenes
+Wesen bestehen sollte, nur verschwindende Momente, ein unmittelbares
+Uebergehen jeder in die entgegengesetzte sind, dies wird fuer das
+Bewusstsein in der Wahrnehmung der Bewegung der Kraft. Fuer uns aber
+war, wie oben erinnert, auch noch dies, dass an sich die Unterschiede
+als _Unterschiede des Inhalts und der Form_ verschwanden, und auf der
+Seite der Form dem Wesen nach das _taetige, sollizitierende_ oder
+_Fuer-sich-seiende_ dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als in
+sich zurueckgedraengte Kraft; das passive, _sollizitierte_, oder
+Fuer-ein-Anderes-seiende auf der Seite der Form dasselbe, was auf der
+Seite des Inhalts als allgemeines Medium der vielen Materien sich
+darstellte.
+
+Es ergibt sich hieraus, dass der Begriff der Kraft durch die
+Verdopplung in zwei Kraefte _wirklich_ wird, und wie er dies wird.
+Diese zwei Kraefte existieren als fuer sich seiende Wesen; aber ihre
+Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, dass ihr Sein
+vielmehr ein reines _Gesetztsein durch ein Anderes_ ist, das heisst,
+dass ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des _Verschwindens_ hat.
+Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes fuer sich behielten, und
+nur eine aeussere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre
+Beruehrung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser
+Mitte und Beruehrung. Es ist darin unmittelbar ebensowohl das
+In-sich-zurueckgedraengt- oder _das Fuer-sich-sein_ der Kraft wie die
+Aeusserung, das Sollizitieren wie das Sollizitiertsein; diese Momente
+hiemit nicht an zwei selbststaendige Extreme verteilt, welche sich nur
+eine entgegengesetzte Spitze boeten, sondern ihr Wesen ist dies
+schlechthin, jedes nur durchs andere, und was jede so durchs andre
+ist, unmittelbar nicht mehr zu sein, indem sie es ist. Sie haben
+hiemit in der Tat keine eignen Substanzen, welche sie truegen und
+erhielten. Der _Begriff_ der Kraft erhaelt sich vielmehr als _das
+Wesen_ in seiner _Wirklichkeit_ selbst; die _Kraft als wirkliche_ ist
+schlechthin nur in der _Aeusserung_, welche zugleich nichts anders als
+ein Sich-selbst-aufheben ist. Diese _wirkliche_ Kraft vorgestellt
+als frei von ihrer Aeusserung und fuer sich seiend, ist sie die in sich
+zurueckgedraengte Kraft, aber diese Bestimmtheit ist in der Tat, wie
+sich ergeben hat, selbst nur ein Moment der _Aeusserung_. Die Wahrheit
+der Kraft bleibt also nur der _Gedanke_ derselben; und haltungslos
+stuerzen die Momente ihrer Wirklichkeit, ihre Substanzen und ihre
+Bewegung in eine ununterschiedene Einheit zusammen, welche nicht die
+in sich zurueckgedraengte Kraft ist, denn diese ist selbst nur ein
+solches Moment, sondern diese Einheit ist _ihr Begriff, als Begriff_.
+Die Realisierung der Kraft ist also zugleich Verlust der Realitaet;
+sie ist darin vielmehr ein ganz Anderes geworden, naemlich diese
+_Allgemeinheit_, welche der Verstand zuerst oder unmittelbar als ihr
+Wesen erkennt, und welche sich auch als ihr Wesen an ihrer
+seinsollenden Realitaet, an den wirklichen Substanzen erweist.
+
+Insofern wir _das erste_ Allgemeine als den _Begriff_ des Verstandes
+betrachten, worin die Kraft noch nicht fuer sich ist, so ist das
+zweite itzt ihr _Wesen_, wie es sich _an_ und _fuer sich_ darstellt.
+Oder umgekehrt, betrachten wir das erste Allgemeine als das
+_Unmittelbare_, das ein _wirklicher_ Gegenstand fuer das Bewusstsein
+sein sollte, so ist dies zweite als das _Negative_ der sinnlich
+gegenstaendlichen Kraft bestimmt; es ist sie, wie sie in ihrem wahren
+Wesen nur als _Gegenstand des Verstandes_ ist; jenes erste waere die
+in sich zurueckgedraengte Kraft oder sie als Substanz; dies zweite aber
+ist das _Innere_ der Dinge, als _Inneres_, welches mit dem Begriffe
+als Begriff dasselbe ist.
+
+Dieses wahrhafte Wesen der Dinge hat sich itzt so bestimmt, dass es
+nicht unmittelbar fuer das Bewusstsein ist, sondern dass dieses ein
+mittelbares Verhaeltnis zu dem Innern hat, und als Verstand _durch
+diese Mitte des Spiels der Kraefte in den wahren Hintergrund der Dinge
+blickt_. Die Mitte, welche die beiden Extreme, den Verstand und das
+Innere, zusammenschliesst, ist das entwickelte _Sein_ der Kraft, das
+fuer den Verstand selbst nunmehr ein _Verschwinden_ ist. Es heisst
+darum _Erscheinung_; denn Schein nennen wir das _Sein_, das
+unmittelbar an ihm selbst ein _Nichtsein_ ist. Es ist aber nicht nur
+ein Schein, sondern Erscheinung, ein _Ganzes_ des Scheins. Dies
+_Ganze_ als Ganzes oder _Allgemeines_ ist es, was das _Innere_
+ausmacht, das _Spiel der Kraefte_, als _Reflexion_ desselben in sich
+selbst. In ihm sind fuer das Bewusstsein auf gegenstaendliche Weise die
+Wesen der Wahrnehmung _so gesetzt_, wie sie an sich sind, naemlich als
+unmittelbar in das Gegenteil ohne Ruhe und Sein sich verwandelnde
+Momente, das Eins unmittelbar in das Allgemeine, das Wesentliche
+unmittelbar in das Unwesentliche und umgekehrt. Dies Spiel der
+Kraefte ist daher das entwickelte Negative, aber die Wahrheit
+desselben ist das Positive, naemlich das _Allgemeine_, der _an sich_
+seiende Gegenstand.--Das _Sein_ desselben _fuer das_ Bewusstsein ist
+vermittelt durch die Bewegung der _Erscheinung_, worin das _Sein der
+Wahrnehmung_ und das sinnlich Gegenstaendliche ueberhaupt nur negative
+Bedeutung hat, das Bewusstsein also daraus sich in sich als in das
+Wahre reflektiert, aber als Bewusstsein wieder dies Wahre zum
+gegenstaendlichen _Innern_ macht, und diese Reflexion der Dinge von
+seiner Reflexion in sich selbst unterscheidet; wie ihm die
+vermittelnde Bewegung ebenso noch eine gegenstaendliche ist. Dies
+Innere ist ihm daher ein Extrem gegen es; aber es ist ihm darum das
+Wahre, weil es darin als in dem _An-sich_ zugleich die Gewissheit
+seiner selbst oder das Moment seines Fuer-sich-seins hat; aber dieses
+Grundes ist es sich noch nicht bewusst, denn das _Fuer-sich-sein_,
+welches das Innre an ihm selbst haben sollte, waere nichts anderes als
+die negative Bewegung, aber diese ist dem Bewusstsein noch die
+_gegenstaendliche_ verschwindende Erscheinung, noch nicht sein
+_eignes_ Fuer-sich-sein; das Innre ist ihm daher wohl Begriff, aber es
+kennt die Natur des Begriffes noch nicht.
+
+In diesem _innern Wahren_, als dem _absolut Allgemeinen_, welches vom
+_Gegensatze_ des Allgemeinen und Einzelnen gereinigt und _fuer den
+Verstand_ geworden ist, schliesst sich erst ueber der _sinnlichen_ als
+der _erscheinenden Welt_ nunmehr eine _uebersinnliche_ als die _wahre_
+Welt auf, ueber dem verschwindenden _Diesseits_ das bleibende
+_Jenseits_; ein An-sich, welches die erste und darum selbst
+unvollkommene Erscheinung der Vernunft, oder nur das reine Element
+ist, worin die Wahrheit ihr _Wesen_ hat.
+
+_Unser Gegenstand_ ist hiemit nunmehr der Schluss, welcher zu seinen
+Extremen, das Innere der Dinge, und den Verstand, und zu seiner Mitte
+die Erscheinung hat; die Bewegung dieses Schlusses aber gibt die
+weitere Bestimmung dessen, was der Verstand durch die Mitte hindurch
+im Innern erblickt, und die Erfahrung, welche er ueber dieses
+Verhaeltnis des Zusammengeschlossenseins macht.
+
+Noch ist das Innere _reines Jenseits_ fuer das Bewusstsein, denn es
+findet sich selbst in ihm noch nicht; es ist _leer_, denn es ist nur
+das Nichts der Erscheinung und positiv das einfache Allgemeine.
+Diese Weise des Innern zu sein, stimmt unmittelbar denjenigen bei,
+welche sagen, dass das Innre der Dinge nicht zu erkennen sei; aber der
+Grund wuerde anders gefasst werden muessen. Von diesem Innern, wie es
+hier unmittelbar ist, ist allerdings keine Kenntnis vorhanden, aber
+nicht deswegen, weil die Vernunft zu kurzsichtig, oder beschraenkt,
+oder wie man es sonst nennen will, waere; worueber hier noch nichts
+bekannt ist, denn so tief sind wir noch nicht eingedrungen; sondern
+um der einfachen Natur der Sache selbst willen, weil naemlich im
+_Leeren_ nichts erkannt wird, oder von der andern Seite ausgesprochen,
+weil es eben als das _Jenseits_ des Bewusstseins bestimmt ist.--Das
+Resultat ist freilich dasselbe, wenn ein Blinder in den Reichtum der
+uebersinnlichen Welt--wenn sie einen hat, er sei nun eigentuemlicher
+Inhalt derselben, oder das Bewusstsein selbst sei dieser Inhalt--und
+wenn ein Sehender in die reine Finsternis, oder wenn man will, in das
+reine Licht, wenn sie nur dieses ist, gestellt wird; der Sehende
+sieht in seinem reinen Lichte so wenig als in seiner reinen
+Finsternis, und gerade so viel als der Blinde in der Fuelle des
+Reichtums, der vor ihm laege. Wenn es mit dem Innern und dem
+Zusammengeschlossensein mit ihm durch die Erscheinung weiter nichts
+waere, so bliebe nichts uebrig, als sich an die Erscheinung zu halten,
+das heisst, etwas als wahr zu nehmen, von dem wir wissen, dass es nicht
+wahr ist; oder damit doch in dem leeren, welches zwar erst als
+Leerheit von gegenstaendlichen Dingen geworden, aber, _als Leerheit an
+sich_, auch fuer die Leerheit aller geistigen Verhaeltnisse und der
+Unterschiede des Bewusstseins als Bewusstseins genommen werden
+muss--damit also in diesem so _ganz Leeren_, welches auch das
+_Heilige_ genannt wird, doch etwas sei, es mit Traeumereien,
+_Erscheinungen_, die das Bewusstsein sich selbst erzeugt, zu erfuellen;
+es muesste sich gefallen lassen, dass so schlecht mit ihm umgegangen
+wird, denn es waere keines bessern wuerdig, indem Traeumereien selbst
+noch besser sind als seine Leerheit.
+
+Das Innere oder das uebersinnliche Jenseits ist aber _entstanden_, es
+_kommt_ aus der Erscheinung her, und sie ist seine Vermittlung; oder
+_die Erscheinung ist sein Wesen_, und in der Tat seine Erfuellung.
+Das Uebersinnliche ist das Sinnliche und Wahrgenommene gesetzt, wie es
+in _Wahrheit_ ist; die _Wahrheit_ des _Sinnlichen_ und Wahrgenommenen
+aber ist, _Erscheinung_ zu sein. Das Uebersinnliche ist also die
+_Erscheinung_ als _Erscheinung_.--Wenn dabei gedacht wird, das
+Uebersinnliche sei _also_ die sinnliche Welt, oder die Welt, wie sie
+_fuer die unmittelbare sinnliche Gewissheit und Wahrnehmung ist_, so
+ist dies ein verkehrtes Verstehen; denn die Erscheinung ist vielmehr
+_nicht_ die Welt des sinnlichen Wissens und Wahrnehmens als seiende,
+sondern sie _als aufgehobene_ oder in Wahrheit _als innere gesetzt_.
+Es pflegt gesagt zu werden, das Uebersinnliche sei _nicht_ die
+Erscheinung; dabei wird aber unter der Erscheinung nicht die
+Erscheinung verstanden, sondern vielmehr die _sinnliche_ Welt, als
+selbst reelle Wirklichkeit.
+
+Der Verstand, welcher unser Gegenstand ist, befindet sich auf eben
+dieser Stelle, dass ihm das Innere nur erst als das allgemeine noch
+unerfuellte _An-sich_ geworden; das Spiel der Kraefte hat nur eben
+diese negative Bedeutung, nicht an sich und nur diese positive, das
+_Vermittelnde_, aber ausser ihm zu sein. Seine Beziehung auf das
+Innre durch die Vermittlung aber ist seine Bewegung, durch welche es
+sich ihm erfuellen wird.--_Unmittelbar_ fuer ihn ist das Spiel der
+Kraefte; das _Wahre_ aber ist ihm das einfache Innre; die Bewegung der
+Kraft ist daher ebenso nur als _Einfaches_ ueberhaupt das Wahre. Von
+diesem Spiele der Kraefte haben wir aber gesehen, dass es diese
+Beschaffenheit hat, dass die Kraft, welche _sollizitiert_ wird von
+einer andern Kraft, ebenso das _Sollizitierende_ fuer diese andere ist,
+welche selbst erst hierdurch sollizitierende wird. Es ist hierin
+ebenso nur der unmittelbare Wechsel oder das absolute Austauschen der
+_Bestimmtheit_ vorhanden, welche den einzigen _Inhalt_ des
+Auftretenden ausmacht; entweder allgemeines Medium oder negative
+Einheit zu sein. Es hoert in seinem bestimmten Auftreten selbst
+unmittelbar auf, das zu sein, als was es auftritt; es sollizitiert
+durch sein bestimmtes Auftreten die andere Seite, die sich hiedurch
+_aeussert_; das heisst, diese ist unmittelbar itzt das, was die erste
+sein sollte. Diese beiden Seiten, das _Verhaeltnis_ des
+Sollizitierens und das _Verhaeltnis_ des bestimmten entgegengesetzten
+Inhalts ist _jedes fuer sich_ die absolute Verkehrung und Verwechslung.
+Aber diese beiden Verhaeltnisse sind selbst wieder dasselbe, und der
+Unterschied der _Form_, das Sollizitierte und das Sollizitierende zu
+sein, ist dasselbe, was der Unterschied des _Inhalts_ ist, das
+Sollizitierte als solches, naemlich das passive Medium; das
+Sollizitierende hingegen das taetige, die negative Einheit oder das
+Eins. Hiedurch verschwindet aller Unterschied _besonderer Kraefte_,
+die in dieser Bewegung vorhanden sein sollten, gegeneinander
+ueberhaupt; denn sie beruhten allein auf jenen Unterschieden; und der
+Unterschied der Kraefte faellt ebenso mit jenen beiden nur in einen
+zusammen. Es ist also weder die Kraft noch das Sollizitieren und
+Sollizitiert-werden, noch die Bestimmtheit, bestehendes Medium und in
+sich reflektierte Einheit zu sein, weder einzeln fuer sich etwas, noch
+sind es verschiedene Gegensaetze; sondern was in diesem absoluten
+Wechsel ist, ist nur der _Unterschied als allgemeiner_ oder als ein
+solcher, in welchen sich die vielen Gegensaetze reduziert haben.
+Dieser _Unterschied als allgemeiner_ ist daher _das Einfache an dem
+Spiele der Kraft selbst_, und das Wahre desselben; er ist das _Gesetz
+der Kraft_.
+
+Zu dem _einfachen Unterschiede_ wird die absolut wechselnde
+Erscheinung, durch ihre Beziehung auf die Einfachheit des Innern oder
+des Verstandes. Das Innre ist zunaechst nur das an sich Allgemeine;
+dies an sich einfache _Allgemeine_ ist aber wesentlich ebenso absolut
+der _allgemeine Unterschied_; denn es ist das Resultat des Wechsels
+selbst, oder der Wechsel ist sein Wesen; aber der Wechsel, als im
+Innern gesetzt, wie er in Wahrheit ist, in dasselbe hiemit als ebenso
+absolut allgemeiner, beruhigter, sich gleich bleibender Unterschied
+aufgenommen. Oder die Negation ist wesentliches Moment des
+Allgemeinen, und sie oder die Vermittlung also im Allgemeinen ist
+_allgemeiner Unterschied_. Er ist im _Gesetze_ ausgedrueckt, als dem
+_bestaendigen_ Bilde der unsteten Erscheinung. Die _uebersinnliche_
+Welt ist hiemit ein _ruhiges Reich von Gesetzen_, zwar jenseits der
+wahrgenommenen Welt, denn diese stellt das Gesetz nur durch
+bestaendige Veraenderung dar, aber in ihr ebenso _gegenwaertig_, und ihr
+unmittelbares stilles Abbild.
+
+Dies Reich der Gesetze ist zwar die Wahrheit des Verstandes, welche
+an dem Unterschiede, der in dem Gesetze ist, den _Inhalt_ hat; es ist
+aber zugleich nur seine _erste Wahrheit_, und fuellt die Erscheinung
+nicht aus. Das Gesetz ist in ihr gegenwaertig, aber es ist nicht ihre
+ganze Gegenwart; es hat unter immer andern Umstaenden eine immer
+andere Wirklichkeit. Es bleibt dadurch der Erscheinung _fuer sich_
+eine Seite, welche nicht im Innern ist; oder sie ist in Wahrheit noch
+nicht als _Erscheinung_, als _aufgehobenes_ Fuer-sich-sein gesetzt.
+Dieser Mangel des Gesetzes muss sich an ihm selbst ebenso hervortun.
+Was ihm zu mangeln scheint, ist, dass es zwar den Unterschied selbst
+an ihm hat, aber als allgemeinen, unbestimmten. Insofern es aber
+nicht _das_ Gesetz ueberhaupt, sondern _ein_ Gesetz ist, hat es die
+Bestimmtheit an ihm; und es sind damit unbestimmt _viele_ Gesetze
+vorhanden. Allein diese Vielheit ist vielmehr selbst ein Mangel; sie
+widerspricht naemlich dem Prinzip des Verstandes, welchem als
+Bewusstsein des einfachen Innern, die an sich allgemeine _Einheit_ das
+Wahre ist. Die vielen Gesetze muss er darum vielmehr in _ein_ Gesetz
+zusammenfallen lassen. Wie zum Beispiel das Gesetz, nach welchem der
+Stein faellt, und das Gesetz, nach welchem die himmlischen Sphaeren
+sich bewegen, als _ein_ Gesetz begriffen worden ist. Mit diesem
+Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre Bestimmtheit; das
+Gesetz wird immer oberflaechlicher, und es ist damit in der Tat nicht
+die Einheit _dieser bestimmten_ Gesetze, sondern ein ihre
+Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das _eine_ Gesetz,
+welches die Gesetze des Falles der Koerper an der Erde und der
+himmlischen Bewegung in sich vereint, sie beide in der Tat nicht
+ausdrueckt. Die Vereinigung aller Gesetze in der _allgemeinen
+Attraktion_ drueckt keinen Inhalt weiter aus als eben den _blossen
+Begriff des Gesetzes selbst_, der darin als _seiend_ gesetzt ist.
+Die allgemeine Attraktion sagt nur dies, dass _alles einen bestaendigen
+Unterschied zu anderem_ hat. Der Verstand meint dabei, ein
+allgemeines Gesetz gefunden zu haben, welches die allgemeine
+Wirklichkeit _als solche_ ausdruecke; aber hat in der Tat nur den
+_Begriff_ des _Gesetzes selbst_ gefunden; jedoch so, dass er zugleich
+dies damit aussagt, _alle_ Wirklichkeit ist _an ihr selbst_
+gesetzmaessig. Der Ausdruck der _allgemeinen Attraktion_ hat darum
+insofern grosse Wichtigkeit, als er gegen das gedankenlose
+_Vorstellen_ gerichtet ist, welchem alles in der Gestalt der
+Zufaelligkeit sich darbietet, und welchem die Bestimmtheit die Form
+der sinnlichen Selbststaendigkeit hat.
+
+Es steht somit den bestimmten Gesetzen die allgemeine Attraktion,
+oder der reine Begriff des Gesetzes, gegenueber. Insofern dieser
+reine Begriff, als das Wesen, oder als das wahre Innere betrachtet
+wird, gehoert die _Bestimmtheit_ des bestimmten Gesetzes selbst noch
+der Erscheinung oder vielmehr dem sinnlichen Sein an. Allein der
+reine _Begriff_ des Gesetzes geht nicht nur ueber das Gesetz, welches,
+selbst ein _bestimmtes_, _andern bestimmten_ Gesetzen gegenuebersteht,
+sondern er geht auch _ueber das Gesetz_ als solches hinaus. Die
+Bestimmtheit, von welcher die Rede war, ist eigentlich selbst nur
+verschwindendes Moment, welches hier nicht mehr als Wesenheit
+vorkommen kann; denn es ist nur das Gesetz als das Wahre vorhanden;
+aber der _Begriff_ des Gesetzes ist gegen _das Gesetz_ selbst gekehrt.
+An dem Gesetze naemlich ist der Unterschied selbst _unmittelbar_
+aufgefasst und in das Allgemeine aufgenommen, damit aber ein
+_Bestehen_ der Momente, deren Beziehung es ausdrueckt, als
+gleichgueltiger und an sich seiender Wesenheiten. Diese Teile des
+Unterschieds am Gesetze sind aber zugleich selbst bestimmte Seiten;
+der reine Begriff des Gesetzes als allgemeine Attraktion muss in
+seiner wahren Bedeutung so aufgefasst werden, dass in ihm als absolut
+_Einfachem_ die _Unterschiede_, die an dem Gesetze als solchem
+vorhanden sind, selbst wieder _in das Innre als einfache Einheit
+zurueckgehen_; sie ist die innre _Notwendigkeit_ des Gesetzes.
+
+Das Gesetz ist dadurch auf eine gedoppelte Weise vorhanden, das
+einemal als Gesetz, an dem die Unterschiede als selbststaendige
+Momente ausgedrueckt sind; das anderemal in der Form des _einfachen_
+In-sich-Zurueckgegangen-seins, welche wieder _Kraft_ genannt werden
+kann, aber so, dass sie nicht die zurueckgedraengte, sondern die Kraft
+ueberhaupt oder als der Begriff der Kraft ist, eine Abstraktion,
+welche die Unterschiede dessen, was attrahiert und attrahiert wird,
+selbst in sich zieht. So ist, zum Beispiel, die _einfache_
+Elektrizitaet die _Kraft_; der Ausdruck des Unterschieds aber faellt in
+_das Gesetz_; dieser Unterschied ist positive und negative
+Elektrizitaet. Bei der Bewegung des Falles ist die _Kraft_ das
+einfache, die _Schwere_, welche das _Gesetz_ hat, dass die Groessen der
+unterschiedenen Momente der Bewegung, der verflossenen _Zeit_, und
+des durchlaufenen _Raums_, sich wie Wurzel und Quadrat zueinander
+verhalten. Die Elektrizitaet selbst ist nicht der Unterschied an sich
+oder in ihrem Wesen das Doppelwesen von positiver und negativer
+Elektrizitaet; daher man zu sagen pflegt, sie _habe_ das Gesetz, auf
+diese Weise _zu sein_, auch wohl, sie _habe die Eigenschaft_, so sich
+zu aeussern. Diese Eigenschaft ist zwar wesentliche und einzige
+Eigenschaft dieser Kraft, oder sie ist ihr _notwendig_. Aber die
+Notwendigkeit ist hier ein leeres Wort; die Kraft _muss_ eben, _weil_
+sie _muss_, so sich verdoppeln. Wenn freilich _positive_ Elektrizitaet
+gesetzt ist, ist auch _negative an sich_ notwendig; denn das
+_Positive_ ist nur als Beziehung auf ein _Negatives_, oder das
+Positive ist _an ihm selbst_ der Unterschied von sich selbst, wie
+ebenso das Negative. Aber dass die Elektrizitaet als solche sich so
+teile, dies ist nicht an sich das Notwendige; sie als _einfache
+Kraft_ ist gleichgueltig gegen ihr Gesetz, als positive und negative
+_zu sein;_ und wenn wir jenes ihren Begriff, dies aber ihr Sein
+nennen, so ist ihr Begriff gleichgueltig gegen ihr Sein; sie _hat_ nur
+diese Eigenschaft; d.h. eben, es ist ihr nicht _an sich_ notwendig.
+--Diese Gleichgueltigkeit erhaelt eine andere Gestalt, wenn gesagt wird,
+dass es zur _Definition_ der Elektrizitaet gehoert, als positive und
+negative zu sein, oder dass dies schlechthin _ihr Begriff und Wesen_
+ist. Alsdenn hiesse ihr Sein _ihre Existenz_ ueberhaupt; in jener
+Definition liegt aber nicht die _Notwendigkeit ihrer Existenz_; sie
+ist entweder, weil man sie _findet_, das heisst, sie ist gar nicht
+notwendig; oder ihre Existenz ist durch andere Kraefte, das heisst,
+ihre Notwendigkeit ist eine aeussere. Damit aber, dass die
+Notwendigkeit, in die Bestimmtheit _des Seins durch Anderes_ gelegt
+wird, fallen wir wieder in die _Vielheit_ der bestimmten Gesetze
+zurueck, die wir soeben verliessen, um _das Gesetz_ als Gesetz zu
+betrachten; nur mit diesem ist sein _Begriff_ als Begriff oder seine
+Notwendigkeit zu vergleichen, die sich aber in allen diesen Formen
+nur noch als ein leeres Wort gezeigt hat.
+
+Noch auf andere als die angezeigte Weise ist die Gleichgueltigkeit des
+Gesetzes und der Kraft, oder des Begriffs und des Seins vorhanden.
+In dem Gesetze der Bewegung z.B. ist es notwendig, dass die Bewegung
+in Zeit und Raum sich _teile_, oder dann auch in Entfernung und
+Geschwindigkeit. Indem die Bewegung nur das Verhaeltnis jener Momente
+ist, so ist sie, das Allgemeine, hier wohl _an sich selbst_ geteilt;
+aber nun druecken diese Teile, Zeit und Raum, oder Entfernung und
+Geschwindigkeit, nicht an ihnen diesen Ursprung aus _einem_ aus; sie
+sind gleichgueltig gegeneinander, der Raum wird vorgestellt ohne die
+Zeit, die Zeit ohne den Raum, und die Entfernung wenigstens ohne die
+Geschwindigkeit sein zu koennen--so wie ihre Groessen gleichgueltig
+gegeneinander sind; indem sie sich nicht _wie Positives und
+Negatives_ verhalten, hiemit nicht durch _ihr Wesen_ aufeinander
+beziehen. Die Notwendigkeit der _Teilung_ ist also hier wohl
+vorhanden; aber nicht der _Teile_ als solcher fuereinander. Darum ist
+aber auch jene erste selbst nur eine vorgespiegelte falsche
+Notwendigkeit; die Bewegung ist naemlich nicht selbst als _einfaches_
+oder als reines Wesen vorgestellt; sondern _schon_ als geteilt; Zeit
+und Raum sind ihre _selbststaendigen_ Teile oder _Wesen an ihnen
+selbst_, oder Entfernung und Geschwindigkeit Weisen des Seins oder
+Vorstellens, deren eine wohl ohne die andere sein kann, und die
+Bewegung daher nur ihre _oberflaechliche_ Beziehung, nicht ihr Wesen.
+Als einfaches Wesen oder als Kraft vorgestellt ist sie wohl die
+_Schwere_, welche aber diese Unterschiede ueberhaupt nicht in ihr
+enthaelt.
+
+Der Unterschied also ist in beiden Faellen kein _Unterschied an sich
+selbst_; entweder ist das Allgemeine, die Kraft, gleichgueltig gegen
+die Teilung, welche im Gesetze ist, oder die Unterschiede, Teile des
+Gesetzes sind es gegeneinander. Der Verstand _hat_ aber den Begriff
+_dieses Unterschiedes an sich_, eben darin, dass das Gesetz einesteils
+das Innre, _An-sich_-seiende, aber _an ihm_ zugleich _Unterschiedne_
+ist; dass dieser Unterschied hiemit _innrer_ Unterschied sei, ist
+darin vorhanden, dass das Gesetz _einfache_ Kraft, oder als _Begriff_
+desselben ist, also ein _Unterschied des Begriffes_. Aber dieser
+innre Unterschied faellt nur erst noch _in den Verstand_; und ist noch
+nicht _an der Sache selbst gesetzt_. Es ist also nur die _eigne_
+Notwendigkeit, was der Verstand ausspricht; einen Unterschied, den er
+also nur so macht, dass er es zugleich ausdrueckt, dass der Unterschied
+kein _Unterschied der Sache selbst sei_. Diese Notwendigkeit, die
+nur im Worte liegt, ist hiemit die Hererzaehlung der Momente, die den
+Kreis derselben ausmachen; sie werden zwar unterschieden, ihr
+Unterschied aber zugleich, kein Unterschied der Sache selbst zu sein,
+ausgedrueckt, und daher selbst sogleich wieder aufgehoben; diese
+Bewegung heisst _Erklaeren_. Es wird also ein _Gesetz_ ausgesprochen,
+von diesem wird sein an sich Allgemeines, oder der Grund, als die
+_Kraft_, unterschieden; aber von diesem Unterschiede wird gesagt, dass
+er keiner, sondern vielmehr der Grund ganz so beschaffen sei wie das
+Gesetz. Die einzelne Begebenheit des Blitzes zum Beispiel wird als
+Allgemeines aufgefasst, und dies Allgemeine als das _Gesetz_ der
+Elektrizitaet ausgesprochen: die Erklaerung fasst alsdenn das _Gesetz_
+in die _Kraft_ zusammen, als das Wesen des Gesetzes. Diese Kraft ist
+dann _so beschaffen_, dass, wenn sie sich aeussert, entgegengesetzte
+Elektrizitaeten hervortreten, die wieder ineinander verschwinden, das
+heisst, _die Kraft ist gerade so beschaffen wie das Gesetz_; es wird
+gesagt, dass beide gar nicht unterschieden seien. Die Unterschiede
+sind die reine allgemeine Aeusserung oder das Gesetz, und die reine
+Kraft; beide haben aber _denselben_ Inhalt, _dieselbe_ Beschaffenheit;
+der Unterschied als Unterschied des Inhalts, d.h. der _Sache_ wird
+also auch wieder zurueckgenommen.
+
+In dieser tautologischen Bewegung beharrt, wie sich ergibt, der
+Verstand bei der ruhigen Einheit seines Gegenstandes, und die
+Bewegung faellt nur in ihn selbst, nicht in den Gegenstand; sie ist
+ein Erklaeren, das nicht nur nichts erklaert, sondern so klar ist, dass
+es, indem es Anstalten macht, etwas Unterschiedenes von dem schon
+Gesagten zu sagen, vielmehr nichts sagt, sondern nur dasselbe
+wiederholt. An der Sache selbst entsteht durch diese Bewegung nichts
+Neues, sondern sie kommt als Bewegung des Verstandes in Betracht. In
+ihr aber erkennen wir nun eben dasjenige, was an dem Gesetze vermisst
+wurde, naemlich den absoluten Wechsel selbst, denn diese _Bewegung_,
+wenn wir sie naeher betrachten, ist unmittelbar das Gegenteil ihrer
+selbst. Sie setzt naemlich _einen Unterschied_, welcher nicht nur fuer
+uns _kein Unterschied_ ist, sondern welchen sie selbst als
+Unterschied aufhebt. Es ist dies derselbe Wechsel, der sich als das
+Spiel der Kraefte darstellte; es war in ihm der Unterschied des
+Sollizitierenden und Sollizitierten, der sich aeussernden und der in
+sich zurueckgedraengten Kraft; aber es waren Unterschiede, die in
+Wahrheit keine waren, und sich darum auch unmittelbar wieder aufhoben.
+Es ist nicht nur die blosse Einheit vorhanden, so dass _kein
+Unterschied gesetzt_ waere, sondern es ist diese _*Bewegung*_, dass
+_allerdings ein Unterschied gemacht, aber_, weil er keiner ist,
+_wieder aufgehoben wird_.--Mit dem Erklaeren also ist der Wandel und
+Wechsel, der vorhin ausser dem Innern nur an der Erscheinung war, in
+das Uebersinnliche selbst eingedrungen; unser Bewusstsein ist aber aus
+dem Innern als Gegenstande auf die andere Seite in den _Verstand_
+heruebergegangen, und hat in ihm den Wechsel.
+
+Dieser Wechsel ist so noch nicht ein Wechsel der Sache selbst,
+sondern stellt sich vielmehr eben dadurch als _reiner Wechsel_ dar,
+dass der _Inhalt_ der Momente des Wechsels derselbe bleibt. Indem
+aber der _Begriff_ als Begriff des Verstandes dasselbe ist, was das
+_Innre_ der Dinge, so wird _dieser Wechsel als Gesetz des Innern_ fuer
+ihn. Er _erfaehrt_ also, dass es _Gesetz der Erscheinung selbst_ ist,
+dass Unterschiede werden, die keine Unterschiede sind; oder dass das
+_Gleichnamige_ sich von sich selbst _abstoesst_; und ebenso, dass die
+Unterschiede nur solche sind, die in Wahrheit keine sind, und sich
+aufheben; oder dass das _Ungleichnamige_ sich _anzieht_.--Ein _zweites
+Gesetz_, dessen Inhalt demjenigen, was vorher Gesetz genannt wurde,
+naemlich dem sich bestaendigen gleichbleibenden Unterschiede
+entgegengesetzt ist; denn dies neue drueckt vielmehr das
+_Ungleichwerden des Gleichen_, und das _Gleichwerden des Ungleichen_
+aus. Der Begriff mutet der Gedankenlosigkeit zu, beide Gesetze
+zusammenzubringen, und ihrer Entgegensetzung bewusst zu werden.
+--Gesetz ist das zweite freilich auch, oder ein inneres
+sichselbstgleiches Sein, aber eine Sichselbstgleichheit vielmehr der
+Ungleichheit, eine Bestaendigkeit der Unbestaendigkeit.--An dem Spiele
+der Kraefte ergab sich dieses Gesetz als eben dieses absolute
+Uebergehen, und als reiner Wechsel; das _Gleichnamige_, die Kraft,
+_zersetzt_ sich in einen Gegensatz, der zunaechst als ein
+selbststaendiger Unterschied erscheint, aber welcher sich in der Tat
+_keiner zu sein_ erweist; denn es ist das _Gleichnamige_, was sich
+von sich selbst abstoesst, und dies Abgestossene zieht sich daher
+wesentlich an, denn es ist _dasselbe_; der gemachte Unterschied, da
+er keiner ist, hebt sich also wieder auf. Er stellt sich hiemit als
+Unterschied _der Sache selbst_, oder als absoluter Unterschied dar,
+und dieser Unterschied der _Sache_ ist also nichts anders als das
+Gleichnamige, das sich von sich abgestossen hat, und daher nur einen
+Gegensatz setzt, der keiner ist.
+
+Durch dies Prinzip wird das erste Uebersinnliche, das ruhige Reich der
+Gesetze, das unmittelbare Abbild der wahrgenommenen Welt in sein
+Gegenteil umgekehrt; das Gesetz war ueberhaupt das sich
+_Gleichbleibende_, wie seine Unterschiede; itzt aber ist gesetzt, dass
+beides vielmehr das Gegenteil seiner selbst ist; das sich _Gleiche_
+stoesst sich vielmehr von sich ab, und das sich Ungleiche setzt sich
+vielmehr als das sich Gleiche. In der Tat ist nur mit dieser
+Bestimmung der Unterschied der _innre_, oder Unterschied _an sich
+selbst_, indem das Gleiche sich ungleich, das Ungleiche sich gleich
+ist.--_Diese zweite uebersinnliche Welt_ ist auf diese Weise die
+_verkehrte_ Welt; und zwar, indem eine Seite schon an der ersten
+uebersinnlichen Welt vorhanden ist, die _verkehrte_ dieser _ersten_.
+Das Innere ist damit als Erscheinung vollendet. Denn die erste
+uebersinnliche Welt war nur die _unmittelbare_ Erhebung der
+wahrgenommenen Welt in das allgemeine Element; sie hatte ihr
+notwendiges Gegenbild an dieser, welche noch _fuer sich das Prinzip
+des Wechsels_ und _der Veraenderung_ behielt; das erste Reich der
+Gesetze entbehrte dessen, erhaelt es aber als verkehrte Welt.
+
+Nach dem Gesetze dieser verkehrten Welt ist also das _Gleichnamige_
+der ersten das _Ungleiche_ seiner selbst, und das _Ungleiche_
+derselben ist ebenso _ihm selbst ungleich_, oder es wird sich
+_gleich_. An bestimmten Momenten wird dies sich so ergeben, dass was
+im Gesetze der ersten suess, in diesem verkehrten An-sich sauer; was in
+jenem schwarz, in diesem weiss ist. Was im Gesetz der erstern am
+Magnete Nordpol, ist in seinem andern uebersinnlichen An-sich (in der
+Erde naemlich) Suedpol; was aber dort Suedpol ist, hier Nordpol. Ebenso
+was im ersten Gesetze der Elektrizitaet Sauerstoffpol ist, wird in
+seinem andern uebersinnlichen Wesen Wasserstoffpol; und umgekehrt, was
+dort der Wasserstoffpol ist, wird hier der Sauerstoffpol. In einer
+andern Sphaere ist nach dem _unmittelbaren Gesetze_ Rache an dem
+Feinde die hoechste Befriedigung der verletzten Individualitaet.
+_Dieses Gesetz_ aber, dem, der mich nicht als Selbstwesen behandelt,
+mich als Wesen gegen ihn zu zeigen, und ihn vielmehr als Wesen
+aufzuheben, ver_kehrt_ sich durch das Prinzip der andern Welt _in das
+entgegengesetzte_, die Wiederherstellung meiner als des Wesens durch
+das Aufheben des fremden Wesens in Selbstzerstoerung. Wenn nun diese
+Verkehrung, welche in der _Strafe_ des Verbrechens dargestellt wird,
+zum _Gesetze_ gemacht ist, so ist auch sie wieder nur das Gesetz der
+einen Welt, welche eine ver_kehrte_ uebersinnliche Welt sich
+_gegenueberstehen_ hat, in welcher das, was in jener verachtet ist, zu
+Ehren, was in jener in Ehren steht, in Verachtung kommt. Die nach
+dem _Gesetze der ersten_ den Menschen schaendende und vertilgende
+Strafe verwandelt sich in ihrer _verkehrten Welt_ in die sein Wesen
+erhaltende, und ihn zu Ehren bringende Begnadigung.
+
+Oberflaechlich angesehen ist diese verkehrte Welt so das Gegenteil der
+ersten, dass sie dieselbe ausser ihr hat, und jene erste als eine
+verkehrte _Wirklichkeit_ von sich abstoesst, die _eine_ die
+_Erscheinung_, die _andere_ aber das _An-sich_, die _eine_ ist, wie
+sie _fuer ein anderes_, die _andere_ dagegen, wie sie _fuer sich_ ist;
+so dass, um die vorigen Beispiele zu gebrauchen, was suess schmeckt,
+_eigentlich_, oder _innerlich_ am Dinge, sauer, oder was am
+wirklichen Magnete der Erscheinung Nordpol ist, am _innern oder
+wesentlichen Sein_ Suedpol waere; was an der erscheinenden Elektrizitaet
+als Sauerstoffpol sich darstellt, an der nichterscheinenden
+Wasserstoffpol waere. Oder eine Handlung, die in der _Erscheinung_
+Verbrechen ist, sollte _im Innern_ eigentlich gut sein (eine
+schlechte Handlung eine gute Absicht haben) koennen; die Strafe nur
+_in der Erscheinung_ Strafe, _an sich_ oder in einer andern Welt aber
+Wohltat fuer den Verbrecher sein. Allein solche Gegensaetze von
+Innerem und Aeusserem, von Erscheinung und Uebersinnlichem, als von
+zweierlei Wirklichkeiten, sind hier nicht mehr vorhanden. Die
+abgestossenen Unterschiede verteilen sich nicht von neuem an zwei
+solche Substanzen, welche sie truegen und ihnen ein getrenntes
+Bestehen verliehen; wodurch der Verstand aus dem Innern heraus wieder
+auf seine vorige Stelle zurueckfiele. Die eine Seite oder Substanz
+waere wieder die Welt der Wahrnehmung, worin das eine der beiden
+Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenueber eine innre Welt, _gerade
+eine solche sinnliche Welt_ wie die erste, aber in der _Vorstellung_;
+sie koennte nicht als sinnliche Welt aufgezeigt, nicht gesehen, gehoert,
+geschmeckt werden, und doch wuerde sie vorgestellt, als eine solche
+sinnliche Welt. Aber in der Tat, wenn _das eine Gesetzte_ ein
+Wahrgenommenes ist, und sein _An-sich_, als das Verkehrte desselben,
+ebenso ein _sinnlich Vorgestelltes_, so ist das Saure, was das
+An-sich des _suessen_ Dinges waere, ein so wirkliches Ding wie es, ein
+_saures_ Ding; das Schwarze, welches das An-sich des Weissen waere, ist
+das wirkliche Schwarze; der Nordpol, welcher das An-sich des Suedpols
+ist, ist der _an demselben Magnete vorhandne_ Nordpol; der
+Sauerstoffpol, der das An-sich des Wasserstoffpols ist, der
+_vorhandne_ Sauerstoffpol derselben Saeule. Das _wirkliche_
+Verbrechen aber hat _seine Verkehrung_, und _sein An-sich_ als
+_Moeglichkeit_ in _der Absicht_ als solcher, aber nicht in einer guten;
+denn die Wahrheit der Absicht ist nur die Tat selbst. Das
+Verbrechen seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion in sich oder
+seine Verkehrung an der _wirklichen_ Strafe; diese ist die Aussoehnung
+des Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit.
+Die _wirkliche_ Strafe endlich hat so ihre _verkehrte_ Wirklichkeit
+an ihr, dass sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch
+die Taetigkeit, die es als Strafe hat, _sich selbst aufhebt_, es aus
+taetigem wieder _ruhiges_ und geltendes Gesetz wird, und die Bewegung
+der Individualitaet gegen es, und seiner gegen sie erloschen ist.
+
+Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen
+Seite der uebersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung
+von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente
+des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des
+Unterschieds, als innrer Unterschied, Abstossen des Gleichnamigen als
+Gleichnamigen von sich selbst, und Gleichsein des Ungleichen als
+Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen. Es ist der reine
+Wechsel, oder _die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch zu
+denken_. Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das
+Entgegengesetzte nicht nur _eines von zweien_--sonst waere es ein
+_Seiendes_, und nicht ein Entgegengesetztes--; sondern es ist das
+Entgegengesetzte eines Entgegengesetzten, oder das Andere ist in ihm
+unmittelbar selbst vorhanden. Ich stelle wohl das Gegenteil _hieher_,
+und _dorthin_ das Andere, wovon es das Gegenteil ist; also das
+_Gegenteil_ auf eine Seite, an und fuer sich ohne das andere.
+Ebendarum aber, indem ich hier _das Gegenteil an und fuer sich_ habe,
+ist es das Gegenteil seiner selbst, oder es hat in der Tat das Andere
+unmittelbar an ihm selbst.--So hat die uebersinnliche Welt, welche die
+verkehrte ist, ueber die andere zugleich uebergriffen, und sie an sich
+selbst; sie ist fuer sich die verkehrte, d.h. die verkehrte ihrer
+selbst; sie ist sie selbst, und ihre entgegengesetzte in _einer_
+Einheit. Nur so ist sie der Unterschied als _innerer_, oder
+Unterschied _an sich selbst_, oder ist als _Unendlichkeit_.
+
+Durch die Unendlichkeit sehen wir das Gesetz zur Notwendigkeit an ihm
+selbst vollendet, und alle Momente der Erscheinung in das Innre
+aufgenommen. Das Einfache des Gesetzes ist die Unendlichkeit, heisst
+nach dem, was sich ergeben hat, a) es ist ein _Sichselbst_gleiches,
+welches aber der _Unterschied_ an sich ist; oder es ist Gleichnamiges,
+welches sich von sich selbst abstoesst, oder sich entzweit. Dasjenige,
+was die _einfache_ Kraft genannt wurde, _verdoppelt_ sich selbst,
+und ist durch ihre Unendlichkeit das Gesetz. b) Das Entzweite,
+welches die in dem _Gesetze_ vorgestellten Teile ausmacht, stellt
+sich als Bestehendes dar; und sie ohne den Begriff des innern
+Unterschiedes betrachtet, ist der Raum und die Zeit, oder die
+Entfernung und die Geschwindigkeit, welche als Momente der Schwere
+auftreten, sowohl gleichgueltig und ohne Notwendigkeit fuereinander als
+fuer die Schwere selbst, so wie diese einfache Schwere gegen sie, oder
+die einfache Elektrizitaet gegen das Positive und Negative ist. g)
+Durch den Begriff des innern Unterschiedes aber ist dies Ungleiche
+und Gleichgueltige, Raum und Zeit u.s.f. ein _Unterschied_, welcher
+kein _Unterschied_ ist, oder nur ein Unterschied des _Gleichnamigen_,
+und sein Wesen die Einheit; sie sind als Positives und Negatives
+gegeneinander begeistet, und ihr Sein ist dieses vielmehr, sich als
+Nichtsein zu setzen, und in der Einheit aufzuheben. Es bestehen
+beide unterschiedne, sie sind _an sich_, sie sind _an sich als
+Entgegengesetzte_, d.h. das Entgegengesetzte ihrer selbst, sie haben
+ihr Anderes an ihnen und sind nur _eine_ Einheit.
+
+Diese einfache Unendlichkeit oder der absolute Begriff ist das
+einfache Wesen des Lebens, die Seele der Welt, das allgemeine Blut zu
+nennen, welches allgegenwaertig durch keinen Unterschied getruebt noch
+unterbrochen wird, das vielmehr selbst alle Unterschiede ist, so wie
+ihr Aufgehobensein, also in sich pulsiert, ohne sich zu bewegen, in
+sich erzittert, ohne unruhig zu sein. Sie ist sich_selbstgleich_,
+denn die Unterschiede sind tautologisch, es sind Unterschiede, die
+keine sind. Dieses sichselbstgleiche Wesen bezieht sich daher nur
+auf sich selbst; _auf sich selbst_, so ist dies ein anderes, worauf
+die Beziehung geht, und das _Beziehen auf sich selbst_ ist vielmehr
+_das Entzweien_, oder eben jene Sichselbstgleichheit ist innerer
+Unterschied. Diese _Entzweiten_ sind somit _an und fuer sich selbst_,
+jedes ein Gegenteil--_eines Andern_, so ist darin schon das _Andere_
+mit ihm zugleich ausgesprochen; oder es ist nicht das Gegenteil
+_eines Andern_ sondern nur _das reine Gegenteil_, so ist es also an
+ihm selbst das Gegenteil seiner; oder es ist ueberhaupt nicht ein
+Gegenteil, sondern rein fuer sich, ein reines sich selbst gleiches
+Wesen, das keinen Unterschied an ihm hat, so brauchen wir nicht zu
+fragen, noch weniger das Gequaele mit solcher Frage fuer die
+Philosophie anzusehen, oder gar sie ihr fuer unbeantwortlich
+halten--_wie_ aus diesem reinen Wesen, wie aus ihm _heraus_ der
+Unterschied oder das Anderssein komme; denn es ist schon die
+Entzweiung geschehen, der Unterschied ist aus dem sich selbst
+Gleichen ausgeschlossen, und ihm zur Seite gestellt worden; was _das
+sich selbst Gleiche_ sein sollte, ist also schon eins der Entzweiten
+viel mehr, als dass es das absolute Wesen waere. Das _sich selbst
+Gleiche entzweit sich_, heisst darum ebensosehr, es hebt sich als
+schon Entzweites, es hebt sich als Anderssein auf. Die _Einheit_,
+von welcher gesagt zu werden pflegt, dass der Unterschied nicht aus
+ihr herauskommen koenne, ist in der Tat selbst nur das _eine_ Moment
+der Entzweiung; sie ist die Abstraktion der Einfachheit, welche dem
+Unterschiede gegenueber ist. Aber indem sie die Abstraktion, nur das
+eine der Entgegengesetzten ist, so ist es schon gesagt, dass sie das
+Entzweien ist; denn ist die Einheit ein _Negatives_, ein
+_Entgegengesetztes_, so ist sie eben gesetzt als das, welches die
+Entgegensetzung an ihm hat. Die Unterschiede von _Entzweiung_ und
+_Sich-selbst-gleich-werden_ sind darum ebenso nur _diese Bewegung des
+Sich-aufhebens_; denn indem das Sichselbstgleiche, welches sich erst
+entzweien oder zu seinem Gegenteile werden soll, eine Abstraktion
+oder _schon selbst_ ein Entzweites ist, so ist sein Entzweien hiemit
+ein Aufheben dessen, was es ist, und also das Aufheben seines
+Entzweitseins. Das _Sich-selbst-gleich-werden_ ist ebenso ein
+Entzweien; was sich _selbst gleich_ wird, tritt damit der Entzweiung
+gegenueber; das heisst, es stellt selbst sich damit _auf die Seite_,
+oder es _wird_ vielmehr ein _Entzweites_.
+
+Die Unendlichkeit oder diese absolute Unruhe des reinen
+Sich-selbst-bewegens, dass, was auf irgendeine Weise, zum Beispiel als
+Sein, bestimmt ist, vielmehr das Gegenteil dieser Bestimmtheit ist,
+ist zwar schon die Seele alles bisherigen gewesen, aber im _Innern_
+erst ist sie selbst frei hervorgetreten. Die Erscheinung oder das
+Spiel der Kraefte stellt sie selbst schon dar, aber als _Erklaeren_
+tritt sie zunaechst frei hervor; und indem sie endlich fuer das
+Bewusstsein Gegenstand ist, _als das, was sie ist_, so ist das
+Bewusstsein _Selbstbewusstsein_. Das _Erklaeren_ des Verstandes macht
+zunaechst nur die Beschreibung dessen, was das Selbstbewusstsein ist.
+Er hebt die im Gesetze vorhandenen schon rein gewordenen, aber noch
+gleichgueltigen Unterschiede auf, und setzt sie in _einer_ Einheit,
+der Kraft. Dies Gleichwerden ist aber ebenso unmittelbar ein
+Entzweien, denn er hebt die Unterschiede nur dadurch auf, und setzt
+dadurch das Eins der Kraft, dass er einen neuen Unterschied macht, von
+Gesetz und Kraft, der aber zugleich kein Unterschied ist; und hiezu,
+dass dieser Unterschied ebenso kein Unterschied ist, geht er selbst
+darin fort, dass er diesen Unterschied wieder aufhebt, indem er die
+Kraft ebenso beschaffen sein laesst als das Gesetz.--Diese Bewegung
+oder Notwendigkeit ist aber so noch Notwendigkeit und Bewegung des
+Verstandes, oder sie _als solche_ ist _nicht sein Gegenstand_,
+sondern er hat in ihr positive und negative Elektrizitaet, Entfernung,
+Geschwindigkeit, Anziehungskraft, und tausend andere Dinge zu
+Gegenstaenden, welche den Inhalt der Momente der Bewegung ausmachen.
+In dem Erklaeren ist eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das
+Bewusstsein dabei, es so auszudruecken, in unmittelbarem
+Selbstgespraeche mit sich, nur sich selbst geniesst, dabei zwar etwas
+anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit sich selbst
+herumtreibt.
+
+In dem entgegengesetzten Gesetze als der Verkehrung des ersten
+Gesetzes, oder in dem innern Unterschiede wird zwar die Unendlichkeit
+selbst _Gegenstand_ des Verstandes, aber er verfehlt sie als solche
+wieder, indem er den Unterschied an sich, das Sich-selbst-abstossen
+des Gleichnamigen, und die Ungleichen, die sich anziehen, wieder an
+zwei Welten, oder an zwei substantielle Elemente verteilt; die
+_Bewegung_, wie sie in der Erfahrung ist, ist ihm hier ein Geschehen,
+und das Gleichnamige und das Ungleiche _Praedikate_, deren Wesen ein
+seiendes Substrat ist. Dasselbe, was ihm in sinnlicher Huelle
+Gegenstand ist, ist es uns in seiner wesentlichen Gestalt, als reiner
+Begriff. Dies Auffassen des Unterschieds, wie er _in Wahrheit_ ist,
+oder das Auffassen der _Unendlichkeit_ als solcher, ist _fuer uns_,
+oder _an sich_. Die Exposition ihres Begriffs gehoert der
+Wissenschaft an; das Bewusstsein aber, wie es ihn _unmittelbar_ hat,
+tritt wieder als eigne Form oder neue Gestalt des Bewusstseins auf,
+welche in dem vorhergehenden ihr Wesen nicht erkennt, sondern es fuer
+etwas ganz anderes ansieht.--Indem ihm dieser Begriff der
+Unendlichkeit Gegenstand ist, ist es also Bewusstsein des Unterschieds
+als eines _unmittelbar_ ebensosehr Aufgehobenen; es ist _fuer sich
+selbst_, es ist _Unterscheiden des Ununterschiedenen_, oder
+_Selbstbewusstsein_. Ich _unterscheide mich von mir selbst_, und _es
+ist darin unmittelbar fuer mich, dass dies Unterschiedene nicht
+unterschieden ist_. Ich, das Gleichnamige, stosse mich von mir selbst
+ab; aber dies Unterschiedne, Ungleichgesetzte ist unmittelbar, indem
+es unterschieden ist, kein Unterschied fuer mich. Das Bewusstsein
+eines Andern, eines Gegenstandes ueberhaupt, ist zwar selbst notwendig
+_Selbstbewusstsein_, Reflektiertsein in sich, Bewusstsein seiner Selbst,
+in seinem Anderssein. Der _notwendige Fortgang_ von den bisherigen
+Gestalten des Bewusstseins, welchen ihr Wahres ein Ding, ein anderes
+war als sie selbst, drueckt eben dies aus, dass nicht allein das
+Bewusstsein vom Dinge nur fuer ein Selbstbewusstsein moeglich ist,
+sondern dass dies allein die Wahrheit jener Gestalten ist. Aber fuer
+uns nur ist diese Wahrheit vorhanden, noch nicht fuer das Bewusstsein.
+Das Selbstbewusstsein aber ist erst _fuer sich_ geworden, noch nicht
+_als Einheit_ mit dem Bewusstsein ueberhaupt.
+
+Wir sehen, dass im Innern der Erscheinung der Verstand in Wahrheit
+nicht etwas anders als die Erscheinung selbst, aber nicht wie sie als
+Spiel der Kraefte ist, sondern dasselbe in seinen absolut-allgemeinen
+Momenten und deren Bewegung, und in der Tat nur _sich selbst_ erfaehrt.
+Erhoben ueber die Wahrnehmung stellt sich das Bewusstsein mit dem
+Uebersinnlichen durch die Mitte der Erscheinung zusammengeschlossen
+dar, durch welche es in diesen Hintergrund schaut. Die beiden
+Extreme, das eine, des reinen Innern, das andere, des in dies reine
+Innre schauenden Innern, sind nun zusammengefallen, und wie sie als
+Extreme, so ist auch die Mitte, als etwas anders als sie,
+verschwunden. Dieser Vorhang ist also vor dem Innern weggezogen, und
+das Schauen des Innern in das Innere vorhanden; das Schauen des
+_ununterschiedenen_ Gleichnamigen, welches sich selbst abstoesst, als
+_unterschiedenes_ Innres setzt, aber _fuer welches_ ebenso unmittelbar
+die _Ununterschiedenheit_ beider ist, _das Selbstbewusstsein_. Es
+zeigt sich, dass hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innre
+verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn _wir_ nicht selbst
+dahintergehen, ebensosehr damit gesehen werde, als dass etwas dahinter
+sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, dass
+nicht ohne alle Umstaende geradezu dahintergegangen werden koenne; denn
+dies Wissen, was die Wahrheit _der Vorstellung_ der Erscheinung und
+ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umstaendlichen
+Bewegung, wodurch die Weisen des Bewusstseins, Meinen, Wahrnehmen und
+der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, dass das
+Erkennen dessen, _was das Bewusstsein weiss, indem es sich selbst weiss_,
+noch weiterer Umstaende bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende
+ist.
+
+
+
+IV. Die Wahrheitder Gewissheit seiner selbst
+
+In den bisherigen Weisen der Gewissheit ist dem Bewusstsein das Wahre
+etwas anderes als es selbst. Der Begriff dieses Wahren verschwindet
+aber in der Erfahrung von ihm; wie der Gegenstand unmittelbar _an
+sich_ war, das Seiende der sinnlichen Gewissheit, das konkrete Ding
+der Wahrnehmung, die Kraft des Verstandes, so erweist er sich
+vielmehr nicht in Wahrheit zu sein, sondern dies _An-sich_ ergibt
+sich als eine Weise, wie er nur fuer ein Anderes ist; der Begriff von
+ihm hebt sich an dem wirklichen Gegenstande auf, oder die erste
+unmittelbare Vorstellung in der Erfahrung, und die Gewissheit ging in
+der Wahrheit verloren. Nunmehr aber ist dies entstanden, was in
+diesen fruehern Verhaeltnissen nicht zustande kam, naemlich eine
+Gewissheit, welche ihrer Wahrheit gleich ist, denn die Gewissheit ist
+sich selbst ihr Gegenstand, und das Bewusstsein ist sich selbst das
+Wahre. Es ist darin zwar auch ein Anderssein; das Bewusstsein
+unterscheidet naemlich, aber ein solches, das fuer es zugleich ein
+nicht Unterschiedenes ist. Nennen wir _Begriff_ die Bewegung des
+Wissens, den _Gegenstand_ aber, das Wissen als ruhige Einheit, oder
+als Ich, so sehen wir, dass nicht nur fuer uns, sondern fuer das Wissen
+selbst der Gegenstand dem Begriffe entspricht.--Oder auf die andere
+Weise, den _Begriff_ das genannt, was der Gegenstand _an sich_ ist,
+den Gegenstand aber das, was er als _Gegenstand_, oder _fuer ein_
+Anderes ist, so erhellt, dass das An-sich-sein und das
+Fuer-ein-anderes-sein dasselbe ist; denn das _An-sich_ ist das
+Bewusstsein; es ist aber ebenso dasjenige, _fuer welches ein_ anderes
+(das _An-sich_) ist; und es ist fuer es, dass das An-sich des
+Gegenstandes und das Sein desselben fuer ein Anderes dasselbe ist; Ich
+ist der Inhalt der Beziehung und das Beziehen selbst; es ist es
+selbst gegen ein Anderes, und greift zugleich ueber dies Andre ueber,
+das fuer es ebenso nur es selbst ist.
+
+Mit dem Selbstbewusstsein sind wir also nun in das einheimische Reich
+der Wahrheit eingetreten. Es ist zu sehen, wie die Gestalt des
+Selbstbewusstseins zunaechst auftritt. Betrachten wir diese neue
+Gestalt des Wissens, das Wissen von sich selbst, im Verhaeltnisse zu
+dem Vorhergehenden, dem Wissen von einem Andern, so ist dies zwar
+verschwunden; aber seine Momente haben sich zugleich ebenso
+aufbewahrt; und der Verlust besteht darin, dass sie hier vorhanden
+sind, wie sie an sich sind. Das _Sein_ der Meinung, die
+_Einzelnheit_ und die ihr entgegengesetzte _Allgemeinheit_ der
+Wahrnehmung, sowie _das leere Innere_ des Verstandes, sind nicht mehr
+als Wesen, sondern als Momente des Selbstbewusstseins, das heisst als
+Abstraktionen oder Unterschiede, welche _fuer_ das Bewusstsein selbst
+zugleich nichtig, oder keine Unterschiede und rein verschwindende
+Wesen sind. Es scheint also nur das Hauptmoment selbst
+verlorengegangen zu sein, naemlich das _einfache selbststaendige
+Bestehen_ fuer das Bewusstsein. Aber in der Tat ist das
+Selbstbewusstsein die Reflexion aus dem Sein der sinnlichen und
+wahrgenommenen Welt, und wesentlich die Rueckkehr aus dem _Anderssein_.
+Es ist als Selbstbewusstsein Bewegung; aber indem es _nur sich
+selbst als_ sich selbst von sich unterscheidet, so ist ihm der
+Unterschied _unmittelbar_ als ein Anderssein _aufgehoben_; der
+Unterschied _ist_ nicht, und _es_ nur die bewegungslose Tautologie
+des: Ich bin Ich; indem ihm der Unterschied nicht auch die Gestalt
+des _Seins_ hat, ist es nicht Selbstbewusstsein. Es ist hiemit fuer es
+das Anderssein, _als ein Sein_, oder als _unterschiedenes Moment_;
+aber es ist fuer es auch die Einheit seiner selbst mit diesem
+Unterschiede, als _zweites unterschiedenes_ Moment. Mit jenem ersten
+Momente ist das Selbstbewusstsein als _Bewusstsein_, und fuer es die
+ganze Ausbreitung der sinnlichen Welt erhalten; aber zugleich nur als
+auf das zweite Moment, die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich
+selbst, bezogen; und sie ist hiemit fuer es ein Bestehen, welches aber
+nur _Erscheinung_, oder Unterschied ist, der _an sich_ kein Sein hat.
+Dieser Gegensatz seiner Erscheinung und seiner Wahrheit hat aber nur
+die Wahrheit, naemlich die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich
+selbst, zu seinem Wesen; diese muss ihm wesentlich werden; das heisst,
+es ist _Begierde_ ueberhaupt. Das Bewusstsein hat als Selbstbewusstsein
+nunmehr einen gedoppelten Gegenstand, den einen, den unmittelbaren,
+den Gegenstand der sinnlichen Gewissheit, und des Wahrnehmens, der
+aber _fuer es_ mit dem _Charakter des Negati_ven bezeichnet ist, und
+den zweiten, naemlich _sich selbst_, welcher das wahre _Wesen_, und
+zunaechst nur erst im Gegensatze des ersten vorhanden ist. Das
+Selbstbewusstsein stellt sich hierin als die Bewegung dar, worin
+dieser Gegensatz aufgehoben, und ihm die Gleichheit seiner selbst mit
+sich wird.
+
+Der Gegenstand, welcher fuer das Selbstbewusstsein das Negative ist,
+ist aber seinerseits _fuer uns_ oder _an sich_ ebenso in sich
+zurueckgegangen als das Bewusstsein andererseits. Er ist durch diese
+Reflexion in sich _Leben_ geworden. Was das Selbstbewusstsein _als
+seiend_ von sich unterscheidet, hat auch insofern, als es seiend
+gesetzt ist, nicht bloss die Weise der sinnlichen Gewissheit und der
+Wahrnehmung an ihm, sondern es ist in sich reflektiertes Sein, und
+der Gegenstand der unmittelbaren Begierde ist ein _Lebendiges_. Denn
+das _An-sich_, oder das _allgemeine_ Resultat des Verhaeltnisses des
+Verstandes zu dem Innern der Dinge, ist das Unterscheiden des nicht
+zu Unterscheidenden, oder die Einheit des Unterschiednen. Diese
+Einheit aber ist ebensosehr, wie wir gesehen, ihr Abstossen von sich
+selbst, und dieser Begriff _entzweit_ sich in den Gegensatz des
+Selbstbewusstseins und des Lebens; jenes die Einheit, _fuer welche_ die
+unendliche Einheit der Unterschiede ist; dieses aber _ist_ nur diese
+Einheit selbst, so dass sie nicht zugleich _fuer sich selbst_ ist. So
+selbststaendig also das Bewusstsein, ebenso selbststaendig ist _an sich_
+sein Gegenstand. Das Selbstbewusstsein, welches schlechthin _fuer
+sich_ ist, und seinen Gegenstand unmittelbar mit dem Charakter des
+Negativen bezeichnet, oder zunaechst _Begierde_ ist, wird daher
+vielmehr die Erfahrung der Selbstaendigkeit desselben machen.
+
+Die Bestimmung des Lebens, wie sie sich aus dem Begriffe oder dem
+allgemeinen Resultate ergibt, mit welchem wir in diese Sphaere
+eintreten, ist hinreichend, es zu bezeichnen, ohne dass seine Natur
+weiter daraus zu entwickeln waere; ihr Kreis beschliesst sich in
+folgenden Momenten. Das _Wesen_ ist die Unendlichkeit als das
+_Aufgehobensein_ aller Unterschiede, die reine achsendrehende
+Bewegung, die Ruhe ihrer selbst als absolut unruhigen Unendlichkeit;
+die _Selbststaendigkeit_ selbst, in welcher die Unterschiede der
+Bewegung aufgeloest sind; das einfache Wesen der Zeit, das in dieser
+Sichselbstgleichheit die gediegene Gestalt des Raumes hat. Die
+_Unterschiede_ sind aber an diesem _einfachen allgemeinen_ Medium
+ebensosehr als _Unterschiede_; denn diese allgemeine Fluessigkeit hat
+ihre negative Natur nur, indem sie ein _Aufheben derselben_ ist; aber
+sie kann die unterschiednen nicht aufheben, wenn sie nicht ein
+Bestehen haben. Eben diese Fluessigkeit ist als die sichselbstgleiche
+Selbststaendigkeit selbst das _Bestehen_, oder die _Substanz_
+derselben, worin sie also als unterschiedene Glieder und
+_fuersichseiende_ Teile sind. Das _Sein_ hat nicht mehr die Bedeutung
+der _Abstraktion des Seins_, noch ihre reine Wesenheit, der
+_Abstraktion_ der _Allgemeinheit_; sondern ihr Sein ist eben jene
+einfache fluessige Substanz der reinen Bewegung in sich selbst. Der
+_Unterschied_ dieser Glieder _gegeneinander_ aber _als_ Unterschied
+besteht ueberhaupt in keiner anderer _Bestimmtheit_ als der
+Bestimmtheit der Momente der Unendlichkeit oder der reinen Bewegung
+selbst.
+
+Die selbststaendigen Glieder sind _fuer sich_; dieses _Fuer-sich-sein_
+ist aber vielmehr ebenso _unmittelbar_ ihre Reflexion in die Einheit,
+als diese Einheit die Entzweiung in die selbststaendigen Gestalten ist.
+Die Einheit ist entzweit, weil sie absolut negative oder unendliche
+Einheit ist; und weil _sie_ das _Bestehen_ ist, so hat auch der
+Unterschied Selbststaendigkeit nur _an ihr_. Diese Selbstaendigkeit
+der Gestalt erscheint als ein _Bestimmtes, fuer Anderes_, denn sie ist
+ein Entzweites; und das _Aufheben_ der Entzweiung geschieht insofern
+durch ein Anderes. Aber es ist ebensosehr an ihr selbst; denn eben
+jene Fluessigkeit ist die Substanz der selbststaendigen Gestalten;
+diese Substanz aber ist unendlich; die Gestalt ist darum in ihrem
+Bestehen selbst die Entzweiung, oder das Aufheben ihres
+Fuer-sich-seins.
+
+Unterscheiden wir die hierin enthaltenen Momente naeher, so sehen wir,
+dass wir zum _ersten_ Momente das _Bestehen der selbststaendigen_
+Gestalten, oder die Unterdrueckung dessen haben, was das Unterscheiden
+an sich ist, naemlich nicht an sich zu sein und kein Bestehen zu haben.
+Das _zweite_ Moment aber ist die _Unterwerfung_ jenes Bestehens
+unter die Unendlichkeit des Unterschiedes. Im ersten Momente ist die
+bestehende Gestalt; als _fuersichseiend_, oder in ihrer Bestimmtheit
+unendliche Substanz tritt sie gegen die _allgemeine_ Substanz auf,
+verleugnet diese Fluessigkeit und Kontinuitaet mit ihr und behauptet
+sich als nicht in diesem Allgemeinen aufgeloest, sondern vielmehr als
+durch die Absonderung von dieser ihrer unorganischen Natur, und durch
+das Aufzehren derselben sich erhaltend. Das Leben in dem allgemeinen
+fluessigen Medium, ein _ruhiges_ Auseinanderlegen der Gestalten wird
+eben dadurch zur Bewegung derselben, oder zum Leben als _Prozess_.
+Die einfache allgemeine Fluessigkeit ist das _An-sich_, und der
+Unterschied der Gestalten das _Andere_. Aber diese Fluessigkeit wird
+selbst durch diesen Unterschied _das Andere_; denn sie ist itzt _fuer
+den Unterschied_, welcher an und fuer sich selbst, und daher die
+unendliche Bewegung ist, von welcher jenes ruhige Medium aufgezehrt
+wird, das Leben als _Lebendiges_.--Diese _Verkehrung_ aber ist darum
+wieder die _Verkehrtheit an sich selbst_; was auf gezehrt wird, ist
+das Wesen; die auf Kosten des Allgemeinen sich erhaltende, und das
+Gefuehl ihrer Einheit mit sich selbst sich gebende Individualitaet hebt
+gerade damit _ihren Gegensatz des Andern, durch welchen sie fuer sich
+ist_, auf; die _Einheit_ mit sich selbst, welche sie sich gibt, ist
+gerade die _Fluessigkeit_ der Unterschiede, oder die _allgemeine
+Aufloesung_. Aber umgekehrt ist das Aufheben des individuellen
+Bestehens ebenso das Erzeugen desselben. Denn da das _Wesen_ der
+individuellen Gestalt, das allgemeine Leben, und das fuer sich Seiende
+an sich einfache Substanz ist, so hebt es, indem es das _Andre_ in
+sich setzt, diese seine _Einfachheit_, oder sein Wesen auf, d.h. es
+entzweit sie, und dies Entzweien der unterschiedslosen Fluessigkeit
+ist eben das Setzen der Individualitaet. Die einfache Substanz des
+Lebens also ist die Entzweiung ihrer selbst in Gestalten, und
+zugleich die Aufloesung dieser bestehenden Unterschiede; und die
+Aufloesung der Entzweiung ist ebensosehr Entzweien oder ein Gliedern.
+Es fallen damit die beiden Seiten der ganzen Bewegung, welche
+unterschieden wurden, naemlich die in dem allgemeinen Medium der
+Selbststaendigkeit ruhig auseinandergelegte Gestaltung und der Prozess
+des Lebens ineinander; der letztere ist ebensosehr Gestaltung, als er
+das Aufheben der Gestalt ist; und das erste, die Gestaltung, ist
+ebensosehr ein Aufheben, als sie die Gliederung ist. Das fluessige
+Element ist selbst nur die _Abstraktion_ des Wesens, oder es ist nur
+als Gestalt _wirklich_; und dass es sich gliedert, ist wieder ein
+Entzweien des Gegliederten, oder ein Aufloesen desselben. Dieser
+ganze Kreislauf macht das Leben aus, weder das, was zuerst
+ausgesprochen wird, die unmittelbare Kontinuitaet und Gediegenheit
+seines Wesens, noch die bestehende Gestalt und das fuer sich seiende
+Diskrete, noch der reine Prozess derselben, noch auch das einfache
+Zusammenfassen dieser Momente, sondern das sich entwickelnde, und
+seine Entwicklung aufloesende und in dieser Bewegung sich einfach
+erhaltende Ganze.
+
+Indem von der ersten unmittelbaren Einheit ausgegangen, und durch die
+Momente der Gestaltung und des Prozesses hindurch zur Einheit dieser
+beiden Momente, und damit wieder zur ersten einfachen Substanz
+zurueckgekehrt wird, so ist diese _reflektierte Einheit_ eine andere
+als die erste. Gegen jene _unmittelbare_, oder als ein _Sein_
+ausgesprochene, ist diese zweite die _allgemeine_, welche alle diese
+Momente als aufgehobne in ihr hat. Sie ist die _einfache Gattung_,
+welche in der Bewegung des Lebens selbst nicht _fuer sich *als*_ dies
+_Einfache existiert_; sondern in diesem _Resultate_ verweist das
+Leben auf ein anderes, als es ist, naemlich auf das Bewusstsein, fuer
+welches es als diese Einheit, oder als Gattung, ist.
+
+Dies andere Leben aber, fuer welches die _Gattung_ als solche und
+welches fuer sich selbst Gattung ist, das Selbstbewusstsein, ist sich
+zunaechst nur als dieses einfache Wesen, und hat sich als _reines Ich_
+zum Gegenstande; in seiner Erfahrung, die nun zu betrachten ist, wird
+sich ihm dieser abstrakte Gegenstand bereichern, und die Entfaltung
+erhalten, welche wir an dem Leben gesehen haben.
+
+Das einfache Ich ist diese Gattung oder das einfache Allgemeine, fuer
+welches die Unterschiede keine sind, nur, indem es _negatives Wesen_
+der gestalteten selbststaendigen Momente ist; und das Selbstbewusstsein
+hiemit seiner selbst nur gewiss, durch das Aufheben dieses andern, das
+sich ihm als selbststaendiges Leben darstellt; es ist _Begierde_. Der
+Nichtigkeit dieses Andern gewiss, setzt es _fuer sich_ dieselbe als
+seine Wahrheit, vernichtet den selbststaendigen Gegenstand und gibt
+sich dadurch die Gewissheit seiner selbst, als _wahre_ Gewissheit, als
+solche, welche ihm selbst auf _gegenstaendliche Weise_ geworden ist.
+
+In dieser Befriedigung aber macht es die Erfahrung von der
+Selbststaendigkeit seines Gegenstandes. Die Begierde und die in ihrer
+Befriedigung erreichte Gewissheit seiner selbst ist bedingt durch ihn,
+denn sie ist durch Aufheben dieses Andern; dass dies Aufheben sei, muss
+dies Andere sein. Das Selbstbewusstsein vermag also durch seine
+negative Beziehung ihn nicht aufzuheben; es erzeugt ihn darum
+vielmehr wieder, so wie die Begierde. Es ist in der Tat ein anderes
+als das Selbstbewusstsein, das Wesen der Begierde; und durch diese
+Erfahrung ist ihm selbst diese Wahrheit geworden. Zugleich aber ist
+es ebenso absolut fuer sich, und ist dies nur durch Aufheben des
+Gegenstandes, und es muss ihm seine Befriedigung werden, denn es ist
+die Wahrheit. Um der Selbststaendigkeit des Gegenstandes willen kann
+es daher zur Befriedigung nur gelangen, indem dieser selbst die
+Negation an ihm vollzieht; und er muss diese Negation seiner selbst an
+sich vollziehen, denn er ist _an sich_ das Negative, und muss fuer das
+Andre sein, was er ist. Indem er die Negation an sich selbst ist,
+und darin zugleich selbststaendig ist, ist er Bewusstsein. An dem
+Leben, welches der Gegenstand der Begierde ist, ist die _Negation_
+entweder _an einem Andern_, naemlich an der Begierde, oder als
+_Bestimmtheit_ gegen eine andere gleichgueltige Gestalt, oder als
+seine _unorganische allgemeine Natur_. Diese allgemeine
+selbststaendige Natur aber, an der die Negation als absolute ist, ist
+die Gattung als solche, oder als _Selbstbewusstsein. Das
+Selbstbewusstsein erreicht seine Befriedigung nur in einem andern
+Selbstbewusstsein._
+
+In diesen drei Momenten ist erst der Begriff des Selbstbewusstseins
+vollendet; a) reines ununterschiedenes Ich ist sein erster
+unmittelbarer Gegenstand. b) Diese Unmittelbarkeit ist aber selbst
+absolute Vermittlung, sie ist nur als Aufheben des selbststaendigen
+Gegenstandes, oder sie ist Begierde. Die Befriedigung der Begierde
+ist zwar die Reflexion des Selbstbewusstseins in sich selbst, oder die
+zur Wahrheit gewordene Gewissheit. c) Aber die Wahrheit derselben ist
+vielmehr die gedoppelte Reflexion, die Verdopplung des
+Selbstbewusstseins. Es ist ein Gegenstand fuer das Bewusstsein, welcher
+an sich selbst sein Anderssein oder den Unterschied als einen
+nichtigen setzt, und darin selbststaendig ist. Die unterschiedene nur
+_lebendige_ Gestalt hebt wohl im Prozesse des Lebens selbst auch ihre
+Selbststaendigkeit auf, aber sie hoert mit ihrem Unterschiede auf, zu
+sein, was sie ist; der Gegenstand des Selbstbewusstseins ist aber
+ebenso selbststaendig in dieser Negativitaet seiner selbst; und damit
+ist er fuer sich selbst Gattung, allgemeine Fluessigkeit in der
+Eigenheit seiner Absonderung; er ist lebendiges Selbstbewusstsein.
+
+Es ist ein _Selbstbewusstsein fuer ein Selbstbewusstsein_. Erst
+hiedurch ist es in der Tat; denn erst hierin wird fuer es die Einheit
+seiner selbst in seinem Anderssein; _Ich_, das der Gegenstand seines
+Begriffs ist, ist in der Tat nicht _Gegenstand_; der Gegenstand der
+Begierde aber ist nur _selbststaendig_, denn er ist die allgemeine
+unvertilgbare Substanz, das fluessige sichselbstgleiche Wesen. Indem
+ein Selbstbewusstsein der Gegenstand ist, ist er ebensowohl ich wie
+Gegenstand.--Hiemit ist schon der Begriff _des Geistes_ fuer uns
+vorhanden. Was fuer das Bewusstsein weiter wird, ist die Erfahrung,
+was der Geist ist, diese absolute Substanz, welche in der
+vollkommenen Freiheit und Selbststaendigkeit ihres Gegensatzes,
+naemlich verschiedener fuer sich seiender Selbstbewusstsein, die Einheit
+derselben ist; _Ich_, das _Wir_, und _Wir_, das _Ich_ ist. Das
+Bewusstsein hat erst in dem Selbstbewusstsein, als dem Begriffe des
+Geistes, seinen Wendungspunkt, auf dem es aus dem farbigten Scheine
+des sinnlichen Diesseits, und aus der leeren Nacht des uebersinnlichen
+Jenseits in den geistigen Tag der Gegenwart einschreitet.
+
+
+A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeitdes Selbstbewusstseins;
+Herrschaft und Knechtschaft
+
+Das Selbstbewusstsein ist _an_ und _fuer sich_, indem, und dadurch, dass
+es fuer ein Anderes an und fuer sich ist; d.h. es ist nur als ein
+Anerkanntes. Der Begriff dieser seiner Einheit in seiner Verdopplung,
+der sich im Selbstbewusstsein realisierenden Unendlichkeit, ist eine
+vielseitige und vieldeutige Verschraenkung, so dass die Momente
+derselben teils genau auseinandergehalten, teils in dieser
+Unterscheidung zugleich auch als nicht unterschieden, oder immer in
+ihrer entgegengesetzten Bedeutung genommen und erkannt werden muessen.
+Die Doppelsinnigkeit des Unterschiedenen liegt in dem Wesen des
+Selbstbewusstseins, unendlich, oder unmittelbar das Gegenteil der
+Bestimmtheit, in der es gesetzt ist, zu sein. Die Auseinanderlegung
+des Begriffs dieser geistigen Einheit in ihrer Verdopplung stellt uns
+die Bewegung des _Anerkennens_ dar.
+
+Es ist fuer das Selbstbewusstsein ein anderes Selbstbewusstsein; es ist
+_ausser sich_ gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung, _erstlich_,
+es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein _anderes_
+Wesen; _zweitens_, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht
+auch nicht das Andere als Wesen, sondern _sich selbst_ im Andern.
+
+Es muss dies _sein Anderssein_ aufheben; dies ist das Aufheben des
+ersten Doppelsinnes, und darum selbst ein zweiter Doppelsinn;
+_erstlich_, es muss darauf gehen, das _andere_ selbststaendige Wesen
+aufzuheben, um dadurch _seiner_ als des Wesens gewiss zu werden;
+_zweitens_ geht es hiemit darauf, _sich selbst_ aufzuheben, denn dies
+Andere ist es selbst.
+
+Dies doppelsinnige Aufheben seines doppelsinnigen Andersseins ist
+ebenso eine doppelsinnige Rueckkehr _in sich selbst_; denn _erstlich_
+erhaelt es durch das Aufheben sich selbst zurueck; denn es wird sich
+wieder gleich durch das Aufheben _seines_ Andersseins; _zweitens_
+aber gibt es das andere Selbstbewusstsein ihm wieder ebenso zurueck,
+denn es war sich im Andern, es hebt dies _sein_ Sein im Andern auf,
+entlaesst also das andere wieder frei.
+
+Diese Bewegung des Selbstbewusstseins in der Beziehung auf ein anderes
+Selbstbewusstsein ist aber auf diese Weise vorgestellt worden, als
+_das Tun des Einen_; aber dieses Tun des Einen hat selbst die
+gedoppelte Bedeutung, ebensowohl _sein Tun_ als _das Tun des Andern_
+zu sein; denn das Andere ist ebenso selbststaendig, in sich
+beschlossen, und es ist nichts in ihm, was nicht durch es selbst ist.
+Das erste hat den Gegenstand nicht vor sich, wie er nur fuer die
+Begierde zunaechst ist, sondern einen fuer sich seienden
+selbststaendigen, ueber welchen es darum nichts fuer sich vermag, wenn
+er nicht an sich selbst dies tut, was es an ihm tut. Die Bewegung
+ist also schlechthin die gedoppelte beider Selbstbewusstsein. Jedes
+sieht _das Andre_ dasselbe tun, was _es_ tut; jedes tut Selbst, was
+es an das Andre fodert; und tut darum, was es tut, auch _nur_
+insofern, als das Andre dasselbe tut; das einseitige Tun waere unnuetz;
+weil, was geschehen soll, nur durch beide zustande kommen kann.
+
+Das Tun ist also nicht nur insofern doppelsinnig, als es ein Tun
+ebensowohl _gegen sich_ als _gegen das Andre_, sondern auch insofern,
+als es ungetrennt ebensowohl _das Tun des Einen_ als _des Andern_ ist.
+
+In dieser Bewegung sehen wir sich den Prozess wiederholen, der sich
+als Spiel der Kraefte darstellte, aber im Bewusstsein. Was in jenem
+fuer uns war, ist hier fuer die Extreme selbst. Die Mitte ist das
+Selbstbewusstsein, welches sich in die Extreme zersetzt, und jedes
+Extrem ist diese Austauschung seiner Bestimmtheit, und absoluter
+Uebergang in das entgegengesetzte. Als Bewusstsein aber kommt es wohl
+_ausser sich_, jedoch ist es in seinem Ausser-sich-sein zugleich in
+sich zurueckgehalten, _fuer sich_, und sein Ausser-sich ist _fuer es_.
+Es ist fuer es, dass es unmittelbar anderes Bewusstsein _ist_, und
+_nicht ist_; und ebenso, dass dies Andere nur fuer sich ist, indem es
+sich als fuer sich Seiendes aufhebt, und nur im Fuer-sich-sein des
+Andern fuer sich ist. Jedes ist dem andern die Mitte, durch welche
+jedes sich mit sich selbst vermittelt und zusammenschliesst, und jedes
+sich und dem Andern unmittelbares fuer sich seiendes Wesen, welches
+zugleich nur durch diese Vermittlung so fuer sich ist. Sie
+_anerkennen_ sich als _gegenseitig sich anerkennend_.
+
+Dieser reine Begriff des Anerkennens, der Verdopplung des
+Selbstbewusstseins in seiner Einheit, ist nun zu betrachten, wie sein
+Prozess fuer das Selbstbewusstsein erscheint. Er wird zuerst die Seite
+der _Ungleichheit_ beider darstellen, oder das Heraustreten der Mitte
+in die Extreme, welche als Extreme sich entgegengesetzt, und das eine
+nur Anerkanntes, der andre nur Anerkennendes ist.
+
+Das Selbstbewusstsein ist zunaechst einfaches Fuer-sich-sein,
+sichselbstgleich durch das Ausschliessen alles _andern aus sich_; sein
+Wesen und absoluter Gegenstand ist ihm _Ich_; und es ist in dieser
+_Unmittelbarkeit_, oder in diesem _Sein_ seines Fuer-sich-seins,
+_Einzelnes_. Was Anderes fuer es ist, ist als unwesentlicher, mit dem
+Charakter des Negativen bezeichneter Gegenstand. Aber das Andre ist
+auch ein Selbstbewusstsein; es tritt ein Individuum einem Individuum
+gegenueber auf. So _unmittelbar_ auftretend sind sie fuereinander in
+der Weise gemeiner Gegenstaende; _selbststaendige_ Gestalten, in das
+_Sein_ des _Lebens_--denn als Leben hat sich hier der seiende
+Gegenstand bestimmt--versenkte Bewusstsein, welche _fuereinander_ die
+Bewegung der absoluten Abstraktion, alles unmittelbare Sein zu
+vertilgen, und nur das rein negative Sein des sichselbstgleichen
+Bewusstseins zu sein, noch nicht vollbracht, oder sich einander noch
+nicht als reines _Fuer-sich-sein_, das heisst als _Selbst_bewusstsein
+dargestellt haben. Jedes ist wohl seiner selbst gewiss, aber nicht
+des Andern, und darum hat seine eigne Gewissheit von sich noch keine
+Wahrheit; denn seine Wahrheit waere nur, dass sein eignes Fuer-sich-sein
+sich ihm als selbststaendiger Gegenstand, oder, was dasselbe ist, der
+Gegenstand sich als diese reine Gewissheit seiner selbst dargestellt
+haette. Dies aber ist nach dem Begriffe des Anerkennens nicht moeglich,
+als dass wie der Andere fuer ihn, so er fuer den Andern, jeder an sich
+selbst durch sein eigenes Tun, und wieder durch das Tun des andern,
+diese reine Abstraktion des Fuer-sich-seins vollbringt.
+
+Die _Darstellung_ seiner aber als der reinen Abstraktion des
+Selbstbewusstseins besteht darin, sich als reine Negation seiner
+gegenstaendlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein
+bestimmtes _Dasein_ geknuepft, an die allgemeine Einzelnheit des
+Daseins ueberhaupt nicht, nicht an das Leben geknuepft zu sein. Diese
+Darstellung ist das _gedoppelte_ Tun; Tun des Andern, und Tun durch
+sich selbst. Insofern es Tun _des Andern_ ist, geht also jeder auf
+den Tod des Andern. Darin aber ist auch das zweite, _das Tun durch
+sich selbst_, vorhanden; denn jenes schliesst das Daransetzen des
+eignen Lebens in sich. Das Verhaeltnis beider Selbstbewusstsein ist
+also so bestimmt, dass sie sich selbst und einander durch den Kampf
+auf Leben und Tod _bewaehren_.--Sie muessen in diesen Kampf gehen, denn
+sie muessen die Gewissheit ihrer selbst, _fuer sich zu sein_, zur
+Wahrheit an dem Andern und an ihnen selbst erheben. Und es ist
+allein das Daransetzen des Lebens, wodurch die Freiheit, wodurch es
+bewaehrt wird, dass dem Selbstbewusstsein nicht das _Sein_, nicht die
+_unmittelbare_ Weise, wie es auftritt, nicht sein Versenktsein in die
+Ausbreitung des Lebens--das Wesen, sondern dass an ihm nichts
+vorhanden, was fuer es nicht verschwindendes Moment waere, dass es nur
+reines _Fuer-sich-sein_ ist. Das Individuum, welches das Leben nicht
+gewagt hat, kann wohl als _Person_ anerkannt werden; aber es hat die
+Wahrheit dieses Anerkanntseins als eines selbststaendigen
+Selbstbewusstseins nicht erreicht. Ebenso muss jedes auf den Tod des
+andern gehen, wie es sein Leben daransetzt; denn das Andre gilt ihm
+nicht mehr als es selbst; sein Wesen stellt sich ihm als ein Andres
+dar, es ist ausser sich; es muss sein Aussersichsein aufheben; das Andre
+ist mannigfaltig befangenes und seiendes Bewusstsein; es muss sein
+Anderssein als reines Fuer-sich-sein oder als absolute Negation
+anschauen.
+
+Diese Bewaehrung aber durch den Tod hebt ebenso die Wahrheit, welche
+daraus hervorgehen sollte, als damit auch die Gewissheit seiner selbst
+ueberhaupt auf; denn wie das Leben die _natuerliche_ Position des
+Bewusstseins, die Selbststaendigkeit ohne die absolute Negativitaet, ist,
+so ist er die _natuerliche_ Negation desselben, die Negation ohne die
+Selbststaendigkeit, welche also ohne die geforderte Bedeutung des
+Anerkennens bleibt. Durch den Tod ist zwar die Gewissheit geworden,
+dass beide ihr Leben wagten, und es an ihnen und an dem Andern
+verachteten; aber nicht fuer die, welche diesen Kampf bestanden. Sie
+heben ihr in dieser fremden Wesenheit, welches das natuerliche Dasein
+ist, gesetztes Bewusstsein, oder sie heben sich, und werden als die
+fuer sich sein wollenden _Extreme_ aufgehoben. Es verschwindet aber
+damit aus dem Spiele des Wechsels das wesentliche Moment, sich in
+Extreme entgegengesetzter Bestimmtheiten zu zersetzen; und die Mitte
+faellt in eine tote Einheit zusammen, welche in tote, bloss seiende,
+nicht entgegengesetzte Extreme zersetzt ist; und die beiden geben und
+empfangen sich nicht gegenseitig voneinander durch das Bewusstsein
+zurueck, sondern lassen einander nur gleichgueltig, als Dinge, frei.
+Ihre Tat ist die abstrakte Negation, nicht die Negation des
+Bewusstseins, welches _so aufhebt_, dass es das Aufgehobene
+_aufbewahrt_ und _erhaelt_, und hiemit sein Aufgehobenwerden ueberlebt.
+
+In dieser Erfahrung wird es dem Selbstbewusstsein, dass ihm das Leben
+so wesentlich als das reine Selbstbewusstsein ist. Im unmittelbaren
+Selbstbewusstsein ist das einfache Ich der absolute Gegenstand,
+welcher aber fuer uns oder an sich die absolute Vermittlung ist, und
+die bestehende Selbststaendigkeit zum wesentlichen Momente hat. Die
+Aufloesung jener einfachen Einheit ist das Resultat der ersten
+Erfahrung; es ist durch sie ein reines Selbstbewusstsein, und ein
+Bewusstsein gesetzt, welches nicht rein fuer sich, sondern fuer ein
+Anderes, das heisst, als _seiendes_ Bewusstsein oder Bewusstsein in der
+Gestalt der _Dingheit_ ist. Beide Momente sind wesentlich;--da sie
+zunaechst ungleich und entgegengesetzt sind, und ihre Reflexion in die
+Einheit sich noch nicht ergeben hat, so sind sie als zwei
+entgegengesetzte Gestalten des Bewusstseins; die eine das
+selbststaendige, welchem das Fuer-sich-sein, die andere das
+unselbststaendige, dem das Leben oder das Sein fuer ein Anderes das
+Wesen ist; jenes ist der _Herr_, dies der _Knecht_.
+
+Der Herr ist das _fuer sich_ seiende Bewusstsein, aber nicht mehr nur
+der Begriff desselben, sondern fuer sich seiendes Bewusstsein, welches
+durch ein _anderes_ Bewusstsein mit sich vermittelt ist, naemlich durch
+ein solches, zu dessen Wesen es gehoert, dass es mit selbststaendigem
+_Sein_ oder der Dingheit ueberhaupt synthesiert ist. Der Herr bezieht
+sich auf diese beiden Momente, auf ein _Ding_, als solches, den
+Gegenstand der Begierde, und auf das Bewusstsein, dem die Dingheit das
+Wesentliche ist; und, indem er a) als Begriff des Selbstbewusstseins
+unmittelbare Beziehung des _Fuer-sich-seins_ ist, aber b) nunmehr
+zugleich als Vermittlung, oder als ein Fuer-sich-sein, welches nur
+durch ein Anderes fuer sich ist, so bezieht er sich a) unmittelbar auf
+beide, und b) mittelbar auf jedes durch das andere. Der Herr bezieht
+sich _auf den Knecht mittelbar durch das selbststaendige Sein_; denn
+eben hieran ist der Knecht gehalten; es ist seine Kette, von der er
+im Kampfe nicht abstrahieren konnte, und darum sich als
+unselbststaendig, seine Selbststaendigkeit in der Dingheit zu haben,
+erwies. Der Herr aber ist die Macht ueber dies Sein, denn er erwies
+im Kampfe, dass es ihm nur als ein Negatives gilt; indem er die Macht
+darueber, dies Sein aber die Macht ueber den Andern ist, so hat er in
+diesem Schlusse diesen andern unter sich. Ebenso bezieht sich der
+Herr _mittelbar durch den Knecht auf das Ding_; der Knecht bezieht
+sich, als Selbstbewusstsein ueberhaupt, auf das Ding auch negativ und
+hebt es auf; aber es ist zugleich selbststaendig fuer ihn, und er kann
+darum durch sein Negieren nicht bis zur Vernichtung mit ihm fertig
+werden, oder er _bearbeitet_ es nur. Dem Herrn dagegen _wird_ durch
+diese Vermittlung die _unmittelbare_ Beziehung als die reine Negation
+desselben, oder der _Genuss_; was der Begierde nicht gelang, gelingt
+ihm, damit fertig zu werden, und im Genusse sich zu befriedigen. Der
+Begierde gelang dies nicht wegen der Selbststaendigkeit des Dinges;
+der Herr aber, der den Knecht zwischen es und sich eingeschoben,
+schliesst sich dadurch nur mit der Unselbststaendigkeit des Dinges
+zusammen, und geniesst es rein; die Seite der Selbststaendigkeit aber
+ueberlaesst er dem Knechte, der es bearbeitet.
+
+In diesen beiden Momenten wird fuer den Herrn sein Anerkanntsein durch
+ein anderes Bewusstsein; denn dieses setzt sich in ihnen als
+Unwesentliches, einmal in der Bearbeitung des Dings, das anderemal in
+der Abhaengigkeit von einem bestimmten Dasein; in beiden kann es nicht
+ueber das Sein Meister werden und zur absoluten Negation gelangen. Es
+ist also hierin dies Moment des Anerkennens vorhanden, dass das andere
+Bewusstsein sich als Fuer-sich-sein aufhebt, und hiemit selbst das tut,
+was das erste gegen es tut. Ebenso das andere Moment, dass dies Tun
+des zweiten das eigne Tun des ersten ist; denn, was der Knecht tut,
+ist eigentlich Tun des Herrn; diesem ist nur das Fuer-sich-sein, das
+Wesen; er ist die reine negative Macht, der das Ding nichts ist, und
+also das reine wesentliche Tun in diesem Verhaeltnisse; der Knecht
+aber ein nicht reines, sondern unwesentliches Tun. Aber zum
+eigentlichen Anerkennen fehlt das Moment, dass, was der Herr gegen den
+Andern tut, er auch gegen sich selbst, und was der Knecht gegen sich,
+er auch gegen den Andern tue. Es ist dadurch ein einseitiges und
+ungleiches Anerkennen entstanden.
+
+Das unwesentliche Bewusstsein ist hierin fuer den Herrn der Gegenstand,
+welcher die _Wahrheit_ der Gewissheit seiner selbst ausmacht. Aber es
+erhellt, dass dieser Gegenstand seinem Begriffe nicht entspricht,
+sondern dass darin, worin der Herr sich vollbracht hat, ihm vielmehr
+ganz etwas anderes geworden als ein selbststaendiges Bewusstsein.
+Nicht ein solches ist fuer ihn, sondern vielmehr ein unselbststaendiges;
+er also nicht _des Fuer-sich-seins_, als der Wahrheit gewiss, sondern
+seine Wahrheit ist vielmehr das unwesentliche Bewusstsein, und das
+unwesentliche Tun desselben.
+
+Die _Wahrheit_ des selbststaendigen Bewusstseins ist demnach das
+_knechtische Bewusstsein_. Dieses erscheint zwar zunaechst _ausser_
+sich und nicht als die Wahrheit des Selbstbewusstsein. Aber wie die
+Herrschaft zeigte, dass ihr Wesen das Verkehrte dessen ist, was sie
+sein will, so wird auch wohl die Knechtschaft vielmehr in ihrer
+Vollbringung zum Gegenteile dessen werden, was sie unmittelbar ist;
+sie wird als in sich _zurueckgedraengtes_ Bewusstsein in sich gehen, und
+zur wahren Selbststaendigkeit sich umkehren.
+
+Wir sahen nur, was die Knechtschaft im Verhaeltnisse der Herrschaft
+ist. Aber sie ist Selbstbewusstsein, und was sie hienach an und fuer
+sich selbst ist, ist nun zu betrachten. Zunaechst ist fuer die
+Knechtschaft der Herr das Wesen; also das _selbststaendige fuer sich
+seiende Bewusstsein_ ist ihr _die Wahrheit_, die jedoch _*fuer sie*_
+noch nicht _an ihr_ ist. Allein sie hat diese Wahrheit der reinen
+Negativitaet und des _Fuer-sich-seins in der Tat an ihr selbst_; denn
+sie hat dieses Wesen an ihr _erfahren_. Dies Bewusstsein hat naemlich
+nicht um dieses oder jenes, noch fuer diesen oder jenen Augenblick
+Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht
+des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich
+aufgeloest worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles
+Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das
+absolute Fluessigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen
+des Selbstbewusstseins, die absolute Negativitaet, _das reine
+Fuer-sich-sein_, das hiemit an diesem Bewusstsein ist. Dies Moment des
+reinen Fuer-sich-sein ist auch _fuer es_, denn im Herrn ist es ihm sein
+_Gegenstand_. Es ist ferner nicht nur diese allgemeine Aufloesung
+_ueberhaupt_, sondern im Dienen vollbringt es sie _wirklich_; es hebt
+darin in allen _einzelnen_ Momenten seine Anhaenglichkeit an
+natuerliches Dasein auf, und arbeitet dasselbe hinweg.
+
+Das Gefuehl der absoluten Macht aber ueberhaupt, und im einzelnen des
+Dienstes ist nur die Aufloesung _an sich_, und obzwar die Furcht des
+Herrn der Anfang der Weisheit ist, so ist das Bewusstsein darin _fuer
+es selbst_, nicht das _Fuer-sich-sein_. Durch die Arbeit koemmt es
+aber zu sich selbst. In dem Momente, welches der Begierde im
+Bewusstsein des Herrn entspricht, schien dem dienenden Bewusstsein zwar
+die Seite der unwesentlichen Beziehung auf das Ding zugefallen zu
+sein, indem das Ding darin seine Selbststaendigkeit behaelt. Die
+Begierde hat sich das reine Negieren des Gegenstandes, und dadurch
+das unvermischte Selbstgefuehl vorbehalten. Diese Befriedigung ist
+aber deswegen selbst nur ein Verschwinden, denn es fehlt ihr die
+_gegenstaendliche_ Seite oder das _Bestehen_. Die Arbeit hingegen ist
+_gehemmte_ Begierde, _aufgehaltenes_ Verschwinden, oder sie _bildet_.
+Die negative Beziehung auf den Gegenstand wird zur _Form_ desselben,
+und zu einem _bleibenden_; weil eben dem arbeitenden der Gegenstand
+Selbststaendigkeit hat. Diese _negative_ Mitte oder das formierende
+_Tun_ ist zugleich _die Einzelnheit_ oder das reine Fuer-sich-sein des
+Bewusstseins, welches nun in der Arbeit ausser es in das Element des
+Bleibens tritt; das arbeitende Bewusstsein kommt also hiedurch zur
+Anschauung des selbststaendigen Seins, _als seiner selbst_.
+
+Das Formieren hat aber nicht nur diese positive Bedeutung, dass das
+dienende Bewusstsein sich darin als reines _Fuer-sich-sein_ zum
+_Seienden_ wird; sondern auch die negative, gegen sein erstes Moment,
+die Furcht. Denn in dem Bilden des Dinges wird ihm die eigne
+Negativitaet, sein Fuer-sich-sein, nur dadurch zum Gegenstande, dass es
+die entgegengesetzte seiende _Form_ aufhebt. Aber dies
+gegenstaendliche _Negative_ ist gerade das fremde Wesen, vor welchem
+es gezittert hat. Nun aber zerstoert es dies fremde Negative, setzt
+_sich_ als ein solches in das Element des Bleibens; und wird hiedurch
+_fuer sich selbst_, ein _fuer sich Seiendes_. Im Herrn ist ihm das
+Fuer-sich-sein _ein Anderes_ oder nur _fuer es_; in der Furcht ist das
+Fuer-sich-sein _an ihm selbst_; in dem Bilden wird das Fuer-sich-sein
+als _sein eignes_ fuer es, und es koemmt zum Bewusstsein, dass es selbst
+an und fuer sich ist. Die Form wird dadurch, dass sie _hinausgesetzt_
+wird, ihm nicht ein Anderes als es; denn eben sie ist sein reines
+Fuer-sich-sein, das ihm darin zur Wahrheit wird. Es wird also durch
+dies Wiederfinden seiner durch sich selbst _eigner Sinn_, gerade in
+der Arbeit, worin es nur _fremder Sinn_ zu sein schien.--Es sind zu
+dieser Reflexion die beiden Momente der Furcht und des Dienstes
+ueberhaupt, sowie des Bildens notwendig, und zugleich beide auf eine
+allgemeine Weise. Ohne die Zucht des Dienstes und Gehorsams bleibt
+die Furcht beim Formellen stehen, und verbreitet sich nicht ueber die
+bewusste Wirklichkeit des Daseins. Ohne das Bilden bleibt die Furcht
+innerlich und stumm, und das Bewusstsein wird nicht fuer es selbst.
+Formiert das Bewusstsein ohne die erste absolute Furcht, so ist es nur
+ein eitler eigner Sinn; denn seine Form oder Negativitaet ist nicht
+die Negativitaet _an sich_; und sein Formieren kann ihm daher nicht
+das Bewusstsein seiner als des Wesens geben. Hat es nicht die
+absolute Furcht, sondern nur einige Angst ausgestanden, so ist das
+negative Wesen ihm ein aeusserliches geblieben, seine Substanz ist von
+ihm nicht durch und durch angesteckt. Indem nicht alle Erfuellungen
+seines natuerlichen Bewusstseins wankend geworden, gehoert es _an sich_
+noch bestimmtem Sein an; der eigne Sinn ist _Eigensinn_, eine
+Freiheit, welche noch innerhalb der Knechtschaft stehenbleibt. So
+wenig ihm die reine Form zum Wesen werden kann, so wenig ist sie, als
+Ausbreitung ueber das Einzelne betrachtet, allgemeines Bilden,
+absoluter Begriff, sondern eine Geschicklichkeit, welche nur ueber
+einiges, nicht ueber die allgemeine Macht und das ganze
+gegenstaendliche Wesen maechtig ist.
+
+
+B. Freiheit des Selbstbewusstseins;Stoizismus, Skeptizismusund das
+unglueckliche Bewusstsein
+
+Dem selbststaendigen Selbstbewusstsein ist einesteils nur die reine
+Abstraktion _des Ich_ sein Wesen, und andernteils, indem sie sich
+ausbildet und sich Unterschiede gibt, wird dies Unterscheiden ihm
+nicht zum gegenstaendlichen _ansich_seienden Wesen; dies
+Selbstbewusstsein wird also nicht ein in seiner Einfachheit sich
+wahrhaft unterscheidendes, oder in dieser absoluten Unterscheidung
+sich gleichbleibendes Ich. Das in sich zurueckgedraengte Bewusstsein
+hingegen wird sich im Formieren als Form der gebildeten Dinge zum
+Gegenstande, und an dem Herrn schaut es das Fuer-sich-sein zugleich
+als Bewusstsein an. Aber dem dienenden Bewusstsein als solchem fallen
+diese beiden Momente--_seiner selbst_ als selbststaendigen
+Gegenstandes, und dieses Gegenstandes als eines Bewusstseins, und
+hiemit seines eigenen Wesens--auseinander. Indem aber _fuer uns_ oder
+_an sich_ die _Form_ und das _Fuer-sich-sein_ dasselbe ist, und im
+Begriffe des selbststaendigen Bewusstseins das _An-sich_-sein das
+Bewusstsein ist, so ist die Seite des _An-sich_-seins oder der
+_Dingheit_, welche die Form in der Arbeit erhielt, keine andere
+Substanz als das Bewusstsein, und es ist uns eine neue Gestalt des
+Selbstbewusstseins geworden; ein Bewusstsein, welches sich als die
+Unendlichkeit, oder reine Bewegung des Bewusstseins das Wesen ist;
+welches _denkt_, oder freies Selbstbewusstsein ist. Denn nicht als
+_abstraktes Ich_, sondern als Ich, welches zugleich die Bedeutung des
+_An-sich_-seins hat, sich Gegenstand sein, oder zum gegenstaendlichen
+Wesen sich so verhalten, dass es die Bedeutung des _Fuer-sich-seins_
+des Bewusstseins hat, fuer welches es ist, heisst _denken_.--Dem
+_Denken_ bewegt sich der Gegenstand nicht in Vorstellungen oder
+Gestalten, sondern in _Begriffen_, das heisst in einem unterschiednen
+An-sich-sein, welches unmittelbar fuer das Bewusstsein kein
+unterschiednes von ihm ist. Das _Vorgestellte, Gestaltete, Seiende_,
+als solches, hat die Form, etwas anders zu sein als das Bewusstsein;
+ein Begriff aber ist zugleich ein _Seiendes_--und dieser Unterschied,
+insofern er an ihm selbst ist, ist sein bestimmter Inhalt--, aber
+darin, dass dieser Inhalt ein begriffener zugleich ist, bleibt es sich
+seiner Einheit mit diesem bestimmten und unterschiedenen Seienden
+_unmittelbar_ bewusst; nicht wie bei der Vorstellung, worin es erst
+noch besonders sich zu erinnern hat, dass dies _seine_ Vorstellung sei;
+sondern der Begriff ist mir unmittelbar _mein_ Begriff. Im Denken
+_bin_ Ich _frei_, weil ich nicht in einem Andern bin, sondern
+schlechthin bei mir selbst bleibe, und der Gegenstand, der mir das
+Wesen ist, in ungetrennter Einheit mein Fuer-mich-sein ist; und meine
+Bewegung in Begriffen ist eine Bewegung in mir selbst.--Es ist aber
+in dieser Bestimmung dieser Gestalt des Selbstbewusstseins wesentlich
+dies festzuhalten, dass sie _denkendes_ Bewusstsein _ueberhaupt_ oder
+ihr Gegenstand, _unmittelbare_ Einheit des _An-sich-seins_ und des
+_Fuer-sich-seins_ ist. Das sich gleichnamige Bewusstsein, das sich von
+sich selbst abstoesst, wird sich _ansichseiendes Element_; aber es ist
+sich dies Element nur erst als allgemeines Wesen ueberhaupt, nicht als
+dies gegenstaendliche Wesen in der Entwicklung und Bewegung seines
+mannigfaltigen Seins.
+
+Diese Freiheit des Selbstbewusstseins hat bekanntlich, indem sie als
+ihrer bewusste Erscheinung in der Geschichte des Geistes aufgetreten
+ist, _Stoizismus_ geheissen. Sein Prinzip ist, dass das Bewusstsein
+denkendes Wesen, und etwas nur Wesenheit fuer dasselbe hat, oder wahr
+und gut fuer es ist, als das Bewusstsein sich darin als denkendes Wesen
+verhaelt.
+
+Die vielfache sich in sich unterscheidende Ausbreitung, Vereinzelung
+und Verwicklung des Lebens ist der Gegenstand, gegen welchen die
+Begierde und die Arbeit taetig ist. Dies vielfache Tun hat sich nun
+in die einfache Unterscheidung zusammengezogen, welche in der reinen
+Bewegung des Denkens ist. Nicht der Unterschied, welcher sich als
+_bestimmtes Ding_, oder als _Bewusstsein eines bestimmten natuerlichen
+Daseins_, als ein Gefuehl, oder als _Begierde_ und _Zweck fuer
+dieselbe_, ob er durch das _eigene_ oder durch _ein fremdes
+Bewusstsein_ gesetzt sei, hat mehr Wesenheit, sondern allein der
+Unterschied, der ein _gedachter_, oder unmittelbar nicht von Mir
+unterschieden ist. Dies Bewusstsein ist somit negativ gegen das
+Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft; sein Tun ist, in der
+Herrschaft nicht seine Wahrheit an dem Knechte zu haben, noch als
+Knecht seine Wahrheit an dem Willen des Herrn und an seinem Dienen,
+sondern wie auf dem Throne so in den Fesseln, in aller Abhaengigkeit
+seines einzelnen Daseins frei zu sein, und die Leblosigkeit sich zu
+erhalten, welche sich bestaendig aus der Bewegung des Daseins, aus dem
+Wirken wie aus dem Leiden, in _die einfache Wesenheit des Gedankens
+zurueckzieht_. Der Eigensinn ist die Freiheit, die an eine
+Einzelnheit sich befestigt und _innerhalb_ der Knechtschaft steht,
+der Stoizismus aber die Freiheit, welche unmittelbar immer aus ihr
+her, und in die _reine Allgemeinheit_ des Gedankens zurueckkoemmt; als
+allgemeine Form des Weltgeistes nur in der Zeit einer allgemeinen
+Furcht und Knechtschaft, aber auch einer allgemeinen Bildung
+auftreten konnte, welche das Bilden bis zum Denken gesteigert hatte.
+
+Ob nun zwar diesem Selbstbewusstsein weder ein Anderes als es, noch
+die reine Abstraktion des Ich das Wesen ist, sondern Ich, welches das
+Anderssein, aber als gedachten Unterschied an ihm hat, so dass es in
+seinem Anderssein unmittelbar in sich zurueckgekehrt ist; so ist dies
+sein Wesen zugleich nur ein _abstraktes_ Wesen. Die Freiheit des
+Selbstbewusstseins ist _gleichgueltig_ gegen das natuerliche Dasein, hat
+darum _dieses ebenso frei entlassen_, und die _Reflexion_ ist eine
+_gedoppelte_. Die Freiheit im Gedanken hat nur _den reinen Gedanken_
+zu ihrer Wahrheit, die ohne die Erfuellung des Lebens ist; und ist
+also auch nur der Begriff der Freiheit, nicht die lebendige Freiheit
+selbst; denn ihr ist nur erst das _Denken_ ueberhaupt das Wesen, die
+Form als solche, welche von der Selbststaendigkeit der Dinge weg, in
+sich zurueckgegangen ist. Indem aber die Individualitaet als handelnd
+sich lebendig darstellen, oder als denkend die lebendige Welt als ein
+System des Gedankens fassen sollte, so muesste in _dem Gedanken selbst_
+fuer jene Ausbreitung ein _Inhalt_ dessen, was gut, fuer diese, was
+wahr ist, liegen; damit _durchaus_, in demjenigen, _was fuer das
+Bewusstsein ist_, kein anderes Ingrediens waere als der Begriff, der
+das Wesen ist. Allein so wie er hier als _Abstraktion_ von der
+Mannigfaltigkeit der Dinge sich abtrennt, hat er _keinen Inhalt an
+ihm selbst_, sondern _einen gegebenen_. Das Bewusstsein vertilgt den
+Inhalt wohl als ein fremdes _Sein_, indem es ihn denkt; aber der
+Begriff ist _bestimmter_ Begriff, und diese _Bestimmtheit_ desselben
+ist das Fremde, das er an ihm hat. Der Stoizismus ist darum in
+Verlegenheit gekommen, als er, wie der Ausdruck war, nach dem
+_Kriterium_ der Wahrheit ueberhaupt gefragt wurde, d.h. eigentlich
+nach _einem Inhalte_ des _Gedankens selbst_. Auf die Frage an ihn,
+_was_ gut und wahr ist, hat er wieder das _inhaltslose_ Denken selbst
+zur Antwort gegeben; in der Vernuenftigkeit soll das Wahre und Gute
+bestehen. Aber diese Sichselbstgleichheit des Denkens ist nur wieder
+die reine Form, in welcher sich nichts bestimmt; die allgemeinen
+Worte von dem Wahren und Guten, der Weisheit und der Tugend, bei
+welchen er stehen bleiben muss, sind daher wohl im allgemeinen
+erhebend, aber weil sie in der Tat zu keiner Ausbreitung des Inhalts
+kommen koennen, fangen sie bald an, Langeweile zu machen.
+
+Dieses denkende Bewusstsein so, wie es sich bestimmt hat, als die
+abstrakte Freiheit, ist also nur die unvollendete Negation des
+Andersseins; aus dem Dasein nur in sich _zurueckgezogen_, hat es sich
+nicht als absolute Negation desselben an ihm vollbracht. Der Inhalt
+gilt ihm zwar nur als Gedanke, aber dabei auch als _bestimmter_, und
+die Bestimmtheit als solche zugleich.
+
+Der _Skeptizismus_ ist die Realisierung desjenigen, wovon der
+Stoizismus nur der Begriff,--und die wirkliche Erfahrung, was die
+Freiheit des Gedankens ist; sie ist _an sich_ das Negative, und muss
+sich so darstellen. Mit der Reflexion des Selbstbewusstseins in den
+einfachen Gedanken seiner selbst ist ihr gegenueber in der Tat aus der
+Unendlichkeit das selbststaendige Dasein oder die bleibende
+Bestimmtheit herausgefallen; im Skeptizismus wird nun _fuer das
+Bewusstsein_ die gaenzliche Unwesentlichkeit und Unselbststaendigkeit
+dieses Andern; der Gedanke wird zu dem vollstaendigen das Sein der
+_vielfach bestimmten_ Welt vernichtenden Denken, und die Negativitaet
+des freien Selbstbewusstseins wird sich an dieser mannigfaltigen
+Gestaltung des Lebens zur realen Negativitaet.--Es erhellt, dass, wie
+der Stoizismus dem _Begriffe_ des _selbststaendi_gen Bewusstseins, das
+als Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft erschien, entspricht,
+so entspricht der Skeptizismus der _Realisierung_ desselben, als der
+negativen Richtung auf das Anderssein, der Begierde und der Arbeit.
+Aber wenn die Begierde und die Arbeit die Negation nicht fuer das
+Selbstbewusstsein ausfuehren konnten, so wird dagegen diese polemische
+Richtung gegen die vielfache Selbststaendigkeit der Dinge von Erfolg
+sein, weil sie als in sich vorher vollendetes freies Selbstbewusstsein
+sich gegen sie kehrt; bestimmter, weil sie _das Denken_, oder die
+Unendlichkeit, an ihr selbst hat, und hierin die Selbststaendigkeiten
+nach ihrem Unterschiede ihr nur als verschwindende Groessen sind. Die
+Unterschiede, welche im reinen Denken seiner selbst nur die
+Abstraktion der Unterschiede sind, werden hier zu _allen_
+Unterschieden, und alles unterschiedene Sein zu einem Unterschiede
+des Selbstbewusstseins.
+
+Hiedurch hat sich das _Tun_ des _Skeptizismus_ ueberhaupt, und die
+_Weise_ desselben bestimmt. Er zeigt die _dialektische Bewegung_ auf,
+welche die sinnliche Gewissheit, die Wahrnehmung und der Verstand ist;
+so wie auch die Unwesenheit desjenigen, was in dem Verhaeltnisse des
+Herrschens und des Dienens, und was fuer das abstrakte Denken selbst,
+als _bestimmtes_ gilt. Jenes Verhaeltnis fasst eine _bestimmte Weise_
+zugleich in sich, in welcher auch sittliche Gesetze als Gebote der
+Herrschaft vorhanden sind; die Bestimmungen im abstrakten Denken aber
+sind Begriffe der Wissenschaft, in welche sich das inhaltslose Denken
+ausbreitet, und den Begriff auf eine in der Tat nur aeusserliche Weise
+an das ihm selbststaendige Sein, das seinen Inhalt ausmacht, haengt und
+_nur bestimmte_ Begriffe als geltende hat, es sei, dass sie auch reine
+Abstraktionen sind.
+
+Das _Dialektische_ als negative Bewegung, wie sie unmittelbar _ist_,
+erscheint dem Bewusstsein zunaechst als etwas, dem es preisgegeben, und
+das nicht durch es selbst ist. Als _Skeptizismus_ hingegen ist sie
+Moment des Selbstbewusstseins, welchem es nicht _geschieht_, dass ihm,
+ohne zu wissen wie, sein Wahres und Reelles verschwindet, sondern
+welches in der Gewissheit seiner Freiheit dies andere fuer reell sich
+Gebende selbst verschwinden laesst; nicht nur das Gegenstaendliche als
+solches, sondern sein eignes Verhalten zu ihm, worin es als
+gegenstaendlich gilt, und geltend gemacht wird, also auch sein
+_Wahrnehmen_, so wie sein _Befestigen_ dessen, was es in Gefahr ist
+zu verlieren, die _Sophisterei_, und sein _aus sich bestimmtes_ und
+_festgesetztes Wahres_; durch welche selbstbewusste Negation es _die
+Gewissheit seiner Freiheit_ sich _fuer sich selbst_ verschafft, die
+Erfahrung derselben hervorbringt, und sie dadurch zur _Wahrheit_
+erhebt. Was verschwindet, ist das Bestimmte, oder der Unterschied,
+der, auf welche Weise und woher es sei, als fester und unwandelbarer
+sich aufstellt. Er hat nichts Bleibendes an ihm, und _muss_ dem
+Denken verschwinden, weil das Unterschiedne eben dies ist, nicht _an
+ihm selbst_ zu sein, sondern seine Wesenheit nur in einem Andern zu
+haben; das Denken aber ist die Einsicht in diese Natur des
+Unterschiednen, es ist das negative Wesen als einfaches.
+
+Das skeptische Selbstbewusstsein erfaehrt also in dem Wandel alles
+dessen, was sich fuer es befestigen will, seine eigne Freiheit als
+durch es selbst sich gegeben und erhalten; es ist sich diese Ataraxie
+des Sich-selbst-denkens, die unwandelbare und _wahrhafte Gewissheit
+seiner selbst_. Sie geht nicht aus einem Fremden, das seine
+vielfache Entwicklung in sich zusammenstuerzte, als ein Resultat
+hervor, welches sein Werden hinter sich haette; sondern das Bewusstsein
+selbst ist die _absolute dialektische Unruhe_, dieses Gemische von
+sinnlichen und gedachten Vorstellungen, deren Unterschiede
+zusammenfallen, und deren _Gleichheit_ sich ebenso--denn sie ist
+selbst die _Bestimmtheit_ gegen das _Ungleiche_--wieder aufloest.
+Dies Bewusstsein ist aber eben hierin in der Tat, statt
+sichselbstgleiches Bewusstsein zu sein, nur eine schlechthin zufaellige
+Verwirrung, der Schwindel einer sich immer erzeugenden Unordnung. _Es
+ist dies fuer sich selbst_; denn es selbst erhaelt und bringt diese
+sich bewegende Verwirrung hervor. Es bekennt sich darum auch dazu,
+es bekennt, ein ganz _zufaelliges, einzelnes_ Bewusstsein zu sein--ein
+Bewusstsein, das _empirisch_ ist, sich nach dem richtet, was keine
+Realitaet fuer es hat, dem gehorcht, was ihm kein Wesen ist, das tut
+und zur Wirklichkeit bringt, was ihm keine Wahrheit hat. Aber ebenso
+wie es sich auf diese Weise als _einzelnes, zufaelliges_ und in der
+Tat tierisches Leben, und _verlornes_ Selbstbewusstsein gilt, macht es
+sich im Gegenteile auch wieder zum _allgemeinen sichselbstgleichen_;
+denn es ist die Negativitaet aller Einzelnheit und alles Unterschieds.
+Von dieser Sich-selbst-gleichheit oder in ihr selbst vielmehr faellt
+es wieder in jene Zufaelligkeit und Verwirrung zurueck, denn eben diese
+sich bewegende Negativitaet hat es nur mit Einzelnem zu tun, und
+treibt sich mit Zufaelligem herum. Dies Bewusstsein ist also diese
+bewusstlose Faselei, von dem einen Extreme des sichselbstgleichen
+Selbstbewusstseins zum andern des zufaelligen, verworrenen, und
+verwirrenden Bewusstseins hinueber und herueber zu gehen. Es selbst
+bringt diese beiden Gedanken seiner selbst nicht zusammen; es erkennt
+seine Freiheit _einmal_ als Erhebung ueber alle Verwirrung und alle
+Zufaelligkeit des Daseins, und bekennt sich ebenso das _andremal_
+wieder als ein Zurueckfallen in _die Unwesentlichkeit_ und als ein
+Herumtreiben in ihr. Es laesst den unwesentlichen Inhalt in seinem
+Denken verschwinden, aber eben darin ist es das Bewusstsein eines
+Unwesentlichen; es spricht das absolute _Verschwinden_ aus, aber das
+_Aussprechen *ist*_, und dies Bewusstsein ist das ausgesprochne
+Verschwinden; es spricht die Nichtigkeit des Sehens, Hoerens, und so
+fort, aus, und es _sieht, hoert_ und so fort, _selbst_; es spricht die
+Nichtigkeit der sittlichen Wesenheiten aus, und macht sie selbst zu
+den Maechten seines Handelns. Sein Tun und seine Worte widersprechen
+sich immer, und ebenso hat es selbst das gedoppelte widersprechende
+Bewusstsein der Unwandelbarkeit und Gleichheit, und der voelligen
+Zufaelligkeit und Ungleichheit mit sich. Aber es haelt diesen
+Widerspruch seiner selbst auseinander; und verhaelt sich darueber wie
+in seiner rein negativen Bewegung ueberhaupt. Wird ihm die
+_Gleichheit_ aufgezeigt, so zeigt es die _Ungleichheit_ auf; und
+indem ihm diese, die es eben ausgesprochen hat, itzt vorgehalten wird,
+so geht es zum Aufzeigen der _Gleichheit_ ueber; sein Gerede ist in
+der Tat ein Gezaenke eigensinniger Jungen, deren einer A sagt, wenn
+der andere B, und wieder B, wenn der andere A, und die sich durch den
+Widerspruch _mit sich selbst_ die Freude erkaufen, _miteinander_ im
+Widerspruche zu bleiben.
+
+Im Skeptizismus erfaehrt das Bewusstsein in Wahrheit sich als ein in
+sich selbst widersprechendes Bewusstsein; es geht aus dieser Erfahrung
+eine _neue Gestalt_ hervor, welche die zwei Gedanken zusammenbringt,
+die der Skeptizismus auseinander haelt. Die Gedankenlosigkeit des
+Skeptizismus ueber sich selbst muss verschwinden, weil es in der Tat
+ein Bewusstsein ist, welches diese beiden Weisen an ihm hat. Diese
+neue Gestalt ist hiedurch ein solches, welches _fuer sich_ das
+gedoppelte Bewusstsein seiner als des sich befreienden, unwandelbaren
+und sichselbstgleichen, und seiner als des absolut sich verwirrenden
+und verkehrenden--und das Bewusstsein dieses seines Widerspruchs ist.
+--Im Stoizismus ist das Selbstbewusstsein die einfache Freiheit seiner
+selbst; im Skeptizismus realisiert sie sich, vernichtet die andere
+Seite des bestimmten Daseins, aber verdoppelt _sich_ vielmehr, und
+ist sich nun ein Zweifaches. Hiedurch ist die Verdopplung, welche
+frueher an zwei einzelne, an den Herrn und den Knecht, sich verteilte,
+in eines eingekehrt; die Verdopplung des Selbstbewusstseins in sich
+selbst, welche im Begriffe des Geistes wesentlich ist, ist hiemit
+vorhanden, aber noch nicht ihre Einheit, und das _unglueckliche
+Bewusstsein_ ist das Bewusstsein seiner als des gedoppelten nur
+widersprechenden Wesens.
+
+Dieses _unglueckliche, in sich entzweite_ Bewusstsein muss also, weil
+dieser Widerspruch seines Wesens sich _ein_ Bewusstsein ist, in dem
+einen Bewusstsein immer auch das andere haben, und so aus jedem
+unmittelbar, indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu
+sein meint, wieder daraus ausgetrieben werden. Seine wahre Rueckkehr
+aber in sich selbst, oder seine Versoehnung mit sich wird den Begriff
+des lebendig gewordenen und in die Existenz getretenen Geistes
+darstellen, weil an ihm schon dies ist, dass es als _ein_ ungeteiltes
+Bewusstsein ein gedoppeltes ist; es selbst _ist_ das Schauen eines
+Selbstbewusstseins in ein anderes, und es selbst _ist_ beide, und die
+Einheit beider ist ihm auch das Wesen, aber es _fuer sich_ ist sich
+noch nicht dieses Wesen selbst, noch nicht die Einheit beider.
+
+Indem es zunaechst nur die _unmittelbare Einheit_ beider ist, aber fuer
+es nicht beide dasselbe, sondern entgegengesetzte sind, so ist ihm
+das eine, naemlich das einfache unwandelbare, als das _Wesen_; das
+andere aber, das vielfache wandelbare, als das _Unwesentliche_.
+Beide sind _fuer es_ einander fremde Wesen; es selbst, weil es das
+Bewusstsein dieses Widerspruchs ist, stellt sich auf die Seite des
+wandelbaren Bewusstseins, und ist sich das Unwesentliche; aber als
+Bewusstsein der Unwandelbarkeit, oder des einfachen Wesens, muss es
+zugleich darauf gehen, sich von dem Unwesentlichen, das heisst, sich
+von sich selbst zu befreien. Denn ob es _fuer sich_ wohl nur das
+wandelbare, und das unwandelbare ihm ein Fremdes ist, so _ist es
+selbst_ einfaches, und hiemit unwandelbares Bewusstsein, dessen hiemit
+als _seines_ Wesens sich bewusst, jedoch so, dass _es selbst_ fuer sich
+wieder nicht dies Wesen ist. Die Stellung, welche es beiden gibt,
+kann daher nicht eine Gleichgueltigkeit derselben gegeneinander, d.i.
+nicht eine Gleichgueltigkeit seiner selbst gegen das Unwandelbare sein;
+sondern es ist unmittelbar selbst beide, und es ist fuer es _die
+Beziehung beider_ als eine Beziehung des Wesens auf das Unwesen, so
+dass dies letztere aufzuheben ist, aber indem ihm beide gleich
+wesentlich und widersprechend sind, ist es nur die widersprechende
+Bewegung, in welcher das Gegenteil nicht in seinem Gegenteil zur Ruhe
+kommt, sondern in ihm nur als Gegenteil sich neu erzeugt.
+
+Es ist damit ein Kampf gegen einen Feind vorhanden, gegen welchen der
+Sieg vielmehr ein Unterliegen, das eine erreicht zu haben vielmehr
+der Verlust desselben in seinem Gegenteile ist. Das Bewusstsein des
+Lebens, seines Daseins und Tuns ist nur der Schmerz ueber dieses
+Dasein und Tun, denn es hat darin nur das Bewusstsein seines
+Gegenteils als des Wesens, und der eignen Nichtigkeit. Es geht in
+die Erhebung hieraus zum Unwandelbaren ueber. Aber diese Erhebung ist
+selbst dies Bewusstsein; sie ist also unmittelbar das Bewusstsein des
+Gegenteils, naemlich seiner selbst als der Einzelnheit. Das
+Unwandelbare, das in das Bewusstsein tritt, ist ebendadurch zugleich
+von der Einzelnheit beruehrt, und nur mit dieser gegenwaertig; statt
+diese im Bewusstsein des Unwandelbaren vertilgt zu haben, geht sie
+darin immer nur hervor.
+
+In dieser Bewegung aber erfaehrt es eben dieses _Hervortreten der
+Einzelnheit *am* Unwandelbaren_, und _des Unwandelbaren *an* der
+Einzelnheit_. Es wird _fuer es_ die Einzelnheit _ueberhaupt am_
+unwandelbaren Wesen, und zugleich die _seinige_ an ihm. Denn die
+Wahrheit dieser Bewegung ist eben das _Einssein_ dieses gedoppelten
+Bewusstseins. _Diese Einheit wird ihm_ aber _zunaechst_ selbst eine
+solche, _in welcher noch die Verschiedenheit_ beider das Herrschende
+ist. Es ist dadurch die dreifache Weise fuer dasselbe vorhanden, wie
+die Einzelnheit mit dem Unwandelbaren verknuepft ist; _einmal_ geht es
+selbst sich wieder hervor als entgegengesetzt dem unwandelbaren Wesen;
+und es ist in den Anfang des Kampfs zurueckgeworfen, welcher das
+Element des ganzen Verhaeltnisses bleibt. Das _andremal_ aber hat das
+_Unwandelbare_ selbst _an ihm_ die _Einzelnheit_ fuer es; so dass sie
+Gestalt des Unwandelbaren ist, an welches hiemit die ganze Weise der
+Existenz hinuebertritt. Das _drittemal_ findet _es sich selbst_ als
+dieses Einzelne im Unwandelbaren. Das _erste_ Unwandelbare ist ihm
+nur das _fremde_ die Einzelnheit verurteilende Wesen; indem das
+_andre_ eine _Gestalt_ der _Einzelnheit_ wie es selbst ist, so wird
+es _drittens_ zum Geiste, hat sich selbst darin zu finden die Freude,
+und wird sich seine Einzelnheit mit dem Allgemeinen versoehnt zu sein
+bewusst.
+
+Was sich hier als Weise und Verhaeltnis des Unwandelbaren darstellt,
+ergab sich als die _Erfahrung_, welche das entzweite Selbstbewusstsein
+in seinem Ungluecke macht. Diese Erfahrung ist nun zwar nicht _seine
+einseitige_ Bewegung, denn es ist selbst unwandelbares Bewusstsein,
+dieses hiemit zugleich auch einzelnes Bewusstsein, und die Bewegung
+ebensowohl Bewegung des unwandelbaren Bewusstseins, das in ihr so sehr
+wie das andere auftritt; denn sie verlaeuft sich durch diese Momente,
+einmal unwandelbares dem einzelnen ueberhaupt, dann selbst einzelnes
+dem andern einzelnen entgegengesetzt, und endlich mit ihm Eins zu
+sein. Aber diese Betrachtung, insofern sie uns angehoert, ist hier
+unzeitig, denn bis itzt ist uns nur die Unwandelbarkeit als
+Unwandelbarkeit des Bewusstseins, welche deswegen nicht die wahre,
+sondern noch mit einem Gegensatze behaftete ist, nicht das
+Unwandelbare _an und fuer sich selbst_ entstanden; wir wissen daher
+nicht, wie dieses sich verhalten wird. Was hier sich ergeben hat,
+ist nur dies, dass dem Bewusstsein, das hier unser Gegenstand ist,
+diese angezeigten Bestimmungen an dem Unwandelbaren erscheinen.
+
+Aus diesem Grunde behaelt also auch das unwandelbare _Bewusstsein_ in
+seiner Gestaltung selbst den Charakter und die Grundlage des
+Entzweit--und des Fuer-sich-seins gegen das einzelne Bewusstsein. Es
+ist hiemit fuer dieses ueberhaupt ein _Geschehen_, dass das Unwandelbare
+die Gestalt der Einzelnheit erhaelt; so wie es sich auch ihm
+entgegengesetzt nur _findet_, und also _durch die Natur_ dies
+Verhaeltnis hat; dass es _sich_ endlich in ihm _findet_, erscheint ihm
+zum Teil zwar durch es selbst hervorgebracht, oder darum stattzuhaben,
+weil es selbst einzeln ist; aber ein Teil dieser Einheit als dem
+Unwandelbaren zugehoerend, sowohl nach ihrer Entstehung, als insofern
+sie ist; und der Gegensatz bleibt in dieser Einheit selbst. In der
+Tat ist durch die _Gestaltung_ des Unwandelbaren das Moment des
+Jenseits nicht nur geblieben, sondern vielmehr noch befestigt; denn
+wenn es durch die Gestalt der einzelnen Wirklichkeit ihm einerseits
+zwar naeher gebracht zu sein scheint, so ist es ihm andererseits
+nunmehr als ein undurchsichtiges sinnliches _Eins_, mit der ganzen
+Sproedigkeit eines _Wirklichen_, gegenueber; die Hoffnung, mit ihm Eins
+zu werden, muss Hoffnung, das heisst ohne Erfuellung und Gegenwart
+bleiben, denn zwischen ihr und der Erfuellung steht gerade die
+absolute Zufaelligkeit oder unbewegliche Gleichgueltigkeit, welche in
+der Gestaltung selbst, dem begruendenden der Hoffnung, liegt. Durch
+die Natur des _seienden Eins_, durch die Wirklichkeit, die es
+angezogen, geschieht es notwendig, dass es in der Zeit verschwunden,
+und im Raume und ferne gewesen ist, und schlechthin ferne bleibt.
+
+Wenn zuerst der blosse Begriff des entzweiten Bewusstseins sich so
+bestimmte, dass es auf das Aufheben seiner als einzelnen und auf das
+Werden zum unwandelbaren Bewusstsein gehe, so hat sein Streben nunmehr
+diese Bestimmung, dass es vielmehr sein Verhaeltnis zu dem reinen
+_ungestalteten_ Unwandelbaren aufhebe, und sich nur die Beziehung auf
+den _gestalteten Unwandelbaren_ gebe. Denn das _Einssein_ des
+Einzelnen mit dem Unwandelbaren ist ihm nunmehr _Wesen_ und
+_Gegenstand_, wie im Begriffe nur das gestaltlose, abstrakte
+Unwandelbare der wesentliche Gegenstand war; und das Verhaeltnis
+dieses absoluten Entzweitseins des Begriffes ist nun dasjenige, von
+welchem es sich wegzuwenden hat. Die zunaechst aeussere Beziehung aber
+zu dem gestalteten Unwandelbaren als einem fremden Wirklichen hat es
+zum absoluten Einswerden zu erheben.
+
+Die Bewegung, worin das unwesentliche Bewusstsein dies Einssein zu
+erreichen strebt, ist selbst die _dreifache_, nach dem dreifachen
+Verhaeltnisse, welche es zu seinem gestalteten jenseits haben wird;
+einmal als _reines Bewusstsein_; das andremal als _einzelnes Wesen_,
+welches sich als Begierde und Arbeit gegen _die Wirklichkeit_ verhaelt;
+und zum dritten als _Bewusstsein seines Fuer-sich-seins_.--Wie diese
+drei Weisen seines Seins in jenem allgemeinen Verhaeltnisse vorhanden
+und bestimmt sind, ist nun zu sehen.
+
+Zuerst also es als _reines Bewusstsein_ betrachtet, so scheint der
+gestaltete Unwandelbare, indem er fuer das reine Bewusstsein ist,
+gesetzt zu werden, wie er an und fuer sich selbst ist. Allein wie er
+an und fuer sich selbst ist, dies ist, wie schon erinnert, noch nicht
+entstanden. Dass er im Bewusstsein waere, wie er an und fuer sich selbst
+ist, dies muesste wohl von ihm vielmehr ausgehen als von dem Bewusstsein;
+so aber ist diese seine Gegenwart hier nur erst einseitig durch das
+Bewusstsein vorhanden, und eben darum nicht vollkommen und wahrhaftig,
+sondern bleibt mit Unvollkommenheit oder einem Gegensatze beschwert.
+
+Obgleich aber das unglueckliche Bewusstsein also diese Gegenwart nicht
+besitzt, so ist es zugleich ueber das reine Denken, insofern dieses
+das abstrakte von der _Einzelnheit_ ueberhaupt _wegsehende_ Denken des
+Stoizismus, und das nur _unruhige_ Denken des Skeptizismus--in der
+Tat nur die Einzelnheit als der bewusstlose Widerspruch und dessen
+rastlose Bewegung--ist; es ist ueber diese beide hinaus, es bringt und
+haelt das reine Denken und die Einzelnheit zusammen, ist aber noch
+nicht zu demjenigen Denken erhoben, _fuer welches_ die Einzelnheit des
+Bewusstseins mit dem reinen Denken selbst ausgesoehnt ist. Es steht
+vielmehr in dieser Mitte, worin das abstrakte Denken die Einzelnheit
+des Bewusstseins als Einzelnheit beruehrt. Es selbst _ist_ diese
+Beruehrung; es ist die Einheit des reinen Denkens und der Einzelnheit;
+es ist auch _fuer es_ diese denkende Einzelnheit, oder das reine
+Denken, und das Unwandelbare wesentlich selbst als Einzelnheit. Aber
+es ist nicht _fuer es_, dass dieser sein Gegenstand, das Unwandelbare,
+welches ihm wesentlich die Gestalt der Einzelnheit hat, _es selbst_
+ist, es selbst, das Einzelnheit des Bewusstseins ist.
+
+Es _verhaelt_ sich daher in dieser ersten Weise, worin wir es als
+_reines Bewusstsein_ betrachten, _zu seinem Gegenstande_ nicht denkend,
+sondern indem es selbst zwar _an sich_ reine denkende Einzelnheit
+und sein Gegenstand eben dieses, aber nicht die _Beziehung
+aufeinander selbst reines Denken_ ist, geht es, so zu sagen, nur _an_
+das Denken _hin_, und ist _Andacht_. Sein Denken als solches bleibt
+das gestaltlose Sausen des Glockengelaeutes oder eine warme
+Nebelerfuellung, ein musikalisches Denken, das nicht zum Begriffe, der
+die einzige immanente gegenstaendliche Weise waere, kommt. Es wird
+diesem unendlichen reinen innern Fuehlen wohl sein Gegenstand; aber so
+eintretend, dass er nicht als begriffner, und darum als ein Fremdes
+eintritt. Es ist hiedurch die innerliche Bewegung des _reinen_
+Gemuets vorhanden, welches sich selbst, aber als die Entzweiung
+schmerzhaft _fuehlt_; die Bewegung einer unendlichen _Sehnsucht_,
+welche die Gewissheit hat, dass ihr Wesen ein solches reines Gemuet ist,
+reines _Denken_, welches sich _als Einzelnheit denkt_; dass sie von
+diesem Gegenstande, eben darum, weil er sich als Einzelnheit denkt,
+erkannt, und anerkannt wird. Zugleich aber ist dies Wesen das
+unerreichbare _Jenseits_, welches im Ergreifen entflieht, oder
+vielmehr schon entflohen ist. Es ist schon entflohen; denn es ist
+einesteils das sich als Einzelnheit denkende Unwandelbare, und das
+Bewusstsein erreicht sich selbst daher unmittelbar in ihm, _sich
+selbst_, aber als _das dem Unwandelbaren entgegengesetzte_; statt das
+Wesen zu ergreifen, _fuehlt_ es nur, und ist in sich zurueckgefallen;
+indem es im Erreichen sich als dies entgegengesetzte nicht abhalten
+kann, hat es, statt das Wesen ergriffen zu haben, nur die
+Unwesentlichkeit ergriffen. Wie es so auf einer Seite, indem _es
+sich im Wesen_ zu erreichen strebt, nur die eigne getrennte
+Wirklichkeit ergreift, so kann es auf der andern Seite das Andere
+nicht _als einzelnes_, oder als _wirkliches_ ergreifen. Wo es
+gesucht werde, kann es nicht gefunden werden, denn es soll eben _ein
+Jenseits_, ein solches sein, welches nicht gefunden werden kann. Es
+als einzelnes gesucht, ist nicht eine _allgemeine_, gedachte
+_Einzelnheit_, nicht Begriff, sondern _Einzelnes_ als Gegenstand,
+oder _ein Wirkliches_; Gegenstand der unmittelbaren sinnlichen
+Gewissheit; und ebendarum nur ein solches, welches verschwunden ist.
+Dem Bewusstsein kann daher nur das _Grab_ seines Lebens zur Gegenwart
+kommen. Aber weil dies selbst eine _Wirklichkeit_ und es gegen die
+Natur dieser ist, einen dauernden Besitz zu gewaehren; so ist auch
+diese Gegenwart des Grabes nur der Kampf eines Bemuehens, der verloren
+werden muss. Allein indem es diese Erfahrung gemacht, dass _das Grab_
+seines _wirklichen_ unwandelbaren Wesens _keine Wirklichkeit_ hat,
+dass die _verschwundene Einzelnheit_ als verschwundne nicht die wahre
+Einzelnheit ist, wird es die unwandelbare Einzelnheit als _wirkliche_
+aufzusuchen oder als verschwundne festzuhalten aufgeben, und erst
+hiedurch ist es faehig, die Einzelnheit als wahrhafte oder als
+allgemeine zu finden.
+
+Zunaechst aber ist die _Rueckkehr des Gemuets in sich selbst_ so zu
+nehmen, dass es sich als _Einzelnes Wirklichkeit_ hat. Es ist das
+_reine Gemuet_, welches _fuer uns_ oder _an sich_, sich gefunden und in
+sich ersaettigt ist, denn ob _fuer es_ in seinem Gefuehle sich wohl das
+Wesen von ihm trennt, so ist an sich dies Gefuehl _Selbst_gefuehl, es
+hat den Gegenstand seines reinen Fuehlens gefuehlt, und dieser ist es
+selbst; es tritt also hieraus als Selbstgefuehl oder fuer sich seiendes
+Wirkliches auf. In dieser Rueckkehr in sich ist fuer uns sein _zweites
+Verhaeltnis_ geworden, das der Begierde und Arbeit, welche dem
+Bewusstsein die innerliche Gewissheit seiner selbst, die es fuer uns
+erlangt hat, durch Aufheben und Geniessen des fremden Wesens, naemlich
+desselben in der Form der selbststaendigen Dinge bewaehrt. Das
+unglueckliche Bewusstsein aber _findet_ sich nur als _begehrend_ und
+_arbeitend_; es ist fuer es nicht vorhanden, dass, sich so zu finden,
+die innre Gewissheit seiner selbst zum Grunde liegt, und sein Gefuehl
+des Wesens dies Selbstgefuehl ist. Indem es sie _fuer sich selbst_
+nicht hat, bleibt sein Innres vielmehr noch die gebrochne Gewissheit
+seiner selbst; die Bewaehrung, welche es durch Arbeit und Genuss
+erhalten wuerde, ist darum eine ebensolche _gebrochne_; oder es muss
+sich vielmehr selbst diese Bewaehrung vernichten, so dass es in ihr
+wohl die Bewaehrung, aber nur die Bewaehrung desjenigen, was es fuer
+sich ist, naemlich seiner Entzweiung findet.
+
+Die Wirklichkeit, gegen welche sich die Begierde und die Arbeit
+wendet, ist diesem Bewusstsein nicht mehr ein _an sich Nichtiges_, von
+ihm nur Aufzuhebendes und zu Verzehrendes, sondern ein solches, wie
+es selbst ist, eine _entzweigebrochene Wirklichkeit_, welche nur
+einerseits an sich nichtig, andererseits aber auch eine geheiligte
+Welt ist; sie ist Gestalt des Unwandelbaren, denn dieses hat die
+Einzelnheit an sich erhalten, und weil es als das Unwandelbare
+Allgemeines ist, hat seine Einzelnheit ueberhaupt die Bedeutung aller
+Wirklichkeit.
+
+Wenn das Bewusstsein fuer sich selbststaendiges Bewusstsein und ihm die
+Wirklichkeit an und fuer sich nichtig waere, wuerde es in der Arbeit und
+in dem Genusse zum Gefuehle seiner Selbststaendigkeit gelangen, dadurch
+dass es selbst es waere, welches die Wirklichkeit aufhoebe. Allein
+indem diese ihm Gestalt des Unwandelbaren ist, vermag es nicht sie
+durch sich aufzuheben. Sondern indem es zwar zur Vernichtung der
+Wirklichkeit und zum Genusse gelangt, so geschieht fuer es dies
+wesentlich dadurch, dass das Unwandelbare selbst seine Gestalt
+_preisgibt_, und ihm zum Genusse _ueberlaesst_.--Das Bewusstsein tritt
+hierin seinerseits _gleichfalls_ als Wirkliches auf, aber ebenso als
+innerlich gebrochen, und diese Entzweiung stellt sich in seinem
+Arbeiten und Geniessen dar, in ein _Verhaeltnis zur Wirklichkeit_ oder
+das _Fuer-sich-sein_ und in ein _An-sich-sein_ sich zu brechen. Jenes
+Verhaeltnis zur Wirklichkeit ist das _Veraendern_ oder das _Tun_, das
+Fuer-sich-sein, das dem _einzelnen_ Bewusstsein als solchem angehoert.
+Aber es ist darin auch _an sich_; diese Seite gehoert dem
+unwandelbaren Jenseits an; sie sind die Faehigkeiten und Kraefte, eine
+fremde Gabe, welche das Unwandelbare ebenso dem Bewusstsein ueberlaesst,
+um sie zu gebrauchen.
+
+In seinem Tun ist demnach das Bewusstsein zunaechst in dem Verhaeltnisse
+zweier Extreme; es steht als das taetige Diesseits auf einer Seite,
+und ihm gegenueber die passive Wirklichkeit, beide in Beziehung
+aufeinander, aber auch beide in das Unwandelbare zurueckgegangen, und
+an sich festhaltend. Von beiden Seiten loest sich daher nur eine
+Oberflaeche gegeneinander ab, welche in das Spiel der Bewegung gegen
+die andre tritt.--Das Extrem der Wirklichkeit wird durch das taetige
+Extrem aufgehoben; sie von ihrer Seite kann aber nur darum aufgehoben
+werden, weil ihr unwandelbares Wesen sie selbst aufhebt, sich von
+sich abstoesst, und das Abgestossene der Taetigkeit preisgibt. Die
+taetige Kraft erscheint als _die Macht_, worin die Wirklichkeit sich
+aufloest; darum aber ist fuer dieses Bewusstsein, welchem das _An-sich_
+oder das Wesen ein ihm Andres ist, diese Macht, als welche es in der
+Taetigkeit auftritt, das Jenseits seiner selbst. Statt also aus
+seinem Tun in sich zurueckzukehren, und sich fuer sich selbst bewaehrt
+zu haben, reflektiert es vielmehr diese Bewegung des Tuns in das
+andre Extrem zurueck, welches hiedurch als rein Allgemeines, als die
+absolute Macht dargestellt ist, von der die Bewegung nach allen
+Seiten ausgegangen, und die das Wesen sowohl der sich zersetzenden
+Extreme, wie sie zuerst auftraten, als des Wechsels selbst sei.
+
+Dass das unwandelbare Bewusstsein auf seine Gestalt Ver_zicht tut_ und
+sie _preisgibt_, dagegen das einzelne Bewusstsein _dankt_, d.h. die
+Befriedigung des Bewusstseins seiner _Selbststaendigkeit_ sich
+_versagt_, und das Wesen des Tuns von sich ab dem Jenseits zuweist,
+durch diese beide Momente des _gegenseitigen_ Sich-_aufgebens_ beider
+Teile entsteht hiemit allerdings dem Bewusstsein seine _Einheit_ mit
+dem Unwandelbaren. Allein zugleich ist diese Einheit mit der
+Trennung affiziert, in sich wieder gebrochen, und es tritt aus ihr
+der Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen wieder hervor. Denn das
+Bewusstsein entsagt zwar _zum Scheine_ der Befriedigung seines
+Selbstgefuehls; erlangt aber die _wirkliche_ Befriedigung desselben;
+denn _es ist_ Begierde, Arbeit und Genuss gewesen; _es_ hat als
+Bewusstsein _gewollt, getan_ und _genossen_. Sein _Danken_ ebenso,
+worin es das andre Extrem als das Wesen anerkennt, und sich aufhebt,
+ist selbst _sein eignes_ Tun, welches das Tun des andern Extrems
+aufwiegt, und der sich preisgebenden Wohltat ein _gleiches_ Tun
+entgegenstellt; wenn jenes ihm seine _Oberflaeche_ ueberlaesst, so dankt
+es _aber auch_, und tut darin, indem es sein Tun, d.h. sein _Wesen_,
+selbst aufgibt, eigentlich mehr als das andere, das nur eine
+Oberflaeche von sich abstoesst. Die ganze Bewegung reflektiert sich
+also nicht nur im wirklichen Begehren, Arbeiten und Geniessen, sondern
+sogar selbst im Danken, worin das Gegenteil zu geschehen scheint, in
+das _Extrem der Einzelnheit_. Das Bewusstsein fuehlt sich darin als
+dieses einzelne, und laesst sich durch den Schein seines
+Verzichtleistens nicht taeuschen, denn die Wahrheit desselben ist, dass
+es sich nicht aufgegeben hat; was zustande gekommen, ist nur die
+gedoppelte Reflexion in die beiden Extreme, und das Resultat die
+wiederholte Spaltung in das entgegengesetzte Bewusstsein des
+_Unwandelbaren_ und in das Bewusstsein des _gegenueberstehenden_
+Wollens, Vollbringens, Geniessens, und des Auf-sich-Verzicht-leistens
+selbst, oder der _fuersichseienden Einzelnheit_ ueberhaupt.
+
+Es ist damit das _dritte Verhaeltnis_ der Bewegung dieses Bewusstseins
+eingetreten, welches aus dem zweiten als ein solches hervortritt, das
+in Wahrheit durch sein Wollen und Vollbringen sich als
+selbststaendiges erprobt hat. Im ersten Verhaeltnisse war es nur
+_Begriff_ des wirklichen Bewusstseins, oder das _innre Gemuet_, welches
+im Tun und Genusse noch nicht wirklich ist; das _zweite_ ist diese
+Verwirklichung, als aeusseres Tun und Geniessen; hieraus aber
+zurueckgekehrt ist es ein solches, welches sich als wirkliches und
+wirkendes Bewusstsein _erfahren_, oder dem es _wahr_ ist, _an und fuer
+sich_ zu sein. Darin ist aber nun der Feind in seiner eigensten
+Gestalt aufgefunden. Im Kampfe des Gemuets ist das einzelne
+Bewusstsein nur als musikalisches, abstraktes Moment; in der Arbeit
+und dem Genusse, als der Realisierung dieses wesenlosen Seins, kann
+es unmittelbar _sich_ vergessen, und die bewusste _Eigenheit_ in
+dieser Wirklichkeit wird durch das dankende Anerkennen
+niedergeschlagen. Dieses Niederschlagen ist aber in Wahrheit eine
+Rueckkehr des Bewusstseins in sich selbst, und zwar in sich als die ihm
+wahrhafte Wirklichkeit.
+
+Dies dritte Verhaeltnis, worin diese wahrhafte Wirklichkeit das _eine_
+Extrem ist, ist die _Beziehung_ derselben auf das allgemeine Wesen,
+als der Nichtigkeit; und die Bewegung dieser Beziehung ist noch zu
+betrachten.
+
+Was zuerst die entgegengesetzte Beziehung des Bewusstseins betrifft,
+worin ihm seine _Realitaet unmittelbar das Nichtige_ ist, so wird also
+sein wirkliches Tun zu einem Tun von nichts, sein Genuss Gefuehl seines
+Ungluecks. Hiemit verlieren Tun und Genuss allen _allgemeinen Inhalt
+und Bedeutung_, denn dadurch haetten sie ein An- und Fuer-sich-sein,
+und beide ziehen sich in die Einzelnheit zurueck, auf welche das
+Bewusstsein, sie aufzuheben, gerichtet ist. Seiner als _dieses
+wirklichen Einzelnen_ ist das Bewusstsein sich in den tierischen
+Funktionen bewusst. Diese, statt unbefangen, als etwas, das an und
+fuer sich nichtig ist, und keine Wichtigkeit und Wesenheit fuer den
+Geist erlangen kann, getan zu werden, da sie es sind, in welchen sich
+der Feind in seiner eigentuemlichen Gestalt zeigt, sind sie vielmehr
+Gegenstand des ernstlichen Bemuehens, und werden gerade zum
+Wichtigsten. Indem aber dieser Feind in seiner Niederlage sich
+erzeugt, das Bewusstsein, da es sich ihn fixiert, vielmehr statt frei
+davon zu werden, immer dabei verweilt, und sich immer verunreinigt
+erblickt, zugleich dieser Inhalt seines Bestrebens, statt eines
+Wesentlichen das Niedrigste, statt eines Allgemeinen das Einzelnste
+ist, so sehen wir nur eine auf sich und ihr kleines Tun beschraenkte,
+und sich bebruetende, ebenso unglueckliche als aermliche Persoenlichkeit.
+
+Aber an beides, das Gefuehl seines Ungluecks und die Aermlichkeit seines
+Tuns, knuepft sich ebenso das Bewusstsein seiner Einheit mit dem
+Unwandelbaren. Denn die versuchte unmittelbare Vernichtung seines
+wirklichen Seins ist _vermittelt_ durch den Gedanken des
+Unwandelbaren, und geschieht in dieser _Beziehung_. _Die mittelbare_
+Beziehung macht das Wesen der negativen Bewegung aus, in welcher es
+sich gegen seine Einzelnheit richtet, welche aber ebenso als
+_Beziehung an sich_ positiv ist, und fuer es selbst diese seine
+_Einheit_ hervorbringen wird.
+
+Diese mittelbare Beziehung ist hiemit ein Schluss, in welchem die sich
+zuerst als gegen das _An-sich_ entgegengesetzt fixierende Einzelnheit
+mit diesem andern Extreme nur durch ein drittes zusammengeschlossen
+ist. Durch diese Mitte ist das Extrem des unwandelbaren Bewusstseins
+fuer das unwesentliche Bewusstsein, in welchem zugleich auch dies ist,
+dass es ebenso fuer jenes nur durch diese Mitte sei, und diese Mitte
+hiemit eine solche, die beide Extreme einander vorstellt, und der
+gegenseitige Diener eines jeden bei dem andern ist. Diese Mitte ist
+selbst ein bewusstes Wesen, denn sie ist ein das Bewusstsein als
+solches vermittelndes Tun; der Inhalt dieses Tuns ist die Vertilgung,
+welche das Bewusstsein mit seiner Einzelnheit vornimmt.
+
+In ihr also befreit dieses sich von dem Tun und Genusse als _dem
+seinen_; es stoesst von sich als _fuersich_seiendem Extreme das Wesen
+seines _Willens_ ab, und wirft auf die Mitte oder den Diener die
+Eigenheit und Freiheit des Entschlusses, und damit die _Schuld_
+seines Tuns. Dieser Vermittler, als mit dem unwandelbaren Wesen in
+unmittelbarer Beziehung, dient mit seinem _Rate_ ueber das Rechte.
+Die Handlung, indem sie Befolgung eines fremden Beschlusses ist, hoert
+nach der Seite des Tuns oder des _Willens_ auf, die eigne zu sein.
+Es bleibt aber noch ihre _gegenstaendliche_ Seite dem unwesentlichen
+Bewusstsein, naemlich die _Frucht_ seiner Arbeit und der _Genuss_.
+Diesen stoesst es also ebenso von sich ab, und leistet wie auf seinen
+Willen, so auf seine in der Arbeit und Genusse erhaltene
+_Wirklichkeit_ Verzicht; auf sie, _teils_ als auf die erreichte
+Wahrheit seiner selbstbewussten _Selbststaendigkeit_--indem es etwas
+ganz Fremdes, ihm Sinnloses vorstellend und sprechend sich bewegt;
+teils auf sie als _aeusserliches Eigentum_--indem es von dem Besitze,
+den es durch die Arbeit erworben, etwas ablaesst; teils auf den
+gehabten _Genuss_--indem es ihn im Fasten und Kasteien auch wieder
+ganz sich versagt.
+
+Durch diese Momente des Aufgebens des eignen Entschlusses, dann des
+Eigentumes und Genusses, und endlich das positive Moment des Treibens
+eines unverstandenen Geschaeftes nimmt es sich in Wahrheit und
+vollstaendig das Bewusstsein der innern und aeussern Freiheit, der
+Wirklichkeit als seines _Fuer-sich-seins_; es hat die Gewissheit, in
+Wahrheit seines _Ich_ sich entaeussert, und sein unmittelbares
+Selbstbewusstsein zu einem _Dinge_, zu einem gegenstaendlichen Sein
+gemacht zu haben.--Die Verzichtleistung auf sich konnte es allein
+durch diese _wirkliche_ Aufopferung bewaehren; denn nur in ihr
+verschwindet der _Betrug_, welcher in dem _innern_ Anerkennen des
+Dankens durch Herz, Gesinnung und Mund liegt, einem Anerkennen,
+welches zwar alle Macht des Fuer-sich-seins von sich abwaelzt, und sie
+einem Geben von oben zuschreibt, aber in diesem Abwaelzen selbst sich
+die _aeussere_ Eigenheit in dem Besitze, den es nicht aufgibt, die
+_innre_ aber in dem Bewusstsein des Entschlusses, den es selbst gefasst,
+und in dem Bewusstsein seines durch es bestimmten Inhalts, den es
+nicht gegen einen fremden, es sinnlos erfuellenden umgetauscht hat,
+behaelt.
+
+Aber in der wirklich vollbrachten Aufopferung hat _an sich_, wie das
+Bewusstsein das _Tun_ als das seinige aufgehoben, auch sein _Unglueck_
+von ihm abgelassen. Dass dies Ablassen _an sich_ geschehen ist, ist
+jedoch ein Tun des andern Extrems des Schlusses, welches das
+_ansichseiende_ Wesen ist. Jene Aufopferung des unwesentlichen
+Extrems war aber zugleich nicht ein einseitiges Tun, sondern enthielt
+das Tun des Andern in sich. Denn das Aufgeben des eignen Willens ist
+nur einerseits negativ, _seinem Begriffe_ nach oder _an sich_,
+zugleich aber positiv, naemlich das Setzen des Willens als eines
+_Andern_, und bestimmt des Willens als eines nicht einzelnen, sondern
+allgemeinen. Fuer dies Bewusstsein ist diese positive Bedeutung des
+negativ gesetzten einzelnen Willens der Willen des andern Extrems,
+der ihm, weil er eben ein Anderes fuer es ist, nicht durch sich,
+sondern durch das Dritte, den Vermittler als Rat, wird. Es wird
+daher _fuer es_ sein Willen wohl zum allgemeinen und _an sich_
+seienden Willen, aber _es selbst_ ist _sich nicht_ dies _An-sich_;
+das Aufgeben des seinigen als _einzelnen_ ist ihm nicht dem Begriffe
+nach das Positive des allgemeinen Willens. Ebenso sein Aufgeben des
+Besitzes und Genusses hat nur dieselbe negative Bedeutung, und das
+Allgemeine, das fuer es dadurch wird, ist ihm nicht sein _eignes Tun_.
+Diese _Einheit_ des gegenstaendlichen und des Fuer-sich-seins, welche
+im _Begriffe_ des Tuns ist, und welche darum dem Bewusstsein als das
+Wesen und _Gegenstand_ wird--wie sie ihm nicht der Begriff seines
+Tuns ist, so ist ihm auch dies nicht, dass sie als Gegenstand _fuer es_
+wird, unmittelbar und durch es selbst, sondern es laesst sich dem
+vermittelnden Diener diese selbst noch gebrochne Gewissheit
+aussprechen, dass nur _an sich_ sein Unglueck das verkehrte, naemlich
+sich in seinem Tun selbstbefriedigendes Tun, oder seliger Genuss; sein
+aermliches Tun ebenso _an sich_ das verkehrte, naemlich absolutes Tun,
+dem Begriffe nach das Tun nur als Tun des Einzelnen ueberhaupt Tun ist.
+Aber _fuer es_ selbst bleibt das Tun und sein wirkliches Tun ein
+aermliches, und sein Genuss der Schmerz, und das Aufgehobensein
+derselben in der positiven Bedeutung ein _Jenseits_. Aber in diesem
+Gegenstande, worin ihm sein Tun und Sein als dieses _einzelnen_
+Bewusstseins, Sein und Tun _an sich_ ist, ist ihm die Vorstellung der
+_Vernunft_ geworden, der Gewissheit des Bewusstseins, in seiner
+Einzelnheit absolut _an sich_, oder alle Realitaet zu sein.
+
+
+
+V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft
+
+Das Bewusstsein geht in dem Gedanken, welchen es erfasst hat, dass das
+_einzelne_ Bewusstsein _an sich_ absolutes Wesen ist, in sich selbst
+zurueck. Fuer das unglueckliche Bewusstsein ist das _An-sich-sein_ das
+_Jenseits_ seiner selbst. Aber seine Bewegung hat dies an ihm
+vollbracht, die Einzelnheit in ihrer vollstaendigen Entwicklung, oder
+die Einzelnheit, die _wirkliches Bewusstsein_ ist, als das _Negative_
+seiner Selbst, naemlich als das _gegenstaendliche_ Extrem gesetzt, oder
+sein Fuer-sich-sein aus sich hinausgerungen, und es zum Sein gemacht
+zu haben; darin ist fuer es auch seine _Einheit_ mit diesem
+Allgemeinen geworden, welche fuer uns, da das aufgehobne Einzelne das
+Allgemeine ist, nicht mehr ausser ihm faellt; und da das Bewusstsein in
+dieser seiner Negativitaet sich selbst erhaelt, an ihm als solchem sein
+Wesen ist. Seine Wahrheit ist dasjenige, welches in dem Schlusse,
+worin die Extreme absolut auseinandergehalten auftraten, als die
+Mitte erscheint, welche es dem unwandelbaren Bewusstsein ausspricht,
+dass das Einzelne auf sich Verzicht getan, und dem Einzelnen, dass das
+Unwandelbare kein Extrem mehr fuer es, sondern mit ihm versoehnt ist.
+Diese Mitte ist die beide unmittelbar wissende und sie beziehende
+Einheit, und das Bewusstsein ihrer Einheit, welche sie dem Bewusstsein
+und damit _sich selbst_ ausspricht, die Gewissheit, alle Wahrheit zu
+sein.
+
+Damit, dass das Selbstbewusstsein Vernunft ist, schlaegt sein bisher
+negatives Verhaeltnis zu dem Anderssein in ein positives um. Bisher
+ist es ihm nur um seine Selbststaendigkeit und Freiheit zu tun gewesen,
+um sich fuer sich selbst auf Kosten der _Welt_ oder seiner eignen
+Wirklichkeit, welche ihm beide als das Negative seines Wesens
+erschienen, zu retten und zu erhalten. Aber als Vernunft, seiner
+selbst versichert, hat es die Ruhe gegen sie empfangen, und kann sie
+ertragen; denn es ist seiner selbst als der Realitaet gewiss; oder dass
+alle Wirklichkeit nichts anders ist als es; sein Denken ist
+unmittelbar selbst die Wirklichkeit; es verhaelt sich also als
+Idealismus zu ihr. Es ist ihm, indem es sich so erfasst, als ob die
+Welt erst itzt ihm wuerde; vorher versteht es sie nicht; es begehrt
+und bearbeitet sie; zieht sich aus ihr in sich zurueck, und vertilgt
+sie fuer sich, und sich selbst als Bewusstsein, als Bewusstsein
+derselben als des Wesens, sowie als Bewusstsein ihrer Nichtigkeit.
+Hierin erst, nachdem das Grab seiner Wahrheit verloren, das Vertilgen
+seiner Wirklichkeit selbst vertilgt, und die Einzelnheit des
+Bewusstseins ihm an sich absolutes Wesen ist, entdeckt es sie als
+_seine_ neue wirkliche Welt, die in ihrem Bleiben Interesse fuer es
+hat, wie vorhin nur in ihrem Verschwinden; denn ihr _Bestehen_ wird
+ihm seine eigne _Wahrheit_ und _Gegenwart_; es ist gewiss, nur sich
+darin zu erfahren.
+
+Die Vernunft ist die Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein:
+so spricht der Idealismus ihren Begriff aus. Wie das Bewusstsein,
+das als Vernunft _auftritt, unmittelbar_ jene Gewissheit an sich hat,
+so spricht auch der _Idealismus_ sie _unmittelbar_ aus: Ich bin ich,
+in dem Sinne, dass Ich, welches mir Gegenstand ist, nicht wie im
+Selbstbewusstsein ueberhaupt, noch auch wie im freien Selbstbewusstsein,
+dort nur _leerer_ Gegenstand ueberhaupt, hier nur Gegenstand, der sich
+von den Andern zurueckzieht, welche _neben_ ihm noch gelten, sondern
+Gegenstand mit dem Bewusstsein des _Nichtseins_ irgendeines Andern,
+einziger Gegenstand, alle Realitaet und Gegenwart ist. Das
+Selbstbewusstsein ist aber nicht nur _fuer sich_, sondern auch _an
+sich_ alle Realitaet, erst dadurch, dass es diese Realitaet _wird_, oder
+vielmehr sich als solche _erweist_. Es erweist sich so in _dem_ Wege,
+worin zuerst in der dialektischen Bewegung des Meinens, Wahrnehmens
+und des Verstandes das Anderssein als _an sich_ und dann in der
+Bewegung durch die Selbststaendigkeit des Bewusstseins in Herrschaft
+und Knechtschaft, durch den Gedanken der Freiheit, die skeptische
+Befreiung, und den Kampf der absoluten Befreiung des in sich
+entzweiten Bewusstseins, das Anderssein, insofern es nur _fuer es_ ist,
+_fuer es selbst_ verschwindet. Es traten zwei Seiten nacheinander auf,
+die eine, worin das Wesen oder das Wahre fuer das Bewusstsein die
+Bestimmtheit des _Seins_, die andere die hatte, nur _fuer es_ zu sein.
+Aber beide reduzierten sich in _eine_ Wahrheit, dass, was _ist_, oder
+das _An-sich_ nur ist, insofern es _fuer_ das Bewusstsein, und was _fuer
+es_ ist, auch _an sich_ ist. Das Bewusstsein, welches diese Wahrheit
+ist, hat diesen Weg im Ruecken und vergessen, indem es _unmittelbar_
+als Vernunft auftritt, oder diese unmittelbar auftretende Vernunft
+tritt nur als die _Gewissheit_ jener Wahrheit auf. Sie _versichert_
+so nur, alle Realitaet zu sein, begreift dies aber selbst nicht; denn
+jener vergessene Weg ist das Begreifen dieser unmittelbar
+ausgedrueckten Behauptung. Und ebenso ist dem, der ihn nicht gemacht
+hat, diese Behauptung, wenn er sie in dieser reinen Form hoert--denn
+in einer konkreten Gestalt macht er sie wohl selbst--, unbegreiflich.
+
+Der Idealismus, der jenen Weg nicht darstellt, sondern mit dieser
+Behauptung anfaengt, ist daher auch reine _Versicherung_, welche sich
+selbst nicht begreift, noch sich andern begreiflich machen kann. Er
+spricht eine _unmittelbare Gewissheit_ aus, welcher andere
+unmittelbare Gewissheiten gegenueberstehen, die allein auf jenem Wege
+verlorengegangen sind. Mit gleichem Rechte stellen daher _neben_ der
+_Versicherung_ jener Gewissheit sich auch die _Versicherungen_ dieser
+andern Gewissheiten. Die Vernunft beruft sich auf das
+_Selbst_bewusstsein eines jeden Bewusstseins: _Ich bin Ich_; mein
+Gegenstand und Wesen ist _Ich_; und keines wird ihr diese Wahrheit
+ableugnen. Aber indem sie sie auf diese Berufung gruendet,
+sanktioniert sie die Wahrheit der andern Gewissheit, naemlich der: _es
+ist *Anderes* fuer mich_; Anderes als _Ich_ ist mir Gegenstand und
+Wesen, oder indem _Ich_ mir Gegenstand und Wesen bin, bin ich es nur,
+indem ich mich von dem Andern ueberhaupt zurueckziehe, und als eine
+Wirklichkeit _neben_ es trete.--Erst wenn die Vernunft als
+_Reflexion_ aus dieser entgegengesetzten Gewissheit auftritt, tritt
+ihre Behauptung von sich nicht nur als Gewissheit und Versicherung,
+sondern als _Wahrheit_ auf; und nicht _neben_ andern, sondern als die
+_einzige_. Das _unmittelbare Auftreten_ ist die Abstraktion ihres
+_Vorhandenseins_, dessen _Wesen_ und _An-sich-sein_ absoluter Begriff,
+d.h. die _Bewegung seines Gewordenseins_ ist.--Das Bewusstsein wird
+sein Verhaeltnis zum Anderssein oder seinem Gegenstande auf
+verschiedene Weise bestimmen, je nachdem es gerade auf einer Stufe
+des sich bewusstwerdenden Weltgeistes steht. Wie es sich und seinen
+Gegenstand jedesmal _unmittelbar_ findet und bestimmt, oder wie es
+_fuer sich_ ist, haengt davon ab, was er schon _geworden_ oder was er
+schon _an sich ist._
+
+Die Vernunft ist die Gewissheit, alle _Realitaet_ zu sein. Dieses
+_An-sich_ oder diese _Realitaet_ ist aber noch ein durchaus
+Allgemeines, die reine _Abstraktion_ der Realitaet. Es ist die erste
+_Positivitaet_, welche das Selbstbewusstsein _an sich selbst, fuer sich_
+ist, und Ich daher nur die _reine Wesenheit_ des Seienden, oder die
+einfache _Kategorie_. Die _Kategorie_, welche sonst die Bedeutung
+hatte, Wesenheit des Seienden zu sein, _unbestimmt_ des Seienden
+ueberhaupt oder des Seienden gegen das Bewusstsein, ist itzt
+_Wesenheit_ oder einfache _Einheit_ des Seienden nur als denkende
+Wirklichkeit; oder sie ist dies, dass Selbstbewusstsein und Sein
+_dasselbe_ Wesen ist; _dasselbe_ nicht in der Vergleichung, sondern
+an und fuer sich. Nur der einseitige schlechte Idealismus laesst diese
+Einheit wieder als Bewusstsein auf die eine Seite, und ihr gegenueber
+ein _An-sich_ treten.--Diese Kategorie nun oder _einfache_ Einheit
+des Selbstbewusstseins und des Seins hat aber an sich _den
+Unterschied_; denn ihr Wesen ist eben dieses, im _Anderssein_ oder im
+absoluten Unterschiede unmittelbar sich selbst gleich zu sein. Der
+Unterschied _ist_ daher; aber vollkommen durchsichtig, und als ein
+Unterschied, der zugleich keiner ist. Er erscheint als eine
+_Vielheit_ von Kategorien. Indem der Idealismus, die _einfache
+Einheit_ des Selbstbewusstseins als alle Realitaet ausspricht, und sie
+_unmittelbar_, ohne sie als absolut negatives Wesen--nur dieses hat
+die Negation, die Bestimmtheit oder den Unterschied an ihm
+selbst--begriffen zu haben, zum Wesen macht, so ist noch
+unbegreiflicher als das erste dies zweite, dass in der Kategorie
+_Unterschiede_ oder _Arten_ sein. Diese Versicherung ueberhaupt,
+sowie die Versicherung von irgendeiner _bestimmten Anzahl_ der Arten
+derselben, ist eine neue Versicherung, welche es aber an ihr selbst
+enthaelt, dass man sie sich nicht mehr als Versicherung gefallen lassen
+muesse. Denn indem im reinen Ich, im reinen Verstande selbst _der
+Unterschied_ anfaengt, so ist damit gesetzt, dass hier die
+_Unmittelbarkeit_, das _Versichern_ und _Finden_ aufgegeben werde,
+und das _Begreifen_ anfange. Die Vielheit der Kategorien aber auf
+irgendeine Weise wieder als einen Fund, zum Beispiel aus den Urteilen,
+aufnehmen, und sich dieselben so gefallen lassen, ist in der Tat als
+eine Schmach der Wissenschaft anzusehen; wo sollte noch der Verstand
+eine Notwendigkeit aufzuzeigen vermoegen, wenn er dies an ihm selbst,
+der reinen Notwendigkeit, nicht vermag.
+
+Weil nun so der Vernunft die reine Wesenheit der Dinge, wie ihr
+Unterschied, angehoert, so koennte eigentlich ueberhaupt nicht mehr von
+_Dingen_ die Rede sein, das heisst einem solchen, welches fuer das
+Bewusstsein nur das Negative seiner selbst waere. Denn die vielen
+Kategorien sind _Arten_ der reinen Kategorie, heisst, _sie_ ist noch
+ihre _Gattung_ oder _Wesen_, nicht ihnen entgegengesetzt. Aber sie
+sind schon das Zweideutige, welches zugleich das Anderssein _gegen_
+die reine Kategorie in seiner _Vielheit_ an sich hat. Sie
+widersprechen ihr durch diese Vielheit in der Tat, und die reine
+Einheit muss sie an sich aufheben, wodurch sie sich als _negative
+Einheit_ der Unterschiede konstituiert. Als _negative_ Einheit aber
+schliesst sie ebensowohl die _Unterschiede_ als solche, sowie jene
+erste _unmittelbare_ reine Einheit als solche von sich aus, und ist
+_Einzelnheit_; eine neue Kategorie, welche ausschliessendes Bewusstsein,
+das heisst, dies ist, dass _ein Anderes_ fuer es ist. Die Einzelnheit
+ist ihr Uebergang aus ihrem Begriffe zu einer _aeussern_ Realitaet; das
+reine _Schema_, welches ebensowohl Bewusstsein, wie damit, dass es
+Einzelnheit und ausschliessendes Eins ist, das Hindeuten auf ein
+Anderes ist. Aber dies _Andere_ dieser Kategorie sind nur die
+_andern ersten Kategorien_, naemlich _reine Wesenheit_, und der _reine
+Unterschied_; und in ihr, d.h. eben in dem Gesetztsein des Andern,
+oder in diesem Andern selbst das Bewusstsein ebenso es selbst. Jedes
+dieser verschiedenen Momente verweist auf ein anderes; es kommt aber
+in ihnen zugleich zu keinem Anderssein. Die reine Kategorie verweist
+auf die _Arten_, welche in die negative Kategorie, oder die
+Einzelnheit uebergehen; die letztere weist aber auf jene zurueck; sie
+ist selbst reines Bewusstsein, welches in jeder sich diese klare
+Einheit mit sich bleibt, eine Einheit aber, die ebenso auf ein
+Anderes hingewiesen wird, das, indem es ist, verschwunden, und indem
+es verschwunden, auch wieder erzeugt ist.
+
+Wir sehen hier das reine Bewusstsein auf eine gedoppelte Weise gesetzt,
+einmal als das unruhige _Hin- und Hergehen_, welches alle seine
+Momente durchlaeuft, in ihnen das Anderssein vorschweben hat, das im
+Erfassen sich aufhebt; das anderemal vielmehr als die _ruhige_ ihrer
+Wahrheit gewisse _Einheit_. Fuer diese Einheit ist jene Bewegung das
+_Andere_; fuer diese Bewegung aber jene ruhige Einheit; und Bewusstsein
+und Gegenstand wechseln in diesen gegenseitigem Bestimmungen ab. Das
+Bewusstsein ist sich also einmal das hin- und hergehende Suchen, und
+sein Gegenstand das _reine An-sich_ und Wesen; das andremal ist sich
+jenes die einfache Kategorie, und der Gegenstand die Bewegung der
+Unterschiede. Das Bewusstsein aber als Wesen ist dieser ganze Verlauf
+selbst, aus sich als einfacher Kategorie in die Einzelnheit und den
+Gegenstand ueberzugehen, und an diesem diesen Verlauf anzuschauen, ihn
+als einen unterschiednen aufzuheben, sich _zuzueignen_, und sich als
+diese Gewissheit, alle Realitaet, sowohl es selbst als sein Gegenstand
+zu sein, auszusprechen.
+
+Sein erstes Aussprechen ist nur dieses abstrakte leere Wort, dass
+alles _sein_ ist. Denn die Gewissheit, alle Realitaet zu sein, ist
+erst die reine Kategorie. Diese erste im Gegenstande sich erkennende
+Vernunft drueckt der leere Idealismus aus, welcher die Vernunft nur so
+auffasst, wie sie sich zunaechst ist, und darin, dass er in allem Sein
+dieses reine _Mein_ des Bewusstseins aufzeigt und die Dinge als
+Empfindungen oder Vorstellungen ausspricht, es als vollendete
+Realitaet aufgezeigt zu haben waehnt. Er muss darum zugleich absoluter
+Empirismus sein, denn fuer die _Erfuellung_ des leeren _Meins_, das
+heisst fuer den Unterschied und alle Entwicklung und Gestaltung
+desselben bedarf seine Vernunft eines fremden Anstosses, in welchem
+erst die _Mannigfaltigkeit_ des Empfindens oder Vorstellens liege.
+Dieser Idealismus wird daher eine ebensolche sich widersprechende
+Doppelsinnigkeit als der Skeptizismus, nur dass wie dieser sich
+negativ, jener sich positiv ausdrueckt, aber ebensowenig seine
+widersprechenden Gedanken des reinen Bewusstseins als aller Realitaet,
+und ebenso des fremden Anstosses oder des sinnlichen Empfindens und
+Vorstellens, als einer gleichen Realitaet, zusammenbringt, sondern von
+dem einen zu dem andern sich herueberund hinueberwirft und in die
+schlechte, naemlich in die sinnliche Unendlichkeit, geraten ist.
+Indem die Vernunft alle Realitaet in der Bedeutung des abstrakten
+_Meins_, und das _Andere_ ihm ein _gleichgueltiges Fremdes_ ist, so
+ist darin gerade dasjenige Wissen der Vernunft von einem Anderen
+gesetzt, welches als _Meinen, Wahrnehmen_ und der das Gemeinte und
+Wahrgenommene auffassende _Verstand_ vorkam. Ein solches Wissen wird
+zugleich, nicht wahres Wissen zu sein, durch den Begriff dieses
+Idealismus selbst behauptet, denn nur die Einheit der Apperzeption
+ist die Wahrheit des Wissens. Die reine Vernunft dieses Idealismus
+wird also durch sich selbst, um zu diesem _Andern_, das ihr
+_wesentlich_, das heisst also das _An-sich_ ist, das sie aber nicht in
+ihr selbst hat, zu gelangen, an dasjenige Wissen zurueckgeschickt, das
+nicht ein Wissen des Wahren ist; sie verurteilt sich so mit Wissen
+und Willen zu einem unwahren Wissen, und kann vom Meinen und
+Wahrnehmen, die fuer sie selbst keine Wahrheit haben, nicht ablassen.
+Sie befindet sich in unmittelbarem Widerspruche, ein gedoppeltes
+schlechthin Entgegengesetztes als das Wesen zu behaupten, die
+_Einheit der Apperzeption_ und ebenso das _Ding_, welches, wenn es
+auch _fremder Anstoss_, oder _empirisches_ Wesen, oder _Sinnlichkeit_,
+oder _das Ding an sich_ genannt wird, in seinem Begriffe dasselbe
+jener Einheit Fremde bleibt.
+
+Dieser Idealismus ist in diesem Widerspruche, weil er den _abstrakten
+Begriff_ der Vernunft als das Wahre behauptet; daher ihm unmittelbar
+ebensosehr die Realitaet als eine solche entsteht, welche vielmehr
+nicht die Realitaet der Vernunft ist, waehrend die Vernunft zugleich
+alle Realitaet sein sollte; diese bleibt ein unruhiges Suchen, welches
+in dem Suchen selbst die Befriedigung des Findens fuer schlechthin
+unmoeglich erklaert.--So inkonsequent aber ist die wirkliche Vernunft
+nicht; sondern nur erst die _Gewissheit_, alle Realitaet zu sein, ist
+sie in diesem _Begriffe_ sich bewusst als _Gewissheit_, als _Ich_ noch
+nicht die Realitaet in Wahrheit zu sein, und ist getrieben, ihre
+Gewissheit zur Wahrheit zu erheben, und das _leere_ Mein zu erfuellen.
+
+
+A. Beobachtende Vernunft
+
+Dieses Bewusstsein, welchem das _Sein_ die Bedeutung des _Seinen_ hat,
+sehen wir nun zwar wieder in das Meinen und Wahrnehmen hineingehen,
+aber nicht als in die Gewissheit eines nur _Andern_, sondern mit der
+Gewissheit, dies Andere selbst zu sein. Frueher ist es ihm nur
+_geschehen_, manches an dem Dinge wahrzunehmen und zu _erfahren_;
+hier stellt es die Beobachtungen und die Erfahrung selbst an. Meinen
+und Wahrnehmen, das fuer uns frueher sich aufgehoben, wird nun von dem
+Bewusstsein fuer es selbst aufgehoben; die Vernunft geht darauf, die
+Wahrheit zu _wissen_; was fuer das Meinen und Wahrnehmen ein Ding ist,
+als Begriff zu finden, das heisst, in der Dingheit nur das Bewusstsein
+ihrer selbst zu haben. Die Vernunft hat daher itzt ein allgemeines
+_Interesse_ an der Welt, weil sie die Gewissheit ist, Gegenwart in ihr
+zu haben, oder dass die Gegenwart vernuenftig ist. Sie sucht ihr
+Anderes, indem sie weiss, daran nichts anderes als sich selbst zu
+besitzen; sie sucht nur ihre eigne Unendlichkeit.
+
+Zuerst sich in der Wirklichkeit nur ahndend, oder sie nur als das
+_Ihrige_ ueberhaupt wissend, schreitet sie in diesem Sinne zur
+allgemeinen Besitznehmung des ihr versicherten Eigentums, und pflanzt
+auf alle Hoehen und in alle Tiefen das Zeichen ihrer Souveraenitaet.
+Aber dieses oberflaechliche Mein ist nicht ihr letztes Interesse; die
+Freude dieser allgemeinen Besitznehmung findet an ihrem Eigentume
+noch das fremde Andre, das die abstrakte Vernunft nicht an ihr selbst
+hat. Die Vernunft ahndet sich als ein tieferes Wesen, denn das reine
+Ich _ist_, und muss fodern, dass der Unterschied, das _mannigfaltige
+Sein_, ihm als das seinige selbst werde, dass es sich als die
+_Wirklichkeit_ anschaue, und sich als Gestalt und Ding gegenwaertig
+finde. Aber wenn die Vernunft alle Eingeweide der Dinge durchwuehlt,
+und ihnen alle Adern oeffnet, dass sie sich daraus entgegenspringen
+moege, so wird sie nicht zu diesem Gluecke gelangen, sondern muss an ihr
+selbst vorher sich vollendet haben, um dann ihre Vollendung erfahren
+zu koennen.
+
+Das Bewusstsein _beobachtet_; d.h. die Vernunft will sich als seienden
+Gegenstand, als _wirkliche, sinnlich-gegenwaertige_ Weise finden, und
+haben. Das Bewusstsein dieses Beobachtens meint und sagt wohl, dass es
+_nicht sich selbst_, sondern im Gegenteil _das Wesen der Dinge als
+der Dinge_ erfahren wolle. Dass dies _Bewusstsein_ dies meint und sagt,
+liegt darin, dass es Vernunft _ist_, aber ihm die Vernunft noch nicht
+als solche Gegenstand ist. Wenn es die _Vernunft_ als gleiches Wesen
+der Dinge und seiner selbst wuesste, und dass sie nur in dem Bewusstsein
+in ihrer eigentuemlichen Gestalt gegenwaertig sein kann, so wuerde es
+vielmehr in seine eigne Tiefe steigen und sie darin suchen, als in
+den Dingen. Wenn es sie in dieser gefunden haette, wuerde sie von da
+wieder heraus an die Wirklichkeit gewiesen werden, um in dieser ihren
+sinnlichen Ausdruck anzuschauen, aber ihn sogleich wesentlich als
+_Begriff_ nehmen. Die Vernunft, wie sie _unmittelbar_ als die
+Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein, auftritt, nimmt
+ihre Realitaet in dem Sinne der _Unmittelbarkeit des Seins_, und
+ebenso die Einheit des Ich mit diesem gegenstaendlichen Wesen in dem
+Sinne einer _unmittelbaren Einheit_, an der sie die Momente des Seins
+und Ich noch nicht getrennt und wieder vereinigt, oder die sie noch
+nicht erkannt hat. Sie geht daher als beobachtendes Bewusstsein an
+die Dinge, in der Meinung, dass sie diese als sinnliche, dem Ich
+entgegengesetzte Dinge in Wahrheit nehme; allein ihr wirkliches Tun
+widerspricht dieser Meinung; denn sie _erkennt_ die Dinge, sie
+verwandelt ihre Sinnlichkeit _in Begriffe_, d.h. eben in ein Sein,
+welches zugleich Ich ist, das Denken somit in ein seiendes Denken,
+oder das Sein in ein gedachtes Sein, und behauptet in der Tat, dass
+die Dinge nur als Begriffe Wahrheit haben. Fuer dies beobachtende
+Bewusstsein wird darin nur dies, was _die Dinge_ sind, fuer uns aber,
+was _es selbst_ ist; das Resultat seiner Bewegung aber wird dies sein,
+fuer sich selbst dies zu werden, was es an sich ist.
+
+_Das Tun_ der beobachtenden Vernunft ist in den Momenten seiner
+Bewegung zu betrachten, wie sie die Natur, den Geist, und endlich die
+Beziehung beider als sinnliches Sein aufnimmt, und sich als seiende
+Wirklichkeit sucht.
+
+
+a. Beobachtung der Natur
+
+Wenn das gedankenlose Bewusstsein das Beobachten und Erfahren als die
+Quelle der Wahrheit ausspricht, so moegen wohl ihre Worte so lauten,
+als ob es allein um ein Schmecken, Riechen, Fuehlen, Hoeren und Sehen
+zu tun sei; es vergisst in dem Eifer, womit es das Schmecken, Riechen
+u.s.f. empfiehlt, zu sagen, dass es in der Tat auch ebenso wesentlich
+den Gegenstand dieses Empfindens sich schon bestimmt hat, und diese
+Bestimmung ihm wenigstens soviel gilt als jenes Empfinden. Es wird
+auch sogleich eingestehen, dass es ihm nicht so ueberhaupt nur ums
+Wahrnehmen zu tun sei, und z. B. die Wahrnehmung, dass dies
+Federmesser neben dieser Tabaksdose liegt, nicht fuer eine Beobachtung
+gelten lassen. Das Wahrgenommene soll wenigstens die Bedeutung eines
+_Allgemeinen_, nicht eines _sinnlichen Diesen_ haben.
+
+Dies Allgemeine ist so nur erst das _sich gleich Bleibende_; seine
+Bewegung nur das gleichfoermige Wiederkehren desselben Tuns. Das
+Bewusstsein, welches insofern im Gegenstande nur die _Allgemeinheit_
+oder das _abstrakte Mein_ findet, muss die eigentliche Bewegung
+desselben auf _sich_ selbst nehmen; indem es noch nicht der Verstand
+desselben ist, wenigstens sein Gedaechtnis sein, welches das, was in
+der Wirklichkeit nur auf einzelne Weise vorhanden ist, auf allgemeine
+Weise ausdrueckt. Dies oberflaechliche Herausheben aus der Einzelnheit,
+und die ebenso oberflaechliche Form der Allgemeinheit, worein das
+Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines
+geworden zu sein, das _Beschreiben_ der Dinge hat noch in dem
+Gegenstande selbst die Bewegung nicht; sie ist vielmehr nur in dem
+Beschreiben. Der Gegenstand, wie er beschrieben ist, hat daher das
+Interesse verloren; ist der eine beschrieben, so muss ein anderer
+vorgenommen, und immer gesucht werden, damit das Beschreiben nicht
+ausgehe. Ist es nicht so leicht mehr, neue _ganze_ Dinge zu finden,
+so muss zu den schon gefundenen zurueckgegangen werden, sie weiter zu
+teilen, auseinanderzulegen, und neue Seiten der Dingheit an ihnen
+noch aufzuspueren. Diesem rastlosen, unruhigen Instinkte kann es nie
+an Material gebrechen; eine neue ausgezeichnete Gattung zu finden,
+oder gar einen neuen Planeten, dem, ob er zwar ein Individuum ist,
+doch die Natur eines Allgemeinen zukommt, zu finden, kann nur
+Gluecklichen zuteil werden. Aber die Grenzen dessen, was wie der
+Elefant, die Eiche, das Gold _ausgezeichnet_, was _Gattung_ und _Art_
+ist, geht durch viele Stufen in die unendliche _Besonderung_ der
+chaotischen Tiere und Pflanzen, der Gebirgsarten, oder der durch
+Gewalt und Kunst erst darzustellenden Metalle, Erden u.s.f. ueber. In
+diesem Reiche der Unbestimmtheit des Allgemeinen, worin die
+Besonderung wieder der _Vereinzelung_ sich naehert, und in sie hie und
+da auch wieder ganz herabsteigt, ist ein unerschoepflicher Vorrat fuers
+Beobachten und Beschreiben aufgetan. Hier aber, wo ihm ein
+unuebersehbares Feld sich eroeffnet, an der Grenze des Allgemeinen kann
+es vielmehr statt eines unermesslichen Reichtums nur die Schranke der
+Natur und seines eignen Tuns gefunden haben; es kann nicht mehr
+wissen, ob das an sich zu sein Scheinende nicht eine Zufaelligkeit ist;
+was das Gepraege eines verwirrten oder unreifen, schwachen und der
+elementarischen Unbestimmtheit kaum sich entwickelnden Gebildes an
+sich traegt, kann nicht darauf Anspruch machen, auch nur beschrieben
+zu werden.
+
+Wenn es diesem Suchen und Beschreiben nur um die Dinge zu tun zu sein
+scheint, so sehen wir es in der Tat nicht an dem _sinnlichen
+Wahrnehmen_ fortlaufen, sondern das, woran die Dinge _erkannt_ werden,
+ist ihm wichtiger als der uebrige Umfang der sinnlichen Eigenschaften,
+welche das Ding selbst wohl nicht entbehren kann, aber deren das
+Bewusstsein sich entuebrigt. Durch diese Unterscheidung in das
+_Wesentliche_ und _Unwesentliche_ erhebt sich der Begriff aus der
+sinnlichen Zerstreuung empor, und das Erkennen erklaert darin, dass es
+ihm wenigstens ebenso wesentlich _um sich selbst_ als um die Dinge zu
+tun ist. Es geraet bei dieser gedoppelten Wesentlichkeit in ein
+Schwanken, ob das, was fuer _das Erkennen_ das Wesentliche und
+Notwendige ist, es auch an _den Dingen_ sei. Einesteils sollen die
+_Merkmale_ nur dem Erkennen dienen, wodurch es die Dinge voneinander
+unterscheide; aber andernteils nicht das Unwesentliche der Dinge
+erkannt werden, sondern das, wodurch sie selbst aus der allgemeinen
+Kontinuitaet des Seins ueberhaupt sich _losreissen_, sich von dem Andern
+_abscheiden_ und _fuer sich_ sind. Die Merkmale sollen nicht nur
+wesentliche Beziehung auf das Erkennen haben, sondern auch die
+wesentlichen Bestimmtheiten der Dinge, und das kuenstliche System dem
+Systeme der Natur selbst gemaess sein, und nur dieses ausdruecken. Aus
+dem Begriffe der Vernunft ist dies notwendig, und der Instinkt
+derselben--denn sie verhaelt sich nur als solcher in diesem
+Beobachten--hat auch in seinen Systemen diese Einheit erreicht, wo
+naemlich ihre Gegenstaende selbst so beschaffen sind, dass sie eine
+Wesentlichkeit oder ein _Fuer-sich-sein_ an ihnen haben, und nicht nur
+Zufall dieses _Augenblicks_ oder dieses _Hier_ sind. Die
+Unterscheidungsmerkmale der Tiere z. B. sind von den Klauen und
+Zaehnen genommen; denn in der Tat _unterscheidet_ nicht nur das
+Erkennen dadurch ein Tier von dem andern; sondern das Tier _scheidet_
+sich dadurch selbst ab; durch diese Waffen erhaelt es sich _fuer sich_,
+und gesondert von dem Allgemeinen. Die Pflanze dagegen kommt nicht
+zum _Fuer-sich_-_sein_, sondern beruehrt nur die Grenze der
+Individualitaet; an dieser Grenze, wo sie den Schein der _Entzweiung_
+in Geschlechter aufzeigt, ist sie deswegen aufgenommen und
+unterschieden worden. Was aber weiter hinuntersteht, kann sich nicht
+mehr selbst von anderem unterscheiden, sondern geht verloren, indem
+es in den Gegensatz kommt. Das _ruhende Sein_, und das _Sein im
+Verhaeltnisse_ kommt in Streit miteinander, das Ding ist in diesem
+etwas anders als nach jenem, da hingegen das Individuum dies ist, im
+Verhaeltnisse zu anderem sich zu erhalten. Was aber dies nicht vermag,
+und _chemischerweise_ ein anderes wird, als es _empirischerweise_
+ist, verwirrt das Erkennen, und bringt es in denselben Streit, ob es
+sich an die eine und andere Seite halten soll, da das Ding selbst
+nichts Gleichbleibendes ist, und sie an ihm auseinanderfallen.
+
+In solchen Systemen des allgemeinen Sichgleichbleibenden hat also
+dieses die Bedeutung, ebensowohl das Sichgleichbleibende des
+Erkennens wie der Dinge selbst zu sein. Allein diese Ausbreitung
+_der gleichbleibenden Bestimmtheiten_, deren jede ruhig die Reihe
+ihres Fortgangs beschreibt, und Raum erhaelt, um fuer sich zu gewaehren,
+geht wesentlich ebensosehr in ihr Gegenteil ueber, in die Verwirrung
+dieser Bestimmtheiten; denn das Merkmal, die allgemeine Bestimmtheit,
+ist die Einheit des Entgegengesetzten, des Bestimmten und des an sich
+Allgemeinen; sie muss also in diesen Gegensatz auseinandertreten.
+Wenn nun die Bestimmtheit nach einer Seite das Allgemeine, worin sie
+ihr Wesen hat, besiegt, so erhaelt dieses dagegen auf der andern Seite
+ebenso sich seine Herrschaft ueber sie, treibt die Bestimmtheit an
+ihre Grenze, vermischt da ihre Unterschiede und Wesentlichkeiten.
+Das Beobachten, welches sie ordentlich auseinanderhielt und an ihnen
+etwas Festes zu haben glaubte, sieht ueber ein Prinzip die andern
+heruebergreifen, Uebergaenge und Verwirrungen sich bilden, und in diesem
+das verbunden, was es zuerst fuer schlechthin getrennt nahm, und
+getrennt, was es zusammenrechnete; so dass dies Festhalten an dem
+ruhigen, sichgleichbleibenden Sein sich hier gerade in seinen
+allgemeinsten Bestimmungen, z. B. was das Tier, die Pflanze fuer
+wesentliche Merkmale habe, mit Instanzen geneckt sehen muss, die ihm
+jede Bestimmung rauben, die Allgemeinheit, zu der es sich erhob, zum
+Verstummen bringen, und es aufs gedankenlose Beobachten und
+Beschreiben zuruecksetzen.
+
+Dieses sich auf das Einfache einschraenkende oder die sinnliche
+Zerstreuung durch das Allgemeine beschraenkende Beobachten findet also
+an seinem Gegenstande die _Verwirrung seines Prinzips_, weil das
+Bestimmte durch seine Natur sich in seinem Gegenteile verlieren muss;
+die Vernunft muss darum vielmehr von der _traegen_ Bestimmtheit, die
+den Schein des Bleibens hatte, zur Beobachtung derselben, wie sie in
+Wahrheit ist, naemlich _sich auf ihr Gegenteil zu beziehen_, fortgehen.
+Was wesentliche Merkmale genannt werden, sind _ruhende_
+Bestimmtheiten, welche so, wie sie als _einfache_ sich ausdruecken und
+aufgefasst werden, nicht das, was ihre Natur ausmacht, verschwindende
+_Momente_ der sich in sich zuruecknehmenden Bewegung zu sein,
+darstellen. Indem itzt der Vernunftinstinkt dazu koemmt, die
+Bestimmtheit ihrer Natur gemaess, wesentlich nicht fuer sich zu sein,
+sondern in das Entgegengesetzte ueberzugehen, aufzusuchen, sucht er
+nach dem _Gesetze_ und dem _Begriffe_ desselben; zwar nach ihnen
+ebenso als _seiender_ Wirklichkeit, aber diese wird ihm in der Tat
+verschwinden, und die Seiten des Gesetzes zu reinen Momenten oder
+Abstraktionen werden, so dass das Gesetz in der Natur des Begriffes
+hervortritt, welcher das gleichgueltige Bestehen der sinnlichen
+Wirklichkeit an sich vertilgt hat.
+
+Dem beobachtenden Bewusstsein ist die _Wahrheit des Gesetzes_ in der
+_Erfahrung_, als in der Weise, dass _sinnliches Sein fuer es_ ist;
+nicht an und fuer sich selbst. Wenn aber das Gesetz nicht in dem
+Begriffe seine Wahrheit hat, so ist es etwas Zufaelliges, nicht eine
+Notwendigkeit, oder in der Tat nicht ein Gesetz. Aber dass es
+wesentlich als Begriff ist, widerstreitet nicht nur dem nicht, dass es
+fuer die Beobachtung vorhanden ist, sondern hat darum vielmehr
+notwendiges _Dasein_, und ist fuer die Beobachtung. Das Allgemeine,
+im _Sinne der Vernunftallgemeinheit_, ist auch allgemein in dem Sinne,
+den jener an ihm hat, dass es _fuer das_ Bewusstsein sich als das
+Gegenwaertige und Wirkliche, oder dass der Begriff sich in der Weise
+der Dingheit und des sinnlichen Seins darstellt;--aber ohne darum
+seine Natur zu verlieren, und in das traege Bestehen oder die
+gleichgueltige Aufeinanderfolge hinabgefallen zu sein. Was allgemein
+gueltig ist, ist auch allgemein geltend; was sein _soll, ist_ in der
+Tat auch, und was nur sein _soll_, ohne zu _sein_, hat keine Wahrheit.
+Hieran bleibt der Instinkt der Vernunft mit Recht seinerseits fest
+haengen, und laesst sich nicht durch die Gedankendinge, die nur sein
+_sollen_, und als _Sollen_ Wahrheit haben sollen, ob sie schon in
+keiner Erfahrung angetroffen werden,--durch die Hypothesen so wenig
+als durch alle andere Unsichtbarkeiten eines perennierenden Sollens
+irre machen; denn die Vernunft ist eben diese Gewissheit, Realitaet zu
+haben, und was nicht als ein Selbstwesen fuer das Bewusstsein ist, das
+heisst, was nicht erscheint, ist fuer es gar nichts.
+
+Dass die Wahrheit des Gesetzes wesentlich _Realitaet_ ist, wird zwar
+diesem bei dem Beobachten bleibenden Bewusstsein wieder zu einem
+_Gegensatze_ gegen den Begriff, und gegen das an sich Allgemeine,
+oder ein Solches, wie sein Gesetz ist, ist ihm nicht ein Wesen der
+Vernunft; es meint darin etwas _Fremdes_ zu erhalten. Allein es
+widerlegt diese seine Meinung durch die Tat, in welcher es selbst
+seine Allgemeinheit nicht in dem Sinne nimmt, dass _alle einzelnen_
+sinnlichen Dinge ihm die Erscheinung des Gesetzes gezeigt haben
+muessten, um die Wahrheit desselben behaupten zu koennen. Dass die
+Steine, von der Erde aufgehoben und freigelassen, fallen, dazu fodert
+es gar nicht, dass mit allen Steinen dieser Versuch gemacht werde; es
+sagt vielleicht wohl, dass dies wenigstens mit sehr vielen muesse
+versucht worden sein, woraus dann auf die uebrigen mit groesster
+Wahrscheinlichkeit, oder mit vollem Rechte _nach der Analogie_
+geschlossen werden koenne. Allein die Analogie gibt nicht nur kein
+volles Recht, sondern sie widerlegt, um ihrer Natur willen, sich so
+oft, dass, nach der Analogie selbst zu schliessen, die Analogie
+vielmehr keinen Schluss zu machen erlaubt. Die _Wahrscheinlichkeit_,
+auf welche sich das Resultat derselben reduzieren wuerde, verliert
+gegen die _Wahrheit_ allen Unterschied von geringerer und groesserer
+Wahrscheinlichkeit; sie sei so gross, als sie will, ist sie nichts
+gegen die Wahrheit. Der Instinkt der Vernunft nimmt aber in der Tat
+solche Gesetze fuer _Wahrheit_ an, und erst in Beziehung auf ihre
+Notwendigkeit, die er nicht erkennt, geraet er in diese Unterscheidung,
+und setzt die Wahrheit der Sache selbst zur Wahrscheinlichkeit herab,
+um die unvollkommene Weise, in welcher die Wahrheit fuer das
+Bewusstsein, das die Einsicht in den reinen Begriff noch nicht
+erreicht hat, vorhanden ist, zu bezeichnen; denn die Allgemeinheit
+ist nur als _einfache unmittelbare_ Allgemeinheit vorhanden. Aber
+zugleich um ihrer willen hat das Gesetz fuer das Bewusstsein Wahrheit;
+dass der Stein faellt, ist ihm darum wahr, weil ihm der Stein _schwer_
+ist, das heisst, weil er in der Schwere _an und fuer sich selbst_ die
+wesentliche Beziehung _auf die Erde_ hat, die sich als Fall ausdrueckt.
+Es hat also in der Erfahrung das Sein des Gesetzes, aber ebenso
+dasselbe als _Begriff_, und nur um _beider Umstaende willen_ zusammen
+ist es ihm wahr; es gilt darum als Gesetz, weil es in der Erscheinung
+sich darstellt, und zugleich an sich selbst Begriff ist.
+
+Der Vernunftinstinkt dieses Bewusstseins geht, weil das Gesetz
+zugleich _an sich Begriff_ ist, notwendig, aber ohne zu wissen, dass
+er dies will, selbst darauf, das Gesetz und seine Momente zum
+_Begriffe zu reinigen_. Er stellt Versuche ueber das Gesetz an. Wie
+das Gesetz zuerst erscheint, stellt es sich unrein, umhuellt von
+einzelnem sinnlichem Sein, der Begriff, der seine Natur ausmacht, im
+empirischen Stoff versenkt dar. Der Vernunftinstinkt geht in seinen
+Versuchen darauf, zu finden, was unter diesen und jenen Umstaenden
+erfolge. Das Gesetz scheint hiedurch nur um so mehr in sinnliches
+Sein getaucht zu werden; allein dies geht darin vielmehr verloren.
+Diese Forschung hat die innere Bedeutung, _reine Bedingungen_ des
+Gesetzes zu finden; was nichts anderes sagen will, wenn auch das
+Bewusstsein, das sich so ausdrueckt, meinen sollte, es sage damit etwas
+anderes, als das Gesetz ganz in die Gestalt des Begriffs zu erheben,
+und alle Gebundenheit _seiner Momente_ an _bestimmtes Sein zu tilgen_.
+Die negative Elektrizitaet, zum Beispiel, welche etwa zuerst als
+_Harz_elektrizitaet so wie die positive als _Glas_elektrizitaet sich
+ankuendigt, verliert durch die Versuche ganz diese Bedeutung, und wird
+rein zur _positiven_ und _negativen_ Elektrizitaet, deren jede nicht
+einer besonderen Art von Dingen mehr angehoert; und es hoert auf,
+gesagt werden zu koennen, dass es Koerper gibt, die positiv elektrisch,
+andere, die negativ elektrisch sind. So macht auch das Verhaeltnis
+von Saeure und Base und deren Bewegung gegeneinander ein Gesetz aus,
+worin diese Gegensaetze als Koerper erscheinen. Allein diese
+abgesonderten Dinge haben keine Wirklichkeit; die Gewalt, welche sie
+auseinanderreisst, kann sie nicht hindern, sogleich in einen Prozess
+wieder einzutreten; denn sie sind nur diese Beziehung. Sie koennen
+nicht wie ein Zahn oder eine Klaue fuer sich bleiben, und so
+aufgezeigt werden. Dass dies ihr Wesen ist, unmittelbar in ein
+neutrales Produkt ueberzugehen, macht ihr _Sein_ zu einem an sich
+aufgehobenen, oder zu einem allgemeinen, und Saeure und Base haben
+Wahrheit nur als _Allgemeine_. Wie also Glas und Harz ebensowohl
+positiv als negativ elektrisch sein kann, so ist Saeure und Base nicht
+als Eigenschaft an diese oder jene _Wirklichkeit_ gebunden, sondern
+jedes Ding ist nur _relativ_ sauer oder basisch; was dezidierte Base
+oder Saeure zu sein scheint, erhaelt in den sogenannten Synsomatien die
+entgegengesetzte Bedeutung zu einem andern.--Das Resultat der
+Versuche hebt auf diese Weise die Momente oder Begeistungen als
+Eigenschaften der bestimmten Dinge auf, und befreit die Praedikate von
+ihren Subjekten. Diese Praedikate werden, wie sie in Wahrheit sind,
+nur als allgemeine gefunden; um dieser Selbststaendigkeit willen
+erhalten sie daher den Namen von _Materien_, welche weder Koerper noch
+Eigenschaften sind, und man huetet sich wohl, Sauerstoff u.s.f.
+positive und negative Elektrizitaet, Waerme u.s.w. Koerper zu nennen.
+
+Die _Materie_ ist hingegen nicht ein _seiendes Ding_, sondern das
+Sein als _allgemeines_, oder in der Weise des Begriffs. Die Vernunft,
+welche noch Instinkt, macht diesen richtigen Unterschied ohne das
+Bewusstsein, dass sie, indem sie das Gesetz an allem sinnlichen Sein
+versucht, eben darin sein nur sinnliches Sein aufhebt, und, indem sie
+seine Momente als _Materien_ auffasst, ihre Wesenheit ihm zum
+Allgemeinen geworden, und in diesem Ausdrucke als ein unsinnliches
+Sinnliches, als ein koerperloses und doch gegenstaendliches Sein
+ausgesprochen ist.
+
+Es ist nun zu sehen, welche Wendung fuer ihn sein Resultat nimmt, und
+welche neue Gestalt seines Beobachtens damit auftritt. Als die
+Wahrheit dieses versuchenden Bewusstseins sehen wir das reine Gesetz,
+welches sich vom sinnlichen Sein befreit, wir sehen es als _Begriff_,
+der im sinnlichen Sein vorhanden, aber in ihm selbststaendig und
+ungebunden sich bewegt, in es versenkt frei davon und _einfacher_
+Begriff ist. Dies, was in Wahrheit das _Resultat_ und _Wesen_ ist,
+tritt fuer dies Bewusstsein nun selbst, aber als _Gegenstand_ auf, und
+zwar indem er eben fuer es nicht _Resultat_ und ohne die Beziehung auf
+die vorhergehende Bewegung ist, als eine _besondere Art_ von
+Gegenstand, und sein Verhaeltnis zu diesem als ein anderes Beobachten.
+
+Solcher Gegenstand, welcher den Prozess in der _Einfachheit_ des
+Begriffes an ihm hat, ist das _Organische_. Es ist diese absolute
+Fluessigkeit, worin die Bestimmtheit, durch welche es nur _fuer
+Anderes_ waere, aufgeloest ist. Wenn das unorganische Ding die
+Bestimmtheit zu seinem Wesen hat, und deswegen nur mit einem andern
+Dinge zusammen die Vollstaendigkeit der Momente des Begriffs ausmacht,
+und daher in die Bewegung tretend verloren geht; so sind dagegen an
+dem organischen Wesen alle Bestimmtheiten, durch welche es fuer
+Anderes offen ist, unter die organische einfache Einheit gebunden; es
+tritt keine als wesentlich auf, welche sich frei auf Anderes bezoege;
+und das Organische erhaelt sich daher in seiner Beziehung selbst.
+
+Die _Seiten des Gesetzes_, auf dessen Beobachtung hier der
+Vernunftinstinkt geht, sind, wie aus dieser Bestimmung folgt,
+zunaechst die _organische_ Natur und die _unorganische in_ ihrer
+Beziehung aufeinander. Diese letztere ist fuer die organische eben
+die ihrem _einfachen Begriffe_ entgegengesetzte Freiheit der
+_losgebundenen_ Bestimmtheiten, in welchen die individuelle Natur
+_zugleich aufgeloest_, und aus deren Kontinuitaet sie _zugleich_ sich
+absondert und _fuer sich_ ist. Luft, Wasser, Erde, Zonen und Klima
+sind solche allgemeine Elemente, die das unbestimmte einfache Wesen
+der Individualitaeten ausmachen, und worin diese zugleich in sich
+reflektiert sind. Weder die Individualitaet ist schlechthin an und
+fuer sich noch das Elementarische, sondern in der selbststaendigen
+Freiheit, in welcher sie fuer die Beobachtung gegeneinander auftreten,
+verhalten sie sich zugleich als _wesentliche Beziehungen_, aber so,
+dass die Selbststaendigkeit und Gleichgueltigkeit beider gegeneinander
+das Herrschende ist, und nur zum Teil in die Abstraktion uebergeht.
+Hier ist also das Gesetz, als die Beziehung eines Elements auf die
+Bildung des Organischen vorhanden, welches das elementarische Sein
+einmal gegen sich ueber hat, und das andremal es an seiner organischen
+Reflexion darstellt. Allein solche _Gesetze_, dass die Tiere, welche
+der Luft angehoeren, von der Beschaffenheit der Voegel, welche dem
+Wasser, von der Beschaffenheit der Fische sind, nordische Tiere ein
+dickbehaartes Fell haben und so fort, zeigen sogleich eine Armut,
+welche der organischen Mannigfaltigkeit nicht entspricht. Ausserdem
+dass die organische Freiheit diesen Bestimmungen ihre Formen wieder zu
+entziehen weiss, und notwendig allenthalben Ausnahmen solcher Gesetze
+oder Regeln, wie man sie nennen wollte, darbietet, so bleibt dies an
+denjenigen selbst, welche unter sie fallen, eine so oberflaechliche
+Bestimmung, dass auch der Ausdruck ihrer Notwendigkeit nicht anders
+sein kann, und es nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinausbringt; wobei
+man nicht weiss, was diesem Einflusse eigentlich angehoert, und was
+nicht. Dergleichen Beziehungen des organischen auf das
+elementarische sind daher in der Tat nicht _Gesetze_ zu nennen, denn
+teils erschoepft, wie erinnert, eine solche Beziehung, ihrem Inhalte
+nach, gar nicht den Umfang des Organischen, teils bleiben aber auch
+die Momente der Beziehung selbst gleichgueltig gegeneinander, und
+druecken keine Notwendigkeit aus. Im Begriffe der Saeure liegt der
+_Begriff_ der Base, wie im Begriffe der positiven die negative
+Elektrizitaet; aber so sehr auch das dickbehaarte Fell mit dem Norden,
+oder der Bau der Fische mit dem Wasser, der Bau der Voegel mit der
+Luft zusammen _angetroffen_ werden mag, so liegt im Begriffe des
+Nordens nicht der Begriff dicker Behaarung, des Meeres nicht der des
+Baues der Fische, der Luft nicht der des Baus der Voegel. Um dieser
+Freiheit beider Seiten gegeneinander willen _gibt_ es auch Landtiere,
+welche die wesentlichen Charaktere eines Vogels, des Fisches haben u.
+s.f. Die Notwendigkeit, weil sie als keine innere des Wesens
+begriffen werden kann, hoert auch auf, sinnliches Dasein zu haben, und
+kann nicht mehr an der Wirklichkeit beobachtet werden, sondern ist
+aus ihr _herausgetreten._ So an dem realen Wesen selbst sich nicht
+findend, ist sie das, was teleologische Beziehung genannt wird, eine
+Beziehung, die den bezogenen _aeusserlich_, und daher vielmehr das
+Gegenteil eines Gesetzes ist. Sie ist der von der notwendigen Natur
+ganz befreite Gedanke, welcher sie verlaesst, und ueber ihr sich fuer
+sich bewegt.
+
+Wenn die vorhin beruehrte Beziehung des Organischen auf die
+elementarische Natur das Wesen desselben nicht ausdrueckt, so ist es
+dagegen in dem _Zweckbegriffe_ enthalten. Diesem beobachtenden
+Bewusstsein zwar ist er nicht das eigne _Wesen_ des Organischen,
+sondern faellt ihm ausser demselben, und ist dann nur jene aeusserliche,
+_teleologische_ Beziehung. Allein wie vorhin das Organische bestimmt
+worden, ist es in der Tat der reale Zweck selbst; denn indem es
+_sich_ in der Beziehung auf Anderes _selbst erhaelt_, ist es eben
+dasjenige natuerliche Wesen, in welchem die Natur sich in den Begriff
+reflektiert, und die an der Notwendigkeit auseinandergelegten Momente
+einer Ursache und einer Wirkung, eines Taetigen und eines Leidenden,
+in eins zusammengenommen; so dass hier etwas nicht nur als _Resultat_
+der Notwendigkeit auftritt; sondern, weil es in sich zurueckgegangen
+ist, ist das Letzte oder das Resultat ebensowohl das _Erste_, welches
+die Bewegung anfaengt, und sich der _Zweck_, den es verwirklicht. Das
+Organische bringt nicht etwas hervor, sondern _erhaelt sich nur_, oder
+das, was hervorgebracht wird, ist ebenso schon vorhanden, als es
+hervorgebracht wird.
+
+Diese Bestimmung ist, wie sie an sich und wie sie fuer den
+Vernunftinstinkt ist, naeher zu eroertern, um zu sehen, wie er sich
+darin findet, sich aber in seinem Funde nicht erkennt. Der
+Zweckbegriff also, zu dem die beobachtende Vernunft sich erhebt, wie
+es ihr _bewusster Begriff_ ist, ist ebensosehr als ein _Wirkliches_
+vorhanden; und ist nicht nur eine _aeussere Beziehung_ desselben,
+sondern sein _Wesen_. Dieses Wirkliche, welches selbst ein Zweck ist,
+bezieht sich zweckmaessig auf Anderes, heisst, seine Beziehung ist eine
+zufaellige, _nach dem, was beide unmittelbar sind_; unmittelbar sind
+beide selbststaendig, und gleichgueltig gegeneinander. Das Wesen ihrer
+Beziehung aber ist ein anderes, als sie so zu sein scheinen, und ihr
+Tun hat einen andern Sinn, als es _unmittelbar_ fuer das sinnliche
+Wahrnehmen ist; die Notwendigkeit ist an dem, was geschieht,
+verborgen, und zeigt sich erst _am Ende_, aber so, dass eben dies Ende
+zeigt, dass sie auch das Erste gewesen ist. Das Ende aber zeigt diese
+Prioritaet seiner selbst dadurch, dass durch die Veraenderung, welche
+das Tun vorgenommen hat, nichts anders herauskommt, als was schon war.
+Oder wenn wir vom Ersten anfangen, so geht dieses an seinem Ende
+oder in dem Resultate seines Tuns nur zu sich selbst zurueck; und eben
+hiedurch erweist es sich, ein solches zu sein, welches _sich selbst_
+zu seinem Ende hat, also als Erstes schon zu sich zurueckgekommen,
+oder _an und fuer sich selbst_ ist. Was es also durch die Bewegung
+seines Tuns erreicht, ist _es selbst_; und dass es nur sich selbst
+erreicht, ist sein _Selbstgefuehl_. Es ist hiemit zwar der
+Unterschied dessen, _was es ist_, und _was es sucht_, vorhanden, aber
+dies ist nur der _Schein eines Unterschieds_, und hiedurch ist es
+Begriff an ihm selbst.
+
+Ebenso ist aber das _Selbstbewusstsein_ beschaffen, sich auf eine
+solche Weise von sich zu unterscheiden, worin zugleich kein
+Unterschied herauskommt. Es findet daher in der Beobachtung der
+organischen Natur nichts anders als dies Wesen, es findet sich als
+ein Ding, _als ein Leben_, macht aber noch einen Unterschied zwischen
+dem, was es selbst ist, und was es gefunden, der aber keiner ist.
+Wie der Instinkt des Tieres das Futter sucht und verzehrt, aber damit
+nichts anders herausbringt als sich, so findet auch der Instinkt der
+Vernunft in seinem Suchen nur sie selbst. Das Tier endigt mit dem
+Selbstgefuehle. Der Vernunftinstinkt hingegen ist zugleich
+Selbstbewusstsein; aber weil er nur Instinkt ist, ist er gegen das
+Bewusstsein auf die Seite gestellt, und hat an ihm seinen Gegensatz.
+Seine Befriedigung ist daher durch diesen entzweit, er findet wohl
+sich selbst, naemlich den _Zweck_, und ebenso diesen Zweck als _Ding_.
+Aber der Zweck faellt ihm erstlich _ausser dem Dinge_, welches sich
+als Zweck darstellt. Dieser Zweck als Zweck ist zweitens zugleich
+_gegenstaendlich_, er faellt ihm daher auch nicht in sich als
+Bewusstsein, sondern in einen andern Verstand.
+
+Naeher betrachtet, so liegt diese Bestimmung ebensowohl in dem
+Begriffe des Dinges, dass es _Zweck an ihm selbst_ ist. Es naemlich
+erhaelt _sich_; d.h. zugleich, es ist seine Natur, die Notwendigkeit
+zu verbergen und in der Form _zufaelliger_ Beziehung darzustellen;
+denn seine Freiheit oder _Fuer-sich-sein_ ist eben dieses, sich gegen
+sein Notwendiges als ein Gleichgueltiges zu verhalten; es stellt sich
+also selbst als ein solches dar, dessen Begriff ausser seinem Sein
+falle. Ebenso hat die Vernunft die Notwendigkeit, ihren eigenen
+Begriff als ausser ihr fallend, hiemit als _Ding_ anzuschauen, als ein
+solches, gegen das sie, und das hiemit gegenseitig gegen sie und
+gegen seinen Begriff _gleichgueltig_ ist. Als Instinkt bleibt sie
+auch innerhalb dieses _Seins_ oder der _Gleichgueltigkeit_ stehen, und
+das Ding, welches den Begriff ausdrueckt, bleibt ihm ein anderes als
+dieser Begriff, der Begriff ein anderes als das Ding. So ist das
+organische Ding fuer sie nur so _Zweck_ an ihm selbst, dass die
+Notwendigkeit, welche in seinem Tun als verborgen sich darstellt,
+indem das Tuende darin als ein gleichgueltiges Fuersichseiendes sich
+verhaelt, ausser dem Organischen selbst faellt.--Da aber das Organische
+als Zweck an ihm selbst sich nicht anders verhalten kann denn als ein
+solches, so ist auch dies erscheinend und sinnlich gegenwaertig, dass
+es Zweck an ihm selbst ist, und es wird so beobachtet. Das
+Organische zeigt sich als ein sich selbst _erhaltendes_ und in sich
+_zurueckkehrendes_ und _zurueckgekehrtes_. Aber in diesem Sein erkennt
+dies beobachtende Bewusstsein den Zweckbegriff nicht, oder dies nicht,
+dass der Zweckbegriff nicht sonst irgendwo in einem Verstande, sondern
+eben hier existiert, und als ein Ding ist. Es macht einen
+Unterschied zwischen dem Zweckbegriffe, und zwischen dem
+Fuer-sich-sein und Sich-selbst-erhalten, welcher keiner ist. Dass er
+keiner ist, ist nicht fuer es, sondern ein Tun, das zufaellig und
+gleichgueltig gegen das, was durch dasselbe zustande kommt, erscheint,
+und die Einheit, welche doch beides zusammenknuepft--jenes Tun und
+dieser Zweck faellt ihm auseinander.
+
+Was in dieser Ansicht dem Organischen selbst zukommt, ist das
+zwischen seinem Ersten und Letzten mitten inne liegende Tun, insofern
+es den Charakter der Einzelnheit an ihm hat. Das Tun aber, insofern
+es den Charakter der Allgemeinheit hat, und das Tuende demjenigen,
+was dadurch hervorgebracht wird, gleichgesetzt, das zweckmaessige Tun
+als solches, kaeme nicht ihm zu. Jenes einzelne Tun, das nur Mittel
+ist, tritt durch seine Einzelnheit unter die Bestimmung einer
+durchaus einzelnen oder zufaelligen Notwendigkeit. Was das Organische
+zur Erhaltung seiner selbst als Individuums, oder seiner als Gattung
+tut, ist daher diesem unmittelbaren Inhalte nach ganz gesetzlos, denn
+das Allgemeine und der Begriff faellt ausser ihm. Sein Tun waere sonach
+die leere Wirksamkeit ohne Inhalt an ihr selbst; sie waere nicht
+einmal die Wirksamkeit einer Maschine, denn diese hat einen Zweck,
+und ihre Wirksamkeit hiedurch einen bestimmten Inhalt. So verlassen
+von dem Allgemeinen wuerde sie Taetigkeit nur eines Seienden als
+_Seienden_, d.h. eine nicht zugleich in sich reflektierte sein, wie
+die einer Saeure oder Base ist; eine Wirksamkeit, die von ihrem
+unmittelbaren Dasein sich nicht abtrennen, noch dieses, das in der
+Beziehung auf sein Entgegengesetztes verloren geht, aufgeben, sich
+aber erhalten koennte. Das Sein aber, dessen Wirksamkeit die hier
+betrachtete ist, ist gesetzt als ein in seiner Beziehung auf sein
+Entgegengesetztes _sich erhaltendes_ Ding; _die Taetigkeit_ als solche
+ist nichts als die reine wesenlose Form seines Fuer-sich-seins, und
+ihre Substanz, die nicht bloss bestimmtes Sein, sondern das Allgemeine
+ist, ihr _Zweck_ faellt nicht ausser ihr; sie ist an ihr selbst in sich
+zurueckgehende, nicht durch irgendein Fremdes in sich zurueckgelenkte
+Taetigkeit.
+
+Diese Einheit der Allgemeinheit und der Taetigkeit ist aber darum
+nicht fuer dies _beobachtende_ Bewusstsein, weil jene Einheit
+wesentlich die innre Bewegung des Organischen ist, und nur als
+Begriff aufgefasst werden kann; das Beobachten aber sucht die Momente
+in der Form des _Seins_ und _Bleibens_; und weil das organische Ganze
+wesentlich dies ist, so die Momente nicht an ihm zu haben und nicht
+an ihm finden zu lassen, verwandelt das Bewusstsein in seiner Ansicht
+den Gegensatz in einen solchen, als er ihr gemaess ist.
+
+Es entsteht ihm auf diese Weise das organische Wesen als eine
+Beziehung zweier _seiender_ und _fester_ Momente--eines Gegensatzes,
+dessen beide Seiten ihm also einesteils in der Beobachtung gegeben zu
+sein scheinen, andernteils ihrem Inhalte nach den Gegensatz des
+organischen _Zweckbegriffs_ und der _Wirklichkeit_ ausdruecken; weil
+aber der Begriff als solcher daran getilgt ist, auf eine dunkle und
+oberflaechliche Weise, worin der Gedanke in das Vorstellen
+herabgesunken ist. So sehen wir den ersten ungefaehr unter dem
+_Innern_, die andere unter dem _Aeussern_ gemeint, und ihre Beziehung
+erzeugt das Gesetz, _dass das Aeussere der Ausdruck des Innern ist_.
+
+Dies Innere mit seinem Entgegengesetzten und ihre Beziehung
+aufeinander naeher betrachtet, ergibt sich, dass vors erste die beiden
+Seiten des Gesetzes nicht mehr wie bei fruehern Gesetzen lauten, worin
+sie als selbststaendige _Dinge_ jede als ein besonderer Koerper
+erschienen, noch auch fuers andere so, dass das Allgemeine irgend sonst
+_ausser dem Seienden_ seine Existenz haben sollte. Sondern das
+organische Wesen ist ungetrennt ueberhaupt zu Grunde gelegt, als
+Inhalt des Innern und Aeussern, und fuer beide dasselbe; der Gegensatz
+ist dadurch nur noch ein rein formeller, dessen reale Seiten dasselbe
+_An-sich_ zu ihrem Wesen, zugleich aber, indem Inneres und Aeusseres
+auch entgegengesetzte Realitaet und ein fuer das Beobachten
+verschiedenes _Sein_ sind, scheinen sie ihm jedes einen
+eigentuemlichen Inhalt zu haben. Dieser eigentuemliche Inhalt, da er
+dieselbe Substanz oder organische Einheit ist, kann aber in der Tat
+nur eine verschiedene Form derselben sein; und dies wird von dem
+beobachtenden Bewusstsein darin angedeutet, dass das Aeussere nur
+_Ausdruck_ des Innern ist.--Dieselben Bestimmungen des Verhaeltnisses,
+naemlich die gleichgueltige Selbststaendigkeit der verschiedenen, und in
+ihr ihre Einheit, worin sie verschwinden, haben wir an dem
+Zweckbegriffe gesehen.
+
+Es ist nun zu sehen, welche _Gestalt_ das Innere und Aeussere in seinem
+Sein hat. Das Innere als solches muss ebensosehr ein aeusseres Sein und
+eine Gestalt haben, wie das Aeussere als solches, denn es ist
+Gegenstand oder selbst als seiendes und fuer die Beobachtung vorhanden
+gesetzt.
+
+Die organische Substanz als _innere_ ist sie die _einfache Seele_,
+der reine _Zweckbegriff_ oder das _Allgemeine_, welches in seiner
+Teilung ebenso allgemeine Fluessigkeit bleibt, und daher in seinem
+_Sein_ als das _Tun_ oder die _Bewegung_ der _verschwindenden_
+Wirklichkeit erscheint; da hingegen das _Aeussere_ entgegengesetzt
+jenem seienden Innern in dem _ruhenden Sein_ des Organischen besteht.
+Das Gesetz als die Beziehung jenes Innere auf dies Aeussere drueckt
+hiemit seinen Inhalt, einmal in der Darstellung allgemeiner _Momente_
+oder _einfacher Wesenheiten_, und das anderemal in der Darstellung
+der verwirklichten Wesenheit oder der _Gestalt_ aus. Jene ersten
+einfachen organischen _Eigenschaften_, um sie so zu nennen, sind
+_Sensibilitaet, Irritabilitaet_ und _Reproduktion_. Diese
+Eigenschaften, wenigstens die beiden ersten, scheinen sich zwar nicht
+auf den Organismus ueberhaupt, sondern nur auf den animalischen zu
+beziehen. Der vegetabilische drueckt auch in der Tat nur den
+einfachen Begriff des Organismus aus, der seine Momente _nicht
+entwickelt_; daher wir uns in Ansehung ihrer, insofern sie fuer die
+Beobachtung sein sollen, an denjenigen halten muessen, der ihr
+entwickeltes Dasein darstellt.
+
+Was nun sie selbst betrifft, so ergeben sie sich unmittelbar aus dem
+Begriffe des Selbstzwecks. Denn die _Sensibilitaet_ drueckt ueberhaupt
+den einfachen Begriff der organischen Reflexion in sich, oder die
+allgemeine Fluessigkeit desselben aus; die _Irritabilitaet_ aber die
+organische Elastizitaet, sich in der Reflexion zugleich _reagierend_
+zu verhalten, und die dem ersten ruhigen _In-sich-sein_
+entgegengesetzte Verwirklichung, worin jenes abstrakte Fuer-sich-sein
+ein _Sein fuer Anderes_ ist. Die _Reproduktion_ aber ist die Aktion
+dieses _ganzen_ in sich reflektierten Organismus, seine Taetigkeit als
+Zwecks an sich oder als _Gattung_, worin also das Individuum sich von
+sich selbst abstoesst, entweder seine organischen Teile, oder das ganze
+Individuum erzeugend wiederholt. In der Bedeutung der
+_Selbsterhaltung ueberhaupt_ genommen drueckt die Reproduktion den
+formalen Begriff des Organischen oder die Sensibilitaet aus; aber sie
+ist eigentlich der reale organische Begriff, oder das _Ganze_, das
+als Individuum entweder durch die Hervorbringung der einzelnen Teile
+seiner selbst oder als Gattung durch die Hervorbringung von
+Individuen in sich zurueckkehrt.
+
+Die _andere Bedeutung_ dieser organischen Elemente, naemlich als des
+_Aeusseren_, ist ihre _gestaltete_ Weise, nach welcher sie als
+_wirkliche_, aber zugleich auch als _allgemeine_ Teile oder
+organische _Systeme_ vorhanden sind; die Sensibilitaet etwa als
+Nervensystem, die Irritabilitaet als Muskelsystem, die Reproduktion
+als Eingeweide der Erhaltung des Individuums und der Gattung.
+
+Eigentuemliche Gesetze des Organischen betreffen demnach ein
+Verhaeltnis der organischen Momente in ihrer gedoppelten Bedeutung,
+einmal ein _Teil_ der organischen _Gestaltung_, das andremal
+_allgemeine fluessige_ Bestimmtheit zu sein, welche durch alle jene
+Systeme hindurchgeht. In dem Ausdrucke eines solchen Gesetzes haette
+also zum Beispiel eine bestimmte _Sensibilitaet_ als Moment des
+_ganzen_ Organismus ihren Ausdruck an einem bestimmt gebildeten
+Nervensystem, oder sie waere auch mit einer bestimmten _Reproduktion_
+der organischen Teile des Individuums oder Fortpflanzung des ganzen
+verknuepft, und so fort.--Die beiden Seiten eines solchen Gesetzes
+koennen _beobachtet_ werden. Das _Aeussere_ ist seinem Begriffe nach
+das _Sein fuer Anderes_; die Sensibilitaet hat z.B. in dem sensibeln
+_Systeme_ ihre unmittelbar verwirklichte Weise; und als _allgemeine
+Eigenschaft_ ist sie in ihren _Aeusserungen_ ebenso ein
+gegenstaendliches. Die Seite, welche das _Innere_ heisst, hat ihre
+_eigene aeussere_ Seite, die unterschieden ist von dem, was im Ganzen
+das _Aeussere_ heisst.
+
+Die beiden Seiten eines organischen Gesetzes waeren also zwar wohl zu
+beobachten, allein nicht Gesetze der Beziehung derselben; und die
+Beobachtung reicht nicht darum nicht zu, weil sie, _als Beobachtung_,
+zu kurzsichtig waere, und nicht empirisch verfahren, sondern von der
+Idee ausgegangen werden sollte; denn solche Gesetze, wenn sie etwas
+Reelles waeren, muessten in der Tat wirklich vorhanden, und also zu
+beobachten sein; sondern weil der Gedanke von Gesetzen dieser Art
+keine Wahrheit zu haben sich erweist.
+
+Es ergab sich fuer ein Gesetz das Verhaeltnis, dass die allgemeine
+organische _Eigenschaft_ an einem organischen _Systeme_ sich zum
+Dinge gemacht und an ihm seinen gestalteten Abdruck haette, so dass
+beide dasselbe Wesen waeren, das einmal als allgemeines Moment, das
+andremal als Ding vorhanden. Aber ausserdem ist auch die Seite des
+Innern fuer sich ein Verhaeltnis mehrerer Seiten, und es bietet sich
+daher zuerst der Gedanke eines Gesetzes an, als eine Beziehung der
+allgemeinen organischen Taetigkeiten oder Eigenschaften aufeinander.
+Ob ein solches moeglich ist, muss sich aus der Natur einer solchen
+Eigenschaft entscheiden. Sie ist aber, als eine allgemeine
+Fluessigkeit, teils nicht etwas, das nach der Weise eines Dinges
+beschraenkt und in dem Unterschiede eines Daseins sich haelt, das seine
+Gestalt ausmachen sollte, sondern die Sensibilitaet geht ueber das
+Nervensystem hinaus, und durch alle andere Systeme des Organismus
+hindurch--teils ist sie allgemeines _Moment_, das wesentlich
+ungeschieden und unzertrennlich von Reaktion oder Irritabilitaet und
+Reproduktion ist. Denn als Reflexion in sich hat sie schlechthin die
+Reaktion an ihr. Nur In-sich-reflektiert-sein ist Passivitaet, oder
+totes Sein, nicht eine Sensibilitaet, sowenig als Aktion, was dasselbe
+ist als Reaktion, ohne In-sich-reflektiert-sein Irritabilitaet ist.
+Die Reflexion in der Aktion oder Reaktion, und die Aktion oder
+Reaktion in der Reflexion ist gerade dies, dessen Einheit das
+Organische ausmacht, eine Einheit, welche mit der organischen
+Reproduktion gleichbedeutend ist. Es folgt hieraus, dass in jeder
+Weise der Wirklichkeit dieselbe _Groesse_ der Sensibilitaet--indem wir
+zuerst das Verhaeltnis derselben und der Irritabilitaet zueinander
+betrachten--vorhanden sein muss als der Irritabilitaet, und dass eine
+organische Erscheinung ebensosehr nach der einen als nach der andern
+aufgefasst und bestimmt, oder wie man will, erklaert werden kann.
+Dasselbe, was der eine etwa fuer hohe Sensibilitaet nimmt, kann ein
+anderer ebensogut fuer hohe Irritabilitaet, und Irritabilitaet von
+_derselben Hoehe_ betrachten. Wenn sie _Faktoren_ genannt werden, und
+dies nicht ein bedeutungsloses Wort sein soll, so ist eben damit
+ausgesprochen, dass sie _Momente_ des Begriffs sind, also der reale
+Gegenstand, dessen Wesen dieser Begriff ausmacht, sie auf gleiche
+Weise an ihm hat, und wenn er auf die eine bestimmt wird, als sehr
+sensibel, er ebenso auf die andere, als ebensosehr irritabel
+auszusagen ist.
+
+Werden sie unterschieden, wie notwendig ist, so sind sie es dem
+Begriffe nach, und ihr Gegensatz ist _qualitativ_. Aber ausser diesem
+wahren Unterschiede auch noch als seiend, und fuer die Vorstellung,
+wie sie Seiten des Gesetzes sein koennten, verschieden gesetzt, so
+erscheinen sie in _quantitativer_ Verschiedenheit. Ihr
+eigentuemlicher qualitativer Gegensatz tritt somit in die _Groesse_, und
+es entstehen Gesetze der Art, dass zum Beispiel Sensibilitaet und
+Irritabilitaet in umgekehrtem Verhaeltnisse ihrer Groesse stehen, so dass
+wie die eine waechst, die andere abnimmt; oder besser gleich die Groesse
+selbst zum Inhalte genommen, dass die Groesse von etwas zunimmt, wie
+seine Kleinheit abnimmt.--Wird diesem Gesetze aber ein bestimmter
+Inhalt gegeben, etwa so, dass die Groesse eines Loches _zunimmt,_ je
+mehr das _abnimmt_, was seine Erfuellung ausmacht, so kann dies
+umgekehrte Verhaeltnis ebenso in ein gerades verwandelt und
+ausgedrueckt werden, dass die Groesse des Loches in geradem Verhaeltnisse
+der Menge des weggenommenen _zunimmt_;--ein _tautologischer_ Satz, er
+mag als direktes oder umgekehrtes Verhaeltnis ausgedrueckt werden, der
+in seinem eigentuemlichen Ausdrucke nur dieses heisst, dass eine Groesse
+zunimmt, wie diese Groesse zunimmt. Wie das Loch und das, was es
+erfuellt und weggenommen wird, qualitativ entgegengesetzt, aber wie
+das Reale derselben und dessen bestimmte Groesse in beiden ein und
+dasselbe, und ebenso Zunahme der Groesse und Abnahme der Kleinheit
+dasselbe ist, und ihre bedeutungsleere Entgegensetzung in eine
+Tautologie hinauslaeuft, so sind die organischen Momente gleich
+unzertrennlich in ihrem Realen und in ihrer Groesse, die die Groesse
+desselben ist; eines nimmt nur mit dem andern ab und nimmt nur mit
+ihm zu, denn eines hat schlechthin nur Bedeutung, insoweit das andere
+vorhanden ist--oder vielmehr es ist gleichgueltig, eine organische
+Erscheinung als Irritabilitaet oder als Sensibilitaet zu betrachten,
+schon ueberhaupt, und ebenso wenn von ihrer Groesse gesprochen wird. So
+gleichgueltig es ist, die Zunahme eines Lochs als Vermehrung seiner
+als der Leerheit oder als Vermehrung der herausgenommenen Fuelle
+auszusprechen. Oder eine Zahl, z. B. _drei_, bleibt gleich gross,
+ich mag sie positiv oder negativ nehmen; und wenn ich die drei zu
+vier vergroessere, so ist das Positive wie das Negative zu vier
+geworden--wie der Suedpol an einem Magnete gerade so stark ist als
+sein Nordpol, oder eine positive Elektrizitaet oder eine Saeure gerade
+so stark als ihre negative oder als die Base, worauf sie einwirkt.
+--Ein solches Grosses als jene drei, oder ein Magnet u.s.f. ist ein
+organisches _Dasein_; es ist dasjenige, das vermehrt und vermindert
+wird, und wenn es vermehrt wird, werden _beide_ Faktoren desselben
+vermehrt, so sehr als _beide_ Pole des Magnets, oder als die beiden
+Elektrizitaeten, wenn ein Magnet u.s.f. verstaerkt wird, zunehmen.--Dass
+beide ebensowenig nach _Intension_ und _Extension_ verschieden sein,
+das eine nicht an Extension ab-, dagegen an Intension zunehmen kann,
+waehrend das andere umgekehrt seine Intension vermindern, dagegen an
+Extension zunehmen sollte, faellt unter denselben Begriff leerer
+Entgegensetzung; die reale Intension ist ebenso schlechthin so gross
+als die Extension, und umgekehrt.
+
+Es geht, wie erhellt, bei diesem Gesetzgeben eigentlich so zu, dass
+zuerst Irritabilitaet und Sensibilitaet den bestimmten organischen
+Gegensatz ausmacht; dieser Inhalt verliert sich aber, und der
+Gegensatz verlaeuft sich in den Formalen des Zu- und Abnehmens der
+Groesse, oder der verschiedenen Intension und Extension--ein Gegensatz,
+der die Natur der Sensibilitaet und der Irritabilitaet weiter nichts
+mehr angeht, und sie nicht mehr ausdrueckt. Daher solches leeres
+Spiel des Gesetzgebens nicht an die organischen Momente gebunden ist,
+sondern es kann allenthalben mit allem getrieben werden, und beruht
+ueberhaupt auf der Unbekanntschaft mit der logischen Natur dieser
+Gegensaetze.
+
+Wird endlich statt der Sensibilitaet und Irritabilitaet die
+Reproduktion mit der einen oder der andern in Beziehung gebracht, so
+faellt auch die Veranlassung zu diesem Gesetzgeben hinweg; denn
+Reproduktion steht mit jenen Momenten nicht in einem Gegensatze, wie
+sie gegeneinander; und da auf ihm dies Gesetzgeben beruht, so faellt
+hier auch der Schein seines Stattfindens hinweg.
+
+Das soeben betrachtete Gesetzgeben enthaelt die Unterschiede des
+Organismus in ihrer Bedeutung von Momenten seines _Begriffs,_ und
+sollte eigentlich ein apriorisches Gesetzgeben sein. Es liegt aber
+in ihm selbst wesentlich dieser Gedanke, dass sie die Bedeutung von
+_Vorhandenen_ haben, und das bloss beobachtende Bewusstsein hat sich
+ohnehin nur an ihr Dasein zu halten. Die organische Wirklichkeit hat
+notwendig einen solchen Gegensatz an ihr, als ihr Begriff ausdrueckt,
+und der als Irritabilitaet und Sensibilitaet bestimmt werden kann,
+sowie sie beide wieder von der Reproduktion verschieden erscheinen.
+--Die _Aeusserlichkeit_, in der die Momente des organischen Begriffs
+hier betrachtet werden, ist die _eigne unmittelbare_ Aeusserlichkeit
+des Innern, nicht das _Aeussere_, welches Aeusseres im Ganzen und
+_Gestalt_ ist, und mit welchem das Innre nachher in Beziehung zu
+betrachten ist.
+
+Aber den Gegensatz der Momente so aufgefasst, wie er an dem Dasein ist,
+so sinken Sensibilitaet, Irritabilitaet, Reproduktion zu gemeinen
+_Eigenschaften_ herunter, die gegeneinander ebenso gleichgueltige
+Allgemeinheiten sind als spezifische Schwere, Farbe, Haerte, und so
+fort. In diesem Sinne kann wohl beobachtet werden, dass ein
+Organisches sensibler, oder irritabler, oder von groesserer
+Reproduktionskraft sei als ein anderes--so wie dass die Sensibilitaet u.
+s.f. des einen der _Art_ nach von der eines andern verschieden sei,
+eins sich gegen bestimmte Reize anders verhalte als ein anderes, wie
+das Pferd anders gegen Hafer als gegen Heu, und der Hund wieder
+anders gegen beide, u.s.f., sosehr als beobachtet werden kann, dass
+ein Koerper haerter ist als ein anderer, und so fort.--Allein diese
+sinnlichen Eigenschaften, Haerte, Farbe, und so fort, so wie die
+Erscheinungen der Reizempfaenglichkeit fuer Hafer, der Irritabilitaet
+fuer Lasten, oder der Anzahl und Art, Junge zu gebaeren, aufeinander
+bezogen und miteinander verglichen, widerstreiten wesentlich einer
+Gesetzmaessigkeit. Denn die Bestimmtheit ihres _sinnlichen Seins_
+besteht eben darin, vollkommen gleichgueltig gegeneinander zu
+existieren, und die des Begriffs entbundne Freiheit der Natur
+vielmehr darzustellen als die Einheit einer Beziehung, vielmehr ihr
+unvernuenftiges Hin- und Herspielen auf der Leiter der zufaelligen
+Groesse zwischen den Momenten des Begriffs als diese selbst.
+
+Die _andere_ Seite, nach welcher die einfachen Momente des
+organischen Begriffs mit den Momenten der _Gestaltung_ verglichen
+werden, wuerde erst das eigentliche Gesetz geben, welches das wahre
+_Aeussere_ als Abdruck des _Innern_ ausspraeche.--Weil nun jene
+einfachen Momente durchdringende fluessige Eigenschaften sind, so
+haben sie an dem organischen Dinge nicht einen solchen
+ausgeschiedenen realen Ausdruck, wie das ist, was ein einzelnes
+System der Gestalt genannt wird. Oder wenn die abstrakte Idee des
+Organismus in jenen drei Momenten nur darum wahrhaft ausgedrueckt ist,
+weil sie nichts Stehendes, sondern nur Momente des Begriffs und der
+Bewegung sind, so ist er dagegen als Gestaltung nicht in solchen drei
+bestimmten Systemen befasst, wie die Anatomie sie auseinanderlegt.
+Insofern solche Systeme in ihrer Wirklichkeit gefunden, und durch
+dies Finden legitimiert werden sollen, muss auch erinnert werden, dass
+die Anatomie nicht nur drei dergleichen Systeme, sondern viel mehrere
+aufweist.--Alsdenn muss abgesehen hievon ueberhaupt das sensible
+_System_ etwas ganz anderes bedeuten als das, was _Nervensystem_
+genannt wird, so das irritable _System_ etwas anderes als das
+_Muskelsystem_, das reproduktive _System_ etwas anders als die
+_Eingeweide_ der Reproduktion. In den Systemen der _Gestalt_ als
+solcher ist der Organismus nach der abstrakten Seite der toten
+Existenz aufgefasst; seine Momente so aufgenommen gehoeren der Anatomie
+und dem Kadaver, nicht der Erkenntnis und dem lebendigen Organismus
+an. Als solche Teile haben sie vielmehr aufgehoert, _zu sein_, denn
+sie hoeren auf, Prozesse zu sein. Da das _Sein_ des Organismus
+wesentlich Allgemeinheit oder Reflexion in sich selbst ist, so kann
+das _Sein_ seines Ganzen wie seine Momente nicht in einem
+anatomischen Systeme bestehen, sondern der wirkliche Ausdruck und
+ihre Aeusserlichkeit ist vielmehr nur als eine Bewegung vorhanden, die
+sich durch die verschiedenen Teile der Gestaltung verlauft, und worin
+das, was als einzelnes System herausgerissen und fixiert wird, sich
+wesentlich als fliessendes Moment darstellt, so dass nicht jene
+Wirklichkeit, wie die Anatomie sie findet, als ihre Realitaet gelten
+darf, sondern nur sie als Prozess, in welchem auch die anatomischen
+Teile allein einen Sinn haben.
+
+Es ergibt sich also, dass weder die Momente des organischen _Innern_
+fuer sich genommen Seiten eines Gesetzes des Seins abzugeben faehig
+sind; indem sie in einem solchen Gesetze von einem Dasein
+ausgesprochen, voneinander unterschieden, und nicht jede auf gleiche
+Weise anstatt der andern sollte genannt werden koennen; noch dass sie,
+auf die eine Seite gestellt, in der andern an einem festen Systeme
+ihre Realisierung haben; denn dies letztere ist so wenig etwas, das
+ueberhaupt organische Wahrheit haette, als es der Ausdruck jener
+Momente des Innern ist. Das Wesentliche des Organischen, da es an
+sich das Allgemeine ist, ist vielmehr ueberhaupt, seine Momente in der
+Wirklichkeit ebenso allgemein, das heisst, als durchlaufende Prozesse
+zu haben, nicht aber an einem isolierten Dinge ein Bild des
+Allgemeinen zu geben.
+
+Auf diese Weise geht an dem Organischen die _Vorstellung_ eines
+_Gesetzes_ ueberhaupt verloren. Das Gesetz will den Gegensatz als
+ruhende Seiten auffassen und ausdruecken, und an ihnen die
+Bestimmtheit, welche ihre Beziehung aufeinander ist. Das _Innere_,
+welchem die erscheinende Allgemeinheit, und das _Aeussere_, welchem die
+Teile der ruhenden Gestalt angehoeren, sollten die sich entsprechenden
+Seiten des Gesetzes ausmachen, verlieren aber so auseinandergehalten
+ihre organische Bedeutung; und der Vorstellung des Gesetzes liegt
+gerade dies zum Grunde, dass seine beiden Seiten ein fuer sich seiendes
+gleichgueltiges Bestehen haetten, und an sie die Beziehung als eine
+gedoppelte sich entsprechende Bestimmtheit verteilt waere. Jede Seite
+des Organischen ist vielmehr dies an ihr selbst, einfache
+Allgemeinheit, in welcher alle Bestimmungen aufgeloest sind, und die
+Bewegung dieses Aufloesens zu sein.
+
+Die Einsicht in den Unterschied dieses Gesetzgebens gegen fruehere
+Formen wird seine Natur vollends aufhellen.--Sehen wir naemlich zurueck
+auf die Bewegung des Wahrnehmens und des darin sich in sich
+reflektierenden und seinen Gegenstand hiedurch bestimmenden
+Verstandes, so hat dieser dabei an seinem Gegenstande die _Beziehung_
+dieser abstrakten Bestimmungen, des Allgemeinen und Einzelnen, des
+Wesentlichen und des Aeusserlichen, nicht vor sich, sondern ist selbst
+das Uebergehen, dem dieses Uebergehen nicht gegenstaendlich wird. Hier
+hingegen ist die organische Einheit, d.h. eben die Beziehung jener
+Gegensaetze, und diese Beziehung ist reines Uebergehen, selbst der
+_Gegenstand_. Dies Uebergehen in seiner Einfachheit ist unmittelbar
+_Allgemeinheit_, und indem sie in den Unterschied tritt, dessen
+Beziehung das Gesetz ausdruecken soll, so sind seine Momente _als
+allgemeine_ Gegenstaende dieses Bewusstseins, und das Gesetz lautet,
+dass das _Aeussere_ Ausdruck des _Innern_ sei. Der Verstand hat hier
+_den Gedanken_ des Gesetzes selbst erfasst, da er vorher nur ueberhaupt
+Gesetze suchte, und die Momente derselben ihm als ein bestimmter
+Inhalt, nicht als die Gedanken derselben vorschwebte.--In Ansehung
+des Inhalts sollen hiemit hier nicht solche Gesetze erhalten werden,
+welche nur ein ruhiges Aufnehmen rein _seiender_ Unterschiede in die
+Form der Allgemeinheit sind, sondern Gesetze, die unmittelbar an
+diesen Unterschieden auch die Unruhe des Begriffes, und damit
+zugleich die Notwendigkeit der Beziehung der Seiten haben. Allein
+weil eben der Gegenstand, die organische Einheit, das unendliche
+Aufheben oder die absolute Negation des Seins mit dem ruhigen Sein
+unmittelbar vereinigt, und die Momente wesentlich _reines Uebergehen_
+sind, so ergeben sich keine solche _seiende_ Seiten, als fuer das
+Gesetz erfodert werden.
+
+Um solche zu erhalten, muss der Verstand sich an das andre Moment des
+organischen Verhaeltnisses halten; naemlich an das _Reflektiertsein_
+des organischen Daseins in sich selbst. Aber dieses Sein ist so
+vollkommen in sich reflektiert, dass ihm keine Bestimmtheit gegen
+anderes uebrig bleibt. Das _unmittelbare_ sinnliche Sein ist
+unmittelbar mit der Bestimmtheit als solcher eins, und drueckt daher
+einen qualitativen Unterschied an ihm aus; wie z. B. Blau gegen Rot,
+Saures gegen Alkalisches u.s.f. Aber das in sich zurueckgekommene
+organische Sein ist vollkommen gleichgueltig gegen anderes, sein
+Dasein ist die einfache Allgemeinheit, und verweigert dem Beobachten
+bleibende sinnliche Unterschiede, oder was dasselbe ist, zeigt seine
+wesentliche Bestimmtheit nur als den _Wechsel seiender_
+Bestimmtheiten. Wie sich daher der Unterschied als seiender
+ausdrueckt, ist ebendies, dass er ein _gleichgueltiger_ ist, d.h. als
+_Groesse_. Hierin ist aber der Begriff getilgt, und die Notwendigkeit
+verschwunden.--Der Inhalt aber und Erfuellung dieses gleichgueltigen
+Seins, der Wechsel der sinnlichen Bestimmungen, in die Einfachheit
+einer organischen Bestimmung zusammengenommen, drueckt dann zugleich
+dies aus, dass er eben jene--der unmittelbaren
+Eigenschaft--Bestimmtheit nicht hat, und das Qualitative faellt allein
+in die Groesse, wie wir oben gesehen.
+
+Ob also schon das Gegenstaendliche, das als organische Bestimmtheit
+aufgefasst wird, den Begriff an ihm selbst hat, und sich hiedurch von
+dem unterscheidet, das fuer den Verstand ist, der sich als rein
+wahrnehmend bei dem Auffassen des Inhaltes seiner Gesetze verhaelt, so
+faellt jenes Auffassen doch ganz in das Prinzip und die Manier des
+bloss wahrnehmenden Verstandes darum zurueck, weil das Aufgefasste zu
+Momenten eines _Gesetzes_ gebraucht wird; denn hiedurch erhaelt es die
+Weise einer festen Bestimmtheit, die Form einer unmittelbaren
+Eigenschaft oder einer ruhenden Erscheinung, wird ferner in die
+Bestimmung der Groesse aufgenommen, und die Natur des Begriffs ist
+unterdrueckt.--Die Umtauschung eines bloss Wahrgenommenen gegen ein in
+sich Reflektiertes, einer bloss sinnlichen Bestimmtheit gegen eine
+organische verliert also wieder ihren Wert, und zwar dadurch, dass der
+Verstand das Gesetzgeben noch nicht aufgehoben hat.
+
+Um die Vergleichung in Ansehung dieses Umtausches an einigen
+Beispielen anzustellen, so wird etwa etwas, das fuer die Wahrnehmung
+ein Tier von starken Muskeln ist, als tierischer Organismus von hoher
+Irritabilitaet, oder was fuer die Wahrnehmung ein Zustand grosser
+Schwaeche ist, als Zustand hoher Sensibilitaet oder, wenn man lieber
+will, als eine innormale Affektion, und zwar eine Potenzierung
+derselben (Ausdruecke, welche das Sinnliche, statt in den Begriff, ins
+Lateinische--und zwar noch dazu in ein schlechtes--uebersetzen)
+bestimmt. Dass das Tier starke Muskeln habe, kann vom Verstande auch
+so ausgedrueckt werden, das Tier besitze eine grosse _Muskelkraft_--wie
+die grosse Schwaeche als eine geringe _Kraft_. Die Bestimmung durch
+Irritabilitaet hat vor der Bestimmung als _Kraft_ voraus, dass diese
+die unbestimmte Reflexion in sich, jene aber die bestimmte ausdrueckt,
+denn die _eigentuemliche_ Kraft des Muskels ist eben
+Irritabilitaet--und vor der Bestimmung als _starke Muskeln_, dass wie
+schon in der Kraft die Reflexion in sich zugleich darin enthalten ist.
+So wie die Schwaeche oder die geringe Kraft, die _organische
+Passivitaet_ bestimmt durch _Sensibilitaet_ ausgedrueckt wird. Aber
+diese Sensibilitaet so fuer sich genommen und fixiert, und noch mit der
+Bestimmung der _Groesse_ verbunden, und als groessere oder geringere
+Sensibilitaet einer groessern oder geringern Irritabilitaet
+entgegengesetzt, ist jede ganz in das sinnliche Element und zur
+gemeinen Form einer Eigenschaft herabgesetzt, und ihre Beziehung
+nicht der Begriff, sondern im Gegenteil die Groesse, in welche nun der
+Gegensatz faellt, und ein gedankenloser Unterschied wird. Wenn hiebei
+zwar das Unbestimmte der Ausdruecke von _Kraft_ und _Staerke_ und
+_Schwaeche_ entfernt wurde, so entsteht itzt das ebenso leere und
+unbestimmte Herumtreiben in den Gegensaetzen einer hoehern und niedern
+Sensibilitaet, Irritabilitaet in ihrem Aufund Absteigen an- und
+gegeneinander. Nicht weniger als Staerke und Schwaeche ganz sinnliche
+gedankenlose Bestimmungen sind, ist die groessere oder geringere
+Sensibilitaet, Irritabilitaet die gedankenlos aufgefasste und ebenso
+ausgesprochene sinnliche Erscheinung. An die Stelle jener
+begriffslosen Ausdruecke ist nicht der Begriff getreten, sondern
+Staerke und Schwaeche durch eine Bestimmung erfuellt worden, die fuer
+sich allein genommen auf dem Begriffe beruht und ihn zum Inhalte hat,
+aber diesen Ursprung und Charakter gaenzlich verliert.--Durch die Form
+der Einfachheit und Unmittelbarkeit also, in welcher dieser Inhalt
+zur Seite eines Gesetzes gemacht wird, und durch die Groesse, welche
+das Element des Unterschiedes solcher Bestimmungen ausmacht, behaelt
+das urspruenglich als Begriff seiende und gesetzte Wesen die Weise des
+sinnlichen Wahrnehmens, und bleibt von dem Erkennen so entfernt, als
+in der Bestimmung durch Staerke und Schwaeche der Kraft, oder durch
+unmittelbare sinnliche Eigenschaften.
+
+Es ist itzt auch noch dasjenige _fuer sich allein_ zu betrachten uebrig,
+was das _Aeussere_ des Organischen ist, und wie an ihm der Gegensatz
+_seines_ Innern und Aeussern sich bestimmt; so wie zuerst das _Innere_
+des Ganzen in der Beziehung auf sein _eignes_ Aeusseres betrachtet
+wurde.
+
+Das _Aeussere_ fuer sich betrachtet ist die _Gestaltung_ ueberhaupt, das
+System des sich im _Elemente_ des _Seins_ gliedernden Lebens, und
+wesentlich zugleich das Sein des organischen Wesens _fuer ein
+Anderes--_ gegenstaendliches Wesen in seinem _Fuer-sich-sein_.--Dies
+_Andere_ erscheint zunaechst als seine aeussere unorganische Natur.
+Diese beiden in Beziehung auf ein Gesetz betrachtet, kann, wie wir
+oben sahen, die unorganische Natur nicht die Seite eines Gesetzes
+gegen das organische Wesen ausmachen, weil dieses zugleich
+schlechthin fuer sich ist, und eine allgemeine und freie Beziehung auf
+sie hat.
+
+Das Verhaeltnis dieser beiden Seiten aber an der organischen Gestalt
+selbst naeher bestimmt, so ist sie also nach einer Seite gegen die
+unorganische Natur gekehrt, auf der andern aber _fuer sich_ und in
+sich reflektiert. Das _wirkliche_ organische Wesen ist die Mitte,
+welche das _Fuer-sich-sein_ des Lebens mit dem _Aeussern_ ueberhaupt oder
+dem _An-sich-sein_ zusammenschliesst.--Das Extrem des Fuer-sich-seins
+ist aber das Innere als unendliches Eins, welches die Momente der
+Gestalt selbst aus ihrem Bestehen und dem Zusammenhange mit dem
+Aeussern in sich zuruecknimmt, das inhaltslose, das an der Gestalt sich
+seinen Inhalt gibt, und an ihr als ihr Prozess erscheint. In diesem
+Extreme als einfacher Negativitaet oder _reiner Einzelnheit_ hat das
+Organische seine absolute Freiheit, wodurch es gegen das Sein fuer
+anderes und gegen die Bestimmtheit der Momente der Gestalt
+gleichgueltig und gesichert ist. Diese Freiheit ist zugleich Freiheit
+der Momente selbst, sie ist ihre Moeglichkeit, als _daseiende_ zu
+erscheinen und aufgefasst zu werden, und wie gegen Aeusseres sind sie
+darin auch gegeneinander befreit und gleichgueltig, denn die
+_Einfachheit_ dieser Freiheit ist das _Sein_ oder ihre einfache
+Substanz. Dieser Begriff oder reine Freiheit ist ein und dasselbe
+Leben, die Gestalt oder das Sein fuer anderes mag in noch so
+mannigfaltigem Spiele umherschweifen; es ist diesem Strome des Lebens
+gleichgueltig, welcher Art die Muehlen sind, die er treibt.--Vors erste
+ist nun zu bemerken, dass dieser Begriff hier nicht wie vorhin bei der
+Betrachtung des eigentlichen Innern in seiner Form des _Prozesses_
+oder der Entwicklung seiner Momente aufzufassen ist, sondern in
+seiner _Form_ als _einfaches Innres_, welches die rein allgemeine
+Seite gegen das _wirkliche_ lebendige Wesen ausmacht, oder als das
+_Element_ des _Bestehens_ der seienden Glieder der Gestalt; denn
+diese betrachten wir hier, und an ihr ist das Wesen des Lebens als
+die Einfachheit des Bestehens. Alsdenn ist das _Sein fuer Anderes_
+oder die Bestimmtheit der wirklichen Gestaltung in diese einfache
+Allgemeinheit aufgenommen, die ihr Wesen ist, eine ebenso einfache
+allgemeine unsinnliche Bestimmtheit, und kann nur die sein, welche
+als _Zahl_ ausgedrueckt ist. Sie ist die Mitte der Gestalt, welche
+das unbestimmte Leben mit dem wirklichen verknuepft, einfach wie jenes,
+und bestimmt wie dieses. Was an jenem, dem _Innern_, als Zahl waere,
+muesste das Aeussere nach seiner Weise als die vielfoermige Wirklichkeit,
+Lebensart, Farbe und so fort ausdruecken, ueberhaupt als die ganze
+Menge der Unterschiede, welche in der Erscheinung sich entwickeln.
+
+Die beiden Seiten des organischen Ganzen--die eine das _Innere_, die
+andere aber das _Aeussere_, so dass jede wieder an ihr selbst ein
+Inneres und Aeusseres hat--nach ihrem beiderseitigen Innern verglichen,
+so war das Innere der ersten der Begriff, als die Unruhe der
+_Abstraktion_; die zweite aber hat zu dem ihrigen die ruhende
+Allgemeinheit, und darin auch die ruhende Bestimmtheit, die Zahl.
+Wenn daher jene, weil in ihr der Begriff seine Momente entwickelt,
+durch den Schein von Notwendigkeit der Beziehung taeuschend Gesetze
+verhiess, so tut diese sogleich Verzicht darauf, indem sich die Zahl
+als die Bestimmung der einen Seite ihrer Gesetze zeigt. Denn die
+Zahl ist eben die gaenzlich ruhende, tote und gleichgueltige
+Bestimmtheit, an welcher alle Bewegung und Beziehung erloschen ist,
+und welche die Bruecke zu dem lebendigen der Triebe, der Lebensart und
+dem sonstigen sinnlichen Dasein abgebrochen hat.
+
+Diese Betrachtung der _Gestalt_ des Organischen als solcher und des
+Innern als eines Innern bloss der Gestalt ist aber in der Tat nicht
+mehr eine Betrachtung des Organischen. Denn die beiden Seiten, die
+bezogen werden sollten, sind nur gleichgueltig gegeneinander gesetzt,
+und dadurch die Reflexion in sich, welche das Wesen des Organischen
+ausmacht, aufgehoben. Sondern es wird hier vielmehr auf die
+unorganische Natur die versuchte Vergleichung des Innern und Aeussern
+uebergetragen; der unendliche Begriff ist hier nur das _Wesen_, das
+inwendig verborgen, oder aussen in das Selbstbewusstsein faellt, und
+nicht mehr, wie am Organischen, seine gegenstaendliche Gegenwart hat.
+Diese Beziehung des Innern und Aeussern ist also noch in ihrer
+eigentlichen Sphaere zu betrachten.
+
+Zuerst ist jenes Innere der Gestalt als die einfache Einzelnheit
+eines unorganischen Dinges, die _spezifische Schwere_. Sie kann als
+einfaches Sein ebensowohl wie die Bestimmtheit der Zahl, deren sie
+allein faehig ist, beobachtet oder eigentlich durch Vergleichung von
+Beobachtungen gefunden werden, und scheint auf diese Weise die eine
+Seite des Gesetzes zu geben. Gestalt, Farbe, Haerte, Zaehigkeit und
+eine unzaehlige Menge anderer Eigenschaften wuerden zusammen die
+_aeussere_ Seite ausmachen, und die Bestimmtheit des Innern, die Zahl,
+auszudruecken haben, so dass das eine am andern sein Gegenbild haette.
+
+Weil nun die Negativitaet hier nicht als Bewegung des Prozesses,
+sondern als _beruhigte_ Einheit oder _einfaches Fuer-sich-sein_
+aufgefasst ist, so erscheint sie vielmehr als dasjenige, wodurch das
+Ding sich dem Prozesse widersetzt, und sich in sich und als
+gleichgueltig gegen ihn erhaelt. Dadurch aber, dass dies einfache
+Fuer-sich-sein eine ruhige Gleichgueltigkeit gegen Anderes ist, tritt
+die spezifische Schwere als eine _Eigenschaft neben_ andere; und
+damit hoert alle notwendige Beziehung ihrer auf diese Vielheit, oder
+alle Gesetzmaessigkeit auf.--Die spezifische Schwere als dies einfache
+Innere hat nicht den Unterschied _an ihr selbst_, oder sie hat nur
+den unwesentlichen; denn eben ihre _reine Einfachheit_ hebt alle
+wesentliche Unterscheidung auf. Dieser unwesentliche Unterschied,
+_die Groesse_, muesste also an der andern Seite, welche die Vielheit der
+Eigenschaften ist, sein Gegenbild oder das _Andere_ haben, indem er
+dadurch ueberhaupt erst Unterschied ist. Wenn diese Vielheit selbst
+in die Einfachheit des Gegensatzes zusammengefasst, und etwa als
+_Kohaesion_ bestimmt wird, so dass diese das _Fuer-sich--im Anders-sein_,
+wie die spezifische Schwere das _reine Fuer-sich-sein_ ist, so ist
+diese Kohaesion zuerst diese reine im Begriffe gesetzte Bestimmtheit
+gegen jene Bestimmtheit, und die Manier des Gesetzgebens waere die,
+welche oben bei der Beziehung der Sensibilitaet auf die Irritabilitaet
+betrachtet worden.--Alsdenn ist sie ferner als _Begriff_ des
+Fuer-sich-seins im Anderssein nur die _Abstraktion_ der Seite, die der
+spezifischen Schwere gegenuebersteht, und hat als solche keine
+Existenz. Denn das Fuer-sich-sein im Anderssein ist der Prozess, worin
+das unorganische sein Fuer-sich-sein als eine _Selbsterhaltung_
+auszudruecken haette, welche es dagegen bewahrte, aus dem Prozesse als
+Moment eines Produkts herauszutreten. Allein dies eben ist gegen
+seine Natur, welche nicht den Zweck oder Allgemeinheit an ihr selbst
+hat. Sein Prozess ist vielmehr nur das bestimmte Verhalten, wie sein
+Fuer-sich-sein, seine spezifische Schwere sich _aufhebt_. Dies
+bestimmte Verhalten, worin seine Kohaesion in ihrem wahren Begriffe
+bestehen wuerde, aber selbst und die bestimmte Groesse seiner
+spezifischen Schwere sind ganz gleichgueltige Begriffe gegeneinander.
+Wenn die Art des Verhaltens ganz ausser acht gelassen und auf die
+Vorstellung der Groesse eingeschraenkt wurde, so koennte etwa diese
+Bestimmung gedacht werden, dass das groessere spezifische Gewicht, als
+ein hoeheres In-sich-sein, dem Eingehen in den Prozess mehr widerstaende
+als das geringere. Allein umgekehrt bewaehrt die Freiheit des
+Fuer-sich-seins sich nur in der Leichtigkeit, mit allem sich
+einzulassen und sich in dieser Mannigfaltigkeit zu erhalten. Jene
+Intensitaet ohne Extension der Beziehungen ist eine gehaltlose
+Abstraktion, denn die Extension macht das _Dasein_ der Intensitaet aus.
+Die Selbsterhaltung aber des Unorganischen in seiner Beziehung
+faellt, wie erinnert, ausser der Natur derselben, da es das Prinzip der
+Bewegung nicht an ihm selbst hat, oder da sein Sein nicht die
+absolute Negativitaet und Begriff ist.
+
+Diese andre Seite des Unorganischen dagegen nicht als Prozess, sondern
+als ruhendes Sein betrachtet, so ist sie die gemeine Kohaesion, eine
+_einfache_ sinnliche Eigenschaft auf die Seite getreten gegen das
+freigelassene Moment des _Anderssein_, welches in vielen
+gleichgueltigen Eigenschaften auseinanderliegt, und unter diese selbst,
+wie die spezifische Schwere, tritt; die Menge der Eigenschaften
+zusammen macht dann die andre Seite zu dieser aus. An ihr aber, wie
+an den andern ist _die Zahl_ die einzige Bestimmtheit, welche eine
+Beziehung und Uebergang dieser Eigenschaften zueinander nicht nur
+nicht ausdrueckt, sondern eben wesentlich dies ist, keine notwendige
+Beziehung zu haben, sondern die Vertilgung aller Gesetzmaessigkeit
+darzustellen, denn sie ist der Ausdruck der Bestimmtheit als einer
+_unwesentlichen_. So dass also eine Reihe von Koerpern, welche den
+Unterschied als Zahlenunterschied ihrer spezifischen Schweren
+ausdrueckt, durchaus nicht einer Reihe des Unterschieds der andern
+Eigenschaften parallel geht, wenn auch, um die Sache zu erleichtern,
+von ihnen nur eine einzelne oder etliche genommen werden. Denn in
+der Tat koennte es nur das ganze Konvolut derselben sein, was in
+dieser Parallele die andere Seite auszumachen haette. Dieses in sich
+zu ordnen und zu einem Ganzen zu verbinden, sind die
+Groessenbestimmtheiten dieser vielerlei Eigenschaften fuer die
+Beobachtung einerseits vorhanden, andererseits aber treten ihre
+Unterschiede als qualitativ ein. Was nun in diesem Haufen als
+positiv oder negativ bezeichnet werden muesste und sich gegenseitig
+aufhoebe, ueberhaupt die innre Figuration und Exposition der Formel,
+die sehr zusammengesetzt sein wuerde, gehoerte dem Begriffe an, welcher
+eben in der Weise, wie die Eigenschaften als _seiende_ daliegen und
+aufgenommen werden sollen, ausgeschlossen ist; in diesem Sein zeigt
+keine den Charakter eines Negativen gegen die andere, sondern die
+eine _ist_ so gut als die andere, noch deutet sie sonst ihre Stelle
+in der Anordnung des Ganzen an.--Bei einer Reihe, die in parallelen
+Unterschieden fortlaeuft--das Verhaeltnis moechte als auf beiden Seiten
+zugleich steigend, oder nur auf der einen und auf der andern
+abnehmend gemeint werden--, ist es nur um den _letzten_ einfachen
+Ausdruck dieses zusammengefassten Ganzen zu tun, welches die eine
+Seite des Gesetzes gegen die spezifische Schwere ausmachen sollte;
+aber diese eine Seite, als _seiendes Resultat_, ist eben nichts
+anders, als was schon erwaehnt worden, naemlich einzelne Eigenschaft,
+wie etwa auch die gemeine Kohaesion, neben welcher die andern, und
+darunter auch die spezifische Schwere, gleichgueltig vorhanden sind,
+und jede andre mit dem gleichen Rechte, d.h. mit dem gleichen
+Unrechte zum Repraesentanten der ganzen andern Seite gewaehlt werden
+kann; eine wie die andre wurde das Wesen nur repraesentieren, auf
+deutsch: _vorstellen_, aber nicht die Sache selbst sein. So dass der
+Versuch, Koerper-Reihen zu finden, welche an der einfachen Parallele
+zweier Seiten fortliefen, und die wesentliche Natur der Koerper nach
+einem Gesetze dieser Seiten ausdrueckten, fuer einen Gedanken genommen
+werden muss, welcher seine Aufgabe und die Mittel, wodurch sie
+ausgefuehrt werden sollte, nicht kennt.
+
+
+Es wurde vorhin die Beziehung des Aeussern und Innern an der Gestalt,
+welche der Beobachtung sich darstellen soll, sogleich zu der Sphaere
+des Unorganischen heruebergenommen; die Bestimmung, welche sie hieher
+zieht, kann itzt naeher angegeben werden, und es ergibt sich von da
+noch eine andere Form und Beziehung dieses Verhaeltnisses. Bei dem
+Organischen naemlich faellt ueberhaupt das hinweg, was bei dem
+Unorganischen die Moeglichkeit einer solchen Vergleichung des Innern
+und Aeussern darzubieten scheint. Das unorganische Innere ist ein
+einfaches Inneres, das fuer die Wahrnehmung als _seiende_ Eigenschaft
+sich darbietet; seine Bestimmtheit ist daher wesentlich die Groesse,
+und es erscheint als seiende Eigenschaft gleichgueltig gegen das
+Aeussere oder die vielen andern sinnlichen Eigenschaften. Das
+Fuer-sich-sein des Organisch-Lebendigen aber tritt nicht so auf die
+Seite gegen sein Aeusseres, sondern hat das Prinzip des _Andersseins_
+an ihm selbst. Bestimmen wir das Fuer-sich-sein als _einfache sich
+erhaltende Beziehung auf sich selbst_, so ist sein Anderssein die
+einfache _Negativitaet_, und die organische Einheit ist die Einheit
+des sichselbstgleichen Sich-auf-sich-beziehens und der reinen
+Negativitaet. Diese Einheit ist als Einheit das Innere des
+Organischen; dies ist hiedurch an sich allgemein, oder es ist
+_Gattung_. Die Freiheit der Gattung gegen ihre Wirklichkeit aber ist
+eine andere als die Freiheit der spezifischen _Schwere_ gegen die
+Gestalt. Die der letztern ist eine _seiende_ Freiheit, oder dass sie
+als besondere Eigenschaft auf die Seite tritt. Aber weil sie
+_seiende_ Freiheit ist, ist sie auch nur _Eine Bestimmtheit_, welche
+dieser Gestalt _wesentlich_ angehoert, oder wodurch diese _als Wesen_
+ein bestimmtes ist. Die Freiheit der Gattung aber ist eine
+allgemeine, und gleichgueltig gegen diese Gestalt oder gegen ihre
+Wirklichkeit. Die _Bestimmtheit_, welche dem _Fuer-sich-sein_ des
+Unorganischen _als solchem_ zukommt, tritt daher an dem Organischen
+_unter sein_ Fuer-sich-sein; wie sie an dem Unorganischen nur unter
+das _Sein_ desselben tritt; ob sie daher schon an diesem zugleich nur
+als _Eigenschaft_ ist, so faellt ihr doch die Wuerde des _Wesens_ zu,
+weil sie als das einfache Negative dem Dasein als dem Sein fuer
+anderes gegenuebersteht; und dies einfache Negative ist in seiner
+letzten einzelnen Bestimmtheit eine Zahl. Das Organische aber ist
+eine Einzelnheit, welche selbst reine Negativitaet und daher die fixe
+Bestimmtheit der Zahl, welche dem _gleichgueltigen Sein_ zukommt, in
+sich vertilgt. Insofern es das Moment des gleichgueltigen Seins und
+darin der Zahl an ihm hat, kann sie daher nur als ein Spiel an ihm,
+nicht aber als das Wesen seiner Lebendigkeit genommen werden.
+
+Wenn nun aber schon die reine Negativitaet, das Prinzip des Prozesses,
+nicht ausser dem Organischen faellt, und es sie also nicht als eine
+Bestimmtheit in seinem _Wesen_ hat, sondern die Einzelnheit selbst an
+sich allgemein ist, so ist doch diese reine Einzelnheit nicht in
+ihren Momenten als selbst _abstrakten_ oder _allgemeinen_ an ihm
+entwickelt und wirklich. Sondern dieser Ausdruck tritt ausser jener
+Allgemeinheit, welche in die _Innerlichkeit_ zurueckfaellt, und
+zwischen die Wirklichkeit oder Gestalt, d.h. die sich entwickelnde
+Einzelnheit und zwischen das organische Allgemeine, oder die Gattung,
+das _bestimmte_ Allgemeine, die _Art_. Die Existenz, zu welcher die
+Negativitaet des Allgemeinen oder der Gattung gelangt, ist nur die
+entwickelte Bewegung eines Prozesses, welcher sich an _den Teilen der
+seienden Gestalt_ verlaeuft. Haette die Gattung an ihr als ruhender
+Einfachheit die unterschiedenen Teile, und waere somit ihre _einfache
+Negativitaet_ als solche zugleich Bewegung, welche sich durch ebenso
+einfache, unmittelbar an ihnen allgemeine Teile verliefe, die als
+solche Momente hier wirklich waeren, so waere die organische Gattung
+Bewusstsein. So aber ist die _einfache Bestimmtheit_, als
+Bestimmtheit der Art, an ihr auf eine geistlose Weise vorhanden; die
+Wirklichkeit faengt von ihr an, oder was in die Wirklichkeit tritt,
+ist nicht die Gattung als solche, d.h. ueberhaupt nicht der Gedanke.
+Diese als wirkliches Organisches ist nur durch einen Repraesentanten
+vertreten. Dieser aber, die Zahl, welche den Uebergang aus der
+Gattung in die individuelle Gestaltung zu bezeichnen und der
+Beobachtung die beiden Seiten der Notwendigkeit, einmal als einfache
+Bestimmtheit, das anderemal sie als entwickelte zur Mannigfaltigkeit
+herausgeborne Gestalt zu geben scheint, bezeichnet vielmehr die
+Gleichgueltigkeit und Freiheit des Allgemeinen und Einzelnen
+gegeneinander, das von der Gattung dem wesenlosen Unterschiede der
+Groesse preisgegeben wird, selbst aber als Lebendiges von diesem
+Unterschiede sich ebenso frei erweist. Die wahre Allgemeinheit, wie
+sie bestimmt worden, ist hier nur _innres Wesen_; als _Bestimmtheit
+der_ Art ist sie formale Allgemeinheit, und dieser gegenueber tritt
+jene wahre Allgemeinheit auf die Seite der Einzelnheit, die dadurch
+eine lebendige ist, und sich durch ihr _Inneres ueber ihre
+Bestimmtheit als Art_ hinwegsetzt. Aber diese Einzelnheit ist nicht
+zugleich allgemeines Individuum, d.h. an dem die Allgemeinheit ebenso
+aeussere Wirklichkeit haette, sondern dies faellt ausser dem
+Organisch-Lebendigen. Dieses _allgemeine_ Individuum aber, wie es
+_unmittelbar_ das Individuum der natuerlichen Gestaltungen ist, ist
+nicht das Bewusstsein selbst; sein Dasein als _*einzelnes* organisches
+lebendiges Individuum_ muesste nicht ausser ihm fallen, wenn es dieses
+sein sollte.
+
+Wir sehen daher einen Schluss, worin das eine Extrem das _allgemeine
+Leben als allgemeines_ oder als Gattung, das andre Extrem aber
+_dasselbe als Einzelnes_ oder als allgemeines Individuum ist; die
+Mitte aber ist aus beiden zusammengesetzt, das erste scheint in sie
+sich als _bestimmte_ Allgemeinheit oder als _Art_, das andre aber als
+_eigentliche_ oder einzelne _Einzelnheit_ zu schicken.--Und da dieser
+Schluss ueberhaupt der Seite der _Gestaltung_ angehoert, so ist unter
+ihm ebenso dasjenige begriffen, was als unorganische Natur
+unterschieden wird.
+
+Indem nun das allgemeine Leben als _das einfache Wesen der Gattung_
+von seiner Seite die Unterschiede des Begriffs entwickelt, und sie
+als eine Reihe der einfachen Bestimmtheiten darstellen muss, so ist
+diese ein System gleichgueltig gesetzter Unterschiede, oder _eine
+Zahlreihe_. Wenn vorhin das Organische in der Form der Einzelnheit
+diesem wesenlosen Unterschiede gegenuebergesetzt wurde, der ihre
+lebendige Natur nicht ausdrueckt und enthaelt--und wenn in Ansehung des
+Unorganischen nach seinem ganzen in der Menge seiner Eigenschaften
+entwickelten Dasein ebendies gesagt werden muss--, so ist es itzt das
+allgemeine Individuum, welches nicht nur als frei von jeder
+Gliederung der Gattung, sondern auch als ihre Macht zu betrachten ist.
+Die Gattung, welche sich in Arten nach der _allgemeinen
+Bestimmtheit_ der Zahl zerlegt, oder auch einzelne Bestimmtheiten
+ihres Daseins, z. B. die Figur, Farbe u.s.f. zu ihrem
+Einteilungsgrunde nehmen mag, erleidet in diesem ruhigen Geschaefte
+Gewalt von der Seite des allgemeinen Individuums, _der Erde_, welches
+als die allgemeine Negativitaet, die Unterschiede, wie sie dieselben
+an sich hat und deren Natur um der Substanz willen, der sie angehoeren,
+eine andere ist als die Natur jener, gegen das Systematisieren der
+Gattung geltend macht. Dieses Tun der Gattung wird zu einem ganz
+eingeschraenkten Geschaefte, das sie nur innerhalb jener maechtigen
+Elemente treiben darf, und das durch die zuegellose Gewalt derselben
+allenthalben unterbrochen, lueckenhaft und verkuemmert wird.
+
+Es folgt hieraus, dass der Beobachtung an dem gestalteten Dasein nur
+die Vernunft _als Leben ueberhaupt_ werden kann, welches aber in
+seinem Unterscheiden keine vernuenftige Reihung und Gegliederung an
+sich selbst wirklich hat, und nicht ein in sich gegruendetes System
+der Gestalten ist.--Wenn im Schlusse der organischen Gestaltung die
+Mitte, worein die Art und ihre Wirklichkeit als einzelne
+Individualitaet faellt, an ihr selbst die Extreme der innern
+Allgemeinheit und der allgemeinen Individualitaet haette, so wuerde
+diese Mitte an _der Bewegung_ ihrer Wirklichkeit den Ausdruck und die
+Natur der Allgemeinheit haben, und die sich selbst systematisierende
+Entwicklung sein. So hat das _Bewusstsein_, zwischen dem allgemeinen
+Geiste und zwischen seiner Einzelnheit oder dem sinnlichen Bewusstsein,
+zur Mitte das System der Gestaltungen des Bewusstseins, als ein zum
+Ganzen sich ordnendes Leben des Geistes--das System, das hier
+betrachtet wird, und welches als Weltgeschichte sein gegenstaendliches
+Dasein hat. Aber die organische Natur hat keine Geschichte; sie
+faellt von ihrem Allgemeinen, dem Leben, unmittelbar in die
+Einzelnheit des Daseins herunter, und die in dieser Wirklichkeit
+vereinigten Momente der einfachen Bestimmtheit und der einzelnen
+Lebendigkeit bringen das Werden nur als die zufaellige Bewegung hervor,
+worin jedes an seinem Teile taetig ist und das Ganze erhalten wird,
+aber diese Regsamkeit ist _fuer sich_ selbst nur auf ihren Punkt
+beschraenkt, weil das Ganze nicht in ihm vorhanden ist, und dies ist
+nicht darin vorhanden, weil es nicht als Ganzes hier _fuer sich_ ist.
+
+Ausserdem also, dass die beobachtende Vernunft in der organischen Natur
+nur zur Anschauung ihrer selbst als allgemeines Leben ueberhaupt kommt,
+wird ihr die Anschauung seiner Entwicklung und Realisierung nur nach
+ganz allgemein unterschiedenen Systemen, deren Bestimmung, ihr Wesen
+nicht in dem Organischen als solchem, sondern in dem allgemeinen
+Individuum liegt; und _unter_ diesen Unterschieden der Erde nach
+Reihungen, welche die Gattung versucht.
+
+Indem also in seiner Wirklichkeit die _Allgemeinheit des organischen
+Lebens_ sich, ohne die wahrhafte fuersichseiende Vermittlung,
+unmittelbar in das Extrem _der Einzelnheit_ herunterfallen laesst, so
+hat das beobachtende Bewusstsein nur das _Meinen_ als Ding vor sich;
+und wenn die Vernunft das muessige Interesse haben kann, dieses Meinen
+zu beobachten, ist sie auf das Beschreiben und Hererzaehlen von
+Meinungen und Einfaellen der Natur beschraenkt. Diese geistlose
+Freiheit des Meinens wird zwar allenthalben Anfaenge von Gesetzen,
+Spuren von Notwendigkeit, Anspielungen auf Ordnung und Reihung,
+witzige und scheinbare Beziehungen darbieten. Aber die Beobachtung
+kommt in der Beziehung des Organischen auf die seienden Unterschiede
+des Unorganischen, die Elemente, Zonen und Klimate, in Ansehung des
+Gesetzes und der Notwendigkeit nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinaus.
+So auf der andern Seite, wo die Individualitaet nicht die Bedeutung
+der Erde, sondern des dem organischen Leben _immanenten Eins_ hat,
+dies aber mit dem Allgemeinen in unmittelbarer Einheit zwar die
+Gattung ausmacht, aber deren einfache Einheit ebendarum nur als Zahl
+sich bestimmt, und daher die qualitative Erscheinung freilaesst,--kann
+es die Beobachtung nicht ueber _artige Bemerkungen, interessante
+Beziehungen, freundliches Entgegenkommen dem Begriffe_ hinausbringen.
+Aber die artigen _Bemerkungen_ sind kein _Wissen der Notwendigkeit_,
+die _interessanten Beziehungen_ bleiben bei dem _Interesse_ stehen,
+das Interesse ist aber nur noch die Meinung von der Vernunft; und die
+_Freundlichkeit_ des Individuellen, mit der es an einen Begriff
+anspielt, ist eine kindliche Freundlichkeit, welche kindisch ist,
+wenn sie an und fuer sich etwas gelten will oder soll.
+
+
+b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseinsin seiner Reinheit und
+seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit;logische und psychologische
+Gesetze
+
+Die Naturbeobachtung findet den Begriff in der unorganischen Natur
+realisiert. Gesetze, deren Momente Dinge sind, welche sich zugleich
+als Abstraktionen verhalten; aber dieser Begriff ist nicht eine in
+sich reflektierte Einfachheit. Das Leben der organischen Natur ist
+dagegen nur diese in sich reflektierte Einfachheit, der Gegensatz
+seiner selbst, als des Allgemeinen und des Einzelnen, tritt nicht im
+Wesen dieses Lebens selbst auseinander; das Wesen ist nicht die
+Gattung, welche in ihrem unterschiedslosen Elemente sich trennte und
+bewegte, und in ihrer Entgegensetzung fuer sich selbst zugleich
+ununterschieden waere. Die Beobachtung findet diesen freien Begriff,
+dessen Allgemeinheit die entwickelte Einzelnheit ebenso absolut in
+ihr selbst hat, nur in dem als Begriff existierenden Begriffe selbst,
+oder in dem Selbstbewusstsein.
+
+Indem sie sich nun in sich selbst kehrt, und auf den als freien
+Begriff wirklichen Begriff richtet, findet sie zuerst die _Gesetze
+des Denkens_. Diese Einzelnheit, welche das Denken an ihm selbst ist,
+ist die abstrakte, ganz in die Einfachheit zurueckgenommene Bewegung
+des Negativen, und die Gesetze sind ausserhalb der Realitaet.--Sie
+haben keine _Realitaet_, heisst ueberhaupt nichts anders, als sie sind
+ohne Wahrheit. Sie sollen auch zwar nicht _ganze_, aber doch
+_formelle_ Wahrheit sein. Allein das rein Formelle ohne Realitaet ist
+das Gedankending, oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an
+ihr, welche nichts anders als der Inhalt waere.--Auf der andern Seite
+aber, indem sie Gesetze des reinen Denkens sind, dieses aber das an
+sich Allgemeine, und also ein Wissen ist, welches unmittelbar das
+Sein und darin alle Realitaet an ihm hat, sind diese Gesetze absolute
+Begriffe und ungetrennt die Wesenheiten der Form wie der Dinge. Da
+die sich in sich bewegende Allgemeinheit der _entzweite_ einfache
+Begriff ist, hat er auf diese Weise _Inhalt_ an sich, und einen
+solchen, welcher aller Inhalt, nur nicht ein sinnliches Sein ist. Es
+ist ein Inhalt, der weder im Widerspruche mit der Form noch ueberhaupt
+von ihr getrennt, sondern vielmehr wesentlich sie selbst ist, denn
+diese ist nichts anderes als das in seine reinen Momente sich
+trennende Allgemeine.
+
+Wie aber diese Form oder Inhalt _fuer die Beobachtung_ als Beobachtung
+ist, erhaelt sie die Bestimmung eines _gefundenen_, gegebenen, d.i.
+_nur seienden_ Inhalts. Er wird _ruhiges Sein_ von Beziehungen, eine
+Menge abgesonderter Notwendigkeiten, die als ein _fester_ Inhalt an
+und fuer sich, _in ihrer Bestimmtheit_, Wahrheit haben sollen, und so
+in der Tat der Form entzogen sind.--Diese absolute Wahrheit fixer
+Bestimmtheiten oder vieler verschiedener Gesetze widerspricht aber
+der Einheit des Selbstbewusstseins, oder des Denkens und der Form
+ueberhaupt. Was fuer festes an sich bleibendes Gesetz ausgesagt wird,
+kann nur ein Moment der sich in sich reflektierenden Einheit sein,
+nur als eine verschwindende Groesse auftreten. Aus diesem
+Zusammenhange der Bewegung aber von der Betrachtung herausgerissen
+und einzeln hingestellt, fehlt ihnen nicht der Inhalt, denn sie haben
+vielmehr einen bestimmten Inhalt, sondern sie entbehren vielmehr der
+Form, welche ihr Wesen ist. In der Tat nicht darum, weil sie nur
+formell sein und keinen Inhalt haben sollen, sondern vielmehr aus dem
+entgegengesetzten Grunde, weil sie in ihrer Bestimmtheit, oder eben
+_als ein Inhalt_, dem die Form genommen ist, fuer etwas Absolutes
+gelten sollen, sind diese Gesetze nicht die Wahrheit des Denkens. In
+ihrer Wahrheit, als in der Einheit des Denkens verschwindende Momente,
+muessten sie als Wissen, oder denkende Bewegung, nicht aber als
+_Gesetze_ des Wissens genommen werden. Das Beobachten aber ist nicht
+das Wissen selbst, und kennt es nicht, sondern verkehrt seine Natur
+in die Gestalt des _Seins_, d.h. fasst seine Negativitaet nur als
+_Gesetze_ desselben auf.--Es ist hier hinreichend, die Ungueltigkeit
+der sogenannten Denkgesetze aus der allgemeinen Natur der Sache
+aufgezeigt zu haben. Die naehere Entwicklung gehoert in die
+spekulative Philosophie, worin sie sich als dasjenige zeigen, was sie
+in Wahrheit sind, naemlich einzelne verschwindende Momente, deren
+Wahrheit nur das Ganze der denkenden Bewegung, das Wissen selbst ist.
+
+Diese negative Einheit des Denkens ist fuer sich selbst, oder vielmehr
+sie ist das _Fuer-sich-selbst-sein_, das Prinzip der Individualitaet,
+und in seiner Realitaet _tuendes Bewusstsein_. Zu ihm als der Realitaet
+jener Gesetze wird daher das beobachtende Bewusstsein durch die Natur
+der Sache fortgefuehrt. Indem dieser Zusammenhang nicht fuer es ist,
+so meint es, das Denken in seinen Gesetzen bleibe ihm auf der einen
+Seite stehen, und auf der andern Seite erhalte es ein anderes Sein an
+dem, was ihm itzt Gegenstand ist, naemlich das tuende Bewusstsein,
+welches so fuer sich ist, dass es das Anderssein aufhebt, und in dieser
+Anschauung seiner selbst als des Negativen seine Wirklichkeit hat.
+
+Es eroeffnet sich also fuer die _Beobachtung_ ein _neues Feld_ an der
+_handelnden Wirklichkeit des Bewusstseins_. Die Psychologie enthaelt
+die Menge von Gesetzen, nach welchen der Geist gegen die
+verschiedenen Weisen seiner Wirklichkeit, als eines _vorgefundenen
+Andersseins_, sich verschieden verhaelt; teils diese in sich zu
+empfangen, und den vorgefundenen Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart,
+als worin er sich als Wirklichkeit Gegenstand ist, _gemaess zu werden_,
+--teils gegen sie sich selbsttaetig zu wissen, mit Neigung und
+Leidenschaft nur Besonderes daraus fuer sich herauszugreifen, und das
+Gegenstaendliche _sich gemaess zu machen_; dort sich gegen sich selbst
+als Einzelnheit, hier gegen sich als allgemeines Sein negativ zu
+verhalten.--Die Selbststaendigkeit gibt dem Vorgefundenen nach der
+ersten Seite nur die _Form_ bewusster Individualitaet ueberhaupt, und
+bleibt in Ansehung des Inhalts innerhalb der vorgefundenen
+allgemeinen Wirklichkeit stehen; nach der andern Seite aber gibt sie
+ihr wenigstens eine eigentuemliche Modifikation, die ihrem
+wesentlichen Inhalte nicht widerspricht, oder auch eine solche,
+wodurch das Individuum als besondere Wirklichkeit und eigentuemlicher
+Inhalt sich ihr entgegensetzt--und zum Verbrechen wird, indem es sie
+auf eine nur einzelne Weise aufhebt, oder indem es dies auf eine
+allgemeine Weise und damit fuer alle tut, eine andere Welt, anderes
+Recht, Gesetz und Sitten an die Stelle der vorhandenen bringt.
+
+Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmungen von
+den _allgemeinen Weisen_, die ihr an dem taetigen Bewusstsein vorkommen,
+ausspricht, findet mancherlei Vermoegen, Neigungen und Leidenschaften,
+und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewusstseins
+bei der Hererzaehlung dieser Kollektion nicht unterdruecken laesst, muss
+sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, dass in dem Geiste, wie
+in einem Sacke, so vielerlei und solche heterogene einander zufaellige
+Dinge beisammen sein koennen, besonders auch da sie sich nicht als
+tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegungen zeigen.
+
+In der Hererzaehlung dieser verschiedenen Vermoegen ist die Beobachtung
+in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Faehigkeiten
+ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die _wirkliche_
+Individualitaet.--Die unterschiednen wirklichen Individualitaeten
+wieder so aufzufassen und zu erzaehlen, dass der eine Mensch mehr
+Neigung zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand
+als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als
+selbst die Arten von Insekten, Moosen, und so fort, aufzuzaehlen; denn
+diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos
+zu nehmen, weil sie wesentlich dem Elemente der zufaelligen
+Vereinzelung angehoeren. Die bewusste Individualitaet hingegen geistlos
+als _einzelne_ seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende,
+dass ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist. Indem aber das
+Auffassen sie zugleich in die Form der Allgemeinheit eintreten laesst,
+findet es _ihr Gesetz_, und scheint itzt einen vernuenftigen Zweck zu
+haben, und ein notwendiges Geschaefte zu treiben.
+
+Die Momente, die den Inhalt des Gesetzes ausmachen, sind einerseits
+die Individualitaet selbst, anderseits ihre allgemeine unorganische
+Natur, naemlich die vorgefundenen Umstaende, Lage, Gewohnheiten, Sitten,
+Religion, und so weiter; aus diesen ist die bestimmte Individualitaet
+zu begreifen. Sie enthalten Bestimmtes ebensowohl als Allgemeines,
+und sind zugleich _Vorhandenes_, das sich der Beobachtung darbietet,
+und sich an der andern Seite in der Form der Individualitaet ausdrueckt.
+
+Das Gesetz dieses Verhaeltnisses der beiden Seiten muesste nun dies
+enthalten, was diese bestimmten Umstaende fuer eine Wirkung und Einfluss
+auf die Individualitaet ausueben. Diese Individualitaet aber ist gerade
+dies, _ebensowohl_ das _Allgemeine_ zu sein, und daher auf eine
+ruhige unmittelbare Weise mit dem _vorhandenen_ Allgemeinen, den
+Sitten, Gewohnheiten u.s.f. zusammenzufliessen und ihnen gemaess zu
+werden, _als_ sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten, und sie
+vielmehr zu verkehren,--sowie gegen sie in ihrer Einzelnheit ganz
+gleichgueltig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu
+lassen, und nicht gegen sie taetig zu sein. _Was_ auf die
+Individualitaet Einfluss und _welchen_ Einfluss es haben soll--was
+eigentlich gleichbedeutend ist--, haengt darum nur von der
+Individualitaet selbst ab; _dadurch_ ist diese Individualitaet _diese
+bestimmte geworden_, heisst nichts anders, als _sie ist dies schon
+gewesen_. Umstaende, Lage, Sitten und so fort, welche einerseits
+gezeigt werden als _vorhanden_, und anderseits _in dieser bestimmten
+Individualitaet_, druecken nur das unbestimmte Wesen derselben aus, um
+welches es nicht zu tun ist. Wenn diese Umstaende, Denkungsart,
+Sitten, Weltzustand ueberhaupt nicht gewesen waere, so waere allerdings
+das Individuum nicht geworden, was es ist; denn diese allgemeine
+Substanz sind alle, welche in diesem Weltzustande sich befinden.--Wie
+er sich aber in _diesem_ Individuum--und ein solches soll begriffen
+werden--partikularisiert hat, so muesste er sich an und fuer sich selbst
+partikularisiert, und in dieser Bestimmtheit, welche er sich gegeben,
+auf ein Individuum eingewirkt haben; nur so haette er es zu diesem
+bestimmten gemacht, das es ist. Wenn das Aeussere sich an und fuer sich
+so beschaffen hat, wie es an der Individualitaet erscheint, waere diese
+aus jenem begriffen. Wir haetten eine gedoppelte Galerie von Bildern,
+deren eine der Widerschein der andern waere; die eine die Galerie der
+voelligen Bestimmtheit und Umgrenzung aeusserer Umstaende, die andere
+dieselbe uebersetzt in die Weise, wie Sie in dem bewussten Wesen sind;
+jene die Kugelflaeche, dieses der Mittelpunkt, welcher sie in sich
+vorstellt.
+
+Aber die Kugelflaeche, die Welt des Individuums, hat unmittelbar die
+zweideutige Bedeutung, _an und fuer sich seiende Welt_ und _Lage, und
+Welt des Individuums entweder_ insofern zu sein, als dieses mit ihr
+nur zusammengeflossen waere, sie so, wie sie ist, in sich hineingehen
+lassen, und gegen sie sich nur als formelles Bewusstsein verhalten
+haette;--_oder_ aber Welt des Individuums so zu sein, wie das
+Vorhandene von ihm _verkehrt_ worden ist.--Da um dieser Freiheit
+willen die Wirklichkeit dieser gedoppelten Bedeutung faehig ist, so
+ist die Welt des Individuums nur aus diesem selbst zu begreifen, und
+der _Einfluss_ der Wirklichkeit, welche als an und fuer sich _seiend_
+vorgestellt wird, auf das Individuum erhaelt durch dieses absolut den
+entgegengesetzten Sinn, dass es entweder den Strom der einfliessenden
+Wirklichkeit an ihm _gewaehren_ laesst, oder dass es ihn abbricht und
+verkehrt. Hiedurch aber wird die _psychologische Notwendigkeit_ ein
+so leeres Wort, dass von dem, was diesen Einfluss soll gehabt haben,
+die absolute Moeglichkeit vorhanden ist, dass es ihn auch haette nicht
+haben koennen.
+
+Es faellt hiemit das _Sein_ hinweg, welches _an und fuer sich_ waere,
+und die eine, und zwar die allgemeine Seite eines Gesetzes ausmachen
+sollte. Die Individualitaet ist, was _ihre_ Welt als die _ihrige_ ist;
+sie selbst ist der Kreis ihres Tuns, worin sie sich als Wirklichkeit
+dargestellt hat, und schlechthin nur Einheit des _vorhandenen_ und
+des _gemachten Seins_; eine Einheit, deren Seiten nicht, wie in der
+Vorstellung des psychologischen Gesetzes als _an sich_ vorhandne Welt
+und als _fuer sich_ seiende Individualitaet auseinanderfallen; oder
+wenn sie so jede fuer sich betrachtet wird, so ist keine Notwendigkeit
+und Gesetz ihrer Beziehung fuereinander vorhanden.
+
+
+c. Beobachtungder Beziehung des Selbstbewusstseinsauf seine
+unmittelbare Wirklichkeit;Physiognomik und Schaedellehre
+
+Die psychologische Beobachtung findet kein Gesetz des Verhaeltnisses
+des Selbstbewusstseins zu der Wirklichkeit oder der ihm
+entgegengesetzten Welt, und ist durch die Gleichgueltigkeit beider
+gegeneinander auf die _eigentuemliche Bestimmtheit_ der realen
+Individualitaet zurueckgetrieben, welche _an_ und _fuer sich_ selbst ist,
+oder den Gegensatz des _Fuer-sich_-seins und des _An-sich_-seins in
+ihrer absoluten Vermittlung getilgt enthaelt. Sie ist der Gegenstand,
+der itzt der Beobachtung geworden, oder zu dem sie uebergeht.
+
+Das Individuum ist an und fuer sich selbst: es ist _fuer sich_ oder es
+ist ein freies Tun; es ist aber auch _an sich_; oder es selbst hat
+ein _urspruengliches_ bestimmtes _Sein_--eine Bestimmtheit, welche dem
+Begriffe nach dasselbe ist, was die Psychologie ausser ihm finden
+wollte. _An ihm selbst_ tritt also der Gegensatz hervor, dies
+Gedoppelte, Bewegung des Bewusstseins und das feste Sein einer
+erscheinenden Wirklichkeit zu sein, einer solchen, welche an ihm
+unmittelbar _die seinige_ ist. Dies _Sein_, der _Leib_ der
+bestimmten Individualitaet, ist die _Urspruenglichkeit_ derselben, ihr
+Nicht-getan-haben. Aber indem das Individuum zugleich nur ist, was
+es getan hat, so ist sein Leib auch der von ihm _hervorgebrachte_
+Ausdruck seiner selbst; zugleich ein _Zeichen_, welches nicht
+unmittelbare Sache geblieben, sondern woran es nur zu erkennen gibt,
+was es in dem Sinne _ist_, dass es seine urspruengliche Natur ins Werk
+richtet.
+
+Betrachten wir die hier vorhandenen Momente in Beziehung auf die
+vorhergehende Ansicht, so ist hier eine allgemeine menschliche
+Gestalt, oder wenigstens die allgemeine eines Klimas, Weltteils,
+eines Volks, wie vorhin dieselben allgemeinen Sitten und Bildung.
+Hiezu kommen die besondern Umstaende und Lage innerhalb der
+allgemeinen Wirklichkeit; hier ist diese besondere Wirklichkeit als
+besondere Formation der Gestalt des Individuums.--Auf der andern
+Seite, wie vorhin das freie Tun des Individuums und die Wirklichkeit
+als die _seinige_ gegen die vorhandne gesetzt war, steht hier die
+Gestalt, als Ausdruck _seiner_ durch es selbst gesetzten
+Verwirklichung, die Zuege und Formen seines selbsttaetigen Wesens.
+Aber die sowohl allgemeine als besondere Wirklichkeit, welche die
+Beobachtung vorhin ausser dem Individuum vorfand, ist hier die
+Wirklichkeit desselben, sein angeborner Leib, und in eben diesen
+faellt der Ausdruck, der seinem Tun angehoert. In der psychologischen
+Betrachtung sollte die an und fuer sich seiende Wirklichkeit und die
+bestimmte Individualitaet aufeinander bezogen werden; hier aber ist
+die _ganze_ bestimmte _Individualitaet_ Gegenstand der Beobachtung;
+und jede Seite seines Gegensatzes ist selbst dies Ganze. Zu dem
+aeussern Ganzen gehoert also nicht nur das _urspruengliche Sein_, der
+angeborne Leib, sondern ebenso die Formation desselben, die der
+Taetigkeit des Innern angehoert; er ist Einheit des ungebildeten und
+des gebildeten Seins, und die von dem Fuer-sich-sein durchdrungne
+Wirklichkeit des Individuums. Dieses Ganze, welches die bestimmten
+urspruenglichen festen Teile und die Zuege, die allein durch das Tun
+entstehen, in sich fasst, _ist_, und dies _Sein_ ist _Ausdruck_ des
+Innern, des als Bewusstsein und Bewegung gesetzten Individuums.--Dies
+_Innre_ ist ebenso nicht mehr die formelle, inhaltlose oder
+unbestimmte Selbsttaetigkeit, deren Inhalt und Bestimmtheit, wie
+vorhin, in den aeussern Umstaenden laege, sondern es ist ein an sich
+bestimmter urspruenglicher Charakter, dessen Form nur die Taetigkeit
+ist. Zwischen diesen beiden Seiten also wird hier das Verhaeltnis
+betrachtet, wie es zu bestimmen, und was unter diesem _Ausdrucke_ des
+Innern im Aeussern zu verstehen ist.
+
+Dies Aeussere macht zuerst nur als _Organ_ das Innere sichtbar oder
+ueberhaupt zu einem Sein fuer Anderes; denn das Innere, insofern es in
+dem Organe ist, ist es die _Taetigkeit_ selbst. Der sprechende Mund,
+die arbeitende Hand, wenn man will auch noch die Beine dazu, sind die
+verwirklichenden und vollbringenden Organe, welche das Tun _als Tun_,
+oder das Innre als solches an ihnen haben; die Aeusserlichkeit aber,
+welche es durch sie gewinnt, ist die Tat, als eine von dem Individuum
+abgetrennte Wirklichkeit. Sprache und Arbeit sind Aeusserungen, worin
+das Individuum nicht mehr an ihm selbst sich behaelt und besitzt,
+sondern das Innre ganz ausser sich kommen laesst, und dasselbe Anderem
+preisgibt. Man kann darum ebensosehr sagen, dass diese Aeusserungen das
+Innere zu sehr, als dass sie es zu wenig ausdruecken; _zu sehr_--weil
+das Innere selbst in ihnen ausbricht, bleibt kein Gegensatz zwischen
+ihnen und diesem; sie geben nicht nur einen _Ausdruck_ des Innern,
+sondern es selbst unmittelbar; _zu wenig_--weil das Innere in Sprache
+und Handlung sich zu einem Andern macht, so gibt es sich damit dem
+Elemente der Verwandlung preis, welches das gesprochene Wort und die
+vollbrachte Tat verkehrt, und etwas anders daraus macht, als sie an
+und fuer sich als Handlungen dieses bestimmten Individuums sind.
+Nicht nur verlieren die Werke der Handlungen durch diese
+Aeusserlichkeit von dem Einwirken anderer den Charakter, etwas
+Bleibendes gegen andere Individualitaeten zu sein; sondern indem sie
+sich zum Innern, das sie enthalten, als abgesondertes, gleichgueltiges
+Aeusseres verhalten, koennen sie als Innres _durch das Individuum_
+selbst ein anders sein, als sie erscheinen,--entweder dass es sie mit
+Absicht fuer die Erscheinung zu etwas anderem macht, als sie in
+Wahrheit sind, oder dass es zu ungeschickt ist, sich die Aussenseite zu
+geben, die es eigentlich wollte, und sie so zu befestigen, dass ihm
+von andern sein Werk nicht verkehrt werden kann. Das Tun also, als
+vollbrachtes Werk, hat die doppelte entgegengesetzte Bedeutung,
+entweder die _innere_ Individualitaet und _nicht_ ihr _Ausdruck_, oder
+als Aeusseres eine von dem Innern _freie_ Wirklichkeit zu sein, welche
+ganz etwas anderes ist als jenes.--Um dieser Zweideutigkeit willen
+muessen wir uns nach dem Innern umsehen, wie es _noch_, aber sichtbar
+oder aeusserlich _an dem Individuum selbst ist_. Im Organe aber ist es
+nur als unmittelbares Tun selbst, das seine Aeusserlichkeit an der Tat
+erlangt, die entweder das Innre vorstellt oder auch nicht. Das Organ
+nach diesem Gegensatze betrachtet gewaehrt also nicht den Ausdruck,
+der gesucht wird.
+
+Wenn nun die aeussere Gestalt nur, insofern sie nicht Organ oder nicht
+_Tun_, hiemit als _ruhendes_ Ganzes ist, die innre Individualitaet
+ausdruecken koennte, so verhielte sie sich also als ein bestehendes
+Ding, welches das Innre als ein Fremdes in sein passives Dasein ruhig
+empfinge, und hiedurch das _Zeichen_ desselben wuerde,--ein aeusserer,
+zufaelliger Ausdruck, dessen _wirkliche_ Seite fuer sich bedeutungslos,
+eine Sprache, deren Toene und Tonverbindungen nicht die Sache selbst,
+sondern durch die freie Willkuer mit ihr verknuepft und zufaellig fuer
+sie sind.
+
+Eine solche willkuerliche Verbindung von solchen, die ein Aeusseres
+fuereinander sind, gibt kein Gesetz. Die Physiognomik soll sich aber
+von andern schlechten Kuensten und heillosen Studien dadurch
+unterscheiden, dass sie die bestimmte Individualitaet in dem
+_notwendigen_ Gegensatze eines Innern und Aeussern, des Charakters als
+bewussten Wesens und ebendesselben als seiender Gestalt betrachtet,
+und diese Momente so aufeinander bezieht, wie sie durch ihren Begriff
+aufeinander bezogen sind, und daher den Inhalt eines Gesetzes
+ausmachen muessen. In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen
+Wissenschaften hingegen scheint nur Aeusseres auf Aeusseres, irgend etwas
+auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. _Diese_ Konstellation bei der
+Geburt, und wenn dies Aeussere naeher auf den Leib selbst gerueckt wird,
+_diese_ Zuege der Hand sind _aeussere_ Momente fuer das lange oder kurze
+Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen ueberhaupt. Als
+Aeusserlichkeiten verhalten sie sich gleichgueltig zueinander und haben
+nicht die Notwendigkeit fuereinander, welche in der Beziehung eines
+_Aeussern_ und _Innern_ liegen soll.
+
+Die Hand freilich scheint nicht so sehr etwas Aeusseres fuer das
+Schicksal zu sein, sondern vielmehr als Inneres zu ihm sich zu
+verhalten. Denn das Schicksal ist auch wieder nur die Erscheinung
+dessen, was die bestimmte Individualitaet _an sich_ als innre
+urspruengliche Bestimmtheit ist.--Zu wissen nun, was sie an sich ist,
+dazu kommt der Chiromante wie auch der Physiognomiker auf eine
+kuerzere Weise als zum Beispiel Solon, der erst aus und nach dem
+Verlaufe des ganzen Lebens dies wissen zu koennen erachtete; er
+betrachtete die Erscheinung, jene aber das _An-sich_. Dass aber die
+Hand das _An-sich_ der Individualitaet in Ansehung ihres Schicksals
+darstellen muss, ist leicht daraus zu sehen, dass sie naechst dem Organ
+der Sprache am meisten es ist, wodurch der Mensch sich zur
+Erscheinung und Verwirklichung bringt. Sie ist der beseelte
+Werkmeister seines Gluecks; man kann von ihr sagen, sie _ist_ das, was
+der Mensch _tut_, denn an ihr als dem taetigen Organe seines
+Sich-selbst-vollbringens ist er als Beseelender gegenwaertig, und
+indem er urspruenglich sein eignes Schicksal ist, wird sie also dies
+An-sich ausdruecken.
+
+Aus dieser Bestimmung, dass das _Organ_ der Taetigkeit _ebensowohl_ ein
+_Sein_ als das _Tun_ in ihm ist, oder dass das innre _An-sich_-sein
+selbst an ihm _gegenwaertig_ und ein _Sein fuer_ Andre hat, ergibt sich
+eine andre Ansicht desselben als die vorherige. Wenn naemlich die
+Organe ueberhaupt darum nicht als _Ausdruecke_ des Innern genommen
+werden zu koennen sich zeigten, weil in ihnen das Tun _als Tun_
+gegenwaertig, das Tun _als Tat_ aber nur Aeusseres ist, und Inneres und
+Aeusseres auf diese Weise auseinanderfaellt und fremde gegeneinander
+sind oder sein koennen, so muss nach der betrachteten Bestimmung das
+Organ auch wieder als _Mitte_ beider genommen werden, indem eben dies,
+dass das Tun an ihm _gegenwaertig_ ist, zugleich eine _Aeusserlichkeit_
+desselben ausmacht, und zwar eine andere, als die Tat ist, jene
+naemlich bleibt dem Individuum und an ihm.--Diese Mitte und Einheit
+des Innern und Aeussern ist nun vors erste selbst auch aeusserlich;
+alsdenn aber ist diese Aeusserlichkeit zugleich in das Innere
+aufgenommen; sie steht als _einfache_ Aeusserlichkeit der zerstreuten
+entgegen, welche entweder nur ein _einzelnes_ fuer die ganze
+Individualitaet zufaelliges Werk oder Zustand, oder aber als _ganze_
+Aeusserlichkeit das in eine Vielheit von Werken und Zustaenden
+zersplitterte Schicksal ist. Die _einfachen Zuege der Hand_ also,
+ebenso _Klang_ und _Umfang_ der _Stimme_, als die individuelle
+Bestimmtheit der _Sprache_,--auch dieselbe wieder, wie sie durch die
+Hand eine festere Existenz als durch die Stimme bekommt, die
+_Schrift_, und zwar in ihrer Besonderheit als _Handschrift_--alles
+dieses ist _Ausdruck_ des Innern, so dass er als die _einfache
+Aeusserlichkeit_ sich wieder gegen die _vielfache Aeusserlichkeit_ des
+Handelns und des Schicksals, sich als _Inneres_ gegen diese verhaelt.
+--Wenn also zuerst die bestimmte Natur und angeborne Eigentuemlichkeit
+des Individuums zusammen mit dem, was sie durch die Bildung geworden,
+als das _Innere_, als das Wesen des Handelns und des Schicksals
+genommen wird, so hat es seine _Erscheinung_ und Aeusserlichkeit
+_zuerst_ an seinem Munde, Hand, Stimme, Handschrift, sowie an den
+uebrigen Organen und deren bleibenden Bestimmtheiten; und _alsdann_
+erst drueckt es sich _weiter_ hinaus nach aussen an seiner Wirklichkeit
+in der Welt aus.
+
+Weil nun diese Mitte sich als die Aeusserung bestimmt, welche zugleich
+ins Innere zurueckgenommen ist, ist ihr Dasein nicht auf das
+unmittelbare Organ des Tuns eingeschraenkt, sie ist vielmehr die
+nichts vollbringende Bewegung und Form des Gesichts und der
+Gestaltung ueberhaupt. Diese Zuege und ihre Bewegung sind nach diesem
+Begriffe das zurueckgehaltne an dem Individuum bleibende Tun, und nach
+seiner Beziehung auf das wirkliche Tun das eigene Beaufsichtigen und
+Beobachten desselben, _Aeusserung_ als _Reflexion ueber_ die wirkliche
+Aeusserung.--Das Individuum ist zu und bei seinem aeussern Tun darum
+nicht stumm, weil es dabei zugleich in sich reflektiert ist, und es
+aeussert dies In-sich-reflektiert-sein; dies theoretische Tun oder die
+Sprache des Individuums mit sich selbst darueber ist auch vernehmlich
+fuer andere, denn sie ist selbst eine Aeusserung.
+
+An diesem Innern, welches in seiner Aeusserung Inneres bleibt, wird
+also das Reflektiert_sein_ des Individuums aus seiner Wirklichkeit
+beobachtet, und es ist zu sehen, welche Bewandtnis es mit dieser
+Notwendigkeit hat, die in dieser Einheit gesetzt ist.--Dies
+Reflektiertsein ist zuerst verschieden von der Tat selbst, und kann
+also etwas _anderes_ sein und fuer etwas anderes genommen werden, als
+sie ist; man sieht es einem am Gesicht an, ob es ihm _Ernst_ mit dem
+ist, was er sagt oder tut.--Umgekehrt aber ist dieses, was Ausdruck
+des Innern sein soll, zugleich _seiender_ Ausdruck, und faellt hiemit
+selbst in die Bestimmung des _Seins_ herunter, das absolut zufaellig
+fuer das selbstbewusste Wesen ist. Es ist daher wohl Ausdruck, aber
+zugleich auch nur wie ein _Zeichen_, so dass dem ausgedrueckten Inhalte
+die Beschaffenheit dessen, wodurch es ausgedrueckt wird, vollkommen
+gleichgueltig ist. Das Innere ist in dieser Erscheinung wohl
+_sichtbares_ Unsichtbares, aber ohne an sie geknuepft zu sein; es kann
+ebensowohl in einer andern Erscheinung sein, als ein anderes Inneres
+in derselben Erscheinung sein kann.--Lichtenberg sagt daher mit Recht:
+_Gesetzt, der Physiognom haschte den Menschen einmal, so kaeme es nur
+auf einen braven Entschluss an, sich wieder auf Jahrtausende
+unbegreiflich zu machen_.--Wie in dem vorhergehenden Verhaeltnisse die
+vorliegenden Umstaende ein Seiendes waren, woraus die Individualitaet
+sich das nahm, was _sie_ vermochte und wollte, entweder sich ihm
+ergebend oder es verkehrend, aus welchem Grunde es die Notwendigkeit
+und das Wesen der Individualitaet nicht enthielt,--ebenso ist hier das
+erscheinende unmittelbare Sein der Individualitaet ein solches, das
+entweder ihr Reflektiertsein aus der Wirklichkeit und ihr
+In-sich-sein ausdrueckt, oder das fuer sie nur ein Zeichen ist, das
+gleichgueltig gegen das Bezeichnete, und darum in Wahrheit nichts
+bezeichnet; es ist ihr ebensowohl ihr Gesicht als ihre Maske, die sie
+ablegen kann.--Sie durchdringt ihre Gestalt, bewegt sich, spricht in
+ihr; aber dies ganze Dasein tritt ebenso als ein gleichgueltiges Sein
+gegen den Willen und die Handlung ueber; sie tilgt an ihm die
+Bedeutung, die es vorhin hatte, ihr Reflektiertsein in sich oder ihr
+wahres Wesen an ihm zu haben, und legt es umgekehrt vielmehr in den
+Willen und in die Tat.
+
+Die Individualitaet _gibt dasjenige In-sich-reflektiert-sein auf_,
+welches in den _Zuegen_ ausgedrueckt ist, und _legt ihr Wesen_ in _das
+Werk_. Hierin widerspricht sie dem Verhaeltnisse, welches von dem
+Vernunftinstinkte, der sich auf das Beobachten der selbstbewussten
+Individualitaet legt, in Ansehung dessen, was ihr _Inneres_ und
+_Aeusseres_ sein soll, festgesetzt wird. Dieser Gesichtspunkt fuehrt
+uns auf den eigentlichen Gedanken, der der physiognomischen--wenn man
+so will--_Wissenschaft_ zum Grunde liegt. Der Gegensatz, auf welchen
+dies Beobachten geraten, ist der Form nach der Gegensatz von
+Praktischem und Theoretischem, beides naemlich innerhalb des
+Praktischen selbst gesetzt,--von der sich im Handeln, dies im
+allgemeinsten Sinne genommen, verwirklichenden Individualitaet, und
+derselben, wie sie in diesem Handeln zugleich daraus heraus, in sich
+reflektiert, und es ihr Gegenstand ist. Das Beobachten nimmt diesen
+Gegensatz nach demselben verkehrten Verhaeltnisse auf, worin er sich
+in der Erscheinung bestimmt. Fuer das _unwesentliche Aeussere_ gilt ihm
+die _Tat_ selbst und das Werk, es sei der Sprache oder einer
+befestigtem Wirklichkeit,--fuer das _wesentliche Innre_ aber das
+_In-sich-sein_ der Individualitaet. Unter den beiden Seiten, welche
+das praktische Bewusstsein an ihm hat, dem Beabsichten und der
+Tat--dem _Meinen_ ueber seine Handlung und der _Handlung_ selbst--,
+waehlt die Beobachtung jene Seite zum wahren Innern; dieses soll seine
+mehr oder weniger _unwesentliche_ Aeusserung an der Tat, seine wahre
+aber an seiner Gestalt haben. Die letztere Aeusserung ist unmittelbare
+sinnliche Gegenwart des individuellen Geistes; die Innerlichkeit, die
+die wahre sein soll, ist die Eigenheit der Absicht und die
+Einzelnheit des Fuer-sich-seins; beides der _gemeinte_ Geist. Was das
+Beobachten zu seinen Gegenstaenden hat, ist also _gemeintes_ Dasein,
+und zwischen solchem sucht es Gesetze auf.
+
+Das unmittelbare Meinen ueber die gemeinte Gegenwart des Geistes ist
+die natuerliche Physiognomik, das vorschnelle Urteil ueber die innre
+Natur und den Charakter ihrer Gestalt bei ihrem ersten Anblicke. Der
+Gegenstand dieser Meinung ist von der Art, dass es in seinem Wesen
+liegt, in Wahrheit etwas anderes zu sein, als nur sinnliches
+unmittelbares Sein. Es ist zwar auch eben dieses im Sinnlichen aus
+ihm In-sich-reflektiert-sein, was gegenwaertig, die Sichtbarkeit als
+Sichtbarkeit des Unsichtbaren, was Gegenstand des Beobachtens ist.
+Aber eben diese sinnliche unmittelbare Gegenwart ist _Wirklichkeit_
+des Geistes, wie sie nur fuer die Meinung ist; und das Beobachten
+treibt sich nach dieser Seite mit seinem gemeinten Dasein, mit der
+Physiognomie, Handschrift, Ton der Stimme u.s.f. herum.--Es bezieht
+solches Dasein auf ebensolches _gemeintes Innres_. Es ist nicht der
+Moerder, der Dieb, welcher erkannt werden soll, sondern die _Faehigkeit,
+es zu sein_; die feste abstrakte Bestimmtheit verliert sich dadurch
+in die konkrete unendliche Bestimmtheit des _einzelnen_ Individuums,
+die nun kunstreichere Schildereien erfordert, als jene
+Qualifikationen sind. Solche kunstreichen Schildereien sagen wohl
+mehr als die Qualifikation durch Moerder, Diebe, oder gutherzig,
+unverdorben u.s.f., aber fuer ihren Zweck das gemeinte Sein oder die
+einzelne Individualitaet auszusprechen, bei weitem nicht genug;
+sowenig als die Schildereien der Gestalt, welche ueber die flache
+Stirne, lange Nase u.s.f. hinausgehen. Denn die einzelne Gestalt wie
+das einzelne Selbstbewusstsein ist als gemeintes Sein unaussprechlich.
+Die Wissenschaft der Menschenkenntnis, welche auf den vermeinten
+Menschen, sowie der Physiognomik, die auf seine vermeinte
+Wirklichkeit geht und das bewusstlose Urteilen der natuerlichen
+Physiognomik zu einem Wissen erheben will, ist daher etwas End- und
+Bodenloses, das nie dazu kommen kann, zu sagen, was es meint, weil es
+nur meint, und sein Inhalt nur Gemeintes ist.
+
+Die _Gesetze_, welche diese Wissenschaft zu finden ausgeht, sind
+Beziehungen dieser beiden gemeinten Seiten, und koennen daher selbst
+nichts als ein leeres Meinen sein. Auch da dies vermeinte Wissen,
+das mit der Wirklichkeit des Geistes sich zu tun macht, gerade dies
+zu seinem Gegenstande hat, dass er aus seinem sinnlichen Dasein heraus
+sich in sich reflektiert, und das bestimmte Dasein fuer ihn eine
+gleichgueltige Zufaelligkeit ist, so muss es bei seinen aufgefundenen
+Gesetzen unmittelbar wissen, dass nichts damit gesagt ist, sondern
+eigentlich rein geschwatzt oder nur _eine Meinung von sich_ gegeben
+wird; ein Ausdruck, der die Wahrheit hat, dies als dasselbe
+auszusprechen--seine _Meinung_ zu sagen und damit nicht die Sache,
+sondern nur eine Meinung _von sich_ beizubringen. Dem _Inhalte_ nach
+aber koennen diese Beobachtungen nicht von denen abweichen: "Es regnet
+allemal, wenn wir Jahrmarkt haben, sagt der Kraemer; und auch allemal,
+wenn ich Waesche trockne, sagt die Hausfrau."
+
+Lichtenberg, der das physiognomische Beobachten so charakterisiert,
+sagt auch noch dies: "Wenn jemand sagte, du handelst zwar wie ein
+ehrlicher Mann, ich sehe es aber aus deiner Figur, du zwingst dich,
+und bist ein Schelm im Herzen; fuerwahr, eine solche Anrede wird bis
+ans Ende der Welt von jedem braven Kerl mit einer Ohrfeige erwidert
+werden."--Diese Erwiderung ist deswegen _treffend_, weil sie die
+Widerlegung der ersten Voraussetzung einer solchen Wissenschaft des
+Meinens ist, dass naemlich _die Wirklichkeit_ des Menschen sein Gesicht
+u.s.f. sei.--Das _wahre Sein_ des Menschen ist vielmehr _seine Tat_;
+in ihr ist die Individualitaet _wirklich_, und sie ist es, welche das
+_Gemeinte_ in seinen beiden Seiten aufhebt. Einmal das Gemeinte als
+ein leibliches ruhendes Sein; die Individualitaet stellt sich vielmehr
+in der Handlung als das _negative_ Wesen dar, welches nur _ist_,
+insofern es Sein aufhebt. Alsdenn hebt die Tat die
+Unaussprechlichkeit der Meinung ebenso in Ansehung der selbstbewussten
+Individualitaet auf, welche in der Meinung eine unendlich bestimmte
+und bestimmbare ist. In der vollbrachten Tat ist diese schlechte
+Unendlichkeit vernichtet. Die Tat ist ein einfach Bestimmtes,
+Allgemeines, in einer Abstraktion zu Befassendes; sie ist Mord,
+Diebstahl, oder Wohltat, tapfere Tat und so fort, und es kann von ihr
+_gesagt_ werden, was _sie ist_. Sie _ist_ dies, und ihr Sein ist
+nicht nur ein Zeichen, sondern die Sache selbst. Sie _ist_ dies, und
+der individuelle Mensch _ist_, was sie _ist_; in der Einfachheit
+_dieses Seins_ ist er fuer Andere seiendes, allgemeines Wesen, und
+hoert auf, nur gemeintes zu sein. Er ist zwar darin nicht als Geist
+gesetzt; aber indem von seinem _Sein_ als Sein die Rede, und
+_einerseits_ das gedoppelte Sein, der _Gestalt_ und der _Tat_, sich
+gegenuebersteht und jene wie diese seine Wirklichkeit sein soll, so
+ist vielmehr nur die Tat als sein _echtes Sein_ zu behaupten,--nicht
+seine Figur, welche das ausdruecken sollte, was er zu seinen Taten
+meint, oder was man meinte, dass er tun nur koennte. Ebenso indem
+_andererseits_ sein _Werk_ und seine innre _Moeglichkeit_, Faehigkeit
+oder Absicht, entgegengesetzt werden, ist jenes allein fuer seine
+wahre Wirklichkeit anzusehen, wenn auch er selbst sich darueber
+taeuscht, und, aus seiner Handlung in sich gekehrt, in diesem Innern
+ein anderes zu sein meint als in der _Tat_. Die Individualitaet, die
+sich dem gegenstaendlichen Elemente anvertraut, indem sie zum Werke
+wird, gibt sich damit wohl dem preis, veraendert und verkehrt zu
+werden. Aber den Charakter der Tat macht eben dies aus, ob sie ein
+wirkliches Sein ist, das sich haelt, oder ob nur ein gemeintes Werk,
+das in sich nichtig vergeht. Die Gegenstaendlichkeit veraendert nicht
+die Tat selbst, sondern zeigt nur, _was_ sie ist, das heisst, ob sie
+_ist_, oder ob sie _nichts ist_.--Die Zergliederung dieses Seins in
+Absichten und dergleichen Feinheiten, wodurch der _wirkliche_ Mensch,
+d.h. seine Tat, wieder in ein gemeintes Sein zurueckerklaert werden
+soll, wie er wohl selbst auch sich besondere Absichten ueber seine
+Wirklichkeit erschaffen mag, muessen dem Muessggange der Meinung
+ueberlassen bleiben, der, wenn er seine tatenlose Weisheit ins Werk
+richten, den Charakter der Vernunft am Handelnden ableugnen und ihn
+auf diese Weise misshandeln will, dass er statt der Tat vielmehr die
+Figur und die Zuege fuer das Sein desselben erklaeren will, die obige
+Erwiderung zu befahren hat, die ihm erweist, dass Figur nicht das
+_An-sich_ ist, sondern vielmehr ein Gegenstand der Behandlung sein
+kann.
+
+Sehen wir nun auf den Umfang der Verhaeltnisse ueberhaupt, in welchen
+die selbstbewusste Individualitaet zu ihrem Aeussern stehend beobachtet
+werden kann, so wird eines zurueck sein, welches die Beobachtung sich
+noch zu ihrem Gegenstande machen muss. In der Psychologie ist es die
+_aeussere Wirklichkeit_ der _Dinge_, welche an dem Geiste ihr sich
+bewusstes _Gegenbild_ haben und ihn begreiflich machen soll. In der
+Physiognomik dagegen soll er in seinem _eignen_ Aeussern als in einem
+Sein, welches die _Sprache_--die sichtbare Unsichtbarkeit seines
+Wesens--sei, erkannt werden. Noch ist die Bestimmung der Seite der
+Wirklichkeit uebrig, dass die Individualitaet an ihrer unmittelbaren,
+festen, rein daseienden Wirklichkeit ihr Wesen ausspreche.--Diese
+letzte Beziehung unterscheidet sich also von der physiognomischen
+dadurch, dass diese die _sprechende_ Gegenwart des Individuums ist,
+das in seiner _handelnden_ Aeusserung zugleich die sich in sich
+_reflektierende_ und _betrachtende_ darstellt, eine Aeusserung, welche
+selbst Bewegung ist, ruhende Zuege, welche selbst wesentlich ein
+vermitteltes Sein sind. In der noch zu betrachtenden Bestimmung aber
+ist endlich das Aeussere eine ganz _ruhende_ Wirklichkeit, welche nicht
+an ihr selbst redendes Zeichen, sondern getrennt von der
+selbstbewussten Bewegung sich fuer sich darstellt und als blosses Ding
+ist.
+
+Zunaechst erhellt ueber die Beziehung des Innern auf dies sein Aeusseres,
+dass sie als Verhaeltnis des _Kausalzusammenhangs_ begriffen werden zu
+muessen scheint, indem die Beziehung eines Ansichseienden auf ein
+anderes Ansichseiendes, als eine _notwendige_, dies Verhaeltnis ist.
+
+Dass nun die geistige Individualitaet auf den Leib Wirkung habe, muss
+sie als Ursache selbst leiblich sein. Das Leibliche aber, worin sie
+als Ursache ist, ist das Organ, aber nicht des Tuns gegen die aeussere
+Wirklichkeit, sondern des Tuns des selbstbewussten Wesens in sich
+selbst, nach aussen nur gegen seinen Koerper; es ist nicht sogleich
+abzusehen, welches diese Organe sein koennen. Wuerde nur an die Organe
+ueberhaupt gedacht, so wuerde das Organ der Arbeit ueberhaupt leicht bei
+der Hand sein, ebenso das Organ des Geschlechtstriebes, und so fort.
+Allein solche Organe sind als Werkzeuge oder als Teile zu betrachten,
+welche der Geist als _ein_ Extrem zur Mitte gegen das andere Extrem,
+das aeusserer _Gegenstand_ ist, hat. Hier aber ist ein Organ
+verstanden, worin das selbstbewusste Individuum als Extrem gegen seine
+eigne ihm entgegengesetzte Wirklichkeit sich _fuer sich_ erhaelt, nicht
+zugleich nach aussen gekehrtes, sondern in seiner Handlung
+reflektiertes, und woran die Seite des _Seins_ nicht ein _Sein fuer
+anderes_ ist. In der physiognomischen Beziehung wird das Organ zwar
+auch als in sich reflektiertes und das Tun besprechendes Dasein
+betrachtet; aber dies Sein ist ein gegenstaendliches, und das Resultat
+der physiognomischen Beobachtung ist dieses, dass das Selbstbewusstsein
+gegen eben diese seine Wirklichkeit als gegen etwas Gleichgueltiges
+gegenuebertritt. Diese Gleichgueltigkeit verschwindet darin, dass dies
+In-sich-reflektiert-sein selbst _wirkend_ ist; dadurch erhaelt jenes
+Dasein eine notwendige Beziehung auf es; dass es aber auf das Dasein
+wirkend sei, muss es selbst ein aber nicht eigentlich gegenstaendliches
+Sein haben, und als dies Organ soll es aufgezeigt werden.
+
+Im gemeinen Leben nun wird der Zorn zum Beispiel, als ein solches
+inneres Tun, in die Leber verlegt; Plato gibt ihr sogar noch etwas
+Hoeheres, das nach einigen sogar das Hoechste ist, zu, naemlich die
+Prophezeihung oder die Gabe, das Heilige und Ewige
+unvernuenftigerweise auszusprechen. Allein die Bewegung, welche das
+Individuum in der Leber, dem Herzen und so fort hat, kann nicht als
+die ganz in sich reflektierte Bewegung desselben angesehen werden,
+sondern sie ist darin vielmehr so, dass sie ihm schon in den Leib
+geschlagen ist, und ein animalisches heraus gegen die Aeusserlichkeit
+sich wendendes Dasein hat.
+
+Das _Nervensystem_ hingegen ist die unmittelbare Ruhe des Organischen
+in seiner Bewegung. Die _Nerven_ selbst sind zwar wieder die Organe
+des schon in seine Richtung nach aussen versenkten Bewusstseins; Gehirn
+und Rueckenmark aber duerfen als die in sich bleibende--die nicht
+gegenstaendliche, die auch nicht hinausgehende--unmittelbare Gegenwart
+des Selbstbewusstseins betrachtet werden. Insofern das Moment des
+Seins, welches dies Organ hat, ein _Sein fuer Anderes_, Dasein ist,
+ist es totes Sein, nicht mehr Gegenwart des Selbstbewusstseins. Dies
+_In-sich-selbst-sein_ ist aber seinem Begriffe nach eine Fluessigkeit,
+worin die Kreise, die darein geworfen werden, sich unmittelbar
+aufloesen, und kein Unterschied als _seiender_ sich ausdrueckt.
+Inzwischen wie der Geist selbst nicht ein Abstrakt-Einfaches ist,
+sondern ein System von Bewegungen, worin er sich in Momente
+unterscheidet, in dieser Unterscheidung selbst aber frei bleibt, und
+wie er seinen Koerper ueberhaupt zu verschiedenen Verrichtungen
+gliedert, und einen einzelnen Teil desselben nur _einer_ bestimmt, so
+kann auch sich vorgestellt werden, dass das fluessige _Sein_ seines
+_In-sich_-seins ein gegliedertes ist; und es scheint so vorgestellt
+werden zu muessen, weil das in sich reflektierte _Sein_ des Geistes im
+Gehirn selbst wieder nur eine Mitte seines reinen Wesens und seiner
+koerperlichen Gegliederung ist, eine Mitte, welche hiemit von der
+Natur beider und also von der Seite der letztern auch die _seiende_
+Gegliederung wieder an ihr haben muss.
+
+Das geistig-organische Sein hat zugleich die notwendige Seite eines
+_ruhenden bestehenden_ Daseins; jenes muss als Extrem des
+Fuer-sich-seins zuruecktreten, und diese als das andere Extrem
+gegenueber haben, welches alsdenn der Gegenstand ist, worauf jenes als
+Ursache wirkt. Wenn nun Gehirn und Rueckenmark jenes koerperliche
+_Fuer-sich-sein_ des Geistes ist, so ist der Schaedel und die
+Rueckenwirbelsaeule das andere ausgeschiedne Extrem hinzu, naemlich das
+feste ruhende Ding.--Indem aber jedem, wenn er an den eigentlichen
+Ort des Daseins des Geistes denkt, nicht der Ruecken, sondern nur der
+Kopf einfaellt, so koennen wir uns in der Untersuchung eines Wissens,
+als das vorliegende ist, mit diesem--fuer es nicht zu
+schlechten--Grunde begnuegen, um dies Dasein auf den Schaedel
+einzuschraenken. Sollte einem der Ruecken insofern einfallen, als auch
+wohl zuweilen durch ihn Wissen und Tun zum Teil _ein_-, zum Teil aber
+_aus_getrieben wird, so wuerde dies dafuer, dass das Rueckenmark mit zum
+inwohnenden Orte des Geistes, und seine Saeule zum gegenbildlichen
+Dasein genommen werden muesse, darum nichts beweisen, weil es zuviel
+bewiese; denn man kann ebenso sich erinnern, dass auch andere
+aeusserliche Wege, der Taetigkeit des Geistes beizukommen, um sie zu
+erwecken oder zurueckzuhalten, beliebt werden.--Die Rueckenwirbelsaeule
+faellt also, wenn man will, _mit Recht_ hinweg; und es ist so gut als
+viele andere naturphilosophische Lehren _konstruiert_, dass der
+Schaedel allein zwar nicht die _Organe_ des Geistes enthalte. Denn
+dies wurde vorhin aus dem Begriffe dieses Verhaeltnisses
+ausgeschlossen, und deswegen der Schaedel zur Seite des Daseins
+genommen; oder wenn nicht an den _Begriff_ der Sache erinnert werden
+duerfte, so lehrt ja die Erfahrung, dass wie mit dem Auge als Organe
+gesehen, so _nicht_ mit dem Schaedel gemordet, gestohlen, gedichtet u.
+s.w. wird.--Es ist sich deswegen auch des Ausdrucks _Organ_ fuer
+diejenige _Bedeutung_ des Schaedels zu enthalten, von welcher noch zu
+sprechen ist. Denn ob man gleich zu sagen pflegt, dass es
+vernuenftigen Menschen nicht auf das Wort, sondern auf die _Sache_
+ankomme, so ist daraus doch nicht die Erlaubnis zu nehmen, eine Sache
+mit einem ihr nicht zugehoerigen Worte zu bezeichnen, denn dies ist
+Ungeschicklichkeit zugleich und Betrug, der nur das rechte _Wort_
+nicht zu haben meint und vorgibt, und es sich verbirgt, dass ihm in
+der Tat die Sache, d.h. der Begriff, fehlt; wenn dieser vorhanden
+waere, wuerde er auch sein rechtes Wort haben.--Zunaechst hat sich hier
+nur dies bestimmt, dass wie das Gehirn der lebendige Kopf, der Schaedel
+das caput mortuum ist.
+
+In diesem toten Sein haetten also die geistigen Bewegungen und
+bestimmten Weisen des Gehirns ihre Darstellung aeusserer Wirklichkeit,
+die jedoch noch an dem Individuum selbst ist, sich zu geben. Fuer das
+Verhaeltnis derselben zu ihm, der als totes Sein den Geist nicht in
+sich selbst inwohnen hat, bietet sich zunaechst das oben festgesetzte,
+das aeussere mechanische dar, so dass die eigentlichen Organe--und diese
+sind am Gehirne--ihn hier rund ausdruecken, dort breit schlagen oder
+platt stossen, oder wie man sonst diese Einwirkung darstellen mag.
+Selbst ein Teil des Organismus, muss in ihm zwar, wie in jedem Knochen,
+eine lebendige Selbstbildung gedacht werden, so dass, hiernach
+betrachtet, er von seiner Seite vielmehr das Gehirn drueckt und dessen
+aeussere Beschraenkung setzt; wozu er auch als das Haertere eher das
+Vermoegen hat. Dabei aber wuerde noch immer dasselbe Verhaeltnis in der
+Bestimmung der Taetigkeit beider gegeneinander bleiben; denn ob der
+Schaedel das Bestimmende oder das Bestimmte ist, dies aenderte an dem
+Kausalzusammenhange ueberhaupt nichts, nur dass dann der Schaedel zum
+unmittelbaren Organe des Selbstbewusstseins gemacht wuerde, weil in ihm
+als _Ursache_ sich die Seite des _Fuer-sich-seins_ faende. Allein
+indem das _Fuer-sich-sein_ als _organische Lebendigkeit in beide_ auf
+gleiche Weise faellt, faellt in der Tat der Kausalzusammenhang zwischen
+ihnen hinweg. Diese Fortbildung beider aber hinge im Innern zusammen,
+und waere eine organische praestabilierte Harmonie, welche die beiden
+sich aufeinander beziehenden Seiten frei gegeneinander und jeder ihre
+eigene _Gestalt_ laesst, der die Gestalt der andern nicht zu
+entsprechen braucht; und noch mehr die Gestalt und die Qualitaet
+gegeneinander--wie die Form der Weinbeere und der Geschmack des
+Weines frei gegeneinander sind.--Indem aber auf die Seite des Gehirns
+die Bestimmung des _Fuer-sich-seins_, auf die Seite des Schaedels aber
+die Bestimmung des _Daseins_ faellt, so ist innerhalb der organischen
+Einheit _auch_ ein Kausalzusammenhang derselben zu setzen; eine
+notwendige Beziehung derselben als aeussere fuereinander, d.h. eine
+selbst aeusserliche, wodurch also ihre _Gestalt_ durch einander
+bestimmt wuerde.
+
+In Ansehung der Bestimmung aber, in welcher das Organ des
+Selbstbewusstseins auf die gegenueberstehende Seite taetige Ursache waere,
+kann auf mancherlei Weise hin und her geredet werden; denn es ist
+von der Beschaffenheit einer Ursache die Rede, die nach ihrem
+_gleichgueltigen_ Dasein, ihrer Gestalt und Groesse betrachtet wird,
+einer Ursache, deren Innres und Fuer-sich-sein gerade ein solches sein
+soll, welches das unmittelbare Dasein nichts angeht. Die organische
+Selbstbildung des Schaedels ist zuerst gleichgueltig gegen die
+mechanische Einwirkung, und das Verhaeltnis dieser beiden Verhaeltnisse
+ist, da jenes das Sich-auf-sich-selbst-beziehen ist, eben diese
+Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit selbst. Alsdenn wenn auch das
+Gehirn die Unterschiede des Geistes zu seienden Unterschieden in sich
+aufnaehme und eine Vielheit innerer einen verschiedenen Raum
+einnehmenden Organe waere--was der Natur widerspricht, welche den
+Momenten des Begriffs ein eigenes Dasein gibt, und daher die
+_fluessige Einfachheit_ des organischen Lebens _rein auf eine Seite_,
+und die _Artikulation_ und _Einteilung_ desselben ebenso in seinen
+Unterschieden auf die _andere_ Seite stellt, so dass sie, wie sie hier
+gefasst werden sollen, als besondere anatomische Dinge sich zeigen--,
+so wuerde es unbestimmt sein, ob ein geistiges Moment, je nachdem es
+urspruenglich staerker oder schwaecher waere, entweder in jenem Falle ein
+_expandierteres_, in diesem ein _kontrahierteres_ Gehirnorgan
+besitzen muesste, oder auch gerade umgekehrt.--Ebenso ob seine
+_Ausbildung_ das Organ vergroesserte oder verkleinerte, ob es dasselbe
+plumper und dicker oder feiner machte. Dadurch, dass es unbestimmt
+bleibe, wie die Ursache beschaffen ist, ist es ebenso unbestimmt
+gelassen, wie die Einwirkung auf den Schaedel geschieht, ob sie ein
+Erweitern oder Verengern und Zusammenfallenlassen ist. Wird diese
+Einwirkung etwa _vornehmer_ als ein _Erregen_ bestimmt, so ist es
+unbestimmt, ob es nach der Weise eines Kanthariden-Pflasters
+auftreibend oder eines Essigs einschrumpfend geschieht.--Fuer alle
+dergleichen Ansichten lassen sich plausible Gruende vorbringen, denn
+die organische Beziehung, welche ebensosehr eingreift, laesst den einen
+so gut passieren als den andern, und ist gleichgueltig gegen allen
+diesen Verstand.
+
+Dem beobachtenden Bewusstsein ist es aber nicht darum zu tun, diese
+Beziehung bestimmen zu wollen. Denn es ist ohnehin nicht das Gehirn,
+was als _animalischer_ Teil auf der einen Seite steht, sondern
+dasselbe als _Sein_ der _selbstbewussten_ Individualitaet.--Sie als
+stehender Charakter und sich bewegendes bewusstes Tun ist _fuer sich_
+und _in sich_; diesem Fuer- und In-sich-sein steht ihre Wirklichkeit
+und Dasein fuer Anderes entgegen; das Fuer- und In-sich-sein ist das
+Wesen und Subjekt, welches am Gehirne ein Sein hat, das _unter es
+subsumiert_ ist, und seinen Wert nur durch die inwohnende Bedeutung
+erhaelt. Die andre Seite der selbstbewussten Individualitaet aber, die
+Seite ihres Daseins ist das _Sein_ als selbststaendig und Subjekt,
+oder als ein Ding, naemlich ein Knochen; die _Wirklichkeit und Dasein
+des Menschen ist sein Schaedelknochen_.--Dies ist das Verhaeltnis und
+der Verstand, den die beiden Seiten dieser Beziehung in dem sie
+beobachtenden Bewusstsein haben.
+
+Diesem ist es nun um die bestimmtere Beziehung dieser Seiten zu tun;
+der Schaedelknochen hat wohl im Allgemeinen die Bedeutung, die
+unmittelbare Wirklichkeit des Geistes zu sein. Aber die
+Vielseitigkeit des Geistes gibt seinem Dasein eine ebensolche
+Vieldeutigkeit; was zu gewinnen ist, ist die Bestimmtheit der
+Bedeutung der einzelnen Stellen, in welche dies Dasein geteilt ist,
+und es ist zu sehen, wie sie das Hinweisen darauf an ihnen haben.
+
+Der Schaedelknochen ist kein Organ der Taetigkeit, noch auch eine
+sprechende Bewegung; es wird weder mit dem Schaedelknochen gestohlen,
+gemordet u.s.f., noch verzieht er zu solchen Taten im geringsten die
+Miene, so dass er sprechende Gebaerde wuerde.--Noch hat auch dieses
+_Seiende_ den Wert eines _Zeichens_. Miene und Gebaerde, Ton, auch
+eine Saeule, ein Pfahl, der auf einer oeden Insel eingeschlagen ist,
+kuendigen sich sogleich an, dass noch irgend etwas anderes damit
+gemeint ist, als das, was sie unmittelbar _nur sind_. Sie geben sich
+selbst sogleich fuer Zeichen aus, indem sie eine Bestimmtheit an ihnen
+haben, welche auf etwas anderes dadurch hinweist, dass sie ihnen nicht
+eigentuemlich angehoert.
+
+Man kann sich wohl auch bei einem Schaedel, wie Hamlet bei Yoricks,
+vielerlei einfallen lassen, aber der Schaedelknochen fuer sich ist ein
+so gleichgueltiges, unbefangenes Ding, dass an ihm unmittelbar nichts
+anderes zu sehen und zu meinen ist als nur er selbst; er erinnert
+wohl an das Gehirn und seine Bestimmtheit, an Schaedel von anderer
+Formation, aber nicht an eine bewusste Bewegung, indem er weder Miene
+und Gebaerde noch etwas an ihm eingedrueckt hat, das von einem bewussten
+Tun herkommend sich ankuendigte; denn er ist diejenige Wirklichkeit,
+welche an der Individualitaet eine solche andere Seite darstellen
+sollte, die nicht mehr sich in sich reflektierendes Sein, sondern
+rein _unmittelbares Sein_ waere.
+
+Da er ferner auch nicht selbst fuehlt, so scheint sich eine
+bestimmtere Bedeutung fuer ihn etwa noch so ergeben zu koennen, dass
+bestimmte Empfindungen durch die Nachbarschaft erkennen liessen, was
+mit ihm gemeint sei; und indem eine bewusste Weise des Geistes bei
+einer bestimmten Stelle desselben ihr Gefuehl hat, wird etwa dieser
+Ort in seiner Gestalt sie und ihre Besonderheit andeuten. Wie zum
+Beispiel manche bei dem angestrengten Denken oder auch schon beim
+_Denken_ ueberhaupt eine schmerzliche Spannung irgendwo im Kopfe zu
+fuehlen klagen, koennte auch das _Stehlen_, das _Morden_, das _Dichten_
+und so fort jedes mit einer eigenen Empfindung begleitet sein, die
+ausserdem noch ihre besondere Stelle haben muesste. Diese Stelle des
+Gehirns, die auf diese Art mehr bewegt und betaetigt waere, wuerde
+wahrscheinlich auch die benachbarte Stelle des Knochens mehr
+ausbilden; oder diese wuerde aus Sympathie oder Konsensus auch nicht
+traege sein, sondern sich vergroessern, oder verkleinern, oder auf
+welche Weise es sei sich formieren.--Was jedoch diese Hypothese
+unwahrscheinlich macht, ist dies, dass das Gefuehl ueberhaupt etwas
+Unbestimmtes ist, und das Gefuehl im Kopfe als dem Zentrum das
+allgemeine Mitgefuehl alles Leidens sein moechte, so dass sich mit dem
+Diebs-, Moerders-, Dichters-Kopf-Kitzel oder--Schmerz andere
+vermischen, und sich voneinander sowie von denen, die man bloss
+koerperlich nennen kann, sowenig unterscheiden lassen wuerden, als aus
+dem Symptome des Kopfwehs, wenn wir seine Bedeutung nur auf das
+Koerperliche einschraenken, sich die Krankheit bestimmen laesst.
+
+Es faellt in der Tat, von welcher Seite die Sache betrachtet werde,
+alle notwendige gegenseitige Beziehung, so wie deren durch sich
+selbst sprechende Andeutung, hinweg. Es bleibt, wenn denn die
+Beziehung doch stattfinden soll, eine _begrifflose_ freie
+praestabilierte Harmonie der entsprechenden Bestimmung beider Seiten
+uebrig und notwendig; denn die eine _soll geistlose Wirklichkeit,
+blosses Ding_ sein.--Es stehen also eben auf einer Seite eine Menge
+ruhender Schaedelstellen, auf der andern eine Menge
+Geistes-Eigenschaften, deren Vielheit und Bestimmung von dem Zustande
+der Psychologie abhaengen wird. Je elender die Vorstellung von dem
+Geiste ist, um so mehr wird von dieser Seite die Sache erleichtert;
+denn teils werden die Eigenschaften um so weniger, teils um so
+abgeschiedener, fester und knoecherner, hiedurch Knochenbestimmungen
+um so aehnlicher und mit ihnen vergleichbarer. Allein obzwar durch
+die Elendigkeit der Vorstellung von dem Geiste vieles erleichtert ist,
+so bleibt doch immer eine sehr grosse Menge auf beiden Seiten; es
+bleibt die gaenzliche Zufaelligkeit ihrer Beziehung fuer die Beobachtung.
+Wenn von den Kindern Israels aus dem Sand am Meere, dem sie
+entsprechen sollen, jedes das Koernchen, dessen Zeichen es ist, sich
+nehmen sollte, so ist diese Gleichgueltigkeit und Willkuer, welche
+jedem das seine zuteilte, ebenso stark als die, welche jeder
+Seelenfaehigkeit, Leidenschaft und, was hier gleichfalls betrachtet
+werden muesste, den Schattierungen von Charakteren, von welchen die
+feinere Psychologie und Menschenkenntnis zu sprechen pflegt, ihre
+Schaedelstaetten und Knochenformen zuweist.--Der Schaedel des Moerders
+hat dieses--nicht Organ, auch nicht Zeichen, sondern diesen Knorren;
+aber dieser Moerder hat noch eine Menge anderer Eigenschaften, sowie
+andere Knorren, und mit den Knorren auch Vertiefungen; man hat die
+Wahl unter Knorren und Vertiefungen. Und wieder kann sein Mordsinn
+auf welchen Knorren oder Vertiefung es sei und hinwiederum diese auf
+welche Eigenschaft es sei bezogen werden; denn weder ist der Moerder
+nur dies Abstraktum eines Moerders, noch hat er nur _eine_ Erhabenheit
+und _eine_ Vertiefung. Die Beobachtungen, welche hierueber angestellt
+werden, muessen darum gerade auch so gut lauten als der Regen des
+Kraemers und der Hausfrau am Jahrmarkte und bei der Waesche. Kraemer
+und Hausfrau konnten auch die Beobachtung machen, dass es immer regnet,
+wenn dieser Nachbar vorbeigeht, oder wenn Schweinsbraten gegessen
+wird. Wie der Regen gegen diese Umstaende, so gleichgueltig ist fuer
+die Beobachtung _diese_ Bestimmtheit des Geistes gegen _dieses_
+bestimmte Sein des Schaedels. Denn von den beiden Gegenstaenden dieses
+Beobachtens ist der eine ein trockenes _Fuer-sich-sein_, eine
+knoecherne Eigenschaft des Geistes, wie der andere ein trockenes
+_An-sich-sein_; ein so knoechernes Ding, als beide sind, ist
+vollkommen gleichgueltig gegen alles andere; es ist dem hohen Knorren
+ebenso gleichgueltig, ob ein Moerder in seiner Nachbarschaft, als dem
+Moerder, ob die Plattheit in seiner Naehe ist.
+
+Es bleibt allerdings die _Moeglichkeit_, dass mit irgendeiner
+Eigenschaft, Leidenschaft u.s.f. ein Knorren an irgendeiner Stelle
+verbunden sei, unueberwindlich uebrig. Man _kann sich_ den Moerder mit
+einem hohen Knorren hier an dieser Schaedelstelle, den Dieb mit einer
+dort _vorstellen_. Von dieser Seite ist die Schaedelwissenschaft noch
+grosser Erweiterung faehig; denn zunaechst scheint sie sich nur auf die
+Verbindung eines Knorren mit einer Eigenschaft _an demselben
+Individuum_, so dass dieses beide besitzt, einzuschraenken. Aber schon
+die natuerliche Schaedelwissenschaft--denn es muss so gut eine solche
+als eine natuerliche Physiognomik geben--geht ueber diese Schranken
+hinaus; sie urteilt nicht nur, dass ein schlauer Mensch einen
+faustdicken Knorren hinter den Ohren sitzen habe, sondern sie stellt
+auch vor, dass die untreue Ehefrau nicht selbst, sondern das andre
+ehliche Individuum Knorren an der Stirne habe.--Ebenso kann man sich
+auch den, der mit dem Moerder unter einem Dache wohnt, oder auch
+seinen Nachbar, und weiter hinaus seine Mitbuerger u.s.f. mit hohen
+Knorren an irgendeiner Schaedelstelle _vorstellen_, so gut als die
+fliegende Kuh, die zuerst von dem Krebs, der auf dem Esel ritt,
+geliebkost und hernach u.s.f. wurde.--Wird aber die _Moeglichkeit_
+nicht im Sinne der Moeglichkeit _des Vorstellens_, sondern der
+_innern_ Moeglichkeit oder des _Begriffs_ genommen, so ist der
+Gegenstand eine solche Wirklichkeit, welche reines Ding und ohne
+dergleichen Bedeutung ist und sein soll, und sie also nur in der
+Vorstellung haben kann.
+
+Schreitet, ungeachtet der Gleichgueltigkeit der beiden Seiten, der
+Beobachter jedoch ans Werk, Beziehungen zu bestimmen, teils frisch
+gehalten durch den allgemeinen Vernunftgrund, dass das _Aeussere der
+Ausdruck des Innern_ sei, teils sich unterstuetzend mit der Analogie
+von Schaedeln der Tieren--welche zwar wohl einen einfachern Charakter
+haben moegen als die Menschen, von denen es aber zugleich um ebenso
+schwerer zu sagen wird, welchen sie haben, indem es nicht der
+Vorstellung eines jeden Menschen so leicht sein kann, sich in die
+Natur eines Tieres recht hineinzubilden--, so findet der Beobachter
+bei der Versicherung der Gesetze, die er entdeckt haben will, eine
+_vorzuegliche Huelfe_ an einem Unterschiede, der uns hier notwendig
+auch einfallen muss.--Das _Sein_ des Geistes kann wenigstens nicht als
+so etwas schlechthin Unverruecktes und Unverrueckbares genommen werden.
+Der Mensch ist frei; es wird zugegeben, dass das _urspruengliche_ Sein
+nur _Anlagen_ sind, ueber welche er viel vermag, oder welche guenstiger
+Umstaende beduerfen, um entwickelt zu werden, d.h. ein _urspruengliches_
+Sein des Geistes ist ebensowohl als ein solches auszusprechen, das
+nicht als Sein existiert. Widerspraechen also Beobachtungen
+demjenigen, was irgendeinem als Gesetz zu versichern einfaellt, waere
+es schoen Wetter am Jahrmarkts oder bei der Waesche, so koennten Kraemer
+und Hausfrau sprechen, dass es _eigentlich_ regnen _sollte_, und die
+_Anlage_ doch dazu _vorhanden_ sei; ebenso das Schaedelbeobachten,
+--dass dies Individuum _eigentlich_ so sein _sollte_, wie der Schaedel
+nach dem Gesetze aussagt, und eine _urspruengliche Anlage_ habe, die
+_aber_ nicht ausgebildet worden sei; vorhanden ist diese Qualitaet
+nicht, aber sie _sollte vorhanden_ sein.--Das _Gesetz_ und das
+_Sollen_ gruendet sich auf das Beobachten des wirklichen Regens, und
+des wirklichen Sinnes bei dieser Bestimmtheit des Schaedels; ist aber
+die _Wirklichkeit_ nicht vorhanden, so gilt die _leere Moeglichkeit_
+fuer ebensoviel.--Diese Moeglichkeit, d.i. die Nichtwirklichkeit des
+aufgestellten Gesetzes und hiemit ihm widersprechende Beobachtungen
+muessen eben dadurch hereinkommen, dass die Freiheit des Individuums
+und die entwickelnden Umstaende gleichgueltig gegen das _Sein_
+ueberhaupt sind, sowohl gegen es als urspruengliches inneres wie als
+aeusseres knoechernes, und dass das Individuum auch etwas anderes sein
+kann, als es innerlich urspruenglich und noch mehr als ein Knochen ist.
+
+Wir erhalten also die Moeglichkeit, dass dieser Knorren oder Vertiefung
+des Schaedels sowohl etwas wirkliches als auch nur eine _Anlage_, und
+zwar unbestimmt zu irgend etwas, dass er etwas Nichtwirkliches
+bezeichne; wir sehen es einer schlechten Ausrede wie immer ergehen,
+dass sie wider dasjenige, dem sie aufhelfen soll, selbst zu gebrauchen
+steht. Wir sehen das Meinen durch die Natur der Sache dahin gebracht,
+das _Gegenteil_ dessen, aber _gedankenlos_, selbst zu sagen, was es
+festhaelt;--zu sagen, es wird durch diesen Knochen irgend etwas
+angedeutet, aber ebensogut _auch nicht_.
+
+Was der Meinung selbst bei dieser Ausrede vorschwebt, ist der wahre,
+sie gerade vertilgende Gedanke, dass das _Sein_ als solches ueberhaupt
+nicht die Wahrheit des Geistes ist. Wie schon die Anlage ein
+_urspruengliches Sein_ ist, das an der Taetigkeit des Geistes keinen
+Anteil hat, ein ebensolches ist seinerseits auch der Knochen. Das
+Seiende ohne die geistige Taetigkeit ist ein Ding fuer das Bewusstsein,
+und so wenig sein Wesen, dass es vielmehr das Gegenteil desselben und
+das Bewusstsein sich allein _wirklich_ ist, durch die Negation und
+Vertilgung eines solchen Seins.--Es ist von dieser Seite fuer voellige
+Verleugnung der Vernunft anzusehen, fuer das _wirkliche Dasein_ des
+Bewusstseins einen Knochen auszugeben; und dafuer wird er ausgegeben,
+indem er als das Aeussere des Geistes betrachtet wird, denn das Aeussere
+ist eben die seiende Wirklichkeit. Es hilft nichts, zu sagen, dass
+von diesem Aeussern _nur_ auf das Innere, das _etwas anders_ sei,
+_geschlossen_ werde, das Aeussere nicht das Innere selbst, sondern nur
+dessen _Ausdruck_ sei. Denn in dem Verhaeltnisse beider zueinander
+faellt eben auf die Seite des Innern die Bestimmung der sich
+_denkenden_ und _gedachten_, auf die Seite des Aeussern aber die _der
+seienden Wirklichkeit_.--Wenn also einem Menschen gesagt wird: du
+(dein Inneres) bist dies, _weil_ dein _Knochen_ so beschaffen ist; so
+heisst es nichts anderes als: ich sehe einen Knochen fuer _deine
+Wirklichkeit_ an. Die bei der Physiognomik erwaehnte Erwiderung eines
+solchen Urteils durch die Ohrfeige bringt zunaechst die _weichen_
+Teile aus ihrem Ansehen und Lage, und erweist nur, dass diese kein
+wahres _An-sich_, nicht die Wirklichkeit des Geistes sind;--hier
+muesste die Erwiderung eigentlich so weit gehen, einem, der so urteilt,
+den Schaedel einzuschlagen, um gerade so greiflich, als seine Weisheit
+ist, zu erweisen, dass ein Knochen fuer den Menschen nichts _An-sich_,
+viel weniger _seine_ wahre Wirklichkeit ist.-Der rohe Instinkt der
+selbstbewussten Vernunft wird eine solche Schaedelwissenschaft
+unbesehen verwerfen--diesen andern beobachtenden Instinkt derselben,
+der zur Ahndung _des Erkennens_ gediehen, es auf die geistlose Weise,
+dass das Aeussere Ausdruck des Innern sei, erfasst hat. Aber je
+schlechter der Gedanke ist, desto weniger faellt es zuweilen auf,
+worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es,
+sie auseinanderzulegen. Denn der Gedanke heisst um so schlechter, je
+reiner und leerer die Abstraktion ist, welche ihm fuer das Wesen gilt.
+Der Gegensatz aber, auf den es hier ankoemmt, hat zu seinen Gliedern
+die ihrer bewusste Individualitaet und die Abstraktion der ganz zum
+_Dinge_ gewordenen Aeusserlichkeit--jenes innre Sein des Geistes als
+festes geistloses Sein aufgefasst, eben solchem Sein entgegengesetzt.
+--Damit scheint aber auch die beobachtende Vernunft in der Tat ihre
+Spitze erreicht zu haben, von welcher sie sich selbst verlassen und
+sich ueberschlagen muss; denn erst das ganz Schlechte hat die
+unmittelbare Notwendigkeit an sich, sich zu verkehren.--Wie von dem
+juedischen Volke gesagt werden kann, dass es gerade darum, weil es
+unmittelbar vor der Pforte des Heils stehe, das verworrenste sei und
+gewesen sei; was es an und fuer sich sein sollte, diese
+Selbstwesenheit ist es sich nicht, sondern verlegt sie jenseits
+seiner; es macht sich durch diese Entaeusserung ein hoeheres Dasein
+_moeglich_, wenn es seinen Gegenstand wieder in sich zuruecknehmen
+koennte, als wenn es innerhalb der Unmittelbarkeit des Seins
+stehengeblieben; weil der Geist um so groesser ist, aus je groesserem
+Gegensatze er in sich zurueckkehrt; diesen Gegensatz aber macht er
+sich in dem Aufheben seiner unmittelbaren Einheit und in der
+Entaeusserung seines Fuer-sich-seins. Allein wenn ein solches
+Bewusstsein sich nicht reflektiert, ist die Mitte, worin es steht, die
+unselige Leere, indem dasjenige, was sie erfuellen sollte, zum festen
+Extreme geworden ist. So ist diese letzte Stufe der beobachtenden
+Vernunft ihre schlechteste, aber darum ihre Umkehrung notwendig.
+
+Denn die Uebersicht der bisher betrachteten Reihe von Verhaeltnissen,
+welche den Inhalt und Gegenstand der Beobachtung ausmachen, zeigt,
+dass in ihrer _ersten Weise_, in der Beobachtung der Verhaeltnisse der
+unorganischen Natur ihr schon das _sinnliche Sein verschwindet_; die
+Momente ihres Verhaeltnisses stellen sich als reine Abstraktionen und
+als einfache Begriffe dar, welche an das Dasein von Dingen fest
+geknuepft sein sollten, das aber verlorengeht, so dass das Moment sich
+als reine Bewegung und als Allgemeines erweist. Dieser freie in sich
+vollendete Prozess behaelt die Bedeutung eines Gegenstaendlichen; tritt
+aber nun als ein _Eins_ auf; im Prozesse des Unorganischen ist das
+Eins das nicht existierende Innere; als Eins aber existierend ist er
+das Organische.--Das Eins steht als Fuer-sich-sein oder negatives
+Wesen dem Allgemeinen gegenueber, entzieht sich diesem und bleibt frei
+fuer sich, so dass der Begriff, nur im Elemente der absoluten
+Vereinzelung realisiert, in der organischen Existenz seinen
+wahrhaften Ausdruck, _als Allgemeines_ da zu sein, nicht findet,
+sondern ein Aeusseres oder, was dasselbe ist, ein _Inneres_ der
+organischen Natur bleibt.--Der organische Prozess ist nur frei _an
+sich_, ist es aber nicht _fuer sich selbst_; im _Zwecke_ tritt das
+Fuer-sich-sein seiner Freiheit ein; _existiert_ als ein anderes Wesen,
+als eine ihrer selbst bewusste Weisheit, die ausser jenem ist. Die
+beobachtende Vernunft wendet sich also an diese, an den Geist, den
+als Allgemeinheit existierenden Begriff oder als Zweck existierenden
+Zweck, und ihr eignes Wesen ist ihr nunmehr der Gegenstand.
+
+Sie wendet sich zuerst an seine Reinheit; aber indem sie Auffassen
+des in seinen Unterschieden sich bewegenden Gegenstandes als eines
+seienden ist, werden ihr _Gesetze des Denkens_, Beziehungen von
+Bleibendem auf Bleibendes; aber da der Inhalt dieser Gesetze nur
+Momente sind, verlaufen sie sich in das Eins des Selbstbewusstseins.
+--Dieser neue Gegenstand ebenso als _Seiendes_ genommen, ist das
+_einzelne, zufaellige_ Selbstbewusstsein; das Beobachten steht daher
+innerhalb des gemeinten Geistes und des zufaelligen Verhaeltnisses von
+bewusster Wirklichkeit auf unbewusste. Er an sich selbst nur ist die
+Notwendigkeit dieser Beziehung; die Beobachtung rueckt ihm daher naeher
+auf den Leib, und vergleicht seine wollende und tuende Wirklichkeit
+mit seiner in sich reflektierten und betrachtenden Wirklichkeit, die
+selbst gegenstaendlich ist. Dieses Aeussre, obzwar eine Sprache des
+Individuums, die es an ihm selbst hat, ist zugleich als Zeichen etwas
+Gleichgueltiges gegen den Inhalt, den es bezeichnen sollte, so wie das,
+welches sich das Zeichen setzt, gleichgueltig gegen dieses.
+
+Von dieser wandelbaren Sprache geht darum die Beobachtung endlich zum
+_festen Sein_ zurueck, und spricht ihrem Begriffe nach aus, dass die
+Aeusserlichkeit, nicht als Organ, auch nicht als Sprache und Zeichen,
+sondern als _totes Ding_ die aeussere und unmittelbare Wirklichkeit des
+Geistes sei. Was von der allerersten Beobachtung der unorganischen
+Natur aufgehoben wurde, dass naemlich der Begriff als Ding vorhanden
+sein sollte, stellt diese letzte Weise so her, dass sie die
+Wirklichkeit des Geistes selbst zu einem Dinge macht, oder umgekehrt
+ausgedrueckt, dem toten Sein die Bedeutung des Geistes gibt.--Die
+Beobachtung ist damit dazu gekommen, es auszusprechen, was unser
+Begriff von ihr war, dass naemlich die Gewissheit der Vernunft sich
+selbst als gegenstaendliche Wirklichkeit sucht.--Man meint zwar dabei
+wohl nicht, dass der Geist, der von einem Schaedel vorgestellt wird,
+als Ding ausgesprochen werde; es soll kein Materialismus, wie man es
+nennt, in diesem Gedanken liegen, sondern der Geist vielmehr noch
+etwas anders als diese Knochen sein; aber er _ist_, heisst selbst
+nichts anders als: er ist ein _Ding_. Wenn das _Sein_ als solches
+oder Dingsein von dem Geiste praediziert wird, so ist darum der
+wahrhafte Ausdruck hievon, dass er ein solches wie _ein Knochen_ ist.
+Es muss daher fuer hoechst wichtig angesehen werden, dass der wahre
+Ausdruck davon, dass vom Geiste rein gesagt wird, _er ist_, sich
+gefunden hat. Wenn sonst vom Geiste gesagt wird, _er ist_, hat _ein
+Sein_, ist ein _Ding_, eine einzelne _Wirklichkeit_, so wird damit
+nicht etwas _gemeint_, das man sehen oder in die Hand nehmen, stossen
+und so fort kann, aber _gesagt_ wird ein solches, und was in Wahrheit
+gesagt wird, drueckt sich hiemit so aus, dass _das Sein des Geistes ein
+Knochen ist_.
+
+Dies Resultat hat nun eine doppelte Bedeutung, einmal seine wahre,
+insofern es eine Ergaenzung des Resultates der vorhergehenden Bewegung
+des Selbstbewusstseins ist. Das unglueckliche Selbstbewusstsein
+entaeusserte sich seiner Selbststaendigkeit und rang sein
+_Fuer-sich-sein_ zum _Dinge_ heraus. Es kehrte dadurch aus dem
+Selbstbewusstsein in das Bewusstsein zurueck, d.h. in das Bewusstsein,
+fuer welches der Gegenstand ein _Sein_, ein _Ding_ ist;--aber dies,
+was Ding ist, ist das Selbstbewusstsein; es ist also die Einheit des
+Ich und des Seins, die _Kategorie_. Indem der Gegenstand fuer das
+Bewusstsein so bestimmt ist, _hat es Vernunft_. Das Bewusstsein sowie
+das Selbstbewusstsein _ist an sich_ eigentlich Vernunft; aber nur von
+dem Bewusstsein, dem der Gegenstand als die Kategorie sich bestimmt
+hat, kann gesagt werden, dass es Vernunft _habe_;--hievon aber ist
+noch das Wissen, was Vernunft ist, unterschieden.--Die Kategorie,
+welche die _unmittelbare_ Einheit des _Seins_ und des _Seinen_ ist,
+muss beide Formen durchlaufen, und das beobachtende Bewusstsein ist
+eben dieses, dem sie sich in der Form des _Seins_ darstellt. In
+seinem Resultate spricht das Bewusstsein dasjenige, dessen bewusstlose
+Gewissheit es ist, als Satz aus--den Satz, der im Begriffe der
+Vernunft liegt. Er ist das _unendliche Urteil_, dass das Selbst ein
+Ding ist--ein Urteil, das sich selbst aufhebt.--Durch dieses Resultat
+ist also bestimmt zur Kategorie dies hinzugekommen, dass sie dieser
+sich aufhebende Gegensatz ist. Die _reine_ Kategorie, welche in der
+Form des _Seins_ oder der _Unmittelbarkeit_ fuer das Bewusstsein ist,
+ist der noch _unvermittelte_, nur _vorhandne_ Gegenstand, und das
+Bewusstsein ein ebenso unvermitteltes Verhalten. Das Moment jenes
+unendlichen Urteils ist der Uebergang der _Unmittelbarkeit_ in die
+Vermittlung oder _Negativitaet_. Der vorhandne Gegenstand ist daher
+als ein negativer bestimmt, das Bewusstsein aber als
+_Selbst_bewusstsein gegen ihn, oder die Kategorie, welche die Form des
+_Seins_ im Beobachten durchlaufen hat, ist jetzt in der Form des
+Fuer-sich-seins gesetzt; das Bewusstsein will sich nicht mehr
+_unmittelbar finden_, sondern durch seine Taetigkeit sich selbst
+hervorbringen. _Es selbst_ ist sich der Zweck seines Tuns, wie es ihm
+im Beobachten nur um die Dinge zu tun war.
+
+Die andere Bedeutung des Resultats ist die schon betrachtete des
+begrifflosen Beobachtens. Dieses weiss sich nicht anders zu fassen
+und auszusprechen, als dass es unbefangen den Knochen, wie er sich als
+sinnliches Ding findet, das seine Gegenstaendlichkeit fuer das
+Bewusstsein nicht zugleich verliert, fuer die _Wirklichkeit_ des
+Selbstbewusstseins aussagt. Es hat aber auch darueber, dass es dies
+sagt, keine Klarheit des Bewusstseins, und fasst seinen Satz nicht in
+der Bestimmtheit seines Subjekts und Praedikats und der Beziehung
+derselben, noch weniger in dem Sinne des unendlichen sich selbst
+aufloesenden Urteils und des Begriffs.--Es verbirgt sich vielmehr aus
+einem tieferliegenden Selbstbewusstsein des Geistes, das hier als eine
+natuerliche Honettetaet erscheint, die Schmaehlichkeit des begrifflosen
+nackten Gedankens, fuer die Wirklichkeit des Selbstbewusstseins einen
+Knochen zu nehmen, und uebertuencht ihn durch die Gedankenlosigkeit
+selbst, mancherlei Verhaeltnisse von Ursache und Wirkung, von Zeichen,
+Organ u.s.w., die hier keinen Sinn haben, einzumischen, und durch
+Unterscheidungen, die von ihnen hergenommen sind, das Grelle des
+Satzes zu verstecken.
+
+Gehirnfibern und dergleichen als das Sein des Geistes betrachtet,
+sind schon eine gedachte nur hypothetische--nicht _daseiende_, nicht
+gefuehlte, gesehene, nicht die wahre Wirklichkeit; wenn sie _da sind_,
+wenn sie gesehen werden, sind sie tote Gegenstaende und gelten dann
+nicht mehr fuer das Sein des Geistes. Aber die eigentliche
+Gegenstaendlichkeit muss eine _unmittelbare, sinnliche_ sein, so dass
+der Geist in dieser als toten--denn der Knochen ist das Tote,
+insofern es am Lebendigen selbst ist--als wirklich gesetzt wird.--Der
+Begriff dieser Vorstellung ist, dass die Vernunft sich _alle Dingheit_,
+auch die _rein gegenstaendliche selbst_ ist; sie ist aber dies _im
+Begriffe_, oder der Begriff nur ist ihre Wahrheit, und je reiner der
+Begriff selbst ist, zu einer desto albernern Vorstellung sinkt er
+herab, wenn sein Inhalt nicht als Begriff, sondern als Vorstellung
+ist--wenn das sich selbst aufhebende Urteil nicht mit dem Bewusstsein
+dieser seiner Unendlichkeit genommen wird, sondern als ein bleibender
+Satz, und dessen Subjekt und Praedikat jedes fuer sich gelten, das
+Selbst als Selbst, das Ding als Ding fixiert und doch eins das andre
+sein soll.--Die Vernunft, wesentlich der Begriff, ist unmittelbar in
+sich selbst und ihr Gegenteil entzweit, ein Gegensatz, der eben darum
+ebenso unmittelbar aufgehoben ist. Aber sich so als sich selbst und
+als ihr Gegenteil darbietend, und festgehalten in dem ganz einzelnen
+Momente dieses Auseinandertretens, ist sie unvernuenftig aufgefasst;
+und je reiner die Momente desselben sind, desto greller ist die
+Erscheinung dieses Inhalts, der allein entweder fuer das Bewusstsein
+ist, oder von ihm unbefangen allein ausgesprochen wird.--Das _Tiefe_,
+das der Geist von innen heraus, aber nur bis in sein _vorstellendes
+Bewusstsein_ treibt und es in diesem stehen laesst,--und die
+_Unwissenheit_ dieses Bewusstseins, was das ist, was es sagt, ist
+dieselbe Verknuepfung des Hohen und Niedrigen, welche an dem
+Lebendigen die Natur in der Verknuepfung des Organs seiner hoechsten
+Vollendung, des Organs der Zeugung,--und des Organs des Pissens naiv
+ausdrueckt.--Das unendliche Urteil als unendliches waere die Vollendung
+des sich selbst erfassenden Lebens, das in der Vorstellung bleibende
+Bewusstsein desselben aber verhaelt sich als Pissen.
+
+
+B. Die Verwirklichungdes vernuenftigen Selbstbewusstseinsdurch sich
+selbst
+
+Das Selbstbewusstsein fand das Ding als sich, und sich als Ding; d.h.
+_es ist fuer es_, dass es _an sich_ die gegenstaendliche Wirklichkeit
+ist. Es ist nicht mehr die _unmittelbare_ Gewissheit, alle Realitaet
+zu sein; sondern eine solche, fuer welche das Unmittelbare ueberhaupt
+die Form eines aufgehobenen hat, so dass seine _Gegenstaendlichkeit_
+nur noch als Oberflaeche gilt, deren Inneres und Wesen _es selbst_ ist.
+--Der Gegenstand, auf welchen es sich positiv bezieht, ist daher ein
+Selbstbewusstsein; er ist in der Form der Dingheit, d.h. er ist
+_selbststaendig_; aber es hat die Gewissheit, dass dieser selbststaendige
+Gegenstand kein Fremdes fuer es ist; es weiss hiemit, dass es _an sich_
+von ihm anerkannt ist; es ist der _Geist_, der die Gewissheit hat, in
+der Verdopplung seines Selbstbewusstseins und in der Selbststaendigkeit
+beider seine Einheit mit sich selbst zu haben. Diese Gewissheit hat
+sich ihm nun zur Wahrheit zu erheben; was ihm gilt, dass es _an sich_
+und in seiner _innern_ Gewissheit sei, soll in sein Bewusstsein treten,
+und _fuer es_ werden.
+
+Was die allgemeinen Stationen dieser Verwirklichung sein werden,
+bezeichnet sich im allgemeinen schon durch die Vergleichung mit dem
+bisherigen Wege. Wie naemlich die beobachtende Vernunft in dem
+Elemente der Kategorie die Bewegung des _Bewusstseins_, naemlich die
+sinnliche Gewissheit, das Wahrnehmen und den Verstand wiederholte, so
+wird diese auch die doppelte Bewegung des _Selbstbewusstseins_ wieder
+durchlaufen, und aus der Selbststaendigkeit in seine Freiheit
+uebergehen. Zuerst ist diese taetige Vernunft ihrer selbst nur als
+eines Individuums bewusst, und muss als ein solches seine Wirklichkeit
+im andern fodern und hervorbringen--alsdenn aber, indem sich sein
+Bewusstsein zur Allgemeinheit erhebt, wird es _allgemeine_ Vernunft,
+und ist sich seiner als Vernunft, als an und fuer sich schon
+anerkanntes bewusst, welches in seinem reinen Bewusstsein alles
+Selbstbewusstsein vereinigt; es ist das einfache geistige Wesen, das,
+indem es zugleich zum Bewusstsein kommt, die _reale Substanz_ ist,
+worein die fruehern Formen als in ihren Grund zurueckgehen, so dass sie
+gegen diesen nur einzelne Momente seines Werdens sind, die sich zwar
+losreissen und als eigne Gestalten erscheinen, in der Tat aber nur von
+ihm getragen _Dasein_ und _Wirklichkeit_, aber ihre _Wahrheit_ nur
+haben, insofern sie in ihm selbst sind und bleiben.
+
+Nehmen wir dieses Ziel, das der _Begriff_ ist, der _uns_ schon
+entstanden--naemlich das anerkannte Selbstbewusstsein, das in dem
+andern freien Selbstbewusstsein die Gewissheit seiner selbst, und eben
+darin seine Wahrheit hat--, in seiner Realitaet auf, oder heben wir
+diesen noch innern Geist als die schon zu ihrem Dasein gediehene
+Substanz heraus, so schliesst sich in diesem Begriffe _das Reich der
+Sittlichkeit_ auf. Denn diese ist nichts anders als in der
+selbststaendigen _Wirklichkeit_ der Individuen die absolute geistige
+_Einheit_ ihres Wesens; ein an sich allgemeines Selbstbewusstsein, das
+sich in einem andern Bewusstsein so wirklich ist, dass dieses
+vollkommene Selbststaendigkeit hat, oder ein Ding fuer es, und dass es
+eben darin der _Einheit_ mit ihm sich bewusst ist, und in dieser
+Einheit mit diesem gegenstaendlichen Wesen erst Selbstbewusstsein ist.
+Diese sittliche _Substanz_ in der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_,
+ist sie nur das _gedachte_ Gesetz; aber sie ist ebensosehr
+unmittelbar wirkliches _Selbstbewusstsein_ oder sie ist _Sitte_. Das
+_einzelne_ Bewusstsein ist umgekehrt nur dieses seiende Eins, indem es
+des allgemeinen Bewusstseins in seiner Einzelnheit als seines Seins
+sich bewusst, indem sein Tun und Dasein die allgemeine Sitte ist.
+
+In dem Leben eines Volks hat in der Tat der Begriff der
+Verwirklichung der selbstbewussten Vernunft, in der Selbststaendigkeit
+des _Andern_ die vollstaendige _Einheit_ mit ihm anzuschauen, oder
+diese von mir vorgefundene freie _Dingheit_ eines andern, welche das
+Negative meiner selbst ist, als _mein_ Fuer-_mich_-sein zum
+Gegenstande zu haben, seine vollendete Realitaet. Die Vernunft ist
+als die fluessige allgemeine _Substanz_, als die unwandelbare einfache
+_Dingheit_ vorhanden, welche ebenso in viele vollkommen
+selbststaendige Wesen wie das Licht in Sterne als unzaehlige fuer sich
+leuchtende Punkte zerspringt, die in ihrem absoluten Fuer-sich-sein
+nicht nur _an sich_ in der einfachen selbststaendigen Substanz
+aufgeloest sind, sondern _fuer sich selbst_; sie sind sich bewusst,
+diese einzelne selbststaendige Wesen dadurch zu sein, dass sie ihre
+Einzelnheit aufopfern und diese allgemeine Substanz ihre Seele und
+Wesen ist; so wie dies Allgemeine wieder das _Tun_ ihrer als
+einzelner oder das von ihnen hervorgebrachte Werk ist.
+
+Das _rein einzelne_ Tun und Treiben des Individuums bezieht sich auf
+die Beduerfnisse, welche es als Naturwesen, das heisst als _seiende
+Einzelnheit_ hat. Dass selbst diese seine gemeinsten Funktionen nicht
+zunichte werden, sondern Wirklichkeit haben, geschieht durch das
+allgemeine erhaltende Medium, durch die _Macht_ des ganzen Volks.
+--Nicht nur aber diese _Form_ des _Bestehens_ seines Tuns ueberhaupt
+hat es in der allgemeinen Substanz, sondern ebensosehr _seinen
+Inhalt_; was es tut, _ist_ die allgemeine Geschicklichkeit und Sitte
+aller. Dieser Inhalt, insofern er sich vollkommen vereinzelt, ist in
+seiner Wirklichkeit in das Tun aller verschraenkt. Die _Arbeit_ des
+Individuums fuer seine Beduerfnisse ist ebensosehr eine Befriedigung
+der Beduerfnisse der andern als seiner eignen, und die Befriedigung
+der seinigen erreicht es nur durch die Arbeit der andern.--Wie der
+Einzelne in seiner _einzelnen_ Arbeit schon eine _allgemeine_ Arbeit
+_bewusstlos_ vollbringt, so vollbringt er auch wieder die allgemeine
+als seinen _bewussten_ Gegenstand; das Ganze wird _als Ganzes_ sein
+Werk, fuer das er sich aufopfert, und ebendadurch sich selbst von ihm
+zurueckerhaelt.--Es ist hier nichts, das nicht gegenseitig waere, nichts,
+woran nicht die Selbststaendigkeit des Individuums in der Aufloesung
+ihres Fuer-sich-seins, in der _Negation_ ihrer selbst ihre _positive_
+Bedeutung, fuer sich zu sein, sich gaebe. Diese Einheit des Seins fuer
+Anderes oder des Sich-zum-Dinge-machens und des Fuer-sich-seins, diese
+allgemeine Substanz redet ihre _allgemeine Sprache_ in den Sitten und
+Gesetzen seines Volks; aber dies seiende unwandelbare Wesen ist
+nichts anders als der Ausdruck der ihr entgegengesetzt scheinenden
+einzelnen Individualitaet selbst; die Gesetze sprechen das aus, was
+jeder Einzelne _ist_ und _tut_; das Individuum erkennt sie nicht nur
+als seine _allgemeine_ gegenstaendliche Dingheit, sondern ebensosehr
+sich in ihr, oder als _vereinzelt_ in seiner eignen Individualitaet
+und in jedem seiner Mitbuerger. In dem allgemeinen Geiste hat daher
+jeder nur die Gewissheit seiner selbst, nichts anders in der seienden
+Wirklichkeit zu finden als sich selbst; er ist der andern so gewiss
+als seiner.--Ich schaue es in allen an, dass sie fuer sich selbst nur
+diese selbststaendigen Wesen sind, als Ich es bin; Ich schaue die
+freie Einheit mit den andern in ihnen so an, dass sie wie durch Mich,
+so durch die andern selbst ist. Sie als Mich, Mich als Sie.
+
+In einem freien Volke ist darum in Wahrheit die Vernunft verwirklicht;
+sie ist gegenwaertiger lebendiger Geist, worin das Individuum seine
+_Bestimmung_, das heisst sein allgemeines und einzelnes Wesen, nicht
+nur ausgesprochen und als Dingheit vorhanden findet, sondern selbst
+dieses Wesen ist, und seine Bestimmung auch erreicht hat. Die
+weisesten Maenner des Altertums haben darum den Ausspruch getan: _dass
+die Weisheit und die Tugend darin bestehen, den Sitten seines Volks
+gemaess zu leben_.
+
+Aus diesem Gluecke aber, seine Bestimmung erreicht zu haben, und in
+ihr zu leben, ist das Selbstbewusstsein, welches zunaechst nur
+_unmittelbar_ und dem _Begriffe nach_ Geist ist, herausgetreten, oder
+auch--es hat es noch nicht erreicht; denn beides kann auf gleiche
+Weise gesagt werden.
+
+Die Vernunft _muss aus diesem Gluecke heraustreten_; denn nur _an sich_
+oder _unmittelbar_ ist das Leben eines freien Volks die _reale
+Sittlichkeit_, oder sie ist eine _seiende_, und damit ist auch dieser
+allgemeine Geist selbst ein einzelner, das Ganze der Sitten und
+Gesetze, eine _bestimmte_ sittliche Substanz, welche erst in dem
+hohem Momente, naemlich im _Bewusstsein ueber ihr Wesen_, die
+Beschraenkung auszieht, und nur in diesem Erkennen ihre absolute
+Wahrheit hat, nicht aber unmittelbar in ihrem _Sein_; in diesem ist
+sie teils eine beschraenkte, teils ist die absolute Beschraenkung eben
+dies, dass der Geist in der Form des _Seins_ ist.
+
+Ferner ist daher das _einzelne_ Bewusstsein, wie es unmittelbar seine
+Existenz in der realen Sittlichkeit oder in dem Volke hat, ein
+gediegenes Vertrauen, dem sich der Geist nicht in seine _abstrakte_
+Momente aufgeloest hat, und das sich also auch nicht als reine
+_Einzelnheit fuer sich zu sein_ weiss. Ist es aber zu diesem Gedanken
+gekommen, wie es muss, so ist diese _unmittelbare_ Einheit mit dem
+Geiste oder sein _Sein_ in ihm, sein Vertrauen verloren; es fuer sich
+_isoliert_, ist sich nun das Wesen, nicht mehr der allgemeine Geist.
+Das _Moment dieser Einzelnheit des Selbstbewusstseins_ ist zwar in dem
+allgemeinen Geiste selbst, aber nur als eine verschwindende Groesse,
+die, wie sie fuer sich auftritt, in ihm ebenso unmittelbar sich
+aufloest und nur als Vertrauen zum Bewusstsein kommt. Indem es sich so
+fixiert--und jedes Moment, weil es Moment des Wesens ist, muss selbst
+dazu gelangen, als Wesen sich darzustellen--, so ist das Individuum
+den Gesetzen und Sitten gegenuebergetreten; sie sind nur ein Gedanke
+ohne absolute Wesenheit, eine abstrakte Theorie ohne Wirklichkeit; es
+aber ist als dieses Ich sich die lebendige Wahrheit.
+
+Oder das Selbstbewusstsein hat _dieses Glueck noch nicht erreicht_,
+sittliche Substanz, der Geist eines Volks zu sein. Denn aus der
+Beobachtung zurueckgekehrt, ist der Geist zuerst noch nicht als
+solcher durch sich selbst verwirklicht; er ist nur als _innres_ Wesen
+oder als die Abstraktion gesetzt.--Oder er _ist_ erst _unmittelbar_;
+unmittelbar seiend aber ist er _einzeln_; er ist das praktische
+Bewusstsein, das in seine vorgefundene Welt mit dem Zwecke
+einschreitet, sich in dieser Bestimmtheit eines Einzelnen zu
+verdoppeln, sich als Diesen als sein seiendes Gegenbild zu erzeugen
+und dieser Einheit seiner Wirklichkeit mit dem gegenstaendlichen Wesen
+bewusst zu werden. Es hat die _Gewissheit_ dieser Einheit; es gilt ihm,
+dass sie _an sich_ oder dass diese Uebereinstimmung seiner und der
+Dingheit schon vorhanden ist, nur _ihm_ noch durch es zu werden hat,
+oder dass sein Machen ebenso das _Finden_ derselben ist. Indem diese
+Einheit _Glueck_ heisst, wird dies Individuum hiemit sein _Glueck zu
+suchen_ von seinem Geiste in die Welt hinausgeschickt.
+
+Wenn also die Wahrheit dieses vernuenftigen Selbstbewusstseins fuer uns
+die sittliche Substanz ist, so ist hier fuer es der Anfang seiner
+sittlichen Welterfahrung. Von der Seite, dass es noch nicht zu jener
+geworden, dringt diese Bewegung auf sie, und das, was in ihr sich
+aufhebt, sind die einzelnen Momente, die ihm isoliert gelten. Sie
+haben die Form eines unmittelbaren Wollens oder _Naturtriebs_, der
+seine Befriedigung erreicht, welche selbst der Inhalt eines neuen
+Triebes ist.--Von der Seite aber, dass das Selbstbewusstsein das Glueck
+in der Substanz zu sein verloren, sind diese Naturtriebe mit
+Bewusstsein ihres Zweckes als der wahren Bestimmung und Wesenheit
+verbunden; die sittliche Substanz ist zum selbstlosen Praedikate
+herabgesunken, dessen lebendige Subjekte die Individuen sind, die
+ihre Allgemeinheit durch sich selbst zu erfuellen, und fuer ihre
+Bestimmung aus sich zu sorgen haben.--In jener Bedeutung also sind
+jene Gestalten das Werden der sittlichen Substanz, und gehen ihr vor;
+in dieser folgen sie, und loesen es fuer das Selbstbewusstsein auf, was
+seine Bestimmung sei; nach jener Seite geht in der Bewegung, worin
+erfahren wird, was ihre Wahrheit ist, die Unmittelbarkeit oder Roheit
+der Triebe verloren, und der Inhalt derselben in einen hoehern ueber;
+nach dieser aber die falsche Vorstellung des Bewusstseins, das in sie
+seine Bestimmung setzt. Nach jener ist das _Ziel_, das sie erreichen,
+die unmittelbare sittliche Substanz; nach dieser aber das Bewusstsein
+derselben, und zwar ein solches, das sie als sein eignes Wesen weiss;
+und insofern waere diese Bewegung das Werden der Moralitaet, einer
+hoehern Gestalt als jene. Allein diese Gestalten machen zugleich nur
+_eine_ Seite ihres Werdens aus, naemlich diejenige, welche in das
+_Fuer-sich-sein_ faellt, oder worin das Bewusstsein _seine_ Zwecke
+aufhebt; nicht die Seite, nach welcher sie aus der Substanz selbst
+hervorgeht. Da diese Momente noch nicht die Bedeutung haben koennen,
+im Gegensatze gegen die verlorne Sittlichkeit zu Zwecken gemacht zu
+werden, so gelten sie hier zwar nach ihrem unbefangenen Inhalte, und
+das Ziel, nach welchem sie dringen, ist die sittliche Substanz. Aber
+indem unsern Zeiten jene Form derselben naeher liegt, in welcher sie
+erscheinen, nachdem das Bewusstsein sein sittliches Leben verloren und
+es suchend jene Formen wiederholt, so moegen sie mehr in dem Ausdrucke
+dieser Weise vorgestellt werden.
+
+Das Selbstbewusstsein, welches nur erst der Begriff des Geistes ist,
+tritt diesen Weg in der Bestimmtheit an, sich als einzelner Geist das
+Wesen zu sein, und sein Zweck ist also, sich als einzelnes die
+Verwirklichung zu geben und als dieses in ihr sich zu geniessen.
+
+In der Bestimmung, sich als _Fuersichseiendes_ das Wesen zu sein, ist
+es die _Negativitaet_ des Andern; in seinem Bewusstsein tritt daher es
+selbst als das Positive einem solchen gegenueber, das zwar _ist_, aber
+fuer es die Bedeutung eines Nichtansichseienden hat; das Bewusstsein
+erscheint entzweit in diese vorgefundene Wirklichkeit und in den
+_Zweck_, den es durch Aufheben derselben vollbringt, und statt jener
+vielmehr zur Wirklichkeit macht. Sein erster Zweck ist aber sein
+_unmittelbares_ abstraktes _Fuer-sich-sein_, oder sich als _dieses
+Einzelne_ in einem andern oder ein anderes Selbstbewusstsein als sich
+anzuschauen. Die Erfahrung, was die Wahrheit dieses Zwecks ist,
+stellt das Selbstbewusstsein hoeher, und es ist sich nunmehr Zweck,
+insofern es zugleich _allgemeines_ ist, und das _Gesetz unmittelbar_
+an ihm hat. In der Vollbringung dieses _Gesetzes_ seines _Herzens_
+erfaehrt es aber, dass das _einzelne_ Wesen hiebei sich nicht erhalten,
+sondern das Gute nur durch die Aufopferung desselben ausgefuehrt
+werden kann, und es wird zur _Tugend_. Die Erfahrung, welche sie
+macht, kann keine andre sein, als dass ihr Zweck an sich schon
+ausgefuehrt ist, das Glueck unmittelbar im Tun selbst sich findet, und
+das Tun selbst das Gute ist. Der Begriff dieser ganzen Sphaere, dass
+die Dingheit das _Fuer-sich-sein_ des Geistes selbst ist, wird in
+ihrer Bewegung fuer das Selbstbewusstsein. Indem es ihn gefunden, ist
+es sich also Realitaet als unmittelbar sich aussprechende
+Individualitaet, die keinen Widerstand an einer entgegengesetzten
+Wirklichkeit mehr findet, und der nur dies Aussprechen selbst
+Gegenstand und Zweck ist.
+
+
+a. Die Lust und die Notwendigkeit
+
+Das Selbstbewusstsein, welches sich ueberhaupt die _Realitaet_ ist, hat
+seinen Gegenstand an ihm selbst, aber als einen solchen, welchen es
+nur erst _fuer sich_ hat, und der noch nicht seiend ist; das _Sein_
+steht ihm als eine andere Wirklichkeit, denn die seinige ist,
+gegenueber; und es geht darauf, durch Vollfuehrung seines
+Fuer-sich-seins sich als anderes selbststaendiges Wesen anzuschauen.
+Dieser _erste Zweck_ ist, seiner als einzelnen Wesens in dem andern
+Selbstbewusstsein bewusst zu werden, oder dies Andre zu sich selbst zu
+machen; es hat die Gewissheit, dass _an sich_ schon dies Andre es
+selbst ist.--Insofern es aus der sittlichen Substanz und dem ruhigen
+Sein des Denkens zu seinem _Fuer-sich-sein_ sich erhoben, so hat es
+das Gesetz der Sitte und des Daseins, die Kenntnisse der Beobachtung
+und die Theorie, als einen grauen eben verschwindenden Schatten
+hinter sich, denn dies ist vielmehr ein Wissen von einem solchen,
+dessen Fuer-sich-sein und Wirklichkeit eine andere als die des
+Selbstbewusstseins ist. Es ist in es statt des himmlisch scheinenden
+Geistes der Allgemeinheit des Wissens und Tuns, worin die Empfindung
+und der Genuss der Einzelnheit schweigt, der Erdgeist gefahren, dem
+das Sein nur, welches die Wirklichkeit des einzelnen Bewusstseins ist,
+als die wahre Wirklichkeit gilt.
+
+
+Es verachtet Verstand und Wissenschaftdes Menschen allerhoechste
+Gaben--es hat dem Teufel sich ergebenund muss zugrunde gehn.
+
+
+Es stuerzt also ins Leben, und bringt die reine Individualitaet, in
+welcher es auftritt, zur Ausfuehrung. Es macht sich weniger sein
+Glueck, als dass es dasselbige unmittelbar nimmt und geniesst. Die
+Schatten von Wissenschaft, Gesetzen und Grundsaetzen, die allein
+zwischen ihm und seiner eignen Wirklichkeit stehen, verschwinden, als
+ein lebloser Nebel, der es nicht mit der Gewissheit seiner Realitaet
+aufnehmen kann; es nimmt sich das Leben, wie eine reife Frucht
+gepflueckt wird, welche ebensosehr selbst entgegen kommt, als sie
+genommen wird.
+
+Sein Tun ist nur nach einem Momente ein Tun der _Begierde_; es geht
+nicht auf die Vertilgung des ganzen gegenstaendlichen Wesens, sondern
+nur auf die Form seines Andersseins oder seiner Selbststaendigkeit,
+die ein wesenloser Schein ist; denn _an sich_ gilt es ihm fuer
+dasselbe Wesen, oder als seine Selbstheit. Das Element, worin die
+Begierde und ihr Gegenstand gleichgueltig gegeneinander und
+selbststaendig bestehen, ist das _lebendige Dasein_; der Genuss der
+Begierde hebt dies, insofern es ihrem Gegenstande zukommt, auf. Aber
+hier ist dies Element, welches beiden die abgesonderte Wirklichkeit
+gibt, vielmehr die Kategorie, ein Sein, das wesentlich ein
+_vorgestelltes_ ist; es ist daher das _Bewusstsein_ der
+Selbststaendigkeit;--sei es nun das natuerliche, oder das zu einem
+System von Gesetzen ausgebildete Bewusstsein, welches die Individuen
+jedes fuer sich erhaelt. Diese Trennung ist nicht an sich fuer das
+Selbstbewusstsein, welches als _seine eigne_ Selbstheit das andre weiss.
+Es gelangt also zum Genusse der _Lust_, zum Bewusstsein seiner
+Verwirklichung in einem als selbststaendig erscheinenden Bewusstsein,
+oder zur Anschauung der Einheit beider selbststaendigen
+Selbstbewusstsein. Es erreicht seinen Zweck, erfaehrt aber eben darin,
+was die Wahrheit desselben ist. Es begreift sich als _dieses
+einzelne fuersichseiende_ Wesen, aber die Verwirklichung dieses Zwecks
+ist selbst das Aufheben desselben, denn es wird sich nicht Gegenstand
+als _dieses einzelne_, sondern vielmehr als _Einheit_ seiner selbst
+und des andern Selbstbewusstseins, hiemit als aufgehobnes Einzelnes
+oder als _Allgemeines_.
+
+Die genossene Lust hat wohl die positive Bedeutung, _sich selbst_ als
+gegenstaendliches Selbstbewusstsein geworden zu sein, aber ebensosehr
+die negative, _sich selbst_ aufgehoben zu haben; und indem es seine
+Verwirklichung nur in jener Bedeutung begriff, tritt seine Erfahrung
+als Widerspruch in sein Bewusstsein ein, worin die erreichte
+Wirklichkeit seiner Einzelnheit sich von dem negativen _Wesen_
+vernichtet werden sieht, das wirklichkeitslos jener leer
+gegenuebersteht und doch die verzehrende Macht desselben ist. Dieses
+Wesen ist nichts anders als der _Begriff_ dessen, was diese
+Individualitaet an sich ist. Sie ist aber noch die aermste Gestalt des
+sich verwirklichenden Geistes; denn sie ist sich erst die
+_Abstraktion_ der Vernunft, oder die _Unmittelbarkeit_ der _Einheit_
+des _Fuer-sich-_ und des _An-sich-seins_; ihr Wesen ist also nur die
+_abstrakte_ Kategorie. Jedoch hat sie nicht mehr die Form des
+_unmittelbaren, einfachen_ Seins, wie dem beobachtenden Geiste, wo
+sie das abstrakte _Sein_ oder, als Fremdes gesetzt, die _Dingheit_
+ueberhaupt ist. Hier ist in diese Dingheit das Fuer-sich-sein und die
+Vermittlung getreten. Sie tritt daher als _Kreis_ auf, dessen Inhalt
+die entwickelte reine Beziehung der einfachen Wesenheiten ist. Die
+erlangte Verwirklichung dieser Individualitaet besteht daher in nichts
+anderem, als dass sie diesen Kreis von Abstraktionen aus der
+Eingeschlossenheit des einfachen Selbstbewusstseins in das Element des
+_Fuer-es-seins_ oder der gegenstaendlichen Ausbreitung herausgeworfen
+hat. Was dem Selbstbewusstsein also in der geniessenden Lust als sein
+Wesen zum _Gegenstande_ wird, ist die Ausbreitung jener leeren
+Wesenheiten, der reinen Einheit, des reinen Unterschiedes und ihrer
+Beziehung; weiter hat der Gegenstand, den die Individualitaet als ihr
+_Wesen_ erfaehrt, keinen Inhalt. Er ist das, was die _Notwendigkeit_
+genannt wird; denn die Notwendigkeit, das _Schicksal_ und dergleichen,
+ist eben dieses, von dem man nicht zu sagen weiss, _was_ es tue,
+welches seine bestimmten Gesetze und positiver Inhalt seie, weil es
+der absolute als _Sein_ angeschaute reine Begriff selbst ist, die
+einfache und leere, aber unaufhaltsame und unstoerbare _Beziehung_,
+deren Werk nur das Nichts der Einzelnheit ist. Sie ist dieser _feste
+Zusammenhang_, weil das Zusammenhaengende die reinen Wesenheiten oder
+die leeren Abstraktionen sind; Einheit, Unterschied und Beziehung
+sind Kategorien, deren jede nichts an und fuer sich, nur in Beziehung
+auf ihr Gegenteil ist, und die daher nicht auseinanderkommen koennen.
+Sie sind durch ihren _Begriff_ aufeinander bezogen, denn sie sind die
+reinen Begriffe selbst; und diese _absolute Beziehung_ und abstrakte
+Bewegung macht die Notwendigkeit aus. Die nur einzelne
+Individualitaet, die nur erst den reinen Begriff der Vernunft zu ihrem
+Inhalte hat, statt aus der toten Theorie in das Leben sich gestuerzt
+zu haben, hat sich also vielmehr nur in das Bewusstsein der eignen
+Leblosigkeit gestuerzt, und wird sich nur als die leere und fremde
+Notwendigkeit, als die _tote_ Wirklichkeit zuteil.
+
+Der Uebergang geschieht aus der Form des _Eins_ in die der
+_Allgemeinheit_, aus einer absoluten Abstraktion in die andere; aus
+dem Zwecke des reinen _Fuer-sich-seins_, das die Gemeinschaft mit
+_Andern_ abgeworfen, in das _reine_ Gegenteil, das dadurch ebenso
+abstrakte _An-sich-sein_. Dies erscheint hiemit so, dass das
+Individuum nur zugrunde gegangen, und die absolute Sproedigkeit der
+Einzelnheit an der ebenso harten, aber kontinuierlichen Wirklichkeit
+zerstaeubt ist.--Indem es als Bewusstsein die Einheit seiner selbst und
+seines Gegenteils ist, ist dieser Untergang noch fuer es; sein Zweck
+und seine Verwirklichung, sowie der Widerspruch dessen, was _ihm_ das
+Wesen war, und was _an sich_ das Wesen ist;--es erfaehrt den
+Doppelsinn, der in dem liegt, was es tat, naemlich sein _Leben_ sich
+_genommen_ zu haben; es nahm das Leben, aber vielmehr ergriff es
+damit den Tod.
+
+Dieser _Uebergang_ seines lebendigen Seins in die leblose
+Notwendigkeit erscheint ihm daher als eine Verkehrung, die durch
+nichts vermittelt ist. Das Vermittelnde muesste das sein, worin beide
+Seiten eins waeren, das Bewusstsein also das eine Moment im andern
+erkennte, seinen Zweck und Tun in dem Schicksale, und sein Schicksal
+in seinem Zwecke und Tun, _sein eigenes Wesen_ in dieser
+_Notwendigkeit_. Aber diese Einheit ist fuer dies Bewusstsein eben die
+Lust selbst, oder das _einfache, einzelne_ Gefuehl, und der Uebergang
+von dem Momente dieses seines Zwecks in das Moment seines wahren
+Wesens fuer es ein reiner Sprung in das Entgegengesetzte; denn diese
+Momente sind nicht im Gefuehle enthalten und verknuepft, sondern nur im
+reinen Selbst, das ein Allgemeines oder das Denken ist. Das
+Bewusstsein ist sich daher durch seine Erfahrung, worin ihm seine
+Wahrheit werden sollte, vielmehr ein Raetsel geworden, die Folgen
+seiner Taten sind ihm nicht seine Taten selbst; was ihm widerfaehrt,
+_fuer es_ nicht die Erfahrung dessen, was es _an sich_ ist; der
+Uebergang nicht eine blosse Formaenderung desselben Inhalts und Wesens,
+einmal vorgestellt als Inhalt und Wesen des Bewusstseins, das
+anderemal als Gegenstand oder _angeschautes_ Wesen seiner selbst.
+Die _abstrakte Notwendigkeit_ gilt also fuer die nur negative,
+unbegriffene _Macht der Allgemeinheit_, an welcher die Individualitaet
+zerschmettert wird.
+
+Bis hieher geht die Erscheinung dieser Gestalt des Selbstbewusstseins;
+das letzte Moment ihrer Existenz ist der Gedanke ihres Verlusts in
+der Notwendigkeit, oder der Gedanke ihrer selbst als eines sich
+absolut _fremden_ Wesens. Das Selbstbewusstsein _an sich_ hat aber
+diesen Verlust ueberlebt; denn diese Notwendigkeit oder reine
+Allgemeinheit ist _sein eignes_ Wesen. Diese Reflexion des
+Bewusstseins in sich, die Notwendigkeit als _sich_ zu wissen, ist eine
+neue Gestalt desselben.
+
+
+b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigenduenkels
+
+Was die Notwendigkeit in Wahrheit am Selbstbewusstsein ist, dies ist
+sie fuer seine neue Gestalt, worin es sich selbst als das Notwendige
+ist; es weiss _unmittelbar_ das _Allgemeine_, oder das _Gesetz_ in
+sich zu haben; welches um dieser Bestimmung willen, dass es
+_unmittelbar_ in dem Fuer-sich-sein des Bewusstseins ist, das _Gesetz_
+des _Herzens_ heisst. Diese Gestalt ist _fuer sich_ als _Einzelnheit_
+Wesen, wie die vorige, aber sie ist um die Bestimmung reicher, dass
+ihr dies _Fuer-sich-sein_ als notwendiges oder allgemeines gilt.
+
+Das Gesetz also, das unmittelbar das eigne des Selbstbewusstseins ist,
+oder ein Herz, das aber ein Gesetz an ihm hat, ist der _Zweck_, den
+es zu verwirklichen geht. Es ist zu sehen, ob seine Verwirklichung
+diesem Begriffe entsprechen, und ob es in ihr dies sein Gesetz als
+das Wesen erfahren wird.
+
+Diesem Herzen steht eine Wirklichkeit gegenueber; denn im Herzen ist
+das Gesetz nur erst _fuer sich_, noch nicht verwirklicht und also
+zugleich etwas _Anderes_, als der Begriff ist. Dieses Andere
+bestimmt sich dadurch als eine Wirklichkeit, die das Entgegengesetzte
+des zu Verwirklichenden, hiemit der _Widerspruch_ des _Gesetzes_ und
+der _Einzelnheit_ ist. Sie ist also einerseits ein Gesetz, von dem
+die einzelne Individualitaet gedrueckt wird, eine gewalttaetige Ordnung
+der Welt, welche dem Gesetze des Herzens widerspricht;--und
+andererseits eine unter ihr leidende Menschheit, welche nicht dem
+Gesetze des Herzens folgt, sondern einer fremden Notwendigkeit
+untertan ist.--Diese Wirklichkeit, die der itzigen Gestalt des
+Bewusstseins _gegenueber_ erscheint, ist, wie erhellt, nichts anders
+als das vorhergehende entzweite Verhaeltnis der Individualitaet und
+ihrer Wahrheit, das Verhaeltnis einer grausamen Notwendigkeit, von
+welcher jene erdrueckt wird. _Fuer uns_ tritt die vorhergehende
+Bewegung darum der neuen Gestalt gegenueber, weil diese an sich aus
+ihr entsprungen, das Moment, woraus sie herkommt, also notwendig fuer
+sie ist; ihr aber erscheint es als ein _Vorgefundenes_, indem sie
+kein Bewusstsein ueber ihren _Ursprung_ hat, und ihr das Wesen ist,
+vielmehr _fuer sich_ selbst oder das negative gegen dies positive
+An-sich zu sein.
+
+Diese dem Gesetze des Herzens widersprechende Notwendigkeit, sowie
+das durch sie vorhandene Leiden, aufzuheben, darauf ist also diese
+Individualitaet gerichtet. Sie ist hiemit nicht mehr der Leichtsinn
+der vorigen Gestalt, die nur die einzelne Lust wollte, sondern die
+Ernsthaftigkeit eines hohen Zwecks, die ihre Lust in der Darstellung
+ihres _vortrefflichen_ eigenen Wesens und in der Hervorbringung des
+_Wohls der Menschheit_ sucht. Was sie verwirklicht, ist selbst das
+Gesetz, und ihre Lust daher zugleich die allgemeine aller Herzen.
+Beides ist ihr _ungetrennt_; ihre Lust das Gesetzmaessige, und die
+Verwirklichung des Gesetzes der allgemeinen Menschheit Bereitung
+ihrer einzelnen Lust. Denn innerhalb ihrer selbst ist _unmittelbar_
+die Individualitaet und das Notwendige eins; das Gesetz Gesetz des
+Herzens. Die Individualitaet ist noch nicht aus ihrer Stelle gerueckt,
+und die Einheit beider nicht durch die vermittelnde Bewegung
+derselben, noch nicht durch die Zucht zustande gekommen. Die
+Verwirklichung des unmittelbaren _ungezogenen_ Wesens gilt fuer
+Darstellung einer Vortrefflichkeit und fuer Hervorbringung des Wohls
+der Menschheit.
+
+Das Gesetz dagegen, welches dem Gesetze des Herzens gegenuebersteht,
+ist vom Herzen getrennt, und frei fuer sich. Die Menschheit, die ihm
+angehoert, lebt nicht in der beglueckenden Einheit des Gesetzes mit dem
+Herzen, sondern entweder in grausamer Trennung und Leiden, oder
+wenigstens in der Entbehrung des Genusses _seiner selbst_ bei der
+_Befolgung_ des Gesetzes, und in dem Mangel des Bewusstseins der
+eignen Vortrefflichkeit bei der _Ueberschreitung_ desselben. Weil
+jene gewalthabende goettliche und menschliche Ordnung von dem Herzen
+getrennt ist, ist sie diesem ein _Schein_, welcher das verlieren soll,
+was ihm noch zugesellt ist, naemlich die Gewalt und die Wirklichkeit.
+Sie mag in ihrem _Inhalte_ wohl zufaelligerweise mit dem Gesetze des
+Herzens uebereinstimmen, und dann kann sich dieses sie gefallen lassen;
+aber nicht das Gesetzmaessige rein als solches ist ihm das Wesen,
+sondern dass es darin das Bewusstsein _seiner selbst_, dass es _sich_
+darin befriedigt habe. Wo der Inhalt der allgemeinen Notwendigkeit
+aber nicht mit dem Herzen uebereinstimmt, ist sie auch ihrem Inhalte
+nach nichts an sich, und muss dem Gesetze des Herzens weichen.
+
+Das Individuum _vollbringt_ also das Gesetz seines Herzens; es wird
+_allgemeine Ordnung_, und die Lust zu einer an und fuer sich
+gesetzmaessigen Wirklichkeit. Aber in dieser Verwirklichung ist es ihm
+in der Tat entflohen; es wird unmittelbar nur das Verhaeltnis, welches
+aufgehoben werden sollte. Das Gesetz des Herzens hoert eben durch
+seine Verwirklichung auf, Gesetz des _Herzens_ zu sein. Denn es
+erhaelt darin die Form des _Seins_, und ist nun _allgemeine Macht_,
+fuer welche _dieses_ Herz gleichgueltig ist, so dass das Individuum
+_seine eigene_ Ordnung dadurch, dass es sie _aufstellt_, nicht mehr
+als die seinige findet. Durch die Verwirklichung seines Gesetzes
+bringt es daher nicht _sein_ Gesetz, sondern indem sie _an sich_ die
+seinige, fuer es aber eine fremde ist, nur dies hervor, in die
+wirkliche Ordnung sich zu verwickeln; und zwar in sie als eine ihm
+nicht nur fremde, sondern feindliche Uebermacht.--Durch seine Tat
+setzt es sich _in_ oder vielmehr _als_ das allgemeine Element der
+seienden Wirklichkeit, und seine Tat soll selbst nach seinem Sinne
+den Wert einer allgemeinen Ordnung haben. Aber damit hat es sich von
+sich selbst _freigelassen_, es waechst als Allgemeinheit fuer sich fort
+und reinigt sich von der Einzelnheit; das Individuum, welches die
+Allgemeinheit nur in der Form seines unmittelbaren Fuer-sich-seins
+erkennen will, erkennt sich also nicht in dieser freien Allgemeinheit,
+waehrend es ihr zugleich angehoert, denn sie ist sein Tun. Dies Tun
+hat daher die verkehrte Bedeutung, der allgemeinen Ordnung zu
+_widersprechen_, denn seine Tat soll Tat _seines_ einzelnen Herzens,
+nicht freie allgemeine Wirklichkeit sein; und zugleich hat es sie in
+der Tat _anerkannt_, denn das Tun hat den Sinn, sein Wesen als _freie
+Wirklichkeit_ zu setzen, das heisst die Wirklichkeit als sein Wesen
+anzuerkennen.
+
+Das Individuum hat durch den Begriff seines Tuns die naehere Weise
+bestimmt, in welcher die wirkliche Allgemeinheit, der es sich
+angehoerig gemacht, sich gegen es kehrt. Seine Tat gehoert als
+_Wirklichkeit_ dem Allgemeinen an; ihr Inhalt aber ist die eigene
+Individualitaet, welche sich als diese _einzelne_ dem Allgemeinen
+entgegengesetzte erhalten will. Es ist nicht irgendein bestimmtes
+Gesetz, von dessen Aufstellung die Rede waere, sondern die
+unmittelbare Einheit des einzelnen Herzens mit der Allgemeinheit ist
+der zum Gesetze erhobene und geltensollende Gedanke, dass in dem, was
+Gesetz ist, _jedes Herz sich_ selbst erkennen muss. Aber nur das Herz
+dieses Individuums hat seine Wirklichkeit in seiner Tat, welche ihm
+sein _Fuer-sich-sein_ oder _seine Lust_ ausdrueckt, gesetzt. Sie soll
+unmittelbar als Allgemeines gelten, das heisst, sie ist in Wahrheit
+etwas Besonderes, und hat nur die Form der Allgemeinheit, sein
+_besonderer_ Inhalt soll _als solcher_ fuer allgemein gelten. Daher
+finden in diesem Inhalte die andern nicht das Gesetz ihres Herzens,
+sondern vielmehr das _eines andern_ vollbracht, und eben nach dem
+allgemeinen Gesetze, dass in dem, was Gesetz ist, jedes sein Herz
+finden soll, kehren sie sich ebenso gegen die Wirklichkeit, welche
+_es_ aufstellte, als es sich gegen die ihrige kehrte. Das Individuum
+findet also, wie zuerst nur das starre Gesetz, itzt die Herzen der
+Menschen selbst seinen vortrefflichen Absichten entgegen und zu
+verabscheuen.
+
+Weil dies Bewusstsein die Allgemeinheit nur erst als _unmittelbare_,
+und die Notwendigkeit als Notwendigkeit des _Herzens_ kennt, ist ihm
+die Natur der Verwirklichung und der Wirksamkeit unbekannt, dass sie
+als das _Seiende_ in ihrer Wahrheit vielmehr das _an sich Allgemeine_
+ist, worin die Einzelnheit des Bewusstseins, die sich ihr anvertraut,
+um als _diese_ unmittelbare _Einzelnheit_ zu _sein_, vielmehr
+untergeht; statt dieses _seines Seins_ erlangt es also in dem Sein
+die Entfremdung _seiner selbst_. Dasjenige, worin es sich nicht
+erkennt, ist aber nicht mehr die tote Notwendigkeit, sondern die
+Notwendigkeit als belebt durch die allgemeine Individualitaet. Es
+nahm diese goettliche und menschliche Ordnung, die es geltend vorfand,
+fuer eine tote Wirklichkeit, worin, wie es selbst, das sich als dieses
+fuer sich seiende dem Allgemeinen entgegengesetzte Herz fixiert, so
+die ihr angehoeren, das Bewusstsein ihrer selbst nicht haetten; es
+findet sie aber vielmehr von dem Bewusstsein aller belebt, und als
+Gesetz aller Herzen. Es macht die Erfahrung, dass die Wirklichkeit
+belebte Ordnung ist, zugleich in der Tat eben dadurch, dass es das
+Gesetz seines Herzens verwirklicht; denn dies heisst nichts anders,
+als dass die Individualitaet sich als Allgemeines zum Gegenstande wird,
+worin es sich aber nicht erkennt.
+
+Was also dieser Gestalt des Selbstbewusstseins aus ihrer Erfahrung als
+das Wahre hervorgeht, _widerspricht_ dem, was sie _fuer sich_ ist.
+Was sie aber fuer sich ist, hat selbst die Form absoluter
+Allgemeinheit fuer sie, und es ist das Gesetz des Herzens, welches mit
+dem _Selbst_bewusstsein unmittelbar eins ist. Zugleich ist die
+bestehende und lebendige Ordnung ebenso sein _eigenes Wesen_ und Werk,
+es bringt nichts anders hervor als sie; sie ist in gleich
+unmittelbarer Einheit mit dem Selbstbewusstsein. Dieses ist auf diese
+Weise, einer gedoppelten entgegengesetzten Wesenheit angehoerend, an
+sich selbst widersprechend, und im Innersten zerruettet. Das Gesetz
+_dieses_ Herzens ist nur dasjenige, worin das Selbstbewusstsein sich
+selbst erkennt; aber die allgemeine gueltige Ordnung ist durch die
+Verwirklichung jenes Gesetzes, ebenso ihm sein eigenes _Wesen_ und
+seine eigene _Wirklichkeit_ geworden; was in seinem Bewusstsein sich
+also widerspricht, ist beides in der Form des Wesens und seiner
+eignen Wirklichkeit fuer es.
+
+Indem es dies Moment seines sich bewussten Untergangs und darin das
+Resultat seiner Erfahrung ausspricht, zeigt es sich als diese innere
+Verkehrung seiner Selbst, als die Verruecktheit des Bewusstseins,
+welchem sein Wesen unmittelbar Unwesen, seine Wirklichkeit
+unmittelbar Unwirklichkeit ist.--Die Verruecktheit kann nicht dafuer
+gehalten werden, dass ueberhaupt etwas Wesenloses fuer wesentlich, etwas
+Nichtwirkliches fuer wirklich gehalten werde, so dass das, was fuer den
+einen wesentlich oder wirklich ist, es fuer einen andern nicht waere,
+und das Bewusstsein der Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit oder der
+Wesenheit und Unwesenheit auseinander fielen.--Wenn etwas in der Tat
+fuer das Bewusstsein ueberhaupt wirklich und wesentlich, fuer mich aber
+nicht ist, so habe ich in dem Bewusstsein seiner Nichtigkeit, zugleich
+da ich Bewusstsein ueberhaupt bin, das Bewusstsein seiner Wirklichkeit,
+--und indem sie beide fixiert sind, so ist dies eine Einheit, welche
+der Wahnsinn im Allgemeinen ist. In diesem ist aber nur ein
+_Gegenstand_ fuer das Bewusstsein verrueckt; nicht das Bewusstsein als
+solches in und fuer sich selbst. In dem Resultate des Erfahrens, das
+sich hier ergeben hat, ist aber das Bewusstsein in seinem Gesetze sich
+_seiner selbst_ als dieses Wirklichen bewusst; und zugleich, indem ihm
+ebendieselbe Wesenheit, dieselbe Wirklichkeit _entfremdet_ ist, ist
+es als Selbstbewusstsein, als absolute Wirklichkeit sich seiner
+Unwirklichkeit bewusst, oder die beiden Seiten gelten ihm nach ihrem
+Widerspruche unmittelbar als _sein Wesen,_ das also im Innersten
+verrueckt ist.
+
+Das Herzklopfen fuer das Wohl der Menschheit geht darum in das Toben
+des verrueckten Eigenduenkels ueber; in die Wut des Bewusstseins, gegen
+seine Zerstoerung sich zu erhalten, und dies dadurch, dass es die
+Verkehrtheit, welche es selbst ist, aus sich herauswirft, und sie als
+ein Anderes anzusehen und auszusprechen sich anstrengt. Es spricht
+also die allgemeine Ordnung aus, als eine von fanatischen Priestern,
+schwelgenden Despoten und fuer ihre Erniedrigung hinabwaerts durch
+Erniedrigen und Unterdruecken sich entschaedigenden Dienern derselben
+erfundne und zum namenlosen Elende der betrognen Menschheit
+gehandhabte Verkehrung des Gesetzes des Herzens und seines Glueckes.
+--Das Bewusstsein spricht in dieser seiner Verruecktheit die
+_Individualitaet_ als das Verrueckende und Verkehrte aus, aber eine
+_fremde_ und _zufaellige_. Aber das Herz, oder die _unmittelbar
+allgemeinseinwollende Einzelnheit des Bewusstseins_ ist dies
+Verrueckende und Verkehrte selbst, und sein Tun nur die Hervorbringung
+dessen, dass dieser Widerspruch _seinem_ Bewusstsein wird. Denn das
+Wahre ist ihm das Gesetz des Herzens--ein bloss _gemeintes_, das nicht,
+wie die bestehende Ordnung, den Tag ausgehalten hat, sondern
+vielmehr, wie es sich diesem zeigt, zugrunde geht. Dies sein Gesetz
+sollte _Wirklichkeit_ haben; hierin ist ihm das Gesetz als
+_Wirklichkeit_, als _geltende Ordnung_ Zweck und Wesen, aber
+unmittelbar ist ihm ebenso die _Wirklichkeit_, eben das Gesetz als
+_geltende Ordnung_, vielmehr das Nichtige.--Ebenso seine _eigne_
+Wirklichkeit, _es selbst_ als Einzelnheit des Bewusstseins ist sich
+das Wesen; aber es ist ihm Zweck, sie _seiend_ zu setzen; es ist ihm
+also unmittelbar vielmehr sein Selbst als Nichteinzelnes das Wesen,
+oder Zweck als Gesetz, eben darin als eine Allgemeinheit, welche es
+fuer sein Bewusstsein selbst sei.--Dieser sein Begriff wird durch sein
+Tun zu seinem Gegenstande; sein Selbst erfaehrt es also vielmehr als
+das Unwirkliche, und die Unwirklichkeit als seine Wirklichkeit. Es
+ist also nicht eine zufaellige und fremde Individualitaet, sondern eben
+dieses Herz nach allen Seiten in sich das Verkehrte und Verkehrende.
+
+Indem aber die unmittelbar allgemeine Individualitaet das Verkehrte
+und Verkehrende ist, ist nicht weniger diese allgemeine Ordnung, da
+sie das Gesetz aller _Herzen_, das heisst, des Verkehrten ist, selbst
+an sich das Verkehrte, wie die tobende Verruecktheit es aussprach.
+Einmal erweist sie sich in dem Widerstande, welchen das Gesetz eines
+Herzens an den andern Einzelnen findet, _Gesetz_ aller Herzen zu sein.
+Die bestehenden Gesetze werden gegen das Gesetz eines Individuums
+verteidigt, weil sie nicht bewusstlose, leere und tote Notwendigkeit,
+sondern geistige Allgemeinheit und Substanz sind, worin diejenigen,
+an denen sie ihre Wirklichkeit hat, als Individuen leben, und ihrer
+selbst bewusst sind; so dass, wenn sie auch ueber diese Ordnung, als ob
+sie dem innern Gesetze zuwiderlaufe, klagen und die Meinungen des
+Herzens gegen sie halten, in der Tat mit ihrem Herzen an ihr als
+ihrem Wesen haengen; und wenn diese Ordnung ihnen genommen wird, oder
+sie selbst sich daraussetzen, sie alles verlieren. Indem hierin eben
+die Wirklichkeit und Macht der oeffentlichen Ordnung besteht,
+erscheint also diese als das sich selbst gleiche allgemein belebte
+Wesen, und die Individualitaet als die Form derselben.--Aber diese
+Ordnung ist ebenso das Verkehrte.
+
+Denn darin, dass sie das Gesetz aller Herzen ist, dass alle Individuen
+unmittelbar dieses Allgemeine sind, ist sie eine Wirklichkeit, welche
+nur die Wirklichkeit der _fuer sich seienden_ Individualitaet, oder des
+Herzens ist. Das Bewusstsein, welches das Gesetz seines Herzens
+aufstellt, erfaehrt also Widerstand von andern, weil es den _ebenso
+einzelnen_ Gesetzen ihres Herzens widerspricht, und diese tun in
+ihrem Widerstande nichts anders als ihr Gesetz aufstellen und geltend
+machen. Das _Allgemeine_, das vorhanden ist, ist daher nur ein
+allgemeiner Widerstand und Bekaempfung aller gegeneinander, worin
+jeder seine eigene Einzelnheit geltend macht, aber zugleich nicht
+dazu kommt, weil sie denselben Widerstand erfaehrt, und durch die
+andern gegenseitig aufgeloest wird. Was oeffentliche _Ordnung_ scheint,
+ist also diese allgemeine Befehdung, worin jeder an sich reisst, was
+er kann, die Gerechtigkeit an der Einzelnheit der Andern ausuebt und
+die seinige festsetzt, die ebenso durch andere verschwindet. Sie ist
+der _Weltlauf_, der Schein eines bleibenden Ganges, der nur eine
+_gemeinte Allgemeinheit_, und dessen Inhalt vielmehr das wesenlose
+Spiel der Festsetzung der Einzelnheiten und ihrer Aufloesung ist.
+
+Betrachten wir beide Seiten der allgemeinen Ordnung gegeneinander, so
+hat die letztere Allgemeinheit zu ihrem Inhalte die unruhige
+Individualitaet, fuer welche die Meinung oder die Einzelnheit Gesetz,
+das Wirkliche unwirklich und das Unwirkliche das Wirkliche ist. Sie
+ist aber zugleich die _Seite der Wirklichkeit_ der Ordnung, denn ihr
+gehoert das _Fuer-sich-sein_ der Individualitaet an.--Die andere Seite
+ist das _Allgemeine_ als _ruhiges_ Wesen, aber eben darum nur als ein
+_Inneres_, das nicht gar nicht, aber doch keine Wirklichkeit ist, und
+nur durch Aufhebung der Individualitaet, welche sich die Wirklichkeit
+angemasst hat, selbst wirklich werden kann. Diese Gestalt des
+Bewusstseins, sich in dem Gesetze, in dem _an sich_ Wahren und Guten
+nicht als die Einzelnheit, sondern nur als _Wesen_ zu werden, die
+Individualitaet aber als das Verkehrte und Verkehrende zu wissen, und
+daher die Einzelnheit des Bewusstseins aufopfern zu muessen, ist die
+_Tugend_.
+
+
+c. Die Tugend und der Weltlauf
+
+In der ersten Gestalt der taetigen Vernunft war das Selbstbewusstsein
+sich reine Individualitaet, und ihr gegenueber stand die leere
+Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des
+Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualitaet, an
+ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der
+andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhaeltnisse der Tugend und
+des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser
+Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualitaet
+gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewusstsein der Tugend
+ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualitaet das
+Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewusstsein selbst als an dem
+Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualitaet in die Zucht unter
+das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber
+darin noch persoenliches Bewusstsein; die wahre Zucht ist allein die
+Aufopfrung der ganzen Persoenlichkeit, als die Bewaehrung, dass es in
+der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser
+einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualitaet an _dem
+Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden
+gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhaelt sich die Individualitaet
+auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewusstsein gesetzt
+ist, naemlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute
+und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso fuer
+die Tugend nicht nur dies durch die _Individualitaet verkehrte_
+Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls
+gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende
+Wirklichkeit_ fuer das Bewusstsein vorhanden, sondern das _innere
+Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend
+eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_,
+Bewusstsein der Individualitaet, und diese vielmehr aufzuheben; durch
+dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur
+Raum gemacht, an und fuer sich selbst in die Existenz zu treten.
+
+Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon
+ergeben; naeher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden
+vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewusstseins. Aus ihnen ist die
+Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat
+sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben,
+und sich zu realisieren, oder _fuer sich_ zu werden. Der Weltlauf ist
+also einerseits die einzelne Individualitaet, welche ihre Lust und
+Genuss sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das
+Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die
+uebrigen Momente dieses Verhaeltnisses ist eine verkehrte Gestalt und
+Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit
+der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt;
+eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur
+negative Rueckwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des
+Weltlaufs ist die Individualitaet, welche an und fuer sich Gesetz sein
+will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stoert; das
+allgemeine Gesetz erhaelt sich zwar gegen diesen Eigenduenkel, und
+tritt nicht mehr als ein dem Bewusstsein Entgegengesetztes und Leeres,
+nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in
+dem Bewusstsein selbst_. Aber wie es als die _bewusste_ Beziehung der
+absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die
+Verruecktheit; wie es aber als _gegenstaendliche_ Wirklichkeit ist, ist
+es die Verkehrtheit ueberhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl
+in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die
+_Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung.
+
+Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten,
+durch das Aufheben der Individualitaet, des Prinzips der Verkehrung;
+ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren
+und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem
+Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich;
+und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum
+Schauen zu erheben, ohne aber der Fruechte ihrer Arbeit und
+Aufopferung zu geniessen. Denn insofern sie _Individualitaet_ ist, ist
+sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr
+Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des
+Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das
+Aufhoeren ihres _Tuns_, oder des _Bewusstseins_ der Individualitaet.
+--Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm
+erfaehrt, ob durch die Aufopferung, welche sie ueber sich nimmt, der
+Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muss sich aus der
+Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kaempfer fuehren.
+Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kaempfer
+selbst, das nur fuer sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen
+haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe
+vorhanden ist.
+
+Das _Allgemeine_ ist fuer das tugendhafte Bewusstsein im _Glauben_ oder
+_an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine
+_abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewusstsein selbst ist es _als
+Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung
+stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend fuer den Weltlauf dar;
+denn sie _will_ das Gute erst ausfuehren, und gibt selbst es noch
+nicht fuer Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so
+betrachtet werden, dass das Gute, indem es in dem Kampf gegen den
+Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _fuer ein Anderes_;
+als etwas, das nicht _an und fuer sich selbst_ ist, denn sonst wuerde
+es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit
+geben wollen. Es ist nur erst _fuer ein Anderes_, heisst dasselbe, was
+vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte,
+naemlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem
+Verhaeltnisse, nicht an und fuer sich, Realitaet hat.
+
+Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige,
+was die _Gaben, Faehigkeiten, Kraefte_ genannt wird. Es ist eine Weise
+des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird,
+das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualitaet
+bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip,
+insofern es am Bewusstsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut
+angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _missbraucht_;
+--ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualitaet
+regiert, gleichgueltig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch
+zur Hervorbringung einer Wirklichkeit missbraucht werden kann, die
+seine Zerstoerung ist; eine leblose, eigner Selbststaendigkeit
+entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem
+Verderben geformt werden kann.
+
+Indem dies Allgemeine dem Bewusstsein der Tugend, wie dem Weltlaufe
+auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so
+ausgeruestet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind
+dieselben; sie sind diese Faehigkeiten und Kraefte. Zwar hat die
+Tugend ihren Glauben an die urspruengliche Einheit ihres Zweckes und
+des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde
+waehrend des Kampfes in den Ruecken fallen, und _an sich_ ihn
+vollbringen soll; so dass hiedurch in der Tat fuer den Ritter der
+Tugend sein eignes _Tun_ und Kaempfen eigentlich eine Spiegelfechterei
+ist, die er nicht fuer Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte
+Staerke darein setzt, dass das Gute _an und fuer sich selbst_ sei, d.h.
+sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum
+Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind
+kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und
+Beschaedigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt,
+soll nicht das Gute selbst sein; denn fuer dessen Bewahrung und
+Ausfuehrung kaempft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die
+gleichgueltigen Gaben und Faehigkeiten. Allein diese sind in der Tat
+nichts anderes als eben dasjenige individualitaetslose Allgemeine
+selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll.
+--Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst
+unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das
+_Allgemeine_; und seine Verwirklichung heisst nur dieses, dass es
+_zugleich fuer ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten,
+nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr
+getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide
+Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewusstsein tritt aber in den
+Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes;
+was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als
+abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualitaet
+belebtes und fuer ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo
+also die Tugend den Weltlauf anfasst, trifft sie immer auf solche
+Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle
+Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs,
+unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben
+auch sein Dasein hat; er ist also fuer sie unverwundbar. Ebensolche
+Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhaeltnisse, sind
+alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und
+aufgeopfert werden sollten. Das Kaempfen kann daher nur ein Schwanken
+zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder
+Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die
+Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein
+darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat
+auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur
+kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muss auch die des
+Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schuetzen, denn
+alle sind edle Teile des Guten, fuer welches sie in den Kampf ging.
+
+Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die
+_Individualitaet_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip,
+welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den
+Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist
+ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiss als durch den Widerspruch,
+in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_
+ist, ist dem Weltlaufe nur fuer _ihn_; er ist frei von jedem Momente,
+das fuer sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches
+Moment dadurch, dass es fuer ihn nur als ein solches gilt, das er
+ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und
+damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann
+sich davon nicht als von einem aeusserlich umgeworfenen Mantel
+loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn
+es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen.
+
+Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_
+dem Weltlaufe listigerweise in den Ruecken fallen soll, so ist diese
+Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst
+gewisse Bewusstsein, das nicht von hinten an sich kommen laesst, sondern
+allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, dass alles _fuer
+ihn_ ist, dass alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es
+_fuer_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben;
+insofern es aber nicht _fuer ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das
+passive Werkzeug der Gaben und Faehigkeiten, die wirklichkeitslose
+Materie; als Dasein vorgestellt, waere es ein schlafendes und dahinten,
+man weiss nicht wo, bleibendes Bewusstsein.
+
+Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte,
+unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung
+der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in
+den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung
+der Individualitaet_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die
+Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der
+_Individualitaet_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und
+dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach
+seiner Realitaet und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_.
+Das _An-sich_ ist zunaechst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die
+Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht
+wahrhaft, sondern nur _fuer das Bewusstsein_ ist; das heisst aber, es
+ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche
+ist, was wesentlich _fuer ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_.
+Das Bewusstsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des
+_An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf
+sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualitaet_ zu
+seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_;
+denn eben sie ist das Bewusstsein, wodurch das _Ansichseiende_
+ebensosehr _fuer ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber
+er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein
+der Realitaet_.
+
+Der Weltlauf siegt also ueber das, was die Tugend im Gegensatze gegen
+ihn ausmacht; er siegt ueber sie, der die wesenlose Abstraktion das
+Wesen ist. Er siegt aber nicht ueber etwas Reales, sondern ueber das
+Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, ueber diese
+pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrueckung
+derselben, von der Aufopferung fuers Gute und dem Missbrauche der Gaben;
+--solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen,
+welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber
+nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt
+aussprechen, dass das Individuum, welches fuer solche edle Zwecke zu
+handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten fuehrt, sich fuer
+ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und
+andern den Kopf gross macht, aber gross von einer leeren
+Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere
+Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre
+_inhaltsvolle Grundlage_, und ein _wirkliches schon existierendes_
+Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die
+Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen
+_Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz
+heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und
+der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem
+Weltlaufe kaempfenden Rednerei wuerde sich sogleich aufdecken, wenn
+gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden
+daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu
+sagen, wuerde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten
+erfuellt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches
+_innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heisst, die Unvermoegenheit,
+_es in der Tat_ zu sagen, wuerde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener
+Rednerei scheint auch auf eine bewusstlose Art fuer die Bildung unsers
+Zeitalters Gewissheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse
+jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles
+Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrueckt,
+dass sie nur Langeweile machen.
+
+Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht
+darin, dass das Bewusstsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten,
+das noch keine Wirklichkeit haette, als einen leeren Mantel fahren
+laesst. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, dass der
+Weltlauf so uebel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit
+ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es faellt mit dieser Erfahrung
+das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualitaet das Gute
+hervorzubringen, hinweg; denn die Individualitaet ist gerade die
+_Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hoert auf, als
+eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr
+eben die Verkehrung desselben als eines blossen Zwecks in die
+Wirklichkeit; die Bewegung der Individualitaet ist die Realitaet des
+Allgemeinen.
+
+In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und
+verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewusstsein des Ansichseienden
+gegenueberstand. Das _Fuer-sich-sein_ der Individualitaet war daran dem
+Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem
+_An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat,
+dass die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist,
+so erweist sich das _Fuer-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das
+_An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein.
+Die Individualitaet des Weltlaufs mag wohl nur _fuer sich_ oder
+_eigennuetzig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr
+Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie
+eigennuetzig handelt, so weiss sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie
+versichert, alle Menschen handeln eigennuetzig, so behauptet sie nur,
+alle Menschen haben kein Bewusstsein darueber, was das Tun ist.--Wenn
+sie _fuer sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur
+erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des
+_Fuer-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt
+meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklaerungen, die
+den Eigennutz ueberall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden
+als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei.
+
+Es ist also _das Tun und Treiben der Individualitaet Zweck an sich
+selbst; der Gebrauch der Kraefte, das Spiel ihrer Aeusserungen ist es_,
+was ihnen, die sonst das tote An-sich waeren, Leben gibt, das An-sich
+nicht ein unausgefuehrtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines,
+sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit
+des Prozesses der Individualitaet.
+
+
+C. Die Individualitaet, welche sich an und fuer sich selbst reell ist
+
+Das Selbstbewusstsein hat itzt den Begriff von sich erfasst, der erst
+nur der unsrige von ihm war, naemlich in der Gewissheit seiner selbst
+alle Realitaet zu sein, und Zweck und Wesen ist ihm nunmehr die sich
+bewegende Durchdringung des Allgemeinen--der Gaben und
+Faehigkeiten--und der Individualitaet.--Die einzelnen Momente dieser
+Erfuellung und Durchdringung _vor der Einheit_, in welche sie
+zusammengegangen, sind die bisher betrachteten Zwecke. Sie sind als
+Abstraktionen und Chimaeren verschwunden, die jenen ersten schalen
+Gestalten des geistigen Selbstbewusstseins angehoeren, und ihre
+Wahrheit nur in dem gemeinten Sein des Herzens, der Einbildung und
+der Reden haben, nicht in der Vernunft, die itzt an und fuer sich
+ihrer Realitaet gewiss, sich nicht mehr als Zweck im _Gegensatze_ gegen
+die unmittelbarseiende Wirklichkeit erst hervorzubringen sucht,
+sondern zum Gegenstande ihres Bewusstseins die Kategorie als solche
+hat.--Es ist naemlich die Bestimmung _des fuer sich seienden_ oder
+_negativen_ Selbstbewusstseins, in welcher die Vernunft auftrat,
+aufgehoben; _es fand_ eine _Wirklichkeit_ vor, die das Negative
+seiner waere, und durch deren Aufheben es erst sich seinen _Zweck_
+verwirklichte. Indem aber _Zweck_ und _An-sich-sein_ als dasselbe
+sich ergeben hat, was das _Sein_ fuer _Anderes_ und die _vorgefundene
+Wirklichkeit_ ist, trennt sich die Wahrheit nicht mehr von der
+Gewissheit; es werde nun der gesetzte Zweck fuer die Gewissheit seiner
+selbst, und die Verwirklichung desselben fuer die Wahrheit, oder aber
+der Zweck fuer die Wahrheit, und die Wirklichkeit fuer die Gewissheit
+genommen; sondern das Wesen und der Zweck an und fuer sich selbst ist
+die Gewissheit der unmittelbaren Realitaet selbst, die Durchdringung
+des _An-sich-_ und _Fuer-sich-seins_, des Allgemeinen und der
+Individualitaet; das Tun ist an ihm selbst seine Wahrheit und
+Wirklichkeit, und die _Darstellung_ oder das _Aussprechen der
+Individualitaet_ ist ihm Zweck an und fuer sich selbst.
+
+Mit diesem Begriffe ist also das Selbstbewusstsein aus den
+entgegengesetzten Bestimmungen, welche die Kategorie fuer es und sein
+Verhalten zu ihr als beobachtendes und dann als taetiges hatte, in
+sich zurueckgegangen. Es hat die reine Kategorie selbst zu seinem
+Gegenstande, oder es ist die Kategorie, welche ihrer selbst bewusst
+geworden. Die Rechnung ist dadurch mit seinen vorherigen Gestalten
+abgeschlossen; sie liegen hinter ihm in Vergessenheit, treten nicht
+als seine vorgefundne Welt gegenueber, sondern entwickeln sich nur
+innerhalb seiner selbst als durchsichtige Momente. Doch treten sie
+noch in seinem Bewusstsein als eine _Bewegung_ unterschiedner Momente
+auseinander, die sich noch nicht in ihre substantielle Einheit
+zusammengefasst hat. Aber in _allen_ haelt es die einfache Einheit des
+Seins und des Selbsts fest, die ihre _Gattung_ ist.-Das Bewusstsein
+hat hiemit allen Gegensatz und alle Bedingung seines Tuns abgeworfen;
+es geht frisch _von sich_ aus, und nicht auf _ein Anderes_, sondern
+_auf sich selbst_. Indem die Individualitaet die Wirklichkeit an ihr
+selbst ist, ist der _Stoff_ des Wirkens und der _Zweck_ des Tuns an
+dem Tun selbst. Das Tun hat daher das Ansehen der Bewegung eines
+Kreises, welcher frei im Leeren sich in sich selbst bewegt,
+ungehindert bald sich erweitert, bald verengert, und vollkommen
+zufrieden nur in und mit sich selbst spielt. Das Element, worin die
+Individualitaet ihre Gestalt darstellt, hat die Bedeutung eines reinen
+Aufnehmens dieser Gestalt; es ist der Tag ueberhaupt, dem das
+Bewusstsein sich zeigen will. Das Tun veraendert nichts, und geht
+gegen nichts; es ist die reine Form des Uebersetzens aus dem
+_Nichtgesehenwerden_ in das _Gesehenwerden_, und der Inhalt, der
+zutage ausgebracht wird, und sich darstellt, nichts anderes, als was
+dieses Tun schon an sich ist. Es ist _an sich_--dies ist seine Form
+als _gedachter_ Einheit; und es ist _wirklich_--dies ist seine Form
+als _seiender_ Einheit; es selbst ist _Inhalt_ nur in dieser
+Bestimmung der Einfachheit gegen die Bestimmung seines Uebergehens und
+seiner Bewegung.
+
+
+a. Das geistige Tierreich und der Betrug,oder die Sache selbst
+
+Diese an sich reale Individualitaet ist zuerst wieder eine _einzelne_
+und _bestimmte_; die absolute Realitaet, als welche sie sich weiss, ist
+daher, wie sie derselben sich bewusst wird, die _abstrakte allgemeine_,
+welche ohne Erfuellung und Inhalt, nur der leere Gedanke dieser
+Kategorie ist.--Es ist zu sehen, wie dieser Begriff der an sich
+selbst realen Individualitaet in seinen Momenten sich bestimmt, und
+wie ihr ihr Begriff von ihr selbst in das Bewusstsein tritt.
+
+Der Begriff dieser Individualitaet, wie sie als solche fuer sich selbst
+alle Realitaet ist, ist zunaechst _Resultat_; sie hat ihre Bewegung und
+Realitaet noch nicht dargestellt, und ist hier _unmittelbar_ als
+_einfaches An-sich-sein_ gesetzt. Die Negativitaet aber, welche
+dasselbe ist, was als Bewegung erscheint, ist an dem _einfachen
+An-sich_ als _Bestimmtheit_; und das _Sein_ oder das einfache An-sich
+wird ein bestimmter Umfang. Die Individualitaet tritt daher als
+urspruengliche bestimmte Natur auf--als _urspruengliche_ Natur, denn
+sie _ist an sich_; als urspruenglich _bestimmte_, denn das Negative
+ist am _An-sich_, und dieses ist dadurch eine Qualitaet. Diese
+Beschraenkung des Seins jedoch kann _das Tun_ des Bewusstseins _nicht
+beschraenken_, denn dieses ist hier ein vollendetes
+_Sich-auf-sich-selbst_-beziehen; die Beziehung auf Anderes ist
+aufgehoben, welche die Beschraenkung desselben waere. Die
+urspruengliche Bestimmtheit der Natur ist daher nur einfaches
+Prinzip--ein durchsichtiges allgemeines Element, worin die
+Individualitaet ebenso frei und sich selbst gleich bleibt, als sie
+darin ungehindert ihre Unterschiede entfaltet, und reine
+Wechselwirkung mit sich in ihrer Verwirklichung ist. Wie das
+unbestimmte Tierleben etwa dem Elemente des Wassers, der Luft oder
+der Erde, und innerhalb dieser wieder bestimmtern Prinzipien seinen
+Odem einblaest, alle seine Momente in sie eintaucht, aber sie jener
+Beschraenkung des Elements ungeachtet in seiner Macht und sich in
+seinem Eins erhaelt, und als diese besondere Organisation dasselbe
+allgemeine Tierleben bleibt.
+
+Diese bestimmte urspruengliche _Natur_ des in ihr frei und ganz
+bleibenden Bewusstseins erscheint als der unmittelbare und einzige
+eigentliche _Inhalt_ dessen, was dem Individuum Zweck ist; er ist
+zwar _bestimmter_ Inhalt, aber er ist ueberhaupt _Inhalt_ nur,
+insofern wir das _An-sich_-sein isoliert betrachten; in Wahrheit aber
+ist er die von der Individualitaet durchdrungene Realitaet; die
+Wirklichkeit, wie sie das Bewusstsein als einzelnes an ihm selbst hat,
+und zunaechst _als seiend_, noch nicht als tuend gesetzt ist. Fuer das
+Tun aber ist einesteils jene Bestimmtheit darum nicht Beschraenkung,
+ueber welche es hinauswollte, weil sie als seiende Qualitaet betrachtet
+die einfache Farbe des Elements ist, worin es sich bewegt;
+andernteils aber ist die Negativitaet _Bestimmtheit_ nur am Sein; aber
+das _Tun_ ist selbst nichts anderes als die Negativitaet; an der
+tuenden Individualitaet ist also die Bestimmtheit aufgeloest in
+Negativitaet ueberhaupt, oder den Inbegriff aller Bestimmtheit.
+
+Die einfache urspruengliche Natur nun tritt in dem _Tun_ und dem
+Bewusstsein des Tuns in den Unterschied, welcher diesem zukommt. Es
+ist _zuerst_ als Gegenstand, und zwar als _Gegenstand_, wie er noch
+dem _Bewusstsein_ angehoert, als _Zweck_ vorhanden, und somit
+entgegengesetzt einer vorhandenen Wirklichkeit. Das _andere_ Moment
+ist die _Bewegung_ des als ruhend vorgestellten Zwecks, die
+Verwirklichung als die Beziehung des Zwecks auf die ganz formelle
+Wirklichkeit, hiemit die Vorstellung des _Ueberganges_ selbst, oder
+das _Mittel_. Das _dritte_ ist endlich der Gegenstand, wie er nicht
+mehr Zweck, dessen das Tuende unmittelbar als des _seinigen sich_
+bewusst ist, sondern wie er aus ihm heraus und _fuer es_ als ein
+_Anderes_ ist.--Diese verschiedenen Seiten sind nun aber nach dem
+Begriffe dieser Sphaere so festzuhalten, dass der Inhalt in ihnen
+derselbe bleibt, und kein Unterschied hereinkommt, weder der
+Individualitaet und des Seins ueberhaupt, noch des _Zwecks_ gegen die
+_Individualitaet_ als _urspruengliche Natur_, noch gegen die vorhandne
+Wirklichkeit, ebenso nicht des _Mittels_ gegen sie als absoluten
+_Zweck_, noch der _bewirkten Wirklichkeit_ gegen den Zweck oder die
+urspruengliche Natur oder das Mittel.
+
+Vors erste also ist die urspruenglich bestimmte Natur der
+Individualitaet, ihr unmittelbares Wesen noch nicht als tuend gesetzt,
+und heisst so _besondere_ Faehigkeit, Talent, Charakter u.s.f. Diese
+eigentuemliche Tinktur des Geistes ist als der einzige Inhalt des
+Zwecks selbst, und ganz allein als die Realitaet zu betrachten.
+Stellte man sich das Bewusstsein vor als darueber hinausgehend und
+einen andern Inhalt zur Wirklichkeit bringen wollend, so stellte man
+es sich vor als _ein Nichts_ in _das Nichts_ hinarbeitend.--Dies
+urspruengliche Wesen ist ferner nicht nur Inhalt des Zwecks, sondern
+an sich auch die _Wirklichkeit_, welche sonst als _gegebener_ Stoff
+des Tuns, als _vorgefundene_ und im Tun zu bildende Wirklichkeit
+erscheint. Das Tun ist naemlich nur reines Uebersetzen aus der Form
+des noch nicht dargestellten in die des dargestellten Seins; das
+An-sich-sein jener dem Bewusstsein entgegengesetzten Wirklichkeit ist
+zum blossen leeren Scheine herabgesunken. Dies Bewusstsein, indem es
+sich zum Handeln bestimmt, laesst sich also durch den Schein der
+vorhandenen Wirklichkeit nicht irre machen, und ebenso hat es sich
+aus dem Herumtreiben in leeren Gedanken und Zwecken auf den
+urspruenglichen Inhalt seines Wesens zusammenzuhalten.--Dieser
+urspruengliche Inhalt ist zwar erst _fuer_ das Bewusstsein, _indem es
+ihn verwirklicht hat_; der Unterschied aber eines solchen, das _fuer
+das_ Bewusstsein nur _innerhalb seiner_, und einer ausser ihm an sich
+seienden Wirklichkeit ist hinweggefallen.--Nur dass _fuer es_ sei, was
+es _an sich_ ist, muss es handeln, oder das Handeln ist eben das
+Werden des Geistes _als Bewusstsein_. Was es _an sich_ ist, weiss es
+also aus seiner Wirklichkeit. Das Individuum kann daher nicht wissen,
+was _es ist_, eh es sich durch das Tun zur Wirklichkeit gebracht hat.
+--Es scheint aber hiemit den _Zweck_ seines Tuns nicht bestimmen zu
+koennen, eh es getan hat; aber zugleich muss es, indem es Bewusstsein
+ist, die Handlung vorher als die _ganz seinige_, das heisst als
+_Zweck_ vor sich haben. Das ans Handeln gehende Individuum scheint
+sich also in einem Kreise zu befinden, worin jedes Moment das andere
+schon voraussetzt, und hiemit keinen Anfang finden zu koennen, weil es
+sein urspruengliches Wesen, das sein Zweck sein muss, _erst aus der
+Tat_ kennenlernt, aber um zu tun, _vorher den Zweck_ haben muss.
+Ebendarum aber hat es _unmittelbar_ anzufangen und, unter welchen
+Umstaenden es sei, ohne weiteres Bedenken um _Anfang, Mittel_ und
+_Ende_ zur Taetigkeit zu schreiten; denn sein Wesen und
+_ansich_seiende Natur ist alles in einem, Anfang, Mittel und Ende.
+Als _Anfang_ ist sie in den _Umstaenden_ des Handelns vorhanden, und
+das _Interesse_, welches das Individuum an etwas findet, ist die
+schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist.
+Denn was eine vorgefundene Wirklichkeit zu sein scheint, ist an sich
+seine urspruengliche Natur, welche nur den Schein eines _Seins_
+hat--einen Schein, der in dem Begriffe des sich entzweienden Tuns
+liegt--, aber als _seine_ urspruengliche Natur sich in dem _Interesse,
+_ das es an ihr findet, ausspricht.--Ebenso ist das _Wie_ oder die
+_Mittel_ an und fuer sich bestimmt. Das _Talent_ ist gleichfalls
+nichts anders als die bestimmte urspruengliche Individualitaet,
+betrachtet als _inneres Mittel_, oder _Uebergang_ des Zwecks zur
+Wirklichkeit. Das _wirkliche_ Mittel aber und der reale Uebergang ist
+die Einheit des Talents, und der im Interesse vorhandenen Natur der
+Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite
+des Inhalts vor, beide sind die Individualitaet selbst, als
+Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind
+vorgefundene _Umstaende_, die _an sich_ die urspruengliche Natur des
+Individuums sind; als denn das Interesse, welches sie eben als das
+_seinige_ oder als _Zweck_ setzt; endlich die Verknuepfung und
+Aufhebung dieses Gegensatzes im _Mittel_. Diese Verknuepfung faellt
+selbst noch innerhalb des Bewusstseins, und das soeben betrachtete
+Ganze ist die eine Seite eines Gegensatzes. Dieser noch uebrige
+Schein von Entgegensetzung wird durch den _Uebergang_ selbst oder das
+_Mittel_ aufgehoben,--denn es ist _Einheit_ des Aeussern und Innern,
+das Gegenteil der Bestimmtheit, welche es als _innres_ Mittel hat, es
+hebt sie also auf und setzt sich, diese Einheit des Tuns und des
+Seins ebenso als _Aeusseres_, als die wirklich gewordene Individualitaet
+selbst; d.i. die _fuer sie selbst_ als das _Seiende_ gesetzt ist. Die
+ganze Handlung tritt auf diese Weise weder als die _Umstaende_ noch
+als _Zweck_ noch _Mittel_ noch als _Werk_ aus sich heraus.
+
+Mit dem Werke aber scheint der Unterschied der urspruenglichen Naturen
+einzutreten; das Werk ist wie die urspruengliche Natur, welche es
+ausdrueckt, ein _bestimmtes_, denn vom Tun frei entlassen als _seiende
+Wirklichkeit_, ist die Negativitaet als Qualitaet an ihm. Das
+Bewusstsein aber bestimmt sich ihm gegenueber als dasjenige, welches
+die Bestimmtheit als Negativitaet _ueberhaupt_, als Tun, an ihm hat; es
+ist also das Allgemeine gegen jene Bestimmtheit des Werks, kann es
+also mit andern _vergleichen_ und hieraus die Individualitaeten selbst
+als _verschiedene_ fassen; das in seinem Werke weiter uebergreifende
+Individuum entweder als staerkere Energie des Willens, oder als
+reichere Natur, das heisst eine solche, deren urspruengliche
+Bestimmtheit weniger beschraenkt ist,--eine andere hingegen als eine
+schwaechere und duerftigere Natur. Gegen diesen unwesentlichen
+Unterschied der _Groesse_ wuerde das _Gute_ und _Schlechte_ einen
+absoluten Unterschied ausdruecken; aber hier findet dieser nicht statt.
+Was auf die eine oder andere Weise genommen wuerde, ist auf gleiche
+Weise ein Tun und Treiben, ein Sich-darstellen und Aussprechen einer
+Individualitaet, und darum alles gut, und es waere eigentlich nicht zu
+sagen, was das Schlechte sein sollte. Was ein schlechtes Werk
+genannt wuerde, ist das individuelle Leben einer bestimmten Natur, die
+sich darin verwirklicht; zu einem schlechten Werke wuerde es nur durch
+den vergleichenden Gedanken verdorben, der aber etwas Leeres ist, da
+er ueber das Wesen des Werks, ein Sich-aussprechen der Individualitaet
+zu sein, hinausgeht und sonst, man weiss nicht was, daran sucht und
+fodert.--Er koennte nur den vorhin angefuehrten Unterschied betreffen;
+dieser ist aber an sich, als Groesseunterschied, ein unwesentlicher;
+und hier bestimmt darum, weil es verschiedene Werke oder
+Individualitaeten waeren, die miteinander verglichen wuerden; aber diese
+gehen einander nichts an; jedes bezieht sich nur auf sich selbst.
+Die urspruengliche Natur ist allein das _An-sich_, oder das, was als
+Massstab der Beurteilung des Werks und umgekehrt zugrunde gelegt
+werden koennte; beides aber entspricht sich einander, es ist nichts
+fuer die Individualitaet, was nicht _durch_ sie, oder es gibt keine
+_Wirklichkeit_, die nicht ihre Natur und ihr Tun, und kein Tun noch
+An-sich derselben, das nicht wirklich ist, und nur diese Momente sind
+zu vergleichen.
+
+Es findet daher ueberhaupt weder _Erhebung_, noch _Klage_, noch _Reue_
+statt; denn dergleichen alles koemmt aus dem Gedanken her, der sich
+einen andern _Inhalt_ und ein anderes _An-sich_ einbildet, als die
+urspruengliche Natur des Individuums und ihre in der Wirklichkeit
+vorhandene Ausfuehrung ist. Was es sei, das es tut und ihm widerfaehrt,
+dies hat es getan, und ist es selbst; es kann nur das Bewusstsein des
+reinen Uebersetzens _seiner selbst_ aus der Nacht der Moeglichkeit in
+den Tag der Gegenwart, des _abstrakten An-sich_ in die Bedeutung des
+_wirklichen_ Seins, und die Gewissheit haben, dass was in diesem ihm
+vorkommt, nichts anders ist, als was in jener schlief. Das
+Bewusstsein dieser Einheit ist zwar ebenfalls eine Vergleichung, aber
+was verglichen wird, hat eben nur den _Schein des_ Gegensatzes; ein
+Schein der Form, der fuer das Selbstbewusstsein der Vernunft, dass die
+Individualitaet an ihr selbst die Wirklichkeit ist, nichts mehr als
+Schein ist. Das Individuum kann also, da es weiss, dass es in seiner
+Wirklichkeit nichts anderes finden kann als ihre Einheit mit ihm,
+oder nur die Gewissheit seiner selbst in ihrer Wahrheit, und dass es
+also immer seinen Zweck erreicht, _nur Freude an sich erleben_.
+
+Dies ist der Begriff, welchen das Bewusstsein, das sich seiner als
+absoluter Durchdringung der Individualitaet und des Seins gewiss ist,
+von sich macht; sehen wir, ob er sich ihm durch die Erfahrung
+bestaetigt, und seine Realitaet damit uebereinstimmt. Das Werk ist die
+Realitaet, welche das Bewusstsein sich gibt; es ist dasjenige, worin
+das Individuum das fuer es ist, was es _an sich_ ist, und so dass das
+Bewusstsein, _fuer welches_ es in dem Werke wird, nicht das besondere,
+sondern das _allgemeine_ Bewusstsein ist; es hat sich im Werke
+ueberhaupt in das Element der Allgemeinheit, in den bestimmtheitslosen
+Raum des Seins hinausgestellt. Das von seinem Werke zuruecktretende
+Bewusstsein ist in der Tat das allgemeine--weil es die _absolute
+Negativitaet_ oder das Tun in diesem Gegensatze wird--gegen sein Werk,
+welches das _bestimmte_ ist; es geht also ueber sich als Werk hinaus,
+und ist selbst der bestimmtheitslose Raum, der sich von seinem Werke
+nicht erfuellt findet. Wenn vorhin im Begriffe sich doch ihre Einheit
+erhielt, so geschah dies ebendadurch, dass das Werk als _seiendes_
+Werk aufgehoben wurde. Aber es soll _sein_, und es ist zu sehen, wie
+in seinem _Sein_ die Individualitaet seine Allgemeinheit erhalten, und
+sich zu befriedigen wissen wird.--Zunaechst ist das gewordene Werk fuer
+sich zu betrachten. Es hat die ganze Natur der Individualitaet
+mitempfangen; sein _Sein_ ist daher selbst ein Tun, worin sich alle
+Unterschiede durchdringen und aufloesen; das Werk ist also in ein
+_Bestehen_ hinausgeworfen, worin die _Bestimmtheit_ der
+urspruenglichen Natur in der Tat gegen andere bestimmte Naturen sich
+herauskehrt, in sie eingreift, wie diese andere in sie, und sich als
+verschwindendes Moment in dieser allgemeinen Bewegung verliert. Wenn
+_innerhalb des Begriffs_ der an und fuer sich selbst realen
+Individualitaet alle Momente, Umstaende, Zweck, Mittel, und die
+Verwirklichung einander gleich sind, und die urspruengliche bestimmte
+Natur nur als allgemeines Element gilt, so koemmt dagegen, indem dies
+Element gegenstaendliches Sein wird, seine _Bestimmtheit_ als solche
+in dem Werke an den Tag, und erhaelt ihre Wahrheit in ihrer Aufloesung.
+Naeher stellt diese Aufloesung sich so dar, dass in dieser Bestimmtheit
+das Individuum als _dieses_ sich wirklich geworden ist; aber sie ist
+nicht nur Inhalt der Wirklichkeit, sondern ebenso Form derselben,
+oder die Wirklichkeit als solche ueberhaupt ist eben diese
+Bestimmtheit, dem Selbstbewusstsein entgegengesetzt zu sein. Von
+dieser Seite zeigt sie sich als die aus dem Begriffe verschwundene,
+nur _vorgefundene fremde_ Wirklichkeit. Das Werk _ist_, d.h. es ist
+fuer andere Individualitaeten, und fuer sie eine fremde Wirklichkeit, an
+deren Stelle _sie_ die ihrige setzen muessen, um durch _ihr_ Tun sich
+das Bewusstsein _ihrer_ Einheit mit der Wirklichkeit zu geben; oder
+_ihr_ durch _ihre_ urspruengliche Natur gesetztes Interesse an jenem
+Werke ist ein anderes als das _eigentuemliche_ Interesse dieses Werks,
+welches hiedurch zu etwas anderem gemacht ist. Das Werk ist also
+ueberhaupt etwas Vergaengliches, das durch das Widerspiel anderer
+Kraefte und Interesse ausgeloescht wird, und vielmehr die Realitaet der
+Individualitaet als verschwindend, denn als vollbracht darstellt.
+
+Es entsteht dem Bewusstsein also in seinem Werke der Gegensatz des
+Tuns und des Seins, welcher in den fruehern Gestalten des Bewusstseins
+zugleich der _Anfang_ des Tuns war, hier nur _Resultat_ ist. Er hat
+aber in der Tat gleichfalls zugrunde gelegen, indem das Bewusstsein
+als _an sich_ reale Individualitaet ans Handeln ging; denn dem Handeln
+war die _bestimmte urspruengliche Natur_ als das _An-sich_
+vorausgesetzt, und das reine Vollbringen um des Vollbringens willen
+hatte sie zum _Inhalte_. Das reine Tun ist aber die sich _selbst
+gleiche_ Form, welcher hiemit die _Bestimmtheit_ der urspruenglichen
+Natur ungleich ist. Es ist hier, wie sonst, gleichgueltig, welches
+von beiden _Begriff_ und welches _Realitaet_ genannt wird; die
+urspruengliche Natur ist das _Gedachte_ oder das _An-sich_ gegen das
+Tun, worin sie erst ihre Realitaet hat; oder die urspruengliche Natur
+ist das Sein ebensowohl der Individualitaet als solcher wie ihrer als
+Werk, das Tun aber ist der urspruengliche _Begriff_, als absoluter
+Uebergang, oder als das _Werden_. Diese _Unangemessenheit_ des
+Begriffs und der Realitaet, die in seinem Wesen liegt, erfaehrt das
+Bewusstsein in seinem Werke; in diesem wird es sich also, wie es in
+Wahrheit ist, und sein leerer Begriff von sich selbst verschwindet.
+
+In diesem Grundwiderspruche des Werks, das die Wahrheit dieser sich
+an sich realen Individualitaet ist, treten somit wieder alle Seiten
+derselben als widersprechend auf; oder das Werk, als der Inhalt der
+ganzen Individualitaet aus dem _Tun_, welches die negative Einheit ist
+und alle Momente gefangen haelt, in das _Sein_ herausgestellt, laesst
+sie nun frei; und im Elemente des Bestehens werden sie gleichgueltig
+gegeneinander. Begriff und Realitaet trennen sich also als Zweck und
+als dasjenige, was die _urspruengliche Wesenheit_ ist. Es ist
+zufaellig, dass der Zweck wahrhaftes Wesen habe, oder dass das An-sich
+zum Zwecke gemacht werde. Ebenso treten wieder Begriff und Realitaet
+als _Uebergang_ in die Wirklichkeit und als _Zweck_ auseinander; oder
+es ist zufaellig, dass das den Zweck ausdrueckende _Mittel_ gewaehlt
+werde. Und endlich diese innere Momente zusammen, sie moegen in sich
+eine Einheit haben oder nicht, das _Tun_ des Individuums ist wieder
+zufaellig gegen die _Wirklichkeit_ ueberhaupt; das _Glueck_ entscheidet
+ebensowohl fuer einen schlecht bestimmten Zweck und schlechtgewaehlte
+Mittel als gegen sie.
+
+Wenn nun hiemit dem Bewusstsein an seinem Werke der _Gegensatz_ des
+Wollens und Vollbringens, des Zwecks und der Mittel und wieder dieses
+Innerlichen zusammen und der Wirklichkeit selbst wird, was ueberhaupt
+die _Zufaelligkeit seines Tuns in sich_ befasst, so ist aber ebenso
+auch die _Einheit_ und die _Notwendigkeit_ desselben vorhanden; diese
+Seite greift ueber jene ueber, und die _Erfahrung_ von der
+_Zufaelligkeit des Tuns_ ist selbst nur eine _zufaellige Erfahrung_.
+Die _Notwendigkeit_ des Tuns besteht darin, dass _Zweck_ schlechthin
+auf die _Wirklichkeit_ bezogen ist, und diese Einheit ist der Begriff
+des Tuns; es wird gehandelt, weil das Tun an und fuer sich selbst das
+Wesen der Wirklichkeit ist. In dem Werke ergibt sich zwar die
+Zufaelligkeit, welche das _Vollbrachtsein_ gegen das _Wollen_ und
+_Vollbringen_ hat, und diese Erfahrung, welche als die Wahrheit
+gelten zu muessen scheint, widerspricht jenem Begriffe der Handlung.
+Betrachten wir jedoch den Inhalt dieser Erfahrung in seiner
+Vollstaendigkeit, so ist er das _verschwindende Werk_; was sich
+_erhaelt_, ist nicht das _Verschwinden_, sondern das Verschwinden ist
+selbst wirklich und an das Werk geknuepft, und verschwindet selbst mit
+diesem; das _Negative_ geht mit dem _Positiven_, dessen Negation es
+ist, _selbst zugrunde_.
+
+Dies Verschwinden des Verschwindens liegt in dem Begriffe der an sich
+realen Individualitaet selbst; denn dasjenige, worin das Werk, oder
+was an ihm, verschwindet, und was demjenigen, was Erfahrung genannt
+worden, seine Uebermacht ueber den Begriff, den die Individualitaet von
+sich selbst hat, geben sollte, ist die _gegenstaendliche Wirklichkeit_;
+sie aber ist ein Moment, welches auch in diesem Bewusstsein selbst
+keine Wahrheit mehr fuer sich hat, diese besteht nur in der Einheit
+desselben mit dem Tun, und das _wahre Werk_ ist nur jene Einheit des
+_Tuns und des Seins_, des _Wollens_ und _Vollbringens_. Dem
+Bewusstsein ist also um der seinem Handeln zugrunde liegenden
+Gewissheit, die ihr _entgegengesetzte_ Wirklichkeit selbst ein solches,
+welches nur _fuer es_ ist; ihm als in sich zurueckgekehrten
+_Selbstbewusstsein_, dem aller Gegensatz verschwunden ist, kann er
+nicht mehr in dieser Form seines _Fuer-sich-seins_ gegen die
+_Wirklichkeit_ werden; sondern der Gegensatz und die Negativitaet, die
+an dem Werke zum Vorschein kommt, trifft hiemit nicht nur den Inhalt
+des Werks oder auch des Bewusstseins, sondern die Wirklichkeit als
+solche, und damit den nur durch sie und an ihr vorhandenen Gegensatz
+und das Verschwinden des Werks. Auf diese Weise reflektiert sich
+also das Bewusstsein in sich aus seinem vergaenglichen Werke, und
+behauptet seinen Begriff und Gewissheit als das _Seiende_ und
+_Bleibende_, gegen die Erfahrung von der _Zufaelligkeit_ des Tuns; es
+erfaehrt in der Tat seinen Begriff, in welchem die Wirklichkeit nur
+ein Moment, etwas _fuer es_, nicht das An- und Fuer-sich ist; es
+erfaehrt sie als verschwindendes Moment, und sie gilt ihm daher nur
+als _Sein_ ueberhaupt, dessen Allgemeinheit mit dem Tun dasselbe ist.
+Diese Einheit ist das wahre Werk; es ist die _Sache selbst_, welche
+sich schlechthin behauptet und als das Bleibende erfahren wird,
+unabhaengig von der Sache, welche die _Zufaelligkeit_ des individuellen
+Tuns als eines solchen, der Umstaende, Mittel und der Wirklichkeit ist.
+
+Die _Sache selbst_ ist diesen Momenten nur insofern entgegengesetzt,
+als sie isoliert gelten sollen, ist aber wesentlich als Durchdringung
+der Wirklichkeit und der Individualitaet die Einheit derselben;
+ebensowohl ein Tun, und als Tun _reines Tun_ ueberhaupt, _damit
+ebensosehr Tun dieses Individuums_, und dies Tun als ihm noch
+angehoerig im Gegensatze gegen die Wirklichkeit, als _Zweck_; ebenso
+ist sie der _Uebergang_ aus dieser Bestimmtheit in die
+entgegengesetzte; und endlich eine _Wirklichkeit_, welche _fuer das
+Bewusstsein_ vorhanden ist. Die _Sache selbst_ drueckt hiemit die
+_geistige_ Wesenheit aus, worin alle diese Momente aufgehoben sind
+als fuersichgeltende, also nur als allgemeine gelten, und worin dem
+Bewusstsein seine Gewissheit von sich selbst gegenstaendliches Wesen,
+_eine Sache_, ist; der aus dem Selbstbewusstsein als der _seinige_
+herausgeborne Gegenstand, ohne aufzuhoeren, freier, eigentlicher
+Gegenstand zu sein.--Das _Ding_ der sinnlichen Gewissheit und des
+Wahrnehmens hat nun fuer das Selbstbewusstsein allein seine Bedeutung
+durch es; hierauf beruht der Unterschied eines _Dings_ und einer
+_Sache_.--Es wird eine der sinnlichen Gewissheit und Wahrnehmung
+entsprechende Bewegung daran durchlaufen.
+
+In _der Sache selbst_ also, als der gegenstaendlich gewordnen
+Durchdringung der Individualitaet und der Gegenstaendlichkeit selbst,
+ist dem Selbstbewusstsein sein wahrer Begriff von sich geworden, oder
+es ist zum Bewusstsein seiner Substanz gekommen. Es ist zugleich, wie
+es hier ist, ein soeben gewordenes und daher _unmittelbares_
+Bewusstsein derselben, und dies ist die bestimmte Weise, in welcher
+das geistige Wesen hier vorhanden, und noch nicht zur wahrhaft realen
+Substanz gediehen ist. Die _Sache selbst_ hat in diesem
+unmittelbaren Bewusstsein derselben die Form des _einfachen Wesens_,
+welches als allgemeines alle seine verschiedenen Momente in sich
+enthaelt und ihnen zukommt, aber auch wieder gleichgueltig gegen sie
+als bestimmte Momente und frei fuer sich ist, und als diese freie
+_einfache, abstrakte_ Sache selbst, _als das Wesen gilt_. Die
+verschiedenen Momente der urspruenglichen Bestimmtheit oder der _Sache
+dieses_ Individuums, seines Zwecks, der Mittel, des Tuns selbst und
+der Wirklichkeit, sind fuer dieses Bewusstsein einerseits einzelne
+Momente, welche es gegen die _Sache selbst_ verlassen und aufgeben
+kann; andererseits aber haben sie alle die Sache selbst nur so zum
+Wesen, dass sie als das _abstrakte_ Allgemeine derselben _an_ jedem
+dieser verschiedenen Momente sich findet und _Praedikat_ derselben
+sein kann. Sie selbst ist noch nicht das Subjekt, sondern dafuer
+gelten jene Momente, weil sie auf die Seite der _Einzelnheit_
+ueberhaupt fallen, die Sache selbst aber nur erst das einfach
+Allgemeine ist. Sie ist die _Gattung_, welche sich in allen diesen
+Momenten als ihren _Arten_ findet, und ebenso frei davon ist.
+
+Das Bewusstsein heisst _ehrlich_, welches einesteils zu diesem
+Idealismus gekommen, den _die Sache selbst_ ausdrueckt, und
+andernteils an ihr als dieser formalen Allgemeinheit das Wahre hat;
+dem es immer nur um sie zu tun ist, das sich daher in ihren
+verschiedenen Momenten oder Arten herumtreibt, und indem es sie in
+einem derselben oder in einer Bedeutung nicht erreicht, ebendadurch
+in dem andern ihrer habhaft wird, somit die Befriedigung in der Tat
+immer gewinnt, welche diesem Bewusstsein seinem Begriffe nach zuteil
+werden sollte. Es mag gehen, wie es will, so hat es die _Sache
+selbst_ vollbracht und erreicht, denn sie ist als diese _allgemeine_
+Gattung jener Momente Praedikat aller.
+
+Bringt es einen _Zweck_ nicht zur _Wirklichkeit_, so hat es ihn doch
+_gewollt_, das heisst, es macht den _Zweck_ als Zweck, das _reine Tun_,
+welches nichts tut, zur _Sache selbst_; und kann sich daher so
+ausdruecken und troesten, dass doch immer etwas _getan_ und _getrieben_
+worden ist. Da das Allgemeine selbst das Negative oder das
+Verschwinden unter sich enthaelt, so ist auch dies, dass das Werk sich
+vernichtet, selbst _sein_ Tun; es hat die andern dazu gereizt, und
+findet in dem _Verschwinden_ seiner Wirklichkeit noch die
+Befriedigung, wie boese Jungen in der Ohrfeige, die sie erhalten,
+_sich selbst_ geniessen, naemlich als Ursache derselben. Oder es hat
+die Sache selbst auszufuehren auch _nicht einmal versucht_, und _gar
+nichts getan_, so hat es nicht _gemocht; die Sache selbst_ ist ihm
+eben _Einheit_ seines _Entschlusses_ und _der Realitaet_; es behauptet,
+dass die _Wirklichkeit_ nichts anders waere als sein _Moegen_.--Es ist
+endlich etwas ihm Interessantes ueberhaupt ohne sein Zutun geworden,
+so ist ihm diese _Wirklichkeit_ die Sache selbst eben in dem
+Interesse, das es daran findet, ob sie gleich nicht von ihm
+hervorgebracht worden ist; ist es ein Glueck, das ihm persoenlich
+widerfahren, so haelt es darauf als auf seine _Tat_ und _Verdienst_;
+ist es sonst eine Weltbegebenheit, die es weiter nichts angeht, so
+macht es sie ebenso zu der seinigen, und _tatloses Interesse_ gilt
+ihm fuer _Partei_, die es dafuer oder dawider genommen und _bekaempft_
+oder _gehalten_ hat.
+
+Die _Ehrlichkeit_ dieses Bewusstseins, sowie die Befriedigung, die es
+allenthalben erlebt, besteht, wie erhellt, in der Tat darin, dass es
+seine _Gedanken_, die es von der Sache selbst hat, _nicht
+zusammenbringt. Die Sache selbst_ ist ihm ebensowohl _seine_ Sache
+wie gar _kein Werk_, oder das _reine Tun_ und der _leere Zweck_, oder
+auch eine _tatlose Wirklichkeit_; es macht eine Bedeutung nach der
+andern zum Subjekte dieses Praedikats, und vergisst die eine nach der
+andern. Itzt im blossen _Gewollt-_ oder auch im _Nichtgemocht_haben
+hat die Sache selbst die Bedeutung des _leeren Zwecks_, und der
+_gedachten_ Einheit des Wollens und Vollbringens. Der Trost ueber die
+Vernichtung des Zwecks, doch _gewollt_ oder doch _rein getan_, sowie
+die Befriedigung, den andern etwas zu tun gegeben zu haben, macht das
+_reine Tun_ oder das ganz schlechte Werk zum Wesen, denn dasjenige
+ist ein schlechtes zu nennen, welches gar keines ist. Endlich beim
+Gluecksfall, die Wirklichkeit _vorzufinden_, wird dieses Sein ohne Tat
+zur Sache selbst.
+
+Die Wahrheit dieser Ehrlichkeit aber ist, nicht so ehrlich zu sein,
+als sie aussieht. Denn sie kann nicht so gedankenlos sein, diese
+verschiedenen Momente in der Tat so auseinanderfallen zu lassen,
+sondern sie muss das unmittelbare Bewusstsein ueber ihren Gegensatz
+haben, weil sie sich schlechthin aufeinander beziehen. Das _reine_
+Tun ist wesentlich Tun _dieses_ Individuums, und dieses Tun ist
+ebenso wesentlich eine _Wirklichkeit_ oder eine Sache. Umgekehrt ist
+die _Wirklichkeit_ wesentlich nur als _sein_ Tun, sowie als _Tun
+ueberhaupt_; und _sein_ Tun ist zugleich nur wie Tun ueberhaupt, so
+auch Wirklichkeit. Indem es ihm also nur um die _Sache selbst_ als
+_abstrakte Wirklichkeit_ zu tun scheint, ist auch dies vorhanden, dass
+es ihm um sie als _sein_ Tun zu tun ist. Aber ebenso, indem es ihm
+nur ums _Tun_ und _Treiben_ zu tun ist, ist es ihm damit nicht Ernst,
+sondern es ist ihm um _eine Sache_ zu tun, und um die Sache als die
+_seinige_. Indem es endlich nur _seine_ Sache und _sein_ Tun zu
+wollen scheint, ist es wieder um die _Sache ueberhaupt_ oder die an
+und fuer sich bleibende Wirklichkeit zu tun.
+
+Wie die Sache selbst und ihre Momente hier als _Inhalt_ erscheinen,
+ebenso notwendig sind sie auch _als Formen_ an dem Bewusstsein. Sie
+treten als Inhalt nur auf, um zu verschwinden, und jedes macht dem
+andern Platz. Sie muessen daher in der Bestimmtheit, als
+_aufgehobene_, vorhanden sein; so aber sind sie Seiten des
+Bewusstseins selbst. Die _Sache selbst_ ist als das _An-sich_ oder
+seine _Reflexion in sich_ vorhanden, die _Verdraengung_ der Momente
+aber durcheinander drueckt sich an ihm so aus, dass sie nicht an sich,
+sondern nur fuer _ein Anderes_ an ihm gesetzt sind. Das eine der
+Momente des Inhalts wird von ihm dem Tage ausgesetzt, und _fuer
+andere_ vorgestellt; das Bewusstsein ist aber zugleich daraus in sich
+reflektiert, und das Entgegengesetzte ebenso in ihm vorhanden; es
+behaelt es fuer sich, als das seinige. Es ist zugleich auch nicht
+irgendeines derselben, welches allein _nur_ hinausgestellt, und ein
+anderes, das nur im Innern behalten wuerde, sondern das Bewusstsein
+wechselt mit ihnen ab; denn es muss das eine wie das andere zum
+wesentlichen fuer sich und fuer die andere machen. _Das Ganze_ ist die
+sich bewegende Durchdringung der Individualitaet und des Allgemeinen;
+weil aber dies Ganze fuer dies Bewusstsein nur als das _einfache_ Wesen
+und damit als die Abstraktion _der Sache selbst_ vorhanden ist,
+fallen seine Momente als getrennte ausser ihr und auseinander; und
+_als Ganzes_ wird es nur durch die trennende Abwechslung des
+Ausstellens und des Fuer-sich-behaltens erschoepft und dargestellt.
+Indem in dieser Abwechslung das Bewusstsein _ein_ Moment fuer sich und
+als wesentliches in seiner Reflexion, ein anderes aber nur aeusserlich
+an _ihm_ oder fuer die _andern_ hat, tritt damit ein Spiel der
+Individualitaeten miteinander ein, worin sie sowohl sich selbst als
+sich gegenseitig sowohl betruegen als betrogen finden.
+
+Eine Individualitaet geht also, etwas auszufuehren; sie scheint damit
+etwas _zur Sache_ gemacht zu haben; sie handelt, wird darin fuer
+Andere, und es scheint ihr um die _Wirklichkeit_ zu tun zu sein. Die
+Andern nehmen also das Tun derselben fuer ein Interesse an der Sache
+als solcher, und fuer den Zweck, dass _die Sache an sich ausgefuehrt
+sei_; gleichgueltig, ob von der ersten Individualitaet oder von ihnen.
+Indem sie hienach diese Sache schon von ihnen zustande gebracht
+aufzeigen oder, wo nicht, ihre Huelfe anbieten und leisten, so ist
+jenes Bewusstsein vielmehr da heraus, wo sie meinen, dass es sei; es
+ist _sein_ Tun und Treiben, was es bei der Sache interessiert, und
+indem sie innewerden, dass dies _die Sache selbst_ war, finden sie
+sich also getaeuscht.--Aber in der Tat war ihr Herbeieilen, um zu
+helfen, selbst nichts anders, als dass sie _ihr_ Tun, nicht die _Sache
+selbst_, sehen und zeigen wollten; d.h. sie wollten das andere auf
+eben die Weise betruegen, als sie sich betrogen worden zu sein
+beschweren.--Indem es nun itzt herausgekehrt ist, dass das _eigne Tun_
+und _Treiben_, das Spiel _seiner Kraefte_ fuer die Sache selbst gilt,
+so scheint das Bewusstsein, sein Wesen _fuer sich_, nicht fuer die
+andern, zu treiben, und nur bekuemmert um das Tun als _das seinige_,
+nicht um es als ein Tun der _andern_, hiemit die andern ebenso in
+_ihrer_ Sache gewaehren zu lassen. Allein sie irren sich wieder; es
+ist schon da heraus, wo sie es zu sein meinten. Es ist ihm nicht um
+die Sache als _diese seine einzelne_ zu tun, sondern um sie als
+_Sache_, als Allgemeines, das fuer alle ist. Es mischt sich also in
+ihr Tun und Werk, und wenn es ihnen dasselbe nicht mehr aus der Hand
+nehmen kann, interessiert es sich wenigstens dadurch dabei, dass es
+sich durch Urteilen zu tun macht; drueckt es ihm den Stempel seiner
+Billigung und seines Lobes auf, so ist dies so gemeint, dass es am
+Werke nicht nur das Werk selbst lobt, sondern zugleich _seine eigne_
+Grossmut und Maessigung, das Werk nicht als Werk und auch nicht durch
+seinen Tadel verdorben zu haben. Indem es ein Interesse am _Werke_
+zeigt, geniesst _es sich selbst_ darin; ebenso ist ihm das _Werk_, das
+von ihm getadelt wird, willkommen fuer eben diesen Genuss _seines
+eignen_ Tuns, der ihm dadurch verschafft wird. Die aber sich durch
+diese Einmischung fuer betrogen halten oder ausgeben, wollten vielmehr
+selbst auf gleiche Weise betruegen. Sie geben ihr Tun und Treiben fuer
+etwas aus, das nur fuer sie selbst ist, worin sie nur _sich_ und _ihr
+eignes_ Wesen bezweckten. Allein indem sie etwas tun, und hiemit
+sich darstellen und dem Tage zeigen, widersprechen sie unmittelbar
+durch die Tat ihrem Vorgeben, den Tag selbst, das allgemeine
+Bewusstsein und die Teilnahme aller ausschliessen zu wollen; die
+Verwirklichung ist vielmehr eine Ausstellung des Seinigen in das
+allgemeine Element, wodurch es zur _Sache_ aller wird und werden soll.
+
+Es ist also ebenso Betrug seiner selbst und der andern, wenn es nur
+um die _reine Sache_ zu tun sein soll; ein Bewusstsein, das eine Sache
+auftut, macht vielmehr die Erfahrung, dass die andern, wie die Fliegen
+zu frisch aufgestellter Milch, herbeieilen und sich dabei geschaeftig
+wissen wollen; und sie an ihm, dass es ihm ebenso nicht um die Sache
+als Gegenstand, sondern als um die _seinige_ zu tun ist. Hingegen,
+wenn nur das _Tun selbst_, der Gebrauch der Kraefte und Faehigkeiten
+oder das Aussprechen dieser Individualitaet, das Wesentliche sein soll,
+so wird ebenso gegenseitig die Erfahrung gemacht, dass _alle_ sich
+ruehren und fuer eingeladen halten, und statt eines _reinen_ Tuns oder
+eines _einzelnen_ eigentuemlichen Tuns vielmehr etwas, das ebensowohl
+_fuer andere_ ist, oder _eine Sache selbst_ aufgetan wurde. Es
+geschieht in beiden Faellen dasselbe, und hat nur einen verschiedenen
+Sinn gegen denjenigen, der dabei angenommen wurde und gelten sollte.
+Das Bewusstsein erfaehrt beide Seiten als gleich wesentliche Momente,
+und hierin was die _Natur der Sache selbst_ ist, naemlich weder nur
+Sache, welche dem Tun ueberhaupt und dem einzelnen Tun, noch Tun,
+welches dem Bestehen entgegengesetzt und die von diesen Momenten als
+ihren _Arten_ freie _Gattung_ waere, sondern ein Wesen, dessen _Sein_
+das _Tun_ des _einzelnen_ Individuums und aller Individuen, und
+dessen Tun unmittelbar _fuer andre_, oder eine _Sache_ ist, und nur
+Sache ist als _Tun aller_ und _jeder_; das Wesen, welches das Wesen
+aller Wesen, das _geistige Wesen_ ist. Das Bewusstsein erfaehrt, dass
+keins jener Momente _Subjekt_ ist, sondern sich vielmehr in der
+_allgemeinen Sache selbst_ aufloest; die Momente der Individualitaet,
+welche der Gedankenlosigkeit dieses Bewusstseins nacheinander als
+Subjekt galten, nehmen sich in die einfache Individualitaet zusammen,
+die als _diese_ ebenso unmittelbar allgemein ist. Die Sache selbst
+verliert dadurch das Verhaeltnis des Praedikats und die Bestimmtheit
+lebloser abstrakter Allgemeinheit, sie ist vielmehr die von der
+Individualitaet durchdrungene Substanz; das Subjekt, worin die
+Individualitaet ebenso als sie selbst oder als _diese_ wie als _alle_
+Individuen ist, und das Allgemeine, das nur als dies Tun aller und
+jeder ein _Sein_ ist, eine Wirklichkeit darin, dass _dieses_
+Bewusstsein sie als seine einzelne Wirklichkeit und als Wirklichkeit
+aller weiss. Die reine _Sache selbst_ ist das, was sich oben als die
+_Kategorie_ bestimmte, das Sein das Ich, oder Ich das Sein ist, aber
+als _Denken_, welches vom _wirklichen Selbstbewusstsein_ sich noch
+unterscheidet; hier aber sind die Momente des wirklichen
+Selbstbewusstseins, insofern wir sie seinen Inhalt, Zweck, Tun und
+Wirklichkeit, wie insofern wir sie seine Form nennen, Fuer-sich-sein
+und Sein fuer anderes, mit der einfachen Kategorie selbst als eins
+gesetzt, und sie ist dadurch zugleich aller Inhalt.
+
+
+b. Die gesetzgebende Vernunft
+
+Das geistige Wesen ist in seinem einfachen Sein _reines Bewusstsein_
+und _dieses Selbst_bewusstsein. Die urspruenglich-_bestimmte Natur_
+des Individuums hat ihre positive Bedeutung, _an sich_ das Element
+und der Zweck seiner Taetigkeit zu sein, verloren; sie ist nur
+aufgehobnes Moment, und das Individuum ein _Selbst_; als allgemeines
+Selbst. Umgekehrt hat die _formale Sache selbst_ ihre Erfuellung an
+der tuenden sich in sich unterscheidenden Individualitaet; denn die
+Unterschiede dieser machen den _Inhalt_ jenes Allgemeinen aus. Die
+Kategorie ist _an sich_, als das Allgemeine des _reinen Bewusstseins_;
+sie ist ebenso _fuer sich_, denn das _Selbst_ des Bewusstseins ist
+ebenso ihr Moment. Sie ist absolutes _Sein_, denn jene Allgemeinheit
+ist die einfache _Sich-selbst-gleichheit des Seins_.
+
+Was also dem Bewusstsein der Gegenstand ist, hat die Bedeutung, das
+_Wahre_ zu sein; _es ist_ und _gilt_ in dem Sinne, _an_ und _fuer sich
+selbst_ zu _sein_ und _gelten_; es ist die _absolute Sache_, welche
+nicht mehr von dem Gegensatze der Gewissheit und ihrer Wahrheit, des
+Allgemeinen und des Einzelnen, des Zwecks und seiner Realitaet leidet,
+sondern deren Dasein die _Wirklichkeit_ und das _Tun_ des
+Selbstbewusstseins ist; diese Sache ist daher die _sittliche Substanz_;
+das Bewusstsein derselben _sittliches_ Bewusstsein. Sein Gegenstand
+gilt ihm ebenso als das _Wahre_, denn es vereinigt Selbstbewusstsein
+und Sein in _einer_ Einheit; es gilt als das _Absolute_, denn das
+Selbstbewusstsein kann und will nicht mehr ueber diesen Gegenstand
+hinausgehen, denn es ist darin bei sich selbst; es _kann_ nicht, denn
+er ist alles Sein und Macht;--es _will_ nicht, denn er ist das
+_Selbst_ oder der Willen dieses Selbsts. Er ist der _reale_
+Gegenstand an ihm selbst als Gegenstand, denn er hat den Unterschied
+des Bewusstseins an ihm; er teilt sich in Massen, welche die
+_bestimmten Gesetze_ des absoluten Wesens sind. Diese Massen aber
+trueben den Begriff nicht, denn in ihm bleiben die Momente des Seins
+und reinen Bewusstseins und des Selbsts eingeschlossen--eine Einheit,
+welche das Wesen dieser Massen ausmacht, und in diesem Unterschiede
+diese Momente nicht mehr auseinandertreten laesst.
+
+Diese Gesetze oder Massen der sittlichen Substanz sind unmittelbar
+anerkannt; es kann nicht nach ihrem Ursprunge und Berechtigung
+gefragt und nach einem andern gesucht werden, denn ein anderes als
+das _an_ und _fuer sich_ seiende Wesen waere nur das Selbstbewusstsein
+selbst; aber es ist nichts anderes als dies Wesen, denn es selbst ist
+das Fuer-sich-sein dieses Wesens, welches ebendarum die Wahrheit ist,
+weil es ebensosehr das _Selbst_ des Bewusstseins als sein _An-sich_
+oder reines Bewusstsein ist.
+
+Indem das Selbstbewusstsein sich als Moment des _Fuer-sich-seins_
+dieser Substanz weiss, so drueckt es also das Dasein des Gesetzes in
+ihm so aus, dass die _gesunde Vernunft_ unmittelbar weiss, was _recht_
+und _gut_ ist. So _unmittelbar_ sie es _weiss_, so unmittelbar _gilt_
+es ihr auch, und sie sagt unmittelbar: dies _ist_ recht und gut. Und
+zwar _dies_; es sind _bestimmte_ Gesetze, es ist erfuellte,
+inhaltsvolle Sache selbst.
+
+Was sich so unmittelbar gibt, muss ebenso unmittelbar aufgenommen und
+betrachtet werden; wie von dem, was die sinnliche Gewissheit
+unmittelbar als seiend ausspricht, ist auch von dem Sein, welches
+diese sittliche unmittelbare Gewissheit ausspricht, oder von den
+unmittelbar seienden Massen des sittlichen Wesens zu sehen, wie sie
+beschaffen sind. Die Beispiele einiger solcher Gesetze werden dies
+zeigen, und indem wir sie in der Form von Ausspruechen der _wissenden_,
+gesunden Vernunft nehmen, haben wir nicht erst das Moment
+herbeizubringen, welches an ihnen, sie als _unmittelbare_ sittliche
+Gesetze betrachtet, geltend zu machen ist.
+
+_"Jeder soll die Wahrheit sprechen."_--Bei dieser als unbedingt
+ausgesprochnen Pflicht wird sogleich die Bedingung zugegeben werden:
+_wenn_ er die Wahrheit weiss. Das Gebot wird hiemit jetzt so lauten:
+_jeder soll die Wahrheit reden, jedesmal nach seiner Kenntnis und
+Ueberzeugung_ davon. Die gesunde Vernunft, eben dies sittliche
+Bewusstsein, welches unmittelbar weiss, was recht und gut ist, wird
+auch erklaeren, dass diese Bedingung mit seinem allgemeinen Ausspruche
+schon so verbunden gewesen sei, dass sie jenes Gebot so _gemeint_ habe.
+Damit gibt sie aber in der Tat zu, dass sie vielmehr schon
+unmittelbar im Aussprechen desselben dasselbe verletzte; sie _sprach_:
+jeder soll die Wahrheit sprechen; sie _meinte aber_, er solle sie
+sprechen nach seiner Kenntnis und Ueberzeugung davon; das heisst, sie
+_sprach anders, als sie meinte_; und anders sprechen, als man meint,
+heisst die Wahrheit nicht sprechen. Die verbesserte Unwahrheit oder
+Ungeschicklichkeit drueckt sich nun so aus: _jeder solle die Wahrheit
+nach seiner jedesmaligen Kenntnis und Ueberzeugung davon sprechen_.
+--Damit aber hat sich das _allgemein Notwendige, an sich_ Geltende,
+welches der Satz aussprechen wollte, vielmehr in eine vollkommne
+_Zufaelligkeit_ verkehrt. Denn dass die Wahrheit gesprochen wird, ist
+dem Zufalle, ob ich sie kenne und mich davon ueberzeugen kann,
+anheimgestellt; und es ist weiter nichts gesagt, als dass Wahres und
+Falsches durcheinander, wie es kommt, dass es einer kennt, meint und
+begreift, gesprochen werden solle. Diese _Zufaelligkeit des Inhalts_
+hat die _Allgemeinheit_ nur an der _Form eines Satzes_, in der sie
+ausgedrueckt ist; aber als sittlicher Satz verspricht er einen
+allgemeinen und notwendigen _Inhalt_, und widerspricht so durch die
+Zufaelligkeit desselben sich selbst.--Wird endlich der Satz so
+verbessert: dass die Zufaelligkeit der Kenntnis und Ueberzeugung von der
+Wahrheit wegfallen und die Wahrheit auch _gewusst_ werden _solle_; so
+waere dies ein Gebot, welches dem geradezu widerspricht, wovon
+ausgegangen wurde. Die gesunde Vernunft sollte zuerst _unmittelbar_
+die Faehigkeit haben, die Wahrheit auszusprechen; itzt aber ist gesagt,
+dass sie sie _wissen sollte_, das heisst, sie nicht _unmittelbar_
+auszusprechen wisse.--Von Seite des _Inhalts_ betrachtet, so ist er
+in der Foderung, man solle die Wahrheit _wissen_, hinweggefallen;
+denn sie bezieht sich auf das _Wissen ueberhaupt_: man soll wissen;
+was gefodert ist, ist also vielmehr das von allem bestimmten Inhalte
+freie. Aber hier war von einem _bestimmten_ Inhalt, von _einem
+Unterschiede_ an der sittlichen Substanz die Rede. Allein diese
+_unmittelbare_ Bestimmung derselben ist ein solcher Inhalt, der sich
+vielmehr als eine vollkommene Zufaelligkeit zeigte, und in die
+Allgemeinheit und Notwendigkeit erhoben, so dass das _Wissen_ als das
+Gesetz ausgesprochen wird, vielmehr verschwindet.
+
+Ein anderes beruehmtes Gebot ist: _Liebe deinen Naechsten als dich
+selbst_. Es ist an den Einzelnen im Verhaeltnisse zu den Einzelnen
+gerichtet, und _behauptet es *als* ein Verhaeltnis des Einzelnen_ zum
+_Einzelnen_, oder als Verhaeltnis der Empfindung. Die taetige
+Liebe--denn eine untaetige hat kein Sein und ist darum wohl nicht
+gemeint--geht darauf, Uebel von einem Menschen abzusondern und ihm
+Gutes zuzufuegen. Zu diesem Behuf muss unterschieden werden, was an
+ihm das Uebel, was gegen dies Uebel das zweckmaessige Gute, und was
+ueberhaupt sein Wohl ist; das heisst, ich muss ihn mit _Verstand_ lieben;
+unverstaendige Liebe wird ihm schaden, vielleicht mehr als Hass. Das
+verstaendige wesentliche Wohltun ist aber in seiner reichsten und
+wichtigsten Gestalt, das verstaendige allgemeine Tun des Staats--ein
+Tun, mit welchem verglichen das Tun des Einzelnen als eines Einzelnen
+etwas ueberhaupt so Geringfuegiges wird, dass es fast nicht der Muehe
+wert ist, davon zu sprechen. Jenes Tun ist dabei von so grosser Macht,
+dass, wenn das einzelne Tun sich ihm entgegensetzen und entweder
+geradezu fuer sich Verbrechen sein oder einem andern zuliebe das
+Allgemeine um das Recht und den Anteil, welchen es an ihm hat,
+betruegen wollte, es ueberhaupt unnuetz sein und unwiderstehlich
+zerstoert werden wuerde. Es bleibt dem Wohltun, welches Empfindung ist,
+nur die Bedeutung eines ganz einzelnen Tuns, einer Nothuelfe, die
+ebenso zufaellig als augenblicklich ist. Der Zufall bestimmt nicht
+nur seine Gelegenheit, sondern auch dies, ob es ueberhaupt ein _Werk_
+ist, ob es nicht sogleich wieder aufgeloest und selbst vielmehr in
+Uebel verkehrt wird. Dieses Handeln also zum Wohl anderer, das als
+_notwendig_ ausgesprochen wird, ist so beschaffen, dass es vielleicht
+existieren kann, vielleicht auch nicht; dass, wenn der Fall
+zufaelligerweise sich darbietet, es vielleicht ein Werk, vielleicht
+gut ist, vielleicht auch nicht. Dies Gesetz hat hiemit ebensowenig
+einen allgemeinen Inhalt als das erste, das betrachtet wurde, und
+drueckt nicht, wie es als absolutes Sittengesetz sollte, etwas aus,
+das _an und fuer sich_ ist. Oder solche Gesetze bleiben nur beim
+_Sollen_ stehen, haben aber keine _Wirklichkeit_; sie sind nicht
+_Gesetze_, sondern nur _Gebote_.
+
+Es erhellt aber in der Tat aus der Natur der Sache selbst, dass auf
+einen allgemeinen absoluten _Inhalt_ Verzicht getan werden muss; denn
+der einfachen Substanz, und ihr Wesen ist dies, einfache zu sein, ist
+jede _Bestimmtheit_, die an ihr gesetzt wird, _ungemaess_. Das Gebot
+in seiner einfachen Absolutheit spricht selbst _unmittelbares
+sittliches Sein_ aus; der Unterschied, der an ihm erscheint, ist eine
+Bestimmtheit, und also ein Inhalt, der _unter_ der absoluten
+Allgemeinheit dieses einfachen Seins steht. Indem hiemit auf einen
+absoluten Inhalt Verzicht getan werden muss, kann ihm nur die _formale
+Allgemeinheit_, oder dies, dass es sich nicht widerspreche, zukommen,
+denn die inhaltslose Allgemeinheit ist die formale, und absoluter
+Inhalt heisst selbst soviel als ein Unterschied, der keiner ist, oder
+als Inhaltslosigkeit.
+
+Was dem Gesetzgeben uebrig bleibt, ist also die _reine Form_ der
+_Allgemeinheit_ oder in der Tat die _Tautologie_ des Bewusstseins,
+welche dem Inhalt gegenuebertritt, und ein _Wissen_ nicht von dem
+_seienden_ oder eigentlichen _Inhalte_, sondern von dem _Wesen_ oder
+der Sichselbstgleichheit desselben ist.
+
+Das sittliche Wesen ist hiemit nicht unmittelbar selbst ein Inhalt,
+sondern nur ein Massstab, ob ein Inhalt faehig sei, Gesetz zu sein oder
+nicht, indem er sich nicht selbst widerspricht. Die gesetzgebende
+Vernunft ist zu einer nur _pruefenden_ Vernunft herabgesetzt.
+
+
+c. Gesetzpruefende Vernunft
+
+Ein Unterschied an der einfachen sittlichen Substanz ist eine
+Zufaelligkeit fuer sie, welche wir an dem bestimmten Gebote als
+Zufaelligkeit des Wissens, der Wirklichkeit und des Tuns hervortreten
+sahen. Die _Vergleichung_ jenes einfachen Seins und der ihm nicht
+entsprechenden Bestimmtheit fiel in uns; und die einfache Substanz
+hat sich darin formale Allgemeinheit oder reines _Bewusstsein_ zu sein
+gezeigt, das frei von dem Inhalte ihm gegenuebertritt, und ein
+_Wissen_ von ihm als dem bestimmten ist. Diese Allgemeinheit bleibt
+auf diese Weise dasselbe, was die _Sache selbst_ war. Aber sie ist
+im Bewusstsein ein anderes; sie ist naemlich nicht mehr die
+gedankenlose traege Gattung, sondern bezogen auf das Besondere, und
+geltend fuer dessen Macht und Wahrheit.--Dies Bewusstsein scheint
+zunaechst dasselbe Pruefen, welches wir vorhin waren, und sein Tun
+nichts anderes sein zu koennen, als schon geschehen ist, eine
+Vergleichung des Allgemeinen mit dem Bestimmten, woraus sich ihre
+Unangemessenheit wie vorhin ergaebe. Aber das Verhaeltnis des Inhalts
+zum Allgemeinen ist hier ein anderes, indem dieses eine andere
+Bedeutung gewonnen hat; es ist _formale_ Allgemeinheit, deren der
+bestimmte Inhalt faehig ist, denn in ihr wird er nur in Beziehung auf
+sich selbst betrachtet. Bei unserm Pruefen stand die allgemeine
+gediegene Substanz der Bestimmtheit gegenueber, welche sich als
+Zufaelligkeit des Bewusstseins, worein die Substanz eintrat,
+entwickelte. Hier ist das ein Glied der Vergleichung verschwunden;
+das Allgemeine ist nicht mehr die _seiende_ und _geltende_ Substanz,
+oder das an und fuer sich Rechte, sondern einfaches Wissen oder Form,
+welche einen Inhalt nur mit sich selbst vergleicht, und ihn
+betrachtet, ob er eine Tautologie ist. Es werden Gesetze nicht mehr
+gegeben, sondern _geprueft_; und die Gesetze sind fuer das pruefende
+Bewusstsein _schon_ gegeben; es nimmt ihren _Inhalt_ auf, wie er
+einfach ist, ohne in die Betrachtung der seiner Wirklichkeit
+anklebenden Einzelnheit und Zufaelligkeit einzugehen, wie wir taten,
+sondern bleibt bei dem Gebote als Gebote stehen, und verhaelt sich
+ebenso einfach gegen es, als es sein Massstab ist.
+
+Dies Pruefen reicht aber aus diesem Grunde nicht weit; eben indem der
+Massstab die Tautologie und gleichgueltig gegen den Inhalt ist, nimmt
+er ebensogut diesen als den entgegengesetzten in sich auf.--Es ist
+die Frage, soll es an und fuer sich Gesetz sein, dass _Eigentum_ sei;
+_an und fuer sich_, nicht aus Nuetzlichkeit fuer andere Zwecke; die
+sittliche Wesenheit besteht eben darin, dass das Gesetz nur sich
+selbst gleiche, und durch diese Gleichheit mit sich also in seinem
+eignen Wesen gegruendet, nicht ein bedingtes sei. Das Eigentum an und
+fuer sich widerspricht sich nicht; es ist eine _isolierte_ oder nur
+sich selbst gleich gesetzte Bestimmtheit. Nichteigentum,
+Herrenlosigkeit der Dinge oder Guetergemeinschaft widerspricht sich
+gerade ebensowenig. Dass etwas niemand gehoert, oder dem naechsten
+besten, der sich in Besitz setzt, oder allen zusammen, und jedem nach
+seinem Beduerfnisse oder zu gleichen Teilen, ist eine _einfache
+Bestimmtheit_, ein _formaler Gedanke_, wie sein Gegenteil, das
+Eigentum.--Wenn das herrenlose Ding freilich betrachtet wird als ein
+_notwendiger Gegenstand_ des _Beduerfnisses_, so ist es notwendig, dass
+es der Besitz irgendeines einzelnen werde; und es waere widersprechend,
+vielmehr die Freiheit des Dinges zum Gesetze zu machen. Unter der
+Herrenlosigkeit des Dinges ist aber auch nicht eine absolute
+Herrenlosigkeit gemeint, sondern es soll in _Besitz kommen_, nach dem
+_Beduerfnisse_ des einzelnen; und zwar nicht um aufbewahrt, sondern um
+unmittelbar gebraucht zu werden. Aber so ganz nur nach der
+Zufaelligkeit fuer das Beduerfnis zu sorgen, ist der Natur des bewussten
+Wesens, von dem allein die Rede ist, widersprechend; denn es muss sich
+sein Beduerfnis in der Form der _Allgemeinheit_ vorstellen, fuer seine
+ganze Existenz sorgen, und sich ein bleibendes Gut erwerben. So
+stimmte also der Gedanke, dass ein Ding dem naechsten selbstbewussten
+Leben nach seinem Beduerfnisse zufaelligerweise zuteil werde, nicht mit
+sich selbst ueberein.--In der Guetergemeinschaft, worin auf eine
+allgemeine und bleibende Weise dafuer gesorgt waere, wird jedem
+entweder soviel zuteil, _als er braucht_, so widerspricht diese
+Ungleichheit und das Wesen des Bewusstseins, dem die _Gleichheit_ der
+Einzelnen Prinzip ist, einander. Oder es wird nach dem letztern
+Prinzip _gleich_ ausgeteilt, so hat der Anteil nicht die Beziehung
+auf das Beduerfnis, welche doch allein sein Begriff ist.
+
+Allein wenn auf diese Weise das Nichteigentum widersprechend
+erscheint, so geschieht es nur darum, weil es nicht als _einfache_
+Bestimmtheit gelassen worden ist. Dem Eigentum geht es ebenso, wenn
+es in Momente aufgeloest wird. Das einzelne Ding, das mein Eigentum
+ist, gilt damit fuer ein _Allgemeines, Befestigtes, Bleibendes_; dies
+widerspricht aber seiner Natur, die darin besteht, gebraucht zu
+werden und zu _verschwinden_. Es gilt zugleich fuer das _Meinige_,
+das alle andern anerkennen, und sich davon ausschliessen. Aber darin,
+dass ich anerkannt bin, liegt vielmehr meine Gleichheit mit allen, das
+Gegenteil der Ausschliessung.--Was ich besitze, ist ein _Ding_, d.h.
+ein Sein fuer Andre ueberhaupt, ganz allgemein und unbestimmt nur fuer
+mich zu sein; dass _Ich_ es besitze, widerspricht seiner allgemeinen
+Dingheit. Eigentum widerspricht sich daher nach allen Seiten
+ebensosehr als Nichteigentum; jedes hat diese beiden
+entgegengesetzten, sich widersprechenden Momente der Einzelnheit und
+Allgemeinheit an ihm.--Aber jede dieser Bestimmtheiten _einfach_
+vorgestellt, als Eigentum oder Nichteigentum, ohne weitere
+Entwicklung, ist eine so _einfach_ als die andere, das heisst, sich
+nicht widersprechend.--Der Massstab des Gesetzes, den die Vernunft an
+ihr selbst hat, passt daher allem gleich gut, und ist hiemit in der
+Tat kein Massstab.--Es muesste auch sonderbar zugehen, wenn die
+Tautologie, der Satz des Widerspruchs, der fuer die Erkenntnis
+theoretischer Wahrheit nur als ein formelles Kriterium zugestanden
+wird, das heisst, als etwas, das gegen Wahrheit und Unwahrheit ganz
+gleichgueltig sei, fuer die Erkenntnis praktischer _Wahrheit mehr sein
+sollte_.
+
+In den beiden soeben betrachteten Momenten der Erfuellung des vorher
+leeren geistigen Wesens hat sich das Setzen von unmittelbaren
+Bestimmtheiten an der sittlichen Substanz, und dann das Wissen von
+ihnen, ob sie Gesetze sind, aufgehoben. Das Resultat scheint hiemit
+dieses zu sein, dass weder bestimmte Gesetze noch ein Wissen derselben
+stattfinden koenne. Allein die Substanz ist das _Bewusstsein_ von sich
+als der absoluten _Wesenheit_, welches hiemit weder den _Unterschied_
+an ihr noch das _Wissen_ von ihm aufgeben kann. Dass das Gesetzgeben
+und Gesetzpruefen sich als nichtig erwies, hat diese Bedeutung, dass
+beides einzeln und isoliert genommen nur haltungslose _Momente_ des
+sittlichen Bewusstseins sind; und die Bewegung, in welcher sie
+auftreten, hat den formalen Sinn, dass die sittliche Substanz sich
+dadurch als Bewusstsein darstellt.
+
+Insofern diese beiden Momente naehere Bestimmungen des Bewusstseins der
+_Sache selbst_ sind, koennen sie als Formen der _Ehrlichkeit_
+angesehen werden, die, wie sonst mit ihren formalen Momenten, sich
+itzt mit einem seinsollenden Inhalt des Guten und Rechten und einem
+Pruefen solcher festen Wahrheit herumtreibt, und in der gesunden
+Vernunft und verstaendigen Einsicht die Kraft und Gueltigkeit der
+Gebote zu haben meint.
+
+Ohne diese Ehrlichkeit aber gelten die Gesetze nicht als _Wesen_ des
+_Bewusstseins_ und das Pruefen ebenso nicht als Tun _innerhalb_
+desselben; sondern diese Momente druecken, wie sie jedes fuer sich
+_unmittelbar_ als eine _Wirklichkeit_ auftreten, das eine ein
+ungueltiges Aufstellen und Sein wirklicher Gesetze und das andre eine
+ebenso ungueltige Befreiung von denselben aus. Das Gesetz hat als
+bestimmtes Gesetz einen zufaelligen Inhalt--dies hat hier die
+Bedeutung, dass es Gesetz eines einzelnen Bewusstseins von einem
+willkuerlichen Inhalt ist. Jenes unmittelbare Gesetzgeben ist also
+der tyrannische Frevel, der die Willkuer zum Gesetze macht, und die
+Sittlichkeit zu einem Gehorsame gegen sie--gegen Gesetze, die _nur_
+Gesetze, nicht zugleich _Gebote_ sind. So wie das zweite Moment,
+insofern es isoliert ist, das Pruefen der Gesetze, das Bewegen des
+Unbewegbaren und den Frevel des Wissens bedeutet, der sich von den
+absoluten Gesetzen frei raesoniert, und sie fuer eine ihm fremde
+Willkuer nimmt.
+
+In beiden Formen sind diese Momente ein negatives Verhaeltnis zur
+Substanz oder dem realen geistigen Wesen; oder in ihnen hat die
+Substanz noch nicht ihre Realitaet, sondern das Bewusstsein enthaelt sie
+noch in der Form seiner eignen Unmittelbarkeit, und sie ist nur erst
+ein _Willen_ und _Wissen_ dieses Individuums, oder das _Sollen_ eines
+unwirklichen Gebots, und ein Wissen der formalen Allgemeinheit. Aber
+indem diese Weisen sich aufhoben, ist das Bewusstsein in das
+Allgemeine zurueckgegangen, und jene Gegensaetze sind verschwunden.
+Das geistige Wesen ist dadurch wirkliche Substanz, dass diese Weisen
+nicht einzeln gelten, sondern nur als aufgehobne, und die Einheit,
+worin sie nur Momente sind, ist das Selbst des Bewusstseins, welches
+nunmehr in dem geistigen Wesen gesetzt, dasselbe zum wirklichen,
+erfuellten und selbstbewussten macht.
+
+Das geistige Wesen ist hiemit vors erste fuer das Selbstbewusstsein als
+_an sich_ seiendes Gesetz; die Allgemeinheit des Pruefens, welche die
+formale nicht _an sich_ seiende war, ist aufgehoben. Es ist ebenso
+ein ewiges Gesetz, welches nicht in dem _Willen dieses Individuums_
+seinen Grund hat, sondern es ist an und fuer sich, der absolute _reine
+Willen aller_, der die Form des unmittelbaren _Seins_ hat. Er ist
+auch nicht ein _Gebot_, das nur sein _soll_, sondern er _ist_ und
+_gilt_; es ist das allgemeine Ich der Kategorie, das unmittelbar die
+Wirklichkeit ist, und die Welt ist nur diese Wirklichkeit. Indem
+aber dieses _seiende Gesetz_ schlechthin gilt, so ist der Gehorsam
+des Selbstbewusstseins nicht der Dienst gegen einen Herrn, dessen
+Befehle eine Willkuer waere, und worin es sich nicht erkennte. Sondern
+die Gesetze sind Gedanken seines eignen absoluten Bewusstseins, welche
+es selbst unmittelbar _hat_. Es _glaubt_ auch nicht an sie, denn der
+Glauben schaut wohl auch das Wesen, aber ein fremdes an. Das
+sittliche _Selbst_bewusstsein ist durch die _Allgemeinheit_ seines
+_Selbsts unmittelbar_ mit dem Wesen eins; der Glauben hingegen faengt
+von dem _einzelnen_ Bewusstsein an, er ist die Bewegung desselben,
+immer dieser Einheit zuzugehen, ohne die Gegenwart seines Wesens zu
+erreichen.--Jenes Bewusstsein hingegen hat sich als einzelnes
+aufgehoben, diese Vermittlung ist vollbracht, und nur dadurch, dass
+sie vollbracht ist, ist es unmittelbares Selbstbewusstsein der
+sittlichen Substanz.
+
+Der Unterschied des Selbstbewusstseins von dem Wesen ist also
+vollkommen durchsichtig. Dadurch sind die _Unterschiede an dem
+Wesen_ selbst nicht zufaellige Bestimmtheiten, sondern um der Einheit
+des Wesens und des Selbstbewusstseins willen, von welchem allein die
+Ungleichheit kommen koennte, sind sie die Massen ihrer von ihrem Leben
+durchdrungenen Gegliederung, sich selbst klare unentzweite Geister,
+makellose himmlische Gestalten, die in ihren Unterschieden die
+unentweihte Unschuld und Einmuetigkeit ihres Wesens erhalten.--Das
+Selbstbewusstsein ist ebenso einfaches, klares _Verhaeltnis_ zu ihnen.
+Sie _sind_, und weiter nichts--macht das Bewusstsein seines
+Verhaeltnisses aus. So gelten sie der Antigone des Sophokles als der
+Goetter _ungeschriebnes_ und _untruegliches_ Recht nicht etwa jetzt und
+gestern, sondern immerdarlebt es, und keiner weiss, von wannen es
+erschien. _Sie sind_. Wenn ich nach Ihrer Entstehung frage, und sie
+auf den Punkt ihres Ursprungs einenge, so bin ich darueber
+hinausgegangen; denn ich bin nunmehr das Allgemeine, sie aber das
+Bedingte und Beschraenkte. Wenn sie sich meiner Einsicht legitimieren
+sollen, so habe ich schon ihr unwankendes An-sich-sein bewegt, und
+betrachte sie als etwas, das vielleicht wahr, vielleicht auch nicht
+wahr fuer mich sei. Die sittliche Gesinnung besteht eben darin,
+unverrueckt in dem fest zu beharren, was das Rechte ist, und sich
+alles Bewegens, Ruettelns und Zurueckfuehrens desselben zu enthalten.
+--Es wird ein Depositum bei mir gemacht; es _ist_ das Eigentum eines
+andern, und ich anerkenne es, _weil es so ist_, und erhalte mich
+unwankend in diesem Verhaeltnisse. Behalte ich fuer mich das Depositum,
+so begehe ich nach dem Prinzipe meines Pruefens, der Tautologie, ganz
+und gar keinen Widerspruch; denn alsdenn sehe ich es nicht mehr fuer
+das Eigentum eines andern an; etwas behalten, das ich nicht fuer das
+Eigentum eines andern ansehe, ist vollkommen konsequent. Die
+Aenderung _der Ansicht_ ist kein Widerspruch, denn es ist nicht um sie
+als Ansicht, sondern um den Gegenstand und Inhalt zu tun, der sich
+nicht widersprechen soll. So sehr ich--wie ich tue, wenn ich etwas
+wegschenke--die Ansicht, dass etwas mein Eigentum ist, in die Ansicht,
+dass es das Eigentum eines andern ist, veraendern kann, ohne dadurch
+eines Widerspruches schuldig zu werden, ebensosehr kann ich den
+umgekehrten Weg gehen.--Nicht darum also, weil ich etwas sich nicht
+widersprechend finde, ist es Recht; sondern weil es das Rechte ist,
+ist es Recht. Dass etwas das Eigentum des andern _ist_, dies liegt
+_zum Grunde_; darueber habe ich nicht zu raesonieren, noch mancherlei
+Gedanken, Zusammenhaenge, Ruecksichten aufzusuchen oder mir einfallen
+zu lassen; weder ans Gesetzgeben noch ans Pruefen zu denken; durch
+solcherlei Bewegungen meines Gedankens verrueckte ich jenes Verhaeltnis,
+indem ich in der Tat nach Belieben meinem unbestimmten
+tautologischen Wissen das Gegenteil ebensowohl gemaess, und es also zum
+Gesetze machen koennte. Sondern ob diese oder die entgegengesetzte
+Bestimmung das Rechte sei, ist _an_ und _fuer sich_ bestimmt; ich fuer
+mich koennte, welche ich wollte, und ebensogut keine zum Gesetze
+machen, und bin, indem ich zu pruefen anfange, schon auf unsittlichem
+Wege. Dass das Rechte mir _an_ und _fuer sich_ ist, dadurch bin ich in
+der sittlichen Substanz; so ist sie das _Wesen_ des Selbstbewusstseins;
+dieses aber ist _ihre Wirklichkeit_ und _Dasein_, ihr _Selbst_ und
+_Willen_.
+
+
+
+VI. Der Geist
+
+Die Vernunft ist Geist, indem die Gewissheit, alle Realitaet zu sein,
+zur Wahrheit erhoben, und sie sich ihrer selbst als ihrer Welt und
+der Welt als ihrer selbst bewusst ist.--Das Werden des Geistes zeigte
+die unmittelbar vorhergehende Bewegung auf, worin der Gegenstand des
+Bewusstseins, die reine Kategorie, zum Begriffe der Vernunft sich
+erhob. In der _beobachtenden_ Vernunft ist diese reine Einheit des
+_Ich_ und des _Seins_, des _Fuer-sich-_ und des _An-sich-_seins, als
+das _An-sich_ oder als _Sein_ bestimmt, und das Bewusstsein der
+Vernunft findet sie. Aber die Wahrheit des Beobachtens ist vielmehr
+das Aufheben dieses unmittelbaren findenden Instinkts, dieses
+bewusstlosen Daseins derselben. Die _angeschaute_ Kategorie, das
+_gefundne Ding_ tritt in das Bewusstsein als das _Fuer-sich-sein_ des
+Ich, welches sich nun im gegenstaendlichen Wesen als das _Selbst_ weiss.
+Aber diese Bestimmung der Kategorie, als des Fuer-sich-seins
+entgegengesetzt dem An-sich-sein, ist ebenso einseitig und ein sich
+selbst aufhebendes Moment. Die Kategorie wird daher fuer das
+Bewusstsein bestimmt, wie sie in ihrer allgemeinen Wahrheit ist, als
+_an- und fuersich_seiendes Wesen. Diese noch _abstrakte_ Bestimmung,
+welche die _Sache selbst_ ausmacht, ist erst das _geistige Wesen_,
+und sein Bewusstsein ein formales Wissen von ihm, das sich mit
+mancherlei Inhalt desselben herumtreibt; es ist von der Substanz in
+der Tat noch als ein Einzelnes unterschieden, gibt entweder
+willkuerliche Gesetze, oder meint die Gesetze, wie sie an und fuer sich
+sind, in seinem Wissen als solchem zu haben; und haelt sich fuer die
+beurteilende Macht derselben.--Oder von der Seite der Substanz
+betrachtet, so ist diese das _an- und fuersichseiende_ geistige Wesen,
+welches noch nicht _Bewusstsein_ seiner selbst ist.--Das _an- und
+fuersichseiende_ Wesen aber, welches sich zugleich als Bewusstsein
+wirklich und sich sich selbst vorstellt, ist _der Geist_.
+
+Sein geistiges _Wesen_ ist schon als die _sittliche Substanz_
+bezeichnet worden; der Geist aber ist _die sittliche Wirklichkeit_.
+Er ist das _Selbst_ des wirklichen Bewusstseins, dem er oder vielmehr
+das sich als gegenstaendliche wirkliche Welt gegenuebertritt, welche
+aber ebenso fuer das Selbst alle Bedeutung eines Fremden, so wie das
+Selbst alle Bedeutung eines von ihr getrennten, abhaengigen oder
+unabhaengigen Fuer-sich-seins verloren hat. Die _Substanz_ und das
+allgemeine, sichselbstgleiche, bleibende Wesen--ist er der
+unverrueckte und unaufgeloeste _Grund_ und _Ausgangspunkt_ des Tuns
+Aller,--und ihr _Zweck_ und _Ziel_, als das gedachte _An-sich_ aller
+Selbstbewusstsein.--Diese Substanz ist ebenso das allgemeine Werk, das
+sich durch das _Tun_ Aller und jeder als ihre Einheit und Gleichheit
+erzeugt, denn sie ist das _Fuer-sich-sein_, das Selbst, das Tun. Als
+die _Substanz_ ist der Geist die unwankende gerechte
+_Sichselbstgleichheit_; aber als _Fuer-sich-sein_ ist sie das
+aufgeloeste, das sich aufopfernde guetige Wesen, an dem jeder sein
+eignes Werk vollbringt, das allgemeine Sein zerreisst und sich seinen
+Teil davon nimmt. Diese Aufloesung und Vereinzelung des Wesens ist
+eben das _Moment_ des Tuns und Selbsts Aller; es ist die Bewegung und
+Seele der Substanz, und das bewirkte allgemeine Wesen. Gerade darin
+dass sie das im Selbst aufgeloeste Sein ist, ist sie nicht das tote
+Wesen, sondern _wirklich_ und _lebendig._
+
+Der Geist ist hiemit das sich selbst tragende absolute reale Wesen.
+Alle bisherigen Gestalten des Bewusstseins sind Abstraktionen
+desselben; sie sind dies, dass er sich analysiert, seine Momente
+unterscheidet, und bei einzelnen verweilt. Dies Isolieren solcher
+Momente hat ihn selbst zur _Voraussetzung_ und zum _Bestehen_, oder
+es existiert nur in ihm, der die Existenz ist. Sie haben so isoliert
+den Schein, als ob sie als solche _waeren_; aber wie sie nur Momente
+oder verschwindende Groessen sind, zeigte ihre Fortwaelzung und Rueckgang
+in ihren Grund und Wesen; und dies Wesen eben ist diese Bewegung und
+Aufloesung dieser Momente. Hier, wo der Geist oder die Reflexion
+derselben in sich selbst gesetzt ist, kann unsre Reflexion an sie
+nach dieser Seite kurz erinnern, sie waren Bewusstsein,
+Selbstbewusstsein und Vernunft. Der Geist ist also _Bewusstsein_
+ueberhaupt, was sinnliche Gewissheit, Wahrnehmen und den Verstand in
+sich begreift, insofern er in der Analyse seiner selbst das Moment
+festhaelt, dass er sich _gegenstaendliche, seiende_ Wirklichkeit ist,
+und davon abstrahiert, dass diese Wirklichkeit sein eignes
+Fuer-sich-sein ist. Haelt er im Gegenteil das andre Moment der Analyse
+fest, dass sein Gegenstand sein _Fuer-sich-sein_ ist, so ist er
+Selbstbewusstsein. Aber als unmittelbares Bewusstsein des _An- und
+Fuer-sich-seins_, als Einheit des Bewusstseins und des
+Selbstbewusstseins ist er das Bewusstsein, das _Vernunft hat_, das, wie
+das _Haben_ es bezeichnet, den Gegenstand hat als _an sich_
+vernuenftig bestimmt, oder vom Werte der Kategorie, aber so, dass er
+noch fuer das Bewusstsein desselben den Wert der Kategorie nicht hat.
+Er ist das Bewusstsein, aus dessen Betrachtung wir soeben herkommen.
+Diese Vernunft, die er _hat_, endlich als eine solche von ihm
+angeschaut, die Vernunft _ist_, oder die Vernunft, die in ihm
+_wirklich_ und die seine Welt ist, so ist er in seiner Wahrheit; er
+_ist_ der Geist, er ist das _wirkliche sittliche_ Wesen.
+
+Der Geist ist das _sittliche Leben_ eines _Volks_, insofern er die
+_unmittelbare Wahrheit ist_; das Individuum, das eine Welt ist. Er
+muss zum Bewusstsein ueber das, was er unmittelbar ist, fortgehen, das
+schoene sittliche Leben aufheben, und durch eine Reihe von Gestalten
+zum Wissen seiner selbst gelangen. Diese unterscheiden sich aber von
+den vorhergehenden dadurch, dass sie die realen Geister sind,
+eigentliche Wirklichkeiten, und statt Gestalten nur des Bewusstseins,
+Gestalten einer Welt.
+
+Die _lebendige sittliche_ Welt ist der Geist in seiner _Wahrheit_;
+wie er zunaechst zum abstrakten _Wissen_ seines Wesens kommt, geht die
+Sittlichkeit in der formalen Allgemeinheit des Rechts unter. Der in
+sich selbst nunmehr entzweite Geist beschreibt in seinem
+gegenstaendlichen Elemente als in einer harten Wirklichkeit die eine
+seiner Welten, das _Reich der Bildung_, und ihr gegenueber im Elemente
+des Gedankens die _Welt des Glaubens_, das _Reich des Wesens_. Beide
+Welten aber von dem Geiste, der aus diesem Verluste seiner selbst in
+sich geht, von dem _Begriffe_ erfasst, werden durch die _Einsicht_ und
+ihre Verbreitung, die _Aufklaerung_, verwirrt und revolutioniert, und
+das in das _Diesseits_ und _Jenseits_ verteilte und ausgebreitete
+Reich kehrt in das Selbstbewusstsein zurueck, das nun in der
+_Moralitaet_ sich als die Wesenheit und das Wesen als wirkliches
+Selbst erfasst, seine _Welt_ und ihren _Grund_ nicht mehr aus sich
+heraussetzt, sondern alles in sich verglimmen laesst, und als
+_Gewissen_ der _seiner selbst gewisse_ Geist ist.
+
+Die sittliche Welt, die in das Diesseits und Jenseits zerrissene Welt
+und die moralische Weltanschauung sind also die Geister, deren
+Bewegung und Rueckgang in das einfache fuersichseiende Selbst des
+Geistes sich entwickeln, und als deren Ziel und Resultat das
+wirkliche Selbstbewusstsein des absoluten Geistes hervortreten wird.
+
+
+A. Der wahre Geist,die Sittlichkeit
+
+Der Geist ist in seiner einfachen Wahrheit Bewusstsein, und schlaegt
+seine Momente auseinander. Die _Handlung_ trennt ihn in die Substanz
+und das Bewusstsein derselben; und trennt ebensowohl die Substanz als
+das Bewusstsein. Die Substanz tritt als allgemeines _Wesen_ und
+_Zweck_, sich als der _vereinzelnten_ Wirklichkeit gegenueber; die
+unendliche Mitte ist das Selbstbewusstsein, welches _an sich_ Einheit
+seiner und der Substanz, es nun _fuer sich_ wird, das allgemeine Wesen
+und seine vereinzelnte Wirklichkeit vereint, diese zu jenem erhebt,
+und sittlich handelt--und jenes zu dieser herunterbringt, und den
+Zweck, die nur gedachte Substanz ausfuehrt; es bringt die Einheit
+seines Selbsts und der Substanz als _sein Werk_ und damit als
+_Wirklichkeit_ hervor.
+
+In dem Auseinandertreten des Bewusstseins hat die einfache Substanz
+den Gegensatz teils gegen das Selbstbewusstsein erhalten, teils stellt
+sie damit ebensosehr an ihr selbst die Natur des Bewusstseins, sich in
+sich selbst zu unterscheiden, als eine in ihre Massen gegliederte
+Welt dar. Sie spaltet sich also in ein unterschiednes sittliches
+Wesen, in ein menschliches und goettliches Gesetz. Ebenso das ihr
+gegenuebertretende Selbstbewusstsein teilt sich nach seinem Wesen der
+einen dieser Maechte zu, und als Wissen in die Unwissenheit dessen,
+was es tut, und in das Wissen desselben, das deswegen ein betrognes
+Wissen ist. Es erfaehrt also in seiner Tat sowohl den Widerspruch
+_jener Maechte_, worein die Substanz sich entzweite, und ihre
+gegenseitige Zerstoerung, wie den Widerspruch seines Wissens von der
+Sittlichkeit seines Handelns--mit dem, was an und fuer sich sittlich
+ist, und findet _seinen eignen_ Untergang. In der Tat aber ist die
+sittliche Substanz durch diese Bewegung zum _wirklichen
+Selbstbewusstsein_ geworden, oder _dieses_ Selbst zum _An_- und
+_Fuersich_seienden, aber darin ist eben die Sittlichkeit zugrunde
+gegangen.
+
+
+a. Die sittliche Welt,das menschliche und goettliche Gesetz,der Mann
+und das Weib
+
+Die einfache Substanz des Geistes teilt sich als Bewusstsein. Oder
+wie das Bewusstsein des abstrakten, des sinnlichen Seins in die
+Wahrnehmung uebergeht, so auch die unmittelbare Gewissheit des realen,
+sittlichen Seins; und wie fuer die sinnliche Wahrnehmung das einfache
+Sein ein Ding von vielen Eigenschaften wird, so ist fuer die sittliche
+der Fall des Handelns eine Wirklichkeit von vielen sittlichen
+Beziehungen. Jener zieht sich aber die unnuetze Vielheit der
+Eigenschaften in den wesentlichen Gegensatz der Einzelnheit und
+Allgemeinheit zusammen, und noch mehr dieser, die das gereinigte,
+substantielle Bewusstsein ist, wird die Vielheit der sittlichen
+Momente das Zwiefache eines Gesetzes der Einzelnheit und eines der
+Allgemeinheit. Jede dieser Massen der Substanz bleibt aber der ganze
+Geist; wenn in der sinnlichen Wahrnehmung die Dinge keine andre
+Substanz als die beiden Bestimmungen der Einzelnheit und der
+Allgemeinheit haben, so druecken sie hier nur den oberflaechlichen
+Gegensatz der beiden Seiten gegeneinander aus.
+
+Die Einzelnheit hat an dem Wesen, das wir hier betrachten, die
+Bedeutung des _Selbstbewusstseins_ ueberhaupt, nicht eines einzelnen
+zufaelligen Bewusstseins. Die sittliche Substanz ist also in dieser
+Bestimmung die _wirkliche_ Substanz, der absolute Geist in der
+Vielheit des daseienden _Bewusstseins realisiert_; er ist das
+_Gemeinwesen_, welches _fuer uns_ bei dem Eintritt in die praktische
+Gestaltung der Vernunft ueberhaupt das absolute Wesen war, und hier in
+seiner Wahrheit _fuer sich_ selbst als bewusstes sittliches Wesen, und
+als das _Wesen fuer das_ Bewusstsein, das wir zum Gegenstande haben,
+hervorgetreten ist. Es ist Geist, welcher _fuer sich_, indem er im
+_Gegenschein der Individuen_ sich,--und _an sich_ oder Substanz ist,
+indem er sie in sich erhaelt. Als die _wirkliche Substanz_ ist er
+_ein Volk_, als _wirkliches Bewusstsein Buerger_ des Volkes. Dies
+Bewusstsein hat an dem einfachen Geiste sein _Wesen_, und die
+Gewissheit seiner selbst in der _Wirklichkeit_ dieses Geistes, dem
+ganzen Volke, und unmittelbar darin seine _Wahrheit_, also nicht in
+etwas, das nicht wirklich ist, sondern in einem Geiste, der
+_existiert_ und _gilt_.
+
+Dieser Geist kann das menschliche Gesetz genannt werden, weil er
+wesentlich in der Form der _ihrer selbst bewussten Wirklichkeit_ ist.
+Er ist in der Form der Allgemeinheit das _bekannte_ Gesetz und die
+_vorhandene_ Sitte; in der Form der Einzelnheit ist er die wirkliche
+Gewissheit seiner selbst in dem _Individuum_ ueberhaupt, und die
+Gewissheit seiner als _einfacher Individualitaet_ ist er als Regierung;
+seine Wahrheit ist die offene an dem Tag liegende _Gueltigkeit_; eine
+_Existenz_, welche fuer die unmittelbare Gewissheit in die Form des
+frei entlassenen Daseins tritt.
+
+Dieser sittlichen Macht und Offenbarkeit tritt aber eine andere Macht,
+das _goettliche Gesetz_, gegenueber. Denn die sittliche _Staatsmacht_
+hat als die _Bewegung_ des sich _bewussten Tuns_ an dem _einfachen_
+und _unmittelbaren Wesen_ der Sittlichkeit ihren Gegensatz; als
+_wirkliche Allgemeinheit_ ist sie eine Gewalt gegen das individuelle
+Fuer-sich-sein; und als Wirklichkeit ueberhaupt hat sie an dem _innern_
+Wesen noch ein Anders, als sie ist.
+
+Es ist schon erinnert worden, dass jede der entgegengesetzten Weisen
+der sittlichen Substanz zu existieren sie ganz und alle Momente ihres
+Inhalts enthaelt. Wenn also das Gemeinwesen sie als das seiner
+bewusste wirkliche Tun ist, so hat die andere Seite die Form der
+unmittelbaren oder seienden Substanz. Diese ist so einerseits der
+innre Begriff oder die allgemeine Moeglichkeit der Sittlichkeit
+ueberhaupt, hat aber anderseits das Moment des Selbstbewusstseins
+ebenso an ihr. Dieses in diesem Elemente der _Unmittelbarkeit_ oder
+des _Seins_ die Sittlichkeit ausdrueckend, oder ein _unmittelbares_
+Bewusstsein seiner wie als Wesens so als dieses Selbsts in einem
+Andern, das heisst, ein _natuerliches sittliches_ Gemeinwesen,--ist die
+_Familie_. Sie steht als der _bewusstlose_ noch innre Begriff seiner
+sich bewussten Wirklichkeit, als das _Element_ der Wirklichkeit des
+Volks, dem Volke selbst, als _unmittelbares_ sittliches _Sein_,--der
+durch die _Arbeit_ fuer das Allgemeine sich bildenden und erhaltenden
+Sittlichkeit, die Penaten dem allgemeinen Geiste gegenueber.
+
+Ob sich aber wohl das _sittliche Sein_ der Familie als das
+_unmittelbare_ bestimmt, so ist sie innerhalb ihrer _sittliches_
+Wesen nicht, _insofern_ sie das Verhaeltnis _der Natur_ ihrer Glieder,
+oder deren Beziehung die _unmittelbare einzelner wirklicher_ ist;
+denn das sittliche ist an sich _allgemein_, und dies Verhaeltnis der
+Natur ist wesentlich ebensosehr ein Geist, und nur als geistiges
+Wesen sittlich. Es ist zu sehen, worin seine eigentuemliche
+Sittlichkeit besteht.--Zunaechst, weil das Sittliche das an sich
+Allgemeine ist, ist die sittliche Beziehung der Familienglieder nicht
+die Beziehung der Empfindung oder das Verhaeltnis der Liebe. Das
+Sittliche scheint nun in das Verhaeltnis des _einzelnen_
+Familiengliedes zur _ganzen_ Familie als der Substanz gelegt werden
+zu muessen; so dass sein Tun und Wirklichkeit nur sie zum Zweck und
+Inhalt hat. Aber der bewusste Zweck, den das _Tun_ dieses Ganzen,
+insofern er auf es selbst geht, hat, ist selbst das Einzelne. Die
+Erwerbung und Erhaltung von Macht und Reichtum geht teils nur auf das
+Beduerfnis und gehoert der Begierde an; teils wird sie in ihrer hoehern
+Bestimmung etwas nur Mittelbares. Diese Bestimmung faellt nicht in
+die Familie selbst, sondern geht auf das wahrhaft Allgemeine, das
+Gemeinwesen; sie ist vielmehr negativ gegen die Familie, und besteht
+darin, den Einzelnen aus ihr herauszusetzen, seine Natuerlichkeit und
+Einzelnheit zu unterjochen, und ihn zur _Tugend_, zum Leben in und
+fuers Allgemeine zu ziehen. Der der Familie eigentuemliche, _positive_
+Zweck ist der Einzelne als solcher. Dass nun diese Beziehung sittlich
+sei, kann er nicht, weder der, welcher handelt, noch der, auf welchen
+sich die Handlung bezieht, nach einer _Zufaelligkeit_ auftreten, wie
+etwa in irgendeiner Huelfe oder Dienstleistung geschieht. Der Inhalt
+der sittlichen Handlung muss substantiell oder ganz und allgemein sein;
+sie kann sich daher nur auf den _ganzen_ Einzelnen, oder auf ihn als
+allgemeinen beziehen. Auch dies wieder nicht etwa so, dass sich nur
+_vorgestellt_ waere, eine _Dienstleistung_ foerdere sein ganzes Glueck,
+waehrend sie so, wie sie unmittelbare und wirkliche Handlung ist, nur
+etwas Einzelnes an ihm tut;--noch dass sie auch wirklich als Erziehung,
+in einer _Reihe_ von Bemuehungen, ihn als Ganzes zum Gegenstand hat
+und als Werk hervorbringt; wo ausser dem gegen die Familie negativen
+Zwecke die _wirkliche Handlung_ nur einen beschraenkten Inhalt hat;
+--ebensowenig endlich, dass sie eine Nothuelfe ist, wodurch in Wahrheit
+der ganze Einzelne errettet wird; denn sie ist selbst eine voellig
+zufaellige Tat, deren Gelegenheit eine gemeine Wirklichkeit ist,
+welche sein und auch nicht sein kann. Die Handlung also, welche die
+ganze Existenz des Blutsverwandten umfasst, und ihn--nicht den Buerger,
+denn dieser gehoert nicht der Familie an, noch den, der Buerger werden
+und _aufhoeren_ soll, als _dieser Einzelne_ zu gelten, sondern ihn,
+_diesen_ der Familie angehoerigen Einzelnen, als ein _allgemeines_,
+der sinnlichen, d.i. einzelnen Wirklichkeit enthobenes Wesen zu ihrem
+Gegenstande und Inhalt hat, betrifft nicht mehr den _Lebenden,_
+sondern den _Toten_, der aus der langen Reihe seines zerstreuten
+Daseins sich in die vollendete _eine_ Gestaltung zusammengefasst, und
+aus der Unruhe des zufaelligen Lebens sich in die Ruhe der einfachen
+Allgemeinheit erhoben hat.--Weil er nur als Buerger _wirklich_ und
+_substantiell_ ist, so ist der Einzelne, wie er nicht Buerger ist, und
+der Familie angehoert, nur der _unwirkliche_ marklose Schatten.
+
+Diese Allgemeinheit, zu der der Einzelne als _solcher_ gelangt, ist
+das _reine Sein, der Tod_; es ist das _unmittelbare natuerliche
+Gewordensein_, nicht das _Tun_ eines _Bewusstseins_. Die Pflicht des
+Familiengliedes ist deswegen, diese Seite hinzuzufuegen, damit auch
+sein letztes _Sein_, dies _allgemeine_ Sein, nicht allein der Natur
+angehoere und etwas Unvernuenftiges bleibe, sondern dass es ein
+_getanes_, und das Recht des Bewusstseins in ihm behauptet sei. Oder
+der Sinn der Handlung ist vielmehr, dass, weil in Wahrheit die Ruhe
+und Allgemeinheit des seiner selbst bewussten Wesens nicht der Natur
+angehoert, der Schein eines solchen Tuns hinwegfalle, den sich die
+Natur angemasst, und die Wahrheit hergestellt werde.--Was die Natur an
+ihm tat, ist die Seite, von welcher sein Werden zum Allgemeinen sich
+als die Bewegung eines _Seienden_ darstellt. Sie faellt zwar selbst
+innerhalb des sittlichen Gemeinwesens und hat dieses zum Zwecke; der
+Tod ist die Vollendung und hoechste Arbeit, welche das Individuum als
+solches fuer es uebernimmt. Aber insofern es wesentlich _einzelnes_
+ist, ist es zufaellig, dass sein Tod unmittelbar mit seiner Arbeit fuers
+Allgemeine zusammenhing, und Resultat derselben war, teils wenn er's
+war, ist er die _natuerliche_ Negativitaet und die Bewegung des
+Einzelnen als _Seienden_, worin das Bewusstsein nicht in sich
+zurueckkehrt und Selbstbewusstsein wird; oder indem die Bewegung des
+_Seienden_ diese ist, dass es aufgehoben wird und zum _Fuer-sich-sein_
+gelangt, ist der Tod die Seite der Entzweiung, worin das
+Fuer-sich-sein, das erlangt wird, ein anderes ist als das Seiende,
+welches in die Bewegung eintrat.--Weil die Sittlichkeit der Geist in
+seiner _unmittelbaren_ Wahrheit ist, so fallen die Seiten, in die
+sein Bewusstsein auseinandertritt, auch in diese Form der
+_Unmittelbarkeit_, und die Einzelnheit tritt in diese _abstrakte_
+Negativitaet herueber, welche ohne Trost und Versoehnung _an sich
+selbst_, sie _wesentlich_ durch eine _wirkliche_ und _aeusserliche
+Handlung_ empfangen muss.--Die Blutsverwandtschaft ergaenzt also die
+abstrakte natuerliche Bewegung dadurch, dass sie die Bewegung des
+Bewusstseins hinzufuegt, das Werk der Natur unterbricht, und den
+Blutsverwandten der Zerstoerung entreisst, oder besser, weil die
+Zerstoerung, sein Werden zum reinen Sein, notwendig ist, selbst die
+Tat der Zerstoerung ueber sich nimmt.--Es koemmt hiedurch zustande, dass
+auch das _tote_, das allgemeine _Sein_ ein in sich zurueckgekehrtes,
+ein _Fuer-sich-sein_, oder die kraftlose reine _einzelne_ Einzelnheit
+zur _allgemeinen Individualitaet_ erhoben wird. Der Tote, da er sein
+Sein von seinem _Tun_ oder negativen Eins freigelassen, ist die leere
+Einzelnheit, nur ein passives _Sein fuer Anderes_, aller niedrigen
+vernunftlosen Individualitaet und den Kraeften abstrakter Stoffe
+preisgegeben, wovon jene um des Lebens willen, das sie hat, diese um
+ihrer negativen Natur willen itzt maechtiger sind als er. Dies ihn
+entehrende Tun bewusstloser Begierde und abstrakter Wesen haelt die
+Familie von ihm ab, setzt das ihrige an die Stelle, und vermaehlt den
+Verwandten dem Schosse der Erde, der elementarischen unvergaenglichen
+Individualitaet; sie macht ihn hierdurch zum Genossen eines
+Gemeinwesens, welches vielmehr die Kraefte der einzelnen Stoffe und
+die niedrigen Lebendigkeiten, die gegen ihn frei werden und ihn
+zerstoeren wollten, ueberwaeltigt und gebunden haelt.
+
+Diese letzte Pflicht macht also das vollkommene _goettliche_ Gesetz,
+oder die positive _sittliche_ Handlung gegen den Einzelnen aus.
+Alles andre Verhaeltnis gegen ihn, das nicht in der Liebe stehenbleibt,
+sondern sittlich ist, gehoert dem menschlichen Gesetze an, und hat
+die negative Bedeutung, den Einzelnen ueber die Einschliessung in das
+natuerliche Gemeinwesen zu erheben, dem er als _wirklicher_ angehoert.
+Wenn nun aber schon das menschliche Recht zu seinem Inhalte und Macht
+die wirkliche ihrer bewusste sittliche Substanz, das ganze Volk, hat,
+das goettliche Recht und Gesetz aber den Einzelnen, der jenseits der
+Wirklichkeit ist, so ist er nicht ohne Macht; seine Macht ist das
+_abstrakte_ rein _Allgemeine_; das _elementarische_ Individuum,
+welches die Individualitaet, die sich von dem Elemente losreisst, und
+die ihrer bewusste Wirklichkeit des Volks ausmacht, in die reine
+Abstraktion als in sein Wesen ebenso zurueckreisst, als es ihr Grund
+ist.--Wie diese Macht am Volke selbst sich darstellt, wird sich noch
+weiter entwickeln.
+
+Es gibt nun in dem einen Gesetze, wie in dem andern, auch
+_Unterschiede_ und _Stufen_. Denn indem beide Wesen das Moment des
+Bewusstseins an ihnen haben, entfaltet sich innerhalb ihrer selbst der
+Unterschied; was ihre Bewegung und eigentuemliches Leben ausmacht.
+Die Betrachtung dieser Unterschiede zeigt die Weise der _Betaetigung_
+und des _Selbstbewusstseins_ der beiden _allgemeinen Wesen_ der
+sittlichen Welt, sowie ihren _Zusammenhang_ und _Uebergang_ ineinander.
+
+Das _Gemeinwesen_, das obere und offenbar an der Sonne geltende
+Gesetz, hat seine wirkliche Lebendigkeit in der _Regierung_, als
+worin es Individuum ist. Sie ist der _in sich reflektierte
+wirkliche_ Geist, das einfache _Selbst_ der ganzen sittlichen
+Substanz. Diese einfache Kraft erlaubt dem Wesen zwar in seine
+Gegliederung sich auszubreiten, und jedem Teile Bestehen und eigenes
+Fuer-sich-sein zu geben. Der Geist hat hieran seine _Realitaet_ oder
+sein _Dasein_, und die Familie ist das _Element_ dieser Realitaet.
+Aber er ist zugleich die Kraft des Ganzen, welche diese Teile wieder
+in das negative Eins zusammenfasst, ihnen das Gefuehl ihrer
+Unselbststaendigkeit gibt, und sie in dem Bewusstsein erhaelt, ihr Leben
+nur im Ganzen zu haben. Das Gemeinwesen mag sich also einerseits in
+die Systeme der persoenlichen Selbststaendigkeit und des Eigentums, des
+persoenlichen und dinglichen Rechts, organisieren; ebenso die Weisen
+des Arbeitens fuer die zunaechst einzelnen Zwecke--des Erwerbs und
+Genusses--zu eigenen Zusammenkuenften, gliedern und verselbststaendigen.
+Der Geist der allgemeinen Zusammenkunft ist die _Einfachheit_ und
+das _negative_ Wesen dieser sich isolierenden Systeme. Um sie nicht
+in dieses Isolieren einwurzeln und festwerden, hiedurch das Ganze
+auseinanderfallen und den Geist verfliegen zu lassen, hat die
+Regierung sie in ihrem Innern von Zeit zu Zeit durch die Kriege zu
+erschuettern, ihre sich zurechtgemachte Ordnung und Recht der
+Selbststaendigkeit dadurch zu verletzen und zu verwirren, den
+Individuen aber, die sich darin vertiefend vom Ganzen losreissen und
+dem unverletzbaren _Fuer-sich-sein_ und Sicherheit der Person
+zustreben, in jener auferlegten Arbeit ihren Herrn, den Tod, zu
+fuehlen zu geben. Der Geist wehrt durch diese Aufloesung der Form des
+Bestehens das Versinken in das natuerliche Dasein aus dem sittlichen
+ab, und erhaelt und erhebt das Selbst seines Bewusstseins in die
+_Freiheit_ und in seine _Kraft_.--Das negative Wesen zeigt sich als
+die eigentliche _Macht_ des Gemeinwesens und die _Kraft_ seiner
+Selbsterhaltung; dieses hat also die Wahrheit und Bekraeftigung seiner
+Macht an dem Wesen des _goettlichen Gesetzes_ und dem _unterirdischen
+Reiche_.
+
+
+Das goettliche Gesetz, das in der Familie waltet, hat seinerseits
+gleichfalls Unterschiede in sich, deren Beziehung die lebendige
+Bewegung seiner Wirklichkeit ausmacht. Unter den drei Verhaeltnissen
+aber, des Mannes und der Frau, der Eltern und der Kinder, der
+Geschwister als Bruder und Schwester, ist zuerst das _Verhaeltnis_ des
+_Mannes_ und der _Frau_, das _unmittelbare_ Sich-erkennen des einen
+Bewusstseins im andern, und das Erkennen des gegenseitigem
+Anerkanntseins. Weil es das _natuerliche_ Sich-erkennen, nicht das
+sittliche ist, ist es nur die _Vorstellung_ und das _Bild_ des
+Geistes, nicht der wirkliche Geist selbst.--Die Vorstellung oder das
+Bild hat aber seine Wirklichkeit an einem andern, als es ist; dies
+Verhaeltnis hat daher seine Wirklichkeit nicht an ihm selbst, sondern
+an dem Kinde,--einem andern, dessen Werden es ist, und worin es
+selbst verschwindet; und dieser Wechsel der sich fortwaelzenden
+Geschlechter hat seinen Bestand in dem Volke.--Die Pietaet des Mannes
+und der Frau gegeneinander ist also mit natuerlicher Beziehung und mit
+Empfindung vermischt, und ihr Verhaeltnis hat seine Rueckkehr in sich
+nicht an ihm selbst; ebenso das zweite, die _Pietaet_ der _Eltern_ und
+_Kinder_ gegeneinander. Die der Eltern gegen ihre Kinder ist eben
+von dieser Ruehrung affiziert, das Bewusstsein seiner Wirklichkeit in
+dem andern zu haben, und das Fuer-sich-sein in ihm werden zu sehen,
+ohne es zurueckzuerhalten; sondern es bleibt eine fremde, eigne
+Wirklichkeit;--die der Kinder aber gegen die Eltern umgekehrt mit der
+Ruehrung, das Werden seiner selbst oder das An-sich an einem andern
+Verschwindenden zu haben, und das Fuer-sich-sein und eigene
+Selbstbewusstsein zu erlangen, nur durch die Trennung von dem
+Ursprung--eine Trennung, worin dieser versiegt.
+
+Diese beiden Verhaeltnisse bleiben innerhalb des Uebergehens und der
+Ungleichheit der Seiten stehen, die an sie verteilt sind.--Das
+unvermischte Verhaeltnis aber findet zwischen _Bruder_ und _Schwester_
+statt. Sie sind dasselbe Blut, das aber in ihnen in seine _Ruhe_ und
+_Gleichgewicht_ gekommen ist. Sie begehren daher einander nicht,
+noch haben sie dies Fuer-sich-sein eins dem andern gegeben, noch
+empfangen, sondern sie sind freie Individualitaet gegeneinander. Das
+Weibliche hat daher als Schwester die hoechste _Ahndung_ des
+sittlichen Wesens; zum _Bewusstsein_ und der Wirklichkeit desselben
+kommt es nicht, weil das Gesetz der Familie das _an-sich-_seiende,
+_innerliche_ Wesen ist, das nicht am Tage des Bewusstseins liegt,
+sondern innerliches Gefuehl und das der Wirklichkeit enthobne
+Goettliche bleibt. An diese Penaten ist das Weibliche geknuepft,
+welches in ihnen teils seine allgemeine Substanz, teils aber seine
+Einzelnheit anschaut, so jedoch, dass diese Beziehung der Einzelnheit
+zugleich nicht die natuerliche der Lust sei.--Als _Tochter_ muss nun
+das Weib die Eltern mit natuerlicher Bewegung und mit sittlicher Ruhe
+verschwinden sehen, denn nur auf Unkosten dieses Verhaeltnisses kommt
+sie zu dem _Fuer-sich-sein_, dessen sie faehig ist; sie schaut in den
+Eltern also ihr Fuer-sich-sein nicht auf positive Weise an.--Die
+Verhaeltnisse der _Mutter_ und der _Frau_ aber haben die Einzelnheit
+teils als etwas Natuerliches, das der Lust angehoert, teils als etwas
+Negatives, das nur sein Verschwinden darin erblickt, teils ist sie
+ebendarum etwas Zufaelliges, das durch eine andere ersetzt werden kann.
+Im Hause der Sittlichkeit ist es nicht _dieser_ Mann, nicht
+_dieses_ Kind, sondern _ein Mann, Kinder ueberhaupt_,--nicht die
+Empfindung, sondern das Allgemeine, worauf sich diese Verhaeltnisse
+des Weibes gruenden. Der Unterschied seiner Sittlichkeit von der des
+Mannes besteht eben darin, dass es in seiner Bestimmung fuer die
+Einzelnheit und in seiner Lust unmittelbar allgemein und der
+Einzelnheit der Begierde fremd bleibt; dahingegen in dem Manne diese
+beiden Seiten auseinandertreten, und indem er als Buerger die
+_selbstbewusste_ Kraft der _Allgemeinheit_ besitzt, erkauft er sich
+dadurch das Recht der _Begierde_, und erhaelt sich zugleich die
+Freiheit von derselben. Indem also in dies Verhaeltnis der Frau die
+Einzelnheit eingemischt ist, ist seine Sittlichkeit nicht rein;
+insofern sie aber dies ist, ist die Einzelnheit _gleichgueltig_, und
+die Frau entbehrt das Moment, sich als _dieses_ Selbst im andern zu
+erkennen.--Der Bruder aber ist der Schwester das ruhige gleiche Wesen
+ueberhaupt, ihre Anerkennung in ihm rein und unvermischt mit
+natuerlicher Beziehung; die Gleichgueltigkeit der Einzelnheit und die
+sittliche Zufaelligkeit derselben ist daher in diesem Verhaeltnisse
+nicht vorhanden; sondern das Moment des anerkennenden und anerkannten
+_einzelnen Selbsts_ darf hier sein Recht behaupten, weil es mit dem
+Gleichgewichte des Blutes und begierdeloser Beziehung verknuepft ist.
+Der Verlust des Bruders ist daher der Schwester unersetzlich, und
+ihre Pflicht gegen ihn die hoechste.
+
+Dies Verhaeltnis ist zugleich die Grenze, an der sich die in sich
+beschlossene Familie aufloest und ausser sich geht. Der Bruder ist die
+Seite, nach welcher ihr Geist zur Individualitaet wird, die gegen
+Anderes sich kehrt, und in das Bewusstsein der Allgemeinheit uebergeht.
+Der Bruder verlaesst diese _unmittelbare, elementarische_ und darum
+eigentlich _negative_ Sittlichkeit der Familie, um die ihrer selbst
+bewusste, wirkliche Sittlichkeit zu erwerben und hervorzubringen.
+
+Er geht aus dem goettlichen Gesetz, in dessen Sphaere er lebte, zu dem
+menschlichen ueber. Die Schwester aber wird, oder die Frau bleibt der
+Vorstand des Hauses und die Bewahrerin des goettlichen Gesetzes. Auf
+diese Weise ueberwinden die beiden Geschlechter ihr natuerliches Wesen,
+und treten in ihrer sittlichen Bedeutung auf, als Verschiedenheiten,
+welche die beiden Unterschiede, die die sittliche Substanz sich gibt,
+unter sich teilen. Diese beiden _allgemeinen_ Wesen der sittlichen
+Welt haben ihre bestimmte _Individualitaet_ darum an _natuerlich_
+unterschiedenen Selbstbewusstsein, weil der sittliche Geist die
+_unmittelbare_ Einheit der Substanz mit dem Selbstbewusstsein ist;
+eine _Unmittelbarkeit_, welche also nach der Seite der Realitaet und
+des Unterschieds zugleich als das Dasein eines natuerlichen
+Unterschieds erscheint.--Es ist diejenige Seite, welche sich an der
+Gestalt der sich selbst realen Individualitaet, in dem Begriffe des
+geistigen Wesens, als _urspruenglich bestimmte Natur_ zeigte. Dies
+Moment verliert die Unbestimmtheit, die es dort noch hat, und die
+zufaellige Verschiedenheit von Anlagen und Faehigkeiten. Es ist itzt
+der bestimmte Gegensatz der zwei Geschlechter, deren Natuerlichkeit
+zugleich die Bedeutung ihrer sittlichen Bestimmung erhaelt.
+
+Der Unterschied der Geschlechter und ihres sittlichen Inhalts bleibt
+jedoch in der Einheit der Substanz, und seine Bewegung ist eben das
+bleibende Werden derselben. Der Mann wird vom Familiengeiste in das
+Gemeinwesen hinausgeschickt, und findet in diesem sein selbstbewusstes
+Wesen; wie die Familie hiedurch in ihm ihre allgemeine Substanz und
+Bestehen hat, so umgekehrt das Gemeinwesen an der Familie das formale
+Element seiner Wirklichkeit und an dem goettlichen Gesetze seine Kraft
+und Bewaehrung. Keins von beiden ist allein an und fuer sich; das
+menschliche Gesetz geht in seiner lebendigen Bewegung von dem
+goettlichen, das auf Erden geltende von dem unterirdischen, das
+bewusste vom bewusstlosen, die Vermittlung von der Unmittelbarkeit aus,
+und geht ebenso dahin zurueck, wovon es ausging. Die unterirdische
+Macht dagegen hat auf der Erde ihre _Wirklichkeit_; sie wird durch
+das Bewusstsein Dasein und Taetigkeit.
+
+Die allgemeinen sittlichen Wesen sind also die Substanz als
+allgemeines, und sie als einzelnes Bewusstsein; sie haben das Volk und
+die Familie zu ihrer allgemeinen Wirklichkeit, den Mann aber und das
+Weib zu ihrem natuerlichen Selbst und der betaetigenden Individualitaet.
+In diesem Inhalt der sittlichen Welt sehen wir die Zwecke erreicht,
+welche die vorhergehenden substanzlosen Gestalten des Bewusstsein sich
+machten; was die Vernunft nur als Gegenstand auffasste, ist
+Selbstbewusstsein geworden, und was dieses nur in ihm selbst hatte,
+als wahre Wirklichkeit vorhanden.--Was die Beobachtung als ein
+_Vorgefundenes_ wusste, an dem das Selbst keinen Teil haette, ist hier
+vorgefundene Sitte, aber eine Wirklichkeit, die zugleich Tat und Werk
+des Findenden ist.--Der Einzelne, die Lust des _Genusses seiner
+Einzelnheit_ suchend, findet sie in der Familie, und die
+Notwendigkeit, worin die Lust vergeht, ist sein eignes
+Selbstbewusstsein als Buergers seines Volks;--oder es ist dieses, das
+_Gesetz des Herzens_ als das Gesetz aller Herzen, das Bewusstsein des
+_Selbsts_ als die anerkannte allgemeine Ordnung zu wissen;--es ist
+die _Tugend_, welche der Fruechte ihrer Aufopferung geniesst; sie
+bringt zustande, worauf sie geht, naemlich das Wesen zur wirklichen
+Gegenwart herauszuheben, und ihr Genuss ist dies allgemeine Leben.
+--Endlich das Bewusstsein _der Sache selbst_ wird in der realen
+Substanz befriedigt, die auf eine positive Weise die abstrakten
+Momente jener leeren Kategorie enthaelt und erhaelt. Sie hat an den
+sittlichen Maechten einen wahrhaften Inhalt, der an die Stelle der
+substanzlosen Gebote getreten, die die gesunde Vernunft geben und
+wissen wollte,--so wie hiedurch einen inhaltsvollen, an ihm
+selbstbestimmten Massstab der Pruefung nicht der Gesetze, sondern
+dessen, was getan wird.
+
+Das Ganze ist ein ruhiges Gleichgewicht aller Teile, und jeder Teil
+ein einheimischer Geist, der seine Befriedigung nicht jenseits seiner
+sucht, sondern sie in sich darum hat, weil er selbst in diesem
+Gleichgewichte mit dem Ganzen ist.--Dies Gleichgewicht kann zwar nur
+dadurch lebendig sein, dass Ungleichheit in ihm entsteht, und von der
+_Gerechtigkeit_ zur Gleichheit zurueckgebracht wird. Die
+Gerechtigkeit ist aber weder ein fremdes jenseits sich befindendes
+Wesen, noch die seiner unwuerdige Wirklichkeit einer gegenseitigen
+Tuecke, Verrats, Undanks u.s.f., die in der Weise des gedankenlosen
+Zufalls als ein unbegriffner Zusammenhang und ein bewusstloses Tun und
+Unterlassen das Gericht vollbraechte, sondern als Gerechtigkeit des
+_menschlichen_ Rechts, welche das aus dem Gleichgewichte tretende
+Fuer-sich-sein, die Selbststaendigkeit der Staende und Individuen in das
+Allgemeine zurueckbringt, ist sie die Regierung des Volks, welche die
+sich gegenwaertige Individualitaet des allgemeinen Wesens und der eigne
+selbstbewusste Willen Aller ist.--Die Gerechtigkeit aber, welche das
+ueber den Einzelnen uebermaechtig werdende Allgemeine zum Gleichgewichte
+zurueckbringt, ist ebenso der einfache Geist desjenigen, der Unrecht
+erlitten,--nicht zersetzt in ihn, der es erlitten, und ein
+jenseitiges Wesen; er selbst ist die unterirdische Macht, und es ist
+_seine_ Erinnye, welche die Rache betreibt; denn seine Individualitaet,
+sein Blut, lebt im Hause fort; seine Substanz hat eine dauernde
+Wirklichkeit. Das Unrecht, welches im Reiche der Sittlichkeit dem
+Einzelnen zugefuegt werden kann, ist nur dieses, dass ihm rein etwas
+_geschieht_. Die Macht, welche dies Unrecht an dem Bewusstsein veruebt,
+es zu einem reinen Dinge zu machen, ist die Natur, es ist die
+Allgemeinheit nicht des _Gemeinwesens_, sondern die _abstrakte_ des
+_Seins_; und die Einzelnheit wendet sich in der Aufloesung des
+erlittenen Unrechts nicht gegen jenes, denn von ihm hat es nicht
+gelitten, sondern gegen dieses. Das Bewusstsein des Bluts des
+Individuums loest dies Unrecht, wie wir gesehen, so auf, dass was
+_geschehen_ ist, vielmehr ein _Werk_ wird, damit das _Sein_, das
+_Letzte_, auch ein _gewolltes_ und hiemit erfreulich sei.
+
+Das sittliche Reich ist auf diese Weise in seinem _Bestehen_ eine
+unbefleckte durch keinen Zwiespalt verunreinigte Welt. Ebenso ist
+seine Bewegung ein ruhiges Werden der einen Macht desselben zur
+andern, so dass jede die andere selbst erhaelt und hervorbringt. Wir
+sehen sie zwar in zwei Wesen und deren Wirklichkeit sich teilen; aber
+ihr Gegensatz ist vielmehr die Bewaehrung des einen durch das andere,
+und, worin sie sich unmittelbar als wirkliche beruehren, ihre Mitte
+und Element ist die unmittelbare Durchdringung derselben. Das eine
+Extrem, der allgemeine sich bewusste Geist, wird mit seinem andern
+Extrem, seiner Kraft und seinem Element, mit dem _bewusstlosen_ Geiste,
+durch die _Individualitaet_ des _Mannes_ zusammengeschlossen.
+Dagegen hat das _goettliche_ Gesetz seine Individualisierung, oder der
+_bewusstlose_ Geist des Einzelnen sein Dasein an dem Weibe, durch
+welches als die _Mitte_ er aus seiner Unwirklichkeit in die
+Wirklichkeit, aus dem Unwissenden und Ungewussten in das bewusste Reich
+herauftritt. Die Vereinigung des Mannes und des Weibes macht die
+taetige Mitte des Ganzen und das Element aus, das, in diese Extreme
+des goettlichen und menschlichen Gesetzes entzweit, ebenso ihre
+unmittelbare Vereinigung ist, welche jene beiden ersten Schluesse zu
+demselben Schlusse macht, und die entgegengesetzte Bewegung, der
+Wirklichkeit hinab zur Unwirklichkeit--des menschlichen Gesetzes, das
+sich in selbststaendige Glieder organisiert, herunter zur Gefahr und
+Bewaehrung des Todes;--und des unterirdischen Gesetzes herauf zur
+Wirklichkeit des Tages und zum bewussten Dasein, deren jene dem Manne,
+diese dem Weibe zukommt, in _eine_ vereinigt.
+
+
+b. Die sittliche Handlung,das menschliche und goettliche Wissen,die
+Schuld und das Schicksal
+
+Wie aber in diesem Reiche der Gegensatz beschaffen ist, so ist das
+Selbstbewusstsein noch nicht in seinem Rechte als _einzelne
+Individualitaet_ aufgetreten; sie gilt in ihm auf der einen Seite nur
+als _allgemeiner Willen_, auf der andern als _Blut_ der Familie;
+_dieser Einzelne_ gilt nur als der _unwirkliche Schatten_.--Es ist
+_noch keine Tat_ begangen; die Tat aber ist das _wirkliche Selbst_.
+--Sie stoert die ruhige Organisation und Bewegung der sittlichen Welt.
+Was in dieser als Ordnung und Uebereinstimmung ihrer beiden Wesen
+erscheint, deren eins das andere bewaehrt und vervollstaendigt, wird
+durch die Tat zu einem Uebergange _entgegengesetzter_, worin jedes
+sich vielmehr als die Nichtigkeit seiner selbst und des andern
+beweist, denn als die Bewaehrung;--es wird zu der negativen Bewegung
+oder der ewigen Notwendigkeit des furchtbaren _Schicksals_, welche
+das goettliche wie das menschliche Gesetz, sowie die beiden
+Selbstbewusstsein, in denen diese Maechte ihr Dasein haben, in den
+Abgrund seiner _Einfachheit_ verschlingt--und fuer uns in das
+_absolute Fuer-sich-sein_ des rein einzelnen Selbstbewusstseins
+uebergeht.
+
+Der Grund, von dem diese Bewegung aus- und auf dem sie vorgeht, ist
+das Reich der Sittlichkeit; aber die _Taetigkeit_ dieser Bewegung ist
+das Selbstbewusstsein. Als _sittliches_ Bewusstsein ist es die
+_einfache reine Richtung_ auf die sittliche Wesenheit, oder die
+Pflicht. Keine Willkuer, und ebenso kein Kampf, keine
+Unentschiedenheit ist in ihm, indem das Geben und das Pruefen der
+Gesetze aufgegeben worden, sondern die sittliche Wesenheit ist ihm
+das Unmittelbare, Unwankende, Widerspruchslose. Es gibt daher nicht
+das schlechte Schauspiel, sich in einer Kollision von Leidenschaft
+und Pflicht, noch das Komische, in einer Kollision von Pflicht und
+Pflicht zu befinden--einer Kollision, die dem Inhalte nach dasselbe
+ist als die zwischen Leidenschaft und Pflicht; denn die Leidenschaft
+ist ebenso faehig, als Pflicht vorgestellt zu werden, weil die Pflicht,
+wie sich das Bewusstsein aus ihrer unmittelbaren substantiellen
+Wesenheit in sich zurueckzieht, zum Formell-Allgemeinen wird, in das
+jeder Inhalt gleich gut passt, wie sich oben ergab. Komisch aber ist
+die Kollision der Pflichten, weil sie den Widerspruch, naemlich eines
+_entgegengesetzten Absoluten_, also Absolutes und unmittelbar die
+Nichtigkeit dieses sogenannten Absoluten oder Pflicht, ausdrueckt.
+--Das sittliche Bewusstsein aber weiss, was es zu tun hat; und ist
+entschieden, es sei dem goettlichen oder dem menschlichen Gesetze
+anzugehoeren. Diese Unmittelbarkeit seiner Entschiedenheit ist ein
+_An-sich-_sein, und hat daher zugleich die Bedeutung eines
+natuerlichen Seins, wie wir gesehen; die Natur, nicht das Zufaellige
+der Umstaende oder der Wahl, teilt das eine Geschlecht dem einen, das
+andere dem andern Gesetze zu--oder umgekehrt, die beiden sittlichen
+Maechte selbst geben sich an den beiden Geschlechtern ihr
+individuelles Dasein und Verwirklichung.
+
+Hiedurch nun, dass einesteils die Sittlichkeit wesentlich in dieser
+unmittelbaren _Entschiedenheit_ besteht, und darum fuer das Bewusstsein
+nur das _eine_ Gesetz das Wesen ist, andernteils, dass die sittlichen
+Maechte in dem _Selbst_ des Bewusstseins wirklich sind, erhalten sie
+die Bedeutung, sich _auszuschliessen_ und sich _entgegengesetzt_ zu
+sein;--sie sind in dem Selbstbewusstsein _fuer sich_, wie sie im
+*Reiche* der Sittlichkeit nur _an sich_ sind. Das sittliche
+Bewusstsein, weil es fuer _eins_ derselben _entschieden_ ist, ist
+wesentlich _Charakter_; es ist fuer es nicht die gleiche _Wesenheit_
+beider; der Gegensatz erscheint darum als eine _unglueckliche_
+Kollision der Pflicht nur mit der rechtlosen _Wirklichkeit_. Das
+sittliche Bewusstsein ist als Selbstbewusstsein in diesem Gegensatze,
+und als solches geht es zugleich darauf, dem Gesetze, dem es angehoert,
+diese entgegengesetzte Wirklichkeit durch Gewalt zu unterwerfen,
+oder sie zu taeuschen. Indem es das Recht nur auf seiner Seite, das
+Unrecht aber auf der andern sieht, so erblickt von beiden dasjenige,
+welches dem goettlichen Gesetze angehoert, auf der andern Seite
+menschliche zufaellige _Gewalttaetigkeit_; das aber dem menschlichen
+Gesetze zugeteilt ist, auf der andern den Eigensinn und den
+_Ungehorsam_ des innerlichen Fuer-sich-seins; denn die Befehle der
+Regierung sind der allgemeine, am Tage liegende oeffentliche Sinn; der
+Willen des andern Gesetzes aber ist der unterirdische, ins Innre
+verschlossne Sinn, der in seinem Dasein als Willen der Einzelnheit
+erscheint, und im Widerspruche mit dem ersten der Frevel ist.
+
+Es entsteht hiedurch am Bewusstsein der Gegensatz des _Gewussten_ und
+des _Nichtgewussten_, wie in der Substanz, des _Bewussten_ und
+_Bewusstlosen_; und das absolute _Recht_ des sittlichen
+_Selbstbewusstseins_ kommt mit dem goettlichen _Rechte_ des _Wesens_ in
+Streit. Fuer das Selbstbewusstsein als Bewusstsein hat die
+gegenstaendliche Wirklichkeit als solche Wesen; nach seiner Substanz
+aber ist es die Einheit seiner und dieses Entgegengesetzten; und das
+sittliche Selbstbewusstsein ist das Bewusstsein der Substanz; der
+Gegenstand als dem Selbstbewusstsein entgegengesetzt, hat darum
+gaenzlich die Bedeutung verloren, fuer sich Wesen zu haben. Wie die
+Sphaeren, worin er nur ein _Ding_ ist, laengst verschwunden, so auch
+diese Sphaeren, worin das Bewusstsein etwas aus sich befestiget und ein
+einzelnes Moment zum Wesen macht. Gegen solche Einseitigkeit hat die
+Wirklichkeit eine eigene Kraft; sie steht mit der Wahrheit im Bunde
+gegen das Bewusstsein, und stellt diesem erst dar, was die Wahrheit
+ist. Das sittliche Bewusstsein aber hat aus der Schale der absoluten
+Substanz die Vergessenheit aller Einseitigkeit des Fuer-sich-seins,
+seiner Zwecke und eigentuemlichen Begriffe getrunken, und darum in
+diesem stygischen Wasser zugleich alle eigne Wesenheit und
+selbststaendige Bedeutung der gegenstaendlichen Wirklichkeit ertraenkt.
+Sein absolutes Recht ist daher, dass es, indem es nach dem sittlichen
+Gesetze handelt, in dieser Verwirklichung nicht irgend etwas anderes
+finde, als nur die Vollbringung dieses Gesetzes selbst, und die Tat
+nichts anders zeige, als das sittliche Tun ist.--Das Sittliche, als
+das absolute _Wesen_ und die absolute _Macht_ zugleich kann keine
+Verkehrung seines Inhalts erleiden. Waere es nur das absolute _Wesen_
+ohne die Macht, so koennte es eine Verkehrung durch die Individualitaet
+erfahren; aber diese als sittliches Bewusstsein hat mit dem Aufgeben
+des einseitigen Fuer-sich-seins dem Verkehren entsagt; so wie die
+blosse Macht umgekehrt vom Wesen verkehrt werden wuerde, wenn sie noch
+ein solches Fuer-sich-sein waere. Um dieser Einheit willen ist die
+Individualitaet reine Form der Substanz, die der Inhalt ist, und das
+Tun ist das Uebergehen aus dem Gedanken in die Wirklichkeit, nur als
+die Bewegung eines wesenlosen Gegensatzes, dessen Momente keinen
+besondern von einander verschiedenen Inhalt und Wesenheit haben. Das
+absolute Recht des sittlichen Bewusstseins ist daher, dass die _Tat_,
+die Gestalt seiner _Wirklichkeit_, nichts anders sei, als es _weiss_.
+
+Aber das sittliche Wesen hat sich selbst in zwei Gesetze gespalten,
+und das Bewusstsein, als unentzweites Verhalten zum Gesetze, ist nur
+_einem_ zugeteilt. Wie dies _einfache_ Bewusstsein auf dem absoluten
+Rechte besteht, dass ihm als sittlichem das Wesen _erschienen_ sei,
+wie es _an sich_ ist, so besteht dieses Wesen auf dem Rechte seiner
+_Realitaet_, oder darauf, gedoppeltes zu sein. Dies Recht des Wesens
+steht aber zugleich dem Selbstbewusstsein nicht gegenueber, dass es
+irgendwoanders waere, sondern es ist das eigne Wesen des
+Selbstbewusstseins; es hat darin allein sein Dasein und seine Macht,
+und sein Gegensatz ist die _Tat_ des _Letztern_. Denn dieses, eben
+indem es sich als Selbst ist und zur Tat schreitet, erhebt sich aus
+der _einfachen Unmittelbarkeit_ und setzt selbst die _Entzweiung_.
+Es gibt durch die Tat die Bestimmtheit der Sittlichkeit auf, die
+einfache Gewissheit der unmittelbaren Wahrheit zu sein, und setzt die
+Trennung seiner selbst in sich als das Taetige und in die
+gegenueberstehende fuer es negative Wirklichkeit. Es wird also durch
+die Tat zur _Schuld_. Denn sie ist sein _Tun_, und das Tun sein
+eigenstes Wesen; und die _Schuld_ erhaelt auch die Bedeutung des
+_Verbrechens_: denn als einfaches sittliches Bewusstsein hat es sich
+dem einen Gesetze zugewandt, dem andern aber abgesagt, und verletzt
+dieses durch seine Tat.--Die _Schuld_ ist nicht das gleichgueltige
+doppelsinnige Wesen, dass die Tat, wie sie _wirklich_ am Tage liegt,
+_Tun_ ihres Selbsts sein koenne oder auch nicht, als ob mit dem Tun
+sich etwas Aeusserliches und Zufaelliges verknuepfen koennte, das dem Tun
+nicht angehoerte, von welcher Seite das Tun also unschuldig waere.
+Sondern das Tun ist selbst diese Entzweiung, sich fuer sich, und
+diesem gegenueber eine fremde aeusserliche Wirklichkeit zu setzen; dass
+eine solche ist, gehoert dem Tun selbst an und ist durch dasselbe.
+Unschuldig ist daher nur das Nichttun wie das Sein eines Steines,
+nicht einmal eines Kindes.--Dem Inhalte nach aber hat die sittliche
+_Handlung_ das Moment des Verbrechens an ihr, weil sie die
+_natuerliche_ Verteilung der beiden Gesetze an die beiden Geschlechter
+nicht aufhebt, sondern vielmehr als _unentzweite_ Richtung auf das
+Gesetz innerhalb der _natuerlichen Unmittelbarkeit_ bleibt, und als
+Tun diese Einseitigkeit zur Schuld macht, nur die eine der Seiten des
+Wesens zu ergreifen, und gegen die andre sich negativ zu verhalten, d.
+h. sie zu verletzen. Wohin in dem allgemeinen sittlichen Leben
+Schuld und Verbrechen, Tun und Handeln faellt, wird nachher bestimmter
+ausgedrueckt werden; es erhellt unmittelbar soviel, dass es nicht
+_dieser Einzelne_ ist, der handelt und schuldig ist; denn er als
+_dieses_ Selbst ist nur der unwirkliche Schatten, oder er ist nur als
+allgemeines Selbst, und die Individualitaet rein das _formale_ Moment
+des _Tuns_ ueberhaupt, und der Inhalt die Gesetze und Sitten, und
+bestimmt fuer den Einzelnen, die seines Standes; er ist die Substanz
+als Gattung, die durch ihre Bestimmtheit zwar zur Art wird, aber die
+Art bleibt zugleich das Allgemeine der Gattung. Das Selbstbewusstsein
+steigt innerhalb des Volkes vom Allgemeinen nur bis zur Besonderheit,
+nicht bis zur einzelnen Individualitaet herab, welche ein
+ausschliessendes Selbst, eine sich negative Wirklichkeit in seinem Tun
+setzt; sondern seinem Handeln liegt das sichre Vertrauen zum Ganzen
+zugrunde, worin sich nichts Fremdes, keine Furcht noch Feindschaft
+einmischt.
+
+Die entwickelte Natur des _wirklichen_ Handelns erfaehrt nun das
+sittliche Selbstbewusstsein an seiner Tat, ebensowohl wenn es dem
+goettlichen, als wenn es dem menschlichen Gesetze sich ergab. Das ihm
+offenbare Gesetz ist im Wesen mit dem entgegengesetzten verknuepft;
+das Wesen ist die Einheit beider; die Tat aber hat nur das eine gegen
+das andere ausgefuehrt. Aber im Wesen mit diesem verknuepft, ruft die
+Erfuellung des einen das andere hervor, und, wozu die Tat es machte,
+als ein verletztes, und nun feindliches, Rache forderndes Wesen. Dem
+Handeln liegt nur die eine Seite des Entschlusses ueberhaupt an dem
+Tage; er ist aber _an sich_ das Negative, das ein ihm Anderes, ein
+ihm, der das Wissen ist, Fremdes gegenueberstellt. Die Wirklichkeit
+haelt daher die andere dem Wissen fremde Seite in sich verborgen, und
+zeigt sich dem Bewusstsein nicht, wie sie an und fuer sich ist--dem
+Sohne nicht den Vater in seinem Beleidiger, den er erschlaegt; nicht
+die Mutter in der Koenigin, die er zum Weibe nimmt. Dem sittlichen
+Selbstbewusstsein stellt auf diese Weise eine lichtscheue Macht nach,
+welche erst, wenn die Tat geschehen, hervorbricht und es bei ihr
+ergreift; denn die vollbrachte Tat ist der aufgehobne Gegensatz des
+wissenden Selbst und der ihm gegenueberstehenden Wirklichkeit. Das
+Handelnde kann das Verbrechen und seine Schuld nicht verleugnen;--die
+Tat ist dieses, das Unbewegte zu bewegen und das nur erst in der
+Moeglichkeit Verschlossene hervorzubringen, und hiemit das Unbewusste
+dem Bewussten, das Nichtseiende dem Sein zu verknuepfen. In dieser
+Wahrheit tritt also die Tat an die Sonne;--als ein solches, worin ein
+Bewusstes einem Unbewussten, das Eigne einem Fremden verbunden ist, als
+das entzweite Wesen, dessen andere Seite das Bewusstsein, und auch als
+die seinige erfaehrt, aber als die von ihm verletzte und feindlich
+erregte Macht.
+
+Es kann sein, dass das Recht, welches sich im Hinterhalte hielt, nicht
+in seiner eigentuemlichen Gestalt fuer das handelnde _Bewusstsein_,
+sondern nur _an sich_, in der innern Schuld des Entschlusses und des
+Handelns vorhanden ist. Aber das sittliche Bewusstsein ist
+vollstaendiger, seine Schuld reiner, wenn es das Gesetz und die Macht
+_vorher kennt_, der es gegenuebertritt, sie fuer Gewalt und Unrecht,
+fuer eine sittliche Zufaelligkeit nimmt, und wissentlich, wie Antigone,
+das Verbrechen begeht. Die vollbrachte Tat verkehrt seine Ansicht;
+die _Vollbringung_ spricht es selbst aus, dass was _sittlich_ ist,
+_wirklich_ sein muesse; denn die _Wirklichkeit_ des Zwecks ist der
+Zweck des Handelns. Das Handeln spricht gerade die _Einheit_ der
+_Wirklichkeit_ und der _Substanz_ aus, es spricht aus, dass die
+Wirklichkeit dem Wesen nicht zufaellig ist, sondern mit ihm im Bunde
+keinem gegeben wird, das nicht wahres Recht ist. Das sittliche
+Bewusstsein muss sein Entgegengesetztes um dieser Wirklichkeit willen,
+und um seines Tuns willen, als die seinige, es muss seine Schuld
+anerkennen; _weil wir leiden, anerkennen wir, dass wir gefehlt._
+
+Dies Anerkennen drueckt den aufgehobenen Zwiespalt des sittlichen
+_Zweckes_ und der _Wirklichkeit_, es drueckt die Rueckkehr zur
+sittlichen _Gesinnung_ aus, die weiss, dass nichts gilt als das Rechte.
+Damit aber gibt das Handelnde seinen _Charakter_ und die
+_Wirklichkeit_ seines Selbsts auf, und ist zugrunde gegangen. Sein
+_Sein_ ist dieses, seinem sittlichen Gesetze als seiner Substanz
+anzugehoeren; in dem Anerkennen des Entgegengesetzten hat dies aber
+aufgehoert, ihm Substanz zu sein; und statt seiner Wirklichkeit hat es
+die Unwirklichkeit, die Gesinnung, erreicht.--Die Substanz erscheint
+zwar _an_ der Individualitaet als das _Pathos_ derselben, und die
+Individualitaet als das, was sie belebt, und daher ueber ihr steht;
+aber sie ist ein Pathos, das zugleich sein Charakter ist; die
+sittliche Individualitaet ist unmittelbar und an sich eins mit diesem
+seinem Allgemeinen, sie hat ihre Existenz nur in ihm, und vermag den
+Untergang, den diese sittliche Macht durch die entgegengesetzte
+leidet, nicht zu ueberleben.
+
+Sie hat aber dabei die Gewissheit, dass diejenige Individualitaet, deren
+Pathos diese entgegengesetzte Macht ist, _nicht mehr Uebel erleidet,
+als sie zugefuegt_. Die Bewegung der sittlichen Maechte gegeneinander
+und der sie in Leben und Handlung setzenden Individualitaeten hat nur
+darin ihr _wahres Ende_ erreicht, dass beide Seiten denselben
+Untergang erfahren. Denn keine der Maechte hat etwas vor der andern
+voraus, um _wesentlicheres_ Moment der Substanz zu sein. Die gleiche
+Wesentlichkeit und das gleichgueltige Bestehen beider nebeneinander
+ist ihr selbstloses Sein; in der _Tat_ sind sie als Selbstwesen, aber
+ein verschiedenes, was der Einheit des Selbsts widerspricht, und ihre
+Rechtlosigkeit und notwendigen Untergang ausmacht. Der _Charakter_
+gehoert ebenso teils nach seinem Pathos oder Substanz nur der _einen_
+an, teils ist nach der Seite des Wissens der eine wie der andere in
+ein Bewusstes und Unbewusstes entzweit; und indem jeder selbst diesen
+Gegensatz hervorruft, und durch die Tat auch das Nichtwissen sein
+Werk ist, setzt er sich in die Schuld, die ihn verzehrt. Der Sieg
+der einen Macht und ihres Charakters und das Unterliegen der andern
+Seite waere also nur der Teil und das unvollendete Werk, das
+unaufhaltsam zum Gleichgewichte beider fortschreitet. Erst in der
+gleichen Unterwerfung beider Seiten ist das absolute Recht vollbracht,
+und die sittliche Substanz als die negative Macht, welche beide
+Seiten verschlingt, oder das allmaechtige und gerechte _Schicksal_
+aufgetreten.
+
+Werden beide Maechte nach ihrem bestimmten Inhalte und dessen
+Individualisation genommen, so bietet sich das Bild ihres gestalteten
+Widerstreits, nach seiner formellen Seite, als der Widerstreit der
+Sittlichkeit und des Selbstbewusstseins mit der bewusstlosen Natur und
+einer durch sie vorhandenen Zufaelligkeit--diese hat ein Recht gegen
+jenes, weil es nur der _wahre_ Geist, nur in _unmittelbarer_ Einheit
+mit seiner Substanz ist--und seinem Inhalte nach als der Zwiespalt
+des goettlichen und menschlichen Gesetzes dar.--Der Juengling tritt aus
+dem bewusstlosen Wesen, aus dem Familiengeiste, und wird die
+Individualitaet des Gemeinwesens; dass er aber der Natur, der er sich
+entriss, noch angehoere, erweist sich so, dass er in der Zufaelligkeit
+zweier Brueder heraustritt, welche mit gleichem Rechte sich desselben
+bemaechtigen; die Ungleichheit der fruehern und spaetern Geburt hat _fuer
+sie_, die in das sittliche Wesen eintreten, als Unterschied der Natur,
+keine Bedeutung. Aber die Regierung, als die einfache Seele oder
+das Selbst des Volksgeistes, vertraegt nicht eine Zweiheit der
+Individualitaet; und der sittlichen Notwendigkeit dieser Einheit tritt
+die Natur als der Zufall der Mehrheit gegenueber auf. Diese beiden
+werden darum uneins, und ihr gleiches Recht an die Staatsgewalt
+zertruemmert beide, die gleiches Unrecht haben. Menschlicherweise
+angesehen, hat derjenige das Verbrechen begangen, welcher, nicht _im
+Besitze_, das Gemeinwesen, an dessen Spitze der andere stand,
+angreift; derjenige dagegen hat das Recht auf seiner Seite, welcher
+den andern nur als _Einzelnen_, abgeloest von dem Gemeinwesen, zu
+fassen wusste und in dieser Machtlosigkeit vertrieb; er hat nur das
+Individuum als solches, nicht jenes, nicht das Wesen des menschlichen
+Rechts, angetastet. Das von der leeren Einzelnheit angegriffene und
+verteidigte Gemeinwesen erhaelt sich, und die Brueder finden beide
+ihren wechselseitigen Untergang durcheinander; denn die
+Individualitaet, welche _an ihr Fuer-sich-sein_ die Gefahr des Ganzen
+knuepft, hat sich selbst vom Gemeinwesen ausgestossen, und loest sich in
+sich auf. Den einen aber, der auf seiner Seite sich fand, wird es
+ehren; den andern hingegen, der schon auf den Mauern seine Verwuestung
+aussprach, wird die Regierung, die wiederhergestellte Einfachheit des
+Selbsts des Gemeinwesens, um die letzte Ehre bestrafen; wer an dem
+hoechsten Geiste des Bewusstseins, der Gemeine, sich zu vergreifen kam,
+muss der Ehre seines ganzen vollendeten Wesens, der Ehre des
+abgeschiedenen Geistes, beraubt werden.
+
+Aber wenn so das Allgemeine die reine Spitze seiner Pyramide leicht
+abstoesst, und ueber das sich empoerende Prinzip der Einzelnheit, die
+Familie, zwar den _Sieg_ davontraegt, so hat es sich dadurch mit dem
+goettlichen Gesetze, der seiner selbstbewusste Geist sich mit dem
+Bewusstlosen nur in _Kampf_ eingelassen; denn dieser ist die andre
+wesentliche und darum von jener unzerstoerte und nur beleidigte Macht.
+Er hat aber gegen das gewalthabende, am Tage liegende Gesetz seine
+Huelfe zur _wirklichen_ Ausfuehrung nur an dem blutlosen Schatten. Als
+das Gesetz der Schwaeche und der Dunkelheit unterliegt er daher
+zunaechst dem Gesetze des Tages und der Kraft, denn jene Gewalt gilt
+unten, nicht auf Erden. Allein das Wirkliche, das dem Innerlichen
+seine Ehre und Macht genommen, hat damit sein Wesen aufgezehrt. Der
+offenbare Geist hat die Wurzel seiner Kraft in der Unterwelt; die
+ihrer selbst sichere und sich versichernde _Gewissheit_ des Volkes hat
+die _Wahrheit_ ihres Alle in Eins bindenden Eides nur in der
+bewusstlosen und stummen Substanz Aller, in den Waessern der
+Vergessenheit. Hiedurch verwandelt sich die Vollbringung des
+offenbaren Geistes in das Gegenteil, und er erfaehrt, dass sein
+hoechstes Recht das hoechste Unrecht, sein Sieg vielmehr sein eigener
+Untergang ist. Der Tote, dessen Recht gekraenkt ist, weiss darum fuer
+seine Rache Werkzeuge zu finden, welche von gleicher Wirklichkeit und
+Gewalt sind mit der Macht, die ihn verletzt. Diese Maechte sind
+andere Gemeinwesen, deren Altaere die Hunde oder Voegel mit der Leiche
+besudelten, welche nicht durch die ihr gebuehrende Zurueckgabe an das
+elementarische Individuum in die bewusstlose Allgemeinheit erhoben,
+sondern ueber der Erde im Reiche der Wirklichkeit geblieben, und als
+die Kraft des goettlichen Gesetzes, nun eine selbstbewusste wirkliche
+Allgemeinheit erhaelt. Sie machen sich feindlich auf, und zerstoeren
+das Gemeinwesen, das seine Kraft, die Pietaet der Familie, entehrt und
+zerbrochen hat.
+
+In dieser Vorstellung hat die Bewegung des menschlichen und
+goettlichen Gesetzes den Ausdruck ihrer Notwendigkeit an Individuen,
+an denen das Allgemeine als ein _Pathos_ und die Taetigkeit der
+Bewegung als _individuelles_ Tun erscheint, welches der Notwendigkeit
+derselben den Schein der Zufaelligkeit gibt. Aber die Individualitaet
+und das Tun macht das Prinzip der Einzelnheit ueberhaupt aus, das in
+seiner reinen Allgemeinheit das innere goettliche Gesetz genannt wurde.
+Als Moment des offenbaren Gemeinwesens hat es nicht nur jene
+unterirdische oder in seinem Dasein aeusserliche Wirksamkeit, sondern
+ein ebenso offenbares an dem wirklichen Volke wirkliches Dasein und
+Bewegung. In dieser Form genommen, erhaelt das, was als einfache
+Bewegung des individualisierten Pathos vorgestellt wurde, ein anderes
+Aussehen, und das Verbrechen und die dadurch begruendete Zerstoerung
+des Gemeinwesens die eigentliche Form ihres Daseins.--Das menschliche
+Gesetz also in seinem allgemeinen Dasein, das Gemeinwesen, in seiner
+Betaetigung ueberhaupt die Maennlichkeit, in seiner wirklichen
+Betaetigung die Regierung, _ist, bewegt_ und _erhaelt_ sich dadurch,
+dass es die Absonderung der Penaten oder die selbststaendige
+Vereinzelung in Familien, welchen die Weiblichkeit vorsteht, in sich
+aufzehrt, und sie in der Kontinuitaet seiner Fluessigkeit aufgeloest
+erhaelt. Die Familie ist aber zugleich ueberhaupt sein Element, das
+einzelne Bewusstsein allgemeiner betaetigender Grund. Indem das
+Gemeinwesen sich nur durch die Stoerung der Familienglueckseligkeit und
+die Aufloesung des Selbstbewusstseins in das allgemeine sein Bestehen
+gibt, erzeugt es sich an dem, was es unterdrueckt und was ihm zugleich
+wesentlich ist, an der Weiblichkeit ueberhaupt seinen innern Feind.
+Diese--die ewige Ironie des Gemeinwesens--veraendert durch die Intrige
+den allgemeinen Zweck der Regierung in einen Privatzweck, verwandelt
+ihre allgemeine Taetigkeit in ein Werk dieses bestimmten Individuums,
+und verkehrt das allgemeine Eigentum des Staats zu einem Besitz und
+Putz der Familie. Sie macht hiedurch die ernsthafte Weisheit des
+reifen Alters, das, der Einzelnheit--der Lust und dem Genusse, sowie
+der wirklichen Taetigkeit--abgestorben, nur das Allgemeine denkt und
+besorgt, zum Spotte fuer den Mutwillen der unreifen Jugend, und zur
+Verachtung fuer ihren Enthusiasmus; erhebt ueberhaupt die Kraft der
+Jugend zum Geltenden--des Sohnes, an dem die Mutter ihren Herrn
+geboren, des Bruders, an dem die Schwester den Mann als ihresgleichen
+hat, des Juenglings, durch den die Tochter ihrer Unselbststaendigkeit
+entnommen, den Genuss und die Wuerde der Frauenschaft erlangt.--Das
+Gemeinwesen kann sich aber nur durch Unterdrueckung dieses Geistes der
+Einzelnheit erhalten, und, weil er wesentliches Moment ist, erzeugt
+es ihn zwar ebenso, und zwar durch die unterdrueckende Haltung gegen
+denselben als ein feindseliges Prinzip. Dieses wuerde jedoch, da es
+vom allgemeinen Zwecke sich trennend, nur boese und in sich nichtig
+ist, nichts vermoegen, wenn nicht das Gemeinwesen selbst die Kraft der
+Jugend, die Maennlichkeit, welche nicht reif noch innerhalb der
+Einzelnheit steht, als die _Kraft_ des Ganzen anerkannte. Denn es
+ist ein Volk, es ist selbst Individualitaet und wesentlich nur so fuer
+_sich_, dass _andere Individualitaeten fuer es_ sind, dass es sie von
+sich _ausschliesst_ und sich unabhaengig von ihnen weiss. Die negative
+Seite des Gemeinwesens, _nach innen_ die Vereinzelung der Individuen
+unterdrueckend, nach _aussen_ aber _selbsttaetig_, hat an der
+Individualitaet seine Waffen. Der Krieg ist der Geist und die Form,
+worin das wesentliche Moment der sittlichen Substanz, die absolute
+_Freiheit_ des sittlichen _Selbstwesens_ von allem Dasein, in ihrer
+Wirklichkeit und Bewaehrung vorhanden ist. Indem er einerseits den
+einzelnen _Systemen_ des Eigentums und der persoenlichen
+Selbststaendigkeit wie auch der einzelnen _Persoenlichkeit_ selbst die
+Kraft des Negativen zu fuehlen gibt, erhebt andererseits in ihm eben
+dies negative Wesen sich als das Erhaltende des Ganzen; der tapfre
+Juengling, an welchem die Weiblichkeit ihre Lust hat, das unterdrueckte
+Prinzip des Verderbens tritt an den Tag und ist das Geltende. Nun
+ist es die natuerliche Kraft und das, was als Zufall des Gluecks
+erscheint, welche ueber das Dasein des sittlichen Wesens und die
+geistige Notwendigkeit entscheiden; weil auf Staerke und Glueck das
+Dasein des sittlichen Wesens beruht, so ist _schon entschieden_, dass
+es zugrunde gegangen.--Wie vorhin nur Penaten im Volksgeiste, so
+gehen die _lebendigen_ Volksgeister durch ihre Individualitaet itzt in
+einem _allgemeinen_ Gemeinwesen zugrunde, dessen _einfache
+Allgemeinheit_ geistlos und tot, und dessen Lebendigkeit das
+_einzelne_ Individuum, als einzelnes ist. Die sittliche Gestalt des
+Geistes ist verschwunden, und es tritt eine andere an ihre Stelle.
+
+Dieser Untergang der sittlichen Substanz und ihr Uebergang in eine
+andere Gestalt ist also dadurch bestimmt, dass das sittliche
+Bewusstsein auf das Gesetz wesentlich _unmittelbar_ gerichtet ist; in
+dieser Bestimmung der Unmittelbarkeit liegt, dass in die Handlung der
+Sittlichkeit die Natur ueberhaupt hereinkommt. Ihre Wirklichkeit
+offenbart nur den Widerspruch und den Keim des Verderbens, den die
+schoene Einmuetigkeit und das ruhige Gleichgewicht des sittlichen
+Geistes eben an dieser Ruhe und Schoenheit selbst hat; denn die
+Unmittelbarkeit hat die widersprechende Bedeutung, die bewusstlose
+Ruhe der Natur, und die selbstbewusste unruhige Ruhe des Geistes zu
+sein.--Um dieser Natuerlichkeit willen ist ueberhaupt dieses sittliche
+Volk eine durch die Natur bestimmte und daher beschraenkte
+Individualitaet, und findet also ihre Aufhebung an einer andern.
+Indem aber diese Bestimmtheit, die im Dasein gesetzt, Beschraenkung,
+aber ebenso das Negative ueberhaupt und das Selbst der Individualitaet
+ist, verschwindet, ist das Leben des Geistes und diese in Allen ihrer
+selbstbewusste Substanz verloren. Sie tritt als eine _formelle
+Allgemeinheit_ an ihnen heraus, ist ihnen nicht mehr als lebendiger
+Geist inwohnend, sondern die einfache Gediegenheit ihrer
+Individualitaet ist in viele Punkte zersprungen.
+
+c. Rechtszustand
+
+Die allgemeine Einheit, in welche die lebendige unmittelbare Einheit
+der Individualität und der Substanz zurückgeht, ist das geistlose
+Gemeinwesen, das aufgehört hat, die selbstbewußtlose Substanz der
+Individuen zu sein, und worin sie itzt nach ihrem einzelnen
+Für-sich-sein als Selbstwesen und Substanzen gelten. Das Allgemeine
+in die Atome der absolut vielen Individuen zersplittert, dieser
+gestorbene Geist ist eine _Gleichheit_, worin _Alle_ als _Jede_, als
+_Personen_ gelten.--Was in der Welt der Sittlichkeit das verborgene
+göttliche Gesetz genannt wurde, ist in der Tat aus seinem Innern in
+die Wirklichkeit getreten; in jener galt und war der _Einzelne_
+wirklich nur als das allgemeine _Blut_ der _Familie_. Als _dieser_
+Einzelne war er der _selbstlose abgeschiedene_ Geist; nun aber ist er
+aus seiner Unwirklichkeit hervorgetreten. Weil die sittliche
+Substanz nur der _wahre_ Geist ist, darum geht er in die _Gewißheit_
+seiner selbst zurück; jene ist er als das _positive_ Allgemeine, aber
+seine Wirklichkeit ist, _negatives_ allgemeines _Selbst_ zu sein.
+--Wir sahen die Mächte und die Gestalten der sittlichen Welt in der
+einfachen Notwendigkeit des leeren _Schicksals_ versinken. Diese
+ihre Macht ist die in ihre Einfachheit sich reflektierende Substanz;
+aber das in sich reflektierende absolute Wesen, eben jene
+Notwendigkeit des leeren Schicksals, ist nichts anders als das _Ich_
+des Selbstbewußtseins.
+
+Dieses gilt hiemit nunmehr als das _an und für sich_ seiende Wesen;
+dies _Anerkanntsein_ ist seine Substantialität; aber sie ist die
+_abstrakte Allgemeinheit_, weil ihr Inhalt _dieses spröde Selbst_,
+nicht das in der Substanz aufgelöste ist.
+
+Die Persönlichkeit ist also hier aus dem Leben der sittlichen
+Substanz herausgetreten; sie ist die _wirklich geltende_
+Selbstständigkeit des Bewußtseins. Der _unwirkliche Gedanke_
+derselben, der sich durch _Verzichttun_ auf die _Wirklichkeit_ wird,
+ist früher als _stoisches_ Selbstbewußtsein vorgekommen; wie dieses
+aus der Herrschaft und Knechtschaft, als dem unmittelbaren Dasein des
+_Selbstbewußtsein_, so ist die Persönlichkeit aus dem unmittelbaren
+_Geiste_--der der allgemeine herrschende Willen Aller und ebenso ihr
+dienender Gehorsam ist, hervorgegangen. Was dem Stoizismus nur in
+der _Abstraktion_ das _An-sich_ war, ist nun _wirkliche_ Welt. Er
+ist nichts anderes als das Bewußtsein, welches das Prinzip des
+Rechtszustands, die geistlose Selbstständigkeit, auf seine abstrakte
+Form bringt; durch seine Flucht aus der _Wirklichkeit_ erreichte es
+nur den Gedanken der Selbstständigkeit; es ist absolut für _sich_
+dadurch, daß es sein Wesen nicht an irgendein Dasein knüpft, sondern
+jedes Dasein aufgegeben, und sein Wesen allein in die Einheit des
+reinen Denkens setzt. Auf dieselbe Weise ist das Recht der Person
+weder an ein reicheres oder mächtigeres Dasein des Individuums als
+eines solchen, noch auch an einen allgemeinen lebendigen Geist
+geknüpft, sondern vielmehr an das reine Eins seiner abstrakten
+Wirklichkeit oder an es als Selbstbewußtsein überhaupt.
+
+Wie nun die _abstrakte_ Selbstständigkeit des Stoizismus ihre
+Verwirklichung darstellte, so wird auch diese letztere die Bewegung
+jener ersten wiederholen. Jene geht in die skeptische Verwirrung des
+Bewußtseins über, in eine Faselei des Negativen, welche gestaltlos
+von einer Zufälligkeit des Seins und Gedankens zur andern irrt, sie
+zwar in der absoluten Selbstständigkeit auflöst, aber ebensosehr
+wieder erzeugt; und in der Tat nur der Widerspruch der
+Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Bewußtseins ist.
+--Ebenso ist die persönliche Selbstständigkeit des _Rechts_ vielmehr
+diese gleiche allgemeine Verwirrung und gegenseitige Auflösung. Denn
+was als das absolute Wesen gilt, ist das Selbstbewußtsein als das
+reine _leere Eins_ der Person. Gegen diese leere Allgemeinheit hat
+die Substanz die Form der _Erfüllung_ und des _Inhalts_, und dieser
+ist nun völlig freigelassen und ungeordnet; denn der Geist ist nicht
+mehr vorhanden, der ihn unterjochte, und in seiner Einheit
+zusammenhielt.--Dies leere Eins der Person ist daher in seiner
+_Realität_ ein zufälliges Dasein und wesenloses Bewegen und Tun,
+welches zu keinem Bestand kommt. Wie der Skeptizismus, ist der
+Formalismus des Rechts also durch seinen Begriff ohne eigentümlichen
+Inhalt, findet ein mannigfaltiges Bestehen, den Besitz, vor, und
+drückt ihm dieselbe abstrakte Allgemeinheit, wodurch er _Eigentum_
+heißt, auf wie jener. Wenn aber die so bestimmte Wirklichkeit im
+Skeptizismus _Schein_ überhaupt heißt, und nur einen negativen Wert
+hat, so hat sie im Rechte einen positiven. Jener negative Wert
+besteht darin, daß das Wirkliche die Bedeutung des Selbsts als
+Denkens, als des _an sich_ Allgemeinen hat, dieser positive aber
+darin, daß es _Mein_ in der Bedeutung der Kategorie, als _ein
+anerkanntes_ und _wirkliches_ Gelten ist.--Beides ist dasselbe
+_abstrakte Allgemeine_; der wirkliche Inhalt oder die _Bestimmtheit_
+des Meinen--es sei nun eines äußerlichen Besitzes, oder auch des
+innern Reichtums oder Armut des Geistes und Charakters, ist nicht in
+dieser leeren Form enthalten und geht sie nichts an. Er gehört also
+einer _eignen Macht_ an, die ein anderes als das formal Allgemeine,
+die der Zufall und die Willkür ist.--Das Bewußtsein des Rechts
+erfährt darum in seinem wirklichen Gelten selbst vielmehr den Verlust
+seiner Realität und seine vollkommne Unwesentlichkeit, und ein
+Individuum als eine _Person_ bezeichnen ist Ausdruck der Verachtung.
+
+Die freie Macht des Inhalts bestimmt sich so, daß die Zerstreuung in
+die absolute _Vielheit_ der persönlichen Atome durch die Natur dieser
+Bestimmtheit zugleich in _einen_ ihnen fremden und ebenso geistlosen
+Punkt gesammelt ist, der einesteils gleich der Sprödigkeit ihrer
+Personalität rein einzelne Wirklichkeit ist, aber im Gegensatze gegen
+ihre leere Einzelnheit zugleich die Bedeutung alles Inhalts, dadurch
+des realen Wesens für sie hat, und gegen ihre vermeinte absolute, an
+sich aber wesenlose Wirklichkeit die allgemeine Macht und absolute
+Wirklichkeit ist. Dieser Herr der Welt ist sich auf diese Weise die
+absolute zugleich alles Dasein in sich befassende Person, für deren
+Bewußtsein kein höherer Geist existiert. Er ist Person; aber die
+einsame Person, welche _allen_ gegenübergetreten; diese Alle machen
+die geltende Allgemeinheit der Person aus, denn das Einzelne als
+solches ist wahr nur als allgemeine Vielheit der Einzelnheit, von
+dieser abgetrennt ist das einsame Selbst in der Tat das unwirkliche,
+kraftlose Selbst.--Zugleich ist es das Bewußtsein des Inhalts, der
+jener allgemeinen Persönlichkeit gegenübergetreten ist. Dieser
+Inhalt aber von seiner negativen Macht befreit ist das Chaos der
+geistigen Mächte, die entfesselt als elementarische Wesen in wilder
+Ausschweifung sich gegeneinander toll und zerstörend bewegen; ihr
+kraftloses Selbstbewußtsein ist die machtlose Umschließung und der
+Boden ihres Tumultes. Sich so als den Inbegriff aller wirklichen
+Mächte wissend, ist dieser Herr der Welt das ungeheure
+Selbstbewußtsein, das sich als den wirklichen Gott weiß; indem er
+aber nur das formale Selbst ist, das sie nicht zu bändigen vermag,
+ist seine Bewegung und Selbstgenuß die ebenso ungeheure Ausschweifung.
+
+Der Herr der Welt hat das wirkliche Bewußtsein dessen, was er ist,
+der allgemeinen Macht der Wirklichkeit, in der zerstörenden Gewalt,
+die er gegen das ihm gegenüberstehende Selbst seiner Untertanen
+ausübt. Denn seine Macht ist nicht die _Einigkeit_ des Geistes,
+worin die Personen ihr eigenes Selbstbewußtsein erkannten, vielmehr
+sind sie als Personen für sich und schließen die Kontinuität mit
+andern aus der absoluten Sprödigkeit ihrer Punktualität aus; sie sind
+also in einem nur negativen Verhältnisse wie zueinander so zu ihm,
+der ihre Beziehung oder Kontinuität ist. Als diese Kontinuität ist
+er das Wesen und der Inhalt ihres Formalismus; aber der ihnen fremde
+Inhalt, und das feindliche Wesen, welches gerade dasjenige, was für
+sie als ihr Wesen gilt, das inhaltsleere Für-sich-sein, vielmehr
+aufhebt;--und als die Kontinuität ihrer Persönlichkeit eben diese
+zerstört. Die rechtliche Persönlichkeit erfährt also, indem der ihr
+fremde Inhalt sich in ihr geltend macht, und er macht sich in ihnen
+geltend, weil er ihre Realität ist--vielmehr ihre Substanzlosigkeit.
+Das zerstörende Wühlen in diesem wesenlosen Boden gibt sich dagegen
+das Bewußtsein seiner Allherrschaft, aber dieses Selbst ist bloßes
+Verwüsten, daher nur außer sich, und vielmehr das Wegwerfen seines
+Selbstbewußtseins.
+
+So ist die Seite beschaffen, in welcher das Selbstbewußtsein als
+absolutes Wesen _wirklich_ ist. Das aus dieser Wirklichkeit aber _in
+sich zurückgetriebene Bewußtsein_ denkt diese seine Unwesenheit; wir
+sahen früher die stoische Selbstständigkeit des reinen Denkens durch
+den Skeptizismus hindurchgehen und in dem unglücklichen Bewußtsein
+ihre Wahrheit finden--die Wahrheit, welche Bewandtnis es mit seinem
+An- und Für-sich-sein hat. Wenn dies Wissen damals nur als die
+einseitige Ansicht des Bewußtseins als eines solchen erschien, so ist
+hier ihre _wirkliche_ Wahrheit eingetreten. Sie besteht darin, daß
+dies _allgemeine Gelten_ des Selbstbewußtseins, die ihm entfremdete
+Realität ist. Dies _Gelten_ ist die allgemeine Wirklichkeit des
+Selbsts, aber sie ist unmittelbar ebenso die Verkehrung; sie ist der
+Verlust seines Wesens.--Die in der sittlichen Welt nicht vorhandne
+Wirklichkeit des Selbsts ist durch ihr Zurückgehen in die _Person_
+gewonnen worden, was in jener einig war, tritt nun entwickelt, aber
+sich entfremdet auf.
+
+
+
+B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung
+
+Die sittliche Substanz erhielt den Gegensatz in ihr einfaches
+Bewusstsein eingeschlossen, und dieses in unmittelbarer Einheit mit
+seinem Wesen. Das Wesen hat darum die einfache Bestimmtheit des
+_Seins_ fuer das Bewusstsein, das unmittelbar darauf gerichtet, und
+dessen Sitte es ist; weder gilt das Bewusstsein sich als _dieses
+ausschliessende Selbst_, noch hat die Substanz die Bedeutung eines aus
+ihm ausgeschlossenen Daseins, mit dem es sich nur durch die
+Entfremdung seiner selbst eins zu setzen und sie zugleich
+hervorzubringen haette. Aber derjenige Geist, dessen Selbst das
+absolut diskrete ist, hat seinen Inhalt sich als eine ebenso harte
+Wirklichkeit gegenueber, und die Welt hat hier die Bestimmung, ein
+Aeusserliches, das Negative des Selbstbewusstseins zu sein. Aber diese
+Welt ist geistiges Wesen, sie ist an sich die Durchdringung des Seins
+und der Individualitaet; dies ihr Dasein ist das _Werk_ des
+Selbstbewusstseins; aber ebenso eine unmittelbar vorhandne ihm fremde
+Wirklichkeit, welche eigentuemliches Sein hat, und worin es sich nicht
+erkennt. Sie ist das aeusserliche Wesen, und der freie Inhalt des
+Rechts; aber diese aeusserliche Wirklichkeit, welche der Herr der Welt
+des Rechts in sich befasst, ist nicht nur dieses zufaellig fuer das
+Selbst vorhandne elementarische Wesen, sondern sie ist seine aber
+nicht positive Arbeit--vielmehr seine negative. Sie erhaelt ihr
+Dasein durch die _eigne_ Entaeusserung und Entwesung des
+Selbstbewusstseins, welche ihm in der Verwuestung, die in der Welt des
+Rechts herrscht, die aeusserliche Gewalt der losgebundnen Elemente
+anzutun scheinet. Diese fuer sich sind nur das reine Verwuesten und
+die Aufloesung ihrer selbst; diese Aufloesung aber, dies ihr negatives
+Wesen ist eben das Selbst; es ist ihr Subjekt, ihr Tun und Werden.
+Dies Tun und Werden aber, wodurch die Substanz wirklich wird, ist die
+Entfremdung der Persoenlichkeit, denn das _unmittelbar_, d.h. _ohne
+Entfremdung_ an und fuer sich geltende Selbst ist ohne Substanz, und
+das Spiel jener tobenden Elemente; seine Substanz ist also seine
+Entaeusserung selbst, und die Entaeusserung ist die Substanz, oder die zu
+einer Welt sich ordnenden und sich dadurch erhaltenden geistigen
+Maechte.
+
+Die Substanz ist auf diese Weise Geist, selbstbewusste _Einheit_ des
+Selbsts und des Wesens, aber beides hat auch die Bedeutung der
+Entfremdung fuereinander. Er ist _Bewusstsein_ einer fuer sich freien
+gegenstaendlichen Wirklichkeit; diesem Bewusstsein aber steht jene
+Einheit des Selbst und des Wesens gegenueber, dem _wirklichen_ das
+_reine Bewusstsein_. Einerseits geht das wirkliche Selbstbewusstsein
+durch seine Entaeusserung in die wirkliche Welt ueber, und diese in
+jenes zurueck; andrerseits aber ist eben diese Wirklichkeit, sowohl
+die Person wie die Gegenstaendlichkeit, aufgehoben; sie sind rein
+allgemeine. Diese ihre Entfremdung ist das _reine Bewusstsein_ oder
+das _Wesen_. Die Gegenwart hat unmittelbar den Gegensatz an ihrem
+_Jenseits_, das ihr Denken und Gedachtsein; so wie dies am Diesseits,
+das seine ihm entfremdete Wirklichkeit ist.
+
+Dieser Geist bildet sich daher nicht nur _eine_ Welt, sondern eine
+gedoppelte, getrennte und entgegengesetzte aus.--Die Welt des
+sittlichen Geistes ist seine eigne _Gegenwart_; und daher jede Macht
+derselben in dieser Einheit, und insofern beide sich unterscheiden,
+im Gleichgewichte mit dem Ganzen. Nichts hat die Bedeutung des
+Negativen des Selbstbewusstseins; selbst der abgeschiedne Geist ist im
+_Blute_ der Verwandtschaft, im _Selbst_ der Familie gegenwaertig, und
+die allgemeine _Macht_ der Regierung ist der _*Willen*_, das Selbst
+des Volks. Hier aber bedeutet das Gegenwaertige nur gegenstaendliche
+_Wirklichkeit_, die ihr Bewusstsein jenseits hat; jedes einzelne
+Moment als _Wesen_ empfaengt dies und damit die Wirklichkeit von einem
+andern, und insofern es wirklich ist, ist sein Wesen ein andres als
+seine Wirklichkeit. Nichts hat einen in ihm selbst gegruendeten und
+inwohnenden Geist, sondern ist ausser sich in einem fremden,--das
+Gleichgewicht des Ganzen nicht die bei sich selbst bleibende Einheit
+und ihre in sich zurueckgekehrte Beruhigung, sondern beruht auf der
+Entfremdung des Entgegengesetzten. Das Ganze ist daher, wie jedes
+einzelne Moment, eine sich entfremdete Realitaet; es zerfaellt in ein
+Reich, worin das _Selbstbewusstsein wirklich_ sowohl es als sein
+Gegenstand ist, und in ein anderes, das Reich des _reinen_
+Bewusstseins, welches jenseits des ersten nicht wirkliche Gegenwart
+hat, sondern im _Glauben_ ist. Wie nun die sittliche Welt aus der
+Trennung des goettlichen und menschlichen Gesetzes und ihrer Gestalten,
+und ihr Bewusstsein aus der Trennung in das Wissen und in die
+Bewusstlosigkeit zurueck in sein Schicksal, in das _Selbst_ als die
+_negative Macht_ dieses Gegensatzes geht, so werden auch diese beiden
+Reiche des sich entfremdeten Geistes in das _Selbst_ zurueckkehren;
+aber wenn jenes das erste unmittelbar geltende _Selbst_, die einzelne
+_Person_, war, so wird dies zweite, das aus seiner Entaeusserung in
+sich zurueckkehrt, das _allgemeine Selbst_, das den _Begriff_
+erfassende Bewusstsein sein; und diese geistigen Welten, deren alle
+Momente eine fixierte Wirklichkeit und ungeistiges Bestehen von sich
+behaupten, werden sich in der _reinen Einsicht_ aufloesen. Sie als
+das sich selbst _erfassende_ Selbst vollendet die Bildung; sie fasst
+nichts als das Selbst, und alles als das Selbst auf, d.h. sie
+_begreift_ alles, tilgt alle Gegenstaendlichkeit, und verwandelt alles
+_An-sich_-sein in ein _Fuer-sich_-sein. Gegen den Glauben als das
+fremde jenseits liegende Reich des _Wesens_ gekehrt, ist sie die
+_Aufklaerung_. Diese vollendet auch an diesem Reiche, wohin sich der
+entfremdete Geist, als in das Bewusstsein der sich selbst gleichen
+Ruhe rettet, die Entfremdung; sie verwirrt ihm die Haushaltung, die
+er hier fuehrt, dadurch, dass sie die Geraetschaften der diesseitigen
+Welt hineinbringt, die er als sein Eigentum nicht verleugnen kann,
+weil sein Bewusstsein ihr gleichfalls angehoert.--In diesem negativen
+Geschaefte realisiert zugleich die reine Einsicht sich selbst, und
+bringt ihren eignen Gegenstand, das unerkennbare _absolute Wesen_,
+und das _Nuetzliche_ hervor. Indem auf diese Weise die Wirklichkeit
+alle Substantialitaet verloren und nichts mehr _an sich_ in ihr ist,
+so ist wie das Reich des Glaubens so auch der realen Welt gestuerzt,
+und diese Revolution bringt die _absolute Freiheit_ hervor, womit der
+vorher entfremdete Geist vollkommen in sich zurueckgegangen ist, dies
+Land der Bildung verlaesst, und in ein anderes Land, in das Land des
+_moralischen Bewusstseins_ uebergeht.
+
+
+
+I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes
+
+Die Welt dieses Geistes zerfaellt in die gedoppelte; die erste ist die
+Weit der Wirklichkeit oder seiner Entfremdung selbst; die andre aber
+die, welche er, ueber die erste sich erhebend, im Aether des reinen
+Bewusstseins sich erbaut. Diese, jener Entfremdung _entgegengesetzt_,
+ist eben darum nicht frei davon, sondern vielmehr nur die andre Form
+der Entfremdung, welche eben darin besteht, in zweierlei Welten das
+Bewusstsein zu haben, und beide umfasst. Es ist also nicht das
+Selbstbewusstsein des absoluten Wesens, wie es _an_ und _fuer sich_ ist,
+nicht die Religion, welche hier betrachtet wird, sondern der
+_Glauben_, insofern er die _Flucht_ aus der wirklichen Welt und also
+nicht _an_ und _fuer sich_ ist. Diese Flucht aus dem Reiche der
+Gegenwart ist daher an ihr selbst unmittelbar die gedoppelte. Das
+reine Bewusstsein ist das Element, in welches der Geist sich erhebt;
+aber es ist nicht nur das Element des _Glaubens_, sondern ebenso des
+_Begriffs_; beide treten daher zugleich miteinander ein, und jener
+koemmt nur in Betracht im Gegensatze gegen diesen.
+
+
+a. Die Bildungund ihr Reich der Wirklichkeit
+
+Der Geist dieser Welt ist das von einem _Selbst_bewusstsein
+durchdrungne geistige _Wesen_, das sich als _dieses fuer sich seiende_
+unmittelbar gegenwaertig, und das _Wesen_ als eine Wirklichkeit sich
+gegenueber weiss. Aber das Dasein dieser Welt sowie die Wirklichkeit
+des Selbstbewusstseins beruht auf der Bewegung, dass dieses seiner
+Persoenlichkeit sich entaeussert, hiedurch seine Welt hervorbringt, und
+sich gegen sie als eine Fremde so verhaelt, dass es sich ihrer nunmehr
+zu bemaechtigen hat. Aber die Entsagung seines Fuer-sich-seins ist
+selbst die Erzeugung der Wirklichkeit, und durch sie bemaechtigt es
+sich also unmittelbar derselben.--Oder das Selbstbewusstsein ist nur
+_Etwas_, es hat nur _Realitaet_, insofern es sich selbst entfremdet;
+hiedurch setzt es sich als allgemeines, und diese seine Allgemeinheit
+ist sein Gelten und Wirklichkeit. Diese _Gleichheit_ mit allen ist
+daher nicht jene Gleichheit des Rechts, nicht jenes unmittelbare
+Anerkanntsein und Gelten des Selbstbewusstseins, darum weil es _ist_;
+sondern dass es gelte, ist durch die entfremdende Vermittlung, sich
+dem Allgemeinen gemaess gemacht zu haben. Die geistlose Allgemeinheit
+des Rechts nimmt jede natuerliche Weise des Charakters wie des Daseins
+in sich auf und berechtigt sie. Die Allgemeinheit aber, welche hier
+gilt, ist die _gewordne_, und darum ist sie _wirklich_.
+
+Wodurch also das Individuum hier Gelten und Wirklichkeit hat, ist die
+_Bildung_. Seine wahre _urspruengliche Natur_ und Substanz ist der
+Geist der _Entfremdung_ des _natuerlichen_ Seins. Diese Entaeusserung
+ist daher ebenso _Zweck_ als _Dasein_ desselben; sie ist zugleich das
+_Mittel_ oder der _Uebergang_ sowohl der _gedachten Substanz_ in die
+_Wirklichkeit_, als umgekehrt der _bestimmten Individualitaet_ in die
+_Wesentlichkeit_. Diese Individualitaet _bildet_ sich zu dem, was sie
+_an sich_ ist, und erst dadurch _ist_ sie _an sich_, und hat
+wirkliches Dasein; soviel sie Bildung hat, soviel Wirklichkeit und
+Macht. Obwohl das Selbst als _dieses_ sich hier wirklich weiss, so
+besteht doch seine Wirklichkeit allein in dem Aufheben des
+natuerlichen Selbsts; die urspruenglich _bestimmte_ Natur reduziert
+sich daher auf den _unwesentlichen_ Unterschied der Groesse, auf eine
+groessere oder geringere Energie des Willens. Zweck und Inhalt aber
+desselben gehoert allein der allgemeinen Substanz selbst an, und kann
+nur ein Allgemeines sein; die Besonderheit einer Natur, die Zweck und
+Inhalt wird, ist etwas _Unmaechtiges_ und _Unwirkliches_; sie ist eine
+_Art_, die sich vergeblich und laecherlich abmueht, sich ins Werk zu
+setzen; sie ist der Widerspruch, dem Besondern die Wirklichkeit zu
+geben, die unmittelbar das Allgemeine ist. Wenn daher
+faelschlicherweise die Individualitaet in die _Besonderheit_ der Natur
+und des Charakters gesetzt wird, so finden sich in der realen Welt
+keine Individualitaeten und Charaktere, sondern die Individuen haben
+ein gleiches Dasein fuereinander; jene vermeintliche Individualitaet
+ist eben nur das _gemeinte_ Dasein, welches in dieser Welt, worin nur
+das sich selbst Entaeussernde und darum nur das Allgemeine Wirklichkeit
+erhaelt, kein Bleiben hat.--Das _Gemeinte_ gilt darum fuer das, was es
+ist, fuer eine Art. Art ist nicht ganz dasselbe, was _Espece,_ "von
+allen Spitznamen der fuerchterlichste, denn er bezeichnet die
+Mittelmaessigkeit, und drueckt die hoechste Stufe der Verachtung aus."
+_Art_ und in _seiner Art gut_ sein ist aber ein deutscher Ausdruck,
+welcher dieser Bedeutung die ehrliche Miene hinzufuegt, als ob es
+nicht so schlimm gemeint sei, oder auch in der Tat das Bewusstsein,
+was Art, und was Bildung und Wirklichkeit ist, noch nicht in sich
+schliesst.
+
+Was in Beziehung auf das einzelne _Individuum_ als seine Bildung
+erscheint, ist das wesentliche Moment der _Substanz_ selbst, naemlich
+das unmittelbare Uebergehen ihrer gedachten Allgemeinheit in die
+Wirklichkeit, oder die einfache Seele derselben, wodurch das _An-sich
+Anerkanntes_ und _Dasein_ ist. Die Bewegung der sich bildenden
+Individualitaet ist daher unmittelbar das Werden derselben als des
+allgemeinen gegenstaendlichen Wesens, d.h. das Werden der wirklichen
+Welt. Diese, obwohl geworden durch die Individualitaet, ist fuer das
+Selbstbewusstsein ein unmittelbar entfremdetes, und hat fuer es die
+Form unverrueckter Wirklichkeit. Aber gewiss zugleich, dass sie seine
+Substanz ist, geht es, sich derselben zu bemaechtigen; es erlangt
+diese Macht ueber sie durch die Bildung, welche von dieser Seite so
+erscheint, dass es sich der Wirklichkeit gemaess macht, und soviel, als
+die Energie des urspruenglichen Charakters und Talents ihm zulaesst.
+Was hier als die Gewalt des Individuums erscheint, unter welche die
+Substanz komme und hiemit aufgehoben werde, ist dasselbe, was die
+Verwirklichung der letztern ist. Denn die Macht des Individuums
+besteht darin, dass es sich ihr gemaess macht, d.h. dass es sich seines
+Selbsts entaeussert, also sich als die gegenstaendliche seiende Substanz
+setzt. Seine Bildung und seine eigne Wirklichkeit ist daher die
+Verwirklichung der Substanz selbst.
+
+Das Selbst ist sich nur als _aufgehobnes_ wirklich. Es macht daher
+fuer es nicht die Einheit des _Bewusstseins_ seiner selbst und des
+Gegenstandes aus; sondern dieser ist ihm das Negative seiner.--Durch
+das Selbst als die Seele wird die Substanz also so in ihren Momenten
+ausgebildet, dass das Entgegengesetzte das Andre begeistet, jedes
+durch seine Entfremdung dem Andern Bestehen gibt, und es ebenso von
+ihm erhaelt. Zugleich hat jedes Moment seine Bestimmtheit als ein
+unueberwindliches Gelten und eine feste Wirklichkeit gegen das Andre.
+Das Denken fixiert diesen Unterschied auf die allgemeinste Weise
+durch die absolute Entgegensetzung von _Gut_ und _Schlecht_, die,
+sich fliehend, auf keine Weise dasselbe werden koennen. Aber dieses
+feste Sein hat zu seiner Seele den unmittelbaren Uebergang in das
+Entgegengesetzte; das Dasein ist vielmehr die Verkehrung jeder
+Bestimmtheit in ihre entgegengesetzte, und nur diese Entfremdung ist
+das Wesen und Erhaltung des Ganzen. Diese verwirklichende Bewegung
+und Begeistung der Momente ist nun zu betrachten; die Entfremdung
+wird sich selbst entfremden, und das Ganze durch sie in seinen
+Begriff sich zuruecknehmen.
+
+Zuerst ist die einfache Substanz selbst in der unmittelbaren
+Organisation ihrer daseienden noch unbegeisteten Momente zu
+betrachten.--Wie die Natur sich in die allgemeinen Elemente auslegt,
+worunter die _Luft_ das _bleibende_ rein allgemeine durchsichtige
+Wesen ist,--das Wasser aber das Wesen, das immer _aufgeopfert_ wird,
+--das _Feuer_ ihre _beseelende_ Einheit, welche ihren Gegensatz
+ebenso immer aufloest, als ihre Einfachheit in ihn entzweit,--die
+_Erde_ endlich der _feste Knoten_ dieser Gegliederung und das
+_Subjekt_ dieser Wesen wie ihres Prozesses, ihr Ausgehen und ihre
+Rueckkehr ist,--so legt sich in ebensolche allgemeine, aber geistige
+Massen das innere _Wesen_ oder der einfache Geist der selbstbewussten
+Wirklichkeit als eine Welt aus,--in die _erste_ Masse, das _an sich
+Allgemeine_, sich _selbst gleiche_ geistige Wesen;--in die andere,
+das _fuer sich seiende_ in sich _ungleich_ gewordene, sich
+_aufopfernde_ und _hingebende_ Wesen, und in das _dritte_, welches
+als Selbstbewusstsein Subjekt ist, und die Kraft des Feuers
+unmittelbar an ihm selbst hat;--im ersten Wesen ist es seiner als des
+_An-sich-seins_ bewusst; in dem zweiten aber hat es das Werden des
+_Fuer-sich-seins_ durch die Aufopferung des Allgemeinen. Der Geist
+aber selbst ist das _An_- und _Fuer-sich-sein_ des Ganzen, das sich in
+die Substanz als bleibende und in sie als sich aufopfernde _entzweit_,
+und ebenso sie auch wieder in seine Einheit _zuruecknimmt_, sowohl
+als die ausbrechende sie verzehrende Flamme wie als die bleibende
+Gestalt derselben.--Wir sehen, dass diese Wesen dem Gemeinwesen und
+der Familie der sittlichen Welt entsprechen, ohne aber den heimischen
+Geist zu besitzen, den diese haben; dagegen, wenn diesem das
+Schicksal fremde ist, so ist und weiss sich hier das Selbstbewusstsein
+als die wirkliche Macht derselben.
+
+Diese Glieder sind sowohl wie sie zunaechst innerhalb des reinen
+Bewusstseins als _Gedanken_ oder _an sich_ seiende, als auch wie sie
+im wirklichen Bewusstsein als _gegenstaendliche_ Wesen vorgestellt
+werden, zu betrachten.--In jener Form der Einfachheit ist das erste,
+als _das sich selbst gleiche_, unmittelbare und unwandelbare _Wesen_
+aller Bewusstsein, das _Gute_--die unabhaengige geistige Macht des
+_An-sich_, bei der die Bewegung des fuersichseienden Bewusstseins nur
+beiherspielt. Das andere dagegen ist das _passive_ geistige Wesen
+oder das Allgemeine, insofern es sich preisgibt und die Individuen
+das Bewusstsein ihrer Einzelnheit sich an ihm nehmen laesst; es ist das
+nichtige Wesen, das _Schlechte_.--Dieses absolute Aufgeloestwerden des
+Wesens ist selbst bleibend; wie das erste Wesen, Grundlage,
+Ausgangspunkt und Resultat der Individuen und diese rein allgemein
+darin sind, so ist das zweite dagegen einerseits das sich aufopfernde
+_Sein fuer Anderes_, andererseits eben darum deren bestaendige Rueckkehr
+zu sich selbst als das _Einzelne_ und ihr bleibendes
+_Fuer-sich-werden_.
+
+Aber diese einfachen _Gedanken_ des Guten und Schlechten sind ebenso
+unmittelbar sich entfremdet; sie sind _wirklich_ und im wirklichen
+Bewusstsein als _gegenstaendliche_ Momente. So ist das erste Wesen die
+_Staatsmacht_, das andere der _Reichtum_.--Die Staatsmacht ist wie
+die einfache _Substanz_ so das allgemeine _Werk_;--die absolute
+_Sache selbst_, worin den Individuen ihr _Wesen_ ausgesprochen und
+ihre Einzelnheit schlechthin nur Bewusstsein ihrer _Allgemeinheit_ ist;
+--sie ist ebenso das Werk und einfache _Resultat_, aus welchem dies,
+dass es aus ihrem _Tun_ herkoemmt, verschwindet; es bleibt die absolute
+Grundlage und Bestehen alles ihres Tuns.--Diese _einfache_ aetherische
+Substanz ihres Lebens ist durch diese Bestimmung ihrer unwandelbaren
+Sichselbstgleichheit _Sein_, und damit nur _Sein fuer anderes_. Sie
+ist also an sich unmittelbar das Entgegengesetzte ihrer selbst,
+_Reichtum_. Ob er zwar das Passive oder Nichtige ist, ist er
+ebenfalls allgemeines geistiges Wesen, ebenso das bestaendig _werdende
+Resultat_ der _Arbeit_ und des _Tuns Aller_, wie es sich wieder in
+den _Genuss_ Aller aufloest. In dem Genusse wird die Individualitaet
+zwar _fuer sich_ oder als _einzelne_, aber dieser Genuss selbst ist
+Resultat des allgemeinen Tuns; so wie er gegenseitig die allgemeine
+Arbeit und den Genuss aller hervorbringt. Das _Wirkliche_ hat
+schlechthin die geistige Bedeutung, unmittelbar allgemein zu sein.
+Es meint wohl in diesem Momente jeder Einzelne _eigennuetzig_ zu
+handeln; denn es ist das Moment, worin er sich das Bewusstsein gibt,
+fuer sich zu sein, und er nimmt es deswegen nicht fuer etwas Geistiges;
+allein auch nur aeusserlich angesehen, zeigt es sich, dass in seinem
+Genusse jeder allen zu geniessen gibt, in seiner Arbeit ebenso fuer
+alle arbeitet als fuer sich, und alle fuer ihn. Sein _Fuer-sich_-sein
+ist daher an sich _allgemein_ und der Eigennutz etwas nur Gemeintes,
+das nicht dazu kommen kann, dasjenige wirklich zu machen, was es
+meint, naemlich etwas zu tun, das nicht allen zugut kaeme.
+
+In diesen beiden geistigen Maechten erkennt also das Selbstbewusstsein
+seine Substanz, Inhalt und Zweck; es schaut sein Doppelwesen darin an,
+in der einen sein _An-sich-sein_, in der andern sein _Fuer-sich-sein_.
+--Es ist aber zugleich als der Geist, die negative _Einheit_ ihres
+Bestehens und der Trennung der Individualitaet und des Allgemeinen,
+oder der Wirklichkeit und des Selbsts. Herrschaft und Reichtum sind
+daher fuer das Individuum als Gegenstaende vorhanden, d.h. als solche,
+von denen es sich _frei_ weiss und zwischen ihnen und selbst keines
+von beiden waehlen zu koennen meint. Es tritt als dieses freie und
+_reine_ Bewusstsein dem Wesen als einem solchen gegenueber, das nur
+_fuer es_ ist. Es hat alsdenn das Wesen als _Wesen_ in sich.--In
+diesem reinen Bewusstsein sind ihm die Momente der Substanz nicht
+Staatsmacht und Reichtum, sondern die Gedanken von _Gut_ und
+_Schlecht_.--Das Selbstbewusstsein ist aber ferner die Beziehung
+seines reinen Bewusstseins auf sein wirkliches, des Gedachten auf das
+gegenstaendliche Wesen, es ist wesentlich das _Urteil_.--Es hat sich
+zwar schon fuer die beiden Seiten des wirklichen Wesens durch ihre
+unmittelbaren Bestimmungen ergeben, welche das Gute und welche das
+Schlechte sei; jenes die Staatsmacht, dies der Reichtum. Allein dies
+erste Urteil kann nicht als ein geistiges Urteil angesehen werden;
+denn in ihm ist die eine Seite nur als das _Ansichseiende_ oder
+Positive, die andre nur als das _Fuer-sich-_seiende und Negative
+bestimmt worden. Aber sie sind, als geistige Wesen, jedes die
+Durchdringung beider Momente, also in jenen Bestimmungen nicht
+erschoepft; und das Selbstbewusstsein, das sich auf sie bezieht, ist
+_an_ und _fuer sich_; es muss daher sich auf jedes auf die gedoppelte
+Weise beziehen, wodurch sich ihre Natur, sich selbst entfremdete
+Bestimmungen zu sein, herauskehren wird.
+
+Dem Selbstbewusstsein ist nun derjenige Gegenstand _gut_ und _an sich_,
+worin es sich selbst, derjenige aber schlecht, worin es das
+Gegenteil seiner findet; das _Gute_ ist die _Gleichheit_ der
+gegenstaendlichen Realitaet mit ihm; das _Schlechte_ aber ihre
+_Ungleichheit_. Zugleich was _fuer es_ gut und schlecht ist, ist _an
+sich_ gut und schlecht, denn es ist eben dasjenige, worin diese
+beiden Momente des _An-sich-_ und des _Fuer-es_-sein dasselbe sind; es
+ist der wirkliche Geist der gegenstaendlichen Wesen, und das Urteil
+der Erweis seiner Macht an ihnen, die sie zu dem _macht_, was sie _an
+sich_ sind. Nicht dies, wie sie unmittelbar an sich selbst das
+_Gleiche_ oder _Ungleiche_, d.h. das abstrakte An-sich- oder
+Fuer-sich-sein sind, ist ihr Kriterium und ihre Wahrheit, sondern was
+sie in der Beziehung des Geistes auf sie sind; ihre Gleichheit oder
+Ungleichheit mit ihm. Seine _Beziehung_ auf sie, die zuerst als
+_Gegenstaende_ gesetzt, _durch ihn_ zum _An-sich_ werden, wird
+zugleich ihre _Reflexion in sich selbst_, durch welche sie wirkliches
+geistiges Sein erhalten, und was _ihr Geist_ ist, hervortritt. Aber
+wie ihre erste _unmittelbare Bestimmung_ sich von der _Beziehung_ des
+Geistes auf sie unterscheidet, so wird auch das dritte, der eigne
+Geist derselben, sich von dem zweiten unterscheiden.--Das _zweite
+An-sich_ derselben zunaechst, das durch die Beziehung des Geistes auf
+sie hervortritt, muss schon anders ausfallen als das _unmittelbare_;
+denn diese _Vermittlung_ des Geistes bewegt vielmehr die
+_unmittelbare_ Bestimmtheit, und macht sie zu etwas anderem.
+
+Hiernach findet nun das _an_ und _fuer sich_ seiende Bewusstsein in der
+_Staatsmacht_ wohl sein _einfaches Wesen_ und _Bestehen_ ueberhaupt,
+allein nicht seine _Individualitaet_ als solche, wohl sein _An-sich-_
+nicht sein _Fuer-sich-_sein, es findet darin vielmehr das Tun als
+einzelnes Tun verleugnet und zum Gehorsam unterjocht. Das Individuum
+reflektiert sich also vor dieser Macht in sich selbst; sie ist ihm
+das unterdrueckende Wesen und das _Schlechte_; denn statt das Gleiche
+zu sein, ist sie das der Individualitaet schlechthin Ungleiche.
+--Hingegen der _Reichtum_ ist das _Gute_; er geht auf allgemeinen
+Genuss, gibt sich preis, und verschafft allen das Bewusstsein ihres
+Selbsts. Er ist _an sich_ allgemeines Wohltun; wenn er irgendeine
+Wohltat versagt, und nicht jedem Beduerfnisse gefaellig ist, so ist
+dies eine Zufaelligkeit, welche seinem allgemeinen notwendigen Wesen,
+sich allen Einzelnen mitzuteilen und tausendhaendiger Geber zu sein,
+keinen Eintrag tut.
+
+Diese beiden Urteile geben den Gedanken von Gut und Schlecht einen
+Inhalt, welcher das Gegenteil von dem ist, den sie fuer uns hatten.
+--Das Selbstbewusstsein hat sich aber nur erst unvollstaendig auf seine
+Gegenstaende bezogen, naemlich nur nach dem Massstabe des
+_Fuer-sich-seins_. Aber das Bewusstsein ist ebenso _ansich_seiendes
+Wesen, und muss diese Seite gleichfalls zum Massstabe machen, wodurch
+sich erst das geistige Urteil vollendet. Nach dieser Seite spricht
+ihm die _Staatsmacht_ sein _Wesen_ aus; sie ist teils ruhendes Gesetz,
+teils Regierung und Befehl, welcher die einzelnen Bewegungen des
+allgemeinen Tuns anordnet; das eine die einfache Substanz selbst, das
+andere ihr sich selbst und alle belebendes und erhaltendes Tun. Das
+Individuum findet also darin seinen Grund und Wesen ausgedrueckt,
+organisiert und betaetigt.--Hingegen durch den Genuss des _Reichtums_
+erfaehrt es nicht sein allgemeines Wesen, sondern erhaelt nur das
+_vergaengliche_ Bewusstsein und den Genuss seiner selbst als einer
+fuersichseienden _Einzelnheit_, und der _Ungleichheit_ mit seinem
+Wesen.--Die Begriffe von Gut und Schlecht erhalten also hier den
+entgegengesetzten Inhalt gegen den vorherigen.
+
+Diese beiden Weisen des Urteilens finden jede eine _Gleichheit_ und
+eine _Ungleichheit_; das erste urteilende Bewusstsein findet die
+Staatsmacht _ungleich_, den Genuss des Reichtums _gleich_ mit ihm; das
+zweite hingegen die erstere gleich, und den letztern _ungleich_ mit
+ihm. Es ist ein zweifaches _Gleichfinden_ und ein zweifaches
+_Ungleichfinden_, eine entgegengesetzte Beziehung auf die beiden
+realen Wesenheiten vorhanden.--Wir muessen dieses verschiedene
+Urteilen selbst beurteilen, wozu wir den aufgestellten Massstab
+anzulegen haben. Die _gleichfindende_ Beziehung des Bewusstseins ist
+hienach das _Gute_, die ungleichfindende das _Schlechte_; und diese
+beiden Weisen der Beziehung sind nunmehr selbst als _verschiedene
+Gestalten des Bewusstseins_ festzuhalten. Das Bewusstsein kommt
+dadurch, dass es sich auf verschiedene Weise verhaelt, selbst unter die
+Bestimmung der Verschiedenheit, gut oder schlecht zu sein, nicht
+darnach, dass es entweder das _Fuer-sich-sein_ oder das reine
+_An-sich-sein_ zum Prinzip haette, denn beide sind gleich wesentliche
+Momente; das gedoppelte Urteilen, das betrachtet wurde, stellte die
+Prinzipien getrennt vor, und enthaelt daher nur _abstrakte_ Weisen des
+_Urteilens_. Das wirkliche Bewusstsein hat beide Prinzipien an ihm,
+und der Unterschied faellt allein in sein _Wesen_, naemlich in die
+_Beziehung_ seiner selbst auf das Reale.
+
+Die Weise dieser Beziehung ist die entgegengesetzte, die eine ist
+Verhalten zu Staatsmacht und Reichtum als zu einem _Gleichen_, das
+andere als zu einem _Ungleichen_.--Das Bewusstsein der gleichfindenden
+Beziehung ist das _edelmuetige_. In der oeffentlichen Macht betrachtet
+es das mit ihm Gleiche, dass es in ihr sein _einfaches Wesen_ und
+dessen Betaetigung hat, und im Dienste des wirklichen Gehorsams wie
+der innern Achtung gegen es steht. Ebenso in dem Reichtume, dass er
+ihm das Bewusstsein seiner andern wesentlichen Seite, des
+_Fuer-sich-seins_, verschafft; daher es ihn ebenfalls als _Wesen_ in
+Beziehung auf sich betrachtet, und denjenigen, von welchem es geniesst,
+als Wohltaeter anerkennt und sich zum Danke verpflichtet haelt.
+
+Das Bewusstsein der andern Beziehung dagegen ist das _niedertraechtige_,
+das die _Ungleichheit_ mit den beiden Wesenheiten festhaelt; in der
+Herrschergewalt also eine Fessel und Unterdrueckung des
+_Fuer-sich-seins_ sieht, und daher den Herrscher hasst, nur mit
+Heimtuecke gehorcht, und immer auf dem Sprunge zum Aufruhr steht,--im
+Reichtum, durch den es zum Genusse seines Fuer-sich-seins gelangt,
+ebenso nur die Ungleichheit, naemlich mit dem bleibenden _Wesen_
+betrachtet; indem es durch ihn nur zum Bewusstsein der Einzelnheit und
+des vergaenglichen Genusses kommt, ihn liebt, aber verachtet, und mit
+dem Verschwinden des Genusses, des an sich verschwindenden, auch sein
+Verhaeltnis zu dem Reichen fuer verschwunden ansieht.
+
+Diese Beziehungen druecken nun erst das _Urteil_ aus, die Bestimmung
+dessen, was die beiden Wesen als _Gegenstaende_ fuer das Bewusstsein
+sind, noch nicht _an_ und _fuer sich_. Die Reflexion, die im Urteil
+vorgestellt ist, ist teils erst _fuer uns_ ein Setzen der einen sowie
+der andern Bestimmung und daher ein gleiches Aufheben beider, noch
+nicht die Reflexion derselben fuer das Bewusstsein selbst. Teils
+_sind_ sie erst unmittelbar _Wesen_, weder dies _geworden_ noch an
+ihnen _Selbst_bewusstsein; dasjenige, fuer welches sie sind, ist noch
+nicht ihre Belebung; sie sind Praedikate, die noch nicht selbst
+Subjekt sind. Um dieser Trennung willen faellt auch das Ganze des
+geistigen Urteilens noch an zwei Bewusstsein auseinander, deren jedes
+unter einer einseitigen Bestimmung liegt.--Wie sich nun zuerst die
+_Gleichgueltigkeit_ der beiden Seiten der Entfremdung--der einen, des
+_An-sich_ des reinen Bewusstseins, naemlich der bestimmten _Gedanken_
+von Gut und Schlecht; der andern, ihres _Daseins_ als Staatsmacht und
+Reichtum--zur Beziehung beider, zum _Urteil_ erhob; so hat sich diese
+aeussere Beziehung zur innern Einheit, oder als Beziehung des Denkens
+zur Wirklichkeit zu erheben, und der Geist der beiden Gestalten des
+Urteils hervorzutreten. Dies geschieht, indem das _Urteil_ zum
+_Schlusse_ wird, zur vermittelnden Bewegung, worin die Notwendigkeit
+und Mitte der beiden Seiten des Urteils hervortritt.
+
+Das edelmuetige Bewusstsein findet also im Urteil sich so der
+Staatsmacht gegenueber, dass sie zwar noch nicht ein Selbst, sondern
+erst die allgemeine Substanz, deren es aber als seines _Wesens_ als
+des Zwecks und absoluten Inhalts sich bewusst ist. Sich so positiv
+auf sie beziehend, verhaelt es sich negativ gegen seine eignen Zwecke,
+seinen besondern Inhalt und Dasein, und laesst sie verschwinden. Es
+ist der Heroismus des _Dienstes_,--die _Tugend_, welche das einzelne
+Sein dem Allgemeinen aufopfert, und dies dadurch ins Dasein bringt,
+--die _Person_, welche dem Besitze und Genusse von selbst entsagt,
+und fuer die vorhandene Macht handelt und wirklich ist.
+
+Durch diese Bewegung wird das Allgemeine mit dem Dasein ueberhaupt
+zusammengeschlossen, wie das daseiende Bewusstsein durch diese
+Entaeusserung sich zur Wesentlichkeit bildet. Wessen dieses im Dienste
+sich entfremdet, ist sein in das Dasein versenktes Bewusstsein; das
+sich entfremdete Sein ist aber das _An-sich_; es bekommt also durch
+diese Bildung Achtung vor sich selbst und bei den Andern.--Die
+Staatsmacht aber, die nur erst das _gedachte_ Allgemeine, das
+_An-sich_ war, wird durch eben diese Bewegung zum _seienden_
+Allgemeinen, zur wirklichen Macht. Sie ist diese nur in dem
+wirklichen Gehorsam, welchen sie durch das _Urteil_ des
+Selbstbewusstseins, dass sie das _Wesen_ ist, und durch die freie
+Aufopferung desselben erlangt. Dieses Tun, das das Wesen mit dem
+Selbst zusammenschliesst, bringt die _gedoppelte_ Wirklichkeit hervor,
+sich als das, welches wahre Wirklichkeit hat, und die Staatsmacht als
+das _Wahre_, welches gilt.
+
+Diese ist aber durch diese Entfremdung noch nicht ein sich als
+Staatsmacht wissendes Selbstbewusstsein; es ist nur ihr _Gesetz_, oder
+ihr _An-sich_, das gilt; sie hat noch keinen _besondern Willen_; denn
+noch hat das dienende Selbstbewusstsein nicht sein reines Selbst
+entaeussert und die Staatsmacht damit begeistet, sondern erst mit
+seinem Sein; ihr nur sein _Dasein_ aufgeopfert, nicht sein
+_An-sich_-sein.--Dies Selbstbewusstsein gilt als ein solches, das dem
+_Wesen_ gemaess ist, es ist anerkannt um seines _An-sich-seins_ willen.
+Die andern finden in ihm ihr _Wesen_ betaetigt, nicht aber ihr
+Fuer-sich-sein,--ihr Denken oder reines Bewusstsein erfuellt, nicht ihre
+Individualitaet. Es gilt daher in ihren _Gedanken_ und geniesst der
+_Ehre_. Es ist der _stolze_ Vasall, der fuer die Staatsmacht taetig
+ist, insofern sie nicht eigner Willen, sondern _wesentlicher_ ist,
+und der sich nur in dieser _Ehre_ gilt, nur in dem _wesentlichen_
+Vorstellen der allgemeinen Meinung, nicht in dem _dankbaren_ der
+Individualitaet, denn dieser hat er nicht zu ihrem _Fuer-sich-sein_
+verholfen. Seine _Sprache_, wenn es sich zum eignen Willen der
+Staatsmacht verhielte, der noch nicht geworden ist, waere der _Rat_,
+den er zum allgemeinen Besten erteilt.
+
+Die Staatsmacht ist daher noch willenlos gegen den Rat, und nicht
+entscheidend zwischen den verschiedenen Meinungen ueber das allgemeine
+Beste. Sie ist noch nicht _Regierung_, und somit noch nicht in
+Wahrheit wirkliche Staatsmacht.--Das _Fuer-sich-sein_, der _Willen_,
+der als Willen noch nicht aufgeopfert ist, ist der innre abgeschiedne
+Geist der Staende, der seinem Sprechen vom _allgemeinen_ Besten
+gegenueber sich sein _besondres_ Bestes vorbehaelt, und dies Geschwaetze
+vom allgemeinen Besten zu einem Surrogate fuer das Handeln zu machen
+geneigt ist. Die Aufopferung des Daseins, die im Dienste geschieht,
+ist zwar vollstaendig, wenn sie bis zum Tode fortgegangen ist; aber
+die bestandne Gefahr des Todes selbst, der ueberlebt wird, laesst ein
+bestimmtes Dasein, und damit ein _besonderes Fuer-sich_ uebrig, welches
+den Rat fuers allgemeine Beste zweideutig und verdaechtig macht, und
+sich in der Tat die eigne Meinung und den besondern Willen gegen die
+Staatsgewalt vorbehaelt. Es verhaelt sich daher noch ungleich gegen
+dieselbe, und faellt unter die Bestimmung des niedertraechtigen
+Bewusstseins, immer auf dem Sprunge zur Empoerung zu stehen.
+
+Dieser Widerspruch, den es aufzuheben hat, enthaelt in dieser Form, in
+der Ungleichheit des _Fuer-sich-seins_ gegen die Allgemeinheit der
+Staatsmacht zu stehen, zugleich die Form, dass jene Entaeusserung des
+Daseins, indem sie sich, im Tode naemlich, vollendet, selbst eine
+seiende, nicht eine ins Bewusstsein zurueckkehrende ist,--dass dieses
+sie nicht ueberlebt, und _an_ und _fuer sich_ ist, sondern nur ins
+unversoehnte Gegenteil uebergeht. Die wahre Aufopferung des
+_Fuer-sich-seins_ ist daher allein die, worin es sich so vollkommen
+als im Tode hingibt, aber in dieser Entaeusserung sich ebensosehr
+erhaelt; es wird dadurch als das wirklich, was es an sich ist, als die
+identische Einheit seiner selbst und seiner als des Entgegengesetzten.
+Dadurch, dass der abgeschiedne innre Geist, das Selbst als solches,
+hervortritt und sich entfremdet, wird zugleich die Staatsmacht zu
+eignem Selbst erhoben; so wie ohne diese Entfremdung die Handlungen
+der Ehre, des edeln Bewusstseins und die Ratschlaege seiner Einsicht
+das Zweideutige bleiben wuerden, das noch jenen abgeschiednen
+Hinterhalt der besondern Absicht und des Eigenwillens haette.
+
+Diese Entfremdung aber geschieht allein in der _Sprache_, welche hier
+in ihrer eigentuemlichen Bedeutung auftritt.--In der Welt der
+Sittlichkeit _Gesetz_ und _Befehl_, in der Welt der Wirklichkeit erst
+_Rat_, hat sie das _Wesen_ zum Inhalte, und ist dessen Form; hier
+aber erhaelt sie die Form, welche sie ist, selbst zum Inhalte, und
+gilt als _Sprache_; es ist die Kraft des Sprechens als eines solchen,
+welche das ausfuehrt, was auszufuehren ist. Denn sie ist das _Dasein_
+des reinen Selbsts als Selbsts; in ihr tritt die _fuer sich seiende
+Einzelnheit_ des Selbstbewusstseins als solche in die Existenz, so dass
+sie _fuer Andre_ ist. _Ich_ als dieses _reine_ Ich ist sonst nicht
+_da_; in jeder andern Aeusserung ist es in eine Wirklichkeit versenkt,
+und in einer Gestalt, aus welcher es sich zurueckziehen kann; es ist
+aus seiner Handlung, wie aus seinem physiognomischen Ausdrucke in
+sich reflektiert, und laesst solches unvollstaendiges Dasein, worin
+immer ebensosehr zu viel als zu wenig ist, entseelt liegen. Die
+Sprache aber enthaelt es in seiner Reinheit, sie allein spricht _Ich_
+aus, es selbst. Dies sein _Dasein_ ist als _Dasein_ eine
+Gegenstaendlichkeit, welche seine wahre Natur an ihr hat. _Ich_ ist
+_dieses_ Ich--aber ebenso _allgemeines_; sein Erscheinen ist ebenso
+unmittelbar die Entaeusserung und das Verschwinden _dieses_ Ichs, und
+dadurch sein Bleiben in seiner Allgemeinheit. _Ich_, das sich
+ausspricht, ist _vernommen_; es ist eine Ansteckung, worin es
+unmittelbar in die Einheit mit denen, fuer welche es da ist,
+uebergegangen und allgemeines Selbstbewusstsein ist.--Dass es
+_vernommen_ wird, darin ist sein _Dasein_ selbst unmittelbar
+_verhallt_; dies sein Anderssein ist in sich zurueckgenommen; und
+ebendies ist sein Dasein, als selbstbewusstes _Jetzt_, wie es da ist,
+nicht da zu sein, und durch dies Verschwinden da zu sein. Dies
+Verschwinden ist also selbst unmittelbar sein Bleiben; es ist sein
+eignes Wissen von Sich, und sein Wissen von sich als einem, das in
+anderes Selbst uebergegangen, das vernommen worden und allgemeines ist.
+
+Der Geist erhaelt hier diese Wirklichkeit, weil die Extreme, deren
+_Einheit_ er ist, ebenso unmittelbar die Bestimmung haben, fuer sich
+eigne Wirklichkeiten zu sein. Ihre Einheit ist zersetzt in sproede
+Seiten, deren jede fuer die andre wirklicher von ihr ausgeschlossener
+Gegenstand ist. Die Einheit tritt daher als eine _Mitte_ hervor,
+welche von der abgeschiedenen Wirklichkeit der Seiten ausgeschlossen
+und unterschieden wird; sie hat daher selbst eine wirkliche von ihren
+Seiten unterschiedne Gegenstaendlichkeit, und ist _fuer sie_, d.h. sie
+ist Daseiendes. Die _geistige Substanz_ tritt als solche in die
+Existenz, erst indem sie zu ihren Seiten solche Selbstbewusstsein
+gewonnen hat, welche dieses reine Selbst als _unmittelbar geltende_
+Wirklichkeit wissen, und darin ebenso unmittelbar wissen, dies nur
+durch die entfremdende _Vermittlung_ zu sein. Durch jenes sind die
+Momente zu der sich selbst wissenden Kategorie und damit bis dahin
+gelaeutert, dass sie Momente des Geistes sind; durch dieses tritt er
+als Geistigkeit in das Dasein.--Er ist so die Mitte, welche jene
+Extreme voraussetzt, und durch ihr Dasein erzeugt wird,--aber ebenso
+das zwischen ihnen hervorbrechende geistige Ganze, das sich in sie
+entzweit und jedes erst durch diese Beruehrung zum Ganzen in seinem
+Prinzipe erzeugt.--Dass die beiden Extreme schon _an sich_ aufgehoben
+und zersetzt sind, bringt ihre Einheit hervor, und diese ist die
+Bewegung, welche beide zusammenschliesst, ihre Bestimmungen austauscht,
+und sie, und zwar _in jedem Extreme_, zusammenschliesst. Diese
+Vermittlung setzt hiemit den _Begriff_ eines jeden der beiden Extreme
+in seine Wirklichkeit, oder sie macht das, was jedes _an sich_ ist,
+zu seinem _Geiste_.
+
+Die beiden Extreme, die Staatsmacht und das edelmuetige Bewusstsein,
+sind durch dieses zersetzt, jene in das abstrakte Allgemeine, dem
+gehorcht wird, und in den fuersichseienden Willen, welcher ihm aber
+noch nicht selbst zukommt; dieses in den Gehorsam des aufgehobnen
+Daseins oder in das _An-sich-sein_ der Selbstachtung und der Ehre,
+und in das noch nicht aufgehobene reine Fuer-sich-sein, den im
+Hinterhalte noch bleibenden Willen. Die beiden Momente, zu welchen
+beide Seiten gereinigt, und die daher Momente der Sprache sind, sind
+das _abstrakte Allgemeine_, welches das allgemeine Beste heisst, und
+das _reine Selbst_, das im Dienste seinem ins vielfache Dasein
+versenkten Bewusstsein absagte. Beide sind im Begriffe dasselbe, denn
+reines Selbst ist eben das abstrakt Allgemeine, und daher ist ihre
+Einheit als ihre Mitte gesetzt. Aber das _Selbst_ ist nur erst am
+Extreme des Bewusstseins wirklich--_das An-sich_ aber erst am Extreme
+der Staatsmacht; dem Bewusstsein fehlt dies, dass die Staatsmacht nicht
+nur als _Ehre_, sondern wirklich an es uebergegangen waere,--der
+Staatsmacht, dass ihr nicht nur als dem sogenannten _allgemeinen
+Besten_ gehorcht wuerde, sondern als Willen, oder dass sie das
+entscheidende Selbst ist. Die Einheit des Begriffes, in welchem die
+Staatsmacht noch steht, und zu dem das Bewusstsein sich gelaeutert hat,
+wird in dieser _vermittelnden Bewegung_ wirklich, deren einfaches
+Dasein, als _Mitte_, die Sprache ist.--Sie hat jedoch zu ihren Seiten
+noch nicht zwei als _Selbst_ vorhandene Selbst; denn die Staatsmacht
+wird erst zum Selbst begeistet; diese Sprache ist daher noch nicht
+der Geist, wie er sich vollkommen weiss und ausspricht.
+
+Das edelmuetige Bewusstsein, weil es das Extrem des Selbsts ist,
+erscheint als dasjenige, von dem die _Sprache_ ausgeht, durch welche
+sich die Seiten des Verhaeltnisses zu beseelten Ganzen gestalten.--Der
+Heroismus des stummen Dienstes wird zum _Heroismus_ der
+_Schmeichelei_. Diese sprechende Reflexion des Dienstes macht die
+geistige sich zersetzende Mitte aus, und reflektiert nicht nur ihr
+eigenes Extrem in sich selbst, sondern auch das Extrem der
+allgemeinen Gewalt in dieses selbst zurueck, und macht sie, die erst
+_an sich_ ist, _zum Fuer-sich-sein_ und zur Einzelnheit des
+Selbstbewusstseins. Es wird hiedurch der Geist dieser Macht, ein
+_unumschraenkter Monarch_ zu sein;--_unumschraenkt_: die Sprache der
+Schmeichelei erhebt die Macht in ihre gelaeuterte _Allgemeinheit_; das
+Moment als Erzeugnis der Sprache, des zum Geiste gelaeuterten Daseins,
+ist eine Vereinigte Sichselbstgleichheit,--_Monarch_: sie erhebt
+ebenso die _Einzelnheit_ auf ihre Spitze; dasjenige, dessen das
+edelmuetige Bewusstsein sich nach dieser Seite der einfachen geistigen
+Einheit entaeussert, ist das reine _An-sich seines Denkens_, sein Ich
+selbst. Bestimmter erhebt sie die Einzelnheit, die sonst nur ein
+_Gemeintes_ ist, dadurch in ihre daseiende Reinheit, dass sie dem
+Monarchen den eignen _Namen_ gibt; denn es ist allein der Name, worin
+der _Unterschied_ des Einzelnen von allen andern nicht _gemeint_ ist,
+sondern von allen wirklich gemacht wird; in dem Namen _gilt_ der
+Einzelne als rein Einzelner nicht mehr nur in seinem Bewusstsein,
+sondern im Bewusstsein Aller. Durch ihn also wird der Monarch
+schlechthin von Allen abgesondert, ausgenommen und einsam; in ihm ist
+er das Atom, das von seinem Wesen nichts mitteilen kann und nicht
+seinesgleichen hat.--Dieser Name ist hiemit die Reflexion in sich
+oder die _Wirklichkeit_, welche die allgemeine Macht _an ihr selbst_
+hat; durch ihn ist sie der _Monarch_. Er, _dieser Einzelne_, weiss
+umgekehrt dadurch _sich diesen Einzelnen_ als die allgemeine Macht,
+dass die Edeln nicht nur als zum Dienst der Staatsmacht bereit,
+sondern als _Zieraten_ sich um den Thron stellen, und dass sie dem,
+der darauf sitzt, es immer _sagen_, was er _ist_.
+
+Die Sprache ihres Preises ist auf diese Weise der Geist, der in der
+_Staatsmacht selbst_ die beiden Extreme zusammenschliesst; sie
+reflektiert die abstrakte Macht in sich und gibt ihr das Moment des
+andern Extrems, das wollende und entscheidende _Fuer-sich-sein_, und
+hiedurch selbstbewusste Existenz; oder dadurch kommt dies _einzelne
+wirkliche_ Selbstbewusstsein dazu, sich als die Macht _gewiss zu
+wissen_. Sie ist der Punkt des Selbsts, in den durch die Entaeusserung
+der _innern Gewissheit_ die vielen Punkte zusammengeflossen sind.
+--Indem aber dieser eigne Geist der Staatsmacht darin besteht, seine
+Wirklichkeit und Nahrung an dem Opfer des Tuns und des Denkens des
+edelmuetigen Bewusstseins zu haben, ist sie die sich _entfremdete
+Selbststaendigkeit_; das edelmuetige Bewusstsein, das Extrem des
+_Fuer-sich-seins_ erhaelt das Extrem der _wirklichen Allgemeinheit_ fuer
+die Allgemeinheit des Denkens, der es sich entaeusserte, zurueck; die
+Macht des Staats ist auf es _uebergegangen_. An ihm wird die
+Staatsgewalt erst wahrhaft betaetigt; in seinem _Fuer-sich-sein_ hoert
+sie auf, das _traege Wesen_, wie sie als Extrem des abstrakten
+An-sich-seins erschien, zu sein.--_An sich_ betrachtet heisst die _in
+sich reflektierte Staatsmacht_, oder dies, dass sie Geist geworden,
+nichts anderes, als dass sie _Moment_ des _Selbstbewusstseins_ geworden,
+d.h. nur als _aufgebobne_ ist. Hiemit ist sie nun das Wesen als ein
+solches, dessen Geist es ist, aufgeopfert und preisgegeben zu sein,
+oder sie existiert als _Reichtum_.--Sie bleibt zwar dem Reichtume, zu
+welchem sie dem Begriffe nach immer wird, gegenueber zugleich als eine
+Wirklichkeit bestehen; aber eine solche, deren Begriff eben diese
+Bewegung ist, durch den Dienst und die Verehrung, wodurch sie wird,
+in ihr Gegenteil, in die Entaeusserung der Macht, ueberzugehen. Fuer
+sich wird also das eigentuemliche _Selbst_, das ihr Willen ist, durch
+die Wegwerfung des edelmuetigen Bewusstseins, zur sich entaeussernden
+Allgemeinheit, zu einer vollkommnen Einzelnheit und Zufaelligkeit, die
+jedem maechtigern Willen preisgegeben ist; was ihm an _allgemein_
+anerkannter und nicht mittelbarer Selbststaendigkeit bleibt, ist der
+leere Namen.
+
+Wenn also das edelmuetige Bewusstsein sich als dasjenige bestimmte,
+welches sich auf die allgemeine Macht auf eine _gleiche_ Weise bezoege,
+so ist die Wahrheit desselben vielmehr, in seinem Dienste sein
+eignes Fuer-sich-sein sich zu behalten, in der eigentlichen Entsagung
+seiner Persoenlichkeit aber das wirkliche Aufheben und Zerreissen der
+allgemeinen Substanz zu sein. Sein Geist ist das Verhaeltnis der
+voelligen Ungleichheit, einerseits in seiner Ehre seinen Willen zu
+behalten; andererseits in dem Aufgeben desselben teils seines Innern
+sich zu entfremden, und zur hoechsten Ungleichheit mit sich selbst zu
+werden, teils die allgemeine Substanz darin sich zu unterwerfen und
+diese sich selbst voellig ungleich zu machen.--Es erhellt, dass damit
+seine Bestimmtheit, die es im _Urteile_ gegen das hatte, welches
+niedertraechtiges Bewusstsein hiess, und hiedurch auch dieses
+verschwunden ist. Das letztere hat seinen Zweck erreicht, naemlich
+die allgemeine Macht unter das Fuer-sich-sein zu bringen.
+
+So durch die allgemeine Macht bereichert, existiert das
+Selbstbewusstsein als die _allgemeine Wohltat_, oder sie ist der
+_Reichtum_, der selbst wieder Gegenstand fuer das Bewusstsein ist.
+Denn er ist diesem das zwar unterworfne Allgemeine, das aber durch
+dies erste Aufheben noch nicht absolut in das Selbst zurueckgegangen
+ist.--Das _Selbst_ hat noch nicht _sich als Selbst_, sondern das
+_aufgehobne allgemeine Wesen_ zum Gegenstande. Indem dieser erst
+geworden, ist die _unmittelbare_ Beziehung des Bewusstseins auf ihn
+gesetzt, das also noch nicht seine Ungleichheit mit ihm dargestellt
+hat; es ist das edelmuetige Bewusstsein, welches an dem unwesentlich
+gewordenen Allgemeinen sein Fuer-sich-sein erhaelt, daher ihn anerkennt
+und gegen den Wohltaeter dankbar ist.
+
+Der Reichtum hat an ihm selbst schon das Moment des Fuer-sich-seins.
+Er ist nicht das selbstlose Allgemeine der Staatsmacht, oder die
+unbefangene unorganische Natur des Geistes, sondern sie, wie sie
+durch den Willen an ihr selbst festhaelt gegen den, der sich ihrer zum
+Genuss bemaechtigen will. Aber indem der Reichtum nur die Form des
+Wesens hat, ist dies einseitige Fuer-sich-sein, das nicht _an sich_,
+sondern vielmehr das aufgehobne An-sich ist, die in seinem Genusse
+wesenlose Rueckkehr des Individuums in sich selbst. Er bedarf also
+selbst der Belebung; und die Bewegung seiner Reflexion besteht darin,
+dass er, der nur fuer sich ist, zum _An_- und _Fuer-sich-sein_, dass er,
+der das aufgehobene Wesen ist, zum Wesen werde; so erhaelt er seinen
+eigenen Geist an ihm selbst.--Da vorhin die Form dieser Bewegung
+auseinandergesetzt worden, so ist es hinreichend, hier den Inhalt
+derselben zu bestimmen.
+
+Das edelmuetige Bewusstsein bezieht sich also hier nicht auf den
+Gegenstand als Wesen ueberhaupt, sondern es ist das _Fuer-sich-sein_
+selbst, das ihm ein Fremdes ist; es _findet_ sein Selbst als solches
+entfremdet _vor_, als eine gegenstaendliche feste Wirklichkeit, die es
+von einem andern festen Fuer-sich-sein zu empfangen hat. Sein
+Gegenstand ist das Fuer-sich-sein; also das _Seinige_; aber dadurch,
+dass es Gegenstand ist, ist es zugleich unmittelbar eine fremde
+Wirklichkeit, welche eigenes Fuer-sich-sein, eigner Willen ist, das
+heisst, es sieht sein Selbst in der Gewalt eines fremden Willens, von
+dem es abhaengt, ob er ihm dasselbe ablassen will.
+
+Von jeder einzelnen Seite kann das Selbstbewusstsein abstrahieren, und
+behaelt darum in einer Verbindlichkeit, die eine solche betrifft, sein
+Anerkanntsein und _An-sich-gelten_ als fuer sich seienden Wesens.
+Hier aber sieht es sich von der Seite seiner reinen eigensten
+_Wirklichkeit_, oder seines Ichs ausser sich und einem Andern
+angehoerig, sieht seine _Persoenlichkeit_ als solche abhaengig von der
+zufaelligen Persoenlichkeit eines Andern, von dem Zufall eines
+Augenblicks, einer Willkuer oder sonst des gleichgueltigsten Umstandes.
+--Im Rechtszustande erscheint, was in der Gewalt des gegenstaendlichen
+Wesens ist, als ein _zufaelliger Inhalt_, von dem abstrahiert werden
+kann, und die Gewalt betrifft nicht das _Selbst_ als _solches_,
+sondern dieses ist vielmehr anerkannt. Allein hier sieht es die
+Gewissheit seiner als solche das wesenloseste, die reine
+Persoenlichkeit absolute Unpersoenlichkeit zu sein. Der Geist seines
+Dankes ist daher das Gefuehl wie dieser tiefsten Verworfenheit so auch
+der tiefsten Empoerung. Indem das reine Ich selbst sich ausser sich
+und zerrissen anschaut, ist in dieser Zerrissenheit zugleich alles,
+was Kontinuitaet und Allgemeinheit hat, was Gesetz, gut und recht
+heisst, auseinander und zugrunde gegangen; alles gleiche ist aufgeloest,
+denn die _reinste Ungleichheit_, die absolute Unwesentlichkeit des
+absolut Wesentlichen, das Ausser-sich-sein des Fuer-sich-seins ist
+vorhanden; das reine Ich selbst ist absolut zersetzt.
+
+Wenn also von dem Reichtum dies Bewusstsein wohl die
+Gegenstaendlichkeit des Fuer-sich-seins zurueckerhaelt und sie aufhebt,
+so ist es nicht nur seinem Begriffe nach, wie die vorhergehende
+Reflexion nicht vollendet, sondern fuer es selbst unbefriedigt; die
+Reflexion, da das Selbst sich als ein Gegenstaendliches empfaengt, ist
+der unmittelbare Widerspruch im reinen Ich selbst gesetzt. Als
+Selbst steht es aber zugleich unmittelbar ueber diesem Widerspruche,
+ist die absolute Elastizitaet, welche dies Aufgehobensein des Selbsts
+wieder aufhebt, diese Verworfenheit, dass ihm sein Fuer-sich-sein als
+ein Fremdes werde, verwirft, und gegen dies Empfangen seiner selbst
+empoert, im _Empfangen_ selbst _fuer sich_ ist.
+
+Indem also das Verhaeltnis dieses Bewusstseins mit dieser absoluten
+Zerrissenheit verknuepft ist, faellt in seinem Geiste der Unterschied
+desselben, als edelmuetiges gegen das _niedertraechtige_ bestimmt zu
+sein, hinweg, und beide sind dasselbe.--Der Geist des wohltuenden
+Reichtums kann ferner von dem Geiste des die Wohltat empfangenden
+Bewusstseins unterschieden werden, und ist besonders zu betrachten.
+--Er war das wesenlose Fuer-sich-sein, das preisgegebne Wesen. Durch
+seine Mitteilung aber wird er zum _An-sich_; indem er seine
+Bestimmung erfuellte, sich aufzuopfern, hebt er die Einzelnheit, fuer
+sich nur zu geniessen, auf, und als aufgehobne Einzelnheit ist er
+_Allgemeinheit_ oder _Wesen_.--Was er mitteilt, was er andern gibt,
+ist das _Fuer-sich-sein_. Er gibt sich aber nicht hin als eine
+selbstlose Natur, als die unbefangen sich preisgebende Bedingung des
+Lebens, sondern als selbstbewusstes, sich fuer sich haltendes Wesen: er
+ist nicht die unorganische Macht des Elements, welche von dem
+empfangenden Bewusstsein als an sich vergaenglich gewusst wird, sondern
+die Macht ueber das Selbst, die sich _unabhaengig_ und _willkuerlich_
+weiss, und die zugleich weiss, dass was sie ausspendet, das Selbst eines
+Andern ist.--Der Reichtum teilt also mit dem Klienten die
+Verworfenheit, aber an die Stelle der Empoerung tritt der Uebermut.
+Denn er weiss nach der einen Seite, wie der Klient, das
+_Fuer-sich-sein_ als ein zufaelliges _Ding_; aber er selbst ist diese
+Zufaelligkeit, in deren Gewalt die Persoenlichkeit steht. In diesem
+Uebermute, der durch eine Mahlzeit ein fremdes Ich-selbst erhalten,
+und sich dadurch die Unterwerfung von dessen innerstem Wesen erworben
+zu haben meint, uebersieht er die innere Empoerung des andern; er
+uebersieht die vollkommene Abwerfung aller Fessel, diese reine
+Zerrissenheit, welcher, indem ihr die _Sichselbstgleichheit_ des
+Fuer-sich-seins schlechthin ungleich geworden, alles Gleiche, alles
+Bestehen zerrissen ist, und die daher die Meinung und Ansicht des
+Wohltaeters am meisten zerreisst. Er steht unmittelbar vor diesem
+innersten Abgrunde, vor dieser bodenlosen Tiefe, worin aller Halt und
+Substanz verschwunden ist; und er sieht in dieser Tiefe nichts als
+ein gemeines Ding, ein Spiel seiner Laune, einen Zufall seiner
+Willkuer; sein Geist ist die ganz wesenlose Meinung, die geistverlassne
+Oberflaeche zu sein.
+
+Wie das Selbstbewusstsein gegen die Staatsmacht seine Sprache hatte,
+oder der Geist zwischen diesen Extremen als wirkliche Mitte
+hervortrat, so hat es auch Sprache gegen den Reichtum, noch mehr aber
+hat seine Empoerung ihre Sprache. Jene, welche dem Reichtum das
+Bewusstsein seiner Wesenheit gibt, und sich seiner dadurch bemaechtigt,
+ist gleichfalls die Sprache der Schmeichelei, aber der unedeln;--denn
+was sie als Wesen ausspricht, weiss sie als das preisgegebne, das
+nicht _an sich_ seiende Wesen. Die Sprache der Schmeichelei aber ist,
+wie vorhin schon erinnert, der noch einseitige Geist. Denn seine
+Momente sind zwar das durch die Bildung des Dienstes zur reinen
+Existenz gelaeuterte _Selbst_, und das _An-sich-sein_ der Macht.
+Allein der reine Begriff, in welchem das einfache _Selbst_ und das
+_An-sich_, jenes reine Ich und dies reine Wesen oder Denken dasselbe
+sind--diese Einheit beider Seiten, zwischen welchen die
+Wechselwirkung stattfindet, ist nicht in dem Bewusstsein dieser
+Sprache; der Gegenstand ist ihm noch das _An-sich_ im Gegensatze
+gegen das Selbst, oder der _Gegenstand_ ist ihm nicht zugleich sein
+eignes _Selbst_ als solches.--Die Sprache der Zerrissenheit aber ist
+die vollkommne Sprache und der wahre existierende Geist dieser ganzen
+Welt der Bildung. Dies Selbstbewusstsein, dem die seine Verworfenheit
+verwerfende Empoerung zukoemmt, ist unmittelbar die absolute
+Sichselbstgleichheit in der absoluten Zerrissenheit, die reine
+Vermittlung des reinen Selbstbewusstseins mit sich selbst. Es ist die
+Gleichheit des identischen Urteils, worin eine und dieselbe
+Persoenlichkeit sowohl Subjekt als Praedikat ist. Aber dies identische
+Urteil ist zugleich das unendliche; denn diese Persoenlichkeit ist
+absolut entzweit, und Subjekt und Praedikat schlechthin _gleichgueltige
+Seiende_, die einander nichts angehen, ohne notwendige Einheit, sogar
+dass jedes die Macht einer eignen Persoenlichkeit ist. Das
+_Fuer-sich-sein_ hat _sein Fuer-sich-sein_ zum Gegenstande, als ein
+schlechthin _Anderes_ und zugleich ebenso unmittelbar als _sich
+selbst_--sich als ein Anderes, nicht dass dieses einen andern Inhalt
+haette, sondern der Inhalt ist dasselbe Selbst in der Form absoluter
+Entgegensetzung und vollkommen eignen gleichgueltigen Daseins.--Es ist
+also hier der seiner in seiner Wahrheit und seines _Begriffes
+bewusste_ Geist dieser realen Welt der Bildung vorhanden.
+
+Er ist diese absolute und allgemeine Verkehrung und Entfremdung der
+Wirklichkeit und des Gedankens; die _reine Bildung_. Was in dieser
+Welt erfahren wird, ist, dass weder die _wirklichen Wesen_ der Macht
+und des Reichtums noch ihre bestimmten _Begriffe_, Gut und Schlecht,
+oder das Bewusstsein des Guten und Schlechten, das edelmuetige und
+niedertraechtige Wahrheit haben; sondern alle diese Momente verkehren
+sich vielmehr eins im andern, und jedes ist das Gegenteil seiner
+selbst.--Die allgemeine Macht, welche die _Substanz_ ist, indem sie
+durch das Prinzip der Individualitaet zur eigenen Geistigkeit gelangt,
+empfaengt das eigne Selbst nur als den Namen an ihr, und ist, indem
+sie _wirkliche_ Macht ist, vielmehr das unmaechtige Wesen, das sich
+selbst aufopfert.--Aber dies preisgegebene selbstlose Wesen oder das
+zum Dinge gewordne Selbst ist vielmehr die Rueckkehr des Wesens in
+sich selbst; es ist das _fuersichseiende Fuer-sich-sein_, die Existenz
+des Geistes.--Die _Gedanken_ dieser Wesen, des _Guten_ und
+_Schlechten_, verkehren sich ebenso in dieser Bewegung; was als gut
+bestimmt ist, ist schlecht; was als schlecht, ist gut. Das
+Bewusstsein eines jeden dieser Momente als das edle und
+niedertraechtige Bewusstsein beurteilt, sind in ihrer Wahrheit vielmehr
+ebensosehr das Verkehrte dessen, was diese Bestimmungen sein sollen,
+das edelmuetige ebenso niedertraechtig und verworfen, als die
+Verworfenheit zum Adel der gebildetsten Freiheit des
+Selbstbewusstseins umschlaegt.--Alles ist ebenso, formell betrachtet,
+_nach aussen_ das Verkehrte dessen, was es fuer _sich_ ist; und wieder
+was es fuer sich ist, ist es nicht in Wahrheit, sondern etwas anderes,
+als es sein will, das Fuer-sich-sein vielmehr der Verlust seiner
+selbst, und die Entfremdung seiner vielmehr die Selbsterhaltung.--Was
+vorhanden ist, ist also dies, dass alle Momente eine allgemeine
+Gerechtigkeit gegeneinander ausueben, jedes ebensosehr an sich selbst
+sich entfremdet, als es sich in sein Gegenteil einbildet und es auf
+diese Weise verkehrt.--Der wahre Geist aber ist eben diese Einheit
+der absolut getrennten, und zwar kommt er eben durch die _freie
+Wirklichkeit_ dieser _selbstlosen_ Extreme selbst als ihre Mitte zur
+Existenz. Sein Dasein ist das allgemeine _Sprechen_ und zerreissende
+_Urteilen_, welchem alle jene Momente, die als Wesen und wirkliche
+Glieder des Ganzen gelten sollen, sich aufloesen, und welches ebenso
+dies sich aufloesende Spiel mit sich selbst ist. Dies Urteilen und
+Sprechen ist daher das Wahre und Unbezwingbare, waehrend es alles
+ueberwaeltigt; dasjenige, um welches es in dieser realen Welt _allein
+wahrhaft_ zu tun ist. Jeder Teil dieser Welt kommt darin dazu, dass
+sein Geist ausgesprochen, oder dass mit Geist von ihm gesprochen und
+von ihm gesagt wird, was er ist.--Das ehrliche Bewusstsein nimmt jedes
+Moment als eine bleibende Wesenheit und ist die ungebildete
+Gedankenlosigkeit, nicht zu wissen, dass es ebenso das Verkehrte tut.
+Das zerrissene Bewusstsein aber ist das Bewusstsein der Verkehrung, und
+zwar der absoluten Verkehrung; der Begriff ist das Herrschende in ihm,
+der die Gedanken zusammenbringt, welche der Ehrlichkeit weit
+auseinanderliegen, und dessen Sprache daher geistreich ist.
+
+Der Inhalt der Rede des Geistes von und ueber sich selbst ist also die
+Verkehrung aller Begriffe und Realitaeten, der allgemeine Betrug
+seiner selbst und der andern, und die Schamlosigkeit, diesen Betrug
+zu sagen, ist eben darum die groesste Wahrheit. Diese Rede ist die
+Verruecktheit des Musikers, "der dreissig Arien, italienische,
+franzoesische, tragische, komische, von aller Art Charakter, haeufte
+und vermischte; bald mit einem tiefen Basse stieg er bis in die Hoelle,
+dann zog er die Kehle zusammen, und mit einem Fistelton zerriss er
+die Hoehe der Luefte, wechselsweise rasend, besaenftigt, gebieterisch
+und spoettisch."--Dem ruhigen Bewusstsein, das ehrlicherweise die
+Melodie des Guten und Wahren in die Gleichheit der Toene, d.h. in
+_eine_ Note setzt, erscheint diese Rede als "eine Faselei von
+Weisheit und Tollheit, als ein Gemische von ebensoviel Geschick als
+Niedrigkeit, von ebenso richtigen als falschen Ideen, von einer so
+voelligen Verkehrtheit der Empfindung, so vollkommener Schaendlichkeit,
+als gaenzlicher Offenheit und Wahrheit. Es wird es nicht versagen
+koennen, in alle diese Toene einzugehen, und die ganze Skale der
+Gefuehle von der tiefsten Verachtung und Verwerfung bis zur hoechsten
+Bewunderung und Ruehrung auf und nieder zu laufen; in diese wird ein
+laecherlicher Zug verschmolzen sein, der ihnen ihre Natur benimmt";
+jene werden an ihrer Offenheit selbst einen versoehnenden, an ihrer
+erschuetternden Tiefe den allgewaltigen Zug haben, der den Geist sich
+selbst gibt.
+
+Betrachten wir der Rede dieser sich selbst klaren Verwirrung
+gegenueber die Rede jenes _einfachen Bewusstseins_ des Wahren und Guten,
+so kann sie gegen die offene und ihrer bewusste Beredsamkeit des
+Geistes der Bildung nur einsilbig sein; denn es kann diesem nichts
+sagen, was er nicht selbst weiss und sagt. Geht es ueber seine
+Einsilbigkeit hinaus, so sagt es daher dasselbe, was er ausspricht,
+begeht aber darin noch dazu die Torheit, zu meinen, dass es etwas
+Neues und Anderes sage. Selbst seine Silben, _schaendlich,
+niedertraechtig_, sind schon diese Torheit, denn jener sagt sie von
+sich selbst. Wenn dieser Geist in seiner Rede alles Eintoenige
+verkehrt, weil dieses sich Gleiche nur eine Abstraktion, in seiner
+Wirklichkeit aber die Verkehrung an sich selbst ist, und wenn dagegen
+das gerade Bewusstsein, das Gute und Edle, d.h. das sich in seiner
+Aeusserung gleichhaltende, auf die einzige Weise, die hier moeglich ist,
+in Schutz nimmt--dass es naemlich seinen Wert nicht darum verliere,
+weil es an das Schlechte _geknuepft_ oder mit ihm _gemischt_ sei; denn
+dies sei seine _Bedingung_ und _Notwendigkeit_, hierin bestehe die
+_Weisheit_ der Natur--, so hat dies Bewusstsein, indem es zu
+widersprechen meinte, damit nur den Inhalt der Rede des Geistes in
+eine triviale Weise zusammengefasst, welche gedankenlos, indem sie das
+_Gegenteil_ des Edeln und Guten zur _Bedingung_ und _Notwendigkeit_
+des Edeln und Guten macht, etwas anderes zu sagen meint, als dies,
+dass das edel und gut Genannte in seinem Wesen das Verkehrte seiner
+selbst, so wie das Schlechte umgekehrt das Vortreffliche ist.
+
+Ersetzt das einfache Bewusstsein diesen geistlosen _Gedan_ken durch
+die _Wirklichkeit_ des Vortrefflichen, indem es dasselbe in dem
+_Beispiele_ eines fingierten Falles oder auch einer wahren Anekdote
+auffuehrt, und so zeigt, dass es kein leerer Name, sondern _vorhanden
+ist_, so steht die _allgemeine_ Wirklichkeit des verkehrten Tuns der
+ganzen realen Welt entgegen, worin jenes Beispiel also nur etwas ganz
+Vereinzelntes, eine _Espece_ ausmacht; und das Dasein des Guten und
+Edeln als eine einzelne Anekdote, sie sei fingiert oder wahr,
+darstellen, ist das Bitterste, was von ihm gesagt werden kann.
+--Fordert das einfache Bewusstsein endlich die Aufloesung dieser ganzen
+Welt der Verkehrung, so kann es nicht an das _Individuum_ die
+Entfernung aus ihr fodern, denn Diogenes im Fasse ist durch sie
+bedingt, und die Foderung an den Einzelnen ist gerade das, was fuer
+das Schlechte gilt, naemlich _fuer sich_ als _Einzelnen_ zu sorgen. An
+die allgemeine _Individualitaet_ aber gerichtet kann die Foderung
+dieser Entfernung nicht die Bedeutung haben, dass die Vernunft das
+geistige gebildete Bewusstsein, zu dem sie gekommen ist, wieder
+aufgebe, den ausgebreiteten Reichtum ihrer Momente in die Einfachheit
+des natuerlichen Herzens zurueckversenke, und in die Wildnis und Naehe
+des tierischen Bewusstseins, welche Natur, auch Unschuld genannt wird,
+zurueckfalle; sondern die Foderung dieser Aufloesung kann nur an den
+_Geist_ der Bildung selbst gehen, dass er aus seiner Verwirrung als
+_Geist_ zu sich zurueckkehre, und ein noch hoeheres Bewusstsein gewinne.
+
+In der Tat aber hat der Geist dies schon an sich vollbracht. Die
+ihrer selbstbewusste und sich aussprechende Zerrissenheit des
+Bewusstseins ist das Hohngelaechter ueber das Dasein sowie ueber die
+Verwirrung des Ganzen und ueber sich selbst; es ist zugleich das sich
+noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung.--Diese sich
+selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit, und alles bestimmten
+Begriffs, ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst;
+einmal in _diesem Selbst_ des Bewusstseins, als _diesem_, das
+andermal in der reinen _Allgemeinheit_ desselben oder im Denken.
+Nach jener Seite hat der zu sich gekommene Geist den Blick in die
+Welt der Wirklichkeit hineingerichtet, und sie noch zu seinem Zwecke
+und unmittelbaren Inhalt; nach der andern aber ist sein Blick teils
+nur in sich und negativ gegen sie, teils von ihr weg gen Himmel
+gewendet und das Jenseits derselben sein Gegenstand.
+
+In jener Seite der Rueckkehr in das Selbst ist die _Eitelkeit_ aller
+_Dinge_ seine _eigene Eitelkeit_, oder es _ist_ eitel. Es ist das
+fuersichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu
+beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie
+die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem
+_Widerspruche_ zu sagen weiss, und dieser Widerspruch ist ihre
+Wahrheit.--Nach der Form betrachtet, weiss es alles sich selbst
+entfremdet; das _Fuer-sich-sein_ vom _An-sich-sein_ getrennt; das
+Gemeinte und den Zweck von der Wahrheit; und von beiden wieder das
+_Sein fuer Anderes_, das Vorgegebne von der eigentlichen Meinung und
+der wahren Sache und Absicht.--Es weiss also jedes Moment gegen das
+andere, ueberhaupt die Verkehrung aller, richtig auszusprechen, es
+weiss besser, was jedes ist, als es ist, es sei bestimmt, wie es wolle.
+Indem es das Substantielle nach der Seite der _Uneinigkeit_ und des
+_Widerstreits_, den es in sich einigt, aber nicht nach der Seite
+dieser Einigkeit kennt, versteht es das Substantielle sehr gut zu
+_beurteilen_, aber hat die Faehigkeit verloren, es zu _fassen_.--Diese
+Eitelkeit bedarf dabei der Eitelkeit aller Dinge, um aus ihnen sich
+das Bewusstsein des Selbsts zu geben, erzeugt sie daher selbst, und
+ist die Seele, welche sie traegt. Macht und Reichtum sind die
+hoechsten Zwecke seiner Anstrengung, es weiss, dass es durch Entsagung
+und Aufopferung sich zum Allgemeinen bildet, zum Besitze desselben
+gelangt, und in diesem Besitze allgemeine Gueltigkeit hat; sie sind
+die wirklichen anerkannten Maechte. Aber dieses sein Gelten ist
+selbst eitel, und eben indem es sich ihrer bemaechtigt, weiss es sie
+nicht Selbstwesen zu sein, sondern vielmehr sich als ihre Macht, sie
+aber als eitel. Dass es so in ihrem Besitze selbst daraus heraus ist,
+stellt es in der geistreichen Sprache dar, die daher sein hoechstes
+Interesse und die Wahrheit des Ganzen ist; in ihr wird _dieses_
+Selbst, als dies reine nicht den wirklichen noch gedachten
+Bestimmungen angehoerige Selbst, sich zum geistigen, wahrhaft
+allgemeingueltigen. Es _ist_ die sich selbst zerreissende Natur aller
+Verhaeltnisse und das bewusste Zerreissen derselben; nur als empoertes
+Selbstbewusstsein aber weiss es seine eigne Zerrissenheit, und in
+diesem Wissen derselben hat es sich unmittelbar darueber erhoben. In
+jener Eitelkeit wird aller Inhalt zu einem negativen, welches nicht
+mehr positiv gefasst werden kann; der positive Gegenstand ist nur das
+_reine Ich selbst_, und das zerrissne Bewusstsein ist _an sich_ diese
+reine Sichselbstgleichheit des zu sich zurueckgekommnen
+Selbstbewusstseins.
+
+
+
+b. Der Glauben und die reine Einsicht
+
+Der Geist der Entfremdung seiner selbst hat in der Welt der Bildung
+sein Dasein; aber indem dieses Ganze sich selbst entfremdet worden,
+steht jenseits ihrer die unwirkliche Welt _des reinen Bewusstseins_
+oder des _Denkens_. Ihr Inhalt ist das rein Gedachte, das Denken ihr
+absolutes Element. Indem aber das Denken zunaechst das _Element_
+dieser Welt ist, _hat_ das Bewusstsein nur diese Gedanken, aber es
+_denkt_ sie noch nicht, oder weiss nicht, dass es Gedanken sind;
+sondern sie sind fuer es in der Form der _Vorstellung_. Denn es tritt
+aus der Wirklichkeit in das reine Bewusstsein, aber es ist selbst
+ueberhaupt noch in der Sphaere und Bestimmtheit der Wirklichkeit. Das
+zerrissne Bewusstsein ist _an sich_ erst die _Sichselbstgleichheit_ des
+reinen Bewusstseins, fuer uns, nicht fuer sich selbst. Es ist also nur
+die _unmittelbare_ noch nicht in sich vollendete Erhebung, und hat
+sein entgegengesetztes Prinzip, wodurch es bedingt ist, noch in sich,
+ohne durch die vermittelte Bewegung darueber Meister geworden zu sein.
+Daher gilt ihm das Wesen seines Gedankens nicht als _Wesen_ nur in
+der Form des abstrakten An-sich, sondern in der Form eines
+_Gemeinwirklichen_, einer Wirklichkeit, die nur in ein anderes
+Element erhoben worden, ohne in diesem die Bestimmtheit einer nicht
+gedachten Wirklichkeit verloren zu haben.--Es ist wesentlich von dem
+_An-sich_ zu unterscheiden, welches das Wesen des _stoischen_
+Bewusstseins ist; diesem galt nur die _Form des Gedankens_ als solchen,
+der dabei irgendeinen ihm fremden, aus der Wirklichkeit genommnen
+Inhalt hat; jenem Bewusstsein ist aber nicht die _Form des Gedankens_
+das Geltende;--ebenso von dem _An-sich_ des tugendhaften Bewusstseins,
+dem das Wesen zwar in Beziehung auf die Wirklichkeit steht, dem es
+Wesen der Wirklichkeit selbst, aber nur erst unwirkliches Wesen ist;
+--jenem Bewusstsein gilt es, obzwar jenseits der Wirklichkeit, doch
+wirkliches Wesen zu sein. Ebenso hat das an sich Rechte und Gute der
+gesetzgebenden Vernunft und das Allgemeine des gesetzpruefenden
+Bewusstseins nicht die Bestimmung der Wirklichkeit.--Wenn daher
+innerhalb der Welt der Bildung selbst das reine Denken als eine Seite
+der Entfremdung fiel, naemlich als der Massstab des abstrakten Guten
+und Schlechten im Urteilen, so ist es, hindurchgegangen durch die
+Bewegung des Ganzen, um das Moment der Wirklichkeit und dadurch des
+Inhalts bereichert worden. Diese Wirklichkeit des Wesens ist aber
+zugleich nur eine Wirklichkeit des _reinen_, nicht des _wirklichen_
+Bewusstseins; in das Element des Denkens zwar erhoben, gilt sie diesem
+Bewusstsein noch nicht als ein Gedanke, sondern vielmehr ist sie ihm
+jenseits seiner eignen Wirklichkeit; denn jene ist die Flucht aus
+dieser.
+
+Wie hier die _Religion_--denn es erhellt, dass von ihr die Rede
+ist--als der Glauben der Welt der Bildung auftritt, tritt sie noch
+nicht auf, wie sie _an und fuer sich_ ist.--Sie ist uns schon in
+andern Bestimmtheiten erschienen, als _unglueckliches Bewusstsein_
+naemlich, als Gestalt der substanzlosen Bewegung des Bewusstseins
+selbst.--Auch an der sittlichen Substanz erschien sie als Glauben an
+die Unterwelt, aber das Bewusstsein des abgeschiednen Geistes ist
+eigentlich nicht _Glauben_, nicht das Wesen im Elemente des reinen
+Bewusstseins jenseits des Wirklichen gesetzt, sondern er hat selbst
+unmittelbare Gegenwart; sein Element ist die Familie.--Hier aber ist
+die Religion teils aus der _Substanz_ hervorgegangen, und ist reines
+Bewusstsein derselben; teils ist dies reine Bewusstsein seinem
+wirklichen, das _Wesen_ seinem _Dasein_ entfremdet. Sie ist also
+zwar nicht mehr die substanzlose Bewegung des Bewusstseins, aber hat
+noch die Bestimmtheit des Gegensatzes gegen die Wirklichkeit als
+_diese_ ueberhaupt, und gegen die des Selbstbewusstseins insbesondere,
+sie ist daher wesentlich nur ein _Glauben_.
+
+Dies _reine Bewusstsein_ des absoluten Wesens ist ein _entfremdetes_.
+Es ist naeher zu sehen, wie dasjenige sich bestimmt, dessen Anderes es
+ist, und es ist nur in Verbindung mit diesem zu betrachten. Zunaechst
+naemlich scheint dies reine Bewusstsein nur die _Welt_ der Wirklichkeit
+sich gegenueber zu haben; aber indem es die Flucht aus dieser und
+dadurch die _Bestimmtheit des Gegensatzes_ ist, so hat es diese an
+ihm selbst; das reine Bewusstsein ist daher wesentlich an ihm selbst
+sich entfremdet, und der Glauben macht nur eine Seite desselben aus.
+Die andre Seite ist uns zugleich schon entstanden. Das reine
+Bewusstsein ist naemlich so die Reflexion aus der Welt der Bildung, dass
+die Substanz derselben, sowie die Massen, in welche sie sich gliedert,
+sich als das zeigten, was sie an sich sind, als _geistige_
+Wesenheiten, als absolut unruhige Bewegungen oder Bestimmungen, die
+sich unmittelbar in ihrem Gegenteil aufheben. Ihr Wesen, das
+einfache Bewusstsein ist also die Einfachheit des _absoluten
+Unterschiedes_, der unmittelbar kein Unterschied ist. Es ist hiemit
+das reine _Fuer-sich-sein_, nicht als _dieses Einzelnen_, sondern das
+in sich _allgemeine_ Selbst als unruhige Bewegung, die das _ruhige
+Wesen_ der _Sache_ angreift und durchdringt. In ihm ist also die
+Gewissheit, welche sich selbst unmittelbar als Wahrheit weiss, das
+reine Denken, als der _absolute Begriff_ in der Macht seiner
+_Negativitaet_ vorhanden, die alles gegenstaendliche, dem Bewusstsein
+gegenueber sein sollende Wesen vertilgt, und es zu einem Sein des
+Bewusstseins macht.--Dies reine Bewusstsein ist zugleich ebensosehr
+_einfach_, weil eben sein Unterschied kein Unterschied ist. Als
+diese Form der einfachen Reflexion in sich aber ist es das Element
+des Glaubens, worin der Geist die Bestimmtheit _der positiven
+Allgemeinheit_, des _An-sich-seins_ gegen jenes Fuer-sich-sein des
+Selbstbewusstseins hat.--Aus der wesenlosen sich nur aufloesenden Welt
+in sich zurueckgedraengt, ist der Geist, nach der Wahrheit, in
+ungetrennter Einheit sowohl die _absolute Bewegung_ und _Negativitaet_
+seines Erscheinens, wie ihr in sich _befriedigtes_ Wesen, und ihre
+positive _Ruhe._ Aber ueberhaupt unter der Bestimmtheit der
+_Entfremdung_ liegend, treten diese beiden Momente als ein
+gedoppeltes Bewusstsein auseinander. Jenes ist die _reine Einsicht_,
+als der sich im _Selbst_bewusstsein zusammenfassende geistige _Prozess_,
+welcher das Bewusstsein des Positiven, die Form der
+Gegenstaendlichkeit oder des Vorstellens sich gegenueber hat und sich
+dagegen richtet; ihr eigner Gegenstand aber ist nur das _reine Ich_.
+--Das einfache Bewusstsein des Positiven oder der ruhigen
+Sichselbstgleichheit hat hingegen das innere _Wesen_ als Wesen zum
+Gegenstande. Die reine Einsicht hat daher zunaechst an ihr selbst
+keinen Inhalt, weil sie das negative Fuer-sich-sein ist; dem Glauben
+dagegen gehoert der Inhalt an, ohne Einsicht. Wenn jene nicht aus dem
+Selbstbewusstsein heraustritt, so hat dieser seinen Inhalt zwar
+ebenfalls im Element des reinen Selbstbewusstseins, aber im _Denken_,
+nicht in _Begriffen, im reinen Bewusstsein, nicht im reinen
+Selbstbewusstsein_. Er ist hiemit zwar reines Bewusstsein des _Wesens_,
+das heisst des _einfachen Innern_, und _ist_ also Denken--das
+Hauptmoment in der Natur des Glaubens, das gewoehnlich uebersehen wird.
+Die _Unmittelbarkeit_, mit der das Wesen in ihm ist, liegt darin,
+dass sein Gegenstand _Wesen_, das heisst, _reiner Gedanke_ ist. Diese
+_Unmittelbarkeit_ aber, insofern das _Denken_ ins _Bewusstsein_ oder
+das reine Bewusstsein in das Selbstbewusstsein eintritt, erhaelt die
+Bedeutung eines gegenstaendlichen _Seins_, das jenseits des
+Bewusstseins des Selbsts liegt. Durch diese Bedeutung, welche die
+Unmittelbarkeit und Einfachheit des _reinen Denkens_ im _Bewusstsein_
+erhaelt, ist es, dass das _Wesen_ des Glaubens in die _Vorstellung_ aus
+dem Denken herabfaellt, und zu einer uebersinnlichen Welt wird, welche
+wesentlich ein _Anders_ des Selbstbewusstseins sei.--In der reinen
+Einsicht hingegen hat der Uebergang des reinen Denkens ins Bewusstsein
+die entgegengesetzte Bestimmung; die Gegenstaendlichkeit hat die
+Bedeutung eines nur negativen, sich aufhebenden und in das Selbst
+zurueckkehrenden Inhalts, d.h. nur das Selbst ist sich eigentlich der
+Gegenstand, oder der Gegenstand hat nur Wahrheit, insofern er die
+Form des Selbsts hat.
+
+Wie der Glauben und die reine Einsicht gemeinschaftlich dem Elemente
+des reinen Bewusstseins angehoeren, so sind sie auch gemeinschaftlich
+die Rueckkehr aus der wirklichen Welt der Bildung. Sie bieten sich
+daher nach drei Seiten dar. Das einemal ist jedes ausser allem
+Verhaeltnisse _an_ und _fuer sich_; das andremal bezieht jedes sich auf
+die _wirkliche_ dem reinen Bewusstsein entgegengesetzte Welt, und zum
+dritten bezieht sich jedes innerhalb des reinen Bewusstseins auf das
+andre.
+
+Die Seite des _An_- und _Fuer-sich-seins_ im _glaubenden_ Bewusstsein
+ist sein absoluter Gegenstand, dessen Inhalt und Bestimmung sich
+ergeben hat. Denn er ist nach dem Begriffe des Glaubens nichts
+anders als die in die Allgemeinheit des reinen Bewusstseins erhobne
+reale Welt. Die Gegliederung der letztern macht daher auch die
+Organisation der erstern aus, nur dass die Teile in dieser in ihrer
+Begeistung sich nicht entfremden, sondern an und fuer sich seiende
+Wesen, in sich zurueckgekehrte und bei sich selbst bleibende Geister
+sind.--Die Bewegung ihres Uebergehens ist daher nur fuer uns eine
+Entfremdung der Bestimmtheit, in der sie in ihrem Unterschiede sind,
+und nur fuer uns eine _notwendige_ Reihe; fuer den Glauben aber ist ihr
+Unterschied eine ruhige Verschiedenheit, und ihre Bewegung ein
+_Geschehen_.
+
+Sie nach der aeussern Bestimmung ihrer Form kurz zu nennen, so ist, wie
+in der Welt der Bildung die Staatsmacht oder das Gute das Erste war,
+auch hier das Erste, _das absolute Wesen_, der an und fuer sich
+seiende Geist, insofern er die einfache ewige _Substanz_ ist. In der
+Realisierung ihres Begriffes, Geist zu sein, aber geht sie in das
+_Sein fuer Anderes_ ueber; ihre Sichselbstgleichheit wird zum
+_wirklichen_ sich _aufopfernden_ absoluten Wesen; es wird zum
+_Selbst_, aber zum vergaenglichen Selbst. Daher ist das Dritte die
+Rueckkehr dieses entfremdeten Selbsts und der erniedrigten Substanz in
+ihre erste Einfachheit, erst auf diese Weise ist sie als Geist
+vorgestellt.-Diese unterschiednen Wesen, aus dem Wandel der
+wirklichen Welt durch das Denken in sich zurueckgenommen, sind sie
+wandellose ewige Geister, deren Sein ist, die Einheit, welche sie
+ausmachen, zu denken. So entrueckt dem Selbstbewusstsein, greifen
+diese Wesen jedoch in es ein; waere das Wesen unverrueckt in der Form
+der ersten einfachen Substanz, so bliebe es ihm fremde. Aber die
+Entaeusserung dieser Substanz und dann ihr Geist hat das Moment der
+Wirklichkeit an ihm, und macht sich hiedurch des glaubenden
+Selbstbewusstseins teilhaftig, oder das glaubende Bewusstsein gehoert
+der realen Welt an.
+
+Nach diesem zweiten Verhaeltnisse hat das glaubende Bewusstsein teils
+selbst seine Wirklichkeit in der realen Welt der Bildung, und macht
+ihren Geist und ihr Dasein aus, das betrachtet worden ist; teils aber
+tritt es dieser seiner Wirklichkeit als dem Eiteln gegenueber und ist
+die Bewegung sie aufzuheben. Diese Bewegung besteht nicht darin, dass
+es ein geistreiches Bewusstsein ueber ihre Verkehrung haette; denn es
+ist das einfache Bewusstsein, welches das Geistreiche zum Eiteln zaehlt,
+weil dieses noch die reale Welt zu seinem Zwecke hat. Sondern dem
+ruhigen Reiche seines Denkens steht die Wirklichkeit als ein
+geistloses Dasein gegenueber, das daher auf eine aeusserliche Weise zu
+ueberwinden ist. Dieser Gehorsam des Dienstes und des Preises bringt
+durch das Aufheben des sinnlichen Wissens und Tuns, das Bewusstsein
+der Einheit mit dem an und fuer sich seienden Wesen hervor, doch nicht
+als angeschaute wirkliche Einheit, sondern dieser Dienst ist nur das
+fortwaehrende Hervorbringen, das sein Ziel in der Gegenwart nicht
+vollkommen erreicht. Die Gemeine gelangt zwar dazu, denn sie ist das
+allgemeine Selbstbewusstsein; aber dem einzelnen Selbstbewusstsein
+bleibt notwendig das Reich des reinen Denkens ein Jenseits seiner
+Wirklichkeit, oder indem dieses durch die Entaeusserung des ewigen
+Wesens in die Wirklichkeit getreten, ist sie eine unbegriffne
+sinnliche Wirklichkeit; eine sinnliche Wirklichkeit aber bleibt
+gleichgueltig gegen die andre, und das Jenseits hat nur die Bestimmung
+der Entfernung in Raum und Zeit noch dazu erhalten.--Der Begriff aber,
+die sich selbst gegenwaertige Wirklichkeit des Geistes, bleibt im
+glaubenden Bewusstsein das _Innre_, welches alles ist und wirkt, aber
+nicht selbst hervortritt.
+
+In der _reinen Einsicht_ aber ist der Begriff das allein Wirkliche;
+und diese dritte Seite des Glaubens, Gegenstand fuer die reine
+Einsicht zu sein, ist das eigentliche Verhaeltnis, in welchem er hier
+auftritt.--Die reine Einsicht selbst ist ebenso teils an und fuer sich,
+teils im Verhaeltnisse zur wirklichen Welt, insofern sie noch positiv,
+naemlich als eitles Bewusstsein, vorhanden ist, teils endlich in jenem
+Verhaeltnisse zum Glauben zu betrachten.
+
+Was die reine Einsicht an und fuer sich ist, haben wir gesehen; wie
+der Glauben das ruhige reine _Bewusstsein_ des Geistes, als des
+_Wesens_, so ist sie das _Selbst_bewusstsein desselben; sie weiss das
+Wesen daher nicht als _Wesen_, sondern als absolutes _Selbst_. Sie
+geht also darauf, alle dem Selbstbewusstsein _andre_ Selbststaendigkeit,
+es sei des Wirklichen oder _An-sich-_seienden, aufzuheben, und sie
+zum _Begriffe_ zu machen. Sie ist nicht nur die Gewissheit der
+selbstbewussten Vernunft, alle Wahrheit zu sein; sondern sie _weiss_,
+dass sie dies ist.
+
+Wie aber der Begriff derselben auftritt, ist er noch nicht
+_realisiert_. Sein Bewusstsein erscheint hiernach noch als ein
+_zufaelliges, einzelnes_, und das, was ihm das Wesen ist, als _Zweck_,
+den es zu verwirklichen hat. Es hat erst die _Absicht_, die _reine
+Einsicht allgemein_, das heisst, alles, was wirklich ist, zum Begriffe,
+und zu einem Begriffe in allen Selbstbewusstsein zu machen. Die
+Absicht ist _rein_, denn sie hat die reine Einsicht zum Inhalte; und
+diese Einsicht ist ebenso _rein_, denn ihr Inhalt ist nur der
+absolute Begriff, der keinen Gegensatz an einem Gegenstande hat, noch
+an ihm selbst beschraenkt ist. In dem unbeschraenkten Begriffe liegen
+unmittelbar die beiden Seiten, dass alles Gegenstaendliche nur die
+Bedeutung des _Fuer-sich-seins_, des Selbstbewusstseins, und dass dieses
+die Bedeutung eines _Allgemeinen_ habe, dass die reine Einsicht
+Eigentum aller Selbstbewusstsein werde. Diese zweite Seite der
+Absicht ist insofern Resultat der Bildung, als darin, wie die
+Unterschiede des gegenstaendlichen Geistes, die Teile und
+Urteilsbestimmungen seiner Welt, so auch die Unterschiede, welche als
+urspruenglich bestimmte Naturen erscheinen, zugrunde gegangen sind.
+Genie, Talent, die besondern Faehigkeiten ueberhaupt, gehoeren der Welt
+der Wirklichkeit an, insofern sie an ihr noch die Seite hat,
+geistiges Tierreich zu sein, welches in gegenseitiger Gewalttaetigkeit
+und Verwirrung sich um die Wesen der realen Welt bekaempft und betruegt.
+--Die Unterschiede haben in ihr zwar nicht als ehrliche Especen Platz;
+weder begnuegt sich die Individualitaet mit der unwirklichen _Sache
+selbst_, noch hat sie _besondern_ Inhalt und eigne Zwecke. Sondern
+sie gilt nur als ein Allgemeingueltiges, naemlich als Gebildetes; und
+der Unterschied reduziert sich auf die geringere oder groessere Energie,
+--einen Unterschied der _Groesse_, d.h. den unwesentlichen. Diese
+letzte Verschiedenheit aber ist darin zugrunde gegangen, dass der
+Unterschied in der vollkommnen Zerrissenheit des Bewusstseins zum
+absolut qualitativen umschlug. Was darin dem Ich das Andre ist, ist
+nur das Ich selbst. In diesem unendlichen Urteile ist alle
+Einseitigkeit und Eigenheit des urspruenglichen Fuer-sich-seins getilgt;
+das Selbst weiss sich als reines Selbst sein Gegenstand zu sein; und
+diese absolute Gleichheit beider Seiten ist das Element der reinen
+Einsicht.--Sie ist daher das einfache in sich ununterschiedne _Wesen_,
+und ebenso das allgemeine _Werk_ und allgemeiner Besitz. In dieser
+_einfachen_ geistigen Substanz gibt und erhaelt sich das
+Selbstbewusstsein ebenso in allem Gegenstande das Bewusstsein dieser
+seiner _Einzelnheit_ oder des _Tuns_, als umgekehrt die
+Individualitaet desselben darin _sich selbst gleich_ und allgemein ist.
+--Diese reine Einsicht ist also der Geist, der allem Bewusstsein
+zuruft: _seid fuer euch selbst_, was ihr alle _an euch selbst_
+seid--_vernuenftig_.
+
+
+
+II. Die Aufklaerung
+
+Der eigentuemliche Gegenstand, gegen welchen die reine Einsicht die
+Kraft des Begriffes richtet, ist der Glauben, als die ihr in
+demselben Elemente gegenueberstehende Form des reinen Bewusstseins.
+Sie hat aber auch Beziehung auf die wirkliche Welt, denn sie ist wie
+jener die Rueckkehr aus derselben in das reine Bewusstsein. Es ist
+zuerst zu sehen, wie ihre Taetigkeit gegen die unlautern Absichten und
+verkehrten Einsichten derselben beschaffen ist.
+
+Oben wurde schon des ruhigen Bewusstseins erwaehnt, das diesem sich in
+sich aufloesenden und wieder erzeugenden Wirbel gegenuebersteht; es
+macht die Seite der reinen Einsicht und Absicht aus. In dies ruhige
+Bewusstsein faellt aber, wie wir sahen, keine _besondere Einsicht_ ueber
+die Welt der Bildung; diese hat vielmehr selbst das schmerzlichste
+Gefuehl und die wahrste Einsicht ueber sich selbst--das Gefuehl, die
+Aufloesung alles sich befestigenden, durch alle Momente ihres Daseins
+hindurch geraedert und an allen Knochen zerschlagen zu sein; ebenso
+ist sie die Sprache dieses Gefuehls und die beurteilende geistreiche
+Rede ueber alle Seiten ihres Zustands. Die reine Einsicht kann daher
+hier keine eigene Taetigkeit und Inhalt haben, und sich also nur als
+das formelle treue _Auffassen_ dieser eignen geistreichen Einsicht
+der Welt und ihrer Sprache verhalten. Indem diese Sprache zerstreut,
+die Beurteilung eine Faselei des Augenblicks, die sich sogleich
+wieder vergisst, und ein Ganzes nur fuer ein drittes Bewusstsein ist, so
+kann sich dieses als _reine_ Einsicht nur dadurch unterscheiden, dass
+es jene sich zerstreuenden Zuege in ein allgemeines Bild zusammenfasst,
+und sie dann zu einer Einsicht aller macht.
+
+Sie wird durch dies einfache Mittel die Verwirrung dieser Welt zur
+Aufloesung bringen. Denn es hat sich ergeben, dass nicht die Massen
+und die bestimmten Begriffe und Individualitaeten das Wesen dieser
+Wirklichkeit sind, sondern dass sie ihre Substanz und Halt allein in
+dem Geiste hat, der als Urteilen und Besprechen existiert, und dass
+das Interesse, fuer dies Raesonieren und Schwatzen einen Inhalt zu
+haben, allein das Ganze und die Massen seiner Gegliederung erhaelt.
+In dieser Sprache der Einsicht ist ihr Selbstbewusstsein sich noch ein
+_Fuersichseiendes, dieses Einzelne_; aber die Eitelkeit des Inhalts
+ist zugleich Eitelkeit des ihn eitel wissenden Selbsts. Indem nun
+das ruhig auffassende Bewusstsein von diesem ganzen geistreichen
+Geschwaetze der Eitelkeit die treffendsten und die Sache
+durchschneidenden Fassungen in eine Sammlung bringt, geht zu der
+uebrigen Eitelkeit des Daseins die das Ganze noch erhaltende Seele,
+die Eitelkeit des geistreichen Beurteilens, zugrunde. Die Sammlung
+zeigt den meisten einen bessern, oder allen wenigstens einen
+vielfachern Witz, als der ihrige ist, und das Besserwissen und
+Beurteilen ueberhaupt als etwas Allgemeines und nun allgemein
+Bekanntes; damit tilgt sich das einzige Interesse, das noch vorhanden
+war, und das einzelne Einsehen loest sich in die allgemeine Einsicht
+auf.
+
+Noch aber steht ueber dem eiteln Wissen das Wissen von dem Wesen fest,
+und die reine Einsicht erscheint erst in eigentlicher Taetigkeit,
+insofern sie gegen den Glauben auftritt.
+
+
+
+a. Der Kampfder Aufklaerung mit dem Aberglauben
+
+Die verschiednen Weisen des negativen Verhaltens des Bewusstseins,
+teils des Skeptizismus, teils des theoretischen und praktischen
+Idealismus, sind untergeordnete Gestalten gegen diese der _reinen
+Einsicht_, und ihrer Verbreitung, der _Aufklaerung_; denn sie ist aus
+der Substanz geboren, weiss das reine _Selbst_ des Bewusstseins als
+absolut, und nimmt es mit dem reinen Bewusstsein des absoluten Wesens
+aller Wirklichkeit auf.--Indem Glauben und Einsicht dasselbe reine
+Bewusstsein, der Form nach aber entgegengesetzt sind, dem Glauben das
+Wesen als _Gedanke_, nicht als _Begriff_, und daher ein dem
+_Selbst_bewusstsein schlechthin Entgegengesetztes, der reinen Einsicht
+aber das Wesen das _Selbst_ ist, sind sie fuereinander das eine das
+schlechthin Negative des andern.--Dem Glauben kommt, wie beide
+gegeneinander auftreten, aller _Inhalt_ zu, denn in seinem ruhigen
+Elemente des Denkens gewinnt jedes Moment Bestehen;--die reine
+Einsicht aber ist zunaechst ohne Inhalt, und vielmehr reines
+Verschwinden desselben; durch die negative Bewegung gegen das ihr
+Negative aber wird sie sich realisieren und einen Inhalt geben.
+
+Sie weiss den Glauben als das ihr, der Vernunft und Wahrheit,
+Entgegengesetzte. Wie er ihr im Allgemeinen ein Gewebe von
+Aberglauben, Vorurteilen und Irrtuemern ist, so organisiert sich ihr
+weiter das Bewusstsein dieses Inhalts in ein Reich des Irrtums, worin
+die falsche Einsicht einmal als die _allgemeine Masse_ des
+Bewusstseins, unmittelbar, unbefangen und ohne Reflexion in sich
+selbst ist, aber das Moment der Reflexion in sich oder des
+Selbstbewusstseins, getrennt von der Unbefangenheit, auch an ihr hat,
+als eine im Hintergrunde fuer sich bleibende Einsicht und boese Absicht,
+von welcher jenes betoert wird. Jene Masse ist das Opfer des Betrugs
+einer _Priesterschaft_, die ihre neidische Eitelkeit, allein im
+Besitze der Einsicht zu bleiben, sowie ihren sonstigen Eigennutz
+ausfuehrt, und zugleich mit dem _Despotismus_ sich verschwoert, der als
+die synthetische, begrifflose Einheit des realen und dieses idealen
+Reichs--ein seltsam inkonsequentes Wesen--ueber der schlechten
+Einsicht der Menge und der schlechten Absicht der Priester steht, und
+beides auch in sich vereinigt, aus der Dummheit und Verwirrung des
+Volks durch das Mittel der betriegenden Priesterschaft, beide
+verachtend, den Vorteil der ruhigen Beherrschung und der Vollfuehrung
+seiner Lueste und Willkuer zieht, zugleich aber dieselbe Dumpfheit der
+Einsicht, der gleiche Aberglauben und Irrtum ist.
+
+Gegen diese drei Seiten des Feindes laesst die Aufklaerung sich nicht
+ohne Unterschied ein; denn indem ihr Wesen reine Einsicht, das an und
+fuer sich _Allgemeine_ ist, so ist ihre wahre Beziehung auf das andere
+Extrem diejenige, in welcher sie auf das _Gemeinschaftliche_ und
+_Gleiche_ beider geht. Die Seite der aus dem allgemeinen
+unbefangenen Bewusstsein sich isolierenden _Einzelnheit_ ist das ihr
+Entgegengesetzte, das sie nicht unmittelbar beruehren kann. Der
+Willen der betriegenden Priesterschaft und des unterdrueckenden
+Despoten ist daher nicht unmittelbarer Gegenstand ihres Tuns, sondern
+die willenlose, nicht zum Fuer-sich-sein sich vereinzelnde Einsicht,
+der _Begriff_ des vernuenftigen Selbstbewusstseins, der an der Masse
+sein Dasein hat, aber in ihr noch nicht als Begriff vorhanden ist.
+Indem aber die reine Einsicht diese ehrliche Einsicht und ihr
+unbefangenes Wesen den Vorurteilen und Irrtuemern entreisst, windet sie
+der schlechten Absicht die Realitaet und Macht ihres Betrugs aus den
+Haenden, deren Reich an dem begrifflosen Bewusstsein der allgemeinen
+Masse seinen _Boden_ und _Material_--das _Fuer-sich-sein_ an dem
+_einfachen_ Bewusstsein ueberhaupt seine _Substanz_ hat.
+
+Die Beziehung der reinen Einsicht auf das unbefangene Bewusstsein des
+absoluten Wesens hat nun die gedoppelte Seite, dass sie einesteils _an
+sich_ dasselbe mit ihm ist, andernteils aber, dass dieses in dem
+einfachen Elemente seines Gedankens das absolute Wesen sowie seine
+Teile gewaehren und sich Bestehen geben, und sie nur als sein
+_An-sich_ und darum in gegenstaendlicher Weise gelten laesst, sein
+_Fuer-sich-sein_ aber in diesem An-sich verleugnet.--Insofern nach der
+ersten Seite dieser Glauben _an sich_ fuer die reine Einsicht reines
+_Selbst_bewusstsein ist, und er dies nur _fuer sich_ werden soll, so
+hat sie an diesem Begriffe desselben das Element, worin sie statt der
+falschen Einsicht sich realisiert.
+
+Von dieser Seite, dass beide wesentlich dasselbe sind und die
+Beziehung der reinen Einsicht durch und in demselben Elemente
+geschieht, ist ihre Mitteilung eine _unmittelbare_, und ihr Geben und
+Empfangen ein ungestoertes Ineinanderfliessen. Was auch sonst weiter
+in das Bewusstsein fuer Pfloecke eingeschlagen seien, es ist _an sich_
+diese Einfachheit, in welcher alles aufgeloest, vergessen und
+unbefangen, und die daher des Begriffs schlechthin empfaenglich ist.
+Die Mitteilung der reinen Einsicht ist deswegen einer ruhigen
+Ausdehnung oder dem _Verbreiten_ wie eines Duftes in der
+widerstandslosen Atmosphaere zu vergleichen. Sie ist eine
+durchdringende Ansteckung, welche sich nicht vorher gegen das
+gleichgueltige Element, in das sie sich insinuiert, als
+Entgegengesetztes bemerkbar macht, und daher nicht abgewehrt werden
+kann. Erst wenn die Ansteckung sich verbreitet hat, ist sie _fuer das
+Bewusstsein_, das sich ihr unbesorgt ueberliess. Denn es war zwar das
+einfache sich und ihm gleiche Wesen, was es in sich empfing, aber
+zugleich die Einfachheit der in sich reflektierten _Negativitaet_,
+welche nachher auch sich nach ihrer Natur als Entgegengesetztes
+entfaltet, und das Bewusstsein hiedurch an seine vorige Weise erinnert;
+sie ist der Begriff, der das einfache Wissen ist, welches sich
+selbst und zugleich sein Gegenteil, aber dieses in ihm als aufgehoben
+weiss. So wie daher die reine Einsicht fuer das Bewusstsein ist, hat
+sie sich schon verbreitet; der Kampf gegen sie verraet die geschehene
+Ansteckung; er ist zu spaet, und jedes Mittel verschlimmert nur die
+Krankheit, denn sie hat das Mark des geistigen Lebens ergriffen,
+naemlich das Bewusstsein in seinem Begriffe oder sein reines Wesen
+selbst; es gibt darum auch keine Kraft in ihm, welche ueber ihr waere.
+Weil sie im Wesen selbst ist, lassen sich ihre noch vereinzelnten
+Aeusserungen zurueckdraengen und die oberflaechlichen Symptome daempfen.
+Es ist ihr dies hoechst vorteilhaft; denn sie vergeudet nun nicht
+unnuetz die Kraft, noch zeigt sie sich ihres Wesens unwuerdig, was dann
+der Fall ist, wenn sie in Symptome und einzelne Eruptionen gegen den
+Inhalt des Glaubens und gegen den Zusammenhang seiner aeussern
+Wirklichkeit hervorbricht. Sondern nun ein unsichtbarer und
+unbemerkter Geist, durchschleicht sie die edeln Teile durch und durch,
+und hat sich bald aller Eingeweide und Glieder des bewusstlosen
+Goetzen gruendlich bemaechtigt, und "_an einem schoenen Morgen_ gibt sie
+mit dem Ellbogen dem Kameraden einen Schubb, und Bautz! Baradautz!
+der Goetze liegt am Boden."--An _einem schoenen Morgen_, dessen Mittag
+nicht blutig ist, wenn die Ansteckung alle Organe des geistigen
+Lebens durchdrungen hat; nur das Gedaechtnis bewahrt dann noch als
+eine, man weiss nicht wie, vergangene Geschichte, die tote Weise der
+vorigen Gestalt des Geistes auf; und die neue fuer die Anbetung
+erhoehte Schlange der Weisheit hat auf diese Weise nur eine welke Haut
+schmerzlos abgestreift.
+
+Aber dieses stumme Fortweben des Geistes im einfachen Innern seiner
+Substanz, der sich sein Tun verbirgt, ist nur _eine_ Seite der
+Realisierung der reinen Einsicht. Ihre Verbreitung besteht nicht nur
+darin, dass Gleiches mit Gleichem zusammengeht; und ihre
+Verwirklichung ist nicht nur eine gegensatzlose Ausdehnung. Sondern
+das Tun des negativen Wesens ist ebenso wesentlich eine entwickelte
+sich in sich unterscheidende Bewegung, welche als bewusstes Tun ihre
+Momente in bestimmtem offenbarem Dasein aufstellen und als ein lauter
+Laerm und gewaltsamer Kampf mit Entgegengesetztem als solchem
+vorhanden sein muss.
+
+Es ist daher zu sehen, wie die _reine Einsicht_ und _Absicht_ gegen
+das andere ihr Entgegengesetzte, das sie vorfindet, sich _negativ_
+verhaelt.--Die reine Einsicht und Absicht, welche sich negativ verhaelt,
+kann, da ihr Begriff alle Wesenheit und nichts ausser ihr ist, nur
+das Negative ihrer selbst sein. Sie wird daher als Einsicht zum
+Negativen der reinen Einsicht, sie wird Unwahrheit und Unvernunft,
+und als Absicht zum Negativen der reinen Absicht, zur Luege und
+Unlauterkeit des Zwecks.
+
+In diesen Widerspruch verwickelt sie sich dadurch, dass sie sich in
+Streit einlaesst, und etwas _anderes_ zu bekaempfen meint.--Sie meint
+dies nur, denn ihr Wesen als die absolute Negativitaet ist dieses, das
+Anderssein an ihr selbst zu haben. Der absolute Begriff ist die
+Kategorie; er ist dies, dass das Wissen und der _Gegenstand_ des
+Wissens dasselbe ist. Was hiemit die reine Einsicht als ihr Andres,
+was sie als Irrtum oder Luege ausspricht, kann nichts andres sein als
+sie selbst; sie kann nur das verdammen, was sie ist. Was nicht
+vernuenftig ist, hat keine _Wahrheit_, oder was nicht begriffen ist,
+ist nicht; indem also die Vernunft von einem _Andern_ spricht, als
+sie ist, spricht sie in der Tat nur von sich selbst; sie tritt darin
+nicht aus sich heraus.--Dieser Kampf mit dem Entgegengesetzten
+vereinigt darum die Bedeutung in sich, ihre _Verwirklichung_ zu sein.
+Diese besteht naemlich eben in der Bewegung, die Momente zu
+entwickeln, und sie in sich zurueckzunehmen; ein Teil dieser Bewegung
+ist die Unterscheidung, in welcher die begreifende Einsicht sich
+selbst als _Gegenstand_ gegenueberstellt; solange sie in diesem
+Momente verweilt, ist sie sich entfremdet. Als reine Einsicht ist
+sie ohne allen _Inhalt_; die Bewegung ihrer Realisierung besteht
+darin, dass _sie selbst_ sich als Inhalt wird, denn ein anderer kann
+ihr nicht werden, weil sie das Selbstbewusstsein der Kategorie ist.
+Aber indem sie ihn zuerst in dem Entgegensetzen nur als _Inhalt_, und
+ihn noch nicht als sich selbst weiss, verkennt sie sich in ihm. Ihre
+Vollendung hat daher diesen Sinn, den ihr zuerst gegenstaendlichen
+Inhalt als den ihrigen zu erkennen. Ihr Resultat wird dadurch aber
+weder die Wiederherstellung der Irrtuemer, welche sie bekaempft, noch
+nur ihr erster Begriff sein, sondern eine Einsicht, welche die
+absolute Negation ihrer selbst als ihre eigne Wirklichkeit, als sich
+selbst erkennt, oder ihr sich selbst erkennender Begriff.--Diese
+Natur des Kampfs der Aufklaerung mit den Irrtuemern, in ihnen sich
+selbst zu bekaempfen und das darin zu verdammen, was sie behauptet,
+ist _fuer uns_, oder was sie und ihr Kampf _an sich_ ist. Die erste
+Seite desselben aber, ihre Verunreinigung durch die Aufnahme des
+negativen Verhaltens in ihre sichselbstgleiche _Reinheit_ ist es, wie
+sie _fuer den Glauben Gegenstand_ ist; der sie also als Luege,
+Unvernunft und schlechte Absicht erfaehrt, so wie er fuer sie Irrtum
+und Vorurteil ist.--In Ruecksicht auf ihren Inhalt ist sie zunaechst
+die leere Einsicht, der ihr Inhalt als ein Anderes erscheint, sie
+_findet_ ihn daher in dieser Gestalt, dass er noch nicht der ihrige
+ist, _vor_, als ein von ihr ganz unabhaengiges Dasein, in dem Glauben.
+
+Die Aufklaerung fasst also ihren Gegenstand zuerst und allgemein so auf,
+dass sie ihn als _reine Einsicht_ nimmt und ihn so, sich selbst nicht
+erkennend, fuer Irrtum erklaert. In der _Einsicht_ als solcher fasst
+das Bewusstsein einen Gegenstand so, dass er ihm zum Wesen des
+Bewusstseins oder zu einem Gegenstande wird, den es durchdringt, worin
+es sich erhaelt, bei sich selbst und sich gegenwaertig bleibt, und
+indem es hiemit seine Bewegung ist, ihn hervorbringt. Als eben
+dieses spricht die Aufklaerung den Glauben richtig aus, indem sie von
+ihm sagt, dass das, was ihm das absolute Wesen ist, ein Sein seines
+eignen Bewusstseins, sein eigner Gedanke, ein vom Bewusstsein
+Hervorgebrachtes sei. Sie erklaert ihn hiemit fuer Irrtum und
+Erdichtung ueber dasselbe, was sie ist.--Sie, die den Glauben die neue
+Weisheit lehren will, sagt ihm damit nichts Neues; denn sein
+Gegenstand ist ihm auch gerade dieses, naemlich reines Wesen seines
+eignen Bewusstseins, so dass dieses darin sich nicht verloren und
+negiert setzt, sondern ihm vielmehr vertraut, das heisst eben, _in
+ihm_ sich _als dieses_ Bewusstsein oder als Selbstbewusstsein findet.
+Wem ich vertraue, dessen _Gewissheit seiner_ selbst, ist mir die
+_Gewissheit meiner_ selbst; ich erkenne mein Fuer-mich-sein in ihm, dass
+er es anerkennt, und es ihm Zweck und Wesen ist. Vertrauen ist aber
+der Glauben, weil sein Bewusstsein sich _unmittelbar_ auf seinen
+Gegenstand _bezieht_, und also auch dies anschaut, dass es _eins_ mit
+ihm, in ihm ist.--Ferner, indem dasjenige mir Gegenstand ist, worin
+ich mich selbst erkenne, bin ich mir darin zugleich ueberhaupt als
+_anderes_ Selbstbewusstsein, das heisst, als ein solches, welches darin
+seiner besondere Einzelnheit, naemlich seiner Natuerlichkeit und
+Zufaelligkeit entfremdet worden, aber teils darin Selbstbewusstsein
+bleibt, teils eben darin _wesentliches_ Bewusstsein wie die reine
+Einsicht ist.--In dem Begriffe der Einsicht liegt nicht nur dies, dass
+das Bewusstsein in seinem eingesehenen Gegenstande sich selbst erkennt,
+und ohne das Gedachte zu verlassen und daraus in sich erst
+zurueckzugehen, sich _unmittelbar_ darin hat, sondern es ist seiner
+selbst als auch der _vermittelnden_ Bewegung oder seiner als des
+_Tuns_ oder Hervorbringens bewusst; dadurch ist in dem Gedanken _fuer
+es_ diese Einheit seiner als des _Selbsts_ und des Gegenstandes.
+--Eben dies Bewusstsein ist auch der Glauben; _der Gehorsam und das
+Tun_ ist ein notwendiges Moment, durch welches die Gewissheit des
+Seins in dem absoluten Wesen, zustande kommt. Dies Tun des Glaubens
+erscheint zwar nicht so, dass das absolute Wesen selbst dadurch
+hervorgebracht werde. Aber das absolute Wesen des Glaubens ist
+wesentlich nicht das _abstrakte_ Wesen, das jenseits des glaubenden
+Bewusstseins sei, sondern es ist der Geist der Gemeine, es ist die
+Einheit des abstrakten Wesens und des Selbstbewusstseins. Dass es
+dieser Geist der Gemeine sei, darin ist das Tun der Gemeine ein
+wesentliches Moment; er ist es _nur durch das Hervorbringen_ des
+Bewusstseins,--oder vielmehr _nicht ohne_ vom Bewusstsein
+hervorgebracht zu sein; denn so wesentlich das Hervorbringen ist, so
+wesentlich ist es auch nicht der einzige Grund des Wesens, sondern es
+ist nur ein Moment. Das Wesen ist zugleich an und fuer sich selbst.
+
+Von der andern Seite ist der Begriff der reinen Einsicht sich ein
+_Anderes_ als sein Gegenstand; denn eben diese negative Bestimmung
+macht den Gegenstand aus. So spricht sie also von der andern Seite
+auch das Wesen des Glaubens aus, als ein dem Selbstbewusstsein
+_Fremdes_, das nicht _sein_ Wesen, sondern als ein Wechselbalg ihm
+unterschoben sei. Allein die Aufklaerung ist hier voellig toericht; der
+Glauben erfaehrt sie als ein Sprechen, das nicht weiss, was es sagt,
+und die Sache nicht versteht, wenn es von Pfaffenbetrug und
+Volkstaeuschung redet. Sie spricht hievon, als ob durch ein
+Hokuspokus der taschenspielerischen Priester dem Bewusstsein etwas
+absolut _Fremdes_ und _Anderes_ fuer das Wesen untergeschoben wuerde,
+und sagt zugleich, dass dies ein Wesen des Bewusstseins sei, dass es
+daran glaube, ihm vertraue und sich es geneigt zu machen suche,--das
+heisst, dass es darin _sein reines Wesen_ ebensosehr als _seine_
+einzelne und allgemeine _Individualitaet_ anschaue, und durch sein Tun
+diese Einheit seiner selbst mit seinem Wesen hervorbringe. Sie sagt
+unmittelbar das, was sie als ein dem Bewusstsein _Fremdes_ aussagt,
+als das _Eigenste_ desselben aus.--Wie mag also sie von Betrug und
+Taeuschung sprechen? Indem sie _unmittelbar_ das Gegenteil dessen,
+was sie vom Glauben behauptet, selbst von ihm ausspricht, zeigt sie
+diesem vielmehr sich als die bewusste _Luege_. Wie soll Taeuschung und
+Betrug da stattfinden, wo das Bewusstsein in seiner Wahrheit
+unmittelbar die _Gewissheit seiner selbst_ hat; wo es in seinem
+Gegenstande _sich selbst_ besitzt, indem es sich ebensowohl darin
+findet als hervorbringt. Der Unterschied ist sogar in den Worten
+nicht mehr vorhanden.--Wenn die allgemeine Frage aufgestellt worden
+ist: _ob es erlaubt sei, ein Volk zu taeuschen_, so muesste in der Tat
+die Antwort sein, dass die Frage nichts tauge; weil es unmoeglich ist,
+hierin ein Volk zu taeuschen.--Messing statt Golds, nachgemachte
+Wechsel statt echter moegen wohl einzeln verkauft, eine verlorne
+Schlacht als eine gewonnene mehrern aufgeheftet, und sonstige Luegen
+ueber sinnliche Dinge und einzelne Begebenheiten auf eine Zeitlang
+glaubhaft gemacht werden; aber in dem Wissen von dem Wesen, worin das
+Bewusstsein die unmittelbare _Gewissheit seiner selbst_ hat, faellt der
+Gedanke der Taeuschung ganz hinweg.
+
+Sehen wir weiter, wie der Glauben die Aufklaerung in den
+_unterschiedenen_ Momenten seines Bewusstseins erfaehrt, auf welches
+die aufgezeigte Ansicht nur erst im Allgemeinen ging. Diese Momente
+aber sind: das reine Denken, oder, als Gegenstand, das _absolute
+Wesen_ an und fuer sich selbst; dann seine _Beziehung_ als ein
+_Wissen_ darauf, der _Grund seines Glaubens_, und endlich seine
+Beziehung darauf in seinem Tun, oder _sein Dienst_. Wie die reine
+Einsicht sich im Glauben ueberhaupt verkennt und verleugnet hat, so
+wird sie in diesen Momenten ebenso verkehrt sich verhalten.
+
+Die reine Einsicht verhaelt sich zu _dem absoluten Wesen_ des
+glaubenden Bewusstseins negativ. Dies Wesen ist reines _Denken_, und
+das reine Denken innerhalb seiner selbst als Gegenstand oder als das
+_Wesen_ gesetzt; im glaubenden Bewusstsein erhaelt dies _An-sich_ des
+Denkens zugleich fuer das fuer sich seiende Bewusstsein die Form, aber
+auch nur die leere Form der Gegenstaendlichkeit; es ist in der
+Bestimmung eines _Vorgestellten_. Der reinen Einsicht aber, indem
+sie das reine Bewusstsein nach der Seite des _fuer sich seienden
+Selbsts_ ist, erscheint das _Andre_ als ein _Negatives_ des
+_Selbstbewusstseins_. Dies koennte noch entweder als das reine
+_An-sich_ des Denkens oder auch als das _Sein_ der sinnlichen
+Gewissheit genommen werden. Aber indem es zugleich fuer das _Selbst_
+und dieses als _Selbst_, das einen Gegenstand hat, wirkliches
+Bewusstsein ist, so ist ihr eigentuemlicher Gegenstand als solcher ein
+_seiendes gemeines Ding_ der _sinnlichen Gewissheit_. Dieser ihr
+Gegenstand erscheint ihr an der _Vorstellung_ des Glaubens. Sie
+verdammt diese und in ihr ihren eignen Gegenstand. Gegen den Glauben
+aber begeht sie schon darin das Unrecht, seinen Gegenstand so
+aufzufassen, dass er der ihrige ist. Sie sagt hiernach ueber den
+Glauben, dass sein absolutes Wesen ein Steinstueck, ein Holzblock sei,
+der Augen habe und nicht sehe, oder auch etwas Brotteig, der auf dem
+Acker gewachsen, von Menschen verwandelt darauf zurueckgeschickt werde;
+--oder nach welchen Weisen sonst der Glauben, das Wesen
+anthropomorphosiere, sich gegenstaendlich und vorstellig mache.
+
+Die Aufklaerung, die sich fuer das Reine ausgibt, macht hier das, was
+dem Geiste ewiges Leben und heiliger Geist ist, zu einem wirklichen
+_vergaenglichen Dinge_, und besudelt es mit der an sich nichtigen
+Ansicht der sinnlichen Gewissheit--mit einer Ansicht, welche dem
+anbetenden Glauben gar nicht vorhanden ist, so dass sie ihm dieselbe
+rein anluegt. Was er verehrt, ist ihm durchaus weder Stein oder Holz
+oder Brotteig, noch sonst ein zeitliches sinnliches Ding. Wenn es
+der Aufklaerung einfaellt, zu sagen, sein Gegenstand sei doch dies
+_auch_, oder gar, er sei dieses an sich und in Wahrheit, so kennt
+teils der Glauben ebensowohl _jenes Auch_, aber es ist ihm ausser
+seiner Anbetung; teils aber ist ihm ueberhaupt nicht so etwas wie ein
+Stein und so fort _an sich_, sondern an sich ist ihm allein das Wesen
+des reinen Denkens.
+
+Das _zweite Moment_ ist die Beziehung des Glaubens als _wissenden_
+Bewusstseins auf dieses Wesen. Als denkendem reinem Bewusstsein ist
+ihm dies Wesen unmittelbar; aber das reine Bewusstsein ist ebensosehr
+_vermittelte_ Beziehung der Gewissheit auf die Wahrheit; eine
+Beziehung, welche den _Grund_ des _Glaubens_ ausmacht. Dieser Grund
+wird fuer die Aufklaerung ebenso zu einem zufaelligen _Wissen von
+zufaelligen_ Begebenheiten. Der Grund des Wissens aber ist das
+_wissende_ Allgemeine, und in seiner Wahrheit der absolute _Geist_,
+der in dem abstrakten reinen Bewusstsein oder dem Denken als solchem
+nur absolutes _Wesen_, als Selbstbewusstsein aber das _Wissen_ von
+sich ist. Die reine Einsicht setzt dies wissende Allgemeine, den
+_einfachen sich selbst wissenden Geist_, ebenso als Negatives des
+Selbstbewusstseins. Sie ist zwar selbst das _reine vermittelte_, d.h.
+sich mit sich vermittelnde Denken, sie ist das reine Wissen; aber
+indem sie _reine Einsicht, reines Wissen_ ist, das sich selbst noch
+nicht weiss, d.h. fuer welches es noch nicht ist, dass sie diese reine
+vermittelnde Bewegung ist, erscheint sie ihr, wie alles, was sie
+selbst ist, als ein Anderes. In ihrer Verwirklichung also begriffen,
+entwickelt sie dies ihr wesentliches Moment, aber es erscheint ihr
+als dem Glauben angehoerend, und in seiner Bestimmtheit, ein ihr
+Aeusseres zu sein, als ein zufaelliges Wissen eben solcher gemein
+wirklicher Geschichten. Sie dichtet also hier dem religioesen Glauben
+an, dass seine Gewissheit sich auf einige _einzelne historische
+Zeugnisse_ gruende, welche als historische Zeugnisse betrachtet
+freilich nicht den Grad von Gewissheit ueber ihren Inhalt gewaehren
+wuerden, den uns Zeitungsnachrichten ueber irgendeine Begebenheit geben;
+dass seine Gewissheit ferner auf dem Zufall der _Aufbewahrung_ dieser
+Zeugnisse beruhe--der Aufbewahrung durch Papier einerseits, und
+andererseits durch die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der
+Uebertragung von einem Papier auf ein anderes--, und endlich auf der
+richtigen Auffassung des Sinnes toter Worte und Buchstaben. In der
+Tat aber faellt es dem Glauben nicht ein, an solche Zeugnisse und
+Zufaelligkeiten seine Gewissheit zu knuepfen; er ist in seiner Gewissheit
+unbefangenes Verhaeltnis zu seinem absoluten Gegenstande, ein reines
+Wissen desselben, welches nicht Buchstaben, Papier und Abschreiber in
+sein Bewusstsein des absoluten Wesens einmischt, und nicht durch
+solcherlei Dinge sich damit vermittelt. Sondern dies Bewusstsein ist
+der sich selbst vermittelnde Grund seines Wissens; es ist der Geist
+selbst, der das Zeugnis von sich ist, ebenso im _Innern_ des
+_einzelnen_ Bewusstseins als durch die _allgemeine Gegenwart_ des
+Glaubens aller an ihn. Wenn der Glauben aus dem Geschichtlichen auch
+jene Weise von Begruendung oder wenigstens Bestaetigung seines Inhaltes,
+von der die Aufklaerung spricht, sich geben will, und ernsthaft meint
+und tut, als ob es darauf ankaeme, so hat er sich schon von der
+Aufklaerung verfuehren lassen; und seine Bemuehungen, sich auf solche
+Weise zu begruenden oder zu befestigen, sind nur Zeugnisse, die er von
+seiner Ansteckung gibt.
+
+Noch ist die dritte Seite uebrig, _die Beziehung des Bewusstseins auf
+das absolute Wesen_, als ein _Tun_. Dies Tun ist das Aufheben der
+Besonderheit des Individuums oder der natuerlichen Weise seines
+Fuer-sich-seins, woraus ihm die Gewissheit hervorgeht, reines
+Selbstbewusstsein nach seinem Tun, d.h. als _fuersichseiendes_
+einzelnes Bewusstsein eins mit dem Wesen zu sein.--Indem an dem Tun
+_Zweckmaessigkeit_ und _Zweck_ sich unterscheidet, und die reine
+Einsicht ebenso in Beziehung auf dieses Tun sich _negativ verhaelt_,
+und wie in den andern Momenten sich selbst verleugnet, so muss sie in
+Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ als Unverstand sich darstellen, indem
+die Einsicht mit der Absicht verbunden, Uebereinstimmung des Zwecks
+und des Mittels, ihr als Anderes, vielmehr als das Gegenteil
+erscheint,--in Ansehung des _Zwecks_ aber das Schlechte, Genuss und
+Besitz zum Zwecke machen, und sich hiemit als die unreinste Absicht
+beweisen, indem die reine Absicht ebenso, als Andres, unreine Absicht
+ist.
+
+Hienach sehen wir in Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ die Aufklaerung es
+toericht finden, wenn das glaubende Individuum sich das hoehere
+Bewusstsein, nicht an den natuerlichen Genuss und Vergnuegen gefesselt zu
+sein, dadurch gibt, dass es sich natuerlichen Genuss und Vergnuegen
+_wirklich_ versagt, und _durch die Tat_ erweist, dass es die
+Verachtung derselben nicht luegt, sondern dass sie _wahr ist_.--Ebenso
+findet sie es toericht, dass das Individuum von seiner Bestimmtheit,
+absolut einzelnes, alle andern ausschliessendes und Eigentum
+besitzendes zu sein, sich dadurch absolviert, dass es von seinem
+Eigentume selbst ablaesst; womit es _in Wahrheit_ zeigt, dass es mit
+seinem Isolieren nicht Ernst, sondern dass es ueber die
+Naturnotwendigkeit, sich zu vereinzeln, und in dieser absoluten
+Vereinzelung des Fuer-sich-seins die Andern als dasselbe _mit sich_ zu
+verleugnen, erhaben ist.--Die reine Einsicht findet beides sowohl
+unzweckmaessig als unrecht,--_unzweckmaessig_, um von Vergnuegen und
+Besitz sich frei zu erweisen, sich Vergnuegen zu versagen und einen
+Besitz wegzugeben; sie wird also im Gegenteil den fuer einen _Toren_
+erklaeren, der, um zu essen, das Mittel ergreift, wirklich zu essen.
+Sie findet es auch _unrecht_, sich eine Mahlzeit zu versagen, und
+Butter, Eier nicht gegen Geld, oder Geld nicht gegen Butter und Eier,
+sondern geradezu, ohne so was dafuer zurueck zu erhalten, wegzugeben;
+sie erklaert eine Mahlzeit oder den Besitz von dergleichen Dingen fuer
+einen Selbstzweck, und sich damit in der Tat fuer eine sehr unreine
+Absicht, der es um solchen Genuss und Besitz ganz wesentlich zu tun
+ist. Sie behauptet als reine Absicht auch wieder die Notwendigkeit
+der Erhebung ueber die natuerliche Existenz und ueber die Habsucht um
+ihre Mittel; nur findet sie es toericht und unrecht, dass diese
+Erhebung _durch die Tat_ bewiesen werden soll, oder diese reine
+Absicht ist in Wahrheit Betrug, welcher eine _innerliche_ Erhebung
+vorgibt und fodert, aber Ernst daraus zu machen, sie _wirklich ins
+Werk_ zu richten und _ihre Wahrheit zu erweisen_ fuer ueberfluessig,
+toericht, und selbst fuer unrecht ausgibt.--Sie verleugnet sich also
+sowohl als reine Einsicht, denn sie verleugnet das unmittelbar
+zweckmaessige Tun, wie als reine Absicht, denn sie verleugnet die
+Absicht, sich von den Zwecken der Einzelnheit befreit zu erweisen.
+
+So gibt die Aufklaerung sich dem Glauben zu erfahren. Sie tritt in
+diesem schlechten Aussehen auf, weil sie eben durch das Verhaeltnis zu
+einem andern sich eine _negative Realitaet_ gibt, oder sich als das
+Gegenteil ihrer selbst darstellt; die reine Einsicht und Absicht muss
+sich aber dies Verhaeltnis geben, denn es ist ihre Verwirklichung.
+--Diese erschien zunaechst als negative Realitaet. Vielleicht ist ihre
+_positive Realitaet_ besser beschaffen; sehen wir, wie diese sich
+verhaelt.--Wenn alles Vorurteil und Aberglauben verbannt worden, so
+tritt die Frage ein, _was nun weiter? Welches ist die Wahrheit,
+welche die Aufklaerung statt jener verbreitet hat?_--Sie hat diesen
+positiven Inhalt in ihrem Ausrotten des Irrtums schon ausgesprochen,
+denn jene Entfremdung ihrer selbst ist ebensosehr ihre positive
+Realitaet.--An demjenigen, was dem Glauben absoluter Geist ist, fasst
+sie, was sie von _Bestimmung_ daran entdeckt, als Holz, Stein und so
+fort, als einzelne wirkliche Dinge auf; indem sie ueberhaupt _alle
+Bestimmtheit_, das heisst, allen Inhalt und Erfuellung desselben auf
+diese Weise als eine _Endlichkeit_, als _menschliches Wesen und
+Vorstellung_ begreift, wird ihr das _absolute Wesen_ zu einem
+_Vakuum_, dem keine Bestimmungen, keine Praedikate beigelegt werden
+koennen. Ein solches Beilager waere an sich straeflich, und es ist es
+eben, in welchem die Ungeheuer des Aberglaubens erzeugt worden sind.
+Die Vernunft, die _reine Einsicht_ ist wohl selbst nicht leer, indem
+das Negative ihrer selbst _fuer sie_ und ihr Inhalt ist, sondern reich,
+aber nur an Einzelnheit und Schranke; dem absoluten Wesen
+dergleichen nichts zukommen zu lassen noch beizulegen, ist ihre
+einsichtsvolle Lebensart, welche sich und ihren Reichtum der
+Endlichkeit an ihren Ort zu stellen und das Absolute wuerdig zu
+behandeln weiss.
+
+Diesem leeren Wesen gegenueber steht als _zweites Moment_ der
+positiven Wahrheit der Aufklaerung, die aus einem absoluten Wesen
+ausgeschlossene _Einzelnheit_ ueberhaupt, des Bewusstseins und alles
+Seins, als _absolutes An- und Fuer-sich-sein_. Das Bewusstsein,
+welches in seiner allerersten Wirklichkeit _sinnliche Gewissheit_ und
+_Meinung_ ist, kehrt hier aus dem ganzen Wege seiner Erfahrung dahin
+zurueck, und ist wieder ein Wissen von _rein Negativem seiner selbst_,
+oder von _sinnlichen Dingen_, d.h. _seienden_, welche seinem
+_Fuer-sich-sein_ gleichgueltig gegenueberstehen. Es ist hier aber nicht
+_unmittelbares_ natuerliches Bewusstsein, sondern es ist sich solches
+_geworden_. Zuerst preisgegeben aller Verwicklung, worein es durch
+seine Entfaltung gestuerzt wird, itzt durch die reine Einsicht auf
+seine erste Gestalt zurueckgefuehrt, hat es sie als das _Resultat
+erfahren_. Auf die Einsicht der Nichtigkeit aller andern Gestalten
+des Bewusstseins und somit alles jenseits der sinnlichen Gewissheit
+_gegruendet_, ist diese sinnliche Gewissheit nicht mehr Meinung,
+sondern sie ist vielmehr die absolute Wahrheit. Diese Nichtigkeit
+alles dessen, was ueber die sinnliche Gewissheit hinausgeht, ist zwar
+nur ein negativer Beweis dieser Wahrheit; aber sie ist keines andern
+faehig, denn die positive Wahrheit der sinnlichen Gewissheit an ihr
+selbst, ist eben das _unvermittelte_ Fuer-sich-sein des Begriffes
+selbst als Gegenstands, und zwar in der Form des Andersseins,--dass es
+jedem Bewusstsein _schlechthin gewiss_ ist, dass es _ist_, und _andere
+wirkliche Dinge_ ausser ihm, und dass es in seinem _natuerlichen_ Sein,
+so wie diese Dinge, _an und fuer sich_ oder _absolut_ ist.
+
+_Das dritte Moment der Wahrheit der Aufklaerung_ endlich ist das
+Verhaeltnis der einzelnen Wesen zum absoluten Wesen, die Beziehung der
+beiden ersten. Die Einsicht als reine Einsicht des _Gleichen_ oder
+_Unbeschraenkten geht_ auch ueber das _Ungleiche_, naemlich die endliche
+Wirklichkeit, oder ueber sich als blosses Anderssein _hinaus_. Sie hat
+zum Jenseits desselben _das Leere_, auf welches sie also die
+sinnliche Wirklichkeit bezieht. In die Bestimmung dieses
+_Verhaeltnisses_ treten nicht die beiden Seiten als _Inhalt_ ein, denn
+die eine ist das Leere, und ein Inhalt ist also nur durch die andere,
+die sinnliche Wirklichkeit, vorhanden. Die _Form_ der Beziehung aber,
+in deren Bestimmung die Seite des _An-sich_ mithilft, kann nach
+Belieben gemacht werden; denn die Form ist das _an sich Negative_,
+und darum das sich Entgegengesetzte; Sein sowohl als Nichts;
+_An-sich_ wie das _Gegenteil_; oder was dasselbe, die Beziehung _der
+Wirklichkeit_ auf _An-sich_ als das _Jenseits_ ist ebensowohl ein
+_Negieren_ als ein _Setzen_ derselben. Die endliche Wirklichkeit
+kann daher eigentlich, wie man es gerade braucht, genommen werden.
+Das Sinnliche wird also itzt auf das Absolute als auf das _An-sich
+positiv_ bezogen, und die sinnliche Wirklichkeit ist selbst _an sich_;
+das Absolute macht, hegt und pflegt sie. Wiederum ist sie auch
+darauf als auf das Gegenteil, als auf ihr _Nichtsein_ bezogen; nach
+diesem Verhaeltnisse ist sie nicht an sich, sondern nur _fuer ein
+Anderes_. Wenn in der vorhergehenden Gestalt des Bewusstseins die
+_Begriffe_ des Gegensatzes sich als _Gut_ und _Schlecht_ bestimmten,
+so werden sie dagegen der reinen Einsicht zu den reinern
+Abstraktionen, des _An-sich-_ und _Fuer-ein-Anderes_-sein.
+
+Beide Betrachtungsweisen, der positiven wie der negativen Beziehung
+des Endlichen auf das An-sich, sind aber in der Tat gleich notwendig,
+und alles ist also so sehr _an sich_, als es _fuer ein Anderes_ ist;
+oder alles ist _nuetzlich_.--Alles gibt sich andern preis, laesst sich
+itzt von andern gebrauchen, und ist _fuer sie_; und itzt stellt es
+sich, es so zu sagen, wieder auf die Hinterbeine, tut sproede gegen
+Anderes, ist fuer sich und gebraucht das Andere seinerseits.--Fuer den
+Menschen, als das dieser Beziehung _bewusste_ Ding, ergibt sich daraus
+sein Wesen und seine Stellung. Er ist, wie er unmittelbar ist, als
+natuerliches Bewusstsein _an sich, gut_, als einzelnes _absolut_, und
+Anderes ist _fuer ihn_; und zwar da fuer ihn als das seiner bewusste
+Tier die Momente die Bedeutung der Allgemeinheit haben, ist _alles_
+fuer sein Vergnuegen und Ergoetzlichkeit, und er geht, wie er aus Gottes
+Hand gekommen, in der Welt als einem fuer ihn gepflanzten Garten umher.
+--Er muss auch vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Boesen
+gepflueckt haben; er besitzt darin einen Nutzen, der ihn von allem
+andern unterscheidet, denn zufaelligerweise ist seine an sich gute
+Natur _auch_ so beschaffen, dass ihr das Uebermass der Ergoetzlichkeit
+Schaden tut, oder vielmehr seine Einzelnheit hat _auch ihr Jenseits_
+an ihr, kann ueber sich selbst hinausgehen und sich zerstoeren.
+Hiegegen ist ihm die Vernunft ein nuetzliches Mittel, dies Hinausgehen
+gehoerig zu beschraenken, oder vielmehr im Hinausgehen ueber das
+Bestimmte sich selbst zu erhalten; denn dies ist die Kraft des
+Bewusstseins. Der Genuss des bewussten an sich _allgemeinen_ Wesens muss
+nach Mannigfaltigkeit und Dauer selbst nicht ein bestimmtes, sondern
+allgemein sein; das Mass hat daher die Bestimmung, zu verhindern, dass
+das Vergnuegen in seiner Mannigfaltigkeit und Dauer abgebrochen werde;
+das heisst, die Bestimmung des Masses ist die Unmaessigkeit.--Wie dem
+Menschen alles nuetzlich ist, so ist er es ebenfalls, und seine
+Bestimmung ebensosehr, sich zum gemeinnuetzlichen und allgemein
+brauchbaren Mitgliede des Trupps zu machen. Soviel er fuer sich sorgt,
+gerade soviel muss er sich auch hergeben fuer die Andern, und soviel
+er sich hergibt, soviel sorgt er fuer sich selbst; eine Hand waescht
+die andere. Wo er aber sich befindet, ist er recht daran; er nuetzt
+andern und wird genuetzt.
+
+Anders ist auf andere Weise einander nuetzlich; alle Dinge aber haben
+diese nuetzliche Gegenseitigkeit durch ihr Wesen, naemlich auf das
+Absolute auf die gedoppelte Weise bezogen zu sein--die positive,
+dadurch _an und fuer sich_ selbst zu sein, die negative, dadurch _fuer
+Andere_ zu sein. Die _Beziehung_ auf das absolute Wesen oder die
+Religion ist daher unter aller Nuetzlichkeit das Allernuetzlichste;
+denn sie ist der _reine Nutzen selbst_, sie ist dies Bestehen aller
+Dinge, oder ihr _An-_ und _Fuer-sich_-sein, und das Fallen aller Dinge,
+oder ihr _Sein fuer Anderes_.
+
+Dem Glauben freilich ist dieses positive Resultat der Aufklaerung so
+sehr ein Greuel als ihr negatives Verhalten gegen ihn. Diese
+_Einsicht_ in das absolute Wesen, die nichts in ihm sieht als eben
+das _absolute Wesen_, das _etre supreme_, oder _das Leere_,--diese
+_Absicht_, dass alles in seinem unmittelbaren Dasein _an sich_ oder
+gut ist, dass endlich die _Beziehung_ des einzelnen bewussten Seins auf
+das absolute Wesen, _die Religion_, der Begriff der Nuetzlichkeit
+erschoepfend ausdrueckt, ist dem Glauben schlechthin _abscheulich_.
+Diese eigne _Weisheit_ der Aufklaerung erscheint ihm notwendig
+zugleich als die _Plattheit_ selbst, und als das _Gestaendnis_ der
+Plattheit; weil sie darin besteht, vom absoluten Wesen nichts oder,
+was dasselbe ist, von ihm diese ganz ebne Wahrheit zu wissen, dass es
+eben nur _das absolute Wesen_ ist, dagegen nur von der Endlichkeit
+und zwar sie als das Wahre und dies Wissen von derselben als dem
+Wahren, als das Hoechste zu wissen.
+
+Der Glauben hat das goettliche Recht, das Recht der absoluten
+_Sichselbstgleichheit_ oder des reinen Denkens, gegen die Aufklaerung,
+und erfaehrt von ihr durchaus Unrecht; denn sie verdreht ihn in allen
+seinen Momenten, und macht sie zu etwas anderem, als sie in ihm sind.
+Sie aber hat nur menschliches Recht gegen ihn und fuer ihre Wahrheit;
+denn das Unrecht, das sie begeht, ist das Recht der _Ungleichheit_,
+und besteht in dem Verkehren und Veraendern, ein Recht, das der Natur
+des _Selbstbewusstseins_ im Gegensatze gegen das einfache Wesen oder
+das _Denken_ angehoert. Aber indem ihr Recht das Recht des
+Selbstbewusstseins ist, wird sie nicht nur _auch_ ihr Recht behalten,
+so dass zwei gleiche Rechte des Geistes einander gegenueber
+stehenblieben, und keins das andere befriedigen koennte, sondern sie
+wird das absolute Recht behaupten, weil das Selbstbewusstsein die
+Negativitaet des Begriffs ist, die nicht nur _fuer sich_ ist, sondern
+auch ueber ihr Gegenteil uebergreift; und der Glauben selbst, weil er
+Bewusstsein ist, wird ihr ihr Recht nicht verweigern koennen.
+
+Denn die Aufklaerung verhaelt sich gegen das glaubende Bewusstsein nicht
+mit eigentuemlichen Prinzipien, sondern mit solchen, welche dieses
+selbst an ihm hat. Sie bringt ihm nur seine _eigenen Gedanken_
+zusammen, die ihm bewusstlos auseinanderfallen; sie erinnert es nur
+bei der _einen_ seiner Weisen an die _andern_, die es _auch_ hat,
+aber deren eine es immer bei der andern vergisst. Sie erweist sich
+eben dadurch gegen es als reine Einsicht, dass sie bei einem
+_bestimmten_ Momente das Ganze sieht, also das auf jenes Moment sich
+beziehende _Entgegengesetzte_ herbeibringt, und eines im andern
+verkehrend das negative Wesen beider Gedanken, den _Begriff_,
+hervortreibt. Sie erscheint dem Glauben darum als Verdrehung und
+Luege, weil sie das _Anderssein_ seiner Momente aufzeigt; sie scheint
+ihm damit unmittelbar etwas anderes aus ihnen zu machen, als sie in
+ihrer Einzelnheit sind; aber dies _Andere_ ist ebenso wesentlich, und
+es ist in Wahrheit in dem glaubenden Bewusstsein selbst vorhanden, nur
+dass dieses daran nicht denkt, sondern es sonstwo hat; daher ist es
+ihm weder fremde, noch kann es von ihm abgeleugnet werden.
+
+Die Aufklaerung selbst aber, welche den Glauben an das
+Entgegengesetzte seiner abgesonderten Momente erinnert, ist
+ebensowenig ueber sich selbst aufgeklaert. Sie verhaelt sich rein
+_negativ_ gegen den Glauben, insofern sie ihren Inhalt aus ihrer
+Reinheit ausschliesst, und ihn fuer das _Negative_ ihrer selbst nimmt.
+Sie erkennt daher weder in diesem Negativen, in dem Inhalte des
+Glaubens, sich selbst, noch bringt auch sie aus diesem Grunde die
+beiden Gedanken zusammen, den, welchen sie herbeibringt, und den,
+gegen welchen sie ihn herbeibringt. Indem sie nicht erkennt, dass
+dasjenige, was sie am Glauben verdammt, unmittelbar ihr eigener
+Gedanken ist, so ist sie selbst in der Entgegensetzung der beiden
+Momente, deren eines, naemlich jedesmal das dem Glauben
+entgegengesetzte, sie nur anerkennt, das andere aber, gerade wie der
+Glauben tut, davon trennt. Sie bringt daher nicht die Einheit beider
+als Einheit derselben, d.i. den Begriff hervor; aber er _entsteht_
+ihr fuer sich oder sie findet ihn nur als _vorhanden_. Denn an sich
+ist ebendies die Realisierung der reinen Einsicht, dass sie, deren
+Wesen der Begriff ist, zuerst sich selbst als ein absolut _Anderes_
+wird und sich verleugnet, denn der Gegensatz des Begriffes ist der
+absolute, und aus diesem Anderssein zu sich selbst, oder zu ihrem
+Begriffe kommt.--Die Aufklaerung _ist_ aber nur diese Bewegung, sie
+ist die noch bewusstlose Taetigkeit des reinen Begriffes, die zwar zu
+sich selbst, als Gegenstand, kommt, aber diesen fuer ein _Anderes_
+nimmt, auch die Natur des Begriffes nicht kennt, dass naemlich das
+Nichtunterschiedne es ist, was sich absolut trennt.--Gegen den
+Glauben also ist die Einsicht insofern die _Macht_ des Begriffes, als
+sie die Bewegung und das Beziehen der in seinem Bewusstsein
+auseinanderliegenden Momente ist, ein Beziehen, worin der Widerspruch
+derselben zum Vorschein koemmt. Hierin liegt das absolute _Recht_ der
+Gewalt, welche sie ueber ihn ausuebt; die _Wirklichkeit_ aber, zu der
+sie diese Gewalt bringt, ebendarin, dass das glaubende Bewusstsein
+selbst der Begriff ist, und also das Entgegengesetzte, das ihm die
+Einsicht herbeibringt, selbst anerkennt. Sie behaelt darum gegen es
+recht, weil sie an ihm das geltend macht, was ihm selbst notwendig
+ist, und was es an ihm selbst hat.
+
+Zuerst behauptet die Aufklaerung das Moment des Begriffs, ein _Tun_
+des _Bewusstseins_ zu sein; sie behauptet dies _gegen_ den
+Glauben--dass sein absolutes Wesen Wesen _seines_ Bewusstsein als eines
+Selbsts, oder dass es durch das Bewusstsein _hervorgebracht_ sei. Dem
+glaubenden Bewusstsein ist sein absolutes Wesen, ebenso wie es ihm
+_An-sich_ ist, zugleich nicht wie ein fremdes Ding, welches darin,
+man weiss nicht wie und woher, _stuende_, sondern sein Vertrauen
+besteht gerade darin, sich als _dieses_ persoenliche Bewusstsein darin
+zu _finden_, und sein Gehorsam und Dienst darin, es als _sein_
+absolutes Wesen durch sein _Tun_ hervorzubringen. Hieran erinnert
+eigentlich nur den Glauben die Aufklaerung, wenn er rein das _An-sich_
+des absoluten Wesens _jenseits_ des _Tuns_ des Bewusstseins ausspricht.
+--Aber indem sie zwar der Einseitigkeit des Glaubens das
+entgegengesetzte Moment des _Tuns_ desselben gegen das _Sein_, an das
+er hier allein denkt, herbei, selbst aber ihre Gedanken ebenso nicht
+zusammenbringt, isoliert sie das reine Moment des _Tuns_, und spricht
+von dem _An-sich_ des Glaubens aus, dass es _nur_ ein
+_Hervorgebrachtes_ des Bewusstseins sei. Das isolierte dem _An-sich_
+entgegengesetzte Tun ist aber ein zufaelliges Tun, und als ein
+vorstellendes ein Erzeugen von Fiktionen--Vorstellungen, die nicht
+_an sich_ sind; und so betrachtet sie den Inhalt des Glaubens.
+--Umgekehrt aber sagt die reine Einsicht ebenso das Gegenteil. Indem
+sie das Moment des _Andersseins_, das der Begriff an ihm hat,
+behauptet, spricht sie das Wesen des Glaubens als ein solches aus,
+welches das Bewusstsein _nichts angehe, jenseits_ desselben, ihm fremd
+und unerkannt sei. Dem Glauben ist es ebenso, wie er einerseits ihm
+vertraut, und darin die _Gewissheit seiner selbst_ hat, andererseits
+in seinen Wegen unerforschlich, und in seinem Sein unerreichbar.
+
+Ferner behauptet die Aufklaerung gegen das glaubende Bewusstsein darin
+ein Recht, das es selbst einraeumt, wenn sie den Gegenstand seiner
+Verehrung als Stein und Holz oder sonst als eine endliche
+anthropomorphische Bestimmtheit betrachtet. Denn da es dies
+entzweite Bewusstsein ist, ein _Jenseits_ der _Wirklichkeit_ und ein
+reines _Diesseits_ von jenem Jenseits zu haben, so ist in ihm in der
+Tat _auch_ diese Ansicht des sinnlichen Dinges vorhanden, nach
+welcher es _an_ und _fuer sich gilt_; es bringt aber diese beiden
+Gedanken _des An-und-fuer-sich-seienden_, das ihm einmal das _reine
+Wesen_, das anderemal ein gemeines _sinnliches Ding_ ist, nicht
+zusammen.--Selbst sein reines Bewusstsein ist von der letztern Ansicht
+affiziert, denn die Unterschiede seines uebersinnlichen Reichs sind,
+weil es des Begriffs entbehrt, eine Reihe von selbststaendigen
+_Gestalten_ und ihre Bewegung ein _Geschehen_, das heisst, sie sind
+nur in der _Vorstellung_, und haben die Weise des sinnlichen Seins an
+ihnen.--Die Aufklaerung isoliert ihrerseits ebenso die _Wirklichkeit_,
+als ein vom Geiste verlassenes Wesen, die Bestimmtheit als eine
+unverrueckte Endlichkeit, welche nicht in der geistigen Bewegung des
+Wesens selbst ein _Moment_ waere, nicht Nichts, auch nicht ein an und
+fuer sich _seiendes_ Etwas, sondern ein Verschwindendes.
+
+Es ist klar, dass dasselbe bei dem _Grunde_ des _Wissens_ der Fall ist.
+Das glaubende Bewusstsein anerkennt selbst ein zufaelliges _Wissen_,
+denn es hat ein Verhaeltnis zu Zufaelligkeiten, und das absolute Wesen
+selbst ist ihm in der Form einer vorgestellten gemeinen Wirklichkeit;
+hiemit ist das glaubende Bewusstsein _auch_ eine Gewissheit, welche
+nicht die Wahrheit an ihr selbst hat, und es bekennt sich als ein
+solches unwesentliches Bewusstsein, diesseits des sich selbst
+vergewissernden und bewaehrenden Geistes.--Dies Moment vergisst es aber
+in seinem geistigen unmittelbaren Wissen von dem absoluten Wesen.
+--Die Aufklaerung aber, welche es daran erinnert, denkt wieder _nur_
+an das zufaellige Wissen, und vergisst das Andere,--denkt nur an die
+Vermittlung, welche durch ein _fremdes_ Drittes geschieht, nicht an
+die, worin das Unmittelbare sich selbst das Dritte ist, wodurch es
+sich mit dem Andern, naemlich mit _sich selbst_, vermittelt.
+
+Endlich findet sie in ihrer Ansicht des _Tuns_ des Glaubens das
+Wegwerfen des Genusses und der Habe unrecht und unzweckmaessig.--Was
+das Unrecht betrifft, so erhaelt sie die Uebereinstimmung des
+glaubenden Bewusstseins darin, dass dieses selbst diese Wirklichkeit
+anerkennt, Eigentum zu besitzen, festzuhalten und zu geniessen; es
+betraegt sich in der Behauptung des Eigentums um so isolierter und
+hartnaeckiger, sowie in seinem Genusse um so roher dahingegeben, da
+jenseits dieser Wirklichkeit sein religioeses--Besitz und Genuss
+_aufgebendes_--Tun faellt und ihm die Freiheit fuer jene Seite erkauft.
+Dieser Dienst der Aufopferung des natuerlichen Treibens und Geniessens
+hat durch diesen Gegensatz in der Tat keine Wahrheit; die
+Beibehaltung hat _neben_ der Aufopferung statt; diese ist nur ein
+_Zeichen_, das die wirkliche Aufopferung nur an einem kleinen Teile
+vollbringt, und sie daher in der Tat nur _vorstellt_.
+
+In Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ findet die Aufklaerung das Wegwerfen
+_einer_ Habe, um von _der_ Habe, die Versagung _eines_ Genusses, um
+von _dem_ Genusse sich befreit zu wissen und zu erweisen, fuer
+ungeschickt. Das glaubende Bewusstsein selbst fasst das absolute Tun
+als ein _allgemeines_ Tun; nicht nur das Handeln seines absoluten
+Wesens als seines Gegenstandes ist ihm ein allgemeines, sondern auch
+das einzelne Bewusstsein soll sich ganz und allgemein von seinem
+sinnlichen Wesen befreit erweisen. Das Wegwerfen einer _einzelnen_
+Habe oder das Verzichttun auf einen _einzelnen_ Genuss ist aber nicht
+diese _allgemeine_ Handlung; und indem in der Handlung wesentlich der
+_Zweck_, der ein allgemeiner, und die _Ausfuehrung_, die eine einzelne
+ist, vor dem Bewusstsein in ihrer Unangemessenheit stehen muesste, so
+erweist sie sich als ein solches Handeln, woran das Bewusstsein keinen
+Anteil hat, und hiemit dies Handeln eigentlich als zu _naiv_, um eine
+Handlung zu sein; es ist zu naiv, zu fasten, um von der Lust der
+Mahlzeit sich befreit, zu naiv, sich, wie Origines, andere Lust _vom
+Leibe_ wegzuschaffen, um sie abgetan zu erweisen. Die Handlung
+selbst erweist sich als ein _aeusserliches_ und _einzelnes_ Tun; die
+Begierde aber ist _innerlich_ eingewurzelt, und ein _allgemeines_;
+ihre Lust verschwindet weder mit dem Werkzeuge noch durch einzelne
+Entbehrung.
+
+Die Aufklaerung aber isoliert ihrerseits hier das _Innerliche,
+Unwirkliche_ gegen die Wirklichkeit, wie sie gegen die Innerlichkeit
+des Glaubens in seiner Anschauung und Andacht die Aeusserlichkeit der
+Dingheit festhielt. Sie legt das Wesentliche in die _Absicht_, in
+den _Gedanken_, und erspart dadurch das wirkliche Vollbringen der
+Befreiung von den natuerlichen Zwecken; im Gegenteil ist diese
+Innerlichkeit selbst das Formale, das an den natuerlichen Trieben
+seine Erfuellung hat, welche eben dadurch gerechtfertigt sind, dass sie
+innerlich, dass sie dem _allgemeinen_ Sein, der Natur angehoeren.
+
+Die Aufklaerung hat also ueber den Glauben darum eine unwiderstehliche
+Gewalt, dass sich in seinem Bewusstsein selbst die Momente finden,
+welche sie geltend macht. Die Wirkung dieser Kraft naeher betrachtet,
+so scheint ihr Verhalten gegen ihn die _schoene_ Einheit des
+_Vertrauens_ und der unmittelbaren _Gewissheit_ zu zerreissen, sein
+_geistiges_ Bewusstsein durch niedrige Gedanken der _sinnlichen_
+Wirklichkeit zu verunreinigen, sein in seiner Unterwerfung
+_beruhigtes_ und _sicheres_ Gemuet durch die _Eitelkeit_ des
+Verstandes und des eigenen Willens und Vollbringens zu zerstoeren.
+Aber in der Tat leitet sie vielmehr die Aufhebung der _gedankenlosen_
+oder vielmehr _begrifflosen Trennung_ ein, welche in ihm vorhanden
+ist. Das glaubende Bewusstsein fuehrt doppeltes Mass und Gewicht, es
+hat zweierlei Augen, zweierlei Ohren, zweierlei Zunge und Sprache, es
+hat alle Vorstellungen verdoppelt, ohne diese Doppelsinnigkeit zu
+vergleichen. Oder der Glauben lebt in zweierlei Wahrnehmungen, der
+einen, der Wahrnehmung des _schlafenden_, rein in begrifflosen
+Gedanken, der andern des wachen, rein in der sinnlichen Wirklichkeit
+lebenden Bewusstseins, und in jeder fuehrt er eine eigene Haushaltung.
+--Die Aufklaerung beleuchtet jene himmlische Welt mit den
+Vorstellungen der sinnlichen; und zeigte jener diese Endlichkeit auf,
+die der Glauben nicht verleugnen kann, weil er Selbstbewusstsein und
+hiemit die Einheit ist, welcher beide Vorstellungsweisen angehoeren,
+und worin sie nicht auseinanderfallen, denn sie gehoeren demselben
+untrennbaren _einfachen_ Selbst an, in welches er uebergegangen ist.
+
+Der Glauben hat hiedurch den Inhalt, der sein Element erfuellte,
+verloren, und sinkt in ein dumpfes Weben des Geistes in ihm selbst
+zusammen. Er ist aus seinem Reiche vertrieben, oder dies Reich ist
+ausgepluendert, indem alle Unterscheidung und Ausbreitung desselben
+das wache Bewusstsein an sich riss, und seine Teile alle der Erde als
+ihr Eigentum vindizierte und zurueckgab. Aber befriedigt ist er darum
+nicht, denn durch diese Beleuchtung ist allenthalben nur einzelnes
+Wesen entstanden, so dass den Geist nur wesenlose Wirklichkeit und von
+ihm verlassne Endlichkeit anspricht.--Indem er ohne Inhalt ist und in
+dieser Leere nicht bleiben kann, oder indem er ueber das Endliche, das
+der einzige Inhalt ist, hinausgehend nur das Leere findet, ist er ein
+_reines Sehnen_; seine Wahrheit ein leeres _Jenseits_, dem sich kein
+gemaesser Inhalt mehr finden laesst, denn alles ist anders verwandt.--Der
+Glauben ist in der Tat hiemit dasselbe geworden, was die Aufklaerung,
+naemlich das Bewusstsein der Beziehung des an sich seienden Endlichen
+auf das praedikatlose, unerkannte und unerkennbare Absolute; nur _dass
+sie_ die _befriedigte, er_ aber die _unbefriedigte_ Aufklaerung ist.
+Es wird sich jedoch an ihr zeigen, ob sie in ihrer Befriedigung
+bleiben kann; jenes Sehnen des trueben Geistes, der ueber den Verlust
+seiner geistigen Welt trauert, steht im Hinterhalte. Sie selbst hat
+diesen Makel des unbefriedigten Sehnens an ihr,--_als reinen
+Gegenstand_ an ihrem _leeren_ absoluten Wesen,--als _Tun_ und
+_Bewegung_ an dem _Hinausgehen_ ueber ihr Einzelwesen zum unerfuellten
+Jenseits,--als _erfuellten Gegenstand_ an der _Selbstlosigkeit_ des
+Nuetzlichen. Sie wird diesen Makel aufheben; aus der naehern
+Betrachtung des positiven Resultates, das ihr die Wahrheit ist, wird
+sich ergeben, dass er an sich darin schon aufgehoben ist.
+
+
+
+b. Die Wahrheit der Aufklaerung
+
+Das dumpfe nichts mehr in sich unterscheidende Weben des Geistes ist
+also in sich selbst jenseits des Bewusstseins getreten, welches
+dagegen sich klar geworden ist.--Das erste Moment dieser Klarheit ist
+in seiner Notwendigkeit und Bedingung dadurch bestimmt, dass die reine
+Einsicht, oder sie, die _an sich_ Begriff ist, sich verwirklicht; sie
+tut dies, indem sie das Anderssein oder die Bestimmtheit an ihr setzt.
+Auf diese Weise ist sie negative reine Einsicht, d.i. Negation des
+Begriffs; diese ist ebenso rein; und es ist damit das _reine Ding_,
+das absolute Wesen, das sonst keine weitere Bestimmung hat, geworden.
+Dies naeher bestimmt, so ist sie als absoluter Begriff, ein
+Unterscheiden von Unterschieden, die keine mehr sind, von
+Abstraktionen oder reinen Begriffen, die sich selbst nicht mehr
+tragen, sondern nur durch _das Ganze der Bewegung_ Halt und
+Unterscheidung haben. Dieses Unterscheiden des Nichtunterschiednen
+besteht gerade darin, dass der absolute Begriff sich selbst zu seinem
+_Gegenstande_ macht, und jener _Bewegung_ gegenueber sich als das
+_Wesen_ setzt. Dies entbehrt hiedurch der Seite, worin die
+Abstraktionen oder Unterschiede _auseinandergehalten_ werden, und
+wird daher das _reine Denken_ als _reines Ding_.--Dies ist also eben
+jenes dumpfe bewusstlose Weben des Geistes in ihm selbst, zu dem der
+Glauben herabsank, indem er den unterschiednen Inhalt verlor;--es ist
+zugleich jene _Bewegung_ des reinen Selbstbewusstseins, der es das
+absolut fremde Jenseits sein soll. Denn weil dies reine
+Selbstbewusstsein die Bewegung in reinen Begriffen, in Unterschieden
+ist, die keine sind, so faellt es in der Tat in das bewusstlose Weben,
+d.i. in das reine _Fuehlen_ oder in die reine _Dingheit_ zusammen.
+--Der sich selbst entfremdete Begriff--denn er steht hier noch auf
+der Stufe dieser Entfremdung--aber erkennt nicht dies _gleiche Wesen_
+beider Seiten, der Bewegung des Selbstbewusstseins und seines
+absoluten Wesens,--nicht das _gleiche Wesen_ derselben, welches in
+der Tat ihre Substanz und Bestehen ist. Indem er diese Einheit nicht
+erkennt, so gilt ihm das Wesen nur in der Form des gegenstaendlichen
+Jenseits, das unterscheidende Bewusstsein aber, das auf diese Weise
+das An-sich ausser ihm hat, als ein endliches Bewusstsein.
+
+Ueber jenes absolute Wesen geraet die Aufklaerung selbst mit sich in den
+Streit, den sie vorher mit dem Glauben hatte, und teilt sich in zwei
+Parteien. Eine Partei bewaehrt sich erst dadurch als die _siegende_,
+dass sie in zwei Parteien zerfaellt; denn darin zeigt sie das Prinzip,
+das sie bekaempfte, an ihr selbst zu besitzen, und hiemit die
+Einseitigkeit aufgehoben zu haben, in der sie vorher auftrat. Das
+Interesse, das sich zwischen ihr und der andern teilte, faellt nun
+ganz in sie und vergisst der andern, weil es in ihr selbst den
+Gegensatz findet, der es beschaeftigt. Zugleich aber ist er in das
+hoehere siegende Element erhoben worden, worin er gelaeutert sich
+darstellt. So dass also die in einer Partei entstehende Zwietracht,
+welche ein Unglueck scheint, vielmehr ihr Glueck beweist.
+
+Das reine Wesen selbst hat keinen Unterschied an ihm, daher kommt er
+so an dasselbe, dass sich zwei solche reine Wesen fuer das Bewusstsein,
+oder ein zweifaches Bewusstsein desselben hervortut.--Das reine
+absolute Wesen ist nur in dem reinen Denken, oder vielmehr es ist das
+reine Denken selbst, also schlechthin _jenseits_ des endlichen, des
+_Selbst_bewusstseins, und nur das negative Wesen. Aber auf diese
+Weise ist es eben das _Sein_, das Negative des Selbstbewusstseins.
+Als _Negatives_ desselben ist es _auch_ darauf bezogen; es ist das
+_aeussere Sein_, welches auf es, worin die Unterschiede und
+Bestimmungen fallen, bezogen die Unterschiede an ihm erhaelt,
+geschmeckt, gesehen, und so fort, zu werden; und das Verhaeltnis ist
+die _sinnliche_ Gewissheit und Wahrnehmung.
+
+Wird von diesem _sinnlichen_ Sein, worein jenes negative Jenseits
+notwendig uebergeht, ausgegangen, aber von diesen bestimmten Weisen
+der Beziehung des Bewusstseins abstrahiert, so bleibt die reine
+_Materie_ uebrig als das dumpfe Weben und Bewegen in sich selbst. Es
+ist hiebei wesentlich, dies zu betrachten, dass die _reine Materie_
+nur das ist, was _uebrig_bleibt, wenn wir vom Sehen, Fuehlen, Schmecken
+und so fort _abstrahieren_, das heisst, sie ist nicht das Gesehene,
+Geschmeckte, Gefuehlte, und so fort; es ist nicht die _Materie_, die
+gesehen, gefuehlt, geschmeckt wird, sondern die Farbe, ein Stein, ein
+Salz u.s.f.; sie ist vielmehr die _reine Abstraktion_; und dadurch
+ist das _reine Wesen_ des _Denkens_ oder das reine Denken selbst
+vorhanden, als das nicht in sich unterschiedene, nicht bestimmte,
+praedikatlose Absolute.
+
+Die eine Aufklaerung nennt das absolute Wesen jenes praedikatlose
+Absolute, das jenseits des wirklichen Bewusstseins im Denken ist, von
+welchem ausgegangen wurde;--die andere nennt es _Materie_. Wenn sie
+als _Natur_ und Geist oder _Gott_ unterschieden wuerden, so wuerde dem
+bewusstlosen Weben in sich selbst, um Natur zu sein, der Reichtum des
+entfalteten Lebens fehlen, dem Geiste oder Gotte das sich in sich
+unterscheidende Bewusstsein. Beides ist, wie wir gesehen, schlechthin
+derselbe Begriff; der Unterschied liegt nicht in der Sache, sondern
+rein nur in dem verschiedenen Ausgangspunkte beider Bildungen, und
+darin, dass jede auf einem eigenen Punkte in der Bewegung des Denkens
+stehenbleibt. Wenn sie darueber hinwegsetzten, wuerden sie
+zusammentreffen und als dasselbe erkennen, was der einen, wie sie
+vorgibt, ein Greuel, der andern eine Torheit ist. Denn der einen ist
+das absolute Wesen in ihrem reinen Denken oder unmittelbar fuer das
+reine Bewusstsein, ausser dem endlichen Bewusstsein, das _negative_
+Jenseits desselben. Wuerde sie darauf reflektieren, dass teils jene
+einfache Unmittelbarkeit des Denkens nichts anderes ist als das
+_reine Sein_, teils das, was _negativ_ fuer das Bewusstsein ist, sich
+zugleich darauf bezieht, dass im negativen Urteile das _Ist_ (Kopula)
+beide Getrennten ebenso zusammenhaelt,--so wuerde sich die Beziehung
+dieses Jenseits in der Bestimmung eines _aeussern Seienden_ auf das
+Bewusstsein ergeben, und hiemit als dasselbe, was _reine Materie
+ge_nannt wird; das fehlende Moment der _Gegenwart_ waere gewonnen.
+--Die andere Aufklaerung geht von dem sinnlichen Sein aus,
+_abstrahiert_ dann von der sinnlichen Beziehung des Schmeckens,
+Sehens, und so fort, und macht es zum reinen _An-sich_, zur
+_absoluten Materie_, dem nicht Gefuehlten noch Geschmeckten; dies Sein
+ist auf diese Weise das praedikatlose Einfache, Wesen des _reinen
+Bewusstseins_ geworden; es ist der reine Begriff als _an sich_ seiend,
+oder das _reine Denken in sich selbst_. Diese Einsicht macht in
+ihrem Bewusstsein nicht den entgegengesetzten Schritt vom _Seienden_,
+welches _rein_ Seiendes ist, zum Gedachten, das dasselbe ist als das
+_Rein_seiende, oder nicht vom rein Positiven zum rein Negativen;
+indem doch das Positive _rein_ schlechthin nur durch die Negation ist;
+das _rein_ Negative aber, als reines, sich in sich selbst gleich und
+eben dadurch positiv ist.--Oder beide sind nicht zum Begriffe der
+Cartesischen Metaphysik gekommen, dass _an sich Sein_ und _Denken_
+dasselbe ist, nicht zu dem Gedanken, dass _Sein, reines Sein_, nicht
+ein _konkretes Wirkliches_ ist, sondern die _reine Abstraktion_; und
+umgekehrt das reine Denken, die Sichselbstgleichheit oder das Wesen,
+teils das _Negative_ des Selbstbewusstseins und hiemit _Sein_, teils
+als unmittelbare Einfachheit ebenso nichts anderes als _Sein_ ist;
+das _Denken_ ist _Dingheit_, oder _Dingheit_ ist _Denken_.
+
+Das Wesen hat hier die _Entzweiung_ erst so an ihm, dass es zwei Arten
+der Betrachtungsweise angehoert; teils muss das Wesen den Unterschied
+an ihm selbst haben, teils gehen eben darin die beiden
+Betrachtungsarten in _eine_ zusammen; denn die abstrakten Momente des
+reinen Seins und des Negativen, wodurch sie sich unterscheiden, sind
+alsdenn in dem Gegenstande dieser Betrachtungsweisen vereinigt.--Das
+gemeinschaftliche Allgemeine ist die Abstraktion des reinen
+Erzitterns in sich selbst, oder des reinen Sich-selbst-denkens.
+Diese einfache achsendrehende Bewegung muss sich auseinanderwerfen,
+weil sie selbst nur Bewegung ist, indem sie ihre Momente
+unterscheidet. Diese Unterscheidung der Momente laesst das Unbewegte
+als die leere Huelse des reinen _Seins_, das kein wirkliches Denken,
+kein Leben in sich selbst mehr ist, zurueck; denn sie ist als der
+Unterschied aller Inhalt. Sie, die sich _ausser_ jener _Einheit_
+setzt, ist aber hiemit der _nicht in sich zurueckkehrende_ Wechsel der
+Momente, des _An-sich-_ und des _Fuer-ein-Anderes-_ und des
+_Fuer-sich-seins_;--die Wirklichkeit, wie sie Gegenstand fuer das
+wirkliche Bewusstsein der reinen Einsicht ist,--die _Nuetzlichkeit_.
+
+So schlecht die Nuetzlichkeit dem Glauben, oder der Empfindsamkeit,
+oder auch der sich Spekulation nennenden Abstraktion, welche sich das
+_An-sich_ fixiert, aussehen mag, so ist sie es, worin die reine
+Einsicht ihre Realisierung vollendet, und sich selbst ihr
+_Gegenstand_ ist, den sie nun nicht mehr verleugnet, und der auch
+nicht den Wert des Leeren oder des reinen Jenseits fuer sie hat. Denn
+die reine Einsicht ist, wie wir sahen, der seiende Begriff selbst,
+oder die sich selbst gleiche reine Persoenlichkeit, so sich in sich
+unterscheidend, dass jedes der unterschiedenen selbst reiner Begriff,
+das heisst unmittelbar nicht unterschieden ist; sie ist einfaches
+reines Selbstbewusstsein, welches ebensowohl _fuer sich_ als _an sich_
+in einer unmittelbaren Einheit ist. Sein _An-sich-sein_ ist daher
+nicht bleibendes _Sein_, sondern hoert unmittelbar auf, in seinem
+Unterschiede etwas zu sein; ein solches Sein aber, das unmittelbar
+keinen Halt hat, ist nicht _an sich_, sondern wesentlich _fuer ein
+Anders_, das die Macht ist, die es absorbiert. Aber dies zweite dem
+ersten, dem _An-sich_-sein, entgegengesetzte Moment verschwindet
+ebenso unmittelbar als das erste, oder als _Sein nur fuer Anderes_ ist
+es vielmehr das _Verschwinden_ selbst, und es ist das
+In-sich-_zurueckgekehrt-_, das _Fuer-sich-sein gesetzt_. Dies einfache
+Fuer-sich-sein ist aber als die Sichselbstgleichheit vielmehr _ein
+Sein_, oder damit _fuer ein Anderes_.--Diese Natur der reinen Einsicht
+in der _Entfaltung ihrer Momente_ oder sie als _Gegenstand_ drueckt
+das Nuetzliche aus. Es ist ein _an sich_ bestehendes oder Ding, dies
+An-sich-sein ist zugleich nur reines Moment; es ist somit absolut
+_fuer ein Anderes_, aber es ist ebenso nur fuer ein Anderes, als es an
+sich ist; diese entgegengesetzten Momente sind in die unzertrennliche
+Einheit des Fuer-sich-seins zurueckgekehrt. Wenn aber das Nuetzliche
+wohl den Begriff der reinen Einsicht ausdrueckt, so ist es jedoch
+nicht als solche, sondern sie als _Vorstellung_ oder als ihr
+_Gegenstand_; es ist nur der rastlose Wechsel jener Momente, deren
+eines zwar das In-sich-selbst-zurueckgekehrt-sein selbst ist, aber nur
+als _Fuer-sich_-sein, d.h. als ein abstraktes gegen die andern auf die
+Seite tretendes Moment. Das Nuetzliche selbst ist nicht das negative
+Wesen, diese Momente in ihrer Entgegensetzung zugleich _ungetrennt_
+in _ein_ und _derselben Ruecksicht_, oder als ein _Denken_ an sich zu
+haben, wie sie als reine Einsicht sind; das Moment des
+_Fuer-sich-seins_ ist wohl an dem Nuetzlichen, aber nicht so, dass es
+ueber die andern Momente, das _An-sich_ und das _Sein fuer Anderes,
+uebergreift_, und somit das _Selbst_ waere. Die reine Einsicht hat
+also an dem Nuetzlichen ihren eigenen Begriff in seinen _reinen_
+Momenten zum _Gegenstande_; sie ist das Bewusstsein dieser
+_Metaphysik_, aber noch nicht das Begreifen derselben; es ist noch
+nicht zu der _Einheit_ des _Seins_ und des _Begriffs_ selbst gekommen.
+Weil das Nuetzliche noch die Form eines Gegenstandes fuer sie hat,
+hat sie eine zwar nicht mehr an und fuer sich seiende, aber doch noch
+eine _Welt_, welche sie von sich unterscheidet. Allein indem die
+Gegensaetze auf die Spitze des Begriffes herausgetreten sind, wird
+dies die naechste Stufe sein, dass sie zusammenstuerzen, und die
+Aufklaerung die Fruechte ihrer Taten erfaehrt.
+
+Den erreichten Gegenstand in Beziehung auf diese ganze Sphaere
+betrachtet, so hatte die wirkliche Welt der Bildung sich in die
+_Eitelkeit_ des Selbstbewusstseins zusammengefasst,--in das
+_Fuer-sich-sein_, das ihre Verworrenheit noch zu seinem Inhalte hat,
+und noch der _einzelne_ Begriff, noch nicht der fuer sich _allgemeine_
+ist. In sich aber zurueckgekehrt ist er die _reine Einsicht_--das
+reine Bewusstsein als das reine _Selbst_, oder die Negativitaet, wie
+der Glauben ebendasselbe als das _reine Denken_ oder die Positivitaet.
+Der Glauben hat in jenem Selbst das ihn vervollstaendigende Moment;
+--aber durch diese Ergaenzung untergehend, ist es nun an der reinen
+Einsicht, dass wir die beiden Momente sehen, als das absolute Wesen,
+das rein _gedacht_ oder Negatives--und als _Materie_, die das
+positive _Seiende_ ist.--Es fehlt dieser Vollstaendigkeit noch jene
+_Wirklichkeit_ des Selbstbewusstseins, welche dem _eiteln_ Bewusstsein
+angehoert--die Welt, aus welcher das Denken sich zu sich erhob. Dies
+Fehlende ist in der Nuetzlichkeit insofern erreicht, als die reine
+Einsicht daran die positive Gegenstaendlichkeit erlangte; sie ist
+dadurch wirkliches in sich befriedigtes Bewusstsein. Diese
+Gegenstaendlichkeit macht nun ihre _Welt_ aus; sie ist die Wahrheit
+der vorhergehenden ganzen, der ideellen wie der reellen Welt geworden.
+Die erste Welt des Geistes ist das ausgebreitete Reich seines sich
+zerstreuenden Daseins und der vereinzelnten _Gewissheit_ seiner selbst;
+wie die Natur ihr Leben in unendlich mannigfaltige Gestalten
+zerstreut, ohne dass die _Gattung_ derselben vorhanden waere. Die
+zweite enthaelt die _Gattung_, und ist das Reich des _An-sich-seins_
+oder der _Wahrheit_, entgegengesetzt jener Gewissheit. Das dritte
+aber, das Nuetzliche, ist die _Wahrheit_, welche ebenso die
+_Gewissheit_ seiner selbst ist. Dem Reiche der Wahrheit des
+_Glaubens_ fehlt das Prinzip der _Wirklichkeit_ oder Gewissheit seiner
+selbst als dieses _Einzelnen_. Der Wirklichkeit aber oder Gewissheit
+seiner selbst als dieses Einzelnen fehlt das _An-sich_. In dem
+Gegenstande der reinen Einsicht sind beide Welten vereinigt. Das
+Nuetzliche ist der Gegenstand, insofern das Selbstbewusstsein ihn
+durchschaut, und die _einzelne Gewissheit_ seiner selbst, seinen Genuss
+(sein _Fuer-sich-sein_) in ihm hat; es _sieht_ ihn auf diese Weise
+_ein_, und diese Einsicht enthaelt das _wahre_ Wesen des Gegenstandes
+(ein Durchschautes oder _fuer ein Anderes_ zu sein); sie ist also
+selbst _wahres Wissen_, und das Selbstbewusstsein hat ebenso
+unmittelbar die allgemeine Gewissheit seiner selbst, sein _reines
+Bewusstsein_ in diesem Verhaeltnisse, in welchem also ebenso _Wahrheit_
+wie Gegenwart und _Wirklichkeit_ vereinigt sind. Beide Welten sind
+versoehnt, und der Himmel auf die Erde herunter verpflanzt.
+
+
+
+III. Die absolute Freiheitund der Schrecken
+
+Das Bewusstsein hat in der Nuetzlichkeit seinen Begriff gefunden. Aber
+er ist teils noch _Gegenstand_, teils ebendarum noch _Zweck_, in
+dessen Besitze es sich noch nicht unmittelbar befindet. Die
+Nuetzlichkeit ist noch Praedikat des Gegenstandes, nicht Subjekt selbst,
+oder seine unmittelbare und einzige _Wirklichkeit_. Es ist dasselbe,
+was vorhin so erschien; dass das _Fuer-sich-sein_ noch nicht sich als
+die Substanz der uebrigen Momente erwiesen, wodurch das Nuetzliche
+unmittelbar nichts anderes als das Selbst des Bewusstseins und dieses
+hiedurch in seinem Besitze waere.--Diese Ruecknahme der Form der
+Gegenstaendlichkeit des Nuetzlichen ist aber _an sich_ schon geschehen,
+und aus dieser innern Umwaelzung tritt die wirkliche Umwaelzung der
+Wirklichkeit, die neue Gestalt des Bewusstseins, die _absolute
+Freiheit_ hervor.
+
+Es ist naemlich in der Tat nicht mehr als ein leerer Schein von
+Gegenstaendlichkeit vorhanden, der das Selbstbewusstsein von dem
+Besitze trennt. Denn teils ist ueberhaupt alles Bestehen und Gelten
+der bestimmten Glieder der Organisation der wirklichen und geglaubten
+Welt in diese einfache Bestimmung als in ihren Grund und Geist
+zurueckgegangen; teils aber hat diese nichts Eignes mehr fuer sich, sie
+ist vielmehr reine Metaphysik, reiner Begriff oder Wissen des
+Selbstbewusstseins. Von dem _An-_ und _Fuer-sich-sein_ des Nuetzlichen
+als Gegenstandes erkennt naemlich das Bewusstsein, dass _sein
+An-sich-sein_ wesentlich _Sein fuer Anderes_ ist; das _An-sich-sein_
+als das _Selbstlose_ ist in Wahrheit das passive, oder was fuer ein
+anderes Selbst ist. Der Gegenstand ist aber fuer das Bewusstsein in
+dieser abstrakten Form des _reinen An-sich-seins_, denn es ist reines
+_Einsehen_, dessen Unterschiede in der reinen Form der Begriffe sind.
+--Das _Fuer-sich-sein_ aber, in welches das Sein fuer Anderes
+zurueckgeht, das Selbst, ist nicht ein von dem Ich verschiednes,
+eignes Selbst dessen, was Gegenstand heisst; denn das Bewusstsein als
+reine Einsicht ist nicht _einzelnes_ Selbst, dem der Gegenstand
+ebenso als _eignes_ Selbst gegenueberstuende, sondern es ist der reine
+Begriff, das Schauen des Selbsts in das Selbst, das absolute
+_Sich-selbst-_doppelt-sehen; die Gewissheit seiner ist das allgemeine
+Subjekt und sein wissender Begriff das Wesen aller Wirklichkeit.
+Wenn also das Nuetzliche nur der nicht in seine eigne _Einheit_
+zurueckkehrende Wechsel der Momente, und daher noch Gegenstand fuer das
+Wissen war, so hoert er auf, dieses zu sein, denn das Wissen ist
+selbst die Bewegung jener abstrakten Momente, es ist das allgemeine
+Selbst, das Selbst ebenso seiner als des Gegenstandes, und als
+allgemeines die in sich zurueckkehrende Einheit dieser Bewegung.
+
+Hiemit ist der Geist als _absolute Freiheit_ vorhanden; er ist das
+Selbstbewusstsein, welches sich erfasst, dass seine Gewissheit seiner
+selbst, das Wesen aller geistigen Massen der realen so wie der
+uebersinnlichen Welt, oder umgekehrt, dass Wesen und Wirklichkeit das
+Wissen des Bewusstseins von _sich_ ist.--Es ist seiner reinen
+Persoenlichkeit und darin aller geistigen Realitaet bewusst, und alle
+Realitaet ist nur Geistiges; die Welt ist ihm schlechthin sein Willen,
+und dieser ist allgemeiner Willen. Und zwar ist er nicht der leere
+Gedanke des Willens, der in stillschweigende oder repraesentierte
+Einwilligung gesetzt wird, sondern reell allgemeiner Willen, Willen
+aller _Einzelner_ als solcher. Denn der Willen ist an sich das
+Bewusstsein der Persoenlichkeit oder eines jeden, und als dieser
+wahrhafte wirkliche Willen soll er sein, als _selbst_bewusstes Wesen
+aller und jeder Persoenlichkeit, so dass jeder immer ungeteilt alles
+tut, und was als Tun des Ganzen auftritt, das unmittelbare und
+bewusste Tun eines _Jeden_ ist.
+
+Diese ungeteilte Substanz der absoluten Freiheit erhebt sich auf den
+Thron der Welt, ohne dass irgendeine Macht ihr Widerstand zu leisten
+vermoechte. Denn indem in Wahrheit das Bewusstsein allein das Element
+ist, worin die geistigen Wesen oder Maechte ihre Substanz haben, so
+ist ihr ganzes System, das sich durch die Teilung in Massen
+organisierte und erhielt, zusammengefallen, nachdem das einzelne
+Bewusstsein den Gegenstand so erfasst, dass er kein anderes Wesen habe
+als das Selbstbewusstsein selbst, oder dass er absolut der Begriff ist.
+Was den Begriff zum seienden _Gegenstande_ machte, war seine
+Unterscheidung in abgesonderte _bestehende_ Massen; indem aber der
+Gegenstand zum Begriffe wird, ist nichts Bestehendes mehr an ihm; die
+Negativitaet hat alle seine Momente durchdrungen. Er tritt so in die
+Existenz, dass jedes einzelne Bewusstsein aus der Sphaere, der es
+zugeteilt war, sich erhebt, nicht mehr in dieser besonderten Masse
+sein Wesen und sein Werk findet, sondern sein Selbst als den
+_Begriff_ des Willens, alle Massen als Wesen dieses Willens erfasst,
+und sich hiemit auch nur in einer Arbeit verwirklichen kann, welche
+ganze Arbeit ist. In dieser absoluten Freiheit sind also alle Staende,
+welche die geistigen Wesen sind, worein sich das Ganze gliedert,
+getilgt; das einzelne Bewusstsein, das einem solchen Gliede angehoerte,
+und in ihm wollte und vollbrachte, hat seine Schranke aufgehoben:
+sein Zweck ist der allgemeine Zweck, seine Sprache das allgemeine
+Gesetz, sein Werk das allgemeine Werk.
+
+Der Gegenstand und der _Unterschied_ hat hier die Bedeutung der
+_Nuetzlichkeit_, die Praedikat alles realen Seins war, verloren; das
+Bewusstsein faengt seine Bewegung nicht an ihm an als _einem Fremden_,
+von dem aus es erst in sich zurueckkehrte, sondern der Gegenstand ist
+ihm das Bewusstsein selbst; der Gegensatz besteht also allein in dem
+Unterschiede des _einzelnen_ und _allgemeinen_ Bewusstseins; aber das
+einzelne ist sich unmittelbar selbst dasjenige, was nur _den Schein_
+des Gegensatzes hatte, es ist allgemeines Bewusstsein und Willen. Das
+_Jenseits_ dieser seiner Wirklichkeit schwebt ueber dem Leichname der
+verschwundnen Selbststaendigkeit des realen oder geglaubten Seins nur
+als die Ausduenstung eines faden Gases, des leeren Etre supreme.
+
+Es ist nach Aufhebung der unterschiedenen geistigen Massen, und des
+beschraenkten Lebens der Individuen sowie seiner beiden Welten also
+nur die Bewegung des allgemeinen Selbstbewusstseins in sich selbst
+vorhanden, als eine Wechselwirkung desselben in der Form der
+_Allgemeinheit_ und des _persoenlichen_ Bewusstseins; der allgemeine
+Willen geht _in sich_, und ist _einzelner_ Willen, dem das allgemeine
+Gesetz und Werk gegenuebersteht. Aber dies _einzelne_ Bewusstsein ist
+sich seiner ebenso unmittelbar als allgemeinen Willens bewusst; es ist
+sich bewusst, dass sein Gegenstand von ihm gegebenes Gesetz und von ihm
+vollbrachtes Werk ist; in Taetigkeit uebergehend und Gegenstaendlichkeit
+erschaffend, macht es also nichts Einzelnes, sondern nur Gesetze und
+Staatsaktionen.
+
+Diese Bewegung ist hiedurch die Wechselwirkung des Bewusstseins mit
+sich selbst, worin es nichts in der Gestalt eines _freien_ ihm
+gegenuebertretenden _Gegenstandes_ entlaesst. Es folgt daraus, dass es
+zu keinem positiven Werke, weder zu allgemeinen Werken der Sprache
+noch der Wirklichkeit, weder zu Gesetzen und allgemeinen
+Einrichtungen der _bewussten_, noch zu Taten und Werken der
+_wollenden_ Freiheit kommen kann.--Das Werk, zu welchem die sich
+_Bewusstsein_ gebende Freiheit sich machen koennte, wuerde darin
+bestehen, dass sie als _allgemeine_ Substanz sich zum _Gegenstande_
+und _bleibenden Sein_ machte. Dies Anderssein waere der Unterschied
+an ihr, wornach sie sich in bestehende geistige Massen und in die
+Glieder verschiedener Gewalten teilte; teils dass diese Massen die
+_Gedankendinge_ einer gesonderten gesetzgebenden, richterlichen und
+ausuebenden _Gewalt_ waeren, teils aber die _realen Wesen_, die sich in
+der realen Welt der Bildung ergaben, und indem der Inhalt des
+allgemeinen Tuns naeher beachtet wuerde, die besondern Massen des
+Arbeitens, welche weiter als speziellere _Staende_ unterschieden
+werden.--Die allgemeine Freiheit, die sich auf diese Weise in ihre
+Glieder gesondert, und ebendadurch zur _seienden_ Substanz gemacht
+haette, waere dadurch frei von der einzelnen Individualitaet und teilte
+die _Menge_ der _Individuen_ unter ihre verschiedenen Glieder. Das
+Tun und Sein der Persoenlichkeit faende sich aber dadurch auf einen
+Zweig des Ganzen, auf eine Art des Tuns und Seins beschraenkt; in das
+Element des _Seins_ gesetzt, erhielte sie die Bedeutung einer
+_bestimmten_; sie hoerte auf, in Wahrheit allgemeines Selbstbewusstsein
+zu sein. Dieses laesst sich dabei nicht durch die _Vorstellung_ des
+Gehorsams unter _selbstgegebenen_ Gesetzen, die ihm einen Teil
+zuwiesen, noch durch seine _Repraesentation_ beim Gesetzgeben und
+allgemeinen Tun um die _Wirklichkeit_ betriegen,--nicht um die
+Wirklichkeit, _selbst_ das Gesetz zu geben, und nicht ein einzelnes
+Werk, sondern das Allgemeine _selbst_ zu vollbringen; denn wobei das
+Selbst nur _repraesentiert_ und _vorgestellt_ ist, da ist es nicht
+_wirklich_; wo es _vertreten_ ist, ist es nicht.
+
+Wie in diesem _allgemeinen Werke_ der absoluten Freiheit als
+daseiender Substanz sich das einzelne Selbstbewusstsein nicht findet,
+ebensowenig in eigentlichen _Taten_ und _individuellen_ Handlungen
+ihres Willens. Dass das Allgemeine zu einer Tat komme, muss es sich in
+das Eins der Individualitaet zusammennehmen, und ein einzelnes
+Selbstbewusstsein an die Spitze stellen; denn der allgemeine Willen
+ist nur in einem Selbst, das Eines ist, _wirklicher_ Willen. Dadurch
+aber sind _alle andern Einzelnen_ von dem _Ganzen_ dieser Tat
+ausgeschlossen, und haben nur einen beschraenkten Anteil an ihr, so
+dass die Tat nicht Tat des _wirklichen allgemeinen_ Selbstbewusstseins
+sein wuerde.--Kein positives Werk noch Tat kann also die allgemeine
+Freiheit hervorbringen; es bleibt ihr nur das _negative Tun_; sie ist
+nur die _Furie_ des Verschwindens.
+
+Aber die hoechste und der allgemeinen Freiheit entgegengesetzteste
+Wirklichkeit oder vielmehr der einzige Gegenstand, der fuer sie noch
+wird, ist die Freiheit und Einzelnheit des wirklichen
+Selbstbewusstseins selbst. Denn jene Allgemeinheit, die sich nicht zu
+der Realitaet der organischen Gegliederung kommen laesst, und in der
+ungeteilten Kontinuitaet sich zu erhalten den Zweck hat, unterscheidet
+sich in sich zugleich, weil sie Bewegung oder Bewusstsein ueberhaupt
+ist. Und zwar um ihrer eignen Abstraktion willen trennt sie sich in
+ebenso abstrakte Extreme, in die einfache unbiegsam kalte
+Allgemeinheit, und in die diskrete absolute harte Sproedigkeit und
+eigensinnige Punktualitaet des wirklichen Selbstbewusstseins. Nachdem
+sie mit der Vertilgung der realen Organisation fertig geworden und
+nun fuer sich besteht, ist dies ihr einziger Gegenstand--ein
+Gegenstand, der keinen andern Inhalt, Besitz, Dasein und aeusserliche
+Ausdehnung mehr hat, sondern er ist nur dies Wissen von sich als
+absolut reinem und freiem einzelnem Selbst. An was er erfasst werden
+kann, ist allein sein _abstraktes_ Dasein ueberhaupt.--Das Verhaeltnis
+also dieser beiden, da sie unteilbar absolut fuer sich sind, und also
+keinen Teil in die Mitte schicken koennen, wodurch sie sich
+verknuepften, ist die ganz _unvermittelte_ reine Negation; und zwar
+die Negation des Einzelnen als _Seienden_ in dem Allgemeinen. Das
+einzige Werk und Tat der allgemeinen Freiheit ist daher der _Tod_,
+und zwar ein _Tod_, der keinen innern Umfang und Erfuellung hat, denn
+was negiert wird, ist der unerfuellte Punkt des absolut freien Selbsts;
+er ist also der kaelteste, platteste Tod, ohne mehr Bedeutung als das
+Durchhauen eines Kohlhaupts oder ein Schluck Wassers.
+
+In der Plattheit dieser Silbe besteht die Weisheit der Regierung, der
+Verstand des allgemeinen Willens, sich zu vollbringen. Die Regierung
+ist selbst nichts anders als der sich festsetzende Punkt oder die
+Individualitaet des allgemeinen Willens. Sie, ein Wollen und
+Vollbringen, das aus einem Punkte ausgeht, will und vollbringt
+zugleich eine bestimmte Anordnung und Handlung. Sie schliesst damit
+einerseits die uebrigen Individuen aus ihrer Tat aus, andererseits
+konstituiert sie sich dadurch als eine solche, die ein bestimmter
+Willen und dadurch dem allgemeinen Willen entgegengesetzt ist; sie
+kann daher schlechterdings nicht anders denn als eine _Faktion_ sich
+darstellen. Die _siegende_ Faktion nur heisst Regierung, und eben
+darin, dass sie Faktion ist, liegt unmittelbar die Notwendigkeit ihres
+Untergangs; und dass sie Regierung ist, dies macht sie umgekehrt zur
+Faktion und schuldig. Wenn der allgemeine Willen sich an ihr
+wirkliches Handeln als an das Verbrechen haelt, das sie gegen ihn
+begeht, so hat sie dagegen nichts Bestimmtes und Aeusseres, wodurch die
+Schuld des ihr entgegengesetzten Willens sich darstellte; denn ihr
+als dem _wirklichen_ allgemeinen Willen steht nur der unwirkliche
+reine Willen, die _Absicht_, gegenueber. _Verdaechtigwerden_ tritt
+daher an die Stelle oder hat die Bedeutung und Wirkung des
+_Schuldigseins_, und die aeusserliche Reaktion gegen diese Wirklichkeit,
+die in dem einfachen Innern der Absicht liegt, besteht in dem
+trocknen Vertilgen dieses seienden Selbsts, an dem nichts sonst
+wegzunehmen ist als nur sein Sein selbst.
+
+In diesem ihrem eigentuemlichen _Werke_ wird die absolute Freiheit
+sich zum Gegenstande, und das Selbstbewusstsein erfaehrt, was sie ist.
+_An sich_ ist sie eben dies _abstrakte Selbstbewusstsein_, welches
+allen Unterschied und alles Bestehen des Unterschiedes in sich
+vertilgt. Als dieses ist sie sich der Gegenstand; der _Schrecken_
+des Todes ist die Anschauung dieses ihres negativen Wesens. Diese
+seine Realitaet findet aber das absolut freie Selbstbewusstsein ganz
+anders, als ihr Begriff von ihr selbst war, dass naemlich der
+allgemeine Willen nur das _positive_ Wesen der Persoenlichkeit sei,
+und diese in ihm sich nur positiv oder erhalten wisse. Sondern hier
+ist fuer es, das als reine Einsicht sein positives und negatives
+Wesen--das praedikatlose Absolute als reines _Denken_ und als reine
+_Materie_--schlechthin trennt, der absolute _Uebergang_ von dem einen
+in das andere in seiner Wirklichkeit vorhanden.--Der allgemeine
+Willen, als absolut _positives_ wirkliches Selbstbewusstsein, schlaegt,
+weil es diese zum _reinen_ Denken oder zur _abstrakten_ Materie
+_gesteigerte_ selbstbewusste Wirklichkeit ist, in das _negative_ Wesen
+um, und erweist sich ebenso _Aufheben_ des _Sich-selbst-denkens_ oder
+des Selbstbewusstseins zu sein.
+
+Die absolute Freiheit hat also als _reine_ Sichselbstgleichheit des
+allgemeinen Willens die _Negation_, damit aber _den Unterschied_
+ueberhaupt an ihr, und entwickelt diesen wieder als _wirklichen_
+Unterschied. Denn die reine _Negativitaet_ hat an dem
+sichselbstgleichen allgemeinen Willen das _Element_ des _Bestehens_
+oder die _Substanz_, worin ihre Momente sich realisieren, sie hat die
+Materie, welche sie in ihre Bestimmtheit verwenden kann; und insofern
+diese Substanz sich als das Negative fuer das einzelne Bewusstsein
+gezeigt hat, bildet sich also wieder die Organisation der geistigen
+Massen aus, denen die Menge der individuellen Bewusstsein zugeteilt
+wird. Diese, welche die Furcht ihres absoluten Herrn, des Todes,
+empfunden, lassen sich die Negation und die Unterschiede wieder
+gefallen, ordnen sich unter die Massen, und kehren zu einem geteilten
+und beschraenkten Werke, aber dadurch zu ihrer substantiellen
+Wirklichkeit zurueck.
+
+Der Geist waere aus diesem Tumulte zu seinem Ausgangspunkte, der
+sittlichen und realen Welt der Bildung, zurueckgeschleudert, welche
+durch die Furcht des Herrn, die wieder in die Gemueter gekommen, nur
+erfrischt und verjuengt worden. Der Geist muesste diesen Kreislauf der
+Notwendigkeit von neuem durchlaufen und immer wiederholen, wenn nur
+die vollkommne Durchdringung des Selbstbewusstseins und der Substanz
+das Resultat waere--eine Durchdringung, worin das Selbstbewusstsein,
+das die gegen es negative Kraft seines allgemeinen Wesens erfahren,
+sich nicht als dieses Besondre, sondern nur als Allgemeines wissen
+und finden wollte, und daher auch die gegenstaendliche es als
+Besonders ausschliessende Wirklichkeit des allgemeinen Geistes
+ertragen koennte.--Aber in der absoluten Freiheit war nicht weder das
+Bewusstsein, das in mannigfaltiges Dasein versenkt ist, oder das sich
+bestimmte Zwecke und Gedanken festsetzt, noch eine _aeussere_ geltende
+Welt, es sei der Wirklichkeit oder des Denkens, miteinander in
+Wechselwirkung, sondern die Welt schlechthin in der Form des
+Bewusstseins, als allgemeiner Willen und ebenso das Selbstbewusstsein
+zusammengezogen aus allem ausgedehnten Dasein oder mannigfaltigem
+Zweck und Urteil in das einfache Selbst. Die Bildung, die es in der
+Wechselwirkung mit jenem Wesen erlangt, ist daher die erhabenste und
+letzte, seine reine einfache Wirklichkeit unmittelbar verschwinden
+und in das leere Nichts uebergehen zu sehen. In der Welt der Bildung
+selbst kommt es nicht dazu, seine Negation oder Entfremdung in dieser
+Form der reinen Abstraktion anzuschauen; sondern seine Negation ist
+die erfuellte; entweder die Ehre oder der Reichtum, die es an die
+Stelle des Selbsts, dessen es sich entfremdete, gewinnt;--oder die
+Sprache des Geistes und der Einsicht, die das zerrissene Bewusstsein
+erlangt; oder sie ist der Himmel des Glaubens, oder das Nuetzliche der
+Aufklaerung. Alle diese Bestimmungen sind in dem Verluste, den das
+Selbst in der absoluten Freiheit erfaehrt, verloren; seine Negation
+ist der bedeutungslose Tod, der reine Schrecken des Negativen, das
+nichts Positives, nichts Erfuellendes in ihm hat.--Zugleich aber ist
+diese Negation in ihrer Wirklichkeit nicht ein _Fremdes_, sie ist
+weder die allgemeine jenseits liegende _Notwendigkeit_, worin die
+sittliche Welt untergeht, noch der einzelne Zufall des eignen
+Besitzes oder der Laune des Besitzenden, von dem das zerrissne
+Bewusstsein sich abhaengig sieht,--sondern sie ist der _allgemeine
+Willen_, der in dieser seiner letzten Abstraktion nichts Positives
+hat, und daher nichts fuer die Aufopferung zurueckgeben kann,--aber
+eben darum ist er unvermittelt eins mit dem Selbstbewusstsein, oder er
+ist das rein Positive, weil er das rein Negative ist; und der
+bedeutungslose Tod, die unerfuellte Negativitaet des Selbsts schlaegt im
+innern Begriffe zur absoluten Positivitaet um. Fuer das Bewusstsein
+verwandelt sich die unmittelbare Einheit seiner mit dem allgemeinen
+Willen, seine Foderung, sich als diesen bestimmten Punkt im
+allgemeinen Willen zu wissen, in die schlechthin entgegengesetzte
+Erfahrung um. Was ihm darin verschwindet, ist das abstrakte _Sein_
+oder die Unmittelbarkeit des substanzlosen Punkts, und diese
+verschwundne Unmittelbarkeit ist der allgemeine Willen selbst, als
+welchen es sich nun weiss, insofern es _aufgehobne Unmittelbarkeit_,
+insofern es reines Wissen oder reiner Willen ist. Hiedurch weiss es
+ihn als sich selbst und sich als Wesen, aber nicht als das
+_unmittelbar seiende_ Wesen, weder ihn als die revolutionaere
+Regierung oder als die die Anarchie zu konstituieren strebende
+Anarchie, noch sich als Mittelpunkt dieser Faktion oder der ihr
+entgegengesetzten, sondern der _allgemeine Willen_ ist sein _reines
+Wissen und Wollen_, und _es_ ist allgemeiner Willen, als dieses reine
+Wissen und Wollen. Es verliert darin nicht _sich selbst_, denn das
+reine Wissen und Wollen ist vielmehr es, als der atome Punkt des
+Bewusstseins. Es ist also die Wechselwirkung des reinen Wissens mit
+sich selbst; das reine _Wissen_ als _Wesen_ ist der allgemeine Willen;
+aber dieses _Wesen_ ist schlechthin nur das reine Wissen. Das
+Selbstbewusstsein ist also das reine Wissen von dem Wesen als reinem
+Wissen. Es ferner als _einzelnes Selbst_ ist nur die Form des
+Subjekts oder wirklichen Tuns, die von ihm als _Form_ gewusst wird;
+ebenso ist fuer es die _gegenstaendliche_ Wirklichkeit, das _Sein_,
+schlechthin selbstlose Form; denn sie waere das nicht gewusste; dies
+Wissen aber weiss das Wissen als das Wesen.
+
+Die absolute Freiheit hat also den Gegensatz des allgemeinen und
+einzelnen Willens mit sich selbst ausgeglichen; der sich entfremdete
+Geist, auf die Spitze seines Gegensatzes getrieben, in welchem das
+reine Wollen und das rein Wollende noch unterschieden sind, setzt ihn
+zur durchsichtigen Form herab, und findet darin sich selbst.--Wie das
+Reich der wirklichen Welt in das Reich des Glaubens und der Einsicht
+uebergeht, so geht die absolute Freiheit aus ihrer sich selbst
+zerstoerenden Wirklichkeit in ein anderes Land des selbstbewussten
+Geistes ueber, worin sie in dieser Unwirklichkeit als das Wahre gilt,
+an dessen Gedanken er sich labt, insofern er _Gedanke_ ist und bleibt,
+und dieses in das Selbstbewusstsein eingeschlossene Sein als das
+vollkommne und vollstaendige Wesen weiss. Es ist die neue Gestalt des
+_moralischen Geistes_ entstanden.
+
+
+C. Der seiner selbst gewisse Geist.Die Moralitaet
+
+Die sittliche Welt zeigte den in ihr nur abgeschiednen Geist, _das
+einzelne Selbst_, als ihr Schicksal und ihre Wahrheit. Diese
+_Person_ des _Rechts_ aber hat ihre Substanz und Erfuellung ausser ihr.
+Die Bewegung der Welt der Bildung und des Glaubens hebt diese
+Abstraktion der Person auf, und durch die vollendete Entfremdung,
+durch die hoechste Abstraktion, wird dem Selbst des Geistes die
+Substanz zuerst zum _allgemeinen Willen_, und endlich zu seinem
+Eigentum. Hier also scheint das Wissen endlich seiner Wahrheit
+vollkommen gleich geworden zu sein; denn seine Wahrheit ist dies
+Wissen selbst, und aller Gegensatz beider Seiten verschwunden; und
+zwar nicht _fuer uns_, oder _an sich_, sondern fuer das
+Selbstbewusstsein selbst. Es ist naemlich ueber den Gegensatz des
+Bewusstseins selbst Meister geworden. Dieses beruht auf dem
+Gegensatze der Gewissheit seiner selbst und des Gegenstandes; nun aber
+ist der Gegenstand ihm selbst die Gewissheit seiner, das Wissen--so
+wie die Gewissheit seiner selbst als solche nicht mehr eigne Zwecke
+hat, also nicht mehr in der Bestimmtheit, sondern reines Wissen ist.
+
+Das Wissen des Selbstbewusstseins ist ihm also die _Substanz_ selbst.
+Sie ist fuer es ebenso _unmittelbar_ als absolut _vermittelt_ in einer
+ungetrennten Einheit. _Unmittelbar_--wie das sittliche Bewusstsein
+weiss und tut es selbst die Pflicht und gehoert ihr als seiner Natur an;
+aber es ist nicht _Charakter_, wie dieses, das um seiner
+Unmittelbarkeit willen ein bestimmter Geist ist, nur einer der
+sittlichen Wesenheiten angehoert, und die Seite hat, _nicht zu wissen_.
+--Es ist _absolute Vermittlung_, wie das sich bildende und das
+glaubende Bewusstsein; denn es ist wesentlich die Bewegung des Selbsts,
+die Abstraktion des _unmittelbaren Daseins_ aufzuheben und sich
+Allgemeines zu werden;--aber weder durch reine Entfremdung und
+Zerreissung seines Selbsts und der Wirklichkeit, noch durch die Flucht.
+Sondern es ist sich _unmittelbar_ in seiner Substanz _gegenwaertig_,
+denn sie ist sein Wissen, sie ist die angeschaute reine Gewissheit
+seiner selbst; und eben _diese Unmittelbarkeit_, die seine eigne
+Wirklichkeit ist, ist alle Wirklichkeit, denn das Unmittelbare ist
+das _Sein_ selbst, und als die reine durch die absolute Negativitaet
+gelaeuterte Unmittelbarkeit ist sie reines, ist sie Sein ueberhaupt
+oder _alles_ Sein.
+
+Das absolute Wesen ist daher nicht in der Bestimmung erschoepft, das
+einfache _Wesen_ des _Denkens_ zu sein, sondern es ist alle
+_Wirklichkeit_, und diese Wirklichkeit ist nur als Wissen; was das
+Bewusstsein nicht wuesste, haette keinen Sinn und kann keine Macht fuer es
+sein; in seinen wissenden Willen hat sich alle Gegenstaendlichkeit und
+Welt zurueckgezogen. Es ist absolut frei, darin, dass es seine
+Freiheit weiss, und eben dies Wissen seiner Freiheit ist seine
+Substanz und Zweck und einziger Inhalt.
+
+
+a. Die moralische Weltanschauung
+
+Das Selbstbewusstsein weiss die Pflicht als das absolute Wesen; es ist
+nur durch sie gebunden, und diese Substanz ist sein eignes reines
+Bewusstsein; die Pflicht kann nicht die Form eines Fremden fuer es
+erhalten. So aber in sich selbst beschlossen ist das moralische
+Selbstbewusstsein noch nicht als _Bewusstsein_ gesetzt und betrachtet.
+Der Gegenstand ist unmittelbares Wissen, und so rein von dem Selbst
+durchdrungen ist er nicht Gegenstand. Aber wesentlich die
+Vermittlung und Negativitaet, hat es in seinem Begriffe die Beziehung
+auf ein _Anderssein_, und ist Bewusstsein. Dies Anderssein ist
+einerseits, weil die Pflicht seinen einzigen wesentlichen Zweck und
+Gegenstand ausmacht, fuer es eine voellig _bedeutungslose_ Wirklichkeit.
+Weil dies Bewusstsein aber so vollkommen in sich beschlossen ist, so
+verhaelt es sich gegen dies Anderssein vollkommen frei und
+gleichgueltig, und das Dasein ist daher andererseits ein vom
+Selbstbewusstsein voellig freigelassenes, sich ebenso nur auf sich
+beziehendes Dasein; je freier das Selbstbewusstsein wird, desto freier
+auch der negative Gegenstand seines Bewusstseins. Er ist hiedurch
+eine zur eignen Individualitaet in sich vollendete Welt, ein
+selbststaendiges Ganzes eigentuemlicher Gesetze, sowie ein
+selbststaendiger Gang und freie Verwirklichung derselben,--eine
+_Natur_ ueberhaupt, deren Gesetze wie ihr Tun ihr selbst angehoeren,
+als einem Wesen, das unbekuemmert um das moralische Selbstbewusstsein
+ist, wie dieses um sie.
+
+Von dieser Bestimmung an bildet sich eine _moralische Weltanschauung_
+aus, die in der _Beziehung_ des _moralischen_ An- und Fuer-sich-seins
+und des _natuerlichen_ An- und Fuer-sich-seins besteht. Dieser
+Beziehung liegt zum Grunde sowohl die voellige _Gleichgueltigkeit_ und
+eigne _Selbststaendigkeit_ der _Natur_ und der _moralischen_ Zwecke
+und Taetigkeit gegeneinander, als auf der andern Seite das Bewusstsein
+der alleinigen Wesenheit der Pflicht und der voelligen
+Unselbststaendigkeit und Unwesenheit der Natur. Die moralische
+Weltanschauung enthaelt die Entwicklung der Momente, die in dieser
+Beziehung so ganz widerstreitender Voraussetzungen enthalten sind.
+
+Zuerst also ist das moralische Bewusstsein ueberhaupt vorausgesetzt;
+die Pflicht gilt ihm als das Wesen, ihm, das _wirklich_ und _taetig_
+ist, und in seiner Wirklichkeit und Tat die Pflicht erfuellt. Fuer
+dies moralische Bewusstsein ist aber zugleich die vorausgesetzte
+Freiheit der Natur, oder es _erfaehrt_, dass die Natur unbekuemmert
+darum ist, ihm das Bewusstsein der Einheit seiner Wirklichkeit mit der
+ihrigen zu geben, und es also _vielleicht gluecklich_ werden laesst,
+_vielleicht_ auch _nicht_. Das unmoralische Bewusstsein dagegen
+findet vielleicht zufaelligerweise seine Verwirklichung, wo das
+moralische nur _Veranlassung_ zum Handeln, aber durch dasselbe nicht
+das Glueck der Ausfuehrung und des Genusses der Vollbringung ihm zuteil
+werden sieht. Es findet daher vielmehr Grund zu Klagen ueber solchen
+Zustand der Unangemessenheit seiner und des Daseins, und der
+Ungerechtigkeit, die es darauf einschraenkt, seinen Gegenstand nur als
+_reine Pflicht_ zu haben, aber ihm denselben und _sich_ verwirklicht
+zu sehen versagt.
+
+Das moralische Bewusstsein kann nicht auf die Glueckseligkeit Verzicht
+tun, und dies Moment aus seinem absoluten Zwecke weglassen. Der
+Zweck, der als _reine Pflicht_ ausgesprochen wird, hat wesentlich
+dies an ihm, dies _einzelne_ Selbstbewusstsein zu enthalten; die
+_individuelle Ueberzeugung_ und das Wissen von ihr machten ein
+absolutes Moment der Moralitaet aus. Dieses Moment an dem
+_gegenstaendlich_ gewordenen _Zwecke_, an der _erfuellten_ Pflicht, ist
+das sich als verwirklicht anschauende _einzelne_ Bewusstsein, oder der
+_Genuss_, der hiemit im Begriffe zwar nicht unmittelbar der Moralitaet
+als _Gesinnung_ betrachtet liegt, allein im Begriffe der
+_Verwirklichung_ derselben. Hiedurch aber liegt er auch in ihr als
+_Gesinnung_; denn diese geht darauf, nicht Gesinnung im Gegensatze
+des Handelns zu bleiben, sondern zu _handeln_, oder sich zu
+verwirklichen. Der Zweck als das Ganze mit dem Bewusstsein seiner
+Momente ausgesprochen ist also dies, dass die erfuellte Pflicht
+ebensowohl rein moralische Handlung als realisierte _Individualitaet_
+sei, und die _Natur_, als die Seite der _Einzelnheit_ gegen den
+abstrakten Zweck, _eins_ sei mit diesem.--So notwendig die Erfahrung
+von der Disharmonie beider Seiten ist, weil die Natur frei ist,
+ebenso ist auch die Pflicht allein das Wesentliche, und die Natur
+gegen sie das Selbstlose. Jener ganze _Zweck_, den die Harmonie
+ausmacht, enthaelt die Wirklichkeit selbst in sich. Er ist zugleich
+der _Gedanke_ der _Wirklichkeit_. Die Harmonie der Moralitaet und der
+Natur oder--indem die Natur nur insofern in Betracht koemmt, als das
+Bewusstsein ihre Einheit mit ihm erfaehrt--die Harmonie der Moralitaet
+und der Glueckseligkeit ist _gedacht_ als notwendig _seiend_, oder sie
+ist _postuliert_. Denn _Fodern_ drueckt aus, dass etwas _seiend_
+gedacht wird, das noch nicht wirklich ist; eine Notwendigkeit nicht
+des _Begriffes_ als Begriffes, sondern des _Seins_. Aber die
+Notwendigkeit ist zugleich wesentlich die Beziehung durch den Begriff.
+Das gefoderte _Sein_ gehoert also nicht dem Vorstellen des
+zufaelligen Bewusstseins an, sondern es liegt im Begriffe der Moralitaet
+selbst, dessen wahrer Inhalt die _Einheit_ des _reinen_ und
+_einzelnen_ Bewusstseins ist; dem letztern gehoert dies an, dass diese
+Einheit _fuer es_ als eine Wirklichkeit sei, was im _Inhalte_ des
+Zwecks Glueckseligkeit, in seiner _Form_ aber Dasein ueberhaupt ist.
+--Dies gefoderte Dasein oder die Einheit beider ist darum nicht ein
+Wunsch oder, als Zweck betrachtet, nicht ein solcher, dessen
+Erreichung noch ungewiss waere, sondern er ist eine Foderung der
+Vernunft, oder unmittelbare Gewissheit und Voraussetzung derselben.
+
+Jene erste Erfahrung und dies Postulat ist nicht das einzige, sondern
+es tut sich ein ganzer Kreis von Postulaten auf. Die Natur ist
+naemlich nicht nur diese ganz freie _aeusserliche_ Weise, in welcher als
+einem reinen Gegenstande das Bewusstsein seinen Zweck zu realisieren
+haette. Dieses ist _an ihm selbst_ wesentlich ein solches, _fuer
+welches_ dies andere freie Wirkliche ist, d.h. es ist selbst ein
+zufaelliges und natuerliches. Diese Natur, die ihm die seinige ist,
+ist die _Sinnlichkeit_, die in der _Gestalt_ des Wollens, als
+_Triebe_ und _Neigungen_, fuer sich eigene _bestimmte_ Wesenheit oder
+_einzelne Zwecke_ hat, also dem reinen Willen und seinem reinen
+Zwecke entgegengesetzt ist. Gegen diese Entgegensetzung aber ist dem
+reinen Bewusstsein vielmehr die Beziehung der Sinnlichkeit auf es,
+ihre absolute Einheit mit ihm das Wesen. Beides, das reine Denken
+und die Sinnlichkeit des Bewusstseins, sind _an sich Ein Bewusstsein_,
+und das reine Denken ist eben dieses, fuer welches und in welchem
+diese reine Einheit ist; fuer es aber als Bewusstsein ist der Gegensatz
+seiner selbst und der Triebe. In diesem Widerstreit der Vernunft und
+der Sinnlichkeit ist fuer jene dies das Wesen, dass er sich aufloese,
+und als _Resultat die_ Einheit beider hervorgehen die nicht jene
+_urspruengliche_, dass beide in _einem_ Individuum sind, sondern eine
+solche ist, die aus dem _gewussten_ Gegensatze beider hervorgeht.
+Solche Einheit erst ist die _wirkliche_ Moralitaet, denn in ihr ist
+der Gegensatz, wodurch das Selbst Bewusstsein oder erst wirkliches und
+in der Tat Selbst und zugleich Allgemeines ist, enthalten; oder es
+ist diejenige _Vermittlung_ darin ausgedrueckt, welche der Moralitaet,
+wie wir sehen, wesentlich ist.--Indem unter den beiden Momenten des
+Gegensatzes die Sinnlichkeit schlechthin das _Anderssein_ oder das
+Negative, hingegen das reine Denken der Pflicht das Wesen ist, von
+welchem nichts aufgegeben werden kann, so scheint die hervorgebrachte
+Einheit nur durch das Aufheben der Sinnlichkeit zustande kommen zu
+koennen. Da sie aber selbst Moment dieses Werdens, das Moment der
+_Wirklichkeit_ ist, so wird man sich fuer die Einheit zunaechst mit dem
+Ausdrucke begnuegen muessen, dass die Sinnlichkeit der Moralitaet _gemaess_
+sei.--Diese Einheit ist gleichfalls ein _postuliertes Sein_, sie
+_ist_ nicht _da_; denn was _da ist_, ist das Bewusstsein, oder der
+Gegensatz der Sinnlichkeit und des reinen Bewusstseins. Sie ist aber
+zugleich nicht ein An-sich wie das erste Postulat, worin die freie
+Natur eine Seite ausmacht, und die Harmonie derselben mit dem
+moralischen Bewusstsein daher ausser diesem faellt; sondern die Natur
+ist hier diejenige, welche an ihm selbst, und es ist hier um die
+Moralitaet als solche zu tun, um eine Harmonie, welche die eigne des
+tuenden Selbsts ist; das Bewusstsein hat sie daher selbst zustande zu
+bringen, und in der Moralitaet immer Fortschritte zu machen. Die
+_Vollendung_ derselben aber ist ins _Unendliche hinauszuschieben_;
+denn wenn sie wirklich eintraete, so hoebe sich das moralische
+Bewusstsein auf. Denn die _Moralitaet_ ist nur moralisches
+_Bewusstsein_ als das negative Wesen, fuer dessen reine Pflicht die
+Sinnlichkeit nur eine _negative_ Bedeutung, nur _nicht gemaess_ ist.
+In der Harmonie aber verschwindet die _Moralitaet_ als _Bewusstsein_
+oder ihre _Wirklichkeit_, wie in dem moralischen _Bewusstsein_ oder
+der Wirklichkeit ihre _Harmonie_ verschwindet. Die Vollendung ist
+darum nicht wirklich zu erreichen, sondern nur als eine _absolute
+Aufgabe_ zu denken, das heisst als eine solche, welche schlechthin
+Aufgabe bleibt. Zugleich ist jedoch ihr Inhalt als ein solcher zu
+denken, der schlechthin _sein_ muesse, und nicht Aufgabe bleibe; es
+sei nun, dass man sich in diesem Ziele das Bewusstsein ganz aufgehoben,
+oder auch nicht, vorstelle; wie es eigentlich damit zu halten, laesst
+sich in der dunkeln Ferne der Unendlichkeit, wohin eben deswegen die
+Erreichung des Ziels zu schieben ist, nicht mehr deutlich
+unterscheiden. Es wird eigentlich gesagt werden muessen, dass die
+bestimmte Vorstellung nicht interessieren und nicht gesucht werden
+soll, weil dies auf Widersprueche fuehrt,--einer Aufgabe, die Aufgabe
+bleiben und doch erfuellt werden, einer Moralitaet, die nicht
+Bewusstsein, nicht wirklich mehr sein soll. Durch die Betrachtung
+aber, dass die vollendete Moralitaet einen Widerspruch enthielte, wurde
+die Heiligkeit der Moralischen Wesenheit leiden, und die absolute
+Pflicht als etwas Unwirkliches erscheinen.
+
+Das erste Postulat war die Harmonie der Moralitaet und der
+gegenstaendlichen Natur, der Endzweck der _Welt_; das andere die
+Harmonie der Moralitaet und des sinnlichen Willens, der Endzweck des
+_Selbstbewusstseins_ als solchen; das erste also die Harmonie in der
+Form des _An-sich_-, das andere in der Form des _Fuer-sich-seins_.
+Was aber diese beiden extremen Endzwecke, die gedacht sind, als Mitte
+verbindet, ist die Bewegung des _wirklichen_ Handelns selbst. Sie
+sind Harmonien, deren Momente in ihrer abstrakten Unterschiedenheit
+noch nicht zum Gegenstande geworden; dies geschieht in der
+Wirklichkeit, worin die Seiten im eigentlichen Bewusstsein, jede als
+die _andre_ der andern auftritt. Die hiedurch entstehenden Postulate
+enthalten, wie vorher nur die getrennten _an sich_ und _fuer sich
+seiende_ Harmonien, itzt _an und fuer sich_ seiende.
+
+Das moralische Bewusstsein ist als das _einfache Wissen_ und _Wollen_
+der reinen _Pflicht_ im Handeln auf den seiner Einfachheit
+entgegengesetzten Gegenstand--auf die Wirklichkeit des
+_mannigfaltigen Falles_ bezogen, und hat dadurch ein mannigfaltiges
+moralisches _Verhaeltnis_. Es entstehen hier dem Inhalte nach die
+_vielen_ Gesetze ueberhaupt, und der Form nach die widersprechenden
+Maechte des wissenden Bewusstseins und des Bewusstlosen.--Was fuers erste
+die _vielen Pflichten_ betrifft, so gilt dem moralischen Bewusstsein
+ueberhaupt nur die _reine Pflicht_ in ihnen; die _vielen Pflichten_
+als viele sind _bestimmte_ und daher als solche fuer das moralische
+Bewusstsein nichts Heiliges. Zugleich aber durch den Begriff des
+_Handelns_, das eine mannigfaltige Wirklichkeit und daher eine
+mannigfaltige moralische Beziehung in sich schliesst, _notwendig_,
+muessen sie als an und fuer sich seiend betrachtet werden. Da sie
+ferner nur in einem moralischen _Bewusstsein_ sein koennen, sind sie
+zugleich in einem andern als jenem, dem nur die reine Pflicht als die
+reine an und fuer sich und heilig ist.
+
+Es ist also postuliert, dass ein _anderes_ Bewusstsein sei, welches sie
+heiligt, oder welches sie als Pflichten weiss und will. Das erste
+erhaelt die reine Pflicht _gleichgueltig_ gegen allen _bestimmten
+Inhalt_, und die Pflicht ist nur diese Gleichgueltigkeit gegen ihn.
+Das andere aber enthaelt die ebenso wesentliche Beziehung auf das
+Handeln und die _Notwendigkeit_ des _bestimmten_ Inhalts; indem ihm
+die Pflichten als _bestimmte_ Pflichten gelten, so ist ihm damit der
+Inhalt als solcher ebenso wesentlich als die Form, wodurch er Pflicht
+ist. Dies Bewusstsein ist hiedurch ein solches, worin das Allgemeine
+und das Besondere schlechthin eins ist, sein Begriff also derselbe
+als der Begriff der Harmonie der Moralitaet und Glueckseligkeit. Denn
+dieser Gegensatz drueckt ebenso die Trennung des _sich selbst
+gleichen_ moralischen Bewusstseins von der Wirklichkeit aus, die als
+das _vielfache Sein_ dem einfachen Wesen der Pflicht widerstreitet.
+Wenn aber das erste Postulat nur die _seiende_ Harmonie der Moralitaet
+und der Natur ausdrueckt, weil die Natur darin dies Negative des
+Selbstbewusstseins, das Moment des _Seins_ ist, so ist hingegen itzt
+dies _An-sich_ wesentlich als Bewusstsein gesetzt. Denn das Seiende
+hat nun die Form des _Inhalts_ der _Pflicht_, oder ist die
+_Bestimmtheit_ an der _bestimmten Pflicht_. Das An-sich ist also die
+Einheit solcher, welche als _einfache Wesenheiten_, Wesenheiten des
+Denkens, und daher nur in einem Bewusstsein sind. Dieses ist also
+nunmehr ein Herr und Beherrscher der Welt, der die Harmonie der
+Moralitaet und der Glueckseligkeit hervorbringt, und zugleich die
+Pflichten als _viele_ heiligt. Das letztere heisst soviel, dass dem
+Bewusstsein der _reinen Pflicht_ die bestimmte nicht unmittelbar
+heilig sein kann; weil sie aber um des wirklichen Handelns, das ein
+bestimmtes ist, gleichfalls _notwendig_ ist, so faellt ihre
+Notwendigkeit ausser jenem Bewusstsein in ein anderes, das somit das
+vermittelnde der bestimmten und reinen Pflicht und der Grund ist, dass
+jene auch gilt.
+
+In der wirklichen Handlung aber verhaelt sich das Bewusstsein als
+dieses Selbst, als ein vollkommen einzelnes; es ist auf die
+Wirklichkeit als solche gerichtet, und hat sie zum Zwecke; denn es
+will vollbringen. Es faellt also die _Pflicht ueberhaupt_ ausser es in
+ein anderes Wesen, das Bewusstsein und der heilige Gesetzgeber der
+reinen Pflicht ist. Dem handelnden, eben weil es handelndes ist,
+gilt das Andere der reinen Pflicht unmittelbar, diese ist also Inhalt
+eines andern Bewusstseins und nur mittelbar, naemlich in diesem, jenem
+heilig.
+
+Weil es hiemit gesetzt ist, dass das Gelten der Pflicht als des _an
+und fuer sich_ Heiligen ausserhalb des wirklichen Bewusstseins faellt, so
+steht dieses hiedurch ueberhaupt als das _unvollkommne_ moralische
+Bewusstsein auf der einen Seite. Sowohl seinem _Wissen_ nach weiss es
+sich also als ein solches, dessen Wissen und Ueberzeugung
+unvollstaendig und zufaellig ist; ebenso seinem _Wollen_ nach als ein
+solches, dessen Zwecke mit Sinnlichkeit affiziert sind. Um seiner
+Unwuerdigkeit willen kann es daher die Glueckseligkeit nicht notwendig,
+sondern als etwas Zufaelliges ansehen, und sie nur aus Gnade erwarten.
+
+Ob aber schon seine Wirklichkeit unvollkommen ist, so gilt doch
+seinem _reinen_ Willen und Wissen die Pflicht als das Wesen; im
+Begriffe, insofern er der Realitaet entgegengesetzt ist, oder im
+Denken ist es also vollkommen. Das absolute Wesen aber ist eben dies
+Gedachte und jenseits der Wirklichkeit Postulierte; es ist daher der
+Gedanke, in welchem das moralisch unvollkommne Wissen und Wollen fuer
+vollkommen gilt, hiemit auch, indem es dasselbe fuer vollwichtig nimmt,
+die Glueckseligkeit nach der Wuerdigkeit, naemlich nach dem ihm
+_zugeschriebenen Verdienst_ erteilt.
+
+Die Weltanschauung ist hierin vollendet; denn in dem Begriffe des
+moralischen Selbstbewusstseins sind die beiden Seiten reine Pflicht
+und Wirklichkeit in _einer_ Einheit gesetzt, und dadurch die eine wie
+andre nicht als an und fuer sich seiend, sondern als _Moment_ oder als
+aufgehoben. Dies wird in dem letzten Teile der moralischen
+Weltanschauung fuer das Bewusstsein; die reine Pflicht naemlich setzt es
+in ein andres Wesen, als es selbst ist, d.h. es setzt sie teils als
+ein _Vorgestelltes_, teils als ein solches, das nicht das ist, was an
+und fuer sich gilt, sondern das Nichtmoralische gilt vielmehr als
+vollkommen. Ebenso sich selbst setzt es als ein solches, dessen
+Wirklichkeit, die der Pflicht unangemessen ist, aufgehoben, und, als
+_aufgehobne_ oder in der _Vorstellung_ des absoluten Wesens, der
+Moralitaet nicht mehr widerspricht.
+
+Fuer das moralische Bewusstsein selbst hat jedoch seine moralische
+Weltanschauung nicht die Bedeutung, dass es in ihr seinen eignen
+Begriff entwickelt und ihn sich zum Gegenstande macht; es hat weder
+ein Bewusstsein ueber diesen Gegensatz der Form, noch auch ueber den
+Gegensatz dem Inhalte nach, dessen Teile es nicht untereinander
+bezieht und vergleicht, sondern in seiner Entwicklung sich, ohne der
+zusammenhaltende _Begriff_ der Momente zu sein, fortwaelzt. Denn es
+weiss nur das _reine Wesen_, oder den Gegenstand, insofern er _Pflicht,
+_ insofern er _abstrakter_ Gegenstand seines reinen Bewusstseins ist,
+als reines Wissen oder als sich selbst. Es verhaelt sich also nur
+denkend, nicht begreifend. Daher ist ihm der Gegenstand seines
+_wirklichen_ Bewusstseins noch nicht durchsichtig; es ist nicht der
+absolute Begriff, der allein das _Anderssein_ als solches, oder sein
+absolutes Gegenteil als sich selbst erfasst. Seine eigne Wirklichkeit
+sowie alle gegenstaendliche Wirklichkeit gilt ihm zwar als das
+_Unwesentliche_; aber seine Freiheit ist die Freiheit des reinen
+Denkens, welcher darum zugleich die Natur gegenueber als ein ebenso
+Freies entstanden ist. Weil beides auf gleiche Weise in ihm ist, die
+_Freiheit des Seins_ und das Eingeschlossensein desselben in das
+Bewusstsein, so wird sein Gegenstand als ein _seiender_, der
+_zugleich_ nur _gedacht_; in dem letzten Teile seiner Anschauung wird
+der Inhalt wesentlich so gesetzt, dass sein _Sein_ ein _vorgestelltes_
+ist, und diese Verbindung des Seins und des Denkens als das
+ausgesprochen, was sie in der Tat ist, das _Vorstellen_.
+
+Indem wir die moralische Weltanschauung so betrachten, dass diese
+gegenstaendliche Weise nichts anderes ist als der Begriff des
+moralischen Selbstbewusstseins selbst, den es sich gegenstaendlich
+macht, so ergibt sich durch dies Bewusstsein ueber die Form ihres
+Ursprungs eine andere Gestalt ihrer Darstellung.--Das erste naemlich,
+wovon ausgegangen wird, ist das _wirkliche_ moralische
+Selbstbewusstsein, oder dass _es ein solches gibt_. Denn der Begriff
+setzt es in der Bestimmung, dass ihm alle Wirklichkeit ueberhaupt Wesen
+nur insofern hat, als sie der Pflicht gemaess ist, und er setzt dies
+Wesen als Wissen, d.h. in unmittelbarer Einheit mit dem wirklichen
+Selbst; diese Einheit ist somit selbst wirklich, sie _ist_ ein
+moralisches wirkliches Bewusstsein.--Dieses nun als Bewusstsein stellt
+sich seinen Inhalt als Gegenstand vor, naemlich als _Endzweck der
+Welt_, als Harmonie der Moralitaet und aller Wirklichkeit. Indem es
+aber diese Einheit als _Gegenstand_ vorstellt, und noch nicht der
+Begriff ist, der die Macht ueber den Gegenstand als solchen hat, so
+ist sie ihm ein Negatives des Selbstbewusstseins, oder sie faellt ausser
+ihm, als ein Jenseits seiner Wirklichkeit, aber zugleich als ein
+solches, das _auch_ als _seiend_, aber nur gedacht wird.
+
+Was ihm, das als Selbstbewusstsein ein _anderes_ denn der Gegenstand
+ist, hiemit uebrig bleibt, ist die Nichtharmonie des
+Pflichtbewusstseins und der Wirklichkeit, und zwar seiner eignen. Der
+Satz lautet hiemit itzt so: _es gibt kein moralisch vollendetes
+wirkliches_ Selbstbewusstsein;--und da das Moralische ueberhaupt nur
+ist, insofern es vollendet ist, denn die Pflicht ist das _reine_
+unvermischte _An-sich_, und die Moralitaet besteht nur in der
+Angemessenheit zu diesem Reinen, so heisst der zweite Satz ueberhaupt
+so, dass es _kein moralisch Wirkliches_ gibt.
+
+Indem es aber drittens _ein_ Selbst ist, so ist es _an sich_ die
+Einheit der Pflicht und der Wirklichkeit; diese Einheit wird ihm also
+Gegenstand, als die vollendete Moralitaet,--aber als ein _Jenseits_
+seiner Wirklichkeit,--aber das doch wirklich sein soll.
+
+In diesem Ziele der synthetischen Einheit der beiden ersten Saetze ist
+die selbstbewusste Wirklichkeit sowohl als die Pflicht nur als
+aufgehobnes Moment gesetzt; denn keines ist einzeln, aber sie, in
+deren wesentlichen Bestimmung ist, _frei von dem andern_ zu sein,
+sind somit jedes in der Einheit nicht mehr frei von dem andern, also
+jedes aufgehoben, und somit werden sie dem Inhalt nach als solche
+Gegenstand, deren _jedes fuer das andre gilt_, und der Form nach, so
+dass diese Austauschung derselben zugleich nur _vorgestellt_ ist.
+--Oder das _wirklich nicht_ Moralische, weil es ebenso reines Denken
+und ueber seine Wirklichkeit erhaben ist, ist in der Vorstellung doch
+moralisch, und wird fuer vollgueltig genommen. Es wird hiedurch der
+erste Satz, dass es ein moralisches Selbstbewusstsein gibt, hergestellt,
+aber verbunden mit dem zweiten, dass es keines _gibt_, naemlich es
+_gibt_ eines, aber nur in der Vorstellung; oder es gibt zwar keines,
+aber es wird von einem andern doch dafuer gelten gelassen.
+
+
+b. Die Verstellung
+
+In der moralischen Weltanschauung sehen wir einesteils das Bewusstsein
+_selbst_ seinen Gegenstand mit _Bewusstsein erzeugen_; wir sehen es
+denselben weder als ein Fremdes vorfinden, noch auch ihn bewusstlos
+ihm werden, sondern es verfaehrt ueberall nach einem Grunde, aus
+welchem es das _gegenstaendliche Wesen setzt_; es weiss dasselbe also
+als sich selbst, denn es weiss sich als das _taetige_, das es erzeugt.
+Es scheint somit hier zu seiner Ruhe und Befriedigung zu kommen, denn
+diese kann es nur da finden, wo es ueber seinen Gegenstand nicht mehr
+hinauszugehen braucht, weil dieser nicht mehr ueber es hinausgeht.
+Auf der andern Seite aber setzt es selbst ihn vielmehr _ausser sich_
+hinaus, als ein Jenseits seiner. Aber dies Anundfuersichseiende ist
+ebenso als ein solches gesetzt, das nicht frei vom Selbstbewusstsein,
+sondern zum Behuf des letztern und durch dasselbe sei.
+
+Die moralische Weltanschauung ist daher in der Tat nichts anderes als
+die Ausbildung dieses zum Grunde liegenden Widerspruchs nach seinen
+verschiedenen Seiten; sie ist, um einen Kantischen Ausdruck hier, wo
+er am passendsten ist, zu gebrauchen, ein _ganzes Nest_ gedankenloser
+Widersprueche. Das Bewusstsein verhaelt sich in dieser Entwicklung so,
+dass es ein Moment festsetzt, und von da unmittelbar zum andern
+uebergeht, und das erste aufhebt; wie es aber nun dies zweite
+_aufgestellt hat, verstellt_ es _auch_ dasselbe wieder, und macht
+vielmehr das Gegenteil zum Wesen. Zugleich ist es sich seines
+Widerspruches und _Verstellens auch_ bewusst, denn es geht von einem
+Momente _unmittelbar_ in _Beziehung auf dieses selbst_ zu dem
+entgegengesetzten ueber; _weil_ ein Moment keine Realitaet fuer es hat,
+setzt es eben dasselbe als _reell_, oder, was dasselbe ist, um _ein
+Moment_ als an sich seiend zu behaupten, behauptet es das
+_entgegengesetzte_ als das ansichseiende. Es bekennt damit, dass es
+ihm in der Tat mit keinem derselben Ernst ist. Dies ist in den
+Momenten dieser schwindelnden Bewegung naeher zu betrachten.
+
+Lassen wir die Voraussetzung, dass es ein wirkliches moralisches
+Bewusstsein gibt, zuerst auf sich beruhen, weil sie unmittelbar nicht
+in Beziehung auf etwas Vorhergehendes gemacht wird, und wenden uns an
+die Harmonie der Moralitaet und der Natur, das erste Postulat. Sie
+soll _an sich_ sein, nicht fuer das wirkliche Bewusstsein, nicht
+gegenwaertig, sondern die Gegenwart ist vielmehr nur der Widerspruch
+beider. In der Gegenwart ist die _Moralitaet_ als _vorhanden_
+angenommen, und die Wirklichkeit so gestellt, dass sie nicht in
+Harmonie mit ihr sei. Das _wirkliche_ moralische Bewusstsein aber ist
+ein _handelndes_; darin besteht eben die Wirklichkeit seiner
+Moralitaet. Im _Handeln_ selbst aber ist jene Stellung unmittelbar
+verstellt; denn das Handeln ist nichts anderes als die Verwirklichung
+des innern moralischen Zwecks, nichts anderes, als die Hervorbringung
+einer durch den _Zweck bestimmten Wirklichkeit_, oder der Harmonie
+des moralischen Zwecks und der Wirklichkeit selbst. Zugleich ist die
+Vollbringung der Handlung fuer das Bewusstsein, sie ist die _Gegenwart_
+dieser Einheit der Wirklichkeit und des Zweckes; und weil in der
+vollbrachten Handlung das Bewusstsein sich als dieses Einzelne
+verwirklicht, oder das Dasein in es zurueckgekehrt anschaut, und der
+Genuss hierin besteht, so ist in der Wirklichkeit des moralischen
+Zwecks zugleich auch diejenige Form derselben enthalten, welche Genuss
+und Glueckseligkeit genannt wird.--Das Handeln erfuellt also in der Tat
+unmittelbar dasjenige, was nicht stattzufinden aufgestellt war, und
+nur ein Postulat, nur Jenseits sein sollte. Das Bewusstsein spricht
+es also durch die Tat aus, dass es mit dem Postulieren nicht Ernst ist,
+weil der Sinn des Handelns vielmehr dieser ist, das zur Gegenwart zu
+machen, was nicht in der Gegenwart sein sollte. Und indem um des
+Handelns willen die Harmonie postuliert wird--was naemlich durch das
+Handeln _wirklich_ werden soll, muss _an sich_ so sein, sonst waere die
+Wirklichkeit nicht _moeglich_--, so ist der Zusammenhang des Handelns
+und des Postulats so beschaffen, dass um des Handelns, d.h. um der
+_wirklichen_ Harmonie des Zwecks und der Wirklichkeit willen diese
+Harmonie als _nicht wirklich_, als _jenseits_, gesetzt wird.
+
+Indem _gehandelt_ wird, ist es also mit der _Unangemessenheit_ des
+Zwecks und der Wirklichkeit ueberhaupt nicht Ernst; dagegen scheint es
+mit dem _Handeln_ selbst Ernst zu sein. Aber in der Tat ist die
+wirkliche Handlung nur Handlung des _einzelnen_ Bewusstseins, also
+selbst nur etwas Einzelnes und das Werk zufaellig. Der Zweck der
+Vernunft aber als der allgemeine, alles umfassende Zweck ist nichts
+Geringeres als die ganze Welt; ein Endzweck, der weit ueber den Inhalt
+dieser einzelnen Handlung hinausgeht, und daher ueberhaupt ueber alles
+wirkliche Handeln hinauszustellen ist. Weil das allgemeine Beste
+ausgefuehrt werden soll, wird nichts Gutes getan. In der Tat aber ist
+die _Nichtigkeit_ des wirklichen Handelns, und die _Realitaet_ nur des
+_ganzen_ Zwecks, die itzt aufgestellt sind, nach allen Seiten auch
+wieder verstellt. Die moralische Handlung ist nicht etwas Zufaelliges
+und Beschraenktes, denn sie hat die reine _Pflicht_ zu ihrem Wesen;
+diese macht den _einzigen ganzen_ Zweck aus; und die Handlung also
+als Verwirklichung desselben ist bei aller sonstigen Beschraenkung des
+Inhalts die Vollbringung des ganzen absoluten Zwecks. Oder wenn
+wieder die Wirklichkeit als Natur, die ihre _eignen_ Gesetze hat und
+der reinen Pflicht entgegengesetzt ist, genommen wird, so dass also
+die Pflicht ihr Gesetz nicht in ihr realisieren kann, so ist es,
+indem die Pflicht als solche das Wesen ist, in der Tat _nicht um die
+Vollbringung_ der reinen Pflicht, welche der ganze Zweck ist, zu tun;
+denn die Vollbringung haette vielmehr nicht die reine Pflicht, sondern
+das ihr Entgegengesetzte, die _Wirklichkeit_, zum Zwecke. Aber dass
+es nicht um die Wirklichkeit zu tun sei, ist wieder verstellt; denn
+nach dem Begriffe des moralischen Handelns ist die reine Pflicht
+wesentlich _taetiges_ Bewusstsein; es soll also allerdings gehandelt,
+die absolute Pflicht in der ganzen Natur ausgedrueckt und das
+Moralgesetz Naturgesetz werden.
+
+Lassen wir also dieses _hoechste Gut_ als das Wesen gelten, so ist es
+dem Bewusstsein mit der Moralitaet ueberhaupt nicht Ernst. Denn in
+diesem hoechsten Gute hat die Natur nicht ein anderes Gesetz, als die
+Moralitaet hat. Somit faellt das moralische Handeln selbst hinweg,
+denn das Handeln ist nur unter der Voraussetzung eines Negativen, das
+durch die Handlung aufzuheben ist. Ist aber die Natur dem
+Sittengesetze gemaess, so wuerde ja dieses durch das Handeln, durch das
+Aufheben des Seienden verletzt.--Es wird also in jener Annahme als
+der wesentliche Zustand ein solcher eingestanden, worin das
+moralische Handeln ueberfluessig ist, und gar nicht stattfindet. Das
+Postulat der Harmonie der Moralitaet und der Wirklichkeit--einer
+Harmonie, die durch den Begriff des moralischen Handelns, beide in
+Uebereinstimmung zu bringen, gesetzt ist--drueckt sich also auch von
+dieser Seite so aus: weil das moralische Handeln der absolute Zweck
+ist, so ist der absolute Zweck, dass das moralische Handeln gar nicht
+vorhanden sei.
+
+Stellen wir diese Momente, durch die das Bewusstsein sich in seinem
+moralischen Vorstellen fortwaelzte, zusammen, so erhellt, dass es jedes
+wieder in seinem Gegenteile aufhebt. Es geht davon aus, dass _fuer es_
+die Moralitaet und Wirklichkeit nicht harmoniere, aber es ist ihm
+damit nicht Ernst, denn in der Handlung ist _fuer es_ die Gegenwart
+dieser Harmonie. Es ist ihm aber auch mit diesem _Handeln_, da es
+etwas Einzelnes ist, nicht Ernst; denn es hat einen so hohen Zweck,
+_das hoechste Gut_. Dies ist aber wieder nur eine Verstellung der
+Sache, denn darin fiele alles Handeln und alle Moralitaet hinweg. Oder
+es ist ihm eigentlich mit dem _moralischen_ Handeln nicht Ernst,
+sondern das Wuenschenswerteste, Absolute ist, dass das hoechste Gut
+ausgefuehrt und das moralische Handeln ueberfluessig waere.
+
+Von diesem Resultate muss das Bewusstsein in seiner widersprechenden
+Bewegung sich weiter fortwaelzen, und das _Aufheben_ des moralischen
+Handelns notwendig wieder verstellen. Die Moralitaet ist das An-sich;
+dass sie statthabe, kann der Endzweck der Welt nicht ausgefuehrt sein,
+sondern das moralische Bewusstsein muss _fuer sich_ sein, und eine ihm
+_entgegengesetzte Natur_ vorfinden. Aber es an ihm selbst muss
+vollendet sein. Dies fuehrt zum zweiten Postulate der Harmonie seiner
+und der Natur, welche an ihm unmittelbar ist, der Sinnlichkeit. Das
+moralische Selbstbewusstsein stellt seinen Zweck als rein, als von
+Neigungen und Trieben unabhaengig auf, so dass er die Zwecke der
+Sinnlichkeit in sich vertilgt hat.--Allein diese aufgestellte
+Aufhebung des sinnlichen Wesens verstellt es wieder. Es handelt,
+bringt seinen Zweck zur Wirklichkeit, und die selbstbewusste
+Sinnlichkeit, welche aufgehoben sein soll, ist gerade diese Mitte
+zwischen dem reinen Bewusstsein und der Wirklichkeit,--sie ist das
+Werkzeug des erstern zu seiner Verwirklichung oder das Organ, und das,
+was Trieb, Neigung genannt wird. Es ist daher nicht Ernst mit dem
+Aufheben der Neigungen und Triebe, denn eben sie sind das _sich
+verwirklichende Selbstbewusstsein_. Aber sie sollen auch nicht
+_unterdrueckt_, sondern der Vernunft nur _gemaess_ sein. Sie sind ihr
+auch gemaess, denn das moralische _Handeln_ ist nichts anderes als das
+sich verwirklichende, also sich die Gestalt eines _Triebes_ gebende
+Bewusstsein, das heisst, es ist unmittelbar die gegenwaertige Harmonie
+des Triebs und der Moralitaet. Aber in der Tat ist der Trieb nicht
+nur diese leere Gestalt, die eine andere Feder, als er selbst ist, in
+sich haben und von ihr getrieben werden koennte. Denn die
+Sinnlichkeit ist eine Natur, die ihre eigenen Gesetze und
+Springfedern an ihr selbst hat; es kann der Moralitaet daher nicht
+Ernst damit sein, die Triebfeder der Triebe, der Neigungswinkel der
+Neigungen zu sein. Denn indem diese ihre eigne feste Bestimmtheit
+und eigentuemlichen Inhalt haben, so waere vielmehr das Bewusstsein, dem
+sie gemaess waeren, ihnen gemaess; eine Gemaessheit, welche sich das
+moralische Selbstbewusstsein verbittet. Die Harmonie beider ist also
+nur _an sich_ und _postuliert_.--In dem moralischen Handeln war
+soeben die _gegenwaertige_ Harmonie der Moralitaet und der Sinnlichkeit
+aufgestellt, dies aber _ist nun_ verstellt; sie ist jenseits des
+Bewusstseins in einer neblichten Ferne, worin nichts mehr genau zu
+unterscheiden noch zu begreifen ist; denn mit dem Begreifen dieser
+Einheit, das wir soeben versuchten, ging es nicht.--In diesem An-sich
+gibt aber ueberhaupt das Bewusstsein sich auf. Dieses An-sich ist
+seine moralische Vollendung, worin der Kampf der Moralitaet und der
+Sinnlichkeit aufgehoert hat, und die letztere der erstern auf eine
+Weise gemaess ist, die nicht zu fassen ist.--Darum ist diese Vollendung
+wieder nur eine Verstellung der Sache, denn in der Tat gaebe in ihr
+vielmehr die _Moralitaet_ selbst sich auf, denn sie ist nur Bewusstsein
+des absoluten Zwecks als des _reinen_, also im _Gegensatze_ gegen
+alle andern Zwecke; sie ist ebenso die _Taetigkeit_ dieses reinen
+Zwecks, als sie sich der Erhebung ueber die Sinnlichkeit, der
+Einmischung derselben und ihres Gegensatzes und Kampfes mit ihr
+bewusst ist.--Dass es mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist,
+spricht das Bewusstsein unmittelbar selbst darin aus, dass es sie in
+die _Unendlichkeit_ hinaus verstellt, das heisst, sie als niemals
+vollendet behauptet.
+
+Vielmehr ist ihm also nur dieser Zwischenzustand der Nichtvollendung
+das Gueltige; ein Zustand, der aber doch ein _Fortschreiten_ zur
+Vollendung wenigstens sein soll. Allein er kann auch dies nicht sein,
+denn das Fortschreiten in der Moralitaet waere vielmehr ein Zugehen
+zum Untergang derselben. Das Ziel naemlich waere das obige Nichts oder
+Aufheben der Moralitaet und des Bewusstseins selbst; dem Nichts aber
+immer naeher und naeher kommen, heisst _abnehmen_. Ausserdem naehme
+_Fortschreiten_ ueberhaupt ebenso wie _Abnehmen_ Unterschiede der
+Groesse in der Moralitaet an; allein von diesen kann in ihr keine Rede
+sein. In ihr als dem Bewusstsein, welchem der sittliche Zweck die
+_reine_ Pflicht ist, ist an eine Verschiedenheit ueberhaupt nicht, am
+wenigsten an den oberflaechlichen der Groesse zu denken; es gibt nur
+_eine_ Tugend, nur _eine_ reine Pflicht, nur _eine_ Moralitaet.
+
+
+Indem es also mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist, sondern
+vielmehr mit dem Mittelzustande, d.h. wie soeben eroertert, mit der
+Nichtmoralitaet, so kommen wir von einer andern Seite auf den Inhalt
+des ersten Postulats zurueck. Es ist naemlich nicht abzusehen, wie
+Glueckseligkeit fuer dies moralische Bewusstsein um seiner _Wuerdigkeit_
+willen zu fodern ist. Es ist seiner Nichtvollendung sich bewusst, und
+kann daher die Glueckseligkeit in der Tat nicht als Verdienst, nicht
+als etwas, dessen es wuerdig waere, fodern, sondern sie nur aus einer
+freien Gnade, das heisst, die Glueckseligkeit als _solche_ an und fuer
+sich selbst verlangen, und nicht aus jenem absoluten Grunde, sondern
+nach Zufall und Willkuer erwarten.--Die Nichtmoralitaet spricht eben
+hierin aus, was sie ist,--dass es nicht um die Moralitaet, sondern um
+die Glueckseligkeit an und fuer sich ohne Beziehung auf jene zu tun ist.
+
+Durch diese zweite Seite der moralischen Weltanschauung wird auch
+noch die andere Behauptung der erstern aufgehoben, worin die
+Disharmonie der Moralitaet und Glueckseligkeit vorausgesetzt wird.--Es
+will naemlich die Erfahrung gemacht werden, dass es in dieser Gegenwart
+dem Moralischen oft schlecht, dem Unmoralischen hingegen oft
+gluecklich gehe. Allein der Zwischenzustand der unvollendeten
+Moralitaet, der sich als das Wesentliche ergeben hat, zeigt offenbar,
+dass diese Wahrnehmung und seinsollende Erfahrung nur eine Verstellung
+der Sache ist. Denn da die Moralitaet unvollendet, das heisst, die
+Moralitaet in der Tat _nicht_ ist, was kann an der Erfahrung sein, dass
+es ihr schlecht gehe?--Indem es zugleich herausgekommen, dass es um
+die Glueckseligkeit an und fuer sich zu tun ist, so zeigt es sich, dass
+bei Beurteilung, es gehe dem Unmoralischen gut, nicht ein Unrecht
+gemeint war, das hier stattfinde. Die Bezeichnung eines Individuums
+als eines unmoralischen faellt, indem die Moralitaet ueberhaupt
+unvollendet ist, _an sich_ hinweg, hat also nur einen willkuerlichen
+Grund. Der Sinn und Inhalt des Urteils der Erfahrung ist dadurch
+allein dieser, dass einigen die Glueckseligkeit an und fuer sich nicht
+zukommen sollte, das heisst, er ist _Neid_, der sich zum Deckmantel
+die Moralitaet nimmt. Der Grund aber, warum andern das sogenannte
+Glueck zuteil werden sollte, ist die gute Freundschaft, die ihnen und
+sich selbst, diese Gnade, d.h. diesen Zufall _goennt_ und _wuenscht_.
+
+Die Moralitaet also im moralischen Bewusstsein ist unvollendet; dies
+ist es, was itzt aufgestellt wird, aber es ist ihr Wesen, nur das
+_vollendete Reine_ zu sein; die unvollendete Moralitaet ist daher
+unrein, oder sie ist Immoralitaet. Die Moralitaet selbst ist also in
+einem andern Wesen als in dem wirklichen Bewusstsein; es ist ein
+heiliger moralischer Gesetzgeber.--Die im Bewusstsein _unvollendete_
+Moralitaet, welche der Grund dieses Postulierens ist, hat _zunaechst_
+die Bedeutung, dass die Moralitaet, indem sie im Bewusstsein als
+_wirklich_ gesetzt wird, in der Beziehung auf ein _Anderes_, auf ein
+Dasein steht, also selbst an ihr das Anderssein oder den Unterschied
+erhaelt, wodurch eine vielfache Menge von moralischen Geboten entsteht.
+Das moralische Selbstbewusstsein haelt aber zugleich diese _vielen_
+Pflichten fuer unwesentlich; denn es ist nur um die _eine_ reine
+Pflicht zu tun, und _fuer es_ haben sie, insofern sie _bestimmte_ sind,
+keine Wahrheit. Sie koennen ihre Wahrheit also nur in einem Andern
+haben, und sind, was sie fuer es nicht sind, heilig durch einen
+heiligen Gesetzgeber.--Allein dies ist selbst wieder nur eine
+Verstellung der Sache. Denn das moralische Selbstbewusstsein ist sich
+das Absolute, und Pflicht schlechthin nur das, was _es_ als Pflicht
+_weiss_. Es weiss aber nur die reine Pflicht als Pflicht; was ihm
+nicht heilig ist, ist an sich nicht heilig, und was an sich nicht
+heilig ist, kann durch das heilige Wesen nicht geheiliget werden. Es
+ist dem moralischen Bewusstsein auch ueberhaupt damit nicht Ernst,
+etwas _durch ein anderes_ Bewusstsein, als es selbst ist, heiligen zu
+lassen; denn es ist ihm schlechthin nur das heilig, was ihm durch
+_sich selbst und in ihm_ heilig ist.--Es ist also ebensowenig damit
+Ernst, dass dies andere Wesen ein heiliges sei, denn in ihm sollte
+etwas zur Wesenheit gelangen, was fuer das moralische Bewusstsein, d.h.
+an sich keine Wesenheit hat.
+
+Wenn das heilige Wesen postuliert wurde, dass in ihm die Pflicht nicht
+als reine Pflicht, sondern als eine Vielheit _bestimmter_ Pflichten
+ihre Gueltigkeit haette, so muss also dieses wieder verstellt, und das
+andere Wesen allein insofern heilig sein, als in ihm nur _die reine
+Pflicht_ Gueltigkeit hat. Die reine Pflicht hat auch in der Tat
+Gueltigkeit nur in einem andern Wesen, nicht in dem moralischen
+Bewusstsein. Obschon in ihm die reine Moralitaet allein zu gelten
+scheint, so muss doch dieses anders gestellt werden, denn es ist
+zugleich natuerliches Bewusstsein. Die Moralitaet ist in ihm von der
+Sinnlichkeit affiziert und bedingt, also nicht an und fuer sich,
+sondern eine Zufaelligkeit des freien _Willens_; in ihm aber als
+reinem _Willen_ eine Zufaelligkeit des _Wissens_; _an und fuer sich_
+ist die Moralitaet daher in einem andern Wesen.
+
+Dieses Wesen ist also hier die rein vollendete Moralitaet darum, weil
+sie in ihm nicht in Beziehung auf Natur und Sinnlichkeit steht.
+Allein die _Realitaet_ der reinen Pflicht ist ihre _Verwirklichung_ in
+Natur und Sinnlichkeit. Das moralische Bewusstsein setzt seine
+Unvollkommenheit darein, dass in ihm die Moralitaet eine _positive_
+Beziehung auf die Natur und Sinnlichkeit hat, da ihm dies fuer ein
+wesentliches Moment derselben gilt, dass sie schlechthin nur eine
+_negative_ Beziehung darauf habe. Das reine moralische Wesen dagegen,
+weil es erhaben ueber den _Kampf_ mit der Natur und Sinnlichkeit ist,
+steht nicht in einer _negativen_ Beziehung darauf. Es bleibt ihm
+also in der Tat nur die _positive_ Beziehung darauf uebrig, d.h. eben
+dasjenige, was soeben als das Unvollendete, als das Unmoralische galt.
+Die _reine Moralitaet_ aber ganz getrennt von der Wirklichkeit, so
+dass sie ebensosehr ohne positive Beziehung auf diese waere, waere eine
+bewusstlose, unwirkliche Abstraktion, worin der Begriff der Moralitaet,
+Denken der reinen Pflicht und ein Willen und Tun zu sein, schlechthin
+aufgehoben waere. Dieses so rein moralische Wesen ist daher wieder
+eine Verstellung der Sache, und aufzugeben.
+
+In diesem rein moralischen Wesen aber naehern sich die Momente des
+Widerspruchs, in welchem dies synthetische Vorstellen sich
+herumtreibt, und die entgegengesetzten _Auchs_, die es, ohne diese
+seine Gedanken zusammenzubringen, aufeinander folgen und ein
+Gegenteil immer durch das andere abloesen laesst, so sehr, dass das
+Bewusstsein hier seine moralische Weltanschauung aufgeben und in sich
+zurueckfliehen muss.
+
+Es erkennt seine Moralitaet darum als nicht vollendet, weil es von
+einer ihr entgegengesetzten Sinnlichkeit und Natur affiziert ist,
+welche teils die Moralitaet selbst als solche truebt, teils eine Menge
+von Pflichten entstehen macht, durch die es im konkreten Falle des
+wirklichen Handeln in Verlegenheit geraet; denn jeder Fall ist die
+Konkretion vieler moralischen Beziehungen, wie ein Gegenstand der
+Wahrnehmung ueberhaupt ein Ding von vielen Eigenschaften ist; und
+indem die _bestimmte_ Pflicht Zweck ist, hat sie einen Inhalt, und
+ihr _Inhalt_ ist ein Teil des Zwecks, und die Moralitaet nicht rein.
+--Diese hat also in einem andern Wesen ihre _Realitaet_. Aber diese
+Realitaet heisst nichts anderes, als dass die Moralitaet hier _an_ und
+_fuer sich_ sei,--_fuer sich_, d.h. Moralitaet eines _Bewusstseins_ sei,
+_an sich_, das heisst, _Dasein_ und _Wirklichkeit_ habe.--In jenem
+ersten unvollendeten Bewusstsein ist die Moralitaet nicht ausgefuehrt;
+sie ist darin das _An-sich_ im Sinne eines _Gedankendinges_; denn sie
+ist mit Natur und Sinnlichkeit, mit der Wirklichkeit des Seins und
+des Bewusstseins vergesellschaftet, die ihren Inhalt ausmacht, und
+Natur und Sinnlichkeit ist das moralisch Nichtige.--In dem zweiten
+ist die Moralitaet als _vollendet_, und nicht als ein unausgefuehrtes
+Gedankending vorhanden. Aber diese Vollendung besteht eben darin,
+dass die Moralitaet in einem _Bewusstsein Wirklichkeit_, sowie _freie
+Wirklichkeit_, Dasein ueberhaupt hat, nicht das Leere, sondern
+erfuellte Inhaltsvolle ist;--das heisst, die Vollendung der Moralitaet
+wird darin gesetzt, dass das, was soeben als das moralisch Nichtige
+bestimmt wurde, in ihr und an ihr vorhanden ist. Sie soll das
+einemal schlechthin nur als das unwirkliche Gedankending der reinen
+Abstraktion Gueltigkeit, aber ebensowohl in dieser Weise keine
+Gueltigkeit haben; ihre Wahrheit soll darin bestehen, der Wirklichkeit
+entgegengesetzt und von ihr ganz frei und leer, und wieder darin,
+Wirklichkeit zu sein.
+
+Der Synkretismus dieser Widersprueche, der in der moralischen
+Weltanschauung auseinandergelegt ist, faellt in sich zusammen, indem
+der Unterschied, worauf er beruht, von solchem, das notwendig gedacht
+und gesetzt werden muesse, und doch zugleich unwesentlich sei, zu
+einem Unterschiede wird, der nicht einmal mehr in den Worten liegt.
+Was am Ende als ein Verschiedenes gesetzt wird, sowohl als das
+Nichtige wie als das Reelle, ist ein und eben dasselbe, das Dasein
+und die Wirklichkeit; und was absolut nur als das _Jenseits des_
+wirklichen Seins und Bewusstseins, und ebensowohl nur in ihm und als
+ein jenseits das Nichtige sein soll, ist die reine Pflicht, und das
+Wissen derselben als des Wesens. Das Bewusstsein, das diesen
+Unterschied macht, der keiner ist, die Wirklichkeit fuer das Nichtige
+und das Reale zugleich, die reine Moralitaet ebenso fuer das wahre
+Wesen sowie fuer das Wesenlose aussagt, spricht die Gedanken, die es
+vorher trennte, zusammen aus, spricht es selbst aus, dass es ihm mit
+dieser Bestimmung und der Auseinanderstellung der Momente des
+_Selbsts_ und des _An-sichs_ nicht Ernst ist, sondern dass es das, was
+es als das absolute ausser dem Bewusstsein _Seiende_ aussagt, vielmehr
+in dem Selbst des Selbstbewusstseins eingeschlossen behaelt, und was es
+als das absolut _Gedachte_ oder das absolute _An-sich_ aussagt, eben
+darum fuer ein nicht Wahrheit Habendes nimmt.--Es wird fuer das
+Bewusstsein, dass das Auseinanderstellen dieser Momente eine
+Verstellung ist, und es waere _Heuchelei_, wenn es sie doch
+beibehielte. Aber als moralisches reines Selbstbewusstsein flieht es
+aus dieser Ungleichheit seines _Vorstellens_ mit dem, was sein
+_Wesen_ ist, aus dieser Unwahrheit, welche das fuer wahr aussagt, was
+ihm fuer unwahr gilt, mit Abscheu in sich zurueck. Es ist _reines
+Gewissen_, welches eine solche moralische Weltvorstellung verschmaeht;
+es ist _in sich selbst_ der einfache seiner gewisse Geist, der ohne
+die Vermittlung jener Vorstellungen unmittelbar gewissenhaft handelt,
+und in dieser Unmittelbarkeit seine Wahrheit hat.--Wenn aber diese
+Welt der Verstellung nichts anders als die Entwicklung des
+moralischen Selbstbewusstseins in seinen Momenten, und hiemit seine
+_Realitaet_ ist, so wird es durch sein Zurueckgehen in sich seinem
+Wesen nach nichts anderes werden; sein Zurueckgehen in sich ist
+vielmehr nur das _erlangte Bewusstsein_, dass seine Wahrheit eine
+vorgegebene ist. Es _muesste_ sie noch immer fuer _seine_ Wahrheit
+_ausgeben_, denn es muesste sich als gegenstaendliche Vorstellung
+aussprechen und darstellen, aber _wuesste_, dass dies nur eine
+Verstellung ist; er waere hiemit in der Tat die Heuchelei, und jenes
+_Verschmaehen_ jener Verstellung schon die erste Aeusserung der
+Heuchelei.
+
+
+c. Das Gewissen,die schoene Seele,das Boese und seine Verzeihung
+
+Die Antinomie der moralischen Weltanschauung, dass es ein moralisches
+Bewusstsein gibt, und dass es keines gibt,--oder dass das Gelten der
+Pflicht ein Jenseits des Bewusstseins ist, und umgekehrt nur in ihm
+stattfindet, war in die Vorstellung zusammengefasst worden, worin das
+nichtmoralische Bewusstsein fuer moralisch gelte, sein zufaelliges
+Wissen und Wollen fuer vollwichtig angenommen, und die Glueckseligkeit
+ihm aus Gnade zuteil werde. Diese sich selbst widersprechende
+Vorstellung nahm das moralische Selbstbewusstsein nicht ueber sich,
+sondern verlegte sie in ein ihm andres Wesen. Aber dies Hinaussetzen
+dessen, was es als notwendig denken muss, ausser sich selbst ist ebenso
+der Widerspruch der Form nach, wie jener es dem Inhalte nach ist.
+Weil aber an sich eben das, was als widersprechend erscheint, und in
+dessen Trennung und Wiederaufloesung die moralische Weltanschauung
+sich herumtreibt, dasselbe ist, die reine Pflicht naemlich als das
+_reine Wissen_, nichts anders als das _Selbst_ des Bewusstseins, und
+das Selbst des Bewusstseins das _Sein_ und _Wirklichkeit_,--ebenso was
+jenseits des _wirklichen_ Bewusstseins sein soll, nicht anders als das
+reine Denken, also in der Tat das Selbst ist, so geht _fuer uns_ oder
+_an sich_ das Selbstbewusstsein in sich zurueck, und weiss dasjenige
+Wesen als sich selbst, worin das _Wirkliche_ zugleich _reines Wissen_
+und _reine Pflicht_ ist. Es selbst ist sich das in seiner
+Zufaelligkeit vollgueltige, das seine unmittelbare Einzelnheit als das
+reine Wissen und Handeln, als die wahre Wirklichkeit und Harmonie
+weiss.
+
+Dies _Selbst des Gewissens_, der seiner unmittelbar als der absoluten
+Wahrheit und des Seins gewisse Geist, ist das _dritte Selbst_, das
+uns aus der dritten Welt des Geistes geworden ist, und ist mit den
+vorherigen kurz zu vergleichen. Die Totalitaet oder Wirklichkeit,
+welche sich als die Wahrheit der sittlichen Welt darstellt, ist das
+Selbst der _Person_; ihr Dasein ist das _Anerkanntsein_. Wie die
+Person das substanzleere Selbst ist, so ist dies ihr Dasein ebenso
+die abstrakte Wirklichkeit; die Person _gilt_, und zwar unmittelbar;
+das Selbst ist der in dem Elemente seines Seins unmittelbar ruhende
+Punkt; er ist ohne die Abtrennung von seiner Allgemeinheit, beide
+daher nicht in Bewegung und Beziehung aufeinander, das Allgemeine ist
+ohne Unterscheidung in ihm, und weder Inhalt des Selbsts, noch ist
+das Selbst durch sich selbst erfuellt.--Das _zweite Selbst_ ist die zu
+ihrer Wahrheit gekommne Welt der Bildung oder der sich wiedergegebne
+Geist der Entzweiung--die absolute Freiheit. In diesem Selbst tritt
+jene erste unmittelbare Einheit der Einzelnheit und Allgemeinheit
+auseinander; das Allgemeine, das ebenso rein geistiges Wesen,
+Anerkanntsein oder allgemeiner Willen und Wissen bleibt, ist
+_Gegenstand_ und Inhalt des Selbsts und seine allgemeine Wirklichkeit.
+Aber es hat nicht die Form des vom Selbst freien Daseins; es kommt
+in diesem Selbst daher zu keiner Erfuellung und zu keinem positiven
+Inhalt, zu keiner Welt. Das moralische Selbstbewusstsein laesst seine
+Allgemeinheit zwar frei, so dass sie eine eigne Natur wird, und ebenso
+haelt es sie in sich als aufgehoben fest. Aber es ist nur das
+verstellende Spiel der Abwechslung dieser beiden Bestimmungen. Als
+Gewissen erst hat es in seiner _Selbstgewissheit_ den _Inhalt_ fuer die
+vorhin leere Pflicht sowie fuer das leere Recht und den leeren
+allgemeinen Willen; und weil diese Selbstgewissheit ebenso das
+_Unmittelbare_ ist, das Dasein selbst.
+
+Zu dieser seiner Wahrheit gelangt, verlaesst also oder hebt das
+moralische Selbstbewusstsein vielmehr die Trennung in sich selbst auf,
+woraus die Verstellung entsprungen, die Trennung des _An-sich_ und
+des _Selbsts_, der reinen Pflicht als des reinen _Zwecks_, und der
+_Wirklichkeit_ als einer dem reinen Zwecke entgegengesetzten Natur
+und Sinnlichkeit. Es ist so in sich zurueckgekehrt, _konkreter_
+moralischer Geist, der nicht am Bewusstsein der reinen Pflicht sich
+einen leeren Massstab gibt, welcher dem wirklichen Bewusstsein
+entgegengesetzt waere, sondern die reine Pflicht ebenso wie die ihr
+entgegengesetzte Natur sind aufgehobne Momente; er ist in
+unmittelbarer Einheit sich _verwirklichendes moralisches_ Wesen, und
+die Handlung unmittelbar _konkrete_ moralische Gestalt.
+
+Es ist ein Fall des Handelns vorhanden; er ist eine gegenstaendliche
+Wirklichkeit fuer das wissende Bewusstsein. Dieses als Gewissen weiss
+ihn auf unmittelbare konkrete Weise, und er ist zugleich nur, wie es
+ihn weiss. Zufaellig ist das Wissen, insofern es ein anderes ist als
+der Gegenstand; der seiner selbst gewisse Geist aber ist nicht mehr
+ein solches zufaelliges Wissen und Erschaffen von Gedanken in sich,
+von denen die Wirklichkeit verschieden waere, sondern indem die
+Trennung des _An-sich_ und des _Selbsts_ aufgehoben ist, so ist der
+Fall unmittelbar in der sinnlichen _Gewissheit_ des Wissens, wie er
+_an sich_ ist, und er ist nur so _an sich_, wie er in diesem Wissen
+ist.--Das Handeln als die Verwirklichung ist hiedurch die reine Form
+des Willens; die blosse Umkehrung der Wirklichkeit als eines
+_seienden_ Falles, in eine _getane_ Wirklichkeit, der blossen Weise
+des _gegenstaendlichen_ Wissens in die Weise des Wissens von der
+_Wirklichkeit_ als einem vom Bewusstsein Hervorgebrachten. Wie die
+sinnliche Gewissheit unmittelbar in das An-sich des Geistes
+aufgenommen oder vielmehr umgekehrt ist, so ist auch diese Umkehrung
+einfach und unvermittelt, ein Uebergang durch den reinen Begriff ohne
+Aenderung des Inhalts, der durch das Interesse des von ihm wissenden
+Bewusstseins bestimmt ist.--Das Gewissen sondert ferner die Umstaende
+des Falles nicht in verschiedene Pflichten ab. Es verhaelt sich nicht
+als _positives allgemeines Medium_, worin die vielen Pflichten, jede
+fuer sich, unverrueckte Substantialitaet erhielten, so dass _entweder_
+gar nicht gehandelt werden koennte, weil jeder konkrete Fall die
+Entgegensetzung ueberhaupt, und als moralischer Fall die
+Entgegensetzung der Pflichten enthaelt, in der Bestimmung des Handelns
+also _eine_ Seite, _eine_ Pflicht immer _verletzt_ wuerde;--_oder_ dass,
+wenn gehandelt wird, die Verletzung einer der entgegengesetzten
+Pflichten wirklich eintraete. Das Gewissen ist vielmehr das negative
+Eins oder absolute Selbst, welches diese verschiedenen moralischen
+Substanzen vertilgt; es ist einfaches pflichtmaessiges Handeln, das
+nicht diese oder jene Pflicht erfuellt, sondern das konkrete Rechte
+weiss und tut. Es ist daher ueberhaupt erst das moralische _Handeln_
+als Handeln, worein das vorhergehende tatlose Bewusstsein der
+Moralitaet uebergegangen ist.--Die konkrete Gestalt der Tat mag vom
+unterscheidenden Bewusstsein in verschiedene Eigenschaften, d.h. hier
+in verschiedene moralische Beziehungen analysiert, und diese entweder
+jede, wie es sein muss, wenn sie Pflicht sein soll, fuer absolut
+geltend ausgesagt, oder auch verglichen und geprueft werden. In der
+einfachen moralischen Handlung des Gewissens sind die Pflichten so
+verschuettet, dass allen diesen einzelnen Wesen unmittelbar _Abbruch_
+getan wird, und das pruefende Ruetteln an der Pflicht in der
+unwankenden Gewissheit des Gewissens gar nicht stattfindet.
+
+Ebensowenig ist im Gewissen jene hin- und hergehende Ungewissheit des
+Bewusstseins vorhanden, welches bald die sogenannte reine Moralitaet
+ausser sich in ein anderes heiliges Wesen setzt, und sich selbst als
+das unheilige gilt, bald aber auch wieder die moralische Reinheit in
+sich, und die Verknuepfung des Sinnlichen mit dem Moralischen in das
+andere Wesen setzt.
+
+Es entsagt allen diesen Stellungen und Verstellungen der moralischen
+Weltanschauung, indem es dem Bewusstsein entsagt, das die Pflicht und
+die Wirklichkeit als widersprechend fasst. Nach diesem letztern
+handle ich moralisch, indem ich mir _bewusst_ bin, nur die reine
+Pflicht zu vollbringen, nicht irgend _etwas anders_, dies heisst in
+der Tat, _indem ich nicht_ handle. Indem ich aber wirklich handle,
+bin ich mir eines _Andern_, einer _Wirklichkeit_, die vorhanden ist,
+und einer, die ich hervorbringen will, bewusst, habe einen
+_bestimmten_ Zweck und erfuelle eine _bestimmte_ Pflicht; es ist was
+_anderes_ darin als die reine Pflicht, die allein beabsichtiget
+werden sollte.--Das Gewissen ist dagegen das Bewusstsein darueber, dass,
+wenn das moralische Bewusstsein die _reine Pflicht_ als das Wesen
+seines Handelns aussagt, dieser reine Zweck eine Verstellung der
+Sache ist; denn die Sache selbst ist, dass die reine Pflicht in der
+leeren Abstraktion des reinen Denkens besteht, und ihre Realitaet und
+Inhalt nur an einer bestimmten Wirklichkeit hat, einer Wirklichkeit,
+welche Wirklichkeit des Bewusstseins selbst, und desselben nicht als
+eines Gedankendings, sondern als eines Einzelnen ist. Das Gewissen
+hat _fuer sich selbst_ seine Wahrheit an der _unmittelbaren Gewissheit_
+seiner selbst. Diese _unmittelbare_ konkrete Gewissheit seiner selbst
+ist das Wesen; sie nach dem Gegensatze des Bewusstseins betrachtet, so
+ist die eigne unmittelbare _Einzelnheit_ der Inhalt des moralischen
+Tuns; und die _Form_ desselben ist eben dieses Selbst als reine
+Bewegung, naemlich als das _Wissen_ oder die _eigne Ueberzeugung_.
+
+Dies in seiner Einheit und in der Bedeutung der Momente naeher
+betrachtet, so erfasste das moralische Bewusstsein sich nur als das
+_An-sich_ oder _Wesen_; als Gewissen aber erfasst es sein
+_Fuer-sich_-sein oder sein _Selbst_.--Der Widerspruch der moralischen
+Weltanschauung _loest_ sich _auf_, d.h. der Unterschied, der ihm
+zugrunde liegt, zeigt sich, kein Unterschied zu sein, und er laeuft in
+die reine Negativitaet zusammen; diese aber ist eben das _Selbst_; ein
+einfaches _Selbst_, welches ebensowohl _reines_ Wissen als Wissen
+seiner als _dieses einzelnen_ Bewusstseins ist. Dies Selbst macht
+daher den Inhalt des vorher leeren Wesens aus, denn es ist das
+_wirkliche_, welches nicht mehr die Bedeutung hat, eine dem Wesen
+fremde und in eignen Gesetzen selbststaendige Natur zu sein. Es ist
+als das Negative der _Unterschied_ des reinen Wesens, ein Inhalt, und
+zwar ein solcher, welcher an und fuer sich gilt.
+
+Ferner ist dies Selbst als reines sich selbst gleiches Wissen das
+_schlechthin Allgemeine_, so dass eben dies Wissen als _sein eignes_
+Wissen, als Ueberzeugung die _Pflicht_ ist. Die Pflicht ist nicht
+mehr das dem Selbst gegenuebertretende Allgemeine, sondern ist gewusst,
+in dieser Getrenntheit kein Gelten zu haben; es ist itzt das Gesetz,
+das um des Selbsts willen, nicht um dessen willen das Selbst ist.
+Das Gesetz und die Pflicht hat aber darum nicht allein die Bedeutung
+des _Fuer-sich-seins_, sondern auch des _An-sich-seins_, denn dies
+Wissen ist um seiner Sichselbstgleichheit willen eben das _An-sich_.
+Dies _An-sich_ trennt sich auch im Bewusstsein von jener unmittelbaren
+Einheit mit dem Fuer-sich-sein; so gegenuebertretend ist es _Sein_,
+_Sein fuer Anderes_.--Die Pflicht eben wird itzt als Pflicht, die vom
+Selbst verlassen ist, gewusst, nur _Moment_ zu sein, sie ist von ihrer
+Bedeutung, _absolutes Wesen_ zu sein, zum Sein, das nicht Selbst,
+nicht _fuer sich_ ist, herabgesunken und also _Sein fuer anderes_.
+Aber dies _Sein fuer anderes_ bleibt ebendarum wesentliches Moment,
+weil das Selbst als Bewusstsein den Gegensatz des Fuer-sich-seins und
+des Seins fuer anderes ausmacht, und itzt die Pflicht an ihr
+unmittelbar _wirkliches_, nicht mehr bloss das abstrakte reine
+Bewusstsein ist.
+
+Dies _Sein fuer anderes_ ist also die _ansichseiende_ vom Selbst
+unterschiedne Substanz. Das Gewissen hat die reine Pflicht oder das
+_abstrakte An-sich_ nicht aufgegeben, sondern sie ist das wesentliche
+Moment, als _Allgemeinheit_ sich zu andern zu verhalten. Es ist das
+gemeinschaftliche Element der Selbstbewusstsein, und dieses die
+Substanz, worin die Tat _Bestehen_ und _Wirklichkeit_ hat; das Moment
+des _Anerkanntwerdens_ von den andern. Das moralische
+Selbstbewusstsein hat dies Moment des Anerkanntseins, des _reinen
+Bewusstseins_, welches _da_ ist, nicht; und ist dadurch ueberhaupt
+nicht handelndes, nicht verwirklichendes. Sein _An-sich_ ist ihm
+entweder das abstrakte _unwirkliche_ Wesen oder das _Sein_ als eine
+_Wirklichkeit_, welche nicht geistig ist. Die _seiende Wirklichkeit_
+des Gewissens aber ist eine solche, welche _Selbst_ ist, d.h. das
+seiner bewusste Dasein das geistige Element des Anerkanntwerdens. Das
+Tun ist daher nur das Uebersetzen seines _einzelnen_ Inhalts in das
+_gegenstaendliche_ Element, worin er allgemein und anerkannt ist, und
+eben dies, dass er anerkannt ist, macht die Handlung zur Wirklichkeit.
+Anerkannt und dadurch wirklich ist die Handlung, weil die daseiende
+Wirklichkeit unmittelbar mit der Ueberzeugung oder dem Wissen
+verknuepft, oder das Wissen von seinem Zwecke unmittelbar das Element
+des Daseins, das allgemeine Anerkennen ist. Denn das _Wesen_ der
+Handlung, die Pflicht besteht in der _Ueberzeugung_ des Gewissens von
+ihr; diese Ueberzeugung ist eben das _An-sich_ selbst; es ist das _an
+sich allgemeine Selbstbewusstsein_, oder das _Anerkanntsein_ und
+hiemit die Wirklichkeit. Das mit der Ueberzeugung von der Pflicht
+Getane ist also unmittelbar ein solches, das Bestand und Dasein hat.
+Es ist also da keine Rede mehr davon, dass die gute Absicht nicht
+zustande komme, oder dass es dem Guten schlecht geht; sondern das als
+Pflicht Gewusste vollfuehrt sich und kommt zur Wirklichkeit, weil eben
+das Pflichtmaessige das Allgemeine aller Selbstbewusstsein, das
+Anerkannte und also Seiende ist. Getrennt und allein genommen, ohne
+den Inhalt des Selbsts aber ist diese Pflicht das _Sein fuer anderes_,
+das Durchsichtige, das nur die Bedeutung gehaltloser Wesenheit
+ueberhaupt hat.
+
+Sehen wir auf die Sphaere zurueck, mit der ueberhaupt die _geistige
+Realitaet_ eintrat, so war es der Begriff, dass das Aussprechen der
+Individualitaet das _An- und Fuer-sich sei_. Aber die Gestalt, welche
+diesen Begriff unmittelbar ausdrueckte, war das _ehrliche Bewusstsein_,
+das sich mit der _abstrakten Sache selbst_ herumtrieb. Diese _Sache
+selbst_ war dort _Praedikat_; im Gewissen aber erst ist sie _Subjekt_,
+das alle Momente des Bewusstseins an ihm gesetzt hat, und fuer welches
+alle diese Momente, Substantialitaet ueberhaupt, aeusseres Dasein und
+Wesen des Denkens, in dieser Gewissheit seiner selbst enthalten sind.
+Substantialitaet ueberhaupt hat die _Sache selbst_ in der Sittlichkeit,
+aeusseres Dasein in der Bildung, sich selbstwissende Wesenheit des
+Denkens in der Moralitaet, und im Gewissen ist sie das _Subjekt_, das
+diese Momente an ihm selbst weiss. Wenn das ehrliche Bewusstsein nur
+immer _die leere Sache selbst_ ergreift, so gewinnt dagegen das
+Gewissen sie in ihrer Erfuellung, die es ihr durch sich gibt. Es ist
+diese Macht dadurch, dass es die Momente des Bewusstseins als _Momente_
+weiss, und als ihr negatives Wesen sie beherrscht.
+
+Das Gewissen in Beziehung auf die einzelnen Bestimmungen des
+Gegensatzes, der am Handeln erscheint, und sein Bewusstsein ueber die
+Natur derselben betrachtet, so verhaelt es sich zuerst als _Wissendes_
+zur _Wirklichkeit_ des _Falles_, worin zu handeln ist. Insofern das
+Moment der _Allgemeinheit_ an diesem Wissen ist, gehoert zum Wissen
+des gewissenhaften Handelns, die vorliegende Wirklichkeit auf
+uneingeschraenkte Weise zu umfassen, und also die Umstaende des Falles
+genau zu wissen und in Erwaegung zu ziehen. Dies Wissen aber, da es
+die Allgemeinheit als ein _Moment kennt_, ist daher ein solches
+Wissen von diesen Umstaenden, das sich bewusst ist, sie nicht zu
+umfassen oder darin nicht gewissenhaft zu sein. Die wahrhaft
+allgemeine und reine Beziehung des Wissens waere eine Beziehung auf
+ein nicht _Entgegengesetztes_, auf sich selbst; aber das _Handeln_
+durch den Gegensatz, der in ihm wesentlich ist, bezieht sich auf ein
+Negatives des Bewusstseins, auf eine _an sich seiende Wirklichkeit_.
+Gegen die Einfachheit des reinen Bewusstseins, das absolut _Andere_,
+oder die Mannigfaltigkeit _an sich_, ist sie eine absolute Vielheit
+der Umstaende, die sich rueckwaerts in ihre Bedingungen, seitwaerts in
+ihrem Nebeneinander, vorwaerts in ihren Folgen unendlich teilt und
+ausbreitet.--Das gewissenhafte Bewusstsein ist dieser Natur der Sache
+und seines Verhaeltnisses zu ihr bewusst, und weiss, dass es den Fall, in
+dem es handelt, nicht nach dieser gefoderten Allgemeinheit kennt, und
+dass sein Vorgeben dieser gewissenhaften Erwaegung aller Umstaende
+nichtig ist. Diese Kenntnis und Erwaegung aller Umstaende aber ist
+nicht gar nicht vorhanden; allein nur als _Moment_, als etwas, das
+nur fuer _andere_ ist; und sein unvollstaendiges Wissen, weil es _sein_
+Wissen ist, gilt ihm als hinreichendes vollkommenes Wissen.
+
+Auf gleiche Weise verhaelt es sich mit der Allgemeinheit des _Wesens_,
+oder der Bestimmung des Inhalts durchs reine Bewusstsein.--Das zum
+Handeln schreitende Gewissen bezieht sich auf die vielen Seiten des
+Falles. Dieser schlaegt sich auseinander, und ebenso die Beziehung
+des reinen Bewusstseins auf ihn, wodurch die Mannigfaltigkeit des
+Falles eine Mannigfaltigkeit von _Pflichten_ ist.--Das Gewissen weiss,
+dass es unter ihnen zu waehlen und zu entscheiden hat; denn keine ist
+in ihrer Bestimmtheit oder in ihrem Inhalte absolut, sondern nur die
+_reine Pflicht_. Aber dies Abstraktum hat in seiner Realitaet die
+Bedeutung des selbstbewussten Ich erlangt. Der seiner selbst gewisse
+Geist ruht als Gewissen in sich, und seine _reale_ Allgemeinheit oder
+seine Pflicht liegt in seiner reinen _Ueberzeugung_ von der Pflicht.
+Diese _reine_ Ueberzeugung ist als solche so leer als die reine
+_Pflicht_, rein in dem Sinne, dass nichts in ihr, kein bestimmter
+Inhalt Pflicht ist. Es soll aber gehandelt, es muss von dem
+Individuum _bestimmt_ werden; und der seiner selbst gewisse Geist, in
+dem das An-sich die Bedeutung des selbstbewussten Ich erlangt hat,
+weiss diese Bestimmung und Inhalt in der unmittelbaren _Gewissheit_
+seiner selbst zu haben. Diese ist als Bestimmung und Inhalt das
+_natuerliche_ Bewusstsein, das heisst die Triebe und Neigungen.--Das
+Gewissen erkennt keinen Inhalt fuer es als absolut, denn es ist
+absolute Negativitaet alles Bestimmten. Es bestimmt _aus sich selbst_;
+der Kreis des Selbsts aber, worein die Bestimmtheit als solche faellt,
+ist die sogenannte Sinnlichkeit; einen Inhalt aus der unmittelbaren
+Gewissheit seiner selbst zu haben, findet sich nichts bei der Hand als
+sie.--Alles, was in fruehern Gestalten, als Gut oder Schlecht, als
+Gesetz und Recht sich darstellte, ist ein _Anderes_ als die
+unmittelbare Gewissheit seiner selbst; es ist ein _Allgemeines_, das
+jetzt ein Sein fuer anderes ist; oder anders betrachtet, ein
+Gegenstand, welcher, das Bewusstsein mit sich selbst vermittelnd,
+zwischen es und seine eigene Wahrheit tritt und es vielmehr von sich
+absondert, als dass er seine Unmittelbarkeit waere.--Dem Gewissen aber
+ist die Gewissheit seiner selbst die reine unmittelbare Wahrheit; und
+diese Wahrheit ist also seine als _Inhalt_ vorgestellte unmittelbare
+Gewissheit seiner selbst, das heisst, ueberhaupt die Willkuer des
+Einzelnen und die Zufaelligkeit seines bewusstlosen natuerlichen Seins.
+
+Dieser Inhalt gilt zugleich als moralische _Wesenheit_ oder als
+_Pflicht_. Denn die reine Pflicht ist, wie schon bei dem Pruefen der
+Gesetze sich ergab, schlechthin gleichgueltig gegen jeden Inhalt, und
+vertraegt jeden Inhalt. Hier hat sie zugleich die wesentliche Form
+des _Fuer-sich-seins_, und diese Form der individuellen Ueberzeugung
+ist nichts anderes als das Bewusstsein von der Leerheit der reinen
+Pflicht, und davon, dass sie nur Moment, dass seine Substantialitaet ein
+Praedikat ist, welches sein Subjekt an dem Individuum hat, dessen
+Willkuer ihr den Inhalt gibt, jeden an diese Form knuepfen, und seine
+Gewissenhaftigkeit an ihn heften kann.--Ein Individuum vermehrt sein
+Eigentum auf eine gewisse Weise; es ist Pflicht, dass jedes fuer die
+Erhaltung seiner selbst wie auch seiner Familie, nicht weniger fuer
+die _Moeglichkeit_ sorgt, seinen Nebenmenschen nuetzlich zu werden und
+Huelfsbeduerftigen Gutes zu tun. Das Individuum ist sich bewusst, dass
+dies Pflicht ist, denn dieser Inhalt ist unmittelbar in der Gewissheit
+seiner selbst enthalten; es sieht ferner ein, dass es diese Pflicht in
+diesem Falle erfuellt. Andere halten vielleicht diese gewisse Weise
+fuer Betrug; _sie_ halten sich an andere Seiten des konkreten Falles,
+_es_ aber haelt diese Seite dadurch fest, dass es sich der Vermehrung
+des Eigentums als reiner Pflicht bewusst ist.--So erfuellt das, was
+andere Gewalttaetigkeit und Unrecht nennen, die Pflicht, gegen andere
+seine Selbststaendigkeit zu behaupten, was sie Feigheit nennen,--die
+Pflicht, sich das Leben und die Moeglichkeit der Nuetzlichkeit fuer die
+Nebenmenschen zu erhalten; was sie aber die Tapferkeit nennen,
+verletzt vielmehr beide Pflichten. Die Feigheit darf aber nicht so
+ungeschickt sein, nicht zu wissen, dass die Erhaltung des Lebens und
+der Moeglichkeit, andern nuetzlich zu sein, Pflichten sind, nicht von
+der Pflichtmaessigkeit ihres Handelns _ueberzeugt_ zu sein und nicht zu
+wissen, dass in dem _Wissen_ das Pflichtmaessige besteht; sonst beginge
+sie die Ungeschicklichkeit, unmoralisch zu sein. Da die Moralitaet in
+dem Bewusstsein, die Pflicht erfuellt zu haben, liegt, so wird dem
+Handeln, das Feigheit, ebensowenig als dem, das Tapferkeit genannt
+wird, dies nicht fehlen; das Abstraktum, das Pflicht heisst, ist wie
+jedes, so auch dieses Inhalts faehig, es weiss also, was es tut, als
+Pflicht, und indem es dies weiss und die Ueberzeugung von der Pflicht
+das Pflichtmaessige selbst ist, so ist es anerkannt von den andern; die
+Handlung gilt dadurch und hat wirkliches Dasein.
+
+Gegen diese Freiheit, die jeden beliebigen Inhalt in das allgemeine
+passive Medium der reinen Pflicht und Wissens einlegt, so gut als
+einen andern, hilft es nichts, zu behaupten, dass ein anderer Inhalt
+eingelegt werden sollte; denn welcher es sei, jeder hat den _Makel
+der Bestimmtheit_ an ihm, von der das reine Wissen frei ist, die es
+verschmaehen, ebenso wie es jede aufnehmen kann. Aller Inhalt steht
+darin, dass er ein bestimmter ist, auf gleicher Linie mit dem andern,
+wenn er auch gerade den Charakter zu haben scheint, dass in ihm das
+Besondere aufgehoben sei. Es kann scheinen, dass indem an dem
+wirklichen Falle die Pflicht sich ueberhaupt in den _Gegensatz_ und
+dadurch den der _Einzelnheit_ und _Allgemeinheit_ entzweit, diejenige
+Pflicht, deren Inhalt das Allgemeine selbst ist, dadurch unmittelbar
+die Natur der reinen Pflicht an ihr habe, und Form und Inhalt hiemit
+sich ganz gemaess werden; so dass also z.B. die Handlung fuer das
+allgemeine Beste der fuer das individuelle vorzuziehen sei. Allein
+diese allgemeine Pflicht ist ueberhaupt dasjenige, was als an und fuer
+sich seiende Substanz, als Recht und Gesetz _vorhanden_ ist und
+_unabhaen_gig von dem Wissen und der Ueberzeugung wie von dem
+unmittelbaren Interesse des Einzelnen gilt; es ist also gerade
+dasjenige, gegen dessen _Form_ die Moralitaet ueberhaupt gerichtet ist.
+Was aber seinen _Inhalt_ betrifft, so ist auch er ein _bestimmter_,
+insofern das allgemeine Beste dem einzelnen _entgegengesetzt_ ist;
+hiemit ist sein Gesetz ein solches, von welchem das Gewissen sich
+schlechthin frei weiss und hinzu und davon zu tun, es zu unterlassen
+sowie zu erfuellen sich die absolute Befugnis gibt.--Alsdenn ist
+ferner jene Unterscheidung der Pflicht gegen das Einzelne und gegen
+das Allgemeine der Natur des Gegensatzes ueberhaupt nach nichts Festes.
+Sondern vielmehr was der Einzelne fuer sich tut, kommt auch dem
+Allgemeinen zugute; je mehr er fuer sich gesorgt hat, desto groesser ist
+nicht nur seine _Moeglichkeit, andern_ zu nuetzen; sondern seine
+_Wirklichkeit_ selbst ist nur dies, im Zusammenhange mit andern zu
+sein und zu leben; sein einzelner Genuss hat wesentlich die Bedeutung,
+damit andern das Seinige preiszugeben, und ihnen zum Erwerb ihres
+Genusses zu verhelfen. In der Erfuellung der Pflicht gegen den
+Einzelnen, also gegen sich, wird also auch die gegen das Allgemeine
+erfuellt.--Die _Erwaegung_ und _Vergleichung_ der Pflichten, welche
+hier eintraete, liefe auf die Berechnung des Vorteils hinaus, den das
+Allgemeine von einer Handlung haette, aber teils faellt die Moralitaet
+hiedurch der notwendigen _Zufaelligkeit_ der _Einsicht_ anheim, teils
+ist es gerade das Wesen des Gewissens, dies _Berechnen_ und Erwaegen
+_abzuschneiden_, und ohne solche Gruende aus sich zu entscheiden.
+
+Auf diese Weise handelt und erhaelt sich also das Gewissen in der
+Einheit des _An-sich-_ und des _Fuer-sich-seins_, in der Einheit des
+reinen Denkens und der Individualitaet, und ist der seiner gewisse
+Geist, der seine Wahrheit an ihm selbst, in seinem Selbst, in seinem
+Wissen, und darin als dem Wissen von der Pflicht hat. Er erhaelt sich
+eben dadurch darin, dass, was _Positives_ in der Handlung ist, sowohl
+der Inhalt als die Form der Pflicht und das Wissen von ihr, dem
+Selbst, der Gewissheit seiner, angehoert; was aber dem Selbst als
+_eignes An-sich gegenuebertreten_ will, als nicht Wahres, nur als
+Aufgehobnes, nur als Moment gilt. Es gilt daher nicht das
+_allgemeine Wissen_ ueberhaupt, sondern _seine Kenntnis_ von den
+Umstaenden. In die Pflicht, als das allgemeine _An-sich-sein_, legt
+es den Inhalt ein, den es aus seiner natuerlichen Individualitaet nimmt;
+denn er ist der an ihm selbst vorhandne; dieser wird durch das
+allgemeine Medium, worin er ist, die _Pflicht_, die es ausuebt, und
+die leere reine Pflicht ist eben hiedurch als aufgehobnes oder als
+Moment gesetzt; dieser Inhalt ist ihre aufgehobne Leerheit oder die
+Erfuellung.--Aber ebenso ist das Gewissen von jedem Inhalt ueberhaupt
+frei; es absolviert sich von jeder bestimmten Pflicht, die als Gesetz
+gelten soll; in der Kraft der Gewissheit seiner selbst hat es die
+Majestaet der absoluten Autarkie, zu binden und zu loesen.--Diese
+_Selbstbestimmung_ ist darum unmittelbar das schlechthin
+Pflichtmaessige; die Pflicht ist das Wissen selbst; diese einfache
+Selbstheit aber ist das An-sich; denn das _An-sich_ ist die reine
+Sichselbstgleichheit; und diese ist in diesem Bewusstsein.-Dies reine
+Wissen ist unmittelbar _Sein fuer Anderes_; denn als die reine
+Sichselbstgleichheit ist es die _Unmittelbarkeit_, oder das Sein.
+Dies Sein ist aber zugleich das reine Allgemeine, die Selbstheit
+Aller; oder das Handeln ist anerkannt und daher wirklich. Dies Sein
+ist das Element, wodurch das Gewissen unmittelbar mit allen
+Selbstbewusstsein in der Beziehung der Gleichheit steht; und die
+Bedeutung dieser Beziehung ist nicht das selbstlose Gesetz, sondern
+das Selbst des Gewissens.
+
+Darin aber, dass dies Rechte, was das Gewissen tut, zugleich _Sein fuer
+Anderes_ ist, scheint eine Ungleichheit an es zu kommen. Die Pflicht,
+die es vollbringt, ist ein _bestimmter_ Inhalt; er ist zwar das
+_Selbst_ des Bewusstseins, und darin sein _Wissen_ von sich, seine
+_Gleichheit_ mit sich selbst. Aber vollbracht, in das allgemeine
+Medium _des Seins_ gestellt, ist diese Gleichheit nicht mehr _Wissen_,
+nicht mehr dieses Unterscheiden, welches seine Unterschiede ebenso
+unmittelbar aufhebt; sondern im _Sein_ ist der Unterschied bestehend
+gesetzt, und die Handlung eine _bestimmte_, ungleich mit dem Elemente
+des Selbstbewusstseins Aller, also nicht notwendig anerkannt. Beide
+Seiten, das handelnde Gewissen und das allgemeine diese Handlung als
+Pflicht anerkennende Bewusstsein sind gleich _frei_ von der
+Bestimmtheit dieses Tuns. Um dieser Freiheit willen ist die
+Beziehung in dem gemeinschaftlichen Medium des Zusammenhangs vielmehr
+ein Verhaeltnis der vollkommnen Ungleichheit; wodurch das Bewusstsein,
+fuer welches die Handlung ist, sich in vollkommner Ungewissheit ueber
+den handelnden seiner selbst gewissen Geist befindet. Er handelt, er
+setzt eine Bestimmtheit als seiend; an dies _Sein_ als an seine
+Wahrheit halten sich die andern, und sind darin seiner gewiss; er hat
+darin ausgesprochen, was ihm als Pflicht gilt. Allein er ist frei
+von irgendeiner _bestimmten_ Pflicht; er ist da heraus, wo sie meinen,
+dass er wirklich sei; und dies Medium des Seins selbst, und die
+Pflicht als _an sich_ seiend, gilt ihm nur als Moment. Was er ihnen
+also hinstellt, verstellt er auch wieder, oder vielmehr hat es
+unmittelbar verstellt. Denn seine _Wirklichkeit_ ist ihm nicht diese
+hinausgestellte Pflicht und Bestimmung, sondern diejenige, welche er
+in der absoluten Gewissheit seiner selbst hat.
+
+Sie wissen also nicht, ob dies Gewissen moralisch gut oder ob es boese
+ist, oder vielmehr sie koennen es nicht nur nicht wissen, sondern
+muessen es auch fuer boese nehmen. Denn wie es frei von der
+_Bestimmtheit_ der Pflicht und von der Pflicht als _an sich_ seiender
+ist, sind sie es gleichfalls. Was es ihnen hinstellt, wissen sie
+selbst zu verstellen; es ist ein solches, wodurch nur das _Selbst_
+eines andern ausgedrueckt ist, nicht ihr eignes; sie wissen sich nicht
+nur frei davon, sondern muessen es in ihrem eignen Bewusstsein aufloesen,
+durch Urteilen und Erklaeren zunichte machen, um ihr Selbst zu
+erhalten.
+
+Allein die Handlung des Gewissens ist nicht nur diese von dem reinen
+Selbst verlassne _Bestimmung_ des Seins. Was als Pflicht gelten und
+anerkannt werden soll, ist es allein durch das Wissen und die
+Ueberzeugung davon als von der Pflicht, durch das Wissen seiner Selbst
+in der Tat. Wenn die Tat aufhoert, dieses Selbst an ihr zu haben,
+hoert sie auf, das zu sein, was allein ihr Wesen ist. Ihr Dasein von
+diesem Bewusstsein verlassen, waere eine gemeine Wirklichkeit, und die
+Handlung erschiene uns als ein Vollbringen seiner Lust und Begierde.
+Was _da sein_ soll, ist hier allein Wesenheit dadurch, dass es als
+sich selbst aussprechende Individualitaet _gewusst_ wird; und dies
+_Gewusstsein_ ist es, was das Anerkannte ist, und was, _als solches,
+Dasein_ haben soll.
+
+Das Selbst tritt ins Dasein _als Selbst_; der seiner gewisse Geist
+existiert als solcher fuer andre; seine _unmittelbare_ Handlung ist
+nicht das, was gilt und wirklich ist; nicht das _Bestimmte_, nicht
+das _An-sich-seiende_ ist das Anerkannte, sondern allein das sich
+wissende _Selbst_ als solches. Das Element des Bestehens ist das
+allgemeine Selbstbewusstsein; was in dieses Element tritt, kann nicht
+die _Wirkung_ der Handlung sein, diese haelt nicht darin aus, und
+erhaelt kein Bleiben, sondern nur das Selbstbewusstsein ist das
+Anerkannte und gewinnt die Wirklichkeit.
+
+Wir sehen hiemit wieder die _Sprache_ als das Dasein des Geistes.
+Sie ist das _fuer andre_ seiende Selbstbewusstsein, welches unmittelbar
+_als solches vorhanden_ und als _dieses_ allgemeines ist. Sie ist
+das sich von sich selbst abtrennende Selbst, das als reines Ich = Ich
+sich gegenstaendlich wird, in dieser Gegenstaendlichkeit sich ebenso
+als _dieses_ Selbst erhaelt, wie es unmittelbar mit den andern
+zusammenfliesst und _ihr_ Selbstbewusstsein ist; es vernimmt ebenso
+sich, als es von den andern vernommen wird, und das Vernehmen ist
+eben das _zum Selbst gewordne Dasein_.
+
+Der Inhalt, den die Sprache hier gewonnen, ist nicht mehr das
+verkehrte und verkehrende und zerrissne Selbst der Welt der Bildung;
+sondern der in sich zurueckgekehrte, seiner und in seinem Selbst
+seiner Wahrheit oder seines Anerkennens gewisse und als dieses Wissen
+anerkannte Geist. Die Sprache des sittlichen Geistes ist das Gesetz
+und der einfache Befehl, und die Klage, die mehr eine Traene ueber die
+Notwendigkeit ist; das moralische Bewusstsein hingegen ist noch
+_stumm_, bei sich in seinem Innern verschlossen, denn in ihm hat das
+Selbst noch nicht Dasein, sondern das Dasein und das _Selbst_ stehen
+erst in aeusserer Beziehung aufeinander. Die Sprache aber tritt nur
+als die Mitte selbststaendiger und anerkannter Selbstbewusstsein hervor,
+und das _daseiende Selbst_ ist unmittelbar allgemeines, vielfaches
+und in dieser Vielheit einfaches Anerkanntsein. Der Inhalt der
+Sprache des Gewissens ist _das sich als Wesen wissende Selbst_. Dies
+allein spricht sie aus, und dieses Aussprechen ist die wahre
+Wirklichkeit des Tuns und das Gelten der Handlung. Das Bewusstsein
+spricht seine _Ueberzeugung_ aus; diese Ueberzeugung ist es, worin
+allein die Handlung Pflicht ist; sie _gilt_ auch allein dadurch als
+Pflicht, dass die Ueberzeugung _ausgesprochen_ wird. Denn das
+allgemeine Selbstbewusstsein ist frei von der _nur seienden
+bestimmten_ Handlung; _sie_ als _Dasein_ gilt ihm nichts, sondern die
+_Ueberzeugung_, dass sie Pflicht ist; und diese ist in der Sprache
+wirklich.--Die Handlung verwirklichen heisst hier nicht ihren Inhalt
+aus der Form des _Zwecks_ oder _Fuer-sich-seins_ in die Form der
+_abstrakten_ Wirklichkeit uebersetzen, sondern aus der Form der
+unmittelbaren _Gewissheit_ seiner selbst, die ihr Wissen oder
+Fuer-sich-sein als das Wesen weiss, in die Form der _Versicherung_, dass
+das Bewusstsein von der Pflicht ueberzeugt ist, und die Pflicht als
+Gewissen _aus sich selbst_ weiss; diese Versicherung versichert also,
+dass es davon ueberzeugt ist, dass seine Ueberzeugung das Wesen ist.
+
+Ob die Versicherung, aus Ueberzeugung von der Pflicht zu handeln, wahr
+ist, ob es _wirklich_ die _Pflicht_ ist, was getan wird--diese Fragen
+oder Zweifel haben keinen Sinn gegen das Gewissen.--Bei jener Frage,
+ob die _Versicherung wahr_ ist, wuerde vorausgesetzt, dass die innere
+Absicht von der vorgegebnen verschieden sei, d.h. dass das Wollen des
+einzelnen Selbsts sich von der Pflicht, von dem Willen des
+allgemeinen und reinen Bewusstseins trennen koenne; der letztre waere in
+die Rede gelegt, das erstere aber eigentlich die wahre Triebfeder der
+Handlung. Allein dieser Unterschied des allgemeinen Bewusstseins und
+des einzelnen Selbsts ist es eben, der sich aufgehoben, und dessen
+Aufheben das Gewissen ist. Das unmittelbare Wissen des seiner
+gewissen Selbsts ist Gesetz und Pflicht; seine Absicht ist dadurch,
+dass sie seine Absicht ist, das Rechte; es wird nur erfodert, dass er
+dies wisse, und dies, dass es die Ueberzeugung davon, sein Wissen und
+Wollen sei das Rechte, sage. Das Aussprechen dieser Versicherung
+hebt an sich selbst die Form seiner Besonderheit auf; es anerkennt
+darin die _notwendige Allgemeinheit des Selbsts_; indem es sich
+_Gewissen_ nennt, nennt es sich reines Sich-selbst-wissen und reines
+abstraktes Wollen, d.h. es nennt sich ein allgemeines Wissen und
+Wollen, das die andern anerkennt, ihnen _gleich_ ist, denn sie sind
+eben dies reine Sich-wissen und Wollen, und das darum auch von ihnen
+anerkannt wird. In dem Wollen des seiner gewissen Selbsts, in diesem
+Wissen, dass das Selbst das Wesen ist, liegt das Wesen des Rechten.
+--Wer also sagt, er handle so aus Gewissen, der spricht wahr, denn
+sein Gewissen ist das wissende und wollende Selbst. Er muss dies aber
+wesentlich _sagen_, denn dies Selbst muss zugleich _allgemeines_
+Selbst sein. Dies ist es nicht in dem _Inhalt_ der Handlung, denn
+dieser ist um seiner _Bestimmtheit_ willen an sich gleichgueltig:
+sondern die Allgemeinheit liegt in der Form derselben; diese Form ist
+es, welche als wirklich zu setzen ist; sie ist das _Selbst_, das als
+solches in der Sprache wirklich ist, sich als das Wahre aussagt, eben
+darin alle Selbst anerkennt und von ihnen anerkannt wird.
+
+Das Gewissen also, in der Majestaet seiner Erhabenheit ueber das
+bestimmte Gesetz und jeden Inhalt der Pflicht, legt den beliebigen
+Inhalt in sein Wissen und Wollen; es ist die moralische Genialitaet,
+welche die innere Stimme ihres unmittelbaren Wissens als goettliche
+Stimme weiss, und indem sie an diesem Wissen ebenso unmittelbar das
+Dasein weiss, ist sie die goettliche Schoepferkraft, die in ihrem
+Begriffe die Lebendigkeit hat. Sie ist ebenso der Gottesdienst in
+sich selbst; denn ihr Handeln ist das Anschauen dieser ihrer eignen
+Goettlichkeit.
+
+Dieser einsame Gottesdienst ist zugleich wesentlich der Gottesdienst
+einer _Gemeine_, und das reine innere Sich-selbst-_wissen_ und
+Vernehmen geht zum Momente des _Bewusstseins_ fort. Die Anschauung
+seiner ist sein _gegenstaendliches_ Dasein, und dies gegenstaendliche
+Element ist das Aussprechen seines Wissens und Wollens als eines
+_Allgemeinen_. Durch dies Aussprechen wird das Selbst zum Geltenden
+und die Handlung zur ausfuehrenden Tat. Die Wirklichkeit und das
+Bestehen seines Tuns ist das allgemeine Selbstbewusstsein; das
+Aussprechen des Gewissens aber setzt die Gewissheit seiner selbst als
+reines und dadurch als allgemeines Selbst; die andern lassen die
+Handlung um dieser Rede willen, worin das Selbst als das Wesen
+ausgedrueckt und anerkannt ist, gelten. Der Geist und die Substanz
+ihrer Verbindung ist also die gegenseitige Versicherung von ihrer
+Gewissenhaftigkeit, guten Absichten, das Erfreuen ueber diese
+wechselseitige Reinheit und das Laben an der Herrlichkeit des Wissens
+und Aussprechens, des Hegens und Pflegens solcher Vortrefflichkeit.
+--Insofern dies Gewissen sein _abstraktes_ Bewusstsein noch von seinem
+_Selbstbewusstsein_ unterscheidet, hat es sein Leben nur _verborgen_
+in Gott; er ist zwar _unmittelbar_ seinem Geist und Herzen, seinem
+Selbst gegenwaertig; aber das offenbare, sein wirkliches Bewusstsein
+und die vermittelnde Bewegung desselben ist ihm ein Anderes als jenes
+verborgene Innere und die Unmittelbarkeit des gegenwaertigen Wesens.
+Allein in der Vollendung des Gewissens hebt sich der Unterschied
+seines abstrakten und seines Selbstbewusstseins auf. Es weiss, dass das
+_abstrakte_ Bewusstsein eben _dieses Selbst_, dieses seiner gewisse
+Fuer-sich-sein ist, dass in der _Unmittelbarkeit_ der _Beziehung_ des
+Selbsts auf das An-sich, das ausser dem Selbst gesetzt das abstrakte
+Wesen und das ihm verborgene ist, eben die _Verschiedenheit
+aufgehoben_ ist. Denn diejenige Beziehung ist eine _vermittelnde_,
+worin die bezognen nicht ein und dasselbe, sondern ein _Anderes_
+fuereinander und nur in einem dritten eins sind; die _unmittelbare_
+Beziehung aber heisst in der Tat nichts anderes als die Einheit. Das
+Bewusstsein, ueber die Gedankenlosigkeit, diese Unterschiede, die keine
+sind, noch fuer Unterschiede zu halten, erhoben, weiss die
+Unmittelbarkeit der Gegenwart des Wesens in ihm als Einheit des
+Wesens und seines Selbsts, sein Selbst also als das lebendige An-sich
+und dies sein Wissen als die Religion, die als angeschautes oder
+daseiendes Wissen das Sprechen der Gemeine ueber ihren Geist ist.
+
+Wir sehen hiemit hier das Selbstbewusstsein in sein Innerstes
+zurueckgegangen, dem alle Aeusserlichkeit als solche verschwindet--in
+die Anschauung des Ich = Ich, worin dieses Ich alle Wesenheit und
+Dasein ist. Es versinkt in diesem Begriffe seiner selbst, denn es
+ist auf die Spitze seiner Extreme getrieben, und zwar so, dass die
+unterschiednen Momente, wodurch es real oder noch _Bewusstsein_ ist,
+nicht fuer uns nur diese reinen Extreme sind, sondern das, was es fuer
+sich, und was ihm _an sich_ und was ihm _Dasein_ ist, zu
+Abstraktionen verfluechtigt, die keinen Halt, keine Substanz mehr fuer
+dies Bewusstsein selbst haben; und alles, was bisher fuer das
+Bewusstsein Wesen war, ist in diese Abstraktionen zurueckgegangen.--Zu
+dieser Reinheit gelaeutert, ist das Bewusstsein seine aermste Gestalt,
+und die Armut, die seinen einzigen Besitz ausmacht, ist selbst ein
+Verschwinden; diese absolute _Gewissheit_, in welche sich die Substanz
+aufgeloest hat, ist die absolute _Unwahrheit_, die in sich
+zusammenfaellt; es ist das absolute _Selbstbewusstsein_, in dem das
+_Bewusstsein_ versinkt.
+
+Dies Versinken innerhalb seiner selbst betrachtet, so ist fuer das
+Bewusstsein die _ansich_seiende _Substanz_ das _Wissen_ als _sein_
+Wissen. Als Bewusstsein ist es in den Gegensatz seiner und des
+Gegenstandes, der fuer es das Wesen ist, getrennt; aber dieser
+Gegenstand eben ist das vollkommen Durchsichtige, es ist _sein
+Selbst_, und sein Bewusstsein ist nur das Wissen von sich. Alles
+Leben und alle geistige Wesenheit ist in dies Selbst zurueckgegangen,
+und hat seine Verschiedenheit von dem Ich-selbst verloren. Die
+Momente des Bewusstseins sind daher diese extremen Abstraktionen,
+deren keine steht, sondern in der andern sich verliert und sie
+erzeugt. Es ist der Wechsel des ungluecklichen Bewusstseins mit sich,
+der aber fuer es selbst innerhalb seiner vorgeht und der Begriff der
+Vernunft zu sein sich bewusst ist, der jenes nur _an sich_ ist. Die
+absolute Gewissheit seiner selbst schlaegt ihr also als Bewusstsein
+unmittelbar in ein Austoenen, in Gegenstaendlichkeit seines
+Fuer-sich-seins um; aber diese erschaffne Welt ist seine _Rede_, die
+es ebenso unmittelbar vernommen, und deren Echo nur zu ihm
+zurueckkommt. Diese Rueckkehr hat daher nicht die Bedeutung, dass es
+_an_ und _fuer sich_ darin ist; denn das Wesen ist ihm kein _An-sich_,
+sondern es selbst; ebensowenig hat es _Dasein_, denn das
+Gegenstaendliche kommt nicht dazu, ein Negatives des wirklichen
+Selbsts zu sein, so wie dieses nicht zur Wirklichkeit. Es fehlt ihm
+die Kraft der Entaeusserung, die Kraft, sich zum Dinge zu machen und
+das Sein zu ertragen. Es lebt in der Angst, die Herrlichkeit seines
+Innern durch Handlung und Dasein zu beflecken, und um die Reinheit
+seines Herzens zu bewahren, flieht es die Beruehrung der Wirklichkeit
+und beharret in der eigensinnigen Kraftlosigkeit, seinem zur letzten
+Abstraktion zugespitzten Selbst zu entsagen und sich Substantialitaet
+zu geben, oder sein Denken in Sein zu verwandeln und sich dem
+absoluten Unterschiede anzuvertrauen. Der hohle Gegenstand, den es
+sich erzeugt, erfuellt es daher nur mit dem Bewusstsein der Leerheit;
+sein Tun ist das Sehnen, das in dem Werden seiner selbst zum
+wesenlosen Gegenstande sich nur verliert, und ueber diesen Verlust
+hinaus und zurueck zu sich fallend, sich nur als verlornes findet;--in
+dieser durchsichtigen Reinheit seiner Momente eine unglueckliche
+sogenannte _schoene Seele_, verglimmt sie in sich, und schwindet als
+ein gestaltloser Dunst, der sich in Luft aufloest.
+
+Dies stille Zusammenfliessen der marklosen Wesenheiten des
+verfluechtigten Lebens ist aber noch in der andern Bedeutung der
+_Wirklichkeit_ des Gewissens und in der _Erscheinung_ seiner Bewegung
+zu nehmen, und das Gewissen als handelnd zu betrachten.--Das
+_gegenstaendliche_ Moment in diesem Bewusstsein hat sich oben als
+allgemeines Bewusstsein bestimmt; das sich selbst wissende Wissen ist
+als _dieses_ Selbst unterschieden von andern Selbst; die Sprache, in
+der sich alle gegenseitig als gewissenhaft handelnd anerkennen, diese
+allgemeine Gleichheit, zerfaellt in die Ungleichheit des einzelnen
+Fuer-sich-seins, jedes Bewusstsein ist aus seiner Allgemeinheit ebenso
+schlechthin in sich reflektiert; hiedurch tritt der Gegensatz der
+Einzelnheit gegen die andern Einzelnen und gegen das Allgemeine
+notwendig ein, und dieses Verhaeltnis und seine Bewegung ist zu
+betrachten.--Oder diese Allgemeinheit und die Pflicht hat die
+schlechthin entgegengesetzte Bedeutung der bestimmten von dem
+Allgemeinen sich ausnehmenden _Einzelnheit_, fuer welche die reine
+Pflicht nur die an die _Oberflaeche_ getretene und nach aussen gekehrte
+Allgemeinheit ist; die Pflicht liegt nur in den Worten, und gilt als
+ein Sein fuer Anderes. Das Gewissen, zunaechst nur _negativ_ gegen die
+Pflicht als _diese bestimmte vorhandne_ gerichtet, weiss sich frei von
+ihr; aber indem es die leere Pflicht mit einem _bestimmten_ Inhalte
+_aus sich selbst_ anfuellt, hat es das positive Bewusstsein darueber,
+dass es als _dieses_ Selbst sich den Inhalt macht; sein reines Selbst,
+als leeres Wissen, ist das Inhalts- und Bestimmungslose; der Inhalt,
+den es ihm gibt, ist aus seinem Selbst _als diesem_ bestimmten, aus
+sich als natuerlicher Individualitaet genommen, und in dem Sprechen von
+der Gewissenhaftigkeit seines Handelns ist es sich wohl seines reinen
+Selbsts, aber, im _Zwecke_ seines Handelns als wirklichem Inhalt,
+seiner als dieses besondern Einzelnen und des Gegensatzes desjenigen
+bewusst, was es fuer sich und was es fuer andere ist, des Gegensatzes
+der Allgemeinheit oder Pflicht und seines Reflektiertseins aus ihr.
+
+Wenn sich so der Gegensatz, in den das Gewissen als _handelnd_
+eintritt, in seinem Innern ausdrueckt, so ist er zugleich die
+Ungleichheit nach Aussen in dem Elemente des Daseins, die Ungleichheit
+seiner besondern Einzelnheit gegen anderes Einzelnes.--Seine
+Besonderheit besteht darin, dass die beiden sein Bewusstsein
+konstituierenden Momente, das Selbst und das An-sich, mit _ungleichem
+Werte_, und zwar mit der Bestimmung in ihm gelten, dass die Gewissheit
+seiner selbst das Wesen ist, _gegen das An-sich_ oder das
+_Allgemeine_, das nur als Moment gilt. Dieser innerlichen Bestimmung
+steht also das Element des Daseins oder das allgemeine Bewusstsein
+gegenueber, welchem vielmehr die Allgemeinheit, die Pflicht das Wesen,
+dagegen die Einzelnheit, die gegen das Allgemeine fuer sich ist, nur
+als aufgehobnes Moment gilt. Diesem Festhalten an der Pflicht gilt
+das erste Bewusstsein als _das Boese_, weil es die Ungleichheit seines
+_In-sich-seins_ mit dem Allgemeinen ist, und indem dieses zugleich
+sein Tun als Gleichheit mit sich selbst, als Pflicht und
+Gewissenhaftigkeit ausspricht, als _Heuchelei_.
+
+Die _Bewegung_ dieses Gegensatzes ist zunaechst die formelle
+Herstellung der Gleichheit zwischen dem, was das Boese in sich ist,
+und was es ausspricht; es muss zum Vorschein kommen, dass es boese und
+so sein Dasein seinem Wesen gleich, die _Heuchelei_ muss _entlarvt_
+werden.--Diese Rueckkehr der in ihr vorhandnen Ungleichheit in die
+Gleichheit ist nicht darin schon zustande gekommen, dass die Heuchelei,
+wie man zu sagen pflegt, ebendadurch ihre Achtung fuer Pflicht und
+Tugend beweise, dass sie den _Schein_ derselben annehme und als Maske
+fuer ihr eignes nicht weniger als fuer fremdes Bewusstsein gebrauche; in
+welchem Anerkennen des Entgegengesetzten an sich die Gleichheit und
+Uebereinstimmung enthalten sei.--Allein sie ist zugleich aus diesem
+Anerkennen der Sprache ebensosehr heraus und in sich reflektiert, und
+darin, dass sie das _An-sich-_seiende nur als ein _Sein fuer Anderes_
+gebraucht, ist vielmehr die eigne Verachtung desselben und die
+Darstellung seiner Wesenlosigkeit fuer alle enthalten. Denn was sich
+als ein aeusserliches Werkzeug gebrauchen laesst, zeigt sich als ein Ding,
+das keine eigne Schwere in sich hat.
+
+Auch kommt diese Gleichheit weder durch das einseitige Beharren des
+boesen Bewusstseins auf sich noch durch das Urteil des Allgemeinen
+zustande.--Wenn jenes sich gegen das Bewusstsein der Pflicht
+verleugnet und, was dieses fuer Schlechtigkeit, fuer absolute
+Ungleichheit mit dem Allgemeinen, aussagt, als ein Handeln nach dem
+innern Gesetze und Gewissen behauptet, so bleibt in dieser
+einseitigen Versicherung der Gleichheit seine Ungleichheit mit dem
+Andern, da ja dieses sie nicht glaubt und nicht anerkennt.--Oder da
+das einseitige Beharren auf _einem_ Extreme sich selbst aufloest, so
+wuerde das Boese sich zwar dadurch als Boeses eingestehen, aber darin
+sich _unmittelbar_ aufheben und nicht Heuchelei sein noch als solche
+sich entlarven. Es gesteht sich in der Tat als Boeses durch die
+Behauptung ein, dass es, dem anerkannten Allgemeinen entgegengesetzt,
+nach _seinem_ innern Gesetze und Gewissen handle. Denn waere dies
+Gesetz und Gewissen nicht das Gesetz seiner _Einzelnheit_ und
+_Willkuer_, so waere es nicht etwas Innres, Eignes, sondern das
+allgemein Anerkannte. Wer darum sagt, dass er nach _seinem_ Gesetze
+und Gewissen gegen die andern handle, sagt in der Tat, dass er sie
+misshandle. Aber das _wirkliche_ Gewissen ist nicht dieses Beharren
+auf dem Wissen und Willen, der dem Allgemeinen sich entgegensetzt,
+sondern das Allgemeine ist das Element seines _Daseins_, und seine
+Sprache sagt sein Tun als die _anerkannte_ Pflicht aus.
+
+Ebensowenig ist das Beharren des allgemeinen Bewusstseins auf seinem
+Urteile Entlarvung und Aufloesung der Heuchelei.--Indem es gegen sie
+schlecht, niedertraechtig u.s.f. ausruft, beruft es sich in solchem
+Urteil auf _sein_ Gesetz, wie das _boese_ Bewusstsein auf das _seinige_.
+Denn jenes tritt im Gegensatz gegen dieses und dadurch als ein
+besonderes Gesetz auf. Es hat also nichts vor dem andern voraus,
+legitimiert vielmehr dieses, und dieser Eifer tut gerade das
+Gegenteil dessen, was er zu tun meint,--naemlich das, was er wahre
+Pflicht nennt und das _allgemein_ anerkannt sein soll, als ein
+_Nichtanerkanntes_ zu zeigen, und hiedurch dem andern das gleiche
+Recht des Fuer-sich-seins einzuraeumen.
+
+Dies Urteil aber hat zugleich eine andre Seite, von welcher es die
+Einleitung zur Aufloesung des vorhandnen Gegensatzes wird.--Das
+Bewusstsein _des Allgemeinen_ verhaelt sich nicht als _wirkliches_ und
+_handelndes_ gegen das erste--denn dieses ist vielmehr das
+wirkliche--, sondern ihm entgegengesetzt, als dasjenige, das nicht in
+dem Gegensatze der Einzelnheit und Allgemeinheit befangen ist,
+welcher in dem Handeln eintritt. Es bleibt in der Allgemeinheit des
+_Gedankens_, verhaelt sich als _auffassendes_, und seine erste
+Handlung ist nur das Urteil.--Durch dies Urteil stellt es sich nun,
+wie soeben bemerkt wurde, _neben_ das erste, und dieses kommt _durch
+diese Gleichheit_ zur Anschauung seiner selbst in diesem andern
+Bewusstsein. Denn das Bewusstsein der Pflicht verhaelt _sich auffassend,
+passiv_; es ist aber hiedurch im Widerspruche mit sich als dem
+absoluten Willen der Pflicht, mit sich, dem schlechthin aus sich
+selbst Bestimmenden. Es hat gut sich in der Reinheit bewahren, denn
+es _handelt nicht_; es ist die Heuchelei, die das Urteilen fuer
+_wirkliche_ Tat genommen wissen will, und statt durch Handlung durch
+das Aussprechen vortrefflicher Gesinnungen die Rechtschaffenheit
+beweist. Es ist also ganz so beschaffen wie dasjenige, dem der
+Vorwurf gemacht wird, dass es nur in seine Rede die Pflicht legt. In
+beiden ist die Seite der Wirklichkeit gleich unterschieden von der
+Rede, in dem einen durch den _eigennuetzigen Zweck_ der Handlung, in
+dem andern durch das _Fehlen des Handelns_ ueberhaupt, dessen
+Notwendigkeit in dem Sprechen von der Pflicht selbst liegt, denn
+diese hat ohne Tat gar keine Bedeutung.
+
+Das Urteilen ist aber auch als positive Handlung des Gedankens zu
+betrachten und hat einen positiven Inhalt; durch diese Seite wird der
+Widerspruch, der in dem auffassenden Bewusstsein vorhanden ist, und
+seine Gleichheit mit dem ersten noch vollstaendiger.--Das handelnde
+Bewusstsein spricht dies sein bestimmtes Tun als Pflicht aus, und das
+beurteilende kann ihm dies nicht ableugnen; denn die Pflicht selbst
+ist die jeden Inhalts faehige, inhaltslose Form,--oder die konkrete
+Handlung, in ihrer Vielseitigkeit an ihr selbst verschieden, hat die
+allgemeine Seite, welche die ist, die als Pflicht genommen wird,
+ebensosehr an ihr als die besondere, die den Anteil und das Interesse
+des Individuums ausmacht. Das beurteilende Bewusstsein bleibt nun
+nicht bei jener Seite der Pflicht und bei dem Wissen des Handelnden
+davon, dass dies seine Pflicht, das Verhaeltnis und der Stand seiner
+Wirklichkeit sei, stehen. Sondern es haelt sich an die andre Seite,
+spielt die Handlung in das Innre hinein, und erklaert sie aus ihrer
+von ihr selbst verschiednen _Absicht_ und eigennuetzigen _Triebfeder_.
+Wie jede Handlung der Betrachtung ihrer Pflichtgemaessheit faehig ist,
+ebenso dieser andern Betrachtung der _Besonderheit_; denn als
+Handlung ist sie die Wirklichkeit des Individuums.--Dieses Beurteilen
+setzt also die Handlung aus ihrem Dasein heraus und reflektiert sie
+in das Innre oder in die Form der eignen Besonderheit.--Ist sie von
+Ruhme begleitet, so weiss es dies Innre als Ruhm_sucht_;--ist sie dem
+Stande des Individuums ueberhaupt angemessen, ohne ueber diesen
+hinauszugehen, und so beschaffen, dass die Individualitaet den Stand
+nicht als eine aeussere Bestimmung an ihr haengen hat, sondern diese
+Allgemeinheit durch sich selbst ausfuellt und ebendadurch sich als
+eines Hoehern faehig zeigt, so weiss das Urteil ihr Innres als
+Ehrbegierde u.s.f. Indem in der Handlung ueberhaupt das Handelnde zur
+Anschauung _seiner selbst_ in der Gegenstaendlichkeit, oder zum
+Selbstgefuehl seiner in seinem Dasein und also zum Genusse gelangt; so
+weiss das Urteil das Innre als Trieb nach eigner Glueckseligkeit,
+bestuende sie auch nur in der innern moralischen Eitelkeit, dem
+Genusse des Bewusstseins der eignen Vortrefflichkeit, und dem
+Vorschmacke der Hoffnung einer kuenftigen Glueckseligkeit.--Es kann
+sich keine Handlung solchem Beurteilen entziehen, denn die Pflicht um
+der Pflicht willen, dieser reine Zweck, ist das Unwirkliche; seine
+Wirklichkeit hat er in dem Tun der Individualitaet, und die Handlung
+dadurch die Seite der Besondernheit an ihr.--Es gibt keinen Helden
+fuer den Kammerdiener; nicht aber weil jener nicht ein Held, sondern
+weil dieser--der Kammerdiener ist, mit welchem jener nicht als Held,
+sondern als Essender, Trinkender, sich Kleidender, ueberhaupt in der
+Einzelnheit des Beduerfnisses und der Vorstellung zu tun hat. So gibt
+es fuer das Beurteilen keine Handlung, in welcher es nicht die Seite
+der Einzelnheit der Individualitaet der allgemeinen Seite der Handlung
+entgegensetzen, und gegen den Handelnden den Kammerdiener der
+Moralitaet machen koennte.
+
+Dies beurteilende Bewusstsein ist hiemit selbst _niedertraechtig_, weil
+es die Handlung teilt, und ihre Ungleichheit mit ihr selbst
+hervorbringt und festhaelt. Es ist ferner _Heuchelei_, weil es
+solches Beurteilen nicht fuer eine _andre Manier_, boese zu sein,
+sondern fuer das _rechte Bewusstsein_ der Handlung ausgibt, in dieser
+seiner Unwirklichkeit und Eitelkeit des Gut- und Besserwissens sich
+selbst ueber die heruntergemachten Taten hinaufsetzt, und sein
+tatloses Reden fuer eine vortreffliche _Wirklichkeit_ genommen wissen
+will.--Hiedurch also dem Handelnden, welches von ihm beurteilt wird,
+sich gleich machend, wird es von diesem als dasselbe mit ihm erkannt.
+Dieses findet sich von jenem nicht nur aufgefasst als ein Fremdes und
+mit ihm Ungleiches, sondern vielmehr jenes nach dessen eigner
+Beschaffenheit mit ihm gleich. Diese Gleichheit anschauend und sie
+_aussprechend, gesteht_ es sich ihm ein, und erwartet ebenso, dass das
+Andre, wie es sich in der Tat ihm gleich gestellt hat, so auch seine
+_Rede_ erwidern, in ihr seine Gleichheit aussprechen und das
+anerkennende Dasein eintreten werde. Sein Gestaendnis ist nicht eine
+Erniedrigung, Demuetigung, Wegwerfung im Verhaeltnisse gegen das Andre;
+denn dieses Aussprechen ist nicht das einseitige, wodurch es seine
+_Ungleichheit_ mit ihm setzte, sondern allein um der Anschauung _der
+Gleichheit_ des Andern willen mit ihm spricht es sich, es spricht
+_ihre Gleichheit_ von seiner Seite in seinem Gestaendnisse aus, und
+spricht sie darum aus, weil die Sprache das _Dasein_ des Geistes als
+unmittelbaren Selbsts ist; es erwartet also, dass das Andre das
+Seinige zu diesem Dasein beitrage.
+
+Allein auf das Eingestaendnis des Boesen: _Ich bin's_, erfolgt nicht
+diese Erwiderung des gleichen Gestaendnisses. So war es mit jenem
+Urteilen nicht gemeint; im Gegenteil! Es stoesst diese Gemeinschaft
+von sich, und ist das harte Herz, das fuer sich ist und die
+Kontinuitaet mit dem andern verwirft.--Hiedurch kehrt sich die Szene
+um. Dasjenige, das sich bekannte, sieht sich zurueckgestossen, und das
+andere im Unrecht, welches das Heraustreten seines Innern in das
+Dasein der Rede verweigert und dem Boesen die Schoenheit seiner Seele,
+dem Bekenntnisse aber den steifen Nacken des sich gleich bleibenden
+Charakters und die Stummheit, sich in sich zu behalten und sich nicht
+gegen einen andern wegzuwerfen, entgegensetzt. Es ist hier die
+hoechste Empoerung des seiner selbst gewissen Geistes gesetzt; denn er
+schaut sich als dieses _einfache Wissen des Selbsts_ im Andern an,
+und zwar so, dass auch die aeussere Gestalt dieses Andern nicht wie im
+Reichtume das Wesenlose, nicht ein Ding ist, sondern es ist der
+Gedanke, das Wissen selbst, was ihm entgegengehalten, es ist diese
+absolut fluessige Kontinuitaet des reinen _Wissens_, die sich
+verweigert, ihre Mitteilung mit ihm zu setzen--mit ihm, der schon in
+seinem Bekenntnisse dem _abgesonderten Fuer-sich-sein_ entsagte, und
+sich als aufgehobne Besonderheit und hiedurch als die Kontinuitaet mit
+dem Andern, als Allgemeines setzte. Das Andre aber behaelt _an ihm
+selbst_ sich sein sich nicht mitteilendes Fuer-sich-sein bevor; an dem
+bekennenden behaelt es ebendasselbe, was aber von diesem schon
+abgeworfen ist. Es zeigt sich dadurch als das geistverlassne und den
+Geist verleugnende Bewusstsein, denn es erkennt nicht, dass der Geist
+in der absoluten Gewissheit seiner selbst ueber alle Tat und
+Wirklichkeit Meister, und sie abwerfen und ungeschehen machen kann.
+Zugleich erkennt es nicht den Widerspruch, den es begeht, die
+Abwerfung, die in _der Rede_ geschehen ist, nicht fuer das wahre
+Abwerfen gelten zu lassen, waehrend es selbst die Gewissheit seines
+Geistes nicht in einer wirklichen Handlung, sondern in seinem Innern
+und dessen Dasein in der _Rede_ seines Urteils hat. Es ist es also
+selbst, das die Rueckkehr des Andern aus der Tat in das geistige
+Dasein der Rede und in die Gleichheit des Geistes hemmt und durch
+diese Haerte die Ungleichheit hervorbringt, welche noch vorhanden ist.
+
+Insofern nun der seiner selbst gewisse Geist, als schoene Seele, nicht
+die Kraft der Entaeusserung des an sich haltenden Wissens ihrer selbst
+besitzt, kann sie nicht zur Gleichheit mit dem zurueckgestossnen
+Bewusstsein und also nicht zur angeschauten Einheit ihrer selbst im
+Andern, nicht zum Dasein gelangen; die Gleichheit kommt daher nur
+negativ, als ein geistloses Sein, zustande. Die wirklichkeitslose
+schoene Seele, in dem Widerspruche ihres reinen Selbsts und der
+Notwendigkeit desselben, sich zum Sein zu entaeussern und in
+Wirklichkeit umzuschlagen, in der _Unmittelbarkeit_ dieses
+festgehaltnen Gegensatzes--einer Unmittelbarkeit, die allein die
+Mitte und Versoehnung des auf seine reine Abstraktion gesteigerten
+Gegensatzes, und die reines Sein oder das leere Nichts ist--ist also
+als Bewusstsein dieses Widerspruches in seiner unversoehnten
+Unmittelbarkeit zur Verruecktheit zerruettet, und zerfliesst in
+sehnsuechtiger Schwindsucht. Es gibt damit in der Tat das harte
+Festhalten _seines Fuer-sich-seins_ auf, bringt aber nur die geistlose
+Einheit des Seins hervor.
+
+Die wahre, naemlich die _selbstbewusste_ und _daseiende_ Ausgleichung
+ist nach ihrer Notwendigkeit schon in dem Vorhergehenden enthalten.
+Das Brechen des harten Herzens und seine Erhebung zur Allgemeinheit
+ist dieselbe Bewegung, welche an dem Bewusstsein ausgedrueckt war, das
+sich selbst bekannte. Die Wunden des Geistes heilen, ohne dass Narben
+bleiben; die Tat ist nicht das Unvergaengliche, sondern wird von dem
+Geiste in sich zurueckgenommen, und die Seite der Einzelnheit, die an
+ihr, es sei als Absicht oder als daseiende Negativitaet und Schranke
+derselben vorhanden ist, ist das unmittelbar verschwindende. Das
+verwirklichende _Selbst_, die Form seiner Handlung, ist nur ein
+_Moment_ des Ganzen, und ebenso das durch Urteil bestimmende und den
+Unterschied der einzelnen und allgemeinen Seite des Handelns
+festsetzende Wissen. Jenes Boese setzt diese Entaeusserung seiner oder
+sich als Moment, hervorgelockt in das bekennende Dasein durch die
+Anschauung seiner selbst im Andern. Diesem Andern aber muss, wie
+jenem sein einseitiges nicht anerkanntes Dasein des besondern
+Fuer-sich-seins, so ihm sein einseitiges nicht anerkanntes Urteil
+brechen; und wie jenes die Macht des Geistes ueber seine Wirklichkeit
+darstellt, so dies die Macht ueber seinen bestimmten Begriff.
+
+Dieses entsagt aber dem teilenden Gedanken und der Haerte des an ihm
+festhaltenden Fuer-sich-seins, darum weil es in der Tat sich selbst im
+ersten anschaut. Dies, das seine Wirklichkeit wegwirft, und sich zum
+_aufgehobnen Diesen_ macht, stellt sich dadurch in der Tat als
+Allgemeines dar; es kehrt aus seiner aeussern Wirklichkeit in sich als
+Wesen zurueck; das allgemeine Bewusstsein erkennt also darin sich
+selbst.--Die Verzeihung, die es dem ersten widerfahren laesst, ist die
+Verzicht-Leistung auf sich, auf sein _unwirkliches_ Wesen, dem es
+jenes andere, das _wirkliches_ Handeln war, gleichsetzt, und es, das
+von der Bestimmung, die das Handeln im Gedanken erhielt, Boeses
+genannt wurde, als gut anerkennt, oder vielmehr diesen Unterschied
+des bestimmten Gedankens und sein fuersichseiendes bestimmendes Urteil
+fahren laesst, wie das Andre das fuersichseiende Bestimmen der Handlung.
+--Das Wort der Versoehnung ist der _daseiende_ Geist, der das reine
+Wissen seiner selbst als _allgemeinen_ Wesens in seinem Gegenteile,
+in dem reinen Wissen seiner als der absolut in sich seienden
+_Einzelnheit_ anschaut--ein gegenseitigem Anerkennen, welches der
+_absolute Geist_ ist.
+
+Er tritt ins Dasein nur auf der Spitze, auf welcher sein reines
+Wissen von sich selbst der Gegensatz und Wechsel mit sich selbst ist.
+Wissend, dass sein _reines Wissen_ das abstrakte _Wesen_ ist, ist er
+diese wissende Pflicht im absoluten Gegensatze gegen das Wissen, das
+sich als absolute _Einzelnheit_ des Selbsts das Wesen zu sein weiss.
+Jenes ist die reine Kontinuitaet des Allgemeinen, welches die sich als
+Wesen wissende Einzelnheit als das an sich Nichtige, als das _Boese_
+weiss. Dies aber ist die absolute Diskretion, welche sich selbst in
+ihrem reinen Eins absolut, und jenes Allgemeine als das unwirkliche
+weiss, das nur _fuer Andre_ ist. Beide Seiten sind zu dieser Reinheit
+gelaeutert, worin kein selbstloses Dasein, kein Negatives des
+Bewusstseins mehr an ihnen ist, sondern jene _Pflicht_ ist der sich
+gleichbleibende Charakter seines Sich-selbst-wissens, und dieses Boese
+hat ebenso seinen Zweck in seinem _In-sich-sein_, und seine
+Wirklichkeit in seiner Rede; der Inhalt dieser Rede ist die Substanz
+seines Bestehens; sie ist die Versicherung von der Gewissheit des
+Geistes in sich selbst.--Beide ihrer selbst gewissen Geister haben
+keinen andern Zweck als ihr reines Selbst, und keine andre Realitaet
+und Dasein als eben dieses reine Selbst. Aber sie sind noch
+verschieden, und die Verschiedenheit ist die absolute, weil sie in
+diesem Elemente des reinen Begriffes gesetzt ist. Sie ist es auch
+nicht nur fuer uns, sondern fuer die Begriffe selbst, die in diesem
+Gegensatze stehen. Denn diese Begriffe sind zwar _bestimmte_
+gegeneinander, aber zugleich an sich allgemeine, so dass sie den
+ganzen Umfang des Selbsts ausfuellen, und dies Selbst keinen andern
+Inhalt als diese seine Bestimmtheit hat, die weder ueber es hinausgeht,
+noch beschraenkter ist als es; denn die eine, das absolut Allgemeine,
+ist ebenso das reine Sich-selbst-wissen als das andre, die absolute
+Diskretion der Einzelnheit, und beide sind nur dies reine Sich-wissen.
+Beide Bestimmtheiten sind also die wissenden reinen Begriffe, deren
+Bestimmtheit selbst unmittelbar Wissen, oder deren _Verhaeltnis_ und
+Gegensatz das Ich ist. Hiedurch sind sie _fuereinander_ diese
+schlechthin Entgegengesetzten; es ist das vollkommen Innre, das so
+sich selbst gegenueber und ins Dasein getreten ist; sie machen das
+_reine Wissen_ aus, das durch diesen Gegensatz als _Bewusstsein_
+gesetzt ist. Aber noch ist es nicht _Selbstbewusstsein_. Diese
+Verwirklichung hat es in der Bewegung dieses Gegensatzes. Denn
+dieser Gegensatz ist vielmehr selbst die _indiskrete Kontinuitaet_ und
+_Gleichheit_ des Ich = Ich; und jedes _fuer sich_ eben durch den
+Widerspruch seiner reinen Allgemeinheit, welche zugleich seiner
+Gleichheit mit dem andern noch widerstrebt und sich davon absondert,
+hebt an ihm selbst sich auf. Durch diese Entaeusserung kehrt dies in
+seinem _Dasein_ entzweite Wissen in die Einheit des _Selbsts_ zurueck;
+es ist das _wirkliche_ Ich, das allgemeine _Sich-selbst_-wissen in
+seinem _absoluten Gegenteile_, in dem _insich_seienden Wissen, das um
+der Reinheit seines abgesonderten In-sich-seins willen selbst das
+vollkommen Allgemeine ist. Das versoehnende _*Ja*_, worin beide Ich
+von ihrem entgegengesetzten _Dasein_ ablassen, ist das _Dasein_ des
+zur Zweiheit ausgedehnten _Ichs_, das darin sich gleich bleibt, und
+in seiner vollkommnen Entaeusserung und Gegenteile die Gewissheit seiner
+selbst hat;--es ist der erscheinende Gott mitten unter ihnen, die
+sich als das reine Wissen wissen.
+
+
+
+VII. Die Religion
+
+In den bisherigen Gestaltungen, die sich im allgemeinen als
+_Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft_ und _Geist_ unterscheiden,
+ist zwar auch die _Religion_, als Bewusstsein des _absoluten Wesens_
+ueberhaupt, vorgekommen; allein vom _Standpunkte des Bewusstseins_ aus,
+das sich des absoluten Wesens bewusst ist; nicht aber ist das absolute
+Wesen _an und fuer sich_ selbst, nicht das Selbstbewusstsein des
+Geistes in jenen Formen erschienen.
+
+Schon das _Bewusstsein_ wird, insofern es _Verstand_ ist, Bewusstsein
+des _Uebersinnlichen_ oder _Innern_ des gegenstaendlichen Daseins.
+Aber das Uebersinnliche, Ewige, oder wie man es sonst nennen mag, ist
+_selbstlos_; es ist nur erst das _Allgemeine_, das noch weit entfernt
+ist, der sich als Geist wissende Geist zu sein.--Alsdenn war das
+_Selbstbewusstsein_, das in der Gestalt des _ungluecklichen_
+Bewusstseins seine Vollendung hat, nur der sich zur Gegenstaendlichkeit
+wieder herausringende, aber sie nicht erreichende _Schmerz_ des
+Geistes. Die Einheit des _einzelnen_ Selbstbewusstseins und seines
+unwandelbaren _Wesens_, zu der jenes sich bringt, bleibt daher ein
+_Jenseits_ desselben.--Das unmittelbare Dasein der _Vernunft_, die
+fuer uns aus jenem Schmerz hervorging, und ihre eigentuemlichen
+Gestalten haben keine Religion, weil das Selbstbewusstsein derselben
+_sich_ in der _unmittelbaren_ Gegenwart weiss oder sucht.
+
+Hingegen in der sittlichen Welt sahen wir eine Religion, und zwar die
+_Religion_ der _Unterwelt_; sie ist der Glauben an die furchtbare
+unbekannte Nacht des _Schicksals_, und an die Eumenide des
+_abgeschiednen Geistes_;--jene die reine Negativitaet in der Form der
+Allgemeinheit, diese dieselbe in der Form der Einzelnheit. Das
+absolute Wesen ist in der letztern Form also zwar das _Selbst_, und
+_gegenwaertiges_, wie das Selbst nicht anders ist; allein das
+_einzelne_ Selbst ist _dieser_ einzelne Schatten, der die
+Allgemeinheit, welche das Schicksal ist, getrennt von sich hat. Er
+ist zwar Schatten, _aufgehobner Dieser_, und somit allgemeines Selbst;
+aber noch ist jene negative Bedeutung nicht in diese positive
+umgeschlagen, und daher bedeutet zugleich das aufgehobne Selbst noch
+unmittelbar diesen besondern und wesenlosen.--Das Schicksal aber ohne
+das Selbst bleibt die bewusstlose Nacht, die nicht zur Unterscheidung
+in ihr noch zur Klarheit des Sich-selbst-wissens kommt.
+
+Dieser Glauben an das Nichts der Notwendigkeit und an die Unterwelt
+wird zum _Glauben_ an den _Himmel_, weil das abgeschiedne Selbst mit
+seiner Allgemeinheit sich vereinen, in ihr das, was es enthaelt,
+auseinanderschlagen und so sich klar werden muss. Dieses _Reich_ des
+Glaubens aber sahen wir nur im Elemente des Denkens seinen Inhalt
+ohne den Begriff entfalten, und es darum in seinem Schicksale,
+naemlich in der _Religion_ der _Aufklaerung_, untergehen. In dieser
+stellt sich das uebersinnliche Jenseits des Verstandes wieder her,
+aber so, dass das Selbstbewusstsein diesseits befriedigt steht, und das
+uebersinnliche, das _leere_ nicht zu erkennende noch zu fuerchtende
+jenseits weder als Selbst noch als Macht weiss.
+
+In der Religion der Moralitaet ist endlich dies wiederhergestellt, dass
+das absolute Wesen ein positiver Inhalt ist, aber er ist mit der
+Negativitaet der Aufklaerung vereinigt. Er ist ein _Sein_, das ebenso
+ins Selbst zurueckgenommen und darin eingeschlossen bleibt, und ein
+_unterschiedner Inhalt_, dessen Teile ebenso unmittelbar negiert, als
+sie aufgestellt sind. Das Schicksal aber, worin diese
+widersprechende Bewegung versinkt, ist das seiner, als des Schicksals
+der _Wesenheit_ und _Wirklichkeit_, bewusste Selbst.
+
+Der sich selbst wissende Geist ist in der Religion unmittelbar sein
+eignes reines _Selbstbewusstsein_. Diejenigen Gestalten desselben,
+die betrachtet worden--der wahre, der sich entfremdete, und der
+seiner selbst gewisse Geist--, machen zusammen ihn in seinem
+_Bewusstsein_ aus, das seiner _Welt_ gegenuebertretend in ihr sich
+nicht erkennt. Aber im Gewissen unterwirft er sich wie seine
+gegenstaendliche Welt ueberhaupt, so auch seine Vorstellung und seine
+bestimmten Begriffe, und ist nun bei sich seiendes Selbstbewusstsein.
+In diesem hat er fuer sich, als _Gegenstand vorgestellt_, die
+Bedeutung, der allgemeine Geist zu sein, der alles Wesen und alle
+Wirklichkeit in sich enthaelt; ist aber nicht in der Form freier
+Wirklichkeit oder der selbststaendig erscheinenden Natur. Er hat zwar
+_Gestalt_ oder die Form des Seins, indem er _Gegenstand_ seines
+Bewusstseins ist, aber weil dieses in der Religion in der wesentlichen
+Bestimmung, _Selbst_bewusstsein zu sein, gesetzt ist, ist die Gestalt
+sich vollkommen durchsichtig; und die Wirklichkeit, die er enthaelt,
+ist in ihm eingeschlossen oder in ihm aufgehoben, gerade auf die
+Weise, wie wenn wir _alle Wirklichkeit_ sprechen; sie ist die
+_gedachte_, allgemeine Wirklichkeit.
+
+Indem also in der Religion die Bestimmung des eigentlichen
+Bewusstseins des Geistes nicht die Form des freien _Andersseins_ hat,
+so ist sein _Dasein_ von seinem _Selbstbewusstsein_ unterschieden, und
+seine eigentliche Wirklichkeit faellt ausser der Religion; es ist wohl
+_ein_ Geist beider, aber sein Bewusstsein umfasst nicht beide zumal,
+und die Religion erscheint als ein Teil des Daseins und Tuns und
+Treibens, dessen anderer Teil das Leben in seiner wirklichen Welt ist.
+Wie wir nun es wissen, dass der Geist in seiner Welt und der seiner
+als Geist bewusste Geist oder der Geist in der Religion dasselbe sind,
+so besteht die Vollendung der Religion darin, dass beides einander
+gleich werde, nicht nur dass seine Wirklichkeit von der Religion
+befasst ist, sondern umgekehrt, dass er sich als seiner selbst bewusster
+Geist wirklich und _Gegenstand seines Bewusstseins_ werde.--Insofern
+der Geist in der Religion sich ihm selbst _vorstellt_, ist er zwar
+Bewusstsein, und die in ihr eingeschlossne Wirklichkeit ist die Gestalt
+und das Kleid seiner Vorstellung. Der Wirklichkeit widerfaehrt aber
+in dieser Vorstellung nicht ihr vollkommnes Recht, naemlich nicht nur
+Kleid zu sein, sondern selbststaendiges freies Dasein; und umgekehrt
+ist sie, weil ihr die Vollendung in ihr selbst mangelt, eine
+_bestimmte_ Gestalt, die nicht dasjenige erreicht, was sie darstellen
+soll, naemlich den seiner selbst bewussten Geist. Dass seine Gestalt
+ihn selbst ausdrueckte, muesste sie selbst nichts anderes sein als er,
+und er sich so erschienen oder wirklich sein, wie er in seinem Wesen
+ist. Dadurch allein wuerde auch das erreicht, was die Foderung des
+Gegenteils zu sein scheinen kann, naemlich dass der _Gegenstand_ seines
+Bewusstseins die Form freier Wirklichkeit zugleich hat; aber nur der
+Geist, der sich als absoluter Geist Gegenstand ist, ist sich eine
+ebenso freie Wirklichkeit, als er darin seiner selbst bewusst bleibt.
+
+Indem zunaechst das Selbstbewusstsein und das eigentliche Bewusstsein,
+die _Religion_ und der Geist in seiner Welt oder das _Dasein_ des
+Geistes unterschieden wird, so besteht das letztere in dem Ganzen des
+Geistes, insofern seine Momente als auseinandertretend und jedes fuer
+sich sich darstellt. Die Momente aber sind das _Bewusstsein_, das
+_Selbstbewusstsein_, die _Vernunft_ und der _Geist_;--der Geist
+naemlich als unmittelbarer Geist, der noch nicht das Bewusstsein des
+Geistes ist. Ihre _zusammengefasste_ Totalitaet macht den Geist in
+seinem weltlichen Dasein ueberhaupt aus; der Geist als solcher enthaelt
+die bisherigen Gestaltungen in den allgemeinen Bestimmungen, den
+soeben genannten Momenten. Die Religion setzt den ganzen Ablauf
+derselben voraus und ist die _einfache_ Totalitaet oder das absolute
+Selbst derselben.--Der Verlauf derselben ist uebrigens im Verhaeltnisse
+zur Religion nicht in der Zeit vorzustellen. Der ganze Geist nur ist
+in der Zeit, und die Gestalten, welche Gestalten des ganzen _Geistes_
+als solchen sind, stellen sich in einer Aufeinanderfolge dar; denn
+nur das Ganze hat eigentliche Wirklichkeit, und daher die Form der
+reinen Freiheit gegen anderes, die sich als Zeit ausdrueckt. Aber die
+_Momente_ desselben, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft und Geist
+haben, weil sie Momente sind, kein voneinander verschiednes Dasein.
+--Wie der Geist von seinen Momenten unterschieden wurde, so ist noch
+drittens von diesen Momenten selbst ihre vereinzelnte Bestimmung zu
+unterscheiden. Jedes jener Momente sahen wir naemlich wieder an ihm
+selbst sich in einem eignen Verlaufe unterscheiden und verschieden
+gestalten; wie z.B. am Bewusstsein die sinnliche Gewissheit,
+Wahrnehmung sich unterschied. Diese letztern Seiten treten in der
+Zeit auseinander und gehoeren einem _besondern Ganzen_ an.--Denn der
+Geist steigt aus seiner _Allgemeinheit_ durch die _Bestimmung_ zur
+_Einzelnheit_ herab. Die Bestimmung oder Mitte ist _Bewusstsein,
+Selbstbewusstsein_ u.s.f. Die _Einzelnheit_ aber machen die Gestalten
+dieser Momente aus. Diese stellen daher den Geist in seiner
+Einzelnheit oder _Wirklichkeit_ dar und unterscheiden sich in der
+Zeit, so jedoch, dass die folgende die vorhergehenden an ihr behaelt.
+
+Wenn daher die Religion die Vollendung des Geistes ist, worin die
+einzelnen Momente desselben, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft
+und Geist, als in ihren _Grund zurueckgehen_ und _zurueckgegangen_ sind,
+so machen sie zusammen die _daseiende Wirklichkeit_ des ganzen
+Geistes aus, welcher nur _ist_ als die unterscheidende und in sich
+zurueckgehende Bewegung dieser seiner Seiten. Das Werden _der
+Religion ueberhaupt_ ist in der Bewegung der allgemeinen Momente
+enthalten. Indem aber jedes dieser Attribute, wie es nicht nur im
+allgemeinen sich bestimmt, sondern wie es _an und fuer sich_ ist, d.h.
+wie es in sich selbst sich als Ganzes verlauft, dargestellt wurde, so
+ist damit auch nicht nur das Werden der Religion _ueberhaupt_
+entstanden, sondern jene vollstaendigen Verlaeufe der _einzelnen_
+Seiten enthalten zugleich die _Bestimmtheiten der Religion_ selbst.
+Der ganze Geist, der Geist der Religion, ist wieder die Bewegung, aus
+seiner Unmittelbarkeit zum _Wissen_ dessen zu gelangen, was er _an
+sich_ oder unmittelbar ist, und es zu erreichen, dass die _Gestalt_,
+in welcher er fuer sein Bewusstsein erscheint, seinem Wesen vollkommen
+gleiche, und er sich anschaue, wie er ist.--In diesem Werden ist er
+also selbst in _bestimmten_ Gestalten, welche die Unterschiede dieser
+Bewegung ausmachen; zugleich hat damit die bestimmte Religion ebenso
+einen _bestimmten wirklichen_ Geist. Wenn also dem sich wissenden
+Geiste ueberhaupt Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft und Geist
+angehoeren, so gehoeren den _bestimmten_ Gestalten des sich wissenden
+Geistes die _bestimmten_ Formen an, welche sich innerhalb des
+Bewusstseins, Selbstbewusstseins, der Vernunft und des Geistes an jedem
+besonders entwickelten. Die _bestimmte_ Gestalt der Religion greift
+fuer ihren wirklichen Geist aus den Gestalten eines jeden seiner
+Momente diejenige heraus, welche ihr entspricht. Die _eine_
+Bestimmtheit der Religion greift durch alle Seiten ihres wirklichen
+Daseins hindurch und drueckt ihnen dies gemeinschaftliche Gepraege auf.
+
+Auf diese Weise ordnen sich nun die Gestalten, die bis hieher
+auftraten, anders, als sie in ihrer Reihe erschienen, worueber vorher
+noch das Noetige kurz zu bemerken ist.--In der betrachteten Reihe
+bildete sich jedes Moment, sich in sich vertiefend, zu einem Ganzen
+in seinem eigentuemlichen Prinzip aus; und das Erkennen war die Tiefe,
+oder der Geist, worin sie, die fuer sich kein Bestehen haben, ihre
+Substanz hatten. Diese Substanz ist aber nunmehr herausgetreten; sie
+ist die Tiefe des seiner selbst gewissen Geistes, welche es dem
+einzelnen Prinzip nicht gestattet, sich zu isolieren und in sich
+selbst zum Ganzen zu machen, sondern diese Momente alle in sich
+versammelnd und zusammenhaltend, schreitet sie in diesem gesamten
+Reichtum ihres wirklichen Geistes fort, und alle seine besondern
+Momente nehmen und empfangen gemeinschaftlich die gleiche
+Bestimmtheit des Ganzen in sich.--Dieser seiner selbst gewisse Geist
+und seine Bewegung ist ihre wahrhafte Wirklichkeit und das _An- und
+Fuer-sich_-sein, das jedem einzelnen zukommt.--Wenn also die bisherige
+_eine_ Reihe in ihrem Fortschreiten durch Knoten die Rueckgaenge in ihr
+bezeichnete, aber aus ihnen sich wieder in _eine_ Laenge fortsetzte,
+so ist sie nunmehr gleichsam an diesen Knoten, den allgemeinen
+Momenten, gebrochen und in viele Linien zerfallen, welche in _einen_
+Bund zusammengefasst, sich zugleich symmetrisch vereinen, so dass die
+gleichen Unterschiede, in welche jede besondre innerhalb ihrer sich
+gestaltete, zusammentreffen.--Es erhellt uebrigens aus der ganzen
+Darstellung von selbst, wie diese hier vorgestellte Beiordnung der
+allgemeinen Richtungen zu verstehen ist, dass es ueberfluessig wird, die
+Bemerkung zu machen, dass diese Unterschiede wesentlich nur als
+Momente des Werdens, nicht als Teile zu fassen sind; an dem
+wirklichen Geiste sind sie Attribute seiner Substanz; an der Religion
+aber vielmehr nur Praedikate des Subjekts.--Ebenso sind _an sich_ oder
+_fuer uns_ wohl alle Formen ueberhaupt im Geiste und in jedem enthalten;
+aber es kommt bei seiner Wirklichkeit ueberhaupt allein darauf an,
+welche Bestimmtheit fuer ihn in seinem _Bewusstsein_ ist, in welcher er
+sein Selbst ausgedrueckt oder in welcher Gestalt er sein Wesen weiss.
+
+Der Unterschied, der zwischen dem _wirklichen_ Geiste und ihm, der
+sich als Geist weiss, oder zwischen sich selbst als Bewusstsein und als
+Selbstbewusstsein gemacht wurde, ist in dem Geiste aufgehoben, der
+sich nach seiner Wahrheit weiss; sein Bewusstsein und sein
+Selbstbewusstsein sind ausgeglichen. Wie aber hier die Religion erst
+_unmittelbar_ ist, ist dieser Unterschied noch nicht in den Geist
+zurueckgegangen. Es ist nur der _Begriff_ der Religion gesetzt; in
+diesem ist das Wesen das _Selbstbewusstsein_, das sich alle Wahrheit
+ist, und in dieser alle Wirklichkeit enthaelt. Dieses
+Selbstbewusstsein hat als Bewusstsein sich zum Gegenstande; der erst
+sich _unmittelbar_ wissende Geist ist sich also Geist in der _Form_
+der _Unmittelbarkeit_, und die Bestimmtheit der Gestalt, worin er
+sich erscheint, ist die des _Seins_. Dies Sein ist zwar weder mit
+der Empfindung oder dem mannigfaltigen Stoffe, noch mit sonstigen
+einseitigen Momenten, Zwecken und Bestimmungen _erfuellt_, sondern mit
+dem Geiste, und wird von sich als alle Wahrheit und Wirklichkeit
+gewusst. Diese _Erfuellung_ ist auf diese Weise ihrer _Gestalt_, er
+als Wesen seinem Bewusstsein nicht gleich. Er ist erst als absoluter
+Geist wirklich, indem er, wie er in der _Gewissheit seiner selbst_,
+sich auch in seiner _Wahrheit_ ist, oder die Extreme, in die er sich
+als Bewusstsein teilt, in Geistsgestalt fuereinander sind. Die
+Gestaltung, welche der Geist als Gegenstand seines Bewusstseins
+annimmt, bleibt von der Gewissheit des Geistes als von der Substanz
+erfuellt; durch diesen Inhalt verschwindet dies, dass der Gegenstand
+zur reinen Gegenstaendlichkeit, zur Form der Negativitaet des
+Selbstbewusstseins herabsaenke. Die unmittelbare Einheit des Geistes
+mit sich selbst ist die Grundlage oder reines Bewusstsein, _innerhalb_
+dessen das Bewusstsein auseinandertritt. Auf diese Weise in sein
+reines Selbstbewusstsein eingeschlossen, existiert er in der Religion
+nicht als der Schoepfer einer _Natur_ ueberhaupt; sondern was er in
+dieser Bewegung hervorbringt, sind seine Gestalten als Geister, die
+zusammen die Vollstaendigkeit seiner Erscheinung ausmachen, und diese
+Bewegung selbst ist das Werden seiner vollkommnen Wirklichkeit durch
+die einzelnen Seiten derselben, oder seine unvollkommnen
+Wirklichkeiten.
+
+Die erste Wirklichkeit desselben ist der Begriff der Religion selbst,
+oder sie als _unmittelbare_ und also _natuerliche Religion_; in ihr
+weiss der Geist sich als seinen Gegenstand in natuerlicher oder
+unmittelbarer Gestalt. Die _zweite_ aber ist notwendig diese, sich
+in der Gestalt der _aufgehobnen Natuerlichkeit_ oder des _Selbsts_ zu
+wissen. Sie ist also die _kuenstliche Religion_; denn zur Form des
+_Selbsts_ erhebt sich die Gestalt durch das _Hervorbringen_ des
+Bewusstseins, wodurch dieses in seinem Gegenstande sein Tun oder das
+Selbst anschaut. Die _dritte_ endlich hebt die Einseitigkeit der
+beiden ersten auf; das _Selbst_ ist ebensowohl ein _unmittelbares_,
+als die _Unmittelbarkeit Selbst_ ist. Wenn in der ersten der Geist
+ueberhaupt in der Form des Bewusstseins, in der zweiten--des
+Selbstbewusstseins ist, so ist er in der dritten in der Form der
+Einheit beider; er hat die Gestalt des _An_und _Fuer-sich-seins_; und
+indem er also vorgestellt ist, wie er an und fuer sich ist, so ist
+dies die _offenbare Religion_. Ob er aber in ihr wohl zu seiner
+wahren _Gestalt_ gelangt, so ist eben die _Gestalt_ selbst und die
+_Vorstellung_ noch die unueberwundne Seite, von der er in den
+_Begriff_ uebergehen muss, um die Form der Gegenstaendlichkeit in ihm
+ganz aufzuloesen, in ihm, der ebenso dies sein Gegenteil in sich
+schliesst. Alsdann hat der Geist den Begriff seiner selbst erfasst,
+wie wir nur erst ihn erfasst haben, und seine Gestalt oder das Element
+seines Daseins, indem sie der Begriff ist, ist er selbst.
+
+
+A. Natuerliche Religion
+
+Der den Geist wissende Geist ist Bewusstsein seiner selbst, und ist
+sich in der Form des Gegenstaendlichen, er _ist_; und ist zugleich das
+_Fuer-sich-sein. Er ist fuer sich_, er ist die Seite des
+_Selbst_bewusstseins, und zwar gegen die Seite seines Bewusstseins,
+oder des Sich-auf-sich-als-_Gegenstand_-beziehens. In seinem
+Bewusstsein ist die Entgegensetzung und hiedurch die _Bestimmtheit_
+der Gestalt, in welcher er sich erscheint und weiss. Um diese ist es
+in dieser Betrachtung der Religion allein zu tun, denn sein
+ungestaltetes Wesen oder sein reiner Begriff hat sich schon ergeben.
+Der Unterschied des Bewusstseins und Selbstbewusstseins faellt aber
+zugleich innerhalb des letztern; die Gestalt der Religion enthaelt
+nicht das Dasein des Geistes, wie er vom Gedanken freie Natur, noch
+wie er vom Dasein freier Gedanke ist; sondern sie ist das im Denken
+erhaltne Dasein, so wie ein Gedachtes, das sich da ist.--Nach der
+_Bestimmtheit_ dieser Gestalt, in welcher der Geist sich weiss,
+unterscheidet sich eine Religion von einer andern; allein es ist
+zugleich zu bemerken, dass die Darstellung dieses seines Wissens von
+sich nach dieser _einzelnen Bestimmtheit_ in der Tat nicht das Ganze
+einer wirklichen Religion erschoepft. Die Reihe der verschiednen
+Religionen, die sich ergeben werden, stellt ebensosehr wieder nur die
+verschiednen Seiten einer einzigen, und zwar _jeder einzelnen_ dar,
+und die Vorstellungen, welche eine wirkliche Religion vor einer
+andern auszuzeichnen scheinen, kommen in jeder vor. Allein zugleich
+muss die Verschiedenheit auch als eine Verschiedenheit der Religion
+betrachtet werden. Denn indem der Geist sich im Unterschiede seines
+Bewusstseins und seines Selbstbewusstseins befindet, so hat die
+Bewegung das Ziel, diesen Hauptunterschied aufzuheben, und der
+Gestalt, die Gegenstand des Bewusstseins ist, die Form des
+Selbstbewusstseins zu geben. Dieser Unterschied ist aber nicht
+dadurch schon aufgehoben, dass die Gestalten, die jenes enthaelt, auch
+das Moment des Selbsts an ihnen haben, und der Gott als
+_Selbstbewusstsein vorgestellt_ wird. Das _vorgestellte_ Selbst ist
+nicht das _wirkliche_; dass es, wie jede andre naehere Bestimmung der
+Gestalt, dieser in Wahrheit angehoere, muss es teils durch das Tun des
+Selbstbewusstseins in sie gesetzt werden, teils muss die niedrige
+Bestimmung von der hoehern aufgehoben und begriffen zu sein sich
+zeigen. Denn das Vorgestellte hoert nur dadurch auf, vorgestelltes
+und seinem Wissen fremd zu sein, dass das Selbst es hervorgebracht hat,
+und also die Bestimmung des Gegenstandes als die _seinige_, somit
+sich in ihm anschaut.--Durch diese Taetigkeit ist die niedrigere
+Bestimmung zugleich verschwunden; denn das Tun ist das negative, das
+sich auf Kosten eines andern ausfuehrt; insofern sie auch noch
+vorkommt, so ist sie in die Unwesentlichkeit zurueckgetreten; so wie
+dagegen, wo die niedrigere noch herrschend ist, die hoehere aber auch
+vorkommt, die eine selbstlos neben der andern Platz hat. Wenn daher
+die verschiednen Vorstellungen innerhalb einer einzelnen Religion
+zwar die ganze Bewegung ihrer Formen darstellen, so ist der Charakter
+einer jeden durch die besondre Einheit des Bewusstseins und des
+Selbstbewusstseins bestimmt, das ist, dadurch dass das letztere die
+Bestimmung des Gegenstands des erstern in sich gefasst, sie durch sein
+Tun sich vollkommen angeeignet und sie als die wesentliche gegen die
+andern weiss.--Die Wahrheit des Glaubens an eine Bestimmung des
+religioesen Geistes zeigt sich darin, dass der _wirkliche_ Geist so
+beschaffen ist wie die Gestalt, in der er sich in der Religion
+anschaut,--wie z.B. die Menschwerdung Gottes, die in der
+morgenlaendischen Religion vorkommt, keine Wahrheit hat, weil ihr
+wirklicher Geist ohne diese Versoehnung ist.--Hieher gehoert es nicht,
+von der Totalitaet der Bestimmungen zu der einzelnen zurueckzukehren
+und zu zeigen, in welcher Gestalt innerhalb ihrer und ihrer besondern
+Religion die Vollstaendigkeit der uebrigen enthalten ist. Die hoehere
+Form unter eine niedrigere zurueckgestellt entbehrt ihrer Bedeutung
+fuer den selbstbewussten Geist, gehoert ihm nur oberflaechlich und seiner
+Vorstellung an. Sie ist in ihrer eigentuemlichen Bedeutung und da zu
+betrachten, wo sie Prinzip dieser besondern Religion und durch ihren
+wirklichen Geist bewaehrt ist.
+
+
+
+a. Das Lichtwesen
+
+Der Geist, als das _Wesen_, welches _Selbstbewusstsein_ ist--oder das
+selbstbewusste Wesen, welches alle Wahrheit ist und alle Wirklichkeit
+als sich selbst weiss--, ist gegen die Realitaet, die er in der
+Bewegung seines Bewusstseins sich gibt, nur erst _sein Begriff_, und
+dieser Begriff ist gegen den Tag dieser Entfaltung die Nacht seines
+Wesens, gegen das Dasein seiner Momente als selbststaendiger Gestalten
+das schoepferische Geheimnis seiner Geburt. Dies Geheimnis hat in
+sich selbst seine Offenbarung; denn das Dasein hat in diesem Begriffe
+seine Notwendigkeit, weil er der sich wissende Geist ist, also in
+seinem Wesen das Moment hat, Bewusstsein zu sein und sich
+gegenstaendlich vorzustellen.--Es ist das reine Ich, das in seiner
+Entaeusserung, in sich als _allgemeinem Gegenstande_ die Gewissheit
+seiner selbst hat, oder dieser Gegenstand ist fuer es die
+Durchdringung alles Denkens und aller Wirklichkeit.
+
+In der unmittelbaren ersten Entzweiung des sich wissenden absoluten
+Geistes hat seine Gestalt diejenige Bestimmung, welche dem
+_unmittelbaren Bewusstsein_ oder der _sinnlichen_ Gewissheit zukommt.
+Er schaut sich in der Form des _Seins_ an, jedoch nicht des
+geistlosen mit zufaelligen Bestimmungen der Empfindung erfuellten
+_Seins_, das der sinnlichen Gewissheit angehoert, sondern es ist das
+mit dem Geiste erfuellte Sein. Es schliesst ebenso die Form in sich,
+welche an dem unmittelbaren _Selbstbewusstsein_ vorkam, die Form des
+_Herrn_ gegen das von seinem Gegenstande zuruecktretende
+Selbstbewusstsein des Geistes.--Dies mit dem Begriffe des Geistes
+erfuellte _Sein_ ist also die _Gestalt_ der _einfachen_ Beziehung des
+Geistes auf sich selbst, oder die Gestalt der Gestaltlosigkeit. Sie
+ist vermoege dieser Bestimmung das reine, alles enthaltende und
+erfuellende _Lichtwesen_ des Aufgangs, das sich in seiner formlosen
+Substantialitaet erhaelt. Sein Anderssein ist das ebenso einfache
+Negative, die _Finsternis_; die Bewegungen seiner eignen Entaeusserung,
+seine Schoepfungen in dem widerstandslosen Elemente seines Andersseins
+sind Lichtguesse, sie sind in ihrer Einfachheit zugleich sein
+Fuer-sich-werden und Rueckkehr aus seinem Dasein, die Gestaltung
+verzehrende Feuerstroeme. Der Unterschied, den es sich gibt, wuchert
+zwar in der Substanz des Daseins fort und gestaltet sich zu den
+Formen der Natur; aber die wesentliche Einfachheit seines Denkens
+schweift bestandlos und unverstaendig in ihnen umher, erweitert ihre
+Grenzen zum Masslosen, und loest ihre zur Pracht gesteigerte Schoenheit
+in ihrer Erhabenheit auf.
+
+Der Inhalt, den dies reine Sein entwickelt, oder sein Wahrnehmen ist
+daher ein wesenloses Beiherspielen an dieser Substanz, die nur
+_aufgeht_, ohne in sich _niederzugehen_, Subjekt zu werden und durch
+das Selbst ihre Unterschiede zu befestigen. Ihre Bestimmungen sind
+nur Attribute, die nicht zur Selbststaendigkeit gedeihen, sondern nur
+Namen des vielnamigen Einen bleiben. Dieses ist mit den mannigfachen
+Kraeften des Daseins und den Gestalten der Wirklichkeit als mit einem
+selbstlosen Schmucke angekleidet; sie sind nur eignen Willens
+entbehrende Boten seiner Macht, Anschauungen seiner Herrlichkeit und
+Stimmen seines Preises.
+
+Dies taumelnde Leben aber muss sich zum _Fuer-sich-sein_ bestimmen und
+seinen verschwindenden Gestalten Bestehen geben. Das _unmittelbare
+Sein_, in welchem es sich seinem Bewusstsein gegenueberstellt, ist
+selbst die _negative_ Macht, die seine Unterschiede aufloest. Es ist
+also in Wahrheit das _Selbst_; und der Geist geht darum dazu ueber,
+sich in der Form des Selbsts zu wissen. Das reine Licht wirft seine
+Einfachheit als eine Unendlichkeit von Formen auseinander und gibt
+sich dem Fuer-sich-sein zum Opfer dar, dass das Einzelne das Bestehen
+an seiner Substanz sich nehme.
+
+
+b. Die Pflanze und das Tier
+
+Der selbstbewusste Geist, der aus dem gestaltlosen Wesen in sich
+gegangen oder seine Unmittelbarkeit zum Selbst ueberhaupt erhoben,
+bestimmt seine Einfachheit als eine Mannigfaltigkeit des
+Fuer-sich-seins, und ist die Religion der geistigen _Wahrnehmung_,
+worin er in die zahllose Vielheit schwaecherer und kraeftigerer,
+reicherer und aermerer Geister zerfaellt. Dieser Pantheismus, zunaechst
+das _ruhige_ Bestehen dieser Geisteratomen, wird zur _feindseligen_
+Bewegung in sich selbst. Die Unschuld der _Blumenreligion_, die nur
+selbstlose Vorstellung des Selbsts ist, geht in den Ernst des
+kaempfenden Lebens, in die Schuld der _Tierreligion_, die Ruhe und
+Ohnmacht der anschauenden Individualitaet in das zerstoerende
+Fuer-sich-sein ueber.--Es hilft nichts, den Dingen der Wahrnehmung den
+_Tod der Abstraktion_ genommen und sie zu Wesen geistiger Wahrnehmung
+erhoben zu haben; die Beseelung dieses Geisterreichs hat ihn durch
+die Bestimmtheit und die Negativitaet an ihr, die ueber die unschuldige
+Gleichgueltigkeit derselben uebergreift. Durch sie wird die
+Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit der ruhigen Pflanzengestalten
+eine feindselige Bewegung, worin sie der Hass ihres Fuer-sich-seins
+aufreibt.--Das _wirkliche_ Selbstbewusstsein dieses zerstreuten
+Geistes ist eine Menge vereinzelnter ungeselliger Voelkergeister, die
+in ihrem Hasse sich auf den Tod bekaempfen und bestimmter
+Tiergestalten als ihres Wesens sich bewusst werden, denn sie sind
+nichts anderes als Tiergeister, sich absondernde ihrer ohne
+Allgemeinheit bewusste Tierleben.
+
+In diesem Hasse reibt sich aber die Bestimmtheit des rein negativen
+Fuer-sich-seins auf, und durch diese Bewegung des Begriffs tritt der
+Geist in eine andere Gestalt. Das _aufgehobne Fuer-sich-sein_ ist die
+_Form_ des _Gegenstandes_, die durch das Selbst hervorgebracht oder
+die vielmehr das hervorgebrachte, sich aufreibende, d.h. zum Dinge
+werdende Selbst ist. \XDCber die nur zerreissenden Tiergeister behaelt
+daher der Arbeitende die Oberhand, dessen Tun nicht nur negativ,
+sondern beruhigt und positiv ist. Das Bewusstsein des Geistes ist
+also nunmehr die Bewegung, die ueber das unmittelbare _An-sich-sein_
+wie ueber das abstrakte _Fuer-sich-sein_ hinaus ist. Indem das An-sich
+zu einer Bestimmtheit durch den Gegensatz herabgesetzt ist, ist es
+nicht mehr die eigne Form des absoluten Geistes, sondern eine
+Wirklichkeit, die sein Bewusstsein sich entgegengesetzt als das
+gemeine Dasein vorfindet, sie aufhebt, und ebenso nicht nur dies
+aufhebende Fuer-sich-sein ist, sondern auch seine Vorstellung, das zur
+Form eines Gegenstandes herausgesetzte Fuer-sich-sein hervorbringt.
+Dies Hervorbringen ist jedoch noch nicht das vollkommne, sondern eine
+bedingte Taetigkeit und das Formieren eines Vorhandnen.
+
+
+c. Der Werkmeister
+
+Der Geist erscheint also hier als der _Werkmeister_, und sein Tun,
+wodurch er sich selbst als Gegenstand hervorbringt, aber den Gedanken
+seiner noch nicht erfasst hat, ist ein instinktartiges Arbeiten, wie
+die Bienen ihre Zellen bauen.
+
+Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist sie die abstrakte
+des Verstandes, und das Werk noch nicht an ihm selbst vom Geiste
+erfuellt. Die Kristalle der Pyramiden und Obelisken, einfache
+Verbindungen gerader Linien, mit ebnen Oberflaechen und gleichen
+Verhaeltnissen der Teile, an denen die Inkommensurabilitaet des Runden
+vertilgt ist, sind die Arbeiten dieses Werkmeisters der strengen Form.
+Um der blossen Verstaendigkeit der Form willen ist sie nicht ihre
+Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst. Die Werke
+empfangen also nur den Geist entweder in sich, als einen fremden
+abgeschiednen Geist, der seine lebendige Durchdringung mit der
+Wirklichkeit verlassen, selbst tot in diese des Lebens entbehrende
+Kristalle einkehrt;--oder sie beziehen sich aeusserlich auf ihn als auf
+einen solchen, der selbst aeusserlich und nicht als Geist da ist--als
+auf das aufgehende Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft.
+
+Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist ausgeht, des
+_An-sich-seins_, das zum Stoffe wird, den er verarbeitet, und des
+_Fuer-sich-seins_, welche _die Seite_ des arbeitenden
+Selbstbewusstseins ist, ist ihm in seinem Werke gegenstaendlich
+geworden. Seine fernere Bemuehung muss dahin gehen, diese Trennung der
+Seele und des Leibs aufzuheben, jene an ihr selbst zu bekleiden und
+zu gestalten, diesen aber zu beseelen. Beide Seiten, indem sie
+einander naeher gebracht werden, behalten dabei die Bestimmtheit des
+vorgestellten Geistes und seiner umgebenden Huelle gegeneinander;
+seine Einigkeit mit sich selbst enthaelt diesen Gegensatz der
+Einzelnheit und Allgemeinheit. Indem das Werk in seinen Seiten sich
+selbst naehert, so geschieht dadurch zugleich auch das andre, dass es
+dem arbeitenden Selbstbewusstsein naehertritt, und dieses zum Wissen
+seiner, wie es an und fuer sich ist, in dem Werke gelangt. So aber
+macht es nur erst die abstrakte Seite der _Taetigkeit_ des Geistes aus,
+welche nicht in sich selbst noch ihren Inhalt, sondern an seinem
+Werke, das ein Ding ist, weiss. Der Werkmeister selbst, der ganze
+Geist, ist noch nicht erschienen, sondern ist das noch innre
+verborgne Wesen, welches als Ganzes, nur zerlegt in das taetige
+Selbstbewusstsein und in seinen hervorgebrachten Gegenstand, vorhanden
+ist.
+
+Die umgebende Behausung also, die aeussere Wirklichkeit, die nur erst
+in die abstrakte Form des Verstandes erhoben ist, arbeitet der
+Werkmeister zur beseeltern Form aus. Er verwendet das Pflanzenleben
+dazu, das nicht mehr wie dem fruehern unmaechtigen Pantheismus heilig
+ist, sondern von ihm, der sich als das fuersichseiende Wesen erfasst,
+als etwas Brauchbares genommen und zur Aussenseite und Zierde
+zurueckgesetzt wird. Es wird aber nicht unveraendert verwendet,
+sondern der Arbeiter der selbstbewussten Form vertilgt zugleich die
+Vergaenglichkeit, welche die unmittelbare Existenz dieses Lebens an
+ihm hat, und naehert seine organischen Formen den strengern und
+allgemeinern des Gedankens. Die organische Form, die freigelassen in
+der Besonderheit fortwuchert, ihrerseits von der Form des Gedankens
+unterjocht, erhebt andererseits diese geradlinigten und ebnen
+Gestalten zur beseeltern Rundung,--eine Vermischung, welche die
+Wurzel der freien Architektur wird.
+
+Diese Wohnung, die Seite des _allgemeinen Elements_ oder der
+unorganischen Natur des Geistes schliesst nun auch eine Gestalt der
+_Einzelnheit_ in sich, die den vorher von dem Dasein abgeschiednen
+ihm innern oder aeusserlichen Geist der Wirklichkeit naeherbringt, und
+dadurch das Werk dem taetigen Selbstbewusstsein gleicher macht. Der
+Arbeiter greift zuerst zur Form des _Fuer-sich-seins_ ueberhaupt, zur
+_Tiergestalt_. Dass er sich seiner nicht mehr unmittelbar im
+Tierleben bewusst ist, beweist er dadurch, dass er gegen dieses sich
+als die hervorbringende Kraft konstituiert und in ihm als _seinem_
+Werke sich weiss; wodurch sie zugleich eine aufgehobne und die
+Hieroglyphe einer andern Bedeutung, eines Gedankens wird. Daher wird
+sie auch nicht mehr allein und ganz vom Arbeiter gebraucht, sondern
+mit der Gestalt des Gedankens, mit der menschlichen, vermischt. Noch
+fehlt dem Werke aber die Gestalt und Dasein, worin das Selbst als
+Selbst existiert;--es fehlt ihm noch dies, an ihm selbst es
+auszusprechen, dass es eine innre Bedeutung in sich schliesst, es fehlt
+ihm die Sprache, das Element, worin der erfuellende Sinn selbst
+vorhanden ist. Das Werk daher, wenn es sich von dem Tierischen auch
+ganz gereinigt, und die Gestalt des Selbstbewusstseins allein an ihm
+traegt, ist die noch tonlose Gestalt, die des Strahls der aufgehenden
+Sonne bedarf, um Ton zu haben, der vom Lichte erzeugt, auch nur Klang
+und nicht Sprache ist, nur ein aeusseres Selbst, nicht das innre zeigt.
+
+Diesem aeussern Selbst der Gestalt steht die andere gegenueber, welche
+anzeigt, ein _Innres_ an ihr zu haben. Die in ihr Wesen
+zurueckgehende Natur setzt ihre lebendige sich vereinzelnde und in
+ihrer Bewegung sich verwirrende Mannigfaltigkeit zu einem
+unwesentlichen Gehaeuse herab, das die _Decke des Innern_ ist; und
+dieses Innre ist zunaechst noch die einfache Finsternis, das Unbewegte,
+der schwarze formlose Stein.
+
+Beide Darstellungen enthalten die _Innerlichkeit_ und das _Dasein_,
+--die beiden Momente des Geistes; und beide Darstellungen beide
+zugleich in entgegengesetztem Verhaeltnisse, das Selbst sowohl als
+Innres wie als Aeusseres. Beides ist zu vereinigen.--Die Seele der
+menschlich geformten Bildsaeule kommt noch nicht aus dem Innern, ist
+noch nicht die Sprache, das Dasein, das an ihm selbst innerlich ist,
+--und das Innre des vielformigen Daseins ist noch das Tonlose, sich
+nicht in sich selbst Unterscheidende, und von seinem Aeussern, dem alle
+Unterschiede gehoeren, noch Getrennte.--Der Werkmeister vereint daher
+beides in der Vermischung der natuerlichen und der selbstbewussten
+Gestalt, und diese zweideutigen sich selbst raetselhaften Wesen, das
+Bewusste ringend mit dem Bewusstlosen, das einfache Innre mit dem
+vielgestalteten Aeussern, die Dunkelheit des Gedankens mit der Klarheit
+der Aeusserung paarend, brechen in die Sprache tiefer
+schwerverstaendlicher Weisheit aus.
+
+In diesem Werke hoert die instinktartige Arbeit auf, die dem
+Selbstbewusstsein gegenueber das bewusstlose Werk erzeugte; denn in ihm
+kommt der Taetigkeit des Werkmeisters, welche das Selbstbewusstsein
+ausmacht, ein ebenso selbstbewusstes, sich aussprechendes Innres
+entgegen. Er hat sich darin zu der Entzweiung seines Bewusstseins
+emporgearbeitet, worin der Geist dem Geiste begegnet. In dieser
+Einheit des selbstbewussten Geistes mit sich selbst, insofern er sich
+Gestalt und Gegenstand seines Bewusstseins ist, reinigen sich also
+seine Vermischungen mit der bewusstlosen Weise der unmittelbaren
+Naturgestalt. Diese Ungeheuer an Gestalt, Rede und Tat loesen sich
+zur geistigen Gestaltung auf,--einem Aeussern, das in sich gegangen,
+--einem Innern, das sich aus sich und an sich selbst aeussert; zum
+Gedanken, der sich gebaerendes und seine Gestalt ihm gemaess erhaltendes
+und klares Dasein ist. Der Geist ist _Kuenstler_.
+
+
+B. Die Kunst-Religion
+
+Der Geist hat seine Gestalt, in welcher er fuer sein Bewusstsein ist,
+in die Form des Bewusstseins selbst erhoben, und bringt eine solche
+sich hervor. Der Werkmeister hat das _synthetische_ Arbeiten, das
+_Vermischen_ der fremdartigen Formen des Gedankens und des
+Natuerlichen aufgegeben; indem die Gestalt die Form der selbstbewussten
+Taetigkeit gewonnen, ist er geistiger Arbeiter geworden.
+
+Fragen wir darnach, welches der _wirkliche_ Geist ist, der in der
+Kunstreligion das Bewusstsein seines absoluten Wesens hat, so ergibt
+sich, dass es der _sittliche_ oder der _wahre_ Geist ist. Er ist
+nicht nur die allgemeine Substanz aller Einzelnen, sondern indem sie
+fuer das wirkliche Bewusstsein die Gestalt des Bewusstseins hat, so
+heisst dies soviel, dass sie, die Individualisation hat, von ihnen als
+ihr eignes Wesen und Werk gewusst wird. Weder ist sie so fuer sie das
+Lichtwesen, in dessen Einheit das Fuer-sich-sein des Selbstbewusstseins
+nur negativ, nur vergehend enthalten ist, und den Herrn seiner
+Wirklichkeit anschaut,--noch ist sie das rastlose Verzehren sich
+hassender Voelker,--noch die Unterjochung derselben zu Kasten, die
+zusammen den Schein der Organisation eines vollendeten Ganzen
+ausmachen, dem aber die allgemeine Freiheit der Individuen fehlt.
+Sondern er ist das freie Volk, worin die Sitte die Substanz aller
+ausmacht, deren Wirklichkeit und Dasein alle und jeder einzelne als
+seinen Willen und Tat weiss.
+
+Die Religion des sittlichen Geistes ist aber seine Erhebung ueber
+seine Wirklichkeit, das Zurueckgehen _aus seiner Wahrheit_ in das
+reine _Wissen seiner selbst_. Indem das sittliche Volk in der
+unmittelbaren Einheit mit seiner Substanz lebt und das Prinzip der
+reinen Einzelnheit des Selbstbewusstseins nicht an ihm hat, so tritt
+seine Religion in ihrer Vollendung erst im _Scheiden_ von seinem
+_Bestehen_ auf. Denn die _Wirklichkeit_ der sittlichen Substanz
+beruht teils auf ihrer ruhigen _Unwandelbarkeit_ gegen die absolute
+Bewegung des Selbstbewusstseins, und hiemit darauf, dass dieses noch
+nicht aus seiner ruhigen Sitte und seinem festen Vertrauen in sich
+gegangen ist;--teils auf seiner Organisation in eine Vielheit von
+Rechten und Pflichten, sowie in die Verteilung in die Massen der
+Staende und ihres besondern Tuns, das zum Ganzen zusammenwirkt;
+--hiemit darauf, dass der Einzelne mit der Beschraenkung seines Daseins
+zufrieden ist und den schrankenlosen Gedanken seines freien Selbsts
+noch nicht erfasst hat. Aber jenes ruhige _unmittelbare_ Vertrauen
+zur Substanz geht in das Vertrauen _zu sich_ und in die _Gewissheit
+seiner selbst_ zurueck, und die Vielheit der Rechte und Pflichten wie
+das beschraenkte Tun ist dieselbe dialektische Bewegung des Sittlichen,
+als die Vielheit der Dinge und ihrer Bestimmungen,--eine Bewegung,
+die nur in der Einfachheit des seiner gewissen Geistes ihre Ruhe und
+Festigkeit findet.--Die Vollendung der Sittlichkeit zum freien
+Selbstbewusstsein und das Schicksal der sittlichen Welt ist daher die
+in sich gegangene Individualitaet, der absolute Leichtsinn des
+sittlichen Geistes, der alle festen Unterschiede seines Bestehens und
+die Massen seiner organischen Gegliederung in sich aufgeloest, und
+vollkommen seiner sicher zur schrankenlosen Freudigkeit und zum
+freisten Genusse seiner selbst gelangt ist. Diese einfache Gewissheit
+des Geistes in sich ist das Zweideutige, ruhiges Bestehen und feste
+Wahrheit, sowie absolute Unruhe und das Vergehen der Sittlichkeit zu
+sein. Sie schlaegt aber in das letztre um, denn die Wahrheit des
+sittlichen Geistes ist nur erst noch dies substantielle Wesen und
+Vertrauen, worin das Selbst sich nicht als freie Einzelheit weiss, und
+das daher in dieser Innerlichkeit oder in dem Freiwerden des Selbsts
+zugrunde geht. Indem also das Vertrauen gebrochen, die Substanz des
+Volks in sich geknickt ist, so ist der Geist, der die Mitte von
+bestandlosen Extremen war, nunmehr in das Extrem des sich als Wesen
+erfassenden Selbstbewusstseins herausgetreten. Dieses ist der in sich
+gewisse Geist, der ueber den Verlust seiner Welt trauert und sein
+Wesen, ueber die Wirklichkeit erhoben, nun aus der Reinheit des
+Selbsts hervorbringt.
+
+In solcher Epoche tritt die absolute Kunst hervor; frueher ist sie das
+instinktartige Arbeiten, das ins Dasein versenkt aus ihm heraus und
+in es hineinarbeitet, nicht an der freien Sittlichkeit seine Substanz,
+und daher auch zum arbeitenden Selbst nicht die freie geistige
+Taetigkeit hat. Spaeter ist der Geist ueber die Kunst hinaus, um seine
+hoehere Darstellung zu gewinnen;--naemlich nicht nur die aus dem Selbst
+geborne _Substanz_, sondern in seiner Darstellung als Gegenstand,
+_dieses Selbst_ zu sein, nicht nur aus seinem Begriffe sich zu
+gebaeren, sondern seinen Begriff selbst zur Gestalt zu haben, so dass
+der Begriff und das erzeugte Kunstwerk sich gegenseitig als ein und
+dasselbe wissen.
+
+Indem also die sittliche Substanz aus ihrem Dasein sich in ihr reines
+Selbstbewusstsein zurueckgenommen, so ist dieses die Seite des Begriffs
+oder der _Taetigkeit_, mit welcher der Geist sich als Gegenstand
+hervorbringt. Sie ist reine Form, weil der Einzelne im sittlichen
+Gehorsam und Dienste sich alles bewusstlose Dasein und feste
+Bestimmung so abgearbeitet hat, wie die Substanz selbst dies fluessige
+Wesen geworden ist. Diese Form ist die Nacht, worin die Substanz
+verraten ward, und sich zum Subjekte machte; aus dieser Nacht der
+reinen Gewissheit seiner selbst ist es, dass der sittliche Geist als
+die von der Natur und seinem unmittelbaren Dasein befreite Gestalt
+aufersteht.
+
+Die _Existenz_ des reinen Begriffs in den der Geist aus seinem Koerper
+geflohen, ist ein Individuum, das er sich zum Gefaesse seines
+Schmerzens erwaehlt. Er ist an diesem als sein Allgemeines und seine
+Macht, von welcher es Gewalt leidet,--als sein Pathos, dem hingegeben
+sein Selbstbewusstsein die Freiheit verliert. Aber jene positive
+Macht der Allgemeinheit wird vom reinen Selbst des Individuums, als
+der negativen Macht, bezwungen. Diese reine Taetigkeit, ihrer
+unverlierbaren Kraft bewusst, ringt mit dem ungestalteten Wesen;
+Meister darueber werdend, hat sie das Pathos zu ihrem Stoffe gemacht
+und sich ihren Inhalt gegeben, und diese Einheit tritt als Werk
+heraus, der allgemeine Geist individualisiert und vorgestellt.
+
+
+a. Das abstrakte Kunstwerk
+
+Das erste Kunstwerk ist, als das unmittelbare, das abstrakte und
+einzelne. Seinerseits hat es sich aus der unmittelbaren und
+gegenstaendlichen Weise dem Selbstbewusstsein entgegenzubewegen, wie
+andererseits dieses fuer sich im Kultus darauf geht, die
+Unterscheidung aufzuheben, die es sich zuerst gegen seinen Geist gibt,
+und hiedurch das an ihm selbst belebte Kunstwerk hervorzubringen.
+
+Die erste Weise, in welcher der kuenstlerische Geist seine Gestalt und
+sein taetiges Bewusstsein am weitesten voneinander entfernt, ist die
+unmittelbare, dass jene als _Ding_ ueberhaupt _da ist_.--Sie zerfaellt
+an ihr in den Unterschied der Einzelnheit, welche die Gestalt des
+Selbsts an ihr hat, und der Allgemeinheit, welche das unorganische
+Wesen in bezug auf die Gestalt, als seine Umgebung und Behausung,
+darstellt. Diese gewinnt durch die Erhebung des Ganzen in den reinen
+Begriff ihre reine dem Geiste angehoerige Form. Sie ist weder der
+verstaendige Kristall, der das Tote behaust, oder von der aeusserlichen
+Seele beschienen wird, noch die aus der Pflanze erst hervorgehende
+Vermischung der Formen der Natur und des Gedankens, dessen Taetigkeit
+hierin noch ein _Nachahmen_ ist. Sondern der Begriff streift das ab,
+was von der Wurzel, dem Geaeste und Geblaetter den Formen noch anklebt,
+und reinigt sie zu Gebilden, worin das Geradlinigte und Ebne des
+Kristalls in inkommensurable Verhaeltnisse erhoben ist, so dass die
+Beseelung des Organischen in die abstrakte Form des Verstandes
+aufgenommen und zugleich ihr Wesen, die Inkommensurabilitaet fuer den
+Verstand erhalten wird.
+
+Der inwohnende Gott aber ist der aus dem Tiergehaeuse hervorgezogne
+schwarze Stein, der mit dem Lichte des Bewusstseins durchdrungen ist.
+Die menschliche Gestalt streift die tierische, mit der sie vermischt
+war, ab; das Tier ist fuer den Gott nur eine zufaellige Verkleidung; es
+tritt neben seine wahre Gestalt, und gilt fuer sich nichts mehr,
+sondern ist zur Bedeutung eines andern, zum blossen Zeichen,
+herabgesunken. Die Gestalt des Gottes streift eben dadurch an ihr
+selbst auch die Beduerftigkeit der natuerlichen Bedingungen des
+tierischen Daseins ab, und deutet die innerlichen Anstalten des
+organischen Lebens in ihre Oberflaeche verschmolzen und nur dieser
+angehoerig an.--Das _Wesen_ des Gottes aber ist die Einheit des
+allgemeinen Daseins der Natur und des selbstbewussten Geistes, der in
+seiner Wirklichkeit jenem gegenueberstehend erscheint. Zugleich
+zunaechst eine _einzelne_ Gestalt, ist sein Dasein eines der Elemente
+der Natur, so wie seine selbstbewusste Wirklichkeit ein einzelner
+Volksgeist. Aber jenes ist in dieser Einheit das in den Geist
+reflektierte Element, die durch den Gedanken verklaerte, mit dem
+selbstbewussten Leben geeinte Natur. Die Goettergestalt hat darum ihr
+Naturelement als ein aufgehobnes, als eine dunkle Erinnerung in ihr.
+Das wueste Wesen und der verworrene Kampf des freien Daseins der
+Elemente, das unsittliche Reich der Titanen, ist besiegt, und an den
+Saum der sich klar gewordnen Wirklichkeit, an die trueben Grenzen der
+sich im Geiste findenden und beruhigten Welt verwiesen. Diese alten
+Goetter, in welche das Lichtwesen, mit der Finsternis zeugend, sich
+zunaechst besonders, der Himmel, die Erde, der Ozean, die Sonne, das
+blinde typhonische Feuer der Erde u.s.f. sind durch Gestalten ersetzt,
+die an ihnen nur noch den dunkel erinnernden Anklang an jene Titanen
+haben, und nicht mehr Naturwesen, sondern klare sittliche Geister der
+selbstbewussten Voelker sind.
+
+Diese einfache Gestalt hat also die Unruhe der unendlichen
+Vereinzelung--ihrer sowohl als des Naturelements, das nur als
+allgemeines Wesen notwendig, in seinem Dasein und Bewegung aber sich
+zufaellig verhaelt, wie ihrer als des Volks, das in die besondere
+Massen des Tuns und in die individuellen Punkte des Selbstbewusstseins
+zerstreut ein Dasein mannigfaltigen Sinnes und Tuns hat--an sich
+vertilgt und in ruhige Individualitaet zusammengefasst. Es steht ihr
+daher das Moment der Unruhe, ihr--dem _Wesen_ das _Selbstbewusstsein_
+gegenueber, das als die Geburtsstaette derselben fuer sich nichts uebrig
+behielt, als die _reine Taetigkeit_ zu sein. Was der Substanz
+angehoert, gab der Kuenstler ganz seinem Werke mit, sich selbst aber
+als einer bestimmten Individualitaet in seinem Werke keine
+Wirklichkeit; er konnte ihm die Vollendung nur dadurch erteilen, dass
+er seiner Besonderheit sich entaeusserte, und zur Abstraktion des
+reinen Tuns sich entkoerperte und steigerte.--In dieser ersten
+unmittelbaren Erzeugung ist die Trennung des Werks und seiner
+selbstbewussten Taetigkeit noch nicht wieder vereinigt; das Werk ist
+daher nicht fuer sich das wirklich beseelte, sondern es ist _Ganzes_
+nur mit seinem _Werden_ zusammen. Das Gemeine an dem Kunstwerke, dass
+es im Bewusstsein erzeugt und von Menschenhaenden gemacht ist, ist das
+Moment des als Begriff existierenden Begriffes, der ihm
+gegenuebertritt. Und wenn dieser, als Kuenstler oder als Betrachter,
+das Kunstwerk als an ihm selbst absolut beseelt auszusprechen, und
+sich, den Tuenden oder Schauenden, zu vergessen uneigennuetzig genug
+ist, so muss hiegegen der Begriff des Geistes festgehalten werden, der
+des Moments nicht entbehren kann, seiner selbst bewusst zu sein. Dies
+Moment aber steht dem Werke gegenueber, weil er in dieser seiner
+ersten Entzweiung beiden Seiten ihre abstrakten Bestimmungen des
+_Tuns_ und _Ding_seins gegeneinander gibt, und ihre Rueckkehr in die
+Einheit, von der sie ausgingen, noch nicht zustande gekommen ist.
+
+Der Kuenstler erfaehrt also an seinem Werke, dass er _kein ihm gleiches_
+Wesen hervorbrachte. Es kommt ihm zwar daraus ein Bewusstsein so
+zurueck, dass eine bewundernde Menge es als den Geist, der ihr Wesen
+ist, verehrt. Aber diese Beseelung, indem sie ihm sein
+Selbstbewusstsein nur als Bewunderung erwidert, ist vielmehr ein
+Bekenntnis, das diese Beseelung an den Kuenstler ablegt, nicht
+seinesgleichen zu sein. Indem es ihm als Freudigkeit ueberhaupt
+zurueckkommt, findet er darin nicht den Schmerz seiner Bildung und
+Zeugung, nicht die Anstrengung seiner Arbeit. Sie moegen das Werk
+auch noch beurteilen, oder ihm Opfer bringen, auf welche Art es sei,
+ihr Bewusstsein darein legen,--wenn sie sich mit ihrer Kenntnis
+darueber setzen, weiss er, wieviel mehr seine _Tat_ als ihr Verstehen
+und Reden ist; wenn sie sich _darunter_ setzen und ihr sie
+beherrschendes _Wesen_ darin erkennen, weiss er sich als den Meister
+desselben.
+
+Das Kunstwerk erfodert daher ein anderes Element seines Daseins, der
+Gott einen andern Hervorgang als diesen, worin er aus der Tiefe
+seiner schoepferischen Nacht in das Gegenteil in die Aeusserlichkeit,
+die Bestimmung des selbstbewusstlosen _Dinges_ herabfaellt. Dies
+hoehere Element ist die _Sprache_--ein Dasein, das unmittelbar
+selbstbewusste Existenz ist. Wie das _einzelne_ Selbstbewusstsein in
+ihr da ist, ist es ebenso unmittelbar als eine _allgemeine_
+Ansteckung; die vollkommne Besonderung des Fuer-sich-seins ist
+zugleich die Fluessigkeit und die allgemein mitgeteilte Einheit der
+vielen Selbst; sie ist die als Seele existierende Seele. Der Gott
+also, der die Sprache zum Elemente seiner Gestalt hat, ist das an ihm
+selbst beseelte Kunstwerk, das die reine Taetigkeit, die ihm, der als
+Ding existierte, gegenueber war, unmittelbar in seinem Dasein hat.
+Oder das Selbstbewusstsein bleibt in dem Gegenstaendlichwerden seines
+Wesens unmittelbar bei sich. Es ist, so in seinem Wesen bei sich
+selbst seiend, _reines Denken_ oder die Andacht, deren
+_Innerlichkeit_ in der Hymne zugleich _Dasein_ hat. Sie behaelt die
+Einzelnheit des Selbstbewusstseins in ihr, und vernommen ist diese
+Einzelnheit zugleich als allgemeine da; die Andacht, in allen
+angezuendet, ist der geistige Strom, der, in der Vielfachheit des
+Selbstbewusstseins, seiner als eines gleichen _Tuns_ Aller und als
+_einfaches Sein_ bewusst ist; der Geist hat als dieses allgemeine
+Selbstbewusstsein Aller seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das
+Sein fuer Andre und das Fuer-sich-sein der Einzelnen in _einer_ Einheit.
+
+Diese Sprache unterscheidet sich von einer andern Sprache des Gottes,
+die nicht die des allgemeinen Selbstbewusstseins ist. Das _Orakel_
+sowohl des Gottes der kuenstlerischen als der vorhergehenden
+Religionen ist die notwendige erste Sprache desselben, denn in seinem
+_Begriffe_ liegt ebensowohl, dass er das Wesen der Natur als des
+Geistes ist, und daher nicht nur natuerliches, sondern auch geistiges
+Dasein hat. Insofern dies Moment erst in seinem _Begriffe_ liegt,
+und noch nicht in der Religion realisiert ist, so ist die Sprache fuer
+das religioese Selbstbewusstsein Sprache eines fremden
+Selbstbewusstseins. Das seiner Gemeine noch _fremde_ Selbstbewusstsein
+_ist_ noch nicht so _da_, wie sein Begriff fodert. Das Selbst ist
+das einfache und dadurch schlechthin _allgemeine_ Fuer-sich-sein;
+jenes aber, das von dem Selbstbewusstsein der Gemeine getrennt ist,
+ist nur erst ein _einzelnes_.--Der Inhalt dieser eignen und einzelnen
+Sprache ergibt sich aus der allgemeinen Bestimmtheit, in welcher der
+absolute Geist ueberhaupt in seiner Religion gesetzt ist.--Der
+allgemeine Geist des Aufgangs, der sein Dasein noch nicht besonders
+hat, spricht also ebenso einfache und allgemeine Saetze vom Wesen aus,
+deren substantieller Inhalt in seiner einfachen Wahrheit erhaben ist,
+aber um dieser Allgemeinheit willen, dem weiter sich fortbildenden
+Selbstbewusstsein zugleich trivial erscheint.
+
+Das weiter gebildete Selbst, das sich zum _Fuer-sich-sein_ erhebt, ist
+ueber das reine Pathos der Substanz, ueber die Gegenstaendlichkeit des
+aufgehenden Lichtwesens Meister, und weiss jene Einfachheit der
+Wahrheit, als das _an-sich-seiende_, das nicht die Form des
+zufaelligen Daseins durch eine fremde Sprache hat, sondern _als das
+sichre und ungeschriebene Gesetze der Goetter, das ewig lebt, und von
+dem niemand weiss, von wannen es erschien_.--Wie die allgemeine
+Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde, hier ins Innre oder
+Untre zurueckgetreten und damit der Form der zufaelligen Erscheinung
+enthoben ist, so ist dagegen in der Kunstreligion, weil die Gestalt
+des Gottes das Bewusstsein und damit die Einzelnheit ueberhaupt
+angenommen hat, die eigne Sprache des Gottes, der der Geist des
+sittlichen Volkes ist, das Orakel, das die besondern Angelegenheiten
+desselben weiss, und das Nuetzliche darueber kundtut. Die allgemeinen
+Wahrheiten aber, weil sie als das _An-sich-seiende_ gewusst werden,
+vindiziert sich das _wissende Denken_, und die Sprache derselben ist
+ihm nicht mehr eine fremde, sondern die eigne. Wie jener Weise des
+Altertums, was gut und schoen sei, in seinem eignen Denken suchte,
+dagegen den schlechten zufaelligen Inhalt des Wissens, ob es ihm gut
+sei, mit diesem oder jenem umzugehen, oder einem Bekannten gut, diese
+Reise zu machen und dergleichen bedeutungslose Dinge, dem Daemon zu
+wissen ueberliess, ebenso holt das allgemeine Bewusstsein das Wissen vom
+Zufaelligen von den Voegeln, oder von den Baeumen oder von der gaerenden
+Erde, deren Dampf dem Selbstbewusstsein seine Besonnenheit nimmt; denn
+das Zufaellige ist das Unbesonnene und Fremde, und das sittliche
+Bewusstsein laesst sich also auch, wie durch ein Wuerfeln, auf eine
+unbesonnene und fremde Weise darueber bestimmen. Wenn der Einzelne
+durch seinen Verstand sich bestimmt und mit Ueberlegung das waehlt, was
+ihm nuetzlich sei, so liegt dieser Selbstbestimmung die Bestimmtheit
+des besondern Charakters zum Grunde; sie ist selbst das Zufaellige;
+und jenes Wissen des Verstands, was dem Einzelnen nuetzlich ist, daher
+ein eben solches Wissen als das jener Orakel oder des Loses; nur dass,
+der das Orakel oder Los befragt, damit die sittliche Gesinnung der
+Gleichgueltigkeit gegen das Zufaellige ausdrueckt, da jenes hingegen das
+an sich Zufaellige als wesentliches Interesse seines Denkens und
+Wissens behandelt. Das Hoehere als beide aber ist, zwar die
+Ueberlegung zum Orakel des zufaelligen Tuns zu machen, aber diese
+ueberlegte Handlung selbst wegen ihrer Seite der Beziehung auf das
+Besondre und ihrer Nuetzlichkeit als etwas Zufaelliges zu wissen.
+
+Das wahre selbstbewusste Dasein, das der Geist in der Sprache, die
+nicht die Sprache des fremden und also zufaelligen, nicht allgemeinen
+Selbstbewusstseins ist, erhaelt, ist das Kunstwerk, das wir vorhin
+gesehen. Es steht dem dinglichen der Bildsaeule gegenueber. Wie diese
+das ruhende, so ist jenes das verschwindende Dasein; wie in diesem
+die Gegenstaendlichkeit frei entlassen des eignen unmittelbaren
+Selbsts entbehrt, so bleibt sie dagegen in jenem zu sehr in das
+Selbst eingeschlossen, kommt zu wenig zur Gestaltung, und ist, wie
+die Zeit, unmittelbar nicht mehr da, indem sie da ist.
+
+Die Bewegung beider Seiten, in der die im reinen empfindenden
+Elemente des Selbstbewusstseins _bewegte_, und die im Elemente der
+Dingheit _ruhende_ goettliche Gestalt gegenseitig ihre verschiedne
+Bestimmung aufgeben und die Einheit zum Dasein kommt, die der Begriff
+ihres Wesens ist, macht der _Kultus_ aus. In ihm gibt sich das
+Selbst das Bewusstsein des Herabsteigens des goettlichen Wesens aus
+seiner Jenseitigkeit zu ihm, und dieses, das vorher das unwirkliche
+und nur gegenstaendliche ist, erhaelt dadurch die eigentliche
+Wirklichkeit des Selbstbewusstseins.
+
+Dieser Begriff des Kultus ist an sich schon in dem Strome des
+hymnischen Gesanges enthalten und vorhanden. Diese Andacht ist die
+unmittelbare reine Befriedigung des Selbsts durch und in sich selbst.
+Es ist die gereinigte Seele, welche in dieser Reinheit unmittelbar
+nur Wesen und eins mit dem Wesen ist. Sie ist um ihrer Abstraktion
+willen nicht das seinen Gegenstand von sich unterscheidende
+Bewusstsein, und also nur die Nacht seines Daseins und die _bereitete
+Staette_ seiner Gestalt. Der _abstrakte Kultus_ erhebt daher das
+Selbst dazu, dieses reine _goettliche Element_ zu sein. Die Seele
+vollbringt diese Laeuterung mit Bewusstsein; doch ist sie noch nicht
+das Selbst, das in seine Tiefen hinabgestiegen, sich als das Boese
+weiss, sondern es ist ein _seiendes_, eine Seele, welche ihre
+Aeusserlichkeit mit Waschen reinigt, sie mit weissen Kleidern antut, und
+ihre Innerlichkeit den vorgestellten Weg der Arbeiten, Strafen und
+Belohnungen, den Weg der die Besonderheit entaeussernden Bildung
+ueberhaupt durchfuehrt, durch welchen sie in die Wohnungen und die
+Gemeinschaft der Seligkeit gelangt.
+
+Dieser Kultus ist nur erst _ein geheimes_, d.h. ein nur vorgestelltes,
+unwirkliches Vollbringen; er muss _wirkliche_ Handlung sein, eine
+unwirkliche Handlung widerspricht sich selbst. _Das eigentliche
+Bewusstsein_ erhebt sich dadurch in sein _reines_ Selbstbewusstsein.
+Das Wesen hat in ihm die Bedeutung eines freien Gegenstands, durch
+den wirklichen Kultus kehrt dieser in das Selbst zurueck,--und
+insofern er im reinen Bewusstsein die Bedeutung des reinen jenseits
+der Wirklichkeit wohnenden Wesens hat, steigt dies Wesen von seiner
+Allgemeinheit durch diese Vermittlung zur Einzelnheit herunter und
+schliesst sich so mit der Wirklichkeit zusammen.
+
+Wie beide Seiten in die Handlung eintreten, bestimmt sich so, dass fuer
+die selbstbewusste Seite, insofern sie _wirkliches_ Bewusstsein ist,
+das Wesen sich als die _wirkliche Natur_ darstellt; einesteils gehoert
+sie ihm als Besitz und Eigentum und gilt als das nicht
+_an-sich_-seiende Dasein;--andernteils ist sie _seine eigne_
+unmittelbare Wirklichkeit und Einzelnheit, die von ihm ebenso als
+Nichtwesen betrachtet und aufgehoben wird. Zugleich aber hat fuer
+sein _reines_ Bewusstsein jene aeussere Natur die _entgegengesetzte_
+Bedeutung, naemlich das _ansichseiende_ Wesen zu sein, gegen welches
+das Selbst seine Unwesentlichkeit aufopfert, wie es umgekehrt die
+unwesentliche Seite der Natur sich selbst aufopfert. Die Handlung
+ist dadurch geistige Bewegung, weil sie dies Doppelseitige ist, die
+Abstraktion des _Wesens_, wie die Andacht den Gegenstand bestimmt,
+aufzuheben und es zum Wirklichen zu machen, und das _Wirkliche_, wie
+das Handelnde den Gegenstand und sich bestimmt, auf- und in die
+Allgemeinheit zu erheben.
+
+Die Handlung des Kultus selbst beginnt daher mit der reinen _Hingabe_
+eines Besitzes, den der Eigentuemer scheinbar fuer ihn ganz nutzlos
+vergiesst oder in Rauch aufsteigen laesst. Er tut hierin vor dem Wesen
+seines reinen Bewusstseins auf Besitz und Recht des Eigentumes und des
+Genusses desselben, auf die Persoenlichkeit und die Rueckkehr des Tuns
+in das Selbst Verzicht, und reflektiert die Handlung vielmehr in das
+Allgemeine oder in das Wesen, als in sich.--Umgekehrt aber geht darin
+ebenso das _seiende Wesen_ zugrunde. Das Tier, das aufgeopfert wird,
+ist das _Zeichen_ eines Gottes; die Fruechte, die verzehrt werden,
+sind die _lebendige_ Ceres und Bacchus _selbst_;--in jenem sterben
+die Maechte des obern Rechts, welches Blut und wirkliches Leben hat;
+in diesen aber die Maechte des untern Rechts, das blutlos die geheime
+listige Macht besitzt.--Die Aufopferung der goettlichen Substanz
+gehoert, insofern sie _Tun_ ist, der selbstbewussten Seite an; dass
+dieses wirkliche Tun moeglich sei, muss das Wesen sich selbst schon _an
+sich_ aufgeopfert haben. Dies hat es darin getan, dass es sich
+_Dasein_ gegeben und zum _einzelnen Tiere_ und zur _Frucht_ gemacht
+hat. Diese Verzichtleistung, die also das Wesen schon _an sich_
+vollbracht, stellt das handelnde Selbst im Dasein und fuer sein
+Bewusstsein dar, und ersetzt jene _unmittelbare_ Wirklichkeit des
+Wesens durch die hoehere, naemlich die _seiner selbst_. Denn die
+entstandne Einheit, die das Resultat der aufgehobnen Einzelnheit und
+Trennung beider Seiten ist, ist nicht das nur negative Schicksal,
+sondern hat positive Bedeutung. Nur dem abstrakten unterirdischen
+Wesen wird das ihm Aufgeopferte ganz hingegeben, und damit die
+Reflexion des Besitzes und des Fuer-sich-seins in das Allgemeine, von
+dem Selbst als solchem unterschieden, bezeichnet. Zugleich aber ist
+dies nur ein geringer _Teil_, und das andre Opfern ist nur die
+Zerstoerung des Unbrauchbaren und vielmehr die Zubereitung des
+Geopferten zum Mahle, dessen Schmaus die Handlung um ihre negative
+Bedeutung betriegt. Der Opfernde behaelt bei jenem ersten Opfer das
+meiste und von diesem das Nutzbare _seinem Genusse_ auf. Dieser
+Genuss ist die negative Macht, welche das _Wesen_ sowie die
+_Einzelnheit_ aufhebt, und zugleich ist er die positive Wirklichkeit,
+worin das _gegenstaendliche_ Dasein des Wesens in _selbstbewusstes_
+verwandelt, und das Selbst das Bewusstsein seiner Einheit mit dem
+Wesen hat.
+
+Dieser Kultus ist uebrigens zwar eine wirkliche Handlung, ihre
+Bedeutung liegt jedoch mehr nur in der Andacht; was dieser angehoert,
+ist nicht gegenstaendlich hervorgebracht, so wie das Resultat im
+_Genusse_ sich selbst seines Daseins beraubt. Der Kultus geht daher
+weiter und ersetzt diesen Mangel zunaechst dadurch, dass er seiner
+Andacht ein _gegenstaendliches Bestehen_ gibt, indem er die gemeinsame
+oder einzelne jedem tunliche Arbeit ist, welche die Wohnung und den
+Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt.--Es wird dadurch teils die
+Gegenstaendlichkeit der Bildsaeule aufgehoben, denn durch diese Weihung
+seiner Geschenke und Arbeiten macht der Arbeitende den Gott sich
+geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehoerig an; teils auch ist dies
+Tun nicht das einzelne Arbeiten des Kuenstlers, sondern diese
+Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgeloest. Es ist aber nicht
+nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt, und der Segen seiner
+Geneigtheit fliesst nicht nur in der _Vorstellung_ auf den Arbeiter,
+sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung gegen die erste
+der Entaeusserung und der fremden Ehre. Die Wohnungen und Hallen des
+Gottes sind fuer den Gebrauch des Menschen, die Schaetze, die in jenen
+aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen; die Ehre, die jener in
+seinem Schmucke geniesst, ist die Ehre des kunstreichen und
+grossmuetigen Volkes. Am Feste schmueckt dieses ebenso seine eignen
+Wohnungen und Bekleidungen sowie seine Verrichtungen mit zierlichem
+Geraete. Es empfaengt auf diese Weise fuer seine Gaben die Erwiderung
+von dem dankbaren Gotte und die Beweise seiner Geneigtheit, in der es
+sich mit ihm durch die Arbeit verband, nicht in der Hoffnung und
+einer spaeten Wirklichkeit, sondern hat in der Ehrenbezeugung und
+Darbringung der Gaben unmittelbar den Genuss seines eignen Reichtumes
+und Putzes.
+
+
+b. Das lebendige Kunstwerk
+
+Das Volk, das in dem Kultus der Kunstreligion sich seinem Gotte naht,
+ist das sittliche Volk, das seinen Staat und die Handlungen desselben
+als den Willen und das Vollbringen seiner selbst weiss. Dieser Geist,
+dem selbstbewussten Volke gegenuebertretend, ist daher nicht das
+Lichtwesen, das selbstlos nicht die Gewissheit der Einzelnen in sich
+enthaelt, sondern vielmehr nur ihr allgemeines Wesen und die herrische
+Macht ist, worin sie verschwinden. Der Kultus der Religion dieses
+einfachen gestaltlosen Wesens gibt seinen Angehoerigen daher nur dies
+im Allgemeinen zurueck, dass sie das Volk ihres Gottes sind; er erwirbt
+ihnen nur ihr Bestehen und einfache Substanz ueberhaupt, nicht aber
+ihr wirkliches Selbst, das vielmehr verworfen ist. Denn sie verehren
+ihren Gott als die leere Tiefe, nicht als Geist. Der Kultus aber der
+Kunstreligion entbehrt andererseits jener abstrakten _Einfachheit_
+des Wesens, und daher der _Tiefe_ desselben. Das _Wesen_ aber, das
+mit _dem Selbst unmittelbar geeinigt ist_, ist _an sich_ der Geist
+und die _wissende Wahrheit_, obzwar noch nicht die gewusste, oder die
+sich selbst in ihrer Tiefe wissende. Weil das Wesen also hier das
+Selbst an ihm hat, so ist seine Erscheinung dem Bewusstsein freundlich,
+und im Kultus erhaelt dieses nicht nur die allgemeine Berechtigung
+seines Bestehens, sondern auch sein in ihm selbst bewusstes Dasein; so
+wie umgekehrt das Wesen nicht in einem verworfnen Volke, dessen
+Substanz nur anerkannt wird, selbstlose Wirklichkeit hat, sondern in
+dem Volke, dessen _Selbst_ in seiner Substanz anerkannt ist.
+
+Aus dem Kultus tritt also das in seinem Wesen befriedigte
+Selbstbewusstsein und der Gott eingekehrt in es als in seine Staette.
+Diese _Staette_ ist fuer sich die Nacht der Substanz oder ihre reine
+Individualitaet, aber nicht mehr die gespannte des Kuenstlers, die noch
+nicht mit ihrem _gegenstaendlich_ werdenden Wesen sich ausgesoehnt hat,
+sondern die befriedigte Nacht, welche ihr Pathos unbeduerftig an ihr
+hat, weil sie aus der Anschauung, der aufgehobnen Gegenstaendlichkeit
+zurueckkehrt.--Dieses _Pathos_ ist fuer sich das Wesen des _Aufgangs_,
+das aber nunmehr in sich _untergegangen_ ist, und seinen Untergang,
+das Selbstbewusstsein und damit Dasein und Wirklichkeit an ihm selbst
+hat.--Es hat hier die Bewegung seiner Verwirklichung durchlaufen.
+Sich aus seiner reinen Wesenheit herabsetzend zu einer
+gegenstaendlichen Naturkraft und deren Aeusserungen, ist es ein Dasein
+fuer das Andere, fuer das Selbst, von dem es verzehrt wird. Das stille
+Wesen der selbstlosen Natur gewinnt in seiner Frucht die Stufe, worin
+sie, sich selbst zubereitend und verdaut, sich dem selbstischen Leben
+darbietet; sie erreicht in der Nuetzlichkeit, gegessen und getrunken
+werden zu koennen, ihre hoechste Vollkommenheit; denn sie ist darin die
+Moeglichkeit einer hoehern Existenz, und beruehrt das geistige Dasein;
+--teils zur stillkraeftigen Substanz, teils aber zur geistigen Gaerung,
+ist der Erdgeist in seiner Metamorphose dort zum weiblichen Prinzipe
+der Ernaehrung, hier zum maennlichen Prinzipe der sich treibenden Kraft
+des selbstbewussten Daseins gediehen.
+
+In diesem Genusse ist also jenes aufgehende Lichtwesen verraten, was
+es ist; er ist das Mysterium desselben. Denn das Mystische ist nicht
+Verborgenheit eines Geheimnisses oder Unwissenheit, sondern besteht
+darin, dass das Selbst sich mit dem Wesen eins weiss, und dieses also
+geoffenbart ist. Nur das Selbst ist sich offenbar, oder was offenbar
+ist, ist es nur in der unmittelbaren Gewissheit seiner. In dieser
+aber ist durch den Kultus das einfache Wesen gesetzt worden; es hat
+als brauchbares Ding nicht nur das Dasein, das gesehen, gefuehlt,
+gerochen, geschmeckt wird, sondern ist auch Gegenstand der Begierde,
+und wird durch den wirklichen Genuss eins mit dem Selbst und dadurch
+vollkommen an dieses verraten und ihm offenbar.--Dasjenige, von dem
+gesagt wird, es sei der Vernunft, dem Herzen offenbar, ist in der Tat
+noch geheim, denn es fehlt noch die wirkliche Gewissheit des
+unmittelbaren Daseins, sowohl die gegenstaendliche als die geniessende,
+welche in der Religion aber nicht nur die gedankenlose unmittelbare,
+sondern zugleich die rein wissende des Selbsts ist.
+
+Was hiemit durch den Kultus dem selbstbewussten Geiste in ihm selbst
+offenbar geworden, ist das _einfache_ Wesen, als die Bewegung, teils
+aus seiner naechtlichen Verborgenheit herauf in das Bewusstsein zu
+treten, dessen stillernaehrende Substanz zu sein, teils aber sich
+ebenso wieder in die unterirdische Nacht, in das Selbst, zu verlieren
+und oben nur mit stiller Muttersehnsucht zu verweilen.--Der lautre
+Trieb aber ist das vielnamige Lichtwesen des Aufgangs, und sein
+taumelndes Leben, das von seinem abstrakten Sein ebenso abgelassen,
+sich zuerst in das gegenstaendliche Dasein der Frucht befasst, dann dem
+Selbstbewusstsein sich hingebend, in ihm zur eigentlichen Wirklichkeit
+gelangt,--nun als ein Haufen schwaermender Weiber umherschweift, der
+ungebaendigte Taumel der Natur in selbstbewusster Gestalt.
+
+Noch ist aber dem Bewusstsein nur der absolute Geist, der dieses
+einfache Wesen, und nicht der als der Geist an ihm selbst ist,
+verraten, oder nur der _unmittelbare_ Geist, der Geist der Natur.
+Sein selbstbewusstes Leben ist daher nur das Mysterium des Brotes und
+des Weines, der Ceres und des Bacchus, nicht der andern, der
+eigentlich obern Goetter, deren Individualitaet als wesentliches Moment
+das Selbstbewusstsein als solches in sich schliesst. Noch hat sich ihm
+also der Geist als _selbstbewusster_ Geist nicht geopfert, und das
+Mysterium des Brots und Weins ist noch nicht Mysterium des Fleisches
+und Blutes.
+
+Dieser unbefestigte Taumel des Gottes muss sich zum _Gegenstande_
+beruhigen, und die Begeisterung, die nicht zum Bewusstsein kam, ein
+Werk hervorbringen, das ihr, wie der Begeisterung des vorhergehenden
+Kuenstlers die Bildsaeule, zwar als ein ebenso vollendetes Werk
+gegenuebertritt, aber nicht als ein an ihm lebloses, sondern als ein
+_lebendiges_ Selbst.--Ein solcher Kultus ist das Fest, das der Mensch
+zu seiner eignen Ehre sich gibt, jedoch in einen solchen noch nicht
+die Bedeutung des absoluten Wesens legt; denn das _Wesen_ ist ihm
+erst offenbar, noch nicht der Geist; nicht als solches, das
+_wesentlich_ menschliche Gestalt annimmt. Aber dieser Kultus legt
+den Grund zu dieser Offenbarung, und legt ihre Momente einzeln
+auseinander. So hier das _abstrakte_ Moment der lebendigen
+_Koerperlichkeit_ des Wesens, wie vorhin die Einheit beider in
+bewusstloser Schwaermerei. Der Mensch stellt also an die Stelle der
+Bildsaeule sich selbst, als zur vollkommen freien _Bewegung_ erzogene
+und ausgearbeitete Gestalt, wie jene die vollkommen freie _Ruhe_ ist.
+Wenn jeder einzelne wenigstens als Fackeltraeger sich darzustellen
+weiss, so hebt sich Einer aus ihnen hervor, der die gestaltete
+Bewegung, die glatte Ausarbeitung und fluessige Kraft aller Glieder
+ist;--ein beseeltes lebendiges Kunstwerk, das mit seiner Schoenheit
+die Staerke paart und dem der Schmuck, womit die Bildsaeule geehrt
+wurde, als Preis seiner Kraft, und die Ehre, unter seinem Volke statt
+des steinernen Gottes die hoechste leibliche Darstellung ihres Wesens
+zu sein, zuteil wird.
+
+In den beiden Darstellungen, die soeben vorkamen, ist die Einheit des
+Selbstbewusstseins und des geistigen Wesens vorhanden, es fehlt ihnen
+aber noch ihr Gleichgewicht. In der bacchischen Begeisterung ist das
+Selbst ausser sich, in der schoenen Koerperlichkeit aber das geistige
+Wesen. Jene Dumpfheit des Bewusstseins und ihr wildes Stammeln muss in
+das klare Dasein der letztern, und die geistlose Klarheit des
+letztern in die Innerlichkeit der erstern aufgenommen werden. Das
+vollkommne Element, worin die Innerlichkeit ebenso aeusserlich als die
+Aeusserlichkeit innerlich ist, ist wieder die Sprache, aber weder die
+in ihrem Inhalte ganz zufaellige und einzelne des Orakels, noch die
+empfindende und nur den einzelnen Gott preisende Hymne, noch das
+inhaltslose Stammeln der bacchischen Raserei. Sondern sie hat ihren
+klaren und allgemeinen Inhalt gewonnen; ihren _klaren_ Inhalt, denn
+der Kuenstler hat sich aus der ersten ganz substantiellen Begeisterung
+heraus zur Gestalt gearbeitet, die eignes in allen seinen Regungen
+von der selbstbewussten Seele durchdrungenes und mitgebendes Dasein
+ist;--ihren _allgemeinen_ Inhalt, denn in diesem Feste, das die Ehre
+des Menschen ist, verschwindet die Einseitigkeit der Bildsaeulen, die
+nur einen Nationalgeist, einen bestimmten Charakter der Goettlichkeit
+enthalten. Der schoene Fechter ist zwar die Ehre seines besondern
+Volkes, aber er ist eine koerperliche Einzelnheit, worin die
+Ausfuehrlichkeit und Ernst der Bedeutung und der innere Charakter des
+Geistes, der das besondere Leben, Anliegen, Beduerfnisse und Sitten
+seines Volkes traegt, untergegangen ist. In dieser Entaeusserung zur
+voelligen Koerperlichkeit hat der Geist die besondern Eindruecke und
+Anklaenge der Natur abgelegt, die er als der wirkliche Geist des Volks
+in sich schloss. Sein Volk ist sich daher nicht mehr seiner
+Besonderheit in ihm, sondern vielmehr der Ablegung derselben und der
+Allgemeinheit seines menschlichen Daseins bewusst.
+
+
+c. Das geistige Kunstwerk
+
+Die Volksgeister, die der Gestalt ihres Wesens in einem besondern
+Tiere bewusst werden, gehen in _einen_ zusammen; so vereinigen sich
+die besondern schoenen Volksgeister in _ein_ Pantheon, dessen Element
+und Behausung die Sprache ist. Die reine Anschauung seiner selbst
+als _allgemeiner Menschlichkeit_ hat an der Wirklichkeit des
+Volksgeistes die Form, dass er sich mit den andern, mit denen er durch
+die Natur _eine_ Nation ausmacht, zu einer gemeinschaftlichen
+Unternehmung verbindet, und fuer dieses Werk ein Gesamtvolk und damit
+einen Gesamthimmel bildet. Diese Allgemeinheit, zu der der Geist in
+seinem Dasein gelangt, ist jedoch nur diese erste, die von der
+Individualitaet des Sittlichen erst ausgeht, ihre Unmittelbarkeit noch
+nicht ueberwunden, nicht _einen_ Staat aus diesen Voelkerschaften
+gebildet hat. Die Sittlichkeit des wirklichen Volksgeistes beruht
+teils auf dem unmittelbaren Vertrauen der Einzelnen zu dem Ganzen
+ihres Volkes, teils auf dem unmittelbaren Anteil, den _Alle_, des
+Unterschiedes von Staenden unerachtet, an den Entschluessen und
+Handlungen der Regierung nehmen. In der Vereinigung, zunaechst nicht
+in eine bleibende Ordnung, sondern nur zu einer gemeinsamen Handlung,
+ist jene Freiheit des Anteils Aller und jeder _einstweilen_ auf die
+Seite gestellt. Diese erste Gemeinschaftlichkeit ist daher mehr eine
+Versammlung der Individualitaeten als die Herrschaft des abstrakten
+Gedankens, der die Einzelnen ihres selbstbewussten Anteils an Willen
+und Tat des Ganzen berauben wuerde.
+
+Die Versammlung der Volksgeister macht einen Kreis von Gestalten aus,
+der itzt die ganze Natur wie die ganze sittliche Welt befasst. Auch
+sie stehen unter dem _Oberbefehl_ mehr des Einen als seiner
+_Oberherrschaft_. Fuer sich sind sie die allgemeinen Substanzen
+dessen, was das _selbstbewusste_ Wesen _an sich_ ist und tut. Dieses
+aber macht die Kraft und zunaechst den Mittelpunkt wenigstens aus, um
+den jene allgemeinen Wesen sich bemuehen, der nur erst zufaelligerweise
+ihre Geschaefte zu verbinden scheint. Aber die Rueckkehr des
+goettlichen Wesens in das Selbstbewusstsein ist es, die schon den Grund
+enthaelt, dass dieses den Mittelpunkt fuer jene goettlichen Kraefte bildet,
+und die wesentliche Einheit zunaechst unter der Form einer
+freundlichen aeusserlichen Beziehung beider Welten verbirgt.
+
+Dieselbe Allgemeinheit, welche diesem Inhalte zukommt, hat notwendig
+auch die Form des Bewusstseins, in welcher er auftritt. Es ist nicht
+mehr das wirkliche Tun des Kultus, sondern ein Tun, das zwar noch
+nicht in den Begriff, sondern erst in die _Vorstellung_, in die
+synthetische Verknuepfung des selbstbewussten und des aeussern Daseins
+erhoben ist. Das Dasein dieser Vorstellung, die _Sprache_, ist die
+erste Sprache, das _Epos_ als solches, das den allgemeinen Inhalt,
+wenigstens als _Vollstaendigkeit_ der Welt, obzwar nicht als
+_Allgemeinheit_ des _Gedankens_ enthaelt. Der _Saenger_ ist der
+Einzelne und Wirkliche, aus dem als Subjekt dieser Welt sie erzeugt
+und getragen wird. Sein Pathos ist nicht die betaeubende Naturmacht,
+sondern die Mnemosyne, die Besinnung und gewordne Innerlichkeit, die
+Erinnerung des vorhin unmittelbaren Wesens. Er ist das in seinem
+Inhalte verschwindende Organ, nicht sein eignes Selbst gilt, sondern
+seine Muse, sein allgemeiner Gesang. Was aber in der Tat vorhanden
+ist, ist der Schluss, worin das Extrem der Allgemeinheit, die
+Goetterwelt, durch die Mitte der Besonderheit mit der Einzelnheit, dem
+Saenger, verknuepft ist. Die Mitte ist das Volk in seinen Helden,
+welche einzelne Menschen sind, wie der Saenger, aber nur
+_vorgestellte_ und dadurch zugleich _allgemeine_, wie das freie
+Extrem der Allgemeinheit, die Goetter.
+
+In diesem Epos _stellt_ sich also ueberhaupt dem Bewusstsein dar, was
+im Kultus _an sich_ zustande kommt, die Beziehung des Goettlichen auf
+das Menschliche. Der Inhalt ist eine _Handlung_ des seiner selbst
+bewussten Wesens. Das _Handeln_ stoert die Ruhe der Substanz und
+erregt das Wesen, wodurch seine Einfachheit geteilt und in die
+mannigfaltige Welt der natuerlichen und sittlichen Kraefte
+aufgeschlossen ist. Die Handlung ist die Verletzung der ruhigen Erde,
+die Grube, die durch das Blut beseelt, die abgeschiednen Geister
+hervorruft, welche nach Leben durstend, es in dem Tun des
+Selbstbewusstseins erhalten. Das Geschaefte, um welches die allgemeine
+Bemuehung geht, bekommt die zwei Seiten, die _selbstische_, von einer
+Gesamtheit wirklicher Voelker und den an ihrer Spitze stehenden
+Individualitaeten, und die _allgemeine_, von ihren substantiellen
+Maechten vollbracht zu werden. Die _Beziehung_ beider aber bestimmte
+sich vorhin so, dass sie die _synthetische_ Verbindung des Allgemeinen
+und Einzelnen, oder das _Vorstellen_ ist. Von dieser Bestimmtheit
+haengt die Beurteilung dieser Welt ab.--Das Verhaeltnis beider ist
+dadurch eine Vermischung, welche die Einheit des Tuns inkonsequent
+verteilt, und die Handlung ueberfluessigerweise von der einen Seite zur
+andern herueberwirft. Die allgemeinen Maechte haben die Gestalt der
+Individualitaet und damit das Prinzip des Handelns an ihnen; ihr
+Wirken erscheint daher als ein ebenso freies von ihnen ganz
+ausgehendes Tun als das der Menschen. Ein und dasselbe haben daher
+ebensowohl die Goetter als die Menschen getan. Der Ernst jener Maechte
+ist ein laecherlicher Ueberfluss, da diese in der Tat die Kraft der
+handelnden Individualitaet sind;--und die Anstrengung und Arbeit
+dieser ist eine ebenso unnuetze Bemuehung, da jene vielmehr alles
+lenken.--Die uebertaegigen Sterblichen, die das Nichts sind, sind
+zugleich das maechtige _Selbst_, das die allgemeinen Wesen sich
+unterwirft, die Goetter verletzt und ihnen ueberhaupt die Wirklichkeit
+und ein Interesse des Tuns verschafft; wie umgekehrt diese
+unmaechtigen Allgemeinheiten, die sich von den Gaben der Menschen
+naehren und durch sie erst etwas zu tun bekommen, das natuerliche Wesen
+und der Stoff aller Begebenheiten, und ebenso die sittliche Materie
+und das Pathos des Tuns sind. Wenn ihre elementarischen Naturen
+durch das freie Selbst der Individualitaet erst in Wirklichkeit und
+betaetigtes Verhaeltnis gebracht werden, so sind sie ebensosehr das
+Allgemeine, das sich dieser Verbindung entzieht, in seiner Bestimmung
+unbeschraenkt bleibt und durch die unueberwindliche Elastizitaet seiner
+Einheit die Punktualitaet des Taetigen und seine Figurationen ausloescht,
+sich selbst rein erhaelt, und alles Individuelle in seiner
+Fluessigkeit aufloest.
+
+Wie sie mit der entgegenstehenden selbstischen Natur in diese
+widersprechende Beziehung fallen, ebenso geraet ihre Allgemeinheit mit
+ihrer eignen Bestimmung und deren Verhaeltnis zu andern in Widerstreit.
+Sie sind die ewigen schoenen Individuen, die, in ihrem eignen Dasein
+ruhend, der Vergaenglichkeit und fremder Gewalt enthoben sind.--Aber
+sie sind zugleich _bestimmte_ Elemente, _besondre_ Goetter, die sich
+also zu andern verhalten. Aber das Verhaeltnis zu andern, das nach
+seiner Entgegensetzung ein Streit mit ihnen ist, ist eine komische
+Selbstvergessenheit ihrer ewigen Natur.--Die Bestimmtheit ist in das
+goettliche Bestehen eingewurzelt und hat in seiner Begrenzung die
+Selbststaendigkeit der ganzen Individualitaet; durch diese verlieren
+ihre Charaktere zugleich die Schaerfe der Eigentuemlichkeit und
+vermischen sich in ihrer Vieldeutigkeit.--Ein Zweck der Taetigkeit und
+ihre Taetigkeit selbst, da sie gegen ein Anderes und somit gegen eine
+unbesiegbare goettliche Kraft gerichtet ist, ist ein zufaelliges leeres
+Aufspreizen, das ebenso zerfliesst und den anscheinenden Ernst der
+Handlung in ein gefahrloses, seiner selbst sichres Spiel ohne
+Resultat und Erfolg verwandelt. Wenn aber an der Natur ihrer
+Goettlichkeit das Negative oder die Bestimmtheit derselben nur als die
+Inkonsequenz ihrer Taetigkeit und der Widerspruch des Zwecks und des
+Erfolgs erscheint, und jene selbststaendige Sicherheit ueber das
+Bestimmte das Uebergewicht behaelt, so tritt ihr ebendadurch die _reine
+Kraft_ des _Negativen_ gegenueber, und zwar als ihre letzte Macht,
+ueber welche sie nichts vermoegen. Sie sind das Allgemeine und
+Positive gegen das _einzelne Selbst_ der Sterblichen, das nicht gegen
+ihre Macht aushaelt; aber das _allgemeine Selbst_ schwebt darum ueber
+ihnen und ueber dieser ganzen Welt der Vorstellung, welcher der ganze
+Inhalt angehoert; als die _begrifflose Leere der Notwendigkeit_--ein
+Geschehen, gegen das sie sich selbstlos und traurend verhalten, denn
+diese _bestimmten_ Naturen finden sich nicht in dieser Reinheit.
+
+Diese Notwendigkeit aber ist die _Einheit des Begriffes_, der die
+widersprechende Substantialitaet der einzelnen Momente unterworfen ist,
+worin die Inkonsequenz und Zufaelligkeit ihres Tuns sich ordnet und
+das Spiel ihrer Handlungen seinen Ernst und Wert an ihnen selbst
+erhaelt. Der Inhalt der Welt der Vorstellung spielt losgebunden fuer
+sich in der _Mitte_ seine Bewegung, versammelt um die Individualitaet
+eines Helden, der aber in seiner Kraft und Schoenheit sein Leben
+gebrochen fuehlt und einem fruehen Tod entgegensehend trauert. Denn
+die _in sich feste und wirkliche Einzelnheit_ ist an die Extremitaet
+ausgeschlossen, und in ihre Momente entzweit, die sich noch nicht
+gefunden und vereint. Das eine Einzelne, das _abstrakte_ Unwirkliche,
+ist die Notwendigkeit, die an dem Leben der Mitte nicht Anteil hat,
+sowenig als das andre, das _wirkliche_ Einzelne, der Saenger, der sich
+ausser ihm haelt und in seiner Vorstellung untergeht. Beide Extreme
+muessen sich dem Inhalte naehern; das eine, die Notwendigkeit, hat sich
+mit dem Inhalte zu erfuellen, das andre, die Sprache des Saengers, muss
+Anteil an ihm haben; und der sich selbst vorher ueberlassene Inhalt
+die Gewissheit und feste Bestimmung des Negativen an ihm erhalten.
+
+Diese hoehere Sprache, die _Tragoedie_, fasst also die Zerstreuung der
+Momente der wesentlichen und handelnden Welt naeher zusammen; die
+_Substanz_ des Goettlichen tritt _nach der Natur des Begriffes_ in
+ihre Gestalten auseinander, und ihre _Bewegung_ ist gleichfalls ihm
+gemaess. In Ansehung der Form hoert die Sprache dadurch, dass sie in den
+Inhalt hereintritt, auf, erzaehlend zu sein, wie der Inhalt ein
+vorgestellter. Der Held ist selbst der sprechende, und die
+Vorstellung zeigt dem Zuhoerer, der zugleich Zuschauer ist,
+_selbstbewusste_ Menschen, die ihr Recht und ihren Zweck, die Macht
+und den Willen ihrer Bestimmtheit _wissen_ und zu _sagen_ wissen.
+Sie sind Kuenstler, die nicht, wie die das gemeine Tun im wirklichen
+Leben begleitende Sprache, bewusstlos, natuerlich und naiv das _Aeussere_
+ihres Entschlusses und Beginnens aussprechen, sondern das innre Wesen
+aeussern, das Recht ihres Handelns beweisen, und das Pathos, dem sie
+angehoeren, frei von zufaelligen Umstaenden und von der Besonderheit der
+Persoenlichkeiten in seiner allgemeinen Individualitaet besonnen
+behaupten und bestimmt aussprechen. Das _Dasein_ dieser Charaktere
+sind endlich _wirkliche_ Menschen, welche die Personen der Helden
+anlegen, und diese in wirklichem nicht erzaehlendem, sondern eignem
+Sprechen darstellen. So wesentlich es der Bildsaeule ist, von
+Menschenhaenden gemacht zu sein, ebenso wesentlich ist der
+Schauspieler seiner Maske,--nicht als aeusserliche Bedingung, von der
+die Kunstbetrachtung abstrahieren muesse; oder insofern davon in ihr
+allerdings zu abstrahieren ist, so ist eben dies damit gesagt, dass
+die Kunst das wahre eigentliche Selbst noch nicht in ihr enthaelt.
+
+Der _allgemeine Boden_, worauf die Bewegung dieser aus dem Begriffe
+erzeugten Gestalten vorgeht, ist das Bewusstsein der ersten
+vorstellenden Sprache und ihres selbstlosen auseinandergelassnen
+Inhalts. Es ist das gemeine Volk ueberhaupt, dessen Weisheit in dem
+_Chore des Alters_ zur Sprache koemmt; es hat an dessen Kraftlosigkeit
+seinen Repraesentanten, weil es selbst nur das positive und passive
+Material der ihm gegenuebertretenden Individualitaet der Regierung
+ausmacht. Der Macht des Negativen entbehrend, vermag es den Reichtum
+und die bunte Fuelle des goettlichen Lebens nicht zusammenzuhalten und
+zu baendigen, sondern laesst es auseinanderlaufen, und preist jedes
+einzelne Moment als einen selbststaendigen Gott, bald diesen, bald
+wieder einen andern, in seinen verehrenden Hymnen. Wo es aber den
+Ernst des Begriffes, wie er ueber diese Gestalten sie zertruemmernd
+einherschreitet, verspuert, und es zu sehen bekoemmt, wie schlecht es
+seinen gepriesenen Goettern geht, die sich auf diesen Boden, worauf
+der Begriff herrscht, wagen, ist es nicht selbst die negative Macht,
+die handelnd eingreift, sondern haelt sich im selbstlosen Gedanken
+derselben, im Bewusstsein des _fremden Schicksals_, und bringt den
+leeren Wunsch der Beruhigung und die schwache Rede der Besaenftigung
+herbei. In der _Furcht_ vor den hoehern Maechten, welche die
+unmittelbaren Arme der Substanz sind, vor ihrem Kampfe miteinander,
+und vor dem einfachen Selbst der Notwendigkeit, das auch sie wie die
+Lebendigen, die an sie geknuepft sind, zermalmt,--in dem _Mitleiden_
+mit diesen, die es zugleich als dasselbe mit sich selbst weiss, ist
+fuer es nur der untaetige Schrecken dieser Bewegung, das ebenso
+hilflose Bedauern, und als Ende die leere Ruhe der Ergebung in die
+Notwendigkeit, deren Werk nicht als die notwendige Handlung des
+Charakters und nicht als das Tun des absoluten Wesens in sich selbst
+erfasst wird.
+
+Auf diesem zuschauenden Bewusstsein als auf dem gleichgueltigen Boden
+des Vorstellens tritt der Geist in seiner nicht zerstreuten
+Mannigfaltigkeit, sondern in der einfachen Entzweiung des Begriffes
+auf. Seine Substanz zeigt sich daher nur in ihre zwei extremen
+Maechte auseinandergerissen. Diese elementarischen _allgemeinen_
+Wesen sind zugleich selbstbewusste _Individualitaeten_,--Helden, welche
+in eine dieser Maechten ihr Bewusstsein setzen, an ihr die Bestimmtheit
+des Charakters haben, und ihre Betaetigung und Wirklichkeit ausmachen.
+--Diese allgemeine Individualisierung steigt, wie erinnert, noch zur
+unmittelbaren Wirklichkeit des eigentlichen Daseins herunter, und
+stellt sich einer Menge von Zuschauern dar, die an dem Chore ihr
+Gegenbild oder vielmehr ihre eigne sich aussprechende Vorstellung hat.
+
+Der Inhalt und die Bewegung des Geistes, der sich hier Gegenstand ist,
+ist bereits als die Natur und Realisierung der sittlichen Substanz
+betrachtet worden. In seiner Religion erlangt er das Bewusstsein ueber
+sich, oder stellt sich seinem Bewusstsein in seiner reinern Form und
+einfachern Gestaltung dar. Wenn also die sittliche Substanz sich
+durch ihren Begriff, ihrem _Inhalte_ nach, in die beiden Maechte
+entzweite, die als _goettliches_ und _menschliches_, oder
+unterirdisches und oberes Recht bestimmt wurden--jenes die _Familie_,
+dies die _Staatsmacht_--, und deren das erstere der _weibliche_, das
+andre der _maennliche Charakter_ war, so schraenkt sich der vorher
+vielformige und in seinen Bestimmungen schwankende Goetterkreis auf
+diese Maechte ein, die durch diese Bestimmung der eigentlichen
+Individualitaet genaehert sind. Denn die fruehere Zerstreuung des
+Ganzen in die vielfachen und abstrakten Kraefte, die substantiiert
+erscheinen, ist die _Aufloesung_ des _Subjekts_, das sie nur als
+_Momente_ in seinem Selbst begreift, und die Individualitaet ist daher
+nur die oberflaechliche Form jener Wesen. Umgekehrt ist ein weiterer
+Unterschied der _Charaktere_ als der genannte zur zufaelligen und an
+sich aeusserlichen Persoenlichkeit zu rechnen.
+
+Zugleich teilt sich das Wesen seiner Form oder dem _Wissen_ nach.
+Der _handelnde_ Geist tritt als Bewusstsein dem Gegenstande gegenueber,
+auf den es taetig, und der somit als das _Negative_ des Wissenden
+bestimmt ist; der Handelnde befindet sich dadurch im Gegensatze des
+Wissens und Nichtwissens. Er nimmt aus seinem Charakter seinen Zweck
+und weiss ihn als die sittliche Wesenheit; aber durch die Bestimmtheit
+des Charakters weiss er nur die _eine_ Macht der Substanz, und die
+andre ist fuer ihn verborgen. Die gegenwaertige Wirklichkeit ist daher
+ein anderes _an sich_ und ein anderes fuer das Bewusstsein; das obere
+und das untere Recht erhalten in dieser Beziehung die Bedeutung der
+wissenden und dem Bewusstsein sich offenbarenden, und der sich
+verbergenden und im Hinterhalte lauernden Macht. Die eine ist die
+_Lichtseite_, der Gott des Orakels, der nach seinem natuerlichen
+Momente aus der alles beleuchtenden Sonne entsprungen, alles weiss und
+offenbart,--_Phoebus_, und _Zeus_, der dessen Vater ist. Aber die
+Befehle dieses wahrredenden Gottes und seine Bekanntmachungen dessen,
+was _ist_, sind vielmehr truegerisch. Denn dies Wissen ist in seinem
+Begriffe unmittelbar das Nichtwissen, weil das _Bewusstsein_ an sich
+selbst im Handeln dieser Gegensatz ist. Der, welcher die raetselhafte
+Sphinx selbst aufzuschliessen vermochte, wie der kindlich Vertrauende
+werden darum durch das, was der Gott ihnen offenbart, ins Verderben
+geschickt. Diese Priesterin, aus der der schoene Gott spricht, ist
+nichts anders als die doppelsinnigen Schicksalsschwestern, die durch
+ihre Verheissungen zum Verbrechen treiben, und in der Zweizuengigkeit
+dessen, was sie als Sicherheit angaben, den, der sich auf den
+offenbaren Sinn verliess, betriegen. Daher das Bewusstsein, das reiner
+ist als das letztere, das den Hexen glaubt, und besonnener und
+gruendlicher als das erstere, das der Priesterin und dem schoenen Gotte
+traut, auf die Offenbarung, die der Geist des Vaters selbst ueber das
+Verbrechen, das ihn mordete, machte, mit der Rache zaudert, und andre
+Beweise noch veranstaltet,--aus dem Grunde, weil dieser offenbarende
+Geist auch der Teufel sein koennte.
+
+Dies Misstrauen ist darum gegruendet, weil das wissende Bewusstsein sich
+in den Gegensatz der Gewissheit seiner selbst und des gegenstaendlichen
+Wesens setzt. Das Recht des sittlichen, dass die Wirklichkeit nichts
+_an sich_ ist im Gegensatze gegen das absolute Gesetz, erfaehrt, dass
+sein Wissen einseitig, sein Gesetz nur Gesetz seines Charakters ist,
+dass es nur die eine Macht der Substanz ergriff. Die Handlung selbst
+ist diese Verkehrung des _Gewussten_ in sein _Gegenteil_, das _Sein_,
+ist das Umschlagen des Rechts des Charakters und des Wissens in das
+Recht des Entgegengesetzten, mit dem jenes im Wesen der Substanz
+verknuepft ist,--in die Erinnye der andern feindlich erregten Macht
+und Charakters. Dies _untre_ Recht sitzt mit _Zeus_ auf dem Throne
+und geniesst mit dem offenbaren Rechte und dem wissenden Gotte
+gleiches Ansehen.
+
+Auf diese drei Wesen wird von der handelnden Individualitaet die
+Goetterwelt des Chors eingeschraenkt. Das eine ist die _Substanz_,
+ebensowohl die Macht des Herdes und der Geist der Familienpietaet wie
+die allgemeine Macht des Staats und der Regierung. Indem der
+Substanz als solcher dieser Unterschied angehoert, individualisiert er
+sich der Vorstellung nicht zu zwei unterschiednen Gestalten, sondern
+hat in der Wirklichkeit die zwei Personen seiner Charaktere.
+Hingegen der Unterschied des Wissens und Nichtwissens faellt in ein
+_jedes_ der _wirklichen Selbstbewusstsein_,--und nur in der
+Abstraktion, im Elemente der Allgemeinheit verteilt er sich an zwei
+individuelle Gestalten. Denn das Selbst des Heros hat nur Dasein als
+ganzes Bewusstsein und ist daher wesentlich der _ganze_ Unterschied,
+der der Form angehoert; aber seine Substanz ist bestimmt, und es
+gehoert ihm nur die eine Seite des Unterschieds des Inhalts an. Daher
+erhalten die beiden Seiten des Bewusstseins, die in der Wirklichkeit
+keine getrennte, einer jeden eigne Individualitaet haben, in _der
+Vorstellung_ jede ihre besondere Gestalt; die eine die des
+offenbarenden Gottes, die andre der sich verborgen haltenden Erinnye.
+Beide geniessen teils gleicher Ehre, teils ist die _Gestalt_ der
+_Substanz_, Zeus, die Notwendigkeit der _Beziehung_ beider
+aufeinander. Die Substanz ist die Beziehung, dass das Wissen fuer sich
+ist, aber seine Wahrheit an dem Einfachen, der Unterschied, wodurch
+das wirkliche Bewusstsein ist, seinen Grund an dem ihn tilgenden
+innern Wesen, die sich klare _Versicherung_ der _Gewissheit_ ihre
+Bestaetigung an der _Vergessenheit_ hat.
+
+Das Bewusstsein schloss diesen Gegensatz durch das Handeln auf; nach
+dem offenbaren Wissen handelnd, erfaehrt es den Betrug desselben, und
+dem Inhalte nach dem _einen_ Attribute der Substanz ergeben,
+verletzte es das andre und gab diesem dadurch das Recht gegen sich.
+Dem wissenden Gotte folgend, ergriff es vielmehr das nicht Offenbare,
+und buesst dafuer, dem Wissen vertraut zu haben, dessen Zweideutigkeit,
+da sie seine Natur ist, auch _fuer es_, und eine _Warnung_ dafuer
+vorhanden sein musste. Die Raserei der Priesterin, die unmenschliche
+Gestalt der Hexen, die Stimme des Baumes, des Vogels, der Traum u.s.f.
+sind nicht die Weisen, in welchen die Wahrheit erscheint, sondern
+warnende Zeichen des Betrugs, der Nichtbesonnenheit, der Einzelnheit
+und Zufaelligkeit des Wissens. Oder was dasselbe ist, die
+entgegengesetzte Macht, die von ihm verletzt wird, ist als
+ausgesprochenes Gesetz und geltendes Recht vorhanden; es sei das
+Gesetz der Familie oder des Staats; das Bewusstsein folgte dagegen dem
+eignen Wissen und verbarg sich selbst das Offenbare. Die Wahrheit
+aber der gegeneinander auftretenden Maechte des Inhalts und
+Bewusstseins ist das Resultat, dass beide gleiches Recht und darum in
+ihrem Gegensatz, den das Handeln hervorbringt, gleiches Unrecht haben.
+Die Bewegung des Tuns erweist ihre Einheit in dem gegenseitigen
+Untergange beider Maechte und der selbstbewussten Charaktere. Die
+Versoehnung des Gegensatzes mit sich ist die _Lethe_ der _Unterwelt_
+im Tode,--oder die _Lethe_ der _Oberwelt_, als Freisprechung nicht
+von der Schuld, denn diese kann das Bewusstsein, weil es handelte,
+nicht verleugnen, sondern vom Verbrechen, und seine suehnende
+Beruhigung. Beide sind die _Vergessenheit_, das Verschwundensein der
+Wirklichkeit und des Tuns der Maechte der Substanz, ihrer
+Individualitaeten, und der Maechte des abstrakten Gedankens des Guten
+und des Boesen, denn keine fuer sich ist das Wesen, sondern dieses ist
+die Ruhe des Ganzen in sich selbst, die unbewegte Einheit des
+Schicksals, das ruhige Dasein und damit die Untaetigkeit und
+Unlebendigkeit der Familie und der Regierung, und die gleiche Ehre
+und damit die gleichgueltige Unwirklichkeit Apolls und der Erinnye,
+und die Rueckkehr ihrer Begeistung und Taetigkeit in den einfachen Zeus.
+
+Dieses Schicksal vollendet die Entvoelkerung des Himmels, der
+gedankenlosen Vermischung der Individualitaet und des Wesens,--einer
+Vermischung, wodurch das Tun des Wesens als ein inkonsequentes,
+zufaelliges, seiner unwuerdiges erscheint; denn dem Wesen nur
+oberflaechlich anhaengend, ist die Individualitaet die unwesentliche.
+Die Vertreibung solcher wesenlosen Vorstellungen, die von Philosophen
+des Altertums gefodert wurde, beginnt also schon in der Tragoedie
+ueberhaupt dadurch, dass die Einteilung der Substanz von dem Begriffe
+beherrscht, die Individualitaet hiemit die wesentliche und die
+Bestimmungen die absoluten Charaktere sind. Das Selbstbewusstsein,
+das in ihr vorgestellt ist, kennt und anerkennt deswegen nur _eine_
+hoechste Macht, und diesen Zeus nur als die Macht des Staats oder des
+Herdes, und im Gegensatze des Wissens nur als den Vater des zur
+Gestalt werdenden Wissens des _Besondern_,--und als den Zeus des
+Eides und der Erinnye, des _Allgemeinen_, im Verborgnen wohnenden
+Innern. Die weiter aus dem Begriffe in die Vorstellung sich
+zerstreuenden Momente, die der Chor nacheinander gelten laesst, sind
+hingegen nicht das Pathos des Helden, sondern sinken ihm zur
+Leidenschaft herunter,--zu zufaelligen, wesenlosen Momenten, die der
+selbstlose Chor wohl preist, aber die nicht faehig sind, den Charakter
+der Helden auszumachen, noch von ihnen als ihr Wesen ausgesprochen
+und geachtet zu werden.
+
+Aber auch die Personen des goettlichen Wesens selbst, sowie die
+Charaktere seiner Substanz, gehen in die Einfachheit des Bewusstlosen
+zusammen. Diese Notwendigkeit hat gegen das Selbstbewusstsein die
+Bestimmung, die negative Macht aller auftretenden Gestalten zu sein,
+in ihr sich selbst nicht zu erkennen, sondern darin vielmehr
+unterzugehen. Das Selbst tritt nur den _Charakteren_ zugeteilt auf,
+nicht als die Mitte der Bewegung. Aber das Selbstbewusstsein, die
+einfache _Gewissheit_ seiner, ist in der Tat die negative Macht, die
+Einheit des Zeus, des _substantiellen_ Wesens, und der _abstrakten_
+Notwendigkeit, es ist die geistige Einheit, worein alles zurueckgeht.
+Weil das wirkliche Selbstbewusstsein noch von der Substanz und dem
+Schicksale unterschieden wird, ist es _teils_ der Chor oder vielmehr
+die zuschauende Menge, welche diese Bewegung des goettlichen Lebens
+als ein _Fremdes_ mit Furcht erfuellt, oder in der sie als ein Nahes
+nur die Ruehrung des nicht handelnden _Mitleidens_ hervorbringt.
+Teils insofern das Bewusstsein mithandelt und den Charakteren angehoert,
+ist diese Vereinigung, weil die wahre, die des Selbsts, des
+Schicksals und der Substanz noch nicht vorhanden ist, eine aeusserliche,
+eine _Hypokrisie_; der Held, der vor dem Zuschauer auftritt,
+zerfaellt in seine Maske und in den Schauspieler, in die Person und
+das wirkliche Selbst.
+
+Das Selbstbewusstsein der Helden muss aus seiner Maske hervortreten und
+sich darstellen, wie es sich als das Schicksal sowohl der Goetter des
+Chors als der absoluten Maechte selbst weiss, und von dem Chore, dem
+allgemeinen Bewusstsein, nicht mehr getrennt ist.
+
+Die _Komoedie_ hat also vorerst die Seite, dass das wirkliche
+Selbstbewusstsein sich als das Schicksal der Goetter darstellt. Diese
+elementarischen Wesen sind, als _allgemeine_ Momente, kein Selbst und
+nicht wirklich. Sie sind zwar mit der Form der Individualitaet
+ausgestattet, aber diese ist ihnen nur eingebildet und kommt ihnen
+nicht an und fuer sich selbst zu; das wirkliche Selbst hat nicht ein
+solches abstraktes Moment zu seiner Substanz und Inhalt. Es, das
+Subjekt, ist daher ueber ein solches Moment als ueber eine einzelne
+Eigenschaft erhoben, und angetan mit dieser Maske spricht es die
+Ironie derselben aus, die fuer sich etwas sein will. Das Aufspreizen
+der allgemeinen Wesenheit ist an das Selbst verraten; es zeigt sich
+in einer Wirklichkeit gefangen und laesst die Maske fallen, eben indem
+es etwas Rechtes sein will. Das Selbst hier in seiner Bedeutung als
+Wirkliches auftretend, spielt es mit der Maske, die es einmal anlegt,
+um seine Person zu sein--aber aus diesem Scheine tut es sich
+ebensobald wieder in seiner eignen Nacktheit und Gewoehnlichkeit
+hervor, die es von dem eigentlichen Selbst, dem Schauspieler, sowie
+von dem Zuschauer nicht unterschieden zu sein zeigt.
+
+Diese allgemeine Aufloesung der gestalteten Wesenheit ueberhaupt in
+ihrer Individualitaet wird in ihrem Inhalte ernsthafter und dadurch
+mutwilliger und bittrer, insofern er seine ernstere und notwendigere
+Bedeutung hat. Die goettliche Substanz vereinigt in ihr die Bedeutung
+der natuerlichen und sittlichen Wesenheit. In Ansehung des
+Natuerlichen zeigt das wirkliche Selbstbewusstsein schon in der
+Verwendung desselben zu seinem Putze, Wohnung u.s.f. und im Schmause
+seines Opfers sich als das Schicksal, dem das Geheimnis verraten ist,
+welche Bewandtnis es mit der Selbstwesenheit der Natur hat; in dem
+Mysterium des Brotes und Weines macht es dieselbe zusammen mit der
+Bedeutung des innern Wesens sich zu eigen, und in der Komoedie ist es
+sich der Ironie dieser Bedeutung ueberhaupt bewusst.--Insofern nun
+diese Bedeutung die sittliche Wesenheit enthaelt, ist sie teils das
+Volk, in seinen beiden Seiten, des Staats oder eigentlichen Demos,
+und der Familien-Einzelnheit;--teils aber das selbstbewusste reine
+Wissen, oder das vernuenftige Denken des Allgemeinen.--Jener _Demos_,
+die allgemeine Masse, die sich als Herrn und Regent sowie als den zu
+respektierenden Verstand und Einsicht weiss, zwingt und betoert sich
+durch die Besonderheit seiner Wirklichkeit, und stellt den
+laecherlichen Kontrast seiner Meinung von sich und seines
+unmittelbaren Daseins, seiner Notwendigkeit und Zufaelligkeit, seiner
+Allgemeinheit und Gemeinheit dar. Wenn das Prinzip seiner vom
+Allgemeinen getrennten Einzelnheit, in der eigentlichen Gestalt der
+Wirklichkeit, sich hervortut und des Gemeinwesens, dessen geheimer
+Schaden es ist, sich offenbar anmasst und es einrichtet, so verraet
+sich unmittelbarer der Kontrast des Allgemeinen als einer Theorie und
+dessen, um was es in der Praxis zu tun ist, die gaenzliche Befreiung
+der Zwecke der unmittelbaren Einzelnheit von der allgemeinen Ordnung
+und der Spott jener ueber diese.
+
+Das vernuenftige _Denken_ enthebt das goettliche Wesen seiner
+zufaelligen Gestalt, und entgegengesetzt der begrifflosen Weisheit des
+Chors, die mancherlei Sittensprueche vorbringt, und eine Menge von
+Gesetzen und bestimmten Pflicht- und Rechtsbegriffen gelten laesst,
+hebt es sie in die einfachen Ideen des _Schoenen_ und _Guten_ empor.
+--Die Bewegung dieser Abstraktion ist das Bewusstsein der Dialektik,
+welche diese Maximen und Gesetze an ihnen haben, und hiedurch des
+Verschwindens der absoluten Gueltigkeit, in der sie vorher erschienen.
+Indem die zufaellige Bestimmung und oberflaechliche Individualitaet,
+welche die Vorstellung den goettlichen Wesenheiten lieh, verschwindet,
+haben sie nach ihrer _natuerlichen_ Seite nur noch die Nacktheit ihres
+unmittelbaren Daseins, sie sind Wolken, ein verschwindender Dunst,
+wie jene Vorstellungen. Nach ihrer _gedachten_ Wesentlichkeit zu den
+_einfachen_ Gedanken des _Schoenen_ und _Guten_ geworden, vertragen
+diese es, mit jedem beliebigen Inhalt erfuellt zu werden. Die Kraft
+des dialektischen Wissens gibt die bestimmten Gesetze und Maximen des
+Handelns der Lust und dem Leichtsinne der--hiemit--verfuehrten Jugend
+preis, und der Aengstlichkeit und Sorge des auf die Einzelnheit des
+Lebens beschraenkten Alters Waffen zum Betrug an die Hand. Die reinen
+Gedanken des Schoenen und Guten zeigen also das komische Schauspiel,
+durch die Befreiung von der Meinung, welche sowohl ihre Bestimmtheit
+als Inhalt wie ihre absolute Bestimmtheit, das Festhalten des
+Bewusstseins enthaelt, leer und eben dadurch das Spiel der Meinung und
+der Willkuer der zufaelligen Individualitaet zu werden.
+
+Hier ist also das vorher bewusstlose Schicksal, das in der leeren Ruhe
+und Vergessenheit besteht und von dem Selbstbewusstsein getrennt ist,
+mit diesem vereint. Das _einzelne Selbst_ ist die negative Kraft,
+durch und in welcher die Goetter sowie deren Momente, die daseiende
+Natur und die Gedanken ihrer Bestimmungen, verschwinden; zugleich ist
+es nicht die Leerheit des Verschwindens, sondern erhaelt sich in
+dieser Nichtigkeit selbst, ist bei sich und die einzige Wirklichkeit.
+Die Religion der Kunst hat sich in ihm vollendet und ist vollkommen
+in sich zurueckgegangen. Dadurch, dass das einzelne Bewusstsein in der
+Gewissheit seiner selbst es ist, das als diese absolute Macht sich
+darstellt, hat diese die Form eines _Vorgestellten_, von dem
+_Bewusstsein_ ueberhaupt _Getrennten_ und ihm Fremden verloren, wie die
+Bildsaeule, auch die lebendige schoene Koerperlichkeit oder der Inhalt
+des Epos und die Maechte und Personen der Tragoedie waren;--auch ist
+die Einheit nicht die _bewusstlose_ des Kultus und der Mysterien,
+sondern das eigentliche Selbst des Schauspielers faellt mit seiner
+Person zusammen, so wie der Zuschauer, der in dem, was ihm
+vorgestellt wird, vollkommen zu Hause ist und sich selbst spielen
+sieht. Was dies Selbstbewusstsein anschaut, ist, dass in ihm, was die
+Form von Wesenheit gegen es annimmt, in seinem Denken, Dasein und Tun
+sich vielmehr aufloest und preisgegeben ist, es ist die Rueckkehr alles
+Allgemeinen in die Gewissheit seiner selbst, die hiedurch diese
+vollkommne Furcht- und Wesenlosigkeit alles Fremden, und ein Wohlsein
+und Sich-wohlsein-lassen des Bewusstseins ist, wie sich ausser dieser
+Komoedie keins mehr findet.
+
+
+C. Die offenbare Religion
+
+Durch die Religion der Kunst ist der Geist aus der Form der
+_Substanz_ in die des _Subjekts_ getreten, denn sie _bringt_ seine
+Gestalt _hervor_, und setzt also in ihr das _Tun_ oder das
+_Selbstbewusstsein_, das in der furchtbaren Substanz nur verschwindet,
+und im Vertrauen sich nicht selbst erfasst. Diese Menschwerdung des
+goettlichen Wesens geht von der Bildsaeule aus, die nur die _aeussere_
+Gestalt des Selbsts an ihr hat, das _innre_ aber, ihre Taetigkeit,
+faellt ausser ihr; im Kultus aber sind beide Seiten eins geworden, in
+dem Resultate der Religion der Kunst ist diese Einheit in ihrer
+Vollendung zugleich auch auf das Extrem des Selbsts heruebergegangen;
+in dem Geiste, der in der Einzelnheit des Bewusstseins seiner
+vollkommen gewiss ist, ist alle Wesenheit versunken. Der Satz, der
+diesen Leichtsinn ausspricht, lautet so: _das Selbst ist das absolute
+Wesen_; das Wesen, das Substanz und an dem das Selbst die
+Akzidentalitaet war, ist zum Praedikate heruntergesunken, und der Geist
+hat in _diesem Selbstbewusstsein,_ dem nichts in der Form des Wesens
+gegenuebertritt, sein _Bewusstsein_ verloren.
+
+Dieser Satz: _das Selbst ist das absolute Wesen_, gehoert, wie von
+selbst erhellt, dem nichtreligioesen, dem wirklichen Geiste an, und es
+ist sich zu erinnern, welches die Gestalt desselben ist, die ihn
+ausdrueckt. Sie wird zugleich die Bewegung und die Umkehrung
+desselben enthalten, welche das Selbst zum Praedikate herunterstimmt,
+und die Substanz zum Subjekte erhebt. So naemlich, dass der umgekehrte
+Satz nicht _an sich_ oder _fuer uns_ die Substanz zum Subjekte macht,
+oder was dasselbe ist, die Substanz so wiederherstellt, dass das
+Bewusstsein des Geistes zu seinem Anfange, der natuerlichen Religion,
+zurueckgefuehrt wird, sondern so, dass diese Umkehrung _fuer_ und _durch
+das Selbstbewusstsein_ selbst zustande gebracht wird. Indem dieses
+sich mit Bewusstsein aufgibt, so wird es in seiner Entaeusserung
+erhalten und bleibt das Subjekt der Substanz, aber als sich ebenso
+entaeussertes hat es zugleich das Bewusstsein derselben; oder indem es
+durch seine Aufopferung die Substanz als Subjekt _hervorbringt_,
+bleibt dieses sein eignes Selbst. Es wird hiedurch erreicht, dass,
+wenn in den beiden Saetzen in dem ersten der Substantialitaet das
+Subjekt nur verschwindet, und in dem zweiten die Substanz nur
+Praedikat ist, und beide Seiten also in jedem mit der
+entgegengesetzten Ungleichheit des Wertes vorhanden sind,--dass die
+Vereinigung und Durchdringung beider Naturen hervorgeht, in der beide
+mit gleichem Werte ebenso _wesentlich_ als auch nur _Momente_ sind;
+hiedurch ist also der Geist ebenso _Bewusstsein_ seiner als seiner
+_gegenstaendlichen_ Substanz, wie einfaches in sich bleibendes
+_Selbstbewusstsein_.
+
+Die Religion der Kunst gehoert dem sittlichen Geiste an, den wir
+frueher in dem _Rechtszustande_ untergehen sahen, d.h. in dem Satze:
+_das Selbst als solches_, die _abstrakte Person ist absolutes Wesen_.
+Im sittlichen Leben ist das Selbst in dem Geiste seines Volks
+versenkt, es ist die _erfuellte_ Allgemeinheit. Die _einfache
+Einzelnheit_ aber erhebt sich aus diesem Inhalte, und ihr Leichtsinn
+reinigt sie zur Person, zur abstrakten Allgemeinheit des Rechts. In
+dieser ist die _Realitaet_ des sittlichen Geists verloren, die
+inhaltsleeren Geister der Voelkerindividuen sind in _ein_ Pantheon
+versammelt, nicht in ein Pantheon der Vorstellung, deren unmaechtige
+Form jeden gewaehren laesst, sondern in das Pantheon der abstrakten
+Allgemeinheit, des reinen Gedankens, der sie entleibt, und dem
+geistlosen Selbst, der einzelnen Person das An- und Fuer-sich-sein
+erteilt.
+
+Aber dies Selbst hat durch seine Leerheit den Inhalt freigelassen;
+das Bewusstsein ist nur _in sich_ das Wesen; sein eignes _Dasein_, das
+rechtliche Anerkanntsein der Person, ist die unerfuellte Abstraktion;
+es besitzt also vielmehr nur den Gedanken seiner selbst, oder wie es
+_da ist_ und sich als Gegenstand weiss, ist es das _unwirkliche_. Es
+ist daher nur die stoische _Selbststaendigkeit_ des _Denkens_, und
+diese findet, durch die Bewegung des skeptischen Bewusstseins
+hindurchgehend, seine Wahrheit in derjenigen Gestalt, die das
+_unglueckliche Selbstbewusstsein_ genannt wurde.
+
+Dieses weiss, welche Bewandtnis es mit dem wirklichen Gelten der
+abstrakten Person und ebenso mit dem Gelten derselben in dem reinen
+Gedanken hat. Es weiss ein solches Gelten vielmehr als den
+vollkommnen Verlust, es selbst ist dieser seiner bewusste Verlust und
+die Entaeusserung seines Wissens von sich.--Wir sehen, dass dies
+unglueckliche Bewusstsein die Gegenseite und Vervollstaendigung des in
+sich vollkommen gluecklichen, des komischen Bewusstseins ausmacht. In
+das letztere geht alles goettliche Wesen zurueck, oder es ist die
+vollkommne _Entaeusserung_ der _Substanz_. Jenes hingegen ist
+umgekehrt das tragische Schicksal der an und fuer sich sein sollenden
+_Gewissheit seiner selbst._ Es ist das Bewusstsein des Verlustes aller
+_Wesenheit_ in _dieser Gewissheit_ seiner und des Verlustes eben
+dieses Wissens von sich--der Substanz wie des Selbsts, es ist der
+Schmerz, der sich als das harte Wort ausspricht, _dass Gott gestorben
+ist_.
+
+In dem Rechtszustande ist also die sittliche Welt und die Religion
+derselben in dem komischen Bewusstsein versunken, und das unglueckliche
+das Wissen dieses _ganzen_ Verlusts. Sowohl der Selbstwert seiner
+unmittelbaren Persoenlichkeit ist ihm verloren, als seiner
+vermittelten, der _gedachten_. Ebenso ist das Vertrauen in die
+ewigen Gesetze der Goetter, wie die Orakel, die das Besondre zu wissen
+taten, verstummt. Die Bildsaeulen sind nun Leichname, denen die
+belebende Seele, so wie die Hymne Worte, deren Glauben entflohen ist;
+die Tische der Goetter ohne geistige Speise und Trank, und aus seinen
+Spielen und Festen kommt dem Bewusstsein nicht die freudige Einheit
+seiner mit dem Wesen zurueck. Den Werken der Muse fehlt die Kraft des
+Geistes, dem aus der Zermalmung der Goetter und Menschen die Gewissheit
+seiner selbst hervorging. Sie sind nun das, was sie fuer uns sind,
+--vom Baume gebrochne schoene Fruechte, ein freundliches Schicksal
+reichte sie uns dar, wie ein Maedchen jene Fruechte praesentiert; es
+gibt nicht das wirkliche Leben ihres Daseins, nicht den Baum, der sie
+trug, nicht die Erde und die Elemente, die ihre Substanz, noch das
+Klima, das ihre Bestimmtheit ausmachte, oder den Wechsel der
+Jahreszeiten, die den Prozess ihres Werdens beherrschten.--So gibt das
+Schicksal uns mit den Werken jener Kunst nicht ihre Welt, nicht den
+Fruehling und Sommer des sittlichen Lebens, worin sie bluehten und
+reiften, sondern allein die eingehuellte Erinnerung dieser
+Wirklichkeit.--Unser Tun in ihrem Genusse ist daher nicht das
+gottesdienstliche, wodurch unserem Bewusstsein seine vollkommne es
+ausfuellende Wahrheit wuerde, sondern es ist das aeusserliche Tun, das
+von diesen Fruechten etwa Regentropfen oder Staeubchen abwischt, und an
+die Stelle der innern Elemente der umgebenden, erzeugenden und
+begeistenden Wirklichkeit des Sittlichen, das weitlaeufige Gerueste der
+toten Elemente ihrer aeusserlichen Existenz, der Sprache, des
+Geschichtlichen u.s.f. errichtet, nicht um sich in sie hinein zu
+leben, sondern nur um sie in sich vorzustellen. Aber wie das Maedchen,
+das die gepflueckten Fruechte darreicht, mehr ist als die in ihre
+Bedingungen und Elemente, den Baum, Luft, Licht u.s.f. ausgebreitete
+Natur derselben, welche sie unmittelbar darbot, indem es auf eine
+hoehere Weise dies alles in den Strahl des selbstbewussten Auges und
+der darreichenden Gebaerde zusammenfasst, so ist der Geist des
+Schicksals, der uns jene Kunstwerke darbietet, mehr als das sittliche
+Leben und Wirklichkeit jenes Volkes, denn er ist die _Er-Innerung_
+des in ihnen noch _veraeusserten_ Geistes,--er ist der Geist des
+tragischen Schicksals, das alle jene individuelle Goetter und
+Attribute der Substanz in das _eine_ Pantheon versammelt, in den
+seiner als Geist selbstbewussten Geist.
+
+Alle Bedingungen seines Hervorgangs sind vorhanden, und diese
+Totalitaet seiner Bedingungen macht das _Werden_, den _Begriff_, oder
+das _ansichseiende_ Hervorgehen desselben aus.--Der Kreis der
+Hervorbringungen der Kunst umfasst die Formen der Entaeusserungen der
+absoluten Substanz, sie ist in der Form der Individualitaet, als ein
+Ding, als _seiender_ Gegenstand des sinnlichen Bewusstseins,--als die
+reine Sprache oder das Werden der Gestalt, deren Dasein nicht aus dem
+Selbst heraustritt, und rein _verschwindender_ Gegenstand ist;--als
+unmittelbare _Einheit_ mit dem allgemeinen _Selbstbewusstsein_ in
+seiner Begeisterung und als vermittelte in dem Tun des Kultus;--als
+schoene _selbstische Koerperlichkeit_, und endlich als das in die
+_Vorstellung_ erhobne Dasein und die Ausbreitung desselben zu einer
+Welt, die sich zuletzt in die Allgemeinheit, die ebenso _reine
+Gewissheit ihrer selbst_ ist, zusammennimmt.--Diese Formen, und auf
+der andern Seite die _Welt_ der _Person_ und des Rechts, die
+verwuestende Wildheit der freigelassenen Elemente des Inhalts, ebenso
+die _gedachte_ Person des Stoizismus und die haltlose Unruhe des
+skeptischen Bewusstseins, machen die Peripherie der Gestalten aus,
+welche erwartend und draengend um die Geburtsstaette des als
+Selbstbewusstsein werdenden Geistes umherstehen, der alle
+durchdringende Schmerz und Sehnsucht des ungluecklichen
+Selbstbewusstseins ist ihr Mittelpunkt und das gemeinschaftliche
+Geburtswehe seines Hervorgangs,--die Einfachheit des reinen Begriffs,
+der jene Gestalten als seine Momente enthaelt.
+
+Er hat die zwei Seiten an ihm, die oben als die beiden umgekehrten
+Saetze vorgestellt sind; die eine ist diese, dass die _Substanz_ sich
+ihrer selbst entaeussert und zum Selbstbewusstsein wird, die andre
+umgekehrt, dass das _Selbstbewusstsein_ sich seiner entaeussert und zur
+Dingheit oder zum allgemeinen Selbst macht. Beide Seiten sind sich
+auf diese Weise entgegengekommen und hiedurch ihre wahre Vereinigung
+entstanden. Die Entaeusserung der Substanz, ihr Werden zum
+Selbstbewusstsein drueckt den Uebergang ins Entgegengesetzte, den
+bewusstlosen Uebergang der _Notwendigkeit_ oder dies aus, dass sie _an
+sich_ Selbstbewusstsein ist. Umgekehrt die Entaeusserung des
+Selbstbewusstseins dies, dass es _an sich_ das allgemeine Wesen ist,
+oder, weil das Selbst das reine Fuer-sich-sein ist, das in seinem
+Gegenteile bei sich bleibt, dies, dass es _fuer es_ ist, dass die
+Substanz Selbstbewusstsein und eben dadurch Geist ist. Es kann daher
+von diesem Geiste, der die Form der Substanz verlassen, und in der
+Gestalt des Selbstbewusstseins in das Dasein tritt, gesagt
+werden--wenn man sich der aus der natuerlichen Zeugung hergenommenen
+Verhaeltnisse bedienen will--, dass er eine _wirkliche_ Mutter, aber
+einen _ansich_seienden Vater hat; denn die _Wirklichkeit_ oder das
+Selbstbewusstsein und das _An-sich_ als die Substanz sind seine beiden
+Momente, durch deren gegenseitige Entaeusserung, jedes zum andern
+werdend, er als diese ihre Einheit ins Dasein tritt.
+
+Insofern das Selbstbewusstsein einseitig nur _seine eigne_ Entaeusserung
+erfasst, wenn ihm schon sein Gegenstand also ebensowohl Sein als
+Selbst ist und es alles Dasein als geistiges Wesen weiss, so ist
+dadurch dennoch noch nicht fuer es der wahre Geist geworden, insofern
+naemlich das Sein ueberhaupt oder die Substanz nicht _an sich_ ebenso
+ihrerseits sich ihrer selbst entaeusserte und zum Selbstbewusstsein
+wurde. Denn alsdann ist alles Dasein nur vom _Standpunkte des
+Bewusstseins aus_ geistiges Wesen, nicht an sich selbst. Der Geist
+ist auf diese Weise dem Dasein nur _eingebildet_; dieses Einbilden
+ist die _Schwaermerei_, welche der Natur sowohl als der Geschichte,
+wie der Welt so den mythischen Vorstellungen der vorhergehenden
+Religionen einen andern innern Sinn unterlegt, als sie in ihrer
+Erscheinung dem Bewusstsein unmittelbar darbieten, und in Ansehung der
+Religionen, als das Selbstbewusstsein, dessen Religionen sie waren,
+darin wusste. Aber diese Bedeutung ist eine geliehene, und ein Kleid,
+das die Bloesse der Erscheinung nicht bedeckt und sich keinen Glauben
+und Verehrung erwirbt, sondern die truebe Nacht und eigne Verzueckung
+des Bewusstseins bleibt.
+
+Dass diese Bedeutung des Gegenstaendlichen also nicht blosse Einbildung
+sei, muss sie _an sich_ sein, das heisst, _einmal_ dem Bewusstsein aus
+dem _Begriffe_ entspringen und in ihrer Notwendigkeit hervorgehen.
+So ist uns durch das Erkennen des _unmittelbaren Bewusstseins_, oder
+des Bewusstseins des _seienden_ Gegenstandes durch seine notwendige
+Bewegung der sich selbst wissende _Geist_ entsprungen. Dieser
+Begriff, der als unmittelbarer auch die Gestalt der _Unmittelbarkeit_
+fuer sein Bewusstsein hatte, hat sich _zweitens_ die Gestalt des
+Selbstbewusstseins _an sich_, d.h. nach eben der Notwendigkeit des
+Begriffes gegeben, als das _Sein_ oder die _Unmittelbarkeit_, die der
+inhaltslose Gegenstand des sinnlichen Bewusstseins ist, sich seiner
+entaeussert, und Ich fuer das Bewusstsein wird.--Von dem _denkenden
+An-sich_ oder dem _Erkennen der Notwendigkeit_ ist aber das
+_unmittelbare An-sich_ oder die _seiende Notwendigkeit_ selbst
+unterschieden;--ein Unterschied, der zugleich aber nicht ausser dem
+Begriffe liegt, denn die _einfache Einheit_ des Begriffes ist das
+_unmittelbare Sein_ selbst; er ist ebenso das sich selbst Entaeussernde
+oder das Werden der _angeschauten Notwendigkeit_, als er in ihr bei
+sich ist und sie weiss und begreift.--Das _unmittelbare An-sich_ des
+Geistes, der sich die Gestalt des Selbstbewusstseins gibt, heisst
+nichts anderes, als dass der wirkliche Weltgeist zu diesem Wissen von
+sich gelangt ist; dann erst tritt dies Wissen auch in sein Bewusstsein,
+und als Wahrheit ein. Wie jenes geschehen, hat sich oben ergeben.
+
+Dies dass der absolute Geist sich die Gestalt des Selbstbewusstseins
+_an sich_ und damit auch fuer sein _Bewusstsein_ gegeben, erscheint nun
+so, dass es der _Glauben der Welt_ ist, dass der Geist als ein
+Selbstbewusstsein, d.h. als ein wirklicher Mensch _da ist_, dass er fuer
+die unmittelbare Gewissheit ist, dass das glaubende Bewusstsein diese
+Goettlichkeit _sieht_ und _fuehlt_ und _hoert_. So ist es nicht
+Einbildung, sondern es ist _wirklich an dem_. Das Bewusstsein geht
+dann nicht aus _seinem_ Innern, von dem Gedanken aus, und schliesst
+_in sich_ den Gedanken des Gottes mit dem Dasein zusammen, sondern es
+geht von dem unmittelbaren gegenwaertigen Dasein aus, und erkennt den
+Gott in ihm.--Das Moment des _unmittelbaren Seins_ ist in dem Inhalte
+des Begriffes so vorhanden, dass der religioese Geist in der Rueckkehr
+aller Wesenheit in das Bewusstsein _einfaches_ positives Selbst
+geworden ist, ebenso wie der wirkliche Geist als solcher im
+ungluecklichen Bewusstsein eben diese _einfache_ selbstbewusste
+Negativitaet. Das Selbst des daseienden Geistes hat dadurch die Form
+der vollkommnen Unmittelbarkeit; es ist weder als Gedachtes oder
+Vorgestelltes noch Hervorgebrachtes gesetzt, wie es mit dem
+unmittelbaren Selbst teils in der natuerlichen, teils in der
+Kunst-Religion der Fall ist. Sondern dieser Gott wird unmittelbar
+als Selbst, als ein wirklicher einzelner Mensch, sinnlich angeschaut;
+so nur _ist_ er Selbstbewusstsein.
+
+Diese Menschwerdung des goettlichen Wesens, oder dass es wesentlich und
+unmittelbar die Gestalt des Selbstbewusstseins hat, ist der einfache
+Inhalt der absoluten Religion. In ihr wird das Wesen als Geist
+gewusst, oder sie ist sein Bewusstsein ueber sich, Geist zu sein. Denn
+der Geist ist das Wissen seiner selbst in seiner Entaeusserung; das
+Wesen, das die Bewegung ist, in seinem Anderssein die Gleichheit mit
+sich selbst zu behalten. Dies aber ist die Substanz, insofern sie in
+ihrer Akzidentalitaet ebenso in sich reflektiert, nicht dagegen als
+gegen ein Unwesentliches und somit in einem Fremden sich Befindendes
+gleichgueltig, sondern darin _in sich_, d.h. insofern sie _Subjekt_
+oder _Selbst_ ist.--In dieser Religion ist deswegen das goettliche
+Wesen _geoffenbart_. Sein Offenbarsein besteht offenbar darin, dass
+gewusst wird, was es ist. Es wird aber gewusst, eben indem es als
+Geist gewusst wird, als Wesen, das wesentlich _Selbstbewusstsein_ ist.
+--Dem _Bewusstsein_ ist in seinem Gegenstand dann etwas geheim, wenn
+er ein _Anderes_ oder _Fremdes_ fuer es ist, und wenn es ihn nicht als
+_sich selbst_ weiss. Dies Geheimsein hoert auf, indem das absolute
+Wesen als Geist Gegenstand des Bewusstseins ist; denn so ist er als
+_Selbst_ in seinem Verhaeltnisse zu ihm; d.h. dieses weiss unmittelbar
+sich darin, oder es ist sich in ihm offenbar. Es selbst ist sich nur
+in der eignen Gewissheit seiner offenbar; jener sein Gegenstand ist
+das _Selbst_, das Selbst aber ist kein Fremdes, sondern die
+untrennbare Einheit mit sich, das unmittelbar Allgemeine. Es ist der
+reine Begriff, das reine Denken oder _Fuer-sich-sein_, das unmittelbar
+_Sein_, und damit _Sein fuer Anderes_, und als dieses _Sein fuer
+Anderes_ unmittelbar in sich zurueckgekehrt, und bei sich selbst; es
+ist also das wahrhaft und allein Offenbare. Das Guetige, Gerechte,
+Heilige, Schoepfer Himmels und der Erde u.s.f. sind _Praedikate_ eines
+Subjekts,--allgemeine Momente, die an diesem Punkte ihren Halt haben,
+und nur erst im Rueckgehen des Bewusstseins ins Denken sind.--Indem
+_sie_ gewusst werden, ist ihr Grund und Wesen, das _Subjekt_ selbst,
+noch nicht offenbar, und ebenso sind die _Bestimmungen_ des
+Allgemeinen nicht _dies Allgemeine_ selbst. Das _Subjekt_ selbst,
+und damit auch _dies reine Allgemeine_ ist aber offenbar als _Selbst_,
+denn dies ist eben dies in sich reflektierte Innre, das unmittelbar
+da und die eigne Gewissheit desjenigen Selbsts ist, fuer welches es da
+ist. Dies--seinem _Begriffe_ nach das Offenbare zu sein--ist also
+die wahre Gestalt des Geistes, und diese seine Gestalt, der Begriff,
+ist ebenso allein sein Wesen und Substanz. Er wird gewusst als
+Selbstbewusstsein und ist diesem unmittelbar offenbar, denn er ist
+dieses selbst; die goettliche Natur ist dasselbe, was die menschliche
+ist, und diese Einheit ist es, die angeschaut wird.
+
+Hier also ist in der Tat das Bewusstsein oder die Weise, wie das Wesen
+fuer es selbst ist, seine Gestalt, seinem Selbstbewusstsein gleich;
+diese Gestalt ist selbst ein Selbstbewusstsein; sie ist damit zugleich
+_seiender_ Gegenstand, und dieses _Sein_ hat ebenso unmittelbar die
+Bedeutung des _reinen Denkens_, des absoluten Wesens.--Das absolute
+Wesen, welches als ein wirkliches Selbstbewusstsein da ist, scheint
+von seiner ewigen Einfachheit _herabgestiegen_ zu sein, aber in der
+Tat hat es damit erst sein _hoechstes_ Wesen erreicht. Denn der
+Begriff des Wesens, erst indem er seine einfache Reinheit erlangt hat,
+ist er die absolute _Abstraktion_, welche _reines Denken_ und damit
+die reine Einzelnheit des Selbsts, so wie um seiner Einfachheit
+willen das _Unmittelbare_ oder _Sein_ ist.--Was das sinnliche
+Bewusstsein genannt wird, ist eben diese reine _Abstraktion_, es ist
+dies Denken, fuer welches das _Sein_ das _Unmittelbare_ ist. Das
+Niedrigste ist also zugleich das Hoechste, das ganz an die
+_Oberflaeche_ herausgetretene Offenbare ist eben darin das _Tiefste_.
+Dass das hoechste Wesen als ein seiendes Selbstbewusstsein gesehen,
+gehoert u.s.f. wird, dies ist also in der Tat die Vollendung seines
+Begriffes; und durch diese Vollendung ist das Wesen so unmittelbar
+_da_, als es Wesen ist.
+
+Dies unmittelbare Dasein ist zugleich nicht allein und bloss
+unmittelbares Bewusstsein, sondern es ist religioeses Bewusstsein; die
+Unmittelbarkeit hat ungetrennt die Bedeutung nicht nur eines
+_seienden_ Selbstbewusstseins, sondern des rein gedachten oder
+absoluten _Wesens_. Wessen wir uns in unserem Begriffe bewusst sind,
+dass das _Sein Wesen_ ist, ist das religioese Bewusstsein sich bewusst.
+Diese _Einheit_ des Seins und Wesens, des _Denkens_, das unmittelbar
+_Dasein ist_, ist, wie es der _Gedanke_ dieses religioesen Bewusstseins
+oder sein _vermitteltes_ Wissen ist, ebenso _sein unmittelbares_
+Wissen; denn diese Einheit des Seins und Denkens ist das
+_Selbst_bewusstsein, und ist selbst _da_, oder die _gedachte_ Einheit
+hat zugleich diese Gestalt dessen, was sie ist. Gott ist also hier
+_offenbar_, wie _er ist; er ist so da_, wie er _an sich_ ist; er ist
+da, als Geist. Gott ist allein im reinen spekulativen Wissen
+erreichbar, und ist nur in ihm und ist nur es selbst, denn er ist der
+Geist; und dieses spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren
+Religion. Jenes weiss ihn als _Denken_ oder reines Wesen, und dies
+Denken als Sein und als Dasein, und das Dasein als die Negativitaet
+seiner selbst, hiemit als Selbst, _dieses_ und allgemeines Selbst;
+eben dies weiss die offenbare Religion.--Die Hoffnungen und
+Erwartungen der vorhergehenden Welt draengten sich allein auf diese
+Offenbarung hin, anzuschauen, was das absolute Wesen ist, und sich
+selbst in ihm zu finden; diese Freude wird dem Selbstbewusstsein und
+ergreift die ganze Welt, im absoluten Wesen sich zu schauen, denn es
+ist Geist, es ist die einfache Bewegung jener reinen Momente, die
+dies selbst ausdrueckt, dass das Wesen dadurch erst, dass es als
+_unmittelbares_ Selbstbewusstsein angeschaut wird, als Geist gewusst
+wird.
+
+Dieser Begriff des selbst sich selbst als Geist wissenden Geistes ist
+selbst der unmittelbare, und noch nicht entwickelt. Das Wesen ist
+Geist, oder es ist erschienen, es ist offenbar; dies erste
+Offenbarsein ist selbst _unmittelbar_; aber die Unmittelbarkeit ist
+ebenso reine Vermittlung oder Denken; sie muss daher an ihr selbst als
+solcher dies darstellen.--Bestimmter dies betrachtet, so ist der
+Geist in der Unmittelbarkeit des Selbstbewusstseins _dieses einzelne_
+Selbstbewusstsein, dem _allgemeinen_ entgegengesetzt; er ist
+ausschliessendes Eins, das fuer das Bewusstsein, _fuer welches_ es da ist,
+die noch unaufgeloeste Form eines _sinnlichen Andern_ hat; dieses
+weiss den Geist noch nicht als den seinen, oder der Geist ist noch
+nicht, wie er _einzelnes_ Selbst ist, ebensowohl als allgemeines, als
+alles Selbst da. Oder die Gestalt hat noch nicht die Form des
+_Begriffs_; d.h. des allgemeinen Selbsts, des Selbsts, das in seiner
+unmittelbaren Wirklichkeit ebenso Aufgehobnes, Denken, Allgemeinheit
+ist, ohne in dieser jene zu verlieren.--Die naechste und selbst
+unmittelbare Form dieser Allgemeinheit ist aber nicht schon die Form
+_des Denkens selbsts, des Begriffes als Begriffes_, sondern die
+Allgemeinheit der Wirklichkeit, die Allheit der Selbst, und die
+Erhebung des Daseins in die Vorstellung; wie ueberall, und um ein
+bestimmtes Beispiel anzufuehren, das aufgehobne _sinnliche Dieses_
+erst das Ding der _Wahrnehmung_, noch nicht das _Allgemeine_ des
+Verstandes ist.
+
+Dieser einzelne Mensch also, als welcher das absolute Wesen offenbar
+ist, vollbringt an ihm als Einzelnem die Bewegung des _sinnlichen
+Seins_. Er ist der _unmittelbar_ gegenwaertige Gott; dadurch geht
+sein _Sein_ in _Gewesensein_ ueber. Das Bewusstsein, fuer welches er
+diese sinnliche Gegenwart hat, hoert auf, ihn zu sehen, zu hoeren; es
+_hat_ ihn gesehen und gehoert; und erst dadurch, dass es ihn nur
+gesehen, gehoert _hat_, wird es selbst geistiges Bewusstsein, oder wie
+er vorher als _sinnliches Dasein_ fuer es aufstand, ist er itzt _im
+Geiste_ aufgestanden.--Denn als solches, das ihn sinnlich sieht und
+hoert, ist es selbst nur unmittelbares Bewusstsein, das die
+Ungleichheit der Gegenstaendlichkeit nicht aufgehoben, nicht ins reine
+Denken zurueckgenommen hat, sondern diesen gegenstaendlichen Einzelnen,
+nicht aber sich selbst als Geist weiss. In dem Verschwinden des
+unmittelbaren Daseins des als absoluten Wesens Gewussten erhaelt das
+Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares
+Selbst der Wirklichkeit, aber als _das allgemeine Selbstbewusstsein_
+der Gemeine, das in seiner eignen Substanz ruht, so wie diese in ihm
+allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne fuer sich, sondern
+zusammen mit dem Bewusstsein der Gemeine, und das, was er fuer diese
+ist, ist das vollstaendige Ganze desselben.
+
+_Vergangenheit_ und _Entfernung_ sind aber nur die unvollkommne Form,
+wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist;
+diese ist nur oberflaechlich in das Element des Denkens getaucht, ist
+_als_ sinnliche Weise darin aufbewahrt, und mit der Natur des Denkens
+selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das _Vorstellen_ erhoben,
+denn dies ist die synthetische Verbindung der sinnlichen
+Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens.
+
+Diese _Form des Vorstellens_ macht die Bestimmtheit aus, in welcher
+der Geist, in dieser seiner Gemeine, seiner bewusst wird. Sie ist
+noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene
+Selbstbewusstsein desselben; die Vermittelung ist noch unvollendet.
+Es ist also in dieser Verbindung des Seins und Denkens der Mangel
+vorhanden, dass das geistige Wesen noch mit einer unversoehnten
+Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist. Der _Inhalt_
+ist der wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des
+Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern
+als vollkommen selbststaendige Seiten zu erscheinen, die sich
+_aeusserlich_ aufeinander beziehen. Dass der wahre Inhalt auch seine
+wahre Form fuer das Bewusstsein erhalte, dazu ist die hoehere Bildung
+des Letztern notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in
+den Begriff zu erheben, und _fuer es selbst_ sein Bewusstsein mit
+seinem Selbstbewusstsein auszugleichen, wie dies fuer uns oder _an
+sich_ geschehen ist.
+
+Dieser Inhalt ist in der Weise, wie er in seinem Bewusstsein ist, zu
+betrachten.--Der absolute Geist ist _Inhalt_, so ist er in der
+Gestalt seiner _Wahrheit_. Aber seine Wahrheit ist, nicht nur die
+Substanz der Gemeinde oder das _An-sich_ derselben zu sein, noch auch
+nur aus dieser Innerlichkeit in die Gegenstaendlichkeit des
+Vorstellens heraufzutreten, sondern wirkliches Selbst zu werden, sich
+in sich zu reflektieren und Subjekt zu sein. Dies ist also die
+Bewegung, welche er in seiner Gemeine vollbringt, oder dies ist das
+Leben desselben. Was dieser sich offenbarende Geist _an und fuer
+sich_ ist, wird daher nicht dadurch herausgebracht, dass sein reiches
+Leben in der Gemeine gleichsam aufgedreht und auf seinen ersten Faden
+zurueckgefuehrt wird, etwa auf die Vorstellungen der ersten
+unvollkommnen Gemeine, oder gar auf das, was der wirkliche Mensch
+gesprochen hat. Dieser Zurueckfuehrung liegt der Instinkt zugrunde,
+auf den Begriff zu gehen; aber sie verwechselt den _Ursprung_ als das
+_unmittelbare Dasein_ der ersten Erscheinung mit der _Einfachheit_
+des _Begriffes_. Durch diese Verarmung des Lebens des Geistes, durch
+das Wegraeumen der Vorstellung der Gemeine und ihres Tuns gegen ihre
+Vorstellung, entsteht daher statt des Begriffes vielmehr die blosse
+Aeusserlichkeit und Einzelnheit, die geschichtliche Weise der
+unmittelbaren Erscheinung und die geistlose Erinnerung einer
+einzelnen gemeinten Gestalt und ihrer Vergangenheit.
+
+Der Geist ist Inhalt seines Bewusstseins zuerst in der Form _der
+reinen Substanz_, oder ist Inhalt seines reinen Bewusstseins. Dies
+Element des Denkens ist die Bewegung, zum Dasein oder der Einzelnheit
+herunterzusteigen. Die Mitte zwischen ihnen ist ihre synthetische
+Verbindung, das Bewusstsein des Anderswerdens oder das Vorstellen als
+solches. Das dritte ist die Rueckkehr aus der Vorstellung und dem
+Anderssein oder das Element des Selbstbewusstseins selbst.--Diese drei
+Momente machen den Geist aus; sein Auseinandertreten in der
+Vorstellung besteht darin, auf eine _bestimmte_ Weise zu sein; diese
+Bestimmtheit aber ist nichts anderes als eines seiner Momente. Seine
+ausfuehrliche Bewegung ist also diese, in jedem seiner Momente als in
+einem Elemente seine Natur auszubreiten; indem jeder dieser Kreise
+sich in sich vollendet, ist diese seine Reflexion in sich zugleich
+der Uebergang in den andern. Die _Vorstellung_ macht die Mitte
+zwischen dem reinen Denken und dem Selbstbewusstsein als solchem aus,
+und ist nur _eine_ der Bestimmtheiten; zugleich aber, wie sich
+gezeigt, ist ihr Charakter, die synthetische Verbindung zu sein, ueber
+alle diese Elemente ausgebreitet und ihre gemeinschaftliche
+Bestimmtheit.
+
+Der Inhalt selbst, der zu betrachten ist, ist zum Teil schon als die
+Vorstellung des _ungluecklichen_ und _glaubenden_ Bewusstseins
+vorgekommen;--in jenem aber in der Bestimmung des aus dem _Bewusstsein
+hervorgebrachten_ und _ersehnten_ Inhalts, worin der Geist sich nicht
+ersaettigen noch Ruhe finden kann, weil er noch nicht _an sich_ oder
+als seine _Substanz_ sein Inhalt ist;--in diesem dagegen ist er als
+das selbstlose _Wesen_ der Welt oder als wesentlich
+_gegenstaendlicher_ Inhalt des Vorstellens betrachtet worden,--eines
+Vorstellens, das der Wirklichkeit ueberhaupt entflieht, und daher ohne
+die _Gewissheit des Selbstbewusstseins_ ist, die sich teils als
+Eitelkeit des Wissens, teils als reine Einsicht von ihm trennt.--Das
+Bewusstsein der Gemeine hingegen hat ihn zu seiner _Substan_z, ebenso
+als er ihre _Gewissheit_ des eignen Geistes ist.
+
+Der Geist zuerst als Substanz im _Elemente des reinen Denkens_
+vorgestellt, ist er hiemit unmittelbar das einfache sich selbst
+gleiche, ewige _Wesen_, das aber nicht diese abstrakte _Bedeutung_
+des Wesens, sondern die Bedeutung des absoluten Geistes hat. Allein
+der Geist ist dies, nicht Bedeutung, nicht das Innre, sondern das
+Wirkliche zu sein. Das einfache ewige Wesen daher wuerde nur dem
+leeren Worte nach Geist sein, wenn es bei der Vorstellung und dem
+Ausdrucke des einfachen ewigen Wesens bliebe. Das einfache Wesen
+aber, weil es die Abstraktion ist, ist es in der Tat das _Negative an
+sich selbst_, und zwar die Negativitaet des Denkens oder sie, wie sie
+im _Wesen_ an sich ist; d.h. es ist der absolute _Unterschied_ von
+sich, oder sein reines Anderswerden. Als _Wesen_ ist es nur _an
+sich_ oder fuer uns; aber indem diese Reinheit eben die Abstraktion
+oder Negativitaet ist, ist es _fuer sich selbst_, oder das _Selbst_,
+der _Begriff_.--Es ist also _gegenstaendlich_; und indem die
+Vorstellung die soeben ausgesprochne _Notwendigkeit_ des Begriffs als
+ein _Geschehen_ auffasst und ausspricht, so wird gesagt werden, dass
+das ewige Wesen sich ein Anderes _erzeugt_. Aber in diesem
+Anderssein ist es ebenso unmittelbar in sich zurueckgekehrt; denn der
+Unterschied ist der Unterschied _an sich_, d.h. er ist unmittelbar
+nur von sich selbst unterschieden, er ist also die in sich
+zurueckgekehrte Einheit.
+
+Es unterscheiden sich also die drei Momente, des _Wesens_, des
+_Fuer-sich-seins_, welches das Anderssein des Wesens ist und fuer
+welches das Wesen ist, und des _Fuer-sich-seins_ oder
+Sich-selbst-wissens im _Andern_. Das Wesen schaut nur sich selbst in
+seinem Fuer-sich-sein an; es ist in dieser Entaeusserung nur bei sich,
+das Fuer-sich-sein, das sich von dem Wesen ausschliesst, ist das
+_Wissen_ des _Wesens seiner selbst_; es ist das Wort, das
+ausgesprochen den Aussprechenden entaeussert und ausgeleert zuruecklaesst,
+aber ebenso unmittelbar vernommen ist, und nur dieses sich selbst
+Vernehmen ist das Dasein des Wortes. So dass die Unterschiede, die
+gemacht sind, ebenso unmittelbar aufgeloest, als sie gemacht, und
+ebenso unmittelbar gemacht, als sie aufgeloest sind, und das Wahre und
+Wirkliche eben diese in sich kreisende Bewegung ist.
+
+Diese Bewegung in sich selbst spricht das absolute Wesen als _Geist_
+aus; das absolute Wesen, das nicht als Geist erfasst wird, ist nur das
+abstrakte Leere, so wie der Geist, der nicht als diese Bewegung
+erfasst wird, nur ein leeres Wort ist. Indem seine _Momente_ in ihrer
+Reinheit gefasst werden, sind sie die ruhelosen Begriffe, die nur sind,
+ihr Gegenteil an sich selbst zu sein und ihre Ruhe im Ganzen zu
+haben. Aber das _Vorstellen_ der Gemeine ist nicht dies
+_begreifende_ Denken; sondern hat den Inhalt ohne seine Notwendigkeit,
+und bringt statt der Form des Begriffes die natuerlichen Verhaeltnisse
+von Vater und Sohn in das Reich des reinen Bewusstseins. Indem es so
+im Denken selbst sich _vorstellend_ verhaelt, ist ihm das Wesen zwar
+offenbar, aber die Momente desselben treten ihm um dieser
+synthetischen Vorstellung willen teils selbst auseinander, so dass sie
+nicht durch ihren eignen Begriff sich aufeinander beziehen, teils
+tritt es von diesem seinem reinen Gegenstand zurueck, bezieht sich nur
+aeusserlich auf ihn; er ist ihm von einem Fremden geoffenbart, und in
+diesem Gedanken des Geistes erkennt es nicht sich selbst, nicht die
+Natur des reinen Selbstbewusstseins. Insofern ueber die Form des
+Vorstellens und jener Verhaeltnisse, die aus dem Natuerlichen
+hergenommen sind, und damit besonders auch darueber hinausgegangen
+werden muss, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, fuer
+isolierte nichtwankende Substanzen oder Subjekte statt fuer
+uebergehende Momente zu nehmen,--ist dies Hinausgehen, wie vorhin bei
+einer andern Seite erinnert wurde, fuer ein Draengen des Begriffes
+anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft
+mit der Form auch den Inhalt, und, was dasselbe ist, setzt ihn zu
+einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstuecke der Tradition
+herab; hierin ist das rein Aeusserliche des Glaubens nur beibehalten,
+und damit als ein erkenntnisloses Totes, das _Innerliche_ desselben
+aber ist verschwunden, weil dies der Begriff waere, der sich als
+Begriff weiss.
+
+Der absolute Geist, im _reinen Wesen_ vorgestellt, ist zwar nicht das
+_abstrakte_ reine Wesen, sondern dieses ist vielmehr ebendadurch, dass
+es im Geiste nur Moment ist, zum _Elemente_ herabgesunken. Die
+Darstellung des Geistes aber in diesem Elemente hat denselben Mangel
+der Form nach an sich, den das _Wesen_ als Wesen hat. Das Wesen ist
+das Abstrakte, und darum das Negative seiner Einfachheit, ein Anderes;
+ebenso der _Geist_ im Elemente des Wesens ist die _Form_ der
+_einfachen Einheit_, die darum ebenso wesentlich ein Anderswerden ist.
+--Oder was dasselbe ist, die Beziehung des ewigen Wesens auf sein
+Fuer-sich-sein ist die unmittelbar-einfache des reinen Denkens; in
+diesem _einfachen_ Anschauen seiner selbst im Andern ist also das
+_Anderssein_ nicht als solches gesetzt; es ist der Unterschied, wie
+er im reinen Denken unmittelbar _kein Unterschied_ ist; ein
+Anerkennen _der Liebe_, worin die beiden nicht ihrem Wesen nach sich
+_entgegensetzten_.--Der Geist, der im Elemente des reinen Denkens
+ausgesprochen ist, ist wesentlich selbst dieses, nicht in ihm nur,
+sondern _Wirklicher_ zu sein, denn in seinem Begriffe liegt selbst
+das _Anderssein_, d.h. das Aufheben des reinen nur gedachten
+Begriffes.
+
+Das Element des reinen Denkens, weil es das abstrakte ist, ist selbst
+vielmehr das _Andre_ seiner Einfachheit, und geht daher in das
+eigentliche Element des _Vorstellens_ ueber,--das Element, worin die
+Momente des reinen Begriffes ein _substantielles_ Dasein ebenso
+gegeneinander erhalten, als sie _Subjekte_ sind, die nicht fuer ein
+drittes die Gleichgueltigkeit des Seins gegeneinander haben, sondern
+in sich reflektiert sich selbst voneinander absondern und
+entgegenstellen.
+
+Der also nur ewige oder abstrakte Geist wird sich _ein Anders_ oder
+tritt in das Dasein und unmittelbar in das _unmittelbare Dasein_. Er
+_erschafft_ also eine _Welt_. Dieses _Erschaffen_ ist das Wort der
+Vorstellung fuer den _Begriff_ selbst nach seiner absoluten Bewegung,
+oder dafuer, dass das als absolut ausgesagte Einfache oder reine Denken,
+weil es das abstrakte ist, vielmehr das Negative und hiemit sich
+Entgegengesetzte oder _Andre_ ist;--oder weil, um dasselbe noch in
+einer andern Form zu sagen, weil das als _Wesen_ gesetzte die
+einfache _Unmittelbarkeit_ oder das _Sein_ ist, aber als
+Unmittelbarkeit oder Sein des Selbsts entbehrt und also, der
+Innerlichkeit ermangelnd, _passiv_ oder _Sein fuer Anderes_ ist.--Dies
+_Sein fuer Anderes_ ist zugleich _eine Welt_; der Geist in der
+Bestimmung des _Seins fuer Anderes_ ist das ruhige Bestehen der vorhin
+in das reine Denken eingeschlossenen Momente, also die Aufloesung
+ihrer einfachen Allgemeinheit und das Auseinandergehen derselben in
+ihre eigne Besonderheit.
+
+Die Welt ist aber nicht nur dieser auseinander in die Vollstaendigkeit
+und deren aeussere Ordnung geworfene Geist, sondern da er wesentlich
+das einfache Selbst ist, ist dieses an ihr ebenso vorhanden; der
+_daseiende_ Geist, der das einzelne Selbst ist, welches das
+Bewusstsein hat, und sich als Andres oder als Welt von sich
+unterscheidet.--Wie dieses einzelne Selbst so unmittelbar erst
+gesetzt ist, ist es noch nicht _Geist fuer sich_; es _ist_ also nicht
+_als_ Geist, es kann _unschuldig_, aber nicht wohl _gut_ genannt
+werden. Dass es in der Tat Selbst und Geist sei, muss es ebenso, wie
+das ewige Wesen sich als die Bewegung in seinem Anderssein sich
+selbst gleich zu sein darstellt, zunaechst sich selbst ein _Anderes_
+werden. Indem dieser Geist bestimmt ist als erst unmittelbar
+daseiend oder als in die Mannigfaltigkeit seines Bewusstseins
+zerstreut, so ist sein Anderswerden das _In-sich_-gehen des Wissens
+ueberhaupt. Das unmittelbare Dasein schlaegt in den Gedanken, oder das
+nur sinnliche Bewusstsein in das Bewusstsein des Gedankens um, und zwar,
+weil er der aus der Unmittelbarkeit herkommende oder _bedingte_
+Gedanke ist, ist er nicht das reine Wissen, sondern der Gedanke, der
+das Anderssein an ihm hat, und also der sich selbst entgegengesetzte
+Gedanke des _Guten_ und _Boesen_. Der Mensch wird so vorgestellt, dass
+es _geschehen_ ist, als etwas nicht Notwendiges,--dass er die Form der
+Sichselbstgleichheit durch das Pfluecken vom Baume des Erkenntnisses
+des _Guten_ und _Boesen_ verlor und aus dem Zustande des unschuldigen
+Bewusstseins, aus der arbeitlos sich darbietenden Natur und dem
+Paradiese, dem Garten der Tiere, vertrieben wurde.
+
+Indem dies In-sich-gehen des daseienden Bewusstseins sich unmittelbar
+als das Sich-selbst-_ungleich_-werden bestimmt, so erscheint das
+_Boese_ als das erste Dasein des in sich gegangenen Bewusstseins; und
+weil die Gedanken des _Guten_ und _Boesen_ schlechthin
+entgegengesetzte und diese Entgegensetzung noch nicht aufgeloest ist,
+so ist dies Bewusstsein wesentlich nur das Boese. Zugleich aber ist um
+eben dieser Entgegensetzung willen auch das _gute_ Bewusstsein gegen
+es vorhanden, und ihr Verhaeltnis zueinander.--Insofern das
+unmittelbare Dasein in den _Gedanken_ umschlaegt, und das
+_In-sich-sein_ teils selbst Denken, teils das Moment des
+_Anderswerdens_ des Wesens damit naeher bestimmt ist, so kann das
+Boesewerden weiter rueckwaerts aus der daseienden Welt hinaus schon in
+das erste Reich des Denkens verlegt werden. Es kann also gesagt
+werden, dass schon der erstgeborne Lichtsohn, als in sich gehend, es
+sei, der abgefallen, aber an dessen Stelle sogleich ein anderer
+erzeugt worden. Solche bloss der Vorstellung, nicht dem Begriff
+angehoerige Form wie _Abfallen_, ebenso wie _Sohn_, setzt uebrigens die
+Momente des Begriffs ebenso umgekehrt in das Vorstellen herab, oder
+traegt das Vorstellen in das Reich des Gedankens hinueber.--Ebenso
+gleichgueltig ist es, dem einfachen Gedanken des _Andersseins_ im
+ewigen Wesen noch eine Mannigfaltigkeit anderer Gestalten beizuordnen,
+und das _In-sich-gehen_ in diese zu verlegen. Diese Beiordnung muss
+darum zugleich gutgeheissen werden, weil dadurch dies Moment des
+_Andersseins_, wie es soll, die Verschiedenheit zugleich ausdrueckt;
+und zwar nicht als Vielheit ueberhaupt, sondern zugleich als bestimmte
+Verschiedenheit, so dass der eine Teil, der Sohn, das einfache sich
+selbst als Wesen Wissende ist, der andre Teil aber, die Entaeusserung
+des Fuer-sich-seins, die nur im Preise des Wesens lebt; in diesen Teil
+kann dann auch wieder das Zuruecknehmen des entaeusserten Fuer-sich-seins
+und das In-sich-gehen des Boesen gelegt werden. Insofern das
+Anderssein in zwei zerfaellt, waere der Geist in seinen Momenten
+bestimmter, und wenn sie gezaehlt werden, als Viereinigkeit, oder weil
+die Menge wieder selbst in zwei Teile, naemlich in gut gebliebne und
+boese gewordne zerfaellt, gar als Fuenfeinigkeit ausgedrueckt.--Die
+Momente aber zu _zaehlen_ kann ueberhaupt als unnuetz angesehen werden,
+indem teils das Unterschiedne selbst ebensosehr nur _eines_ ist,
+naemlich eben der _Gedanke_ des Unterschiedes, der nur _ein_ Gedanke
+ist, als er _dieses_ Unterschiedne, das zweite gegen das erste ist,
+--teils aber, weil der Gedanke, der das Viele in Eines befasst, aus
+seiner Allgemeinheit aufgeloest und in mehr als drei oder vier
+Unterschiedne unterschieden werden muss;--welche Allgemeinheit gegen
+die absolute Bestimmtheit des abstrakten Eins, des Prinzips der Zahl,
+als Unbestimmtheit in der Beziehung auf die Zahl selbst erscheint, so
+dass nur von _Zahlen_ ueberhaupt, d.h. nicht von einer _Anzahl_ der
+Unterschiede die Rede sein koennte, also hier ueberhaupt an Zahl und
+ans Zaehlen zu denken ganz ueberfluessig, wie auch sonst der blosse
+Unterschied der Groesse und Menge begrifflos und nichtssagend ist.
+
+Das _Gute_ und das _Boese_ waren die bestimmten Unterschiede des
+Gedankens, die sich ergaben. Indem ihr Gegensatz sich noch nicht
+aufgeloest, und sie als Wesen des Gedankens vorgestellt werden, deren
+jedes fuer sich selbststaendig ist, so ist der Mensch das wesenlose
+Selbst und der synthetische Boden ihres Daseins und Kampfs. Aber
+diese allgemeinen Maechte gehoeren ebensosehr dem Selbst an, oder das
+Selbst ist ihre Wirklichkeit. Nach diesem Momente geschieht es also,
+dass, wie das Boese nichts anderes ist als das In-sich-gehen des
+natuerlichen Daseins des Geistes, umgekehrt das Gute in die
+Wirklichkeit tritt und als ein daseiendes Selbstbewusstsein erscheint.
+--Was im rein gedachten Geiste als das _Anderswerden_ des goettlichen
+Wesens ueberhaupt nur angedeutet ist, tritt hier seiner Realisierung
+fuer das Vorstellen naeher; sie besteht ihm in der Selbsterniedrigung
+des goettlichen Wesens, das auf seine Abstraktion und Unwirklichkeit
+Verzicht tut.--Die andere Seite, das Boese, nimmt das Vorstellen als
+ein dem goettlichen Wesen fremdes Geschehen; es in demselben selbst,
+_als seinen Zorn_ zu fassen, ist die hoechste, haerteste Anstrengung
+des mit sich selbst ringenden Vorstellens, die, da sie des Begriffs
+entbehrt, fruchtlos bleibt.
+
+Die Entfremdung des goettlichen Wesens ist also auf ihre gedoppelte
+Weise gesetzt; das Selbst des Geistes und sein einfacher Gedanke sind
+die beiden Momente, deren absolute Einheit der Geist selbst ist;
+seine Entfremdung besteht darin, dass sie auseinandertreten und das
+eine einen ungleichen Wert gegen das andre hat. Diese Ungleichheit
+ist darum die gedoppelte, und es entstehen zwei Verbindungen, deren
+gemeinschaftliche Momente die angegebnen sind. In der einen gilt das
+_goettliche Wesen_ als das Wesentliche, das natuerliche Dasein aber und
+das Selbst als das Unwesentliche und Aufzuhebende; in der andern gilt
+dagegen das _Fuer-sich-sein_ als das Wesentliche, und das einfache
+Goettliche als das unwesentliche. Ihre noch leere Mitte ist das
+_Dasein_ ueberhaupt, die blosse Gemeinschaftlichkeit der beiden Momente
+derselben.
+
+Die Aufloesung dieses Gegensatzes geschieht nicht sowohl durch den
+Kampf der beiden, die als getrennte und selbststaendige Wesen
+vorgestellt sind. In ihrer _Selbststaendigkeit_ liegt es, dass _an
+sich_, durch seinen Begriff, jedes an ihm selbst sich aufloesen muss;
+der Kampf faellt erst dahin, wo beide aufhoeren, diese Vermischungen
+des Gedankens und des selbststaendigen Daseins zu sein, und wo sie nur
+als Gedanken einander gegenueberstehen. Denn alsdenn sind sie als
+bestimmte Begriffe wesentlich nur in der entgegengesetzten Beziehung;
+als selbststaendige hingegen haben sie ausser der Entgegensetzung ihre
+Wesentlichkeit; ihre Bewegung ist also die freie und eigne ihrer
+selbst. Wie also die Bewegung beider die Bewegung _an sich_ ist,
+weil sie an ihnen selbst zu betrachten ist, so faengt sie auch
+dasjenige von beiden an, welches als das Ansichseiende gegen das
+andre bestimmt ist. Es wird dies als ein freiwilliges Tun
+vorgestellt; aber die Notwendigkeit seiner Entaeusserung liegt in dem
+Begriffe, dass das Ansichseiende, welches nur im Gegensatze so
+bestimmt ist, eben darum nicht wahrhaftes Bestehen hat;--dasjenige
+also, dem nicht das Fuer-sich-sein, sondern das Einfache als das Wesen
+gilt, ist es, das sich selbst entaeussert, in den Tod geht, und dadurch
+das absolute Wesen mit sich selbst versoehnt. Denn in dieser Bewegung
+stellt es sich als _Geist_ dar; das abstrakte Wesen ist sich
+entfremdet, es hat natuerliches Dasein und selbstische Wirklichkeit;
+dies sein Anderssein oder seine sinnliche Gegenwart wird durch das
+zweite Anderswerden zurueckgenommen und als aufgehobne, als
+_allgemeine_ gesetzt; dadurch ist das Wesen in ihr sich selbst
+geworden; das unmittelbare Dasein der Wirklichkeit hat aufgehoert, ein
+ihm fremdes oder aeusserliches zu sein, indem es aufgehobnes,
+allgemeines ist; dieser Tod ist daher sein Erstehen als Geist.
+
+Die aufgehobne unmittelbare Gegenwart des selbstbewussten Wesens ist
+es als allgemeines Selbstbewusstsein; dieser Begriff des aufgehobnen
+einzelnen Selbsts, das absolutes Wesen ist, drueckt daher unmittelbar
+die Konstituierung einer Gemeinde aus, die, bisher im Vorstellen
+verweilend, itzt in sich als in das Selbst zurueckkehrt; und der Geist
+geht somit aus dem zweiten Elemente seiner Bestimmung, dem Vorstellen,
+in das _dritte_, das Selbstbewusstsein als solches ueber.--Betrachten
+wir noch die Art, wie jenes Vorstellen sich in seinem Fortgange
+benimmt, so sehen wir zuerst dies ausgedrueckt, dass das goettliche
+Wesen die menschliche Natur annimmt. Darin ist es schon
+_ausgesprochen_, dass _an sich_ beide nicht getrennt sind;--wie darin,
+dass das goettliche Wesen sich selbst _von Anfang_ entaeussert, sein
+Dasein in sich geht und boese wird, es nicht ausgesprochen, aber darin
+_enthalten_ ist, dass _an sich_ dies boese Dasein nicht ein ihm Fremdes
+ist; das absolute Wesen haette nur diesen leeren Namen, wenn es in
+Wahrheit ein ihm _Anderes_, wenn es einen _Abfall_ von ihm gaebe;--das
+Moment des _In-sich-seins_ macht vielmehr das wesentliche Moment des
+_Selbsts_ des Geistes aus.--Dass das _In-sich-sein_ und damit erst
+_Wirklichkeit_ dem Wesen selbst angehoere, dies, was fuer uns _Begriff_
+ist, und insofern es Begriff ist, erscheint dem vorstellenden
+Bewusstsein als ein unbegreifliches _Geschehen_; das _An-sich_ nimmt
+die Form des _gleichgueltigen Seins_ fuer es an. Der Gedanke aber, dass
+jene sich zu fliehen scheinende Momente, des absoluten Wesens und des
+fuersichseienden Selbsts, nicht getrennt sind, erscheint diesem
+Vorstellen _auch_--denn es besitzt den wahren Inhalt--, aber nachher,
+in der Entaeusserung des goettlichen Wesens, das Fleisch wird. Diese
+Vorstellung, die auf diese Weise noch _unmittelbar_ und daher nicht
+geistig ist, oder die menschliche Gestalt des Wesens nur erst als
+eine besondre, noch nicht allgemeine weiss, wird fuer dies Bewusstsein
+geistig in der Bewegung des gestalteten Wesens sein unmittelbares
+Dasein wieder aufzuopfern und zum Wesen zurueckzukehren; das Wesen als
+_in sich reflektiertes_ ist erst der Geist.--Die _Versoehnung_ des
+goettlichen Wesens mit dem _Andern_ ueberhaupt und bestimmt mit dem
+_Gedanken_ desselben, dem _Boesen_, ist also hierin vorgestellt.--Wenn
+diese Versoehnung nach _ihrem Begriffe_ so ausgedrueckt wird, dass sie
+darin bestehe, weil _an sich_ das _Boese dasselbe_ sei, was das _Gute_,
+oder auch das goettliche Wesen _dasselbe_, was die Natur in ihrem
+ganzen Umfange, so wie die Natur getrennt vom goettlichen Wesen nur
+das _Nichts_,--so ist dies als eine ungeistige Weise sich
+auszudruecken anzusehen, die notwendig Missverstaendnisse erwecken muss.
+--Indem das Boese _dasselbe_ ist, was das Gute, ist eben das Boese
+nicht Boeses noch das Gute Gutes, sondern beide sind vielmehr
+aufgehoben, das Boese ueberhaupt das insichseiende Fuer-sich-sein und
+das Gute das selbstlose Einfache. Indem so beide nach ihrem Begriffe
+ausgesprochen werden, erhellt zugleich ihre Einheit; denn das
+insichseiende Fuer-sich-sein ist das einfache Wissen; und das
+selbstlose Einfache ist ebenso das reine in sich seiende
+Fuer-sich-sein.--Sosehr daher gesagt werden muss, dass nach diesem ihrem
+Begriffe das Gute und Boese, d.h. insofern sie nicht das Gute und das
+Boese sind, _dasselbe_ seien, ebensosehr muss also gesagt werden, dass
+sie _nicht_ dasselbe, sondern schlechthin _verschieden_ sind, denn
+das einfache Fuer-sich-sein oder auch das reine Wissen sind
+gleicherweise die reine Negativitaet oder der absolute Unterschied an
+ihnen selbst.--Erst diese beiden Saetze vollenden das Ganze, und dem
+Behaupten und Versichern des ersten muss mit unueberwindlicher
+Hartnaeckigkeit das Festhalten an dem andern gegenuebertreten; indem
+beide gleich recht haben, haben beide gleich unrecht, und ihr Unrecht
+besteht darin, solche abstrakte Formen, wie _dasselbe_ und _nicht
+dasselbe_, die _Identitaet_ und die _Nichtidentitaet_ fuer etwas Wahres,
+Festes, Wirkliches zu nehmen und auf ihnen zu beruhen. Nicht das
+eine oder das andre hat Wahrheit, sondern eben ihre Bewegung, dass das
+einfache Dasselbe die Abstraktion und damit der absolute Unterschied,
+dieser aber als Unterschied an sich, von sich selbst unterschieden
+also die Sichselbstgleichheit ist. Ebendies ist der Fall mit der
+_Dieselbigkeit_ des goettlichen Wesens und der Natur ueberhaupt und der
+menschlichen insbesondre; jenes ist Natur, insofern es nicht Wesen
+ist; diese ist goettlich nach ihrem Wesen;--aber es ist der Geist,
+worin beide abstrakte Seiten, wie sie in Wahrheit sind, naemlich als
+_aufgehobne_ gesetzt sind,--ein Setzen, das nicht durch das Urteil
+und das geistlose _Ist_, die Kopula desselben, ausgedrueckt werden
+kann.--Ebenso ist die Natur _nichts ausser_ ihrem Wesen; aber dies
+Nichts selbst _ist_ ebensosehr; es ist die absolute Abstraktion, also
+das reine Denken oder In-sich-sein, und mit dem Momente seiner
+Entgegensetzung gegen die geistige Einheit ist es das _Boese_. Die
+Schwierigkeit, die in diesen Begriffen stattfindet, ist allein das
+Festhalten am _Ist_ und das Vergessen des Denkens, worin die Momente
+ebenso _sind_ als _nicht sind_,--nur die Bewegung sind, die der Geist
+ist.--Diese geistige Einheit oder die Einheit, worin die Unterschiede
+nur als Momente oder als aufgehobne sind, ist es, die fuer das
+vorstellende Bewusstsein in jener Versoehnung geworden, und indem sie
+die Allgemeinheit des Selbstbewusstseins ist, hat dieses aufgehoert,
+vorstellendes zu sein; die Bewegung ist in es zurueckgegangen.
+
+Der Geist ist also in dem dritten Elemente, im _allgemeinen
+Selbstbewusstsein_ gesetzt; er ist seine _Gemeinde_. Die Bewegung der
+Gemeinde als des Selbstbewusstseins, das sich von seiner Vorstellung
+unterscheidet, ist, das _hervorzubringen_, was _an sich_ geworden ist.
+Der gestorbne goettliche Mensch oder menschliche Gott ist _an sich_
+das allgemeine Selbstbewusstsein; er hat dies _fuer dies
+Selbstbewusstsein_ zu werden. Oder indem es die _eine_ Seite des
+Gegensatzes der Vorstellung ausmacht, naemlich die boese, der das
+natuerliche Dasein und das einzelne Fuer-sich-sein als das Wesen gilt,
+so hat diese, die als selbststaendig, noch nicht als Moment
+vorgestellt ist, um ihrer Selbststaendigkeit willen an und fuer sie
+selbst sich zum Geiste zu erheben, oder die Bewegung desselben an ihr
+darzustellen.
+
+Sie _ist_ der _natuerliche Geis_t; das Selbst hat aus dieser
+Natuerlichkeit sich zurueckzuziehen und in sich zu gehen, das hiesse,
+_boese_ zu werden. Aber sie ist schon _an sich_ boese; das
+In-sich-gehen besteht daher darin, _sich zu ueberzeugen_, dass das
+natuerliche Dasein das Boese ist. In das vorstellende Bewusstsein faellt
+das _daseiende_ Boesewerden und Boesesein der Welt, so wie die
+_daseiende_ Versoehnung des absoluten Wesens; in das
+_Selbstbewusstsein_ aber als solches faellt der Form nach dieses
+Vorgestellte nur als aufgehobnes Moment, denn das _Selbst_ ist das
+Negative; also das _Wissen_--ein Wissen, das ein reines Tun des
+Bewusstseins in sich selbst ist.--An dem Inhalte muss dies Moment des
+_Negativen_ gleichfalls sich ausdruecken. Indem naemlich das Wesen _an
+sich_ mit sich schon versoehnt und geistige Einheit ist, worin die
+Teile der Vorstellung _aufgehobne_ oder _Momente_ sind, so stellt
+sich dies dar, dass jeder Teil der Vorstellung hier die
+_entgegengesetzte_ Bedeutung erhaelt, als er vorher hatte; jede
+Bedeutung vervollstaendigt sich dadurch an der andern, und der Inhalt
+ist erst dadurch ein geistiger; indem die Bestimmtheit ebensosehr
+ihre entgegengesetzte ist, ist die Einheit im Anderssein, das
+Geistige, vollendet; wie sich fuer uns oder _an sich_ vorhin die
+entgegengesetzten Bedeutungen vereinigten, und selbst die abstrakten
+Formen des _Desselben_ und des _Nichtdesselben_, der _Identitaet_ und
+_Nichtidentitaet_ aufhoben.
+
+Wenn also in dem vorstellenden Bewusstsein das _Innerlichwerden_ des
+natuerlichen Selbstbewusstseins das _daseiende Boese_ war, so ist das
+_Innerlichwerden_ im Elemente des Selbstbewusstseins das _Wissen_ von
+_dem Boesen_ als einem solchen, das _an sich_ im Dasein ist. Dies
+Wissen ist also allerdings ein Boesewerden, aber nur Werden des
+_Gedankens_ des _Boesen_, und ist darum als das erste Moment der
+Versoehnung anerkannt. Denn als ein Zurueckgehen in sich aus der
+Unmittelbarkeit der Natur, die als das Boese bestimmt ist, ist es ein
+Verlassen derselben und das Absterben der Suende. Nicht das
+natuerliche Dasein als solches wird von dem Bewusstsein verlassen,
+sondern es zugleich als ein solches, das als Boeses gewusst wird. Die
+unmittelbare Bewegung des _In-sich-gehens_ ist ebensosehr eine
+vermittelte;--sie setzt sich selbst voraus oder ist ihr eigner Grund;
+der Grund des In-sich-gehens ist naemlich, weil die Natur schon an
+sich in sich gegangen ist; um des Boesen willen muss der Mensch in sich
+gehen, aber das _Boese_ ist selbst das In-sich-gehen.--Diese erste
+Bewegung ist eben darum selbst nur die unmittelbare oder ihr
+_einfacher Begriff_, weil sie dasselbe, was ihr Grund ist. Die
+Bewegung oder das Anderswerden muss daher in seiner eigentlichem Form
+erst noch eintreten.
+
+Ausser dieser Unmittelbarkeit ist also die _Vermittlung_ der
+Vorstellung notwendig. _An sich_ ist das _Wissen_ von der Natur als
+dem unwahren Dasein des Geistes, und diese in sich gewordne
+Allgemeinheit des Selbsts die Versoehnung des Geistes mit sich selbst.
+Dies _An-sich_ erhaelt fuer das nicht begreifende Selbstbewusstsein die
+Form eines _Seienden_ und _ihm Vorgestellten_. Das Begreifen also
+ist ihm nicht ein Ergreifen dieses Begriffes, der die aufgehobne
+Natuerlichkeit als allgemeine also als mit sich selbst versoehnte weiss,
+sondern ein Ergreifen jener _Vorstellung_, dass durch das _Geschehen_
+der eignen Entaeusserung des goettlichen Wesens, durch seine geschehene
+Menschwerdung und seinen Tod das goettliche Wesen mit seinem Dasein
+versoehnt ist.--Das Ergreifen dieser Vorstellung drueckt nun bestimmter
+dasjenige aus, was vorhin in ihr das geistige Auferstehen genannt
+wurde, oder das Werden seines einzelnen Selbstbewusstseins zum
+Allgemeinen oder zur Gemeinde.--Der _Tod_ des goettlichen Menschen
+_als Tod_ ist die _abstrakte_ Negativitaet, das unmittelbare Resultat
+der Bewegung, die nur in die _natuerliche_ Allgemeinheit sich endigt.
+Diese natuerliche Bedeutung verliert er im geistigen Selbstbewusstsein,
+oder er wird sein soeben angegebner Begriff; der Tod wird von dem,
+was er unmittelbar bedeutet, von dem Nichtsein _dieses Einzelnen_
+verklaert zur _Allgemeinheit_ des Geistes, der in seiner Gemeine lebt,
+in ihr taeglich stirbt und aufersteht.
+
+Dasjenige, was dem Elemente der _Vorstellung_ angehoert, dass der
+absolute Geist als _ein einzelner_ oder vielmehr als ein _besonderer_
+an seinem Dasein die Natur des Geistes vorstellt, ist also hier in
+das Selbstbewusstsein selbst versetzt, in das in seinem _Anderssein_
+sich erhaltende Wissen; dies _stirbt_ daher nicht wirklich, wie der
+_Besondere vorgestellt_ wird, _wirklich_ gestorben zu sein, sondern
+seine Besonderheit erstirbt in seiner Allgemeinheit, das heisst, in
+seinem _Wissen_, welches das sich mit sich versoehnende Wesen ist.
+Das zunaechst vorhergehende _Element des Vorstellens_ ist also hier
+als aufgehobnes gesetzt, oder es ist in das Selbst, in seinen Begriff,
+zurueckgegangen; das in jenem nur Seiende ist zum Subjekte geworden.
+--Eben damit ist auch das _erste Element, das reine Denken_ und der
+in ihm ewige Geist nicht mehr jenseits des vorstellenden Bewusstseins
+noch des Selbsts, sondern die Rueckkehr des Ganzen in sich ist eben
+dies, alle Momente in sich zu enthalten.--Der vom Selbst ergriffne
+Tod des Mittlers ist das Aufheben seiner _Gegenstaendlichkeit_ oder
+seines _besondern Fuer-sich-seins_; dies _besondre_ Fuer-sich-sein ist
+allgemeines Selbstbewusstsein geworden.--Auf der andern Seite ist das
+_Allgemeine_ eben dadurch Selbstbewusstsein, und der reine oder
+unwirkliche Geist des blossen Denkens _wirklich_ geworden.--Der Tod
+des Mittlers ist Tod nicht nur der _natuerlichen Seite_ desselben oder
+seines besondern Fuer-sich-seins, es stirbt nicht nur die vom Wesen
+abgezogne schon tote Huelle, sondern auch die _Abstraktion_ des
+goettlichen Wesens. Denn er ist, insofern sein Tod die Versoehnung
+noch nicht vollendet hat, das Einseitige, welches das Einfache des
+Denkens als das _Wesen_ weiss im Gegensatze gegen die Wirklichkeit;
+dies Extrem des Selbsts hat noch nicht gleichen Wert mit dem Wesen;
+dies hat das Selbst erst im Geiste. Der Tod dieser Vorstellung
+enthaelt also zugleich den Tod der _Abstraktion des goettlichen Wesens_,
+das nicht als Selbst gesetzt ist. Er ist das schmerzliche Gefuehl
+des ungluecklichen Bewusstseins, dass _Gott selbst gestorben_ ist.
+Dieser harte Ausdruck ist der Ausdruck des innersten
+Sich-einfach-wissens, die Rueckkehr des Bewusstseins in die Tiefe der
+Nacht des Ich = Ich, die nichts ausser ihr mehr unterscheidet und weiss.
+Dies Gefuehl ist also in der Tat der Verlust der _Substanz_ und
+ihres Gegenuebertretens gegen das Bewusstsein; aber zugleich ist es die
+reine _Subjektivitaet_ der Substanz, oder die reine Gewissheit seiner
+Selbst, die ihr als dem Gegenstaende oder dem Unmittelbaren oder dem
+reinen Wesen fehlte. Dies Wissen also ist die _Begeistung_, wodurch
+die Substanz Subjekt, ihre Abstraktion und Leblosigkeit gestorben,
+sie also _wirklich_ und einfaches und allgemeines Selbstbewusstsein
+geworden ist.
+
+So ist also der Geist _sich selbst_ wissender Geist; er weiss _sich_,
+das, was ihm Gegenstand ist, ist, oder seine Vorstellung ist der
+wahre absolute _Inhalt_; er drueckt, wie wir sahen, den Geist selbst
+aus. Er ist zugleich nicht nur _Inhalt_ des Selbstbewusstseins und
+nicht nur _fuer es_ Gegenstand, sondern er ist auch _wirklicher Geist_.
+Er ist dies, indem er die drei Elemente seiner Natur durchlauft;
+diese Bewegung durch sich selbst hindurch macht seine Wirklichkeit
+aus;--was sich bewegt, ist er, er ist das Subjekt der Bewegung, und
+er ist ebenso _das Bewegen_ selbst, oder die Substanz, durch welche
+das Subjekt hindurchgeht. Wie uns der Begriff des Geistes geworden
+war, als wir in die Religion eintraten, naemlich als die Bewegung des
+seiner selbst gewissen Geistes, der dem Boesen verzeiht und darin
+zugleich von seiner eignen Einfachheit und harten Unwandelbarkeit
+ablaesst, oder die Bewegung, dass das absolut _Entgegengesetzte_ sich
+als _dasselbe_ erkennt und dies Erkennen als das _Ja_ zwischen diesen
+Extremen hervorbricht,--diesen Begriff _schaut_ das religioese
+Bewusstsein, dem das absolute Wesen offenbar, _an_, und hebt die
+_Unterscheidung_ seines _Selbsts_ von seinem _Angeschauten_ auf, ist
+wie es das Subjekt ist, so auch die Substanz, und _ist_ also selbst
+der Geist, eben weil und insofern es diese Bewegung ist.
+
+Vollendet aber ist diese Gemeinde noch nicht in diesem ihrem
+Selbstbewusstsein; ihr Inhalt ist ueberhaupt in der Form des
+_Vorstellens_ fuer sie, und diese Entzweiung hat auch die _wirkliche
+Geistigkeit_ derselben, ihre Rueckkehr aus ihrem Vorstellen, noch an
+ihr, wie das Element des reinen Denkens selbst damit behaftet war.
+Sie hat nicht auch das Bewusstsein ueber das, was sie ist; sie ist das
+geistige Selbstbewusstsein, das sich nicht als dieses Gegenstand ist,
+oder sich nicht zum Bewusstsein seiner selbst aufschliesst; sondern
+insofern sie Bewusstsein ist, hat sie Vorstellungen, die betrachtet
+wurden.--Wir sehen das Selbstbewusstsein auf seinem letzten
+Wendungspunkte sich _innerlich_ werden und zum _Wissen_ des
+_In-sich-seins_ gelangen; wir sehen es sein natuerliches Dasein
+entaeussern, und die reine Negativitaet gewinnen. Aber die _positive_
+Bedeutung, dass naemlich diese Negativitaet oder reine _Innerlichkeit_
+des _Wissens_ ebensosehr das _sichselbstgleiche Wesen_ ist, oder dass
+die Substanz hierin dazu gelangt, absolutes Selbstbewusstsein zu sein,
+dies ist ein _Anderes_ fuer das andaechtige Bewusstsein. Es ergreift
+diese Seite, dass das reine Innerlichwerden des Wissens _an sich_ die
+absolute Einfachheit oder die Substanz ist, als die Vorstellung von
+etwas, das nicht dem _Begriffe_ nach so ist, sondern als die Handlung
+einer _fremden_ Genugtuung. Oder es ist nicht dies fuer es, dass diese
+Tiefe des reinen Selbsts die Gewalt ist, wodurch das _abstrakte
+Wesen_ aus seiner Abstraktion herabgezogen und durch die Macht dieser
+reinen Andacht zum Selbst erhoben wird.--Das Tun des Selbsts behaelt
+dadurch diese negative Bedeutung gegen es, weil die Entaeusserung der
+Substanz von ihrer Seite ein _An-sich_ fuer jenes ist, das es nicht
+ebenso erfasst und begreift, oder nicht in _seinem_ Tun als solchem
+findet.--Indem _an sich_ diese Einheit des Wesens und des Selbsts
+zustande gekommen, so hat das Bewusstsein auch noch diese
+_Vorstellung_ seiner Versoehnung, aber als Vorstellung. Es erlangt
+die Befriedigung dadurch, dass es seiner reinen Negativitaet die
+positive Bedeutung der Einheit seiner mit dem Wesen _aeusserlich_
+hinzufuegt; seine Befriedigung bleibt also selbst mit dem Gegensatze
+eines Jenseits behaftet. Seine eigne Versoehnung tritt daher als ein
+_Fernes_ in sein Bewusstsein ein, als ein Fernes der _Zukunft_, wie
+die Versoehnung, die das andere _Selbst_ vollbrachte, als eine Ferne
+der _Vergangenheit_ erscheint. So wie der _einzelne_ goettliche
+Mensch einen _ansich_seienden Vater und nur eine _wirkliche_ Mutter
+hat, so hat auch der allgemeine goettliche Mensch, die Gemeinde, ihr
+_eignes Tun_ und _Wissen_ zu ihrem Vater, zu ihrer Mutter aber die
+_ewige Liebe_, die sie nur _fuehlt_, nicht aber in ihrem Bewusstsein
+als wirklichen unmittelbaren _Gegenstand_ anschaut. Ihre Versoehnung
+ist daher in ihrem Herzen, aber mit ihrem Bewusstsein noch entzweit,
+und ihre Wirklichkeit noch gebrochen. Was als das _An-sich_ oder die
+Seite der _reinen Vermittlung_ in ihr Bewusstsein tritt, ist die
+jenseits liegende Versoehnung; was aber als _gegenwaertig_, als die
+Seite der _Unmittelbarkeit_ und des _Daseins_, ist die Welt, die ihre
+Verklaerung noch zu gewarten hat. Sie ist wohl _an sich_ versoehnt mit
+dem Wesen; und vom _Wesen_ wird wohl gewusst, dass es den Gegenstand
+nicht mehr als sich entfremdet erkennt, sondern in seiner Liebe als
+sich gleich. Aber fuer das Selbstbewusstsein hat diese unmittelbare
+Gegenwart noch nicht Geistsgestalt. Der Geist der Gemeinde ist so in
+seinem unmittelbaren Bewusstsein getrennt von seinem religioesen, das
+zwar es ausspricht, dass sie _an sich_ nicht getrennt seien, aber ein
+_An-sich_, das nicht realisiert, oder noch nicht ebenso absolutes
+Fuer-sich-sein geworden.
+
+
+
+VIII. Das absolute Wissen
+
+Der Geist der offenbaren Religion hat sein Bewusstsein als solches
+noch nicht ueberwunden, oder, was dasselbe ist, sein wirkliches
+Selbstbewusstsein ist nicht der Gegenstand seines Bewusstseins; er
+selbst ueberhaupt und die in ihm sich unterscheidenden Momente fallen
+in das Vorstellen und in die Form der Gegenstaendlichkeit. Der
+_Inhalt_ des Vorstellens ist der absolute Geist; und es ist allein
+noch um das Aufheben dieser blossen Form zu tun, oder vielmehr weil
+sie dem _Bewusstsein als solchem_ angehoert, muss ihre Wahrheit schon in
+den Gestaltungen desselben sich ergeben haben.--Diese Ueberwindung des
+Gegenstandes des Bewusstseins ist nicht als das einseitige zu nehmen,
+dass er sich als in das Selbst zurueckkehrend zeigte, sondern
+bestimmter so, dass er sowohl als solcher sich ihm als verschwindend
+darstellte, als noch vielmehr, dass die Entaeusserung des
+Selbstbewusstseins es ist, welche die Dingheit setzt, und dass diese
+Entaeusserung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht
+nur fuer uns oder an sich, sondern fuer es selbst hat. _Fuer es_ hat das
+Negative des Gegenstandes oder dessen Sich-selbst-aufheben dadurch
+die positive Bedeutung, oder es _weiss_ diese Nichtigkeit desselben
+dadurch einerseits, dass es sich selbst entaeussert,--denn in dieser
+Entaeusserung setzt es _sich_ als Gegenstand, oder den Gegenstand um
+der untrennbaren Einheit des _Fuer-sich-seins_ willen als sich selbst.
+Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, dass es diese
+Entaeusserung und Gegenstaendlichkeit ebensosehr auch aufgehoben und in
+sich zurueckgenommen hat, also in _seinem_ Anderssein als solchem bei
+sich ist.--Dies ist die Bewegung des _Bewusstseins_, und dieses ist
+darin die Totalitaet seiner Momente.--Es muss sich ebenso zu dem
+Gegenstande nach der Totalitaet seiner Bestimmungen verhalten, und ihn
+nach jeder derselben so erfasst haben. Diese Totalitaet seiner
+Bestimmungen macht _ihn an sich_ zum geistigen Wesen, und fuer das
+Bewusstsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden
+einzelnen derselben, als des Selbsts, oder durch das obengenannte
+geistige Verhalten zu ihnen.
+
+Der Gegenstand ist also teils _unmittelbares_ Sein, oder ein Ding
+ueberhaupt, was dem unmittelbaren Bewusstsein entspricht; teils ein
+Anderswerden seiner, sein Verhaeltnis, oder _Sein fuer Anderes_ und
+_Fuer-sich-sein_, die Bestimmtheit, was der _Wahrnehmung_; teils
+_Wesen_ oder als Allgemeines, was dem Verstande entspricht. Er ist,
+als Ganzes, der Schluss oder die Bewegung des Allgemeinen durch die
+Bestimmung zur Einzelnheit, wie die umgekehrte, von der Einzelnheit
+durch sie als aufgehobne oder die Bestimmung zum Allgemeinen.--Nach
+diesen drei Bestimmungen also muss das Bewusstsein ihn als sich selbst
+wissen. Es ist dies jedoch nicht das Wissen als reines Begreifen des
+Gegenstandes, von dem die Rede ist; sondern dies Wissen soll nur in
+seinem Werden oder in seinen Momenten nach der Seite aufgezeigt
+werden, die dem Bewusstsein als solchem angehoert, und die Momente des
+eigentlichen Begriffes oder reinen Wissens in der Form von
+Gestaltungen des Bewusstseins. Darum erscheint der Gegenstand im
+Bewusstsein als solchem noch nicht als die geistige Wesenheit, wie sie
+von uns soeben ausgesprochen wurde, und sein Verhalten zu ihm ist
+nicht die Betrachtung desselben in dieser Totalitaet als solcher, noch
+in ihrer reinen Begriffsform, sondern teils Gestalt des Bewusstseins
+ueberhaupt, teils eine Anzahl solcher Gestalten, die _wir_
+zusammennehmen, und in welchen die Totalitaet der Momente des
+Gegenstandes und des Verhaltens des Bewusstseins nur aufgeloest in ihre
+Momente aufgezeigt werden kann.
+
+Es ist hiemit fuer diese Seite des Erfassens des Gegenstandes, wie es
+in der Gestalt des Bewusstseins ist, nur an die fruehem Gestalten
+desselben zu erinnern, die schon vorgekommen sind.--In Ansehung des
+Gegenstandes also, insofern er unmittelbar, ein _gleichgueltiges Sein_
+ist, so sahen wir die beobachtende Vernunft in diesem gleichgueltigen
+Dinge sich selbst _suchen_ und _finden_, d.h. ihres Tuns als eines
+ebenso aeusserlichen sich bewusst sein, als sie des Gegenstands nur als
+eines unmittelbaren bewusst ist.--Wir sahen auch auf ihrer Spitze ihre
+Bestimmung in dem unendlichen Urteile aussprechen, dass das _Sein des
+Ich ein Ding ist_. _-_ Und zwar ein sinnliches unmittelbares Ding:
+wenn Ich _Seele_ genannt wird, so ist es zwar auch als Ding
+vorgestellt, aber als ein unsichtbares, unfehlbares u.s.f., in der
+Tat also nicht als unmittelbares Sein, und nicht als das, was man
+unter einem Dinge meint.--Jenes Urteil, so genommen, wie es
+unmittelbar lautet, ist es geistlos oder vielmehr das Geistlose
+selbst. Seinem _Begriffe_ nach aber ist es in der Tat das
+Geistreichste, und dieses _Innre_ desselben, das an ihm noch nicht
+_vorhanden_ ist, ist es, was die beiden andern zu betrachtenden
+Momente aussprechen.
+
+_Das Ding ist Ich_; in der Tat ist in diesem unendlichen Urteile das
+Ding aufgehoben; es ist nichts an sich; es hat nur Bedeutung im
+Verhaeltnisse, nur _durch Ich_ und _seine Beziehung_ auf dasselbe.
+--Dies Moment hat sich fuer das Bewusstsein in der reinen Einsicht und
+Aufklaerung ergeben. Die Dinge sind schlechthin _nuetzlich_, und nur
+nach ihrer Nuetzlichkeit zu betrachten.--Das _gebildete_
+Selbstbewusstsein, das die Welt des sich entfremdeten Geistes
+durchlaufen, hat durch seine Entaeusserung das Ding als sich selbst
+erzeugt, behaelt daher in ihm noch sich selbst, und weiss die
+Unselbststaendigkeit desselben, oder dass das Ding _wesentlich_ nur
+_Sein fuer Anderes_ ist; oder vollstaendig das _Verhaeltnis_, d.h. das,
+was die Natur des Gegenstandes hier allein ausmacht, ausgedrueckt, so
+gilt ihm das Ding als ein _fuersichseiendes_, es spricht die sinnliche
+Gewissheit als absolute Wahrheit aus, aber dies _Fuer-sich-sein_ selbst
+als Moment, das nur verschwindet, und in sein Gegenteil, in das
+preisgegebne Sein fuer anderes uebergeht.
+
+Hierin ist aber das Wissen des Dinges noch nicht vollendet; es muss
+nicht nur nach der Unmittelbarkeit des Seins und nach der
+Bestimmtheit, sondern auch als _Wesen_ oder _Inneres_, als das Selbst
+gewusst werden. Dies ist in dem _moralischen Selbstbewusstsein_
+vorhanden. Dies weiss sein Wissen als die _absolute Wesenheit_, oder
+das _Sein_ schlechthin als den reinen Willen oder Wissen; es _ist_
+nichts als nur dieser Willen und Wissen; anderem kommt nur
+unwesentliches Sein, d.h. nicht _ansich_seiendes, nur seine leere
+Huelse zu. Insofern das moralische Bewusstsein das _Dasein_ in seiner
+Weltvorstellung aus dem Selbst entlaesst, nimmt es dasselbe ebensosehr
+wieder in sich zurueck. Als Gewissen ist es endlich nicht mehr dieses
+noch abwechselnde Stellen und Verstellen des Daseins und des Selbsts,
+sondern es weiss, dass sein _Dasein_ als solches diese reine Gewissheit
+seiner selbst ist; das gegenstaendliche Element, in welches es als
+handelnd sich hinausstellt, ist nichts anderes als das reine Wissen
+des Selbsts von sich.
+
+Dies sind die Momente, aus denen sich die Versoehnung des Geistes mit
+seinem eigentlichen Bewusstsein zusammensetzt; sie fuer sich sind
+einzeln, und ihre geistige Einheit allein ist es, welche die Kraft
+dieser Versoehnung ausmacht. Das letzte dieser Momente ist aber
+notwendig diese Einheit selbst, und verbindet, wie erhellt, sie in
+der Tat alle in sich. Der seiner selbst in seinem Dasein gewisse
+Geist hat zum Elemente des _Daseins_ nichts anderes als dies Wissen
+von sich; das Aussprechen, dass, was er tut, er nach Ueberzeugung von
+der Pflicht tut, diese seine Sprache ist das _Gelten_ seines Handelns.
+--Das Handeln ist das erste _ansich_seiende Trennen der Einfachheit
+des Begriffs und die Rueckkehr aus dieser Trennung. Diese erste
+Bewegung schlaegt in die zweite um, indem das Element des Anerkennens
+sich als _einfaches_ Wissen von der Pflicht gegen den _Unterschied_
+und die _Entzweiung_ setzt, die im Handeln als solchem liegt, und auf
+diese Weise eine eiserne Wirklichkeit gegen das Handeln bildet. In
+der Verzeihung sahen wir aber, wie diese Haerte von sich selbst ablaesst,
+und sich entaeussert. Die Wirklichkeit hat also hier fuer das
+Selbstbewusstsein sowohl als _unmittelbares Dasein_ keine andere
+Bedeutung, als das reine Wissen zu sein;--ebenso als _bestimmtes_
+Dasein, oder als Verhaeltnis, ist das sich Gegenueberstehende ein
+Wissen teils von diesem rein einzelnen Selbst, teils von dem Wissen
+als allgemeinem. Hierin ist zugleich dies gesetzt, dass das _dritte_
+Moment, die _Allgemeinheit_ oder das _Wesen_ jedem der beiden
+gegenueberstehenden nur als _Wissen_ gilt; und den leeren noch uebrigen
+Gegensatz heben sie endlich ebenso auf, und sind das Wissen des Ich =
+Ich; dieses _einzelne_ Selbst, das unmittelbar reines Wissen oder
+allgemeines ist.
+
+Diese Versoehnung des Bewusstseins mit dem Selbstbewusstsein zeigt sich
+hiemit von der gedoppelten Seite zustande gebracht, das einemal im
+religioesen Geiste, das anderemal im Bewusstsein selbst als solchem.
+Sie unterscheiden sich beide so voneinander, dass jene diese
+Versoehnung in der Form des _An-sich-seins_, diese in der Form des
+_Fuer-sich-seins_ ist. Wie sie betrachtet worden, fallen sie zunaechst
+auseinander; das Bewusstsein ist in der Ordnung, in der uns seine
+Gestalten vorkamen, teils zu den einzelnen Momenten derselben, teils
+zu ihrer Vereinigung laengst gekommen, ehe auch die Religion ihrem
+Gegenstande die Gestalt des wirklichen Selbstbewusstseins gab. Die
+Vereinigung beider Seiten ist noch nicht aufgezeigt; sie ist es,
+welche diese Reihe der Gestaltungen des Geistes beschliesst; denn in
+ihr kommt der Geist dazu, sich zu wissen nicht nur, wie er _an sich_
+oder nach seinem absoluten _Inhalte_, noch nur wie er _fuer sich_ nach
+seiner inhaltslosen Form oder nach der Seite des Selbstbewusstseins,
+sondern wie er _an und fuer sich_ ist.
+
+Diese Vereinigung aber ist _an sich_ schon geschehen, zwar auch in
+der Religion, in der Rueckkehr der Vorstellung in das Selbstbewusstsein,
+aber nicht nach der eigentlichen Form, denn die religioese Seite ist
+die Seite des _An-sich_, welche der Bewegung des Selbstbewusstseins
+gegenuebersteht. Die Vereinigung gehoert daher dieser andern Seite an,
+die im Gegensatze die Seite der Reflexion in sich, also diejenige ist,
+die sich selbst und ihr Gegenteil, und nicht nur _an sich_ oder auf
+eine allgemeine Weise, sondern _fuer sich_ oder entwickelt und
+unterschieden enthaelt. Der Inhalt, so wie die andre Seite des
+selbstbewussten Geistes, insofern sie die _andre_ Seite ist, ist in
+ihrer Vollstaendigkeit vorhanden und aufgezeigt worden; die
+Vereinigung, welche noch fehlt, ist die einfache Einheit des Begriffs.
+Dieser ist an der Seite des Selbstbewusstseins selbst auch schon
+vorhanden; aber wie er im Vorhergehenden vorgekommen, hat er, wie
+alle uebrigen Momente die Form, eine _besondere Gestalt_ des
+_Bewusstseins_ zu sein.--Er ist also derjenige Teil der Gestalt des
+seiner selbst gewissen Geistes, der in seinem Begriffe stehen bleibt,
+und die _schoene Seele_ genannt wurde. Sie ist naemlich sein Wissen
+von sich selbst, in seiner reinen durchsichtigen Einheit,--das
+Selbstbewusstsein, das dieses reine Wissen von dem _reinen
+In-sich-sein_ als den Geist weiss,--nicht nur die Anschauung des
+Goettlichen, sondern die Selbstanschauung desselben.--Indem dieser
+Begriff sich seiner Realisierung entgegengesetzt festhaelt, ist er die
+einseitige Gestalt, deren Verschwinden in leeren Dunst, aber auch
+ihre positive Entaeusserung und Fortbewegung wir sahen. Durch diese
+Realisierung hebt sich das Auf-sich-beharren dieses gegenstandslosen
+Selbstbewusstseins, die _Bestimmtheit_ des Begriffs gegen seine
+_Erfuellung_ auf; sein Selbstbewusstsein gewinnt die Form der
+Allgemeinheit, und was ihm bleibt, ist sein wahrhafter Begriff, oder
+der Begriff, der seine Realisierung gewonnen; es ist er in seiner
+Wahrheit, naemlich in der Einheit mit seiner Entaeusserung;--das Wissen
+von dem reinen Wissen, nicht als abstraktem _Wesen_, welches die
+Pflicht ist,--sondern von ihm als Wesen, das _dieses_ Wissen,
+_dieses_ reine Selbstbewusstsein, das also zugleich wahrhafter
+_Gegenstand_ ist, denn er ist das fuersichseiende Selbst.
+
+Seine Erfuellung gab sich dieser Begriff, einesteils im _handelnden_
+seiner selbst gewissen Geist, andernteils in der _Religion_: in der
+letztern gewann er den absoluten _Inhalt als Inhalt_ oder in der Form
+der _Vorstellung_, des Andersseins fuer das Bewusstsein; hingegen in
+jener Gestalt ist die Form das Selbst selber, denn sie enthaelt den
+_handelnden_ seiner selbst gewissen Geist, das Selbst fuehrt das Leben
+des absoluten Geistes durch. Diese Gestalt ist, wie wir sehen, jener
+einfache Begriff, der aber sein ewiges _Wesen_ aufgibt, _da ist_,
+oder handelt. Das _Entzweien_ oder Hervortreten hat er an der
+_Reinheit des_ Begriffs, denn sie ist die absolute Abstraktion oder
+Negativitaet. Ebenso hat er das Element seiner Wirklichkeit oder des
+Seins in ihm, an dem reinen Wissen selbst, denn es ist die einfache
+_Unmittelbarkeit_, die ebenso _Sein_ und _Dasein_ als _Wesen_ ist,
+jenes das negative Denken, dies das positive Denken selbst. Dies
+Dasein ist endlich ebensosehr das aus ihm--wie als Dasein so als
+Pflicht--In-sich-reflektiert- oder _Boese-_sein. Dies In-sich-gehen
+macht den _Gegensatz_ des _Begriffs_ aus, und ist damit das Auftreten
+des _nichthandelnden, nichtwirklichen_ reinen Wissens des Wesens.
+Dies sein Auftreten in diesem Gegensatze aber ist die Teilnahme daran;
+das reine Wissen des Wesens hat sich _an sich_ seiner Einfachheit
+entaeussert, denn es ist das _Entzweien_ oder die Negativitaet, die der
+Begriff ist; sofern dies Entzweien das _Fuer-sich-werden_ ist, ist es
+das Boese; sofern es das _An-sich_ ist, ist es das Gutbleibende.--Was
+nun zuerst _an sich_ geschieht, ist zugleich _fuer das Bewusstsein_ und
+ebenso selbst gedoppelt, sowohl _fuer es_, als es sein _Fuer-sich-sein_
+oder sein eignes Tun ist. Dasselbe, was schon _an sich_ gesetzt ist,
+wiederholt sich also itzt als Wissen des Bewusstseins von ihm, und
+bewusstes Tun. Jedes laesst fuer das andere von der Selbststaendigkeit
+der Bestimmtheit, in der es gegen es auftritt, ab. Dies Ablassen ist
+dasselbe Verzichttun auf die Einseitigkeit des Begriffs, das _an
+sich_ den Anfang ausmachte, aber es ist nunmehr _sein_ Verzichttun,
+so wie der Begriff, auf welchen es Verzicht tut, der seinige ist.
+--Jenes _An-sich_ des Anfangs ist als Negativitaet in Wahrheit
+ebensosehr das _vermittelte_; so wie es in Wahrheit ist, _setzt_ es
+sich also itzt, und das _Negative_ ist als _Bestimmtheit_ eines jeden
+fuer das andere und an sich das sich selbst aufhebende. Der eine der
+beiden Teile des Gegensatzes ist die Ungleichheit des
+_In-sich-in-seiner-Einzelnheit-seins_ gegen die Allgemeinheit,--der
+andere die Ungleichheit seiner abstrakten Allgemeinheit gegen das
+Selbst; jenes stirbt seinem Fuer-sich-sein ab und entaeussert, bekennt
+sich; dieses entsagt der Haerte seiner abstrakten Allgemeinheit, und
+stirbt damit seinem unlebendigen Selbst und seiner unbewegten
+Allgemeinheit ab; so dass also jenes durch das Moment der
+Allgemeinheit, die Wesen ist, und dieses durch die Allgemeinheit, die
+Selbst ist, sich ergaenzt hat. Durch diese Bewegung des Handelns ist
+der Geist--der so erst Geist ist, dass er _da ist_, sein Dasein in den
+_Gedanken_ und dadurch in die absolute _Entgegensetzung_ erhebt, und
+aus dieser eben durch sie und in ihr selbst zurueckkehrt--als reine
+Allgemeinheit des Wissens, welches Selbstbewusstsein ist, als
+Selbstbewusstsein, das einfache Einheit des Wissens ist,
+hervorgetreten.
+
+Was also in der Religion _Inhalt_ oder Form des Vorstellens eines
+_Andern_ war, dasselbe ist hier eignes _Tun_ des _Selbsts_; der
+Begriff verbindet es, dass der _Inhalt_ eignes _Tun_ des _Selbsts_ ist;
+--denn dieser Begriff ist, wie wir sehen, das Wissen des Tuns des
+Selbsts in sich als aller Wesenheit und alles Daseins, das Wissen von
+_diesem Subjekte_ als der _Substanz_, und von der Substanz als diesem
+Wissen seines Tuns.--Was wir hier hinzugetan, ist allein teils die
+_Versammlung_ der einzelnen Momente, deren jedes in seinem Prinzipe
+das Leben des ganzen Geistes darstellt, teils das Festhalten des
+Begriffes in der Form des Begriffes, dessen Inhalt sich in jenen
+Momenten, und der sich in der Form einer _Gestalt des Bewusstseins_
+schon selbst ergeben haette.
+
+Diese letzte Gestalt des Geistes, der Geist, der seinem vollstaendigen
+und wahren Inhalte zugleich die Form des Selbsts gibt, und dadurch
+seinen Begriff ebenso realisiert, als er in dieser Realisierung in
+seinem Begriffe bleibt, ist das absolute Wissen; es ist der sich in
+Geistsgestalt wissende Geist oder das _begreifende Wissen_. Die
+_Wahrheit_ ist nicht nur _an sich_ vollkommen der _Gewissheit_ gleich,
+sondern hat auch die _Gestalt_ der Gewissheit seiner selbst, oder sie
+ist in ihrem Dasein, das heisst, fuer den wissenden Geist in der _Form_
+des Wissens seiner selbst. Die Wahrheit ist der _Inhalt_, der in der
+Religion seiner Gewissheit noch ungleich ist. Diese Gleichheit aber
+ist darin, dass der Inhalt die Gestalt des Selbsts erhalten. Dadurch
+ist dasjenige zum Elemente des Daseins oder zur _Form der
+Gegenstaendlichkeit_ fuer das Bewusstsein geworden, was das Wesen selbst
+ist; naemlich der _Begriff_. Der Geist in diesem Elemente dem
+Bewusstsein _erscheinend_, oder was hier dasselbe ist, darin von ihm
+hervorgebracht, _ist die Wissenschaft_.
+
+Die Natur, Momente und Bewegung dieses Wissens hat sich also so
+ergeben, dass es das reine _Fuer-sich-sein_ des Selbstbewusstseins ist;
+es ist Ich, das _dieses_ und kein anderes _Ich_ und das ebenso
+unmittelbar _vermittelt_ oder aufgehobenes _allgemeines_ Ich ist.--Es
+hat einen _Inhalt_, den es von sich _unterscheidet_; denn es ist die
+reine Negativitaet oder das Sich-entzweien; es ist _Bewusstsein_.
+Dieser Inhalt ist in seinem Unterschiede selbst das Ich, denn er ist
+die Bewegung des Sich-selbst-aufhebens, oder dieselbe reine
+Negativitaet, die Ich ist. Ich ist in ihm als unterschiedenem in sich
+reflektiert; der Inhalt ist allein dadurch _begriffen_, dass Ich in
+seinem Anderssein bei sich selbst ist. Dieser Inhalt bestimmter
+angegeben, ist er nichts anders als die soeben ausgesprochene
+Bewegung selbst; denn er ist der Geist, der sich selbst und zwar _fuer
+sich_ als Geist durchlaeuft, dadurch, dass er die Gestalt des Begriffes
+in seiner Gegenstaendlichkeit hat.
+
+Was aber das _Dasein_ dieses Begriffs betrifft, so erscheint in der
+Zeit und Wirklichkeit die _Wissenschaft_ nicht eher, als bis der
+Geist zu diesem Bewusstsein ueber sich gekommen ist. Als der Geist,
+der weiss, was er ist, existiert er frueher nicht, und sonst nirgends
+als nach Vollendung der Arbeit, seine unvollkommene Gestaltung zu
+bezwingen, sich fuer sein Bewusstsein die Gestalt seines Wesens zu
+verschaffen, und auf diese Weise _sein Selbstbewusstsein_ mit seinem
+_Bewusstsein_ auszugleichen.--Der an und fuer sich seiende Geist in
+seinen Momenten unterschieden, ist _fuersich_seiendes Wissen, das
+_Begreifen_ ueberhaupt, das als solches die _Substanz_ noch nicht
+erreicht hat oder nicht an sich selbst abolutes Wissen ist.
+
+In der Wirklichkeit ist nun die wissende Substanz frueher da als die
+Form oder Begriffsgestalt derselben. Denn die Substanz ist das noch
+unentwickelte _An-sich_ oder der Grund und Begriff in seiner noch
+unbewegten Einfachheit, also die _Innerlichkeit_ oder das Selbst des
+Geistes, das noch nicht _da ist_. Was _da ist_, ist als das noch
+unentwickelte Einfache und Unmittelbare, oder der Gegenstand des
+_vorstellenden Be_wusstseins ueberhaupt. Das Erkennen, weil es das
+geistige Bewusstsein ist, dem, was _an sich ist_, nur insofern ist,
+als es _Sein fuer_ das _Selbst_ und Sein des _Selbstes_ oder Begriff
+ist, hat aus diesem Grunde zuerst nur einen armen Gegenstand, gegen
+welchen die Substanz und deren Bewusstsein reicher ist. Die
+Offenbarkeit, die sie in diesem hat, ist in der Tat Verborgenheit,
+denn sie ist das noch _selbstlose Sein_, und offenbar ist sich nur
+die Gewissheit seiner selbst. Zuerst gehoeren dem _Selbst_bewusstsein
+daher von der Substanz nur die _abstrakten Momente_ an; aber indem
+diese als die reinen Bewegungen sich selbst weitertreiben, bereichert
+es sich, bis es die ganze Substanz dem Bewusstsein entrissen, den
+ganzen Bau ihrer Wesenheiten in sich gesogen, und--indem dieses
+negative Verhalten zur Gegenstaendlichkeit ebensosehr positiv, Setzen
+ist--sie aus sich erzeugt und damit fuer das Bewusstsein zugleich
+wieder hergestellt hat. In dem _Begriffe_, der sich als Begriff weiss,
+treten hiemit die _Momente_ frueher auf als das _erfuellte Ganze_,
+dessen Werden die Bewegung jener Momente ist. In dem _Bewusstsein_
+dagegen ist das Ganze, aber unbegriffne, frueher als die Momente.--Die
+_Zeit_ ist der _Begriff_ selbst, der _da ist_ und als leere
+Anschauung sich dem Bewusstsein vorstellt; deswegen erscheint der
+Geist notwendig in der Zeit, und er erscheint so lange in der Zeit,
+als er nicht seinen reinen Begriff _erfasst_, das heisst, nicht die
+Zeit tilgt. Sie ist das _aeussere_ angeschaute vom Selbst _nicht
+erfasste_ reine Selbst, der nur angeschaute Begriff; indem dieser sich
+selbst erfasst, hebt er seine Zeitform auf, begreift das Anschauen,
+und ist begriffnes und begreifendes Anschauen.--Die Zeit erscheint
+daher als das Schicksal und die Notwendigkeit des Geistes, der nicht
+in sich vollendet ist,--die Notwendigkeit, den Anteil, den das
+Selbstbewusstsein an dem Bewusstsein hat, zu bereichern, die
+_Unmittelbarkeit des An-sich_--die Form, in der die Substanz im
+Bewusstsein ist--in Bewegung zu setzen oder umgekehrt das An-sich als
+das _Innerliche_ genommen, das, was erst _innerlich_ ist, zu
+realisieren und zu offenbaren, d.h. es der Gewissheit seiner selbst zu
+vindizieren.
+
+Es muss aus diesem Grunde gesagt werden, dass nichts _gewusst_ wird, was
+nicht in der _Erfahrung_ ist, oder, wie dasselbe auch ausgedrueckt
+wird, was nicht als _gefuehlte Wahrheit, als innerlich geoffenbartes_
+Ewiges, als _geglaubtes_ Heiliges, oder welche Ausdruecke sonst
+gebraucht werden, vorhanden ist. Denn die Erfahrung ist eben dies,
+dass der Inhalt--und er ist der Geist--_an sich_, Substanz und also
+_Gegenstand_ des _Bewusstseins_ ist. Diese Substanz aber, die der
+Geist ist, ist das _Werden_ seiner zu dem, was er _an sich_ ist; und
+erst als dies sich in sich reflektierende Werden ist er an sich in
+Wahrheit _der Geist_. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen
+ist,--die Verwandlung jenes _An-sichs_ in das _Fuer-sich_, der
+_Substanz_ in das _Subjekt_, des Gegenstands des _Bewusstseins_ in
+Gegenstand des _Selbstbewusstseins_, d.h. in ebensosehr aufgehobnen
+Gegenstand, oder in den _Begriff_. Sie ist der in sich zurueckgehende
+Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht.
+--Insofern der Geist also notwendig dieses Unterscheiden in sich ist,
+tritt sein Ganzes angeschaut seinem einfachen Selbstbewusstsein
+gegenueber, und da also jenes das unterschiedene ist, so ist es
+unterschieden in seinen angeschauten reinen Begriff, in _die Zeit_,
+und in den Inhalt oder in das _An-sich_; die Substanz hat, als
+Subjekt, _die erst innere_ Notwendigkeit an ihr, sich an ihr selbst
+als das darzustellen, was sie _an sich_ ist, _als Geist._ Die
+vollendete gegenstaendliche Darstellung ist erst zugleich die
+Reflexion derselben oder das Werden derselben zum Selbst.--Eh daher
+der Geist nicht _an sich_, nicht als Weltgeist sich vollendet, kann
+er nicht als _selbstbewusster_ Geist seine Vollendung erreichen. Der
+Inhalt der Religion spricht darum frueher in der Zeit, als die
+Wissenschaft, es aus, was der _Geist ist_, aber diese ist allein sein
+wahres Wissen von ihm selbst.
+
+Die Bewegung, die Form seines Wissens von sich hervorzutreiben, ist
+die Arbeit, die er als _wirkliche Geschichte_ vollbringt. Die
+religioese Gemeine, insofern sie zuerst die Substanz des absoluten
+Geistes ist, ist das rohe Bewusstsein, das ein um so barbarischeres
+und haerteres Dasein hat, je tiefer sein innerer Geist ist, und sein
+dumpfes Selbst eine um so haertere Arbeit mit seinem Wesen, dem ihm
+fremden Inhalte seines Bewusstseins. Erst nachdem es die Hoffnung
+aufgegeben, auf eine aeusserliche, d.h. fremde Weise das Fremdsein
+aufzuheben, wendet es sich, weil die aufgehobne fremde Weise die
+Rueckkehr ins Selbstbewusstsein ist, an sich selbst, an seine eigne
+Welt und Gegenwart, entdeckt sie als sein Eigentum und hat somit den
+ersten Schritt getan, aus der _Intellektualwelt_ herabzusteigen, oder
+vielmehr deren abstraktes Element mit dem wirklichen Selbst zu
+begeisten. Durch die Beobachtung einerseits findet es das Dasein als
+Gedanken und begreift dasselbe, und umgekehrt in seinem Denken das
+Dasein. Indem es so zunaechst die unmittelbare _Einheit_ des
+_Denkens_ und _Seins_, des abstrakten Wesens und des Selbsts, selbst
+abstrakt ausgesprochen und das erste Lichtwesen _reiner_, naemlich als
+Einheit der Ausdehnung und des Seins--denn Ausdehnung ist die dem
+reinen Denken gleichere Einfachheit, denn das Licht ist--und hiemit
+im Gedanken die _Substanz_ des Aufgangs wieder erweckt hat, schaudert
+der Geist zugleich von dieser abstrakten Einheit, von dieser
+_selbstlosen_ Substantialitaet zurueck, und behauptet die
+Individualitaet gegen sie. Erst aber nachdem er diese in der Bildung
+entaeussert, dadurch sie zum Dasein gemacht und in allem Dasein sie
+durchgesetzt,--zum Gedanken der Nuetzlichkeit gekommen, und in der
+absoluten Freiheit das Dasein als seinen Willen erfasst, kehrt er
+somit den Gedanken seiner innersten Tiefe heraus, und spricht das
+Wesen als Ich = Ich aus. Dies Ich = Ich ist aber die sich in sich
+selbst reflektierende Bewegung; denn indem diese Gleichheit als
+absolute Negativitaet der absolute Unterschied ist, so steht die
+Sichselbstgleichheit des Ich diesem reinen Unterschiede gegenueber,
+der als der reine und zugleich dem sich wissenden Selbst
+gegenstaendliche, als die _Zeit_ auszusprechen ist, so dass wie vorhin
+das Wesen als Einheit des Denkens und der Ausdehnung ausgesprochen
+wurde, es als Einheit des Denkens und der Zeit zu fassen waere; aber
+der sich selbst ueberlassne Unterschied, die ruheund haltlose Zeit
+faellt vielmehr in sich selbst zusammen; sie ist die gegenstaendliche
+Ruhe der _Ausdehnung_, diese aber ist die reine Gleichheit mit sich
+selbst, das Ich.--Oder Ich ist nicht nur das Selbst, sondern es ist
+die _Gleichheit des Selbsts mit sich_; diese Gleichheit aber ist die
+vollkommne und unmittelbare Einheit mit sich selbst, oder _dies
+Subjekt_ ist ebensosehr _die Substanz._ Die Substanz fuer sich allein
+waere das inhaltsleere Anschauen oder das Anschauen eines Inhalts, der
+als bestimmter nur Akzidentalitaet haette, und ohne Notwendigkeit waere;
+die Substanz gaelte nur insofern als das Absolute, als sie als die
+_absolute Einheit_ gedacht oder angeschaut waere, und aller Inhalt
+muesste nach seiner Verschiedenheit ausser ihr in die Reflexion fallen,
+die ihr nicht angehoert, weil sie nicht Subjekt, nicht das ueber sich
+und sich in sich Reflektierende oder nicht als Geist begriffen waere.
+Wenn doch von einem Inhalte gesprochen werden sollte, so waere es
+teils nur, um ihn in den leeren Abgrund des Absoluten zu werfen,
+teils aber waere er aeusserlich aus der sinnlichen Wahrnehmung
+aufgerafft; das Wissen schiene zu Dingen, dem Unterschiede von ihm
+selbst, und dem Unterschiede mannigfaltiger Dinge gekommen zu sein,
+ohne dass man begriffe, wie und woher.
+
+Der Geist aber hat sich uns gezeigt, weder nur das Zurueckziehen des
+Selbstbewusstseins in seine reine Innerlichkeit zu sein, noch die
+blosse Versenkung desselben in die Substanz und das Nichtsein seines
+Unterschiedes, sondern _diese Bewegung_ des Selbsts, das sich seiner
+selbst entaeussert und sich in seine Substanz versenkt, und ebenso als
+Subjekt aus ihr in sich gegangen ist, und sie zum Gegenstande und
+Inhalte macht, als es diesen Unterschied der Gegenstaendlichkeit und
+des Inhalts aufhebt. Jene erste Reflexion aus der Unmittelbarkeit
+ist das sich Unterscheiden des Subjekts von seiner Substanz, oder der
+sich entzweiende Begriff, das In-sich-gehen und Werden des reinen Ich.
+Indem dieser Unterschied das reine Tun des Ich = Ich ist, ist der
+Begriff die Notwendigkeit und das Aufgehen des _Daseins_, das die
+Substanz zu seinem Wesen hat, und fuer sich besteht. Aber das
+Bestehen des Daseins fuer sich ist der in der Bestimmtheit gesetzte
+Begriff und dadurch ebenso seine Bewegung _an ihm selbst_, nieder in
+die einfache Substanz zu gehen, welche erst als diese Negativitaet und
+Bewegung Subjekt ist.--Weder hat Ich sich in der _Form_ des
+_Selbstbewusstseins_ gegen die Form der Substantialitaet und
+Gegenstaendlichkeit festzuhalten, als ob es Angst vor seiner
+Entaeusserung haette; die Kraft des Geistes ist vielmehr, in seiner
+Entaeusserung sich selbst gleich zu bleiben, und als das _An-_ und
+_Fuersich_seiende, das _Fuer-sich-sein_ ebensosehr nur als Moment zu
+setzen wie das An-sich-sein,--noch ist es ein Drittes, das die
+Unterschiede in den Abgrund des Absoluten zurueckwirft und ihre
+Gleichheit in demselben ausspricht, sondern das Wissen besteht
+vielmehr in dieser scheinbaren Untaetigkeit, welche nur betrachtet,
+wie das Unterschiedne sich an ihm selbst bewegt und in seine Einheit
+zurueckkehrt.
+
+In dem Wissen hat also der Geist die Bewegung seines Gestaltens
+beschlossen, insofern dasselbe mit dem unueberwundnen Unterschiede des
+Bewusstseins behaftet ist. Er hat das reine Element seines Daseins,
+den Begriff, gewonnen. Der Inhalt ist nach der _Freiheit_ seines
+_Seins_ das sich entaeussernde Selbst, oder die _unmittelbare_ Einheit
+des Sich-selbst-wissens. Die reine Bewegung dieser Entaeusserung macht,
+sie am Inhalte betrachtet, die _Notwendigkeit_ desselben aus. Der
+verschiedne Inhalt ist als _bestimmter_ im Verhaeltnisse, nicht an
+sich, und seine Unruhe, sich selbst aufzuheben, oder die
+_Negativitaet_; also ist die Notwendigkeit oder Verschiedenheit, wie
+das freie Sein, ebenso das Selbst, und in dieser selbstischen _Form_,
+worin das Dasein unmittelbar Gedanke ist, ist der Inhalt _Begriff_.
+Indem also der Geist den Begriff gewonnen, entfaltet er das Dasein
+und Bewegung in diesem Aether seines Lebens, und ist _Wissenschaft_.
+Die Momente seiner Bewegung stellen sich in ihr nicht mehr als
+bestimmte _Gestalten_ des _Bewusstseins_ dar, sondern indem der
+Unterschied desselben in das Selbst zurueckgegangen, als _bestimmte
+Begriffe_, und als die organische in sich selbst gegruendete Bewegung
+derselben. Wenn in der Phaenomenologie des Geistes jedes Moment der
+Unterschied des Wissens und der Wahrheit und die Bewegung ist, in
+welcher er sich aufhebt, so enthaelt dagegen die Wissenschaft diesen
+Unterschied und dessen Aufheben nicht, sondern indem das Moment die
+Form des Begriffs hat, vereinigt es die gegenstaendliche Form der
+Wahrheit und des wissenden Selbsts in unmittelbarer Einheit. Das
+Moment tritt nicht als diese Bewegung auf, aus dem Bewusstsein oder
+der Vorstellung in das Selbstbewusstsein und umgekehrt herueber und
+hinueber zu gehen, sondern seine reine von seiner Erscheinung im
+Bewusstsein befreite Gestalt, der reine Begriff, und dessen
+Fortbewegung haengt allein an seiner reinen _Bestimmtheit_. Umgekehrt
+entspricht jedem abstrakten Momente der Wissenschaft eine Gestalt des
+erscheinenden Geistes ueberhaupt. Wie der daseiende Geist nicht
+reicher ist als sie, so ist er in seinem Inhalte auch nicht aermer.
+Die reinen Begriffe der Wissenschaft in dieser Form von Gestalten des
+Bewusstseins zu erkennen, macht die Seite ihrer Realitaet aus, nach
+welcher ihr Wesen, der Begriff, der in ihr in seiner _einfachen_
+Vermittlung als _Denken_ gesetzt ist, die Momente dieser Vermittlung
+auseinanderschlaegt und nach dem innern Gegensatze sich darstellt.
+
+Die Wissenschaft enthaelt in ihr selbst diese Notwendigkeit, der Form
+des reinen Begriffs sich zu entaeussern, und den Uebergang des Begriffes
+ins _Bewusstsein_. Denn der sich selbst wissende Geist, eben darum,
+dass er seinen Begriff erfasst, ist er die unmittelbare Gleichheit mit
+sich selbst, welche in ihrem Unterschiede die _Gewissheit vom
+Unmittelbaren_ ist, oder das _sinnliche Bewusstsein_,--der Anfang, von
+dem wir ausgegangen; dieses Entlassen seiner aus der Form seines
+Selbsts ist die hoechste Freiheit und Sicherheit seines Wissens von
+sich.
+
+Doch ist diese Entaeusserung noch unvollkommen; sie drueckt die
+_Beziehung_ der Gewissheit seiner selbst auf den Gegenstand aus, der
+eben darin, dass er in der Beziehung ist, seine voellige Freiheit nicht
+gewonnen hat. Das Wissen kennt nicht nur sich, sondern auch das
+Negative seiner selbst, oder seine Grenze. Seine Grenze wissen heisst
+sich aufzuopfern wissen. Diese Aufopferung ist die Entaeusserung, in
+welcher der Geist sein Werden zum Geiste, in der Form des _freien
+zufaelligen Geschehens_ darstellt, sein reines _Selbst_, als _die
+Zeit_ ausser ihm, und ebenso sein _Sein_ als Raum anschauend. Dieses
+sein letzteres Werden, _die Natur_, ist sein lebendiges unmittelbares
+Werden; sie, der entaeusserte Geist, ist in ihrem Dasein nichts als
+diese ewige Entaeusserung ihres _Bestehens_ und die Bewegung, die das
+_Subjekt_ herstellt.
+
+Die andere Seite aber seines Werdens, die _Geschichte_, ist das
+_wissende_ sich _vermittelnde_ Werden--der an die Zeit entaeusserte
+Geist; aber diese Entaeusserung ist ebenso die Entaeusserung ihrer selbst;
+das Negative ist das Negative seiner selbst. Dies Werden stellt
+eine traege Bewegung und Aufeinanderfolge von Geistern dar, eine
+Galerie von Bildern, deren jedes, mit dem vollstaendigen Reichtume des
+Geistes ausgestattet, eben darum sich so traege bewegt, weil das
+Selbst diesen ganzen Reichtum seiner Substanz zu durchdringen und zu
+verdauen hat. Indem seine Vollendung darin besteht, das, was _er
+ist_, seine Substanz, vollkommen zu _wissen_, so ist dies Wissen sein
+_In-sich-gehen_, in welchem er sein Dasein verlaesst und seine Gestalt
+der Erinnerung uebergibt. In seinem In-sich-gehen ist er in der Nacht
+seines Selbstbewusstseins versunken, sein verschwundnes Dasein aber
+ist in ihr aufbewahrt, und dies aufgehobne Dasein--das vorige, aber
+aus dem Wissen neugeborne--ist das neue Dasein, eine neue Welt und
+Geistesgestalt. In ihr hat er ebenso unbefangen von vornen bei ihrer
+Unmittelbarkeit anzufangen und sich von ihr auf wieder grosszuziehen,
+als ob alles Vorhergehende fuer ihn verloren waere und er aus der
+Erfahrung der fruehern Geister nichts gelernt haette. Aber die
+_Er-Innerung_ hat sie aufbewahrt und ist das Innre und die in der Tat
+hoehere Form der Substanz. Wenn also dieser Geist seine Bildung, von
+sich nur auszugehen scheinend, wieder von vornen anfaengt, so ist es
+zugleich auf einer hoehern Stufe, dass er anfaengt. Das Geisterreich,
+das auf diese Weise sich in dem Dasein gebildet, macht eine
+Aufeinanderfolge aus, worin einer den andern abloeste und jeder das
+Reich der Welt von dem vorhergehenden uebernahm. Ihr Ziel ist die
+Offenbarung der Tiefe, und diese ist _der absolute Begriff_, diese
+Offenbarung ist hiemit das Aufheben seiner Tiefe oder seine
+_Ausdehnung_, die Negativitaet dieses insichseienden Ich, welche seine
+Entaeusserung oder Substanz ist,--und seine _Zeit_, dass diese
+Entaeusserung sich an ihr selbst entaeussert und so in ihrer Ausdehnung
+ebenso in ihrer Tiefe, dem Selbst ist. _Das Ziel_, das absolute
+Wissen, oder der sich als Geist wissende Geist hat zu seinem Wege die
+Erinnerung der Geister, wie sie an ihnen selbst sind und die
+Organisation ihres Reiches vollbringen. Ihre Aufbewahrung nach der
+Seite ihres freien in der Form der Zufaelligkeit erscheinenden Daseins
+ist die Geschichte, nach der Seite ihrer begriffnen Organisation aber
+die _Wissenschaft_ des _erscheinenden Wissens_; beide zusammen, die
+begriffne Geschichte, bilden die Erinnerung und die Schaedelstaette des
+absoluten Geistes, die Wirklichkeit, Wahrheit und Gewissheit seines
+Throns, ohne den er das leblose Einsame waere; nur--
+
+ aus dem Kelche dieses Geisterreiches
+ schaeumt ihm seine Unendlichkeit.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Phaenomenologie des Geistes,
+von Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, PHAENOMENOLOGIE DES GEISTES ***
+
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+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
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+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
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+Most people start at our Web sites at:
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+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
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+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
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+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
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+Information about Project Gutenberg (one page)
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+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
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