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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + +Phaenomenologie des Geistes + +Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +(1807) + + + +Dieser Band stellt das _werdende Wissen_ dar. Die PhAenomenologie des +Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklaerungen oder auch +der abstraktem ErOerterungen Ueber die Begruendung des Wissens treten. +Sie betrachtet die _Vorbereitung_ zur Wissenschaft aus einem +Gesichtspunkte, wodurch sie eine neue, interessante, und die erste +Wissenschaft der Philosophie ist. Sie fasst die verschiedenen +_Gestalten des Geistes_ als Stationen des Weges in sich, durch +welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird. Es wird daher in +den Hauptabteilungen dieser Wissenschaft, die wieder in mehrere +zerfallen, das Bewusstsein, das Selbstbewusstsein, die beobachtende und +handelnde Vernunft, der Geist selbst, als sittlicher, gebildeter und +moralischer Geist, und endlich als religioeser in seinen +unterschiedenen Formen betrachtet. Der dem ersten Blicke sich als +Chaos darbietende Reichtum der Erscheinungen des Geistes ist in eine +wissenschaftliche Ordnung gebracht, welche sie nach ihrer +Notwendigkeit darstellt, in der die unvollkommnen sich aufloesen und +in hoehere uebergehen, welche ihre naechste Wahrheit sind. Die letzte +Wahrheit finden sie zunaechst in der Religion, und dann in der +Wissenschaft, als dem Resultate des Ganzen. + + +Inhalt: + +Vorrede + +Einleitung + + +I. Die sinnliche Gewissheit; oder das Diese und das Meinen + +II. Die Wahrnehmung; oder das Ding, und die Taeuschung + +III. Kraft und Verstand, Erscheinung und uebersinnliche Welt + +IV. Die Wahrheit der Gewissheit seiner selbst + + A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und + Knechtschaft + + B. Freiheit des Selbstbewusstseins; Stoizismus, Skeptizismus und das + unglueckliche Bewusstsein + +V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft + + A. Beobachtende Vernunft + + a. Beobachtung der Natur + b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseins in seiner Reinheit und + seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit; logische und + psychologische Gesetze + c. Beobachtung der Beziehung des Selbstbewusstseins auf seine + unmittelbare Wirklichkeit; Physiognomik und Schaedellehre + + B. Die Verwirklichung des vernuenftigen Selbstbewusstseins durch sich + selbst + + a. Die Lust und die Notwendigkeit + b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigenduenkels + c. Die Tugend und der Weltlauf + + C. Die Individualitaet, welche sich an und fuer sich selbst reell ist + + a. Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst + b. Die gesetzgebende Vernunft + c. Gesetzpruefende Vernunft + +VI. Der Geist + + A. Der wahre Geist, die Sittlichkeit + + a. Die sittliche Welt, das menschliche und goettliche Gesetz, + der Mann und das Weib + b. Die sittliche Handlung, das menschliche und goettliche Wissen, die + Schuld und das Schicksal + c. Rechtszustand + + B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung + + I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes + + a. Die Bildung und ihr Reich der Wirklichkeit + b. Der Glauben und die reine Einsicht + + II. Die Aufklaerung + + a. Der Kampf der Aufklaerung mit dem Aberglauben + b. Die Wahrheit der Aufklaerung + + III. Die absolute Freiheit und der Schrecken + + C.Der seiner selbst gewisse Geist. Die Moralitaet + + a. Die moralische Weltanschauung + b. Die Verstellung + c. Das Gewissen, die schoene Seele, das Boese und seine Verzeihung + +VII. Die Religion + + A. Natuerliche Religion + + a. Das Lichtwesen + b. Die Pflanze und das Tier + c. Der Werkmeister + + B. Die Kunst-Religion + + a. Das abstrakte Kunstwerk + b. Das lebendige Kunstwerk + c. Das geistige Kunstwerk + + C. Die offenbare Religion + +VIII. Das absolute Wissen + + + +Vorrede + +Eine ErklAerung, wie sie einer Schrift in einer Vorrede nach der +Gewohnheit vorausgeschickt wird--Ueber den Zweck, den der Verfasser +sich in ihr vorgesetzt, sowie ueber die Veranlassungen und das +Verhaeltnis, worin er sie zu andern fruehern oder gleichzeitigen +Behandlungen desselben Gegenstandes zu stehen glaubt--scheint bei +einer philosophischen Schrift nicht nur ueberfluessig, sondern um der +Natur der Sache willen sogar unpassend und zweckwidrig zu sein. Denn +wie und was von Philosophie in einer Vorrede zu sagen schicklich +waere--etwa eine historische _Angabe_ der Tendenz und des Standpunkts, +des allgemeinen Inhalts und der Resultate, eine Verbindung von hin +und her sprechenden Behauptungen und Versicherungen ueber das Wahre--, +kann nicht fuer die Art und Weise gelten, in der die philosophische +Wahrheit darzustellen sei.--Auch weil die Philosophie wesentlich im +Elemente der Allgemeinheit ist, die das Besondere in sich schliesst, +so findet bei ihr mehr als bei andern Wissenschaften der Schein statt, +als ob in dem Zwecke oder den letzten Resultaten die Sache selbst +und sogar in ihrem vollkommenen Wesen ausgedrueckt waere, gegen welches +die Ausfuehrung eigentlich das Unwesentliche sei. In der allgemeinen +Vorstellung hingegen, zum Beispiel was Anatomie sei, etwa die +Kenntnis der Teile des KOerpers nach ihrem unlebendigen Dasein +betrachtet, ist man ueberzeugt, die Sache selbst, den Inhalt dieser +Wissenschaft, noch nicht zu besitzen, sondern ausserdem um das +Besondere sich bemuehen zu muessen.--Ferner ist bei einem solchen +Aggregate von Kenntnissen, das den Namen Wissenschaft nicht mit Recht +fuehrt, eine Konversation ueber Zweck und dergleichen Allgemeinheiten +nicht von der historischen und begrifflosen Weise verschieden, worin +von dem Inhalte selbst, diesen Nerven, Muskeln und so fort, +gesprochen wird. Bei der Philosophie hingegen wuerde die Ungleichheit +entstehen, dass von einer solchen Weise Gebrauch gemacht, und diese +doch von ihr selbst als unfaehig, die Wahrheit zu fassen, aufgezeigt +wuerde. + +So wird auch durch die Bestimmung des Verhaeltnisses, das ein +philosophisches Werk zu andern Bestrebungen ueber denselben Gegenstand +zu haben glaubt, ein fremdartiges Interesse hereingezogen, und das, +worauf es bei der Erkenntnis der Wahrheit ankommt, verdunkelt. So +fest der Meinung der Gegensatz des Wahren und des Falschen wird, so +pflegt sie auch entweder Beistimmung oder Widerspruch gegen ein +vorhandenes philosophisches System zu erwarten, und in einer +Erklaerung ueber ein solches nur entweder das eine oder das andre zu +sehen. Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme +nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als +sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe +verschwindet in dem Hervorbrechen der Bluete, und man koennte sagen, +dass jene von dieser widerlegt wird, ebenso wird durch die Frucht die +Bluete fuer ein falsches Dasein der Pflanze erklaert, und als ihre +Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen +unterscheiden sich nicht nur, sondern verdraengen sich auch als +unvertraeglich miteinander. Aber ihre fluessige Natur macht sie +zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht +nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist, +und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus. +Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils +sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiss das +auffassende Bewusstsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit +zu befreien oder frei zu erhalten, und in der Gestalt des streitend +und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu +erkennen. + +Die Foderung von dergleichen Erklaerungen sowie die Befriedigungen +derselben scheinen vielleicht das Wesentliche zu betreiben. Worin +koennte mehr das Innere einer philosophischen Schrift ausgesprochen +sein als in den Zwecken und Resultaten derselben, und wodurch diese +bestimmter erkannt werden als durch ihre Verschiedenheit von dem, was +das Zeitalter sonst in derselben Sphaere hervorbringt? Wenn aber ein +solches Tun fuer mehr als fuer den Anfang des Erkennens, wenn es fuer +das wirkliche Erkennen gelten soll, ist es in der Tat zu den +Erfindungen zu rechnen, die Sache selbst zu umgehen, und dieses +beides zu verbinden, den Anschein des Ernstes und Bemuehens um sie, +und die wirkliche Ersparung desselben.--Denn die Sache ist nicht in +ihrem _Zwecke_ erschoepft, sondern in ihrer _Ausfuehrung_, noch ist das +_Resultat_ das _wirkliche_ Ganze, sondern es zusammen mit seinem +Werden; der Zweck fuer sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die +Tendenz das blosse Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt, und +das nackte Resultat ist der Leichnam, der sie hinter sich gelassen. +--Ebenso ist die _Verschiedenheit_ vielmehr die _Grenze_ der Sache; +sie ist da, wo die Sache aufhoert, oder sie ist das, was diese nicht +ist. Solche Bemuehungen mit dem Zwecke oder den Resultaten, sowie mit +den Verschiedenheiten und Beurteilungen des einen und des andern, +sind daher eine leichtere Arbeit, als sie vielleicht scheinen. Denn +statt mit der Sache sich zu befassen, ist solches Tun immer ueber sie +hinaus, statt in ihr zu verweilen und sich in ihr zu vergessen, +greift solches Wissen immer nach einem Andern, und bleibt vielmehr +bei sich selbst, als dass es bei der Sache ist und sich ihr hingibt. +--Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, +schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt, seine +Darstellung hervorzubringen. + +Der Anfang der Bildung und des Herausarbeitens aus der +Unmittelbarkeit des substantiellen Lebens wird immer damit gemacht +werden muessen, Kenntnisse allgemeiner Grundsaetze und Gesichtspunkte +zu erwerben, sich nur erst zu dem Gedanken der Sache ueberhaupt +heraufzuarbeiten, nicht weniger sie mit Gruenden zu unterstuetzen oder +zu widerlegen, die konkrete und reiche Fuelle nach Bestimmtheiten +aufzufassen, und ordentlichen Bescheid und ernsthaftes Urteil ueber +sie zu erteilen zu wissen. Dieser Anfang der Bildung wird aber +zunaechst dem Ernste des erfuellten Lebens Platz machen, der in die +Erfahrung der Sache selbst hineinfuehrt, und wenn auch dies noch +hinzukommt, dass der Ernst des Begriffs in ihre Tiefe steigt, so wird +eine solche Kenntnis und Beurteilung in der Konversation ihre +schickliche Stelle behalten. + +Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das +wissenschaftliche System derselben sein. Daran mitzuarbeiten, dass +die Philosophie der Form der Wissenschaft naeher komme--dem Ziele, +ihren Namen der _Liebe_ zum _Wissen_ ablegen zu koennen und +_wirkliches Wissen_ zu sein--, ist es, was ich mir vorgesetzt. Die +innere Notwendigkeit, dass das Wissen Wissenschaft sei, liegt in +seiner Natur, und die befriedigende Erklaerung hierueber ist allein die +Darstellung der Philosophie selbst. Die aeussere Notwendigkeit aber, +insofern sie, abgesehen von der Zufaelligkeit der Person und der +individuellen Veranlassungen, auf eine allgemeine Weise gefasst wird, +ist dasselbe, was die innere, in der Gestalt, wie die Zeit das Dasein +ihrer Momente vorstellt. Dass die Erhebung der Philosophie zur +Wissenschaft an der Zeit ist, dies aufzuzeigen wuerde daher die einzig +wahre Rechtfertigung der Versuche sein, die diesen Zweck haben, weil +sie die Notwendigkeit desselben dartun, ja weil sie ihn zugleich +ausfuehren wuerde. + +Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit +gesetzt wird--oder, was dasselbe ist, indem die Wahrheit behauptet +wird, an dem _Begriffe_ allein das Element ihrer Existenz zu haben--, +so weiss ich, dass dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren +Folgen zu stehen scheint, welche eine so grosse Anmassung als +Ausbreitung in der Ueberzeugung des Zeitalters hat. Eine Erklaerung +ueber diesen Widerspruch scheint darum nicht ueberfluessig; wenn sie +auch hier weiter nichts als gleichfalls eine Versicherung, wie das, +gegen was sie geht, sein kann. Wenn naemlich das Wahre nur in +demjenigen oder vielmehr nur als dasjenige existiert, was bald +Anschauung, bald unmittelbares Wissen des Absoluten, Religion, das +Sein--nicht im Zentrum der goettlichen Liebe, sondern das Sein +desselben selbst--genannt wird, so wird von da aus zugleich fuer die +Darstellung der Philosophie vielmehr das Gegenteil der Form des +Begriffs gefodert. Das Absolute soll nicht begriffen, sondern +gefuehlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefuehl und +Anschauung sollen das Wort fuehren und ausgesprochen werden. + +Wird die Erscheinung einer solchen Foderung nach ihrem allgemeinem +Zusammenhange aufgefasst, und auf die Stufe gesehen, worauf der +selbstbewusste Geist gegenwaertig steht, so ist er ueber das +substantielle Leben, das er sonst im Elemente des Gedankens fuehrte, +hinaus,--ueber diese Unmittelbarkeit seines Glaubens, ueber die +Befriedigung und Sicherheit der Gewissheit, welche das Bewusstsein von +seiner Versoehnung mit dem Wesen und dessen allgemeiner, der innern +und aeussern, Gegenwart besass. Er ist nicht nur darueber hinausgegangen, +in das andere Extrem der substanzlosen Reflexion seiner in sich +selbst, sondern auch ueber diese. Sein wesentliches Leben ist ihm +nicht nur verloren, er ist auch dieses Verlustes, und der Endlichkeit, +die sein Inhalt ist, bewusst. Von den Trebern sich wegwendend, dass +er im Argen liegt, bekennend und darauf schmaehend, verlangt er nun +von der Philosophie nicht sowohl das _Wissen_ dessen, was er _ist_, +als zur Herstellung jener Substantialitaet und der Gediegenheit des +Seins erst wieder durch sie zu gelangen. Diesem Beduerfnisse soll sie +also nicht so sehr die Verschlossenheit der Substanz aufschliessen, +und diese zum Selbstbewusstsein erheben--nicht so sehr ihr chaotisches +Bewusstsein zur gedachten Ordnung und zur Einfachheit des Begriffes +zurueckbringen, als vielmehr die Sonderungen des Gedankens +zusammenschuetten, den unterscheidenden Begriff unterdruecken und das +Gefuehl des Wesens herstellen, nicht sowohl _Einsicht_ als _Erbauung_ +gewaehren. Das Schoene, Heilige, Ewige, die Religion und Liebe sind +der Koeder, der gefodert wird, um die Lust zum Anbeissen zu erwecken, +nicht der Begriff, sondern die Ekstase, nicht die kalt +fortschreitende Notwendigkeit der Sache, sondern die gaerende +Begeisterung soll die Haltung und fortleitende Ausbreitung des +Reichtums der Substanz sein. + +Dieser Foderung entspricht die angestrengte und fast eifernd und +gereizt sich zeigende Bemuehung, die Menschen aus der Versunkenheit +ins Sinnliche, Gemeine und Einzelne herauszureissen und ihren Blick zu +den Sternen aufzurichten; als ob sie, des Goettlichen ganz vergessend, +mit Staub und Wasser, wie der Wurm, auf dem Punkte sich zu +befriedigen stuenden. Sonst hatten sie einen Himmel mit weitlaeufigem +Reichtume von Gedanken und Bildern ausgestattet. Von allem, was ist, +lag die Bedeutung in dem Lichtfaden, durch den es an den Himmel +geknuepft war; an ihm, statt in _dieser_ Gegenwart zu verweilen, glitt +der Blick ueber sie hinaus, zum goettlichen Wesen, zu einer, wenn man +so sagen kann, jenseitigen Gegenwart hinauf. Das Auge des Geistes +musste mit Zwang auf das Irdische gerichtet und bei ihm festgehalten +werden; und es hat einer langen Zeit bedurft, jene Klarheit, die nur +das Ueberirdische hatte, in die Dumpfheit und Verworrenheit, worin der +Sinn des Diesseitigen lag, hineinzuarbeiten, und die Aufmerksamkeit +auf das Gegenwaertige als solches, welche _Erfahrung_ genannt wurde, +interessant und geltend zu machen.--Jetzt scheint die Not des +Gegenteils vorhanden, der Sinn so sehr in das Irdische festgewurzelt, +dass es gleicher Gewalt bedarf, ihn darueber zu erheben. Der Geist +zeigt sich so arm, dass er sich, wie in der Sandwueste der Wanderer +nach einem einfachen Trunk Wasser, nur nach dem duerftigen Gefuehle des +Goettlichen ueberhaupt fuer seine Erquickung zu sehnen scheint. An +diesem, woran dem Geiste genuegt, ist die Groesse seines Verlustes zu +ermessen. + +Diese Genuegsamkeit des Empfangens oder Sparsamkeit des Gebens ziemt +jedoch der Wissenschaft nicht. Wer nur die Erbauung sucht, wer seine +irdische Mannigfaltigkeit des Daseins und des Gedankens in Nebel +einzuhuellen und nach dem unbestimmten Genusse dieser unbestimmten +Goettlichkeit verlangt, mag zusehen, wo er dies findet; er wird leicht +selbst sich etwas vorzuschwaermen und damit sich aufzuspreizen die +Mittel finden. Die Philosophie aber muss sich hueten, erbaulich sein +zu wollen. + +Noch weniger muss diese Genuegsamkeit, die auf die Wissenschaft +Verzicht tut, darauf Anspruch machen, dass solche Begeisterung und +Truebheit etwas Hoeheres sei als die Wissenschaft. Dieses prophetische +Reden meint gerade so recht im Mittelpunkte und der Tiefe zu bleiben, +blickt veraechtlich auf die Bestimmtheit (den *Horos*) und haelt sich +absichtlich von dem Begriffe und der Notwendigkeit entfernt, als von +der Reflexion, die nur in der Endlichkeit hause. Wie es aber eine +leere Breite gibt, so auch eine leere Tiefe, wie eine Extension der +Substanz, die sich in endliche Mannigfaltigkeit ergiesst, ohne Kraft, +sie zusammenzuhalten--so ist dies eine gehaltlose Intensitaet, welche +als lautere Kraft ohne Ausbreitung sich haltend, dasselbe ist, was +die Oberflaechlichkeit. Die Kraft des Geistes ist nur so gross als +ihre Aeusserung, seine Tiefe nur so tief, als er in seiner Auslegung +sich auszubreiten und sich zu verlieren getraut.--Zugleich wenn dies +begrifflose substantielle Wissen die Eigenheit des Selbsts in dem +Wesen versenkt zu haben und wahr und heilig zu philosophieren vorgibt, +so verbirgt es sich, dass es, statt dem Gotte ergeben zu sein, durch +die Verschmaehung des Masses und der Bestimmung vielmehr nur bald in +sich selbst die Zufaelligkeit des Inhalts, bald in ihm die eigne +Willkuer gewaehren laesst.--Indem sie sich dem ungebaendigten Gaeren der +Substanz ueberlassen, meinen sie, durch die Einhuellung des +Selbstbewusstseins und Aufgeben des Verstands, die _Seinen_ zu sein, +denen Gott die Weisheit im Schlafe gibt; was sie so in der Tat im +Schlafe empfangen und gebaeren, sind darum auch Traeume. + +Es ist uebrigens nicht schwer, zu sehen, dass unsre Zeit eine Zeit der +Geburt und des Uebergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat +mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und +steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in +der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie in Ruhe, sondern in +immer fortschreitender Bewegung begriffen. Aber wie beim Kinde nach +langer stiller Ernaehrung der erste Atemzug jene Allmaehlichkeit des +nur vermehrenden Fortgangs abbricht--ein qualitativer Sprung--und +itzt das Kind geboren ist, so reift der sich bildende Geist langsam +und stille der neuen Gestalt entgegen, loest ein Teilchen des Baues +seiner vorgehenden *Welt* nach dem andern auf, ihr Wanken wird nur +durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile, +die im Bestehenden einreissen, die unbestimmte Ahnung eines +Unbekannten sind Vorboten, dass etwas anderes im Anzuge ist. Dies +allmaehliche Zerbroeckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht +veraenderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in +einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt. + +Allein eine vollkommne Wirklichkeit hat dies Neue sowenig als das +eben geborne Kind; und dies ist wesentlich nicht ausser acht zu lassen. +Das erste Auftreten ist erst seine Unmittelbarkeit oder sein +Begriff. Sowenig ein Gebaeude fertig ist, wenn sein Grund gelegt +worden, sowenig ist der erreichte Begriff des Ganzen das Ganze selbst. +Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung +ihrer Aeste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wuenschen, sind wir +nicht zufrieden, wenn uns an dieser Stelle eine Eichel gezeigt wird. +So ist die Wissenschaft, die Krone einer Welt des Geistes, nicht in +ihrem Anfange vollendet. Der Anfang des neuen Geistes ist das +Produkt einer weitlaeufigen Umwaelzung von mannigfaltigen +Bildungsformen, der Preis eines vielfach verschlungnen Weges und +ebenso vielfacher Anstrengung und Bemuehung. Er ist das aus der +Sukzession wie aus seiner Ausdehnung in sich zurueckgegangene Ganze, +der gewordne _einfache Begriff_ desselben. Die Wirklichkeit dieses +einfachen Ganzen aber besteht darin, dass jene zu Momenten gewordne +Gestaltungen sich wieder von neuem, aber in ihrem neuen Elemente, in +dem gewordenen Sinne entwickeln und Gestaltung geben. + +Indem einerseits die erste Erscheinung der neuen Welt nur erst das in +seine _Einfachheit_ verhuellte Ganze oder sein allgemeiner Grund ist, +so ist dem Bewusstsein dagegen der Reichtum des vorhergehenden Daseins +noch in der Erinnerung gegenwaertig. Es vermisst an der neu +erscheinenden Gestalt die Ausbreitung und Besonderung des Inhalts; +noch mehr aber vermisst es die Ausbildung der Form, wodurch die +Unterschiede mit Sicherheit bestimmt und in ihre festen Verhaeltnisse +geordnet sind. Ohne diese Ausbildung entbehrt die Wissenschaft der +allgemeinen *Verstaendlichkeit*, und hat den Schein, ein esoterisches +Besitztum einiger Einzelnen zu sein;--ein esoterisches Besitztum: +denn sie ist nur erst in ihrem Begriffe oder ihr Innres vorhanden; +einiger Einzelnen: denn ihre unausgebreitete Erscheinung macht ihr +Dasein zum Einzelnen. Erst was vollkommen bestimmt ist, ist zugleich +exoterisch, begreiflich, und faehig, gelernt und das Eigentum aller zu +sein. Die verstaendige Form der Wissenschaft ist der allen +dargebotene und fuer alle gleichgemachte Weg zu ihr, und durch den +Verstand zum vernuenftigen Wissen zu gelangen ist die gerechte +Foderung des Bewusstseins, das zur Wissenschaft hinzutritt; denn der +Verstand ist das Denken, das reine Ich ueberhaupt; und das Verstaendige +ist das schon Bekannte und das Gemeinschaftliche der Wissenschaft und +des unwissenschaftlichen Bewusstseins, wodurch dieses unmittelbar in +jene einzutreten vermag. + +Die Wissenschaft, die erst beginnt, und es also noch weder zur +Vollstaendigkeit des Details noch zur Vollkommenheit der Form gebracht +hat, ist dem Tadel darueber ausgesetzt. Aber wenn dieser ihr Wesen +treffen soll, so wuerde er ebenso ungerecht sein, als es unstatthaft +ist, die Foderung jener Ausbildung nicht anerkennen zu wollen. +Dieser Gegensatz scheint der hauptsaechlichste Knoten zu sein, an dem +die wissenschaftliche Bildung sich gegenwaertig zerarbeitet und +worueber sie sich noch nicht gehoerig versteht. Der eine Teil pocht +auf den Reichtum des Materials und die Verstaendlichkeit, der andre +verschmaeht wenigstens diese und pocht auf die unmittelbare +Vernuenftigkeit und Goettlichkeit. Wenn auch jener Teil, es sei durch +die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestuem des andern, +zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds +der Sache sich ueberwaeltigt fuehlte, so ist er darum in Ansehung jener +Foderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht +erfuellt. Sein Stillschweigen gehoert nur halb dem Siege, halb aber +der Langeweile und Gleichgueltigkeit, welche die Folge einer bestaendig +erregten Erwartung und nicht erfolgten Erfuellung der Versprechungen +zu sein pflegt. + +In Ansehung des Inhalts machen die andern sich es wohl zuweilen +leicht genug, eine grosse Ausdehnung zu haben. Sie ziehen auf ihren +Boden eine Menge Material, naemlich das schon Bekannte und Geordnete, +herein, und indem sie sich vornehmlich mit den Sonderbarkeiten und +Kuriositaeten zu tun machen, scheinen sie um so mehr das uebrige, womit +das Wissen in seiner Art schon fertig war, zu besitzen, zugleich auch +das noch Ungeregelte zu beherrschen, und somit alles der absoluten +Idee zu unterwerfen, welche hiemit in allem erkannt, und zur +ausgebreiteten Wissenschaft gediehen zu sein scheint. Naeher aber +diese Ausbreitung betrachtet, so zeigt sie sich nicht dadurch +zustande gekommen, dass ein und dasselbe sich selbst verschieden +gestaltet haette, sondern sie ist die gestaltlose Wiederholung des +einen und desselben, das nur an das verschiedene Material aeusserlich +angewendet ist, und einen langweiligen Schein der Verschiedenheit +erhaelt. Die fuer sich wohl wahre Idee bleibt in der Tat nur immer in +ihrem Anfange stehen, wenn die Entwicklung in nichts als in einer +solchen Wiederholung derselben Formel besteht. Die eine unbewegte +Form vom wissenden Subjekte an dem Vorhandenen herumgefuehrt, das +Material in dies ruhende Element von aussenher eingetaucht, dies ist +so wenig, als willkuerliche Einfaelle ueber den Inhalt, die Erfuellung +dessen, was gefodert wird, naemlich der aus sich entspringende +Reichtum und sich selbst bestimmende Unterschied der Gestalten. Es +ist vielmehr ein einfarbiger Formalismus, der nur zum Unterschiede +des Stoffes, und zwar dadurch kommt, weil dieser schon bereitet und +bekannt ist. + +Dabei behauptet er diese Eintoenigkeit und die abstrakte Allgemeinheit +fuer das Absolute; er versichert, dass die Ungenuegsamkeit mit ihr eine +Unfaehigkeit sei, sich des absoluten Standpunktes zu bemaechtigen und +auf ihm festzuhalten. Wenn sonst die leere Moeglichkeit, sich etwas +auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung +zu widerlegen, und dieselbe blosse Moeglichkeit, der allgemeine Gedanke, +auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so +sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der +Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Aufloesung des +Unterschiedenen und Bestimmten, oder vielmehr das weiter nicht +entwickelte noch an ihm selbst sich rechtfertigende Hinunterwerfen +desselben in den Abgrund des Leeren fuer spekulative Betrachtungsart +gelten. Irgendein Dasein, wie es im _Absoluten_ ist, betrachten, +besteht hier in nichts anderem, als dass davon gesagt wird, es sei +zwar jetzt von ihm gesprochen worden, als von einem Etwas, im +Absoluten, dem A = A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern +darin sei alles eins. Dies _eine_ Wissen, dass im Absoluten alles +gleich ist, der unterscheidenden und erfuellten oder Erfuellung +suchenden und fodernden Erkenntnis entgegenzusetzen--oder sein +_Absolutes_ fuer die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt, +alle Kuehe schwarz sind, ist die Naivitaet der Leere an Erkenntnis. +--Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und +geschmaeht, und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn +auch seine Ungenuegsamkeit bekannt und gefuehlt ist, aus der +Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten +Wirklichkeit sich ueber seine Natur vollkommen klar geworden ist.--In +der Ruecksicht, dass die allgemeine Vorstellung, wenn sie dem, was ein +Versuch ihrer Ausfuehrung ist, vorangeht, das Auffassen der letztern +erleichtert, ist es dienlich, das Ungefaehre derselben hier anzudeuten, +in der Absicht zugleich, bei dieser Gelegenheit einige Formen zu +entfernen, deren Gewohnheit ein Hindernis fuer das philosophische +Erkennen ist. + +Es koemmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des +Systems selbst rechtfertigen muss, alles darauf an, das Wahre nicht +als _Substanz_, sondern ebensosehr als _Subjekt_ aufzufassen und +auszudruecken. Zugleich ist zu bemerken, dass die Substantialitaet +sosehr das Allgemeine oder die _Unmittelbarkeit des Wissens_ als +diejenige, welche _Sein_ oder Unmittelbarkeit _fuer das_ Wissen ist, +in sich schliesst.--Wenn, Gott als die _eine_ Substanz zu fassen, das +Zeitalter empoerte, worin diese Bestimmung ausgesprochen wurde, so lag +teils der Grund hievon in dem Instinkte, dass darin das +Selbstbewusstsein nur untergegangen, nicht erhalten ist, teils aber +ist das Gegenteil, welches das Denken als Denken festhaelt, die +_Allgemeinheit_, dieselbe Einfachheit oder ununterschiedne, unbewegte +Substantialitaet, und wenn drittens das Denken das Sein der Substanz +als solche mit sich vereint und die Unmittelbarkeit oder das +Anschauen als Denken erfasst, so koemmt es noch darauf an, ob dieses +intellektuelle Anschauen nicht wieder in die traege Einfachheit +zurueckfaellt, und die Wirklichkeit selbst auf eine unwirkliche Weise +darstellt. + +Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit +_Subjekt_, oder, was dasselbe heisst, welches in Wahrheit wirklich ist, +nur insofern sie die Bewegung des Sich-selbst-setzens, oder die +Vermittlung des Sich-anders-werdens mit sich selbst ist. Sie ist als +Subjekt die reine _einfache Negativitaet_, eben dadurch die Entzweiung +des Einfachen, oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder +die Negation dieser gleichgueltigen Verschiedenheit und ihres +Gegensatzes ist; nur diese sich _wiederherstellende_ Gleichheit oder +die Reflexion im Anderssein in sich selbst--nicht eine +_urspruengliche_ Einheit als solche, oder _unmittelbare_ als solche, +ist das Wahre. Es ist das Werden seiner selbst, der Kreis, der sein +Ende als seinen Zweck voraussetzt und zum Anfange hat, und nur durch +die Ausfuehrung und sein Ende wirklich ist. + +Das Leben Gottes und das goettliche Erkennen mag also wohl als ein +Spielen der Liebe mit sich selbst ausgesprochen werden; diese Idee +sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst, +der Schmerz, die Geduld und Arbeit des Negativen darin fehlt. _An +sich_ ist jenes Leben wohl die ungetruebte Gleichheit und Einheit mit +sich selbst, der es kein Ernst mit dem Anderssein und der Entfremdung, +so wie mit dem Ueberwinden dieser Entfremdung ist. Aber dies +_An-sich_ ist die abstrakte Allgemeinheit, in welcher von seiner +Natur, _fuer sich zu sein_, und damit ueberhaupt von der Selbstbewegung +der Form abgesehen wird. Wenn die Form als dem Wesen gleich +ausgesagt wird, so ist es eben darum ein Missverstand, zu meinen, dass +das Erkennen sich mit dem An-sich oder dem Wesen begnuegen, die Form +aber ersparen koenne;--dass der absolute Grundsatz oder die absolute +Anschauung, die Ausfuehrung des erstern oder die Entwicklung der +andern entbehrlich mache. Gerade weil die Form dem Wesen so +wesentlich ist, als es sich selbst, ist es nicht bloss als Wesen, d.h. +als unmittelbare Substanz, oder als reine Selbstanschauung des +Goettlichen zu fassen und auszudruecken, sondern ebensosehr als _Form_ +und im ganzen Reichtum der entwickelten Form; dadurch wird es erst +als Wirkliches gefasst und ausgedrueckt. + +Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine +Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu +sagen, dass es wesentlich _Resultat_, dass es erst am _Ende_ das ist, +was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, +Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So +widersprechend es scheinen mag, dass das Absolute wesentlich als +Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Ueberlegung +diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder +das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist +nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: _alle_ Tiere, dies Wort +fuer eine Zoologie gelten kann, ebenso faellt es auf, dass die Worte des +Goettlichen, Absoluten, Ewigen u.s.w. das nicht aussprechen, was darin +enthalten ist;--und nur solche Worte druecken in der Tat die +Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches +Wort, der Uebergang auch nur zu einem Satze, ist _ein Anderswerden_, +das zurueckgenommen werden muss, ist eine Vermittlung. Diese aber ist +das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, dass mehr aus ihr +gemacht wird denn nur dies, dass sie nichts Absolutes und im Absoluten +gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben waere. + +Dies Perhorreszieren stammt aber in der Tat aus der Unbekanntschaft +mit der Natur der Vermittlung und des absoluten Erkennens selbst. +Denn die Vermittlung ist nichts anders als die sich bewegende +Sichselbstgleichheit, oder sie ist die Reflexion in sich selbst, das +Moment des fuersichseienden ich, die reine Negativitaet oder das +_einfache Werden_. Das Ich, oder das Werden ueberhaupt, dieses +Vermitteln ist um seiner Einfachheit willen eben die werdende +Unmittelbarkeit und das Unmittelbare selbst.--Es ist daher ein +Verkennen der Vernunft, wenn die Reflexion aus dem Wahren +ausgeschlossen und nicht als positives Moment des Absoluten erfasst +wird. Sie ist es, die das Wahre zum Resultate macht, aber diesen +Gegensatz gegen sein Werden ebenso aufhebt, denn dies Werden ist +ebenso einfach und daher von der Form des Wahren, im Resultate sich +als _einfach_ zu zeigen, nicht verschieden; es ist vielmehr eben dies +Zurueckgegangensein in die Einfachheit.--Wenn der Embryo wohl _an +sich_ Mensch ist, so ist er es aber nicht _fuer sich_; fuer sich ist er +es nur als gebildete Vernunft, die sich zu dem _gemacht_ hat, was sie +_an sich_ ist. Dies erst ist ihre Wirklichkeit. Aber dies Resultat +ist selbst einfache Unmittelbarkeit, denn es ist die selbstbewusste +Freiheit, die in sich selbst ruht, und den Gegensatz nicht auf die +Seite gebracht hat und ihn da liegen laesst, sondern mit ihm versoehnt +ist. + +Das Gesagte kann auch so ausgedrueckt werden, dass die Vernunft das +_zweckmaessige Tun_ ist. Die Erhebung der vermeinten Natur ueber das +misskannte Denken, und zunaechst die Verbannung der aeussern +Zweckmaessigkeit hat die Form des _Zwecks_ ueberhaupt in Misskredit +gebracht. Allein, wie auch Aristoteles die Natur als das zweckmaessige +Tun bestimmt, der Zweck ist das Unmittelbare, das Ruhende, welches +selbst bewegend oder Subjekt ist. Seine abstrakte Kraft zu bewegen +ist das _Fuer-sich-sein_ oder die reine Negativitaet. Das Resultat ist +nur darum dasselbe, was der Anfang, weil der Anfang Zweck ist;--oder +das Wirkliche ist nur darum dasselbe, was sein Begriff, weil das +Unmittelbare als Zweck das Selbst oder die reine Wirklichkeit in ihm +selbst hat. Der ausgefuehrte Zweck oder das daseiende Wirkliche ist +die Bewegung und das entfaltete Werden; eben diese Unruhe aber ist +das Selbst; und jener Unmittelbarkeit und Einfachheit des Anfangs ist +es darum gleich, weil es das Resultat, das in sich Zurueckgekehrte, +--das in sich Zurueckgekehrte aber eben das Selbst, und das Selbst die +sich auf sich beziehende Gleichheit und Einfachheit ist. + +Das Beduerfnis, das Absolute als _Subjekt_ vorzustellen, bediente sich +der Saetze: _Gott_ ist das Ewige, oder die moralische Weltordnung oder +die Liebe u.s.f. In solchen Saetzen ist das Wahre nur geradezu als +Subjekt gesetzt, nicht aber als die Bewegung des sich +In-sich-selbst-reflektierens dargestellt. Es wird in einem Satze der +Art mit dem Worte: _Gott_ angefangen. Dies fuer sich ist ein +sinnloser Laut, ein blosser Name; erst das Praedikat sagt, _was er ist_, +ist seine Erfuellung und Bedeutung; der leere Anfang wird nur in +diesem Ende ein wirkliches Wissen. Insofern ist nicht abzusehen, +warum nicht vom Ewigen, der moralischen Weltordnung u.s.f., oder, wie +die Alten taten, von reinen Begriffen, dem Sein, dem Einen u.s.f., +von dem, was die Bedeutung ist, allein gesprochen wird, ohne den +sinnlosen Laut noch hinzuzufuegen. Aber durch dies Wort wird eben +bezeichnet, dass nicht ein Sein oder Wesen oder Allgemeines ueberhaupt, +sondern ein in sich Reflektiertes, ein Subjekt gesetzt ist. Allein +zugleich ist dies nur antizipiert. Das Subjekt ist als fester Punkt +angenommen, an den als ihren Halt die Praedikate geheftet sind, durch +eine Bewegung, die dem von ihm Wissenden angehoert, und die auch nicht +dafuer angesehen wird, dem Punkte selbst anzugehoeren; durch sie aber +waere allein der Inhalt als Subjekt dargestellt. In der Art, wie +diese Bewegung beschaffen ist, kann sie ihm nicht angehoeren; aber +nach Voraussetzung jenes Punkts kann sie auch nicht anders beschaffen, +kann sie nur aeusserlich sein. Jene Antizipation, dass das Absolute +Subjekt ist, ist daher nicht nur nicht die Wirklichkeit dieses +Begriffs, sondern macht sie sogar unmoeglich, denn jene setzt ihn als +ruhenden Punkt, diese aber ist die Selbstbewegung. + +Unter mancherlei Folgerungen, die aus dem Gesagten fliessen, kann +diese herausgehoben werden, dass das Wissen nur als Wissenschaft oder +als _System_ wirklich ist und dargestellt werden kann. Dass ferner +ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr +ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist. +--Es ist deswegen leicht, ihn zu widerlegen. Die Widerlegung besteht +darin, dass sein Mangel aufgezeigt wird; mangelhaft aber ist er, weil +er nur das Allgemeine oder Prinzip, der Anfang, ist. Ist die +Widerlegung gruendlich, so ist sie aus ihm selbst genommen und +entwickelt,--nicht durch entgegengesetzte Versicherungen und Einfaelle +von aussen her bewerkstelligt. Sie wuerde also eigentlich seine +Entwicklung und somit die Ergaenzung seiner Mangelhaftigkeit sein, +wenn sie sich nicht darin verkaennte, dass sie ihre _negative_ Seite +allein beachtet, und ihres Fortgangs und Resultates nicht auch nach +seiner _positiven_ Seite bewusst wird.--Die eigentliche _positive_ +Ausfuehrung des Anfangs ist zugleich umgekehrt ebensosehr ein +negatives Verhalten gegen ihn, naemlich gegen seine einseitige Form, +erst _unmittelbar_ oder _Zweck_ zu sein. Sie kann somit ebensosehr +als die Widerlegung desjenigen genommen werden, was den _Grund_ des +Systems ausmacht, besser aber als ein Aufzeigen, dass der _Grund_ oder +das Prinzip des Systems in der Tat nur sein _Anfang_ ist. + +Dass das Wahre nur als System wirklich, oder dass die Substanz +wesentlich Subjekt ist, ist in der Vorstellung ausgedrueckt, welche +das Absolute als _Geist_ ausspricht,--der erhabenste Begriff, und der +der neuern Zeit und ihrer Religion angehoert. Das Geistige allein ist +das _Wirkliche_; es ist das Wesen oder _An-sich-seiende_,--das sich +_Verhaltende_ oder Bestimmte, das _Anderssein_ und +_Fuer-sich-sein_--und in dieser Bestimmtheit oder seinem +Ausser-sich-sein in sich selbst Bleibende;--oder es ist _an und fuer +sich_.--Dies An-und-fuer-sich-sein aber ist es erst fuer uns oder _an +sich_, oder es ist die geistige _Substanz_. Es muss dies auch _fuer +sich selbst_--muss das Wissen von dem Geistigen und das Wissen von +sich als dem Geiste sein; das heisst, es muss sich als _Gegenstand_ +sein, aber ebenso unmittelbar als _vermittelter_, das heisst +aufgehobener, in sich reflektierter Gegenstand. Er ist _fuer sich_ +nur fuer uns, insofern sein geistiger Inhalt durch ihn selbst erzeugt +ist; insofern er aber auch fuer sich selbst fuer sich ist, so ist +dieses Selbsterzeugen, der reine Begriff, ihm zugleich das +gegenstaendliche Element, worin er sein Dasein hat; und er ist auf +diese Weise in seinem Dasein fuer sich selbst in sich reflektierter +Gegenstand.--Der Geist, der sich so als Geist weiss, ist die +_Wissenschaft_. Sie ist seine Wirklichkeit und das Reich, das er +sich in seinem eigenen Elemente erbaut. + +Das reine Selbsterkennen im absoluten Anderssein, dieser Aether _als +solcher_, ist der Grund und Boden der Wissenschaft oder das _Wissen +im Allgemeinen_. Der Anfang der Philosophie macht die Voraussetzung +oder Foderung, dass das Bewusstsein sich in diesem Elemente befinde. +Aber dieses Element hat seine Vollendung und Durchsichtigkeit selbst +nur durch die Bewegung seines Werdens. Es ist die reine Geistigkeit, +oder das Allgemeine, das die Weise der einfachen Unmittelbarkeit hat. +Weil es die Unmittelbarkeit des Geistes, weil die Substanz ueberhaupt +der Geists ist, ist sie die _verklaerte Wesenheit_, die Reflexion, die +selbst einfach oder die Unmittelbarkeit ist, das Sein, das die +Reflexion in sich selbst ist. Die Wissenschaft von ihrer Seite +verlangt vom Selbstbewusstsein, dass es in diesen Aether sich erhoben +habe, um mit ihr und in ihr leben zu koennen und zu leben. Umgekehrt +hat das Individuum das Recht zu fodern, dass die Wissenschaft ihm die +Leiter wenigstens zu diesem Standpunkte reiche. Sein Recht gruendet +sich auf seine absolute Selbststaendigkeit, die es in jeder Gestalt +seines Wissens zu besitzen weiss, denn in jeder, sei sie von der +Wissenschaft anerkannt oder nicht, und der Inhalt sei welcher er +wolle, ist es die absolute Form zugleich oder hat die _unmittelbare +Gewissheit_ seiner selbst; und, wenn dieser Ausdruck vorgezogen wuerde, +damit unbedingtes _Sein_. Wenn der Standpunkt des Bewusstseins, von +gegenstaendlichen Dingen im Gegensatze gegen sich selbst und von sich +selbst im Gegensatze gegen sie zu wissen, der Wissenschaft als das +_Andre_ gilt--das, worin es bei sich selbst ist, vielmehr als der +Verlust des Geistes--, so ist ihm dagegen das Element der +Wissenschaft eine jenseitige Ferne, worin es nicht mehr sich selbst +besitzt. Jeder von diesen beiden Teilen scheint fuer den andern das +Verkehrte der Wahrheit zu sein. Dass das natuerliche Bewusstsein sich +der Wissenschaft unmittelbar anvertraut, ist ein Versuch, den es, es +weiss nicht von was angezogen, macht, auch einmal auf dem Kopfe zu +gehen; der Zwang, diese ungewohnte Stellung anzunehmen und sich in +ihr zu bewegen, ist eine so unvorbereitete als unnoetig scheinende +Gewalt, die ihm angemutet wird, sich anzutun.--Die Wissenschaft sei +an ihr selbst, was sie will, im Verhaeltnisse zum unmittelbaren +Selbstbewusstsein stellt sie sich als ein Verkehrtes gegen es dar, +oder weil das unmittelbare Selbstbewusstsein das Prinzip der +Wirklichkeit ist, traegt sie, indem es fuer sich ausser ihr ist, die +Form der Unwirklichkeit. Sie hat darum jenes Element mit ihr zu +vereinigen, oder vielmehr zu zeigen, dass und wie es ihr selbst +angehoert. Der Wirklichkeit entbehrend, ist sie nur das _An-sich_, +der _Zweck_, der erst noch ein _Innres_, nicht als Geist, nur erst +geistige Substanz ist. Sie hat sich zu aeussern und fuer sich selbst zu +werden, dies heisst nichts anders als: sie hat das Selbstbewusstsein +als eins mit sich zu setzen. + +Dies Werden der _Wissenschaft ueberhaupt_, oder des _Wissens_, ist es, +was diese _Phaenomenologie_ des Geistes, als der erste Teil des +Systems derselben, darstellt. Das Wissen, wie es zuerst ist, oder +der _unmittelbare Geist_ ist das Geistlose, oder ist das _sinnliche +Bewusstsein_. Um zum eigentlichen Wissen zu werden, oder das Element +der Wissenschaft, was ihr reiner Begriff ist, zu erzeugen, hat er +durch einen langen Weg sich hindurchzuarbeiten.--Dieses Werden, wie +es in seinem Inhalte und den Gestalten, die sich in ihm zeigen, +aufgestellt ist, erscheint als etwas anderes denn als die Anleitung +des unwissenschaftlichen Bewusstseins zur Wissenschaft; auch etwas +anderes als die Begruendung der Wissenschaft;--so ohnehin, als die +Begeisterung, die wie aus der Pistole mit dem absoluten Wissen +unmittelbar anfaengt, und mit andern Standpunkten dadurch schon fertig +ist, dass sie keine Notiz davon zu nehmen erklaert. + +Die Aufgabe aber, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkte +aus zum Wissen zu fuehren, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen, +und das allgemeine Individuum, der Weltgeist, in seiner Bildung zu +betrachten.--Was das Verhaeltnis beider betrifft, so zeigt sich in dem +allgemeinen Individuum jedes Moment, wie es die konkrete Form und +eigne Gestaltung gewinnt. Das besondre Individuum aber ist der +unvollstaendige Geist, eine konkrete Gestalt, deren ganzes Dasein +_einer_ Bestimmtheit zufaellt, und worin die andern nur in vermischten +Zuegen vorhanden sind. In dem Geiste, der hoeher steht als ein anderer, +ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente +herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine +Spur; ihre Gestalt ist eingehuellt und eine einfache Schattierung +geworden. Diese Vergangenheit durchlaeuft das Individuum, dessen +Substanz der hoeherstehende Geist ist, auf die Art, wie der eine +hoehere Wissenschaft vornimmt, die Vorbereitungskenntnisse, die er +laengst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwaertig zu machen, durchgeht; +er ruft die Erinnerung desselben zurueck, ohne darin sein Interesse +und Verweilen zu haben. So durchlauft jeder einzelne auch die +Bildungsstufen des allgemeinen Geistes, aber als vom Geiste schon +abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und +geebnet ist; wie wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in fruehern +Zeitaltern den reifen Geist der Maenner beschaeftigte, zu Kenntnissen, +Uebungen und selbst Spielen des Knabensalters herabgesunken sehen, und +in dem paedagogischen Fortschreiten die wie im Schattenrisse +nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen werden. +Dies vergangne Dasein ist schon erworbnes Eigentum des allgemeinen +Geistes, der die Substanz des Individuums oder seine unorganische +Natur ausmacht.--Die Bildung des Individuums in dieser Ruecksicht +besteht, von seiner Seite aus betrachtet, darin, dass es dies +Vorhandne erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre und fuer +sich in Besitz nehme. Dies ist aber ebensosehr nichts anders, als +dass der allgemeine Geist oder die Substanz sich ihr Selbstbewusstsein +gibt, oder ihr Werden und Reflexion in sich. + +Die Wissenschaft stellt diese bildende Bewegung sowohl in ihrer +Ausfuehrlichkeit und Notwendigkeit, als das, was schon zum Momente und +Eigentum des Geists herabgesunken ist, in seiner Gestaltung dar. Das +Ziel ist die Einsicht des Geistes in das, was das Wissen ist. Die +Ungeduld verlangt das Unmoegliche, naemlich die Erreichung des Ziels +ohne die Mittel. Einesteils ist die _Laenge_ dieses Wegs zu ertragen, +denn jedes Moment ist notwendig,--andernteils bei jedem sich zu +_verweilen_, denn jedes ist selbst eine individuelle ganze Gestalt, +und wird nur absolut betrachtet, insofern seine Bestimmtheit als +Ganzes oder Konkretes, oder das Ganze in der Eigentuemlichkeit dieser +Bestimmung betrachtet wird.--Weil die Substanz des Individuums, weil +der Weltgeist die Geduld gehabt, diese Formen in der langen +Ausdehnung der Zeit zu durchgehen und die ungeheure Arbeit der +Weltgeschichte zu uebernehmen, und weil er durch keine geringere das +Bewusstsein ueber sich erreichen konnte, so kann zwar das Individuum +nicht mit weniger seine Substanz begreifen. Inzwischen hat es +zugleich geringere Muehe, weil _an sich_ dies vollbracht,--der Inhalt +schon die zur Moeglichkeit getilgte Wirklichkeit und die bezwungne +Unmittelbarkeit ist. Schon ein _Gedachtes_, ist er Eigentum der +Individualitaet; es ist nicht mehr das _Dasein_ in das _An-sich-sein_, +sondern nur _das An-sich_ in die Form des _Fuer-sich_-seins umzukehren, +dessen Art naeher zu bestimmen ist. + +Was dem Individuum an dieser Bewegung erspart ist, ist das Aufheben +des _Daseins_; was aber noch uebrig ist, ist die _Vorstellung_ und die +_Bekanntschaft_ mit den Formen. Das in die Substanz zurueckgenommne +Dasein ist durch jene erste Negation nur erst _unmittelbar_ in das +Element des Selbsts versetzt; es hat also noch denselben Charakter +der unbegriffnen Unmittelbarkeit oder unbewegten Gleichgueltigkeit als +das Dasein selbst, oder es ist nur in die _Vorstellung_ uebergegangen. +--Zugleich ist es dadurch ein _Bekanntes_, ein solches, mit dem der +Geist fertig geworden, worin daher seine Taetigkeit und somit sein +Interesse nicht mehr ist. Wenn die Taetigkeit, die mit dem Dasein +fertig wird, die unmittelbare oder daseiende Vermittlung, und hiemit +die Bewegung nur des besondern sich nicht begreifenden Geistes ist, +so ist dagegen das Wissen gegen die hiedurch zustande gekommne +Vorstellung, gegen dies Bekanntsein gerichtet, ist das Tun des +allgemeinen Selbsts und das Interesse des Denkens. + +Das Bekannte ueberhaupt ist darum, weil es _bekannt_ ist, nicht +erkannt. Es ist die gewoehnlichste Selbsttaeuschung wie Taeuschung +anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich +ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches +Wissen, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, nicht von der Stelle. Das +Subjekt und Objekt u.s.f., Gott, Natur, der Verstand, die +Sinnlichkeit u.s.f. werden unbesehen als bekannt und als etwas +Gueltiges zugrunde gelegt und machen feste Punkte sowohl des Ausgangs +als der Rueckkehr aus. Die Bewegung geht zwischen ihnen, die unbewegt +bleiben, hin und her, und somit nur auf ihrer Oberflaeche vor. So +besteht auch das Auffassen und Pruefen darin, zu sehen, ob jeder das +von ihnen Gesagte auch in seiner Vorstellung findet, ob es ihm so +scheint und bekannt ist oder nicht. + +Das _Analysieren_ einer Vorstellung, wie es sonst getrieben worden, +war schon nichts anderes als das Aufheben der Form ihres Bekanntseins. +Eine Vorstellung in ihre urspruenglichen Elemente auseinanderlegen, +ist das Zurueckgehen zu ihren Momenten, die wenigstens nicht die Form +der vorgefundenen Vorstellung haben, sondern das unmittelbare +Eigentum des Selbsts ausmachen. Diese Analyse koemmt zwar nur zu +_Gedanken_, welche selbst bekannte, feste und ruhende Bestimmungen +sind. Aber ein wesentliches Moment ist dies _Geschiedne_, +Unwirkliche selbst; denn nur darum, dass das Konkrete sich scheidet +und zum Unwirklichen macht, ist es das sich Bewegende. Die Taetigkeit +des Scheidens ist die Kraft und Arbeit des _Verstandes_, der +verwundersamsten und groessten, oder vielmehr der absoluten Macht. Der +Kreis, der in sich geschlossen ruht, und als Substanz seine Momente +haelt, ist das unmittelbare und darum nicht verwundersame Verhaeltnis. +Aber dass das von seinem Umfange getrennte Akzidentelle als solches, +das gebundne und nur in seinem Zusammenhange mit anderm Wirkliche ein +eigenes Dasein und abgesonderte Freiheit gewinnt, ist die ungeheure +Macht des Negativen; es ist die Energie des Denkens, des reinen Ichs. +Der Tod, wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen, ist das +Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die groesste Kraft +erfodert. Die kraftlose Schoenheit hasst den Verstand, weil er ihr +dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich +vor dem Tode scheut und von der Verwuestung rein bewahrt, sondern das +ihn ertraegt und in ihm sich erhaelt, ist das Leben des Geistes. Er +gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit +sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive, +welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen, +dies ist nichts oder falsch, und nun, damit fertig, davon weg zu +irgend etwas anderem uebergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem +er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses +Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.--Sie ist +dasselbe, was oben das Subjekt genannt worden, welches darin, dass es +der Bestimmtheit in seinem Elemente Dasein gibt, die abstrakte, d.h. +nur ueberhaupt _seiende_ Unmittelbarkeit aufhebt, und dadurch die +wahrhafte Substanz ist, das Sein oder die Unmittelbarkeit, welche +nicht die Vermittlung ausser ihr hat, sondern diese selbst ist. + +Dass das Vorgestellte Eigentum des reinen Selbstbewusstseins wird, +diese Erhebung zur Allgemeinheit ueberhaupt ist nur die _eine_ Seite, +noch nicht die vollendete Bildung.--Die Art des Studiums der alten +Zeit hat diese Verschiedenheit von dem der neuern, dass jenes die +eigentliche Durchbildung des natuerlichen Bewusstseins war. An jedem +Teile seines Daseins sich besonders versuchend und ueber alles +Vorkommende philosophierend, erzeugte es sich zu einer durch und +durch betaetigten Allgemeinheit. In der neuern Zeit hingegen findet +das Individuum die abstrakte Form vorbereitet; die Anstrengung, sie +zu ergreifen und sich zu eigen zu machen, ist mehr das unvermittelte +Hervortreiben des Innern und abgeschnittne Erzeugen des Allgemeinen +als ein Hervorgehen desselben aus dem Konkreten und der +Mannigfaltigkeit des Daseins. Itzt besteht darum die Arbeit nicht so +sehr darin, das Individuum aus der unmittelbaren sinnlichen Weise zu +reinigen und es zur gedachten und denkenden Substanz zu machen, als +vielmehr in dem Entgegengesetzten, durch das Aufheben der festen +bestimmten Gedanken das Allgemeine zu verwirklichen und zu begeistert. +Es ist aber weit schwerer, die festen Gedanken in Fluessigkeit zu +bringen, als das sinnliche Dasein. Der Grund ist das vorhin +Angegebene; jene Bestimmungen haben das Ich, die Macht des Negativen +oder die reine Wirklichkeit zur Substanz und zum Element ihres +Daseins; die sinnlichen Bestimmungen dagegen nur die unmaechtige +abstrakte Unmittelbarkeit oder das Sein als solches. Die Gedanken +werden fluessig, indem das reine Denken, diese innere +_Unmittelbarkeit_, sich als Moment erkennt oder indem die reine +Gewissheit seiner selbst von sich abstrahiert;--nicht sich weglaesst, +auf die Seite setzt, sondern das _Fixe_ ihres Sich-selbst-setzens +aufgibt, sowohl das Fixe des reinen Konkreten, welches Ich selbst im +Gegensatze gegen unterschiedenen Inhalt ist,--als das Fixe von +Unterschiedenen, die im Elemente des reinen Denkens gesetzt an jener +Unbedingtheit des Ich Anteil haben. Durch diese Bewegung werden die +reinen Gedanken _Begriffe_, und sind erst, was sie in Wahrheit sind, +Selbstbewegungen, Kreise, das, was ihre Substanz ist, geistige +Wesenheiten. + +Diese Bewegung der reinen Wesenheiten macht die Natur der +Wissenschaftlichkeit ueberhaupt aus. Als der Zusammenhang ihres +Inhalts betrachtet, ist sie die Notwendigkeit und Ausbreitung +desselben zum organischen Ganzen. Der Weg, wodurch der Begriff des +Wissens erreicht wird, wird durch sie gleichfalls ein notwendiges und +vollstaendiges Werden, so dass diese Vorbereitung aufhoert, ein +zufaelliges Philosophieren zu sein, das sich an diese und jene +Gegenstaende, Verhaeltnisse und Gedanken des unvollkommenen Bewusstseins, +wie die Zufaelligkeit es mit sich bringt, anknuepft, oder durch ein +hin- und hergehendes Raesonnement, Schliessen und Folgern aus +bestimmten Gedanken das Wahre zu begruenden sucht; sondern dieser Weg +wird durch die Bewegung des Begriffs die vollstaendige Weltlichkeit +des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit umfassen. + +Eine solche Darstellung macht ferner den _ersten_ Teil der +Wissenschaft darum aus, weil das Dasein des Geistes als Erstes nichts +anderes als das Unmittelbare oder der Anfang, der Anfang aber noch +nicht seine Rueckkehr in sich ist. Das _Element des unmittelbaren +Daseins_ ist daher die Bestimmtheit, wodurch sich dieser Teil der +Wissenschaft von den andern unterscheidet.--Die Angabe dieses +Unterschiedes fuehrt zur Eroerterung einiger festen Gedanken, die +hiebei vorzukommen pflegen. + +Das unmittelbare Dasein des Geistes, das _Bewusstsein_, hat die zwei +Momente des Wissens und der dem Wissen negativen Gegenstaendlichkeit. +Indem in diesem Elemente sich der Geist entwickelt und seine Momente +auslegt, so kommt ihnen dieser Gegensatz zu, und sie treten alle als +Gestalten des Bewusstseins auf. Die Wissenschaft dieses Wegs ist +Wissenschaft der _Erfahrung_, die das Bewusstsein macht; die Substanz +wird betrachtet, wie sie und ihre Bewegung sein Gegenstand ist. Das +Bewusstsein weiss und begreift nichts, als was in seiner Erfahrung ist; +denn was in dieser ist, ist nur die geistige Substanz, und zwar als +_Gegenstand_ ihres Selbsts. Der Geist wird aber Gegenstand, denn er +ist diese Bewegung, _sich_ ein _anderes_, d.h. _Gegenstand seines +Selbsts_ zu werden, und dieses Anderssein aufzuheben. Und die +Erfahrung wird eben diese Bewegung genannt, worin das Unmittelbare, +das Unerfahrne, d. h. das Abstrakte, es sei des sinnlichen Seins oder +des nur gedachten Einfachen, sich entfremdet, und dann aus dieser +Entfremdung zu sich zurueckgeht, und hiemit itzt erst in seiner +Wirklichkeit und Wahrheit dargestellt wie auch Eigentum des +Bewusstseins ist. + +Die Ungleichheit, die im Bewusstsein zwischen dem Ich und der Substanz, +die sein Gegenstand ist, stattfindet, ist ihr Unterschied, das +_Negative_ ueberhaupt. Es kann als der _Mangel_ beider angesehen +werden, ist aber ihre Seele oder das Bewegende derselben; weswegen +einige Alte das _Leere_ als das Bewegende begriffen, indem sie das +Bewegende zwar als das _Negative_, aber dieses noch nicht als das +Selbst erfassten.--Wenn nun dies Negative zunaechst als Ungleichheit +des Ichs zum Gegenstande erscheint, so ist es ebensosehr die +Ungleichheit der Substanz zu sich selbst. Was ausser ihr vorzugehen, +eine Taetigkeit gegen sie zu sein scheint, ist ihr eigenes Tun, und +sie zeigt sich wesentlich Subjekt zu sein. Indem sie dies vollkommen +gezeigt, hat der Geist sein Dasein seinem Wesen gleich gemacht; er +ist sich Gegenstand, wie er ist, und das abstrakte Element der +Unmittelbarkeit und der Trennung des Wissens und der Wahrheit ist +ueberwunden. Das Sein ist absolut vermittelt;--es ist substantieller +Inhalt, der ebenso unmittelbar Eigentum des Ich, selbstisch oder der +Begriff ist. Hiemit beschliesst sich die Phaenomenologie des Geistes. +Was er in ihr sich bereitet, ist das Element des Wissens. In diesem +breiten sich nun die Momente des Geistes in der _Form der +Einfachheit_ aus, die ihren Gegenstand als sich selbst weiss. Sie +fallen nicht mehr in den Gegensatz des Seins und Wissens auseinander, +sondern bleiben in der Einfachheit des Wissens, sind das Wahre in der +Form des Wahren, und ihre Verschiedenheit ist nur Verschiedenheit des +Inhalts. Ihre Bewegung, die sich in diesem Elemente zum Ganzen +organisiert, ist die _Logik_ oder _spekulative Philosophie_. + +Weil nun jenes System der Erfahrung des Geistes nur die _Erscheinung_ +desselben befasst, so scheint der Fortgang von ihm zur Wissenschaft +des _Wahren_, das in der _Gestalt_ des _Wahren_ ist, bloss negativ zu +sein, und man koennte mit dem Negativen als dem _Falschen_ verschont +bleiben wollen und verlangen, ohne weiteres zur Wahrheit gefuehrt zu +werden; wozu sich mit dem Falschen abgeben?--Wovon schon oben die +Rede war, dass sogleich mit der Wissenschaft sollte angefangen werden, +darauf ist hier nach der Seite zu antworten, welche Beschaffenheit es +mit dem Negativen als _Falschem_ ueberhaupt hat. Die Vorstellungen +hierueber hindern vornehmlich den Eingang zur Wahrheit. Dies wird +Veranlassung geben, vom mathematischen Erkennen zu sprechen, welches +das unphilosophische Wissen als das Ideal ansieht, das zu erreichen +die Philosophie streben muesste, bisher aber vergeblich gestrebt habe. + +Das _Wahre_ und _Falsche_ gehoert zu den bestimmten Gedanken, die +bewegungslos fuer eigne Wesen gelten, deren eines drueben, das andre +hueben ohne Gemeinschaft mit dem andern isoliert und fest steht. +Dagegen muss behauptet werden, dass die Wahrheit nicht eine ausgepraegte +Muenze ist, die fertig gegeben und so eingestrichen werden kann. Noch +_gibt_ es ein Falsches, sowenig es ein Boeses gibt. So schlimm zwar +als der Teufel ist das Boese und Falsche nicht, denn als dieser sind +sie sogar zum besondern _Subjekte_ gemacht; als Falsches und Boeses +sind sie nur _Allgemeine_, haben aber doch eigne Wesenheit +gegeneinander.--Das Falsche, denn nur von ihm ist hier die Rede, waere +das Andre, das Negative der Substanz, die als Inhalt des Wissens das +Wahre ist. Aber die Substanz ist selbst wesentlich das Negative, +teils als Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts, teils als ein +_einfaches_ Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen ueberhaupt. Man +kann wohl falsch wissen. Es wird etwas falsch gewusst, heisst, das +Wissen ist in Ungleichheit mit seiner Substanz. Allein eben diese +Ungleichheit ist das Unterscheiden ueberhaupt, das wesentliches Moment +ist. Es wird aus dieser Unterscheidung wohl ihre Gleichheit, und +diese gewordene Gleichheit ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht so +Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen worden waere, wie die +Schlacke vom reinen Metall, auch nicht einmal so, wie das Werkzeug +von dem fertigen Gefaesse wegbleibt, sondern die Ungleichheit ist als +das Negative, als das Selbst im Wahren als solchem selbst noch +unmittelbar vorhanden. Es kann jedoch darum nicht gesagt werden, dass +das _Falsche_ ein Moment oder gar einen Bestandteil des Wahren +ausmache. Dass an jedem Falschen etwas Wahres sei--in diesem +Ausdrucke gelten beide, wie Oel und Wasser, die unmischbar nur +aeusserlich verbunden sind. Gerade um der Bedeutung willen, das Moment +des _vollkommenen Andersseins_ zu bezeichnen, muessen ihre Ausdruecke +da, wo ihr Anderssein aufgehoben ist, nicht mehr gebraucht werden. +So wie der Ausdruck der _Einheit_ des Subjekts und Objekts, des +Endlichen und Unendlichen, des Seins und Denkens u.s.f. das +Ungeschickte hat, dass Objekt und Subjekt u.s.f. das bedeuten, was +_sie ausser ihrer Einheit_ sind, in der Einheit also nicht als das +gemeint sind, was ihr Ausdruck sagt, ebenso ist das Falsche nicht +mehr als Falsches ein Moment der Wahrheit. + +Der _Dogmatismus_ der Denkungsart im Wissen und im Studium der +Philosophie ist nichts anderes als die Meinung, dass das Wahre in +einem Satze, der ein festes Resultat oder auch der unmittelbar gewusst +wird, bestehe. Auf solche Fragen: wann Caesar geboren worden, wie +viele Toisen ein Stadium und welches betrug u.s.f., soll eine _nette_ +Antwort gegeben werden, ebenso wie es bestimmt wahr ist, dass das +Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der beiden +uebrigen Seiten des rechtwinklichten Dreiecks ist. Aber die Natur +einer solchen sogenannten Wahrheit ist verschieden von der Natur +philosophischer Wahrheiten. + +In Ansehung der _historischen_ Wahrheiten, um ihrer kurz zu erwaehnen, +insofern naemlich das rein Historische derselben betrachtet wird, wird +leicht zugegeben, dass sie das einzelne Dasein, einen Inhalt nach der +Seite seiner Zufaelligkeit und Willkuer, Bestimmungen desselben, die +nicht notwendig sind, betreffen.--Selbst aber solche nackte +Wahrheiten wie die als Beispiel angefuehrte sind nicht ohne die +Bewegung des Selbstbewusstseins. Um eine derselben zu kennen, muss +viel verglichen, auch in Buechern nachgeschlagen oder, auf welche +Weise es sei, untersucht werden; auch bei einer unmittelbaren +Anschauung wird erst die Kenntnis derselben mit ihren Gruenden fuer +etwas gehalten, das wahren Wert habe, obgleich eigentlich nur das +nackte Resultat das sein soll, um das es zu tun sei. + +Was die _mathematischen_ Wahrheiten betrifft, so wuerde noch weniger +der fuer einen Geometer gehalten werden, der die Theoreme Euklids +_auswendig_ wuesste, ohne ihre Beweise, ohne sie, wie man im Gegensatze +sich ausdruecken koenne, _inwendig_ zu wissen. Ebenso wuerde die +Kenntnis, die einer durch Messung vieler rechtwinklichten Dreiecke +sich erwuerbe, dass ihre Seiten das bekannte Verhaeltnis zueinander +haben, fuer unbefriedigend gehalten werden. Die _Wesentlichkeit_ des +Beweises hat jedoch auch beim mathematischen Erkennen noch nicht die +Bedeutung und Natur, Moment des Resultates selbst zu sein, sondern in +diesem ist er vielmehr vorbei und verschwunden. Als Resultat ist +zwar das Theorem _ein als wahr eingesehenes_. Aber dieser +hinzugekommene Umstand betrifft nicht seinen Inhalt, sondern nur das +Verhaeltnis zum Subjekt; die Bewegung des mathematischen Beweises +gehoert nicht dem an, was Gegenstand ist, sondern ist ein der Sache +_aeusserliches_ Tun. So zerlegt sich die Natur des rechtwinklichten +Dreiecks nicht selbst so, wie es in der Konstruktion dargestellt wird, +die fuer den Beweis des Satzes, der sein Verhaeltnis ausdrueckt, noetig +ist; das ganze Hervorbringen des Resultats ist ein Gang und Mittel +des Erkennens.--Auch im philosophischen Erkennen ist das Werden des +_Daseins_ als Daseins verschieden von dem Werden des _Wesens_ oder +der innern Natur der Sache. Aber das philosophische Erkennen enthaelt +erstens beides, da hingegen das mathematische nur das Werden des +_Daseins_, d.h. des _Seins_ der Natur der Sache im _Erkennen_ als +solchem darstellt. Fuers andre vereinigt jenes auch diese beiden +besondern Bewegungen. Das innre Entstehen oder das Werden der +Substanz ist ungetrennt Uebergehen in das Aeussere oder in das Dasein, +Sein fuer anderes; und umgekehrt ist das Werden des Daseins das +Sich-zuruecknehmen ins Wesen. Die Bewegung ist so der gedoppelte +Prozess und Werden des Ganzen, dass zugleich ein jedes das andre setzt +und jedes darum auch beide als zwei Ansichten an ihm hat; sie +zusammen machen dadurch das Ganze, dass sie sich selbst aufloesen und +zu seinen Momenten machen. + +Im mathematischen Erkennen ist die Einsicht ein fuer die Sache +aeusserliches Tun; es folgt daraus, dass die wahre Sache dadurch +veraendert wird. Das Mittel, Konstruktion und Beweis, enthaelt daher +wohl wahre Saetze; aber ebensosehr muss gesagt werden, dass der Inhalt +falsch ist. Das Dreieck wird in dem obigen Beispiele zerrissen und +seine Teile zu andern Figuren, die die Konstruktion an ihm entstehen +laesst, geschlagen. Erst am Ende wird das Dreieck wiederhergestellt, +um das es eigentlich zu tun ist, das im Fortgange aus den Augen +verloren wurde, und nur in Stuecken, die andern Ganzen angehoerten, +vorkam.--Hier sehen wir also auch die Negativitaet des Inhalts +eintreten, welche eine Falschheit desselben ebensogut genannt werden +muesste als in der Bewegung des Begriffs das Verschwinden der +festgemeinten Gedanken. + +Die eigentliche Mangelhaftigkeit dieses Erkennens aber betrifft +sowohl das Erkennen selbst als seinen Stoff ueberhaupt.--Was das +Erkennen betrifft, so wird vors erste die Notwendigkeit der +Konstruktion nicht eingesehen. Sie geht nicht aus dem Begriffe des +Theorems hervor, sondern wird geboten, und man hat dieser Vorschrift, +gerade diese Linien, deren unendliche andere gezogen werden koennten, +zu ziehen, blindlings zu gehorchen, ohne etwas weiter zu wissen, als +den guten Glauben zu haben, dass dies zu Fuehrung des Beweises +zweckmaessig sein werde. Hintennach zeigt sich denn auch diese +Zweckmaessigkeit, die deswegen nur eine aeusserliche ist, weil sie sich +erst hintennach, beim Beweise, zeigt.--Ebenso geht dieser einen Weg, +der irgendwo anfaengt, man weiss noch nicht in welcher Beziehung auf +das Resultat, das herauskommen soll. Sein Fortgang nimmt _diese_ +Bestimmungen und Beziehungen auf und laesst andre liegen, ohne dass man +unmittelbar einsehe, nach welcher Notwendigkeit; ein aeusserer Zweck +regiert diese Bewegung. + +Die _Evidenz_ dieses mangelhaften Erkennens, auf welche die +Mathematik stolz ist, und womit sie sich auch gegen die Philosophie +bruestet, beruht allein auf der Armut ihres _Zwecks_ und der +Mangelhaftigkeit ihres _Stoffs_, und ist darum von einer Art, die die +Philosophie verschmaehen muss.--Ihr _Zweck_ oder Begriff ist die +_Groesse_. Dies ist gerade das unwesentliche, begrifflose Verhaeltnis. +Die Bewegung des Wissens geht darum auf der Oberflaeche vor, beruehrt +nicht die Sache selbst, nicht das Wesen oder den Begriff, und ist +deswegen kein Begreifen.--Der _Stoff_, ueber den die Mathematik den +erfreulichen Schatz von Wahrheiten gewaehrt, ist der _Raum_ und das +_Eins_. Der Raum ist das Dasein, worin der Begriff seine +Unterschiede einschreibt, als in ein leeres, totes Element, worin sie +ebenso unbewegt und leblos sind. Das _Wirkliche_ ist nicht ein +Raeumliches, wie es in der Mathematik betrachtet wird; Mit solcher +Unwirklichkeit, als die Dinge der Mathematik sind, gibt sich weder +das konkrete sinnliche Anschauen noch die Philosophie ab. In solchem +unwirklichen Elemente gibt es denn auch nur unwirkliches Wahres, d.h. +fixierte, tote Saetze; bei jedem derselben kann aufgehoert werden; der +folgende faengt fuer sich von neuem an, ohne dass der erste sich selbst +zum andern fortbewegte und ohne dass auf diese Weise ein notwendiger +Zusammenhang durch die Natur der Sache selbst entstuende.--Auch laeuft +um jenes Prinzips und Elements willen--und hierin besteht das +Formelle der mathematischen Evidenz--das Wissen an der Linie der +_Gleichheit_ fort. Denn das Tote, weil es sich nicht selbst bewegt, +kommt nicht zu Unterschieden des Wesens, nicht zur wesentlichen +Entgegensetzung oder Ungleichheit, daher nicht zum Uebergange des +Entgegengesetzten in das Entgegengesetzte, nicht zur qualitativen, +immanenten, nicht zur Selbstbewegung. Denn es ist die Groesse, der +unwesentliche Unterschied, den die Mathematik allein betrachtet. Dass +es der Begriff ist, der den Raum in seine Dimensionen entzweit und +die Verbindungen derselben und in denselben bestimmt, davon +abstrahiert sie; sie betrachtet z.B. nicht das Verhaeltnis der Linie +zur Flaeche; und wo sie den Durchmesser des Kreises mit der Peripherie +vergleicht, stoesst sie auf die Inkommensurabilitaet derselben, d.h. ein +Verhaeltnis des Begriffs, ein Unendliches, das ihrer Bestimmung +entflieht. + +Die immanente, sogenannte reine Mathematik stellt auch nicht die +_Zeit_ als Zeit dem Raume gegenueber, als den zweiten Stoff ihrer +Betrachtung. Die angewandte handelt wohl von ihr, wie von der +Bewegung, auch sonst andern wirklichen Dingen, sie nimmt aber die +synthetischen, d.h. Saetze ihrer Verhaeltnisse, die durch ihren +Begriff bestimmt sind, aus der Erfahrung auf, und wendet nur auf +diese Voraussetzungen ihre Formeln an. Dass die sogenannten Beweise +solcher Saetze, als der vom Gleichgewichte des Hebels, dem +Verhaeltnisse des Raums und der Zeit in der Bewegung des Fallens u.s.f. +, welche sie haeufig gibt, fuer Beweise gegeben und angenommen werden, +ist selbst nur ein Beweis, wie gross das Beduerfnis des Beweisens fuer +das Erkennen ist, weil es, wo es nicht mehr hat, auch den leeren +Schein desselben achtet und eine Zufriedenheit dadurch gewinnt. Eine +Kritik jener Beweise wuerde ebenso merkwuerdig als belehrend sein, um +die Mathematik teils von diesem falschen Putze zu reinigen, teils +ihre Grenze zu zeigen, und daraus die Notwendigkeit eines andern +Wissens.--Was die _Zeit_ betrifft, von der man meinen sollte, dass sie, +zum Gegenstuecke gegen den Raum, den Stoff des andern Teils der +reinen Mathematik ausmachen wuerde, so ist sie der daseiende Begriff +selbst. Das Prinzip der _Groesse_, des begrifflosen Unterschiedes, und +das Prinzip der _Gleichheit_, der abstrakten unlebendigen Einheit, +vermag es nicht, sich mit jener reinen Unruhe des Lebens und +absoluten Unterscheidung zu befassen. Diese Negativitaet wird daher +nur als paralysiert, naemlich als das _Eins_, zum zweiten Stoffe +dieses Erkennens, das, ein aeusserliches Tun, das Sichselbstbewegende +zum Stoffe herabsetzt, um nun an ihm einen gleichgueltigen, +aeusserlichen unlebendigen Inhalt zu haben. + +Die Philosophie dagegen betrachtet nicht _unwesentliche_ Bestimmung, +sondern sie, insofern sie wesentliche ist; nicht das Abstrakte oder +Unwirkliche ist ihr Element und Inhalt, sondern das _Wirkliche_, sich +selbst Setzende und in sich Lebende, das Dasein in seinem Begriffe. +Es ist der Prozess, der sich seine Momente erzeugt und durchlaeuft, und +diese ganze Bewegung macht das Positive und seine Wahrheit aus. +Diese schliesst also ebensosehr das Negative in sich, dasjenige, was +das Falsche genannt werden wuerde, wenn es als ein solches betrachtet +werden koennte, von dem zu abstrahieren sei. Das Verschwindende ist +vielmehr selbst als wesentlich zu betrachten, nicht in der Bestimmung +eines Festen, das vom Wahren abgeschnitten, ausser ihm, man weiss nicht +wo, liegenzulassen sei, sowie auch das Wahre nicht als das auf der +andern Seite ruhende, tote Positive. Die Erscheinung ist das +Entstehen und Vergehen, das selbst nicht entsteht und vergeht, +sondern an sich ist, und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der +Wahrheit ausmacht. Das Wahre ist so der bacchantische Taumel, an dem +kein Glied nicht trunken ist, und weil jedes, indem es sich absondert, +ebenso unmittelbar aufloest,--ist er ebenso die durchsichtige und +einfache Ruhe. In dem Gerichte jener Bewegung bestehen zwar die +einzelnen Gestalten des Geistes wie die bestimmten Gedanken nicht, +aber sie sind so sehr auch positive notwendige Momente, als sie +negativ und verschwindend sind.--In dem _Ganzen_ der Bewegung, es als +Ruhe aufgefasst, ist dasjenige, was sich in ihr unterscheidet und +besonderes Dasein gibt, als ein solches, das sich _erinnert_, +aufbewahrt, dessen Dasein das Wissen von sich selbst ist, wie dieses +ebenso unmittelbar Dasein ist. + +Von der _Methode_ dieser Bewegung oder der Wissenschaft koennte es +noetig scheinen, voraus das Mehrere anzugeben. Ihr Begriff liegt aber +schon in dem Gesagten, und ihre eigentliche Darstellung gehoert der +Logik an oder ist vielmehr diese selbst. Denn die Methode ist nichts +anderes als der Bau des Ganzen in seiner reinen Wesenheit aufgestellt. +Von dem hierueber bisher Gangbaren aber muessen wir das Bewusstsein +haben, dass auch das System der sich auf das, was philosophische +Methode ist, beziehenden Vorstellungen einer verschollenen Bildung +angehoert.--Wenn dies etwa renommistisch oder revolutionaer lauten +sollte, von welchem Tone ich mich entfernt weiss, so ist zu bedenken, +dass der wissenschaftliche Staat, den die Mathematik herlieh--von +Erklaerungen, Einteilungen, Axiomen, Reihen von Theoremen, ihren +Beweisen, Grundsaetzen und dem Folgern und Schliessen aus ihnen--, +schon in der Meinung selbst wenigstens _veraltet_ ist. Wenn auch +seine Untauglichkeit nicht deutlich eingesehen wird, so wird doch +kein oder wenig Gebrauch mehr davon gemacht, und wenn er nicht an +sich gemissbilligt wird, doch nicht geliebt. Und wir muessen das +Vorurteil fuer das Vortreffliche haben, dass es sich in den Gebrauch +setze und beliebt mache. Es ist aber nicht schwer einzusehen, dass +die Manier, einen Satz aufzustellen, Gruende fuer ihn anzufuehren und +den entgegengesetzten durch Gruende ebenso zu widerlegen, nicht die +Form ist, in der die Wahrheit auftreten kann. Die Wahrheit ist die +Bewegung ihrer an ihr selbst, jene Methode aber ist das Erkennen, das +dem Stoffe aeusserlich ist. Darum ist sie der Mathematik, die, wie +bemerkt, das begriffslose Verhaeltnis der Groesse zu ihrem Prinzip und +den toten Raum wie das ebenso tote Eins zu ihrem Stoffe hat, +eigentuemlich und muss ihr gelassen werden. Auch mag sie in freierer +Manier, das heisst, mehr mit Willkuer und Zufaelligkeit gemischt, im +gemeinen Leben, in einer Konversation oder historischen Belehrung +mehr der Neugierde als der Erkenntnis, wie ungefaehr auch eine Vorrede +ist, bleiben. Im gemeinen Leben hat das Bewusstsein Kenntnisse, +Erfahrungen, sinnliche Konkretionen, auch Gedanken, Grundsaetze, +ueberhaupt solches zu seinem Inhalte, das als ein Vorhandenes oder als +ein festes ruhendes Sein oder Wesen gilt. Es laeuft teils daran fort, +teils unterbricht es den Zusammenhang durch die freie Willkuer ueber +solchen Inhalt, und verhaelt sich als ein aeusserliches Bestimmen und +Handhaben desselben. Es fuehrt ihn auf irgend etwas Gewisses, sei es +auch nur die Empfindung des Augenblicks, zurueck, und die Ueberzeugung +ist befriedigt, wenn sie auf einem ihr bekannten Ruhepunkte angelangt +ist. + +Wenn aber die Notwendigkeit des Begriffs den losern Gang der +raesonierenden Konversation wie den steifern des wissenschaftlichen +Gepraenges verbannt, so ist schon oben erinnert worden, dass seine +Stelle nicht durch die Unmethode des Ahndens und der Begeisterung und +die Willkuer des prophetischen Redens ersetzt werden soll, welches +nicht jene Wissenschaftlichkeit nur, sondern die Wissenschaftlichkeit +ueberhaupt verachtet. + +Ebensowenig ist--nachdem die Kantische, noch erst durch den Instinkt +wiedergefundne, noch tote, noch unbegriffne _Triplizitaet_ zu ihrer +absoluten Bedeutung erhoben, damit die wahrhafte Form in ihrem +wahrhaften Inhalte zugleich aufgestellt und der Begriff der +Wissenschaft hervorgegangen ist--derjenige Gebrauch dieser Form fuer +etwas Wissenschaftliches zu halten, durch den wir sie zum leblosen +Schema, zu einem eigentlichen Scheinen, und die wissenschaftliche +Organisation zur Tabelle herabgebracht sehen.--Dieser Formalismus, +von dem oben schon im allgemeinen gesprochen, und dessen Manier wir +hier naeher angeben wollen, meint die Natur und das Leben einer +Gestalt begriffen und ausgesprochen zu haben, wenn er von ihr eine +Bestimmung des Schemas als Praedikat ausgesagt--es sei die +Subjektivitaet oder Objektivitaet, oder auch der Magnetismus, die +Elektrizitaet und so fort, die Kontraktion oder Expansion, der Osten +oder Westen und dergleichen, was sich ins Unendliche vervielfaeltigen +laesst, weil nach dieser Weise jede Bestimmung oder Gestalt bei der +andern wieder als Form oder Moment des Schemas gebraucht werden und +jede dankbar der andern denselben Dienst leisten kann;--ein Zirkel +von Gegenseitigkeit, wodurch man nicht erfaehrt, was die Sache selbst, +weder was die eine noch die andre ist. Es werden dabei teils +sinnliche Bestimmungen aus der gemeinen Anschauung aufgenommen, die +freilich etwas anderes _bedeuten_ sollen, als sie sagen, teils wird +das an sich bedeutende, die reinen Bestimmungen des Gedankens, wie +Subjekt, Objekt, Substanz, Ursache, das Allgemeine u.s.f. gerade so +unbesehen und unkritisch gebraucht wie im gemeinen Leben und wie +Staerken und Schwaechen, Expansion und Kontraktion; so dass jene +Metaphysik so unwissenschaftlich ist als diese sinnlichen +Vorstellungen. + +Statt des innern Lebens und der Selbstbewegung seines Daseins wird +nun eine solche einfache Bestimmtheit von der Anschauung, das heisst +hier dem sinnlichen Wissen, nach einer oberflaechlichen Analogie +ausgesprochen und diese aeusserliche und leere Anwendung der Formel die +_Konstruktion_ genannt.--Es ist mit solchem Formalismus derselbe Fall +als mit jedem. Wie stumpf muesste der Kopf sein, dem nicht in einer +Viertelstunde die Theorie, dass es asthenische, sthenische und +indirekt asthenische Krankheiten und ebenso viele Heilplane gebe, +beigebracht, und der nicht, da ein solcher Unterricht noch vor kurzem +dazu hinreichte, aus einem Routinier in dieser kleinen Zeit in einen +theoretischen Arzt verwandelt werden koennte? Wenn der +naturphilosophische Formalismus etwa lehrt, der Verstand sei die +Elektrizitaet oder das Tier sei der Stickstoff, oder auch _gleich_ dem +Sued oder Nord und so fort, oder repraesentiere ihn, so nackt, wie es +hier ausgedrueckt ist, oder auch mit mehr Terminologie zusammengebraut, +so mag ueber solche Kraft, die das weit entlegen Scheinende +zusammengreift, und ueber die Gewalt, die das ruhende Sinnliche durch +diese Verbindung erleidet, und die ihm dadurch den Schein eines +Begriffes erteilt, die Hauptsache aber, den Begriff selbst oder die +Bedeutung der sinnlichen Vorstellung auszusprechen erspart--es mag +hierueber die Unerfahrenheit in ein bewunderndes Staunen geraten, +darin eine tiefe Genialitaet verehren; sowie an der Heiterkeit solcher +Bestimmungen, da sie den abstrakten Begriff durch Anschauliches +ersetzen und erfreulicher machen, sich ergoetzen und sich selbst zu +der geahndeten Seelenverwandtschaft mit solchem herrlichem Tun Glueck +wuenschen. Der Pfiff einer solchen Weisheit ist so bald erlernt, als +es leicht ist, ihn auszuueben; seine Wiederholung wird, wenn er +bekannt ist, so unertraeglich als die Wiederholung einer eingesehenen +Taschenspielerkunst. Das Instrument dieses gleichtoenigen Formalismus +ist nicht schwerer zu handhaben als die Palette eines Malers, auf der +sich nur zwei Farben befinden wuerden, etwa Rot und Gruen, um mit jener +eine Flaeche anzufaerben, wenn ein historisches Stueck, mit dieser, wenn +eine Landschaft verlangt waere.--Es wuerde schwer zu entscheiden sein, +was dabei groesser ist, die Behaglichkeit, mit der alles, was im Himmel, +auf Erden und unter der Erden ist, mit solcher Farbenbruehe +angetuencht wird, oder die Einbildung auf die Vortrefflichkeit dieses +Universalmittels; die eine unterstuetzt die andere. Was diese Methode, +allem Himmlischen und Irdischen, allen natuerlichen und geistigen +Gestalten die paar Bestimmungen des allgemeinen Schemas aufzukleben +und auf diese Weise alles einzurangieren, hervorbringt, ist nichts +Geringeres als ein sonnenklarer Bericht ueber den Organismus des +Universums, naemlich eine Tabelle, die einem Skelette mit angeklebten +Zettelchen oder den Reihen verschlossner Buechsen mit ihren +aufgehefteten Etiketten in einer Gewuerzkraemerbude gleicht, die so +deutlich als das eine und das andre ist, und wie dort von den Knochen +Fleisch und Blut weggenommen, hier aber die eben auch nicht lebendige +Sache in den Buechsen verborgen ist, auch das lebendige Wesen der +Sache weggelassen oder verborgen hat.--Dass sich diese Manier zugleich +zur einfarbigen absoluten Malerei vollendet, indem sie auch, der +Unterschiede des Schemas sich schaemend, sie als der Reflexion +angehoerig in der Leerheit des Absoluten versenkt, auf dass die reine +Identitaet, das formlose Weisse hergestellt werde, ist oben schon +bemerkt worden. Jene Gleichfaerbigkeit des Schemas und seiner +leblosen Bestimmungen und diese absolute Identitaet, und das Uebergehen +von einem zum andern, ist eines gleich toter Verstand als das andere, +und gleich aeusserliches Erkennen. + +Das Vortreffliche kann aber dem Schicksale nicht nur nicht entgehen, +so entlebt und entgeistet zu werden und, so geschunden, seine Haut +vom leblosen Wissen und dessen Eitelkeit umgenommen zu sehen. +Vielmehr ist noch in diesem Schicksale selbst die Gewalt, welche es +auf die Gemueter, wenn nicht auf Geister, ausuebt, zu erkennen, so wie +die Herausbildung zur Allgemeinheit und Bestimmtheit der Form, in der +seine Vollendung besteht, und die es allein moeglich macht, dass diese +Allgemeinheit zur Oberflaechlichkeit gebraucht wird. + +Die Wissenschaft darf sich nur durch das eigne Leben des Begriffs +organisieren; in ihr ist die Bestimmtheit, welche aus dem Schema +aeusserlich dem Dasein aufgeklebt wird, die sich selbst bewegende Seele +des erfuellten Inhalts. Die Bewegung des Seienden ist, sich +einesteils ein Anders und so zu seinem immanenten Inhalte zu werden; +andernteils nimmt es diese Entfaltung oder dies sein Dasein in sich +zurueck, das heisst, macht sich selbst zu einem _Momente_ und +vereinfacht sich zur Bestimmtheit. In jener Bewegung ist die +_Negativitaet_ das Unterscheiden und das Setzen des _Daseins_; in +diesem Zurueckgehen in sich ist sie das Werden der _bestimmten +Einfachheit_. Auf diese Weise ist es, dass der Inhalt seine +Bestimmtheit nicht von einem andern empfangen und aufgeheftet zeigt, +sondern er gibt sie sich selbst und rangiert sich aus sich zum +Momente und zu einer Stelle des Ganzen. Der tabellarische Verstand +behaelt fuer sich die Notwendigkeit und den Begriff des Inhalts, das, +was das Konkrete, die Wirklichkeit und lebendige Bewegung der Sache +ausmacht, die er rangiert, oder vielmehr behaelt er dies nicht fuer +sich, sondern kennt es nicht; denn wenn er diese Einsicht haette, +wuerde er sie wohl zeigen. Er kennt nicht einmal das Beduerfnis +derselben; sonst wuerde er sein Schematisieren unterlassen oder +wenigstens sich nicht mehr damit wissen als mit einer Inhaltsanzeige; +er gibt nur die Inhaltsanzeige, den Inhalt selbst aber liefert er +nicht.--Wenn die Bestimmtheit, auch eine solche wie zum Beispiel +Magnetismus, eine an sich konkrete oder wirkliche ist, so ist sie +doch zu etwas Totem herabgesunken, da sie von einem andern Dasein nur +praediziert und nicht als immanentes Leben dieses Daseins, oder wie +sie in diesem ihre einheimische und eigentuemliche Selbsterzeugung und +Darstellung hat, erkannt ist. Diese Hauptsache hinzuzufuegen ueberlaesst +der formelle Verstand den Andern.--Statt in den immanenten Inhalt der +Sache einzugehen, uebersieht er immer das Ganze und steht ueber dem +einzelnen Dasein, von dem er spricht, das heisst, er sieht es gar +nicht. Das wissenschaftliche Erkennen erfodert aber vielmehr, sich +dem Leben des Gegenstandes zu uebergeben, oder, was dasselbe ist, die +innere Notwendigkeit desselben vor sich zu haben und auszusprechen. +Sich so in seinen Gegenstand vertiefend, vergisst es jener Uebersicht, +welche nur die Reflexion des Wissens aus dem Inhalte in sich selbst +ist. Aber in die Materie versenkt und in deren Bewegung fortgehend, +kommt es in sich selbst zurueck, aber nicht eher als darin, dass die +Erfuellung oder der Inhalt sich in sich zuruecknimmt, zur Bestimmtheit +vereinfacht, sich selbst zu _einer_ Seite eines Daseins herabsetzt +und in seine hoehere Wahrheit uebergeht. Dadurch emergiert das +einfache sich uebersehende Ganze selbst aus dem Reichtume, worin seine +Reflexion verloren schien. + +Dadurch ueberhaupt, dass, wie es oben ausgedrueckt wurde, die Substanz +an ihr selbst Subjekt ist, ist aller Inhalt seine eigene Reflexion in +sich. Das Bestehen oder die Substanz eines Daseins ist die +Sichselbstgleichheit; denn seine Ungleichheit mit sich waere seine +Aufloesung. Die Sichselbstgleichheit aber ist die reine Abstraktion; +diese aber ist das _Denken_. Wenn ich sage _Qualitaet_, sage ich die +einfache Bestimmtheit; durch die Qualitaet ist ein Dasein von einem +andern unterschieden, oder ist ein Dasein; es ist fuer sich selbst, +oder es besteht durch diese Einfachheit mit sich. Aber dadurch ist +es wesentlich der _Gedanke_.--Hierin ist es begriffen, dass das Sein +Denken ist; hierein faellt die Einsicht, die dem gewoehnlichen +begrifflosen Sprechen von der Identitaet des Denkens und Seins +abzugehen pflegt.--Dadurch nun, dass das Bestehen des Daseins die +Sichselbstgleichheit oder die reine Abstraktion ist, ist es die +Abstraktion seiner von sich selbst, oder es ist selbst seine +Ungleichheit mit sich und seine Aufloesung,--seine eigne Innerlichkeit +und Zuruecknahme in sich,--sein Werden.--Durch diese Natur des +Seienden und insofern das Seiende diese Natur fuer das Wissen hat, ist +dieses nicht die Taetigkeit, die den Inhalt als ein Fremdes handhabt, +nicht die Reflexion in sich aus dem Inhalte heraus; die Wissenschaft +ist nicht jener Idealismus, der an die Stelle des _behauptenden_ +Dogmatismus als ein _versichernder Dogmatismus_ oder der +_Dogmatismus_ der _Gewissheit seiner selbst_ trat,--sondern indem das +Wissen den Inhalt in seine eigne Innerlichkeit zurueckgehen sieht, ist +seine Taetigkeit vielmehr sowohl versenkt in ihn, denn sie ist das +immanente Selbst des Inhalts, als zugleich in sich zurueckgekehrt, +denn sie ist die reine Sichselbstgleichheit im Anderssein; so ist sie +die List, die, der Taetigkeit sich zu enthalten scheinend, zusieht, +wie die Bestimmtheit und ihr konkretes Leben, darin eben, dass es +seine Selbsterhaltung und besonderes Interesse zu treiben vermeint, +das Verkehrte, sich selbst aufloesendes und zum Momente des Ganzen +machendes Tun ist. + +Wenn oben die Bedeutung des _Verstandes_ nach der Seite des +Selbstbewusstseins der Substanz angegeben wurde, so erhellt aus dem +hier Gesagten seine Bedeutung nach der Bestimmung derselben als +Seiender.--Das Dasein ist Qualitaet, sich selbst gleiche Bestimmtheit +oder bestimmte Einfachheit, bestimmter Gedanke; dies ist der Verstand +des Daseins. Dadurch ist es *Nus*, als fuer welchen Anaxagoras zuerst +das Wesen erkannte. Die nach ihm begriffen bestimmter die Natur des +Daseins als *Eidos* oder *Idea*; das heisst, _bestimmte Allgemeinheit, +Art_. Der Ausdruck _Art_ scheint etwa zu gemein und zu wenig fuer die +Ideen, fuer das Schoene und Heilige und Ewige zu sein, die zu dieser +Zeit grassieren. Aber in der Tat drueckt die Idee nicht mehr noch +weniger aus als Art. Allein wir sehen itzt oft einen Ausdruck, der +einen Begriff bestimmt bezeichnet, verschmaeht und einen andern +vorgezogen, der, wenn es auch nur darum ist, weil er einer fremden +Sprache angehoert, den Begriff in Nebel einhuellt und damit erbaulicher +lautet.--Eben darin, dass das Dasein als Art bestimmt ist, ist es +einfacher Gedanke; der *Nus*, die Einfachheit, ist die Substanz. Um +ihrer Einfachheit oder Sichselbstgleichheit willen erscheint sie als +fest und bleibend. Aber diese Sichselbstgleichheit ist ebenso +Negativitaet; dadurch geht jenes feste Dasein in seine Aufloesung ueber. +Die Bestimmtheit scheint zuerst es nur dadurch zu sein, dass sie sich +auf _Andres_ bezieht, und ihre Bewegung ihr durch eine fremde Gewalt +angetan zu werden; aber dass sie ihr Anderssein selbst an ihr hat und +Selbstbewegung ist, dies ist eben in jener _Einfachheit_ des Denkens +selbst enthalten; denn diese ist der sich selbst bewegende und +unterscheidende Gedanke, und die eigene Innerlichkeit, der reine +_Begriff_. So ist also die _Verstaendigkeit_ ein Werden, und als dies +Werden ist sie die _Vernuenftigkeit_. + +In dieser Natur dessen, was ist, in seinem Sein sein Begriff zu sein, +ist es, dass ueberhaupt die _logische Notwendigkeit_ besteht; sie +allein ist das Vernuenftige und der Rhythmus des organischen Ganzen, +sie ist ebensosehr _Wissen_ des Inhalts, als der Inhalt Begriff und +Wesen ist--oder sie allein ist das _Spekulative_.--Die konkrete +Gestalt, sich selbst bewegend, macht sich zur einfachen Bestimmtheit, +damit erhebt sie sich zur logischen Form und ist in ihrer +Wesentlichkeit; ihr konkretes Dasein ist nur diese Bewegung und ist +unmittelbar logisches Dasein. Es ist darum unnoetig, dem konkreten +Inhalt den Formalismus aeusserlich anzutun; jener ist an ihm selbst das +Uebergehen in diesen, der aber aufhoert, dieser aeusserliche Formalismus +zu sein, weil die Form das einheimische Werden des konkreten Inhalts +selbst ist. + +Diese Natur der wissenschaftlichen Methode, teils von dem Inhalte +ungetrennt zu sein, teils sich durch sich selbst ihren Rhythmus zu +bestimmen, hat, wie schon erinnert, in der spekulativen Philosophie +ihre eigentliche Darstellung.--Das hier Gesagte drueckt zwar den +Begriff aus, kann aber fuer nicht mehr als fuer eine antizipierte +Versicherung gelten. Ihre Wahrheit liegt nicht in dieser zum Teil +erzaehlenden Exposition; und ist darum auch ebensowenig widerlegt, +wenn dagegen versichert wird, dem sei nicht so, sondern es verhalte +sich damit so und so, wenn gewohnte Vorstellungen als ausgemachte und +bekannte Wahrheiten in Erinnrung gebracht und hererzaehlt, oder auch +aus dem Schreine des innern goettlichen Anschauens Neues aufgetischt +und versichert wird.--Eine solche Aufnahme pflegt die erste Reaktion +des Wissens, dem etwas unbekannt war, dagegen zu sein, um die +Freiheit und eigne Einsicht, die eigne Autoritaet gegen die fremde, +denn unter dieser Gestalt erscheint das itzt zuerst Aufgenommene, zu +retten--auch um den Schein und die Art von Schande, die darin liegen +soll, dass etwas gelernt worden sei, wegzuschaffen, so wie bei der +Beifall gebenden Annahme des Unbekannten die Reaktion derselben Art +in dem besteht, was in einer andren Sphaere das ultrarevolutionaere +Reden und Handeln war. + +Worauf es deswegen bei dem _Studium_ der _Wissenschaft_ ankommt, ist +die Anstrengung des Begriffs auf sich zu nehmen. Sie erfodert die +Aufmerksamkeit auf ihn als solchen, auf die einfachen Bestimmungen, +zum Beispiel des _An-sich-seins_, des _Fuer-sich-seins_, der +_Sichselbstgleichheit_ und so fort; denn diese sind solche reine +Selbstbewegungen, die man Seelen nennen koennte, wenn nicht ihr +Begriff etwas Hoeheres bezeichnete als diese. Der Gewohnheit, an +Vorstellungen fortzulaufen, ist die Unterbrechung derselben durch den +Begriff ebenso laestig als dem formalen Denken, das in unwirklichen +Gedanken hin und her raesoniert. Jene Gewohnheit ist ein materielles +Denken zu nennen, ein zufaelliges Bewusstsein, das in den Stoff nur +versenkt ist, welchem es daher sauer ankoemmt, aus der Materie +zugleich sein Selbst rein herauszuheben und bei sich zu sein. Das +andere, das Raesonieren, hingegen ist die Freiheit von dem Inhalt und +die Eitelkeit ueber ihn; ihr wird die Anstrengung zugemutet, diese +Freiheit aufzugeben, und statt das willkuerlich bewegende Prinzip des +Inhalts zu sein, diese Freiheit in ihn zu versenken, ihn durch seine +eigne Natur, das heisst, durch das Selbst als das seinige, sich +bewegen zu lassen und diese Bewegung zu betrachten. Sich des eignen +Einfallens in den immanenten Rhythmus der Begriffe entschlagen, in +ihn nicht durch die Willkuer und sonst erworbene Weisheit eingreifen, +diese Enthaltsamkeit ist selbst ein wesentliches Moment der +Aufmerksamkeit auf den Begriff. + +Es sind an dem raesonierenden Verhalten die beiden Seiten bemerklicher +zu machen, nach welchen das begreifende Denken ihm entgegengesetzt +ist.--Teils verhaelt sich jenes negativ gegen den aufgefassten Inhalt, +weiss ihn zu widerlegen und zunichte zu machen. Dass dem nicht so sei, +diese Einsicht ist das bloss _Negative_, es ist das Letzte, das nicht +selbst ueber sich hinaus zu einem neuen Inhalt geht, sondern um wieder +einen Inhalt zu haben, muss etwas *Anderes* irgendwoher vorgenommen +werden. Es ist die Reflexion in das leere Ich, die Eitelkeit seines +Wissens.--Diese Eitelkeit drueckt aber nicht nur dies aus, dass dieser +Inhalt eitel, sondern auch, dass diese Einsicht selbst es ist; denn +sie ist das Negative, das nicht das Positive in sich erblickt. +Dadurch, dass diese Reflexion ihre Negativitaet selbst nicht zum +Inhalte gewinnt, ist sie ueberhaupt nicht in der Sache, sondern immer +darueber hinaus; sie bildet sich deswegen ein, mit der Behauptung der +Leere immer weiter zu sein als eine inhaltsreiche Einsicht. Dagegen, +wie vorhin gezeigt, gehoert im begreifenden Denken das Negative dem +Inhalte selbst an und ist sowohl als seine _immanente_ Bewegung und +Bestimmung wie als _Ganzes_ derselben das _Positive_. Als Resultat +aufgefasst, ist es das aus dieser Bewegung herkommende, das +_bestimmte_ Negative, und hiemit ebenso ein positiver Inhalt. + +In Ansehung dessen aber, dass solches Denken einen Inhalt hat, es sei +der Vorstellungen oder Gedanken oder der Vermischung beider, hat es +eine andre Seite, die ihm das Begreifen erschwert. Die merkwuerdige +Natur derselben haengt mit dem oben angegebenen Wesen der Idee selbst +enge zusammen, oder drueckt sie vielmehr aus, wie sie als die Bewegung +erscheint, die denkendes Auffassen ist.--Wie naemlich in seinem +negativen Verhalten, wovon soeben die Rede war, das raesonierende +Denken selber das Selbst ist, in das der Inhalt zurueckgeht, so ist +dagegen in seinem positiven Erkennen das Selbst ein vorgestelltes +_Subjekt_, worauf sich der Inhalt als Akzidens und Praedikat bezieht. +Dies Subjekt macht die Basis aus, an die er geknuepft wird und auf der +die Bewegung hin und wider laeuft. Anders verhaelt es sich im +begreifenden Denken. Indem der Begriff das eigene Selbst des +Gegenstandes ist, das sich als _sein Werden_ darstellt, ist es nicht +ein ruhendes Subjekt, das unbewegt die Akzidenzen traegt, sondern der +sich bewegende und seine Bestimmungen in sich zuruecknehmende Begriff. +In dieser Bewegung geht jenes ruhende Subjekt selbst zugrunde; es +geht in die Unterschiede und Inhalt ein und macht vielmehr die +Bestimmtheit, das heisst, den unterschiednen Inhalt wie die Bewegung +desselben aus, statt ihr gegenueberstehen zu bleiben. Der feste Boden, +den das Raesonieren an dem ruhenden Subjekte hat, schwankt also, und +nur diese Bewegung selbst wird der Gegenstand. Das Subjekt, das +seinen Inhalt erfuellt, hoert auf, ueber diesen hinauszugehen, und kann +nicht noch andre Praedikate oder Akzidenzen haben. Die Zerstreutheit +des Inhalts ist umgekehrt dadurch unter das Selbst gebunden; er ist +nicht das Allgemeine, das frei vom Subjekte mehrern zukaeme. Der +Inhalt ist somit in der Tat nicht mehr Praedikat des Subjekts, sondern +ist die Substanz, ist das Wesen und der Begriff dessen, wovon die +Rede ist. Das vorstellende Denken, da seine Natur ist, an den +Akzidenzen oder Praedikaten fortzulaufen, und mit Recht, weil sie +nicht mehr als Praedikate und Akzidenzen sind, ueber sie hinauszugehen, +wird, indem das, was im Satze die Form eines Praedikats hat, die +Substanz selbst ist, in seinem Fortlaufen gehemmt. Es erleidet, es +so vorzustellen, einen Gegenstoss. Vom Subjekte anfangend, als ob +dieses zum Grunde liegen bliebe, findet es, indem das Praedikat +vielmehr die Substanz ist, das Subjekt zum Praedikat uebergegangen und +hiemit aufgehoben; und indem so das, was Praedikat zu sein scheint, +zur ganzen und selbststaendigen Masse geworden, kann das Denken nicht +frei herumirren, sondern ist durch diese Schwere aufgehalten.--Sonst +ist zuerst das Subjekt als das _gegenstaendliche_ fixe Selbst zugrunde +gelegt; von hier aus geht die notwendige Bewegung zur +Mannigfaltigkeit der Bestimmungen oder der Praedikate fort; hier tritt +an die Stelle jenes Subjekts das wissende Ich selbst ein, und ist das +Verknuepfen der Praedikate und das sie haltende Subjekt. Indem aber +jenes erste Subjekt in die Bestimmungen selbst eingeht und ihre Seele +ist, findet das zweite Subjekt, naemlich das wissende, jenes, mit dem +es schon fertig sein und worueber hinaus es in sich zurueckgehen will, +noch im Praedikate vor, und statt in dem Bewegen des Praedikats das +Tuende, als Raesonieren, ob jenem dies oder jenes Praedikat beizulegen +waere, sein zu koennen, hat es vielmehr mit dem Selbst des Inhalts noch +zu tun, soll nicht fuer sich, sondern mit diesem zusammensein. + +Formell kann das Gesagte so ausgedrueckt werden, dass die Natur des +Urteils oder Satzes ueberhaupt, die den Unterschied des Subjekts und +Praedikats in sich schliesst, durch den spekulativen Satz zerstoert wird, +und der identische Satz, zu dem der erstere wird, den Gegenstoss zu +jenem Verhaeltnisse enthaelt.--Dieser Konflikt der Form eines Satzes +ueberhaupt und der sie zerstoerenden Einheit des Begriffs ist dem +aehnlich, der im Rhythmus zwischen dem Metrum und dem Akzente +stattfindet. Der Rhythmus resultiert aus der schwebenden Mitte und +Vereinigung beider. So soll auch im philosophischen Satze die +Identitaet des Subjekts und Praedikats den Unterschied derselben, den +die Form des Satzes ausdrueckt, nicht vernichten, sondern ihre Einheit +als eine Harmonie hervorgehen. Die Form des Satzes ist die +Erscheinung des bestimmten Sinnes oder der Akzent, der seine +Erfuellung unterscheidet; dass aber das Praedikat die Substanz ausdrueckt +und das Subjekt selbst ins Allgemeine faellt, ist die _Einheit_, worin +jener Akzent verklingt. + +Um das Gesagte durch Beispiele zu erlaeutern, so ist in dem Satz: +_Gott ist das Sein_, das Praedikat _das_ Sein; es hat substantielle +Bedeutung, in der das Subjekt zerfliesst. Sein soll hier nicht +Praedikat, sondern das Wesen sein; dadurch scheint Gott aufzuhoeren, +das zu sein, was er durch die Stellung des Satzes ist, naemlich das +feste Subjekt.--Das Denken, statt im Uebergange vom Subjekte zum +Praedikate weiterzukommen, fuehlt sich, da das Subjekt verlorengeht, +vielmehr gehemmt und zu dem Gedanken des Subjekts, weil es dasselbe +vermisst, zurueckgeworfen; oder es findet, da das Praedikat selbst als +ein Subjekt, als _das_ Sein, als das _Wesen_ ausgesprochen ist, +welches die Natur des Subjekts erschoepft, das Subjekt unmittelbar +auch im Praedikate; und nun, statt dass es im Praedikate in sich +gegangen die freie Stellung des Raesonierens erhielte, ist es in den +Inhalt noch vertieft, oder wenigstens ist die Foderung vorhanden, in +ihn vertieft zu sein.--So auch wenn gesagt wird: das _Wirkliche_ ist +das _Allgemeine_, so vergeht das Wirkliche als Subjekt, in seinem +Praedikate. Das Allgemeine soll nicht nur die Bedeutung des Praedikats +haben, so dass der Satz dies aussagte, das Wirkliche sei allgemein, +sondern das Allgemeine soll das Wesen des Wirklichen ausdruecken.--Das +Denken verliert daher so sehr seinen festen gegenstaendlichen Boden, +den es am Subjekte hatte, als es im Praedikate darauf zurueckgeworfen +wird, und in diesem nicht in sich, sondern in das Subjekt des Inhalts +zurueckgeht. + + + +Einleitung + +Es ist eine natuerliche Vorstellung, dass, eh in der Philosophie an die +Sache selbst, naemlich an das wirkliche Erkennen dessen, was in +Wahrheit ist, gegangen wird, es notwendig sei, vorher ueber das +Erkennen sich zu verstaendigen, das als das Werkzeug, wodurch man des +Absoluten sich bemaechtige, oder als das Mittel, durch welches +hindurch man es erblicke, betrachtet wird. Die Besorgnis scheint +gerecht, teils dass es verschiedene Arten der Erkenntnis geben, und +darunter eine geschickter als eine andere zur Erreichung dieses +Endzwecks sein moechte, hiemit durch falsche Wahl unter ihnen,--teils +auch dass, indem das Erkennen ein Vermoegen von bestimmter Art und +Umfange ist, ohne die genauere Bestimmung seiner Natur und Grenze +Wolken des Irrtums statt des Himmels der Wahrheit erfasst werden. +Diese Besorgnis muss sich wohl sogar in die Ueberzeugung verwandeln, +dass das ganze Beginnen, dasjenige, was An-sich ist, durch das +Erkennen dem Bewusstsein zu erwerben, in seinem Begriffe widersinnig +sei, und zwischen das Erkennen und das Absolute eine sie schlechthin +scheidende Grenze falle. Denn ist das Erkennen das Werkzeug, sich +des absoluten Wesens zu bemaechtigen, so faellt sogleich auf, dass die +Anwendung eines Werkzeugs auf eine Sache sie vielmehr nicht laesst, wie +sie fuer sich ist, sondern eine Formierung und Veraenderung mit ihr +vornimmt. Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Taetigkeit, +sondern gewissermassen ein passives Medium, durch welches hindurch das +Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht, +wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist. Wir +gebrauchen in beiden Faellen ein Mittel, welches unmittelbar das +Gegenteil seines Zwecks hervorbringt; oder das Widersinnige ist +vielmehr, dass wir uns ueberhaupt eines Mittels bedienen. Es scheint +zwar, dass diesem Uebelstande durch die Kenntnis der Wirkungsweise des +_Werkzeugs_ abzuhelfen steht, denn sie macht es moeglich, den Teil, +welcher in der Vorstellung, die wir durch es vom Absoluten erhalten, +dem Werkzeuge angehoert, im Resultate abzuziehen, und so das Wahre +rein zu erhalten. Allein, diese Verbesserung wuerde uns in der Tat +nur dahin zurueckbringen, wo wir vorher waren. Wenn wir von einem +formierten Dinge das wieder wegnehmen, was das Werkzeug daran getan +hat, so ist uns das Ding--hier das Absolute--gerade wieder so viel +als vor dieser somit ueberfluessiger Bemuehung. Sollte das Absolute +durch das Werkzeug uns nur ueberhaupt naeher gebracht werden, ohne +etwas an ihm zu veraendern, wie etwa durch die Leimrute der Vogel, so +wuerde es wohl, wenn es nicht an und fuer sich schon bei uns waere und +sein wollte, dieser List spotten; denn eine List waere in diesem Falle +das Erkennen, da es durch sein vielfaches Bemuehen ganz etwas anderes +zu treiben sich die Miene gibt, als nur die unmittelbare und somit +muehelose Beziehung hervorzubringen. Oder wenn die Pruefung des +Erkennens, das wir als ein _Medium_ uns vorstellen, uns das Gesetz +seiner Strahlenbrechung kennen lehrt, so nuetzt es ebenso nichts, sie +im Resultate abzuziehen; denn nicht das Brechen des Strahls, sondern +der Strahl selbst, wodurch die Wahrheit uns beruehrt, ist das Erkennen, +und dieses abgezogen, waere uns nur die reine Richtung oder der leere +Ort bezeichnet worden. + +Inzwischen wenn die Besorgnis, in Irrtum zu geraten, ein Misstrauen in +die Wissenschaft setzt, welche ohne dergleichen Bedenklichkeiten ans +Werk selbst geht und wirklich erkennt, so ist nicht abzusehen, warum +nicht umgekehrt ein Misstrauen in dies Misstrauen gesetzt und besorgt +werden soll, dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist. +In der Tat setzt sie etwas, und zwar manches, als Wahrheit voraus, +und stuetzt darauf ihre Bedenklichkeiten und Konsequenzen, was selbst +vorher zu pruefen ist, ob es Wahrheit sei. Sie setzt naemlich +_Vorstellungen_ von dem _Erkennen_ als einem _Werkzeuge_ und _Medium_, +auch einen _Unterschied unserer selbst von diesem Erkennen_ voraus; +vorzueglich aber dies, dass das Absolute _auf einer Seite_ stehe, und +_das Erkennen auf der andern Seite_ fuer sich und getrennt von dem +Absoluten doch etwas Reelles, oder hiemit, dass das Erkennen, welches, +indem es ausser dem Absoluten, wohl auch ausser der Wahrheit ist, doch +wahrhaft sei; eine Annahme, wodurch das, was sich Furcht vor dem +Irrtume nennt, sich eher als Furcht vor der Wahrheit zu erkennen gibt. + +Diese Konsequenz ergibt sich daraus, dass das Absolute allein wahr, +oder das Wahre allein absolut ist. Sie kann abgelehnt werden, durch +den Unterschied, dass ein Erkennen, welches zwar nicht, wie die +Wissenschaft will, das Absolute erkennt, doch auch wahr; und das +Erkennen ueberhaupt, wenn es dasselbe zu fassen zwar unfaehig sei, doch +anderer Wahrheit faehig sein koenne. Aber wir sehen nachgerade, dass +solches Hinundherreden auf einen trueben Unterschied zwischen einem +absoluten Wahren und einem sonstigen Wahren hinauslaeuft, und das +Absolute, das Erkennen, und so fort, Worte sind, welche eine +Bedeutung voraussetzen, um die zu erlangen es erst zu tun ist. + +Statt mit dergleichen unnuetzen Vorstellungen und Redensarten von dem +Erkennen als einem Werkzeuge, des Absoluten habhaft zu werden, oder +als einem Medium, durch das hindurch wir die Wahrheit erblicken und +so fort--Verhaeltnisse, worauf wohl alle diese Vorstellungen von einem +Erkennen, das vom Absoluten, und einem Absoluten, das von dem +Erkennen getrennt ist, hinauslaufen--, statt mit den Ausreden, welche +das Unvermoegen der Wissenschaft aus der Voraussetzung solcher +Verhaeltnisse schoepft, um von der Muehe der Wissenschaft zugleich sich +zu befreien, und zugleich sich das Ansehen eines ernsthaften und +eifrigen Bemuehens zu geben, sowie statt mit Antworten auf alles +dieses sich herumzuplacken, koennten sie als zufaellige und +willkuerliche Vorstellungen geradezu verworfen, und der damit +verbundne Gebrauch von Worten als dem Absoluten, dem Erkennen, auch +dem Objektiven und Subjektiven, und unzaehligen andern, deren +Bedeutung als allgemein bekannt vorausgesetzt wird, sogar als Betrug +angesehen werden. Denn das Vorgeben, teils dass ihre Bedeutung +allgemein bekannt ist, teils auch, dass man selbst ihren Begriff hat, +scheint eher nur die Hauptsache ersparen zu sollen, naemlich diesen +Begriff zu geben. Mit mehr Recht dagegen koennte die Muehe gespart +werden, von solchen Vorstellungen und Redensarten, wodurch die +Wissenschaft selbst abgewehrt werden soll, ueberhaupt Notiz zu nehmen, +denn sie machen nur eine leere Erscheinung des Wissens aus, welche +vor der auftretenden Wissenschaft unmittelbar verschwindet. Aber die +Wissenschaft darin, dass sie auftritt, ist sie selbst eine Erscheinung; +ihr Auftreten ist noch nicht sie in ihrer Wahrheit ausgefuehrt und +ausgebreitet. Es ist hiebei gleichgueltig, sich vorzustellen, _dass +sie_ die Erscheinung ist, weil sie _neben anderem_ auftritt, oder +jenes andere unwahre Wissen ihr Erscheinen zu nennen. Die +Wissenschaft muss sich aber von diesem Scheine befreien; und sie kann +dies nur dadurch, dass sie sich gegen ihn wendet. Denn sie kann ein +Wissen, welches nicht wahrhaft ist, weder als eine gemeine Ansicht +der Dinge nur verwerfen, und versichern, dass sie eine ganz andere +Erkenntnis und jenes Wissen fuer sie gar nichts ist; noch sich auf die +Ahndung eines bessern in ihm selbst berufen. Durch jene +_Versicherung_ erklaerte sie ihr Sein fuer ihre Kraft; aber das unwahre +Wissen beruft sich ebenso darauf, dass _es ist_, und _versichert_, dass +ihm die Wissenschaft nichts ist; _ein_ trockenes Versichern gilt aber +gerade soviel als ein anderes. Noch weniger kann sie sich auf die +bessere Ahndung berufen, welche in dem nicht wahrhaften Erkennen +vorhanden, und in ihm selbst die Hinweisung auf sie sei; denn +einesteils beriefe sie sich ebenso wieder auf ein Sein; andernteils +aber auf sich, als auf die Weise, wie sie im nicht wahrhaften +Erkennen ist, das heisst, auf eine schlechte Weise ihres Seins, und +auf ihre Erscheinung vielmehr als darauf, wie sie an und fuer sich ist. +Aus diesem Grunde soll hier die Darstellung des erscheinenden +Wissens vorgenommen werden. + +Weil nun diese Darstellung nur das erscheinende Wissen zum +Gegenstande hat, so scheint sie selbst nicht die freie, in ihrer +eigentuemlichen Gestalt sich bewegende Wissenschaft zu sein, sondern +sie kann von diesem Standpunkte aus, als der Weg des natuerlichen +Bewusstseins, das zum wahren Wissen dringt, genommen werden; oder als +der Weg der Seele, welche die Reihe ihrer Gestaltungen, als durch +ihre Natur ihr vorgesteckter Stationen, durchwandert, dass sie sich +zum Geiste laeutere, indem sie durch die vollstaendige Erfahrung ihrer +selbst zur Kenntnis desjenigen gelangt, was sie an sich selbst ist. + +Das natuerliche Bewusstsein wird sich erweisen, nur Begriff des Wissens, +oder nicht reales Wissen zu sein. Indem es aber unmittelbar sich +vielmehr fuer das reale Wissen haelt, so hat dieser Weg fuer es negative +Bedeutung, und ihm gilt das vielmehr fuer Verlust seiner selbst, was +die Realisierung des Begriffs ist; denn es verliert auf diesem Wege +seine Wahrheit. Er kann deswegen als der Weg des _Zweifels_ +angesehen werden, oder eigentlicher als Weg der Verzweiflung; auf ihm +geschieht naemlich nicht das, was unter Zweifeln verstanden zu werden +pflegt, ein Ruetteln an dieser oder jener vermeinten Wahrheit, auf +welches ein gehoeriges Wiederverschwinden des Zweifels und eine +Rueckkehr zu jener Wahrheit erfolgt, so dass am Ende die Sache genommen +wird wie vorher. Sondern er ist die bewusste Einsicht in die +Unwahrheit des erscheinenden Wissens, dem dasjenige das Reellste ist, +was in Wahrheit vielmehr nur der nichtrealisierte Begriff ist. +Dieser sich vollbringende Skeptizismus ist darum auch nicht dasjenige, +womit wohl der ernsthafte Eifer um Wahrheit und Wissenschaft sich +fuer diese fertig gemacht und ausgeruestet zu haben waehnt; naemlich mit +dem _Vorsatze_, in der Wissenschaft auf die Autoritaet sich den +Gedanken anderer nicht zu ergeben, sondern alles selbst zu pruefen und +nur der eigenen Ueberzeugung zu folgen, oder besser noch, alles selbst +zu produzieren und nur die eigne Tat fuer das Wahre zu halten. Die +Reihe seiner Gestaltungen, welche das Bewusstsein auf diesem Wege +durchlaeuft, ist vielmehr die ausfuehrliche Geschichte der _Bildung_ +des Bewusstseins selbst zur Wissenschaft. Jener Vorsatz stellt die +Bildung in der einfachen Weise des Vorsatzes als unmittelbar abgetan +und geschehen vor; dieser Weg aber ist gegen diese Unwahrheit die +wirkliche Ausfuehrung. Der eigenen Ueberzeugung folgen ist allerdings +mehr als sich der Autoritaet ergeben; aber durch die Verkehrung des +Dafuerhaltens aus Autoritaet in Dafuerhalten aus eigener Ueberzeugung ist +nicht notwendig der Inhalt desselben geaendert und an die Stelle des +Irrtums Wahrheit getreten. Auf die Autoritaet anderer oder aus +eigener Ueberzeugung im Systeme des Meinens und des Vorurteils zu +stecken, unterscheidet sich voneinander allein durch die Eitelkeit, +welche der letztern Weise beiwohnt. Der sich auf den ganzen Umfang +des erscheinenden Bewusstseins richtende Skeptizismus macht dagegen +den Geist erst geschickt zu pruefen, was Wahrheit ist, indem er eine +Verzweiflung an den sogenannten natuerlichen Vorstellungen, Gedanken +und Meinungen zustande bringt, welche es gleichgueltig ist, eigene +oder fremde zu nennen, und mit welchen das Bewusstsein, das _geradezu_ +ans Pruefen geht, noch erfuellt und behaftet, dadurch aber in der Tat +dessen unfaehig ist, was es unternehmen will. + +Die _Vollstaendigkeit_ der Formen des nicht realen Bewusstseins wird +sich durch die Notwendigkeit des Fortganges und Zusammenhanges selbst +ergeben. Um dies begreiflich zu machen, kann im allgemeinen zum +Voraus bemerkt werden, dass die Darstellung des nicht wahrhaften +Bewusstseins in seiner Unwahrheit nicht eine bloss _negative_ Bewegung +ist. Eine solche einseitige Ansicht hat das natuerliche Bewusstsein +ueberhaupt von ihr; und ein Wissen, welches diese Einseitigkeit zu +seinem Wesen macht, ist eine der Gestalten des unvollendeten +Bewusstseins, welche in den Verlauf des Weges selbst faellt, und darin +sich darbieten wird. Sie ist naemlich der Skeptizismus, der in dem +Resultate nur immer das _reine Nichts_ sieht, und davon abstrahiert, +dass dies Nichts bestimmt das Nichts _dessen_ ist, _woraus es +resultiert_. Das Nichts ist aber nur, genommen als das Nichts dessen, +woraus es herkoemmt, in der Tat das wahrhafte Resultat; es ist hiemit +selbst ein _bestimmtes_ und hat einen _Inhalt._ Der Skeptizismus, der +mit der Abstraktion des Nichts oder der Leerheit endigt, kann von +dieser nicht weiter fortgehen, sondern muss es erwarten, ob, und was +ihm etwas Neues sich darbietet, um es in denselben leeren Abgrund zu +werfen. Indem dagegen das Resultat, wie es in Wahrheit ist, +aufgefasst wird, als _bestimmte_ Negation, so ist damit unmittelbar +eine neue Form entsprungen, und in der Negation der Uebergang gemacht, +wodurch sich der Fortgang durch die vollstaendige Reihe der Gestalten +von selbst ergibt. + +Das _Ziel_ aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des +Fortganges gesteckt; es ist da, wo es nicht mehr ueber sich selbst +hinauszugehen noetig hat, wo es sich selbst findet, und der Begriff +dem Gegenstande, der Gegenstand dem Begriffe entspricht. Der +Fortgang zu diesem Ziele ist daher auch unaufhaltsam, und auf keiner +fruehern Station Befriedigung zu finden. Was auf ein natuerliches +Leben beschraenkt ist, vermag durch sich selbst nicht ueber sein +unmittelbares Dasein hinauszugehen; aber es wird durch ein anderes +darueber hinausgetrieben, und dies Hinausgerissenwerden ist sein Tod. +Das Bewusstsein aber ist fuer sich selbst sein _Begriff_, dadurch +unmittelbar das Hinausgehen ueber das Beschraenkte, und, da ihm dies +Beschraenkte angehoert, ueber sich selbst; mit dem Einzelnen ist ihm +zugleich das Jenseits gesetzt, waere es auch nur, wie im raeumlichen +Anschauen, _neben_ dem Beschraenkten. Das Bewusstsein leidet also +diese Gewalt, sich die beschraenkte Befriedigung zu verderben, von ihm +selbst. Bei dem Gefuehle dieser Gewalt mag die Angst vor der Wahrheit +wohl zuruecktreten, und sich dasjenige, dessen Verlust droht, zu +erhalten streben. Sie kann aber keine Ruhe finden; es sei, dass sie +in gedankenloser Traegheit stehenbleiben will; der Gedanke verkuemmert +die Gedankenlosigkeit, und seine Unruhe stoert die Traegheit; oder dass +sie als Empfindsamkeit sich befestigt, welche alles in _seiner Art +gut_ zu finden versichert; diese Versicherung leidet ebenso Gewalt +von der Vernunft, welche gerade darum etwas nicht gut findet, +insofern es eine Art ist. Oder die Furcht der Wahrheit mag sich vor +sich und andern hinter dem Scheine verbergen, als ob gerade der heisse +Eifer fuer die Wahrheit selbst es ihr so schwer, ja unmoeglich mache, +eine andere Wahrheit zu finden als die einzige der Eitelkeit, immer +noch gescheuter zu sein als jede Gedanken, welche man aus sich selbst +oder von andern hat; diese Eitelkeit, welche sich jede Wahrheit zu +vereiteln, daraus in sich zurueckzukehren versteht, und an diesem +eignen Verstande sich weidet, der alle Gedanken immer aufzuloesen und +statt alles Inhalts nur das trockne Ich zu finden weiss, ist eine +Befriedigung, welche sich selbst ueberlassen werden muss, denn sie +flieht das Allgemeine, und sucht nur das Fuer-sich-sein. + +Wie dieses vorlaeufig und im allgemeinen ueber die Weise und +Notwendigkeit des Fortgangs gesagt worden ist, so kann noch ueber die +_Methode der Ausfuehrung_ etwas zu erinnern dienlich sein. Diese +Darstellung als ein _Verhalten_ der _Wissenschaft_ zu dem +_erscheinenden_ Wissen, und als _Untersuchung_ und _Pruefung der +Realitaet des Erkennens_ vorgestellt, scheint nicht ohne irgendeine +Voraussetzung, die als _Massstab_ zugrunde gelegt wird, stattfinden zu +koennen. Denn die Pruefung besteht in dem Anlegen eines angenommenen +Massstabes, und in der sich ergebenden Gleichheit oder Ungleichheit +dessen, was geprueft wird, mit ihm die Entscheidung, ob es richtig +oder unrichtig ist; und der Massstab ueberhaupt, und ebenso die +Wissenschaft, wenn sie der Massstab waere, ist dabei als das _Wesen_ +oder als _das An-sich_ angenommen. Aber hier, wo die Wissenschaft +erst auftritt, hat weder sie selbst, noch was es sei, sich als das +Wesen oder als das An-sich gerechtfertigt; und ohne ein solches +scheint keine Pruefung stattfinden zu koennen. + +Dieser Widerspruch und seine Wegraeumung wird sich bestimmter ergeben, +wenn zuerst an die abstrakten Bestimmungen des Wissens und der +Wahrheit erinnert wird, wie sie an dem Bewusstsein vorkommen. Dieses +_unterscheidet_ naemlich etwas von sich, worauf es sich zugleich +_bezieht_; oder wie dies ausgedrueckt wird, es ist etwas _fuer +dasselbe_; und die bestimmte Seite dieses _Beziehens_, oder des +_Seins_ von etwas _fuer ein Bewusstsein_ ist das _Wissen._ Von diesem +Sein fuer ein anderes unterscheiden wir aber das _An-sich-sein_; das +auf das Wissen bezogene wird ebenso von ihm unterschieden, und +gesetzt als _seiend_ auch ausser dieser Beziehung; die Seite dieses +An-sich heisst _Wahrheit_. Was eigentlich an diesen Bestimmungen sei, +geht uns weiter hier nichts an, denn indem das erscheinende Wissen +unser Gegenstand ist, so werden auch zunaechst seine Bestimmungen +aufgenommen, wie sie sich unmittelbar darbieten; und so, wie sie +gefasst worden sind, ist es wohl, dass sie sich darbieten. + +Untersuchen wir nun die Wahrheit des Wissens, so scheint es, wir +untersuchen, was es _an sich_ ist. Allein in dieser Untersuchung ist +es _unser_ Gegenstand, es ist _fuer uns_; und das _An-sich_ desselben, +welches sich ergaebe, waere so vielmehr sein Sein _fuer uns_; was wir +als sein Wesen behaupten wuerden, vielmehr nicht seine Wahrheit, +sondern nur unser Wissen von ihm. Das Wesen oder der Massstab fiele +in uns, und dasjenige, was mit ihm verglichen, und ueber welches durch +diese Vergleichung entschieden werden sollte, haette ihn nicht +notwendig anzuerkennen. + +Aber die Natur des Gegenstandes, den wir untersuchen, ueberhebt dieser +Trennung oder dieses Scheins von Trennung und Voraussetzung. Das +Bewusstsein gibt seinen Massstab an ihm selbst, und die Untersuchung +wird dadurch eine Vergleichung seiner mit sich selbst sein; denn die +Unterscheidung, welche soeben gemacht worden ist, faellt in es. Es +ist in ihm eines _fuer ein_ anderes, oder es hat ueberhaupt die +Bestimmtheit des Moments des Wissens an ihm; zugleich ist ihm dies +andere nicht nur _fuer es_, sondern auch ausser dieser Beziehung oder +_an sich_: das Moment der Wahrheit. An dem also, was das Bewusstsein +innerhalb seiner fuer das _An-sich_ oder das _Wahre_ erklaert, haben +wir den Massstab, den es selbst aufstellt, sein Wissen daran zu messen. +Nennen wir das _Wissen_ den _Begriff_, das Wesen oder das _Wahre_ +aber das Seiende oder den _Gegenstand_, so besteht die Pruefung darin, +zuzusehen, ob der Begriff dem Gegenstande entspricht. Nennen wir +aber _das Wesen_ oder das An-sich _des Gegenstandes den Begriff_, und +verstehen dagegen unter dem _Gegenstande_, ihn als _Gegenstand_, +naemlich wie er _fuer ein anderes_ ist, so besteht die Pruefung darin, +dass wir zusehen, ob der Gegenstand seinem Begriff entspricht. Man +sieht wohl, dass beides dasselbe ist; das Wesentliche aber ist, dies +fuer die ganze Untersuchung festzuhalten, dass diese beiden Momente, +_Begriff_ und _Gegenstand, Fuer-ein-anderes-_ und +_An-sich-selbst-sein_, in das Wissen, das wir untersuchen, selbst +fallen, und hiemit wir nicht noetig haben, Massstaebe mitzubringen, und +_unsere_ Einfaelle und Gedanken bei der Untersuchung zu applizieren; +dadurch, dass wir diese weglassen, erreichen wir es, die Sache, wie +sie _an_ und _fuer sich_ selbst ist, zu betrachten. + +Aber nicht nur nach dieser Seite, dass Begriff und Gegenstand, der +Massstab und das zu Pruefende, in dem Bewusstsein selbst vorhanden sind, +wird eine Zutat von uns ueberfluessig, sondern wir werden auch der Muehe +der Vergleichung beider und der eigentlichen _Pruefung_ ueberhoben, so +dass, indem das Bewusstsein sich selbst prueft, uns auch von dieser +Seite nur das reine Zusehen bleibt. Denn das Bewusstsein ist +einerseits Bewusstsein des Gegenstandes, anderseits Bewusstsein seiner +selbst; Bewusstsein dessen, was ihm das Wahre ist, und Bewusstsein +seines Wissens davon. Indem beide _fuer dasselbe_ sind, ist es selbst +ihre Vergleichung; es wird _fuer dasselbe_, ob sein Wissen von dem +Gegenstande diesem entspricht oder nicht. Der Gegenstand scheint +zwar fuer dasselbe nur so zu sein, wie es ihn weiss; es scheint +gleichsam nicht dahinterkommen zu koennen, wie er, _nicht fuer +dasselbe_, sondern wie er _an sich_ ist, und also auch sein Wissen +nicht an ihm pruefen zu koennen. Allein gerade darin, dass es ueberhaupt +von einem Gegenstande weiss, ist schon der Unterschied vorhanden, dass +ihm etwas das _An-sich_, ein anderes Moment aber das Wissen, oder das +Sein des Gegenstandes _fuer das_ Bewusstsein ist. Auf dieser +Unterscheidung, welche vorhanden ist, beruht die Pruefung. Entspricht +sich in dieser Vergleichung beides nicht, so scheint das Bewusstsein +sein Wissen aendern zu muessen, um es dem Gegenstande gemaess zu machen, +aber in der Veraenderung des Wissens aendert sich ihm in der Tat auch +der Gegenstand selbst; denn das vorhandene Wissen war wesentlich ein +Wissen von dem Gegenstande; mit dem Wissen wird auch er ein anderer, +denn er gehoerte wesentlich diesem Wissen an. Es wird hiemit dem +Bewusstsein, dass dasjenige, was ihm vorher das _An-sich_ war, nicht an +sich ist, oder dass es nur _*fuer es* an sich_ war. Indem es also an +seinem Gegenstande sein Wissen diesem nicht entsprechend findet, haelt +auch der Gegenstand selbst nicht aus; oder der Massstab der Pruefung +aendert sich, wenn dasjenige, dessen Massstab er sein sollte, in der +Pruefung nicht besteht; und die Pruefung ist nicht nur eine Pruefung des +Wissens, sondern auch ihres Massstabes. + +Diese _dialektische_ Bewegung, welche das Bewusstsein an ihm selbst, +sowohl an seinem Wissen als an seinem Gegenstande ausuebt, _insofern +ihm der neue wahre Gegenstand_ daraus _entspringt_, ist eigentlich +dasjenige, was _Erfahrung_ genannt wird. Es ist in dieser Beziehung +an dem soeben erwaehnten Verlaufe ein Moment noch naeher herauszuheben, +wodurch sich ueber die wissenschaftliche Seite der folgenden +Darstellung ein neues Licht verbreiten wird. Das Bewusstsein weiss +_Etwas_, dieser Gegenstand ist das Wesen oder das _An-sich_; er ist +aber auch fuer das Bewusstsein das _An-sich_; damit tritt die +Zweideutigkeit dieses Wahren ein. Wir sehen, dass das Bewusstsein itzt +zwei Gegenstaende hat, den einen das erste _An-sich_, den zweiten das +_Fuer-es-sein dieses An-sich_. Der letztere scheint zunaechst nur die +Reflexion des Bewusstseins in sich selbst zu sein, ein Vorstellen, +nicht eines Gegenstandes, sondern nur seines Wissens von jenem ersten. +Allein wie vorhin gezeigt worden, aendert sich ihm dabei der erste +Gegenstand; er hoert auf, das An-sich zu sein, und wird ihm zu einem +solchen, der nur _fuer es_ das _An-sich_ ist; somit aber ist dann dies: +_das Fuer-es-sein dieses An-sich_, das Wahre, das heisst aber, dies +ist das _Wesen_, oder sein _Gegenstand_. Dieser neue Gegenstand +enthaelt die Nichtigkeit des ersten, er ist die ueber ihn gemachte +Erfahrung. + +An dieser Darstellung des Verlaufs der Erfahrung ist ein Moment, +wodurch sie mit demjenigen nicht uebereinzustimmen scheint, was unter +der Erfahrung verstanden zu werden pflegt. Der Uebergang naemlich vom +ersten Gegenstande und dem Wissen desselben zu dem andern Gegenstande, +_an dem_ man sagt, dass die Erfahrung gemacht worden sei, wurde so +angegeben, dass das Wissen vom ersten Gegenstande, oder das +_Fuer_-das-Bewusstsein des ersten An-sich, der zweite Gegenstand selbst +werden soll. Dagegen es sonst scheint, dass wir die Erfahrung von der +Unwahrheit unseres ersten Begriffs _an einem andern_ Gegenstande +machen, den wir zufaelligerweise und aeusserlich etwa finden, so dass +ueberhaupt nur das reine _Auffassen_ dessen, was an und fuer sich ist, +in uns falle. In jener Ansicht aber zeigt sich der neue Gegenstand +als geworden, durch eine _Umkehrung des Bewusstseins_ selbst. Diese +Betrachtung der Sache ist unsere Zutat, wodurch sich die Reihe der +Erfahrungen des Bewusstseins zum wissenschaftlichen Gange erhebt, und +welche nicht fuer das Bewusstsein ist, das wir betrachten. Es ist aber +dies in der Tat auch derselbe Umstand, von welchem oben schon in +Ansehung des Verhaeltnisses dieser Darstellung zum Skeptizismus die +Rede war, dass naemlich das jedesmalige Resultat, welches sich an einem +nicht wahrhaften Wissen ergibt, nicht in ein leeres Nichts +zusammenlaufen duerfe, sondern notwendig als Nichts _desjenigen_, +dessen _Resultat_ es ist, aufgefasst werden muesse; ein Resultat, +welches das enthaelt, was das vorhergehende Wissen Wahres an ihm hat. +Dies bietet sich hier so dar, dass, indem das, was zuerst als der +Gegenstand erschien, dem Bewusstsein zu einem Wissen von ihm +herabsinkt, und das _An-sich_ zu einem _Fuer-das-Bewusstsein-sein_ des +_An-sich_ wird, dies der neue Gegenstand ist, womit auch eine neue +Gestalt des Bewusstseins auftritt, welcher etwas anderes das Wesen ist +als der vorhergehenden. Dieser Umstand ist es, welcher die ganze +Folge der Gestalten des Bewusstseins in ihrer Notwendigkeit leitet. +Nur diese Notwendigkeit selbst, oder die _Entstehung_ des neuen +Gegenstandes, der dem Bewusstsein, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, +sich darbietet, ist es, was fuer uns gleichsam hinter seinem Ruecken +vorgeht. Es kommt dadurch in seine Bewegung ein Moment des +_An-sich-_ oder _Fuer-uns-seins_, welches nicht fuer das Bewusstsein, +das in der Erfahrung selbst begriffen ist, sich darstellt; der +_Inhalt_ aber dessen, was uns entsteht, ist _fuer es_, und wir +begreifen nur das Formelle desselben, oder sein reines Entstehen; +_fuer es_ ist dies Entstandene nur als Gegenstand, _fuer uns_ zugleich +als Bewegung und Werden. + +Durch diese Notwendigkeit ist dieser Weg zur Wissenschaft selbst +schon _Wissenschaft_, und nach ihrem Inhalte hiemit Wissenschaft der +_Erfahrung des Bewusstseins_. + +Die Erfahrung, welche das Bewusstsein ueber sich macht, kann ihrem +Begriffe nach nichts weniger in sich begreifen als das ganze System +desselben, oder das ganze Reich der Wahrheit des Geistes, so dass die +Momente derselben in dieser eigentuemlichen Bestimmtheit sich +darstellen, nicht abstrakte, reine Momente zu sein, sondern so, wie +sie fuer das Bewusstsein sind, oder wie dieses selbst in seiner +Beziehung auf sie auftritt, wodurch die Momente des Ganzen, +_Gestalten des Bewusstseins_ sind. Indem es zu seiner wahren Existenz +sich forttreibt, wird es einen Punkt erreichen, auf welchem es seinen +Schein ablegt, mit Fremdartigem, das nur fuer es und als ein anderes +ist, behaftet zu sein, oder wo die Erscheinung dem Wesen gleich wird, +seine Darstellung hiemit mit eben diesem Punkte der eigentlichen +Wissenschaft des Geistes zusammenfaellt, und endlich, indem es selbst +dies sein Wesen erfasst, wird es die Natur des absoluten Wissens +selbst bezeichnen. + + + +I. Die sinnliche Gewissheit;oder das Diese und das Meinen + +Das Wissen, welches zuerst oder unmittelbar unser Gegenstand ist, +kann kein anderes sein als dasjenige, welches selbst unmittelbares +Wissen, _Wissen_ des _Unmittelbaren_ oder _Seienden_ ist. Wir haben +uns ebenso _unmittelbar_ oder _aufnehmend_ zu verhalten, also nichts +an ihm, wie es sich darbietet, zu veraendern, und von dem Auffassen +das Begreifen abzuhalten. + +Der konkrete Inhalt der _sinnlichen Gewissheit_ laesst sie unmittelbar +als die _reichste_ Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem +Reichtum erscheinen, fuer welchen ebensowohl wenn wir im Raume und in +der Zeit, als worin er sich ausbreitet, _hinaus-_, als wenn wir uns +ein Stueck aus dieser Fuelle nehmen, und durch Teilung in dasselbe +_hineingehen_, keine Grenze zu finden ist. Sie erscheint ausserdem +als die _wahrhafteste_; denn sie hat von dem Gegenstande noch nichts +weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollstaendigkeit vor sich. +Diese _Gewissheit_ aber gibt in der Tat sich selbst fuer die +abstrakteste und aermste _Wahrheit_ aus. Sie sagt von dem, was sie +weiss, nur dies aus: es _ist_; und ihre Wahrheit enthaelt allein das +_Sein_ der Sache; das Bewusstsein seinerseits ist in dieser Gewissheit +nur als reines _Ich_; oder _Ich_ bin darin nur als reiner _Dieser_, +und der Gegenstand ebenso nur als reines _Dieses_. Ich, _dieser_, +bin _dieser_ Sache nicht darum gewiss, weil _Ich_ als Bewusstsein +hiebei mich entwickelte und mannigfaltig den Gedanken bewegte. Auch +nicht darum, weil _die Sache_, deren ich gewiss bin, nach einer Menge +unterschiedener Beschaffenheiten eine reiche Beziehung an ihr selbst, +oder ein vielfaches Verhalten zu andern waere. Beides geht die +Wahrheit der sinnlichen Gewissheit nichts an; weder Ich noch die Sache +hat darin die Bedeutung einer mannigfaltigen Vermittlung; Ich nicht +die Bedeutung eines mannigfaltigen Vorstellens oder Denkens, noch die +Sache die Bedeutung mannigfaltiger Beschaffenheiten; sondern die +Sache _ist_; und sie _ist_, nur weil sie _ist_; sie _ist_, dies ist +dem sinnlichen Wissen das Wesentliche, und dieses reine _Sein_ oder +diese einfache Unmittelbarkeit macht ihre _Wahrheit_ aus. Ebenso ist +die Gewissheit als _Beziehung unmittelbare_ reine Beziehung; das +Bewusstsein ist _Ich_, weiter nichts, ein reiner _Dieser_; der +_Einzelne_ weiss reines Dieses, oder _das Einzelne_. + +An dem _reinen Sein_ aber, welches das Wesen dieser Gewissheit +ausmacht, und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir +zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche +Gewissheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein +_Beispiel_ derselben. Unter den unzaehligen dabei vorkommenden +Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, dass +naemlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon +genannten _Diesen_, ein _Dieser_ als _Ich_, und ein _Dieses_ als +_Gegenstand_ herausfallen. Reflektieren _wir_ ueber diesen +Unterschied, so ergibt sich, dass weder das eine noch das andere nur +_unmittelbar_, in der sinnlichen Gewissheit ist, sondern zugleich als +_vermittelt_; Ich habe die Gewissheit _durch_ ein anderes, naemlich die +Sache; und diese ist ebenso in der Gewissheit _durch_ ein anderes, +naemlich durch Ich. + +Diesen Unterschied des Wesens und des Beispiels, der Unmittelbarkeit +und der Vermittlung, machen nicht nur wir, sondern wir finden ihn an +der sinnlichen Gewissheit selbst; und in der Form, wie er an ihr ist, +nicht wie wir ihn soeben bestimmten, ist er aufzunehmen. Es ist in +ihr eines als das einfache unmittelbar seiende, oder als das Wesen +gesetzt, _der Gegenstand_; das andere aber, als das unwesentliche und +vermittelte, welches darin nicht _an sich_, sondern durch ein anderes +ist, Ich, _ein Wissen_, das den Gegenstand nur darum weiss, weil er +ist, und das sein oder auch nicht sein kann. Der Gegenstand aber +_ist_, das Wahre und das Wesen; er _ist_, gleichgueltig dagegen, ob er +gewusst wird oder nicht; er bleibt, wenn er auch nicht gewusst wird; +das Wissen aber ist nicht, wenn nicht der Gegenstand ist. + +Der Gegenstand ist also zu betrachten, ob er in der Tat, in der +sinnlichen Gewissheit selbst, als solches Wesen ist, fuer welches er +von ihr ausgegeben wird; ob dieser sein Begriff, Wesen zu sein, dem +entspricht, wie er in ihr vorhanden ist. Wir haben zu dem Ende nicht +ueber ihn zu reflektieren und nachzudenken, was er in Wahrheit sein +moechte, sondern ihn nur zu betrachten, wie ihn die sinnliche +Gewissheit an ihr hat. + +_Sie_ ist also selbst zu fragen: _Was ist das Diese?_ Nehmen wir es +in der gedoppelten Gestalt seines Seins, als das _Itzt_ und als das +_Hier_, so wird die Dialektik, die es an ihm hat, eine so +verstaendliche Form erhalten, als es selbst ist. Auf die Frage: _Was +ist das Itzt?_ antworten wir also zum Beispiel: _Das Itzt ist die +Nacht_. Um die Wahrheit dieser sinnlichen Gewissheit zu pruefen, ist +ein einfacher Versuch hinreichend. Wir schreiben diese Wahrheit auf; +eine Wahrheit kann durch Aufschreiben nicht verlieren; ebensowenig +dadurch, dass wir sie aufbewahren. Sehen wir _itzt, diesen Mittag_, +die aufgeschriebene Wahrheit wieder an, so werden wir sagen muessen, +dass sie schal geworden ist. + +Das Itzt, welches Nacht ist, wird _aufbewahrt_, das heisst, es wird +behandelt als das, fuer was es ausgegeben wird, als ein _Seiendes_; es +erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das _Itzt_ selbst +erhaelt sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso +erhaelt es sich gegen den Tag, der es itzt ist, als ein solches, das +auch nicht Tag ist; oder als ein _Negatives_ ueberhaupt. Dieses sich +erhaltende Itzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein +vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes +_dadurch_ bestimmt, dass anderes, naemlich der Tag und die Nacht, nicht +ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, _Itzt_, und in +dieser Einfachheit gleichgueltig gegen das, was noch bei ihm herspielt; +so wenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch +Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert. +Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder dieses noch +jenes, ein _Nichtdieses_, und ebenso gleichgueltig, auch dieses wie +jenes zu sein, nennen wir ein _Allgemeines_; das Allgemeine ist also +in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewissheit. + +Als ein Allgemeines _sprechen_ wir auch das Sinnliche _aus_; was wir +sagen, ist: _Dieses_, das heisst das _allgemeine Diese_; oder_: es +ist_; das heisst das _Sein ueberhaupt_. Wir _stellen_ uns dabei +freilich nicht das allgemeine Diese, oder das Sein ueberhaupt _vor_, +aber wir _sprechen_ das Allgemeine _aus_; oder wir sprechen +schlechthin nicht, wie wir es in dieser sinnlichen Gewissheit _meinen_. +Die Sprache aber ist, wie wir sehen, das Wahrhaftere; in ihr +widerlegen wir selbst unmittelbar unsere _Meinung_, und da das +Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewissheit ist, und die Sprache +nur dieses Wahre ausdrueckt, so ist es gar nicht moeglich, dass wir ein +sinnliches Sein, das wir _meinen_, je sagen koennen. + +Es wird derselbe Fall sein mit der andern Form des Dieses, mit _dem +Hier_. _Das Hier_ ist zum Beispiel der _Baum_. Ich wende mich um, so +ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte +verkehrt: _Das Hier ist nicht ein Baum_, sondern vielmehr _ein Haus_. +Das _Hier_ selbst verschwindet nicht; sondern _es ist_ bleibend im +Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgueltig, Haus, +Baum zu sein. Das _Dieses_ zeigt sich also wieder als _vermittelte +Einfachheit_, oder als _Allgemeinheit_. + +Dieser sinnlichen Gewissheit, indem sie an ihr selbst das Allgemeine +als die Wahrheit ihres Gegenstandes erweist, bleibt also das _reine +Sein_ als ihr Wesen, aber nicht als unmittelbares, sondern ein +solches, dem die Negation und Vermittlung wesentlich ist; hiemit +nicht als das, was wir unter dem _Sein meinen_, sondern das _Sein_ +mit der _Bestimmung_, dass es die Abstraktion oder das rein Allgemeine +ist, und _unsere Meinung_, fuer welche das wahre der sinnlichen +Gewissheit nicht das Allgemeine ist, bleibt allein diesem leeren oder +gleichgueltigen Itzt und Hier gegenueber noch uebrig. + +Vergleichen wir das Verhaeltnis, in welchem das _Wissen_ und der +_Gegenstand_ zuerst auftrat, mit dem Verhaeltnisse derselben, wie sie +in diesem Resultate zu stehen kommen, so hat es sich umgekehrt. Der +Gegenstand, der das Wesentliche sein sollte, ist nun das +Unwesentliche der sinnlichen Gewissheit, denn das Allgemeine, zu dem +er geworden ist, ist nicht mehr ein solches, wie er fuer sie +wesentlich sein sollte, sondern sie ist itzt in dem Entgegengesetzten, +naemlich in dem Wissen, das vorher das Unwesentliche war, vorhanden. +Ihre Wahrheit ist in dem Gegenstande als _meinem_ Gegenstande, oder +im _Meinen_, er ist, weil _Ich_ von ihm weiss. Die sinnliche +Gewissheit ist also zwar aus dem Gegenstande vertrieben, aber dadurch +noch nicht aufgehoben, sondern nur in das Ich zurueckgedraengt; es ist +zu sehen, was uns die Erfahrung ueber diese ihre Realitaet zeigt. + +Die Kraft ihrer Wahrheit liegt also nun im _Ich_, in der +Unmittelbarkeit meines _Sehens, Hoerens_, und so fort; das +Verschwinden des einzelnen Itzt, und Hier, das wir meinen, wird +dadurch abgehalten, dass _Ich_ sie festhalte. _Das Itzt ist Tag_, weil +ich ihn sehe; _das Hier ein Baum_, eben darum. Die sinnliche +Gewissheit erfaehrt aber in diesem Verhaeltnisse dieselbe Dialektik an +ihr, als in dem vorigen. _Ich, dieses_, sehe den Baum, und _behaupte +den Baum als das Hier_; ein _anderer Ich_ sieht aber das Haus, und +behauptet, das Hier sei nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus. +Beide Wahrheiten haben dieselbe Beglaubigung, naemlich die +Unmittelbarkeit des Sehens, und die Sicherheit und Versicherung +beider ueber ihr Wissen; die eine verschwindet aber in der andern. + +Was darin nicht verschwindet, ist _Ich_, als _allgemeines_, dessen +Sehen weder ein Sehen des Baums noch dieses Hauses, sondern ein +einfaches Sehen ist, das durch die Negation dieses Hauses und so fort +vermittelt, darin ebenso einfach und gleichgueltig gegen das, was noch +beiher spielt, gegen das Haus, den Baum ist. Ich ist nur allgemeines, +wie _Itzt, Hier_ oder _Dieses_ ueberhaupt; ich meine wohl einen +_einzelnen Ich_, aber sowenig ich das, was ich bei Itzt, Hier meine, +sagen kann, so wenig bei Ich. Indem ich sage: _dieses Hier, Itzt_ +oder ein _Einzelnes_, sage ich: _*alle* diese, alle Hier, Itzt, +Einzelne_; ebenso indem ich sage: _Ich, dieser einzelne_ Ich, sage +ich ueberhaupt: _*alle* Ich_; jeder ist das was ich sage: _Ich, dieser +einzelne Ich_. Wenn der Wissenschaft diese Forderung, als ihr +Probierstein, auf dem sie schlechthin nicht aushalten koennte, +vorgelegt wird, ein sogenanntes _dieses Ding_, oder einen _diesen +Menschen_, zu deduzieren, konstruieren, a priori zu finden oder wie +man dies ausdruecken will, so ist billig, dass die Forderung _sage_, +welches _dieses_ Ding oder welchen _diesen_ Ich sie meine; aber dies +zu sagen ist unmoeglich. + +Die sinnliche Gewissheit erfaehrt also, dass ihr Wesen weder in dem +Gegenstande noch in dem Ich, und die Unmittelbarkeit weder eine +Unmittelbarkeit des einen noch des andern ist, denn an beiden ist das, +was Ich meine, vielmehr ein Unwesentliches, und der Gegenstand und +Ich sind Allgemeine, in welchen dasjenige Itzt und Hier und Ich, das +ich meine, nicht bestehen bleibt, oder _ist_. Wir kommen hiedurch +dahin, das _Ganze_ der sinnlichen Gewissheit selbst als ihr _Wesen_ zu +setzen, nicht mehr nur ein Moment derselben, wie in den beiden Faellen +geschehen ist, worin zuerst der dem Ich entgegengesetzte Gegenstand, +dann Ich ihre Realitaet sein sollte. Es ist also nur die _ganze_ +sinnliche Gewissheit selbst, welche an ihr als _Unmittelbarkeit_ +festhaelt, und hiedurch alle Entgegensetzung, die im vorherigen +stattfand, aus sich ausschliesst. + +Diese reine Unmittelbarkeit geht also das Anderssein des Hier als +Baums, welches in ein Hier, das Nichtbaum ist, das Anderssein des +Itzt als Tages, das in ein Itzt, das Nacht ist, uebergeht, oder ein +anderes Ich, dem etwas anderes Gegenstand ist, nichts mehr an. Ihre +Wahrheit erhaelt sich als sich selbst gleichbleibende Beziehung, die +zwischen dem Ich und dem Gegenstande keinen Unterschied der +Wesentlichkeit und Unwesentlichkeit macht, und in die daher auch +ueberhaupt kein Unterschied eindringen kann. Ich, dieses, behaupte +also das Hier als Baum, und wende mich nicht um, so dass mir das Hier +zu einem Nichtbaume wuerde; ich nehme auch keine Notiz davon, dass ein +anderer Ich das Hier als Nichtbaum sieht, oder dass Ich selbst, ein +anderesmal, das Hier als Nichtbaum, das Itzt als Nicht-Tag nehme, +sondern Ich bin reines Anschauen; Ich fuer mich bleibe dabei, das Itzt +ist Tag, oder auch dabei, das Hier ist Baum; vergleiche auch nicht +das Hier und Itzt selbst miteinander, sondern halte an einer +unmittelbaren Beziehung fest: das Itzt ist Tag. + +Da hiemit diese Gewissheit nicht mehr herzutreten will, wenn wir sie +auf ein Itzt, das Nacht ist, oder auf einen Ich, dem es Nacht ist, +aufmerksam machen, so treten wir zu ihr hinzu, und lassen uns das +Itzt zeigen, das behauptet wird. _Zeigen_ muessen wir es uns lassen, +denn die Wahrheit dieser unmittelbaren Beziehung ist die Wahrheit +_dieses_ Ich, der sich auf ein _Itzt_ oder ein _Hier_ einschraenkt. +Wuerden wir _nachher_ diese Wahrheit vornehmen, oder _entfernt_ davon +stehen, so haette sie gar keine Bedeutung, denn wir hoeben die +Unmittelbarkeit auf, die ihr wesentlich ist. Wir muessen daher in +denselben Punkt der Zeit oder des Raums eintreten, sie uns zeigen, d. +h. uns zu demselben diesen Ich, welches das gewiss Wissende ist, +machen lassen. Sehen wir also, wie das Unmittelbare beschaffen ist, +das uns aufgezeigt wird. + +Es wird das _Itzt_ gezeigt; _dieses Itzt_. _Itzt_; es hat schon +aufgehoert zu sein, indem es gezeigt wird; das _Itzt_, das _ist_, ist +ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, dass das Itzt eben dieses +ist, indem es ist, schon nicht mehr zu sein. Das Itzt, wie es uns +gezeigt wird, ist es ein _gewesenes_; und dies ist seine Wahrheit; es +hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, dass es +gewesen ist. Aber was _gewesen_ ist, ist in der Tat _kein Wesen_; +_es *ist* nicht_, und um das Sein war es zu tun. + +Wir sehen also in diesem Aufzeigen nur eine Bewegung und folgenden +Verlauf derselben: 1) Ich zeige das Itzt auf, es ist als das Wahre +behauptet; ich zeige es aber als Gewesenes, oder als ein Aufgehobenes, +hebe die erste Wahrheit auf, und 2) Itzt behaupte Ich als die zweite +Wahrheit, dass es _gewesen_, aufgehoben ist. 3) Aber das Gewesene ist +nicht; Ich hebe das Gewesen- oder Aufgehobensein, die zweite Wahrheit +auf, negiere damit die Negation des Itzt, und kehre so zur ersten +Behauptung zurueck: dass _Itzt_ ist. Das Itzt und das Aufzeigen des +Itzt ist also so beschaffen, dass weder das Itzt noch das Aufzeigen +des Itzt ein unmittelbares Einfaches ist, sondern eine Bewegung, +welche verschiedene Momente an ihr hat; es wird _Dieses_ gesetzt, es +wird aber vielmehr _ein Anderes_ gesetzt, oder das Diese wird +aufgehoben: und dieses _Anderssein_ oder Aufheben des ersten wird +selbst _wieder aufgehoben_, und so zu dem ersten zurueckgekehrt. Aber +dieses in sich reflektierte erste ist nicht ganz genau dasselbe, was +es zuerst, naemlich ein _Unmittelbares_, war; sondern es ist eben _ein +in sich Reflektiertes_, oder _Einfaches_, welches im Anderssein +bleibt, was es ist; ein Itzt, welches absolut viele Itzt ist; und +dies ist das wahrhafte Itzt; das Itzt als einfacher Tag, das viele +Itzt in sich hat, Stunden; ein solches Itzt, eine Stunde, ist ebenso +viele Minuten, und diese Itzt gleichfalls viele Itzt und so fort. +--Das _Aufzeigen_ ist also selbst die Bewegung, welche es ausspricht, +was das Itzt in Wahrheit ist; naemlich ein Resultat, oder eine +Vielheit von Itzt zusammengefasst; und das Aufzeigen ist das Erfahren, +dass Itzt _Allgemeines_ ist. + +Das _aufgezeigte Hier_, das ich festhalte, ist ebenso ein _dieses_ +Hier, das in der Tat _nicht dieses_ Hier ist, sondern ein Vornen und +Hinten, ein Oben und Unten, ein Rechts und Links ist. Das Oben ist +selbst ebenso dieses vielfache Anderssein in oben, unten, und so fort. +Das Hier, welches aufgezeigt werden sollte, verschwindet in andern +Hier, aber diese verschwinden ebenso; das Aufgezeigte, Festgehaltene +und Bleibende ist ein _negatives Dieses_, das nur so _ist_, indem die +_Hier_, wie sie sollen, genommen werden, aber darin sich aufheben; es +ist eine einfache Komplexion vieler Hier. Das Hier, das gemeint wird, +waere der Punkt; er _ist_ aber nicht, sondern, indem er als seiend +aufgezeigt wird, zeigt sich das Aufzeigen, nicht unmittelbares Wissen, +sondern eine Bewegung, von dem gemeinten Hier aus durch viele Hier +in das allgemeine Hier zu sein, welches wie der Tag eine einfache +Vielheit der Itzt, so eine einfache Vielheit der Hier ist. + +Es erhellt, dass die Dialektik der sinnlichen Gewissheit nichts anders +als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung, und +die sinnliche Gewissheit selbst nichts anders als nur diese Geschichte +ist. Das natuerliche Bewusstsein geht deswegen auch zu diesem +Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die +Erfahrung darueber; aber vergisst es nur ebenso immer wieder, und faengt +die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen +diese Erfahrung, als allgemeine Erfahrung, auch als philosophische +Behauptung, und gar als Resultat des Skeptizismus aufgestellt wird, +die Realitaet oder das Sein von aeussern Dingen als _diesen_, oder +sinnlichen, habe absolute Wahrheit fuer das Bewusstsein; eine solche +Behauptung weiss zugleich nicht, was sie spricht, weiss nicht, dass sie +das Gegenteil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des +sinnlichen _Diesen_ fuer das Bewusstsein soll allgemeine Erfahrung sein; +aber vielmehr ist das Gegenteil allgemeine Erfahrung; jedes +Bewusstsein hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beispiel: _das Hier ist +ein Baum_, oder _das Itzt ist Mittag_, selbst wieder auf, und spricht +das Gegenteil aus: das Hier ist _nicht_ ein Baum, _sondern_ ein Haus; +und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine +ebensolche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es sofort +ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Gewissheit in Wahrheit nur +dies erfahren, was wir gesehen haben, das _dieses_ naemlich als ein +_Allgemeines_, das Gegenteil dessen, was jene Behauptung allgemeine +Erfahrung zu sein versichert.--Bei dieser Berufung auf die allgemeine +Erfahrung kann es erlaubt sein, die Ruecksicht auf das Praktische zu +antizipieren. In dieser Ruecksicht kann denjenigen, welche jene +Wahrheit und Gewissheit der Realitaet der sinnlichen Gegenstaende +behaupten, gesagt werden, dass sie in die unterste Schule der Weisheit, +naemlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus +zurueckzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des +Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese +Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der +sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in +ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen. +Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern +erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn +sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden +stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realitaet und in der voelligen +Gewissheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren +sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien, +welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist. + +Die, welche solche Behauptung aufstellen, sagen aber, gemaess +vorhergehenden Bemerkungen, auch selbst unmittelbar das Gegenteil +dessen, was sie meinen; eine Erscheinung, die vielleicht am faehigsten +ist, zum Nachdenken ueber die Natur der sinnlichen Gewissheit zu +bringen. Sie sprechen von dem Dasein _aeusserer_ Gegenstaende, welche +noch genauer, als _wirkliche_, absolut _einzelne, ganz persoenliche, +individuelle_ Dinge, deren jedes seines absolutgleichen nicht mehr +hat, bestimmt werden koennen; dies Dasein habe absolute Gewissheit und +Wahrheit. Sie meinen _dieses_ Stueck Papier, worauf ich _dies_ +schreibe, oder vielmehr geschrieben habe; aber was sie meinen, sagen +sie nicht. Wenn sie wirklich dieses Stueck Papier, das sie meinen, +_sagen_ wollten, und sie wollten _sagen_, so ist dies unmoeglich, weil +das sinnliche Diese, das gemeint wird, der Sprache, die dem +Bewusstsein, dem an sich allgemeinen, angehoert, _unerreichbar_ ist. +Unter dem wirklichen Versuche, es zu sagen, wuerde es daher vermodern; +die seine Beschreibung angefangen, koennten sie nicht vollenden, +sondern muessten sie andern ueberlassen, welche von einem Dinge zu +sprechen, das nicht _ist_, zuletzt selbst eingestehen wuerden. Sie +meinen also wohl _dieses_ Stueck Papier, das hier ein ganz anderes als +das obige ist; aber sie sprechen wirkliche _Dinge, aeussere_ oder +_sinnliche Gegenstaende, absolut einzelne Wesen_, und so fort, das +heisst, sie sagen von ihnen nur das _Allgemeine_; daher was das +Unaussprechliche genannt wird, nichts anderes ist, als das Unwahre, +Unvernuenftige, bloss Gemeinte.--Wird von etwas weiter nichts gesagt, +als dass es ein _wirkliches Ding_, ein _aeusserer Gegenstand_ ist, so +ist es nur als das Allerallgemeinste, und damit viel mehr seine +_Gleichheit_ mit allem, als die Unterschiedenheit ausgesprochen. +Sage ich ein _einzelnes Ding_, so sage ich es vielmehr ebenso als +ganz _Allgemeines_, denn alle sind ein einzelnes Ding; und +gleichfalls _dieses_ Ding ist alles, was man will. Genauer +bezeichnet, als _dieses Stueck Papier_, so ist _alles_ und _jedes_ +Papier, ein _dieses_ Stueck Papier, und ich habe nur immer das +Allgemeine gesagt. Will ich aber dem Sprechen, welches die goettliche +Natur hat, die Meinung unmittelbar zu verkehren, zu etwas anderem zu +machen, und so sie gar nicht _zum Worte kommen_ zu lassen, dadurch +nachhelfen, dass ich dies Stueck Papier _aufzeige_, so mache ich die +Erfahrung, was die Wahrheit der sinnlichen Gewissheit in der Tat ist; +ich zeige es auf, als ein _Hier_, das ein Hier anderer Hier, oder an +ihm selbst ein _einfaches Zusammen vieler Hier_, das heisst, ein +Allgemeines ist, ich nehme so es auf, wie es in Wahrheit ist, und +statt ein Unmittelbares zu wissen, _nehme ich wahr_. + + + +II. Die Wahrnehmung;oder das Ding, und die Taeuschung + +Die unmittelbare Gewissheit nimmt sich nicht das Wahre, denn ihre +Wahrheit ist das Allgemeine, sie aber will das _Diese_ nehmen. Die +Wahrnehmung nimmt hingegen das, was ihr das Seiende ist, als +Allgemeines. Wie die Allgemeinheit ihr Prinzip ueberhaupt, so sind +auch ihre in ihr unmittelbar sich unterscheidenden Momente, Ich ein +allgemeines, und der Gegenstand ein allgemeiner. Jenes Prinzip ist +uns _entstanden_, und unser Aufnehmen der Wahrnehmung daher nicht +mehr ein erscheinendes Aufnehmen, wie der sinnlichen Gewissheit, +sondern ein notwendiges. In dem Entstehen des Prinzips sind zugleich +die beiden Momente, die an ihrer Erscheinung nur _herausfallen_, +geworden; das eine naemlich die Bewegung des Aufzeigens, das andere +dieselbe Bewegung, aber als Einfaches; jenes das _Wahrnehmen_, dies +der _Gegenstand_. Der Gegenstand ist dem Wesen nach dasselbe, was +die Bewegung ist, sie die Entfaltung und Unterscheidung der Momente, +er das Zusammengefasstsein derselben. Fuer uns oder an sich ist das +Allgemeine als Prinzip das _Wesen_ der Wahrnehmung; und gegen diese +Abstraktion, die beiden unterschiednen, das Wahrnehmende und das +Wahrgenommene das _Unwesentliche_. Aber in der Tat, weil beide +selbst das Allgemeine oder das Wesen sind, sind sie beide wesentlich; +indem sie aber sich als entgegengesetzte aufeinander beziehen, so +kann in der Beziehung nur das eine das wesentliche sein; und der +Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen muss sich an sie +verteilen. Das eine als das einfache bestimmt, der Gegenstand, ist +das Wesen, gleichgueltig dagegen, ob er wahrgenommen wird oder nicht; +das Wahrnehmen aber als die Bewegung ist das Unbestaendige, das sein +kann oder auch nicht, und das Unwesentliche. + +Dieser Gegenstand ist nun naeher zu bestimmen, und diese Bestimmung +aus dem Resultate, das sich ergeben, kurz zu entwickeln; die +ausgefuehrtere Entwicklung gehoert nicht hierher. Da sein Prinzip, das +Allgemeine, in seiner Einfachheit ein _vermitteltes_ ist, so muss er +dies als seine Natur an ihm ausdruecken; er zeigt sich dadurch als +_das Ding von vielen Eigenschaften_. Der Reichtum des sinnlichen +Wissens gehoert der Wahrnehmung, nicht der unmittelbaren Gewissheit an, +an der er nur das Beiherspielende war, denn nur jene hat die +_Negation_, den Unterschied oder die Mannigfaltigkeit an ihrem Wesen. + +Das Dieses ist also gesetzt als _nicht dieses_, oder als _aufgehoben_; +und damit nicht Nichts, sondern ein bestimmtes Nichts, oder _ein +Nichts von einem Inhalte_, naemlich _dem Diesen_. Das Sinnliche ist +hiedurch selbst noch vorhanden, aber nicht, wie es in der +unmittelbaren Gewissheit sein sollte, als das gemeinte Einzelne, +sondern als Allgemeines, oder als das, was sich als _Eigenschaft_ +bestimmen wird. Das _Aufheben_ stellt seine wahrhafte gedoppelte +Bedeutung dar, welche wir an dem Negativen gesehen haben; es ist ein +_Negieren_ und ein _Aufbewahren_ zugleich; das Nichts, als _Nichts +des Diesen_, bewahrt die Unmittelbarkeit auf, und ist selbst sinnlich, +aber eine allgemeine Unmittelbarkeit.--Das Sein aber ist ein +Allgemeines dadurch, dass es die Vermittlung oder das Negative an ihm +hat; indem es dies an seiner Unmittelbarkeit _ausdrueckt_, ist es eine +_unterschiedene, bestimmte_ Eigenschaft. Damit sind zugleich _viele_ +solche Eigenschaften, eine die negative der andern, gesetzt. Indem +sie in der _Einfachheit_ des Allgemeinen ausgedrueckt sind, beziehen +sich diese _Bestimmtheiten_, die eigentlich erst durch eine ferner +hinzukommende Bestimmung Eigenschaften sind, _auf sich selbst_, sind +_gleichgueltig_ gegeneinander, jede fuer sich, frei von der andern. +Die einfache sich selbst gleiche Allgemeinheit selbst aber ist wieder +von diesen ihren Bestimmtheiten unterschieden, und frei; sie ist das +reine Sich-auf-sich-beziehen, oder das _Medium_, worin diese +Bestimmtheiten alle sind, sich also in ihr als in einer _einfachen_ +Einheit _durchdringen_, ohne sich aber zu _beruehren_; denn eben durch +die Teilnahme an dieser Allgemeinheit sind sie gleichgueltig fuer sich. +--Dies abstrakte allgemeine Medium, das die _Dingheit_ ueberhaupt oder +das _reine Wesen_ genannt werden kann, ist nichts anderes als das +_Hier_ und _Itzt_, wie es sich erwiesen hat, naemlich als ein +_einfaches Zusammen_ von vielen, aber die vielen sind _in ihrer +Bestimmtheit_ selbst _einfach allgemeine_. Dies Salz ist einfaches +Hier, und zugleich vielfach; es ist weiss, und _auch_ scharf, _auch_ +kubisch gestaltet, _auch_ von bestimmter Schwere, und so weiter. +Alle diese vielen Eigenschaften sind in _einem_ einfachen _Hier_, +worin sie sich also durchdringen; keine hat ein anderes Hier als die +andere, sondern jede ist allenthalben, in demselben, worin die andere +ist; und zugleich, ohne durch verschiedene Hier geschieden zu sein, +affizieren sie sich in dieser Durchdringung nicht; das Weisse +affiziert oder veraendert das Kubische nicht, beide nicht das Scharfe, +und so weiter, sondern da jede selbst einfaches +_Sich-auf-sich-beziehen_ ist, laesst sie die andern ruhig und bezieht +sich nur durch das gleichgueltige _Auch_ auf sie. Dieses _Auch_ ist +also das reine Allgemeine selbst, oder das Medium, die sie so +zusammenfassende _Dingheit_. + +In diesem Verhaeltnisse, das sich ergeben hat, ist nur erst der +Charakter der positiven Allgemeinheit beobachtet und entwickelt; es +bietet sich aber noch eine Seite dar, welche auch hereingenommen +werden muss. Naemlich wenn die vielen bestimmten Eigenschaften +schlechterdings gleichgueltig waeren, und sich durchaus nur auf sich +selbst bezoegen, so waeren sie keine _bestimmte_; denn sie sind dies +nur insofern sie sich _unterscheiden_, und sich _auf andere_ als +entgegengesetzte _beziehen_. Nach dieser Entgegensetzung aber koennen +sie nicht in der einfachen Einheit ihres Mediums zusammen sein, die +ihnen ebenso wesentlich ist als die Negation; die Unterscheidung +derselben, insofern sie nicht eine gleichgueltige, sondern +ausschliessende, anderes negierende ist, faellt also ausser diesem +einfachen Medium; und dieses ist daher nicht nur ein _Auch_, +gleichgueltige Einheit, sondern auch _Eins, ausschliessende Einheit_. +--Das Eins ist das _Moment der Negation_, wie es selbst auf eine +einfache Weise sich auf sich bezieht, und Anderes ausschliesst; und +wodurch die _Dingheit_ als _Ding_ bestimmt ist. An der Eigenschaft +ist die Negation als _Bestimmtheit_, die unmittelbar eins ist mit der +Unmittelbarkeit des Seins, welche durch diese Einheit mit der +Negation, Allgemeinheit ist; als _Eins_ aber ist sie, wie sie von +dieser Einheit mit dem Gegenteil befreit, und an und fuer sich selbst +ist. + +In diesen Momenten zusammen ist das Ding als das Wahre der +Wahrnehmung vollendet, so weit es noetig ist, es hier zu entwickeln. +Es ist a) die gleichgueltige passive Allgemeinheit, das _Auch_ der +vielen Eigenschaften, oder vielmehr _Materien,_ b) die Negation +ebenso als einfach; oder das _Eins_, das Ausschliessen +entgegengesetzter Eigenschaften, und g) die vielen _Eigenschaften_ +selbst, die Beziehung der zwei ersten Momente; die Negation, wie sie +sich auf das gleichgueltige Element bezieht, und sich darin als eine +Menge von Unterschieden ausbreitet; der Punkt der Einzelnheit in dem +Medium des Bestehens in die Vielheit ausstrahlend. Nach der Seite, +dass diese Unterschiede dem gleichgueltigen Medium angehoeren, sind sie +selbst allgemein, beziehen sich nur auf sich, und affizieren sich +nicht; nach der Seite aber, dass sie der negativen Einheit angehoeren, +sind sie zugleich ausschliessend; haben aber diese entgegengesetzte +Beziehung notwendig an Eigenschaften, die aus _*ihrem* Auch_ entfernt +sind. Die sinnliche Allgemeinheit, oder die _unmittelbare_ Einheit +des Seins und des Negativen, ist erst so _Eigenschaft_, insofern das +Eins und die reine Allgemeinheit aus ihr entwickelt, und voneinander +unterschieden sind, und sie diese miteinander zusammenschliesst; diese +Beziehung derselben auf die reinen wesentlichen Momente vollendet +erst das _Ding_. + +So ist nun das Ding der Wahrnehmung beschaffen; und das Bewusstsein +ist als Wahrnehmendes bestimmt, insofern dies Ding sein Gegenstand +ist; es hat ihn _nur zu nehmen_, und sich als reines Auffassen zu +verhalten; was sich ihm dadurch ergibt, ist das Wahre. Wenn es +selbst bei diesem Nehmen etwas taete, wuerde es durch solches +Hinzusetzen oder Weglassen die Wahrheit veraendern. Indem der +Gegenstand das Wahre und Allgemeine, sich selbst Gleiche, das +Bewusstsein sich aber das Veraenderliche und Unwesentliche ist, kann es +ihm geschehen, dass es den Gegenstand unrichtig auffasst und sich +taeuscht. Das Wahrnehmende hat das Bewusstsein der Moeglichkeit der +Taeuschung; denn in der Allgemeinheit, welche das Prinzip ist, ist das +_Anderssein_ selbst unmittelbar fuer es, aber als das _Nichtige_, +Aufgehobene. Sein Kriterium der Wahrheit ist daher die +_Sichselbstgleichheit_, und sein Verhalten als sich selbst gleiches +aufzufassen. Indem zugleich das verschiedene fuer es ist, ist es ein +Beziehen der verschiedenen Momente seines Auffassens aufeinander; +wenn sich aber in dieser Vergleichung eine Ungleichheit hervortut, so +ist dies nicht eine Unwahrheit des Gegenstandes, denn er ist das sich +selbst Gleiche, sondern des Wahrnehmens. + +Sehen wir nun zu, welche Erfahrung das Bewusstsein in seinem +wirklichen Wahrnehmen macht. Sie ist _fuer uns_ in der soeben +gegebenen Entwicklung des Gegenstandes und des Verhaltens des +Bewusstseins zu ihm schon enthalten; und wird nur die Entwicklung der +darin vorhandenen Widersprueche sein.--Der Gegenstand, den Ich +aufnehme, bietet sich als _rein Einer_ dar; auch werde ich die +Eigenschaft an ihm gewahr, die _allgemein_ ist, dadurch aber ueber die +Einzelnheit hinausgeht. Das erste Sein des gegenstaendlichen Wesens +als eines Einen war also nicht sein wahres Sein; da er das Wahre ist, +faellt die Unwahrheit in mich, und das Auffassen war nicht richtig. +Ich muss um der _Allgemeinheit_ der Eigenschaft willen das +gegenstaendliche Wesen vielmehr als eine _Gemeinschaft_ ueberhaupt +nehmen. Ich nehme nun ferner die Eigenschaft wahr als _bestimmte_, +anderem _entgegengesetzte_, und es ausschliessende. Ich fasste das +gegenstaendliche Wesen also in der Tat nicht richtig auf, als Ich es +als eine _Gemeinschaft_ mit andern oder als die Kontinuitaet bestimmte, +und muss, vielmehr um der _Bestimmtheit_ der Eigenschaft willen, die +Kontinuitaet trennen, und es als ausschliessendes Eins setzen. An dem +getrennten Eins finde ich viele solche Eigenschaften, die einander +nicht affizieren, sondern gleichgueltig gegeneinander sind; ich nahm +den Gegenstand also nicht richtig wahr, als ich ihn als ein +_Ausschliessendes_ auffasste, sondern er ist, wie vorhin nur +Kontinuitaet ueberhaupt, so itzt ein allgemeines _gemeinschaftliches +Medium_, worin viele Eigenschaften als sinnliche _Allgemeinheiten_, +jede fuer sich ist, und als _bestimmte_ die andern ausschliesst. Das +Einfache und Wahre, das ich wahrnehme, ist aber hiemit auch nicht ein +allgemeines Medium, sondern die _einzelne Eigenschaft_ fuer sich, die +aber so weder Eigenschaft noch ein bestimmtes Sein ist; denn sie ist +nun weder an einem Eins noch in Beziehung auf andere. Eigenschaft +ist sie aber nur am Eins, und bestimmt nur in Beziehung auf andere. +Sie bleibt als dies reine Sich-auf-sich-selbst-beziehen nur +_sinnliches Sein_ ueberhaupt, da sie den Charakter der Negativitaet +nicht mehr an ihr hat; und das Bewusstsein, fuer welches itzt ein +sinnliches Sein ist, ist nur ein _Meinen_, das heisst, es ist aus dem +Wahrnehmen ganz heraus und in sich zurueckgegangen. Allein das +sinnliche Sein und Meinen geht selbst in das Wahrnehmen ueber; ich bin +zu dem Anfang zurueckgeworfen, und wieder in denselben, sich in jedem +Momente und als Ganzes aufhebenden Kreislauf hineingerissen. + +Das Bewusstsein durchlauft ihn also notwendig wieder, aber zugleich +nicht auf dieselbe Weise wie das erstemal. Es hat naemlich die +Erfahrung ueber das Wahrnehmen gemacht, dass das Resultat und das Wahre +desselben seine Aufloesung, oder die Reflexion in sich selbst aus dem +Wahren ist. Es hat sich hiemit fuer das Bewusstsein bestimmt, wie sein +Wahrnehmen wesentlich beschaffen ist, naemlich nicht ein einfaches +reines Auffassen, sondern _in seinem Auffassen_ zugleich aus dem +Wahren _heraus in sich reflektiert_ zu sein. Diese Rueckkehr des +Bewusstseins in sich selbst, die sich in das reine Auffassen +unmittelbar--denn sie hat sich als dem Wahrnehmen wesentlich +gezeigt--_einmischt_, veraendert das Wahre. Das Bewusstsein erkennt +diese Seite zugleich als die seinige, und nimmt sie auf sich, wodurch +es also den wahren Gegenstand rein erhalten wird.--Es ist hiemit itzt, +wie es bei der sinnlichen Gewissheit geschah, an dem Wahrnehmen die +Seite vorhanden, dass das Bewusstsein in sich zurueckgedraengt wird, aber +zunaechst nicht in dem Sinne, in welchem dies bei jener der Fall war; +als ob in es die _Wahrheit_ des Wahrnehmens fiele, sondern vielmehr +erkennt es, dass die _Unwahrheit_, die darin vorkoemmt, in es faellt. +Durch diese Erkenntnis aber ist es zugleich faehig, sie aufzuheben; es +unterscheidet sein Auffassen des Wahren von der Unwahrheit seines +Wahrnehmens, korrigiert diese, und insofern es diese Berichtigung +selbst vornimmt, faellt allerdings die Wahrheit als Wahrheit des +_Wahrnehmens in dasselbe_. Das Verhalten des Bewusstseins, das +nunmehr zu betrachten ist, ist also so beschaffen, dass es nicht mehr +bloss wahrnimmt, sondern auch seiner Reflexion in sich bewusst ist, und +diese von der einfachen Auffassung selbst abtrennt. + +Ich werde also zuerst des Dings als _Eines_ gewahr, und habe es in +dieser wahren Bestimmung festzuhalten; wenn in der Bewegung des +Wahrnehmens etwas dem Widersprechendes vorkommt, so ist dies als +meine Reflexion zu erkennen. Es kommen nun in der Wahrnehmung auch +verschiedene Eigenschaften vor, welche Eigenschaften des Dings zu +sein scheinen; allein das Ding ist Eins und von dieser +Verschiedenheit, wodurch es aufhoerte, Eins zu sein, sind wir uns +bewusst, dass sie in uns faellt. Dies Ding ist also in der Tat nur weiss, +an _unser_ Auge gebracht, scharf _auch_, an _unsre_ Zunge, _auch_ +kubisch an _unser_ Gefuehl, und so fort. Die gaenzliche +Verschiedenheit dieser Seiten nehmen wir nicht aus dem Dinge, sondern +aus uns; sie fallen uns an unserem von der Zunge ganz unterschiedenen +Auge und so fort, so auseinander. Wir sind somit das _allgemeine +Medium_, worin solche Momente sich absondern und fuer sich sind. +Hiedurch also, dass wir die Bestimmtheit, allgemeines Medium zu sein, +als unsre Reflexion betrachten, erhalten wir die Sichselbstgleichheit +und Wahrheit des Dinges, Eins zu sein. + +Diese _verschiedenen Seiten_, welche das Bewusstsein auf sich nimmt, +sind aber, jede so fuer sich, als in dem allgemeinen Medium sich +befindend betrachtet, _bestimmt_; das Weisse ist nur in +Entgegensetzung gegen das Schwarze, und so fort, und das Ding Eins +gerade dadurch, dass es andern sich entgegensetzt. Es schliesst aber +andere nicht, insofern es Eins ist, von sich aus; denn Eins zu sein +ist das allgemeine Auf-sich-selbst-beziehen, und dadurch, dass es Eins +ist, ist es vielmehr allen gleich; sondern durch die _Bestimmtheit_. +Die Dinge selbst also sind _an und fuer sich bestimmte_; sie haben +Eigenschaften, wodurch sie sich von andern unterscheiden. Indem die +_Eigenschaft_ die _eigene_ Eigenschaft des Dinges, oder eine +Bestimmtheit an ihm selbst ist, hat es _mehrere_ Eigenschaften. Denn +vors erste ist das Ding das Wahre, es ist _an sich selbst_; und was +an ihm ist, ist an ihm als sein eigenes Wesen, nicht um anderer +willen; also sind zweitens die bestimmten Eigenschaften nicht nur um +anderer Dinge willen, und fuer andere Dinge, sondern an ihm selbst; +sie sind aber bestimmte Eigenschaften _an ihm_ nur, indem sie mehrere +sich voneinander unterscheidende sind; und drittens, indem sie so in +der Dingheit sind, sind sie an und fuer sich und gleichgueltig +gegeneinander. Es ist also in Wahrheit das Ding selbst, welches weiss, +und _auch_ kubisch, _auch_ scharf, und so fort ist, oder das Ding +ist das _Auch_, oder das _allgemeine Medium_, worin die vielen +Eigenschaften aussereinander bestehen, ohne sich zu beruehren und +aufzuheben; und so genommen wird es als das Wahre genommen. + +Bei diesem Wahrnehmen nun ist das Bewusstsein zugleich sich bewusst, +dass es sich _auch_ in sich selbst reflektiert und in dem Wahrnehmen +das dem _Auch_ entgegengesetzte Moment vorkommt. Dies Moment aber +ist _Einheit_ des Dings mit sich selbst, welche den Unterschied aus +sich ausschliesst. Sie ist es demnach, welche das Bewusstsein auf sich +zu nehmen hat; denn das Ding selbst ist das _Bestehen der vielen +verschiedenen_ und _unabhaengigen Eigenschaften_. Es wird also von +dem Dinge gesagt, _es ist_ weiss, _auch_ kubisch, und _auch_ scharf u. +s.f. Aber _insofern_ es weiss ist, ist es nicht kubisch, und +_insofern es_ kubisch und auch weiss ist, ist es nicht scharf u.s.f. +Das _In-eins-setzen_ dieser Eigenschaften kommt nur dem Bewusstsein zu, +welches sie daher an dem Ding nicht in Eins fallen zu lassen hat. +Zu dem Ende bringt es das _Insofern_ herbei, wodurch es sie +auseinander, und das Ding als das Auch erhaelt. Recht eigentlich wird +das _Einssein_ von dem Bewusstsein erst so auf sich genommen, dass +dasjenige, was Eigenschaft genannt wurde, als _freie Materie_ +vorgestellt wird. Das Ding ist auf diese Weise zum wahrhaften _Auch_ +erhoben, indem es eine Sammlung von Materien, und statt Eins zu sein +zu einer bloss umschliessenden Oberflaeche wird. + +Sehen wir zurueck auf dasjenige, was das Bewusstsein vorhin auf sich +genommen, und itzt auf sich nimmt; was es vorhin dem Dinge zuschrieb, +und itzt ihm zuschreibt, so ergibt sich dass es abwechslungsweise +ebensowohl sich selbst als auch das Ding zu beidem macht, zum reinen +vielheitslosen _Eins_, wie zu einem in selbststaendige Materien +aufgeloesten _Auch_. Das Bewusstsein findet also durch diese +Vergleichung, dass nicht nur _sein_ Nehmen des Wahren, die +_Verschiedenheit des Auffassens_ und _des In-sich-zurueckgehens_ an +ihm hat, sondern dass vielmehr das Wahre selbst, das Ding, sich auf +diese gedoppelte Weise zeigt. Es ist hiemit die Erfahrung vorhanden, +dass das Ding sich _fuer das_ auffassende _Bewusstsein_ auf eine +bestimmte Weise _darstellt_, aber _zugleich_ aus der Weise, in der es +sich darbietet, _heraus_ und _in sich reflektiert ist_, oder an ihm +selbst eine entgegengesetzte Wahrheit hat. + +Das Bewusstsein ist also auch aus dieser zweiten Art, sich im +Wahrnehmen zu verhalten, naemlich das Ding als das Wahre sich selbst +Gleiche, sich aber fuer das Ungleiche, fuer das aus der Gleichheit +heraus in sich Zurueckgehende, zu nehmen, selbst heraus, und der +Gegenstand ist ihm itzt diese ganze Bewegung, welche vorher an den +Gegenstand und an das Bewusstsein verteilt war. Das Ding ist _Eins_, +in sich reflektiert; es ist _fuer sich_; aber es ist auch _fuer ein +Anderes_; und zwar ist es ein _anderes_ fuer sich, _als es_ fuer +Anderes ist. Das Ding ist hienach fuer sich, und _auch_ fuer ein +Anderes, ein _gedoppeltes_ verschiedenes Sein; aber es ist _auch +Eins_; das Einssein aber widerspricht dieser seiner Verschiedenheit; +das Bewusstsein haette hienach dies In-eins-setzen wieder auf sich zu +nehmen, und von dem Dinge abzuhalten. Es muesste also sagen, dass das +Ding, _insofern_ es fuer sich ist, nicht fuer Anderes ist. Allein dem +Dinge selbst kommt auch das Einssein zu, wie das Bewusstsein erfahren +hat; das Ding ist wesentlich in sich reflektiert. Das _Auch_, oder +der gleichgueltige Unterschied faellt also wohl ebenso in das Ding, als +das _Einssein_; aber da beides verschieden, nicht in dasselbe, +sondern in _verschiedene_ Dinge; der Widerspruch, der an dem +gegenstaendlichen Wesen ueberhaupt ist, verteilt sich an zwei +Gegenstaende. Das Ding ist also wohl an und fuer sich, sich selbst +gleich; aber diese Einheit mit sich selbst wird durch andere Dinge +gestoert; so ist die Einheit des Dings erhalten, und zugleich das +Anderssein ausser ihm, so wie ausser dem Bewusstsein. + +Ob nun zwar so der Widerspruch des gegenstaendlichen Wesens an +verschiedene Dinge verteilt ist, so wird darum doch an das +abgesonderte einzelne Ding selbst der Unterschied kommen. Die +_verschiedenen Dinge_ sind also _fuer sich_ gesetzt; und der +Widerstreit faellt in sie so gegenseitig, dass jedes nicht von sich +selbst, sondern nur von dem andern verschieden ist. Jedes ist aber +hiemit _selbst als ein Unterschiedenes_ bestimmt, und hat den +wesentlichen Unterschied von den andern _an ihm_; aber zugleich nicht +so, dass dies eine Entgegensetzung an ihm selbst waere, sondern es fuer +sich ist _einfache Bestimmtheit_, welche seinen _wesentlichen_ es von +andern unterscheidenden Charakter ausmacht. In der Tat ist zwar, da +die Verschiedenheit an ihm ist, dieselbe notwendig als _wirklicher_ +Unterschied mannigfaltiger Beschaffenheit an ihm. Allein weil die +Bestimmtheit das _Wesen_ des Dinges ausmacht, wodurch es von andern +sich unterscheidet und fuer sich ist, so ist diese sonstige +mannigfaltige Beschaffenheit das _Unwesentliche_. Das Ding hat +hiemit zwar in seiner Einheit das _gedoppelte Insofern_ an ihm, aber +mit _ungleichem Werte_; wodurch dies Engegengesetztsein also nicht +zur wirklichen Entgegensetzung des Dings selbst wird, sondern +insofern dies durch seinen _*absoluten* Unterschied_ in +Entgegensetzung kommt, hat es sie gegen ein anderes Ding ausser ihm. +Die sonstige Mannigfaltigkeit aber ist zwar auch notwendig an dem +Dinge, so dass sie nicht von ihm wegbleiben kann, aber sie ist ihm +_unwesentlich_. + +Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings +ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt, +dass das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin +fuer sich erhalten soll. Ding aber, oder fuer sich seiendes Eins ist +es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn +in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt; +und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhoeren des Fuer-sich-seins. +Durch den _absoluten Charakter_ gerade und seine Entgegensetzung +_verhaelt_ es sich zu _andern_, und ist wesentlich nur dies Verhalten; +das Verhaeltnis aber ist die Negation seiner Selbststaendigkeit, und +das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde. + +Die Notwendigkeit der Erfahrung fuer das Bewusstsein, dass das Ding eben +durch die Bestimmtheit, welche sein Wesen und sein Fuer-sich-sein +ausmacht, zugrunde geht, kann kurz dem einfachen Begriffe nach so +betrachtet werden. Das Ding ist gesetzt als _Fuer-sich-sein_, oder +als absolute Negation alles Andersseins; daher absolute, nur sich auf +sich beziehende Negation; aber die sich auf sich beziehende Negation +ist Aufheben _seiner selbst_, oder sein Wesen in einem andern zu +haben. + +In der Tat enthaelt die Bestimmung des Gegenstandes, wie er sich +ergeben hat, nichts anderes; er soll eine wesentliche Eigenschaft, +welche sein einfaches Fuer-sich-sein ausmacht, bei dieser Einfachheit +aber auch die Verschiedenheit an ihm selbst haben, welche zwar +_notwendig_ sein, aber nicht die _wesentliche_ Bestimmtheit ausmachen +soll. Aber dies ist eine Unterscheidung, welche nur noch in den +Worten liegt; das _Unwesentliche_, welches doch zugleich _notwendig_ +sein soll, hebt sich selbst auf, oder ist dasjenige, was soeben die +Negation seiner selbst genannt wurde. + +Es faellt hiemit das letzte _Insofern_ hinweg, welches das +Fuer-sich-sein und das Sein fuer Anderes trennte; der Gegenstand ist +vielmehr _in einer und derselben Ruecksicht das Gegenteil seiner +selbst, fuer sich, insofern er fuer Anderes_, und _fuer Anderes, +insofern er fuer sich ist_. Er ist _fuer sich_, in sich reflektiert, +Eins; aber dies _fuer sich_, in sich reflektiert, Einssein ist mit +seinem Gegenteile, dem _Sein fuer ein Anderes_, in einer Einheit, und +darum nur als Aufgehobenes gesetzt; oder dies _Fuer-sich-sein_ ist +ebenso _unwesentlich_ als dasjenige, was allein das Unwesentliche +sein sollte, naemlich das Verhaeltnis zu anderem. + +Der Gegenstand ist hiedurch in seinen reinen Bestimmtheiten oder in +den Bestimmtheiten, welche seine Wesenheit ausmachen sollten, ebenso +aufgehoben, als er in seinem sinnlichen Sein zu einem Aufgehobenen +wurde. Aus dem sinnlichen Sein wird er ein Allgemeines; aber dies +Allgemeine ist, da es _aus dem sinnlichen herkommt_, wesentlich durch +dasselbe _bedingt_, und daher ueberhaupt nicht wahrhaft sich selbst +gleiche, sondern _mit einem Gegensatze affizierte_ Allgemeinheit, +welche sich darum in die Extreme der Einzelnheit und Allgemeinheit, +des Eins der Eigenschaften und des Auchs der freien Materien trennt. +Diese reinen Bestimmtheiten scheinen die _Wesenheit_ selbst +auszudruecken, aber sie sind nur ein _Fuer-sich-sein_, welches mit dem +_Sein fuer ein Anderes_ behaftet ist; indem aber beide wesentlich _in +einer Einheit_ sind, so ist itzt die unbedingte absolute +Allgemeinheit vorhanden, und das Bewusstsein tritt hier erst wahrhaft +in das Reich des Verstandes ein. + +Die sinnliche Einzelnheit also verschwindet zwar in der dialektischen +Bewegung der unmittelbaren Gewissheit und wird Allgemeinheit, aber nur +_sinnliche Allgemeinheit_. Das Meinen ist verschwunden, und das +Wahrnehmen nimmt den Gegenstand, wie _er an sich_ ist, oder als +Allgemeines ueberhaupt; die Einzelnheit tritt daher an ihm, als wahre +Einzelnheit, als _An-sich-sein_ des _Eins_ hervor, oder als +_Reflektiertsein in sich_ selbst. Es ist aber noch ein _bedingtes_ +Fuer-sich-sein, _neben welchem_ ein anderes Fuer-sich-sein, die der +Einzelnheit entgegengesetzte und durch sie bedingte Allgemeinheit +vorkommt; aber diese beiden widersprechenden Extreme sind nicht nur +_nebeneinander,_ sondern in _einer_ Einheit, oder, was dasselbe ist, +das Gemeinschaftliche beider, das _Fuer-sich-sein_ ist mit dem +Gegensatze ueberhaupt behaftet, das heisst, es ist zugleich nicht ein +_Fuer-sich-sein_. Diese Momente sucht die Sophisterei des Wahrnehmens +von ihrem Widerspruche zu retten, und durch die Unterscheidung der +_Ruecksichten_, durch das _Auch_ und _Insofern_ festzuhalten, sowie +endlich durch die Unterscheidung des _Unwesentlichen_ und eines ihm +entgegengesetzten _Wesens_ das Wahre zu ergreifen. Allein diese +Auskunftsmittel, statt die Taeuschung in dem Auffassen abzuhalten, +erweisen sich vielmehr selbst als nichtig, und das Wahre, das durch +diese Logik des Wahrnehmens gewonnen werden soll, erweist sich in +einer und derselben Ruecksicht, das Gegenteil zu sein, und hiemit zu +seinem Wesen die unterscheidungs- und bestimmungslose Allgemeinheit +zu haben. + +Diese leeren Abstraktionen der _Einzelnheit_ und der ihr +entgegengesetzten _Allgemeinheit_, sowie des _Wesens_, das mit einem +Unwesentlichen verknuepft, eines _Unwesentlichen_, das doch zugleich +notwendig ist, sind die Maechte, deren Spiel der wahrnehmende, oft so +genannte gesunde Menschenverstand ist; er, der sich fuer das gediegne +reale Bewusstsein nimmt, ist im Wahrnehmen nur das Spiel _dieser +Abstraktionen_; er ist ueberhaupt immer da am aermsten, wo er am +reichsten zu sein meint. Indem er von diesen nichtigen Wesen +herumgetrieben, von dem einen dem andern in die Arme geworfen wird +und durch seine Sophisterei abwechslungsweise itzt das eine, dann das +gerad Entgegengesetzte festzuhalten und zu behaupten bemueht, sich der +Wahrheit widersetzt, meint er von der Philosophie, sie habe es nur +mit _Gedankendingen_ zu tun. Sie hat in der Tat auch damit zu tun, +und erkennt sie fuer die reinen Wesen, fuer die absoluten Elemente und +Maechte; aber damit erkennt sie dieselben zugleich _in ihrer +Bestimmtheit_, und ist darum Meister ueber sie, waehrend jener +wahrnehmende Verstand sie fuer das Wahre nimmt, und von ihnen aus +einer Irre in die andere geschickt wird. Er selbst kommt nicht zu +dem Bewusstsein, dass es solche einfache Wesenheiten sind, die in ihm +walten, sondern er meint es immer mit ganz gediegnem Stoffe und +Inhalte zu tun zu haben, so wie die sinnliche Gewissheit nicht weiss, +dass die leere Abstraktion des reinen Seins ihr Wesen ist; aber in der +Tat sind sie es, an welchen er durch allen Stoff und Inhalt hindurch +und hin und her laeuft; sie sind der Zusammenhalt und die Herrschaft +desselben, und allein dasjenige, was das sinnliche _als Wesen_ fuer +das Bewusstsein ist, was seine Verhaeltnisse zu ihm bestimmt, und woran +die Bewegung des Wahrnehmens und seines Wahren ablaeuft. Dieser +Verlauf, ein bestaendig abwechselndes Bestimmen des Wahren und +Aufheben dieses Bestimmens, macht eigentlich das taegliche und +bestaendige Leben und Treiben des Wahrnehmenden und in der Wahrheit +sich zu bewegen meinenden Bewusstseins aus. Es geht darin +unaufhaltsam zu dem Resultate des gleichen Aufhebens aller dieser +wesentlichen Wesenheiten oder Bestimmungen fort, ist aber in jedem +einzelnen Momente nur dieser _einen Bestimmtheit_ als des Wahren sich +bewusst, und dann wieder der entgegengesetzten. Es wittert wohl ihre +Unwesenheit; sie gegen die drohende Gefahr zu retten, geht es zur +Sophisterei ueber, das, was es selbst soeben als das Nichtwahre +behauptete, itzt als das Wahre zu behaupten. Wozu diesen Verstand +eigentlich die Natur dieser unwahren Wesen treiben will, die Gedanken +von jener _Allgemeinheit_ und _Einzelnheit_, vom _Auch_ und _Eins_, +von jener _Wesentlichkeit_, die mit einer _Unwesentlichkeit +notwendig_ verknuepft ist, und von einem _Unwesentlichen_, das doch +notwendig ist,--die _Gedanken_ von diesen Unwesen _zusammenzubringen_ +und sie dadurch aufzuheben, dagegen straeubt er sich durch die Stuetzen +des _Insofern_ und der verschiedenen _Ruecksichten_, oder dadurch, den +einen Gedanken auf sich zu nehmen, um den andern getrennt und als den +wahren zu erhalten. Aber die Natur dieser Abstraktionen bringt sie +an und fuer sich zusammen, der gesunde Verstand ist der Raub derselben, +die ihn in ihrem wirbelnden Kreise umhertreiben. Indem er ihnen die +Wahrheit dadurch geben will, dass er bald die Unwahrheit derselben auf +sich nimmt, bald aber auch die Taeuschung einen Schein der +unzuverlaessigen Dinge nennt und das Wesentliche von einem ihnen +notwendigen, und doch unwesentlich sein sollenden abtrennt, und jenes +als ihre Wahrheit gegen dieses festhaelt, erhaelt er ihnen nicht ihre +Wahrheit, sich aber gibt er die Unwahrheit. + + + +III. Kraft und Verstand,Erscheinung und uebersinnliche Welt + +Dem Bewusstsein ist in der Dialektik der sinnlichen Gewissheit das +Hoeren und Sehen u.s.w. vergangen, und als Wahrnehmen ist es zu +Gedanken gekommen, welche es aber erst im unbedingt Allgemeinen +zusammenbringt. Dies Unbedingte waere nun selbst wieder nichts anders +als das auf eine Seite tretende _Extrem_ des _Fuer-sich-seins_, wenn +es als ruhiges einfaches Wesen genommen wuerde, denn so traete ihm das +Unwesen gegenueber; aber auf dieses bezogen waere es selbst +unwesentlich, und das Bewusstsein nicht aus der Taeuschung des +Wahrnehmens herausgekommen; allein es hat sich als ein solches +ergeben, welches aus einem solchen bedingten Fuer-sich-sein in sich +zurueckgegangen ist.--Dies unbedingte Allgemeine, das nunmehr der +wahre Gegenstand des Bewusstseins ist, ist noch als _Gegenstand_ +desselben; es hat seinen _Begriff_ als _Begriff_ noch nicht erfasst. +Beides ist wesentlich zu unterscheiden; dem Bewusstsein ist der +Gegenstand aus dem Verhaeltnisse zu einem andern in sich +zurueckgegangen, und hiemit _an sich_ Begriff geworden; aber das +Bewusstsein ist noch nicht fuer sich selbst der Begriff, und deswegen +erkennt es in jenem reflektierten Gegenstande nicht sich. _Fuer uns_ +ist dieser Gegenstand durch die Bewegung des Bewusstseins so geworden, +dass dieses in das Werden desselben verflochten, und die Reflexion auf +beiden Seiten dieselbe, oder nur _eine_ ist. Weil aber das +Bewusstsein in dieser Bewegung nur das gegenstaendliche Wesen, nicht +das Bewusstsein als solches zu seinem Inhalte hatte, so ist fuer es das +Resultat in gegenstaendlicher Bedeutung zu setzen, und das Bewusstsein +noch von dem gewordenen zuruecktretend, so dass ihm dasselbe als +Gegenstaendliches das Wesen ist. + +Der Verstand hat damit zwar seine eigne Unwahrheit und die Unwahrheit +des Gegenstandes aufgehoben; und was ihm dadurch geworden, ist der +Begriff des Wahren; als _an sich_ seiendes Wahres, das noch nicht +Begriff ist, oder das des _Fuer-sich-seins_ des Bewusstseins entbehrt, +und das der Verstand, ohne sich darin zu wissen, gewaehren laesst. +Dieses treibt sein Wesen fuer sich selbst; so dass das Bewusstsein +keinen Anteil an seiner freien Realisierung hat, sondern ihr nur +zusieht, und sie rein auffasst. _Wir_ haben hiemit noch vors erste an +seine Stelle zu treten, und der Begriff zu sein, welcher das +ausbildet, was in dem Resultate enthalten ist; an diesem +ausgebildeten Gegenstande, der dem Bewusstsein als ein seiendes sich +darbietet, wird es sich erst zum begreifenden Bewusstsein. + +Das Resultat war das unbedingt Allgemeine, zunaechst in dem negativen +und abstrakten Sinne, dass das Bewusstsein seine einseitigen Begriffe +negierte, und sie abstrahierte, naemlich sie aufgab. Das Resultat hat +aber an sich die positive Bedeutung, dass darin die Einheit, _des +Fuer-sich-seins_ und _des Fuer-ein-Anderes-seins_, oder der absolute +Gegensatz unmittelbar als dasselbe Wesen gesetzt ist. Es scheint +zunaechst nur die Form der Momente zueinander zu betreffen; aber das +Fuer-sich-sein und das Fuer-Anderes-sein ist ebensowohl der _Inhalt_ +selbst, weil der Gegensatz in seiner Wahrheit keine andere Natur +haben kann, als die sich im Resultate ergeben hat, dass naemlich der in +der Wahrnehmung fuer wahr gehaltene Inhalt in der Tat nur der Form +angehoert, und in ihre Einheit sich aufloest. Dieser Inhalt ist +zugleich allgemein; es kann keinen andern Inhalt geben, der durch +seine besondere Beschaffenheit sich dem entzoege, in diese unbedingte +Allgemeinheit zurueckzugehen. Ein solcher Inhalt waere irgendeine +bestimmte Weise, fuer sich zu sein, und zu Anderem sich zu verhalten. +Allein _fuer sich zu sein_, und _zu Anderem sich zu verhalten +ueberhaupt_, macht seine _Natur_ und _Wesen_ aus, deren Wahrheit ist, +unbedingt Allgemeines zu sein; und das Resultat ist schlechthin +allgemein. + +Weil aber dies unbedingt Allgemeine Gegenstand fuer das Bewusstsein ist, +so tritt an ihm der Unterschied der Form und des Inhalts hervor, und +in der Gestalt des Inhalts haben die Momente das Aussehen, in welchem +sie sich zuerst darboten, einerseits allgemeines Medium vieler +bestehender Materien, und anderseits in sich reflektiertes Eins, +worin ihre Selbststaendigkeit vertilgt ist, zu sein. Jenes ist die +Aufloesung der Selbststaendigkeit des Dinges, oder die Passivitaet, die +ein Sein fuer ein Anderes ist, dies aber das Fuer-sich-sein. Es ist zu +sehen, wie diese Momente in der unbedingten Allgemeinheit, die ihr +Wesen ist, sich darstellen. Es erhellt zunaechst, dass sie dadurch, +dass sie nur in dieser sind, ueberhaupt nicht mehr auseinander liegen, +sondern wesentlich an ihnen selbst sich aufhebende Seiten sind, und +nur das Uebergehen derselben ineinander gesetzt ist. + +Das eine Moment erscheint also als das auf die Seite getretene Wesen, +als allgemeines Medium oder als das Bestehen selbststaendiger Materien. +Die _Selbststaendigkeit_ dieser Materien aber ist nichts anders als +dies Medium; oder dies _Allgemeine_ ist durchaus die _Vielheit_ +solcher verschiedenen Allgemeinen. Das Allgemeine ist an ihm selbst +in ungetrennter Einheit mit dieser Vielheit, heisst aber, diese +Materien sind, jede wo die andere ist, sie durchdringen sich +gegenseitig--ohne aber sich zu beruehren, weil umgekehrt das viele +Unterschiedene ebenso selbststaendig ist. Damit ist zugleich auch +ihre reine Porositaet oder ihr Aufgehobensein gesetzt. Dies +Aufgehobensein wieder, oder die Reduktion dieser Verschiedenheit zum +_reinen Fuer-sich-sein_ ist nichts anders als das Medium selbst und +dies die _Selbststaendigkeit_ der Unterschiede. Oder die +selbststaendig gesetzten gehen unmittelbar in ihre Einheit, und ihre +Einheit unmittelbar in die Entfaltung ueber, und diese wieder zurueck +in die Reduktion. Diese Bewegung ist aber dasjenige, was _Kraft_ +genannt wird; das eine Moment derselben, naemlich sie als Ausbreitung +der selbststaendigen Materien in ihrem Sein, ist ihre _Aeusserung_; sie +aber als das Verschwundensein derselben ist die in sich aus ihrer +Aeusserung _zurueckgedraengte_, oder _die eigentliche Kraft_. Aber +erstens die in sich zurueckgedraengte Kraft _muss_ sich aeussern; und +zweitens in der Aeusserung ist sie ebenso _in sich_ selbst seiende +Kraft, als sie in diesem In-sich-selbst-sein Aeusserung ist.--Indem wir +so beide Momente in ihrer unmittelbaren Einheit erhalten, so ist +eigentlich der Verstand, dem der Begriff der Kraft angehoert, _der +Begriff_, welcher die unterschiedenen Momente als unterschiedene +traegt; denn _an ihr selbst_ sollen sie nicht unterschieden sein; der +Unterschied ist hiemit nur im Gedanken.--Oder es ist im obigen nur +erst der Begriff der Kraft, nicht ihre Realitaet gesetzt worden. In +der Tat aber ist die Kraft das unbedingt Allgemeine, welches, was es +_fuer ein Anderes_, ebenso an sich selbst ist; oder welches den +Unterschied--denn er ist nichts anderes, als das +_Fuer-ein-Anderes-sein_--an ihm selbst hat. Dass also die Kraft in +ihrer Wahrheit sei, muss sie ganz vom Gedanken frei gelassen und als +die Substanz dieser Unterschiede gesetzt werden, das heisst _einmal, +sie_ als diese ganze Kraft wesentlich _an und fuer sich_ bleibend, und +_dann_ ihre _Unterschiede_ als _substantiell_, oder als fuer sich +bestehende Momente. Die Kraft als solche, oder als in sich +zurueckgedraengte ist hiemit fuer sich als ein _ausschliessendes_ Eins, +welchem die Entfaltung der Materien ein _anderes bestehendes Wesen_ +ist, und es sind so zwei unterschiedne selbststaendige Seiten gesetzt. +Aber die Kraft ist auch das Ganze, oder sie bleibt, was sie ihrem +Begriffe nach ist, naemlich diese _Unterschiede_ bleiben reine Formen, +oberflaechliche _verschwindende Momente. Die Unterschiede_ der in +sich _zurueckgedraengten_ eigentlichen Kraft und der _Entfaltung_ der +selbststaendigen Materien waeren zugleich gar nicht, wenn sie nicht ein +_Bestehen_ haetten, oder die Kraft waere nicht, wenn sie nicht auf +diese entgegengesetzte Weise _existierte_; aber, sie existiert auf +diese entgegengesetzte Weise, heisst nichts anderes, als beide Momente +sind selbst zugleich _selbststaendig_.--Diese Bewegung des +Sich-bestaendig-verselbststaendigens der beiden Momente und ihres +Sich-wieder-aufhebens ist es also, was zu betrachten ist.--Es erhellt +im allgemeinen, dass diese Bewegung nichts anderes ist als die +Bewegung des Wahrnehmens, worin die beiden Seiten, das Wahrnehmende +und das Wahrgenommene zugleich, einmal als das _Auffassen_ des Wahren +eins und ununterschieden, dabei aber ebensowohl jede Seite in sich +_reflektiert_ oder fuer sich ist. Hier sind diese beiden Seiten +Momente der Kraft; sie sind ebensowohl in einer Einheit, als diese +Einheit, welche gegen die fuer sich seienden Extreme als die Mitte +erscheint, sich immer in eben diese Extreme zersetzt, die erst +dadurch sind.--Die Bewegung, welche sich vorhin als das +Sich-selbst-vernichten widersprechender Begriffe darstellte, hat also +hier die _gegenstaendliche_ Form, und ist Bewegung der Kraft, als +deren Resultat das unbedingt Allgemeine als _Ungegenstaendliches_, +oder als _Innres_ der Dinge hervorgeht. + +Die Kraft ist, wie sie bestimmt worden, indem sie als _solche_, oder +als _in sich reflektiert_ vorgestellt wird, die eine Seite ihres +Begriffs; aber als ein substantiiertes Extrem, und zwar das unter der +Bestimmtheit des Eins gesetzte. Hiemit ist das _Bestehen_ der +entfalteten Materien aus ihr ausgeschlossen, und ein _Anderes_ als +sie. Indem es notwendig ist, dass _sie selbst_ dieses _Bestehen_ sei, +oder dass sie sich _aeussere_, so stellt sich ihre Aeusserung so vor, dass +_jenes andere_ zu ihr _hinzutritt_, und sie sollizitiert. Aber in +der Tat, indem sie _notwendig_ sich aeussert, hat sie dies, was als ein +anderes Wesen gesetzt war, an ihr selbst. Es muss zurueckgenommen +werden, dass sie als _ein Eins_, und ihr Wesen, sich zu aeussern, als +ein Anderes zu ihr von aussen Hinzutretendes gesetzt wurde; sie ist +vielmehr selbst dies allgemeine Medium des Bestehens der Momente als +Materien; oder _sie hat sich geaeussert_, und was das andere +Sollizitierende sein sollte, ist sie vielmehr. Sie existiert also +itzt als das Medium der entfalteten Materien. Aber sie hat gleich +wesentlich die Form des Aufgehobenseins der bestehenden Materien, +oder ist wesentlich _Eins_; _dies Eins-sein_ ist hiemit _itzt_, da +_sie_ gesetzt ist als das Medium von Materien, _ein anderes als sie_, +und sie hat dies ihr Wesen ausser ihr. Indem sie aber notwendig dies +sein muss, als was sie _noch nicht_ gesetzt ist, so _tritt dies andere +hinzu_ und sollizitiert sie zur Reflexion in sich selbst, oder hebt +ihre Aeusserung auf. In der Tat aber ist _sie selbst_ dieses +In-sich-reflektiert-sein, oder dies Aufgehobensein der Aeusserung; das +Einssein verschwindet, _wie_ es erschien, naemlich als _ein anderes_; +_sie ist es selbst_, sie ist in sich zurueckgedraengte Kraft. + +Das, was als Anderes auftritt, und sie sowohl zur Aeusserung als zur +Rueckkehr in sich selbst sollizitiert, ist, wie sich unmittelbar +ergibt, _selbst Kraft_; denn das Andre zeigt sich ebensowohl als +allgemeines Medium wie als Eins; und so, dass jede dieser Gestalten +zugleich nur als verschwindendes Moment auftritt. Die Kraft ist +hiemit dadurch, dass ein Anderes fuer sie, und sie fuer ein Anderes ist, +ueberhaupt noch nicht aus ihrem Begriffe herausgetreten. Es sind aber +zugleich zwei Kraefte vorhanden; der Begriff beider zwar derselbe, +aber aus seiner Einheit in die Zweiheit herausgegangen. Statt dass +der Gegensatz durchaus wesentlich nur Moment bliebe, scheint er sich +durch die Entzweiung in ganz _selbststaendige Kraefte_ der Herrschaft +der Einheit entzogen zu haben. Was es mit dieser Selbststaendigkeit +fuer eine Bewandtnis hat, ist naeher zu sehen. Zunaechst tritt die +zweite Kraft als das Sollizitierende, und zwar als allgemeines Medium +seinem Inhalte nach gegen die auf, welche als sollizitierte bestimmt +ist; indem aber jene wesentlich Abwechslung dieser beiden Momente und +selbst Kraft ist, so ist sie in der Tat gleichfalls _nur erst_ +allgemeines Medium, _indem sie dazu sollizitiert wird_, und ebenso +auch nur negative Einheit, oder zum Zurueckgehen der Kraft +Sollizitierendes, _dadurch, dass sie sollizitiert wird_. Es +verwandelt sich hiemit auch dieser Unterschied, der zwischen beiden +stattfand, dass das eine das _Sollizitierende_, das andere das +_Sollizitierte_ sein sollte, in dieselbe Austauschung der +Bestimmtheiten gegeneinander. + +Das Spiel der beiden Kraefte besteht hiemit in diesem +entgegengesetzten Bestimmtsein beider, ihrem Fuereinander-sein in +dieser Bestimmung, und der absoluten unmittelbaren Verwechslung der +Bestimmungen--einem Uebergange, wodurch allein diese Bestimmungen sind, +in denen die Kraefte _selbststaendig_ aufzutreten scheinen. Das +Sollizitierende ist, zum Beispiel, als allgemeines Medium, und +dagegen das Sollizitierte als zurueckgedraengte Kraft gesetzt; aber +jenes ist allgemeines Medium selbst nur dadurch, dass das andere +zurueckgedraengte Kraft ist; oder diese ist vielmehr das +Sollizitierende fuer jenes, und macht dasselbe erst zum Medium. Jenes +hat nur durch das andere seine Bestimmtheit, und ist sollizitierend, +nur insofern es vom andern dazu sollizitiert wird, sollizitierend zu +sein; und es verliert ebenso unmittelbar diese ihm gegebene +Bestimmtheit; denn diese geht an das andere ueber oder vielmehr ist +schon an dasselbe uebergegangen; das fremde die Kraft Sollizitierende +tritt als allgemeines Medium auf, aber nur dadurch, dass es von ihr +dazu sollizitiert worden ist; das heisst aber, _sie setzt_ es so und +_ist_ vielmehr _selbst wesentlich_ allgemeines Medium; sie setzt das +Sollizitierende so, darum weil diese andere Bestimmung _ihr_ +wesentlich, das heisst, weil _sie vielmehr sie selbst ist._ + +Zur Vervollstaendigung der Einsicht in den Begriff dieser Bewegung +kann noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich die Unterschiede +selbst in einem gedoppelten Unterschiede zeigen, _einmal_ als +Unterschiede des _Inhalts_, indem das eine Extrem in sich +reflektierte Kraft, das andere aber Medium der Materien ist; das +_andremal_ als Unterschiede der _Form_, indem das eine +Sollizitierendes, das andre Sollizitiertes, jenes taetig, dies passiv +ist. Nach dem Unterschiede des Inhalts _sind_ sie ueberhaupt, oder +fuer uns unterschieden; nach dem Unterschiede der Form aber sind sie +selbststaendig, in ihrer Beziehung sich voneinander selbst abscheidend +und entgegengesetzt. Dass so die Extreme nach diesen beiden Seiten +nichts _an sich_, sondern diese Seiten, worin ihr unterschiedenes +Wesen bestehen sollte, nur verschwindende Momente, ein unmittelbares +Uebergehen jeder in die entgegengesetzte sind, dies wird fuer das +Bewusstsein in der Wahrnehmung der Bewegung der Kraft. Fuer uns aber +war, wie oben erinnert, auch noch dies, dass an sich die Unterschiede +als _Unterschiede des Inhalts und der Form_ verschwanden, und auf der +Seite der Form dem Wesen nach das _taetige, sollizitierende_ oder +_Fuer-sich-seiende_ dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als in +sich zurueckgedraengte Kraft; das passive, _sollizitierte_, oder +Fuer-ein-Anderes-seiende auf der Seite der Form dasselbe, was auf der +Seite des Inhalts als allgemeines Medium der vielen Materien sich +darstellte. + +Es ergibt sich hieraus, dass der Begriff der Kraft durch die +Verdopplung in zwei Kraefte _wirklich_ wird, und wie er dies wird. +Diese zwei Kraefte existieren als fuer sich seiende Wesen; aber ihre +Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, dass ihr Sein +vielmehr ein reines _Gesetztsein durch ein Anderes_ ist, das heisst, +dass ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des _Verschwindens_ hat. +Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes fuer sich behielten, und +nur eine aeussere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre +Beruehrung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser +Mitte und Beruehrung. Es ist darin unmittelbar ebensowohl das +In-sich-zurueckgedraengt- oder _das Fuer-sich-sein_ der Kraft wie die +Aeusserung, das Sollizitieren wie das Sollizitiertsein; diese Momente +hiemit nicht an zwei selbststaendige Extreme verteilt, welche sich nur +eine entgegengesetzte Spitze boeten, sondern ihr Wesen ist dies +schlechthin, jedes nur durchs andere, und was jede so durchs andre +ist, unmittelbar nicht mehr zu sein, indem sie es ist. Sie haben +hiemit in der Tat keine eignen Substanzen, welche sie truegen und +erhielten. Der _Begriff_ der Kraft erhaelt sich vielmehr als _das +Wesen_ in seiner _Wirklichkeit_ selbst; die _Kraft als wirkliche_ ist +schlechthin nur in der _Aeusserung_, welche zugleich nichts anders als +ein Sich-selbst-aufheben ist. Diese _wirkliche_ Kraft vorgestellt +als frei von ihrer Aeusserung und fuer sich seiend, ist sie die in sich +zurueckgedraengte Kraft, aber diese Bestimmtheit ist in der Tat, wie +sich ergeben hat, selbst nur ein Moment der _Aeusserung_. Die Wahrheit +der Kraft bleibt also nur der _Gedanke_ derselben; und haltungslos +stuerzen die Momente ihrer Wirklichkeit, ihre Substanzen und ihre +Bewegung in eine ununterschiedene Einheit zusammen, welche nicht die +in sich zurueckgedraengte Kraft ist, denn diese ist selbst nur ein +solches Moment, sondern diese Einheit ist _ihr Begriff, als Begriff_. +Die Realisierung der Kraft ist also zugleich Verlust der Realitaet; +sie ist darin vielmehr ein ganz Anderes geworden, naemlich diese +_Allgemeinheit_, welche der Verstand zuerst oder unmittelbar als ihr +Wesen erkennt, und welche sich auch als ihr Wesen an ihrer +seinsollenden Realitaet, an den wirklichen Substanzen erweist. + +Insofern wir _das erste_ Allgemeine als den _Begriff_ des Verstandes +betrachten, worin die Kraft noch nicht fuer sich ist, so ist das +zweite itzt ihr _Wesen_, wie es sich _an_ und _fuer sich_ darstellt. +Oder umgekehrt, betrachten wir das erste Allgemeine als das +_Unmittelbare_, das ein _wirklicher_ Gegenstand fuer das Bewusstsein +sein sollte, so ist dies zweite als das _Negative_ der sinnlich +gegenstaendlichen Kraft bestimmt; es ist sie, wie sie in ihrem wahren +Wesen nur als _Gegenstand des Verstandes_ ist; jenes erste waere die +in sich zurueckgedraengte Kraft oder sie als Substanz; dies zweite aber +ist das _Innere_ der Dinge, als _Inneres_, welches mit dem Begriffe +als Begriff dasselbe ist. + +Dieses wahrhafte Wesen der Dinge hat sich itzt so bestimmt, dass es +nicht unmittelbar fuer das Bewusstsein ist, sondern dass dieses ein +mittelbares Verhaeltnis zu dem Innern hat, und als Verstand _durch +diese Mitte des Spiels der Kraefte in den wahren Hintergrund der Dinge +blickt_. Die Mitte, welche die beiden Extreme, den Verstand und das +Innere, zusammenschliesst, ist das entwickelte _Sein_ der Kraft, das +fuer den Verstand selbst nunmehr ein _Verschwinden_ ist. Es heisst +darum _Erscheinung_; denn Schein nennen wir das _Sein_, das +unmittelbar an ihm selbst ein _Nichtsein_ ist. Es ist aber nicht nur +ein Schein, sondern Erscheinung, ein _Ganzes_ des Scheins. Dies +_Ganze_ als Ganzes oder _Allgemeines_ ist es, was das _Innere_ +ausmacht, das _Spiel der Kraefte_, als _Reflexion_ desselben in sich +selbst. In ihm sind fuer das Bewusstsein auf gegenstaendliche Weise die +Wesen der Wahrnehmung _so gesetzt_, wie sie an sich sind, naemlich als +unmittelbar in das Gegenteil ohne Ruhe und Sein sich verwandelnde +Momente, das Eins unmittelbar in das Allgemeine, das Wesentliche +unmittelbar in das Unwesentliche und umgekehrt. Dies Spiel der +Kraefte ist daher das entwickelte Negative, aber die Wahrheit +desselben ist das Positive, naemlich das _Allgemeine_, der _an sich_ +seiende Gegenstand.--Das _Sein_ desselben _fuer das_ Bewusstsein ist +vermittelt durch die Bewegung der _Erscheinung_, worin das _Sein der +Wahrnehmung_ und das sinnlich Gegenstaendliche ueberhaupt nur negative +Bedeutung hat, das Bewusstsein also daraus sich in sich als in das +Wahre reflektiert, aber als Bewusstsein wieder dies Wahre zum +gegenstaendlichen _Innern_ macht, und diese Reflexion der Dinge von +seiner Reflexion in sich selbst unterscheidet; wie ihm die +vermittelnde Bewegung ebenso noch eine gegenstaendliche ist. Dies +Innere ist ihm daher ein Extrem gegen es; aber es ist ihm darum das +Wahre, weil es darin als in dem _An-sich_ zugleich die Gewissheit +seiner selbst oder das Moment seines Fuer-sich-seins hat; aber dieses +Grundes ist es sich noch nicht bewusst, denn das _Fuer-sich-sein_, +welches das Innre an ihm selbst haben sollte, waere nichts anderes als +die negative Bewegung, aber diese ist dem Bewusstsein noch die +_gegenstaendliche_ verschwindende Erscheinung, noch nicht sein +_eignes_ Fuer-sich-sein; das Innre ist ihm daher wohl Begriff, aber es +kennt die Natur des Begriffes noch nicht. + +In diesem _innern Wahren_, als dem _absolut Allgemeinen_, welches vom +_Gegensatze_ des Allgemeinen und Einzelnen gereinigt und _fuer den +Verstand_ geworden ist, schliesst sich erst ueber der _sinnlichen_ als +der _erscheinenden Welt_ nunmehr eine _uebersinnliche_ als die _wahre_ +Welt auf, ueber dem verschwindenden _Diesseits_ das bleibende +_Jenseits_; ein An-sich, welches die erste und darum selbst +unvollkommene Erscheinung der Vernunft, oder nur das reine Element +ist, worin die Wahrheit ihr _Wesen_ hat. + +_Unser Gegenstand_ ist hiemit nunmehr der Schluss, welcher zu seinen +Extremen, das Innere der Dinge, und den Verstand, und zu seiner Mitte +die Erscheinung hat; die Bewegung dieses Schlusses aber gibt die +weitere Bestimmung dessen, was der Verstand durch die Mitte hindurch +im Innern erblickt, und die Erfahrung, welche er ueber dieses +Verhaeltnis des Zusammengeschlossenseins macht. + +Noch ist das Innere _reines Jenseits_ fuer das Bewusstsein, denn es +findet sich selbst in ihm noch nicht; es ist _leer_, denn es ist nur +das Nichts der Erscheinung und positiv das einfache Allgemeine. +Diese Weise des Innern zu sein, stimmt unmittelbar denjenigen bei, +welche sagen, dass das Innre der Dinge nicht zu erkennen sei; aber der +Grund wuerde anders gefasst werden muessen. Von diesem Innern, wie es +hier unmittelbar ist, ist allerdings keine Kenntnis vorhanden, aber +nicht deswegen, weil die Vernunft zu kurzsichtig, oder beschraenkt, +oder wie man es sonst nennen will, waere; worueber hier noch nichts +bekannt ist, denn so tief sind wir noch nicht eingedrungen; sondern +um der einfachen Natur der Sache selbst willen, weil naemlich im +_Leeren_ nichts erkannt wird, oder von der andern Seite ausgesprochen, +weil es eben als das _Jenseits_ des Bewusstseins bestimmt ist.--Das +Resultat ist freilich dasselbe, wenn ein Blinder in den Reichtum der +uebersinnlichen Welt--wenn sie einen hat, er sei nun eigentuemlicher +Inhalt derselben, oder das Bewusstsein selbst sei dieser Inhalt--und +wenn ein Sehender in die reine Finsternis, oder wenn man will, in das +reine Licht, wenn sie nur dieses ist, gestellt wird; der Sehende +sieht in seinem reinen Lichte so wenig als in seiner reinen +Finsternis, und gerade so viel als der Blinde in der Fuelle des +Reichtums, der vor ihm laege. Wenn es mit dem Innern und dem +Zusammengeschlossensein mit ihm durch die Erscheinung weiter nichts +waere, so bliebe nichts uebrig, als sich an die Erscheinung zu halten, +das heisst, etwas als wahr zu nehmen, von dem wir wissen, dass es nicht +wahr ist; oder damit doch in dem leeren, welches zwar erst als +Leerheit von gegenstaendlichen Dingen geworden, aber, _als Leerheit an +sich_, auch fuer die Leerheit aller geistigen Verhaeltnisse und der +Unterschiede des Bewusstseins als Bewusstseins genommen werden +muss--damit also in diesem so _ganz Leeren_, welches auch das +_Heilige_ genannt wird, doch etwas sei, es mit Traeumereien, +_Erscheinungen_, die das Bewusstsein sich selbst erzeugt, zu erfuellen; +es muesste sich gefallen lassen, dass so schlecht mit ihm umgegangen +wird, denn es waere keines bessern wuerdig, indem Traeumereien selbst +noch besser sind als seine Leerheit. + +Das Innere oder das uebersinnliche Jenseits ist aber _entstanden_, es +_kommt_ aus der Erscheinung her, und sie ist seine Vermittlung; oder +_die Erscheinung ist sein Wesen_, und in der Tat seine Erfuellung. +Das Uebersinnliche ist das Sinnliche und Wahrgenommene gesetzt, wie es +in _Wahrheit_ ist; die _Wahrheit_ des _Sinnlichen_ und Wahrgenommenen +aber ist, _Erscheinung_ zu sein. Das Uebersinnliche ist also die +_Erscheinung_ als _Erscheinung_.--Wenn dabei gedacht wird, das +Uebersinnliche sei _also_ die sinnliche Welt, oder die Welt, wie sie +_fuer die unmittelbare sinnliche Gewissheit und Wahrnehmung ist_, so +ist dies ein verkehrtes Verstehen; denn die Erscheinung ist vielmehr +_nicht_ die Welt des sinnlichen Wissens und Wahrnehmens als seiende, +sondern sie _als aufgehobene_ oder in Wahrheit _als innere gesetzt_. +Es pflegt gesagt zu werden, das Uebersinnliche sei _nicht_ die +Erscheinung; dabei wird aber unter der Erscheinung nicht die +Erscheinung verstanden, sondern vielmehr die _sinnliche_ Welt, als +selbst reelle Wirklichkeit. + +Der Verstand, welcher unser Gegenstand ist, befindet sich auf eben +dieser Stelle, dass ihm das Innere nur erst als das allgemeine noch +unerfuellte _An-sich_ geworden; das Spiel der Kraefte hat nur eben +diese negative Bedeutung, nicht an sich und nur diese positive, das +_Vermittelnde_, aber ausser ihm zu sein. Seine Beziehung auf das +Innre durch die Vermittlung aber ist seine Bewegung, durch welche es +sich ihm erfuellen wird.--_Unmittelbar_ fuer ihn ist das Spiel der +Kraefte; das _Wahre_ aber ist ihm das einfache Innre; die Bewegung der +Kraft ist daher ebenso nur als _Einfaches_ ueberhaupt das Wahre. Von +diesem Spiele der Kraefte haben wir aber gesehen, dass es diese +Beschaffenheit hat, dass die Kraft, welche _sollizitiert_ wird von +einer andern Kraft, ebenso das _Sollizitierende_ fuer diese andere ist, +welche selbst erst hierdurch sollizitierende wird. Es ist hierin +ebenso nur der unmittelbare Wechsel oder das absolute Austauschen der +_Bestimmtheit_ vorhanden, welche den einzigen _Inhalt_ des +Auftretenden ausmacht; entweder allgemeines Medium oder negative +Einheit zu sein. Es hoert in seinem bestimmten Auftreten selbst +unmittelbar auf, das zu sein, als was es auftritt; es sollizitiert +durch sein bestimmtes Auftreten die andere Seite, die sich hiedurch +_aeussert_; das heisst, diese ist unmittelbar itzt das, was die erste +sein sollte. Diese beiden Seiten, das _Verhaeltnis_ des +Sollizitierens und das _Verhaeltnis_ des bestimmten entgegengesetzten +Inhalts ist _jedes fuer sich_ die absolute Verkehrung und Verwechslung. +Aber diese beiden Verhaeltnisse sind selbst wieder dasselbe, und der +Unterschied der _Form_, das Sollizitierte und das Sollizitierende zu +sein, ist dasselbe, was der Unterschied des _Inhalts_ ist, das +Sollizitierte als solches, naemlich das passive Medium; das +Sollizitierende hingegen das taetige, die negative Einheit oder das +Eins. Hiedurch verschwindet aller Unterschied _besonderer Kraefte_, +die in dieser Bewegung vorhanden sein sollten, gegeneinander +ueberhaupt; denn sie beruhten allein auf jenen Unterschieden; und der +Unterschied der Kraefte faellt ebenso mit jenen beiden nur in einen +zusammen. Es ist also weder die Kraft noch das Sollizitieren und +Sollizitiert-werden, noch die Bestimmtheit, bestehendes Medium und in +sich reflektierte Einheit zu sein, weder einzeln fuer sich etwas, noch +sind es verschiedene Gegensaetze; sondern was in diesem absoluten +Wechsel ist, ist nur der _Unterschied als allgemeiner_ oder als ein +solcher, in welchen sich die vielen Gegensaetze reduziert haben. +Dieser _Unterschied als allgemeiner_ ist daher _das Einfache an dem +Spiele der Kraft selbst_, und das Wahre desselben; er ist das _Gesetz +der Kraft_. + +Zu dem _einfachen Unterschiede_ wird die absolut wechselnde +Erscheinung, durch ihre Beziehung auf die Einfachheit des Innern oder +des Verstandes. Das Innre ist zunaechst nur das an sich Allgemeine; +dies an sich einfache _Allgemeine_ ist aber wesentlich ebenso absolut +der _allgemeine Unterschied_; denn es ist das Resultat des Wechsels +selbst, oder der Wechsel ist sein Wesen; aber der Wechsel, als im +Innern gesetzt, wie er in Wahrheit ist, in dasselbe hiemit als ebenso +absolut allgemeiner, beruhigter, sich gleich bleibender Unterschied +aufgenommen. Oder die Negation ist wesentliches Moment des +Allgemeinen, und sie oder die Vermittlung also im Allgemeinen ist +_allgemeiner Unterschied_. Er ist im _Gesetze_ ausgedrueckt, als dem +_bestaendigen_ Bilde der unsteten Erscheinung. Die _uebersinnliche_ +Welt ist hiemit ein _ruhiges Reich von Gesetzen_, zwar jenseits der +wahrgenommenen Welt, denn diese stellt das Gesetz nur durch +bestaendige Veraenderung dar, aber in ihr ebenso _gegenwaertig_, und ihr +unmittelbares stilles Abbild. + +Dies Reich der Gesetze ist zwar die Wahrheit des Verstandes, welche +an dem Unterschiede, der in dem Gesetze ist, den _Inhalt_ hat; es ist +aber zugleich nur seine _erste Wahrheit_, und fuellt die Erscheinung +nicht aus. Das Gesetz ist in ihr gegenwaertig, aber es ist nicht ihre +ganze Gegenwart; es hat unter immer andern Umstaenden eine immer +andere Wirklichkeit. Es bleibt dadurch der Erscheinung _fuer sich_ +eine Seite, welche nicht im Innern ist; oder sie ist in Wahrheit noch +nicht als _Erscheinung_, als _aufgehobenes_ Fuer-sich-sein gesetzt. +Dieser Mangel des Gesetzes muss sich an ihm selbst ebenso hervortun. +Was ihm zu mangeln scheint, ist, dass es zwar den Unterschied selbst +an ihm hat, aber als allgemeinen, unbestimmten. Insofern es aber +nicht _das_ Gesetz ueberhaupt, sondern _ein_ Gesetz ist, hat es die +Bestimmtheit an ihm; und es sind damit unbestimmt _viele_ Gesetze +vorhanden. Allein diese Vielheit ist vielmehr selbst ein Mangel; sie +widerspricht naemlich dem Prinzip des Verstandes, welchem als +Bewusstsein des einfachen Innern, die an sich allgemeine _Einheit_ das +Wahre ist. Die vielen Gesetze muss er darum vielmehr in _ein_ Gesetz +zusammenfallen lassen. Wie zum Beispiel das Gesetz, nach welchem der +Stein faellt, und das Gesetz, nach welchem die himmlischen Sphaeren +sich bewegen, als _ein_ Gesetz begriffen worden ist. Mit diesem +Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre Bestimmtheit; das +Gesetz wird immer oberflaechlicher, und es ist damit in der Tat nicht +die Einheit _dieser bestimmten_ Gesetze, sondern ein ihre +Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das _eine_ Gesetz, +welches die Gesetze des Falles der Koerper an der Erde und der +himmlischen Bewegung in sich vereint, sie beide in der Tat nicht +ausdrueckt. Die Vereinigung aller Gesetze in der _allgemeinen +Attraktion_ drueckt keinen Inhalt weiter aus als eben den _blossen +Begriff des Gesetzes selbst_, der darin als _seiend_ gesetzt ist. +Die allgemeine Attraktion sagt nur dies, dass _alles einen bestaendigen +Unterschied zu anderem_ hat. Der Verstand meint dabei, ein +allgemeines Gesetz gefunden zu haben, welches die allgemeine +Wirklichkeit _als solche_ ausdruecke; aber hat in der Tat nur den +_Begriff_ des _Gesetzes selbst_ gefunden; jedoch so, dass er zugleich +dies damit aussagt, _alle_ Wirklichkeit ist _an ihr selbst_ +gesetzmaessig. Der Ausdruck der _allgemeinen Attraktion_ hat darum +insofern grosse Wichtigkeit, als er gegen das gedankenlose +_Vorstellen_ gerichtet ist, welchem alles in der Gestalt der +Zufaelligkeit sich darbietet, und welchem die Bestimmtheit die Form +der sinnlichen Selbststaendigkeit hat. + +Es steht somit den bestimmten Gesetzen die allgemeine Attraktion, +oder der reine Begriff des Gesetzes, gegenueber. Insofern dieser +reine Begriff, als das Wesen, oder als das wahre Innere betrachtet +wird, gehoert die _Bestimmtheit_ des bestimmten Gesetzes selbst noch +der Erscheinung oder vielmehr dem sinnlichen Sein an. Allein der +reine _Begriff_ des Gesetzes geht nicht nur ueber das Gesetz, welches, +selbst ein _bestimmtes_, _andern bestimmten_ Gesetzen gegenuebersteht, +sondern er geht auch _ueber das Gesetz_ als solches hinaus. Die +Bestimmtheit, von welcher die Rede war, ist eigentlich selbst nur +verschwindendes Moment, welches hier nicht mehr als Wesenheit +vorkommen kann; denn es ist nur das Gesetz als das Wahre vorhanden; +aber der _Begriff_ des Gesetzes ist gegen _das Gesetz_ selbst gekehrt. +An dem Gesetze naemlich ist der Unterschied selbst _unmittelbar_ +aufgefasst und in das Allgemeine aufgenommen, damit aber ein +_Bestehen_ der Momente, deren Beziehung es ausdrueckt, als +gleichgueltiger und an sich seiender Wesenheiten. Diese Teile des +Unterschieds am Gesetze sind aber zugleich selbst bestimmte Seiten; +der reine Begriff des Gesetzes als allgemeine Attraktion muss in +seiner wahren Bedeutung so aufgefasst werden, dass in ihm als absolut +_Einfachem_ die _Unterschiede_, die an dem Gesetze als solchem +vorhanden sind, selbst wieder _in das Innre als einfache Einheit +zurueckgehen_; sie ist die innre _Notwendigkeit_ des Gesetzes. + +Das Gesetz ist dadurch auf eine gedoppelte Weise vorhanden, das +einemal als Gesetz, an dem die Unterschiede als selbststaendige +Momente ausgedrueckt sind; das anderemal in der Form des _einfachen_ +In-sich-Zurueckgegangen-seins, welche wieder _Kraft_ genannt werden +kann, aber so, dass sie nicht die zurueckgedraengte, sondern die Kraft +ueberhaupt oder als der Begriff der Kraft ist, eine Abstraktion, +welche die Unterschiede dessen, was attrahiert und attrahiert wird, +selbst in sich zieht. So ist, zum Beispiel, die _einfache_ +Elektrizitaet die _Kraft_; der Ausdruck des Unterschieds aber faellt in +_das Gesetz_; dieser Unterschied ist positive und negative +Elektrizitaet. Bei der Bewegung des Falles ist die _Kraft_ das +einfache, die _Schwere_, welche das _Gesetz_ hat, dass die Groessen der +unterschiedenen Momente der Bewegung, der verflossenen _Zeit_, und +des durchlaufenen _Raums_, sich wie Wurzel und Quadrat zueinander +verhalten. Die Elektrizitaet selbst ist nicht der Unterschied an sich +oder in ihrem Wesen das Doppelwesen von positiver und negativer +Elektrizitaet; daher man zu sagen pflegt, sie _habe_ das Gesetz, auf +diese Weise _zu sein_, auch wohl, sie _habe die Eigenschaft_, so sich +zu aeussern. Diese Eigenschaft ist zwar wesentliche und einzige +Eigenschaft dieser Kraft, oder sie ist ihr _notwendig_. Aber die +Notwendigkeit ist hier ein leeres Wort; die Kraft _muss_ eben, _weil_ +sie _muss_, so sich verdoppeln. Wenn freilich _positive_ Elektrizitaet +gesetzt ist, ist auch _negative an sich_ notwendig; denn das +_Positive_ ist nur als Beziehung auf ein _Negatives_, oder das +Positive ist _an ihm selbst_ der Unterschied von sich selbst, wie +ebenso das Negative. Aber dass die Elektrizitaet als solche sich so +teile, dies ist nicht an sich das Notwendige; sie als _einfache +Kraft_ ist gleichgueltig gegen ihr Gesetz, als positive und negative +_zu sein;_ und wenn wir jenes ihren Begriff, dies aber ihr Sein +nennen, so ist ihr Begriff gleichgueltig gegen ihr Sein; sie _hat_ nur +diese Eigenschaft; d.h. eben, es ist ihr nicht _an sich_ notwendig. +--Diese Gleichgueltigkeit erhaelt eine andere Gestalt, wenn gesagt wird, +dass es zur _Definition_ der Elektrizitaet gehoert, als positive und +negative zu sein, oder dass dies schlechthin _ihr Begriff und Wesen_ +ist. Alsdenn hiesse ihr Sein _ihre Existenz_ ueberhaupt; in jener +Definition liegt aber nicht die _Notwendigkeit ihrer Existenz_; sie +ist entweder, weil man sie _findet_, das heisst, sie ist gar nicht +notwendig; oder ihre Existenz ist durch andere Kraefte, das heisst, +ihre Notwendigkeit ist eine aeussere. Damit aber, dass die +Notwendigkeit, in die Bestimmtheit _des Seins durch Anderes_ gelegt +wird, fallen wir wieder in die _Vielheit_ der bestimmten Gesetze +zurueck, die wir soeben verliessen, um _das Gesetz_ als Gesetz zu +betrachten; nur mit diesem ist sein _Begriff_ als Begriff oder seine +Notwendigkeit zu vergleichen, die sich aber in allen diesen Formen +nur noch als ein leeres Wort gezeigt hat. + +Noch auf andere als die angezeigte Weise ist die Gleichgueltigkeit des +Gesetzes und der Kraft, oder des Begriffs und des Seins vorhanden. +In dem Gesetze der Bewegung z.B. ist es notwendig, dass die Bewegung +in Zeit und Raum sich _teile_, oder dann auch in Entfernung und +Geschwindigkeit. Indem die Bewegung nur das Verhaeltnis jener Momente +ist, so ist sie, das Allgemeine, hier wohl _an sich selbst_ geteilt; +aber nun druecken diese Teile, Zeit und Raum, oder Entfernung und +Geschwindigkeit, nicht an ihnen diesen Ursprung aus _einem_ aus; sie +sind gleichgueltig gegeneinander, der Raum wird vorgestellt ohne die +Zeit, die Zeit ohne den Raum, und die Entfernung wenigstens ohne die +Geschwindigkeit sein zu koennen--so wie ihre Groessen gleichgueltig +gegeneinander sind; indem sie sich nicht _wie Positives und +Negatives_ verhalten, hiemit nicht durch _ihr Wesen_ aufeinander +beziehen. Die Notwendigkeit der _Teilung_ ist also hier wohl +vorhanden; aber nicht der _Teile_ als solcher fuereinander. Darum ist +aber auch jene erste selbst nur eine vorgespiegelte falsche +Notwendigkeit; die Bewegung ist naemlich nicht selbst als _einfaches_ +oder als reines Wesen vorgestellt; sondern _schon_ als geteilt; Zeit +und Raum sind ihre _selbststaendigen_ Teile oder _Wesen an ihnen +selbst_, oder Entfernung und Geschwindigkeit Weisen des Seins oder +Vorstellens, deren eine wohl ohne die andere sein kann, und die +Bewegung daher nur ihre _oberflaechliche_ Beziehung, nicht ihr Wesen. +Als einfaches Wesen oder als Kraft vorgestellt ist sie wohl die +_Schwere_, welche aber diese Unterschiede ueberhaupt nicht in ihr +enthaelt. + +Der Unterschied also ist in beiden Faellen kein _Unterschied an sich +selbst_; entweder ist das Allgemeine, die Kraft, gleichgueltig gegen +die Teilung, welche im Gesetze ist, oder die Unterschiede, Teile des +Gesetzes sind es gegeneinander. Der Verstand _hat_ aber den Begriff +_dieses Unterschiedes an sich_, eben darin, dass das Gesetz einesteils +das Innre, _An-sich_-seiende, aber _an ihm_ zugleich _Unterschiedne_ +ist; dass dieser Unterschied hiemit _innrer_ Unterschied sei, ist +darin vorhanden, dass das Gesetz _einfache_ Kraft, oder als _Begriff_ +desselben ist, also ein _Unterschied des Begriffes_. Aber dieser +innre Unterschied faellt nur erst noch _in den Verstand_; und ist noch +nicht _an der Sache selbst gesetzt_. Es ist also nur die _eigne_ +Notwendigkeit, was der Verstand ausspricht; einen Unterschied, den er +also nur so macht, dass er es zugleich ausdrueckt, dass der Unterschied +kein _Unterschied der Sache selbst sei_. Diese Notwendigkeit, die +nur im Worte liegt, ist hiemit die Hererzaehlung der Momente, die den +Kreis derselben ausmachen; sie werden zwar unterschieden, ihr +Unterschied aber zugleich, kein Unterschied der Sache selbst zu sein, +ausgedrueckt, und daher selbst sogleich wieder aufgehoben; diese +Bewegung heisst _Erklaeren_. Es wird also ein _Gesetz_ ausgesprochen, +von diesem wird sein an sich Allgemeines, oder der Grund, als die +_Kraft_, unterschieden; aber von diesem Unterschiede wird gesagt, dass +er keiner, sondern vielmehr der Grund ganz so beschaffen sei wie das +Gesetz. Die einzelne Begebenheit des Blitzes zum Beispiel wird als +Allgemeines aufgefasst, und dies Allgemeine als das _Gesetz_ der +Elektrizitaet ausgesprochen: die Erklaerung fasst alsdenn das _Gesetz_ +in die _Kraft_ zusammen, als das Wesen des Gesetzes. Diese Kraft ist +dann _so beschaffen_, dass, wenn sie sich aeussert, entgegengesetzte +Elektrizitaeten hervortreten, die wieder ineinander verschwinden, das +heisst, _die Kraft ist gerade so beschaffen wie das Gesetz_; es wird +gesagt, dass beide gar nicht unterschieden seien. Die Unterschiede +sind die reine allgemeine Aeusserung oder das Gesetz, und die reine +Kraft; beide haben aber _denselben_ Inhalt, _dieselbe_ Beschaffenheit; +der Unterschied als Unterschied des Inhalts, d.h. der _Sache_ wird +also auch wieder zurueckgenommen. + +In dieser tautologischen Bewegung beharrt, wie sich ergibt, der +Verstand bei der ruhigen Einheit seines Gegenstandes, und die +Bewegung faellt nur in ihn selbst, nicht in den Gegenstand; sie ist +ein Erklaeren, das nicht nur nichts erklaert, sondern so klar ist, dass +es, indem es Anstalten macht, etwas Unterschiedenes von dem schon +Gesagten zu sagen, vielmehr nichts sagt, sondern nur dasselbe +wiederholt. An der Sache selbst entsteht durch diese Bewegung nichts +Neues, sondern sie kommt als Bewegung des Verstandes in Betracht. In +ihr aber erkennen wir nun eben dasjenige, was an dem Gesetze vermisst +wurde, naemlich den absoluten Wechsel selbst, denn diese _Bewegung_, +wenn wir sie naeher betrachten, ist unmittelbar das Gegenteil ihrer +selbst. Sie setzt naemlich _einen Unterschied_, welcher nicht nur fuer +uns _kein Unterschied_ ist, sondern welchen sie selbst als +Unterschied aufhebt. Es ist dies derselbe Wechsel, der sich als das +Spiel der Kraefte darstellte; es war in ihm der Unterschied des +Sollizitierenden und Sollizitierten, der sich aeussernden und der in +sich zurueckgedraengten Kraft; aber es waren Unterschiede, die in +Wahrheit keine waren, und sich darum auch unmittelbar wieder aufhoben. +Es ist nicht nur die blosse Einheit vorhanden, so dass _kein +Unterschied gesetzt_ waere, sondern es ist diese _*Bewegung*_, dass +_allerdings ein Unterschied gemacht, aber_, weil er keiner ist, +_wieder aufgehoben wird_.--Mit dem Erklaeren also ist der Wandel und +Wechsel, der vorhin ausser dem Innern nur an der Erscheinung war, in +das Uebersinnliche selbst eingedrungen; unser Bewusstsein ist aber aus +dem Innern als Gegenstande auf die andere Seite in den _Verstand_ +heruebergegangen, und hat in ihm den Wechsel. + +Dieser Wechsel ist so noch nicht ein Wechsel der Sache selbst, +sondern stellt sich vielmehr eben dadurch als _reiner Wechsel_ dar, +dass der _Inhalt_ der Momente des Wechsels derselbe bleibt. Indem +aber der _Begriff_ als Begriff des Verstandes dasselbe ist, was das +_Innre_ der Dinge, so wird _dieser Wechsel als Gesetz des Innern_ fuer +ihn. Er _erfaehrt_ also, dass es _Gesetz der Erscheinung selbst_ ist, +dass Unterschiede werden, die keine Unterschiede sind; oder dass das +_Gleichnamige_ sich von sich selbst _abstoesst_; und ebenso, dass die +Unterschiede nur solche sind, die in Wahrheit keine sind, und sich +aufheben; oder dass das _Ungleichnamige_ sich _anzieht_.--Ein _zweites +Gesetz_, dessen Inhalt demjenigen, was vorher Gesetz genannt wurde, +naemlich dem sich bestaendigen gleichbleibenden Unterschiede +entgegengesetzt ist; denn dies neue drueckt vielmehr das +_Ungleichwerden des Gleichen_, und das _Gleichwerden des Ungleichen_ +aus. Der Begriff mutet der Gedankenlosigkeit zu, beide Gesetze +zusammenzubringen, und ihrer Entgegensetzung bewusst zu werden. +--Gesetz ist das zweite freilich auch, oder ein inneres +sichselbstgleiches Sein, aber eine Sichselbstgleichheit vielmehr der +Ungleichheit, eine Bestaendigkeit der Unbestaendigkeit.--An dem Spiele +der Kraefte ergab sich dieses Gesetz als eben dieses absolute +Uebergehen, und als reiner Wechsel; das _Gleichnamige_, die Kraft, +_zersetzt_ sich in einen Gegensatz, der zunaechst als ein +selbststaendiger Unterschied erscheint, aber welcher sich in der Tat +_keiner zu sein_ erweist; denn es ist das _Gleichnamige_, was sich +von sich selbst abstoesst, und dies Abgestossene zieht sich daher +wesentlich an, denn es ist _dasselbe_; der gemachte Unterschied, da +er keiner ist, hebt sich also wieder auf. Er stellt sich hiemit als +Unterschied _der Sache selbst_, oder als absoluter Unterschied dar, +und dieser Unterschied der _Sache_ ist also nichts anders als das +Gleichnamige, das sich von sich abgestossen hat, und daher nur einen +Gegensatz setzt, der keiner ist. + +Durch dies Prinzip wird das erste Uebersinnliche, das ruhige Reich der +Gesetze, das unmittelbare Abbild der wahrgenommenen Welt in sein +Gegenteil umgekehrt; das Gesetz war ueberhaupt das sich +_Gleichbleibende_, wie seine Unterschiede; itzt aber ist gesetzt, dass +beides vielmehr das Gegenteil seiner selbst ist; das sich _Gleiche_ +stoesst sich vielmehr von sich ab, und das sich Ungleiche setzt sich +vielmehr als das sich Gleiche. In der Tat ist nur mit dieser +Bestimmung der Unterschied der _innre_, oder Unterschied _an sich +selbst_, indem das Gleiche sich ungleich, das Ungleiche sich gleich +ist.--_Diese zweite uebersinnliche Welt_ ist auf diese Weise die +_verkehrte_ Welt; und zwar, indem eine Seite schon an der ersten +uebersinnlichen Welt vorhanden ist, die _verkehrte_ dieser _ersten_. +Das Innere ist damit als Erscheinung vollendet. Denn die erste +uebersinnliche Welt war nur die _unmittelbare_ Erhebung der +wahrgenommenen Welt in das allgemeine Element; sie hatte ihr +notwendiges Gegenbild an dieser, welche noch _fuer sich das Prinzip +des Wechsels_ und _der Veraenderung_ behielt; das erste Reich der +Gesetze entbehrte dessen, erhaelt es aber als verkehrte Welt. + +Nach dem Gesetze dieser verkehrten Welt ist also das _Gleichnamige_ +der ersten das _Ungleiche_ seiner selbst, und das _Ungleiche_ +derselben ist ebenso _ihm selbst ungleich_, oder es wird sich +_gleich_. An bestimmten Momenten wird dies sich so ergeben, dass was +im Gesetze der ersten suess, in diesem verkehrten An-sich sauer; was in +jenem schwarz, in diesem weiss ist. Was im Gesetz der erstern am +Magnete Nordpol, ist in seinem andern uebersinnlichen An-sich (in der +Erde naemlich) Suedpol; was aber dort Suedpol ist, hier Nordpol. Ebenso +was im ersten Gesetze der Elektrizitaet Sauerstoffpol ist, wird in +seinem andern uebersinnlichen Wesen Wasserstoffpol; und umgekehrt, was +dort der Wasserstoffpol ist, wird hier der Sauerstoffpol. In einer +andern Sphaere ist nach dem _unmittelbaren Gesetze_ Rache an dem +Feinde die hoechste Befriedigung der verletzten Individualitaet. +_Dieses Gesetz_ aber, dem, der mich nicht als Selbstwesen behandelt, +mich als Wesen gegen ihn zu zeigen, und ihn vielmehr als Wesen +aufzuheben, ver_kehrt_ sich durch das Prinzip der andern Welt _in das +entgegengesetzte_, die Wiederherstellung meiner als des Wesens durch +das Aufheben des fremden Wesens in Selbstzerstoerung. Wenn nun diese +Verkehrung, welche in der _Strafe_ des Verbrechens dargestellt wird, +zum _Gesetze_ gemacht ist, so ist auch sie wieder nur das Gesetz der +einen Welt, welche eine ver_kehrte_ uebersinnliche Welt sich +_gegenueberstehen_ hat, in welcher das, was in jener verachtet ist, zu +Ehren, was in jener in Ehren steht, in Verachtung kommt. Die nach +dem _Gesetze der ersten_ den Menschen schaendende und vertilgende +Strafe verwandelt sich in ihrer _verkehrten Welt_ in die sein Wesen +erhaltende, und ihn zu Ehren bringende Begnadigung. + +Oberflaechlich angesehen ist diese verkehrte Welt so das Gegenteil der +ersten, dass sie dieselbe ausser ihr hat, und jene erste als eine +verkehrte _Wirklichkeit_ von sich abstoesst, die _eine_ die +_Erscheinung_, die _andere_ aber das _An-sich_, die _eine_ ist, wie +sie _fuer ein anderes_, die _andere_ dagegen, wie sie _fuer sich_ ist; +so dass, um die vorigen Beispiele zu gebrauchen, was suess schmeckt, +_eigentlich_, oder _innerlich_ am Dinge, sauer, oder was am +wirklichen Magnete der Erscheinung Nordpol ist, am _innern oder +wesentlichen Sein_ Suedpol waere; was an der erscheinenden Elektrizitaet +als Sauerstoffpol sich darstellt, an der nichterscheinenden +Wasserstoffpol waere. Oder eine Handlung, die in der _Erscheinung_ +Verbrechen ist, sollte _im Innern_ eigentlich gut sein (eine +schlechte Handlung eine gute Absicht haben) koennen; die Strafe nur +_in der Erscheinung_ Strafe, _an sich_ oder in einer andern Welt aber +Wohltat fuer den Verbrecher sein. Allein solche Gegensaetze von +Innerem und Aeusserem, von Erscheinung und Uebersinnlichem, als von +zweierlei Wirklichkeiten, sind hier nicht mehr vorhanden. Die +abgestossenen Unterschiede verteilen sich nicht von neuem an zwei +solche Substanzen, welche sie truegen und ihnen ein getrenntes +Bestehen verliehen; wodurch der Verstand aus dem Innern heraus wieder +auf seine vorige Stelle zurueckfiele. Die eine Seite oder Substanz +waere wieder die Welt der Wahrnehmung, worin das eine der beiden +Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenueber eine innre Welt, _gerade +eine solche sinnliche Welt_ wie die erste, aber in der _Vorstellung_; +sie koennte nicht als sinnliche Welt aufgezeigt, nicht gesehen, gehoert, +geschmeckt werden, und doch wuerde sie vorgestellt, als eine solche +sinnliche Welt. Aber in der Tat, wenn _das eine Gesetzte_ ein +Wahrgenommenes ist, und sein _An-sich_, als das Verkehrte desselben, +ebenso ein _sinnlich Vorgestelltes_, so ist das Saure, was das +An-sich des _suessen_ Dinges waere, ein so wirkliches Ding wie es, ein +_saures_ Ding; das Schwarze, welches das An-sich des Weissen waere, ist +das wirkliche Schwarze; der Nordpol, welcher das An-sich des Suedpols +ist, ist der _an demselben Magnete vorhandne_ Nordpol; der +Sauerstoffpol, der das An-sich des Wasserstoffpols ist, der +_vorhandne_ Sauerstoffpol derselben Saeule. Das _wirkliche_ +Verbrechen aber hat _seine Verkehrung_, und _sein An-sich_ als +_Moeglichkeit_ in _der Absicht_ als solcher, aber nicht in einer guten; +denn die Wahrheit der Absicht ist nur die Tat selbst. Das +Verbrechen seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion in sich oder +seine Verkehrung an der _wirklichen_ Strafe; diese ist die Aussoehnung +des Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit. +Die _wirkliche_ Strafe endlich hat so ihre _verkehrte_ Wirklichkeit +an ihr, dass sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch +die Taetigkeit, die es als Strafe hat, _sich selbst aufhebt_, es aus +taetigem wieder _ruhiges_ und geltendes Gesetz wird, und die Bewegung +der Individualitaet gegen es, und seiner gegen sie erloschen ist. + +Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen +Seite der uebersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung +von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente +des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des +Unterschieds, als innrer Unterschied, Abstossen des Gleichnamigen als +Gleichnamigen von sich selbst, und Gleichsein des Ungleichen als +Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen. Es ist der reine +Wechsel, oder _die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch zu +denken_. Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das +Entgegengesetzte nicht nur _eines von zweien_--sonst waere es ein +_Seiendes_, und nicht ein Entgegengesetztes--; sondern es ist das +Entgegengesetzte eines Entgegengesetzten, oder das Andere ist in ihm +unmittelbar selbst vorhanden. Ich stelle wohl das Gegenteil _hieher_, +und _dorthin_ das Andere, wovon es das Gegenteil ist; also das +_Gegenteil_ auf eine Seite, an und fuer sich ohne das andere. +Ebendarum aber, indem ich hier _das Gegenteil an und fuer sich_ habe, +ist es das Gegenteil seiner selbst, oder es hat in der Tat das Andere +unmittelbar an ihm selbst.--So hat die uebersinnliche Welt, welche die +verkehrte ist, ueber die andere zugleich uebergriffen, und sie an sich +selbst; sie ist fuer sich die verkehrte, d.h. die verkehrte ihrer +selbst; sie ist sie selbst, und ihre entgegengesetzte in _einer_ +Einheit. Nur so ist sie der Unterschied als _innerer_, oder +Unterschied _an sich selbst_, oder ist als _Unendlichkeit_. + +Durch die Unendlichkeit sehen wir das Gesetz zur Notwendigkeit an ihm +selbst vollendet, und alle Momente der Erscheinung in das Innre +aufgenommen. Das Einfache des Gesetzes ist die Unendlichkeit, heisst +nach dem, was sich ergeben hat, a) es ist ein _Sichselbst_gleiches, +welches aber der _Unterschied_ an sich ist; oder es ist Gleichnamiges, +welches sich von sich selbst abstoesst, oder sich entzweit. Dasjenige, +was die _einfache_ Kraft genannt wurde, _verdoppelt_ sich selbst, +und ist durch ihre Unendlichkeit das Gesetz. b) Das Entzweite, +welches die in dem _Gesetze_ vorgestellten Teile ausmacht, stellt +sich als Bestehendes dar; und sie ohne den Begriff des innern +Unterschiedes betrachtet, ist der Raum und die Zeit, oder die +Entfernung und die Geschwindigkeit, welche als Momente der Schwere +auftreten, sowohl gleichgueltig und ohne Notwendigkeit fuereinander als +fuer die Schwere selbst, so wie diese einfache Schwere gegen sie, oder +die einfache Elektrizitaet gegen das Positive und Negative ist. g) +Durch den Begriff des innern Unterschiedes aber ist dies Ungleiche +und Gleichgueltige, Raum und Zeit u.s.f. ein _Unterschied_, welcher +kein _Unterschied_ ist, oder nur ein Unterschied des _Gleichnamigen_, +und sein Wesen die Einheit; sie sind als Positives und Negatives +gegeneinander begeistet, und ihr Sein ist dieses vielmehr, sich als +Nichtsein zu setzen, und in der Einheit aufzuheben. Es bestehen +beide unterschiedne, sie sind _an sich_, sie sind _an sich als +Entgegengesetzte_, d.h. das Entgegengesetzte ihrer selbst, sie haben +ihr Anderes an ihnen und sind nur _eine_ Einheit. + +Diese einfache Unendlichkeit oder der absolute Begriff ist das +einfache Wesen des Lebens, die Seele der Welt, das allgemeine Blut zu +nennen, welches allgegenwaertig durch keinen Unterschied getruebt noch +unterbrochen wird, das vielmehr selbst alle Unterschiede ist, so wie +ihr Aufgehobensein, also in sich pulsiert, ohne sich zu bewegen, in +sich erzittert, ohne unruhig zu sein. Sie ist sich_selbstgleich_, +denn die Unterschiede sind tautologisch, es sind Unterschiede, die +keine sind. Dieses sichselbstgleiche Wesen bezieht sich daher nur +auf sich selbst; _auf sich selbst_, so ist dies ein anderes, worauf +die Beziehung geht, und das _Beziehen auf sich selbst_ ist vielmehr +_das Entzweien_, oder eben jene Sichselbstgleichheit ist innerer +Unterschied. Diese _Entzweiten_ sind somit _an und fuer sich selbst_, +jedes ein Gegenteil--_eines Andern_, so ist darin schon das _Andere_ +mit ihm zugleich ausgesprochen; oder es ist nicht das Gegenteil +_eines Andern_ sondern nur _das reine Gegenteil_, so ist es also an +ihm selbst das Gegenteil seiner; oder es ist ueberhaupt nicht ein +Gegenteil, sondern rein fuer sich, ein reines sich selbst gleiches +Wesen, das keinen Unterschied an ihm hat, so brauchen wir nicht zu +fragen, noch weniger das Gequaele mit solcher Frage fuer die +Philosophie anzusehen, oder gar sie ihr fuer unbeantwortlich +halten--_wie_ aus diesem reinen Wesen, wie aus ihm _heraus_ der +Unterschied oder das Anderssein komme; denn es ist schon die +Entzweiung geschehen, der Unterschied ist aus dem sich selbst +Gleichen ausgeschlossen, und ihm zur Seite gestellt worden; was _das +sich selbst Gleiche_ sein sollte, ist also schon eins der Entzweiten +viel mehr, als dass es das absolute Wesen waere. Das _sich selbst +Gleiche entzweit sich_, heisst darum ebensosehr, es hebt sich als +schon Entzweites, es hebt sich als Anderssein auf. Die _Einheit_, +von welcher gesagt zu werden pflegt, dass der Unterschied nicht aus +ihr herauskommen koenne, ist in der Tat selbst nur das _eine_ Moment +der Entzweiung; sie ist die Abstraktion der Einfachheit, welche dem +Unterschiede gegenueber ist. Aber indem sie die Abstraktion, nur das +eine der Entgegengesetzten ist, so ist es schon gesagt, dass sie das +Entzweien ist; denn ist die Einheit ein _Negatives_, ein +_Entgegengesetztes_, so ist sie eben gesetzt als das, welches die +Entgegensetzung an ihm hat. Die Unterschiede von _Entzweiung_ und +_Sich-selbst-gleich-werden_ sind darum ebenso nur _diese Bewegung des +Sich-aufhebens_; denn indem das Sichselbstgleiche, welches sich erst +entzweien oder zu seinem Gegenteile werden soll, eine Abstraktion +oder _schon selbst_ ein Entzweites ist, so ist sein Entzweien hiemit +ein Aufheben dessen, was es ist, und also das Aufheben seines +Entzweitseins. Das _Sich-selbst-gleich-werden_ ist ebenso ein +Entzweien; was sich _selbst gleich_ wird, tritt damit der Entzweiung +gegenueber; das heisst, es stellt selbst sich damit _auf die Seite_, +oder es _wird_ vielmehr ein _Entzweites_. + +Die Unendlichkeit oder diese absolute Unruhe des reinen +Sich-selbst-bewegens, dass, was auf irgendeine Weise, zum Beispiel als +Sein, bestimmt ist, vielmehr das Gegenteil dieser Bestimmtheit ist, +ist zwar schon die Seele alles bisherigen gewesen, aber im _Innern_ +erst ist sie selbst frei hervorgetreten. Die Erscheinung oder das +Spiel der Kraefte stellt sie selbst schon dar, aber als _Erklaeren_ +tritt sie zunaechst frei hervor; und indem sie endlich fuer das +Bewusstsein Gegenstand ist, _als das, was sie ist_, so ist das +Bewusstsein _Selbstbewusstsein_. Das _Erklaeren_ des Verstandes macht +zunaechst nur die Beschreibung dessen, was das Selbstbewusstsein ist. +Er hebt die im Gesetze vorhandenen schon rein gewordenen, aber noch +gleichgueltigen Unterschiede auf, und setzt sie in _einer_ Einheit, +der Kraft. Dies Gleichwerden ist aber ebenso unmittelbar ein +Entzweien, denn er hebt die Unterschiede nur dadurch auf, und setzt +dadurch das Eins der Kraft, dass er einen neuen Unterschied macht, von +Gesetz und Kraft, der aber zugleich kein Unterschied ist; und hiezu, +dass dieser Unterschied ebenso kein Unterschied ist, geht er selbst +darin fort, dass er diesen Unterschied wieder aufhebt, indem er die +Kraft ebenso beschaffen sein laesst als das Gesetz.--Diese Bewegung +oder Notwendigkeit ist aber so noch Notwendigkeit und Bewegung des +Verstandes, oder sie _als solche_ ist _nicht sein Gegenstand_, +sondern er hat in ihr positive und negative Elektrizitaet, Entfernung, +Geschwindigkeit, Anziehungskraft, und tausend andere Dinge zu +Gegenstaenden, welche den Inhalt der Momente der Bewegung ausmachen. +In dem Erklaeren ist eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das +Bewusstsein dabei, es so auszudruecken, in unmittelbarem +Selbstgespraeche mit sich, nur sich selbst geniesst, dabei zwar etwas +anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit sich selbst +herumtreibt. + +In dem entgegengesetzten Gesetze als der Verkehrung des ersten +Gesetzes, oder in dem innern Unterschiede wird zwar die Unendlichkeit +selbst _Gegenstand_ des Verstandes, aber er verfehlt sie als solche +wieder, indem er den Unterschied an sich, das Sich-selbst-abstossen +des Gleichnamigen, und die Ungleichen, die sich anziehen, wieder an +zwei Welten, oder an zwei substantielle Elemente verteilt; die +_Bewegung_, wie sie in der Erfahrung ist, ist ihm hier ein Geschehen, +und das Gleichnamige und das Ungleiche _Praedikate_, deren Wesen ein +seiendes Substrat ist. Dasselbe, was ihm in sinnlicher Huelle +Gegenstand ist, ist es uns in seiner wesentlichen Gestalt, als reiner +Begriff. Dies Auffassen des Unterschieds, wie er _in Wahrheit_ ist, +oder das Auffassen der _Unendlichkeit_ als solcher, ist _fuer uns_, +oder _an sich_. Die Exposition ihres Begriffs gehoert der +Wissenschaft an; das Bewusstsein aber, wie es ihn _unmittelbar_ hat, +tritt wieder als eigne Form oder neue Gestalt des Bewusstseins auf, +welche in dem vorhergehenden ihr Wesen nicht erkennt, sondern es fuer +etwas ganz anderes ansieht.--Indem ihm dieser Begriff der +Unendlichkeit Gegenstand ist, ist es also Bewusstsein des Unterschieds +als eines _unmittelbar_ ebensosehr Aufgehobenen; es ist _fuer sich +selbst_, es ist _Unterscheiden des Ununterschiedenen_, oder +_Selbstbewusstsein_. Ich _unterscheide mich von mir selbst_, und _es +ist darin unmittelbar fuer mich, dass dies Unterschiedene nicht +unterschieden ist_. Ich, das Gleichnamige, stosse mich von mir selbst +ab; aber dies Unterschiedne, Ungleichgesetzte ist unmittelbar, indem +es unterschieden ist, kein Unterschied fuer mich. Das Bewusstsein +eines Andern, eines Gegenstandes ueberhaupt, ist zwar selbst notwendig +_Selbstbewusstsein_, Reflektiertsein in sich, Bewusstsein seiner Selbst, +in seinem Anderssein. Der _notwendige Fortgang_ von den bisherigen +Gestalten des Bewusstseins, welchen ihr Wahres ein Ding, ein anderes +war als sie selbst, drueckt eben dies aus, dass nicht allein das +Bewusstsein vom Dinge nur fuer ein Selbstbewusstsein moeglich ist, +sondern dass dies allein die Wahrheit jener Gestalten ist. Aber fuer +uns nur ist diese Wahrheit vorhanden, noch nicht fuer das Bewusstsein. +Das Selbstbewusstsein aber ist erst _fuer sich_ geworden, noch nicht +_als Einheit_ mit dem Bewusstsein ueberhaupt. + +Wir sehen, dass im Innern der Erscheinung der Verstand in Wahrheit +nicht etwas anders als die Erscheinung selbst, aber nicht wie sie als +Spiel der Kraefte ist, sondern dasselbe in seinen absolut-allgemeinen +Momenten und deren Bewegung, und in der Tat nur _sich selbst_ erfaehrt. +Erhoben ueber die Wahrnehmung stellt sich das Bewusstsein mit dem +Uebersinnlichen durch die Mitte der Erscheinung zusammengeschlossen +dar, durch welche es in diesen Hintergrund schaut. Die beiden +Extreme, das eine, des reinen Innern, das andere, des in dies reine +Innre schauenden Innern, sind nun zusammengefallen, und wie sie als +Extreme, so ist auch die Mitte, als etwas anders als sie, +verschwunden. Dieser Vorhang ist also vor dem Innern weggezogen, und +das Schauen des Innern in das Innere vorhanden; das Schauen des +_ununterschiedenen_ Gleichnamigen, welches sich selbst abstoesst, als +_unterschiedenes_ Innres setzt, aber _fuer welches_ ebenso unmittelbar +die _Ununterschiedenheit_ beider ist, _das Selbstbewusstsein_. Es +zeigt sich, dass hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innre +verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn _wir_ nicht selbst +dahintergehen, ebensosehr damit gesehen werde, als dass etwas dahinter +sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, dass +nicht ohne alle Umstaende geradezu dahintergegangen werden koenne; denn +dies Wissen, was die Wahrheit _der Vorstellung_ der Erscheinung und +ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umstaendlichen +Bewegung, wodurch die Weisen des Bewusstseins, Meinen, Wahrnehmen und +der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, dass das +Erkennen dessen, _was das Bewusstsein weiss, indem es sich selbst weiss_, +noch weiterer Umstaende bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende +ist. + + + +IV. Die Wahrheitder Gewissheit seiner selbst + +In den bisherigen Weisen der Gewissheit ist dem Bewusstsein das Wahre +etwas anderes als es selbst. Der Begriff dieses Wahren verschwindet +aber in der Erfahrung von ihm; wie der Gegenstand unmittelbar _an +sich_ war, das Seiende der sinnlichen Gewissheit, das konkrete Ding +der Wahrnehmung, die Kraft des Verstandes, so erweist er sich +vielmehr nicht in Wahrheit zu sein, sondern dies _An-sich_ ergibt +sich als eine Weise, wie er nur fuer ein Anderes ist; der Begriff von +ihm hebt sich an dem wirklichen Gegenstande auf, oder die erste +unmittelbare Vorstellung in der Erfahrung, und die Gewissheit ging in +der Wahrheit verloren. Nunmehr aber ist dies entstanden, was in +diesen fruehern Verhaeltnissen nicht zustande kam, naemlich eine +Gewissheit, welche ihrer Wahrheit gleich ist, denn die Gewissheit ist +sich selbst ihr Gegenstand, und das Bewusstsein ist sich selbst das +Wahre. Es ist darin zwar auch ein Anderssein; das Bewusstsein +unterscheidet naemlich, aber ein solches, das fuer es zugleich ein +nicht Unterschiedenes ist. Nennen wir _Begriff_ die Bewegung des +Wissens, den _Gegenstand_ aber, das Wissen als ruhige Einheit, oder +als Ich, so sehen wir, dass nicht nur fuer uns, sondern fuer das Wissen +selbst der Gegenstand dem Begriffe entspricht.--Oder auf die andere +Weise, den _Begriff_ das genannt, was der Gegenstand _an sich_ ist, +den Gegenstand aber das, was er als _Gegenstand_, oder _fuer ein_ +Anderes ist, so erhellt, dass das An-sich-sein und das +Fuer-ein-anderes-sein dasselbe ist; denn das _An-sich_ ist das +Bewusstsein; es ist aber ebenso dasjenige, _fuer welches ein_ anderes +(das _An-sich_) ist; und es ist fuer es, dass das An-sich des +Gegenstandes und das Sein desselben fuer ein Anderes dasselbe ist; Ich +ist der Inhalt der Beziehung und das Beziehen selbst; es ist es +selbst gegen ein Anderes, und greift zugleich ueber dies Andre ueber, +das fuer es ebenso nur es selbst ist. + +Mit dem Selbstbewusstsein sind wir also nun in das einheimische Reich +der Wahrheit eingetreten. Es ist zu sehen, wie die Gestalt des +Selbstbewusstseins zunaechst auftritt. Betrachten wir diese neue +Gestalt des Wissens, das Wissen von sich selbst, im Verhaeltnisse zu +dem Vorhergehenden, dem Wissen von einem Andern, so ist dies zwar +verschwunden; aber seine Momente haben sich zugleich ebenso +aufbewahrt; und der Verlust besteht darin, dass sie hier vorhanden +sind, wie sie an sich sind. Das _Sein_ der Meinung, die +_Einzelnheit_ und die ihr entgegengesetzte _Allgemeinheit_ der +Wahrnehmung, sowie _das leere Innere_ des Verstandes, sind nicht mehr +als Wesen, sondern als Momente des Selbstbewusstseins, das heisst als +Abstraktionen oder Unterschiede, welche _fuer_ das Bewusstsein selbst +zugleich nichtig, oder keine Unterschiede und rein verschwindende +Wesen sind. Es scheint also nur das Hauptmoment selbst +verlorengegangen zu sein, naemlich das _einfache selbststaendige +Bestehen_ fuer das Bewusstsein. Aber in der Tat ist das +Selbstbewusstsein die Reflexion aus dem Sein der sinnlichen und +wahrgenommenen Welt, und wesentlich die Rueckkehr aus dem _Anderssein_. +Es ist als Selbstbewusstsein Bewegung; aber indem es _nur sich +selbst als_ sich selbst von sich unterscheidet, so ist ihm der +Unterschied _unmittelbar_ als ein Anderssein _aufgehoben_; der +Unterschied _ist_ nicht, und _es_ nur die bewegungslose Tautologie +des: Ich bin Ich; indem ihm der Unterschied nicht auch die Gestalt +des _Seins_ hat, ist es nicht Selbstbewusstsein. Es ist hiemit fuer es +das Anderssein, _als ein Sein_, oder als _unterschiedenes Moment_; +aber es ist fuer es auch die Einheit seiner selbst mit diesem +Unterschiede, als _zweites unterschiedenes_ Moment. Mit jenem ersten +Momente ist das Selbstbewusstsein als _Bewusstsein_, und fuer es die +ganze Ausbreitung der sinnlichen Welt erhalten; aber zugleich nur als +auf das zweite Moment, die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich +selbst, bezogen; und sie ist hiemit fuer es ein Bestehen, welches aber +nur _Erscheinung_, oder Unterschied ist, der _an sich_ kein Sein hat. +Dieser Gegensatz seiner Erscheinung und seiner Wahrheit hat aber nur +die Wahrheit, naemlich die Einheit des Selbstbewusstseins mit sich +selbst, zu seinem Wesen; diese muss ihm wesentlich werden; das heisst, +es ist _Begierde_ ueberhaupt. Das Bewusstsein hat als Selbstbewusstsein +nunmehr einen gedoppelten Gegenstand, den einen, den unmittelbaren, +den Gegenstand der sinnlichen Gewissheit, und des Wahrnehmens, der +aber _fuer es_ mit dem _Charakter des Negati_ven bezeichnet ist, und +den zweiten, naemlich _sich selbst_, welcher das wahre _Wesen_, und +zunaechst nur erst im Gegensatze des ersten vorhanden ist. Das +Selbstbewusstsein stellt sich hierin als die Bewegung dar, worin +dieser Gegensatz aufgehoben, und ihm die Gleichheit seiner selbst mit +sich wird. + +Der Gegenstand, welcher fuer das Selbstbewusstsein das Negative ist, +ist aber seinerseits _fuer uns_ oder _an sich_ ebenso in sich +zurueckgegangen als das Bewusstsein andererseits. Er ist durch diese +Reflexion in sich _Leben_ geworden. Was das Selbstbewusstsein _als +seiend_ von sich unterscheidet, hat auch insofern, als es seiend +gesetzt ist, nicht bloss die Weise der sinnlichen Gewissheit und der +Wahrnehmung an ihm, sondern es ist in sich reflektiertes Sein, und +der Gegenstand der unmittelbaren Begierde ist ein _Lebendiges_. Denn +das _An-sich_, oder das _allgemeine_ Resultat des Verhaeltnisses des +Verstandes zu dem Innern der Dinge, ist das Unterscheiden des nicht +zu Unterscheidenden, oder die Einheit des Unterschiednen. Diese +Einheit aber ist ebensosehr, wie wir gesehen, ihr Abstossen von sich +selbst, und dieser Begriff _entzweit_ sich in den Gegensatz des +Selbstbewusstseins und des Lebens; jenes die Einheit, _fuer welche_ die +unendliche Einheit der Unterschiede ist; dieses aber _ist_ nur diese +Einheit selbst, so dass sie nicht zugleich _fuer sich selbst_ ist. So +selbststaendig also das Bewusstsein, ebenso selbststaendig ist _an sich_ +sein Gegenstand. Das Selbstbewusstsein, welches schlechthin _fuer +sich_ ist, und seinen Gegenstand unmittelbar mit dem Charakter des +Negativen bezeichnet, oder zunaechst _Begierde_ ist, wird daher +vielmehr die Erfahrung der Selbstaendigkeit desselben machen. + +Die Bestimmung des Lebens, wie sie sich aus dem Begriffe oder dem +allgemeinen Resultate ergibt, mit welchem wir in diese Sphaere +eintreten, ist hinreichend, es zu bezeichnen, ohne dass seine Natur +weiter daraus zu entwickeln waere; ihr Kreis beschliesst sich in +folgenden Momenten. Das _Wesen_ ist die Unendlichkeit als das +_Aufgehobensein_ aller Unterschiede, die reine achsendrehende +Bewegung, die Ruhe ihrer selbst als absolut unruhigen Unendlichkeit; +die _Selbststaendigkeit_ selbst, in welcher die Unterschiede der +Bewegung aufgeloest sind; das einfache Wesen der Zeit, das in dieser +Sichselbstgleichheit die gediegene Gestalt des Raumes hat. Die +_Unterschiede_ sind aber an diesem _einfachen allgemeinen_ Medium +ebensosehr als _Unterschiede_; denn diese allgemeine Fluessigkeit hat +ihre negative Natur nur, indem sie ein _Aufheben derselben_ ist; aber +sie kann die unterschiednen nicht aufheben, wenn sie nicht ein +Bestehen haben. Eben diese Fluessigkeit ist als die sichselbstgleiche +Selbststaendigkeit selbst das _Bestehen_, oder die _Substanz_ +derselben, worin sie also als unterschiedene Glieder und +_fuersichseiende_ Teile sind. Das _Sein_ hat nicht mehr die Bedeutung +der _Abstraktion des Seins_, noch ihre reine Wesenheit, der +_Abstraktion_ der _Allgemeinheit_; sondern ihr Sein ist eben jene +einfache fluessige Substanz der reinen Bewegung in sich selbst. Der +_Unterschied_ dieser Glieder _gegeneinander_ aber _als_ Unterschied +besteht ueberhaupt in keiner anderer _Bestimmtheit_ als der +Bestimmtheit der Momente der Unendlichkeit oder der reinen Bewegung +selbst. + +Die selbststaendigen Glieder sind _fuer sich_; dieses _Fuer-sich-sein_ +ist aber vielmehr ebenso _unmittelbar_ ihre Reflexion in die Einheit, +als diese Einheit die Entzweiung in die selbststaendigen Gestalten ist. +Die Einheit ist entzweit, weil sie absolut negative oder unendliche +Einheit ist; und weil _sie_ das _Bestehen_ ist, so hat auch der +Unterschied Selbststaendigkeit nur _an ihr_. Diese Selbstaendigkeit +der Gestalt erscheint als ein _Bestimmtes, fuer Anderes_, denn sie ist +ein Entzweites; und das _Aufheben_ der Entzweiung geschieht insofern +durch ein Anderes. Aber es ist ebensosehr an ihr selbst; denn eben +jene Fluessigkeit ist die Substanz der selbststaendigen Gestalten; +diese Substanz aber ist unendlich; die Gestalt ist darum in ihrem +Bestehen selbst die Entzweiung, oder das Aufheben ihres +Fuer-sich-seins. + +Unterscheiden wir die hierin enthaltenen Momente naeher, so sehen wir, +dass wir zum _ersten_ Momente das _Bestehen der selbststaendigen_ +Gestalten, oder die Unterdrueckung dessen haben, was das Unterscheiden +an sich ist, naemlich nicht an sich zu sein und kein Bestehen zu haben. +Das _zweite_ Moment aber ist die _Unterwerfung_ jenes Bestehens +unter die Unendlichkeit des Unterschiedes. Im ersten Momente ist die +bestehende Gestalt; als _fuersichseiend_, oder in ihrer Bestimmtheit +unendliche Substanz tritt sie gegen die _allgemeine_ Substanz auf, +verleugnet diese Fluessigkeit und Kontinuitaet mit ihr und behauptet +sich als nicht in diesem Allgemeinen aufgeloest, sondern vielmehr als +durch die Absonderung von dieser ihrer unorganischen Natur, und durch +das Aufzehren derselben sich erhaltend. Das Leben in dem allgemeinen +fluessigen Medium, ein _ruhiges_ Auseinanderlegen der Gestalten wird +eben dadurch zur Bewegung derselben, oder zum Leben als _Prozess_. +Die einfache allgemeine Fluessigkeit ist das _An-sich_, und der +Unterschied der Gestalten das _Andere_. Aber diese Fluessigkeit wird +selbst durch diesen Unterschied _das Andere_; denn sie ist itzt _fuer +den Unterschied_, welcher an und fuer sich selbst, und daher die +unendliche Bewegung ist, von welcher jenes ruhige Medium aufgezehrt +wird, das Leben als _Lebendiges_.--Diese _Verkehrung_ aber ist darum +wieder die _Verkehrtheit an sich selbst_; was auf gezehrt wird, ist +das Wesen; die auf Kosten des Allgemeinen sich erhaltende, und das +Gefuehl ihrer Einheit mit sich selbst sich gebende Individualitaet hebt +gerade damit _ihren Gegensatz des Andern, durch welchen sie fuer sich +ist_, auf; die _Einheit_ mit sich selbst, welche sie sich gibt, ist +gerade die _Fluessigkeit_ der Unterschiede, oder die _allgemeine +Aufloesung_. Aber umgekehrt ist das Aufheben des individuellen +Bestehens ebenso das Erzeugen desselben. Denn da das _Wesen_ der +individuellen Gestalt, das allgemeine Leben, und das fuer sich Seiende +an sich einfache Substanz ist, so hebt es, indem es das _Andre_ in +sich setzt, diese seine _Einfachheit_, oder sein Wesen auf, d.h. es +entzweit sie, und dies Entzweien der unterschiedslosen Fluessigkeit +ist eben das Setzen der Individualitaet. Die einfache Substanz des +Lebens also ist die Entzweiung ihrer selbst in Gestalten, und +zugleich die Aufloesung dieser bestehenden Unterschiede; und die +Aufloesung der Entzweiung ist ebensosehr Entzweien oder ein Gliedern. +Es fallen damit die beiden Seiten der ganzen Bewegung, welche +unterschieden wurden, naemlich die in dem allgemeinen Medium der +Selbststaendigkeit ruhig auseinandergelegte Gestaltung und der Prozess +des Lebens ineinander; der letztere ist ebensosehr Gestaltung, als er +das Aufheben der Gestalt ist; und das erste, die Gestaltung, ist +ebensosehr ein Aufheben, als sie die Gliederung ist. Das fluessige +Element ist selbst nur die _Abstraktion_ des Wesens, oder es ist nur +als Gestalt _wirklich_; und dass es sich gliedert, ist wieder ein +Entzweien des Gegliederten, oder ein Aufloesen desselben. Dieser +ganze Kreislauf macht das Leben aus, weder das, was zuerst +ausgesprochen wird, die unmittelbare Kontinuitaet und Gediegenheit +seines Wesens, noch die bestehende Gestalt und das fuer sich seiende +Diskrete, noch der reine Prozess derselben, noch auch das einfache +Zusammenfassen dieser Momente, sondern das sich entwickelnde, und +seine Entwicklung aufloesende und in dieser Bewegung sich einfach +erhaltende Ganze. + +Indem von der ersten unmittelbaren Einheit ausgegangen, und durch die +Momente der Gestaltung und des Prozesses hindurch zur Einheit dieser +beiden Momente, und damit wieder zur ersten einfachen Substanz +zurueckgekehrt wird, so ist diese _reflektierte Einheit_ eine andere +als die erste. Gegen jene _unmittelbare_, oder als ein _Sein_ +ausgesprochene, ist diese zweite die _allgemeine_, welche alle diese +Momente als aufgehobne in ihr hat. Sie ist die _einfache Gattung_, +welche in der Bewegung des Lebens selbst nicht _fuer sich *als*_ dies +_Einfache existiert_; sondern in diesem _Resultate_ verweist das +Leben auf ein anderes, als es ist, naemlich auf das Bewusstsein, fuer +welches es als diese Einheit, oder als Gattung, ist. + +Dies andere Leben aber, fuer welches die _Gattung_ als solche und +welches fuer sich selbst Gattung ist, das Selbstbewusstsein, ist sich +zunaechst nur als dieses einfache Wesen, und hat sich als _reines Ich_ +zum Gegenstande; in seiner Erfahrung, die nun zu betrachten ist, wird +sich ihm dieser abstrakte Gegenstand bereichern, und die Entfaltung +erhalten, welche wir an dem Leben gesehen haben. + +Das einfache Ich ist diese Gattung oder das einfache Allgemeine, fuer +welches die Unterschiede keine sind, nur, indem es _negatives Wesen_ +der gestalteten selbststaendigen Momente ist; und das Selbstbewusstsein +hiemit seiner selbst nur gewiss, durch das Aufheben dieses andern, das +sich ihm als selbststaendiges Leben darstellt; es ist _Begierde_. Der +Nichtigkeit dieses Andern gewiss, setzt es _fuer sich_ dieselbe als +seine Wahrheit, vernichtet den selbststaendigen Gegenstand und gibt +sich dadurch die Gewissheit seiner selbst, als _wahre_ Gewissheit, als +solche, welche ihm selbst auf _gegenstaendliche Weise_ geworden ist. + +In dieser Befriedigung aber macht es die Erfahrung von der +Selbststaendigkeit seines Gegenstandes. Die Begierde und die in ihrer +Befriedigung erreichte Gewissheit seiner selbst ist bedingt durch ihn, +denn sie ist durch Aufheben dieses Andern; dass dies Aufheben sei, muss +dies Andere sein. Das Selbstbewusstsein vermag also durch seine +negative Beziehung ihn nicht aufzuheben; es erzeugt ihn darum +vielmehr wieder, so wie die Begierde. Es ist in der Tat ein anderes +als das Selbstbewusstsein, das Wesen der Begierde; und durch diese +Erfahrung ist ihm selbst diese Wahrheit geworden. Zugleich aber ist +es ebenso absolut fuer sich, und ist dies nur durch Aufheben des +Gegenstandes, und es muss ihm seine Befriedigung werden, denn es ist +die Wahrheit. Um der Selbststaendigkeit des Gegenstandes willen kann +es daher zur Befriedigung nur gelangen, indem dieser selbst die +Negation an ihm vollzieht; und er muss diese Negation seiner selbst an +sich vollziehen, denn er ist _an sich_ das Negative, und muss fuer das +Andre sein, was er ist. Indem er die Negation an sich selbst ist, +und darin zugleich selbststaendig ist, ist er Bewusstsein. An dem +Leben, welches der Gegenstand der Begierde ist, ist die _Negation_ +entweder _an einem Andern_, naemlich an der Begierde, oder als +_Bestimmtheit_ gegen eine andere gleichgueltige Gestalt, oder als +seine _unorganische allgemeine Natur_. Diese allgemeine +selbststaendige Natur aber, an der die Negation als absolute ist, ist +die Gattung als solche, oder als _Selbstbewusstsein. Das +Selbstbewusstsein erreicht seine Befriedigung nur in einem andern +Selbstbewusstsein._ + +In diesen drei Momenten ist erst der Begriff des Selbstbewusstseins +vollendet; a) reines ununterschiedenes Ich ist sein erster +unmittelbarer Gegenstand. b) Diese Unmittelbarkeit ist aber selbst +absolute Vermittlung, sie ist nur als Aufheben des selbststaendigen +Gegenstandes, oder sie ist Begierde. Die Befriedigung der Begierde +ist zwar die Reflexion des Selbstbewusstseins in sich selbst, oder die +zur Wahrheit gewordene Gewissheit. c) Aber die Wahrheit derselben ist +vielmehr die gedoppelte Reflexion, die Verdopplung des +Selbstbewusstseins. Es ist ein Gegenstand fuer das Bewusstsein, welcher +an sich selbst sein Anderssein oder den Unterschied als einen +nichtigen setzt, und darin selbststaendig ist. Die unterschiedene nur +_lebendige_ Gestalt hebt wohl im Prozesse des Lebens selbst auch ihre +Selbststaendigkeit auf, aber sie hoert mit ihrem Unterschiede auf, zu +sein, was sie ist; der Gegenstand des Selbstbewusstseins ist aber +ebenso selbststaendig in dieser Negativitaet seiner selbst; und damit +ist er fuer sich selbst Gattung, allgemeine Fluessigkeit in der +Eigenheit seiner Absonderung; er ist lebendiges Selbstbewusstsein. + +Es ist ein _Selbstbewusstsein fuer ein Selbstbewusstsein_. Erst +hiedurch ist es in der Tat; denn erst hierin wird fuer es die Einheit +seiner selbst in seinem Anderssein; _Ich_, das der Gegenstand seines +Begriffs ist, ist in der Tat nicht _Gegenstand_; der Gegenstand der +Begierde aber ist nur _selbststaendig_, denn er ist die allgemeine +unvertilgbare Substanz, das fluessige sichselbstgleiche Wesen. Indem +ein Selbstbewusstsein der Gegenstand ist, ist er ebensowohl ich wie +Gegenstand.--Hiemit ist schon der Begriff _des Geistes_ fuer uns +vorhanden. Was fuer das Bewusstsein weiter wird, ist die Erfahrung, +was der Geist ist, diese absolute Substanz, welche in der +vollkommenen Freiheit und Selbststaendigkeit ihres Gegensatzes, +naemlich verschiedener fuer sich seiender Selbstbewusstsein, die Einheit +derselben ist; _Ich_, das _Wir_, und _Wir_, das _Ich_ ist. Das +Bewusstsein hat erst in dem Selbstbewusstsein, als dem Begriffe des +Geistes, seinen Wendungspunkt, auf dem es aus dem farbigten Scheine +des sinnlichen Diesseits, und aus der leeren Nacht des uebersinnlichen +Jenseits in den geistigen Tag der Gegenwart einschreitet. + + +A. Selbststaendigkeit und Unselbststaendigkeitdes Selbstbewusstseins; +Herrschaft und Knechtschaft + +Das Selbstbewusstsein ist _an_ und _fuer sich_, indem, und dadurch, dass +es fuer ein Anderes an und fuer sich ist; d.h. es ist nur als ein +Anerkanntes. Der Begriff dieser seiner Einheit in seiner Verdopplung, +der sich im Selbstbewusstsein realisierenden Unendlichkeit, ist eine +vielseitige und vieldeutige Verschraenkung, so dass die Momente +derselben teils genau auseinandergehalten, teils in dieser +Unterscheidung zugleich auch als nicht unterschieden, oder immer in +ihrer entgegengesetzten Bedeutung genommen und erkannt werden muessen. +Die Doppelsinnigkeit des Unterschiedenen liegt in dem Wesen des +Selbstbewusstseins, unendlich, oder unmittelbar das Gegenteil der +Bestimmtheit, in der es gesetzt ist, zu sein. Die Auseinanderlegung +des Begriffs dieser geistigen Einheit in ihrer Verdopplung stellt uns +die Bewegung des _Anerkennens_ dar. + +Es ist fuer das Selbstbewusstsein ein anderes Selbstbewusstsein; es ist +_ausser sich_ gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung, _erstlich_, +es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein _anderes_ +Wesen; _zweitens_, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht +auch nicht das Andere als Wesen, sondern _sich selbst_ im Andern. + +Es muss dies _sein Anderssein_ aufheben; dies ist das Aufheben des +ersten Doppelsinnes, und darum selbst ein zweiter Doppelsinn; +_erstlich_, es muss darauf gehen, das _andere_ selbststaendige Wesen +aufzuheben, um dadurch _seiner_ als des Wesens gewiss zu werden; +_zweitens_ geht es hiemit darauf, _sich selbst_ aufzuheben, denn dies +Andere ist es selbst. + +Dies doppelsinnige Aufheben seines doppelsinnigen Andersseins ist +ebenso eine doppelsinnige Rueckkehr _in sich selbst_; denn _erstlich_ +erhaelt es durch das Aufheben sich selbst zurueck; denn es wird sich +wieder gleich durch das Aufheben _seines_ Andersseins; _zweitens_ +aber gibt es das andere Selbstbewusstsein ihm wieder ebenso zurueck, +denn es war sich im Andern, es hebt dies _sein_ Sein im Andern auf, +entlaesst also das andere wieder frei. + +Diese Bewegung des Selbstbewusstseins in der Beziehung auf ein anderes +Selbstbewusstsein ist aber auf diese Weise vorgestellt worden, als +_das Tun des Einen_; aber dieses Tun des Einen hat selbst die +gedoppelte Bedeutung, ebensowohl _sein Tun_ als _das Tun des Andern_ +zu sein; denn das Andere ist ebenso selbststaendig, in sich +beschlossen, und es ist nichts in ihm, was nicht durch es selbst ist. +Das erste hat den Gegenstand nicht vor sich, wie er nur fuer die +Begierde zunaechst ist, sondern einen fuer sich seienden +selbststaendigen, ueber welchen es darum nichts fuer sich vermag, wenn +er nicht an sich selbst dies tut, was es an ihm tut. Die Bewegung +ist also schlechthin die gedoppelte beider Selbstbewusstsein. Jedes +sieht _das Andre_ dasselbe tun, was _es_ tut; jedes tut Selbst, was +es an das Andre fodert; und tut darum, was es tut, auch _nur_ +insofern, als das Andre dasselbe tut; das einseitige Tun waere unnuetz; +weil, was geschehen soll, nur durch beide zustande kommen kann. + +Das Tun ist also nicht nur insofern doppelsinnig, als es ein Tun +ebensowohl _gegen sich_ als _gegen das Andre_, sondern auch insofern, +als es ungetrennt ebensowohl _das Tun des Einen_ als _des Andern_ ist. + +In dieser Bewegung sehen wir sich den Prozess wiederholen, der sich +als Spiel der Kraefte darstellte, aber im Bewusstsein. Was in jenem +fuer uns war, ist hier fuer die Extreme selbst. Die Mitte ist das +Selbstbewusstsein, welches sich in die Extreme zersetzt, und jedes +Extrem ist diese Austauschung seiner Bestimmtheit, und absoluter +Uebergang in das entgegengesetzte. Als Bewusstsein aber kommt es wohl +_ausser sich_, jedoch ist es in seinem Ausser-sich-sein zugleich in +sich zurueckgehalten, _fuer sich_, und sein Ausser-sich ist _fuer es_. +Es ist fuer es, dass es unmittelbar anderes Bewusstsein _ist_, und +_nicht ist_; und ebenso, dass dies Andere nur fuer sich ist, indem es +sich als fuer sich Seiendes aufhebt, und nur im Fuer-sich-sein des +Andern fuer sich ist. Jedes ist dem andern die Mitte, durch welche +jedes sich mit sich selbst vermittelt und zusammenschliesst, und jedes +sich und dem Andern unmittelbares fuer sich seiendes Wesen, welches +zugleich nur durch diese Vermittlung so fuer sich ist. Sie +_anerkennen_ sich als _gegenseitig sich anerkennend_. + +Dieser reine Begriff des Anerkennens, der Verdopplung des +Selbstbewusstseins in seiner Einheit, ist nun zu betrachten, wie sein +Prozess fuer das Selbstbewusstsein erscheint. Er wird zuerst die Seite +der _Ungleichheit_ beider darstellen, oder das Heraustreten der Mitte +in die Extreme, welche als Extreme sich entgegengesetzt, und das eine +nur Anerkanntes, der andre nur Anerkennendes ist. + +Das Selbstbewusstsein ist zunaechst einfaches Fuer-sich-sein, +sichselbstgleich durch das Ausschliessen alles _andern aus sich_; sein +Wesen und absoluter Gegenstand ist ihm _Ich_; und es ist in dieser +_Unmittelbarkeit_, oder in diesem _Sein_ seines Fuer-sich-seins, +_Einzelnes_. Was Anderes fuer es ist, ist als unwesentlicher, mit dem +Charakter des Negativen bezeichneter Gegenstand. Aber das Andre ist +auch ein Selbstbewusstsein; es tritt ein Individuum einem Individuum +gegenueber auf. So _unmittelbar_ auftretend sind sie fuereinander in +der Weise gemeiner Gegenstaende; _selbststaendige_ Gestalten, in das +_Sein_ des _Lebens_--denn als Leben hat sich hier der seiende +Gegenstand bestimmt--versenkte Bewusstsein, welche _fuereinander_ die +Bewegung der absoluten Abstraktion, alles unmittelbare Sein zu +vertilgen, und nur das rein negative Sein des sichselbstgleichen +Bewusstseins zu sein, noch nicht vollbracht, oder sich einander noch +nicht als reines _Fuer-sich-sein_, das heisst als _Selbst_bewusstsein +dargestellt haben. Jedes ist wohl seiner selbst gewiss, aber nicht +des Andern, und darum hat seine eigne Gewissheit von sich noch keine +Wahrheit; denn seine Wahrheit waere nur, dass sein eignes Fuer-sich-sein +sich ihm als selbststaendiger Gegenstand, oder, was dasselbe ist, der +Gegenstand sich als diese reine Gewissheit seiner selbst dargestellt +haette. Dies aber ist nach dem Begriffe des Anerkennens nicht moeglich, +als dass wie der Andere fuer ihn, so er fuer den Andern, jeder an sich +selbst durch sein eigenes Tun, und wieder durch das Tun des andern, +diese reine Abstraktion des Fuer-sich-seins vollbringt. + +Die _Darstellung_ seiner aber als der reinen Abstraktion des +Selbstbewusstseins besteht darin, sich als reine Negation seiner +gegenstaendlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein +bestimmtes _Dasein_ geknuepft, an die allgemeine Einzelnheit des +Daseins ueberhaupt nicht, nicht an das Leben geknuepft zu sein. Diese +Darstellung ist das _gedoppelte_ Tun; Tun des Andern, und Tun durch +sich selbst. Insofern es Tun _des Andern_ ist, geht also jeder auf +den Tod des Andern. Darin aber ist auch das zweite, _das Tun durch +sich selbst_, vorhanden; denn jenes schliesst das Daransetzen des +eignen Lebens in sich. Das Verhaeltnis beider Selbstbewusstsein ist +also so bestimmt, dass sie sich selbst und einander durch den Kampf +auf Leben und Tod _bewaehren_.--Sie muessen in diesen Kampf gehen, denn +sie muessen die Gewissheit ihrer selbst, _fuer sich zu sein_, zur +Wahrheit an dem Andern und an ihnen selbst erheben. Und es ist +allein das Daransetzen des Lebens, wodurch die Freiheit, wodurch es +bewaehrt wird, dass dem Selbstbewusstsein nicht das _Sein_, nicht die +_unmittelbare_ Weise, wie es auftritt, nicht sein Versenktsein in die +Ausbreitung des Lebens--das Wesen, sondern dass an ihm nichts +vorhanden, was fuer es nicht verschwindendes Moment waere, dass es nur +reines _Fuer-sich-sein_ ist. Das Individuum, welches das Leben nicht +gewagt hat, kann wohl als _Person_ anerkannt werden; aber es hat die +Wahrheit dieses Anerkanntseins als eines selbststaendigen +Selbstbewusstseins nicht erreicht. Ebenso muss jedes auf den Tod des +andern gehen, wie es sein Leben daransetzt; denn das Andre gilt ihm +nicht mehr als es selbst; sein Wesen stellt sich ihm als ein Andres +dar, es ist ausser sich; es muss sein Aussersichsein aufheben; das Andre +ist mannigfaltig befangenes und seiendes Bewusstsein; es muss sein +Anderssein als reines Fuer-sich-sein oder als absolute Negation +anschauen. + +Diese Bewaehrung aber durch den Tod hebt ebenso die Wahrheit, welche +daraus hervorgehen sollte, als damit auch die Gewissheit seiner selbst +ueberhaupt auf; denn wie das Leben die _natuerliche_ Position des +Bewusstseins, die Selbststaendigkeit ohne die absolute Negativitaet, ist, +so ist er die _natuerliche_ Negation desselben, die Negation ohne die +Selbststaendigkeit, welche also ohne die geforderte Bedeutung des +Anerkennens bleibt. Durch den Tod ist zwar die Gewissheit geworden, +dass beide ihr Leben wagten, und es an ihnen und an dem Andern +verachteten; aber nicht fuer die, welche diesen Kampf bestanden. Sie +heben ihr in dieser fremden Wesenheit, welches das natuerliche Dasein +ist, gesetztes Bewusstsein, oder sie heben sich, und werden als die +fuer sich sein wollenden _Extreme_ aufgehoben. Es verschwindet aber +damit aus dem Spiele des Wechsels das wesentliche Moment, sich in +Extreme entgegengesetzter Bestimmtheiten zu zersetzen; und die Mitte +faellt in eine tote Einheit zusammen, welche in tote, bloss seiende, +nicht entgegengesetzte Extreme zersetzt ist; und die beiden geben und +empfangen sich nicht gegenseitig voneinander durch das Bewusstsein +zurueck, sondern lassen einander nur gleichgueltig, als Dinge, frei. +Ihre Tat ist die abstrakte Negation, nicht die Negation des +Bewusstseins, welches _so aufhebt_, dass es das Aufgehobene +_aufbewahrt_ und _erhaelt_, und hiemit sein Aufgehobenwerden ueberlebt. + +In dieser Erfahrung wird es dem Selbstbewusstsein, dass ihm das Leben +so wesentlich als das reine Selbstbewusstsein ist. Im unmittelbaren +Selbstbewusstsein ist das einfache Ich der absolute Gegenstand, +welcher aber fuer uns oder an sich die absolute Vermittlung ist, und +die bestehende Selbststaendigkeit zum wesentlichen Momente hat. Die +Aufloesung jener einfachen Einheit ist das Resultat der ersten +Erfahrung; es ist durch sie ein reines Selbstbewusstsein, und ein +Bewusstsein gesetzt, welches nicht rein fuer sich, sondern fuer ein +Anderes, das heisst, als _seiendes_ Bewusstsein oder Bewusstsein in der +Gestalt der _Dingheit_ ist. Beide Momente sind wesentlich;--da sie +zunaechst ungleich und entgegengesetzt sind, und ihre Reflexion in die +Einheit sich noch nicht ergeben hat, so sind sie als zwei +entgegengesetzte Gestalten des Bewusstseins; die eine das +selbststaendige, welchem das Fuer-sich-sein, die andere das +unselbststaendige, dem das Leben oder das Sein fuer ein Anderes das +Wesen ist; jenes ist der _Herr_, dies der _Knecht_. + +Der Herr ist das _fuer sich_ seiende Bewusstsein, aber nicht mehr nur +der Begriff desselben, sondern fuer sich seiendes Bewusstsein, welches +durch ein _anderes_ Bewusstsein mit sich vermittelt ist, naemlich durch +ein solches, zu dessen Wesen es gehoert, dass es mit selbststaendigem +_Sein_ oder der Dingheit ueberhaupt synthesiert ist. Der Herr bezieht +sich auf diese beiden Momente, auf ein _Ding_, als solches, den +Gegenstand der Begierde, und auf das Bewusstsein, dem die Dingheit das +Wesentliche ist; und, indem er a) als Begriff des Selbstbewusstseins +unmittelbare Beziehung des _Fuer-sich-seins_ ist, aber b) nunmehr +zugleich als Vermittlung, oder als ein Fuer-sich-sein, welches nur +durch ein Anderes fuer sich ist, so bezieht er sich a) unmittelbar auf +beide, und b) mittelbar auf jedes durch das andere. Der Herr bezieht +sich _auf den Knecht mittelbar durch das selbststaendige Sein_; denn +eben hieran ist der Knecht gehalten; es ist seine Kette, von der er +im Kampfe nicht abstrahieren konnte, und darum sich als +unselbststaendig, seine Selbststaendigkeit in der Dingheit zu haben, +erwies. Der Herr aber ist die Macht ueber dies Sein, denn er erwies +im Kampfe, dass es ihm nur als ein Negatives gilt; indem er die Macht +darueber, dies Sein aber die Macht ueber den Andern ist, so hat er in +diesem Schlusse diesen andern unter sich. Ebenso bezieht sich der +Herr _mittelbar durch den Knecht auf das Ding_; der Knecht bezieht +sich, als Selbstbewusstsein ueberhaupt, auf das Ding auch negativ und +hebt es auf; aber es ist zugleich selbststaendig fuer ihn, und er kann +darum durch sein Negieren nicht bis zur Vernichtung mit ihm fertig +werden, oder er _bearbeitet_ es nur. Dem Herrn dagegen _wird_ durch +diese Vermittlung die _unmittelbare_ Beziehung als die reine Negation +desselben, oder der _Genuss_; was der Begierde nicht gelang, gelingt +ihm, damit fertig zu werden, und im Genusse sich zu befriedigen. Der +Begierde gelang dies nicht wegen der Selbststaendigkeit des Dinges; +der Herr aber, der den Knecht zwischen es und sich eingeschoben, +schliesst sich dadurch nur mit der Unselbststaendigkeit des Dinges +zusammen, und geniesst es rein; die Seite der Selbststaendigkeit aber +ueberlaesst er dem Knechte, der es bearbeitet. + +In diesen beiden Momenten wird fuer den Herrn sein Anerkanntsein durch +ein anderes Bewusstsein; denn dieses setzt sich in ihnen als +Unwesentliches, einmal in der Bearbeitung des Dings, das anderemal in +der Abhaengigkeit von einem bestimmten Dasein; in beiden kann es nicht +ueber das Sein Meister werden und zur absoluten Negation gelangen. Es +ist also hierin dies Moment des Anerkennens vorhanden, dass das andere +Bewusstsein sich als Fuer-sich-sein aufhebt, und hiemit selbst das tut, +was das erste gegen es tut. Ebenso das andere Moment, dass dies Tun +des zweiten das eigne Tun des ersten ist; denn, was der Knecht tut, +ist eigentlich Tun des Herrn; diesem ist nur das Fuer-sich-sein, das +Wesen; er ist die reine negative Macht, der das Ding nichts ist, und +also das reine wesentliche Tun in diesem Verhaeltnisse; der Knecht +aber ein nicht reines, sondern unwesentliches Tun. Aber zum +eigentlichen Anerkennen fehlt das Moment, dass, was der Herr gegen den +Andern tut, er auch gegen sich selbst, und was der Knecht gegen sich, +er auch gegen den Andern tue. Es ist dadurch ein einseitiges und +ungleiches Anerkennen entstanden. + +Das unwesentliche Bewusstsein ist hierin fuer den Herrn der Gegenstand, +welcher die _Wahrheit_ der Gewissheit seiner selbst ausmacht. Aber es +erhellt, dass dieser Gegenstand seinem Begriffe nicht entspricht, +sondern dass darin, worin der Herr sich vollbracht hat, ihm vielmehr +ganz etwas anderes geworden als ein selbststaendiges Bewusstsein. +Nicht ein solches ist fuer ihn, sondern vielmehr ein unselbststaendiges; +er also nicht _des Fuer-sich-seins_, als der Wahrheit gewiss, sondern +seine Wahrheit ist vielmehr das unwesentliche Bewusstsein, und das +unwesentliche Tun desselben. + +Die _Wahrheit_ des selbststaendigen Bewusstseins ist demnach das +_knechtische Bewusstsein_. Dieses erscheint zwar zunaechst _ausser_ +sich und nicht als die Wahrheit des Selbstbewusstsein. Aber wie die +Herrschaft zeigte, dass ihr Wesen das Verkehrte dessen ist, was sie +sein will, so wird auch wohl die Knechtschaft vielmehr in ihrer +Vollbringung zum Gegenteile dessen werden, was sie unmittelbar ist; +sie wird als in sich _zurueckgedraengtes_ Bewusstsein in sich gehen, und +zur wahren Selbststaendigkeit sich umkehren. + +Wir sahen nur, was die Knechtschaft im Verhaeltnisse der Herrschaft +ist. Aber sie ist Selbstbewusstsein, und was sie hienach an und fuer +sich selbst ist, ist nun zu betrachten. Zunaechst ist fuer die +Knechtschaft der Herr das Wesen; also das _selbststaendige fuer sich +seiende Bewusstsein_ ist ihr _die Wahrheit_, die jedoch _*fuer sie*_ +noch nicht _an ihr_ ist. Allein sie hat diese Wahrheit der reinen +Negativitaet und des _Fuer-sich-seins in der Tat an ihr selbst_; denn +sie hat dieses Wesen an ihr _erfahren_. Dies Bewusstsein hat naemlich +nicht um dieses oder jenes, noch fuer diesen oder jenen Augenblick +Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht +des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich +aufgeloest worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles +Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das +absolute Fluessigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen +des Selbstbewusstseins, die absolute Negativitaet, _das reine +Fuer-sich-sein_, das hiemit an diesem Bewusstsein ist. Dies Moment des +reinen Fuer-sich-sein ist auch _fuer es_, denn im Herrn ist es ihm sein +_Gegenstand_. Es ist ferner nicht nur diese allgemeine Aufloesung +_ueberhaupt_, sondern im Dienen vollbringt es sie _wirklich_; es hebt +darin in allen _einzelnen_ Momenten seine Anhaenglichkeit an +natuerliches Dasein auf, und arbeitet dasselbe hinweg. + +Das Gefuehl der absoluten Macht aber ueberhaupt, und im einzelnen des +Dienstes ist nur die Aufloesung _an sich_, und obzwar die Furcht des +Herrn der Anfang der Weisheit ist, so ist das Bewusstsein darin _fuer +es selbst_, nicht das _Fuer-sich-sein_. Durch die Arbeit koemmt es +aber zu sich selbst. In dem Momente, welches der Begierde im +Bewusstsein des Herrn entspricht, schien dem dienenden Bewusstsein zwar +die Seite der unwesentlichen Beziehung auf das Ding zugefallen zu +sein, indem das Ding darin seine Selbststaendigkeit behaelt. Die +Begierde hat sich das reine Negieren des Gegenstandes, und dadurch +das unvermischte Selbstgefuehl vorbehalten. Diese Befriedigung ist +aber deswegen selbst nur ein Verschwinden, denn es fehlt ihr die +_gegenstaendliche_ Seite oder das _Bestehen_. Die Arbeit hingegen ist +_gehemmte_ Begierde, _aufgehaltenes_ Verschwinden, oder sie _bildet_. +Die negative Beziehung auf den Gegenstand wird zur _Form_ desselben, +und zu einem _bleibenden_; weil eben dem arbeitenden der Gegenstand +Selbststaendigkeit hat. Diese _negative_ Mitte oder das formierende +_Tun_ ist zugleich _die Einzelnheit_ oder das reine Fuer-sich-sein des +Bewusstseins, welches nun in der Arbeit ausser es in das Element des +Bleibens tritt; das arbeitende Bewusstsein kommt also hiedurch zur +Anschauung des selbststaendigen Seins, _als seiner selbst_. + +Das Formieren hat aber nicht nur diese positive Bedeutung, dass das +dienende Bewusstsein sich darin als reines _Fuer-sich-sein_ zum +_Seienden_ wird; sondern auch die negative, gegen sein erstes Moment, +die Furcht. Denn in dem Bilden des Dinges wird ihm die eigne +Negativitaet, sein Fuer-sich-sein, nur dadurch zum Gegenstande, dass es +die entgegengesetzte seiende _Form_ aufhebt. Aber dies +gegenstaendliche _Negative_ ist gerade das fremde Wesen, vor welchem +es gezittert hat. Nun aber zerstoert es dies fremde Negative, setzt +_sich_ als ein solches in das Element des Bleibens; und wird hiedurch +_fuer sich selbst_, ein _fuer sich Seiendes_. Im Herrn ist ihm das +Fuer-sich-sein _ein Anderes_ oder nur _fuer es_; in der Furcht ist das +Fuer-sich-sein _an ihm selbst_; in dem Bilden wird das Fuer-sich-sein +als _sein eignes_ fuer es, und es koemmt zum Bewusstsein, dass es selbst +an und fuer sich ist. Die Form wird dadurch, dass sie _hinausgesetzt_ +wird, ihm nicht ein Anderes als es; denn eben sie ist sein reines +Fuer-sich-sein, das ihm darin zur Wahrheit wird. Es wird also durch +dies Wiederfinden seiner durch sich selbst _eigner Sinn_, gerade in +der Arbeit, worin es nur _fremder Sinn_ zu sein schien.--Es sind zu +dieser Reflexion die beiden Momente der Furcht und des Dienstes +ueberhaupt, sowie des Bildens notwendig, und zugleich beide auf eine +allgemeine Weise. Ohne die Zucht des Dienstes und Gehorsams bleibt +die Furcht beim Formellen stehen, und verbreitet sich nicht ueber die +bewusste Wirklichkeit des Daseins. Ohne das Bilden bleibt die Furcht +innerlich und stumm, und das Bewusstsein wird nicht fuer es selbst. +Formiert das Bewusstsein ohne die erste absolute Furcht, so ist es nur +ein eitler eigner Sinn; denn seine Form oder Negativitaet ist nicht +die Negativitaet _an sich_; und sein Formieren kann ihm daher nicht +das Bewusstsein seiner als des Wesens geben. Hat es nicht die +absolute Furcht, sondern nur einige Angst ausgestanden, so ist das +negative Wesen ihm ein aeusserliches geblieben, seine Substanz ist von +ihm nicht durch und durch angesteckt. Indem nicht alle Erfuellungen +seines natuerlichen Bewusstseins wankend geworden, gehoert es _an sich_ +noch bestimmtem Sein an; der eigne Sinn ist _Eigensinn_, eine +Freiheit, welche noch innerhalb der Knechtschaft stehenbleibt. So +wenig ihm die reine Form zum Wesen werden kann, so wenig ist sie, als +Ausbreitung ueber das Einzelne betrachtet, allgemeines Bilden, +absoluter Begriff, sondern eine Geschicklichkeit, welche nur ueber +einiges, nicht ueber die allgemeine Macht und das ganze +gegenstaendliche Wesen maechtig ist. + + +B. Freiheit des Selbstbewusstseins;Stoizismus, Skeptizismusund das +unglueckliche Bewusstsein + +Dem selbststaendigen Selbstbewusstsein ist einesteils nur die reine +Abstraktion _des Ich_ sein Wesen, und andernteils, indem sie sich +ausbildet und sich Unterschiede gibt, wird dies Unterscheiden ihm +nicht zum gegenstaendlichen _ansich_seienden Wesen; dies +Selbstbewusstsein wird also nicht ein in seiner Einfachheit sich +wahrhaft unterscheidendes, oder in dieser absoluten Unterscheidung +sich gleichbleibendes Ich. Das in sich zurueckgedraengte Bewusstsein +hingegen wird sich im Formieren als Form der gebildeten Dinge zum +Gegenstande, und an dem Herrn schaut es das Fuer-sich-sein zugleich +als Bewusstsein an. Aber dem dienenden Bewusstsein als solchem fallen +diese beiden Momente--_seiner selbst_ als selbststaendigen +Gegenstandes, und dieses Gegenstandes als eines Bewusstseins, und +hiemit seines eigenen Wesens--auseinander. Indem aber _fuer uns_ oder +_an sich_ die _Form_ und das _Fuer-sich-sein_ dasselbe ist, und im +Begriffe des selbststaendigen Bewusstseins das _An-sich_-sein das +Bewusstsein ist, so ist die Seite des _An-sich_-seins oder der +_Dingheit_, welche die Form in der Arbeit erhielt, keine andere +Substanz als das Bewusstsein, und es ist uns eine neue Gestalt des +Selbstbewusstseins geworden; ein Bewusstsein, welches sich als die +Unendlichkeit, oder reine Bewegung des Bewusstseins das Wesen ist; +welches _denkt_, oder freies Selbstbewusstsein ist. Denn nicht als +_abstraktes Ich_, sondern als Ich, welches zugleich die Bedeutung des +_An-sich_-seins hat, sich Gegenstand sein, oder zum gegenstaendlichen +Wesen sich so verhalten, dass es die Bedeutung des _Fuer-sich-seins_ +des Bewusstseins hat, fuer welches es ist, heisst _denken_.--Dem +_Denken_ bewegt sich der Gegenstand nicht in Vorstellungen oder +Gestalten, sondern in _Begriffen_, das heisst in einem unterschiednen +An-sich-sein, welches unmittelbar fuer das Bewusstsein kein +unterschiednes von ihm ist. Das _Vorgestellte, Gestaltete, Seiende_, +als solches, hat die Form, etwas anders zu sein als das Bewusstsein; +ein Begriff aber ist zugleich ein _Seiendes_--und dieser Unterschied, +insofern er an ihm selbst ist, ist sein bestimmter Inhalt--, aber +darin, dass dieser Inhalt ein begriffener zugleich ist, bleibt es sich +seiner Einheit mit diesem bestimmten und unterschiedenen Seienden +_unmittelbar_ bewusst; nicht wie bei der Vorstellung, worin es erst +noch besonders sich zu erinnern hat, dass dies _seine_ Vorstellung sei; +sondern der Begriff ist mir unmittelbar _mein_ Begriff. Im Denken +_bin_ Ich _frei_, weil ich nicht in einem Andern bin, sondern +schlechthin bei mir selbst bleibe, und der Gegenstand, der mir das +Wesen ist, in ungetrennter Einheit mein Fuer-mich-sein ist; und meine +Bewegung in Begriffen ist eine Bewegung in mir selbst.--Es ist aber +in dieser Bestimmung dieser Gestalt des Selbstbewusstseins wesentlich +dies festzuhalten, dass sie _denkendes_ Bewusstsein _ueberhaupt_ oder +ihr Gegenstand, _unmittelbare_ Einheit des _An-sich-seins_ und des +_Fuer-sich-seins_ ist. Das sich gleichnamige Bewusstsein, das sich von +sich selbst abstoesst, wird sich _ansichseiendes Element_; aber es ist +sich dies Element nur erst als allgemeines Wesen ueberhaupt, nicht als +dies gegenstaendliche Wesen in der Entwicklung und Bewegung seines +mannigfaltigen Seins. + +Diese Freiheit des Selbstbewusstseins hat bekanntlich, indem sie als +ihrer bewusste Erscheinung in der Geschichte des Geistes aufgetreten +ist, _Stoizismus_ geheissen. Sein Prinzip ist, dass das Bewusstsein +denkendes Wesen, und etwas nur Wesenheit fuer dasselbe hat, oder wahr +und gut fuer es ist, als das Bewusstsein sich darin als denkendes Wesen +verhaelt. + +Die vielfache sich in sich unterscheidende Ausbreitung, Vereinzelung +und Verwicklung des Lebens ist der Gegenstand, gegen welchen die +Begierde und die Arbeit taetig ist. Dies vielfache Tun hat sich nun +in die einfache Unterscheidung zusammengezogen, welche in der reinen +Bewegung des Denkens ist. Nicht der Unterschied, welcher sich als +_bestimmtes Ding_, oder als _Bewusstsein eines bestimmten natuerlichen +Daseins_, als ein Gefuehl, oder als _Begierde_ und _Zweck fuer +dieselbe_, ob er durch das _eigene_ oder durch _ein fremdes +Bewusstsein_ gesetzt sei, hat mehr Wesenheit, sondern allein der +Unterschied, der ein _gedachter_, oder unmittelbar nicht von Mir +unterschieden ist. Dies Bewusstsein ist somit negativ gegen das +Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft; sein Tun ist, in der +Herrschaft nicht seine Wahrheit an dem Knechte zu haben, noch als +Knecht seine Wahrheit an dem Willen des Herrn und an seinem Dienen, +sondern wie auf dem Throne so in den Fesseln, in aller Abhaengigkeit +seines einzelnen Daseins frei zu sein, und die Leblosigkeit sich zu +erhalten, welche sich bestaendig aus der Bewegung des Daseins, aus dem +Wirken wie aus dem Leiden, in _die einfache Wesenheit des Gedankens +zurueckzieht_. Der Eigensinn ist die Freiheit, die an eine +Einzelnheit sich befestigt und _innerhalb_ der Knechtschaft steht, +der Stoizismus aber die Freiheit, welche unmittelbar immer aus ihr +her, und in die _reine Allgemeinheit_ des Gedankens zurueckkoemmt; als +allgemeine Form des Weltgeistes nur in der Zeit einer allgemeinen +Furcht und Knechtschaft, aber auch einer allgemeinen Bildung +auftreten konnte, welche das Bilden bis zum Denken gesteigert hatte. + +Ob nun zwar diesem Selbstbewusstsein weder ein Anderes als es, noch +die reine Abstraktion des Ich das Wesen ist, sondern Ich, welches das +Anderssein, aber als gedachten Unterschied an ihm hat, so dass es in +seinem Anderssein unmittelbar in sich zurueckgekehrt ist; so ist dies +sein Wesen zugleich nur ein _abstraktes_ Wesen. Die Freiheit des +Selbstbewusstseins ist _gleichgueltig_ gegen das natuerliche Dasein, hat +darum _dieses ebenso frei entlassen_, und die _Reflexion_ ist eine +_gedoppelte_. Die Freiheit im Gedanken hat nur _den reinen Gedanken_ +zu ihrer Wahrheit, die ohne die Erfuellung des Lebens ist; und ist +also auch nur der Begriff der Freiheit, nicht die lebendige Freiheit +selbst; denn ihr ist nur erst das _Denken_ ueberhaupt das Wesen, die +Form als solche, welche von der Selbststaendigkeit der Dinge weg, in +sich zurueckgegangen ist. Indem aber die Individualitaet als handelnd +sich lebendig darstellen, oder als denkend die lebendige Welt als ein +System des Gedankens fassen sollte, so muesste in _dem Gedanken selbst_ +fuer jene Ausbreitung ein _Inhalt_ dessen, was gut, fuer diese, was +wahr ist, liegen; damit _durchaus_, in demjenigen, _was fuer das +Bewusstsein ist_, kein anderes Ingrediens waere als der Begriff, der +das Wesen ist. Allein so wie er hier als _Abstraktion_ von der +Mannigfaltigkeit der Dinge sich abtrennt, hat er _keinen Inhalt an +ihm selbst_, sondern _einen gegebenen_. Das Bewusstsein vertilgt den +Inhalt wohl als ein fremdes _Sein_, indem es ihn denkt; aber der +Begriff ist _bestimmter_ Begriff, und diese _Bestimmtheit_ desselben +ist das Fremde, das er an ihm hat. Der Stoizismus ist darum in +Verlegenheit gekommen, als er, wie der Ausdruck war, nach dem +_Kriterium_ der Wahrheit ueberhaupt gefragt wurde, d.h. eigentlich +nach _einem Inhalte_ des _Gedankens selbst_. Auf die Frage an ihn, +_was_ gut und wahr ist, hat er wieder das _inhaltslose_ Denken selbst +zur Antwort gegeben; in der Vernuenftigkeit soll das Wahre und Gute +bestehen. Aber diese Sichselbstgleichheit des Denkens ist nur wieder +die reine Form, in welcher sich nichts bestimmt; die allgemeinen +Worte von dem Wahren und Guten, der Weisheit und der Tugend, bei +welchen er stehen bleiben muss, sind daher wohl im allgemeinen +erhebend, aber weil sie in der Tat zu keiner Ausbreitung des Inhalts +kommen koennen, fangen sie bald an, Langeweile zu machen. + +Dieses denkende Bewusstsein so, wie es sich bestimmt hat, als die +abstrakte Freiheit, ist also nur die unvollendete Negation des +Andersseins; aus dem Dasein nur in sich _zurueckgezogen_, hat es sich +nicht als absolute Negation desselben an ihm vollbracht. Der Inhalt +gilt ihm zwar nur als Gedanke, aber dabei auch als _bestimmter_, und +die Bestimmtheit als solche zugleich. + +Der _Skeptizismus_ ist die Realisierung desjenigen, wovon der +Stoizismus nur der Begriff,--und die wirkliche Erfahrung, was die +Freiheit des Gedankens ist; sie ist _an sich_ das Negative, und muss +sich so darstellen. Mit der Reflexion des Selbstbewusstseins in den +einfachen Gedanken seiner selbst ist ihr gegenueber in der Tat aus der +Unendlichkeit das selbststaendige Dasein oder die bleibende +Bestimmtheit herausgefallen; im Skeptizismus wird nun _fuer das +Bewusstsein_ die gaenzliche Unwesentlichkeit und Unselbststaendigkeit +dieses Andern; der Gedanke wird zu dem vollstaendigen das Sein der +_vielfach bestimmten_ Welt vernichtenden Denken, und die Negativitaet +des freien Selbstbewusstseins wird sich an dieser mannigfaltigen +Gestaltung des Lebens zur realen Negativitaet.--Es erhellt, dass, wie +der Stoizismus dem _Begriffe_ des _selbststaendi_gen Bewusstseins, das +als Verhaeltnis der Herrschaft und Knechtschaft erschien, entspricht, +so entspricht der Skeptizismus der _Realisierung_ desselben, als der +negativen Richtung auf das Anderssein, der Begierde und der Arbeit. +Aber wenn die Begierde und die Arbeit die Negation nicht fuer das +Selbstbewusstsein ausfuehren konnten, so wird dagegen diese polemische +Richtung gegen die vielfache Selbststaendigkeit der Dinge von Erfolg +sein, weil sie als in sich vorher vollendetes freies Selbstbewusstsein +sich gegen sie kehrt; bestimmter, weil sie _das Denken_, oder die +Unendlichkeit, an ihr selbst hat, und hierin die Selbststaendigkeiten +nach ihrem Unterschiede ihr nur als verschwindende Groessen sind. Die +Unterschiede, welche im reinen Denken seiner selbst nur die +Abstraktion der Unterschiede sind, werden hier zu _allen_ +Unterschieden, und alles unterschiedene Sein zu einem Unterschiede +des Selbstbewusstseins. + +Hiedurch hat sich das _Tun_ des _Skeptizismus_ ueberhaupt, und die +_Weise_ desselben bestimmt. Er zeigt die _dialektische Bewegung_ auf, +welche die sinnliche Gewissheit, die Wahrnehmung und der Verstand ist; +so wie auch die Unwesenheit desjenigen, was in dem Verhaeltnisse des +Herrschens und des Dienens, und was fuer das abstrakte Denken selbst, +als _bestimmtes_ gilt. Jenes Verhaeltnis fasst eine _bestimmte Weise_ +zugleich in sich, in welcher auch sittliche Gesetze als Gebote der +Herrschaft vorhanden sind; die Bestimmungen im abstrakten Denken aber +sind Begriffe der Wissenschaft, in welche sich das inhaltslose Denken +ausbreitet, und den Begriff auf eine in der Tat nur aeusserliche Weise +an das ihm selbststaendige Sein, das seinen Inhalt ausmacht, haengt und +_nur bestimmte_ Begriffe als geltende hat, es sei, dass sie auch reine +Abstraktionen sind. + +Das _Dialektische_ als negative Bewegung, wie sie unmittelbar _ist_, +erscheint dem Bewusstsein zunaechst als etwas, dem es preisgegeben, und +das nicht durch es selbst ist. Als _Skeptizismus_ hingegen ist sie +Moment des Selbstbewusstseins, welchem es nicht _geschieht_, dass ihm, +ohne zu wissen wie, sein Wahres und Reelles verschwindet, sondern +welches in der Gewissheit seiner Freiheit dies andere fuer reell sich +Gebende selbst verschwinden laesst; nicht nur das Gegenstaendliche als +solches, sondern sein eignes Verhalten zu ihm, worin es als +gegenstaendlich gilt, und geltend gemacht wird, also auch sein +_Wahrnehmen_, so wie sein _Befestigen_ dessen, was es in Gefahr ist +zu verlieren, die _Sophisterei_, und sein _aus sich bestimmtes_ und +_festgesetztes Wahres_; durch welche selbstbewusste Negation es _die +Gewissheit seiner Freiheit_ sich _fuer sich selbst_ verschafft, die +Erfahrung derselben hervorbringt, und sie dadurch zur _Wahrheit_ +erhebt. Was verschwindet, ist das Bestimmte, oder der Unterschied, +der, auf welche Weise und woher es sei, als fester und unwandelbarer +sich aufstellt. Er hat nichts Bleibendes an ihm, und _muss_ dem +Denken verschwinden, weil das Unterschiedne eben dies ist, nicht _an +ihm selbst_ zu sein, sondern seine Wesenheit nur in einem Andern zu +haben; das Denken aber ist die Einsicht in diese Natur des +Unterschiednen, es ist das negative Wesen als einfaches. + +Das skeptische Selbstbewusstsein erfaehrt also in dem Wandel alles +dessen, was sich fuer es befestigen will, seine eigne Freiheit als +durch es selbst sich gegeben und erhalten; es ist sich diese Ataraxie +des Sich-selbst-denkens, die unwandelbare und _wahrhafte Gewissheit +seiner selbst_. Sie geht nicht aus einem Fremden, das seine +vielfache Entwicklung in sich zusammenstuerzte, als ein Resultat +hervor, welches sein Werden hinter sich haette; sondern das Bewusstsein +selbst ist die _absolute dialektische Unruhe_, dieses Gemische von +sinnlichen und gedachten Vorstellungen, deren Unterschiede +zusammenfallen, und deren _Gleichheit_ sich ebenso--denn sie ist +selbst die _Bestimmtheit_ gegen das _Ungleiche_--wieder aufloest. +Dies Bewusstsein ist aber eben hierin in der Tat, statt +sichselbstgleiches Bewusstsein zu sein, nur eine schlechthin zufaellige +Verwirrung, der Schwindel einer sich immer erzeugenden Unordnung. _Es +ist dies fuer sich selbst_; denn es selbst erhaelt und bringt diese +sich bewegende Verwirrung hervor. Es bekennt sich darum auch dazu, +es bekennt, ein ganz _zufaelliges, einzelnes_ Bewusstsein zu sein--ein +Bewusstsein, das _empirisch_ ist, sich nach dem richtet, was keine +Realitaet fuer es hat, dem gehorcht, was ihm kein Wesen ist, das tut +und zur Wirklichkeit bringt, was ihm keine Wahrheit hat. Aber ebenso +wie es sich auf diese Weise als _einzelnes, zufaelliges_ und in der +Tat tierisches Leben, und _verlornes_ Selbstbewusstsein gilt, macht es +sich im Gegenteile auch wieder zum _allgemeinen sichselbstgleichen_; +denn es ist die Negativitaet aller Einzelnheit und alles Unterschieds. +Von dieser Sich-selbst-gleichheit oder in ihr selbst vielmehr faellt +es wieder in jene Zufaelligkeit und Verwirrung zurueck, denn eben diese +sich bewegende Negativitaet hat es nur mit Einzelnem zu tun, und +treibt sich mit Zufaelligem herum. Dies Bewusstsein ist also diese +bewusstlose Faselei, von dem einen Extreme des sichselbstgleichen +Selbstbewusstseins zum andern des zufaelligen, verworrenen, und +verwirrenden Bewusstseins hinueber und herueber zu gehen. Es selbst +bringt diese beiden Gedanken seiner selbst nicht zusammen; es erkennt +seine Freiheit _einmal_ als Erhebung ueber alle Verwirrung und alle +Zufaelligkeit des Daseins, und bekennt sich ebenso das _andremal_ +wieder als ein Zurueckfallen in _die Unwesentlichkeit_ und als ein +Herumtreiben in ihr. Es laesst den unwesentlichen Inhalt in seinem +Denken verschwinden, aber eben darin ist es das Bewusstsein eines +Unwesentlichen; es spricht das absolute _Verschwinden_ aus, aber das +_Aussprechen *ist*_, und dies Bewusstsein ist das ausgesprochne +Verschwinden; es spricht die Nichtigkeit des Sehens, Hoerens, und so +fort, aus, und es _sieht, hoert_ und so fort, _selbst_; es spricht die +Nichtigkeit der sittlichen Wesenheiten aus, und macht sie selbst zu +den Maechten seines Handelns. Sein Tun und seine Worte widersprechen +sich immer, und ebenso hat es selbst das gedoppelte widersprechende +Bewusstsein der Unwandelbarkeit und Gleichheit, und der voelligen +Zufaelligkeit und Ungleichheit mit sich. Aber es haelt diesen +Widerspruch seiner selbst auseinander; und verhaelt sich darueber wie +in seiner rein negativen Bewegung ueberhaupt. Wird ihm die +_Gleichheit_ aufgezeigt, so zeigt es die _Ungleichheit_ auf; und +indem ihm diese, die es eben ausgesprochen hat, itzt vorgehalten wird, +so geht es zum Aufzeigen der _Gleichheit_ ueber; sein Gerede ist in +der Tat ein Gezaenke eigensinniger Jungen, deren einer A sagt, wenn +der andere B, und wieder B, wenn der andere A, und die sich durch den +Widerspruch _mit sich selbst_ die Freude erkaufen, _miteinander_ im +Widerspruche zu bleiben. + +Im Skeptizismus erfaehrt das Bewusstsein in Wahrheit sich als ein in +sich selbst widersprechendes Bewusstsein; es geht aus dieser Erfahrung +eine _neue Gestalt_ hervor, welche die zwei Gedanken zusammenbringt, +die der Skeptizismus auseinander haelt. Die Gedankenlosigkeit des +Skeptizismus ueber sich selbst muss verschwinden, weil es in der Tat +ein Bewusstsein ist, welches diese beiden Weisen an ihm hat. Diese +neue Gestalt ist hiedurch ein solches, welches _fuer sich_ das +gedoppelte Bewusstsein seiner als des sich befreienden, unwandelbaren +und sichselbstgleichen, und seiner als des absolut sich verwirrenden +und verkehrenden--und das Bewusstsein dieses seines Widerspruchs ist. +--Im Stoizismus ist das Selbstbewusstsein die einfache Freiheit seiner +selbst; im Skeptizismus realisiert sie sich, vernichtet die andere +Seite des bestimmten Daseins, aber verdoppelt _sich_ vielmehr, und +ist sich nun ein Zweifaches. Hiedurch ist die Verdopplung, welche +frueher an zwei einzelne, an den Herrn und den Knecht, sich verteilte, +in eines eingekehrt; die Verdopplung des Selbstbewusstseins in sich +selbst, welche im Begriffe des Geistes wesentlich ist, ist hiemit +vorhanden, aber noch nicht ihre Einheit, und das _unglueckliche +Bewusstsein_ ist das Bewusstsein seiner als des gedoppelten nur +widersprechenden Wesens. + +Dieses _unglueckliche, in sich entzweite_ Bewusstsein muss also, weil +dieser Widerspruch seines Wesens sich _ein_ Bewusstsein ist, in dem +einen Bewusstsein immer auch das andere haben, und so aus jedem +unmittelbar, indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu +sein meint, wieder daraus ausgetrieben werden. Seine wahre Rueckkehr +aber in sich selbst, oder seine Versoehnung mit sich wird den Begriff +des lebendig gewordenen und in die Existenz getretenen Geistes +darstellen, weil an ihm schon dies ist, dass es als _ein_ ungeteiltes +Bewusstsein ein gedoppeltes ist; es selbst _ist_ das Schauen eines +Selbstbewusstseins in ein anderes, und es selbst _ist_ beide, und die +Einheit beider ist ihm auch das Wesen, aber es _fuer sich_ ist sich +noch nicht dieses Wesen selbst, noch nicht die Einheit beider. + +Indem es zunaechst nur die _unmittelbare Einheit_ beider ist, aber fuer +es nicht beide dasselbe, sondern entgegengesetzte sind, so ist ihm +das eine, naemlich das einfache unwandelbare, als das _Wesen_; das +andere aber, das vielfache wandelbare, als das _Unwesentliche_. +Beide sind _fuer es_ einander fremde Wesen; es selbst, weil es das +Bewusstsein dieses Widerspruchs ist, stellt sich auf die Seite des +wandelbaren Bewusstseins, und ist sich das Unwesentliche; aber als +Bewusstsein der Unwandelbarkeit, oder des einfachen Wesens, muss es +zugleich darauf gehen, sich von dem Unwesentlichen, das heisst, sich +von sich selbst zu befreien. Denn ob es _fuer sich_ wohl nur das +wandelbare, und das unwandelbare ihm ein Fremdes ist, so _ist es +selbst_ einfaches, und hiemit unwandelbares Bewusstsein, dessen hiemit +als _seines_ Wesens sich bewusst, jedoch so, dass _es selbst_ fuer sich +wieder nicht dies Wesen ist. Die Stellung, welche es beiden gibt, +kann daher nicht eine Gleichgueltigkeit derselben gegeneinander, d.i. +nicht eine Gleichgueltigkeit seiner selbst gegen das Unwandelbare sein; +sondern es ist unmittelbar selbst beide, und es ist fuer es _die +Beziehung beider_ als eine Beziehung des Wesens auf das Unwesen, so +dass dies letztere aufzuheben ist, aber indem ihm beide gleich +wesentlich und widersprechend sind, ist es nur die widersprechende +Bewegung, in welcher das Gegenteil nicht in seinem Gegenteil zur Ruhe +kommt, sondern in ihm nur als Gegenteil sich neu erzeugt. + +Es ist damit ein Kampf gegen einen Feind vorhanden, gegen welchen der +Sieg vielmehr ein Unterliegen, das eine erreicht zu haben vielmehr +der Verlust desselben in seinem Gegenteile ist. Das Bewusstsein des +Lebens, seines Daseins und Tuns ist nur der Schmerz ueber dieses +Dasein und Tun, denn es hat darin nur das Bewusstsein seines +Gegenteils als des Wesens, und der eignen Nichtigkeit. Es geht in +die Erhebung hieraus zum Unwandelbaren ueber. Aber diese Erhebung ist +selbst dies Bewusstsein; sie ist also unmittelbar das Bewusstsein des +Gegenteils, naemlich seiner selbst als der Einzelnheit. Das +Unwandelbare, das in das Bewusstsein tritt, ist ebendadurch zugleich +von der Einzelnheit beruehrt, und nur mit dieser gegenwaertig; statt +diese im Bewusstsein des Unwandelbaren vertilgt zu haben, geht sie +darin immer nur hervor. + +In dieser Bewegung aber erfaehrt es eben dieses _Hervortreten der +Einzelnheit *am* Unwandelbaren_, und _des Unwandelbaren *an* der +Einzelnheit_. Es wird _fuer es_ die Einzelnheit _ueberhaupt am_ +unwandelbaren Wesen, und zugleich die _seinige_ an ihm. Denn die +Wahrheit dieser Bewegung ist eben das _Einssein_ dieses gedoppelten +Bewusstseins. _Diese Einheit wird ihm_ aber _zunaechst_ selbst eine +solche, _in welcher noch die Verschiedenheit_ beider das Herrschende +ist. Es ist dadurch die dreifache Weise fuer dasselbe vorhanden, wie +die Einzelnheit mit dem Unwandelbaren verknuepft ist; _einmal_ geht es +selbst sich wieder hervor als entgegengesetzt dem unwandelbaren Wesen; +und es ist in den Anfang des Kampfs zurueckgeworfen, welcher das +Element des ganzen Verhaeltnisses bleibt. Das _andremal_ aber hat das +_Unwandelbare_ selbst _an ihm_ die _Einzelnheit_ fuer es; so dass sie +Gestalt des Unwandelbaren ist, an welches hiemit die ganze Weise der +Existenz hinuebertritt. Das _drittemal_ findet _es sich selbst_ als +dieses Einzelne im Unwandelbaren. Das _erste_ Unwandelbare ist ihm +nur das _fremde_ die Einzelnheit verurteilende Wesen; indem das +_andre_ eine _Gestalt_ der _Einzelnheit_ wie es selbst ist, so wird +es _drittens_ zum Geiste, hat sich selbst darin zu finden die Freude, +und wird sich seine Einzelnheit mit dem Allgemeinen versoehnt zu sein +bewusst. + +Was sich hier als Weise und Verhaeltnis des Unwandelbaren darstellt, +ergab sich als die _Erfahrung_, welche das entzweite Selbstbewusstsein +in seinem Ungluecke macht. Diese Erfahrung ist nun zwar nicht _seine +einseitige_ Bewegung, denn es ist selbst unwandelbares Bewusstsein, +dieses hiemit zugleich auch einzelnes Bewusstsein, und die Bewegung +ebensowohl Bewegung des unwandelbaren Bewusstseins, das in ihr so sehr +wie das andere auftritt; denn sie verlaeuft sich durch diese Momente, +einmal unwandelbares dem einzelnen ueberhaupt, dann selbst einzelnes +dem andern einzelnen entgegengesetzt, und endlich mit ihm Eins zu +sein. Aber diese Betrachtung, insofern sie uns angehoert, ist hier +unzeitig, denn bis itzt ist uns nur die Unwandelbarkeit als +Unwandelbarkeit des Bewusstseins, welche deswegen nicht die wahre, +sondern noch mit einem Gegensatze behaftete ist, nicht das +Unwandelbare _an und fuer sich selbst_ entstanden; wir wissen daher +nicht, wie dieses sich verhalten wird. Was hier sich ergeben hat, +ist nur dies, dass dem Bewusstsein, das hier unser Gegenstand ist, +diese angezeigten Bestimmungen an dem Unwandelbaren erscheinen. + +Aus diesem Grunde behaelt also auch das unwandelbare _Bewusstsein_ in +seiner Gestaltung selbst den Charakter und die Grundlage des +Entzweit--und des Fuer-sich-seins gegen das einzelne Bewusstsein. Es +ist hiemit fuer dieses ueberhaupt ein _Geschehen_, dass das Unwandelbare +die Gestalt der Einzelnheit erhaelt; so wie es sich auch ihm +entgegengesetzt nur _findet_, und also _durch die Natur_ dies +Verhaeltnis hat; dass es _sich_ endlich in ihm _findet_, erscheint ihm +zum Teil zwar durch es selbst hervorgebracht, oder darum stattzuhaben, +weil es selbst einzeln ist; aber ein Teil dieser Einheit als dem +Unwandelbaren zugehoerend, sowohl nach ihrer Entstehung, als insofern +sie ist; und der Gegensatz bleibt in dieser Einheit selbst. In der +Tat ist durch die _Gestaltung_ des Unwandelbaren das Moment des +Jenseits nicht nur geblieben, sondern vielmehr noch befestigt; denn +wenn es durch die Gestalt der einzelnen Wirklichkeit ihm einerseits +zwar naeher gebracht zu sein scheint, so ist es ihm andererseits +nunmehr als ein undurchsichtiges sinnliches _Eins_, mit der ganzen +Sproedigkeit eines _Wirklichen_, gegenueber; die Hoffnung, mit ihm Eins +zu werden, muss Hoffnung, das heisst ohne Erfuellung und Gegenwart +bleiben, denn zwischen ihr und der Erfuellung steht gerade die +absolute Zufaelligkeit oder unbewegliche Gleichgueltigkeit, welche in +der Gestaltung selbst, dem begruendenden der Hoffnung, liegt. Durch +die Natur des _seienden Eins_, durch die Wirklichkeit, die es +angezogen, geschieht es notwendig, dass es in der Zeit verschwunden, +und im Raume und ferne gewesen ist, und schlechthin ferne bleibt. + +Wenn zuerst der blosse Begriff des entzweiten Bewusstseins sich so +bestimmte, dass es auf das Aufheben seiner als einzelnen und auf das +Werden zum unwandelbaren Bewusstsein gehe, so hat sein Streben nunmehr +diese Bestimmung, dass es vielmehr sein Verhaeltnis zu dem reinen +_ungestalteten_ Unwandelbaren aufhebe, und sich nur die Beziehung auf +den _gestalteten Unwandelbaren_ gebe. Denn das _Einssein_ des +Einzelnen mit dem Unwandelbaren ist ihm nunmehr _Wesen_ und +_Gegenstand_, wie im Begriffe nur das gestaltlose, abstrakte +Unwandelbare der wesentliche Gegenstand war; und das Verhaeltnis +dieses absoluten Entzweitseins des Begriffes ist nun dasjenige, von +welchem es sich wegzuwenden hat. Die zunaechst aeussere Beziehung aber +zu dem gestalteten Unwandelbaren als einem fremden Wirklichen hat es +zum absoluten Einswerden zu erheben. + +Die Bewegung, worin das unwesentliche Bewusstsein dies Einssein zu +erreichen strebt, ist selbst die _dreifache_, nach dem dreifachen +Verhaeltnisse, welche es zu seinem gestalteten jenseits haben wird; +einmal als _reines Bewusstsein_; das andremal als _einzelnes Wesen_, +welches sich als Begierde und Arbeit gegen _die Wirklichkeit_ verhaelt; +und zum dritten als _Bewusstsein seines Fuer-sich-seins_.--Wie diese +drei Weisen seines Seins in jenem allgemeinen Verhaeltnisse vorhanden +und bestimmt sind, ist nun zu sehen. + +Zuerst also es als _reines Bewusstsein_ betrachtet, so scheint der +gestaltete Unwandelbare, indem er fuer das reine Bewusstsein ist, +gesetzt zu werden, wie er an und fuer sich selbst ist. Allein wie er +an und fuer sich selbst ist, dies ist, wie schon erinnert, noch nicht +entstanden. Dass er im Bewusstsein waere, wie er an und fuer sich selbst +ist, dies muesste wohl von ihm vielmehr ausgehen als von dem Bewusstsein; +so aber ist diese seine Gegenwart hier nur erst einseitig durch das +Bewusstsein vorhanden, und eben darum nicht vollkommen und wahrhaftig, +sondern bleibt mit Unvollkommenheit oder einem Gegensatze beschwert. + +Obgleich aber das unglueckliche Bewusstsein also diese Gegenwart nicht +besitzt, so ist es zugleich ueber das reine Denken, insofern dieses +das abstrakte von der _Einzelnheit_ ueberhaupt _wegsehende_ Denken des +Stoizismus, und das nur _unruhige_ Denken des Skeptizismus--in der +Tat nur die Einzelnheit als der bewusstlose Widerspruch und dessen +rastlose Bewegung--ist; es ist ueber diese beide hinaus, es bringt und +haelt das reine Denken und die Einzelnheit zusammen, ist aber noch +nicht zu demjenigen Denken erhoben, _fuer welches_ die Einzelnheit des +Bewusstseins mit dem reinen Denken selbst ausgesoehnt ist. Es steht +vielmehr in dieser Mitte, worin das abstrakte Denken die Einzelnheit +des Bewusstseins als Einzelnheit beruehrt. Es selbst _ist_ diese +Beruehrung; es ist die Einheit des reinen Denkens und der Einzelnheit; +es ist auch _fuer es_ diese denkende Einzelnheit, oder das reine +Denken, und das Unwandelbare wesentlich selbst als Einzelnheit. Aber +es ist nicht _fuer es_, dass dieser sein Gegenstand, das Unwandelbare, +welches ihm wesentlich die Gestalt der Einzelnheit hat, _es selbst_ +ist, es selbst, das Einzelnheit des Bewusstseins ist. + +Es _verhaelt_ sich daher in dieser ersten Weise, worin wir es als +_reines Bewusstsein_ betrachten, _zu seinem Gegenstande_ nicht denkend, +sondern indem es selbst zwar _an sich_ reine denkende Einzelnheit +und sein Gegenstand eben dieses, aber nicht die _Beziehung +aufeinander selbst reines Denken_ ist, geht es, so zu sagen, nur _an_ +das Denken _hin_, und ist _Andacht_. Sein Denken als solches bleibt +das gestaltlose Sausen des Glockengelaeutes oder eine warme +Nebelerfuellung, ein musikalisches Denken, das nicht zum Begriffe, der +die einzige immanente gegenstaendliche Weise waere, kommt. Es wird +diesem unendlichen reinen innern Fuehlen wohl sein Gegenstand; aber so +eintretend, dass er nicht als begriffner, und darum als ein Fremdes +eintritt. Es ist hiedurch die innerliche Bewegung des _reinen_ +Gemuets vorhanden, welches sich selbst, aber als die Entzweiung +schmerzhaft _fuehlt_; die Bewegung einer unendlichen _Sehnsucht_, +welche die Gewissheit hat, dass ihr Wesen ein solches reines Gemuet ist, +reines _Denken_, welches sich _als Einzelnheit denkt_; dass sie von +diesem Gegenstande, eben darum, weil er sich als Einzelnheit denkt, +erkannt, und anerkannt wird. Zugleich aber ist dies Wesen das +unerreichbare _Jenseits_, welches im Ergreifen entflieht, oder +vielmehr schon entflohen ist. Es ist schon entflohen; denn es ist +einesteils das sich als Einzelnheit denkende Unwandelbare, und das +Bewusstsein erreicht sich selbst daher unmittelbar in ihm, _sich +selbst_, aber als _das dem Unwandelbaren entgegengesetzte_; statt das +Wesen zu ergreifen, _fuehlt_ es nur, und ist in sich zurueckgefallen; +indem es im Erreichen sich als dies entgegengesetzte nicht abhalten +kann, hat es, statt das Wesen ergriffen zu haben, nur die +Unwesentlichkeit ergriffen. Wie es so auf einer Seite, indem _es +sich im Wesen_ zu erreichen strebt, nur die eigne getrennte +Wirklichkeit ergreift, so kann es auf der andern Seite das Andere +nicht _als einzelnes_, oder als _wirkliches_ ergreifen. Wo es +gesucht werde, kann es nicht gefunden werden, denn es soll eben _ein +Jenseits_, ein solches sein, welches nicht gefunden werden kann. Es +als einzelnes gesucht, ist nicht eine _allgemeine_, gedachte +_Einzelnheit_, nicht Begriff, sondern _Einzelnes_ als Gegenstand, +oder _ein Wirkliches_; Gegenstand der unmittelbaren sinnlichen +Gewissheit; und ebendarum nur ein solches, welches verschwunden ist. +Dem Bewusstsein kann daher nur das _Grab_ seines Lebens zur Gegenwart +kommen. Aber weil dies selbst eine _Wirklichkeit_ und es gegen die +Natur dieser ist, einen dauernden Besitz zu gewaehren; so ist auch +diese Gegenwart des Grabes nur der Kampf eines Bemuehens, der verloren +werden muss. Allein indem es diese Erfahrung gemacht, dass _das Grab_ +seines _wirklichen_ unwandelbaren Wesens _keine Wirklichkeit_ hat, +dass die _verschwundene Einzelnheit_ als verschwundne nicht die wahre +Einzelnheit ist, wird es die unwandelbare Einzelnheit als _wirkliche_ +aufzusuchen oder als verschwundne festzuhalten aufgeben, und erst +hiedurch ist es faehig, die Einzelnheit als wahrhafte oder als +allgemeine zu finden. + +Zunaechst aber ist die _Rueckkehr des Gemuets in sich selbst_ so zu +nehmen, dass es sich als _Einzelnes Wirklichkeit_ hat. Es ist das +_reine Gemuet_, welches _fuer uns_ oder _an sich_, sich gefunden und in +sich ersaettigt ist, denn ob _fuer es_ in seinem Gefuehle sich wohl das +Wesen von ihm trennt, so ist an sich dies Gefuehl _Selbst_gefuehl, es +hat den Gegenstand seines reinen Fuehlens gefuehlt, und dieser ist es +selbst; es tritt also hieraus als Selbstgefuehl oder fuer sich seiendes +Wirkliches auf. In dieser Rueckkehr in sich ist fuer uns sein _zweites +Verhaeltnis_ geworden, das der Begierde und Arbeit, welche dem +Bewusstsein die innerliche Gewissheit seiner selbst, die es fuer uns +erlangt hat, durch Aufheben und Geniessen des fremden Wesens, naemlich +desselben in der Form der selbststaendigen Dinge bewaehrt. Das +unglueckliche Bewusstsein aber _findet_ sich nur als _begehrend_ und +_arbeitend_; es ist fuer es nicht vorhanden, dass, sich so zu finden, +die innre Gewissheit seiner selbst zum Grunde liegt, und sein Gefuehl +des Wesens dies Selbstgefuehl ist. Indem es sie _fuer sich selbst_ +nicht hat, bleibt sein Innres vielmehr noch die gebrochne Gewissheit +seiner selbst; die Bewaehrung, welche es durch Arbeit und Genuss +erhalten wuerde, ist darum eine ebensolche _gebrochne_; oder es muss +sich vielmehr selbst diese Bewaehrung vernichten, so dass es in ihr +wohl die Bewaehrung, aber nur die Bewaehrung desjenigen, was es fuer +sich ist, naemlich seiner Entzweiung findet. + +Die Wirklichkeit, gegen welche sich die Begierde und die Arbeit +wendet, ist diesem Bewusstsein nicht mehr ein _an sich Nichtiges_, von +ihm nur Aufzuhebendes und zu Verzehrendes, sondern ein solches, wie +es selbst ist, eine _entzweigebrochene Wirklichkeit_, welche nur +einerseits an sich nichtig, andererseits aber auch eine geheiligte +Welt ist; sie ist Gestalt des Unwandelbaren, denn dieses hat die +Einzelnheit an sich erhalten, und weil es als das Unwandelbare +Allgemeines ist, hat seine Einzelnheit ueberhaupt die Bedeutung aller +Wirklichkeit. + +Wenn das Bewusstsein fuer sich selbststaendiges Bewusstsein und ihm die +Wirklichkeit an und fuer sich nichtig waere, wuerde es in der Arbeit und +in dem Genusse zum Gefuehle seiner Selbststaendigkeit gelangen, dadurch +dass es selbst es waere, welches die Wirklichkeit aufhoebe. Allein +indem diese ihm Gestalt des Unwandelbaren ist, vermag es nicht sie +durch sich aufzuheben. Sondern indem es zwar zur Vernichtung der +Wirklichkeit und zum Genusse gelangt, so geschieht fuer es dies +wesentlich dadurch, dass das Unwandelbare selbst seine Gestalt +_preisgibt_, und ihm zum Genusse _ueberlaesst_.--Das Bewusstsein tritt +hierin seinerseits _gleichfalls_ als Wirkliches auf, aber ebenso als +innerlich gebrochen, und diese Entzweiung stellt sich in seinem +Arbeiten und Geniessen dar, in ein _Verhaeltnis zur Wirklichkeit_ oder +das _Fuer-sich-sein_ und in ein _An-sich-sein_ sich zu brechen. Jenes +Verhaeltnis zur Wirklichkeit ist das _Veraendern_ oder das _Tun_, das +Fuer-sich-sein, das dem _einzelnen_ Bewusstsein als solchem angehoert. +Aber es ist darin auch _an sich_; diese Seite gehoert dem +unwandelbaren Jenseits an; sie sind die Faehigkeiten und Kraefte, eine +fremde Gabe, welche das Unwandelbare ebenso dem Bewusstsein ueberlaesst, +um sie zu gebrauchen. + +In seinem Tun ist demnach das Bewusstsein zunaechst in dem Verhaeltnisse +zweier Extreme; es steht als das taetige Diesseits auf einer Seite, +und ihm gegenueber die passive Wirklichkeit, beide in Beziehung +aufeinander, aber auch beide in das Unwandelbare zurueckgegangen, und +an sich festhaltend. Von beiden Seiten loest sich daher nur eine +Oberflaeche gegeneinander ab, welche in das Spiel der Bewegung gegen +die andre tritt.--Das Extrem der Wirklichkeit wird durch das taetige +Extrem aufgehoben; sie von ihrer Seite kann aber nur darum aufgehoben +werden, weil ihr unwandelbares Wesen sie selbst aufhebt, sich von +sich abstoesst, und das Abgestossene der Taetigkeit preisgibt. Die +taetige Kraft erscheint als _die Macht_, worin die Wirklichkeit sich +aufloest; darum aber ist fuer dieses Bewusstsein, welchem das _An-sich_ +oder das Wesen ein ihm Andres ist, diese Macht, als welche es in der +Taetigkeit auftritt, das Jenseits seiner selbst. Statt also aus +seinem Tun in sich zurueckzukehren, und sich fuer sich selbst bewaehrt +zu haben, reflektiert es vielmehr diese Bewegung des Tuns in das +andre Extrem zurueck, welches hiedurch als rein Allgemeines, als die +absolute Macht dargestellt ist, von der die Bewegung nach allen +Seiten ausgegangen, und die das Wesen sowohl der sich zersetzenden +Extreme, wie sie zuerst auftraten, als des Wechsels selbst sei. + +Dass das unwandelbare Bewusstsein auf seine Gestalt Ver_zicht tut_ und +sie _preisgibt_, dagegen das einzelne Bewusstsein _dankt_, d.h. die +Befriedigung des Bewusstseins seiner _Selbststaendigkeit_ sich +_versagt_, und das Wesen des Tuns von sich ab dem Jenseits zuweist, +durch diese beide Momente des _gegenseitigen_ Sich-_aufgebens_ beider +Teile entsteht hiemit allerdings dem Bewusstsein seine _Einheit_ mit +dem Unwandelbaren. Allein zugleich ist diese Einheit mit der +Trennung affiziert, in sich wieder gebrochen, und es tritt aus ihr +der Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen wieder hervor. Denn das +Bewusstsein entsagt zwar _zum Scheine_ der Befriedigung seines +Selbstgefuehls; erlangt aber die _wirkliche_ Befriedigung desselben; +denn _es ist_ Begierde, Arbeit und Genuss gewesen; _es_ hat als +Bewusstsein _gewollt, getan_ und _genossen_. Sein _Danken_ ebenso, +worin es das andre Extrem als das Wesen anerkennt, und sich aufhebt, +ist selbst _sein eignes_ Tun, welches das Tun des andern Extrems +aufwiegt, und der sich preisgebenden Wohltat ein _gleiches_ Tun +entgegenstellt; wenn jenes ihm seine _Oberflaeche_ ueberlaesst, so dankt +es _aber auch_, und tut darin, indem es sein Tun, d.h. sein _Wesen_, +selbst aufgibt, eigentlich mehr als das andere, das nur eine +Oberflaeche von sich abstoesst. Die ganze Bewegung reflektiert sich +also nicht nur im wirklichen Begehren, Arbeiten und Geniessen, sondern +sogar selbst im Danken, worin das Gegenteil zu geschehen scheint, in +das _Extrem der Einzelnheit_. Das Bewusstsein fuehlt sich darin als +dieses einzelne, und laesst sich durch den Schein seines +Verzichtleistens nicht taeuschen, denn die Wahrheit desselben ist, dass +es sich nicht aufgegeben hat; was zustande gekommen, ist nur die +gedoppelte Reflexion in die beiden Extreme, und das Resultat die +wiederholte Spaltung in das entgegengesetzte Bewusstsein des +_Unwandelbaren_ und in das Bewusstsein des _gegenueberstehenden_ +Wollens, Vollbringens, Geniessens, und des Auf-sich-Verzicht-leistens +selbst, oder der _fuersichseienden Einzelnheit_ ueberhaupt. + +Es ist damit das _dritte Verhaeltnis_ der Bewegung dieses Bewusstseins +eingetreten, welches aus dem zweiten als ein solches hervortritt, das +in Wahrheit durch sein Wollen und Vollbringen sich als +selbststaendiges erprobt hat. Im ersten Verhaeltnisse war es nur +_Begriff_ des wirklichen Bewusstseins, oder das _innre Gemuet_, welches +im Tun und Genusse noch nicht wirklich ist; das _zweite_ ist diese +Verwirklichung, als aeusseres Tun und Geniessen; hieraus aber +zurueckgekehrt ist es ein solches, welches sich als wirkliches und +wirkendes Bewusstsein _erfahren_, oder dem es _wahr_ ist, _an und fuer +sich_ zu sein. Darin ist aber nun der Feind in seiner eigensten +Gestalt aufgefunden. Im Kampfe des Gemuets ist das einzelne +Bewusstsein nur als musikalisches, abstraktes Moment; in der Arbeit +und dem Genusse, als der Realisierung dieses wesenlosen Seins, kann +es unmittelbar _sich_ vergessen, und die bewusste _Eigenheit_ in +dieser Wirklichkeit wird durch das dankende Anerkennen +niedergeschlagen. Dieses Niederschlagen ist aber in Wahrheit eine +Rueckkehr des Bewusstseins in sich selbst, und zwar in sich als die ihm +wahrhafte Wirklichkeit. + +Dies dritte Verhaeltnis, worin diese wahrhafte Wirklichkeit das _eine_ +Extrem ist, ist die _Beziehung_ derselben auf das allgemeine Wesen, +als der Nichtigkeit; und die Bewegung dieser Beziehung ist noch zu +betrachten. + +Was zuerst die entgegengesetzte Beziehung des Bewusstseins betrifft, +worin ihm seine _Realitaet unmittelbar das Nichtige_ ist, so wird also +sein wirkliches Tun zu einem Tun von nichts, sein Genuss Gefuehl seines +Ungluecks. Hiemit verlieren Tun und Genuss allen _allgemeinen Inhalt +und Bedeutung_, denn dadurch haetten sie ein An- und Fuer-sich-sein, +und beide ziehen sich in die Einzelnheit zurueck, auf welche das +Bewusstsein, sie aufzuheben, gerichtet ist. Seiner als _dieses +wirklichen Einzelnen_ ist das Bewusstsein sich in den tierischen +Funktionen bewusst. Diese, statt unbefangen, als etwas, das an und +fuer sich nichtig ist, und keine Wichtigkeit und Wesenheit fuer den +Geist erlangen kann, getan zu werden, da sie es sind, in welchen sich +der Feind in seiner eigentuemlichen Gestalt zeigt, sind sie vielmehr +Gegenstand des ernstlichen Bemuehens, und werden gerade zum +Wichtigsten. Indem aber dieser Feind in seiner Niederlage sich +erzeugt, das Bewusstsein, da es sich ihn fixiert, vielmehr statt frei +davon zu werden, immer dabei verweilt, und sich immer verunreinigt +erblickt, zugleich dieser Inhalt seines Bestrebens, statt eines +Wesentlichen das Niedrigste, statt eines Allgemeinen das Einzelnste +ist, so sehen wir nur eine auf sich und ihr kleines Tun beschraenkte, +und sich bebruetende, ebenso unglueckliche als aermliche Persoenlichkeit. + +Aber an beides, das Gefuehl seines Ungluecks und die Aermlichkeit seines +Tuns, knuepft sich ebenso das Bewusstsein seiner Einheit mit dem +Unwandelbaren. Denn die versuchte unmittelbare Vernichtung seines +wirklichen Seins ist _vermittelt_ durch den Gedanken des +Unwandelbaren, und geschieht in dieser _Beziehung_. _Die mittelbare_ +Beziehung macht das Wesen der negativen Bewegung aus, in welcher es +sich gegen seine Einzelnheit richtet, welche aber ebenso als +_Beziehung an sich_ positiv ist, und fuer es selbst diese seine +_Einheit_ hervorbringen wird. + +Diese mittelbare Beziehung ist hiemit ein Schluss, in welchem die sich +zuerst als gegen das _An-sich_ entgegengesetzt fixierende Einzelnheit +mit diesem andern Extreme nur durch ein drittes zusammengeschlossen +ist. Durch diese Mitte ist das Extrem des unwandelbaren Bewusstseins +fuer das unwesentliche Bewusstsein, in welchem zugleich auch dies ist, +dass es ebenso fuer jenes nur durch diese Mitte sei, und diese Mitte +hiemit eine solche, die beide Extreme einander vorstellt, und der +gegenseitige Diener eines jeden bei dem andern ist. Diese Mitte ist +selbst ein bewusstes Wesen, denn sie ist ein das Bewusstsein als +solches vermittelndes Tun; der Inhalt dieses Tuns ist die Vertilgung, +welche das Bewusstsein mit seiner Einzelnheit vornimmt. + +In ihr also befreit dieses sich von dem Tun und Genusse als _dem +seinen_; es stoesst von sich als _fuersich_seiendem Extreme das Wesen +seines _Willens_ ab, und wirft auf die Mitte oder den Diener die +Eigenheit und Freiheit des Entschlusses, und damit die _Schuld_ +seines Tuns. Dieser Vermittler, als mit dem unwandelbaren Wesen in +unmittelbarer Beziehung, dient mit seinem _Rate_ ueber das Rechte. +Die Handlung, indem sie Befolgung eines fremden Beschlusses ist, hoert +nach der Seite des Tuns oder des _Willens_ auf, die eigne zu sein. +Es bleibt aber noch ihre _gegenstaendliche_ Seite dem unwesentlichen +Bewusstsein, naemlich die _Frucht_ seiner Arbeit und der _Genuss_. +Diesen stoesst es also ebenso von sich ab, und leistet wie auf seinen +Willen, so auf seine in der Arbeit und Genusse erhaltene +_Wirklichkeit_ Verzicht; auf sie, _teils_ als auf die erreichte +Wahrheit seiner selbstbewussten _Selbststaendigkeit_--indem es etwas +ganz Fremdes, ihm Sinnloses vorstellend und sprechend sich bewegt; +teils auf sie als _aeusserliches Eigentum_--indem es von dem Besitze, +den es durch die Arbeit erworben, etwas ablaesst; teils auf den +gehabten _Genuss_--indem es ihn im Fasten und Kasteien auch wieder +ganz sich versagt. + +Durch diese Momente des Aufgebens des eignen Entschlusses, dann des +Eigentumes und Genusses, und endlich das positive Moment des Treibens +eines unverstandenen Geschaeftes nimmt es sich in Wahrheit und +vollstaendig das Bewusstsein der innern und aeussern Freiheit, der +Wirklichkeit als seines _Fuer-sich-seins_; es hat die Gewissheit, in +Wahrheit seines _Ich_ sich entaeussert, und sein unmittelbares +Selbstbewusstsein zu einem _Dinge_, zu einem gegenstaendlichen Sein +gemacht zu haben.--Die Verzichtleistung auf sich konnte es allein +durch diese _wirkliche_ Aufopferung bewaehren; denn nur in ihr +verschwindet der _Betrug_, welcher in dem _innern_ Anerkennen des +Dankens durch Herz, Gesinnung und Mund liegt, einem Anerkennen, +welches zwar alle Macht des Fuer-sich-seins von sich abwaelzt, und sie +einem Geben von oben zuschreibt, aber in diesem Abwaelzen selbst sich +die _aeussere_ Eigenheit in dem Besitze, den es nicht aufgibt, die +_innre_ aber in dem Bewusstsein des Entschlusses, den es selbst gefasst, +und in dem Bewusstsein seines durch es bestimmten Inhalts, den es +nicht gegen einen fremden, es sinnlos erfuellenden umgetauscht hat, +behaelt. + +Aber in der wirklich vollbrachten Aufopferung hat _an sich_, wie das +Bewusstsein das _Tun_ als das seinige aufgehoben, auch sein _Unglueck_ +von ihm abgelassen. Dass dies Ablassen _an sich_ geschehen ist, ist +jedoch ein Tun des andern Extrems des Schlusses, welches das +_ansichseiende_ Wesen ist. Jene Aufopferung des unwesentlichen +Extrems war aber zugleich nicht ein einseitiges Tun, sondern enthielt +das Tun des Andern in sich. Denn das Aufgeben des eignen Willens ist +nur einerseits negativ, _seinem Begriffe_ nach oder _an sich_, +zugleich aber positiv, naemlich das Setzen des Willens als eines +_Andern_, und bestimmt des Willens als eines nicht einzelnen, sondern +allgemeinen. Fuer dies Bewusstsein ist diese positive Bedeutung des +negativ gesetzten einzelnen Willens der Willen des andern Extrems, +der ihm, weil er eben ein Anderes fuer es ist, nicht durch sich, +sondern durch das Dritte, den Vermittler als Rat, wird. Es wird +daher _fuer es_ sein Willen wohl zum allgemeinen und _an sich_ +seienden Willen, aber _es selbst_ ist _sich nicht_ dies _An-sich_; +das Aufgeben des seinigen als _einzelnen_ ist ihm nicht dem Begriffe +nach das Positive des allgemeinen Willens. Ebenso sein Aufgeben des +Besitzes und Genusses hat nur dieselbe negative Bedeutung, und das +Allgemeine, das fuer es dadurch wird, ist ihm nicht sein _eignes Tun_. +Diese _Einheit_ des gegenstaendlichen und des Fuer-sich-seins, welche +im _Begriffe_ des Tuns ist, und welche darum dem Bewusstsein als das +Wesen und _Gegenstand_ wird--wie sie ihm nicht der Begriff seines +Tuns ist, so ist ihm auch dies nicht, dass sie als Gegenstand _fuer es_ +wird, unmittelbar und durch es selbst, sondern es laesst sich dem +vermittelnden Diener diese selbst noch gebrochne Gewissheit +aussprechen, dass nur _an sich_ sein Unglueck das verkehrte, naemlich +sich in seinem Tun selbstbefriedigendes Tun, oder seliger Genuss; sein +aermliches Tun ebenso _an sich_ das verkehrte, naemlich absolutes Tun, +dem Begriffe nach das Tun nur als Tun des Einzelnen ueberhaupt Tun ist. +Aber _fuer es_ selbst bleibt das Tun und sein wirkliches Tun ein +aermliches, und sein Genuss der Schmerz, und das Aufgehobensein +derselben in der positiven Bedeutung ein _Jenseits_. Aber in diesem +Gegenstande, worin ihm sein Tun und Sein als dieses _einzelnen_ +Bewusstseins, Sein und Tun _an sich_ ist, ist ihm die Vorstellung der +_Vernunft_ geworden, der Gewissheit des Bewusstseins, in seiner +Einzelnheit absolut _an sich_, oder alle Realitaet zu sein. + + + +V. Gewissheit und Wahrheit der Vernunft + +Das Bewusstsein geht in dem Gedanken, welchen es erfasst hat, dass das +_einzelne_ Bewusstsein _an sich_ absolutes Wesen ist, in sich selbst +zurueck. Fuer das unglueckliche Bewusstsein ist das _An-sich-sein_ das +_Jenseits_ seiner selbst. Aber seine Bewegung hat dies an ihm +vollbracht, die Einzelnheit in ihrer vollstaendigen Entwicklung, oder +die Einzelnheit, die _wirkliches Bewusstsein_ ist, als das _Negative_ +seiner Selbst, naemlich als das _gegenstaendliche_ Extrem gesetzt, oder +sein Fuer-sich-sein aus sich hinausgerungen, und es zum Sein gemacht +zu haben; darin ist fuer es auch seine _Einheit_ mit diesem +Allgemeinen geworden, welche fuer uns, da das aufgehobne Einzelne das +Allgemeine ist, nicht mehr ausser ihm faellt; und da das Bewusstsein in +dieser seiner Negativitaet sich selbst erhaelt, an ihm als solchem sein +Wesen ist. Seine Wahrheit ist dasjenige, welches in dem Schlusse, +worin die Extreme absolut auseinandergehalten auftraten, als die +Mitte erscheint, welche es dem unwandelbaren Bewusstsein ausspricht, +dass das Einzelne auf sich Verzicht getan, und dem Einzelnen, dass das +Unwandelbare kein Extrem mehr fuer es, sondern mit ihm versoehnt ist. +Diese Mitte ist die beide unmittelbar wissende und sie beziehende +Einheit, und das Bewusstsein ihrer Einheit, welche sie dem Bewusstsein +und damit _sich selbst_ ausspricht, die Gewissheit, alle Wahrheit zu +sein. + +Damit, dass das Selbstbewusstsein Vernunft ist, schlaegt sein bisher +negatives Verhaeltnis zu dem Anderssein in ein positives um. Bisher +ist es ihm nur um seine Selbststaendigkeit und Freiheit zu tun gewesen, +um sich fuer sich selbst auf Kosten der _Welt_ oder seiner eignen +Wirklichkeit, welche ihm beide als das Negative seines Wesens +erschienen, zu retten und zu erhalten. Aber als Vernunft, seiner +selbst versichert, hat es die Ruhe gegen sie empfangen, und kann sie +ertragen; denn es ist seiner selbst als der Realitaet gewiss; oder dass +alle Wirklichkeit nichts anders ist als es; sein Denken ist +unmittelbar selbst die Wirklichkeit; es verhaelt sich also als +Idealismus zu ihr. Es ist ihm, indem es sich so erfasst, als ob die +Welt erst itzt ihm wuerde; vorher versteht es sie nicht; es begehrt +und bearbeitet sie; zieht sich aus ihr in sich zurueck, und vertilgt +sie fuer sich, und sich selbst als Bewusstsein, als Bewusstsein +derselben als des Wesens, sowie als Bewusstsein ihrer Nichtigkeit. +Hierin erst, nachdem das Grab seiner Wahrheit verloren, das Vertilgen +seiner Wirklichkeit selbst vertilgt, und die Einzelnheit des +Bewusstseins ihm an sich absolutes Wesen ist, entdeckt es sie als +_seine_ neue wirkliche Welt, die in ihrem Bleiben Interesse fuer es +hat, wie vorhin nur in ihrem Verschwinden; denn ihr _Bestehen_ wird +ihm seine eigne _Wahrheit_ und _Gegenwart_; es ist gewiss, nur sich +darin zu erfahren. + +Die Vernunft ist die Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein: +so spricht der Idealismus ihren Begriff aus. Wie das Bewusstsein, +das als Vernunft _auftritt, unmittelbar_ jene Gewissheit an sich hat, +so spricht auch der _Idealismus_ sie _unmittelbar_ aus: Ich bin ich, +in dem Sinne, dass Ich, welches mir Gegenstand ist, nicht wie im +Selbstbewusstsein ueberhaupt, noch auch wie im freien Selbstbewusstsein, +dort nur _leerer_ Gegenstand ueberhaupt, hier nur Gegenstand, der sich +von den Andern zurueckzieht, welche _neben_ ihm noch gelten, sondern +Gegenstand mit dem Bewusstsein des _Nichtseins_ irgendeines Andern, +einziger Gegenstand, alle Realitaet und Gegenwart ist. Das +Selbstbewusstsein ist aber nicht nur _fuer sich_, sondern auch _an +sich_ alle Realitaet, erst dadurch, dass es diese Realitaet _wird_, oder +vielmehr sich als solche _erweist_. Es erweist sich so in _dem_ Wege, +worin zuerst in der dialektischen Bewegung des Meinens, Wahrnehmens +und des Verstandes das Anderssein als _an sich_ und dann in der +Bewegung durch die Selbststaendigkeit des Bewusstseins in Herrschaft +und Knechtschaft, durch den Gedanken der Freiheit, die skeptische +Befreiung, und den Kampf der absoluten Befreiung des in sich +entzweiten Bewusstseins, das Anderssein, insofern es nur _fuer es_ ist, +_fuer es selbst_ verschwindet. Es traten zwei Seiten nacheinander auf, +die eine, worin das Wesen oder das Wahre fuer das Bewusstsein die +Bestimmtheit des _Seins_, die andere die hatte, nur _fuer es_ zu sein. +Aber beide reduzierten sich in _eine_ Wahrheit, dass, was _ist_, oder +das _An-sich_ nur ist, insofern es _fuer_ das Bewusstsein, und was _fuer +es_ ist, auch _an sich_ ist. Das Bewusstsein, welches diese Wahrheit +ist, hat diesen Weg im Ruecken und vergessen, indem es _unmittelbar_ +als Vernunft auftritt, oder diese unmittelbar auftretende Vernunft +tritt nur als die _Gewissheit_ jener Wahrheit auf. Sie _versichert_ +so nur, alle Realitaet zu sein, begreift dies aber selbst nicht; denn +jener vergessene Weg ist das Begreifen dieser unmittelbar +ausgedrueckten Behauptung. Und ebenso ist dem, der ihn nicht gemacht +hat, diese Behauptung, wenn er sie in dieser reinen Form hoert--denn +in einer konkreten Gestalt macht er sie wohl selbst--, unbegreiflich. + +Der Idealismus, der jenen Weg nicht darstellt, sondern mit dieser +Behauptung anfaengt, ist daher auch reine _Versicherung_, welche sich +selbst nicht begreift, noch sich andern begreiflich machen kann. Er +spricht eine _unmittelbare Gewissheit_ aus, welcher andere +unmittelbare Gewissheiten gegenueberstehen, die allein auf jenem Wege +verlorengegangen sind. Mit gleichem Rechte stellen daher _neben_ der +_Versicherung_ jener Gewissheit sich auch die _Versicherungen_ dieser +andern Gewissheiten. Die Vernunft beruft sich auf das +_Selbst_bewusstsein eines jeden Bewusstseins: _Ich bin Ich_; mein +Gegenstand und Wesen ist _Ich_; und keines wird ihr diese Wahrheit +ableugnen. Aber indem sie sie auf diese Berufung gruendet, +sanktioniert sie die Wahrheit der andern Gewissheit, naemlich der: _es +ist *Anderes* fuer mich_; Anderes als _Ich_ ist mir Gegenstand und +Wesen, oder indem _Ich_ mir Gegenstand und Wesen bin, bin ich es nur, +indem ich mich von dem Andern ueberhaupt zurueckziehe, und als eine +Wirklichkeit _neben_ es trete.--Erst wenn die Vernunft als +_Reflexion_ aus dieser entgegengesetzten Gewissheit auftritt, tritt +ihre Behauptung von sich nicht nur als Gewissheit und Versicherung, +sondern als _Wahrheit_ auf; und nicht _neben_ andern, sondern als die +_einzige_. Das _unmittelbare Auftreten_ ist die Abstraktion ihres +_Vorhandenseins_, dessen _Wesen_ und _An-sich-sein_ absoluter Begriff, +d.h. die _Bewegung seines Gewordenseins_ ist.--Das Bewusstsein wird +sein Verhaeltnis zum Anderssein oder seinem Gegenstande auf +verschiedene Weise bestimmen, je nachdem es gerade auf einer Stufe +des sich bewusstwerdenden Weltgeistes steht. Wie es sich und seinen +Gegenstand jedesmal _unmittelbar_ findet und bestimmt, oder wie es +_fuer sich_ ist, haengt davon ab, was er schon _geworden_ oder was er +schon _an sich ist._ + +Die Vernunft ist die Gewissheit, alle _Realitaet_ zu sein. Dieses +_An-sich_ oder diese _Realitaet_ ist aber noch ein durchaus +Allgemeines, die reine _Abstraktion_ der Realitaet. Es ist die erste +_Positivitaet_, welche das Selbstbewusstsein _an sich selbst, fuer sich_ +ist, und Ich daher nur die _reine Wesenheit_ des Seienden, oder die +einfache _Kategorie_. Die _Kategorie_, welche sonst die Bedeutung +hatte, Wesenheit des Seienden zu sein, _unbestimmt_ des Seienden +ueberhaupt oder des Seienden gegen das Bewusstsein, ist itzt +_Wesenheit_ oder einfache _Einheit_ des Seienden nur als denkende +Wirklichkeit; oder sie ist dies, dass Selbstbewusstsein und Sein +_dasselbe_ Wesen ist; _dasselbe_ nicht in der Vergleichung, sondern +an und fuer sich. Nur der einseitige schlechte Idealismus laesst diese +Einheit wieder als Bewusstsein auf die eine Seite, und ihr gegenueber +ein _An-sich_ treten.--Diese Kategorie nun oder _einfache_ Einheit +des Selbstbewusstseins und des Seins hat aber an sich _den +Unterschied_; denn ihr Wesen ist eben dieses, im _Anderssein_ oder im +absoluten Unterschiede unmittelbar sich selbst gleich zu sein. Der +Unterschied _ist_ daher; aber vollkommen durchsichtig, und als ein +Unterschied, der zugleich keiner ist. Er erscheint als eine +_Vielheit_ von Kategorien. Indem der Idealismus, die _einfache +Einheit_ des Selbstbewusstseins als alle Realitaet ausspricht, und sie +_unmittelbar_, ohne sie als absolut negatives Wesen--nur dieses hat +die Negation, die Bestimmtheit oder den Unterschied an ihm +selbst--begriffen zu haben, zum Wesen macht, so ist noch +unbegreiflicher als das erste dies zweite, dass in der Kategorie +_Unterschiede_ oder _Arten_ sein. Diese Versicherung ueberhaupt, +sowie die Versicherung von irgendeiner _bestimmten Anzahl_ der Arten +derselben, ist eine neue Versicherung, welche es aber an ihr selbst +enthaelt, dass man sie sich nicht mehr als Versicherung gefallen lassen +muesse. Denn indem im reinen Ich, im reinen Verstande selbst _der +Unterschied_ anfaengt, so ist damit gesetzt, dass hier die +_Unmittelbarkeit_, das _Versichern_ und _Finden_ aufgegeben werde, +und das _Begreifen_ anfange. Die Vielheit der Kategorien aber auf +irgendeine Weise wieder als einen Fund, zum Beispiel aus den Urteilen, +aufnehmen, und sich dieselben so gefallen lassen, ist in der Tat als +eine Schmach der Wissenschaft anzusehen; wo sollte noch der Verstand +eine Notwendigkeit aufzuzeigen vermoegen, wenn er dies an ihm selbst, +der reinen Notwendigkeit, nicht vermag. + +Weil nun so der Vernunft die reine Wesenheit der Dinge, wie ihr +Unterschied, angehoert, so koennte eigentlich ueberhaupt nicht mehr von +_Dingen_ die Rede sein, das heisst einem solchen, welches fuer das +Bewusstsein nur das Negative seiner selbst waere. Denn die vielen +Kategorien sind _Arten_ der reinen Kategorie, heisst, _sie_ ist noch +ihre _Gattung_ oder _Wesen_, nicht ihnen entgegengesetzt. Aber sie +sind schon das Zweideutige, welches zugleich das Anderssein _gegen_ +die reine Kategorie in seiner _Vielheit_ an sich hat. Sie +widersprechen ihr durch diese Vielheit in der Tat, und die reine +Einheit muss sie an sich aufheben, wodurch sie sich als _negative +Einheit_ der Unterschiede konstituiert. Als _negative_ Einheit aber +schliesst sie ebensowohl die _Unterschiede_ als solche, sowie jene +erste _unmittelbare_ reine Einheit als solche von sich aus, und ist +_Einzelnheit_; eine neue Kategorie, welche ausschliessendes Bewusstsein, +das heisst, dies ist, dass _ein Anderes_ fuer es ist. Die Einzelnheit +ist ihr Uebergang aus ihrem Begriffe zu einer _aeussern_ Realitaet; das +reine _Schema_, welches ebensowohl Bewusstsein, wie damit, dass es +Einzelnheit und ausschliessendes Eins ist, das Hindeuten auf ein +Anderes ist. Aber dies _Andere_ dieser Kategorie sind nur die +_andern ersten Kategorien_, naemlich _reine Wesenheit_, und der _reine +Unterschied_; und in ihr, d.h. eben in dem Gesetztsein des Andern, +oder in diesem Andern selbst das Bewusstsein ebenso es selbst. Jedes +dieser verschiedenen Momente verweist auf ein anderes; es kommt aber +in ihnen zugleich zu keinem Anderssein. Die reine Kategorie verweist +auf die _Arten_, welche in die negative Kategorie, oder die +Einzelnheit uebergehen; die letztere weist aber auf jene zurueck; sie +ist selbst reines Bewusstsein, welches in jeder sich diese klare +Einheit mit sich bleibt, eine Einheit aber, die ebenso auf ein +Anderes hingewiesen wird, das, indem es ist, verschwunden, und indem +es verschwunden, auch wieder erzeugt ist. + +Wir sehen hier das reine Bewusstsein auf eine gedoppelte Weise gesetzt, +einmal als das unruhige _Hin- und Hergehen_, welches alle seine +Momente durchlaeuft, in ihnen das Anderssein vorschweben hat, das im +Erfassen sich aufhebt; das anderemal vielmehr als die _ruhige_ ihrer +Wahrheit gewisse _Einheit_. Fuer diese Einheit ist jene Bewegung das +_Andere_; fuer diese Bewegung aber jene ruhige Einheit; und Bewusstsein +und Gegenstand wechseln in diesen gegenseitigem Bestimmungen ab. Das +Bewusstsein ist sich also einmal das hin- und hergehende Suchen, und +sein Gegenstand das _reine An-sich_ und Wesen; das andremal ist sich +jenes die einfache Kategorie, und der Gegenstand die Bewegung der +Unterschiede. Das Bewusstsein aber als Wesen ist dieser ganze Verlauf +selbst, aus sich als einfacher Kategorie in die Einzelnheit und den +Gegenstand ueberzugehen, und an diesem diesen Verlauf anzuschauen, ihn +als einen unterschiednen aufzuheben, sich _zuzueignen_, und sich als +diese Gewissheit, alle Realitaet, sowohl es selbst als sein Gegenstand +zu sein, auszusprechen. + +Sein erstes Aussprechen ist nur dieses abstrakte leere Wort, dass +alles _sein_ ist. Denn die Gewissheit, alle Realitaet zu sein, ist +erst die reine Kategorie. Diese erste im Gegenstande sich erkennende +Vernunft drueckt der leere Idealismus aus, welcher die Vernunft nur so +auffasst, wie sie sich zunaechst ist, und darin, dass er in allem Sein +dieses reine _Mein_ des Bewusstseins aufzeigt und die Dinge als +Empfindungen oder Vorstellungen ausspricht, es als vollendete +Realitaet aufgezeigt zu haben waehnt. Er muss darum zugleich absoluter +Empirismus sein, denn fuer die _Erfuellung_ des leeren _Meins_, das +heisst fuer den Unterschied und alle Entwicklung und Gestaltung +desselben bedarf seine Vernunft eines fremden Anstosses, in welchem +erst die _Mannigfaltigkeit_ des Empfindens oder Vorstellens liege. +Dieser Idealismus wird daher eine ebensolche sich widersprechende +Doppelsinnigkeit als der Skeptizismus, nur dass wie dieser sich +negativ, jener sich positiv ausdrueckt, aber ebensowenig seine +widersprechenden Gedanken des reinen Bewusstseins als aller Realitaet, +und ebenso des fremden Anstosses oder des sinnlichen Empfindens und +Vorstellens, als einer gleichen Realitaet, zusammenbringt, sondern von +dem einen zu dem andern sich herueberund hinueberwirft und in die +schlechte, naemlich in die sinnliche Unendlichkeit, geraten ist. +Indem die Vernunft alle Realitaet in der Bedeutung des abstrakten +_Meins_, und das _Andere_ ihm ein _gleichgueltiges Fremdes_ ist, so +ist darin gerade dasjenige Wissen der Vernunft von einem Anderen +gesetzt, welches als _Meinen, Wahrnehmen_ und der das Gemeinte und +Wahrgenommene auffassende _Verstand_ vorkam. Ein solches Wissen wird +zugleich, nicht wahres Wissen zu sein, durch den Begriff dieses +Idealismus selbst behauptet, denn nur die Einheit der Apperzeption +ist die Wahrheit des Wissens. Die reine Vernunft dieses Idealismus +wird also durch sich selbst, um zu diesem _Andern_, das ihr +_wesentlich_, das heisst also das _An-sich_ ist, das sie aber nicht in +ihr selbst hat, zu gelangen, an dasjenige Wissen zurueckgeschickt, das +nicht ein Wissen des Wahren ist; sie verurteilt sich so mit Wissen +und Willen zu einem unwahren Wissen, und kann vom Meinen und +Wahrnehmen, die fuer sie selbst keine Wahrheit haben, nicht ablassen. +Sie befindet sich in unmittelbarem Widerspruche, ein gedoppeltes +schlechthin Entgegengesetztes als das Wesen zu behaupten, die +_Einheit der Apperzeption_ und ebenso das _Ding_, welches, wenn es +auch _fremder Anstoss_, oder _empirisches_ Wesen, oder _Sinnlichkeit_, +oder _das Ding an sich_ genannt wird, in seinem Begriffe dasselbe +jener Einheit Fremde bleibt. + +Dieser Idealismus ist in diesem Widerspruche, weil er den _abstrakten +Begriff_ der Vernunft als das Wahre behauptet; daher ihm unmittelbar +ebensosehr die Realitaet als eine solche entsteht, welche vielmehr +nicht die Realitaet der Vernunft ist, waehrend die Vernunft zugleich +alle Realitaet sein sollte; diese bleibt ein unruhiges Suchen, welches +in dem Suchen selbst die Befriedigung des Findens fuer schlechthin +unmoeglich erklaert.--So inkonsequent aber ist die wirkliche Vernunft +nicht; sondern nur erst die _Gewissheit_, alle Realitaet zu sein, ist +sie in diesem _Begriffe_ sich bewusst als _Gewissheit_, als _Ich_ noch +nicht die Realitaet in Wahrheit zu sein, und ist getrieben, ihre +Gewissheit zur Wahrheit zu erheben, und das _leere_ Mein zu erfuellen. + + +A. Beobachtende Vernunft + +Dieses Bewusstsein, welchem das _Sein_ die Bedeutung des _Seinen_ hat, +sehen wir nun zwar wieder in das Meinen und Wahrnehmen hineingehen, +aber nicht als in die Gewissheit eines nur _Andern_, sondern mit der +Gewissheit, dies Andere selbst zu sein. Frueher ist es ihm nur +_geschehen_, manches an dem Dinge wahrzunehmen und zu _erfahren_; +hier stellt es die Beobachtungen und die Erfahrung selbst an. Meinen +und Wahrnehmen, das fuer uns frueher sich aufgehoben, wird nun von dem +Bewusstsein fuer es selbst aufgehoben; die Vernunft geht darauf, die +Wahrheit zu _wissen_; was fuer das Meinen und Wahrnehmen ein Ding ist, +als Begriff zu finden, das heisst, in der Dingheit nur das Bewusstsein +ihrer selbst zu haben. Die Vernunft hat daher itzt ein allgemeines +_Interesse_ an der Welt, weil sie die Gewissheit ist, Gegenwart in ihr +zu haben, oder dass die Gegenwart vernuenftig ist. Sie sucht ihr +Anderes, indem sie weiss, daran nichts anderes als sich selbst zu +besitzen; sie sucht nur ihre eigne Unendlichkeit. + +Zuerst sich in der Wirklichkeit nur ahndend, oder sie nur als das +_Ihrige_ ueberhaupt wissend, schreitet sie in diesem Sinne zur +allgemeinen Besitznehmung des ihr versicherten Eigentums, und pflanzt +auf alle Hoehen und in alle Tiefen das Zeichen ihrer Souveraenitaet. +Aber dieses oberflaechliche Mein ist nicht ihr letztes Interesse; die +Freude dieser allgemeinen Besitznehmung findet an ihrem Eigentume +noch das fremde Andre, das die abstrakte Vernunft nicht an ihr selbst +hat. Die Vernunft ahndet sich als ein tieferes Wesen, denn das reine +Ich _ist_, und muss fodern, dass der Unterschied, das _mannigfaltige +Sein_, ihm als das seinige selbst werde, dass es sich als die +_Wirklichkeit_ anschaue, und sich als Gestalt und Ding gegenwaertig +finde. Aber wenn die Vernunft alle Eingeweide der Dinge durchwuehlt, +und ihnen alle Adern oeffnet, dass sie sich daraus entgegenspringen +moege, so wird sie nicht zu diesem Gluecke gelangen, sondern muss an ihr +selbst vorher sich vollendet haben, um dann ihre Vollendung erfahren +zu koennen. + +Das Bewusstsein _beobachtet_; d.h. die Vernunft will sich als seienden +Gegenstand, als _wirkliche, sinnlich-gegenwaertige_ Weise finden, und +haben. Das Bewusstsein dieses Beobachtens meint und sagt wohl, dass es +_nicht sich selbst_, sondern im Gegenteil _das Wesen der Dinge als +der Dinge_ erfahren wolle. Dass dies _Bewusstsein_ dies meint und sagt, +liegt darin, dass es Vernunft _ist_, aber ihm die Vernunft noch nicht +als solche Gegenstand ist. Wenn es die _Vernunft_ als gleiches Wesen +der Dinge und seiner selbst wuesste, und dass sie nur in dem Bewusstsein +in ihrer eigentuemlichen Gestalt gegenwaertig sein kann, so wuerde es +vielmehr in seine eigne Tiefe steigen und sie darin suchen, als in +den Dingen. Wenn es sie in dieser gefunden haette, wuerde sie von da +wieder heraus an die Wirklichkeit gewiesen werden, um in dieser ihren +sinnlichen Ausdruck anzuschauen, aber ihn sogleich wesentlich als +_Begriff_ nehmen. Die Vernunft, wie sie _unmittelbar_ als die +Gewissheit des Bewusstseins, alle Realitaet zu sein, auftritt, nimmt +ihre Realitaet in dem Sinne der _Unmittelbarkeit des Seins_, und +ebenso die Einheit des Ich mit diesem gegenstaendlichen Wesen in dem +Sinne einer _unmittelbaren Einheit_, an der sie die Momente des Seins +und Ich noch nicht getrennt und wieder vereinigt, oder die sie noch +nicht erkannt hat. Sie geht daher als beobachtendes Bewusstsein an +die Dinge, in der Meinung, dass sie diese als sinnliche, dem Ich +entgegengesetzte Dinge in Wahrheit nehme; allein ihr wirkliches Tun +widerspricht dieser Meinung; denn sie _erkennt_ die Dinge, sie +verwandelt ihre Sinnlichkeit _in Begriffe_, d.h. eben in ein Sein, +welches zugleich Ich ist, das Denken somit in ein seiendes Denken, +oder das Sein in ein gedachtes Sein, und behauptet in der Tat, dass +die Dinge nur als Begriffe Wahrheit haben. Fuer dies beobachtende +Bewusstsein wird darin nur dies, was _die Dinge_ sind, fuer uns aber, +was _es selbst_ ist; das Resultat seiner Bewegung aber wird dies sein, +fuer sich selbst dies zu werden, was es an sich ist. + +_Das Tun_ der beobachtenden Vernunft ist in den Momenten seiner +Bewegung zu betrachten, wie sie die Natur, den Geist, und endlich die +Beziehung beider als sinnliches Sein aufnimmt, und sich als seiende +Wirklichkeit sucht. + + +a. Beobachtung der Natur + +Wenn das gedankenlose Bewusstsein das Beobachten und Erfahren als die +Quelle der Wahrheit ausspricht, so moegen wohl ihre Worte so lauten, +als ob es allein um ein Schmecken, Riechen, Fuehlen, Hoeren und Sehen +zu tun sei; es vergisst in dem Eifer, womit es das Schmecken, Riechen +u.s.f. empfiehlt, zu sagen, dass es in der Tat auch ebenso wesentlich +den Gegenstand dieses Empfindens sich schon bestimmt hat, und diese +Bestimmung ihm wenigstens soviel gilt als jenes Empfinden. Es wird +auch sogleich eingestehen, dass es ihm nicht so ueberhaupt nur ums +Wahrnehmen zu tun sei, und z. B. die Wahrnehmung, dass dies +Federmesser neben dieser Tabaksdose liegt, nicht fuer eine Beobachtung +gelten lassen. Das Wahrgenommene soll wenigstens die Bedeutung eines +_Allgemeinen_, nicht eines _sinnlichen Diesen_ haben. + +Dies Allgemeine ist so nur erst das _sich gleich Bleibende_; seine +Bewegung nur das gleichfoermige Wiederkehren desselben Tuns. Das +Bewusstsein, welches insofern im Gegenstande nur die _Allgemeinheit_ +oder das _abstrakte Mein_ findet, muss die eigentliche Bewegung +desselben auf _sich_ selbst nehmen; indem es noch nicht der Verstand +desselben ist, wenigstens sein Gedaechtnis sein, welches das, was in +der Wirklichkeit nur auf einzelne Weise vorhanden ist, auf allgemeine +Weise ausdrueckt. Dies oberflaechliche Herausheben aus der Einzelnheit, +und die ebenso oberflaechliche Form der Allgemeinheit, worein das +Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines +geworden zu sein, das _Beschreiben_ der Dinge hat noch in dem +Gegenstande selbst die Bewegung nicht; sie ist vielmehr nur in dem +Beschreiben. Der Gegenstand, wie er beschrieben ist, hat daher das +Interesse verloren; ist der eine beschrieben, so muss ein anderer +vorgenommen, und immer gesucht werden, damit das Beschreiben nicht +ausgehe. Ist es nicht so leicht mehr, neue _ganze_ Dinge zu finden, +so muss zu den schon gefundenen zurueckgegangen werden, sie weiter zu +teilen, auseinanderzulegen, und neue Seiten der Dingheit an ihnen +noch aufzuspueren. Diesem rastlosen, unruhigen Instinkte kann es nie +an Material gebrechen; eine neue ausgezeichnete Gattung zu finden, +oder gar einen neuen Planeten, dem, ob er zwar ein Individuum ist, +doch die Natur eines Allgemeinen zukommt, zu finden, kann nur +Gluecklichen zuteil werden. Aber die Grenzen dessen, was wie der +Elefant, die Eiche, das Gold _ausgezeichnet_, was _Gattung_ und _Art_ +ist, geht durch viele Stufen in die unendliche _Besonderung_ der +chaotischen Tiere und Pflanzen, der Gebirgsarten, oder der durch +Gewalt und Kunst erst darzustellenden Metalle, Erden u.s.f. ueber. In +diesem Reiche der Unbestimmtheit des Allgemeinen, worin die +Besonderung wieder der _Vereinzelung_ sich naehert, und in sie hie und +da auch wieder ganz herabsteigt, ist ein unerschoepflicher Vorrat fuers +Beobachten und Beschreiben aufgetan. Hier aber, wo ihm ein +unuebersehbares Feld sich eroeffnet, an der Grenze des Allgemeinen kann +es vielmehr statt eines unermesslichen Reichtums nur die Schranke der +Natur und seines eignen Tuns gefunden haben; es kann nicht mehr +wissen, ob das an sich zu sein Scheinende nicht eine Zufaelligkeit ist; +was das Gepraege eines verwirrten oder unreifen, schwachen und der +elementarischen Unbestimmtheit kaum sich entwickelnden Gebildes an +sich traegt, kann nicht darauf Anspruch machen, auch nur beschrieben +zu werden. + +Wenn es diesem Suchen und Beschreiben nur um die Dinge zu tun zu sein +scheint, so sehen wir es in der Tat nicht an dem _sinnlichen +Wahrnehmen_ fortlaufen, sondern das, woran die Dinge _erkannt_ werden, +ist ihm wichtiger als der uebrige Umfang der sinnlichen Eigenschaften, +welche das Ding selbst wohl nicht entbehren kann, aber deren das +Bewusstsein sich entuebrigt. Durch diese Unterscheidung in das +_Wesentliche_ und _Unwesentliche_ erhebt sich der Begriff aus der +sinnlichen Zerstreuung empor, und das Erkennen erklaert darin, dass es +ihm wenigstens ebenso wesentlich _um sich selbst_ als um die Dinge zu +tun ist. Es geraet bei dieser gedoppelten Wesentlichkeit in ein +Schwanken, ob das, was fuer _das Erkennen_ das Wesentliche und +Notwendige ist, es auch an _den Dingen_ sei. Einesteils sollen die +_Merkmale_ nur dem Erkennen dienen, wodurch es die Dinge voneinander +unterscheide; aber andernteils nicht das Unwesentliche der Dinge +erkannt werden, sondern das, wodurch sie selbst aus der allgemeinen +Kontinuitaet des Seins ueberhaupt sich _losreissen_, sich von dem Andern +_abscheiden_ und _fuer sich_ sind. Die Merkmale sollen nicht nur +wesentliche Beziehung auf das Erkennen haben, sondern auch die +wesentlichen Bestimmtheiten der Dinge, und das kuenstliche System dem +Systeme der Natur selbst gemaess sein, und nur dieses ausdruecken. Aus +dem Begriffe der Vernunft ist dies notwendig, und der Instinkt +derselben--denn sie verhaelt sich nur als solcher in diesem +Beobachten--hat auch in seinen Systemen diese Einheit erreicht, wo +naemlich ihre Gegenstaende selbst so beschaffen sind, dass sie eine +Wesentlichkeit oder ein _Fuer-sich-sein_ an ihnen haben, und nicht nur +Zufall dieses _Augenblicks_ oder dieses _Hier_ sind. Die +Unterscheidungsmerkmale der Tiere z. B. sind von den Klauen und +Zaehnen genommen; denn in der Tat _unterscheidet_ nicht nur das +Erkennen dadurch ein Tier von dem andern; sondern das Tier _scheidet_ +sich dadurch selbst ab; durch diese Waffen erhaelt es sich _fuer sich_, +und gesondert von dem Allgemeinen. Die Pflanze dagegen kommt nicht +zum _Fuer-sich_-_sein_, sondern beruehrt nur die Grenze der +Individualitaet; an dieser Grenze, wo sie den Schein der _Entzweiung_ +in Geschlechter aufzeigt, ist sie deswegen aufgenommen und +unterschieden worden. Was aber weiter hinuntersteht, kann sich nicht +mehr selbst von anderem unterscheiden, sondern geht verloren, indem +es in den Gegensatz kommt. Das _ruhende Sein_, und das _Sein im +Verhaeltnisse_ kommt in Streit miteinander, das Ding ist in diesem +etwas anders als nach jenem, da hingegen das Individuum dies ist, im +Verhaeltnisse zu anderem sich zu erhalten. Was aber dies nicht vermag, +und _chemischerweise_ ein anderes wird, als es _empirischerweise_ +ist, verwirrt das Erkennen, und bringt es in denselben Streit, ob es +sich an die eine und andere Seite halten soll, da das Ding selbst +nichts Gleichbleibendes ist, und sie an ihm auseinanderfallen. + +In solchen Systemen des allgemeinen Sichgleichbleibenden hat also +dieses die Bedeutung, ebensowohl das Sichgleichbleibende des +Erkennens wie der Dinge selbst zu sein. Allein diese Ausbreitung +_der gleichbleibenden Bestimmtheiten_, deren jede ruhig die Reihe +ihres Fortgangs beschreibt, und Raum erhaelt, um fuer sich zu gewaehren, +geht wesentlich ebensosehr in ihr Gegenteil ueber, in die Verwirrung +dieser Bestimmtheiten; denn das Merkmal, die allgemeine Bestimmtheit, +ist die Einheit des Entgegengesetzten, des Bestimmten und des an sich +Allgemeinen; sie muss also in diesen Gegensatz auseinandertreten. +Wenn nun die Bestimmtheit nach einer Seite das Allgemeine, worin sie +ihr Wesen hat, besiegt, so erhaelt dieses dagegen auf der andern Seite +ebenso sich seine Herrschaft ueber sie, treibt die Bestimmtheit an +ihre Grenze, vermischt da ihre Unterschiede und Wesentlichkeiten. +Das Beobachten, welches sie ordentlich auseinanderhielt und an ihnen +etwas Festes zu haben glaubte, sieht ueber ein Prinzip die andern +heruebergreifen, Uebergaenge und Verwirrungen sich bilden, und in diesem +das verbunden, was es zuerst fuer schlechthin getrennt nahm, und +getrennt, was es zusammenrechnete; so dass dies Festhalten an dem +ruhigen, sichgleichbleibenden Sein sich hier gerade in seinen +allgemeinsten Bestimmungen, z. B. was das Tier, die Pflanze fuer +wesentliche Merkmale habe, mit Instanzen geneckt sehen muss, die ihm +jede Bestimmung rauben, die Allgemeinheit, zu der es sich erhob, zum +Verstummen bringen, und es aufs gedankenlose Beobachten und +Beschreiben zuruecksetzen. + +Dieses sich auf das Einfache einschraenkende oder die sinnliche +Zerstreuung durch das Allgemeine beschraenkende Beobachten findet also +an seinem Gegenstande die _Verwirrung seines Prinzips_, weil das +Bestimmte durch seine Natur sich in seinem Gegenteile verlieren muss; +die Vernunft muss darum vielmehr von der _traegen_ Bestimmtheit, die +den Schein des Bleibens hatte, zur Beobachtung derselben, wie sie in +Wahrheit ist, naemlich _sich auf ihr Gegenteil zu beziehen_, fortgehen. +Was wesentliche Merkmale genannt werden, sind _ruhende_ +Bestimmtheiten, welche so, wie sie als _einfache_ sich ausdruecken und +aufgefasst werden, nicht das, was ihre Natur ausmacht, verschwindende +_Momente_ der sich in sich zuruecknehmenden Bewegung zu sein, +darstellen. Indem itzt der Vernunftinstinkt dazu koemmt, die +Bestimmtheit ihrer Natur gemaess, wesentlich nicht fuer sich zu sein, +sondern in das Entgegengesetzte ueberzugehen, aufzusuchen, sucht er +nach dem _Gesetze_ und dem _Begriffe_ desselben; zwar nach ihnen +ebenso als _seiender_ Wirklichkeit, aber diese wird ihm in der Tat +verschwinden, und die Seiten des Gesetzes zu reinen Momenten oder +Abstraktionen werden, so dass das Gesetz in der Natur des Begriffes +hervortritt, welcher das gleichgueltige Bestehen der sinnlichen +Wirklichkeit an sich vertilgt hat. + +Dem beobachtenden Bewusstsein ist die _Wahrheit des Gesetzes_ in der +_Erfahrung_, als in der Weise, dass _sinnliches Sein fuer es_ ist; +nicht an und fuer sich selbst. Wenn aber das Gesetz nicht in dem +Begriffe seine Wahrheit hat, so ist es etwas Zufaelliges, nicht eine +Notwendigkeit, oder in der Tat nicht ein Gesetz. Aber dass es +wesentlich als Begriff ist, widerstreitet nicht nur dem nicht, dass es +fuer die Beobachtung vorhanden ist, sondern hat darum vielmehr +notwendiges _Dasein_, und ist fuer die Beobachtung. Das Allgemeine, +im _Sinne der Vernunftallgemeinheit_, ist auch allgemein in dem Sinne, +den jener an ihm hat, dass es _fuer das_ Bewusstsein sich als das +Gegenwaertige und Wirkliche, oder dass der Begriff sich in der Weise +der Dingheit und des sinnlichen Seins darstellt;--aber ohne darum +seine Natur zu verlieren, und in das traege Bestehen oder die +gleichgueltige Aufeinanderfolge hinabgefallen zu sein. Was allgemein +gueltig ist, ist auch allgemein geltend; was sein _soll, ist_ in der +Tat auch, und was nur sein _soll_, ohne zu _sein_, hat keine Wahrheit. +Hieran bleibt der Instinkt der Vernunft mit Recht seinerseits fest +haengen, und laesst sich nicht durch die Gedankendinge, die nur sein +_sollen_, und als _Sollen_ Wahrheit haben sollen, ob sie schon in +keiner Erfahrung angetroffen werden,--durch die Hypothesen so wenig +als durch alle andere Unsichtbarkeiten eines perennierenden Sollens +irre machen; denn die Vernunft ist eben diese Gewissheit, Realitaet zu +haben, und was nicht als ein Selbstwesen fuer das Bewusstsein ist, das +heisst, was nicht erscheint, ist fuer es gar nichts. + +Dass die Wahrheit des Gesetzes wesentlich _Realitaet_ ist, wird zwar +diesem bei dem Beobachten bleibenden Bewusstsein wieder zu einem +_Gegensatze_ gegen den Begriff, und gegen das an sich Allgemeine, +oder ein Solches, wie sein Gesetz ist, ist ihm nicht ein Wesen der +Vernunft; es meint darin etwas _Fremdes_ zu erhalten. Allein es +widerlegt diese seine Meinung durch die Tat, in welcher es selbst +seine Allgemeinheit nicht in dem Sinne nimmt, dass _alle einzelnen_ +sinnlichen Dinge ihm die Erscheinung des Gesetzes gezeigt haben +muessten, um die Wahrheit desselben behaupten zu koennen. Dass die +Steine, von der Erde aufgehoben und freigelassen, fallen, dazu fodert +es gar nicht, dass mit allen Steinen dieser Versuch gemacht werde; es +sagt vielleicht wohl, dass dies wenigstens mit sehr vielen muesse +versucht worden sein, woraus dann auf die uebrigen mit groesster +Wahrscheinlichkeit, oder mit vollem Rechte _nach der Analogie_ +geschlossen werden koenne. Allein die Analogie gibt nicht nur kein +volles Recht, sondern sie widerlegt, um ihrer Natur willen, sich so +oft, dass, nach der Analogie selbst zu schliessen, die Analogie +vielmehr keinen Schluss zu machen erlaubt. Die _Wahrscheinlichkeit_, +auf welche sich das Resultat derselben reduzieren wuerde, verliert +gegen die _Wahrheit_ allen Unterschied von geringerer und groesserer +Wahrscheinlichkeit; sie sei so gross, als sie will, ist sie nichts +gegen die Wahrheit. Der Instinkt der Vernunft nimmt aber in der Tat +solche Gesetze fuer _Wahrheit_ an, und erst in Beziehung auf ihre +Notwendigkeit, die er nicht erkennt, geraet er in diese Unterscheidung, +und setzt die Wahrheit der Sache selbst zur Wahrscheinlichkeit herab, +um die unvollkommene Weise, in welcher die Wahrheit fuer das +Bewusstsein, das die Einsicht in den reinen Begriff noch nicht +erreicht hat, vorhanden ist, zu bezeichnen; denn die Allgemeinheit +ist nur als _einfache unmittelbare_ Allgemeinheit vorhanden. Aber +zugleich um ihrer willen hat das Gesetz fuer das Bewusstsein Wahrheit; +dass der Stein faellt, ist ihm darum wahr, weil ihm der Stein _schwer_ +ist, das heisst, weil er in der Schwere _an und fuer sich selbst_ die +wesentliche Beziehung _auf die Erde_ hat, die sich als Fall ausdrueckt. +Es hat also in der Erfahrung das Sein des Gesetzes, aber ebenso +dasselbe als _Begriff_, und nur um _beider Umstaende willen_ zusammen +ist es ihm wahr; es gilt darum als Gesetz, weil es in der Erscheinung +sich darstellt, und zugleich an sich selbst Begriff ist. + +Der Vernunftinstinkt dieses Bewusstseins geht, weil das Gesetz +zugleich _an sich Begriff_ ist, notwendig, aber ohne zu wissen, dass +er dies will, selbst darauf, das Gesetz und seine Momente zum +_Begriffe zu reinigen_. Er stellt Versuche ueber das Gesetz an. Wie +das Gesetz zuerst erscheint, stellt es sich unrein, umhuellt von +einzelnem sinnlichem Sein, der Begriff, der seine Natur ausmacht, im +empirischen Stoff versenkt dar. Der Vernunftinstinkt geht in seinen +Versuchen darauf, zu finden, was unter diesen und jenen Umstaenden +erfolge. Das Gesetz scheint hiedurch nur um so mehr in sinnliches +Sein getaucht zu werden; allein dies geht darin vielmehr verloren. +Diese Forschung hat die innere Bedeutung, _reine Bedingungen_ des +Gesetzes zu finden; was nichts anderes sagen will, wenn auch das +Bewusstsein, das sich so ausdrueckt, meinen sollte, es sage damit etwas +anderes, als das Gesetz ganz in die Gestalt des Begriffs zu erheben, +und alle Gebundenheit _seiner Momente_ an _bestimmtes Sein zu tilgen_. +Die negative Elektrizitaet, zum Beispiel, welche etwa zuerst als +_Harz_elektrizitaet so wie die positive als _Glas_elektrizitaet sich +ankuendigt, verliert durch die Versuche ganz diese Bedeutung, und wird +rein zur _positiven_ und _negativen_ Elektrizitaet, deren jede nicht +einer besonderen Art von Dingen mehr angehoert; und es hoert auf, +gesagt werden zu koennen, dass es Koerper gibt, die positiv elektrisch, +andere, die negativ elektrisch sind. So macht auch das Verhaeltnis +von Saeure und Base und deren Bewegung gegeneinander ein Gesetz aus, +worin diese Gegensaetze als Koerper erscheinen. Allein diese +abgesonderten Dinge haben keine Wirklichkeit; die Gewalt, welche sie +auseinanderreisst, kann sie nicht hindern, sogleich in einen Prozess +wieder einzutreten; denn sie sind nur diese Beziehung. Sie koennen +nicht wie ein Zahn oder eine Klaue fuer sich bleiben, und so +aufgezeigt werden. Dass dies ihr Wesen ist, unmittelbar in ein +neutrales Produkt ueberzugehen, macht ihr _Sein_ zu einem an sich +aufgehobenen, oder zu einem allgemeinen, und Saeure und Base haben +Wahrheit nur als _Allgemeine_. Wie also Glas und Harz ebensowohl +positiv als negativ elektrisch sein kann, so ist Saeure und Base nicht +als Eigenschaft an diese oder jene _Wirklichkeit_ gebunden, sondern +jedes Ding ist nur _relativ_ sauer oder basisch; was dezidierte Base +oder Saeure zu sein scheint, erhaelt in den sogenannten Synsomatien die +entgegengesetzte Bedeutung zu einem andern.--Das Resultat der +Versuche hebt auf diese Weise die Momente oder Begeistungen als +Eigenschaften der bestimmten Dinge auf, und befreit die Praedikate von +ihren Subjekten. Diese Praedikate werden, wie sie in Wahrheit sind, +nur als allgemeine gefunden; um dieser Selbststaendigkeit willen +erhalten sie daher den Namen von _Materien_, welche weder Koerper noch +Eigenschaften sind, und man huetet sich wohl, Sauerstoff u.s.f. +positive und negative Elektrizitaet, Waerme u.s.w. Koerper zu nennen. + +Die _Materie_ ist hingegen nicht ein _seiendes Ding_, sondern das +Sein als _allgemeines_, oder in der Weise des Begriffs. Die Vernunft, +welche noch Instinkt, macht diesen richtigen Unterschied ohne das +Bewusstsein, dass sie, indem sie das Gesetz an allem sinnlichen Sein +versucht, eben darin sein nur sinnliches Sein aufhebt, und, indem sie +seine Momente als _Materien_ auffasst, ihre Wesenheit ihm zum +Allgemeinen geworden, und in diesem Ausdrucke als ein unsinnliches +Sinnliches, als ein koerperloses und doch gegenstaendliches Sein +ausgesprochen ist. + +Es ist nun zu sehen, welche Wendung fuer ihn sein Resultat nimmt, und +welche neue Gestalt seines Beobachtens damit auftritt. Als die +Wahrheit dieses versuchenden Bewusstseins sehen wir das reine Gesetz, +welches sich vom sinnlichen Sein befreit, wir sehen es als _Begriff_, +der im sinnlichen Sein vorhanden, aber in ihm selbststaendig und +ungebunden sich bewegt, in es versenkt frei davon und _einfacher_ +Begriff ist. Dies, was in Wahrheit das _Resultat_ und _Wesen_ ist, +tritt fuer dies Bewusstsein nun selbst, aber als _Gegenstand_ auf, und +zwar indem er eben fuer es nicht _Resultat_ und ohne die Beziehung auf +die vorhergehende Bewegung ist, als eine _besondere Art_ von +Gegenstand, und sein Verhaeltnis zu diesem als ein anderes Beobachten. + +Solcher Gegenstand, welcher den Prozess in der _Einfachheit_ des +Begriffes an ihm hat, ist das _Organische_. Es ist diese absolute +Fluessigkeit, worin die Bestimmtheit, durch welche es nur _fuer +Anderes_ waere, aufgeloest ist. Wenn das unorganische Ding die +Bestimmtheit zu seinem Wesen hat, und deswegen nur mit einem andern +Dinge zusammen die Vollstaendigkeit der Momente des Begriffs ausmacht, +und daher in die Bewegung tretend verloren geht; so sind dagegen an +dem organischen Wesen alle Bestimmtheiten, durch welche es fuer +Anderes offen ist, unter die organische einfache Einheit gebunden; es +tritt keine als wesentlich auf, welche sich frei auf Anderes bezoege; +und das Organische erhaelt sich daher in seiner Beziehung selbst. + +Die _Seiten des Gesetzes_, auf dessen Beobachtung hier der +Vernunftinstinkt geht, sind, wie aus dieser Bestimmung folgt, +zunaechst die _organische_ Natur und die _unorganische in_ ihrer +Beziehung aufeinander. Diese letztere ist fuer die organische eben +die ihrem _einfachen Begriffe_ entgegengesetzte Freiheit der +_losgebundenen_ Bestimmtheiten, in welchen die individuelle Natur +_zugleich aufgeloest_, und aus deren Kontinuitaet sie _zugleich_ sich +absondert und _fuer sich_ ist. Luft, Wasser, Erde, Zonen und Klima +sind solche allgemeine Elemente, die das unbestimmte einfache Wesen +der Individualitaeten ausmachen, und worin diese zugleich in sich +reflektiert sind. Weder die Individualitaet ist schlechthin an und +fuer sich noch das Elementarische, sondern in der selbststaendigen +Freiheit, in welcher sie fuer die Beobachtung gegeneinander auftreten, +verhalten sie sich zugleich als _wesentliche Beziehungen_, aber so, +dass die Selbststaendigkeit und Gleichgueltigkeit beider gegeneinander +das Herrschende ist, und nur zum Teil in die Abstraktion uebergeht. +Hier ist also das Gesetz, als die Beziehung eines Elements auf die +Bildung des Organischen vorhanden, welches das elementarische Sein +einmal gegen sich ueber hat, und das andremal es an seiner organischen +Reflexion darstellt. Allein solche _Gesetze_, dass die Tiere, welche +der Luft angehoeren, von der Beschaffenheit der Voegel, welche dem +Wasser, von der Beschaffenheit der Fische sind, nordische Tiere ein +dickbehaartes Fell haben und so fort, zeigen sogleich eine Armut, +welche der organischen Mannigfaltigkeit nicht entspricht. Ausserdem +dass die organische Freiheit diesen Bestimmungen ihre Formen wieder zu +entziehen weiss, und notwendig allenthalben Ausnahmen solcher Gesetze +oder Regeln, wie man sie nennen wollte, darbietet, so bleibt dies an +denjenigen selbst, welche unter sie fallen, eine so oberflaechliche +Bestimmung, dass auch der Ausdruck ihrer Notwendigkeit nicht anders +sein kann, und es nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinausbringt; wobei +man nicht weiss, was diesem Einflusse eigentlich angehoert, und was +nicht. Dergleichen Beziehungen des organischen auf das +elementarische sind daher in der Tat nicht _Gesetze_ zu nennen, denn +teils erschoepft, wie erinnert, eine solche Beziehung, ihrem Inhalte +nach, gar nicht den Umfang des Organischen, teils bleiben aber auch +die Momente der Beziehung selbst gleichgueltig gegeneinander, und +druecken keine Notwendigkeit aus. Im Begriffe der Saeure liegt der +_Begriff_ der Base, wie im Begriffe der positiven die negative +Elektrizitaet; aber so sehr auch das dickbehaarte Fell mit dem Norden, +oder der Bau der Fische mit dem Wasser, der Bau der Voegel mit der +Luft zusammen _angetroffen_ werden mag, so liegt im Begriffe des +Nordens nicht der Begriff dicker Behaarung, des Meeres nicht der des +Baues der Fische, der Luft nicht der des Baus der Voegel. Um dieser +Freiheit beider Seiten gegeneinander willen _gibt_ es auch Landtiere, +welche die wesentlichen Charaktere eines Vogels, des Fisches haben u. +s.f. Die Notwendigkeit, weil sie als keine innere des Wesens +begriffen werden kann, hoert auch auf, sinnliches Dasein zu haben, und +kann nicht mehr an der Wirklichkeit beobachtet werden, sondern ist +aus ihr _herausgetreten._ So an dem realen Wesen selbst sich nicht +findend, ist sie das, was teleologische Beziehung genannt wird, eine +Beziehung, die den bezogenen _aeusserlich_, und daher vielmehr das +Gegenteil eines Gesetzes ist. Sie ist der von der notwendigen Natur +ganz befreite Gedanke, welcher sie verlaesst, und ueber ihr sich fuer +sich bewegt. + +Wenn die vorhin beruehrte Beziehung des Organischen auf die +elementarische Natur das Wesen desselben nicht ausdrueckt, so ist es +dagegen in dem _Zweckbegriffe_ enthalten. Diesem beobachtenden +Bewusstsein zwar ist er nicht das eigne _Wesen_ des Organischen, +sondern faellt ihm ausser demselben, und ist dann nur jene aeusserliche, +_teleologische_ Beziehung. Allein wie vorhin das Organische bestimmt +worden, ist es in der Tat der reale Zweck selbst; denn indem es +_sich_ in der Beziehung auf Anderes _selbst erhaelt_, ist es eben +dasjenige natuerliche Wesen, in welchem die Natur sich in den Begriff +reflektiert, und die an der Notwendigkeit auseinandergelegten Momente +einer Ursache und einer Wirkung, eines Taetigen und eines Leidenden, +in eins zusammengenommen; so dass hier etwas nicht nur als _Resultat_ +der Notwendigkeit auftritt; sondern, weil es in sich zurueckgegangen +ist, ist das Letzte oder das Resultat ebensowohl das _Erste_, welches +die Bewegung anfaengt, und sich der _Zweck_, den es verwirklicht. Das +Organische bringt nicht etwas hervor, sondern _erhaelt sich nur_, oder +das, was hervorgebracht wird, ist ebenso schon vorhanden, als es +hervorgebracht wird. + +Diese Bestimmung ist, wie sie an sich und wie sie fuer den +Vernunftinstinkt ist, naeher zu eroertern, um zu sehen, wie er sich +darin findet, sich aber in seinem Funde nicht erkennt. Der +Zweckbegriff also, zu dem die beobachtende Vernunft sich erhebt, wie +es ihr _bewusster Begriff_ ist, ist ebensosehr als ein _Wirkliches_ +vorhanden; und ist nicht nur eine _aeussere Beziehung_ desselben, +sondern sein _Wesen_. Dieses Wirkliche, welches selbst ein Zweck ist, +bezieht sich zweckmaessig auf Anderes, heisst, seine Beziehung ist eine +zufaellige, _nach dem, was beide unmittelbar sind_; unmittelbar sind +beide selbststaendig, und gleichgueltig gegeneinander. Das Wesen ihrer +Beziehung aber ist ein anderes, als sie so zu sein scheinen, und ihr +Tun hat einen andern Sinn, als es _unmittelbar_ fuer das sinnliche +Wahrnehmen ist; die Notwendigkeit ist an dem, was geschieht, +verborgen, und zeigt sich erst _am Ende_, aber so, dass eben dies Ende +zeigt, dass sie auch das Erste gewesen ist. Das Ende aber zeigt diese +Prioritaet seiner selbst dadurch, dass durch die Veraenderung, welche +das Tun vorgenommen hat, nichts anders herauskommt, als was schon war. +Oder wenn wir vom Ersten anfangen, so geht dieses an seinem Ende +oder in dem Resultate seines Tuns nur zu sich selbst zurueck; und eben +hiedurch erweist es sich, ein solches zu sein, welches _sich selbst_ +zu seinem Ende hat, also als Erstes schon zu sich zurueckgekommen, +oder _an und fuer sich selbst_ ist. Was es also durch die Bewegung +seines Tuns erreicht, ist _es selbst_; und dass es nur sich selbst +erreicht, ist sein _Selbstgefuehl_. Es ist hiemit zwar der +Unterschied dessen, _was es ist_, und _was es sucht_, vorhanden, aber +dies ist nur der _Schein eines Unterschieds_, und hiedurch ist es +Begriff an ihm selbst. + +Ebenso ist aber das _Selbstbewusstsein_ beschaffen, sich auf eine +solche Weise von sich zu unterscheiden, worin zugleich kein +Unterschied herauskommt. Es findet daher in der Beobachtung der +organischen Natur nichts anders als dies Wesen, es findet sich als +ein Ding, _als ein Leben_, macht aber noch einen Unterschied zwischen +dem, was es selbst ist, und was es gefunden, der aber keiner ist. +Wie der Instinkt des Tieres das Futter sucht und verzehrt, aber damit +nichts anders herausbringt als sich, so findet auch der Instinkt der +Vernunft in seinem Suchen nur sie selbst. Das Tier endigt mit dem +Selbstgefuehle. Der Vernunftinstinkt hingegen ist zugleich +Selbstbewusstsein; aber weil er nur Instinkt ist, ist er gegen das +Bewusstsein auf die Seite gestellt, und hat an ihm seinen Gegensatz. +Seine Befriedigung ist daher durch diesen entzweit, er findet wohl +sich selbst, naemlich den _Zweck_, und ebenso diesen Zweck als _Ding_. +Aber der Zweck faellt ihm erstlich _ausser dem Dinge_, welches sich +als Zweck darstellt. Dieser Zweck als Zweck ist zweitens zugleich +_gegenstaendlich_, er faellt ihm daher auch nicht in sich als +Bewusstsein, sondern in einen andern Verstand. + +Naeher betrachtet, so liegt diese Bestimmung ebensowohl in dem +Begriffe des Dinges, dass es _Zweck an ihm selbst_ ist. Es naemlich +erhaelt _sich_; d.h. zugleich, es ist seine Natur, die Notwendigkeit +zu verbergen und in der Form _zufaelliger_ Beziehung darzustellen; +denn seine Freiheit oder _Fuer-sich-sein_ ist eben dieses, sich gegen +sein Notwendiges als ein Gleichgueltiges zu verhalten; es stellt sich +also selbst als ein solches dar, dessen Begriff ausser seinem Sein +falle. Ebenso hat die Vernunft die Notwendigkeit, ihren eigenen +Begriff als ausser ihr fallend, hiemit als _Ding_ anzuschauen, als ein +solches, gegen das sie, und das hiemit gegenseitig gegen sie und +gegen seinen Begriff _gleichgueltig_ ist. Als Instinkt bleibt sie +auch innerhalb dieses _Seins_ oder der _Gleichgueltigkeit_ stehen, und +das Ding, welches den Begriff ausdrueckt, bleibt ihm ein anderes als +dieser Begriff, der Begriff ein anderes als das Ding. So ist das +organische Ding fuer sie nur so _Zweck_ an ihm selbst, dass die +Notwendigkeit, welche in seinem Tun als verborgen sich darstellt, +indem das Tuende darin als ein gleichgueltiges Fuersichseiendes sich +verhaelt, ausser dem Organischen selbst faellt.--Da aber das Organische +als Zweck an ihm selbst sich nicht anders verhalten kann denn als ein +solches, so ist auch dies erscheinend und sinnlich gegenwaertig, dass +es Zweck an ihm selbst ist, und es wird so beobachtet. Das +Organische zeigt sich als ein sich selbst _erhaltendes_ und in sich +_zurueckkehrendes_ und _zurueckgekehrtes_. Aber in diesem Sein erkennt +dies beobachtende Bewusstsein den Zweckbegriff nicht, oder dies nicht, +dass der Zweckbegriff nicht sonst irgendwo in einem Verstande, sondern +eben hier existiert, und als ein Ding ist. Es macht einen +Unterschied zwischen dem Zweckbegriffe, und zwischen dem +Fuer-sich-sein und Sich-selbst-erhalten, welcher keiner ist. Dass er +keiner ist, ist nicht fuer es, sondern ein Tun, das zufaellig und +gleichgueltig gegen das, was durch dasselbe zustande kommt, erscheint, +und die Einheit, welche doch beides zusammenknuepft--jenes Tun und +dieser Zweck faellt ihm auseinander. + +Was in dieser Ansicht dem Organischen selbst zukommt, ist das +zwischen seinem Ersten und Letzten mitten inne liegende Tun, insofern +es den Charakter der Einzelnheit an ihm hat. Das Tun aber, insofern +es den Charakter der Allgemeinheit hat, und das Tuende demjenigen, +was dadurch hervorgebracht wird, gleichgesetzt, das zweckmaessige Tun +als solches, kaeme nicht ihm zu. Jenes einzelne Tun, das nur Mittel +ist, tritt durch seine Einzelnheit unter die Bestimmung einer +durchaus einzelnen oder zufaelligen Notwendigkeit. Was das Organische +zur Erhaltung seiner selbst als Individuums, oder seiner als Gattung +tut, ist daher diesem unmittelbaren Inhalte nach ganz gesetzlos, denn +das Allgemeine und der Begriff faellt ausser ihm. Sein Tun waere sonach +die leere Wirksamkeit ohne Inhalt an ihr selbst; sie waere nicht +einmal die Wirksamkeit einer Maschine, denn diese hat einen Zweck, +und ihre Wirksamkeit hiedurch einen bestimmten Inhalt. So verlassen +von dem Allgemeinen wuerde sie Taetigkeit nur eines Seienden als +_Seienden_, d.h. eine nicht zugleich in sich reflektierte sein, wie +die einer Saeure oder Base ist; eine Wirksamkeit, die von ihrem +unmittelbaren Dasein sich nicht abtrennen, noch dieses, das in der +Beziehung auf sein Entgegengesetztes verloren geht, aufgeben, sich +aber erhalten koennte. Das Sein aber, dessen Wirksamkeit die hier +betrachtete ist, ist gesetzt als ein in seiner Beziehung auf sein +Entgegengesetztes _sich erhaltendes_ Ding; _die Taetigkeit_ als solche +ist nichts als die reine wesenlose Form seines Fuer-sich-seins, und +ihre Substanz, die nicht bloss bestimmtes Sein, sondern das Allgemeine +ist, ihr _Zweck_ faellt nicht ausser ihr; sie ist an ihr selbst in sich +zurueckgehende, nicht durch irgendein Fremdes in sich zurueckgelenkte +Taetigkeit. + +Diese Einheit der Allgemeinheit und der Taetigkeit ist aber darum +nicht fuer dies _beobachtende_ Bewusstsein, weil jene Einheit +wesentlich die innre Bewegung des Organischen ist, und nur als +Begriff aufgefasst werden kann; das Beobachten aber sucht die Momente +in der Form des _Seins_ und _Bleibens_; und weil das organische Ganze +wesentlich dies ist, so die Momente nicht an ihm zu haben und nicht +an ihm finden zu lassen, verwandelt das Bewusstsein in seiner Ansicht +den Gegensatz in einen solchen, als er ihr gemaess ist. + +Es entsteht ihm auf diese Weise das organische Wesen als eine +Beziehung zweier _seiender_ und _fester_ Momente--eines Gegensatzes, +dessen beide Seiten ihm also einesteils in der Beobachtung gegeben zu +sein scheinen, andernteils ihrem Inhalte nach den Gegensatz des +organischen _Zweckbegriffs_ und der _Wirklichkeit_ ausdruecken; weil +aber der Begriff als solcher daran getilgt ist, auf eine dunkle und +oberflaechliche Weise, worin der Gedanke in das Vorstellen +herabgesunken ist. So sehen wir den ersten ungefaehr unter dem +_Innern_, die andere unter dem _Aeussern_ gemeint, und ihre Beziehung +erzeugt das Gesetz, _dass das Aeussere der Ausdruck des Innern ist_. + +Dies Innere mit seinem Entgegengesetzten und ihre Beziehung +aufeinander naeher betrachtet, ergibt sich, dass vors erste die beiden +Seiten des Gesetzes nicht mehr wie bei fruehern Gesetzen lauten, worin +sie als selbststaendige _Dinge_ jede als ein besonderer Koerper +erschienen, noch auch fuers andere so, dass das Allgemeine irgend sonst +_ausser dem Seienden_ seine Existenz haben sollte. Sondern das +organische Wesen ist ungetrennt ueberhaupt zu Grunde gelegt, als +Inhalt des Innern und Aeussern, und fuer beide dasselbe; der Gegensatz +ist dadurch nur noch ein rein formeller, dessen reale Seiten dasselbe +_An-sich_ zu ihrem Wesen, zugleich aber, indem Inneres und Aeusseres +auch entgegengesetzte Realitaet und ein fuer das Beobachten +verschiedenes _Sein_ sind, scheinen sie ihm jedes einen +eigentuemlichen Inhalt zu haben. Dieser eigentuemliche Inhalt, da er +dieselbe Substanz oder organische Einheit ist, kann aber in der Tat +nur eine verschiedene Form derselben sein; und dies wird von dem +beobachtenden Bewusstsein darin angedeutet, dass das Aeussere nur +_Ausdruck_ des Innern ist.--Dieselben Bestimmungen des Verhaeltnisses, +naemlich die gleichgueltige Selbststaendigkeit der verschiedenen, und in +ihr ihre Einheit, worin sie verschwinden, haben wir an dem +Zweckbegriffe gesehen. + +Es ist nun zu sehen, welche _Gestalt_ das Innere und Aeussere in seinem +Sein hat. Das Innere als solches muss ebensosehr ein aeusseres Sein und +eine Gestalt haben, wie das Aeussere als solches, denn es ist +Gegenstand oder selbst als seiendes und fuer die Beobachtung vorhanden +gesetzt. + +Die organische Substanz als _innere_ ist sie die _einfache Seele_, +der reine _Zweckbegriff_ oder das _Allgemeine_, welches in seiner +Teilung ebenso allgemeine Fluessigkeit bleibt, und daher in seinem +_Sein_ als das _Tun_ oder die _Bewegung_ der _verschwindenden_ +Wirklichkeit erscheint; da hingegen das _Aeussere_ entgegengesetzt +jenem seienden Innern in dem _ruhenden Sein_ des Organischen besteht. +Das Gesetz als die Beziehung jenes Innere auf dies Aeussere drueckt +hiemit seinen Inhalt, einmal in der Darstellung allgemeiner _Momente_ +oder _einfacher Wesenheiten_, und das anderemal in der Darstellung +der verwirklichten Wesenheit oder der _Gestalt_ aus. Jene ersten +einfachen organischen _Eigenschaften_, um sie so zu nennen, sind +_Sensibilitaet, Irritabilitaet_ und _Reproduktion_. Diese +Eigenschaften, wenigstens die beiden ersten, scheinen sich zwar nicht +auf den Organismus ueberhaupt, sondern nur auf den animalischen zu +beziehen. Der vegetabilische drueckt auch in der Tat nur den +einfachen Begriff des Organismus aus, der seine Momente _nicht +entwickelt_; daher wir uns in Ansehung ihrer, insofern sie fuer die +Beobachtung sein sollen, an denjenigen halten muessen, der ihr +entwickeltes Dasein darstellt. + +Was nun sie selbst betrifft, so ergeben sie sich unmittelbar aus dem +Begriffe des Selbstzwecks. Denn die _Sensibilitaet_ drueckt ueberhaupt +den einfachen Begriff der organischen Reflexion in sich, oder die +allgemeine Fluessigkeit desselben aus; die _Irritabilitaet_ aber die +organische Elastizitaet, sich in der Reflexion zugleich _reagierend_ +zu verhalten, und die dem ersten ruhigen _In-sich-sein_ +entgegengesetzte Verwirklichung, worin jenes abstrakte Fuer-sich-sein +ein _Sein fuer Anderes_ ist. Die _Reproduktion_ aber ist die Aktion +dieses _ganzen_ in sich reflektierten Organismus, seine Taetigkeit als +Zwecks an sich oder als _Gattung_, worin also das Individuum sich von +sich selbst abstoesst, entweder seine organischen Teile, oder das ganze +Individuum erzeugend wiederholt. In der Bedeutung der +_Selbsterhaltung ueberhaupt_ genommen drueckt die Reproduktion den +formalen Begriff des Organischen oder die Sensibilitaet aus; aber sie +ist eigentlich der reale organische Begriff, oder das _Ganze_, das +als Individuum entweder durch die Hervorbringung der einzelnen Teile +seiner selbst oder als Gattung durch die Hervorbringung von +Individuen in sich zurueckkehrt. + +Die _andere Bedeutung_ dieser organischen Elemente, naemlich als des +_Aeusseren_, ist ihre _gestaltete_ Weise, nach welcher sie als +_wirkliche_, aber zugleich auch als _allgemeine_ Teile oder +organische _Systeme_ vorhanden sind; die Sensibilitaet etwa als +Nervensystem, die Irritabilitaet als Muskelsystem, die Reproduktion +als Eingeweide der Erhaltung des Individuums und der Gattung. + +Eigentuemliche Gesetze des Organischen betreffen demnach ein +Verhaeltnis der organischen Momente in ihrer gedoppelten Bedeutung, +einmal ein _Teil_ der organischen _Gestaltung_, das andremal +_allgemeine fluessige_ Bestimmtheit zu sein, welche durch alle jene +Systeme hindurchgeht. In dem Ausdrucke eines solchen Gesetzes haette +also zum Beispiel eine bestimmte _Sensibilitaet_ als Moment des +_ganzen_ Organismus ihren Ausdruck an einem bestimmt gebildeten +Nervensystem, oder sie waere auch mit einer bestimmten _Reproduktion_ +der organischen Teile des Individuums oder Fortpflanzung des ganzen +verknuepft, und so fort.--Die beiden Seiten eines solchen Gesetzes +koennen _beobachtet_ werden. Das _Aeussere_ ist seinem Begriffe nach +das _Sein fuer Anderes_; die Sensibilitaet hat z.B. in dem sensibeln +_Systeme_ ihre unmittelbar verwirklichte Weise; und als _allgemeine +Eigenschaft_ ist sie in ihren _Aeusserungen_ ebenso ein +gegenstaendliches. Die Seite, welche das _Innere_ heisst, hat ihre +_eigene aeussere_ Seite, die unterschieden ist von dem, was im Ganzen +das _Aeussere_ heisst. + +Die beiden Seiten eines organischen Gesetzes waeren also zwar wohl zu +beobachten, allein nicht Gesetze der Beziehung derselben; und die +Beobachtung reicht nicht darum nicht zu, weil sie, _als Beobachtung_, +zu kurzsichtig waere, und nicht empirisch verfahren, sondern von der +Idee ausgegangen werden sollte; denn solche Gesetze, wenn sie etwas +Reelles waeren, muessten in der Tat wirklich vorhanden, und also zu +beobachten sein; sondern weil der Gedanke von Gesetzen dieser Art +keine Wahrheit zu haben sich erweist. + +Es ergab sich fuer ein Gesetz das Verhaeltnis, dass die allgemeine +organische _Eigenschaft_ an einem organischen _Systeme_ sich zum +Dinge gemacht und an ihm seinen gestalteten Abdruck haette, so dass +beide dasselbe Wesen waeren, das einmal als allgemeines Moment, das +andremal als Ding vorhanden. Aber ausserdem ist auch die Seite des +Innern fuer sich ein Verhaeltnis mehrerer Seiten, und es bietet sich +daher zuerst der Gedanke eines Gesetzes an, als eine Beziehung der +allgemeinen organischen Taetigkeiten oder Eigenschaften aufeinander. +Ob ein solches moeglich ist, muss sich aus der Natur einer solchen +Eigenschaft entscheiden. Sie ist aber, als eine allgemeine +Fluessigkeit, teils nicht etwas, das nach der Weise eines Dinges +beschraenkt und in dem Unterschiede eines Daseins sich haelt, das seine +Gestalt ausmachen sollte, sondern die Sensibilitaet geht ueber das +Nervensystem hinaus, und durch alle andere Systeme des Organismus +hindurch--teils ist sie allgemeines _Moment_, das wesentlich +ungeschieden und unzertrennlich von Reaktion oder Irritabilitaet und +Reproduktion ist. Denn als Reflexion in sich hat sie schlechthin die +Reaktion an ihr. Nur In-sich-reflektiert-sein ist Passivitaet, oder +totes Sein, nicht eine Sensibilitaet, sowenig als Aktion, was dasselbe +ist als Reaktion, ohne In-sich-reflektiert-sein Irritabilitaet ist. +Die Reflexion in der Aktion oder Reaktion, und die Aktion oder +Reaktion in der Reflexion ist gerade dies, dessen Einheit das +Organische ausmacht, eine Einheit, welche mit der organischen +Reproduktion gleichbedeutend ist. Es folgt hieraus, dass in jeder +Weise der Wirklichkeit dieselbe _Groesse_ der Sensibilitaet--indem wir +zuerst das Verhaeltnis derselben und der Irritabilitaet zueinander +betrachten--vorhanden sein muss als der Irritabilitaet, und dass eine +organische Erscheinung ebensosehr nach der einen als nach der andern +aufgefasst und bestimmt, oder wie man will, erklaert werden kann. +Dasselbe, was der eine etwa fuer hohe Sensibilitaet nimmt, kann ein +anderer ebensogut fuer hohe Irritabilitaet, und Irritabilitaet von +_derselben Hoehe_ betrachten. Wenn sie _Faktoren_ genannt werden, und +dies nicht ein bedeutungsloses Wort sein soll, so ist eben damit +ausgesprochen, dass sie _Momente_ des Begriffs sind, also der reale +Gegenstand, dessen Wesen dieser Begriff ausmacht, sie auf gleiche +Weise an ihm hat, und wenn er auf die eine bestimmt wird, als sehr +sensibel, er ebenso auf die andere, als ebensosehr irritabel +auszusagen ist. + +Werden sie unterschieden, wie notwendig ist, so sind sie es dem +Begriffe nach, und ihr Gegensatz ist _qualitativ_. Aber ausser diesem +wahren Unterschiede auch noch als seiend, und fuer die Vorstellung, +wie sie Seiten des Gesetzes sein koennten, verschieden gesetzt, so +erscheinen sie in _quantitativer_ Verschiedenheit. Ihr +eigentuemlicher qualitativer Gegensatz tritt somit in die _Groesse_, und +es entstehen Gesetze der Art, dass zum Beispiel Sensibilitaet und +Irritabilitaet in umgekehrtem Verhaeltnisse ihrer Groesse stehen, so dass +wie die eine waechst, die andere abnimmt; oder besser gleich die Groesse +selbst zum Inhalte genommen, dass die Groesse von etwas zunimmt, wie +seine Kleinheit abnimmt.--Wird diesem Gesetze aber ein bestimmter +Inhalt gegeben, etwa so, dass die Groesse eines Loches _zunimmt,_ je +mehr das _abnimmt_, was seine Erfuellung ausmacht, so kann dies +umgekehrte Verhaeltnis ebenso in ein gerades verwandelt und +ausgedrueckt werden, dass die Groesse des Loches in geradem Verhaeltnisse +der Menge des weggenommenen _zunimmt_;--ein _tautologischer_ Satz, er +mag als direktes oder umgekehrtes Verhaeltnis ausgedrueckt werden, der +in seinem eigentuemlichen Ausdrucke nur dieses heisst, dass eine Groesse +zunimmt, wie diese Groesse zunimmt. Wie das Loch und das, was es +erfuellt und weggenommen wird, qualitativ entgegengesetzt, aber wie +das Reale derselben und dessen bestimmte Groesse in beiden ein und +dasselbe, und ebenso Zunahme der Groesse und Abnahme der Kleinheit +dasselbe ist, und ihre bedeutungsleere Entgegensetzung in eine +Tautologie hinauslaeuft, so sind die organischen Momente gleich +unzertrennlich in ihrem Realen und in ihrer Groesse, die die Groesse +desselben ist; eines nimmt nur mit dem andern ab und nimmt nur mit +ihm zu, denn eines hat schlechthin nur Bedeutung, insoweit das andere +vorhanden ist--oder vielmehr es ist gleichgueltig, eine organische +Erscheinung als Irritabilitaet oder als Sensibilitaet zu betrachten, +schon ueberhaupt, und ebenso wenn von ihrer Groesse gesprochen wird. So +gleichgueltig es ist, die Zunahme eines Lochs als Vermehrung seiner +als der Leerheit oder als Vermehrung der herausgenommenen Fuelle +auszusprechen. Oder eine Zahl, z. B. _drei_, bleibt gleich gross, +ich mag sie positiv oder negativ nehmen; und wenn ich die drei zu +vier vergroessere, so ist das Positive wie das Negative zu vier +geworden--wie der Suedpol an einem Magnete gerade so stark ist als +sein Nordpol, oder eine positive Elektrizitaet oder eine Saeure gerade +so stark als ihre negative oder als die Base, worauf sie einwirkt. +--Ein solches Grosses als jene drei, oder ein Magnet u.s.f. ist ein +organisches _Dasein_; es ist dasjenige, das vermehrt und vermindert +wird, und wenn es vermehrt wird, werden _beide_ Faktoren desselben +vermehrt, so sehr als _beide_ Pole des Magnets, oder als die beiden +Elektrizitaeten, wenn ein Magnet u.s.f. verstaerkt wird, zunehmen.--Dass +beide ebensowenig nach _Intension_ und _Extension_ verschieden sein, +das eine nicht an Extension ab-, dagegen an Intension zunehmen kann, +waehrend das andere umgekehrt seine Intension vermindern, dagegen an +Extension zunehmen sollte, faellt unter denselben Begriff leerer +Entgegensetzung; die reale Intension ist ebenso schlechthin so gross +als die Extension, und umgekehrt. + +Es geht, wie erhellt, bei diesem Gesetzgeben eigentlich so zu, dass +zuerst Irritabilitaet und Sensibilitaet den bestimmten organischen +Gegensatz ausmacht; dieser Inhalt verliert sich aber, und der +Gegensatz verlaeuft sich in den Formalen des Zu- und Abnehmens der +Groesse, oder der verschiedenen Intension und Extension--ein Gegensatz, +der die Natur der Sensibilitaet und der Irritabilitaet weiter nichts +mehr angeht, und sie nicht mehr ausdrueckt. Daher solches leeres +Spiel des Gesetzgebens nicht an die organischen Momente gebunden ist, +sondern es kann allenthalben mit allem getrieben werden, und beruht +ueberhaupt auf der Unbekanntschaft mit der logischen Natur dieser +Gegensaetze. + +Wird endlich statt der Sensibilitaet und Irritabilitaet die +Reproduktion mit der einen oder der andern in Beziehung gebracht, so +faellt auch die Veranlassung zu diesem Gesetzgeben hinweg; denn +Reproduktion steht mit jenen Momenten nicht in einem Gegensatze, wie +sie gegeneinander; und da auf ihm dies Gesetzgeben beruht, so faellt +hier auch der Schein seines Stattfindens hinweg. + +Das soeben betrachtete Gesetzgeben enthaelt die Unterschiede des +Organismus in ihrer Bedeutung von Momenten seines _Begriffs,_ und +sollte eigentlich ein apriorisches Gesetzgeben sein. Es liegt aber +in ihm selbst wesentlich dieser Gedanke, dass sie die Bedeutung von +_Vorhandenen_ haben, und das bloss beobachtende Bewusstsein hat sich +ohnehin nur an ihr Dasein zu halten. Die organische Wirklichkeit hat +notwendig einen solchen Gegensatz an ihr, als ihr Begriff ausdrueckt, +und der als Irritabilitaet und Sensibilitaet bestimmt werden kann, +sowie sie beide wieder von der Reproduktion verschieden erscheinen. +--Die _Aeusserlichkeit_, in der die Momente des organischen Begriffs +hier betrachtet werden, ist die _eigne unmittelbare_ Aeusserlichkeit +des Innern, nicht das _Aeussere_, welches Aeusseres im Ganzen und +_Gestalt_ ist, und mit welchem das Innre nachher in Beziehung zu +betrachten ist. + +Aber den Gegensatz der Momente so aufgefasst, wie er an dem Dasein ist, +so sinken Sensibilitaet, Irritabilitaet, Reproduktion zu gemeinen +_Eigenschaften_ herunter, die gegeneinander ebenso gleichgueltige +Allgemeinheiten sind als spezifische Schwere, Farbe, Haerte, und so +fort. In diesem Sinne kann wohl beobachtet werden, dass ein +Organisches sensibler, oder irritabler, oder von groesserer +Reproduktionskraft sei als ein anderes--so wie dass die Sensibilitaet u. +s.f. des einen der _Art_ nach von der eines andern verschieden sei, +eins sich gegen bestimmte Reize anders verhalte als ein anderes, wie +das Pferd anders gegen Hafer als gegen Heu, und der Hund wieder +anders gegen beide, u.s.f., sosehr als beobachtet werden kann, dass +ein Koerper haerter ist als ein anderer, und so fort.--Allein diese +sinnlichen Eigenschaften, Haerte, Farbe, und so fort, so wie die +Erscheinungen der Reizempfaenglichkeit fuer Hafer, der Irritabilitaet +fuer Lasten, oder der Anzahl und Art, Junge zu gebaeren, aufeinander +bezogen und miteinander verglichen, widerstreiten wesentlich einer +Gesetzmaessigkeit. Denn die Bestimmtheit ihres _sinnlichen Seins_ +besteht eben darin, vollkommen gleichgueltig gegeneinander zu +existieren, und die des Begriffs entbundne Freiheit der Natur +vielmehr darzustellen als die Einheit einer Beziehung, vielmehr ihr +unvernuenftiges Hin- und Herspielen auf der Leiter der zufaelligen +Groesse zwischen den Momenten des Begriffs als diese selbst. + +Die _andere_ Seite, nach welcher die einfachen Momente des +organischen Begriffs mit den Momenten der _Gestaltung_ verglichen +werden, wuerde erst das eigentliche Gesetz geben, welches das wahre +_Aeussere_ als Abdruck des _Innern_ ausspraeche.--Weil nun jene +einfachen Momente durchdringende fluessige Eigenschaften sind, so +haben sie an dem organischen Dinge nicht einen solchen +ausgeschiedenen realen Ausdruck, wie das ist, was ein einzelnes +System der Gestalt genannt wird. Oder wenn die abstrakte Idee des +Organismus in jenen drei Momenten nur darum wahrhaft ausgedrueckt ist, +weil sie nichts Stehendes, sondern nur Momente des Begriffs und der +Bewegung sind, so ist er dagegen als Gestaltung nicht in solchen drei +bestimmten Systemen befasst, wie die Anatomie sie auseinanderlegt. +Insofern solche Systeme in ihrer Wirklichkeit gefunden, und durch +dies Finden legitimiert werden sollen, muss auch erinnert werden, dass +die Anatomie nicht nur drei dergleichen Systeme, sondern viel mehrere +aufweist.--Alsdenn muss abgesehen hievon ueberhaupt das sensible +_System_ etwas ganz anderes bedeuten als das, was _Nervensystem_ +genannt wird, so das irritable _System_ etwas anderes als das +_Muskelsystem_, das reproduktive _System_ etwas anders als die +_Eingeweide_ der Reproduktion. In den Systemen der _Gestalt_ als +solcher ist der Organismus nach der abstrakten Seite der toten +Existenz aufgefasst; seine Momente so aufgenommen gehoeren der Anatomie +und dem Kadaver, nicht der Erkenntnis und dem lebendigen Organismus +an. Als solche Teile haben sie vielmehr aufgehoert, _zu sein_, denn +sie hoeren auf, Prozesse zu sein. Da das _Sein_ des Organismus +wesentlich Allgemeinheit oder Reflexion in sich selbst ist, so kann +das _Sein_ seines Ganzen wie seine Momente nicht in einem +anatomischen Systeme bestehen, sondern der wirkliche Ausdruck und +ihre Aeusserlichkeit ist vielmehr nur als eine Bewegung vorhanden, die +sich durch die verschiedenen Teile der Gestaltung verlauft, und worin +das, was als einzelnes System herausgerissen und fixiert wird, sich +wesentlich als fliessendes Moment darstellt, so dass nicht jene +Wirklichkeit, wie die Anatomie sie findet, als ihre Realitaet gelten +darf, sondern nur sie als Prozess, in welchem auch die anatomischen +Teile allein einen Sinn haben. + +Es ergibt sich also, dass weder die Momente des organischen _Innern_ +fuer sich genommen Seiten eines Gesetzes des Seins abzugeben faehig +sind; indem sie in einem solchen Gesetze von einem Dasein +ausgesprochen, voneinander unterschieden, und nicht jede auf gleiche +Weise anstatt der andern sollte genannt werden koennen; noch dass sie, +auf die eine Seite gestellt, in der andern an einem festen Systeme +ihre Realisierung haben; denn dies letztere ist so wenig etwas, das +ueberhaupt organische Wahrheit haette, als es der Ausdruck jener +Momente des Innern ist. Das Wesentliche des Organischen, da es an +sich das Allgemeine ist, ist vielmehr ueberhaupt, seine Momente in der +Wirklichkeit ebenso allgemein, das heisst, als durchlaufende Prozesse +zu haben, nicht aber an einem isolierten Dinge ein Bild des +Allgemeinen zu geben. + +Auf diese Weise geht an dem Organischen die _Vorstellung_ eines +_Gesetzes_ ueberhaupt verloren. Das Gesetz will den Gegensatz als +ruhende Seiten auffassen und ausdruecken, und an ihnen die +Bestimmtheit, welche ihre Beziehung aufeinander ist. Das _Innere_, +welchem die erscheinende Allgemeinheit, und das _Aeussere_, welchem die +Teile der ruhenden Gestalt angehoeren, sollten die sich entsprechenden +Seiten des Gesetzes ausmachen, verlieren aber so auseinandergehalten +ihre organische Bedeutung; und der Vorstellung des Gesetzes liegt +gerade dies zum Grunde, dass seine beiden Seiten ein fuer sich seiendes +gleichgueltiges Bestehen haetten, und an sie die Beziehung als eine +gedoppelte sich entsprechende Bestimmtheit verteilt waere. Jede Seite +des Organischen ist vielmehr dies an ihr selbst, einfache +Allgemeinheit, in welcher alle Bestimmungen aufgeloest sind, und die +Bewegung dieses Aufloesens zu sein. + +Die Einsicht in den Unterschied dieses Gesetzgebens gegen fruehere +Formen wird seine Natur vollends aufhellen.--Sehen wir naemlich zurueck +auf die Bewegung des Wahrnehmens und des darin sich in sich +reflektierenden und seinen Gegenstand hiedurch bestimmenden +Verstandes, so hat dieser dabei an seinem Gegenstande die _Beziehung_ +dieser abstrakten Bestimmungen, des Allgemeinen und Einzelnen, des +Wesentlichen und des Aeusserlichen, nicht vor sich, sondern ist selbst +das Uebergehen, dem dieses Uebergehen nicht gegenstaendlich wird. Hier +hingegen ist die organische Einheit, d.h. eben die Beziehung jener +Gegensaetze, und diese Beziehung ist reines Uebergehen, selbst der +_Gegenstand_. Dies Uebergehen in seiner Einfachheit ist unmittelbar +_Allgemeinheit_, und indem sie in den Unterschied tritt, dessen +Beziehung das Gesetz ausdruecken soll, so sind seine Momente _als +allgemeine_ Gegenstaende dieses Bewusstseins, und das Gesetz lautet, +dass das _Aeussere_ Ausdruck des _Innern_ sei. Der Verstand hat hier +_den Gedanken_ des Gesetzes selbst erfasst, da er vorher nur ueberhaupt +Gesetze suchte, und die Momente derselben ihm als ein bestimmter +Inhalt, nicht als die Gedanken derselben vorschwebte.--In Ansehung +des Inhalts sollen hiemit hier nicht solche Gesetze erhalten werden, +welche nur ein ruhiges Aufnehmen rein _seiender_ Unterschiede in die +Form der Allgemeinheit sind, sondern Gesetze, die unmittelbar an +diesen Unterschieden auch die Unruhe des Begriffes, und damit +zugleich die Notwendigkeit der Beziehung der Seiten haben. Allein +weil eben der Gegenstand, die organische Einheit, das unendliche +Aufheben oder die absolute Negation des Seins mit dem ruhigen Sein +unmittelbar vereinigt, und die Momente wesentlich _reines Uebergehen_ +sind, so ergeben sich keine solche _seiende_ Seiten, als fuer das +Gesetz erfodert werden. + +Um solche zu erhalten, muss der Verstand sich an das andre Moment des +organischen Verhaeltnisses halten; naemlich an das _Reflektiertsein_ +des organischen Daseins in sich selbst. Aber dieses Sein ist so +vollkommen in sich reflektiert, dass ihm keine Bestimmtheit gegen +anderes uebrig bleibt. Das _unmittelbare_ sinnliche Sein ist +unmittelbar mit der Bestimmtheit als solcher eins, und drueckt daher +einen qualitativen Unterschied an ihm aus; wie z. B. Blau gegen Rot, +Saures gegen Alkalisches u.s.f. Aber das in sich zurueckgekommene +organische Sein ist vollkommen gleichgueltig gegen anderes, sein +Dasein ist die einfache Allgemeinheit, und verweigert dem Beobachten +bleibende sinnliche Unterschiede, oder was dasselbe ist, zeigt seine +wesentliche Bestimmtheit nur als den _Wechsel seiender_ +Bestimmtheiten. Wie sich daher der Unterschied als seiender +ausdrueckt, ist ebendies, dass er ein _gleichgueltiger_ ist, d.h. als +_Groesse_. Hierin ist aber der Begriff getilgt, und die Notwendigkeit +verschwunden.--Der Inhalt aber und Erfuellung dieses gleichgueltigen +Seins, der Wechsel der sinnlichen Bestimmungen, in die Einfachheit +einer organischen Bestimmung zusammengenommen, drueckt dann zugleich +dies aus, dass er eben jene--der unmittelbaren +Eigenschaft--Bestimmtheit nicht hat, und das Qualitative faellt allein +in die Groesse, wie wir oben gesehen. + +Ob also schon das Gegenstaendliche, das als organische Bestimmtheit +aufgefasst wird, den Begriff an ihm selbst hat, und sich hiedurch von +dem unterscheidet, das fuer den Verstand ist, der sich als rein +wahrnehmend bei dem Auffassen des Inhaltes seiner Gesetze verhaelt, so +faellt jenes Auffassen doch ganz in das Prinzip und die Manier des +bloss wahrnehmenden Verstandes darum zurueck, weil das Aufgefasste zu +Momenten eines _Gesetzes_ gebraucht wird; denn hiedurch erhaelt es die +Weise einer festen Bestimmtheit, die Form einer unmittelbaren +Eigenschaft oder einer ruhenden Erscheinung, wird ferner in die +Bestimmung der Groesse aufgenommen, und die Natur des Begriffs ist +unterdrueckt.--Die Umtauschung eines bloss Wahrgenommenen gegen ein in +sich Reflektiertes, einer bloss sinnlichen Bestimmtheit gegen eine +organische verliert also wieder ihren Wert, und zwar dadurch, dass der +Verstand das Gesetzgeben noch nicht aufgehoben hat. + +Um die Vergleichung in Ansehung dieses Umtausches an einigen +Beispielen anzustellen, so wird etwa etwas, das fuer die Wahrnehmung +ein Tier von starken Muskeln ist, als tierischer Organismus von hoher +Irritabilitaet, oder was fuer die Wahrnehmung ein Zustand grosser +Schwaeche ist, als Zustand hoher Sensibilitaet oder, wenn man lieber +will, als eine innormale Affektion, und zwar eine Potenzierung +derselben (Ausdruecke, welche das Sinnliche, statt in den Begriff, ins +Lateinische--und zwar noch dazu in ein schlechtes--uebersetzen) +bestimmt. Dass das Tier starke Muskeln habe, kann vom Verstande auch +so ausgedrueckt werden, das Tier besitze eine grosse _Muskelkraft_--wie +die grosse Schwaeche als eine geringe _Kraft_. Die Bestimmung durch +Irritabilitaet hat vor der Bestimmung als _Kraft_ voraus, dass diese +die unbestimmte Reflexion in sich, jene aber die bestimmte ausdrueckt, +denn die _eigentuemliche_ Kraft des Muskels ist eben +Irritabilitaet--und vor der Bestimmung als _starke Muskeln_, dass wie +schon in der Kraft die Reflexion in sich zugleich darin enthalten ist. +So wie die Schwaeche oder die geringe Kraft, die _organische +Passivitaet_ bestimmt durch _Sensibilitaet_ ausgedrueckt wird. Aber +diese Sensibilitaet so fuer sich genommen und fixiert, und noch mit der +Bestimmung der _Groesse_ verbunden, und als groessere oder geringere +Sensibilitaet einer groessern oder geringern Irritabilitaet +entgegengesetzt, ist jede ganz in das sinnliche Element und zur +gemeinen Form einer Eigenschaft herabgesetzt, und ihre Beziehung +nicht der Begriff, sondern im Gegenteil die Groesse, in welche nun der +Gegensatz faellt, und ein gedankenloser Unterschied wird. Wenn hiebei +zwar das Unbestimmte der Ausdruecke von _Kraft_ und _Staerke_ und +_Schwaeche_ entfernt wurde, so entsteht itzt das ebenso leere und +unbestimmte Herumtreiben in den Gegensaetzen einer hoehern und niedern +Sensibilitaet, Irritabilitaet in ihrem Aufund Absteigen an- und +gegeneinander. Nicht weniger als Staerke und Schwaeche ganz sinnliche +gedankenlose Bestimmungen sind, ist die groessere oder geringere +Sensibilitaet, Irritabilitaet die gedankenlos aufgefasste und ebenso +ausgesprochene sinnliche Erscheinung. An die Stelle jener +begriffslosen Ausdruecke ist nicht der Begriff getreten, sondern +Staerke und Schwaeche durch eine Bestimmung erfuellt worden, die fuer +sich allein genommen auf dem Begriffe beruht und ihn zum Inhalte hat, +aber diesen Ursprung und Charakter gaenzlich verliert.--Durch die Form +der Einfachheit und Unmittelbarkeit also, in welcher dieser Inhalt +zur Seite eines Gesetzes gemacht wird, und durch die Groesse, welche +das Element des Unterschiedes solcher Bestimmungen ausmacht, behaelt +das urspruenglich als Begriff seiende und gesetzte Wesen die Weise des +sinnlichen Wahrnehmens, und bleibt von dem Erkennen so entfernt, als +in der Bestimmung durch Staerke und Schwaeche der Kraft, oder durch +unmittelbare sinnliche Eigenschaften. + +Es ist itzt auch noch dasjenige _fuer sich allein_ zu betrachten uebrig, +was das _Aeussere_ des Organischen ist, und wie an ihm der Gegensatz +_seines_ Innern und Aeussern sich bestimmt; so wie zuerst das _Innere_ +des Ganzen in der Beziehung auf sein _eignes_ Aeusseres betrachtet +wurde. + +Das _Aeussere_ fuer sich betrachtet ist die _Gestaltung_ ueberhaupt, das +System des sich im _Elemente_ des _Seins_ gliedernden Lebens, und +wesentlich zugleich das Sein des organischen Wesens _fuer ein +Anderes--_ gegenstaendliches Wesen in seinem _Fuer-sich-sein_.--Dies +_Andere_ erscheint zunaechst als seine aeussere unorganische Natur. +Diese beiden in Beziehung auf ein Gesetz betrachtet, kann, wie wir +oben sahen, die unorganische Natur nicht die Seite eines Gesetzes +gegen das organische Wesen ausmachen, weil dieses zugleich +schlechthin fuer sich ist, und eine allgemeine und freie Beziehung auf +sie hat. + +Das Verhaeltnis dieser beiden Seiten aber an der organischen Gestalt +selbst naeher bestimmt, so ist sie also nach einer Seite gegen die +unorganische Natur gekehrt, auf der andern aber _fuer sich_ und in +sich reflektiert. Das _wirkliche_ organische Wesen ist die Mitte, +welche das _Fuer-sich-sein_ des Lebens mit dem _Aeussern_ ueberhaupt oder +dem _An-sich-sein_ zusammenschliesst.--Das Extrem des Fuer-sich-seins +ist aber das Innere als unendliches Eins, welches die Momente der +Gestalt selbst aus ihrem Bestehen und dem Zusammenhange mit dem +Aeussern in sich zuruecknimmt, das inhaltslose, das an der Gestalt sich +seinen Inhalt gibt, und an ihr als ihr Prozess erscheint. In diesem +Extreme als einfacher Negativitaet oder _reiner Einzelnheit_ hat das +Organische seine absolute Freiheit, wodurch es gegen das Sein fuer +anderes und gegen die Bestimmtheit der Momente der Gestalt +gleichgueltig und gesichert ist. Diese Freiheit ist zugleich Freiheit +der Momente selbst, sie ist ihre Moeglichkeit, als _daseiende_ zu +erscheinen und aufgefasst zu werden, und wie gegen Aeusseres sind sie +darin auch gegeneinander befreit und gleichgueltig, denn die +_Einfachheit_ dieser Freiheit ist das _Sein_ oder ihre einfache +Substanz. Dieser Begriff oder reine Freiheit ist ein und dasselbe +Leben, die Gestalt oder das Sein fuer anderes mag in noch so +mannigfaltigem Spiele umherschweifen; es ist diesem Strome des Lebens +gleichgueltig, welcher Art die Muehlen sind, die er treibt.--Vors erste +ist nun zu bemerken, dass dieser Begriff hier nicht wie vorhin bei der +Betrachtung des eigentlichen Innern in seiner Form des _Prozesses_ +oder der Entwicklung seiner Momente aufzufassen ist, sondern in +seiner _Form_ als _einfaches Innres_, welches die rein allgemeine +Seite gegen das _wirkliche_ lebendige Wesen ausmacht, oder als das +_Element_ des _Bestehens_ der seienden Glieder der Gestalt; denn +diese betrachten wir hier, und an ihr ist das Wesen des Lebens als +die Einfachheit des Bestehens. Alsdenn ist das _Sein fuer Anderes_ +oder die Bestimmtheit der wirklichen Gestaltung in diese einfache +Allgemeinheit aufgenommen, die ihr Wesen ist, eine ebenso einfache +allgemeine unsinnliche Bestimmtheit, und kann nur die sein, welche +als _Zahl_ ausgedrueckt ist. Sie ist die Mitte der Gestalt, welche +das unbestimmte Leben mit dem wirklichen verknuepft, einfach wie jenes, +und bestimmt wie dieses. Was an jenem, dem _Innern_, als Zahl waere, +muesste das Aeussere nach seiner Weise als die vielfoermige Wirklichkeit, +Lebensart, Farbe und so fort ausdruecken, ueberhaupt als die ganze +Menge der Unterschiede, welche in der Erscheinung sich entwickeln. + +Die beiden Seiten des organischen Ganzen--die eine das _Innere_, die +andere aber das _Aeussere_, so dass jede wieder an ihr selbst ein +Inneres und Aeusseres hat--nach ihrem beiderseitigen Innern verglichen, +so war das Innere der ersten der Begriff, als die Unruhe der +_Abstraktion_; die zweite aber hat zu dem ihrigen die ruhende +Allgemeinheit, und darin auch die ruhende Bestimmtheit, die Zahl. +Wenn daher jene, weil in ihr der Begriff seine Momente entwickelt, +durch den Schein von Notwendigkeit der Beziehung taeuschend Gesetze +verhiess, so tut diese sogleich Verzicht darauf, indem sich die Zahl +als die Bestimmung der einen Seite ihrer Gesetze zeigt. Denn die +Zahl ist eben die gaenzlich ruhende, tote und gleichgueltige +Bestimmtheit, an welcher alle Bewegung und Beziehung erloschen ist, +und welche die Bruecke zu dem lebendigen der Triebe, der Lebensart und +dem sonstigen sinnlichen Dasein abgebrochen hat. + +Diese Betrachtung der _Gestalt_ des Organischen als solcher und des +Innern als eines Innern bloss der Gestalt ist aber in der Tat nicht +mehr eine Betrachtung des Organischen. Denn die beiden Seiten, die +bezogen werden sollten, sind nur gleichgueltig gegeneinander gesetzt, +und dadurch die Reflexion in sich, welche das Wesen des Organischen +ausmacht, aufgehoben. Sondern es wird hier vielmehr auf die +unorganische Natur die versuchte Vergleichung des Innern und Aeussern +uebergetragen; der unendliche Begriff ist hier nur das _Wesen_, das +inwendig verborgen, oder aussen in das Selbstbewusstsein faellt, und +nicht mehr, wie am Organischen, seine gegenstaendliche Gegenwart hat. +Diese Beziehung des Innern und Aeussern ist also noch in ihrer +eigentlichen Sphaere zu betrachten. + +Zuerst ist jenes Innere der Gestalt als die einfache Einzelnheit +eines unorganischen Dinges, die _spezifische Schwere_. Sie kann als +einfaches Sein ebensowohl wie die Bestimmtheit der Zahl, deren sie +allein faehig ist, beobachtet oder eigentlich durch Vergleichung von +Beobachtungen gefunden werden, und scheint auf diese Weise die eine +Seite des Gesetzes zu geben. Gestalt, Farbe, Haerte, Zaehigkeit und +eine unzaehlige Menge anderer Eigenschaften wuerden zusammen die +_aeussere_ Seite ausmachen, und die Bestimmtheit des Innern, die Zahl, +auszudruecken haben, so dass das eine am andern sein Gegenbild haette. + +Weil nun die Negativitaet hier nicht als Bewegung des Prozesses, +sondern als _beruhigte_ Einheit oder _einfaches Fuer-sich-sein_ +aufgefasst ist, so erscheint sie vielmehr als dasjenige, wodurch das +Ding sich dem Prozesse widersetzt, und sich in sich und als +gleichgueltig gegen ihn erhaelt. Dadurch aber, dass dies einfache +Fuer-sich-sein eine ruhige Gleichgueltigkeit gegen Anderes ist, tritt +die spezifische Schwere als eine _Eigenschaft neben_ andere; und +damit hoert alle notwendige Beziehung ihrer auf diese Vielheit, oder +alle Gesetzmaessigkeit auf.--Die spezifische Schwere als dies einfache +Innere hat nicht den Unterschied _an ihr selbst_, oder sie hat nur +den unwesentlichen; denn eben ihre _reine Einfachheit_ hebt alle +wesentliche Unterscheidung auf. Dieser unwesentliche Unterschied, +_die Groesse_, muesste also an der andern Seite, welche die Vielheit der +Eigenschaften ist, sein Gegenbild oder das _Andere_ haben, indem er +dadurch ueberhaupt erst Unterschied ist. Wenn diese Vielheit selbst +in die Einfachheit des Gegensatzes zusammengefasst, und etwa als +_Kohaesion_ bestimmt wird, so dass diese das _Fuer-sich--im Anders-sein_, +wie die spezifische Schwere das _reine Fuer-sich-sein_ ist, so ist +diese Kohaesion zuerst diese reine im Begriffe gesetzte Bestimmtheit +gegen jene Bestimmtheit, und die Manier des Gesetzgebens waere die, +welche oben bei der Beziehung der Sensibilitaet auf die Irritabilitaet +betrachtet worden.--Alsdenn ist sie ferner als _Begriff_ des +Fuer-sich-seins im Anderssein nur die _Abstraktion_ der Seite, die der +spezifischen Schwere gegenuebersteht, und hat als solche keine +Existenz. Denn das Fuer-sich-sein im Anderssein ist der Prozess, worin +das unorganische sein Fuer-sich-sein als eine _Selbsterhaltung_ +auszudruecken haette, welche es dagegen bewahrte, aus dem Prozesse als +Moment eines Produkts herauszutreten. Allein dies eben ist gegen +seine Natur, welche nicht den Zweck oder Allgemeinheit an ihr selbst +hat. Sein Prozess ist vielmehr nur das bestimmte Verhalten, wie sein +Fuer-sich-sein, seine spezifische Schwere sich _aufhebt_. Dies +bestimmte Verhalten, worin seine Kohaesion in ihrem wahren Begriffe +bestehen wuerde, aber selbst und die bestimmte Groesse seiner +spezifischen Schwere sind ganz gleichgueltige Begriffe gegeneinander. +Wenn die Art des Verhaltens ganz ausser acht gelassen und auf die +Vorstellung der Groesse eingeschraenkt wurde, so koennte etwa diese +Bestimmung gedacht werden, dass das groessere spezifische Gewicht, als +ein hoeheres In-sich-sein, dem Eingehen in den Prozess mehr widerstaende +als das geringere. Allein umgekehrt bewaehrt die Freiheit des +Fuer-sich-seins sich nur in der Leichtigkeit, mit allem sich +einzulassen und sich in dieser Mannigfaltigkeit zu erhalten. Jene +Intensitaet ohne Extension der Beziehungen ist eine gehaltlose +Abstraktion, denn die Extension macht das _Dasein_ der Intensitaet aus. +Die Selbsterhaltung aber des Unorganischen in seiner Beziehung +faellt, wie erinnert, ausser der Natur derselben, da es das Prinzip der +Bewegung nicht an ihm selbst hat, oder da sein Sein nicht die +absolute Negativitaet und Begriff ist. + +Diese andre Seite des Unorganischen dagegen nicht als Prozess, sondern +als ruhendes Sein betrachtet, so ist sie die gemeine Kohaesion, eine +_einfache_ sinnliche Eigenschaft auf die Seite getreten gegen das +freigelassene Moment des _Anderssein_, welches in vielen +gleichgueltigen Eigenschaften auseinanderliegt, und unter diese selbst, +wie die spezifische Schwere, tritt; die Menge der Eigenschaften +zusammen macht dann die andre Seite zu dieser aus. An ihr aber, wie +an den andern ist _die Zahl_ die einzige Bestimmtheit, welche eine +Beziehung und Uebergang dieser Eigenschaften zueinander nicht nur +nicht ausdrueckt, sondern eben wesentlich dies ist, keine notwendige +Beziehung zu haben, sondern die Vertilgung aller Gesetzmaessigkeit +darzustellen, denn sie ist der Ausdruck der Bestimmtheit als einer +_unwesentlichen_. So dass also eine Reihe von Koerpern, welche den +Unterschied als Zahlenunterschied ihrer spezifischen Schweren +ausdrueckt, durchaus nicht einer Reihe des Unterschieds der andern +Eigenschaften parallel geht, wenn auch, um die Sache zu erleichtern, +von ihnen nur eine einzelne oder etliche genommen werden. Denn in +der Tat koennte es nur das ganze Konvolut derselben sein, was in +dieser Parallele die andere Seite auszumachen haette. Dieses in sich +zu ordnen und zu einem Ganzen zu verbinden, sind die +Groessenbestimmtheiten dieser vielerlei Eigenschaften fuer die +Beobachtung einerseits vorhanden, andererseits aber treten ihre +Unterschiede als qualitativ ein. Was nun in diesem Haufen als +positiv oder negativ bezeichnet werden muesste und sich gegenseitig +aufhoebe, ueberhaupt die innre Figuration und Exposition der Formel, +die sehr zusammengesetzt sein wuerde, gehoerte dem Begriffe an, welcher +eben in der Weise, wie die Eigenschaften als _seiende_ daliegen und +aufgenommen werden sollen, ausgeschlossen ist; in diesem Sein zeigt +keine den Charakter eines Negativen gegen die andere, sondern die +eine _ist_ so gut als die andere, noch deutet sie sonst ihre Stelle +in der Anordnung des Ganzen an.--Bei einer Reihe, die in parallelen +Unterschieden fortlaeuft--das Verhaeltnis moechte als auf beiden Seiten +zugleich steigend, oder nur auf der einen und auf der andern +abnehmend gemeint werden--, ist es nur um den _letzten_ einfachen +Ausdruck dieses zusammengefassten Ganzen zu tun, welches die eine +Seite des Gesetzes gegen die spezifische Schwere ausmachen sollte; +aber diese eine Seite, als _seiendes Resultat_, ist eben nichts +anders, als was schon erwaehnt worden, naemlich einzelne Eigenschaft, +wie etwa auch die gemeine Kohaesion, neben welcher die andern, und +darunter auch die spezifische Schwere, gleichgueltig vorhanden sind, +und jede andre mit dem gleichen Rechte, d.h. mit dem gleichen +Unrechte zum Repraesentanten der ganzen andern Seite gewaehlt werden +kann; eine wie die andre wurde das Wesen nur repraesentieren, auf +deutsch: _vorstellen_, aber nicht die Sache selbst sein. So dass der +Versuch, Koerper-Reihen zu finden, welche an der einfachen Parallele +zweier Seiten fortliefen, und die wesentliche Natur der Koerper nach +einem Gesetze dieser Seiten ausdrueckten, fuer einen Gedanken genommen +werden muss, welcher seine Aufgabe und die Mittel, wodurch sie +ausgefuehrt werden sollte, nicht kennt. + + +Es wurde vorhin die Beziehung des Aeussern und Innern an der Gestalt, +welche der Beobachtung sich darstellen soll, sogleich zu der Sphaere +des Unorganischen heruebergenommen; die Bestimmung, welche sie hieher +zieht, kann itzt naeher angegeben werden, und es ergibt sich von da +noch eine andere Form und Beziehung dieses Verhaeltnisses. Bei dem +Organischen naemlich faellt ueberhaupt das hinweg, was bei dem +Unorganischen die Moeglichkeit einer solchen Vergleichung des Innern +und Aeussern darzubieten scheint. Das unorganische Innere ist ein +einfaches Inneres, das fuer die Wahrnehmung als _seiende_ Eigenschaft +sich darbietet; seine Bestimmtheit ist daher wesentlich die Groesse, +und es erscheint als seiende Eigenschaft gleichgueltig gegen das +Aeussere oder die vielen andern sinnlichen Eigenschaften. Das +Fuer-sich-sein des Organisch-Lebendigen aber tritt nicht so auf die +Seite gegen sein Aeusseres, sondern hat das Prinzip des _Andersseins_ +an ihm selbst. Bestimmen wir das Fuer-sich-sein als _einfache sich +erhaltende Beziehung auf sich selbst_, so ist sein Anderssein die +einfache _Negativitaet_, und die organische Einheit ist die Einheit +des sichselbstgleichen Sich-auf-sich-beziehens und der reinen +Negativitaet. Diese Einheit ist als Einheit das Innere des +Organischen; dies ist hiedurch an sich allgemein, oder es ist +_Gattung_. Die Freiheit der Gattung gegen ihre Wirklichkeit aber ist +eine andere als die Freiheit der spezifischen _Schwere_ gegen die +Gestalt. Die der letztern ist eine _seiende_ Freiheit, oder dass sie +als besondere Eigenschaft auf die Seite tritt. Aber weil sie +_seiende_ Freiheit ist, ist sie auch nur _Eine Bestimmtheit_, welche +dieser Gestalt _wesentlich_ angehoert, oder wodurch diese _als Wesen_ +ein bestimmtes ist. Die Freiheit der Gattung aber ist eine +allgemeine, und gleichgueltig gegen diese Gestalt oder gegen ihre +Wirklichkeit. Die _Bestimmtheit_, welche dem _Fuer-sich-sein_ des +Unorganischen _als solchem_ zukommt, tritt daher an dem Organischen +_unter sein_ Fuer-sich-sein; wie sie an dem Unorganischen nur unter +das _Sein_ desselben tritt; ob sie daher schon an diesem zugleich nur +als _Eigenschaft_ ist, so faellt ihr doch die Wuerde des _Wesens_ zu, +weil sie als das einfache Negative dem Dasein als dem Sein fuer +anderes gegenuebersteht; und dies einfache Negative ist in seiner +letzten einzelnen Bestimmtheit eine Zahl. Das Organische aber ist +eine Einzelnheit, welche selbst reine Negativitaet und daher die fixe +Bestimmtheit der Zahl, welche dem _gleichgueltigen Sein_ zukommt, in +sich vertilgt. Insofern es das Moment des gleichgueltigen Seins und +darin der Zahl an ihm hat, kann sie daher nur als ein Spiel an ihm, +nicht aber als das Wesen seiner Lebendigkeit genommen werden. + +Wenn nun aber schon die reine Negativitaet, das Prinzip des Prozesses, +nicht ausser dem Organischen faellt, und es sie also nicht als eine +Bestimmtheit in seinem _Wesen_ hat, sondern die Einzelnheit selbst an +sich allgemein ist, so ist doch diese reine Einzelnheit nicht in +ihren Momenten als selbst _abstrakten_ oder _allgemeinen_ an ihm +entwickelt und wirklich. Sondern dieser Ausdruck tritt ausser jener +Allgemeinheit, welche in die _Innerlichkeit_ zurueckfaellt, und +zwischen die Wirklichkeit oder Gestalt, d.h. die sich entwickelnde +Einzelnheit und zwischen das organische Allgemeine, oder die Gattung, +das _bestimmte_ Allgemeine, die _Art_. Die Existenz, zu welcher die +Negativitaet des Allgemeinen oder der Gattung gelangt, ist nur die +entwickelte Bewegung eines Prozesses, welcher sich an _den Teilen der +seienden Gestalt_ verlaeuft. Haette die Gattung an ihr als ruhender +Einfachheit die unterschiedenen Teile, und waere somit ihre _einfache +Negativitaet_ als solche zugleich Bewegung, welche sich durch ebenso +einfache, unmittelbar an ihnen allgemeine Teile verliefe, die als +solche Momente hier wirklich waeren, so waere die organische Gattung +Bewusstsein. So aber ist die _einfache Bestimmtheit_, als +Bestimmtheit der Art, an ihr auf eine geistlose Weise vorhanden; die +Wirklichkeit faengt von ihr an, oder was in die Wirklichkeit tritt, +ist nicht die Gattung als solche, d.h. ueberhaupt nicht der Gedanke. +Diese als wirkliches Organisches ist nur durch einen Repraesentanten +vertreten. Dieser aber, die Zahl, welche den Uebergang aus der +Gattung in die individuelle Gestaltung zu bezeichnen und der +Beobachtung die beiden Seiten der Notwendigkeit, einmal als einfache +Bestimmtheit, das anderemal sie als entwickelte zur Mannigfaltigkeit +herausgeborne Gestalt zu geben scheint, bezeichnet vielmehr die +Gleichgueltigkeit und Freiheit des Allgemeinen und Einzelnen +gegeneinander, das von der Gattung dem wesenlosen Unterschiede der +Groesse preisgegeben wird, selbst aber als Lebendiges von diesem +Unterschiede sich ebenso frei erweist. Die wahre Allgemeinheit, wie +sie bestimmt worden, ist hier nur _innres Wesen_; als _Bestimmtheit +der_ Art ist sie formale Allgemeinheit, und dieser gegenueber tritt +jene wahre Allgemeinheit auf die Seite der Einzelnheit, die dadurch +eine lebendige ist, und sich durch ihr _Inneres ueber ihre +Bestimmtheit als Art_ hinwegsetzt. Aber diese Einzelnheit ist nicht +zugleich allgemeines Individuum, d.h. an dem die Allgemeinheit ebenso +aeussere Wirklichkeit haette, sondern dies faellt ausser dem +Organisch-Lebendigen. Dieses _allgemeine_ Individuum aber, wie es +_unmittelbar_ das Individuum der natuerlichen Gestaltungen ist, ist +nicht das Bewusstsein selbst; sein Dasein als _*einzelnes* organisches +lebendiges Individuum_ muesste nicht ausser ihm fallen, wenn es dieses +sein sollte. + +Wir sehen daher einen Schluss, worin das eine Extrem das _allgemeine +Leben als allgemeines_ oder als Gattung, das andre Extrem aber +_dasselbe als Einzelnes_ oder als allgemeines Individuum ist; die +Mitte aber ist aus beiden zusammengesetzt, das erste scheint in sie +sich als _bestimmte_ Allgemeinheit oder als _Art_, das andre aber als +_eigentliche_ oder einzelne _Einzelnheit_ zu schicken.--Und da dieser +Schluss ueberhaupt der Seite der _Gestaltung_ angehoert, so ist unter +ihm ebenso dasjenige begriffen, was als unorganische Natur +unterschieden wird. + +Indem nun das allgemeine Leben als _das einfache Wesen der Gattung_ +von seiner Seite die Unterschiede des Begriffs entwickelt, und sie +als eine Reihe der einfachen Bestimmtheiten darstellen muss, so ist +diese ein System gleichgueltig gesetzter Unterschiede, oder _eine +Zahlreihe_. Wenn vorhin das Organische in der Form der Einzelnheit +diesem wesenlosen Unterschiede gegenuebergesetzt wurde, der ihre +lebendige Natur nicht ausdrueckt und enthaelt--und wenn in Ansehung des +Unorganischen nach seinem ganzen in der Menge seiner Eigenschaften +entwickelten Dasein ebendies gesagt werden muss--, so ist es itzt das +allgemeine Individuum, welches nicht nur als frei von jeder +Gliederung der Gattung, sondern auch als ihre Macht zu betrachten ist. +Die Gattung, welche sich in Arten nach der _allgemeinen +Bestimmtheit_ der Zahl zerlegt, oder auch einzelne Bestimmtheiten +ihres Daseins, z. B. die Figur, Farbe u.s.f. zu ihrem +Einteilungsgrunde nehmen mag, erleidet in diesem ruhigen Geschaefte +Gewalt von der Seite des allgemeinen Individuums, _der Erde_, welches +als die allgemeine Negativitaet, die Unterschiede, wie sie dieselben +an sich hat und deren Natur um der Substanz willen, der sie angehoeren, +eine andere ist als die Natur jener, gegen das Systematisieren der +Gattung geltend macht. Dieses Tun der Gattung wird zu einem ganz +eingeschraenkten Geschaefte, das sie nur innerhalb jener maechtigen +Elemente treiben darf, und das durch die zuegellose Gewalt derselben +allenthalben unterbrochen, lueckenhaft und verkuemmert wird. + +Es folgt hieraus, dass der Beobachtung an dem gestalteten Dasein nur +die Vernunft _als Leben ueberhaupt_ werden kann, welches aber in +seinem Unterscheiden keine vernuenftige Reihung und Gegliederung an +sich selbst wirklich hat, und nicht ein in sich gegruendetes System +der Gestalten ist.--Wenn im Schlusse der organischen Gestaltung die +Mitte, worein die Art und ihre Wirklichkeit als einzelne +Individualitaet faellt, an ihr selbst die Extreme der innern +Allgemeinheit und der allgemeinen Individualitaet haette, so wuerde +diese Mitte an _der Bewegung_ ihrer Wirklichkeit den Ausdruck und die +Natur der Allgemeinheit haben, und die sich selbst systematisierende +Entwicklung sein. So hat das _Bewusstsein_, zwischen dem allgemeinen +Geiste und zwischen seiner Einzelnheit oder dem sinnlichen Bewusstsein, +zur Mitte das System der Gestaltungen des Bewusstseins, als ein zum +Ganzen sich ordnendes Leben des Geistes--das System, das hier +betrachtet wird, und welches als Weltgeschichte sein gegenstaendliches +Dasein hat. Aber die organische Natur hat keine Geschichte; sie +faellt von ihrem Allgemeinen, dem Leben, unmittelbar in die +Einzelnheit des Daseins herunter, und die in dieser Wirklichkeit +vereinigten Momente der einfachen Bestimmtheit und der einzelnen +Lebendigkeit bringen das Werden nur als die zufaellige Bewegung hervor, +worin jedes an seinem Teile taetig ist und das Ganze erhalten wird, +aber diese Regsamkeit ist _fuer sich_ selbst nur auf ihren Punkt +beschraenkt, weil das Ganze nicht in ihm vorhanden ist, und dies ist +nicht darin vorhanden, weil es nicht als Ganzes hier _fuer sich_ ist. + +Ausserdem also, dass die beobachtende Vernunft in der organischen Natur +nur zur Anschauung ihrer selbst als allgemeines Leben ueberhaupt kommt, +wird ihr die Anschauung seiner Entwicklung und Realisierung nur nach +ganz allgemein unterschiedenen Systemen, deren Bestimmung, ihr Wesen +nicht in dem Organischen als solchem, sondern in dem allgemeinen +Individuum liegt; und _unter_ diesen Unterschieden der Erde nach +Reihungen, welche die Gattung versucht. + +Indem also in seiner Wirklichkeit die _Allgemeinheit des organischen +Lebens_ sich, ohne die wahrhafte fuersichseiende Vermittlung, +unmittelbar in das Extrem _der Einzelnheit_ herunterfallen laesst, so +hat das beobachtende Bewusstsein nur das _Meinen_ als Ding vor sich; +und wenn die Vernunft das muessige Interesse haben kann, dieses Meinen +zu beobachten, ist sie auf das Beschreiben und Hererzaehlen von +Meinungen und Einfaellen der Natur beschraenkt. Diese geistlose +Freiheit des Meinens wird zwar allenthalben Anfaenge von Gesetzen, +Spuren von Notwendigkeit, Anspielungen auf Ordnung und Reihung, +witzige und scheinbare Beziehungen darbieten. Aber die Beobachtung +kommt in der Beziehung des Organischen auf die seienden Unterschiede +des Unorganischen, die Elemente, Zonen und Klimate, in Ansehung des +Gesetzes und der Notwendigkeit nicht ueber den _grossen Einfluss_ hinaus. +So auf der andern Seite, wo die Individualitaet nicht die Bedeutung +der Erde, sondern des dem organischen Leben _immanenten Eins_ hat, +dies aber mit dem Allgemeinen in unmittelbarer Einheit zwar die +Gattung ausmacht, aber deren einfache Einheit ebendarum nur als Zahl +sich bestimmt, und daher die qualitative Erscheinung freilaesst,--kann +es die Beobachtung nicht ueber _artige Bemerkungen, interessante +Beziehungen, freundliches Entgegenkommen dem Begriffe_ hinausbringen. +Aber die artigen _Bemerkungen_ sind kein _Wissen der Notwendigkeit_, +die _interessanten Beziehungen_ bleiben bei dem _Interesse_ stehen, +das Interesse ist aber nur noch die Meinung von der Vernunft; und die +_Freundlichkeit_ des Individuellen, mit der es an einen Begriff +anspielt, ist eine kindliche Freundlichkeit, welche kindisch ist, +wenn sie an und fuer sich etwas gelten will oder soll. + + +b. Die Beobachtung des Selbstbewusstseinsin seiner Reinheit und +seiner Beziehung auf aeussre Wirklichkeit;logische und psychologische +Gesetze + +Die Naturbeobachtung findet den Begriff in der unorganischen Natur +realisiert. Gesetze, deren Momente Dinge sind, welche sich zugleich +als Abstraktionen verhalten; aber dieser Begriff ist nicht eine in +sich reflektierte Einfachheit. Das Leben der organischen Natur ist +dagegen nur diese in sich reflektierte Einfachheit, der Gegensatz +seiner selbst, als des Allgemeinen und des Einzelnen, tritt nicht im +Wesen dieses Lebens selbst auseinander; das Wesen ist nicht die +Gattung, welche in ihrem unterschiedslosen Elemente sich trennte und +bewegte, und in ihrer Entgegensetzung fuer sich selbst zugleich +ununterschieden waere. Die Beobachtung findet diesen freien Begriff, +dessen Allgemeinheit die entwickelte Einzelnheit ebenso absolut in +ihr selbst hat, nur in dem als Begriff existierenden Begriffe selbst, +oder in dem Selbstbewusstsein. + +Indem sie sich nun in sich selbst kehrt, und auf den als freien +Begriff wirklichen Begriff richtet, findet sie zuerst die _Gesetze +des Denkens_. Diese Einzelnheit, welche das Denken an ihm selbst ist, +ist die abstrakte, ganz in die Einfachheit zurueckgenommene Bewegung +des Negativen, und die Gesetze sind ausserhalb der Realitaet.--Sie +haben keine _Realitaet_, heisst ueberhaupt nichts anders, als sie sind +ohne Wahrheit. Sie sollen auch zwar nicht _ganze_, aber doch +_formelle_ Wahrheit sein. Allein das rein Formelle ohne Realitaet ist +das Gedankending, oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an +ihr, welche nichts anders als der Inhalt waere.--Auf der andern Seite +aber, indem sie Gesetze des reinen Denkens sind, dieses aber das an +sich Allgemeine, und also ein Wissen ist, welches unmittelbar das +Sein und darin alle Realitaet an ihm hat, sind diese Gesetze absolute +Begriffe und ungetrennt die Wesenheiten der Form wie der Dinge. Da +die sich in sich bewegende Allgemeinheit der _entzweite_ einfache +Begriff ist, hat er auf diese Weise _Inhalt_ an sich, und einen +solchen, welcher aller Inhalt, nur nicht ein sinnliches Sein ist. Es +ist ein Inhalt, der weder im Widerspruche mit der Form noch ueberhaupt +von ihr getrennt, sondern vielmehr wesentlich sie selbst ist, denn +diese ist nichts anderes als das in seine reinen Momente sich +trennende Allgemeine. + +Wie aber diese Form oder Inhalt _fuer die Beobachtung_ als Beobachtung +ist, erhaelt sie die Bestimmung eines _gefundenen_, gegebenen, d.i. +_nur seienden_ Inhalts. Er wird _ruhiges Sein_ von Beziehungen, eine +Menge abgesonderter Notwendigkeiten, die als ein _fester_ Inhalt an +und fuer sich, _in ihrer Bestimmtheit_, Wahrheit haben sollen, und so +in der Tat der Form entzogen sind.--Diese absolute Wahrheit fixer +Bestimmtheiten oder vieler verschiedener Gesetze widerspricht aber +der Einheit des Selbstbewusstseins, oder des Denkens und der Form +ueberhaupt. Was fuer festes an sich bleibendes Gesetz ausgesagt wird, +kann nur ein Moment der sich in sich reflektierenden Einheit sein, +nur als eine verschwindende Groesse auftreten. Aus diesem +Zusammenhange der Bewegung aber von der Betrachtung herausgerissen +und einzeln hingestellt, fehlt ihnen nicht der Inhalt, denn sie haben +vielmehr einen bestimmten Inhalt, sondern sie entbehren vielmehr der +Form, welche ihr Wesen ist. In der Tat nicht darum, weil sie nur +formell sein und keinen Inhalt haben sollen, sondern vielmehr aus dem +entgegengesetzten Grunde, weil sie in ihrer Bestimmtheit, oder eben +_als ein Inhalt_, dem die Form genommen ist, fuer etwas Absolutes +gelten sollen, sind diese Gesetze nicht die Wahrheit des Denkens. In +ihrer Wahrheit, als in der Einheit des Denkens verschwindende Momente, +muessten sie als Wissen, oder denkende Bewegung, nicht aber als +_Gesetze_ des Wissens genommen werden. Das Beobachten aber ist nicht +das Wissen selbst, und kennt es nicht, sondern verkehrt seine Natur +in die Gestalt des _Seins_, d.h. fasst seine Negativitaet nur als +_Gesetze_ desselben auf.--Es ist hier hinreichend, die Ungueltigkeit +der sogenannten Denkgesetze aus der allgemeinen Natur der Sache +aufgezeigt zu haben. Die naehere Entwicklung gehoert in die +spekulative Philosophie, worin sie sich als dasjenige zeigen, was sie +in Wahrheit sind, naemlich einzelne verschwindende Momente, deren +Wahrheit nur das Ganze der denkenden Bewegung, das Wissen selbst ist. + +Diese negative Einheit des Denkens ist fuer sich selbst, oder vielmehr +sie ist das _Fuer-sich-selbst-sein_, das Prinzip der Individualitaet, +und in seiner Realitaet _tuendes Bewusstsein_. Zu ihm als der Realitaet +jener Gesetze wird daher das beobachtende Bewusstsein durch die Natur +der Sache fortgefuehrt. Indem dieser Zusammenhang nicht fuer es ist, +so meint es, das Denken in seinen Gesetzen bleibe ihm auf der einen +Seite stehen, und auf der andern Seite erhalte es ein anderes Sein an +dem, was ihm itzt Gegenstand ist, naemlich das tuende Bewusstsein, +welches so fuer sich ist, dass es das Anderssein aufhebt, und in dieser +Anschauung seiner selbst als des Negativen seine Wirklichkeit hat. + +Es eroeffnet sich also fuer die _Beobachtung_ ein _neues Feld_ an der +_handelnden Wirklichkeit des Bewusstseins_. Die Psychologie enthaelt +die Menge von Gesetzen, nach welchen der Geist gegen die +verschiedenen Weisen seiner Wirklichkeit, als eines _vorgefundenen +Andersseins_, sich verschieden verhaelt; teils diese in sich zu +empfangen, und den vorgefundenen Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart, +als worin er sich als Wirklichkeit Gegenstand ist, _gemaess zu werden_, +--teils gegen sie sich selbsttaetig zu wissen, mit Neigung und +Leidenschaft nur Besonderes daraus fuer sich herauszugreifen, und das +Gegenstaendliche _sich gemaess zu machen_; dort sich gegen sich selbst +als Einzelnheit, hier gegen sich als allgemeines Sein negativ zu +verhalten.--Die Selbststaendigkeit gibt dem Vorgefundenen nach der +ersten Seite nur die _Form_ bewusster Individualitaet ueberhaupt, und +bleibt in Ansehung des Inhalts innerhalb der vorgefundenen +allgemeinen Wirklichkeit stehen; nach der andern Seite aber gibt sie +ihr wenigstens eine eigentuemliche Modifikation, die ihrem +wesentlichen Inhalte nicht widerspricht, oder auch eine solche, +wodurch das Individuum als besondere Wirklichkeit und eigentuemlicher +Inhalt sich ihr entgegensetzt--und zum Verbrechen wird, indem es sie +auf eine nur einzelne Weise aufhebt, oder indem es dies auf eine +allgemeine Weise und damit fuer alle tut, eine andere Welt, anderes +Recht, Gesetz und Sitten an die Stelle der vorhandenen bringt. + +Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmungen von +den _allgemeinen Weisen_, die ihr an dem taetigen Bewusstsein vorkommen, +ausspricht, findet mancherlei Vermoegen, Neigungen und Leidenschaften, +und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewusstseins +bei der Hererzaehlung dieser Kollektion nicht unterdruecken laesst, muss +sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, dass in dem Geiste, wie +in einem Sacke, so vielerlei und solche heterogene einander zufaellige +Dinge beisammen sein koennen, besonders auch da sie sich nicht als +tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegungen zeigen. + +In der Hererzaehlung dieser verschiedenen Vermoegen ist die Beobachtung +in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Faehigkeiten +ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die _wirkliche_ +Individualitaet.--Die unterschiednen wirklichen Individualitaeten +wieder so aufzufassen und zu erzaehlen, dass der eine Mensch mehr +Neigung zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand +als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als +selbst die Arten von Insekten, Moosen, und so fort, aufzuzaehlen; denn +diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos +zu nehmen, weil sie wesentlich dem Elemente der zufaelligen +Vereinzelung angehoeren. Die bewusste Individualitaet hingegen geistlos +als _einzelne_ seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende, +dass ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist. Indem aber das +Auffassen sie zugleich in die Form der Allgemeinheit eintreten laesst, +findet es _ihr Gesetz_, und scheint itzt einen vernuenftigen Zweck zu +haben, und ein notwendiges Geschaefte zu treiben. + +Die Momente, die den Inhalt des Gesetzes ausmachen, sind einerseits +die Individualitaet selbst, anderseits ihre allgemeine unorganische +Natur, naemlich die vorgefundenen Umstaende, Lage, Gewohnheiten, Sitten, +Religion, und so weiter; aus diesen ist die bestimmte Individualitaet +zu begreifen. Sie enthalten Bestimmtes ebensowohl als Allgemeines, +und sind zugleich _Vorhandenes_, das sich der Beobachtung darbietet, +und sich an der andern Seite in der Form der Individualitaet ausdrueckt. + +Das Gesetz dieses Verhaeltnisses der beiden Seiten muesste nun dies +enthalten, was diese bestimmten Umstaende fuer eine Wirkung und Einfluss +auf die Individualitaet ausueben. Diese Individualitaet aber ist gerade +dies, _ebensowohl_ das _Allgemeine_ zu sein, und daher auf eine +ruhige unmittelbare Weise mit dem _vorhandenen_ Allgemeinen, den +Sitten, Gewohnheiten u.s.f. zusammenzufliessen und ihnen gemaess zu +werden, _als_ sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten, und sie +vielmehr zu verkehren,--sowie gegen sie in ihrer Einzelnheit ganz +gleichgueltig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu +lassen, und nicht gegen sie taetig zu sein. _Was_ auf die +Individualitaet Einfluss und _welchen_ Einfluss es haben soll--was +eigentlich gleichbedeutend ist--, haengt darum nur von der +Individualitaet selbst ab; _dadurch_ ist diese Individualitaet _diese +bestimmte geworden_, heisst nichts anders, als _sie ist dies schon +gewesen_. Umstaende, Lage, Sitten und so fort, welche einerseits +gezeigt werden als _vorhanden_, und anderseits _in dieser bestimmten +Individualitaet_, druecken nur das unbestimmte Wesen derselben aus, um +welches es nicht zu tun ist. Wenn diese Umstaende, Denkungsart, +Sitten, Weltzustand ueberhaupt nicht gewesen waere, so waere allerdings +das Individuum nicht geworden, was es ist; denn diese allgemeine +Substanz sind alle, welche in diesem Weltzustande sich befinden.--Wie +er sich aber in _diesem_ Individuum--und ein solches soll begriffen +werden--partikularisiert hat, so muesste er sich an und fuer sich selbst +partikularisiert, und in dieser Bestimmtheit, welche er sich gegeben, +auf ein Individuum eingewirkt haben; nur so haette er es zu diesem +bestimmten gemacht, das es ist. Wenn das Aeussere sich an und fuer sich +so beschaffen hat, wie es an der Individualitaet erscheint, waere diese +aus jenem begriffen. Wir haetten eine gedoppelte Galerie von Bildern, +deren eine der Widerschein der andern waere; die eine die Galerie der +voelligen Bestimmtheit und Umgrenzung aeusserer Umstaende, die andere +dieselbe uebersetzt in die Weise, wie Sie in dem bewussten Wesen sind; +jene die Kugelflaeche, dieses der Mittelpunkt, welcher sie in sich +vorstellt. + +Aber die Kugelflaeche, die Welt des Individuums, hat unmittelbar die +zweideutige Bedeutung, _an und fuer sich seiende Welt_ und _Lage, und +Welt des Individuums entweder_ insofern zu sein, als dieses mit ihr +nur zusammengeflossen waere, sie so, wie sie ist, in sich hineingehen +lassen, und gegen sie sich nur als formelles Bewusstsein verhalten +haette;--_oder_ aber Welt des Individuums so zu sein, wie das +Vorhandene von ihm _verkehrt_ worden ist.--Da um dieser Freiheit +willen die Wirklichkeit dieser gedoppelten Bedeutung faehig ist, so +ist die Welt des Individuums nur aus diesem selbst zu begreifen, und +der _Einfluss_ der Wirklichkeit, welche als an und fuer sich _seiend_ +vorgestellt wird, auf das Individuum erhaelt durch dieses absolut den +entgegengesetzten Sinn, dass es entweder den Strom der einfliessenden +Wirklichkeit an ihm _gewaehren_ laesst, oder dass es ihn abbricht und +verkehrt. Hiedurch aber wird die _psychologische Notwendigkeit_ ein +so leeres Wort, dass von dem, was diesen Einfluss soll gehabt haben, +die absolute Moeglichkeit vorhanden ist, dass es ihn auch haette nicht +haben koennen. + +Es faellt hiemit das _Sein_ hinweg, welches _an und fuer sich_ waere, +und die eine, und zwar die allgemeine Seite eines Gesetzes ausmachen +sollte. Die Individualitaet ist, was _ihre_ Welt als die _ihrige_ ist; +sie selbst ist der Kreis ihres Tuns, worin sie sich als Wirklichkeit +dargestellt hat, und schlechthin nur Einheit des _vorhandenen_ und +des _gemachten Seins_; eine Einheit, deren Seiten nicht, wie in der +Vorstellung des psychologischen Gesetzes als _an sich_ vorhandne Welt +und als _fuer sich_ seiende Individualitaet auseinanderfallen; oder +wenn sie so jede fuer sich betrachtet wird, so ist keine Notwendigkeit +und Gesetz ihrer Beziehung fuereinander vorhanden. + + +c. Beobachtungder Beziehung des Selbstbewusstseinsauf seine +unmittelbare Wirklichkeit;Physiognomik und Schaedellehre + +Die psychologische Beobachtung findet kein Gesetz des Verhaeltnisses +des Selbstbewusstseins zu der Wirklichkeit oder der ihm +entgegengesetzten Welt, und ist durch die Gleichgueltigkeit beider +gegeneinander auf die _eigentuemliche Bestimmtheit_ der realen +Individualitaet zurueckgetrieben, welche _an_ und _fuer sich_ selbst ist, +oder den Gegensatz des _Fuer-sich_-seins und des _An-sich_-seins in +ihrer absoluten Vermittlung getilgt enthaelt. Sie ist der Gegenstand, +der itzt der Beobachtung geworden, oder zu dem sie uebergeht. + +Das Individuum ist an und fuer sich selbst: es ist _fuer sich_ oder es +ist ein freies Tun; es ist aber auch _an sich_; oder es selbst hat +ein _urspruengliches_ bestimmtes _Sein_--eine Bestimmtheit, welche dem +Begriffe nach dasselbe ist, was die Psychologie ausser ihm finden +wollte. _An ihm selbst_ tritt also der Gegensatz hervor, dies +Gedoppelte, Bewegung des Bewusstseins und das feste Sein einer +erscheinenden Wirklichkeit zu sein, einer solchen, welche an ihm +unmittelbar _die seinige_ ist. Dies _Sein_, der _Leib_ der +bestimmten Individualitaet, ist die _Urspruenglichkeit_ derselben, ihr +Nicht-getan-haben. Aber indem das Individuum zugleich nur ist, was +es getan hat, so ist sein Leib auch der von ihm _hervorgebrachte_ +Ausdruck seiner selbst; zugleich ein _Zeichen_, welches nicht +unmittelbare Sache geblieben, sondern woran es nur zu erkennen gibt, +was es in dem Sinne _ist_, dass es seine urspruengliche Natur ins Werk +richtet. + +Betrachten wir die hier vorhandenen Momente in Beziehung auf die +vorhergehende Ansicht, so ist hier eine allgemeine menschliche +Gestalt, oder wenigstens die allgemeine eines Klimas, Weltteils, +eines Volks, wie vorhin dieselben allgemeinen Sitten und Bildung. +Hiezu kommen die besondern Umstaende und Lage innerhalb der +allgemeinen Wirklichkeit; hier ist diese besondere Wirklichkeit als +besondere Formation der Gestalt des Individuums.--Auf der andern +Seite, wie vorhin das freie Tun des Individuums und die Wirklichkeit +als die _seinige_ gegen die vorhandne gesetzt war, steht hier die +Gestalt, als Ausdruck _seiner_ durch es selbst gesetzten +Verwirklichung, die Zuege und Formen seines selbsttaetigen Wesens. +Aber die sowohl allgemeine als besondere Wirklichkeit, welche die +Beobachtung vorhin ausser dem Individuum vorfand, ist hier die +Wirklichkeit desselben, sein angeborner Leib, und in eben diesen +faellt der Ausdruck, der seinem Tun angehoert. In der psychologischen +Betrachtung sollte die an und fuer sich seiende Wirklichkeit und die +bestimmte Individualitaet aufeinander bezogen werden; hier aber ist +die _ganze_ bestimmte _Individualitaet_ Gegenstand der Beobachtung; +und jede Seite seines Gegensatzes ist selbst dies Ganze. Zu dem +aeussern Ganzen gehoert also nicht nur das _urspruengliche Sein_, der +angeborne Leib, sondern ebenso die Formation desselben, die der +Taetigkeit des Innern angehoert; er ist Einheit des ungebildeten und +des gebildeten Seins, und die von dem Fuer-sich-sein durchdrungne +Wirklichkeit des Individuums. Dieses Ganze, welches die bestimmten +urspruenglichen festen Teile und die Zuege, die allein durch das Tun +entstehen, in sich fasst, _ist_, und dies _Sein_ ist _Ausdruck_ des +Innern, des als Bewusstsein und Bewegung gesetzten Individuums.--Dies +_Innre_ ist ebenso nicht mehr die formelle, inhaltlose oder +unbestimmte Selbsttaetigkeit, deren Inhalt und Bestimmtheit, wie +vorhin, in den aeussern Umstaenden laege, sondern es ist ein an sich +bestimmter urspruenglicher Charakter, dessen Form nur die Taetigkeit +ist. Zwischen diesen beiden Seiten also wird hier das Verhaeltnis +betrachtet, wie es zu bestimmen, und was unter diesem _Ausdrucke_ des +Innern im Aeussern zu verstehen ist. + +Dies Aeussere macht zuerst nur als _Organ_ das Innere sichtbar oder +ueberhaupt zu einem Sein fuer Anderes; denn das Innere, insofern es in +dem Organe ist, ist es die _Taetigkeit_ selbst. Der sprechende Mund, +die arbeitende Hand, wenn man will auch noch die Beine dazu, sind die +verwirklichenden und vollbringenden Organe, welche das Tun _als Tun_, +oder das Innre als solches an ihnen haben; die Aeusserlichkeit aber, +welche es durch sie gewinnt, ist die Tat, als eine von dem Individuum +abgetrennte Wirklichkeit. Sprache und Arbeit sind Aeusserungen, worin +das Individuum nicht mehr an ihm selbst sich behaelt und besitzt, +sondern das Innre ganz ausser sich kommen laesst, und dasselbe Anderem +preisgibt. Man kann darum ebensosehr sagen, dass diese Aeusserungen das +Innere zu sehr, als dass sie es zu wenig ausdruecken; _zu sehr_--weil +das Innere selbst in ihnen ausbricht, bleibt kein Gegensatz zwischen +ihnen und diesem; sie geben nicht nur einen _Ausdruck_ des Innern, +sondern es selbst unmittelbar; _zu wenig_--weil das Innere in Sprache +und Handlung sich zu einem Andern macht, so gibt es sich damit dem +Elemente der Verwandlung preis, welches das gesprochene Wort und die +vollbrachte Tat verkehrt, und etwas anders daraus macht, als sie an +und fuer sich als Handlungen dieses bestimmten Individuums sind. +Nicht nur verlieren die Werke der Handlungen durch diese +Aeusserlichkeit von dem Einwirken anderer den Charakter, etwas +Bleibendes gegen andere Individualitaeten zu sein; sondern indem sie +sich zum Innern, das sie enthalten, als abgesondertes, gleichgueltiges +Aeusseres verhalten, koennen sie als Innres _durch das Individuum_ +selbst ein anders sein, als sie erscheinen,--entweder dass es sie mit +Absicht fuer die Erscheinung zu etwas anderem macht, als sie in +Wahrheit sind, oder dass es zu ungeschickt ist, sich die Aussenseite zu +geben, die es eigentlich wollte, und sie so zu befestigen, dass ihm +von andern sein Werk nicht verkehrt werden kann. Das Tun also, als +vollbrachtes Werk, hat die doppelte entgegengesetzte Bedeutung, +entweder die _innere_ Individualitaet und _nicht_ ihr _Ausdruck_, oder +als Aeusseres eine von dem Innern _freie_ Wirklichkeit zu sein, welche +ganz etwas anderes ist als jenes.--Um dieser Zweideutigkeit willen +muessen wir uns nach dem Innern umsehen, wie es _noch_, aber sichtbar +oder aeusserlich _an dem Individuum selbst ist_. Im Organe aber ist es +nur als unmittelbares Tun selbst, das seine Aeusserlichkeit an der Tat +erlangt, die entweder das Innre vorstellt oder auch nicht. Das Organ +nach diesem Gegensatze betrachtet gewaehrt also nicht den Ausdruck, +der gesucht wird. + +Wenn nun die aeussere Gestalt nur, insofern sie nicht Organ oder nicht +_Tun_, hiemit als _ruhendes_ Ganzes ist, die innre Individualitaet +ausdruecken koennte, so verhielte sie sich also als ein bestehendes +Ding, welches das Innre als ein Fremdes in sein passives Dasein ruhig +empfinge, und hiedurch das _Zeichen_ desselben wuerde,--ein aeusserer, +zufaelliger Ausdruck, dessen _wirkliche_ Seite fuer sich bedeutungslos, +eine Sprache, deren Toene und Tonverbindungen nicht die Sache selbst, +sondern durch die freie Willkuer mit ihr verknuepft und zufaellig fuer +sie sind. + +Eine solche willkuerliche Verbindung von solchen, die ein Aeusseres +fuereinander sind, gibt kein Gesetz. Die Physiognomik soll sich aber +von andern schlechten Kuensten und heillosen Studien dadurch +unterscheiden, dass sie die bestimmte Individualitaet in dem +_notwendigen_ Gegensatze eines Innern und Aeussern, des Charakters als +bewussten Wesens und ebendesselben als seiender Gestalt betrachtet, +und diese Momente so aufeinander bezieht, wie sie durch ihren Begriff +aufeinander bezogen sind, und daher den Inhalt eines Gesetzes +ausmachen muessen. In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen +Wissenschaften hingegen scheint nur Aeusseres auf Aeusseres, irgend etwas +auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. _Diese_ Konstellation bei der +Geburt, und wenn dies Aeussere naeher auf den Leib selbst gerueckt wird, +_diese_ Zuege der Hand sind _aeussere_ Momente fuer das lange oder kurze +Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen ueberhaupt. Als +Aeusserlichkeiten verhalten sie sich gleichgueltig zueinander und haben +nicht die Notwendigkeit fuereinander, welche in der Beziehung eines +_Aeussern_ und _Innern_ liegen soll. + +Die Hand freilich scheint nicht so sehr etwas Aeusseres fuer das +Schicksal zu sein, sondern vielmehr als Inneres zu ihm sich zu +verhalten. Denn das Schicksal ist auch wieder nur die Erscheinung +dessen, was die bestimmte Individualitaet _an sich_ als innre +urspruengliche Bestimmtheit ist.--Zu wissen nun, was sie an sich ist, +dazu kommt der Chiromante wie auch der Physiognomiker auf eine +kuerzere Weise als zum Beispiel Solon, der erst aus und nach dem +Verlaufe des ganzen Lebens dies wissen zu koennen erachtete; er +betrachtete die Erscheinung, jene aber das _An-sich_. Dass aber die +Hand das _An-sich_ der Individualitaet in Ansehung ihres Schicksals +darstellen muss, ist leicht daraus zu sehen, dass sie naechst dem Organ +der Sprache am meisten es ist, wodurch der Mensch sich zur +Erscheinung und Verwirklichung bringt. Sie ist der beseelte +Werkmeister seines Gluecks; man kann von ihr sagen, sie _ist_ das, was +der Mensch _tut_, denn an ihr als dem taetigen Organe seines +Sich-selbst-vollbringens ist er als Beseelender gegenwaertig, und +indem er urspruenglich sein eignes Schicksal ist, wird sie also dies +An-sich ausdruecken. + +Aus dieser Bestimmung, dass das _Organ_ der Taetigkeit _ebensowohl_ ein +_Sein_ als das _Tun_ in ihm ist, oder dass das innre _An-sich_-sein +selbst an ihm _gegenwaertig_ und ein _Sein fuer_ Andre hat, ergibt sich +eine andre Ansicht desselben als die vorherige. Wenn naemlich die +Organe ueberhaupt darum nicht als _Ausdruecke_ des Innern genommen +werden zu koennen sich zeigten, weil in ihnen das Tun _als Tun_ +gegenwaertig, das Tun _als Tat_ aber nur Aeusseres ist, und Inneres und +Aeusseres auf diese Weise auseinanderfaellt und fremde gegeneinander +sind oder sein koennen, so muss nach der betrachteten Bestimmung das +Organ auch wieder als _Mitte_ beider genommen werden, indem eben dies, +dass das Tun an ihm _gegenwaertig_ ist, zugleich eine _Aeusserlichkeit_ +desselben ausmacht, und zwar eine andere, als die Tat ist, jene +naemlich bleibt dem Individuum und an ihm.--Diese Mitte und Einheit +des Innern und Aeussern ist nun vors erste selbst auch aeusserlich; +alsdenn aber ist diese Aeusserlichkeit zugleich in das Innere +aufgenommen; sie steht als _einfache_ Aeusserlichkeit der zerstreuten +entgegen, welche entweder nur ein _einzelnes_ fuer die ganze +Individualitaet zufaelliges Werk oder Zustand, oder aber als _ganze_ +Aeusserlichkeit das in eine Vielheit von Werken und Zustaenden +zersplitterte Schicksal ist. Die _einfachen Zuege der Hand_ also, +ebenso _Klang_ und _Umfang_ der _Stimme_, als die individuelle +Bestimmtheit der _Sprache_,--auch dieselbe wieder, wie sie durch die +Hand eine festere Existenz als durch die Stimme bekommt, die +_Schrift_, und zwar in ihrer Besonderheit als _Handschrift_--alles +dieses ist _Ausdruck_ des Innern, so dass er als die _einfache +Aeusserlichkeit_ sich wieder gegen die _vielfache Aeusserlichkeit_ des +Handelns und des Schicksals, sich als _Inneres_ gegen diese verhaelt. +--Wenn also zuerst die bestimmte Natur und angeborne Eigentuemlichkeit +des Individuums zusammen mit dem, was sie durch die Bildung geworden, +als das _Innere_, als das Wesen des Handelns und des Schicksals +genommen wird, so hat es seine _Erscheinung_ und Aeusserlichkeit +_zuerst_ an seinem Munde, Hand, Stimme, Handschrift, sowie an den +uebrigen Organen und deren bleibenden Bestimmtheiten; und _alsdann_ +erst drueckt es sich _weiter_ hinaus nach aussen an seiner Wirklichkeit +in der Welt aus. + +Weil nun diese Mitte sich als die Aeusserung bestimmt, welche zugleich +ins Innere zurueckgenommen ist, ist ihr Dasein nicht auf das +unmittelbare Organ des Tuns eingeschraenkt, sie ist vielmehr die +nichts vollbringende Bewegung und Form des Gesichts und der +Gestaltung ueberhaupt. Diese Zuege und ihre Bewegung sind nach diesem +Begriffe das zurueckgehaltne an dem Individuum bleibende Tun, und nach +seiner Beziehung auf das wirkliche Tun das eigene Beaufsichtigen und +Beobachten desselben, _Aeusserung_ als _Reflexion ueber_ die wirkliche +Aeusserung.--Das Individuum ist zu und bei seinem aeussern Tun darum +nicht stumm, weil es dabei zugleich in sich reflektiert ist, und es +aeussert dies In-sich-reflektiert-sein; dies theoretische Tun oder die +Sprache des Individuums mit sich selbst darueber ist auch vernehmlich +fuer andere, denn sie ist selbst eine Aeusserung. + +An diesem Innern, welches in seiner Aeusserung Inneres bleibt, wird +also das Reflektiert_sein_ des Individuums aus seiner Wirklichkeit +beobachtet, und es ist zu sehen, welche Bewandtnis es mit dieser +Notwendigkeit hat, die in dieser Einheit gesetzt ist.--Dies +Reflektiertsein ist zuerst verschieden von der Tat selbst, und kann +also etwas _anderes_ sein und fuer etwas anderes genommen werden, als +sie ist; man sieht es einem am Gesicht an, ob es ihm _Ernst_ mit dem +ist, was er sagt oder tut.--Umgekehrt aber ist dieses, was Ausdruck +des Innern sein soll, zugleich _seiender_ Ausdruck, und faellt hiemit +selbst in die Bestimmung des _Seins_ herunter, das absolut zufaellig +fuer das selbstbewusste Wesen ist. Es ist daher wohl Ausdruck, aber +zugleich auch nur wie ein _Zeichen_, so dass dem ausgedrueckten Inhalte +die Beschaffenheit dessen, wodurch es ausgedrueckt wird, vollkommen +gleichgueltig ist. Das Innere ist in dieser Erscheinung wohl +_sichtbares_ Unsichtbares, aber ohne an sie geknuepft zu sein; es kann +ebensowohl in einer andern Erscheinung sein, als ein anderes Inneres +in derselben Erscheinung sein kann.--Lichtenberg sagt daher mit Recht: +_Gesetzt, der Physiognom haschte den Menschen einmal, so kaeme es nur +auf einen braven Entschluss an, sich wieder auf Jahrtausende +unbegreiflich zu machen_.--Wie in dem vorhergehenden Verhaeltnisse die +vorliegenden Umstaende ein Seiendes waren, woraus die Individualitaet +sich das nahm, was _sie_ vermochte und wollte, entweder sich ihm +ergebend oder es verkehrend, aus welchem Grunde es die Notwendigkeit +und das Wesen der Individualitaet nicht enthielt,--ebenso ist hier das +erscheinende unmittelbare Sein der Individualitaet ein solches, das +entweder ihr Reflektiertsein aus der Wirklichkeit und ihr +In-sich-sein ausdrueckt, oder das fuer sie nur ein Zeichen ist, das +gleichgueltig gegen das Bezeichnete, und darum in Wahrheit nichts +bezeichnet; es ist ihr ebensowohl ihr Gesicht als ihre Maske, die sie +ablegen kann.--Sie durchdringt ihre Gestalt, bewegt sich, spricht in +ihr; aber dies ganze Dasein tritt ebenso als ein gleichgueltiges Sein +gegen den Willen und die Handlung ueber; sie tilgt an ihm die +Bedeutung, die es vorhin hatte, ihr Reflektiertsein in sich oder ihr +wahres Wesen an ihm zu haben, und legt es umgekehrt vielmehr in den +Willen und in die Tat. + +Die Individualitaet _gibt dasjenige In-sich-reflektiert-sein auf_, +welches in den _Zuegen_ ausgedrueckt ist, und _legt ihr Wesen_ in _das +Werk_. Hierin widerspricht sie dem Verhaeltnisse, welches von dem +Vernunftinstinkte, der sich auf das Beobachten der selbstbewussten +Individualitaet legt, in Ansehung dessen, was ihr _Inneres_ und +_Aeusseres_ sein soll, festgesetzt wird. Dieser Gesichtspunkt fuehrt +uns auf den eigentlichen Gedanken, der der physiognomischen--wenn man +so will--_Wissenschaft_ zum Grunde liegt. Der Gegensatz, auf welchen +dies Beobachten geraten, ist der Form nach der Gegensatz von +Praktischem und Theoretischem, beides naemlich innerhalb des +Praktischen selbst gesetzt,--von der sich im Handeln, dies im +allgemeinsten Sinne genommen, verwirklichenden Individualitaet, und +derselben, wie sie in diesem Handeln zugleich daraus heraus, in sich +reflektiert, und es ihr Gegenstand ist. Das Beobachten nimmt diesen +Gegensatz nach demselben verkehrten Verhaeltnisse auf, worin er sich +in der Erscheinung bestimmt. Fuer das _unwesentliche Aeussere_ gilt ihm +die _Tat_ selbst und das Werk, es sei der Sprache oder einer +befestigtem Wirklichkeit,--fuer das _wesentliche Innre_ aber das +_In-sich-sein_ der Individualitaet. Unter den beiden Seiten, welche +das praktische Bewusstsein an ihm hat, dem Beabsichten und der +Tat--dem _Meinen_ ueber seine Handlung und der _Handlung_ selbst--, +waehlt die Beobachtung jene Seite zum wahren Innern; dieses soll seine +mehr oder weniger _unwesentliche_ Aeusserung an der Tat, seine wahre +aber an seiner Gestalt haben. Die letztere Aeusserung ist unmittelbare +sinnliche Gegenwart des individuellen Geistes; die Innerlichkeit, die +die wahre sein soll, ist die Eigenheit der Absicht und die +Einzelnheit des Fuer-sich-seins; beides der _gemeinte_ Geist. Was das +Beobachten zu seinen Gegenstaenden hat, ist also _gemeintes_ Dasein, +und zwischen solchem sucht es Gesetze auf. + +Das unmittelbare Meinen ueber die gemeinte Gegenwart des Geistes ist +die natuerliche Physiognomik, das vorschnelle Urteil ueber die innre +Natur und den Charakter ihrer Gestalt bei ihrem ersten Anblicke. Der +Gegenstand dieser Meinung ist von der Art, dass es in seinem Wesen +liegt, in Wahrheit etwas anderes zu sein, als nur sinnliches +unmittelbares Sein. Es ist zwar auch eben dieses im Sinnlichen aus +ihm In-sich-reflektiert-sein, was gegenwaertig, die Sichtbarkeit als +Sichtbarkeit des Unsichtbaren, was Gegenstand des Beobachtens ist. +Aber eben diese sinnliche unmittelbare Gegenwart ist _Wirklichkeit_ +des Geistes, wie sie nur fuer die Meinung ist; und das Beobachten +treibt sich nach dieser Seite mit seinem gemeinten Dasein, mit der +Physiognomie, Handschrift, Ton der Stimme u.s.f. herum.--Es bezieht +solches Dasein auf ebensolches _gemeintes Innres_. Es ist nicht der +Moerder, der Dieb, welcher erkannt werden soll, sondern die _Faehigkeit, +es zu sein_; die feste abstrakte Bestimmtheit verliert sich dadurch +in die konkrete unendliche Bestimmtheit des _einzelnen_ Individuums, +die nun kunstreichere Schildereien erfordert, als jene +Qualifikationen sind. Solche kunstreichen Schildereien sagen wohl +mehr als die Qualifikation durch Moerder, Diebe, oder gutherzig, +unverdorben u.s.f., aber fuer ihren Zweck das gemeinte Sein oder die +einzelne Individualitaet auszusprechen, bei weitem nicht genug; +sowenig als die Schildereien der Gestalt, welche ueber die flache +Stirne, lange Nase u.s.f. hinausgehen. Denn die einzelne Gestalt wie +das einzelne Selbstbewusstsein ist als gemeintes Sein unaussprechlich. +Die Wissenschaft der Menschenkenntnis, welche auf den vermeinten +Menschen, sowie der Physiognomik, die auf seine vermeinte +Wirklichkeit geht und das bewusstlose Urteilen der natuerlichen +Physiognomik zu einem Wissen erheben will, ist daher etwas End- und +Bodenloses, das nie dazu kommen kann, zu sagen, was es meint, weil es +nur meint, und sein Inhalt nur Gemeintes ist. + +Die _Gesetze_, welche diese Wissenschaft zu finden ausgeht, sind +Beziehungen dieser beiden gemeinten Seiten, und koennen daher selbst +nichts als ein leeres Meinen sein. Auch da dies vermeinte Wissen, +das mit der Wirklichkeit des Geistes sich zu tun macht, gerade dies +zu seinem Gegenstande hat, dass er aus seinem sinnlichen Dasein heraus +sich in sich reflektiert, und das bestimmte Dasein fuer ihn eine +gleichgueltige Zufaelligkeit ist, so muss es bei seinen aufgefundenen +Gesetzen unmittelbar wissen, dass nichts damit gesagt ist, sondern +eigentlich rein geschwatzt oder nur _eine Meinung von sich_ gegeben +wird; ein Ausdruck, der die Wahrheit hat, dies als dasselbe +auszusprechen--seine _Meinung_ zu sagen und damit nicht die Sache, +sondern nur eine Meinung _von sich_ beizubringen. Dem _Inhalte_ nach +aber koennen diese Beobachtungen nicht von denen abweichen: "Es regnet +allemal, wenn wir Jahrmarkt haben, sagt der Kraemer; und auch allemal, +wenn ich Waesche trockne, sagt die Hausfrau." + +Lichtenberg, der das physiognomische Beobachten so charakterisiert, +sagt auch noch dies: "Wenn jemand sagte, du handelst zwar wie ein +ehrlicher Mann, ich sehe es aber aus deiner Figur, du zwingst dich, +und bist ein Schelm im Herzen; fuerwahr, eine solche Anrede wird bis +ans Ende der Welt von jedem braven Kerl mit einer Ohrfeige erwidert +werden."--Diese Erwiderung ist deswegen _treffend_, weil sie die +Widerlegung der ersten Voraussetzung einer solchen Wissenschaft des +Meinens ist, dass naemlich _die Wirklichkeit_ des Menschen sein Gesicht +u.s.f. sei.--Das _wahre Sein_ des Menschen ist vielmehr _seine Tat_; +in ihr ist die Individualitaet _wirklich_, und sie ist es, welche das +_Gemeinte_ in seinen beiden Seiten aufhebt. Einmal das Gemeinte als +ein leibliches ruhendes Sein; die Individualitaet stellt sich vielmehr +in der Handlung als das _negative_ Wesen dar, welches nur _ist_, +insofern es Sein aufhebt. Alsdenn hebt die Tat die +Unaussprechlichkeit der Meinung ebenso in Ansehung der selbstbewussten +Individualitaet auf, welche in der Meinung eine unendlich bestimmte +und bestimmbare ist. In der vollbrachten Tat ist diese schlechte +Unendlichkeit vernichtet. Die Tat ist ein einfach Bestimmtes, +Allgemeines, in einer Abstraktion zu Befassendes; sie ist Mord, +Diebstahl, oder Wohltat, tapfere Tat und so fort, und es kann von ihr +_gesagt_ werden, was _sie ist_. Sie _ist_ dies, und ihr Sein ist +nicht nur ein Zeichen, sondern die Sache selbst. Sie _ist_ dies, und +der individuelle Mensch _ist_, was sie _ist_; in der Einfachheit +_dieses Seins_ ist er fuer Andere seiendes, allgemeines Wesen, und +hoert auf, nur gemeintes zu sein. Er ist zwar darin nicht als Geist +gesetzt; aber indem von seinem _Sein_ als Sein die Rede, und +_einerseits_ das gedoppelte Sein, der _Gestalt_ und der _Tat_, sich +gegenuebersteht und jene wie diese seine Wirklichkeit sein soll, so +ist vielmehr nur die Tat als sein _echtes Sein_ zu behaupten,--nicht +seine Figur, welche das ausdruecken sollte, was er zu seinen Taten +meint, oder was man meinte, dass er tun nur koennte. Ebenso indem +_andererseits_ sein _Werk_ und seine innre _Moeglichkeit_, Faehigkeit +oder Absicht, entgegengesetzt werden, ist jenes allein fuer seine +wahre Wirklichkeit anzusehen, wenn auch er selbst sich darueber +taeuscht, und, aus seiner Handlung in sich gekehrt, in diesem Innern +ein anderes zu sein meint als in der _Tat_. Die Individualitaet, die +sich dem gegenstaendlichen Elemente anvertraut, indem sie zum Werke +wird, gibt sich damit wohl dem preis, veraendert und verkehrt zu +werden. Aber den Charakter der Tat macht eben dies aus, ob sie ein +wirkliches Sein ist, das sich haelt, oder ob nur ein gemeintes Werk, +das in sich nichtig vergeht. Die Gegenstaendlichkeit veraendert nicht +die Tat selbst, sondern zeigt nur, _was_ sie ist, das heisst, ob sie +_ist_, oder ob sie _nichts ist_.--Die Zergliederung dieses Seins in +Absichten und dergleichen Feinheiten, wodurch der _wirkliche_ Mensch, +d.h. seine Tat, wieder in ein gemeintes Sein zurueckerklaert werden +soll, wie er wohl selbst auch sich besondere Absichten ueber seine +Wirklichkeit erschaffen mag, muessen dem Muessggange der Meinung +ueberlassen bleiben, der, wenn er seine tatenlose Weisheit ins Werk +richten, den Charakter der Vernunft am Handelnden ableugnen und ihn +auf diese Weise misshandeln will, dass er statt der Tat vielmehr die +Figur und die Zuege fuer das Sein desselben erklaeren will, die obige +Erwiderung zu befahren hat, die ihm erweist, dass Figur nicht das +_An-sich_ ist, sondern vielmehr ein Gegenstand der Behandlung sein +kann. + +Sehen wir nun auf den Umfang der Verhaeltnisse ueberhaupt, in welchen +die selbstbewusste Individualitaet zu ihrem Aeussern stehend beobachtet +werden kann, so wird eines zurueck sein, welches die Beobachtung sich +noch zu ihrem Gegenstande machen muss. In der Psychologie ist es die +_aeussere Wirklichkeit_ der _Dinge_, welche an dem Geiste ihr sich +bewusstes _Gegenbild_ haben und ihn begreiflich machen soll. In der +Physiognomik dagegen soll er in seinem _eignen_ Aeussern als in einem +Sein, welches die _Sprache_--die sichtbare Unsichtbarkeit seines +Wesens--sei, erkannt werden. Noch ist die Bestimmung der Seite der +Wirklichkeit uebrig, dass die Individualitaet an ihrer unmittelbaren, +festen, rein daseienden Wirklichkeit ihr Wesen ausspreche.--Diese +letzte Beziehung unterscheidet sich also von der physiognomischen +dadurch, dass diese die _sprechende_ Gegenwart des Individuums ist, +das in seiner _handelnden_ Aeusserung zugleich die sich in sich +_reflektierende_ und _betrachtende_ darstellt, eine Aeusserung, welche +selbst Bewegung ist, ruhende Zuege, welche selbst wesentlich ein +vermitteltes Sein sind. In der noch zu betrachtenden Bestimmung aber +ist endlich das Aeussere eine ganz _ruhende_ Wirklichkeit, welche nicht +an ihr selbst redendes Zeichen, sondern getrennt von der +selbstbewussten Bewegung sich fuer sich darstellt und als blosses Ding +ist. + +Zunaechst erhellt ueber die Beziehung des Innern auf dies sein Aeusseres, +dass sie als Verhaeltnis des _Kausalzusammenhangs_ begriffen werden zu +muessen scheint, indem die Beziehung eines Ansichseienden auf ein +anderes Ansichseiendes, als eine _notwendige_, dies Verhaeltnis ist. + +Dass nun die geistige Individualitaet auf den Leib Wirkung habe, muss +sie als Ursache selbst leiblich sein. Das Leibliche aber, worin sie +als Ursache ist, ist das Organ, aber nicht des Tuns gegen die aeussere +Wirklichkeit, sondern des Tuns des selbstbewussten Wesens in sich +selbst, nach aussen nur gegen seinen Koerper; es ist nicht sogleich +abzusehen, welches diese Organe sein koennen. Wuerde nur an die Organe +ueberhaupt gedacht, so wuerde das Organ der Arbeit ueberhaupt leicht bei +der Hand sein, ebenso das Organ des Geschlechtstriebes, und so fort. +Allein solche Organe sind als Werkzeuge oder als Teile zu betrachten, +welche der Geist als _ein_ Extrem zur Mitte gegen das andere Extrem, +das aeusserer _Gegenstand_ ist, hat. Hier aber ist ein Organ +verstanden, worin das selbstbewusste Individuum als Extrem gegen seine +eigne ihm entgegengesetzte Wirklichkeit sich _fuer sich_ erhaelt, nicht +zugleich nach aussen gekehrtes, sondern in seiner Handlung +reflektiertes, und woran die Seite des _Seins_ nicht ein _Sein fuer +anderes_ ist. In der physiognomischen Beziehung wird das Organ zwar +auch als in sich reflektiertes und das Tun besprechendes Dasein +betrachtet; aber dies Sein ist ein gegenstaendliches, und das Resultat +der physiognomischen Beobachtung ist dieses, dass das Selbstbewusstsein +gegen eben diese seine Wirklichkeit als gegen etwas Gleichgueltiges +gegenuebertritt. Diese Gleichgueltigkeit verschwindet darin, dass dies +In-sich-reflektiert-sein selbst _wirkend_ ist; dadurch erhaelt jenes +Dasein eine notwendige Beziehung auf es; dass es aber auf das Dasein +wirkend sei, muss es selbst ein aber nicht eigentlich gegenstaendliches +Sein haben, und als dies Organ soll es aufgezeigt werden. + +Im gemeinen Leben nun wird der Zorn zum Beispiel, als ein solches +inneres Tun, in die Leber verlegt; Plato gibt ihr sogar noch etwas +Hoeheres, das nach einigen sogar das Hoechste ist, zu, naemlich die +Prophezeihung oder die Gabe, das Heilige und Ewige +unvernuenftigerweise auszusprechen. Allein die Bewegung, welche das +Individuum in der Leber, dem Herzen und so fort hat, kann nicht als +die ganz in sich reflektierte Bewegung desselben angesehen werden, +sondern sie ist darin vielmehr so, dass sie ihm schon in den Leib +geschlagen ist, und ein animalisches heraus gegen die Aeusserlichkeit +sich wendendes Dasein hat. + +Das _Nervensystem_ hingegen ist die unmittelbare Ruhe des Organischen +in seiner Bewegung. Die _Nerven_ selbst sind zwar wieder die Organe +des schon in seine Richtung nach aussen versenkten Bewusstseins; Gehirn +und Rueckenmark aber duerfen als die in sich bleibende--die nicht +gegenstaendliche, die auch nicht hinausgehende--unmittelbare Gegenwart +des Selbstbewusstseins betrachtet werden. Insofern das Moment des +Seins, welches dies Organ hat, ein _Sein fuer Anderes_, Dasein ist, +ist es totes Sein, nicht mehr Gegenwart des Selbstbewusstseins. Dies +_In-sich-selbst-sein_ ist aber seinem Begriffe nach eine Fluessigkeit, +worin die Kreise, die darein geworfen werden, sich unmittelbar +aufloesen, und kein Unterschied als _seiender_ sich ausdrueckt. +Inzwischen wie der Geist selbst nicht ein Abstrakt-Einfaches ist, +sondern ein System von Bewegungen, worin er sich in Momente +unterscheidet, in dieser Unterscheidung selbst aber frei bleibt, und +wie er seinen Koerper ueberhaupt zu verschiedenen Verrichtungen +gliedert, und einen einzelnen Teil desselben nur _einer_ bestimmt, so +kann auch sich vorgestellt werden, dass das fluessige _Sein_ seines +_In-sich_-seins ein gegliedertes ist; und es scheint so vorgestellt +werden zu muessen, weil das in sich reflektierte _Sein_ des Geistes im +Gehirn selbst wieder nur eine Mitte seines reinen Wesens und seiner +koerperlichen Gegliederung ist, eine Mitte, welche hiemit von der +Natur beider und also von der Seite der letztern auch die _seiende_ +Gegliederung wieder an ihr haben muss. + +Das geistig-organische Sein hat zugleich die notwendige Seite eines +_ruhenden bestehenden_ Daseins; jenes muss als Extrem des +Fuer-sich-seins zuruecktreten, und diese als das andere Extrem +gegenueber haben, welches alsdenn der Gegenstand ist, worauf jenes als +Ursache wirkt. Wenn nun Gehirn und Rueckenmark jenes koerperliche +_Fuer-sich-sein_ des Geistes ist, so ist der Schaedel und die +Rueckenwirbelsaeule das andere ausgeschiedne Extrem hinzu, naemlich das +feste ruhende Ding.--Indem aber jedem, wenn er an den eigentlichen +Ort des Daseins des Geistes denkt, nicht der Ruecken, sondern nur der +Kopf einfaellt, so koennen wir uns in der Untersuchung eines Wissens, +als das vorliegende ist, mit diesem--fuer es nicht zu +schlechten--Grunde begnuegen, um dies Dasein auf den Schaedel +einzuschraenken. Sollte einem der Ruecken insofern einfallen, als auch +wohl zuweilen durch ihn Wissen und Tun zum Teil _ein_-, zum Teil aber +_aus_getrieben wird, so wuerde dies dafuer, dass das Rueckenmark mit zum +inwohnenden Orte des Geistes, und seine Saeule zum gegenbildlichen +Dasein genommen werden muesse, darum nichts beweisen, weil es zuviel +bewiese; denn man kann ebenso sich erinnern, dass auch andere +aeusserliche Wege, der Taetigkeit des Geistes beizukommen, um sie zu +erwecken oder zurueckzuhalten, beliebt werden.--Die Rueckenwirbelsaeule +faellt also, wenn man will, _mit Recht_ hinweg; und es ist so gut als +viele andere naturphilosophische Lehren _konstruiert_, dass der +Schaedel allein zwar nicht die _Organe_ des Geistes enthalte. Denn +dies wurde vorhin aus dem Begriffe dieses Verhaeltnisses +ausgeschlossen, und deswegen der Schaedel zur Seite des Daseins +genommen; oder wenn nicht an den _Begriff_ der Sache erinnert werden +duerfte, so lehrt ja die Erfahrung, dass wie mit dem Auge als Organe +gesehen, so _nicht_ mit dem Schaedel gemordet, gestohlen, gedichtet u. +s.w. wird.--Es ist sich deswegen auch des Ausdrucks _Organ_ fuer +diejenige _Bedeutung_ des Schaedels zu enthalten, von welcher noch zu +sprechen ist. Denn ob man gleich zu sagen pflegt, dass es +vernuenftigen Menschen nicht auf das Wort, sondern auf die _Sache_ +ankomme, so ist daraus doch nicht die Erlaubnis zu nehmen, eine Sache +mit einem ihr nicht zugehoerigen Worte zu bezeichnen, denn dies ist +Ungeschicklichkeit zugleich und Betrug, der nur das rechte _Wort_ +nicht zu haben meint und vorgibt, und es sich verbirgt, dass ihm in +der Tat die Sache, d.h. der Begriff, fehlt; wenn dieser vorhanden +waere, wuerde er auch sein rechtes Wort haben.--Zunaechst hat sich hier +nur dies bestimmt, dass wie das Gehirn der lebendige Kopf, der Schaedel +das caput mortuum ist. + +In diesem toten Sein haetten also die geistigen Bewegungen und +bestimmten Weisen des Gehirns ihre Darstellung aeusserer Wirklichkeit, +die jedoch noch an dem Individuum selbst ist, sich zu geben. Fuer das +Verhaeltnis derselben zu ihm, der als totes Sein den Geist nicht in +sich selbst inwohnen hat, bietet sich zunaechst das oben festgesetzte, +das aeussere mechanische dar, so dass die eigentlichen Organe--und diese +sind am Gehirne--ihn hier rund ausdruecken, dort breit schlagen oder +platt stossen, oder wie man sonst diese Einwirkung darstellen mag. +Selbst ein Teil des Organismus, muss in ihm zwar, wie in jedem Knochen, +eine lebendige Selbstbildung gedacht werden, so dass, hiernach +betrachtet, er von seiner Seite vielmehr das Gehirn drueckt und dessen +aeussere Beschraenkung setzt; wozu er auch als das Haertere eher das +Vermoegen hat. Dabei aber wuerde noch immer dasselbe Verhaeltnis in der +Bestimmung der Taetigkeit beider gegeneinander bleiben; denn ob der +Schaedel das Bestimmende oder das Bestimmte ist, dies aenderte an dem +Kausalzusammenhange ueberhaupt nichts, nur dass dann der Schaedel zum +unmittelbaren Organe des Selbstbewusstseins gemacht wuerde, weil in ihm +als _Ursache_ sich die Seite des _Fuer-sich-seins_ faende. Allein +indem das _Fuer-sich-sein_ als _organische Lebendigkeit in beide_ auf +gleiche Weise faellt, faellt in der Tat der Kausalzusammenhang zwischen +ihnen hinweg. Diese Fortbildung beider aber hinge im Innern zusammen, +und waere eine organische praestabilierte Harmonie, welche die beiden +sich aufeinander beziehenden Seiten frei gegeneinander und jeder ihre +eigene _Gestalt_ laesst, der die Gestalt der andern nicht zu +entsprechen braucht; und noch mehr die Gestalt und die Qualitaet +gegeneinander--wie die Form der Weinbeere und der Geschmack des +Weines frei gegeneinander sind.--Indem aber auf die Seite des Gehirns +die Bestimmung des _Fuer-sich-seins_, auf die Seite des Schaedels aber +die Bestimmung des _Daseins_ faellt, so ist innerhalb der organischen +Einheit _auch_ ein Kausalzusammenhang derselben zu setzen; eine +notwendige Beziehung derselben als aeussere fuereinander, d.h. eine +selbst aeusserliche, wodurch also ihre _Gestalt_ durch einander +bestimmt wuerde. + +In Ansehung der Bestimmung aber, in welcher das Organ des +Selbstbewusstseins auf die gegenueberstehende Seite taetige Ursache waere, +kann auf mancherlei Weise hin und her geredet werden; denn es ist +von der Beschaffenheit einer Ursache die Rede, die nach ihrem +_gleichgueltigen_ Dasein, ihrer Gestalt und Groesse betrachtet wird, +einer Ursache, deren Innres und Fuer-sich-sein gerade ein solches sein +soll, welches das unmittelbare Dasein nichts angeht. Die organische +Selbstbildung des Schaedels ist zuerst gleichgueltig gegen die +mechanische Einwirkung, und das Verhaeltnis dieser beiden Verhaeltnisse +ist, da jenes das Sich-auf-sich-selbst-beziehen ist, eben diese +Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit selbst. Alsdenn wenn auch das +Gehirn die Unterschiede des Geistes zu seienden Unterschieden in sich +aufnaehme und eine Vielheit innerer einen verschiedenen Raum +einnehmenden Organe waere--was der Natur widerspricht, welche den +Momenten des Begriffs ein eigenes Dasein gibt, und daher die +_fluessige Einfachheit_ des organischen Lebens _rein auf eine Seite_, +und die _Artikulation_ und _Einteilung_ desselben ebenso in seinen +Unterschieden auf die _andere_ Seite stellt, so dass sie, wie sie hier +gefasst werden sollen, als besondere anatomische Dinge sich zeigen--, +so wuerde es unbestimmt sein, ob ein geistiges Moment, je nachdem es +urspruenglich staerker oder schwaecher waere, entweder in jenem Falle ein +_expandierteres_, in diesem ein _kontrahierteres_ Gehirnorgan +besitzen muesste, oder auch gerade umgekehrt.--Ebenso ob seine +_Ausbildung_ das Organ vergroesserte oder verkleinerte, ob es dasselbe +plumper und dicker oder feiner machte. Dadurch, dass es unbestimmt +bleibe, wie die Ursache beschaffen ist, ist es ebenso unbestimmt +gelassen, wie die Einwirkung auf den Schaedel geschieht, ob sie ein +Erweitern oder Verengern und Zusammenfallenlassen ist. Wird diese +Einwirkung etwa _vornehmer_ als ein _Erregen_ bestimmt, so ist es +unbestimmt, ob es nach der Weise eines Kanthariden-Pflasters +auftreibend oder eines Essigs einschrumpfend geschieht.--Fuer alle +dergleichen Ansichten lassen sich plausible Gruende vorbringen, denn +die organische Beziehung, welche ebensosehr eingreift, laesst den einen +so gut passieren als den andern, und ist gleichgueltig gegen allen +diesen Verstand. + +Dem beobachtenden Bewusstsein ist es aber nicht darum zu tun, diese +Beziehung bestimmen zu wollen. Denn es ist ohnehin nicht das Gehirn, +was als _animalischer_ Teil auf der einen Seite steht, sondern +dasselbe als _Sein_ der _selbstbewussten_ Individualitaet.--Sie als +stehender Charakter und sich bewegendes bewusstes Tun ist _fuer sich_ +und _in sich_; diesem Fuer- und In-sich-sein steht ihre Wirklichkeit +und Dasein fuer Anderes entgegen; das Fuer- und In-sich-sein ist das +Wesen und Subjekt, welches am Gehirne ein Sein hat, das _unter es +subsumiert_ ist, und seinen Wert nur durch die inwohnende Bedeutung +erhaelt. Die andre Seite der selbstbewussten Individualitaet aber, die +Seite ihres Daseins ist das _Sein_ als selbststaendig und Subjekt, +oder als ein Ding, naemlich ein Knochen; die _Wirklichkeit und Dasein +des Menschen ist sein Schaedelknochen_.--Dies ist das Verhaeltnis und +der Verstand, den die beiden Seiten dieser Beziehung in dem sie +beobachtenden Bewusstsein haben. + +Diesem ist es nun um die bestimmtere Beziehung dieser Seiten zu tun; +der Schaedelknochen hat wohl im Allgemeinen die Bedeutung, die +unmittelbare Wirklichkeit des Geistes zu sein. Aber die +Vielseitigkeit des Geistes gibt seinem Dasein eine ebensolche +Vieldeutigkeit; was zu gewinnen ist, ist die Bestimmtheit der +Bedeutung der einzelnen Stellen, in welche dies Dasein geteilt ist, +und es ist zu sehen, wie sie das Hinweisen darauf an ihnen haben. + +Der Schaedelknochen ist kein Organ der Taetigkeit, noch auch eine +sprechende Bewegung; es wird weder mit dem Schaedelknochen gestohlen, +gemordet u.s.f., noch verzieht er zu solchen Taten im geringsten die +Miene, so dass er sprechende Gebaerde wuerde.--Noch hat auch dieses +_Seiende_ den Wert eines _Zeichens_. Miene und Gebaerde, Ton, auch +eine Saeule, ein Pfahl, der auf einer oeden Insel eingeschlagen ist, +kuendigen sich sogleich an, dass noch irgend etwas anderes damit +gemeint ist, als das, was sie unmittelbar _nur sind_. Sie geben sich +selbst sogleich fuer Zeichen aus, indem sie eine Bestimmtheit an ihnen +haben, welche auf etwas anderes dadurch hinweist, dass sie ihnen nicht +eigentuemlich angehoert. + +Man kann sich wohl auch bei einem Schaedel, wie Hamlet bei Yoricks, +vielerlei einfallen lassen, aber der Schaedelknochen fuer sich ist ein +so gleichgueltiges, unbefangenes Ding, dass an ihm unmittelbar nichts +anderes zu sehen und zu meinen ist als nur er selbst; er erinnert +wohl an das Gehirn und seine Bestimmtheit, an Schaedel von anderer +Formation, aber nicht an eine bewusste Bewegung, indem er weder Miene +und Gebaerde noch etwas an ihm eingedrueckt hat, das von einem bewussten +Tun herkommend sich ankuendigte; denn er ist diejenige Wirklichkeit, +welche an der Individualitaet eine solche andere Seite darstellen +sollte, die nicht mehr sich in sich reflektierendes Sein, sondern +rein _unmittelbares Sein_ waere. + +Da er ferner auch nicht selbst fuehlt, so scheint sich eine +bestimmtere Bedeutung fuer ihn etwa noch so ergeben zu koennen, dass +bestimmte Empfindungen durch die Nachbarschaft erkennen liessen, was +mit ihm gemeint sei; und indem eine bewusste Weise des Geistes bei +einer bestimmten Stelle desselben ihr Gefuehl hat, wird etwa dieser +Ort in seiner Gestalt sie und ihre Besonderheit andeuten. Wie zum +Beispiel manche bei dem angestrengten Denken oder auch schon beim +_Denken_ ueberhaupt eine schmerzliche Spannung irgendwo im Kopfe zu +fuehlen klagen, koennte auch das _Stehlen_, das _Morden_, das _Dichten_ +und so fort jedes mit einer eigenen Empfindung begleitet sein, die +ausserdem noch ihre besondere Stelle haben muesste. Diese Stelle des +Gehirns, die auf diese Art mehr bewegt und betaetigt waere, wuerde +wahrscheinlich auch die benachbarte Stelle des Knochens mehr +ausbilden; oder diese wuerde aus Sympathie oder Konsensus auch nicht +traege sein, sondern sich vergroessern, oder verkleinern, oder auf +welche Weise es sei sich formieren.--Was jedoch diese Hypothese +unwahrscheinlich macht, ist dies, dass das Gefuehl ueberhaupt etwas +Unbestimmtes ist, und das Gefuehl im Kopfe als dem Zentrum das +allgemeine Mitgefuehl alles Leidens sein moechte, so dass sich mit dem +Diebs-, Moerders-, Dichters-Kopf-Kitzel oder--Schmerz andere +vermischen, und sich voneinander sowie von denen, die man bloss +koerperlich nennen kann, sowenig unterscheiden lassen wuerden, als aus +dem Symptome des Kopfwehs, wenn wir seine Bedeutung nur auf das +Koerperliche einschraenken, sich die Krankheit bestimmen laesst. + +Es faellt in der Tat, von welcher Seite die Sache betrachtet werde, +alle notwendige gegenseitige Beziehung, so wie deren durch sich +selbst sprechende Andeutung, hinweg. Es bleibt, wenn denn die +Beziehung doch stattfinden soll, eine _begrifflose_ freie +praestabilierte Harmonie der entsprechenden Bestimmung beider Seiten +uebrig und notwendig; denn die eine _soll geistlose Wirklichkeit, +blosses Ding_ sein.--Es stehen also eben auf einer Seite eine Menge +ruhender Schaedelstellen, auf der andern eine Menge +Geistes-Eigenschaften, deren Vielheit und Bestimmung von dem Zustande +der Psychologie abhaengen wird. Je elender die Vorstellung von dem +Geiste ist, um so mehr wird von dieser Seite die Sache erleichtert; +denn teils werden die Eigenschaften um so weniger, teils um so +abgeschiedener, fester und knoecherner, hiedurch Knochenbestimmungen +um so aehnlicher und mit ihnen vergleichbarer. Allein obzwar durch +die Elendigkeit der Vorstellung von dem Geiste vieles erleichtert ist, +so bleibt doch immer eine sehr grosse Menge auf beiden Seiten; es +bleibt die gaenzliche Zufaelligkeit ihrer Beziehung fuer die Beobachtung. +Wenn von den Kindern Israels aus dem Sand am Meere, dem sie +entsprechen sollen, jedes das Koernchen, dessen Zeichen es ist, sich +nehmen sollte, so ist diese Gleichgueltigkeit und Willkuer, welche +jedem das seine zuteilte, ebenso stark als die, welche jeder +Seelenfaehigkeit, Leidenschaft und, was hier gleichfalls betrachtet +werden muesste, den Schattierungen von Charakteren, von welchen die +feinere Psychologie und Menschenkenntnis zu sprechen pflegt, ihre +Schaedelstaetten und Knochenformen zuweist.--Der Schaedel des Moerders +hat dieses--nicht Organ, auch nicht Zeichen, sondern diesen Knorren; +aber dieser Moerder hat noch eine Menge anderer Eigenschaften, sowie +andere Knorren, und mit den Knorren auch Vertiefungen; man hat die +Wahl unter Knorren und Vertiefungen. Und wieder kann sein Mordsinn +auf welchen Knorren oder Vertiefung es sei und hinwiederum diese auf +welche Eigenschaft es sei bezogen werden; denn weder ist der Moerder +nur dies Abstraktum eines Moerders, noch hat er nur _eine_ Erhabenheit +und _eine_ Vertiefung. Die Beobachtungen, welche hierueber angestellt +werden, muessen darum gerade auch so gut lauten als der Regen des +Kraemers und der Hausfrau am Jahrmarkte und bei der Waesche. Kraemer +und Hausfrau konnten auch die Beobachtung machen, dass es immer regnet, +wenn dieser Nachbar vorbeigeht, oder wenn Schweinsbraten gegessen +wird. Wie der Regen gegen diese Umstaende, so gleichgueltig ist fuer +die Beobachtung _diese_ Bestimmtheit des Geistes gegen _dieses_ +bestimmte Sein des Schaedels. Denn von den beiden Gegenstaenden dieses +Beobachtens ist der eine ein trockenes _Fuer-sich-sein_, eine +knoecherne Eigenschaft des Geistes, wie der andere ein trockenes +_An-sich-sein_; ein so knoechernes Ding, als beide sind, ist +vollkommen gleichgueltig gegen alles andere; es ist dem hohen Knorren +ebenso gleichgueltig, ob ein Moerder in seiner Nachbarschaft, als dem +Moerder, ob die Plattheit in seiner Naehe ist. + +Es bleibt allerdings die _Moeglichkeit_, dass mit irgendeiner +Eigenschaft, Leidenschaft u.s.f. ein Knorren an irgendeiner Stelle +verbunden sei, unueberwindlich uebrig. Man _kann sich_ den Moerder mit +einem hohen Knorren hier an dieser Schaedelstelle, den Dieb mit einer +dort _vorstellen_. Von dieser Seite ist die Schaedelwissenschaft noch +grosser Erweiterung faehig; denn zunaechst scheint sie sich nur auf die +Verbindung eines Knorren mit einer Eigenschaft _an demselben +Individuum_, so dass dieses beide besitzt, einzuschraenken. Aber schon +die natuerliche Schaedelwissenschaft--denn es muss so gut eine solche +als eine natuerliche Physiognomik geben--geht ueber diese Schranken +hinaus; sie urteilt nicht nur, dass ein schlauer Mensch einen +faustdicken Knorren hinter den Ohren sitzen habe, sondern sie stellt +auch vor, dass die untreue Ehefrau nicht selbst, sondern das andre +ehliche Individuum Knorren an der Stirne habe.--Ebenso kann man sich +auch den, der mit dem Moerder unter einem Dache wohnt, oder auch +seinen Nachbar, und weiter hinaus seine Mitbuerger u.s.f. mit hohen +Knorren an irgendeiner Schaedelstelle _vorstellen_, so gut als die +fliegende Kuh, die zuerst von dem Krebs, der auf dem Esel ritt, +geliebkost und hernach u.s.f. wurde.--Wird aber die _Moeglichkeit_ +nicht im Sinne der Moeglichkeit _des Vorstellens_, sondern der +_innern_ Moeglichkeit oder des _Begriffs_ genommen, so ist der +Gegenstand eine solche Wirklichkeit, welche reines Ding und ohne +dergleichen Bedeutung ist und sein soll, und sie also nur in der +Vorstellung haben kann. + +Schreitet, ungeachtet der Gleichgueltigkeit der beiden Seiten, der +Beobachter jedoch ans Werk, Beziehungen zu bestimmen, teils frisch +gehalten durch den allgemeinen Vernunftgrund, dass das _Aeussere der +Ausdruck des Innern_ sei, teils sich unterstuetzend mit der Analogie +von Schaedeln der Tieren--welche zwar wohl einen einfachern Charakter +haben moegen als die Menschen, von denen es aber zugleich um ebenso +schwerer zu sagen wird, welchen sie haben, indem es nicht der +Vorstellung eines jeden Menschen so leicht sein kann, sich in die +Natur eines Tieres recht hineinzubilden--, so findet der Beobachter +bei der Versicherung der Gesetze, die er entdeckt haben will, eine +_vorzuegliche Huelfe_ an einem Unterschiede, der uns hier notwendig +auch einfallen muss.--Das _Sein_ des Geistes kann wenigstens nicht als +so etwas schlechthin Unverruecktes und Unverrueckbares genommen werden. +Der Mensch ist frei; es wird zugegeben, dass das _urspruengliche_ Sein +nur _Anlagen_ sind, ueber welche er viel vermag, oder welche guenstiger +Umstaende beduerfen, um entwickelt zu werden, d.h. ein _urspruengliches_ +Sein des Geistes ist ebensowohl als ein solches auszusprechen, das +nicht als Sein existiert. Widerspraechen also Beobachtungen +demjenigen, was irgendeinem als Gesetz zu versichern einfaellt, waere +es schoen Wetter am Jahrmarkts oder bei der Waesche, so koennten Kraemer +und Hausfrau sprechen, dass es _eigentlich_ regnen _sollte_, und die +_Anlage_ doch dazu _vorhanden_ sei; ebenso das Schaedelbeobachten, +--dass dies Individuum _eigentlich_ so sein _sollte_, wie der Schaedel +nach dem Gesetze aussagt, und eine _urspruengliche Anlage_ habe, die +_aber_ nicht ausgebildet worden sei; vorhanden ist diese Qualitaet +nicht, aber sie _sollte vorhanden_ sein.--Das _Gesetz_ und das +_Sollen_ gruendet sich auf das Beobachten des wirklichen Regens, und +des wirklichen Sinnes bei dieser Bestimmtheit des Schaedels; ist aber +die _Wirklichkeit_ nicht vorhanden, so gilt die _leere Moeglichkeit_ +fuer ebensoviel.--Diese Moeglichkeit, d.i. die Nichtwirklichkeit des +aufgestellten Gesetzes und hiemit ihm widersprechende Beobachtungen +muessen eben dadurch hereinkommen, dass die Freiheit des Individuums +und die entwickelnden Umstaende gleichgueltig gegen das _Sein_ +ueberhaupt sind, sowohl gegen es als urspruengliches inneres wie als +aeusseres knoechernes, und dass das Individuum auch etwas anderes sein +kann, als es innerlich urspruenglich und noch mehr als ein Knochen ist. + +Wir erhalten also die Moeglichkeit, dass dieser Knorren oder Vertiefung +des Schaedels sowohl etwas wirkliches als auch nur eine _Anlage_, und +zwar unbestimmt zu irgend etwas, dass er etwas Nichtwirkliches +bezeichne; wir sehen es einer schlechten Ausrede wie immer ergehen, +dass sie wider dasjenige, dem sie aufhelfen soll, selbst zu gebrauchen +steht. Wir sehen das Meinen durch die Natur der Sache dahin gebracht, +das _Gegenteil_ dessen, aber _gedankenlos_, selbst zu sagen, was es +festhaelt;--zu sagen, es wird durch diesen Knochen irgend etwas +angedeutet, aber ebensogut _auch nicht_. + +Was der Meinung selbst bei dieser Ausrede vorschwebt, ist der wahre, +sie gerade vertilgende Gedanke, dass das _Sein_ als solches ueberhaupt +nicht die Wahrheit des Geistes ist. Wie schon die Anlage ein +_urspruengliches Sein_ ist, das an der Taetigkeit des Geistes keinen +Anteil hat, ein ebensolches ist seinerseits auch der Knochen. Das +Seiende ohne die geistige Taetigkeit ist ein Ding fuer das Bewusstsein, +und so wenig sein Wesen, dass es vielmehr das Gegenteil desselben und +das Bewusstsein sich allein _wirklich_ ist, durch die Negation und +Vertilgung eines solchen Seins.--Es ist von dieser Seite fuer voellige +Verleugnung der Vernunft anzusehen, fuer das _wirkliche Dasein_ des +Bewusstseins einen Knochen auszugeben; und dafuer wird er ausgegeben, +indem er als das Aeussere des Geistes betrachtet wird, denn das Aeussere +ist eben die seiende Wirklichkeit. Es hilft nichts, zu sagen, dass +von diesem Aeussern _nur_ auf das Innere, das _etwas anders_ sei, +_geschlossen_ werde, das Aeussere nicht das Innere selbst, sondern nur +dessen _Ausdruck_ sei. Denn in dem Verhaeltnisse beider zueinander +faellt eben auf die Seite des Innern die Bestimmung der sich +_denkenden_ und _gedachten_, auf die Seite des Aeussern aber die _der +seienden Wirklichkeit_.--Wenn also einem Menschen gesagt wird: du +(dein Inneres) bist dies, _weil_ dein _Knochen_ so beschaffen ist; so +heisst es nichts anderes als: ich sehe einen Knochen fuer _deine +Wirklichkeit_ an. Die bei der Physiognomik erwaehnte Erwiderung eines +solchen Urteils durch die Ohrfeige bringt zunaechst die _weichen_ +Teile aus ihrem Ansehen und Lage, und erweist nur, dass diese kein +wahres _An-sich_, nicht die Wirklichkeit des Geistes sind;--hier +muesste die Erwiderung eigentlich so weit gehen, einem, der so urteilt, +den Schaedel einzuschlagen, um gerade so greiflich, als seine Weisheit +ist, zu erweisen, dass ein Knochen fuer den Menschen nichts _An-sich_, +viel weniger _seine_ wahre Wirklichkeit ist.-Der rohe Instinkt der +selbstbewussten Vernunft wird eine solche Schaedelwissenschaft +unbesehen verwerfen--diesen andern beobachtenden Instinkt derselben, +der zur Ahndung _des Erkennens_ gediehen, es auf die geistlose Weise, +dass das Aeussere Ausdruck des Innern sei, erfasst hat. Aber je +schlechter der Gedanke ist, desto weniger faellt es zuweilen auf, +worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es, +sie auseinanderzulegen. Denn der Gedanke heisst um so schlechter, je +reiner und leerer die Abstraktion ist, welche ihm fuer das Wesen gilt. +Der Gegensatz aber, auf den es hier ankoemmt, hat zu seinen Gliedern +die ihrer bewusste Individualitaet und die Abstraktion der ganz zum +_Dinge_ gewordenen Aeusserlichkeit--jenes innre Sein des Geistes als +festes geistloses Sein aufgefasst, eben solchem Sein entgegengesetzt. +--Damit scheint aber auch die beobachtende Vernunft in der Tat ihre +Spitze erreicht zu haben, von welcher sie sich selbst verlassen und +sich ueberschlagen muss; denn erst das ganz Schlechte hat die +unmittelbare Notwendigkeit an sich, sich zu verkehren.--Wie von dem +juedischen Volke gesagt werden kann, dass es gerade darum, weil es +unmittelbar vor der Pforte des Heils stehe, das verworrenste sei und +gewesen sei; was es an und fuer sich sein sollte, diese +Selbstwesenheit ist es sich nicht, sondern verlegt sie jenseits +seiner; es macht sich durch diese Entaeusserung ein hoeheres Dasein +_moeglich_, wenn es seinen Gegenstand wieder in sich zuruecknehmen +koennte, als wenn es innerhalb der Unmittelbarkeit des Seins +stehengeblieben; weil der Geist um so groesser ist, aus je groesserem +Gegensatze er in sich zurueckkehrt; diesen Gegensatz aber macht er +sich in dem Aufheben seiner unmittelbaren Einheit und in der +Entaeusserung seines Fuer-sich-seins. Allein wenn ein solches +Bewusstsein sich nicht reflektiert, ist die Mitte, worin es steht, die +unselige Leere, indem dasjenige, was sie erfuellen sollte, zum festen +Extreme geworden ist. So ist diese letzte Stufe der beobachtenden +Vernunft ihre schlechteste, aber darum ihre Umkehrung notwendig. + +Denn die Uebersicht der bisher betrachteten Reihe von Verhaeltnissen, +welche den Inhalt und Gegenstand der Beobachtung ausmachen, zeigt, +dass in ihrer _ersten Weise_, in der Beobachtung der Verhaeltnisse der +unorganischen Natur ihr schon das _sinnliche Sein verschwindet_; die +Momente ihres Verhaeltnisses stellen sich als reine Abstraktionen und +als einfache Begriffe dar, welche an das Dasein von Dingen fest +geknuepft sein sollten, das aber verlorengeht, so dass das Moment sich +als reine Bewegung und als Allgemeines erweist. Dieser freie in sich +vollendete Prozess behaelt die Bedeutung eines Gegenstaendlichen; tritt +aber nun als ein _Eins_ auf; im Prozesse des Unorganischen ist das +Eins das nicht existierende Innere; als Eins aber existierend ist er +das Organische.--Das Eins steht als Fuer-sich-sein oder negatives +Wesen dem Allgemeinen gegenueber, entzieht sich diesem und bleibt frei +fuer sich, so dass der Begriff, nur im Elemente der absoluten +Vereinzelung realisiert, in der organischen Existenz seinen +wahrhaften Ausdruck, _als Allgemeines_ da zu sein, nicht findet, +sondern ein Aeusseres oder, was dasselbe ist, ein _Inneres_ der +organischen Natur bleibt.--Der organische Prozess ist nur frei _an +sich_, ist es aber nicht _fuer sich selbst_; im _Zwecke_ tritt das +Fuer-sich-sein seiner Freiheit ein; _existiert_ als ein anderes Wesen, +als eine ihrer selbst bewusste Weisheit, die ausser jenem ist. Die +beobachtende Vernunft wendet sich also an diese, an den Geist, den +als Allgemeinheit existierenden Begriff oder als Zweck existierenden +Zweck, und ihr eignes Wesen ist ihr nunmehr der Gegenstand. + +Sie wendet sich zuerst an seine Reinheit; aber indem sie Auffassen +des in seinen Unterschieden sich bewegenden Gegenstandes als eines +seienden ist, werden ihr _Gesetze des Denkens_, Beziehungen von +Bleibendem auf Bleibendes; aber da der Inhalt dieser Gesetze nur +Momente sind, verlaufen sie sich in das Eins des Selbstbewusstseins. +--Dieser neue Gegenstand ebenso als _Seiendes_ genommen, ist das +_einzelne, zufaellige_ Selbstbewusstsein; das Beobachten steht daher +innerhalb des gemeinten Geistes und des zufaelligen Verhaeltnisses von +bewusster Wirklichkeit auf unbewusste. Er an sich selbst nur ist die +Notwendigkeit dieser Beziehung; die Beobachtung rueckt ihm daher naeher +auf den Leib, und vergleicht seine wollende und tuende Wirklichkeit +mit seiner in sich reflektierten und betrachtenden Wirklichkeit, die +selbst gegenstaendlich ist. Dieses Aeussre, obzwar eine Sprache des +Individuums, die es an ihm selbst hat, ist zugleich als Zeichen etwas +Gleichgueltiges gegen den Inhalt, den es bezeichnen sollte, so wie das, +welches sich das Zeichen setzt, gleichgueltig gegen dieses. + +Von dieser wandelbaren Sprache geht darum die Beobachtung endlich zum +_festen Sein_ zurueck, und spricht ihrem Begriffe nach aus, dass die +Aeusserlichkeit, nicht als Organ, auch nicht als Sprache und Zeichen, +sondern als _totes Ding_ die aeussere und unmittelbare Wirklichkeit des +Geistes sei. Was von der allerersten Beobachtung der unorganischen +Natur aufgehoben wurde, dass naemlich der Begriff als Ding vorhanden +sein sollte, stellt diese letzte Weise so her, dass sie die +Wirklichkeit des Geistes selbst zu einem Dinge macht, oder umgekehrt +ausgedrueckt, dem toten Sein die Bedeutung des Geistes gibt.--Die +Beobachtung ist damit dazu gekommen, es auszusprechen, was unser +Begriff von ihr war, dass naemlich die Gewissheit der Vernunft sich +selbst als gegenstaendliche Wirklichkeit sucht.--Man meint zwar dabei +wohl nicht, dass der Geist, der von einem Schaedel vorgestellt wird, +als Ding ausgesprochen werde; es soll kein Materialismus, wie man es +nennt, in diesem Gedanken liegen, sondern der Geist vielmehr noch +etwas anders als diese Knochen sein; aber er _ist_, heisst selbst +nichts anders als: er ist ein _Ding_. Wenn das _Sein_ als solches +oder Dingsein von dem Geiste praediziert wird, so ist darum der +wahrhafte Ausdruck hievon, dass er ein solches wie _ein Knochen_ ist. +Es muss daher fuer hoechst wichtig angesehen werden, dass der wahre +Ausdruck davon, dass vom Geiste rein gesagt wird, _er ist_, sich +gefunden hat. Wenn sonst vom Geiste gesagt wird, _er ist_, hat _ein +Sein_, ist ein _Ding_, eine einzelne _Wirklichkeit_, so wird damit +nicht etwas _gemeint_, das man sehen oder in die Hand nehmen, stossen +und so fort kann, aber _gesagt_ wird ein solches, und was in Wahrheit +gesagt wird, drueckt sich hiemit so aus, dass _das Sein des Geistes ein +Knochen ist_. + +Dies Resultat hat nun eine doppelte Bedeutung, einmal seine wahre, +insofern es eine Ergaenzung des Resultates der vorhergehenden Bewegung +des Selbstbewusstseins ist. Das unglueckliche Selbstbewusstsein +entaeusserte sich seiner Selbststaendigkeit und rang sein +_Fuer-sich-sein_ zum _Dinge_ heraus. Es kehrte dadurch aus dem +Selbstbewusstsein in das Bewusstsein zurueck, d.h. in das Bewusstsein, +fuer welches der Gegenstand ein _Sein_, ein _Ding_ ist;--aber dies, +was Ding ist, ist das Selbstbewusstsein; es ist also die Einheit des +Ich und des Seins, die _Kategorie_. Indem der Gegenstand fuer das +Bewusstsein so bestimmt ist, _hat es Vernunft_. Das Bewusstsein sowie +das Selbstbewusstsein _ist an sich_ eigentlich Vernunft; aber nur von +dem Bewusstsein, dem der Gegenstand als die Kategorie sich bestimmt +hat, kann gesagt werden, dass es Vernunft _habe_;--hievon aber ist +noch das Wissen, was Vernunft ist, unterschieden.--Die Kategorie, +welche die _unmittelbare_ Einheit des _Seins_ und des _Seinen_ ist, +muss beide Formen durchlaufen, und das beobachtende Bewusstsein ist +eben dieses, dem sie sich in der Form des _Seins_ darstellt. In +seinem Resultate spricht das Bewusstsein dasjenige, dessen bewusstlose +Gewissheit es ist, als Satz aus--den Satz, der im Begriffe der +Vernunft liegt. Er ist das _unendliche Urteil_, dass das Selbst ein +Ding ist--ein Urteil, das sich selbst aufhebt.--Durch dieses Resultat +ist also bestimmt zur Kategorie dies hinzugekommen, dass sie dieser +sich aufhebende Gegensatz ist. Die _reine_ Kategorie, welche in der +Form des _Seins_ oder der _Unmittelbarkeit_ fuer das Bewusstsein ist, +ist der noch _unvermittelte_, nur _vorhandne_ Gegenstand, und das +Bewusstsein ein ebenso unvermitteltes Verhalten. Das Moment jenes +unendlichen Urteils ist der Uebergang der _Unmittelbarkeit_ in die +Vermittlung oder _Negativitaet_. Der vorhandne Gegenstand ist daher +als ein negativer bestimmt, das Bewusstsein aber als +_Selbst_bewusstsein gegen ihn, oder die Kategorie, welche die Form des +_Seins_ im Beobachten durchlaufen hat, ist jetzt in der Form des +Fuer-sich-seins gesetzt; das Bewusstsein will sich nicht mehr +_unmittelbar finden_, sondern durch seine Taetigkeit sich selbst +hervorbringen. _Es selbst_ ist sich der Zweck seines Tuns, wie es ihm +im Beobachten nur um die Dinge zu tun war. + +Die andere Bedeutung des Resultats ist die schon betrachtete des +begrifflosen Beobachtens. Dieses weiss sich nicht anders zu fassen +und auszusprechen, als dass es unbefangen den Knochen, wie er sich als +sinnliches Ding findet, das seine Gegenstaendlichkeit fuer das +Bewusstsein nicht zugleich verliert, fuer die _Wirklichkeit_ des +Selbstbewusstseins aussagt. Es hat aber auch darueber, dass es dies +sagt, keine Klarheit des Bewusstseins, und fasst seinen Satz nicht in +der Bestimmtheit seines Subjekts und Praedikats und der Beziehung +derselben, noch weniger in dem Sinne des unendlichen sich selbst +aufloesenden Urteils und des Begriffs.--Es verbirgt sich vielmehr aus +einem tieferliegenden Selbstbewusstsein des Geistes, das hier als eine +natuerliche Honettetaet erscheint, die Schmaehlichkeit des begrifflosen +nackten Gedankens, fuer die Wirklichkeit des Selbstbewusstseins einen +Knochen zu nehmen, und uebertuencht ihn durch die Gedankenlosigkeit +selbst, mancherlei Verhaeltnisse von Ursache und Wirkung, von Zeichen, +Organ u.s.w., die hier keinen Sinn haben, einzumischen, und durch +Unterscheidungen, die von ihnen hergenommen sind, das Grelle des +Satzes zu verstecken. + +Gehirnfibern und dergleichen als das Sein des Geistes betrachtet, +sind schon eine gedachte nur hypothetische--nicht _daseiende_, nicht +gefuehlte, gesehene, nicht die wahre Wirklichkeit; wenn sie _da sind_, +wenn sie gesehen werden, sind sie tote Gegenstaende und gelten dann +nicht mehr fuer das Sein des Geistes. Aber die eigentliche +Gegenstaendlichkeit muss eine _unmittelbare, sinnliche_ sein, so dass +der Geist in dieser als toten--denn der Knochen ist das Tote, +insofern es am Lebendigen selbst ist--als wirklich gesetzt wird.--Der +Begriff dieser Vorstellung ist, dass die Vernunft sich _alle Dingheit_, +auch die _rein gegenstaendliche selbst_ ist; sie ist aber dies _im +Begriffe_, oder der Begriff nur ist ihre Wahrheit, und je reiner der +Begriff selbst ist, zu einer desto albernern Vorstellung sinkt er +herab, wenn sein Inhalt nicht als Begriff, sondern als Vorstellung +ist--wenn das sich selbst aufhebende Urteil nicht mit dem Bewusstsein +dieser seiner Unendlichkeit genommen wird, sondern als ein bleibender +Satz, und dessen Subjekt und Praedikat jedes fuer sich gelten, das +Selbst als Selbst, das Ding als Ding fixiert und doch eins das andre +sein soll.--Die Vernunft, wesentlich der Begriff, ist unmittelbar in +sich selbst und ihr Gegenteil entzweit, ein Gegensatz, der eben darum +ebenso unmittelbar aufgehoben ist. Aber sich so als sich selbst und +als ihr Gegenteil darbietend, und festgehalten in dem ganz einzelnen +Momente dieses Auseinandertretens, ist sie unvernuenftig aufgefasst; +und je reiner die Momente desselben sind, desto greller ist die +Erscheinung dieses Inhalts, der allein entweder fuer das Bewusstsein +ist, oder von ihm unbefangen allein ausgesprochen wird.--Das _Tiefe_, +das der Geist von innen heraus, aber nur bis in sein _vorstellendes +Bewusstsein_ treibt und es in diesem stehen laesst,--und die +_Unwissenheit_ dieses Bewusstseins, was das ist, was es sagt, ist +dieselbe Verknuepfung des Hohen und Niedrigen, welche an dem +Lebendigen die Natur in der Verknuepfung des Organs seiner hoechsten +Vollendung, des Organs der Zeugung,--und des Organs des Pissens naiv +ausdrueckt.--Das unendliche Urteil als unendliches waere die Vollendung +des sich selbst erfassenden Lebens, das in der Vorstellung bleibende +Bewusstsein desselben aber verhaelt sich als Pissen. + + +B. Die Verwirklichungdes vernuenftigen Selbstbewusstseinsdurch sich +selbst + +Das Selbstbewusstsein fand das Ding als sich, und sich als Ding; d.h. +_es ist fuer es_, dass es _an sich_ die gegenstaendliche Wirklichkeit +ist. Es ist nicht mehr die _unmittelbare_ Gewissheit, alle Realitaet +zu sein; sondern eine solche, fuer welche das Unmittelbare ueberhaupt +die Form eines aufgehobenen hat, so dass seine _Gegenstaendlichkeit_ +nur noch als Oberflaeche gilt, deren Inneres und Wesen _es selbst_ ist. +--Der Gegenstand, auf welchen es sich positiv bezieht, ist daher ein +Selbstbewusstsein; er ist in der Form der Dingheit, d.h. er ist +_selbststaendig_; aber es hat die Gewissheit, dass dieser selbststaendige +Gegenstand kein Fremdes fuer es ist; es weiss hiemit, dass es _an sich_ +von ihm anerkannt ist; es ist der _Geist_, der die Gewissheit hat, in +der Verdopplung seines Selbstbewusstseins und in der Selbststaendigkeit +beider seine Einheit mit sich selbst zu haben. Diese Gewissheit hat +sich ihm nun zur Wahrheit zu erheben; was ihm gilt, dass es _an sich_ +und in seiner _innern_ Gewissheit sei, soll in sein Bewusstsein treten, +und _fuer es_ werden. + +Was die allgemeinen Stationen dieser Verwirklichung sein werden, +bezeichnet sich im allgemeinen schon durch die Vergleichung mit dem +bisherigen Wege. Wie naemlich die beobachtende Vernunft in dem +Elemente der Kategorie die Bewegung des _Bewusstseins_, naemlich die +sinnliche Gewissheit, das Wahrnehmen und den Verstand wiederholte, so +wird diese auch die doppelte Bewegung des _Selbstbewusstseins_ wieder +durchlaufen, und aus der Selbststaendigkeit in seine Freiheit +uebergehen. Zuerst ist diese taetige Vernunft ihrer selbst nur als +eines Individuums bewusst, und muss als ein solches seine Wirklichkeit +im andern fodern und hervorbringen--alsdenn aber, indem sich sein +Bewusstsein zur Allgemeinheit erhebt, wird es _allgemeine_ Vernunft, +und ist sich seiner als Vernunft, als an und fuer sich schon +anerkanntes bewusst, welches in seinem reinen Bewusstsein alles +Selbstbewusstsein vereinigt; es ist das einfache geistige Wesen, das, +indem es zugleich zum Bewusstsein kommt, die _reale Substanz_ ist, +worein die fruehern Formen als in ihren Grund zurueckgehen, so dass sie +gegen diesen nur einzelne Momente seines Werdens sind, die sich zwar +losreissen und als eigne Gestalten erscheinen, in der Tat aber nur von +ihm getragen _Dasein_ und _Wirklichkeit_, aber ihre _Wahrheit_ nur +haben, insofern sie in ihm selbst sind und bleiben. + +Nehmen wir dieses Ziel, das der _Begriff_ ist, der _uns_ schon +entstanden--naemlich das anerkannte Selbstbewusstsein, das in dem +andern freien Selbstbewusstsein die Gewissheit seiner selbst, und eben +darin seine Wahrheit hat--, in seiner Realitaet auf, oder heben wir +diesen noch innern Geist als die schon zu ihrem Dasein gediehene +Substanz heraus, so schliesst sich in diesem Begriffe _das Reich der +Sittlichkeit_ auf. Denn diese ist nichts anders als in der +selbststaendigen _Wirklichkeit_ der Individuen die absolute geistige +_Einheit_ ihres Wesens; ein an sich allgemeines Selbstbewusstsein, das +sich in einem andern Bewusstsein so wirklich ist, dass dieses +vollkommene Selbststaendigkeit hat, oder ein Ding fuer es, und dass es +eben darin der _Einheit_ mit ihm sich bewusst ist, und in dieser +Einheit mit diesem gegenstaendlichen Wesen erst Selbstbewusstsein ist. +Diese sittliche _Substanz_ in der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_, +ist sie nur das _gedachte_ Gesetz; aber sie ist ebensosehr +unmittelbar wirkliches _Selbstbewusstsein_ oder sie ist _Sitte_. Das +_einzelne_ Bewusstsein ist umgekehrt nur dieses seiende Eins, indem es +des allgemeinen Bewusstseins in seiner Einzelnheit als seines Seins +sich bewusst, indem sein Tun und Dasein die allgemeine Sitte ist. + +In dem Leben eines Volks hat in der Tat der Begriff der +Verwirklichung der selbstbewussten Vernunft, in der Selbststaendigkeit +des _Andern_ die vollstaendige _Einheit_ mit ihm anzuschauen, oder +diese von mir vorgefundene freie _Dingheit_ eines andern, welche das +Negative meiner selbst ist, als _mein_ Fuer-_mich_-sein zum +Gegenstande zu haben, seine vollendete Realitaet. Die Vernunft ist +als die fluessige allgemeine _Substanz_, als die unwandelbare einfache +_Dingheit_ vorhanden, welche ebenso in viele vollkommen +selbststaendige Wesen wie das Licht in Sterne als unzaehlige fuer sich +leuchtende Punkte zerspringt, die in ihrem absoluten Fuer-sich-sein +nicht nur _an sich_ in der einfachen selbststaendigen Substanz +aufgeloest sind, sondern _fuer sich selbst_; sie sind sich bewusst, +diese einzelne selbststaendige Wesen dadurch zu sein, dass sie ihre +Einzelnheit aufopfern und diese allgemeine Substanz ihre Seele und +Wesen ist; so wie dies Allgemeine wieder das _Tun_ ihrer als +einzelner oder das von ihnen hervorgebrachte Werk ist. + +Das _rein einzelne_ Tun und Treiben des Individuums bezieht sich auf +die Beduerfnisse, welche es als Naturwesen, das heisst als _seiende +Einzelnheit_ hat. Dass selbst diese seine gemeinsten Funktionen nicht +zunichte werden, sondern Wirklichkeit haben, geschieht durch das +allgemeine erhaltende Medium, durch die _Macht_ des ganzen Volks. +--Nicht nur aber diese _Form_ des _Bestehens_ seines Tuns ueberhaupt +hat es in der allgemeinen Substanz, sondern ebensosehr _seinen +Inhalt_; was es tut, _ist_ die allgemeine Geschicklichkeit und Sitte +aller. Dieser Inhalt, insofern er sich vollkommen vereinzelt, ist in +seiner Wirklichkeit in das Tun aller verschraenkt. Die _Arbeit_ des +Individuums fuer seine Beduerfnisse ist ebensosehr eine Befriedigung +der Beduerfnisse der andern als seiner eignen, und die Befriedigung +der seinigen erreicht es nur durch die Arbeit der andern.--Wie der +Einzelne in seiner _einzelnen_ Arbeit schon eine _allgemeine_ Arbeit +_bewusstlos_ vollbringt, so vollbringt er auch wieder die allgemeine +als seinen _bewussten_ Gegenstand; das Ganze wird _als Ganzes_ sein +Werk, fuer das er sich aufopfert, und ebendadurch sich selbst von ihm +zurueckerhaelt.--Es ist hier nichts, das nicht gegenseitig waere, nichts, +woran nicht die Selbststaendigkeit des Individuums in der Aufloesung +ihres Fuer-sich-seins, in der _Negation_ ihrer selbst ihre _positive_ +Bedeutung, fuer sich zu sein, sich gaebe. Diese Einheit des Seins fuer +Anderes oder des Sich-zum-Dinge-machens und des Fuer-sich-seins, diese +allgemeine Substanz redet ihre _allgemeine Sprache_ in den Sitten und +Gesetzen seines Volks; aber dies seiende unwandelbare Wesen ist +nichts anders als der Ausdruck der ihr entgegengesetzt scheinenden +einzelnen Individualitaet selbst; die Gesetze sprechen das aus, was +jeder Einzelne _ist_ und _tut_; das Individuum erkennt sie nicht nur +als seine _allgemeine_ gegenstaendliche Dingheit, sondern ebensosehr +sich in ihr, oder als _vereinzelt_ in seiner eignen Individualitaet +und in jedem seiner Mitbuerger. In dem allgemeinen Geiste hat daher +jeder nur die Gewissheit seiner selbst, nichts anders in der seienden +Wirklichkeit zu finden als sich selbst; er ist der andern so gewiss +als seiner.--Ich schaue es in allen an, dass sie fuer sich selbst nur +diese selbststaendigen Wesen sind, als Ich es bin; Ich schaue die +freie Einheit mit den andern in ihnen so an, dass sie wie durch Mich, +so durch die andern selbst ist. Sie als Mich, Mich als Sie. + +In einem freien Volke ist darum in Wahrheit die Vernunft verwirklicht; +sie ist gegenwaertiger lebendiger Geist, worin das Individuum seine +_Bestimmung_, das heisst sein allgemeines und einzelnes Wesen, nicht +nur ausgesprochen und als Dingheit vorhanden findet, sondern selbst +dieses Wesen ist, und seine Bestimmung auch erreicht hat. Die +weisesten Maenner des Altertums haben darum den Ausspruch getan: _dass +die Weisheit und die Tugend darin bestehen, den Sitten seines Volks +gemaess zu leben_. + +Aus diesem Gluecke aber, seine Bestimmung erreicht zu haben, und in +ihr zu leben, ist das Selbstbewusstsein, welches zunaechst nur +_unmittelbar_ und dem _Begriffe nach_ Geist ist, herausgetreten, oder +auch--es hat es noch nicht erreicht; denn beides kann auf gleiche +Weise gesagt werden. + +Die Vernunft _muss aus diesem Gluecke heraustreten_; denn nur _an sich_ +oder _unmittelbar_ ist das Leben eines freien Volks die _reale +Sittlichkeit_, oder sie ist eine _seiende_, und damit ist auch dieser +allgemeine Geist selbst ein einzelner, das Ganze der Sitten und +Gesetze, eine _bestimmte_ sittliche Substanz, welche erst in dem +hohem Momente, naemlich im _Bewusstsein ueber ihr Wesen_, die +Beschraenkung auszieht, und nur in diesem Erkennen ihre absolute +Wahrheit hat, nicht aber unmittelbar in ihrem _Sein_; in diesem ist +sie teils eine beschraenkte, teils ist die absolute Beschraenkung eben +dies, dass der Geist in der Form des _Seins_ ist. + +Ferner ist daher das _einzelne_ Bewusstsein, wie es unmittelbar seine +Existenz in der realen Sittlichkeit oder in dem Volke hat, ein +gediegenes Vertrauen, dem sich der Geist nicht in seine _abstrakte_ +Momente aufgeloest hat, und das sich also auch nicht als reine +_Einzelnheit fuer sich zu sein_ weiss. Ist es aber zu diesem Gedanken +gekommen, wie es muss, so ist diese _unmittelbare_ Einheit mit dem +Geiste oder sein _Sein_ in ihm, sein Vertrauen verloren; es fuer sich +_isoliert_, ist sich nun das Wesen, nicht mehr der allgemeine Geist. +Das _Moment dieser Einzelnheit des Selbstbewusstseins_ ist zwar in dem +allgemeinen Geiste selbst, aber nur als eine verschwindende Groesse, +die, wie sie fuer sich auftritt, in ihm ebenso unmittelbar sich +aufloest und nur als Vertrauen zum Bewusstsein kommt. Indem es sich so +fixiert--und jedes Moment, weil es Moment des Wesens ist, muss selbst +dazu gelangen, als Wesen sich darzustellen--, so ist das Individuum +den Gesetzen und Sitten gegenuebergetreten; sie sind nur ein Gedanke +ohne absolute Wesenheit, eine abstrakte Theorie ohne Wirklichkeit; es +aber ist als dieses Ich sich die lebendige Wahrheit. + +Oder das Selbstbewusstsein hat _dieses Glueck noch nicht erreicht_, +sittliche Substanz, der Geist eines Volks zu sein. Denn aus der +Beobachtung zurueckgekehrt, ist der Geist zuerst noch nicht als +solcher durch sich selbst verwirklicht; er ist nur als _innres_ Wesen +oder als die Abstraktion gesetzt.--Oder er _ist_ erst _unmittelbar_; +unmittelbar seiend aber ist er _einzeln_; er ist das praktische +Bewusstsein, das in seine vorgefundene Welt mit dem Zwecke +einschreitet, sich in dieser Bestimmtheit eines Einzelnen zu +verdoppeln, sich als Diesen als sein seiendes Gegenbild zu erzeugen +und dieser Einheit seiner Wirklichkeit mit dem gegenstaendlichen Wesen +bewusst zu werden. Es hat die _Gewissheit_ dieser Einheit; es gilt ihm, +dass sie _an sich_ oder dass diese Uebereinstimmung seiner und der +Dingheit schon vorhanden ist, nur _ihm_ noch durch es zu werden hat, +oder dass sein Machen ebenso das _Finden_ derselben ist. Indem diese +Einheit _Glueck_ heisst, wird dies Individuum hiemit sein _Glueck zu +suchen_ von seinem Geiste in die Welt hinausgeschickt. + +Wenn also die Wahrheit dieses vernuenftigen Selbstbewusstseins fuer uns +die sittliche Substanz ist, so ist hier fuer es der Anfang seiner +sittlichen Welterfahrung. Von der Seite, dass es noch nicht zu jener +geworden, dringt diese Bewegung auf sie, und das, was in ihr sich +aufhebt, sind die einzelnen Momente, die ihm isoliert gelten. Sie +haben die Form eines unmittelbaren Wollens oder _Naturtriebs_, der +seine Befriedigung erreicht, welche selbst der Inhalt eines neuen +Triebes ist.--Von der Seite aber, dass das Selbstbewusstsein das Glueck +in der Substanz zu sein verloren, sind diese Naturtriebe mit +Bewusstsein ihres Zweckes als der wahren Bestimmung und Wesenheit +verbunden; die sittliche Substanz ist zum selbstlosen Praedikate +herabgesunken, dessen lebendige Subjekte die Individuen sind, die +ihre Allgemeinheit durch sich selbst zu erfuellen, und fuer ihre +Bestimmung aus sich zu sorgen haben.--In jener Bedeutung also sind +jene Gestalten das Werden der sittlichen Substanz, und gehen ihr vor; +in dieser folgen sie, und loesen es fuer das Selbstbewusstsein auf, was +seine Bestimmung sei; nach jener Seite geht in der Bewegung, worin +erfahren wird, was ihre Wahrheit ist, die Unmittelbarkeit oder Roheit +der Triebe verloren, und der Inhalt derselben in einen hoehern ueber; +nach dieser aber die falsche Vorstellung des Bewusstseins, das in sie +seine Bestimmung setzt. Nach jener ist das _Ziel_, das sie erreichen, +die unmittelbare sittliche Substanz; nach dieser aber das Bewusstsein +derselben, und zwar ein solches, das sie als sein eignes Wesen weiss; +und insofern waere diese Bewegung das Werden der Moralitaet, einer +hoehern Gestalt als jene. Allein diese Gestalten machen zugleich nur +_eine_ Seite ihres Werdens aus, naemlich diejenige, welche in das +_Fuer-sich-sein_ faellt, oder worin das Bewusstsein _seine_ Zwecke +aufhebt; nicht die Seite, nach welcher sie aus der Substanz selbst +hervorgeht. Da diese Momente noch nicht die Bedeutung haben koennen, +im Gegensatze gegen die verlorne Sittlichkeit zu Zwecken gemacht zu +werden, so gelten sie hier zwar nach ihrem unbefangenen Inhalte, und +das Ziel, nach welchem sie dringen, ist die sittliche Substanz. Aber +indem unsern Zeiten jene Form derselben naeher liegt, in welcher sie +erscheinen, nachdem das Bewusstsein sein sittliches Leben verloren und +es suchend jene Formen wiederholt, so moegen sie mehr in dem Ausdrucke +dieser Weise vorgestellt werden. + +Das Selbstbewusstsein, welches nur erst der Begriff des Geistes ist, +tritt diesen Weg in der Bestimmtheit an, sich als einzelner Geist das +Wesen zu sein, und sein Zweck ist also, sich als einzelnes die +Verwirklichung zu geben und als dieses in ihr sich zu geniessen. + +In der Bestimmung, sich als _Fuersichseiendes_ das Wesen zu sein, ist +es die _Negativitaet_ des Andern; in seinem Bewusstsein tritt daher es +selbst als das Positive einem solchen gegenueber, das zwar _ist_, aber +fuer es die Bedeutung eines Nichtansichseienden hat; das Bewusstsein +erscheint entzweit in diese vorgefundene Wirklichkeit und in den +_Zweck_, den es durch Aufheben derselben vollbringt, und statt jener +vielmehr zur Wirklichkeit macht. Sein erster Zweck ist aber sein +_unmittelbares_ abstraktes _Fuer-sich-sein_, oder sich als _dieses +Einzelne_ in einem andern oder ein anderes Selbstbewusstsein als sich +anzuschauen. Die Erfahrung, was die Wahrheit dieses Zwecks ist, +stellt das Selbstbewusstsein hoeher, und es ist sich nunmehr Zweck, +insofern es zugleich _allgemeines_ ist, und das _Gesetz unmittelbar_ +an ihm hat. In der Vollbringung dieses _Gesetzes_ seines _Herzens_ +erfaehrt es aber, dass das _einzelne_ Wesen hiebei sich nicht erhalten, +sondern das Gute nur durch die Aufopferung desselben ausgefuehrt +werden kann, und es wird zur _Tugend_. Die Erfahrung, welche sie +macht, kann keine andre sein, als dass ihr Zweck an sich schon +ausgefuehrt ist, das Glueck unmittelbar im Tun selbst sich findet, und +das Tun selbst das Gute ist. Der Begriff dieser ganzen Sphaere, dass +die Dingheit das _Fuer-sich-sein_ des Geistes selbst ist, wird in +ihrer Bewegung fuer das Selbstbewusstsein. Indem es ihn gefunden, ist +es sich also Realitaet als unmittelbar sich aussprechende +Individualitaet, die keinen Widerstand an einer entgegengesetzten +Wirklichkeit mehr findet, und der nur dies Aussprechen selbst +Gegenstand und Zweck ist. + + +a. Die Lust und die Notwendigkeit + +Das Selbstbewusstsein, welches sich ueberhaupt die _Realitaet_ ist, hat +seinen Gegenstand an ihm selbst, aber als einen solchen, welchen es +nur erst _fuer sich_ hat, und der noch nicht seiend ist; das _Sein_ +steht ihm als eine andere Wirklichkeit, denn die seinige ist, +gegenueber; und es geht darauf, durch Vollfuehrung seines +Fuer-sich-seins sich als anderes selbststaendiges Wesen anzuschauen. +Dieser _erste Zweck_ ist, seiner als einzelnen Wesens in dem andern +Selbstbewusstsein bewusst zu werden, oder dies Andre zu sich selbst zu +machen; es hat die Gewissheit, dass _an sich_ schon dies Andre es +selbst ist.--Insofern es aus der sittlichen Substanz und dem ruhigen +Sein des Denkens zu seinem _Fuer-sich-sein_ sich erhoben, so hat es +das Gesetz der Sitte und des Daseins, die Kenntnisse der Beobachtung +und die Theorie, als einen grauen eben verschwindenden Schatten +hinter sich, denn dies ist vielmehr ein Wissen von einem solchen, +dessen Fuer-sich-sein und Wirklichkeit eine andere als die des +Selbstbewusstseins ist. Es ist in es statt des himmlisch scheinenden +Geistes der Allgemeinheit des Wissens und Tuns, worin die Empfindung +und der Genuss der Einzelnheit schweigt, der Erdgeist gefahren, dem +das Sein nur, welches die Wirklichkeit des einzelnen Bewusstseins ist, +als die wahre Wirklichkeit gilt. + + +Es verachtet Verstand und Wissenschaftdes Menschen allerhoechste +Gaben--es hat dem Teufel sich ergebenund muss zugrunde gehn. + + +Es stuerzt also ins Leben, und bringt die reine Individualitaet, in +welcher es auftritt, zur Ausfuehrung. Es macht sich weniger sein +Glueck, als dass es dasselbige unmittelbar nimmt und geniesst. Die +Schatten von Wissenschaft, Gesetzen und Grundsaetzen, die allein +zwischen ihm und seiner eignen Wirklichkeit stehen, verschwinden, als +ein lebloser Nebel, der es nicht mit der Gewissheit seiner Realitaet +aufnehmen kann; es nimmt sich das Leben, wie eine reife Frucht +gepflueckt wird, welche ebensosehr selbst entgegen kommt, als sie +genommen wird. + +Sein Tun ist nur nach einem Momente ein Tun der _Begierde_; es geht +nicht auf die Vertilgung des ganzen gegenstaendlichen Wesens, sondern +nur auf die Form seines Andersseins oder seiner Selbststaendigkeit, +die ein wesenloser Schein ist; denn _an sich_ gilt es ihm fuer +dasselbe Wesen, oder als seine Selbstheit. Das Element, worin die +Begierde und ihr Gegenstand gleichgueltig gegeneinander und +selbststaendig bestehen, ist das _lebendige Dasein_; der Genuss der +Begierde hebt dies, insofern es ihrem Gegenstande zukommt, auf. Aber +hier ist dies Element, welches beiden die abgesonderte Wirklichkeit +gibt, vielmehr die Kategorie, ein Sein, das wesentlich ein +_vorgestelltes_ ist; es ist daher das _Bewusstsein_ der +Selbststaendigkeit;--sei es nun das natuerliche, oder das zu einem +System von Gesetzen ausgebildete Bewusstsein, welches die Individuen +jedes fuer sich erhaelt. Diese Trennung ist nicht an sich fuer das +Selbstbewusstsein, welches als _seine eigne_ Selbstheit das andre weiss. +Es gelangt also zum Genusse der _Lust_, zum Bewusstsein seiner +Verwirklichung in einem als selbststaendig erscheinenden Bewusstsein, +oder zur Anschauung der Einheit beider selbststaendigen +Selbstbewusstsein. Es erreicht seinen Zweck, erfaehrt aber eben darin, +was die Wahrheit desselben ist. Es begreift sich als _dieses +einzelne fuersichseiende_ Wesen, aber die Verwirklichung dieses Zwecks +ist selbst das Aufheben desselben, denn es wird sich nicht Gegenstand +als _dieses einzelne_, sondern vielmehr als _Einheit_ seiner selbst +und des andern Selbstbewusstseins, hiemit als aufgehobnes Einzelnes +oder als _Allgemeines_. + +Die genossene Lust hat wohl die positive Bedeutung, _sich selbst_ als +gegenstaendliches Selbstbewusstsein geworden zu sein, aber ebensosehr +die negative, _sich selbst_ aufgehoben zu haben; und indem es seine +Verwirklichung nur in jener Bedeutung begriff, tritt seine Erfahrung +als Widerspruch in sein Bewusstsein ein, worin die erreichte +Wirklichkeit seiner Einzelnheit sich von dem negativen _Wesen_ +vernichtet werden sieht, das wirklichkeitslos jener leer +gegenuebersteht und doch die verzehrende Macht desselben ist. Dieses +Wesen ist nichts anders als der _Begriff_ dessen, was diese +Individualitaet an sich ist. Sie ist aber noch die aermste Gestalt des +sich verwirklichenden Geistes; denn sie ist sich erst die +_Abstraktion_ der Vernunft, oder die _Unmittelbarkeit_ der _Einheit_ +des _Fuer-sich-_ und des _An-sich-seins_; ihr Wesen ist also nur die +_abstrakte_ Kategorie. Jedoch hat sie nicht mehr die Form des +_unmittelbaren, einfachen_ Seins, wie dem beobachtenden Geiste, wo +sie das abstrakte _Sein_ oder, als Fremdes gesetzt, die _Dingheit_ +ueberhaupt ist. Hier ist in diese Dingheit das Fuer-sich-sein und die +Vermittlung getreten. Sie tritt daher als _Kreis_ auf, dessen Inhalt +die entwickelte reine Beziehung der einfachen Wesenheiten ist. Die +erlangte Verwirklichung dieser Individualitaet besteht daher in nichts +anderem, als dass sie diesen Kreis von Abstraktionen aus der +Eingeschlossenheit des einfachen Selbstbewusstseins in das Element des +_Fuer-es-seins_ oder der gegenstaendlichen Ausbreitung herausgeworfen +hat. Was dem Selbstbewusstsein also in der geniessenden Lust als sein +Wesen zum _Gegenstande_ wird, ist die Ausbreitung jener leeren +Wesenheiten, der reinen Einheit, des reinen Unterschiedes und ihrer +Beziehung; weiter hat der Gegenstand, den die Individualitaet als ihr +_Wesen_ erfaehrt, keinen Inhalt. Er ist das, was die _Notwendigkeit_ +genannt wird; denn die Notwendigkeit, das _Schicksal_ und dergleichen, +ist eben dieses, von dem man nicht zu sagen weiss, _was_ es tue, +welches seine bestimmten Gesetze und positiver Inhalt seie, weil es +der absolute als _Sein_ angeschaute reine Begriff selbst ist, die +einfache und leere, aber unaufhaltsame und unstoerbare _Beziehung_, +deren Werk nur das Nichts der Einzelnheit ist. Sie ist dieser _feste +Zusammenhang_, weil das Zusammenhaengende die reinen Wesenheiten oder +die leeren Abstraktionen sind; Einheit, Unterschied und Beziehung +sind Kategorien, deren jede nichts an und fuer sich, nur in Beziehung +auf ihr Gegenteil ist, und die daher nicht auseinanderkommen koennen. +Sie sind durch ihren _Begriff_ aufeinander bezogen, denn sie sind die +reinen Begriffe selbst; und diese _absolute Beziehung_ und abstrakte +Bewegung macht die Notwendigkeit aus. Die nur einzelne +Individualitaet, die nur erst den reinen Begriff der Vernunft zu ihrem +Inhalte hat, statt aus der toten Theorie in das Leben sich gestuerzt +zu haben, hat sich also vielmehr nur in das Bewusstsein der eignen +Leblosigkeit gestuerzt, und wird sich nur als die leere und fremde +Notwendigkeit, als die _tote_ Wirklichkeit zuteil. + +Der Uebergang geschieht aus der Form des _Eins_ in die der +_Allgemeinheit_, aus einer absoluten Abstraktion in die andere; aus +dem Zwecke des reinen _Fuer-sich-seins_, das die Gemeinschaft mit +_Andern_ abgeworfen, in das _reine_ Gegenteil, das dadurch ebenso +abstrakte _An-sich-sein_. Dies erscheint hiemit so, dass das +Individuum nur zugrunde gegangen, und die absolute Sproedigkeit der +Einzelnheit an der ebenso harten, aber kontinuierlichen Wirklichkeit +zerstaeubt ist.--Indem es als Bewusstsein die Einheit seiner selbst und +seines Gegenteils ist, ist dieser Untergang noch fuer es; sein Zweck +und seine Verwirklichung, sowie der Widerspruch dessen, was _ihm_ das +Wesen war, und was _an sich_ das Wesen ist;--es erfaehrt den +Doppelsinn, der in dem liegt, was es tat, naemlich sein _Leben_ sich +_genommen_ zu haben; es nahm das Leben, aber vielmehr ergriff es +damit den Tod. + +Dieser _Uebergang_ seines lebendigen Seins in die leblose +Notwendigkeit erscheint ihm daher als eine Verkehrung, die durch +nichts vermittelt ist. Das Vermittelnde muesste das sein, worin beide +Seiten eins waeren, das Bewusstsein also das eine Moment im andern +erkennte, seinen Zweck und Tun in dem Schicksale, und sein Schicksal +in seinem Zwecke und Tun, _sein eigenes Wesen_ in dieser +_Notwendigkeit_. Aber diese Einheit ist fuer dies Bewusstsein eben die +Lust selbst, oder das _einfache, einzelne_ Gefuehl, und der Uebergang +von dem Momente dieses seines Zwecks in das Moment seines wahren +Wesens fuer es ein reiner Sprung in das Entgegengesetzte; denn diese +Momente sind nicht im Gefuehle enthalten und verknuepft, sondern nur im +reinen Selbst, das ein Allgemeines oder das Denken ist. Das +Bewusstsein ist sich daher durch seine Erfahrung, worin ihm seine +Wahrheit werden sollte, vielmehr ein Raetsel geworden, die Folgen +seiner Taten sind ihm nicht seine Taten selbst; was ihm widerfaehrt, +_fuer es_ nicht die Erfahrung dessen, was es _an sich_ ist; der +Uebergang nicht eine blosse Formaenderung desselben Inhalts und Wesens, +einmal vorgestellt als Inhalt und Wesen des Bewusstseins, das +anderemal als Gegenstand oder _angeschautes_ Wesen seiner selbst. +Die _abstrakte Notwendigkeit_ gilt also fuer die nur negative, +unbegriffene _Macht der Allgemeinheit_, an welcher die Individualitaet +zerschmettert wird. + +Bis hieher geht die Erscheinung dieser Gestalt des Selbstbewusstseins; +das letzte Moment ihrer Existenz ist der Gedanke ihres Verlusts in +der Notwendigkeit, oder der Gedanke ihrer selbst als eines sich +absolut _fremden_ Wesens. Das Selbstbewusstsein _an sich_ hat aber +diesen Verlust ueberlebt; denn diese Notwendigkeit oder reine +Allgemeinheit ist _sein eignes_ Wesen. Diese Reflexion des +Bewusstseins in sich, die Notwendigkeit als _sich_ zu wissen, ist eine +neue Gestalt desselben. + + +b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigenduenkels + +Was die Notwendigkeit in Wahrheit am Selbstbewusstsein ist, dies ist +sie fuer seine neue Gestalt, worin es sich selbst als das Notwendige +ist; es weiss _unmittelbar_ das _Allgemeine_, oder das _Gesetz_ in +sich zu haben; welches um dieser Bestimmung willen, dass es +_unmittelbar_ in dem Fuer-sich-sein des Bewusstseins ist, das _Gesetz_ +des _Herzens_ heisst. Diese Gestalt ist _fuer sich_ als _Einzelnheit_ +Wesen, wie die vorige, aber sie ist um die Bestimmung reicher, dass +ihr dies _Fuer-sich-sein_ als notwendiges oder allgemeines gilt. + +Das Gesetz also, das unmittelbar das eigne des Selbstbewusstseins ist, +oder ein Herz, das aber ein Gesetz an ihm hat, ist der _Zweck_, den +es zu verwirklichen geht. Es ist zu sehen, ob seine Verwirklichung +diesem Begriffe entsprechen, und ob es in ihr dies sein Gesetz als +das Wesen erfahren wird. + +Diesem Herzen steht eine Wirklichkeit gegenueber; denn im Herzen ist +das Gesetz nur erst _fuer sich_, noch nicht verwirklicht und also +zugleich etwas _Anderes_, als der Begriff ist. Dieses Andere +bestimmt sich dadurch als eine Wirklichkeit, die das Entgegengesetzte +des zu Verwirklichenden, hiemit der _Widerspruch_ des _Gesetzes_ und +der _Einzelnheit_ ist. Sie ist also einerseits ein Gesetz, von dem +die einzelne Individualitaet gedrueckt wird, eine gewalttaetige Ordnung +der Welt, welche dem Gesetze des Herzens widerspricht;--und +andererseits eine unter ihr leidende Menschheit, welche nicht dem +Gesetze des Herzens folgt, sondern einer fremden Notwendigkeit +untertan ist.--Diese Wirklichkeit, die der itzigen Gestalt des +Bewusstseins _gegenueber_ erscheint, ist, wie erhellt, nichts anders +als das vorhergehende entzweite Verhaeltnis der Individualitaet und +ihrer Wahrheit, das Verhaeltnis einer grausamen Notwendigkeit, von +welcher jene erdrueckt wird. _Fuer uns_ tritt die vorhergehende +Bewegung darum der neuen Gestalt gegenueber, weil diese an sich aus +ihr entsprungen, das Moment, woraus sie herkommt, also notwendig fuer +sie ist; ihr aber erscheint es als ein _Vorgefundenes_, indem sie +kein Bewusstsein ueber ihren _Ursprung_ hat, und ihr das Wesen ist, +vielmehr _fuer sich_ selbst oder das negative gegen dies positive +An-sich zu sein. + +Diese dem Gesetze des Herzens widersprechende Notwendigkeit, sowie +das durch sie vorhandene Leiden, aufzuheben, darauf ist also diese +Individualitaet gerichtet. Sie ist hiemit nicht mehr der Leichtsinn +der vorigen Gestalt, die nur die einzelne Lust wollte, sondern die +Ernsthaftigkeit eines hohen Zwecks, die ihre Lust in der Darstellung +ihres _vortrefflichen_ eigenen Wesens und in der Hervorbringung des +_Wohls der Menschheit_ sucht. Was sie verwirklicht, ist selbst das +Gesetz, und ihre Lust daher zugleich die allgemeine aller Herzen. +Beides ist ihr _ungetrennt_; ihre Lust das Gesetzmaessige, und die +Verwirklichung des Gesetzes der allgemeinen Menschheit Bereitung +ihrer einzelnen Lust. Denn innerhalb ihrer selbst ist _unmittelbar_ +die Individualitaet und das Notwendige eins; das Gesetz Gesetz des +Herzens. Die Individualitaet ist noch nicht aus ihrer Stelle gerueckt, +und die Einheit beider nicht durch die vermittelnde Bewegung +derselben, noch nicht durch die Zucht zustande gekommen. Die +Verwirklichung des unmittelbaren _ungezogenen_ Wesens gilt fuer +Darstellung einer Vortrefflichkeit und fuer Hervorbringung des Wohls +der Menschheit. + +Das Gesetz dagegen, welches dem Gesetze des Herzens gegenuebersteht, +ist vom Herzen getrennt, und frei fuer sich. Die Menschheit, die ihm +angehoert, lebt nicht in der beglueckenden Einheit des Gesetzes mit dem +Herzen, sondern entweder in grausamer Trennung und Leiden, oder +wenigstens in der Entbehrung des Genusses _seiner selbst_ bei der +_Befolgung_ des Gesetzes, und in dem Mangel des Bewusstseins der +eignen Vortrefflichkeit bei der _Ueberschreitung_ desselben. Weil +jene gewalthabende goettliche und menschliche Ordnung von dem Herzen +getrennt ist, ist sie diesem ein _Schein_, welcher das verlieren soll, +was ihm noch zugesellt ist, naemlich die Gewalt und die Wirklichkeit. +Sie mag in ihrem _Inhalte_ wohl zufaelligerweise mit dem Gesetze des +Herzens uebereinstimmen, und dann kann sich dieses sie gefallen lassen; +aber nicht das Gesetzmaessige rein als solches ist ihm das Wesen, +sondern dass es darin das Bewusstsein _seiner selbst_, dass es _sich_ +darin befriedigt habe. Wo der Inhalt der allgemeinen Notwendigkeit +aber nicht mit dem Herzen uebereinstimmt, ist sie auch ihrem Inhalte +nach nichts an sich, und muss dem Gesetze des Herzens weichen. + +Das Individuum _vollbringt_ also das Gesetz seines Herzens; es wird +_allgemeine Ordnung_, und die Lust zu einer an und fuer sich +gesetzmaessigen Wirklichkeit. Aber in dieser Verwirklichung ist es ihm +in der Tat entflohen; es wird unmittelbar nur das Verhaeltnis, welches +aufgehoben werden sollte. Das Gesetz des Herzens hoert eben durch +seine Verwirklichung auf, Gesetz des _Herzens_ zu sein. Denn es +erhaelt darin die Form des _Seins_, und ist nun _allgemeine Macht_, +fuer welche _dieses_ Herz gleichgueltig ist, so dass das Individuum +_seine eigene_ Ordnung dadurch, dass es sie _aufstellt_, nicht mehr +als die seinige findet. Durch die Verwirklichung seines Gesetzes +bringt es daher nicht _sein_ Gesetz, sondern indem sie _an sich_ die +seinige, fuer es aber eine fremde ist, nur dies hervor, in die +wirkliche Ordnung sich zu verwickeln; und zwar in sie als eine ihm +nicht nur fremde, sondern feindliche Uebermacht.--Durch seine Tat +setzt es sich _in_ oder vielmehr _als_ das allgemeine Element der +seienden Wirklichkeit, und seine Tat soll selbst nach seinem Sinne +den Wert einer allgemeinen Ordnung haben. Aber damit hat es sich von +sich selbst _freigelassen_, es waechst als Allgemeinheit fuer sich fort +und reinigt sich von der Einzelnheit; das Individuum, welches die +Allgemeinheit nur in der Form seines unmittelbaren Fuer-sich-seins +erkennen will, erkennt sich also nicht in dieser freien Allgemeinheit, +waehrend es ihr zugleich angehoert, denn sie ist sein Tun. Dies Tun +hat daher die verkehrte Bedeutung, der allgemeinen Ordnung zu +_widersprechen_, denn seine Tat soll Tat _seines_ einzelnen Herzens, +nicht freie allgemeine Wirklichkeit sein; und zugleich hat es sie in +der Tat _anerkannt_, denn das Tun hat den Sinn, sein Wesen als _freie +Wirklichkeit_ zu setzen, das heisst die Wirklichkeit als sein Wesen +anzuerkennen. + +Das Individuum hat durch den Begriff seines Tuns die naehere Weise +bestimmt, in welcher die wirkliche Allgemeinheit, der es sich +angehoerig gemacht, sich gegen es kehrt. Seine Tat gehoert als +_Wirklichkeit_ dem Allgemeinen an; ihr Inhalt aber ist die eigene +Individualitaet, welche sich als diese _einzelne_ dem Allgemeinen +entgegengesetzte erhalten will. Es ist nicht irgendein bestimmtes +Gesetz, von dessen Aufstellung die Rede waere, sondern die +unmittelbare Einheit des einzelnen Herzens mit der Allgemeinheit ist +der zum Gesetze erhobene und geltensollende Gedanke, dass in dem, was +Gesetz ist, _jedes Herz sich_ selbst erkennen muss. Aber nur das Herz +dieses Individuums hat seine Wirklichkeit in seiner Tat, welche ihm +sein _Fuer-sich-sein_ oder _seine Lust_ ausdrueckt, gesetzt. Sie soll +unmittelbar als Allgemeines gelten, das heisst, sie ist in Wahrheit +etwas Besonderes, und hat nur die Form der Allgemeinheit, sein +_besonderer_ Inhalt soll _als solcher_ fuer allgemein gelten. Daher +finden in diesem Inhalte die andern nicht das Gesetz ihres Herzens, +sondern vielmehr das _eines andern_ vollbracht, und eben nach dem +allgemeinen Gesetze, dass in dem, was Gesetz ist, jedes sein Herz +finden soll, kehren sie sich ebenso gegen die Wirklichkeit, welche +_es_ aufstellte, als es sich gegen die ihrige kehrte. Das Individuum +findet also, wie zuerst nur das starre Gesetz, itzt die Herzen der +Menschen selbst seinen vortrefflichen Absichten entgegen und zu +verabscheuen. + +Weil dies Bewusstsein die Allgemeinheit nur erst als _unmittelbare_, +und die Notwendigkeit als Notwendigkeit des _Herzens_ kennt, ist ihm +die Natur der Verwirklichung und der Wirksamkeit unbekannt, dass sie +als das _Seiende_ in ihrer Wahrheit vielmehr das _an sich Allgemeine_ +ist, worin die Einzelnheit des Bewusstseins, die sich ihr anvertraut, +um als _diese_ unmittelbare _Einzelnheit_ zu _sein_, vielmehr +untergeht; statt dieses _seines Seins_ erlangt es also in dem Sein +die Entfremdung _seiner selbst_. Dasjenige, worin es sich nicht +erkennt, ist aber nicht mehr die tote Notwendigkeit, sondern die +Notwendigkeit als belebt durch die allgemeine Individualitaet. Es +nahm diese goettliche und menschliche Ordnung, die es geltend vorfand, +fuer eine tote Wirklichkeit, worin, wie es selbst, das sich als dieses +fuer sich seiende dem Allgemeinen entgegengesetzte Herz fixiert, so +die ihr angehoeren, das Bewusstsein ihrer selbst nicht haetten; es +findet sie aber vielmehr von dem Bewusstsein aller belebt, und als +Gesetz aller Herzen. Es macht die Erfahrung, dass die Wirklichkeit +belebte Ordnung ist, zugleich in der Tat eben dadurch, dass es das +Gesetz seines Herzens verwirklicht; denn dies heisst nichts anders, +als dass die Individualitaet sich als Allgemeines zum Gegenstande wird, +worin es sich aber nicht erkennt. + +Was also dieser Gestalt des Selbstbewusstseins aus ihrer Erfahrung als +das Wahre hervorgeht, _widerspricht_ dem, was sie _fuer sich_ ist. +Was sie aber fuer sich ist, hat selbst die Form absoluter +Allgemeinheit fuer sie, und es ist das Gesetz des Herzens, welches mit +dem _Selbst_bewusstsein unmittelbar eins ist. Zugleich ist die +bestehende und lebendige Ordnung ebenso sein _eigenes Wesen_ und Werk, +es bringt nichts anders hervor als sie; sie ist in gleich +unmittelbarer Einheit mit dem Selbstbewusstsein. Dieses ist auf diese +Weise, einer gedoppelten entgegengesetzten Wesenheit angehoerend, an +sich selbst widersprechend, und im Innersten zerruettet. Das Gesetz +_dieses_ Herzens ist nur dasjenige, worin das Selbstbewusstsein sich +selbst erkennt; aber die allgemeine gueltige Ordnung ist durch die +Verwirklichung jenes Gesetzes, ebenso ihm sein eigenes _Wesen_ und +seine eigene _Wirklichkeit_ geworden; was in seinem Bewusstsein sich +also widerspricht, ist beides in der Form des Wesens und seiner +eignen Wirklichkeit fuer es. + +Indem es dies Moment seines sich bewussten Untergangs und darin das +Resultat seiner Erfahrung ausspricht, zeigt es sich als diese innere +Verkehrung seiner Selbst, als die Verruecktheit des Bewusstseins, +welchem sein Wesen unmittelbar Unwesen, seine Wirklichkeit +unmittelbar Unwirklichkeit ist.--Die Verruecktheit kann nicht dafuer +gehalten werden, dass ueberhaupt etwas Wesenloses fuer wesentlich, etwas +Nichtwirkliches fuer wirklich gehalten werde, so dass das, was fuer den +einen wesentlich oder wirklich ist, es fuer einen andern nicht waere, +und das Bewusstsein der Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit oder der +Wesenheit und Unwesenheit auseinander fielen.--Wenn etwas in der Tat +fuer das Bewusstsein ueberhaupt wirklich und wesentlich, fuer mich aber +nicht ist, so habe ich in dem Bewusstsein seiner Nichtigkeit, zugleich +da ich Bewusstsein ueberhaupt bin, das Bewusstsein seiner Wirklichkeit, +--und indem sie beide fixiert sind, so ist dies eine Einheit, welche +der Wahnsinn im Allgemeinen ist. In diesem ist aber nur ein +_Gegenstand_ fuer das Bewusstsein verrueckt; nicht das Bewusstsein als +solches in und fuer sich selbst. In dem Resultate des Erfahrens, das +sich hier ergeben hat, ist aber das Bewusstsein in seinem Gesetze sich +_seiner selbst_ als dieses Wirklichen bewusst; und zugleich, indem ihm +ebendieselbe Wesenheit, dieselbe Wirklichkeit _entfremdet_ ist, ist +es als Selbstbewusstsein, als absolute Wirklichkeit sich seiner +Unwirklichkeit bewusst, oder die beiden Seiten gelten ihm nach ihrem +Widerspruche unmittelbar als _sein Wesen,_ das also im Innersten +verrueckt ist. + +Das Herzklopfen fuer das Wohl der Menschheit geht darum in das Toben +des verrueckten Eigenduenkels ueber; in die Wut des Bewusstseins, gegen +seine Zerstoerung sich zu erhalten, und dies dadurch, dass es die +Verkehrtheit, welche es selbst ist, aus sich herauswirft, und sie als +ein Anderes anzusehen und auszusprechen sich anstrengt. Es spricht +also die allgemeine Ordnung aus, als eine von fanatischen Priestern, +schwelgenden Despoten und fuer ihre Erniedrigung hinabwaerts durch +Erniedrigen und Unterdruecken sich entschaedigenden Dienern derselben +erfundne und zum namenlosen Elende der betrognen Menschheit +gehandhabte Verkehrung des Gesetzes des Herzens und seines Glueckes. +--Das Bewusstsein spricht in dieser seiner Verruecktheit die +_Individualitaet_ als das Verrueckende und Verkehrte aus, aber eine +_fremde_ und _zufaellige_. Aber das Herz, oder die _unmittelbar +allgemeinseinwollende Einzelnheit des Bewusstseins_ ist dies +Verrueckende und Verkehrte selbst, und sein Tun nur die Hervorbringung +dessen, dass dieser Widerspruch _seinem_ Bewusstsein wird. Denn das +Wahre ist ihm das Gesetz des Herzens--ein bloss _gemeintes_, das nicht, +wie die bestehende Ordnung, den Tag ausgehalten hat, sondern +vielmehr, wie es sich diesem zeigt, zugrunde geht. Dies sein Gesetz +sollte _Wirklichkeit_ haben; hierin ist ihm das Gesetz als +_Wirklichkeit_, als _geltende Ordnung_ Zweck und Wesen, aber +unmittelbar ist ihm ebenso die _Wirklichkeit_, eben das Gesetz als +_geltende Ordnung_, vielmehr das Nichtige.--Ebenso seine _eigne_ +Wirklichkeit, _es selbst_ als Einzelnheit des Bewusstseins ist sich +das Wesen; aber es ist ihm Zweck, sie _seiend_ zu setzen; es ist ihm +also unmittelbar vielmehr sein Selbst als Nichteinzelnes das Wesen, +oder Zweck als Gesetz, eben darin als eine Allgemeinheit, welche es +fuer sein Bewusstsein selbst sei.--Dieser sein Begriff wird durch sein +Tun zu seinem Gegenstande; sein Selbst erfaehrt es also vielmehr als +das Unwirkliche, und die Unwirklichkeit als seine Wirklichkeit. Es +ist also nicht eine zufaellige und fremde Individualitaet, sondern eben +dieses Herz nach allen Seiten in sich das Verkehrte und Verkehrende. + +Indem aber die unmittelbar allgemeine Individualitaet das Verkehrte +und Verkehrende ist, ist nicht weniger diese allgemeine Ordnung, da +sie das Gesetz aller _Herzen_, das heisst, des Verkehrten ist, selbst +an sich das Verkehrte, wie die tobende Verruecktheit es aussprach. +Einmal erweist sie sich in dem Widerstande, welchen das Gesetz eines +Herzens an den andern Einzelnen findet, _Gesetz_ aller Herzen zu sein. +Die bestehenden Gesetze werden gegen das Gesetz eines Individuums +verteidigt, weil sie nicht bewusstlose, leere und tote Notwendigkeit, +sondern geistige Allgemeinheit und Substanz sind, worin diejenigen, +an denen sie ihre Wirklichkeit hat, als Individuen leben, und ihrer +selbst bewusst sind; so dass, wenn sie auch ueber diese Ordnung, als ob +sie dem innern Gesetze zuwiderlaufe, klagen und die Meinungen des +Herzens gegen sie halten, in der Tat mit ihrem Herzen an ihr als +ihrem Wesen haengen; und wenn diese Ordnung ihnen genommen wird, oder +sie selbst sich daraussetzen, sie alles verlieren. Indem hierin eben +die Wirklichkeit und Macht der oeffentlichen Ordnung besteht, +erscheint also diese als das sich selbst gleiche allgemein belebte +Wesen, und die Individualitaet als die Form derselben.--Aber diese +Ordnung ist ebenso das Verkehrte. + +Denn darin, dass sie das Gesetz aller Herzen ist, dass alle Individuen +unmittelbar dieses Allgemeine sind, ist sie eine Wirklichkeit, welche +nur die Wirklichkeit der _fuer sich seienden_ Individualitaet, oder des +Herzens ist. Das Bewusstsein, welches das Gesetz seines Herzens +aufstellt, erfaehrt also Widerstand von andern, weil es den _ebenso +einzelnen_ Gesetzen ihres Herzens widerspricht, und diese tun in +ihrem Widerstande nichts anders als ihr Gesetz aufstellen und geltend +machen. Das _Allgemeine_, das vorhanden ist, ist daher nur ein +allgemeiner Widerstand und Bekaempfung aller gegeneinander, worin +jeder seine eigene Einzelnheit geltend macht, aber zugleich nicht +dazu kommt, weil sie denselben Widerstand erfaehrt, und durch die +andern gegenseitig aufgeloest wird. Was oeffentliche _Ordnung_ scheint, +ist also diese allgemeine Befehdung, worin jeder an sich reisst, was +er kann, die Gerechtigkeit an der Einzelnheit der Andern ausuebt und +die seinige festsetzt, die ebenso durch andere verschwindet. Sie ist +der _Weltlauf_, der Schein eines bleibenden Ganges, der nur eine +_gemeinte Allgemeinheit_, und dessen Inhalt vielmehr das wesenlose +Spiel der Festsetzung der Einzelnheiten und ihrer Aufloesung ist. + +Betrachten wir beide Seiten der allgemeinen Ordnung gegeneinander, so +hat die letztere Allgemeinheit zu ihrem Inhalte die unruhige +Individualitaet, fuer welche die Meinung oder die Einzelnheit Gesetz, +das Wirkliche unwirklich und das Unwirkliche das Wirkliche ist. Sie +ist aber zugleich die _Seite der Wirklichkeit_ der Ordnung, denn ihr +gehoert das _Fuer-sich-sein_ der Individualitaet an.--Die andere Seite +ist das _Allgemeine_ als _ruhiges_ Wesen, aber eben darum nur als ein +_Inneres_, das nicht gar nicht, aber doch keine Wirklichkeit ist, und +nur durch Aufhebung der Individualitaet, welche sich die Wirklichkeit +angemasst hat, selbst wirklich werden kann. Diese Gestalt des +Bewusstseins, sich in dem Gesetze, in dem _an sich_ Wahren und Guten +nicht als die Einzelnheit, sondern nur als _Wesen_ zu werden, die +Individualitaet aber als das Verkehrte und Verkehrende zu wissen, und +daher die Einzelnheit des Bewusstseins aufopfern zu muessen, ist die +_Tugend_. + + +c. Die Tugend und der Weltlauf + +In der ersten Gestalt der taetigen Vernunft war das Selbstbewusstsein +sich reine Individualitaet, und ihr gegenueber stand die leere +Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des +Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualitaet, an +ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der +andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhaeltnisse der Tugend und +des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser +Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualitaet +gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewusstsein der Tugend +ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualitaet das +Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewusstsein selbst als an dem +Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualitaet in die Zucht unter +das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber +darin noch persoenliches Bewusstsein; die wahre Zucht ist allein die +Aufopfrung der ganzen Persoenlichkeit, als die Bewaehrung, dass es in +der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser +einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualitaet an _dem +Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden +gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhaelt sich die Individualitaet +auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewusstsein gesetzt +ist, naemlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute +und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso fuer +die Tugend nicht nur dies durch die _Individualitaet verkehrte_ +Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls +gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende +Wirklichkeit_ fuer das Bewusstsein vorhanden, sondern das _innere +Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend +eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_, +Bewusstsein der Individualitaet, und diese vielmehr aufzuheben; durch +dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur +Raum gemacht, an und fuer sich selbst in die Existenz zu treten. + +Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon +ergeben; naeher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden +vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewusstseins. Aus ihnen ist die +Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat +sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben, +und sich zu realisieren, oder _fuer sich_ zu werden. Der Weltlauf ist +also einerseits die einzelne Individualitaet, welche ihre Lust und +Genuss sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das +Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die +uebrigen Momente dieses Verhaeltnisses ist eine verkehrte Gestalt und +Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit +der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt; +eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur +negative Rueckwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des +Weltlaufs ist die Individualitaet, welche an und fuer sich Gesetz sein +will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stoert; das +allgemeine Gesetz erhaelt sich zwar gegen diesen Eigenduenkel, und +tritt nicht mehr als ein dem Bewusstsein Entgegengesetztes und Leeres, +nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in +dem Bewusstsein selbst_. Aber wie es als die _bewusste_ Beziehung der +absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die +Verruecktheit; wie es aber als _gegenstaendliche_ Wirklichkeit ist, ist +es die Verkehrtheit ueberhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl +in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die +_Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung. + +Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten, +durch das Aufheben der Individualitaet, des Prinzips der Verkehrung; +ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren +und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem +Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich; +und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum +Schauen zu erheben, ohne aber der Fruechte ihrer Arbeit und +Aufopferung zu geniessen. Denn insofern sie _Individualitaet_ ist, ist +sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr +Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des +Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das +Aufhoeren ihres _Tuns_, oder des _Bewusstseins_ der Individualitaet. +--Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm +erfaehrt, ob durch die Aufopferung, welche sie ueber sich nimmt, der +Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muss sich aus der +Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kaempfer fuehren. +Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kaempfer +selbst, das nur fuer sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen +haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe +vorhanden ist. + +Das _Allgemeine_ ist fuer das tugendhafte Bewusstsein im _Glauben_ oder +_an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine +_abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewusstsein selbst ist es _als +Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung +stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend fuer den Weltlauf dar; +denn sie _will_ das Gute erst ausfuehren, und gibt selbst es noch +nicht fuer Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so +betrachtet werden, dass das Gute, indem es in dem Kampf gegen den +Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _fuer ein Anderes_; +als etwas, das nicht _an und fuer sich selbst_ ist, denn sonst wuerde +es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit +geben wollen. Es ist nur erst _fuer ein Anderes_, heisst dasselbe, was +vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte, +naemlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem +Verhaeltnisse, nicht an und fuer sich, Realitaet hat. + +Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige, +was die _Gaben, Faehigkeiten, Kraefte_ genannt wird. Es ist eine Weise +des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird, +das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualitaet +bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip, +insofern es am Bewusstsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut +angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _missbraucht_; +--ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualitaet +regiert, gleichgueltig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch +zur Hervorbringung einer Wirklichkeit missbraucht werden kann, die +seine Zerstoerung ist; eine leblose, eigner Selbststaendigkeit +entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem +Verderben geformt werden kann. + +Indem dies Allgemeine dem Bewusstsein der Tugend, wie dem Weltlaufe +auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so +ausgeruestet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind +dieselben; sie sind diese Faehigkeiten und Kraefte. Zwar hat die +Tugend ihren Glauben an die urspruengliche Einheit ihres Zweckes und +des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde +waehrend des Kampfes in den Ruecken fallen, und _an sich_ ihn +vollbringen soll; so dass hiedurch in der Tat fuer den Ritter der +Tugend sein eignes _Tun_ und Kaempfen eigentlich eine Spiegelfechterei +ist, die er nicht fuer Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte +Staerke darein setzt, dass das Gute _an und fuer sich selbst_ sei, d.h. +sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum +Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind +kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und +Beschaedigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt, +soll nicht das Gute selbst sein; denn fuer dessen Bewahrung und +Ausfuehrung kaempft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die +gleichgueltigen Gaben und Faehigkeiten. Allein diese sind in der Tat +nichts anderes als eben dasjenige individualitaetslose Allgemeine +selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll. +--Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst +unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das +_Allgemeine_; und seine Verwirklichung heisst nur dieses, dass es +_zugleich fuer ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten, +nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr +getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide +Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewusstsein tritt aber in den +Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes; +was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als +abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualitaet +belebtes und fuer ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo +also die Tugend den Weltlauf anfasst, trifft sie immer auf solche +Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle +Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs, +unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben +auch sein Dasein hat; er ist also fuer sie unverwundbar. Ebensolche +Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhaeltnisse, sind +alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und +aufgeopfert werden sollten. Das Kaempfen kann daher nur ein Schwanken +zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder +Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die +Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein +darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat +auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur +kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muss auch die des +Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schuetzen, denn +alle sind edle Teile des Guten, fuer welches sie in den Kampf ging. + +Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die +_Individualitaet_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip, +welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den +Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist +ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiss als durch den Widerspruch, +in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_ +ist, ist dem Weltlaufe nur fuer _ihn_; er ist frei von jedem Momente, +das fuer sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches +Moment dadurch, dass es fuer ihn nur als ein solches gilt, das er +ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und +damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann +sich davon nicht als von einem aeusserlich umgeworfenen Mantel +loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn +es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen. + +Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_ +dem Weltlaufe listigerweise in den Ruecken fallen soll, so ist diese +Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst +gewisse Bewusstsein, das nicht von hinten an sich kommen laesst, sondern +allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, dass alles _fuer +ihn_ ist, dass alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es +_fuer_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben; +insofern es aber nicht _fuer ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das +passive Werkzeug der Gaben und Faehigkeiten, die wirklichkeitslose +Materie; als Dasein vorgestellt, waere es ein schlafendes und dahinten, +man weiss nicht wo, bleibendes Bewusstsein. + +Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte, +unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung +der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in +den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung +der Individualitaet_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die +Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der +_Individualitaet_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und +dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach +seiner Realitaet und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_. +Das _An-sich_ ist zunaechst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die +Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht +wahrhaft, sondern nur _fuer das Bewusstsein_ ist; das heisst aber, es +ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche +ist, was wesentlich _fuer ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_. +Das Bewusstsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des +_An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf +sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualitaet_ zu +seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_; +denn eben sie ist das Bewusstsein, wodurch das _Ansichseiende_ +ebensosehr _fuer ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber +er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein +der Realitaet_. + +Der Weltlauf siegt also ueber das, was die Tugend im Gegensatze gegen +ihn ausmacht; er siegt ueber sie, der die wesenlose Abstraktion das +Wesen ist. Er siegt aber nicht ueber etwas Reales, sondern ueber das +Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, ueber diese +pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrueckung +derselben, von der Aufopferung fuers Gute und dem Missbrauche der Gaben; +--solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen, +welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber +nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt +aussprechen, dass das Individuum, welches fuer solche edle Zwecke zu +handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten fuehrt, sich fuer +ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und +andern den Kopf gross macht, aber gross von einer leeren +Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere +Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre +_inhaltsvolle Grundlage_, und ein _wirkliches schon existierendes_ +Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die +Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen +_Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz +heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und +der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem +Weltlaufe kaempfenden Rednerei wuerde sich sogleich aufdecken, wenn +gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden +daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu +sagen, wuerde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten +erfuellt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches +_innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heisst, die Unvermoegenheit, +_es in der Tat_ zu sagen, wuerde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener +Rednerei scheint auch auf eine bewusstlose Art fuer die Bildung unsers +Zeitalters Gewissheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse +jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles +Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrueckt, +dass sie nur Langeweile machen. + +Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht +darin, dass das Bewusstsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten, +das noch keine Wirklichkeit haette, als einen leeren Mantel fahren +laesst. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, dass der +Weltlauf so uebel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit +ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es faellt mit dieser Erfahrung +das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualitaet das Gute +hervorzubringen, hinweg; denn die Individualitaet ist gerade die +_Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hoert auf, als +eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr +eben die Verkehrung desselben als eines blossen Zwecks in die +Wirklichkeit; die Bewegung der Individualitaet ist die Realitaet des +Allgemeinen. + +In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und +verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewusstsein des Ansichseienden +gegenueberstand. Das _Fuer-sich-sein_ der Individualitaet war daran dem +Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem +_An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat, +dass die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist, +so erweist sich das _Fuer-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das +_An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein. +Die Individualitaet des Weltlaufs mag wohl nur _fuer sich_ oder +_eigennuetzig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr +Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie +eigennuetzig handelt, so weiss sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie +versichert, alle Menschen handeln eigennuetzig, so behauptet sie nur, +alle Menschen haben kein Bewusstsein darueber, was das Tun ist.--Wenn +sie _fuer sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur +erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des +_Fuer-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt +meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklaerungen, die +den Eigennutz ueberall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden +als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei. + +Es ist also _das Tun und Treiben der Individualitaet Zweck an sich +selbst; der Gebrauch der Kraefte, das Spiel ihrer Aeusserungen ist es_, +was ihnen, die sonst das tote An-sich waeren, Leben gibt, das An-sich +nicht ein unausgefuehrtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines, +sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit +des Prozesses der Individualitaet. + + +C. Die Individualitaet, welche sich an und fuer sich selbst reell ist + +Das Selbstbewusstsein hat itzt den Begriff von sich erfasst, der erst +nur der unsrige von ihm war, naemlich in der Gewissheit seiner selbst +alle Realitaet zu sein, und Zweck und Wesen ist ihm nunmehr die sich +bewegende Durchdringung des Allgemeinen--der Gaben und +Faehigkeiten--und der Individualitaet.--Die einzelnen Momente dieser +Erfuellung und Durchdringung _vor der Einheit_, in welche sie +zusammengegangen, sind die bisher betrachteten Zwecke. Sie sind als +Abstraktionen und Chimaeren verschwunden, die jenen ersten schalen +Gestalten des geistigen Selbstbewusstseins angehoeren, und ihre +Wahrheit nur in dem gemeinten Sein des Herzens, der Einbildung und +der Reden haben, nicht in der Vernunft, die itzt an und fuer sich +ihrer Realitaet gewiss, sich nicht mehr als Zweck im _Gegensatze_ gegen +die unmittelbarseiende Wirklichkeit erst hervorzubringen sucht, +sondern zum Gegenstande ihres Bewusstseins die Kategorie als solche +hat.--Es ist naemlich die Bestimmung _des fuer sich seienden_ oder +_negativen_ Selbstbewusstseins, in welcher die Vernunft auftrat, +aufgehoben; _es fand_ eine _Wirklichkeit_ vor, die das Negative +seiner waere, und durch deren Aufheben es erst sich seinen _Zweck_ +verwirklichte. Indem aber _Zweck_ und _An-sich-sein_ als dasselbe +sich ergeben hat, was das _Sein_ fuer _Anderes_ und die _vorgefundene +Wirklichkeit_ ist, trennt sich die Wahrheit nicht mehr von der +Gewissheit; es werde nun der gesetzte Zweck fuer die Gewissheit seiner +selbst, und die Verwirklichung desselben fuer die Wahrheit, oder aber +der Zweck fuer die Wahrheit, und die Wirklichkeit fuer die Gewissheit +genommen; sondern das Wesen und der Zweck an und fuer sich selbst ist +die Gewissheit der unmittelbaren Realitaet selbst, die Durchdringung +des _An-sich-_ und _Fuer-sich-seins_, des Allgemeinen und der +Individualitaet; das Tun ist an ihm selbst seine Wahrheit und +Wirklichkeit, und die _Darstellung_ oder das _Aussprechen der +Individualitaet_ ist ihm Zweck an und fuer sich selbst. + +Mit diesem Begriffe ist also das Selbstbewusstsein aus den +entgegengesetzten Bestimmungen, welche die Kategorie fuer es und sein +Verhalten zu ihr als beobachtendes und dann als taetiges hatte, in +sich zurueckgegangen. Es hat die reine Kategorie selbst zu seinem +Gegenstande, oder es ist die Kategorie, welche ihrer selbst bewusst +geworden. Die Rechnung ist dadurch mit seinen vorherigen Gestalten +abgeschlossen; sie liegen hinter ihm in Vergessenheit, treten nicht +als seine vorgefundne Welt gegenueber, sondern entwickeln sich nur +innerhalb seiner selbst als durchsichtige Momente. Doch treten sie +noch in seinem Bewusstsein als eine _Bewegung_ unterschiedner Momente +auseinander, die sich noch nicht in ihre substantielle Einheit +zusammengefasst hat. Aber in _allen_ haelt es die einfache Einheit des +Seins und des Selbsts fest, die ihre _Gattung_ ist.-Das Bewusstsein +hat hiemit allen Gegensatz und alle Bedingung seines Tuns abgeworfen; +es geht frisch _von sich_ aus, und nicht auf _ein Anderes_, sondern +_auf sich selbst_. Indem die Individualitaet die Wirklichkeit an ihr +selbst ist, ist der _Stoff_ des Wirkens und der _Zweck_ des Tuns an +dem Tun selbst. Das Tun hat daher das Ansehen der Bewegung eines +Kreises, welcher frei im Leeren sich in sich selbst bewegt, +ungehindert bald sich erweitert, bald verengert, und vollkommen +zufrieden nur in und mit sich selbst spielt. Das Element, worin die +Individualitaet ihre Gestalt darstellt, hat die Bedeutung eines reinen +Aufnehmens dieser Gestalt; es ist der Tag ueberhaupt, dem das +Bewusstsein sich zeigen will. Das Tun veraendert nichts, und geht +gegen nichts; es ist die reine Form des Uebersetzens aus dem +_Nichtgesehenwerden_ in das _Gesehenwerden_, und der Inhalt, der +zutage ausgebracht wird, und sich darstellt, nichts anderes, als was +dieses Tun schon an sich ist. Es ist _an sich_--dies ist seine Form +als _gedachter_ Einheit; und es ist _wirklich_--dies ist seine Form +als _seiender_ Einheit; es selbst ist _Inhalt_ nur in dieser +Bestimmung der Einfachheit gegen die Bestimmung seines Uebergehens und +seiner Bewegung. + + +a. Das geistige Tierreich und der Betrug,oder die Sache selbst + +Diese an sich reale Individualitaet ist zuerst wieder eine _einzelne_ +und _bestimmte_; die absolute Realitaet, als welche sie sich weiss, ist +daher, wie sie derselben sich bewusst wird, die _abstrakte allgemeine_, +welche ohne Erfuellung und Inhalt, nur der leere Gedanke dieser +Kategorie ist.--Es ist zu sehen, wie dieser Begriff der an sich +selbst realen Individualitaet in seinen Momenten sich bestimmt, und +wie ihr ihr Begriff von ihr selbst in das Bewusstsein tritt. + +Der Begriff dieser Individualitaet, wie sie als solche fuer sich selbst +alle Realitaet ist, ist zunaechst _Resultat_; sie hat ihre Bewegung und +Realitaet noch nicht dargestellt, und ist hier _unmittelbar_ als +_einfaches An-sich-sein_ gesetzt. Die Negativitaet aber, welche +dasselbe ist, was als Bewegung erscheint, ist an dem _einfachen +An-sich_ als _Bestimmtheit_; und das _Sein_ oder das einfache An-sich +wird ein bestimmter Umfang. Die Individualitaet tritt daher als +urspruengliche bestimmte Natur auf--als _urspruengliche_ Natur, denn +sie _ist an sich_; als urspruenglich _bestimmte_, denn das Negative +ist am _An-sich_, und dieses ist dadurch eine Qualitaet. Diese +Beschraenkung des Seins jedoch kann _das Tun_ des Bewusstseins _nicht +beschraenken_, denn dieses ist hier ein vollendetes +_Sich-auf-sich-selbst_-beziehen; die Beziehung auf Anderes ist +aufgehoben, welche die Beschraenkung desselben waere. Die +urspruengliche Bestimmtheit der Natur ist daher nur einfaches +Prinzip--ein durchsichtiges allgemeines Element, worin die +Individualitaet ebenso frei und sich selbst gleich bleibt, als sie +darin ungehindert ihre Unterschiede entfaltet, und reine +Wechselwirkung mit sich in ihrer Verwirklichung ist. Wie das +unbestimmte Tierleben etwa dem Elemente des Wassers, der Luft oder +der Erde, und innerhalb dieser wieder bestimmtern Prinzipien seinen +Odem einblaest, alle seine Momente in sie eintaucht, aber sie jener +Beschraenkung des Elements ungeachtet in seiner Macht und sich in +seinem Eins erhaelt, und als diese besondere Organisation dasselbe +allgemeine Tierleben bleibt. + +Diese bestimmte urspruengliche _Natur_ des in ihr frei und ganz +bleibenden Bewusstseins erscheint als der unmittelbare und einzige +eigentliche _Inhalt_ dessen, was dem Individuum Zweck ist; er ist +zwar _bestimmter_ Inhalt, aber er ist ueberhaupt _Inhalt_ nur, +insofern wir das _An-sich_-sein isoliert betrachten; in Wahrheit aber +ist er die von der Individualitaet durchdrungene Realitaet; die +Wirklichkeit, wie sie das Bewusstsein als einzelnes an ihm selbst hat, +und zunaechst _als seiend_, noch nicht als tuend gesetzt ist. Fuer das +Tun aber ist einesteils jene Bestimmtheit darum nicht Beschraenkung, +ueber welche es hinauswollte, weil sie als seiende Qualitaet betrachtet +die einfache Farbe des Elements ist, worin es sich bewegt; +andernteils aber ist die Negativitaet _Bestimmtheit_ nur am Sein; aber +das _Tun_ ist selbst nichts anderes als die Negativitaet; an der +tuenden Individualitaet ist also die Bestimmtheit aufgeloest in +Negativitaet ueberhaupt, oder den Inbegriff aller Bestimmtheit. + +Die einfache urspruengliche Natur nun tritt in dem _Tun_ und dem +Bewusstsein des Tuns in den Unterschied, welcher diesem zukommt. Es +ist _zuerst_ als Gegenstand, und zwar als _Gegenstand_, wie er noch +dem _Bewusstsein_ angehoert, als _Zweck_ vorhanden, und somit +entgegengesetzt einer vorhandenen Wirklichkeit. Das _andere_ Moment +ist die _Bewegung_ des als ruhend vorgestellten Zwecks, die +Verwirklichung als die Beziehung des Zwecks auf die ganz formelle +Wirklichkeit, hiemit die Vorstellung des _Ueberganges_ selbst, oder +das _Mittel_. Das _dritte_ ist endlich der Gegenstand, wie er nicht +mehr Zweck, dessen das Tuende unmittelbar als des _seinigen sich_ +bewusst ist, sondern wie er aus ihm heraus und _fuer es_ als ein +_Anderes_ ist.--Diese verschiedenen Seiten sind nun aber nach dem +Begriffe dieser Sphaere so festzuhalten, dass der Inhalt in ihnen +derselbe bleibt, und kein Unterschied hereinkommt, weder der +Individualitaet und des Seins ueberhaupt, noch des _Zwecks_ gegen die +_Individualitaet_ als _urspruengliche Natur_, noch gegen die vorhandne +Wirklichkeit, ebenso nicht des _Mittels_ gegen sie als absoluten +_Zweck_, noch der _bewirkten Wirklichkeit_ gegen den Zweck oder die +urspruengliche Natur oder das Mittel. + +Vors erste also ist die urspruenglich bestimmte Natur der +Individualitaet, ihr unmittelbares Wesen noch nicht als tuend gesetzt, +und heisst so _besondere_ Faehigkeit, Talent, Charakter u.s.f. Diese +eigentuemliche Tinktur des Geistes ist als der einzige Inhalt des +Zwecks selbst, und ganz allein als die Realitaet zu betrachten. +Stellte man sich das Bewusstsein vor als darueber hinausgehend und +einen andern Inhalt zur Wirklichkeit bringen wollend, so stellte man +es sich vor als _ein Nichts_ in _das Nichts_ hinarbeitend.--Dies +urspruengliche Wesen ist ferner nicht nur Inhalt des Zwecks, sondern +an sich auch die _Wirklichkeit_, welche sonst als _gegebener_ Stoff +des Tuns, als _vorgefundene_ und im Tun zu bildende Wirklichkeit +erscheint. Das Tun ist naemlich nur reines Uebersetzen aus der Form +des noch nicht dargestellten in die des dargestellten Seins; das +An-sich-sein jener dem Bewusstsein entgegengesetzten Wirklichkeit ist +zum blossen leeren Scheine herabgesunken. Dies Bewusstsein, indem es +sich zum Handeln bestimmt, laesst sich also durch den Schein der +vorhandenen Wirklichkeit nicht irre machen, und ebenso hat es sich +aus dem Herumtreiben in leeren Gedanken und Zwecken auf den +urspruenglichen Inhalt seines Wesens zusammenzuhalten.--Dieser +urspruengliche Inhalt ist zwar erst _fuer_ das Bewusstsein, _indem es +ihn verwirklicht hat_; der Unterschied aber eines solchen, das _fuer +das_ Bewusstsein nur _innerhalb seiner_, und einer ausser ihm an sich +seienden Wirklichkeit ist hinweggefallen.--Nur dass _fuer es_ sei, was +es _an sich_ ist, muss es handeln, oder das Handeln ist eben das +Werden des Geistes _als Bewusstsein_. Was es _an sich_ ist, weiss es +also aus seiner Wirklichkeit. Das Individuum kann daher nicht wissen, +was _es ist_, eh es sich durch das Tun zur Wirklichkeit gebracht hat. +--Es scheint aber hiemit den _Zweck_ seines Tuns nicht bestimmen zu +koennen, eh es getan hat; aber zugleich muss es, indem es Bewusstsein +ist, die Handlung vorher als die _ganz seinige_, das heisst als +_Zweck_ vor sich haben. Das ans Handeln gehende Individuum scheint +sich also in einem Kreise zu befinden, worin jedes Moment das andere +schon voraussetzt, und hiemit keinen Anfang finden zu koennen, weil es +sein urspruengliches Wesen, das sein Zweck sein muss, _erst aus der +Tat_ kennenlernt, aber um zu tun, _vorher den Zweck_ haben muss. +Ebendarum aber hat es _unmittelbar_ anzufangen und, unter welchen +Umstaenden es sei, ohne weiteres Bedenken um _Anfang, Mittel_ und +_Ende_ zur Taetigkeit zu schreiten; denn sein Wesen und +_ansich_seiende Natur ist alles in einem, Anfang, Mittel und Ende. +Als _Anfang_ ist sie in den _Umstaenden_ des Handelns vorhanden, und +das _Interesse_, welches das Individuum an etwas findet, ist die +schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist. +Denn was eine vorgefundene Wirklichkeit zu sein scheint, ist an sich +seine urspruengliche Natur, welche nur den Schein eines _Seins_ +hat--einen Schein, der in dem Begriffe des sich entzweienden Tuns +liegt--, aber als _seine_ urspruengliche Natur sich in dem _Interesse, +_ das es an ihr findet, ausspricht.--Ebenso ist das _Wie_ oder die +_Mittel_ an und fuer sich bestimmt. Das _Talent_ ist gleichfalls +nichts anders als die bestimmte urspruengliche Individualitaet, +betrachtet als _inneres Mittel_, oder _Uebergang_ des Zwecks zur +Wirklichkeit. Das _wirkliche_ Mittel aber und der reale Uebergang ist +die Einheit des Talents, und der im Interesse vorhandenen Natur der +Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite +des Inhalts vor, beide sind die Individualitaet selbst, als +Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind +vorgefundene _Umstaende_, die _an sich_ die urspruengliche Natur des +Individuums sind; als denn das Interesse, welches sie eben als das +_seinige_ oder als _Zweck_ setzt; endlich die Verknuepfung und +Aufhebung dieses Gegensatzes im _Mittel_. Diese Verknuepfung faellt +selbst noch innerhalb des Bewusstseins, und das soeben betrachtete +Ganze ist die eine Seite eines Gegensatzes. Dieser noch uebrige +Schein von Entgegensetzung wird durch den _Uebergang_ selbst oder das +_Mittel_ aufgehoben,--denn es ist _Einheit_ des Aeussern und Innern, +das Gegenteil der Bestimmtheit, welche es als _innres_ Mittel hat, es +hebt sie also auf und setzt sich, diese Einheit des Tuns und des +Seins ebenso als _Aeusseres_, als die wirklich gewordene Individualitaet +selbst; d.i. die _fuer sie selbst_ als das _Seiende_ gesetzt ist. Die +ganze Handlung tritt auf diese Weise weder als die _Umstaende_ noch +als _Zweck_ noch _Mittel_ noch als _Werk_ aus sich heraus. + +Mit dem Werke aber scheint der Unterschied der urspruenglichen Naturen +einzutreten; das Werk ist wie die urspruengliche Natur, welche es +ausdrueckt, ein _bestimmtes_, denn vom Tun frei entlassen als _seiende +Wirklichkeit_, ist die Negativitaet als Qualitaet an ihm. Das +Bewusstsein aber bestimmt sich ihm gegenueber als dasjenige, welches +die Bestimmtheit als Negativitaet _ueberhaupt_, als Tun, an ihm hat; es +ist also das Allgemeine gegen jene Bestimmtheit des Werks, kann es +also mit andern _vergleichen_ und hieraus die Individualitaeten selbst +als _verschiedene_ fassen; das in seinem Werke weiter uebergreifende +Individuum entweder als staerkere Energie des Willens, oder als +reichere Natur, das heisst eine solche, deren urspruengliche +Bestimmtheit weniger beschraenkt ist,--eine andere hingegen als eine +schwaechere und duerftigere Natur. Gegen diesen unwesentlichen +Unterschied der _Groesse_ wuerde das _Gute_ und _Schlechte_ einen +absoluten Unterschied ausdruecken; aber hier findet dieser nicht statt. +Was auf die eine oder andere Weise genommen wuerde, ist auf gleiche +Weise ein Tun und Treiben, ein Sich-darstellen und Aussprechen einer +Individualitaet, und darum alles gut, und es waere eigentlich nicht zu +sagen, was das Schlechte sein sollte. Was ein schlechtes Werk +genannt wuerde, ist das individuelle Leben einer bestimmten Natur, die +sich darin verwirklicht; zu einem schlechten Werke wuerde es nur durch +den vergleichenden Gedanken verdorben, der aber etwas Leeres ist, da +er ueber das Wesen des Werks, ein Sich-aussprechen der Individualitaet +zu sein, hinausgeht und sonst, man weiss nicht was, daran sucht und +fodert.--Er koennte nur den vorhin angefuehrten Unterschied betreffen; +dieser ist aber an sich, als Groesseunterschied, ein unwesentlicher; +und hier bestimmt darum, weil es verschiedene Werke oder +Individualitaeten waeren, die miteinander verglichen wuerden; aber diese +gehen einander nichts an; jedes bezieht sich nur auf sich selbst. +Die urspruengliche Natur ist allein das _An-sich_, oder das, was als +Massstab der Beurteilung des Werks und umgekehrt zugrunde gelegt +werden koennte; beides aber entspricht sich einander, es ist nichts +fuer die Individualitaet, was nicht _durch_ sie, oder es gibt keine +_Wirklichkeit_, die nicht ihre Natur und ihr Tun, und kein Tun noch +An-sich derselben, das nicht wirklich ist, und nur diese Momente sind +zu vergleichen. + +Es findet daher ueberhaupt weder _Erhebung_, noch _Klage_, noch _Reue_ +statt; denn dergleichen alles koemmt aus dem Gedanken her, der sich +einen andern _Inhalt_ und ein anderes _An-sich_ einbildet, als die +urspruengliche Natur des Individuums und ihre in der Wirklichkeit +vorhandene Ausfuehrung ist. Was es sei, das es tut und ihm widerfaehrt, +dies hat es getan, und ist es selbst; es kann nur das Bewusstsein des +reinen Uebersetzens _seiner selbst_ aus der Nacht der Moeglichkeit in +den Tag der Gegenwart, des _abstrakten An-sich_ in die Bedeutung des +_wirklichen_ Seins, und die Gewissheit haben, dass was in diesem ihm +vorkommt, nichts anders ist, als was in jener schlief. Das +Bewusstsein dieser Einheit ist zwar ebenfalls eine Vergleichung, aber +was verglichen wird, hat eben nur den _Schein des_ Gegensatzes; ein +Schein der Form, der fuer das Selbstbewusstsein der Vernunft, dass die +Individualitaet an ihr selbst die Wirklichkeit ist, nichts mehr als +Schein ist. Das Individuum kann also, da es weiss, dass es in seiner +Wirklichkeit nichts anderes finden kann als ihre Einheit mit ihm, +oder nur die Gewissheit seiner selbst in ihrer Wahrheit, und dass es +also immer seinen Zweck erreicht, _nur Freude an sich erleben_. + +Dies ist der Begriff, welchen das Bewusstsein, das sich seiner als +absoluter Durchdringung der Individualitaet und des Seins gewiss ist, +von sich macht; sehen wir, ob er sich ihm durch die Erfahrung +bestaetigt, und seine Realitaet damit uebereinstimmt. Das Werk ist die +Realitaet, welche das Bewusstsein sich gibt; es ist dasjenige, worin +das Individuum das fuer es ist, was es _an sich_ ist, und so dass das +Bewusstsein, _fuer welches_ es in dem Werke wird, nicht das besondere, +sondern das _allgemeine_ Bewusstsein ist; es hat sich im Werke +ueberhaupt in das Element der Allgemeinheit, in den bestimmtheitslosen +Raum des Seins hinausgestellt. Das von seinem Werke zuruecktretende +Bewusstsein ist in der Tat das allgemeine--weil es die _absolute +Negativitaet_ oder das Tun in diesem Gegensatze wird--gegen sein Werk, +welches das _bestimmte_ ist; es geht also ueber sich als Werk hinaus, +und ist selbst der bestimmtheitslose Raum, der sich von seinem Werke +nicht erfuellt findet. Wenn vorhin im Begriffe sich doch ihre Einheit +erhielt, so geschah dies ebendadurch, dass das Werk als _seiendes_ +Werk aufgehoben wurde. Aber es soll _sein_, und es ist zu sehen, wie +in seinem _Sein_ die Individualitaet seine Allgemeinheit erhalten, und +sich zu befriedigen wissen wird.--Zunaechst ist das gewordene Werk fuer +sich zu betrachten. Es hat die ganze Natur der Individualitaet +mitempfangen; sein _Sein_ ist daher selbst ein Tun, worin sich alle +Unterschiede durchdringen und aufloesen; das Werk ist also in ein +_Bestehen_ hinausgeworfen, worin die _Bestimmtheit_ der +urspruenglichen Natur in der Tat gegen andere bestimmte Naturen sich +herauskehrt, in sie eingreift, wie diese andere in sie, und sich als +verschwindendes Moment in dieser allgemeinen Bewegung verliert. Wenn +_innerhalb des Begriffs_ der an und fuer sich selbst realen +Individualitaet alle Momente, Umstaende, Zweck, Mittel, und die +Verwirklichung einander gleich sind, und die urspruengliche bestimmte +Natur nur als allgemeines Element gilt, so koemmt dagegen, indem dies +Element gegenstaendliches Sein wird, seine _Bestimmtheit_ als solche +in dem Werke an den Tag, und erhaelt ihre Wahrheit in ihrer Aufloesung. +Naeher stellt diese Aufloesung sich so dar, dass in dieser Bestimmtheit +das Individuum als _dieses_ sich wirklich geworden ist; aber sie ist +nicht nur Inhalt der Wirklichkeit, sondern ebenso Form derselben, +oder die Wirklichkeit als solche ueberhaupt ist eben diese +Bestimmtheit, dem Selbstbewusstsein entgegengesetzt zu sein. Von +dieser Seite zeigt sie sich als die aus dem Begriffe verschwundene, +nur _vorgefundene fremde_ Wirklichkeit. Das Werk _ist_, d.h. es ist +fuer andere Individualitaeten, und fuer sie eine fremde Wirklichkeit, an +deren Stelle _sie_ die ihrige setzen muessen, um durch _ihr_ Tun sich +das Bewusstsein _ihrer_ Einheit mit der Wirklichkeit zu geben; oder +_ihr_ durch _ihre_ urspruengliche Natur gesetztes Interesse an jenem +Werke ist ein anderes als das _eigentuemliche_ Interesse dieses Werks, +welches hiedurch zu etwas anderem gemacht ist. Das Werk ist also +ueberhaupt etwas Vergaengliches, das durch das Widerspiel anderer +Kraefte und Interesse ausgeloescht wird, und vielmehr die Realitaet der +Individualitaet als verschwindend, denn als vollbracht darstellt. + +Es entsteht dem Bewusstsein also in seinem Werke der Gegensatz des +Tuns und des Seins, welcher in den fruehern Gestalten des Bewusstseins +zugleich der _Anfang_ des Tuns war, hier nur _Resultat_ ist. Er hat +aber in der Tat gleichfalls zugrunde gelegen, indem das Bewusstsein +als _an sich_ reale Individualitaet ans Handeln ging; denn dem Handeln +war die _bestimmte urspruengliche Natur_ als das _An-sich_ +vorausgesetzt, und das reine Vollbringen um des Vollbringens willen +hatte sie zum _Inhalte_. Das reine Tun ist aber die sich _selbst +gleiche_ Form, welcher hiemit die _Bestimmtheit_ der urspruenglichen +Natur ungleich ist. Es ist hier, wie sonst, gleichgueltig, welches +von beiden _Begriff_ und welches _Realitaet_ genannt wird; die +urspruengliche Natur ist das _Gedachte_ oder das _An-sich_ gegen das +Tun, worin sie erst ihre Realitaet hat; oder die urspruengliche Natur +ist das Sein ebensowohl der Individualitaet als solcher wie ihrer als +Werk, das Tun aber ist der urspruengliche _Begriff_, als absoluter +Uebergang, oder als das _Werden_. Diese _Unangemessenheit_ des +Begriffs und der Realitaet, die in seinem Wesen liegt, erfaehrt das +Bewusstsein in seinem Werke; in diesem wird es sich also, wie es in +Wahrheit ist, und sein leerer Begriff von sich selbst verschwindet. + +In diesem Grundwiderspruche des Werks, das die Wahrheit dieser sich +an sich realen Individualitaet ist, treten somit wieder alle Seiten +derselben als widersprechend auf; oder das Werk, als der Inhalt der +ganzen Individualitaet aus dem _Tun_, welches die negative Einheit ist +und alle Momente gefangen haelt, in das _Sein_ herausgestellt, laesst +sie nun frei; und im Elemente des Bestehens werden sie gleichgueltig +gegeneinander. Begriff und Realitaet trennen sich also als Zweck und +als dasjenige, was die _urspruengliche Wesenheit_ ist. Es ist +zufaellig, dass der Zweck wahrhaftes Wesen habe, oder dass das An-sich +zum Zwecke gemacht werde. Ebenso treten wieder Begriff und Realitaet +als _Uebergang_ in die Wirklichkeit und als _Zweck_ auseinander; oder +es ist zufaellig, dass das den Zweck ausdrueckende _Mittel_ gewaehlt +werde. Und endlich diese innere Momente zusammen, sie moegen in sich +eine Einheit haben oder nicht, das _Tun_ des Individuums ist wieder +zufaellig gegen die _Wirklichkeit_ ueberhaupt; das _Glueck_ entscheidet +ebensowohl fuer einen schlecht bestimmten Zweck und schlechtgewaehlte +Mittel als gegen sie. + +Wenn nun hiemit dem Bewusstsein an seinem Werke der _Gegensatz_ des +Wollens und Vollbringens, des Zwecks und der Mittel und wieder dieses +Innerlichen zusammen und der Wirklichkeit selbst wird, was ueberhaupt +die _Zufaelligkeit seines Tuns in sich_ befasst, so ist aber ebenso +auch die _Einheit_ und die _Notwendigkeit_ desselben vorhanden; diese +Seite greift ueber jene ueber, und die _Erfahrung_ von der +_Zufaelligkeit des Tuns_ ist selbst nur eine _zufaellige Erfahrung_. +Die _Notwendigkeit_ des Tuns besteht darin, dass _Zweck_ schlechthin +auf die _Wirklichkeit_ bezogen ist, und diese Einheit ist der Begriff +des Tuns; es wird gehandelt, weil das Tun an und fuer sich selbst das +Wesen der Wirklichkeit ist. In dem Werke ergibt sich zwar die +Zufaelligkeit, welche das _Vollbrachtsein_ gegen das _Wollen_ und +_Vollbringen_ hat, und diese Erfahrung, welche als die Wahrheit +gelten zu muessen scheint, widerspricht jenem Begriffe der Handlung. +Betrachten wir jedoch den Inhalt dieser Erfahrung in seiner +Vollstaendigkeit, so ist er das _verschwindende Werk_; was sich +_erhaelt_, ist nicht das _Verschwinden_, sondern das Verschwinden ist +selbst wirklich und an das Werk geknuepft, und verschwindet selbst mit +diesem; das _Negative_ geht mit dem _Positiven_, dessen Negation es +ist, _selbst zugrunde_. + +Dies Verschwinden des Verschwindens liegt in dem Begriffe der an sich +realen Individualitaet selbst; denn dasjenige, worin das Werk, oder +was an ihm, verschwindet, und was demjenigen, was Erfahrung genannt +worden, seine Uebermacht ueber den Begriff, den die Individualitaet von +sich selbst hat, geben sollte, ist die _gegenstaendliche Wirklichkeit_; +sie aber ist ein Moment, welches auch in diesem Bewusstsein selbst +keine Wahrheit mehr fuer sich hat, diese besteht nur in der Einheit +desselben mit dem Tun, und das _wahre Werk_ ist nur jene Einheit des +_Tuns und des Seins_, des _Wollens_ und _Vollbringens_. Dem +Bewusstsein ist also um der seinem Handeln zugrunde liegenden +Gewissheit, die ihr _entgegengesetzte_ Wirklichkeit selbst ein solches, +welches nur _fuer es_ ist; ihm als in sich zurueckgekehrten +_Selbstbewusstsein_, dem aller Gegensatz verschwunden ist, kann er +nicht mehr in dieser Form seines _Fuer-sich-seins_ gegen die +_Wirklichkeit_ werden; sondern der Gegensatz und die Negativitaet, die +an dem Werke zum Vorschein kommt, trifft hiemit nicht nur den Inhalt +des Werks oder auch des Bewusstseins, sondern die Wirklichkeit als +solche, und damit den nur durch sie und an ihr vorhandenen Gegensatz +und das Verschwinden des Werks. Auf diese Weise reflektiert sich +also das Bewusstsein in sich aus seinem vergaenglichen Werke, und +behauptet seinen Begriff und Gewissheit als das _Seiende_ und +_Bleibende_, gegen die Erfahrung von der _Zufaelligkeit_ des Tuns; es +erfaehrt in der Tat seinen Begriff, in welchem die Wirklichkeit nur +ein Moment, etwas _fuer es_, nicht das An- und Fuer-sich ist; es +erfaehrt sie als verschwindendes Moment, und sie gilt ihm daher nur +als _Sein_ ueberhaupt, dessen Allgemeinheit mit dem Tun dasselbe ist. +Diese Einheit ist das wahre Werk; es ist die _Sache selbst_, welche +sich schlechthin behauptet und als das Bleibende erfahren wird, +unabhaengig von der Sache, welche die _Zufaelligkeit_ des individuellen +Tuns als eines solchen, der Umstaende, Mittel und der Wirklichkeit ist. + +Die _Sache selbst_ ist diesen Momenten nur insofern entgegengesetzt, +als sie isoliert gelten sollen, ist aber wesentlich als Durchdringung +der Wirklichkeit und der Individualitaet die Einheit derselben; +ebensowohl ein Tun, und als Tun _reines Tun_ ueberhaupt, _damit +ebensosehr Tun dieses Individuums_, und dies Tun als ihm noch +angehoerig im Gegensatze gegen die Wirklichkeit, als _Zweck_; ebenso +ist sie der _Uebergang_ aus dieser Bestimmtheit in die +entgegengesetzte; und endlich eine _Wirklichkeit_, welche _fuer das +Bewusstsein_ vorhanden ist. Die _Sache selbst_ drueckt hiemit die +_geistige_ Wesenheit aus, worin alle diese Momente aufgehoben sind +als fuersichgeltende, also nur als allgemeine gelten, und worin dem +Bewusstsein seine Gewissheit von sich selbst gegenstaendliches Wesen, +_eine Sache_, ist; der aus dem Selbstbewusstsein als der _seinige_ +herausgeborne Gegenstand, ohne aufzuhoeren, freier, eigentlicher +Gegenstand zu sein.--Das _Ding_ der sinnlichen Gewissheit und des +Wahrnehmens hat nun fuer das Selbstbewusstsein allein seine Bedeutung +durch es; hierauf beruht der Unterschied eines _Dings_ und einer +_Sache_.--Es wird eine der sinnlichen Gewissheit und Wahrnehmung +entsprechende Bewegung daran durchlaufen. + +In _der Sache selbst_ also, als der gegenstaendlich gewordnen +Durchdringung der Individualitaet und der Gegenstaendlichkeit selbst, +ist dem Selbstbewusstsein sein wahrer Begriff von sich geworden, oder +es ist zum Bewusstsein seiner Substanz gekommen. Es ist zugleich, wie +es hier ist, ein soeben gewordenes und daher _unmittelbares_ +Bewusstsein derselben, und dies ist die bestimmte Weise, in welcher +das geistige Wesen hier vorhanden, und noch nicht zur wahrhaft realen +Substanz gediehen ist. Die _Sache selbst_ hat in diesem +unmittelbaren Bewusstsein derselben die Form des _einfachen Wesens_, +welches als allgemeines alle seine verschiedenen Momente in sich +enthaelt und ihnen zukommt, aber auch wieder gleichgueltig gegen sie +als bestimmte Momente und frei fuer sich ist, und als diese freie +_einfache, abstrakte_ Sache selbst, _als das Wesen gilt_. Die +verschiedenen Momente der urspruenglichen Bestimmtheit oder der _Sache +dieses_ Individuums, seines Zwecks, der Mittel, des Tuns selbst und +der Wirklichkeit, sind fuer dieses Bewusstsein einerseits einzelne +Momente, welche es gegen die _Sache selbst_ verlassen und aufgeben +kann; andererseits aber haben sie alle die Sache selbst nur so zum +Wesen, dass sie als das _abstrakte_ Allgemeine derselben _an_ jedem +dieser verschiedenen Momente sich findet und _Praedikat_ derselben +sein kann. Sie selbst ist noch nicht das Subjekt, sondern dafuer +gelten jene Momente, weil sie auf die Seite der _Einzelnheit_ +ueberhaupt fallen, die Sache selbst aber nur erst das einfach +Allgemeine ist. Sie ist die _Gattung_, welche sich in allen diesen +Momenten als ihren _Arten_ findet, und ebenso frei davon ist. + +Das Bewusstsein heisst _ehrlich_, welches einesteils zu diesem +Idealismus gekommen, den _die Sache selbst_ ausdrueckt, und +andernteils an ihr als dieser formalen Allgemeinheit das Wahre hat; +dem es immer nur um sie zu tun ist, das sich daher in ihren +verschiedenen Momenten oder Arten herumtreibt, und indem es sie in +einem derselben oder in einer Bedeutung nicht erreicht, ebendadurch +in dem andern ihrer habhaft wird, somit die Befriedigung in der Tat +immer gewinnt, welche diesem Bewusstsein seinem Begriffe nach zuteil +werden sollte. Es mag gehen, wie es will, so hat es die _Sache +selbst_ vollbracht und erreicht, denn sie ist als diese _allgemeine_ +Gattung jener Momente Praedikat aller. + +Bringt es einen _Zweck_ nicht zur _Wirklichkeit_, so hat es ihn doch +_gewollt_, das heisst, es macht den _Zweck_ als Zweck, das _reine Tun_, +welches nichts tut, zur _Sache selbst_; und kann sich daher so +ausdruecken und troesten, dass doch immer etwas _getan_ und _getrieben_ +worden ist. Da das Allgemeine selbst das Negative oder das +Verschwinden unter sich enthaelt, so ist auch dies, dass das Werk sich +vernichtet, selbst _sein_ Tun; es hat die andern dazu gereizt, und +findet in dem _Verschwinden_ seiner Wirklichkeit noch die +Befriedigung, wie boese Jungen in der Ohrfeige, die sie erhalten, +_sich selbst_ geniessen, naemlich als Ursache derselben. Oder es hat +die Sache selbst auszufuehren auch _nicht einmal versucht_, und _gar +nichts getan_, so hat es nicht _gemocht; die Sache selbst_ ist ihm +eben _Einheit_ seines _Entschlusses_ und _der Realitaet_; es behauptet, +dass die _Wirklichkeit_ nichts anders waere als sein _Moegen_.--Es ist +endlich etwas ihm Interessantes ueberhaupt ohne sein Zutun geworden, +so ist ihm diese _Wirklichkeit_ die Sache selbst eben in dem +Interesse, das es daran findet, ob sie gleich nicht von ihm +hervorgebracht worden ist; ist es ein Glueck, das ihm persoenlich +widerfahren, so haelt es darauf als auf seine _Tat_ und _Verdienst_; +ist es sonst eine Weltbegebenheit, die es weiter nichts angeht, so +macht es sie ebenso zu der seinigen, und _tatloses Interesse_ gilt +ihm fuer _Partei_, die es dafuer oder dawider genommen und _bekaempft_ +oder _gehalten_ hat. + +Die _Ehrlichkeit_ dieses Bewusstseins, sowie die Befriedigung, die es +allenthalben erlebt, besteht, wie erhellt, in der Tat darin, dass es +seine _Gedanken_, die es von der Sache selbst hat, _nicht +zusammenbringt. Die Sache selbst_ ist ihm ebensowohl _seine_ Sache +wie gar _kein Werk_, oder das _reine Tun_ und der _leere Zweck_, oder +auch eine _tatlose Wirklichkeit_; es macht eine Bedeutung nach der +andern zum Subjekte dieses Praedikats, und vergisst die eine nach der +andern. Itzt im blossen _Gewollt-_ oder auch im _Nichtgemocht_haben +hat die Sache selbst die Bedeutung des _leeren Zwecks_, und der +_gedachten_ Einheit des Wollens und Vollbringens. Der Trost ueber die +Vernichtung des Zwecks, doch _gewollt_ oder doch _rein getan_, sowie +die Befriedigung, den andern etwas zu tun gegeben zu haben, macht das +_reine Tun_ oder das ganz schlechte Werk zum Wesen, denn dasjenige +ist ein schlechtes zu nennen, welches gar keines ist. Endlich beim +Gluecksfall, die Wirklichkeit _vorzufinden_, wird dieses Sein ohne Tat +zur Sache selbst. + +Die Wahrheit dieser Ehrlichkeit aber ist, nicht so ehrlich zu sein, +als sie aussieht. Denn sie kann nicht so gedankenlos sein, diese +verschiedenen Momente in der Tat so auseinanderfallen zu lassen, +sondern sie muss das unmittelbare Bewusstsein ueber ihren Gegensatz +haben, weil sie sich schlechthin aufeinander beziehen. Das _reine_ +Tun ist wesentlich Tun _dieses_ Individuums, und dieses Tun ist +ebenso wesentlich eine _Wirklichkeit_ oder eine Sache. Umgekehrt ist +die _Wirklichkeit_ wesentlich nur als _sein_ Tun, sowie als _Tun +ueberhaupt_; und _sein_ Tun ist zugleich nur wie Tun ueberhaupt, so +auch Wirklichkeit. Indem es ihm also nur um die _Sache selbst_ als +_abstrakte Wirklichkeit_ zu tun scheint, ist auch dies vorhanden, dass +es ihm um sie als _sein_ Tun zu tun ist. Aber ebenso, indem es ihm +nur ums _Tun_ und _Treiben_ zu tun ist, ist es ihm damit nicht Ernst, +sondern es ist ihm um _eine Sache_ zu tun, und um die Sache als die +_seinige_. Indem es endlich nur _seine_ Sache und _sein_ Tun zu +wollen scheint, ist es wieder um die _Sache ueberhaupt_ oder die an +und fuer sich bleibende Wirklichkeit zu tun. + +Wie die Sache selbst und ihre Momente hier als _Inhalt_ erscheinen, +ebenso notwendig sind sie auch _als Formen_ an dem Bewusstsein. Sie +treten als Inhalt nur auf, um zu verschwinden, und jedes macht dem +andern Platz. Sie muessen daher in der Bestimmtheit, als +_aufgehobene_, vorhanden sein; so aber sind sie Seiten des +Bewusstseins selbst. Die _Sache selbst_ ist als das _An-sich_ oder +seine _Reflexion in sich_ vorhanden, die _Verdraengung_ der Momente +aber durcheinander drueckt sich an ihm so aus, dass sie nicht an sich, +sondern nur fuer _ein Anderes_ an ihm gesetzt sind. Das eine der +Momente des Inhalts wird von ihm dem Tage ausgesetzt, und _fuer +andere_ vorgestellt; das Bewusstsein ist aber zugleich daraus in sich +reflektiert, und das Entgegengesetzte ebenso in ihm vorhanden; es +behaelt es fuer sich, als das seinige. Es ist zugleich auch nicht +irgendeines derselben, welches allein _nur_ hinausgestellt, und ein +anderes, das nur im Innern behalten wuerde, sondern das Bewusstsein +wechselt mit ihnen ab; denn es muss das eine wie das andere zum +wesentlichen fuer sich und fuer die andere machen. _Das Ganze_ ist die +sich bewegende Durchdringung der Individualitaet und des Allgemeinen; +weil aber dies Ganze fuer dies Bewusstsein nur als das _einfache_ Wesen +und damit als die Abstraktion _der Sache selbst_ vorhanden ist, +fallen seine Momente als getrennte ausser ihr und auseinander; und +_als Ganzes_ wird es nur durch die trennende Abwechslung des +Ausstellens und des Fuer-sich-behaltens erschoepft und dargestellt. +Indem in dieser Abwechslung das Bewusstsein _ein_ Moment fuer sich und +als wesentliches in seiner Reflexion, ein anderes aber nur aeusserlich +an _ihm_ oder fuer die _andern_ hat, tritt damit ein Spiel der +Individualitaeten miteinander ein, worin sie sowohl sich selbst als +sich gegenseitig sowohl betruegen als betrogen finden. + +Eine Individualitaet geht also, etwas auszufuehren; sie scheint damit +etwas _zur Sache_ gemacht zu haben; sie handelt, wird darin fuer +Andere, und es scheint ihr um die _Wirklichkeit_ zu tun zu sein. Die +Andern nehmen also das Tun derselben fuer ein Interesse an der Sache +als solcher, und fuer den Zweck, dass _die Sache an sich ausgefuehrt +sei_; gleichgueltig, ob von der ersten Individualitaet oder von ihnen. +Indem sie hienach diese Sache schon von ihnen zustande gebracht +aufzeigen oder, wo nicht, ihre Huelfe anbieten und leisten, so ist +jenes Bewusstsein vielmehr da heraus, wo sie meinen, dass es sei; es +ist _sein_ Tun und Treiben, was es bei der Sache interessiert, und +indem sie innewerden, dass dies _die Sache selbst_ war, finden sie +sich also getaeuscht.--Aber in der Tat war ihr Herbeieilen, um zu +helfen, selbst nichts anders, als dass sie _ihr_ Tun, nicht die _Sache +selbst_, sehen und zeigen wollten; d.h. sie wollten das andere auf +eben die Weise betruegen, als sie sich betrogen worden zu sein +beschweren.--Indem es nun itzt herausgekehrt ist, dass das _eigne Tun_ +und _Treiben_, das Spiel _seiner Kraefte_ fuer die Sache selbst gilt, +so scheint das Bewusstsein, sein Wesen _fuer sich_, nicht fuer die +andern, zu treiben, und nur bekuemmert um das Tun als _das seinige_, +nicht um es als ein Tun der _andern_, hiemit die andern ebenso in +_ihrer_ Sache gewaehren zu lassen. Allein sie irren sich wieder; es +ist schon da heraus, wo sie es zu sein meinten. Es ist ihm nicht um +die Sache als _diese seine einzelne_ zu tun, sondern um sie als +_Sache_, als Allgemeines, das fuer alle ist. Es mischt sich also in +ihr Tun und Werk, und wenn es ihnen dasselbe nicht mehr aus der Hand +nehmen kann, interessiert es sich wenigstens dadurch dabei, dass es +sich durch Urteilen zu tun macht; drueckt es ihm den Stempel seiner +Billigung und seines Lobes auf, so ist dies so gemeint, dass es am +Werke nicht nur das Werk selbst lobt, sondern zugleich _seine eigne_ +Grossmut und Maessigung, das Werk nicht als Werk und auch nicht durch +seinen Tadel verdorben zu haben. Indem es ein Interesse am _Werke_ +zeigt, geniesst _es sich selbst_ darin; ebenso ist ihm das _Werk_, das +von ihm getadelt wird, willkommen fuer eben diesen Genuss _seines +eignen_ Tuns, der ihm dadurch verschafft wird. Die aber sich durch +diese Einmischung fuer betrogen halten oder ausgeben, wollten vielmehr +selbst auf gleiche Weise betruegen. Sie geben ihr Tun und Treiben fuer +etwas aus, das nur fuer sie selbst ist, worin sie nur _sich_ und _ihr +eignes_ Wesen bezweckten. Allein indem sie etwas tun, und hiemit +sich darstellen und dem Tage zeigen, widersprechen sie unmittelbar +durch die Tat ihrem Vorgeben, den Tag selbst, das allgemeine +Bewusstsein und die Teilnahme aller ausschliessen zu wollen; die +Verwirklichung ist vielmehr eine Ausstellung des Seinigen in das +allgemeine Element, wodurch es zur _Sache_ aller wird und werden soll. + +Es ist also ebenso Betrug seiner selbst und der andern, wenn es nur +um die _reine Sache_ zu tun sein soll; ein Bewusstsein, das eine Sache +auftut, macht vielmehr die Erfahrung, dass die andern, wie die Fliegen +zu frisch aufgestellter Milch, herbeieilen und sich dabei geschaeftig +wissen wollen; und sie an ihm, dass es ihm ebenso nicht um die Sache +als Gegenstand, sondern als um die _seinige_ zu tun ist. Hingegen, +wenn nur das _Tun selbst_, der Gebrauch der Kraefte und Faehigkeiten +oder das Aussprechen dieser Individualitaet, das Wesentliche sein soll, +so wird ebenso gegenseitig die Erfahrung gemacht, dass _alle_ sich +ruehren und fuer eingeladen halten, und statt eines _reinen_ Tuns oder +eines _einzelnen_ eigentuemlichen Tuns vielmehr etwas, das ebensowohl +_fuer andere_ ist, oder _eine Sache selbst_ aufgetan wurde. Es +geschieht in beiden Faellen dasselbe, und hat nur einen verschiedenen +Sinn gegen denjenigen, der dabei angenommen wurde und gelten sollte. +Das Bewusstsein erfaehrt beide Seiten als gleich wesentliche Momente, +und hierin was die _Natur der Sache selbst_ ist, naemlich weder nur +Sache, welche dem Tun ueberhaupt und dem einzelnen Tun, noch Tun, +welches dem Bestehen entgegengesetzt und die von diesen Momenten als +ihren _Arten_ freie _Gattung_ waere, sondern ein Wesen, dessen _Sein_ +das _Tun_ des _einzelnen_ Individuums und aller Individuen, und +dessen Tun unmittelbar _fuer andre_, oder eine _Sache_ ist, und nur +Sache ist als _Tun aller_ und _jeder_; das Wesen, welches das Wesen +aller Wesen, das _geistige Wesen_ ist. Das Bewusstsein erfaehrt, dass +keins jener Momente _Subjekt_ ist, sondern sich vielmehr in der +_allgemeinen Sache selbst_ aufloest; die Momente der Individualitaet, +welche der Gedankenlosigkeit dieses Bewusstseins nacheinander als +Subjekt galten, nehmen sich in die einfache Individualitaet zusammen, +die als _diese_ ebenso unmittelbar allgemein ist. Die Sache selbst +verliert dadurch das Verhaeltnis des Praedikats und die Bestimmtheit +lebloser abstrakter Allgemeinheit, sie ist vielmehr die von der +Individualitaet durchdrungene Substanz; das Subjekt, worin die +Individualitaet ebenso als sie selbst oder als _diese_ wie als _alle_ +Individuen ist, und das Allgemeine, das nur als dies Tun aller und +jeder ein _Sein_ ist, eine Wirklichkeit darin, dass _dieses_ +Bewusstsein sie als seine einzelne Wirklichkeit und als Wirklichkeit +aller weiss. Die reine _Sache selbst_ ist das, was sich oben als die +_Kategorie_ bestimmte, das Sein das Ich, oder Ich das Sein ist, aber +als _Denken_, welches vom _wirklichen Selbstbewusstsein_ sich noch +unterscheidet; hier aber sind die Momente des wirklichen +Selbstbewusstseins, insofern wir sie seinen Inhalt, Zweck, Tun und +Wirklichkeit, wie insofern wir sie seine Form nennen, Fuer-sich-sein +und Sein fuer anderes, mit der einfachen Kategorie selbst als eins +gesetzt, und sie ist dadurch zugleich aller Inhalt. + + +b. Die gesetzgebende Vernunft + +Das geistige Wesen ist in seinem einfachen Sein _reines Bewusstsein_ +und _dieses Selbst_bewusstsein. Die urspruenglich-_bestimmte Natur_ +des Individuums hat ihre positive Bedeutung, _an sich_ das Element +und der Zweck seiner Taetigkeit zu sein, verloren; sie ist nur +aufgehobnes Moment, und das Individuum ein _Selbst_; als allgemeines +Selbst. Umgekehrt hat die _formale Sache selbst_ ihre Erfuellung an +der tuenden sich in sich unterscheidenden Individualitaet; denn die +Unterschiede dieser machen den _Inhalt_ jenes Allgemeinen aus. Die +Kategorie ist _an sich_, als das Allgemeine des _reinen Bewusstseins_; +sie ist ebenso _fuer sich_, denn das _Selbst_ des Bewusstseins ist +ebenso ihr Moment. Sie ist absolutes _Sein_, denn jene Allgemeinheit +ist die einfache _Sich-selbst-gleichheit des Seins_. + +Was also dem Bewusstsein der Gegenstand ist, hat die Bedeutung, das +_Wahre_ zu sein; _es ist_ und _gilt_ in dem Sinne, _an_ und _fuer sich +selbst_ zu _sein_ und _gelten_; es ist die _absolute Sache_, welche +nicht mehr von dem Gegensatze der Gewissheit und ihrer Wahrheit, des +Allgemeinen und des Einzelnen, des Zwecks und seiner Realitaet leidet, +sondern deren Dasein die _Wirklichkeit_ und das _Tun_ des +Selbstbewusstseins ist; diese Sache ist daher die _sittliche Substanz_; +das Bewusstsein derselben _sittliches_ Bewusstsein. Sein Gegenstand +gilt ihm ebenso als das _Wahre_, denn es vereinigt Selbstbewusstsein +und Sein in _einer_ Einheit; es gilt als das _Absolute_, denn das +Selbstbewusstsein kann und will nicht mehr ueber diesen Gegenstand +hinausgehen, denn es ist darin bei sich selbst; es _kann_ nicht, denn +er ist alles Sein und Macht;--es _will_ nicht, denn er ist das +_Selbst_ oder der Willen dieses Selbsts. Er ist der _reale_ +Gegenstand an ihm selbst als Gegenstand, denn er hat den Unterschied +des Bewusstseins an ihm; er teilt sich in Massen, welche die +_bestimmten Gesetze_ des absoluten Wesens sind. Diese Massen aber +trueben den Begriff nicht, denn in ihm bleiben die Momente des Seins +und reinen Bewusstseins und des Selbsts eingeschlossen--eine Einheit, +welche das Wesen dieser Massen ausmacht, und in diesem Unterschiede +diese Momente nicht mehr auseinandertreten laesst. + +Diese Gesetze oder Massen der sittlichen Substanz sind unmittelbar +anerkannt; es kann nicht nach ihrem Ursprunge und Berechtigung +gefragt und nach einem andern gesucht werden, denn ein anderes als +das _an_ und _fuer sich_ seiende Wesen waere nur das Selbstbewusstsein +selbst; aber es ist nichts anderes als dies Wesen, denn es selbst ist +das Fuer-sich-sein dieses Wesens, welches ebendarum die Wahrheit ist, +weil es ebensosehr das _Selbst_ des Bewusstseins als sein _An-sich_ +oder reines Bewusstsein ist. + +Indem das Selbstbewusstsein sich als Moment des _Fuer-sich-seins_ +dieser Substanz weiss, so drueckt es also das Dasein des Gesetzes in +ihm so aus, dass die _gesunde Vernunft_ unmittelbar weiss, was _recht_ +und _gut_ ist. So _unmittelbar_ sie es _weiss_, so unmittelbar _gilt_ +es ihr auch, und sie sagt unmittelbar: dies _ist_ recht und gut. Und +zwar _dies_; es sind _bestimmte_ Gesetze, es ist erfuellte, +inhaltsvolle Sache selbst. + +Was sich so unmittelbar gibt, muss ebenso unmittelbar aufgenommen und +betrachtet werden; wie von dem, was die sinnliche Gewissheit +unmittelbar als seiend ausspricht, ist auch von dem Sein, welches +diese sittliche unmittelbare Gewissheit ausspricht, oder von den +unmittelbar seienden Massen des sittlichen Wesens zu sehen, wie sie +beschaffen sind. Die Beispiele einiger solcher Gesetze werden dies +zeigen, und indem wir sie in der Form von Ausspruechen der _wissenden_, +gesunden Vernunft nehmen, haben wir nicht erst das Moment +herbeizubringen, welches an ihnen, sie als _unmittelbare_ sittliche +Gesetze betrachtet, geltend zu machen ist. + +_"Jeder soll die Wahrheit sprechen."_--Bei dieser als unbedingt +ausgesprochnen Pflicht wird sogleich die Bedingung zugegeben werden: +_wenn_ er die Wahrheit weiss. Das Gebot wird hiemit jetzt so lauten: +_jeder soll die Wahrheit reden, jedesmal nach seiner Kenntnis und +Ueberzeugung_ davon. Die gesunde Vernunft, eben dies sittliche +Bewusstsein, welches unmittelbar weiss, was recht und gut ist, wird +auch erklaeren, dass diese Bedingung mit seinem allgemeinen Ausspruche +schon so verbunden gewesen sei, dass sie jenes Gebot so _gemeint_ habe. +Damit gibt sie aber in der Tat zu, dass sie vielmehr schon +unmittelbar im Aussprechen desselben dasselbe verletzte; sie _sprach_: +jeder soll die Wahrheit sprechen; sie _meinte aber_, er solle sie +sprechen nach seiner Kenntnis und Ueberzeugung davon; das heisst, sie +_sprach anders, als sie meinte_; und anders sprechen, als man meint, +heisst die Wahrheit nicht sprechen. Die verbesserte Unwahrheit oder +Ungeschicklichkeit drueckt sich nun so aus: _jeder solle die Wahrheit +nach seiner jedesmaligen Kenntnis und Ueberzeugung davon sprechen_. +--Damit aber hat sich das _allgemein Notwendige, an sich_ Geltende, +welches der Satz aussprechen wollte, vielmehr in eine vollkommne +_Zufaelligkeit_ verkehrt. Denn dass die Wahrheit gesprochen wird, ist +dem Zufalle, ob ich sie kenne und mich davon ueberzeugen kann, +anheimgestellt; und es ist weiter nichts gesagt, als dass Wahres und +Falsches durcheinander, wie es kommt, dass es einer kennt, meint und +begreift, gesprochen werden solle. Diese _Zufaelligkeit des Inhalts_ +hat die _Allgemeinheit_ nur an der _Form eines Satzes_, in der sie +ausgedrueckt ist; aber als sittlicher Satz verspricht er einen +allgemeinen und notwendigen _Inhalt_, und widerspricht so durch die +Zufaelligkeit desselben sich selbst.--Wird endlich der Satz so +verbessert: dass die Zufaelligkeit der Kenntnis und Ueberzeugung von der +Wahrheit wegfallen und die Wahrheit auch _gewusst_ werden _solle_; so +waere dies ein Gebot, welches dem geradezu widerspricht, wovon +ausgegangen wurde. Die gesunde Vernunft sollte zuerst _unmittelbar_ +die Faehigkeit haben, die Wahrheit auszusprechen; itzt aber ist gesagt, +dass sie sie _wissen sollte_, das heisst, sie nicht _unmittelbar_ +auszusprechen wisse.--Von Seite des _Inhalts_ betrachtet, so ist er +in der Foderung, man solle die Wahrheit _wissen_, hinweggefallen; +denn sie bezieht sich auf das _Wissen ueberhaupt_: man soll wissen; +was gefodert ist, ist also vielmehr das von allem bestimmten Inhalte +freie. Aber hier war von einem _bestimmten_ Inhalt, von _einem +Unterschiede_ an der sittlichen Substanz die Rede. Allein diese +_unmittelbare_ Bestimmung derselben ist ein solcher Inhalt, der sich +vielmehr als eine vollkommene Zufaelligkeit zeigte, und in die +Allgemeinheit und Notwendigkeit erhoben, so dass das _Wissen_ als das +Gesetz ausgesprochen wird, vielmehr verschwindet. + +Ein anderes beruehmtes Gebot ist: _Liebe deinen Naechsten als dich +selbst_. Es ist an den Einzelnen im Verhaeltnisse zu den Einzelnen +gerichtet, und _behauptet es *als* ein Verhaeltnis des Einzelnen_ zum +_Einzelnen_, oder als Verhaeltnis der Empfindung. Die taetige +Liebe--denn eine untaetige hat kein Sein und ist darum wohl nicht +gemeint--geht darauf, Uebel von einem Menschen abzusondern und ihm +Gutes zuzufuegen. Zu diesem Behuf muss unterschieden werden, was an +ihm das Uebel, was gegen dies Uebel das zweckmaessige Gute, und was +ueberhaupt sein Wohl ist; das heisst, ich muss ihn mit _Verstand_ lieben; +unverstaendige Liebe wird ihm schaden, vielleicht mehr als Hass. Das +verstaendige wesentliche Wohltun ist aber in seiner reichsten und +wichtigsten Gestalt, das verstaendige allgemeine Tun des Staats--ein +Tun, mit welchem verglichen das Tun des Einzelnen als eines Einzelnen +etwas ueberhaupt so Geringfuegiges wird, dass es fast nicht der Muehe +wert ist, davon zu sprechen. Jenes Tun ist dabei von so grosser Macht, +dass, wenn das einzelne Tun sich ihm entgegensetzen und entweder +geradezu fuer sich Verbrechen sein oder einem andern zuliebe das +Allgemeine um das Recht und den Anteil, welchen es an ihm hat, +betruegen wollte, es ueberhaupt unnuetz sein und unwiderstehlich +zerstoert werden wuerde. Es bleibt dem Wohltun, welches Empfindung ist, +nur die Bedeutung eines ganz einzelnen Tuns, einer Nothuelfe, die +ebenso zufaellig als augenblicklich ist. Der Zufall bestimmt nicht +nur seine Gelegenheit, sondern auch dies, ob es ueberhaupt ein _Werk_ +ist, ob es nicht sogleich wieder aufgeloest und selbst vielmehr in +Uebel verkehrt wird. Dieses Handeln also zum Wohl anderer, das als +_notwendig_ ausgesprochen wird, ist so beschaffen, dass es vielleicht +existieren kann, vielleicht auch nicht; dass, wenn der Fall +zufaelligerweise sich darbietet, es vielleicht ein Werk, vielleicht +gut ist, vielleicht auch nicht. Dies Gesetz hat hiemit ebensowenig +einen allgemeinen Inhalt als das erste, das betrachtet wurde, und +drueckt nicht, wie es als absolutes Sittengesetz sollte, etwas aus, +das _an und fuer sich_ ist. Oder solche Gesetze bleiben nur beim +_Sollen_ stehen, haben aber keine _Wirklichkeit_; sie sind nicht +_Gesetze_, sondern nur _Gebote_. + +Es erhellt aber in der Tat aus der Natur der Sache selbst, dass auf +einen allgemeinen absoluten _Inhalt_ Verzicht getan werden muss; denn +der einfachen Substanz, und ihr Wesen ist dies, einfache zu sein, ist +jede _Bestimmtheit_, die an ihr gesetzt wird, _ungemaess_. Das Gebot +in seiner einfachen Absolutheit spricht selbst _unmittelbares +sittliches Sein_ aus; der Unterschied, der an ihm erscheint, ist eine +Bestimmtheit, und also ein Inhalt, der _unter_ der absoluten +Allgemeinheit dieses einfachen Seins steht. Indem hiemit auf einen +absoluten Inhalt Verzicht getan werden muss, kann ihm nur die _formale +Allgemeinheit_, oder dies, dass es sich nicht widerspreche, zukommen, +denn die inhaltslose Allgemeinheit ist die formale, und absoluter +Inhalt heisst selbst soviel als ein Unterschied, der keiner ist, oder +als Inhaltslosigkeit. + +Was dem Gesetzgeben uebrig bleibt, ist also die _reine Form_ der +_Allgemeinheit_ oder in der Tat die _Tautologie_ des Bewusstseins, +welche dem Inhalt gegenuebertritt, und ein _Wissen_ nicht von dem +_seienden_ oder eigentlichen _Inhalte_, sondern von dem _Wesen_ oder +der Sichselbstgleichheit desselben ist. + +Das sittliche Wesen ist hiemit nicht unmittelbar selbst ein Inhalt, +sondern nur ein Massstab, ob ein Inhalt faehig sei, Gesetz zu sein oder +nicht, indem er sich nicht selbst widerspricht. Die gesetzgebende +Vernunft ist zu einer nur _pruefenden_ Vernunft herabgesetzt. + + +c. Gesetzpruefende Vernunft + +Ein Unterschied an der einfachen sittlichen Substanz ist eine +Zufaelligkeit fuer sie, welche wir an dem bestimmten Gebote als +Zufaelligkeit des Wissens, der Wirklichkeit und des Tuns hervortreten +sahen. Die _Vergleichung_ jenes einfachen Seins und der ihm nicht +entsprechenden Bestimmtheit fiel in uns; und die einfache Substanz +hat sich darin formale Allgemeinheit oder reines _Bewusstsein_ zu sein +gezeigt, das frei von dem Inhalte ihm gegenuebertritt, und ein +_Wissen_ von ihm als dem bestimmten ist. Diese Allgemeinheit bleibt +auf diese Weise dasselbe, was die _Sache selbst_ war. Aber sie ist +im Bewusstsein ein anderes; sie ist naemlich nicht mehr die +gedankenlose traege Gattung, sondern bezogen auf das Besondere, und +geltend fuer dessen Macht und Wahrheit.--Dies Bewusstsein scheint +zunaechst dasselbe Pruefen, welches wir vorhin waren, und sein Tun +nichts anderes sein zu koennen, als schon geschehen ist, eine +Vergleichung des Allgemeinen mit dem Bestimmten, woraus sich ihre +Unangemessenheit wie vorhin ergaebe. Aber das Verhaeltnis des Inhalts +zum Allgemeinen ist hier ein anderes, indem dieses eine andere +Bedeutung gewonnen hat; es ist _formale_ Allgemeinheit, deren der +bestimmte Inhalt faehig ist, denn in ihr wird er nur in Beziehung auf +sich selbst betrachtet. Bei unserm Pruefen stand die allgemeine +gediegene Substanz der Bestimmtheit gegenueber, welche sich als +Zufaelligkeit des Bewusstseins, worein die Substanz eintrat, +entwickelte. Hier ist das ein Glied der Vergleichung verschwunden; +das Allgemeine ist nicht mehr die _seiende_ und _geltende_ Substanz, +oder das an und fuer sich Rechte, sondern einfaches Wissen oder Form, +welche einen Inhalt nur mit sich selbst vergleicht, und ihn +betrachtet, ob er eine Tautologie ist. Es werden Gesetze nicht mehr +gegeben, sondern _geprueft_; und die Gesetze sind fuer das pruefende +Bewusstsein _schon_ gegeben; es nimmt ihren _Inhalt_ auf, wie er +einfach ist, ohne in die Betrachtung der seiner Wirklichkeit +anklebenden Einzelnheit und Zufaelligkeit einzugehen, wie wir taten, +sondern bleibt bei dem Gebote als Gebote stehen, und verhaelt sich +ebenso einfach gegen es, als es sein Massstab ist. + +Dies Pruefen reicht aber aus diesem Grunde nicht weit; eben indem der +Massstab die Tautologie und gleichgueltig gegen den Inhalt ist, nimmt +er ebensogut diesen als den entgegengesetzten in sich auf.--Es ist +die Frage, soll es an und fuer sich Gesetz sein, dass _Eigentum_ sei; +_an und fuer sich_, nicht aus Nuetzlichkeit fuer andere Zwecke; die +sittliche Wesenheit besteht eben darin, dass das Gesetz nur sich +selbst gleiche, und durch diese Gleichheit mit sich also in seinem +eignen Wesen gegruendet, nicht ein bedingtes sei. Das Eigentum an und +fuer sich widerspricht sich nicht; es ist eine _isolierte_ oder nur +sich selbst gleich gesetzte Bestimmtheit. Nichteigentum, +Herrenlosigkeit der Dinge oder Guetergemeinschaft widerspricht sich +gerade ebensowenig. Dass etwas niemand gehoert, oder dem naechsten +besten, der sich in Besitz setzt, oder allen zusammen, und jedem nach +seinem Beduerfnisse oder zu gleichen Teilen, ist eine _einfache +Bestimmtheit_, ein _formaler Gedanke_, wie sein Gegenteil, das +Eigentum.--Wenn das herrenlose Ding freilich betrachtet wird als ein +_notwendiger Gegenstand_ des _Beduerfnisses_, so ist es notwendig, dass +es der Besitz irgendeines einzelnen werde; und es waere widersprechend, +vielmehr die Freiheit des Dinges zum Gesetze zu machen. Unter der +Herrenlosigkeit des Dinges ist aber auch nicht eine absolute +Herrenlosigkeit gemeint, sondern es soll in _Besitz kommen_, nach dem +_Beduerfnisse_ des einzelnen; und zwar nicht um aufbewahrt, sondern um +unmittelbar gebraucht zu werden. Aber so ganz nur nach der +Zufaelligkeit fuer das Beduerfnis zu sorgen, ist der Natur des bewussten +Wesens, von dem allein die Rede ist, widersprechend; denn es muss sich +sein Beduerfnis in der Form der _Allgemeinheit_ vorstellen, fuer seine +ganze Existenz sorgen, und sich ein bleibendes Gut erwerben. So +stimmte also der Gedanke, dass ein Ding dem naechsten selbstbewussten +Leben nach seinem Beduerfnisse zufaelligerweise zuteil werde, nicht mit +sich selbst ueberein.--In der Guetergemeinschaft, worin auf eine +allgemeine und bleibende Weise dafuer gesorgt waere, wird jedem +entweder soviel zuteil, _als er braucht_, so widerspricht diese +Ungleichheit und das Wesen des Bewusstseins, dem die _Gleichheit_ der +Einzelnen Prinzip ist, einander. Oder es wird nach dem letztern +Prinzip _gleich_ ausgeteilt, so hat der Anteil nicht die Beziehung +auf das Beduerfnis, welche doch allein sein Begriff ist. + +Allein wenn auf diese Weise das Nichteigentum widersprechend +erscheint, so geschieht es nur darum, weil es nicht als _einfache_ +Bestimmtheit gelassen worden ist. Dem Eigentum geht es ebenso, wenn +es in Momente aufgeloest wird. Das einzelne Ding, das mein Eigentum +ist, gilt damit fuer ein _Allgemeines, Befestigtes, Bleibendes_; dies +widerspricht aber seiner Natur, die darin besteht, gebraucht zu +werden und zu _verschwinden_. Es gilt zugleich fuer das _Meinige_, +das alle andern anerkennen, und sich davon ausschliessen. Aber darin, +dass ich anerkannt bin, liegt vielmehr meine Gleichheit mit allen, das +Gegenteil der Ausschliessung.--Was ich besitze, ist ein _Ding_, d.h. +ein Sein fuer Andre ueberhaupt, ganz allgemein und unbestimmt nur fuer +mich zu sein; dass _Ich_ es besitze, widerspricht seiner allgemeinen +Dingheit. Eigentum widerspricht sich daher nach allen Seiten +ebensosehr als Nichteigentum; jedes hat diese beiden +entgegengesetzten, sich widersprechenden Momente der Einzelnheit und +Allgemeinheit an ihm.--Aber jede dieser Bestimmtheiten _einfach_ +vorgestellt, als Eigentum oder Nichteigentum, ohne weitere +Entwicklung, ist eine so _einfach_ als die andere, das heisst, sich +nicht widersprechend.--Der Massstab des Gesetzes, den die Vernunft an +ihr selbst hat, passt daher allem gleich gut, und ist hiemit in der +Tat kein Massstab.--Es muesste auch sonderbar zugehen, wenn die +Tautologie, der Satz des Widerspruchs, der fuer die Erkenntnis +theoretischer Wahrheit nur als ein formelles Kriterium zugestanden +wird, das heisst, als etwas, das gegen Wahrheit und Unwahrheit ganz +gleichgueltig sei, fuer die Erkenntnis praktischer _Wahrheit mehr sein +sollte_. + +In den beiden soeben betrachteten Momenten der Erfuellung des vorher +leeren geistigen Wesens hat sich das Setzen von unmittelbaren +Bestimmtheiten an der sittlichen Substanz, und dann das Wissen von +ihnen, ob sie Gesetze sind, aufgehoben. Das Resultat scheint hiemit +dieses zu sein, dass weder bestimmte Gesetze noch ein Wissen derselben +stattfinden koenne. Allein die Substanz ist das _Bewusstsein_ von sich +als der absoluten _Wesenheit_, welches hiemit weder den _Unterschied_ +an ihr noch das _Wissen_ von ihm aufgeben kann. Dass das Gesetzgeben +und Gesetzpruefen sich als nichtig erwies, hat diese Bedeutung, dass +beides einzeln und isoliert genommen nur haltungslose _Momente_ des +sittlichen Bewusstseins sind; und die Bewegung, in welcher sie +auftreten, hat den formalen Sinn, dass die sittliche Substanz sich +dadurch als Bewusstsein darstellt. + +Insofern diese beiden Momente naehere Bestimmungen des Bewusstseins der +_Sache selbst_ sind, koennen sie als Formen der _Ehrlichkeit_ +angesehen werden, die, wie sonst mit ihren formalen Momenten, sich +itzt mit einem seinsollenden Inhalt des Guten und Rechten und einem +Pruefen solcher festen Wahrheit herumtreibt, und in der gesunden +Vernunft und verstaendigen Einsicht die Kraft und Gueltigkeit der +Gebote zu haben meint. + +Ohne diese Ehrlichkeit aber gelten die Gesetze nicht als _Wesen_ des +_Bewusstseins_ und das Pruefen ebenso nicht als Tun _innerhalb_ +desselben; sondern diese Momente druecken, wie sie jedes fuer sich +_unmittelbar_ als eine _Wirklichkeit_ auftreten, das eine ein +ungueltiges Aufstellen und Sein wirklicher Gesetze und das andre eine +ebenso ungueltige Befreiung von denselben aus. Das Gesetz hat als +bestimmtes Gesetz einen zufaelligen Inhalt--dies hat hier die +Bedeutung, dass es Gesetz eines einzelnen Bewusstseins von einem +willkuerlichen Inhalt ist. Jenes unmittelbare Gesetzgeben ist also +der tyrannische Frevel, der die Willkuer zum Gesetze macht, und die +Sittlichkeit zu einem Gehorsame gegen sie--gegen Gesetze, die _nur_ +Gesetze, nicht zugleich _Gebote_ sind. So wie das zweite Moment, +insofern es isoliert ist, das Pruefen der Gesetze, das Bewegen des +Unbewegbaren und den Frevel des Wissens bedeutet, der sich von den +absoluten Gesetzen frei raesoniert, und sie fuer eine ihm fremde +Willkuer nimmt. + +In beiden Formen sind diese Momente ein negatives Verhaeltnis zur +Substanz oder dem realen geistigen Wesen; oder in ihnen hat die +Substanz noch nicht ihre Realitaet, sondern das Bewusstsein enthaelt sie +noch in der Form seiner eignen Unmittelbarkeit, und sie ist nur erst +ein _Willen_ und _Wissen_ dieses Individuums, oder das _Sollen_ eines +unwirklichen Gebots, und ein Wissen der formalen Allgemeinheit. Aber +indem diese Weisen sich aufhoben, ist das Bewusstsein in das +Allgemeine zurueckgegangen, und jene Gegensaetze sind verschwunden. +Das geistige Wesen ist dadurch wirkliche Substanz, dass diese Weisen +nicht einzeln gelten, sondern nur als aufgehobne, und die Einheit, +worin sie nur Momente sind, ist das Selbst des Bewusstseins, welches +nunmehr in dem geistigen Wesen gesetzt, dasselbe zum wirklichen, +erfuellten und selbstbewussten macht. + +Das geistige Wesen ist hiemit vors erste fuer das Selbstbewusstsein als +_an sich_ seiendes Gesetz; die Allgemeinheit des Pruefens, welche die +formale nicht _an sich_ seiende war, ist aufgehoben. Es ist ebenso +ein ewiges Gesetz, welches nicht in dem _Willen dieses Individuums_ +seinen Grund hat, sondern es ist an und fuer sich, der absolute _reine +Willen aller_, der die Form des unmittelbaren _Seins_ hat. Er ist +auch nicht ein _Gebot_, das nur sein _soll_, sondern er _ist_ und +_gilt_; es ist das allgemeine Ich der Kategorie, das unmittelbar die +Wirklichkeit ist, und die Welt ist nur diese Wirklichkeit. Indem +aber dieses _seiende Gesetz_ schlechthin gilt, so ist der Gehorsam +des Selbstbewusstseins nicht der Dienst gegen einen Herrn, dessen +Befehle eine Willkuer waere, und worin es sich nicht erkennte. Sondern +die Gesetze sind Gedanken seines eignen absoluten Bewusstseins, welche +es selbst unmittelbar _hat_. Es _glaubt_ auch nicht an sie, denn der +Glauben schaut wohl auch das Wesen, aber ein fremdes an. Das +sittliche _Selbst_bewusstsein ist durch die _Allgemeinheit_ seines +_Selbsts unmittelbar_ mit dem Wesen eins; der Glauben hingegen faengt +von dem _einzelnen_ Bewusstsein an, er ist die Bewegung desselben, +immer dieser Einheit zuzugehen, ohne die Gegenwart seines Wesens zu +erreichen.--Jenes Bewusstsein hingegen hat sich als einzelnes +aufgehoben, diese Vermittlung ist vollbracht, und nur dadurch, dass +sie vollbracht ist, ist es unmittelbares Selbstbewusstsein der +sittlichen Substanz. + +Der Unterschied des Selbstbewusstseins von dem Wesen ist also +vollkommen durchsichtig. Dadurch sind die _Unterschiede an dem +Wesen_ selbst nicht zufaellige Bestimmtheiten, sondern um der Einheit +des Wesens und des Selbstbewusstseins willen, von welchem allein die +Ungleichheit kommen koennte, sind sie die Massen ihrer von ihrem Leben +durchdrungenen Gegliederung, sich selbst klare unentzweite Geister, +makellose himmlische Gestalten, die in ihren Unterschieden die +unentweihte Unschuld und Einmuetigkeit ihres Wesens erhalten.--Das +Selbstbewusstsein ist ebenso einfaches, klares _Verhaeltnis_ zu ihnen. +Sie _sind_, und weiter nichts--macht das Bewusstsein seines +Verhaeltnisses aus. So gelten sie der Antigone des Sophokles als der +Goetter _ungeschriebnes_ und _untruegliches_ Recht nicht etwa jetzt und +gestern, sondern immerdarlebt es, und keiner weiss, von wannen es +erschien. _Sie sind_. Wenn ich nach Ihrer Entstehung frage, und sie +auf den Punkt ihres Ursprungs einenge, so bin ich darueber +hinausgegangen; denn ich bin nunmehr das Allgemeine, sie aber das +Bedingte und Beschraenkte. Wenn sie sich meiner Einsicht legitimieren +sollen, so habe ich schon ihr unwankendes An-sich-sein bewegt, und +betrachte sie als etwas, das vielleicht wahr, vielleicht auch nicht +wahr fuer mich sei. Die sittliche Gesinnung besteht eben darin, +unverrueckt in dem fest zu beharren, was das Rechte ist, und sich +alles Bewegens, Ruettelns und Zurueckfuehrens desselben zu enthalten. +--Es wird ein Depositum bei mir gemacht; es _ist_ das Eigentum eines +andern, und ich anerkenne es, _weil es so ist_, und erhalte mich +unwankend in diesem Verhaeltnisse. Behalte ich fuer mich das Depositum, +so begehe ich nach dem Prinzipe meines Pruefens, der Tautologie, ganz +und gar keinen Widerspruch; denn alsdenn sehe ich es nicht mehr fuer +das Eigentum eines andern an; etwas behalten, das ich nicht fuer das +Eigentum eines andern ansehe, ist vollkommen konsequent. Die +Aenderung _der Ansicht_ ist kein Widerspruch, denn es ist nicht um sie +als Ansicht, sondern um den Gegenstand und Inhalt zu tun, der sich +nicht widersprechen soll. So sehr ich--wie ich tue, wenn ich etwas +wegschenke--die Ansicht, dass etwas mein Eigentum ist, in die Ansicht, +dass es das Eigentum eines andern ist, veraendern kann, ohne dadurch +eines Widerspruches schuldig zu werden, ebensosehr kann ich den +umgekehrten Weg gehen.--Nicht darum also, weil ich etwas sich nicht +widersprechend finde, ist es Recht; sondern weil es das Rechte ist, +ist es Recht. Dass etwas das Eigentum des andern _ist_, dies liegt +_zum Grunde_; darueber habe ich nicht zu raesonieren, noch mancherlei +Gedanken, Zusammenhaenge, Ruecksichten aufzusuchen oder mir einfallen +zu lassen; weder ans Gesetzgeben noch ans Pruefen zu denken; durch +solcherlei Bewegungen meines Gedankens verrueckte ich jenes Verhaeltnis, +indem ich in der Tat nach Belieben meinem unbestimmten +tautologischen Wissen das Gegenteil ebensowohl gemaess, und es also zum +Gesetze machen koennte. Sondern ob diese oder die entgegengesetzte +Bestimmung das Rechte sei, ist _an_ und _fuer sich_ bestimmt; ich fuer +mich koennte, welche ich wollte, und ebensogut keine zum Gesetze +machen, und bin, indem ich zu pruefen anfange, schon auf unsittlichem +Wege. Dass das Rechte mir _an_ und _fuer sich_ ist, dadurch bin ich in +der sittlichen Substanz; so ist sie das _Wesen_ des Selbstbewusstseins; +dieses aber ist _ihre Wirklichkeit_ und _Dasein_, ihr _Selbst_ und +_Willen_. + + + +VI. Der Geist + +Die Vernunft ist Geist, indem die Gewissheit, alle Realitaet zu sein, +zur Wahrheit erhoben, und sie sich ihrer selbst als ihrer Welt und +der Welt als ihrer selbst bewusst ist.--Das Werden des Geistes zeigte +die unmittelbar vorhergehende Bewegung auf, worin der Gegenstand des +Bewusstseins, die reine Kategorie, zum Begriffe der Vernunft sich +erhob. In der _beobachtenden_ Vernunft ist diese reine Einheit des +_Ich_ und des _Seins_, des _Fuer-sich-_ und des _An-sich-_seins, als +das _An-sich_ oder als _Sein_ bestimmt, und das Bewusstsein der +Vernunft findet sie. Aber die Wahrheit des Beobachtens ist vielmehr +das Aufheben dieses unmittelbaren findenden Instinkts, dieses +bewusstlosen Daseins derselben. Die _angeschaute_ Kategorie, das +_gefundne Ding_ tritt in das Bewusstsein als das _Fuer-sich-sein_ des +Ich, welches sich nun im gegenstaendlichen Wesen als das _Selbst_ weiss. +Aber diese Bestimmung der Kategorie, als des Fuer-sich-seins +entgegengesetzt dem An-sich-sein, ist ebenso einseitig und ein sich +selbst aufhebendes Moment. Die Kategorie wird daher fuer das +Bewusstsein bestimmt, wie sie in ihrer allgemeinen Wahrheit ist, als +_an- und fuersich_seiendes Wesen. Diese noch _abstrakte_ Bestimmung, +welche die _Sache selbst_ ausmacht, ist erst das _geistige Wesen_, +und sein Bewusstsein ein formales Wissen von ihm, das sich mit +mancherlei Inhalt desselben herumtreibt; es ist von der Substanz in +der Tat noch als ein Einzelnes unterschieden, gibt entweder +willkuerliche Gesetze, oder meint die Gesetze, wie sie an und fuer sich +sind, in seinem Wissen als solchem zu haben; und haelt sich fuer die +beurteilende Macht derselben.--Oder von der Seite der Substanz +betrachtet, so ist diese das _an- und fuersichseiende_ geistige Wesen, +welches noch nicht _Bewusstsein_ seiner selbst ist.--Das _an- und +fuersichseiende_ Wesen aber, welches sich zugleich als Bewusstsein +wirklich und sich sich selbst vorstellt, ist _der Geist_. + +Sein geistiges _Wesen_ ist schon als die _sittliche Substanz_ +bezeichnet worden; der Geist aber ist _die sittliche Wirklichkeit_. +Er ist das _Selbst_ des wirklichen Bewusstseins, dem er oder vielmehr +das sich als gegenstaendliche wirkliche Welt gegenuebertritt, welche +aber ebenso fuer das Selbst alle Bedeutung eines Fremden, so wie das +Selbst alle Bedeutung eines von ihr getrennten, abhaengigen oder +unabhaengigen Fuer-sich-seins verloren hat. Die _Substanz_ und das +allgemeine, sichselbstgleiche, bleibende Wesen--ist er der +unverrueckte und unaufgeloeste _Grund_ und _Ausgangspunkt_ des Tuns +Aller,--und ihr _Zweck_ und _Ziel_, als das gedachte _An-sich_ aller +Selbstbewusstsein.--Diese Substanz ist ebenso das allgemeine Werk, das +sich durch das _Tun_ Aller und jeder als ihre Einheit und Gleichheit +erzeugt, denn sie ist das _Fuer-sich-sein_, das Selbst, das Tun. Als +die _Substanz_ ist der Geist die unwankende gerechte +_Sichselbstgleichheit_; aber als _Fuer-sich-sein_ ist sie das +aufgeloeste, das sich aufopfernde guetige Wesen, an dem jeder sein +eignes Werk vollbringt, das allgemeine Sein zerreisst und sich seinen +Teil davon nimmt. Diese Aufloesung und Vereinzelung des Wesens ist +eben das _Moment_ des Tuns und Selbsts Aller; es ist die Bewegung und +Seele der Substanz, und das bewirkte allgemeine Wesen. Gerade darin +dass sie das im Selbst aufgeloeste Sein ist, ist sie nicht das tote +Wesen, sondern _wirklich_ und _lebendig._ + +Der Geist ist hiemit das sich selbst tragende absolute reale Wesen. +Alle bisherigen Gestalten des Bewusstseins sind Abstraktionen +desselben; sie sind dies, dass er sich analysiert, seine Momente +unterscheidet, und bei einzelnen verweilt. Dies Isolieren solcher +Momente hat ihn selbst zur _Voraussetzung_ und zum _Bestehen_, oder +es existiert nur in ihm, der die Existenz ist. Sie haben so isoliert +den Schein, als ob sie als solche _waeren_; aber wie sie nur Momente +oder verschwindende Groessen sind, zeigte ihre Fortwaelzung und Rueckgang +in ihren Grund und Wesen; und dies Wesen eben ist diese Bewegung und +Aufloesung dieser Momente. Hier, wo der Geist oder die Reflexion +derselben in sich selbst gesetzt ist, kann unsre Reflexion an sie +nach dieser Seite kurz erinnern, sie waren Bewusstsein, +Selbstbewusstsein und Vernunft. Der Geist ist also _Bewusstsein_ +ueberhaupt, was sinnliche Gewissheit, Wahrnehmen und den Verstand in +sich begreift, insofern er in der Analyse seiner selbst das Moment +festhaelt, dass er sich _gegenstaendliche, seiende_ Wirklichkeit ist, +und davon abstrahiert, dass diese Wirklichkeit sein eignes +Fuer-sich-sein ist. Haelt er im Gegenteil das andre Moment der Analyse +fest, dass sein Gegenstand sein _Fuer-sich-sein_ ist, so ist er +Selbstbewusstsein. Aber als unmittelbares Bewusstsein des _An- und +Fuer-sich-seins_, als Einheit des Bewusstseins und des +Selbstbewusstseins ist er das Bewusstsein, das _Vernunft hat_, das, wie +das _Haben_ es bezeichnet, den Gegenstand hat als _an sich_ +vernuenftig bestimmt, oder vom Werte der Kategorie, aber so, dass er +noch fuer das Bewusstsein desselben den Wert der Kategorie nicht hat. +Er ist das Bewusstsein, aus dessen Betrachtung wir soeben herkommen. +Diese Vernunft, die er _hat_, endlich als eine solche von ihm +angeschaut, die Vernunft _ist_, oder die Vernunft, die in ihm +_wirklich_ und die seine Welt ist, so ist er in seiner Wahrheit; er +_ist_ der Geist, er ist das _wirkliche sittliche_ Wesen. + +Der Geist ist das _sittliche Leben_ eines _Volks_, insofern er die +_unmittelbare Wahrheit ist_; das Individuum, das eine Welt ist. Er +muss zum Bewusstsein ueber das, was er unmittelbar ist, fortgehen, das +schoene sittliche Leben aufheben, und durch eine Reihe von Gestalten +zum Wissen seiner selbst gelangen. Diese unterscheiden sich aber von +den vorhergehenden dadurch, dass sie die realen Geister sind, +eigentliche Wirklichkeiten, und statt Gestalten nur des Bewusstseins, +Gestalten einer Welt. + +Die _lebendige sittliche_ Welt ist der Geist in seiner _Wahrheit_; +wie er zunaechst zum abstrakten _Wissen_ seines Wesens kommt, geht die +Sittlichkeit in der formalen Allgemeinheit des Rechts unter. Der in +sich selbst nunmehr entzweite Geist beschreibt in seinem +gegenstaendlichen Elemente als in einer harten Wirklichkeit die eine +seiner Welten, das _Reich der Bildung_, und ihr gegenueber im Elemente +des Gedankens die _Welt des Glaubens_, das _Reich des Wesens_. Beide +Welten aber von dem Geiste, der aus diesem Verluste seiner selbst in +sich geht, von dem _Begriffe_ erfasst, werden durch die _Einsicht_ und +ihre Verbreitung, die _Aufklaerung_, verwirrt und revolutioniert, und +das in das _Diesseits_ und _Jenseits_ verteilte und ausgebreitete +Reich kehrt in das Selbstbewusstsein zurueck, das nun in der +_Moralitaet_ sich als die Wesenheit und das Wesen als wirkliches +Selbst erfasst, seine _Welt_ und ihren _Grund_ nicht mehr aus sich +heraussetzt, sondern alles in sich verglimmen laesst, und als +_Gewissen_ der _seiner selbst gewisse_ Geist ist. + +Die sittliche Welt, die in das Diesseits und Jenseits zerrissene Welt +und die moralische Weltanschauung sind also die Geister, deren +Bewegung und Rueckgang in das einfache fuersichseiende Selbst des +Geistes sich entwickeln, und als deren Ziel und Resultat das +wirkliche Selbstbewusstsein des absoluten Geistes hervortreten wird. + + +A. Der wahre Geist,die Sittlichkeit + +Der Geist ist in seiner einfachen Wahrheit Bewusstsein, und schlaegt +seine Momente auseinander. Die _Handlung_ trennt ihn in die Substanz +und das Bewusstsein derselben; und trennt ebensowohl die Substanz als +das Bewusstsein. Die Substanz tritt als allgemeines _Wesen_ und +_Zweck_, sich als der _vereinzelnten_ Wirklichkeit gegenueber; die +unendliche Mitte ist das Selbstbewusstsein, welches _an sich_ Einheit +seiner und der Substanz, es nun _fuer sich_ wird, das allgemeine Wesen +und seine vereinzelnte Wirklichkeit vereint, diese zu jenem erhebt, +und sittlich handelt--und jenes zu dieser herunterbringt, und den +Zweck, die nur gedachte Substanz ausfuehrt; es bringt die Einheit +seines Selbsts und der Substanz als _sein Werk_ und damit als +_Wirklichkeit_ hervor. + +In dem Auseinandertreten des Bewusstseins hat die einfache Substanz +den Gegensatz teils gegen das Selbstbewusstsein erhalten, teils stellt +sie damit ebensosehr an ihr selbst die Natur des Bewusstseins, sich in +sich selbst zu unterscheiden, als eine in ihre Massen gegliederte +Welt dar. Sie spaltet sich also in ein unterschiednes sittliches +Wesen, in ein menschliches und goettliches Gesetz. Ebenso das ihr +gegenuebertretende Selbstbewusstsein teilt sich nach seinem Wesen der +einen dieser Maechte zu, und als Wissen in die Unwissenheit dessen, +was es tut, und in das Wissen desselben, das deswegen ein betrognes +Wissen ist. Es erfaehrt also in seiner Tat sowohl den Widerspruch +_jener Maechte_, worein die Substanz sich entzweite, und ihre +gegenseitige Zerstoerung, wie den Widerspruch seines Wissens von der +Sittlichkeit seines Handelns--mit dem, was an und fuer sich sittlich +ist, und findet _seinen eignen_ Untergang. In der Tat aber ist die +sittliche Substanz durch diese Bewegung zum _wirklichen +Selbstbewusstsein_ geworden, oder _dieses_ Selbst zum _An_- und +_Fuersich_seienden, aber darin ist eben die Sittlichkeit zugrunde +gegangen. + + +a. Die sittliche Welt,das menschliche und goettliche Gesetz,der Mann +und das Weib + +Die einfache Substanz des Geistes teilt sich als Bewusstsein. Oder +wie das Bewusstsein des abstrakten, des sinnlichen Seins in die +Wahrnehmung uebergeht, so auch die unmittelbare Gewissheit des realen, +sittlichen Seins; und wie fuer die sinnliche Wahrnehmung das einfache +Sein ein Ding von vielen Eigenschaften wird, so ist fuer die sittliche +der Fall des Handelns eine Wirklichkeit von vielen sittlichen +Beziehungen. Jener zieht sich aber die unnuetze Vielheit der +Eigenschaften in den wesentlichen Gegensatz der Einzelnheit und +Allgemeinheit zusammen, und noch mehr dieser, die das gereinigte, +substantielle Bewusstsein ist, wird die Vielheit der sittlichen +Momente das Zwiefache eines Gesetzes der Einzelnheit und eines der +Allgemeinheit. Jede dieser Massen der Substanz bleibt aber der ganze +Geist; wenn in der sinnlichen Wahrnehmung die Dinge keine andre +Substanz als die beiden Bestimmungen der Einzelnheit und der +Allgemeinheit haben, so druecken sie hier nur den oberflaechlichen +Gegensatz der beiden Seiten gegeneinander aus. + +Die Einzelnheit hat an dem Wesen, das wir hier betrachten, die +Bedeutung des _Selbstbewusstseins_ ueberhaupt, nicht eines einzelnen +zufaelligen Bewusstseins. Die sittliche Substanz ist also in dieser +Bestimmung die _wirkliche_ Substanz, der absolute Geist in der +Vielheit des daseienden _Bewusstseins realisiert_; er ist das +_Gemeinwesen_, welches _fuer uns_ bei dem Eintritt in die praktische +Gestaltung der Vernunft ueberhaupt das absolute Wesen war, und hier in +seiner Wahrheit _fuer sich_ selbst als bewusstes sittliches Wesen, und +als das _Wesen fuer das_ Bewusstsein, das wir zum Gegenstande haben, +hervorgetreten ist. Es ist Geist, welcher _fuer sich_, indem er im +_Gegenschein der Individuen_ sich,--und _an sich_ oder Substanz ist, +indem er sie in sich erhaelt. Als die _wirkliche Substanz_ ist er +_ein Volk_, als _wirkliches Bewusstsein Buerger_ des Volkes. Dies +Bewusstsein hat an dem einfachen Geiste sein _Wesen_, und die +Gewissheit seiner selbst in der _Wirklichkeit_ dieses Geistes, dem +ganzen Volke, und unmittelbar darin seine _Wahrheit_, also nicht in +etwas, das nicht wirklich ist, sondern in einem Geiste, der +_existiert_ und _gilt_. + +Dieser Geist kann das menschliche Gesetz genannt werden, weil er +wesentlich in der Form der _ihrer selbst bewussten Wirklichkeit_ ist. +Er ist in der Form der Allgemeinheit das _bekannte_ Gesetz und die +_vorhandene_ Sitte; in der Form der Einzelnheit ist er die wirkliche +Gewissheit seiner selbst in dem _Individuum_ ueberhaupt, und die +Gewissheit seiner als _einfacher Individualitaet_ ist er als Regierung; +seine Wahrheit ist die offene an dem Tag liegende _Gueltigkeit_; eine +_Existenz_, welche fuer die unmittelbare Gewissheit in die Form des +frei entlassenen Daseins tritt. + +Dieser sittlichen Macht und Offenbarkeit tritt aber eine andere Macht, +das _goettliche Gesetz_, gegenueber. Denn die sittliche _Staatsmacht_ +hat als die _Bewegung_ des sich _bewussten Tuns_ an dem _einfachen_ +und _unmittelbaren Wesen_ der Sittlichkeit ihren Gegensatz; als +_wirkliche Allgemeinheit_ ist sie eine Gewalt gegen das individuelle +Fuer-sich-sein; und als Wirklichkeit ueberhaupt hat sie an dem _innern_ +Wesen noch ein Anders, als sie ist. + +Es ist schon erinnert worden, dass jede der entgegengesetzten Weisen +der sittlichen Substanz zu existieren sie ganz und alle Momente ihres +Inhalts enthaelt. Wenn also das Gemeinwesen sie als das seiner +bewusste wirkliche Tun ist, so hat die andere Seite die Form der +unmittelbaren oder seienden Substanz. Diese ist so einerseits der +innre Begriff oder die allgemeine Moeglichkeit der Sittlichkeit +ueberhaupt, hat aber anderseits das Moment des Selbstbewusstseins +ebenso an ihr. Dieses in diesem Elemente der _Unmittelbarkeit_ oder +des _Seins_ die Sittlichkeit ausdrueckend, oder ein _unmittelbares_ +Bewusstsein seiner wie als Wesens so als dieses Selbsts in einem +Andern, das heisst, ein _natuerliches sittliches_ Gemeinwesen,--ist die +_Familie_. Sie steht als der _bewusstlose_ noch innre Begriff seiner +sich bewussten Wirklichkeit, als das _Element_ der Wirklichkeit des +Volks, dem Volke selbst, als _unmittelbares_ sittliches _Sein_,--der +durch die _Arbeit_ fuer das Allgemeine sich bildenden und erhaltenden +Sittlichkeit, die Penaten dem allgemeinen Geiste gegenueber. + +Ob sich aber wohl das _sittliche Sein_ der Familie als das +_unmittelbare_ bestimmt, so ist sie innerhalb ihrer _sittliches_ +Wesen nicht, _insofern_ sie das Verhaeltnis _der Natur_ ihrer Glieder, +oder deren Beziehung die _unmittelbare einzelner wirklicher_ ist; +denn das sittliche ist an sich _allgemein_, und dies Verhaeltnis der +Natur ist wesentlich ebensosehr ein Geist, und nur als geistiges +Wesen sittlich. Es ist zu sehen, worin seine eigentuemliche +Sittlichkeit besteht.--Zunaechst, weil das Sittliche das an sich +Allgemeine ist, ist die sittliche Beziehung der Familienglieder nicht +die Beziehung der Empfindung oder das Verhaeltnis der Liebe. Das +Sittliche scheint nun in das Verhaeltnis des _einzelnen_ +Familiengliedes zur _ganzen_ Familie als der Substanz gelegt werden +zu muessen; so dass sein Tun und Wirklichkeit nur sie zum Zweck und +Inhalt hat. Aber der bewusste Zweck, den das _Tun_ dieses Ganzen, +insofern er auf es selbst geht, hat, ist selbst das Einzelne. Die +Erwerbung und Erhaltung von Macht und Reichtum geht teils nur auf das +Beduerfnis und gehoert der Begierde an; teils wird sie in ihrer hoehern +Bestimmung etwas nur Mittelbares. Diese Bestimmung faellt nicht in +die Familie selbst, sondern geht auf das wahrhaft Allgemeine, das +Gemeinwesen; sie ist vielmehr negativ gegen die Familie, und besteht +darin, den Einzelnen aus ihr herauszusetzen, seine Natuerlichkeit und +Einzelnheit zu unterjochen, und ihn zur _Tugend_, zum Leben in und +fuers Allgemeine zu ziehen. Der der Familie eigentuemliche, _positive_ +Zweck ist der Einzelne als solcher. Dass nun diese Beziehung sittlich +sei, kann er nicht, weder der, welcher handelt, noch der, auf welchen +sich die Handlung bezieht, nach einer _Zufaelligkeit_ auftreten, wie +etwa in irgendeiner Huelfe oder Dienstleistung geschieht. Der Inhalt +der sittlichen Handlung muss substantiell oder ganz und allgemein sein; +sie kann sich daher nur auf den _ganzen_ Einzelnen, oder auf ihn als +allgemeinen beziehen. Auch dies wieder nicht etwa so, dass sich nur +_vorgestellt_ waere, eine _Dienstleistung_ foerdere sein ganzes Glueck, +waehrend sie so, wie sie unmittelbare und wirkliche Handlung ist, nur +etwas Einzelnes an ihm tut;--noch dass sie auch wirklich als Erziehung, +in einer _Reihe_ von Bemuehungen, ihn als Ganzes zum Gegenstand hat +und als Werk hervorbringt; wo ausser dem gegen die Familie negativen +Zwecke die _wirkliche Handlung_ nur einen beschraenkten Inhalt hat; +--ebensowenig endlich, dass sie eine Nothuelfe ist, wodurch in Wahrheit +der ganze Einzelne errettet wird; denn sie ist selbst eine voellig +zufaellige Tat, deren Gelegenheit eine gemeine Wirklichkeit ist, +welche sein und auch nicht sein kann. Die Handlung also, welche die +ganze Existenz des Blutsverwandten umfasst, und ihn--nicht den Buerger, +denn dieser gehoert nicht der Familie an, noch den, der Buerger werden +und _aufhoeren_ soll, als _dieser Einzelne_ zu gelten, sondern ihn, +_diesen_ der Familie angehoerigen Einzelnen, als ein _allgemeines_, +der sinnlichen, d.i. einzelnen Wirklichkeit enthobenes Wesen zu ihrem +Gegenstande und Inhalt hat, betrifft nicht mehr den _Lebenden,_ +sondern den _Toten_, der aus der langen Reihe seines zerstreuten +Daseins sich in die vollendete _eine_ Gestaltung zusammengefasst, und +aus der Unruhe des zufaelligen Lebens sich in die Ruhe der einfachen +Allgemeinheit erhoben hat.--Weil er nur als Buerger _wirklich_ und +_substantiell_ ist, so ist der Einzelne, wie er nicht Buerger ist, und +der Familie angehoert, nur der _unwirkliche_ marklose Schatten. + +Diese Allgemeinheit, zu der der Einzelne als _solcher_ gelangt, ist +das _reine Sein, der Tod_; es ist das _unmittelbare natuerliche +Gewordensein_, nicht das _Tun_ eines _Bewusstseins_. Die Pflicht des +Familiengliedes ist deswegen, diese Seite hinzuzufuegen, damit auch +sein letztes _Sein_, dies _allgemeine_ Sein, nicht allein der Natur +angehoere und etwas Unvernuenftiges bleibe, sondern dass es ein +_getanes_, und das Recht des Bewusstseins in ihm behauptet sei. Oder +der Sinn der Handlung ist vielmehr, dass, weil in Wahrheit die Ruhe +und Allgemeinheit des seiner selbst bewussten Wesens nicht der Natur +angehoert, der Schein eines solchen Tuns hinwegfalle, den sich die +Natur angemasst, und die Wahrheit hergestellt werde.--Was die Natur an +ihm tat, ist die Seite, von welcher sein Werden zum Allgemeinen sich +als die Bewegung eines _Seienden_ darstellt. Sie faellt zwar selbst +innerhalb des sittlichen Gemeinwesens und hat dieses zum Zwecke; der +Tod ist die Vollendung und hoechste Arbeit, welche das Individuum als +solches fuer es uebernimmt. Aber insofern es wesentlich _einzelnes_ +ist, ist es zufaellig, dass sein Tod unmittelbar mit seiner Arbeit fuers +Allgemeine zusammenhing, und Resultat derselben war, teils wenn er's +war, ist er die _natuerliche_ Negativitaet und die Bewegung des +Einzelnen als _Seienden_, worin das Bewusstsein nicht in sich +zurueckkehrt und Selbstbewusstsein wird; oder indem die Bewegung des +_Seienden_ diese ist, dass es aufgehoben wird und zum _Fuer-sich-sein_ +gelangt, ist der Tod die Seite der Entzweiung, worin das +Fuer-sich-sein, das erlangt wird, ein anderes ist als das Seiende, +welches in die Bewegung eintrat.--Weil die Sittlichkeit der Geist in +seiner _unmittelbaren_ Wahrheit ist, so fallen die Seiten, in die +sein Bewusstsein auseinandertritt, auch in diese Form der +_Unmittelbarkeit_, und die Einzelnheit tritt in diese _abstrakte_ +Negativitaet herueber, welche ohne Trost und Versoehnung _an sich +selbst_, sie _wesentlich_ durch eine _wirkliche_ und _aeusserliche +Handlung_ empfangen muss.--Die Blutsverwandtschaft ergaenzt also die +abstrakte natuerliche Bewegung dadurch, dass sie die Bewegung des +Bewusstseins hinzufuegt, das Werk der Natur unterbricht, und den +Blutsverwandten der Zerstoerung entreisst, oder besser, weil die +Zerstoerung, sein Werden zum reinen Sein, notwendig ist, selbst die +Tat der Zerstoerung ueber sich nimmt.--Es koemmt hiedurch zustande, dass +auch das _tote_, das allgemeine _Sein_ ein in sich zurueckgekehrtes, +ein _Fuer-sich-sein_, oder die kraftlose reine _einzelne_ Einzelnheit +zur _allgemeinen Individualitaet_ erhoben wird. Der Tote, da er sein +Sein von seinem _Tun_ oder negativen Eins freigelassen, ist die leere +Einzelnheit, nur ein passives _Sein fuer Anderes_, aller niedrigen +vernunftlosen Individualitaet und den Kraeften abstrakter Stoffe +preisgegeben, wovon jene um des Lebens willen, das sie hat, diese um +ihrer negativen Natur willen itzt maechtiger sind als er. Dies ihn +entehrende Tun bewusstloser Begierde und abstrakter Wesen haelt die +Familie von ihm ab, setzt das ihrige an die Stelle, und vermaehlt den +Verwandten dem Schosse der Erde, der elementarischen unvergaenglichen +Individualitaet; sie macht ihn hierdurch zum Genossen eines +Gemeinwesens, welches vielmehr die Kraefte der einzelnen Stoffe und +die niedrigen Lebendigkeiten, die gegen ihn frei werden und ihn +zerstoeren wollten, ueberwaeltigt und gebunden haelt. + +Diese letzte Pflicht macht also das vollkommene _goettliche_ Gesetz, +oder die positive _sittliche_ Handlung gegen den Einzelnen aus. +Alles andre Verhaeltnis gegen ihn, das nicht in der Liebe stehenbleibt, +sondern sittlich ist, gehoert dem menschlichen Gesetze an, und hat +die negative Bedeutung, den Einzelnen ueber die Einschliessung in das +natuerliche Gemeinwesen zu erheben, dem er als _wirklicher_ angehoert. +Wenn nun aber schon das menschliche Recht zu seinem Inhalte und Macht +die wirkliche ihrer bewusste sittliche Substanz, das ganze Volk, hat, +das goettliche Recht und Gesetz aber den Einzelnen, der jenseits der +Wirklichkeit ist, so ist er nicht ohne Macht; seine Macht ist das +_abstrakte_ rein _Allgemeine_; das _elementarische_ Individuum, +welches die Individualitaet, die sich von dem Elemente losreisst, und +die ihrer bewusste Wirklichkeit des Volks ausmacht, in die reine +Abstraktion als in sein Wesen ebenso zurueckreisst, als es ihr Grund +ist.--Wie diese Macht am Volke selbst sich darstellt, wird sich noch +weiter entwickeln. + +Es gibt nun in dem einen Gesetze, wie in dem andern, auch +_Unterschiede_ und _Stufen_. Denn indem beide Wesen das Moment des +Bewusstseins an ihnen haben, entfaltet sich innerhalb ihrer selbst der +Unterschied; was ihre Bewegung und eigentuemliches Leben ausmacht. +Die Betrachtung dieser Unterschiede zeigt die Weise der _Betaetigung_ +und des _Selbstbewusstseins_ der beiden _allgemeinen Wesen_ der +sittlichen Welt, sowie ihren _Zusammenhang_ und _Uebergang_ ineinander. + +Das _Gemeinwesen_, das obere und offenbar an der Sonne geltende +Gesetz, hat seine wirkliche Lebendigkeit in der _Regierung_, als +worin es Individuum ist. Sie ist der _in sich reflektierte +wirkliche_ Geist, das einfache _Selbst_ der ganzen sittlichen +Substanz. Diese einfache Kraft erlaubt dem Wesen zwar in seine +Gegliederung sich auszubreiten, und jedem Teile Bestehen und eigenes +Fuer-sich-sein zu geben. Der Geist hat hieran seine _Realitaet_ oder +sein _Dasein_, und die Familie ist das _Element_ dieser Realitaet. +Aber er ist zugleich die Kraft des Ganzen, welche diese Teile wieder +in das negative Eins zusammenfasst, ihnen das Gefuehl ihrer +Unselbststaendigkeit gibt, und sie in dem Bewusstsein erhaelt, ihr Leben +nur im Ganzen zu haben. Das Gemeinwesen mag sich also einerseits in +die Systeme der persoenlichen Selbststaendigkeit und des Eigentums, des +persoenlichen und dinglichen Rechts, organisieren; ebenso die Weisen +des Arbeitens fuer die zunaechst einzelnen Zwecke--des Erwerbs und +Genusses--zu eigenen Zusammenkuenften, gliedern und verselbststaendigen. +Der Geist der allgemeinen Zusammenkunft ist die _Einfachheit_ und +das _negative_ Wesen dieser sich isolierenden Systeme. Um sie nicht +in dieses Isolieren einwurzeln und festwerden, hiedurch das Ganze +auseinanderfallen und den Geist verfliegen zu lassen, hat die +Regierung sie in ihrem Innern von Zeit zu Zeit durch die Kriege zu +erschuettern, ihre sich zurechtgemachte Ordnung und Recht der +Selbststaendigkeit dadurch zu verletzen und zu verwirren, den +Individuen aber, die sich darin vertiefend vom Ganzen losreissen und +dem unverletzbaren _Fuer-sich-sein_ und Sicherheit der Person +zustreben, in jener auferlegten Arbeit ihren Herrn, den Tod, zu +fuehlen zu geben. Der Geist wehrt durch diese Aufloesung der Form des +Bestehens das Versinken in das natuerliche Dasein aus dem sittlichen +ab, und erhaelt und erhebt das Selbst seines Bewusstseins in die +_Freiheit_ und in seine _Kraft_.--Das negative Wesen zeigt sich als +die eigentliche _Macht_ des Gemeinwesens und die _Kraft_ seiner +Selbsterhaltung; dieses hat also die Wahrheit und Bekraeftigung seiner +Macht an dem Wesen des _goettlichen Gesetzes_ und dem _unterirdischen +Reiche_. + + +Das goettliche Gesetz, das in der Familie waltet, hat seinerseits +gleichfalls Unterschiede in sich, deren Beziehung die lebendige +Bewegung seiner Wirklichkeit ausmacht. Unter den drei Verhaeltnissen +aber, des Mannes und der Frau, der Eltern und der Kinder, der +Geschwister als Bruder und Schwester, ist zuerst das _Verhaeltnis_ des +_Mannes_ und der _Frau_, das _unmittelbare_ Sich-erkennen des einen +Bewusstseins im andern, und das Erkennen des gegenseitigem +Anerkanntseins. Weil es das _natuerliche_ Sich-erkennen, nicht das +sittliche ist, ist es nur die _Vorstellung_ und das _Bild_ des +Geistes, nicht der wirkliche Geist selbst.--Die Vorstellung oder das +Bild hat aber seine Wirklichkeit an einem andern, als es ist; dies +Verhaeltnis hat daher seine Wirklichkeit nicht an ihm selbst, sondern +an dem Kinde,--einem andern, dessen Werden es ist, und worin es +selbst verschwindet; und dieser Wechsel der sich fortwaelzenden +Geschlechter hat seinen Bestand in dem Volke.--Die Pietaet des Mannes +und der Frau gegeneinander ist also mit natuerlicher Beziehung und mit +Empfindung vermischt, und ihr Verhaeltnis hat seine Rueckkehr in sich +nicht an ihm selbst; ebenso das zweite, die _Pietaet_ der _Eltern_ und +_Kinder_ gegeneinander. Die der Eltern gegen ihre Kinder ist eben +von dieser Ruehrung affiziert, das Bewusstsein seiner Wirklichkeit in +dem andern zu haben, und das Fuer-sich-sein in ihm werden zu sehen, +ohne es zurueckzuerhalten; sondern es bleibt eine fremde, eigne +Wirklichkeit;--die der Kinder aber gegen die Eltern umgekehrt mit der +Ruehrung, das Werden seiner selbst oder das An-sich an einem andern +Verschwindenden zu haben, und das Fuer-sich-sein und eigene +Selbstbewusstsein zu erlangen, nur durch die Trennung von dem +Ursprung--eine Trennung, worin dieser versiegt. + +Diese beiden Verhaeltnisse bleiben innerhalb des Uebergehens und der +Ungleichheit der Seiten stehen, die an sie verteilt sind.--Das +unvermischte Verhaeltnis aber findet zwischen _Bruder_ und _Schwester_ +statt. Sie sind dasselbe Blut, das aber in ihnen in seine _Ruhe_ und +_Gleichgewicht_ gekommen ist. Sie begehren daher einander nicht, +noch haben sie dies Fuer-sich-sein eins dem andern gegeben, noch +empfangen, sondern sie sind freie Individualitaet gegeneinander. Das +Weibliche hat daher als Schwester die hoechste _Ahndung_ des +sittlichen Wesens; zum _Bewusstsein_ und der Wirklichkeit desselben +kommt es nicht, weil das Gesetz der Familie das _an-sich-_seiende, +_innerliche_ Wesen ist, das nicht am Tage des Bewusstseins liegt, +sondern innerliches Gefuehl und das der Wirklichkeit enthobne +Goettliche bleibt. An diese Penaten ist das Weibliche geknuepft, +welches in ihnen teils seine allgemeine Substanz, teils aber seine +Einzelnheit anschaut, so jedoch, dass diese Beziehung der Einzelnheit +zugleich nicht die natuerliche der Lust sei.--Als _Tochter_ muss nun +das Weib die Eltern mit natuerlicher Bewegung und mit sittlicher Ruhe +verschwinden sehen, denn nur auf Unkosten dieses Verhaeltnisses kommt +sie zu dem _Fuer-sich-sein_, dessen sie faehig ist; sie schaut in den +Eltern also ihr Fuer-sich-sein nicht auf positive Weise an.--Die +Verhaeltnisse der _Mutter_ und der _Frau_ aber haben die Einzelnheit +teils als etwas Natuerliches, das der Lust angehoert, teils als etwas +Negatives, das nur sein Verschwinden darin erblickt, teils ist sie +ebendarum etwas Zufaelliges, das durch eine andere ersetzt werden kann. +Im Hause der Sittlichkeit ist es nicht _dieser_ Mann, nicht +_dieses_ Kind, sondern _ein Mann, Kinder ueberhaupt_,--nicht die +Empfindung, sondern das Allgemeine, worauf sich diese Verhaeltnisse +des Weibes gruenden. Der Unterschied seiner Sittlichkeit von der des +Mannes besteht eben darin, dass es in seiner Bestimmung fuer die +Einzelnheit und in seiner Lust unmittelbar allgemein und der +Einzelnheit der Begierde fremd bleibt; dahingegen in dem Manne diese +beiden Seiten auseinandertreten, und indem er als Buerger die +_selbstbewusste_ Kraft der _Allgemeinheit_ besitzt, erkauft er sich +dadurch das Recht der _Begierde_, und erhaelt sich zugleich die +Freiheit von derselben. Indem also in dies Verhaeltnis der Frau die +Einzelnheit eingemischt ist, ist seine Sittlichkeit nicht rein; +insofern sie aber dies ist, ist die Einzelnheit _gleichgueltig_, und +die Frau entbehrt das Moment, sich als _dieses_ Selbst im andern zu +erkennen.--Der Bruder aber ist der Schwester das ruhige gleiche Wesen +ueberhaupt, ihre Anerkennung in ihm rein und unvermischt mit +natuerlicher Beziehung; die Gleichgueltigkeit der Einzelnheit und die +sittliche Zufaelligkeit derselben ist daher in diesem Verhaeltnisse +nicht vorhanden; sondern das Moment des anerkennenden und anerkannten +_einzelnen Selbsts_ darf hier sein Recht behaupten, weil es mit dem +Gleichgewichte des Blutes und begierdeloser Beziehung verknuepft ist. +Der Verlust des Bruders ist daher der Schwester unersetzlich, und +ihre Pflicht gegen ihn die hoechste. + +Dies Verhaeltnis ist zugleich die Grenze, an der sich die in sich +beschlossene Familie aufloest und ausser sich geht. Der Bruder ist die +Seite, nach welcher ihr Geist zur Individualitaet wird, die gegen +Anderes sich kehrt, und in das Bewusstsein der Allgemeinheit uebergeht. +Der Bruder verlaesst diese _unmittelbare, elementarische_ und darum +eigentlich _negative_ Sittlichkeit der Familie, um die ihrer selbst +bewusste, wirkliche Sittlichkeit zu erwerben und hervorzubringen. + +Er geht aus dem goettlichen Gesetz, in dessen Sphaere er lebte, zu dem +menschlichen ueber. Die Schwester aber wird, oder die Frau bleibt der +Vorstand des Hauses und die Bewahrerin des goettlichen Gesetzes. Auf +diese Weise ueberwinden die beiden Geschlechter ihr natuerliches Wesen, +und treten in ihrer sittlichen Bedeutung auf, als Verschiedenheiten, +welche die beiden Unterschiede, die die sittliche Substanz sich gibt, +unter sich teilen. Diese beiden _allgemeinen_ Wesen der sittlichen +Welt haben ihre bestimmte _Individualitaet_ darum an _natuerlich_ +unterschiedenen Selbstbewusstsein, weil der sittliche Geist die +_unmittelbare_ Einheit der Substanz mit dem Selbstbewusstsein ist; +eine _Unmittelbarkeit_, welche also nach der Seite der Realitaet und +des Unterschieds zugleich als das Dasein eines natuerlichen +Unterschieds erscheint.--Es ist diejenige Seite, welche sich an der +Gestalt der sich selbst realen Individualitaet, in dem Begriffe des +geistigen Wesens, als _urspruenglich bestimmte Natur_ zeigte. Dies +Moment verliert die Unbestimmtheit, die es dort noch hat, und die +zufaellige Verschiedenheit von Anlagen und Faehigkeiten. Es ist itzt +der bestimmte Gegensatz der zwei Geschlechter, deren Natuerlichkeit +zugleich die Bedeutung ihrer sittlichen Bestimmung erhaelt. + +Der Unterschied der Geschlechter und ihres sittlichen Inhalts bleibt +jedoch in der Einheit der Substanz, und seine Bewegung ist eben das +bleibende Werden derselben. Der Mann wird vom Familiengeiste in das +Gemeinwesen hinausgeschickt, und findet in diesem sein selbstbewusstes +Wesen; wie die Familie hiedurch in ihm ihre allgemeine Substanz und +Bestehen hat, so umgekehrt das Gemeinwesen an der Familie das formale +Element seiner Wirklichkeit und an dem goettlichen Gesetze seine Kraft +und Bewaehrung. Keins von beiden ist allein an und fuer sich; das +menschliche Gesetz geht in seiner lebendigen Bewegung von dem +goettlichen, das auf Erden geltende von dem unterirdischen, das +bewusste vom bewusstlosen, die Vermittlung von der Unmittelbarkeit aus, +und geht ebenso dahin zurueck, wovon es ausging. Die unterirdische +Macht dagegen hat auf der Erde ihre _Wirklichkeit_; sie wird durch +das Bewusstsein Dasein und Taetigkeit. + +Die allgemeinen sittlichen Wesen sind also die Substanz als +allgemeines, und sie als einzelnes Bewusstsein; sie haben das Volk und +die Familie zu ihrer allgemeinen Wirklichkeit, den Mann aber und das +Weib zu ihrem natuerlichen Selbst und der betaetigenden Individualitaet. +In diesem Inhalt der sittlichen Welt sehen wir die Zwecke erreicht, +welche die vorhergehenden substanzlosen Gestalten des Bewusstsein sich +machten; was die Vernunft nur als Gegenstand auffasste, ist +Selbstbewusstsein geworden, und was dieses nur in ihm selbst hatte, +als wahre Wirklichkeit vorhanden.--Was die Beobachtung als ein +_Vorgefundenes_ wusste, an dem das Selbst keinen Teil haette, ist hier +vorgefundene Sitte, aber eine Wirklichkeit, die zugleich Tat und Werk +des Findenden ist.--Der Einzelne, die Lust des _Genusses seiner +Einzelnheit_ suchend, findet sie in der Familie, und die +Notwendigkeit, worin die Lust vergeht, ist sein eignes +Selbstbewusstsein als Buergers seines Volks;--oder es ist dieses, das +_Gesetz des Herzens_ als das Gesetz aller Herzen, das Bewusstsein des +_Selbsts_ als die anerkannte allgemeine Ordnung zu wissen;--es ist +die _Tugend_, welche der Fruechte ihrer Aufopferung geniesst; sie +bringt zustande, worauf sie geht, naemlich das Wesen zur wirklichen +Gegenwart herauszuheben, und ihr Genuss ist dies allgemeine Leben. +--Endlich das Bewusstsein _der Sache selbst_ wird in der realen +Substanz befriedigt, die auf eine positive Weise die abstrakten +Momente jener leeren Kategorie enthaelt und erhaelt. Sie hat an den +sittlichen Maechten einen wahrhaften Inhalt, der an die Stelle der +substanzlosen Gebote getreten, die die gesunde Vernunft geben und +wissen wollte,--so wie hiedurch einen inhaltsvollen, an ihm +selbstbestimmten Massstab der Pruefung nicht der Gesetze, sondern +dessen, was getan wird. + +Das Ganze ist ein ruhiges Gleichgewicht aller Teile, und jeder Teil +ein einheimischer Geist, der seine Befriedigung nicht jenseits seiner +sucht, sondern sie in sich darum hat, weil er selbst in diesem +Gleichgewichte mit dem Ganzen ist.--Dies Gleichgewicht kann zwar nur +dadurch lebendig sein, dass Ungleichheit in ihm entsteht, und von der +_Gerechtigkeit_ zur Gleichheit zurueckgebracht wird. Die +Gerechtigkeit ist aber weder ein fremdes jenseits sich befindendes +Wesen, noch die seiner unwuerdige Wirklichkeit einer gegenseitigen +Tuecke, Verrats, Undanks u.s.f., die in der Weise des gedankenlosen +Zufalls als ein unbegriffner Zusammenhang und ein bewusstloses Tun und +Unterlassen das Gericht vollbraechte, sondern als Gerechtigkeit des +_menschlichen_ Rechts, welche das aus dem Gleichgewichte tretende +Fuer-sich-sein, die Selbststaendigkeit der Staende und Individuen in das +Allgemeine zurueckbringt, ist sie die Regierung des Volks, welche die +sich gegenwaertige Individualitaet des allgemeinen Wesens und der eigne +selbstbewusste Willen Aller ist.--Die Gerechtigkeit aber, welche das +ueber den Einzelnen uebermaechtig werdende Allgemeine zum Gleichgewichte +zurueckbringt, ist ebenso der einfache Geist desjenigen, der Unrecht +erlitten,--nicht zersetzt in ihn, der es erlitten, und ein +jenseitiges Wesen; er selbst ist die unterirdische Macht, und es ist +_seine_ Erinnye, welche die Rache betreibt; denn seine Individualitaet, +sein Blut, lebt im Hause fort; seine Substanz hat eine dauernde +Wirklichkeit. Das Unrecht, welches im Reiche der Sittlichkeit dem +Einzelnen zugefuegt werden kann, ist nur dieses, dass ihm rein etwas +_geschieht_. Die Macht, welche dies Unrecht an dem Bewusstsein veruebt, +es zu einem reinen Dinge zu machen, ist die Natur, es ist die +Allgemeinheit nicht des _Gemeinwesens_, sondern die _abstrakte_ des +_Seins_; und die Einzelnheit wendet sich in der Aufloesung des +erlittenen Unrechts nicht gegen jenes, denn von ihm hat es nicht +gelitten, sondern gegen dieses. Das Bewusstsein des Bluts des +Individuums loest dies Unrecht, wie wir gesehen, so auf, dass was +_geschehen_ ist, vielmehr ein _Werk_ wird, damit das _Sein_, das +_Letzte_, auch ein _gewolltes_ und hiemit erfreulich sei. + +Das sittliche Reich ist auf diese Weise in seinem _Bestehen_ eine +unbefleckte durch keinen Zwiespalt verunreinigte Welt. Ebenso ist +seine Bewegung ein ruhiges Werden der einen Macht desselben zur +andern, so dass jede die andere selbst erhaelt und hervorbringt. Wir +sehen sie zwar in zwei Wesen und deren Wirklichkeit sich teilen; aber +ihr Gegensatz ist vielmehr die Bewaehrung des einen durch das andere, +und, worin sie sich unmittelbar als wirkliche beruehren, ihre Mitte +und Element ist die unmittelbare Durchdringung derselben. Das eine +Extrem, der allgemeine sich bewusste Geist, wird mit seinem andern +Extrem, seiner Kraft und seinem Element, mit dem _bewusstlosen_ Geiste, +durch die _Individualitaet_ des _Mannes_ zusammengeschlossen. +Dagegen hat das _goettliche_ Gesetz seine Individualisierung, oder der +_bewusstlose_ Geist des Einzelnen sein Dasein an dem Weibe, durch +welches als die _Mitte_ er aus seiner Unwirklichkeit in die +Wirklichkeit, aus dem Unwissenden und Ungewussten in das bewusste Reich +herauftritt. Die Vereinigung des Mannes und des Weibes macht die +taetige Mitte des Ganzen und das Element aus, das, in diese Extreme +des goettlichen und menschlichen Gesetzes entzweit, ebenso ihre +unmittelbare Vereinigung ist, welche jene beiden ersten Schluesse zu +demselben Schlusse macht, und die entgegengesetzte Bewegung, der +Wirklichkeit hinab zur Unwirklichkeit--des menschlichen Gesetzes, das +sich in selbststaendige Glieder organisiert, herunter zur Gefahr und +Bewaehrung des Todes;--und des unterirdischen Gesetzes herauf zur +Wirklichkeit des Tages und zum bewussten Dasein, deren jene dem Manne, +diese dem Weibe zukommt, in _eine_ vereinigt. + + +b. Die sittliche Handlung,das menschliche und goettliche Wissen,die +Schuld und das Schicksal + +Wie aber in diesem Reiche der Gegensatz beschaffen ist, so ist das +Selbstbewusstsein noch nicht in seinem Rechte als _einzelne +Individualitaet_ aufgetreten; sie gilt in ihm auf der einen Seite nur +als _allgemeiner Willen_, auf der andern als _Blut_ der Familie; +_dieser Einzelne_ gilt nur als der _unwirkliche Schatten_.--Es ist +_noch keine Tat_ begangen; die Tat aber ist das _wirkliche Selbst_. +--Sie stoert die ruhige Organisation und Bewegung der sittlichen Welt. +Was in dieser als Ordnung und Uebereinstimmung ihrer beiden Wesen +erscheint, deren eins das andere bewaehrt und vervollstaendigt, wird +durch die Tat zu einem Uebergange _entgegengesetzter_, worin jedes +sich vielmehr als die Nichtigkeit seiner selbst und des andern +beweist, denn als die Bewaehrung;--es wird zu der negativen Bewegung +oder der ewigen Notwendigkeit des furchtbaren _Schicksals_, welche +das goettliche wie das menschliche Gesetz, sowie die beiden +Selbstbewusstsein, in denen diese Maechte ihr Dasein haben, in den +Abgrund seiner _Einfachheit_ verschlingt--und fuer uns in das +_absolute Fuer-sich-sein_ des rein einzelnen Selbstbewusstseins +uebergeht. + +Der Grund, von dem diese Bewegung aus- und auf dem sie vorgeht, ist +das Reich der Sittlichkeit; aber die _Taetigkeit_ dieser Bewegung ist +das Selbstbewusstsein. Als _sittliches_ Bewusstsein ist es die +_einfache reine Richtung_ auf die sittliche Wesenheit, oder die +Pflicht. Keine Willkuer, und ebenso kein Kampf, keine +Unentschiedenheit ist in ihm, indem das Geben und das Pruefen der +Gesetze aufgegeben worden, sondern die sittliche Wesenheit ist ihm +das Unmittelbare, Unwankende, Widerspruchslose. Es gibt daher nicht +das schlechte Schauspiel, sich in einer Kollision von Leidenschaft +und Pflicht, noch das Komische, in einer Kollision von Pflicht und +Pflicht zu befinden--einer Kollision, die dem Inhalte nach dasselbe +ist als die zwischen Leidenschaft und Pflicht; denn die Leidenschaft +ist ebenso faehig, als Pflicht vorgestellt zu werden, weil die Pflicht, +wie sich das Bewusstsein aus ihrer unmittelbaren substantiellen +Wesenheit in sich zurueckzieht, zum Formell-Allgemeinen wird, in das +jeder Inhalt gleich gut passt, wie sich oben ergab. Komisch aber ist +die Kollision der Pflichten, weil sie den Widerspruch, naemlich eines +_entgegengesetzten Absoluten_, also Absolutes und unmittelbar die +Nichtigkeit dieses sogenannten Absoluten oder Pflicht, ausdrueckt. +--Das sittliche Bewusstsein aber weiss, was es zu tun hat; und ist +entschieden, es sei dem goettlichen oder dem menschlichen Gesetze +anzugehoeren. Diese Unmittelbarkeit seiner Entschiedenheit ist ein +_An-sich-_sein, und hat daher zugleich die Bedeutung eines +natuerlichen Seins, wie wir gesehen; die Natur, nicht das Zufaellige +der Umstaende oder der Wahl, teilt das eine Geschlecht dem einen, das +andere dem andern Gesetze zu--oder umgekehrt, die beiden sittlichen +Maechte selbst geben sich an den beiden Geschlechtern ihr +individuelles Dasein und Verwirklichung. + +Hiedurch nun, dass einesteils die Sittlichkeit wesentlich in dieser +unmittelbaren _Entschiedenheit_ besteht, und darum fuer das Bewusstsein +nur das _eine_ Gesetz das Wesen ist, andernteils, dass die sittlichen +Maechte in dem _Selbst_ des Bewusstseins wirklich sind, erhalten sie +die Bedeutung, sich _auszuschliessen_ und sich _entgegengesetzt_ zu +sein;--sie sind in dem Selbstbewusstsein _fuer sich_, wie sie im +*Reiche* der Sittlichkeit nur _an sich_ sind. Das sittliche +Bewusstsein, weil es fuer _eins_ derselben _entschieden_ ist, ist +wesentlich _Charakter_; es ist fuer es nicht die gleiche _Wesenheit_ +beider; der Gegensatz erscheint darum als eine _unglueckliche_ +Kollision der Pflicht nur mit der rechtlosen _Wirklichkeit_. Das +sittliche Bewusstsein ist als Selbstbewusstsein in diesem Gegensatze, +und als solches geht es zugleich darauf, dem Gesetze, dem es angehoert, +diese entgegengesetzte Wirklichkeit durch Gewalt zu unterwerfen, +oder sie zu taeuschen. Indem es das Recht nur auf seiner Seite, das +Unrecht aber auf der andern sieht, so erblickt von beiden dasjenige, +welches dem goettlichen Gesetze angehoert, auf der andern Seite +menschliche zufaellige _Gewalttaetigkeit_; das aber dem menschlichen +Gesetze zugeteilt ist, auf der andern den Eigensinn und den +_Ungehorsam_ des innerlichen Fuer-sich-seins; denn die Befehle der +Regierung sind der allgemeine, am Tage liegende oeffentliche Sinn; der +Willen des andern Gesetzes aber ist der unterirdische, ins Innre +verschlossne Sinn, der in seinem Dasein als Willen der Einzelnheit +erscheint, und im Widerspruche mit dem ersten der Frevel ist. + +Es entsteht hiedurch am Bewusstsein der Gegensatz des _Gewussten_ und +des _Nichtgewussten_, wie in der Substanz, des _Bewussten_ und +_Bewusstlosen_; und das absolute _Recht_ des sittlichen +_Selbstbewusstseins_ kommt mit dem goettlichen _Rechte_ des _Wesens_ in +Streit. Fuer das Selbstbewusstsein als Bewusstsein hat die +gegenstaendliche Wirklichkeit als solche Wesen; nach seiner Substanz +aber ist es die Einheit seiner und dieses Entgegengesetzten; und das +sittliche Selbstbewusstsein ist das Bewusstsein der Substanz; der +Gegenstand als dem Selbstbewusstsein entgegengesetzt, hat darum +gaenzlich die Bedeutung verloren, fuer sich Wesen zu haben. Wie die +Sphaeren, worin er nur ein _Ding_ ist, laengst verschwunden, so auch +diese Sphaeren, worin das Bewusstsein etwas aus sich befestiget und ein +einzelnes Moment zum Wesen macht. Gegen solche Einseitigkeit hat die +Wirklichkeit eine eigene Kraft; sie steht mit der Wahrheit im Bunde +gegen das Bewusstsein, und stellt diesem erst dar, was die Wahrheit +ist. Das sittliche Bewusstsein aber hat aus der Schale der absoluten +Substanz die Vergessenheit aller Einseitigkeit des Fuer-sich-seins, +seiner Zwecke und eigentuemlichen Begriffe getrunken, und darum in +diesem stygischen Wasser zugleich alle eigne Wesenheit und +selbststaendige Bedeutung der gegenstaendlichen Wirklichkeit ertraenkt. +Sein absolutes Recht ist daher, dass es, indem es nach dem sittlichen +Gesetze handelt, in dieser Verwirklichung nicht irgend etwas anderes +finde, als nur die Vollbringung dieses Gesetzes selbst, und die Tat +nichts anders zeige, als das sittliche Tun ist.--Das Sittliche, als +das absolute _Wesen_ und die absolute _Macht_ zugleich kann keine +Verkehrung seines Inhalts erleiden. Waere es nur das absolute _Wesen_ +ohne die Macht, so koennte es eine Verkehrung durch die Individualitaet +erfahren; aber diese als sittliches Bewusstsein hat mit dem Aufgeben +des einseitigen Fuer-sich-seins dem Verkehren entsagt; so wie die +blosse Macht umgekehrt vom Wesen verkehrt werden wuerde, wenn sie noch +ein solches Fuer-sich-sein waere. Um dieser Einheit willen ist die +Individualitaet reine Form der Substanz, die der Inhalt ist, und das +Tun ist das Uebergehen aus dem Gedanken in die Wirklichkeit, nur als +die Bewegung eines wesenlosen Gegensatzes, dessen Momente keinen +besondern von einander verschiedenen Inhalt und Wesenheit haben. Das +absolute Recht des sittlichen Bewusstseins ist daher, dass die _Tat_, +die Gestalt seiner _Wirklichkeit_, nichts anders sei, als es _weiss_. + +Aber das sittliche Wesen hat sich selbst in zwei Gesetze gespalten, +und das Bewusstsein, als unentzweites Verhalten zum Gesetze, ist nur +_einem_ zugeteilt. Wie dies _einfache_ Bewusstsein auf dem absoluten +Rechte besteht, dass ihm als sittlichem das Wesen _erschienen_ sei, +wie es _an sich_ ist, so besteht dieses Wesen auf dem Rechte seiner +_Realitaet_, oder darauf, gedoppeltes zu sein. Dies Recht des Wesens +steht aber zugleich dem Selbstbewusstsein nicht gegenueber, dass es +irgendwoanders waere, sondern es ist das eigne Wesen des +Selbstbewusstseins; es hat darin allein sein Dasein und seine Macht, +und sein Gegensatz ist die _Tat_ des _Letztern_. Denn dieses, eben +indem es sich als Selbst ist und zur Tat schreitet, erhebt sich aus +der _einfachen Unmittelbarkeit_ und setzt selbst die _Entzweiung_. +Es gibt durch die Tat die Bestimmtheit der Sittlichkeit auf, die +einfache Gewissheit der unmittelbaren Wahrheit zu sein, und setzt die +Trennung seiner selbst in sich als das Taetige und in die +gegenueberstehende fuer es negative Wirklichkeit. Es wird also durch +die Tat zur _Schuld_. Denn sie ist sein _Tun_, und das Tun sein +eigenstes Wesen; und die _Schuld_ erhaelt auch die Bedeutung des +_Verbrechens_: denn als einfaches sittliches Bewusstsein hat es sich +dem einen Gesetze zugewandt, dem andern aber abgesagt, und verletzt +dieses durch seine Tat.--Die _Schuld_ ist nicht das gleichgueltige +doppelsinnige Wesen, dass die Tat, wie sie _wirklich_ am Tage liegt, +_Tun_ ihres Selbsts sein koenne oder auch nicht, als ob mit dem Tun +sich etwas Aeusserliches und Zufaelliges verknuepfen koennte, das dem Tun +nicht angehoerte, von welcher Seite das Tun also unschuldig waere. +Sondern das Tun ist selbst diese Entzweiung, sich fuer sich, und +diesem gegenueber eine fremde aeusserliche Wirklichkeit zu setzen; dass +eine solche ist, gehoert dem Tun selbst an und ist durch dasselbe. +Unschuldig ist daher nur das Nichttun wie das Sein eines Steines, +nicht einmal eines Kindes.--Dem Inhalte nach aber hat die sittliche +_Handlung_ das Moment des Verbrechens an ihr, weil sie die +_natuerliche_ Verteilung der beiden Gesetze an die beiden Geschlechter +nicht aufhebt, sondern vielmehr als _unentzweite_ Richtung auf das +Gesetz innerhalb der _natuerlichen Unmittelbarkeit_ bleibt, und als +Tun diese Einseitigkeit zur Schuld macht, nur die eine der Seiten des +Wesens zu ergreifen, und gegen die andre sich negativ zu verhalten, d. +h. sie zu verletzen. Wohin in dem allgemeinen sittlichen Leben +Schuld und Verbrechen, Tun und Handeln faellt, wird nachher bestimmter +ausgedrueckt werden; es erhellt unmittelbar soviel, dass es nicht +_dieser Einzelne_ ist, der handelt und schuldig ist; denn er als +_dieses_ Selbst ist nur der unwirkliche Schatten, oder er ist nur als +allgemeines Selbst, und die Individualitaet rein das _formale_ Moment +des _Tuns_ ueberhaupt, und der Inhalt die Gesetze und Sitten, und +bestimmt fuer den Einzelnen, die seines Standes; er ist die Substanz +als Gattung, die durch ihre Bestimmtheit zwar zur Art wird, aber die +Art bleibt zugleich das Allgemeine der Gattung. Das Selbstbewusstsein +steigt innerhalb des Volkes vom Allgemeinen nur bis zur Besonderheit, +nicht bis zur einzelnen Individualitaet herab, welche ein +ausschliessendes Selbst, eine sich negative Wirklichkeit in seinem Tun +setzt; sondern seinem Handeln liegt das sichre Vertrauen zum Ganzen +zugrunde, worin sich nichts Fremdes, keine Furcht noch Feindschaft +einmischt. + +Die entwickelte Natur des _wirklichen_ Handelns erfaehrt nun das +sittliche Selbstbewusstsein an seiner Tat, ebensowohl wenn es dem +goettlichen, als wenn es dem menschlichen Gesetze sich ergab. Das ihm +offenbare Gesetz ist im Wesen mit dem entgegengesetzten verknuepft; +das Wesen ist die Einheit beider; die Tat aber hat nur das eine gegen +das andere ausgefuehrt. Aber im Wesen mit diesem verknuepft, ruft die +Erfuellung des einen das andere hervor, und, wozu die Tat es machte, +als ein verletztes, und nun feindliches, Rache forderndes Wesen. Dem +Handeln liegt nur die eine Seite des Entschlusses ueberhaupt an dem +Tage; er ist aber _an sich_ das Negative, das ein ihm Anderes, ein +ihm, der das Wissen ist, Fremdes gegenueberstellt. Die Wirklichkeit +haelt daher die andere dem Wissen fremde Seite in sich verborgen, und +zeigt sich dem Bewusstsein nicht, wie sie an und fuer sich ist--dem +Sohne nicht den Vater in seinem Beleidiger, den er erschlaegt; nicht +die Mutter in der Koenigin, die er zum Weibe nimmt. Dem sittlichen +Selbstbewusstsein stellt auf diese Weise eine lichtscheue Macht nach, +welche erst, wenn die Tat geschehen, hervorbricht und es bei ihr +ergreift; denn die vollbrachte Tat ist der aufgehobne Gegensatz des +wissenden Selbst und der ihm gegenueberstehenden Wirklichkeit. Das +Handelnde kann das Verbrechen und seine Schuld nicht verleugnen;--die +Tat ist dieses, das Unbewegte zu bewegen und das nur erst in der +Moeglichkeit Verschlossene hervorzubringen, und hiemit das Unbewusste +dem Bewussten, das Nichtseiende dem Sein zu verknuepfen. In dieser +Wahrheit tritt also die Tat an die Sonne;--als ein solches, worin ein +Bewusstes einem Unbewussten, das Eigne einem Fremden verbunden ist, als +das entzweite Wesen, dessen andere Seite das Bewusstsein, und auch als +die seinige erfaehrt, aber als die von ihm verletzte und feindlich +erregte Macht. + +Es kann sein, dass das Recht, welches sich im Hinterhalte hielt, nicht +in seiner eigentuemlichen Gestalt fuer das handelnde _Bewusstsein_, +sondern nur _an sich_, in der innern Schuld des Entschlusses und des +Handelns vorhanden ist. Aber das sittliche Bewusstsein ist +vollstaendiger, seine Schuld reiner, wenn es das Gesetz und die Macht +_vorher kennt_, der es gegenuebertritt, sie fuer Gewalt und Unrecht, +fuer eine sittliche Zufaelligkeit nimmt, und wissentlich, wie Antigone, +das Verbrechen begeht. Die vollbrachte Tat verkehrt seine Ansicht; +die _Vollbringung_ spricht es selbst aus, dass was _sittlich_ ist, +_wirklich_ sein muesse; denn die _Wirklichkeit_ des Zwecks ist der +Zweck des Handelns. Das Handeln spricht gerade die _Einheit_ der +_Wirklichkeit_ und der _Substanz_ aus, es spricht aus, dass die +Wirklichkeit dem Wesen nicht zufaellig ist, sondern mit ihm im Bunde +keinem gegeben wird, das nicht wahres Recht ist. Das sittliche +Bewusstsein muss sein Entgegengesetztes um dieser Wirklichkeit willen, +und um seines Tuns willen, als die seinige, es muss seine Schuld +anerkennen; _weil wir leiden, anerkennen wir, dass wir gefehlt._ + +Dies Anerkennen drueckt den aufgehobenen Zwiespalt des sittlichen +_Zweckes_ und der _Wirklichkeit_, es drueckt die Rueckkehr zur +sittlichen _Gesinnung_ aus, die weiss, dass nichts gilt als das Rechte. +Damit aber gibt das Handelnde seinen _Charakter_ und die +_Wirklichkeit_ seines Selbsts auf, und ist zugrunde gegangen. Sein +_Sein_ ist dieses, seinem sittlichen Gesetze als seiner Substanz +anzugehoeren; in dem Anerkennen des Entgegengesetzten hat dies aber +aufgehoert, ihm Substanz zu sein; und statt seiner Wirklichkeit hat es +die Unwirklichkeit, die Gesinnung, erreicht.--Die Substanz erscheint +zwar _an_ der Individualitaet als das _Pathos_ derselben, und die +Individualitaet als das, was sie belebt, und daher ueber ihr steht; +aber sie ist ein Pathos, das zugleich sein Charakter ist; die +sittliche Individualitaet ist unmittelbar und an sich eins mit diesem +seinem Allgemeinen, sie hat ihre Existenz nur in ihm, und vermag den +Untergang, den diese sittliche Macht durch die entgegengesetzte +leidet, nicht zu ueberleben. + +Sie hat aber dabei die Gewissheit, dass diejenige Individualitaet, deren +Pathos diese entgegengesetzte Macht ist, _nicht mehr Uebel erleidet, +als sie zugefuegt_. Die Bewegung der sittlichen Maechte gegeneinander +und der sie in Leben und Handlung setzenden Individualitaeten hat nur +darin ihr _wahres Ende_ erreicht, dass beide Seiten denselben +Untergang erfahren. Denn keine der Maechte hat etwas vor der andern +voraus, um _wesentlicheres_ Moment der Substanz zu sein. Die gleiche +Wesentlichkeit und das gleichgueltige Bestehen beider nebeneinander +ist ihr selbstloses Sein; in der _Tat_ sind sie als Selbstwesen, aber +ein verschiedenes, was der Einheit des Selbsts widerspricht, und ihre +Rechtlosigkeit und notwendigen Untergang ausmacht. Der _Charakter_ +gehoert ebenso teils nach seinem Pathos oder Substanz nur der _einen_ +an, teils ist nach der Seite des Wissens der eine wie der andere in +ein Bewusstes und Unbewusstes entzweit; und indem jeder selbst diesen +Gegensatz hervorruft, und durch die Tat auch das Nichtwissen sein +Werk ist, setzt er sich in die Schuld, die ihn verzehrt. Der Sieg +der einen Macht und ihres Charakters und das Unterliegen der andern +Seite waere also nur der Teil und das unvollendete Werk, das +unaufhaltsam zum Gleichgewichte beider fortschreitet. Erst in der +gleichen Unterwerfung beider Seiten ist das absolute Recht vollbracht, +und die sittliche Substanz als die negative Macht, welche beide +Seiten verschlingt, oder das allmaechtige und gerechte _Schicksal_ +aufgetreten. + +Werden beide Maechte nach ihrem bestimmten Inhalte und dessen +Individualisation genommen, so bietet sich das Bild ihres gestalteten +Widerstreits, nach seiner formellen Seite, als der Widerstreit der +Sittlichkeit und des Selbstbewusstseins mit der bewusstlosen Natur und +einer durch sie vorhandenen Zufaelligkeit--diese hat ein Recht gegen +jenes, weil es nur der _wahre_ Geist, nur in _unmittelbarer_ Einheit +mit seiner Substanz ist--und seinem Inhalte nach als der Zwiespalt +des goettlichen und menschlichen Gesetzes dar.--Der Juengling tritt aus +dem bewusstlosen Wesen, aus dem Familiengeiste, und wird die +Individualitaet des Gemeinwesens; dass er aber der Natur, der er sich +entriss, noch angehoere, erweist sich so, dass er in der Zufaelligkeit +zweier Brueder heraustritt, welche mit gleichem Rechte sich desselben +bemaechtigen; die Ungleichheit der fruehern und spaetern Geburt hat _fuer +sie_, die in das sittliche Wesen eintreten, als Unterschied der Natur, +keine Bedeutung. Aber die Regierung, als die einfache Seele oder +das Selbst des Volksgeistes, vertraegt nicht eine Zweiheit der +Individualitaet; und der sittlichen Notwendigkeit dieser Einheit tritt +die Natur als der Zufall der Mehrheit gegenueber auf. Diese beiden +werden darum uneins, und ihr gleiches Recht an die Staatsgewalt +zertruemmert beide, die gleiches Unrecht haben. Menschlicherweise +angesehen, hat derjenige das Verbrechen begangen, welcher, nicht _im +Besitze_, das Gemeinwesen, an dessen Spitze der andere stand, +angreift; derjenige dagegen hat das Recht auf seiner Seite, welcher +den andern nur als _Einzelnen_, abgeloest von dem Gemeinwesen, zu +fassen wusste und in dieser Machtlosigkeit vertrieb; er hat nur das +Individuum als solches, nicht jenes, nicht das Wesen des menschlichen +Rechts, angetastet. Das von der leeren Einzelnheit angegriffene und +verteidigte Gemeinwesen erhaelt sich, und die Brueder finden beide +ihren wechselseitigen Untergang durcheinander; denn die +Individualitaet, welche _an ihr Fuer-sich-sein_ die Gefahr des Ganzen +knuepft, hat sich selbst vom Gemeinwesen ausgestossen, und loest sich in +sich auf. Den einen aber, der auf seiner Seite sich fand, wird es +ehren; den andern hingegen, der schon auf den Mauern seine Verwuestung +aussprach, wird die Regierung, die wiederhergestellte Einfachheit des +Selbsts des Gemeinwesens, um die letzte Ehre bestrafen; wer an dem +hoechsten Geiste des Bewusstseins, der Gemeine, sich zu vergreifen kam, +muss der Ehre seines ganzen vollendeten Wesens, der Ehre des +abgeschiedenen Geistes, beraubt werden. + +Aber wenn so das Allgemeine die reine Spitze seiner Pyramide leicht +abstoesst, und ueber das sich empoerende Prinzip der Einzelnheit, die +Familie, zwar den _Sieg_ davontraegt, so hat es sich dadurch mit dem +goettlichen Gesetze, der seiner selbstbewusste Geist sich mit dem +Bewusstlosen nur in _Kampf_ eingelassen; denn dieser ist die andre +wesentliche und darum von jener unzerstoerte und nur beleidigte Macht. +Er hat aber gegen das gewalthabende, am Tage liegende Gesetz seine +Huelfe zur _wirklichen_ Ausfuehrung nur an dem blutlosen Schatten. Als +das Gesetz der Schwaeche und der Dunkelheit unterliegt er daher +zunaechst dem Gesetze des Tages und der Kraft, denn jene Gewalt gilt +unten, nicht auf Erden. Allein das Wirkliche, das dem Innerlichen +seine Ehre und Macht genommen, hat damit sein Wesen aufgezehrt. Der +offenbare Geist hat die Wurzel seiner Kraft in der Unterwelt; die +ihrer selbst sichere und sich versichernde _Gewissheit_ des Volkes hat +die _Wahrheit_ ihres Alle in Eins bindenden Eides nur in der +bewusstlosen und stummen Substanz Aller, in den Waessern der +Vergessenheit. Hiedurch verwandelt sich die Vollbringung des +offenbaren Geistes in das Gegenteil, und er erfaehrt, dass sein +hoechstes Recht das hoechste Unrecht, sein Sieg vielmehr sein eigener +Untergang ist. Der Tote, dessen Recht gekraenkt ist, weiss darum fuer +seine Rache Werkzeuge zu finden, welche von gleicher Wirklichkeit und +Gewalt sind mit der Macht, die ihn verletzt. Diese Maechte sind +andere Gemeinwesen, deren Altaere die Hunde oder Voegel mit der Leiche +besudelten, welche nicht durch die ihr gebuehrende Zurueckgabe an das +elementarische Individuum in die bewusstlose Allgemeinheit erhoben, +sondern ueber der Erde im Reiche der Wirklichkeit geblieben, und als +die Kraft des goettlichen Gesetzes, nun eine selbstbewusste wirkliche +Allgemeinheit erhaelt. Sie machen sich feindlich auf, und zerstoeren +das Gemeinwesen, das seine Kraft, die Pietaet der Familie, entehrt und +zerbrochen hat. + +In dieser Vorstellung hat die Bewegung des menschlichen und +goettlichen Gesetzes den Ausdruck ihrer Notwendigkeit an Individuen, +an denen das Allgemeine als ein _Pathos_ und die Taetigkeit der +Bewegung als _individuelles_ Tun erscheint, welches der Notwendigkeit +derselben den Schein der Zufaelligkeit gibt. Aber die Individualitaet +und das Tun macht das Prinzip der Einzelnheit ueberhaupt aus, das in +seiner reinen Allgemeinheit das innere goettliche Gesetz genannt wurde. +Als Moment des offenbaren Gemeinwesens hat es nicht nur jene +unterirdische oder in seinem Dasein aeusserliche Wirksamkeit, sondern +ein ebenso offenbares an dem wirklichen Volke wirkliches Dasein und +Bewegung. In dieser Form genommen, erhaelt das, was als einfache +Bewegung des individualisierten Pathos vorgestellt wurde, ein anderes +Aussehen, und das Verbrechen und die dadurch begruendete Zerstoerung +des Gemeinwesens die eigentliche Form ihres Daseins.--Das menschliche +Gesetz also in seinem allgemeinen Dasein, das Gemeinwesen, in seiner +Betaetigung ueberhaupt die Maennlichkeit, in seiner wirklichen +Betaetigung die Regierung, _ist, bewegt_ und _erhaelt_ sich dadurch, +dass es die Absonderung der Penaten oder die selbststaendige +Vereinzelung in Familien, welchen die Weiblichkeit vorsteht, in sich +aufzehrt, und sie in der Kontinuitaet seiner Fluessigkeit aufgeloest +erhaelt. Die Familie ist aber zugleich ueberhaupt sein Element, das +einzelne Bewusstsein allgemeiner betaetigender Grund. Indem das +Gemeinwesen sich nur durch die Stoerung der Familienglueckseligkeit und +die Aufloesung des Selbstbewusstseins in das allgemeine sein Bestehen +gibt, erzeugt es sich an dem, was es unterdrueckt und was ihm zugleich +wesentlich ist, an der Weiblichkeit ueberhaupt seinen innern Feind. +Diese--die ewige Ironie des Gemeinwesens--veraendert durch die Intrige +den allgemeinen Zweck der Regierung in einen Privatzweck, verwandelt +ihre allgemeine Taetigkeit in ein Werk dieses bestimmten Individuums, +und verkehrt das allgemeine Eigentum des Staats zu einem Besitz und +Putz der Familie. Sie macht hiedurch die ernsthafte Weisheit des +reifen Alters, das, der Einzelnheit--der Lust und dem Genusse, sowie +der wirklichen Taetigkeit--abgestorben, nur das Allgemeine denkt und +besorgt, zum Spotte fuer den Mutwillen der unreifen Jugend, und zur +Verachtung fuer ihren Enthusiasmus; erhebt ueberhaupt die Kraft der +Jugend zum Geltenden--des Sohnes, an dem die Mutter ihren Herrn +geboren, des Bruders, an dem die Schwester den Mann als ihresgleichen +hat, des Juenglings, durch den die Tochter ihrer Unselbststaendigkeit +entnommen, den Genuss und die Wuerde der Frauenschaft erlangt.--Das +Gemeinwesen kann sich aber nur durch Unterdrueckung dieses Geistes der +Einzelnheit erhalten, und, weil er wesentliches Moment ist, erzeugt +es ihn zwar ebenso, und zwar durch die unterdrueckende Haltung gegen +denselben als ein feindseliges Prinzip. Dieses wuerde jedoch, da es +vom allgemeinen Zwecke sich trennend, nur boese und in sich nichtig +ist, nichts vermoegen, wenn nicht das Gemeinwesen selbst die Kraft der +Jugend, die Maennlichkeit, welche nicht reif noch innerhalb der +Einzelnheit steht, als die _Kraft_ des Ganzen anerkannte. Denn es +ist ein Volk, es ist selbst Individualitaet und wesentlich nur so fuer +_sich_, dass _andere Individualitaeten fuer es_ sind, dass es sie von +sich _ausschliesst_ und sich unabhaengig von ihnen weiss. Die negative +Seite des Gemeinwesens, _nach innen_ die Vereinzelung der Individuen +unterdrueckend, nach _aussen_ aber _selbsttaetig_, hat an der +Individualitaet seine Waffen. Der Krieg ist der Geist und die Form, +worin das wesentliche Moment der sittlichen Substanz, die absolute +_Freiheit_ des sittlichen _Selbstwesens_ von allem Dasein, in ihrer +Wirklichkeit und Bewaehrung vorhanden ist. Indem er einerseits den +einzelnen _Systemen_ des Eigentums und der persoenlichen +Selbststaendigkeit wie auch der einzelnen _Persoenlichkeit_ selbst die +Kraft des Negativen zu fuehlen gibt, erhebt andererseits in ihm eben +dies negative Wesen sich als das Erhaltende des Ganzen; der tapfre +Juengling, an welchem die Weiblichkeit ihre Lust hat, das unterdrueckte +Prinzip des Verderbens tritt an den Tag und ist das Geltende. Nun +ist es die natuerliche Kraft und das, was als Zufall des Gluecks +erscheint, welche ueber das Dasein des sittlichen Wesens und die +geistige Notwendigkeit entscheiden; weil auf Staerke und Glueck das +Dasein des sittlichen Wesens beruht, so ist _schon entschieden_, dass +es zugrunde gegangen.--Wie vorhin nur Penaten im Volksgeiste, so +gehen die _lebendigen_ Volksgeister durch ihre Individualitaet itzt in +einem _allgemeinen_ Gemeinwesen zugrunde, dessen _einfache +Allgemeinheit_ geistlos und tot, und dessen Lebendigkeit das +_einzelne_ Individuum, als einzelnes ist. Die sittliche Gestalt des +Geistes ist verschwunden, und es tritt eine andere an ihre Stelle. + +Dieser Untergang der sittlichen Substanz und ihr Uebergang in eine +andere Gestalt ist also dadurch bestimmt, dass das sittliche +Bewusstsein auf das Gesetz wesentlich _unmittelbar_ gerichtet ist; in +dieser Bestimmung der Unmittelbarkeit liegt, dass in die Handlung der +Sittlichkeit die Natur ueberhaupt hereinkommt. Ihre Wirklichkeit +offenbart nur den Widerspruch und den Keim des Verderbens, den die +schoene Einmuetigkeit und das ruhige Gleichgewicht des sittlichen +Geistes eben an dieser Ruhe und Schoenheit selbst hat; denn die +Unmittelbarkeit hat die widersprechende Bedeutung, die bewusstlose +Ruhe der Natur, und die selbstbewusste unruhige Ruhe des Geistes zu +sein.--Um dieser Natuerlichkeit willen ist ueberhaupt dieses sittliche +Volk eine durch die Natur bestimmte und daher beschraenkte +Individualitaet, und findet also ihre Aufhebung an einer andern. +Indem aber diese Bestimmtheit, die im Dasein gesetzt, Beschraenkung, +aber ebenso das Negative ueberhaupt und das Selbst der Individualitaet +ist, verschwindet, ist das Leben des Geistes und diese in Allen ihrer +selbstbewusste Substanz verloren. Sie tritt als eine _formelle +Allgemeinheit_ an ihnen heraus, ist ihnen nicht mehr als lebendiger +Geist inwohnend, sondern die einfache Gediegenheit ihrer +Individualitaet ist in viele Punkte zersprungen. + +c. Rechtszustand + +Die allgemeine Einheit, in welche die lebendige unmittelbare Einheit +der Individualität und der Substanz zurückgeht, ist das geistlose +Gemeinwesen, das aufgehört hat, die selbstbewußtlose Substanz der +Individuen zu sein, und worin sie itzt nach ihrem einzelnen +Für-sich-sein als Selbstwesen und Substanzen gelten. Das Allgemeine +in die Atome der absolut vielen Individuen zersplittert, dieser +gestorbene Geist ist eine _Gleichheit_, worin _Alle_ als _Jede_, als +_Personen_ gelten.--Was in der Welt der Sittlichkeit das verborgene +göttliche Gesetz genannt wurde, ist in der Tat aus seinem Innern in +die Wirklichkeit getreten; in jener galt und war der _Einzelne_ +wirklich nur als das allgemeine _Blut_ der _Familie_. Als _dieser_ +Einzelne war er der _selbstlose abgeschiedene_ Geist; nun aber ist er +aus seiner Unwirklichkeit hervorgetreten. Weil die sittliche +Substanz nur der _wahre_ Geist ist, darum geht er in die _Gewißheit_ +seiner selbst zurück; jene ist er als das _positive_ Allgemeine, aber +seine Wirklichkeit ist, _negatives_ allgemeines _Selbst_ zu sein. +--Wir sahen die Mächte und die Gestalten der sittlichen Welt in der +einfachen Notwendigkeit des leeren _Schicksals_ versinken. Diese +ihre Macht ist die in ihre Einfachheit sich reflektierende Substanz; +aber das in sich reflektierende absolute Wesen, eben jene +Notwendigkeit des leeren Schicksals, ist nichts anders als das _Ich_ +des Selbstbewußtseins. + +Dieses gilt hiemit nunmehr als das _an und für sich_ seiende Wesen; +dies _Anerkanntsein_ ist seine Substantialität; aber sie ist die +_abstrakte Allgemeinheit_, weil ihr Inhalt _dieses spröde Selbst_, +nicht das in der Substanz aufgelöste ist. + +Die Persönlichkeit ist also hier aus dem Leben der sittlichen +Substanz herausgetreten; sie ist die _wirklich geltende_ +Selbstständigkeit des Bewußtseins. Der _unwirkliche Gedanke_ +derselben, der sich durch _Verzichttun_ auf die _Wirklichkeit_ wird, +ist früher als _stoisches_ Selbstbewußtsein vorgekommen; wie dieses +aus der Herrschaft und Knechtschaft, als dem unmittelbaren Dasein des +_Selbstbewußtsein_, so ist die Persönlichkeit aus dem unmittelbaren +_Geiste_--der der allgemeine herrschende Willen Aller und ebenso ihr +dienender Gehorsam ist, hervorgegangen. Was dem Stoizismus nur in +der _Abstraktion_ das _An-sich_ war, ist nun _wirkliche_ Welt. Er +ist nichts anderes als das Bewußtsein, welches das Prinzip des +Rechtszustands, die geistlose Selbstständigkeit, auf seine abstrakte +Form bringt; durch seine Flucht aus der _Wirklichkeit_ erreichte es +nur den Gedanken der Selbstständigkeit; es ist absolut für _sich_ +dadurch, daß es sein Wesen nicht an irgendein Dasein knüpft, sondern +jedes Dasein aufgegeben, und sein Wesen allein in die Einheit des +reinen Denkens setzt. Auf dieselbe Weise ist das Recht der Person +weder an ein reicheres oder mächtigeres Dasein des Individuums als +eines solchen, noch auch an einen allgemeinen lebendigen Geist +geknüpft, sondern vielmehr an das reine Eins seiner abstrakten +Wirklichkeit oder an es als Selbstbewußtsein überhaupt. + +Wie nun die _abstrakte_ Selbstständigkeit des Stoizismus ihre +Verwirklichung darstellte, so wird auch diese letztere die Bewegung +jener ersten wiederholen. Jene geht in die skeptische Verwirrung des +Bewußtseins über, in eine Faselei des Negativen, welche gestaltlos +von einer Zufälligkeit des Seins und Gedankens zur andern irrt, sie +zwar in der absoluten Selbstständigkeit auflöst, aber ebensosehr +wieder erzeugt; und in der Tat nur der Widerspruch der +Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Bewußtseins ist. +--Ebenso ist die persönliche Selbstständigkeit des _Rechts_ vielmehr +diese gleiche allgemeine Verwirrung und gegenseitige Auflösung. Denn +was als das absolute Wesen gilt, ist das Selbstbewußtsein als das +reine _leere Eins_ der Person. Gegen diese leere Allgemeinheit hat +die Substanz die Form der _Erfüllung_ und des _Inhalts_, und dieser +ist nun völlig freigelassen und ungeordnet; denn der Geist ist nicht +mehr vorhanden, der ihn unterjochte, und in seiner Einheit +zusammenhielt.--Dies leere Eins der Person ist daher in seiner +_Realität_ ein zufälliges Dasein und wesenloses Bewegen und Tun, +welches zu keinem Bestand kommt. Wie der Skeptizismus, ist der +Formalismus des Rechts also durch seinen Begriff ohne eigentümlichen +Inhalt, findet ein mannigfaltiges Bestehen, den Besitz, vor, und +drückt ihm dieselbe abstrakte Allgemeinheit, wodurch er _Eigentum_ +heißt, auf wie jener. Wenn aber die so bestimmte Wirklichkeit im +Skeptizismus _Schein_ überhaupt heißt, und nur einen negativen Wert +hat, so hat sie im Rechte einen positiven. Jener negative Wert +besteht darin, daß das Wirkliche die Bedeutung des Selbsts als +Denkens, als des _an sich_ Allgemeinen hat, dieser positive aber +darin, daß es _Mein_ in der Bedeutung der Kategorie, als _ein +anerkanntes_ und _wirkliches_ Gelten ist.--Beides ist dasselbe +_abstrakte Allgemeine_; der wirkliche Inhalt oder die _Bestimmtheit_ +des Meinen--es sei nun eines äußerlichen Besitzes, oder auch des +innern Reichtums oder Armut des Geistes und Charakters, ist nicht in +dieser leeren Form enthalten und geht sie nichts an. Er gehört also +einer _eignen Macht_ an, die ein anderes als das formal Allgemeine, +die der Zufall und die Willkür ist.--Das Bewußtsein des Rechts +erfährt darum in seinem wirklichen Gelten selbst vielmehr den Verlust +seiner Realität und seine vollkommne Unwesentlichkeit, und ein +Individuum als eine _Person_ bezeichnen ist Ausdruck der Verachtung. + +Die freie Macht des Inhalts bestimmt sich so, daß die Zerstreuung in +die absolute _Vielheit_ der persönlichen Atome durch die Natur dieser +Bestimmtheit zugleich in _einen_ ihnen fremden und ebenso geistlosen +Punkt gesammelt ist, der einesteils gleich der Sprödigkeit ihrer +Personalität rein einzelne Wirklichkeit ist, aber im Gegensatze gegen +ihre leere Einzelnheit zugleich die Bedeutung alles Inhalts, dadurch +des realen Wesens für sie hat, und gegen ihre vermeinte absolute, an +sich aber wesenlose Wirklichkeit die allgemeine Macht und absolute +Wirklichkeit ist. Dieser Herr der Welt ist sich auf diese Weise die +absolute zugleich alles Dasein in sich befassende Person, für deren +Bewußtsein kein höherer Geist existiert. Er ist Person; aber die +einsame Person, welche _allen_ gegenübergetreten; diese Alle machen +die geltende Allgemeinheit der Person aus, denn das Einzelne als +solches ist wahr nur als allgemeine Vielheit der Einzelnheit, von +dieser abgetrennt ist das einsame Selbst in der Tat das unwirkliche, +kraftlose Selbst.--Zugleich ist es das Bewußtsein des Inhalts, der +jener allgemeinen Persönlichkeit gegenübergetreten ist. Dieser +Inhalt aber von seiner negativen Macht befreit ist das Chaos der +geistigen Mächte, die entfesselt als elementarische Wesen in wilder +Ausschweifung sich gegeneinander toll und zerstörend bewegen; ihr +kraftloses Selbstbewußtsein ist die machtlose Umschließung und der +Boden ihres Tumultes. Sich so als den Inbegriff aller wirklichen +Mächte wissend, ist dieser Herr der Welt das ungeheure +Selbstbewußtsein, das sich als den wirklichen Gott weiß; indem er +aber nur das formale Selbst ist, das sie nicht zu bändigen vermag, +ist seine Bewegung und Selbstgenuß die ebenso ungeheure Ausschweifung. + +Der Herr der Welt hat das wirkliche Bewußtsein dessen, was er ist, +der allgemeinen Macht der Wirklichkeit, in der zerstörenden Gewalt, +die er gegen das ihm gegenüberstehende Selbst seiner Untertanen +ausübt. Denn seine Macht ist nicht die _Einigkeit_ des Geistes, +worin die Personen ihr eigenes Selbstbewußtsein erkannten, vielmehr +sind sie als Personen für sich und schließen die Kontinuität mit +andern aus der absoluten Sprödigkeit ihrer Punktualität aus; sie sind +also in einem nur negativen Verhältnisse wie zueinander so zu ihm, +der ihre Beziehung oder Kontinuität ist. Als diese Kontinuität ist +er das Wesen und der Inhalt ihres Formalismus; aber der ihnen fremde +Inhalt, und das feindliche Wesen, welches gerade dasjenige, was für +sie als ihr Wesen gilt, das inhaltsleere Für-sich-sein, vielmehr +aufhebt;--und als die Kontinuität ihrer Persönlichkeit eben diese +zerstört. Die rechtliche Persönlichkeit erfährt also, indem der ihr +fremde Inhalt sich in ihr geltend macht, und er macht sich in ihnen +geltend, weil er ihre Realität ist--vielmehr ihre Substanzlosigkeit. +Das zerstörende Wühlen in diesem wesenlosen Boden gibt sich dagegen +das Bewußtsein seiner Allherrschaft, aber dieses Selbst ist bloßes +Verwüsten, daher nur außer sich, und vielmehr das Wegwerfen seines +Selbstbewußtseins. + +So ist die Seite beschaffen, in welcher das Selbstbewußtsein als +absolutes Wesen _wirklich_ ist. Das aus dieser Wirklichkeit aber _in +sich zurückgetriebene Bewußtsein_ denkt diese seine Unwesenheit; wir +sahen früher die stoische Selbstständigkeit des reinen Denkens durch +den Skeptizismus hindurchgehen und in dem unglücklichen Bewußtsein +ihre Wahrheit finden--die Wahrheit, welche Bewandtnis es mit seinem +An- und Für-sich-sein hat. Wenn dies Wissen damals nur als die +einseitige Ansicht des Bewußtseins als eines solchen erschien, so ist +hier ihre _wirkliche_ Wahrheit eingetreten. Sie besteht darin, daß +dies _allgemeine Gelten_ des Selbstbewußtseins, die ihm entfremdete +Realität ist. Dies _Gelten_ ist die allgemeine Wirklichkeit des +Selbsts, aber sie ist unmittelbar ebenso die Verkehrung; sie ist der +Verlust seines Wesens.--Die in der sittlichen Welt nicht vorhandne +Wirklichkeit des Selbsts ist durch ihr Zurückgehen in die _Person_ +gewonnen worden, was in jener einig war, tritt nun entwickelt, aber +sich entfremdet auf. + + + +B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung + +Die sittliche Substanz erhielt den Gegensatz in ihr einfaches +Bewusstsein eingeschlossen, und dieses in unmittelbarer Einheit mit +seinem Wesen. Das Wesen hat darum die einfache Bestimmtheit des +_Seins_ fuer das Bewusstsein, das unmittelbar darauf gerichtet, und +dessen Sitte es ist; weder gilt das Bewusstsein sich als _dieses +ausschliessende Selbst_, noch hat die Substanz die Bedeutung eines aus +ihm ausgeschlossenen Daseins, mit dem es sich nur durch die +Entfremdung seiner selbst eins zu setzen und sie zugleich +hervorzubringen haette. Aber derjenige Geist, dessen Selbst das +absolut diskrete ist, hat seinen Inhalt sich als eine ebenso harte +Wirklichkeit gegenueber, und die Welt hat hier die Bestimmung, ein +Aeusserliches, das Negative des Selbstbewusstseins zu sein. Aber diese +Welt ist geistiges Wesen, sie ist an sich die Durchdringung des Seins +und der Individualitaet; dies ihr Dasein ist das _Werk_ des +Selbstbewusstseins; aber ebenso eine unmittelbar vorhandne ihm fremde +Wirklichkeit, welche eigentuemliches Sein hat, und worin es sich nicht +erkennt. Sie ist das aeusserliche Wesen, und der freie Inhalt des +Rechts; aber diese aeusserliche Wirklichkeit, welche der Herr der Welt +des Rechts in sich befasst, ist nicht nur dieses zufaellig fuer das +Selbst vorhandne elementarische Wesen, sondern sie ist seine aber +nicht positive Arbeit--vielmehr seine negative. Sie erhaelt ihr +Dasein durch die _eigne_ Entaeusserung und Entwesung des +Selbstbewusstseins, welche ihm in der Verwuestung, die in der Welt des +Rechts herrscht, die aeusserliche Gewalt der losgebundnen Elemente +anzutun scheinet. Diese fuer sich sind nur das reine Verwuesten und +die Aufloesung ihrer selbst; diese Aufloesung aber, dies ihr negatives +Wesen ist eben das Selbst; es ist ihr Subjekt, ihr Tun und Werden. +Dies Tun und Werden aber, wodurch die Substanz wirklich wird, ist die +Entfremdung der Persoenlichkeit, denn das _unmittelbar_, d.h. _ohne +Entfremdung_ an und fuer sich geltende Selbst ist ohne Substanz, und +das Spiel jener tobenden Elemente; seine Substanz ist also seine +Entaeusserung selbst, und die Entaeusserung ist die Substanz, oder die zu +einer Welt sich ordnenden und sich dadurch erhaltenden geistigen +Maechte. + +Die Substanz ist auf diese Weise Geist, selbstbewusste _Einheit_ des +Selbsts und des Wesens, aber beides hat auch die Bedeutung der +Entfremdung fuereinander. Er ist _Bewusstsein_ einer fuer sich freien +gegenstaendlichen Wirklichkeit; diesem Bewusstsein aber steht jene +Einheit des Selbst und des Wesens gegenueber, dem _wirklichen_ das +_reine Bewusstsein_. Einerseits geht das wirkliche Selbstbewusstsein +durch seine Entaeusserung in die wirkliche Welt ueber, und diese in +jenes zurueck; andrerseits aber ist eben diese Wirklichkeit, sowohl +die Person wie die Gegenstaendlichkeit, aufgehoben; sie sind rein +allgemeine. Diese ihre Entfremdung ist das _reine Bewusstsein_ oder +das _Wesen_. Die Gegenwart hat unmittelbar den Gegensatz an ihrem +_Jenseits_, das ihr Denken und Gedachtsein; so wie dies am Diesseits, +das seine ihm entfremdete Wirklichkeit ist. + +Dieser Geist bildet sich daher nicht nur _eine_ Welt, sondern eine +gedoppelte, getrennte und entgegengesetzte aus.--Die Welt des +sittlichen Geistes ist seine eigne _Gegenwart_; und daher jede Macht +derselben in dieser Einheit, und insofern beide sich unterscheiden, +im Gleichgewichte mit dem Ganzen. Nichts hat die Bedeutung des +Negativen des Selbstbewusstseins; selbst der abgeschiedne Geist ist im +_Blute_ der Verwandtschaft, im _Selbst_ der Familie gegenwaertig, und +die allgemeine _Macht_ der Regierung ist der _*Willen*_, das Selbst +des Volks. Hier aber bedeutet das Gegenwaertige nur gegenstaendliche +_Wirklichkeit_, die ihr Bewusstsein jenseits hat; jedes einzelne +Moment als _Wesen_ empfaengt dies und damit die Wirklichkeit von einem +andern, und insofern es wirklich ist, ist sein Wesen ein andres als +seine Wirklichkeit. Nichts hat einen in ihm selbst gegruendeten und +inwohnenden Geist, sondern ist ausser sich in einem fremden,--das +Gleichgewicht des Ganzen nicht die bei sich selbst bleibende Einheit +und ihre in sich zurueckgekehrte Beruhigung, sondern beruht auf der +Entfremdung des Entgegengesetzten. Das Ganze ist daher, wie jedes +einzelne Moment, eine sich entfremdete Realitaet; es zerfaellt in ein +Reich, worin das _Selbstbewusstsein wirklich_ sowohl es als sein +Gegenstand ist, und in ein anderes, das Reich des _reinen_ +Bewusstseins, welches jenseits des ersten nicht wirkliche Gegenwart +hat, sondern im _Glauben_ ist. Wie nun die sittliche Welt aus der +Trennung des goettlichen und menschlichen Gesetzes und ihrer Gestalten, +und ihr Bewusstsein aus der Trennung in das Wissen und in die +Bewusstlosigkeit zurueck in sein Schicksal, in das _Selbst_ als die +_negative Macht_ dieses Gegensatzes geht, so werden auch diese beiden +Reiche des sich entfremdeten Geistes in das _Selbst_ zurueckkehren; +aber wenn jenes das erste unmittelbar geltende _Selbst_, die einzelne +_Person_, war, so wird dies zweite, das aus seiner Entaeusserung in +sich zurueckkehrt, das _allgemeine Selbst_, das den _Begriff_ +erfassende Bewusstsein sein; und diese geistigen Welten, deren alle +Momente eine fixierte Wirklichkeit und ungeistiges Bestehen von sich +behaupten, werden sich in der _reinen Einsicht_ aufloesen. Sie als +das sich selbst _erfassende_ Selbst vollendet die Bildung; sie fasst +nichts als das Selbst, und alles als das Selbst auf, d.h. sie +_begreift_ alles, tilgt alle Gegenstaendlichkeit, und verwandelt alles +_An-sich_-sein in ein _Fuer-sich_-sein. Gegen den Glauben als das +fremde jenseits liegende Reich des _Wesens_ gekehrt, ist sie die +_Aufklaerung_. Diese vollendet auch an diesem Reiche, wohin sich der +entfremdete Geist, als in das Bewusstsein der sich selbst gleichen +Ruhe rettet, die Entfremdung; sie verwirrt ihm die Haushaltung, die +er hier fuehrt, dadurch, dass sie die Geraetschaften der diesseitigen +Welt hineinbringt, die er als sein Eigentum nicht verleugnen kann, +weil sein Bewusstsein ihr gleichfalls angehoert.--In diesem negativen +Geschaefte realisiert zugleich die reine Einsicht sich selbst, und +bringt ihren eignen Gegenstand, das unerkennbare _absolute Wesen_, +und das _Nuetzliche_ hervor. Indem auf diese Weise die Wirklichkeit +alle Substantialitaet verloren und nichts mehr _an sich_ in ihr ist, +so ist wie das Reich des Glaubens so auch der realen Welt gestuerzt, +und diese Revolution bringt die _absolute Freiheit_ hervor, womit der +vorher entfremdete Geist vollkommen in sich zurueckgegangen ist, dies +Land der Bildung verlaesst, und in ein anderes Land, in das Land des +_moralischen Bewusstseins_ uebergeht. + + + +I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes + +Die Welt dieses Geistes zerfaellt in die gedoppelte; die erste ist die +Weit der Wirklichkeit oder seiner Entfremdung selbst; die andre aber +die, welche er, ueber die erste sich erhebend, im Aether des reinen +Bewusstseins sich erbaut. Diese, jener Entfremdung _entgegengesetzt_, +ist eben darum nicht frei davon, sondern vielmehr nur die andre Form +der Entfremdung, welche eben darin besteht, in zweierlei Welten das +Bewusstsein zu haben, und beide umfasst. Es ist also nicht das +Selbstbewusstsein des absoluten Wesens, wie es _an_ und _fuer sich_ ist, +nicht die Religion, welche hier betrachtet wird, sondern der +_Glauben_, insofern er die _Flucht_ aus der wirklichen Welt und also +nicht _an_ und _fuer sich_ ist. Diese Flucht aus dem Reiche der +Gegenwart ist daher an ihr selbst unmittelbar die gedoppelte. Das +reine Bewusstsein ist das Element, in welches der Geist sich erhebt; +aber es ist nicht nur das Element des _Glaubens_, sondern ebenso des +_Begriffs_; beide treten daher zugleich miteinander ein, und jener +koemmt nur in Betracht im Gegensatze gegen diesen. + + +a. Die Bildungund ihr Reich der Wirklichkeit + +Der Geist dieser Welt ist das von einem _Selbst_bewusstsein +durchdrungne geistige _Wesen_, das sich als _dieses fuer sich seiende_ +unmittelbar gegenwaertig, und das _Wesen_ als eine Wirklichkeit sich +gegenueber weiss. Aber das Dasein dieser Welt sowie die Wirklichkeit +des Selbstbewusstseins beruht auf der Bewegung, dass dieses seiner +Persoenlichkeit sich entaeussert, hiedurch seine Welt hervorbringt, und +sich gegen sie als eine Fremde so verhaelt, dass es sich ihrer nunmehr +zu bemaechtigen hat. Aber die Entsagung seines Fuer-sich-seins ist +selbst die Erzeugung der Wirklichkeit, und durch sie bemaechtigt es +sich also unmittelbar derselben.--Oder das Selbstbewusstsein ist nur +_Etwas_, es hat nur _Realitaet_, insofern es sich selbst entfremdet; +hiedurch setzt es sich als allgemeines, und diese seine Allgemeinheit +ist sein Gelten und Wirklichkeit. Diese _Gleichheit_ mit allen ist +daher nicht jene Gleichheit des Rechts, nicht jenes unmittelbare +Anerkanntsein und Gelten des Selbstbewusstseins, darum weil es _ist_; +sondern dass es gelte, ist durch die entfremdende Vermittlung, sich +dem Allgemeinen gemaess gemacht zu haben. Die geistlose Allgemeinheit +des Rechts nimmt jede natuerliche Weise des Charakters wie des Daseins +in sich auf und berechtigt sie. Die Allgemeinheit aber, welche hier +gilt, ist die _gewordne_, und darum ist sie _wirklich_. + +Wodurch also das Individuum hier Gelten und Wirklichkeit hat, ist die +_Bildung_. Seine wahre _urspruengliche Natur_ und Substanz ist der +Geist der _Entfremdung_ des _natuerlichen_ Seins. Diese Entaeusserung +ist daher ebenso _Zweck_ als _Dasein_ desselben; sie ist zugleich das +_Mittel_ oder der _Uebergang_ sowohl der _gedachten Substanz_ in die +_Wirklichkeit_, als umgekehrt der _bestimmten Individualitaet_ in die +_Wesentlichkeit_. Diese Individualitaet _bildet_ sich zu dem, was sie +_an sich_ ist, und erst dadurch _ist_ sie _an sich_, und hat +wirkliches Dasein; soviel sie Bildung hat, soviel Wirklichkeit und +Macht. Obwohl das Selbst als _dieses_ sich hier wirklich weiss, so +besteht doch seine Wirklichkeit allein in dem Aufheben des +natuerlichen Selbsts; die urspruenglich _bestimmte_ Natur reduziert +sich daher auf den _unwesentlichen_ Unterschied der Groesse, auf eine +groessere oder geringere Energie des Willens. Zweck und Inhalt aber +desselben gehoert allein der allgemeinen Substanz selbst an, und kann +nur ein Allgemeines sein; die Besonderheit einer Natur, die Zweck und +Inhalt wird, ist etwas _Unmaechtiges_ und _Unwirkliches_; sie ist eine +_Art_, die sich vergeblich und laecherlich abmueht, sich ins Werk zu +setzen; sie ist der Widerspruch, dem Besondern die Wirklichkeit zu +geben, die unmittelbar das Allgemeine ist. Wenn daher +faelschlicherweise die Individualitaet in die _Besonderheit_ der Natur +und des Charakters gesetzt wird, so finden sich in der realen Welt +keine Individualitaeten und Charaktere, sondern die Individuen haben +ein gleiches Dasein fuereinander; jene vermeintliche Individualitaet +ist eben nur das _gemeinte_ Dasein, welches in dieser Welt, worin nur +das sich selbst Entaeussernde und darum nur das Allgemeine Wirklichkeit +erhaelt, kein Bleiben hat.--Das _Gemeinte_ gilt darum fuer das, was es +ist, fuer eine Art. Art ist nicht ganz dasselbe, was _Espece,_ "von +allen Spitznamen der fuerchterlichste, denn er bezeichnet die +Mittelmaessigkeit, und drueckt die hoechste Stufe der Verachtung aus." +_Art_ und in _seiner Art gut_ sein ist aber ein deutscher Ausdruck, +welcher dieser Bedeutung die ehrliche Miene hinzufuegt, als ob es +nicht so schlimm gemeint sei, oder auch in der Tat das Bewusstsein, +was Art, und was Bildung und Wirklichkeit ist, noch nicht in sich +schliesst. + +Was in Beziehung auf das einzelne _Individuum_ als seine Bildung +erscheint, ist das wesentliche Moment der _Substanz_ selbst, naemlich +das unmittelbare Uebergehen ihrer gedachten Allgemeinheit in die +Wirklichkeit, oder die einfache Seele derselben, wodurch das _An-sich +Anerkanntes_ und _Dasein_ ist. Die Bewegung der sich bildenden +Individualitaet ist daher unmittelbar das Werden derselben als des +allgemeinen gegenstaendlichen Wesens, d.h. das Werden der wirklichen +Welt. Diese, obwohl geworden durch die Individualitaet, ist fuer das +Selbstbewusstsein ein unmittelbar entfremdetes, und hat fuer es die +Form unverrueckter Wirklichkeit. Aber gewiss zugleich, dass sie seine +Substanz ist, geht es, sich derselben zu bemaechtigen; es erlangt +diese Macht ueber sie durch die Bildung, welche von dieser Seite so +erscheint, dass es sich der Wirklichkeit gemaess macht, und soviel, als +die Energie des urspruenglichen Charakters und Talents ihm zulaesst. +Was hier als die Gewalt des Individuums erscheint, unter welche die +Substanz komme und hiemit aufgehoben werde, ist dasselbe, was die +Verwirklichung der letztern ist. Denn die Macht des Individuums +besteht darin, dass es sich ihr gemaess macht, d.h. dass es sich seines +Selbsts entaeussert, also sich als die gegenstaendliche seiende Substanz +setzt. Seine Bildung und seine eigne Wirklichkeit ist daher die +Verwirklichung der Substanz selbst. + +Das Selbst ist sich nur als _aufgehobnes_ wirklich. Es macht daher +fuer es nicht die Einheit des _Bewusstseins_ seiner selbst und des +Gegenstandes aus; sondern dieser ist ihm das Negative seiner.--Durch +das Selbst als die Seele wird die Substanz also so in ihren Momenten +ausgebildet, dass das Entgegengesetzte das Andre begeistet, jedes +durch seine Entfremdung dem Andern Bestehen gibt, und es ebenso von +ihm erhaelt. Zugleich hat jedes Moment seine Bestimmtheit als ein +unueberwindliches Gelten und eine feste Wirklichkeit gegen das Andre. +Das Denken fixiert diesen Unterschied auf die allgemeinste Weise +durch die absolute Entgegensetzung von _Gut_ und _Schlecht_, die, +sich fliehend, auf keine Weise dasselbe werden koennen. Aber dieses +feste Sein hat zu seiner Seele den unmittelbaren Uebergang in das +Entgegengesetzte; das Dasein ist vielmehr die Verkehrung jeder +Bestimmtheit in ihre entgegengesetzte, und nur diese Entfremdung ist +das Wesen und Erhaltung des Ganzen. Diese verwirklichende Bewegung +und Begeistung der Momente ist nun zu betrachten; die Entfremdung +wird sich selbst entfremden, und das Ganze durch sie in seinen +Begriff sich zuruecknehmen. + +Zuerst ist die einfache Substanz selbst in der unmittelbaren +Organisation ihrer daseienden noch unbegeisteten Momente zu +betrachten.--Wie die Natur sich in die allgemeinen Elemente auslegt, +worunter die _Luft_ das _bleibende_ rein allgemeine durchsichtige +Wesen ist,--das Wasser aber das Wesen, das immer _aufgeopfert_ wird, +--das _Feuer_ ihre _beseelende_ Einheit, welche ihren Gegensatz +ebenso immer aufloest, als ihre Einfachheit in ihn entzweit,--die +_Erde_ endlich der _feste Knoten_ dieser Gegliederung und das +_Subjekt_ dieser Wesen wie ihres Prozesses, ihr Ausgehen und ihre +Rueckkehr ist,--so legt sich in ebensolche allgemeine, aber geistige +Massen das innere _Wesen_ oder der einfache Geist der selbstbewussten +Wirklichkeit als eine Welt aus,--in die _erste_ Masse, das _an sich +Allgemeine_, sich _selbst gleiche_ geistige Wesen;--in die andere, +das _fuer sich seiende_ in sich _ungleich_ gewordene, sich +_aufopfernde_ und _hingebende_ Wesen, und in das _dritte_, welches +als Selbstbewusstsein Subjekt ist, und die Kraft des Feuers +unmittelbar an ihm selbst hat;--im ersten Wesen ist es seiner als des +_An-sich-seins_ bewusst; in dem zweiten aber hat es das Werden des +_Fuer-sich-seins_ durch die Aufopferung des Allgemeinen. Der Geist +aber selbst ist das _An_- und _Fuer-sich-sein_ des Ganzen, das sich in +die Substanz als bleibende und in sie als sich aufopfernde _entzweit_, +und ebenso sie auch wieder in seine Einheit _zuruecknimmt_, sowohl +als die ausbrechende sie verzehrende Flamme wie als die bleibende +Gestalt derselben.--Wir sehen, dass diese Wesen dem Gemeinwesen und +der Familie der sittlichen Welt entsprechen, ohne aber den heimischen +Geist zu besitzen, den diese haben; dagegen, wenn diesem das +Schicksal fremde ist, so ist und weiss sich hier das Selbstbewusstsein +als die wirkliche Macht derselben. + +Diese Glieder sind sowohl wie sie zunaechst innerhalb des reinen +Bewusstseins als _Gedanken_ oder _an sich_ seiende, als auch wie sie +im wirklichen Bewusstsein als _gegenstaendliche_ Wesen vorgestellt +werden, zu betrachten.--In jener Form der Einfachheit ist das erste, +als _das sich selbst gleiche_, unmittelbare und unwandelbare _Wesen_ +aller Bewusstsein, das _Gute_--die unabhaengige geistige Macht des +_An-sich_, bei der die Bewegung des fuersichseienden Bewusstseins nur +beiherspielt. Das andere dagegen ist das _passive_ geistige Wesen +oder das Allgemeine, insofern es sich preisgibt und die Individuen +das Bewusstsein ihrer Einzelnheit sich an ihm nehmen laesst; es ist das +nichtige Wesen, das _Schlechte_.--Dieses absolute Aufgeloestwerden des +Wesens ist selbst bleibend; wie das erste Wesen, Grundlage, +Ausgangspunkt und Resultat der Individuen und diese rein allgemein +darin sind, so ist das zweite dagegen einerseits das sich aufopfernde +_Sein fuer Anderes_, andererseits eben darum deren bestaendige Rueckkehr +zu sich selbst als das _Einzelne_ und ihr bleibendes +_Fuer-sich-werden_. + +Aber diese einfachen _Gedanken_ des Guten und Schlechten sind ebenso +unmittelbar sich entfremdet; sie sind _wirklich_ und im wirklichen +Bewusstsein als _gegenstaendliche_ Momente. So ist das erste Wesen die +_Staatsmacht_, das andere der _Reichtum_.--Die Staatsmacht ist wie +die einfache _Substanz_ so das allgemeine _Werk_;--die absolute +_Sache selbst_, worin den Individuen ihr _Wesen_ ausgesprochen und +ihre Einzelnheit schlechthin nur Bewusstsein ihrer _Allgemeinheit_ ist; +--sie ist ebenso das Werk und einfache _Resultat_, aus welchem dies, +dass es aus ihrem _Tun_ herkoemmt, verschwindet; es bleibt die absolute +Grundlage und Bestehen alles ihres Tuns.--Diese _einfache_ aetherische +Substanz ihres Lebens ist durch diese Bestimmung ihrer unwandelbaren +Sichselbstgleichheit _Sein_, und damit nur _Sein fuer anderes_. Sie +ist also an sich unmittelbar das Entgegengesetzte ihrer selbst, +_Reichtum_. Ob er zwar das Passive oder Nichtige ist, ist er +ebenfalls allgemeines geistiges Wesen, ebenso das bestaendig _werdende +Resultat_ der _Arbeit_ und des _Tuns Aller_, wie es sich wieder in +den _Genuss_ Aller aufloest. In dem Genusse wird die Individualitaet +zwar _fuer sich_ oder als _einzelne_, aber dieser Genuss selbst ist +Resultat des allgemeinen Tuns; so wie er gegenseitig die allgemeine +Arbeit und den Genuss aller hervorbringt. Das _Wirkliche_ hat +schlechthin die geistige Bedeutung, unmittelbar allgemein zu sein. +Es meint wohl in diesem Momente jeder Einzelne _eigennuetzig_ zu +handeln; denn es ist das Moment, worin er sich das Bewusstsein gibt, +fuer sich zu sein, und er nimmt es deswegen nicht fuer etwas Geistiges; +allein auch nur aeusserlich angesehen, zeigt es sich, dass in seinem +Genusse jeder allen zu geniessen gibt, in seiner Arbeit ebenso fuer +alle arbeitet als fuer sich, und alle fuer ihn. Sein _Fuer-sich_-sein +ist daher an sich _allgemein_ und der Eigennutz etwas nur Gemeintes, +das nicht dazu kommen kann, dasjenige wirklich zu machen, was es +meint, naemlich etwas zu tun, das nicht allen zugut kaeme. + +In diesen beiden geistigen Maechten erkennt also das Selbstbewusstsein +seine Substanz, Inhalt und Zweck; es schaut sein Doppelwesen darin an, +in der einen sein _An-sich-sein_, in der andern sein _Fuer-sich-sein_. +--Es ist aber zugleich als der Geist, die negative _Einheit_ ihres +Bestehens und der Trennung der Individualitaet und des Allgemeinen, +oder der Wirklichkeit und des Selbsts. Herrschaft und Reichtum sind +daher fuer das Individuum als Gegenstaende vorhanden, d.h. als solche, +von denen es sich _frei_ weiss und zwischen ihnen und selbst keines +von beiden waehlen zu koennen meint. Es tritt als dieses freie und +_reine_ Bewusstsein dem Wesen als einem solchen gegenueber, das nur +_fuer es_ ist. Es hat alsdenn das Wesen als _Wesen_ in sich.--In +diesem reinen Bewusstsein sind ihm die Momente der Substanz nicht +Staatsmacht und Reichtum, sondern die Gedanken von _Gut_ und +_Schlecht_.--Das Selbstbewusstsein ist aber ferner die Beziehung +seines reinen Bewusstseins auf sein wirkliches, des Gedachten auf das +gegenstaendliche Wesen, es ist wesentlich das _Urteil_.--Es hat sich +zwar schon fuer die beiden Seiten des wirklichen Wesens durch ihre +unmittelbaren Bestimmungen ergeben, welche das Gute und welche das +Schlechte sei; jenes die Staatsmacht, dies der Reichtum. Allein dies +erste Urteil kann nicht als ein geistiges Urteil angesehen werden; +denn in ihm ist die eine Seite nur als das _Ansichseiende_ oder +Positive, die andre nur als das _Fuer-sich-_seiende und Negative +bestimmt worden. Aber sie sind, als geistige Wesen, jedes die +Durchdringung beider Momente, also in jenen Bestimmungen nicht +erschoepft; und das Selbstbewusstsein, das sich auf sie bezieht, ist +_an_ und _fuer sich_; es muss daher sich auf jedes auf die gedoppelte +Weise beziehen, wodurch sich ihre Natur, sich selbst entfremdete +Bestimmungen zu sein, herauskehren wird. + +Dem Selbstbewusstsein ist nun derjenige Gegenstand _gut_ und _an sich_, +worin es sich selbst, derjenige aber schlecht, worin es das +Gegenteil seiner findet; das _Gute_ ist die _Gleichheit_ der +gegenstaendlichen Realitaet mit ihm; das _Schlechte_ aber ihre +_Ungleichheit_. Zugleich was _fuer es_ gut und schlecht ist, ist _an +sich_ gut und schlecht, denn es ist eben dasjenige, worin diese +beiden Momente des _An-sich-_ und des _Fuer-es_-sein dasselbe sind; es +ist der wirkliche Geist der gegenstaendlichen Wesen, und das Urteil +der Erweis seiner Macht an ihnen, die sie zu dem _macht_, was sie _an +sich_ sind. Nicht dies, wie sie unmittelbar an sich selbst das +_Gleiche_ oder _Ungleiche_, d.h. das abstrakte An-sich- oder +Fuer-sich-sein sind, ist ihr Kriterium und ihre Wahrheit, sondern was +sie in der Beziehung des Geistes auf sie sind; ihre Gleichheit oder +Ungleichheit mit ihm. Seine _Beziehung_ auf sie, die zuerst als +_Gegenstaende_ gesetzt, _durch ihn_ zum _An-sich_ werden, wird +zugleich ihre _Reflexion in sich selbst_, durch welche sie wirkliches +geistiges Sein erhalten, und was _ihr Geist_ ist, hervortritt. Aber +wie ihre erste _unmittelbare Bestimmung_ sich von der _Beziehung_ des +Geistes auf sie unterscheidet, so wird auch das dritte, der eigne +Geist derselben, sich von dem zweiten unterscheiden.--Das _zweite +An-sich_ derselben zunaechst, das durch die Beziehung des Geistes auf +sie hervortritt, muss schon anders ausfallen als das _unmittelbare_; +denn diese _Vermittlung_ des Geistes bewegt vielmehr die +_unmittelbare_ Bestimmtheit, und macht sie zu etwas anderem. + +Hiernach findet nun das _an_ und _fuer sich_ seiende Bewusstsein in der +_Staatsmacht_ wohl sein _einfaches Wesen_ und _Bestehen_ ueberhaupt, +allein nicht seine _Individualitaet_ als solche, wohl sein _An-sich-_ +nicht sein _Fuer-sich-_sein, es findet darin vielmehr das Tun als +einzelnes Tun verleugnet und zum Gehorsam unterjocht. Das Individuum +reflektiert sich also vor dieser Macht in sich selbst; sie ist ihm +das unterdrueckende Wesen und das _Schlechte_; denn statt das Gleiche +zu sein, ist sie das der Individualitaet schlechthin Ungleiche. +--Hingegen der _Reichtum_ ist das _Gute_; er geht auf allgemeinen +Genuss, gibt sich preis, und verschafft allen das Bewusstsein ihres +Selbsts. Er ist _an sich_ allgemeines Wohltun; wenn er irgendeine +Wohltat versagt, und nicht jedem Beduerfnisse gefaellig ist, so ist +dies eine Zufaelligkeit, welche seinem allgemeinen notwendigen Wesen, +sich allen Einzelnen mitzuteilen und tausendhaendiger Geber zu sein, +keinen Eintrag tut. + +Diese beiden Urteile geben den Gedanken von Gut und Schlecht einen +Inhalt, welcher das Gegenteil von dem ist, den sie fuer uns hatten. +--Das Selbstbewusstsein hat sich aber nur erst unvollstaendig auf seine +Gegenstaende bezogen, naemlich nur nach dem Massstabe des +_Fuer-sich-seins_. Aber das Bewusstsein ist ebenso _ansich_seiendes +Wesen, und muss diese Seite gleichfalls zum Massstabe machen, wodurch +sich erst das geistige Urteil vollendet. Nach dieser Seite spricht +ihm die _Staatsmacht_ sein _Wesen_ aus; sie ist teils ruhendes Gesetz, +teils Regierung und Befehl, welcher die einzelnen Bewegungen des +allgemeinen Tuns anordnet; das eine die einfache Substanz selbst, das +andere ihr sich selbst und alle belebendes und erhaltendes Tun. Das +Individuum findet also darin seinen Grund und Wesen ausgedrueckt, +organisiert und betaetigt.--Hingegen durch den Genuss des _Reichtums_ +erfaehrt es nicht sein allgemeines Wesen, sondern erhaelt nur das +_vergaengliche_ Bewusstsein und den Genuss seiner selbst als einer +fuersichseienden _Einzelnheit_, und der _Ungleichheit_ mit seinem +Wesen.--Die Begriffe von Gut und Schlecht erhalten also hier den +entgegengesetzten Inhalt gegen den vorherigen. + +Diese beiden Weisen des Urteilens finden jede eine _Gleichheit_ und +eine _Ungleichheit_; das erste urteilende Bewusstsein findet die +Staatsmacht _ungleich_, den Genuss des Reichtums _gleich_ mit ihm; das +zweite hingegen die erstere gleich, und den letztern _ungleich_ mit +ihm. Es ist ein zweifaches _Gleichfinden_ und ein zweifaches +_Ungleichfinden_, eine entgegengesetzte Beziehung auf die beiden +realen Wesenheiten vorhanden.--Wir muessen dieses verschiedene +Urteilen selbst beurteilen, wozu wir den aufgestellten Massstab +anzulegen haben. Die _gleichfindende_ Beziehung des Bewusstseins ist +hienach das _Gute_, die ungleichfindende das _Schlechte_; und diese +beiden Weisen der Beziehung sind nunmehr selbst als _verschiedene +Gestalten des Bewusstseins_ festzuhalten. Das Bewusstsein kommt +dadurch, dass es sich auf verschiedene Weise verhaelt, selbst unter die +Bestimmung der Verschiedenheit, gut oder schlecht zu sein, nicht +darnach, dass es entweder das _Fuer-sich-sein_ oder das reine +_An-sich-sein_ zum Prinzip haette, denn beide sind gleich wesentliche +Momente; das gedoppelte Urteilen, das betrachtet wurde, stellte die +Prinzipien getrennt vor, und enthaelt daher nur _abstrakte_ Weisen des +_Urteilens_. Das wirkliche Bewusstsein hat beide Prinzipien an ihm, +und der Unterschied faellt allein in sein _Wesen_, naemlich in die +_Beziehung_ seiner selbst auf das Reale. + +Die Weise dieser Beziehung ist die entgegengesetzte, die eine ist +Verhalten zu Staatsmacht und Reichtum als zu einem _Gleichen_, das +andere als zu einem _Ungleichen_.--Das Bewusstsein der gleichfindenden +Beziehung ist das _edelmuetige_. In der oeffentlichen Macht betrachtet +es das mit ihm Gleiche, dass es in ihr sein _einfaches Wesen_ und +dessen Betaetigung hat, und im Dienste des wirklichen Gehorsams wie +der innern Achtung gegen es steht. Ebenso in dem Reichtume, dass er +ihm das Bewusstsein seiner andern wesentlichen Seite, des +_Fuer-sich-seins_, verschafft; daher es ihn ebenfalls als _Wesen_ in +Beziehung auf sich betrachtet, und denjenigen, von welchem es geniesst, +als Wohltaeter anerkennt und sich zum Danke verpflichtet haelt. + +Das Bewusstsein der andern Beziehung dagegen ist das _niedertraechtige_, +das die _Ungleichheit_ mit den beiden Wesenheiten festhaelt; in der +Herrschergewalt also eine Fessel und Unterdrueckung des +_Fuer-sich-seins_ sieht, und daher den Herrscher hasst, nur mit +Heimtuecke gehorcht, und immer auf dem Sprunge zum Aufruhr steht,--im +Reichtum, durch den es zum Genusse seines Fuer-sich-seins gelangt, +ebenso nur die Ungleichheit, naemlich mit dem bleibenden _Wesen_ +betrachtet; indem es durch ihn nur zum Bewusstsein der Einzelnheit und +des vergaenglichen Genusses kommt, ihn liebt, aber verachtet, und mit +dem Verschwinden des Genusses, des an sich verschwindenden, auch sein +Verhaeltnis zu dem Reichen fuer verschwunden ansieht. + +Diese Beziehungen druecken nun erst das _Urteil_ aus, die Bestimmung +dessen, was die beiden Wesen als _Gegenstaende_ fuer das Bewusstsein +sind, noch nicht _an_ und _fuer sich_. Die Reflexion, die im Urteil +vorgestellt ist, ist teils erst _fuer uns_ ein Setzen der einen sowie +der andern Bestimmung und daher ein gleiches Aufheben beider, noch +nicht die Reflexion derselben fuer das Bewusstsein selbst. Teils +_sind_ sie erst unmittelbar _Wesen_, weder dies _geworden_ noch an +ihnen _Selbst_bewusstsein; dasjenige, fuer welches sie sind, ist noch +nicht ihre Belebung; sie sind Praedikate, die noch nicht selbst +Subjekt sind. Um dieser Trennung willen faellt auch das Ganze des +geistigen Urteilens noch an zwei Bewusstsein auseinander, deren jedes +unter einer einseitigen Bestimmung liegt.--Wie sich nun zuerst die +_Gleichgueltigkeit_ der beiden Seiten der Entfremdung--der einen, des +_An-sich_ des reinen Bewusstseins, naemlich der bestimmten _Gedanken_ +von Gut und Schlecht; der andern, ihres _Daseins_ als Staatsmacht und +Reichtum--zur Beziehung beider, zum _Urteil_ erhob; so hat sich diese +aeussere Beziehung zur innern Einheit, oder als Beziehung des Denkens +zur Wirklichkeit zu erheben, und der Geist der beiden Gestalten des +Urteils hervorzutreten. Dies geschieht, indem das _Urteil_ zum +_Schlusse_ wird, zur vermittelnden Bewegung, worin die Notwendigkeit +und Mitte der beiden Seiten des Urteils hervortritt. + +Das edelmuetige Bewusstsein findet also im Urteil sich so der +Staatsmacht gegenueber, dass sie zwar noch nicht ein Selbst, sondern +erst die allgemeine Substanz, deren es aber als seines _Wesens_ als +des Zwecks und absoluten Inhalts sich bewusst ist. Sich so positiv +auf sie beziehend, verhaelt es sich negativ gegen seine eignen Zwecke, +seinen besondern Inhalt und Dasein, und laesst sie verschwinden. Es +ist der Heroismus des _Dienstes_,--die _Tugend_, welche das einzelne +Sein dem Allgemeinen aufopfert, und dies dadurch ins Dasein bringt, +--die _Person_, welche dem Besitze und Genusse von selbst entsagt, +und fuer die vorhandene Macht handelt und wirklich ist. + +Durch diese Bewegung wird das Allgemeine mit dem Dasein ueberhaupt +zusammengeschlossen, wie das daseiende Bewusstsein durch diese +Entaeusserung sich zur Wesentlichkeit bildet. Wessen dieses im Dienste +sich entfremdet, ist sein in das Dasein versenktes Bewusstsein; das +sich entfremdete Sein ist aber das _An-sich_; es bekommt also durch +diese Bildung Achtung vor sich selbst und bei den Andern.--Die +Staatsmacht aber, die nur erst das _gedachte_ Allgemeine, das +_An-sich_ war, wird durch eben diese Bewegung zum _seienden_ +Allgemeinen, zur wirklichen Macht. Sie ist diese nur in dem +wirklichen Gehorsam, welchen sie durch das _Urteil_ des +Selbstbewusstseins, dass sie das _Wesen_ ist, und durch die freie +Aufopferung desselben erlangt. Dieses Tun, das das Wesen mit dem +Selbst zusammenschliesst, bringt die _gedoppelte_ Wirklichkeit hervor, +sich als das, welches wahre Wirklichkeit hat, und die Staatsmacht als +das _Wahre_, welches gilt. + +Diese ist aber durch diese Entfremdung noch nicht ein sich als +Staatsmacht wissendes Selbstbewusstsein; es ist nur ihr _Gesetz_, oder +ihr _An-sich_, das gilt; sie hat noch keinen _besondern Willen_; denn +noch hat das dienende Selbstbewusstsein nicht sein reines Selbst +entaeussert und die Staatsmacht damit begeistet, sondern erst mit +seinem Sein; ihr nur sein _Dasein_ aufgeopfert, nicht sein +_An-sich_-sein.--Dies Selbstbewusstsein gilt als ein solches, das dem +_Wesen_ gemaess ist, es ist anerkannt um seines _An-sich-seins_ willen. +Die andern finden in ihm ihr _Wesen_ betaetigt, nicht aber ihr +Fuer-sich-sein,--ihr Denken oder reines Bewusstsein erfuellt, nicht ihre +Individualitaet. Es gilt daher in ihren _Gedanken_ und geniesst der +_Ehre_. Es ist der _stolze_ Vasall, der fuer die Staatsmacht taetig +ist, insofern sie nicht eigner Willen, sondern _wesentlicher_ ist, +und der sich nur in dieser _Ehre_ gilt, nur in dem _wesentlichen_ +Vorstellen der allgemeinen Meinung, nicht in dem _dankbaren_ der +Individualitaet, denn dieser hat er nicht zu ihrem _Fuer-sich-sein_ +verholfen. Seine _Sprache_, wenn es sich zum eignen Willen der +Staatsmacht verhielte, der noch nicht geworden ist, waere der _Rat_, +den er zum allgemeinen Besten erteilt. + +Die Staatsmacht ist daher noch willenlos gegen den Rat, und nicht +entscheidend zwischen den verschiedenen Meinungen ueber das allgemeine +Beste. Sie ist noch nicht _Regierung_, und somit noch nicht in +Wahrheit wirkliche Staatsmacht.--Das _Fuer-sich-sein_, der _Willen_, +der als Willen noch nicht aufgeopfert ist, ist der innre abgeschiedne +Geist der Staende, der seinem Sprechen vom _allgemeinen_ Besten +gegenueber sich sein _besondres_ Bestes vorbehaelt, und dies Geschwaetze +vom allgemeinen Besten zu einem Surrogate fuer das Handeln zu machen +geneigt ist. Die Aufopferung des Daseins, die im Dienste geschieht, +ist zwar vollstaendig, wenn sie bis zum Tode fortgegangen ist; aber +die bestandne Gefahr des Todes selbst, der ueberlebt wird, laesst ein +bestimmtes Dasein, und damit ein _besonderes Fuer-sich_ uebrig, welches +den Rat fuers allgemeine Beste zweideutig und verdaechtig macht, und +sich in der Tat die eigne Meinung und den besondern Willen gegen die +Staatsgewalt vorbehaelt. Es verhaelt sich daher noch ungleich gegen +dieselbe, und faellt unter die Bestimmung des niedertraechtigen +Bewusstseins, immer auf dem Sprunge zur Empoerung zu stehen. + +Dieser Widerspruch, den es aufzuheben hat, enthaelt in dieser Form, in +der Ungleichheit des _Fuer-sich-seins_ gegen die Allgemeinheit der +Staatsmacht zu stehen, zugleich die Form, dass jene Entaeusserung des +Daseins, indem sie sich, im Tode naemlich, vollendet, selbst eine +seiende, nicht eine ins Bewusstsein zurueckkehrende ist,--dass dieses +sie nicht ueberlebt, und _an_ und _fuer sich_ ist, sondern nur ins +unversoehnte Gegenteil uebergeht. Die wahre Aufopferung des +_Fuer-sich-seins_ ist daher allein die, worin es sich so vollkommen +als im Tode hingibt, aber in dieser Entaeusserung sich ebensosehr +erhaelt; es wird dadurch als das wirklich, was es an sich ist, als die +identische Einheit seiner selbst und seiner als des Entgegengesetzten. +Dadurch, dass der abgeschiedne innre Geist, das Selbst als solches, +hervortritt und sich entfremdet, wird zugleich die Staatsmacht zu +eignem Selbst erhoben; so wie ohne diese Entfremdung die Handlungen +der Ehre, des edeln Bewusstseins und die Ratschlaege seiner Einsicht +das Zweideutige bleiben wuerden, das noch jenen abgeschiednen +Hinterhalt der besondern Absicht und des Eigenwillens haette. + +Diese Entfremdung aber geschieht allein in der _Sprache_, welche hier +in ihrer eigentuemlichen Bedeutung auftritt.--In der Welt der +Sittlichkeit _Gesetz_ und _Befehl_, in der Welt der Wirklichkeit erst +_Rat_, hat sie das _Wesen_ zum Inhalte, und ist dessen Form; hier +aber erhaelt sie die Form, welche sie ist, selbst zum Inhalte, und +gilt als _Sprache_; es ist die Kraft des Sprechens als eines solchen, +welche das ausfuehrt, was auszufuehren ist. Denn sie ist das _Dasein_ +des reinen Selbsts als Selbsts; in ihr tritt die _fuer sich seiende +Einzelnheit_ des Selbstbewusstseins als solche in die Existenz, so dass +sie _fuer Andre_ ist. _Ich_ als dieses _reine_ Ich ist sonst nicht +_da_; in jeder andern Aeusserung ist es in eine Wirklichkeit versenkt, +und in einer Gestalt, aus welcher es sich zurueckziehen kann; es ist +aus seiner Handlung, wie aus seinem physiognomischen Ausdrucke in +sich reflektiert, und laesst solches unvollstaendiges Dasein, worin +immer ebensosehr zu viel als zu wenig ist, entseelt liegen. Die +Sprache aber enthaelt es in seiner Reinheit, sie allein spricht _Ich_ +aus, es selbst. Dies sein _Dasein_ ist als _Dasein_ eine +Gegenstaendlichkeit, welche seine wahre Natur an ihr hat. _Ich_ ist +_dieses_ Ich--aber ebenso _allgemeines_; sein Erscheinen ist ebenso +unmittelbar die Entaeusserung und das Verschwinden _dieses_ Ichs, und +dadurch sein Bleiben in seiner Allgemeinheit. _Ich_, das sich +ausspricht, ist _vernommen_; es ist eine Ansteckung, worin es +unmittelbar in die Einheit mit denen, fuer welche es da ist, +uebergegangen und allgemeines Selbstbewusstsein ist.--Dass es +_vernommen_ wird, darin ist sein _Dasein_ selbst unmittelbar +_verhallt_; dies sein Anderssein ist in sich zurueckgenommen; und +ebendies ist sein Dasein, als selbstbewusstes _Jetzt_, wie es da ist, +nicht da zu sein, und durch dies Verschwinden da zu sein. Dies +Verschwinden ist also selbst unmittelbar sein Bleiben; es ist sein +eignes Wissen von Sich, und sein Wissen von sich als einem, das in +anderes Selbst uebergegangen, das vernommen worden und allgemeines ist. + +Der Geist erhaelt hier diese Wirklichkeit, weil die Extreme, deren +_Einheit_ er ist, ebenso unmittelbar die Bestimmung haben, fuer sich +eigne Wirklichkeiten zu sein. Ihre Einheit ist zersetzt in sproede +Seiten, deren jede fuer die andre wirklicher von ihr ausgeschlossener +Gegenstand ist. Die Einheit tritt daher als eine _Mitte_ hervor, +welche von der abgeschiedenen Wirklichkeit der Seiten ausgeschlossen +und unterschieden wird; sie hat daher selbst eine wirkliche von ihren +Seiten unterschiedne Gegenstaendlichkeit, und ist _fuer sie_, d.h. sie +ist Daseiendes. Die _geistige Substanz_ tritt als solche in die +Existenz, erst indem sie zu ihren Seiten solche Selbstbewusstsein +gewonnen hat, welche dieses reine Selbst als _unmittelbar geltende_ +Wirklichkeit wissen, und darin ebenso unmittelbar wissen, dies nur +durch die entfremdende _Vermittlung_ zu sein. Durch jenes sind die +Momente zu der sich selbst wissenden Kategorie und damit bis dahin +gelaeutert, dass sie Momente des Geistes sind; durch dieses tritt er +als Geistigkeit in das Dasein.--Er ist so die Mitte, welche jene +Extreme voraussetzt, und durch ihr Dasein erzeugt wird,--aber ebenso +das zwischen ihnen hervorbrechende geistige Ganze, das sich in sie +entzweit und jedes erst durch diese Beruehrung zum Ganzen in seinem +Prinzipe erzeugt.--Dass die beiden Extreme schon _an sich_ aufgehoben +und zersetzt sind, bringt ihre Einheit hervor, und diese ist die +Bewegung, welche beide zusammenschliesst, ihre Bestimmungen austauscht, +und sie, und zwar _in jedem Extreme_, zusammenschliesst. Diese +Vermittlung setzt hiemit den _Begriff_ eines jeden der beiden Extreme +in seine Wirklichkeit, oder sie macht das, was jedes _an sich_ ist, +zu seinem _Geiste_. + +Die beiden Extreme, die Staatsmacht und das edelmuetige Bewusstsein, +sind durch dieses zersetzt, jene in das abstrakte Allgemeine, dem +gehorcht wird, und in den fuersichseienden Willen, welcher ihm aber +noch nicht selbst zukommt; dieses in den Gehorsam des aufgehobnen +Daseins oder in das _An-sich-sein_ der Selbstachtung und der Ehre, +und in das noch nicht aufgehobene reine Fuer-sich-sein, den im +Hinterhalte noch bleibenden Willen. Die beiden Momente, zu welchen +beide Seiten gereinigt, und die daher Momente der Sprache sind, sind +das _abstrakte Allgemeine_, welches das allgemeine Beste heisst, und +das _reine Selbst_, das im Dienste seinem ins vielfache Dasein +versenkten Bewusstsein absagte. Beide sind im Begriffe dasselbe, denn +reines Selbst ist eben das abstrakt Allgemeine, und daher ist ihre +Einheit als ihre Mitte gesetzt. Aber das _Selbst_ ist nur erst am +Extreme des Bewusstseins wirklich--_das An-sich_ aber erst am Extreme +der Staatsmacht; dem Bewusstsein fehlt dies, dass die Staatsmacht nicht +nur als _Ehre_, sondern wirklich an es uebergegangen waere,--der +Staatsmacht, dass ihr nicht nur als dem sogenannten _allgemeinen +Besten_ gehorcht wuerde, sondern als Willen, oder dass sie das +entscheidende Selbst ist. Die Einheit des Begriffes, in welchem die +Staatsmacht noch steht, und zu dem das Bewusstsein sich gelaeutert hat, +wird in dieser _vermittelnden Bewegung_ wirklich, deren einfaches +Dasein, als _Mitte_, die Sprache ist.--Sie hat jedoch zu ihren Seiten +noch nicht zwei als _Selbst_ vorhandene Selbst; denn die Staatsmacht +wird erst zum Selbst begeistet; diese Sprache ist daher noch nicht +der Geist, wie er sich vollkommen weiss und ausspricht. + +Das edelmuetige Bewusstsein, weil es das Extrem des Selbsts ist, +erscheint als dasjenige, von dem die _Sprache_ ausgeht, durch welche +sich die Seiten des Verhaeltnisses zu beseelten Ganzen gestalten.--Der +Heroismus des stummen Dienstes wird zum _Heroismus_ der +_Schmeichelei_. Diese sprechende Reflexion des Dienstes macht die +geistige sich zersetzende Mitte aus, und reflektiert nicht nur ihr +eigenes Extrem in sich selbst, sondern auch das Extrem der +allgemeinen Gewalt in dieses selbst zurueck, und macht sie, die erst +_an sich_ ist, _zum Fuer-sich-sein_ und zur Einzelnheit des +Selbstbewusstseins. Es wird hiedurch der Geist dieser Macht, ein +_unumschraenkter Monarch_ zu sein;--_unumschraenkt_: die Sprache der +Schmeichelei erhebt die Macht in ihre gelaeuterte _Allgemeinheit_; das +Moment als Erzeugnis der Sprache, des zum Geiste gelaeuterten Daseins, +ist eine Vereinigte Sichselbstgleichheit,--_Monarch_: sie erhebt +ebenso die _Einzelnheit_ auf ihre Spitze; dasjenige, dessen das +edelmuetige Bewusstsein sich nach dieser Seite der einfachen geistigen +Einheit entaeussert, ist das reine _An-sich seines Denkens_, sein Ich +selbst. Bestimmter erhebt sie die Einzelnheit, die sonst nur ein +_Gemeintes_ ist, dadurch in ihre daseiende Reinheit, dass sie dem +Monarchen den eignen _Namen_ gibt; denn es ist allein der Name, worin +der _Unterschied_ des Einzelnen von allen andern nicht _gemeint_ ist, +sondern von allen wirklich gemacht wird; in dem Namen _gilt_ der +Einzelne als rein Einzelner nicht mehr nur in seinem Bewusstsein, +sondern im Bewusstsein Aller. Durch ihn also wird der Monarch +schlechthin von Allen abgesondert, ausgenommen und einsam; in ihm ist +er das Atom, das von seinem Wesen nichts mitteilen kann und nicht +seinesgleichen hat.--Dieser Name ist hiemit die Reflexion in sich +oder die _Wirklichkeit_, welche die allgemeine Macht _an ihr selbst_ +hat; durch ihn ist sie der _Monarch_. Er, _dieser Einzelne_, weiss +umgekehrt dadurch _sich diesen Einzelnen_ als die allgemeine Macht, +dass die Edeln nicht nur als zum Dienst der Staatsmacht bereit, +sondern als _Zieraten_ sich um den Thron stellen, und dass sie dem, +der darauf sitzt, es immer _sagen_, was er _ist_. + +Die Sprache ihres Preises ist auf diese Weise der Geist, der in der +_Staatsmacht selbst_ die beiden Extreme zusammenschliesst; sie +reflektiert die abstrakte Macht in sich und gibt ihr das Moment des +andern Extrems, das wollende und entscheidende _Fuer-sich-sein_, und +hiedurch selbstbewusste Existenz; oder dadurch kommt dies _einzelne +wirkliche_ Selbstbewusstsein dazu, sich als die Macht _gewiss zu +wissen_. Sie ist der Punkt des Selbsts, in den durch die Entaeusserung +der _innern Gewissheit_ die vielen Punkte zusammengeflossen sind. +--Indem aber dieser eigne Geist der Staatsmacht darin besteht, seine +Wirklichkeit und Nahrung an dem Opfer des Tuns und des Denkens des +edelmuetigen Bewusstseins zu haben, ist sie die sich _entfremdete +Selbststaendigkeit_; das edelmuetige Bewusstsein, das Extrem des +_Fuer-sich-seins_ erhaelt das Extrem der _wirklichen Allgemeinheit_ fuer +die Allgemeinheit des Denkens, der es sich entaeusserte, zurueck; die +Macht des Staats ist auf es _uebergegangen_. An ihm wird die +Staatsgewalt erst wahrhaft betaetigt; in seinem _Fuer-sich-sein_ hoert +sie auf, das _traege Wesen_, wie sie als Extrem des abstrakten +An-sich-seins erschien, zu sein.--_An sich_ betrachtet heisst die _in +sich reflektierte Staatsmacht_, oder dies, dass sie Geist geworden, +nichts anderes, als dass sie _Moment_ des _Selbstbewusstseins_ geworden, +d.h. nur als _aufgebobne_ ist. Hiemit ist sie nun das Wesen als ein +solches, dessen Geist es ist, aufgeopfert und preisgegeben zu sein, +oder sie existiert als _Reichtum_.--Sie bleibt zwar dem Reichtume, zu +welchem sie dem Begriffe nach immer wird, gegenueber zugleich als eine +Wirklichkeit bestehen; aber eine solche, deren Begriff eben diese +Bewegung ist, durch den Dienst und die Verehrung, wodurch sie wird, +in ihr Gegenteil, in die Entaeusserung der Macht, ueberzugehen. Fuer +sich wird also das eigentuemliche _Selbst_, das ihr Willen ist, durch +die Wegwerfung des edelmuetigen Bewusstseins, zur sich entaeussernden +Allgemeinheit, zu einer vollkommnen Einzelnheit und Zufaelligkeit, die +jedem maechtigern Willen preisgegeben ist; was ihm an _allgemein_ +anerkannter und nicht mittelbarer Selbststaendigkeit bleibt, ist der +leere Namen. + +Wenn also das edelmuetige Bewusstsein sich als dasjenige bestimmte, +welches sich auf die allgemeine Macht auf eine _gleiche_ Weise bezoege, +so ist die Wahrheit desselben vielmehr, in seinem Dienste sein +eignes Fuer-sich-sein sich zu behalten, in der eigentlichen Entsagung +seiner Persoenlichkeit aber das wirkliche Aufheben und Zerreissen der +allgemeinen Substanz zu sein. Sein Geist ist das Verhaeltnis der +voelligen Ungleichheit, einerseits in seiner Ehre seinen Willen zu +behalten; andererseits in dem Aufgeben desselben teils seines Innern +sich zu entfremden, und zur hoechsten Ungleichheit mit sich selbst zu +werden, teils die allgemeine Substanz darin sich zu unterwerfen und +diese sich selbst voellig ungleich zu machen.--Es erhellt, dass damit +seine Bestimmtheit, die es im _Urteile_ gegen das hatte, welches +niedertraechtiges Bewusstsein hiess, und hiedurch auch dieses +verschwunden ist. Das letztere hat seinen Zweck erreicht, naemlich +die allgemeine Macht unter das Fuer-sich-sein zu bringen. + +So durch die allgemeine Macht bereichert, existiert das +Selbstbewusstsein als die _allgemeine Wohltat_, oder sie ist der +_Reichtum_, der selbst wieder Gegenstand fuer das Bewusstsein ist. +Denn er ist diesem das zwar unterworfne Allgemeine, das aber durch +dies erste Aufheben noch nicht absolut in das Selbst zurueckgegangen +ist.--Das _Selbst_ hat noch nicht _sich als Selbst_, sondern das +_aufgehobne allgemeine Wesen_ zum Gegenstande. Indem dieser erst +geworden, ist die _unmittelbare_ Beziehung des Bewusstseins auf ihn +gesetzt, das also noch nicht seine Ungleichheit mit ihm dargestellt +hat; es ist das edelmuetige Bewusstsein, welches an dem unwesentlich +gewordenen Allgemeinen sein Fuer-sich-sein erhaelt, daher ihn anerkennt +und gegen den Wohltaeter dankbar ist. + +Der Reichtum hat an ihm selbst schon das Moment des Fuer-sich-seins. +Er ist nicht das selbstlose Allgemeine der Staatsmacht, oder die +unbefangene unorganische Natur des Geistes, sondern sie, wie sie +durch den Willen an ihr selbst festhaelt gegen den, der sich ihrer zum +Genuss bemaechtigen will. Aber indem der Reichtum nur die Form des +Wesens hat, ist dies einseitige Fuer-sich-sein, das nicht _an sich_, +sondern vielmehr das aufgehobne An-sich ist, die in seinem Genusse +wesenlose Rueckkehr des Individuums in sich selbst. Er bedarf also +selbst der Belebung; und die Bewegung seiner Reflexion besteht darin, +dass er, der nur fuer sich ist, zum _An_- und _Fuer-sich-sein_, dass er, +der das aufgehobene Wesen ist, zum Wesen werde; so erhaelt er seinen +eigenen Geist an ihm selbst.--Da vorhin die Form dieser Bewegung +auseinandergesetzt worden, so ist es hinreichend, hier den Inhalt +derselben zu bestimmen. + +Das edelmuetige Bewusstsein bezieht sich also hier nicht auf den +Gegenstand als Wesen ueberhaupt, sondern es ist das _Fuer-sich-sein_ +selbst, das ihm ein Fremdes ist; es _findet_ sein Selbst als solches +entfremdet _vor_, als eine gegenstaendliche feste Wirklichkeit, die es +von einem andern festen Fuer-sich-sein zu empfangen hat. Sein +Gegenstand ist das Fuer-sich-sein; also das _Seinige_; aber dadurch, +dass es Gegenstand ist, ist es zugleich unmittelbar eine fremde +Wirklichkeit, welche eigenes Fuer-sich-sein, eigner Willen ist, das +heisst, es sieht sein Selbst in der Gewalt eines fremden Willens, von +dem es abhaengt, ob er ihm dasselbe ablassen will. + +Von jeder einzelnen Seite kann das Selbstbewusstsein abstrahieren, und +behaelt darum in einer Verbindlichkeit, die eine solche betrifft, sein +Anerkanntsein und _An-sich-gelten_ als fuer sich seienden Wesens. +Hier aber sieht es sich von der Seite seiner reinen eigensten +_Wirklichkeit_, oder seines Ichs ausser sich und einem Andern +angehoerig, sieht seine _Persoenlichkeit_ als solche abhaengig von der +zufaelligen Persoenlichkeit eines Andern, von dem Zufall eines +Augenblicks, einer Willkuer oder sonst des gleichgueltigsten Umstandes. +--Im Rechtszustande erscheint, was in der Gewalt des gegenstaendlichen +Wesens ist, als ein _zufaelliger Inhalt_, von dem abstrahiert werden +kann, und die Gewalt betrifft nicht das _Selbst_ als _solches_, +sondern dieses ist vielmehr anerkannt. Allein hier sieht es die +Gewissheit seiner als solche das wesenloseste, die reine +Persoenlichkeit absolute Unpersoenlichkeit zu sein. Der Geist seines +Dankes ist daher das Gefuehl wie dieser tiefsten Verworfenheit so auch +der tiefsten Empoerung. Indem das reine Ich selbst sich ausser sich +und zerrissen anschaut, ist in dieser Zerrissenheit zugleich alles, +was Kontinuitaet und Allgemeinheit hat, was Gesetz, gut und recht +heisst, auseinander und zugrunde gegangen; alles gleiche ist aufgeloest, +denn die _reinste Ungleichheit_, die absolute Unwesentlichkeit des +absolut Wesentlichen, das Ausser-sich-sein des Fuer-sich-seins ist +vorhanden; das reine Ich selbst ist absolut zersetzt. + +Wenn also von dem Reichtum dies Bewusstsein wohl die +Gegenstaendlichkeit des Fuer-sich-seins zurueckerhaelt und sie aufhebt, +so ist es nicht nur seinem Begriffe nach, wie die vorhergehende +Reflexion nicht vollendet, sondern fuer es selbst unbefriedigt; die +Reflexion, da das Selbst sich als ein Gegenstaendliches empfaengt, ist +der unmittelbare Widerspruch im reinen Ich selbst gesetzt. Als +Selbst steht es aber zugleich unmittelbar ueber diesem Widerspruche, +ist die absolute Elastizitaet, welche dies Aufgehobensein des Selbsts +wieder aufhebt, diese Verworfenheit, dass ihm sein Fuer-sich-sein als +ein Fremdes werde, verwirft, und gegen dies Empfangen seiner selbst +empoert, im _Empfangen_ selbst _fuer sich_ ist. + +Indem also das Verhaeltnis dieses Bewusstseins mit dieser absoluten +Zerrissenheit verknuepft ist, faellt in seinem Geiste der Unterschied +desselben, als edelmuetiges gegen das _niedertraechtige_ bestimmt zu +sein, hinweg, und beide sind dasselbe.--Der Geist des wohltuenden +Reichtums kann ferner von dem Geiste des die Wohltat empfangenden +Bewusstseins unterschieden werden, und ist besonders zu betrachten. +--Er war das wesenlose Fuer-sich-sein, das preisgegebne Wesen. Durch +seine Mitteilung aber wird er zum _An-sich_; indem er seine +Bestimmung erfuellte, sich aufzuopfern, hebt er die Einzelnheit, fuer +sich nur zu geniessen, auf, und als aufgehobne Einzelnheit ist er +_Allgemeinheit_ oder _Wesen_.--Was er mitteilt, was er andern gibt, +ist das _Fuer-sich-sein_. Er gibt sich aber nicht hin als eine +selbstlose Natur, als die unbefangen sich preisgebende Bedingung des +Lebens, sondern als selbstbewusstes, sich fuer sich haltendes Wesen: er +ist nicht die unorganische Macht des Elements, welche von dem +empfangenden Bewusstsein als an sich vergaenglich gewusst wird, sondern +die Macht ueber das Selbst, die sich _unabhaengig_ und _willkuerlich_ +weiss, und die zugleich weiss, dass was sie ausspendet, das Selbst eines +Andern ist.--Der Reichtum teilt also mit dem Klienten die +Verworfenheit, aber an die Stelle der Empoerung tritt der Uebermut. +Denn er weiss nach der einen Seite, wie der Klient, das +_Fuer-sich-sein_ als ein zufaelliges _Ding_; aber er selbst ist diese +Zufaelligkeit, in deren Gewalt die Persoenlichkeit steht. In diesem +Uebermute, der durch eine Mahlzeit ein fremdes Ich-selbst erhalten, +und sich dadurch die Unterwerfung von dessen innerstem Wesen erworben +zu haben meint, uebersieht er die innere Empoerung des andern; er +uebersieht die vollkommene Abwerfung aller Fessel, diese reine +Zerrissenheit, welcher, indem ihr die _Sichselbstgleichheit_ des +Fuer-sich-seins schlechthin ungleich geworden, alles Gleiche, alles +Bestehen zerrissen ist, und die daher die Meinung und Ansicht des +Wohltaeters am meisten zerreisst. Er steht unmittelbar vor diesem +innersten Abgrunde, vor dieser bodenlosen Tiefe, worin aller Halt und +Substanz verschwunden ist; und er sieht in dieser Tiefe nichts als +ein gemeines Ding, ein Spiel seiner Laune, einen Zufall seiner +Willkuer; sein Geist ist die ganz wesenlose Meinung, die geistverlassne +Oberflaeche zu sein. + +Wie das Selbstbewusstsein gegen die Staatsmacht seine Sprache hatte, +oder der Geist zwischen diesen Extremen als wirkliche Mitte +hervortrat, so hat es auch Sprache gegen den Reichtum, noch mehr aber +hat seine Empoerung ihre Sprache. Jene, welche dem Reichtum das +Bewusstsein seiner Wesenheit gibt, und sich seiner dadurch bemaechtigt, +ist gleichfalls die Sprache der Schmeichelei, aber der unedeln;--denn +was sie als Wesen ausspricht, weiss sie als das preisgegebne, das +nicht _an sich_ seiende Wesen. Die Sprache der Schmeichelei aber ist, +wie vorhin schon erinnert, der noch einseitige Geist. Denn seine +Momente sind zwar das durch die Bildung des Dienstes zur reinen +Existenz gelaeuterte _Selbst_, und das _An-sich-sein_ der Macht. +Allein der reine Begriff, in welchem das einfache _Selbst_ und das +_An-sich_, jenes reine Ich und dies reine Wesen oder Denken dasselbe +sind--diese Einheit beider Seiten, zwischen welchen die +Wechselwirkung stattfindet, ist nicht in dem Bewusstsein dieser +Sprache; der Gegenstand ist ihm noch das _An-sich_ im Gegensatze +gegen das Selbst, oder der _Gegenstand_ ist ihm nicht zugleich sein +eignes _Selbst_ als solches.--Die Sprache der Zerrissenheit aber ist +die vollkommne Sprache und der wahre existierende Geist dieser ganzen +Welt der Bildung. Dies Selbstbewusstsein, dem die seine Verworfenheit +verwerfende Empoerung zukoemmt, ist unmittelbar die absolute +Sichselbstgleichheit in der absoluten Zerrissenheit, die reine +Vermittlung des reinen Selbstbewusstseins mit sich selbst. Es ist die +Gleichheit des identischen Urteils, worin eine und dieselbe +Persoenlichkeit sowohl Subjekt als Praedikat ist. Aber dies identische +Urteil ist zugleich das unendliche; denn diese Persoenlichkeit ist +absolut entzweit, und Subjekt und Praedikat schlechthin _gleichgueltige +Seiende_, die einander nichts angehen, ohne notwendige Einheit, sogar +dass jedes die Macht einer eignen Persoenlichkeit ist. Das +_Fuer-sich-sein_ hat _sein Fuer-sich-sein_ zum Gegenstande, als ein +schlechthin _Anderes_ und zugleich ebenso unmittelbar als _sich +selbst_--sich als ein Anderes, nicht dass dieses einen andern Inhalt +haette, sondern der Inhalt ist dasselbe Selbst in der Form absoluter +Entgegensetzung und vollkommen eignen gleichgueltigen Daseins.--Es ist +also hier der seiner in seiner Wahrheit und seines _Begriffes +bewusste_ Geist dieser realen Welt der Bildung vorhanden. + +Er ist diese absolute und allgemeine Verkehrung und Entfremdung der +Wirklichkeit und des Gedankens; die _reine Bildung_. Was in dieser +Welt erfahren wird, ist, dass weder die _wirklichen Wesen_ der Macht +und des Reichtums noch ihre bestimmten _Begriffe_, Gut und Schlecht, +oder das Bewusstsein des Guten und Schlechten, das edelmuetige und +niedertraechtige Wahrheit haben; sondern alle diese Momente verkehren +sich vielmehr eins im andern, und jedes ist das Gegenteil seiner +selbst.--Die allgemeine Macht, welche die _Substanz_ ist, indem sie +durch das Prinzip der Individualitaet zur eigenen Geistigkeit gelangt, +empfaengt das eigne Selbst nur als den Namen an ihr, und ist, indem +sie _wirkliche_ Macht ist, vielmehr das unmaechtige Wesen, das sich +selbst aufopfert.--Aber dies preisgegebene selbstlose Wesen oder das +zum Dinge gewordne Selbst ist vielmehr die Rueckkehr des Wesens in +sich selbst; es ist das _fuersichseiende Fuer-sich-sein_, die Existenz +des Geistes.--Die _Gedanken_ dieser Wesen, des _Guten_ und +_Schlechten_, verkehren sich ebenso in dieser Bewegung; was als gut +bestimmt ist, ist schlecht; was als schlecht, ist gut. Das +Bewusstsein eines jeden dieser Momente als das edle und +niedertraechtige Bewusstsein beurteilt, sind in ihrer Wahrheit vielmehr +ebensosehr das Verkehrte dessen, was diese Bestimmungen sein sollen, +das edelmuetige ebenso niedertraechtig und verworfen, als die +Verworfenheit zum Adel der gebildetsten Freiheit des +Selbstbewusstseins umschlaegt.--Alles ist ebenso, formell betrachtet, +_nach aussen_ das Verkehrte dessen, was es fuer _sich_ ist; und wieder +was es fuer sich ist, ist es nicht in Wahrheit, sondern etwas anderes, +als es sein will, das Fuer-sich-sein vielmehr der Verlust seiner +selbst, und die Entfremdung seiner vielmehr die Selbsterhaltung.--Was +vorhanden ist, ist also dies, dass alle Momente eine allgemeine +Gerechtigkeit gegeneinander ausueben, jedes ebensosehr an sich selbst +sich entfremdet, als es sich in sein Gegenteil einbildet und es auf +diese Weise verkehrt.--Der wahre Geist aber ist eben diese Einheit +der absolut getrennten, und zwar kommt er eben durch die _freie +Wirklichkeit_ dieser _selbstlosen_ Extreme selbst als ihre Mitte zur +Existenz. Sein Dasein ist das allgemeine _Sprechen_ und zerreissende +_Urteilen_, welchem alle jene Momente, die als Wesen und wirkliche +Glieder des Ganzen gelten sollen, sich aufloesen, und welches ebenso +dies sich aufloesende Spiel mit sich selbst ist. Dies Urteilen und +Sprechen ist daher das Wahre und Unbezwingbare, waehrend es alles +ueberwaeltigt; dasjenige, um welches es in dieser realen Welt _allein +wahrhaft_ zu tun ist. Jeder Teil dieser Welt kommt darin dazu, dass +sein Geist ausgesprochen, oder dass mit Geist von ihm gesprochen und +von ihm gesagt wird, was er ist.--Das ehrliche Bewusstsein nimmt jedes +Moment als eine bleibende Wesenheit und ist die ungebildete +Gedankenlosigkeit, nicht zu wissen, dass es ebenso das Verkehrte tut. +Das zerrissene Bewusstsein aber ist das Bewusstsein der Verkehrung, und +zwar der absoluten Verkehrung; der Begriff ist das Herrschende in ihm, +der die Gedanken zusammenbringt, welche der Ehrlichkeit weit +auseinanderliegen, und dessen Sprache daher geistreich ist. + +Der Inhalt der Rede des Geistes von und ueber sich selbst ist also die +Verkehrung aller Begriffe und Realitaeten, der allgemeine Betrug +seiner selbst und der andern, und die Schamlosigkeit, diesen Betrug +zu sagen, ist eben darum die groesste Wahrheit. Diese Rede ist die +Verruecktheit des Musikers, "der dreissig Arien, italienische, +franzoesische, tragische, komische, von aller Art Charakter, haeufte +und vermischte; bald mit einem tiefen Basse stieg er bis in die Hoelle, +dann zog er die Kehle zusammen, und mit einem Fistelton zerriss er +die Hoehe der Luefte, wechselsweise rasend, besaenftigt, gebieterisch +und spoettisch."--Dem ruhigen Bewusstsein, das ehrlicherweise die +Melodie des Guten und Wahren in die Gleichheit der Toene, d.h. in +_eine_ Note setzt, erscheint diese Rede als "eine Faselei von +Weisheit und Tollheit, als ein Gemische von ebensoviel Geschick als +Niedrigkeit, von ebenso richtigen als falschen Ideen, von einer so +voelligen Verkehrtheit der Empfindung, so vollkommener Schaendlichkeit, +als gaenzlicher Offenheit und Wahrheit. Es wird es nicht versagen +koennen, in alle diese Toene einzugehen, und die ganze Skale der +Gefuehle von der tiefsten Verachtung und Verwerfung bis zur hoechsten +Bewunderung und Ruehrung auf und nieder zu laufen; in diese wird ein +laecherlicher Zug verschmolzen sein, der ihnen ihre Natur benimmt"; +jene werden an ihrer Offenheit selbst einen versoehnenden, an ihrer +erschuetternden Tiefe den allgewaltigen Zug haben, der den Geist sich +selbst gibt. + +Betrachten wir der Rede dieser sich selbst klaren Verwirrung +gegenueber die Rede jenes _einfachen Bewusstseins_ des Wahren und Guten, +so kann sie gegen die offene und ihrer bewusste Beredsamkeit des +Geistes der Bildung nur einsilbig sein; denn es kann diesem nichts +sagen, was er nicht selbst weiss und sagt. Geht es ueber seine +Einsilbigkeit hinaus, so sagt es daher dasselbe, was er ausspricht, +begeht aber darin noch dazu die Torheit, zu meinen, dass es etwas +Neues und Anderes sage. Selbst seine Silben, _schaendlich, +niedertraechtig_, sind schon diese Torheit, denn jener sagt sie von +sich selbst. Wenn dieser Geist in seiner Rede alles Eintoenige +verkehrt, weil dieses sich Gleiche nur eine Abstraktion, in seiner +Wirklichkeit aber die Verkehrung an sich selbst ist, und wenn dagegen +das gerade Bewusstsein, das Gute und Edle, d.h. das sich in seiner +Aeusserung gleichhaltende, auf die einzige Weise, die hier moeglich ist, +in Schutz nimmt--dass es naemlich seinen Wert nicht darum verliere, +weil es an das Schlechte _geknuepft_ oder mit ihm _gemischt_ sei; denn +dies sei seine _Bedingung_ und _Notwendigkeit_, hierin bestehe die +_Weisheit_ der Natur--, so hat dies Bewusstsein, indem es zu +widersprechen meinte, damit nur den Inhalt der Rede des Geistes in +eine triviale Weise zusammengefasst, welche gedankenlos, indem sie das +_Gegenteil_ des Edeln und Guten zur _Bedingung_ und _Notwendigkeit_ +des Edeln und Guten macht, etwas anderes zu sagen meint, als dies, +dass das edel und gut Genannte in seinem Wesen das Verkehrte seiner +selbst, so wie das Schlechte umgekehrt das Vortreffliche ist. + +Ersetzt das einfache Bewusstsein diesen geistlosen _Gedan_ken durch +die _Wirklichkeit_ des Vortrefflichen, indem es dasselbe in dem +_Beispiele_ eines fingierten Falles oder auch einer wahren Anekdote +auffuehrt, und so zeigt, dass es kein leerer Name, sondern _vorhanden +ist_, so steht die _allgemeine_ Wirklichkeit des verkehrten Tuns der +ganzen realen Welt entgegen, worin jenes Beispiel also nur etwas ganz +Vereinzelntes, eine _Espece_ ausmacht; und das Dasein des Guten und +Edeln als eine einzelne Anekdote, sie sei fingiert oder wahr, +darstellen, ist das Bitterste, was von ihm gesagt werden kann. +--Fordert das einfache Bewusstsein endlich die Aufloesung dieser ganzen +Welt der Verkehrung, so kann es nicht an das _Individuum_ die +Entfernung aus ihr fodern, denn Diogenes im Fasse ist durch sie +bedingt, und die Foderung an den Einzelnen ist gerade das, was fuer +das Schlechte gilt, naemlich _fuer sich_ als _Einzelnen_ zu sorgen. An +die allgemeine _Individualitaet_ aber gerichtet kann die Foderung +dieser Entfernung nicht die Bedeutung haben, dass die Vernunft das +geistige gebildete Bewusstsein, zu dem sie gekommen ist, wieder +aufgebe, den ausgebreiteten Reichtum ihrer Momente in die Einfachheit +des natuerlichen Herzens zurueckversenke, und in die Wildnis und Naehe +des tierischen Bewusstseins, welche Natur, auch Unschuld genannt wird, +zurueckfalle; sondern die Foderung dieser Aufloesung kann nur an den +_Geist_ der Bildung selbst gehen, dass er aus seiner Verwirrung als +_Geist_ zu sich zurueckkehre, und ein noch hoeheres Bewusstsein gewinne. + +In der Tat aber hat der Geist dies schon an sich vollbracht. Die +ihrer selbstbewusste und sich aussprechende Zerrissenheit des +Bewusstseins ist das Hohngelaechter ueber das Dasein sowie ueber die +Verwirrung des Ganzen und ueber sich selbst; es ist zugleich das sich +noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung.--Diese sich +selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit, und alles bestimmten +Begriffs, ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; +einmal in _diesem Selbst_ des Bewusstseins, als _diesem_, das +andermal in der reinen _Allgemeinheit_ desselben oder im Denken. +Nach jener Seite hat der zu sich gekommene Geist den Blick in die +Welt der Wirklichkeit hineingerichtet, und sie noch zu seinem Zwecke +und unmittelbaren Inhalt; nach der andern aber ist sein Blick teils +nur in sich und negativ gegen sie, teils von ihr weg gen Himmel +gewendet und das Jenseits derselben sein Gegenstand. + +In jener Seite der Rueckkehr in das Selbst ist die _Eitelkeit_ aller +_Dinge_ seine _eigene Eitelkeit_, oder es _ist_ eitel. Es ist das +fuersichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu +beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie +die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem +_Widerspruche_ zu sagen weiss, und dieser Widerspruch ist ihre +Wahrheit.--Nach der Form betrachtet, weiss es alles sich selbst +entfremdet; das _Fuer-sich-sein_ vom _An-sich-sein_ getrennt; das +Gemeinte und den Zweck von der Wahrheit; und von beiden wieder das +_Sein fuer Anderes_, das Vorgegebne von der eigentlichen Meinung und +der wahren Sache und Absicht.--Es weiss also jedes Moment gegen das +andere, ueberhaupt die Verkehrung aller, richtig auszusprechen, es +weiss besser, was jedes ist, als es ist, es sei bestimmt, wie es wolle. +Indem es das Substantielle nach der Seite der _Uneinigkeit_ und des +_Widerstreits_, den es in sich einigt, aber nicht nach der Seite +dieser Einigkeit kennt, versteht es das Substantielle sehr gut zu +_beurteilen_, aber hat die Faehigkeit verloren, es zu _fassen_.--Diese +Eitelkeit bedarf dabei der Eitelkeit aller Dinge, um aus ihnen sich +das Bewusstsein des Selbsts zu geben, erzeugt sie daher selbst, und +ist die Seele, welche sie traegt. Macht und Reichtum sind die +hoechsten Zwecke seiner Anstrengung, es weiss, dass es durch Entsagung +und Aufopferung sich zum Allgemeinen bildet, zum Besitze desselben +gelangt, und in diesem Besitze allgemeine Gueltigkeit hat; sie sind +die wirklichen anerkannten Maechte. Aber dieses sein Gelten ist +selbst eitel, und eben indem es sich ihrer bemaechtigt, weiss es sie +nicht Selbstwesen zu sein, sondern vielmehr sich als ihre Macht, sie +aber als eitel. Dass es so in ihrem Besitze selbst daraus heraus ist, +stellt es in der geistreichen Sprache dar, die daher sein hoechstes +Interesse und die Wahrheit des Ganzen ist; in ihr wird _dieses_ +Selbst, als dies reine nicht den wirklichen noch gedachten +Bestimmungen angehoerige Selbst, sich zum geistigen, wahrhaft +allgemeingueltigen. Es _ist_ die sich selbst zerreissende Natur aller +Verhaeltnisse und das bewusste Zerreissen derselben; nur als empoertes +Selbstbewusstsein aber weiss es seine eigne Zerrissenheit, und in +diesem Wissen derselben hat es sich unmittelbar darueber erhoben. In +jener Eitelkeit wird aller Inhalt zu einem negativen, welches nicht +mehr positiv gefasst werden kann; der positive Gegenstand ist nur das +_reine Ich selbst_, und das zerrissne Bewusstsein ist _an sich_ diese +reine Sichselbstgleichheit des zu sich zurueckgekommnen +Selbstbewusstseins. + + + +b. Der Glauben und die reine Einsicht + +Der Geist der Entfremdung seiner selbst hat in der Welt der Bildung +sein Dasein; aber indem dieses Ganze sich selbst entfremdet worden, +steht jenseits ihrer die unwirkliche Welt _des reinen Bewusstseins_ +oder des _Denkens_. Ihr Inhalt ist das rein Gedachte, das Denken ihr +absolutes Element. Indem aber das Denken zunaechst das _Element_ +dieser Welt ist, _hat_ das Bewusstsein nur diese Gedanken, aber es +_denkt_ sie noch nicht, oder weiss nicht, dass es Gedanken sind; +sondern sie sind fuer es in der Form der _Vorstellung_. Denn es tritt +aus der Wirklichkeit in das reine Bewusstsein, aber es ist selbst +ueberhaupt noch in der Sphaere und Bestimmtheit der Wirklichkeit. Das +zerrissne Bewusstsein ist _an sich_ erst die _Sichselbstgleichheit_ des +reinen Bewusstseins, fuer uns, nicht fuer sich selbst. Es ist also nur +die _unmittelbare_ noch nicht in sich vollendete Erhebung, und hat +sein entgegengesetztes Prinzip, wodurch es bedingt ist, noch in sich, +ohne durch die vermittelte Bewegung darueber Meister geworden zu sein. +Daher gilt ihm das Wesen seines Gedankens nicht als _Wesen_ nur in +der Form des abstrakten An-sich, sondern in der Form eines +_Gemeinwirklichen_, einer Wirklichkeit, die nur in ein anderes +Element erhoben worden, ohne in diesem die Bestimmtheit einer nicht +gedachten Wirklichkeit verloren zu haben.--Es ist wesentlich von dem +_An-sich_ zu unterscheiden, welches das Wesen des _stoischen_ +Bewusstseins ist; diesem galt nur die _Form des Gedankens_ als solchen, +der dabei irgendeinen ihm fremden, aus der Wirklichkeit genommnen +Inhalt hat; jenem Bewusstsein ist aber nicht die _Form des Gedankens_ +das Geltende;--ebenso von dem _An-sich_ des tugendhaften Bewusstseins, +dem das Wesen zwar in Beziehung auf die Wirklichkeit steht, dem es +Wesen der Wirklichkeit selbst, aber nur erst unwirkliches Wesen ist; +--jenem Bewusstsein gilt es, obzwar jenseits der Wirklichkeit, doch +wirkliches Wesen zu sein. Ebenso hat das an sich Rechte und Gute der +gesetzgebenden Vernunft und das Allgemeine des gesetzpruefenden +Bewusstseins nicht die Bestimmung der Wirklichkeit.--Wenn daher +innerhalb der Welt der Bildung selbst das reine Denken als eine Seite +der Entfremdung fiel, naemlich als der Massstab des abstrakten Guten +und Schlechten im Urteilen, so ist es, hindurchgegangen durch die +Bewegung des Ganzen, um das Moment der Wirklichkeit und dadurch des +Inhalts bereichert worden. Diese Wirklichkeit des Wesens ist aber +zugleich nur eine Wirklichkeit des _reinen_, nicht des _wirklichen_ +Bewusstseins; in das Element des Denkens zwar erhoben, gilt sie diesem +Bewusstsein noch nicht als ein Gedanke, sondern vielmehr ist sie ihm +jenseits seiner eignen Wirklichkeit; denn jene ist die Flucht aus +dieser. + +Wie hier die _Religion_--denn es erhellt, dass von ihr die Rede +ist--als der Glauben der Welt der Bildung auftritt, tritt sie noch +nicht auf, wie sie _an und fuer sich_ ist.--Sie ist uns schon in +andern Bestimmtheiten erschienen, als _unglueckliches Bewusstsein_ +naemlich, als Gestalt der substanzlosen Bewegung des Bewusstseins +selbst.--Auch an der sittlichen Substanz erschien sie als Glauben an +die Unterwelt, aber das Bewusstsein des abgeschiednen Geistes ist +eigentlich nicht _Glauben_, nicht das Wesen im Elemente des reinen +Bewusstseins jenseits des Wirklichen gesetzt, sondern er hat selbst +unmittelbare Gegenwart; sein Element ist die Familie.--Hier aber ist +die Religion teils aus der _Substanz_ hervorgegangen, und ist reines +Bewusstsein derselben; teils ist dies reine Bewusstsein seinem +wirklichen, das _Wesen_ seinem _Dasein_ entfremdet. Sie ist also +zwar nicht mehr die substanzlose Bewegung des Bewusstseins, aber hat +noch die Bestimmtheit des Gegensatzes gegen die Wirklichkeit als +_diese_ ueberhaupt, und gegen die des Selbstbewusstseins insbesondere, +sie ist daher wesentlich nur ein _Glauben_. + +Dies _reine Bewusstsein_ des absoluten Wesens ist ein _entfremdetes_. +Es ist naeher zu sehen, wie dasjenige sich bestimmt, dessen Anderes es +ist, und es ist nur in Verbindung mit diesem zu betrachten. Zunaechst +naemlich scheint dies reine Bewusstsein nur die _Welt_ der Wirklichkeit +sich gegenueber zu haben; aber indem es die Flucht aus dieser und +dadurch die _Bestimmtheit des Gegensatzes_ ist, so hat es diese an +ihm selbst; das reine Bewusstsein ist daher wesentlich an ihm selbst +sich entfremdet, und der Glauben macht nur eine Seite desselben aus. +Die andre Seite ist uns zugleich schon entstanden. Das reine +Bewusstsein ist naemlich so die Reflexion aus der Welt der Bildung, dass +die Substanz derselben, sowie die Massen, in welche sie sich gliedert, +sich als das zeigten, was sie an sich sind, als _geistige_ +Wesenheiten, als absolut unruhige Bewegungen oder Bestimmungen, die +sich unmittelbar in ihrem Gegenteil aufheben. Ihr Wesen, das +einfache Bewusstsein ist also die Einfachheit des _absoluten +Unterschiedes_, der unmittelbar kein Unterschied ist. Es ist hiemit +das reine _Fuer-sich-sein_, nicht als _dieses Einzelnen_, sondern das +in sich _allgemeine_ Selbst als unruhige Bewegung, die das _ruhige +Wesen_ der _Sache_ angreift und durchdringt. In ihm ist also die +Gewissheit, welche sich selbst unmittelbar als Wahrheit weiss, das +reine Denken, als der _absolute Begriff_ in der Macht seiner +_Negativitaet_ vorhanden, die alles gegenstaendliche, dem Bewusstsein +gegenueber sein sollende Wesen vertilgt, und es zu einem Sein des +Bewusstseins macht.--Dies reine Bewusstsein ist zugleich ebensosehr +_einfach_, weil eben sein Unterschied kein Unterschied ist. Als +diese Form der einfachen Reflexion in sich aber ist es das Element +des Glaubens, worin der Geist die Bestimmtheit _der positiven +Allgemeinheit_, des _An-sich-seins_ gegen jenes Fuer-sich-sein des +Selbstbewusstseins hat.--Aus der wesenlosen sich nur aufloesenden Welt +in sich zurueckgedraengt, ist der Geist, nach der Wahrheit, in +ungetrennter Einheit sowohl die _absolute Bewegung_ und _Negativitaet_ +seines Erscheinens, wie ihr in sich _befriedigtes_ Wesen, und ihre +positive _Ruhe._ Aber ueberhaupt unter der Bestimmtheit der +_Entfremdung_ liegend, treten diese beiden Momente als ein +gedoppeltes Bewusstsein auseinander. Jenes ist die _reine Einsicht_, +als der sich im _Selbst_bewusstsein zusammenfassende geistige _Prozess_, +welcher das Bewusstsein des Positiven, die Form der +Gegenstaendlichkeit oder des Vorstellens sich gegenueber hat und sich +dagegen richtet; ihr eigner Gegenstand aber ist nur das _reine Ich_. +--Das einfache Bewusstsein des Positiven oder der ruhigen +Sichselbstgleichheit hat hingegen das innere _Wesen_ als Wesen zum +Gegenstande. Die reine Einsicht hat daher zunaechst an ihr selbst +keinen Inhalt, weil sie das negative Fuer-sich-sein ist; dem Glauben +dagegen gehoert der Inhalt an, ohne Einsicht. Wenn jene nicht aus dem +Selbstbewusstsein heraustritt, so hat dieser seinen Inhalt zwar +ebenfalls im Element des reinen Selbstbewusstseins, aber im _Denken_, +nicht in _Begriffen, im reinen Bewusstsein, nicht im reinen +Selbstbewusstsein_. Er ist hiemit zwar reines Bewusstsein des _Wesens_, +das heisst des _einfachen Innern_, und _ist_ also Denken--das +Hauptmoment in der Natur des Glaubens, das gewoehnlich uebersehen wird. +Die _Unmittelbarkeit_, mit der das Wesen in ihm ist, liegt darin, +dass sein Gegenstand _Wesen_, das heisst, _reiner Gedanke_ ist. Diese +_Unmittelbarkeit_ aber, insofern das _Denken_ ins _Bewusstsein_ oder +das reine Bewusstsein in das Selbstbewusstsein eintritt, erhaelt die +Bedeutung eines gegenstaendlichen _Seins_, das jenseits des +Bewusstseins des Selbsts liegt. Durch diese Bedeutung, welche die +Unmittelbarkeit und Einfachheit des _reinen Denkens_ im _Bewusstsein_ +erhaelt, ist es, dass das _Wesen_ des Glaubens in die _Vorstellung_ aus +dem Denken herabfaellt, und zu einer uebersinnlichen Welt wird, welche +wesentlich ein _Anders_ des Selbstbewusstseins sei.--In der reinen +Einsicht hingegen hat der Uebergang des reinen Denkens ins Bewusstsein +die entgegengesetzte Bestimmung; die Gegenstaendlichkeit hat die +Bedeutung eines nur negativen, sich aufhebenden und in das Selbst +zurueckkehrenden Inhalts, d.h. nur das Selbst ist sich eigentlich der +Gegenstand, oder der Gegenstand hat nur Wahrheit, insofern er die +Form des Selbsts hat. + +Wie der Glauben und die reine Einsicht gemeinschaftlich dem Elemente +des reinen Bewusstseins angehoeren, so sind sie auch gemeinschaftlich +die Rueckkehr aus der wirklichen Welt der Bildung. Sie bieten sich +daher nach drei Seiten dar. Das einemal ist jedes ausser allem +Verhaeltnisse _an_ und _fuer sich_; das andremal bezieht jedes sich auf +die _wirkliche_ dem reinen Bewusstsein entgegengesetzte Welt, und zum +dritten bezieht sich jedes innerhalb des reinen Bewusstseins auf das +andre. + +Die Seite des _An_- und _Fuer-sich-seins_ im _glaubenden_ Bewusstsein +ist sein absoluter Gegenstand, dessen Inhalt und Bestimmung sich +ergeben hat. Denn er ist nach dem Begriffe des Glaubens nichts +anders als die in die Allgemeinheit des reinen Bewusstseins erhobne +reale Welt. Die Gegliederung der letztern macht daher auch die +Organisation der erstern aus, nur dass die Teile in dieser in ihrer +Begeistung sich nicht entfremden, sondern an und fuer sich seiende +Wesen, in sich zurueckgekehrte und bei sich selbst bleibende Geister +sind.--Die Bewegung ihres Uebergehens ist daher nur fuer uns eine +Entfremdung der Bestimmtheit, in der sie in ihrem Unterschiede sind, +und nur fuer uns eine _notwendige_ Reihe; fuer den Glauben aber ist ihr +Unterschied eine ruhige Verschiedenheit, und ihre Bewegung ein +_Geschehen_. + +Sie nach der aeussern Bestimmung ihrer Form kurz zu nennen, so ist, wie +in der Welt der Bildung die Staatsmacht oder das Gute das Erste war, +auch hier das Erste, _das absolute Wesen_, der an und fuer sich +seiende Geist, insofern er die einfache ewige _Substanz_ ist. In der +Realisierung ihres Begriffes, Geist zu sein, aber geht sie in das +_Sein fuer Anderes_ ueber; ihre Sichselbstgleichheit wird zum +_wirklichen_ sich _aufopfernden_ absoluten Wesen; es wird zum +_Selbst_, aber zum vergaenglichen Selbst. Daher ist das Dritte die +Rueckkehr dieses entfremdeten Selbsts und der erniedrigten Substanz in +ihre erste Einfachheit, erst auf diese Weise ist sie als Geist +vorgestellt.-Diese unterschiednen Wesen, aus dem Wandel der +wirklichen Welt durch das Denken in sich zurueckgenommen, sind sie +wandellose ewige Geister, deren Sein ist, die Einheit, welche sie +ausmachen, zu denken. So entrueckt dem Selbstbewusstsein, greifen +diese Wesen jedoch in es ein; waere das Wesen unverrueckt in der Form +der ersten einfachen Substanz, so bliebe es ihm fremde. Aber die +Entaeusserung dieser Substanz und dann ihr Geist hat das Moment der +Wirklichkeit an ihm, und macht sich hiedurch des glaubenden +Selbstbewusstseins teilhaftig, oder das glaubende Bewusstsein gehoert +der realen Welt an. + +Nach diesem zweiten Verhaeltnisse hat das glaubende Bewusstsein teils +selbst seine Wirklichkeit in der realen Welt der Bildung, und macht +ihren Geist und ihr Dasein aus, das betrachtet worden ist; teils aber +tritt es dieser seiner Wirklichkeit als dem Eiteln gegenueber und ist +die Bewegung sie aufzuheben. Diese Bewegung besteht nicht darin, dass +es ein geistreiches Bewusstsein ueber ihre Verkehrung haette; denn es +ist das einfache Bewusstsein, welches das Geistreiche zum Eiteln zaehlt, +weil dieses noch die reale Welt zu seinem Zwecke hat. Sondern dem +ruhigen Reiche seines Denkens steht die Wirklichkeit als ein +geistloses Dasein gegenueber, das daher auf eine aeusserliche Weise zu +ueberwinden ist. Dieser Gehorsam des Dienstes und des Preises bringt +durch das Aufheben des sinnlichen Wissens und Tuns, das Bewusstsein +der Einheit mit dem an und fuer sich seienden Wesen hervor, doch nicht +als angeschaute wirkliche Einheit, sondern dieser Dienst ist nur das +fortwaehrende Hervorbringen, das sein Ziel in der Gegenwart nicht +vollkommen erreicht. Die Gemeine gelangt zwar dazu, denn sie ist das +allgemeine Selbstbewusstsein; aber dem einzelnen Selbstbewusstsein +bleibt notwendig das Reich des reinen Denkens ein Jenseits seiner +Wirklichkeit, oder indem dieses durch die Entaeusserung des ewigen +Wesens in die Wirklichkeit getreten, ist sie eine unbegriffne +sinnliche Wirklichkeit; eine sinnliche Wirklichkeit aber bleibt +gleichgueltig gegen die andre, und das Jenseits hat nur die Bestimmung +der Entfernung in Raum und Zeit noch dazu erhalten.--Der Begriff aber, +die sich selbst gegenwaertige Wirklichkeit des Geistes, bleibt im +glaubenden Bewusstsein das _Innre_, welches alles ist und wirkt, aber +nicht selbst hervortritt. + +In der _reinen Einsicht_ aber ist der Begriff das allein Wirkliche; +und diese dritte Seite des Glaubens, Gegenstand fuer die reine +Einsicht zu sein, ist das eigentliche Verhaeltnis, in welchem er hier +auftritt.--Die reine Einsicht selbst ist ebenso teils an und fuer sich, +teils im Verhaeltnisse zur wirklichen Welt, insofern sie noch positiv, +naemlich als eitles Bewusstsein, vorhanden ist, teils endlich in jenem +Verhaeltnisse zum Glauben zu betrachten. + +Was die reine Einsicht an und fuer sich ist, haben wir gesehen; wie +der Glauben das ruhige reine _Bewusstsein_ des Geistes, als des +_Wesens_, so ist sie das _Selbst_bewusstsein desselben; sie weiss das +Wesen daher nicht als _Wesen_, sondern als absolutes _Selbst_. Sie +geht also darauf, alle dem Selbstbewusstsein _andre_ Selbststaendigkeit, +es sei des Wirklichen oder _An-sich-_seienden, aufzuheben, und sie +zum _Begriffe_ zu machen. Sie ist nicht nur die Gewissheit der +selbstbewussten Vernunft, alle Wahrheit zu sein; sondern sie _weiss_, +dass sie dies ist. + +Wie aber der Begriff derselben auftritt, ist er noch nicht +_realisiert_. Sein Bewusstsein erscheint hiernach noch als ein +_zufaelliges, einzelnes_, und das, was ihm das Wesen ist, als _Zweck_, +den es zu verwirklichen hat. Es hat erst die _Absicht_, die _reine +Einsicht allgemein_, das heisst, alles, was wirklich ist, zum Begriffe, +und zu einem Begriffe in allen Selbstbewusstsein zu machen. Die +Absicht ist _rein_, denn sie hat die reine Einsicht zum Inhalte; und +diese Einsicht ist ebenso _rein_, denn ihr Inhalt ist nur der +absolute Begriff, der keinen Gegensatz an einem Gegenstande hat, noch +an ihm selbst beschraenkt ist. In dem unbeschraenkten Begriffe liegen +unmittelbar die beiden Seiten, dass alles Gegenstaendliche nur die +Bedeutung des _Fuer-sich-seins_, des Selbstbewusstseins, und dass dieses +die Bedeutung eines _Allgemeinen_ habe, dass die reine Einsicht +Eigentum aller Selbstbewusstsein werde. Diese zweite Seite der +Absicht ist insofern Resultat der Bildung, als darin, wie die +Unterschiede des gegenstaendlichen Geistes, die Teile und +Urteilsbestimmungen seiner Welt, so auch die Unterschiede, welche als +urspruenglich bestimmte Naturen erscheinen, zugrunde gegangen sind. +Genie, Talent, die besondern Faehigkeiten ueberhaupt, gehoeren der Welt +der Wirklichkeit an, insofern sie an ihr noch die Seite hat, +geistiges Tierreich zu sein, welches in gegenseitiger Gewalttaetigkeit +und Verwirrung sich um die Wesen der realen Welt bekaempft und betruegt. +--Die Unterschiede haben in ihr zwar nicht als ehrliche Especen Platz; +weder begnuegt sich die Individualitaet mit der unwirklichen _Sache +selbst_, noch hat sie _besondern_ Inhalt und eigne Zwecke. Sondern +sie gilt nur als ein Allgemeingueltiges, naemlich als Gebildetes; und +der Unterschied reduziert sich auf die geringere oder groessere Energie, +--einen Unterschied der _Groesse_, d.h. den unwesentlichen. Diese +letzte Verschiedenheit aber ist darin zugrunde gegangen, dass der +Unterschied in der vollkommnen Zerrissenheit des Bewusstseins zum +absolut qualitativen umschlug. Was darin dem Ich das Andre ist, ist +nur das Ich selbst. In diesem unendlichen Urteile ist alle +Einseitigkeit und Eigenheit des urspruenglichen Fuer-sich-seins getilgt; +das Selbst weiss sich als reines Selbst sein Gegenstand zu sein; und +diese absolute Gleichheit beider Seiten ist das Element der reinen +Einsicht.--Sie ist daher das einfache in sich ununterschiedne _Wesen_, +und ebenso das allgemeine _Werk_ und allgemeiner Besitz. In dieser +_einfachen_ geistigen Substanz gibt und erhaelt sich das +Selbstbewusstsein ebenso in allem Gegenstande das Bewusstsein dieser +seiner _Einzelnheit_ oder des _Tuns_, als umgekehrt die +Individualitaet desselben darin _sich selbst gleich_ und allgemein ist. +--Diese reine Einsicht ist also der Geist, der allem Bewusstsein +zuruft: _seid fuer euch selbst_, was ihr alle _an euch selbst_ +seid--_vernuenftig_. + + + +II. Die Aufklaerung + +Der eigentuemliche Gegenstand, gegen welchen die reine Einsicht die +Kraft des Begriffes richtet, ist der Glauben, als die ihr in +demselben Elemente gegenueberstehende Form des reinen Bewusstseins. +Sie hat aber auch Beziehung auf die wirkliche Welt, denn sie ist wie +jener die Rueckkehr aus derselben in das reine Bewusstsein. Es ist +zuerst zu sehen, wie ihre Taetigkeit gegen die unlautern Absichten und +verkehrten Einsichten derselben beschaffen ist. + +Oben wurde schon des ruhigen Bewusstseins erwaehnt, das diesem sich in +sich aufloesenden und wieder erzeugenden Wirbel gegenuebersteht; es +macht die Seite der reinen Einsicht und Absicht aus. In dies ruhige +Bewusstsein faellt aber, wie wir sahen, keine _besondere Einsicht_ ueber +die Welt der Bildung; diese hat vielmehr selbst das schmerzlichste +Gefuehl und die wahrste Einsicht ueber sich selbst--das Gefuehl, die +Aufloesung alles sich befestigenden, durch alle Momente ihres Daseins +hindurch geraedert und an allen Knochen zerschlagen zu sein; ebenso +ist sie die Sprache dieses Gefuehls und die beurteilende geistreiche +Rede ueber alle Seiten ihres Zustands. Die reine Einsicht kann daher +hier keine eigene Taetigkeit und Inhalt haben, und sich also nur als +das formelle treue _Auffassen_ dieser eignen geistreichen Einsicht +der Welt und ihrer Sprache verhalten. Indem diese Sprache zerstreut, +die Beurteilung eine Faselei des Augenblicks, die sich sogleich +wieder vergisst, und ein Ganzes nur fuer ein drittes Bewusstsein ist, so +kann sich dieses als _reine_ Einsicht nur dadurch unterscheiden, dass +es jene sich zerstreuenden Zuege in ein allgemeines Bild zusammenfasst, +und sie dann zu einer Einsicht aller macht. + +Sie wird durch dies einfache Mittel die Verwirrung dieser Welt zur +Aufloesung bringen. Denn es hat sich ergeben, dass nicht die Massen +und die bestimmten Begriffe und Individualitaeten das Wesen dieser +Wirklichkeit sind, sondern dass sie ihre Substanz und Halt allein in +dem Geiste hat, der als Urteilen und Besprechen existiert, und dass +das Interesse, fuer dies Raesonieren und Schwatzen einen Inhalt zu +haben, allein das Ganze und die Massen seiner Gegliederung erhaelt. +In dieser Sprache der Einsicht ist ihr Selbstbewusstsein sich noch ein +_Fuersichseiendes, dieses Einzelne_; aber die Eitelkeit des Inhalts +ist zugleich Eitelkeit des ihn eitel wissenden Selbsts. Indem nun +das ruhig auffassende Bewusstsein von diesem ganzen geistreichen +Geschwaetze der Eitelkeit die treffendsten und die Sache +durchschneidenden Fassungen in eine Sammlung bringt, geht zu der +uebrigen Eitelkeit des Daseins die das Ganze noch erhaltende Seele, +die Eitelkeit des geistreichen Beurteilens, zugrunde. Die Sammlung +zeigt den meisten einen bessern, oder allen wenigstens einen +vielfachern Witz, als der ihrige ist, und das Besserwissen und +Beurteilen ueberhaupt als etwas Allgemeines und nun allgemein +Bekanntes; damit tilgt sich das einzige Interesse, das noch vorhanden +war, und das einzelne Einsehen loest sich in die allgemeine Einsicht +auf. + +Noch aber steht ueber dem eiteln Wissen das Wissen von dem Wesen fest, +und die reine Einsicht erscheint erst in eigentlicher Taetigkeit, +insofern sie gegen den Glauben auftritt. + + + +a. Der Kampfder Aufklaerung mit dem Aberglauben + +Die verschiednen Weisen des negativen Verhaltens des Bewusstseins, +teils des Skeptizismus, teils des theoretischen und praktischen +Idealismus, sind untergeordnete Gestalten gegen diese der _reinen +Einsicht_, und ihrer Verbreitung, der _Aufklaerung_; denn sie ist aus +der Substanz geboren, weiss das reine _Selbst_ des Bewusstseins als +absolut, und nimmt es mit dem reinen Bewusstsein des absoluten Wesens +aller Wirklichkeit auf.--Indem Glauben und Einsicht dasselbe reine +Bewusstsein, der Form nach aber entgegengesetzt sind, dem Glauben das +Wesen als _Gedanke_, nicht als _Begriff_, und daher ein dem +_Selbst_bewusstsein schlechthin Entgegengesetztes, der reinen Einsicht +aber das Wesen das _Selbst_ ist, sind sie fuereinander das eine das +schlechthin Negative des andern.--Dem Glauben kommt, wie beide +gegeneinander auftreten, aller _Inhalt_ zu, denn in seinem ruhigen +Elemente des Denkens gewinnt jedes Moment Bestehen;--die reine +Einsicht aber ist zunaechst ohne Inhalt, und vielmehr reines +Verschwinden desselben; durch die negative Bewegung gegen das ihr +Negative aber wird sie sich realisieren und einen Inhalt geben. + +Sie weiss den Glauben als das ihr, der Vernunft und Wahrheit, +Entgegengesetzte. Wie er ihr im Allgemeinen ein Gewebe von +Aberglauben, Vorurteilen und Irrtuemern ist, so organisiert sich ihr +weiter das Bewusstsein dieses Inhalts in ein Reich des Irrtums, worin +die falsche Einsicht einmal als die _allgemeine Masse_ des +Bewusstseins, unmittelbar, unbefangen und ohne Reflexion in sich +selbst ist, aber das Moment der Reflexion in sich oder des +Selbstbewusstseins, getrennt von der Unbefangenheit, auch an ihr hat, +als eine im Hintergrunde fuer sich bleibende Einsicht und boese Absicht, +von welcher jenes betoert wird. Jene Masse ist das Opfer des Betrugs +einer _Priesterschaft_, die ihre neidische Eitelkeit, allein im +Besitze der Einsicht zu bleiben, sowie ihren sonstigen Eigennutz +ausfuehrt, und zugleich mit dem _Despotismus_ sich verschwoert, der als +die synthetische, begrifflose Einheit des realen und dieses idealen +Reichs--ein seltsam inkonsequentes Wesen--ueber der schlechten +Einsicht der Menge und der schlechten Absicht der Priester steht, und +beides auch in sich vereinigt, aus der Dummheit und Verwirrung des +Volks durch das Mittel der betriegenden Priesterschaft, beide +verachtend, den Vorteil der ruhigen Beherrschung und der Vollfuehrung +seiner Lueste und Willkuer zieht, zugleich aber dieselbe Dumpfheit der +Einsicht, der gleiche Aberglauben und Irrtum ist. + +Gegen diese drei Seiten des Feindes laesst die Aufklaerung sich nicht +ohne Unterschied ein; denn indem ihr Wesen reine Einsicht, das an und +fuer sich _Allgemeine_ ist, so ist ihre wahre Beziehung auf das andere +Extrem diejenige, in welcher sie auf das _Gemeinschaftliche_ und +_Gleiche_ beider geht. Die Seite der aus dem allgemeinen +unbefangenen Bewusstsein sich isolierenden _Einzelnheit_ ist das ihr +Entgegengesetzte, das sie nicht unmittelbar beruehren kann. Der +Willen der betriegenden Priesterschaft und des unterdrueckenden +Despoten ist daher nicht unmittelbarer Gegenstand ihres Tuns, sondern +die willenlose, nicht zum Fuer-sich-sein sich vereinzelnde Einsicht, +der _Begriff_ des vernuenftigen Selbstbewusstseins, der an der Masse +sein Dasein hat, aber in ihr noch nicht als Begriff vorhanden ist. +Indem aber die reine Einsicht diese ehrliche Einsicht und ihr +unbefangenes Wesen den Vorurteilen und Irrtuemern entreisst, windet sie +der schlechten Absicht die Realitaet und Macht ihres Betrugs aus den +Haenden, deren Reich an dem begrifflosen Bewusstsein der allgemeinen +Masse seinen _Boden_ und _Material_--das _Fuer-sich-sein_ an dem +_einfachen_ Bewusstsein ueberhaupt seine _Substanz_ hat. + +Die Beziehung der reinen Einsicht auf das unbefangene Bewusstsein des +absoluten Wesens hat nun die gedoppelte Seite, dass sie einesteils _an +sich_ dasselbe mit ihm ist, andernteils aber, dass dieses in dem +einfachen Elemente seines Gedankens das absolute Wesen sowie seine +Teile gewaehren und sich Bestehen geben, und sie nur als sein +_An-sich_ und darum in gegenstaendlicher Weise gelten laesst, sein +_Fuer-sich-sein_ aber in diesem An-sich verleugnet.--Insofern nach der +ersten Seite dieser Glauben _an sich_ fuer die reine Einsicht reines +_Selbst_bewusstsein ist, und er dies nur _fuer sich_ werden soll, so +hat sie an diesem Begriffe desselben das Element, worin sie statt der +falschen Einsicht sich realisiert. + +Von dieser Seite, dass beide wesentlich dasselbe sind und die +Beziehung der reinen Einsicht durch und in demselben Elemente +geschieht, ist ihre Mitteilung eine _unmittelbare_, und ihr Geben und +Empfangen ein ungestoertes Ineinanderfliessen. Was auch sonst weiter +in das Bewusstsein fuer Pfloecke eingeschlagen seien, es ist _an sich_ +diese Einfachheit, in welcher alles aufgeloest, vergessen und +unbefangen, und die daher des Begriffs schlechthin empfaenglich ist. +Die Mitteilung der reinen Einsicht ist deswegen einer ruhigen +Ausdehnung oder dem _Verbreiten_ wie eines Duftes in der +widerstandslosen Atmosphaere zu vergleichen. Sie ist eine +durchdringende Ansteckung, welche sich nicht vorher gegen das +gleichgueltige Element, in das sie sich insinuiert, als +Entgegengesetztes bemerkbar macht, und daher nicht abgewehrt werden +kann. Erst wenn die Ansteckung sich verbreitet hat, ist sie _fuer das +Bewusstsein_, das sich ihr unbesorgt ueberliess. Denn es war zwar das +einfache sich und ihm gleiche Wesen, was es in sich empfing, aber +zugleich die Einfachheit der in sich reflektierten _Negativitaet_, +welche nachher auch sich nach ihrer Natur als Entgegengesetztes +entfaltet, und das Bewusstsein hiedurch an seine vorige Weise erinnert; +sie ist der Begriff, der das einfache Wissen ist, welches sich +selbst und zugleich sein Gegenteil, aber dieses in ihm als aufgehoben +weiss. So wie daher die reine Einsicht fuer das Bewusstsein ist, hat +sie sich schon verbreitet; der Kampf gegen sie verraet die geschehene +Ansteckung; er ist zu spaet, und jedes Mittel verschlimmert nur die +Krankheit, denn sie hat das Mark des geistigen Lebens ergriffen, +naemlich das Bewusstsein in seinem Begriffe oder sein reines Wesen +selbst; es gibt darum auch keine Kraft in ihm, welche ueber ihr waere. +Weil sie im Wesen selbst ist, lassen sich ihre noch vereinzelnten +Aeusserungen zurueckdraengen und die oberflaechlichen Symptome daempfen. +Es ist ihr dies hoechst vorteilhaft; denn sie vergeudet nun nicht +unnuetz die Kraft, noch zeigt sie sich ihres Wesens unwuerdig, was dann +der Fall ist, wenn sie in Symptome und einzelne Eruptionen gegen den +Inhalt des Glaubens und gegen den Zusammenhang seiner aeussern +Wirklichkeit hervorbricht. Sondern nun ein unsichtbarer und +unbemerkter Geist, durchschleicht sie die edeln Teile durch und durch, +und hat sich bald aller Eingeweide und Glieder des bewusstlosen +Goetzen gruendlich bemaechtigt, und "_an einem schoenen Morgen_ gibt sie +mit dem Ellbogen dem Kameraden einen Schubb, und Bautz! Baradautz! +der Goetze liegt am Boden."--An _einem schoenen Morgen_, dessen Mittag +nicht blutig ist, wenn die Ansteckung alle Organe des geistigen +Lebens durchdrungen hat; nur das Gedaechtnis bewahrt dann noch als +eine, man weiss nicht wie, vergangene Geschichte, die tote Weise der +vorigen Gestalt des Geistes auf; und die neue fuer die Anbetung +erhoehte Schlange der Weisheit hat auf diese Weise nur eine welke Haut +schmerzlos abgestreift. + +Aber dieses stumme Fortweben des Geistes im einfachen Innern seiner +Substanz, der sich sein Tun verbirgt, ist nur _eine_ Seite der +Realisierung der reinen Einsicht. Ihre Verbreitung besteht nicht nur +darin, dass Gleiches mit Gleichem zusammengeht; und ihre +Verwirklichung ist nicht nur eine gegensatzlose Ausdehnung. Sondern +das Tun des negativen Wesens ist ebenso wesentlich eine entwickelte +sich in sich unterscheidende Bewegung, welche als bewusstes Tun ihre +Momente in bestimmtem offenbarem Dasein aufstellen und als ein lauter +Laerm und gewaltsamer Kampf mit Entgegengesetztem als solchem +vorhanden sein muss. + +Es ist daher zu sehen, wie die _reine Einsicht_ und _Absicht_ gegen +das andere ihr Entgegengesetzte, das sie vorfindet, sich _negativ_ +verhaelt.--Die reine Einsicht und Absicht, welche sich negativ verhaelt, +kann, da ihr Begriff alle Wesenheit und nichts ausser ihr ist, nur +das Negative ihrer selbst sein. Sie wird daher als Einsicht zum +Negativen der reinen Einsicht, sie wird Unwahrheit und Unvernunft, +und als Absicht zum Negativen der reinen Absicht, zur Luege und +Unlauterkeit des Zwecks. + +In diesen Widerspruch verwickelt sie sich dadurch, dass sie sich in +Streit einlaesst, und etwas _anderes_ zu bekaempfen meint.--Sie meint +dies nur, denn ihr Wesen als die absolute Negativitaet ist dieses, das +Anderssein an ihr selbst zu haben. Der absolute Begriff ist die +Kategorie; er ist dies, dass das Wissen und der _Gegenstand_ des +Wissens dasselbe ist. Was hiemit die reine Einsicht als ihr Andres, +was sie als Irrtum oder Luege ausspricht, kann nichts andres sein als +sie selbst; sie kann nur das verdammen, was sie ist. Was nicht +vernuenftig ist, hat keine _Wahrheit_, oder was nicht begriffen ist, +ist nicht; indem also die Vernunft von einem _Andern_ spricht, als +sie ist, spricht sie in der Tat nur von sich selbst; sie tritt darin +nicht aus sich heraus.--Dieser Kampf mit dem Entgegengesetzten +vereinigt darum die Bedeutung in sich, ihre _Verwirklichung_ zu sein. +Diese besteht naemlich eben in der Bewegung, die Momente zu +entwickeln, und sie in sich zurueckzunehmen; ein Teil dieser Bewegung +ist die Unterscheidung, in welcher die begreifende Einsicht sich +selbst als _Gegenstand_ gegenueberstellt; solange sie in diesem +Momente verweilt, ist sie sich entfremdet. Als reine Einsicht ist +sie ohne allen _Inhalt_; die Bewegung ihrer Realisierung besteht +darin, dass _sie selbst_ sich als Inhalt wird, denn ein anderer kann +ihr nicht werden, weil sie das Selbstbewusstsein der Kategorie ist. +Aber indem sie ihn zuerst in dem Entgegensetzen nur als _Inhalt_, und +ihn noch nicht als sich selbst weiss, verkennt sie sich in ihm. Ihre +Vollendung hat daher diesen Sinn, den ihr zuerst gegenstaendlichen +Inhalt als den ihrigen zu erkennen. Ihr Resultat wird dadurch aber +weder die Wiederherstellung der Irrtuemer, welche sie bekaempft, noch +nur ihr erster Begriff sein, sondern eine Einsicht, welche die +absolute Negation ihrer selbst als ihre eigne Wirklichkeit, als sich +selbst erkennt, oder ihr sich selbst erkennender Begriff.--Diese +Natur des Kampfs der Aufklaerung mit den Irrtuemern, in ihnen sich +selbst zu bekaempfen und das darin zu verdammen, was sie behauptet, +ist _fuer uns_, oder was sie und ihr Kampf _an sich_ ist. Die erste +Seite desselben aber, ihre Verunreinigung durch die Aufnahme des +negativen Verhaltens in ihre sichselbstgleiche _Reinheit_ ist es, wie +sie _fuer den Glauben Gegenstand_ ist; der sie also als Luege, +Unvernunft und schlechte Absicht erfaehrt, so wie er fuer sie Irrtum +und Vorurteil ist.--In Ruecksicht auf ihren Inhalt ist sie zunaechst +die leere Einsicht, der ihr Inhalt als ein Anderes erscheint, sie +_findet_ ihn daher in dieser Gestalt, dass er noch nicht der ihrige +ist, _vor_, als ein von ihr ganz unabhaengiges Dasein, in dem Glauben. + +Die Aufklaerung fasst also ihren Gegenstand zuerst und allgemein so auf, +dass sie ihn als _reine Einsicht_ nimmt und ihn so, sich selbst nicht +erkennend, fuer Irrtum erklaert. In der _Einsicht_ als solcher fasst +das Bewusstsein einen Gegenstand so, dass er ihm zum Wesen des +Bewusstseins oder zu einem Gegenstande wird, den es durchdringt, worin +es sich erhaelt, bei sich selbst und sich gegenwaertig bleibt, und +indem es hiemit seine Bewegung ist, ihn hervorbringt. Als eben +dieses spricht die Aufklaerung den Glauben richtig aus, indem sie von +ihm sagt, dass das, was ihm das absolute Wesen ist, ein Sein seines +eignen Bewusstseins, sein eigner Gedanke, ein vom Bewusstsein +Hervorgebrachtes sei. Sie erklaert ihn hiemit fuer Irrtum und +Erdichtung ueber dasselbe, was sie ist.--Sie, die den Glauben die neue +Weisheit lehren will, sagt ihm damit nichts Neues; denn sein +Gegenstand ist ihm auch gerade dieses, naemlich reines Wesen seines +eignen Bewusstseins, so dass dieses darin sich nicht verloren und +negiert setzt, sondern ihm vielmehr vertraut, das heisst eben, _in +ihm_ sich _als dieses_ Bewusstsein oder als Selbstbewusstsein findet. +Wem ich vertraue, dessen _Gewissheit seiner_ selbst, ist mir die +_Gewissheit meiner_ selbst; ich erkenne mein Fuer-mich-sein in ihm, dass +er es anerkennt, und es ihm Zweck und Wesen ist. Vertrauen ist aber +der Glauben, weil sein Bewusstsein sich _unmittelbar_ auf seinen +Gegenstand _bezieht_, und also auch dies anschaut, dass es _eins_ mit +ihm, in ihm ist.--Ferner, indem dasjenige mir Gegenstand ist, worin +ich mich selbst erkenne, bin ich mir darin zugleich ueberhaupt als +_anderes_ Selbstbewusstsein, das heisst, als ein solches, welches darin +seiner besondere Einzelnheit, naemlich seiner Natuerlichkeit und +Zufaelligkeit entfremdet worden, aber teils darin Selbstbewusstsein +bleibt, teils eben darin _wesentliches_ Bewusstsein wie die reine +Einsicht ist.--In dem Begriffe der Einsicht liegt nicht nur dies, dass +das Bewusstsein in seinem eingesehenen Gegenstande sich selbst erkennt, +und ohne das Gedachte zu verlassen und daraus in sich erst +zurueckzugehen, sich _unmittelbar_ darin hat, sondern es ist seiner +selbst als auch der _vermittelnden_ Bewegung oder seiner als des +_Tuns_ oder Hervorbringens bewusst; dadurch ist in dem Gedanken _fuer +es_ diese Einheit seiner als des _Selbsts_ und des Gegenstandes. +--Eben dies Bewusstsein ist auch der Glauben; _der Gehorsam und das +Tun_ ist ein notwendiges Moment, durch welches die Gewissheit des +Seins in dem absoluten Wesen, zustande kommt. Dies Tun des Glaubens +erscheint zwar nicht so, dass das absolute Wesen selbst dadurch +hervorgebracht werde. Aber das absolute Wesen des Glaubens ist +wesentlich nicht das _abstrakte_ Wesen, das jenseits des glaubenden +Bewusstseins sei, sondern es ist der Geist der Gemeine, es ist die +Einheit des abstrakten Wesens und des Selbstbewusstseins. Dass es +dieser Geist der Gemeine sei, darin ist das Tun der Gemeine ein +wesentliches Moment; er ist es _nur durch das Hervorbringen_ des +Bewusstseins,--oder vielmehr _nicht ohne_ vom Bewusstsein +hervorgebracht zu sein; denn so wesentlich das Hervorbringen ist, so +wesentlich ist es auch nicht der einzige Grund des Wesens, sondern es +ist nur ein Moment. Das Wesen ist zugleich an und fuer sich selbst. + +Von der andern Seite ist der Begriff der reinen Einsicht sich ein +_Anderes_ als sein Gegenstand; denn eben diese negative Bestimmung +macht den Gegenstand aus. So spricht sie also von der andern Seite +auch das Wesen des Glaubens aus, als ein dem Selbstbewusstsein +_Fremdes_, das nicht _sein_ Wesen, sondern als ein Wechselbalg ihm +unterschoben sei. Allein die Aufklaerung ist hier voellig toericht; der +Glauben erfaehrt sie als ein Sprechen, das nicht weiss, was es sagt, +und die Sache nicht versteht, wenn es von Pfaffenbetrug und +Volkstaeuschung redet. Sie spricht hievon, als ob durch ein +Hokuspokus der taschenspielerischen Priester dem Bewusstsein etwas +absolut _Fremdes_ und _Anderes_ fuer das Wesen untergeschoben wuerde, +und sagt zugleich, dass dies ein Wesen des Bewusstseins sei, dass es +daran glaube, ihm vertraue und sich es geneigt zu machen suche,--das +heisst, dass es darin _sein reines Wesen_ ebensosehr als _seine_ +einzelne und allgemeine _Individualitaet_ anschaue, und durch sein Tun +diese Einheit seiner selbst mit seinem Wesen hervorbringe. Sie sagt +unmittelbar das, was sie als ein dem Bewusstsein _Fremdes_ aussagt, +als das _Eigenste_ desselben aus.--Wie mag also sie von Betrug und +Taeuschung sprechen? Indem sie _unmittelbar_ das Gegenteil dessen, +was sie vom Glauben behauptet, selbst von ihm ausspricht, zeigt sie +diesem vielmehr sich als die bewusste _Luege_. Wie soll Taeuschung und +Betrug da stattfinden, wo das Bewusstsein in seiner Wahrheit +unmittelbar die _Gewissheit seiner selbst_ hat; wo es in seinem +Gegenstande _sich selbst_ besitzt, indem es sich ebensowohl darin +findet als hervorbringt. Der Unterschied ist sogar in den Worten +nicht mehr vorhanden.--Wenn die allgemeine Frage aufgestellt worden +ist: _ob es erlaubt sei, ein Volk zu taeuschen_, so muesste in der Tat +die Antwort sein, dass die Frage nichts tauge; weil es unmoeglich ist, +hierin ein Volk zu taeuschen.--Messing statt Golds, nachgemachte +Wechsel statt echter moegen wohl einzeln verkauft, eine verlorne +Schlacht als eine gewonnene mehrern aufgeheftet, und sonstige Luegen +ueber sinnliche Dinge und einzelne Begebenheiten auf eine Zeitlang +glaubhaft gemacht werden; aber in dem Wissen von dem Wesen, worin das +Bewusstsein die unmittelbare _Gewissheit seiner selbst_ hat, faellt der +Gedanke der Taeuschung ganz hinweg. + +Sehen wir weiter, wie der Glauben die Aufklaerung in den +_unterschiedenen_ Momenten seines Bewusstseins erfaehrt, auf welches +die aufgezeigte Ansicht nur erst im Allgemeinen ging. Diese Momente +aber sind: das reine Denken, oder, als Gegenstand, das _absolute +Wesen_ an und fuer sich selbst; dann seine _Beziehung_ als ein +_Wissen_ darauf, der _Grund seines Glaubens_, und endlich seine +Beziehung darauf in seinem Tun, oder _sein Dienst_. Wie die reine +Einsicht sich im Glauben ueberhaupt verkennt und verleugnet hat, so +wird sie in diesen Momenten ebenso verkehrt sich verhalten. + +Die reine Einsicht verhaelt sich zu _dem absoluten Wesen_ des +glaubenden Bewusstseins negativ. Dies Wesen ist reines _Denken_, und +das reine Denken innerhalb seiner selbst als Gegenstand oder als das +_Wesen_ gesetzt; im glaubenden Bewusstsein erhaelt dies _An-sich_ des +Denkens zugleich fuer das fuer sich seiende Bewusstsein die Form, aber +auch nur die leere Form der Gegenstaendlichkeit; es ist in der +Bestimmung eines _Vorgestellten_. Der reinen Einsicht aber, indem +sie das reine Bewusstsein nach der Seite des _fuer sich seienden +Selbsts_ ist, erscheint das _Andre_ als ein _Negatives_ des +_Selbstbewusstseins_. Dies koennte noch entweder als das reine +_An-sich_ des Denkens oder auch als das _Sein_ der sinnlichen +Gewissheit genommen werden. Aber indem es zugleich fuer das _Selbst_ +und dieses als _Selbst_, das einen Gegenstand hat, wirkliches +Bewusstsein ist, so ist ihr eigentuemlicher Gegenstand als solcher ein +_seiendes gemeines Ding_ der _sinnlichen Gewissheit_. Dieser ihr +Gegenstand erscheint ihr an der _Vorstellung_ des Glaubens. Sie +verdammt diese und in ihr ihren eignen Gegenstand. Gegen den Glauben +aber begeht sie schon darin das Unrecht, seinen Gegenstand so +aufzufassen, dass er der ihrige ist. Sie sagt hiernach ueber den +Glauben, dass sein absolutes Wesen ein Steinstueck, ein Holzblock sei, +der Augen habe und nicht sehe, oder auch etwas Brotteig, der auf dem +Acker gewachsen, von Menschen verwandelt darauf zurueckgeschickt werde; +--oder nach welchen Weisen sonst der Glauben, das Wesen +anthropomorphosiere, sich gegenstaendlich und vorstellig mache. + +Die Aufklaerung, die sich fuer das Reine ausgibt, macht hier das, was +dem Geiste ewiges Leben und heiliger Geist ist, zu einem wirklichen +_vergaenglichen Dinge_, und besudelt es mit der an sich nichtigen +Ansicht der sinnlichen Gewissheit--mit einer Ansicht, welche dem +anbetenden Glauben gar nicht vorhanden ist, so dass sie ihm dieselbe +rein anluegt. Was er verehrt, ist ihm durchaus weder Stein oder Holz +oder Brotteig, noch sonst ein zeitliches sinnliches Ding. Wenn es +der Aufklaerung einfaellt, zu sagen, sein Gegenstand sei doch dies +_auch_, oder gar, er sei dieses an sich und in Wahrheit, so kennt +teils der Glauben ebensowohl _jenes Auch_, aber es ist ihm ausser +seiner Anbetung; teils aber ist ihm ueberhaupt nicht so etwas wie ein +Stein und so fort _an sich_, sondern an sich ist ihm allein das Wesen +des reinen Denkens. + +Das _zweite Moment_ ist die Beziehung des Glaubens als _wissenden_ +Bewusstseins auf dieses Wesen. Als denkendem reinem Bewusstsein ist +ihm dies Wesen unmittelbar; aber das reine Bewusstsein ist ebensosehr +_vermittelte_ Beziehung der Gewissheit auf die Wahrheit; eine +Beziehung, welche den _Grund_ des _Glaubens_ ausmacht. Dieser Grund +wird fuer die Aufklaerung ebenso zu einem zufaelligen _Wissen von +zufaelligen_ Begebenheiten. Der Grund des Wissens aber ist das +_wissende_ Allgemeine, und in seiner Wahrheit der absolute _Geist_, +der in dem abstrakten reinen Bewusstsein oder dem Denken als solchem +nur absolutes _Wesen_, als Selbstbewusstsein aber das _Wissen_ von +sich ist. Die reine Einsicht setzt dies wissende Allgemeine, den +_einfachen sich selbst wissenden Geist_, ebenso als Negatives des +Selbstbewusstseins. Sie ist zwar selbst das _reine vermittelte_, d.h. +sich mit sich vermittelnde Denken, sie ist das reine Wissen; aber +indem sie _reine Einsicht, reines Wissen_ ist, das sich selbst noch +nicht weiss, d.h. fuer welches es noch nicht ist, dass sie diese reine +vermittelnde Bewegung ist, erscheint sie ihr, wie alles, was sie +selbst ist, als ein Anderes. In ihrer Verwirklichung also begriffen, +entwickelt sie dies ihr wesentliches Moment, aber es erscheint ihr +als dem Glauben angehoerend, und in seiner Bestimmtheit, ein ihr +Aeusseres zu sein, als ein zufaelliges Wissen eben solcher gemein +wirklicher Geschichten. Sie dichtet also hier dem religioesen Glauben +an, dass seine Gewissheit sich auf einige _einzelne historische +Zeugnisse_ gruende, welche als historische Zeugnisse betrachtet +freilich nicht den Grad von Gewissheit ueber ihren Inhalt gewaehren +wuerden, den uns Zeitungsnachrichten ueber irgendeine Begebenheit geben; +dass seine Gewissheit ferner auf dem Zufall der _Aufbewahrung_ dieser +Zeugnisse beruhe--der Aufbewahrung durch Papier einerseits, und +andererseits durch die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der +Uebertragung von einem Papier auf ein anderes--, und endlich auf der +richtigen Auffassung des Sinnes toter Worte und Buchstaben. In der +Tat aber faellt es dem Glauben nicht ein, an solche Zeugnisse und +Zufaelligkeiten seine Gewissheit zu knuepfen; er ist in seiner Gewissheit +unbefangenes Verhaeltnis zu seinem absoluten Gegenstande, ein reines +Wissen desselben, welches nicht Buchstaben, Papier und Abschreiber in +sein Bewusstsein des absoluten Wesens einmischt, und nicht durch +solcherlei Dinge sich damit vermittelt. Sondern dies Bewusstsein ist +der sich selbst vermittelnde Grund seines Wissens; es ist der Geist +selbst, der das Zeugnis von sich ist, ebenso im _Innern_ des +_einzelnen_ Bewusstseins als durch die _allgemeine Gegenwart_ des +Glaubens aller an ihn. Wenn der Glauben aus dem Geschichtlichen auch +jene Weise von Begruendung oder wenigstens Bestaetigung seines Inhaltes, +von der die Aufklaerung spricht, sich geben will, und ernsthaft meint +und tut, als ob es darauf ankaeme, so hat er sich schon von der +Aufklaerung verfuehren lassen; und seine Bemuehungen, sich auf solche +Weise zu begruenden oder zu befestigen, sind nur Zeugnisse, die er von +seiner Ansteckung gibt. + +Noch ist die dritte Seite uebrig, _die Beziehung des Bewusstseins auf +das absolute Wesen_, als ein _Tun_. Dies Tun ist das Aufheben der +Besonderheit des Individuums oder der natuerlichen Weise seines +Fuer-sich-seins, woraus ihm die Gewissheit hervorgeht, reines +Selbstbewusstsein nach seinem Tun, d.h. als _fuersichseiendes_ +einzelnes Bewusstsein eins mit dem Wesen zu sein.--Indem an dem Tun +_Zweckmaessigkeit_ und _Zweck_ sich unterscheidet, und die reine +Einsicht ebenso in Beziehung auf dieses Tun sich _negativ verhaelt_, +und wie in den andern Momenten sich selbst verleugnet, so muss sie in +Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ als Unverstand sich darstellen, indem +die Einsicht mit der Absicht verbunden, Uebereinstimmung des Zwecks +und des Mittels, ihr als Anderes, vielmehr als das Gegenteil +erscheint,--in Ansehung des _Zwecks_ aber das Schlechte, Genuss und +Besitz zum Zwecke machen, und sich hiemit als die unreinste Absicht +beweisen, indem die reine Absicht ebenso, als Andres, unreine Absicht +ist. + +Hienach sehen wir in Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ die Aufklaerung es +toericht finden, wenn das glaubende Individuum sich das hoehere +Bewusstsein, nicht an den natuerlichen Genuss und Vergnuegen gefesselt zu +sein, dadurch gibt, dass es sich natuerlichen Genuss und Vergnuegen +_wirklich_ versagt, und _durch die Tat_ erweist, dass es die +Verachtung derselben nicht luegt, sondern dass sie _wahr ist_.--Ebenso +findet sie es toericht, dass das Individuum von seiner Bestimmtheit, +absolut einzelnes, alle andern ausschliessendes und Eigentum +besitzendes zu sein, sich dadurch absolviert, dass es von seinem +Eigentume selbst ablaesst; womit es _in Wahrheit_ zeigt, dass es mit +seinem Isolieren nicht Ernst, sondern dass es ueber die +Naturnotwendigkeit, sich zu vereinzeln, und in dieser absoluten +Vereinzelung des Fuer-sich-seins die Andern als dasselbe _mit sich_ zu +verleugnen, erhaben ist.--Die reine Einsicht findet beides sowohl +unzweckmaessig als unrecht,--_unzweckmaessig_, um von Vergnuegen und +Besitz sich frei zu erweisen, sich Vergnuegen zu versagen und einen +Besitz wegzugeben; sie wird also im Gegenteil den fuer einen _Toren_ +erklaeren, der, um zu essen, das Mittel ergreift, wirklich zu essen. +Sie findet es auch _unrecht_, sich eine Mahlzeit zu versagen, und +Butter, Eier nicht gegen Geld, oder Geld nicht gegen Butter und Eier, +sondern geradezu, ohne so was dafuer zurueck zu erhalten, wegzugeben; +sie erklaert eine Mahlzeit oder den Besitz von dergleichen Dingen fuer +einen Selbstzweck, und sich damit in der Tat fuer eine sehr unreine +Absicht, der es um solchen Genuss und Besitz ganz wesentlich zu tun +ist. Sie behauptet als reine Absicht auch wieder die Notwendigkeit +der Erhebung ueber die natuerliche Existenz und ueber die Habsucht um +ihre Mittel; nur findet sie es toericht und unrecht, dass diese +Erhebung _durch die Tat_ bewiesen werden soll, oder diese reine +Absicht ist in Wahrheit Betrug, welcher eine _innerliche_ Erhebung +vorgibt und fodert, aber Ernst daraus zu machen, sie _wirklich ins +Werk_ zu richten und _ihre Wahrheit zu erweisen_ fuer ueberfluessig, +toericht, und selbst fuer unrecht ausgibt.--Sie verleugnet sich also +sowohl als reine Einsicht, denn sie verleugnet das unmittelbar +zweckmaessige Tun, wie als reine Absicht, denn sie verleugnet die +Absicht, sich von den Zwecken der Einzelnheit befreit zu erweisen. + +So gibt die Aufklaerung sich dem Glauben zu erfahren. Sie tritt in +diesem schlechten Aussehen auf, weil sie eben durch das Verhaeltnis zu +einem andern sich eine _negative Realitaet_ gibt, oder sich als das +Gegenteil ihrer selbst darstellt; die reine Einsicht und Absicht muss +sich aber dies Verhaeltnis geben, denn es ist ihre Verwirklichung. +--Diese erschien zunaechst als negative Realitaet. Vielleicht ist ihre +_positive Realitaet_ besser beschaffen; sehen wir, wie diese sich +verhaelt.--Wenn alles Vorurteil und Aberglauben verbannt worden, so +tritt die Frage ein, _was nun weiter? Welches ist die Wahrheit, +welche die Aufklaerung statt jener verbreitet hat?_--Sie hat diesen +positiven Inhalt in ihrem Ausrotten des Irrtums schon ausgesprochen, +denn jene Entfremdung ihrer selbst ist ebensosehr ihre positive +Realitaet.--An demjenigen, was dem Glauben absoluter Geist ist, fasst +sie, was sie von _Bestimmung_ daran entdeckt, als Holz, Stein und so +fort, als einzelne wirkliche Dinge auf; indem sie ueberhaupt _alle +Bestimmtheit_, das heisst, allen Inhalt und Erfuellung desselben auf +diese Weise als eine _Endlichkeit_, als _menschliches Wesen und +Vorstellung_ begreift, wird ihr das _absolute Wesen_ zu einem +_Vakuum_, dem keine Bestimmungen, keine Praedikate beigelegt werden +koennen. Ein solches Beilager waere an sich straeflich, und es ist es +eben, in welchem die Ungeheuer des Aberglaubens erzeugt worden sind. +Die Vernunft, die _reine Einsicht_ ist wohl selbst nicht leer, indem +das Negative ihrer selbst _fuer sie_ und ihr Inhalt ist, sondern reich, +aber nur an Einzelnheit und Schranke; dem absoluten Wesen +dergleichen nichts zukommen zu lassen noch beizulegen, ist ihre +einsichtsvolle Lebensart, welche sich und ihren Reichtum der +Endlichkeit an ihren Ort zu stellen und das Absolute wuerdig zu +behandeln weiss. + +Diesem leeren Wesen gegenueber steht als _zweites Moment_ der +positiven Wahrheit der Aufklaerung, die aus einem absoluten Wesen +ausgeschlossene _Einzelnheit_ ueberhaupt, des Bewusstseins und alles +Seins, als _absolutes An- und Fuer-sich-sein_. Das Bewusstsein, +welches in seiner allerersten Wirklichkeit _sinnliche Gewissheit_ und +_Meinung_ ist, kehrt hier aus dem ganzen Wege seiner Erfahrung dahin +zurueck, und ist wieder ein Wissen von _rein Negativem seiner selbst_, +oder von _sinnlichen Dingen_, d.h. _seienden_, welche seinem +_Fuer-sich-sein_ gleichgueltig gegenueberstehen. Es ist hier aber nicht +_unmittelbares_ natuerliches Bewusstsein, sondern es ist sich solches +_geworden_. Zuerst preisgegeben aller Verwicklung, worein es durch +seine Entfaltung gestuerzt wird, itzt durch die reine Einsicht auf +seine erste Gestalt zurueckgefuehrt, hat es sie als das _Resultat +erfahren_. Auf die Einsicht der Nichtigkeit aller andern Gestalten +des Bewusstseins und somit alles jenseits der sinnlichen Gewissheit +_gegruendet_, ist diese sinnliche Gewissheit nicht mehr Meinung, +sondern sie ist vielmehr die absolute Wahrheit. Diese Nichtigkeit +alles dessen, was ueber die sinnliche Gewissheit hinausgeht, ist zwar +nur ein negativer Beweis dieser Wahrheit; aber sie ist keines andern +faehig, denn die positive Wahrheit der sinnlichen Gewissheit an ihr +selbst, ist eben das _unvermittelte_ Fuer-sich-sein des Begriffes +selbst als Gegenstands, und zwar in der Form des Andersseins,--dass es +jedem Bewusstsein _schlechthin gewiss_ ist, dass es _ist_, und _andere +wirkliche Dinge_ ausser ihm, und dass es in seinem _natuerlichen_ Sein, +so wie diese Dinge, _an und fuer sich_ oder _absolut_ ist. + +_Das dritte Moment der Wahrheit der Aufklaerung_ endlich ist das +Verhaeltnis der einzelnen Wesen zum absoluten Wesen, die Beziehung der +beiden ersten. Die Einsicht als reine Einsicht des _Gleichen_ oder +_Unbeschraenkten geht_ auch ueber das _Ungleiche_, naemlich die endliche +Wirklichkeit, oder ueber sich als blosses Anderssein _hinaus_. Sie hat +zum Jenseits desselben _das Leere_, auf welches sie also die +sinnliche Wirklichkeit bezieht. In die Bestimmung dieses +_Verhaeltnisses_ treten nicht die beiden Seiten als _Inhalt_ ein, denn +die eine ist das Leere, und ein Inhalt ist also nur durch die andere, +die sinnliche Wirklichkeit, vorhanden. Die _Form_ der Beziehung aber, +in deren Bestimmung die Seite des _An-sich_ mithilft, kann nach +Belieben gemacht werden; denn die Form ist das _an sich Negative_, +und darum das sich Entgegengesetzte; Sein sowohl als Nichts; +_An-sich_ wie das _Gegenteil_; oder was dasselbe, die Beziehung _der +Wirklichkeit_ auf _An-sich_ als das _Jenseits_ ist ebensowohl ein +_Negieren_ als ein _Setzen_ derselben. Die endliche Wirklichkeit +kann daher eigentlich, wie man es gerade braucht, genommen werden. +Das Sinnliche wird also itzt auf das Absolute als auf das _An-sich +positiv_ bezogen, und die sinnliche Wirklichkeit ist selbst _an sich_; +das Absolute macht, hegt und pflegt sie. Wiederum ist sie auch +darauf als auf das Gegenteil, als auf ihr _Nichtsein_ bezogen; nach +diesem Verhaeltnisse ist sie nicht an sich, sondern nur _fuer ein +Anderes_. Wenn in der vorhergehenden Gestalt des Bewusstseins die +_Begriffe_ des Gegensatzes sich als _Gut_ und _Schlecht_ bestimmten, +so werden sie dagegen der reinen Einsicht zu den reinern +Abstraktionen, des _An-sich-_ und _Fuer-ein-Anderes_-sein. + +Beide Betrachtungsweisen, der positiven wie der negativen Beziehung +des Endlichen auf das An-sich, sind aber in der Tat gleich notwendig, +und alles ist also so sehr _an sich_, als es _fuer ein Anderes_ ist; +oder alles ist _nuetzlich_.--Alles gibt sich andern preis, laesst sich +itzt von andern gebrauchen, und ist _fuer sie_; und itzt stellt es +sich, es so zu sagen, wieder auf die Hinterbeine, tut sproede gegen +Anderes, ist fuer sich und gebraucht das Andere seinerseits.--Fuer den +Menschen, als das dieser Beziehung _bewusste_ Ding, ergibt sich daraus +sein Wesen und seine Stellung. Er ist, wie er unmittelbar ist, als +natuerliches Bewusstsein _an sich, gut_, als einzelnes _absolut_, und +Anderes ist _fuer ihn_; und zwar da fuer ihn als das seiner bewusste +Tier die Momente die Bedeutung der Allgemeinheit haben, ist _alles_ +fuer sein Vergnuegen und Ergoetzlichkeit, und er geht, wie er aus Gottes +Hand gekommen, in der Welt als einem fuer ihn gepflanzten Garten umher. +--Er muss auch vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Boesen +gepflueckt haben; er besitzt darin einen Nutzen, der ihn von allem +andern unterscheidet, denn zufaelligerweise ist seine an sich gute +Natur _auch_ so beschaffen, dass ihr das Uebermass der Ergoetzlichkeit +Schaden tut, oder vielmehr seine Einzelnheit hat _auch ihr Jenseits_ +an ihr, kann ueber sich selbst hinausgehen und sich zerstoeren. +Hiegegen ist ihm die Vernunft ein nuetzliches Mittel, dies Hinausgehen +gehoerig zu beschraenken, oder vielmehr im Hinausgehen ueber das +Bestimmte sich selbst zu erhalten; denn dies ist die Kraft des +Bewusstseins. Der Genuss des bewussten an sich _allgemeinen_ Wesens muss +nach Mannigfaltigkeit und Dauer selbst nicht ein bestimmtes, sondern +allgemein sein; das Mass hat daher die Bestimmung, zu verhindern, dass +das Vergnuegen in seiner Mannigfaltigkeit und Dauer abgebrochen werde; +das heisst, die Bestimmung des Masses ist die Unmaessigkeit.--Wie dem +Menschen alles nuetzlich ist, so ist er es ebenfalls, und seine +Bestimmung ebensosehr, sich zum gemeinnuetzlichen und allgemein +brauchbaren Mitgliede des Trupps zu machen. Soviel er fuer sich sorgt, +gerade soviel muss er sich auch hergeben fuer die Andern, und soviel +er sich hergibt, soviel sorgt er fuer sich selbst; eine Hand waescht +die andere. Wo er aber sich befindet, ist er recht daran; er nuetzt +andern und wird genuetzt. + +Anders ist auf andere Weise einander nuetzlich; alle Dinge aber haben +diese nuetzliche Gegenseitigkeit durch ihr Wesen, naemlich auf das +Absolute auf die gedoppelte Weise bezogen zu sein--die positive, +dadurch _an und fuer sich_ selbst zu sein, die negative, dadurch _fuer +Andere_ zu sein. Die _Beziehung_ auf das absolute Wesen oder die +Religion ist daher unter aller Nuetzlichkeit das Allernuetzlichste; +denn sie ist der _reine Nutzen selbst_, sie ist dies Bestehen aller +Dinge, oder ihr _An-_ und _Fuer-sich_-sein, und das Fallen aller Dinge, +oder ihr _Sein fuer Anderes_. + +Dem Glauben freilich ist dieses positive Resultat der Aufklaerung so +sehr ein Greuel als ihr negatives Verhalten gegen ihn. Diese +_Einsicht_ in das absolute Wesen, die nichts in ihm sieht als eben +das _absolute Wesen_, das _etre supreme_, oder _das Leere_,--diese +_Absicht_, dass alles in seinem unmittelbaren Dasein _an sich_ oder +gut ist, dass endlich die _Beziehung_ des einzelnen bewussten Seins auf +das absolute Wesen, _die Religion_, der Begriff der Nuetzlichkeit +erschoepfend ausdrueckt, ist dem Glauben schlechthin _abscheulich_. +Diese eigne _Weisheit_ der Aufklaerung erscheint ihm notwendig +zugleich als die _Plattheit_ selbst, und als das _Gestaendnis_ der +Plattheit; weil sie darin besteht, vom absoluten Wesen nichts oder, +was dasselbe ist, von ihm diese ganz ebne Wahrheit zu wissen, dass es +eben nur _das absolute Wesen_ ist, dagegen nur von der Endlichkeit +und zwar sie als das Wahre und dies Wissen von derselben als dem +Wahren, als das Hoechste zu wissen. + +Der Glauben hat das goettliche Recht, das Recht der absoluten +_Sichselbstgleichheit_ oder des reinen Denkens, gegen die Aufklaerung, +und erfaehrt von ihr durchaus Unrecht; denn sie verdreht ihn in allen +seinen Momenten, und macht sie zu etwas anderem, als sie in ihm sind. +Sie aber hat nur menschliches Recht gegen ihn und fuer ihre Wahrheit; +denn das Unrecht, das sie begeht, ist das Recht der _Ungleichheit_, +und besteht in dem Verkehren und Veraendern, ein Recht, das der Natur +des _Selbstbewusstseins_ im Gegensatze gegen das einfache Wesen oder +das _Denken_ angehoert. Aber indem ihr Recht das Recht des +Selbstbewusstseins ist, wird sie nicht nur _auch_ ihr Recht behalten, +so dass zwei gleiche Rechte des Geistes einander gegenueber +stehenblieben, und keins das andere befriedigen koennte, sondern sie +wird das absolute Recht behaupten, weil das Selbstbewusstsein die +Negativitaet des Begriffs ist, die nicht nur _fuer sich_ ist, sondern +auch ueber ihr Gegenteil uebergreift; und der Glauben selbst, weil er +Bewusstsein ist, wird ihr ihr Recht nicht verweigern koennen. + +Denn die Aufklaerung verhaelt sich gegen das glaubende Bewusstsein nicht +mit eigentuemlichen Prinzipien, sondern mit solchen, welche dieses +selbst an ihm hat. Sie bringt ihm nur seine _eigenen Gedanken_ +zusammen, die ihm bewusstlos auseinanderfallen; sie erinnert es nur +bei der _einen_ seiner Weisen an die _andern_, die es _auch_ hat, +aber deren eine es immer bei der andern vergisst. Sie erweist sich +eben dadurch gegen es als reine Einsicht, dass sie bei einem +_bestimmten_ Momente das Ganze sieht, also das auf jenes Moment sich +beziehende _Entgegengesetzte_ herbeibringt, und eines im andern +verkehrend das negative Wesen beider Gedanken, den _Begriff_, +hervortreibt. Sie erscheint dem Glauben darum als Verdrehung und +Luege, weil sie das _Anderssein_ seiner Momente aufzeigt; sie scheint +ihm damit unmittelbar etwas anderes aus ihnen zu machen, als sie in +ihrer Einzelnheit sind; aber dies _Andere_ ist ebenso wesentlich, und +es ist in Wahrheit in dem glaubenden Bewusstsein selbst vorhanden, nur +dass dieses daran nicht denkt, sondern es sonstwo hat; daher ist es +ihm weder fremde, noch kann es von ihm abgeleugnet werden. + +Die Aufklaerung selbst aber, welche den Glauben an das +Entgegengesetzte seiner abgesonderten Momente erinnert, ist +ebensowenig ueber sich selbst aufgeklaert. Sie verhaelt sich rein +_negativ_ gegen den Glauben, insofern sie ihren Inhalt aus ihrer +Reinheit ausschliesst, und ihn fuer das _Negative_ ihrer selbst nimmt. +Sie erkennt daher weder in diesem Negativen, in dem Inhalte des +Glaubens, sich selbst, noch bringt auch sie aus diesem Grunde die +beiden Gedanken zusammen, den, welchen sie herbeibringt, und den, +gegen welchen sie ihn herbeibringt. Indem sie nicht erkennt, dass +dasjenige, was sie am Glauben verdammt, unmittelbar ihr eigener +Gedanken ist, so ist sie selbst in der Entgegensetzung der beiden +Momente, deren eines, naemlich jedesmal das dem Glauben +entgegengesetzte, sie nur anerkennt, das andere aber, gerade wie der +Glauben tut, davon trennt. Sie bringt daher nicht die Einheit beider +als Einheit derselben, d.i. den Begriff hervor; aber er _entsteht_ +ihr fuer sich oder sie findet ihn nur als _vorhanden_. Denn an sich +ist ebendies die Realisierung der reinen Einsicht, dass sie, deren +Wesen der Begriff ist, zuerst sich selbst als ein absolut _Anderes_ +wird und sich verleugnet, denn der Gegensatz des Begriffes ist der +absolute, und aus diesem Anderssein zu sich selbst, oder zu ihrem +Begriffe kommt.--Die Aufklaerung _ist_ aber nur diese Bewegung, sie +ist die noch bewusstlose Taetigkeit des reinen Begriffes, die zwar zu +sich selbst, als Gegenstand, kommt, aber diesen fuer ein _Anderes_ +nimmt, auch die Natur des Begriffes nicht kennt, dass naemlich das +Nichtunterschiedne es ist, was sich absolut trennt.--Gegen den +Glauben also ist die Einsicht insofern die _Macht_ des Begriffes, als +sie die Bewegung und das Beziehen der in seinem Bewusstsein +auseinanderliegenden Momente ist, ein Beziehen, worin der Widerspruch +derselben zum Vorschein koemmt. Hierin liegt das absolute _Recht_ der +Gewalt, welche sie ueber ihn ausuebt; die _Wirklichkeit_ aber, zu der +sie diese Gewalt bringt, ebendarin, dass das glaubende Bewusstsein +selbst der Begriff ist, und also das Entgegengesetzte, das ihm die +Einsicht herbeibringt, selbst anerkennt. Sie behaelt darum gegen es +recht, weil sie an ihm das geltend macht, was ihm selbst notwendig +ist, und was es an ihm selbst hat. + +Zuerst behauptet die Aufklaerung das Moment des Begriffs, ein _Tun_ +des _Bewusstseins_ zu sein; sie behauptet dies _gegen_ den +Glauben--dass sein absolutes Wesen Wesen _seines_ Bewusstsein als eines +Selbsts, oder dass es durch das Bewusstsein _hervorgebracht_ sei. Dem +glaubenden Bewusstsein ist sein absolutes Wesen, ebenso wie es ihm +_An-sich_ ist, zugleich nicht wie ein fremdes Ding, welches darin, +man weiss nicht wie und woher, _stuende_, sondern sein Vertrauen +besteht gerade darin, sich als _dieses_ persoenliche Bewusstsein darin +zu _finden_, und sein Gehorsam und Dienst darin, es als _sein_ +absolutes Wesen durch sein _Tun_ hervorzubringen. Hieran erinnert +eigentlich nur den Glauben die Aufklaerung, wenn er rein das _An-sich_ +des absoluten Wesens _jenseits_ des _Tuns_ des Bewusstseins ausspricht. +--Aber indem sie zwar der Einseitigkeit des Glaubens das +entgegengesetzte Moment des _Tuns_ desselben gegen das _Sein_, an das +er hier allein denkt, herbei, selbst aber ihre Gedanken ebenso nicht +zusammenbringt, isoliert sie das reine Moment des _Tuns_, und spricht +von dem _An-sich_ des Glaubens aus, dass es _nur_ ein +_Hervorgebrachtes_ des Bewusstseins sei. Das isolierte dem _An-sich_ +entgegengesetzte Tun ist aber ein zufaelliges Tun, und als ein +vorstellendes ein Erzeugen von Fiktionen--Vorstellungen, die nicht +_an sich_ sind; und so betrachtet sie den Inhalt des Glaubens. +--Umgekehrt aber sagt die reine Einsicht ebenso das Gegenteil. Indem +sie das Moment des _Andersseins_, das der Begriff an ihm hat, +behauptet, spricht sie das Wesen des Glaubens als ein solches aus, +welches das Bewusstsein _nichts angehe, jenseits_ desselben, ihm fremd +und unerkannt sei. Dem Glauben ist es ebenso, wie er einerseits ihm +vertraut, und darin die _Gewissheit seiner selbst_ hat, andererseits +in seinen Wegen unerforschlich, und in seinem Sein unerreichbar. + +Ferner behauptet die Aufklaerung gegen das glaubende Bewusstsein darin +ein Recht, das es selbst einraeumt, wenn sie den Gegenstand seiner +Verehrung als Stein und Holz oder sonst als eine endliche +anthropomorphische Bestimmtheit betrachtet. Denn da es dies +entzweite Bewusstsein ist, ein _Jenseits_ der _Wirklichkeit_ und ein +reines _Diesseits_ von jenem Jenseits zu haben, so ist in ihm in der +Tat _auch_ diese Ansicht des sinnlichen Dinges vorhanden, nach +welcher es _an_ und _fuer sich gilt_; es bringt aber diese beiden +Gedanken _des An-und-fuer-sich-seienden_, das ihm einmal das _reine +Wesen_, das anderemal ein gemeines _sinnliches Ding_ ist, nicht +zusammen.--Selbst sein reines Bewusstsein ist von der letztern Ansicht +affiziert, denn die Unterschiede seines uebersinnlichen Reichs sind, +weil es des Begriffs entbehrt, eine Reihe von selbststaendigen +_Gestalten_ und ihre Bewegung ein _Geschehen_, das heisst, sie sind +nur in der _Vorstellung_, und haben die Weise des sinnlichen Seins an +ihnen.--Die Aufklaerung isoliert ihrerseits ebenso die _Wirklichkeit_, +als ein vom Geiste verlassenes Wesen, die Bestimmtheit als eine +unverrueckte Endlichkeit, welche nicht in der geistigen Bewegung des +Wesens selbst ein _Moment_ waere, nicht Nichts, auch nicht ein an und +fuer sich _seiendes_ Etwas, sondern ein Verschwindendes. + +Es ist klar, dass dasselbe bei dem _Grunde_ des _Wissens_ der Fall ist. +Das glaubende Bewusstsein anerkennt selbst ein zufaelliges _Wissen_, +denn es hat ein Verhaeltnis zu Zufaelligkeiten, und das absolute Wesen +selbst ist ihm in der Form einer vorgestellten gemeinen Wirklichkeit; +hiemit ist das glaubende Bewusstsein _auch_ eine Gewissheit, welche +nicht die Wahrheit an ihr selbst hat, und es bekennt sich als ein +solches unwesentliches Bewusstsein, diesseits des sich selbst +vergewissernden und bewaehrenden Geistes.--Dies Moment vergisst es aber +in seinem geistigen unmittelbaren Wissen von dem absoluten Wesen. +--Die Aufklaerung aber, welche es daran erinnert, denkt wieder _nur_ +an das zufaellige Wissen, und vergisst das Andere,--denkt nur an die +Vermittlung, welche durch ein _fremdes_ Drittes geschieht, nicht an +die, worin das Unmittelbare sich selbst das Dritte ist, wodurch es +sich mit dem Andern, naemlich mit _sich selbst_, vermittelt. + +Endlich findet sie in ihrer Ansicht des _Tuns_ des Glaubens das +Wegwerfen des Genusses und der Habe unrecht und unzweckmaessig.--Was +das Unrecht betrifft, so erhaelt sie die Uebereinstimmung des +glaubenden Bewusstseins darin, dass dieses selbst diese Wirklichkeit +anerkennt, Eigentum zu besitzen, festzuhalten und zu geniessen; es +betraegt sich in der Behauptung des Eigentums um so isolierter und +hartnaeckiger, sowie in seinem Genusse um so roher dahingegeben, da +jenseits dieser Wirklichkeit sein religioeses--Besitz und Genuss +_aufgebendes_--Tun faellt und ihm die Freiheit fuer jene Seite erkauft. +Dieser Dienst der Aufopferung des natuerlichen Treibens und Geniessens +hat durch diesen Gegensatz in der Tat keine Wahrheit; die +Beibehaltung hat _neben_ der Aufopferung statt; diese ist nur ein +_Zeichen_, das die wirkliche Aufopferung nur an einem kleinen Teile +vollbringt, und sie daher in der Tat nur _vorstellt_. + +In Ansehung der _Zweckmaessigkeit_ findet die Aufklaerung das Wegwerfen +_einer_ Habe, um von _der_ Habe, die Versagung _eines_ Genusses, um +von _dem_ Genusse sich befreit zu wissen und zu erweisen, fuer +ungeschickt. Das glaubende Bewusstsein selbst fasst das absolute Tun +als ein _allgemeines_ Tun; nicht nur das Handeln seines absoluten +Wesens als seines Gegenstandes ist ihm ein allgemeines, sondern auch +das einzelne Bewusstsein soll sich ganz und allgemein von seinem +sinnlichen Wesen befreit erweisen. Das Wegwerfen einer _einzelnen_ +Habe oder das Verzichttun auf einen _einzelnen_ Genuss ist aber nicht +diese _allgemeine_ Handlung; und indem in der Handlung wesentlich der +_Zweck_, der ein allgemeiner, und die _Ausfuehrung_, die eine einzelne +ist, vor dem Bewusstsein in ihrer Unangemessenheit stehen muesste, so +erweist sie sich als ein solches Handeln, woran das Bewusstsein keinen +Anteil hat, und hiemit dies Handeln eigentlich als zu _naiv_, um eine +Handlung zu sein; es ist zu naiv, zu fasten, um von der Lust der +Mahlzeit sich befreit, zu naiv, sich, wie Origines, andere Lust _vom +Leibe_ wegzuschaffen, um sie abgetan zu erweisen. Die Handlung +selbst erweist sich als ein _aeusserliches_ und _einzelnes_ Tun; die +Begierde aber ist _innerlich_ eingewurzelt, und ein _allgemeines_; +ihre Lust verschwindet weder mit dem Werkzeuge noch durch einzelne +Entbehrung. + +Die Aufklaerung aber isoliert ihrerseits hier das _Innerliche, +Unwirkliche_ gegen die Wirklichkeit, wie sie gegen die Innerlichkeit +des Glaubens in seiner Anschauung und Andacht die Aeusserlichkeit der +Dingheit festhielt. Sie legt das Wesentliche in die _Absicht_, in +den _Gedanken_, und erspart dadurch das wirkliche Vollbringen der +Befreiung von den natuerlichen Zwecken; im Gegenteil ist diese +Innerlichkeit selbst das Formale, das an den natuerlichen Trieben +seine Erfuellung hat, welche eben dadurch gerechtfertigt sind, dass sie +innerlich, dass sie dem _allgemeinen_ Sein, der Natur angehoeren. + +Die Aufklaerung hat also ueber den Glauben darum eine unwiderstehliche +Gewalt, dass sich in seinem Bewusstsein selbst die Momente finden, +welche sie geltend macht. Die Wirkung dieser Kraft naeher betrachtet, +so scheint ihr Verhalten gegen ihn die _schoene_ Einheit des +_Vertrauens_ und der unmittelbaren _Gewissheit_ zu zerreissen, sein +_geistiges_ Bewusstsein durch niedrige Gedanken der _sinnlichen_ +Wirklichkeit zu verunreinigen, sein in seiner Unterwerfung +_beruhigtes_ und _sicheres_ Gemuet durch die _Eitelkeit_ des +Verstandes und des eigenen Willens und Vollbringens zu zerstoeren. +Aber in der Tat leitet sie vielmehr die Aufhebung der _gedankenlosen_ +oder vielmehr _begrifflosen Trennung_ ein, welche in ihm vorhanden +ist. Das glaubende Bewusstsein fuehrt doppeltes Mass und Gewicht, es +hat zweierlei Augen, zweierlei Ohren, zweierlei Zunge und Sprache, es +hat alle Vorstellungen verdoppelt, ohne diese Doppelsinnigkeit zu +vergleichen. Oder der Glauben lebt in zweierlei Wahrnehmungen, der +einen, der Wahrnehmung des _schlafenden_, rein in begrifflosen +Gedanken, der andern des wachen, rein in der sinnlichen Wirklichkeit +lebenden Bewusstseins, und in jeder fuehrt er eine eigene Haushaltung. +--Die Aufklaerung beleuchtet jene himmlische Welt mit den +Vorstellungen der sinnlichen; und zeigte jener diese Endlichkeit auf, +die der Glauben nicht verleugnen kann, weil er Selbstbewusstsein und +hiemit die Einheit ist, welcher beide Vorstellungsweisen angehoeren, +und worin sie nicht auseinanderfallen, denn sie gehoeren demselben +untrennbaren _einfachen_ Selbst an, in welches er uebergegangen ist. + +Der Glauben hat hiedurch den Inhalt, der sein Element erfuellte, +verloren, und sinkt in ein dumpfes Weben des Geistes in ihm selbst +zusammen. Er ist aus seinem Reiche vertrieben, oder dies Reich ist +ausgepluendert, indem alle Unterscheidung und Ausbreitung desselben +das wache Bewusstsein an sich riss, und seine Teile alle der Erde als +ihr Eigentum vindizierte und zurueckgab. Aber befriedigt ist er darum +nicht, denn durch diese Beleuchtung ist allenthalben nur einzelnes +Wesen entstanden, so dass den Geist nur wesenlose Wirklichkeit und von +ihm verlassne Endlichkeit anspricht.--Indem er ohne Inhalt ist und in +dieser Leere nicht bleiben kann, oder indem er ueber das Endliche, das +der einzige Inhalt ist, hinausgehend nur das Leere findet, ist er ein +_reines Sehnen_; seine Wahrheit ein leeres _Jenseits_, dem sich kein +gemaesser Inhalt mehr finden laesst, denn alles ist anders verwandt.--Der +Glauben ist in der Tat hiemit dasselbe geworden, was die Aufklaerung, +naemlich das Bewusstsein der Beziehung des an sich seienden Endlichen +auf das praedikatlose, unerkannte und unerkennbare Absolute; nur _dass +sie_ die _befriedigte, er_ aber die _unbefriedigte_ Aufklaerung ist. +Es wird sich jedoch an ihr zeigen, ob sie in ihrer Befriedigung +bleiben kann; jenes Sehnen des trueben Geistes, der ueber den Verlust +seiner geistigen Welt trauert, steht im Hinterhalte. Sie selbst hat +diesen Makel des unbefriedigten Sehnens an ihr,--_als reinen +Gegenstand_ an ihrem _leeren_ absoluten Wesen,--als _Tun_ und +_Bewegung_ an dem _Hinausgehen_ ueber ihr Einzelwesen zum unerfuellten +Jenseits,--als _erfuellten Gegenstand_ an der _Selbstlosigkeit_ des +Nuetzlichen. Sie wird diesen Makel aufheben; aus der naehern +Betrachtung des positiven Resultates, das ihr die Wahrheit ist, wird +sich ergeben, dass er an sich darin schon aufgehoben ist. + + + +b. Die Wahrheit der Aufklaerung + +Das dumpfe nichts mehr in sich unterscheidende Weben des Geistes ist +also in sich selbst jenseits des Bewusstseins getreten, welches +dagegen sich klar geworden ist.--Das erste Moment dieser Klarheit ist +in seiner Notwendigkeit und Bedingung dadurch bestimmt, dass die reine +Einsicht, oder sie, die _an sich_ Begriff ist, sich verwirklicht; sie +tut dies, indem sie das Anderssein oder die Bestimmtheit an ihr setzt. +Auf diese Weise ist sie negative reine Einsicht, d.i. Negation des +Begriffs; diese ist ebenso rein; und es ist damit das _reine Ding_, +das absolute Wesen, das sonst keine weitere Bestimmung hat, geworden. +Dies naeher bestimmt, so ist sie als absoluter Begriff, ein +Unterscheiden von Unterschieden, die keine mehr sind, von +Abstraktionen oder reinen Begriffen, die sich selbst nicht mehr +tragen, sondern nur durch _das Ganze der Bewegung_ Halt und +Unterscheidung haben. Dieses Unterscheiden des Nichtunterschiednen +besteht gerade darin, dass der absolute Begriff sich selbst zu seinem +_Gegenstande_ macht, und jener _Bewegung_ gegenueber sich als das +_Wesen_ setzt. Dies entbehrt hiedurch der Seite, worin die +Abstraktionen oder Unterschiede _auseinandergehalten_ werden, und +wird daher das _reine Denken_ als _reines Ding_.--Dies ist also eben +jenes dumpfe bewusstlose Weben des Geistes in ihm selbst, zu dem der +Glauben herabsank, indem er den unterschiednen Inhalt verlor;--es ist +zugleich jene _Bewegung_ des reinen Selbstbewusstseins, der es das +absolut fremde Jenseits sein soll. Denn weil dies reine +Selbstbewusstsein die Bewegung in reinen Begriffen, in Unterschieden +ist, die keine sind, so faellt es in der Tat in das bewusstlose Weben, +d.i. in das reine _Fuehlen_ oder in die reine _Dingheit_ zusammen. +--Der sich selbst entfremdete Begriff--denn er steht hier noch auf +der Stufe dieser Entfremdung--aber erkennt nicht dies _gleiche Wesen_ +beider Seiten, der Bewegung des Selbstbewusstseins und seines +absoluten Wesens,--nicht das _gleiche Wesen_ derselben, welches in +der Tat ihre Substanz und Bestehen ist. Indem er diese Einheit nicht +erkennt, so gilt ihm das Wesen nur in der Form des gegenstaendlichen +Jenseits, das unterscheidende Bewusstsein aber, das auf diese Weise +das An-sich ausser ihm hat, als ein endliches Bewusstsein. + +Ueber jenes absolute Wesen geraet die Aufklaerung selbst mit sich in den +Streit, den sie vorher mit dem Glauben hatte, und teilt sich in zwei +Parteien. Eine Partei bewaehrt sich erst dadurch als die _siegende_, +dass sie in zwei Parteien zerfaellt; denn darin zeigt sie das Prinzip, +das sie bekaempfte, an ihr selbst zu besitzen, und hiemit die +Einseitigkeit aufgehoben zu haben, in der sie vorher auftrat. Das +Interesse, das sich zwischen ihr und der andern teilte, faellt nun +ganz in sie und vergisst der andern, weil es in ihr selbst den +Gegensatz findet, der es beschaeftigt. Zugleich aber ist er in das +hoehere siegende Element erhoben worden, worin er gelaeutert sich +darstellt. So dass also die in einer Partei entstehende Zwietracht, +welche ein Unglueck scheint, vielmehr ihr Glueck beweist. + +Das reine Wesen selbst hat keinen Unterschied an ihm, daher kommt er +so an dasselbe, dass sich zwei solche reine Wesen fuer das Bewusstsein, +oder ein zweifaches Bewusstsein desselben hervortut.--Das reine +absolute Wesen ist nur in dem reinen Denken, oder vielmehr es ist das +reine Denken selbst, also schlechthin _jenseits_ des endlichen, des +_Selbst_bewusstseins, und nur das negative Wesen. Aber auf diese +Weise ist es eben das _Sein_, das Negative des Selbstbewusstseins. +Als _Negatives_ desselben ist es _auch_ darauf bezogen; es ist das +_aeussere Sein_, welches auf es, worin die Unterschiede und +Bestimmungen fallen, bezogen die Unterschiede an ihm erhaelt, +geschmeckt, gesehen, und so fort, zu werden; und das Verhaeltnis ist +die _sinnliche_ Gewissheit und Wahrnehmung. + +Wird von diesem _sinnlichen_ Sein, worein jenes negative Jenseits +notwendig uebergeht, ausgegangen, aber von diesen bestimmten Weisen +der Beziehung des Bewusstseins abstrahiert, so bleibt die reine +_Materie_ uebrig als das dumpfe Weben und Bewegen in sich selbst. Es +ist hiebei wesentlich, dies zu betrachten, dass die _reine Materie_ +nur das ist, was _uebrig_bleibt, wenn wir vom Sehen, Fuehlen, Schmecken +und so fort _abstrahieren_, das heisst, sie ist nicht das Gesehene, +Geschmeckte, Gefuehlte, und so fort; es ist nicht die _Materie_, die +gesehen, gefuehlt, geschmeckt wird, sondern die Farbe, ein Stein, ein +Salz u.s.f.; sie ist vielmehr die _reine Abstraktion_; und dadurch +ist das _reine Wesen_ des _Denkens_ oder das reine Denken selbst +vorhanden, als das nicht in sich unterschiedene, nicht bestimmte, +praedikatlose Absolute. + +Die eine Aufklaerung nennt das absolute Wesen jenes praedikatlose +Absolute, das jenseits des wirklichen Bewusstseins im Denken ist, von +welchem ausgegangen wurde;--die andere nennt es _Materie_. Wenn sie +als _Natur_ und Geist oder _Gott_ unterschieden wuerden, so wuerde dem +bewusstlosen Weben in sich selbst, um Natur zu sein, der Reichtum des +entfalteten Lebens fehlen, dem Geiste oder Gotte das sich in sich +unterscheidende Bewusstsein. Beides ist, wie wir gesehen, schlechthin +derselbe Begriff; der Unterschied liegt nicht in der Sache, sondern +rein nur in dem verschiedenen Ausgangspunkte beider Bildungen, und +darin, dass jede auf einem eigenen Punkte in der Bewegung des Denkens +stehenbleibt. Wenn sie darueber hinwegsetzten, wuerden sie +zusammentreffen und als dasselbe erkennen, was der einen, wie sie +vorgibt, ein Greuel, der andern eine Torheit ist. Denn der einen ist +das absolute Wesen in ihrem reinen Denken oder unmittelbar fuer das +reine Bewusstsein, ausser dem endlichen Bewusstsein, das _negative_ +Jenseits desselben. Wuerde sie darauf reflektieren, dass teils jene +einfache Unmittelbarkeit des Denkens nichts anderes ist als das +_reine Sein_, teils das, was _negativ_ fuer das Bewusstsein ist, sich +zugleich darauf bezieht, dass im negativen Urteile das _Ist_ (Kopula) +beide Getrennten ebenso zusammenhaelt,--so wuerde sich die Beziehung +dieses Jenseits in der Bestimmung eines _aeussern Seienden_ auf das +Bewusstsein ergeben, und hiemit als dasselbe, was _reine Materie +ge_nannt wird; das fehlende Moment der _Gegenwart_ waere gewonnen. +--Die andere Aufklaerung geht von dem sinnlichen Sein aus, +_abstrahiert_ dann von der sinnlichen Beziehung des Schmeckens, +Sehens, und so fort, und macht es zum reinen _An-sich_, zur +_absoluten Materie_, dem nicht Gefuehlten noch Geschmeckten; dies Sein +ist auf diese Weise das praedikatlose Einfache, Wesen des _reinen +Bewusstseins_ geworden; es ist der reine Begriff als _an sich_ seiend, +oder das _reine Denken in sich selbst_. Diese Einsicht macht in +ihrem Bewusstsein nicht den entgegengesetzten Schritt vom _Seienden_, +welches _rein_ Seiendes ist, zum Gedachten, das dasselbe ist als das +_Rein_seiende, oder nicht vom rein Positiven zum rein Negativen; +indem doch das Positive _rein_ schlechthin nur durch die Negation ist; +das _rein_ Negative aber, als reines, sich in sich selbst gleich und +eben dadurch positiv ist.--Oder beide sind nicht zum Begriffe der +Cartesischen Metaphysik gekommen, dass _an sich Sein_ und _Denken_ +dasselbe ist, nicht zu dem Gedanken, dass _Sein, reines Sein_, nicht +ein _konkretes Wirkliches_ ist, sondern die _reine Abstraktion_; und +umgekehrt das reine Denken, die Sichselbstgleichheit oder das Wesen, +teils das _Negative_ des Selbstbewusstseins und hiemit _Sein_, teils +als unmittelbare Einfachheit ebenso nichts anderes als _Sein_ ist; +das _Denken_ ist _Dingheit_, oder _Dingheit_ ist _Denken_. + +Das Wesen hat hier die _Entzweiung_ erst so an ihm, dass es zwei Arten +der Betrachtungsweise angehoert; teils muss das Wesen den Unterschied +an ihm selbst haben, teils gehen eben darin die beiden +Betrachtungsarten in _eine_ zusammen; denn die abstrakten Momente des +reinen Seins und des Negativen, wodurch sie sich unterscheiden, sind +alsdenn in dem Gegenstande dieser Betrachtungsweisen vereinigt.--Das +gemeinschaftliche Allgemeine ist die Abstraktion des reinen +Erzitterns in sich selbst, oder des reinen Sich-selbst-denkens. +Diese einfache achsendrehende Bewegung muss sich auseinanderwerfen, +weil sie selbst nur Bewegung ist, indem sie ihre Momente +unterscheidet. Diese Unterscheidung der Momente laesst das Unbewegte +als die leere Huelse des reinen _Seins_, das kein wirkliches Denken, +kein Leben in sich selbst mehr ist, zurueck; denn sie ist als der +Unterschied aller Inhalt. Sie, die sich _ausser_ jener _Einheit_ +setzt, ist aber hiemit der _nicht in sich zurueckkehrende_ Wechsel der +Momente, des _An-sich-_ und des _Fuer-ein-Anderes-_ und des +_Fuer-sich-seins_;--die Wirklichkeit, wie sie Gegenstand fuer das +wirkliche Bewusstsein der reinen Einsicht ist,--die _Nuetzlichkeit_. + +So schlecht die Nuetzlichkeit dem Glauben, oder der Empfindsamkeit, +oder auch der sich Spekulation nennenden Abstraktion, welche sich das +_An-sich_ fixiert, aussehen mag, so ist sie es, worin die reine +Einsicht ihre Realisierung vollendet, und sich selbst ihr +_Gegenstand_ ist, den sie nun nicht mehr verleugnet, und der auch +nicht den Wert des Leeren oder des reinen Jenseits fuer sie hat. Denn +die reine Einsicht ist, wie wir sahen, der seiende Begriff selbst, +oder die sich selbst gleiche reine Persoenlichkeit, so sich in sich +unterscheidend, dass jedes der unterschiedenen selbst reiner Begriff, +das heisst unmittelbar nicht unterschieden ist; sie ist einfaches +reines Selbstbewusstsein, welches ebensowohl _fuer sich_ als _an sich_ +in einer unmittelbaren Einheit ist. Sein _An-sich-sein_ ist daher +nicht bleibendes _Sein_, sondern hoert unmittelbar auf, in seinem +Unterschiede etwas zu sein; ein solches Sein aber, das unmittelbar +keinen Halt hat, ist nicht _an sich_, sondern wesentlich _fuer ein +Anders_, das die Macht ist, die es absorbiert. Aber dies zweite dem +ersten, dem _An-sich_-sein, entgegengesetzte Moment verschwindet +ebenso unmittelbar als das erste, oder als _Sein nur fuer Anderes_ ist +es vielmehr das _Verschwinden_ selbst, und es ist das +In-sich-_zurueckgekehrt-_, das _Fuer-sich-sein gesetzt_. Dies einfache +Fuer-sich-sein ist aber als die Sichselbstgleichheit vielmehr _ein +Sein_, oder damit _fuer ein Anderes_.--Diese Natur der reinen Einsicht +in der _Entfaltung ihrer Momente_ oder sie als _Gegenstand_ drueckt +das Nuetzliche aus. Es ist ein _an sich_ bestehendes oder Ding, dies +An-sich-sein ist zugleich nur reines Moment; es ist somit absolut +_fuer ein Anderes_, aber es ist ebenso nur fuer ein Anderes, als es an +sich ist; diese entgegengesetzten Momente sind in die unzertrennliche +Einheit des Fuer-sich-seins zurueckgekehrt. Wenn aber das Nuetzliche +wohl den Begriff der reinen Einsicht ausdrueckt, so ist es jedoch +nicht als solche, sondern sie als _Vorstellung_ oder als ihr +_Gegenstand_; es ist nur der rastlose Wechsel jener Momente, deren +eines zwar das In-sich-selbst-zurueckgekehrt-sein selbst ist, aber nur +als _Fuer-sich_-sein, d.h. als ein abstraktes gegen die andern auf die +Seite tretendes Moment. Das Nuetzliche selbst ist nicht das negative +Wesen, diese Momente in ihrer Entgegensetzung zugleich _ungetrennt_ +in _ein_ und _derselben Ruecksicht_, oder als ein _Denken_ an sich zu +haben, wie sie als reine Einsicht sind; das Moment des +_Fuer-sich-seins_ ist wohl an dem Nuetzlichen, aber nicht so, dass es +ueber die andern Momente, das _An-sich_ und das _Sein fuer Anderes, +uebergreift_, und somit das _Selbst_ waere. Die reine Einsicht hat +also an dem Nuetzlichen ihren eigenen Begriff in seinen _reinen_ +Momenten zum _Gegenstande_; sie ist das Bewusstsein dieser +_Metaphysik_, aber noch nicht das Begreifen derselben; es ist noch +nicht zu der _Einheit_ des _Seins_ und des _Begriffs_ selbst gekommen. +Weil das Nuetzliche noch die Form eines Gegenstandes fuer sie hat, +hat sie eine zwar nicht mehr an und fuer sich seiende, aber doch noch +eine _Welt_, welche sie von sich unterscheidet. Allein indem die +Gegensaetze auf die Spitze des Begriffes herausgetreten sind, wird +dies die naechste Stufe sein, dass sie zusammenstuerzen, und die +Aufklaerung die Fruechte ihrer Taten erfaehrt. + +Den erreichten Gegenstand in Beziehung auf diese ganze Sphaere +betrachtet, so hatte die wirkliche Welt der Bildung sich in die +_Eitelkeit_ des Selbstbewusstseins zusammengefasst,--in das +_Fuer-sich-sein_, das ihre Verworrenheit noch zu seinem Inhalte hat, +und noch der _einzelne_ Begriff, noch nicht der fuer sich _allgemeine_ +ist. In sich aber zurueckgekehrt ist er die _reine Einsicht_--das +reine Bewusstsein als das reine _Selbst_, oder die Negativitaet, wie +der Glauben ebendasselbe als das _reine Denken_ oder die Positivitaet. +Der Glauben hat in jenem Selbst das ihn vervollstaendigende Moment; +--aber durch diese Ergaenzung untergehend, ist es nun an der reinen +Einsicht, dass wir die beiden Momente sehen, als das absolute Wesen, +das rein _gedacht_ oder Negatives--und als _Materie_, die das +positive _Seiende_ ist.--Es fehlt dieser Vollstaendigkeit noch jene +_Wirklichkeit_ des Selbstbewusstseins, welche dem _eiteln_ Bewusstsein +angehoert--die Welt, aus welcher das Denken sich zu sich erhob. Dies +Fehlende ist in der Nuetzlichkeit insofern erreicht, als die reine +Einsicht daran die positive Gegenstaendlichkeit erlangte; sie ist +dadurch wirkliches in sich befriedigtes Bewusstsein. Diese +Gegenstaendlichkeit macht nun ihre _Welt_ aus; sie ist die Wahrheit +der vorhergehenden ganzen, der ideellen wie der reellen Welt geworden. +Die erste Welt des Geistes ist das ausgebreitete Reich seines sich +zerstreuenden Daseins und der vereinzelnten _Gewissheit_ seiner selbst; +wie die Natur ihr Leben in unendlich mannigfaltige Gestalten +zerstreut, ohne dass die _Gattung_ derselben vorhanden waere. Die +zweite enthaelt die _Gattung_, und ist das Reich des _An-sich-seins_ +oder der _Wahrheit_, entgegengesetzt jener Gewissheit. Das dritte +aber, das Nuetzliche, ist die _Wahrheit_, welche ebenso die +_Gewissheit_ seiner selbst ist. Dem Reiche der Wahrheit des +_Glaubens_ fehlt das Prinzip der _Wirklichkeit_ oder Gewissheit seiner +selbst als dieses _Einzelnen_. Der Wirklichkeit aber oder Gewissheit +seiner selbst als dieses Einzelnen fehlt das _An-sich_. In dem +Gegenstande der reinen Einsicht sind beide Welten vereinigt. Das +Nuetzliche ist der Gegenstand, insofern das Selbstbewusstsein ihn +durchschaut, und die _einzelne Gewissheit_ seiner selbst, seinen Genuss +(sein _Fuer-sich-sein_) in ihm hat; es _sieht_ ihn auf diese Weise +_ein_, und diese Einsicht enthaelt das _wahre_ Wesen des Gegenstandes +(ein Durchschautes oder _fuer ein Anderes_ zu sein); sie ist also +selbst _wahres Wissen_, und das Selbstbewusstsein hat ebenso +unmittelbar die allgemeine Gewissheit seiner selbst, sein _reines +Bewusstsein_ in diesem Verhaeltnisse, in welchem also ebenso _Wahrheit_ +wie Gegenwart und _Wirklichkeit_ vereinigt sind. Beide Welten sind +versoehnt, und der Himmel auf die Erde herunter verpflanzt. + + + +III. Die absolute Freiheitund der Schrecken + +Das Bewusstsein hat in der Nuetzlichkeit seinen Begriff gefunden. Aber +er ist teils noch _Gegenstand_, teils ebendarum noch _Zweck_, in +dessen Besitze es sich noch nicht unmittelbar befindet. Die +Nuetzlichkeit ist noch Praedikat des Gegenstandes, nicht Subjekt selbst, +oder seine unmittelbare und einzige _Wirklichkeit_. Es ist dasselbe, +was vorhin so erschien; dass das _Fuer-sich-sein_ noch nicht sich als +die Substanz der uebrigen Momente erwiesen, wodurch das Nuetzliche +unmittelbar nichts anderes als das Selbst des Bewusstseins und dieses +hiedurch in seinem Besitze waere.--Diese Ruecknahme der Form der +Gegenstaendlichkeit des Nuetzlichen ist aber _an sich_ schon geschehen, +und aus dieser innern Umwaelzung tritt die wirkliche Umwaelzung der +Wirklichkeit, die neue Gestalt des Bewusstseins, die _absolute +Freiheit_ hervor. + +Es ist naemlich in der Tat nicht mehr als ein leerer Schein von +Gegenstaendlichkeit vorhanden, der das Selbstbewusstsein von dem +Besitze trennt. Denn teils ist ueberhaupt alles Bestehen und Gelten +der bestimmten Glieder der Organisation der wirklichen und geglaubten +Welt in diese einfache Bestimmung als in ihren Grund und Geist +zurueckgegangen; teils aber hat diese nichts Eignes mehr fuer sich, sie +ist vielmehr reine Metaphysik, reiner Begriff oder Wissen des +Selbstbewusstseins. Von dem _An-_ und _Fuer-sich-sein_ des Nuetzlichen +als Gegenstandes erkennt naemlich das Bewusstsein, dass _sein +An-sich-sein_ wesentlich _Sein fuer Anderes_ ist; das _An-sich-sein_ +als das _Selbstlose_ ist in Wahrheit das passive, oder was fuer ein +anderes Selbst ist. Der Gegenstand ist aber fuer das Bewusstsein in +dieser abstrakten Form des _reinen An-sich-seins_, denn es ist reines +_Einsehen_, dessen Unterschiede in der reinen Form der Begriffe sind. +--Das _Fuer-sich-sein_ aber, in welches das Sein fuer Anderes +zurueckgeht, das Selbst, ist nicht ein von dem Ich verschiednes, +eignes Selbst dessen, was Gegenstand heisst; denn das Bewusstsein als +reine Einsicht ist nicht _einzelnes_ Selbst, dem der Gegenstand +ebenso als _eignes_ Selbst gegenueberstuende, sondern es ist der reine +Begriff, das Schauen des Selbsts in das Selbst, das absolute +_Sich-selbst-_doppelt-sehen; die Gewissheit seiner ist das allgemeine +Subjekt und sein wissender Begriff das Wesen aller Wirklichkeit. +Wenn also das Nuetzliche nur der nicht in seine eigne _Einheit_ +zurueckkehrende Wechsel der Momente, und daher noch Gegenstand fuer das +Wissen war, so hoert er auf, dieses zu sein, denn das Wissen ist +selbst die Bewegung jener abstrakten Momente, es ist das allgemeine +Selbst, das Selbst ebenso seiner als des Gegenstandes, und als +allgemeines die in sich zurueckkehrende Einheit dieser Bewegung. + +Hiemit ist der Geist als _absolute Freiheit_ vorhanden; er ist das +Selbstbewusstsein, welches sich erfasst, dass seine Gewissheit seiner +selbst, das Wesen aller geistigen Massen der realen so wie der +uebersinnlichen Welt, oder umgekehrt, dass Wesen und Wirklichkeit das +Wissen des Bewusstseins von _sich_ ist.--Es ist seiner reinen +Persoenlichkeit und darin aller geistigen Realitaet bewusst, und alle +Realitaet ist nur Geistiges; die Welt ist ihm schlechthin sein Willen, +und dieser ist allgemeiner Willen. Und zwar ist er nicht der leere +Gedanke des Willens, der in stillschweigende oder repraesentierte +Einwilligung gesetzt wird, sondern reell allgemeiner Willen, Willen +aller _Einzelner_ als solcher. Denn der Willen ist an sich das +Bewusstsein der Persoenlichkeit oder eines jeden, und als dieser +wahrhafte wirkliche Willen soll er sein, als _selbst_bewusstes Wesen +aller und jeder Persoenlichkeit, so dass jeder immer ungeteilt alles +tut, und was als Tun des Ganzen auftritt, das unmittelbare und +bewusste Tun eines _Jeden_ ist. + +Diese ungeteilte Substanz der absoluten Freiheit erhebt sich auf den +Thron der Welt, ohne dass irgendeine Macht ihr Widerstand zu leisten +vermoechte. Denn indem in Wahrheit das Bewusstsein allein das Element +ist, worin die geistigen Wesen oder Maechte ihre Substanz haben, so +ist ihr ganzes System, das sich durch die Teilung in Massen +organisierte und erhielt, zusammengefallen, nachdem das einzelne +Bewusstsein den Gegenstand so erfasst, dass er kein anderes Wesen habe +als das Selbstbewusstsein selbst, oder dass er absolut der Begriff ist. +Was den Begriff zum seienden _Gegenstande_ machte, war seine +Unterscheidung in abgesonderte _bestehende_ Massen; indem aber der +Gegenstand zum Begriffe wird, ist nichts Bestehendes mehr an ihm; die +Negativitaet hat alle seine Momente durchdrungen. Er tritt so in die +Existenz, dass jedes einzelne Bewusstsein aus der Sphaere, der es +zugeteilt war, sich erhebt, nicht mehr in dieser besonderten Masse +sein Wesen und sein Werk findet, sondern sein Selbst als den +_Begriff_ des Willens, alle Massen als Wesen dieses Willens erfasst, +und sich hiemit auch nur in einer Arbeit verwirklichen kann, welche +ganze Arbeit ist. In dieser absoluten Freiheit sind also alle Staende, +welche die geistigen Wesen sind, worein sich das Ganze gliedert, +getilgt; das einzelne Bewusstsein, das einem solchen Gliede angehoerte, +und in ihm wollte und vollbrachte, hat seine Schranke aufgehoben: +sein Zweck ist der allgemeine Zweck, seine Sprache das allgemeine +Gesetz, sein Werk das allgemeine Werk. + +Der Gegenstand und der _Unterschied_ hat hier die Bedeutung der +_Nuetzlichkeit_, die Praedikat alles realen Seins war, verloren; das +Bewusstsein faengt seine Bewegung nicht an ihm an als _einem Fremden_, +von dem aus es erst in sich zurueckkehrte, sondern der Gegenstand ist +ihm das Bewusstsein selbst; der Gegensatz besteht also allein in dem +Unterschiede des _einzelnen_ und _allgemeinen_ Bewusstseins; aber das +einzelne ist sich unmittelbar selbst dasjenige, was nur _den Schein_ +des Gegensatzes hatte, es ist allgemeines Bewusstsein und Willen. Das +_Jenseits_ dieser seiner Wirklichkeit schwebt ueber dem Leichname der +verschwundnen Selbststaendigkeit des realen oder geglaubten Seins nur +als die Ausduenstung eines faden Gases, des leeren Etre supreme. + +Es ist nach Aufhebung der unterschiedenen geistigen Massen, und des +beschraenkten Lebens der Individuen sowie seiner beiden Welten also +nur die Bewegung des allgemeinen Selbstbewusstseins in sich selbst +vorhanden, als eine Wechselwirkung desselben in der Form der +_Allgemeinheit_ und des _persoenlichen_ Bewusstseins; der allgemeine +Willen geht _in sich_, und ist _einzelner_ Willen, dem das allgemeine +Gesetz und Werk gegenuebersteht. Aber dies _einzelne_ Bewusstsein ist +sich seiner ebenso unmittelbar als allgemeinen Willens bewusst; es ist +sich bewusst, dass sein Gegenstand von ihm gegebenes Gesetz und von ihm +vollbrachtes Werk ist; in Taetigkeit uebergehend und Gegenstaendlichkeit +erschaffend, macht es also nichts Einzelnes, sondern nur Gesetze und +Staatsaktionen. + +Diese Bewegung ist hiedurch die Wechselwirkung des Bewusstseins mit +sich selbst, worin es nichts in der Gestalt eines _freien_ ihm +gegenuebertretenden _Gegenstandes_ entlaesst. Es folgt daraus, dass es +zu keinem positiven Werke, weder zu allgemeinen Werken der Sprache +noch der Wirklichkeit, weder zu Gesetzen und allgemeinen +Einrichtungen der _bewussten_, noch zu Taten und Werken der +_wollenden_ Freiheit kommen kann.--Das Werk, zu welchem die sich +_Bewusstsein_ gebende Freiheit sich machen koennte, wuerde darin +bestehen, dass sie als _allgemeine_ Substanz sich zum _Gegenstande_ +und _bleibenden Sein_ machte. Dies Anderssein waere der Unterschied +an ihr, wornach sie sich in bestehende geistige Massen und in die +Glieder verschiedener Gewalten teilte; teils dass diese Massen die +_Gedankendinge_ einer gesonderten gesetzgebenden, richterlichen und +ausuebenden _Gewalt_ waeren, teils aber die _realen Wesen_, die sich in +der realen Welt der Bildung ergaben, und indem der Inhalt des +allgemeinen Tuns naeher beachtet wuerde, die besondern Massen des +Arbeitens, welche weiter als speziellere _Staende_ unterschieden +werden.--Die allgemeine Freiheit, die sich auf diese Weise in ihre +Glieder gesondert, und ebendadurch zur _seienden_ Substanz gemacht +haette, waere dadurch frei von der einzelnen Individualitaet und teilte +die _Menge_ der _Individuen_ unter ihre verschiedenen Glieder. Das +Tun und Sein der Persoenlichkeit faende sich aber dadurch auf einen +Zweig des Ganzen, auf eine Art des Tuns und Seins beschraenkt; in das +Element des _Seins_ gesetzt, erhielte sie die Bedeutung einer +_bestimmten_; sie hoerte auf, in Wahrheit allgemeines Selbstbewusstsein +zu sein. Dieses laesst sich dabei nicht durch die _Vorstellung_ des +Gehorsams unter _selbstgegebenen_ Gesetzen, die ihm einen Teil +zuwiesen, noch durch seine _Repraesentation_ beim Gesetzgeben und +allgemeinen Tun um die _Wirklichkeit_ betriegen,--nicht um die +Wirklichkeit, _selbst_ das Gesetz zu geben, und nicht ein einzelnes +Werk, sondern das Allgemeine _selbst_ zu vollbringen; denn wobei das +Selbst nur _repraesentiert_ und _vorgestellt_ ist, da ist es nicht +_wirklich_; wo es _vertreten_ ist, ist es nicht. + +Wie in diesem _allgemeinen Werke_ der absoluten Freiheit als +daseiender Substanz sich das einzelne Selbstbewusstsein nicht findet, +ebensowenig in eigentlichen _Taten_ und _individuellen_ Handlungen +ihres Willens. Dass das Allgemeine zu einer Tat komme, muss es sich in +das Eins der Individualitaet zusammennehmen, und ein einzelnes +Selbstbewusstsein an die Spitze stellen; denn der allgemeine Willen +ist nur in einem Selbst, das Eines ist, _wirklicher_ Willen. Dadurch +aber sind _alle andern Einzelnen_ von dem _Ganzen_ dieser Tat +ausgeschlossen, und haben nur einen beschraenkten Anteil an ihr, so +dass die Tat nicht Tat des _wirklichen allgemeinen_ Selbstbewusstseins +sein wuerde.--Kein positives Werk noch Tat kann also die allgemeine +Freiheit hervorbringen; es bleibt ihr nur das _negative Tun_; sie ist +nur die _Furie_ des Verschwindens. + +Aber die hoechste und der allgemeinen Freiheit entgegengesetzteste +Wirklichkeit oder vielmehr der einzige Gegenstand, der fuer sie noch +wird, ist die Freiheit und Einzelnheit des wirklichen +Selbstbewusstseins selbst. Denn jene Allgemeinheit, die sich nicht zu +der Realitaet der organischen Gegliederung kommen laesst, und in der +ungeteilten Kontinuitaet sich zu erhalten den Zweck hat, unterscheidet +sich in sich zugleich, weil sie Bewegung oder Bewusstsein ueberhaupt +ist. Und zwar um ihrer eignen Abstraktion willen trennt sie sich in +ebenso abstrakte Extreme, in die einfache unbiegsam kalte +Allgemeinheit, und in die diskrete absolute harte Sproedigkeit und +eigensinnige Punktualitaet des wirklichen Selbstbewusstseins. Nachdem +sie mit der Vertilgung der realen Organisation fertig geworden und +nun fuer sich besteht, ist dies ihr einziger Gegenstand--ein +Gegenstand, der keinen andern Inhalt, Besitz, Dasein und aeusserliche +Ausdehnung mehr hat, sondern er ist nur dies Wissen von sich als +absolut reinem und freiem einzelnem Selbst. An was er erfasst werden +kann, ist allein sein _abstraktes_ Dasein ueberhaupt.--Das Verhaeltnis +also dieser beiden, da sie unteilbar absolut fuer sich sind, und also +keinen Teil in die Mitte schicken koennen, wodurch sie sich +verknuepften, ist die ganz _unvermittelte_ reine Negation; und zwar +die Negation des Einzelnen als _Seienden_ in dem Allgemeinen. Das +einzige Werk und Tat der allgemeinen Freiheit ist daher der _Tod_, +und zwar ein _Tod_, der keinen innern Umfang und Erfuellung hat, denn +was negiert wird, ist der unerfuellte Punkt des absolut freien Selbsts; +er ist also der kaelteste, platteste Tod, ohne mehr Bedeutung als das +Durchhauen eines Kohlhaupts oder ein Schluck Wassers. + +In der Plattheit dieser Silbe besteht die Weisheit der Regierung, der +Verstand des allgemeinen Willens, sich zu vollbringen. Die Regierung +ist selbst nichts anders als der sich festsetzende Punkt oder die +Individualitaet des allgemeinen Willens. Sie, ein Wollen und +Vollbringen, das aus einem Punkte ausgeht, will und vollbringt +zugleich eine bestimmte Anordnung und Handlung. Sie schliesst damit +einerseits die uebrigen Individuen aus ihrer Tat aus, andererseits +konstituiert sie sich dadurch als eine solche, die ein bestimmter +Willen und dadurch dem allgemeinen Willen entgegengesetzt ist; sie +kann daher schlechterdings nicht anders denn als eine _Faktion_ sich +darstellen. Die _siegende_ Faktion nur heisst Regierung, und eben +darin, dass sie Faktion ist, liegt unmittelbar die Notwendigkeit ihres +Untergangs; und dass sie Regierung ist, dies macht sie umgekehrt zur +Faktion und schuldig. Wenn der allgemeine Willen sich an ihr +wirkliches Handeln als an das Verbrechen haelt, das sie gegen ihn +begeht, so hat sie dagegen nichts Bestimmtes und Aeusseres, wodurch die +Schuld des ihr entgegengesetzten Willens sich darstellte; denn ihr +als dem _wirklichen_ allgemeinen Willen steht nur der unwirkliche +reine Willen, die _Absicht_, gegenueber. _Verdaechtigwerden_ tritt +daher an die Stelle oder hat die Bedeutung und Wirkung des +_Schuldigseins_, und die aeusserliche Reaktion gegen diese Wirklichkeit, +die in dem einfachen Innern der Absicht liegt, besteht in dem +trocknen Vertilgen dieses seienden Selbsts, an dem nichts sonst +wegzunehmen ist als nur sein Sein selbst. + +In diesem ihrem eigentuemlichen _Werke_ wird die absolute Freiheit +sich zum Gegenstande, und das Selbstbewusstsein erfaehrt, was sie ist. +_An sich_ ist sie eben dies _abstrakte Selbstbewusstsein_, welches +allen Unterschied und alles Bestehen des Unterschiedes in sich +vertilgt. Als dieses ist sie sich der Gegenstand; der _Schrecken_ +des Todes ist die Anschauung dieses ihres negativen Wesens. Diese +seine Realitaet findet aber das absolut freie Selbstbewusstsein ganz +anders, als ihr Begriff von ihr selbst war, dass naemlich der +allgemeine Willen nur das _positive_ Wesen der Persoenlichkeit sei, +und diese in ihm sich nur positiv oder erhalten wisse. Sondern hier +ist fuer es, das als reine Einsicht sein positives und negatives +Wesen--das praedikatlose Absolute als reines _Denken_ und als reine +_Materie_--schlechthin trennt, der absolute _Uebergang_ von dem einen +in das andere in seiner Wirklichkeit vorhanden.--Der allgemeine +Willen, als absolut _positives_ wirkliches Selbstbewusstsein, schlaegt, +weil es diese zum _reinen_ Denken oder zur _abstrakten_ Materie +_gesteigerte_ selbstbewusste Wirklichkeit ist, in das _negative_ Wesen +um, und erweist sich ebenso _Aufheben_ des _Sich-selbst-denkens_ oder +des Selbstbewusstseins zu sein. + +Die absolute Freiheit hat also als _reine_ Sichselbstgleichheit des +allgemeinen Willens die _Negation_, damit aber _den Unterschied_ +ueberhaupt an ihr, und entwickelt diesen wieder als _wirklichen_ +Unterschied. Denn die reine _Negativitaet_ hat an dem +sichselbstgleichen allgemeinen Willen das _Element_ des _Bestehens_ +oder die _Substanz_, worin ihre Momente sich realisieren, sie hat die +Materie, welche sie in ihre Bestimmtheit verwenden kann; und insofern +diese Substanz sich als das Negative fuer das einzelne Bewusstsein +gezeigt hat, bildet sich also wieder die Organisation der geistigen +Massen aus, denen die Menge der individuellen Bewusstsein zugeteilt +wird. Diese, welche die Furcht ihres absoluten Herrn, des Todes, +empfunden, lassen sich die Negation und die Unterschiede wieder +gefallen, ordnen sich unter die Massen, und kehren zu einem geteilten +und beschraenkten Werke, aber dadurch zu ihrer substantiellen +Wirklichkeit zurueck. + +Der Geist waere aus diesem Tumulte zu seinem Ausgangspunkte, der +sittlichen und realen Welt der Bildung, zurueckgeschleudert, welche +durch die Furcht des Herrn, die wieder in die Gemueter gekommen, nur +erfrischt und verjuengt worden. Der Geist muesste diesen Kreislauf der +Notwendigkeit von neuem durchlaufen und immer wiederholen, wenn nur +die vollkommne Durchdringung des Selbstbewusstseins und der Substanz +das Resultat waere--eine Durchdringung, worin das Selbstbewusstsein, +das die gegen es negative Kraft seines allgemeinen Wesens erfahren, +sich nicht als dieses Besondre, sondern nur als Allgemeines wissen +und finden wollte, und daher auch die gegenstaendliche es als +Besonders ausschliessende Wirklichkeit des allgemeinen Geistes +ertragen koennte.--Aber in der absoluten Freiheit war nicht weder das +Bewusstsein, das in mannigfaltiges Dasein versenkt ist, oder das sich +bestimmte Zwecke und Gedanken festsetzt, noch eine _aeussere_ geltende +Welt, es sei der Wirklichkeit oder des Denkens, miteinander in +Wechselwirkung, sondern die Welt schlechthin in der Form des +Bewusstseins, als allgemeiner Willen und ebenso das Selbstbewusstsein +zusammengezogen aus allem ausgedehnten Dasein oder mannigfaltigem +Zweck und Urteil in das einfache Selbst. Die Bildung, die es in der +Wechselwirkung mit jenem Wesen erlangt, ist daher die erhabenste und +letzte, seine reine einfache Wirklichkeit unmittelbar verschwinden +und in das leere Nichts uebergehen zu sehen. In der Welt der Bildung +selbst kommt es nicht dazu, seine Negation oder Entfremdung in dieser +Form der reinen Abstraktion anzuschauen; sondern seine Negation ist +die erfuellte; entweder die Ehre oder der Reichtum, die es an die +Stelle des Selbsts, dessen es sich entfremdete, gewinnt;--oder die +Sprache des Geistes und der Einsicht, die das zerrissene Bewusstsein +erlangt; oder sie ist der Himmel des Glaubens, oder das Nuetzliche der +Aufklaerung. Alle diese Bestimmungen sind in dem Verluste, den das +Selbst in der absoluten Freiheit erfaehrt, verloren; seine Negation +ist der bedeutungslose Tod, der reine Schrecken des Negativen, das +nichts Positives, nichts Erfuellendes in ihm hat.--Zugleich aber ist +diese Negation in ihrer Wirklichkeit nicht ein _Fremdes_, sie ist +weder die allgemeine jenseits liegende _Notwendigkeit_, worin die +sittliche Welt untergeht, noch der einzelne Zufall des eignen +Besitzes oder der Laune des Besitzenden, von dem das zerrissne +Bewusstsein sich abhaengig sieht,--sondern sie ist der _allgemeine +Willen_, der in dieser seiner letzten Abstraktion nichts Positives +hat, und daher nichts fuer die Aufopferung zurueckgeben kann,--aber +eben darum ist er unvermittelt eins mit dem Selbstbewusstsein, oder er +ist das rein Positive, weil er das rein Negative ist; und der +bedeutungslose Tod, die unerfuellte Negativitaet des Selbsts schlaegt im +innern Begriffe zur absoluten Positivitaet um. Fuer das Bewusstsein +verwandelt sich die unmittelbare Einheit seiner mit dem allgemeinen +Willen, seine Foderung, sich als diesen bestimmten Punkt im +allgemeinen Willen zu wissen, in die schlechthin entgegengesetzte +Erfahrung um. Was ihm darin verschwindet, ist das abstrakte _Sein_ +oder die Unmittelbarkeit des substanzlosen Punkts, und diese +verschwundne Unmittelbarkeit ist der allgemeine Willen selbst, als +welchen es sich nun weiss, insofern es _aufgehobne Unmittelbarkeit_, +insofern es reines Wissen oder reiner Willen ist. Hiedurch weiss es +ihn als sich selbst und sich als Wesen, aber nicht als das +_unmittelbar seiende_ Wesen, weder ihn als die revolutionaere +Regierung oder als die die Anarchie zu konstituieren strebende +Anarchie, noch sich als Mittelpunkt dieser Faktion oder der ihr +entgegengesetzten, sondern der _allgemeine Willen_ ist sein _reines +Wissen und Wollen_, und _es_ ist allgemeiner Willen, als dieses reine +Wissen und Wollen. Es verliert darin nicht _sich selbst_, denn das +reine Wissen und Wollen ist vielmehr es, als der atome Punkt des +Bewusstseins. Es ist also die Wechselwirkung des reinen Wissens mit +sich selbst; das reine _Wissen_ als _Wesen_ ist der allgemeine Willen; +aber dieses _Wesen_ ist schlechthin nur das reine Wissen. Das +Selbstbewusstsein ist also das reine Wissen von dem Wesen als reinem +Wissen. Es ferner als _einzelnes Selbst_ ist nur die Form des +Subjekts oder wirklichen Tuns, die von ihm als _Form_ gewusst wird; +ebenso ist fuer es die _gegenstaendliche_ Wirklichkeit, das _Sein_, +schlechthin selbstlose Form; denn sie waere das nicht gewusste; dies +Wissen aber weiss das Wissen als das Wesen. + +Die absolute Freiheit hat also den Gegensatz des allgemeinen und +einzelnen Willens mit sich selbst ausgeglichen; der sich entfremdete +Geist, auf die Spitze seines Gegensatzes getrieben, in welchem das +reine Wollen und das rein Wollende noch unterschieden sind, setzt ihn +zur durchsichtigen Form herab, und findet darin sich selbst.--Wie das +Reich der wirklichen Welt in das Reich des Glaubens und der Einsicht +uebergeht, so geht die absolute Freiheit aus ihrer sich selbst +zerstoerenden Wirklichkeit in ein anderes Land des selbstbewussten +Geistes ueber, worin sie in dieser Unwirklichkeit als das Wahre gilt, +an dessen Gedanken er sich labt, insofern er _Gedanke_ ist und bleibt, +und dieses in das Selbstbewusstsein eingeschlossene Sein als das +vollkommne und vollstaendige Wesen weiss. Es ist die neue Gestalt des +_moralischen Geistes_ entstanden. + + +C. Der seiner selbst gewisse Geist.Die Moralitaet + +Die sittliche Welt zeigte den in ihr nur abgeschiednen Geist, _das +einzelne Selbst_, als ihr Schicksal und ihre Wahrheit. Diese +_Person_ des _Rechts_ aber hat ihre Substanz und Erfuellung ausser ihr. +Die Bewegung der Welt der Bildung und des Glaubens hebt diese +Abstraktion der Person auf, und durch die vollendete Entfremdung, +durch die hoechste Abstraktion, wird dem Selbst des Geistes die +Substanz zuerst zum _allgemeinen Willen_, und endlich zu seinem +Eigentum. Hier also scheint das Wissen endlich seiner Wahrheit +vollkommen gleich geworden zu sein; denn seine Wahrheit ist dies +Wissen selbst, und aller Gegensatz beider Seiten verschwunden; und +zwar nicht _fuer uns_, oder _an sich_, sondern fuer das +Selbstbewusstsein selbst. Es ist naemlich ueber den Gegensatz des +Bewusstseins selbst Meister geworden. Dieses beruht auf dem +Gegensatze der Gewissheit seiner selbst und des Gegenstandes; nun aber +ist der Gegenstand ihm selbst die Gewissheit seiner, das Wissen--so +wie die Gewissheit seiner selbst als solche nicht mehr eigne Zwecke +hat, also nicht mehr in der Bestimmtheit, sondern reines Wissen ist. + +Das Wissen des Selbstbewusstseins ist ihm also die _Substanz_ selbst. +Sie ist fuer es ebenso _unmittelbar_ als absolut _vermittelt_ in einer +ungetrennten Einheit. _Unmittelbar_--wie das sittliche Bewusstsein +weiss und tut es selbst die Pflicht und gehoert ihr als seiner Natur an; +aber es ist nicht _Charakter_, wie dieses, das um seiner +Unmittelbarkeit willen ein bestimmter Geist ist, nur einer der +sittlichen Wesenheiten angehoert, und die Seite hat, _nicht zu wissen_. +--Es ist _absolute Vermittlung_, wie das sich bildende und das +glaubende Bewusstsein; denn es ist wesentlich die Bewegung des Selbsts, +die Abstraktion des _unmittelbaren Daseins_ aufzuheben und sich +Allgemeines zu werden;--aber weder durch reine Entfremdung und +Zerreissung seines Selbsts und der Wirklichkeit, noch durch die Flucht. +Sondern es ist sich _unmittelbar_ in seiner Substanz _gegenwaertig_, +denn sie ist sein Wissen, sie ist die angeschaute reine Gewissheit +seiner selbst; und eben _diese Unmittelbarkeit_, die seine eigne +Wirklichkeit ist, ist alle Wirklichkeit, denn das Unmittelbare ist +das _Sein_ selbst, und als die reine durch die absolute Negativitaet +gelaeuterte Unmittelbarkeit ist sie reines, ist sie Sein ueberhaupt +oder _alles_ Sein. + +Das absolute Wesen ist daher nicht in der Bestimmung erschoepft, das +einfache _Wesen_ des _Denkens_ zu sein, sondern es ist alle +_Wirklichkeit_, und diese Wirklichkeit ist nur als Wissen; was das +Bewusstsein nicht wuesste, haette keinen Sinn und kann keine Macht fuer es +sein; in seinen wissenden Willen hat sich alle Gegenstaendlichkeit und +Welt zurueckgezogen. Es ist absolut frei, darin, dass es seine +Freiheit weiss, und eben dies Wissen seiner Freiheit ist seine +Substanz und Zweck und einziger Inhalt. + + +a. Die moralische Weltanschauung + +Das Selbstbewusstsein weiss die Pflicht als das absolute Wesen; es ist +nur durch sie gebunden, und diese Substanz ist sein eignes reines +Bewusstsein; die Pflicht kann nicht die Form eines Fremden fuer es +erhalten. So aber in sich selbst beschlossen ist das moralische +Selbstbewusstsein noch nicht als _Bewusstsein_ gesetzt und betrachtet. +Der Gegenstand ist unmittelbares Wissen, und so rein von dem Selbst +durchdrungen ist er nicht Gegenstand. Aber wesentlich die +Vermittlung und Negativitaet, hat es in seinem Begriffe die Beziehung +auf ein _Anderssein_, und ist Bewusstsein. Dies Anderssein ist +einerseits, weil die Pflicht seinen einzigen wesentlichen Zweck und +Gegenstand ausmacht, fuer es eine voellig _bedeutungslose_ Wirklichkeit. +Weil dies Bewusstsein aber so vollkommen in sich beschlossen ist, so +verhaelt es sich gegen dies Anderssein vollkommen frei und +gleichgueltig, und das Dasein ist daher andererseits ein vom +Selbstbewusstsein voellig freigelassenes, sich ebenso nur auf sich +beziehendes Dasein; je freier das Selbstbewusstsein wird, desto freier +auch der negative Gegenstand seines Bewusstseins. Er ist hiedurch +eine zur eignen Individualitaet in sich vollendete Welt, ein +selbststaendiges Ganzes eigentuemlicher Gesetze, sowie ein +selbststaendiger Gang und freie Verwirklichung derselben,--eine +_Natur_ ueberhaupt, deren Gesetze wie ihr Tun ihr selbst angehoeren, +als einem Wesen, das unbekuemmert um das moralische Selbstbewusstsein +ist, wie dieses um sie. + +Von dieser Bestimmung an bildet sich eine _moralische Weltanschauung_ +aus, die in der _Beziehung_ des _moralischen_ An- und Fuer-sich-seins +und des _natuerlichen_ An- und Fuer-sich-seins besteht. Dieser +Beziehung liegt zum Grunde sowohl die voellige _Gleichgueltigkeit_ und +eigne _Selbststaendigkeit_ der _Natur_ und der _moralischen_ Zwecke +und Taetigkeit gegeneinander, als auf der andern Seite das Bewusstsein +der alleinigen Wesenheit der Pflicht und der voelligen +Unselbststaendigkeit und Unwesenheit der Natur. Die moralische +Weltanschauung enthaelt die Entwicklung der Momente, die in dieser +Beziehung so ganz widerstreitender Voraussetzungen enthalten sind. + +Zuerst also ist das moralische Bewusstsein ueberhaupt vorausgesetzt; +die Pflicht gilt ihm als das Wesen, ihm, das _wirklich_ und _taetig_ +ist, und in seiner Wirklichkeit und Tat die Pflicht erfuellt. Fuer +dies moralische Bewusstsein ist aber zugleich die vorausgesetzte +Freiheit der Natur, oder es _erfaehrt_, dass die Natur unbekuemmert +darum ist, ihm das Bewusstsein der Einheit seiner Wirklichkeit mit der +ihrigen zu geben, und es also _vielleicht gluecklich_ werden laesst, +_vielleicht_ auch _nicht_. Das unmoralische Bewusstsein dagegen +findet vielleicht zufaelligerweise seine Verwirklichung, wo das +moralische nur _Veranlassung_ zum Handeln, aber durch dasselbe nicht +das Glueck der Ausfuehrung und des Genusses der Vollbringung ihm zuteil +werden sieht. Es findet daher vielmehr Grund zu Klagen ueber solchen +Zustand der Unangemessenheit seiner und des Daseins, und der +Ungerechtigkeit, die es darauf einschraenkt, seinen Gegenstand nur als +_reine Pflicht_ zu haben, aber ihm denselben und _sich_ verwirklicht +zu sehen versagt. + +Das moralische Bewusstsein kann nicht auf die Glueckseligkeit Verzicht +tun, und dies Moment aus seinem absoluten Zwecke weglassen. Der +Zweck, der als _reine Pflicht_ ausgesprochen wird, hat wesentlich +dies an ihm, dies _einzelne_ Selbstbewusstsein zu enthalten; die +_individuelle Ueberzeugung_ und das Wissen von ihr machten ein +absolutes Moment der Moralitaet aus. Dieses Moment an dem +_gegenstaendlich_ gewordenen _Zwecke_, an der _erfuellten_ Pflicht, ist +das sich als verwirklicht anschauende _einzelne_ Bewusstsein, oder der +_Genuss_, der hiemit im Begriffe zwar nicht unmittelbar der Moralitaet +als _Gesinnung_ betrachtet liegt, allein im Begriffe der +_Verwirklichung_ derselben. Hiedurch aber liegt er auch in ihr als +_Gesinnung_; denn diese geht darauf, nicht Gesinnung im Gegensatze +des Handelns zu bleiben, sondern zu _handeln_, oder sich zu +verwirklichen. Der Zweck als das Ganze mit dem Bewusstsein seiner +Momente ausgesprochen ist also dies, dass die erfuellte Pflicht +ebensowohl rein moralische Handlung als realisierte _Individualitaet_ +sei, und die _Natur_, als die Seite der _Einzelnheit_ gegen den +abstrakten Zweck, _eins_ sei mit diesem.--So notwendig die Erfahrung +von der Disharmonie beider Seiten ist, weil die Natur frei ist, +ebenso ist auch die Pflicht allein das Wesentliche, und die Natur +gegen sie das Selbstlose. Jener ganze _Zweck_, den die Harmonie +ausmacht, enthaelt die Wirklichkeit selbst in sich. Er ist zugleich +der _Gedanke_ der _Wirklichkeit_. Die Harmonie der Moralitaet und der +Natur oder--indem die Natur nur insofern in Betracht koemmt, als das +Bewusstsein ihre Einheit mit ihm erfaehrt--die Harmonie der Moralitaet +und der Glueckseligkeit ist _gedacht_ als notwendig _seiend_, oder sie +ist _postuliert_. Denn _Fodern_ drueckt aus, dass etwas _seiend_ +gedacht wird, das noch nicht wirklich ist; eine Notwendigkeit nicht +des _Begriffes_ als Begriffes, sondern des _Seins_. Aber die +Notwendigkeit ist zugleich wesentlich die Beziehung durch den Begriff. +Das gefoderte _Sein_ gehoert also nicht dem Vorstellen des +zufaelligen Bewusstseins an, sondern es liegt im Begriffe der Moralitaet +selbst, dessen wahrer Inhalt die _Einheit_ des _reinen_ und +_einzelnen_ Bewusstseins ist; dem letztern gehoert dies an, dass diese +Einheit _fuer es_ als eine Wirklichkeit sei, was im _Inhalte_ des +Zwecks Glueckseligkeit, in seiner _Form_ aber Dasein ueberhaupt ist. +--Dies gefoderte Dasein oder die Einheit beider ist darum nicht ein +Wunsch oder, als Zweck betrachtet, nicht ein solcher, dessen +Erreichung noch ungewiss waere, sondern er ist eine Foderung der +Vernunft, oder unmittelbare Gewissheit und Voraussetzung derselben. + +Jene erste Erfahrung und dies Postulat ist nicht das einzige, sondern +es tut sich ein ganzer Kreis von Postulaten auf. Die Natur ist +naemlich nicht nur diese ganz freie _aeusserliche_ Weise, in welcher als +einem reinen Gegenstande das Bewusstsein seinen Zweck zu realisieren +haette. Dieses ist _an ihm selbst_ wesentlich ein solches, _fuer +welches_ dies andere freie Wirkliche ist, d.h. es ist selbst ein +zufaelliges und natuerliches. Diese Natur, die ihm die seinige ist, +ist die _Sinnlichkeit_, die in der _Gestalt_ des Wollens, als +_Triebe_ und _Neigungen_, fuer sich eigene _bestimmte_ Wesenheit oder +_einzelne Zwecke_ hat, also dem reinen Willen und seinem reinen +Zwecke entgegengesetzt ist. Gegen diese Entgegensetzung aber ist dem +reinen Bewusstsein vielmehr die Beziehung der Sinnlichkeit auf es, +ihre absolute Einheit mit ihm das Wesen. Beides, das reine Denken +und die Sinnlichkeit des Bewusstseins, sind _an sich Ein Bewusstsein_, +und das reine Denken ist eben dieses, fuer welches und in welchem +diese reine Einheit ist; fuer es aber als Bewusstsein ist der Gegensatz +seiner selbst und der Triebe. In diesem Widerstreit der Vernunft und +der Sinnlichkeit ist fuer jene dies das Wesen, dass er sich aufloese, +und als _Resultat die_ Einheit beider hervorgehen die nicht jene +_urspruengliche_, dass beide in _einem_ Individuum sind, sondern eine +solche ist, die aus dem _gewussten_ Gegensatze beider hervorgeht. +Solche Einheit erst ist die _wirkliche_ Moralitaet, denn in ihr ist +der Gegensatz, wodurch das Selbst Bewusstsein oder erst wirkliches und +in der Tat Selbst und zugleich Allgemeines ist, enthalten; oder es +ist diejenige _Vermittlung_ darin ausgedrueckt, welche der Moralitaet, +wie wir sehen, wesentlich ist.--Indem unter den beiden Momenten des +Gegensatzes die Sinnlichkeit schlechthin das _Anderssein_ oder das +Negative, hingegen das reine Denken der Pflicht das Wesen ist, von +welchem nichts aufgegeben werden kann, so scheint die hervorgebrachte +Einheit nur durch das Aufheben der Sinnlichkeit zustande kommen zu +koennen. Da sie aber selbst Moment dieses Werdens, das Moment der +_Wirklichkeit_ ist, so wird man sich fuer die Einheit zunaechst mit dem +Ausdrucke begnuegen muessen, dass die Sinnlichkeit der Moralitaet _gemaess_ +sei.--Diese Einheit ist gleichfalls ein _postuliertes Sein_, sie +_ist_ nicht _da_; denn was _da ist_, ist das Bewusstsein, oder der +Gegensatz der Sinnlichkeit und des reinen Bewusstseins. Sie ist aber +zugleich nicht ein An-sich wie das erste Postulat, worin die freie +Natur eine Seite ausmacht, und die Harmonie derselben mit dem +moralischen Bewusstsein daher ausser diesem faellt; sondern die Natur +ist hier diejenige, welche an ihm selbst, und es ist hier um die +Moralitaet als solche zu tun, um eine Harmonie, welche die eigne des +tuenden Selbsts ist; das Bewusstsein hat sie daher selbst zustande zu +bringen, und in der Moralitaet immer Fortschritte zu machen. Die +_Vollendung_ derselben aber ist ins _Unendliche hinauszuschieben_; +denn wenn sie wirklich eintraete, so hoebe sich das moralische +Bewusstsein auf. Denn die _Moralitaet_ ist nur moralisches +_Bewusstsein_ als das negative Wesen, fuer dessen reine Pflicht die +Sinnlichkeit nur eine _negative_ Bedeutung, nur _nicht gemaess_ ist. +In der Harmonie aber verschwindet die _Moralitaet_ als _Bewusstsein_ +oder ihre _Wirklichkeit_, wie in dem moralischen _Bewusstsein_ oder +der Wirklichkeit ihre _Harmonie_ verschwindet. Die Vollendung ist +darum nicht wirklich zu erreichen, sondern nur als eine _absolute +Aufgabe_ zu denken, das heisst als eine solche, welche schlechthin +Aufgabe bleibt. Zugleich ist jedoch ihr Inhalt als ein solcher zu +denken, der schlechthin _sein_ muesse, und nicht Aufgabe bleibe; es +sei nun, dass man sich in diesem Ziele das Bewusstsein ganz aufgehoben, +oder auch nicht, vorstelle; wie es eigentlich damit zu halten, laesst +sich in der dunkeln Ferne der Unendlichkeit, wohin eben deswegen die +Erreichung des Ziels zu schieben ist, nicht mehr deutlich +unterscheiden. Es wird eigentlich gesagt werden muessen, dass die +bestimmte Vorstellung nicht interessieren und nicht gesucht werden +soll, weil dies auf Widersprueche fuehrt,--einer Aufgabe, die Aufgabe +bleiben und doch erfuellt werden, einer Moralitaet, die nicht +Bewusstsein, nicht wirklich mehr sein soll. Durch die Betrachtung +aber, dass die vollendete Moralitaet einen Widerspruch enthielte, wurde +die Heiligkeit der Moralischen Wesenheit leiden, und die absolute +Pflicht als etwas Unwirkliches erscheinen. + +Das erste Postulat war die Harmonie der Moralitaet und der +gegenstaendlichen Natur, der Endzweck der _Welt_; das andere die +Harmonie der Moralitaet und des sinnlichen Willens, der Endzweck des +_Selbstbewusstseins_ als solchen; das erste also die Harmonie in der +Form des _An-sich_-, das andere in der Form des _Fuer-sich-seins_. +Was aber diese beiden extremen Endzwecke, die gedacht sind, als Mitte +verbindet, ist die Bewegung des _wirklichen_ Handelns selbst. Sie +sind Harmonien, deren Momente in ihrer abstrakten Unterschiedenheit +noch nicht zum Gegenstande geworden; dies geschieht in der +Wirklichkeit, worin die Seiten im eigentlichen Bewusstsein, jede als +die _andre_ der andern auftritt. Die hiedurch entstehenden Postulate +enthalten, wie vorher nur die getrennten _an sich_ und _fuer sich +seiende_ Harmonien, itzt _an und fuer sich_ seiende. + +Das moralische Bewusstsein ist als das _einfache Wissen_ und _Wollen_ +der reinen _Pflicht_ im Handeln auf den seiner Einfachheit +entgegengesetzten Gegenstand--auf die Wirklichkeit des +_mannigfaltigen Falles_ bezogen, und hat dadurch ein mannigfaltiges +moralisches _Verhaeltnis_. Es entstehen hier dem Inhalte nach die +_vielen_ Gesetze ueberhaupt, und der Form nach die widersprechenden +Maechte des wissenden Bewusstseins und des Bewusstlosen.--Was fuers erste +die _vielen Pflichten_ betrifft, so gilt dem moralischen Bewusstsein +ueberhaupt nur die _reine Pflicht_ in ihnen; die _vielen Pflichten_ +als viele sind _bestimmte_ und daher als solche fuer das moralische +Bewusstsein nichts Heiliges. Zugleich aber durch den Begriff des +_Handelns_, das eine mannigfaltige Wirklichkeit und daher eine +mannigfaltige moralische Beziehung in sich schliesst, _notwendig_, +muessen sie als an und fuer sich seiend betrachtet werden. Da sie +ferner nur in einem moralischen _Bewusstsein_ sein koennen, sind sie +zugleich in einem andern als jenem, dem nur die reine Pflicht als die +reine an und fuer sich und heilig ist. + +Es ist also postuliert, dass ein _anderes_ Bewusstsein sei, welches sie +heiligt, oder welches sie als Pflichten weiss und will. Das erste +erhaelt die reine Pflicht _gleichgueltig_ gegen allen _bestimmten +Inhalt_, und die Pflicht ist nur diese Gleichgueltigkeit gegen ihn. +Das andere aber enthaelt die ebenso wesentliche Beziehung auf das +Handeln und die _Notwendigkeit_ des _bestimmten_ Inhalts; indem ihm +die Pflichten als _bestimmte_ Pflichten gelten, so ist ihm damit der +Inhalt als solcher ebenso wesentlich als die Form, wodurch er Pflicht +ist. Dies Bewusstsein ist hiedurch ein solches, worin das Allgemeine +und das Besondere schlechthin eins ist, sein Begriff also derselbe +als der Begriff der Harmonie der Moralitaet und Glueckseligkeit. Denn +dieser Gegensatz drueckt ebenso die Trennung des _sich selbst +gleichen_ moralischen Bewusstseins von der Wirklichkeit aus, die als +das _vielfache Sein_ dem einfachen Wesen der Pflicht widerstreitet. +Wenn aber das erste Postulat nur die _seiende_ Harmonie der Moralitaet +und der Natur ausdrueckt, weil die Natur darin dies Negative des +Selbstbewusstseins, das Moment des _Seins_ ist, so ist hingegen itzt +dies _An-sich_ wesentlich als Bewusstsein gesetzt. Denn das Seiende +hat nun die Form des _Inhalts_ der _Pflicht_, oder ist die +_Bestimmtheit_ an der _bestimmten Pflicht_. Das An-sich ist also die +Einheit solcher, welche als _einfache Wesenheiten_, Wesenheiten des +Denkens, und daher nur in einem Bewusstsein sind. Dieses ist also +nunmehr ein Herr und Beherrscher der Welt, der die Harmonie der +Moralitaet und der Glueckseligkeit hervorbringt, und zugleich die +Pflichten als _viele_ heiligt. Das letztere heisst soviel, dass dem +Bewusstsein der _reinen Pflicht_ die bestimmte nicht unmittelbar +heilig sein kann; weil sie aber um des wirklichen Handelns, das ein +bestimmtes ist, gleichfalls _notwendig_ ist, so faellt ihre +Notwendigkeit ausser jenem Bewusstsein in ein anderes, das somit das +vermittelnde der bestimmten und reinen Pflicht und der Grund ist, dass +jene auch gilt. + +In der wirklichen Handlung aber verhaelt sich das Bewusstsein als +dieses Selbst, als ein vollkommen einzelnes; es ist auf die +Wirklichkeit als solche gerichtet, und hat sie zum Zwecke; denn es +will vollbringen. Es faellt also die _Pflicht ueberhaupt_ ausser es in +ein anderes Wesen, das Bewusstsein und der heilige Gesetzgeber der +reinen Pflicht ist. Dem handelnden, eben weil es handelndes ist, +gilt das Andere der reinen Pflicht unmittelbar, diese ist also Inhalt +eines andern Bewusstseins und nur mittelbar, naemlich in diesem, jenem +heilig. + +Weil es hiemit gesetzt ist, dass das Gelten der Pflicht als des _an +und fuer sich_ Heiligen ausserhalb des wirklichen Bewusstseins faellt, so +steht dieses hiedurch ueberhaupt als das _unvollkommne_ moralische +Bewusstsein auf der einen Seite. Sowohl seinem _Wissen_ nach weiss es +sich also als ein solches, dessen Wissen und Ueberzeugung +unvollstaendig und zufaellig ist; ebenso seinem _Wollen_ nach als ein +solches, dessen Zwecke mit Sinnlichkeit affiziert sind. Um seiner +Unwuerdigkeit willen kann es daher die Glueckseligkeit nicht notwendig, +sondern als etwas Zufaelliges ansehen, und sie nur aus Gnade erwarten. + +Ob aber schon seine Wirklichkeit unvollkommen ist, so gilt doch +seinem _reinen_ Willen und Wissen die Pflicht als das Wesen; im +Begriffe, insofern er der Realitaet entgegengesetzt ist, oder im +Denken ist es also vollkommen. Das absolute Wesen aber ist eben dies +Gedachte und jenseits der Wirklichkeit Postulierte; es ist daher der +Gedanke, in welchem das moralisch unvollkommne Wissen und Wollen fuer +vollkommen gilt, hiemit auch, indem es dasselbe fuer vollwichtig nimmt, +die Glueckseligkeit nach der Wuerdigkeit, naemlich nach dem ihm +_zugeschriebenen Verdienst_ erteilt. + +Die Weltanschauung ist hierin vollendet; denn in dem Begriffe des +moralischen Selbstbewusstseins sind die beiden Seiten reine Pflicht +und Wirklichkeit in _einer_ Einheit gesetzt, und dadurch die eine wie +andre nicht als an und fuer sich seiend, sondern als _Moment_ oder als +aufgehoben. Dies wird in dem letzten Teile der moralischen +Weltanschauung fuer das Bewusstsein; die reine Pflicht naemlich setzt es +in ein andres Wesen, als es selbst ist, d.h. es setzt sie teils als +ein _Vorgestelltes_, teils als ein solches, das nicht das ist, was an +und fuer sich gilt, sondern das Nichtmoralische gilt vielmehr als +vollkommen. Ebenso sich selbst setzt es als ein solches, dessen +Wirklichkeit, die der Pflicht unangemessen ist, aufgehoben, und, als +_aufgehobne_ oder in der _Vorstellung_ des absoluten Wesens, der +Moralitaet nicht mehr widerspricht. + +Fuer das moralische Bewusstsein selbst hat jedoch seine moralische +Weltanschauung nicht die Bedeutung, dass es in ihr seinen eignen +Begriff entwickelt und ihn sich zum Gegenstande macht; es hat weder +ein Bewusstsein ueber diesen Gegensatz der Form, noch auch ueber den +Gegensatz dem Inhalte nach, dessen Teile es nicht untereinander +bezieht und vergleicht, sondern in seiner Entwicklung sich, ohne der +zusammenhaltende _Begriff_ der Momente zu sein, fortwaelzt. Denn es +weiss nur das _reine Wesen_, oder den Gegenstand, insofern er _Pflicht, +_ insofern er _abstrakter_ Gegenstand seines reinen Bewusstseins ist, +als reines Wissen oder als sich selbst. Es verhaelt sich also nur +denkend, nicht begreifend. Daher ist ihm der Gegenstand seines +_wirklichen_ Bewusstseins noch nicht durchsichtig; es ist nicht der +absolute Begriff, der allein das _Anderssein_ als solches, oder sein +absolutes Gegenteil als sich selbst erfasst. Seine eigne Wirklichkeit +sowie alle gegenstaendliche Wirklichkeit gilt ihm zwar als das +_Unwesentliche_; aber seine Freiheit ist die Freiheit des reinen +Denkens, welcher darum zugleich die Natur gegenueber als ein ebenso +Freies entstanden ist. Weil beides auf gleiche Weise in ihm ist, die +_Freiheit des Seins_ und das Eingeschlossensein desselben in das +Bewusstsein, so wird sein Gegenstand als ein _seiender_, der +_zugleich_ nur _gedacht_; in dem letzten Teile seiner Anschauung wird +der Inhalt wesentlich so gesetzt, dass sein _Sein_ ein _vorgestelltes_ +ist, und diese Verbindung des Seins und des Denkens als das +ausgesprochen, was sie in der Tat ist, das _Vorstellen_. + +Indem wir die moralische Weltanschauung so betrachten, dass diese +gegenstaendliche Weise nichts anderes ist als der Begriff des +moralischen Selbstbewusstseins selbst, den es sich gegenstaendlich +macht, so ergibt sich durch dies Bewusstsein ueber die Form ihres +Ursprungs eine andere Gestalt ihrer Darstellung.--Das erste naemlich, +wovon ausgegangen wird, ist das _wirkliche_ moralische +Selbstbewusstsein, oder dass _es ein solches gibt_. Denn der Begriff +setzt es in der Bestimmung, dass ihm alle Wirklichkeit ueberhaupt Wesen +nur insofern hat, als sie der Pflicht gemaess ist, und er setzt dies +Wesen als Wissen, d.h. in unmittelbarer Einheit mit dem wirklichen +Selbst; diese Einheit ist somit selbst wirklich, sie _ist_ ein +moralisches wirkliches Bewusstsein.--Dieses nun als Bewusstsein stellt +sich seinen Inhalt als Gegenstand vor, naemlich als _Endzweck der +Welt_, als Harmonie der Moralitaet und aller Wirklichkeit. Indem es +aber diese Einheit als _Gegenstand_ vorstellt, und noch nicht der +Begriff ist, der die Macht ueber den Gegenstand als solchen hat, so +ist sie ihm ein Negatives des Selbstbewusstseins, oder sie faellt ausser +ihm, als ein Jenseits seiner Wirklichkeit, aber zugleich als ein +solches, das _auch_ als _seiend_, aber nur gedacht wird. + +Was ihm, das als Selbstbewusstsein ein _anderes_ denn der Gegenstand +ist, hiemit uebrig bleibt, ist die Nichtharmonie des +Pflichtbewusstseins und der Wirklichkeit, und zwar seiner eignen. Der +Satz lautet hiemit itzt so: _es gibt kein moralisch vollendetes +wirkliches_ Selbstbewusstsein;--und da das Moralische ueberhaupt nur +ist, insofern es vollendet ist, denn die Pflicht ist das _reine_ +unvermischte _An-sich_, und die Moralitaet besteht nur in der +Angemessenheit zu diesem Reinen, so heisst der zweite Satz ueberhaupt +so, dass es _kein moralisch Wirkliches_ gibt. + +Indem es aber drittens _ein_ Selbst ist, so ist es _an sich_ die +Einheit der Pflicht und der Wirklichkeit; diese Einheit wird ihm also +Gegenstand, als die vollendete Moralitaet,--aber als ein _Jenseits_ +seiner Wirklichkeit,--aber das doch wirklich sein soll. + +In diesem Ziele der synthetischen Einheit der beiden ersten Saetze ist +die selbstbewusste Wirklichkeit sowohl als die Pflicht nur als +aufgehobnes Moment gesetzt; denn keines ist einzeln, aber sie, in +deren wesentlichen Bestimmung ist, _frei von dem andern_ zu sein, +sind somit jedes in der Einheit nicht mehr frei von dem andern, also +jedes aufgehoben, und somit werden sie dem Inhalt nach als solche +Gegenstand, deren _jedes fuer das andre gilt_, und der Form nach, so +dass diese Austauschung derselben zugleich nur _vorgestellt_ ist. +--Oder das _wirklich nicht_ Moralische, weil es ebenso reines Denken +und ueber seine Wirklichkeit erhaben ist, ist in der Vorstellung doch +moralisch, und wird fuer vollgueltig genommen. Es wird hiedurch der +erste Satz, dass es ein moralisches Selbstbewusstsein gibt, hergestellt, +aber verbunden mit dem zweiten, dass es keines _gibt_, naemlich es +_gibt_ eines, aber nur in der Vorstellung; oder es gibt zwar keines, +aber es wird von einem andern doch dafuer gelten gelassen. + + +b. Die Verstellung + +In der moralischen Weltanschauung sehen wir einesteils das Bewusstsein +_selbst_ seinen Gegenstand mit _Bewusstsein erzeugen_; wir sehen es +denselben weder als ein Fremdes vorfinden, noch auch ihn bewusstlos +ihm werden, sondern es verfaehrt ueberall nach einem Grunde, aus +welchem es das _gegenstaendliche Wesen setzt_; es weiss dasselbe also +als sich selbst, denn es weiss sich als das _taetige_, das es erzeugt. +Es scheint somit hier zu seiner Ruhe und Befriedigung zu kommen, denn +diese kann es nur da finden, wo es ueber seinen Gegenstand nicht mehr +hinauszugehen braucht, weil dieser nicht mehr ueber es hinausgeht. +Auf der andern Seite aber setzt es selbst ihn vielmehr _ausser sich_ +hinaus, als ein Jenseits seiner. Aber dies Anundfuersichseiende ist +ebenso als ein solches gesetzt, das nicht frei vom Selbstbewusstsein, +sondern zum Behuf des letztern und durch dasselbe sei. + +Die moralische Weltanschauung ist daher in der Tat nichts anderes als +die Ausbildung dieses zum Grunde liegenden Widerspruchs nach seinen +verschiedenen Seiten; sie ist, um einen Kantischen Ausdruck hier, wo +er am passendsten ist, zu gebrauchen, ein _ganzes Nest_ gedankenloser +Widersprueche. Das Bewusstsein verhaelt sich in dieser Entwicklung so, +dass es ein Moment festsetzt, und von da unmittelbar zum andern +uebergeht, und das erste aufhebt; wie es aber nun dies zweite +_aufgestellt hat, verstellt_ es _auch_ dasselbe wieder, und macht +vielmehr das Gegenteil zum Wesen. Zugleich ist es sich seines +Widerspruches und _Verstellens auch_ bewusst, denn es geht von einem +Momente _unmittelbar_ in _Beziehung auf dieses selbst_ zu dem +entgegengesetzten ueber; _weil_ ein Moment keine Realitaet fuer es hat, +setzt es eben dasselbe als _reell_, oder, was dasselbe ist, um _ein +Moment_ als an sich seiend zu behaupten, behauptet es das +_entgegengesetzte_ als das ansichseiende. Es bekennt damit, dass es +ihm in der Tat mit keinem derselben Ernst ist. Dies ist in den +Momenten dieser schwindelnden Bewegung naeher zu betrachten. + +Lassen wir die Voraussetzung, dass es ein wirkliches moralisches +Bewusstsein gibt, zuerst auf sich beruhen, weil sie unmittelbar nicht +in Beziehung auf etwas Vorhergehendes gemacht wird, und wenden uns an +die Harmonie der Moralitaet und der Natur, das erste Postulat. Sie +soll _an sich_ sein, nicht fuer das wirkliche Bewusstsein, nicht +gegenwaertig, sondern die Gegenwart ist vielmehr nur der Widerspruch +beider. In der Gegenwart ist die _Moralitaet_ als _vorhanden_ +angenommen, und die Wirklichkeit so gestellt, dass sie nicht in +Harmonie mit ihr sei. Das _wirkliche_ moralische Bewusstsein aber ist +ein _handelndes_; darin besteht eben die Wirklichkeit seiner +Moralitaet. Im _Handeln_ selbst aber ist jene Stellung unmittelbar +verstellt; denn das Handeln ist nichts anderes als die Verwirklichung +des innern moralischen Zwecks, nichts anderes, als die Hervorbringung +einer durch den _Zweck bestimmten Wirklichkeit_, oder der Harmonie +des moralischen Zwecks und der Wirklichkeit selbst. Zugleich ist die +Vollbringung der Handlung fuer das Bewusstsein, sie ist die _Gegenwart_ +dieser Einheit der Wirklichkeit und des Zweckes; und weil in der +vollbrachten Handlung das Bewusstsein sich als dieses Einzelne +verwirklicht, oder das Dasein in es zurueckgekehrt anschaut, und der +Genuss hierin besteht, so ist in der Wirklichkeit des moralischen +Zwecks zugleich auch diejenige Form derselben enthalten, welche Genuss +und Glueckseligkeit genannt wird.--Das Handeln erfuellt also in der Tat +unmittelbar dasjenige, was nicht stattzufinden aufgestellt war, und +nur ein Postulat, nur Jenseits sein sollte. Das Bewusstsein spricht +es also durch die Tat aus, dass es mit dem Postulieren nicht Ernst ist, +weil der Sinn des Handelns vielmehr dieser ist, das zur Gegenwart zu +machen, was nicht in der Gegenwart sein sollte. Und indem um des +Handelns willen die Harmonie postuliert wird--was naemlich durch das +Handeln _wirklich_ werden soll, muss _an sich_ so sein, sonst waere die +Wirklichkeit nicht _moeglich_--, so ist der Zusammenhang des Handelns +und des Postulats so beschaffen, dass um des Handelns, d.h. um der +_wirklichen_ Harmonie des Zwecks und der Wirklichkeit willen diese +Harmonie als _nicht wirklich_, als _jenseits_, gesetzt wird. + +Indem _gehandelt_ wird, ist es also mit der _Unangemessenheit_ des +Zwecks und der Wirklichkeit ueberhaupt nicht Ernst; dagegen scheint es +mit dem _Handeln_ selbst Ernst zu sein. Aber in der Tat ist die +wirkliche Handlung nur Handlung des _einzelnen_ Bewusstseins, also +selbst nur etwas Einzelnes und das Werk zufaellig. Der Zweck der +Vernunft aber als der allgemeine, alles umfassende Zweck ist nichts +Geringeres als die ganze Welt; ein Endzweck, der weit ueber den Inhalt +dieser einzelnen Handlung hinausgeht, und daher ueberhaupt ueber alles +wirkliche Handeln hinauszustellen ist. Weil das allgemeine Beste +ausgefuehrt werden soll, wird nichts Gutes getan. In der Tat aber ist +die _Nichtigkeit_ des wirklichen Handelns, und die _Realitaet_ nur des +_ganzen_ Zwecks, die itzt aufgestellt sind, nach allen Seiten auch +wieder verstellt. Die moralische Handlung ist nicht etwas Zufaelliges +und Beschraenktes, denn sie hat die reine _Pflicht_ zu ihrem Wesen; +diese macht den _einzigen ganzen_ Zweck aus; und die Handlung also +als Verwirklichung desselben ist bei aller sonstigen Beschraenkung des +Inhalts die Vollbringung des ganzen absoluten Zwecks. Oder wenn +wieder die Wirklichkeit als Natur, die ihre _eignen_ Gesetze hat und +der reinen Pflicht entgegengesetzt ist, genommen wird, so dass also +die Pflicht ihr Gesetz nicht in ihr realisieren kann, so ist es, +indem die Pflicht als solche das Wesen ist, in der Tat _nicht um die +Vollbringung_ der reinen Pflicht, welche der ganze Zweck ist, zu tun; +denn die Vollbringung haette vielmehr nicht die reine Pflicht, sondern +das ihr Entgegengesetzte, die _Wirklichkeit_, zum Zwecke. Aber dass +es nicht um die Wirklichkeit zu tun sei, ist wieder verstellt; denn +nach dem Begriffe des moralischen Handelns ist die reine Pflicht +wesentlich _taetiges_ Bewusstsein; es soll also allerdings gehandelt, +die absolute Pflicht in der ganzen Natur ausgedrueckt und das +Moralgesetz Naturgesetz werden. + +Lassen wir also dieses _hoechste Gut_ als das Wesen gelten, so ist es +dem Bewusstsein mit der Moralitaet ueberhaupt nicht Ernst. Denn in +diesem hoechsten Gute hat die Natur nicht ein anderes Gesetz, als die +Moralitaet hat. Somit faellt das moralische Handeln selbst hinweg, +denn das Handeln ist nur unter der Voraussetzung eines Negativen, das +durch die Handlung aufzuheben ist. Ist aber die Natur dem +Sittengesetze gemaess, so wuerde ja dieses durch das Handeln, durch das +Aufheben des Seienden verletzt.--Es wird also in jener Annahme als +der wesentliche Zustand ein solcher eingestanden, worin das +moralische Handeln ueberfluessig ist, und gar nicht stattfindet. Das +Postulat der Harmonie der Moralitaet und der Wirklichkeit--einer +Harmonie, die durch den Begriff des moralischen Handelns, beide in +Uebereinstimmung zu bringen, gesetzt ist--drueckt sich also auch von +dieser Seite so aus: weil das moralische Handeln der absolute Zweck +ist, so ist der absolute Zweck, dass das moralische Handeln gar nicht +vorhanden sei. + +Stellen wir diese Momente, durch die das Bewusstsein sich in seinem +moralischen Vorstellen fortwaelzte, zusammen, so erhellt, dass es jedes +wieder in seinem Gegenteile aufhebt. Es geht davon aus, dass _fuer es_ +die Moralitaet und Wirklichkeit nicht harmoniere, aber es ist ihm +damit nicht Ernst, denn in der Handlung ist _fuer es_ die Gegenwart +dieser Harmonie. Es ist ihm aber auch mit diesem _Handeln_, da es +etwas Einzelnes ist, nicht Ernst; denn es hat einen so hohen Zweck, +_das hoechste Gut_. Dies ist aber wieder nur eine Verstellung der +Sache, denn darin fiele alles Handeln und alle Moralitaet hinweg. Oder +es ist ihm eigentlich mit dem _moralischen_ Handeln nicht Ernst, +sondern das Wuenschenswerteste, Absolute ist, dass das hoechste Gut +ausgefuehrt und das moralische Handeln ueberfluessig waere. + +Von diesem Resultate muss das Bewusstsein in seiner widersprechenden +Bewegung sich weiter fortwaelzen, und das _Aufheben_ des moralischen +Handelns notwendig wieder verstellen. Die Moralitaet ist das An-sich; +dass sie statthabe, kann der Endzweck der Welt nicht ausgefuehrt sein, +sondern das moralische Bewusstsein muss _fuer sich_ sein, und eine ihm +_entgegengesetzte Natur_ vorfinden. Aber es an ihm selbst muss +vollendet sein. Dies fuehrt zum zweiten Postulate der Harmonie seiner +und der Natur, welche an ihm unmittelbar ist, der Sinnlichkeit. Das +moralische Selbstbewusstsein stellt seinen Zweck als rein, als von +Neigungen und Trieben unabhaengig auf, so dass er die Zwecke der +Sinnlichkeit in sich vertilgt hat.--Allein diese aufgestellte +Aufhebung des sinnlichen Wesens verstellt es wieder. Es handelt, +bringt seinen Zweck zur Wirklichkeit, und die selbstbewusste +Sinnlichkeit, welche aufgehoben sein soll, ist gerade diese Mitte +zwischen dem reinen Bewusstsein und der Wirklichkeit,--sie ist das +Werkzeug des erstern zu seiner Verwirklichung oder das Organ, und das, +was Trieb, Neigung genannt wird. Es ist daher nicht Ernst mit dem +Aufheben der Neigungen und Triebe, denn eben sie sind das _sich +verwirklichende Selbstbewusstsein_. Aber sie sollen auch nicht +_unterdrueckt_, sondern der Vernunft nur _gemaess_ sein. Sie sind ihr +auch gemaess, denn das moralische _Handeln_ ist nichts anderes als das +sich verwirklichende, also sich die Gestalt eines _Triebes_ gebende +Bewusstsein, das heisst, es ist unmittelbar die gegenwaertige Harmonie +des Triebs und der Moralitaet. Aber in der Tat ist der Trieb nicht +nur diese leere Gestalt, die eine andere Feder, als er selbst ist, in +sich haben und von ihr getrieben werden koennte. Denn die +Sinnlichkeit ist eine Natur, die ihre eigenen Gesetze und +Springfedern an ihr selbst hat; es kann der Moralitaet daher nicht +Ernst damit sein, die Triebfeder der Triebe, der Neigungswinkel der +Neigungen zu sein. Denn indem diese ihre eigne feste Bestimmtheit +und eigentuemlichen Inhalt haben, so waere vielmehr das Bewusstsein, dem +sie gemaess waeren, ihnen gemaess; eine Gemaessheit, welche sich das +moralische Selbstbewusstsein verbittet. Die Harmonie beider ist also +nur _an sich_ und _postuliert_.--In dem moralischen Handeln war +soeben die _gegenwaertige_ Harmonie der Moralitaet und der Sinnlichkeit +aufgestellt, dies aber _ist nun_ verstellt; sie ist jenseits des +Bewusstseins in einer neblichten Ferne, worin nichts mehr genau zu +unterscheiden noch zu begreifen ist; denn mit dem Begreifen dieser +Einheit, das wir soeben versuchten, ging es nicht.--In diesem An-sich +gibt aber ueberhaupt das Bewusstsein sich auf. Dieses An-sich ist +seine moralische Vollendung, worin der Kampf der Moralitaet und der +Sinnlichkeit aufgehoert hat, und die letztere der erstern auf eine +Weise gemaess ist, die nicht zu fassen ist.--Darum ist diese Vollendung +wieder nur eine Verstellung der Sache, denn in der Tat gaebe in ihr +vielmehr die _Moralitaet_ selbst sich auf, denn sie ist nur Bewusstsein +des absoluten Zwecks als des _reinen_, also im _Gegensatze_ gegen +alle andern Zwecke; sie ist ebenso die _Taetigkeit_ dieses reinen +Zwecks, als sie sich der Erhebung ueber die Sinnlichkeit, der +Einmischung derselben und ihres Gegensatzes und Kampfes mit ihr +bewusst ist.--Dass es mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist, +spricht das Bewusstsein unmittelbar selbst darin aus, dass es sie in +die _Unendlichkeit_ hinaus verstellt, das heisst, sie als niemals +vollendet behauptet. + +Vielmehr ist ihm also nur dieser Zwischenzustand der Nichtvollendung +das Gueltige; ein Zustand, der aber doch ein _Fortschreiten_ zur +Vollendung wenigstens sein soll. Allein er kann auch dies nicht sein, +denn das Fortschreiten in der Moralitaet waere vielmehr ein Zugehen +zum Untergang derselben. Das Ziel naemlich waere das obige Nichts oder +Aufheben der Moralitaet und des Bewusstseins selbst; dem Nichts aber +immer naeher und naeher kommen, heisst _abnehmen_. Ausserdem naehme +_Fortschreiten_ ueberhaupt ebenso wie _Abnehmen_ Unterschiede der +Groesse in der Moralitaet an; allein von diesen kann in ihr keine Rede +sein. In ihr als dem Bewusstsein, welchem der sittliche Zweck die +_reine_ Pflicht ist, ist an eine Verschiedenheit ueberhaupt nicht, am +wenigsten an den oberflaechlichen der Groesse zu denken; es gibt nur +_eine_ Tugend, nur _eine_ reine Pflicht, nur _eine_ Moralitaet. + + +Indem es also mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist, sondern +vielmehr mit dem Mittelzustande, d.h. wie soeben eroertert, mit der +Nichtmoralitaet, so kommen wir von einer andern Seite auf den Inhalt +des ersten Postulats zurueck. Es ist naemlich nicht abzusehen, wie +Glueckseligkeit fuer dies moralische Bewusstsein um seiner _Wuerdigkeit_ +willen zu fodern ist. Es ist seiner Nichtvollendung sich bewusst, und +kann daher die Glueckseligkeit in der Tat nicht als Verdienst, nicht +als etwas, dessen es wuerdig waere, fodern, sondern sie nur aus einer +freien Gnade, das heisst, die Glueckseligkeit als _solche_ an und fuer +sich selbst verlangen, und nicht aus jenem absoluten Grunde, sondern +nach Zufall und Willkuer erwarten.--Die Nichtmoralitaet spricht eben +hierin aus, was sie ist,--dass es nicht um die Moralitaet, sondern um +die Glueckseligkeit an und fuer sich ohne Beziehung auf jene zu tun ist. + +Durch diese zweite Seite der moralischen Weltanschauung wird auch +noch die andere Behauptung der erstern aufgehoben, worin die +Disharmonie der Moralitaet und Glueckseligkeit vorausgesetzt wird.--Es +will naemlich die Erfahrung gemacht werden, dass es in dieser Gegenwart +dem Moralischen oft schlecht, dem Unmoralischen hingegen oft +gluecklich gehe. Allein der Zwischenzustand der unvollendeten +Moralitaet, der sich als das Wesentliche ergeben hat, zeigt offenbar, +dass diese Wahrnehmung und seinsollende Erfahrung nur eine Verstellung +der Sache ist. Denn da die Moralitaet unvollendet, das heisst, die +Moralitaet in der Tat _nicht_ ist, was kann an der Erfahrung sein, dass +es ihr schlecht gehe?--Indem es zugleich herausgekommen, dass es um +die Glueckseligkeit an und fuer sich zu tun ist, so zeigt es sich, dass +bei Beurteilung, es gehe dem Unmoralischen gut, nicht ein Unrecht +gemeint war, das hier stattfinde. Die Bezeichnung eines Individuums +als eines unmoralischen faellt, indem die Moralitaet ueberhaupt +unvollendet ist, _an sich_ hinweg, hat also nur einen willkuerlichen +Grund. Der Sinn und Inhalt des Urteils der Erfahrung ist dadurch +allein dieser, dass einigen die Glueckseligkeit an und fuer sich nicht +zukommen sollte, das heisst, er ist _Neid_, der sich zum Deckmantel +die Moralitaet nimmt. Der Grund aber, warum andern das sogenannte +Glueck zuteil werden sollte, ist die gute Freundschaft, die ihnen und +sich selbst, diese Gnade, d.h. diesen Zufall _goennt_ und _wuenscht_. + +Die Moralitaet also im moralischen Bewusstsein ist unvollendet; dies +ist es, was itzt aufgestellt wird, aber es ist ihr Wesen, nur das +_vollendete Reine_ zu sein; die unvollendete Moralitaet ist daher +unrein, oder sie ist Immoralitaet. Die Moralitaet selbst ist also in +einem andern Wesen als in dem wirklichen Bewusstsein; es ist ein +heiliger moralischer Gesetzgeber.--Die im Bewusstsein _unvollendete_ +Moralitaet, welche der Grund dieses Postulierens ist, hat _zunaechst_ +die Bedeutung, dass die Moralitaet, indem sie im Bewusstsein als +_wirklich_ gesetzt wird, in der Beziehung auf ein _Anderes_, auf ein +Dasein steht, also selbst an ihr das Anderssein oder den Unterschied +erhaelt, wodurch eine vielfache Menge von moralischen Geboten entsteht. +Das moralische Selbstbewusstsein haelt aber zugleich diese _vielen_ +Pflichten fuer unwesentlich; denn es ist nur um die _eine_ reine +Pflicht zu tun, und _fuer es_ haben sie, insofern sie _bestimmte_ sind, +keine Wahrheit. Sie koennen ihre Wahrheit also nur in einem Andern +haben, und sind, was sie fuer es nicht sind, heilig durch einen +heiligen Gesetzgeber.--Allein dies ist selbst wieder nur eine +Verstellung der Sache. Denn das moralische Selbstbewusstsein ist sich +das Absolute, und Pflicht schlechthin nur das, was _es_ als Pflicht +_weiss_. Es weiss aber nur die reine Pflicht als Pflicht; was ihm +nicht heilig ist, ist an sich nicht heilig, und was an sich nicht +heilig ist, kann durch das heilige Wesen nicht geheiliget werden. Es +ist dem moralischen Bewusstsein auch ueberhaupt damit nicht Ernst, +etwas _durch ein anderes_ Bewusstsein, als es selbst ist, heiligen zu +lassen; denn es ist ihm schlechthin nur das heilig, was ihm durch +_sich selbst und in ihm_ heilig ist.--Es ist also ebensowenig damit +Ernst, dass dies andere Wesen ein heiliges sei, denn in ihm sollte +etwas zur Wesenheit gelangen, was fuer das moralische Bewusstsein, d.h. +an sich keine Wesenheit hat. + +Wenn das heilige Wesen postuliert wurde, dass in ihm die Pflicht nicht +als reine Pflicht, sondern als eine Vielheit _bestimmter_ Pflichten +ihre Gueltigkeit haette, so muss also dieses wieder verstellt, und das +andere Wesen allein insofern heilig sein, als in ihm nur _die reine +Pflicht_ Gueltigkeit hat. Die reine Pflicht hat auch in der Tat +Gueltigkeit nur in einem andern Wesen, nicht in dem moralischen +Bewusstsein. Obschon in ihm die reine Moralitaet allein zu gelten +scheint, so muss doch dieses anders gestellt werden, denn es ist +zugleich natuerliches Bewusstsein. Die Moralitaet ist in ihm von der +Sinnlichkeit affiziert und bedingt, also nicht an und fuer sich, +sondern eine Zufaelligkeit des freien _Willens_; in ihm aber als +reinem _Willen_ eine Zufaelligkeit des _Wissens_; _an und fuer sich_ +ist die Moralitaet daher in einem andern Wesen. + +Dieses Wesen ist also hier die rein vollendete Moralitaet darum, weil +sie in ihm nicht in Beziehung auf Natur und Sinnlichkeit steht. +Allein die _Realitaet_ der reinen Pflicht ist ihre _Verwirklichung_ in +Natur und Sinnlichkeit. Das moralische Bewusstsein setzt seine +Unvollkommenheit darein, dass in ihm die Moralitaet eine _positive_ +Beziehung auf die Natur und Sinnlichkeit hat, da ihm dies fuer ein +wesentliches Moment derselben gilt, dass sie schlechthin nur eine +_negative_ Beziehung darauf habe. Das reine moralische Wesen dagegen, +weil es erhaben ueber den _Kampf_ mit der Natur und Sinnlichkeit ist, +steht nicht in einer _negativen_ Beziehung darauf. Es bleibt ihm +also in der Tat nur die _positive_ Beziehung darauf uebrig, d.h. eben +dasjenige, was soeben als das Unvollendete, als das Unmoralische galt. +Die _reine Moralitaet_ aber ganz getrennt von der Wirklichkeit, so +dass sie ebensosehr ohne positive Beziehung auf diese waere, waere eine +bewusstlose, unwirkliche Abstraktion, worin der Begriff der Moralitaet, +Denken der reinen Pflicht und ein Willen und Tun zu sein, schlechthin +aufgehoben waere. Dieses so rein moralische Wesen ist daher wieder +eine Verstellung der Sache, und aufzugeben. + +In diesem rein moralischen Wesen aber naehern sich die Momente des +Widerspruchs, in welchem dies synthetische Vorstellen sich +herumtreibt, und die entgegengesetzten _Auchs_, die es, ohne diese +seine Gedanken zusammenzubringen, aufeinander folgen und ein +Gegenteil immer durch das andere abloesen laesst, so sehr, dass das +Bewusstsein hier seine moralische Weltanschauung aufgeben und in sich +zurueckfliehen muss. + +Es erkennt seine Moralitaet darum als nicht vollendet, weil es von +einer ihr entgegengesetzten Sinnlichkeit und Natur affiziert ist, +welche teils die Moralitaet selbst als solche truebt, teils eine Menge +von Pflichten entstehen macht, durch die es im konkreten Falle des +wirklichen Handeln in Verlegenheit geraet; denn jeder Fall ist die +Konkretion vieler moralischen Beziehungen, wie ein Gegenstand der +Wahrnehmung ueberhaupt ein Ding von vielen Eigenschaften ist; und +indem die _bestimmte_ Pflicht Zweck ist, hat sie einen Inhalt, und +ihr _Inhalt_ ist ein Teil des Zwecks, und die Moralitaet nicht rein. +--Diese hat also in einem andern Wesen ihre _Realitaet_. Aber diese +Realitaet heisst nichts anderes, als dass die Moralitaet hier _an_ und +_fuer sich_ sei,--_fuer sich_, d.h. Moralitaet eines _Bewusstseins_ sei, +_an sich_, das heisst, _Dasein_ und _Wirklichkeit_ habe.--In jenem +ersten unvollendeten Bewusstsein ist die Moralitaet nicht ausgefuehrt; +sie ist darin das _An-sich_ im Sinne eines _Gedankendinges_; denn sie +ist mit Natur und Sinnlichkeit, mit der Wirklichkeit des Seins und +des Bewusstseins vergesellschaftet, die ihren Inhalt ausmacht, und +Natur und Sinnlichkeit ist das moralisch Nichtige.--In dem zweiten +ist die Moralitaet als _vollendet_, und nicht als ein unausgefuehrtes +Gedankending vorhanden. Aber diese Vollendung besteht eben darin, +dass die Moralitaet in einem _Bewusstsein Wirklichkeit_, sowie _freie +Wirklichkeit_, Dasein ueberhaupt hat, nicht das Leere, sondern +erfuellte Inhaltsvolle ist;--das heisst, die Vollendung der Moralitaet +wird darin gesetzt, dass das, was soeben als das moralisch Nichtige +bestimmt wurde, in ihr und an ihr vorhanden ist. Sie soll das +einemal schlechthin nur als das unwirkliche Gedankending der reinen +Abstraktion Gueltigkeit, aber ebensowohl in dieser Weise keine +Gueltigkeit haben; ihre Wahrheit soll darin bestehen, der Wirklichkeit +entgegengesetzt und von ihr ganz frei und leer, und wieder darin, +Wirklichkeit zu sein. + +Der Synkretismus dieser Widersprueche, der in der moralischen +Weltanschauung auseinandergelegt ist, faellt in sich zusammen, indem +der Unterschied, worauf er beruht, von solchem, das notwendig gedacht +und gesetzt werden muesse, und doch zugleich unwesentlich sei, zu +einem Unterschiede wird, der nicht einmal mehr in den Worten liegt. +Was am Ende als ein Verschiedenes gesetzt wird, sowohl als das +Nichtige wie als das Reelle, ist ein und eben dasselbe, das Dasein +und die Wirklichkeit; und was absolut nur als das _Jenseits des_ +wirklichen Seins und Bewusstseins, und ebensowohl nur in ihm und als +ein jenseits das Nichtige sein soll, ist die reine Pflicht, und das +Wissen derselben als des Wesens. Das Bewusstsein, das diesen +Unterschied macht, der keiner ist, die Wirklichkeit fuer das Nichtige +und das Reale zugleich, die reine Moralitaet ebenso fuer das wahre +Wesen sowie fuer das Wesenlose aussagt, spricht die Gedanken, die es +vorher trennte, zusammen aus, spricht es selbst aus, dass es ihm mit +dieser Bestimmung und der Auseinanderstellung der Momente des +_Selbsts_ und des _An-sichs_ nicht Ernst ist, sondern dass es das, was +es als das absolute ausser dem Bewusstsein _Seiende_ aussagt, vielmehr +in dem Selbst des Selbstbewusstseins eingeschlossen behaelt, und was es +als das absolut _Gedachte_ oder das absolute _An-sich_ aussagt, eben +darum fuer ein nicht Wahrheit Habendes nimmt.--Es wird fuer das +Bewusstsein, dass das Auseinanderstellen dieser Momente eine +Verstellung ist, und es waere _Heuchelei_, wenn es sie doch +beibehielte. Aber als moralisches reines Selbstbewusstsein flieht es +aus dieser Ungleichheit seines _Vorstellens_ mit dem, was sein +_Wesen_ ist, aus dieser Unwahrheit, welche das fuer wahr aussagt, was +ihm fuer unwahr gilt, mit Abscheu in sich zurueck. Es ist _reines +Gewissen_, welches eine solche moralische Weltvorstellung verschmaeht; +es ist _in sich selbst_ der einfache seiner gewisse Geist, der ohne +die Vermittlung jener Vorstellungen unmittelbar gewissenhaft handelt, +und in dieser Unmittelbarkeit seine Wahrheit hat.--Wenn aber diese +Welt der Verstellung nichts anders als die Entwicklung des +moralischen Selbstbewusstseins in seinen Momenten, und hiemit seine +_Realitaet_ ist, so wird es durch sein Zurueckgehen in sich seinem +Wesen nach nichts anderes werden; sein Zurueckgehen in sich ist +vielmehr nur das _erlangte Bewusstsein_, dass seine Wahrheit eine +vorgegebene ist. Es _muesste_ sie noch immer fuer _seine_ Wahrheit +_ausgeben_, denn es muesste sich als gegenstaendliche Vorstellung +aussprechen und darstellen, aber _wuesste_, dass dies nur eine +Verstellung ist; er waere hiemit in der Tat die Heuchelei, und jenes +_Verschmaehen_ jener Verstellung schon die erste Aeusserung der +Heuchelei. + + +c. Das Gewissen,die schoene Seele,das Boese und seine Verzeihung + +Die Antinomie der moralischen Weltanschauung, dass es ein moralisches +Bewusstsein gibt, und dass es keines gibt,--oder dass das Gelten der +Pflicht ein Jenseits des Bewusstseins ist, und umgekehrt nur in ihm +stattfindet, war in die Vorstellung zusammengefasst worden, worin das +nichtmoralische Bewusstsein fuer moralisch gelte, sein zufaelliges +Wissen und Wollen fuer vollwichtig angenommen, und die Glueckseligkeit +ihm aus Gnade zuteil werde. Diese sich selbst widersprechende +Vorstellung nahm das moralische Selbstbewusstsein nicht ueber sich, +sondern verlegte sie in ein ihm andres Wesen. Aber dies Hinaussetzen +dessen, was es als notwendig denken muss, ausser sich selbst ist ebenso +der Widerspruch der Form nach, wie jener es dem Inhalte nach ist. +Weil aber an sich eben das, was als widersprechend erscheint, und in +dessen Trennung und Wiederaufloesung die moralische Weltanschauung +sich herumtreibt, dasselbe ist, die reine Pflicht naemlich als das +_reine Wissen_, nichts anders als das _Selbst_ des Bewusstseins, und +das Selbst des Bewusstseins das _Sein_ und _Wirklichkeit_,--ebenso was +jenseits des _wirklichen_ Bewusstseins sein soll, nicht anders als das +reine Denken, also in der Tat das Selbst ist, so geht _fuer uns_ oder +_an sich_ das Selbstbewusstsein in sich zurueck, und weiss dasjenige +Wesen als sich selbst, worin das _Wirkliche_ zugleich _reines Wissen_ +und _reine Pflicht_ ist. Es selbst ist sich das in seiner +Zufaelligkeit vollgueltige, das seine unmittelbare Einzelnheit als das +reine Wissen und Handeln, als die wahre Wirklichkeit und Harmonie +weiss. + +Dies _Selbst des Gewissens_, der seiner unmittelbar als der absoluten +Wahrheit und des Seins gewisse Geist, ist das _dritte Selbst_, das +uns aus der dritten Welt des Geistes geworden ist, und ist mit den +vorherigen kurz zu vergleichen. Die Totalitaet oder Wirklichkeit, +welche sich als die Wahrheit der sittlichen Welt darstellt, ist das +Selbst der _Person_; ihr Dasein ist das _Anerkanntsein_. Wie die +Person das substanzleere Selbst ist, so ist dies ihr Dasein ebenso +die abstrakte Wirklichkeit; die Person _gilt_, und zwar unmittelbar; +das Selbst ist der in dem Elemente seines Seins unmittelbar ruhende +Punkt; er ist ohne die Abtrennung von seiner Allgemeinheit, beide +daher nicht in Bewegung und Beziehung aufeinander, das Allgemeine ist +ohne Unterscheidung in ihm, und weder Inhalt des Selbsts, noch ist +das Selbst durch sich selbst erfuellt.--Das _zweite Selbst_ ist die zu +ihrer Wahrheit gekommne Welt der Bildung oder der sich wiedergegebne +Geist der Entzweiung--die absolute Freiheit. In diesem Selbst tritt +jene erste unmittelbare Einheit der Einzelnheit und Allgemeinheit +auseinander; das Allgemeine, das ebenso rein geistiges Wesen, +Anerkanntsein oder allgemeiner Willen und Wissen bleibt, ist +_Gegenstand_ und Inhalt des Selbsts und seine allgemeine Wirklichkeit. +Aber es hat nicht die Form des vom Selbst freien Daseins; es kommt +in diesem Selbst daher zu keiner Erfuellung und zu keinem positiven +Inhalt, zu keiner Welt. Das moralische Selbstbewusstsein laesst seine +Allgemeinheit zwar frei, so dass sie eine eigne Natur wird, und ebenso +haelt es sie in sich als aufgehoben fest. Aber es ist nur das +verstellende Spiel der Abwechslung dieser beiden Bestimmungen. Als +Gewissen erst hat es in seiner _Selbstgewissheit_ den _Inhalt_ fuer die +vorhin leere Pflicht sowie fuer das leere Recht und den leeren +allgemeinen Willen; und weil diese Selbstgewissheit ebenso das +_Unmittelbare_ ist, das Dasein selbst. + +Zu dieser seiner Wahrheit gelangt, verlaesst also oder hebt das +moralische Selbstbewusstsein vielmehr die Trennung in sich selbst auf, +woraus die Verstellung entsprungen, die Trennung des _An-sich_ und +des _Selbsts_, der reinen Pflicht als des reinen _Zwecks_, und der +_Wirklichkeit_ als einer dem reinen Zwecke entgegengesetzten Natur +und Sinnlichkeit. Es ist so in sich zurueckgekehrt, _konkreter_ +moralischer Geist, der nicht am Bewusstsein der reinen Pflicht sich +einen leeren Massstab gibt, welcher dem wirklichen Bewusstsein +entgegengesetzt waere, sondern die reine Pflicht ebenso wie die ihr +entgegengesetzte Natur sind aufgehobne Momente; er ist in +unmittelbarer Einheit sich _verwirklichendes moralisches_ Wesen, und +die Handlung unmittelbar _konkrete_ moralische Gestalt. + +Es ist ein Fall des Handelns vorhanden; er ist eine gegenstaendliche +Wirklichkeit fuer das wissende Bewusstsein. Dieses als Gewissen weiss +ihn auf unmittelbare konkrete Weise, und er ist zugleich nur, wie es +ihn weiss. Zufaellig ist das Wissen, insofern es ein anderes ist als +der Gegenstand; der seiner selbst gewisse Geist aber ist nicht mehr +ein solches zufaelliges Wissen und Erschaffen von Gedanken in sich, +von denen die Wirklichkeit verschieden waere, sondern indem die +Trennung des _An-sich_ und des _Selbsts_ aufgehoben ist, so ist der +Fall unmittelbar in der sinnlichen _Gewissheit_ des Wissens, wie er +_an sich_ ist, und er ist nur so _an sich_, wie er in diesem Wissen +ist.--Das Handeln als die Verwirklichung ist hiedurch die reine Form +des Willens; die blosse Umkehrung der Wirklichkeit als eines +_seienden_ Falles, in eine _getane_ Wirklichkeit, der blossen Weise +des _gegenstaendlichen_ Wissens in die Weise des Wissens von der +_Wirklichkeit_ als einem vom Bewusstsein Hervorgebrachten. Wie die +sinnliche Gewissheit unmittelbar in das An-sich des Geistes +aufgenommen oder vielmehr umgekehrt ist, so ist auch diese Umkehrung +einfach und unvermittelt, ein Uebergang durch den reinen Begriff ohne +Aenderung des Inhalts, der durch das Interesse des von ihm wissenden +Bewusstseins bestimmt ist.--Das Gewissen sondert ferner die Umstaende +des Falles nicht in verschiedene Pflichten ab. Es verhaelt sich nicht +als _positives allgemeines Medium_, worin die vielen Pflichten, jede +fuer sich, unverrueckte Substantialitaet erhielten, so dass _entweder_ +gar nicht gehandelt werden koennte, weil jeder konkrete Fall die +Entgegensetzung ueberhaupt, und als moralischer Fall die +Entgegensetzung der Pflichten enthaelt, in der Bestimmung des Handelns +also _eine_ Seite, _eine_ Pflicht immer _verletzt_ wuerde;--_oder_ dass, +wenn gehandelt wird, die Verletzung einer der entgegengesetzten +Pflichten wirklich eintraete. Das Gewissen ist vielmehr das negative +Eins oder absolute Selbst, welches diese verschiedenen moralischen +Substanzen vertilgt; es ist einfaches pflichtmaessiges Handeln, das +nicht diese oder jene Pflicht erfuellt, sondern das konkrete Rechte +weiss und tut. Es ist daher ueberhaupt erst das moralische _Handeln_ +als Handeln, worein das vorhergehende tatlose Bewusstsein der +Moralitaet uebergegangen ist.--Die konkrete Gestalt der Tat mag vom +unterscheidenden Bewusstsein in verschiedene Eigenschaften, d.h. hier +in verschiedene moralische Beziehungen analysiert, und diese entweder +jede, wie es sein muss, wenn sie Pflicht sein soll, fuer absolut +geltend ausgesagt, oder auch verglichen und geprueft werden. In der +einfachen moralischen Handlung des Gewissens sind die Pflichten so +verschuettet, dass allen diesen einzelnen Wesen unmittelbar _Abbruch_ +getan wird, und das pruefende Ruetteln an der Pflicht in der +unwankenden Gewissheit des Gewissens gar nicht stattfindet. + +Ebensowenig ist im Gewissen jene hin- und hergehende Ungewissheit des +Bewusstseins vorhanden, welches bald die sogenannte reine Moralitaet +ausser sich in ein anderes heiliges Wesen setzt, und sich selbst als +das unheilige gilt, bald aber auch wieder die moralische Reinheit in +sich, und die Verknuepfung des Sinnlichen mit dem Moralischen in das +andere Wesen setzt. + +Es entsagt allen diesen Stellungen und Verstellungen der moralischen +Weltanschauung, indem es dem Bewusstsein entsagt, das die Pflicht und +die Wirklichkeit als widersprechend fasst. Nach diesem letztern +handle ich moralisch, indem ich mir _bewusst_ bin, nur die reine +Pflicht zu vollbringen, nicht irgend _etwas anders_, dies heisst in +der Tat, _indem ich nicht_ handle. Indem ich aber wirklich handle, +bin ich mir eines _Andern_, einer _Wirklichkeit_, die vorhanden ist, +und einer, die ich hervorbringen will, bewusst, habe einen +_bestimmten_ Zweck und erfuelle eine _bestimmte_ Pflicht; es ist was +_anderes_ darin als die reine Pflicht, die allein beabsichtiget +werden sollte.--Das Gewissen ist dagegen das Bewusstsein darueber, dass, +wenn das moralische Bewusstsein die _reine Pflicht_ als das Wesen +seines Handelns aussagt, dieser reine Zweck eine Verstellung der +Sache ist; denn die Sache selbst ist, dass die reine Pflicht in der +leeren Abstraktion des reinen Denkens besteht, und ihre Realitaet und +Inhalt nur an einer bestimmten Wirklichkeit hat, einer Wirklichkeit, +welche Wirklichkeit des Bewusstseins selbst, und desselben nicht als +eines Gedankendings, sondern als eines Einzelnen ist. Das Gewissen +hat _fuer sich selbst_ seine Wahrheit an der _unmittelbaren Gewissheit_ +seiner selbst. Diese _unmittelbare_ konkrete Gewissheit seiner selbst +ist das Wesen; sie nach dem Gegensatze des Bewusstseins betrachtet, so +ist die eigne unmittelbare _Einzelnheit_ der Inhalt des moralischen +Tuns; und die _Form_ desselben ist eben dieses Selbst als reine +Bewegung, naemlich als das _Wissen_ oder die _eigne Ueberzeugung_. + +Dies in seiner Einheit und in der Bedeutung der Momente naeher +betrachtet, so erfasste das moralische Bewusstsein sich nur als das +_An-sich_ oder _Wesen_; als Gewissen aber erfasst es sein +_Fuer-sich_-sein oder sein _Selbst_.--Der Widerspruch der moralischen +Weltanschauung _loest_ sich _auf_, d.h. der Unterschied, der ihm +zugrunde liegt, zeigt sich, kein Unterschied zu sein, und er laeuft in +die reine Negativitaet zusammen; diese aber ist eben das _Selbst_; ein +einfaches _Selbst_, welches ebensowohl _reines_ Wissen als Wissen +seiner als _dieses einzelnen_ Bewusstseins ist. Dies Selbst macht +daher den Inhalt des vorher leeren Wesens aus, denn es ist das +_wirkliche_, welches nicht mehr die Bedeutung hat, eine dem Wesen +fremde und in eignen Gesetzen selbststaendige Natur zu sein. Es ist +als das Negative der _Unterschied_ des reinen Wesens, ein Inhalt, und +zwar ein solcher, welcher an und fuer sich gilt. + +Ferner ist dies Selbst als reines sich selbst gleiches Wissen das +_schlechthin Allgemeine_, so dass eben dies Wissen als _sein eignes_ +Wissen, als Ueberzeugung die _Pflicht_ ist. Die Pflicht ist nicht +mehr das dem Selbst gegenuebertretende Allgemeine, sondern ist gewusst, +in dieser Getrenntheit kein Gelten zu haben; es ist itzt das Gesetz, +das um des Selbsts willen, nicht um dessen willen das Selbst ist. +Das Gesetz und die Pflicht hat aber darum nicht allein die Bedeutung +des _Fuer-sich-seins_, sondern auch des _An-sich-seins_, denn dies +Wissen ist um seiner Sichselbstgleichheit willen eben das _An-sich_. +Dies _An-sich_ trennt sich auch im Bewusstsein von jener unmittelbaren +Einheit mit dem Fuer-sich-sein; so gegenuebertretend ist es _Sein_, +_Sein fuer Anderes_.--Die Pflicht eben wird itzt als Pflicht, die vom +Selbst verlassen ist, gewusst, nur _Moment_ zu sein, sie ist von ihrer +Bedeutung, _absolutes Wesen_ zu sein, zum Sein, das nicht Selbst, +nicht _fuer sich_ ist, herabgesunken und also _Sein fuer anderes_. +Aber dies _Sein fuer anderes_ bleibt ebendarum wesentliches Moment, +weil das Selbst als Bewusstsein den Gegensatz des Fuer-sich-seins und +des Seins fuer anderes ausmacht, und itzt die Pflicht an ihr +unmittelbar _wirkliches_, nicht mehr bloss das abstrakte reine +Bewusstsein ist. + +Dies _Sein fuer anderes_ ist also die _ansichseiende_ vom Selbst +unterschiedne Substanz. Das Gewissen hat die reine Pflicht oder das +_abstrakte An-sich_ nicht aufgegeben, sondern sie ist das wesentliche +Moment, als _Allgemeinheit_ sich zu andern zu verhalten. Es ist das +gemeinschaftliche Element der Selbstbewusstsein, und dieses die +Substanz, worin die Tat _Bestehen_ und _Wirklichkeit_ hat; das Moment +des _Anerkanntwerdens_ von den andern. Das moralische +Selbstbewusstsein hat dies Moment des Anerkanntseins, des _reinen +Bewusstseins_, welches _da_ ist, nicht; und ist dadurch ueberhaupt +nicht handelndes, nicht verwirklichendes. Sein _An-sich_ ist ihm +entweder das abstrakte _unwirkliche_ Wesen oder das _Sein_ als eine +_Wirklichkeit_, welche nicht geistig ist. Die _seiende Wirklichkeit_ +des Gewissens aber ist eine solche, welche _Selbst_ ist, d.h. das +seiner bewusste Dasein das geistige Element des Anerkanntwerdens. Das +Tun ist daher nur das Uebersetzen seines _einzelnen_ Inhalts in das +_gegenstaendliche_ Element, worin er allgemein und anerkannt ist, und +eben dies, dass er anerkannt ist, macht die Handlung zur Wirklichkeit. +Anerkannt und dadurch wirklich ist die Handlung, weil die daseiende +Wirklichkeit unmittelbar mit der Ueberzeugung oder dem Wissen +verknuepft, oder das Wissen von seinem Zwecke unmittelbar das Element +des Daseins, das allgemeine Anerkennen ist. Denn das _Wesen_ der +Handlung, die Pflicht besteht in der _Ueberzeugung_ des Gewissens von +ihr; diese Ueberzeugung ist eben das _An-sich_ selbst; es ist das _an +sich allgemeine Selbstbewusstsein_, oder das _Anerkanntsein_ und +hiemit die Wirklichkeit. Das mit der Ueberzeugung von der Pflicht +Getane ist also unmittelbar ein solches, das Bestand und Dasein hat. +Es ist also da keine Rede mehr davon, dass die gute Absicht nicht +zustande komme, oder dass es dem Guten schlecht geht; sondern das als +Pflicht Gewusste vollfuehrt sich und kommt zur Wirklichkeit, weil eben +das Pflichtmaessige das Allgemeine aller Selbstbewusstsein, das +Anerkannte und also Seiende ist. Getrennt und allein genommen, ohne +den Inhalt des Selbsts aber ist diese Pflicht das _Sein fuer anderes_, +das Durchsichtige, das nur die Bedeutung gehaltloser Wesenheit +ueberhaupt hat. + +Sehen wir auf die Sphaere zurueck, mit der ueberhaupt die _geistige +Realitaet_ eintrat, so war es der Begriff, dass das Aussprechen der +Individualitaet das _An- und Fuer-sich sei_. Aber die Gestalt, welche +diesen Begriff unmittelbar ausdrueckte, war das _ehrliche Bewusstsein_, +das sich mit der _abstrakten Sache selbst_ herumtrieb. Diese _Sache +selbst_ war dort _Praedikat_; im Gewissen aber erst ist sie _Subjekt_, +das alle Momente des Bewusstseins an ihm gesetzt hat, und fuer welches +alle diese Momente, Substantialitaet ueberhaupt, aeusseres Dasein und +Wesen des Denkens, in dieser Gewissheit seiner selbst enthalten sind. +Substantialitaet ueberhaupt hat die _Sache selbst_ in der Sittlichkeit, +aeusseres Dasein in der Bildung, sich selbstwissende Wesenheit des +Denkens in der Moralitaet, und im Gewissen ist sie das _Subjekt_, das +diese Momente an ihm selbst weiss. Wenn das ehrliche Bewusstsein nur +immer _die leere Sache selbst_ ergreift, so gewinnt dagegen das +Gewissen sie in ihrer Erfuellung, die es ihr durch sich gibt. Es ist +diese Macht dadurch, dass es die Momente des Bewusstseins als _Momente_ +weiss, und als ihr negatives Wesen sie beherrscht. + +Das Gewissen in Beziehung auf die einzelnen Bestimmungen des +Gegensatzes, der am Handeln erscheint, und sein Bewusstsein ueber die +Natur derselben betrachtet, so verhaelt es sich zuerst als _Wissendes_ +zur _Wirklichkeit_ des _Falles_, worin zu handeln ist. Insofern das +Moment der _Allgemeinheit_ an diesem Wissen ist, gehoert zum Wissen +des gewissenhaften Handelns, die vorliegende Wirklichkeit auf +uneingeschraenkte Weise zu umfassen, und also die Umstaende des Falles +genau zu wissen und in Erwaegung zu ziehen. Dies Wissen aber, da es +die Allgemeinheit als ein _Moment kennt_, ist daher ein solches +Wissen von diesen Umstaenden, das sich bewusst ist, sie nicht zu +umfassen oder darin nicht gewissenhaft zu sein. Die wahrhaft +allgemeine und reine Beziehung des Wissens waere eine Beziehung auf +ein nicht _Entgegengesetztes_, auf sich selbst; aber das _Handeln_ +durch den Gegensatz, der in ihm wesentlich ist, bezieht sich auf ein +Negatives des Bewusstseins, auf eine _an sich seiende Wirklichkeit_. +Gegen die Einfachheit des reinen Bewusstseins, das absolut _Andere_, +oder die Mannigfaltigkeit _an sich_, ist sie eine absolute Vielheit +der Umstaende, die sich rueckwaerts in ihre Bedingungen, seitwaerts in +ihrem Nebeneinander, vorwaerts in ihren Folgen unendlich teilt und +ausbreitet.--Das gewissenhafte Bewusstsein ist dieser Natur der Sache +und seines Verhaeltnisses zu ihr bewusst, und weiss, dass es den Fall, in +dem es handelt, nicht nach dieser gefoderten Allgemeinheit kennt, und +dass sein Vorgeben dieser gewissenhaften Erwaegung aller Umstaende +nichtig ist. Diese Kenntnis und Erwaegung aller Umstaende aber ist +nicht gar nicht vorhanden; allein nur als _Moment_, als etwas, das +nur fuer _andere_ ist; und sein unvollstaendiges Wissen, weil es _sein_ +Wissen ist, gilt ihm als hinreichendes vollkommenes Wissen. + +Auf gleiche Weise verhaelt es sich mit der Allgemeinheit des _Wesens_, +oder der Bestimmung des Inhalts durchs reine Bewusstsein.--Das zum +Handeln schreitende Gewissen bezieht sich auf die vielen Seiten des +Falles. Dieser schlaegt sich auseinander, und ebenso die Beziehung +des reinen Bewusstseins auf ihn, wodurch die Mannigfaltigkeit des +Falles eine Mannigfaltigkeit von _Pflichten_ ist.--Das Gewissen weiss, +dass es unter ihnen zu waehlen und zu entscheiden hat; denn keine ist +in ihrer Bestimmtheit oder in ihrem Inhalte absolut, sondern nur die +_reine Pflicht_. Aber dies Abstraktum hat in seiner Realitaet die +Bedeutung des selbstbewussten Ich erlangt. Der seiner selbst gewisse +Geist ruht als Gewissen in sich, und seine _reale_ Allgemeinheit oder +seine Pflicht liegt in seiner reinen _Ueberzeugung_ von der Pflicht. +Diese _reine_ Ueberzeugung ist als solche so leer als die reine +_Pflicht_, rein in dem Sinne, dass nichts in ihr, kein bestimmter +Inhalt Pflicht ist. Es soll aber gehandelt, es muss von dem +Individuum _bestimmt_ werden; und der seiner selbst gewisse Geist, in +dem das An-sich die Bedeutung des selbstbewussten Ich erlangt hat, +weiss diese Bestimmung und Inhalt in der unmittelbaren _Gewissheit_ +seiner selbst zu haben. Diese ist als Bestimmung und Inhalt das +_natuerliche_ Bewusstsein, das heisst die Triebe und Neigungen.--Das +Gewissen erkennt keinen Inhalt fuer es als absolut, denn es ist +absolute Negativitaet alles Bestimmten. Es bestimmt _aus sich selbst_; +der Kreis des Selbsts aber, worein die Bestimmtheit als solche faellt, +ist die sogenannte Sinnlichkeit; einen Inhalt aus der unmittelbaren +Gewissheit seiner selbst zu haben, findet sich nichts bei der Hand als +sie.--Alles, was in fruehern Gestalten, als Gut oder Schlecht, als +Gesetz und Recht sich darstellte, ist ein _Anderes_ als die +unmittelbare Gewissheit seiner selbst; es ist ein _Allgemeines_, das +jetzt ein Sein fuer anderes ist; oder anders betrachtet, ein +Gegenstand, welcher, das Bewusstsein mit sich selbst vermittelnd, +zwischen es und seine eigene Wahrheit tritt und es vielmehr von sich +absondert, als dass er seine Unmittelbarkeit waere.--Dem Gewissen aber +ist die Gewissheit seiner selbst die reine unmittelbare Wahrheit; und +diese Wahrheit ist also seine als _Inhalt_ vorgestellte unmittelbare +Gewissheit seiner selbst, das heisst, ueberhaupt die Willkuer des +Einzelnen und die Zufaelligkeit seines bewusstlosen natuerlichen Seins. + +Dieser Inhalt gilt zugleich als moralische _Wesenheit_ oder als +_Pflicht_. Denn die reine Pflicht ist, wie schon bei dem Pruefen der +Gesetze sich ergab, schlechthin gleichgueltig gegen jeden Inhalt, und +vertraegt jeden Inhalt. Hier hat sie zugleich die wesentliche Form +des _Fuer-sich-seins_, und diese Form der individuellen Ueberzeugung +ist nichts anderes als das Bewusstsein von der Leerheit der reinen +Pflicht, und davon, dass sie nur Moment, dass seine Substantialitaet ein +Praedikat ist, welches sein Subjekt an dem Individuum hat, dessen +Willkuer ihr den Inhalt gibt, jeden an diese Form knuepfen, und seine +Gewissenhaftigkeit an ihn heften kann.--Ein Individuum vermehrt sein +Eigentum auf eine gewisse Weise; es ist Pflicht, dass jedes fuer die +Erhaltung seiner selbst wie auch seiner Familie, nicht weniger fuer +die _Moeglichkeit_ sorgt, seinen Nebenmenschen nuetzlich zu werden und +Huelfsbeduerftigen Gutes zu tun. Das Individuum ist sich bewusst, dass +dies Pflicht ist, denn dieser Inhalt ist unmittelbar in der Gewissheit +seiner selbst enthalten; es sieht ferner ein, dass es diese Pflicht in +diesem Falle erfuellt. Andere halten vielleicht diese gewisse Weise +fuer Betrug; _sie_ halten sich an andere Seiten des konkreten Falles, +_es_ aber haelt diese Seite dadurch fest, dass es sich der Vermehrung +des Eigentums als reiner Pflicht bewusst ist.--So erfuellt das, was +andere Gewalttaetigkeit und Unrecht nennen, die Pflicht, gegen andere +seine Selbststaendigkeit zu behaupten, was sie Feigheit nennen,--die +Pflicht, sich das Leben und die Moeglichkeit der Nuetzlichkeit fuer die +Nebenmenschen zu erhalten; was sie aber die Tapferkeit nennen, +verletzt vielmehr beide Pflichten. Die Feigheit darf aber nicht so +ungeschickt sein, nicht zu wissen, dass die Erhaltung des Lebens und +der Moeglichkeit, andern nuetzlich zu sein, Pflichten sind, nicht von +der Pflichtmaessigkeit ihres Handelns _ueberzeugt_ zu sein und nicht zu +wissen, dass in dem _Wissen_ das Pflichtmaessige besteht; sonst beginge +sie die Ungeschicklichkeit, unmoralisch zu sein. Da die Moralitaet in +dem Bewusstsein, die Pflicht erfuellt zu haben, liegt, so wird dem +Handeln, das Feigheit, ebensowenig als dem, das Tapferkeit genannt +wird, dies nicht fehlen; das Abstraktum, das Pflicht heisst, ist wie +jedes, so auch dieses Inhalts faehig, es weiss also, was es tut, als +Pflicht, und indem es dies weiss und die Ueberzeugung von der Pflicht +das Pflichtmaessige selbst ist, so ist es anerkannt von den andern; die +Handlung gilt dadurch und hat wirkliches Dasein. + +Gegen diese Freiheit, die jeden beliebigen Inhalt in das allgemeine +passive Medium der reinen Pflicht und Wissens einlegt, so gut als +einen andern, hilft es nichts, zu behaupten, dass ein anderer Inhalt +eingelegt werden sollte; denn welcher es sei, jeder hat den _Makel +der Bestimmtheit_ an ihm, von der das reine Wissen frei ist, die es +verschmaehen, ebenso wie es jede aufnehmen kann. Aller Inhalt steht +darin, dass er ein bestimmter ist, auf gleicher Linie mit dem andern, +wenn er auch gerade den Charakter zu haben scheint, dass in ihm das +Besondere aufgehoben sei. Es kann scheinen, dass indem an dem +wirklichen Falle die Pflicht sich ueberhaupt in den _Gegensatz_ und +dadurch den der _Einzelnheit_ und _Allgemeinheit_ entzweit, diejenige +Pflicht, deren Inhalt das Allgemeine selbst ist, dadurch unmittelbar +die Natur der reinen Pflicht an ihr habe, und Form und Inhalt hiemit +sich ganz gemaess werden; so dass also z.B. die Handlung fuer das +allgemeine Beste der fuer das individuelle vorzuziehen sei. Allein +diese allgemeine Pflicht ist ueberhaupt dasjenige, was als an und fuer +sich seiende Substanz, als Recht und Gesetz _vorhanden_ ist und +_unabhaen_gig von dem Wissen und der Ueberzeugung wie von dem +unmittelbaren Interesse des Einzelnen gilt; es ist also gerade +dasjenige, gegen dessen _Form_ die Moralitaet ueberhaupt gerichtet ist. +Was aber seinen _Inhalt_ betrifft, so ist auch er ein _bestimmter_, +insofern das allgemeine Beste dem einzelnen _entgegengesetzt_ ist; +hiemit ist sein Gesetz ein solches, von welchem das Gewissen sich +schlechthin frei weiss und hinzu und davon zu tun, es zu unterlassen +sowie zu erfuellen sich die absolute Befugnis gibt.--Alsdenn ist +ferner jene Unterscheidung der Pflicht gegen das Einzelne und gegen +das Allgemeine der Natur des Gegensatzes ueberhaupt nach nichts Festes. +Sondern vielmehr was der Einzelne fuer sich tut, kommt auch dem +Allgemeinen zugute; je mehr er fuer sich gesorgt hat, desto groesser ist +nicht nur seine _Moeglichkeit, andern_ zu nuetzen; sondern seine +_Wirklichkeit_ selbst ist nur dies, im Zusammenhange mit andern zu +sein und zu leben; sein einzelner Genuss hat wesentlich die Bedeutung, +damit andern das Seinige preiszugeben, und ihnen zum Erwerb ihres +Genusses zu verhelfen. In der Erfuellung der Pflicht gegen den +Einzelnen, also gegen sich, wird also auch die gegen das Allgemeine +erfuellt.--Die _Erwaegung_ und _Vergleichung_ der Pflichten, welche +hier eintraete, liefe auf die Berechnung des Vorteils hinaus, den das +Allgemeine von einer Handlung haette, aber teils faellt die Moralitaet +hiedurch der notwendigen _Zufaelligkeit_ der _Einsicht_ anheim, teils +ist es gerade das Wesen des Gewissens, dies _Berechnen_ und Erwaegen +_abzuschneiden_, und ohne solche Gruende aus sich zu entscheiden. + +Auf diese Weise handelt und erhaelt sich also das Gewissen in der +Einheit des _An-sich-_ und des _Fuer-sich-seins_, in der Einheit des +reinen Denkens und der Individualitaet, und ist der seiner gewisse +Geist, der seine Wahrheit an ihm selbst, in seinem Selbst, in seinem +Wissen, und darin als dem Wissen von der Pflicht hat. Er erhaelt sich +eben dadurch darin, dass, was _Positives_ in der Handlung ist, sowohl +der Inhalt als die Form der Pflicht und das Wissen von ihr, dem +Selbst, der Gewissheit seiner, angehoert; was aber dem Selbst als +_eignes An-sich gegenuebertreten_ will, als nicht Wahres, nur als +Aufgehobnes, nur als Moment gilt. Es gilt daher nicht das +_allgemeine Wissen_ ueberhaupt, sondern _seine Kenntnis_ von den +Umstaenden. In die Pflicht, als das allgemeine _An-sich-sein_, legt +es den Inhalt ein, den es aus seiner natuerlichen Individualitaet nimmt; +denn er ist der an ihm selbst vorhandne; dieser wird durch das +allgemeine Medium, worin er ist, die _Pflicht_, die es ausuebt, und +die leere reine Pflicht ist eben hiedurch als aufgehobnes oder als +Moment gesetzt; dieser Inhalt ist ihre aufgehobne Leerheit oder die +Erfuellung.--Aber ebenso ist das Gewissen von jedem Inhalt ueberhaupt +frei; es absolviert sich von jeder bestimmten Pflicht, die als Gesetz +gelten soll; in der Kraft der Gewissheit seiner selbst hat es die +Majestaet der absoluten Autarkie, zu binden und zu loesen.--Diese +_Selbstbestimmung_ ist darum unmittelbar das schlechthin +Pflichtmaessige; die Pflicht ist das Wissen selbst; diese einfache +Selbstheit aber ist das An-sich; denn das _An-sich_ ist die reine +Sichselbstgleichheit; und diese ist in diesem Bewusstsein.-Dies reine +Wissen ist unmittelbar _Sein fuer Anderes_; denn als die reine +Sichselbstgleichheit ist es die _Unmittelbarkeit_, oder das Sein. +Dies Sein ist aber zugleich das reine Allgemeine, die Selbstheit +Aller; oder das Handeln ist anerkannt und daher wirklich. Dies Sein +ist das Element, wodurch das Gewissen unmittelbar mit allen +Selbstbewusstsein in der Beziehung der Gleichheit steht; und die +Bedeutung dieser Beziehung ist nicht das selbstlose Gesetz, sondern +das Selbst des Gewissens. + +Darin aber, dass dies Rechte, was das Gewissen tut, zugleich _Sein fuer +Anderes_ ist, scheint eine Ungleichheit an es zu kommen. Die Pflicht, +die es vollbringt, ist ein _bestimmter_ Inhalt; er ist zwar das +_Selbst_ des Bewusstseins, und darin sein _Wissen_ von sich, seine +_Gleichheit_ mit sich selbst. Aber vollbracht, in das allgemeine +Medium _des Seins_ gestellt, ist diese Gleichheit nicht mehr _Wissen_, +nicht mehr dieses Unterscheiden, welches seine Unterschiede ebenso +unmittelbar aufhebt; sondern im _Sein_ ist der Unterschied bestehend +gesetzt, und die Handlung eine _bestimmte_, ungleich mit dem Elemente +des Selbstbewusstseins Aller, also nicht notwendig anerkannt. Beide +Seiten, das handelnde Gewissen und das allgemeine diese Handlung als +Pflicht anerkennende Bewusstsein sind gleich _frei_ von der +Bestimmtheit dieses Tuns. Um dieser Freiheit willen ist die +Beziehung in dem gemeinschaftlichen Medium des Zusammenhangs vielmehr +ein Verhaeltnis der vollkommnen Ungleichheit; wodurch das Bewusstsein, +fuer welches die Handlung ist, sich in vollkommner Ungewissheit ueber +den handelnden seiner selbst gewissen Geist befindet. Er handelt, er +setzt eine Bestimmtheit als seiend; an dies _Sein_ als an seine +Wahrheit halten sich die andern, und sind darin seiner gewiss; er hat +darin ausgesprochen, was ihm als Pflicht gilt. Allein er ist frei +von irgendeiner _bestimmten_ Pflicht; er ist da heraus, wo sie meinen, +dass er wirklich sei; und dies Medium des Seins selbst, und die +Pflicht als _an sich_ seiend, gilt ihm nur als Moment. Was er ihnen +also hinstellt, verstellt er auch wieder, oder vielmehr hat es +unmittelbar verstellt. Denn seine _Wirklichkeit_ ist ihm nicht diese +hinausgestellte Pflicht und Bestimmung, sondern diejenige, welche er +in der absoluten Gewissheit seiner selbst hat. + +Sie wissen also nicht, ob dies Gewissen moralisch gut oder ob es boese +ist, oder vielmehr sie koennen es nicht nur nicht wissen, sondern +muessen es auch fuer boese nehmen. Denn wie es frei von der +_Bestimmtheit_ der Pflicht und von der Pflicht als _an sich_ seiender +ist, sind sie es gleichfalls. Was es ihnen hinstellt, wissen sie +selbst zu verstellen; es ist ein solches, wodurch nur das _Selbst_ +eines andern ausgedrueckt ist, nicht ihr eignes; sie wissen sich nicht +nur frei davon, sondern muessen es in ihrem eignen Bewusstsein aufloesen, +durch Urteilen und Erklaeren zunichte machen, um ihr Selbst zu +erhalten. + +Allein die Handlung des Gewissens ist nicht nur diese von dem reinen +Selbst verlassne _Bestimmung_ des Seins. Was als Pflicht gelten und +anerkannt werden soll, ist es allein durch das Wissen und die +Ueberzeugung davon als von der Pflicht, durch das Wissen seiner Selbst +in der Tat. Wenn die Tat aufhoert, dieses Selbst an ihr zu haben, +hoert sie auf, das zu sein, was allein ihr Wesen ist. Ihr Dasein von +diesem Bewusstsein verlassen, waere eine gemeine Wirklichkeit, und die +Handlung erschiene uns als ein Vollbringen seiner Lust und Begierde. +Was _da sein_ soll, ist hier allein Wesenheit dadurch, dass es als +sich selbst aussprechende Individualitaet _gewusst_ wird; und dies +_Gewusstsein_ ist es, was das Anerkannte ist, und was, _als solches, +Dasein_ haben soll. + +Das Selbst tritt ins Dasein _als Selbst_; der seiner gewisse Geist +existiert als solcher fuer andre; seine _unmittelbare_ Handlung ist +nicht das, was gilt und wirklich ist; nicht das _Bestimmte_, nicht +das _An-sich-seiende_ ist das Anerkannte, sondern allein das sich +wissende _Selbst_ als solches. Das Element des Bestehens ist das +allgemeine Selbstbewusstsein; was in dieses Element tritt, kann nicht +die _Wirkung_ der Handlung sein, diese haelt nicht darin aus, und +erhaelt kein Bleiben, sondern nur das Selbstbewusstsein ist das +Anerkannte und gewinnt die Wirklichkeit. + +Wir sehen hiemit wieder die _Sprache_ als das Dasein des Geistes. +Sie ist das _fuer andre_ seiende Selbstbewusstsein, welches unmittelbar +_als solches vorhanden_ und als _dieses_ allgemeines ist. Sie ist +das sich von sich selbst abtrennende Selbst, das als reines Ich = Ich +sich gegenstaendlich wird, in dieser Gegenstaendlichkeit sich ebenso +als _dieses_ Selbst erhaelt, wie es unmittelbar mit den andern +zusammenfliesst und _ihr_ Selbstbewusstsein ist; es vernimmt ebenso +sich, als es von den andern vernommen wird, und das Vernehmen ist +eben das _zum Selbst gewordne Dasein_. + +Der Inhalt, den die Sprache hier gewonnen, ist nicht mehr das +verkehrte und verkehrende und zerrissne Selbst der Welt der Bildung; +sondern der in sich zurueckgekehrte, seiner und in seinem Selbst +seiner Wahrheit oder seines Anerkennens gewisse und als dieses Wissen +anerkannte Geist. Die Sprache des sittlichen Geistes ist das Gesetz +und der einfache Befehl, und die Klage, die mehr eine Traene ueber die +Notwendigkeit ist; das moralische Bewusstsein hingegen ist noch +_stumm_, bei sich in seinem Innern verschlossen, denn in ihm hat das +Selbst noch nicht Dasein, sondern das Dasein und das _Selbst_ stehen +erst in aeusserer Beziehung aufeinander. Die Sprache aber tritt nur +als die Mitte selbststaendiger und anerkannter Selbstbewusstsein hervor, +und das _daseiende Selbst_ ist unmittelbar allgemeines, vielfaches +und in dieser Vielheit einfaches Anerkanntsein. Der Inhalt der +Sprache des Gewissens ist _das sich als Wesen wissende Selbst_. Dies +allein spricht sie aus, und dieses Aussprechen ist die wahre +Wirklichkeit des Tuns und das Gelten der Handlung. Das Bewusstsein +spricht seine _Ueberzeugung_ aus; diese Ueberzeugung ist es, worin +allein die Handlung Pflicht ist; sie _gilt_ auch allein dadurch als +Pflicht, dass die Ueberzeugung _ausgesprochen_ wird. Denn das +allgemeine Selbstbewusstsein ist frei von der _nur seienden +bestimmten_ Handlung; _sie_ als _Dasein_ gilt ihm nichts, sondern die +_Ueberzeugung_, dass sie Pflicht ist; und diese ist in der Sprache +wirklich.--Die Handlung verwirklichen heisst hier nicht ihren Inhalt +aus der Form des _Zwecks_ oder _Fuer-sich-seins_ in die Form der +_abstrakten_ Wirklichkeit uebersetzen, sondern aus der Form der +unmittelbaren _Gewissheit_ seiner selbst, die ihr Wissen oder +Fuer-sich-sein als das Wesen weiss, in die Form der _Versicherung_, dass +das Bewusstsein von der Pflicht ueberzeugt ist, und die Pflicht als +Gewissen _aus sich selbst_ weiss; diese Versicherung versichert also, +dass es davon ueberzeugt ist, dass seine Ueberzeugung das Wesen ist. + +Ob die Versicherung, aus Ueberzeugung von der Pflicht zu handeln, wahr +ist, ob es _wirklich_ die _Pflicht_ ist, was getan wird--diese Fragen +oder Zweifel haben keinen Sinn gegen das Gewissen.--Bei jener Frage, +ob die _Versicherung wahr_ ist, wuerde vorausgesetzt, dass die innere +Absicht von der vorgegebnen verschieden sei, d.h. dass das Wollen des +einzelnen Selbsts sich von der Pflicht, von dem Willen des +allgemeinen und reinen Bewusstseins trennen koenne; der letztre waere in +die Rede gelegt, das erstere aber eigentlich die wahre Triebfeder der +Handlung. Allein dieser Unterschied des allgemeinen Bewusstseins und +des einzelnen Selbsts ist es eben, der sich aufgehoben, und dessen +Aufheben das Gewissen ist. Das unmittelbare Wissen des seiner +gewissen Selbsts ist Gesetz und Pflicht; seine Absicht ist dadurch, +dass sie seine Absicht ist, das Rechte; es wird nur erfodert, dass er +dies wisse, und dies, dass es die Ueberzeugung davon, sein Wissen und +Wollen sei das Rechte, sage. Das Aussprechen dieser Versicherung +hebt an sich selbst die Form seiner Besonderheit auf; es anerkennt +darin die _notwendige Allgemeinheit des Selbsts_; indem es sich +_Gewissen_ nennt, nennt es sich reines Sich-selbst-wissen und reines +abstraktes Wollen, d.h. es nennt sich ein allgemeines Wissen und +Wollen, das die andern anerkennt, ihnen _gleich_ ist, denn sie sind +eben dies reine Sich-wissen und Wollen, und das darum auch von ihnen +anerkannt wird. In dem Wollen des seiner gewissen Selbsts, in diesem +Wissen, dass das Selbst das Wesen ist, liegt das Wesen des Rechten. +--Wer also sagt, er handle so aus Gewissen, der spricht wahr, denn +sein Gewissen ist das wissende und wollende Selbst. Er muss dies aber +wesentlich _sagen_, denn dies Selbst muss zugleich _allgemeines_ +Selbst sein. Dies ist es nicht in dem _Inhalt_ der Handlung, denn +dieser ist um seiner _Bestimmtheit_ willen an sich gleichgueltig: +sondern die Allgemeinheit liegt in der Form derselben; diese Form ist +es, welche als wirklich zu setzen ist; sie ist das _Selbst_, das als +solches in der Sprache wirklich ist, sich als das Wahre aussagt, eben +darin alle Selbst anerkennt und von ihnen anerkannt wird. + +Das Gewissen also, in der Majestaet seiner Erhabenheit ueber das +bestimmte Gesetz und jeden Inhalt der Pflicht, legt den beliebigen +Inhalt in sein Wissen und Wollen; es ist die moralische Genialitaet, +welche die innere Stimme ihres unmittelbaren Wissens als goettliche +Stimme weiss, und indem sie an diesem Wissen ebenso unmittelbar das +Dasein weiss, ist sie die goettliche Schoepferkraft, die in ihrem +Begriffe die Lebendigkeit hat. Sie ist ebenso der Gottesdienst in +sich selbst; denn ihr Handeln ist das Anschauen dieser ihrer eignen +Goettlichkeit. + +Dieser einsame Gottesdienst ist zugleich wesentlich der Gottesdienst +einer _Gemeine_, und das reine innere Sich-selbst-_wissen_ und +Vernehmen geht zum Momente des _Bewusstseins_ fort. Die Anschauung +seiner ist sein _gegenstaendliches_ Dasein, und dies gegenstaendliche +Element ist das Aussprechen seines Wissens und Wollens als eines +_Allgemeinen_. Durch dies Aussprechen wird das Selbst zum Geltenden +und die Handlung zur ausfuehrenden Tat. Die Wirklichkeit und das +Bestehen seines Tuns ist das allgemeine Selbstbewusstsein; das +Aussprechen des Gewissens aber setzt die Gewissheit seiner selbst als +reines und dadurch als allgemeines Selbst; die andern lassen die +Handlung um dieser Rede willen, worin das Selbst als das Wesen +ausgedrueckt und anerkannt ist, gelten. Der Geist und die Substanz +ihrer Verbindung ist also die gegenseitige Versicherung von ihrer +Gewissenhaftigkeit, guten Absichten, das Erfreuen ueber diese +wechselseitige Reinheit und das Laben an der Herrlichkeit des Wissens +und Aussprechens, des Hegens und Pflegens solcher Vortrefflichkeit. +--Insofern dies Gewissen sein _abstraktes_ Bewusstsein noch von seinem +_Selbstbewusstsein_ unterscheidet, hat es sein Leben nur _verborgen_ +in Gott; er ist zwar _unmittelbar_ seinem Geist und Herzen, seinem +Selbst gegenwaertig; aber das offenbare, sein wirkliches Bewusstsein +und die vermittelnde Bewegung desselben ist ihm ein Anderes als jenes +verborgene Innere und die Unmittelbarkeit des gegenwaertigen Wesens. +Allein in der Vollendung des Gewissens hebt sich der Unterschied +seines abstrakten und seines Selbstbewusstseins auf. Es weiss, dass das +_abstrakte_ Bewusstsein eben _dieses Selbst_, dieses seiner gewisse +Fuer-sich-sein ist, dass in der _Unmittelbarkeit_ der _Beziehung_ des +Selbsts auf das An-sich, das ausser dem Selbst gesetzt das abstrakte +Wesen und das ihm verborgene ist, eben die _Verschiedenheit +aufgehoben_ ist. Denn diejenige Beziehung ist eine _vermittelnde_, +worin die bezognen nicht ein und dasselbe, sondern ein _Anderes_ +fuereinander und nur in einem dritten eins sind; die _unmittelbare_ +Beziehung aber heisst in der Tat nichts anderes als die Einheit. Das +Bewusstsein, ueber die Gedankenlosigkeit, diese Unterschiede, die keine +sind, noch fuer Unterschiede zu halten, erhoben, weiss die +Unmittelbarkeit der Gegenwart des Wesens in ihm als Einheit des +Wesens und seines Selbsts, sein Selbst also als das lebendige An-sich +und dies sein Wissen als die Religion, die als angeschautes oder +daseiendes Wissen das Sprechen der Gemeine ueber ihren Geist ist. + +Wir sehen hiemit hier das Selbstbewusstsein in sein Innerstes +zurueckgegangen, dem alle Aeusserlichkeit als solche verschwindet--in +die Anschauung des Ich = Ich, worin dieses Ich alle Wesenheit und +Dasein ist. Es versinkt in diesem Begriffe seiner selbst, denn es +ist auf die Spitze seiner Extreme getrieben, und zwar so, dass die +unterschiednen Momente, wodurch es real oder noch _Bewusstsein_ ist, +nicht fuer uns nur diese reinen Extreme sind, sondern das, was es fuer +sich, und was ihm _an sich_ und was ihm _Dasein_ ist, zu +Abstraktionen verfluechtigt, die keinen Halt, keine Substanz mehr fuer +dies Bewusstsein selbst haben; und alles, was bisher fuer das +Bewusstsein Wesen war, ist in diese Abstraktionen zurueckgegangen.--Zu +dieser Reinheit gelaeutert, ist das Bewusstsein seine aermste Gestalt, +und die Armut, die seinen einzigen Besitz ausmacht, ist selbst ein +Verschwinden; diese absolute _Gewissheit_, in welche sich die Substanz +aufgeloest hat, ist die absolute _Unwahrheit_, die in sich +zusammenfaellt; es ist das absolute _Selbstbewusstsein_, in dem das +_Bewusstsein_ versinkt. + +Dies Versinken innerhalb seiner selbst betrachtet, so ist fuer das +Bewusstsein die _ansich_seiende _Substanz_ das _Wissen_ als _sein_ +Wissen. Als Bewusstsein ist es in den Gegensatz seiner und des +Gegenstandes, der fuer es das Wesen ist, getrennt; aber dieser +Gegenstand eben ist das vollkommen Durchsichtige, es ist _sein +Selbst_, und sein Bewusstsein ist nur das Wissen von sich. Alles +Leben und alle geistige Wesenheit ist in dies Selbst zurueckgegangen, +und hat seine Verschiedenheit von dem Ich-selbst verloren. Die +Momente des Bewusstseins sind daher diese extremen Abstraktionen, +deren keine steht, sondern in der andern sich verliert und sie +erzeugt. Es ist der Wechsel des ungluecklichen Bewusstseins mit sich, +der aber fuer es selbst innerhalb seiner vorgeht und der Begriff der +Vernunft zu sein sich bewusst ist, der jenes nur _an sich_ ist. Die +absolute Gewissheit seiner selbst schlaegt ihr also als Bewusstsein +unmittelbar in ein Austoenen, in Gegenstaendlichkeit seines +Fuer-sich-seins um; aber diese erschaffne Welt ist seine _Rede_, die +es ebenso unmittelbar vernommen, und deren Echo nur zu ihm +zurueckkommt. Diese Rueckkehr hat daher nicht die Bedeutung, dass es +_an_ und _fuer sich_ darin ist; denn das Wesen ist ihm kein _An-sich_, +sondern es selbst; ebensowenig hat es _Dasein_, denn das +Gegenstaendliche kommt nicht dazu, ein Negatives des wirklichen +Selbsts zu sein, so wie dieses nicht zur Wirklichkeit. Es fehlt ihm +die Kraft der Entaeusserung, die Kraft, sich zum Dinge zu machen und +das Sein zu ertragen. Es lebt in der Angst, die Herrlichkeit seines +Innern durch Handlung und Dasein zu beflecken, und um die Reinheit +seines Herzens zu bewahren, flieht es die Beruehrung der Wirklichkeit +und beharret in der eigensinnigen Kraftlosigkeit, seinem zur letzten +Abstraktion zugespitzten Selbst zu entsagen und sich Substantialitaet +zu geben, oder sein Denken in Sein zu verwandeln und sich dem +absoluten Unterschiede anzuvertrauen. Der hohle Gegenstand, den es +sich erzeugt, erfuellt es daher nur mit dem Bewusstsein der Leerheit; +sein Tun ist das Sehnen, das in dem Werden seiner selbst zum +wesenlosen Gegenstande sich nur verliert, und ueber diesen Verlust +hinaus und zurueck zu sich fallend, sich nur als verlornes findet;--in +dieser durchsichtigen Reinheit seiner Momente eine unglueckliche +sogenannte _schoene Seele_, verglimmt sie in sich, und schwindet als +ein gestaltloser Dunst, der sich in Luft aufloest. + +Dies stille Zusammenfliessen der marklosen Wesenheiten des +verfluechtigten Lebens ist aber noch in der andern Bedeutung der +_Wirklichkeit_ des Gewissens und in der _Erscheinung_ seiner Bewegung +zu nehmen, und das Gewissen als handelnd zu betrachten.--Das +_gegenstaendliche_ Moment in diesem Bewusstsein hat sich oben als +allgemeines Bewusstsein bestimmt; das sich selbst wissende Wissen ist +als _dieses_ Selbst unterschieden von andern Selbst; die Sprache, in +der sich alle gegenseitig als gewissenhaft handelnd anerkennen, diese +allgemeine Gleichheit, zerfaellt in die Ungleichheit des einzelnen +Fuer-sich-seins, jedes Bewusstsein ist aus seiner Allgemeinheit ebenso +schlechthin in sich reflektiert; hiedurch tritt der Gegensatz der +Einzelnheit gegen die andern Einzelnen und gegen das Allgemeine +notwendig ein, und dieses Verhaeltnis und seine Bewegung ist zu +betrachten.--Oder diese Allgemeinheit und die Pflicht hat die +schlechthin entgegengesetzte Bedeutung der bestimmten von dem +Allgemeinen sich ausnehmenden _Einzelnheit_, fuer welche die reine +Pflicht nur die an die _Oberflaeche_ getretene und nach aussen gekehrte +Allgemeinheit ist; die Pflicht liegt nur in den Worten, und gilt als +ein Sein fuer Anderes. Das Gewissen, zunaechst nur _negativ_ gegen die +Pflicht als _diese bestimmte vorhandne_ gerichtet, weiss sich frei von +ihr; aber indem es die leere Pflicht mit einem _bestimmten_ Inhalte +_aus sich selbst_ anfuellt, hat es das positive Bewusstsein darueber, +dass es als _dieses_ Selbst sich den Inhalt macht; sein reines Selbst, +als leeres Wissen, ist das Inhalts- und Bestimmungslose; der Inhalt, +den es ihm gibt, ist aus seinem Selbst _als diesem_ bestimmten, aus +sich als natuerlicher Individualitaet genommen, und in dem Sprechen von +der Gewissenhaftigkeit seines Handelns ist es sich wohl seines reinen +Selbsts, aber, im _Zwecke_ seines Handelns als wirklichem Inhalt, +seiner als dieses besondern Einzelnen und des Gegensatzes desjenigen +bewusst, was es fuer sich und was es fuer andere ist, des Gegensatzes +der Allgemeinheit oder Pflicht und seines Reflektiertseins aus ihr. + +Wenn sich so der Gegensatz, in den das Gewissen als _handelnd_ +eintritt, in seinem Innern ausdrueckt, so ist er zugleich die +Ungleichheit nach Aussen in dem Elemente des Daseins, die Ungleichheit +seiner besondern Einzelnheit gegen anderes Einzelnes.--Seine +Besonderheit besteht darin, dass die beiden sein Bewusstsein +konstituierenden Momente, das Selbst und das An-sich, mit _ungleichem +Werte_, und zwar mit der Bestimmung in ihm gelten, dass die Gewissheit +seiner selbst das Wesen ist, _gegen das An-sich_ oder das +_Allgemeine_, das nur als Moment gilt. Dieser innerlichen Bestimmung +steht also das Element des Daseins oder das allgemeine Bewusstsein +gegenueber, welchem vielmehr die Allgemeinheit, die Pflicht das Wesen, +dagegen die Einzelnheit, die gegen das Allgemeine fuer sich ist, nur +als aufgehobnes Moment gilt. Diesem Festhalten an der Pflicht gilt +das erste Bewusstsein als _das Boese_, weil es die Ungleichheit seines +_In-sich-seins_ mit dem Allgemeinen ist, und indem dieses zugleich +sein Tun als Gleichheit mit sich selbst, als Pflicht und +Gewissenhaftigkeit ausspricht, als _Heuchelei_. + +Die _Bewegung_ dieses Gegensatzes ist zunaechst die formelle +Herstellung der Gleichheit zwischen dem, was das Boese in sich ist, +und was es ausspricht; es muss zum Vorschein kommen, dass es boese und +so sein Dasein seinem Wesen gleich, die _Heuchelei_ muss _entlarvt_ +werden.--Diese Rueckkehr der in ihr vorhandnen Ungleichheit in die +Gleichheit ist nicht darin schon zustande gekommen, dass die Heuchelei, +wie man zu sagen pflegt, ebendadurch ihre Achtung fuer Pflicht und +Tugend beweise, dass sie den _Schein_ derselben annehme und als Maske +fuer ihr eignes nicht weniger als fuer fremdes Bewusstsein gebrauche; in +welchem Anerkennen des Entgegengesetzten an sich die Gleichheit und +Uebereinstimmung enthalten sei.--Allein sie ist zugleich aus diesem +Anerkennen der Sprache ebensosehr heraus und in sich reflektiert, und +darin, dass sie das _An-sich-_seiende nur als ein _Sein fuer Anderes_ +gebraucht, ist vielmehr die eigne Verachtung desselben und die +Darstellung seiner Wesenlosigkeit fuer alle enthalten. Denn was sich +als ein aeusserliches Werkzeug gebrauchen laesst, zeigt sich als ein Ding, +das keine eigne Schwere in sich hat. + +Auch kommt diese Gleichheit weder durch das einseitige Beharren des +boesen Bewusstseins auf sich noch durch das Urteil des Allgemeinen +zustande.--Wenn jenes sich gegen das Bewusstsein der Pflicht +verleugnet und, was dieses fuer Schlechtigkeit, fuer absolute +Ungleichheit mit dem Allgemeinen, aussagt, als ein Handeln nach dem +innern Gesetze und Gewissen behauptet, so bleibt in dieser +einseitigen Versicherung der Gleichheit seine Ungleichheit mit dem +Andern, da ja dieses sie nicht glaubt und nicht anerkennt.--Oder da +das einseitige Beharren auf _einem_ Extreme sich selbst aufloest, so +wuerde das Boese sich zwar dadurch als Boeses eingestehen, aber darin +sich _unmittelbar_ aufheben und nicht Heuchelei sein noch als solche +sich entlarven. Es gesteht sich in der Tat als Boeses durch die +Behauptung ein, dass es, dem anerkannten Allgemeinen entgegengesetzt, +nach _seinem_ innern Gesetze und Gewissen handle. Denn waere dies +Gesetz und Gewissen nicht das Gesetz seiner _Einzelnheit_ und +_Willkuer_, so waere es nicht etwas Innres, Eignes, sondern das +allgemein Anerkannte. Wer darum sagt, dass er nach _seinem_ Gesetze +und Gewissen gegen die andern handle, sagt in der Tat, dass er sie +misshandle. Aber das _wirkliche_ Gewissen ist nicht dieses Beharren +auf dem Wissen und Willen, der dem Allgemeinen sich entgegensetzt, +sondern das Allgemeine ist das Element seines _Daseins_, und seine +Sprache sagt sein Tun als die _anerkannte_ Pflicht aus. + +Ebensowenig ist das Beharren des allgemeinen Bewusstseins auf seinem +Urteile Entlarvung und Aufloesung der Heuchelei.--Indem es gegen sie +schlecht, niedertraechtig u.s.f. ausruft, beruft es sich in solchem +Urteil auf _sein_ Gesetz, wie das _boese_ Bewusstsein auf das _seinige_. +Denn jenes tritt im Gegensatz gegen dieses und dadurch als ein +besonderes Gesetz auf. Es hat also nichts vor dem andern voraus, +legitimiert vielmehr dieses, und dieser Eifer tut gerade das +Gegenteil dessen, was er zu tun meint,--naemlich das, was er wahre +Pflicht nennt und das _allgemein_ anerkannt sein soll, als ein +_Nichtanerkanntes_ zu zeigen, und hiedurch dem andern das gleiche +Recht des Fuer-sich-seins einzuraeumen. + +Dies Urteil aber hat zugleich eine andre Seite, von welcher es die +Einleitung zur Aufloesung des vorhandnen Gegensatzes wird.--Das +Bewusstsein _des Allgemeinen_ verhaelt sich nicht als _wirkliches_ und +_handelndes_ gegen das erste--denn dieses ist vielmehr das +wirkliche--, sondern ihm entgegengesetzt, als dasjenige, das nicht in +dem Gegensatze der Einzelnheit und Allgemeinheit befangen ist, +welcher in dem Handeln eintritt. Es bleibt in der Allgemeinheit des +_Gedankens_, verhaelt sich als _auffassendes_, und seine erste +Handlung ist nur das Urteil.--Durch dies Urteil stellt es sich nun, +wie soeben bemerkt wurde, _neben_ das erste, und dieses kommt _durch +diese Gleichheit_ zur Anschauung seiner selbst in diesem andern +Bewusstsein. Denn das Bewusstsein der Pflicht verhaelt _sich auffassend, +passiv_; es ist aber hiedurch im Widerspruche mit sich als dem +absoluten Willen der Pflicht, mit sich, dem schlechthin aus sich +selbst Bestimmenden. Es hat gut sich in der Reinheit bewahren, denn +es _handelt nicht_; es ist die Heuchelei, die das Urteilen fuer +_wirkliche_ Tat genommen wissen will, und statt durch Handlung durch +das Aussprechen vortrefflicher Gesinnungen die Rechtschaffenheit +beweist. Es ist also ganz so beschaffen wie dasjenige, dem der +Vorwurf gemacht wird, dass es nur in seine Rede die Pflicht legt. In +beiden ist die Seite der Wirklichkeit gleich unterschieden von der +Rede, in dem einen durch den _eigennuetzigen Zweck_ der Handlung, in +dem andern durch das _Fehlen des Handelns_ ueberhaupt, dessen +Notwendigkeit in dem Sprechen von der Pflicht selbst liegt, denn +diese hat ohne Tat gar keine Bedeutung. + +Das Urteilen ist aber auch als positive Handlung des Gedankens zu +betrachten und hat einen positiven Inhalt; durch diese Seite wird der +Widerspruch, der in dem auffassenden Bewusstsein vorhanden ist, und +seine Gleichheit mit dem ersten noch vollstaendiger.--Das handelnde +Bewusstsein spricht dies sein bestimmtes Tun als Pflicht aus, und das +beurteilende kann ihm dies nicht ableugnen; denn die Pflicht selbst +ist die jeden Inhalts faehige, inhaltslose Form,--oder die konkrete +Handlung, in ihrer Vielseitigkeit an ihr selbst verschieden, hat die +allgemeine Seite, welche die ist, die als Pflicht genommen wird, +ebensosehr an ihr als die besondere, die den Anteil und das Interesse +des Individuums ausmacht. Das beurteilende Bewusstsein bleibt nun +nicht bei jener Seite der Pflicht und bei dem Wissen des Handelnden +davon, dass dies seine Pflicht, das Verhaeltnis und der Stand seiner +Wirklichkeit sei, stehen. Sondern es haelt sich an die andre Seite, +spielt die Handlung in das Innre hinein, und erklaert sie aus ihrer +von ihr selbst verschiednen _Absicht_ und eigennuetzigen _Triebfeder_. +Wie jede Handlung der Betrachtung ihrer Pflichtgemaessheit faehig ist, +ebenso dieser andern Betrachtung der _Besonderheit_; denn als +Handlung ist sie die Wirklichkeit des Individuums.--Dieses Beurteilen +setzt also die Handlung aus ihrem Dasein heraus und reflektiert sie +in das Innre oder in die Form der eignen Besonderheit.--Ist sie von +Ruhme begleitet, so weiss es dies Innre als Ruhm_sucht_;--ist sie dem +Stande des Individuums ueberhaupt angemessen, ohne ueber diesen +hinauszugehen, und so beschaffen, dass die Individualitaet den Stand +nicht als eine aeussere Bestimmung an ihr haengen hat, sondern diese +Allgemeinheit durch sich selbst ausfuellt und ebendadurch sich als +eines Hoehern faehig zeigt, so weiss das Urteil ihr Innres als +Ehrbegierde u.s.f. Indem in der Handlung ueberhaupt das Handelnde zur +Anschauung _seiner selbst_ in der Gegenstaendlichkeit, oder zum +Selbstgefuehl seiner in seinem Dasein und also zum Genusse gelangt; so +weiss das Urteil das Innre als Trieb nach eigner Glueckseligkeit, +bestuende sie auch nur in der innern moralischen Eitelkeit, dem +Genusse des Bewusstseins der eignen Vortrefflichkeit, und dem +Vorschmacke der Hoffnung einer kuenftigen Glueckseligkeit.--Es kann +sich keine Handlung solchem Beurteilen entziehen, denn die Pflicht um +der Pflicht willen, dieser reine Zweck, ist das Unwirkliche; seine +Wirklichkeit hat er in dem Tun der Individualitaet, und die Handlung +dadurch die Seite der Besondernheit an ihr.--Es gibt keinen Helden +fuer den Kammerdiener; nicht aber weil jener nicht ein Held, sondern +weil dieser--der Kammerdiener ist, mit welchem jener nicht als Held, +sondern als Essender, Trinkender, sich Kleidender, ueberhaupt in der +Einzelnheit des Beduerfnisses und der Vorstellung zu tun hat. So gibt +es fuer das Beurteilen keine Handlung, in welcher es nicht die Seite +der Einzelnheit der Individualitaet der allgemeinen Seite der Handlung +entgegensetzen, und gegen den Handelnden den Kammerdiener der +Moralitaet machen koennte. + +Dies beurteilende Bewusstsein ist hiemit selbst _niedertraechtig_, weil +es die Handlung teilt, und ihre Ungleichheit mit ihr selbst +hervorbringt und festhaelt. Es ist ferner _Heuchelei_, weil es +solches Beurteilen nicht fuer eine _andre Manier_, boese zu sein, +sondern fuer das _rechte Bewusstsein_ der Handlung ausgibt, in dieser +seiner Unwirklichkeit und Eitelkeit des Gut- und Besserwissens sich +selbst ueber die heruntergemachten Taten hinaufsetzt, und sein +tatloses Reden fuer eine vortreffliche _Wirklichkeit_ genommen wissen +will.--Hiedurch also dem Handelnden, welches von ihm beurteilt wird, +sich gleich machend, wird es von diesem als dasselbe mit ihm erkannt. +Dieses findet sich von jenem nicht nur aufgefasst als ein Fremdes und +mit ihm Ungleiches, sondern vielmehr jenes nach dessen eigner +Beschaffenheit mit ihm gleich. Diese Gleichheit anschauend und sie +_aussprechend, gesteht_ es sich ihm ein, und erwartet ebenso, dass das +Andre, wie es sich in der Tat ihm gleich gestellt hat, so auch seine +_Rede_ erwidern, in ihr seine Gleichheit aussprechen und das +anerkennende Dasein eintreten werde. Sein Gestaendnis ist nicht eine +Erniedrigung, Demuetigung, Wegwerfung im Verhaeltnisse gegen das Andre; +denn dieses Aussprechen ist nicht das einseitige, wodurch es seine +_Ungleichheit_ mit ihm setzte, sondern allein um der Anschauung _der +Gleichheit_ des Andern willen mit ihm spricht es sich, es spricht +_ihre Gleichheit_ von seiner Seite in seinem Gestaendnisse aus, und +spricht sie darum aus, weil die Sprache das _Dasein_ des Geistes als +unmittelbaren Selbsts ist; es erwartet also, dass das Andre das +Seinige zu diesem Dasein beitrage. + +Allein auf das Eingestaendnis des Boesen: _Ich bin's_, erfolgt nicht +diese Erwiderung des gleichen Gestaendnisses. So war es mit jenem +Urteilen nicht gemeint; im Gegenteil! Es stoesst diese Gemeinschaft +von sich, und ist das harte Herz, das fuer sich ist und die +Kontinuitaet mit dem andern verwirft.--Hiedurch kehrt sich die Szene +um. Dasjenige, das sich bekannte, sieht sich zurueckgestossen, und das +andere im Unrecht, welches das Heraustreten seines Innern in das +Dasein der Rede verweigert und dem Boesen die Schoenheit seiner Seele, +dem Bekenntnisse aber den steifen Nacken des sich gleich bleibenden +Charakters und die Stummheit, sich in sich zu behalten und sich nicht +gegen einen andern wegzuwerfen, entgegensetzt. Es ist hier die +hoechste Empoerung des seiner selbst gewissen Geistes gesetzt; denn er +schaut sich als dieses _einfache Wissen des Selbsts_ im Andern an, +und zwar so, dass auch die aeussere Gestalt dieses Andern nicht wie im +Reichtume das Wesenlose, nicht ein Ding ist, sondern es ist der +Gedanke, das Wissen selbst, was ihm entgegengehalten, es ist diese +absolut fluessige Kontinuitaet des reinen _Wissens_, die sich +verweigert, ihre Mitteilung mit ihm zu setzen--mit ihm, der schon in +seinem Bekenntnisse dem _abgesonderten Fuer-sich-sein_ entsagte, und +sich als aufgehobne Besonderheit und hiedurch als die Kontinuitaet mit +dem Andern, als Allgemeines setzte. Das Andre aber behaelt _an ihm +selbst_ sich sein sich nicht mitteilendes Fuer-sich-sein bevor; an dem +bekennenden behaelt es ebendasselbe, was aber von diesem schon +abgeworfen ist. Es zeigt sich dadurch als das geistverlassne und den +Geist verleugnende Bewusstsein, denn es erkennt nicht, dass der Geist +in der absoluten Gewissheit seiner selbst ueber alle Tat und +Wirklichkeit Meister, und sie abwerfen und ungeschehen machen kann. +Zugleich erkennt es nicht den Widerspruch, den es begeht, die +Abwerfung, die in _der Rede_ geschehen ist, nicht fuer das wahre +Abwerfen gelten zu lassen, waehrend es selbst die Gewissheit seines +Geistes nicht in einer wirklichen Handlung, sondern in seinem Innern +und dessen Dasein in der _Rede_ seines Urteils hat. Es ist es also +selbst, das die Rueckkehr des Andern aus der Tat in das geistige +Dasein der Rede und in die Gleichheit des Geistes hemmt und durch +diese Haerte die Ungleichheit hervorbringt, welche noch vorhanden ist. + +Insofern nun der seiner selbst gewisse Geist, als schoene Seele, nicht +die Kraft der Entaeusserung des an sich haltenden Wissens ihrer selbst +besitzt, kann sie nicht zur Gleichheit mit dem zurueckgestossnen +Bewusstsein und also nicht zur angeschauten Einheit ihrer selbst im +Andern, nicht zum Dasein gelangen; die Gleichheit kommt daher nur +negativ, als ein geistloses Sein, zustande. Die wirklichkeitslose +schoene Seele, in dem Widerspruche ihres reinen Selbsts und der +Notwendigkeit desselben, sich zum Sein zu entaeussern und in +Wirklichkeit umzuschlagen, in der _Unmittelbarkeit_ dieses +festgehaltnen Gegensatzes--einer Unmittelbarkeit, die allein die +Mitte und Versoehnung des auf seine reine Abstraktion gesteigerten +Gegensatzes, und die reines Sein oder das leere Nichts ist--ist also +als Bewusstsein dieses Widerspruches in seiner unversoehnten +Unmittelbarkeit zur Verruecktheit zerruettet, und zerfliesst in +sehnsuechtiger Schwindsucht. Es gibt damit in der Tat das harte +Festhalten _seines Fuer-sich-seins_ auf, bringt aber nur die geistlose +Einheit des Seins hervor. + +Die wahre, naemlich die _selbstbewusste_ und _daseiende_ Ausgleichung +ist nach ihrer Notwendigkeit schon in dem Vorhergehenden enthalten. +Das Brechen des harten Herzens und seine Erhebung zur Allgemeinheit +ist dieselbe Bewegung, welche an dem Bewusstsein ausgedrueckt war, das +sich selbst bekannte. Die Wunden des Geistes heilen, ohne dass Narben +bleiben; die Tat ist nicht das Unvergaengliche, sondern wird von dem +Geiste in sich zurueckgenommen, und die Seite der Einzelnheit, die an +ihr, es sei als Absicht oder als daseiende Negativitaet und Schranke +derselben vorhanden ist, ist das unmittelbar verschwindende. Das +verwirklichende _Selbst_, die Form seiner Handlung, ist nur ein +_Moment_ des Ganzen, und ebenso das durch Urteil bestimmende und den +Unterschied der einzelnen und allgemeinen Seite des Handelns +festsetzende Wissen. Jenes Boese setzt diese Entaeusserung seiner oder +sich als Moment, hervorgelockt in das bekennende Dasein durch die +Anschauung seiner selbst im Andern. Diesem Andern aber muss, wie +jenem sein einseitiges nicht anerkanntes Dasein des besondern +Fuer-sich-seins, so ihm sein einseitiges nicht anerkanntes Urteil +brechen; und wie jenes die Macht des Geistes ueber seine Wirklichkeit +darstellt, so dies die Macht ueber seinen bestimmten Begriff. + +Dieses entsagt aber dem teilenden Gedanken und der Haerte des an ihm +festhaltenden Fuer-sich-seins, darum weil es in der Tat sich selbst im +ersten anschaut. Dies, das seine Wirklichkeit wegwirft, und sich zum +_aufgehobnen Diesen_ macht, stellt sich dadurch in der Tat als +Allgemeines dar; es kehrt aus seiner aeussern Wirklichkeit in sich als +Wesen zurueck; das allgemeine Bewusstsein erkennt also darin sich +selbst.--Die Verzeihung, die es dem ersten widerfahren laesst, ist die +Verzicht-Leistung auf sich, auf sein _unwirkliches_ Wesen, dem es +jenes andere, das _wirkliches_ Handeln war, gleichsetzt, und es, das +von der Bestimmung, die das Handeln im Gedanken erhielt, Boeses +genannt wurde, als gut anerkennt, oder vielmehr diesen Unterschied +des bestimmten Gedankens und sein fuersichseiendes bestimmendes Urteil +fahren laesst, wie das Andre das fuersichseiende Bestimmen der Handlung. +--Das Wort der Versoehnung ist der _daseiende_ Geist, der das reine +Wissen seiner selbst als _allgemeinen_ Wesens in seinem Gegenteile, +in dem reinen Wissen seiner als der absolut in sich seienden +_Einzelnheit_ anschaut--ein gegenseitigem Anerkennen, welches der +_absolute Geist_ ist. + +Er tritt ins Dasein nur auf der Spitze, auf welcher sein reines +Wissen von sich selbst der Gegensatz und Wechsel mit sich selbst ist. +Wissend, dass sein _reines Wissen_ das abstrakte _Wesen_ ist, ist er +diese wissende Pflicht im absoluten Gegensatze gegen das Wissen, das +sich als absolute _Einzelnheit_ des Selbsts das Wesen zu sein weiss. +Jenes ist die reine Kontinuitaet des Allgemeinen, welches die sich als +Wesen wissende Einzelnheit als das an sich Nichtige, als das _Boese_ +weiss. Dies aber ist die absolute Diskretion, welche sich selbst in +ihrem reinen Eins absolut, und jenes Allgemeine als das unwirkliche +weiss, das nur _fuer Andre_ ist. Beide Seiten sind zu dieser Reinheit +gelaeutert, worin kein selbstloses Dasein, kein Negatives des +Bewusstseins mehr an ihnen ist, sondern jene _Pflicht_ ist der sich +gleichbleibende Charakter seines Sich-selbst-wissens, und dieses Boese +hat ebenso seinen Zweck in seinem _In-sich-sein_, und seine +Wirklichkeit in seiner Rede; der Inhalt dieser Rede ist die Substanz +seines Bestehens; sie ist die Versicherung von der Gewissheit des +Geistes in sich selbst.--Beide ihrer selbst gewissen Geister haben +keinen andern Zweck als ihr reines Selbst, und keine andre Realitaet +und Dasein als eben dieses reine Selbst. Aber sie sind noch +verschieden, und die Verschiedenheit ist die absolute, weil sie in +diesem Elemente des reinen Begriffes gesetzt ist. Sie ist es auch +nicht nur fuer uns, sondern fuer die Begriffe selbst, die in diesem +Gegensatze stehen. Denn diese Begriffe sind zwar _bestimmte_ +gegeneinander, aber zugleich an sich allgemeine, so dass sie den +ganzen Umfang des Selbsts ausfuellen, und dies Selbst keinen andern +Inhalt als diese seine Bestimmtheit hat, die weder ueber es hinausgeht, +noch beschraenkter ist als es; denn die eine, das absolut Allgemeine, +ist ebenso das reine Sich-selbst-wissen als das andre, die absolute +Diskretion der Einzelnheit, und beide sind nur dies reine Sich-wissen. +Beide Bestimmtheiten sind also die wissenden reinen Begriffe, deren +Bestimmtheit selbst unmittelbar Wissen, oder deren _Verhaeltnis_ und +Gegensatz das Ich ist. Hiedurch sind sie _fuereinander_ diese +schlechthin Entgegengesetzten; es ist das vollkommen Innre, das so +sich selbst gegenueber und ins Dasein getreten ist; sie machen das +_reine Wissen_ aus, das durch diesen Gegensatz als _Bewusstsein_ +gesetzt ist. Aber noch ist es nicht _Selbstbewusstsein_. Diese +Verwirklichung hat es in der Bewegung dieses Gegensatzes. Denn +dieser Gegensatz ist vielmehr selbst die _indiskrete Kontinuitaet_ und +_Gleichheit_ des Ich = Ich; und jedes _fuer sich_ eben durch den +Widerspruch seiner reinen Allgemeinheit, welche zugleich seiner +Gleichheit mit dem andern noch widerstrebt und sich davon absondert, +hebt an ihm selbst sich auf. Durch diese Entaeusserung kehrt dies in +seinem _Dasein_ entzweite Wissen in die Einheit des _Selbsts_ zurueck; +es ist das _wirkliche_ Ich, das allgemeine _Sich-selbst_-wissen in +seinem _absoluten Gegenteile_, in dem _insich_seienden Wissen, das um +der Reinheit seines abgesonderten In-sich-seins willen selbst das +vollkommen Allgemeine ist. Das versoehnende _*Ja*_, worin beide Ich +von ihrem entgegengesetzten _Dasein_ ablassen, ist das _Dasein_ des +zur Zweiheit ausgedehnten _Ichs_, das darin sich gleich bleibt, und +in seiner vollkommnen Entaeusserung und Gegenteile die Gewissheit seiner +selbst hat;--es ist der erscheinende Gott mitten unter ihnen, die +sich als das reine Wissen wissen. + + + +VII. Die Religion + +In den bisherigen Gestaltungen, die sich im allgemeinen als +_Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft_ und _Geist_ unterscheiden, +ist zwar auch die _Religion_, als Bewusstsein des _absoluten Wesens_ +ueberhaupt, vorgekommen; allein vom _Standpunkte des Bewusstseins_ aus, +das sich des absoluten Wesens bewusst ist; nicht aber ist das absolute +Wesen _an und fuer sich_ selbst, nicht das Selbstbewusstsein des +Geistes in jenen Formen erschienen. + +Schon das _Bewusstsein_ wird, insofern es _Verstand_ ist, Bewusstsein +des _Uebersinnlichen_ oder _Innern_ des gegenstaendlichen Daseins. +Aber das Uebersinnliche, Ewige, oder wie man es sonst nennen mag, ist +_selbstlos_; es ist nur erst das _Allgemeine_, das noch weit entfernt +ist, der sich als Geist wissende Geist zu sein.--Alsdenn war das +_Selbstbewusstsein_, das in der Gestalt des _ungluecklichen_ +Bewusstseins seine Vollendung hat, nur der sich zur Gegenstaendlichkeit +wieder herausringende, aber sie nicht erreichende _Schmerz_ des +Geistes. Die Einheit des _einzelnen_ Selbstbewusstseins und seines +unwandelbaren _Wesens_, zu der jenes sich bringt, bleibt daher ein +_Jenseits_ desselben.--Das unmittelbare Dasein der _Vernunft_, die +fuer uns aus jenem Schmerz hervorging, und ihre eigentuemlichen +Gestalten haben keine Religion, weil das Selbstbewusstsein derselben +_sich_ in der _unmittelbaren_ Gegenwart weiss oder sucht. + +Hingegen in der sittlichen Welt sahen wir eine Religion, und zwar die +_Religion_ der _Unterwelt_; sie ist der Glauben an die furchtbare +unbekannte Nacht des _Schicksals_, und an die Eumenide des +_abgeschiednen Geistes_;--jene die reine Negativitaet in der Form der +Allgemeinheit, diese dieselbe in der Form der Einzelnheit. Das +absolute Wesen ist in der letztern Form also zwar das _Selbst_, und +_gegenwaertiges_, wie das Selbst nicht anders ist; allein das +_einzelne_ Selbst ist _dieser_ einzelne Schatten, der die +Allgemeinheit, welche das Schicksal ist, getrennt von sich hat. Er +ist zwar Schatten, _aufgehobner Dieser_, und somit allgemeines Selbst; +aber noch ist jene negative Bedeutung nicht in diese positive +umgeschlagen, und daher bedeutet zugleich das aufgehobne Selbst noch +unmittelbar diesen besondern und wesenlosen.--Das Schicksal aber ohne +das Selbst bleibt die bewusstlose Nacht, die nicht zur Unterscheidung +in ihr noch zur Klarheit des Sich-selbst-wissens kommt. + +Dieser Glauben an das Nichts der Notwendigkeit und an die Unterwelt +wird zum _Glauben_ an den _Himmel_, weil das abgeschiedne Selbst mit +seiner Allgemeinheit sich vereinen, in ihr das, was es enthaelt, +auseinanderschlagen und so sich klar werden muss. Dieses _Reich_ des +Glaubens aber sahen wir nur im Elemente des Denkens seinen Inhalt +ohne den Begriff entfalten, und es darum in seinem Schicksale, +naemlich in der _Religion_ der _Aufklaerung_, untergehen. In dieser +stellt sich das uebersinnliche Jenseits des Verstandes wieder her, +aber so, dass das Selbstbewusstsein diesseits befriedigt steht, und das +uebersinnliche, das _leere_ nicht zu erkennende noch zu fuerchtende +jenseits weder als Selbst noch als Macht weiss. + +In der Religion der Moralitaet ist endlich dies wiederhergestellt, dass +das absolute Wesen ein positiver Inhalt ist, aber er ist mit der +Negativitaet der Aufklaerung vereinigt. Er ist ein _Sein_, das ebenso +ins Selbst zurueckgenommen und darin eingeschlossen bleibt, und ein +_unterschiedner Inhalt_, dessen Teile ebenso unmittelbar negiert, als +sie aufgestellt sind. Das Schicksal aber, worin diese +widersprechende Bewegung versinkt, ist das seiner, als des Schicksals +der _Wesenheit_ und _Wirklichkeit_, bewusste Selbst. + +Der sich selbst wissende Geist ist in der Religion unmittelbar sein +eignes reines _Selbstbewusstsein_. Diejenigen Gestalten desselben, +die betrachtet worden--der wahre, der sich entfremdete, und der +seiner selbst gewisse Geist--, machen zusammen ihn in seinem +_Bewusstsein_ aus, das seiner _Welt_ gegenuebertretend in ihr sich +nicht erkennt. Aber im Gewissen unterwirft er sich wie seine +gegenstaendliche Welt ueberhaupt, so auch seine Vorstellung und seine +bestimmten Begriffe, und ist nun bei sich seiendes Selbstbewusstsein. +In diesem hat er fuer sich, als _Gegenstand vorgestellt_, die +Bedeutung, der allgemeine Geist zu sein, der alles Wesen und alle +Wirklichkeit in sich enthaelt; ist aber nicht in der Form freier +Wirklichkeit oder der selbststaendig erscheinenden Natur. Er hat zwar +_Gestalt_ oder die Form des Seins, indem er _Gegenstand_ seines +Bewusstseins ist, aber weil dieses in der Religion in der wesentlichen +Bestimmung, _Selbst_bewusstsein zu sein, gesetzt ist, ist die Gestalt +sich vollkommen durchsichtig; und die Wirklichkeit, die er enthaelt, +ist in ihm eingeschlossen oder in ihm aufgehoben, gerade auf die +Weise, wie wenn wir _alle Wirklichkeit_ sprechen; sie ist die +_gedachte_, allgemeine Wirklichkeit. + +Indem also in der Religion die Bestimmung des eigentlichen +Bewusstseins des Geistes nicht die Form des freien _Andersseins_ hat, +so ist sein _Dasein_ von seinem _Selbstbewusstsein_ unterschieden, und +seine eigentliche Wirklichkeit faellt ausser der Religion; es ist wohl +_ein_ Geist beider, aber sein Bewusstsein umfasst nicht beide zumal, +und die Religion erscheint als ein Teil des Daseins und Tuns und +Treibens, dessen anderer Teil das Leben in seiner wirklichen Welt ist. +Wie wir nun es wissen, dass der Geist in seiner Welt und der seiner +als Geist bewusste Geist oder der Geist in der Religion dasselbe sind, +so besteht die Vollendung der Religion darin, dass beides einander +gleich werde, nicht nur dass seine Wirklichkeit von der Religion +befasst ist, sondern umgekehrt, dass er sich als seiner selbst bewusster +Geist wirklich und _Gegenstand seines Bewusstseins_ werde.--Insofern +der Geist in der Religion sich ihm selbst _vorstellt_, ist er zwar +Bewusstsein, und die in ihr eingeschlossne Wirklichkeit ist die Gestalt +und das Kleid seiner Vorstellung. Der Wirklichkeit widerfaehrt aber +in dieser Vorstellung nicht ihr vollkommnes Recht, naemlich nicht nur +Kleid zu sein, sondern selbststaendiges freies Dasein; und umgekehrt +ist sie, weil ihr die Vollendung in ihr selbst mangelt, eine +_bestimmte_ Gestalt, die nicht dasjenige erreicht, was sie darstellen +soll, naemlich den seiner selbst bewussten Geist. Dass seine Gestalt +ihn selbst ausdrueckte, muesste sie selbst nichts anderes sein als er, +und er sich so erschienen oder wirklich sein, wie er in seinem Wesen +ist. Dadurch allein wuerde auch das erreicht, was die Foderung des +Gegenteils zu sein scheinen kann, naemlich dass der _Gegenstand_ seines +Bewusstseins die Form freier Wirklichkeit zugleich hat; aber nur der +Geist, der sich als absoluter Geist Gegenstand ist, ist sich eine +ebenso freie Wirklichkeit, als er darin seiner selbst bewusst bleibt. + +Indem zunaechst das Selbstbewusstsein und das eigentliche Bewusstsein, +die _Religion_ und der Geist in seiner Welt oder das _Dasein_ des +Geistes unterschieden wird, so besteht das letztere in dem Ganzen des +Geistes, insofern seine Momente als auseinandertretend und jedes fuer +sich sich darstellt. Die Momente aber sind das _Bewusstsein_, das +_Selbstbewusstsein_, die _Vernunft_ und der _Geist_;--der Geist +naemlich als unmittelbarer Geist, der noch nicht das Bewusstsein des +Geistes ist. Ihre _zusammengefasste_ Totalitaet macht den Geist in +seinem weltlichen Dasein ueberhaupt aus; der Geist als solcher enthaelt +die bisherigen Gestaltungen in den allgemeinen Bestimmungen, den +soeben genannten Momenten. Die Religion setzt den ganzen Ablauf +derselben voraus und ist die _einfache_ Totalitaet oder das absolute +Selbst derselben.--Der Verlauf derselben ist uebrigens im Verhaeltnisse +zur Religion nicht in der Zeit vorzustellen. Der ganze Geist nur ist +in der Zeit, und die Gestalten, welche Gestalten des ganzen _Geistes_ +als solchen sind, stellen sich in einer Aufeinanderfolge dar; denn +nur das Ganze hat eigentliche Wirklichkeit, und daher die Form der +reinen Freiheit gegen anderes, die sich als Zeit ausdrueckt. Aber die +_Momente_ desselben, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft und Geist +haben, weil sie Momente sind, kein voneinander verschiednes Dasein. +--Wie der Geist von seinen Momenten unterschieden wurde, so ist noch +drittens von diesen Momenten selbst ihre vereinzelnte Bestimmung zu +unterscheiden. Jedes jener Momente sahen wir naemlich wieder an ihm +selbst sich in einem eignen Verlaufe unterscheiden und verschieden +gestalten; wie z.B. am Bewusstsein die sinnliche Gewissheit, +Wahrnehmung sich unterschied. Diese letztern Seiten treten in der +Zeit auseinander und gehoeren einem _besondern Ganzen_ an.--Denn der +Geist steigt aus seiner _Allgemeinheit_ durch die _Bestimmung_ zur +_Einzelnheit_ herab. Die Bestimmung oder Mitte ist _Bewusstsein, +Selbstbewusstsein_ u.s.f. Die _Einzelnheit_ aber machen die Gestalten +dieser Momente aus. Diese stellen daher den Geist in seiner +Einzelnheit oder _Wirklichkeit_ dar und unterscheiden sich in der +Zeit, so jedoch, dass die folgende die vorhergehenden an ihr behaelt. + +Wenn daher die Religion die Vollendung des Geistes ist, worin die +einzelnen Momente desselben, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft +und Geist, als in ihren _Grund zurueckgehen_ und _zurueckgegangen_ sind, +so machen sie zusammen die _daseiende Wirklichkeit_ des ganzen +Geistes aus, welcher nur _ist_ als die unterscheidende und in sich +zurueckgehende Bewegung dieser seiner Seiten. Das Werden _der +Religion ueberhaupt_ ist in der Bewegung der allgemeinen Momente +enthalten. Indem aber jedes dieser Attribute, wie es nicht nur im +allgemeinen sich bestimmt, sondern wie es _an und fuer sich_ ist, d.h. +wie es in sich selbst sich als Ganzes verlauft, dargestellt wurde, so +ist damit auch nicht nur das Werden der Religion _ueberhaupt_ +entstanden, sondern jene vollstaendigen Verlaeufe der _einzelnen_ +Seiten enthalten zugleich die _Bestimmtheiten der Religion_ selbst. +Der ganze Geist, der Geist der Religion, ist wieder die Bewegung, aus +seiner Unmittelbarkeit zum _Wissen_ dessen zu gelangen, was er _an +sich_ oder unmittelbar ist, und es zu erreichen, dass die _Gestalt_, +in welcher er fuer sein Bewusstsein erscheint, seinem Wesen vollkommen +gleiche, und er sich anschaue, wie er ist.--In diesem Werden ist er +also selbst in _bestimmten_ Gestalten, welche die Unterschiede dieser +Bewegung ausmachen; zugleich hat damit die bestimmte Religion ebenso +einen _bestimmten wirklichen_ Geist. Wenn also dem sich wissenden +Geiste ueberhaupt Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Vernunft und Geist +angehoeren, so gehoeren den _bestimmten_ Gestalten des sich wissenden +Geistes die _bestimmten_ Formen an, welche sich innerhalb des +Bewusstseins, Selbstbewusstseins, der Vernunft und des Geistes an jedem +besonders entwickelten. Die _bestimmte_ Gestalt der Religion greift +fuer ihren wirklichen Geist aus den Gestalten eines jeden seiner +Momente diejenige heraus, welche ihr entspricht. Die _eine_ +Bestimmtheit der Religion greift durch alle Seiten ihres wirklichen +Daseins hindurch und drueckt ihnen dies gemeinschaftliche Gepraege auf. + +Auf diese Weise ordnen sich nun die Gestalten, die bis hieher +auftraten, anders, als sie in ihrer Reihe erschienen, worueber vorher +noch das Noetige kurz zu bemerken ist.--In der betrachteten Reihe +bildete sich jedes Moment, sich in sich vertiefend, zu einem Ganzen +in seinem eigentuemlichen Prinzip aus; und das Erkennen war die Tiefe, +oder der Geist, worin sie, die fuer sich kein Bestehen haben, ihre +Substanz hatten. Diese Substanz ist aber nunmehr herausgetreten; sie +ist die Tiefe des seiner selbst gewissen Geistes, welche es dem +einzelnen Prinzip nicht gestattet, sich zu isolieren und in sich +selbst zum Ganzen zu machen, sondern diese Momente alle in sich +versammelnd und zusammenhaltend, schreitet sie in diesem gesamten +Reichtum ihres wirklichen Geistes fort, und alle seine besondern +Momente nehmen und empfangen gemeinschaftlich die gleiche +Bestimmtheit des Ganzen in sich.--Dieser seiner selbst gewisse Geist +und seine Bewegung ist ihre wahrhafte Wirklichkeit und das _An- und +Fuer-sich_-sein, das jedem einzelnen zukommt.--Wenn also die bisherige +_eine_ Reihe in ihrem Fortschreiten durch Knoten die Rueckgaenge in ihr +bezeichnete, aber aus ihnen sich wieder in _eine_ Laenge fortsetzte, +so ist sie nunmehr gleichsam an diesen Knoten, den allgemeinen +Momenten, gebrochen und in viele Linien zerfallen, welche in _einen_ +Bund zusammengefasst, sich zugleich symmetrisch vereinen, so dass die +gleichen Unterschiede, in welche jede besondre innerhalb ihrer sich +gestaltete, zusammentreffen.--Es erhellt uebrigens aus der ganzen +Darstellung von selbst, wie diese hier vorgestellte Beiordnung der +allgemeinen Richtungen zu verstehen ist, dass es ueberfluessig wird, die +Bemerkung zu machen, dass diese Unterschiede wesentlich nur als +Momente des Werdens, nicht als Teile zu fassen sind; an dem +wirklichen Geiste sind sie Attribute seiner Substanz; an der Religion +aber vielmehr nur Praedikate des Subjekts.--Ebenso sind _an sich_ oder +_fuer uns_ wohl alle Formen ueberhaupt im Geiste und in jedem enthalten; +aber es kommt bei seiner Wirklichkeit ueberhaupt allein darauf an, +welche Bestimmtheit fuer ihn in seinem _Bewusstsein_ ist, in welcher er +sein Selbst ausgedrueckt oder in welcher Gestalt er sein Wesen weiss. + +Der Unterschied, der zwischen dem _wirklichen_ Geiste und ihm, der +sich als Geist weiss, oder zwischen sich selbst als Bewusstsein und als +Selbstbewusstsein gemacht wurde, ist in dem Geiste aufgehoben, der +sich nach seiner Wahrheit weiss; sein Bewusstsein und sein +Selbstbewusstsein sind ausgeglichen. Wie aber hier die Religion erst +_unmittelbar_ ist, ist dieser Unterschied noch nicht in den Geist +zurueckgegangen. Es ist nur der _Begriff_ der Religion gesetzt; in +diesem ist das Wesen das _Selbstbewusstsein_, das sich alle Wahrheit +ist, und in dieser alle Wirklichkeit enthaelt. Dieses +Selbstbewusstsein hat als Bewusstsein sich zum Gegenstande; der erst +sich _unmittelbar_ wissende Geist ist sich also Geist in der _Form_ +der _Unmittelbarkeit_, und die Bestimmtheit der Gestalt, worin er +sich erscheint, ist die des _Seins_. Dies Sein ist zwar weder mit +der Empfindung oder dem mannigfaltigen Stoffe, noch mit sonstigen +einseitigen Momenten, Zwecken und Bestimmungen _erfuellt_, sondern mit +dem Geiste, und wird von sich als alle Wahrheit und Wirklichkeit +gewusst. Diese _Erfuellung_ ist auf diese Weise ihrer _Gestalt_, er +als Wesen seinem Bewusstsein nicht gleich. Er ist erst als absoluter +Geist wirklich, indem er, wie er in der _Gewissheit seiner selbst_, +sich auch in seiner _Wahrheit_ ist, oder die Extreme, in die er sich +als Bewusstsein teilt, in Geistsgestalt fuereinander sind. Die +Gestaltung, welche der Geist als Gegenstand seines Bewusstseins +annimmt, bleibt von der Gewissheit des Geistes als von der Substanz +erfuellt; durch diesen Inhalt verschwindet dies, dass der Gegenstand +zur reinen Gegenstaendlichkeit, zur Form der Negativitaet des +Selbstbewusstseins herabsaenke. Die unmittelbare Einheit des Geistes +mit sich selbst ist die Grundlage oder reines Bewusstsein, _innerhalb_ +dessen das Bewusstsein auseinandertritt. Auf diese Weise in sein +reines Selbstbewusstsein eingeschlossen, existiert er in der Religion +nicht als der Schoepfer einer _Natur_ ueberhaupt; sondern was er in +dieser Bewegung hervorbringt, sind seine Gestalten als Geister, die +zusammen die Vollstaendigkeit seiner Erscheinung ausmachen, und diese +Bewegung selbst ist das Werden seiner vollkommnen Wirklichkeit durch +die einzelnen Seiten derselben, oder seine unvollkommnen +Wirklichkeiten. + +Die erste Wirklichkeit desselben ist der Begriff der Religion selbst, +oder sie als _unmittelbare_ und also _natuerliche Religion_; in ihr +weiss der Geist sich als seinen Gegenstand in natuerlicher oder +unmittelbarer Gestalt. Die _zweite_ aber ist notwendig diese, sich +in der Gestalt der _aufgehobnen Natuerlichkeit_ oder des _Selbsts_ zu +wissen. Sie ist also die _kuenstliche Religion_; denn zur Form des +_Selbsts_ erhebt sich die Gestalt durch das _Hervorbringen_ des +Bewusstseins, wodurch dieses in seinem Gegenstande sein Tun oder das +Selbst anschaut. Die _dritte_ endlich hebt die Einseitigkeit der +beiden ersten auf; das _Selbst_ ist ebensowohl ein _unmittelbares_, +als die _Unmittelbarkeit Selbst_ ist. Wenn in der ersten der Geist +ueberhaupt in der Form des Bewusstseins, in der zweiten--des +Selbstbewusstseins ist, so ist er in der dritten in der Form der +Einheit beider; er hat die Gestalt des _An_und _Fuer-sich-seins_; und +indem er also vorgestellt ist, wie er an und fuer sich ist, so ist +dies die _offenbare Religion_. Ob er aber in ihr wohl zu seiner +wahren _Gestalt_ gelangt, so ist eben die _Gestalt_ selbst und die +_Vorstellung_ noch die unueberwundne Seite, von der er in den +_Begriff_ uebergehen muss, um die Form der Gegenstaendlichkeit in ihm +ganz aufzuloesen, in ihm, der ebenso dies sein Gegenteil in sich +schliesst. Alsdann hat der Geist den Begriff seiner selbst erfasst, +wie wir nur erst ihn erfasst haben, und seine Gestalt oder das Element +seines Daseins, indem sie der Begriff ist, ist er selbst. + + +A. Natuerliche Religion + +Der den Geist wissende Geist ist Bewusstsein seiner selbst, und ist +sich in der Form des Gegenstaendlichen, er _ist_; und ist zugleich das +_Fuer-sich-sein. Er ist fuer sich_, er ist die Seite des +_Selbst_bewusstseins, und zwar gegen die Seite seines Bewusstseins, +oder des Sich-auf-sich-als-_Gegenstand_-beziehens. In seinem +Bewusstsein ist die Entgegensetzung und hiedurch die _Bestimmtheit_ +der Gestalt, in welcher er sich erscheint und weiss. Um diese ist es +in dieser Betrachtung der Religion allein zu tun, denn sein +ungestaltetes Wesen oder sein reiner Begriff hat sich schon ergeben. +Der Unterschied des Bewusstseins und Selbstbewusstseins faellt aber +zugleich innerhalb des letztern; die Gestalt der Religion enthaelt +nicht das Dasein des Geistes, wie er vom Gedanken freie Natur, noch +wie er vom Dasein freier Gedanke ist; sondern sie ist das im Denken +erhaltne Dasein, so wie ein Gedachtes, das sich da ist.--Nach der +_Bestimmtheit_ dieser Gestalt, in welcher der Geist sich weiss, +unterscheidet sich eine Religion von einer andern; allein es ist +zugleich zu bemerken, dass die Darstellung dieses seines Wissens von +sich nach dieser _einzelnen Bestimmtheit_ in der Tat nicht das Ganze +einer wirklichen Religion erschoepft. Die Reihe der verschiednen +Religionen, die sich ergeben werden, stellt ebensosehr wieder nur die +verschiednen Seiten einer einzigen, und zwar _jeder einzelnen_ dar, +und die Vorstellungen, welche eine wirkliche Religion vor einer +andern auszuzeichnen scheinen, kommen in jeder vor. Allein zugleich +muss die Verschiedenheit auch als eine Verschiedenheit der Religion +betrachtet werden. Denn indem der Geist sich im Unterschiede seines +Bewusstseins und seines Selbstbewusstseins befindet, so hat die +Bewegung das Ziel, diesen Hauptunterschied aufzuheben, und der +Gestalt, die Gegenstand des Bewusstseins ist, die Form des +Selbstbewusstseins zu geben. Dieser Unterschied ist aber nicht +dadurch schon aufgehoben, dass die Gestalten, die jenes enthaelt, auch +das Moment des Selbsts an ihnen haben, und der Gott als +_Selbstbewusstsein vorgestellt_ wird. Das _vorgestellte_ Selbst ist +nicht das _wirkliche_; dass es, wie jede andre naehere Bestimmung der +Gestalt, dieser in Wahrheit angehoere, muss es teils durch das Tun des +Selbstbewusstseins in sie gesetzt werden, teils muss die niedrige +Bestimmung von der hoehern aufgehoben und begriffen zu sein sich +zeigen. Denn das Vorgestellte hoert nur dadurch auf, vorgestelltes +und seinem Wissen fremd zu sein, dass das Selbst es hervorgebracht hat, +und also die Bestimmung des Gegenstandes als die _seinige_, somit +sich in ihm anschaut.--Durch diese Taetigkeit ist die niedrigere +Bestimmung zugleich verschwunden; denn das Tun ist das negative, das +sich auf Kosten eines andern ausfuehrt; insofern sie auch noch +vorkommt, so ist sie in die Unwesentlichkeit zurueckgetreten; so wie +dagegen, wo die niedrigere noch herrschend ist, die hoehere aber auch +vorkommt, die eine selbstlos neben der andern Platz hat. Wenn daher +die verschiednen Vorstellungen innerhalb einer einzelnen Religion +zwar die ganze Bewegung ihrer Formen darstellen, so ist der Charakter +einer jeden durch die besondre Einheit des Bewusstseins und des +Selbstbewusstseins bestimmt, das ist, dadurch dass das letztere die +Bestimmung des Gegenstands des erstern in sich gefasst, sie durch sein +Tun sich vollkommen angeeignet und sie als die wesentliche gegen die +andern weiss.--Die Wahrheit des Glaubens an eine Bestimmung des +religioesen Geistes zeigt sich darin, dass der _wirkliche_ Geist so +beschaffen ist wie die Gestalt, in der er sich in der Religion +anschaut,--wie z.B. die Menschwerdung Gottes, die in der +morgenlaendischen Religion vorkommt, keine Wahrheit hat, weil ihr +wirklicher Geist ohne diese Versoehnung ist.--Hieher gehoert es nicht, +von der Totalitaet der Bestimmungen zu der einzelnen zurueckzukehren +und zu zeigen, in welcher Gestalt innerhalb ihrer und ihrer besondern +Religion die Vollstaendigkeit der uebrigen enthalten ist. Die hoehere +Form unter eine niedrigere zurueckgestellt entbehrt ihrer Bedeutung +fuer den selbstbewussten Geist, gehoert ihm nur oberflaechlich und seiner +Vorstellung an. Sie ist in ihrer eigentuemlichen Bedeutung und da zu +betrachten, wo sie Prinzip dieser besondern Religion und durch ihren +wirklichen Geist bewaehrt ist. + + + +a. Das Lichtwesen + +Der Geist, als das _Wesen_, welches _Selbstbewusstsein_ ist--oder das +selbstbewusste Wesen, welches alle Wahrheit ist und alle Wirklichkeit +als sich selbst weiss--, ist gegen die Realitaet, die er in der +Bewegung seines Bewusstseins sich gibt, nur erst _sein Begriff_, und +dieser Begriff ist gegen den Tag dieser Entfaltung die Nacht seines +Wesens, gegen das Dasein seiner Momente als selbststaendiger Gestalten +das schoepferische Geheimnis seiner Geburt. Dies Geheimnis hat in +sich selbst seine Offenbarung; denn das Dasein hat in diesem Begriffe +seine Notwendigkeit, weil er der sich wissende Geist ist, also in +seinem Wesen das Moment hat, Bewusstsein zu sein und sich +gegenstaendlich vorzustellen.--Es ist das reine Ich, das in seiner +Entaeusserung, in sich als _allgemeinem Gegenstande_ die Gewissheit +seiner selbst hat, oder dieser Gegenstand ist fuer es die +Durchdringung alles Denkens und aller Wirklichkeit. + +In der unmittelbaren ersten Entzweiung des sich wissenden absoluten +Geistes hat seine Gestalt diejenige Bestimmung, welche dem +_unmittelbaren Bewusstsein_ oder der _sinnlichen_ Gewissheit zukommt. +Er schaut sich in der Form des _Seins_ an, jedoch nicht des +geistlosen mit zufaelligen Bestimmungen der Empfindung erfuellten +_Seins_, das der sinnlichen Gewissheit angehoert, sondern es ist das +mit dem Geiste erfuellte Sein. Es schliesst ebenso die Form in sich, +welche an dem unmittelbaren _Selbstbewusstsein_ vorkam, die Form des +_Herrn_ gegen das von seinem Gegenstande zuruecktretende +Selbstbewusstsein des Geistes.--Dies mit dem Begriffe des Geistes +erfuellte _Sein_ ist also die _Gestalt_ der _einfachen_ Beziehung des +Geistes auf sich selbst, oder die Gestalt der Gestaltlosigkeit. Sie +ist vermoege dieser Bestimmung das reine, alles enthaltende und +erfuellende _Lichtwesen_ des Aufgangs, das sich in seiner formlosen +Substantialitaet erhaelt. Sein Anderssein ist das ebenso einfache +Negative, die _Finsternis_; die Bewegungen seiner eignen Entaeusserung, +seine Schoepfungen in dem widerstandslosen Elemente seines Andersseins +sind Lichtguesse, sie sind in ihrer Einfachheit zugleich sein +Fuer-sich-werden und Rueckkehr aus seinem Dasein, die Gestaltung +verzehrende Feuerstroeme. Der Unterschied, den es sich gibt, wuchert +zwar in der Substanz des Daseins fort und gestaltet sich zu den +Formen der Natur; aber die wesentliche Einfachheit seines Denkens +schweift bestandlos und unverstaendig in ihnen umher, erweitert ihre +Grenzen zum Masslosen, und loest ihre zur Pracht gesteigerte Schoenheit +in ihrer Erhabenheit auf. + +Der Inhalt, den dies reine Sein entwickelt, oder sein Wahrnehmen ist +daher ein wesenloses Beiherspielen an dieser Substanz, die nur +_aufgeht_, ohne in sich _niederzugehen_, Subjekt zu werden und durch +das Selbst ihre Unterschiede zu befestigen. Ihre Bestimmungen sind +nur Attribute, die nicht zur Selbststaendigkeit gedeihen, sondern nur +Namen des vielnamigen Einen bleiben. Dieses ist mit den mannigfachen +Kraeften des Daseins und den Gestalten der Wirklichkeit als mit einem +selbstlosen Schmucke angekleidet; sie sind nur eignen Willens +entbehrende Boten seiner Macht, Anschauungen seiner Herrlichkeit und +Stimmen seines Preises. + +Dies taumelnde Leben aber muss sich zum _Fuer-sich-sein_ bestimmen und +seinen verschwindenden Gestalten Bestehen geben. Das _unmittelbare +Sein_, in welchem es sich seinem Bewusstsein gegenueberstellt, ist +selbst die _negative_ Macht, die seine Unterschiede aufloest. Es ist +also in Wahrheit das _Selbst_; und der Geist geht darum dazu ueber, +sich in der Form des Selbsts zu wissen. Das reine Licht wirft seine +Einfachheit als eine Unendlichkeit von Formen auseinander und gibt +sich dem Fuer-sich-sein zum Opfer dar, dass das Einzelne das Bestehen +an seiner Substanz sich nehme. + + +b. Die Pflanze und das Tier + +Der selbstbewusste Geist, der aus dem gestaltlosen Wesen in sich +gegangen oder seine Unmittelbarkeit zum Selbst ueberhaupt erhoben, +bestimmt seine Einfachheit als eine Mannigfaltigkeit des +Fuer-sich-seins, und ist die Religion der geistigen _Wahrnehmung_, +worin er in die zahllose Vielheit schwaecherer und kraeftigerer, +reicherer und aermerer Geister zerfaellt. Dieser Pantheismus, zunaechst +das _ruhige_ Bestehen dieser Geisteratomen, wird zur _feindseligen_ +Bewegung in sich selbst. Die Unschuld der _Blumenreligion_, die nur +selbstlose Vorstellung des Selbsts ist, geht in den Ernst des +kaempfenden Lebens, in die Schuld der _Tierreligion_, die Ruhe und +Ohnmacht der anschauenden Individualitaet in das zerstoerende +Fuer-sich-sein ueber.--Es hilft nichts, den Dingen der Wahrnehmung den +_Tod der Abstraktion_ genommen und sie zu Wesen geistiger Wahrnehmung +erhoben zu haben; die Beseelung dieses Geisterreichs hat ihn durch +die Bestimmtheit und die Negativitaet an ihr, die ueber die unschuldige +Gleichgueltigkeit derselben uebergreift. Durch sie wird die +Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit der ruhigen Pflanzengestalten +eine feindselige Bewegung, worin sie der Hass ihres Fuer-sich-seins +aufreibt.--Das _wirkliche_ Selbstbewusstsein dieses zerstreuten +Geistes ist eine Menge vereinzelnter ungeselliger Voelkergeister, die +in ihrem Hasse sich auf den Tod bekaempfen und bestimmter +Tiergestalten als ihres Wesens sich bewusst werden, denn sie sind +nichts anderes als Tiergeister, sich absondernde ihrer ohne +Allgemeinheit bewusste Tierleben. + +In diesem Hasse reibt sich aber die Bestimmtheit des rein negativen +Fuer-sich-seins auf, und durch diese Bewegung des Begriffs tritt der +Geist in eine andere Gestalt. Das _aufgehobne Fuer-sich-sein_ ist die +_Form_ des _Gegenstandes_, die durch das Selbst hervorgebracht oder +die vielmehr das hervorgebrachte, sich aufreibende, d.h. zum Dinge +werdende Selbst ist. \XDCber die nur zerreissenden Tiergeister behaelt +daher der Arbeitende die Oberhand, dessen Tun nicht nur negativ, +sondern beruhigt und positiv ist. Das Bewusstsein des Geistes ist +also nunmehr die Bewegung, die ueber das unmittelbare _An-sich-sein_ +wie ueber das abstrakte _Fuer-sich-sein_ hinaus ist. Indem das An-sich +zu einer Bestimmtheit durch den Gegensatz herabgesetzt ist, ist es +nicht mehr die eigne Form des absoluten Geistes, sondern eine +Wirklichkeit, die sein Bewusstsein sich entgegengesetzt als das +gemeine Dasein vorfindet, sie aufhebt, und ebenso nicht nur dies +aufhebende Fuer-sich-sein ist, sondern auch seine Vorstellung, das zur +Form eines Gegenstandes herausgesetzte Fuer-sich-sein hervorbringt. +Dies Hervorbringen ist jedoch noch nicht das vollkommne, sondern eine +bedingte Taetigkeit und das Formieren eines Vorhandnen. + + +c. Der Werkmeister + +Der Geist erscheint also hier als der _Werkmeister_, und sein Tun, +wodurch er sich selbst als Gegenstand hervorbringt, aber den Gedanken +seiner noch nicht erfasst hat, ist ein instinktartiges Arbeiten, wie +die Bienen ihre Zellen bauen. + +Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist sie die abstrakte +des Verstandes, und das Werk noch nicht an ihm selbst vom Geiste +erfuellt. Die Kristalle der Pyramiden und Obelisken, einfache +Verbindungen gerader Linien, mit ebnen Oberflaechen und gleichen +Verhaeltnissen der Teile, an denen die Inkommensurabilitaet des Runden +vertilgt ist, sind die Arbeiten dieses Werkmeisters der strengen Form. +Um der blossen Verstaendigkeit der Form willen ist sie nicht ihre +Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst. Die Werke +empfangen also nur den Geist entweder in sich, als einen fremden +abgeschiednen Geist, der seine lebendige Durchdringung mit der +Wirklichkeit verlassen, selbst tot in diese des Lebens entbehrende +Kristalle einkehrt;--oder sie beziehen sich aeusserlich auf ihn als auf +einen solchen, der selbst aeusserlich und nicht als Geist da ist--als +auf das aufgehende Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft. + +Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist ausgeht, des +_An-sich-seins_, das zum Stoffe wird, den er verarbeitet, und des +_Fuer-sich-seins_, welche _die Seite_ des arbeitenden +Selbstbewusstseins ist, ist ihm in seinem Werke gegenstaendlich +geworden. Seine fernere Bemuehung muss dahin gehen, diese Trennung der +Seele und des Leibs aufzuheben, jene an ihr selbst zu bekleiden und +zu gestalten, diesen aber zu beseelen. Beide Seiten, indem sie +einander naeher gebracht werden, behalten dabei die Bestimmtheit des +vorgestellten Geistes und seiner umgebenden Huelle gegeneinander; +seine Einigkeit mit sich selbst enthaelt diesen Gegensatz der +Einzelnheit und Allgemeinheit. Indem das Werk in seinen Seiten sich +selbst naehert, so geschieht dadurch zugleich auch das andre, dass es +dem arbeitenden Selbstbewusstsein naehertritt, und dieses zum Wissen +seiner, wie es an und fuer sich ist, in dem Werke gelangt. So aber +macht es nur erst die abstrakte Seite der _Taetigkeit_ des Geistes aus, +welche nicht in sich selbst noch ihren Inhalt, sondern an seinem +Werke, das ein Ding ist, weiss. Der Werkmeister selbst, der ganze +Geist, ist noch nicht erschienen, sondern ist das noch innre +verborgne Wesen, welches als Ganzes, nur zerlegt in das taetige +Selbstbewusstsein und in seinen hervorgebrachten Gegenstand, vorhanden +ist. + +Die umgebende Behausung also, die aeussere Wirklichkeit, die nur erst +in die abstrakte Form des Verstandes erhoben ist, arbeitet der +Werkmeister zur beseeltern Form aus. Er verwendet das Pflanzenleben +dazu, das nicht mehr wie dem fruehern unmaechtigen Pantheismus heilig +ist, sondern von ihm, der sich als das fuersichseiende Wesen erfasst, +als etwas Brauchbares genommen und zur Aussenseite und Zierde +zurueckgesetzt wird. Es wird aber nicht unveraendert verwendet, +sondern der Arbeiter der selbstbewussten Form vertilgt zugleich die +Vergaenglichkeit, welche die unmittelbare Existenz dieses Lebens an +ihm hat, und naehert seine organischen Formen den strengern und +allgemeinern des Gedankens. Die organische Form, die freigelassen in +der Besonderheit fortwuchert, ihrerseits von der Form des Gedankens +unterjocht, erhebt andererseits diese geradlinigten und ebnen +Gestalten zur beseeltern Rundung,--eine Vermischung, welche die +Wurzel der freien Architektur wird. + +Diese Wohnung, die Seite des _allgemeinen Elements_ oder der +unorganischen Natur des Geistes schliesst nun auch eine Gestalt der +_Einzelnheit_ in sich, die den vorher von dem Dasein abgeschiednen +ihm innern oder aeusserlichen Geist der Wirklichkeit naeherbringt, und +dadurch das Werk dem taetigen Selbstbewusstsein gleicher macht. Der +Arbeiter greift zuerst zur Form des _Fuer-sich-seins_ ueberhaupt, zur +_Tiergestalt_. Dass er sich seiner nicht mehr unmittelbar im +Tierleben bewusst ist, beweist er dadurch, dass er gegen dieses sich +als die hervorbringende Kraft konstituiert und in ihm als _seinem_ +Werke sich weiss; wodurch sie zugleich eine aufgehobne und die +Hieroglyphe einer andern Bedeutung, eines Gedankens wird. Daher wird +sie auch nicht mehr allein und ganz vom Arbeiter gebraucht, sondern +mit der Gestalt des Gedankens, mit der menschlichen, vermischt. Noch +fehlt dem Werke aber die Gestalt und Dasein, worin das Selbst als +Selbst existiert;--es fehlt ihm noch dies, an ihm selbst es +auszusprechen, dass es eine innre Bedeutung in sich schliesst, es fehlt +ihm die Sprache, das Element, worin der erfuellende Sinn selbst +vorhanden ist. Das Werk daher, wenn es sich von dem Tierischen auch +ganz gereinigt, und die Gestalt des Selbstbewusstseins allein an ihm +traegt, ist die noch tonlose Gestalt, die des Strahls der aufgehenden +Sonne bedarf, um Ton zu haben, der vom Lichte erzeugt, auch nur Klang +und nicht Sprache ist, nur ein aeusseres Selbst, nicht das innre zeigt. + +Diesem aeussern Selbst der Gestalt steht die andere gegenueber, welche +anzeigt, ein _Innres_ an ihr zu haben. Die in ihr Wesen +zurueckgehende Natur setzt ihre lebendige sich vereinzelnde und in +ihrer Bewegung sich verwirrende Mannigfaltigkeit zu einem +unwesentlichen Gehaeuse herab, das die _Decke des Innern_ ist; und +dieses Innre ist zunaechst noch die einfache Finsternis, das Unbewegte, +der schwarze formlose Stein. + +Beide Darstellungen enthalten die _Innerlichkeit_ und das _Dasein_, +--die beiden Momente des Geistes; und beide Darstellungen beide +zugleich in entgegengesetztem Verhaeltnisse, das Selbst sowohl als +Innres wie als Aeusseres. Beides ist zu vereinigen.--Die Seele der +menschlich geformten Bildsaeule kommt noch nicht aus dem Innern, ist +noch nicht die Sprache, das Dasein, das an ihm selbst innerlich ist, +--und das Innre des vielformigen Daseins ist noch das Tonlose, sich +nicht in sich selbst Unterscheidende, und von seinem Aeussern, dem alle +Unterschiede gehoeren, noch Getrennte.--Der Werkmeister vereint daher +beides in der Vermischung der natuerlichen und der selbstbewussten +Gestalt, und diese zweideutigen sich selbst raetselhaften Wesen, das +Bewusste ringend mit dem Bewusstlosen, das einfache Innre mit dem +vielgestalteten Aeussern, die Dunkelheit des Gedankens mit der Klarheit +der Aeusserung paarend, brechen in die Sprache tiefer +schwerverstaendlicher Weisheit aus. + +In diesem Werke hoert die instinktartige Arbeit auf, die dem +Selbstbewusstsein gegenueber das bewusstlose Werk erzeugte; denn in ihm +kommt der Taetigkeit des Werkmeisters, welche das Selbstbewusstsein +ausmacht, ein ebenso selbstbewusstes, sich aussprechendes Innres +entgegen. Er hat sich darin zu der Entzweiung seines Bewusstseins +emporgearbeitet, worin der Geist dem Geiste begegnet. In dieser +Einheit des selbstbewussten Geistes mit sich selbst, insofern er sich +Gestalt und Gegenstand seines Bewusstseins ist, reinigen sich also +seine Vermischungen mit der bewusstlosen Weise der unmittelbaren +Naturgestalt. Diese Ungeheuer an Gestalt, Rede und Tat loesen sich +zur geistigen Gestaltung auf,--einem Aeussern, das in sich gegangen, +--einem Innern, das sich aus sich und an sich selbst aeussert; zum +Gedanken, der sich gebaerendes und seine Gestalt ihm gemaess erhaltendes +und klares Dasein ist. Der Geist ist _Kuenstler_. + + +B. Die Kunst-Religion + +Der Geist hat seine Gestalt, in welcher er fuer sein Bewusstsein ist, +in die Form des Bewusstseins selbst erhoben, und bringt eine solche +sich hervor. Der Werkmeister hat das _synthetische_ Arbeiten, das +_Vermischen_ der fremdartigen Formen des Gedankens und des +Natuerlichen aufgegeben; indem die Gestalt die Form der selbstbewussten +Taetigkeit gewonnen, ist er geistiger Arbeiter geworden. + +Fragen wir darnach, welches der _wirkliche_ Geist ist, der in der +Kunstreligion das Bewusstsein seines absoluten Wesens hat, so ergibt +sich, dass es der _sittliche_ oder der _wahre_ Geist ist. Er ist +nicht nur die allgemeine Substanz aller Einzelnen, sondern indem sie +fuer das wirkliche Bewusstsein die Gestalt des Bewusstseins hat, so +heisst dies soviel, dass sie, die Individualisation hat, von ihnen als +ihr eignes Wesen und Werk gewusst wird. Weder ist sie so fuer sie das +Lichtwesen, in dessen Einheit das Fuer-sich-sein des Selbstbewusstseins +nur negativ, nur vergehend enthalten ist, und den Herrn seiner +Wirklichkeit anschaut,--noch ist sie das rastlose Verzehren sich +hassender Voelker,--noch die Unterjochung derselben zu Kasten, die +zusammen den Schein der Organisation eines vollendeten Ganzen +ausmachen, dem aber die allgemeine Freiheit der Individuen fehlt. +Sondern er ist das freie Volk, worin die Sitte die Substanz aller +ausmacht, deren Wirklichkeit und Dasein alle und jeder einzelne als +seinen Willen und Tat weiss. + +Die Religion des sittlichen Geistes ist aber seine Erhebung ueber +seine Wirklichkeit, das Zurueckgehen _aus seiner Wahrheit_ in das +reine _Wissen seiner selbst_. Indem das sittliche Volk in der +unmittelbaren Einheit mit seiner Substanz lebt und das Prinzip der +reinen Einzelnheit des Selbstbewusstseins nicht an ihm hat, so tritt +seine Religion in ihrer Vollendung erst im _Scheiden_ von seinem +_Bestehen_ auf. Denn die _Wirklichkeit_ der sittlichen Substanz +beruht teils auf ihrer ruhigen _Unwandelbarkeit_ gegen die absolute +Bewegung des Selbstbewusstseins, und hiemit darauf, dass dieses noch +nicht aus seiner ruhigen Sitte und seinem festen Vertrauen in sich +gegangen ist;--teils auf seiner Organisation in eine Vielheit von +Rechten und Pflichten, sowie in die Verteilung in die Massen der +Staende und ihres besondern Tuns, das zum Ganzen zusammenwirkt; +--hiemit darauf, dass der Einzelne mit der Beschraenkung seines Daseins +zufrieden ist und den schrankenlosen Gedanken seines freien Selbsts +noch nicht erfasst hat. Aber jenes ruhige _unmittelbare_ Vertrauen +zur Substanz geht in das Vertrauen _zu sich_ und in die _Gewissheit +seiner selbst_ zurueck, und die Vielheit der Rechte und Pflichten wie +das beschraenkte Tun ist dieselbe dialektische Bewegung des Sittlichen, +als die Vielheit der Dinge und ihrer Bestimmungen,--eine Bewegung, +die nur in der Einfachheit des seiner gewissen Geistes ihre Ruhe und +Festigkeit findet.--Die Vollendung der Sittlichkeit zum freien +Selbstbewusstsein und das Schicksal der sittlichen Welt ist daher die +in sich gegangene Individualitaet, der absolute Leichtsinn des +sittlichen Geistes, der alle festen Unterschiede seines Bestehens und +die Massen seiner organischen Gegliederung in sich aufgeloest, und +vollkommen seiner sicher zur schrankenlosen Freudigkeit und zum +freisten Genusse seiner selbst gelangt ist. Diese einfache Gewissheit +des Geistes in sich ist das Zweideutige, ruhiges Bestehen und feste +Wahrheit, sowie absolute Unruhe und das Vergehen der Sittlichkeit zu +sein. Sie schlaegt aber in das letztre um, denn die Wahrheit des +sittlichen Geistes ist nur erst noch dies substantielle Wesen und +Vertrauen, worin das Selbst sich nicht als freie Einzelheit weiss, und +das daher in dieser Innerlichkeit oder in dem Freiwerden des Selbsts +zugrunde geht. Indem also das Vertrauen gebrochen, die Substanz des +Volks in sich geknickt ist, so ist der Geist, der die Mitte von +bestandlosen Extremen war, nunmehr in das Extrem des sich als Wesen +erfassenden Selbstbewusstseins herausgetreten. Dieses ist der in sich +gewisse Geist, der ueber den Verlust seiner Welt trauert und sein +Wesen, ueber die Wirklichkeit erhoben, nun aus der Reinheit des +Selbsts hervorbringt. + +In solcher Epoche tritt die absolute Kunst hervor; frueher ist sie das +instinktartige Arbeiten, das ins Dasein versenkt aus ihm heraus und +in es hineinarbeitet, nicht an der freien Sittlichkeit seine Substanz, +und daher auch zum arbeitenden Selbst nicht die freie geistige +Taetigkeit hat. Spaeter ist der Geist ueber die Kunst hinaus, um seine +hoehere Darstellung zu gewinnen;--naemlich nicht nur die aus dem Selbst +geborne _Substanz_, sondern in seiner Darstellung als Gegenstand, +_dieses Selbst_ zu sein, nicht nur aus seinem Begriffe sich zu +gebaeren, sondern seinen Begriff selbst zur Gestalt zu haben, so dass +der Begriff und das erzeugte Kunstwerk sich gegenseitig als ein und +dasselbe wissen. + +Indem also die sittliche Substanz aus ihrem Dasein sich in ihr reines +Selbstbewusstsein zurueckgenommen, so ist dieses die Seite des Begriffs +oder der _Taetigkeit_, mit welcher der Geist sich als Gegenstand +hervorbringt. Sie ist reine Form, weil der Einzelne im sittlichen +Gehorsam und Dienste sich alles bewusstlose Dasein und feste +Bestimmung so abgearbeitet hat, wie die Substanz selbst dies fluessige +Wesen geworden ist. Diese Form ist die Nacht, worin die Substanz +verraten ward, und sich zum Subjekte machte; aus dieser Nacht der +reinen Gewissheit seiner selbst ist es, dass der sittliche Geist als +die von der Natur und seinem unmittelbaren Dasein befreite Gestalt +aufersteht. + +Die _Existenz_ des reinen Begriffs in den der Geist aus seinem Koerper +geflohen, ist ein Individuum, das er sich zum Gefaesse seines +Schmerzens erwaehlt. Er ist an diesem als sein Allgemeines und seine +Macht, von welcher es Gewalt leidet,--als sein Pathos, dem hingegeben +sein Selbstbewusstsein die Freiheit verliert. Aber jene positive +Macht der Allgemeinheit wird vom reinen Selbst des Individuums, als +der negativen Macht, bezwungen. Diese reine Taetigkeit, ihrer +unverlierbaren Kraft bewusst, ringt mit dem ungestalteten Wesen; +Meister darueber werdend, hat sie das Pathos zu ihrem Stoffe gemacht +und sich ihren Inhalt gegeben, und diese Einheit tritt als Werk +heraus, der allgemeine Geist individualisiert und vorgestellt. + + +a. Das abstrakte Kunstwerk + +Das erste Kunstwerk ist, als das unmittelbare, das abstrakte und +einzelne. Seinerseits hat es sich aus der unmittelbaren und +gegenstaendlichen Weise dem Selbstbewusstsein entgegenzubewegen, wie +andererseits dieses fuer sich im Kultus darauf geht, die +Unterscheidung aufzuheben, die es sich zuerst gegen seinen Geist gibt, +und hiedurch das an ihm selbst belebte Kunstwerk hervorzubringen. + +Die erste Weise, in welcher der kuenstlerische Geist seine Gestalt und +sein taetiges Bewusstsein am weitesten voneinander entfernt, ist die +unmittelbare, dass jene als _Ding_ ueberhaupt _da ist_.--Sie zerfaellt +an ihr in den Unterschied der Einzelnheit, welche die Gestalt des +Selbsts an ihr hat, und der Allgemeinheit, welche das unorganische +Wesen in bezug auf die Gestalt, als seine Umgebung und Behausung, +darstellt. Diese gewinnt durch die Erhebung des Ganzen in den reinen +Begriff ihre reine dem Geiste angehoerige Form. Sie ist weder der +verstaendige Kristall, der das Tote behaust, oder von der aeusserlichen +Seele beschienen wird, noch die aus der Pflanze erst hervorgehende +Vermischung der Formen der Natur und des Gedankens, dessen Taetigkeit +hierin noch ein _Nachahmen_ ist. Sondern der Begriff streift das ab, +was von der Wurzel, dem Geaeste und Geblaetter den Formen noch anklebt, +und reinigt sie zu Gebilden, worin das Geradlinigte und Ebne des +Kristalls in inkommensurable Verhaeltnisse erhoben ist, so dass die +Beseelung des Organischen in die abstrakte Form des Verstandes +aufgenommen und zugleich ihr Wesen, die Inkommensurabilitaet fuer den +Verstand erhalten wird. + +Der inwohnende Gott aber ist der aus dem Tiergehaeuse hervorgezogne +schwarze Stein, der mit dem Lichte des Bewusstseins durchdrungen ist. +Die menschliche Gestalt streift die tierische, mit der sie vermischt +war, ab; das Tier ist fuer den Gott nur eine zufaellige Verkleidung; es +tritt neben seine wahre Gestalt, und gilt fuer sich nichts mehr, +sondern ist zur Bedeutung eines andern, zum blossen Zeichen, +herabgesunken. Die Gestalt des Gottes streift eben dadurch an ihr +selbst auch die Beduerftigkeit der natuerlichen Bedingungen des +tierischen Daseins ab, und deutet die innerlichen Anstalten des +organischen Lebens in ihre Oberflaeche verschmolzen und nur dieser +angehoerig an.--Das _Wesen_ des Gottes aber ist die Einheit des +allgemeinen Daseins der Natur und des selbstbewussten Geistes, der in +seiner Wirklichkeit jenem gegenueberstehend erscheint. Zugleich +zunaechst eine _einzelne_ Gestalt, ist sein Dasein eines der Elemente +der Natur, so wie seine selbstbewusste Wirklichkeit ein einzelner +Volksgeist. Aber jenes ist in dieser Einheit das in den Geist +reflektierte Element, die durch den Gedanken verklaerte, mit dem +selbstbewussten Leben geeinte Natur. Die Goettergestalt hat darum ihr +Naturelement als ein aufgehobnes, als eine dunkle Erinnerung in ihr. +Das wueste Wesen und der verworrene Kampf des freien Daseins der +Elemente, das unsittliche Reich der Titanen, ist besiegt, und an den +Saum der sich klar gewordnen Wirklichkeit, an die trueben Grenzen der +sich im Geiste findenden und beruhigten Welt verwiesen. Diese alten +Goetter, in welche das Lichtwesen, mit der Finsternis zeugend, sich +zunaechst besonders, der Himmel, die Erde, der Ozean, die Sonne, das +blinde typhonische Feuer der Erde u.s.f. sind durch Gestalten ersetzt, +die an ihnen nur noch den dunkel erinnernden Anklang an jene Titanen +haben, und nicht mehr Naturwesen, sondern klare sittliche Geister der +selbstbewussten Voelker sind. + +Diese einfache Gestalt hat also die Unruhe der unendlichen +Vereinzelung--ihrer sowohl als des Naturelements, das nur als +allgemeines Wesen notwendig, in seinem Dasein und Bewegung aber sich +zufaellig verhaelt, wie ihrer als des Volks, das in die besondere +Massen des Tuns und in die individuellen Punkte des Selbstbewusstseins +zerstreut ein Dasein mannigfaltigen Sinnes und Tuns hat--an sich +vertilgt und in ruhige Individualitaet zusammengefasst. Es steht ihr +daher das Moment der Unruhe, ihr--dem _Wesen_ das _Selbstbewusstsein_ +gegenueber, das als die Geburtsstaette derselben fuer sich nichts uebrig +behielt, als die _reine Taetigkeit_ zu sein. Was der Substanz +angehoert, gab der Kuenstler ganz seinem Werke mit, sich selbst aber +als einer bestimmten Individualitaet in seinem Werke keine +Wirklichkeit; er konnte ihm die Vollendung nur dadurch erteilen, dass +er seiner Besonderheit sich entaeusserte, und zur Abstraktion des +reinen Tuns sich entkoerperte und steigerte.--In dieser ersten +unmittelbaren Erzeugung ist die Trennung des Werks und seiner +selbstbewussten Taetigkeit noch nicht wieder vereinigt; das Werk ist +daher nicht fuer sich das wirklich beseelte, sondern es ist _Ganzes_ +nur mit seinem _Werden_ zusammen. Das Gemeine an dem Kunstwerke, dass +es im Bewusstsein erzeugt und von Menschenhaenden gemacht ist, ist das +Moment des als Begriff existierenden Begriffes, der ihm +gegenuebertritt. Und wenn dieser, als Kuenstler oder als Betrachter, +das Kunstwerk als an ihm selbst absolut beseelt auszusprechen, und +sich, den Tuenden oder Schauenden, zu vergessen uneigennuetzig genug +ist, so muss hiegegen der Begriff des Geistes festgehalten werden, der +des Moments nicht entbehren kann, seiner selbst bewusst zu sein. Dies +Moment aber steht dem Werke gegenueber, weil er in dieser seiner +ersten Entzweiung beiden Seiten ihre abstrakten Bestimmungen des +_Tuns_ und _Ding_seins gegeneinander gibt, und ihre Rueckkehr in die +Einheit, von der sie ausgingen, noch nicht zustande gekommen ist. + +Der Kuenstler erfaehrt also an seinem Werke, dass er _kein ihm gleiches_ +Wesen hervorbrachte. Es kommt ihm zwar daraus ein Bewusstsein so +zurueck, dass eine bewundernde Menge es als den Geist, der ihr Wesen +ist, verehrt. Aber diese Beseelung, indem sie ihm sein +Selbstbewusstsein nur als Bewunderung erwidert, ist vielmehr ein +Bekenntnis, das diese Beseelung an den Kuenstler ablegt, nicht +seinesgleichen zu sein. Indem es ihm als Freudigkeit ueberhaupt +zurueckkommt, findet er darin nicht den Schmerz seiner Bildung und +Zeugung, nicht die Anstrengung seiner Arbeit. Sie moegen das Werk +auch noch beurteilen, oder ihm Opfer bringen, auf welche Art es sei, +ihr Bewusstsein darein legen,--wenn sie sich mit ihrer Kenntnis +darueber setzen, weiss er, wieviel mehr seine _Tat_ als ihr Verstehen +und Reden ist; wenn sie sich _darunter_ setzen und ihr sie +beherrschendes _Wesen_ darin erkennen, weiss er sich als den Meister +desselben. + +Das Kunstwerk erfodert daher ein anderes Element seines Daseins, der +Gott einen andern Hervorgang als diesen, worin er aus der Tiefe +seiner schoepferischen Nacht in das Gegenteil in die Aeusserlichkeit, +die Bestimmung des selbstbewusstlosen _Dinges_ herabfaellt. Dies +hoehere Element ist die _Sprache_--ein Dasein, das unmittelbar +selbstbewusste Existenz ist. Wie das _einzelne_ Selbstbewusstsein in +ihr da ist, ist es ebenso unmittelbar als eine _allgemeine_ +Ansteckung; die vollkommne Besonderung des Fuer-sich-seins ist +zugleich die Fluessigkeit und die allgemein mitgeteilte Einheit der +vielen Selbst; sie ist die als Seele existierende Seele. Der Gott +also, der die Sprache zum Elemente seiner Gestalt hat, ist das an ihm +selbst beseelte Kunstwerk, das die reine Taetigkeit, die ihm, der als +Ding existierte, gegenueber war, unmittelbar in seinem Dasein hat. +Oder das Selbstbewusstsein bleibt in dem Gegenstaendlichwerden seines +Wesens unmittelbar bei sich. Es ist, so in seinem Wesen bei sich +selbst seiend, _reines Denken_ oder die Andacht, deren +_Innerlichkeit_ in der Hymne zugleich _Dasein_ hat. Sie behaelt die +Einzelnheit des Selbstbewusstseins in ihr, und vernommen ist diese +Einzelnheit zugleich als allgemeine da; die Andacht, in allen +angezuendet, ist der geistige Strom, der, in der Vielfachheit des +Selbstbewusstseins, seiner als eines gleichen _Tuns_ Aller und als +_einfaches Sein_ bewusst ist; der Geist hat als dieses allgemeine +Selbstbewusstsein Aller seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das +Sein fuer Andre und das Fuer-sich-sein der Einzelnen in _einer_ Einheit. + +Diese Sprache unterscheidet sich von einer andern Sprache des Gottes, +die nicht die des allgemeinen Selbstbewusstseins ist. Das _Orakel_ +sowohl des Gottes der kuenstlerischen als der vorhergehenden +Religionen ist die notwendige erste Sprache desselben, denn in seinem +_Begriffe_ liegt ebensowohl, dass er das Wesen der Natur als des +Geistes ist, und daher nicht nur natuerliches, sondern auch geistiges +Dasein hat. Insofern dies Moment erst in seinem _Begriffe_ liegt, +und noch nicht in der Religion realisiert ist, so ist die Sprache fuer +das religioese Selbstbewusstsein Sprache eines fremden +Selbstbewusstseins. Das seiner Gemeine noch _fremde_ Selbstbewusstsein +_ist_ noch nicht so _da_, wie sein Begriff fodert. Das Selbst ist +das einfache und dadurch schlechthin _allgemeine_ Fuer-sich-sein; +jenes aber, das von dem Selbstbewusstsein der Gemeine getrennt ist, +ist nur erst ein _einzelnes_.--Der Inhalt dieser eignen und einzelnen +Sprache ergibt sich aus der allgemeinen Bestimmtheit, in welcher der +absolute Geist ueberhaupt in seiner Religion gesetzt ist.--Der +allgemeine Geist des Aufgangs, der sein Dasein noch nicht besonders +hat, spricht also ebenso einfache und allgemeine Saetze vom Wesen aus, +deren substantieller Inhalt in seiner einfachen Wahrheit erhaben ist, +aber um dieser Allgemeinheit willen, dem weiter sich fortbildenden +Selbstbewusstsein zugleich trivial erscheint. + +Das weiter gebildete Selbst, das sich zum _Fuer-sich-sein_ erhebt, ist +ueber das reine Pathos der Substanz, ueber die Gegenstaendlichkeit des +aufgehenden Lichtwesens Meister, und weiss jene Einfachheit der +Wahrheit, als das _an-sich-seiende_, das nicht die Form des +zufaelligen Daseins durch eine fremde Sprache hat, sondern _als das +sichre und ungeschriebene Gesetze der Goetter, das ewig lebt, und von +dem niemand weiss, von wannen es erschien_.--Wie die allgemeine +Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde, hier ins Innre oder +Untre zurueckgetreten und damit der Form der zufaelligen Erscheinung +enthoben ist, so ist dagegen in der Kunstreligion, weil die Gestalt +des Gottes das Bewusstsein und damit die Einzelnheit ueberhaupt +angenommen hat, die eigne Sprache des Gottes, der der Geist des +sittlichen Volkes ist, das Orakel, das die besondern Angelegenheiten +desselben weiss, und das Nuetzliche darueber kundtut. Die allgemeinen +Wahrheiten aber, weil sie als das _An-sich-seiende_ gewusst werden, +vindiziert sich das _wissende Denken_, und die Sprache derselben ist +ihm nicht mehr eine fremde, sondern die eigne. Wie jener Weise des +Altertums, was gut und schoen sei, in seinem eignen Denken suchte, +dagegen den schlechten zufaelligen Inhalt des Wissens, ob es ihm gut +sei, mit diesem oder jenem umzugehen, oder einem Bekannten gut, diese +Reise zu machen und dergleichen bedeutungslose Dinge, dem Daemon zu +wissen ueberliess, ebenso holt das allgemeine Bewusstsein das Wissen vom +Zufaelligen von den Voegeln, oder von den Baeumen oder von der gaerenden +Erde, deren Dampf dem Selbstbewusstsein seine Besonnenheit nimmt; denn +das Zufaellige ist das Unbesonnene und Fremde, und das sittliche +Bewusstsein laesst sich also auch, wie durch ein Wuerfeln, auf eine +unbesonnene und fremde Weise darueber bestimmen. Wenn der Einzelne +durch seinen Verstand sich bestimmt und mit Ueberlegung das waehlt, was +ihm nuetzlich sei, so liegt dieser Selbstbestimmung die Bestimmtheit +des besondern Charakters zum Grunde; sie ist selbst das Zufaellige; +und jenes Wissen des Verstands, was dem Einzelnen nuetzlich ist, daher +ein eben solches Wissen als das jener Orakel oder des Loses; nur dass, +der das Orakel oder Los befragt, damit die sittliche Gesinnung der +Gleichgueltigkeit gegen das Zufaellige ausdrueckt, da jenes hingegen das +an sich Zufaellige als wesentliches Interesse seines Denkens und +Wissens behandelt. Das Hoehere als beide aber ist, zwar die +Ueberlegung zum Orakel des zufaelligen Tuns zu machen, aber diese +ueberlegte Handlung selbst wegen ihrer Seite der Beziehung auf das +Besondre und ihrer Nuetzlichkeit als etwas Zufaelliges zu wissen. + +Das wahre selbstbewusste Dasein, das der Geist in der Sprache, die +nicht die Sprache des fremden und also zufaelligen, nicht allgemeinen +Selbstbewusstseins ist, erhaelt, ist das Kunstwerk, das wir vorhin +gesehen. Es steht dem dinglichen der Bildsaeule gegenueber. Wie diese +das ruhende, so ist jenes das verschwindende Dasein; wie in diesem +die Gegenstaendlichkeit frei entlassen des eignen unmittelbaren +Selbsts entbehrt, so bleibt sie dagegen in jenem zu sehr in das +Selbst eingeschlossen, kommt zu wenig zur Gestaltung, und ist, wie +die Zeit, unmittelbar nicht mehr da, indem sie da ist. + +Die Bewegung beider Seiten, in der die im reinen empfindenden +Elemente des Selbstbewusstseins _bewegte_, und die im Elemente der +Dingheit _ruhende_ goettliche Gestalt gegenseitig ihre verschiedne +Bestimmung aufgeben und die Einheit zum Dasein kommt, die der Begriff +ihres Wesens ist, macht der _Kultus_ aus. In ihm gibt sich das +Selbst das Bewusstsein des Herabsteigens des goettlichen Wesens aus +seiner Jenseitigkeit zu ihm, und dieses, das vorher das unwirkliche +und nur gegenstaendliche ist, erhaelt dadurch die eigentliche +Wirklichkeit des Selbstbewusstseins. + +Dieser Begriff des Kultus ist an sich schon in dem Strome des +hymnischen Gesanges enthalten und vorhanden. Diese Andacht ist die +unmittelbare reine Befriedigung des Selbsts durch und in sich selbst. +Es ist die gereinigte Seele, welche in dieser Reinheit unmittelbar +nur Wesen und eins mit dem Wesen ist. Sie ist um ihrer Abstraktion +willen nicht das seinen Gegenstand von sich unterscheidende +Bewusstsein, und also nur die Nacht seines Daseins und die _bereitete +Staette_ seiner Gestalt. Der _abstrakte Kultus_ erhebt daher das +Selbst dazu, dieses reine _goettliche Element_ zu sein. Die Seele +vollbringt diese Laeuterung mit Bewusstsein; doch ist sie noch nicht +das Selbst, das in seine Tiefen hinabgestiegen, sich als das Boese +weiss, sondern es ist ein _seiendes_, eine Seele, welche ihre +Aeusserlichkeit mit Waschen reinigt, sie mit weissen Kleidern antut, und +ihre Innerlichkeit den vorgestellten Weg der Arbeiten, Strafen und +Belohnungen, den Weg der die Besonderheit entaeussernden Bildung +ueberhaupt durchfuehrt, durch welchen sie in die Wohnungen und die +Gemeinschaft der Seligkeit gelangt. + +Dieser Kultus ist nur erst _ein geheimes_, d.h. ein nur vorgestelltes, +unwirkliches Vollbringen; er muss _wirkliche_ Handlung sein, eine +unwirkliche Handlung widerspricht sich selbst. _Das eigentliche +Bewusstsein_ erhebt sich dadurch in sein _reines_ Selbstbewusstsein. +Das Wesen hat in ihm die Bedeutung eines freien Gegenstands, durch +den wirklichen Kultus kehrt dieser in das Selbst zurueck,--und +insofern er im reinen Bewusstsein die Bedeutung des reinen jenseits +der Wirklichkeit wohnenden Wesens hat, steigt dies Wesen von seiner +Allgemeinheit durch diese Vermittlung zur Einzelnheit herunter und +schliesst sich so mit der Wirklichkeit zusammen. + +Wie beide Seiten in die Handlung eintreten, bestimmt sich so, dass fuer +die selbstbewusste Seite, insofern sie _wirkliches_ Bewusstsein ist, +das Wesen sich als die _wirkliche Natur_ darstellt; einesteils gehoert +sie ihm als Besitz und Eigentum und gilt als das nicht +_an-sich_-seiende Dasein;--andernteils ist sie _seine eigne_ +unmittelbare Wirklichkeit und Einzelnheit, die von ihm ebenso als +Nichtwesen betrachtet und aufgehoben wird. Zugleich aber hat fuer +sein _reines_ Bewusstsein jene aeussere Natur die _entgegengesetzte_ +Bedeutung, naemlich das _ansichseiende_ Wesen zu sein, gegen welches +das Selbst seine Unwesentlichkeit aufopfert, wie es umgekehrt die +unwesentliche Seite der Natur sich selbst aufopfert. Die Handlung +ist dadurch geistige Bewegung, weil sie dies Doppelseitige ist, die +Abstraktion des _Wesens_, wie die Andacht den Gegenstand bestimmt, +aufzuheben und es zum Wirklichen zu machen, und das _Wirkliche_, wie +das Handelnde den Gegenstand und sich bestimmt, auf- und in die +Allgemeinheit zu erheben. + +Die Handlung des Kultus selbst beginnt daher mit der reinen _Hingabe_ +eines Besitzes, den der Eigentuemer scheinbar fuer ihn ganz nutzlos +vergiesst oder in Rauch aufsteigen laesst. Er tut hierin vor dem Wesen +seines reinen Bewusstseins auf Besitz und Recht des Eigentumes und des +Genusses desselben, auf die Persoenlichkeit und die Rueckkehr des Tuns +in das Selbst Verzicht, und reflektiert die Handlung vielmehr in das +Allgemeine oder in das Wesen, als in sich.--Umgekehrt aber geht darin +ebenso das _seiende Wesen_ zugrunde. Das Tier, das aufgeopfert wird, +ist das _Zeichen_ eines Gottes; die Fruechte, die verzehrt werden, +sind die _lebendige_ Ceres und Bacchus _selbst_;--in jenem sterben +die Maechte des obern Rechts, welches Blut und wirkliches Leben hat; +in diesen aber die Maechte des untern Rechts, das blutlos die geheime +listige Macht besitzt.--Die Aufopferung der goettlichen Substanz +gehoert, insofern sie _Tun_ ist, der selbstbewussten Seite an; dass +dieses wirkliche Tun moeglich sei, muss das Wesen sich selbst schon _an +sich_ aufgeopfert haben. Dies hat es darin getan, dass es sich +_Dasein_ gegeben und zum _einzelnen Tiere_ und zur _Frucht_ gemacht +hat. Diese Verzichtleistung, die also das Wesen schon _an sich_ +vollbracht, stellt das handelnde Selbst im Dasein und fuer sein +Bewusstsein dar, und ersetzt jene _unmittelbare_ Wirklichkeit des +Wesens durch die hoehere, naemlich die _seiner selbst_. Denn die +entstandne Einheit, die das Resultat der aufgehobnen Einzelnheit und +Trennung beider Seiten ist, ist nicht das nur negative Schicksal, +sondern hat positive Bedeutung. Nur dem abstrakten unterirdischen +Wesen wird das ihm Aufgeopferte ganz hingegeben, und damit die +Reflexion des Besitzes und des Fuer-sich-seins in das Allgemeine, von +dem Selbst als solchem unterschieden, bezeichnet. Zugleich aber ist +dies nur ein geringer _Teil_, und das andre Opfern ist nur die +Zerstoerung des Unbrauchbaren und vielmehr die Zubereitung des +Geopferten zum Mahle, dessen Schmaus die Handlung um ihre negative +Bedeutung betriegt. Der Opfernde behaelt bei jenem ersten Opfer das +meiste und von diesem das Nutzbare _seinem Genusse_ auf. Dieser +Genuss ist die negative Macht, welche das _Wesen_ sowie die +_Einzelnheit_ aufhebt, und zugleich ist er die positive Wirklichkeit, +worin das _gegenstaendliche_ Dasein des Wesens in _selbstbewusstes_ +verwandelt, und das Selbst das Bewusstsein seiner Einheit mit dem +Wesen hat. + +Dieser Kultus ist uebrigens zwar eine wirkliche Handlung, ihre +Bedeutung liegt jedoch mehr nur in der Andacht; was dieser angehoert, +ist nicht gegenstaendlich hervorgebracht, so wie das Resultat im +_Genusse_ sich selbst seines Daseins beraubt. Der Kultus geht daher +weiter und ersetzt diesen Mangel zunaechst dadurch, dass er seiner +Andacht ein _gegenstaendliches Bestehen_ gibt, indem er die gemeinsame +oder einzelne jedem tunliche Arbeit ist, welche die Wohnung und den +Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt.--Es wird dadurch teils die +Gegenstaendlichkeit der Bildsaeule aufgehoben, denn durch diese Weihung +seiner Geschenke und Arbeiten macht der Arbeitende den Gott sich +geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehoerig an; teils auch ist dies +Tun nicht das einzelne Arbeiten des Kuenstlers, sondern diese +Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgeloest. Es ist aber nicht +nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt, und der Segen seiner +Geneigtheit fliesst nicht nur in der _Vorstellung_ auf den Arbeiter, +sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung gegen die erste +der Entaeusserung und der fremden Ehre. Die Wohnungen und Hallen des +Gottes sind fuer den Gebrauch des Menschen, die Schaetze, die in jenen +aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen; die Ehre, die jener in +seinem Schmucke geniesst, ist die Ehre des kunstreichen und +grossmuetigen Volkes. Am Feste schmueckt dieses ebenso seine eignen +Wohnungen und Bekleidungen sowie seine Verrichtungen mit zierlichem +Geraete. Es empfaengt auf diese Weise fuer seine Gaben die Erwiderung +von dem dankbaren Gotte und die Beweise seiner Geneigtheit, in der es +sich mit ihm durch die Arbeit verband, nicht in der Hoffnung und +einer spaeten Wirklichkeit, sondern hat in der Ehrenbezeugung und +Darbringung der Gaben unmittelbar den Genuss seines eignen Reichtumes +und Putzes. + + +b. Das lebendige Kunstwerk + +Das Volk, das in dem Kultus der Kunstreligion sich seinem Gotte naht, +ist das sittliche Volk, das seinen Staat und die Handlungen desselben +als den Willen und das Vollbringen seiner selbst weiss. Dieser Geist, +dem selbstbewussten Volke gegenuebertretend, ist daher nicht das +Lichtwesen, das selbstlos nicht die Gewissheit der Einzelnen in sich +enthaelt, sondern vielmehr nur ihr allgemeines Wesen und die herrische +Macht ist, worin sie verschwinden. Der Kultus der Religion dieses +einfachen gestaltlosen Wesens gibt seinen Angehoerigen daher nur dies +im Allgemeinen zurueck, dass sie das Volk ihres Gottes sind; er erwirbt +ihnen nur ihr Bestehen und einfache Substanz ueberhaupt, nicht aber +ihr wirkliches Selbst, das vielmehr verworfen ist. Denn sie verehren +ihren Gott als die leere Tiefe, nicht als Geist. Der Kultus aber der +Kunstreligion entbehrt andererseits jener abstrakten _Einfachheit_ +des Wesens, und daher der _Tiefe_ desselben. Das _Wesen_ aber, das +mit _dem Selbst unmittelbar geeinigt ist_, ist _an sich_ der Geist +und die _wissende Wahrheit_, obzwar noch nicht die gewusste, oder die +sich selbst in ihrer Tiefe wissende. Weil das Wesen also hier das +Selbst an ihm hat, so ist seine Erscheinung dem Bewusstsein freundlich, +und im Kultus erhaelt dieses nicht nur die allgemeine Berechtigung +seines Bestehens, sondern auch sein in ihm selbst bewusstes Dasein; so +wie umgekehrt das Wesen nicht in einem verworfnen Volke, dessen +Substanz nur anerkannt wird, selbstlose Wirklichkeit hat, sondern in +dem Volke, dessen _Selbst_ in seiner Substanz anerkannt ist. + +Aus dem Kultus tritt also das in seinem Wesen befriedigte +Selbstbewusstsein und der Gott eingekehrt in es als in seine Staette. +Diese _Staette_ ist fuer sich die Nacht der Substanz oder ihre reine +Individualitaet, aber nicht mehr die gespannte des Kuenstlers, die noch +nicht mit ihrem _gegenstaendlich_ werdenden Wesen sich ausgesoehnt hat, +sondern die befriedigte Nacht, welche ihr Pathos unbeduerftig an ihr +hat, weil sie aus der Anschauung, der aufgehobnen Gegenstaendlichkeit +zurueckkehrt.--Dieses _Pathos_ ist fuer sich das Wesen des _Aufgangs_, +das aber nunmehr in sich _untergegangen_ ist, und seinen Untergang, +das Selbstbewusstsein und damit Dasein und Wirklichkeit an ihm selbst +hat.--Es hat hier die Bewegung seiner Verwirklichung durchlaufen. +Sich aus seiner reinen Wesenheit herabsetzend zu einer +gegenstaendlichen Naturkraft und deren Aeusserungen, ist es ein Dasein +fuer das Andere, fuer das Selbst, von dem es verzehrt wird. Das stille +Wesen der selbstlosen Natur gewinnt in seiner Frucht die Stufe, worin +sie, sich selbst zubereitend und verdaut, sich dem selbstischen Leben +darbietet; sie erreicht in der Nuetzlichkeit, gegessen und getrunken +werden zu koennen, ihre hoechste Vollkommenheit; denn sie ist darin die +Moeglichkeit einer hoehern Existenz, und beruehrt das geistige Dasein; +--teils zur stillkraeftigen Substanz, teils aber zur geistigen Gaerung, +ist der Erdgeist in seiner Metamorphose dort zum weiblichen Prinzipe +der Ernaehrung, hier zum maennlichen Prinzipe der sich treibenden Kraft +des selbstbewussten Daseins gediehen. + +In diesem Genusse ist also jenes aufgehende Lichtwesen verraten, was +es ist; er ist das Mysterium desselben. Denn das Mystische ist nicht +Verborgenheit eines Geheimnisses oder Unwissenheit, sondern besteht +darin, dass das Selbst sich mit dem Wesen eins weiss, und dieses also +geoffenbart ist. Nur das Selbst ist sich offenbar, oder was offenbar +ist, ist es nur in der unmittelbaren Gewissheit seiner. In dieser +aber ist durch den Kultus das einfache Wesen gesetzt worden; es hat +als brauchbares Ding nicht nur das Dasein, das gesehen, gefuehlt, +gerochen, geschmeckt wird, sondern ist auch Gegenstand der Begierde, +und wird durch den wirklichen Genuss eins mit dem Selbst und dadurch +vollkommen an dieses verraten und ihm offenbar.--Dasjenige, von dem +gesagt wird, es sei der Vernunft, dem Herzen offenbar, ist in der Tat +noch geheim, denn es fehlt noch die wirkliche Gewissheit des +unmittelbaren Daseins, sowohl die gegenstaendliche als die geniessende, +welche in der Religion aber nicht nur die gedankenlose unmittelbare, +sondern zugleich die rein wissende des Selbsts ist. + +Was hiemit durch den Kultus dem selbstbewussten Geiste in ihm selbst +offenbar geworden, ist das _einfache_ Wesen, als die Bewegung, teils +aus seiner naechtlichen Verborgenheit herauf in das Bewusstsein zu +treten, dessen stillernaehrende Substanz zu sein, teils aber sich +ebenso wieder in die unterirdische Nacht, in das Selbst, zu verlieren +und oben nur mit stiller Muttersehnsucht zu verweilen.--Der lautre +Trieb aber ist das vielnamige Lichtwesen des Aufgangs, und sein +taumelndes Leben, das von seinem abstrakten Sein ebenso abgelassen, +sich zuerst in das gegenstaendliche Dasein der Frucht befasst, dann dem +Selbstbewusstsein sich hingebend, in ihm zur eigentlichen Wirklichkeit +gelangt,--nun als ein Haufen schwaermender Weiber umherschweift, der +ungebaendigte Taumel der Natur in selbstbewusster Gestalt. + +Noch ist aber dem Bewusstsein nur der absolute Geist, der dieses +einfache Wesen, und nicht der als der Geist an ihm selbst ist, +verraten, oder nur der _unmittelbare_ Geist, der Geist der Natur. +Sein selbstbewusstes Leben ist daher nur das Mysterium des Brotes und +des Weines, der Ceres und des Bacchus, nicht der andern, der +eigentlich obern Goetter, deren Individualitaet als wesentliches Moment +das Selbstbewusstsein als solches in sich schliesst. Noch hat sich ihm +also der Geist als _selbstbewusster_ Geist nicht geopfert, und das +Mysterium des Brots und Weins ist noch nicht Mysterium des Fleisches +und Blutes. + +Dieser unbefestigte Taumel des Gottes muss sich zum _Gegenstande_ +beruhigen, und die Begeisterung, die nicht zum Bewusstsein kam, ein +Werk hervorbringen, das ihr, wie der Begeisterung des vorhergehenden +Kuenstlers die Bildsaeule, zwar als ein ebenso vollendetes Werk +gegenuebertritt, aber nicht als ein an ihm lebloses, sondern als ein +_lebendiges_ Selbst.--Ein solcher Kultus ist das Fest, das der Mensch +zu seiner eignen Ehre sich gibt, jedoch in einen solchen noch nicht +die Bedeutung des absoluten Wesens legt; denn das _Wesen_ ist ihm +erst offenbar, noch nicht der Geist; nicht als solches, das +_wesentlich_ menschliche Gestalt annimmt. Aber dieser Kultus legt +den Grund zu dieser Offenbarung, und legt ihre Momente einzeln +auseinander. So hier das _abstrakte_ Moment der lebendigen +_Koerperlichkeit_ des Wesens, wie vorhin die Einheit beider in +bewusstloser Schwaermerei. Der Mensch stellt also an die Stelle der +Bildsaeule sich selbst, als zur vollkommen freien _Bewegung_ erzogene +und ausgearbeitete Gestalt, wie jene die vollkommen freie _Ruhe_ ist. +Wenn jeder einzelne wenigstens als Fackeltraeger sich darzustellen +weiss, so hebt sich Einer aus ihnen hervor, der die gestaltete +Bewegung, die glatte Ausarbeitung und fluessige Kraft aller Glieder +ist;--ein beseeltes lebendiges Kunstwerk, das mit seiner Schoenheit +die Staerke paart und dem der Schmuck, womit die Bildsaeule geehrt +wurde, als Preis seiner Kraft, und die Ehre, unter seinem Volke statt +des steinernen Gottes die hoechste leibliche Darstellung ihres Wesens +zu sein, zuteil wird. + +In den beiden Darstellungen, die soeben vorkamen, ist die Einheit des +Selbstbewusstseins und des geistigen Wesens vorhanden, es fehlt ihnen +aber noch ihr Gleichgewicht. In der bacchischen Begeisterung ist das +Selbst ausser sich, in der schoenen Koerperlichkeit aber das geistige +Wesen. Jene Dumpfheit des Bewusstseins und ihr wildes Stammeln muss in +das klare Dasein der letztern, und die geistlose Klarheit des +letztern in die Innerlichkeit der erstern aufgenommen werden. Das +vollkommne Element, worin die Innerlichkeit ebenso aeusserlich als die +Aeusserlichkeit innerlich ist, ist wieder die Sprache, aber weder die +in ihrem Inhalte ganz zufaellige und einzelne des Orakels, noch die +empfindende und nur den einzelnen Gott preisende Hymne, noch das +inhaltslose Stammeln der bacchischen Raserei. Sondern sie hat ihren +klaren und allgemeinen Inhalt gewonnen; ihren _klaren_ Inhalt, denn +der Kuenstler hat sich aus der ersten ganz substantiellen Begeisterung +heraus zur Gestalt gearbeitet, die eignes in allen seinen Regungen +von der selbstbewussten Seele durchdrungenes und mitgebendes Dasein +ist;--ihren _allgemeinen_ Inhalt, denn in diesem Feste, das die Ehre +des Menschen ist, verschwindet die Einseitigkeit der Bildsaeulen, die +nur einen Nationalgeist, einen bestimmten Charakter der Goettlichkeit +enthalten. Der schoene Fechter ist zwar die Ehre seines besondern +Volkes, aber er ist eine koerperliche Einzelnheit, worin die +Ausfuehrlichkeit und Ernst der Bedeutung und der innere Charakter des +Geistes, der das besondere Leben, Anliegen, Beduerfnisse und Sitten +seines Volkes traegt, untergegangen ist. In dieser Entaeusserung zur +voelligen Koerperlichkeit hat der Geist die besondern Eindruecke und +Anklaenge der Natur abgelegt, die er als der wirkliche Geist des Volks +in sich schloss. Sein Volk ist sich daher nicht mehr seiner +Besonderheit in ihm, sondern vielmehr der Ablegung derselben und der +Allgemeinheit seines menschlichen Daseins bewusst. + + +c. Das geistige Kunstwerk + +Die Volksgeister, die der Gestalt ihres Wesens in einem besondern +Tiere bewusst werden, gehen in _einen_ zusammen; so vereinigen sich +die besondern schoenen Volksgeister in _ein_ Pantheon, dessen Element +und Behausung die Sprache ist. Die reine Anschauung seiner selbst +als _allgemeiner Menschlichkeit_ hat an der Wirklichkeit des +Volksgeistes die Form, dass er sich mit den andern, mit denen er durch +die Natur _eine_ Nation ausmacht, zu einer gemeinschaftlichen +Unternehmung verbindet, und fuer dieses Werk ein Gesamtvolk und damit +einen Gesamthimmel bildet. Diese Allgemeinheit, zu der der Geist in +seinem Dasein gelangt, ist jedoch nur diese erste, die von der +Individualitaet des Sittlichen erst ausgeht, ihre Unmittelbarkeit noch +nicht ueberwunden, nicht _einen_ Staat aus diesen Voelkerschaften +gebildet hat. Die Sittlichkeit des wirklichen Volksgeistes beruht +teils auf dem unmittelbaren Vertrauen der Einzelnen zu dem Ganzen +ihres Volkes, teils auf dem unmittelbaren Anteil, den _Alle_, des +Unterschiedes von Staenden unerachtet, an den Entschluessen und +Handlungen der Regierung nehmen. In der Vereinigung, zunaechst nicht +in eine bleibende Ordnung, sondern nur zu einer gemeinsamen Handlung, +ist jene Freiheit des Anteils Aller und jeder _einstweilen_ auf die +Seite gestellt. Diese erste Gemeinschaftlichkeit ist daher mehr eine +Versammlung der Individualitaeten als die Herrschaft des abstrakten +Gedankens, der die Einzelnen ihres selbstbewussten Anteils an Willen +und Tat des Ganzen berauben wuerde. + +Die Versammlung der Volksgeister macht einen Kreis von Gestalten aus, +der itzt die ganze Natur wie die ganze sittliche Welt befasst. Auch +sie stehen unter dem _Oberbefehl_ mehr des Einen als seiner +_Oberherrschaft_. Fuer sich sind sie die allgemeinen Substanzen +dessen, was das _selbstbewusste_ Wesen _an sich_ ist und tut. Dieses +aber macht die Kraft und zunaechst den Mittelpunkt wenigstens aus, um +den jene allgemeinen Wesen sich bemuehen, der nur erst zufaelligerweise +ihre Geschaefte zu verbinden scheint. Aber die Rueckkehr des +goettlichen Wesens in das Selbstbewusstsein ist es, die schon den Grund +enthaelt, dass dieses den Mittelpunkt fuer jene goettlichen Kraefte bildet, +und die wesentliche Einheit zunaechst unter der Form einer +freundlichen aeusserlichen Beziehung beider Welten verbirgt. + +Dieselbe Allgemeinheit, welche diesem Inhalte zukommt, hat notwendig +auch die Form des Bewusstseins, in welcher er auftritt. Es ist nicht +mehr das wirkliche Tun des Kultus, sondern ein Tun, das zwar noch +nicht in den Begriff, sondern erst in die _Vorstellung_, in die +synthetische Verknuepfung des selbstbewussten und des aeussern Daseins +erhoben ist. Das Dasein dieser Vorstellung, die _Sprache_, ist die +erste Sprache, das _Epos_ als solches, das den allgemeinen Inhalt, +wenigstens als _Vollstaendigkeit_ der Welt, obzwar nicht als +_Allgemeinheit_ des _Gedankens_ enthaelt. Der _Saenger_ ist der +Einzelne und Wirkliche, aus dem als Subjekt dieser Welt sie erzeugt +und getragen wird. Sein Pathos ist nicht die betaeubende Naturmacht, +sondern die Mnemosyne, die Besinnung und gewordne Innerlichkeit, die +Erinnerung des vorhin unmittelbaren Wesens. Er ist das in seinem +Inhalte verschwindende Organ, nicht sein eignes Selbst gilt, sondern +seine Muse, sein allgemeiner Gesang. Was aber in der Tat vorhanden +ist, ist der Schluss, worin das Extrem der Allgemeinheit, die +Goetterwelt, durch die Mitte der Besonderheit mit der Einzelnheit, dem +Saenger, verknuepft ist. Die Mitte ist das Volk in seinen Helden, +welche einzelne Menschen sind, wie der Saenger, aber nur +_vorgestellte_ und dadurch zugleich _allgemeine_, wie das freie +Extrem der Allgemeinheit, die Goetter. + +In diesem Epos _stellt_ sich also ueberhaupt dem Bewusstsein dar, was +im Kultus _an sich_ zustande kommt, die Beziehung des Goettlichen auf +das Menschliche. Der Inhalt ist eine _Handlung_ des seiner selbst +bewussten Wesens. Das _Handeln_ stoert die Ruhe der Substanz und +erregt das Wesen, wodurch seine Einfachheit geteilt und in die +mannigfaltige Welt der natuerlichen und sittlichen Kraefte +aufgeschlossen ist. Die Handlung ist die Verletzung der ruhigen Erde, +die Grube, die durch das Blut beseelt, die abgeschiednen Geister +hervorruft, welche nach Leben durstend, es in dem Tun des +Selbstbewusstseins erhalten. Das Geschaefte, um welches die allgemeine +Bemuehung geht, bekommt die zwei Seiten, die _selbstische_, von einer +Gesamtheit wirklicher Voelker und den an ihrer Spitze stehenden +Individualitaeten, und die _allgemeine_, von ihren substantiellen +Maechten vollbracht zu werden. Die _Beziehung_ beider aber bestimmte +sich vorhin so, dass sie die _synthetische_ Verbindung des Allgemeinen +und Einzelnen, oder das _Vorstellen_ ist. Von dieser Bestimmtheit +haengt die Beurteilung dieser Welt ab.--Das Verhaeltnis beider ist +dadurch eine Vermischung, welche die Einheit des Tuns inkonsequent +verteilt, und die Handlung ueberfluessigerweise von der einen Seite zur +andern herueberwirft. Die allgemeinen Maechte haben die Gestalt der +Individualitaet und damit das Prinzip des Handelns an ihnen; ihr +Wirken erscheint daher als ein ebenso freies von ihnen ganz +ausgehendes Tun als das der Menschen. Ein und dasselbe haben daher +ebensowohl die Goetter als die Menschen getan. Der Ernst jener Maechte +ist ein laecherlicher Ueberfluss, da diese in der Tat die Kraft der +handelnden Individualitaet sind;--und die Anstrengung und Arbeit +dieser ist eine ebenso unnuetze Bemuehung, da jene vielmehr alles +lenken.--Die uebertaegigen Sterblichen, die das Nichts sind, sind +zugleich das maechtige _Selbst_, das die allgemeinen Wesen sich +unterwirft, die Goetter verletzt und ihnen ueberhaupt die Wirklichkeit +und ein Interesse des Tuns verschafft; wie umgekehrt diese +unmaechtigen Allgemeinheiten, die sich von den Gaben der Menschen +naehren und durch sie erst etwas zu tun bekommen, das natuerliche Wesen +und der Stoff aller Begebenheiten, und ebenso die sittliche Materie +und das Pathos des Tuns sind. Wenn ihre elementarischen Naturen +durch das freie Selbst der Individualitaet erst in Wirklichkeit und +betaetigtes Verhaeltnis gebracht werden, so sind sie ebensosehr das +Allgemeine, das sich dieser Verbindung entzieht, in seiner Bestimmung +unbeschraenkt bleibt und durch die unueberwindliche Elastizitaet seiner +Einheit die Punktualitaet des Taetigen und seine Figurationen ausloescht, +sich selbst rein erhaelt, und alles Individuelle in seiner +Fluessigkeit aufloest. + +Wie sie mit der entgegenstehenden selbstischen Natur in diese +widersprechende Beziehung fallen, ebenso geraet ihre Allgemeinheit mit +ihrer eignen Bestimmung und deren Verhaeltnis zu andern in Widerstreit. +Sie sind die ewigen schoenen Individuen, die, in ihrem eignen Dasein +ruhend, der Vergaenglichkeit und fremder Gewalt enthoben sind.--Aber +sie sind zugleich _bestimmte_ Elemente, _besondre_ Goetter, die sich +also zu andern verhalten. Aber das Verhaeltnis zu andern, das nach +seiner Entgegensetzung ein Streit mit ihnen ist, ist eine komische +Selbstvergessenheit ihrer ewigen Natur.--Die Bestimmtheit ist in das +goettliche Bestehen eingewurzelt und hat in seiner Begrenzung die +Selbststaendigkeit der ganzen Individualitaet; durch diese verlieren +ihre Charaktere zugleich die Schaerfe der Eigentuemlichkeit und +vermischen sich in ihrer Vieldeutigkeit.--Ein Zweck der Taetigkeit und +ihre Taetigkeit selbst, da sie gegen ein Anderes und somit gegen eine +unbesiegbare goettliche Kraft gerichtet ist, ist ein zufaelliges leeres +Aufspreizen, das ebenso zerfliesst und den anscheinenden Ernst der +Handlung in ein gefahrloses, seiner selbst sichres Spiel ohne +Resultat und Erfolg verwandelt. Wenn aber an der Natur ihrer +Goettlichkeit das Negative oder die Bestimmtheit derselben nur als die +Inkonsequenz ihrer Taetigkeit und der Widerspruch des Zwecks und des +Erfolgs erscheint, und jene selbststaendige Sicherheit ueber das +Bestimmte das Uebergewicht behaelt, so tritt ihr ebendadurch die _reine +Kraft_ des _Negativen_ gegenueber, und zwar als ihre letzte Macht, +ueber welche sie nichts vermoegen. Sie sind das Allgemeine und +Positive gegen das _einzelne Selbst_ der Sterblichen, das nicht gegen +ihre Macht aushaelt; aber das _allgemeine Selbst_ schwebt darum ueber +ihnen und ueber dieser ganzen Welt der Vorstellung, welcher der ganze +Inhalt angehoert; als die _begrifflose Leere der Notwendigkeit_--ein +Geschehen, gegen das sie sich selbstlos und traurend verhalten, denn +diese _bestimmten_ Naturen finden sich nicht in dieser Reinheit. + +Diese Notwendigkeit aber ist die _Einheit des Begriffes_, der die +widersprechende Substantialitaet der einzelnen Momente unterworfen ist, +worin die Inkonsequenz und Zufaelligkeit ihres Tuns sich ordnet und +das Spiel ihrer Handlungen seinen Ernst und Wert an ihnen selbst +erhaelt. Der Inhalt der Welt der Vorstellung spielt losgebunden fuer +sich in der _Mitte_ seine Bewegung, versammelt um die Individualitaet +eines Helden, der aber in seiner Kraft und Schoenheit sein Leben +gebrochen fuehlt und einem fruehen Tod entgegensehend trauert. Denn +die _in sich feste und wirkliche Einzelnheit_ ist an die Extremitaet +ausgeschlossen, und in ihre Momente entzweit, die sich noch nicht +gefunden und vereint. Das eine Einzelne, das _abstrakte_ Unwirkliche, +ist die Notwendigkeit, die an dem Leben der Mitte nicht Anteil hat, +sowenig als das andre, das _wirkliche_ Einzelne, der Saenger, der sich +ausser ihm haelt und in seiner Vorstellung untergeht. Beide Extreme +muessen sich dem Inhalte naehern; das eine, die Notwendigkeit, hat sich +mit dem Inhalte zu erfuellen, das andre, die Sprache des Saengers, muss +Anteil an ihm haben; und der sich selbst vorher ueberlassene Inhalt +die Gewissheit und feste Bestimmung des Negativen an ihm erhalten. + +Diese hoehere Sprache, die _Tragoedie_, fasst also die Zerstreuung der +Momente der wesentlichen und handelnden Welt naeher zusammen; die +_Substanz_ des Goettlichen tritt _nach der Natur des Begriffes_ in +ihre Gestalten auseinander, und ihre _Bewegung_ ist gleichfalls ihm +gemaess. In Ansehung der Form hoert die Sprache dadurch, dass sie in den +Inhalt hereintritt, auf, erzaehlend zu sein, wie der Inhalt ein +vorgestellter. Der Held ist selbst der sprechende, und die +Vorstellung zeigt dem Zuhoerer, der zugleich Zuschauer ist, +_selbstbewusste_ Menschen, die ihr Recht und ihren Zweck, die Macht +und den Willen ihrer Bestimmtheit _wissen_ und zu _sagen_ wissen. +Sie sind Kuenstler, die nicht, wie die das gemeine Tun im wirklichen +Leben begleitende Sprache, bewusstlos, natuerlich und naiv das _Aeussere_ +ihres Entschlusses und Beginnens aussprechen, sondern das innre Wesen +aeussern, das Recht ihres Handelns beweisen, und das Pathos, dem sie +angehoeren, frei von zufaelligen Umstaenden und von der Besonderheit der +Persoenlichkeiten in seiner allgemeinen Individualitaet besonnen +behaupten und bestimmt aussprechen. Das _Dasein_ dieser Charaktere +sind endlich _wirkliche_ Menschen, welche die Personen der Helden +anlegen, und diese in wirklichem nicht erzaehlendem, sondern eignem +Sprechen darstellen. So wesentlich es der Bildsaeule ist, von +Menschenhaenden gemacht zu sein, ebenso wesentlich ist der +Schauspieler seiner Maske,--nicht als aeusserliche Bedingung, von der +die Kunstbetrachtung abstrahieren muesse; oder insofern davon in ihr +allerdings zu abstrahieren ist, so ist eben dies damit gesagt, dass +die Kunst das wahre eigentliche Selbst noch nicht in ihr enthaelt. + +Der _allgemeine Boden_, worauf die Bewegung dieser aus dem Begriffe +erzeugten Gestalten vorgeht, ist das Bewusstsein der ersten +vorstellenden Sprache und ihres selbstlosen auseinandergelassnen +Inhalts. Es ist das gemeine Volk ueberhaupt, dessen Weisheit in dem +_Chore des Alters_ zur Sprache koemmt; es hat an dessen Kraftlosigkeit +seinen Repraesentanten, weil es selbst nur das positive und passive +Material der ihm gegenuebertretenden Individualitaet der Regierung +ausmacht. Der Macht des Negativen entbehrend, vermag es den Reichtum +und die bunte Fuelle des goettlichen Lebens nicht zusammenzuhalten und +zu baendigen, sondern laesst es auseinanderlaufen, und preist jedes +einzelne Moment als einen selbststaendigen Gott, bald diesen, bald +wieder einen andern, in seinen verehrenden Hymnen. Wo es aber den +Ernst des Begriffes, wie er ueber diese Gestalten sie zertruemmernd +einherschreitet, verspuert, und es zu sehen bekoemmt, wie schlecht es +seinen gepriesenen Goettern geht, die sich auf diesen Boden, worauf +der Begriff herrscht, wagen, ist es nicht selbst die negative Macht, +die handelnd eingreift, sondern haelt sich im selbstlosen Gedanken +derselben, im Bewusstsein des _fremden Schicksals_, und bringt den +leeren Wunsch der Beruhigung und die schwache Rede der Besaenftigung +herbei. In der _Furcht_ vor den hoehern Maechten, welche die +unmittelbaren Arme der Substanz sind, vor ihrem Kampfe miteinander, +und vor dem einfachen Selbst der Notwendigkeit, das auch sie wie die +Lebendigen, die an sie geknuepft sind, zermalmt,--in dem _Mitleiden_ +mit diesen, die es zugleich als dasselbe mit sich selbst weiss, ist +fuer es nur der untaetige Schrecken dieser Bewegung, das ebenso +hilflose Bedauern, und als Ende die leere Ruhe der Ergebung in die +Notwendigkeit, deren Werk nicht als die notwendige Handlung des +Charakters und nicht als das Tun des absoluten Wesens in sich selbst +erfasst wird. + +Auf diesem zuschauenden Bewusstsein als auf dem gleichgueltigen Boden +des Vorstellens tritt der Geist in seiner nicht zerstreuten +Mannigfaltigkeit, sondern in der einfachen Entzweiung des Begriffes +auf. Seine Substanz zeigt sich daher nur in ihre zwei extremen +Maechte auseinandergerissen. Diese elementarischen _allgemeinen_ +Wesen sind zugleich selbstbewusste _Individualitaeten_,--Helden, welche +in eine dieser Maechten ihr Bewusstsein setzen, an ihr die Bestimmtheit +des Charakters haben, und ihre Betaetigung und Wirklichkeit ausmachen. +--Diese allgemeine Individualisierung steigt, wie erinnert, noch zur +unmittelbaren Wirklichkeit des eigentlichen Daseins herunter, und +stellt sich einer Menge von Zuschauern dar, die an dem Chore ihr +Gegenbild oder vielmehr ihre eigne sich aussprechende Vorstellung hat. + +Der Inhalt und die Bewegung des Geistes, der sich hier Gegenstand ist, +ist bereits als die Natur und Realisierung der sittlichen Substanz +betrachtet worden. In seiner Religion erlangt er das Bewusstsein ueber +sich, oder stellt sich seinem Bewusstsein in seiner reinern Form und +einfachern Gestaltung dar. Wenn also die sittliche Substanz sich +durch ihren Begriff, ihrem _Inhalte_ nach, in die beiden Maechte +entzweite, die als _goettliches_ und _menschliches_, oder +unterirdisches und oberes Recht bestimmt wurden--jenes die _Familie_, +dies die _Staatsmacht_--, und deren das erstere der _weibliche_, das +andre der _maennliche Charakter_ war, so schraenkt sich der vorher +vielformige und in seinen Bestimmungen schwankende Goetterkreis auf +diese Maechte ein, die durch diese Bestimmung der eigentlichen +Individualitaet genaehert sind. Denn die fruehere Zerstreuung des +Ganzen in die vielfachen und abstrakten Kraefte, die substantiiert +erscheinen, ist die _Aufloesung_ des _Subjekts_, das sie nur als +_Momente_ in seinem Selbst begreift, und die Individualitaet ist daher +nur die oberflaechliche Form jener Wesen. Umgekehrt ist ein weiterer +Unterschied der _Charaktere_ als der genannte zur zufaelligen und an +sich aeusserlichen Persoenlichkeit zu rechnen. + +Zugleich teilt sich das Wesen seiner Form oder dem _Wissen_ nach. +Der _handelnde_ Geist tritt als Bewusstsein dem Gegenstande gegenueber, +auf den es taetig, und der somit als das _Negative_ des Wissenden +bestimmt ist; der Handelnde befindet sich dadurch im Gegensatze des +Wissens und Nichtwissens. Er nimmt aus seinem Charakter seinen Zweck +und weiss ihn als die sittliche Wesenheit; aber durch die Bestimmtheit +des Charakters weiss er nur die _eine_ Macht der Substanz, und die +andre ist fuer ihn verborgen. Die gegenwaertige Wirklichkeit ist daher +ein anderes _an sich_ und ein anderes fuer das Bewusstsein; das obere +und das untere Recht erhalten in dieser Beziehung die Bedeutung der +wissenden und dem Bewusstsein sich offenbarenden, und der sich +verbergenden und im Hinterhalte lauernden Macht. Die eine ist die +_Lichtseite_, der Gott des Orakels, der nach seinem natuerlichen +Momente aus der alles beleuchtenden Sonne entsprungen, alles weiss und +offenbart,--_Phoebus_, und _Zeus_, der dessen Vater ist. Aber die +Befehle dieses wahrredenden Gottes und seine Bekanntmachungen dessen, +was _ist_, sind vielmehr truegerisch. Denn dies Wissen ist in seinem +Begriffe unmittelbar das Nichtwissen, weil das _Bewusstsein_ an sich +selbst im Handeln dieser Gegensatz ist. Der, welcher die raetselhafte +Sphinx selbst aufzuschliessen vermochte, wie der kindlich Vertrauende +werden darum durch das, was der Gott ihnen offenbart, ins Verderben +geschickt. Diese Priesterin, aus der der schoene Gott spricht, ist +nichts anders als die doppelsinnigen Schicksalsschwestern, die durch +ihre Verheissungen zum Verbrechen treiben, und in der Zweizuengigkeit +dessen, was sie als Sicherheit angaben, den, der sich auf den +offenbaren Sinn verliess, betriegen. Daher das Bewusstsein, das reiner +ist als das letztere, das den Hexen glaubt, und besonnener und +gruendlicher als das erstere, das der Priesterin und dem schoenen Gotte +traut, auf die Offenbarung, die der Geist des Vaters selbst ueber das +Verbrechen, das ihn mordete, machte, mit der Rache zaudert, und andre +Beweise noch veranstaltet,--aus dem Grunde, weil dieser offenbarende +Geist auch der Teufel sein koennte. + +Dies Misstrauen ist darum gegruendet, weil das wissende Bewusstsein sich +in den Gegensatz der Gewissheit seiner selbst und des gegenstaendlichen +Wesens setzt. Das Recht des sittlichen, dass die Wirklichkeit nichts +_an sich_ ist im Gegensatze gegen das absolute Gesetz, erfaehrt, dass +sein Wissen einseitig, sein Gesetz nur Gesetz seines Charakters ist, +dass es nur die eine Macht der Substanz ergriff. Die Handlung selbst +ist diese Verkehrung des _Gewussten_ in sein _Gegenteil_, das _Sein_, +ist das Umschlagen des Rechts des Charakters und des Wissens in das +Recht des Entgegengesetzten, mit dem jenes im Wesen der Substanz +verknuepft ist,--in die Erinnye der andern feindlich erregten Macht +und Charakters. Dies _untre_ Recht sitzt mit _Zeus_ auf dem Throne +und geniesst mit dem offenbaren Rechte und dem wissenden Gotte +gleiches Ansehen. + +Auf diese drei Wesen wird von der handelnden Individualitaet die +Goetterwelt des Chors eingeschraenkt. Das eine ist die _Substanz_, +ebensowohl die Macht des Herdes und der Geist der Familienpietaet wie +die allgemeine Macht des Staats und der Regierung. Indem der +Substanz als solcher dieser Unterschied angehoert, individualisiert er +sich der Vorstellung nicht zu zwei unterschiednen Gestalten, sondern +hat in der Wirklichkeit die zwei Personen seiner Charaktere. +Hingegen der Unterschied des Wissens und Nichtwissens faellt in ein +_jedes_ der _wirklichen Selbstbewusstsein_,--und nur in der +Abstraktion, im Elemente der Allgemeinheit verteilt er sich an zwei +individuelle Gestalten. Denn das Selbst des Heros hat nur Dasein als +ganzes Bewusstsein und ist daher wesentlich der _ganze_ Unterschied, +der der Form angehoert; aber seine Substanz ist bestimmt, und es +gehoert ihm nur die eine Seite des Unterschieds des Inhalts an. Daher +erhalten die beiden Seiten des Bewusstseins, die in der Wirklichkeit +keine getrennte, einer jeden eigne Individualitaet haben, in _der +Vorstellung_ jede ihre besondere Gestalt; die eine die des +offenbarenden Gottes, die andre der sich verborgen haltenden Erinnye. +Beide geniessen teils gleicher Ehre, teils ist die _Gestalt_ der +_Substanz_, Zeus, die Notwendigkeit der _Beziehung_ beider +aufeinander. Die Substanz ist die Beziehung, dass das Wissen fuer sich +ist, aber seine Wahrheit an dem Einfachen, der Unterschied, wodurch +das wirkliche Bewusstsein ist, seinen Grund an dem ihn tilgenden +innern Wesen, die sich klare _Versicherung_ der _Gewissheit_ ihre +Bestaetigung an der _Vergessenheit_ hat. + +Das Bewusstsein schloss diesen Gegensatz durch das Handeln auf; nach +dem offenbaren Wissen handelnd, erfaehrt es den Betrug desselben, und +dem Inhalte nach dem _einen_ Attribute der Substanz ergeben, +verletzte es das andre und gab diesem dadurch das Recht gegen sich. +Dem wissenden Gotte folgend, ergriff es vielmehr das nicht Offenbare, +und buesst dafuer, dem Wissen vertraut zu haben, dessen Zweideutigkeit, +da sie seine Natur ist, auch _fuer es_, und eine _Warnung_ dafuer +vorhanden sein musste. Die Raserei der Priesterin, die unmenschliche +Gestalt der Hexen, die Stimme des Baumes, des Vogels, der Traum u.s.f. +sind nicht die Weisen, in welchen die Wahrheit erscheint, sondern +warnende Zeichen des Betrugs, der Nichtbesonnenheit, der Einzelnheit +und Zufaelligkeit des Wissens. Oder was dasselbe ist, die +entgegengesetzte Macht, die von ihm verletzt wird, ist als +ausgesprochenes Gesetz und geltendes Recht vorhanden; es sei das +Gesetz der Familie oder des Staats; das Bewusstsein folgte dagegen dem +eignen Wissen und verbarg sich selbst das Offenbare. Die Wahrheit +aber der gegeneinander auftretenden Maechte des Inhalts und +Bewusstseins ist das Resultat, dass beide gleiches Recht und darum in +ihrem Gegensatz, den das Handeln hervorbringt, gleiches Unrecht haben. +Die Bewegung des Tuns erweist ihre Einheit in dem gegenseitigen +Untergange beider Maechte und der selbstbewussten Charaktere. Die +Versoehnung des Gegensatzes mit sich ist die _Lethe_ der _Unterwelt_ +im Tode,--oder die _Lethe_ der _Oberwelt_, als Freisprechung nicht +von der Schuld, denn diese kann das Bewusstsein, weil es handelte, +nicht verleugnen, sondern vom Verbrechen, und seine suehnende +Beruhigung. Beide sind die _Vergessenheit_, das Verschwundensein der +Wirklichkeit und des Tuns der Maechte der Substanz, ihrer +Individualitaeten, und der Maechte des abstrakten Gedankens des Guten +und des Boesen, denn keine fuer sich ist das Wesen, sondern dieses ist +die Ruhe des Ganzen in sich selbst, die unbewegte Einheit des +Schicksals, das ruhige Dasein und damit die Untaetigkeit und +Unlebendigkeit der Familie und der Regierung, und die gleiche Ehre +und damit die gleichgueltige Unwirklichkeit Apolls und der Erinnye, +und die Rueckkehr ihrer Begeistung und Taetigkeit in den einfachen Zeus. + +Dieses Schicksal vollendet die Entvoelkerung des Himmels, der +gedankenlosen Vermischung der Individualitaet und des Wesens,--einer +Vermischung, wodurch das Tun des Wesens als ein inkonsequentes, +zufaelliges, seiner unwuerdiges erscheint; denn dem Wesen nur +oberflaechlich anhaengend, ist die Individualitaet die unwesentliche. +Die Vertreibung solcher wesenlosen Vorstellungen, die von Philosophen +des Altertums gefodert wurde, beginnt also schon in der Tragoedie +ueberhaupt dadurch, dass die Einteilung der Substanz von dem Begriffe +beherrscht, die Individualitaet hiemit die wesentliche und die +Bestimmungen die absoluten Charaktere sind. Das Selbstbewusstsein, +das in ihr vorgestellt ist, kennt und anerkennt deswegen nur _eine_ +hoechste Macht, und diesen Zeus nur als die Macht des Staats oder des +Herdes, und im Gegensatze des Wissens nur als den Vater des zur +Gestalt werdenden Wissens des _Besondern_,--und als den Zeus des +Eides und der Erinnye, des _Allgemeinen_, im Verborgnen wohnenden +Innern. Die weiter aus dem Begriffe in die Vorstellung sich +zerstreuenden Momente, die der Chor nacheinander gelten laesst, sind +hingegen nicht das Pathos des Helden, sondern sinken ihm zur +Leidenschaft herunter,--zu zufaelligen, wesenlosen Momenten, die der +selbstlose Chor wohl preist, aber die nicht faehig sind, den Charakter +der Helden auszumachen, noch von ihnen als ihr Wesen ausgesprochen +und geachtet zu werden. + +Aber auch die Personen des goettlichen Wesens selbst, sowie die +Charaktere seiner Substanz, gehen in die Einfachheit des Bewusstlosen +zusammen. Diese Notwendigkeit hat gegen das Selbstbewusstsein die +Bestimmung, die negative Macht aller auftretenden Gestalten zu sein, +in ihr sich selbst nicht zu erkennen, sondern darin vielmehr +unterzugehen. Das Selbst tritt nur den _Charakteren_ zugeteilt auf, +nicht als die Mitte der Bewegung. Aber das Selbstbewusstsein, die +einfache _Gewissheit_ seiner, ist in der Tat die negative Macht, die +Einheit des Zeus, des _substantiellen_ Wesens, und der _abstrakten_ +Notwendigkeit, es ist die geistige Einheit, worein alles zurueckgeht. +Weil das wirkliche Selbstbewusstsein noch von der Substanz und dem +Schicksale unterschieden wird, ist es _teils_ der Chor oder vielmehr +die zuschauende Menge, welche diese Bewegung des goettlichen Lebens +als ein _Fremdes_ mit Furcht erfuellt, oder in der sie als ein Nahes +nur die Ruehrung des nicht handelnden _Mitleidens_ hervorbringt. +Teils insofern das Bewusstsein mithandelt und den Charakteren angehoert, +ist diese Vereinigung, weil die wahre, die des Selbsts, des +Schicksals und der Substanz noch nicht vorhanden ist, eine aeusserliche, +eine _Hypokrisie_; der Held, der vor dem Zuschauer auftritt, +zerfaellt in seine Maske und in den Schauspieler, in die Person und +das wirkliche Selbst. + +Das Selbstbewusstsein der Helden muss aus seiner Maske hervortreten und +sich darstellen, wie es sich als das Schicksal sowohl der Goetter des +Chors als der absoluten Maechte selbst weiss, und von dem Chore, dem +allgemeinen Bewusstsein, nicht mehr getrennt ist. + +Die _Komoedie_ hat also vorerst die Seite, dass das wirkliche +Selbstbewusstsein sich als das Schicksal der Goetter darstellt. Diese +elementarischen Wesen sind, als _allgemeine_ Momente, kein Selbst und +nicht wirklich. Sie sind zwar mit der Form der Individualitaet +ausgestattet, aber diese ist ihnen nur eingebildet und kommt ihnen +nicht an und fuer sich selbst zu; das wirkliche Selbst hat nicht ein +solches abstraktes Moment zu seiner Substanz und Inhalt. Es, das +Subjekt, ist daher ueber ein solches Moment als ueber eine einzelne +Eigenschaft erhoben, und angetan mit dieser Maske spricht es die +Ironie derselben aus, die fuer sich etwas sein will. Das Aufspreizen +der allgemeinen Wesenheit ist an das Selbst verraten; es zeigt sich +in einer Wirklichkeit gefangen und laesst die Maske fallen, eben indem +es etwas Rechtes sein will. Das Selbst hier in seiner Bedeutung als +Wirkliches auftretend, spielt es mit der Maske, die es einmal anlegt, +um seine Person zu sein--aber aus diesem Scheine tut es sich +ebensobald wieder in seiner eignen Nacktheit und Gewoehnlichkeit +hervor, die es von dem eigentlichen Selbst, dem Schauspieler, sowie +von dem Zuschauer nicht unterschieden zu sein zeigt. + +Diese allgemeine Aufloesung der gestalteten Wesenheit ueberhaupt in +ihrer Individualitaet wird in ihrem Inhalte ernsthafter und dadurch +mutwilliger und bittrer, insofern er seine ernstere und notwendigere +Bedeutung hat. Die goettliche Substanz vereinigt in ihr die Bedeutung +der natuerlichen und sittlichen Wesenheit. In Ansehung des +Natuerlichen zeigt das wirkliche Selbstbewusstsein schon in der +Verwendung desselben zu seinem Putze, Wohnung u.s.f. und im Schmause +seines Opfers sich als das Schicksal, dem das Geheimnis verraten ist, +welche Bewandtnis es mit der Selbstwesenheit der Natur hat; in dem +Mysterium des Brotes und Weines macht es dieselbe zusammen mit der +Bedeutung des innern Wesens sich zu eigen, und in der Komoedie ist es +sich der Ironie dieser Bedeutung ueberhaupt bewusst.--Insofern nun +diese Bedeutung die sittliche Wesenheit enthaelt, ist sie teils das +Volk, in seinen beiden Seiten, des Staats oder eigentlichen Demos, +und der Familien-Einzelnheit;--teils aber das selbstbewusste reine +Wissen, oder das vernuenftige Denken des Allgemeinen.--Jener _Demos_, +die allgemeine Masse, die sich als Herrn und Regent sowie als den zu +respektierenden Verstand und Einsicht weiss, zwingt und betoert sich +durch die Besonderheit seiner Wirklichkeit, und stellt den +laecherlichen Kontrast seiner Meinung von sich und seines +unmittelbaren Daseins, seiner Notwendigkeit und Zufaelligkeit, seiner +Allgemeinheit und Gemeinheit dar. Wenn das Prinzip seiner vom +Allgemeinen getrennten Einzelnheit, in der eigentlichen Gestalt der +Wirklichkeit, sich hervortut und des Gemeinwesens, dessen geheimer +Schaden es ist, sich offenbar anmasst und es einrichtet, so verraet +sich unmittelbarer der Kontrast des Allgemeinen als einer Theorie und +dessen, um was es in der Praxis zu tun ist, die gaenzliche Befreiung +der Zwecke der unmittelbaren Einzelnheit von der allgemeinen Ordnung +und der Spott jener ueber diese. + +Das vernuenftige _Denken_ enthebt das goettliche Wesen seiner +zufaelligen Gestalt, und entgegengesetzt der begrifflosen Weisheit des +Chors, die mancherlei Sittensprueche vorbringt, und eine Menge von +Gesetzen und bestimmten Pflicht- und Rechtsbegriffen gelten laesst, +hebt es sie in die einfachen Ideen des _Schoenen_ und _Guten_ empor. +--Die Bewegung dieser Abstraktion ist das Bewusstsein der Dialektik, +welche diese Maximen und Gesetze an ihnen haben, und hiedurch des +Verschwindens der absoluten Gueltigkeit, in der sie vorher erschienen. +Indem die zufaellige Bestimmung und oberflaechliche Individualitaet, +welche die Vorstellung den goettlichen Wesenheiten lieh, verschwindet, +haben sie nach ihrer _natuerlichen_ Seite nur noch die Nacktheit ihres +unmittelbaren Daseins, sie sind Wolken, ein verschwindender Dunst, +wie jene Vorstellungen. Nach ihrer _gedachten_ Wesentlichkeit zu den +_einfachen_ Gedanken des _Schoenen_ und _Guten_ geworden, vertragen +diese es, mit jedem beliebigen Inhalt erfuellt zu werden. Die Kraft +des dialektischen Wissens gibt die bestimmten Gesetze und Maximen des +Handelns der Lust und dem Leichtsinne der--hiemit--verfuehrten Jugend +preis, und der Aengstlichkeit und Sorge des auf die Einzelnheit des +Lebens beschraenkten Alters Waffen zum Betrug an die Hand. Die reinen +Gedanken des Schoenen und Guten zeigen also das komische Schauspiel, +durch die Befreiung von der Meinung, welche sowohl ihre Bestimmtheit +als Inhalt wie ihre absolute Bestimmtheit, das Festhalten des +Bewusstseins enthaelt, leer und eben dadurch das Spiel der Meinung und +der Willkuer der zufaelligen Individualitaet zu werden. + +Hier ist also das vorher bewusstlose Schicksal, das in der leeren Ruhe +und Vergessenheit besteht und von dem Selbstbewusstsein getrennt ist, +mit diesem vereint. Das _einzelne Selbst_ ist die negative Kraft, +durch und in welcher die Goetter sowie deren Momente, die daseiende +Natur und die Gedanken ihrer Bestimmungen, verschwinden; zugleich ist +es nicht die Leerheit des Verschwindens, sondern erhaelt sich in +dieser Nichtigkeit selbst, ist bei sich und die einzige Wirklichkeit. +Die Religion der Kunst hat sich in ihm vollendet und ist vollkommen +in sich zurueckgegangen. Dadurch, dass das einzelne Bewusstsein in der +Gewissheit seiner selbst es ist, das als diese absolute Macht sich +darstellt, hat diese die Form eines _Vorgestellten_, von dem +_Bewusstsein_ ueberhaupt _Getrennten_ und ihm Fremden verloren, wie die +Bildsaeule, auch die lebendige schoene Koerperlichkeit oder der Inhalt +des Epos und die Maechte und Personen der Tragoedie waren;--auch ist +die Einheit nicht die _bewusstlose_ des Kultus und der Mysterien, +sondern das eigentliche Selbst des Schauspielers faellt mit seiner +Person zusammen, so wie der Zuschauer, der in dem, was ihm +vorgestellt wird, vollkommen zu Hause ist und sich selbst spielen +sieht. Was dies Selbstbewusstsein anschaut, ist, dass in ihm, was die +Form von Wesenheit gegen es annimmt, in seinem Denken, Dasein und Tun +sich vielmehr aufloest und preisgegeben ist, es ist die Rueckkehr alles +Allgemeinen in die Gewissheit seiner selbst, die hiedurch diese +vollkommne Furcht- und Wesenlosigkeit alles Fremden, und ein Wohlsein +und Sich-wohlsein-lassen des Bewusstseins ist, wie sich ausser dieser +Komoedie keins mehr findet. + + +C. Die offenbare Religion + +Durch die Religion der Kunst ist der Geist aus der Form der +_Substanz_ in die des _Subjekts_ getreten, denn sie _bringt_ seine +Gestalt _hervor_, und setzt also in ihr das _Tun_ oder das +_Selbstbewusstsein_, das in der furchtbaren Substanz nur verschwindet, +und im Vertrauen sich nicht selbst erfasst. Diese Menschwerdung des +goettlichen Wesens geht von der Bildsaeule aus, die nur die _aeussere_ +Gestalt des Selbsts an ihr hat, das _innre_ aber, ihre Taetigkeit, +faellt ausser ihr; im Kultus aber sind beide Seiten eins geworden, in +dem Resultate der Religion der Kunst ist diese Einheit in ihrer +Vollendung zugleich auch auf das Extrem des Selbsts heruebergegangen; +in dem Geiste, der in der Einzelnheit des Bewusstseins seiner +vollkommen gewiss ist, ist alle Wesenheit versunken. Der Satz, der +diesen Leichtsinn ausspricht, lautet so: _das Selbst ist das absolute +Wesen_; das Wesen, das Substanz und an dem das Selbst die +Akzidentalitaet war, ist zum Praedikate heruntergesunken, und der Geist +hat in _diesem Selbstbewusstsein,_ dem nichts in der Form des Wesens +gegenuebertritt, sein _Bewusstsein_ verloren. + +Dieser Satz: _das Selbst ist das absolute Wesen_, gehoert, wie von +selbst erhellt, dem nichtreligioesen, dem wirklichen Geiste an, und es +ist sich zu erinnern, welches die Gestalt desselben ist, die ihn +ausdrueckt. Sie wird zugleich die Bewegung und die Umkehrung +desselben enthalten, welche das Selbst zum Praedikate herunterstimmt, +und die Substanz zum Subjekte erhebt. So naemlich, dass der umgekehrte +Satz nicht _an sich_ oder _fuer uns_ die Substanz zum Subjekte macht, +oder was dasselbe ist, die Substanz so wiederherstellt, dass das +Bewusstsein des Geistes zu seinem Anfange, der natuerlichen Religion, +zurueckgefuehrt wird, sondern so, dass diese Umkehrung _fuer_ und _durch +das Selbstbewusstsein_ selbst zustande gebracht wird. Indem dieses +sich mit Bewusstsein aufgibt, so wird es in seiner Entaeusserung +erhalten und bleibt das Subjekt der Substanz, aber als sich ebenso +entaeussertes hat es zugleich das Bewusstsein derselben; oder indem es +durch seine Aufopferung die Substanz als Subjekt _hervorbringt_, +bleibt dieses sein eignes Selbst. Es wird hiedurch erreicht, dass, +wenn in den beiden Saetzen in dem ersten der Substantialitaet das +Subjekt nur verschwindet, und in dem zweiten die Substanz nur +Praedikat ist, und beide Seiten also in jedem mit der +entgegengesetzten Ungleichheit des Wertes vorhanden sind,--dass die +Vereinigung und Durchdringung beider Naturen hervorgeht, in der beide +mit gleichem Werte ebenso _wesentlich_ als auch nur _Momente_ sind; +hiedurch ist also der Geist ebenso _Bewusstsein_ seiner als seiner +_gegenstaendlichen_ Substanz, wie einfaches in sich bleibendes +_Selbstbewusstsein_. + +Die Religion der Kunst gehoert dem sittlichen Geiste an, den wir +frueher in dem _Rechtszustande_ untergehen sahen, d.h. in dem Satze: +_das Selbst als solches_, die _abstrakte Person ist absolutes Wesen_. +Im sittlichen Leben ist das Selbst in dem Geiste seines Volks +versenkt, es ist die _erfuellte_ Allgemeinheit. Die _einfache +Einzelnheit_ aber erhebt sich aus diesem Inhalte, und ihr Leichtsinn +reinigt sie zur Person, zur abstrakten Allgemeinheit des Rechts. In +dieser ist die _Realitaet_ des sittlichen Geists verloren, die +inhaltsleeren Geister der Voelkerindividuen sind in _ein_ Pantheon +versammelt, nicht in ein Pantheon der Vorstellung, deren unmaechtige +Form jeden gewaehren laesst, sondern in das Pantheon der abstrakten +Allgemeinheit, des reinen Gedankens, der sie entleibt, und dem +geistlosen Selbst, der einzelnen Person das An- und Fuer-sich-sein +erteilt. + +Aber dies Selbst hat durch seine Leerheit den Inhalt freigelassen; +das Bewusstsein ist nur _in sich_ das Wesen; sein eignes _Dasein_, das +rechtliche Anerkanntsein der Person, ist die unerfuellte Abstraktion; +es besitzt also vielmehr nur den Gedanken seiner selbst, oder wie es +_da ist_ und sich als Gegenstand weiss, ist es das _unwirkliche_. Es +ist daher nur die stoische _Selbststaendigkeit_ des _Denkens_, und +diese findet, durch die Bewegung des skeptischen Bewusstseins +hindurchgehend, seine Wahrheit in derjenigen Gestalt, die das +_unglueckliche Selbstbewusstsein_ genannt wurde. + +Dieses weiss, welche Bewandtnis es mit dem wirklichen Gelten der +abstrakten Person und ebenso mit dem Gelten derselben in dem reinen +Gedanken hat. Es weiss ein solches Gelten vielmehr als den +vollkommnen Verlust, es selbst ist dieser seiner bewusste Verlust und +die Entaeusserung seines Wissens von sich.--Wir sehen, dass dies +unglueckliche Bewusstsein die Gegenseite und Vervollstaendigung des in +sich vollkommen gluecklichen, des komischen Bewusstseins ausmacht. In +das letztere geht alles goettliche Wesen zurueck, oder es ist die +vollkommne _Entaeusserung_ der _Substanz_. Jenes hingegen ist +umgekehrt das tragische Schicksal der an und fuer sich sein sollenden +_Gewissheit seiner selbst._ Es ist das Bewusstsein des Verlustes aller +_Wesenheit_ in _dieser Gewissheit_ seiner und des Verlustes eben +dieses Wissens von sich--der Substanz wie des Selbsts, es ist der +Schmerz, der sich als das harte Wort ausspricht, _dass Gott gestorben +ist_. + +In dem Rechtszustande ist also die sittliche Welt und die Religion +derselben in dem komischen Bewusstsein versunken, und das unglueckliche +das Wissen dieses _ganzen_ Verlusts. Sowohl der Selbstwert seiner +unmittelbaren Persoenlichkeit ist ihm verloren, als seiner +vermittelten, der _gedachten_. Ebenso ist das Vertrauen in die +ewigen Gesetze der Goetter, wie die Orakel, die das Besondre zu wissen +taten, verstummt. Die Bildsaeulen sind nun Leichname, denen die +belebende Seele, so wie die Hymne Worte, deren Glauben entflohen ist; +die Tische der Goetter ohne geistige Speise und Trank, und aus seinen +Spielen und Festen kommt dem Bewusstsein nicht die freudige Einheit +seiner mit dem Wesen zurueck. Den Werken der Muse fehlt die Kraft des +Geistes, dem aus der Zermalmung der Goetter und Menschen die Gewissheit +seiner selbst hervorging. Sie sind nun das, was sie fuer uns sind, +--vom Baume gebrochne schoene Fruechte, ein freundliches Schicksal +reichte sie uns dar, wie ein Maedchen jene Fruechte praesentiert; es +gibt nicht das wirkliche Leben ihres Daseins, nicht den Baum, der sie +trug, nicht die Erde und die Elemente, die ihre Substanz, noch das +Klima, das ihre Bestimmtheit ausmachte, oder den Wechsel der +Jahreszeiten, die den Prozess ihres Werdens beherrschten.--So gibt das +Schicksal uns mit den Werken jener Kunst nicht ihre Welt, nicht den +Fruehling und Sommer des sittlichen Lebens, worin sie bluehten und +reiften, sondern allein die eingehuellte Erinnerung dieser +Wirklichkeit.--Unser Tun in ihrem Genusse ist daher nicht das +gottesdienstliche, wodurch unserem Bewusstsein seine vollkommne es +ausfuellende Wahrheit wuerde, sondern es ist das aeusserliche Tun, das +von diesen Fruechten etwa Regentropfen oder Staeubchen abwischt, und an +die Stelle der innern Elemente der umgebenden, erzeugenden und +begeistenden Wirklichkeit des Sittlichen, das weitlaeufige Gerueste der +toten Elemente ihrer aeusserlichen Existenz, der Sprache, des +Geschichtlichen u.s.f. errichtet, nicht um sich in sie hinein zu +leben, sondern nur um sie in sich vorzustellen. Aber wie das Maedchen, +das die gepflueckten Fruechte darreicht, mehr ist als die in ihre +Bedingungen und Elemente, den Baum, Luft, Licht u.s.f. ausgebreitete +Natur derselben, welche sie unmittelbar darbot, indem es auf eine +hoehere Weise dies alles in den Strahl des selbstbewussten Auges und +der darreichenden Gebaerde zusammenfasst, so ist der Geist des +Schicksals, der uns jene Kunstwerke darbietet, mehr als das sittliche +Leben und Wirklichkeit jenes Volkes, denn er ist die _Er-Innerung_ +des in ihnen noch _veraeusserten_ Geistes,--er ist der Geist des +tragischen Schicksals, das alle jene individuelle Goetter und +Attribute der Substanz in das _eine_ Pantheon versammelt, in den +seiner als Geist selbstbewussten Geist. + +Alle Bedingungen seines Hervorgangs sind vorhanden, und diese +Totalitaet seiner Bedingungen macht das _Werden_, den _Begriff_, oder +das _ansichseiende_ Hervorgehen desselben aus.--Der Kreis der +Hervorbringungen der Kunst umfasst die Formen der Entaeusserungen der +absoluten Substanz, sie ist in der Form der Individualitaet, als ein +Ding, als _seiender_ Gegenstand des sinnlichen Bewusstseins,--als die +reine Sprache oder das Werden der Gestalt, deren Dasein nicht aus dem +Selbst heraustritt, und rein _verschwindender_ Gegenstand ist;--als +unmittelbare _Einheit_ mit dem allgemeinen _Selbstbewusstsein_ in +seiner Begeisterung und als vermittelte in dem Tun des Kultus;--als +schoene _selbstische Koerperlichkeit_, und endlich als das in die +_Vorstellung_ erhobne Dasein und die Ausbreitung desselben zu einer +Welt, die sich zuletzt in die Allgemeinheit, die ebenso _reine +Gewissheit ihrer selbst_ ist, zusammennimmt.--Diese Formen, und auf +der andern Seite die _Welt_ der _Person_ und des Rechts, die +verwuestende Wildheit der freigelassenen Elemente des Inhalts, ebenso +die _gedachte_ Person des Stoizismus und die haltlose Unruhe des +skeptischen Bewusstseins, machen die Peripherie der Gestalten aus, +welche erwartend und draengend um die Geburtsstaette des als +Selbstbewusstsein werdenden Geistes umherstehen, der alle +durchdringende Schmerz und Sehnsucht des ungluecklichen +Selbstbewusstseins ist ihr Mittelpunkt und das gemeinschaftliche +Geburtswehe seines Hervorgangs,--die Einfachheit des reinen Begriffs, +der jene Gestalten als seine Momente enthaelt. + +Er hat die zwei Seiten an ihm, die oben als die beiden umgekehrten +Saetze vorgestellt sind; die eine ist diese, dass die _Substanz_ sich +ihrer selbst entaeussert und zum Selbstbewusstsein wird, die andre +umgekehrt, dass das _Selbstbewusstsein_ sich seiner entaeussert und zur +Dingheit oder zum allgemeinen Selbst macht. Beide Seiten sind sich +auf diese Weise entgegengekommen und hiedurch ihre wahre Vereinigung +entstanden. Die Entaeusserung der Substanz, ihr Werden zum +Selbstbewusstsein drueckt den Uebergang ins Entgegengesetzte, den +bewusstlosen Uebergang der _Notwendigkeit_ oder dies aus, dass sie _an +sich_ Selbstbewusstsein ist. Umgekehrt die Entaeusserung des +Selbstbewusstseins dies, dass es _an sich_ das allgemeine Wesen ist, +oder, weil das Selbst das reine Fuer-sich-sein ist, das in seinem +Gegenteile bei sich bleibt, dies, dass es _fuer es_ ist, dass die +Substanz Selbstbewusstsein und eben dadurch Geist ist. Es kann daher +von diesem Geiste, der die Form der Substanz verlassen, und in der +Gestalt des Selbstbewusstseins in das Dasein tritt, gesagt +werden--wenn man sich der aus der natuerlichen Zeugung hergenommenen +Verhaeltnisse bedienen will--, dass er eine _wirkliche_ Mutter, aber +einen _ansich_seienden Vater hat; denn die _Wirklichkeit_ oder das +Selbstbewusstsein und das _An-sich_ als die Substanz sind seine beiden +Momente, durch deren gegenseitige Entaeusserung, jedes zum andern +werdend, er als diese ihre Einheit ins Dasein tritt. + +Insofern das Selbstbewusstsein einseitig nur _seine eigne_ Entaeusserung +erfasst, wenn ihm schon sein Gegenstand also ebensowohl Sein als +Selbst ist und es alles Dasein als geistiges Wesen weiss, so ist +dadurch dennoch noch nicht fuer es der wahre Geist geworden, insofern +naemlich das Sein ueberhaupt oder die Substanz nicht _an sich_ ebenso +ihrerseits sich ihrer selbst entaeusserte und zum Selbstbewusstsein +wurde. Denn alsdann ist alles Dasein nur vom _Standpunkte des +Bewusstseins aus_ geistiges Wesen, nicht an sich selbst. Der Geist +ist auf diese Weise dem Dasein nur _eingebildet_; dieses Einbilden +ist die _Schwaermerei_, welche der Natur sowohl als der Geschichte, +wie der Welt so den mythischen Vorstellungen der vorhergehenden +Religionen einen andern innern Sinn unterlegt, als sie in ihrer +Erscheinung dem Bewusstsein unmittelbar darbieten, und in Ansehung der +Religionen, als das Selbstbewusstsein, dessen Religionen sie waren, +darin wusste. Aber diese Bedeutung ist eine geliehene, und ein Kleid, +das die Bloesse der Erscheinung nicht bedeckt und sich keinen Glauben +und Verehrung erwirbt, sondern die truebe Nacht und eigne Verzueckung +des Bewusstseins bleibt. + +Dass diese Bedeutung des Gegenstaendlichen also nicht blosse Einbildung +sei, muss sie _an sich_ sein, das heisst, _einmal_ dem Bewusstsein aus +dem _Begriffe_ entspringen und in ihrer Notwendigkeit hervorgehen. +So ist uns durch das Erkennen des _unmittelbaren Bewusstseins_, oder +des Bewusstseins des _seienden_ Gegenstandes durch seine notwendige +Bewegung der sich selbst wissende _Geist_ entsprungen. Dieser +Begriff, der als unmittelbarer auch die Gestalt der _Unmittelbarkeit_ +fuer sein Bewusstsein hatte, hat sich _zweitens_ die Gestalt des +Selbstbewusstseins _an sich_, d.h. nach eben der Notwendigkeit des +Begriffes gegeben, als das _Sein_ oder die _Unmittelbarkeit_, die der +inhaltslose Gegenstand des sinnlichen Bewusstseins ist, sich seiner +entaeussert, und Ich fuer das Bewusstsein wird.--Von dem _denkenden +An-sich_ oder dem _Erkennen der Notwendigkeit_ ist aber das +_unmittelbare An-sich_ oder die _seiende Notwendigkeit_ selbst +unterschieden;--ein Unterschied, der zugleich aber nicht ausser dem +Begriffe liegt, denn die _einfache Einheit_ des Begriffes ist das +_unmittelbare Sein_ selbst; er ist ebenso das sich selbst Entaeussernde +oder das Werden der _angeschauten Notwendigkeit_, als er in ihr bei +sich ist und sie weiss und begreift.--Das _unmittelbare An-sich_ des +Geistes, der sich die Gestalt des Selbstbewusstseins gibt, heisst +nichts anderes, als dass der wirkliche Weltgeist zu diesem Wissen von +sich gelangt ist; dann erst tritt dies Wissen auch in sein Bewusstsein, +und als Wahrheit ein. Wie jenes geschehen, hat sich oben ergeben. + +Dies dass der absolute Geist sich die Gestalt des Selbstbewusstseins +_an sich_ und damit auch fuer sein _Bewusstsein_ gegeben, erscheint nun +so, dass es der _Glauben der Welt_ ist, dass der Geist als ein +Selbstbewusstsein, d.h. als ein wirklicher Mensch _da ist_, dass er fuer +die unmittelbare Gewissheit ist, dass das glaubende Bewusstsein diese +Goettlichkeit _sieht_ und _fuehlt_ und _hoert_. So ist es nicht +Einbildung, sondern es ist _wirklich an dem_. Das Bewusstsein geht +dann nicht aus _seinem_ Innern, von dem Gedanken aus, und schliesst +_in sich_ den Gedanken des Gottes mit dem Dasein zusammen, sondern es +geht von dem unmittelbaren gegenwaertigen Dasein aus, und erkennt den +Gott in ihm.--Das Moment des _unmittelbaren Seins_ ist in dem Inhalte +des Begriffes so vorhanden, dass der religioese Geist in der Rueckkehr +aller Wesenheit in das Bewusstsein _einfaches_ positives Selbst +geworden ist, ebenso wie der wirkliche Geist als solcher im +ungluecklichen Bewusstsein eben diese _einfache_ selbstbewusste +Negativitaet. Das Selbst des daseienden Geistes hat dadurch die Form +der vollkommnen Unmittelbarkeit; es ist weder als Gedachtes oder +Vorgestelltes noch Hervorgebrachtes gesetzt, wie es mit dem +unmittelbaren Selbst teils in der natuerlichen, teils in der +Kunst-Religion der Fall ist. Sondern dieser Gott wird unmittelbar +als Selbst, als ein wirklicher einzelner Mensch, sinnlich angeschaut; +so nur _ist_ er Selbstbewusstsein. + +Diese Menschwerdung des goettlichen Wesens, oder dass es wesentlich und +unmittelbar die Gestalt des Selbstbewusstseins hat, ist der einfache +Inhalt der absoluten Religion. In ihr wird das Wesen als Geist +gewusst, oder sie ist sein Bewusstsein ueber sich, Geist zu sein. Denn +der Geist ist das Wissen seiner selbst in seiner Entaeusserung; das +Wesen, das die Bewegung ist, in seinem Anderssein die Gleichheit mit +sich selbst zu behalten. Dies aber ist die Substanz, insofern sie in +ihrer Akzidentalitaet ebenso in sich reflektiert, nicht dagegen als +gegen ein Unwesentliches und somit in einem Fremden sich Befindendes +gleichgueltig, sondern darin _in sich_, d.h. insofern sie _Subjekt_ +oder _Selbst_ ist.--In dieser Religion ist deswegen das goettliche +Wesen _geoffenbart_. Sein Offenbarsein besteht offenbar darin, dass +gewusst wird, was es ist. Es wird aber gewusst, eben indem es als +Geist gewusst wird, als Wesen, das wesentlich _Selbstbewusstsein_ ist. +--Dem _Bewusstsein_ ist in seinem Gegenstand dann etwas geheim, wenn +er ein _Anderes_ oder _Fremdes_ fuer es ist, und wenn es ihn nicht als +_sich selbst_ weiss. Dies Geheimsein hoert auf, indem das absolute +Wesen als Geist Gegenstand des Bewusstseins ist; denn so ist er als +_Selbst_ in seinem Verhaeltnisse zu ihm; d.h. dieses weiss unmittelbar +sich darin, oder es ist sich in ihm offenbar. Es selbst ist sich nur +in der eignen Gewissheit seiner offenbar; jener sein Gegenstand ist +das _Selbst_, das Selbst aber ist kein Fremdes, sondern die +untrennbare Einheit mit sich, das unmittelbar Allgemeine. Es ist der +reine Begriff, das reine Denken oder _Fuer-sich-sein_, das unmittelbar +_Sein_, und damit _Sein fuer Anderes_, und als dieses _Sein fuer +Anderes_ unmittelbar in sich zurueckgekehrt, und bei sich selbst; es +ist also das wahrhaft und allein Offenbare. Das Guetige, Gerechte, +Heilige, Schoepfer Himmels und der Erde u.s.f. sind _Praedikate_ eines +Subjekts,--allgemeine Momente, die an diesem Punkte ihren Halt haben, +und nur erst im Rueckgehen des Bewusstseins ins Denken sind.--Indem +_sie_ gewusst werden, ist ihr Grund und Wesen, das _Subjekt_ selbst, +noch nicht offenbar, und ebenso sind die _Bestimmungen_ des +Allgemeinen nicht _dies Allgemeine_ selbst. Das _Subjekt_ selbst, +und damit auch _dies reine Allgemeine_ ist aber offenbar als _Selbst_, +denn dies ist eben dies in sich reflektierte Innre, das unmittelbar +da und die eigne Gewissheit desjenigen Selbsts ist, fuer welches es da +ist. Dies--seinem _Begriffe_ nach das Offenbare zu sein--ist also +die wahre Gestalt des Geistes, und diese seine Gestalt, der Begriff, +ist ebenso allein sein Wesen und Substanz. Er wird gewusst als +Selbstbewusstsein und ist diesem unmittelbar offenbar, denn er ist +dieses selbst; die goettliche Natur ist dasselbe, was die menschliche +ist, und diese Einheit ist es, die angeschaut wird. + +Hier also ist in der Tat das Bewusstsein oder die Weise, wie das Wesen +fuer es selbst ist, seine Gestalt, seinem Selbstbewusstsein gleich; +diese Gestalt ist selbst ein Selbstbewusstsein; sie ist damit zugleich +_seiender_ Gegenstand, und dieses _Sein_ hat ebenso unmittelbar die +Bedeutung des _reinen Denkens_, des absoluten Wesens.--Das absolute +Wesen, welches als ein wirkliches Selbstbewusstsein da ist, scheint +von seiner ewigen Einfachheit _herabgestiegen_ zu sein, aber in der +Tat hat es damit erst sein _hoechstes_ Wesen erreicht. Denn der +Begriff des Wesens, erst indem er seine einfache Reinheit erlangt hat, +ist er die absolute _Abstraktion_, welche _reines Denken_ und damit +die reine Einzelnheit des Selbsts, so wie um seiner Einfachheit +willen das _Unmittelbare_ oder _Sein_ ist.--Was das sinnliche +Bewusstsein genannt wird, ist eben diese reine _Abstraktion_, es ist +dies Denken, fuer welches das _Sein_ das _Unmittelbare_ ist. Das +Niedrigste ist also zugleich das Hoechste, das ganz an die +_Oberflaeche_ herausgetretene Offenbare ist eben darin das _Tiefste_. +Dass das hoechste Wesen als ein seiendes Selbstbewusstsein gesehen, +gehoert u.s.f. wird, dies ist also in der Tat die Vollendung seines +Begriffes; und durch diese Vollendung ist das Wesen so unmittelbar +_da_, als es Wesen ist. + +Dies unmittelbare Dasein ist zugleich nicht allein und bloss +unmittelbares Bewusstsein, sondern es ist religioeses Bewusstsein; die +Unmittelbarkeit hat ungetrennt die Bedeutung nicht nur eines +_seienden_ Selbstbewusstseins, sondern des rein gedachten oder +absoluten _Wesens_. Wessen wir uns in unserem Begriffe bewusst sind, +dass das _Sein Wesen_ ist, ist das religioese Bewusstsein sich bewusst. +Diese _Einheit_ des Seins und Wesens, des _Denkens_, das unmittelbar +_Dasein ist_, ist, wie es der _Gedanke_ dieses religioesen Bewusstseins +oder sein _vermitteltes_ Wissen ist, ebenso _sein unmittelbares_ +Wissen; denn diese Einheit des Seins und Denkens ist das +_Selbst_bewusstsein, und ist selbst _da_, oder die _gedachte_ Einheit +hat zugleich diese Gestalt dessen, was sie ist. Gott ist also hier +_offenbar_, wie _er ist; er ist so da_, wie er _an sich_ ist; er ist +da, als Geist. Gott ist allein im reinen spekulativen Wissen +erreichbar, und ist nur in ihm und ist nur es selbst, denn er ist der +Geist; und dieses spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren +Religion. Jenes weiss ihn als _Denken_ oder reines Wesen, und dies +Denken als Sein und als Dasein, und das Dasein als die Negativitaet +seiner selbst, hiemit als Selbst, _dieses_ und allgemeines Selbst; +eben dies weiss die offenbare Religion.--Die Hoffnungen und +Erwartungen der vorhergehenden Welt draengten sich allein auf diese +Offenbarung hin, anzuschauen, was das absolute Wesen ist, und sich +selbst in ihm zu finden; diese Freude wird dem Selbstbewusstsein und +ergreift die ganze Welt, im absoluten Wesen sich zu schauen, denn es +ist Geist, es ist die einfache Bewegung jener reinen Momente, die +dies selbst ausdrueckt, dass das Wesen dadurch erst, dass es als +_unmittelbares_ Selbstbewusstsein angeschaut wird, als Geist gewusst +wird. + +Dieser Begriff des selbst sich selbst als Geist wissenden Geistes ist +selbst der unmittelbare, und noch nicht entwickelt. Das Wesen ist +Geist, oder es ist erschienen, es ist offenbar; dies erste +Offenbarsein ist selbst _unmittelbar_; aber die Unmittelbarkeit ist +ebenso reine Vermittlung oder Denken; sie muss daher an ihr selbst als +solcher dies darstellen.--Bestimmter dies betrachtet, so ist der +Geist in der Unmittelbarkeit des Selbstbewusstseins _dieses einzelne_ +Selbstbewusstsein, dem _allgemeinen_ entgegengesetzt; er ist +ausschliessendes Eins, das fuer das Bewusstsein, _fuer welches_ es da ist, +die noch unaufgeloeste Form eines _sinnlichen Andern_ hat; dieses +weiss den Geist noch nicht als den seinen, oder der Geist ist noch +nicht, wie er _einzelnes_ Selbst ist, ebensowohl als allgemeines, als +alles Selbst da. Oder die Gestalt hat noch nicht die Form des +_Begriffs_; d.h. des allgemeinen Selbsts, des Selbsts, das in seiner +unmittelbaren Wirklichkeit ebenso Aufgehobnes, Denken, Allgemeinheit +ist, ohne in dieser jene zu verlieren.--Die naechste und selbst +unmittelbare Form dieser Allgemeinheit ist aber nicht schon die Form +_des Denkens selbsts, des Begriffes als Begriffes_, sondern die +Allgemeinheit der Wirklichkeit, die Allheit der Selbst, und die +Erhebung des Daseins in die Vorstellung; wie ueberall, und um ein +bestimmtes Beispiel anzufuehren, das aufgehobne _sinnliche Dieses_ +erst das Ding der _Wahrnehmung_, noch nicht das _Allgemeine_ des +Verstandes ist. + +Dieser einzelne Mensch also, als welcher das absolute Wesen offenbar +ist, vollbringt an ihm als Einzelnem die Bewegung des _sinnlichen +Seins_. Er ist der _unmittelbar_ gegenwaertige Gott; dadurch geht +sein _Sein_ in _Gewesensein_ ueber. Das Bewusstsein, fuer welches er +diese sinnliche Gegenwart hat, hoert auf, ihn zu sehen, zu hoeren; es +_hat_ ihn gesehen und gehoert; und erst dadurch, dass es ihn nur +gesehen, gehoert _hat_, wird es selbst geistiges Bewusstsein, oder wie +er vorher als _sinnliches Dasein_ fuer es aufstand, ist er itzt _im +Geiste_ aufgestanden.--Denn als solches, das ihn sinnlich sieht und +hoert, ist es selbst nur unmittelbares Bewusstsein, das die +Ungleichheit der Gegenstaendlichkeit nicht aufgehoben, nicht ins reine +Denken zurueckgenommen hat, sondern diesen gegenstaendlichen Einzelnen, +nicht aber sich selbst als Geist weiss. In dem Verschwinden des +unmittelbaren Daseins des als absoluten Wesens Gewussten erhaelt das +Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares +Selbst der Wirklichkeit, aber als _das allgemeine Selbstbewusstsein_ +der Gemeine, das in seiner eignen Substanz ruht, so wie diese in ihm +allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne fuer sich, sondern +zusammen mit dem Bewusstsein der Gemeine, und das, was er fuer diese +ist, ist das vollstaendige Ganze desselben. + +_Vergangenheit_ und _Entfernung_ sind aber nur die unvollkommne Form, +wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist; +diese ist nur oberflaechlich in das Element des Denkens getaucht, ist +_als_ sinnliche Weise darin aufbewahrt, und mit der Natur des Denkens +selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das _Vorstellen_ erhoben, +denn dies ist die synthetische Verbindung der sinnlichen +Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens. + +Diese _Form des Vorstellens_ macht die Bestimmtheit aus, in welcher +der Geist, in dieser seiner Gemeine, seiner bewusst wird. Sie ist +noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene +Selbstbewusstsein desselben; die Vermittelung ist noch unvollendet. +Es ist also in dieser Verbindung des Seins und Denkens der Mangel +vorhanden, dass das geistige Wesen noch mit einer unversoehnten +Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist. Der _Inhalt_ +ist der wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des +Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern +als vollkommen selbststaendige Seiten zu erscheinen, die sich +_aeusserlich_ aufeinander beziehen. Dass der wahre Inhalt auch seine +wahre Form fuer das Bewusstsein erhalte, dazu ist die hoehere Bildung +des Letztern notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in +den Begriff zu erheben, und _fuer es selbst_ sein Bewusstsein mit +seinem Selbstbewusstsein auszugleichen, wie dies fuer uns oder _an +sich_ geschehen ist. + +Dieser Inhalt ist in der Weise, wie er in seinem Bewusstsein ist, zu +betrachten.--Der absolute Geist ist _Inhalt_, so ist er in der +Gestalt seiner _Wahrheit_. Aber seine Wahrheit ist, nicht nur die +Substanz der Gemeinde oder das _An-sich_ derselben zu sein, noch auch +nur aus dieser Innerlichkeit in die Gegenstaendlichkeit des +Vorstellens heraufzutreten, sondern wirkliches Selbst zu werden, sich +in sich zu reflektieren und Subjekt zu sein. Dies ist also die +Bewegung, welche er in seiner Gemeine vollbringt, oder dies ist das +Leben desselben. Was dieser sich offenbarende Geist _an und fuer +sich_ ist, wird daher nicht dadurch herausgebracht, dass sein reiches +Leben in der Gemeine gleichsam aufgedreht und auf seinen ersten Faden +zurueckgefuehrt wird, etwa auf die Vorstellungen der ersten +unvollkommnen Gemeine, oder gar auf das, was der wirkliche Mensch +gesprochen hat. Dieser Zurueckfuehrung liegt der Instinkt zugrunde, +auf den Begriff zu gehen; aber sie verwechselt den _Ursprung_ als das +_unmittelbare Dasein_ der ersten Erscheinung mit der _Einfachheit_ +des _Begriffes_. Durch diese Verarmung des Lebens des Geistes, durch +das Wegraeumen der Vorstellung der Gemeine und ihres Tuns gegen ihre +Vorstellung, entsteht daher statt des Begriffes vielmehr die blosse +Aeusserlichkeit und Einzelnheit, die geschichtliche Weise der +unmittelbaren Erscheinung und die geistlose Erinnerung einer +einzelnen gemeinten Gestalt und ihrer Vergangenheit. + +Der Geist ist Inhalt seines Bewusstseins zuerst in der Form _der +reinen Substanz_, oder ist Inhalt seines reinen Bewusstseins. Dies +Element des Denkens ist die Bewegung, zum Dasein oder der Einzelnheit +herunterzusteigen. Die Mitte zwischen ihnen ist ihre synthetische +Verbindung, das Bewusstsein des Anderswerdens oder das Vorstellen als +solches. Das dritte ist die Rueckkehr aus der Vorstellung und dem +Anderssein oder das Element des Selbstbewusstseins selbst.--Diese drei +Momente machen den Geist aus; sein Auseinandertreten in der +Vorstellung besteht darin, auf eine _bestimmte_ Weise zu sein; diese +Bestimmtheit aber ist nichts anderes als eines seiner Momente. Seine +ausfuehrliche Bewegung ist also diese, in jedem seiner Momente als in +einem Elemente seine Natur auszubreiten; indem jeder dieser Kreise +sich in sich vollendet, ist diese seine Reflexion in sich zugleich +der Uebergang in den andern. Die _Vorstellung_ macht die Mitte +zwischen dem reinen Denken und dem Selbstbewusstsein als solchem aus, +und ist nur _eine_ der Bestimmtheiten; zugleich aber, wie sich +gezeigt, ist ihr Charakter, die synthetische Verbindung zu sein, ueber +alle diese Elemente ausgebreitet und ihre gemeinschaftliche +Bestimmtheit. + +Der Inhalt selbst, der zu betrachten ist, ist zum Teil schon als die +Vorstellung des _ungluecklichen_ und _glaubenden_ Bewusstseins +vorgekommen;--in jenem aber in der Bestimmung des aus dem _Bewusstsein +hervorgebrachten_ und _ersehnten_ Inhalts, worin der Geist sich nicht +ersaettigen noch Ruhe finden kann, weil er noch nicht _an sich_ oder +als seine _Substanz_ sein Inhalt ist;--in diesem dagegen ist er als +das selbstlose _Wesen_ der Welt oder als wesentlich +_gegenstaendlicher_ Inhalt des Vorstellens betrachtet worden,--eines +Vorstellens, das der Wirklichkeit ueberhaupt entflieht, und daher ohne +die _Gewissheit des Selbstbewusstseins_ ist, die sich teils als +Eitelkeit des Wissens, teils als reine Einsicht von ihm trennt.--Das +Bewusstsein der Gemeine hingegen hat ihn zu seiner _Substan_z, ebenso +als er ihre _Gewissheit_ des eignen Geistes ist. + +Der Geist zuerst als Substanz im _Elemente des reinen Denkens_ +vorgestellt, ist er hiemit unmittelbar das einfache sich selbst +gleiche, ewige _Wesen_, das aber nicht diese abstrakte _Bedeutung_ +des Wesens, sondern die Bedeutung des absoluten Geistes hat. Allein +der Geist ist dies, nicht Bedeutung, nicht das Innre, sondern das +Wirkliche zu sein. Das einfache ewige Wesen daher wuerde nur dem +leeren Worte nach Geist sein, wenn es bei der Vorstellung und dem +Ausdrucke des einfachen ewigen Wesens bliebe. Das einfache Wesen +aber, weil es die Abstraktion ist, ist es in der Tat das _Negative an +sich selbst_, und zwar die Negativitaet des Denkens oder sie, wie sie +im _Wesen_ an sich ist; d.h. es ist der absolute _Unterschied_ von +sich, oder sein reines Anderswerden. Als _Wesen_ ist es nur _an +sich_ oder fuer uns; aber indem diese Reinheit eben die Abstraktion +oder Negativitaet ist, ist es _fuer sich selbst_, oder das _Selbst_, +der _Begriff_.--Es ist also _gegenstaendlich_; und indem die +Vorstellung die soeben ausgesprochne _Notwendigkeit_ des Begriffs als +ein _Geschehen_ auffasst und ausspricht, so wird gesagt werden, dass +das ewige Wesen sich ein Anderes _erzeugt_. Aber in diesem +Anderssein ist es ebenso unmittelbar in sich zurueckgekehrt; denn der +Unterschied ist der Unterschied _an sich_, d.h. er ist unmittelbar +nur von sich selbst unterschieden, er ist also die in sich +zurueckgekehrte Einheit. + +Es unterscheiden sich also die drei Momente, des _Wesens_, des +_Fuer-sich-seins_, welches das Anderssein des Wesens ist und fuer +welches das Wesen ist, und des _Fuer-sich-seins_ oder +Sich-selbst-wissens im _Andern_. Das Wesen schaut nur sich selbst in +seinem Fuer-sich-sein an; es ist in dieser Entaeusserung nur bei sich, +das Fuer-sich-sein, das sich von dem Wesen ausschliesst, ist das +_Wissen_ des _Wesens seiner selbst_; es ist das Wort, das +ausgesprochen den Aussprechenden entaeussert und ausgeleert zuruecklaesst, +aber ebenso unmittelbar vernommen ist, und nur dieses sich selbst +Vernehmen ist das Dasein des Wortes. So dass die Unterschiede, die +gemacht sind, ebenso unmittelbar aufgeloest, als sie gemacht, und +ebenso unmittelbar gemacht, als sie aufgeloest sind, und das Wahre und +Wirkliche eben diese in sich kreisende Bewegung ist. + +Diese Bewegung in sich selbst spricht das absolute Wesen als _Geist_ +aus; das absolute Wesen, das nicht als Geist erfasst wird, ist nur das +abstrakte Leere, so wie der Geist, der nicht als diese Bewegung +erfasst wird, nur ein leeres Wort ist. Indem seine _Momente_ in ihrer +Reinheit gefasst werden, sind sie die ruhelosen Begriffe, die nur sind, +ihr Gegenteil an sich selbst zu sein und ihre Ruhe im Ganzen zu +haben. Aber das _Vorstellen_ der Gemeine ist nicht dies +_begreifende_ Denken; sondern hat den Inhalt ohne seine Notwendigkeit, +und bringt statt der Form des Begriffes die natuerlichen Verhaeltnisse +von Vater und Sohn in das Reich des reinen Bewusstseins. Indem es so +im Denken selbst sich _vorstellend_ verhaelt, ist ihm das Wesen zwar +offenbar, aber die Momente desselben treten ihm um dieser +synthetischen Vorstellung willen teils selbst auseinander, so dass sie +nicht durch ihren eignen Begriff sich aufeinander beziehen, teils +tritt es von diesem seinem reinen Gegenstand zurueck, bezieht sich nur +aeusserlich auf ihn; er ist ihm von einem Fremden geoffenbart, und in +diesem Gedanken des Geistes erkennt es nicht sich selbst, nicht die +Natur des reinen Selbstbewusstseins. Insofern ueber die Form des +Vorstellens und jener Verhaeltnisse, die aus dem Natuerlichen +hergenommen sind, und damit besonders auch darueber hinausgegangen +werden muss, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, fuer +isolierte nichtwankende Substanzen oder Subjekte statt fuer +uebergehende Momente zu nehmen,--ist dies Hinausgehen, wie vorhin bei +einer andern Seite erinnert wurde, fuer ein Draengen des Begriffes +anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft +mit der Form auch den Inhalt, und, was dasselbe ist, setzt ihn zu +einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstuecke der Tradition +herab; hierin ist das rein Aeusserliche des Glaubens nur beibehalten, +und damit als ein erkenntnisloses Totes, das _Innerliche_ desselben +aber ist verschwunden, weil dies der Begriff waere, der sich als +Begriff weiss. + +Der absolute Geist, im _reinen Wesen_ vorgestellt, ist zwar nicht das +_abstrakte_ reine Wesen, sondern dieses ist vielmehr ebendadurch, dass +es im Geiste nur Moment ist, zum _Elemente_ herabgesunken. Die +Darstellung des Geistes aber in diesem Elemente hat denselben Mangel +der Form nach an sich, den das _Wesen_ als Wesen hat. Das Wesen ist +das Abstrakte, und darum das Negative seiner Einfachheit, ein Anderes; +ebenso der _Geist_ im Elemente des Wesens ist die _Form_ der +_einfachen Einheit_, die darum ebenso wesentlich ein Anderswerden ist. +--Oder was dasselbe ist, die Beziehung des ewigen Wesens auf sein +Fuer-sich-sein ist die unmittelbar-einfache des reinen Denkens; in +diesem _einfachen_ Anschauen seiner selbst im Andern ist also das +_Anderssein_ nicht als solches gesetzt; es ist der Unterschied, wie +er im reinen Denken unmittelbar _kein Unterschied_ ist; ein +Anerkennen _der Liebe_, worin die beiden nicht ihrem Wesen nach sich +_entgegensetzten_.--Der Geist, der im Elemente des reinen Denkens +ausgesprochen ist, ist wesentlich selbst dieses, nicht in ihm nur, +sondern _Wirklicher_ zu sein, denn in seinem Begriffe liegt selbst +das _Anderssein_, d.h. das Aufheben des reinen nur gedachten +Begriffes. + +Das Element des reinen Denkens, weil es das abstrakte ist, ist selbst +vielmehr das _Andre_ seiner Einfachheit, und geht daher in das +eigentliche Element des _Vorstellens_ ueber,--das Element, worin die +Momente des reinen Begriffes ein _substantielles_ Dasein ebenso +gegeneinander erhalten, als sie _Subjekte_ sind, die nicht fuer ein +drittes die Gleichgueltigkeit des Seins gegeneinander haben, sondern +in sich reflektiert sich selbst voneinander absondern und +entgegenstellen. + +Der also nur ewige oder abstrakte Geist wird sich _ein Anders_ oder +tritt in das Dasein und unmittelbar in das _unmittelbare Dasein_. Er +_erschafft_ also eine _Welt_. Dieses _Erschaffen_ ist das Wort der +Vorstellung fuer den _Begriff_ selbst nach seiner absoluten Bewegung, +oder dafuer, dass das als absolut ausgesagte Einfache oder reine Denken, +weil es das abstrakte ist, vielmehr das Negative und hiemit sich +Entgegengesetzte oder _Andre_ ist;--oder weil, um dasselbe noch in +einer andern Form zu sagen, weil das als _Wesen_ gesetzte die +einfache _Unmittelbarkeit_ oder das _Sein_ ist, aber als +Unmittelbarkeit oder Sein des Selbsts entbehrt und also, der +Innerlichkeit ermangelnd, _passiv_ oder _Sein fuer Anderes_ ist.--Dies +_Sein fuer Anderes_ ist zugleich _eine Welt_; der Geist in der +Bestimmung des _Seins fuer Anderes_ ist das ruhige Bestehen der vorhin +in das reine Denken eingeschlossenen Momente, also die Aufloesung +ihrer einfachen Allgemeinheit und das Auseinandergehen derselben in +ihre eigne Besonderheit. + +Die Welt ist aber nicht nur dieser auseinander in die Vollstaendigkeit +und deren aeussere Ordnung geworfene Geist, sondern da er wesentlich +das einfache Selbst ist, ist dieses an ihr ebenso vorhanden; der +_daseiende_ Geist, der das einzelne Selbst ist, welches das +Bewusstsein hat, und sich als Andres oder als Welt von sich +unterscheidet.--Wie dieses einzelne Selbst so unmittelbar erst +gesetzt ist, ist es noch nicht _Geist fuer sich_; es _ist_ also nicht +_als_ Geist, es kann _unschuldig_, aber nicht wohl _gut_ genannt +werden. Dass es in der Tat Selbst und Geist sei, muss es ebenso, wie +das ewige Wesen sich als die Bewegung in seinem Anderssein sich +selbst gleich zu sein darstellt, zunaechst sich selbst ein _Anderes_ +werden. Indem dieser Geist bestimmt ist als erst unmittelbar +daseiend oder als in die Mannigfaltigkeit seines Bewusstseins +zerstreut, so ist sein Anderswerden das _In-sich_-gehen des Wissens +ueberhaupt. Das unmittelbare Dasein schlaegt in den Gedanken, oder das +nur sinnliche Bewusstsein in das Bewusstsein des Gedankens um, und zwar, +weil er der aus der Unmittelbarkeit herkommende oder _bedingte_ +Gedanke ist, ist er nicht das reine Wissen, sondern der Gedanke, der +das Anderssein an ihm hat, und also der sich selbst entgegengesetzte +Gedanke des _Guten_ und _Boesen_. Der Mensch wird so vorgestellt, dass +es _geschehen_ ist, als etwas nicht Notwendiges,--dass er die Form der +Sichselbstgleichheit durch das Pfluecken vom Baume des Erkenntnisses +des _Guten_ und _Boesen_ verlor und aus dem Zustande des unschuldigen +Bewusstseins, aus der arbeitlos sich darbietenden Natur und dem +Paradiese, dem Garten der Tiere, vertrieben wurde. + +Indem dies In-sich-gehen des daseienden Bewusstseins sich unmittelbar +als das Sich-selbst-_ungleich_-werden bestimmt, so erscheint das +_Boese_ als das erste Dasein des in sich gegangenen Bewusstseins; und +weil die Gedanken des _Guten_ und _Boesen_ schlechthin +entgegengesetzte und diese Entgegensetzung noch nicht aufgeloest ist, +so ist dies Bewusstsein wesentlich nur das Boese. Zugleich aber ist um +eben dieser Entgegensetzung willen auch das _gute_ Bewusstsein gegen +es vorhanden, und ihr Verhaeltnis zueinander.--Insofern das +unmittelbare Dasein in den _Gedanken_ umschlaegt, und das +_In-sich-sein_ teils selbst Denken, teils das Moment des +_Anderswerdens_ des Wesens damit naeher bestimmt ist, so kann das +Boesewerden weiter rueckwaerts aus der daseienden Welt hinaus schon in +das erste Reich des Denkens verlegt werden. Es kann also gesagt +werden, dass schon der erstgeborne Lichtsohn, als in sich gehend, es +sei, der abgefallen, aber an dessen Stelle sogleich ein anderer +erzeugt worden. Solche bloss der Vorstellung, nicht dem Begriff +angehoerige Form wie _Abfallen_, ebenso wie _Sohn_, setzt uebrigens die +Momente des Begriffs ebenso umgekehrt in das Vorstellen herab, oder +traegt das Vorstellen in das Reich des Gedankens hinueber.--Ebenso +gleichgueltig ist es, dem einfachen Gedanken des _Andersseins_ im +ewigen Wesen noch eine Mannigfaltigkeit anderer Gestalten beizuordnen, +und das _In-sich-gehen_ in diese zu verlegen. Diese Beiordnung muss +darum zugleich gutgeheissen werden, weil dadurch dies Moment des +_Andersseins_, wie es soll, die Verschiedenheit zugleich ausdrueckt; +und zwar nicht als Vielheit ueberhaupt, sondern zugleich als bestimmte +Verschiedenheit, so dass der eine Teil, der Sohn, das einfache sich +selbst als Wesen Wissende ist, der andre Teil aber, die Entaeusserung +des Fuer-sich-seins, die nur im Preise des Wesens lebt; in diesen Teil +kann dann auch wieder das Zuruecknehmen des entaeusserten Fuer-sich-seins +und das In-sich-gehen des Boesen gelegt werden. Insofern das +Anderssein in zwei zerfaellt, waere der Geist in seinen Momenten +bestimmter, und wenn sie gezaehlt werden, als Viereinigkeit, oder weil +die Menge wieder selbst in zwei Teile, naemlich in gut gebliebne und +boese gewordne zerfaellt, gar als Fuenfeinigkeit ausgedrueckt.--Die +Momente aber zu _zaehlen_ kann ueberhaupt als unnuetz angesehen werden, +indem teils das Unterschiedne selbst ebensosehr nur _eines_ ist, +naemlich eben der _Gedanke_ des Unterschiedes, der nur _ein_ Gedanke +ist, als er _dieses_ Unterschiedne, das zweite gegen das erste ist, +--teils aber, weil der Gedanke, der das Viele in Eines befasst, aus +seiner Allgemeinheit aufgeloest und in mehr als drei oder vier +Unterschiedne unterschieden werden muss;--welche Allgemeinheit gegen +die absolute Bestimmtheit des abstrakten Eins, des Prinzips der Zahl, +als Unbestimmtheit in der Beziehung auf die Zahl selbst erscheint, so +dass nur von _Zahlen_ ueberhaupt, d.h. nicht von einer _Anzahl_ der +Unterschiede die Rede sein koennte, also hier ueberhaupt an Zahl und +ans Zaehlen zu denken ganz ueberfluessig, wie auch sonst der blosse +Unterschied der Groesse und Menge begrifflos und nichtssagend ist. + +Das _Gute_ und das _Boese_ waren die bestimmten Unterschiede des +Gedankens, die sich ergaben. Indem ihr Gegensatz sich noch nicht +aufgeloest, und sie als Wesen des Gedankens vorgestellt werden, deren +jedes fuer sich selbststaendig ist, so ist der Mensch das wesenlose +Selbst und der synthetische Boden ihres Daseins und Kampfs. Aber +diese allgemeinen Maechte gehoeren ebensosehr dem Selbst an, oder das +Selbst ist ihre Wirklichkeit. Nach diesem Momente geschieht es also, +dass, wie das Boese nichts anderes ist als das In-sich-gehen des +natuerlichen Daseins des Geistes, umgekehrt das Gute in die +Wirklichkeit tritt und als ein daseiendes Selbstbewusstsein erscheint. +--Was im rein gedachten Geiste als das _Anderswerden_ des goettlichen +Wesens ueberhaupt nur angedeutet ist, tritt hier seiner Realisierung +fuer das Vorstellen naeher; sie besteht ihm in der Selbsterniedrigung +des goettlichen Wesens, das auf seine Abstraktion und Unwirklichkeit +Verzicht tut.--Die andere Seite, das Boese, nimmt das Vorstellen als +ein dem goettlichen Wesen fremdes Geschehen; es in demselben selbst, +_als seinen Zorn_ zu fassen, ist die hoechste, haerteste Anstrengung +des mit sich selbst ringenden Vorstellens, die, da sie des Begriffs +entbehrt, fruchtlos bleibt. + +Die Entfremdung des goettlichen Wesens ist also auf ihre gedoppelte +Weise gesetzt; das Selbst des Geistes und sein einfacher Gedanke sind +die beiden Momente, deren absolute Einheit der Geist selbst ist; +seine Entfremdung besteht darin, dass sie auseinandertreten und das +eine einen ungleichen Wert gegen das andre hat. Diese Ungleichheit +ist darum die gedoppelte, und es entstehen zwei Verbindungen, deren +gemeinschaftliche Momente die angegebnen sind. In der einen gilt das +_goettliche Wesen_ als das Wesentliche, das natuerliche Dasein aber und +das Selbst als das Unwesentliche und Aufzuhebende; in der andern gilt +dagegen das _Fuer-sich-sein_ als das Wesentliche, und das einfache +Goettliche als das unwesentliche. Ihre noch leere Mitte ist das +_Dasein_ ueberhaupt, die blosse Gemeinschaftlichkeit der beiden Momente +derselben. + +Die Aufloesung dieses Gegensatzes geschieht nicht sowohl durch den +Kampf der beiden, die als getrennte und selbststaendige Wesen +vorgestellt sind. In ihrer _Selbststaendigkeit_ liegt es, dass _an +sich_, durch seinen Begriff, jedes an ihm selbst sich aufloesen muss; +der Kampf faellt erst dahin, wo beide aufhoeren, diese Vermischungen +des Gedankens und des selbststaendigen Daseins zu sein, und wo sie nur +als Gedanken einander gegenueberstehen. Denn alsdenn sind sie als +bestimmte Begriffe wesentlich nur in der entgegengesetzten Beziehung; +als selbststaendige hingegen haben sie ausser der Entgegensetzung ihre +Wesentlichkeit; ihre Bewegung ist also die freie und eigne ihrer +selbst. Wie also die Bewegung beider die Bewegung _an sich_ ist, +weil sie an ihnen selbst zu betrachten ist, so faengt sie auch +dasjenige von beiden an, welches als das Ansichseiende gegen das +andre bestimmt ist. Es wird dies als ein freiwilliges Tun +vorgestellt; aber die Notwendigkeit seiner Entaeusserung liegt in dem +Begriffe, dass das Ansichseiende, welches nur im Gegensatze so +bestimmt ist, eben darum nicht wahrhaftes Bestehen hat;--dasjenige +also, dem nicht das Fuer-sich-sein, sondern das Einfache als das Wesen +gilt, ist es, das sich selbst entaeussert, in den Tod geht, und dadurch +das absolute Wesen mit sich selbst versoehnt. Denn in dieser Bewegung +stellt es sich als _Geist_ dar; das abstrakte Wesen ist sich +entfremdet, es hat natuerliches Dasein und selbstische Wirklichkeit; +dies sein Anderssein oder seine sinnliche Gegenwart wird durch das +zweite Anderswerden zurueckgenommen und als aufgehobne, als +_allgemeine_ gesetzt; dadurch ist das Wesen in ihr sich selbst +geworden; das unmittelbare Dasein der Wirklichkeit hat aufgehoert, ein +ihm fremdes oder aeusserliches zu sein, indem es aufgehobnes, +allgemeines ist; dieser Tod ist daher sein Erstehen als Geist. + +Die aufgehobne unmittelbare Gegenwart des selbstbewussten Wesens ist +es als allgemeines Selbstbewusstsein; dieser Begriff des aufgehobnen +einzelnen Selbsts, das absolutes Wesen ist, drueckt daher unmittelbar +die Konstituierung einer Gemeinde aus, die, bisher im Vorstellen +verweilend, itzt in sich als in das Selbst zurueckkehrt; und der Geist +geht somit aus dem zweiten Elemente seiner Bestimmung, dem Vorstellen, +in das _dritte_, das Selbstbewusstsein als solches ueber.--Betrachten +wir noch die Art, wie jenes Vorstellen sich in seinem Fortgange +benimmt, so sehen wir zuerst dies ausgedrueckt, dass das goettliche +Wesen die menschliche Natur annimmt. Darin ist es schon +_ausgesprochen_, dass _an sich_ beide nicht getrennt sind;--wie darin, +dass das goettliche Wesen sich selbst _von Anfang_ entaeussert, sein +Dasein in sich geht und boese wird, es nicht ausgesprochen, aber darin +_enthalten_ ist, dass _an sich_ dies boese Dasein nicht ein ihm Fremdes +ist; das absolute Wesen haette nur diesen leeren Namen, wenn es in +Wahrheit ein ihm _Anderes_, wenn es einen _Abfall_ von ihm gaebe;--das +Moment des _In-sich-seins_ macht vielmehr das wesentliche Moment des +_Selbsts_ des Geistes aus.--Dass das _In-sich-sein_ und damit erst +_Wirklichkeit_ dem Wesen selbst angehoere, dies, was fuer uns _Begriff_ +ist, und insofern es Begriff ist, erscheint dem vorstellenden +Bewusstsein als ein unbegreifliches _Geschehen_; das _An-sich_ nimmt +die Form des _gleichgueltigen Seins_ fuer es an. Der Gedanke aber, dass +jene sich zu fliehen scheinende Momente, des absoluten Wesens und des +fuersichseienden Selbsts, nicht getrennt sind, erscheint diesem +Vorstellen _auch_--denn es besitzt den wahren Inhalt--, aber nachher, +in der Entaeusserung des goettlichen Wesens, das Fleisch wird. Diese +Vorstellung, die auf diese Weise noch _unmittelbar_ und daher nicht +geistig ist, oder die menschliche Gestalt des Wesens nur erst als +eine besondre, noch nicht allgemeine weiss, wird fuer dies Bewusstsein +geistig in der Bewegung des gestalteten Wesens sein unmittelbares +Dasein wieder aufzuopfern und zum Wesen zurueckzukehren; das Wesen als +_in sich reflektiertes_ ist erst der Geist.--Die _Versoehnung_ des +goettlichen Wesens mit dem _Andern_ ueberhaupt und bestimmt mit dem +_Gedanken_ desselben, dem _Boesen_, ist also hierin vorgestellt.--Wenn +diese Versoehnung nach _ihrem Begriffe_ so ausgedrueckt wird, dass sie +darin bestehe, weil _an sich_ das _Boese dasselbe_ sei, was das _Gute_, +oder auch das goettliche Wesen _dasselbe_, was die Natur in ihrem +ganzen Umfange, so wie die Natur getrennt vom goettlichen Wesen nur +das _Nichts_,--so ist dies als eine ungeistige Weise sich +auszudruecken anzusehen, die notwendig Missverstaendnisse erwecken muss. +--Indem das Boese _dasselbe_ ist, was das Gute, ist eben das Boese +nicht Boeses noch das Gute Gutes, sondern beide sind vielmehr +aufgehoben, das Boese ueberhaupt das insichseiende Fuer-sich-sein und +das Gute das selbstlose Einfache. Indem so beide nach ihrem Begriffe +ausgesprochen werden, erhellt zugleich ihre Einheit; denn das +insichseiende Fuer-sich-sein ist das einfache Wissen; und das +selbstlose Einfache ist ebenso das reine in sich seiende +Fuer-sich-sein.--Sosehr daher gesagt werden muss, dass nach diesem ihrem +Begriffe das Gute und Boese, d.h. insofern sie nicht das Gute und das +Boese sind, _dasselbe_ seien, ebensosehr muss also gesagt werden, dass +sie _nicht_ dasselbe, sondern schlechthin _verschieden_ sind, denn +das einfache Fuer-sich-sein oder auch das reine Wissen sind +gleicherweise die reine Negativitaet oder der absolute Unterschied an +ihnen selbst.--Erst diese beiden Saetze vollenden das Ganze, und dem +Behaupten und Versichern des ersten muss mit unueberwindlicher +Hartnaeckigkeit das Festhalten an dem andern gegenuebertreten; indem +beide gleich recht haben, haben beide gleich unrecht, und ihr Unrecht +besteht darin, solche abstrakte Formen, wie _dasselbe_ und _nicht +dasselbe_, die _Identitaet_ und die _Nichtidentitaet_ fuer etwas Wahres, +Festes, Wirkliches zu nehmen und auf ihnen zu beruhen. Nicht das +eine oder das andre hat Wahrheit, sondern eben ihre Bewegung, dass das +einfache Dasselbe die Abstraktion und damit der absolute Unterschied, +dieser aber als Unterschied an sich, von sich selbst unterschieden +also die Sichselbstgleichheit ist. Ebendies ist der Fall mit der +_Dieselbigkeit_ des goettlichen Wesens und der Natur ueberhaupt und der +menschlichen insbesondre; jenes ist Natur, insofern es nicht Wesen +ist; diese ist goettlich nach ihrem Wesen;--aber es ist der Geist, +worin beide abstrakte Seiten, wie sie in Wahrheit sind, naemlich als +_aufgehobne_ gesetzt sind,--ein Setzen, das nicht durch das Urteil +und das geistlose _Ist_, die Kopula desselben, ausgedrueckt werden +kann.--Ebenso ist die Natur _nichts ausser_ ihrem Wesen; aber dies +Nichts selbst _ist_ ebensosehr; es ist die absolute Abstraktion, also +das reine Denken oder In-sich-sein, und mit dem Momente seiner +Entgegensetzung gegen die geistige Einheit ist es das _Boese_. Die +Schwierigkeit, die in diesen Begriffen stattfindet, ist allein das +Festhalten am _Ist_ und das Vergessen des Denkens, worin die Momente +ebenso _sind_ als _nicht sind_,--nur die Bewegung sind, die der Geist +ist.--Diese geistige Einheit oder die Einheit, worin die Unterschiede +nur als Momente oder als aufgehobne sind, ist es, die fuer das +vorstellende Bewusstsein in jener Versoehnung geworden, und indem sie +die Allgemeinheit des Selbstbewusstseins ist, hat dieses aufgehoert, +vorstellendes zu sein; die Bewegung ist in es zurueckgegangen. + +Der Geist ist also in dem dritten Elemente, im _allgemeinen +Selbstbewusstsein_ gesetzt; er ist seine _Gemeinde_. Die Bewegung der +Gemeinde als des Selbstbewusstseins, das sich von seiner Vorstellung +unterscheidet, ist, das _hervorzubringen_, was _an sich_ geworden ist. +Der gestorbne goettliche Mensch oder menschliche Gott ist _an sich_ +das allgemeine Selbstbewusstsein; er hat dies _fuer dies +Selbstbewusstsein_ zu werden. Oder indem es die _eine_ Seite des +Gegensatzes der Vorstellung ausmacht, naemlich die boese, der das +natuerliche Dasein und das einzelne Fuer-sich-sein als das Wesen gilt, +so hat diese, die als selbststaendig, noch nicht als Moment +vorgestellt ist, um ihrer Selbststaendigkeit willen an und fuer sie +selbst sich zum Geiste zu erheben, oder die Bewegung desselben an ihr +darzustellen. + +Sie _ist_ der _natuerliche Geis_t; das Selbst hat aus dieser +Natuerlichkeit sich zurueckzuziehen und in sich zu gehen, das hiesse, +_boese_ zu werden. Aber sie ist schon _an sich_ boese; das +In-sich-gehen besteht daher darin, _sich zu ueberzeugen_, dass das +natuerliche Dasein das Boese ist. In das vorstellende Bewusstsein faellt +das _daseiende_ Boesewerden und Boesesein der Welt, so wie die +_daseiende_ Versoehnung des absoluten Wesens; in das +_Selbstbewusstsein_ aber als solches faellt der Form nach dieses +Vorgestellte nur als aufgehobnes Moment, denn das _Selbst_ ist das +Negative; also das _Wissen_--ein Wissen, das ein reines Tun des +Bewusstseins in sich selbst ist.--An dem Inhalte muss dies Moment des +_Negativen_ gleichfalls sich ausdruecken. Indem naemlich das Wesen _an +sich_ mit sich schon versoehnt und geistige Einheit ist, worin die +Teile der Vorstellung _aufgehobne_ oder _Momente_ sind, so stellt +sich dies dar, dass jeder Teil der Vorstellung hier die +_entgegengesetzte_ Bedeutung erhaelt, als er vorher hatte; jede +Bedeutung vervollstaendigt sich dadurch an der andern, und der Inhalt +ist erst dadurch ein geistiger; indem die Bestimmtheit ebensosehr +ihre entgegengesetzte ist, ist die Einheit im Anderssein, das +Geistige, vollendet; wie sich fuer uns oder _an sich_ vorhin die +entgegengesetzten Bedeutungen vereinigten, und selbst die abstrakten +Formen des _Desselben_ und des _Nichtdesselben_, der _Identitaet_ und +_Nichtidentitaet_ aufhoben. + +Wenn also in dem vorstellenden Bewusstsein das _Innerlichwerden_ des +natuerlichen Selbstbewusstseins das _daseiende Boese_ war, so ist das +_Innerlichwerden_ im Elemente des Selbstbewusstseins das _Wissen_ von +_dem Boesen_ als einem solchen, das _an sich_ im Dasein ist. Dies +Wissen ist also allerdings ein Boesewerden, aber nur Werden des +_Gedankens_ des _Boesen_, und ist darum als das erste Moment der +Versoehnung anerkannt. Denn als ein Zurueckgehen in sich aus der +Unmittelbarkeit der Natur, die als das Boese bestimmt ist, ist es ein +Verlassen derselben und das Absterben der Suende. Nicht das +natuerliche Dasein als solches wird von dem Bewusstsein verlassen, +sondern es zugleich als ein solches, das als Boeses gewusst wird. Die +unmittelbare Bewegung des _In-sich-gehens_ ist ebensosehr eine +vermittelte;--sie setzt sich selbst voraus oder ist ihr eigner Grund; +der Grund des In-sich-gehens ist naemlich, weil die Natur schon an +sich in sich gegangen ist; um des Boesen willen muss der Mensch in sich +gehen, aber das _Boese_ ist selbst das In-sich-gehen.--Diese erste +Bewegung ist eben darum selbst nur die unmittelbare oder ihr +_einfacher Begriff_, weil sie dasselbe, was ihr Grund ist. Die +Bewegung oder das Anderswerden muss daher in seiner eigentlichem Form +erst noch eintreten. + +Ausser dieser Unmittelbarkeit ist also die _Vermittlung_ der +Vorstellung notwendig. _An sich_ ist das _Wissen_ von der Natur als +dem unwahren Dasein des Geistes, und diese in sich gewordne +Allgemeinheit des Selbsts die Versoehnung des Geistes mit sich selbst. +Dies _An-sich_ erhaelt fuer das nicht begreifende Selbstbewusstsein die +Form eines _Seienden_ und _ihm Vorgestellten_. Das Begreifen also +ist ihm nicht ein Ergreifen dieses Begriffes, der die aufgehobne +Natuerlichkeit als allgemeine also als mit sich selbst versoehnte weiss, +sondern ein Ergreifen jener _Vorstellung_, dass durch das _Geschehen_ +der eignen Entaeusserung des goettlichen Wesens, durch seine geschehene +Menschwerdung und seinen Tod das goettliche Wesen mit seinem Dasein +versoehnt ist.--Das Ergreifen dieser Vorstellung drueckt nun bestimmter +dasjenige aus, was vorhin in ihr das geistige Auferstehen genannt +wurde, oder das Werden seines einzelnen Selbstbewusstseins zum +Allgemeinen oder zur Gemeinde.--Der _Tod_ des goettlichen Menschen +_als Tod_ ist die _abstrakte_ Negativitaet, das unmittelbare Resultat +der Bewegung, die nur in die _natuerliche_ Allgemeinheit sich endigt. +Diese natuerliche Bedeutung verliert er im geistigen Selbstbewusstsein, +oder er wird sein soeben angegebner Begriff; der Tod wird von dem, +was er unmittelbar bedeutet, von dem Nichtsein _dieses Einzelnen_ +verklaert zur _Allgemeinheit_ des Geistes, der in seiner Gemeine lebt, +in ihr taeglich stirbt und aufersteht. + +Dasjenige, was dem Elemente der _Vorstellung_ angehoert, dass der +absolute Geist als _ein einzelner_ oder vielmehr als ein _besonderer_ +an seinem Dasein die Natur des Geistes vorstellt, ist also hier in +das Selbstbewusstsein selbst versetzt, in das in seinem _Anderssein_ +sich erhaltende Wissen; dies _stirbt_ daher nicht wirklich, wie der +_Besondere vorgestellt_ wird, _wirklich_ gestorben zu sein, sondern +seine Besonderheit erstirbt in seiner Allgemeinheit, das heisst, in +seinem _Wissen_, welches das sich mit sich versoehnende Wesen ist. +Das zunaechst vorhergehende _Element des Vorstellens_ ist also hier +als aufgehobnes gesetzt, oder es ist in das Selbst, in seinen Begriff, +zurueckgegangen; das in jenem nur Seiende ist zum Subjekte geworden. +--Eben damit ist auch das _erste Element, das reine Denken_ und der +in ihm ewige Geist nicht mehr jenseits des vorstellenden Bewusstseins +noch des Selbsts, sondern die Rueckkehr des Ganzen in sich ist eben +dies, alle Momente in sich zu enthalten.--Der vom Selbst ergriffne +Tod des Mittlers ist das Aufheben seiner _Gegenstaendlichkeit_ oder +seines _besondern Fuer-sich-seins_; dies _besondre_ Fuer-sich-sein ist +allgemeines Selbstbewusstsein geworden.--Auf der andern Seite ist das +_Allgemeine_ eben dadurch Selbstbewusstsein, und der reine oder +unwirkliche Geist des blossen Denkens _wirklich_ geworden.--Der Tod +des Mittlers ist Tod nicht nur der _natuerlichen Seite_ desselben oder +seines besondern Fuer-sich-seins, es stirbt nicht nur die vom Wesen +abgezogne schon tote Huelle, sondern auch die _Abstraktion_ des +goettlichen Wesens. Denn er ist, insofern sein Tod die Versoehnung +noch nicht vollendet hat, das Einseitige, welches das Einfache des +Denkens als das _Wesen_ weiss im Gegensatze gegen die Wirklichkeit; +dies Extrem des Selbsts hat noch nicht gleichen Wert mit dem Wesen; +dies hat das Selbst erst im Geiste. Der Tod dieser Vorstellung +enthaelt also zugleich den Tod der _Abstraktion des goettlichen Wesens_, +das nicht als Selbst gesetzt ist. Er ist das schmerzliche Gefuehl +des ungluecklichen Bewusstseins, dass _Gott selbst gestorben_ ist. +Dieser harte Ausdruck ist der Ausdruck des innersten +Sich-einfach-wissens, die Rueckkehr des Bewusstseins in die Tiefe der +Nacht des Ich = Ich, die nichts ausser ihr mehr unterscheidet und weiss. +Dies Gefuehl ist also in der Tat der Verlust der _Substanz_ und +ihres Gegenuebertretens gegen das Bewusstsein; aber zugleich ist es die +reine _Subjektivitaet_ der Substanz, oder die reine Gewissheit seiner +Selbst, die ihr als dem Gegenstaende oder dem Unmittelbaren oder dem +reinen Wesen fehlte. Dies Wissen also ist die _Begeistung_, wodurch +die Substanz Subjekt, ihre Abstraktion und Leblosigkeit gestorben, +sie also _wirklich_ und einfaches und allgemeines Selbstbewusstsein +geworden ist. + +So ist also der Geist _sich selbst_ wissender Geist; er weiss _sich_, +das, was ihm Gegenstand ist, ist, oder seine Vorstellung ist der +wahre absolute _Inhalt_; er drueckt, wie wir sahen, den Geist selbst +aus. Er ist zugleich nicht nur _Inhalt_ des Selbstbewusstseins und +nicht nur _fuer es_ Gegenstand, sondern er ist auch _wirklicher Geist_. +Er ist dies, indem er die drei Elemente seiner Natur durchlauft; +diese Bewegung durch sich selbst hindurch macht seine Wirklichkeit +aus;--was sich bewegt, ist er, er ist das Subjekt der Bewegung, und +er ist ebenso _das Bewegen_ selbst, oder die Substanz, durch welche +das Subjekt hindurchgeht. Wie uns der Begriff des Geistes geworden +war, als wir in die Religion eintraten, naemlich als die Bewegung des +seiner selbst gewissen Geistes, der dem Boesen verzeiht und darin +zugleich von seiner eignen Einfachheit und harten Unwandelbarkeit +ablaesst, oder die Bewegung, dass das absolut _Entgegengesetzte_ sich +als _dasselbe_ erkennt und dies Erkennen als das _Ja_ zwischen diesen +Extremen hervorbricht,--diesen Begriff _schaut_ das religioese +Bewusstsein, dem das absolute Wesen offenbar, _an_, und hebt die +_Unterscheidung_ seines _Selbsts_ von seinem _Angeschauten_ auf, ist +wie es das Subjekt ist, so auch die Substanz, und _ist_ also selbst +der Geist, eben weil und insofern es diese Bewegung ist. + +Vollendet aber ist diese Gemeinde noch nicht in diesem ihrem +Selbstbewusstsein; ihr Inhalt ist ueberhaupt in der Form des +_Vorstellens_ fuer sie, und diese Entzweiung hat auch die _wirkliche +Geistigkeit_ derselben, ihre Rueckkehr aus ihrem Vorstellen, noch an +ihr, wie das Element des reinen Denkens selbst damit behaftet war. +Sie hat nicht auch das Bewusstsein ueber das, was sie ist; sie ist das +geistige Selbstbewusstsein, das sich nicht als dieses Gegenstand ist, +oder sich nicht zum Bewusstsein seiner selbst aufschliesst; sondern +insofern sie Bewusstsein ist, hat sie Vorstellungen, die betrachtet +wurden.--Wir sehen das Selbstbewusstsein auf seinem letzten +Wendungspunkte sich _innerlich_ werden und zum _Wissen_ des +_In-sich-seins_ gelangen; wir sehen es sein natuerliches Dasein +entaeussern, und die reine Negativitaet gewinnen. Aber die _positive_ +Bedeutung, dass naemlich diese Negativitaet oder reine _Innerlichkeit_ +des _Wissens_ ebensosehr das _sichselbstgleiche Wesen_ ist, oder dass +die Substanz hierin dazu gelangt, absolutes Selbstbewusstsein zu sein, +dies ist ein _Anderes_ fuer das andaechtige Bewusstsein. Es ergreift +diese Seite, dass das reine Innerlichwerden des Wissens _an sich_ die +absolute Einfachheit oder die Substanz ist, als die Vorstellung von +etwas, das nicht dem _Begriffe_ nach so ist, sondern als die Handlung +einer _fremden_ Genugtuung. Oder es ist nicht dies fuer es, dass diese +Tiefe des reinen Selbsts die Gewalt ist, wodurch das _abstrakte +Wesen_ aus seiner Abstraktion herabgezogen und durch die Macht dieser +reinen Andacht zum Selbst erhoben wird.--Das Tun des Selbsts behaelt +dadurch diese negative Bedeutung gegen es, weil die Entaeusserung der +Substanz von ihrer Seite ein _An-sich_ fuer jenes ist, das es nicht +ebenso erfasst und begreift, oder nicht in _seinem_ Tun als solchem +findet.--Indem _an sich_ diese Einheit des Wesens und des Selbsts +zustande gekommen, so hat das Bewusstsein auch noch diese +_Vorstellung_ seiner Versoehnung, aber als Vorstellung. Es erlangt +die Befriedigung dadurch, dass es seiner reinen Negativitaet die +positive Bedeutung der Einheit seiner mit dem Wesen _aeusserlich_ +hinzufuegt; seine Befriedigung bleibt also selbst mit dem Gegensatze +eines Jenseits behaftet. Seine eigne Versoehnung tritt daher als ein +_Fernes_ in sein Bewusstsein ein, als ein Fernes der _Zukunft_, wie +die Versoehnung, die das andere _Selbst_ vollbrachte, als eine Ferne +der _Vergangenheit_ erscheint. So wie der _einzelne_ goettliche +Mensch einen _ansich_seienden Vater und nur eine _wirkliche_ Mutter +hat, so hat auch der allgemeine goettliche Mensch, die Gemeinde, ihr +_eignes Tun_ und _Wissen_ zu ihrem Vater, zu ihrer Mutter aber die +_ewige Liebe_, die sie nur _fuehlt_, nicht aber in ihrem Bewusstsein +als wirklichen unmittelbaren _Gegenstand_ anschaut. Ihre Versoehnung +ist daher in ihrem Herzen, aber mit ihrem Bewusstsein noch entzweit, +und ihre Wirklichkeit noch gebrochen. Was als das _An-sich_ oder die +Seite der _reinen Vermittlung_ in ihr Bewusstsein tritt, ist die +jenseits liegende Versoehnung; was aber als _gegenwaertig_, als die +Seite der _Unmittelbarkeit_ und des _Daseins_, ist die Welt, die ihre +Verklaerung noch zu gewarten hat. Sie ist wohl _an sich_ versoehnt mit +dem Wesen; und vom _Wesen_ wird wohl gewusst, dass es den Gegenstand +nicht mehr als sich entfremdet erkennt, sondern in seiner Liebe als +sich gleich. Aber fuer das Selbstbewusstsein hat diese unmittelbare +Gegenwart noch nicht Geistsgestalt. Der Geist der Gemeinde ist so in +seinem unmittelbaren Bewusstsein getrennt von seinem religioesen, das +zwar es ausspricht, dass sie _an sich_ nicht getrennt seien, aber ein +_An-sich_, das nicht realisiert, oder noch nicht ebenso absolutes +Fuer-sich-sein geworden. + + + +VIII. Das absolute Wissen + +Der Geist der offenbaren Religion hat sein Bewusstsein als solches +noch nicht ueberwunden, oder, was dasselbe ist, sein wirkliches +Selbstbewusstsein ist nicht der Gegenstand seines Bewusstseins; er +selbst ueberhaupt und die in ihm sich unterscheidenden Momente fallen +in das Vorstellen und in die Form der Gegenstaendlichkeit. Der +_Inhalt_ des Vorstellens ist der absolute Geist; und es ist allein +noch um das Aufheben dieser blossen Form zu tun, oder vielmehr weil +sie dem _Bewusstsein als solchem_ angehoert, muss ihre Wahrheit schon in +den Gestaltungen desselben sich ergeben haben.--Diese Ueberwindung des +Gegenstandes des Bewusstseins ist nicht als das einseitige zu nehmen, +dass er sich als in das Selbst zurueckkehrend zeigte, sondern +bestimmter so, dass er sowohl als solcher sich ihm als verschwindend +darstellte, als noch vielmehr, dass die Entaeusserung des +Selbstbewusstseins es ist, welche die Dingheit setzt, und dass diese +Entaeusserung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht +nur fuer uns oder an sich, sondern fuer es selbst hat. _Fuer es_ hat das +Negative des Gegenstandes oder dessen Sich-selbst-aufheben dadurch +die positive Bedeutung, oder es _weiss_ diese Nichtigkeit desselben +dadurch einerseits, dass es sich selbst entaeussert,--denn in dieser +Entaeusserung setzt es _sich_ als Gegenstand, oder den Gegenstand um +der untrennbaren Einheit des _Fuer-sich-seins_ willen als sich selbst. +Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, dass es diese +Entaeusserung und Gegenstaendlichkeit ebensosehr auch aufgehoben und in +sich zurueckgenommen hat, also in _seinem_ Anderssein als solchem bei +sich ist.--Dies ist die Bewegung des _Bewusstseins_, und dieses ist +darin die Totalitaet seiner Momente.--Es muss sich ebenso zu dem +Gegenstande nach der Totalitaet seiner Bestimmungen verhalten, und ihn +nach jeder derselben so erfasst haben. Diese Totalitaet seiner +Bestimmungen macht _ihn an sich_ zum geistigen Wesen, und fuer das +Bewusstsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden +einzelnen derselben, als des Selbsts, oder durch das obengenannte +geistige Verhalten zu ihnen. + +Der Gegenstand ist also teils _unmittelbares_ Sein, oder ein Ding +ueberhaupt, was dem unmittelbaren Bewusstsein entspricht; teils ein +Anderswerden seiner, sein Verhaeltnis, oder _Sein fuer Anderes_ und +_Fuer-sich-sein_, die Bestimmtheit, was der _Wahrnehmung_; teils +_Wesen_ oder als Allgemeines, was dem Verstande entspricht. Er ist, +als Ganzes, der Schluss oder die Bewegung des Allgemeinen durch die +Bestimmung zur Einzelnheit, wie die umgekehrte, von der Einzelnheit +durch sie als aufgehobne oder die Bestimmung zum Allgemeinen.--Nach +diesen drei Bestimmungen also muss das Bewusstsein ihn als sich selbst +wissen. Es ist dies jedoch nicht das Wissen als reines Begreifen des +Gegenstandes, von dem die Rede ist; sondern dies Wissen soll nur in +seinem Werden oder in seinen Momenten nach der Seite aufgezeigt +werden, die dem Bewusstsein als solchem angehoert, und die Momente des +eigentlichen Begriffes oder reinen Wissens in der Form von +Gestaltungen des Bewusstseins. Darum erscheint der Gegenstand im +Bewusstsein als solchem noch nicht als die geistige Wesenheit, wie sie +von uns soeben ausgesprochen wurde, und sein Verhalten zu ihm ist +nicht die Betrachtung desselben in dieser Totalitaet als solcher, noch +in ihrer reinen Begriffsform, sondern teils Gestalt des Bewusstseins +ueberhaupt, teils eine Anzahl solcher Gestalten, die _wir_ +zusammennehmen, und in welchen die Totalitaet der Momente des +Gegenstandes und des Verhaltens des Bewusstseins nur aufgeloest in ihre +Momente aufgezeigt werden kann. + +Es ist hiemit fuer diese Seite des Erfassens des Gegenstandes, wie es +in der Gestalt des Bewusstseins ist, nur an die fruehem Gestalten +desselben zu erinnern, die schon vorgekommen sind.--In Ansehung des +Gegenstandes also, insofern er unmittelbar, ein _gleichgueltiges Sein_ +ist, so sahen wir die beobachtende Vernunft in diesem gleichgueltigen +Dinge sich selbst _suchen_ und _finden_, d.h. ihres Tuns als eines +ebenso aeusserlichen sich bewusst sein, als sie des Gegenstands nur als +eines unmittelbaren bewusst ist.--Wir sahen auch auf ihrer Spitze ihre +Bestimmung in dem unendlichen Urteile aussprechen, dass das _Sein des +Ich ein Ding ist_. _-_ Und zwar ein sinnliches unmittelbares Ding: +wenn Ich _Seele_ genannt wird, so ist es zwar auch als Ding +vorgestellt, aber als ein unsichtbares, unfehlbares u.s.f., in der +Tat also nicht als unmittelbares Sein, und nicht als das, was man +unter einem Dinge meint.--Jenes Urteil, so genommen, wie es +unmittelbar lautet, ist es geistlos oder vielmehr das Geistlose +selbst. Seinem _Begriffe_ nach aber ist es in der Tat das +Geistreichste, und dieses _Innre_ desselben, das an ihm noch nicht +_vorhanden_ ist, ist es, was die beiden andern zu betrachtenden +Momente aussprechen. + +_Das Ding ist Ich_; in der Tat ist in diesem unendlichen Urteile das +Ding aufgehoben; es ist nichts an sich; es hat nur Bedeutung im +Verhaeltnisse, nur _durch Ich_ und _seine Beziehung_ auf dasselbe. +--Dies Moment hat sich fuer das Bewusstsein in der reinen Einsicht und +Aufklaerung ergeben. Die Dinge sind schlechthin _nuetzlich_, und nur +nach ihrer Nuetzlichkeit zu betrachten.--Das _gebildete_ +Selbstbewusstsein, das die Welt des sich entfremdeten Geistes +durchlaufen, hat durch seine Entaeusserung das Ding als sich selbst +erzeugt, behaelt daher in ihm noch sich selbst, und weiss die +Unselbststaendigkeit desselben, oder dass das Ding _wesentlich_ nur +_Sein fuer Anderes_ ist; oder vollstaendig das _Verhaeltnis_, d.h. das, +was die Natur des Gegenstandes hier allein ausmacht, ausgedrueckt, so +gilt ihm das Ding als ein _fuersichseiendes_, es spricht die sinnliche +Gewissheit als absolute Wahrheit aus, aber dies _Fuer-sich-sein_ selbst +als Moment, das nur verschwindet, und in sein Gegenteil, in das +preisgegebne Sein fuer anderes uebergeht. + +Hierin ist aber das Wissen des Dinges noch nicht vollendet; es muss +nicht nur nach der Unmittelbarkeit des Seins und nach der +Bestimmtheit, sondern auch als _Wesen_ oder _Inneres_, als das Selbst +gewusst werden. Dies ist in dem _moralischen Selbstbewusstsein_ +vorhanden. Dies weiss sein Wissen als die _absolute Wesenheit_, oder +das _Sein_ schlechthin als den reinen Willen oder Wissen; es _ist_ +nichts als nur dieser Willen und Wissen; anderem kommt nur +unwesentliches Sein, d.h. nicht _ansich_seiendes, nur seine leere +Huelse zu. Insofern das moralische Bewusstsein das _Dasein_ in seiner +Weltvorstellung aus dem Selbst entlaesst, nimmt es dasselbe ebensosehr +wieder in sich zurueck. Als Gewissen ist es endlich nicht mehr dieses +noch abwechselnde Stellen und Verstellen des Daseins und des Selbsts, +sondern es weiss, dass sein _Dasein_ als solches diese reine Gewissheit +seiner selbst ist; das gegenstaendliche Element, in welches es als +handelnd sich hinausstellt, ist nichts anderes als das reine Wissen +des Selbsts von sich. + +Dies sind die Momente, aus denen sich die Versoehnung des Geistes mit +seinem eigentlichen Bewusstsein zusammensetzt; sie fuer sich sind +einzeln, und ihre geistige Einheit allein ist es, welche die Kraft +dieser Versoehnung ausmacht. Das letzte dieser Momente ist aber +notwendig diese Einheit selbst, und verbindet, wie erhellt, sie in +der Tat alle in sich. Der seiner selbst in seinem Dasein gewisse +Geist hat zum Elemente des _Daseins_ nichts anderes als dies Wissen +von sich; das Aussprechen, dass, was er tut, er nach Ueberzeugung von +der Pflicht tut, diese seine Sprache ist das _Gelten_ seines Handelns. +--Das Handeln ist das erste _ansich_seiende Trennen der Einfachheit +des Begriffs und die Rueckkehr aus dieser Trennung. Diese erste +Bewegung schlaegt in die zweite um, indem das Element des Anerkennens +sich als _einfaches_ Wissen von der Pflicht gegen den _Unterschied_ +und die _Entzweiung_ setzt, die im Handeln als solchem liegt, und auf +diese Weise eine eiserne Wirklichkeit gegen das Handeln bildet. In +der Verzeihung sahen wir aber, wie diese Haerte von sich selbst ablaesst, +und sich entaeussert. Die Wirklichkeit hat also hier fuer das +Selbstbewusstsein sowohl als _unmittelbares Dasein_ keine andere +Bedeutung, als das reine Wissen zu sein;--ebenso als _bestimmtes_ +Dasein, oder als Verhaeltnis, ist das sich Gegenueberstehende ein +Wissen teils von diesem rein einzelnen Selbst, teils von dem Wissen +als allgemeinem. Hierin ist zugleich dies gesetzt, dass das _dritte_ +Moment, die _Allgemeinheit_ oder das _Wesen_ jedem der beiden +gegenueberstehenden nur als _Wissen_ gilt; und den leeren noch uebrigen +Gegensatz heben sie endlich ebenso auf, und sind das Wissen des Ich = +Ich; dieses _einzelne_ Selbst, das unmittelbar reines Wissen oder +allgemeines ist. + +Diese Versoehnung des Bewusstseins mit dem Selbstbewusstsein zeigt sich +hiemit von der gedoppelten Seite zustande gebracht, das einemal im +religioesen Geiste, das anderemal im Bewusstsein selbst als solchem. +Sie unterscheiden sich beide so voneinander, dass jene diese +Versoehnung in der Form des _An-sich-seins_, diese in der Form des +_Fuer-sich-seins_ ist. Wie sie betrachtet worden, fallen sie zunaechst +auseinander; das Bewusstsein ist in der Ordnung, in der uns seine +Gestalten vorkamen, teils zu den einzelnen Momenten derselben, teils +zu ihrer Vereinigung laengst gekommen, ehe auch die Religion ihrem +Gegenstande die Gestalt des wirklichen Selbstbewusstseins gab. Die +Vereinigung beider Seiten ist noch nicht aufgezeigt; sie ist es, +welche diese Reihe der Gestaltungen des Geistes beschliesst; denn in +ihr kommt der Geist dazu, sich zu wissen nicht nur, wie er _an sich_ +oder nach seinem absoluten _Inhalte_, noch nur wie er _fuer sich_ nach +seiner inhaltslosen Form oder nach der Seite des Selbstbewusstseins, +sondern wie er _an und fuer sich_ ist. + +Diese Vereinigung aber ist _an sich_ schon geschehen, zwar auch in +der Religion, in der Rueckkehr der Vorstellung in das Selbstbewusstsein, +aber nicht nach der eigentlichen Form, denn die religioese Seite ist +die Seite des _An-sich_, welche der Bewegung des Selbstbewusstseins +gegenuebersteht. Die Vereinigung gehoert daher dieser andern Seite an, +die im Gegensatze die Seite der Reflexion in sich, also diejenige ist, +die sich selbst und ihr Gegenteil, und nicht nur _an sich_ oder auf +eine allgemeine Weise, sondern _fuer sich_ oder entwickelt und +unterschieden enthaelt. Der Inhalt, so wie die andre Seite des +selbstbewussten Geistes, insofern sie die _andre_ Seite ist, ist in +ihrer Vollstaendigkeit vorhanden und aufgezeigt worden; die +Vereinigung, welche noch fehlt, ist die einfache Einheit des Begriffs. +Dieser ist an der Seite des Selbstbewusstseins selbst auch schon +vorhanden; aber wie er im Vorhergehenden vorgekommen, hat er, wie +alle uebrigen Momente die Form, eine _besondere Gestalt_ des +_Bewusstseins_ zu sein.--Er ist also derjenige Teil der Gestalt des +seiner selbst gewissen Geistes, der in seinem Begriffe stehen bleibt, +und die _schoene Seele_ genannt wurde. Sie ist naemlich sein Wissen +von sich selbst, in seiner reinen durchsichtigen Einheit,--das +Selbstbewusstsein, das dieses reine Wissen von dem _reinen +In-sich-sein_ als den Geist weiss,--nicht nur die Anschauung des +Goettlichen, sondern die Selbstanschauung desselben.--Indem dieser +Begriff sich seiner Realisierung entgegengesetzt festhaelt, ist er die +einseitige Gestalt, deren Verschwinden in leeren Dunst, aber auch +ihre positive Entaeusserung und Fortbewegung wir sahen. Durch diese +Realisierung hebt sich das Auf-sich-beharren dieses gegenstandslosen +Selbstbewusstseins, die _Bestimmtheit_ des Begriffs gegen seine +_Erfuellung_ auf; sein Selbstbewusstsein gewinnt die Form der +Allgemeinheit, und was ihm bleibt, ist sein wahrhafter Begriff, oder +der Begriff, der seine Realisierung gewonnen; es ist er in seiner +Wahrheit, naemlich in der Einheit mit seiner Entaeusserung;--das Wissen +von dem reinen Wissen, nicht als abstraktem _Wesen_, welches die +Pflicht ist,--sondern von ihm als Wesen, das _dieses_ Wissen, +_dieses_ reine Selbstbewusstsein, das also zugleich wahrhafter +_Gegenstand_ ist, denn er ist das fuersichseiende Selbst. + +Seine Erfuellung gab sich dieser Begriff, einesteils im _handelnden_ +seiner selbst gewissen Geist, andernteils in der _Religion_: in der +letztern gewann er den absoluten _Inhalt als Inhalt_ oder in der Form +der _Vorstellung_, des Andersseins fuer das Bewusstsein; hingegen in +jener Gestalt ist die Form das Selbst selber, denn sie enthaelt den +_handelnden_ seiner selbst gewissen Geist, das Selbst fuehrt das Leben +des absoluten Geistes durch. Diese Gestalt ist, wie wir sehen, jener +einfache Begriff, der aber sein ewiges _Wesen_ aufgibt, _da ist_, +oder handelt. Das _Entzweien_ oder Hervortreten hat er an der +_Reinheit des_ Begriffs, denn sie ist die absolute Abstraktion oder +Negativitaet. Ebenso hat er das Element seiner Wirklichkeit oder des +Seins in ihm, an dem reinen Wissen selbst, denn es ist die einfache +_Unmittelbarkeit_, die ebenso _Sein_ und _Dasein_ als _Wesen_ ist, +jenes das negative Denken, dies das positive Denken selbst. Dies +Dasein ist endlich ebensosehr das aus ihm--wie als Dasein so als +Pflicht--In-sich-reflektiert- oder _Boese-_sein. Dies In-sich-gehen +macht den _Gegensatz_ des _Begriffs_ aus, und ist damit das Auftreten +des _nichthandelnden, nichtwirklichen_ reinen Wissens des Wesens. +Dies sein Auftreten in diesem Gegensatze aber ist die Teilnahme daran; +das reine Wissen des Wesens hat sich _an sich_ seiner Einfachheit +entaeussert, denn es ist das _Entzweien_ oder die Negativitaet, die der +Begriff ist; sofern dies Entzweien das _Fuer-sich-werden_ ist, ist es +das Boese; sofern es das _An-sich_ ist, ist es das Gutbleibende.--Was +nun zuerst _an sich_ geschieht, ist zugleich _fuer das Bewusstsein_ und +ebenso selbst gedoppelt, sowohl _fuer es_, als es sein _Fuer-sich-sein_ +oder sein eignes Tun ist. Dasselbe, was schon _an sich_ gesetzt ist, +wiederholt sich also itzt als Wissen des Bewusstseins von ihm, und +bewusstes Tun. Jedes laesst fuer das andere von der Selbststaendigkeit +der Bestimmtheit, in der es gegen es auftritt, ab. Dies Ablassen ist +dasselbe Verzichttun auf die Einseitigkeit des Begriffs, das _an +sich_ den Anfang ausmachte, aber es ist nunmehr _sein_ Verzichttun, +so wie der Begriff, auf welchen es Verzicht tut, der seinige ist. +--Jenes _An-sich_ des Anfangs ist als Negativitaet in Wahrheit +ebensosehr das _vermittelte_; so wie es in Wahrheit ist, _setzt_ es +sich also itzt, und das _Negative_ ist als _Bestimmtheit_ eines jeden +fuer das andere und an sich das sich selbst aufhebende. Der eine der +beiden Teile des Gegensatzes ist die Ungleichheit des +_In-sich-in-seiner-Einzelnheit-seins_ gegen die Allgemeinheit,--der +andere die Ungleichheit seiner abstrakten Allgemeinheit gegen das +Selbst; jenes stirbt seinem Fuer-sich-sein ab und entaeussert, bekennt +sich; dieses entsagt der Haerte seiner abstrakten Allgemeinheit, und +stirbt damit seinem unlebendigen Selbst und seiner unbewegten +Allgemeinheit ab; so dass also jenes durch das Moment der +Allgemeinheit, die Wesen ist, und dieses durch die Allgemeinheit, die +Selbst ist, sich ergaenzt hat. Durch diese Bewegung des Handelns ist +der Geist--der so erst Geist ist, dass er _da ist_, sein Dasein in den +_Gedanken_ und dadurch in die absolute _Entgegensetzung_ erhebt, und +aus dieser eben durch sie und in ihr selbst zurueckkehrt--als reine +Allgemeinheit des Wissens, welches Selbstbewusstsein ist, als +Selbstbewusstsein, das einfache Einheit des Wissens ist, +hervorgetreten. + +Was also in der Religion _Inhalt_ oder Form des Vorstellens eines +_Andern_ war, dasselbe ist hier eignes _Tun_ des _Selbsts_; der +Begriff verbindet es, dass der _Inhalt_ eignes _Tun_ des _Selbsts_ ist; +--denn dieser Begriff ist, wie wir sehen, das Wissen des Tuns des +Selbsts in sich als aller Wesenheit und alles Daseins, das Wissen von +_diesem Subjekte_ als der _Substanz_, und von der Substanz als diesem +Wissen seines Tuns.--Was wir hier hinzugetan, ist allein teils die +_Versammlung_ der einzelnen Momente, deren jedes in seinem Prinzipe +das Leben des ganzen Geistes darstellt, teils das Festhalten des +Begriffes in der Form des Begriffes, dessen Inhalt sich in jenen +Momenten, und der sich in der Form einer _Gestalt des Bewusstseins_ +schon selbst ergeben haette. + +Diese letzte Gestalt des Geistes, der Geist, der seinem vollstaendigen +und wahren Inhalte zugleich die Form des Selbsts gibt, und dadurch +seinen Begriff ebenso realisiert, als er in dieser Realisierung in +seinem Begriffe bleibt, ist das absolute Wissen; es ist der sich in +Geistsgestalt wissende Geist oder das _begreifende Wissen_. Die +_Wahrheit_ ist nicht nur _an sich_ vollkommen der _Gewissheit_ gleich, +sondern hat auch die _Gestalt_ der Gewissheit seiner selbst, oder sie +ist in ihrem Dasein, das heisst, fuer den wissenden Geist in der _Form_ +des Wissens seiner selbst. Die Wahrheit ist der _Inhalt_, der in der +Religion seiner Gewissheit noch ungleich ist. Diese Gleichheit aber +ist darin, dass der Inhalt die Gestalt des Selbsts erhalten. Dadurch +ist dasjenige zum Elemente des Daseins oder zur _Form der +Gegenstaendlichkeit_ fuer das Bewusstsein geworden, was das Wesen selbst +ist; naemlich der _Begriff_. Der Geist in diesem Elemente dem +Bewusstsein _erscheinend_, oder was hier dasselbe ist, darin von ihm +hervorgebracht, _ist die Wissenschaft_. + +Die Natur, Momente und Bewegung dieses Wissens hat sich also so +ergeben, dass es das reine _Fuer-sich-sein_ des Selbstbewusstseins ist; +es ist Ich, das _dieses_ und kein anderes _Ich_ und das ebenso +unmittelbar _vermittelt_ oder aufgehobenes _allgemeines_ Ich ist.--Es +hat einen _Inhalt_, den es von sich _unterscheidet_; denn es ist die +reine Negativitaet oder das Sich-entzweien; es ist _Bewusstsein_. +Dieser Inhalt ist in seinem Unterschiede selbst das Ich, denn er ist +die Bewegung des Sich-selbst-aufhebens, oder dieselbe reine +Negativitaet, die Ich ist. Ich ist in ihm als unterschiedenem in sich +reflektiert; der Inhalt ist allein dadurch _begriffen_, dass Ich in +seinem Anderssein bei sich selbst ist. Dieser Inhalt bestimmter +angegeben, ist er nichts anders als die soeben ausgesprochene +Bewegung selbst; denn er ist der Geist, der sich selbst und zwar _fuer +sich_ als Geist durchlaeuft, dadurch, dass er die Gestalt des Begriffes +in seiner Gegenstaendlichkeit hat. + +Was aber das _Dasein_ dieses Begriffs betrifft, so erscheint in der +Zeit und Wirklichkeit die _Wissenschaft_ nicht eher, als bis der +Geist zu diesem Bewusstsein ueber sich gekommen ist. Als der Geist, +der weiss, was er ist, existiert er frueher nicht, und sonst nirgends +als nach Vollendung der Arbeit, seine unvollkommene Gestaltung zu +bezwingen, sich fuer sein Bewusstsein die Gestalt seines Wesens zu +verschaffen, und auf diese Weise _sein Selbstbewusstsein_ mit seinem +_Bewusstsein_ auszugleichen.--Der an und fuer sich seiende Geist in +seinen Momenten unterschieden, ist _fuersich_seiendes Wissen, das +_Begreifen_ ueberhaupt, das als solches die _Substanz_ noch nicht +erreicht hat oder nicht an sich selbst abolutes Wissen ist. + +In der Wirklichkeit ist nun die wissende Substanz frueher da als die +Form oder Begriffsgestalt derselben. Denn die Substanz ist das noch +unentwickelte _An-sich_ oder der Grund und Begriff in seiner noch +unbewegten Einfachheit, also die _Innerlichkeit_ oder das Selbst des +Geistes, das noch nicht _da ist_. Was _da ist_, ist als das noch +unentwickelte Einfache und Unmittelbare, oder der Gegenstand des +_vorstellenden Be_wusstseins ueberhaupt. Das Erkennen, weil es das +geistige Bewusstsein ist, dem, was _an sich ist_, nur insofern ist, +als es _Sein fuer_ das _Selbst_ und Sein des _Selbstes_ oder Begriff +ist, hat aus diesem Grunde zuerst nur einen armen Gegenstand, gegen +welchen die Substanz und deren Bewusstsein reicher ist. Die +Offenbarkeit, die sie in diesem hat, ist in der Tat Verborgenheit, +denn sie ist das noch _selbstlose Sein_, und offenbar ist sich nur +die Gewissheit seiner selbst. Zuerst gehoeren dem _Selbst_bewusstsein +daher von der Substanz nur die _abstrakten Momente_ an; aber indem +diese als die reinen Bewegungen sich selbst weitertreiben, bereichert +es sich, bis es die ganze Substanz dem Bewusstsein entrissen, den +ganzen Bau ihrer Wesenheiten in sich gesogen, und--indem dieses +negative Verhalten zur Gegenstaendlichkeit ebensosehr positiv, Setzen +ist--sie aus sich erzeugt und damit fuer das Bewusstsein zugleich +wieder hergestellt hat. In dem _Begriffe_, der sich als Begriff weiss, +treten hiemit die _Momente_ frueher auf als das _erfuellte Ganze_, +dessen Werden die Bewegung jener Momente ist. In dem _Bewusstsein_ +dagegen ist das Ganze, aber unbegriffne, frueher als die Momente.--Die +_Zeit_ ist der _Begriff_ selbst, der _da ist_ und als leere +Anschauung sich dem Bewusstsein vorstellt; deswegen erscheint der +Geist notwendig in der Zeit, und er erscheint so lange in der Zeit, +als er nicht seinen reinen Begriff _erfasst_, das heisst, nicht die +Zeit tilgt. Sie ist das _aeussere_ angeschaute vom Selbst _nicht +erfasste_ reine Selbst, der nur angeschaute Begriff; indem dieser sich +selbst erfasst, hebt er seine Zeitform auf, begreift das Anschauen, +und ist begriffnes und begreifendes Anschauen.--Die Zeit erscheint +daher als das Schicksal und die Notwendigkeit des Geistes, der nicht +in sich vollendet ist,--die Notwendigkeit, den Anteil, den das +Selbstbewusstsein an dem Bewusstsein hat, zu bereichern, die +_Unmittelbarkeit des An-sich_--die Form, in der die Substanz im +Bewusstsein ist--in Bewegung zu setzen oder umgekehrt das An-sich als +das _Innerliche_ genommen, das, was erst _innerlich_ ist, zu +realisieren und zu offenbaren, d.h. es der Gewissheit seiner selbst zu +vindizieren. + +Es muss aus diesem Grunde gesagt werden, dass nichts _gewusst_ wird, was +nicht in der _Erfahrung_ ist, oder, wie dasselbe auch ausgedrueckt +wird, was nicht als _gefuehlte Wahrheit, als innerlich geoffenbartes_ +Ewiges, als _geglaubtes_ Heiliges, oder welche Ausdruecke sonst +gebraucht werden, vorhanden ist. Denn die Erfahrung ist eben dies, +dass der Inhalt--und er ist der Geist--_an sich_, Substanz und also +_Gegenstand_ des _Bewusstseins_ ist. Diese Substanz aber, die der +Geist ist, ist das _Werden_ seiner zu dem, was er _an sich_ ist; und +erst als dies sich in sich reflektierende Werden ist er an sich in +Wahrheit _der Geist_. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen +ist,--die Verwandlung jenes _An-sichs_ in das _Fuer-sich_, der +_Substanz_ in das _Subjekt_, des Gegenstands des _Bewusstseins_ in +Gegenstand des _Selbstbewusstseins_, d.h. in ebensosehr aufgehobnen +Gegenstand, oder in den _Begriff_. Sie ist der in sich zurueckgehende +Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht. +--Insofern der Geist also notwendig dieses Unterscheiden in sich ist, +tritt sein Ganzes angeschaut seinem einfachen Selbstbewusstsein +gegenueber, und da also jenes das unterschiedene ist, so ist es +unterschieden in seinen angeschauten reinen Begriff, in _die Zeit_, +und in den Inhalt oder in das _An-sich_; die Substanz hat, als +Subjekt, _die erst innere_ Notwendigkeit an ihr, sich an ihr selbst +als das darzustellen, was sie _an sich_ ist, _als Geist._ Die +vollendete gegenstaendliche Darstellung ist erst zugleich die +Reflexion derselben oder das Werden derselben zum Selbst.--Eh daher +der Geist nicht _an sich_, nicht als Weltgeist sich vollendet, kann +er nicht als _selbstbewusster_ Geist seine Vollendung erreichen. Der +Inhalt der Religion spricht darum frueher in der Zeit, als die +Wissenschaft, es aus, was der _Geist ist_, aber diese ist allein sein +wahres Wissen von ihm selbst. + +Die Bewegung, die Form seines Wissens von sich hervorzutreiben, ist +die Arbeit, die er als _wirkliche Geschichte_ vollbringt. Die +religioese Gemeine, insofern sie zuerst die Substanz des absoluten +Geistes ist, ist das rohe Bewusstsein, das ein um so barbarischeres +und haerteres Dasein hat, je tiefer sein innerer Geist ist, und sein +dumpfes Selbst eine um so haertere Arbeit mit seinem Wesen, dem ihm +fremden Inhalte seines Bewusstseins. Erst nachdem es die Hoffnung +aufgegeben, auf eine aeusserliche, d.h. fremde Weise das Fremdsein +aufzuheben, wendet es sich, weil die aufgehobne fremde Weise die +Rueckkehr ins Selbstbewusstsein ist, an sich selbst, an seine eigne +Welt und Gegenwart, entdeckt sie als sein Eigentum und hat somit den +ersten Schritt getan, aus der _Intellektualwelt_ herabzusteigen, oder +vielmehr deren abstraktes Element mit dem wirklichen Selbst zu +begeisten. Durch die Beobachtung einerseits findet es das Dasein als +Gedanken und begreift dasselbe, und umgekehrt in seinem Denken das +Dasein. Indem es so zunaechst die unmittelbare _Einheit_ des +_Denkens_ und _Seins_, des abstrakten Wesens und des Selbsts, selbst +abstrakt ausgesprochen und das erste Lichtwesen _reiner_, naemlich als +Einheit der Ausdehnung und des Seins--denn Ausdehnung ist die dem +reinen Denken gleichere Einfachheit, denn das Licht ist--und hiemit +im Gedanken die _Substanz_ des Aufgangs wieder erweckt hat, schaudert +der Geist zugleich von dieser abstrakten Einheit, von dieser +_selbstlosen_ Substantialitaet zurueck, und behauptet die +Individualitaet gegen sie. Erst aber nachdem er diese in der Bildung +entaeussert, dadurch sie zum Dasein gemacht und in allem Dasein sie +durchgesetzt,--zum Gedanken der Nuetzlichkeit gekommen, und in der +absoluten Freiheit das Dasein als seinen Willen erfasst, kehrt er +somit den Gedanken seiner innersten Tiefe heraus, und spricht das +Wesen als Ich = Ich aus. Dies Ich = Ich ist aber die sich in sich +selbst reflektierende Bewegung; denn indem diese Gleichheit als +absolute Negativitaet der absolute Unterschied ist, so steht die +Sichselbstgleichheit des Ich diesem reinen Unterschiede gegenueber, +der als der reine und zugleich dem sich wissenden Selbst +gegenstaendliche, als die _Zeit_ auszusprechen ist, so dass wie vorhin +das Wesen als Einheit des Denkens und der Ausdehnung ausgesprochen +wurde, es als Einheit des Denkens und der Zeit zu fassen waere; aber +der sich selbst ueberlassne Unterschied, die ruheund haltlose Zeit +faellt vielmehr in sich selbst zusammen; sie ist die gegenstaendliche +Ruhe der _Ausdehnung_, diese aber ist die reine Gleichheit mit sich +selbst, das Ich.--Oder Ich ist nicht nur das Selbst, sondern es ist +die _Gleichheit des Selbsts mit sich_; diese Gleichheit aber ist die +vollkommne und unmittelbare Einheit mit sich selbst, oder _dies +Subjekt_ ist ebensosehr _die Substanz._ Die Substanz fuer sich allein +waere das inhaltsleere Anschauen oder das Anschauen eines Inhalts, der +als bestimmter nur Akzidentalitaet haette, und ohne Notwendigkeit waere; +die Substanz gaelte nur insofern als das Absolute, als sie als die +_absolute Einheit_ gedacht oder angeschaut waere, und aller Inhalt +muesste nach seiner Verschiedenheit ausser ihr in die Reflexion fallen, +die ihr nicht angehoert, weil sie nicht Subjekt, nicht das ueber sich +und sich in sich Reflektierende oder nicht als Geist begriffen waere. +Wenn doch von einem Inhalte gesprochen werden sollte, so waere es +teils nur, um ihn in den leeren Abgrund des Absoluten zu werfen, +teils aber waere er aeusserlich aus der sinnlichen Wahrnehmung +aufgerafft; das Wissen schiene zu Dingen, dem Unterschiede von ihm +selbst, und dem Unterschiede mannigfaltiger Dinge gekommen zu sein, +ohne dass man begriffe, wie und woher. + +Der Geist aber hat sich uns gezeigt, weder nur das Zurueckziehen des +Selbstbewusstseins in seine reine Innerlichkeit zu sein, noch die +blosse Versenkung desselben in die Substanz und das Nichtsein seines +Unterschiedes, sondern _diese Bewegung_ des Selbsts, das sich seiner +selbst entaeussert und sich in seine Substanz versenkt, und ebenso als +Subjekt aus ihr in sich gegangen ist, und sie zum Gegenstande und +Inhalte macht, als es diesen Unterschied der Gegenstaendlichkeit und +des Inhalts aufhebt. Jene erste Reflexion aus der Unmittelbarkeit +ist das sich Unterscheiden des Subjekts von seiner Substanz, oder der +sich entzweiende Begriff, das In-sich-gehen und Werden des reinen Ich. +Indem dieser Unterschied das reine Tun des Ich = Ich ist, ist der +Begriff die Notwendigkeit und das Aufgehen des _Daseins_, das die +Substanz zu seinem Wesen hat, und fuer sich besteht. Aber das +Bestehen des Daseins fuer sich ist der in der Bestimmtheit gesetzte +Begriff und dadurch ebenso seine Bewegung _an ihm selbst_, nieder in +die einfache Substanz zu gehen, welche erst als diese Negativitaet und +Bewegung Subjekt ist.--Weder hat Ich sich in der _Form_ des +_Selbstbewusstseins_ gegen die Form der Substantialitaet und +Gegenstaendlichkeit festzuhalten, als ob es Angst vor seiner +Entaeusserung haette; die Kraft des Geistes ist vielmehr, in seiner +Entaeusserung sich selbst gleich zu bleiben, und als das _An-_ und +_Fuersich_seiende, das _Fuer-sich-sein_ ebensosehr nur als Moment zu +setzen wie das An-sich-sein,--noch ist es ein Drittes, das die +Unterschiede in den Abgrund des Absoluten zurueckwirft und ihre +Gleichheit in demselben ausspricht, sondern das Wissen besteht +vielmehr in dieser scheinbaren Untaetigkeit, welche nur betrachtet, +wie das Unterschiedne sich an ihm selbst bewegt und in seine Einheit +zurueckkehrt. + +In dem Wissen hat also der Geist die Bewegung seines Gestaltens +beschlossen, insofern dasselbe mit dem unueberwundnen Unterschiede des +Bewusstseins behaftet ist. Er hat das reine Element seines Daseins, +den Begriff, gewonnen. Der Inhalt ist nach der _Freiheit_ seines +_Seins_ das sich entaeussernde Selbst, oder die _unmittelbare_ Einheit +des Sich-selbst-wissens. Die reine Bewegung dieser Entaeusserung macht, +sie am Inhalte betrachtet, die _Notwendigkeit_ desselben aus. Der +verschiedne Inhalt ist als _bestimmter_ im Verhaeltnisse, nicht an +sich, und seine Unruhe, sich selbst aufzuheben, oder die +_Negativitaet_; also ist die Notwendigkeit oder Verschiedenheit, wie +das freie Sein, ebenso das Selbst, und in dieser selbstischen _Form_, +worin das Dasein unmittelbar Gedanke ist, ist der Inhalt _Begriff_. +Indem also der Geist den Begriff gewonnen, entfaltet er das Dasein +und Bewegung in diesem Aether seines Lebens, und ist _Wissenschaft_. +Die Momente seiner Bewegung stellen sich in ihr nicht mehr als +bestimmte _Gestalten_ des _Bewusstseins_ dar, sondern indem der +Unterschied desselben in das Selbst zurueckgegangen, als _bestimmte +Begriffe_, und als die organische in sich selbst gegruendete Bewegung +derselben. Wenn in der Phaenomenologie des Geistes jedes Moment der +Unterschied des Wissens und der Wahrheit und die Bewegung ist, in +welcher er sich aufhebt, so enthaelt dagegen die Wissenschaft diesen +Unterschied und dessen Aufheben nicht, sondern indem das Moment die +Form des Begriffs hat, vereinigt es die gegenstaendliche Form der +Wahrheit und des wissenden Selbsts in unmittelbarer Einheit. Das +Moment tritt nicht als diese Bewegung auf, aus dem Bewusstsein oder +der Vorstellung in das Selbstbewusstsein und umgekehrt herueber und +hinueber zu gehen, sondern seine reine von seiner Erscheinung im +Bewusstsein befreite Gestalt, der reine Begriff, und dessen +Fortbewegung haengt allein an seiner reinen _Bestimmtheit_. Umgekehrt +entspricht jedem abstrakten Momente der Wissenschaft eine Gestalt des +erscheinenden Geistes ueberhaupt. Wie der daseiende Geist nicht +reicher ist als sie, so ist er in seinem Inhalte auch nicht aermer. +Die reinen Begriffe der Wissenschaft in dieser Form von Gestalten des +Bewusstseins zu erkennen, macht die Seite ihrer Realitaet aus, nach +welcher ihr Wesen, der Begriff, der in ihr in seiner _einfachen_ +Vermittlung als _Denken_ gesetzt ist, die Momente dieser Vermittlung +auseinanderschlaegt und nach dem innern Gegensatze sich darstellt. + +Die Wissenschaft enthaelt in ihr selbst diese Notwendigkeit, der Form +des reinen Begriffs sich zu entaeussern, und den Uebergang des Begriffes +ins _Bewusstsein_. Denn der sich selbst wissende Geist, eben darum, +dass er seinen Begriff erfasst, ist er die unmittelbare Gleichheit mit +sich selbst, welche in ihrem Unterschiede die _Gewissheit vom +Unmittelbaren_ ist, oder das _sinnliche Bewusstsein_,--der Anfang, von +dem wir ausgegangen; dieses Entlassen seiner aus der Form seines +Selbsts ist die hoechste Freiheit und Sicherheit seines Wissens von +sich. + +Doch ist diese Entaeusserung noch unvollkommen; sie drueckt die +_Beziehung_ der Gewissheit seiner selbst auf den Gegenstand aus, der +eben darin, dass er in der Beziehung ist, seine voellige Freiheit nicht +gewonnen hat. Das Wissen kennt nicht nur sich, sondern auch das +Negative seiner selbst, oder seine Grenze. Seine Grenze wissen heisst +sich aufzuopfern wissen. Diese Aufopferung ist die Entaeusserung, in +welcher der Geist sein Werden zum Geiste, in der Form des _freien +zufaelligen Geschehens_ darstellt, sein reines _Selbst_, als _die +Zeit_ ausser ihm, und ebenso sein _Sein_ als Raum anschauend. Dieses +sein letzteres Werden, _die Natur_, ist sein lebendiges unmittelbares +Werden; sie, der entaeusserte Geist, ist in ihrem Dasein nichts als +diese ewige Entaeusserung ihres _Bestehens_ und die Bewegung, die das +_Subjekt_ herstellt. + +Die andere Seite aber seines Werdens, die _Geschichte_, ist das +_wissende_ sich _vermittelnde_ Werden--der an die Zeit entaeusserte +Geist; aber diese Entaeusserung ist ebenso die Entaeusserung ihrer selbst; +das Negative ist das Negative seiner selbst. Dies Werden stellt +eine traege Bewegung und Aufeinanderfolge von Geistern dar, eine +Galerie von Bildern, deren jedes, mit dem vollstaendigen Reichtume des +Geistes ausgestattet, eben darum sich so traege bewegt, weil das +Selbst diesen ganzen Reichtum seiner Substanz zu durchdringen und zu +verdauen hat. Indem seine Vollendung darin besteht, das, was _er +ist_, seine Substanz, vollkommen zu _wissen_, so ist dies Wissen sein +_In-sich-gehen_, in welchem er sein Dasein verlaesst und seine Gestalt +der Erinnerung uebergibt. In seinem In-sich-gehen ist er in der Nacht +seines Selbstbewusstseins versunken, sein verschwundnes Dasein aber +ist in ihr aufbewahrt, und dies aufgehobne Dasein--das vorige, aber +aus dem Wissen neugeborne--ist das neue Dasein, eine neue Welt und +Geistesgestalt. In ihr hat er ebenso unbefangen von vornen bei ihrer +Unmittelbarkeit anzufangen und sich von ihr auf wieder grosszuziehen, +als ob alles Vorhergehende fuer ihn verloren waere und er aus der +Erfahrung der fruehern Geister nichts gelernt haette. Aber die +_Er-Innerung_ hat sie aufbewahrt und ist das Innre und die in der Tat +hoehere Form der Substanz. Wenn also dieser Geist seine Bildung, von +sich nur auszugehen scheinend, wieder von vornen anfaengt, so ist es +zugleich auf einer hoehern Stufe, dass er anfaengt. Das Geisterreich, +das auf diese Weise sich in dem Dasein gebildet, macht eine +Aufeinanderfolge aus, worin einer den andern abloeste und jeder das +Reich der Welt von dem vorhergehenden uebernahm. Ihr Ziel ist die +Offenbarung der Tiefe, und diese ist _der absolute Begriff_, diese +Offenbarung ist hiemit das Aufheben seiner Tiefe oder seine +_Ausdehnung_, die Negativitaet dieses insichseienden Ich, welche seine +Entaeusserung oder Substanz ist,--und seine _Zeit_, dass diese +Entaeusserung sich an ihr selbst entaeussert und so in ihrer Ausdehnung +ebenso in ihrer Tiefe, dem Selbst ist. _Das Ziel_, das absolute +Wissen, oder der sich als Geist wissende Geist hat zu seinem Wege die +Erinnerung der Geister, wie sie an ihnen selbst sind und die +Organisation ihres Reiches vollbringen. Ihre Aufbewahrung nach der +Seite ihres freien in der Form der Zufaelligkeit erscheinenden Daseins +ist die Geschichte, nach der Seite ihrer begriffnen Organisation aber +die _Wissenschaft_ des _erscheinenden Wissens_; beide zusammen, die +begriffne Geschichte, bilden die Erinnerung und die Schaedelstaette des +absoluten Geistes, die Wirklichkeit, Wahrheit und Gewissheit seines +Throns, ohne den er das leblose Einsame waere; nur-- + + aus dem Kelche dieses Geisterreiches + schaeumt ihm seine Unendlichkeit. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Phaenomenologie des Geistes, +von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. + + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, PHAENOMENOLOGIE DES GEISTES *** + +This file should be named 7phnm10.txt or 7phnm10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7phnm11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7phnm10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04 + +Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. 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