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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Phaenomenologie des Geistes + +Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +Posting Date: November 9, 2012 [EBook #6698] +Release Date: October, 2004 +First Posted: January 16, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PHAENOMENOLOGIE DES GEISTES *** + + + + +Produced by Delphine Lettau and Gutenberg Projekt-DE + + + + + + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg2000.de erreichbar. + + + + + + +Phänomenologie des Geistes + +Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +(1807) + + + +Dieser Band stellt das _werdende Wissen_ dar. Die PhÄnomenologie des +Geistes soll an die Stelle der psychologischen Erklärungen oder auch +der abstraktem ErÖrterungen Über die Begründung des Wissens treten. +Sie betrachtet die _Vorbereitung_ zur Wissenschaft aus einem +Gesichtspunkte, wodurch sie eine neue, interessante, und die erste +Wissenschaft der Philosophie ist. Sie faßt die verschiedenen +_Gestalten des Geistes_ als Stationen des Weges in sich, durch +welchen er reines Wissen oder absoluter Geist wird. Es wird daher in +den Hauptabteilungen dieser Wissenschaft, die wieder in mehrere +zerfallen, das Bewußtsein, das Selbstbewußtsein, die beobachtende und +handelnde Vernunft, der Geist selbst, als sittlicher, gebildeter und +moralischer Geist, und endlich als religiöser in seinen +unterschiedenen Formen betrachtet. Der dem ersten Blicke sich als +Chaos darbietende Reichtum der Erscheinungen des Geistes ist in eine +wissenschaftliche Ordnung gebracht, welche sie nach ihrer +Notwendigkeit darstellt, in der die unvollkommnen sich auflösen und +in höhere übergehen, welche ihre nächste Wahrheit sind. Die letzte +Wahrheit finden sie zunächst in der Religion, und dann in der +Wissenschaft, als dem Resultate des Ganzen. + + +Inhalt: + +Vorrede + +Einleitung + + +I. Die sinnliche Gewißheit; oder das Diese und das Meinen + +II. Die Wahrnehmung; oder das Ding, und die Täuschung + +III. Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt + +IV. Die Wahrheit der Gewißheit seiner selbst + + A. Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Selbstbewußtseins; Herrschaft und + Knechtschaft + + B. Freiheit des Selbstbewußtseins; Stoizismus, Skeptizismus und das + unglückliche Bewußtsein + +V. Gewißheit und Wahrheit der Vernunft + + A. Beobachtende Vernunft + + a. Beobachtung der Natur + b. Die Beobachtung des Selbstbewußtseins in seiner Reinheit und + seiner Beziehung auf äußre Wirklichkeit; logische und + psychologische Gesetze + c. Beobachtung der Beziehung des Selbstbewußtseins auf seine + unmittelbare Wirklichkeit; Physiognomik und Schädellehre + + B. Die Verwirklichung des vernünftigen Selbstbewußtseins durch sich + selbst + + a. Die Lust und die Notwendigkeit + b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels + c. Die Tugend und der Weltlauf + + C. Die Individualität, welche sich an und für sich selbst reell ist + + a. Das geistige Tierreich und der Betrug, oder die Sache selbst + b. Die gesetzgebende Vernunft + c. Gesetzprüfende Vernunft + +VI. Der Geist + + A. Der wahre Geist, die Sittlichkeit + + a. Die sittliche Welt, das menschliche und göttliche Gesetz, + der Mann und das Weib + b. Die sittliche Handlung, das menschliche und göttliche Wissen, die + Schuld und das Schicksal + c. Rechtszustand + + B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung + + I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes + + a. Die Bildung und ihr Reich der Wirklichkeit + b. Der Glauben und die reine Einsicht + + II. Die Aufklärung + + a. Der Kampf der Aufklärung mit dem Aberglauben + b. Die Wahrheit der Aufklärung + + III. Die absolute Freiheit und der Schrecken + + C.Der seiner selbst gewisse Geist. Die Moralität + + a. Die moralische Weltanschauung + b. Die Verstellung + c. Das Gewissen, die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung + +VII. Die Religion + + A. Natürliche Religion + + a. Das Lichtwesen + b. Die Pflanze und das Tier + c. Der Werkmeister + + B. Die Kunst-Religion + + a. Das abstrakte Kunstwerk + b. Das lebendige Kunstwerk + c. Das geistige Kunstwerk + + C. Die offenbare Religion + +VIII. Das absolute Wissen + + + +Vorrede + +Eine ErklÄrung, wie sie einer Schrift in einer Vorrede nach der +Gewohnheit vorausgeschickt wird--Über den Zweck, den der Verfasser +sich in ihr vorgesetzt, sowie über die Veranlassungen und das +Verhältnis, worin er sie zu andern frühern oder gleichzeitigen +Behandlungen desselben Gegenstandes zu stehen glaubt--scheint bei +einer philosophischen Schrift nicht nur überflüssig, sondern um der +Natur der Sache willen sogar unpassend und zweckwidrig zu sein. Denn +wie und was von Philosophie in einer Vorrede zu sagen schicklich +wäre--etwa eine historische _Angabe_ der Tendenz und des Standpunkts, +des allgemeinen Inhalts und der Resultate, eine Verbindung von hin +und her sprechenden Behauptungen und Versicherungen über das Wahre--, +kann nicht für die Art und Weise gelten, in der die philosophische +Wahrheit darzustellen sei.--Auch weil die Philosophie wesentlich im +Elemente der Allgemeinheit ist, die das Besondere in sich schließt, +so findet bei ihr mehr als bei andern Wissenschaften der Schein statt, +als ob in dem Zwecke oder den letzten Resultaten die Sache selbst +und sogar in ihrem vollkommenen Wesen ausgedrückt wäre, gegen welches +die Ausführung eigentlich das Unwesentliche sei. In der allgemeinen +Vorstellung hingegen, zum Beispiel was Anatomie sei, etwa die +Kenntnis der Teile des KÖrpers nach ihrem unlebendigen Dasein +betrachtet, ist man überzeugt, die Sache selbst, den Inhalt dieser +Wissenschaft, noch nicht zu besitzen, sondern außerdem um das +Besondere sich bemühen zu müssen.--Ferner ist bei einem solchen +Aggregate von Kenntnissen, das den Namen Wissenschaft nicht mit Recht +führt, eine Konversation über Zweck und dergleichen Allgemeinheiten +nicht von der historischen und begrifflosen Weise verschieden, worin +von dem Inhalte selbst, diesen Nerven, Muskeln und so fort, +gesprochen wird. Bei der Philosophie hingegen würde die Ungleichheit +entstehen, daß von einer solchen Weise Gebrauch gemacht, und diese +doch von ihr selbst als unfähig, die Wahrheit zu fassen, aufgezeigt +würde. + +So wird auch durch die Bestimmung des Verhältnisses, das ein +philosophisches Werk zu andern Bestrebungen über denselben Gegenstand +zu haben glaubt, ein fremdartiges Interesse hereingezogen, und das, +worauf es bei der Erkenntnis der Wahrheit ankommt, verdunkelt. So +fest der Meinung der Gegensatz des Wahren und des Falschen wird, so +pflegt sie auch entweder Beistimmung oder Widerspruch gegen ein +vorhandenes philosophisches System zu erwarten, und in einer +Erklärung über ein solches nur entweder das eine oder das andre zu +sehen. Sie begreift die Verschiedenheit philosophischer Systeme +nicht so sehr als die fortschreitende Entwicklung der Wahrheit, als +sie in der Verschiedenheit nur den Widerspruch sieht. Die Knospe +verschwindet in dem Hervorbrechen der Blüte, und man könnte sagen, +daß jene von dieser widerlegt wird, ebenso wird durch die Frucht die +Blüte für ein falsches Dasein der Pflanze erklärt, und als ihre +Wahrheit tritt jene an die Stelle von dieser. Diese Formen +unterscheiden sich nicht nur, sondern verdrängen sich auch als +unverträglich miteinander. Aber ihre flüssige Natur macht sie +zugleich zu Momenten der organischen Einheit, worin sie sich nicht +nur nicht widerstreiten, sondern eins so notwendig als das andere ist, +und diese gleiche Notwendigkeit macht erst das Leben des Ganzen aus. +Aber der Widerspruch gegen ein philosophisches System pflegt teils +sich selbst nicht auf diese Weise zu begreifen, teils auch weiß das +auffassende Bewußtsein gemeinhin nicht, ihn von seiner Einseitigkeit +zu befreien oder frei zu erhalten, und in der Gestalt des streitend +und sich zuwider Scheinenden gegenseitig notwendige Momente zu +erkennen. + +Die Foderung von dergleichen Erklärungen sowie die Befriedigungen +derselben scheinen vielleicht das Wesentliche zu betreiben. Worin +könnte mehr das Innere einer philosophischen Schrift ausgesprochen +sein als in den Zwecken und Resultaten derselben, und wodurch diese +bestimmter erkannt werden als durch ihre Verschiedenheit von dem, was +das Zeitalter sonst in derselben Sphäre hervorbringt? Wenn aber ein +solches Tun für mehr als für den Anfang des Erkennens, wenn es für +das wirkliche Erkennen gelten soll, ist es in der Tat zu den +Erfindungen zu rechnen, die Sache selbst zu umgehen, und dieses +beides zu verbinden, den Anschein des Ernstes und Bemühens um sie, +und die wirkliche Ersparung desselben.--Denn die Sache ist nicht in +ihrem _Zwecke_ erschöpft, sondern in ihrer _Ausführung_, noch ist das +_Resultat_ das _wirkliche_ Ganze, sondern es zusammen mit seinem +Werden; der Zweck für sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die +Tendenz das bloße Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt, und +das nackte Resultat ist der Leichnam, der sie hinter sich gelassen. +--Ebenso ist die _Verschiedenheit_ vielmehr die _Grenze_ der Sache; +sie ist da, wo die Sache aufhört, oder sie ist das, was diese nicht +ist. Solche Bemühungen mit dem Zwecke oder den Resultaten, sowie mit +den Verschiedenheiten und Beurteilungen des einen und des andern, +sind daher eine leichtere Arbeit, als sie vielleicht scheinen. Denn +statt mit der Sache sich zu befassen, ist solches Tun immer über sie +hinaus, statt in ihr zu verweilen und sich in ihr zu vergessen, +greift solches Wissen immer nach einem Andern, und bleibt vielmehr +bei sich selbst, als daß es bei der Sache ist und sich ihr hingibt. +--Das leichteste ist, was Gehalt und Gediegenheit hat, zu beurteilen, +schwerer, es zu fassen, das schwerste, was beides vereinigt, seine +Darstellung hervorzubringen. + +Der Anfang der Bildung und des Herausarbeitens aus der +Unmittelbarkeit des substantiellen Lebens wird immer damit gemacht +werden müssen, Kenntnisse allgemeiner Grundsätze und Gesichtspunkte +zu erwerben, sich nur erst zu dem Gedanken der Sache überhaupt +heraufzuarbeiten, nicht weniger sie mit Gründen zu unterstützen oder +zu widerlegen, die konkrete und reiche Fülle nach Bestimmtheiten +aufzufassen, und ordentlichen Bescheid und ernsthaftes Urteil über +sie zu erteilen zu wissen. Dieser Anfang der Bildung wird aber +zunächst dem Ernste des erfüllten Lebens Platz machen, der in die +Erfahrung der Sache selbst hineinführt, und wenn auch dies noch +hinzukommt, daß der Ernst des Begriffs in ihre Tiefe steigt, so wird +eine solche Kenntnis und Beurteilung in der Konversation ihre +schickliche Stelle behalten. + +Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das +wissenschaftliche System derselben sein. Daran mitzuarbeiten, daß +die Philosophie der Form der Wissenschaft näher komme--dem Ziele, +ihren Namen der _Liebe_ zum _Wissen_ ablegen zu können und +_wirkliches Wissen_ zu sein--, ist es, was ich mir vorgesetzt. Die +innere Notwendigkeit, daß das Wissen Wissenschaft sei, liegt in +seiner Natur, und die befriedigende Erklärung hierüber ist allein die +Darstellung der Philosophie selbst. Die äußere Notwendigkeit aber, +insofern sie, abgesehen von der Zufälligkeit der Person und der +individuellen Veranlassungen, auf eine allgemeine Weise gefaßt wird, +ist dasselbe, was die innere, in der Gestalt, wie die Zeit das Dasein +ihrer Momente vorstellt. Daß die Erhebung der Philosophie zur +Wissenschaft an der Zeit ist, dies aufzuzeigen würde daher die einzig +wahre Rechtfertigung der Versuche sein, die diesen Zweck haben, weil +sie die Notwendigkeit desselben dartun, ja weil sie ihn zugleich +ausführen würde. + +Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit +gesetzt wird--oder, was dasselbe ist, indem die Wahrheit behauptet +wird, an dem _Begriffe_ allein das Element ihrer Existenz zu haben--, +so weiß ich, daß dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren +Folgen zu stehen scheint, welche eine so große Anmaßung als +Ausbreitung in der Überzeugung des Zeitalters hat. Eine Erklärung +über diesen Widerspruch scheint darum nicht überflüssig; wenn sie +auch hier weiter nichts als gleichfalls eine Versicherung, wie das, +gegen was sie geht, sein kann. Wenn nämlich das Wahre nur in +demjenigen oder vielmehr nur als dasjenige existiert, was bald +Anschauung, bald unmittelbares Wissen des Absoluten, Religion, das +Sein--nicht im Zentrum der göttlichen Liebe, sondern das Sein +desselben selbst--genannt wird, so wird von da aus zugleich für die +Darstellung der Philosophie vielmehr das Gegenteil der Form des +Begriffs gefodert. Das Absolute soll nicht begriffen, sondern +gefühlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefühl und +Anschauung sollen das Wort führen und ausgesprochen werden. + +Wird die Erscheinung einer solchen Foderung nach ihrem allgemeinem +Zusammenhange aufgefaßt, und auf die Stufe gesehen, worauf der +selbstbewußte Geist gegenwärtig steht, so ist er über das +substantielle Leben, das er sonst im Elemente des Gedankens führte, +hinaus,--über diese Unmittelbarkeit seines Glaubens, über die +Befriedigung und Sicherheit der Gewißheit, welche das Bewußtsein von +seiner Versöhnung mit dem Wesen und dessen allgemeiner, der innern +und äußern, Gegenwart besaß. Er ist nicht nur darüber hinausgegangen, +in das andere Extrem der substanzlosen Reflexion seiner in sich +selbst, sondern auch über diese. Sein wesentliches Leben ist ihm +nicht nur verloren, er ist auch dieses Verlustes, und der Endlichkeit, +die sein Inhalt ist, bewußt. Von den Trebern sich wegwendend, daß +er im Argen liegt, bekennend und darauf schmähend, verlangt er nun +von der Philosophie nicht sowohl das _Wissen_ dessen, was er _ist_, +als zur Herstellung jener Substantialität und der Gediegenheit des +Seins erst wieder durch sie zu gelangen. Diesem Bedürfnisse soll sie +also nicht so sehr die Verschlossenheit der Substanz aufschließen, +und diese zum Selbstbewußtsein erheben--nicht so sehr ihr chaotisches +Bewußtsein zur gedachten Ordnung und zur Einfachheit des Begriffes +zurückbringen, als vielmehr die Sonderungen des Gedankens +zusammenschütten, den unterscheidenden Begriff unterdrücken und das +Gefühl des Wesens herstellen, nicht sowohl _Einsicht_ als _Erbauung_ +gewähren. Das Schöne, Heilige, Ewige, die Religion und Liebe sind +der Köder, der gefodert wird, um die Lust zum Anbeißen zu erwecken, +nicht der Begriff, sondern die Ekstase, nicht die kalt +fortschreitende Notwendigkeit der Sache, sondern die gärende +Begeisterung soll die Haltung und fortleitende Ausbreitung des +Reichtums der Substanz sein. + +Dieser Foderung entspricht die angestrengte und fast eifernd und +gereizt sich zeigende Bemühung, die Menschen aus der Versunkenheit +ins Sinnliche, Gemeine und Einzelne herauszureißen und ihren Blick zu +den Sternen aufzurichten; als ob sie, des Göttlichen ganz vergessend, +mit Staub und Wasser, wie der Wurm, auf dem Punkte sich zu +befriedigen stünden. Sonst hatten sie einen Himmel mit weitläufigem +Reichtume von Gedanken und Bildern ausgestattet. Von allem, was ist, +lag die Bedeutung in dem Lichtfaden, durch den es an den Himmel +geknüpft war; an ihm, statt in _dieser_ Gegenwart zu verweilen, glitt +der Blick über sie hinaus, zum göttlichen Wesen, zu einer, wenn man +so sagen kann, jenseitigen Gegenwart hinauf. Das Auge des Geistes +mußte mit Zwang auf das Irdische gerichtet und bei ihm festgehalten +werden; und es hat einer langen Zeit bedurft, jene Klarheit, die nur +das Überirdische hatte, in die Dumpfheit und Verworrenheit, worin der +Sinn des Diesseitigen lag, hineinzuarbeiten, und die Aufmerksamkeit +auf das Gegenwärtige als solches, welche _Erfahrung_ genannt wurde, +interessant und geltend zu machen.--Jetzt scheint die Not des +Gegenteils vorhanden, der Sinn so sehr in das Irdische festgewurzelt, +daß es gleicher Gewalt bedarf, ihn darüber zu erheben. Der Geist +zeigt sich so arm, daß er sich, wie in der Sandwüste der Wanderer +nach einem einfachen Trunk Wasser, nur nach dem dürftigen Gefühle des +Göttlichen überhaupt für seine Erquickung zu sehnen scheint. An +diesem, woran dem Geiste genügt, ist die Größe seines Verlustes zu +ermessen. + +Diese Genügsamkeit des Empfangens oder Sparsamkeit des Gebens ziemt +jedoch der Wissenschaft nicht. Wer nur die Erbauung sucht, wer seine +irdische Mannigfaltigkeit des Daseins und des Gedankens in Nebel +einzuhüllen und nach dem unbestimmten Genusse dieser unbestimmten +Göttlichkeit verlangt, mag zusehen, wo er dies findet; er wird leicht +selbst sich etwas vorzuschwärmen und damit sich aufzuspreizen die +Mittel finden. Die Philosophie aber muß sich hüten, erbaulich sein +zu wollen. + +Noch weniger muß diese Genügsamkeit, die auf die Wissenschaft +Verzicht tut, darauf Anspruch machen, daß solche Begeisterung und +Trübheit etwas Höheres sei als die Wissenschaft. Dieses prophetische +Reden meint gerade so recht im Mittelpunkte und der Tiefe zu bleiben, +blickt verächtlich auf die Bestimmtheit (den *Horos*) und hält sich +absichtlich von dem Begriffe und der Notwendigkeit entfernt, als von +der Reflexion, die nur in der Endlichkeit hause. Wie es aber eine +leere Breite gibt, so auch eine leere Tiefe, wie eine Extension der +Substanz, die sich in endliche Mannigfaltigkeit ergießt, ohne Kraft, +sie zusammenzuhalten--so ist dies eine gehaltlose Intensität, welche +als lautere Kraft ohne Ausbreitung sich haltend, dasselbe ist, was +die Oberflächlichkeit. Die Kraft des Geistes ist nur so groß als +ihre Äußerung, seine Tiefe nur so tief, als er in seiner Auslegung +sich auszubreiten und sich zu verlieren getraut.--Zugleich wenn dies +begrifflose substantielle Wissen die Eigenheit des Selbsts in dem +Wesen versenkt zu haben und wahr und heilig zu philosophieren vorgibt, +so verbirgt es sich, daß es, statt dem Gotte ergeben zu sein, durch +die Verschmähung des Maßes und der Bestimmung vielmehr nur bald in +sich selbst die Zufälligkeit des Inhalts, bald in ihm die eigne +Willkür gewähren läßt.--Indem sie sich dem ungebändigten Gären der +Substanz überlassen, meinen sie, durch die Einhüllung des +Selbstbewußtseins und Aufgeben des Verstands, die _Seinen_ zu sein, +denen Gott die Weisheit im Schlafe gibt; was sie so in der Tat im +Schlafe empfangen und gebären, sind darum auch Träume. + +Es ist übrigens nicht schwer, zu sehen, daß unsre Zeit eine Zeit der +Geburt und des Übergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat +mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und +steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in +der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie in Ruhe, sondern in +immer fortschreitender Bewegung begriffen. Aber wie beim Kinde nach +langer stiller Ernährung der erste Atemzug jene Allmählichkeit des +nur vermehrenden Fortgangs abbricht--ein qualitativer Sprung--und +itzt das Kind geboren ist, so reift der sich bildende Geist langsam +und stille der neuen Gestalt entgegen, löst ein Teilchen des Baues +seiner vorgehenden *Welt* nach dem andern auf, ihr Wanken wird nur +durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile, +die im Bestehenden einreißen, die unbestimmte Ahnung eines +Unbekannten sind Vorboten, daß etwas anderes im Anzuge ist. Dies +allmähliche Zerbröckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht +veränderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in +einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt. + +Allein eine vollkommne Wirklichkeit hat dies Neue sowenig als das +eben geborne Kind; und dies ist wesentlich nicht außer acht zu lassen. +Das erste Auftreten ist erst seine Unmittelbarkeit oder sein +Begriff. Sowenig ein Gebäude fertig ist, wenn sein Grund gelegt +worden, sowenig ist der erreichte Begriff des Ganzen das Ganze selbst. +Wo wir eine Eiche in der Kraft ihres Stammes und in der Ausbreitung +ihrer Äste und den Massen ihrer Belaubung zu sehen wünschen, sind wir +nicht zufrieden, wenn uns an dieser Stelle eine Eichel gezeigt wird. +So ist die Wissenschaft, die Krone einer Welt des Geistes, nicht in +ihrem Anfange vollendet. Der Anfang des neuen Geistes ist das +Produkt einer weitläufigen Umwälzung von mannigfaltigen +Bildungsformen, der Preis eines vielfach verschlungnen Weges und +ebenso vielfacher Anstrengung und Bemühung. Er ist das aus der +Sukzession wie aus seiner Ausdehnung in sich zurückgegangene Ganze, +der gewordne _einfache Begriff_ desselben. Die Wirklichkeit dieses +einfachen Ganzen aber besteht darin, daß jene zu Momenten gewordne +Gestaltungen sich wieder von neuem, aber in ihrem neuen Elemente, in +dem gewordenen Sinne entwickeln und Gestaltung geben. + +Indem einerseits die erste Erscheinung der neuen Welt nur erst das in +seine _Einfachheit_ verhüllte Ganze oder sein allgemeiner Grund ist, +so ist dem Bewußtsein dagegen der Reichtum des vorhergehenden Daseins +noch in der Erinnerung gegenwärtig. Es vermißt an der neu +erscheinenden Gestalt die Ausbreitung und Besonderung des Inhalts; +noch mehr aber vermißt es die Ausbildung der Form, wodurch die +Unterschiede mit Sicherheit bestimmt und in ihre festen Verhältnisse +geordnet sind. Ohne diese Ausbildung entbehrt die Wissenschaft der +allgemeinen *Verständlichkeit*, und hat den Schein, ein esoterisches +Besitztum einiger Einzelnen zu sein;--ein esoterisches Besitztum: +denn sie ist nur erst in ihrem Begriffe oder ihr Innres vorhanden; +einiger Einzelnen: denn ihre unausgebreitete Erscheinung macht ihr +Dasein zum Einzelnen. Erst was vollkommen bestimmt ist, ist zugleich +exoterisch, begreiflich, und fähig, gelernt und das Eigentum aller zu +sein. Die verständige Form der Wissenschaft ist der allen +dargebotene und für alle gleichgemachte Weg zu ihr, und durch den +Verstand zum vernünftigen Wissen zu gelangen ist die gerechte +Foderung des Bewußtseins, das zur Wissenschaft hinzutritt; denn der +Verstand ist das Denken, das reine Ich überhaupt; und das Verständige +ist das schon Bekannte und das Gemeinschaftliche der Wissenschaft und +des unwissenschaftlichen Bewußtseins, wodurch dieses unmittelbar in +jene einzutreten vermag. + +Die Wissenschaft, die erst beginnt, und es also noch weder zur +Vollständigkeit des Details noch zur Vollkommenheit der Form gebracht +hat, ist dem Tadel darüber ausgesetzt. Aber wenn dieser ihr Wesen +treffen soll, so würde er ebenso ungerecht sein, als es unstatthaft +ist, die Foderung jener Ausbildung nicht anerkennen zu wollen. +Dieser Gegensatz scheint der hauptsächlichste Knoten zu sein, an dem +die wissenschaftliche Bildung sich gegenwärtig zerarbeitet und +worüber sie sich noch nicht gehörig versteht. Der eine Teil pocht +auf den Reichtum des Materials und die Verständlichkeit, der andre +verschmäht wenigstens diese und pocht auf die unmittelbare +Vernünftigkeit und Göttlichkeit. Wenn auch jener Teil, es sei durch +die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestüm des andern, +zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds +der Sache sich überwältigt fühlte, so ist er darum in Ansehung jener +Foderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht +erfüllt. Sein Stillschweigen gehört nur halb dem Siege, halb aber +der Langeweile und Gleichgültigkeit, welche die Folge einer beständig +erregten Erwartung und nicht erfolgten Erfüllung der Versprechungen +zu sein pflegt. + +In Ansehung des Inhalts machen die andern sich es wohl zuweilen +leicht genug, eine große Ausdehnung zu haben. Sie ziehen auf ihren +Boden eine Menge Material, nämlich das schon Bekannte und Geordnete, +herein, und indem sie sich vornehmlich mit den Sonderbarkeiten und +Kuriositäten zu tun machen, scheinen sie um so mehr das übrige, womit +das Wissen in seiner Art schon fertig war, zu besitzen, zugleich auch +das noch Ungeregelte zu beherrschen, und somit alles der absoluten +Idee zu unterwerfen, welche hiemit in allem erkannt, und zur +ausgebreiteten Wissenschaft gediehen zu sein scheint. Näher aber +diese Ausbreitung betrachtet, so zeigt sie sich nicht dadurch +zustande gekommen, daß ein und dasselbe sich selbst verschieden +gestaltet hätte, sondern sie ist die gestaltlose Wiederholung des +einen und desselben, das nur an das verschiedene Material äußerlich +angewendet ist, und einen langweiligen Schein der Verschiedenheit +erhält. Die für sich wohl wahre Idee bleibt in der Tat nur immer in +ihrem Anfange stehen, wenn die Entwicklung in nichts als in einer +solchen Wiederholung derselben Formel besteht. Die eine unbewegte +Form vom wissenden Subjekte an dem Vorhandenen herumgeführt, das +Material in dies ruhende Element von außenher eingetaucht, dies ist +so wenig, als willkürliche Einfälle über den Inhalt, die Erfüllung +dessen, was gefodert wird, nämlich der aus sich entspringende +Reichtum und sich selbst bestimmende Unterschied der Gestalten. Es +ist vielmehr ein einfarbiger Formalismus, der nur zum Unterschiede +des Stoffes, und zwar dadurch kommt, weil dieser schon bereitet und +bekannt ist. + +Dabei behauptet er diese Eintönigkeit und die abstrakte Allgemeinheit +für das Absolute; er versichert, daß die Ungenügsamkeit mit ihr eine +Unfähigkeit sei, sich des absoluten Standpunktes zu bemächtigen und +auf ihm festzuhalten. Wenn sonst die leere Möglichkeit, sich etwas +auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung +zu widerlegen, und dieselbe bloße Möglichkeit, der allgemeine Gedanke, +auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so +sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der +Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Auflösung des +Unterschiedenen und Bestimmten, oder vielmehr das weiter nicht +entwickelte noch an ihm selbst sich rechtfertigende Hinunterwerfen +desselben in den Abgrund des Leeren für spekulative Betrachtungsart +gelten. Irgendein Dasein, wie es im _Absoluten_ ist, betrachten, +besteht hier in nichts anderem, als daß davon gesagt wird, es sei +zwar jetzt von ihm gesprochen worden, als von einem Etwas, im +Absoluten, dem A = A, jedoch gebe es dergleichen gar nicht, sondern +darin sei alles eins. Dies _eine_ Wissen, daß im Absoluten alles +gleich ist, der unterscheidenden und erfüllten oder Erfüllung +suchenden und fodernden Erkenntnis entgegenzusetzen--oder sein +_Absolutes_ für die Nacht auszugeben, worin, wie man zu sagen pflegt, +alle Kühe schwarz sind, ist die Naivität der Leere an Erkenntnis. +--Der Formalismus, den die Philosophie neuerer Zeit verklagt und +geschmäht, und der sich in ihr selbst wieder erzeugte, wird, wenn +auch seine Ungenügsamkeit bekannt und gefühlt ist, aus der +Wissenschaft nicht verschwinden, bis das Erkennen der absoluten +Wirklichkeit sich über seine Natur vollkommen klar geworden ist.--In +der Rücksicht, daß die allgemeine Vorstellung, wenn sie dem, was ein +Versuch ihrer Ausführung ist, vorangeht, das Auffassen der letztern +erleichtert, ist es dienlich, das Ungefähre derselben hier anzudeuten, +in der Absicht zugleich, bei dieser Gelegenheit einige Formen zu +entfernen, deren Gewohnheit ein Hindernis für das philosophische +Erkennen ist. + +Es kömmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des +Systems selbst rechtfertigen muß, alles darauf an, das Wahre nicht +als _Substanz_, sondern ebensosehr als _Subjekt_ aufzufassen und +auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität +sosehr das Allgemeine oder die _Unmittelbarkeit des Wissens_ als +diejenige, welche _Sein_ oder Unmittelbarkeit _für das_ Wissen ist, +in sich schließt.--Wenn, Gott als die _eine_ Substanz zu fassen, das +Zeitalter empörte, worin diese Bestimmung ausgesprochen wurde, so lag +teils der Grund hievon in dem Instinkte, daß darin das +Selbstbewußtsein nur untergegangen, nicht erhalten ist, teils aber +ist das Gegenteil, welches das Denken als Denken festhält, die +_Allgemeinheit_, dieselbe Einfachheit oder ununterschiedne, unbewegte +Substantialität, und wenn drittens das Denken das Sein der Substanz +als solche mit sich vereint und die Unmittelbarkeit oder das +Anschauen als Denken erfaßt, so kömmt es noch darauf an, ob dieses +intellektuelle Anschauen nicht wieder in die träge Einfachheit +zurückfällt, und die Wirklichkeit selbst auf eine unwirkliche Weise +darstellt. + +Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit +_Subjekt_, oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, +nur insofern sie die Bewegung des Sich-selbst-setzens, oder die +Vermittlung des Sich-anders-werdens mit sich selbst ist. Sie ist als +Subjekt die reine _einfache Negativität_, eben dadurch die Entzweiung +des Einfachen, oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder +die Negation dieser gleichgültigen Verschiedenheit und ihres +Gegensatzes ist; nur diese sich _wiederherstellende_ Gleichheit oder +die Reflexion im Anderssein in sich selbst--nicht eine +_ursprüngliche_ Einheit als solche, oder _unmittelbare_ als solche, +ist das Wahre. Es ist das Werden seiner selbst, der Kreis, der sein +Ende als seinen Zweck voraussetzt und zum Anfange hat, und nur durch +die Ausführung und sein Ende wirklich ist. + +Das Leben Gottes und das göttliche Erkennen mag also wohl als ein +Spielen der Liebe mit sich selbst ausgesprochen werden; diese Idee +sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst, +der Schmerz, die Geduld und Arbeit des Negativen darin fehlt. _An +sich_ ist jenes Leben wohl die ungetrübte Gleichheit und Einheit mit +sich selbst, der es kein Ernst mit dem Anderssein und der Entfremdung, +so wie mit dem Überwinden dieser Entfremdung ist. Aber dies +_An-sich_ ist die abstrakte Allgemeinheit, in welcher von seiner +Natur, _für sich zu sein_, und damit überhaupt von der Selbstbewegung +der Form abgesehen wird. Wenn die Form als dem Wesen gleich +ausgesagt wird, so ist es eben darum ein Mißverstand, zu meinen, daß +das Erkennen sich mit dem An-sich oder dem Wesen begnügen, die Form +aber ersparen könne;--daß der absolute Grundsatz oder die absolute +Anschauung, die Ausführung des erstern oder die Entwicklung der +andern entbehrlich mache. Gerade weil die Form dem Wesen so +wesentlich ist, als es sich selbst, ist es nicht bloß als Wesen, d.h. +als unmittelbare Substanz, oder als reine Selbstanschauung des +Göttlichen zu fassen und auszudrücken, sondern ebensosehr als _Form_ +und im ganzen Reichtum der entwickelten Form; dadurch wird es erst +als Wirkliches gefaßt und ausgedrückt. + +Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine +Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu +sagen, daß es wesentlich _Resultat_, daß es erst am _Ende_ das ist, +was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, +Wirkliches, Subjekt, oder Sich-selbst-werden, zu sein. So +widersprechend es scheinen mag, daß das Absolute wesentlich als +Resultat zu begreifen sei, so stellt doch eine geringe Überlegung +diesen Schein von Widerspruch zurecht. Der Anfang, das Prinzip, oder +das Absolute, wie es zuerst und unmittelbar ausgesprochen wird, ist +nur das Allgemeine. Sowenig, wenn ich sage: _alle_ Tiere, dies Wort +für eine Zoologie gelten kann, ebenso fällt es auf, daß die Worte des +Göttlichen, Absoluten, Ewigen u.s.w. das nicht aussprechen, was darin +enthalten ist;--und nur solche Worte drücken in der Tat die +Anschauung als das Unmittelbare aus. Was mehr ist, als ein solches +Wort, der Übergang auch nur zu einem Satze, ist _ein Anderswerden_, +das zurückgenommen werden muß, ist eine Vermittlung. Diese aber ist +das, was perhorresziert wird, als ob dadurch, daß mehr aus ihr +gemacht wird denn nur dies, daß sie nichts Absolutes und im Absoluten +gar nicht sei, die absolute Erkenntnis aufgegeben wäre. + +Dies Perhorreszieren stammt aber in der Tat aus der Unbekanntschaft +mit der Natur der Vermittlung und des absoluten Erkennens selbst. +Denn die Vermittlung ist nichts anders als die sich bewegende +Sichselbstgleichheit, oder sie ist die Reflexion in sich selbst, das +Moment des fürsichseienden ich, die reine Negativität oder das +_einfache Werden_. Das Ich, oder das Werden überhaupt, dieses +Vermitteln ist um seiner Einfachheit willen eben die werdende +Unmittelbarkeit und das Unmittelbare selbst.--Es ist daher ein +Verkennen der Vernunft, wenn die Reflexion aus dem Wahren +ausgeschlossen und nicht als positives Moment des Absoluten erfaßt +wird. Sie ist es, die das Wahre zum Resultate macht, aber diesen +Gegensatz gegen sein Werden ebenso aufhebt, denn dies Werden ist +ebenso einfach und daher von der Form des Wahren, im Resultate sich +als _einfach_ zu zeigen, nicht verschieden; es ist vielmehr eben dies +Zurückgegangensein in die Einfachheit.--Wenn der Embryo wohl _an +sich_ Mensch ist, so ist er es aber nicht _für sich_; für sich ist er +es nur als gebildete Vernunft, die sich zu dem _gemacht_ hat, was sie +_an sich_ ist. Dies erst ist ihre Wirklichkeit. Aber dies Resultat +ist selbst einfache Unmittelbarkeit, denn es ist die selbstbewußte +Freiheit, die in sich selbst ruht, und den Gegensatz nicht auf die +Seite gebracht hat und ihn da liegen läßt, sondern mit ihm versöhnt +ist. + +Das Gesagte kann auch so ausgedrückt werden, daß die Vernunft das +_zweckmäßige Tun_ ist. Die Erhebung der vermeinten Natur über das +mißkannte Denken, und zunächst die Verbannung der äußern +Zweckmäßigkeit hat die Form des _Zwecks_ überhaupt in Mißkredit +gebracht. Allein, wie auch Aristoteles die Natur als das zweckmäßige +Tun bestimmt, der Zweck ist das Unmittelbare, das Ruhende, welches +selbst bewegend oder Subjekt ist. Seine abstrakte Kraft zu bewegen +ist das _Für-sich-sein_ oder die reine Negativität. Das Resultat ist +nur darum dasselbe, was der Anfang, weil der Anfang Zweck ist;--oder +das Wirkliche ist nur darum dasselbe, was sein Begriff, weil das +Unmittelbare als Zweck das Selbst oder die reine Wirklichkeit in ihm +selbst hat. Der ausgeführte Zweck oder das daseiende Wirkliche ist +die Bewegung und das entfaltete Werden; eben diese Unruhe aber ist +das Selbst; und jener Unmittelbarkeit und Einfachheit des Anfangs ist +es darum gleich, weil es das Resultat, das in sich Zurückgekehrte, +--das in sich Zurückgekehrte aber eben das Selbst, und das Selbst die +sich auf sich beziehende Gleichheit und Einfachheit ist. + +Das Bedürfnis, das Absolute als _Subjekt_ vorzustellen, bediente sich +der Sätze: _Gott_ ist das Ewige, oder die moralische Weltordnung oder +die Liebe u.s.f. In solchen Sätzen ist das Wahre nur geradezu als +Subjekt gesetzt, nicht aber als die Bewegung des sich +In-sich-selbst-reflektierens dargestellt. Es wird in einem Satze der +Art mit dem Worte: _Gott_ angefangen. Dies für sich ist ein +sinnloser Laut, ein bloßer Name; erst das Prädikat sagt, _was er ist_, +ist seine Erfüllung und Bedeutung; der leere Anfang wird nur in +diesem Ende ein wirkliches Wissen. Insofern ist nicht abzusehen, +warum nicht vom Ewigen, der moralischen Weltordnung u.s.f., oder, wie +die Alten taten, von reinen Begriffen, dem Sein, dem Einen u.s.f., +von dem, was die Bedeutung ist, allein gesprochen wird, ohne den +sinnlosen Laut noch hinzuzufügen. Aber durch dies Wort wird eben +bezeichnet, daß nicht ein Sein oder Wesen oder Allgemeines überhaupt, +sondern ein in sich Reflektiertes, ein Subjekt gesetzt ist. Allein +zugleich ist dies nur antizipiert. Das Subjekt ist als fester Punkt +angenommen, an den als ihren Halt die Prädikate geheftet sind, durch +eine Bewegung, die dem von ihm Wissenden angehört, und die auch nicht +dafür angesehen wird, dem Punkte selbst anzugehören; durch sie aber +wäre allein der Inhalt als Subjekt dargestellt. In der Art, wie +diese Bewegung beschaffen ist, kann sie ihm nicht angehören; aber +nach Voraussetzung jenes Punkts kann sie auch nicht anders beschaffen, +kann sie nur äußerlich sein. Jene Antizipation, daß das Absolute +Subjekt ist, ist daher nicht nur nicht die Wirklichkeit dieses +Begriffs, sondern macht sie sogar unmöglich, denn jene setzt ihn als +ruhenden Punkt, diese aber ist die Selbstbewegung. + +Unter mancherlei Folgerungen, die aus dem Gesagten fließen, kann +diese herausgehoben werden, daß das Wissen nur als Wissenschaft oder +als _System_ wirklich ist und dargestellt werden kann. Daß ferner +ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr +ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist. +--Es ist deswegen leicht, ihn zu widerlegen. Die Widerlegung besteht +darin, daß sein Mangel aufgezeigt wird; mangelhaft aber ist er, weil +er nur das Allgemeine oder Prinzip, der Anfang, ist. Ist die +Widerlegung gründlich, so ist sie aus ihm selbst genommen und +entwickelt,--nicht durch entgegengesetzte Versicherungen und Einfälle +von außen her bewerkstelligt. Sie würde also eigentlich seine +Entwicklung und somit die Ergänzung seiner Mangelhaftigkeit sein, +wenn sie sich nicht darin verkännte, daß sie ihre _negative_ Seite +allein beachtet, und ihres Fortgangs und Resultates nicht auch nach +seiner _positiven_ Seite bewußt wird.--Die eigentliche _positive_ +Ausführung des Anfangs ist zugleich umgekehrt ebensosehr ein +negatives Verhalten gegen ihn, nämlich gegen seine einseitige Form, +erst _unmittelbar_ oder _Zweck_ zu sein. Sie kann somit ebensosehr +als die Widerlegung desjenigen genommen werden, was den _Grund_ des +Systems ausmacht, besser aber als ein Aufzeigen, daß der _Grund_ oder +das Prinzip des Systems in der Tat nur sein _Anfang_ ist. + +Daß das Wahre nur als System wirklich, oder daß die Substanz +wesentlich Subjekt ist, ist in der Vorstellung ausgedrückt, welche +das Absolute als _Geist_ ausspricht,--der erhabenste Begriff, und der +der neuern Zeit und ihrer Religion angehört. Das Geistige allein ist +das _Wirkliche_; es ist das Wesen oder _An-sich-seiende_,--das sich +_Verhaltende_ oder Bestimmte, das _Anderssein_ und +_Für-sich-sein_--und in dieser Bestimmtheit oder seinem +Außer-sich-sein in sich selbst Bleibende;--oder es ist _an und für +sich_.--Dies An-und-für-sich-sein aber ist es erst für uns oder _an +sich_, oder es ist die geistige _Substanz_. Es muß dies auch _für +sich selbst_--muß das Wissen von dem Geistigen und das Wissen von +sich als dem Geiste sein; das heißt, es muß sich als _Gegenstand_ +sein, aber ebenso unmittelbar als _vermittelter_, das heißt +aufgehobener, in sich reflektierter Gegenstand. Er ist _für sich_ +nur für uns, insofern sein geistiger Inhalt durch ihn selbst erzeugt +ist; insofern er aber auch für sich selbst für sich ist, so ist +dieses Selbsterzeugen, der reine Begriff, ihm zugleich das +gegenständliche Element, worin er sein Dasein hat; und er ist auf +diese Weise in seinem Dasein für sich selbst in sich reflektierter +Gegenstand.--Der Geist, der sich so als Geist weiß, ist die +_Wissenschaft_. Sie ist seine Wirklichkeit und das Reich, das er +sich in seinem eigenen Elemente erbaut. + +Das reine Selbsterkennen im absoluten Anderssein, dieser Äther _als +solcher_, ist der Grund und Boden der Wissenschaft oder das _Wissen +im Allgemeinen_. Der Anfang der Philosophie macht die Voraussetzung +oder Foderung, daß das Bewußtsein sich in diesem Elemente befinde. +Aber dieses Element hat seine Vollendung und Durchsichtigkeit selbst +nur durch die Bewegung seines Werdens. Es ist die reine Geistigkeit, +oder das Allgemeine, das die Weise der einfachen Unmittelbarkeit hat. +Weil es die Unmittelbarkeit des Geistes, weil die Substanz überhaupt +der Geists ist, ist sie die _verklärte Wesenheit_, die Reflexion, die +selbst einfach oder die Unmittelbarkeit ist, das Sein, das die +Reflexion in sich selbst ist. Die Wissenschaft von ihrer Seite +verlangt vom Selbstbewußtsein, daß es in diesen Äther sich erhoben +habe, um mit ihr und in ihr leben zu können und zu leben. Umgekehrt +hat das Individuum das Recht zu fodern, daß die Wissenschaft ihm die +Leiter wenigstens zu diesem Standpunkte reiche. Sein Recht gründet +sich auf seine absolute Selbstständigkeit, die es in jeder Gestalt +seines Wissens zu besitzen weiß, denn in jeder, sei sie von der +Wissenschaft anerkannt oder nicht, und der Inhalt sei welcher er +wolle, ist es die absolute Form zugleich oder hat die _unmittelbare +Gewißheit_ seiner selbst; und, wenn dieser Ausdruck vorgezogen würde, +damit unbedingtes _Sein_. Wenn der Standpunkt des Bewußtseins, von +gegenständlichen Dingen im Gegensatze gegen sich selbst und von sich +selbst im Gegensatze gegen sie zu wissen, der Wissenschaft als das +_Andre_ gilt--das, worin es bei sich selbst ist, vielmehr als der +Verlust des Geistes--, so ist ihm dagegen das Element der +Wissenschaft eine jenseitige Ferne, worin es nicht mehr sich selbst +besitzt. Jeder von diesen beiden Teilen scheint für den andern das +Verkehrte der Wahrheit zu sein. Daß das natürliche Bewußtsein sich +der Wissenschaft unmittelbar anvertraut, ist ein Versuch, den es, es +weiß nicht von was angezogen, macht, auch einmal auf dem Kopfe zu +gehen; der Zwang, diese ungewohnte Stellung anzunehmen und sich in +ihr zu bewegen, ist eine so unvorbereitete als unnötig scheinende +Gewalt, die ihm angemutet wird, sich anzutun.--Die Wissenschaft sei +an ihr selbst, was sie will, im Verhältnisse zum unmittelbaren +Selbstbewußtsein stellt sie sich als ein Verkehrtes gegen es dar, +oder weil das unmittelbare Selbstbewußtsein das Prinzip der +Wirklichkeit ist, trägt sie, indem es für sich außer ihr ist, die +Form der Unwirklichkeit. Sie hat darum jenes Element mit ihr zu +vereinigen, oder vielmehr zu zeigen, daß und wie es ihr selbst +angehört. Der Wirklichkeit entbehrend, ist sie nur das _An-sich_, +der _Zweck_, der erst noch ein _Innres_, nicht als Geist, nur erst +geistige Substanz ist. Sie hat sich zu äußern und für sich selbst zu +werden, dies heißt nichts anders als: sie hat das Selbstbewußtsein +als eins mit sich zu setzen. + +Dies Werden der _Wissenschaft überhaupt_, oder des _Wissens_, ist es, +was diese _Phänomenologie_ des Geistes, als der erste Teil des +Systems derselben, darstellt. Das Wissen, wie es zuerst ist, oder +der _unmittelbare Geist_ ist das Geistlose, oder ist das _sinnliche +Bewußtsein_. Um zum eigentlichen Wissen zu werden, oder das Element +der Wissenschaft, was ihr reiner Begriff ist, zu erzeugen, hat er +durch einen langen Weg sich hindurchzuarbeiten.--Dieses Werden, wie +es in seinem Inhalte und den Gestalten, die sich in ihm zeigen, +aufgestellt ist, erscheint als etwas anderes denn als die Anleitung +des unwissenschaftlichen Bewußtseins zur Wissenschaft; auch etwas +anderes als die Begründung der Wissenschaft;--so ohnehin, als die +Begeisterung, die wie aus der Pistole mit dem absoluten Wissen +unmittelbar anfängt, und mit andern Standpunkten dadurch schon fertig +ist, daß sie keine Notiz davon zu nehmen erklärt. + +Die Aufgabe aber, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkte +aus zum Wissen zu führen, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen, +und das allgemeine Individuum, der Weltgeist, in seiner Bildung zu +betrachten.--Was das Verhältnis beider betrifft, so zeigt sich in dem +allgemeinen Individuum jedes Moment, wie es die konkrete Form und +eigne Gestaltung gewinnt. Das besondre Individuum aber ist der +unvollständige Geist, eine konkrete Gestalt, deren ganzes Dasein +_einer_ Bestimmtheit zufällt, und worin die andern nur in vermischten +Zügen vorhanden sind. In dem Geiste, der höher steht als ein anderer, +ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente +herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine +Spur; ihre Gestalt ist eingehüllt und eine einfache Schattierung +geworden. Diese Vergangenheit durchläuft das Individuum, dessen +Substanz der höherstehende Geist ist, auf die Art, wie der eine +höhere Wissenschaft vornimmt, die Vorbereitungskenntnisse, die er +längst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwärtig zu machen, durchgeht; +er ruft die Erinnerung desselben zurück, ohne darin sein Interesse +und Verweilen zu haben. So durchlauft jeder einzelne auch die +Bildungsstufen des allgemeinen Geistes, aber als vom Geiste schon +abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und +geebnet ist; wie wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in frühern +Zeitaltern den reifen Geist der Männer beschäftigte, zu Kenntnissen, +Übungen und selbst Spielen des Knabensalters herabgesunken sehen, und +in dem pädagogischen Fortschreiten die wie im Schattenrisse +nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen werden. +Dies vergangne Dasein ist schon erworbnes Eigentum des allgemeinen +Geistes, der die Substanz des Individuums oder seine unorganische +Natur ausmacht.--Die Bildung des Individuums in dieser Rücksicht +besteht, von seiner Seite aus betrachtet, darin, daß es dies +Vorhandne erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre und für +sich in Besitz nehme. Dies ist aber ebensosehr nichts anders, als +daß der allgemeine Geist oder die Substanz sich ihr Selbstbewußtsein +gibt, oder ihr Werden und Reflexion in sich. + +Die Wissenschaft stellt diese bildende Bewegung sowohl in ihrer +Ausführlichkeit und Notwendigkeit, als das, was schon zum Momente und +Eigentum des Geists herabgesunken ist, in seiner Gestaltung dar. Das +Ziel ist die Einsicht des Geistes in das, was das Wissen ist. Die +Ungeduld verlangt das Unmögliche, nämlich die Erreichung des Ziels +ohne die Mittel. Einesteils ist die _Länge_ dieses Wegs zu ertragen, +denn jedes Moment ist notwendig,--andernteils bei jedem sich zu +_verweilen_, denn jedes ist selbst eine individuelle ganze Gestalt, +und wird nur absolut betrachtet, insofern seine Bestimmtheit als +Ganzes oder Konkretes, oder das Ganze in der Eigentümlichkeit dieser +Bestimmung betrachtet wird.--Weil die Substanz des Individuums, weil +der Weltgeist die Geduld gehabt, diese Formen in der langen +Ausdehnung der Zeit zu durchgehen und die ungeheure Arbeit der +Weltgeschichte zu übernehmen, und weil er durch keine geringere das +Bewußtsein über sich erreichen konnte, so kann zwar das Individuum +nicht mit weniger seine Substanz begreifen. Inzwischen hat es +zugleich geringere Mühe, weil _an sich_ dies vollbracht,--der Inhalt +schon die zur Möglichkeit getilgte Wirklichkeit und die bezwungne +Unmittelbarkeit ist. Schon ein _Gedachtes_, ist er Eigentum der +Individualität; es ist nicht mehr das _Dasein_ in das _An-sich-sein_, +sondern nur _das An-sich_ in die Form des _Für-sich_-seins umzukehren, +dessen Art näher zu bestimmen ist. + +Was dem Individuum an dieser Bewegung erspart ist, ist das Aufheben +des _Daseins_; was aber noch übrig ist, ist die _Vorstellung_ und die +_Bekanntschaft_ mit den Formen. Das in die Substanz zurückgenommne +Dasein ist durch jene erste Negation nur erst _unmittelbar_ in das +Element des Selbsts versetzt; es hat also noch denselben Charakter +der unbegriffnen Unmittelbarkeit oder unbewegten Gleichgültigkeit als +das Dasein selbst, oder es ist nur in die _Vorstellung_ übergegangen. +--Zugleich ist es dadurch ein _Bekanntes_, ein solches, mit dem der +Geist fertig geworden, worin daher seine Tätigkeit und somit sein +Interesse nicht mehr ist. Wenn die Tätigkeit, die mit dem Dasein +fertig wird, die unmittelbare oder daseiende Vermittlung, und hiemit +die Bewegung nur des besondern sich nicht begreifenden Geistes ist, +so ist dagegen das Wissen gegen die hiedurch zustande gekommne +Vorstellung, gegen dies Bekanntsein gerichtet, ist das Tun des +allgemeinen Selbsts und das Interesse des Denkens. + +Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es _bekannt_ ist, nicht +erkannt. Es ist die gewöhnlichste Selbsttäuschung wie Täuschung +anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich +ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches +Wissen, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, nicht von der Stelle. Das +Subjekt und Objekt u.s.f., Gott, Natur, der Verstand, die +Sinnlichkeit u.s.f. werden unbesehen als bekannt und als etwas +Gültiges zugrunde gelegt und machen feste Punkte sowohl des Ausgangs +als der Rückkehr aus. Die Bewegung geht zwischen ihnen, die unbewegt +bleiben, hin und her, und somit nur auf ihrer Oberfläche vor. So +besteht auch das Auffassen und Prüfen darin, zu sehen, ob jeder das +von ihnen Gesagte auch in seiner Vorstellung findet, ob es ihm so +scheint und bekannt ist oder nicht. + +Das _Analysieren_ einer Vorstellung, wie es sonst getrieben worden, +war schon nichts anderes als das Aufheben der Form ihres Bekanntseins. +Eine Vorstellung in ihre ursprünglichen Elemente auseinanderlegen, +ist das Zurückgehen zu ihren Momenten, die wenigstens nicht die Form +der vorgefundenen Vorstellung haben, sondern das unmittelbare +Eigentum des Selbsts ausmachen. Diese Analyse kömmt zwar nur zu +_Gedanken_, welche selbst bekannte, feste und ruhende Bestimmungen +sind. Aber ein wesentliches Moment ist dies _Geschiedne_, +Unwirkliche selbst; denn nur darum, daß das Konkrete sich scheidet +und zum Unwirklichen macht, ist es das sich Bewegende. Die Tätigkeit +des Scheidens ist die Kraft und Arbeit des _Verstandes_, der +verwundersamsten und größten, oder vielmehr der absoluten Macht. Der +Kreis, der in sich geschlossen ruht, und als Substanz seine Momente +hält, ist das unmittelbare und darum nicht verwundersame Verhältnis. +Aber daß das von seinem Umfange getrennte Akzidentelle als solches, +das gebundne und nur in seinem Zusammenhange mit anderm Wirkliche ein +eigenes Dasein und abgesonderte Freiheit gewinnt, ist die ungeheure +Macht des Negativen; es ist die Energie des Denkens, des reinen Ichs. +Der Tod, wenn wir jene Unwirklichkeit so nennen wollen, ist das +Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die größte Kraft +erfodert. Die kraftlose Schönheit haßt den Verstand, weil er ihr +dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich +vor dem Tode scheut und von der Verwüstung rein bewahrt, sondern das +ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes. Er +gewinnt seine Wahrheit nur, indem er in der absoluten Zerrissenheit +sich selbst findet. Diese Macht ist er nicht als das Positive, +welches von dem Negativen wegsieht, wie wenn wir von etwas sagen, +dies ist nichts oder falsch, und nun, damit fertig, davon weg zu +irgend etwas anderem übergehen; sondern er ist diese Macht nur, indem +er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses +Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.--Sie ist +dasselbe, was oben das Subjekt genannt worden, welches darin, daß es +der Bestimmtheit in seinem Elemente Dasein gibt, die abstrakte, d.h. +nur überhaupt _seiende_ Unmittelbarkeit aufhebt, und dadurch die +wahrhafte Substanz ist, das Sein oder die Unmittelbarkeit, welche +nicht die Vermittlung außer ihr hat, sondern diese selbst ist. + +Daß das Vorgestellte Eigentum des reinen Selbstbewußtseins wird, +diese Erhebung zur Allgemeinheit überhaupt ist nur die _eine_ Seite, +noch nicht die vollendete Bildung.--Die Art des Studiums der alten +Zeit hat diese Verschiedenheit von dem der neuern, daß jenes die +eigentliche Durchbildung des natürlichen Bewußtseins war. An jedem +Teile seines Daseins sich besonders versuchend und über alles +Vorkommende philosophierend, erzeugte es sich zu einer durch und +durch betätigten Allgemeinheit. In der neuern Zeit hingegen findet +das Individuum die abstrakte Form vorbereitet; die Anstrengung, sie +zu ergreifen und sich zu eigen zu machen, ist mehr das unvermittelte +Hervortreiben des Innern und abgeschnittne Erzeugen des Allgemeinen +als ein Hervorgehen desselben aus dem Konkreten und der +Mannigfaltigkeit des Daseins. Itzt besteht darum die Arbeit nicht so +sehr darin, das Individuum aus der unmittelbaren sinnlichen Weise zu +reinigen und es zur gedachten und denkenden Substanz zu machen, als +vielmehr in dem Entgegengesetzten, durch das Aufheben der festen +bestimmten Gedanken das Allgemeine zu verwirklichen und zu begeistert. +Es ist aber weit schwerer, die festen Gedanken in Flüssigkeit zu +bringen, als das sinnliche Dasein. Der Grund ist das vorhin +Angegebene; jene Bestimmungen haben das Ich, die Macht des Negativen +oder die reine Wirklichkeit zur Substanz und zum Element ihres +Daseins; die sinnlichen Bestimmungen dagegen nur die unmächtige +abstrakte Unmittelbarkeit oder das Sein als solches. Die Gedanken +werden flüssig, indem das reine Denken, diese innere +_Unmittelbarkeit_, sich als Moment erkennt oder indem die reine +Gewißheit seiner selbst von sich abstrahiert;--nicht sich wegläßt, +auf die Seite setzt, sondern das _Fixe_ ihres Sich-selbst-setzens +aufgibt, sowohl das Fixe des reinen Konkreten, welches Ich selbst im +Gegensatze gegen unterschiedenen Inhalt ist,--als das Fixe von +Unterschiedenen, die im Elemente des reinen Denkens gesetzt an jener +Unbedingtheit des Ich Anteil haben. Durch diese Bewegung werden die +reinen Gedanken _Begriffe_, und sind erst, was sie in Wahrheit sind, +Selbstbewegungen, Kreise, das, was ihre Substanz ist, geistige +Wesenheiten. + +Diese Bewegung der reinen Wesenheiten macht die Natur der +Wissenschaftlichkeit überhaupt aus. Als der Zusammenhang ihres +Inhalts betrachtet, ist sie die Notwendigkeit und Ausbreitung +desselben zum organischen Ganzen. Der Weg, wodurch der Begriff des +Wissens erreicht wird, wird durch sie gleichfalls ein notwendiges und +vollständiges Werden, so daß diese Vorbereitung aufhört, ein +zufälliges Philosophieren zu sein, das sich an diese und jene +Gegenstände, Verhältnisse und Gedanken des unvollkommenen Bewußtseins, +wie die Zufälligkeit es mit sich bringt, anknüpft, oder durch ein +hin- und hergehendes Räsonnement, Schließen und Folgern aus +bestimmten Gedanken das Wahre zu begründen sucht; sondern dieser Weg +wird durch die Bewegung des Begriffs die vollständige Weltlichkeit +des Bewußtseins in ihrer Notwendigkeit umfassen. + +Eine solche Darstellung macht ferner den _ersten_ Teil der +Wissenschaft darum aus, weil das Dasein des Geistes als Erstes nichts +anderes als das Unmittelbare oder der Anfang, der Anfang aber noch +nicht seine Rückkehr in sich ist. Das _Element des unmittelbaren +Daseins_ ist daher die Bestimmtheit, wodurch sich dieser Teil der +Wissenschaft von den andern unterscheidet.--Die Angabe dieses +Unterschiedes führt zur Erörterung einiger festen Gedanken, die +hiebei vorzukommen pflegen. + +Das unmittelbare Dasein des Geistes, das _Bewußtsein_, hat die zwei +Momente des Wissens und der dem Wissen negativen Gegenständlichkeit. +Indem in diesem Elemente sich der Geist entwickelt und seine Momente +auslegt, so kommt ihnen dieser Gegensatz zu, und sie treten alle als +Gestalten des Bewußtseins auf. Die Wissenschaft dieses Wegs ist +Wissenschaft der _Erfahrung_, die das Bewußtsein macht; die Substanz +wird betrachtet, wie sie und ihre Bewegung sein Gegenstand ist. Das +Bewußtsein weiß und begreift nichts, als was in seiner Erfahrung ist; +denn was in dieser ist, ist nur die geistige Substanz, und zwar als +_Gegenstand_ ihres Selbsts. Der Geist wird aber Gegenstand, denn er +ist diese Bewegung, _sich_ ein _anderes_, d.h. _Gegenstand seines +Selbsts_ zu werden, und dieses Anderssein aufzuheben. Und die +Erfahrung wird eben diese Bewegung genannt, worin das Unmittelbare, +das Unerfahrne, d. h. das Abstrakte, es sei des sinnlichen Seins oder +des nur gedachten Einfachen, sich entfremdet, und dann aus dieser +Entfremdung zu sich zurückgeht, und hiemit itzt erst in seiner +Wirklichkeit und Wahrheit dargestellt wie auch Eigentum des +Bewußtseins ist. + +Die Ungleichheit, die im Bewußtsein zwischen dem Ich und der Substanz, +die sein Gegenstand ist, stattfindet, ist ihr Unterschied, das +_Negative_ überhaupt. Es kann als der _Mangel_ beider angesehen +werden, ist aber ihre Seele oder das Bewegende derselben; weswegen +einige Alte das _Leere_ als das Bewegende begriffen, indem sie das +Bewegende zwar als das _Negative_, aber dieses noch nicht als das +Selbst erfaßten.--Wenn nun dies Negative zunächst als Ungleichheit +des Ichs zum Gegenstande erscheint, so ist es ebensosehr die +Ungleichheit der Substanz zu sich selbst. Was außer ihr vorzugehen, +eine Tätigkeit gegen sie zu sein scheint, ist ihr eigenes Tun, und +sie zeigt sich wesentlich Subjekt zu sein. Indem sie dies vollkommen +gezeigt, hat der Geist sein Dasein seinem Wesen gleich gemacht; er +ist sich Gegenstand, wie er ist, und das abstrakte Element der +Unmittelbarkeit und der Trennung des Wissens und der Wahrheit ist +überwunden. Das Sein ist absolut vermittelt;--es ist substantieller +Inhalt, der ebenso unmittelbar Eigentum des Ich, selbstisch oder der +Begriff ist. Hiemit beschließt sich die Phänomenologie des Geistes. +Was er in ihr sich bereitet, ist das Element des Wissens. In diesem +breiten sich nun die Momente des Geistes in der _Form der +Einfachheit_ aus, die ihren Gegenstand als sich selbst weiß. Sie +fallen nicht mehr in den Gegensatz des Seins und Wissens auseinander, +sondern bleiben in der Einfachheit des Wissens, sind das Wahre in der +Form des Wahren, und ihre Verschiedenheit ist nur Verschiedenheit des +Inhalts. Ihre Bewegung, die sich in diesem Elemente zum Ganzen +organisiert, ist die _Logik_ oder _spekulative Philosophie_. + +Weil nun jenes System der Erfahrung des Geistes nur die _Erscheinung_ +desselben befaßt, so scheint der Fortgang von ihm zur Wissenschaft +des _Wahren_, das in der _Gestalt_ des _Wahren_ ist, bloß negativ zu +sein, und man könnte mit dem Negativen als dem _Falschen_ verschont +bleiben wollen und verlangen, ohne weiteres zur Wahrheit geführt zu +werden; wozu sich mit dem Falschen abgeben?--Wovon schon oben die +Rede war, daß sogleich mit der Wissenschaft sollte angefangen werden, +darauf ist hier nach der Seite zu antworten, welche Beschaffenheit es +mit dem Negativen als _Falschem_ überhaupt hat. Die Vorstellungen +hierüber hindern vornehmlich den Eingang zur Wahrheit. Dies wird +Veranlassung geben, vom mathematischen Erkennen zu sprechen, welches +das unphilosophische Wissen als das Ideal ansieht, das zu erreichen +die Philosophie streben müßte, bisher aber vergeblich gestrebt habe. + +Das _Wahre_ und _Falsche_ gehört zu den bestimmten Gedanken, die +bewegungslos für eigne Wesen gelten, deren eines drüben, das andre +hüben ohne Gemeinschaft mit dem andern isoliert und fest steht. +Dagegen muß behauptet werden, daß die Wahrheit nicht eine ausgeprägte +Münze ist, die fertig gegeben und so eingestrichen werden kann. Noch +_gibt_ es ein Falsches, sowenig es ein Böses gibt. So schlimm zwar +als der Teufel ist das Böse und Falsche nicht, denn als dieser sind +sie sogar zum besondern _Subjekte_ gemacht; als Falsches und Böses +sind sie nur _Allgemeine_, haben aber doch eigne Wesenheit +gegeneinander.--Das Falsche, denn nur von ihm ist hier die Rede, wäre +das Andre, das Negative der Substanz, die als Inhalt des Wissens das +Wahre ist. Aber die Substanz ist selbst wesentlich das Negative, +teils als Unterscheidung und Bestimmung des Inhalts, teils als ein +_einfaches_ Unterscheiden, d.h. als Selbst und Wissen überhaupt. Man +kann wohl falsch wissen. Es wird etwas falsch gewußt, heißt, das +Wissen ist in Ungleichheit mit seiner Substanz. Allein eben diese +Ungleichheit ist das Unterscheiden überhaupt, das wesentliches Moment +ist. Es wird aus dieser Unterscheidung wohl ihre Gleichheit, und +diese gewordene Gleichheit ist die Wahrheit. Aber sie ist nicht so +Wahrheit, als ob die Ungleichheit weggeworfen worden wäre, wie die +Schlacke vom reinen Metall, auch nicht einmal so, wie das Werkzeug +von dem fertigen Gefäße wegbleibt, sondern die Ungleichheit ist als +das Negative, als das Selbst im Wahren als solchem selbst noch +unmittelbar vorhanden. Es kann jedoch darum nicht gesagt werden, daß +das _Falsche_ ein Moment oder gar einen Bestandteil des Wahren +ausmache. Daß an jedem Falschen etwas Wahres sei--in diesem +Ausdrucke gelten beide, wie Öl und Wasser, die unmischbar nur +äußerlich verbunden sind. Gerade um der Bedeutung willen, das Moment +des _vollkommenen Andersseins_ zu bezeichnen, müssen ihre Ausdrücke +da, wo ihr Anderssein aufgehoben ist, nicht mehr gebraucht werden. +So wie der Ausdruck der _Einheit_ des Subjekts und Objekts, des +Endlichen und Unendlichen, des Seins und Denkens u.s.f. das +Ungeschickte hat, daß Objekt und Subjekt u.s.f. das bedeuten, was +_sie außer ihrer Einheit_ sind, in der Einheit also nicht als das +gemeint sind, was ihr Ausdruck sagt, ebenso ist das Falsche nicht +mehr als Falsches ein Moment der Wahrheit. + +Der _Dogmatismus_ der Denkungsart im Wissen und im Studium der +Philosophie ist nichts anderes als die Meinung, daß das Wahre in +einem Satze, der ein festes Resultat oder auch der unmittelbar gewußt +wird, bestehe. Auf solche Fragen: wann Cäsar geboren worden, wie +viele Toisen ein Stadium und welches betrug u.s.f., soll eine _nette_ +Antwort gegeben werden, ebenso wie es bestimmt wahr ist, daß das +Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der Quadrate der beiden +übrigen Seiten des rechtwinklichten Dreiecks ist. Aber die Natur +einer solchen sogenannten Wahrheit ist verschieden von der Natur +philosophischer Wahrheiten. + +In Ansehung der _historischen_ Wahrheiten, um ihrer kurz zu erwähnen, +insofern nämlich das rein Historische derselben betrachtet wird, wird +leicht zugegeben, daß sie das einzelne Dasein, einen Inhalt nach der +Seite seiner Zufälligkeit und Willkür, Bestimmungen desselben, die +nicht notwendig sind, betreffen.--Selbst aber solche nackte +Wahrheiten wie die als Beispiel angeführte sind nicht ohne die +Bewegung des Selbstbewußtseins. Um eine derselben zu kennen, muß +viel verglichen, auch in Büchern nachgeschlagen oder, auf welche +Weise es sei, untersucht werden; auch bei einer unmittelbaren +Anschauung wird erst die Kenntnis derselben mit ihren Gründen für +etwas gehalten, das wahren Wert habe, obgleich eigentlich nur das +nackte Resultat das sein soll, um das es zu tun sei. + +Was die _mathematischen_ Wahrheiten betrifft, so würde noch weniger +der für einen Geometer gehalten werden, der die Theoreme Euklids +_auswendig_ wüßte, ohne ihre Beweise, ohne sie, wie man im Gegensatze +sich ausdrücken könne, _inwendig_ zu wissen. Ebenso würde die +Kenntnis, die einer durch Messung vieler rechtwinklichten Dreiecke +sich erwürbe, daß ihre Seiten das bekannte Verhältnis zueinander +haben, für unbefriedigend gehalten werden. Die _Wesentlichkeit_ des +Beweises hat jedoch auch beim mathematischen Erkennen noch nicht die +Bedeutung und Natur, Moment des Resultates selbst zu sein, sondern in +diesem ist er vielmehr vorbei und verschwunden. Als Resultat ist +zwar das Theorem _ein als wahr eingesehenes_. Aber dieser +hinzugekommene Umstand betrifft nicht seinen Inhalt, sondern nur das +Verhältnis zum Subjekt; die Bewegung des mathematischen Beweises +gehört nicht dem an, was Gegenstand ist, sondern ist ein der Sache +_äußerliches_ Tun. So zerlegt sich die Natur des rechtwinklichten +Dreiecks nicht selbst so, wie es in der Konstruktion dargestellt wird, +die für den Beweis des Satzes, der sein Verhältnis ausdrückt, nötig +ist; das ganze Hervorbringen des Resultats ist ein Gang und Mittel +des Erkennens.--Auch im philosophischen Erkennen ist das Werden des +_Daseins_ als Daseins verschieden von dem Werden des _Wesens_ oder +der innern Natur der Sache. Aber das philosophische Erkennen enthält +erstens beides, da hingegen das mathematische nur das Werden des +_Daseins_, d.h. des _Seins_ der Natur der Sache im _Erkennen_ als +solchem darstellt. Fürs andre vereinigt jenes auch diese beiden +besondern Bewegungen. Das innre Entstehen oder das Werden der +Substanz ist ungetrennt Übergehen in das Äußere oder in das Dasein, +Sein für anderes; und umgekehrt ist das Werden des Daseins das +Sich-zurücknehmen ins Wesen. Die Bewegung ist so der gedoppelte +Prozeß und Werden des Ganzen, daß zugleich ein jedes das andre setzt +und jedes darum auch beide als zwei Ansichten an ihm hat; sie +zusammen machen dadurch das Ganze, daß sie sich selbst auflösen und +zu seinen Momenten machen. + +Im mathematischen Erkennen ist die Einsicht ein für die Sache +äußerliches Tun; es folgt daraus, daß die wahre Sache dadurch +verändert wird. Das Mittel, Konstruktion und Beweis, enthält daher +wohl wahre Sätze; aber ebensosehr muß gesagt werden, daß der Inhalt +falsch ist. Das Dreieck wird in dem obigen Beispiele zerrissen und +seine Teile zu andern Figuren, die die Konstruktion an ihm entstehen +läßt, geschlagen. Erst am Ende wird das Dreieck wiederhergestellt, +um das es eigentlich zu tun ist, das im Fortgange aus den Augen +verloren wurde, und nur in Stücken, die andern Ganzen angehörten, +vorkam.--Hier sehen wir also auch die Negativität des Inhalts +eintreten, welche eine Falschheit desselben ebensogut genannt werden +müßte als in der Bewegung des Begriffs das Verschwinden der +festgemeinten Gedanken. + +Die eigentliche Mangelhaftigkeit dieses Erkennens aber betrifft +sowohl das Erkennen selbst als seinen Stoff überhaupt.--Was das +Erkennen betrifft, so wird vors erste die Notwendigkeit der +Konstruktion nicht eingesehen. Sie geht nicht aus dem Begriffe des +Theorems hervor, sondern wird geboten, und man hat dieser Vorschrift, +gerade diese Linien, deren unendliche andere gezogen werden könnten, +zu ziehen, blindlings zu gehorchen, ohne etwas weiter zu wissen, als +den guten Glauben zu haben, daß dies zu Führung des Beweises +zweckmäßig sein werde. Hintennach zeigt sich denn auch diese +Zweckmäßigkeit, die deswegen nur eine äußerliche ist, weil sie sich +erst hintennach, beim Beweise, zeigt.--Ebenso geht dieser einen Weg, +der irgendwo anfängt, man weiß noch nicht in welcher Beziehung auf +das Resultat, das herauskommen soll. Sein Fortgang nimmt _diese_ +Bestimmungen und Beziehungen auf und läßt andre liegen, ohne daß man +unmittelbar einsehe, nach welcher Notwendigkeit; ein äußerer Zweck +regiert diese Bewegung. + +Die _Evidenz_ dieses mangelhaften Erkennens, auf welche die +Mathematik stolz ist, und womit sie sich auch gegen die Philosophie +brüstet, beruht allein auf der Armut ihres _Zwecks_ und der +Mangelhaftigkeit ihres _Stoffs_, und ist darum von einer Art, die die +Philosophie verschmähen muß.--Ihr _Zweck_ oder Begriff ist die +_Größe_. Dies ist gerade das unwesentliche, begrifflose Verhältnis. +Die Bewegung des Wissens geht darum auf der Oberfläche vor, berührt +nicht die Sache selbst, nicht das Wesen oder den Begriff, und ist +deswegen kein Begreifen.--Der _Stoff_, über den die Mathematik den +erfreulichen Schatz von Wahrheiten gewährt, ist der _Raum_ und das +_Eins_. Der Raum ist das Dasein, worin der Begriff seine +Unterschiede einschreibt, als in ein leeres, totes Element, worin sie +ebenso unbewegt und leblos sind. Das _Wirkliche_ ist nicht ein +Räumliches, wie es in der Mathematik betrachtet wird; Mit solcher +Unwirklichkeit, als die Dinge der Mathematik sind, gibt sich weder +das konkrete sinnliche Anschauen noch die Philosophie ab. In solchem +unwirklichen Elemente gibt es denn auch nur unwirkliches Wahres, d.h. +fixierte, tote Sätze; bei jedem derselben kann aufgehört werden; der +folgende fängt für sich von neuem an, ohne daß der erste sich selbst +zum andern fortbewegte und ohne daß auf diese Weise ein notwendiger +Zusammenhang durch die Natur der Sache selbst entstünde.--Auch läuft +um jenes Prinzips und Elements willen--und hierin besteht das +Formelle der mathematischen Evidenz--das Wissen an der Linie der +_Gleichheit_ fort. Denn das Tote, weil es sich nicht selbst bewegt, +kommt nicht zu Unterschieden des Wesens, nicht zur wesentlichen +Entgegensetzung oder Ungleichheit, daher nicht zum Übergange des +Entgegengesetzten in das Entgegengesetzte, nicht zur qualitativen, +immanenten, nicht zur Selbstbewegung. Denn es ist die Größe, der +unwesentliche Unterschied, den die Mathematik allein betrachtet. Daß +es der Begriff ist, der den Raum in seine Dimensionen entzweit und +die Verbindungen derselben und in denselben bestimmt, davon +abstrahiert sie; sie betrachtet z.B. nicht das Verhältnis der Linie +zur Fläche; und wo sie den Durchmesser des Kreises mit der Peripherie +vergleicht, stößt sie auf die Inkommensurabilität derselben, d.h. ein +Verhältnis des Begriffs, ein Unendliches, das ihrer Bestimmung +entflieht. + +Die immanente, sogenannte reine Mathematik stellt auch nicht die +_Zeit_ als Zeit dem Raume gegenüber, als den zweiten Stoff ihrer +Betrachtung. Die angewandte handelt wohl von ihr, wie von der +Bewegung, auch sonst andern wirklichen Dingen, sie nimmt aber die +synthetischen, d.h. Sätze ihrer Verhältnisse, die durch ihren +Begriff bestimmt sind, aus der Erfahrung auf, und wendet nur auf +diese Voraussetzungen ihre Formeln an. Daß die sogenannten Beweise +solcher Sätze, als der vom Gleichgewichte des Hebels, dem +Verhältnisse des Raums und der Zeit in der Bewegung des Fallens u.s.f. +, welche sie häufig gibt, für Beweise gegeben und angenommen werden, +ist selbst nur ein Beweis, wie groß das Bedürfnis des Beweisens für +das Erkennen ist, weil es, wo es nicht mehr hat, auch den leeren +Schein desselben achtet und eine Zufriedenheit dadurch gewinnt. Eine +Kritik jener Beweise würde ebenso merkwürdig als belehrend sein, um +die Mathematik teils von diesem falschen Putze zu reinigen, teils +ihre Grenze zu zeigen, und daraus die Notwendigkeit eines andern +Wissens.--Was die _Zeit_ betrifft, von der man meinen sollte, daß sie, +zum Gegenstücke gegen den Raum, den Stoff des andern Teils der +reinen Mathematik ausmachen würde, so ist sie der daseiende Begriff +selbst. Das Prinzip der _Größe_, des begrifflosen Unterschiedes, und +das Prinzip der _Gleichheit_, der abstrakten unlebendigen Einheit, +vermag es nicht, sich mit jener reinen Unruhe des Lebens und +absoluten Unterscheidung zu befassen. Diese Negativität wird daher +nur als paralysiert, nämlich als das _Eins_, zum zweiten Stoffe +dieses Erkennens, das, ein äußerliches Tun, das Sichselbstbewegende +zum Stoffe herabsetzt, um nun an ihm einen gleichgültigen, +äußerlichen unlebendigen Inhalt zu haben. + +Die Philosophie dagegen betrachtet nicht _unwesentliche_ Bestimmung, +sondern sie, insofern sie wesentliche ist; nicht das Abstrakte oder +Unwirkliche ist ihr Element und Inhalt, sondern das _Wirkliche_, sich +selbst Setzende und in sich Lebende, das Dasein in seinem Begriffe. +Es ist der Prozeß, der sich seine Momente erzeugt und durchläuft, und +diese ganze Bewegung macht das Positive und seine Wahrheit aus. +Diese schließt also ebensosehr das Negative in sich, dasjenige, was +das Falsche genannt werden würde, wenn es als ein solches betrachtet +werden könnte, von dem zu abstrahieren sei. Das Verschwindende ist +vielmehr selbst als wesentlich zu betrachten, nicht in der Bestimmung +eines Festen, das vom Wahren abgeschnitten, außer ihm, man weiß nicht +wo, liegenzulassen sei, sowie auch das Wahre nicht als das auf der +andern Seite ruhende, tote Positive. Die Erscheinung ist das +Entstehen und Vergehen, das selbst nicht entsteht und vergeht, +sondern an sich ist, und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der +Wahrheit ausmacht. Das Wahre ist so der bacchantische Taumel, an dem +kein Glied nicht trunken ist, und weil jedes, indem es sich absondert, +ebenso unmittelbar auflöst,--ist er ebenso die durchsichtige und +einfache Ruhe. In dem Gerichte jener Bewegung bestehen zwar die +einzelnen Gestalten des Geistes wie die bestimmten Gedanken nicht, +aber sie sind so sehr auch positive notwendige Momente, als sie +negativ und verschwindend sind.--In dem _Ganzen_ der Bewegung, es als +Ruhe aufgefaßt, ist dasjenige, was sich in ihr unterscheidet und +besonderes Dasein gibt, als ein solches, das sich _erinnert_, +aufbewahrt, dessen Dasein das Wissen von sich selbst ist, wie dieses +ebenso unmittelbar Dasein ist. + +Von der _Methode_ dieser Bewegung oder der Wissenschaft könnte es +nötig scheinen, voraus das Mehrere anzugeben. Ihr Begriff liegt aber +schon in dem Gesagten, und ihre eigentliche Darstellung gehört der +Logik an oder ist vielmehr diese selbst. Denn die Methode ist nichts +anderes als der Bau des Ganzen in seiner reinen Wesenheit aufgestellt. +Von dem hierüber bisher Gangbaren aber müssen wir das Bewußtsein +haben, daß auch das System der sich auf das, was philosophische +Methode ist, beziehenden Vorstellungen einer verschollenen Bildung +angehört.--Wenn dies etwa renommistisch oder revolutionär lauten +sollte, von welchem Tone ich mich entfernt weiß, so ist zu bedenken, +daß der wissenschaftliche Staat, den die Mathematik herlieh--von +Erklärungen, Einteilungen, Axiomen, Reihen von Theoremen, ihren +Beweisen, Grundsätzen und dem Folgern und Schließen aus ihnen--, +schon in der Meinung selbst wenigstens _veraltet_ ist. Wenn auch +seine Untauglichkeit nicht deutlich eingesehen wird, so wird doch +kein oder wenig Gebrauch mehr davon gemacht, und wenn er nicht an +sich gemißbilligt wird, doch nicht geliebt. Und wir müssen das +Vorurteil für das Vortreffliche haben, daß es sich in den Gebrauch +setze und beliebt mache. Es ist aber nicht schwer einzusehen, daß +die Manier, einen Satz aufzustellen, Gründe für ihn anzuführen und +den entgegengesetzten durch Gründe ebenso zu widerlegen, nicht die +Form ist, in der die Wahrheit auftreten kann. Die Wahrheit ist die +Bewegung ihrer an ihr selbst, jene Methode aber ist das Erkennen, das +dem Stoffe äußerlich ist. Darum ist sie der Mathematik, die, wie +bemerkt, das begriffslose Verhältnis der Größe zu ihrem Prinzip und +den toten Raum wie das ebenso tote Eins zu ihrem Stoffe hat, +eigentümlich und muß ihr gelassen werden. Auch mag sie in freierer +Manier, das heißt, mehr mit Willkür und Zufälligkeit gemischt, im +gemeinen Leben, in einer Konversation oder historischen Belehrung +mehr der Neugierde als der Erkenntnis, wie ungefähr auch eine Vorrede +ist, bleiben. Im gemeinen Leben hat das Bewußtsein Kenntnisse, +Erfahrungen, sinnliche Konkretionen, auch Gedanken, Grundsätze, +überhaupt solches zu seinem Inhalte, das als ein Vorhandenes oder als +ein festes ruhendes Sein oder Wesen gilt. Es läuft teils daran fort, +teils unterbricht es den Zusammenhang durch die freie Willkür über +solchen Inhalt, und verhält sich als ein äußerliches Bestimmen und +Handhaben desselben. Es führt ihn auf irgend etwas Gewisses, sei es +auch nur die Empfindung des Augenblicks, zurück, und die Überzeugung +ist befriedigt, wenn sie auf einem ihr bekannten Ruhepunkte angelangt +ist. + +Wenn aber die Notwendigkeit des Begriffs den losern Gang der +räsonierenden Konversation wie den steifern des wissenschaftlichen +Gepränges verbannt, so ist schon oben erinnert worden, daß seine +Stelle nicht durch die Unmethode des Ahndens und der Begeisterung und +die Willkür des prophetischen Redens ersetzt werden soll, welches +nicht jene Wissenschaftlichkeit nur, sondern die Wissenschaftlichkeit +überhaupt verachtet. + +Ebensowenig ist--nachdem die Kantische, noch erst durch den Instinkt +wiedergefundne, noch tote, noch unbegriffne _Triplizität_ zu ihrer +absoluten Bedeutung erhoben, damit die wahrhafte Form in ihrem +wahrhaften Inhalte zugleich aufgestellt und der Begriff der +Wissenschaft hervorgegangen ist--derjenige Gebrauch dieser Form für +etwas Wissenschaftliches zu halten, durch den wir sie zum leblosen +Schema, zu einem eigentlichen Scheinen, und die wissenschaftliche +Organisation zur Tabelle herabgebracht sehen.--Dieser Formalismus, +von dem oben schon im allgemeinen gesprochen, und dessen Manier wir +hier näher angeben wollen, meint die Natur und das Leben einer +Gestalt begriffen und ausgesprochen zu haben, wenn er von ihr eine +Bestimmung des Schemas als Prädikat ausgesagt--es sei die +Subjektivität oder Objektivität, oder auch der Magnetismus, die +Elektrizität und so fort, die Kontraktion oder Expansion, der Osten +oder Westen und dergleichen, was sich ins Unendliche vervielfältigen +läßt, weil nach dieser Weise jede Bestimmung oder Gestalt bei der +andern wieder als Form oder Moment des Schemas gebraucht werden und +jede dankbar der andern denselben Dienst leisten kann;--ein Zirkel +von Gegenseitigkeit, wodurch man nicht erfährt, was die Sache selbst, +weder was die eine noch die andre ist. Es werden dabei teils +sinnliche Bestimmungen aus der gemeinen Anschauung aufgenommen, die +freilich etwas anderes _bedeuten_ sollen, als sie sagen, teils wird +das an sich bedeutende, die reinen Bestimmungen des Gedankens, wie +Subjekt, Objekt, Substanz, Ursache, das Allgemeine u.s.f. gerade so +unbesehen und unkritisch gebraucht wie im gemeinen Leben und wie +Stärken und Schwächen, Expansion und Kontraktion; so daß jene +Metaphysik so unwissenschaftlich ist als diese sinnlichen +Vorstellungen. + +Statt des innern Lebens und der Selbstbewegung seines Daseins wird +nun eine solche einfache Bestimmtheit von der Anschauung, das heißt +hier dem sinnlichen Wissen, nach einer oberflächlichen Analogie +ausgesprochen und diese äußerliche und leere Anwendung der Formel die +_Konstruktion_ genannt.--Es ist mit solchem Formalismus derselbe Fall +als mit jedem. Wie stumpf müßte der Kopf sein, dem nicht in einer +Viertelstunde die Theorie, daß es asthenische, sthenische und +indirekt asthenische Krankheiten und ebenso viele Heilplane gebe, +beigebracht, und der nicht, da ein solcher Unterricht noch vor kurzem +dazu hinreichte, aus einem Routinier in dieser kleinen Zeit in einen +theoretischen Arzt verwandelt werden könnte? Wenn der +naturphilosophische Formalismus etwa lehrt, der Verstand sei die +Elektrizität oder das Tier sei der Stickstoff, oder auch _gleich_ dem +Süd oder Nord und so fort, oder repräsentiere ihn, so nackt, wie es +hier ausgedrückt ist, oder auch mit mehr Terminologie zusammengebraut, +so mag über solche Kraft, die das weit entlegen Scheinende +zusammengreift, und über die Gewalt, die das ruhende Sinnliche durch +diese Verbindung erleidet, und die ihm dadurch den Schein eines +Begriffes erteilt, die Hauptsache aber, den Begriff selbst oder die +Bedeutung der sinnlichen Vorstellung auszusprechen erspart--es mag +hierüber die Unerfahrenheit in ein bewunderndes Staunen geraten, +darin eine tiefe Genialität verehren; sowie an der Heiterkeit solcher +Bestimmungen, da sie den abstrakten Begriff durch Anschauliches +ersetzen und erfreulicher machen, sich ergötzen und sich selbst zu +der geahndeten Seelenverwandtschaft mit solchem herrlichem Tun Glück +wünschen. Der Pfiff einer solchen Weisheit ist so bald erlernt, als +es leicht ist, ihn auszuüben; seine Wiederholung wird, wenn er +bekannt ist, so unerträglich als die Wiederholung einer eingesehenen +Taschenspielerkunst. Das Instrument dieses gleichtönigen Formalismus +ist nicht schwerer zu handhaben als die Palette eines Malers, auf der +sich nur zwei Farben befinden würden, etwa Rot und Grün, um mit jener +eine Fläche anzufärben, wenn ein historisches Stück, mit dieser, wenn +eine Landschaft verlangt wäre.--Es würde schwer zu entscheiden sein, +was dabei größer ist, die Behaglichkeit, mit der alles, was im Himmel, +auf Erden und unter der Erden ist, mit solcher Farbenbrühe +angetüncht wird, oder die Einbildung auf die Vortrefflichkeit dieses +Universalmittels; die eine unterstützt die andere. Was diese Methode, +allem Himmlischen und Irdischen, allen natürlichen und geistigen +Gestalten die paar Bestimmungen des allgemeinen Schemas aufzukleben +und auf diese Weise alles einzurangieren, hervorbringt, ist nichts +Geringeres als ein sonnenklarer Bericht über den Organismus des +Universums, nämlich eine Tabelle, die einem Skelette mit angeklebten +Zettelchen oder den Reihen verschloßner Büchsen mit ihren +aufgehefteten Etiketten in einer Gewürzkrämerbude gleicht, die so +deutlich als das eine und das andre ist, und wie dort von den Knochen +Fleisch und Blut weggenommen, hier aber die eben auch nicht lebendige +Sache in den Büchsen verborgen ist, auch das lebendige Wesen der +Sache weggelassen oder verborgen hat.--Daß sich diese Manier zugleich +zur einfarbigen absoluten Malerei vollendet, indem sie auch, der +Unterschiede des Schemas sich schämend, sie als der Reflexion +angehörig in der Leerheit des Absoluten versenkt, auf daß die reine +Identität, das formlose Weiße hergestellt werde, ist oben schon +bemerkt worden. Jene Gleichfärbigkeit des Schemas und seiner +leblosen Bestimmungen und diese absolute Identität, und das Übergehen +von einem zum andern, ist eines gleich toter Verstand als das andere, +und gleich äußerliches Erkennen. + +Das Vortreffliche kann aber dem Schicksale nicht nur nicht entgehen, +so entlebt und entgeistet zu werden und, so geschunden, seine Haut +vom leblosen Wissen und dessen Eitelkeit umgenommen zu sehen. +Vielmehr ist noch in diesem Schicksale selbst die Gewalt, welche es +auf die Gemüter, wenn nicht auf Geister, ausübt, zu erkennen, so wie +die Herausbildung zur Allgemeinheit und Bestimmtheit der Form, in der +seine Vollendung besteht, und die es allein möglich macht, daß diese +Allgemeinheit zur Oberflächlichkeit gebraucht wird. + +Die Wissenschaft darf sich nur durch das eigne Leben des Begriffs +organisieren; in ihr ist die Bestimmtheit, welche aus dem Schema +äußerlich dem Dasein aufgeklebt wird, die sich selbst bewegende Seele +des erfüllten Inhalts. Die Bewegung des Seienden ist, sich +einesteils ein Anders und so zu seinem immanenten Inhalte zu werden; +andernteils nimmt es diese Entfaltung oder dies sein Dasein in sich +zurück, das heißt, macht sich selbst zu einem _Momente_ und +vereinfacht sich zur Bestimmtheit. In jener Bewegung ist die +_Negativität_ das Unterscheiden und das Setzen des _Daseins_; in +diesem Zurückgehen in sich ist sie das Werden der _bestimmten +Einfachheit_. Auf diese Weise ist es, daß der Inhalt seine +Bestimmtheit nicht von einem andern empfangen und aufgeheftet zeigt, +sondern er gibt sie sich selbst und rangiert sich aus sich zum +Momente und zu einer Stelle des Ganzen. Der tabellarische Verstand +behält für sich die Notwendigkeit und den Begriff des Inhalts, das, +was das Konkrete, die Wirklichkeit und lebendige Bewegung der Sache +ausmacht, die er rangiert, oder vielmehr behält er dies nicht für +sich, sondern kennt es nicht; denn wenn er diese Einsicht hätte, +würde er sie wohl zeigen. Er kennt nicht einmal das Bedürfnis +derselben; sonst würde er sein Schematisieren unterlassen oder +wenigstens sich nicht mehr damit wissen als mit einer Inhaltsanzeige; +er gibt nur die Inhaltsanzeige, den Inhalt selbst aber liefert er +nicht.--Wenn die Bestimmtheit, auch eine solche wie zum Beispiel +Magnetismus, eine an sich konkrete oder wirkliche ist, so ist sie +doch zu etwas Totem herabgesunken, da sie von einem andern Dasein nur +prädiziert und nicht als immanentes Leben dieses Daseins, oder wie +sie in diesem ihre einheimische und eigentümliche Selbsterzeugung und +Darstellung hat, erkannt ist. Diese Hauptsache hinzuzufügen überläßt +der formelle Verstand den Andern.--Statt in den immanenten Inhalt der +Sache einzugehen, übersieht er immer das Ganze und steht über dem +einzelnen Dasein, von dem er spricht, das heißt, er sieht es gar +nicht. Das wissenschaftliche Erkennen erfodert aber vielmehr, sich +dem Leben des Gegenstandes zu übergeben, oder, was dasselbe ist, die +innere Notwendigkeit desselben vor sich zu haben und auszusprechen. +Sich so in seinen Gegenstand vertiefend, vergißt es jener Übersicht, +welche nur die Reflexion des Wissens aus dem Inhalte in sich selbst +ist. Aber in die Materie versenkt und in deren Bewegung fortgehend, +kommt es in sich selbst zurück, aber nicht eher als darin, daß die +Erfüllung oder der Inhalt sich in sich zurücknimmt, zur Bestimmtheit +vereinfacht, sich selbst zu _einer_ Seite eines Daseins herabsetzt +und in seine höhere Wahrheit übergeht. Dadurch emergiert das +einfache sich übersehende Ganze selbst aus dem Reichtume, worin seine +Reflexion verloren schien. + +Dadurch überhaupt, daß, wie es oben ausgedrückt wurde, die Substanz +an ihr selbst Subjekt ist, ist aller Inhalt seine eigene Reflexion in +sich. Das Bestehen oder die Substanz eines Daseins ist die +Sichselbstgleichheit; denn seine Ungleichheit mit sich wäre seine +Auflösung. Die Sichselbstgleichheit aber ist die reine Abstraktion; +diese aber ist das _Denken_. Wenn ich sage _Qualität_, sage ich die +einfache Bestimmtheit; durch die Qualität ist ein Dasein von einem +andern unterschieden, oder ist ein Dasein; es ist für sich selbst, +oder es besteht durch diese Einfachheit mit sich. Aber dadurch ist +es wesentlich der _Gedanke_.--Hierin ist es begriffen, daß das Sein +Denken ist; hierein fällt die Einsicht, die dem gewöhnlichen +begrifflosen Sprechen von der Identität des Denkens und Seins +abzugehen pflegt.--Dadurch nun, daß das Bestehen des Daseins die +Sichselbstgleichheit oder die reine Abstraktion ist, ist es die +Abstraktion seiner von sich selbst, oder es ist selbst seine +Ungleichheit mit sich und seine Auflösung,--seine eigne Innerlichkeit +und Zurücknahme in sich,--sein Werden.--Durch diese Natur des +Seienden und insofern das Seiende diese Natur für das Wissen hat, ist +dieses nicht die Tätigkeit, die den Inhalt als ein Fremdes handhabt, +nicht die Reflexion in sich aus dem Inhalte heraus; die Wissenschaft +ist nicht jener Idealismus, der an die Stelle des _behauptenden_ +Dogmatismus als ein _versichernder Dogmatismus_ oder der +_Dogmatismus_ der _Gewißheit seiner selbst_ trat,--sondern indem das +Wissen den Inhalt in seine eigne Innerlichkeit zurückgehen sieht, ist +seine Tätigkeit vielmehr sowohl versenkt in ihn, denn sie ist das +immanente Selbst des Inhalts, als zugleich in sich zurückgekehrt, +denn sie ist die reine Sichselbstgleichheit im Anderssein; so ist sie +die List, die, der Tätigkeit sich zu enthalten scheinend, zusieht, +wie die Bestimmtheit und ihr konkretes Leben, darin eben, daß es +seine Selbsterhaltung und besonderes Interesse zu treiben vermeint, +das Verkehrte, sich selbst auflösendes und zum Momente des Ganzen +machendes Tun ist. + +Wenn oben die Bedeutung des _Verstandes_ nach der Seite des +Selbstbewußtseins der Substanz angegeben wurde, so erhellt aus dem +hier Gesagten seine Bedeutung nach der Bestimmung derselben als +Seiender.--Das Dasein ist Qualität, sich selbst gleiche Bestimmtheit +oder bestimmte Einfachheit, bestimmter Gedanke; dies ist der Verstand +des Daseins. Dadurch ist es *Nus*, als für welchen Anaxagoras zuerst +das Wesen erkannte. Die nach ihm begriffen bestimmter die Natur des +Daseins als *Eidos* oder *Idea*; das heißt, _bestimmte Allgemeinheit, +Art_. Der Ausdruck _Art_ scheint etwa zu gemein und zu wenig für die +Ideen, für das Schöne und Heilige und Ewige zu sein, die zu dieser +Zeit grassieren. Aber in der Tat drückt die Idee nicht mehr noch +weniger aus als Art. Allein wir sehen itzt oft einen Ausdruck, der +einen Begriff bestimmt bezeichnet, verschmäht und einen andern +vorgezogen, der, wenn es auch nur darum ist, weil er einer fremden +Sprache angehört, den Begriff in Nebel einhüllt und damit erbaulicher +lautet.--Eben darin, daß das Dasein als Art bestimmt ist, ist es +einfacher Gedanke; der *Nus*, die Einfachheit, ist die Substanz. Um +ihrer Einfachheit oder Sichselbstgleichheit willen erscheint sie als +fest und bleibend. Aber diese Sichselbstgleichheit ist ebenso +Negativität; dadurch geht jenes feste Dasein in seine Auflösung über. +Die Bestimmtheit scheint zuerst es nur dadurch zu sein, daß sie sich +auf _Andres_ bezieht, und ihre Bewegung ihr durch eine fremde Gewalt +angetan zu werden; aber daß sie ihr Anderssein selbst an ihr hat und +Selbstbewegung ist, dies ist eben in jener _Einfachheit_ des Denkens +selbst enthalten; denn diese ist der sich selbst bewegende und +unterscheidende Gedanke, und die eigene Innerlichkeit, der reine +_Begriff_. So ist also die _Verständigkeit_ ein Werden, und als dies +Werden ist sie die _Vernünftigkeit_. + +In dieser Natur dessen, was ist, in seinem Sein sein Begriff zu sein, +ist es, daß überhaupt die _logische Notwendigkeit_ besteht; sie +allein ist das Vernünftige und der Rhythmus des organischen Ganzen, +sie ist ebensosehr _Wissen_ des Inhalts, als der Inhalt Begriff und +Wesen ist--oder sie allein ist das _Spekulative_.--Die konkrete +Gestalt, sich selbst bewegend, macht sich zur einfachen Bestimmtheit, +damit erhebt sie sich zur logischen Form und ist in ihrer +Wesentlichkeit; ihr konkretes Dasein ist nur diese Bewegung und ist +unmittelbar logisches Dasein. Es ist darum unnötig, dem konkreten +Inhalt den Formalismus äußerlich anzutun; jener ist an ihm selbst das +Übergehen in diesen, der aber aufhört, dieser äußerliche Formalismus +zu sein, weil die Form das einheimische Werden des konkreten Inhalts +selbst ist. + +Diese Natur der wissenschaftlichen Methode, teils von dem Inhalte +ungetrennt zu sein, teils sich durch sich selbst ihren Rhythmus zu +bestimmen, hat, wie schon erinnert, in der spekulativen Philosophie +ihre eigentliche Darstellung.--Das hier Gesagte drückt zwar den +Begriff aus, kann aber für nicht mehr als für eine antizipierte +Versicherung gelten. Ihre Wahrheit liegt nicht in dieser zum Teil +erzählenden Exposition; und ist darum auch ebensowenig widerlegt, +wenn dagegen versichert wird, dem sei nicht so, sondern es verhalte +sich damit so und so, wenn gewohnte Vorstellungen als ausgemachte und +bekannte Wahrheiten in Erinnrung gebracht und hererzählt, oder auch +aus dem Schreine des innern göttlichen Anschauens Neues aufgetischt +und versichert wird.--Eine solche Aufnahme pflegt die erste Reaktion +des Wissens, dem etwas unbekannt war, dagegen zu sein, um die +Freiheit und eigne Einsicht, die eigne Autorität gegen die fremde, +denn unter dieser Gestalt erscheint das itzt zuerst Aufgenommene, zu +retten--auch um den Schein und die Art von Schande, die darin liegen +soll, daß etwas gelernt worden sei, wegzuschaffen, so wie bei der +Beifall gebenden Annahme des Unbekannten die Reaktion derselben Art +in dem besteht, was in einer andren Sphäre das ultrarevolutionäre +Reden und Handeln war. + +Worauf es deswegen bei dem _Studium_ der _Wissenschaft_ ankommt, ist +die Anstrengung des Begriffs auf sich zu nehmen. Sie erfodert die +Aufmerksamkeit auf ihn als solchen, auf die einfachen Bestimmungen, +zum Beispiel des _An-sich-seins_, des _Für-sich-seins_, der +_Sichselbstgleichheit_ und so fort; denn diese sind solche reine +Selbstbewegungen, die man Seelen nennen könnte, wenn nicht ihr +Begriff etwas Höheres bezeichnete als diese. Der Gewohnheit, an +Vorstellungen fortzulaufen, ist die Unterbrechung derselben durch den +Begriff ebenso lästig als dem formalen Denken, das in unwirklichen +Gedanken hin und her räsoniert. Jene Gewohnheit ist ein materielles +Denken zu nennen, ein zufälliges Bewußtsein, das in den Stoff nur +versenkt ist, welchem es daher sauer ankömmt, aus der Materie +zugleich sein Selbst rein herauszuheben und bei sich zu sein. Das +andere, das Räsonieren, hingegen ist die Freiheit von dem Inhalt und +die Eitelkeit über ihn; ihr wird die Anstrengung zugemutet, diese +Freiheit aufzugeben, und statt das willkürlich bewegende Prinzip des +Inhalts zu sein, diese Freiheit in ihn zu versenken, ihn durch seine +eigne Natur, das heißt, durch das Selbst als das seinige, sich +bewegen zu lassen und diese Bewegung zu betrachten. Sich des eignen +Einfallens in den immanenten Rhythmus der Begriffe entschlagen, in +ihn nicht durch die Willkür und sonst erworbene Weisheit eingreifen, +diese Enthaltsamkeit ist selbst ein wesentliches Moment der +Aufmerksamkeit auf den Begriff. + +Es sind an dem räsonierenden Verhalten die beiden Seiten bemerklicher +zu machen, nach welchen das begreifende Denken ihm entgegengesetzt +ist.--Teils verhält sich jenes negativ gegen den aufgefaßten Inhalt, +weiß ihn zu widerlegen und zunichte zu machen. Daß dem nicht so sei, +diese Einsicht ist das bloß _Negative_, es ist das Letzte, das nicht +selbst über sich hinaus zu einem neuen Inhalt geht, sondern um wieder +einen Inhalt zu haben, muß etwas *Anderes* irgendwoher vorgenommen +werden. Es ist die Reflexion in das leere Ich, die Eitelkeit seines +Wissens.--Diese Eitelkeit drückt aber nicht nur dies aus, daß dieser +Inhalt eitel, sondern auch, daß diese Einsicht selbst es ist; denn +sie ist das Negative, das nicht das Positive in sich erblickt. +Dadurch, daß diese Reflexion ihre Negativität selbst nicht zum +Inhalte gewinnt, ist sie überhaupt nicht in der Sache, sondern immer +darüber hinaus; sie bildet sich deswegen ein, mit der Behauptung der +Leere immer weiter zu sein als eine inhaltsreiche Einsicht. Dagegen, +wie vorhin gezeigt, gehört im begreifenden Denken das Negative dem +Inhalte selbst an und ist sowohl als seine _immanente_ Bewegung und +Bestimmung wie als _Ganzes_ derselben das _Positive_. Als Resultat +aufgefaßt, ist es das aus dieser Bewegung herkommende, das +_bestimmte_ Negative, und hiemit ebenso ein positiver Inhalt. + +In Ansehung dessen aber, daß solches Denken einen Inhalt hat, es sei +der Vorstellungen oder Gedanken oder der Vermischung beider, hat es +eine andre Seite, die ihm das Begreifen erschwert. Die merkwürdige +Natur derselben hängt mit dem oben angegebenen Wesen der Idee selbst +enge zusammen, oder drückt sie vielmehr aus, wie sie als die Bewegung +erscheint, die denkendes Auffassen ist.--Wie nämlich in seinem +negativen Verhalten, wovon soeben die Rede war, das räsonierende +Denken selber das Selbst ist, in das der Inhalt zurückgeht, so ist +dagegen in seinem positiven Erkennen das Selbst ein vorgestelltes +_Subjekt_, worauf sich der Inhalt als Akzidens und Prädikat bezieht. +Dies Subjekt macht die Basis aus, an die er geknüpft wird und auf der +die Bewegung hin und wider läuft. Anders verhält es sich im +begreifenden Denken. Indem der Begriff das eigene Selbst des +Gegenstandes ist, das sich als _sein Werden_ darstellt, ist es nicht +ein ruhendes Subjekt, das unbewegt die Akzidenzen trägt, sondern der +sich bewegende und seine Bestimmungen in sich zurücknehmende Begriff. +In dieser Bewegung geht jenes ruhende Subjekt selbst zugrunde; es +geht in die Unterschiede und Inhalt ein und macht vielmehr die +Bestimmtheit, das heißt, den unterschiednen Inhalt wie die Bewegung +desselben aus, statt ihr gegenüberstehen zu bleiben. Der feste Boden, +den das Räsonieren an dem ruhenden Subjekte hat, schwankt also, und +nur diese Bewegung selbst wird der Gegenstand. Das Subjekt, das +seinen Inhalt erfüllt, hört auf, über diesen hinauszugehen, und kann +nicht noch andre Prädikate oder Akzidenzen haben. Die Zerstreutheit +des Inhalts ist umgekehrt dadurch unter das Selbst gebunden; er ist +nicht das Allgemeine, das frei vom Subjekte mehrern zukäme. Der +Inhalt ist somit in der Tat nicht mehr Prädikat des Subjekts, sondern +ist die Substanz, ist das Wesen und der Begriff dessen, wovon die +Rede ist. Das vorstellende Denken, da seine Natur ist, an den +Akzidenzen oder Prädikaten fortzulaufen, und mit Recht, weil sie +nicht mehr als Prädikate und Akzidenzen sind, über sie hinauszugehen, +wird, indem das, was im Satze die Form eines Prädikats hat, die +Substanz selbst ist, in seinem Fortlaufen gehemmt. Es erleidet, es +so vorzustellen, einen Gegenstoß. Vom Subjekte anfangend, als ob +dieses zum Grunde liegen bliebe, findet es, indem das Prädikat +vielmehr die Substanz ist, das Subjekt zum Prädikat übergegangen und +hiemit aufgehoben; und indem so das, was Prädikat zu sein scheint, +zur ganzen und selbstständigen Masse geworden, kann das Denken nicht +frei herumirren, sondern ist durch diese Schwere aufgehalten.--Sonst +ist zuerst das Subjekt als das _gegenständliche_ fixe Selbst zugrunde +gelegt; von hier aus geht die notwendige Bewegung zur +Mannigfaltigkeit der Bestimmungen oder der Prädikate fort; hier tritt +an die Stelle jenes Subjekts das wissende Ich selbst ein, und ist das +Verknüpfen der Prädikate und das sie haltende Subjekt. Indem aber +jenes erste Subjekt in die Bestimmungen selbst eingeht und ihre Seele +ist, findet das zweite Subjekt, nämlich das wissende, jenes, mit dem +es schon fertig sein und worüber hinaus es in sich zurückgehen will, +noch im Prädikate vor, und statt in dem Bewegen des Prädikats das +Tuende, als Räsonieren, ob jenem dies oder jenes Prädikat beizulegen +wäre, sein zu können, hat es vielmehr mit dem Selbst des Inhalts noch +zu tun, soll nicht für sich, sondern mit diesem zusammensein. + +Formell kann das Gesagte so ausgedrückt werden, daß die Natur des +Urteils oder Satzes überhaupt, die den Unterschied des Subjekts und +Prädikats in sich schließt, durch den spekulativen Satz zerstört wird, +und der identische Satz, zu dem der erstere wird, den Gegenstoß zu +jenem Verhältnisse enthält.--Dieser Konflikt der Form eines Satzes +überhaupt und der sie zerstörenden Einheit des Begriffs ist dem +ähnlich, der im Rhythmus zwischen dem Metrum und dem Akzente +stattfindet. Der Rhythmus resultiert aus der schwebenden Mitte und +Vereinigung beider. So soll auch im philosophischen Satze die +Identität des Subjekts und Prädikats den Unterschied derselben, den +die Form des Satzes ausdrückt, nicht vernichten, sondern ihre Einheit +als eine Harmonie hervorgehen. Die Form des Satzes ist die +Erscheinung des bestimmten Sinnes oder der Akzent, der seine +Erfüllung unterscheidet; daß aber das Prädikat die Substanz ausdrückt +und das Subjekt selbst ins Allgemeine fällt, ist die _Einheit_, worin +jener Akzent verklingt. + +Um das Gesagte durch Beispiele zu erläutern, so ist in dem Satz: +_Gott ist das Sein_, das Prädikat _das_ Sein; es hat substantielle +Bedeutung, in der das Subjekt zerfließt. Sein soll hier nicht +Prädikat, sondern das Wesen sein; dadurch scheint Gott aufzuhören, +das zu sein, was er durch die Stellung des Satzes ist, nämlich das +feste Subjekt.--Das Denken, statt im Übergange vom Subjekte zum +Prädikate weiterzukommen, fühlt sich, da das Subjekt verlorengeht, +vielmehr gehemmt und zu dem Gedanken des Subjekts, weil es dasselbe +vermißt, zurückgeworfen; oder es findet, da das Prädikat selbst als +ein Subjekt, als _das_ Sein, als das _Wesen_ ausgesprochen ist, +welches die Natur des Subjekts erschöpft, das Subjekt unmittelbar +auch im Prädikate; und nun, statt daß es im Prädikate in sich +gegangen die freie Stellung des Räsonierens erhielte, ist es in den +Inhalt noch vertieft, oder wenigstens ist die Foderung vorhanden, in +ihn vertieft zu sein.--So auch wenn gesagt wird: das _Wirkliche_ ist +das _Allgemeine_, so vergeht das Wirkliche als Subjekt, in seinem +Prädikate. Das Allgemeine soll nicht nur die Bedeutung des Prädikats +haben, so daß der Satz dies aussagte, das Wirkliche sei allgemein, +sondern das Allgemeine soll das Wesen des Wirklichen ausdrücken.--Das +Denken verliert daher so sehr seinen festen gegenständlichen Boden, +den es am Subjekte hatte, als es im Prädikate darauf zurückgeworfen +wird, und in diesem nicht in sich, sondern in das Subjekt des Inhalts +zurückgeht. + + + +Einleitung + +Es ist eine natürliche Vorstellung, daß, eh in der Philosophie an die +Sache selbst, nämlich an das wirkliche Erkennen dessen, was in +Wahrheit ist, gegangen wird, es notwendig sei, vorher über das +Erkennen sich zu verständigen, das als das Werkzeug, wodurch man des +Absoluten sich bemächtige, oder als das Mittel, durch welches +hindurch man es erblicke, betrachtet wird. Die Besorgnis scheint +gerecht, teils daß es verschiedene Arten der Erkenntnis geben, und +darunter eine geschickter als eine andere zur Erreichung dieses +Endzwecks sein möchte, hiemit durch falsche Wahl unter ihnen,--teils +auch daß, indem das Erkennen ein Vermögen von bestimmter Art und +Umfange ist, ohne die genauere Bestimmung seiner Natur und Grenze +Wolken des Irrtums statt des Himmels der Wahrheit erfaßt werden. +Diese Besorgnis muß sich wohl sogar in die Überzeugung verwandeln, +daß das ganze Beginnen, dasjenige, was An-sich ist, durch das +Erkennen dem Bewußtsein zu erwerben, in seinem Begriffe widersinnig +sei, und zwischen das Erkennen und das Absolute eine sie schlechthin +scheidende Grenze falle. Denn ist das Erkennen das Werkzeug, sich +des absoluten Wesens zu bemächtigen, so fällt sogleich auf, daß die +Anwendung eines Werkzeugs auf eine Sache sie vielmehr nicht läßt, wie +sie für sich ist, sondern eine Formierung und Veränderung mit ihr +vornimmt. Oder ist das Erkennen nicht Werkzeug unserer Tätigkeit, +sondern gewissermaßen ein passives Medium, durch welches hindurch das +Licht der Wahrheit an uns gelangt, so erhalten wir auch so sie nicht, +wie sie an sich, sondern wie sie durch und in diesem Medium ist. Wir +gebrauchen in beiden Fällen ein Mittel, welches unmittelbar das +Gegenteil seines Zwecks hervorbringt; oder das Widersinnige ist +vielmehr, daß wir uns überhaupt eines Mittels bedienen. Es scheint +zwar, daß diesem Übelstande durch die Kenntnis der Wirkungsweise des +_Werkzeugs_ abzuhelfen steht, denn sie macht es möglich, den Teil, +welcher in der Vorstellung, die wir durch es vom Absoluten erhalten, +dem Werkzeuge angehört, im Resultate abzuziehen, und so das Wahre +rein zu erhalten. Allein, diese Verbesserung würde uns in der Tat +nur dahin zurückbringen, wo wir vorher waren. Wenn wir von einem +formierten Dinge das wieder wegnehmen, was das Werkzeug daran getan +hat, so ist uns das Ding--hier das Absolute--gerade wieder so viel +als vor dieser somit überflüssiger Bemühung. Sollte das Absolute +durch das Werkzeug uns nur überhaupt näher gebracht werden, ohne +etwas an ihm zu verändern, wie etwa durch die Leimrute der Vogel, so +würde es wohl, wenn es nicht an und für sich schon bei uns wäre und +sein wollte, dieser List spotten; denn eine List wäre in diesem Falle +das Erkennen, da es durch sein vielfaches Bemühen ganz etwas anderes +zu treiben sich die Miene gibt, als nur die unmittelbare und somit +mühelose Beziehung hervorzubringen. Oder wenn die Prüfung des +Erkennens, das wir als ein _Medium_ uns vorstellen, uns das Gesetz +seiner Strahlenbrechung kennen lehrt, so nützt es ebenso nichts, sie +im Resultate abzuziehen; denn nicht das Brechen des Strahls, sondern +der Strahl selbst, wodurch die Wahrheit uns berührt, ist das Erkennen, +und dieses abgezogen, wäre uns nur die reine Richtung oder der leere +Ort bezeichnet worden. + +Inzwischen wenn die Besorgnis, in Irrtum zu geraten, ein Mißtrauen in +die Wissenschaft setzt, welche ohne dergleichen Bedenklichkeiten ans +Werk selbst geht und wirklich erkennt, so ist nicht abzusehen, warum +nicht umgekehrt ein Mißtrauen in dies Mißtrauen gesetzt und besorgt +werden soll, daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist. +In der Tat setzt sie etwas, und zwar manches, als Wahrheit voraus, +und stützt darauf ihre Bedenklichkeiten und Konsequenzen, was selbst +vorher zu prüfen ist, ob es Wahrheit sei. Sie setzt nämlich +_Vorstellungen_ von dem _Erkennen_ als einem _Werkzeuge_ und _Medium_, +auch einen _Unterschied unserer selbst von diesem Erkennen_ voraus; +vorzüglich aber dies, daß das Absolute _auf einer Seite_ stehe, und +_das Erkennen auf der andern Seite_ für sich und getrennt von dem +Absoluten doch etwas Reelles, oder hiemit, daß das Erkennen, welches, +indem es außer dem Absoluten, wohl auch außer der Wahrheit ist, doch +wahrhaft sei; eine Annahme, wodurch das, was sich Furcht vor dem +Irrtume nennt, sich eher als Furcht vor der Wahrheit zu erkennen gibt. + +Diese Konsequenz ergibt sich daraus, daß das Absolute allein wahr, +oder das Wahre allein absolut ist. Sie kann abgelehnt werden, durch +den Unterschied, daß ein Erkennen, welches zwar nicht, wie die +Wissenschaft will, das Absolute erkennt, doch auch wahr; und das +Erkennen überhaupt, wenn es dasselbe zu fassen zwar unfähig sei, doch +anderer Wahrheit fähig sein könne. Aber wir sehen nachgerade, daß +solches Hinundherreden auf einen trüben Unterschied zwischen einem +absoluten Wahren und einem sonstigen Wahren hinausläuft, und das +Absolute, das Erkennen, und so fort, Worte sind, welche eine +Bedeutung voraussetzen, um die zu erlangen es erst zu tun ist. + +Statt mit dergleichen unnützen Vorstellungen und Redensarten von dem +Erkennen als einem Werkzeuge, des Absoluten habhaft zu werden, oder +als einem Medium, durch das hindurch wir die Wahrheit erblicken und +so fort--Verhältnisse, worauf wohl alle diese Vorstellungen von einem +Erkennen, das vom Absoluten, und einem Absoluten, das von dem +Erkennen getrennt ist, hinauslaufen--, statt mit den Ausreden, welche +das Unvermögen der Wissenschaft aus der Voraussetzung solcher +Verhältnisse schöpft, um von der Mühe der Wissenschaft zugleich sich +zu befreien, und zugleich sich das Ansehen eines ernsthaften und +eifrigen Bemühens zu geben, sowie statt mit Antworten auf alles +dieses sich herumzuplacken, könnten sie als zufällige und +willkürliche Vorstellungen geradezu verworfen, und der damit +verbundne Gebrauch von Worten als dem Absoluten, dem Erkennen, auch +dem Objektiven und Subjektiven, und unzähligen andern, deren +Bedeutung als allgemein bekannt vorausgesetzt wird, sogar als Betrug +angesehen werden. Denn das Vorgeben, teils daß ihre Bedeutung +allgemein bekannt ist, teils auch, daß man selbst ihren Begriff hat, +scheint eher nur die Hauptsache ersparen zu sollen, nämlich diesen +Begriff zu geben. Mit mehr Recht dagegen könnte die Mühe gespart +werden, von solchen Vorstellungen und Redensarten, wodurch die +Wissenschaft selbst abgewehrt werden soll, überhaupt Notiz zu nehmen, +denn sie machen nur eine leere Erscheinung des Wissens aus, welche +vor der auftretenden Wissenschaft unmittelbar verschwindet. Aber die +Wissenschaft darin, daß sie auftritt, ist sie selbst eine Erscheinung; +ihr Auftreten ist noch nicht sie in ihrer Wahrheit ausgeführt und +ausgebreitet. Es ist hiebei gleichgültig, sich vorzustellen, _daß +sie_ die Erscheinung ist, weil sie _neben anderem_ auftritt, oder +jenes andere unwahre Wissen ihr Erscheinen zu nennen. Die +Wissenschaft muß sich aber von diesem Scheine befreien; und sie kann +dies nur dadurch, daß sie sich gegen ihn wendet. Denn sie kann ein +Wissen, welches nicht wahrhaft ist, weder als eine gemeine Ansicht +der Dinge nur verwerfen, und versichern, daß sie eine ganz andere +Erkenntnis und jenes Wissen für sie gar nichts ist; noch sich auf die +Ahndung eines bessern in ihm selbst berufen. Durch jene +_Versicherung_ erklärte sie ihr Sein für ihre Kraft; aber das unwahre +Wissen beruft sich ebenso darauf, daß _es ist_, und _versichert_, daß +ihm die Wissenschaft nichts ist; _ein_ trockenes Versichern gilt aber +gerade soviel als ein anderes. Noch weniger kann sie sich auf die +bessere Ahndung berufen, welche in dem nicht wahrhaften Erkennen +vorhanden, und in ihm selbst die Hinweisung auf sie sei; denn +einesteils beriefe sie sich ebenso wieder auf ein Sein; andernteils +aber auf sich, als auf die Weise, wie sie im nicht wahrhaften +Erkennen ist, das heißt, auf eine schlechte Weise ihres Seins, und +auf ihre Erscheinung vielmehr als darauf, wie sie an und für sich ist. +Aus diesem Grunde soll hier die Darstellung des erscheinenden +Wissens vorgenommen werden. + +Weil nun diese Darstellung nur das erscheinende Wissen zum +Gegenstande hat, so scheint sie selbst nicht die freie, in ihrer +eigentümlichen Gestalt sich bewegende Wissenschaft zu sein, sondern +sie kann von diesem Standpunkte aus, als der Weg des natürlichen +Bewußtseins, das zum wahren Wissen dringt, genommen werden; oder als +der Weg der Seele, welche die Reihe ihrer Gestaltungen, als durch +ihre Natur ihr vorgesteckter Stationen, durchwandert, daß sie sich +zum Geiste läutere, indem sie durch die vollständige Erfahrung ihrer +selbst zur Kenntnis desjenigen gelangt, was sie an sich selbst ist. + +Das natürliche Bewußtsein wird sich erweisen, nur Begriff des Wissens, +oder nicht reales Wissen zu sein. Indem es aber unmittelbar sich +vielmehr für das reale Wissen hält, so hat dieser Weg für es negative +Bedeutung, und ihm gilt das vielmehr für Verlust seiner selbst, was +die Realisierung des Begriffs ist; denn es verliert auf diesem Wege +seine Wahrheit. Er kann deswegen als der Weg des _Zweifels_ +angesehen werden, oder eigentlicher als Weg der Verzweiflung; auf ihm +geschieht nämlich nicht das, was unter Zweifeln verstanden zu werden +pflegt, ein Rütteln an dieser oder jener vermeinten Wahrheit, auf +welches ein gehöriges Wiederverschwinden des Zweifels und eine +Rückkehr zu jener Wahrheit erfolgt, so daß am Ende die Sache genommen +wird wie vorher. Sondern er ist die bewußte Einsicht in die +Unwahrheit des erscheinenden Wissens, dem dasjenige das Reellste ist, +was in Wahrheit vielmehr nur der nichtrealisierte Begriff ist. +Dieser sich vollbringende Skeptizismus ist darum auch nicht dasjenige, +womit wohl der ernsthafte Eifer um Wahrheit und Wissenschaft sich +für diese fertig gemacht und ausgerüstet zu haben wähnt; nämlich mit +dem _Vorsatze_, in der Wissenschaft auf die Autorität sich den +Gedanken anderer nicht zu ergeben, sondern alles selbst zu prüfen und +nur der eigenen Überzeugung zu folgen, oder besser noch, alles selbst +zu produzieren und nur die eigne Tat für das Wahre zu halten. Die +Reihe seiner Gestaltungen, welche das Bewußtsein auf diesem Wege +durchläuft, ist vielmehr die ausführliche Geschichte der _Bildung_ +des Bewußtseins selbst zur Wissenschaft. Jener Vorsatz stellt die +Bildung in der einfachen Weise des Vorsatzes als unmittelbar abgetan +und geschehen vor; dieser Weg aber ist gegen diese Unwahrheit die +wirkliche Ausführung. Der eigenen Überzeugung folgen ist allerdings +mehr als sich der Autorität ergeben; aber durch die Verkehrung des +Dafürhaltens aus Autorität in Dafürhalten aus eigener Überzeugung ist +nicht notwendig der Inhalt desselben geändert und an die Stelle des +Irrtums Wahrheit getreten. Auf die Autorität anderer oder aus +eigener Überzeugung im Systeme des Meinens und des Vorurteils zu +stecken, unterscheidet sich voneinander allein durch die Eitelkeit, +welche der letztern Weise beiwohnt. Der sich auf den ganzen Umfang +des erscheinenden Bewußtseins richtende Skeptizismus macht dagegen +den Geist erst geschickt zu prüfen, was Wahrheit ist, indem er eine +Verzweiflung an den sogenannten natürlichen Vorstellungen, Gedanken +und Meinungen zustande bringt, welche es gleichgültig ist, eigene +oder fremde zu nennen, und mit welchen das Bewußtsein, das _geradezu_ +ans Prüfen geht, noch erfüllt und behaftet, dadurch aber in der Tat +dessen unfähig ist, was es unternehmen will. + +Die _Vollständigkeit_ der Formen des nicht realen Bewußtseins wird +sich durch die Notwendigkeit des Fortganges und Zusammenhanges selbst +ergeben. Um dies begreiflich zu machen, kann im allgemeinen zum +Voraus bemerkt werden, daß die Darstellung des nicht wahrhaften +Bewußtseins in seiner Unwahrheit nicht eine bloß _negative_ Bewegung +ist. Eine solche einseitige Ansicht hat das natürliche Bewußtsein +überhaupt von ihr; und ein Wissen, welches diese Einseitigkeit zu +seinem Wesen macht, ist eine der Gestalten des unvollendeten +Bewußtseins, welche in den Verlauf des Weges selbst fällt, und darin +sich darbieten wird. Sie ist nämlich der Skeptizismus, der in dem +Resultate nur immer das _reine Nichts_ sieht, und davon abstrahiert, +daß dies Nichts bestimmt das Nichts _dessen_ ist, _woraus es +resultiert_. Das Nichts ist aber nur, genommen als das Nichts dessen, +woraus es herkömmt, in der Tat das wahrhafte Resultat; es ist hiemit +selbst ein _bestimmtes_ und hat einen _Inhalt._ Der Skeptizismus, der +mit der Abstraktion des Nichts oder der Leerheit endigt, kann von +dieser nicht weiter fortgehen, sondern muß es erwarten, ob, und was +ihm etwas Neues sich darbietet, um es in denselben leeren Abgrund zu +werfen. Indem dagegen das Resultat, wie es in Wahrheit ist, +aufgefaßt wird, als _bestimmte_ Negation, so ist damit unmittelbar +eine neue Form entsprungen, und in der Negation der Übergang gemacht, +wodurch sich der Fortgang durch die vollständige Reihe der Gestalten +von selbst ergibt. + +Das _Ziel_ aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des +Fortganges gesteckt; es ist da, wo es nicht mehr über sich selbst +hinauszugehen nötig hat, wo es sich selbst findet, und der Begriff +dem Gegenstande, der Gegenstand dem Begriffe entspricht. Der +Fortgang zu diesem Ziele ist daher auch unaufhaltsam, und auf keiner +frühern Station Befriedigung zu finden. Was auf ein natürliches +Leben beschränkt ist, vermag durch sich selbst nicht über sein +unmittelbares Dasein hinauszugehen; aber es wird durch ein anderes +darüber hinausgetrieben, und dies Hinausgerissenwerden ist sein Tod. +Das Bewußtsein aber ist für sich selbst sein _Begriff_, dadurch +unmittelbar das Hinausgehen über das Beschränkte, und, da ihm dies +Beschränkte angehört, über sich selbst; mit dem Einzelnen ist ihm +zugleich das Jenseits gesetzt, wäre es auch nur, wie im räumlichen +Anschauen, _neben_ dem Beschränkten. Das Bewußtsein leidet also +diese Gewalt, sich die beschränkte Befriedigung zu verderben, von ihm +selbst. Bei dem Gefühle dieser Gewalt mag die Angst vor der Wahrheit +wohl zurücktreten, und sich dasjenige, dessen Verlust droht, zu +erhalten streben. Sie kann aber keine Ruhe finden; es sei, daß sie +in gedankenloser Trägheit stehenbleiben will; der Gedanke verkümmert +die Gedankenlosigkeit, und seine Unruhe stört die Trägheit; oder daß +sie als Empfindsamkeit sich befestigt, welche alles in _seiner Art +gut_ zu finden versichert; diese Versicherung leidet ebenso Gewalt +von der Vernunft, welche gerade darum etwas nicht gut findet, +insofern es eine Art ist. Oder die Furcht der Wahrheit mag sich vor +sich und andern hinter dem Scheine verbergen, als ob gerade der heiße +Eifer für die Wahrheit selbst es ihr so schwer, ja unmöglich mache, +eine andere Wahrheit zu finden als die einzige der Eitelkeit, immer +noch gescheuter zu sein als jede Gedanken, welche man aus sich selbst +oder von andern hat; diese Eitelkeit, welche sich jede Wahrheit zu +vereiteln, daraus in sich zurückzukehren versteht, und an diesem +eignen Verstande sich weidet, der alle Gedanken immer aufzulösen und +statt alles Inhalts nur das trockne Ich zu finden weiß, ist eine +Befriedigung, welche sich selbst überlassen werden muß, denn sie +flieht das Allgemeine, und sucht nur das Für-sich-sein. + +Wie dieses vorläufig und im allgemeinen über die Weise und +Notwendigkeit des Fortgangs gesagt worden ist, so kann noch über die +_Methode der Ausführung_ etwas zu erinnern dienlich sein. Diese +Darstellung als ein _Verhalten_ der _Wissenschaft_ zu dem +_erscheinenden_ Wissen, und als _Untersuchung_ und _Prüfung der +Realität des Erkennens_ vorgestellt, scheint nicht ohne irgendeine +Voraussetzung, die als _Maßstab_ zugrunde gelegt wird, stattfinden zu +können. Denn die Prüfung besteht in dem Anlegen eines angenommenen +Maßstabes, und in der sich ergebenden Gleichheit oder Ungleichheit +dessen, was geprüft wird, mit ihm die Entscheidung, ob es richtig +oder unrichtig ist; und der Maßstab überhaupt, und ebenso die +Wissenschaft, wenn sie der Maßstab wäre, ist dabei als das _Wesen_ +oder als _das An-sich_ angenommen. Aber hier, wo die Wissenschaft +erst auftritt, hat weder sie selbst, noch was es sei, sich als das +Wesen oder als das An-sich gerechtfertigt; und ohne ein solches +scheint keine Prüfung stattfinden zu können. + +Dieser Widerspruch und seine Wegräumung wird sich bestimmter ergeben, +wenn zuerst an die abstrakten Bestimmungen des Wissens und der +Wahrheit erinnert wird, wie sie an dem Bewußtsein vorkommen. Dieses +_unterscheidet_ nämlich etwas von sich, worauf es sich zugleich +_bezieht_; oder wie dies ausgedrückt wird, es ist etwas _für +dasselbe_; und die bestimmte Seite dieses _Beziehens_, oder des +_Seins_ von etwas _für ein Bewußtsein_ ist das _Wissen._ Von diesem +Sein für ein anderes unterscheiden wir aber das _An-sich-sein_; das +auf das Wissen bezogene wird ebenso von ihm unterschieden, und +gesetzt als _seiend_ auch außer dieser Beziehung; die Seite dieses +An-sich heißt _Wahrheit_. Was eigentlich an diesen Bestimmungen sei, +geht uns weiter hier nichts an, denn indem das erscheinende Wissen +unser Gegenstand ist, so werden auch zunächst seine Bestimmungen +aufgenommen, wie sie sich unmittelbar darbieten; und so, wie sie +gefaßt worden sind, ist es wohl, daß sie sich darbieten. + +Untersuchen wir nun die Wahrheit des Wissens, so scheint es, wir +untersuchen, was es _an sich_ ist. Allein in dieser Untersuchung ist +es _unser_ Gegenstand, es ist _für uns_; und das _An-sich_ desselben, +welches sich ergäbe, wäre so vielmehr sein Sein _für uns_; was wir +als sein Wesen behaupten würden, vielmehr nicht seine Wahrheit, +sondern nur unser Wissen von ihm. Das Wesen oder der Maßstab fiele +in uns, und dasjenige, was mit ihm verglichen, und über welches durch +diese Vergleichung entschieden werden sollte, hätte ihn nicht +notwendig anzuerkennen. + +Aber die Natur des Gegenstandes, den wir untersuchen, überhebt dieser +Trennung oder dieses Scheins von Trennung und Voraussetzung. Das +Bewußtsein gibt seinen Maßstab an ihm selbst, und die Untersuchung +wird dadurch eine Vergleichung seiner mit sich selbst sein; denn die +Unterscheidung, welche soeben gemacht worden ist, fällt in es. Es +ist in ihm eines _für ein_ anderes, oder es hat überhaupt die +Bestimmtheit des Moments des Wissens an ihm; zugleich ist ihm dies +andere nicht nur _für es_, sondern auch außer dieser Beziehung oder +_an sich_: das Moment der Wahrheit. An dem also, was das Bewußtsein +innerhalb seiner für das _An-sich_ oder das _Wahre_ erklärt, haben +wir den Maßstab, den es selbst aufstellt, sein Wissen daran zu messen. +Nennen wir das _Wissen_ den _Begriff_, das Wesen oder das _Wahre_ +aber das Seiende oder den _Gegenstand_, so besteht die Prüfung darin, +zuzusehen, ob der Begriff dem Gegenstande entspricht. Nennen wir +aber _das Wesen_ oder das An-sich _des Gegenstandes den Begriff_, und +verstehen dagegen unter dem _Gegenstande_, ihn als _Gegenstand_, +nämlich wie er _für ein anderes_ ist, so besteht die Prüfung darin, +daß wir zusehen, ob der Gegenstand seinem Begriff entspricht. Man +sieht wohl, daß beides dasselbe ist; das Wesentliche aber ist, dies +für die ganze Untersuchung festzuhalten, daß diese beiden Momente, +_Begriff_ und _Gegenstand, Für-ein-anderes-_ und +_An-sich-selbst-sein_, in das Wissen, das wir untersuchen, selbst +fallen, und hiemit wir nicht nötig haben, Maßstäbe mitzubringen, und +_unsere_ Einfälle und Gedanken bei der Untersuchung zu applizieren; +dadurch, daß wir diese weglassen, erreichen wir es, die Sache, wie +sie _an_ und _für sich_ selbst ist, zu betrachten. + +Aber nicht nur nach dieser Seite, daß Begriff und Gegenstand, der +Maßstab und das zu Prüfende, in dem Bewußtsein selbst vorhanden sind, +wird eine Zutat von uns überflüssig, sondern wir werden auch der Mühe +der Vergleichung beider und der eigentlichen _Prüfung_ überhoben, so +daß, indem das Bewußtsein sich selbst prüft, uns auch von dieser +Seite nur das reine Zusehen bleibt. Denn das Bewußtsein ist +einerseits Bewußtsein des Gegenstandes, anderseits Bewußtsein seiner +selbst; Bewußtsein dessen, was ihm das Wahre ist, und Bewußtsein +seines Wissens davon. Indem beide _für dasselbe_ sind, ist es selbst +ihre Vergleichung; es wird _für dasselbe_, ob sein Wissen von dem +Gegenstande diesem entspricht oder nicht. Der Gegenstand scheint +zwar für dasselbe nur so zu sein, wie es ihn weiß; es scheint +gleichsam nicht dahinterkommen zu können, wie er, _nicht für +dasselbe_, sondern wie er _an sich_ ist, und also auch sein Wissen +nicht an ihm prüfen zu können. Allein gerade darin, daß es überhaupt +von einem Gegenstande weiß, ist schon der Unterschied vorhanden, daß +ihm etwas das _An-sich_, ein anderes Moment aber das Wissen, oder das +Sein des Gegenstandes _für das_ Bewußtsein ist. Auf dieser +Unterscheidung, welche vorhanden ist, beruht die Prüfung. Entspricht +sich in dieser Vergleichung beides nicht, so scheint das Bewußtsein +sein Wissen ändern zu müssen, um es dem Gegenstande gemäß zu machen, +aber in der Veränderung des Wissens ändert sich ihm in der Tat auch +der Gegenstand selbst; denn das vorhandene Wissen war wesentlich ein +Wissen von dem Gegenstande; mit dem Wissen wird auch er ein anderer, +denn er gehörte wesentlich diesem Wissen an. Es wird hiemit dem +Bewußtsein, daß dasjenige, was ihm vorher das _An-sich_ war, nicht an +sich ist, oder daß es nur _*für es* an sich_ war. Indem es also an +seinem Gegenstande sein Wissen diesem nicht entsprechend findet, hält +auch der Gegenstand selbst nicht aus; oder der Maßstab der Prüfung +ändert sich, wenn dasjenige, dessen Maßstab er sein sollte, in der +Prüfung nicht besteht; und die Prüfung ist nicht nur eine Prüfung des +Wissens, sondern auch ihres Maßstabes. + +Diese _dialektische_ Bewegung, welche das Bewußtsein an ihm selbst, +sowohl an seinem Wissen als an seinem Gegenstande ausübt, _insofern +ihm der neue wahre Gegenstand_ daraus _entspringt_, ist eigentlich +dasjenige, was _Erfahrung_ genannt wird. Es ist in dieser Beziehung +an dem soeben erwähnten Verlaufe ein Moment noch näher herauszuheben, +wodurch sich über die wissenschaftliche Seite der folgenden +Darstellung ein neues Licht verbreiten wird. Das Bewußtsein weiß +_Etwas_, dieser Gegenstand ist das Wesen oder das _An-sich_; er ist +aber auch für das Bewußtsein das _An-sich_; damit tritt die +Zweideutigkeit dieses Wahren ein. Wir sehen, daß das Bewußtsein itzt +zwei Gegenstände hat, den einen das erste _An-sich_, den zweiten das +_Für-es-sein dieses An-sich_. Der letztere scheint zunächst nur die +Reflexion des Bewußtseins in sich selbst zu sein, ein Vorstellen, +nicht eines Gegenstandes, sondern nur seines Wissens von jenem ersten. +Allein wie vorhin gezeigt worden, ändert sich ihm dabei der erste +Gegenstand; er hört auf, das An-sich zu sein, und wird ihm zu einem +solchen, der nur _für es_ das _An-sich_ ist; somit aber ist dann dies: +_das Für-es-sein dieses An-sich_, das Wahre, das heißt aber, dies +ist das _Wesen_, oder sein _Gegenstand_. Dieser neue Gegenstand +enthält die Nichtigkeit des ersten, er ist die über ihn gemachte +Erfahrung. + +An dieser Darstellung des Verlaufs der Erfahrung ist ein Moment, +wodurch sie mit demjenigen nicht übereinzustimmen scheint, was unter +der Erfahrung verstanden zu werden pflegt. Der Übergang nämlich vom +ersten Gegenstande und dem Wissen desselben zu dem andern Gegenstande, +_an dem_ man sagt, daß die Erfahrung gemacht worden sei, wurde so +angegeben, daß das Wissen vom ersten Gegenstande, oder das +_Für_-das-Bewußtsein des ersten An-sich, der zweite Gegenstand selbst +werden soll. Dagegen es sonst scheint, daß wir die Erfahrung von der +Unwahrheit unseres ersten Begriffs _an einem andern_ Gegenstande +machen, den wir zufälligerweise und äußerlich etwa finden, so daß +überhaupt nur das reine _Auffassen_ dessen, was an und für sich ist, +in uns falle. In jener Ansicht aber zeigt sich der neue Gegenstand +als geworden, durch eine _Umkehrung des Bewußtseins_ selbst. Diese +Betrachtung der Sache ist unsere Zutat, wodurch sich die Reihe der +Erfahrungen des Bewußtseins zum wissenschaftlichen Gange erhebt, und +welche nicht für das Bewußtsein ist, das wir betrachten. Es ist aber +dies in der Tat auch derselbe Umstand, von welchem oben schon in +Ansehung des Verhältnisses dieser Darstellung zum Skeptizismus die +Rede war, daß nämlich das jedesmalige Resultat, welches sich an einem +nicht wahrhaften Wissen ergibt, nicht in ein leeres Nichts +zusammenlaufen dürfe, sondern notwendig als Nichts _desjenigen_, +dessen _Resultat_ es ist, aufgefaßt werden müsse; ein Resultat, +welches das enthält, was das vorhergehende Wissen Wahres an ihm hat. +Dies bietet sich hier so dar, daß, indem das, was zuerst als der +Gegenstand erschien, dem Bewußtsein zu einem Wissen von ihm +herabsinkt, und das _An-sich_ zu einem _Für-das-Bewußtsein-sein_ des +_An-sich_ wird, dies der neue Gegenstand ist, womit auch eine neue +Gestalt des Bewußtseins auftritt, welcher etwas anderes das Wesen ist +als der vorhergehenden. Dieser Umstand ist es, welcher die ganze +Folge der Gestalten des Bewußtseins in ihrer Notwendigkeit leitet. +Nur diese Notwendigkeit selbst, oder die _Entstehung_ des neuen +Gegenstandes, der dem Bewußtsein, ohne zu wissen, wie ihm geschieht, +sich darbietet, ist es, was für uns gleichsam hinter seinem Rücken +vorgeht. Es kommt dadurch in seine Bewegung ein Moment des +_An-sich-_ oder _Für-uns-seins_, welches nicht für das Bewußtsein, +das in der Erfahrung selbst begriffen ist, sich darstellt; der +_Inhalt_ aber dessen, was uns entsteht, ist _für es_, und wir +begreifen nur das Formelle desselben, oder sein reines Entstehen; +_für es_ ist dies Entstandene nur als Gegenstand, _für uns_ zugleich +als Bewegung und Werden. + +Durch diese Notwendigkeit ist dieser Weg zur Wissenschaft selbst +schon _Wissenschaft_, und nach ihrem Inhalte hiemit Wissenschaft der +_Erfahrung des Bewußtseins_. + +Die Erfahrung, welche das Bewußtsein über sich macht, kann ihrem +Begriffe nach nichts weniger in sich begreifen als das ganze System +desselben, oder das ganze Reich der Wahrheit des Geistes, so daß die +Momente derselben in dieser eigentümlichen Bestimmtheit sich +darstellen, nicht abstrakte, reine Momente zu sein, sondern so, wie +sie für das Bewußtsein sind, oder wie dieses selbst in seiner +Beziehung auf sie auftritt, wodurch die Momente des Ganzen, +_Gestalten des Bewußtseins_ sind. Indem es zu seiner wahren Existenz +sich forttreibt, wird es einen Punkt erreichen, auf welchem es seinen +Schein ablegt, mit Fremdartigem, das nur für es und als ein anderes +ist, behaftet zu sein, oder wo die Erscheinung dem Wesen gleich wird, +seine Darstellung hiemit mit eben diesem Punkte der eigentlichen +Wissenschaft des Geistes zusammenfällt, und endlich, indem es selbst +dies sein Wesen erfaßt, wird es die Natur des absoluten Wissens +selbst bezeichnen. + + + +I. Die sinnliche Gewißheit;oder das Diese und das Meinen + +Das Wissen, welches zuerst oder unmittelbar unser Gegenstand ist, +kann kein anderes sein als dasjenige, welches selbst unmittelbares +Wissen, _Wissen_ des _Unmittelbaren_ oder _Seienden_ ist. Wir haben +uns ebenso _unmittelbar_ oder _aufnehmend_ zu verhalten, also nichts +an ihm, wie es sich darbietet, zu verändern, und von dem Auffassen +das Begreifen abzuhalten. + +Der konkrete Inhalt der _sinnlichen Gewißheit_ läßt sie unmittelbar +als die _reichste_ Erkenntnis, ja als eine Erkenntnis von unendlichem +Reichtum erscheinen, für welchen ebensowohl wenn wir im Raume und in +der Zeit, als worin er sich ausbreitet, _hinaus-_, als wenn wir uns +ein Stück aus dieser Fülle nehmen, und durch Teilung in dasselbe +_hineingehen_, keine Grenze zu finden ist. Sie erscheint außerdem +als die _wahrhafteste_; denn sie hat von dem Gegenstande noch nichts +weggelassen, sondern ihn in seiner ganzen Vollständigkeit vor sich. +Diese _Gewißheit_ aber gibt in der Tat sich selbst für die +abstrakteste und ärmste _Wahrheit_ aus. Sie sagt von dem, was sie +weiß, nur dies aus: es _ist_; und ihre Wahrheit enthält allein das +_Sein_ der Sache; das Bewußtsein seinerseits ist in dieser Gewißheit +nur als reines _Ich_; oder _Ich_ bin darin nur als reiner _Dieser_, +und der Gegenstand ebenso nur als reines _Dieses_. Ich, _dieser_, +bin _dieser_ Sache nicht darum gewiß, weil _Ich_ als Bewußtsein +hiebei mich entwickelte und mannigfaltig den Gedanken bewegte. Auch +nicht darum, weil _die Sache_, deren ich gewiß bin, nach einer Menge +unterschiedener Beschaffenheiten eine reiche Beziehung an ihr selbst, +oder ein vielfaches Verhalten zu andern wäre. Beides geht die +Wahrheit der sinnlichen Gewißheit nichts an; weder Ich noch die Sache +hat darin die Bedeutung einer mannigfaltigen Vermittlung; Ich nicht +die Bedeutung eines mannigfaltigen Vorstellens oder Denkens, noch die +Sache die Bedeutung mannigfaltiger Beschaffenheiten; sondern die +Sache _ist_; und sie _ist_, nur weil sie _ist_; sie _ist_, dies ist +dem sinnlichen Wissen das Wesentliche, und dieses reine _Sein_ oder +diese einfache Unmittelbarkeit macht ihre _Wahrheit_ aus. Ebenso ist +die Gewißheit als _Beziehung unmittelbare_ reine Beziehung; das +Bewußtsein ist _Ich_, weiter nichts, ein reiner _Dieser_; der +_Einzelne_ weiß reines Dieses, oder _das Einzelne_. + +An dem _reinen Sein_ aber, welches das Wesen dieser Gewißheit +ausmacht, und welches sie als ihre Wahrheit aussagt, spielt, wenn wir +zusehen, noch vieles andere beiher. Eine wirkliche sinnliche +Gewißheit ist nicht nur diese reine Unmittelbarkeit, sondern ein +_Beispiel_ derselben. Unter den unzähligen dabei vorkommenden +Unterschieden finden wir allenthalben die Hauptverschiedenheit, daß +nämlich in ihr sogleich aus dem reinen Sein die beiden schon +genannten _Diesen_, ein _Dieser_ als _Ich_, und ein _Dieses_ als +_Gegenstand_ herausfallen. Reflektieren _wir_ über diesen +Unterschied, so ergibt sich, daß weder das eine noch das andere nur +_unmittelbar_, in der sinnlichen Gewißheit ist, sondern zugleich als +_vermittelt_; Ich habe die Gewißheit _durch_ ein anderes, nämlich die +Sache; und diese ist ebenso in der Gewißheit _durch_ ein anderes, +nämlich durch Ich. + +Diesen Unterschied des Wesens und des Beispiels, der Unmittelbarkeit +und der Vermittlung, machen nicht nur wir, sondern wir finden ihn an +der sinnlichen Gewißheit selbst; und in der Form, wie er an ihr ist, +nicht wie wir ihn soeben bestimmten, ist er aufzunehmen. Es ist in +ihr eines als das einfache unmittelbar seiende, oder als das Wesen +gesetzt, _der Gegenstand_; das andere aber, als das unwesentliche und +vermittelte, welches darin nicht _an sich_, sondern durch ein anderes +ist, Ich, _ein Wissen_, das den Gegenstand nur darum weiß, weil er +ist, und das sein oder auch nicht sein kann. Der Gegenstand aber +_ist_, das Wahre und das Wesen; er _ist_, gleichgültig dagegen, ob er +gewußt wird oder nicht; er bleibt, wenn er auch nicht gewußt wird; +das Wissen aber ist nicht, wenn nicht der Gegenstand ist. + +Der Gegenstand ist also zu betrachten, ob er in der Tat, in der +sinnlichen Gewißheit selbst, als solches Wesen ist, für welches er +von ihr ausgegeben wird; ob dieser sein Begriff, Wesen zu sein, dem +entspricht, wie er in ihr vorhanden ist. Wir haben zu dem Ende nicht +über ihn zu reflektieren und nachzudenken, was er in Wahrheit sein +möchte, sondern ihn nur zu betrachten, wie ihn die sinnliche +Gewißheit an ihr hat. + +_Sie_ ist also selbst zu fragen: _Was ist das Diese?_ Nehmen wir es +in der gedoppelten Gestalt seines Seins, als das _Itzt_ und als das +_Hier_, so wird die Dialektik, die es an ihm hat, eine so +verständliche Form erhalten, als es selbst ist. Auf die Frage: _Was +ist das Itzt?_ antworten wir also zum Beispiel: _Das Itzt ist die +Nacht_. Um die Wahrheit dieser sinnlichen Gewißheit zu prüfen, ist +ein einfacher Versuch hinreichend. Wir schreiben diese Wahrheit auf; +eine Wahrheit kann durch Aufschreiben nicht verlieren; ebensowenig +dadurch, daß wir sie aufbewahren. Sehen wir _itzt, diesen Mittag_, +die aufgeschriebene Wahrheit wieder an, so werden wir sagen müssen, +daß sie schal geworden ist. + +Das Itzt, welches Nacht ist, wird _aufbewahrt_, das heißt, es wird +behandelt als das, für was es ausgegeben wird, als ein _Seiendes_; es +erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das _Itzt_ selbst +erhält sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso +erhält es sich gegen den Tag, der es itzt ist, als ein solches, das +auch nicht Tag ist; oder als ein _Negatives_ überhaupt. Dieses sich +erhaltende Itzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein +vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes +_dadurch_ bestimmt, daß anderes, nämlich der Tag und die Nacht, nicht +ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, _Itzt_, und in +dieser Einfachheit gleichgültig gegen das, was noch bei ihm herspielt; +so wenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch +Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert. +Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder dieses noch +jenes, ein _Nichtdieses_, und ebenso gleichgültig, auch dieses wie +jenes zu sein, nennen wir ein _Allgemeines_; das Allgemeine ist also +in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewißheit. + +Als ein Allgemeines _sprechen_ wir auch das Sinnliche _aus_; was wir +sagen, ist: _Dieses_, das heißt das _allgemeine Diese_; oder_: es +ist_; das heißt das _Sein überhaupt_. Wir _stellen_ uns dabei +freilich nicht das allgemeine Diese, oder das Sein überhaupt _vor_, +aber wir _sprechen_ das Allgemeine _aus_; oder wir sprechen +schlechthin nicht, wie wir es in dieser sinnlichen Gewißheit _meinen_. +Die Sprache aber ist, wie wir sehen, das Wahrhaftere; in ihr +widerlegen wir selbst unmittelbar unsere _Meinung_, und da das +Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewißheit ist, und die Sprache +nur dieses Wahre ausdrückt, so ist es gar nicht möglich, daß wir ein +sinnliches Sein, das wir _meinen_, je sagen können. + +Es wird derselbe Fall sein mit der andern Form des Dieses, mit _dem +Hier_. _Das Hier_ ist zum Beispiel der _Baum_. Ich wende mich um, so +ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte +verkehrt: _Das Hier ist nicht ein Baum_, sondern vielmehr _ein Haus_. +Das _Hier_ selbst verschwindet nicht; sondern _es ist_ bleibend im +Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgültig, Haus, +Baum zu sein. Das _Dieses_ zeigt sich also wieder als _vermittelte +Einfachheit_, oder als _Allgemeinheit_. + +Dieser sinnlichen Gewißheit, indem sie an ihr selbst das Allgemeine +als die Wahrheit ihres Gegenstandes erweist, bleibt also das _reine +Sein_ als ihr Wesen, aber nicht als unmittelbares, sondern ein +solches, dem die Negation und Vermittlung wesentlich ist; hiemit +nicht als das, was wir unter dem _Sein meinen_, sondern das _Sein_ +mit der _Bestimmung_, daß es die Abstraktion oder das rein Allgemeine +ist, und _unsere Meinung_, für welche das wahre der sinnlichen +Gewißheit nicht das Allgemeine ist, bleibt allein diesem leeren oder +gleichgültigen Itzt und Hier gegenüber noch übrig. + +Vergleichen wir das Verhältnis, in welchem das _Wissen_ und der +_Gegenstand_ zuerst auftrat, mit dem Verhältnisse derselben, wie sie +in diesem Resultate zu stehen kommen, so hat es sich umgekehrt. Der +Gegenstand, der das Wesentliche sein sollte, ist nun das +Unwesentliche der sinnlichen Gewißheit, denn das Allgemeine, zu dem +er geworden ist, ist nicht mehr ein solches, wie er für sie +wesentlich sein sollte, sondern sie ist itzt in dem Entgegengesetzten, +nämlich in dem Wissen, das vorher das Unwesentliche war, vorhanden. +Ihre Wahrheit ist in dem Gegenstande als _meinem_ Gegenstande, oder +im _Meinen_, er ist, weil _Ich_ von ihm weiß. Die sinnliche +Gewißheit ist also zwar aus dem Gegenstande vertrieben, aber dadurch +noch nicht aufgehoben, sondern nur in das Ich zurückgedrängt; es ist +zu sehen, was uns die Erfahrung über diese ihre Realität zeigt. + +Die Kraft ihrer Wahrheit liegt also nun im _Ich_, in der +Unmittelbarkeit meines _Sehens, Hörens_, und so fort; das +Verschwinden des einzelnen Itzt, und Hier, das wir meinen, wird +dadurch abgehalten, daß _Ich_ sie festhalte. _Das Itzt ist Tag_, weil +ich ihn sehe; _das Hier ein Baum_, eben darum. Die sinnliche +Gewißheit erfährt aber in diesem Verhältnisse dieselbe Dialektik an +ihr, als in dem vorigen. _Ich, dieses_, sehe den Baum, und _behaupte +den Baum als das Hier_; ein _anderer Ich_ sieht aber das Haus, und +behauptet, das Hier sei nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus. +Beide Wahrheiten haben dieselbe Beglaubigung, nämlich die +Unmittelbarkeit des Sehens, und die Sicherheit und Versicherung +beider über ihr Wissen; die eine verschwindet aber in der andern. + +Was darin nicht verschwindet, ist _Ich_, als _allgemeines_, dessen +Sehen weder ein Sehen des Baums noch dieses Hauses, sondern ein +einfaches Sehen ist, das durch die Negation dieses Hauses und so fort +vermittelt, darin ebenso einfach und gleichgültig gegen das, was noch +beiher spielt, gegen das Haus, den Baum ist. Ich ist nur allgemeines, +wie _Itzt, Hier_ oder _Dieses_ überhaupt; ich meine wohl einen +_einzelnen Ich_, aber sowenig ich das, was ich bei Itzt, Hier meine, +sagen kann, so wenig bei Ich. Indem ich sage: _dieses Hier, Itzt_ +oder ein _Einzelnes_, sage ich: _*alle* diese, alle Hier, Itzt, +Einzelne_; ebenso indem ich sage: _Ich, dieser einzelne_ Ich, sage +ich überhaupt: _*alle* Ich_; jeder ist das was ich sage: _Ich, dieser +einzelne Ich_. Wenn der Wissenschaft diese Forderung, als ihr +Probierstein, auf dem sie schlechthin nicht aushalten könnte, +vorgelegt wird, ein sogenanntes _dieses Ding_, oder einen _diesen +Menschen_, zu deduzieren, konstruieren, a priori zu finden oder wie +man dies ausdrücken will, so ist billig, daß die Forderung _sage_, +welches _dieses_ Ding oder welchen _diesen_ Ich sie meine; aber dies +zu sagen ist unmöglich. + +Die sinnliche Gewißheit erfährt also, daß ihr Wesen weder in dem +Gegenstande noch in dem Ich, und die Unmittelbarkeit weder eine +Unmittelbarkeit des einen noch des andern ist, denn an beiden ist das, +was Ich meine, vielmehr ein Unwesentliches, und der Gegenstand und +Ich sind Allgemeine, in welchen dasjenige Itzt und Hier und Ich, das +ich meine, nicht bestehen bleibt, oder _ist_. Wir kommen hiedurch +dahin, das _Ganze_ der sinnlichen Gewißheit selbst als ihr _Wesen_ zu +setzen, nicht mehr nur ein Moment derselben, wie in den beiden Fällen +geschehen ist, worin zuerst der dem Ich entgegengesetzte Gegenstand, +dann Ich ihre Realität sein sollte. Es ist also nur die _ganze_ +sinnliche Gewißheit selbst, welche an ihr als _Unmittelbarkeit_ +festhält, und hiedurch alle Entgegensetzung, die im vorherigen +stattfand, aus sich ausschließt. + +Diese reine Unmittelbarkeit geht also das Anderssein des Hier als +Baums, welches in ein Hier, das Nichtbaum ist, das Anderssein des +Itzt als Tages, das in ein Itzt, das Nacht ist, übergeht, oder ein +anderes Ich, dem etwas anderes Gegenstand ist, nichts mehr an. Ihre +Wahrheit erhält sich als sich selbst gleichbleibende Beziehung, die +zwischen dem Ich und dem Gegenstande keinen Unterschied der +Wesentlichkeit und Unwesentlichkeit macht, und in die daher auch +überhaupt kein Unterschied eindringen kann. Ich, dieses, behaupte +also das Hier als Baum, und wende mich nicht um, so daß mir das Hier +zu einem Nichtbaume würde; ich nehme auch keine Notiz davon, daß ein +anderer Ich das Hier als Nichtbaum sieht, oder daß Ich selbst, ein +anderesmal, das Hier als Nichtbaum, das Itzt als Nicht-Tag nehme, +sondern Ich bin reines Anschauen; Ich für mich bleibe dabei, das Itzt +ist Tag, oder auch dabei, das Hier ist Baum; vergleiche auch nicht +das Hier und Itzt selbst miteinander, sondern halte an einer +unmittelbaren Beziehung fest: das Itzt ist Tag. + +Da hiemit diese Gewißheit nicht mehr herzutreten will, wenn wir sie +auf ein Itzt, das Nacht ist, oder auf einen Ich, dem es Nacht ist, +aufmerksam machen, so treten wir zu ihr hinzu, und lassen uns das +Itzt zeigen, das behauptet wird. _Zeigen_ müssen wir es uns lassen, +denn die Wahrheit dieser unmittelbaren Beziehung ist die Wahrheit +_dieses_ Ich, der sich auf ein _Itzt_ oder ein _Hier_ einschränkt. +Würden wir _nachher_ diese Wahrheit vornehmen, oder _entfernt_ davon +stehen, so hätte sie gar keine Bedeutung, denn wir höben die +Unmittelbarkeit auf, die ihr wesentlich ist. Wir müssen daher in +denselben Punkt der Zeit oder des Raums eintreten, sie uns zeigen, d. +h. uns zu demselben diesen Ich, welches das gewiß Wissende ist, +machen lassen. Sehen wir also, wie das Unmittelbare beschaffen ist, +das uns aufgezeigt wird. + +Es wird das _Itzt_ gezeigt; _dieses Itzt_. _Itzt_; es hat schon +aufgehört zu sein, indem es gezeigt wird; das _Itzt_, das _ist_, ist +ein anderes als das gezeigte, und wir sehen, daß das Itzt eben dieses +ist, indem es ist, schon nicht mehr zu sein. Das Itzt, wie es uns +gezeigt wird, ist es ein _gewesenes_; und dies ist seine Wahrheit; es +hat nicht die Wahrheit des Seins. Es ist also doch dies wahr, daß es +gewesen ist. Aber was _gewesen_ ist, ist in der Tat _kein Wesen_; +_es *ist* nicht_, und um das Sein war es zu tun. + +Wir sehen also in diesem Aufzeigen nur eine Bewegung und folgenden +Verlauf derselben: 1) Ich zeige das Itzt auf, es ist als das Wahre +behauptet; ich zeige es aber als Gewesenes, oder als ein Aufgehobenes, +hebe die erste Wahrheit auf, und 2) Itzt behaupte Ich als die zweite +Wahrheit, daß es _gewesen_, aufgehoben ist. 3) Aber das Gewesene ist +nicht; Ich hebe das Gewesen- oder Aufgehobensein, die zweite Wahrheit +auf, negiere damit die Negation des Itzt, und kehre so zur ersten +Behauptung zurück: daß _Itzt_ ist. Das Itzt und das Aufzeigen des +Itzt ist also so beschaffen, daß weder das Itzt noch das Aufzeigen +des Itzt ein unmittelbares Einfaches ist, sondern eine Bewegung, +welche verschiedene Momente an ihr hat; es wird _Dieses_ gesetzt, es +wird aber vielmehr _ein Anderes_ gesetzt, oder das Diese wird +aufgehoben: und dieses _Anderssein_ oder Aufheben des ersten wird +selbst _wieder aufgehoben_, und so zu dem ersten zurückgekehrt. Aber +dieses in sich reflektierte erste ist nicht ganz genau dasselbe, was +es zuerst, nämlich ein _Unmittelbares_, war; sondern es ist eben _ein +in sich Reflektiertes_, oder _Einfaches_, welches im Anderssein +bleibt, was es ist; ein Itzt, welches absolut viele Itzt ist; und +dies ist das wahrhafte Itzt; das Itzt als einfacher Tag, das viele +Itzt in sich hat, Stunden; ein solches Itzt, eine Stunde, ist ebenso +viele Minuten, und diese Itzt gleichfalls viele Itzt und so fort. +--Das _Aufzeigen_ ist also selbst die Bewegung, welche es ausspricht, +was das Itzt in Wahrheit ist; nämlich ein Resultat, oder eine +Vielheit von Itzt zusammengefaßt; und das Aufzeigen ist das Erfahren, +daß Itzt _Allgemeines_ ist. + +Das _aufgezeigte Hier_, das ich festhalte, ist ebenso ein _dieses_ +Hier, das in der Tat _nicht dieses_ Hier ist, sondern ein Vornen und +Hinten, ein Oben und Unten, ein Rechts und Links ist. Das Oben ist +selbst ebenso dieses vielfache Anderssein in oben, unten, und so fort. +Das Hier, welches aufgezeigt werden sollte, verschwindet in andern +Hier, aber diese verschwinden ebenso; das Aufgezeigte, Festgehaltene +und Bleibende ist ein _negatives Dieses_, das nur so _ist_, indem die +_Hier_, wie sie sollen, genommen werden, aber darin sich aufheben; es +ist eine einfache Komplexion vieler Hier. Das Hier, das gemeint wird, +wäre der Punkt; er _ist_ aber nicht, sondern, indem er als seiend +aufgezeigt wird, zeigt sich das Aufzeigen, nicht unmittelbares Wissen, +sondern eine Bewegung, von dem gemeinten Hier aus durch viele Hier +in das allgemeine Hier zu sein, welches wie der Tag eine einfache +Vielheit der Itzt, so eine einfache Vielheit der Hier ist. + +Es erhellt, daß die Dialektik der sinnlichen Gewißheit nichts anders +als die einfache Geschichte ihrer Bewegung oder ihrer Erfahrung, und +die sinnliche Gewißheit selbst nichts anders als nur diese Geschichte +ist. Das natürliche Bewußtsein geht deswegen auch zu diesem +Resultate, was an ihr das Wahre ist, immer selbst fort, und macht die +Erfahrung darüber; aber vergißt es nur ebenso immer wieder, und fängt +die Bewegung von vorne an. Es ist daher zu verwundern, wenn gegen +diese Erfahrung, als allgemeine Erfahrung, auch als philosophische +Behauptung, und gar als Resultat des Skeptizismus aufgestellt wird, +die Realität oder das Sein von äußern Dingen als _diesen_, oder +sinnlichen, habe absolute Wahrheit für das Bewußtsein; eine solche +Behauptung weiß zugleich nicht, was sie spricht, weiß nicht, daß sie +das Gegenteil von dem sagt, was sie sagen will. Die Wahrheit des +sinnlichen _Diesen_ für das Bewußtsein soll allgemeine Erfahrung sein; +aber vielmehr ist das Gegenteil allgemeine Erfahrung; jedes +Bewußtsein hebt eine solche Wahrheit, wie zum Beispiel: _das Hier ist +ein Baum_, oder _das Itzt ist Mittag_, selbst wieder auf, und spricht +das Gegenteil aus: das Hier ist _nicht_ ein Baum, _sondern_ ein Haus; +und was in dieser die erste aufhebenden Behauptung wieder eine +ebensolche Behauptung eines sinnlichen Diesen ist, hebt es sofort +ebenso auf; und wird in aller sinnlichen Gewißheit in Wahrheit nur +dies erfahren, was wir gesehen haben, das _dieses_ nämlich als ein +_Allgemeines_, das Gegenteil dessen, was jene Behauptung allgemeine +Erfahrung zu sein versichert.--Bei dieser Berufung auf die allgemeine +Erfahrung kann es erlaubt sein, die Rücksicht auf das Praktische zu +antizipieren. In dieser Rücksicht kann denjenigen, welche jene +Wahrheit und Gewißheit der Realität der sinnlichen Gegenstände +behaupten, gesagt werden, daß sie in die unterste Schule der Weisheit, +nämlich in die alten Eleusischen Mysterien der Ceres und des Bacchus +zurückzuweisen sind, und das Geheimnis des Essens des Brotes und des +Trinkens des Weines erst zu lernen haben; denn der in diese +Geheimnisse Eingeweihte gelangt nicht nur zum Zweifel an dem Sein der +sinnlichen Dinge, sondern zur Verzweiflung an ihm; und vollbringt in +ihnen teils selbst ihre Nichtigkeit, teils sieht er sie vollbringen. +Auch die Tiere sind nicht von dieser Weisheit ausgeschlossen, sondern +erweisen sich vielmehr am tiefsten in sie eingeweiht zu sein, denn +sie bleiben nicht vor den sinnlichen Dingen als an sich seienden +stehen, sondern verzweifelnd an dieser Realität und in der völligen +Gewißheit ihrer Nichtigkeit langen sie ohne weiteres zu und zehren +sie auf; und die ganze Natur feiert wie sie diese offenbare Mysterien, +welche es lehren, was die Wahrheit der sinnlichen Dinge ist. + +Die, welche solche Behauptung aufstellen, sagen aber, gemäß +vorhergehenden Bemerkungen, auch selbst unmittelbar das Gegenteil +dessen, was sie meinen; eine Erscheinung, die vielleicht am fähigsten +ist, zum Nachdenken über die Natur der sinnlichen Gewißheit zu +bringen. Sie sprechen von dem Dasein _äußerer_ Gegenstände, welche +noch genauer, als _wirkliche_, absolut _einzelne, ganz persönliche, +individuelle_ Dinge, deren jedes seines absolutgleichen nicht mehr +hat, bestimmt werden können; dies Dasein habe absolute Gewißheit und +Wahrheit. Sie meinen _dieses_ Stück Papier, worauf ich _dies_ +schreibe, oder vielmehr geschrieben habe; aber was sie meinen, sagen +sie nicht. Wenn sie wirklich dieses Stück Papier, das sie meinen, +_sagen_ wollten, und sie wollten _sagen_, so ist dies unmöglich, weil +das sinnliche Diese, das gemeint wird, der Sprache, die dem +Bewußtsein, dem an sich allgemeinen, angehört, _unerreichbar_ ist. +Unter dem wirklichen Versuche, es zu sagen, würde es daher vermodern; +die seine Beschreibung angefangen, könnten sie nicht vollenden, +sondern müßten sie andern überlassen, welche von einem Dinge zu +sprechen, das nicht _ist_, zuletzt selbst eingestehen würden. Sie +meinen also wohl _dieses_ Stück Papier, das hier ein ganz anderes als +das obige ist; aber sie sprechen wirkliche _Dinge, äußere_ oder +_sinnliche Gegenstände, absolut einzelne Wesen_, und so fort, das +heißt, sie sagen von ihnen nur das _Allgemeine_; daher was das +Unaussprechliche genannt wird, nichts anderes ist, als das Unwahre, +Unvernünftige, bloß Gemeinte.--Wird von etwas weiter nichts gesagt, +als daß es ein _wirkliches Ding_, ein _äußerer Gegenstand_ ist, so +ist es nur als das Allerallgemeinste, und damit viel mehr seine +_Gleichheit_ mit allem, als die Unterschiedenheit ausgesprochen. +Sage ich ein _einzelnes Ding_, so sage ich es vielmehr ebenso als +ganz _Allgemeines_, denn alle sind ein einzelnes Ding; und +gleichfalls _dieses_ Ding ist alles, was man will. Genauer +bezeichnet, als _dieses Stück Papier_, so ist _alles_ und _jedes_ +Papier, ein _dieses_ Stück Papier, und ich habe nur immer das +Allgemeine gesagt. Will ich aber dem Sprechen, welches die göttliche +Natur hat, die Meinung unmittelbar zu verkehren, zu etwas anderem zu +machen, und so sie gar nicht _zum Worte kommen_ zu lassen, dadurch +nachhelfen, daß ich dies Stück Papier _aufzeige_, so mache ich die +Erfahrung, was die Wahrheit der sinnlichen Gewißheit in der Tat ist; +ich zeige es auf, als ein _Hier_, das ein Hier anderer Hier, oder an +ihm selbst ein _einfaches Zusammen vieler Hier_, das heißt, ein +Allgemeines ist, ich nehme so es auf, wie es in Wahrheit ist, und +statt ein Unmittelbares zu wissen, _nehme ich wahr_. + + + +II. Die Wahrnehmung;oder das Ding, und die Täuschung + +Die unmittelbare Gewißheit nimmt sich nicht das Wahre, denn ihre +Wahrheit ist das Allgemeine, sie aber will das _Diese_ nehmen. Die +Wahrnehmung nimmt hingegen das, was ihr das Seiende ist, als +Allgemeines. Wie die Allgemeinheit ihr Prinzip überhaupt, so sind +auch ihre in ihr unmittelbar sich unterscheidenden Momente, Ich ein +allgemeines, und der Gegenstand ein allgemeiner. Jenes Prinzip ist +uns _entstanden_, und unser Aufnehmen der Wahrnehmung daher nicht +mehr ein erscheinendes Aufnehmen, wie der sinnlichen Gewißheit, +sondern ein notwendiges. In dem Entstehen des Prinzips sind zugleich +die beiden Momente, die an ihrer Erscheinung nur _herausfallen_, +geworden; das eine nämlich die Bewegung des Aufzeigens, das andere +dieselbe Bewegung, aber als Einfaches; jenes das _Wahrnehmen_, dies +der _Gegenstand_. Der Gegenstand ist dem Wesen nach dasselbe, was +die Bewegung ist, sie die Entfaltung und Unterscheidung der Momente, +er das Zusammengefaßtsein derselben. Für uns oder an sich ist das +Allgemeine als Prinzip das _Wesen_ der Wahrnehmung; und gegen diese +Abstraktion, die beiden unterschiednen, das Wahrnehmende und das +Wahrgenommene das _Unwesentliche_. Aber in der Tat, weil beide +selbst das Allgemeine oder das Wesen sind, sind sie beide wesentlich; +indem sie aber sich als entgegengesetzte aufeinander beziehen, so +kann in der Beziehung nur das eine das wesentliche sein; und der +Unterschied des Wesentlichen und Unwesentlichen muß sich an sie +verteilen. Das eine als das einfache bestimmt, der Gegenstand, ist +das Wesen, gleichgültig dagegen, ob er wahrgenommen wird oder nicht; +das Wahrnehmen aber als die Bewegung ist das Unbeständige, das sein +kann oder auch nicht, und das Unwesentliche. + +Dieser Gegenstand ist nun näher zu bestimmen, und diese Bestimmung +aus dem Resultate, das sich ergeben, kurz zu entwickeln; die +ausgeführtere Entwicklung gehört nicht hierher. Da sein Prinzip, das +Allgemeine, in seiner Einfachheit ein _vermitteltes_ ist, so muß er +dies als seine Natur an ihm ausdrücken; er zeigt sich dadurch als +_das Ding von vielen Eigenschaften_. Der Reichtum des sinnlichen +Wissens gehört der Wahrnehmung, nicht der unmittelbaren Gewißheit an, +an der er nur das Beiherspielende war, denn nur jene hat die +_Negation_, den Unterschied oder die Mannigfaltigkeit an ihrem Wesen. + +Das Dieses ist also gesetzt als _nicht dieses_, oder als _aufgehoben_; +und damit nicht Nichts, sondern ein bestimmtes Nichts, oder _ein +Nichts von einem Inhalte_, nämlich _dem Diesen_. Das Sinnliche ist +hiedurch selbst noch vorhanden, aber nicht, wie es in der +unmittelbaren Gewißheit sein sollte, als das gemeinte Einzelne, +sondern als Allgemeines, oder als das, was sich als _Eigenschaft_ +bestimmen wird. Das _Aufheben_ stellt seine wahrhafte gedoppelte +Bedeutung dar, welche wir an dem Negativen gesehen haben; es ist ein +_Negieren_ und ein _Aufbewahren_ zugleich; das Nichts, als _Nichts +des Diesen_, bewahrt die Unmittelbarkeit auf, und ist selbst sinnlich, +aber eine allgemeine Unmittelbarkeit.--Das Sein aber ist ein +Allgemeines dadurch, daß es die Vermittlung oder das Negative an ihm +hat; indem es dies an seiner Unmittelbarkeit _ausdrückt_, ist es eine +_unterschiedene, bestimmte_ Eigenschaft. Damit sind zugleich _viele_ +solche Eigenschaften, eine die negative der andern, gesetzt. Indem +sie in der _Einfachheit_ des Allgemeinen ausgedrückt sind, beziehen +sich diese _Bestimmtheiten_, die eigentlich erst durch eine ferner +hinzukommende Bestimmung Eigenschaften sind, _auf sich selbst_, sind +_gleichgültig_ gegeneinander, jede für sich, frei von der andern. +Die einfache sich selbst gleiche Allgemeinheit selbst aber ist wieder +von diesen ihren Bestimmtheiten unterschieden, und frei; sie ist das +reine Sich-auf-sich-beziehen, oder das _Medium_, worin diese +Bestimmtheiten alle sind, sich also in ihr als in einer _einfachen_ +Einheit _durchdringen_, ohne sich aber zu _berühren_; denn eben durch +die Teilnahme an dieser Allgemeinheit sind sie gleichgültig für sich. +--Dies abstrakte allgemeine Medium, das die _Dingheit_ überhaupt oder +das _reine Wesen_ genannt werden kann, ist nichts anderes als das +_Hier_ und _Itzt_, wie es sich erwiesen hat, nämlich als ein +_einfaches Zusammen_ von vielen, aber die vielen sind _in ihrer +Bestimmtheit_ selbst _einfach allgemeine_. Dies Salz ist einfaches +Hier, und zugleich vielfach; es ist weiß, und _auch_ scharf, _auch_ +kubisch gestaltet, _auch_ von bestimmter Schwere, und so weiter. +Alle diese vielen Eigenschaften sind in _einem_ einfachen _Hier_, +worin sie sich also durchdringen; keine hat ein anderes Hier als die +andere, sondern jede ist allenthalben, in demselben, worin die andere +ist; und zugleich, ohne durch verschiedene Hier geschieden zu sein, +affizieren sie sich in dieser Durchdringung nicht; das Weiße +affiziert oder verändert das Kubische nicht, beide nicht das Scharfe, +und so weiter, sondern da jede selbst einfaches +_Sich-auf-sich-beziehen_ ist, läßt sie die andern ruhig und bezieht +sich nur durch das gleichgültige _Auch_ auf sie. Dieses _Auch_ ist +also das reine Allgemeine selbst, oder das Medium, die sie so +zusammenfassende _Dingheit_. + +In diesem Verhältnisse, das sich ergeben hat, ist nur erst der +Charakter der positiven Allgemeinheit beobachtet und entwickelt; es +bietet sich aber noch eine Seite dar, welche auch hereingenommen +werden muß. Nämlich wenn die vielen bestimmten Eigenschaften +schlechterdings gleichgültig wären, und sich durchaus nur auf sich +selbst bezögen, so wären sie keine _bestimmte_; denn sie sind dies +nur insofern sie sich _unterscheiden_, und sich _auf andere_ als +entgegengesetzte _beziehen_. Nach dieser Entgegensetzung aber können +sie nicht in der einfachen Einheit ihres Mediums zusammen sein, die +ihnen ebenso wesentlich ist als die Negation; die Unterscheidung +derselben, insofern sie nicht eine gleichgültige, sondern +ausschließende, anderes negierende ist, fällt also außer diesem +einfachen Medium; und dieses ist daher nicht nur ein _Auch_, +gleichgültige Einheit, sondern auch _Eins, ausschließende Einheit_. +--Das Eins ist das _Moment der Negation_, wie es selbst auf eine +einfache Weise sich auf sich bezieht, und Anderes ausschließt; und +wodurch die _Dingheit_ als _Ding_ bestimmt ist. An der Eigenschaft +ist die Negation als _Bestimmtheit_, die unmittelbar eins ist mit der +Unmittelbarkeit des Seins, welche durch diese Einheit mit der +Negation, Allgemeinheit ist; als _Eins_ aber ist sie, wie sie von +dieser Einheit mit dem Gegenteil befreit, und an und für sich selbst +ist. + +In diesen Momenten zusammen ist das Ding als das Wahre der +Wahrnehmung vollendet, so weit es nötig ist, es hier zu entwickeln. +Es ist a) die gleichgültige passive Allgemeinheit, das _Auch_ der +vielen Eigenschaften, oder vielmehr _Materien,_ b) die Negation +ebenso als einfach; oder das _Eins_, das Ausschließen +entgegengesetzter Eigenschaften, und g) die vielen _Eigenschaften_ +selbst, die Beziehung der zwei ersten Momente; die Negation, wie sie +sich auf das gleichgültige Element bezieht, und sich darin als eine +Menge von Unterschieden ausbreitet; der Punkt der Einzelnheit in dem +Medium des Bestehens in die Vielheit ausstrahlend. Nach der Seite, +daß diese Unterschiede dem gleichgültigen Medium angehören, sind sie +selbst allgemein, beziehen sich nur auf sich, und affizieren sich +nicht; nach der Seite aber, daß sie der negativen Einheit angehören, +sind sie zugleich ausschließend; haben aber diese entgegengesetzte +Beziehung notwendig an Eigenschaften, die aus _*ihrem* Auch_ entfernt +sind. Die sinnliche Allgemeinheit, oder die _unmittelbare_ Einheit +des Seins und des Negativen, ist erst so _Eigenschaft_, insofern das +Eins und die reine Allgemeinheit aus ihr entwickelt, und voneinander +unterschieden sind, und sie diese miteinander zusammenschließt; diese +Beziehung derselben auf die reinen wesentlichen Momente vollendet +erst das _Ding_. + +So ist nun das Ding der Wahrnehmung beschaffen; und das Bewußtsein +ist als Wahrnehmendes bestimmt, insofern dies Ding sein Gegenstand +ist; es hat ihn _nur zu nehmen_, und sich als reines Auffassen zu +verhalten; was sich ihm dadurch ergibt, ist das Wahre. Wenn es +selbst bei diesem Nehmen etwas täte, würde es durch solches +Hinzusetzen oder Weglassen die Wahrheit verändern. Indem der +Gegenstand das Wahre und Allgemeine, sich selbst Gleiche, das +Bewußtsein sich aber das Veränderliche und Unwesentliche ist, kann es +ihm geschehen, daß es den Gegenstand unrichtig auffaßt und sich +täuscht. Das Wahrnehmende hat das Bewußtsein der Möglichkeit der +Täuschung; denn in der Allgemeinheit, welche das Prinzip ist, ist das +_Anderssein_ selbst unmittelbar für es, aber als das _Nichtige_, +Aufgehobene. Sein Kriterium der Wahrheit ist daher die +_Sichselbstgleichheit_, und sein Verhalten als sich selbst gleiches +aufzufassen. Indem zugleich das verschiedene für es ist, ist es ein +Beziehen der verschiedenen Momente seines Auffassens aufeinander; +wenn sich aber in dieser Vergleichung eine Ungleichheit hervortut, so +ist dies nicht eine Unwahrheit des Gegenstandes, denn er ist das sich +selbst Gleiche, sondern des Wahrnehmens. + +Sehen wir nun zu, welche Erfahrung das Bewußtsein in seinem +wirklichen Wahrnehmen macht. Sie ist _für uns_ in der soeben +gegebenen Entwicklung des Gegenstandes und des Verhaltens des +Bewußtseins zu ihm schon enthalten; und wird nur die Entwicklung der +darin vorhandenen Widersprüche sein.--Der Gegenstand, den Ich +aufnehme, bietet sich als _rein Einer_ dar; auch werde ich die +Eigenschaft an ihm gewahr, die _allgemein_ ist, dadurch aber über die +Einzelnheit hinausgeht. Das erste Sein des gegenständlichen Wesens +als eines Einen war also nicht sein wahres Sein; da er das Wahre ist, +fällt die Unwahrheit in mich, und das Auffassen war nicht richtig. +Ich muß um der _Allgemeinheit_ der Eigenschaft willen das +gegenständliche Wesen vielmehr als eine _Gemeinschaft_ überhaupt +nehmen. Ich nehme nun ferner die Eigenschaft wahr als _bestimmte_, +anderem _entgegengesetzte_, und es ausschließende. Ich faßte das +gegenständliche Wesen also in der Tat nicht richtig auf, als Ich es +als eine _Gemeinschaft_ mit andern oder als die Kontinuität bestimmte, +und muß, vielmehr um der _Bestimmtheit_ der Eigenschaft willen, die +Kontinuität trennen, und es als ausschließendes Eins setzen. An dem +getrennten Eins finde ich viele solche Eigenschaften, die einander +nicht affizieren, sondern gleichgültig gegeneinander sind; ich nahm +den Gegenstand also nicht richtig wahr, als ich ihn als ein +_Ausschließendes_ auffaßte, sondern er ist, wie vorhin nur +Kontinuität überhaupt, so itzt ein allgemeines _gemeinschaftliches +Medium_, worin viele Eigenschaften als sinnliche _Allgemeinheiten_, +jede für sich ist, und als _bestimmte_ die andern ausschließt. Das +Einfache und Wahre, das ich wahrnehme, ist aber hiemit auch nicht ein +allgemeines Medium, sondern die _einzelne Eigenschaft_ für sich, die +aber so weder Eigenschaft noch ein bestimmtes Sein ist; denn sie ist +nun weder an einem Eins noch in Beziehung auf andere. Eigenschaft +ist sie aber nur am Eins, und bestimmt nur in Beziehung auf andere. +Sie bleibt als dies reine Sich-auf-sich-selbst-beziehen nur +_sinnliches Sein_ überhaupt, da sie den Charakter der Negativität +nicht mehr an ihr hat; und das Bewußtsein, für welches itzt ein +sinnliches Sein ist, ist nur ein _Meinen_, das heißt, es ist aus dem +Wahrnehmen ganz heraus und in sich zurückgegangen. Allein das +sinnliche Sein und Meinen geht selbst in das Wahrnehmen über; ich bin +zu dem Anfang zurückgeworfen, und wieder in denselben, sich in jedem +Momente und als Ganzes aufhebenden Kreislauf hineingerissen. + +Das Bewußtsein durchlauft ihn also notwendig wieder, aber zugleich +nicht auf dieselbe Weise wie das erstemal. Es hat nämlich die +Erfahrung über das Wahrnehmen gemacht, daß das Resultat und das Wahre +desselben seine Auflösung, oder die Reflexion in sich selbst aus dem +Wahren ist. Es hat sich hiemit für das Bewußtsein bestimmt, wie sein +Wahrnehmen wesentlich beschaffen ist, nämlich nicht ein einfaches +reines Auffassen, sondern _in seinem Auffassen_ zugleich aus dem +Wahren _heraus in sich reflektiert_ zu sein. Diese Rückkehr des +Bewußtseins in sich selbst, die sich in das reine Auffassen +unmittelbar--denn sie hat sich als dem Wahrnehmen wesentlich +gezeigt--_einmischt_, verändert das Wahre. Das Bewußtsein erkennt +diese Seite zugleich als die seinige, und nimmt sie auf sich, wodurch +es also den wahren Gegenstand rein erhalten wird.--Es ist hiemit itzt, +wie es bei der sinnlichen Gewißheit geschah, an dem Wahrnehmen die +Seite vorhanden, daß das Bewußtsein in sich zurückgedrängt wird, aber +zunächst nicht in dem Sinne, in welchem dies bei jener der Fall war; +als ob in es die _Wahrheit_ des Wahrnehmens fiele, sondern vielmehr +erkennt es, daß die _Unwahrheit_, die darin vorkömmt, in es fällt. +Durch diese Erkenntnis aber ist es zugleich fähig, sie aufzuheben; es +unterscheidet sein Auffassen des Wahren von der Unwahrheit seines +Wahrnehmens, korrigiert diese, und insofern es diese Berichtigung +selbst vornimmt, fällt allerdings die Wahrheit als Wahrheit des +_Wahrnehmens in dasselbe_. Das Verhalten des Bewußtseins, das +nunmehr zu betrachten ist, ist also so beschaffen, daß es nicht mehr +bloß wahrnimmt, sondern auch seiner Reflexion in sich bewußt ist, und +diese von der einfachen Auffassung selbst abtrennt. + +Ich werde also zuerst des Dings als _Eines_ gewahr, und habe es in +dieser wahren Bestimmung festzuhalten; wenn in der Bewegung des +Wahrnehmens etwas dem Widersprechendes vorkommt, so ist dies als +meine Reflexion zu erkennen. Es kommen nun in der Wahrnehmung auch +verschiedene Eigenschaften vor, welche Eigenschaften des Dings zu +sein scheinen; allein das Ding ist Eins und von dieser +Verschiedenheit, wodurch es aufhörte, Eins zu sein, sind wir uns +bewußt, daß sie in uns fällt. Dies Ding ist also in der Tat nur weiß, +an _unser_ Auge gebracht, scharf _auch_, an _unsre_ Zunge, _auch_ +kubisch an _unser_ Gefühl, und so fort. Die gänzliche +Verschiedenheit dieser Seiten nehmen wir nicht aus dem Dinge, sondern +aus uns; sie fallen uns an unserem von der Zunge ganz unterschiedenen +Auge und so fort, so auseinander. Wir sind somit das _allgemeine +Medium_, worin solche Momente sich absondern und für sich sind. +Hiedurch also, daß wir die Bestimmtheit, allgemeines Medium zu sein, +als unsre Reflexion betrachten, erhalten wir die Sichselbstgleichheit +und Wahrheit des Dinges, Eins zu sein. + +Diese _verschiedenen Seiten_, welche das Bewußtsein auf sich nimmt, +sind aber, jede so für sich, als in dem allgemeinen Medium sich +befindend betrachtet, _bestimmt_; das Weiße ist nur in +Entgegensetzung gegen das Schwarze, und so fort, und das Ding Eins +gerade dadurch, daß es andern sich entgegensetzt. Es schließt aber +andere nicht, insofern es Eins ist, von sich aus; denn Eins zu sein +ist das allgemeine Auf-sich-selbst-beziehen, und dadurch, daß es Eins +ist, ist es vielmehr allen gleich; sondern durch die _Bestimmtheit_. +Die Dinge selbst also sind _an und für sich bestimmte_; sie haben +Eigenschaften, wodurch sie sich von andern unterscheiden. Indem die +_Eigenschaft_ die _eigene_ Eigenschaft des Dinges, oder eine +Bestimmtheit an ihm selbst ist, hat es _mehrere_ Eigenschaften. Denn +vors erste ist das Ding das Wahre, es ist _an sich selbst_; und was +an ihm ist, ist an ihm als sein eigenes Wesen, nicht um anderer +willen; also sind zweitens die bestimmten Eigenschaften nicht nur um +anderer Dinge willen, und für andere Dinge, sondern an ihm selbst; +sie sind aber bestimmte Eigenschaften _an ihm_ nur, indem sie mehrere +sich voneinander unterscheidende sind; und drittens, indem sie so in +der Dingheit sind, sind sie an und für sich und gleichgültig +gegeneinander. Es ist also in Wahrheit das Ding selbst, welches weiß, +und _auch_ kubisch, _auch_ scharf, und so fort ist, oder das Ding +ist das _Auch_, oder das _allgemeine Medium_, worin die vielen +Eigenschaften außereinander bestehen, ohne sich zu berühren und +aufzuheben; und so genommen wird es als das Wahre genommen. + +Bei diesem Wahrnehmen nun ist das Bewußtsein zugleich sich bewußt, +daß es sich _auch_ in sich selbst reflektiert und in dem Wahrnehmen +das dem _Auch_ entgegengesetzte Moment vorkommt. Dies Moment aber +ist _Einheit_ des Dings mit sich selbst, welche den Unterschied aus +sich ausschließt. Sie ist es demnach, welche das Bewußtsein auf sich +zu nehmen hat; denn das Ding selbst ist das _Bestehen der vielen +verschiedenen_ und _unabhängigen Eigenschaften_. Es wird also von +dem Dinge gesagt, _es ist_ weiß, _auch_ kubisch, und _auch_ scharf u. +s.f. Aber _insofern_ es weiß ist, ist es nicht kubisch, und +_insofern es_ kubisch und auch weiß ist, ist es nicht scharf u.s.f. +Das _In-eins-setzen_ dieser Eigenschaften kommt nur dem Bewußtsein zu, +welches sie daher an dem Ding nicht in Eins fallen zu lassen hat. +Zu dem Ende bringt es das _Insofern_ herbei, wodurch es sie +auseinander, und das Ding als das Auch erhält. Recht eigentlich wird +das _Einssein_ von dem Bewußtsein erst so auf sich genommen, daß +dasjenige, was Eigenschaft genannt wurde, als _freie Materie_ +vorgestellt wird. Das Ding ist auf diese Weise zum wahrhaften _Auch_ +erhoben, indem es eine Sammlung von Materien, und statt Eins zu sein +zu einer bloß umschließenden Oberfläche wird. + +Sehen wir zurück auf dasjenige, was das Bewußtsein vorhin auf sich +genommen, und itzt auf sich nimmt; was es vorhin dem Dinge zuschrieb, +und itzt ihm zuschreibt, so ergibt sich daß es abwechslungsweise +ebensowohl sich selbst als auch das Ding zu beidem macht, zum reinen +vielheitslosen _Eins_, wie zu einem in selbstständige Materien +aufgelösten _Auch_. Das Bewußtsein findet also durch diese +Vergleichung, daß nicht nur _sein_ Nehmen des Wahren, die +_Verschiedenheit des Auffassens_ und _des In-sich-zurückgehens_ an +ihm hat, sondern daß vielmehr das Wahre selbst, das Ding, sich auf +diese gedoppelte Weise zeigt. Es ist hiemit die Erfahrung vorhanden, +daß das Ding sich _für das_ auffassende _Bewußtsein_ auf eine +bestimmte Weise _darstellt_, aber _zugleich_ aus der Weise, in der es +sich darbietet, _heraus_ und _in sich reflektiert ist_, oder an ihm +selbst eine entgegengesetzte Wahrheit hat. + +Das Bewußtsein ist also auch aus dieser zweiten Art, sich im +Wahrnehmen zu verhalten, nämlich das Ding als das Wahre sich selbst +Gleiche, sich aber für das Ungleiche, für das aus der Gleichheit +heraus in sich Zurückgehende, zu nehmen, selbst heraus, und der +Gegenstand ist ihm itzt diese ganze Bewegung, welche vorher an den +Gegenstand und an das Bewußtsein verteilt war. Das Ding ist _Eins_, +in sich reflektiert; es ist _für sich_; aber es ist auch _für ein +Anderes_; und zwar ist es ein _anderes_ für sich, _als es_ für +Anderes ist. Das Ding ist hienach für sich, und _auch_ für ein +Anderes, ein _gedoppeltes_ verschiedenes Sein; aber es ist _auch +Eins_; das Einssein aber widerspricht dieser seiner Verschiedenheit; +das Bewußtsein hätte hienach dies In-eins-setzen wieder auf sich zu +nehmen, und von dem Dinge abzuhalten. Es müßte also sagen, daß das +Ding, _insofern_ es für sich ist, nicht für Anderes ist. Allein dem +Dinge selbst kommt auch das Einssein zu, wie das Bewußtsein erfahren +hat; das Ding ist wesentlich in sich reflektiert. Das _Auch_, oder +der gleichgültige Unterschied fällt also wohl ebenso in das Ding, als +das _Einssein_; aber da beides verschieden, nicht in dasselbe, +sondern in _verschiedene_ Dinge; der Widerspruch, der an dem +gegenständlichen Wesen überhaupt ist, verteilt sich an zwei +Gegenstände. Das Ding ist also wohl an und für sich, sich selbst +gleich; aber diese Einheit mit sich selbst wird durch andere Dinge +gestört; so ist die Einheit des Dings erhalten, und zugleich das +Anderssein außer ihm, so wie außer dem Bewußtsein. + +Ob nun zwar so der Widerspruch des gegenständlichen Wesens an +verschiedene Dinge verteilt ist, so wird darum doch an das +abgesonderte einzelne Ding selbst der Unterschied kommen. Die +_verschiedenen Dinge_ sind also _für sich_ gesetzt; und der +Widerstreit fällt in sie so gegenseitig, daß jedes nicht von sich +selbst, sondern nur von dem andern verschieden ist. Jedes ist aber +hiemit _selbst als ein Unterschiedenes_ bestimmt, und hat den +wesentlichen Unterschied von den andern _an ihm_; aber zugleich nicht +so, daß dies eine Entgegensetzung an ihm selbst wäre, sondern es für +sich ist _einfache Bestimmtheit_, welche seinen _wesentlichen_ es von +andern unterscheidenden Charakter ausmacht. In der Tat ist zwar, da +die Verschiedenheit an ihm ist, dieselbe notwendig als _wirklicher_ +Unterschied mannigfaltiger Beschaffenheit an ihm. Allein weil die +Bestimmtheit das _Wesen_ des Dinges ausmacht, wodurch es von andern +sich unterscheidet und für sich ist, so ist diese sonstige +mannigfaltige Beschaffenheit das _Unwesentliche_. Das Ding hat +hiemit zwar in seiner Einheit das _gedoppelte Insofern_ an ihm, aber +mit _ungleichem Werte_; wodurch dies Engegengesetztsein also nicht +zur wirklichen Entgegensetzung des Dings selbst wird, sondern +insofern dies durch seinen _*absoluten* Unterschied_ in +Entgegensetzung kommt, hat es sie gegen ein anderes Ding außer ihm. +Die sonstige Mannigfaltigkeit aber ist zwar auch notwendig an dem +Dinge, so daß sie nicht von ihm wegbleiben kann, aber sie ist ihm +_unwesentlich_. + +Diese Bestimmtheit, welche den wesentlichen Charakter des Dings +ausmacht, und es von allen andern unterscheidet, ist nun so bestimmt, +daß das Ding dadurch im Gegensatze mit andern ist, aber sich darin +für sich erhalten soll. Ding aber, oder für sich seiendes Eins ist +es nur, insofern es nicht in dieser Beziehung auf andere steht; denn +in dieser Beziehung ist vielmehr der Zusammenhang mit anderem gesetzt; +und Zusammenhang mit anderem ist das Aufhören des Für-sich-seins. +Durch den _absoluten Charakter_ gerade und seine Entgegensetzung +_verhält_ es sich zu _andern_, und ist wesentlich nur dies Verhalten; +das Verhältnis aber ist die Negation seiner Selbstständigkeit, und +das Ding geht vielmehr durch seine wesentliche Eigenschaft zugrunde. + +Die Notwendigkeit der Erfahrung für das Bewußtsein, daß das Ding eben +durch die Bestimmtheit, welche sein Wesen und sein Für-sich-sein +ausmacht, zugrunde geht, kann kurz dem einfachen Begriffe nach so +betrachtet werden. Das Ding ist gesetzt als _Für-sich-sein_, oder +als absolute Negation alles Andersseins; daher absolute, nur sich auf +sich beziehende Negation; aber die sich auf sich beziehende Negation +ist Aufheben _seiner selbst_, oder sein Wesen in einem andern zu +haben. + +In der Tat enthält die Bestimmung des Gegenstandes, wie er sich +ergeben hat, nichts anderes; er soll eine wesentliche Eigenschaft, +welche sein einfaches Für-sich-sein ausmacht, bei dieser Einfachheit +aber auch die Verschiedenheit an ihm selbst haben, welche zwar +_notwendig_ sein, aber nicht die _wesentliche_ Bestimmtheit ausmachen +soll. Aber dies ist eine Unterscheidung, welche nur noch in den +Worten liegt; das _Unwesentliche_, welches doch zugleich _notwendig_ +sein soll, hebt sich selbst auf, oder ist dasjenige, was soeben die +Negation seiner selbst genannt wurde. + +Es fällt hiemit das letzte _Insofern_ hinweg, welches das +Für-sich-sein und das Sein für Anderes trennte; der Gegenstand ist +vielmehr _in einer und derselben Rücksicht das Gegenteil seiner +selbst, für sich, insofern er für Anderes_, und _für Anderes, +insofern er für sich ist_. Er ist _für sich_, in sich reflektiert, +Eins; aber dies _für sich_, in sich reflektiert, Einssein ist mit +seinem Gegenteile, dem _Sein für ein Anderes_, in einer Einheit, und +darum nur als Aufgehobenes gesetzt; oder dies _Für-sich-sein_ ist +ebenso _unwesentlich_ als dasjenige, was allein das Unwesentliche +sein sollte, nämlich das Verhältnis zu anderem. + +Der Gegenstand ist hiedurch in seinen reinen Bestimmtheiten oder in +den Bestimmtheiten, welche seine Wesenheit ausmachen sollten, ebenso +aufgehoben, als er in seinem sinnlichen Sein zu einem Aufgehobenen +wurde. Aus dem sinnlichen Sein wird er ein Allgemeines; aber dies +Allgemeine ist, da es _aus dem sinnlichen herkommt_, wesentlich durch +dasselbe _bedingt_, und daher überhaupt nicht wahrhaft sich selbst +gleiche, sondern _mit einem Gegensatze affizierte_ Allgemeinheit, +welche sich darum in die Extreme der Einzelnheit und Allgemeinheit, +des Eins der Eigenschaften und des Auchs der freien Materien trennt. +Diese reinen Bestimmtheiten scheinen die _Wesenheit_ selbst +auszudrücken, aber sie sind nur ein _Für-sich-sein_, welches mit dem +_Sein für ein Anderes_ behaftet ist; indem aber beide wesentlich _in +einer Einheit_ sind, so ist itzt die unbedingte absolute +Allgemeinheit vorhanden, und das Bewußtsein tritt hier erst wahrhaft +in das Reich des Verstandes ein. + +Die sinnliche Einzelnheit also verschwindet zwar in der dialektischen +Bewegung der unmittelbaren Gewißheit und wird Allgemeinheit, aber nur +_sinnliche Allgemeinheit_. Das Meinen ist verschwunden, und das +Wahrnehmen nimmt den Gegenstand, wie _er an sich_ ist, oder als +Allgemeines überhaupt; die Einzelnheit tritt daher an ihm, als wahre +Einzelnheit, als _An-sich-sein_ des _Eins_ hervor, oder als +_Reflektiertsein in sich_ selbst. Es ist aber noch ein _bedingtes_ +Für-sich-sein, _neben welchem_ ein anderes Für-sich-sein, die der +Einzelnheit entgegengesetzte und durch sie bedingte Allgemeinheit +vorkommt; aber diese beiden widersprechenden Extreme sind nicht nur +_nebeneinander,_ sondern in _einer_ Einheit, oder, was dasselbe ist, +das Gemeinschaftliche beider, das _Für-sich-sein_ ist mit dem +Gegensatze überhaupt behaftet, das heißt, es ist zugleich nicht ein +_Für-sich-sein_. Diese Momente sucht die Sophisterei des Wahrnehmens +von ihrem Widerspruche zu retten, und durch die Unterscheidung der +_Rücksichten_, durch das _Auch_ und _Insofern_ festzuhalten, sowie +endlich durch die Unterscheidung des _Unwesentlichen_ und eines ihm +entgegengesetzten _Wesens_ das Wahre zu ergreifen. Allein diese +Auskunftsmittel, statt die Täuschung in dem Auffassen abzuhalten, +erweisen sich vielmehr selbst als nichtig, und das Wahre, das durch +diese Logik des Wahrnehmens gewonnen werden soll, erweist sich in +einer und derselben Rücksicht, das Gegenteil zu sein, und hiemit zu +seinem Wesen die unterscheidungs- und bestimmungslose Allgemeinheit +zu haben. + +Diese leeren Abstraktionen der _Einzelnheit_ und der ihr +entgegengesetzten _Allgemeinheit_, sowie des _Wesens_, das mit einem +Unwesentlichen verknüpft, eines _Unwesentlichen_, das doch zugleich +notwendig ist, sind die Mächte, deren Spiel der wahrnehmende, oft so +genannte gesunde Menschenverstand ist; er, der sich für das gediegne +reale Bewußtsein nimmt, ist im Wahrnehmen nur das Spiel _dieser +Abstraktionen_; er ist überhaupt immer da am ärmsten, wo er am +reichsten zu sein meint. Indem er von diesen nichtigen Wesen +herumgetrieben, von dem einen dem andern in die Arme geworfen wird +und durch seine Sophisterei abwechslungsweise itzt das eine, dann das +gerad Entgegengesetzte festzuhalten und zu behaupten bemüht, sich der +Wahrheit widersetzt, meint er von der Philosophie, sie habe es nur +mit _Gedankendingen_ zu tun. Sie hat in der Tat auch damit zu tun, +und erkennt sie für die reinen Wesen, für die absoluten Elemente und +Mächte; aber damit erkennt sie dieselben zugleich _in ihrer +Bestimmtheit_, und ist darum Meister über sie, während jener +wahrnehmende Verstand sie für das Wahre nimmt, und von ihnen aus +einer Irre in die andere geschickt wird. Er selbst kommt nicht zu +dem Bewußtsein, daß es solche einfache Wesenheiten sind, die in ihm +walten, sondern er meint es immer mit ganz gediegnem Stoffe und +Inhalte zu tun zu haben, so wie die sinnliche Gewißheit nicht weiß, +daß die leere Abstraktion des reinen Seins ihr Wesen ist; aber in der +Tat sind sie es, an welchen er durch allen Stoff und Inhalt hindurch +und hin und her läuft; sie sind der Zusammenhalt und die Herrschaft +desselben, und allein dasjenige, was das sinnliche _als Wesen_ für +das Bewußtsein ist, was seine Verhältnisse zu ihm bestimmt, und woran +die Bewegung des Wahrnehmens und seines Wahren abläuft. Dieser +Verlauf, ein beständig abwechselndes Bestimmen des Wahren und +Aufheben dieses Bestimmens, macht eigentlich das tägliche und +beständige Leben und Treiben des Wahrnehmenden und in der Wahrheit +sich zu bewegen meinenden Bewußtseins aus. Es geht darin +unaufhaltsam zu dem Resultate des gleichen Aufhebens aller dieser +wesentlichen Wesenheiten oder Bestimmungen fort, ist aber in jedem +einzelnen Momente nur dieser _einen Bestimmtheit_ als des Wahren sich +bewußt, und dann wieder der entgegengesetzten. Es wittert wohl ihre +Unwesenheit; sie gegen die drohende Gefahr zu retten, geht es zur +Sophisterei über, das, was es selbst soeben als das Nichtwahre +behauptete, itzt als das Wahre zu behaupten. Wozu diesen Verstand +eigentlich die Natur dieser unwahren Wesen treiben will, die Gedanken +von jener _Allgemeinheit_ und _Einzelnheit_, vom _Auch_ und _Eins_, +von jener _Wesentlichkeit_, die mit einer _Unwesentlichkeit +notwendig_ verknüpft ist, und von einem _Unwesentlichen_, das doch +notwendig ist,--die _Gedanken_ von diesen Unwesen _zusammenzubringen_ +und sie dadurch aufzuheben, dagegen sträubt er sich durch die Stützen +des _Insofern_ und der verschiedenen _Rücksichten_, oder dadurch, den +einen Gedanken auf sich zu nehmen, um den andern getrennt und als den +wahren zu erhalten. Aber die Natur dieser Abstraktionen bringt sie +an und für sich zusammen, der gesunde Verstand ist der Raub derselben, +die ihn in ihrem wirbelnden Kreise umhertreiben. Indem er ihnen die +Wahrheit dadurch geben will, daß er bald die Unwahrheit derselben auf +sich nimmt, bald aber auch die Täuschung einen Schein der +unzuverlässigen Dinge nennt und das Wesentliche von einem ihnen +notwendigen, und doch unwesentlich sein sollenden abtrennt, und jenes +als ihre Wahrheit gegen dieses festhält, erhält er ihnen nicht ihre +Wahrheit, sich aber gibt er die Unwahrheit. + + + +III. Kraft und Verstand,Erscheinung und übersinnliche Welt + +Dem Bewußtsein ist in der Dialektik der sinnlichen Gewißheit das +Hören und Sehen u.s.w. vergangen, und als Wahrnehmen ist es zu +Gedanken gekommen, welche es aber erst im unbedingt Allgemeinen +zusammenbringt. Dies Unbedingte wäre nun selbst wieder nichts anders +als das auf eine Seite tretende _Extrem_ des _Für-sich-seins_, wenn +es als ruhiges einfaches Wesen genommen würde, denn so träte ihm das +Unwesen gegenüber; aber auf dieses bezogen wäre es selbst +unwesentlich, und das Bewußtsein nicht aus der Täuschung des +Wahrnehmens herausgekommen; allein es hat sich als ein solches +ergeben, welches aus einem solchen bedingten Für-sich-sein in sich +zurückgegangen ist.--Dies unbedingte Allgemeine, das nunmehr der +wahre Gegenstand des Bewußtseins ist, ist noch als _Gegenstand_ +desselben; es hat seinen _Begriff_ als _Begriff_ noch nicht erfaßt. +Beides ist wesentlich zu unterscheiden; dem Bewußtsein ist der +Gegenstand aus dem Verhältnisse zu einem andern in sich +zurückgegangen, und hiemit _an sich_ Begriff geworden; aber das +Bewußtsein ist noch nicht für sich selbst der Begriff, und deswegen +erkennt es in jenem reflektierten Gegenstande nicht sich. _Für uns_ +ist dieser Gegenstand durch die Bewegung des Bewußtseins so geworden, +daß dieses in das Werden desselben verflochten, und die Reflexion auf +beiden Seiten dieselbe, oder nur _eine_ ist. Weil aber das +Bewußtsein in dieser Bewegung nur das gegenständliche Wesen, nicht +das Bewußtsein als solches zu seinem Inhalte hatte, so ist für es das +Resultat in gegenständlicher Bedeutung zu setzen, und das Bewußtsein +noch von dem gewordenen zurücktretend, so daß ihm dasselbe als +Gegenständliches das Wesen ist. + +Der Verstand hat damit zwar seine eigne Unwahrheit und die Unwahrheit +des Gegenstandes aufgehoben; und was ihm dadurch geworden, ist der +Begriff des Wahren; als _an sich_ seiendes Wahres, das noch nicht +Begriff ist, oder das des _Für-sich-seins_ des Bewußtseins entbehrt, +und das der Verstand, ohne sich darin zu wissen, gewähren läßt. +Dieses treibt sein Wesen für sich selbst; so daß das Bewußtsein +keinen Anteil an seiner freien Realisierung hat, sondern ihr nur +zusieht, und sie rein auffaßt. _Wir_ haben hiemit noch vors erste an +seine Stelle zu treten, und der Begriff zu sein, welcher das +ausbildet, was in dem Resultate enthalten ist; an diesem +ausgebildeten Gegenstande, der dem Bewußtsein als ein seiendes sich +darbietet, wird es sich erst zum begreifenden Bewußtsein. + +Das Resultat war das unbedingt Allgemeine, zunächst in dem negativen +und abstrakten Sinne, daß das Bewußtsein seine einseitigen Begriffe +negierte, und sie abstrahierte, nämlich sie aufgab. Das Resultat hat +aber an sich die positive Bedeutung, daß darin die Einheit, _des +Für-sich-seins_ und _des Für-ein-Anderes-seins_, oder der absolute +Gegensatz unmittelbar als dasselbe Wesen gesetzt ist. Es scheint +zunächst nur die Form der Momente zueinander zu betreffen; aber das +Für-sich-sein und das Für-Anderes-sein ist ebensowohl der _Inhalt_ +selbst, weil der Gegensatz in seiner Wahrheit keine andere Natur +haben kann, als die sich im Resultate ergeben hat, daß nämlich der in +der Wahrnehmung für wahr gehaltene Inhalt in der Tat nur der Form +angehört, und in ihre Einheit sich auflöst. Dieser Inhalt ist +zugleich allgemein; es kann keinen andern Inhalt geben, der durch +seine besondere Beschaffenheit sich dem entzöge, in diese unbedingte +Allgemeinheit zurückzugehen. Ein solcher Inhalt wäre irgendeine +bestimmte Weise, für sich zu sein, und zu Anderem sich zu verhalten. +Allein _für sich zu sein_, und _zu Anderem sich zu verhalten +überhaupt_, macht seine _Natur_ und _Wesen_ aus, deren Wahrheit ist, +unbedingt Allgemeines zu sein; und das Resultat ist schlechthin +allgemein. + +Weil aber dies unbedingt Allgemeine Gegenstand für das Bewußtsein ist, +so tritt an ihm der Unterschied der Form und des Inhalts hervor, und +in der Gestalt des Inhalts haben die Momente das Aussehen, in welchem +sie sich zuerst darboten, einerseits allgemeines Medium vieler +bestehender Materien, und anderseits in sich reflektiertes Eins, +worin ihre Selbstständigkeit vertilgt ist, zu sein. Jenes ist die +Auflösung der Selbstständigkeit des Dinges, oder die Passivität, die +ein Sein für ein Anderes ist, dies aber das Für-sich-sein. Es ist zu +sehen, wie diese Momente in der unbedingten Allgemeinheit, die ihr +Wesen ist, sich darstellen. Es erhellt zunächst, daß sie dadurch, +daß sie nur in dieser sind, überhaupt nicht mehr auseinander liegen, +sondern wesentlich an ihnen selbst sich aufhebende Seiten sind, und +nur das Übergehen derselben ineinander gesetzt ist. + +Das eine Moment erscheint also als das auf die Seite getretene Wesen, +als allgemeines Medium oder als das Bestehen selbstständiger Materien. +Die _Selbstständigkeit_ dieser Materien aber ist nichts anders als +dies Medium; oder dies _Allgemeine_ ist durchaus die _Vielheit_ +solcher verschiedenen Allgemeinen. Das Allgemeine ist an ihm selbst +in ungetrennter Einheit mit dieser Vielheit, heißt aber, diese +Materien sind, jede wo die andere ist, sie durchdringen sich +gegenseitig--ohne aber sich zu berühren, weil umgekehrt das viele +Unterschiedene ebenso selbstständig ist. Damit ist zugleich auch +ihre reine Porosität oder ihr Aufgehobensein gesetzt. Dies +Aufgehobensein wieder, oder die Reduktion dieser Verschiedenheit zum +_reinen Für-sich-sein_ ist nichts anders als das Medium selbst und +dies die _Selbstständigkeit_ der Unterschiede. Oder die +selbstständig gesetzten gehen unmittelbar in ihre Einheit, und ihre +Einheit unmittelbar in die Entfaltung über, und diese wieder zurück +in die Reduktion. Diese Bewegung ist aber dasjenige, was _Kraft_ +genannt wird; das eine Moment derselben, nämlich sie als Ausbreitung +der selbstständigen Materien in ihrem Sein, ist ihre _Äußerung_; sie +aber als das Verschwundensein derselben ist die in sich aus ihrer +Äußerung _zurückgedrängte_, oder _die eigentliche Kraft_. Aber +erstens die in sich zurückgedrängte Kraft _muß_ sich äußern; und +zweitens in der Äußerung ist sie ebenso _in sich_ selbst seiende +Kraft, als sie in diesem In-sich-selbst-sein Äußerung ist.--Indem wir +so beide Momente in ihrer unmittelbaren Einheit erhalten, so ist +eigentlich der Verstand, dem der Begriff der Kraft angehört, _der +Begriff_, welcher die unterschiedenen Momente als unterschiedene +trägt; denn _an ihr selbst_ sollen sie nicht unterschieden sein; der +Unterschied ist hiemit nur im Gedanken.--Oder es ist im obigen nur +erst der Begriff der Kraft, nicht ihre Realität gesetzt worden. In +der Tat aber ist die Kraft das unbedingt Allgemeine, welches, was es +_für ein Anderes_, ebenso an sich selbst ist; oder welches den +Unterschied--denn er ist nichts anderes, als das +_Für-ein-Anderes-sein_--an ihm selbst hat. Daß also die Kraft in +ihrer Wahrheit sei, muß sie ganz vom Gedanken frei gelassen und als +die Substanz dieser Unterschiede gesetzt werden, das heißt _einmal, +sie_ als diese ganze Kraft wesentlich _an und für sich_ bleibend, und +_dann_ ihre _Unterschiede_ als _substantiell_, oder als für sich +bestehende Momente. Die Kraft als solche, oder als in sich +zurückgedrängte ist hiemit für sich als ein _ausschließendes_ Eins, +welchem die Entfaltung der Materien ein _anderes bestehendes Wesen_ +ist, und es sind so zwei unterschiedne selbstständige Seiten gesetzt. +Aber die Kraft ist auch das Ganze, oder sie bleibt, was sie ihrem +Begriffe nach ist, nämlich diese _Unterschiede_ bleiben reine Formen, +oberflächliche _verschwindende Momente. Die Unterschiede_ der in +sich _zurückgedrängten_ eigentlichen Kraft und der _Entfaltung_ der +selbstständigen Materien wären zugleich gar nicht, wenn sie nicht ein +_Bestehen_ hätten, oder die Kraft wäre nicht, wenn sie nicht auf +diese entgegengesetzte Weise _existierte_; aber, sie existiert auf +diese entgegengesetzte Weise, heißt nichts anderes, als beide Momente +sind selbst zugleich _selbstständig_.--Diese Bewegung des +Sich-beständig-verselbstständigens der beiden Momente und ihres +Sich-wieder-aufhebens ist es also, was zu betrachten ist.--Es erhellt +im allgemeinen, daß diese Bewegung nichts anderes ist als die +Bewegung des Wahrnehmens, worin die beiden Seiten, das Wahrnehmende +und das Wahrgenommene zugleich, einmal als das _Auffassen_ des Wahren +eins und ununterschieden, dabei aber ebensowohl jede Seite in sich +_reflektiert_ oder für sich ist. Hier sind diese beiden Seiten +Momente der Kraft; sie sind ebensowohl in einer Einheit, als diese +Einheit, welche gegen die für sich seienden Extreme als die Mitte +erscheint, sich immer in eben diese Extreme zersetzt, die erst +dadurch sind.--Die Bewegung, welche sich vorhin als das +Sich-selbst-vernichten widersprechender Begriffe darstellte, hat also +hier die _gegenständliche_ Form, und ist Bewegung der Kraft, als +deren Resultat das unbedingt Allgemeine als _Ungegenständliches_, +oder als _Innres_ der Dinge hervorgeht. + +Die Kraft ist, wie sie bestimmt worden, indem sie als _solche_, oder +als _in sich reflektiert_ vorgestellt wird, die eine Seite ihres +Begriffs; aber als ein substantiiertes Extrem, und zwar das unter der +Bestimmtheit des Eins gesetzte. Hiemit ist das _Bestehen_ der +entfalteten Materien aus ihr ausgeschlossen, und ein _Anderes_ als +sie. Indem es notwendig ist, daß _sie selbst_ dieses _Bestehen_ sei, +oder daß sie sich _äußere_, so stellt sich ihre Äußerung so vor, daß +_jenes andere_ zu ihr _hinzutritt_, und sie sollizitiert. Aber in +der Tat, indem sie _notwendig_ sich äußert, hat sie dies, was als ein +anderes Wesen gesetzt war, an ihr selbst. Es muß zurückgenommen +werden, daß sie als _ein Eins_, und ihr Wesen, sich zu äußern, als +ein Anderes zu ihr von außen Hinzutretendes gesetzt wurde; sie ist +vielmehr selbst dies allgemeine Medium des Bestehens der Momente als +Materien; oder _sie hat sich geäußert_, und was das andere +Sollizitierende sein sollte, ist sie vielmehr. Sie existiert also +itzt als das Medium der entfalteten Materien. Aber sie hat gleich +wesentlich die Form des Aufgehobenseins der bestehenden Materien, +oder ist wesentlich _Eins_; _dies Eins-sein_ ist hiemit _itzt_, da +_sie_ gesetzt ist als das Medium von Materien, _ein anderes als sie_, +und sie hat dies ihr Wesen außer ihr. Indem sie aber notwendig dies +sein muß, als was sie _noch nicht_ gesetzt ist, so _tritt dies andere +hinzu_ und sollizitiert sie zur Reflexion in sich selbst, oder hebt +ihre Äußerung auf. In der Tat aber ist _sie selbst_ dieses +In-sich-reflektiert-sein, oder dies Aufgehobensein der Äußerung; das +Einssein verschwindet, _wie_ es erschien, nämlich als _ein anderes_; +_sie ist es selbst_, sie ist in sich zurückgedrängte Kraft. + +Das, was als Anderes auftritt, und sie sowohl zur Äußerung als zur +Rückkehr in sich selbst sollizitiert, ist, wie sich unmittelbar +ergibt, _selbst Kraft_; denn das Andre zeigt sich ebensowohl als +allgemeines Medium wie als Eins; und so, daß jede dieser Gestalten +zugleich nur als verschwindendes Moment auftritt. Die Kraft ist +hiemit dadurch, daß ein Anderes für sie, und sie für ein Anderes ist, +überhaupt noch nicht aus ihrem Begriffe herausgetreten. Es sind aber +zugleich zwei Kräfte vorhanden; der Begriff beider zwar derselbe, +aber aus seiner Einheit in die Zweiheit herausgegangen. Statt daß +der Gegensatz durchaus wesentlich nur Moment bliebe, scheint er sich +durch die Entzweiung in ganz _selbstständige Kräfte_ der Herrschaft +der Einheit entzogen zu haben. Was es mit dieser Selbstständigkeit +für eine Bewandtnis hat, ist näher zu sehen. Zunächst tritt die +zweite Kraft als das Sollizitierende, und zwar als allgemeines Medium +seinem Inhalte nach gegen die auf, welche als sollizitierte bestimmt +ist; indem aber jene wesentlich Abwechslung dieser beiden Momente und +selbst Kraft ist, so ist sie in der Tat gleichfalls _nur erst_ +allgemeines Medium, _indem sie dazu sollizitiert wird_, und ebenso +auch nur negative Einheit, oder zum Zurückgehen der Kraft +Sollizitierendes, _dadurch, daß sie sollizitiert wird_. Es +verwandelt sich hiemit auch dieser Unterschied, der zwischen beiden +stattfand, daß das eine das _Sollizitierende_, das andere das +_Sollizitierte_ sein sollte, in dieselbe Austauschung der +Bestimmtheiten gegeneinander. + +Das Spiel der beiden Kräfte besteht hiemit in diesem +entgegengesetzten Bestimmtsein beider, ihrem Füreinander-sein in +dieser Bestimmung, und der absoluten unmittelbaren Verwechslung der +Bestimmungen--einem Übergange, wodurch allein diese Bestimmungen sind, +in denen die Kräfte _selbstständig_ aufzutreten scheinen. Das +Sollizitierende ist, zum Beispiel, als allgemeines Medium, und +dagegen das Sollizitierte als zurückgedrängte Kraft gesetzt; aber +jenes ist allgemeines Medium selbst nur dadurch, daß das andere +zurückgedrängte Kraft ist; oder diese ist vielmehr das +Sollizitierende für jenes, und macht dasselbe erst zum Medium. Jenes +hat nur durch das andere seine Bestimmtheit, und ist sollizitierend, +nur insofern es vom andern dazu sollizitiert wird, sollizitierend zu +sein; und es verliert ebenso unmittelbar diese ihm gegebene +Bestimmtheit; denn diese geht an das andere über oder vielmehr ist +schon an dasselbe übergegangen; das fremde die Kraft Sollizitierende +tritt als allgemeines Medium auf, aber nur dadurch, daß es von ihr +dazu sollizitiert worden ist; das heißt aber, _sie setzt_ es so und +_ist_ vielmehr _selbst wesentlich_ allgemeines Medium; sie setzt das +Sollizitierende so, darum weil diese andere Bestimmung _ihr_ +wesentlich, das heißt, weil _sie vielmehr sie selbst ist._ + +Zur Vervollständigung der Einsicht in den Begriff dieser Bewegung +kann noch darauf aufmerksam gemacht werden, daß sich die Unterschiede +selbst in einem gedoppelten Unterschiede zeigen, _einmal_ als +Unterschiede des _Inhalts_, indem das eine Extrem in sich +reflektierte Kraft, das andere aber Medium der Materien ist; das +_andremal_ als Unterschiede der _Form_, indem das eine +Sollizitierendes, das andre Sollizitiertes, jenes tätig, dies passiv +ist. Nach dem Unterschiede des Inhalts _sind_ sie überhaupt, oder +für uns unterschieden; nach dem Unterschiede der Form aber sind sie +selbstständig, in ihrer Beziehung sich voneinander selbst abscheidend +und entgegengesetzt. Daß so die Extreme nach diesen beiden Seiten +nichts _an sich_, sondern diese Seiten, worin ihr unterschiedenes +Wesen bestehen sollte, nur verschwindende Momente, ein unmittelbares +Übergehen jeder in die entgegengesetzte sind, dies wird für das +Bewußtsein in der Wahrnehmung der Bewegung der Kraft. Für uns aber +war, wie oben erinnert, auch noch dies, daß an sich die Unterschiede +als _Unterschiede des Inhalts und der Form_ verschwanden, und auf der +Seite der Form dem Wesen nach das _tätige, sollizitierende_ oder +_Für-sich-seiende_ dasselbe, was auf der Seite des Inhalts als in +sich zurückgedrängte Kraft; das passive, _sollizitierte_, oder +Für-ein-Anderes-seiende auf der Seite der Form dasselbe, was auf der +Seite des Inhalts als allgemeines Medium der vielen Materien sich +darstellte. + +Es ergibt sich hieraus, daß der Begriff der Kraft durch die +Verdopplung in zwei Kräfte _wirklich_ wird, und wie er dies wird. +Diese zwei Kräfte existieren als für sich seiende Wesen; aber ihre +Existenz ist eine solche Bewegung gegeneinander, daß ihr Sein +vielmehr ein reines _Gesetztsein durch ein Anderes_ ist, das heißt, +daß ihr Sein vielmehr die reine Bedeutung des _Verschwindens_ hat. +Sie sind nicht als Extreme, die etwas Festes für sich behielten, und +nur eine äußere Eigenschaft gegeneinander in die Mitte und in ihre +Berührung schickten; sondern was sie sind, sind sie nur in dieser +Mitte und Berührung. Es ist darin unmittelbar ebensowohl das +In-sich-zurückgedrängt- oder _das Für-sich-sein_ der Kraft wie die +Äußerung, das Sollizitieren wie das Sollizitiertsein; diese Momente +hiemit nicht an zwei selbstständige Extreme verteilt, welche sich nur +eine entgegengesetzte Spitze böten, sondern ihr Wesen ist dies +schlechthin, jedes nur durchs andere, und was jede so durchs andre +ist, unmittelbar nicht mehr zu sein, indem sie es ist. Sie haben +hiemit in der Tat keine eignen Substanzen, welche sie trügen und +erhielten. Der _Begriff_ der Kraft erhält sich vielmehr als _das +Wesen_ in seiner _Wirklichkeit_ selbst; die _Kraft als wirkliche_ ist +schlechthin nur in der _Äußerung_, welche zugleich nichts anders als +ein Sich-selbst-aufheben ist. Diese _wirkliche_ Kraft vorgestellt +als frei von ihrer Äußerung und für sich seiend, ist sie die in sich +zurückgedrängte Kraft, aber diese Bestimmtheit ist in der Tat, wie +sich ergeben hat, selbst nur ein Moment der _Äußerung_. Die Wahrheit +der Kraft bleibt also nur der _Gedanke_ derselben; und haltungslos +stürzen die Momente ihrer Wirklichkeit, ihre Substanzen und ihre +Bewegung in eine ununterschiedene Einheit zusammen, welche nicht die +in sich zurückgedrängte Kraft ist, denn diese ist selbst nur ein +solches Moment, sondern diese Einheit ist _ihr Begriff, als Begriff_. +Die Realisierung der Kraft ist also zugleich Verlust der Realität; +sie ist darin vielmehr ein ganz Anderes geworden, nämlich diese +_Allgemeinheit_, welche der Verstand zuerst oder unmittelbar als ihr +Wesen erkennt, und welche sich auch als ihr Wesen an ihrer +seinsollenden Realität, an den wirklichen Substanzen erweist. + +Insofern wir _das erste_ Allgemeine als den _Begriff_ des Verstandes +betrachten, worin die Kraft noch nicht für sich ist, so ist das +zweite itzt ihr _Wesen_, wie es sich _an_ und _für sich_ darstellt. +Oder umgekehrt, betrachten wir das erste Allgemeine als das +_Unmittelbare_, das ein _wirklicher_ Gegenstand für das Bewußtsein +sein sollte, so ist dies zweite als das _Negative_ der sinnlich +gegenständlichen Kraft bestimmt; es ist sie, wie sie in ihrem wahren +Wesen nur als _Gegenstand des Verstandes_ ist; jenes erste wäre die +in sich zurückgedrängte Kraft oder sie als Substanz; dies zweite aber +ist das _Innere_ der Dinge, als _Inneres_, welches mit dem Begriffe +als Begriff dasselbe ist. + +Dieses wahrhafte Wesen der Dinge hat sich itzt so bestimmt, daß es +nicht unmittelbar für das Bewußtsein ist, sondern daß dieses ein +mittelbares Verhältnis zu dem Innern hat, und als Verstand _durch +diese Mitte des Spiels der Kräfte in den wahren Hintergrund der Dinge +blickt_. Die Mitte, welche die beiden Extreme, den Verstand und das +Innere, zusammenschließt, ist das entwickelte _Sein_ der Kraft, das +für den Verstand selbst nunmehr ein _Verschwinden_ ist. Es heißt +darum _Erscheinung_; denn Schein nennen wir das _Sein_, das +unmittelbar an ihm selbst ein _Nichtsein_ ist. Es ist aber nicht nur +ein Schein, sondern Erscheinung, ein _Ganzes_ des Scheins. Dies +_Ganze_ als Ganzes oder _Allgemeines_ ist es, was das _Innere_ +ausmacht, das _Spiel der Kräfte_, als _Reflexion_ desselben in sich +selbst. In ihm sind für das Bewußtsein auf gegenständliche Weise die +Wesen der Wahrnehmung _so gesetzt_, wie sie an sich sind, nämlich als +unmittelbar in das Gegenteil ohne Ruhe und Sein sich verwandelnde +Momente, das Eins unmittelbar in das Allgemeine, das Wesentliche +unmittelbar in das Unwesentliche und umgekehrt. Dies Spiel der +Kräfte ist daher das entwickelte Negative, aber die Wahrheit +desselben ist das Positive, nämlich das _Allgemeine_, der _an sich_ +seiende Gegenstand.--Das _Sein_ desselben _für das_ Bewußtsein ist +vermittelt durch die Bewegung der _Erscheinung_, worin das _Sein der +Wahrnehmung_ und das sinnlich Gegenständliche überhaupt nur negative +Bedeutung hat, das Bewußtsein also daraus sich in sich als in das +Wahre reflektiert, aber als Bewußtsein wieder dies Wahre zum +gegenständlichen _Innern_ macht, und diese Reflexion der Dinge von +seiner Reflexion in sich selbst unterscheidet; wie ihm die +vermittelnde Bewegung ebenso noch eine gegenständliche ist. Dies +Innere ist ihm daher ein Extrem gegen es; aber es ist ihm darum das +Wahre, weil es darin als in dem _An-sich_ zugleich die Gewißheit +seiner selbst oder das Moment seines Für-sich-seins hat; aber dieses +Grundes ist es sich noch nicht bewußt, denn das _Für-sich-sein_, +welches das Innre an ihm selbst haben sollte, wäre nichts anderes als +die negative Bewegung, aber diese ist dem Bewußtsein noch die +_gegenständliche_ verschwindende Erscheinung, noch nicht sein +_eignes_ Für-sich-sein; das Innre ist ihm daher wohl Begriff, aber es +kennt die Natur des Begriffes noch nicht. + +In diesem _innern Wahren_, als dem _absolut Allgemeinen_, welches vom +_Gegensatze_ des Allgemeinen und Einzelnen gereinigt und _für den +Verstand_ geworden ist, schließt sich erst über der _sinnlichen_ als +der _erscheinenden Welt_ nunmehr eine _übersinnliche_ als die _wahre_ +Welt auf, über dem verschwindenden _Diesseits_ das bleibende +_Jenseits_; ein An-sich, welches die erste und darum selbst +unvollkommene Erscheinung der Vernunft, oder nur das reine Element +ist, worin die Wahrheit ihr _Wesen_ hat. + +_Unser Gegenstand_ ist hiemit nunmehr der Schluß, welcher zu seinen +Extremen, das Innere der Dinge, und den Verstand, und zu seiner Mitte +die Erscheinung hat; die Bewegung dieses Schlusses aber gibt die +weitere Bestimmung dessen, was der Verstand durch die Mitte hindurch +im Innern erblickt, und die Erfahrung, welche er über dieses +Verhältnis des Zusammengeschlossenseins macht. + +Noch ist das Innere _reines Jenseits_ für das Bewußtsein, denn es +findet sich selbst in ihm noch nicht; es ist _leer_, denn es ist nur +das Nichts der Erscheinung und positiv das einfache Allgemeine. +Diese Weise des Innern zu sein, stimmt unmittelbar denjenigen bei, +welche sagen, daß das Innre der Dinge nicht zu erkennen sei; aber der +Grund würde anders gefaßt werden müssen. Von diesem Innern, wie es +hier unmittelbar ist, ist allerdings keine Kenntnis vorhanden, aber +nicht deswegen, weil die Vernunft zu kurzsichtig, oder beschränkt, +oder wie man es sonst nennen will, wäre; worüber hier noch nichts +bekannt ist, denn so tief sind wir noch nicht eingedrungen; sondern +um der einfachen Natur der Sache selbst willen, weil nämlich im +_Leeren_ nichts erkannt wird, oder von der andern Seite ausgesprochen, +weil es eben als das _Jenseits_ des Bewußtseins bestimmt ist.--Das +Resultat ist freilich dasselbe, wenn ein Blinder in den Reichtum der +übersinnlichen Welt--wenn sie einen hat, er sei nun eigentümlicher +Inhalt derselben, oder das Bewußtsein selbst sei dieser Inhalt--und +wenn ein Sehender in die reine Finsternis, oder wenn man will, in das +reine Licht, wenn sie nur dieses ist, gestellt wird; der Sehende +sieht in seinem reinen Lichte so wenig als in seiner reinen +Finsternis, und gerade so viel als der Blinde in der Fülle des +Reichtums, der vor ihm läge. Wenn es mit dem Innern und dem +Zusammengeschlossensein mit ihm durch die Erscheinung weiter nichts +wäre, so bliebe nichts übrig, als sich an die Erscheinung zu halten, +das heißt, etwas als wahr zu nehmen, von dem wir wissen, daß es nicht +wahr ist; oder damit doch in dem leeren, welches zwar erst als +Leerheit von gegenständlichen Dingen geworden, aber, _als Leerheit an +sich_, auch für die Leerheit aller geistigen Verhältnisse und der +Unterschiede des Bewußtseins als Bewußtseins genommen werden +muß--damit also in diesem so _ganz Leeren_, welches auch das +_Heilige_ genannt wird, doch etwas sei, es mit Träumereien, +_Erscheinungen_, die das Bewußtsein sich selbst erzeugt, zu erfüllen; +es müßte sich gefallen lassen, daß so schlecht mit ihm umgegangen +wird, denn es wäre keines bessern würdig, indem Träumereien selbst +noch besser sind als seine Leerheit. + +Das Innere oder das übersinnliche Jenseits ist aber _entstanden_, es +_kommt_ aus der Erscheinung her, und sie ist seine Vermittlung; oder +_die Erscheinung ist sein Wesen_, und in der Tat seine Erfüllung. +Das Übersinnliche ist das Sinnliche und Wahrgenommene gesetzt, wie es +in _Wahrheit_ ist; die _Wahrheit_ des _Sinnlichen_ und Wahrgenommenen +aber ist, _Erscheinung_ zu sein. Das Übersinnliche ist also die +_Erscheinung_ als _Erscheinung_.--Wenn dabei gedacht wird, das +Übersinnliche sei _also_ die sinnliche Welt, oder die Welt, wie sie +_für die unmittelbare sinnliche Gewißheit und Wahrnehmung ist_, so +ist dies ein verkehrtes Verstehen; denn die Erscheinung ist vielmehr +_nicht_ die Welt des sinnlichen Wissens und Wahrnehmens als seiende, +sondern sie _als aufgehobene_ oder in Wahrheit _als innere gesetzt_. +Es pflegt gesagt zu werden, das Übersinnliche sei _nicht_ die +Erscheinung; dabei wird aber unter der Erscheinung nicht die +Erscheinung verstanden, sondern vielmehr die _sinnliche_ Welt, als +selbst reelle Wirklichkeit. + +Der Verstand, welcher unser Gegenstand ist, befindet sich auf eben +dieser Stelle, daß ihm das Innere nur erst als das allgemeine noch +unerfüllte _An-sich_ geworden; das Spiel der Kräfte hat nur eben +diese negative Bedeutung, nicht an sich und nur diese positive, das +_Vermittelnde_, aber außer ihm zu sein. Seine Beziehung auf das +Innre durch die Vermittlung aber ist seine Bewegung, durch welche es +sich ihm erfüllen wird.--_Unmittelbar_ für ihn ist das Spiel der +Kräfte; das _Wahre_ aber ist ihm das einfache Innre; die Bewegung der +Kraft ist daher ebenso nur als _Einfaches_ überhaupt das Wahre. Von +diesem Spiele der Kräfte haben wir aber gesehen, daß es diese +Beschaffenheit hat, daß die Kraft, welche _sollizitiert_ wird von +einer andern Kraft, ebenso das _Sollizitierende_ für diese andere ist, +welche selbst erst hierdurch sollizitierende wird. Es ist hierin +ebenso nur der unmittelbare Wechsel oder das absolute Austauschen der +_Bestimmtheit_ vorhanden, welche den einzigen _Inhalt_ des +Auftretenden ausmacht; entweder allgemeines Medium oder negative +Einheit zu sein. Es hört in seinem bestimmten Auftreten selbst +unmittelbar auf, das zu sein, als was es auftritt; es sollizitiert +durch sein bestimmtes Auftreten die andere Seite, die sich hiedurch +_äußert_; das heißt, diese ist unmittelbar itzt das, was die erste +sein sollte. Diese beiden Seiten, das _Verhältnis_ des +Sollizitierens und das _Verhältnis_ des bestimmten entgegengesetzten +Inhalts ist _jedes für sich_ die absolute Verkehrung und Verwechslung. +Aber diese beiden Verhältnisse sind selbst wieder dasselbe, und der +Unterschied der _Form_, das Sollizitierte und das Sollizitierende zu +sein, ist dasselbe, was der Unterschied des _Inhalts_ ist, das +Sollizitierte als solches, nämlich das passive Medium; das +Sollizitierende hingegen das tätige, die negative Einheit oder das +Eins. Hiedurch verschwindet aller Unterschied _besonderer Kräfte_, +die in dieser Bewegung vorhanden sein sollten, gegeneinander +überhaupt; denn sie beruhten allein auf jenen Unterschieden; und der +Unterschied der Kräfte fällt ebenso mit jenen beiden nur in einen +zusammen. Es ist also weder die Kraft noch das Sollizitieren und +Sollizitiert-werden, noch die Bestimmtheit, bestehendes Medium und in +sich reflektierte Einheit zu sein, weder einzeln für sich etwas, noch +sind es verschiedene Gegensätze; sondern was in diesem absoluten +Wechsel ist, ist nur der _Unterschied als allgemeiner_ oder als ein +solcher, in welchen sich die vielen Gegensätze reduziert haben. +Dieser _Unterschied als allgemeiner_ ist daher _das Einfache an dem +Spiele der Kraft selbst_, und das Wahre desselben; er ist das _Gesetz +der Kraft_. + +Zu dem _einfachen Unterschiede_ wird die absolut wechselnde +Erscheinung, durch ihre Beziehung auf die Einfachheit des Innern oder +des Verstandes. Das Innre ist zunächst nur das an sich Allgemeine; +dies an sich einfache _Allgemeine_ ist aber wesentlich ebenso absolut +der _allgemeine Unterschied_; denn es ist das Resultat des Wechsels +selbst, oder der Wechsel ist sein Wesen; aber der Wechsel, als im +Innern gesetzt, wie er in Wahrheit ist, in dasselbe hiemit als ebenso +absolut allgemeiner, beruhigter, sich gleich bleibender Unterschied +aufgenommen. Oder die Negation ist wesentliches Moment des +Allgemeinen, und sie oder die Vermittlung also im Allgemeinen ist +_allgemeiner Unterschied_. Er ist im _Gesetze_ ausgedrückt, als dem +_beständigen_ Bilde der unsteten Erscheinung. Die _übersinnliche_ +Welt ist hiemit ein _ruhiges Reich von Gesetzen_, zwar jenseits der +wahrgenommenen Welt, denn diese stellt das Gesetz nur durch +beständige Veränderung dar, aber in ihr ebenso _gegenwärtig_, und ihr +unmittelbares stilles Abbild. + +Dies Reich der Gesetze ist zwar die Wahrheit des Verstandes, welche +an dem Unterschiede, der in dem Gesetze ist, den _Inhalt_ hat; es ist +aber zugleich nur seine _erste Wahrheit_, und füllt die Erscheinung +nicht aus. Das Gesetz ist in ihr gegenwärtig, aber es ist nicht ihre +ganze Gegenwart; es hat unter immer andern Umständen eine immer +andere Wirklichkeit. Es bleibt dadurch der Erscheinung _für sich_ +eine Seite, welche nicht im Innern ist; oder sie ist in Wahrheit noch +nicht als _Erscheinung_, als _aufgehobenes_ Für-sich-sein gesetzt. +Dieser Mangel des Gesetzes muß sich an ihm selbst ebenso hervortun. +Was ihm zu mangeln scheint, ist, daß es zwar den Unterschied selbst +an ihm hat, aber als allgemeinen, unbestimmten. Insofern es aber +nicht _das_ Gesetz überhaupt, sondern _ein_ Gesetz ist, hat es die +Bestimmtheit an ihm; und es sind damit unbestimmt _viele_ Gesetze +vorhanden. Allein diese Vielheit ist vielmehr selbst ein Mangel; sie +widerspricht nämlich dem Prinzip des Verstandes, welchem als +Bewußtsein des einfachen Innern, die an sich allgemeine _Einheit_ das +Wahre ist. Die vielen Gesetze muß er darum vielmehr in _ein_ Gesetz +zusammenfallen lassen. Wie zum Beispiel das Gesetz, nach welchem der +Stein fällt, und das Gesetz, nach welchem die himmlischen Sphären +sich bewegen, als _ein_ Gesetz begriffen worden ist. Mit diesem +Ineinanderfallen aber verlieren die Gesetze ihre Bestimmtheit; das +Gesetz wird immer oberflächlicher, und es ist damit in der Tat nicht +die Einheit _dieser bestimmten_ Gesetze, sondern ein ihre +Bestimmtheit weglassendes Gesetz gefunden; wie das _eine_ Gesetz, +welches die Gesetze des Falles der Körper an der Erde und der +himmlischen Bewegung in sich vereint, sie beide in der Tat nicht +ausdrückt. Die Vereinigung aller Gesetze in der _allgemeinen +Attraktion_ drückt keinen Inhalt weiter aus als eben den _bloßen +Begriff des Gesetzes selbst_, der darin als _seiend_ gesetzt ist. +Die allgemeine Attraktion sagt nur dies, daß _alles einen beständigen +Unterschied zu anderem_ hat. Der Verstand meint dabei, ein +allgemeines Gesetz gefunden zu haben, welches die allgemeine +Wirklichkeit _als solche_ ausdrücke; aber hat in der Tat nur den +_Begriff_ des _Gesetzes selbst_ gefunden; jedoch so, daß er zugleich +dies damit aussagt, _alle_ Wirklichkeit ist _an ihr selbst_ +gesetzmäßig. Der Ausdruck der _allgemeinen Attraktion_ hat darum +insofern große Wichtigkeit, als er gegen das gedankenlose +_Vorstellen_ gerichtet ist, welchem alles in der Gestalt der +Zufälligkeit sich darbietet, und welchem die Bestimmtheit die Form +der sinnlichen Selbstständigkeit hat. + +Es steht somit den bestimmten Gesetzen die allgemeine Attraktion, +oder der reine Begriff des Gesetzes, gegenüber. Insofern dieser +reine Begriff, als das Wesen, oder als das wahre Innere betrachtet +wird, gehört die _Bestimmtheit_ des bestimmten Gesetzes selbst noch +der Erscheinung oder vielmehr dem sinnlichen Sein an. Allein der +reine _Begriff_ des Gesetzes geht nicht nur über das Gesetz, welches, +selbst ein _bestimmtes_, _andern bestimmten_ Gesetzen gegenübersteht, +sondern er geht auch _über das Gesetz_ als solches hinaus. Die +Bestimmtheit, von welcher die Rede war, ist eigentlich selbst nur +verschwindendes Moment, welches hier nicht mehr als Wesenheit +vorkommen kann; denn es ist nur das Gesetz als das Wahre vorhanden; +aber der _Begriff_ des Gesetzes ist gegen _das Gesetz_ selbst gekehrt. +An dem Gesetze nämlich ist der Unterschied selbst _unmittelbar_ +aufgefaßt und in das Allgemeine aufgenommen, damit aber ein +_Bestehen_ der Momente, deren Beziehung es ausdrückt, als +gleichgültiger und an sich seiender Wesenheiten. Diese Teile des +Unterschieds am Gesetze sind aber zugleich selbst bestimmte Seiten; +der reine Begriff des Gesetzes als allgemeine Attraktion muß in +seiner wahren Bedeutung so aufgefaßt werden, daß in ihm als absolut +_Einfachem_ die _Unterschiede_, die an dem Gesetze als solchem +vorhanden sind, selbst wieder _in das Innre als einfache Einheit +zurückgehen_; sie ist die innre _Notwendigkeit_ des Gesetzes. + +Das Gesetz ist dadurch auf eine gedoppelte Weise vorhanden, das +einemal als Gesetz, an dem die Unterschiede als selbstständige +Momente ausgedrückt sind; das anderemal in der Form des _einfachen_ +In-sich-Zurückgegangen-seins, welche wieder _Kraft_ genannt werden +kann, aber so, daß sie nicht die zurückgedrängte, sondern die Kraft +überhaupt oder als der Begriff der Kraft ist, eine Abstraktion, +welche die Unterschiede dessen, was attrahiert und attrahiert wird, +selbst in sich zieht. So ist, zum Beispiel, die _einfache_ +Elektrizität die _Kraft_; der Ausdruck des Unterschieds aber fällt in +_das Gesetz_; dieser Unterschied ist positive und negative +Elektrizität. Bei der Bewegung des Falles ist die _Kraft_ das +einfache, die _Schwere_, welche das _Gesetz_ hat, daß die Größen der +unterschiedenen Momente der Bewegung, der verflossenen _Zeit_, und +des durchlaufenen _Raums_, sich wie Wurzel und Quadrat zueinander +verhalten. Die Elektrizität selbst ist nicht der Unterschied an sich +oder in ihrem Wesen das Doppelwesen von positiver und negativer +Elektrizität; daher man zu sagen pflegt, sie _habe_ das Gesetz, auf +diese Weise _zu sein_, auch wohl, sie _habe die Eigenschaft_, so sich +zu äußern. Diese Eigenschaft ist zwar wesentliche und einzige +Eigenschaft dieser Kraft, oder sie ist ihr _notwendig_. Aber die +Notwendigkeit ist hier ein leeres Wort; die Kraft _muß_ eben, _weil_ +sie _muß_, so sich verdoppeln. Wenn freilich _positive_ Elektrizität +gesetzt ist, ist auch _negative an sich_ notwendig; denn das +_Positive_ ist nur als Beziehung auf ein _Negatives_, oder das +Positive ist _an ihm selbst_ der Unterschied von sich selbst, wie +ebenso das Negative. Aber daß die Elektrizität als solche sich so +teile, dies ist nicht an sich das Notwendige; sie als _einfache +Kraft_ ist gleichgültig gegen ihr Gesetz, als positive und negative +_zu sein;_ und wenn wir jenes ihren Begriff, dies aber ihr Sein +nennen, so ist ihr Begriff gleichgültig gegen ihr Sein; sie _hat_ nur +diese Eigenschaft; d.h. eben, es ist ihr nicht _an sich_ notwendig. +--Diese Gleichgültigkeit erhält eine andere Gestalt, wenn gesagt wird, +daß es zur _Definition_ der Elektrizität gehört, als positive und +negative zu sein, oder daß dies schlechthin _ihr Begriff und Wesen_ +ist. Alsdenn hieße ihr Sein _ihre Existenz_ überhaupt; in jener +Definition liegt aber nicht die _Notwendigkeit ihrer Existenz_; sie +ist entweder, weil man sie _findet_, das heißt, sie ist gar nicht +notwendig; oder ihre Existenz ist durch andere Kräfte, das heißt, +ihre Notwendigkeit ist eine äußere. Damit aber, daß die +Notwendigkeit, in die Bestimmtheit _des Seins durch Anderes_ gelegt +wird, fallen wir wieder in die _Vielheit_ der bestimmten Gesetze +zurück, die wir soeben verließen, um _das Gesetz_ als Gesetz zu +betrachten; nur mit diesem ist sein _Begriff_ als Begriff oder seine +Notwendigkeit zu vergleichen, die sich aber in allen diesen Formen +nur noch als ein leeres Wort gezeigt hat. + +Noch auf andere als die angezeigte Weise ist die Gleichgültigkeit des +Gesetzes und der Kraft, oder des Begriffs und des Seins vorhanden. +In dem Gesetze der Bewegung z.B. ist es notwendig, daß die Bewegung +in Zeit und Raum sich _teile_, oder dann auch in Entfernung und +Geschwindigkeit. Indem die Bewegung nur das Verhältnis jener Momente +ist, so ist sie, das Allgemeine, hier wohl _an sich selbst_ geteilt; +aber nun drücken diese Teile, Zeit und Raum, oder Entfernung und +Geschwindigkeit, nicht an ihnen diesen Ursprung aus _einem_ aus; sie +sind gleichgültig gegeneinander, der Raum wird vorgestellt ohne die +Zeit, die Zeit ohne den Raum, und die Entfernung wenigstens ohne die +Geschwindigkeit sein zu können--so wie ihre Größen gleichgültig +gegeneinander sind; indem sie sich nicht _wie Positives und +Negatives_ verhalten, hiemit nicht durch _ihr Wesen_ aufeinander +beziehen. Die Notwendigkeit der _Teilung_ ist also hier wohl +vorhanden; aber nicht der _Teile_ als solcher füreinander. Darum ist +aber auch jene erste selbst nur eine vorgespiegelte falsche +Notwendigkeit; die Bewegung ist nämlich nicht selbst als _einfaches_ +oder als reines Wesen vorgestellt; sondern _schon_ als geteilt; Zeit +und Raum sind ihre _selbstständigen_ Teile oder _Wesen an ihnen +selbst_, oder Entfernung und Geschwindigkeit Weisen des Seins oder +Vorstellens, deren eine wohl ohne die andere sein kann, und die +Bewegung daher nur ihre _oberflächliche_ Beziehung, nicht ihr Wesen. +Als einfaches Wesen oder als Kraft vorgestellt ist sie wohl die +_Schwere_, welche aber diese Unterschiede überhaupt nicht in ihr +enthält. + +Der Unterschied also ist in beiden Fällen kein _Unterschied an sich +selbst_; entweder ist das Allgemeine, die Kraft, gleichgültig gegen +die Teilung, welche im Gesetze ist, oder die Unterschiede, Teile des +Gesetzes sind es gegeneinander. Der Verstand _hat_ aber den Begriff +_dieses Unterschiedes an sich_, eben darin, daß das Gesetz einesteils +das Innre, _An-sich_-seiende, aber _an ihm_ zugleich _Unterschiedne_ +ist; daß dieser Unterschied hiemit _innrer_ Unterschied sei, ist +darin vorhanden, daß das Gesetz _einfache_ Kraft, oder als _Begriff_ +desselben ist, also ein _Unterschied des Begriffes_. Aber dieser +innre Unterschied fällt nur erst noch _in den Verstand_; und ist noch +nicht _an der Sache selbst gesetzt_. Es ist also nur die _eigne_ +Notwendigkeit, was der Verstand ausspricht; einen Unterschied, den er +also nur so macht, daß er es zugleich ausdrückt, daß der Unterschied +kein _Unterschied der Sache selbst sei_. Diese Notwendigkeit, die +nur im Worte liegt, ist hiemit die Hererzählung der Momente, die den +Kreis derselben ausmachen; sie werden zwar unterschieden, ihr +Unterschied aber zugleich, kein Unterschied der Sache selbst zu sein, +ausgedrückt, und daher selbst sogleich wieder aufgehoben; diese +Bewegung heißt _Erklären_. Es wird also ein _Gesetz_ ausgesprochen, +von diesem wird sein an sich Allgemeines, oder der Grund, als die +_Kraft_, unterschieden; aber von diesem Unterschiede wird gesagt, daß +er keiner, sondern vielmehr der Grund ganz so beschaffen sei wie das +Gesetz. Die einzelne Begebenheit des Blitzes zum Beispiel wird als +Allgemeines aufgefaßt, und dies Allgemeine als das _Gesetz_ der +Elektrizität ausgesprochen: die Erklärung faßt alsdenn das _Gesetz_ +in die _Kraft_ zusammen, als das Wesen des Gesetzes. Diese Kraft ist +dann _so beschaffen_, daß, wenn sie sich äußert, entgegengesetzte +Elektrizitäten hervortreten, die wieder ineinander verschwinden, das +heißt, _die Kraft ist gerade so beschaffen wie das Gesetz_; es wird +gesagt, daß beide gar nicht unterschieden seien. Die Unterschiede +sind die reine allgemeine Äußerung oder das Gesetz, und die reine +Kraft; beide haben aber _denselben_ Inhalt, _dieselbe_ Beschaffenheit; +der Unterschied als Unterschied des Inhalts, d.h. der _Sache_ wird +also auch wieder zurückgenommen. + +In dieser tautologischen Bewegung beharrt, wie sich ergibt, der +Verstand bei der ruhigen Einheit seines Gegenstandes, und die +Bewegung fällt nur in ihn selbst, nicht in den Gegenstand; sie ist +ein Erklären, das nicht nur nichts erklärt, sondern so klar ist, daß +es, indem es Anstalten macht, etwas Unterschiedenes von dem schon +Gesagten zu sagen, vielmehr nichts sagt, sondern nur dasselbe +wiederholt. An der Sache selbst entsteht durch diese Bewegung nichts +Neues, sondern sie kommt als Bewegung des Verstandes in Betracht. In +ihr aber erkennen wir nun eben dasjenige, was an dem Gesetze vermißt +wurde, nämlich den absoluten Wechsel selbst, denn diese _Bewegung_, +wenn wir sie näher betrachten, ist unmittelbar das Gegenteil ihrer +selbst. Sie setzt nämlich _einen Unterschied_, welcher nicht nur für +uns _kein Unterschied_ ist, sondern welchen sie selbst als +Unterschied aufhebt. Es ist dies derselbe Wechsel, der sich als das +Spiel der Kräfte darstellte; es war in ihm der Unterschied des +Sollizitierenden und Sollizitierten, der sich äußernden und der in +sich zurückgedrängten Kraft; aber es waren Unterschiede, die in +Wahrheit keine waren, und sich darum auch unmittelbar wieder aufhoben. +Es ist nicht nur die bloße Einheit vorhanden, so daß _kein +Unterschied gesetzt_ wäre, sondern es ist diese _*Bewegung*_, daß +_allerdings ein Unterschied gemacht, aber_, weil er keiner ist, +_wieder aufgehoben wird_.--Mit dem Erklären also ist der Wandel und +Wechsel, der vorhin außer dem Innern nur an der Erscheinung war, in +das Übersinnliche selbst eingedrungen; unser Bewußtsein ist aber aus +dem Innern als Gegenstande auf die andere Seite in den _Verstand_ +herübergegangen, und hat in ihm den Wechsel. + +Dieser Wechsel ist so noch nicht ein Wechsel der Sache selbst, +sondern stellt sich vielmehr eben dadurch als _reiner Wechsel_ dar, +daß der _Inhalt_ der Momente des Wechsels derselbe bleibt. Indem +aber der _Begriff_ als Begriff des Verstandes dasselbe ist, was das +_Innre_ der Dinge, so wird _dieser Wechsel als Gesetz des Innern_ für +ihn. Er _erfährt_ also, daß es _Gesetz der Erscheinung selbst_ ist, +daß Unterschiede werden, die keine Unterschiede sind; oder daß das +_Gleichnamige_ sich von sich selbst _abstößt_; und ebenso, daß die +Unterschiede nur solche sind, die in Wahrheit keine sind, und sich +aufheben; oder daß das _Ungleichnamige_ sich _anzieht_.--Ein _zweites +Gesetz_, dessen Inhalt demjenigen, was vorher Gesetz genannt wurde, +nämlich dem sich beständigen gleichbleibenden Unterschiede +entgegengesetzt ist; denn dies neue drückt vielmehr das +_Ungleichwerden des Gleichen_, und das _Gleichwerden des Ungleichen_ +aus. Der Begriff mutet der Gedankenlosigkeit zu, beide Gesetze +zusammenzubringen, und ihrer Entgegensetzung bewußt zu werden. +--Gesetz ist das zweite freilich auch, oder ein inneres +sichselbstgleiches Sein, aber eine Sichselbstgleichheit vielmehr der +Ungleichheit, eine Beständigkeit der Unbeständigkeit.--An dem Spiele +der Kräfte ergab sich dieses Gesetz als eben dieses absolute +Übergehen, und als reiner Wechsel; das _Gleichnamige_, die Kraft, +_zersetzt_ sich in einen Gegensatz, der zunächst als ein +selbstständiger Unterschied erscheint, aber welcher sich in der Tat +_keiner zu sein_ erweist; denn es ist das _Gleichnamige_, was sich +von sich selbst abstößt, und dies Abgestoßene zieht sich daher +wesentlich an, denn es ist _dasselbe_; der gemachte Unterschied, da +er keiner ist, hebt sich also wieder auf. Er stellt sich hiemit als +Unterschied _der Sache selbst_, oder als absoluter Unterschied dar, +und dieser Unterschied der _Sache_ ist also nichts anders als das +Gleichnamige, das sich von sich abgestoßen hat, und daher nur einen +Gegensatz setzt, der keiner ist. + +Durch dies Prinzip wird das erste Übersinnliche, das ruhige Reich der +Gesetze, das unmittelbare Abbild der wahrgenommenen Welt in sein +Gegenteil umgekehrt; das Gesetz war überhaupt das sich +_Gleichbleibende_, wie seine Unterschiede; itzt aber ist gesetzt, daß +beides vielmehr das Gegenteil seiner selbst ist; das sich _Gleiche_ +stößt sich vielmehr von sich ab, und das sich Ungleiche setzt sich +vielmehr als das sich Gleiche. In der Tat ist nur mit dieser +Bestimmung der Unterschied der _innre_, oder Unterschied _an sich +selbst_, indem das Gleiche sich ungleich, das Ungleiche sich gleich +ist.--_Diese zweite übersinnliche Welt_ ist auf diese Weise die +_verkehrte_ Welt; und zwar, indem eine Seite schon an der ersten +übersinnlichen Welt vorhanden ist, die _verkehrte_ dieser _ersten_. +Das Innere ist damit als Erscheinung vollendet. Denn die erste +übersinnliche Welt war nur die _unmittelbare_ Erhebung der +wahrgenommenen Welt in das allgemeine Element; sie hatte ihr +notwendiges Gegenbild an dieser, welche noch _für sich das Prinzip +des Wechsels_ und _der Veränderung_ behielt; das erste Reich der +Gesetze entbehrte dessen, erhält es aber als verkehrte Welt. + +Nach dem Gesetze dieser verkehrten Welt ist also das _Gleichnamige_ +der ersten das _Ungleiche_ seiner selbst, und das _Ungleiche_ +derselben ist ebenso _ihm selbst ungleich_, oder es wird sich +_gleich_. An bestimmten Momenten wird dies sich so ergeben, daß was +im Gesetze der ersten süß, in diesem verkehrten An-sich sauer; was in +jenem schwarz, in diesem weiß ist. Was im Gesetz der erstern am +Magnete Nordpol, ist in seinem andern übersinnlichen An-sich (in der +Erde nämlich) Südpol; was aber dort Südpol ist, hier Nordpol. Ebenso +was im ersten Gesetze der Elektrizität Sauerstoffpol ist, wird in +seinem andern übersinnlichen Wesen Wasserstoffpol; und umgekehrt, was +dort der Wasserstoffpol ist, wird hier der Sauerstoffpol. In einer +andern Sphäre ist nach dem _unmittelbaren Gesetze_ Rache an dem +Feinde die höchste Befriedigung der verletzten Individualität. +_Dieses Gesetz_ aber, dem, der mich nicht als Selbstwesen behandelt, +mich als Wesen gegen ihn zu zeigen, und ihn vielmehr als Wesen +aufzuheben, ver_kehrt_ sich durch das Prinzip der andern Welt _in das +entgegengesetzte_, die Wiederherstellung meiner als des Wesens durch +das Aufheben des fremden Wesens in Selbstzerstörung. Wenn nun diese +Verkehrung, welche in der _Strafe_ des Verbrechens dargestellt wird, +zum _Gesetze_ gemacht ist, so ist auch sie wieder nur das Gesetz der +einen Welt, welche eine ver_kehrte_ übersinnliche Welt sich +_gegenüberstehen_ hat, in welcher das, was in jener verachtet ist, zu +Ehren, was in jener in Ehren steht, in Verachtung kommt. Die nach +dem _Gesetze der ersten_ den Menschen schändende und vertilgende +Strafe verwandelt sich in ihrer _verkehrten Welt_ in die sein Wesen +erhaltende, und ihn zu Ehren bringende Begnadigung. + +Oberflächlich angesehen ist diese verkehrte Welt so das Gegenteil der +ersten, daß sie dieselbe außer ihr hat, und jene erste als eine +verkehrte _Wirklichkeit_ von sich abstößt, die _eine_ die +_Erscheinung_, die _andere_ aber das _An-sich_, die _eine_ ist, wie +sie _für ein anderes_, die _andere_ dagegen, wie sie _für sich_ ist; +so daß, um die vorigen Beispiele zu gebrauchen, was süß schmeckt, +_eigentlich_, oder _innerlich_ am Dinge, sauer, oder was am +wirklichen Magnete der Erscheinung Nordpol ist, am _innern oder +wesentlichen Sein_ Südpol wäre; was an der erscheinenden Elektrizität +als Sauerstoffpol sich darstellt, an der nichterscheinenden +Wasserstoffpol wäre. Oder eine Handlung, die in der _Erscheinung_ +Verbrechen ist, sollte _im Innern_ eigentlich gut sein (eine +schlechte Handlung eine gute Absicht haben) können; die Strafe nur +_in der Erscheinung_ Strafe, _an sich_ oder in einer andern Welt aber +Wohltat für den Verbrecher sein. Allein solche Gegensätze von +Innerem und Äußerem, von Erscheinung und Übersinnlichem, als von +zweierlei Wirklichkeiten, sind hier nicht mehr vorhanden. Die +abgestoßenen Unterschiede verteilen sich nicht von neuem an zwei +solche Substanzen, welche sie trügen und ihnen ein getrenntes +Bestehen verliehen; wodurch der Verstand aus dem Innern heraus wieder +auf seine vorige Stelle zurückfiele. Die eine Seite oder Substanz +wäre wieder die Welt der Wahrnehmung, worin das eine der beiden +Gesetze sein Wesen triebe, und ihr gegenüber eine innre Welt, _gerade +eine solche sinnliche Welt_ wie die erste, aber in der _Vorstellung_; +sie könnte nicht als sinnliche Welt aufgezeigt, nicht gesehen, gehört, +geschmeckt werden, und doch würde sie vorgestellt, als eine solche +sinnliche Welt. Aber in der Tat, wenn _das eine Gesetzte_ ein +Wahrgenommenes ist, und sein _An-sich_, als das Verkehrte desselben, +ebenso ein _sinnlich Vorgestelltes_, so ist das Saure, was das +An-sich des _süßen_ Dinges wäre, ein so wirkliches Ding wie es, ein +_saures_ Ding; das Schwarze, welches das An-sich des Weißen wäre, ist +das wirkliche Schwarze; der Nordpol, welcher das An-sich des Südpols +ist, ist der _an demselben Magnete vorhandne_ Nordpol; der +Sauerstoffpol, der das An-sich des Wasserstoffpols ist, der +_vorhandne_ Sauerstoffpol derselben Säule. Das _wirkliche_ +Verbrechen aber hat _seine Verkehrung_, und _sein An-sich_ als +_Möglichkeit_ in _der Absicht_ als solcher, aber nicht in einer guten; +denn die Wahrheit der Absicht ist nur die Tat selbst. Das +Verbrechen seinem Inhalte nach aber hat seine Reflexion in sich oder +seine Verkehrung an der _wirklichen_ Strafe; diese ist die Aussöhnung +des Gesetzes mit der ihm im Verbrechen entgegengesetzten Wirklichkeit. +Die _wirkliche_ Strafe endlich hat so ihre _verkehrte_ Wirklichkeit +an ihr, daß sie eine solche Verwirklichung des Gesetzes ist, wodurch +die Tätigkeit, die es als Strafe hat, _sich selbst aufhebt_, es aus +tätigem wieder _ruhiges_ und geltendes Gesetz wird, und die Bewegung +der Individualität gegen es, und seiner gegen sie erloschen ist. + +Aus der Vorstellung also der Verkehrung, die das Wesen der einen +Seite der übersinnlichen Welt ausmacht, ist die sinnliche Vorstellung +von der Befestigung der Unterschiede in einem verschiedenen Elemente +des Bestehens zu entfernen, und dieser absolute Begriff des +Unterschieds, als innrer Unterschied, Abstoßen des Gleichnamigen als +Gleichnamigen von sich selbst, und Gleichsein des Ungleichen als +Ungleichen rein darzustellen und aufzufassen. Es ist der reine +Wechsel, oder _die Entgegensetzung in sich selbst, der Widerspruch zu +denken_. Denn in dem Unterschiede, der ein innerer ist, ist das +Entgegengesetzte nicht nur _eines von zweien_--sonst wäre es ein +_Seiendes_, und nicht ein Entgegengesetztes--; sondern es ist das +Entgegengesetzte eines Entgegengesetzten, oder das Andere ist in ihm +unmittelbar selbst vorhanden. Ich stelle wohl das Gegenteil _hieher_, +und _dorthin_ das Andere, wovon es das Gegenteil ist; also das +_Gegenteil_ auf eine Seite, an und für sich ohne das andere. +Ebendarum aber, indem ich hier _das Gegenteil an und für sich_ habe, +ist es das Gegenteil seiner selbst, oder es hat in der Tat das Andere +unmittelbar an ihm selbst.--So hat die übersinnliche Welt, welche die +verkehrte ist, über die andere zugleich übergriffen, und sie an sich +selbst; sie ist für sich die verkehrte, d.h. die verkehrte ihrer +selbst; sie ist sie selbst, und ihre entgegengesetzte in _einer_ +Einheit. Nur so ist sie der Unterschied als _innerer_, oder +Unterschied _an sich selbst_, oder ist als _Unendlichkeit_. + +Durch die Unendlichkeit sehen wir das Gesetz zur Notwendigkeit an ihm +selbst vollendet, und alle Momente der Erscheinung in das Innre +aufgenommen. Das Einfache des Gesetzes ist die Unendlichkeit, heißt +nach dem, was sich ergeben hat, a) es ist ein _Sichselbst_gleiches, +welches aber der _Unterschied_ an sich ist; oder es ist Gleichnamiges, +welches sich von sich selbst abstößt, oder sich entzweit. Dasjenige, +was die _einfache_ Kraft genannt wurde, _verdoppelt_ sich selbst, +und ist durch ihre Unendlichkeit das Gesetz. b) Das Entzweite, +welches die in dem _Gesetze_ vorgestellten Teile ausmacht, stellt +sich als Bestehendes dar; und sie ohne den Begriff des innern +Unterschiedes betrachtet, ist der Raum und die Zeit, oder die +Entfernung und die Geschwindigkeit, welche als Momente der Schwere +auftreten, sowohl gleichgültig und ohne Notwendigkeit füreinander als +für die Schwere selbst, so wie diese einfache Schwere gegen sie, oder +die einfache Elektrizität gegen das Positive und Negative ist. g) +Durch den Begriff des innern Unterschiedes aber ist dies Ungleiche +und Gleichgültige, Raum und Zeit u.s.f. ein _Unterschied_, welcher +kein _Unterschied_ ist, oder nur ein Unterschied des _Gleichnamigen_, +und sein Wesen die Einheit; sie sind als Positives und Negatives +gegeneinander begeistet, und ihr Sein ist dieses vielmehr, sich als +Nichtsein zu setzen, und in der Einheit aufzuheben. Es bestehen +beide unterschiedne, sie sind _an sich_, sie sind _an sich als +Entgegengesetzte_, d.h. das Entgegengesetzte ihrer selbst, sie haben +ihr Anderes an ihnen und sind nur _eine_ Einheit. + +Diese einfache Unendlichkeit oder der absolute Begriff ist das +einfache Wesen des Lebens, die Seele der Welt, das allgemeine Blut zu +nennen, welches allgegenwärtig durch keinen Unterschied getrübt noch +unterbrochen wird, das vielmehr selbst alle Unterschiede ist, so wie +ihr Aufgehobensein, also in sich pulsiert, ohne sich zu bewegen, in +sich erzittert, ohne unruhig zu sein. Sie ist sich_selbstgleich_, +denn die Unterschiede sind tautologisch, es sind Unterschiede, die +keine sind. Dieses sichselbstgleiche Wesen bezieht sich daher nur +auf sich selbst; _auf sich selbst_, so ist dies ein anderes, worauf +die Beziehung geht, und das _Beziehen auf sich selbst_ ist vielmehr +_das Entzweien_, oder eben jene Sichselbstgleichheit ist innerer +Unterschied. Diese _Entzweiten_ sind somit _an und für sich selbst_, +jedes ein Gegenteil--_eines Andern_, so ist darin schon das _Andere_ +mit ihm zugleich ausgesprochen; oder es ist nicht das Gegenteil +_eines Andern_ sondern nur _das reine Gegenteil_, so ist es also an +ihm selbst das Gegenteil seiner; oder es ist überhaupt nicht ein +Gegenteil, sondern rein für sich, ein reines sich selbst gleiches +Wesen, das keinen Unterschied an ihm hat, so brauchen wir nicht zu +fragen, noch weniger das Gequäle mit solcher Frage für die +Philosophie anzusehen, oder gar sie ihr für unbeantwortlich +halten--_wie_ aus diesem reinen Wesen, wie aus ihm _heraus_ der +Unterschied oder das Anderssein komme; denn es ist schon die +Entzweiung geschehen, der Unterschied ist aus dem sich selbst +Gleichen ausgeschlossen, und ihm zur Seite gestellt worden; was _das +sich selbst Gleiche_ sein sollte, ist also schon eins der Entzweiten +viel mehr, als daß es das absolute Wesen wäre. Das _sich selbst +Gleiche entzweit sich_, heißt darum ebensosehr, es hebt sich als +schon Entzweites, es hebt sich als Anderssein auf. Die _Einheit_, +von welcher gesagt zu werden pflegt, daß der Unterschied nicht aus +ihr herauskommen könne, ist in der Tat selbst nur das _eine_ Moment +der Entzweiung; sie ist die Abstraktion der Einfachheit, welche dem +Unterschiede gegenüber ist. Aber indem sie die Abstraktion, nur das +eine der Entgegengesetzten ist, so ist es schon gesagt, daß sie das +Entzweien ist; denn ist die Einheit ein _Negatives_, ein +_Entgegengesetztes_, so ist sie eben gesetzt als das, welches die +Entgegensetzung an ihm hat. Die Unterschiede von _Entzweiung_ und +_Sich-selbst-gleich-werden_ sind darum ebenso nur _diese Bewegung des +Sich-aufhebens_; denn indem das Sichselbstgleiche, welches sich erst +entzweien oder zu seinem Gegenteile werden soll, eine Abstraktion +oder _schon selbst_ ein Entzweites ist, so ist sein Entzweien hiemit +ein Aufheben dessen, was es ist, und also das Aufheben seines +Entzweitseins. Das _Sich-selbst-gleich-werden_ ist ebenso ein +Entzweien; was sich _selbst gleich_ wird, tritt damit der Entzweiung +gegenüber; das heißt, es stellt selbst sich damit _auf die Seite_, +oder es _wird_ vielmehr ein _Entzweites_. + +Die Unendlichkeit oder diese absolute Unruhe des reinen +Sich-selbst-bewegens, daß, was auf irgendeine Weise, zum Beispiel als +Sein, bestimmt ist, vielmehr das Gegenteil dieser Bestimmtheit ist, +ist zwar schon die Seele alles bisherigen gewesen, aber im _Innern_ +erst ist sie selbst frei hervorgetreten. Die Erscheinung oder das +Spiel der Kräfte stellt sie selbst schon dar, aber als _Erklären_ +tritt sie zunächst frei hervor; und indem sie endlich für das +Bewußtsein Gegenstand ist, _als das, was sie ist_, so ist das +Bewußtsein _Selbstbewußtsein_. Das _Erklären_ des Verstandes macht +zunächst nur die Beschreibung dessen, was das Selbstbewußtsein ist. +Er hebt die im Gesetze vorhandenen schon rein gewordenen, aber noch +gleichgültigen Unterschiede auf, und setzt sie in _einer_ Einheit, +der Kraft. Dies Gleichwerden ist aber ebenso unmittelbar ein +Entzweien, denn er hebt die Unterschiede nur dadurch auf, und setzt +dadurch das Eins der Kraft, daß er einen neuen Unterschied macht, von +Gesetz und Kraft, der aber zugleich kein Unterschied ist; und hiezu, +daß dieser Unterschied ebenso kein Unterschied ist, geht er selbst +darin fort, daß er diesen Unterschied wieder aufhebt, indem er die +Kraft ebenso beschaffen sein läßt als das Gesetz.--Diese Bewegung +oder Notwendigkeit ist aber so noch Notwendigkeit und Bewegung des +Verstandes, oder sie _als solche_ ist _nicht sein Gegenstand_, +sondern er hat in ihr positive und negative Elektrizität, Entfernung, +Geschwindigkeit, Anziehungskraft, und tausend andere Dinge zu +Gegenständen, welche den Inhalt der Momente der Bewegung ausmachen. +In dem Erklären ist eben darum so viele Selbstbefriedigung, weil das +Bewußtsein dabei, es so auszudrücken, in unmittelbarem +Selbstgespräche mit sich, nur sich selbst genießt, dabei zwar etwas +anderes zu treiben scheint, aber in der Tat sich nur mit sich selbst +herumtreibt. + +In dem entgegengesetzten Gesetze als der Verkehrung des ersten +Gesetzes, oder in dem innern Unterschiede wird zwar die Unendlichkeit +selbst _Gegenstand_ des Verstandes, aber er verfehlt sie als solche +wieder, indem er den Unterschied an sich, das Sich-selbst-abstoßen +des Gleichnamigen, und die Ungleichen, die sich anziehen, wieder an +zwei Welten, oder an zwei substantielle Elemente verteilt; die +_Bewegung_, wie sie in der Erfahrung ist, ist ihm hier ein Geschehen, +und das Gleichnamige und das Ungleiche _Prädikate_, deren Wesen ein +seiendes Substrat ist. Dasselbe, was ihm in sinnlicher Hülle +Gegenstand ist, ist es uns in seiner wesentlichen Gestalt, als reiner +Begriff. Dies Auffassen des Unterschieds, wie er _in Wahrheit_ ist, +oder das Auffassen der _Unendlichkeit_ als solcher, ist _für uns_, +oder _an sich_. Die Exposition ihres Begriffs gehört der +Wissenschaft an; das Bewußtsein aber, wie es ihn _unmittelbar_ hat, +tritt wieder als eigne Form oder neue Gestalt des Bewußtseins auf, +welche in dem vorhergehenden ihr Wesen nicht erkennt, sondern es für +etwas ganz anderes ansieht.--Indem ihm dieser Begriff der +Unendlichkeit Gegenstand ist, ist es also Bewußtsein des Unterschieds +als eines _unmittelbar_ ebensosehr Aufgehobenen; es ist _für sich +selbst_, es ist _Unterscheiden des Ununterschiedenen_, oder +_Selbstbewußtsein_. Ich _unterscheide mich von mir selbst_, und _es +ist darin unmittelbar für mich, daß dies Unterschiedene nicht +unterschieden ist_. Ich, das Gleichnamige, stoße mich von mir selbst +ab; aber dies Unterschiedne, Ungleichgesetzte ist unmittelbar, indem +es unterschieden ist, kein Unterschied für mich. Das Bewußtsein +eines Andern, eines Gegenstandes überhaupt, ist zwar selbst notwendig +_Selbstbewußtsein_, Reflektiertsein in sich, Bewußtsein seiner Selbst, +in seinem Anderssein. Der _notwendige Fortgang_ von den bisherigen +Gestalten des Bewußtseins, welchen ihr Wahres ein Ding, ein anderes +war als sie selbst, drückt eben dies aus, daß nicht allein das +Bewußtsein vom Dinge nur für ein Selbstbewußtsein möglich ist, +sondern daß dies allein die Wahrheit jener Gestalten ist. Aber für +uns nur ist diese Wahrheit vorhanden, noch nicht für das Bewußtsein. +Das Selbstbewußtsein aber ist erst _für sich_ geworden, noch nicht +_als Einheit_ mit dem Bewußtsein überhaupt. + +Wir sehen, daß im Innern der Erscheinung der Verstand in Wahrheit +nicht etwas anders als die Erscheinung selbst, aber nicht wie sie als +Spiel der Kräfte ist, sondern dasselbe in seinen absolut-allgemeinen +Momenten und deren Bewegung, und in der Tat nur _sich selbst_ erfährt. +Erhoben über die Wahrnehmung stellt sich das Bewußtsein mit dem +Übersinnlichen durch die Mitte der Erscheinung zusammengeschlossen +dar, durch welche es in diesen Hintergrund schaut. Die beiden +Extreme, das eine, des reinen Innern, das andere, des in dies reine +Innre schauenden Innern, sind nun zusammengefallen, und wie sie als +Extreme, so ist auch die Mitte, als etwas anders als sie, +verschwunden. Dieser Vorhang ist also vor dem Innern weggezogen, und +das Schauen des Innern in das Innere vorhanden; das Schauen des +_ununterschiedenen_ Gleichnamigen, welches sich selbst abstößt, als +_unterschiedenes_ Innres setzt, aber _für welches_ ebenso unmittelbar +die _Ununterschiedenheit_ beider ist, _das Selbstbewußtsein_. Es +zeigt sich, daß hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innre +verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn _wir_ nicht selbst +dahintergehen, ebensosehr damit gesehen werde, als daß etwas dahinter +sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, daß +nicht ohne alle Umstände geradezu dahintergegangen werden könne; denn +dies Wissen, was die Wahrheit _der Vorstellung_ der Erscheinung und +ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umständlichen +Bewegung, wodurch die Weisen des Bewußtseins, Meinen, Wahrnehmen und +der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, daß das +Erkennen dessen, _was das Bewußtsein weiß, indem es sich selbst weiß_, +noch weiterer Umstände bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende +ist. + + + +IV. Die Wahrheitder Gewißheit seiner selbst + +In den bisherigen Weisen der Gewißheit ist dem Bewußtsein das Wahre +etwas anderes als es selbst. Der Begriff dieses Wahren verschwindet +aber in der Erfahrung von ihm; wie der Gegenstand unmittelbar _an +sich_ war, das Seiende der sinnlichen Gewißheit, das konkrete Ding +der Wahrnehmung, die Kraft des Verstandes, so erweist er sich +vielmehr nicht in Wahrheit zu sein, sondern dies _An-sich_ ergibt +sich als eine Weise, wie er nur für ein Anderes ist; der Begriff von +ihm hebt sich an dem wirklichen Gegenstande auf, oder die erste +unmittelbare Vorstellung in der Erfahrung, und die Gewißheit ging in +der Wahrheit verloren. Nunmehr aber ist dies entstanden, was in +diesen frühern Verhältnissen nicht zustande kam, nämlich eine +Gewißheit, welche ihrer Wahrheit gleich ist, denn die Gewißheit ist +sich selbst ihr Gegenstand, und das Bewußtsein ist sich selbst das +Wahre. Es ist darin zwar auch ein Anderssein; das Bewußtsein +unterscheidet nämlich, aber ein solches, das für es zugleich ein +nicht Unterschiedenes ist. Nennen wir _Begriff_ die Bewegung des +Wissens, den _Gegenstand_ aber, das Wissen als ruhige Einheit, oder +als Ich, so sehen wir, daß nicht nur für uns, sondern für das Wissen +selbst der Gegenstand dem Begriffe entspricht.--Oder auf die andere +Weise, den _Begriff_ das genannt, was der Gegenstand _an sich_ ist, +den Gegenstand aber das, was er als _Gegenstand_, oder _für ein_ +Anderes ist, so erhellt, daß das An-sich-sein und das +Für-ein-anderes-sein dasselbe ist; denn das _An-sich_ ist das +Bewußtsein; es ist aber ebenso dasjenige, _für welches ein_ anderes +(das _An-sich_) ist; und es ist für es, daß das An-sich des +Gegenstandes und das Sein desselben für ein Anderes dasselbe ist; Ich +ist der Inhalt der Beziehung und das Beziehen selbst; es ist es +selbst gegen ein Anderes, und greift zugleich über dies Andre über, +das für es ebenso nur es selbst ist. + +Mit dem Selbstbewußtsein sind wir also nun in das einheimische Reich +der Wahrheit eingetreten. Es ist zu sehen, wie die Gestalt des +Selbstbewußtseins zunächst auftritt. Betrachten wir diese neue +Gestalt des Wissens, das Wissen von sich selbst, im Verhältnisse zu +dem Vorhergehenden, dem Wissen von einem Andern, so ist dies zwar +verschwunden; aber seine Momente haben sich zugleich ebenso +aufbewahrt; und der Verlust besteht darin, daß sie hier vorhanden +sind, wie sie an sich sind. Das _Sein_ der Meinung, die +_Einzelnheit_ und die ihr entgegengesetzte _Allgemeinheit_ der +Wahrnehmung, sowie _das leere Innere_ des Verstandes, sind nicht mehr +als Wesen, sondern als Momente des Selbstbewußtseins, das heißt als +Abstraktionen oder Unterschiede, welche _für_ das Bewußtsein selbst +zugleich nichtig, oder keine Unterschiede und rein verschwindende +Wesen sind. Es scheint also nur das Hauptmoment selbst +verlorengegangen zu sein, nämlich das _einfache selbstständige +Bestehen_ für das Bewußtsein. Aber in der Tat ist das +Selbstbewußtsein die Reflexion aus dem Sein der sinnlichen und +wahrgenommenen Welt, und wesentlich die Rückkehr aus dem _Anderssein_. +Es ist als Selbstbewußtsein Bewegung; aber indem es _nur sich +selbst als_ sich selbst von sich unterscheidet, so ist ihm der +Unterschied _unmittelbar_ als ein Anderssein _aufgehoben_; der +Unterschied _ist_ nicht, und _es_ nur die bewegungslose Tautologie +des: Ich bin Ich; indem ihm der Unterschied nicht auch die Gestalt +des _Seins_ hat, ist es nicht Selbstbewußtsein. Es ist hiemit für es +das Anderssein, _als ein Sein_, oder als _unterschiedenes Moment_; +aber es ist für es auch die Einheit seiner selbst mit diesem +Unterschiede, als _zweites unterschiedenes_ Moment. Mit jenem ersten +Momente ist das Selbstbewußtsein als _Bewußtsein_, und für es die +ganze Ausbreitung der sinnlichen Welt erhalten; aber zugleich nur als +auf das zweite Moment, die Einheit des Selbstbewußtseins mit sich +selbst, bezogen; und sie ist hiemit für es ein Bestehen, welches aber +nur _Erscheinung_, oder Unterschied ist, der _an sich_ kein Sein hat. +Dieser Gegensatz seiner Erscheinung und seiner Wahrheit hat aber nur +die Wahrheit, nämlich die Einheit des Selbstbewußtseins mit sich +selbst, zu seinem Wesen; diese muß ihm wesentlich werden; das heißt, +es ist _Begierde_ überhaupt. Das Bewußtsein hat als Selbstbewußtsein +nunmehr einen gedoppelten Gegenstand, den einen, den unmittelbaren, +den Gegenstand der sinnlichen Gewißheit, und des Wahrnehmens, der +aber _für es_ mit dem _Charakter des Negati_ven bezeichnet ist, und +den zweiten, nämlich _sich selbst_, welcher das wahre _Wesen_, und +zunächst nur erst im Gegensatze des ersten vorhanden ist. Das +Selbstbewußtsein stellt sich hierin als die Bewegung dar, worin +dieser Gegensatz aufgehoben, und ihm die Gleichheit seiner selbst mit +sich wird. + +Der Gegenstand, welcher für das Selbstbewußtsein das Negative ist, +ist aber seinerseits _für uns_ oder _an sich_ ebenso in sich +zurückgegangen als das Bewußtsein andererseits. Er ist durch diese +Reflexion in sich _Leben_ geworden. Was das Selbstbewußtsein _als +seiend_ von sich unterscheidet, hat auch insofern, als es seiend +gesetzt ist, nicht bloß die Weise der sinnlichen Gewißheit und der +Wahrnehmung an ihm, sondern es ist in sich reflektiertes Sein, und +der Gegenstand der unmittelbaren Begierde ist ein _Lebendiges_. Denn +das _An-sich_, oder das _allgemeine_ Resultat des Verhältnisses des +Verstandes zu dem Innern der Dinge, ist das Unterscheiden des nicht +zu Unterscheidenden, oder die Einheit des Unterschiednen. Diese +Einheit aber ist ebensosehr, wie wir gesehen, ihr Abstoßen von sich +selbst, und dieser Begriff _entzweit_ sich in den Gegensatz des +Selbstbewußtseins und des Lebens; jenes die Einheit, _für welche_ die +unendliche Einheit der Unterschiede ist; dieses aber _ist_ nur diese +Einheit selbst, so daß sie nicht zugleich _für sich selbst_ ist. So +selbstständig also das Bewußtsein, ebenso selbstständig ist _an sich_ +sein Gegenstand. Das Selbstbewußtsein, welches schlechthin _für +sich_ ist, und seinen Gegenstand unmittelbar mit dem Charakter des +Negativen bezeichnet, oder zunächst _Begierde_ ist, wird daher +vielmehr die Erfahrung der Selbständigkeit desselben machen. + +Die Bestimmung des Lebens, wie sie sich aus dem Begriffe oder dem +allgemeinen Resultate ergibt, mit welchem wir in diese Sphäre +eintreten, ist hinreichend, es zu bezeichnen, ohne daß seine Natur +weiter daraus zu entwickeln wäre; ihr Kreis beschließt sich in +folgenden Momenten. Das _Wesen_ ist die Unendlichkeit als das +_Aufgehobensein_ aller Unterschiede, die reine achsendrehende +Bewegung, die Ruhe ihrer selbst als absolut unruhigen Unendlichkeit; +die _Selbstständigkeit_ selbst, in welcher die Unterschiede der +Bewegung aufgelöst sind; das einfache Wesen der Zeit, das in dieser +Sichselbstgleichheit die gediegene Gestalt des Raumes hat. Die +_Unterschiede_ sind aber an diesem _einfachen allgemeinen_ Medium +ebensosehr als _Unterschiede_; denn diese allgemeine Flüssigkeit hat +ihre negative Natur nur, indem sie ein _Aufheben derselben_ ist; aber +sie kann die unterschiednen nicht aufheben, wenn sie nicht ein +Bestehen haben. Eben diese Flüssigkeit ist als die sichselbstgleiche +Selbstständigkeit selbst das _Bestehen_, oder die _Substanz_ +derselben, worin sie also als unterschiedene Glieder und +_fürsichseiende_ Teile sind. Das _Sein_ hat nicht mehr die Bedeutung +der _Abstraktion des Seins_, noch ihre reine Wesenheit, der +_Abstraktion_ der _Allgemeinheit_; sondern ihr Sein ist eben jene +einfache flüssige Substanz der reinen Bewegung in sich selbst. Der +_Unterschied_ dieser Glieder _gegeneinander_ aber _als_ Unterschied +besteht überhaupt in keiner anderer _Bestimmtheit_ als der +Bestimmtheit der Momente der Unendlichkeit oder der reinen Bewegung +selbst. + +Die selbstständigen Glieder sind _für sich_; dieses _Für-sich-sein_ +ist aber vielmehr ebenso _unmittelbar_ ihre Reflexion in die Einheit, +als diese Einheit die Entzweiung in die selbstständigen Gestalten ist. +Die Einheit ist entzweit, weil sie absolut negative oder unendliche +Einheit ist; und weil _sie_ das _Bestehen_ ist, so hat auch der +Unterschied Selbstständigkeit nur _an ihr_. Diese Selbständigkeit +der Gestalt erscheint als ein _Bestimmtes, für Anderes_, denn sie ist +ein Entzweites; und das _Aufheben_ der Entzweiung geschieht insofern +durch ein Anderes. Aber es ist ebensosehr an ihr selbst; denn eben +jene Flüssigkeit ist die Substanz der selbstständigen Gestalten; +diese Substanz aber ist unendlich; die Gestalt ist darum in ihrem +Bestehen selbst die Entzweiung, oder das Aufheben ihres +Für-sich-seins. + +Unterscheiden wir die hierin enthaltenen Momente näher, so sehen wir, +daß wir zum _ersten_ Momente das _Bestehen der selbstständigen_ +Gestalten, oder die Unterdrückung dessen haben, was das Unterscheiden +an sich ist, nämlich nicht an sich zu sein und kein Bestehen zu haben. +Das _zweite_ Moment aber ist die _Unterwerfung_ jenes Bestehens +unter die Unendlichkeit des Unterschiedes. Im ersten Momente ist die +bestehende Gestalt; als _fürsichseiend_, oder in ihrer Bestimmtheit +unendliche Substanz tritt sie gegen die _allgemeine_ Substanz auf, +verleugnet diese Flüssigkeit und Kontinuität mit ihr und behauptet +sich als nicht in diesem Allgemeinen aufgelöst, sondern vielmehr als +durch die Absonderung von dieser ihrer unorganischen Natur, und durch +das Aufzehren derselben sich erhaltend. Das Leben in dem allgemeinen +flüssigen Medium, ein _ruhiges_ Auseinanderlegen der Gestalten wird +eben dadurch zur Bewegung derselben, oder zum Leben als _Prozeß_. +Die einfache allgemeine Flüssigkeit ist das _An-sich_, und der +Unterschied der Gestalten das _Andere_. Aber diese Flüssigkeit wird +selbst durch diesen Unterschied _das Andere_; denn sie ist itzt _für +den Unterschied_, welcher an und für sich selbst, und daher die +unendliche Bewegung ist, von welcher jenes ruhige Medium aufgezehrt +wird, das Leben als _Lebendiges_.--Diese _Verkehrung_ aber ist darum +wieder die _Verkehrtheit an sich selbst_; was auf gezehrt wird, ist +das Wesen; die auf Kosten des Allgemeinen sich erhaltende, und das +Gefühl ihrer Einheit mit sich selbst sich gebende Individualität hebt +gerade damit _ihren Gegensatz des Andern, durch welchen sie für sich +ist_, auf; die _Einheit_ mit sich selbst, welche sie sich gibt, ist +gerade die _Flüssigkeit_ der Unterschiede, oder die _allgemeine +Auflösung_. Aber umgekehrt ist das Aufheben des individuellen +Bestehens ebenso das Erzeugen desselben. Denn da das _Wesen_ der +individuellen Gestalt, das allgemeine Leben, und das für sich Seiende +an sich einfache Substanz ist, so hebt es, indem es das _Andre_ in +sich setzt, diese seine _Einfachheit_, oder sein Wesen auf, d.h. es +entzweit sie, und dies Entzweien der unterschiedslosen Flüssigkeit +ist eben das Setzen der Individualität. Die einfache Substanz des +Lebens also ist die Entzweiung ihrer selbst in Gestalten, und +zugleich die Auflösung dieser bestehenden Unterschiede; und die +Auflösung der Entzweiung ist ebensosehr Entzweien oder ein Gliedern. +Es fallen damit die beiden Seiten der ganzen Bewegung, welche +unterschieden wurden, nämlich die in dem allgemeinen Medium der +Selbstständigkeit ruhig auseinandergelegte Gestaltung und der Prozeß +des Lebens ineinander; der letztere ist ebensosehr Gestaltung, als er +das Aufheben der Gestalt ist; und das erste, die Gestaltung, ist +ebensosehr ein Aufheben, als sie die Gliederung ist. Das flüssige +Element ist selbst nur die _Abstraktion_ des Wesens, oder es ist nur +als Gestalt _wirklich_; und daß es sich gliedert, ist wieder ein +Entzweien des Gegliederten, oder ein Auflösen desselben. Dieser +ganze Kreislauf macht das Leben aus, weder das, was zuerst +ausgesprochen wird, die unmittelbare Kontinuität und Gediegenheit +seines Wesens, noch die bestehende Gestalt und das für sich seiende +Diskrete, noch der reine Prozeß derselben, noch auch das einfache +Zusammenfassen dieser Momente, sondern das sich entwickelnde, und +seine Entwicklung auflösende und in dieser Bewegung sich einfach +erhaltende Ganze. + +Indem von der ersten unmittelbaren Einheit ausgegangen, und durch die +Momente der Gestaltung und des Prozesses hindurch zur Einheit dieser +beiden Momente, und damit wieder zur ersten einfachen Substanz +zurückgekehrt wird, so ist diese _reflektierte Einheit_ eine andere +als die erste. Gegen jene _unmittelbare_, oder als ein _Sein_ +ausgesprochene, ist diese zweite die _allgemeine_, welche alle diese +Momente als aufgehobne in ihr hat. Sie ist die _einfache Gattung_, +welche in der Bewegung des Lebens selbst nicht _für sich *als*_ dies +_Einfache existiert_; sondern in diesem _Resultate_ verweist das +Leben auf ein anderes, als es ist, nämlich auf das Bewußtsein, für +welches es als diese Einheit, oder als Gattung, ist. + +Dies andere Leben aber, für welches die _Gattung_ als solche und +welches für sich selbst Gattung ist, das Selbstbewußtsein, ist sich +zunächst nur als dieses einfache Wesen, und hat sich als _reines Ich_ +zum Gegenstande; in seiner Erfahrung, die nun zu betrachten ist, wird +sich ihm dieser abstrakte Gegenstand bereichern, und die Entfaltung +erhalten, welche wir an dem Leben gesehen haben. + +Das einfache Ich ist diese Gattung oder das einfache Allgemeine, für +welches die Unterschiede keine sind, nur, indem es _negatives Wesen_ +der gestalteten selbstständigen Momente ist; und das Selbstbewußtsein +hiemit seiner selbst nur gewiß, durch das Aufheben dieses andern, das +sich ihm als selbstständiges Leben darstellt; es ist _Begierde_. Der +Nichtigkeit dieses Andern gewiß, setzt es _für sich_ dieselbe als +seine Wahrheit, vernichtet den selbstständigen Gegenstand und gibt +sich dadurch die Gewißheit seiner selbst, als _wahre_ Gewißheit, als +solche, welche ihm selbst auf _gegenständliche Weise_ geworden ist. + +In dieser Befriedigung aber macht es die Erfahrung von der +Selbstständigkeit seines Gegenstandes. Die Begierde und die in ihrer +Befriedigung erreichte Gewißheit seiner selbst ist bedingt durch ihn, +denn sie ist durch Aufheben dieses Andern; daß dies Aufheben sei, muß +dies Andere sein. Das Selbstbewußtsein vermag also durch seine +negative Beziehung ihn nicht aufzuheben; es erzeugt ihn darum +vielmehr wieder, so wie die Begierde. Es ist in der Tat ein anderes +als das Selbstbewußtsein, das Wesen der Begierde; und durch diese +Erfahrung ist ihm selbst diese Wahrheit geworden. Zugleich aber ist +es ebenso absolut für sich, und ist dies nur durch Aufheben des +Gegenstandes, und es muß ihm seine Befriedigung werden, denn es ist +die Wahrheit. Um der Selbstständigkeit des Gegenstandes willen kann +es daher zur Befriedigung nur gelangen, indem dieser selbst die +Negation an ihm vollzieht; und er muß diese Negation seiner selbst an +sich vollziehen, denn er ist _an sich_ das Negative, und muß für das +Andre sein, was er ist. Indem er die Negation an sich selbst ist, +und darin zugleich selbstständig ist, ist er Bewußtsein. An dem +Leben, welches der Gegenstand der Begierde ist, ist die _Negation_ +entweder _an einem Andern_, nämlich an der Begierde, oder als +_Bestimmtheit_ gegen eine andere gleichgültige Gestalt, oder als +seine _unorganische allgemeine Natur_. Diese allgemeine +selbstständige Natur aber, an der die Negation als absolute ist, ist +die Gattung als solche, oder als _Selbstbewußtsein. Das +Selbstbewußtsein erreicht seine Befriedigung nur in einem andern +Selbstbewußtsein._ + +In diesen drei Momenten ist erst der Begriff des Selbstbewußtseins +vollendet; a) reines ununterschiedenes Ich ist sein erster +unmittelbarer Gegenstand. b) Diese Unmittelbarkeit ist aber selbst +absolute Vermittlung, sie ist nur als Aufheben des selbstständigen +Gegenstandes, oder sie ist Begierde. Die Befriedigung der Begierde +ist zwar die Reflexion des Selbstbewußtseins in sich selbst, oder die +zur Wahrheit gewordene Gewißheit. c) Aber die Wahrheit derselben ist +vielmehr die gedoppelte Reflexion, die Verdopplung des +Selbstbewußtseins. Es ist ein Gegenstand für das Bewußtsein, welcher +an sich selbst sein Anderssein oder den Unterschied als einen +nichtigen setzt, und darin selbstständig ist. Die unterschiedene nur +_lebendige_ Gestalt hebt wohl im Prozesse des Lebens selbst auch ihre +Selbstständigkeit auf, aber sie hört mit ihrem Unterschiede auf, zu +sein, was sie ist; der Gegenstand des Selbstbewußtseins ist aber +ebenso selbstständig in dieser Negativität seiner selbst; und damit +ist er für sich selbst Gattung, allgemeine Flüssigkeit in der +Eigenheit seiner Absonderung; er ist lebendiges Selbstbewußtsein. + +Es ist ein _Selbstbewußtsein für ein Selbstbewußtsein_. Erst +hiedurch ist es in der Tat; denn erst hierin wird für es die Einheit +seiner selbst in seinem Anderssein; _Ich_, das der Gegenstand seines +Begriffs ist, ist in der Tat nicht _Gegenstand_; der Gegenstand der +Begierde aber ist nur _selbstständig_, denn er ist die allgemeine +unvertilgbare Substanz, das flüssige sichselbstgleiche Wesen. Indem +ein Selbstbewußtsein der Gegenstand ist, ist er ebensowohl ich wie +Gegenstand.--Hiemit ist schon der Begriff _des Geistes_ für uns +vorhanden. Was für das Bewußtsein weiter wird, ist die Erfahrung, +was der Geist ist, diese absolute Substanz, welche in der +vollkommenen Freiheit und Selbstständigkeit ihres Gegensatzes, +nämlich verschiedener für sich seiender Selbstbewußtsein, die Einheit +derselben ist; _Ich_, das _Wir_, und _Wir_, das _Ich_ ist. Das +Bewußtsein hat erst in dem Selbstbewußtsein, als dem Begriffe des +Geistes, seinen Wendungspunkt, auf dem es aus dem farbigten Scheine +des sinnlichen Diesseits, und aus der leeren Nacht des übersinnlichen +Jenseits in den geistigen Tag der Gegenwart einschreitet. + + +A. Selbstständigkeit und Unselbstständigkeitdes Selbstbewußtseins; +Herrschaft und Knechtschaft + +Das Selbstbewußtsein ist _an_ und _für sich_, indem, und dadurch, daß +es für ein Anderes an und für sich ist; d.h. es ist nur als ein +Anerkanntes. Der Begriff dieser seiner Einheit in seiner Verdopplung, +der sich im Selbstbewußtsein realisierenden Unendlichkeit, ist eine +vielseitige und vieldeutige Verschränkung, so daß die Momente +derselben teils genau auseinandergehalten, teils in dieser +Unterscheidung zugleich auch als nicht unterschieden, oder immer in +ihrer entgegengesetzten Bedeutung genommen und erkannt werden müssen. +Die Doppelsinnigkeit des Unterschiedenen liegt in dem Wesen des +Selbstbewußtseins, unendlich, oder unmittelbar das Gegenteil der +Bestimmtheit, in der es gesetzt ist, zu sein. Die Auseinanderlegung +des Begriffs dieser geistigen Einheit in ihrer Verdopplung stellt uns +die Bewegung des _Anerkennens_ dar. + +Es ist für das Selbstbewußtsein ein anderes Selbstbewußtsein; es ist +_außer sich_ gekommen. Dies hat die gedoppelte Bedeutung, _erstlich_, +es hat sich selbst verloren, denn es findet sich als ein _anderes_ +Wesen; _zweitens_, es hat damit das Andere aufgehoben, denn es sieht +auch nicht das Andere als Wesen, sondern _sich selbst_ im Andern. + +Es muß dies _sein Anderssein_ aufheben; dies ist das Aufheben des +ersten Doppelsinnes, und darum selbst ein zweiter Doppelsinn; +_erstlich_, es muß darauf gehen, das _andere_ selbstständige Wesen +aufzuheben, um dadurch _seiner_ als des Wesens gewiß zu werden; +_zweitens_ geht es hiemit darauf, _sich selbst_ aufzuheben, denn dies +Andere ist es selbst. + +Dies doppelsinnige Aufheben seines doppelsinnigen Andersseins ist +ebenso eine doppelsinnige Rückkehr _in sich selbst_; denn _erstlich_ +erhält es durch das Aufheben sich selbst zurück; denn es wird sich +wieder gleich durch das Aufheben _seines_ Andersseins; _zweitens_ +aber gibt es das andere Selbstbewußtsein ihm wieder ebenso zurück, +denn es war sich im Andern, es hebt dies _sein_ Sein im Andern auf, +entläßt also das andere wieder frei. + +Diese Bewegung des Selbstbewußtseins in der Beziehung auf ein anderes +Selbstbewußtsein ist aber auf diese Weise vorgestellt worden, als +_das Tun des Einen_; aber dieses Tun des Einen hat selbst die +gedoppelte Bedeutung, ebensowohl _sein Tun_ als _das Tun des Andern_ +zu sein; denn das Andere ist ebenso selbstständig, in sich +beschlossen, und es ist nichts in ihm, was nicht durch es selbst ist. +Das erste hat den Gegenstand nicht vor sich, wie er nur für die +Begierde zunächst ist, sondern einen für sich seienden +selbstständigen, über welchen es darum nichts für sich vermag, wenn +er nicht an sich selbst dies tut, was es an ihm tut. Die Bewegung +ist also schlechthin die gedoppelte beider Selbstbewußtsein. Jedes +sieht _das Andre_ dasselbe tun, was _es_ tut; jedes tut Selbst, was +es an das Andre fodert; und tut darum, was es tut, auch _nur_ +insofern, als das Andre dasselbe tut; das einseitige Tun wäre unnütz; +weil, was geschehen soll, nur durch beide zustande kommen kann. + +Das Tun ist also nicht nur insofern doppelsinnig, als es ein Tun +ebensowohl _gegen sich_ als _gegen das Andre_, sondern auch insofern, +als es ungetrennt ebensowohl _das Tun des Einen_ als _des Andern_ ist. + +In dieser Bewegung sehen wir sich den Prozeß wiederholen, der sich +als Spiel der Kräfte darstellte, aber im Bewußtsein. Was in jenem +für uns war, ist hier für die Extreme selbst. Die Mitte ist das +Selbstbewußtsein, welches sich in die Extreme zersetzt, und jedes +Extrem ist diese Austauschung seiner Bestimmtheit, und absoluter +Übergang in das entgegengesetzte. Als Bewußtsein aber kommt es wohl +_außer sich_, jedoch ist es in seinem Außer-sich-sein zugleich in +sich zurückgehalten, _für sich_, und sein Außer-sich ist _für es_. +Es ist für es, daß es unmittelbar anderes Bewußtsein _ist_, und +_nicht ist_; und ebenso, daß dies Andere nur für sich ist, indem es +sich als für sich Seiendes aufhebt, und nur im Für-sich-sein des +Andern für sich ist. Jedes ist dem andern die Mitte, durch welche +jedes sich mit sich selbst vermittelt und zusammenschließt, und jedes +sich und dem Andern unmittelbares für sich seiendes Wesen, welches +zugleich nur durch diese Vermittlung so für sich ist. Sie +_anerkennen_ sich als _gegenseitig sich anerkennend_. + +Dieser reine Begriff des Anerkennens, der Verdopplung des +Selbstbewußtseins in seiner Einheit, ist nun zu betrachten, wie sein +Prozeß für das Selbstbewußtsein erscheint. Er wird zuerst die Seite +der _Ungleichheit_ beider darstellen, oder das Heraustreten der Mitte +in die Extreme, welche als Extreme sich entgegengesetzt, und das eine +nur Anerkanntes, der andre nur Anerkennendes ist. + +Das Selbstbewußtsein ist zunächst einfaches Für-sich-sein, +sichselbstgleich durch das Ausschließen alles _andern aus sich_; sein +Wesen und absoluter Gegenstand ist ihm _Ich_; und es ist in dieser +_Unmittelbarkeit_, oder in diesem _Sein_ seines Für-sich-seins, +_Einzelnes_. Was Anderes für es ist, ist als unwesentlicher, mit dem +Charakter des Negativen bezeichneter Gegenstand. Aber das Andre ist +auch ein Selbstbewußtsein; es tritt ein Individuum einem Individuum +gegenüber auf. So _unmittelbar_ auftretend sind sie füreinander in +der Weise gemeiner Gegenstände; _selbstständige_ Gestalten, in das +_Sein_ des _Lebens_--denn als Leben hat sich hier der seiende +Gegenstand bestimmt--versenkte Bewußtsein, welche _füreinander_ die +Bewegung der absoluten Abstraktion, alles unmittelbare Sein zu +vertilgen, und nur das rein negative Sein des sichselbstgleichen +Bewußtseins zu sein, noch nicht vollbracht, oder sich einander noch +nicht als reines _Für-sich-sein_, das heißt als _Selbst_bewußtsein +dargestellt haben. Jedes ist wohl seiner selbst gewiß, aber nicht +des Andern, und darum hat seine eigne Gewißheit von sich noch keine +Wahrheit; denn seine Wahrheit wäre nur, daß sein eignes Für-sich-sein +sich ihm als selbstständiger Gegenstand, oder, was dasselbe ist, der +Gegenstand sich als diese reine Gewißheit seiner selbst dargestellt +hätte. Dies aber ist nach dem Begriffe des Anerkennens nicht möglich, +als daß wie der Andere für ihn, so er für den Andern, jeder an sich +selbst durch sein eigenes Tun, und wieder durch das Tun des andern, +diese reine Abstraktion des Für-sich-seins vollbringt. + +Die _Darstellung_ seiner aber als der reinen Abstraktion des +Selbstbewußtseins besteht darin, sich als reine Negation seiner +gegenständlichen Weise zu zeigen, oder es zu zeigen, an kein +bestimmtes _Dasein_ geknüpft, an die allgemeine Einzelnheit des +Daseins überhaupt nicht, nicht an das Leben geknüpft zu sein. Diese +Darstellung ist das _gedoppelte_ Tun; Tun des Andern, und Tun durch +sich selbst. Insofern es Tun _des Andern_ ist, geht also jeder auf +den Tod des Andern. Darin aber ist auch das zweite, _das Tun durch +sich selbst_, vorhanden; denn jenes schließt das Daransetzen des +eignen Lebens in sich. Das Verhältnis beider Selbstbewußtsein ist +also so bestimmt, daß sie sich selbst und einander durch den Kampf +auf Leben und Tod _bewähren_.--Sie müssen in diesen Kampf gehen, denn +sie müssen die Gewißheit ihrer selbst, _für sich zu sein_, zur +Wahrheit an dem Andern und an ihnen selbst erheben. Und es ist +allein das Daransetzen des Lebens, wodurch die Freiheit, wodurch es +bewährt wird, daß dem Selbstbewußtsein nicht das _Sein_, nicht die +_unmittelbare_ Weise, wie es auftritt, nicht sein Versenktsein in die +Ausbreitung des Lebens--das Wesen, sondern daß an ihm nichts +vorhanden, was für es nicht verschwindendes Moment wäre, daß es nur +reines _Für-sich-sein_ ist. Das Individuum, welches das Leben nicht +gewagt hat, kann wohl als _Person_ anerkannt werden; aber es hat die +Wahrheit dieses Anerkanntseins als eines selbstständigen +Selbstbewußtseins nicht erreicht. Ebenso muß jedes auf den Tod des +andern gehen, wie es sein Leben daransetzt; denn das Andre gilt ihm +nicht mehr als es selbst; sein Wesen stellt sich ihm als ein Andres +dar, es ist außer sich; es muß sein Außersichsein aufheben; das Andre +ist mannigfaltig befangenes und seiendes Bewußtsein; es muß sein +Anderssein als reines Für-sich-sein oder als absolute Negation +anschauen. + +Diese Bewährung aber durch den Tod hebt ebenso die Wahrheit, welche +daraus hervorgehen sollte, als damit auch die Gewißheit seiner selbst +überhaupt auf; denn wie das Leben die _natürliche_ Position des +Bewußtseins, die Selbstständigkeit ohne die absolute Negativität, ist, +so ist er die _natürliche_ Negation desselben, die Negation ohne die +Selbstständigkeit, welche also ohne die geforderte Bedeutung des +Anerkennens bleibt. Durch den Tod ist zwar die Gewißheit geworden, +daß beide ihr Leben wagten, und es an ihnen und an dem Andern +verachteten; aber nicht für die, welche diesen Kampf bestanden. Sie +heben ihr in dieser fremden Wesenheit, welches das natürliche Dasein +ist, gesetztes Bewußtsein, oder sie heben sich, und werden als die +für sich sein wollenden _Extreme_ aufgehoben. Es verschwindet aber +damit aus dem Spiele des Wechsels das wesentliche Moment, sich in +Extreme entgegengesetzter Bestimmtheiten zu zersetzen; und die Mitte +fällt in eine tote Einheit zusammen, welche in tote, bloß seiende, +nicht entgegengesetzte Extreme zersetzt ist; und die beiden geben und +empfangen sich nicht gegenseitig voneinander durch das Bewußtsein +zurück, sondern lassen einander nur gleichgültig, als Dinge, frei. +Ihre Tat ist die abstrakte Negation, nicht die Negation des +Bewußtseins, welches _so aufhebt_, daß es das Aufgehobene +_aufbewahrt_ und _erhält_, und hiemit sein Aufgehobenwerden überlebt. + +In dieser Erfahrung wird es dem Selbstbewußtsein, daß ihm das Leben +so wesentlich als das reine Selbstbewußtsein ist. Im unmittelbaren +Selbstbewußtsein ist das einfache Ich der absolute Gegenstand, +welcher aber für uns oder an sich die absolute Vermittlung ist, und +die bestehende Selbstständigkeit zum wesentlichen Momente hat. Die +Auflösung jener einfachen Einheit ist das Resultat der ersten +Erfahrung; es ist durch sie ein reines Selbstbewußtsein, und ein +Bewußtsein gesetzt, welches nicht rein für sich, sondern für ein +Anderes, das heißt, als _seiendes_ Bewußtsein oder Bewußtsein in der +Gestalt der _Dingheit_ ist. Beide Momente sind wesentlich;--da sie +zunächst ungleich und entgegengesetzt sind, und ihre Reflexion in die +Einheit sich noch nicht ergeben hat, so sind sie als zwei +entgegengesetzte Gestalten des Bewußtseins; die eine das +selbstständige, welchem das Für-sich-sein, die andere das +unselbstständige, dem das Leben oder das Sein für ein Anderes das +Wesen ist; jenes ist der _Herr_, dies der _Knecht_. + +Der Herr ist das _für sich_ seiende Bewußtsein, aber nicht mehr nur +der Begriff desselben, sondern für sich seiendes Bewußtsein, welches +durch ein _anderes_ Bewußtsein mit sich vermittelt ist, nämlich durch +ein solches, zu dessen Wesen es gehört, daß es mit selbstständigem +_Sein_ oder der Dingheit überhaupt synthesiert ist. Der Herr bezieht +sich auf diese beiden Momente, auf ein _Ding_, als solches, den +Gegenstand der Begierde, und auf das Bewußtsein, dem die Dingheit das +Wesentliche ist; und, indem er a) als Begriff des Selbstbewußtseins +unmittelbare Beziehung des _Für-sich-seins_ ist, aber b) nunmehr +zugleich als Vermittlung, oder als ein Für-sich-sein, welches nur +durch ein Anderes für sich ist, so bezieht er sich a) unmittelbar auf +beide, und b) mittelbar auf jedes durch das andere. Der Herr bezieht +sich _auf den Knecht mittelbar durch das selbstständige Sein_; denn +eben hieran ist der Knecht gehalten; es ist seine Kette, von der er +im Kampfe nicht abstrahieren konnte, und darum sich als +unselbstständig, seine Selbstständigkeit in der Dingheit zu haben, +erwies. Der Herr aber ist die Macht über dies Sein, denn er erwies +im Kampfe, daß es ihm nur als ein Negatives gilt; indem er die Macht +darüber, dies Sein aber die Macht über den Andern ist, so hat er in +diesem Schlusse diesen andern unter sich. Ebenso bezieht sich der +Herr _mittelbar durch den Knecht auf das Ding_; der Knecht bezieht +sich, als Selbstbewußtsein überhaupt, auf das Ding auch negativ und +hebt es auf; aber es ist zugleich selbstständig für ihn, und er kann +darum durch sein Negieren nicht bis zur Vernichtung mit ihm fertig +werden, oder er _bearbeitet_ es nur. Dem Herrn dagegen _wird_ durch +diese Vermittlung die _unmittelbare_ Beziehung als die reine Negation +desselben, oder der _Genuß_; was der Begierde nicht gelang, gelingt +ihm, damit fertig zu werden, und im Genusse sich zu befriedigen. Der +Begierde gelang dies nicht wegen der Selbstständigkeit des Dinges; +der Herr aber, der den Knecht zwischen es und sich eingeschoben, +schließt sich dadurch nur mit der Unselbstständigkeit des Dinges +zusammen, und genießt es rein; die Seite der Selbstständigkeit aber +überläßt er dem Knechte, der es bearbeitet. + +In diesen beiden Momenten wird für den Herrn sein Anerkanntsein durch +ein anderes Bewußtsein; denn dieses setzt sich in ihnen als +Unwesentliches, einmal in der Bearbeitung des Dings, das anderemal in +der Abhängigkeit von einem bestimmten Dasein; in beiden kann es nicht +über das Sein Meister werden und zur absoluten Negation gelangen. Es +ist also hierin dies Moment des Anerkennens vorhanden, daß das andere +Bewußtsein sich als Für-sich-sein aufhebt, und hiemit selbst das tut, +was das erste gegen es tut. Ebenso das andere Moment, daß dies Tun +des zweiten das eigne Tun des ersten ist; denn, was der Knecht tut, +ist eigentlich Tun des Herrn; diesem ist nur das Für-sich-sein, das +Wesen; er ist die reine negative Macht, der das Ding nichts ist, und +also das reine wesentliche Tun in diesem Verhältnisse; der Knecht +aber ein nicht reines, sondern unwesentliches Tun. Aber zum +eigentlichen Anerkennen fehlt das Moment, daß, was der Herr gegen den +Andern tut, er auch gegen sich selbst, und was der Knecht gegen sich, +er auch gegen den Andern tue. Es ist dadurch ein einseitiges und +ungleiches Anerkennen entstanden. + +Das unwesentliche Bewußtsein ist hierin für den Herrn der Gegenstand, +welcher die _Wahrheit_ der Gewißheit seiner selbst ausmacht. Aber es +erhellt, daß dieser Gegenstand seinem Begriffe nicht entspricht, +sondern daß darin, worin der Herr sich vollbracht hat, ihm vielmehr +ganz etwas anderes geworden als ein selbstständiges Bewußtsein. +Nicht ein solches ist für ihn, sondern vielmehr ein unselbstständiges; +er also nicht _des Für-sich-seins_, als der Wahrheit gewiß, sondern +seine Wahrheit ist vielmehr das unwesentliche Bewußtsein, und das +unwesentliche Tun desselben. + +Die _Wahrheit_ des selbstständigen Bewußtseins ist demnach das +_knechtische Bewußtsein_. Dieses erscheint zwar zunächst _außer_ +sich und nicht als die Wahrheit des Selbstbewußtsein. Aber wie die +Herrschaft zeigte, daß ihr Wesen das Verkehrte dessen ist, was sie +sein will, so wird auch wohl die Knechtschaft vielmehr in ihrer +Vollbringung zum Gegenteile dessen werden, was sie unmittelbar ist; +sie wird als in sich _zurückgedrängtes_ Bewußtsein in sich gehen, und +zur wahren Selbstständigkeit sich umkehren. + +Wir sahen nur, was die Knechtschaft im Verhältnisse der Herrschaft +ist. Aber sie ist Selbstbewußtsein, und was sie hienach an und für +sich selbst ist, ist nun zu betrachten. Zunächst ist für die +Knechtschaft der Herr das Wesen; also das _selbstständige für sich +seiende Bewußtsein_ ist ihr _die Wahrheit_, die jedoch _*für sie*_ +noch nicht _an ihr_ ist. Allein sie hat diese Wahrheit der reinen +Negativität und des _Für-sich-seins in der Tat an ihr selbst_; denn +sie hat dieses Wesen an ihr _erfahren_. Dies Bewußtsein hat nämlich +nicht um dieses oder jenes, noch für diesen oder jenen Augenblick +Angst gehabt, sondern um sein ganzes Wesen; denn es hat die Furcht +des Todes, des absoluten Herrn, empfunden. Es ist darin innerlich +aufgelöst worden, hat durchaus in sich selbst erzittert, und alles +Fixe hat in ihm gebebt. Diese reine allgemeine Bewegung, das +absolute Flüssigwerden alles Bestehens ist aber das einfache Wesen +des Selbstbewußtseins, die absolute Negativität, _das reine +Für-sich-sein_, das hiemit an diesem Bewußtsein ist. Dies Moment des +reinen Für-sich-sein ist auch _für es_, denn im Herrn ist es ihm sein +_Gegenstand_. Es ist ferner nicht nur diese allgemeine Auflösung +_überhaupt_, sondern im Dienen vollbringt es sie _wirklich_; es hebt +darin in allen _einzelnen_ Momenten seine Anhänglichkeit an +natürliches Dasein auf, und arbeitet dasselbe hinweg. + +Das Gefühl der absoluten Macht aber überhaupt, und im einzelnen des +Dienstes ist nur die Auflösung _an sich_, und obzwar die Furcht des +Herrn der Anfang der Weisheit ist, so ist das Bewußtsein darin _für +es selbst_, nicht das _Für-sich-sein_. Durch die Arbeit kömmt es +aber zu sich selbst. In dem Momente, welches der Begierde im +Bewußtsein des Herrn entspricht, schien dem dienenden Bewußtsein zwar +die Seite der unwesentlichen Beziehung auf das Ding zugefallen zu +sein, indem das Ding darin seine Selbstständigkeit behält. Die +Begierde hat sich das reine Negieren des Gegenstandes, und dadurch +das unvermischte Selbstgefühl vorbehalten. Diese Befriedigung ist +aber deswegen selbst nur ein Verschwinden, denn es fehlt ihr die +_gegenständliche_ Seite oder das _Bestehen_. Die Arbeit hingegen ist +_gehemmte_ Begierde, _aufgehaltenes_ Verschwinden, oder sie _bildet_. +Die negative Beziehung auf den Gegenstand wird zur _Form_ desselben, +und zu einem _bleibenden_; weil eben dem arbeitenden der Gegenstand +Selbstständigkeit hat. Diese _negative_ Mitte oder das formierende +_Tun_ ist zugleich _die Einzelnheit_ oder das reine Für-sich-sein des +Bewußtseins, welches nun in der Arbeit außer es in das Element des +Bleibens tritt; das arbeitende Bewußtsein kommt also hiedurch zur +Anschauung des selbstständigen Seins, _als seiner selbst_. + +Das Formieren hat aber nicht nur diese positive Bedeutung, daß das +dienende Bewußtsein sich darin als reines _Für-sich-sein_ zum +_Seienden_ wird; sondern auch die negative, gegen sein erstes Moment, +die Furcht. Denn in dem Bilden des Dinges wird ihm die eigne +Negativität, sein Für-sich-sein, nur dadurch zum Gegenstande, daß es +die entgegengesetzte seiende _Form_ aufhebt. Aber dies +gegenständliche _Negative_ ist gerade das fremde Wesen, vor welchem +es gezittert hat. Nun aber zerstört es dies fremde Negative, setzt +_sich_ als ein solches in das Element des Bleibens; und wird hiedurch +_für sich selbst_, ein _für sich Seiendes_. Im Herrn ist ihm das +Für-sich-sein _ein Anderes_ oder nur _für es_; in der Furcht ist das +Für-sich-sein _an ihm selbst_; in dem Bilden wird das Für-sich-sein +als _sein eignes_ für es, und es kömmt zum Bewußtsein, daß es selbst +an und für sich ist. Die Form wird dadurch, daß sie _hinausgesetzt_ +wird, ihm nicht ein Anderes als es; denn eben sie ist sein reines +Für-sich-sein, das ihm darin zur Wahrheit wird. Es wird also durch +dies Wiederfinden seiner durch sich selbst _eigner Sinn_, gerade in +der Arbeit, worin es nur _fremder Sinn_ zu sein schien.--Es sind zu +dieser Reflexion die beiden Momente der Furcht und des Dienstes +überhaupt, sowie des Bildens notwendig, und zugleich beide auf eine +allgemeine Weise. Ohne die Zucht des Dienstes und Gehorsams bleibt +die Furcht beim Formellen stehen, und verbreitet sich nicht über die +bewußte Wirklichkeit des Daseins. Ohne das Bilden bleibt die Furcht +innerlich und stumm, und das Bewußtsein wird nicht für es selbst. +Formiert das Bewußtsein ohne die erste absolute Furcht, so ist es nur +ein eitler eigner Sinn; denn seine Form oder Negativität ist nicht +die Negativität _an sich_; und sein Formieren kann ihm daher nicht +das Bewußtsein seiner als des Wesens geben. Hat es nicht die +absolute Furcht, sondern nur einige Angst ausgestanden, so ist das +negative Wesen ihm ein äußerliches geblieben, seine Substanz ist von +ihm nicht durch und durch angesteckt. Indem nicht alle Erfüllungen +seines natürlichen Bewußtseins wankend geworden, gehört es _an sich_ +noch bestimmtem Sein an; der eigne Sinn ist _Eigensinn_, eine +Freiheit, welche noch innerhalb der Knechtschaft stehenbleibt. So +wenig ihm die reine Form zum Wesen werden kann, so wenig ist sie, als +Ausbreitung über das Einzelne betrachtet, allgemeines Bilden, +absoluter Begriff, sondern eine Geschicklichkeit, welche nur über +einiges, nicht über die allgemeine Macht und das ganze +gegenständliche Wesen mächtig ist. + + +B. Freiheit des Selbstbewußtseins;Stoizismus, Skeptizismusund das +unglückliche Bewußtsein + +Dem selbstständigen Selbstbewußtsein ist einesteils nur die reine +Abstraktion _des Ich_ sein Wesen, und andernteils, indem sie sich +ausbildet und sich Unterschiede gibt, wird dies Unterscheiden ihm +nicht zum gegenständlichen _ansich_seienden Wesen; dies +Selbstbewußtsein wird also nicht ein in seiner Einfachheit sich +wahrhaft unterscheidendes, oder in dieser absoluten Unterscheidung +sich gleichbleibendes Ich. Das in sich zurückgedrängte Bewußtsein +hingegen wird sich im Formieren als Form der gebildeten Dinge zum +Gegenstande, und an dem Herrn schaut es das Für-sich-sein zugleich +als Bewußtsein an. Aber dem dienenden Bewußtsein als solchem fallen +diese beiden Momente--_seiner selbst_ als selbstständigen +Gegenstandes, und dieses Gegenstandes als eines Bewußtseins, und +hiemit seines eigenen Wesens--auseinander. Indem aber _für uns_ oder +_an sich_ die _Form_ und das _Für-sich-sein_ dasselbe ist, und im +Begriffe des selbstständigen Bewußtseins das _An-sich_-sein das +Bewußtsein ist, so ist die Seite des _An-sich_-seins oder der +_Dingheit_, welche die Form in der Arbeit erhielt, keine andere +Substanz als das Bewußtsein, und es ist uns eine neue Gestalt des +Selbstbewußtseins geworden; ein Bewußtsein, welches sich als die +Unendlichkeit, oder reine Bewegung des Bewußtseins das Wesen ist; +welches _denkt_, oder freies Selbstbewußtsein ist. Denn nicht als +_abstraktes Ich_, sondern als Ich, welches zugleich die Bedeutung des +_An-sich_-seins hat, sich Gegenstand sein, oder zum gegenständlichen +Wesen sich so verhalten, daß es die Bedeutung des _Für-sich-seins_ +des Bewußtseins hat, für welches es ist, heißt _denken_.--Dem +_Denken_ bewegt sich der Gegenstand nicht in Vorstellungen oder +Gestalten, sondern in _Begriffen_, das heißt in einem unterschiednen +An-sich-sein, welches unmittelbar für das Bewußtsein kein +unterschiednes von ihm ist. Das _Vorgestellte, Gestaltete, Seiende_, +als solches, hat die Form, etwas anders zu sein als das Bewußtsein; +ein Begriff aber ist zugleich ein _Seiendes_--und dieser Unterschied, +insofern er an ihm selbst ist, ist sein bestimmter Inhalt--, aber +darin, daß dieser Inhalt ein begriffener zugleich ist, bleibt es sich +seiner Einheit mit diesem bestimmten und unterschiedenen Seienden +_unmittelbar_ bewußt; nicht wie bei der Vorstellung, worin es erst +noch besonders sich zu erinnern hat, daß dies _seine_ Vorstellung sei; +sondern der Begriff ist mir unmittelbar _mein_ Begriff. Im Denken +_bin_ Ich _frei_, weil ich nicht in einem Andern bin, sondern +schlechthin bei mir selbst bleibe, und der Gegenstand, der mir das +Wesen ist, in ungetrennter Einheit mein Für-mich-sein ist; und meine +Bewegung in Begriffen ist eine Bewegung in mir selbst.--Es ist aber +in dieser Bestimmung dieser Gestalt des Selbstbewußtseins wesentlich +dies festzuhalten, daß sie _denkendes_ Bewußtsein _überhaupt_ oder +ihr Gegenstand, _unmittelbare_ Einheit des _An-sich-seins_ und des +_Für-sich-seins_ ist. Das sich gleichnamige Bewußtsein, das sich von +sich selbst abstößt, wird sich _ansichseiendes Element_; aber es ist +sich dies Element nur erst als allgemeines Wesen überhaupt, nicht als +dies gegenständliche Wesen in der Entwicklung und Bewegung seines +mannigfaltigen Seins. + +Diese Freiheit des Selbstbewußtseins hat bekanntlich, indem sie als +ihrer bewußte Erscheinung in der Geschichte des Geistes aufgetreten +ist, _Stoizismus_ geheißen. Sein Prinzip ist, daß das Bewußtsein +denkendes Wesen, und etwas nur Wesenheit für dasselbe hat, oder wahr +und gut für es ist, als das Bewußtsein sich darin als denkendes Wesen +verhält. + +Die vielfache sich in sich unterscheidende Ausbreitung, Vereinzelung +und Verwicklung des Lebens ist der Gegenstand, gegen welchen die +Begierde und die Arbeit tätig ist. Dies vielfache Tun hat sich nun +in die einfache Unterscheidung zusammengezogen, welche in der reinen +Bewegung des Denkens ist. Nicht der Unterschied, welcher sich als +_bestimmtes Ding_, oder als _Bewußtsein eines bestimmten natürlichen +Daseins_, als ein Gefühl, oder als _Begierde_ und _Zweck für +dieselbe_, ob er durch das _eigene_ oder durch _ein fremdes +Bewußtsein_ gesetzt sei, hat mehr Wesenheit, sondern allein der +Unterschied, der ein _gedachter_, oder unmittelbar nicht von Mir +unterschieden ist. Dies Bewußtsein ist somit negativ gegen das +Verhältnis der Herrschaft und Knechtschaft; sein Tun ist, in der +Herrschaft nicht seine Wahrheit an dem Knechte zu haben, noch als +Knecht seine Wahrheit an dem Willen des Herrn und an seinem Dienen, +sondern wie auf dem Throne so in den Fesseln, in aller Abhängigkeit +seines einzelnen Daseins frei zu sein, und die Leblosigkeit sich zu +erhalten, welche sich beständig aus der Bewegung des Daseins, aus dem +Wirken wie aus dem Leiden, in _die einfache Wesenheit des Gedankens +zurückzieht_. Der Eigensinn ist die Freiheit, die an eine +Einzelnheit sich befestigt und _innerhalb_ der Knechtschaft steht, +der Stoizismus aber die Freiheit, welche unmittelbar immer aus ihr +her, und in die _reine Allgemeinheit_ des Gedankens zurückkömmt; als +allgemeine Form des Weltgeistes nur in der Zeit einer allgemeinen +Furcht und Knechtschaft, aber auch einer allgemeinen Bildung +auftreten konnte, welche das Bilden bis zum Denken gesteigert hatte. + +Ob nun zwar diesem Selbstbewußtsein weder ein Anderes als es, noch +die reine Abstraktion des Ich das Wesen ist, sondern Ich, welches das +Anderssein, aber als gedachten Unterschied an ihm hat, so daß es in +seinem Anderssein unmittelbar in sich zurückgekehrt ist; so ist dies +sein Wesen zugleich nur ein _abstraktes_ Wesen. Die Freiheit des +Selbstbewußtseins ist _gleichgültig_ gegen das natürliche Dasein, hat +darum _dieses ebenso frei entlassen_, und die _Reflexion_ ist eine +_gedoppelte_. Die Freiheit im Gedanken hat nur _den reinen Gedanken_ +zu ihrer Wahrheit, die ohne die Erfüllung des Lebens ist; und ist +also auch nur der Begriff der Freiheit, nicht die lebendige Freiheit +selbst; denn ihr ist nur erst das _Denken_ überhaupt das Wesen, die +Form als solche, welche von der Selbstständigkeit der Dinge weg, in +sich zurückgegangen ist. Indem aber die Individualität als handelnd +sich lebendig darstellen, oder als denkend die lebendige Welt als ein +System des Gedankens fassen sollte, so müßte in _dem Gedanken selbst_ +für jene Ausbreitung ein _Inhalt_ dessen, was gut, für diese, was +wahr ist, liegen; damit _durchaus_, in demjenigen, _was für das +Bewußtsein ist_, kein anderes Ingrediens wäre als der Begriff, der +das Wesen ist. Allein so wie er hier als _Abstraktion_ von der +Mannigfaltigkeit der Dinge sich abtrennt, hat er _keinen Inhalt an +ihm selbst_, sondern _einen gegebenen_. Das Bewußtsein vertilgt den +Inhalt wohl als ein fremdes _Sein_, indem es ihn denkt; aber der +Begriff ist _bestimmter_ Begriff, und diese _Bestimmtheit_ desselben +ist das Fremde, das er an ihm hat. Der Stoizismus ist darum in +Verlegenheit gekommen, als er, wie der Ausdruck war, nach dem +_Kriterium_ der Wahrheit überhaupt gefragt wurde, d.h. eigentlich +nach _einem Inhalte_ des _Gedankens selbst_. Auf die Frage an ihn, +_was_ gut und wahr ist, hat er wieder das _inhaltslose_ Denken selbst +zur Antwort gegeben; in der Vernünftigkeit soll das Wahre und Gute +bestehen. Aber diese Sichselbstgleichheit des Denkens ist nur wieder +die reine Form, in welcher sich nichts bestimmt; die allgemeinen +Worte von dem Wahren und Guten, der Weisheit und der Tugend, bei +welchen er stehen bleiben muß, sind daher wohl im allgemeinen +erhebend, aber weil sie in der Tat zu keiner Ausbreitung des Inhalts +kommen können, fangen sie bald an, Langeweile zu machen. + +Dieses denkende Bewußtsein so, wie es sich bestimmt hat, als die +abstrakte Freiheit, ist also nur die unvollendete Negation des +Andersseins; aus dem Dasein nur in sich _zurückgezogen_, hat es sich +nicht als absolute Negation desselben an ihm vollbracht. Der Inhalt +gilt ihm zwar nur als Gedanke, aber dabei auch als _bestimmter_, und +die Bestimmtheit als solche zugleich. + +Der _Skeptizismus_ ist die Realisierung desjenigen, wovon der +Stoizismus nur der Begriff,--und die wirkliche Erfahrung, was die +Freiheit des Gedankens ist; sie ist _an sich_ das Negative, und muß +sich so darstellen. Mit der Reflexion des Selbstbewußtseins in den +einfachen Gedanken seiner selbst ist ihr gegenüber in der Tat aus der +Unendlichkeit das selbstständige Dasein oder die bleibende +Bestimmtheit herausgefallen; im Skeptizismus wird nun _für das +Bewußtsein_ die gänzliche Unwesentlichkeit und Unselbstständigkeit +dieses Andern; der Gedanke wird zu dem vollständigen das Sein der +_vielfach bestimmten_ Welt vernichtenden Denken, und die Negativität +des freien Selbstbewußtseins wird sich an dieser mannigfaltigen +Gestaltung des Lebens zur realen Negativität.--Es erhellt, daß, wie +der Stoizismus dem _Begriffe_ des _selbstständi_gen Bewußtseins, das +als Verhältnis der Herrschaft und Knechtschaft erschien, entspricht, +so entspricht der Skeptizismus der _Realisierung_ desselben, als der +negativen Richtung auf das Anderssein, der Begierde und der Arbeit. +Aber wenn die Begierde und die Arbeit die Negation nicht für das +Selbstbewußtsein ausführen konnten, so wird dagegen diese polemische +Richtung gegen die vielfache Selbstständigkeit der Dinge von Erfolg +sein, weil sie als in sich vorher vollendetes freies Selbstbewußtsein +sich gegen sie kehrt; bestimmter, weil sie _das Denken_, oder die +Unendlichkeit, an ihr selbst hat, und hierin die Selbstständigkeiten +nach ihrem Unterschiede ihr nur als verschwindende Größen sind. Die +Unterschiede, welche im reinen Denken seiner selbst nur die +Abstraktion der Unterschiede sind, werden hier zu _allen_ +Unterschieden, und alles unterschiedene Sein zu einem Unterschiede +des Selbstbewußtseins. + +Hiedurch hat sich das _Tun_ des _Skeptizismus_ überhaupt, und die +_Weise_ desselben bestimmt. Er zeigt die _dialektische Bewegung_ auf, +welche die sinnliche Gewißheit, die Wahrnehmung und der Verstand ist; +so wie auch die Unwesenheit desjenigen, was in dem Verhältnisse des +Herrschens und des Dienens, und was für das abstrakte Denken selbst, +als _bestimmtes_ gilt. Jenes Verhältnis faßt eine _bestimmte Weise_ +zugleich in sich, in welcher auch sittliche Gesetze als Gebote der +Herrschaft vorhanden sind; die Bestimmungen im abstrakten Denken aber +sind Begriffe der Wissenschaft, in welche sich das inhaltslose Denken +ausbreitet, und den Begriff auf eine in der Tat nur äußerliche Weise +an das ihm selbstständige Sein, das seinen Inhalt ausmacht, hängt und +_nur bestimmte_ Begriffe als geltende hat, es sei, daß sie auch reine +Abstraktionen sind. + +Das _Dialektische_ als negative Bewegung, wie sie unmittelbar _ist_, +erscheint dem Bewußtsein zunächst als etwas, dem es preisgegeben, und +das nicht durch es selbst ist. Als _Skeptizismus_ hingegen ist sie +Moment des Selbstbewußtseins, welchem es nicht _geschieht_, daß ihm, +ohne zu wissen wie, sein Wahres und Reelles verschwindet, sondern +welches in der Gewißheit seiner Freiheit dies andere für reell sich +Gebende selbst verschwinden läßt; nicht nur das Gegenständliche als +solches, sondern sein eignes Verhalten zu ihm, worin es als +gegenständlich gilt, und geltend gemacht wird, also auch sein +_Wahrnehmen_, so wie sein _Befestigen_ dessen, was es in Gefahr ist +zu verlieren, die _Sophisterei_, und sein _aus sich bestimmtes_ und +_festgesetztes Wahres_; durch welche selbstbewußte Negation es _die +Gewißheit seiner Freiheit_ sich _für sich selbst_ verschafft, die +Erfahrung derselben hervorbringt, und sie dadurch zur _Wahrheit_ +erhebt. Was verschwindet, ist das Bestimmte, oder der Unterschied, +der, auf welche Weise und woher es sei, als fester und unwandelbarer +sich aufstellt. Er hat nichts Bleibendes an ihm, und _muß_ dem +Denken verschwinden, weil das Unterschiedne eben dies ist, nicht _an +ihm selbst_ zu sein, sondern seine Wesenheit nur in einem Andern zu +haben; das Denken aber ist die Einsicht in diese Natur des +Unterschiednen, es ist das negative Wesen als einfaches. + +Das skeptische Selbstbewußtsein erfährt also in dem Wandel alles +dessen, was sich für es befestigen will, seine eigne Freiheit als +durch es selbst sich gegeben und erhalten; es ist sich diese Ataraxie +des Sich-selbst-denkens, die unwandelbare und _wahrhafte Gewißheit +seiner selbst_. Sie geht nicht aus einem Fremden, das seine +vielfache Entwicklung in sich zusammenstürzte, als ein Resultat +hervor, welches sein Werden hinter sich hätte; sondern das Bewußtsein +selbst ist die _absolute dialektische Unruhe_, dieses Gemische von +sinnlichen und gedachten Vorstellungen, deren Unterschiede +zusammenfallen, und deren _Gleichheit_ sich ebenso--denn sie ist +selbst die _Bestimmtheit_ gegen das _Ungleiche_--wieder auflöst. +Dies Bewußtsein ist aber eben hierin in der Tat, statt +sichselbstgleiches Bewußtsein zu sein, nur eine schlechthin zufällige +Verwirrung, der Schwindel einer sich immer erzeugenden Unordnung. _Es +ist dies für sich selbst_; denn es selbst erhält und bringt diese +sich bewegende Verwirrung hervor. Es bekennt sich darum auch dazu, +es bekennt, ein ganz _zufälliges, einzelnes_ Bewußtsein zu sein--ein +Bewußtsein, das _empirisch_ ist, sich nach dem richtet, was keine +Realität für es hat, dem gehorcht, was ihm kein Wesen ist, das tut +und zur Wirklichkeit bringt, was ihm keine Wahrheit hat. Aber ebenso +wie es sich auf diese Weise als _einzelnes, zufälliges_ und in der +Tat tierisches Leben, und _verlornes_ Selbstbewußtsein gilt, macht es +sich im Gegenteile auch wieder zum _allgemeinen sichselbstgleichen_; +denn es ist die Negativität aller Einzelnheit und alles Unterschieds. +Von dieser Sich-selbst-gleichheit oder in ihr selbst vielmehr fällt +es wieder in jene Zufälligkeit und Verwirrung zurück, denn eben diese +sich bewegende Negativität hat es nur mit Einzelnem zu tun, und +treibt sich mit Zufälligem herum. Dies Bewußtsein ist also diese +bewußtlose Faselei, von dem einen Extreme des sichselbstgleichen +Selbstbewußtseins zum andern des zufälligen, verworrenen, und +verwirrenden Bewußtseins hinüber und herüber zu gehen. Es selbst +bringt diese beiden Gedanken seiner selbst nicht zusammen; es erkennt +seine Freiheit _einmal_ als Erhebung über alle Verwirrung und alle +Zufälligkeit des Daseins, und bekennt sich ebenso das _andremal_ +wieder als ein Zurückfallen in _die Unwesentlichkeit_ und als ein +Herumtreiben in ihr. Es läßt den unwesentlichen Inhalt in seinem +Denken verschwinden, aber eben darin ist es das Bewußtsein eines +Unwesentlichen; es spricht das absolute _Verschwinden_ aus, aber das +_Aussprechen *ist*_, und dies Bewußtsein ist das ausgesprochne +Verschwinden; es spricht die Nichtigkeit des Sehens, Hörens, und so +fort, aus, und es _sieht, hört_ und so fort, _selbst_; es spricht die +Nichtigkeit der sittlichen Wesenheiten aus, und macht sie selbst zu +den Mächten seines Handelns. Sein Tun und seine Worte widersprechen +sich immer, und ebenso hat es selbst das gedoppelte widersprechende +Bewußtsein der Unwandelbarkeit und Gleichheit, und der völligen +Zufälligkeit und Ungleichheit mit sich. Aber es hält diesen +Widerspruch seiner selbst auseinander; und verhält sich darüber wie +in seiner rein negativen Bewegung überhaupt. Wird ihm die +_Gleichheit_ aufgezeigt, so zeigt es die _Ungleichheit_ auf; und +indem ihm diese, die es eben ausgesprochen hat, itzt vorgehalten wird, +so geht es zum Aufzeigen der _Gleichheit_ über; sein Gerede ist in +der Tat ein Gezänke eigensinniger Jungen, deren einer A sagt, wenn +der andere B, und wieder B, wenn der andere A, und die sich durch den +Widerspruch _mit sich selbst_ die Freude erkaufen, _miteinander_ im +Widerspruche zu bleiben. + +Im Skeptizismus erfährt das Bewußtsein in Wahrheit sich als ein in +sich selbst widersprechendes Bewußtsein; es geht aus dieser Erfahrung +eine _neue Gestalt_ hervor, welche die zwei Gedanken zusammenbringt, +die der Skeptizismus auseinander hält. Die Gedankenlosigkeit des +Skeptizismus über sich selbst muß verschwinden, weil es in der Tat +ein Bewußtsein ist, welches diese beiden Weisen an ihm hat. Diese +neue Gestalt ist hiedurch ein solches, welches _für sich_ das +gedoppelte Bewußtsein seiner als des sich befreienden, unwandelbaren +und sichselbstgleichen, und seiner als des absolut sich verwirrenden +und verkehrenden--und das Bewußtsein dieses seines Widerspruchs ist. +--Im Stoizismus ist das Selbstbewußtsein die einfache Freiheit seiner +selbst; im Skeptizismus realisiert sie sich, vernichtet die andere +Seite des bestimmten Daseins, aber verdoppelt _sich_ vielmehr, und +ist sich nun ein Zweifaches. Hiedurch ist die Verdopplung, welche +früher an zwei einzelne, an den Herrn und den Knecht, sich verteilte, +in eines eingekehrt; die Verdopplung des Selbstbewußtseins in sich +selbst, welche im Begriffe des Geistes wesentlich ist, ist hiemit +vorhanden, aber noch nicht ihre Einheit, und das _unglückliche +Bewußtsein_ ist das Bewußtsein seiner als des gedoppelten nur +widersprechenden Wesens. + +Dieses _unglückliche, in sich entzweite_ Bewußtsein muß also, weil +dieser Widerspruch seines Wesens sich _ein_ Bewußtsein ist, in dem +einen Bewußtsein immer auch das andere haben, und so aus jedem +unmittelbar, indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu +sein meint, wieder daraus ausgetrieben werden. Seine wahre Rückkehr +aber in sich selbst, oder seine Versöhnung mit sich wird den Begriff +des lebendig gewordenen und in die Existenz getretenen Geistes +darstellen, weil an ihm schon dies ist, daß es als _ein_ ungeteiltes +Bewußtsein ein gedoppeltes ist; es selbst _ist_ das Schauen eines +Selbstbewußtseins in ein anderes, und es selbst _ist_ beide, und die +Einheit beider ist ihm auch das Wesen, aber es _für sich_ ist sich +noch nicht dieses Wesen selbst, noch nicht die Einheit beider. + +Indem es zunächst nur die _unmittelbare Einheit_ beider ist, aber für +es nicht beide dasselbe, sondern entgegengesetzte sind, so ist ihm +das eine, nämlich das einfache unwandelbare, als das _Wesen_; das +andere aber, das vielfache wandelbare, als das _Unwesentliche_. +Beide sind _für es_ einander fremde Wesen; es selbst, weil es das +Bewußtsein dieses Widerspruchs ist, stellt sich auf die Seite des +wandelbaren Bewußtseins, und ist sich das Unwesentliche; aber als +Bewußtsein der Unwandelbarkeit, oder des einfachen Wesens, muß es +zugleich darauf gehen, sich von dem Unwesentlichen, das heißt, sich +von sich selbst zu befreien. Denn ob es _für sich_ wohl nur das +wandelbare, und das unwandelbare ihm ein Fremdes ist, so _ist es +selbst_ einfaches, und hiemit unwandelbares Bewußtsein, dessen hiemit +als _seines_ Wesens sich bewußt, jedoch so, daß _es selbst_ für sich +wieder nicht dies Wesen ist. Die Stellung, welche es beiden gibt, +kann daher nicht eine Gleichgültigkeit derselben gegeneinander, d.i. +nicht eine Gleichgültigkeit seiner selbst gegen das Unwandelbare sein; +sondern es ist unmittelbar selbst beide, und es ist für es _die +Beziehung beider_ als eine Beziehung des Wesens auf das Unwesen, so +daß dies letztere aufzuheben ist, aber indem ihm beide gleich +wesentlich und widersprechend sind, ist es nur die widersprechende +Bewegung, in welcher das Gegenteil nicht in seinem Gegenteil zur Ruhe +kommt, sondern in ihm nur als Gegenteil sich neu erzeugt. + +Es ist damit ein Kampf gegen einen Feind vorhanden, gegen welchen der +Sieg vielmehr ein Unterliegen, das eine erreicht zu haben vielmehr +der Verlust desselben in seinem Gegenteile ist. Das Bewußtsein des +Lebens, seines Daseins und Tuns ist nur der Schmerz über dieses +Dasein und Tun, denn es hat darin nur das Bewußtsein seines +Gegenteils als des Wesens, und der eignen Nichtigkeit. Es geht in +die Erhebung hieraus zum Unwandelbaren über. Aber diese Erhebung ist +selbst dies Bewußtsein; sie ist also unmittelbar das Bewußtsein des +Gegenteils, nämlich seiner selbst als der Einzelnheit. Das +Unwandelbare, das in das Bewußtsein tritt, ist ebendadurch zugleich +von der Einzelnheit berührt, und nur mit dieser gegenwärtig; statt +diese im Bewußtsein des Unwandelbaren vertilgt zu haben, geht sie +darin immer nur hervor. + +In dieser Bewegung aber erfährt es eben dieses _Hervortreten der +Einzelnheit *am* Unwandelbaren_, und _des Unwandelbaren *an* der +Einzelnheit_. Es wird _für es_ die Einzelnheit _überhaupt am_ +unwandelbaren Wesen, und zugleich die _seinige_ an ihm. Denn die +Wahrheit dieser Bewegung ist eben das _Einssein_ dieses gedoppelten +Bewußtseins. _Diese Einheit wird ihm_ aber _zunächst_ selbst eine +solche, _in welcher noch die Verschiedenheit_ beider das Herrschende +ist. Es ist dadurch die dreifache Weise für dasselbe vorhanden, wie +die Einzelnheit mit dem Unwandelbaren verknüpft ist; _einmal_ geht es +selbst sich wieder hervor als entgegengesetzt dem unwandelbaren Wesen; +und es ist in den Anfang des Kampfs zurückgeworfen, welcher das +Element des ganzen Verhältnisses bleibt. Das _andremal_ aber hat das +_Unwandelbare_ selbst _an ihm_ die _Einzelnheit_ für es; so daß sie +Gestalt des Unwandelbaren ist, an welches hiemit die ganze Weise der +Existenz hinübertritt. Das _drittemal_ findet _es sich selbst_ als +dieses Einzelne im Unwandelbaren. Das _erste_ Unwandelbare ist ihm +nur das _fremde_ die Einzelnheit verurteilende Wesen; indem das +_andre_ eine _Gestalt_ der _Einzelnheit_ wie es selbst ist, so wird +es _drittens_ zum Geiste, hat sich selbst darin zu finden die Freude, +und wird sich seine Einzelnheit mit dem Allgemeinen versöhnt zu sein +bewußt. + +Was sich hier als Weise und Verhältnis des Unwandelbaren darstellt, +ergab sich als die _Erfahrung_, welche das entzweite Selbstbewußtsein +in seinem Unglücke macht. Diese Erfahrung ist nun zwar nicht _seine +einseitige_ Bewegung, denn es ist selbst unwandelbares Bewußtsein, +dieses hiemit zugleich auch einzelnes Bewußtsein, und die Bewegung +ebensowohl Bewegung des unwandelbaren Bewußtseins, das in ihr so sehr +wie das andere auftritt; denn sie verläuft sich durch diese Momente, +einmal unwandelbares dem einzelnen überhaupt, dann selbst einzelnes +dem andern einzelnen entgegengesetzt, und endlich mit ihm Eins zu +sein. Aber diese Betrachtung, insofern sie uns angehört, ist hier +unzeitig, denn bis itzt ist uns nur die Unwandelbarkeit als +Unwandelbarkeit des Bewußtseins, welche deswegen nicht die wahre, +sondern noch mit einem Gegensatze behaftete ist, nicht das +Unwandelbare _an und für sich selbst_ entstanden; wir wissen daher +nicht, wie dieses sich verhalten wird. Was hier sich ergeben hat, +ist nur dies, daß dem Bewußtsein, das hier unser Gegenstand ist, +diese angezeigten Bestimmungen an dem Unwandelbaren erscheinen. + +Aus diesem Grunde behält also auch das unwandelbare _Bewußtsein_ in +seiner Gestaltung selbst den Charakter und die Grundlage des +Entzweit--und des Für-sich-seins gegen das einzelne Bewußtsein. Es +ist hiemit für dieses überhaupt ein _Geschehen_, daß das Unwandelbare +die Gestalt der Einzelnheit erhält; so wie es sich auch ihm +entgegengesetzt nur _findet_, und also _durch die Natur_ dies +Verhältnis hat; daß es _sich_ endlich in ihm _findet_, erscheint ihm +zum Teil zwar durch es selbst hervorgebracht, oder darum stattzuhaben, +weil es selbst einzeln ist; aber ein Teil dieser Einheit als dem +Unwandelbaren zugehörend, sowohl nach ihrer Entstehung, als insofern +sie ist; und der Gegensatz bleibt in dieser Einheit selbst. In der +Tat ist durch die _Gestaltung_ des Unwandelbaren das Moment des +Jenseits nicht nur geblieben, sondern vielmehr noch befestigt; denn +wenn es durch die Gestalt der einzelnen Wirklichkeit ihm einerseits +zwar näher gebracht zu sein scheint, so ist es ihm andererseits +nunmehr als ein undurchsichtiges sinnliches _Eins_, mit der ganzen +Sprödigkeit eines _Wirklichen_, gegenüber; die Hoffnung, mit ihm Eins +zu werden, muß Hoffnung, das heißt ohne Erfüllung und Gegenwart +bleiben, denn zwischen ihr und der Erfüllung steht gerade die +absolute Zufälligkeit oder unbewegliche Gleichgültigkeit, welche in +der Gestaltung selbst, dem begründenden der Hoffnung, liegt. Durch +die Natur des _seienden Eins_, durch die Wirklichkeit, die es +angezogen, geschieht es notwendig, daß es in der Zeit verschwunden, +und im Raume und ferne gewesen ist, und schlechthin ferne bleibt. + +Wenn zuerst der bloße Begriff des entzweiten Bewußtseins sich so +bestimmte, daß es auf das Aufheben seiner als einzelnen und auf das +Werden zum unwandelbaren Bewußtsein gehe, so hat sein Streben nunmehr +diese Bestimmung, daß es vielmehr sein Verhältnis zu dem reinen +_ungestalteten_ Unwandelbaren aufhebe, und sich nur die Beziehung auf +den _gestalteten Unwandelbaren_ gebe. Denn das _Einssein_ des +Einzelnen mit dem Unwandelbaren ist ihm nunmehr _Wesen_ und +_Gegenstand_, wie im Begriffe nur das gestaltlose, abstrakte +Unwandelbare der wesentliche Gegenstand war; und das Verhältnis +dieses absoluten Entzweitseins des Begriffes ist nun dasjenige, von +welchem es sich wegzuwenden hat. Die zunächst äußere Beziehung aber +zu dem gestalteten Unwandelbaren als einem fremden Wirklichen hat es +zum absoluten Einswerden zu erheben. + +Die Bewegung, worin das unwesentliche Bewußtsein dies Einssein zu +erreichen strebt, ist selbst die _dreifache_, nach dem dreifachen +Verhältnisse, welche es zu seinem gestalteten jenseits haben wird; +einmal als _reines Bewußtsein_; das andremal als _einzelnes Wesen_, +welches sich als Begierde und Arbeit gegen _die Wirklichkeit_ verhält; +und zum dritten als _Bewußtsein seines Für-sich-seins_.--Wie diese +drei Weisen seines Seins in jenem allgemeinen Verhältnisse vorhanden +und bestimmt sind, ist nun zu sehen. + +Zuerst also es als _reines Bewußtsein_ betrachtet, so scheint der +gestaltete Unwandelbare, indem er für das reine Bewußtsein ist, +gesetzt zu werden, wie er an und für sich selbst ist. Allein wie er +an und für sich selbst ist, dies ist, wie schon erinnert, noch nicht +entstanden. Daß er im Bewußtsein wäre, wie er an und für sich selbst +ist, dies müßte wohl von ihm vielmehr ausgehen als von dem Bewußtsein; +so aber ist diese seine Gegenwart hier nur erst einseitig durch das +Bewußtsein vorhanden, und eben darum nicht vollkommen und wahrhaftig, +sondern bleibt mit Unvollkommenheit oder einem Gegensatze beschwert. + +Obgleich aber das unglückliche Bewußtsein also diese Gegenwart nicht +besitzt, so ist es zugleich über das reine Denken, insofern dieses +das abstrakte von der _Einzelnheit_ überhaupt _wegsehende_ Denken des +Stoizismus, und das nur _unruhige_ Denken des Skeptizismus--in der +Tat nur die Einzelnheit als der bewußtlose Widerspruch und dessen +rastlose Bewegung--ist; es ist über diese beide hinaus, es bringt und +hält das reine Denken und die Einzelnheit zusammen, ist aber noch +nicht zu demjenigen Denken erhoben, _für welches_ die Einzelnheit des +Bewußtseins mit dem reinen Denken selbst ausgesöhnt ist. Es steht +vielmehr in dieser Mitte, worin das abstrakte Denken die Einzelnheit +des Bewußtseins als Einzelnheit berührt. Es selbst _ist_ diese +Berührung; es ist die Einheit des reinen Denkens und der Einzelnheit; +es ist auch _für es_ diese denkende Einzelnheit, oder das reine +Denken, und das Unwandelbare wesentlich selbst als Einzelnheit. Aber +es ist nicht _für es_, daß dieser sein Gegenstand, das Unwandelbare, +welches ihm wesentlich die Gestalt der Einzelnheit hat, _es selbst_ +ist, es selbst, das Einzelnheit des Bewußtseins ist. + +Es _verhält_ sich daher in dieser ersten Weise, worin wir es als +_reines Bewußtsein_ betrachten, _zu seinem Gegenstande_ nicht denkend, +sondern indem es selbst zwar _an sich_ reine denkende Einzelnheit +und sein Gegenstand eben dieses, aber nicht die _Beziehung +aufeinander selbst reines Denken_ ist, geht es, so zu sagen, nur _an_ +das Denken _hin_, und ist _Andacht_. Sein Denken als solches bleibt +das gestaltlose Sausen des Glockengeläutes oder eine warme +Nebelerfüllung, ein musikalisches Denken, das nicht zum Begriffe, der +die einzige immanente gegenständliche Weise wäre, kommt. Es wird +diesem unendlichen reinen innern Fühlen wohl sein Gegenstand; aber so +eintretend, daß er nicht als begriffner, und darum als ein Fremdes +eintritt. Es ist hiedurch die innerliche Bewegung des _reinen_ +Gemüts vorhanden, welches sich selbst, aber als die Entzweiung +schmerzhaft _fühlt_; die Bewegung einer unendlichen _Sehnsucht_, +welche die Gewißheit hat, daß ihr Wesen ein solches reines Gemüt ist, +reines _Denken_, welches sich _als Einzelnheit denkt_; daß sie von +diesem Gegenstande, eben darum, weil er sich als Einzelnheit denkt, +erkannt, und anerkannt wird. Zugleich aber ist dies Wesen das +unerreichbare _Jenseits_, welches im Ergreifen entflieht, oder +vielmehr schon entflohen ist. Es ist schon entflohen; denn es ist +einesteils das sich als Einzelnheit denkende Unwandelbare, und das +Bewußtsein erreicht sich selbst daher unmittelbar in ihm, _sich +selbst_, aber als _das dem Unwandelbaren entgegengesetzte_; statt das +Wesen zu ergreifen, _fühlt_ es nur, und ist in sich zurückgefallen; +indem es im Erreichen sich als dies entgegengesetzte nicht abhalten +kann, hat es, statt das Wesen ergriffen zu haben, nur die +Unwesentlichkeit ergriffen. Wie es so auf einer Seite, indem _es +sich im Wesen_ zu erreichen strebt, nur die eigne getrennte +Wirklichkeit ergreift, so kann es auf der andern Seite das Andere +nicht _als einzelnes_, oder als _wirkliches_ ergreifen. Wo es +gesucht werde, kann es nicht gefunden werden, denn es soll eben _ein +Jenseits_, ein solches sein, welches nicht gefunden werden kann. Es +als einzelnes gesucht, ist nicht eine _allgemeine_, gedachte +_Einzelnheit_, nicht Begriff, sondern _Einzelnes_ als Gegenstand, +oder _ein Wirkliches_; Gegenstand der unmittelbaren sinnlichen +Gewißheit; und ebendarum nur ein solches, welches verschwunden ist. +Dem Bewußtsein kann daher nur das _Grab_ seines Lebens zur Gegenwart +kommen. Aber weil dies selbst eine _Wirklichkeit_ und es gegen die +Natur dieser ist, einen dauernden Besitz zu gewähren; so ist auch +diese Gegenwart des Grabes nur der Kampf eines Bemühens, der verloren +werden muß. Allein indem es diese Erfahrung gemacht, daß _das Grab_ +seines _wirklichen_ unwandelbaren Wesens _keine Wirklichkeit_ hat, +daß die _verschwundene Einzelnheit_ als verschwundne nicht die wahre +Einzelnheit ist, wird es die unwandelbare Einzelnheit als _wirkliche_ +aufzusuchen oder als verschwundne festzuhalten aufgeben, und erst +hiedurch ist es fähig, die Einzelnheit als wahrhafte oder als +allgemeine zu finden. + +Zunächst aber ist die _Rückkehr des Gemüts in sich selbst_ so zu +nehmen, daß es sich als _Einzelnes Wirklichkeit_ hat. Es ist das +_reine Gemüt_, welches _für uns_ oder _an sich_, sich gefunden und in +sich ersättigt ist, denn ob _für es_ in seinem Gefühle sich wohl das +Wesen von ihm trennt, so ist an sich dies Gefühl _Selbst_gefühl, es +hat den Gegenstand seines reinen Fühlens gefühlt, und dieser ist es +selbst; es tritt also hieraus als Selbstgefühl oder für sich seiendes +Wirkliches auf. In dieser Rückkehr in sich ist für uns sein _zweites +Verhältnis_ geworden, das der Begierde und Arbeit, welche dem +Bewußtsein die innerliche Gewißheit seiner selbst, die es für uns +erlangt hat, durch Aufheben und Genießen des fremden Wesens, nämlich +desselben in der Form der selbstständigen Dinge bewährt. Das +unglückliche Bewußtsein aber _findet_ sich nur als _begehrend_ und +_arbeitend_; es ist für es nicht vorhanden, daß, sich so zu finden, +die innre Gewißheit seiner selbst zum Grunde liegt, und sein Gefühl +des Wesens dies Selbstgefühl ist. Indem es sie _für sich selbst_ +nicht hat, bleibt sein Innres vielmehr noch die gebrochne Gewißheit +seiner selbst; die Bewährung, welche es durch Arbeit und Genuß +erhalten würde, ist darum eine ebensolche _gebrochne_; oder es muß +sich vielmehr selbst diese Bewährung vernichten, so daß es in ihr +wohl die Bewährung, aber nur die Bewährung desjenigen, was es für +sich ist, nämlich seiner Entzweiung findet. + +Die Wirklichkeit, gegen welche sich die Begierde und die Arbeit +wendet, ist diesem Bewußtsein nicht mehr ein _an sich Nichtiges_, von +ihm nur Aufzuhebendes und zu Verzehrendes, sondern ein solches, wie +es selbst ist, eine _entzweigebrochene Wirklichkeit_, welche nur +einerseits an sich nichtig, andererseits aber auch eine geheiligte +Welt ist; sie ist Gestalt des Unwandelbaren, denn dieses hat die +Einzelnheit an sich erhalten, und weil es als das Unwandelbare +Allgemeines ist, hat seine Einzelnheit überhaupt die Bedeutung aller +Wirklichkeit. + +Wenn das Bewußtsein für sich selbstständiges Bewußtsein und ihm die +Wirklichkeit an und für sich nichtig wäre, würde es in der Arbeit und +in dem Genusse zum Gefühle seiner Selbstständigkeit gelangen, dadurch +daß es selbst es wäre, welches die Wirklichkeit aufhöbe. Allein +indem diese ihm Gestalt des Unwandelbaren ist, vermag es nicht sie +durch sich aufzuheben. Sondern indem es zwar zur Vernichtung der +Wirklichkeit und zum Genusse gelangt, so geschieht für es dies +wesentlich dadurch, daß das Unwandelbare selbst seine Gestalt +_preisgibt_, und ihm zum Genusse _überläßt_.--Das Bewußtsein tritt +hierin seinerseits _gleichfalls_ als Wirkliches auf, aber ebenso als +innerlich gebrochen, und diese Entzweiung stellt sich in seinem +Arbeiten und Genießen dar, in ein _Verhältnis zur Wirklichkeit_ oder +das _Für-sich-sein_ und in ein _An-sich-sein_ sich zu brechen. Jenes +Verhältnis zur Wirklichkeit ist das _Verändern_ oder das _Tun_, das +Für-sich-sein, das dem _einzelnen_ Bewußtsein als solchem angehört. +Aber es ist darin auch _an sich_; diese Seite gehört dem +unwandelbaren Jenseits an; sie sind die Fähigkeiten und Kräfte, eine +fremde Gabe, welche das Unwandelbare ebenso dem Bewußtsein überläßt, +um sie zu gebrauchen. + +In seinem Tun ist demnach das Bewußtsein zunächst in dem Verhältnisse +zweier Extreme; es steht als das tätige Diesseits auf einer Seite, +und ihm gegenüber die passive Wirklichkeit, beide in Beziehung +aufeinander, aber auch beide in das Unwandelbare zurückgegangen, und +an sich festhaltend. Von beiden Seiten löst sich daher nur eine +Oberfläche gegeneinander ab, welche in das Spiel der Bewegung gegen +die andre tritt.--Das Extrem der Wirklichkeit wird durch das tätige +Extrem aufgehoben; sie von ihrer Seite kann aber nur darum aufgehoben +werden, weil ihr unwandelbares Wesen sie selbst aufhebt, sich von +sich abstößt, und das Abgestoßene der Tätigkeit preisgibt. Die +tätige Kraft erscheint als _die Macht_, worin die Wirklichkeit sich +auflöst; darum aber ist für dieses Bewußtsein, welchem das _An-sich_ +oder das Wesen ein ihm Andres ist, diese Macht, als welche es in der +Tätigkeit auftritt, das Jenseits seiner selbst. Statt also aus +seinem Tun in sich zurückzukehren, und sich für sich selbst bewährt +zu haben, reflektiert es vielmehr diese Bewegung des Tuns in das +andre Extrem zurück, welches hiedurch als rein Allgemeines, als die +absolute Macht dargestellt ist, von der die Bewegung nach allen +Seiten ausgegangen, und die das Wesen sowohl der sich zersetzenden +Extreme, wie sie zuerst auftraten, als des Wechsels selbst sei. + +Daß das unwandelbare Bewußtsein auf seine Gestalt Ver_zicht tut_ und +sie _preisgibt_, dagegen das einzelne Bewußtsein _dankt_, d.h. die +Befriedigung des Bewußtseins seiner _Selbstständigkeit_ sich +_versagt_, und das Wesen des Tuns von sich ab dem Jenseits zuweist, +durch diese beide Momente des _gegenseitigen_ Sich-_aufgebens_ beider +Teile entsteht hiemit allerdings dem Bewußtsein seine _Einheit_ mit +dem Unwandelbaren. Allein zugleich ist diese Einheit mit der +Trennung affiziert, in sich wieder gebrochen, und es tritt aus ihr +der Gegensatz des Allgemeinen und Einzelnen wieder hervor. Denn das +Bewußtsein entsagt zwar _zum Scheine_ der Befriedigung seines +Selbstgefühls; erlangt aber die _wirkliche_ Befriedigung desselben; +denn _es ist_ Begierde, Arbeit und Genuß gewesen; _es_ hat als +Bewußtsein _gewollt, getan_ und _genossen_. Sein _Danken_ ebenso, +worin es das andre Extrem als das Wesen anerkennt, und sich aufhebt, +ist selbst _sein eignes_ Tun, welches das Tun des andern Extrems +aufwiegt, und der sich preisgebenden Wohltat ein _gleiches_ Tun +entgegenstellt; wenn jenes ihm seine _Oberfläche_ überläßt, so dankt +es _aber auch_, und tut darin, indem es sein Tun, d.h. sein _Wesen_, +selbst aufgibt, eigentlich mehr als das andere, das nur eine +Oberfläche von sich abstößt. Die ganze Bewegung reflektiert sich +also nicht nur im wirklichen Begehren, Arbeiten und Genießen, sondern +sogar selbst im Danken, worin das Gegenteil zu geschehen scheint, in +das _Extrem der Einzelnheit_. Das Bewußtsein fühlt sich darin als +dieses einzelne, und läßt sich durch den Schein seines +Verzichtleistens nicht täuschen, denn die Wahrheit desselben ist, daß +es sich nicht aufgegeben hat; was zustande gekommen, ist nur die +gedoppelte Reflexion in die beiden Extreme, und das Resultat die +wiederholte Spaltung in das entgegengesetzte Bewußtsein des +_Unwandelbaren_ und in das Bewußtsein des _gegenüberstehenden_ +Wollens, Vollbringens, Genießens, und des Auf-sich-Verzicht-leistens +selbst, oder der _fürsichseienden Einzelnheit_ überhaupt. + +Es ist damit das _dritte Verhältnis_ der Bewegung dieses Bewußtseins +eingetreten, welches aus dem zweiten als ein solches hervortritt, das +in Wahrheit durch sein Wollen und Vollbringen sich als +selbstständiges erprobt hat. Im ersten Verhältnisse war es nur +_Begriff_ des wirklichen Bewußtseins, oder das _innre Gemüt_, welches +im Tun und Genusse noch nicht wirklich ist; das _zweite_ ist diese +Verwirklichung, als äußeres Tun und Genießen; hieraus aber +zurückgekehrt ist es ein solches, welches sich als wirkliches und +wirkendes Bewußtsein _erfahren_, oder dem es _wahr_ ist, _an und für +sich_ zu sein. Darin ist aber nun der Feind in seiner eigensten +Gestalt aufgefunden. Im Kampfe des Gemüts ist das einzelne +Bewußtsein nur als musikalisches, abstraktes Moment; in der Arbeit +und dem Genusse, als der Realisierung dieses wesenlosen Seins, kann +es unmittelbar _sich_ vergessen, und die bewußte _Eigenheit_ in +dieser Wirklichkeit wird durch das dankende Anerkennen +niedergeschlagen. Dieses Niederschlagen ist aber in Wahrheit eine +Rückkehr des Bewußtseins in sich selbst, und zwar in sich als die ihm +wahrhafte Wirklichkeit. + +Dies dritte Verhältnis, worin diese wahrhafte Wirklichkeit das _eine_ +Extrem ist, ist die _Beziehung_ derselben auf das allgemeine Wesen, +als der Nichtigkeit; und die Bewegung dieser Beziehung ist noch zu +betrachten. + +Was zuerst die entgegengesetzte Beziehung des Bewußtseins betrifft, +worin ihm seine _Realität unmittelbar das Nichtige_ ist, so wird also +sein wirkliches Tun zu einem Tun von nichts, sein Genuß Gefühl seines +Unglücks. Hiemit verlieren Tun und Genuß allen _allgemeinen Inhalt +und Bedeutung_, denn dadurch hätten sie ein An- und Für-sich-sein, +und beide ziehen sich in die Einzelnheit zurück, auf welche das +Bewußtsein, sie aufzuheben, gerichtet ist. Seiner als _dieses +wirklichen Einzelnen_ ist das Bewußtsein sich in den tierischen +Funktionen bewußt. Diese, statt unbefangen, als etwas, das an und +für sich nichtig ist, und keine Wichtigkeit und Wesenheit für den +Geist erlangen kann, getan zu werden, da sie es sind, in welchen sich +der Feind in seiner eigentümlichen Gestalt zeigt, sind sie vielmehr +Gegenstand des ernstlichen Bemühens, und werden gerade zum +Wichtigsten. Indem aber dieser Feind in seiner Niederlage sich +erzeugt, das Bewußtsein, da es sich ihn fixiert, vielmehr statt frei +davon zu werden, immer dabei verweilt, und sich immer verunreinigt +erblickt, zugleich dieser Inhalt seines Bestrebens, statt eines +Wesentlichen das Niedrigste, statt eines Allgemeinen das Einzelnste +ist, so sehen wir nur eine auf sich und ihr kleines Tun beschränkte, +und sich bebrütende, ebenso unglückliche als ärmliche Persönlichkeit. + +Aber an beides, das Gefühl seines Unglücks und die Ärmlichkeit seines +Tuns, knüpft sich ebenso das Bewußtsein seiner Einheit mit dem +Unwandelbaren. Denn die versuchte unmittelbare Vernichtung seines +wirklichen Seins ist _vermittelt_ durch den Gedanken des +Unwandelbaren, und geschieht in dieser _Beziehung_. _Die mittelbare_ +Beziehung macht das Wesen der negativen Bewegung aus, in welcher es +sich gegen seine Einzelnheit richtet, welche aber ebenso als +_Beziehung an sich_ positiv ist, und für es selbst diese seine +_Einheit_ hervorbringen wird. + +Diese mittelbare Beziehung ist hiemit ein Schluß, in welchem die sich +zuerst als gegen das _An-sich_ entgegengesetzt fixierende Einzelnheit +mit diesem andern Extreme nur durch ein drittes zusammengeschlossen +ist. Durch diese Mitte ist das Extrem des unwandelbaren Bewußtseins +für das unwesentliche Bewußtsein, in welchem zugleich auch dies ist, +daß es ebenso für jenes nur durch diese Mitte sei, und diese Mitte +hiemit eine solche, die beide Extreme einander vorstellt, und der +gegenseitige Diener eines jeden bei dem andern ist. Diese Mitte ist +selbst ein bewußtes Wesen, denn sie ist ein das Bewußtsein als +solches vermittelndes Tun; der Inhalt dieses Tuns ist die Vertilgung, +welche das Bewußtsein mit seiner Einzelnheit vornimmt. + +In ihr also befreit dieses sich von dem Tun und Genusse als _dem +seinen_; es stößt von sich als _fürsich_seiendem Extreme das Wesen +seines _Willens_ ab, und wirft auf die Mitte oder den Diener die +Eigenheit und Freiheit des Entschlusses, und damit die _Schuld_ +seines Tuns. Dieser Vermittler, als mit dem unwandelbaren Wesen in +unmittelbarer Beziehung, dient mit seinem _Rate_ über das Rechte. +Die Handlung, indem sie Befolgung eines fremden Beschlusses ist, hört +nach der Seite des Tuns oder des _Willens_ auf, die eigne zu sein. +Es bleibt aber noch ihre _gegenständliche_ Seite dem unwesentlichen +Bewußtsein, nämlich die _Frucht_ seiner Arbeit und der _Genuß_. +Diesen stößt es also ebenso von sich ab, und leistet wie auf seinen +Willen, so auf seine in der Arbeit und Genusse erhaltene +_Wirklichkeit_ Verzicht; auf sie, _teils_ als auf die erreichte +Wahrheit seiner selbstbewußten _Selbstständigkeit_--indem es etwas +ganz Fremdes, ihm Sinnloses vorstellend und sprechend sich bewegt; +teils auf sie als _äußerliches Eigentum_--indem es von dem Besitze, +den es durch die Arbeit erworben, etwas abläßt; teils auf den +gehabten _Genuß_--indem es ihn im Fasten und Kasteien auch wieder +ganz sich versagt. + +Durch diese Momente des Aufgebens des eignen Entschlusses, dann des +Eigentumes und Genusses, und endlich das positive Moment des Treibens +eines unverstandenen Geschäftes nimmt es sich in Wahrheit und +vollständig das Bewußtsein der innern und äußern Freiheit, der +Wirklichkeit als seines _Für-sich-seins_; es hat die Gewißheit, in +Wahrheit seines _Ich_ sich entäußert, und sein unmittelbares +Selbstbewußtsein zu einem _Dinge_, zu einem gegenständlichen Sein +gemacht zu haben.--Die Verzichtleistung auf sich konnte es allein +durch diese _wirkliche_ Aufopferung bewähren; denn nur in ihr +verschwindet der _Betrug_, welcher in dem _innern_ Anerkennen des +Dankens durch Herz, Gesinnung und Mund liegt, einem Anerkennen, +welches zwar alle Macht des Für-sich-seins von sich abwälzt, und sie +einem Geben von oben zuschreibt, aber in diesem Abwälzen selbst sich +die _äußere_ Eigenheit in dem Besitze, den es nicht aufgibt, die +_innre_ aber in dem Bewußtsein des Entschlusses, den es selbst gefaßt, +und in dem Bewußtsein seines durch es bestimmten Inhalts, den es +nicht gegen einen fremden, es sinnlos erfüllenden umgetauscht hat, +behält. + +Aber in der wirklich vollbrachten Aufopferung hat _an sich_, wie das +Bewußtsein das _Tun_ als das seinige aufgehoben, auch sein _Unglück_ +von ihm abgelassen. Daß dies Ablassen _an sich_ geschehen ist, ist +jedoch ein Tun des andern Extrems des Schlusses, welches das +_ansichseiende_ Wesen ist. Jene Aufopferung des unwesentlichen +Extrems war aber zugleich nicht ein einseitiges Tun, sondern enthielt +das Tun des Andern in sich. Denn das Aufgeben des eignen Willens ist +nur einerseits negativ, _seinem Begriffe_ nach oder _an sich_, +zugleich aber positiv, nämlich das Setzen des Willens als eines +_Andern_, und bestimmt des Willens als eines nicht einzelnen, sondern +allgemeinen. Für dies Bewußtsein ist diese positive Bedeutung des +negativ gesetzten einzelnen Willens der Willen des andern Extrems, +der ihm, weil er eben ein Anderes für es ist, nicht durch sich, +sondern durch das Dritte, den Vermittler als Rat, wird. Es wird +daher _für es_ sein Willen wohl zum allgemeinen und _an sich_ +seienden Willen, aber _es selbst_ ist _sich nicht_ dies _An-sich_; +das Aufgeben des seinigen als _einzelnen_ ist ihm nicht dem Begriffe +nach das Positive des allgemeinen Willens. Ebenso sein Aufgeben des +Besitzes und Genusses hat nur dieselbe negative Bedeutung, und das +Allgemeine, das für es dadurch wird, ist ihm nicht sein _eignes Tun_. +Diese _Einheit_ des gegenständlichen und des Für-sich-seins, welche +im _Begriffe_ des Tuns ist, und welche darum dem Bewußtsein als das +Wesen und _Gegenstand_ wird--wie sie ihm nicht der Begriff seines +Tuns ist, so ist ihm auch dies nicht, daß sie als Gegenstand _für es_ +wird, unmittelbar und durch es selbst, sondern es läßt sich dem +vermittelnden Diener diese selbst noch gebrochne Gewißheit +aussprechen, daß nur _an sich_ sein Unglück das verkehrte, nämlich +sich in seinem Tun selbstbefriedigendes Tun, oder seliger Genuß; sein +ärmliches Tun ebenso _an sich_ das verkehrte, nämlich absolutes Tun, +dem Begriffe nach das Tun nur als Tun des Einzelnen überhaupt Tun ist. +Aber _für es_ selbst bleibt das Tun und sein wirkliches Tun ein +ärmliches, und sein Genuß der Schmerz, und das Aufgehobensein +derselben in der positiven Bedeutung ein _Jenseits_. Aber in diesem +Gegenstande, worin ihm sein Tun und Sein als dieses _einzelnen_ +Bewußtseins, Sein und Tun _an sich_ ist, ist ihm die Vorstellung der +_Vernunft_ geworden, der Gewißheit des Bewußtseins, in seiner +Einzelnheit absolut _an sich_, oder alle Realität zu sein. + + + +V. Gewißheit und Wahrheit der Vernunft + +Das Bewußtsein geht in dem Gedanken, welchen es erfaßt hat, daß das +_einzelne_ Bewußtsein _an sich_ absolutes Wesen ist, in sich selbst +zurück. Für das unglückliche Bewußtsein ist das _An-sich-sein_ das +_Jenseits_ seiner selbst. Aber seine Bewegung hat dies an ihm +vollbracht, die Einzelnheit in ihrer vollständigen Entwicklung, oder +die Einzelnheit, die _wirkliches Bewußtsein_ ist, als das _Negative_ +seiner Selbst, nämlich als das _gegenständliche_ Extrem gesetzt, oder +sein Für-sich-sein aus sich hinausgerungen, und es zum Sein gemacht +zu haben; darin ist für es auch seine _Einheit_ mit diesem +Allgemeinen geworden, welche für uns, da das aufgehobne Einzelne das +Allgemeine ist, nicht mehr außer ihm fällt; und da das Bewußtsein in +dieser seiner Negativität sich selbst erhält, an ihm als solchem sein +Wesen ist. Seine Wahrheit ist dasjenige, welches in dem Schlusse, +worin die Extreme absolut auseinandergehalten auftraten, als die +Mitte erscheint, welche es dem unwandelbaren Bewußtsein ausspricht, +daß das Einzelne auf sich Verzicht getan, und dem Einzelnen, daß das +Unwandelbare kein Extrem mehr für es, sondern mit ihm versöhnt ist. +Diese Mitte ist die beide unmittelbar wissende und sie beziehende +Einheit, und das Bewußtsein ihrer Einheit, welche sie dem Bewußtsein +und damit _sich selbst_ ausspricht, die Gewißheit, alle Wahrheit zu +sein. + +Damit, daß das Selbstbewußtsein Vernunft ist, schlägt sein bisher +negatives Verhältnis zu dem Anderssein in ein positives um. Bisher +ist es ihm nur um seine Selbstständigkeit und Freiheit zu tun gewesen, +um sich für sich selbst auf Kosten der _Welt_ oder seiner eignen +Wirklichkeit, welche ihm beide als das Negative seines Wesens +erschienen, zu retten und zu erhalten. Aber als Vernunft, seiner +selbst versichert, hat es die Ruhe gegen sie empfangen, und kann sie +ertragen; denn es ist seiner selbst als der Realität gewiß; oder daß +alle Wirklichkeit nichts anders ist als es; sein Denken ist +unmittelbar selbst die Wirklichkeit; es verhält sich also als +Idealismus zu ihr. Es ist ihm, indem es sich so erfaßt, als ob die +Welt erst itzt ihm würde; vorher versteht es sie nicht; es begehrt +und bearbeitet sie; zieht sich aus ihr in sich zurück, und vertilgt +sie für sich, und sich selbst als Bewußtsein, als Bewußtsein +derselben als des Wesens, sowie als Bewußtsein ihrer Nichtigkeit. +Hierin erst, nachdem das Grab seiner Wahrheit verloren, das Vertilgen +seiner Wirklichkeit selbst vertilgt, und die Einzelnheit des +Bewußtseins ihm an sich absolutes Wesen ist, entdeckt es sie als +_seine_ neue wirkliche Welt, die in ihrem Bleiben Interesse für es +hat, wie vorhin nur in ihrem Verschwinden; denn ihr _Bestehen_ wird +ihm seine eigne _Wahrheit_ und _Gegenwart_; es ist gewiß, nur sich +darin zu erfahren. + +Die Vernunft ist die Gewißheit des Bewußtseins, alle Realität zu sein: +so spricht der Idealismus ihren Begriff aus. Wie das Bewußtsein, +das als Vernunft _auftritt, unmittelbar_ jene Gewißheit an sich hat, +so spricht auch der _Idealismus_ sie _unmittelbar_ aus: Ich bin ich, +in dem Sinne, daß Ich, welches mir Gegenstand ist, nicht wie im +Selbstbewußtsein überhaupt, noch auch wie im freien Selbstbewußtsein, +dort nur _leerer_ Gegenstand überhaupt, hier nur Gegenstand, der sich +von den Andern zurückzieht, welche _neben_ ihm noch gelten, sondern +Gegenstand mit dem Bewußtsein des _Nichtseins_ irgendeines Andern, +einziger Gegenstand, alle Realität und Gegenwart ist. Das +Selbstbewußtsein ist aber nicht nur _für sich_, sondern auch _an +sich_ alle Realität, erst dadurch, daß es diese Realität _wird_, oder +vielmehr sich als solche _erweist_. Es erweist sich so in _dem_ Wege, +worin zuerst in der dialektischen Bewegung des Meinens, Wahrnehmens +und des Verstandes das Anderssein als _an sich_ und dann in der +Bewegung durch die Selbstständigkeit des Bewußtseins in Herrschaft +und Knechtschaft, durch den Gedanken der Freiheit, die skeptische +Befreiung, und den Kampf der absoluten Befreiung des in sich +entzweiten Bewußtseins, das Anderssein, insofern es nur _für es_ ist, +_für es selbst_ verschwindet. Es traten zwei Seiten nacheinander auf, +die eine, worin das Wesen oder das Wahre für das Bewußtsein die +Bestimmtheit des _Seins_, die andere die hatte, nur _für es_ zu sein. +Aber beide reduzierten sich in _eine_ Wahrheit, daß, was _ist_, oder +das _An-sich_ nur ist, insofern es _für_ das Bewußtsein, und was _für +es_ ist, auch _an sich_ ist. Das Bewußtsein, welches diese Wahrheit +ist, hat diesen Weg im Rücken und vergessen, indem es _unmittelbar_ +als Vernunft auftritt, oder diese unmittelbar auftretende Vernunft +tritt nur als die _Gewißheit_ jener Wahrheit auf. Sie _versichert_ +so nur, alle Realität zu sein, begreift dies aber selbst nicht; denn +jener vergessene Weg ist das Begreifen dieser unmittelbar +ausgedrückten Behauptung. Und ebenso ist dem, der ihn nicht gemacht +hat, diese Behauptung, wenn er sie in dieser reinen Form hört--denn +in einer konkreten Gestalt macht er sie wohl selbst--, unbegreiflich. + +Der Idealismus, der jenen Weg nicht darstellt, sondern mit dieser +Behauptung anfängt, ist daher auch reine _Versicherung_, welche sich +selbst nicht begreift, noch sich andern begreiflich machen kann. Er +spricht eine _unmittelbare Gewißheit_ aus, welcher andere +unmittelbare Gewißheiten gegenüberstehen, die allein auf jenem Wege +verlorengegangen sind. Mit gleichem Rechte stellen daher _neben_ der +_Versicherung_ jener Gewißheit sich auch die _Versicherungen_ dieser +andern Gewißheiten. Die Vernunft beruft sich auf das +_Selbst_bewußtsein eines jeden Bewußtseins: _Ich bin Ich_; mein +Gegenstand und Wesen ist _Ich_; und keines wird ihr diese Wahrheit +ableugnen. Aber indem sie sie auf diese Berufung gründet, +sanktioniert sie die Wahrheit der andern Gewißheit, nämlich der: _es +ist *Anderes* für mich_; Anderes als _Ich_ ist mir Gegenstand und +Wesen, oder indem _Ich_ mir Gegenstand und Wesen bin, bin ich es nur, +indem ich mich von dem Andern überhaupt zurückziehe, und als eine +Wirklichkeit _neben_ es trete.--Erst wenn die Vernunft als +_Reflexion_ aus dieser entgegengesetzten Gewißheit auftritt, tritt +ihre Behauptung von sich nicht nur als Gewißheit und Versicherung, +sondern als _Wahrheit_ auf; und nicht _neben_ andern, sondern als die +_einzige_. Das _unmittelbare Auftreten_ ist die Abstraktion ihres +_Vorhandenseins_, dessen _Wesen_ und _An-sich-sein_ absoluter Begriff, +d.h. die _Bewegung seines Gewordenseins_ ist.--Das Bewußtsein wird +sein Verhältnis zum Anderssein oder seinem Gegenstande auf +verschiedene Weise bestimmen, je nachdem es gerade auf einer Stufe +des sich bewußtwerdenden Weltgeistes steht. Wie es sich und seinen +Gegenstand jedesmal _unmittelbar_ findet und bestimmt, oder wie es +_für sich_ ist, hängt davon ab, was er schon _geworden_ oder was er +schon _an sich ist._ + +Die Vernunft ist die Gewißheit, alle _Realität_ zu sein. Dieses +_An-sich_ oder diese _Realität_ ist aber noch ein durchaus +Allgemeines, die reine _Abstraktion_ der Realität. Es ist die erste +_Positivität_, welche das Selbstbewußtsein _an sich selbst, für sich_ +ist, und Ich daher nur die _reine Wesenheit_ des Seienden, oder die +einfache _Kategorie_. Die _Kategorie_, welche sonst die Bedeutung +hatte, Wesenheit des Seienden zu sein, _unbestimmt_ des Seienden +überhaupt oder des Seienden gegen das Bewußtsein, ist itzt +_Wesenheit_ oder einfache _Einheit_ des Seienden nur als denkende +Wirklichkeit; oder sie ist dies, daß Selbstbewußtsein und Sein +_dasselbe_ Wesen ist; _dasselbe_ nicht in der Vergleichung, sondern +an und für sich. Nur der einseitige schlechte Idealismus läßt diese +Einheit wieder als Bewußtsein auf die eine Seite, und ihr gegenüber +ein _An-sich_ treten.--Diese Kategorie nun oder _einfache_ Einheit +des Selbstbewußtseins und des Seins hat aber an sich _den +Unterschied_; denn ihr Wesen ist eben dieses, im _Anderssein_ oder im +absoluten Unterschiede unmittelbar sich selbst gleich zu sein. Der +Unterschied _ist_ daher; aber vollkommen durchsichtig, und als ein +Unterschied, der zugleich keiner ist. Er erscheint als eine +_Vielheit_ von Kategorien. Indem der Idealismus, die _einfache +Einheit_ des Selbstbewußtseins als alle Realität ausspricht, und sie +_unmittelbar_, ohne sie als absolut negatives Wesen--nur dieses hat +die Negation, die Bestimmtheit oder den Unterschied an ihm +selbst--begriffen zu haben, zum Wesen macht, so ist noch +unbegreiflicher als das erste dies zweite, daß in der Kategorie +_Unterschiede_ oder _Arten_ sein. Diese Versicherung überhaupt, +sowie die Versicherung von irgendeiner _bestimmten Anzahl_ der Arten +derselben, ist eine neue Versicherung, welche es aber an ihr selbst +enthält, daß man sie sich nicht mehr als Versicherung gefallen lassen +müsse. Denn indem im reinen Ich, im reinen Verstande selbst _der +Unterschied_ anfängt, so ist damit gesetzt, daß hier die +_Unmittelbarkeit_, das _Versichern_ und _Finden_ aufgegeben werde, +und das _Begreifen_ anfange. Die Vielheit der Kategorien aber auf +irgendeine Weise wieder als einen Fund, zum Beispiel aus den Urteilen, +aufnehmen, und sich dieselben so gefallen lassen, ist in der Tat als +eine Schmach der Wissenschaft anzusehen; wo sollte noch der Verstand +eine Notwendigkeit aufzuzeigen vermögen, wenn er dies an ihm selbst, +der reinen Notwendigkeit, nicht vermag. + +Weil nun so der Vernunft die reine Wesenheit der Dinge, wie ihr +Unterschied, angehört, so könnte eigentlich überhaupt nicht mehr von +_Dingen_ die Rede sein, das heißt einem solchen, welches für das +Bewußtsein nur das Negative seiner selbst wäre. Denn die vielen +Kategorien sind _Arten_ der reinen Kategorie, heißt, _sie_ ist noch +ihre _Gattung_ oder _Wesen_, nicht ihnen entgegengesetzt. Aber sie +sind schon das Zweideutige, welches zugleich das Anderssein _gegen_ +die reine Kategorie in seiner _Vielheit_ an sich hat. Sie +widersprechen ihr durch diese Vielheit in der Tat, und die reine +Einheit muß sie an sich aufheben, wodurch sie sich als _negative +Einheit_ der Unterschiede konstituiert. Als _negative_ Einheit aber +schließt sie ebensowohl die _Unterschiede_ als solche, sowie jene +erste _unmittelbare_ reine Einheit als solche von sich aus, und ist +_Einzelnheit_; eine neue Kategorie, welche ausschließendes Bewußtsein, +das heißt, dies ist, daß _ein Anderes_ für es ist. Die Einzelnheit +ist ihr Übergang aus ihrem Begriffe zu einer _äußern_ Realität; das +reine _Schema_, welches ebensowohl Bewußtsein, wie damit, daß es +Einzelnheit und ausschließendes Eins ist, das Hindeuten auf ein +Anderes ist. Aber dies _Andere_ dieser Kategorie sind nur die +_andern ersten Kategorien_, nämlich _reine Wesenheit_, und der _reine +Unterschied_; und in ihr, d.h. eben in dem Gesetztsein des Andern, +oder in diesem Andern selbst das Bewußtsein ebenso es selbst. Jedes +dieser verschiedenen Momente verweist auf ein anderes; es kommt aber +in ihnen zugleich zu keinem Anderssein. Die reine Kategorie verweist +auf die _Arten_, welche in die negative Kategorie, oder die +Einzelnheit übergehen; die letztere weist aber auf jene zurück; sie +ist selbst reines Bewußtsein, welches in jeder sich diese klare +Einheit mit sich bleibt, eine Einheit aber, die ebenso auf ein +Anderes hingewiesen wird, das, indem es ist, verschwunden, und indem +es verschwunden, auch wieder erzeugt ist. + +Wir sehen hier das reine Bewußtsein auf eine gedoppelte Weise gesetzt, +einmal als das unruhige _Hin- und Hergehen_, welches alle seine +Momente durchläuft, in ihnen das Anderssein vorschweben hat, das im +Erfassen sich aufhebt; das anderemal vielmehr als die _ruhige_ ihrer +Wahrheit gewisse _Einheit_. Für diese Einheit ist jene Bewegung das +_Andere_; für diese Bewegung aber jene ruhige Einheit; und Bewußtsein +und Gegenstand wechseln in diesen gegenseitigem Bestimmungen ab. Das +Bewußtsein ist sich also einmal das hin- und hergehende Suchen, und +sein Gegenstand das _reine An-sich_ und Wesen; das andremal ist sich +jenes die einfache Kategorie, und der Gegenstand die Bewegung der +Unterschiede. Das Bewußtsein aber als Wesen ist dieser ganze Verlauf +selbst, aus sich als einfacher Kategorie in die Einzelnheit und den +Gegenstand überzugehen, und an diesem diesen Verlauf anzuschauen, ihn +als einen unterschiednen aufzuheben, sich _zuzueignen_, und sich als +diese Gewißheit, alle Realität, sowohl es selbst als sein Gegenstand +zu sein, auszusprechen. + +Sein erstes Aussprechen ist nur dieses abstrakte leere Wort, daß +alles _sein_ ist. Denn die Gewißheit, alle Realität zu sein, ist +erst die reine Kategorie. Diese erste im Gegenstande sich erkennende +Vernunft drückt der leere Idealismus aus, welcher die Vernunft nur so +auffaßt, wie sie sich zunächst ist, und darin, daß er in allem Sein +dieses reine _Mein_ des Bewußtseins aufzeigt und die Dinge als +Empfindungen oder Vorstellungen ausspricht, es als vollendete +Realität aufgezeigt zu haben wähnt. Er muß darum zugleich absoluter +Empirismus sein, denn für die _Erfüllung_ des leeren _Meins_, das +heißt für den Unterschied und alle Entwicklung und Gestaltung +desselben bedarf seine Vernunft eines fremden Anstoßes, in welchem +erst die _Mannigfaltigkeit_ des Empfindens oder Vorstellens liege. +Dieser Idealismus wird daher eine ebensolche sich widersprechende +Doppelsinnigkeit als der Skeptizismus, nur daß wie dieser sich +negativ, jener sich positiv ausdrückt, aber ebensowenig seine +widersprechenden Gedanken des reinen Bewußtseins als aller Realität, +und ebenso des fremden Anstoßes oder des sinnlichen Empfindens und +Vorstellens, als einer gleichen Realität, zusammenbringt, sondern von +dem einen zu dem andern sich herüberund hinüberwirft und in die +schlechte, nämlich in die sinnliche Unendlichkeit, geraten ist. +Indem die Vernunft alle Realität in der Bedeutung des abstrakten +_Meins_, und das _Andere_ ihm ein _gleichgültiges Fremdes_ ist, so +ist darin gerade dasjenige Wissen der Vernunft von einem Anderen +gesetzt, welches als _Meinen, Wahrnehmen_ und der das Gemeinte und +Wahrgenommene auffassende _Verstand_ vorkam. Ein solches Wissen wird +zugleich, nicht wahres Wissen zu sein, durch den Begriff dieses +Idealismus selbst behauptet, denn nur die Einheit der Apperzeption +ist die Wahrheit des Wissens. Die reine Vernunft dieses Idealismus +wird also durch sich selbst, um zu diesem _Andern_, das ihr +_wesentlich_, das heißt also das _An-sich_ ist, das sie aber nicht in +ihr selbst hat, zu gelangen, an dasjenige Wissen zurückgeschickt, das +nicht ein Wissen des Wahren ist; sie verurteilt sich so mit Wissen +und Willen zu einem unwahren Wissen, und kann vom Meinen und +Wahrnehmen, die für sie selbst keine Wahrheit haben, nicht ablassen. +Sie befindet sich in unmittelbarem Widerspruche, ein gedoppeltes +schlechthin Entgegengesetztes als das Wesen zu behaupten, die +_Einheit der Apperzeption_ und ebenso das _Ding_, welches, wenn es +auch _fremder Anstoß_, oder _empirisches_ Wesen, oder _Sinnlichkeit_, +oder _das Ding an sich_ genannt wird, in seinem Begriffe dasselbe +jener Einheit Fremde bleibt. + +Dieser Idealismus ist in diesem Widerspruche, weil er den _abstrakten +Begriff_ der Vernunft als das Wahre behauptet; daher ihm unmittelbar +ebensosehr die Realität als eine solche entsteht, welche vielmehr +nicht die Realität der Vernunft ist, während die Vernunft zugleich +alle Realität sein sollte; diese bleibt ein unruhiges Suchen, welches +in dem Suchen selbst die Befriedigung des Findens für schlechthin +unmöglich erklärt.--So inkonsequent aber ist die wirkliche Vernunft +nicht; sondern nur erst die _Gewißheit_, alle Realität zu sein, ist +sie in diesem _Begriffe_ sich bewußt als _Gewißheit_, als _Ich_ noch +nicht die Realität in Wahrheit zu sein, und ist getrieben, ihre +Gewißheit zur Wahrheit zu erheben, und das _leere_ Mein zu erfüllen. + + +A. Beobachtende Vernunft + +Dieses Bewußtsein, welchem das _Sein_ die Bedeutung des _Seinen_ hat, +sehen wir nun zwar wieder in das Meinen und Wahrnehmen hineingehen, +aber nicht als in die Gewißheit eines nur _Andern_, sondern mit der +Gewißheit, dies Andere selbst zu sein. Früher ist es ihm nur +_geschehen_, manches an dem Dinge wahrzunehmen und zu _erfahren_; +hier stellt es die Beobachtungen und die Erfahrung selbst an. Meinen +und Wahrnehmen, das für uns früher sich aufgehoben, wird nun von dem +Bewußtsein für es selbst aufgehoben; die Vernunft geht darauf, die +Wahrheit zu _wissen_; was für das Meinen und Wahrnehmen ein Ding ist, +als Begriff zu finden, das heißt, in der Dingheit nur das Bewußtsein +ihrer selbst zu haben. Die Vernunft hat daher itzt ein allgemeines +_Interesse_ an der Welt, weil sie die Gewißheit ist, Gegenwart in ihr +zu haben, oder daß die Gegenwart vernünftig ist. Sie sucht ihr +Anderes, indem sie weiß, daran nichts anderes als sich selbst zu +besitzen; sie sucht nur ihre eigne Unendlichkeit. + +Zuerst sich in der Wirklichkeit nur ahndend, oder sie nur als das +_Ihrige_ überhaupt wissend, schreitet sie in diesem Sinne zur +allgemeinen Besitznehmung des ihr versicherten Eigentums, und pflanzt +auf alle Höhen und in alle Tiefen das Zeichen ihrer Souveränität. +Aber dieses oberflächliche Mein ist nicht ihr letztes Interesse; die +Freude dieser allgemeinen Besitznehmung findet an ihrem Eigentume +noch das fremde Andre, das die abstrakte Vernunft nicht an ihr selbst +hat. Die Vernunft ahndet sich als ein tieferes Wesen, denn das reine +Ich _ist_, und muß fodern, daß der Unterschied, das _mannigfaltige +Sein_, ihm als das seinige selbst werde, daß es sich als die +_Wirklichkeit_ anschaue, und sich als Gestalt und Ding gegenwärtig +finde. Aber wenn die Vernunft alle Eingeweide der Dinge durchwühlt, +und ihnen alle Adern öffnet, daß sie sich daraus entgegenspringen +möge, so wird sie nicht zu diesem Glücke gelangen, sondern muß an ihr +selbst vorher sich vollendet haben, um dann ihre Vollendung erfahren +zu können. + +Das Bewußtsein _beobachtet_; d.h. die Vernunft will sich als seienden +Gegenstand, als _wirkliche, sinnlich-gegenwärtige_ Weise finden, und +haben. Das Bewußtsein dieses Beobachtens meint und sagt wohl, daß es +_nicht sich selbst_, sondern im Gegenteil _das Wesen der Dinge als +der Dinge_ erfahren wolle. Daß dies _Bewußtsein_ dies meint und sagt, +liegt darin, daß es Vernunft _ist_, aber ihm die Vernunft noch nicht +als solche Gegenstand ist. Wenn es die _Vernunft_ als gleiches Wesen +der Dinge und seiner selbst wüßte, und daß sie nur in dem Bewußtsein +in ihrer eigentümlichen Gestalt gegenwärtig sein kann, so würde es +vielmehr in seine eigne Tiefe steigen und sie darin suchen, als in +den Dingen. Wenn es sie in dieser gefunden hätte, würde sie von da +wieder heraus an die Wirklichkeit gewiesen werden, um in dieser ihren +sinnlichen Ausdruck anzuschauen, aber ihn sogleich wesentlich als +_Begriff_ nehmen. Die Vernunft, wie sie _unmittelbar_ als die +Gewißheit des Bewußtseins, alle Realität zu sein, auftritt, nimmt +ihre Realität in dem Sinne der _Unmittelbarkeit des Seins_, und +ebenso die Einheit des Ich mit diesem gegenständlichen Wesen in dem +Sinne einer _unmittelbaren Einheit_, an der sie die Momente des Seins +und Ich noch nicht getrennt und wieder vereinigt, oder die sie noch +nicht erkannt hat. Sie geht daher als beobachtendes Bewußtsein an +die Dinge, in der Meinung, daß sie diese als sinnliche, dem Ich +entgegengesetzte Dinge in Wahrheit nehme; allein ihr wirkliches Tun +widerspricht dieser Meinung; denn sie _erkennt_ die Dinge, sie +verwandelt ihre Sinnlichkeit _in Begriffe_, d.h. eben in ein Sein, +welches zugleich Ich ist, das Denken somit in ein seiendes Denken, +oder das Sein in ein gedachtes Sein, und behauptet in der Tat, daß +die Dinge nur als Begriffe Wahrheit haben. Für dies beobachtende +Bewußtsein wird darin nur dies, was _die Dinge_ sind, für uns aber, +was _es selbst_ ist; das Resultat seiner Bewegung aber wird dies sein, +für sich selbst dies zu werden, was es an sich ist. + +_Das Tun_ der beobachtenden Vernunft ist in den Momenten seiner +Bewegung zu betrachten, wie sie die Natur, den Geist, und endlich die +Beziehung beider als sinnliches Sein aufnimmt, und sich als seiende +Wirklichkeit sucht. + + +a. Beobachtung der Natur + +Wenn das gedankenlose Bewußtsein das Beobachten und Erfahren als die +Quelle der Wahrheit ausspricht, so mögen wohl ihre Worte so lauten, +als ob es allein um ein Schmecken, Riechen, Fühlen, Hören und Sehen +zu tun sei; es vergißt in dem Eifer, womit es das Schmecken, Riechen +u.s.f. empfiehlt, zu sagen, daß es in der Tat auch ebenso wesentlich +den Gegenstand dieses Empfindens sich schon bestimmt hat, und diese +Bestimmung ihm wenigstens soviel gilt als jenes Empfinden. Es wird +auch sogleich eingestehen, daß es ihm nicht so überhaupt nur ums +Wahrnehmen zu tun sei, und z. B. die Wahrnehmung, daß dies +Federmesser neben dieser Tabaksdose liegt, nicht für eine Beobachtung +gelten lassen. Das Wahrgenommene soll wenigstens die Bedeutung eines +_Allgemeinen_, nicht eines _sinnlichen Diesen_ haben. + +Dies Allgemeine ist so nur erst das _sich gleich Bleibende_; seine +Bewegung nur das gleichförmige Wiederkehren desselben Tuns. Das +Bewußtsein, welches insofern im Gegenstande nur die _Allgemeinheit_ +oder das _abstrakte Mein_ findet, muß die eigentliche Bewegung +desselben auf _sich_ selbst nehmen; indem es noch nicht der Verstand +desselben ist, wenigstens sein Gedächtnis sein, welches das, was in +der Wirklichkeit nur auf einzelne Weise vorhanden ist, auf allgemeine +Weise ausdrückt. Dies oberflächliche Herausheben aus der Einzelnheit, +und die ebenso oberflächliche Form der Allgemeinheit, worein das +Sinnliche nur aufgenommen wird, ohne an sich selbst Allgemeines +geworden zu sein, das _Beschreiben_ der Dinge hat noch in dem +Gegenstande selbst die Bewegung nicht; sie ist vielmehr nur in dem +Beschreiben. Der Gegenstand, wie er beschrieben ist, hat daher das +Interesse verloren; ist der eine beschrieben, so muß ein anderer +vorgenommen, und immer gesucht werden, damit das Beschreiben nicht +ausgehe. Ist es nicht so leicht mehr, neue _ganze_ Dinge zu finden, +so muß zu den schon gefundenen zurückgegangen werden, sie weiter zu +teilen, auseinanderzulegen, und neue Seiten der Dingheit an ihnen +noch aufzuspüren. Diesem rastlosen, unruhigen Instinkte kann es nie +an Material gebrechen; eine neue ausgezeichnete Gattung zu finden, +oder gar einen neuen Planeten, dem, ob er zwar ein Individuum ist, +doch die Natur eines Allgemeinen zukommt, zu finden, kann nur +Glücklichen zuteil werden. Aber die Grenzen dessen, was wie der +Elefant, die Eiche, das Gold _ausgezeichnet_, was _Gattung_ und _Art_ +ist, geht durch viele Stufen in die unendliche _Besonderung_ der +chaotischen Tiere und Pflanzen, der Gebirgsarten, oder der durch +Gewalt und Kunst erst darzustellenden Metalle, Erden u.s.f. über. In +diesem Reiche der Unbestimmtheit des Allgemeinen, worin die +Besonderung wieder der _Vereinzelung_ sich nähert, und in sie hie und +da auch wieder ganz herabsteigt, ist ein unerschöpflicher Vorrat fürs +Beobachten und Beschreiben aufgetan. Hier aber, wo ihm ein +unübersehbares Feld sich eröffnet, an der Grenze des Allgemeinen kann +es vielmehr statt eines unermeßlichen Reichtums nur die Schranke der +Natur und seines eignen Tuns gefunden haben; es kann nicht mehr +wissen, ob das an sich zu sein Scheinende nicht eine Zufälligkeit ist; +was das Gepräge eines verwirrten oder unreifen, schwachen und der +elementarischen Unbestimmtheit kaum sich entwickelnden Gebildes an +sich trägt, kann nicht darauf Anspruch machen, auch nur beschrieben +zu werden. + +Wenn es diesem Suchen und Beschreiben nur um die Dinge zu tun zu sein +scheint, so sehen wir es in der Tat nicht an dem _sinnlichen +Wahrnehmen_ fortlaufen, sondern das, woran die Dinge _erkannt_ werden, +ist ihm wichtiger als der übrige Umfang der sinnlichen Eigenschaften, +welche das Ding selbst wohl nicht entbehren kann, aber deren das +Bewußtsein sich entübrigt. Durch diese Unterscheidung in das +_Wesentliche_ und _Unwesentliche_ erhebt sich der Begriff aus der +sinnlichen Zerstreuung empor, und das Erkennen erklärt darin, daß es +ihm wenigstens ebenso wesentlich _um sich selbst_ als um die Dinge zu +tun ist. Es gerät bei dieser gedoppelten Wesentlichkeit in ein +Schwanken, ob das, was für _das Erkennen_ das Wesentliche und +Notwendige ist, es auch an _den Dingen_ sei. Einesteils sollen die +_Merkmale_ nur dem Erkennen dienen, wodurch es die Dinge voneinander +unterscheide; aber andernteils nicht das Unwesentliche der Dinge +erkannt werden, sondern das, wodurch sie selbst aus der allgemeinen +Kontinuität des Seins überhaupt sich _losreißen_, sich von dem Andern +_abscheiden_ und _für sich_ sind. Die Merkmale sollen nicht nur +wesentliche Beziehung auf das Erkennen haben, sondern auch die +wesentlichen Bestimmtheiten der Dinge, und das künstliche System dem +Systeme der Natur selbst gemäß sein, und nur dieses ausdrücken. Aus +dem Begriffe der Vernunft ist dies notwendig, und der Instinkt +derselben--denn sie verhält sich nur als solcher in diesem +Beobachten--hat auch in seinen Systemen diese Einheit erreicht, wo +nämlich ihre Gegenstände selbst so beschaffen sind, daß sie eine +Wesentlichkeit oder ein _Für-sich-sein_ an ihnen haben, und nicht nur +Zufall dieses _Augenblicks_ oder dieses _Hier_ sind. Die +Unterscheidungsmerkmale der Tiere z. B. sind von den Klauen und +Zähnen genommen; denn in der Tat _unterscheidet_ nicht nur das +Erkennen dadurch ein Tier von dem andern; sondern das Tier _scheidet_ +sich dadurch selbst ab; durch diese Waffen erhält es sich _für sich_, +und gesondert von dem Allgemeinen. Die Pflanze dagegen kommt nicht +zum _Für-sich_-_sein_, sondern berührt nur die Grenze der +Individualität; an dieser Grenze, wo sie den Schein der _Entzweiung_ +in Geschlechter aufzeigt, ist sie deswegen aufgenommen und +unterschieden worden. Was aber weiter hinuntersteht, kann sich nicht +mehr selbst von anderem unterscheiden, sondern geht verloren, indem +es in den Gegensatz kommt. Das _ruhende Sein_, und das _Sein im +Verhältnisse_ kommt in Streit miteinander, das Ding ist in diesem +etwas anders als nach jenem, da hingegen das Individuum dies ist, im +Verhältnisse zu anderem sich zu erhalten. Was aber dies nicht vermag, +und _chemischerweise_ ein anderes wird, als es _empirischerweise_ +ist, verwirrt das Erkennen, und bringt es in denselben Streit, ob es +sich an die eine und andere Seite halten soll, da das Ding selbst +nichts Gleichbleibendes ist, und sie an ihm auseinanderfallen. + +In solchen Systemen des allgemeinen Sichgleichbleibenden hat also +dieses die Bedeutung, ebensowohl das Sichgleichbleibende des +Erkennens wie der Dinge selbst zu sein. Allein diese Ausbreitung +_der gleichbleibenden Bestimmtheiten_, deren jede ruhig die Reihe +ihres Fortgangs beschreibt, und Raum erhält, um für sich zu gewähren, +geht wesentlich ebensosehr in ihr Gegenteil über, in die Verwirrung +dieser Bestimmtheiten; denn das Merkmal, die allgemeine Bestimmtheit, +ist die Einheit des Entgegengesetzten, des Bestimmten und des an sich +Allgemeinen; sie muß also in diesen Gegensatz auseinandertreten. +Wenn nun die Bestimmtheit nach einer Seite das Allgemeine, worin sie +ihr Wesen hat, besiegt, so erhält dieses dagegen auf der andern Seite +ebenso sich seine Herrschaft über sie, treibt die Bestimmtheit an +ihre Grenze, vermischt da ihre Unterschiede und Wesentlichkeiten. +Das Beobachten, welches sie ordentlich auseinanderhielt und an ihnen +etwas Festes zu haben glaubte, sieht über ein Prinzip die andern +herübergreifen, Übergänge und Verwirrungen sich bilden, und in diesem +das verbunden, was es zuerst für schlechthin getrennt nahm, und +getrennt, was es zusammenrechnete; so daß dies Festhalten an dem +ruhigen, sichgleichbleibenden Sein sich hier gerade in seinen +allgemeinsten Bestimmungen, z. B. was das Tier, die Pflanze für +wesentliche Merkmale habe, mit Instanzen geneckt sehen muß, die ihm +jede Bestimmung rauben, die Allgemeinheit, zu der es sich erhob, zum +Verstummen bringen, und es aufs gedankenlose Beobachten und +Beschreiben zurücksetzen. + +Dieses sich auf das Einfache einschränkende oder die sinnliche +Zerstreuung durch das Allgemeine beschränkende Beobachten findet also +an seinem Gegenstande die _Verwirrung seines Prinzips_, weil das +Bestimmte durch seine Natur sich in seinem Gegenteile verlieren muß; +die Vernunft muß darum vielmehr von der _trägen_ Bestimmtheit, die +den Schein des Bleibens hatte, zur Beobachtung derselben, wie sie in +Wahrheit ist, nämlich _sich auf ihr Gegenteil zu beziehen_, fortgehen. +Was wesentliche Merkmale genannt werden, sind _ruhende_ +Bestimmtheiten, welche so, wie sie als _einfache_ sich ausdrücken und +aufgefaßt werden, nicht das, was ihre Natur ausmacht, verschwindende +_Momente_ der sich in sich zurücknehmenden Bewegung zu sein, +darstellen. Indem itzt der Vernunftinstinkt dazu kömmt, die +Bestimmtheit ihrer Natur gemäß, wesentlich nicht für sich zu sein, +sondern in das Entgegengesetzte überzugehen, aufzusuchen, sucht er +nach dem _Gesetze_ und dem _Begriffe_ desselben; zwar nach ihnen +ebenso als _seiender_ Wirklichkeit, aber diese wird ihm in der Tat +verschwinden, und die Seiten des Gesetzes zu reinen Momenten oder +Abstraktionen werden, so daß das Gesetz in der Natur des Begriffes +hervortritt, welcher das gleichgültige Bestehen der sinnlichen +Wirklichkeit an sich vertilgt hat. + +Dem beobachtenden Bewußtsein ist die _Wahrheit des Gesetzes_ in der +_Erfahrung_, als in der Weise, daß _sinnliches Sein für es_ ist; +nicht an und für sich selbst. Wenn aber das Gesetz nicht in dem +Begriffe seine Wahrheit hat, so ist es etwas Zufälliges, nicht eine +Notwendigkeit, oder in der Tat nicht ein Gesetz. Aber daß es +wesentlich als Begriff ist, widerstreitet nicht nur dem nicht, daß es +für die Beobachtung vorhanden ist, sondern hat darum vielmehr +notwendiges _Dasein_, und ist für die Beobachtung. Das Allgemeine, +im _Sinne der Vernunftallgemeinheit_, ist auch allgemein in dem Sinne, +den jener an ihm hat, daß es _für das_ Bewußtsein sich als das +Gegenwärtige und Wirkliche, oder daß der Begriff sich in der Weise +der Dingheit und des sinnlichen Seins darstellt;--aber ohne darum +seine Natur zu verlieren, und in das träge Bestehen oder die +gleichgültige Aufeinanderfolge hinabgefallen zu sein. Was allgemein +gültig ist, ist auch allgemein geltend; was sein _soll, ist_ in der +Tat auch, und was nur sein _soll_, ohne zu _sein_, hat keine Wahrheit. +Hieran bleibt der Instinkt der Vernunft mit Recht seinerseits fest +hängen, und läßt sich nicht durch die Gedankendinge, die nur sein +_sollen_, und als _Sollen_ Wahrheit haben sollen, ob sie schon in +keiner Erfahrung angetroffen werden,--durch die Hypothesen so wenig +als durch alle andere Unsichtbarkeiten eines perennierenden Sollens +irre machen; denn die Vernunft ist eben diese Gewißheit, Realität zu +haben, und was nicht als ein Selbstwesen für das Bewußtsein ist, das +heißt, was nicht erscheint, ist für es gar nichts. + +Daß die Wahrheit des Gesetzes wesentlich _Realität_ ist, wird zwar +diesem bei dem Beobachten bleibenden Bewußtsein wieder zu einem +_Gegensatze_ gegen den Begriff, und gegen das an sich Allgemeine, +oder ein Solches, wie sein Gesetz ist, ist ihm nicht ein Wesen der +Vernunft; es meint darin etwas _Fremdes_ zu erhalten. Allein es +widerlegt diese seine Meinung durch die Tat, in welcher es selbst +seine Allgemeinheit nicht in dem Sinne nimmt, daß _alle einzelnen_ +sinnlichen Dinge ihm die Erscheinung des Gesetzes gezeigt haben +müßten, um die Wahrheit desselben behaupten zu können. Daß die +Steine, von der Erde aufgehoben und freigelassen, fallen, dazu fodert +es gar nicht, daß mit allen Steinen dieser Versuch gemacht werde; es +sagt vielleicht wohl, daß dies wenigstens mit sehr vielen müsse +versucht worden sein, woraus dann auf die übrigen mit größter +Wahrscheinlichkeit, oder mit vollem Rechte _nach der Analogie_ +geschlossen werden könne. Allein die Analogie gibt nicht nur kein +volles Recht, sondern sie widerlegt, um ihrer Natur willen, sich so +oft, daß, nach der Analogie selbst zu schließen, die Analogie +vielmehr keinen Schluß zu machen erlaubt. Die _Wahrscheinlichkeit_, +auf welche sich das Resultat derselben reduzieren würde, verliert +gegen die _Wahrheit_ allen Unterschied von geringerer und größerer +Wahrscheinlichkeit; sie sei so groß, als sie will, ist sie nichts +gegen die Wahrheit. Der Instinkt der Vernunft nimmt aber in der Tat +solche Gesetze für _Wahrheit_ an, und erst in Beziehung auf ihre +Notwendigkeit, die er nicht erkennt, gerät er in diese Unterscheidung, +und setzt die Wahrheit der Sache selbst zur Wahrscheinlichkeit herab, +um die unvollkommene Weise, in welcher die Wahrheit für das +Bewußtsein, das die Einsicht in den reinen Begriff noch nicht +erreicht hat, vorhanden ist, zu bezeichnen; denn die Allgemeinheit +ist nur als _einfache unmittelbare_ Allgemeinheit vorhanden. Aber +zugleich um ihrer willen hat das Gesetz für das Bewußtsein Wahrheit; +daß der Stein fällt, ist ihm darum wahr, weil ihm der Stein _schwer_ +ist, das heißt, weil er in der Schwere _an und für sich selbst_ die +wesentliche Beziehung _auf die Erde_ hat, die sich als Fall ausdrückt. +Es hat also in der Erfahrung das Sein des Gesetzes, aber ebenso +dasselbe als _Begriff_, und nur um _beider Umstände willen_ zusammen +ist es ihm wahr; es gilt darum als Gesetz, weil es in der Erscheinung +sich darstellt, und zugleich an sich selbst Begriff ist. + +Der Vernunftinstinkt dieses Bewußtseins geht, weil das Gesetz +zugleich _an sich Begriff_ ist, notwendig, aber ohne zu wissen, daß +er dies will, selbst darauf, das Gesetz und seine Momente zum +_Begriffe zu reinigen_. Er stellt Versuche über das Gesetz an. Wie +das Gesetz zuerst erscheint, stellt es sich unrein, umhüllt von +einzelnem sinnlichem Sein, der Begriff, der seine Natur ausmacht, im +empirischen Stoff versenkt dar. Der Vernunftinstinkt geht in seinen +Versuchen darauf, zu finden, was unter diesen und jenen Umständen +erfolge. Das Gesetz scheint hiedurch nur um so mehr in sinnliches +Sein getaucht zu werden; allein dies geht darin vielmehr verloren. +Diese Forschung hat die innere Bedeutung, _reine Bedingungen_ des +Gesetzes zu finden; was nichts anderes sagen will, wenn auch das +Bewußtsein, das sich so ausdrückt, meinen sollte, es sage damit etwas +anderes, als das Gesetz ganz in die Gestalt des Begriffs zu erheben, +und alle Gebundenheit _seiner Momente_ an _bestimmtes Sein zu tilgen_. +Die negative Elektrizität, zum Beispiel, welche etwa zuerst als +_Harz_elektrizität so wie die positive als _Glas_elektrizität sich +ankündigt, verliert durch die Versuche ganz diese Bedeutung, und wird +rein zur _positiven_ und _negativen_ Elektrizität, deren jede nicht +einer besonderen Art von Dingen mehr angehört; und es hört auf, +gesagt werden zu können, daß es Körper gibt, die positiv elektrisch, +andere, die negativ elektrisch sind. So macht auch das Verhältnis +von Säure und Base und deren Bewegung gegeneinander ein Gesetz aus, +worin diese Gegensätze als Körper erscheinen. Allein diese +abgesonderten Dinge haben keine Wirklichkeit; die Gewalt, welche sie +auseinanderreißt, kann sie nicht hindern, sogleich in einen Prozeß +wieder einzutreten; denn sie sind nur diese Beziehung. Sie können +nicht wie ein Zahn oder eine Klaue für sich bleiben, und so +aufgezeigt werden. Daß dies ihr Wesen ist, unmittelbar in ein +neutrales Produkt überzugehen, macht ihr _Sein_ zu einem an sich +aufgehobenen, oder zu einem allgemeinen, und Säure und Base haben +Wahrheit nur als _Allgemeine_. Wie also Glas und Harz ebensowohl +positiv als negativ elektrisch sein kann, so ist Säure und Base nicht +als Eigenschaft an diese oder jene _Wirklichkeit_ gebunden, sondern +jedes Ding ist nur _relativ_ sauer oder basisch; was dezidierte Base +oder Säure zu sein scheint, erhält in den sogenannten Synsomatien die +entgegengesetzte Bedeutung zu einem andern.--Das Resultat der +Versuche hebt auf diese Weise die Momente oder Begeistungen als +Eigenschaften der bestimmten Dinge auf, und befreit die Prädikate von +ihren Subjekten. Diese Prädikate werden, wie sie in Wahrheit sind, +nur als allgemeine gefunden; um dieser Selbstständigkeit willen +erhalten sie daher den Namen von _Materien_, welche weder Körper noch +Eigenschaften sind, und man hütet sich wohl, Sauerstoff u.s.f. +positive und negative Elektrizität, Wärme u.s.w. Körper zu nennen. + +Die _Materie_ ist hingegen nicht ein _seiendes Ding_, sondern das +Sein als _allgemeines_, oder in der Weise des Begriffs. Die Vernunft, +welche noch Instinkt, macht diesen richtigen Unterschied ohne das +Bewußtsein, daß sie, indem sie das Gesetz an allem sinnlichen Sein +versucht, eben darin sein nur sinnliches Sein aufhebt, und, indem sie +seine Momente als _Materien_ auffaßt, ihre Wesenheit ihm zum +Allgemeinen geworden, und in diesem Ausdrucke als ein unsinnliches +Sinnliches, als ein körperloses und doch gegenständliches Sein +ausgesprochen ist. + +Es ist nun zu sehen, welche Wendung für ihn sein Resultat nimmt, und +welche neue Gestalt seines Beobachtens damit auftritt. Als die +Wahrheit dieses versuchenden Bewußtseins sehen wir das reine Gesetz, +welches sich vom sinnlichen Sein befreit, wir sehen es als _Begriff_, +der im sinnlichen Sein vorhanden, aber in ihm selbstständig und +ungebunden sich bewegt, in es versenkt frei davon und _einfacher_ +Begriff ist. Dies, was in Wahrheit das _Resultat_ und _Wesen_ ist, +tritt für dies Bewußtsein nun selbst, aber als _Gegenstand_ auf, und +zwar indem er eben für es nicht _Resultat_ und ohne die Beziehung auf +die vorhergehende Bewegung ist, als eine _besondere Art_ von +Gegenstand, und sein Verhältnis zu diesem als ein anderes Beobachten. + +Solcher Gegenstand, welcher den Prozeß in der _Einfachheit_ des +Begriffes an ihm hat, ist das _Organische_. Es ist diese absolute +Flüssigkeit, worin die Bestimmtheit, durch welche es nur _für +Anderes_ wäre, aufgelöst ist. Wenn das unorganische Ding die +Bestimmtheit zu seinem Wesen hat, und deswegen nur mit einem andern +Dinge zusammen die Vollständigkeit der Momente des Begriffs ausmacht, +und daher in die Bewegung tretend verloren geht; so sind dagegen an +dem organischen Wesen alle Bestimmtheiten, durch welche es für +Anderes offen ist, unter die organische einfache Einheit gebunden; es +tritt keine als wesentlich auf, welche sich frei auf Anderes bezöge; +und das Organische erhält sich daher in seiner Beziehung selbst. + +Die _Seiten des Gesetzes_, auf dessen Beobachtung hier der +Vernunftinstinkt geht, sind, wie aus dieser Bestimmung folgt, +zunächst die _organische_ Natur und die _unorganische in_ ihrer +Beziehung aufeinander. Diese letztere ist für die organische eben +die ihrem _einfachen Begriffe_ entgegengesetzte Freiheit der +_losgebundenen_ Bestimmtheiten, in welchen die individuelle Natur +_zugleich aufgelöst_, und aus deren Kontinuität sie _zugleich_ sich +absondert und _für sich_ ist. Luft, Wasser, Erde, Zonen und Klima +sind solche allgemeine Elemente, die das unbestimmte einfache Wesen +der Individualitäten ausmachen, und worin diese zugleich in sich +reflektiert sind. Weder die Individualität ist schlechthin an und +für sich noch das Elementarische, sondern in der selbstständigen +Freiheit, in welcher sie für die Beobachtung gegeneinander auftreten, +verhalten sie sich zugleich als _wesentliche Beziehungen_, aber so, +daß die Selbstständigkeit und Gleichgültigkeit beider gegeneinander +das Herrschende ist, und nur zum Teil in die Abstraktion übergeht. +Hier ist also das Gesetz, als die Beziehung eines Elements auf die +Bildung des Organischen vorhanden, welches das elementarische Sein +einmal gegen sich über hat, und das andremal es an seiner organischen +Reflexion darstellt. Allein solche _Gesetze_, daß die Tiere, welche +der Luft angehören, von der Beschaffenheit der Vögel, welche dem +Wasser, von der Beschaffenheit der Fische sind, nordische Tiere ein +dickbehaartes Fell haben und so fort, zeigen sogleich eine Armut, +welche der organischen Mannigfaltigkeit nicht entspricht. Außerdem +daß die organische Freiheit diesen Bestimmungen ihre Formen wieder zu +entziehen weiß, und notwendig allenthalben Ausnahmen solcher Gesetze +oder Regeln, wie man sie nennen wollte, darbietet, so bleibt dies an +denjenigen selbst, welche unter sie fallen, eine so oberflächliche +Bestimmung, daß auch der Ausdruck ihrer Notwendigkeit nicht anders +sein kann, und es nicht über den _großen Einfluß_ hinausbringt; wobei +man nicht weiß, was diesem Einflusse eigentlich angehört, und was +nicht. Dergleichen Beziehungen des organischen auf das +elementarische sind daher in der Tat nicht _Gesetze_ zu nennen, denn +teils erschöpft, wie erinnert, eine solche Beziehung, ihrem Inhalte +nach, gar nicht den Umfang des Organischen, teils bleiben aber auch +die Momente der Beziehung selbst gleichgültig gegeneinander, und +drücken keine Notwendigkeit aus. Im Begriffe der Säure liegt der +_Begriff_ der Base, wie im Begriffe der positiven die negative +Elektrizität; aber so sehr auch das dickbehaarte Fell mit dem Norden, +oder der Bau der Fische mit dem Wasser, der Bau der Vögel mit der +Luft zusammen _angetroffen_ werden mag, so liegt im Begriffe des +Nordens nicht der Begriff dicker Behaarung, des Meeres nicht der des +Baues der Fische, der Luft nicht der des Baus der Vögel. Um dieser +Freiheit beider Seiten gegeneinander willen _gibt_ es auch Landtiere, +welche die wesentlichen Charaktere eines Vogels, des Fisches haben u. +s.f. Die Notwendigkeit, weil sie als keine innere des Wesens +begriffen werden kann, hört auch auf, sinnliches Dasein zu haben, und +kann nicht mehr an der Wirklichkeit beobachtet werden, sondern ist +aus ihr _herausgetreten._ So an dem realen Wesen selbst sich nicht +findend, ist sie das, was teleologische Beziehung genannt wird, eine +Beziehung, die den bezogenen _äußerlich_, und daher vielmehr das +Gegenteil eines Gesetzes ist. Sie ist der von der notwendigen Natur +ganz befreite Gedanke, welcher sie verläßt, und über ihr sich für +sich bewegt. + +Wenn die vorhin berührte Beziehung des Organischen auf die +elementarische Natur das Wesen desselben nicht ausdrückt, so ist es +dagegen in dem _Zweckbegriffe_ enthalten. Diesem beobachtenden +Bewußtsein zwar ist er nicht das eigne _Wesen_ des Organischen, +sondern fällt ihm außer demselben, und ist dann nur jene äußerliche, +_teleologische_ Beziehung. Allein wie vorhin das Organische bestimmt +worden, ist es in der Tat der reale Zweck selbst; denn indem es +_sich_ in der Beziehung auf Anderes _selbst erhält_, ist es eben +dasjenige natürliche Wesen, in welchem die Natur sich in den Begriff +reflektiert, und die an der Notwendigkeit auseinandergelegten Momente +einer Ursache und einer Wirkung, eines Tätigen und eines Leidenden, +in eins zusammengenommen; so daß hier etwas nicht nur als _Resultat_ +der Notwendigkeit auftritt; sondern, weil es in sich zurückgegangen +ist, ist das Letzte oder das Resultat ebensowohl das _Erste_, welches +die Bewegung anfängt, und sich der _Zweck_, den es verwirklicht. Das +Organische bringt nicht etwas hervor, sondern _erhält sich nur_, oder +das, was hervorgebracht wird, ist ebenso schon vorhanden, als es +hervorgebracht wird. + +Diese Bestimmung ist, wie sie an sich und wie sie für den +Vernunftinstinkt ist, näher zu erörtern, um zu sehen, wie er sich +darin findet, sich aber in seinem Funde nicht erkennt. Der +Zweckbegriff also, zu dem die beobachtende Vernunft sich erhebt, wie +es ihr _bewußter Begriff_ ist, ist ebensosehr als ein _Wirkliches_ +vorhanden; und ist nicht nur eine _äußere Beziehung_ desselben, +sondern sein _Wesen_. Dieses Wirkliche, welches selbst ein Zweck ist, +bezieht sich zweckmäßig auf Anderes, heißt, seine Beziehung ist eine +zufällige, _nach dem, was beide unmittelbar sind_; unmittelbar sind +beide selbstständig, und gleichgültig gegeneinander. Das Wesen ihrer +Beziehung aber ist ein anderes, als sie so zu sein scheinen, und ihr +Tun hat einen andern Sinn, als es _unmittelbar_ für das sinnliche +Wahrnehmen ist; die Notwendigkeit ist an dem, was geschieht, +verborgen, und zeigt sich erst _am Ende_, aber so, daß eben dies Ende +zeigt, daß sie auch das Erste gewesen ist. Das Ende aber zeigt diese +Priorität seiner selbst dadurch, daß durch die Veränderung, welche +das Tun vorgenommen hat, nichts anders herauskommt, als was schon war. +Oder wenn wir vom Ersten anfangen, so geht dieses an seinem Ende +oder in dem Resultate seines Tuns nur zu sich selbst zurück; und eben +hiedurch erweist es sich, ein solches zu sein, welches _sich selbst_ +zu seinem Ende hat, also als Erstes schon zu sich zurückgekommen, +oder _an und für sich selbst_ ist. Was es also durch die Bewegung +seines Tuns erreicht, ist _es selbst_; und daß es nur sich selbst +erreicht, ist sein _Selbstgefühl_. Es ist hiemit zwar der +Unterschied dessen, _was es ist_, und _was es sucht_, vorhanden, aber +dies ist nur der _Schein eines Unterschieds_, und hiedurch ist es +Begriff an ihm selbst. + +Ebenso ist aber das _Selbstbewußtsein_ beschaffen, sich auf eine +solche Weise von sich zu unterscheiden, worin zugleich kein +Unterschied herauskommt. Es findet daher in der Beobachtung der +organischen Natur nichts anders als dies Wesen, es findet sich als +ein Ding, _als ein Leben_, macht aber noch einen Unterschied zwischen +dem, was es selbst ist, und was es gefunden, der aber keiner ist. +Wie der Instinkt des Tieres das Futter sucht und verzehrt, aber damit +nichts anders herausbringt als sich, so findet auch der Instinkt der +Vernunft in seinem Suchen nur sie selbst. Das Tier endigt mit dem +Selbstgefühle. Der Vernunftinstinkt hingegen ist zugleich +Selbstbewußtsein; aber weil er nur Instinkt ist, ist er gegen das +Bewußtsein auf die Seite gestellt, und hat an ihm seinen Gegensatz. +Seine Befriedigung ist daher durch diesen entzweit, er findet wohl +sich selbst, nämlich den _Zweck_, und ebenso diesen Zweck als _Ding_. +Aber der Zweck fällt ihm erstlich _außer dem Dinge_, welches sich +als Zweck darstellt. Dieser Zweck als Zweck ist zweitens zugleich +_gegenständlich_, er fällt ihm daher auch nicht in sich als +Bewußtsein, sondern in einen andern Verstand. + +Näher betrachtet, so liegt diese Bestimmung ebensowohl in dem +Begriffe des Dinges, daß es _Zweck an ihm selbst_ ist. Es nämlich +erhält _sich_; d.h. zugleich, es ist seine Natur, die Notwendigkeit +zu verbergen und in der Form _zufälliger_ Beziehung darzustellen; +denn seine Freiheit oder _Für-sich-sein_ ist eben dieses, sich gegen +sein Notwendiges als ein Gleichgültiges zu verhalten; es stellt sich +also selbst als ein solches dar, dessen Begriff außer seinem Sein +falle. Ebenso hat die Vernunft die Notwendigkeit, ihren eigenen +Begriff als außer ihr fallend, hiemit als _Ding_ anzuschauen, als ein +solches, gegen das sie, und das hiemit gegenseitig gegen sie und +gegen seinen Begriff _gleichgültig_ ist. Als Instinkt bleibt sie +auch innerhalb dieses _Seins_ oder der _Gleichgültigkeit_ stehen, und +das Ding, welches den Begriff ausdrückt, bleibt ihm ein anderes als +dieser Begriff, der Begriff ein anderes als das Ding. So ist das +organische Ding für sie nur so _Zweck_ an ihm selbst, daß die +Notwendigkeit, welche in seinem Tun als verborgen sich darstellt, +indem das Tuende darin als ein gleichgültiges Fürsichseiendes sich +verhält, außer dem Organischen selbst fällt.--Da aber das Organische +als Zweck an ihm selbst sich nicht anders verhalten kann denn als ein +solches, so ist auch dies erscheinend und sinnlich gegenwärtig, daß +es Zweck an ihm selbst ist, und es wird so beobachtet. Das +Organische zeigt sich als ein sich selbst _erhaltendes_ und in sich +_zurückkehrendes_ und _zurückgekehrtes_. Aber in diesem Sein erkennt +dies beobachtende Bewußtsein den Zweckbegriff nicht, oder dies nicht, +daß der Zweckbegriff nicht sonst irgendwo in einem Verstande, sondern +eben hier existiert, und als ein Ding ist. Es macht einen +Unterschied zwischen dem Zweckbegriffe, und zwischen dem +Für-sich-sein und Sich-selbst-erhalten, welcher keiner ist. Daß er +keiner ist, ist nicht für es, sondern ein Tun, das zufällig und +gleichgültig gegen das, was durch dasselbe zustande kommt, erscheint, +und die Einheit, welche doch beides zusammenknüpft--jenes Tun und +dieser Zweck fällt ihm auseinander. + +Was in dieser Ansicht dem Organischen selbst zukommt, ist das +zwischen seinem Ersten und Letzten mitten inne liegende Tun, insofern +es den Charakter der Einzelnheit an ihm hat. Das Tun aber, insofern +es den Charakter der Allgemeinheit hat, und das Tuende demjenigen, +was dadurch hervorgebracht wird, gleichgesetzt, das zweckmäßige Tun +als solches, käme nicht ihm zu. Jenes einzelne Tun, das nur Mittel +ist, tritt durch seine Einzelnheit unter die Bestimmung einer +durchaus einzelnen oder zufälligen Notwendigkeit. Was das Organische +zur Erhaltung seiner selbst als Individuums, oder seiner als Gattung +tut, ist daher diesem unmittelbaren Inhalte nach ganz gesetzlos, denn +das Allgemeine und der Begriff fällt außer ihm. Sein Tun wäre sonach +die leere Wirksamkeit ohne Inhalt an ihr selbst; sie wäre nicht +einmal die Wirksamkeit einer Maschine, denn diese hat einen Zweck, +und ihre Wirksamkeit hiedurch einen bestimmten Inhalt. So verlassen +von dem Allgemeinen würde sie Tätigkeit nur eines Seienden als +_Seienden_, d.h. eine nicht zugleich in sich reflektierte sein, wie +die einer Säure oder Base ist; eine Wirksamkeit, die von ihrem +unmittelbaren Dasein sich nicht abtrennen, noch dieses, das in der +Beziehung auf sein Entgegengesetztes verloren geht, aufgeben, sich +aber erhalten könnte. Das Sein aber, dessen Wirksamkeit die hier +betrachtete ist, ist gesetzt als ein in seiner Beziehung auf sein +Entgegengesetztes _sich erhaltendes_ Ding; _die Tätigkeit_ als solche +ist nichts als die reine wesenlose Form seines Für-sich-seins, und +ihre Substanz, die nicht bloß bestimmtes Sein, sondern das Allgemeine +ist, ihr _Zweck_ fällt nicht außer ihr; sie ist an ihr selbst in sich +zurückgehende, nicht durch irgendein Fremdes in sich zurückgelenkte +Tätigkeit. + +Diese Einheit der Allgemeinheit und der Tätigkeit ist aber darum +nicht für dies _beobachtende_ Bewußtsein, weil jene Einheit +wesentlich die innre Bewegung des Organischen ist, und nur als +Begriff aufgefaßt werden kann; das Beobachten aber sucht die Momente +in der Form des _Seins_ und _Bleibens_; und weil das organische Ganze +wesentlich dies ist, so die Momente nicht an ihm zu haben und nicht +an ihm finden zu lassen, verwandelt das Bewußtsein in seiner Ansicht +den Gegensatz in einen solchen, als er ihr gemäß ist. + +Es entsteht ihm auf diese Weise das organische Wesen als eine +Beziehung zweier _seiender_ und _fester_ Momente--eines Gegensatzes, +dessen beide Seiten ihm also einesteils in der Beobachtung gegeben zu +sein scheinen, andernteils ihrem Inhalte nach den Gegensatz des +organischen _Zweckbegriffs_ und der _Wirklichkeit_ ausdrücken; weil +aber der Begriff als solcher daran getilgt ist, auf eine dunkle und +oberflächliche Weise, worin der Gedanke in das Vorstellen +herabgesunken ist. So sehen wir den ersten ungefähr unter dem +_Innern_, die andere unter dem _Äußern_ gemeint, und ihre Beziehung +erzeugt das Gesetz, _daß das Äußere der Ausdruck des Innern ist_. + +Dies Innere mit seinem Entgegengesetzten und ihre Beziehung +aufeinander näher betrachtet, ergibt sich, daß vors erste die beiden +Seiten des Gesetzes nicht mehr wie bei frühern Gesetzen lauten, worin +sie als selbstständige _Dinge_ jede als ein besonderer Körper +erschienen, noch auch fürs andere so, daß das Allgemeine irgend sonst +_außer dem Seienden_ seine Existenz haben sollte. Sondern das +organische Wesen ist ungetrennt überhaupt zu Grunde gelegt, als +Inhalt des Innern und Äußern, und für beide dasselbe; der Gegensatz +ist dadurch nur noch ein rein formeller, dessen reale Seiten dasselbe +_An-sich_ zu ihrem Wesen, zugleich aber, indem Inneres und Äußeres +auch entgegengesetzte Realität und ein für das Beobachten +verschiedenes _Sein_ sind, scheinen sie ihm jedes einen +eigentümlichen Inhalt zu haben. Dieser eigentümliche Inhalt, da er +dieselbe Substanz oder organische Einheit ist, kann aber in der Tat +nur eine verschiedene Form derselben sein; und dies wird von dem +beobachtenden Bewußtsein darin angedeutet, daß das Äußere nur +_Ausdruck_ des Innern ist.--Dieselben Bestimmungen des Verhältnisses, +nämlich die gleichgültige Selbstständigkeit der verschiedenen, und in +ihr ihre Einheit, worin sie verschwinden, haben wir an dem +Zweckbegriffe gesehen. + +Es ist nun zu sehen, welche _Gestalt_ das Innere und Äußere in seinem +Sein hat. Das Innere als solches muß ebensosehr ein äußeres Sein und +eine Gestalt haben, wie das Äußere als solches, denn es ist +Gegenstand oder selbst als seiendes und für die Beobachtung vorhanden +gesetzt. + +Die organische Substanz als _innere_ ist sie die _einfache Seele_, +der reine _Zweckbegriff_ oder das _Allgemeine_, welches in seiner +Teilung ebenso allgemeine Flüssigkeit bleibt, und daher in seinem +_Sein_ als das _Tun_ oder die _Bewegung_ der _verschwindenden_ +Wirklichkeit erscheint; da hingegen das _Äußere_ entgegengesetzt +jenem seienden Innern in dem _ruhenden Sein_ des Organischen besteht. +Das Gesetz als die Beziehung jenes Innere auf dies Äußere drückt +hiemit seinen Inhalt, einmal in der Darstellung allgemeiner _Momente_ +oder _einfacher Wesenheiten_, und das anderemal in der Darstellung +der verwirklichten Wesenheit oder der _Gestalt_ aus. Jene ersten +einfachen organischen _Eigenschaften_, um sie so zu nennen, sind +_Sensibilität, Irritabilität_ und _Reproduktion_. Diese +Eigenschaften, wenigstens die beiden ersten, scheinen sich zwar nicht +auf den Organismus überhaupt, sondern nur auf den animalischen zu +beziehen. Der vegetabilische drückt auch in der Tat nur den +einfachen Begriff des Organismus aus, der seine Momente _nicht +entwickelt_; daher wir uns in Ansehung ihrer, insofern sie für die +Beobachtung sein sollen, an denjenigen halten müssen, der ihr +entwickeltes Dasein darstellt. + +Was nun sie selbst betrifft, so ergeben sie sich unmittelbar aus dem +Begriffe des Selbstzwecks. Denn die _Sensibilität_ drückt überhaupt +den einfachen Begriff der organischen Reflexion in sich, oder die +allgemeine Flüssigkeit desselben aus; die _Irritabilität_ aber die +organische Elastizität, sich in der Reflexion zugleich _reagierend_ +zu verhalten, und die dem ersten ruhigen _In-sich-sein_ +entgegengesetzte Verwirklichung, worin jenes abstrakte Für-sich-sein +ein _Sein für Anderes_ ist. Die _Reproduktion_ aber ist die Aktion +dieses _ganzen_ in sich reflektierten Organismus, seine Tätigkeit als +Zwecks an sich oder als _Gattung_, worin also das Individuum sich von +sich selbst abstößt, entweder seine organischen Teile, oder das ganze +Individuum erzeugend wiederholt. In der Bedeutung der +_Selbsterhaltung überhaupt_ genommen drückt die Reproduktion den +formalen Begriff des Organischen oder die Sensibilität aus; aber sie +ist eigentlich der reale organische Begriff, oder das _Ganze_, das +als Individuum entweder durch die Hervorbringung der einzelnen Teile +seiner selbst oder als Gattung durch die Hervorbringung von +Individuen in sich zurückkehrt. + +Die _andere Bedeutung_ dieser organischen Elemente, nämlich als des +_Äußeren_, ist ihre _gestaltete_ Weise, nach welcher sie als +_wirkliche_, aber zugleich auch als _allgemeine_ Teile oder +organische _Systeme_ vorhanden sind; die Sensibilität etwa als +Nervensystem, die Irritabilität als Muskelsystem, die Reproduktion +als Eingeweide der Erhaltung des Individuums und der Gattung. + +Eigentümliche Gesetze des Organischen betreffen demnach ein +Verhältnis der organischen Momente in ihrer gedoppelten Bedeutung, +einmal ein _Teil_ der organischen _Gestaltung_, das andremal +_allgemeine flüssige_ Bestimmtheit zu sein, welche durch alle jene +Systeme hindurchgeht. In dem Ausdrucke eines solchen Gesetzes hätte +also zum Beispiel eine bestimmte _Sensibilität_ als Moment des +_ganzen_ Organismus ihren Ausdruck an einem bestimmt gebildeten +Nervensystem, oder sie wäre auch mit einer bestimmten _Reproduktion_ +der organischen Teile des Individuums oder Fortpflanzung des ganzen +verknüpft, und so fort.--Die beiden Seiten eines solchen Gesetzes +können _beobachtet_ werden. Das _Äußere_ ist seinem Begriffe nach +das _Sein für Anderes_; die Sensibilität hat z.B. in dem sensibeln +_Systeme_ ihre unmittelbar verwirklichte Weise; und als _allgemeine +Eigenschaft_ ist sie in ihren _Äußerungen_ ebenso ein +gegenständliches. Die Seite, welche das _Innere_ heißt, hat ihre +_eigene äußere_ Seite, die unterschieden ist von dem, was im Ganzen +das _Äußere_ heißt. + +Die beiden Seiten eines organischen Gesetzes wären also zwar wohl zu +beobachten, allein nicht Gesetze der Beziehung derselben; und die +Beobachtung reicht nicht darum nicht zu, weil sie, _als Beobachtung_, +zu kurzsichtig wäre, und nicht empirisch verfahren, sondern von der +Idee ausgegangen werden sollte; denn solche Gesetze, wenn sie etwas +Reelles wären, müßten in der Tat wirklich vorhanden, und also zu +beobachten sein; sondern weil der Gedanke von Gesetzen dieser Art +keine Wahrheit zu haben sich erweist. + +Es ergab sich für ein Gesetz das Verhältnis, daß die allgemeine +organische _Eigenschaft_ an einem organischen _Systeme_ sich zum +Dinge gemacht und an ihm seinen gestalteten Abdruck hätte, so daß +beide dasselbe Wesen wären, das einmal als allgemeines Moment, das +andremal als Ding vorhanden. Aber außerdem ist auch die Seite des +Innern für sich ein Verhältnis mehrerer Seiten, und es bietet sich +daher zuerst der Gedanke eines Gesetzes an, als eine Beziehung der +allgemeinen organischen Tätigkeiten oder Eigenschaften aufeinander. +Ob ein solches möglich ist, muß sich aus der Natur einer solchen +Eigenschaft entscheiden. Sie ist aber, als eine allgemeine +Flüssigkeit, teils nicht etwas, das nach der Weise eines Dinges +beschränkt und in dem Unterschiede eines Daseins sich hält, das seine +Gestalt ausmachen sollte, sondern die Sensibilität geht über das +Nervensystem hinaus, und durch alle andere Systeme des Organismus +hindurch--teils ist sie allgemeines _Moment_, das wesentlich +ungeschieden und unzertrennlich von Reaktion oder Irritabilität und +Reproduktion ist. Denn als Reflexion in sich hat sie schlechthin die +Reaktion an ihr. Nur In-sich-reflektiert-sein ist Passivität, oder +totes Sein, nicht eine Sensibilität, sowenig als Aktion, was dasselbe +ist als Reaktion, ohne In-sich-reflektiert-sein Irritabilität ist. +Die Reflexion in der Aktion oder Reaktion, und die Aktion oder +Reaktion in der Reflexion ist gerade dies, dessen Einheit das +Organische ausmacht, eine Einheit, welche mit der organischen +Reproduktion gleichbedeutend ist. Es folgt hieraus, daß in jeder +Weise der Wirklichkeit dieselbe _Größe_ der Sensibilität--indem wir +zuerst das Verhältnis derselben und der Irritabilität zueinander +betrachten--vorhanden sein muß als der Irritabilität, und daß eine +organische Erscheinung ebensosehr nach der einen als nach der andern +aufgefaßt und bestimmt, oder wie man will, erklärt werden kann. +Dasselbe, was der eine etwa für hohe Sensibilität nimmt, kann ein +anderer ebensogut für hohe Irritabilität, und Irritabilität von +_derselben Höhe_ betrachten. Wenn sie _Faktoren_ genannt werden, und +dies nicht ein bedeutungsloses Wort sein soll, so ist eben damit +ausgesprochen, daß sie _Momente_ des Begriffs sind, also der reale +Gegenstand, dessen Wesen dieser Begriff ausmacht, sie auf gleiche +Weise an ihm hat, und wenn er auf die eine bestimmt wird, als sehr +sensibel, er ebenso auf die andere, als ebensosehr irritabel +auszusagen ist. + +Werden sie unterschieden, wie notwendig ist, so sind sie es dem +Begriffe nach, und ihr Gegensatz ist _qualitativ_. Aber außer diesem +wahren Unterschiede auch noch als seiend, und für die Vorstellung, +wie sie Seiten des Gesetzes sein könnten, verschieden gesetzt, so +erscheinen sie in _quantitativer_ Verschiedenheit. Ihr +eigentümlicher qualitativer Gegensatz tritt somit in die _Größe_, und +es entstehen Gesetze der Art, daß zum Beispiel Sensibilität und +Irritabilität in umgekehrtem Verhältnisse ihrer Größe stehen, so daß +wie die eine wächst, die andere abnimmt; oder besser gleich die Größe +selbst zum Inhalte genommen, daß die Größe von etwas zunimmt, wie +seine Kleinheit abnimmt.--Wird diesem Gesetze aber ein bestimmter +Inhalt gegeben, etwa so, daß die Größe eines Loches _zunimmt,_ je +mehr das _abnimmt_, was seine Erfüllung ausmacht, so kann dies +umgekehrte Verhältnis ebenso in ein gerades verwandelt und +ausgedrückt werden, daß die Größe des Loches in geradem Verhältnisse +der Menge des weggenommenen _zunimmt_;--ein _tautologischer_ Satz, er +mag als direktes oder umgekehrtes Verhältnis ausgedrückt werden, der +in seinem eigentümlichen Ausdrucke nur dieses heißt, daß eine Größe +zunimmt, wie diese Größe zunimmt. Wie das Loch und das, was es +erfüllt und weggenommen wird, qualitativ entgegengesetzt, aber wie +das Reale derselben und dessen bestimmte Größe in beiden ein und +dasselbe, und ebenso Zunahme der Größe und Abnahme der Kleinheit +dasselbe ist, und ihre bedeutungsleere Entgegensetzung in eine +Tautologie hinausläuft, so sind die organischen Momente gleich +unzertrennlich in ihrem Realen und in ihrer Größe, die die Größe +desselben ist; eines nimmt nur mit dem andern ab und nimmt nur mit +ihm zu, denn eines hat schlechthin nur Bedeutung, insoweit das andere +vorhanden ist--oder vielmehr es ist gleichgültig, eine organische +Erscheinung als Irritabilität oder als Sensibilität zu betrachten, +schon überhaupt, und ebenso wenn von ihrer Größe gesprochen wird. So +gleichgültig es ist, die Zunahme eines Lochs als Vermehrung seiner +als der Leerheit oder als Vermehrung der herausgenommenen Fülle +auszusprechen. Oder eine Zahl, z. B. _drei_, bleibt gleich groß, +ich mag sie positiv oder negativ nehmen; und wenn ich die drei zu +vier vergrößere, so ist das Positive wie das Negative zu vier +geworden--wie der Südpol an einem Magnete gerade so stark ist als +sein Nordpol, oder eine positive Elektrizität oder eine Säure gerade +so stark als ihre negative oder als die Base, worauf sie einwirkt. +--Ein solches Großes als jene drei, oder ein Magnet u.s.f. ist ein +organisches _Dasein_; es ist dasjenige, das vermehrt und vermindert +wird, und wenn es vermehrt wird, werden _beide_ Faktoren desselben +vermehrt, so sehr als _beide_ Pole des Magnets, oder als die beiden +Elektrizitäten, wenn ein Magnet u.s.f. verstärkt wird, zunehmen.--Daß +beide ebensowenig nach _Intension_ und _Extension_ verschieden sein, +das eine nicht an Extension ab-, dagegen an Intension zunehmen kann, +während das andere umgekehrt seine Intension vermindern, dagegen an +Extension zunehmen sollte, fällt unter denselben Begriff leerer +Entgegensetzung; die reale Intension ist ebenso schlechthin so groß +als die Extension, und umgekehrt. + +Es geht, wie erhellt, bei diesem Gesetzgeben eigentlich so zu, daß +zuerst Irritabilität und Sensibilität den bestimmten organischen +Gegensatz ausmacht; dieser Inhalt verliert sich aber, und der +Gegensatz verläuft sich in den Formalen des Zu- und Abnehmens der +Größe, oder der verschiedenen Intension und Extension--ein Gegensatz, +der die Natur der Sensibilität und der Irritabilität weiter nichts +mehr angeht, und sie nicht mehr ausdrückt. Daher solches leeres +Spiel des Gesetzgebens nicht an die organischen Momente gebunden ist, +sondern es kann allenthalben mit allem getrieben werden, und beruht +überhaupt auf der Unbekanntschaft mit der logischen Natur dieser +Gegensätze. + +Wird endlich statt der Sensibilität und Irritabilität die +Reproduktion mit der einen oder der andern in Beziehung gebracht, so +fällt auch die Veranlassung zu diesem Gesetzgeben hinweg; denn +Reproduktion steht mit jenen Momenten nicht in einem Gegensatze, wie +sie gegeneinander; und da auf ihm dies Gesetzgeben beruht, so fällt +hier auch der Schein seines Stattfindens hinweg. + +Das soeben betrachtete Gesetzgeben enthält die Unterschiede des +Organismus in ihrer Bedeutung von Momenten seines _Begriffs,_ und +sollte eigentlich ein apriorisches Gesetzgeben sein. Es liegt aber +in ihm selbst wesentlich dieser Gedanke, daß sie die Bedeutung von +_Vorhandenen_ haben, und das bloß beobachtende Bewußtsein hat sich +ohnehin nur an ihr Dasein zu halten. Die organische Wirklichkeit hat +notwendig einen solchen Gegensatz an ihr, als ihr Begriff ausdrückt, +und der als Irritabilität und Sensibilität bestimmt werden kann, +sowie sie beide wieder von der Reproduktion verschieden erscheinen. +--Die _Äußerlichkeit_, in der die Momente des organischen Begriffs +hier betrachtet werden, ist die _eigne unmittelbare_ Äußerlichkeit +des Innern, nicht das _Äußere_, welches Äußeres im Ganzen und +_Gestalt_ ist, und mit welchem das Innre nachher in Beziehung zu +betrachten ist. + +Aber den Gegensatz der Momente so aufgefaßt, wie er an dem Dasein ist, +so sinken Sensibilität, Irritabilität, Reproduktion zu gemeinen +_Eigenschaften_ herunter, die gegeneinander ebenso gleichgültige +Allgemeinheiten sind als spezifische Schwere, Farbe, Härte, und so +fort. In diesem Sinne kann wohl beobachtet werden, daß ein +Organisches sensibler, oder irritabler, oder von größerer +Reproduktionskraft sei als ein anderes--so wie daß die Sensibilität u. +s.f. des einen der _Art_ nach von der eines andern verschieden sei, +eins sich gegen bestimmte Reize anders verhalte als ein anderes, wie +das Pferd anders gegen Hafer als gegen Heu, und der Hund wieder +anders gegen beide, u.s.f., sosehr als beobachtet werden kann, daß +ein Körper härter ist als ein anderer, und so fort.--Allein diese +sinnlichen Eigenschaften, Härte, Farbe, und so fort, so wie die +Erscheinungen der Reizempfänglichkeit für Hafer, der Irritabilität +für Lasten, oder der Anzahl und Art, Junge zu gebären, aufeinander +bezogen und miteinander verglichen, widerstreiten wesentlich einer +Gesetzmäßigkeit. Denn die Bestimmtheit ihres _sinnlichen Seins_ +besteht eben darin, vollkommen gleichgültig gegeneinander zu +existieren, und die des Begriffs entbundne Freiheit der Natur +vielmehr darzustellen als die Einheit einer Beziehung, vielmehr ihr +unvernünftiges Hin- und Herspielen auf der Leiter der zufälligen +Größe zwischen den Momenten des Begriffs als diese selbst. + +Die _andere_ Seite, nach welcher die einfachen Momente des +organischen Begriffs mit den Momenten der _Gestaltung_ verglichen +werden, würde erst das eigentliche Gesetz geben, welches das wahre +_Äußere_ als Abdruck des _Innern_ ausspräche.--Weil nun jene +einfachen Momente durchdringende flüssige Eigenschaften sind, so +haben sie an dem organischen Dinge nicht einen solchen +ausgeschiedenen realen Ausdruck, wie das ist, was ein einzelnes +System der Gestalt genannt wird. Oder wenn die abstrakte Idee des +Organismus in jenen drei Momenten nur darum wahrhaft ausgedrückt ist, +weil sie nichts Stehendes, sondern nur Momente des Begriffs und der +Bewegung sind, so ist er dagegen als Gestaltung nicht in solchen drei +bestimmten Systemen befaßt, wie die Anatomie sie auseinanderlegt. +Insofern solche Systeme in ihrer Wirklichkeit gefunden, und durch +dies Finden legitimiert werden sollen, muß auch erinnert werden, daß +die Anatomie nicht nur drei dergleichen Systeme, sondern viel mehrere +aufweist.--Alsdenn muß abgesehen hievon überhaupt das sensible +_System_ etwas ganz anderes bedeuten als das, was _Nervensystem_ +genannt wird, so das irritable _System_ etwas anderes als das +_Muskelsystem_, das reproduktive _System_ etwas anders als die +_Eingeweide_ der Reproduktion. In den Systemen der _Gestalt_ als +solcher ist der Organismus nach der abstrakten Seite der toten +Existenz aufgefaßt; seine Momente so aufgenommen gehören der Anatomie +und dem Kadaver, nicht der Erkenntnis und dem lebendigen Organismus +an. Als solche Teile haben sie vielmehr aufgehört, _zu sein_, denn +sie hören auf, Prozesse zu sein. Da das _Sein_ des Organismus +wesentlich Allgemeinheit oder Reflexion in sich selbst ist, so kann +das _Sein_ seines Ganzen wie seine Momente nicht in einem +anatomischen Systeme bestehen, sondern der wirkliche Ausdruck und +ihre Äußerlichkeit ist vielmehr nur als eine Bewegung vorhanden, die +sich durch die verschiedenen Teile der Gestaltung verlauft, und worin +das, was als einzelnes System herausgerissen und fixiert wird, sich +wesentlich als fließendes Moment darstellt, so daß nicht jene +Wirklichkeit, wie die Anatomie sie findet, als ihre Realität gelten +darf, sondern nur sie als Prozeß, in welchem auch die anatomischen +Teile allein einen Sinn haben. + +Es ergibt sich also, daß weder die Momente des organischen _Innern_ +für sich genommen Seiten eines Gesetzes des Seins abzugeben fähig +sind; indem sie in einem solchen Gesetze von einem Dasein +ausgesprochen, voneinander unterschieden, und nicht jede auf gleiche +Weise anstatt der andern sollte genannt werden können; noch daß sie, +auf die eine Seite gestellt, in der andern an einem festen Systeme +ihre Realisierung haben; denn dies letztere ist so wenig etwas, das +überhaupt organische Wahrheit hätte, als es der Ausdruck jener +Momente des Innern ist. Das Wesentliche des Organischen, da es an +sich das Allgemeine ist, ist vielmehr überhaupt, seine Momente in der +Wirklichkeit ebenso allgemein, das heißt, als durchlaufende Prozesse +zu haben, nicht aber an einem isolierten Dinge ein Bild des +Allgemeinen zu geben. + +Auf diese Weise geht an dem Organischen die _Vorstellung_ eines +_Gesetzes_ überhaupt verloren. Das Gesetz will den Gegensatz als +ruhende Seiten auffassen und ausdrücken, und an ihnen die +Bestimmtheit, welche ihre Beziehung aufeinander ist. Das _Innere_, +welchem die erscheinende Allgemeinheit, und das _Äußere_, welchem die +Teile der ruhenden Gestalt angehören, sollten die sich entsprechenden +Seiten des Gesetzes ausmachen, verlieren aber so auseinandergehalten +ihre organische Bedeutung; und der Vorstellung des Gesetzes liegt +gerade dies zum Grunde, daß seine beiden Seiten ein für sich seiendes +gleichgültiges Bestehen hätten, und an sie die Beziehung als eine +gedoppelte sich entsprechende Bestimmtheit verteilt wäre. Jede Seite +des Organischen ist vielmehr dies an ihr selbst, einfache +Allgemeinheit, in welcher alle Bestimmungen aufgelöst sind, und die +Bewegung dieses Auflösens zu sein. + +Die Einsicht in den Unterschied dieses Gesetzgebens gegen frühere +Formen wird seine Natur vollends aufhellen.--Sehen wir nämlich zurück +auf die Bewegung des Wahrnehmens und des darin sich in sich +reflektierenden und seinen Gegenstand hiedurch bestimmenden +Verstandes, so hat dieser dabei an seinem Gegenstande die _Beziehung_ +dieser abstrakten Bestimmungen, des Allgemeinen und Einzelnen, des +Wesentlichen und des Äußerlichen, nicht vor sich, sondern ist selbst +das Übergehen, dem dieses Übergehen nicht gegenständlich wird. Hier +hingegen ist die organische Einheit, d.h. eben die Beziehung jener +Gegensätze, und diese Beziehung ist reines Übergehen, selbst der +_Gegenstand_. Dies Übergehen in seiner Einfachheit ist unmittelbar +_Allgemeinheit_, und indem sie in den Unterschied tritt, dessen +Beziehung das Gesetz ausdrücken soll, so sind seine Momente _als +allgemeine_ Gegenstände dieses Bewußtseins, und das Gesetz lautet, +daß das _Äußere_ Ausdruck des _Innern_ sei. Der Verstand hat hier +_den Gedanken_ des Gesetzes selbst erfaßt, da er vorher nur überhaupt +Gesetze suchte, und die Momente derselben ihm als ein bestimmter +Inhalt, nicht als die Gedanken derselben vorschwebte.--In Ansehung +des Inhalts sollen hiemit hier nicht solche Gesetze erhalten werden, +welche nur ein ruhiges Aufnehmen rein _seiender_ Unterschiede in die +Form der Allgemeinheit sind, sondern Gesetze, die unmittelbar an +diesen Unterschieden auch die Unruhe des Begriffes, und damit +zugleich die Notwendigkeit der Beziehung der Seiten haben. Allein +weil eben der Gegenstand, die organische Einheit, das unendliche +Aufheben oder die absolute Negation des Seins mit dem ruhigen Sein +unmittelbar vereinigt, und die Momente wesentlich _reines Übergehen_ +sind, so ergeben sich keine solche _seiende_ Seiten, als für das +Gesetz erfodert werden. + +Um solche zu erhalten, muß der Verstand sich an das andre Moment des +organischen Verhältnisses halten; nämlich an das _Reflektiertsein_ +des organischen Daseins in sich selbst. Aber dieses Sein ist so +vollkommen in sich reflektiert, daß ihm keine Bestimmtheit gegen +anderes übrig bleibt. Das _unmittelbare_ sinnliche Sein ist +unmittelbar mit der Bestimmtheit als solcher eins, und drückt daher +einen qualitativen Unterschied an ihm aus; wie z. B. Blau gegen Rot, +Saures gegen Alkalisches u.s.f. Aber das in sich zurückgekommene +organische Sein ist vollkommen gleichgültig gegen anderes, sein +Dasein ist die einfache Allgemeinheit, und verweigert dem Beobachten +bleibende sinnliche Unterschiede, oder was dasselbe ist, zeigt seine +wesentliche Bestimmtheit nur als den _Wechsel seiender_ +Bestimmtheiten. Wie sich daher der Unterschied als seiender +ausdrückt, ist ebendies, daß er ein _gleichgültiger_ ist, d.h. als +_Größe_. Hierin ist aber der Begriff getilgt, und die Notwendigkeit +verschwunden.--Der Inhalt aber und Erfüllung dieses gleichgültigen +Seins, der Wechsel der sinnlichen Bestimmungen, in die Einfachheit +einer organischen Bestimmung zusammengenommen, drückt dann zugleich +dies aus, daß er eben jene--der unmittelbaren +Eigenschaft--Bestimmtheit nicht hat, und das Qualitative fällt allein +in die Größe, wie wir oben gesehen. + +Ob also schon das Gegenständliche, das als organische Bestimmtheit +aufgefaßt wird, den Begriff an ihm selbst hat, und sich hiedurch von +dem unterscheidet, das für den Verstand ist, der sich als rein +wahrnehmend bei dem Auffassen des Inhaltes seiner Gesetze verhält, so +fällt jenes Auffassen doch ganz in das Prinzip und die Manier des +bloß wahrnehmenden Verstandes darum zurück, weil das Aufgefaßte zu +Momenten eines _Gesetzes_ gebraucht wird; denn hiedurch erhält es die +Weise einer festen Bestimmtheit, die Form einer unmittelbaren +Eigenschaft oder einer ruhenden Erscheinung, wird ferner in die +Bestimmung der Größe aufgenommen, und die Natur des Begriffs ist +unterdrückt.--Die Umtauschung eines bloß Wahrgenommenen gegen ein in +sich Reflektiertes, einer bloß sinnlichen Bestimmtheit gegen eine +organische verliert also wieder ihren Wert, und zwar dadurch, daß der +Verstand das Gesetzgeben noch nicht aufgehoben hat. + +Um die Vergleichung in Ansehung dieses Umtausches an einigen +Beispielen anzustellen, so wird etwa etwas, das für die Wahrnehmung +ein Tier von starken Muskeln ist, als tierischer Organismus von hoher +Irritabilität, oder was für die Wahrnehmung ein Zustand großer +Schwäche ist, als Zustand hoher Sensibilität oder, wenn man lieber +will, als eine innormale Affektion, und zwar eine Potenzierung +derselben (Ausdrücke, welche das Sinnliche, statt in den Begriff, ins +Lateinische--und zwar noch dazu in ein schlechtes--übersetzen) +bestimmt. Daß das Tier starke Muskeln habe, kann vom Verstande auch +so ausgedrückt werden, das Tier besitze eine große _Muskelkraft_--wie +die große Schwäche als eine geringe _Kraft_. Die Bestimmung durch +Irritabilität hat vor der Bestimmung als _Kraft_ voraus, daß diese +die unbestimmte Reflexion in sich, jene aber die bestimmte ausdrückt, +denn die _eigentümliche_ Kraft des Muskels ist eben +Irritabilität--und vor der Bestimmung als _starke Muskeln_, daß wie +schon in der Kraft die Reflexion in sich zugleich darin enthalten ist. +So wie die Schwäche oder die geringe Kraft, die _organische +Passivität_ bestimmt durch _Sensibilität_ ausgedrückt wird. Aber +diese Sensibilität so für sich genommen und fixiert, und noch mit der +Bestimmung der _Größe_ verbunden, und als größere oder geringere +Sensibilität einer größern oder geringern Irritabilität +entgegengesetzt, ist jede ganz in das sinnliche Element und zur +gemeinen Form einer Eigenschaft herabgesetzt, und ihre Beziehung +nicht der Begriff, sondern im Gegenteil die Größe, in welche nun der +Gegensatz fällt, und ein gedankenloser Unterschied wird. Wenn hiebei +zwar das Unbestimmte der Ausdrücke von _Kraft_ und _Stärke_ und +_Schwäche_ entfernt wurde, so entsteht itzt das ebenso leere und +unbestimmte Herumtreiben in den Gegensätzen einer höhern und niedern +Sensibilität, Irritabilität in ihrem Aufund Absteigen an- und +gegeneinander. Nicht weniger als Stärke und Schwäche ganz sinnliche +gedankenlose Bestimmungen sind, ist die größere oder geringere +Sensibilität, Irritabilität die gedankenlos aufgefaßte und ebenso +ausgesprochene sinnliche Erscheinung. An die Stelle jener +begriffslosen Ausdrücke ist nicht der Begriff getreten, sondern +Stärke und Schwäche durch eine Bestimmung erfüllt worden, die für +sich allein genommen auf dem Begriffe beruht und ihn zum Inhalte hat, +aber diesen Ursprung und Charakter gänzlich verliert.--Durch die Form +der Einfachheit und Unmittelbarkeit also, in welcher dieser Inhalt +zur Seite eines Gesetzes gemacht wird, und durch die Größe, welche +das Element des Unterschiedes solcher Bestimmungen ausmacht, behält +das ursprünglich als Begriff seiende und gesetzte Wesen die Weise des +sinnlichen Wahrnehmens, und bleibt von dem Erkennen so entfernt, als +in der Bestimmung durch Stärke und Schwäche der Kraft, oder durch +unmittelbare sinnliche Eigenschaften. + +Es ist itzt auch noch dasjenige _für sich allein_ zu betrachten übrig, +was das _Äußere_ des Organischen ist, und wie an ihm der Gegensatz +_seines_ Innern und Äußern sich bestimmt; so wie zuerst das _Innere_ +des Ganzen in der Beziehung auf sein _eignes_ Äußeres betrachtet +wurde. + +Das _Äußere_ für sich betrachtet ist die _Gestaltung_ überhaupt, das +System des sich im _Elemente_ des _Seins_ gliedernden Lebens, und +wesentlich zugleich das Sein des organischen Wesens _für ein +Anderes--_ gegenständliches Wesen in seinem _Für-sich-sein_.--Dies +_Andere_ erscheint zunächst als seine äußere unorganische Natur. +Diese beiden in Beziehung auf ein Gesetz betrachtet, kann, wie wir +oben sahen, die unorganische Natur nicht die Seite eines Gesetzes +gegen das organische Wesen ausmachen, weil dieses zugleich +schlechthin für sich ist, und eine allgemeine und freie Beziehung auf +sie hat. + +Das Verhältnis dieser beiden Seiten aber an der organischen Gestalt +selbst näher bestimmt, so ist sie also nach einer Seite gegen die +unorganische Natur gekehrt, auf der andern aber _für sich_ und in +sich reflektiert. Das _wirkliche_ organische Wesen ist die Mitte, +welche das _Für-sich-sein_ des Lebens mit dem _Äußern_ überhaupt oder +dem _An-sich-sein_ zusammenschließt.--Das Extrem des Für-sich-seins +ist aber das Innere als unendliches Eins, welches die Momente der +Gestalt selbst aus ihrem Bestehen und dem Zusammenhange mit dem +Äußern in sich zurücknimmt, das inhaltslose, das an der Gestalt sich +seinen Inhalt gibt, und an ihr als ihr Prozeß erscheint. In diesem +Extreme als einfacher Negativität oder _reiner Einzelnheit_ hat das +Organische seine absolute Freiheit, wodurch es gegen das Sein für +anderes und gegen die Bestimmtheit der Momente der Gestalt +gleichgültig und gesichert ist. Diese Freiheit ist zugleich Freiheit +der Momente selbst, sie ist ihre Möglichkeit, als _daseiende_ zu +erscheinen und aufgefaßt zu werden, und wie gegen Äußeres sind sie +darin auch gegeneinander befreit und gleichgültig, denn die +_Einfachheit_ dieser Freiheit ist das _Sein_ oder ihre einfache +Substanz. Dieser Begriff oder reine Freiheit ist ein und dasselbe +Leben, die Gestalt oder das Sein für anderes mag in noch so +mannigfaltigem Spiele umherschweifen; es ist diesem Strome des Lebens +gleichgültig, welcher Art die Mühlen sind, die er treibt.--Vors erste +ist nun zu bemerken, daß dieser Begriff hier nicht wie vorhin bei der +Betrachtung des eigentlichen Innern in seiner Form des _Prozesses_ +oder der Entwicklung seiner Momente aufzufassen ist, sondern in +seiner _Form_ als _einfaches Innres_, welches die rein allgemeine +Seite gegen das _wirkliche_ lebendige Wesen ausmacht, oder als das +_Element_ des _Bestehens_ der seienden Glieder der Gestalt; denn +diese betrachten wir hier, und an ihr ist das Wesen des Lebens als +die Einfachheit des Bestehens. Alsdenn ist das _Sein für Anderes_ +oder die Bestimmtheit der wirklichen Gestaltung in diese einfache +Allgemeinheit aufgenommen, die ihr Wesen ist, eine ebenso einfache +allgemeine unsinnliche Bestimmtheit, und kann nur die sein, welche +als _Zahl_ ausgedrückt ist. Sie ist die Mitte der Gestalt, welche +das unbestimmte Leben mit dem wirklichen verknüpft, einfach wie jenes, +und bestimmt wie dieses. Was an jenem, dem _Innern_, als Zahl wäre, +müßte das Äußere nach seiner Weise als die vielförmige Wirklichkeit, +Lebensart, Farbe und so fort ausdrücken, überhaupt als die ganze +Menge der Unterschiede, welche in der Erscheinung sich entwickeln. + +Die beiden Seiten des organischen Ganzen--die eine das _Innere_, die +andere aber das _Äußere_, so daß jede wieder an ihr selbst ein +Inneres und Äußeres hat--nach ihrem beiderseitigen Innern verglichen, +so war das Innere der ersten der Begriff, als die Unruhe der +_Abstraktion_; die zweite aber hat zu dem ihrigen die ruhende +Allgemeinheit, und darin auch die ruhende Bestimmtheit, die Zahl. +Wenn daher jene, weil in ihr der Begriff seine Momente entwickelt, +durch den Schein von Notwendigkeit der Beziehung täuschend Gesetze +verhieß, so tut diese sogleich Verzicht darauf, indem sich die Zahl +als die Bestimmung der einen Seite ihrer Gesetze zeigt. Denn die +Zahl ist eben die gänzlich ruhende, tote und gleichgültige +Bestimmtheit, an welcher alle Bewegung und Beziehung erloschen ist, +und welche die Brücke zu dem lebendigen der Triebe, der Lebensart und +dem sonstigen sinnlichen Dasein abgebrochen hat. + +Diese Betrachtung der _Gestalt_ des Organischen als solcher und des +Innern als eines Innern bloß der Gestalt ist aber in der Tat nicht +mehr eine Betrachtung des Organischen. Denn die beiden Seiten, die +bezogen werden sollten, sind nur gleichgültig gegeneinander gesetzt, +und dadurch die Reflexion in sich, welche das Wesen des Organischen +ausmacht, aufgehoben. Sondern es wird hier vielmehr auf die +unorganische Natur die versuchte Vergleichung des Innern und Äußern +übergetragen; der unendliche Begriff ist hier nur das _Wesen_, das +inwendig verborgen, oder außen in das Selbstbewußtsein fällt, und +nicht mehr, wie am Organischen, seine gegenständliche Gegenwart hat. +Diese Beziehung des Innern und Äußern ist also noch in ihrer +eigentlichen Sphäre zu betrachten. + +Zuerst ist jenes Innere der Gestalt als die einfache Einzelnheit +eines unorganischen Dinges, die _spezifische Schwere_. Sie kann als +einfaches Sein ebensowohl wie die Bestimmtheit der Zahl, deren sie +allein fähig ist, beobachtet oder eigentlich durch Vergleichung von +Beobachtungen gefunden werden, und scheint auf diese Weise die eine +Seite des Gesetzes zu geben. Gestalt, Farbe, Härte, Zähigkeit und +eine unzählige Menge anderer Eigenschaften würden zusammen die +_äußere_ Seite ausmachen, und die Bestimmtheit des Innern, die Zahl, +auszudrücken haben, so daß das eine am andern sein Gegenbild hätte. + +Weil nun die Negativität hier nicht als Bewegung des Prozesses, +sondern als _beruhigte_ Einheit oder _einfaches Für-sich-sein_ +aufgefaßt ist, so erscheint sie vielmehr als dasjenige, wodurch das +Ding sich dem Prozesse widersetzt, und sich in sich und als +gleichgültig gegen ihn erhält. Dadurch aber, daß dies einfache +Für-sich-sein eine ruhige Gleichgültigkeit gegen Anderes ist, tritt +die spezifische Schwere als eine _Eigenschaft neben_ andere; und +damit hört alle notwendige Beziehung ihrer auf diese Vielheit, oder +alle Gesetzmäßigkeit auf.--Die spezifische Schwere als dies einfache +Innere hat nicht den Unterschied _an ihr selbst_, oder sie hat nur +den unwesentlichen; denn eben ihre _reine Einfachheit_ hebt alle +wesentliche Unterscheidung auf. Dieser unwesentliche Unterschied, +_die Größe_, müßte also an der andern Seite, welche die Vielheit der +Eigenschaften ist, sein Gegenbild oder das _Andere_ haben, indem er +dadurch überhaupt erst Unterschied ist. Wenn diese Vielheit selbst +in die Einfachheit des Gegensatzes zusammengefaßt, und etwa als +_Kohäsion_ bestimmt wird, so daß diese das _Für-sich--im Anders-sein_, +wie die spezifische Schwere das _reine Für-sich-sein_ ist, so ist +diese Kohäsion zuerst diese reine im Begriffe gesetzte Bestimmtheit +gegen jene Bestimmtheit, und die Manier des Gesetzgebens wäre die, +welche oben bei der Beziehung der Sensibilität auf die Irritabilität +betrachtet worden.--Alsdenn ist sie ferner als _Begriff_ des +Für-sich-seins im Anderssein nur die _Abstraktion_ der Seite, die der +spezifischen Schwere gegenübersteht, und hat als solche keine +Existenz. Denn das Für-sich-sein im Anderssein ist der Prozeß, worin +das unorganische sein Für-sich-sein als eine _Selbsterhaltung_ +auszudrücken hätte, welche es dagegen bewahrte, aus dem Prozesse als +Moment eines Produkts herauszutreten. Allein dies eben ist gegen +seine Natur, welche nicht den Zweck oder Allgemeinheit an ihr selbst +hat. Sein Prozeß ist vielmehr nur das bestimmte Verhalten, wie sein +Für-sich-sein, seine spezifische Schwere sich _aufhebt_. Dies +bestimmte Verhalten, worin seine Kohäsion in ihrem wahren Begriffe +bestehen würde, aber selbst und die bestimmte Größe seiner +spezifischen Schwere sind ganz gleichgültige Begriffe gegeneinander. +Wenn die Art des Verhaltens ganz außer acht gelassen und auf die +Vorstellung der Größe eingeschränkt wurde, so könnte etwa diese +Bestimmung gedacht werden, daß das größere spezifische Gewicht, als +ein höheres In-sich-sein, dem Eingehen in den Prozeß mehr widerstände +als das geringere. Allein umgekehrt bewährt die Freiheit des +Für-sich-seins sich nur in der Leichtigkeit, mit allem sich +einzulassen und sich in dieser Mannigfaltigkeit zu erhalten. Jene +Intensität ohne Extension der Beziehungen ist eine gehaltlose +Abstraktion, denn die Extension macht das _Dasein_ der Intensität aus. +Die Selbsterhaltung aber des Unorganischen in seiner Beziehung +fällt, wie erinnert, außer der Natur derselben, da es das Prinzip der +Bewegung nicht an ihm selbst hat, oder da sein Sein nicht die +absolute Negativität und Begriff ist. + +Diese andre Seite des Unorganischen dagegen nicht als Prozeß, sondern +als ruhendes Sein betrachtet, so ist sie die gemeine Kohäsion, eine +_einfache_ sinnliche Eigenschaft auf die Seite getreten gegen das +freigelassene Moment des _Anderssein_, welches in vielen +gleichgültigen Eigenschaften auseinanderliegt, und unter diese selbst, +wie die spezifische Schwere, tritt; die Menge der Eigenschaften +zusammen macht dann die andre Seite zu dieser aus. An ihr aber, wie +an den andern ist _die Zahl_ die einzige Bestimmtheit, welche eine +Beziehung und Übergang dieser Eigenschaften zueinander nicht nur +nicht ausdrückt, sondern eben wesentlich dies ist, keine notwendige +Beziehung zu haben, sondern die Vertilgung aller Gesetzmäßigkeit +darzustellen, denn sie ist der Ausdruck der Bestimmtheit als einer +_unwesentlichen_. So daß also eine Reihe von Körpern, welche den +Unterschied als Zahlenunterschied ihrer spezifischen Schweren +ausdrückt, durchaus nicht einer Reihe des Unterschieds der andern +Eigenschaften parallel geht, wenn auch, um die Sache zu erleichtern, +von ihnen nur eine einzelne oder etliche genommen werden. Denn in +der Tat könnte es nur das ganze Konvolut derselben sein, was in +dieser Parallele die andere Seite auszumachen hätte. Dieses in sich +zu ordnen und zu einem Ganzen zu verbinden, sind die +Größenbestimmtheiten dieser vielerlei Eigenschaften für die +Beobachtung einerseits vorhanden, andererseits aber treten ihre +Unterschiede als qualitativ ein. Was nun in diesem Haufen als +positiv oder negativ bezeichnet werden müßte und sich gegenseitig +aufhöbe, überhaupt die innre Figuration und Exposition der Formel, +die sehr zusammengesetzt sein würde, gehörte dem Begriffe an, welcher +eben in der Weise, wie die Eigenschaften als _seiende_ daliegen und +aufgenommen werden sollen, ausgeschlossen ist; in diesem Sein zeigt +keine den Charakter eines Negativen gegen die andere, sondern die +eine _ist_ so gut als die andere, noch deutet sie sonst ihre Stelle +in der Anordnung des Ganzen an.--Bei einer Reihe, die in parallelen +Unterschieden fortläuft--das Verhältnis möchte als auf beiden Seiten +zugleich steigend, oder nur auf der einen und auf der andern +abnehmend gemeint werden--, ist es nur um den _letzten_ einfachen +Ausdruck dieses zusammengefaßten Ganzen zu tun, welches die eine +Seite des Gesetzes gegen die spezifische Schwere ausmachen sollte; +aber diese eine Seite, als _seiendes Resultat_, ist eben nichts +anders, als was schon erwähnt worden, nämlich einzelne Eigenschaft, +wie etwa auch die gemeine Kohäsion, neben welcher die andern, und +darunter auch die spezifische Schwere, gleichgültig vorhanden sind, +und jede andre mit dem gleichen Rechte, d.h. mit dem gleichen +Unrechte zum Repräsentanten der ganzen andern Seite gewählt werden +kann; eine wie die andre wurde das Wesen nur repräsentieren, auf +deutsch: _vorstellen_, aber nicht die Sache selbst sein. So daß der +Versuch, Körper-Reihen zu finden, welche an der einfachen Parallele +zweier Seiten fortliefen, und die wesentliche Natur der Körper nach +einem Gesetze dieser Seiten ausdrückten, für einen Gedanken genommen +werden muß, welcher seine Aufgabe und die Mittel, wodurch sie +ausgeführt werden sollte, nicht kennt. + + +Es wurde vorhin die Beziehung des Äußern und Innern an der Gestalt, +welche der Beobachtung sich darstellen soll, sogleich zu der Sphäre +des Unorganischen herübergenommen; die Bestimmung, welche sie hieher +zieht, kann itzt näher angegeben werden, und es ergibt sich von da +noch eine andere Form und Beziehung dieses Verhältnisses. Bei dem +Organischen nämlich fällt überhaupt das hinweg, was bei dem +Unorganischen die Möglichkeit einer solchen Vergleichung des Innern +und Äußern darzubieten scheint. Das unorganische Innere ist ein +einfaches Inneres, das für die Wahrnehmung als _seiende_ Eigenschaft +sich darbietet; seine Bestimmtheit ist daher wesentlich die Größe, +und es erscheint als seiende Eigenschaft gleichgültig gegen das +Äußere oder die vielen andern sinnlichen Eigenschaften. Das +Für-sich-sein des Organisch-Lebendigen aber tritt nicht so auf die +Seite gegen sein Äußeres, sondern hat das Prinzip des _Andersseins_ +an ihm selbst. Bestimmen wir das Für-sich-sein als _einfache sich +erhaltende Beziehung auf sich selbst_, so ist sein Anderssein die +einfache _Negativität_, und die organische Einheit ist die Einheit +des sichselbstgleichen Sich-auf-sich-beziehens und der reinen +Negativität. Diese Einheit ist als Einheit das Innere des +Organischen; dies ist hiedurch an sich allgemein, oder es ist +_Gattung_. Die Freiheit der Gattung gegen ihre Wirklichkeit aber ist +eine andere als die Freiheit der spezifischen _Schwere_ gegen die +Gestalt. Die der letztern ist eine _seiende_ Freiheit, oder daß sie +als besondere Eigenschaft auf die Seite tritt. Aber weil sie +_seiende_ Freiheit ist, ist sie auch nur _Eine Bestimmtheit_, welche +dieser Gestalt _wesentlich_ angehört, oder wodurch diese _als Wesen_ +ein bestimmtes ist. Die Freiheit der Gattung aber ist eine +allgemeine, und gleichgültig gegen diese Gestalt oder gegen ihre +Wirklichkeit. Die _Bestimmtheit_, welche dem _Für-sich-sein_ des +Unorganischen _als solchem_ zukommt, tritt daher an dem Organischen +_unter sein_ Für-sich-sein; wie sie an dem Unorganischen nur unter +das _Sein_ desselben tritt; ob sie daher schon an diesem zugleich nur +als _Eigenschaft_ ist, so fällt ihr doch die Würde des _Wesens_ zu, +weil sie als das einfache Negative dem Dasein als dem Sein für +anderes gegenübersteht; und dies einfache Negative ist in seiner +letzten einzelnen Bestimmtheit eine Zahl. Das Organische aber ist +eine Einzelnheit, welche selbst reine Negativität und daher die fixe +Bestimmtheit der Zahl, welche dem _gleichgültigen Sein_ zukommt, in +sich vertilgt. Insofern es das Moment des gleichgültigen Seins und +darin der Zahl an ihm hat, kann sie daher nur als ein Spiel an ihm, +nicht aber als das Wesen seiner Lebendigkeit genommen werden. + +Wenn nun aber schon die reine Negativität, das Prinzip des Prozesses, +nicht außer dem Organischen fällt, und es sie also nicht als eine +Bestimmtheit in seinem _Wesen_ hat, sondern die Einzelnheit selbst an +sich allgemein ist, so ist doch diese reine Einzelnheit nicht in +ihren Momenten als selbst _abstrakten_ oder _allgemeinen_ an ihm +entwickelt und wirklich. Sondern dieser Ausdruck tritt außer jener +Allgemeinheit, welche in die _Innerlichkeit_ zurückfällt, und +zwischen die Wirklichkeit oder Gestalt, d.h. die sich entwickelnde +Einzelnheit und zwischen das organische Allgemeine, oder die Gattung, +das _bestimmte_ Allgemeine, die _Art_. Die Existenz, zu welcher die +Negativität des Allgemeinen oder der Gattung gelangt, ist nur die +entwickelte Bewegung eines Prozesses, welcher sich an _den Teilen der +seienden Gestalt_ verläuft. Hätte die Gattung an ihr als ruhender +Einfachheit die unterschiedenen Teile, und wäre somit ihre _einfache +Negativität_ als solche zugleich Bewegung, welche sich durch ebenso +einfache, unmittelbar an ihnen allgemeine Teile verliefe, die als +solche Momente hier wirklich wären, so wäre die organische Gattung +Bewußtsein. So aber ist die _einfache Bestimmtheit_, als +Bestimmtheit der Art, an ihr auf eine geistlose Weise vorhanden; die +Wirklichkeit fängt von ihr an, oder was in die Wirklichkeit tritt, +ist nicht die Gattung als solche, d.h. überhaupt nicht der Gedanke. +Diese als wirkliches Organisches ist nur durch einen Repräsentanten +vertreten. Dieser aber, die Zahl, welche den Übergang aus der +Gattung in die individuelle Gestaltung zu bezeichnen und der +Beobachtung die beiden Seiten der Notwendigkeit, einmal als einfache +Bestimmtheit, das anderemal sie als entwickelte zur Mannigfaltigkeit +herausgeborne Gestalt zu geben scheint, bezeichnet vielmehr die +Gleichgültigkeit und Freiheit des Allgemeinen und Einzelnen +gegeneinander, das von der Gattung dem wesenlosen Unterschiede der +Größe preisgegeben wird, selbst aber als Lebendiges von diesem +Unterschiede sich ebenso frei erweist. Die wahre Allgemeinheit, wie +sie bestimmt worden, ist hier nur _innres Wesen_; als _Bestimmtheit +der_ Art ist sie formale Allgemeinheit, und dieser gegenüber tritt +jene wahre Allgemeinheit auf die Seite der Einzelnheit, die dadurch +eine lebendige ist, und sich durch ihr _Inneres über ihre +Bestimmtheit als Art_ hinwegsetzt. Aber diese Einzelnheit ist nicht +zugleich allgemeines Individuum, d.h. an dem die Allgemeinheit ebenso +äußere Wirklichkeit hätte, sondern dies fällt außer dem +Organisch-Lebendigen. Dieses _allgemeine_ Individuum aber, wie es +_unmittelbar_ das Individuum der natürlichen Gestaltungen ist, ist +nicht das Bewußtsein selbst; sein Dasein als _*einzelnes* organisches +lebendiges Individuum_ müßte nicht außer ihm fallen, wenn es dieses +sein sollte. + +Wir sehen daher einen Schluß, worin das eine Extrem das _allgemeine +Leben als allgemeines_ oder als Gattung, das andre Extrem aber +_dasselbe als Einzelnes_ oder als allgemeines Individuum ist; die +Mitte aber ist aus beiden zusammengesetzt, das erste scheint in sie +sich als _bestimmte_ Allgemeinheit oder als _Art_, das andre aber als +_eigentliche_ oder einzelne _Einzelnheit_ zu schicken.--Und da dieser +Schluß überhaupt der Seite der _Gestaltung_ angehört, so ist unter +ihm ebenso dasjenige begriffen, was als unorganische Natur +unterschieden wird. + +Indem nun das allgemeine Leben als _das einfache Wesen der Gattung_ +von seiner Seite die Unterschiede des Begriffs entwickelt, und sie +als eine Reihe der einfachen Bestimmtheiten darstellen muß, so ist +diese ein System gleichgültig gesetzter Unterschiede, oder _eine +Zahlreihe_. Wenn vorhin das Organische in der Form der Einzelnheit +diesem wesenlosen Unterschiede gegenübergesetzt wurde, der ihre +lebendige Natur nicht ausdrückt und enthält--und wenn in Ansehung des +Unorganischen nach seinem ganzen in der Menge seiner Eigenschaften +entwickelten Dasein ebendies gesagt werden muß--, so ist es itzt das +allgemeine Individuum, welches nicht nur als frei von jeder +Gliederung der Gattung, sondern auch als ihre Macht zu betrachten ist. +Die Gattung, welche sich in Arten nach der _allgemeinen +Bestimmtheit_ der Zahl zerlegt, oder auch einzelne Bestimmtheiten +ihres Daseins, z. B. die Figur, Farbe u.s.f. zu ihrem +Einteilungsgrunde nehmen mag, erleidet in diesem ruhigen Geschäfte +Gewalt von der Seite des allgemeinen Individuums, _der Erde_, welches +als die allgemeine Negativität, die Unterschiede, wie sie dieselben +an sich hat und deren Natur um der Substanz willen, der sie angehören, +eine andere ist als die Natur jener, gegen das Systematisieren der +Gattung geltend macht. Dieses Tun der Gattung wird zu einem ganz +eingeschränkten Geschäfte, das sie nur innerhalb jener mächtigen +Elemente treiben darf, und das durch die zügellose Gewalt derselben +allenthalben unterbrochen, lückenhaft und verkümmert wird. + +Es folgt hieraus, daß der Beobachtung an dem gestalteten Dasein nur +die Vernunft _als Leben überhaupt_ werden kann, welches aber in +seinem Unterscheiden keine vernünftige Reihung und Gegliederung an +sich selbst wirklich hat, und nicht ein in sich gegründetes System +der Gestalten ist.--Wenn im Schlusse der organischen Gestaltung die +Mitte, worein die Art und ihre Wirklichkeit als einzelne +Individualität fällt, an ihr selbst die Extreme der innern +Allgemeinheit und der allgemeinen Individualität hätte, so würde +diese Mitte an _der Bewegung_ ihrer Wirklichkeit den Ausdruck und die +Natur der Allgemeinheit haben, und die sich selbst systematisierende +Entwicklung sein. So hat das _Bewußtsein_, zwischen dem allgemeinen +Geiste und zwischen seiner Einzelnheit oder dem sinnlichen Bewußtsein, +zur Mitte das System der Gestaltungen des Bewußtseins, als ein zum +Ganzen sich ordnendes Leben des Geistes--das System, das hier +betrachtet wird, und welches als Weltgeschichte sein gegenständliches +Dasein hat. Aber die organische Natur hat keine Geschichte; sie +fällt von ihrem Allgemeinen, dem Leben, unmittelbar in die +Einzelnheit des Daseins herunter, und die in dieser Wirklichkeit +vereinigten Momente der einfachen Bestimmtheit und der einzelnen +Lebendigkeit bringen das Werden nur als die zufällige Bewegung hervor, +worin jedes an seinem Teile tätig ist und das Ganze erhalten wird, +aber diese Regsamkeit ist _für sich_ selbst nur auf ihren Punkt +beschränkt, weil das Ganze nicht in ihm vorhanden ist, und dies ist +nicht darin vorhanden, weil es nicht als Ganzes hier _für sich_ ist. + +Außerdem also, daß die beobachtende Vernunft in der organischen Natur +nur zur Anschauung ihrer selbst als allgemeines Leben überhaupt kommt, +wird ihr die Anschauung seiner Entwicklung und Realisierung nur nach +ganz allgemein unterschiedenen Systemen, deren Bestimmung, ihr Wesen +nicht in dem Organischen als solchem, sondern in dem allgemeinen +Individuum liegt; und _unter_ diesen Unterschieden der Erde nach +Reihungen, welche die Gattung versucht. + +Indem also in seiner Wirklichkeit die _Allgemeinheit des organischen +Lebens_ sich, ohne die wahrhafte fürsichseiende Vermittlung, +unmittelbar in das Extrem _der Einzelnheit_ herunterfallen läßt, so +hat das beobachtende Bewußtsein nur das _Meinen_ als Ding vor sich; +und wenn die Vernunft das müßige Interesse haben kann, dieses Meinen +zu beobachten, ist sie auf das Beschreiben und Hererzählen von +Meinungen und Einfällen der Natur beschränkt. Diese geistlose +Freiheit des Meinens wird zwar allenthalben Anfänge von Gesetzen, +Spuren von Notwendigkeit, Anspielungen auf Ordnung und Reihung, +witzige und scheinbare Beziehungen darbieten. Aber die Beobachtung +kommt in der Beziehung des Organischen auf die seienden Unterschiede +des Unorganischen, die Elemente, Zonen und Klimate, in Ansehung des +Gesetzes und der Notwendigkeit nicht über den _großen Einfluß_ hinaus. +So auf der andern Seite, wo die Individualität nicht die Bedeutung +der Erde, sondern des dem organischen Leben _immanenten Eins_ hat, +dies aber mit dem Allgemeinen in unmittelbarer Einheit zwar die +Gattung ausmacht, aber deren einfache Einheit ebendarum nur als Zahl +sich bestimmt, und daher die qualitative Erscheinung freiläßt,--kann +es die Beobachtung nicht über _artige Bemerkungen, interessante +Beziehungen, freundliches Entgegenkommen dem Begriffe_ hinausbringen. +Aber die artigen _Bemerkungen_ sind kein _Wissen der Notwendigkeit_, +die _interessanten Beziehungen_ bleiben bei dem _Interesse_ stehen, +das Interesse ist aber nur noch die Meinung von der Vernunft; und die +_Freundlichkeit_ des Individuellen, mit der es an einen Begriff +anspielt, ist eine kindliche Freundlichkeit, welche kindisch ist, +wenn sie an und für sich etwas gelten will oder soll. + + +b. Die Beobachtung des Selbstbewußtseinsin seiner Reinheit und +seiner Beziehung auf äußre Wirklichkeit;logische und psychologische +Gesetze + +Die Naturbeobachtung findet den Begriff in der unorganischen Natur +realisiert. Gesetze, deren Momente Dinge sind, welche sich zugleich +als Abstraktionen verhalten; aber dieser Begriff ist nicht eine in +sich reflektierte Einfachheit. Das Leben der organischen Natur ist +dagegen nur diese in sich reflektierte Einfachheit, der Gegensatz +seiner selbst, als des Allgemeinen und des Einzelnen, tritt nicht im +Wesen dieses Lebens selbst auseinander; das Wesen ist nicht die +Gattung, welche in ihrem unterschiedslosen Elemente sich trennte und +bewegte, und in ihrer Entgegensetzung für sich selbst zugleich +ununterschieden wäre. Die Beobachtung findet diesen freien Begriff, +dessen Allgemeinheit die entwickelte Einzelnheit ebenso absolut in +ihr selbst hat, nur in dem als Begriff existierenden Begriffe selbst, +oder in dem Selbstbewußtsein. + +Indem sie sich nun in sich selbst kehrt, und auf den als freien +Begriff wirklichen Begriff richtet, findet sie zuerst die _Gesetze +des Denkens_. Diese Einzelnheit, welche das Denken an ihm selbst ist, +ist die abstrakte, ganz in die Einfachheit zurückgenommene Bewegung +des Negativen, und die Gesetze sind außerhalb der Realität.--Sie +haben keine _Realität_, heißt überhaupt nichts anders, als sie sind +ohne Wahrheit. Sie sollen auch zwar nicht _ganze_, aber doch +_formelle_ Wahrheit sein. Allein das rein Formelle ohne Realität ist +das Gedankending, oder die leere Abstraktion ohne die Entzweiung an +ihr, welche nichts anders als der Inhalt wäre.--Auf der andern Seite +aber, indem sie Gesetze des reinen Denkens sind, dieses aber das an +sich Allgemeine, und also ein Wissen ist, welches unmittelbar das +Sein und darin alle Realität an ihm hat, sind diese Gesetze absolute +Begriffe und ungetrennt die Wesenheiten der Form wie der Dinge. Da +die sich in sich bewegende Allgemeinheit der _entzweite_ einfache +Begriff ist, hat er auf diese Weise _Inhalt_ an sich, und einen +solchen, welcher aller Inhalt, nur nicht ein sinnliches Sein ist. Es +ist ein Inhalt, der weder im Widerspruche mit der Form noch überhaupt +von ihr getrennt, sondern vielmehr wesentlich sie selbst ist, denn +diese ist nichts anderes als das in seine reinen Momente sich +trennende Allgemeine. + +Wie aber diese Form oder Inhalt _für die Beobachtung_ als Beobachtung +ist, erhält sie die Bestimmung eines _gefundenen_, gegebenen, d.i. +_nur seienden_ Inhalts. Er wird _ruhiges Sein_ von Beziehungen, eine +Menge abgesonderter Notwendigkeiten, die als ein _fester_ Inhalt an +und für sich, _in ihrer Bestimmtheit_, Wahrheit haben sollen, und so +in der Tat der Form entzogen sind.--Diese absolute Wahrheit fixer +Bestimmtheiten oder vieler verschiedener Gesetze widerspricht aber +der Einheit des Selbstbewußtseins, oder des Denkens und der Form +überhaupt. Was für festes an sich bleibendes Gesetz ausgesagt wird, +kann nur ein Moment der sich in sich reflektierenden Einheit sein, +nur als eine verschwindende Größe auftreten. Aus diesem +Zusammenhange der Bewegung aber von der Betrachtung herausgerissen +und einzeln hingestellt, fehlt ihnen nicht der Inhalt, denn sie haben +vielmehr einen bestimmten Inhalt, sondern sie entbehren vielmehr der +Form, welche ihr Wesen ist. In der Tat nicht darum, weil sie nur +formell sein und keinen Inhalt haben sollen, sondern vielmehr aus dem +entgegengesetzten Grunde, weil sie in ihrer Bestimmtheit, oder eben +_als ein Inhalt_, dem die Form genommen ist, für etwas Absolutes +gelten sollen, sind diese Gesetze nicht die Wahrheit des Denkens. In +ihrer Wahrheit, als in der Einheit des Denkens verschwindende Momente, +müßten sie als Wissen, oder denkende Bewegung, nicht aber als +_Gesetze_ des Wissens genommen werden. Das Beobachten aber ist nicht +das Wissen selbst, und kennt es nicht, sondern verkehrt seine Natur +in die Gestalt des _Seins_, d.h. faßt seine Negativität nur als +_Gesetze_ desselben auf.--Es ist hier hinreichend, die Ungültigkeit +der sogenannten Denkgesetze aus der allgemeinen Natur der Sache +aufgezeigt zu haben. Die nähere Entwicklung gehört in die +spekulative Philosophie, worin sie sich als dasjenige zeigen, was sie +in Wahrheit sind, nämlich einzelne verschwindende Momente, deren +Wahrheit nur das Ganze der denkenden Bewegung, das Wissen selbst ist. + +Diese negative Einheit des Denkens ist für sich selbst, oder vielmehr +sie ist das _Für-sich-selbst-sein_, das Prinzip der Individualität, +und in seiner Realität _tuendes Bewußtsein_. Zu ihm als der Realität +jener Gesetze wird daher das beobachtende Bewußtsein durch die Natur +der Sache fortgeführt. Indem dieser Zusammenhang nicht für es ist, +so meint es, das Denken in seinen Gesetzen bleibe ihm auf der einen +Seite stehen, und auf der andern Seite erhalte es ein anderes Sein an +dem, was ihm itzt Gegenstand ist, nämlich das tuende Bewußtsein, +welches so für sich ist, daß es das Anderssein aufhebt, und in dieser +Anschauung seiner selbst als des Negativen seine Wirklichkeit hat. + +Es eröffnet sich also für die _Beobachtung_ ein _neues Feld_ an der +_handelnden Wirklichkeit des Bewußtseins_. Die Psychologie enthält +die Menge von Gesetzen, nach welchen der Geist gegen die +verschiedenen Weisen seiner Wirklichkeit, als eines _vorgefundenen +Andersseins_, sich verschieden verhält; teils diese in sich zu +empfangen, und den vorgefundenen Gewohnheiten, Sitten und Denkungsart, +als worin er sich als Wirklichkeit Gegenstand ist, _gemäß zu werden_, +--teils gegen sie sich selbsttätig zu wissen, mit Neigung und +Leidenschaft nur Besonderes daraus für sich herauszugreifen, und das +Gegenständliche _sich gemäß zu machen_; dort sich gegen sich selbst +als Einzelnheit, hier gegen sich als allgemeines Sein negativ zu +verhalten.--Die Selbstständigkeit gibt dem Vorgefundenen nach der +ersten Seite nur die _Form_ bewußter Individualität überhaupt, und +bleibt in Ansehung des Inhalts innerhalb der vorgefundenen +allgemeinen Wirklichkeit stehen; nach der andern Seite aber gibt sie +ihr wenigstens eine eigentümliche Modifikation, die ihrem +wesentlichen Inhalte nicht widerspricht, oder auch eine solche, +wodurch das Individuum als besondere Wirklichkeit und eigentümlicher +Inhalt sich ihr entgegensetzt--und zum Verbrechen wird, indem es sie +auf eine nur einzelne Weise aufhebt, oder indem es dies auf eine +allgemeine Weise und damit für alle tut, eine andere Welt, anderes +Recht, Gesetz und Sitten an die Stelle der vorhandenen bringt. + +Die beobachtende Psychologie, welche zuerst ihre Wahrnehmungen von +den _allgemeinen Weisen_, die ihr an dem tätigen Bewußtsein vorkommen, +ausspricht, findet mancherlei Vermögen, Neigungen und Leidenschaften, +und indem sich die Erinnerung an die Einheit des Selbstbewußtseins +bei der Hererzählung dieser Kollektion nicht unterdrücken läßt, muß +sie wenigstens bis zur Verwunderung fortgehen, daß in dem Geiste, wie +in einem Sacke, so vielerlei und solche heterogene einander zufällige +Dinge beisammen sein können, besonders auch da sie sich nicht als +tote ruhende Dinge, sondern als unruhige Bewegungen zeigen. + +In der Hererzählung dieser verschiedenen Vermögen ist die Beobachtung +in der allgemeinen Seite; die Einheit dieser vielfachen Fähigkeiten +ist die dieser Allgemeinheit entgegengesetzte Seite, die _wirkliche_ +Individualität.--Die unterschiednen wirklichen Individualitäten +wieder so aufzufassen und zu erzählen, daß der eine Mensch mehr +Neigung zu diesem, der andere mehr zu jenem, der eine mehr Verstand +als der andere habe, hat aber etwas viel Uninteressanteres, als +selbst die Arten von Insekten, Moosen, und so fort, aufzuzählen; denn +diese geben der Beobachtung das Recht, sie so einzeln und begrifflos +zu nehmen, weil sie wesentlich dem Elemente der zufälligen +Vereinzelung angehören. Die bewußte Individualität hingegen geistlos +als _einzelne_ seiende Erscheinung zu nehmen, hat das Widersprechende, +daß ihr Wesen das Allgemeine des Geistes ist. Indem aber das +Auffassen sie zugleich in die Form der Allgemeinheit eintreten läßt, +findet es _ihr Gesetz_, und scheint itzt einen vernünftigen Zweck zu +haben, und ein notwendiges Geschäfte zu treiben. + +Die Momente, die den Inhalt des Gesetzes ausmachen, sind einerseits +die Individualität selbst, anderseits ihre allgemeine unorganische +Natur, nämlich die vorgefundenen Umstände, Lage, Gewohnheiten, Sitten, +Religion, und so weiter; aus diesen ist die bestimmte Individualität +zu begreifen. Sie enthalten Bestimmtes ebensowohl als Allgemeines, +und sind zugleich _Vorhandenes_, das sich der Beobachtung darbietet, +und sich an der andern Seite in der Form der Individualität ausdrückt. + +Das Gesetz dieses Verhältnisses der beiden Seiten müßte nun dies +enthalten, was diese bestimmten Umstände für eine Wirkung und Einfluß +auf die Individualität ausüben. Diese Individualität aber ist gerade +dies, _ebensowohl_ das _Allgemeine_ zu sein, und daher auf eine +ruhige unmittelbare Weise mit dem _vorhandenen_ Allgemeinen, den +Sitten, Gewohnheiten u.s.f. zusammenzufließen und ihnen gemäß zu +werden, _als_ sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten, und sie +vielmehr zu verkehren,--sowie gegen sie in ihrer Einzelnheit ganz +gleichgültig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu +lassen, und nicht gegen sie tätig zu sein. _Was_ auf die +Individualität Einfluß und _welchen_ Einfluß es haben soll--was +eigentlich gleichbedeutend ist--, hängt darum nur von der +Individualität selbst ab; _dadurch_ ist diese Individualität _diese +bestimmte geworden_, heißt nichts anders, als _sie ist dies schon +gewesen_. Umstände, Lage, Sitten und so fort, welche einerseits +gezeigt werden als _vorhanden_, und anderseits _in dieser bestimmten +Individualität_, drücken nur das unbestimmte Wesen derselben aus, um +welches es nicht zu tun ist. Wenn diese Umstände, Denkungsart, +Sitten, Weltzustand überhaupt nicht gewesen wäre, so wäre allerdings +das Individuum nicht geworden, was es ist; denn diese allgemeine +Substanz sind alle, welche in diesem Weltzustande sich befinden.--Wie +er sich aber in _diesem_ Individuum--und ein solches soll begriffen +werden--partikularisiert hat, so müßte er sich an und für sich selbst +partikularisiert, und in dieser Bestimmtheit, welche er sich gegeben, +auf ein Individuum eingewirkt haben; nur so hätte er es zu diesem +bestimmten gemacht, das es ist. Wenn das Äußere sich an und für sich +so beschaffen hat, wie es an der Individualität erscheint, wäre diese +aus jenem begriffen. Wir hätten eine gedoppelte Galerie von Bildern, +deren eine der Widerschein der andern wäre; die eine die Galerie der +völligen Bestimmtheit und Umgrenzung äußerer Umstände, die andere +dieselbe übersetzt in die Weise, wie Sie in dem bewußten Wesen sind; +jene die Kugelfläche, dieses der Mittelpunkt, welcher sie in sich +vorstellt. + +Aber die Kugelfläche, die Welt des Individuums, hat unmittelbar die +zweideutige Bedeutung, _an und für sich seiende Welt_ und _Lage, und +Welt des Individuums entweder_ insofern zu sein, als dieses mit ihr +nur zusammengeflossen wäre, sie so, wie sie ist, in sich hineingehen +lassen, und gegen sie sich nur als formelles Bewußtsein verhalten +hätte;--_oder_ aber Welt des Individuums so zu sein, wie das +Vorhandene von ihm _verkehrt_ worden ist.--Da um dieser Freiheit +willen die Wirklichkeit dieser gedoppelten Bedeutung fähig ist, so +ist die Welt des Individuums nur aus diesem selbst zu begreifen, und +der _Einfluß_ der Wirklichkeit, welche als an und für sich _seiend_ +vorgestellt wird, auf das Individuum erhält durch dieses absolut den +entgegengesetzten Sinn, daß es entweder den Strom der einfließenden +Wirklichkeit an ihm _gewähren_ läßt, oder daß es ihn abbricht und +verkehrt. Hiedurch aber wird die _psychologische Notwendigkeit_ ein +so leeres Wort, daß von dem, was diesen Einfluß soll gehabt haben, +die absolute Möglichkeit vorhanden ist, daß es ihn auch hätte nicht +haben können. + +Es fällt hiemit das _Sein_ hinweg, welches _an und für sich_ wäre, +und die eine, und zwar die allgemeine Seite eines Gesetzes ausmachen +sollte. Die Individualität ist, was _ihre_ Welt als die _ihrige_ ist; +sie selbst ist der Kreis ihres Tuns, worin sie sich als Wirklichkeit +dargestellt hat, und schlechthin nur Einheit des _vorhandenen_ und +des _gemachten Seins_; eine Einheit, deren Seiten nicht, wie in der +Vorstellung des psychologischen Gesetzes als _an sich_ vorhandne Welt +und als _für sich_ seiende Individualität auseinanderfallen; oder +wenn sie so jede für sich betrachtet wird, so ist keine Notwendigkeit +und Gesetz ihrer Beziehung füreinander vorhanden. + + +c. Beobachtungder Beziehung des Selbstbewußtseinsauf seine +unmittelbare Wirklichkeit;Physiognomik und Schädellehre + +Die psychologische Beobachtung findet kein Gesetz des Verhältnisses +des Selbstbewußtseins zu der Wirklichkeit oder der ihm +entgegengesetzten Welt, und ist durch die Gleichgültigkeit beider +gegeneinander auf die _eigentümliche Bestimmtheit_ der realen +Individualität zurückgetrieben, welche _an_ und _für sich_ selbst ist, +oder den Gegensatz des _Für-sich_-seins und des _An-sich_-seins in +ihrer absoluten Vermittlung getilgt enthält. Sie ist der Gegenstand, +der itzt der Beobachtung geworden, oder zu dem sie übergeht. + +Das Individuum ist an und für sich selbst: es ist _für sich_ oder es +ist ein freies Tun; es ist aber auch _an sich_; oder es selbst hat +ein _ursprüngliches_ bestimmtes _Sein_--eine Bestimmtheit, welche dem +Begriffe nach dasselbe ist, was die Psychologie außer ihm finden +wollte. _An ihm selbst_ tritt also der Gegensatz hervor, dies +Gedoppelte, Bewegung des Bewußtseins und das feste Sein einer +erscheinenden Wirklichkeit zu sein, einer solchen, welche an ihm +unmittelbar _die seinige_ ist. Dies _Sein_, der _Leib_ der +bestimmten Individualität, ist die _Ursprünglichkeit_ derselben, ihr +Nicht-getan-haben. Aber indem das Individuum zugleich nur ist, was +es getan hat, so ist sein Leib auch der von ihm _hervorgebrachte_ +Ausdruck seiner selbst; zugleich ein _Zeichen_, welches nicht +unmittelbare Sache geblieben, sondern woran es nur zu erkennen gibt, +was es in dem Sinne _ist_, daß es seine ursprüngliche Natur ins Werk +richtet. + +Betrachten wir die hier vorhandenen Momente in Beziehung auf die +vorhergehende Ansicht, so ist hier eine allgemeine menschliche +Gestalt, oder wenigstens die allgemeine eines Klimas, Weltteils, +eines Volks, wie vorhin dieselben allgemeinen Sitten und Bildung. +Hiezu kommen die besondern Umstände und Lage innerhalb der +allgemeinen Wirklichkeit; hier ist diese besondere Wirklichkeit als +besondere Formation der Gestalt des Individuums.--Auf der andern +Seite, wie vorhin das freie Tun des Individuums und die Wirklichkeit +als die _seinige_ gegen die vorhandne gesetzt war, steht hier die +Gestalt, als Ausdruck _seiner_ durch es selbst gesetzten +Verwirklichung, die Züge und Formen seines selbsttätigen Wesens. +Aber die sowohl allgemeine als besondere Wirklichkeit, welche die +Beobachtung vorhin außer dem Individuum vorfand, ist hier die +Wirklichkeit desselben, sein angeborner Leib, und in eben diesen +fällt der Ausdruck, der seinem Tun angehört. In der psychologischen +Betrachtung sollte die an und für sich seiende Wirklichkeit und die +bestimmte Individualität aufeinander bezogen werden; hier aber ist +die _ganze_ bestimmte _Individualität_ Gegenstand der Beobachtung; +und jede Seite seines Gegensatzes ist selbst dies Ganze. Zu dem +äußern Ganzen gehört also nicht nur das _ursprüngliche Sein_, der +angeborne Leib, sondern ebenso die Formation desselben, die der +Tätigkeit des Innern angehört; er ist Einheit des ungebildeten und +des gebildeten Seins, und die von dem Für-sich-sein durchdrungne +Wirklichkeit des Individuums. Dieses Ganze, welches die bestimmten +ursprünglichen festen Teile und die Züge, die allein durch das Tun +entstehen, in sich faßt, _ist_, und dies _Sein_ ist _Ausdruck_ des +Innern, des als Bewußtsein und Bewegung gesetzten Individuums.--Dies +_Innre_ ist ebenso nicht mehr die formelle, inhaltlose oder +unbestimmte Selbsttätigkeit, deren Inhalt und Bestimmtheit, wie +vorhin, in den äußern Umständen läge, sondern es ist ein an sich +bestimmter ursprünglicher Charakter, dessen Form nur die Tätigkeit +ist. Zwischen diesen beiden Seiten also wird hier das Verhältnis +betrachtet, wie es zu bestimmen, und was unter diesem _Ausdrucke_ des +Innern im Äußern zu verstehen ist. + +Dies Äußere macht zuerst nur als _Organ_ das Innere sichtbar oder +überhaupt zu einem Sein für Anderes; denn das Innere, insofern es in +dem Organe ist, ist es die _Tätigkeit_ selbst. Der sprechende Mund, +die arbeitende Hand, wenn man will auch noch die Beine dazu, sind die +verwirklichenden und vollbringenden Organe, welche das Tun _als Tun_, +oder das Innre als solches an ihnen haben; die Äußerlichkeit aber, +welche es durch sie gewinnt, ist die Tat, als eine von dem Individuum +abgetrennte Wirklichkeit. Sprache und Arbeit sind Äußerungen, worin +das Individuum nicht mehr an ihm selbst sich behält und besitzt, +sondern das Innre ganz außer sich kommen läßt, und dasselbe Anderem +preisgibt. Man kann darum ebensosehr sagen, daß diese Äußerungen das +Innere zu sehr, als daß sie es zu wenig ausdrücken; _zu sehr_--weil +das Innere selbst in ihnen ausbricht, bleibt kein Gegensatz zwischen +ihnen und diesem; sie geben nicht nur einen _Ausdruck_ des Innern, +sondern es selbst unmittelbar; _zu wenig_--weil das Innere in Sprache +und Handlung sich zu einem Andern macht, so gibt es sich damit dem +Elemente der Verwandlung preis, welches das gesprochene Wort und die +vollbrachte Tat verkehrt, und etwas anders daraus macht, als sie an +und für sich als Handlungen dieses bestimmten Individuums sind. +Nicht nur verlieren die Werke der Handlungen durch diese +Äußerlichkeit von dem Einwirken anderer den Charakter, etwas +Bleibendes gegen andere Individualitäten zu sein; sondern indem sie +sich zum Innern, das sie enthalten, als abgesondertes, gleichgültiges +Äußeres verhalten, können sie als Innres _durch das Individuum_ +selbst ein anders sein, als sie erscheinen,--entweder daß es sie mit +Absicht für die Erscheinung zu etwas anderem macht, als sie in +Wahrheit sind, oder daß es zu ungeschickt ist, sich die Außenseite zu +geben, die es eigentlich wollte, und sie so zu befestigen, daß ihm +von andern sein Werk nicht verkehrt werden kann. Das Tun also, als +vollbrachtes Werk, hat die doppelte entgegengesetzte Bedeutung, +entweder die _innere_ Individualität und _nicht_ ihr _Ausdruck_, oder +als Äußeres eine von dem Innern _freie_ Wirklichkeit zu sein, welche +ganz etwas anderes ist als jenes.--Um dieser Zweideutigkeit willen +müssen wir uns nach dem Innern umsehen, wie es _noch_, aber sichtbar +oder äußerlich _an dem Individuum selbst ist_. Im Organe aber ist es +nur als unmittelbares Tun selbst, das seine Äußerlichkeit an der Tat +erlangt, die entweder das Innre vorstellt oder auch nicht. Das Organ +nach diesem Gegensatze betrachtet gewährt also nicht den Ausdruck, +der gesucht wird. + +Wenn nun die äußere Gestalt nur, insofern sie nicht Organ oder nicht +_Tun_, hiemit als _ruhendes_ Ganzes ist, die innre Individualität +ausdrücken könnte, so verhielte sie sich also als ein bestehendes +Ding, welches das Innre als ein Fremdes in sein passives Dasein ruhig +empfinge, und hiedurch das _Zeichen_ desselben würde,--ein äußerer, +zufälliger Ausdruck, dessen _wirkliche_ Seite für sich bedeutungslos, +eine Sprache, deren Töne und Tonverbindungen nicht die Sache selbst, +sondern durch die freie Willkür mit ihr verknüpft und zufällig für +sie sind. + +Eine solche willkürliche Verbindung von solchen, die ein Äußeres +füreinander sind, gibt kein Gesetz. Die Physiognomik soll sich aber +von andern schlechten Künsten und heillosen Studien dadurch +unterscheiden, daß sie die bestimmte Individualität in dem +_notwendigen_ Gegensatze eines Innern und Äußern, des Charakters als +bewußten Wesens und ebendesselben als seiender Gestalt betrachtet, +und diese Momente so aufeinander bezieht, wie sie durch ihren Begriff +aufeinander bezogen sind, und daher den Inhalt eines Gesetzes +ausmachen müssen. In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen +Wissenschaften hingegen scheint nur Äußeres auf Äußeres, irgend etwas +auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. _Diese_ Konstellation bei der +Geburt, und wenn dies Äußere näher auf den Leib selbst gerückt wird, +_diese_ Züge der Hand sind _äußere_ Momente für das lange oder kurze +Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen überhaupt. Als +Äußerlichkeiten verhalten sie sich gleichgültig zueinander und haben +nicht die Notwendigkeit füreinander, welche in der Beziehung eines +_Äußern_ und _Innern_ liegen soll. + +Die Hand freilich scheint nicht so sehr etwas Äußeres für das +Schicksal zu sein, sondern vielmehr als Inneres zu ihm sich zu +verhalten. Denn das Schicksal ist auch wieder nur die Erscheinung +dessen, was die bestimmte Individualität _an sich_ als innre +ursprüngliche Bestimmtheit ist.--Zu wissen nun, was sie an sich ist, +dazu kommt der Chiromante wie auch der Physiognomiker auf eine +kürzere Weise als zum Beispiel Solon, der erst aus und nach dem +Verlaufe des ganzen Lebens dies wissen zu können erachtete; er +betrachtete die Erscheinung, jene aber das _An-sich_. Daß aber die +Hand das _An-sich_ der Individualität in Ansehung ihres Schicksals +darstellen muß, ist leicht daraus zu sehen, daß sie nächst dem Organ +der Sprache am meisten es ist, wodurch der Mensch sich zur +Erscheinung und Verwirklichung bringt. Sie ist der beseelte +Werkmeister seines Glücks; man kann von ihr sagen, sie _ist_ das, was +der Mensch _tut_, denn an ihr als dem tätigen Organe seines +Sich-selbst-vollbringens ist er als Beseelender gegenwärtig, und +indem er ursprünglich sein eignes Schicksal ist, wird sie also dies +An-sich ausdrücken. + +Aus dieser Bestimmung, daß das _Organ_ der Tätigkeit _ebensowohl_ ein +_Sein_ als das _Tun_ in ihm ist, oder daß das innre _An-sich_-sein +selbst an ihm _gegenwärtig_ und ein _Sein für_ Andre hat, ergibt sich +eine andre Ansicht desselben als die vorherige. Wenn nämlich die +Organe überhaupt darum nicht als _Ausdrücke_ des Innern genommen +werden zu können sich zeigten, weil in ihnen das Tun _als Tun_ +gegenwärtig, das Tun _als Tat_ aber nur Äußeres ist, und Inneres und +Äußeres auf diese Weise auseinanderfällt und fremde gegeneinander +sind oder sein können, so muß nach der betrachteten Bestimmung das +Organ auch wieder als _Mitte_ beider genommen werden, indem eben dies, +daß das Tun an ihm _gegenwärtig_ ist, zugleich eine _Äußerlichkeit_ +desselben ausmacht, und zwar eine andere, als die Tat ist, jene +nämlich bleibt dem Individuum und an ihm.--Diese Mitte und Einheit +des Innern und Äußern ist nun vors erste selbst auch äußerlich; +alsdenn aber ist diese Äußerlichkeit zugleich in das Innere +aufgenommen; sie steht als _einfache_ Äußerlichkeit der zerstreuten +entgegen, welche entweder nur ein _einzelnes_ für die ganze +Individualität zufälliges Werk oder Zustand, oder aber als _ganze_ +Äußerlichkeit das in eine Vielheit von Werken und Zuständen +zersplitterte Schicksal ist. Die _einfachen Züge der Hand_ also, +ebenso _Klang_ und _Umfang_ der _Stimme_, als die individuelle +Bestimmtheit der _Sprache_,--auch dieselbe wieder, wie sie durch die +Hand eine festere Existenz als durch die Stimme bekommt, die +_Schrift_, und zwar in ihrer Besonderheit als _Handschrift_--alles +dieses ist _Ausdruck_ des Innern, so daß er als die _einfache +Äußerlichkeit_ sich wieder gegen die _vielfache Äußerlichkeit_ des +Handelns und des Schicksals, sich als _Inneres_ gegen diese verhält. +--Wenn also zuerst die bestimmte Natur und angeborne Eigentümlichkeit +des Individuums zusammen mit dem, was sie durch die Bildung geworden, +als das _Innere_, als das Wesen des Handelns und des Schicksals +genommen wird, so hat es seine _Erscheinung_ und Äußerlichkeit +_zuerst_ an seinem Munde, Hand, Stimme, Handschrift, sowie an den +übrigen Organen und deren bleibenden Bestimmtheiten; und _alsdann_ +erst drückt es sich _weiter_ hinaus nach außen an seiner Wirklichkeit +in der Welt aus. + +Weil nun diese Mitte sich als die Äußerung bestimmt, welche zugleich +ins Innere zurückgenommen ist, ist ihr Dasein nicht auf das +unmittelbare Organ des Tuns eingeschränkt, sie ist vielmehr die +nichts vollbringende Bewegung und Form des Gesichts und der +Gestaltung überhaupt. Diese Züge und ihre Bewegung sind nach diesem +Begriffe das zurückgehaltne an dem Individuum bleibende Tun, und nach +seiner Beziehung auf das wirkliche Tun das eigene Beaufsichtigen und +Beobachten desselben, _Äußerung_ als _Reflexion über_ die wirkliche +Äußerung.--Das Individuum ist zu und bei seinem äußern Tun darum +nicht stumm, weil es dabei zugleich in sich reflektiert ist, und es +äußert dies In-sich-reflektiert-sein; dies theoretische Tun oder die +Sprache des Individuums mit sich selbst darüber ist auch vernehmlich +für andere, denn sie ist selbst eine Äußerung. + +An diesem Innern, welches in seiner Äußerung Inneres bleibt, wird +also das Reflektiert_sein_ des Individuums aus seiner Wirklichkeit +beobachtet, und es ist zu sehen, welche Bewandtnis es mit dieser +Notwendigkeit hat, die in dieser Einheit gesetzt ist.--Dies +Reflektiertsein ist zuerst verschieden von der Tat selbst, und kann +also etwas _anderes_ sein und für etwas anderes genommen werden, als +sie ist; man sieht es einem am Gesicht an, ob es ihm _Ernst_ mit dem +ist, was er sagt oder tut.--Umgekehrt aber ist dieses, was Ausdruck +des Innern sein soll, zugleich _seiender_ Ausdruck, und fällt hiemit +selbst in die Bestimmung des _Seins_ herunter, das absolut zufällig +für das selbstbewußte Wesen ist. Es ist daher wohl Ausdruck, aber +zugleich auch nur wie ein _Zeichen_, so daß dem ausgedrückten Inhalte +die Beschaffenheit dessen, wodurch es ausgedrückt wird, vollkommen +gleichgültig ist. Das Innere ist in dieser Erscheinung wohl +_sichtbares_ Unsichtbares, aber ohne an sie geknüpft zu sein; es kann +ebensowohl in einer andern Erscheinung sein, als ein anderes Inneres +in derselben Erscheinung sein kann.--Lichtenberg sagt daher mit Recht: +_Gesetzt, der Physiognom haschte den Menschen einmal, so käme es nur +auf einen braven Entschluß an, sich wieder auf Jahrtausende +unbegreiflich zu machen_.--Wie in dem vorhergehenden Verhältnisse die +vorliegenden Umstände ein Seiendes waren, woraus die Individualität +sich das nahm, was _sie_ vermochte und wollte, entweder sich ihm +ergebend oder es verkehrend, aus welchem Grunde es die Notwendigkeit +und das Wesen der Individualität nicht enthielt,--ebenso ist hier das +erscheinende unmittelbare Sein der Individualität ein solches, das +entweder ihr Reflektiertsein aus der Wirklichkeit und ihr +In-sich-sein ausdrückt, oder das für sie nur ein Zeichen ist, das +gleichgültig gegen das Bezeichnete, und darum in Wahrheit nichts +bezeichnet; es ist ihr ebensowohl ihr Gesicht als ihre Maske, die sie +ablegen kann.--Sie durchdringt ihre Gestalt, bewegt sich, spricht in +ihr; aber dies ganze Dasein tritt ebenso als ein gleichgültiges Sein +gegen den Willen und die Handlung über; sie tilgt an ihm die +Bedeutung, die es vorhin hatte, ihr Reflektiertsein in sich oder ihr +wahres Wesen an ihm zu haben, und legt es umgekehrt vielmehr in den +Willen und in die Tat. + +Die Individualität _gibt dasjenige In-sich-reflektiert-sein auf_, +welches in den _Zügen_ ausgedrückt ist, und _legt ihr Wesen_ in _das +Werk_. Hierin widerspricht sie dem Verhältnisse, welches von dem +Vernunftinstinkte, der sich auf das Beobachten der selbstbewußten +Individualität legt, in Ansehung dessen, was ihr _Inneres_ und +_Äußeres_ sein soll, festgesetzt wird. Dieser Gesichtspunkt führt +uns auf den eigentlichen Gedanken, der der physiognomischen--wenn man +so will--_Wissenschaft_ zum Grunde liegt. Der Gegensatz, auf welchen +dies Beobachten geraten, ist der Form nach der Gegensatz von +Praktischem und Theoretischem, beides nämlich innerhalb des +Praktischen selbst gesetzt,--von der sich im Handeln, dies im +allgemeinsten Sinne genommen, verwirklichenden Individualität, und +derselben, wie sie in diesem Handeln zugleich daraus heraus, in sich +reflektiert, und es ihr Gegenstand ist. Das Beobachten nimmt diesen +Gegensatz nach demselben verkehrten Verhältnisse auf, worin er sich +in der Erscheinung bestimmt. Für das _unwesentliche Äußere_ gilt ihm +die _Tat_ selbst und das Werk, es sei der Sprache oder einer +befestigtem Wirklichkeit,--für das _wesentliche Innre_ aber das +_In-sich-sein_ der Individualität. Unter den beiden Seiten, welche +das praktische Bewußtsein an ihm hat, dem Beabsichten und der +Tat--dem _Meinen_ über seine Handlung und der _Handlung_ selbst--, +wählt die Beobachtung jene Seite zum wahren Innern; dieses soll seine +mehr oder weniger _unwesentliche_ Äußerung an der Tat, seine wahre +aber an seiner Gestalt haben. Die letztere Äußerung ist unmittelbare +sinnliche Gegenwart des individuellen Geistes; die Innerlichkeit, die +die wahre sein soll, ist die Eigenheit der Absicht und die +Einzelnheit des Für-sich-seins; beides der _gemeinte_ Geist. Was das +Beobachten zu seinen Gegenständen hat, ist also _gemeintes_ Dasein, +und zwischen solchem sucht es Gesetze auf. + +Das unmittelbare Meinen über die gemeinte Gegenwart des Geistes ist +die natürliche Physiognomik, das vorschnelle Urteil über die innre +Natur und den Charakter ihrer Gestalt bei ihrem ersten Anblicke. Der +Gegenstand dieser Meinung ist von der Art, daß es in seinem Wesen +liegt, in Wahrheit etwas anderes zu sein, als nur sinnliches +unmittelbares Sein. Es ist zwar auch eben dieses im Sinnlichen aus +ihm In-sich-reflektiert-sein, was gegenwärtig, die Sichtbarkeit als +Sichtbarkeit des Unsichtbaren, was Gegenstand des Beobachtens ist. +Aber eben diese sinnliche unmittelbare Gegenwart ist _Wirklichkeit_ +des Geistes, wie sie nur für die Meinung ist; und das Beobachten +treibt sich nach dieser Seite mit seinem gemeinten Dasein, mit der +Physiognomie, Handschrift, Ton der Stimme u.s.f. herum.--Es bezieht +solches Dasein auf ebensolches _gemeintes Innres_. Es ist nicht der +Mörder, der Dieb, welcher erkannt werden soll, sondern die _Fähigkeit, +es zu sein_; die feste abstrakte Bestimmtheit verliert sich dadurch +in die konkrete unendliche Bestimmtheit des _einzelnen_ Individuums, +die nun kunstreichere Schildereien erfordert, als jene +Qualifikationen sind. Solche kunstreichen Schildereien sagen wohl +mehr als die Qualifikation durch Mörder, Diebe, oder gutherzig, +unverdorben u.s.f., aber für ihren Zweck das gemeinte Sein oder die +einzelne Individualität auszusprechen, bei weitem nicht genug; +sowenig als die Schildereien der Gestalt, welche über die flache +Stirne, lange Nase u.s.f. hinausgehen. Denn die einzelne Gestalt wie +das einzelne Selbstbewußtsein ist als gemeintes Sein unaussprechlich. +Die Wissenschaft der Menschenkenntnis, welche auf den vermeinten +Menschen, sowie der Physiognomik, die auf seine vermeinte +Wirklichkeit geht und das bewußtlose Urteilen der natürlichen +Physiognomik zu einem Wissen erheben will, ist daher etwas End- und +Bodenloses, das nie dazu kommen kann, zu sagen, was es meint, weil es +nur meint, und sein Inhalt nur Gemeintes ist. + +Die _Gesetze_, welche diese Wissenschaft zu finden ausgeht, sind +Beziehungen dieser beiden gemeinten Seiten, und können daher selbst +nichts als ein leeres Meinen sein. Auch da dies vermeinte Wissen, +das mit der Wirklichkeit des Geistes sich zu tun macht, gerade dies +zu seinem Gegenstande hat, daß er aus seinem sinnlichen Dasein heraus +sich in sich reflektiert, und das bestimmte Dasein für ihn eine +gleichgültige Zufälligkeit ist, so muß es bei seinen aufgefundenen +Gesetzen unmittelbar wissen, daß nichts damit gesagt ist, sondern +eigentlich rein geschwatzt oder nur _eine Meinung von sich_ gegeben +wird; ein Ausdruck, der die Wahrheit hat, dies als dasselbe +auszusprechen--seine _Meinung_ zu sagen und damit nicht die Sache, +sondern nur eine Meinung _von sich_ beizubringen. Dem _Inhalte_ nach +aber können diese Beobachtungen nicht von denen abweichen: "Es regnet +allemal, wenn wir Jahrmarkt haben, sagt der Krämer; und auch allemal, +wenn ich Wäsche trockne, sagt die Hausfrau." + +Lichtenberg, der das physiognomische Beobachten so charakterisiert, +sagt auch noch dies: "Wenn jemand sagte, du handelst zwar wie ein +ehrlicher Mann, ich sehe es aber aus deiner Figur, du zwingst dich, +und bist ein Schelm im Herzen; fürwahr, eine solche Anrede wird bis +ans Ende der Welt von jedem braven Kerl mit einer Ohrfeige erwidert +werden."--Diese Erwiderung ist deswegen _treffend_, weil sie die +Widerlegung der ersten Voraussetzung einer solchen Wissenschaft des +Meinens ist, daß nämlich _die Wirklichkeit_ des Menschen sein Gesicht +u.s.f. sei.--Das _wahre Sein_ des Menschen ist vielmehr _seine Tat_; +in ihr ist die Individualität _wirklich_, und sie ist es, welche das +_Gemeinte_ in seinen beiden Seiten aufhebt. Einmal das Gemeinte als +ein leibliches ruhendes Sein; die Individualität stellt sich vielmehr +in der Handlung als das _negative_ Wesen dar, welches nur _ist_, +insofern es Sein aufhebt. Alsdenn hebt die Tat die +Unaussprechlichkeit der Meinung ebenso in Ansehung der selbstbewußten +Individualität auf, welche in der Meinung eine unendlich bestimmte +und bestimmbare ist. In der vollbrachten Tat ist diese schlechte +Unendlichkeit vernichtet. Die Tat ist ein einfach Bestimmtes, +Allgemeines, in einer Abstraktion zu Befassendes; sie ist Mord, +Diebstahl, oder Wohltat, tapfere Tat und so fort, und es kann von ihr +_gesagt_ werden, was _sie ist_. Sie _ist_ dies, und ihr Sein ist +nicht nur ein Zeichen, sondern die Sache selbst. Sie _ist_ dies, und +der individuelle Mensch _ist_, was sie _ist_; in der Einfachheit +_dieses Seins_ ist er für Andere seiendes, allgemeines Wesen, und +hört auf, nur gemeintes zu sein. Er ist zwar darin nicht als Geist +gesetzt; aber indem von seinem _Sein_ als Sein die Rede, und +_einerseits_ das gedoppelte Sein, der _Gestalt_ und der _Tat_, sich +gegenübersteht und jene wie diese seine Wirklichkeit sein soll, so +ist vielmehr nur die Tat als sein _echtes Sein_ zu behaupten,--nicht +seine Figur, welche das ausdrücken sollte, was er zu seinen Taten +meint, oder was man meinte, daß er tun nur könnte. Ebenso indem +_andererseits_ sein _Werk_ und seine innre _Möglichkeit_, Fähigkeit +oder Absicht, entgegengesetzt werden, ist jenes allein für seine +wahre Wirklichkeit anzusehen, wenn auch er selbst sich darüber +täuscht, und, aus seiner Handlung in sich gekehrt, in diesem Innern +ein anderes zu sein meint als in der _Tat_. Die Individualität, die +sich dem gegenständlichen Elemente anvertraut, indem sie zum Werke +wird, gibt sich damit wohl dem preis, verändert und verkehrt zu +werden. Aber den Charakter der Tat macht eben dies aus, ob sie ein +wirkliches Sein ist, das sich hält, oder ob nur ein gemeintes Werk, +das in sich nichtig vergeht. Die Gegenständlichkeit verändert nicht +die Tat selbst, sondern zeigt nur, _was_ sie ist, das heißt, ob sie +_ist_, oder ob sie _nichts ist_.--Die Zergliederung dieses Seins in +Absichten und dergleichen Feinheiten, wodurch der _wirkliche_ Mensch, +d.h. seine Tat, wieder in ein gemeintes Sein zurückerklärt werden +soll, wie er wohl selbst auch sich besondere Absichten über seine +Wirklichkeit erschaffen mag, müssen dem Müßggange der Meinung +überlassen bleiben, der, wenn er seine tatenlose Weisheit ins Werk +richten, den Charakter der Vernunft am Handelnden ableugnen und ihn +auf diese Weise mißhandeln will, daß er statt der Tat vielmehr die +Figur und die Züge für das Sein desselben erklären will, die obige +Erwiderung zu befahren hat, die ihm erweist, daß Figur nicht das +_An-sich_ ist, sondern vielmehr ein Gegenstand der Behandlung sein +kann. + +Sehen wir nun auf den Umfang der Verhältnisse überhaupt, in welchen +die selbstbewußte Individualität zu ihrem Äußern stehend beobachtet +werden kann, so wird eines zurück sein, welches die Beobachtung sich +noch zu ihrem Gegenstande machen muß. In der Psychologie ist es die +_äußere Wirklichkeit_ der _Dinge_, welche an dem Geiste ihr sich +bewußtes _Gegenbild_ haben und ihn begreiflich machen soll. In der +Physiognomik dagegen soll er in seinem _eignen_ Äußern als in einem +Sein, welches die _Sprache_--die sichtbare Unsichtbarkeit seines +Wesens--sei, erkannt werden. Noch ist die Bestimmung der Seite der +Wirklichkeit übrig, daß die Individualität an ihrer unmittelbaren, +festen, rein daseienden Wirklichkeit ihr Wesen ausspreche.--Diese +letzte Beziehung unterscheidet sich also von der physiognomischen +dadurch, daß diese die _sprechende_ Gegenwart des Individuums ist, +das in seiner _handelnden_ Äußerung zugleich die sich in sich +_reflektierende_ und _betrachtende_ darstellt, eine Äußerung, welche +selbst Bewegung ist, ruhende Züge, welche selbst wesentlich ein +vermitteltes Sein sind. In der noch zu betrachtenden Bestimmung aber +ist endlich das Äußere eine ganz _ruhende_ Wirklichkeit, welche nicht +an ihr selbst redendes Zeichen, sondern getrennt von der +selbstbewußten Bewegung sich für sich darstellt und als bloßes Ding +ist. + +Zunächst erhellt über die Beziehung des Innern auf dies sein Äußeres, +daß sie als Verhältnis des _Kausalzusammenhangs_ begriffen werden zu +müssen scheint, indem die Beziehung eines Ansichseienden auf ein +anderes Ansichseiendes, als eine _notwendige_, dies Verhältnis ist. + +Daß nun die geistige Individualität auf den Leib Wirkung habe, muß +sie als Ursache selbst leiblich sein. Das Leibliche aber, worin sie +als Ursache ist, ist das Organ, aber nicht des Tuns gegen die äußere +Wirklichkeit, sondern des Tuns des selbstbewußten Wesens in sich +selbst, nach außen nur gegen seinen Körper; es ist nicht sogleich +abzusehen, welches diese Organe sein können. Würde nur an die Organe +überhaupt gedacht, so würde das Organ der Arbeit überhaupt leicht bei +der Hand sein, ebenso das Organ des Geschlechtstriebes, und so fort. +Allein solche Organe sind als Werkzeuge oder als Teile zu betrachten, +welche der Geist als _ein_ Extrem zur Mitte gegen das andere Extrem, +das äußerer _Gegenstand_ ist, hat. Hier aber ist ein Organ +verstanden, worin das selbstbewußte Individuum als Extrem gegen seine +eigne ihm entgegengesetzte Wirklichkeit sich _für sich_ erhält, nicht +zugleich nach außen gekehrtes, sondern in seiner Handlung +reflektiertes, und woran die Seite des _Seins_ nicht ein _Sein für +anderes_ ist. In der physiognomischen Beziehung wird das Organ zwar +auch als in sich reflektiertes und das Tun besprechendes Dasein +betrachtet; aber dies Sein ist ein gegenständliches, und das Resultat +der physiognomischen Beobachtung ist dieses, daß das Selbstbewußtsein +gegen eben diese seine Wirklichkeit als gegen etwas Gleichgültiges +gegenübertritt. Diese Gleichgültigkeit verschwindet darin, daß dies +In-sich-reflektiert-sein selbst _wirkend_ ist; dadurch erhält jenes +Dasein eine notwendige Beziehung auf es; daß es aber auf das Dasein +wirkend sei, muß es selbst ein aber nicht eigentlich gegenständliches +Sein haben, und als dies Organ soll es aufgezeigt werden. + +Im gemeinen Leben nun wird der Zorn zum Beispiel, als ein solches +inneres Tun, in die Leber verlegt; Plato gibt ihr sogar noch etwas +Höheres, das nach einigen sogar das Höchste ist, zu, nämlich die +Prophezeihung oder die Gabe, das Heilige und Ewige +unvernünftigerweise auszusprechen. Allein die Bewegung, welche das +Individuum in der Leber, dem Herzen und so fort hat, kann nicht als +die ganz in sich reflektierte Bewegung desselben angesehen werden, +sondern sie ist darin vielmehr so, daß sie ihm schon in den Leib +geschlagen ist, und ein animalisches heraus gegen die Äußerlichkeit +sich wendendes Dasein hat. + +Das _Nervensystem_ hingegen ist die unmittelbare Ruhe des Organischen +in seiner Bewegung. Die _Nerven_ selbst sind zwar wieder die Organe +des schon in seine Richtung nach außen versenkten Bewußtseins; Gehirn +und Rückenmark aber dürfen als die in sich bleibende--die nicht +gegenständliche, die auch nicht hinausgehende--unmittelbare Gegenwart +des Selbstbewußtseins betrachtet werden. Insofern das Moment des +Seins, welches dies Organ hat, ein _Sein für Anderes_, Dasein ist, +ist es totes Sein, nicht mehr Gegenwart des Selbstbewußtseins. Dies +_In-sich-selbst-sein_ ist aber seinem Begriffe nach eine Flüssigkeit, +worin die Kreise, die darein geworfen werden, sich unmittelbar +auflösen, und kein Unterschied als _seiender_ sich ausdrückt. +Inzwischen wie der Geist selbst nicht ein Abstrakt-Einfaches ist, +sondern ein System von Bewegungen, worin er sich in Momente +unterscheidet, in dieser Unterscheidung selbst aber frei bleibt, und +wie er seinen Körper überhaupt zu verschiedenen Verrichtungen +gliedert, und einen einzelnen Teil desselben nur _einer_ bestimmt, so +kann auch sich vorgestellt werden, daß das flüssige _Sein_ seines +_In-sich_-seins ein gegliedertes ist; und es scheint so vorgestellt +werden zu müssen, weil das in sich reflektierte _Sein_ des Geistes im +Gehirn selbst wieder nur eine Mitte seines reinen Wesens und seiner +körperlichen Gegliederung ist, eine Mitte, welche hiemit von der +Natur beider und also von der Seite der letztern auch die _seiende_ +Gegliederung wieder an ihr haben muß. + +Das geistig-organische Sein hat zugleich die notwendige Seite eines +_ruhenden bestehenden_ Daseins; jenes muß als Extrem des +Für-sich-seins zurücktreten, und diese als das andere Extrem +gegenüber haben, welches alsdenn der Gegenstand ist, worauf jenes als +Ursache wirkt. Wenn nun Gehirn und Rückenmark jenes körperliche +_Für-sich-sein_ des Geistes ist, so ist der Schädel und die +Rückenwirbelsäule das andere ausgeschiedne Extrem hinzu, nämlich das +feste ruhende Ding.--Indem aber jedem, wenn er an den eigentlichen +Ort des Daseins des Geistes denkt, nicht der Rücken, sondern nur der +Kopf einfällt, so können wir uns in der Untersuchung eines Wissens, +als das vorliegende ist, mit diesem--für es nicht zu +schlechten--Grunde begnügen, um dies Dasein auf den Schädel +einzuschränken. Sollte einem der Rücken insofern einfallen, als auch +wohl zuweilen durch ihn Wissen und Tun zum Teil _ein_-, zum Teil aber +_aus_getrieben wird, so würde dies dafür, daß das Rückenmark mit zum +inwohnenden Orte des Geistes, und seine Säule zum gegenbildlichen +Dasein genommen werden müsse, darum nichts beweisen, weil es zuviel +bewiese; denn man kann ebenso sich erinnern, daß auch andere +äußerliche Wege, der Tätigkeit des Geistes beizukommen, um sie zu +erwecken oder zurückzuhalten, beliebt werden.--Die Rückenwirbelsäule +fällt also, wenn man will, _mit Recht_ hinweg; und es ist so gut als +viele andere naturphilosophische Lehren _konstruiert_, daß der +Schädel allein zwar nicht die _Organe_ des Geistes enthalte. Denn +dies wurde vorhin aus dem Begriffe dieses Verhältnisses +ausgeschlossen, und deswegen der Schädel zur Seite des Daseins +genommen; oder wenn nicht an den _Begriff_ der Sache erinnert werden +dürfte, so lehrt ja die Erfahrung, daß wie mit dem Auge als Organe +gesehen, so _nicht_ mit dem Schädel gemordet, gestohlen, gedichtet u. +s.w. wird.--Es ist sich deswegen auch des Ausdrucks _Organ_ für +diejenige _Bedeutung_ des Schädels zu enthalten, von welcher noch zu +sprechen ist. Denn ob man gleich zu sagen pflegt, daß es +vernünftigen Menschen nicht auf das Wort, sondern auf die _Sache_ +ankomme, so ist daraus doch nicht die Erlaubnis zu nehmen, eine Sache +mit einem ihr nicht zugehörigen Worte zu bezeichnen, denn dies ist +Ungeschicklichkeit zugleich und Betrug, der nur das rechte _Wort_ +nicht zu haben meint und vorgibt, und es sich verbirgt, daß ihm in +der Tat die Sache, d.h. der Begriff, fehlt; wenn dieser vorhanden +wäre, würde er auch sein rechtes Wort haben.--Zunächst hat sich hier +nur dies bestimmt, daß wie das Gehirn der lebendige Kopf, der Schädel +das caput mortuum ist. + +In diesem toten Sein hätten also die geistigen Bewegungen und +bestimmten Weisen des Gehirns ihre Darstellung äußerer Wirklichkeit, +die jedoch noch an dem Individuum selbst ist, sich zu geben. Für das +Verhältnis derselben zu ihm, der als totes Sein den Geist nicht in +sich selbst inwohnen hat, bietet sich zunächst das oben festgesetzte, +das äußere mechanische dar, so daß die eigentlichen Organe--und diese +sind am Gehirne--ihn hier rund ausdrücken, dort breit schlagen oder +platt stoßen, oder wie man sonst diese Einwirkung darstellen mag. +Selbst ein Teil des Organismus, muß in ihm zwar, wie in jedem Knochen, +eine lebendige Selbstbildung gedacht werden, so daß, hiernach +betrachtet, er von seiner Seite vielmehr das Gehirn drückt und dessen +äußere Beschränkung setzt; wozu er auch als das Härtere eher das +Vermögen hat. Dabei aber würde noch immer dasselbe Verhältnis in der +Bestimmung der Tätigkeit beider gegeneinander bleiben; denn ob der +Schädel das Bestimmende oder das Bestimmte ist, dies änderte an dem +Kausalzusammenhange überhaupt nichts, nur daß dann der Schädel zum +unmittelbaren Organe des Selbstbewußtseins gemacht würde, weil in ihm +als _Ursache_ sich die Seite des _Für-sich-seins_ fände. Allein +indem das _Für-sich-sein_ als _organische Lebendigkeit in beide_ auf +gleiche Weise fällt, fällt in der Tat der Kausalzusammenhang zwischen +ihnen hinweg. Diese Fortbildung beider aber hinge im Innern zusammen, +und wäre eine organische prästabilierte Harmonie, welche die beiden +sich aufeinander beziehenden Seiten frei gegeneinander und jeder ihre +eigene _Gestalt_ läßt, der die Gestalt der andern nicht zu +entsprechen braucht; und noch mehr die Gestalt und die Qualität +gegeneinander--wie die Form der Weinbeere und der Geschmack des +Weines frei gegeneinander sind.--Indem aber auf die Seite des Gehirns +die Bestimmung des _Für-sich-seins_, auf die Seite des Schädels aber +die Bestimmung des _Daseins_ fällt, so ist innerhalb der organischen +Einheit _auch_ ein Kausalzusammenhang derselben zu setzen; eine +notwendige Beziehung derselben als äußere füreinander, d.h. eine +selbst äußerliche, wodurch also ihre _Gestalt_ durch einander +bestimmt würde. + +In Ansehung der Bestimmung aber, in welcher das Organ des +Selbstbewußtseins auf die gegenüberstehende Seite tätige Ursache wäre, +kann auf mancherlei Weise hin und her geredet werden; denn es ist +von der Beschaffenheit einer Ursache die Rede, die nach ihrem +_gleichgültigen_ Dasein, ihrer Gestalt und Größe betrachtet wird, +einer Ursache, deren Innres und Für-sich-sein gerade ein solches sein +soll, welches das unmittelbare Dasein nichts angeht. Die organische +Selbstbildung des Schädels ist zuerst gleichgültig gegen die +mechanische Einwirkung, und das Verhältnis dieser beiden Verhältnisse +ist, da jenes das Sich-auf-sich-selbst-beziehen ist, eben diese +Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit selbst. Alsdenn wenn auch das +Gehirn die Unterschiede des Geistes zu seienden Unterschieden in sich +aufnähme und eine Vielheit innerer einen verschiedenen Raum +einnehmenden Organe wäre--was der Natur widerspricht, welche den +Momenten des Begriffs ein eigenes Dasein gibt, und daher die +_flüssige Einfachheit_ des organischen Lebens _rein auf eine Seite_, +und die _Artikulation_ und _Einteilung_ desselben ebenso in seinen +Unterschieden auf die _andere_ Seite stellt, so daß sie, wie sie hier +gefaßt werden sollen, als besondere anatomische Dinge sich zeigen--, +so würde es unbestimmt sein, ob ein geistiges Moment, je nachdem es +ursprünglich stärker oder schwächer wäre, entweder in jenem Falle ein +_expandierteres_, in diesem ein _kontrahierteres_ Gehirnorgan +besitzen müßte, oder auch gerade umgekehrt.--Ebenso ob seine +_Ausbildung_ das Organ vergrößerte oder verkleinerte, ob es dasselbe +plumper und dicker oder feiner machte. Dadurch, daß es unbestimmt +bleibe, wie die Ursache beschaffen ist, ist es ebenso unbestimmt +gelassen, wie die Einwirkung auf den Schädel geschieht, ob sie ein +Erweitern oder Verengern und Zusammenfallenlassen ist. Wird diese +Einwirkung etwa _vornehmer_ als ein _Erregen_ bestimmt, so ist es +unbestimmt, ob es nach der Weise eines Kanthariden-Pflasters +auftreibend oder eines Essigs einschrumpfend geschieht.--Für alle +dergleichen Ansichten lassen sich plausible Gründe vorbringen, denn +die organische Beziehung, welche ebensosehr eingreift, läßt den einen +so gut passieren als den andern, und ist gleichgültig gegen allen +diesen Verstand. + +Dem beobachtenden Bewußtsein ist es aber nicht darum zu tun, diese +Beziehung bestimmen zu wollen. Denn es ist ohnehin nicht das Gehirn, +was als _animalischer_ Teil auf der einen Seite steht, sondern +dasselbe als _Sein_ der _selbstbewußten_ Individualität.--Sie als +stehender Charakter und sich bewegendes bewußtes Tun ist _für sich_ +und _in sich_; diesem Für- und In-sich-sein steht ihre Wirklichkeit +und Dasein für Anderes entgegen; das Für- und In-sich-sein ist das +Wesen und Subjekt, welches am Gehirne ein Sein hat, das _unter es +subsumiert_ ist, und seinen Wert nur durch die inwohnende Bedeutung +erhält. Die andre Seite der selbstbewußten Individualität aber, die +Seite ihres Daseins ist das _Sein_ als selbstständig und Subjekt, +oder als ein Ding, nämlich ein Knochen; die _Wirklichkeit und Dasein +des Menschen ist sein Schädelknochen_.--Dies ist das Verhältnis und +der Verstand, den die beiden Seiten dieser Beziehung in dem sie +beobachtenden Bewußtsein haben. + +Diesem ist es nun um die bestimmtere Beziehung dieser Seiten zu tun; +der Schädelknochen hat wohl im Allgemeinen die Bedeutung, die +unmittelbare Wirklichkeit des Geistes zu sein. Aber die +Vielseitigkeit des Geistes gibt seinem Dasein eine ebensolche +Vieldeutigkeit; was zu gewinnen ist, ist die Bestimmtheit der +Bedeutung der einzelnen Stellen, in welche dies Dasein geteilt ist, +und es ist zu sehen, wie sie das Hinweisen darauf an ihnen haben. + +Der Schädelknochen ist kein Organ der Tätigkeit, noch auch eine +sprechende Bewegung; es wird weder mit dem Schädelknochen gestohlen, +gemordet u.s.f., noch verzieht er zu solchen Taten im geringsten die +Miene, so daß er sprechende Gebärde würde.--Noch hat auch dieses +_Seiende_ den Wert eines _Zeichens_. Miene und Gebärde, Ton, auch +eine Säule, ein Pfahl, der auf einer öden Insel eingeschlagen ist, +kündigen sich sogleich an, daß noch irgend etwas anderes damit +gemeint ist, als das, was sie unmittelbar _nur sind_. Sie geben sich +selbst sogleich für Zeichen aus, indem sie eine Bestimmtheit an ihnen +haben, welche auf etwas anderes dadurch hinweist, daß sie ihnen nicht +eigentümlich angehört. + +Man kann sich wohl auch bei einem Schädel, wie Hamlet bei Yoricks, +vielerlei einfallen lassen, aber der Schädelknochen für sich ist ein +so gleichgültiges, unbefangenes Ding, daß an ihm unmittelbar nichts +anderes zu sehen und zu meinen ist als nur er selbst; er erinnert +wohl an das Gehirn und seine Bestimmtheit, an Schädel von anderer +Formation, aber nicht an eine bewußte Bewegung, indem er weder Miene +und Gebärde noch etwas an ihm eingedrückt hat, das von einem bewußten +Tun herkommend sich ankündigte; denn er ist diejenige Wirklichkeit, +welche an der Individualität eine solche andere Seite darstellen +sollte, die nicht mehr sich in sich reflektierendes Sein, sondern +rein _unmittelbares Sein_ wäre. + +Da er ferner auch nicht selbst fühlt, so scheint sich eine +bestimmtere Bedeutung für ihn etwa noch so ergeben zu können, daß +bestimmte Empfindungen durch die Nachbarschaft erkennen ließen, was +mit ihm gemeint sei; und indem eine bewußte Weise des Geistes bei +einer bestimmten Stelle desselben ihr Gefühl hat, wird etwa dieser +Ort in seiner Gestalt sie und ihre Besonderheit andeuten. Wie zum +Beispiel manche bei dem angestrengten Denken oder auch schon beim +_Denken_ überhaupt eine schmerzliche Spannung irgendwo im Kopfe zu +fühlen klagen, könnte auch das _Stehlen_, das _Morden_, das _Dichten_ +und so fort jedes mit einer eigenen Empfindung begleitet sein, die +außerdem noch ihre besondere Stelle haben müßte. Diese Stelle des +Gehirns, die auf diese Art mehr bewegt und betätigt wäre, würde +wahrscheinlich auch die benachbarte Stelle des Knochens mehr +ausbilden; oder diese würde aus Sympathie oder Konsensus auch nicht +träge sein, sondern sich vergrößern, oder verkleinern, oder auf +welche Weise es sei sich formieren.--Was jedoch diese Hypothese +unwahrscheinlich macht, ist dies, daß das Gefühl überhaupt etwas +Unbestimmtes ist, und das Gefühl im Kopfe als dem Zentrum das +allgemeine Mitgefühl alles Leidens sein möchte, so daß sich mit dem +Diebs-, Mörders-, Dichters-Kopf-Kitzel oder--Schmerz andere +vermischen, und sich voneinander sowie von denen, die man bloß +körperlich nennen kann, sowenig unterscheiden lassen würden, als aus +dem Symptome des Kopfwehs, wenn wir seine Bedeutung nur auf das +Körperliche einschränken, sich die Krankheit bestimmen läßt. + +Es fällt in der Tat, von welcher Seite die Sache betrachtet werde, +alle notwendige gegenseitige Beziehung, so wie deren durch sich +selbst sprechende Andeutung, hinweg. Es bleibt, wenn denn die +Beziehung doch stattfinden soll, eine _begrifflose_ freie +prästabilierte Harmonie der entsprechenden Bestimmung beider Seiten +übrig und notwendig; denn die eine _soll geistlose Wirklichkeit, +bloßes Ding_ sein.--Es stehen also eben auf einer Seite eine Menge +ruhender Schädelstellen, auf der andern eine Menge +Geistes-Eigenschaften, deren Vielheit und Bestimmung von dem Zustande +der Psychologie abhängen wird. Je elender die Vorstellung von dem +Geiste ist, um so mehr wird von dieser Seite die Sache erleichtert; +denn teils werden die Eigenschaften um so weniger, teils um so +abgeschiedener, fester und knöcherner, hiedurch Knochenbestimmungen +um so ähnlicher und mit ihnen vergleichbarer. Allein obzwar durch +die Elendigkeit der Vorstellung von dem Geiste vieles erleichtert ist, +so bleibt doch immer eine sehr große Menge auf beiden Seiten; es +bleibt die gänzliche Zufälligkeit ihrer Beziehung für die Beobachtung. +Wenn von den Kindern Israels aus dem Sand am Meere, dem sie +entsprechen sollen, jedes das Körnchen, dessen Zeichen es ist, sich +nehmen sollte, so ist diese Gleichgültigkeit und Willkür, welche +jedem das seine zuteilte, ebenso stark als die, welche jeder +Seelenfähigkeit, Leidenschaft und, was hier gleichfalls betrachtet +werden müßte, den Schattierungen von Charakteren, von welchen die +feinere Psychologie und Menschenkenntnis zu sprechen pflegt, ihre +Schädelstätten und Knochenformen zuweist.--Der Schädel des Mörders +hat dieses--nicht Organ, auch nicht Zeichen, sondern diesen Knorren; +aber dieser Mörder hat noch eine Menge anderer Eigenschaften, sowie +andere Knorren, und mit den Knorren auch Vertiefungen; man hat die +Wahl unter Knorren und Vertiefungen. Und wieder kann sein Mordsinn +auf welchen Knorren oder Vertiefung es sei und hinwiederum diese auf +welche Eigenschaft es sei bezogen werden; denn weder ist der Mörder +nur dies Abstraktum eines Mörders, noch hat er nur _eine_ Erhabenheit +und _eine_ Vertiefung. Die Beobachtungen, welche hierüber angestellt +werden, müssen darum gerade auch so gut lauten als der Regen des +Krämers und der Hausfrau am Jahrmarkte und bei der Wäsche. Krämer +und Hausfrau konnten auch die Beobachtung machen, daß es immer regnet, +wenn dieser Nachbar vorbeigeht, oder wenn Schweinsbraten gegessen +wird. Wie der Regen gegen diese Umstände, so gleichgültig ist für +die Beobachtung _diese_ Bestimmtheit des Geistes gegen _dieses_ +bestimmte Sein des Schädels. Denn von den beiden Gegenständen dieses +Beobachtens ist der eine ein trockenes _Für-sich-sein_, eine +knöcherne Eigenschaft des Geistes, wie der andere ein trockenes +_An-sich-sein_; ein so knöchernes Ding, als beide sind, ist +vollkommen gleichgültig gegen alles andere; es ist dem hohen Knorren +ebenso gleichgültig, ob ein Mörder in seiner Nachbarschaft, als dem +Mörder, ob die Plattheit in seiner Nähe ist. + +Es bleibt allerdings die _Möglichkeit_, daß mit irgendeiner +Eigenschaft, Leidenschaft u.s.f. ein Knorren an irgendeiner Stelle +verbunden sei, unüberwindlich übrig. Man _kann sich_ den Mörder mit +einem hohen Knorren hier an dieser Schädelstelle, den Dieb mit einer +dort _vorstellen_. Von dieser Seite ist die Schädelwissenschaft noch +großer Erweiterung fähig; denn zunächst scheint sie sich nur auf die +Verbindung eines Knorren mit einer Eigenschaft _an demselben +Individuum_, so daß dieses beide besitzt, einzuschränken. Aber schon +die natürliche Schädelwissenschaft--denn es muß so gut eine solche +als eine natürliche Physiognomik geben--geht über diese Schranken +hinaus; sie urteilt nicht nur, daß ein schlauer Mensch einen +faustdicken Knorren hinter den Ohren sitzen habe, sondern sie stellt +auch vor, daß die untreue Ehefrau nicht selbst, sondern das andre +ehliche Individuum Knorren an der Stirne habe.--Ebenso kann man sich +auch den, der mit dem Mörder unter einem Dache wohnt, oder auch +seinen Nachbar, und weiter hinaus seine Mitbürger u.s.f. mit hohen +Knorren an irgendeiner Schädelstelle _vorstellen_, so gut als die +fliegende Kuh, die zuerst von dem Krebs, der auf dem Esel ritt, +geliebkost und hernach u.s.f. wurde.--Wird aber die _Möglichkeit_ +nicht im Sinne der Möglichkeit _des Vorstellens_, sondern der +_innern_ Möglichkeit oder des _Begriffs_ genommen, so ist der +Gegenstand eine solche Wirklichkeit, welche reines Ding und ohne +dergleichen Bedeutung ist und sein soll, und sie also nur in der +Vorstellung haben kann. + +Schreitet, ungeachtet der Gleichgültigkeit der beiden Seiten, der +Beobachter jedoch ans Werk, Beziehungen zu bestimmen, teils frisch +gehalten durch den allgemeinen Vernunftgrund, daß das _Äußere der +Ausdruck des Innern_ sei, teils sich unterstützend mit der Analogie +von Schädeln der Tieren--welche zwar wohl einen einfachern Charakter +haben mögen als die Menschen, von denen es aber zugleich um ebenso +schwerer zu sagen wird, welchen sie haben, indem es nicht der +Vorstellung eines jeden Menschen so leicht sein kann, sich in die +Natur eines Tieres recht hineinzubilden--, so findet der Beobachter +bei der Versicherung der Gesetze, die er entdeckt haben will, eine +_vorzügliche Hülfe_ an einem Unterschiede, der uns hier notwendig +auch einfallen muß.--Das _Sein_ des Geistes kann wenigstens nicht als +so etwas schlechthin Unverrücktes und Unverrückbares genommen werden. +Der Mensch ist frei; es wird zugegeben, daß das _ursprüngliche_ Sein +nur _Anlagen_ sind, über welche er viel vermag, oder welche günstiger +Umstände bedürfen, um entwickelt zu werden, d.h. ein _ursprüngliches_ +Sein des Geistes ist ebensowohl als ein solches auszusprechen, das +nicht als Sein existiert. Widersprächen also Beobachtungen +demjenigen, was irgendeinem als Gesetz zu versichern einfällt, wäre +es schön Wetter am Jahrmarkts oder bei der Wäsche, so könnten Krämer +und Hausfrau sprechen, daß es _eigentlich_ regnen _sollte_, und die +_Anlage_ doch dazu _vorhanden_ sei; ebenso das Schädelbeobachten, +--daß dies Individuum _eigentlich_ so sein _sollte_, wie der Schädel +nach dem Gesetze aussagt, und eine _ursprüngliche Anlage_ habe, die +_aber_ nicht ausgebildet worden sei; vorhanden ist diese Qualität +nicht, aber sie _sollte vorhanden_ sein.--Das _Gesetz_ und das +_Sollen_ gründet sich auf das Beobachten des wirklichen Regens, und +des wirklichen Sinnes bei dieser Bestimmtheit des Schädels; ist aber +die _Wirklichkeit_ nicht vorhanden, so gilt die _leere Möglichkeit_ +für ebensoviel.--Diese Möglichkeit, d.i. die Nichtwirklichkeit des +aufgestellten Gesetzes und hiemit ihm widersprechende Beobachtungen +müssen eben dadurch hereinkommen, daß die Freiheit des Individuums +und die entwickelnden Umstände gleichgültig gegen das _Sein_ +überhaupt sind, sowohl gegen es als ursprüngliches inneres wie als +äußeres knöchernes, und daß das Individuum auch etwas anderes sein +kann, als es innerlich ursprünglich und noch mehr als ein Knochen ist. + +Wir erhalten also die Möglichkeit, daß dieser Knorren oder Vertiefung +des Schädels sowohl etwas wirkliches als auch nur eine _Anlage_, und +zwar unbestimmt zu irgend etwas, daß er etwas Nichtwirkliches +bezeichne; wir sehen es einer schlechten Ausrede wie immer ergehen, +daß sie wider dasjenige, dem sie aufhelfen soll, selbst zu gebrauchen +steht. Wir sehen das Meinen durch die Natur der Sache dahin gebracht, +das _Gegenteil_ dessen, aber _gedankenlos_, selbst zu sagen, was es +festhält;--zu sagen, es wird durch diesen Knochen irgend etwas +angedeutet, aber ebensogut _auch nicht_. + +Was der Meinung selbst bei dieser Ausrede vorschwebt, ist der wahre, +sie gerade vertilgende Gedanke, daß das _Sein_ als solches überhaupt +nicht die Wahrheit des Geistes ist. Wie schon die Anlage ein +_ursprüngliches Sein_ ist, das an der Tätigkeit des Geistes keinen +Anteil hat, ein ebensolches ist seinerseits auch der Knochen. Das +Seiende ohne die geistige Tätigkeit ist ein Ding für das Bewußtsein, +und so wenig sein Wesen, daß es vielmehr das Gegenteil desselben und +das Bewußtsein sich allein _wirklich_ ist, durch die Negation und +Vertilgung eines solchen Seins.--Es ist von dieser Seite für völlige +Verleugnung der Vernunft anzusehen, für das _wirkliche Dasein_ des +Bewußtseins einen Knochen auszugeben; und dafür wird er ausgegeben, +indem er als das Äußere des Geistes betrachtet wird, denn das Äußere +ist eben die seiende Wirklichkeit. Es hilft nichts, zu sagen, daß +von diesem Äußern _nur_ auf das Innere, das _etwas anders_ sei, +_geschlossen_ werde, das Äußere nicht das Innere selbst, sondern nur +dessen _Ausdruck_ sei. Denn in dem Verhältnisse beider zueinander +fällt eben auf die Seite des Innern die Bestimmung der sich +_denkenden_ und _gedachten_, auf die Seite des Äußern aber die _der +seienden Wirklichkeit_.--Wenn also einem Menschen gesagt wird: du +(dein Inneres) bist dies, _weil_ dein _Knochen_ so beschaffen ist; so +heißt es nichts anderes als: ich sehe einen Knochen für _deine +Wirklichkeit_ an. Die bei der Physiognomik erwähnte Erwiderung eines +solchen Urteils durch die Ohrfeige bringt zunächst die _weichen_ +Teile aus ihrem Ansehen und Lage, und erweist nur, daß diese kein +wahres _An-sich_, nicht die Wirklichkeit des Geistes sind;--hier +müßte die Erwiderung eigentlich so weit gehen, einem, der so urteilt, +den Schädel einzuschlagen, um gerade so greiflich, als seine Weisheit +ist, zu erweisen, daß ein Knochen für den Menschen nichts _An-sich_, +viel weniger _seine_ wahre Wirklichkeit ist.-Der rohe Instinkt der +selbstbewußten Vernunft wird eine solche Schädelwissenschaft +unbesehen verwerfen--diesen andern beobachtenden Instinkt derselben, +der zur Ahndung _des Erkennens_ gediehen, es auf die geistlose Weise, +daß das Äußere Ausdruck des Innern sei, erfaßt hat. Aber je +schlechter der Gedanke ist, desto weniger fällt es zuweilen auf, +worin bestimmt seine Schlechtigkeit liegt, und desto schwerer ist es, +sie auseinanderzulegen. Denn der Gedanke heißt um so schlechter, je +reiner und leerer die Abstraktion ist, welche ihm für das Wesen gilt. +Der Gegensatz aber, auf den es hier ankömmt, hat zu seinen Gliedern +die ihrer bewußte Individualität und die Abstraktion der ganz zum +_Dinge_ gewordenen Äußerlichkeit--jenes innre Sein des Geistes als +festes geistloses Sein aufgefaßt, eben solchem Sein entgegengesetzt. +--Damit scheint aber auch die beobachtende Vernunft in der Tat ihre +Spitze erreicht zu haben, von welcher sie sich selbst verlassen und +sich überschlagen muß; denn erst das ganz Schlechte hat die +unmittelbare Notwendigkeit an sich, sich zu verkehren.--Wie von dem +jüdischen Volke gesagt werden kann, daß es gerade darum, weil es +unmittelbar vor der Pforte des Heils stehe, das verworrenste sei und +gewesen sei; was es an und für sich sein sollte, diese +Selbstwesenheit ist es sich nicht, sondern verlegt sie jenseits +seiner; es macht sich durch diese Entäußerung ein höheres Dasein +_möglich_, wenn es seinen Gegenstand wieder in sich zurücknehmen +könnte, als wenn es innerhalb der Unmittelbarkeit des Seins +stehengeblieben; weil der Geist um so größer ist, aus je größerem +Gegensatze er in sich zurückkehrt; diesen Gegensatz aber macht er +sich in dem Aufheben seiner unmittelbaren Einheit und in der +Entäußerung seines Für-sich-seins. Allein wenn ein solches +Bewußtsein sich nicht reflektiert, ist die Mitte, worin es steht, die +unselige Leere, indem dasjenige, was sie erfüllen sollte, zum festen +Extreme geworden ist. So ist diese letzte Stufe der beobachtenden +Vernunft ihre schlechteste, aber darum ihre Umkehrung notwendig. + +Denn die Übersicht der bisher betrachteten Reihe von Verhältnissen, +welche den Inhalt und Gegenstand der Beobachtung ausmachen, zeigt, +daß in ihrer _ersten Weise_, in der Beobachtung der Verhältnisse der +unorganischen Natur ihr schon das _sinnliche Sein verschwindet_; die +Momente ihres Verhältnisses stellen sich als reine Abstraktionen und +als einfache Begriffe dar, welche an das Dasein von Dingen fest +geknüpft sein sollten, das aber verlorengeht, so daß das Moment sich +als reine Bewegung und als Allgemeines erweist. Dieser freie in sich +vollendete Prozeß behält die Bedeutung eines Gegenständlichen; tritt +aber nun als ein _Eins_ auf; im Prozesse des Unorganischen ist das +Eins das nicht existierende Innere; als Eins aber existierend ist er +das Organische.--Das Eins steht als Für-sich-sein oder negatives +Wesen dem Allgemeinen gegenüber, entzieht sich diesem und bleibt frei +für sich, so daß der Begriff, nur im Elemente der absoluten +Vereinzelung realisiert, in der organischen Existenz seinen +wahrhaften Ausdruck, _als Allgemeines_ da zu sein, nicht findet, +sondern ein Äußeres oder, was dasselbe ist, ein _Inneres_ der +organischen Natur bleibt.--Der organische Prozeß ist nur frei _an +sich_, ist es aber nicht _für sich selbst_; im _Zwecke_ tritt das +Für-sich-sein seiner Freiheit ein; _existiert_ als ein anderes Wesen, +als eine ihrer selbst bewußte Weisheit, die außer jenem ist. Die +beobachtende Vernunft wendet sich also an diese, an den Geist, den +als Allgemeinheit existierenden Begriff oder als Zweck existierenden +Zweck, und ihr eignes Wesen ist ihr nunmehr der Gegenstand. + +Sie wendet sich zuerst an seine Reinheit; aber indem sie Auffassen +des in seinen Unterschieden sich bewegenden Gegenstandes als eines +seienden ist, werden ihr _Gesetze des Denkens_, Beziehungen von +Bleibendem auf Bleibendes; aber da der Inhalt dieser Gesetze nur +Momente sind, verlaufen sie sich in das Eins des Selbstbewußtseins. +--Dieser neue Gegenstand ebenso als _Seiendes_ genommen, ist das +_einzelne, zufällige_ Selbstbewußtsein; das Beobachten steht daher +innerhalb des gemeinten Geistes und des zufälligen Verhältnisses von +bewußter Wirklichkeit auf unbewußte. Er an sich selbst nur ist die +Notwendigkeit dieser Beziehung; die Beobachtung rückt ihm daher näher +auf den Leib, und vergleicht seine wollende und tuende Wirklichkeit +mit seiner in sich reflektierten und betrachtenden Wirklichkeit, die +selbst gegenständlich ist. Dieses Äußre, obzwar eine Sprache des +Individuums, die es an ihm selbst hat, ist zugleich als Zeichen etwas +Gleichgültiges gegen den Inhalt, den es bezeichnen sollte, so wie das, +welches sich das Zeichen setzt, gleichgültig gegen dieses. + +Von dieser wandelbaren Sprache geht darum die Beobachtung endlich zum +_festen Sein_ zurück, und spricht ihrem Begriffe nach aus, daß die +Äußerlichkeit, nicht als Organ, auch nicht als Sprache und Zeichen, +sondern als _totes Ding_ die äußere und unmittelbare Wirklichkeit des +Geistes sei. Was von der allerersten Beobachtung der unorganischen +Natur aufgehoben wurde, daß nämlich der Begriff als Ding vorhanden +sein sollte, stellt diese letzte Weise so her, daß sie die +Wirklichkeit des Geistes selbst zu einem Dinge macht, oder umgekehrt +ausgedrückt, dem toten Sein die Bedeutung des Geistes gibt.--Die +Beobachtung ist damit dazu gekommen, es auszusprechen, was unser +Begriff von ihr war, daß nämlich die Gewißheit der Vernunft sich +selbst als gegenständliche Wirklichkeit sucht.--Man meint zwar dabei +wohl nicht, daß der Geist, der von einem Schädel vorgestellt wird, +als Ding ausgesprochen werde; es soll kein Materialismus, wie man es +nennt, in diesem Gedanken liegen, sondern der Geist vielmehr noch +etwas anders als diese Knochen sein; aber er _ist_, heißt selbst +nichts anders als: er ist ein _Ding_. Wenn das _Sein_ als solches +oder Dingsein von dem Geiste prädiziert wird, so ist darum der +wahrhafte Ausdruck hievon, daß er ein solches wie _ein Knochen_ ist. +Es muß daher für höchst wichtig angesehen werden, daß der wahre +Ausdruck davon, daß vom Geiste rein gesagt wird, _er ist_, sich +gefunden hat. Wenn sonst vom Geiste gesagt wird, _er ist_, hat _ein +Sein_, ist ein _Ding_, eine einzelne _Wirklichkeit_, so wird damit +nicht etwas _gemeint_, das man sehen oder in die Hand nehmen, stoßen +und so fort kann, aber _gesagt_ wird ein solches, und was in Wahrheit +gesagt wird, drückt sich hiemit so aus, daß _das Sein des Geistes ein +Knochen ist_. + +Dies Resultat hat nun eine doppelte Bedeutung, einmal seine wahre, +insofern es eine Ergänzung des Resultates der vorhergehenden Bewegung +des Selbstbewußtseins ist. Das unglückliche Selbstbewußtsein +entäußerte sich seiner Selbstständigkeit und rang sein +_Für-sich-sein_ zum _Dinge_ heraus. Es kehrte dadurch aus dem +Selbstbewußtsein in das Bewußtsein zurück, d.h. in das Bewußtsein, +für welches der Gegenstand ein _Sein_, ein _Ding_ ist;--aber dies, +was Ding ist, ist das Selbstbewußtsein; es ist also die Einheit des +Ich und des Seins, die _Kategorie_. Indem der Gegenstand für das +Bewußtsein so bestimmt ist, _hat es Vernunft_. Das Bewußtsein sowie +das Selbstbewußtsein _ist an sich_ eigentlich Vernunft; aber nur von +dem Bewußtsein, dem der Gegenstand als die Kategorie sich bestimmt +hat, kann gesagt werden, daß es Vernunft _habe_;--hievon aber ist +noch das Wissen, was Vernunft ist, unterschieden.--Die Kategorie, +welche die _unmittelbare_ Einheit des _Seins_ und des _Seinen_ ist, +muß beide Formen durchlaufen, und das beobachtende Bewußtsein ist +eben dieses, dem sie sich in der Form des _Seins_ darstellt. In +seinem Resultate spricht das Bewußtsein dasjenige, dessen bewußtlose +Gewißheit es ist, als Satz aus--den Satz, der im Begriffe der +Vernunft liegt. Er ist das _unendliche Urteil_, daß das Selbst ein +Ding ist--ein Urteil, das sich selbst aufhebt.--Durch dieses Resultat +ist also bestimmt zur Kategorie dies hinzugekommen, daß sie dieser +sich aufhebende Gegensatz ist. Die _reine_ Kategorie, welche in der +Form des _Seins_ oder der _Unmittelbarkeit_ für das Bewußtsein ist, +ist der noch _unvermittelte_, nur _vorhandne_ Gegenstand, und das +Bewußtsein ein ebenso unvermitteltes Verhalten. Das Moment jenes +unendlichen Urteils ist der Übergang der _Unmittelbarkeit_ in die +Vermittlung oder _Negativität_. Der vorhandne Gegenstand ist daher +als ein negativer bestimmt, das Bewußtsein aber als +_Selbst_bewußtsein gegen ihn, oder die Kategorie, welche die Form des +_Seins_ im Beobachten durchlaufen hat, ist jetzt in der Form des +Für-sich-seins gesetzt; das Bewußtsein will sich nicht mehr +_unmittelbar finden_, sondern durch seine Tätigkeit sich selbst +hervorbringen. _Es selbst_ ist sich der Zweck seines Tuns, wie es ihm +im Beobachten nur um die Dinge zu tun war. + +Die andere Bedeutung des Resultats ist die schon betrachtete des +begrifflosen Beobachtens. Dieses weiß sich nicht anders zu fassen +und auszusprechen, als daß es unbefangen den Knochen, wie er sich als +sinnliches Ding findet, das seine Gegenständlichkeit für das +Bewußtsein nicht zugleich verliert, für die _Wirklichkeit_ des +Selbstbewußtseins aussagt. Es hat aber auch darüber, daß es dies +sagt, keine Klarheit des Bewußtseins, und faßt seinen Satz nicht in +der Bestimmtheit seines Subjekts und Prädikats und der Beziehung +derselben, noch weniger in dem Sinne des unendlichen sich selbst +auflösenden Urteils und des Begriffs.--Es verbirgt sich vielmehr aus +einem tieferliegenden Selbstbewußtsein des Geistes, das hier als eine +natürliche Honettetät erscheint, die Schmählichkeit des begrifflosen +nackten Gedankens, für die Wirklichkeit des Selbstbewußtseins einen +Knochen zu nehmen, und übertüncht ihn durch die Gedankenlosigkeit +selbst, mancherlei Verhältnisse von Ursache und Wirkung, von Zeichen, +Organ u.s.w., die hier keinen Sinn haben, einzumischen, und durch +Unterscheidungen, die von ihnen hergenommen sind, das Grelle des +Satzes zu verstecken. + +Gehirnfibern und dergleichen als das Sein des Geistes betrachtet, +sind schon eine gedachte nur hypothetische--nicht _daseiende_, nicht +gefühlte, gesehene, nicht die wahre Wirklichkeit; wenn sie _da sind_, +wenn sie gesehen werden, sind sie tote Gegenstände und gelten dann +nicht mehr für das Sein des Geistes. Aber die eigentliche +Gegenständlichkeit muß eine _unmittelbare, sinnliche_ sein, so daß +der Geist in dieser als toten--denn der Knochen ist das Tote, +insofern es am Lebendigen selbst ist--als wirklich gesetzt wird.--Der +Begriff dieser Vorstellung ist, daß die Vernunft sich _alle Dingheit_, +auch die _rein gegenständliche selbst_ ist; sie ist aber dies _im +Begriffe_, oder der Begriff nur ist ihre Wahrheit, und je reiner der +Begriff selbst ist, zu einer desto albernern Vorstellung sinkt er +herab, wenn sein Inhalt nicht als Begriff, sondern als Vorstellung +ist--wenn das sich selbst aufhebende Urteil nicht mit dem Bewußtsein +dieser seiner Unendlichkeit genommen wird, sondern als ein bleibender +Satz, und dessen Subjekt und Prädikat jedes für sich gelten, das +Selbst als Selbst, das Ding als Ding fixiert und doch eins das andre +sein soll.--Die Vernunft, wesentlich der Begriff, ist unmittelbar in +sich selbst und ihr Gegenteil entzweit, ein Gegensatz, der eben darum +ebenso unmittelbar aufgehoben ist. Aber sich so als sich selbst und +als ihr Gegenteil darbietend, und festgehalten in dem ganz einzelnen +Momente dieses Auseinandertretens, ist sie unvernünftig aufgefaßt; +und je reiner die Momente desselben sind, desto greller ist die +Erscheinung dieses Inhalts, der allein entweder für das Bewußtsein +ist, oder von ihm unbefangen allein ausgesprochen wird.--Das _Tiefe_, +das der Geist von innen heraus, aber nur bis in sein _vorstellendes +Bewußtsein_ treibt und es in diesem stehen läßt,--und die +_Unwissenheit_ dieses Bewußtseins, was das ist, was es sagt, ist +dieselbe Verknüpfung des Hohen und Niedrigen, welche an dem +Lebendigen die Natur in der Verknüpfung des Organs seiner höchsten +Vollendung, des Organs der Zeugung,--und des Organs des Pissens naiv +ausdrückt.--Das unendliche Urteil als unendliches wäre die Vollendung +des sich selbst erfassenden Lebens, das in der Vorstellung bleibende +Bewußtsein desselben aber verhält sich als Pissen. + + +B. Die Verwirklichungdes vernünftigen Selbstbewußtseinsdurch sich +selbst + +Das Selbstbewußtsein fand das Ding als sich, und sich als Ding; d.h. +_es ist für es_, daß es _an sich_ die gegenständliche Wirklichkeit +ist. Es ist nicht mehr die _unmittelbare_ Gewißheit, alle Realität +zu sein; sondern eine solche, für welche das Unmittelbare überhaupt +die Form eines aufgehobenen hat, so daß seine _Gegenständlichkeit_ +nur noch als Oberfläche gilt, deren Inneres und Wesen _es selbst_ ist. +--Der Gegenstand, auf welchen es sich positiv bezieht, ist daher ein +Selbstbewußtsein; er ist in der Form der Dingheit, d.h. er ist +_selbstständig_; aber es hat die Gewißheit, daß dieser selbstständige +Gegenstand kein Fremdes für es ist; es weiß hiemit, daß es _an sich_ +von ihm anerkannt ist; es ist der _Geist_, der die Gewißheit hat, in +der Verdopplung seines Selbstbewußtseins und in der Selbstständigkeit +beider seine Einheit mit sich selbst zu haben. Diese Gewißheit hat +sich ihm nun zur Wahrheit zu erheben; was ihm gilt, daß es _an sich_ +und in seiner _innern_ Gewißheit sei, soll in sein Bewußtsein treten, +und _für es_ werden. + +Was die allgemeinen Stationen dieser Verwirklichung sein werden, +bezeichnet sich im allgemeinen schon durch die Vergleichung mit dem +bisherigen Wege. Wie nämlich die beobachtende Vernunft in dem +Elemente der Kategorie die Bewegung des _Bewußtseins_, nämlich die +sinnliche Gewißheit, das Wahrnehmen und den Verstand wiederholte, so +wird diese auch die doppelte Bewegung des _Selbstbewußtseins_ wieder +durchlaufen, und aus der Selbstständigkeit in seine Freiheit +übergehen. Zuerst ist diese tätige Vernunft ihrer selbst nur als +eines Individuums bewußt, und muß als ein solches seine Wirklichkeit +im andern fodern und hervorbringen--alsdenn aber, indem sich sein +Bewußtsein zur Allgemeinheit erhebt, wird es _allgemeine_ Vernunft, +und ist sich seiner als Vernunft, als an und für sich schon +anerkanntes bewußt, welches in seinem reinen Bewußtsein alles +Selbstbewußtsein vereinigt; es ist das einfache geistige Wesen, das, +indem es zugleich zum Bewußtsein kommt, die _reale Substanz_ ist, +worein die frühern Formen als in ihren Grund zurückgehen, so daß sie +gegen diesen nur einzelne Momente seines Werdens sind, die sich zwar +losreißen und als eigne Gestalten erscheinen, in der Tat aber nur von +ihm getragen _Dasein_ und _Wirklichkeit_, aber ihre _Wahrheit_ nur +haben, insofern sie in ihm selbst sind und bleiben. + +Nehmen wir dieses Ziel, das der _Begriff_ ist, der _uns_ schon +entstanden--nämlich das anerkannte Selbstbewußtsein, das in dem +andern freien Selbstbewußtsein die Gewißheit seiner selbst, und eben +darin seine Wahrheit hat--, in seiner Realität auf, oder heben wir +diesen noch innern Geist als die schon zu ihrem Dasein gediehene +Substanz heraus, so schließt sich in diesem Begriffe _das Reich der +Sittlichkeit_ auf. Denn diese ist nichts anders als in der +selbstständigen _Wirklichkeit_ der Individuen die absolute geistige +_Einheit_ ihres Wesens; ein an sich allgemeines Selbstbewußtsein, das +sich in einem andern Bewußtsein so wirklich ist, daß dieses +vollkommene Selbstständigkeit hat, oder ein Ding für es, und daß es +eben darin der _Einheit_ mit ihm sich bewußt ist, und in dieser +Einheit mit diesem gegenständlichen Wesen erst Selbstbewußtsein ist. +Diese sittliche _Substanz_ in der _Abstraktion_ der _Allgemeinheit_, +ist sie nur das _gedachte_ Gesetz; aber sie ist ebensosehr +unmittelbar wirkliches _Selbstbewußtsein_ oder sie ist _Sitte_. Das +_einzelne_ Bewußtsein ist umgekehrt nur dieses seiende Eins, indem es +des allgemeinen Bewußtseins in seiner Einzelnheit als seines Seins +sich bewußt, indem sein Tun und Dasein die allgemeine Sitte ist. + +In dem Leben eines Volks hat in der Tat der Begriff der +Verwirklichung der selbstbewußten Vernunft, in der Selbstständigkeit +des _Andern_ die vollständige _Einheit_ mit ihm anzuschauen, oder +diese von mir vorgefundene freie _Dingheit_ eines andern, welche das +Negative meiner selbst ist, als _mein_ Für-_mich_-sein zum +Gegenstande zu haben, seine vollendete Realität. Die Vernunft ist +als die flüssige allgemeine _Substanz_, als die unwandelbare einfache +_Dingheit_ vorhanden, welche ebenso in viele vollkommen +selbstständige Wesen wie das Licht in Sterne als unzählige für sich +leuchtende Punkte zerspringt, die in ihrem absoluten Für-sich-sein +nicht nur _an sich_ in der einfachen selbstständigen Substanz +aufgelöst sind, sondern _für sich selbst_; sie sind sich bewußt, +diese einzelne selbstständige Wesen dadurch zu sein, daß sie ihre +Einzelnheit aufopfern und diese allgemeine Substanz ihre Seele und +Wesen ist; so wie dies Allgemeine wieder das _Tun_ ihrer als +einzelner oder das von ihnen hervorgebrachte Werk ist. + +Das _rein einzelne_ Tun und Treiben des Individuums bezieht sich auf +die Bedürfnisse, welche es als Naturwesen, das heißt als _seiende +Einzelnheit_ hat. Daß selbst diese seine gemeinsten Funktionen nicht +zunichte werden, sondern Wirklichkeit haben, geschieht durch das +allgemeine erhaltende Medium, durch die _Macht_ des ganzen Volks. +--Nicht nur aber diese _Form_ des _Bestehens_ seines Tuns überhaupt +hat es in der allgemeinen Substanz, sondern ebensosehr _seinen +Inhalt_; was es tut, _ist_ die allgemeine Geschicklichkeit und Sitte +aller. Dieser Inhalt, insofern er sich vollkommen vereinzelt, ist in +seiner Wirklichkeit in das Tun aller verschränkt. Die _Arbeit_ des +Individuums für seine Bedürfnisse ist ebensosehr eine Befriedigung +der Bedürfnisse der andern als seiner eignen, und die Befriedigung +der seinigen erreicht es nur durch die Arbeit der andern.--Wie der +Einzelne in seiner _einzelnen_ Arbeit schon eine _allgemeine_ Arbeit +_bewußtlos_ vollbringt, so vollbringt er auch wieder die allgemeine +als seinen _bewußten_ Gegenstand; das Ganze wird _als Ganzes_ sein +Werk, für das er sich aufopfert, und ebendadurch sich selbst von ihm +zurückerhält.--Es ist hier nichts, das nicht gegenseitig wäre, nichts, +woran nicht die Selbstständigkeit des Individuums in der Auflösung +ihres Für-sich-seins, in der _Negation_ ihrer selbst ihre _positive_ +Bedeutung, für sich zu sein, sich gäbe. Diese Einheit des Seins für +Anderes oder des Sich-zum-Dinge-machens und des Für-sich-seins, diese +allgemeine Substanz redet ihre _allgemeine Sprache_ in den Sitten und +Gesetzen seines Volks; aber dies seiende unwandelbare Wesen ist +nichts anders als der Ausdruck der ihr entgegengesetzt scheinenden +einzelnen Individualität selbst; die Gesetze sprechen das aus, was +jeder Einzelne _ist_ und _tut_; das Individuum erkennt sie nicht nur +als seine _allgemeine_ gegenständliche Dingheit, sondern ebensosehr +sich in ihr, oder als _vereinzelt_ in seiner eignen Individualität +und in jedem seiner Mitbürger. In dem allgemeinen Geiste hat daher +jeder nur die Gewißheit seiner selbst, nichts anders in der seienden +Wirklichkeit zu finden als sich selbst; er ist der andern so gewiß +als seiner.--Ich schaue es in allen an, daß sie für sich selbst nur +diese selbstständigen Wesen sind, als Ich es bin; Ich schaue die +freie Einheit mit den andern in ihnen so an, daß sie wie durch Mich, +so durch die andern selbst ist. Sie als Mich, Mich als Sie. + +In einem freien Volke ist darum in Wahrheit die Vernunft verwirklicht; +sie ist gegenwärtiger lebendiger Geist, worin das Individuum seine +_Bestimmung_, das heißt sein allgemeines und einzelnes Wesen, nicht +nur ausgesprochen und als Dingheit vorhanden findet, sondern selbst +dieses Wesen ist, und seine Bestimmung auch erreicht hat. Die +weisesten Männer des Altertums haben darum den Ausspruch getan: _daß +die Weisheit und die Tugend darin bestehen, den Sitten seines Volks +gemäß zu leben_. + +Aus diesem Glücke aber, seine Bestimmung erreicht zu haben, und in +ihr zu leben, ist das Selbstbewußtsein, welches zunächst nur +_unmittelbar_ und dem _Begriffe nach_ Geist ist, herausgetreten, oder +auch--es hat es noch nicht erreicht; denn beides kann auf gleiche +Weise gesagt werden. + +Die Vernunft _muß aus diesem Glücke heraustreten_; denn nur _an sich_ +oder _unmittelbar_ ist das Leben eines freien Volks die _reale +Sittlichkeit_, oder sie ist eine _seiende_, und damit ist auch dieser +allgemeine Geist selbst ein einzelner, das Ganze der Sitten und +Gesetze, eine _bestimmte_ sittliche Substanz, welche erst in dem +hohem Momente, nämlich im _Bewußtsein über ihr Wesen_, die +Beschränkung auszieht, und nur in diesem Erkennen ihre absolute +Wahrheit hat, nicht aber unmittelbar in ihrem _Sein_; in diesem ist +sie teils eine beschränkte, teils ist die absolute Beschränkung eben +dies, daß der Geist in der Form des _Seins_ ist. + +Ferner ist daher das _einzelne_ Bewußtsein, wie es unmittelbar seine +Existenz in der realen Sittlichkeit oder in dem Volke hat, ein +gediegenes Vertrauen, dem sich der Geist nicht in seine _abstrakte_ +Momente aufgelöst hat, und das sich also auch nicht als reine +_Einzelnheit für sich zu sein_ weiß. Ist es aber zu diesem Gedanken +gekommen, wie es muß, so ist diese _unmittelbare_ Einheit mit dem +Geiste oder sein _Sein_ in ihm, sein Vertrauen verloren; es für sich +_isoliert_, ist sich nun das Wesen, nicht mehr der allgemeine Geist. +Das _Moment dieser Einzelnheit des Selbstbewußtseins_ ist zwar in dem +allgemeinen Geiste selbst, aber nur als eine verschwindende Größe, +die, wie sie für sich auftritt, in ihm ebenso unmittelbar sich +auflöst und nur als Vertrauen zum Bewußtsein kommt. Indem es sich so +fixiert--und jedes Moment, weil es Moment des Wesens ist, muß selbst +dazu gelangen, als Wesen sich darzustellen--, so ist das Individuum +den Gesetzen und Sitten gegenübergetreten; sie sind nur ein Gedanke +ohne absolute Wesenheit, eine abstrakte Theorie ohne Wirklichkeit; es +aber ist als dieses Ich sich die lebendige Wahrheit. + +Oder das Selbstbewußtsein hat _dieses Glück noch nicht erreicht_, +sittliche Substanz, der Geist eines Volks zu sein. Denn aus der +Beobachtung zurückgekehrt, ist der Geist zuerst noch nicht als +solcher durch sich selbst verwirklicht; er ist nur als _innres_ Wesen +oder als die Abstraktion gesetzt.--Oder er _ist_ erst _unmittelbar_; +unmittelbar seiend aber ist er _einzeln_; er ist das praktische +Bewußtsein, das in seine vorgefundene Welt mit dem Zwecke +einschreitet, sich in dieser Bestimmtheit eines Einzelnen zu +verdoppeln, sich als Diesen als sein seiendes Gegenbild zu erzeugen +und dieser Einheit seiner Wirklichkeit mit dem gegenständlichen Wesen +bewußt zu werden. Es hat die _Gewißheit_ dieser Einheit; es gilt ihm, +daß sie _an sich_ oder daß diese Übereinstimmung seiner und der +Dingheit schon vorhanden ist, nur _ihm_ noch durch es zu werden hat, +oder daß sein Machen ebenso das _Finden_ derselben ist. Indem diese +Einheit _Glück_ heißt, wird dies Individuum hiemit sein _Glück zu +suchen_ von seinem Geiste in die Welt hinausgeschickt. + +Wenn also die Wahrheit dieses vernünftigen Selbstbewußtseins für uns +die sittliche Substanz ist, so ist hier für es der Anfang seiner +sittlichen Welterfahrung. Von der Seite, daß es noch nicht zu jener +geworden, dringt diese Bewegung auf sie, und das, was in ihr sich +aufhebt, sind die einzelnen Momente, die ihm isoliert gelten. Sie +haben die Form eines unmittelbaren Wollens oder _Naturtriebs_, der +seine Befriedigung erreicht, welche selbst der Inhalt eines neuen +Triebes ist.--Von der Seite aber, daß das Selbstbewußtsein das Glück +in der Substanz zu sein verloren, sind diese Naturtriebe mit +Bewußtsein ihres Zweckes als der wahren Bestimmung und Wesenheit +verbunden; die sittliche Substanz ist zum selbstlosen Prädikate +herabgesunken, dessen lebendige Subjekte die Individuen sind, die +ihre Allgemeinheit durch sich selbst zu erfüllen, und für ihre +Bestimmung aus sich zu sorgen haben.--In jener Bedeutung also sind +jene Gestalten das Werden der sittlichen Substanz, und gehen ihr vor; +in dieser folgen sie, und lösen es für das Selbstbewußtsein auf, was +seine Bestimmung sei; nach jener Seite geht in der Bewegung, worin +erfahren wird, was ihre Wahrheit ist, die Unmittelbarkeit oder Roheit +der Triebe verloren, und der Inhalt derselben in einen höhern über; +nach dieser aber die falsche Vorstellung des Bewußtseins, das in sie +seine Bestimmung setzt. Nach jener ist das _Ziel_, das sie erreichen, +die unmittelbare sittliche Substanz; nach dieser aber das Bewußtsein +derselben, und zwar ein solches, das sie als sein eignes Wesen weiß; +und insofern wäre diese Bewegung das Werden der Moralität, einer +höhern Gestalt als jene. Allein diese Gestalten machen zugleich nur +_eine_ Seite ihres Werdens aus, nämlich diejenige, welche in das +_Für-sich-sein_ fällt, oder worin das Bewußtsein _seine_ Zwecke +aufhebt; nicht die Seite, nach welcher sie aus der Substanz selbst +hervorgeht. Da diese Momente noch nicht die Bedeutung haben können, +im Gegensatze gegen die verlorne Sittlichkeit zu Zwecken gemacht zu +werden, so gelten sie hier zwar nach ihrem unbefangenen Inhalte, und +das Ziel, nach welchem sie dringen, ist die sittliche Substanz. Aber +indem unsern Zeiten jene Form derselben näher liegt, in welcher sie +erscheinen, nachdem das Bewußtsein sein sittliches Leben verloren und +es suchend jene Formen wiederholt, so mögen sie mehr in dem Ausdrucke +dieser Weise vorgestellt werden. + +Das Selbstbewußtsein, welches nur erst der Begriff des Geistes ist, +tritt diesen Weg in der Bestimmtheit an, sich als einzelner Geist das +Wesen zu sein, und sein Zweck ist also, sich als einzelnes die +Verwirklichung zu geben und als dieses in ihr sich zu genießen. + +In der Bestimmung, sich als _Fürsichseiendes_ das Wesen zu sein, ist +es die _Negativität_ des Andern; in seinem Bewußtsein tritt daher es +selbst als das Positive einem solchen gegenüber, das zwar _ist_, aber +für es die Bedeutung eines Nichtansichseienden hat; das Bewußtsein +erscheint entzweit in diese vorgefundene Wirklichkeit und in den +_Zweck_, den es durch Aufheben derselben vollbringt, und statt jener +vielmehr zur Wirklichkeit macht. Sein erster Zweck ist aber sein +_unmittelbares_ abstraktes _Für-sich-sein_, oder sich als _dieses +Einzelne_ in einem andern oder ein anderes Selbstbewußtsein als sich +anzuschauen. Die Erfahrung, was die Wahrheit dieses Zwecks ist, +stellt das Selbstbewußtsein höher, und es ist sich nunmehr Zweck, +insofern es zugleich _allgemeines_ ist, und das _Gesetz unmittelbar_ +an ihm hat. In der Vollbringung dieses _Gesetzes_ seines _Herzens_ +erfährt es aber, daß das _einzelne_ Wesen hiebei sich nicht erhalten, +sondern das Gute nur durch die Aufopferung desselben ausgeführt +werden kann, und es wird zur _Tugend_. Die Erfahrung, welche sie +macht, kann keine andre sein, als daß ihr Zweck an sich schon +ausgeführt ist, das Glück unmittelbar im Tun selbst sich findet, und +das Tun selbst das Gute ist. Der Begriff dieser ganzen Sphäre, daß +die Dingheit das _Für-sich-sein_ des Geistes selbst ist, wird in +ihrer Bewegung für das Selbstbewußtsein. Indem es ihn gefunden, ist +es sich also Realität als unmittelbar sich aussprechende +Individualität, die keinen Widerstand an einer entgegengesetzten +Wirklichkeit mehr findet, und der nur dies Aussprechen selbst +Gegenstand und Zweck ist. + + +a. Die Lust und die Notwendigkeit + +Das Selbstbewußtsein, welches sich überhaupt die _Realität_ ist, hat +seinen Gegenstand an ihm selbst, aber als einen solchen, welchen es +nur erst _für sich_ hat, und der noch nicht seiend ist; das _Sein_ +steht ihm als eine andere Wirklichkeit, denn die seinige ist, +gegenüber; und es geht darauf, durch Vollführung seines +Für-sich-seins sich als anderes selbstständiges Wesen anzuschauen. +Dieser _erste Zweck_ ist, seiner als einzelnen Wesens in dem andern +Selbstbewußtsein bewußt zu werden, oder dies Andre zu sich selbst zu +machen; es hat die Gewißheit, daß _an sich_ schon dies Andre es +selbst ist.--Insofern es aus der sittlichen Substanz und dem ruhigen +Sein des Denkens zu seinem _Für-sich-sein_ sich erhoben, so hat es +das Gesetz der Sitte und des Daseins, die Kenntnisse der Beobachtung +und die Theorie, als einen grauen eben verschwindenden Schatten +hinter sich, denn dies ist vielmehr ein Wissen von einem solchen, +dessen Für-sich-sein und Wirklichkeit eine andere als die des +Selbstbewußtseins ist. Es ist in es statt des himmlisch scheinenden +Geistes der Allgemeinheit des Wissens und Tuns, worin die Empfindung +und der Genuß der Einzelnheit schweigt, der Erdgeist gefahren, dem +das Sein nur, welches die Wirklichkeit des einzelnen Bewußtseins ist, +als die wahre Wirklichkeit gilt. + + +Es verachtet Verstand und Wissenschaftdes Menschen allerhöchste +Gaben--es hat dem Teufel sich ergebenund muß zugrunde gehn. + + +Es stürzt also ins Leben, und bringt die reine Individualität, in +welcher es auftritt, zur Ausführung. Es macht sich weniger sein +Glück, als daß es dasselbige unmittelbar nimmt und genießt. Die +Schatten von Wissenschaft, Gesetzen und Grundsätzen, die allein +zwischen ihm und seiner eignen Wirklichkeit stehen, verschwinden, als +ein lebloser Nebel, der es nicht mit der Gewißheit seiner Realität +aufnehmen kann; es nimmt sich das Leben, wie eine reife Frucht +gepflückt wird, welche ebensosehr selbst entgegen kommt, als sie +genommen wird. + +Sein Tun ist nur nach einem Momente ein Tun der _Begierde_; es geht +nicht auf die Vertilgung des ganzen gegenständlichen Wesens, sondern +nur auf die Form seines Andersseins oder seiner Selbstständigkeit, +die ein wesenloser Schein ist; denn _an sich_ gilt es ihm für +dasselbe Wesen, oder als seine Selbstheit. Das Element, worin die +Begierde und ihr Gegenstand gleichgültig gegeneinander und +selbstständig bestehen, ist das _lebendige Dasein_; der Genuß der +Begierde hebt dies, insofern es ihrem Gegenstande zukommt, auf. Aber +hier ist dies Element, welches beiden die abgesonderte Wirklichkeit +gibt, vielmehr die Kategorie, ein Sein, das wesentlich ein +_vorgestelltes_ ist; es ist daher das _Bewußtsein_ der +Selbstständigkeit;--sei es nun das natürliche, oder das zu einem +System von Gesetzen ausgebildete Bewußtsein, welches die Individuen +jedes für sich erhält. Diese Trennung ist nicht an sich für das +Selbstbewußtsein, welches als _seine eigne_ Selbstheit das andre weiß. +Es gelangt also zum Genusse der _Lust_, zum Bewußtsein seiner +Verwirklichung in einem als selbstständig erscheinenden Bewußtsein, +oder zur Anschauung der Einheit beider selbstständigen +Selbstbewußtsein. Es erreicht seinen Zweck, erfährt aber eben darin, +was die Wahrheit desselben ist. Es begreift sich als _dieses +einzelne fürsichseiende_ Wesen, aber die Verwirklichung dieses Zwecks +ist selbst das Aufheben desselben, denn es wird sich nicht Gegenstand +als _dieses einzelne_, sondern vielmehr als _Einheit_ seiner selbst +und des andern Selbstbewußtseins, hiemit als aufgehobnes Einzelnes +oder als _Allgemeines_. + +Die genossene Lust hat wohl die positive Bedeutung, _sich selbst_ als +gegenständliches Selbstbewußtsein geworden zu sein, aber ebensosehr +die negative, _sich selbst_ aufgehoben zu haben; und indem es seine +Verwirklichung nur in jener Bedeutung begriff, tritt seine Erfahrung +als Widerspruch in sein Bewußtsein ein, worin die erreichte +Wirklichkeit seiner Einzelnheit sich von dem negativen _Wesen_ +vernichtet werden sieht, das wirklichkeitslos jener leer +gegenübersteht und doch die verzehrende Macht desselben ist. Dieses +Wesen ist nichts anders als der _Begriff_ dessen, was diese +Individualität an sich ist. Sie ist aber noch die ärmste Gestalt des +sich verwirklichenden Geistes; denn sie ist sich erst die +_Abstraktion_ der Vernunft, oder die _Unmittelbarkeit_ der _Einheit_ +des _Für-sich-_ und des _An-sich-seins_; ihr Wesen ist also nur die +_abstrakte_ Kategorie. Jedoch hat sie nicht mehr die Form des +_unmittelbaren, einfachen_ Seins, wie dem beobachtenden Geiste, wo +sie das abstrakte _Sein_ oder, als Fremdes gesetzt, die _Dingheit_ +überhaupt ist. Hier ist in diese Dingheit das Für-sich-sein und die +Vermittlung getreten. Sie tritt daher als _Kreis_ auf, dessen Inhalt +die entwickelte reine Beziehung der einfachen Wesenheiten ist. Die +erlangte Verwirklichung dieser Individualität besteht daher in nichts +anderem, als daß sie diesen Kreis von Abstraktionen aus der +Eingeschlossenheit des einfachen Selbstbewußtseins in das Element des +_Für-es-seins_ oder der gegenständlichen Ausbreitung herausgeworfen +hat. Was dem Selbstbewußtsein also in der genießenden Lust als sein +Wesen zum _Gegenstande_ wird, ist die Ausbreitung jener leeren +Wesenheiten, der reinen Einheit, des reinen Unterschiedes und ihrer +Beziehung; weiter hat der Gegenstand, den die Individualität als ihr +_Wesen_ erfährt, keinen Inhalt. Er ist das, was die _Notwendigkeit_ +genannt wird; denn die Notwendigkeit, das _Schicksal_ und dergleichen, +ist eben dieses, von dem man nicht zu sagen weiß, _was_ es tue, +welches seine bestimmten Gesetze und positiver Inhalt seie, weil es +der absolute als _Sein_ angeschaute reine Begriff selbst ist, die +einfache und leere, aber unaufhaltsame und unstörbare _Beziehung_, +deren Werk nur das Nichts der Einzelnheit ist. Sie ist dieser _feste +Zusammenhang_, weil das Zusammenhängende die reinen Wesenheiten oder +die leeren Abstraktionen sind; Einheit, Unterschied und Beziehung +sind Kategorien, deren jede nichts an und für sich, nur in Beziehung +auf ihr Gegenteil ist, und die daher nicht auseinanderkommen können. +Sie sind durch ihren _Begriff_ aufeinander bezogen, denn sie sind die +reinen Begriffe selbst; und diese _absolute Beziehung_ und abstrakte +Bewegung macht die Notwendigkeit aus. Die nur einzelne +Individualität, die nur erst den reinen Begriff der Vernunft zu ihrem +Inhalte hat, statt aus der toten Theorie in das Leben sich gestürzt +zu haben, hat sich also vielmehr nur in das Bewußtsein der eignen +Leblosigkeit gestürzt, und wird sich nur als die leere und fremde +Notwendigkeit, als die _tote_ Wirklichkeit zuteil. + +Der Übergang geschieht aus der Form des _Eins_ in die der +_Allgemeinheit_, aus einer absoluten Abstraktion in die andere; aus +dem Zwecke des reinen _Für-sich-seins_, das die Gemeinschaft mit +_Andern_ abgeworfen, in das _reine_ Gegenteil, das dadurch ebenso +abstrakte _An-sich-sein_. Dies erscheint hiemit so, daß das +Individuum nur zugrunde gegangen, und die absolute Sprödigkeit der +Einzelnheit an der ebenso harten, aber kontinuierlichen Wirklichkeit +zerstäubt ist.--Indem es als Bewußtsein die Einheit seiner selbst und +seines Gegenteils ist, ist dieser Untergang noch für es; sein Zweck +und seine Verwirklichung, sowie der Widerspruch dessen, was _ihm_ das +Wesen war, und was _an sich_ das Wesen ist;--es erfährt den +Doppelsinn, der in dem liegt, was es tat, nämlich sein _Leben_ sich +_genommen_ zu haben; es nahm das Leben, aber vielmehr ergriff es +damit den Tod. + +Dieser _Übergang_ seines lebendigen Seins in die leblose +Notwendigkeit erscheint ihm daher als eine Verkehrung, die durch +nichts vermittelt ist. Das Vermittelnde müßte das sein, worin beide +Seiten eins wären, das Bewußtsein also das eine Moment im andern +erkennte, seinen Zweck und Tun in dem Schicksale, und sein Schicksal +in seinem Zwecke und Tun, _sein eigenes Wesen_ in dieser +_Notwendigkeit_. Aber diese Einheit ist für dies Bewußtsein eben die +Lust selbst, oder das _einfache, einzelne_ Gefühl, und der Übergang +von dem Momente dieses seines Zwecks in das Moment seines wahren +Wesens für es ein reiner Sprung in das Entgegengesetzte; denn diese +Momente sind nicht im Gefühle enthalten und verknüpft, sondern nur im +reinen Selbst, das ein Allgemeines oder das Denken ist. Das +Bewußtsein ist sich daher durch seine Erfahrung, worin ihm seine +Wahrheit werden sollte, vielmehr ein Rätsel geworden, die Folgen +seiner Taten sind ihm nicht seine Taten selbst; was ihm widerfährt, +_für es_ nicht die Erfahrung dessen, was es _an sich_ ist; der +Übergang nicht eine bloße Formänderung desselben Inhalts und Wesens, +einmal vorgestellt als Inhalt und Wesen des Bewußtseins, das +anderemal als Gegenstand oder _angeschautes_ Wesen seiner selbst. +Die _abstrakte Notwendigkeit_ gilt also für die nur negative, +unbegriffene _Macht der Allgemeinheit_, an welcher die Individualität +zerschmettert wird. + +Bis hieher geht die Erscheinung dieser Gestalt des Selbstbewußtseins; +das letzte Moment ihrer Existenz ist der Gedanke ihres Verlusts in +der Notwendigkeit, oder der Gedanke ihrer selbst als eines sich +absolut _fremden_ Wesens. Das Selbstbewußtsein _an sich_ hat aber +diesen Verlust überlebt; denn diese Notwendigkeit oder reine +Allgemeinheit ist _sein eignes_ Wesen. Diese Reflexion des +Bewußtseins in sich, die Notwendigkeit als _sich_ zu wissen, ist eine +neue Gestalt desselben. + + +b. Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels + +Was die Notwendigkeit in Wahrheit am Selbstbewußtsein ist, dies ist +sie für seine neue Gestalt, worin es sich selbst als das Notwendige +ist; es weiß _unmittelbar_ das _Allgemeine_, oder das _Gesetz_ in +sich zu haben; welches um dieser Bestimmung willen, daß es +_unmittelbar_ in dem Für-sich-sein des Bewußtseins ist, das _Gesetz_ +des _Herzens_ heißt. Diese Gestalt ist _für sich_ als _Einzelnheit_ +Wesen, wie die vorige, aber sie ist um die Bestimmung reicher, daß +ihr dies _Für-sich-sein_ als notwendiges oder allgemeines gilt. + +Das Gesetz also, das unmittelbar das eigne des Selbstbewußtseins ist, +oder ein Herz, das aber ein Gesetz an ihm hat, ist der _Zweck_, den +es zu verwirklichen geht. Es ist zu sehen, ob seine Verwirklichung +diesem Begriffe entsprechen, und ob es in ihr dies sein Gesetz als +das Wesen erfahren wird. + +Diesem Herzen steht eine Wirklichkeit gegenüber; denn im Herzen ist +das Gesetz nur erst _für sich_, noch nicht verwirklicht und also +zugleich etwas _Anderes_, als der Begriff ist. Dieses Andere +bestimmt sich dadurch als eine Wirklichkeit, die das Entgegengesetzte +des zu Verwirklichenden, hiemit der _Widerspruch_ des _Gesetzes_ und +der _Einzelnheit_ ist. Sie ist also einerseits ein Gesetz, von dem +die einzelne Individualität gedrückt wird, eine gewalttätige Ordnung +der Welt, welche dem Gesetze des Herzens widerspricht;--und +andererseits eine unter ihr leidende Menschheit, welche nicht dem +Gesetze des Herzens folgt, sondern einer fremden Notwendigkeit +untertan ist.--Diese Wirklichkeit, die der itzigen Gestalt des +Bewußtseins _gegenüber_ erscheint, ist, wie erhellt, nichts anders +als das vorhergehende entzweite Verhältnis der Individualität und +ihrer Wahrheit, das Verhältnis einer grausamen Notwendigkeit, von +welcher jene erdrückt wird. _Für uns_ tritt die vorhergehende +Bewegung darum der neuen Gestalt gegenüber, weil diese an sich aus +ihr entsprungen, das Moment, woraus sie herkommt, also notwendig für +sie ist; ihr aber erscheint es als ein _Vorgefundenes_, indem sie +kein Bewußtsein über ihren _Ursprung_ hat, und ihr das Wesen ist, +vielmehr _für sich_ selbst oder das negative gegen dies positive +An-sich zu sein. + +Diese dem Gesetze des Herzens widersprechende Notwendigkeit, sowie +das durch sie vorhandene Leiden, aufzuheben, darauf ist also diese +Individualität gerichtet. Sie ist hiemit nicht mehr der Leichtsinn +der vorigen Gestalt, die nur die einzelne Lust wollte, sondern die +Ernsthaftigkeit eines hohen Zwecks, die ihre Lust in der Darstellung +ihres _vortrefflichen_ eigenen Wesens und in der Hervorbringung des +_Wohls der Menschheit_ sucht. Was sie verwirklicht, ist selbst das +Gesetz, und ihre Lust daher zugleich die allgemeine aller Herzen. +Beides ist ihr _ungetrennt_; ihre Lust das Gesetzmäßige, und die +Verwirklichung des Gesetzes der allgemeinen Menschheit Bereitung +ihrer einzelnen Lust. Denn innerhalb ihrer selbst ist _unmittelbar_ +die Individualität und das Notwendige eins; das Gesetz Gesetz des +Herzens. Die Individualität ist noch nicht aus ihrer Stelle gerückt, +und die Einheit beider nicht durch die vermittelnde Bewegung +derselben, noch nicht durch die Zucht zustande gekommen. Die +Verwirklichung des unmittelbaren _ungezogenen_ Wesens gilt für +Darstellung einer Vortrefflichkeit und für Hervorbringung des Wohls +der Menschheit. + +Das Gesetz dagegen, welches dem Gesetze des Herzens gegenübersteht, +ist vom Herzen getrennt, und frei für sich. Die Menschheit, die ihm +angehört, lebt nicht in der beglückenden Einheit des Gesetzes mit dem +Herzen, sondern entweder in grausamer Trennung und Leiden, oder +wenigstens in der Entbehrung des Genusses _seiner selbst_ bei der +_Befolgung_ des Gesetzes, und in dem Mangel des Bewußtseins der +eignen Vortrefflichkeit bei der _Überschreitung_ desselben. Weil +jene gewalthabende göttliche und menschliche Ordnung von dem Herzen +getrennt ist, ist sie diesem ein _Schein_, welcher das verlieren soll, +was ihm noch zugesellt ist, nämlich die Gewalt und die Wirklichkeit. +Sie mag in ihrem _Inhalte_ wohl zufälligerweise mit dem Gesetze des +Herzens übereinstimmen, und dann kann sich dieses sie gefallen lassen; +aber nicht das Gesetzmäßige rein als solches ist ihm das Wesen, +sondern daß es darin das Bewußtsein _seiner selbst_, daß es _sich_ +darin befriedigt habe. Wo der Inhalt der allgemeinen Notwendigkeit +aber nicht mit dem Herzen übereinstimmt, ist sie auch ihrem Inhalte +nach nichts an sich, und muß dem Gesetze des Herzens weichen. + +Das Individuum _vollbringt_ also das Gesetz seines Herzens; es wird +_allgemeine Ordnung_, und die Lust zu einer an und für sich +gesetzmäßigen Wirklichkeit. Aber in dieser Verwirklichung ist es ihm +in der Tat entflohen; es wird unmittelbar nur das Verhältnis, welches +aufgehoben werden sollte. Das Gesetz des Herzens hört eben durch +seine Verwirklichung auf, Gesetz des _Herzens_ zu sein. Denn es +erhält darin die Form des _Seins_, und ist nun _allgemeine Macht_, +für welche _dieses_ Herz gleichgültig ist, so daß das Individuum +_seine eigene_ Ordnung dadurch, daß es sie _aufstellt_, nicht mehr +als die seinige findet. Durch die Verwirklichung seines Gesetzes +bringt es daher nicht _sein_ Gesetz, sondern indem sie _an sich_ die +seinige, für es aber eine fremde ist, nur dies hervor, in die +wirkliche Ordnung sich zu verwickeln; und zwar in sie als eine ihm +nicht nur fremde, sondern feindliche Übermacht.--Durch seine Tat +setzt es sich _in_ oder vielmehr _als_ das allgemeine Element der +seienden Wirklichkeit, und seine Tat soll selbst nach seinem Sinne +den Wert einer allgemeinen Ordnung haben. Aber damit hat es sich von +sich selbst _freigelassen_, es wächst als Allgemeinheit für sich fort +und reinigt sich von der Einzelnheit; das Individuum, welches die +Allgemeinheit nur in der Form seines unmittelbaren Für-sich-seins +erkennen will, erkennt sich also nicht in dieser freien Allgemeinheit, +während es ihr zugleich angehört, denn sie ist sein Tun. Dies Tun +hat daher die verkehrte Bedeutung, der allgemeinen Ordnung zu +_widersprechen_, denn seine Tat soll Tat _seines_ einzelnen Herzens, +nicht freie allgemeine Wirklichkeit sein; und zugleich hat es sie in +der Tat _anerkannt_, denn das Tun hat den Sinn, sein Wesen als _freie +Wirklichkeit_ zu setzen, das heißt die Wirklichkeit als sein Wesen +anzuerkennen. + +Das Individuum hat durch den Begriff seines Tuns die nähere Weise +bestimmt, in welcher die wirkliche Allgemeinheit, der es sich +angehörig gemacht, sich gegen es kehrt. Seine Tat gehört als +_Wirklichkeit_ dem Allgemeinen an; ihr Inhalt aber ist die eigene +Individualität, welche sich als diese _einzelne_ dem Allgemeinen +entgegengesetzte erhalten will. Es ist nicht irgendein bestimmtes +Gesetz, von dessen Aufstellung die Rede wäre, sondern die +unmittelbare Einheit des einzelnen Herzens mit der Allgemeinheit ist +der zum Gesetze erhobene und geltensollende Gedanke, daß in dem, was +Gesetz ist, _jedes Herz sich_ selbst erkennen muß. Aber nur das Herz +dieses Individuums hat seine Wirklichkeit in seiner Tat, welche ihm +sein _Für-sich-sein_ oder _seine Lust_ ausdrückt, gesetzt. Sie soll +unmittelbar als Allgemeines gelten, das heißt, sie ist in Wahrheit +etwas Besonderes, und hat nur die Form der Allgemeinheit, sein +_besonderer_ Inhalt soll _als solcher_ für allgemein gelten. Daher +finden in diesem Inhalte die andern nicht das Gesetz ihres Herzens, +sondern vielmehr das _eines andern_ vollbracht, und eben nach dem +allgemeinen Gesetze, daß in dem, was Gesetz ist, jedes sein Herz +finden soll, kehren sie sich ebenso gegen die Wirklichkeit, welche +_es_ aufstellte, als es sich gegen die ihrige kehrte. Das Individuum +findet also, wie zuerst nur das starre Gesetz, itzt die Herzen der +Menschen selbst seinen vortrefflichen Absichten entgegen und zu +verabscheuen. + +Weil dies Bewußtsein die Allgemeinheit nur erst als _unmittelbare_, +und die Notwendigkeit als Notwendigkeit des _Herzens_ kennt, ist ihm +die Natur der Verwirklichung und der Wirksamkeit unbekannt, daß sie +als das _Seiende_ in ihrer Wahrheit vielmehr das _an sich Allgemeine_ +ist, worin die Einzelnheit des Bewußtseins, die sich ihr anvertraut, +um als _diese_ unmittelbare _Einzelnheit_ zu _sein_, vielmehr +untergeht; statt dieses _seines Seins_ erlangt es also in dem Sein +die Entfremdung _seiner selbst_. Dasjenige, worin es sich nicht +erkennt, ist aber nicht mehr die tote Notwendigkeit, sondern die +Notwendigkeit als belebt durch die allgemeine Individualität. Es +nahm diese göttliche und menschliche Ordnung, die es geltend vorfand, +für eine tote Wirklichkeit, worin, wie es selbst, das sich als dieses +für sich seiende dem Allgemeinen entgegengesetzte Herz fixiert, so +die ihr angehören, das Bewußtsein ihrer selbst nicht hätten; es +findet sie aber vielmehr von dem Bewußtsein aller belebt, und als +Gesetz aller Herzen. Es macht die Erfahrung, daß die Wirklichkeit +belebte Ordnung ist, zugleich in der Tat eben dadurch, daß es das +Gesetz seines Herzens verwirklicht; denn dies heißt nichts anders, +als daß die Individualität sich als Allgemeines zum Gegenstande wird, +worin es sich aber nicht erkennt. + +Was also dieser Gestalt des Selbstbewußtseins aus ihrer Erfahrung als +das Wahre hervorgeht, _widerspricht_ dem, was sie _für sich_ ist. +Was sie aber für sich ist, hat selbst die Form absoluter +Allgemeinheit für sie, und es ist das Gesetz des Herzens, welches mit +dem _Selbst_bewußtsein unmittelbar eins ist. Zugleich ist die +bestehende und lebendige Ordnung ebenso sein _eigenes Wesen_ und Werk, +es bringt nichts anders hervor als sie; sie ist in gleich +unmittelbarer Einheit mit dem Selbstbewußtsein. Dieses ist auf diese +Weise, einer gedoppelten entgegengesetzten Wesenheit angehörend, an +sich selbst widersprechend, und im Innersten zerrüttet. Das Gesetz +_dieses_ Herzens ist nur dasjenige, worin das Selbstbewußtsein sich +selbst erkennt; aber die allgemeine gültige Ordnung ist durch die +Verwirklichung jenes Gesetzes, ebenso ihm sein eigenes _Wesen_ und +seine eigene _Wirklichkeit_ geworden; was in seinem Bewußtsein sich +also widerspricht, ist beides in der Form des Wesens und seiner +eignen Wirklichkeit für es. + +Indem es dies Moment seines sich bewußten Untergangs und darin das +Resultat seiner Erfahrung ausspricht, zeigt es sich als diese innere +Verkehrung seiner Selbst, als die Verrücktheit des Bewußtseins, +welchem sein Wesen unmittelbar Unwesen, seine Wirklichkeit +unmittelbar Unwirklichkeit ist.--Die Verrücktheit kann nicht dafür +gehalten werden, daß überhaupt etwas Wesenloses für wesentlich, etwas +Nichtwirkliches für wirklich gehalten werde, so daß das, was für den +einen wesentlich oder wirklich ist, es für einen andern nicht wäre, +und das Bewußtsein der Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit oder der +Wesenheit und Unwesenheit auseinander fielen.--Wenn etwas in der Tat +für das Bewußtsein überhaupt wirklich und wesentlich, für mich aber +nicht ist, so habe ich in dem Bewußtsein seiner Nichtigkeit, zugleich +da ich Bewußtsein überhaupt bin, das Bewußtsein seiner Wirklichkeit, +--und indem sie beide fixiert sind, so ist dies eine Einheit, welche +der Wahnsinn im Allgemeinen ist. In diesem ist aber nur ein +_Gegenstand_ für das Bewußtsein verrückt; nicht das Bewußtsein als +solches in und für sich selbst. In dem Resultate des Erfahrens, das +sich hier ergeben hat, ist aber das Bewußtsein in seinem Gesetze sich +_seiner selbst_ als dieses Wirklichen bewußt; und zugleich, indem ihm +ebendieselbe Wesenheit, dieselbe Wirklichkeit _entfremdet_ ist, ist +es als Selbstbewußtsein, als absolute Wirklichkeit sich seiner +Unwirklichkeit bewußt, oder die beiden Seiten gelten ihm nach ihrem +Widerspruche unmittelbar als _sein Wesen,_ das also im Innersten +verrückt ist. + +Das Herzklopfen für das Wohl der Menschheit geht darum in das Toben +des verrückten Eigendünkels über; in die Wut des Bewußtseins, gegen +seine Zerstörung sich zu erhalten, und dies dadurch, daß es die +Verkehrtheit, welche es selbst ist, aus sich herauswirft, und sie als +ein Anderes anzusehen und auszusprechen sich anstrengt. Es spricht +also die allgemeine Ordnung aus, als eine von fanatischen Priestern, +schwelgenden Despoten und für ihre Erniedrigung hinabwärts durch +Erniedrigen und Unterdrücken sich entschädigenden Dienern derselben +erfundne und zum namenlosen Elende der betrognen Menschheit +gehandhabte Verkehrung des Gesetzes des Herzens und seines Glückes. +--Das Bewußtsein spricht in dieser seiner Verrücktheit die +_Individualität_ als das Verrückende und Verkehrte aus, aber eine +_fremde_ und _zufällige_. Aber das Herz, oder die _unmittelbar +allgemeinseinwollende Einzelnheit des Bewußtseins_ ist dies +Verrückende und Verkehrte selbst, und sein Tun nur die Hervorbringung +dessen, daß dieser Widerspruch _seinem_ Bewußtsein wird. Denn das +Wahre ist ihm das Gesetz des Herzens--ein bloß _gemeintes_, das nicht, +wie die bestehende Ordnung, den Tag ausgehalten hat, sondern +vielmehr, wie es sich diesem zeigt, zugrunde geht. Dies sein Gesetz +sollte _Wirklichkeit_ haben; hierin ist ihm das Gesetz als +_Wirklichkeit_, als _geltende Ordnung_ Zweck und Wesen, aber +unmittelbar ist ihm ebenso die _Wirklichkeit_, eben das Gesetz als +_geltende Ordnung_, vielmehr das Nichtige.--Ebenso seine _eigne_ +Wirklichkeit, _es selbst_ als Einzelnheit des Bewußtseins ist sich +das Wesen; aber es ist ihm Zweck, sie _seiend_ zu setzen; es ist ihm +also unmittelbar vielmehr sein Selbst als Nichteinzelnes das Wesen, +oder Zweck als Gesetz, eben darin als eine Allgemeinheit, welche es +für sein Bewußtsein selbst sei.--Dieser sein Begriff wird durch sein +Tun zu seinem Gegenstande; sein Selbst erfährt es also vielmehr als +das Unwirkliche, und die Unwirklichkeit als seine Wirklichkeit. Es +ist also nicht eine zufällige und fremde Individualität, sondern eben +dieses Herz nach allen Seiten in sich das Verkehrte und Verkehrende. + +Indem aber die unmittelbar allgemeine Individualität das Verkehrte +und Verkehrende ist, ist nicht weniger diese allgemeine Ordnung, da +sie das Gesetz aller _Herzen_, das heißt, des Verkehrten ist, selbst +an sich das Verkehrte, wie die tobende Verrücktheit es aussprach. +Einmal erweist sie sich in dem Widerstande, welchen das Gesetz eines +Herzens an den andern Einzelnen findet, _Gesetz_ aller Herzen zu sein. +Die bestehenden Gesetze werden gegen das Gesetz eines Individuums +verteidigt, weil sie nicht bewußtlose, leere und tote Notwendigkeit, +sondern geistige Allgemeinheit und Substanz sind, worin diejenigen, +an denen sie ihre Wirklichkeit hat, als Individuen leben, und ihrer +selbst bewußt sind; so daß, wenn sie auch über diese Ordnung, als ob +sie dem innern Gesetze zuwiderlaufe, klagen und die Meinungen des +Herzens gegen sie halten, in der Tat mit ihrem Herzen an ihr als +ihrem Wesen hängen; und wenn diese Ordnung ihnen genommen wird, oder +sie selbst sich daraussetzen, sie alles verlieren. Indem hierin eben +die Wirklichkeit und Macht der öffentlichen Ordnung besteht, +erscheint also diese als das sich selbst gleiche allgemein belebte +Wesen, und die Individualität als die Form derselben.--Aber diese +Ordnung ist ebenso das Verkehrte. + +Denn darin, daß sie das Gesetz aller Herzen ist, daß alle Individuen +unmittelbar dieses Allgemeine sind, ist sie eine Wirklichkeit, welche +nur die Wirklichkeit der _für sich seienden_ Individualität, oder des +Herzens ist. Das Bewußtsein, welches das Gesetz seines Herzens +aufstellt, erfährt also Widerstand von andern, weil es den _ebenso +einzelnen_ Gesetzen ihres Herzens widerspricht, und diese tun in +ihrem Widerstande nichts anders als ihr Gesetz aufstellen und geltend +machen. Das _Allgemeine_, das vorhanden ist, ist daher nur ein +allgemeiner Widerstand und Bekämpfung aller gegeneinander, worin +jeder seine eigene Einzelnheit geltend macht, aber zugleich nicht +dazu kommt, weil sie denselben Widerstand erfährt, und durch die +andern gegenseitig aufgelöst wird. Was öffentliche _Ordnung_ scheint, +ist also diese allgemeine Befehdung, worin jeder an sich reißt, was +er kann, die Gerechtigkeit an der Einzelnheit der Andern ausübt und +die seinige festsetzt, die ebenso durch andere verschwindet. Sie ist +der _Weltlauf_, der Schein eines bleibenden Ganges, der nur eine +_gemeinte Allgemeinheit_, und dessen Inhalt vielmehr das wesenlose +Spiel der Festsetzung der Einzelnheiten und ihrer Auflösung ist. + +Betrachten wir beide Seiten der allgemeinen Ordnung gegeneinander, so +hat die letztere Allgemeinheit zu ihrem Inhalte die unruhige +Individualität, für welche die Meinung oder die Einzelnheit Gesetz, +das Wirkliche unwirklich und das Unwirkliche das Wirkliche ist. Sie +ist aber zugleich die _Seite der Wirklichkeit_ der Ordnung, denn ihr +gehört das _Für-sich-sein_ der Individualität an.--Die andere Seite +ist das _Allgemeine_ als _ruhiges_ Wesen, aber eben darum nur als ein +_Inneres_, das nicht gar nicht, aber doch keine Wirklichkeit ist, und +nur durch Aufhebung der Individualität, welche sich die Wirklichkeit +angemaßt hat, selbst wirklich werden kann. Diese Gestalt des +Bewußtseins, sich in dem Gesetze, in dem _an sich_ Wahren und Guten +nicht als die Einzelnheit, sondern nur als _Wesen_ zu werden, die +Individualität aber als das Verkehrte und Verkehrende zu wissen, und +daher die Einzelnheit des Bewußtseins aufopfern zu müssen, ist die +_Tugend_. + + +c. Die Tugend und der Weltlauf + +In der ersten Gestalt der tätigen Vernunft war das Selbstbewußtsein +sich reine Individualität, und ihr gegenüber stand die leere +Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des +Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualität, an +ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der +andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhältnisse der Tugend und +des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser +Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualität +gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewußtsein der Tugend +ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualität das +Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewußtsein selbst als an dem +Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualität in die Zucht unter +das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber +darin noch persönliches Bewußtsein; die wahre Zucht ist allein die +Aufopfrung der ganzen Persönlichkeit, als die Bewährung, daß es in +der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser +einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualität an _dem +Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden +gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhält sich die Individualität +auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewußtsein gesetzt +ist, nämlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute +und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso für +die Tugend nicht nur dies durch die _Individualität verkehrte_ +Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls +gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende +Wirklichkeit_ für das Bewußtsein vorhanden, sondern das _innere +Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend +eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_, +Bewußtsein der Individualität, und diese vielmehr aufzuheben; durch +dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur +Raum gemacht, an und für sich selbst in die Existenz zu treten. + +Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon +ergeben; näher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden +vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewußtseins. Aus ihnen ist die +Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat +sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben, +und sich zu realisieren, oder _für sich_ zu werden. Der Weltlauf ist +also einerseits die einzelne Individualität, welche ihre Lust und +Genuß sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das +Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die +übrigen Momente dieses Verhältnisses ist eine verkehrte Gestalt und +Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit +der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt; +eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur +negative Rückwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des +Weltlaufs ist die Individualität, welche an und für sich Gesetz sein +will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stört; das +allgemeine Gesetz erhält sich zwar gegen diesen Eigendünkel, und +tritt nicht mehr als ein dem Bewußtsein Entgegengesetztes und Leeres, +nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in +dem Bewußtsein selbst_. Aber wie es als die _bewußte_ Beziehung der +absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die +Verrücktheit; wie es aber als _gegenständliche_ Wirklichkeit ist, ist +es die Verkehrtheit überhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl +in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die +_Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung. + +Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten, +durch das Aufheben der Individualität, des Prinzips der Verkehrung; +ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren +und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem +Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich; +und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum +Schauen zu erheben, ohne aber der Früchte ihrer Arbeit und +Aufopferung zu genießen. Denn insofern sie _Individualität_ ist, ist +sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr +Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des +Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das +Aufhören ihres _Tuns_, oder des _Bewußtseins_ der Individualität. +--Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm +erfährt, ob durch die Aufopferung, welche sie über sich nimmt, der +Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muß sich aus der +Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kämpfer führen. +Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kämpfer +selbst, das nur für sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen +haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe +vorhanden ist. + +Das _Allgemeine_ ist für das tugendhafte Bewußtsein im _Glauben_ oder +_an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine +_abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewußtsein selbst ist es _als +Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung +stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend für den Weltlauf dar; +denn sie _will_ das Gute erst ausführen, und gibt selbst es noch +nicht für Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so +betrachtet werden, daß das Gute, indem es in dem Kampf gegen den +Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _für ein Anderes_; +als etwas, das nicht _an und für sich selbst_ ist, denn sonst würde +es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit +geben wollen. Es ist nur erst _für ein Anderes_, heißt dasselbe, was +vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte, +nämlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem +Verhältnisse, nicht an und für sich, Realität hat. + +Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige, +was die _Gaben, Fähigkeiten, Kräfte_ genannt wird. Es ist eine Weise +des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird, +das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualität +bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip, +insofern es am Bewußtsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut +angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _mißbraucht_; +--ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualität +regiert, gleichgültig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch +zur Hervorbringung einer Wirklichkeit mißbraucht werden kann, die +seine Zerstörung ist; eine leblose, eigner Selbstständigkeit +entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem +Verderben geformt werden kann. + +Indem dies Allgemeine dem Bewußtsein der Tugend, wie dem Weltlaufe +auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so +ausgerüstet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind +dieselben; sie sind diese Fähigkeiten und Kräfte. Zwar hat die +Tugend ihren Glauben an die ursprüngliche Einheit ihres Zweckes und +des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde +während des Kampfes in den Rücken fallen, und _an sich_ ihn +vollbringen soll; so daß hiedurch in der Tat für den Ritter der +Tugend sein eignes _Tun_ und Kämpfen eigentlich eine Spiegelfechterei +ist, die er nicht für Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte +Stärke darein setzt, daß das Gute _an und für sich selbst_ sei, d.h. +sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum +Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind +kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und +Beschädigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt, +soll nicht das Gute selbst sein; denn für dessen Bewahrung und +Ausführung kämpft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die +gleichgültigen Gaben und Fähigkeiten. Allein diese sind in der Tat +nichts anderes als eben dasjenige individualitätslose Allgemeine +selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll. +--Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst +unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das +_Allgemeine_; und seine Verwirklichung heißt nur dieses, daß es +_zugleich für ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten, +nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr +getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide +Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewußtsein tritt aber in den +Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes; +was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als +abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualität +belebtes und für ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo +also die Tugend den Weltlauf anfaßt, trifft sie immer auf solche +Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle +Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs, +unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben +auch sein Dasein hat; er ist also für sie unverwundbar. Ebensolche +Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhältnisse, sind +alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und +aufgeopfert werden sollten. Das Kämpfen kann daher nur ein Schwanken +zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder +Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die +Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein +darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat +auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur +kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muß auch die des +Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schützen, denn +alle sind edle Teile des Guten, für welches sie in den Kampf ging. + +Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die +_Individualität_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip, +welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den +Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist +ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiß als durch den Widerspruch, +in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_ +ist, ist dem Weltlaufe nur für _ihn_; er ist frei von jedem Momente, +das für sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches +Moment dadurch, daß es für ihn nur als ein solches gilt, das er +ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und +damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann +sich davon nicht als von einem äußerlich umgeworfenen Mantel +loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn +es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen. + +Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_ +dem Weltlaufe listigerweise in den Rücken fallen soll, so ist diese +Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst +gewisse Bewußtsein, das nicht von hinten an sich kommen läßt, sondern +allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, daß alles _für +ihn_ ist, daß alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es +_für_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben; +insofern es aber nicht _für ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das +passive Werkzeug der Gaben und Fähigkeiten, die wirklichkeitslose +Materie; als Dasein vorgestellt, wäre es ein schlafendes und dahinten, +man weiß nicht wo, bleibendes Bewußtsein. + +Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte, +unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung +der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in +den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung +der Individualität_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die +Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der +_Individualität_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und +dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach +seiner Realität und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_. +Das _An-sich_ ist zunächst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die +Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht +wahrhaft, sondern nur _für das Bewußtsein_ ist; das heißt aber, es +ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche +ist, was wesentlich _für ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_. +Das Bewußtsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des +_An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf +sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualität_ zu +seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_; +denn eben sie ist das Bewußtsein, wodurch das _Ansichseiende_ +ebensosehr _für ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber +er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein +der Realität_. + +Der Weltlauf siegt also über das, was die Tugend im Gegensatze gegen +ihn ausmacht; er siegt über sie, der die wesenlose Abstraktion das +Wesen ist. Er siegt aber nicht über etwas Reales, sondern über das +Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, über diese +pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrückung +derselben, von der Aufopferung fürs Gute und dem Mißbrauche der Gaben; +--solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen, +welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber +nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt +aussprechen, daß das Individuum, welches für solche edle Zwecke zu +handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten führt, sich für +ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und +andern den Kopf groß macht, aber groß von einer leeren +Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere +Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre +_inhaltsvolle Grundlage_, und ein _wirkliches schon existierendes_ +Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die +Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen +_Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz +heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und +der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem +Weltlaufe kämpfenden Rednerei würde sich sogleich aufdecken, wenn +gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden +daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu +sagen, würde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten +erfüllt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches +_innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heißt, die Unvermögenheit, +_es in der Tat_ zu sagen, würde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener +Rednerei scheint auch auf eine bewußtlose Art für die Bildung unsers +Zeitalters Gewißheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse +jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles +Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrückt, +daß sie nur Langeweile machen. + +Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht +darin, daß das Bewußtsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten, +das noch keine Wirklichkeit hätte, als einen leeren Mantel fahren +läßt. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, daß der +Weltlauf so übel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit +ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es fällt mit dieser Erfahrung +das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualität das Gute +hervorzubringen, hinweg; denn die Individualität ist gerade die +_Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hört auf, als +eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr +eben die Verkehrung desselben als eines bloßen Zwecks in die +Wirklichkeit; die Bewegung der Individualität ist die Realität des +Allgemeinen. + +In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und +verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewußtsein des Ansichseienden +gegenüberstand. Das _Für-sich-sein_ der Individualität war daran dem +Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem +_An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat, +daß die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist, +so erweist sich das _Für-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das +_An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein. +Die Individualität des Weltlaufs mag wohl nur _für sich_ oder +_eigennützig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr +Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie +eigennützig handelt, so weiß sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie +versichert, alle Menschen handeln eigennützig, so behauptet sie nur, +alle Menschen haben kein Bewußtsein darüber, was das Tun ist.--Wenn +sie _für sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur +erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des +_Für-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt +meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklärungen, die +den Eigennutz überall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden +als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei. + +Es ist also _das Tun und Treiben der Individualität Zweck an sich +selbst; der Gebrauch der Kräfte, das Spiel ihrer Äußerungen ist es_, +was ihnen, die sonst das tote An-sich wären, Leben gibt, das An-sich +nicht ein unausgeführtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines, +sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit +des Prozesses der Individualität. + + +C. Die Individualität, welche sich an und für sich selbst reell ist + +Das Selbstbewußtsein hat itzt den Begriff von sich erfaßt, der erst +nur der unsrige von ihm war, nämlich in der Gewißheit seiner selbst +alle Realität zu sein, und Zweck und Wesen ist ihm nunmehr die sich +bewegende Durchdringung des Allgemeinen--der Gaben und +Fähigkeiten--und der Individualität.--Die einzelnen Momente dieser +Erfüllung und Durchdringung _vor der Einheit_, in welche sie +zusammengegangen, sind die bisher betrachteten Zwecke. Sie sind als +Abstraktionen und Chimären verschwunden, die jenen ersten schalen +Gestalten des geistigen Selbstbewußtseins angehören, und ihre +Wahrheit nur in dem gemeinten Sein des Herzens, der Einbildung und +der Reden haben, nicht in der Vernunft, die itzt an und für sich +ihrer Realität gewiß, sich nicht mehr als Zweck im _Gegensatze_ gegen +die unmittelbarseiende Wirklichkeit erst hervorzubringen sucht, +sondern zum Gegenstande ihres Bewußtseins die Kategorie als solche +hat.--Es ist nämlich die Bestimmung _des für sich seienden_ oder +_negativen_ Selbstbewußtseins, in welcher die Vernunft auftrat, +aufgehoben; _es fand_ eine _Wirklichkeit_ vor, die das Negative +seiner wäre, und durch deren Aufheben es erst sich seinen _Zweck_ +verwirklichte. Indem aber _Zweck_ und _An-sich-sein_ als dasselbe +sich ergeben hat, was das _Sein_ für _Anderes_ und die _vorgefundene +Wirklichkeit_ ist, trennt sich die Wahrheit nicht mehr von der +Gewißheit; es werde nun der gesetzte Zweck für die Gewißheit seiner +selbst, und die Verwirklichung desselben für die Wahrheit, oder aber +der Zweck für die Wahrheit, und die Wirklichkeit für die Gewißheit +genommen; sondern das Wesen und der Zweck an und für sich selbst ist +die Gewißheit der unmittelbaren Realität selbst, die Durchdringung +des _An-sich-_ und _Für-sich-seins_, des Allgemeinen und der +Individualität; das Tun ist an ihm selbst seine Wahrheit und +Wirklichkeit, und die _Darstellung_ oder das _Aussprechen der +Individualität_ ist ihm Zweck an und für sich selbst. + +Mit diesem Begriffe ist also das Selbstbewußtsein aus den +entgegengesetzten Bestimmungen, welche die Kategorie für es und sein +Verhalten zu ihr als beobachtendes und dann als tätiges hatte, in +sich zurückgegangen. Es hat die reine Kategorie selbst zu seinem +Gegenstande, oder es ist die Kategorie, welche ihrer selbst bewußt +geworden. Die Rechnung ist dadurch mit seinen vorherigen Gestalten +abgeschlossen; sie liegen hinter ihm in Vergessenheit, treten nicht +als seine vorgefundne Welt gegenüber, sondern entwickeln sich nur +innerhalb seiner selbst als durchsichtige Momente. Doch treten sie +noch in seinem Bewußtsein als eine _Bewegung_ unterschiedner Momente +auseinander, die sich noch nicht in ihre substantielle Einheit +zusammengefaßt hat. Aber in _allen_ hält es die einfache Einheit des +Seins und des Selbsts fest, die ihre _Gattung_ ist.-Das Bewußtsein +hat hiemit allen Gegensatz und alle Bedingung seines Tuns abgeworfen; +es geht frisch _von sich_ aus, und nicht auf _ein Anderes_, sondern +_auf sich selbst_. Indem die Individualität die Wirklichkeit an ihr +selbst ist, ist der _Stoff_ des Wirkens und der _Zweck_ des Tuns an +dem Tun selbst. Das Tun hat daher das Ansehen der Bewegung eines +Kreises, welcher frei im Leeren sich in sich selbst bewegt, +ungehindert bald sich erweitert, bald verengert, und vollkommen +zufrieden nur in und mit sich selbst spielt. Das Element, worin die +Individualität ihre Gestalt darstellt, hat die Bedeutung eines reinen +Aufnehmens dieser Gestalt; es ist der Tag überhaupt, dem das +Bewußtsein sich zeigen will. Das Tun verändert nichts, und geht +gegen nichts; es ist die reine Form des Übersetzens aus dem +_Nichtgesehenwerden_ in das _Gesehenwerden_, und der Inhalt, der +zutage ausgebracht wird, und sich darstellt, nichts anderes, als was +dieses Tun schon an sich ist. Es ist _an sich_--dies ist seine Form +als _gedachter_ Einheit; und es ist _wirklich_--dies ist seine Form +als _seiender_ Einheit; es selbst ist _Inhalt_ nur in dieser +Bestimmung der Einfachheit gegen die Bestimmung seines Übergehens und +seiner Bewegung. + + +a. Das geistige Tierreich und der Betrug,oder die Sache selbst + +Diese an sich reale Individualität ist zuerst wieder eine _einzelne_ +und _bestimmte_; die absolute Realität, als welche sie sich weiß, ist +daher, wie sie derselben sich bewußt wird, die _abstrakte allgemeine_, +welche ohne Erfüllung und Inhalt, nur der leere Gedanke dieser +Kategorie ist.--Es ist zu sehen, wie dieser Begriff der an sich +selbst realen Individualität in seinen Momenten sich bestimmt, und +wie ihr ihr Begriff von ihr selbst in das Bewußtsein tritt. + +Der Begriff dieser Individualität, wie sie als solche für sich selbst +alle Realität ist, ist zunächst _Resultat_; sie hat ihre Bewegung und +Realität noch nicht dargestellt, und ist hier _unmittelbar_ als +_einfaches An-sich-sein_ gesetzt. Die Negativität aber, welche +dasselbe ist, was als Bewegung erscheint, ist an dem _einfachen +An-sich_ als _Bestimmtheit_; und das _Sein_ oder das einfache An-sich +wird ein bestimmter Umfang. Die Individualität tritt daher als +ursprüngliche bestimmte Natur auf--als _ursprüngliche_ Natur, denn +sie _ist an sich_; als ursprünglich _bestimmte_, denn das Negative +ist am _An-sich_, und dieses ist dadurch eine Qualität. Diese +Beschränkung des Seins jedoch kann _das Tun_ des Bewußtseins _nicht +beschränken_, denn dieses ist hier ein vollendetes +_Sich-auf-sich-selbst_-beziehen; die Beziehung auf Anderes ist +aufgehoben, welche die Beschränkung desselben wäre. Die +ursprüngliche Bestimmtheit der Natur ist daher nur einfaches +Prinzip--ein durchsichtiges allgemeines Element, worin die +Individualität ebenso frei und sich selbst gleich bleibt, als sie +darin ungehindert ihre Unterschiede entfaltet, und reine +Wechselwirkung mit sich in ihrer Verwirklichung ist. Wie das +unbestimmte Tierleben etwa dem Elemente des Wassers, der Luft oder +der Erde, und innerhalb dieser wieder bestimmtern Prinzipien seinen +Odem einbläst, alle seine Momente in sie eintaucht, aber sie jener +Beschränkung des Elements ungeachtet in seiner Macht und sich in +seinem Eins erhält, und als diese besondere Organisation dasselbe +allgemeine Tierleben bleibt. + +Diese bestimmte ursprüngliche _Natur_ des in ihr frei und ganz +bleibenden Bewußtseins erscheint als der unmittelbare und einzige +eigentliche _Inhalt_ dessen, was dem Individuum Zweck ist; er ist +zwar _bestimmter_ Inhalt, aber er ist überhaupt _Inhalt_ nur, +insofern wir das _An-sich_-sein isoliert betrachten; in Wahrheit aber +ist er die von der Individualität durchdrungene Realität; die +Wirklichkeit, wie sie das Bewußtsein als einzelnes an ihm selbst hat, +und zunächst _als seiend_, noch nicht als tuend gesetzt ist. Für das +Tun aber ist einesteils jene Bestimmtheit darum nicht Beschränkung, +über welche es hinauswollte, weil sie als seiende Qualität betrachtet +die einfache Farbe des Elements ist, worin es sich bewegt; +andernteils aber ist die Negativität _Bestimmtheit_ nur am Sein; aber +das _Tun_ ist selbst nichts anderes als die Negativität; an der +tuenden Individualität ist also die Bestimmtheit aufgelöst in +Negativität überhaupt, oder den Inbegriff aller Bestimmtheit. + +Die einfache ursprüngliche Natur nun tritt in dem _Tun_ und dem +Bewußtsein des Tuns in den Unterschied, welcher diesem zukommt. Es +ist _zuerst_ als Gegenstand, und zwar als _Gegenstand_, wie er noch +dem _Bewußtsein_ angehört, als _Zweck_ vorhanden, und somit +entgegengesetzt einer vorhandenen Wirklichkeit. Das _andere_ Moment +ist die _Bewegung_ des als ruhend vorgestellten Zwecks, die +Verwirklichung als die Beziehung des Zwecks auf die ganz formelle +Wirklichkeit, hiemit die Vorstellung des _Überganges_ selbst, oder +das _Mittel_. Das _dritte_ ist endlich der Gegenstand, wie er nicht +mehr Zweck, dessen das Tuende unmittelbar als des _seinigen sich_ +bewußt ist, sondern wie er aus ihm heraus und _für es_ als ein +_Anderes_ ist.--Diese verschiedenen Seiten sind nun aber nach dem +Begriffe dieser Sphäre so festzuhalten, daß der Inhalt in ihnen +derselbe bleibt, und kein Unterschied hereinkommt, weder der +Individualität und des Seins überhaupt, noch des _Zwecks_ gegen die +_Individualität_ als _ursprüngliche Natur_, noch gegen die vorhandne +Wirklichkeit, ebenso nicht des _Mittels_ gegen sie als absoluten +_Zweck_, noch der _bewirkten Wirklichkeit_ gegen den Zweck oder die +ursprüngliche Natur oder das Mittel. + +Vors erste also ist die ursprünglich bestimmte Natur der +Individualität, ihr unmittelbares Wesen noch nicht als tuend gesetzt, +und heißt so _besondere_ Fähigkeit, Talent, Charakter u.s.f. Diese +eigentümliche Tinktur des Geistes ist als der einzige Inhalt des +Zwecks selbst, und ganz allein als die Realität zu betrachten. +Stellte man sich das Bewußtsein vor als darüber hinausgehend und +einen andern Inhalt zur Wirklichkeit bringen wollend, so stellte man +es sich vor als _ein Nichts_ in _das Nichts_ hinarbeitend.--Dies +ursprüngliche Wesen ist ferner nicht nur Inhalt des Zwecks, sondern +an sich auch die _Wirklichkeit_, welche sonst als _gegebener_ Stoff +des Tuns, als _vorgefundene_ und im Tun zu bildende Wirklichkeit +erscheint. Das Tun ist nämlich nur reines Übersetzen aus der Form +des noch nicht dargestellten in die des dargestellten Seins; das +An-sich-sein jener dem Bewußtsein entgegengesetzten Wirklichkeit ist +zum bloßen leeren Scheine herabgesunken. Dies Bewußtsein, indem es +sich zum Handeln bestimmt, läßt sich also durch den Schein der +vorhandenen Wirklichkeit nicht irre machen, und ebenso hat es sich +aus dem Herumtreiben in leeren Gedanken und Zwecken auf den +ursprünglichen Inhalt seines Wesens zusammenzuhalten.--Dieser +ursprüngliche Inhalt ist zwar erst _für_ das Bewußtsein, _indem es +ihn verwirklicht hat_; der Unterschied aber eines solchen, das _für +das_ Bewußtsein nur _innerhalb seiner_, und einer außer ihm an sich +seienden Wirklichkeit ist hinweggefallen.--Nur daß _für es_ sei, was +es _an sich_ ist, muß es handeln, oder das Handeln ist eben das +Werden des Geistes _als Bewußtsein_. Was es _an sich_ ist, weiß es +also aus seiner Wirklichkeit. Das Individuum kann daher nicht wissen, +was _es ist_, eh es sich durch das Tun zur Wirklichkeit gebracht hat. +--Es scheint aber hiemit den _Zweck_ seines Tuns nicht bestimmen zu +können, eh es getan hat; aber zugleich muß es, indem es Bewußtsein +ist, die Handlung vorher als die _ganz seinige_, das heißt als +_Zweck_ vor sich haben. Das ans Handeln gehende Individuum scheint +sich also in einem Kreise zu befinden, worin jedes Moment das andere +schon voraussetzt, und hiemit keinen Anfang finden zu können, weil es +sein ursprüngliches Wesen, das sein Zweck sein muß, _erst aus der +Tat_ kennenlernt, aber um zu tun, _vorher den Zweck_ haben muß. +Ebendarum aber hat es _unmittelbar_ anzufangen und, unter welchen +Umständen es sei, ohne weiteres Bedenken um _Anfang, Mittel_ und +_Ende_ zur Tätigkeit zu schreiten; denn sein Wesen und +_ansich_seiende Natur ist alles in einem, Anfang, Mittel und Ende. +Als _Anfang_ ist sie in den _Umständen_ des Handelns vorhanden, und +das _Interesse_, welches das Individuum an etwas findet, ist die +schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist. +Denn was eine vorgefundene Wirklichkeit zu sein scheint, ist an sich +seine ursprüngliche Natur, welche nur den Schein eines _Seins_ +hat--einen Schein, der in dem Begriffe des sich entzweienden Tuns +liegt--, aber als _seine_ ursprüngliche Natur sich in dem _Interesse, +_ das es an ihr findet, ausspricht.--Ebenso ist das _Wie_ oder die +_Mittel_ an und für sich bestimmt. Das _Talent_ ist gleichfalls +nichts anders als die bestimmte ursprüngliche Individualität, +betrachtet als _inneres Mittel_, oder _Übergang_ des Zwecks zur +Wirklichkeit. Das _wirkliche_ Mittel aber und der reale Übergang ist +die Einheit des Talents, und der im Interesse vorhandenen Natur der +Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite +des Inhalts vor, beide sind die Individualität selbst, als +Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind +vorgefundene _Umstände_, die _an sich_ die ursprüngliche Natur des +Individuums sind; als denn das Interesse, welches sie eben als das +_seinige_ oder als _Zweck_ setzt; endlich die Verknüpfung und +Aufhebung dieses Gegensatzes im _Mittel_. Diese Verknüpfung fällt +selbst noch innerhalb des Bewußtseins, und das soeben betrachtete +Ganze ist die eine Seite eines Gegensatzes. Dieser noch übrige +Schein von Entgegensetzung wird durch den _Übergang_ selbst oder das +_Mittel_ aufgehoben,--denn es ist _Einheit_ des Äußern und Innern, +das Gegenteil der Bestimmtheit, welche es als _innres_ Mittel hat, es +hebt sie also auf und setzt sich, diese Einheit des Tuns und des +Seins ebenso als _Äußeres_, als die wirklich gewordene Individualität +selbst; d.i. die _für sie selbst_ als das _Seiende_ gesetzt ist. Die +ganze Handlung tritt auf diese Weise weder als die _Umstände_ noch +als _Zweck_ noch _Mittel_ noch als _Werk_ aus sich heraus. + +Mit dem Werke aber scheint der Unterschied der ursprünglichen Naturen +einzutreten; das Werk ist wie die ursprüngliche Natur, welche es +ausdrückt, ein _bestimmtes_, denn vom Tun frei entlassen als _seiende +Wirklichkeit_, ist die Negativität als Qualität an ihm. Das +Bewußtsein aber bestimmt sich ihm gegenüber als dasjenige, welches +die Bestimmtheit als Negativität _überhaupt_, als Tun, an ihm hat; es +ist also das Allgemeine gegen jene Bestimmtheit des Werks, kann es +also mit andern _vergleichen_ und hieraus die Individualitäten selbst +als _verschiedene_ fassen; das in seinem Werke weiter übergreifende +Individuum entweder als stärkere Energie des Willens, oder als +reichere Natur, das heißt eine solche, deren ursprüngliche +Bestimmtheit weniger beschränkt ist,--eine andere hingegen als eine +schwächere und dürftigere Natur. Gegen diesen unwesentlichen +Unterschied der _Größe_ würde das _Gute_ und _Schlechte_ einen +absoluten Unterschied ausdrücken; aber hier findet dieser nicht statt. +Was auf die eine oder andere Weise genommen würde, ist auf gleiche +Weise ein Tun und Treiben, ein Sich-darstellen und Aussprechen einer +Individualität, und darum alles gut, und es wäre eigentlich nicht zu +sagen, was das Schlechte sein sollte. Was ein schlechtes Werk +genannt würde, ist das individuelle Leben einer bestimmten Natur, die +sich darin verwirklicht; zu einem schlechten Werke würde es nur durch +den vergleichenden Gedanken verdorben, der aber etwas Leeres ist, da +er über das Wesen des Werks, ein Sich-aussprechen der Individualität +zu sein, hinausgeht und sonst, man weiß nicht was, daran sucht und +fodert.--Er könnte nur den vorhin angeführten Unterschied betreffen; +dieser ist aber an sich, als Größeunterschied, ein unwesentlicher; +und hier bestimmt darum, weil es verschiedene Werke oder +Individualitäten wären, die miteinander verglichen würden; aber diese +gehen einander nichts an; jedes bezieht sich nur auf sich selbst. +Die ursprüngliche Natur ist allein das _An-sich_, oder das, was als +Maßstab der Beurteilung des Werks und umgekehrt zugrunde gelegt +werden könnte; beides aber entspricht sich einander, es ist nichts +für die Individualität, was nicht _durch_ sie, oder es gibt keine +_Wirklichkeit_, die nicht ihre Natur und ihr Tun, und kein Tun noch +An-sich derselben, das nicht wirklich ist, und nur diese Momente sind +zu vergleichen. + +Es findet daher überhaupt weder _Erhebung_, noch _Klage_, noch _Reue_ +statt; denn dergleichen alles kömmt aus dem Gedanken her, der sich +einen andern _Inhalt_ und ein anderes _An-sich_ einbildet, als die +ursprüngliche Natur des Individuums und ihre in der Wirklichkeit +vorhandene Ausführung ist. Was es sei, das es tut und ihm widerfährt, +dies hat es getan, und ist es selbst; es kann nur das Bewußtsein des +reinen Übersetzens _seiner selbst_ aus der Nacht der Möglichkeit in +den Tag der Gegenwart, des _abstrakten An-sich_ in die Bedeutung des +_wirklichen_ Seins, und die Gewißheit haben, daß was in diesem ihm +vorkommt, nichts anders ist, als was in jener schlief. Das +Bewußtsein dieser Einheit ist zwar ebenfalls eine Vergleichung, aber +was verglichen wird, hat eben nur den _Schein des_ Gegensatzes; ein +Schein der Form, der für das Selbstbewußtsein der Vernunft, daß die +Individualität an ihr selbst die Wirklichkeit ist, nichts mehr als +Schein ist. Das Individuum kann also, da es weiß, daß es in seiner +Wirklichkeit nichts anderes finden kann als ihre Einheit mit ihm, +oder nur die Gewißheit seiner selbst in ihrer Wahrheit, und daß es +also immer seinen Zweck erreicht, _nur Freude an sich erleben_. + +Dies ist der Begriff, welchen das Bewußtsein, das sich seiner als +absoluter Durchdringung der Individualität und des Seins gewiß ist, +von sich macht; sehen wir, ob er sich ihm durch die Erfahrung +bestätigt, und seine Realität damit übereinstimmt. Das Werk ist die +Realität, welche das Bewußtsein sich gibt; es ist dasjenige, worin +das Individuum das für es ist, was es _an sich_ ist, und so daß das +Bewußtsein, _für welches_ es in dem Werke wird, nicht das besondere, +sondern das _allgemeine_ Bewußtsein ist; es hat sich im Werke +überhaupt in das Element der Allgemeinheit, in den bestimmtheitslosen +Raum des Seins hinausgestellt. Das von seinem Werke zurücktretende +Bewußtsein ist in der Tat das allgemeine--weil es die _absolute +Negativität_ oder das Tun in diesem Gegensatze wird--gegen sein Werk, +welches das _bestimmte_ ist; es geht also über sich als Werk hinaus, +und ist selbst der bestimmtheitslose Raum, der sich von seinem Werke +nicht erfüllt findet. Wenn vorhin im Begriffe sich doch ihre Einheit +erhielt, so geschah dies ebendadurch, daß das Werk als _seiendes_ +Werk aufgehoben wurde. Aber es soll _sein_, und es ist zu sehen, wie +in seinem _Sein_ die Individualität seine Allgemeinheit erhalten, und +sich zu befriedigen wissen wird.--Zunächst ist das gewordene Werk für +sich zu betrachten. Es hat die ganze Natur der Individualität +mitempfangen; sein _Sein_ ist daher selbst ein Tun, worin sich alle +Unterschiede durchdringen und auflösen; das Werk ist also in ein +_Bestehen_ hinausgeworfen, worin die _Bestimmtheit_ der +ursprünglichen Natur in der Tat gegen andere bestimmte Naturen sich +herauskehrt, in sie eingreift, wie diese andere in sie, und sich als +verschwindendes Moment in dieser allgemeinen Bewegung verliert. Wenn +_innerhalb des Begriffs_ der an und für sich selbst realen +Individualität alle Momente, Umstände, Zweck, Mittel, und die +Verwirklichung einander gleich sind, und die ursprüngliche bestimmte +Natur nur als allgemeines Element gilt, so kömmt dagegen, indem dies +Element gegenständliches Sein wird, seine _Bestimmtheit_ als solche +in dem Werke an den Tag, und erhält ihre Wahrheit in ihrer Auflösung. +Näher stellt diese Auflösung sich so dar, daß in dieser Bestimmtheit +das Individuum als _dieses_ sich wirklich geworden ist; aber sie ist +nicht nur Inhalt der Wirklichkeit, sondern ebenso Form derselben, +oder die Wirklichkeit als solche überhaupt ist eben diese +Bestimmtheit, dem Selbstbewußtsein entgegengesetzt zu sein. Von +dieser Seite zeigt sie sich als die aus dem Begriffe verschwundene, +nur _vorgefundene fremde_ Wirklichkeit. Das Werk _ist_, d.h. es ist +für andere Individualitäten, und für sie eine fremde Wirklichkeit, an +deren Stelle _sie_ die ihrige setzen müssen, um durch _ihr_ Tun sich +das Bewußtsein _ihrer_ Einheit mit der Wirklichkeit zu geben; oder +_ihr_ durch _ihre_ ursprüngliche Natur gesetztes Interesse an jenem +Werke ist ein anderes als das _eigentümliche_ Interesse dieses Werks, +welches hiedurch zu etwas anderem gemacht ist. Das Werk ist also +überhaupt etwas Vergängliches, das durch das Widerspiel anderer +Kräfte und Interesse ausgelöscht wird, und vielmehr die Realität der +Individualität als verschwindend, denn als vollbracht darstellt. + +Es entsteht dem Bewußtsein also in seinem Werke der Gegensatz des +Tuns und des Seins, welcher in den frühern Gestalten des Bewußtseins +zugleich der _Anfang_ des Tuns war, hier nur _Resultat_ ist. Er hat +aber in der Tat gleichfalls zugrunde gelegen, indem das Bewußtsein +als _an sich_ reale Individualität ans Handeln ging; denn dem Handeln +war die _bestimmte ursprüngliche Natur_ als das _An-sich_ +vorausgesetzt, und das reine Vollbringen um des Vollbringens willen +hatte sie zum _Inhalte_. Das reine Tun ist aber die sich _selbst +gleiche_ Form, welcher hiemit die _Bestimmtheit_ der ursprünglichen +Natur ungleich ist. Es ist hier, wie sonst, gleichgültig, welches +von beiden _Begriff_ und welches _Realität_ genannt wird; die +ursprüngliche Natur ist das _Gedachte_ oder das _An-sich_ gegen das +Tun, worin sie erst ihre Realität hat; oder die ursprüngliche Natur +ist das Sein ebensowohl der Individualität als solcher wie ihrer als +Werk, das Tun aber ist der ursprüngliche _Begriff_, als absoluter +Übergang, oder als das _Werden_. Diese _Unangemessenheit_ des +Begriffs und der Realität, die in seinem Wesen liegt, erfährt das +Bewußtsein in seinem Werke; in diesem wird es sich also, wie es in +Wahrheit ist, und sein leerer Begriff von sich selbst verschwindet. + +In diesem Grundwiderspruche des Werks, das die Wahrheit dieser sich +an sich realen Individualität ist, treten somit wieder alle Seiten +derselben als widersprechend auf; oder das Werk, als der Inhalt der +ganzen Individualität aus dem _Tun_, welches die negative Einheit ist +und alle Momente gefangen hält, in das _Sein_ herausgestellt, läßt +sie nun frei; und im Elemente des Bestehens werden sie gleichgültig +gegeneinander. Begriff und Realität trennen sich also als Zweck und +als dasjenige, was die _ursprüngliche Wesenheit_ ist. Es ist +zufällig, daß der Zweck wahrhaftes Wesen habe, oder daß das An-sich +zum Zwecke gemacht werde. Ebenso treten wieder Begriff und Realität +als _Übergang_ in die Wirklichkeit und als _Zweck_ auseinander; oder +es ist zufällig, daß das den Zweck ausdrückende _Mittel_ gewählt +werde. Und endlich diese innere Momente zusammen, sie mögen in sich +eine Einheit haben oder nicht, das _Tun_ des Individuums ist wieder +zufällig gegen die _Wirklichkeit_ überhaupt; das _Glück_ entscheidet +ebensowohl für einen schlecht bestimmten Zweck und schlechtgewählte +Mittel als gegen sie. + +Wenn nun hiemit dem Bewußtsein an seinem Werke der _Gegensatz_ des +Wollens und Vollbringens, des Zwecks und der Mittel und wieder dieses +Innerlichen zusammen und der Wirklichkeit selbst wird, was überhaupt +die _Zufälligkeit seines Tuns in sich_ befaßt, so ist aber ebenso +auch die _Einheit_ und die _Notwendigkeit_ desselben vorhanden; diese +Seite greift über jene über, und die _Erfahrung_ von der +_Zufälligkeit des Tuns_ ist selbst nur eine _zufällige Erfahrung_. +Die _Notwendigkeit_ des Tuns besteht darin, daß _Zweck_ schlechthin +auf die _Wirklichkeit_ bezogen ist, und diese Einheit ist der Begriff +des Tuns; es wird gehandelt, weil das Tun an und für sich selbst das +Wesen der Wirklichkeit ist. In dem Werke ergibt sich zwar die +Zufälligkeit, welche das _Vollbrachtsein_ gegen das _Wollen_ und +_Vollbringen_ hat, und diese Erfahrung, welche als die Wahrheit +gelten zu müssen scheint, widerspricht jenem Begriffe der Handlung. +Betrachten wir jedoch den Inhalt dieser Erfahrung in seiner +Vollständigkeit, so ist er das _verschwindende Werk_; was sich +_erhält_, ist nicht das _Verschwinden_, sondern das Verschwinden ist +selbst wirklich und an das Werk geknüpft, und verschwindet selbst mit +diesem; das _Negative_ geht mit dem _Positiven_, dessen Negation es +ist, _selbst zugrunde_. + +Dies Verschwinden des Verschwindens liegt in dem Begriffe der an sich +realen Individualität selbst; denn dasjenige, worin das Werk, oder +was an ihm, verschwindet, und was demjenigen, was Erfahrung genannt +worden, seine Übermacht über den Begriff, den die Individualität von +sich selbst hat, geben sollte, ist die _gegenständliche Wirklichkeit_; +sie aber ist ein Moment, welches auch in diesem Bewußtsein selbst +keine Wahrheit mehr für sich hat, diese besteht nur in der Einheit +desselben mit dem Tun, und das _wahre Werk_ ist nur jene Einheit des +_Tuns und des Seins_, des _Wollens_ und _Vollbringens_. Dem +Bewußtsein ist also um der seinem Handeln zugrunde liegenden +Gewißheit, die ihr _entgegengesetzte_ Wirklichkeit selbst ein solches, +welches nur _für es_ ist; ihm als in sich zurückgekehrten +_Selbstbewußtsein_, dem aller Gegensatz verschwunden ist, kann er +nicht mehr in dieser Form seines _Für-sich-seins_ gegen die +_Wirklichkeit_ werden; sondern der Gegensatz und die Negativität, die +an dem Werke zum Vorschein kommt, trifft hiemit nicht nur den Inhalt +des Werks oder auch des Bewußtseins, sondern die Wirklichkeit als +solche, und damit den nur durch sie und an ihr vorhandenen Gegensatz +und das Verschwinden des Werks. Auf diese Weise reflektiert sich +also das Bewußtsein in sich aus seinem vergänglichen Werke, und +behauptet seinen Begriff und Gewißheit als das _Seiende_ und +_Bleibende_, gegen die Erfahrung von der _Zufälligkeit_ des Tuns; es +erfährt in der Tat seinen Begriff, in welchem die Wirklichkeit nur +ein Moment, etwas _für es_, nicht das An- und Für-sich ist; es +erfährt sie als verschwindendes Moment, und sie gilt ihm daher nur +als _Sein_ überhaupt, dessen Allgemeinheit mit dem Tun dasselbe ist. +Diese Einheit ist das wahre Werk; es ist die _Sache selbst_, welche +sich schlechthin behauptet und als das Bleibende erfahren wird, +unabhängig von der Sache, welche die _Zufälligkeit_ des individuellen +Tuns als eines solchen, der Umstände, Mittel und der Wirklichkeit ist. + +Die _Sache selbst_ ist diesen Momenten nur insofern entgegengesetzt, +als sie isoliert gelten sollen, ist aber wesentlich als Durchdringung +der Wirklichkeit und der Individualität die Einheit derselben; +ebensowohl ein Tun, und als Tun _reines Tun_ überhaupt, _damit +ebensosehr Tun dieses Individuums_, und dies Tun als ihm noch +angehörig im Gegensatze gegen die Wirklichkeit, als _Zweck_; ebenso +ist sie der _Übergang_ aus dieser Bestimmtheit in die +entgegengesetzte; und endlich eine _Wirklichkeit_, welche _für das +Bewußtsein_ vorhanden ist. Die _Sache selbst_ drückt hiemit die +_geistige_ Wesenheit aus, worin alle diese Momente aufgehoben sind +als fürsichgeltende, also nur als allgemeine gelten, und worin dem +Bewußtsein seine Gewißheit von sich selbst gegenständliches Wesen, +_eine Sache_, ist; der aus dem Selbstbewußtsein als der _seinige_ +herausgeborne Gegenstand, ohne aufzuhören, freier, eigentlicher +Gegenstand zu sein.--Das _Ding_ der sinnlichen Gewißheit und des +Wahrnehmens hat nun für das Selbstbewußtsein allein seine Bedeutung +durch es; hierauf beruht der Unterschied eines _Dings_ und einer +_Sache_.--Es wird eine der sinnlichen Gewißheit und Wahrnehmung +entsprechende Bewegung daran durchlaufen. + +In _der Sache selbst_ also, als der gegenständlich gewordnen +Durchdringung der Individualität und der Gegenständlichkeit selbst, +ist dem Selbstbewußtsein sein wahrer Begriff von sich geworden, oder +es ist zum Bewußtsein seiner Substanz gekommen. Es ist zugleich, wie +es hier ist, ein soeben gewordenes und daher _unmittelbares_ +Bewußtsein derselben, und dies ist die bestimmte Weise, in welcher +das geistige Wesen hier vorhanden, und noch nicht zur wahrhaft realen +Substanz gediehen ist. Die _Sache selbst_ hat in diesem +unmittelbaren Bewußtsein derselben die Form des _einfachen Wesens_, +welches als allgemeines alle seine verschiedenen Momente in sich +enthält und ihnen zukommt, aber auch wieder gleichgültig gegen sie +als bestimmte Momente und frei für sich ist, und als diese freie +_einfache, abstrakte_ Sache selbst, _als das Wesen gilt_. Die +verschiedenen Momente der ursprünglichen Bestimmtheit oder der _Sache +dieses_ Individuums, seines Zwecks, der Mittel, des Tuns selbst und +der Wirklichkeit, sind für dieses Bewußtsein einerseits einzelne +Momente, welche es gegen die _Sache selbst_ verlassen und aufgeben +kann; andererseits aber haben sie alle die Sache selbst nur so zum +Wesen, daß sie als das _abstrakte_ Allgemeine derselben _an_ jedem +dieser verschiedenen Momente sich findet und _Prädikat_ derselben +sein kann. Sie selbst ist noch nicht das Subjekt, sondern dafür +gelten jene Momente, weil sie auf die Seite der _Einzelnheit_ +überhaupt fallen, die Sache selbst aber nur erst das einfach +Allgemeine ist. Sie ist die _Gattung_, welche sich in allen diesen +Momenten als ihren _Arten_ findet, und ebenso frei davon ist. + +Das Bewußtsein heißt _ehrlich_, welches einesteils zu diesem +Idealismus gekommen, den _die Sache selbst_ ausdrückt, und +andernteils an ihr als dieser formalen Allgemeinheit das Wahre hat; +dem es immer nur um sie zu tun ist, das sich daher in ihren +verschiedenen Momenten oder Arten herumtreibt, und indem es sie in +einem derselben oder in einer Bedeutung nicht erreicht, ebendadurch +in dem andern ihrer habhaft wird, somit die Befriedigung in der Tat +immer gewinnt, welche diesem Bewußtsein seinem Begriffe nach zuteil +werden sollte. Es mag gehen, wie es will, so hat es die _Sache +selbst_ vollbracht und erreicht, denn sie ist als diese _allgemeine_ +Gattung jener Momente Prädikat aller. + +Bringt es einen _Zweck_ nicht zur _Wirklichkeit_, so hat es ihn doch +_gewollt_, das heißt, es macht den _Zweck_ als Zweck, das _reine Tun_, +welches nichts tut, zur _Sache selbst_; und kann sich daher so +ausdrücken und trösten, daß doch immer etwas _getan_ und _getrieben_ +worden ist. Da das Allgemeine selbst das Negative oder das +Verschwinden unter sich enthält, so ist auch dies, daß das Werk sich +vernichtet, selbst _sein_ Tun; es hat die andern dazu gereizt, und +findet in dem _Verschwinden_ seiner Wirklichkeit noch die +Befriedigung, wie böse Jungen in der Ohrfeige, die sie erhalten, +_sich selbst_ genießen, nämlich als Ursache derselben. Oder es hat +die Sache selbst auszuführen auch _nicht einmal versucht_, und _gar +nichts getan_, so hat es nicht _gemocht; die Sache selbst_ ist ihm +eben _Einheit_ seines _Entschlusses_ und _der Realität_; es behauptet, +daß die _Wirklichkeit_ nichts anders wäre als sein _Mögen_.--Es ist +endlich etwas ihm Interessantes überhaupt ohne sein Zutun geworden, +so ist ihm diese _Wirklichkeit_ die Sache selbst eben in dem +Interesse, das es daran findet, ob sie gleich nicht von ihm +hervorgebracht worden ist; ist es ein Glück, das ihm persönlich +widerfahren, so hält es darauf als auf seine _Tat_ und _Verdienst_; +ist es sonst eine Weltbegebenheit, die es weiter nichts angeht, so +macht es sie ebenso zu der seinigen, und _tatloses Interesse_ gilt +ihm für _Partei_, die es dafür oder dawider genommen und _bekämpft_ +oder _gehalten_ hat. + +Die _Ehrlichkeit_ dieses Bewußtseins, sowie die Befriedigung, die es +allenthalben erlebt, besteht, wie erhellt, in der Tat darin, daß es +seine _Gedanken_, die es von der Sache selbst hat, _nicht +zusammenbringt. Die Sache selbst_ ist ihm ebensowohl _seine_ Sache +wie gar _kein Werk_, oder das _reine Tun_ und der _leere Zweck_, oder +auch eine _tatlose Wirklichkeit_; es macht eine Bedeutung nach der +andern zum Subjekte dieses Prädikats, und vergißt die eine nach der +andern. Itzt im bloßen _Gewollt-_ oder auch im _Nichtgemocht_haben +hat die Sache selbst die Bedeutung des _leeren Zwecks_, und der +_gedachten_ Einheit des Wollens und Vollbringens. Der Trost über die +Vernichtung des Zwecks, doch _gewollt_ oder doch _rein getan_, sowie +die Befriedigung, den andern etwas zu tun gegeben zu haben, macht das +_reine Tun_ oder das ganz schlechte Werk zum Wesen, denn dasjenige +ist ein schlechtes zu nennen, welches gar keines ist. Endlich beim +Glücksfall, die Wirklichkeit _vorzufinden_, wird dieses Sein ohne Tat +zur Sache selbst. + +Die Wahrheit dieser Ehrlichkeit aber ist, nicht so ehrlich zu sein, +als sie aussieht. Denn sie kann nicht so gedankenlos sein, diese +verschiedenen Momente in der Tat so auseinanderfallen zu lassen, +sondern sie muß das unmittelbare Bewußtsein über ihren Gegensatz +haben, weil sie sich schlechthin aufeinander beziehen. Das _reine_ +Tun ist wesentlich Tun _dieses_ Individuums, und dieses Tun ist +ebenso wesentlich eine _Wirklichkeit_ oder eine Sache. Umgekehrt ist +die _Wirklichkeit_ wesentlich nur als _sein_ Tun, sowie als _Tun +überhaupt_; und _sein_ Tun ist zugleich nur wie Tun überhaupt, so +auch Wirklichkeit. Indem es ihm also nur um die _Sache selbst_ als +_abstrakte Wirklichkeit_ zu tun scheint, ist auch dies vorhanden, daß +es ihm um sie als _sein_ Tun zu tun ist. Aber ebenso, indem es ihm +nur ums _Tun_ und _Treiben_ zu tun ist, ist es ihm damit nicht Ernst, +sondern es ist ihm um _eine Sache_ zu tun, und um die Sache als die +_seinige_. Indem es endlich nur _seine_ Sache und _sein_ Tun zu +wollen scheint, ist es wieder um die _Sache überhaupt_ oder die an +und für sich bleibende Wirklichkeit zu tun. + +Wie die Sache selbst und ihre Momente hier als _Inhalt_ erscheinen, +ebenso notwendig sind sie auch _als Formen_ an dem Bewußtsein. Sie +treten als Inhalt nur auf, um zu verschwinden, und jedes macht dem +andern Platz. Sie müssen daher in der Bestimmtheit, als +_aufgehobene_, vorhanden sein; so aber sind sie Seiten des +Bewußtseins selbst. Die _Sache selbst_ ist als das _An-sich_ oder +seine _Reflexion in sich_ vorhanden, die _Verdrängung_ der Momente +aber durcheinander drückt sich an ihm so aus, daß sie nicht an sich, +sondern nur für _ein Anderes_ an ihm gesetzt sind. Das eine der +Momente des Inhalts wird von ihm dem Tage ausgesetzt, und _für +andere_ vorgestellt; das Bewußtsein ist aber zugleich daraus in sich +reflektiert, und das Entgegengesetzte ebenso in ihm vorhanden; es +behält es für sich, als das seinige. Es ist zugleich auch nicht +irgendeines derselben, welches allein _nur_ hinausgestellt, und ein +anderes, das nur im Innern behalten würde, sondern das Bewußtsein +wechselt mit ihnen ab; denn es muß das eine wie das andere zum +wesentlichen für sich und für die andere machen. _Das Ganze_ ist die +sich bewegende Durchdringung der Individualität und des Allgemeinen; +weil aber dies Ganze für dies Bewußtsein nur als das _einfache_ Wesen +und damit als die Abstraktion _der Sache selbst_ vorhanden ist, +fallen seine Momente als getrennte außer ihr und auseinander; und +_als Ganzes_ wird es nur durch die trennende Abwechslung des +Ausstellens und des Für-sich-behaltens erschöpft und dargestellt. +Indem in dieser Abwechslung das Bewußtsein _ein_ Moment für sich und +als wesentliches in seiner Reflexion, ein anderes aber nur äußerlich +an _ihm_ oder für die _andern_ hat, tritt damit ein Spiel der +Individualitäten miteinander ein, worin sie sowohl sich selbst als +sich gegenseitig sowohl betrügen als betrogen finden. + +Eine Individualität geht also, etwas auszuführen; sie scheint damit +etwas _zur Sache_ gemacht zu haben; sie handelt, wird darin für +Andere, und es scheint ihr um die _Wirklichkeit_ zu tun zu sein. Die +Andern nehmen also das Tun derselben für ein Interesse an der Sache +als solcher, und für den Zweck, daß _die Sache an sich ausgeführt +sei_; gleichgültig, ob von der ersten Individualität oder von ihnen. +Indem sie hienach diese Sache schon von ihnen zustande gebracht +aufzeigen oder, wo nicht, ihre Hülfe anbieten und leisten, so ist +jenes Bewußtsein vielmehr da heraus, wo sie meinen, daß es sei; es +ist _sein_ Tun und Treiben, was es bei der Sache interessiert, und +indem sie innewerden, daß dies _die Sache selbst_ war, finden sie +sich also getäuscht.--Aber in der Tat war ihr Herbeieilen, um zu +helfen, selbst nichts anders, als daß sie _ihr_ Tun, nicht die _Sache +selbst_, sehen und zeigen wollten; d.h. sie wollten das andere auf +eben die Weise betrügen, als sie sich betrogen worden zu sein +beschweren.--Indem es nun itzt herausgekehrt ist, daß das _eigne Tun_ +und _Treiben_, das Spiel _seiner Kräfte_ für die Sache selbst gilt, +so scheint das Bewußtsein, sein Wesen _für sich_, nicht für die +andern, zu treiben, und nur bekümmert um das Tun als _das seinige_, +nicht um es als ein Tun der _andern_, hiemit die andern ebenso in +_ihrer_ Sache gewähren zu lassen. Allein sie irren sich wieder; es +ist schon da heraus, wo sie es zu sein meinten. Es ist ihm nicht um +die Sache als _diese seine einzelne_ zu tun, sondern um sie als +_Sache_, als Allgemeines, das für alle ist. Es mischt sich also in +ihr Tun und Werk, und wenn es ihnen dasselbe nicht mehr aus der Hand +nehmen kann, interessiert es sich wenigstens dadurch dabei, daß es +sich durch Urteilen zu tun macht; drückt es ihm den Stempel seiner +Billigung und seines Lobes auf, so ist dies so gemeint, daß es am +Werke nicht nur das Werk selbst lobt, sondern zugleich _seine eigne_ +Großmut und Mäßigung, das Werk nicht als Werk und auch nicht durch +seinen Tadel verdorben zu haben. Indem es ein Interesse am _Werke_ +zeigt, genießt _es sich selbst_ darin; ebenso ist ihm das _Werk_, das +von ihm getadelt wird, willkommen für eben diesen Genuß _seines +eignen_ Tuns, der ihm dadurch verschafft wird. Die aber sich durch +diese Einmischung für betrogen halten oder ausgeben, wollten vielmehr +selbst auf gleiche Weise betrügen. Sie geben ihr Tun und Treiben für +etwas aus, das nur für sie selbst ist, worin sie nur _sich_ und _ihr +eignes_ Wesen bezweckten. Allein indem sie etwas tun, und hiemit +sich darstellen und dem Tage zeigen, widersprechen sie unmittelbar +durch die Tat ihrem Vorgeben, den Tag selbst, das allgemeine +Bewußtsein und die Teilnahme aller ausschließen zu wollen; die +Verwirklichung ist vielmehr eine Ausstellung des Seinigen in das +allgemeine Element, wodurch es zur _Sache_ aller wird und werden soll. + +Es ist also ebenso Betrug seiner selbst und der andern, wenn es nur +um die _reine Sache_ zu tun sein soll; ein Bewußtsein, das eine Sache +auftut, macht vielmehr die Erfahrung, daß die andern, wie die Fliegen +zu frisch aufgestellter Milch, herbeieilen und sich dabei geschäftig +wissen wollen; und sie an ihm, daß es ihm ebenso nicht um die Sache +als Gegenstand, sondern als um die _seinige_ zu tun ist. Hingegen, +wenn nur das _Tun selbst_, der Gebrauch der Kräfte und Fähigkeiten +oder das Aussprechen dieser Individualität, das Wesentliche sein soll, +so wird ebenso gegenseitig die Erfahrung gemacht, daß _alle_ sich +rühren und für eingeladen halten, und statt eines _reinen_ Tuns oder +eines _einzelnen_ eigentümlichen Tuns vielmehr etwas, das ebensowohl +_für andere_ ist, oder _eine Sache selbst_ aufgetan wurde. Es +geschieht in beiden Fällen dasselbe, und hat nur einen verschiedenen +Sinn gegen denjenigen, der dabei angenommen wurde und gelten sollte. +Das Bewußtsein erfährt beide Seiten als gleich wesentliche Momente, +und hierin was die _Natur der Sache selbst_ ist, nämlich weder nur +Sache, welche dem Tun überhaupt und dem einzelnen Tun, noch Tun, +welches dem Bestehen entgegengesetzt und die von diesen Momenten als +ihren _Arten_ freie _Gattung_ wäre, sondern ein Wesen, dessen _Sein_ +das _Tun_ des _einzelnen_ Individuums und aller Individuen, und +dessen Tun unmittelbar _für andre_, oder eine _Sache_ ist, und nur +Sache ist als _Tun aller_ und _jeder_; das Wesen, welches das Wesen +aller Wesen, das _geistige Wesen_ ist. Das Bewußtsein erfährt, daß +keins jener Momente _Subjekt_ ist, sondern sich vielmehr in der +_allgemeinen Sache selbst_ auflöst; die Momente der Individualität, +welche der Gedankenlosigkeit dieses Bewußtseins nacheinander als +Subjekt galten, nehmen sich in die einfache Individualität zusammen, +die als _diese_ ebenso unmittelbar allgemein ist. Die Sache selbst +verliert dadurch das Verhältnis des Prädikats und die Bestimmtheit +lebloser abstrakter Allgemeinheit, sie ist vielmehr die von der +Individualität durchdrungene Substanz; das Subjekt, worin die +Individualität ebenso als sie selbst oder als _diese_ wie als _alle_ +Individuen ist, und das Allgemeine, das nur als dies Tun aller und +jeder ein _Sein_ ist, eine Wirklichkeit darin, daß _dieses_ +Bewußtsein sie als seine einzelne Wirklichkeit und als Wirklichkeit +aller weiß. Die reine _Sache selbst_ ist das, was sich oben als die +_Kategorie_ bestimmte, das Sein das Ich, oder Ich das Sein ist, aber +als _Denken_, welches vom _wirklichen Selbstbewußtsein_ sich noch +unterscheidet; hier aber sind die Momente des wirklichen +Selbstbewußtseins, insofern wir sie seinen Inhalt, Zweck, Tun und +Wirklichkeit, wie insofern wir sie seine Form nennen, Für-sich-sein +und Sein für anderes, mit der einfachen Kategorie selbst als eins +gesetzt, und sie ist dadurch zugleich aller Inhalt. + + +b. Die gesetzgebende Vernunft + +Das geistige Wesen ist in seinem einfachen Sein _reines Bewußtsein_ +und _dieses Selbst_bewußtsein. Die ursprünglich-_bestimmte Natur_ +des Individuums hat ihre positive Bedeutung, _an sich_ das Element +und der Zweck seiner Tätigkeit zu sein, verloren; sie ist nur +aufgehobnes Moment, und das Individuum ein _Selbst_; als allgemeines +Selbst. Umgekehrt hat die _formale Sache selbst_ ihre Erfüllung an +der tuenden sich in sich unterscheidenden Individualität; denn die +Unterschiede dieser machen den _Inhalt_ jenes Allgemeinen aus. Die +Kategorie ist _an sich_, als das Allgemeine des _reinen Bewußtseins_; +sie ist ebenso _für sich_, denn das _Selbst_ des Bewußtseins ist +ebenso ihr Moment. Sie ist absolutes _Sein_, denn jene Allgemeinheit +ist die einfache _Sich-selbst-gleichheit des Seins_. + +Was also dem Bewußtsein der Gegenstand ist, hat die Bedeutung, das +_Wahre_ zu sein; _es ist_ und _gilt_ in dem Sinne, _an_ und _für sich +selbst_ zu _sein_ und _gelten_; es ist die _absolute Sache_, welche +nicht mehr von dem Gegensatze der Gewißheit und ihrer Wahrheit, des +Allgemeinen und des Einzelnen, des Zwecks und seiner Realität leidet, +sondern deren Dasein die _Wirklichkeit_ und das _Tun_ des +Selbstbewußtseins ist; diese Sache ist daher die _sittliche Substanz_; +das Bewußtsein derselben _sittliches_ Bewußtsein. Sein Gegenstand +gilt ihm ebenso als das _Wahre_, denn es vereinigt Selbstbewußtsein +und Sein in _einer_ Einheit; es gilt als das _Absolute_, denn das +Selbstbewußtsein kann und will nicht mehr über diesen Gegenstand +hinausgehen, denn es ist darin bei sich selbst; es _kann_ nicht, denn +er ist alles Sein und Macht;--es _will_ nicht, denn er ist das +_Selbst_ oder der Willen dieses Selbsts. Er ist der _reale_ +Gegenstand an ihm selbst als Gegenstand, denn er hat den Unterschied +des Bewußtseins an ihm; er teilt sich in Massen, welche die +_bestimmten Gesetze_ des absoluten Wesens sind. Diese Massen aber +trüben den Begriff nicht, denn in ihm bleiben die Momente des Seins +und reinen Bewußtseins und des Selbsts eingeschlossen--eine Einheit, +welche das Wesen dieser Massen ausmacht, und in diesem Unterschiede +diese Momente nicht mehr auseinandertreten läßt. + +Diese Gesetze oder Massen der sittlichen Substanz sind unmittelbar +anerkannt; es kann nicht nach ihrem Ursprunge und Berechtigung +gefragt und nach einem andern gesucht werden, denn ein anderes als +das _an_ und _für sich_ seiende Wesen wäre nur das Selbstbewußtsein +selbst; aber es ist nichts anderes als dies Wesen, denn es selbst ist +das Für-sich-sein dieses Wesens, welches ebendarum die Wahrheit ist, +weil es ebensosehr das _Selbst_ des Bewußtseins als sein _An-sich_ +oder reines Bewußtsein ist. + +Indem das Selbstbewußtsein sich als Moment des _Für-sich-seins_ +dieser Substanz weiß, so drückt es also das Dasein des Gesetzes in +ihm so aus, daß die _gesunde Vernunft_ unmittelbar weiß, was _recht_ +und _gut_ ist. So _unmittelbar_ sie es _weiß_, so unmittelbar _gilt_ +es ihr auch, und sie sagt unmittelbar: dies _ist_ recht und gut. Und +zwar _dies_; es sind _bestimmte_ Gesetze, es ist erfüllte, +inhaltsvolle Sache selbst. + +Was sich so unmittelbar gibt, muß ebenso unmittelbar aufgenommen und +betrachtet werden; wie von dem, was die sinnliche Gewißheit +unmittelbar als seiend ausspricht, ist auch von dem Sein, welches +diese sittliche unmittelbare Gewißheit ausspricht, oder von den +unmittelbar seienden Massen des sittlichen Wesens zu sehen, wie sie +beschaffen sind. Die Beispiele einiger solcher Gesetze werden dies +zeigen, und indem wir sie in der Form von Aussprüchen der _wissenden_, +gesunden Vernunft nehmen, haben wir nicht erst das Moment +herbeizubringen, welches an ihnen, sie als _unmittelbare_ sittliche +Gesetze betrachtet, geltend zu machen ist. + +_"Jeder soll die Wahrheit sprechen."_--Bei dieser als unbedingt +ausgesprochnen Pflicht wird sogleich die Bedingung zugegeben werden: +_wenn_ er die Wahrheit weiß. Das Gebot wird hiemit jetzt so lauten: +_jeder soll die Wahrheit reden, jedesmal nach seiner Kenntnis und +Überzeugung_ davon. Die gesunde Vernunft, eben dies sittliche +Bewußtsein, welches unmittelbar weiß, was recht und gut ist, wird +auch erklären, daß diese Bedingung mit seinem allgemeinen Ausspruche +schon so verbunden gewesen sei, daß sie jenes Gebot so _gemeint_ habe. +Damit gibt sie aber in der Tat zu, daß sie vielmehr schon +unmittelbar im Aussprechen desselben dasselbe verletzte; sie _sprach_: +jeder soll die Wahrheit sprechen; sie _meinte aber_, er solle sie +sprechen nach seiner Kenntnis und Überzeugung davon; das heißt, sie +_sprach anders, als sie meinte_; und anders sprechen, als man meint, +heißt die Wahrheit nicht sprechen. Die verbesserte Unwahrheit oder +Ungeschicklichkeit drückt sich nun so aus: _jeder solle die Wahrheit +nach seiner jedesmaligen Kenntnis und Überzeugung davon sprechen_. +--Damit aber hat sich das _allgemein Notwendige, an sich_ Geltende, +welches der Satz aussprechen wollte, vielmehr in eine vollkommne +_Zufälligkeit_ verkehrt. Denn daß die Wahrheit gesprochen wird, ist +dem Zufalle, ob ich sie kenne und mich davon überzeugen kann, +anheimgestellt; und es ist weiter nichts gesagt, als daß Wahres und +Falsches durcheinander, wie es kommt, daß es einer kennt, meint und +begreift, gesprochen werden solle. Diese _Zufälligkeit des Inhalts_ +hat die _Allgemeinheit_ nur an der _Form eines Satzes_, in der sie +ausgedrückt ist; aber als sittlicher Satz verspricht er einen +allgemeinen und notwendigen _Inhalt_, und widerspricht so durch die +Zufälligkeit desselben sich selbst.--Wird endlich der Satz so +verbessert: daß die Zufälligkeit der Kenntnis und Überzeugung von der +Wahrheit wegfallen und die Wahrheit auch _gewußt_ werden _solle_; so +wäre dies ein Gebot, welches dem geradezu widerspricht, wovon +ausgegangen wurde. Die gesunde Vernunft sollte zuerst _unmittelbar_ +die Fähigkeit haben, die Wahrheit auszusprechen; itzt aber ist gesagt, +daß sie sie _wissen sollte_, das heißt, sie nicht _unmittelbar_ +auszusprechen wisse.--Von Seite des _Inhalts_ betrachtet, so ist er +in der Foderung, man solle die Wahrheit _wissen_, hinweggefallen; +denn sie bezieht sich auf das _Wissen überhaupt_: man soll wissen; +was gefodert ist, ist also vielmehr das von allem bestimmten Inhalte +freie. Aber hier war von einem _bestimmten_ Inhalt, von _einem +Unterschiede_ an der sittlichen Substanz die Rede. Allein diese +_unmittelbare_ Bestimmung derselben ist ein solcher Inhalt, der sich +vielmehr als eine vollkommene Zufälligkeit zeigte, und in die +Allgemeinheit und Notwendigkeit erhoben, so daß das _Wissen_ als das +Gesetz ausgesprochen wird, vielmehr verschwindet. + +Ein anderes berühmtes Gebot ist: _Liebe deinen Nächsten als dich +selbst_. Es ist an den Einzelnen im Verhältnisse zu den Einzelnen +gerichtet, und _behauptet es *als* ein Verhältnis des Einzelnen_ zum +_Einzelnen_, oder als Verhältnis der Empfindung. Die tätige +Liebe--denn eine untätige hat kein Sein und ist darum wohl nicht +gemeint--geht darauf, Übel von einem Menschen abzusondern und ihm +Gutes zuzufügen. Zu diesem Behuf muß unterschieden werden, was an +ihm das Übel, was gegen dies Übel das zweckmäßige Gute, und was +überhaupt sein Wohl ist; das heißt, ich muß ihn mit _Verstand_ lieben; +unverständige Liebe wird ihm schaden, vielleicht mehr als Haß. Das +verständige wesentliche Wohltun ist aber in seiner reichsten und +wichtigsten Gestalt, das verständige allgemeine Tun des Staats--ein +Tun, mit welchem verglichen das Tun des Einzelnen als eines Einzelnen +etwas überhaupt so Geringfügiges wird, daß es fast nicht der Mühe +wert ist, davon zu sprechen. Jenes Tun ist dabei von so großer Macht, +daß, wenn das einzelne Tun sich ihm entgegensetzen und entweder +geradezu für sich Verbrechen sein oder einem andern zuliebe das +Allgemeine um das Recht und den Anteil, welchen es an ihm hat, +betrügen wollte, es überhaupt unnütz sein und unwiderstehlich +zerstört werden würde. Es bleibt dem Wohltun, welches Empfindung ist, +nur die Bedeutung eines ganz einzelnen Tuns, einer Nothülfe, die +ebenso zufällig als augenblicklich ist. Der Zufall bestimmt nicht +nur seine Gelegenheit, sondern auch dies, ob es überhaupt ein _Werk_ +ist, ob es nicht sogleich wieder aufgelöst und selbst vielmehr in +Übel verkehrt wird. Dieses Handeln also zum Wohl anderer, das als +_notwendig_ ausgesprochen wird, ist so beschaffen, daß es vielleicht +existieren kann, vielleicht auch nicht; daß, wenn der Fall +zufälligerweise sich darbietet, es vielleicht ein Werk, vielleicht +gut ist, vielleicht auch nicht. Dies Gesetz hat hiemit ebensowenig +einen allgemeinen Inhalt als das erste, das betrachtet wurde, und +drückt nicht, wie es als absolutes Sittengesetz sollte, etwas aus, +das _an und für sich_ ist. Oder solche Gesetze bleiben nur beim +_Sollen_ stehen, haben aber keine _Wirklichkeit_; sie sind nicht +_Gesetze_, sondern nur _Gebote_. + +Es erhellt aber in der Tat aus der Natur der Sache selbst, daß auf +einen allgemeinen absoluten _Inhalt_ Verzicht getan werden muß; denn +der einfachen Substanz, und ihr Wesen ist dies, einfache zu sein, ist +jede _Bestimmtheit_, die an ihr gesetzt wird, _ungemäß_. Das Gebot +in seiner einfachen Absolutheit spricht selbst _unmittelbares +sittliches Sein_ aus; der Unterschied, der an ihm erscheint, ist eine +Bestimmtheit, und also ein Inhalt, der _unter_ der absoluten +Allgemeinheit dieses einfachen Seins steht. Indem hiemit auf einen +absoluten Inhalt Verzicht getan werden muß, kann ihm nur die _formale +Allgemeinheit_, oder dies, daß es sich nicht widerspreche, zukommen, +denn die inhaltslose Allgemeinheit ist die formale, und absoluter +Inhalt heißt selbst soviel als ein Unterschied, der keiner ist, oder +als Inhaltslosigkeit. + +Was dem Gesetzgeben übrig bleibt, ist also die _reine Form_ der +_Allgemeinheit_ oder in der Tat die _Tautologie_ des Bewußtseins, +welche dem Inhalt gegenübertritt, und ein _Wissen_ nicht von dem +_seienden_ oder eigentlichen _Inhalte_, sondern von dem _Wesen_ oder +der Sichselbstgleichheit desselben ist. + +Das sittliche Wesen ist hiemit nicht unmittelbar selbst ein Inhalt, +sondern nur ein Maßstab, ob ein Inhalt fähig sei, Gesetz zu sein oder +nicht, indem er sich nicht selbst widerspricht. Die gesetzgebende +Vernunft ist zu einer nur _prüfenden_ Vernunft herabgesetzt. + + +c. Gesetzprüfende Vernunft + +Ein Unterschied an der einfachen sittlichen Substanz ist eine +Zufälligkeit für sie, welche wir an dem bestimmten Gebote als +Zufälligkeit des Wissens, der Wirklichkeit und des Tuns hervortreten +sahen. Die _Vergleichung_ jenes einfachen Seins und der ihm nicht +entsprechenden Bestimmtheit fiel in uns; und die einfache Substanz +hat sich darin formale Allgemeinheit oder reines _Bewußtsein_ zu sein +gezeigt, das frei von dem Inhalte ihm gegenübertritt, und ein +_Wissen_ von ihm als dem bestimmten ist. Diese Allgemeinheit bleibt +auf diese Weise dasselbe, was die _Sache selbst_ war. Aber sie ist +im Bewußtsein ein anderes; sie ist nämlich nicht mehr die +gedankenlose träge Gattung, sondern bezogen auf das Besondere, und +geltend für dessen Macht und Wahrheit.--Dies Bewußtsein scheint +zunächst dasselbe Prüfen, welches wir vorhin waren, und sein Tun +nichts anderes sein zu können, als schon geschehen ist, eine +Vergleichung des Allgemeinen mit dem Bestimmten, woraus sich ihre +Unangemessenheit wie vorhin ergäbe. Aber das Verhältnis des Inhalts +zum Allgemeinen ist hier ein anderes, indem dieses eine andere +Bedeutung gewonnen hat; es ist _formale_ Allgemeinheit, deren der +bestimmte Inhalt fähig ist, denn in ihr wird er nur in Beziehung auf +sich selbst betrachtet. Bei unserm Prüfen stand die allgemeine +gediegene Substanz der Bestimmtheit gegenüber, welche sich als +Zufälligkeit des Bewußtseins, worein die Substanz eintrat, +entwickelte. Hier ist das ein Glied der Vergleichung verschwunden; +das Allgemeine ist nicht mehr die _seiende_ und _geltende_ Substanz, +oder das an und für sich Rechte, sondern einfaches Wissen oder Form, +welche einen Inhalt nur mit sich selbst vergleicht, und ihn +betrachtet, ob er eine Tautologie ist. Es werden Gesetze nicht mehr +gegeben, sondern _geprüft_; und die Gesetze sind für das prüfende +Bewußtsein _schon_ gegeben; es nimmt ihren _Inhalt_ auf, wie er +einfach ist, ohne in die Betrachtung der seiner Wirklichkeit +anklebenden Einzelnheit und Zufälligkeit einzugehen, wie wir taten, +sondern bleibt bei dem Gebote als Gebote stehen, und verhält sich +ebenso einfach gegen es, als es sein Maßstab ist. + +Dies Prüfen reicht aber aus diesem Grunde nicht weit; eben indem der +Maßstab die Tautologie und gleichgültig gegen den Inhalt ist, nimmt +er ebensogut diesen als den entgegengesetzten in sich auf.--Es ist +die Frage, soll es an und für sich Gesetz sein, daß _Eigentum_ sei; +_an und für sich_, nicht aus Nützlichkeit für andere Zwecke; die +sittliche Wesenheit besteht eben darin, daß das Gesetz nur sich +selbst gleiche, und durch diese Gleichheit mit sich also in seinem +eignen Wesen gegründet, nicht ein bedingtes sei. Das Eigentum an und +für sich widerspricht sich nicht; es ist eine _isolierte_ oder nur +sich selbst gleich gesetzte Bestimmtheit. Nichteigentum, +Herrenlosigkeit der Dinge oder Gütergemeinschaft widerspricht sich +gerade ebensowenig. Daß etwas niemand gehört, oder dem nächsten +besten, der sich in Besitz setzt, oder allen zusammen, und jedem nach +seinem Bedürfnisse oder zu gleichen Teilen, ist eine _einfache +Bestimmtheit_, ein _formaler Gedanke_, wie sein Gegenteil, das +Eigentum.--Wenn das herrenlose Ding freilich betrachtet wird als ein +_notwendiger Gegenstand_ des _Bedürfnisses_, so ist es notwendig, daß +es der Besitz irgendeines einzelnen werde; und es wäre widersprechend, +vielmehr die Freiheit des Dinges zum Gesetze zu machen. Unter der +Herrenlosigkeit des Dinges ist aber auch nicht eine absolute +Herrenlosigkeit gemeint, sondern es soll in _Besitz kommen_, nach dem +_Bedürfnisse_ des einzelnen; und zwar nicht um aufbewahrt, sondern um +unmittelbar gebraucht zu werden. Aber so ganz nur nach der +Zufälligkeit für das Bedürfnis zu sorgen, ist der Natur des bewußten +Wesens, von dem allein die Rede ist, widersprechend; denn es muß sich +sein Bedürfnis in der Form der _Allgemeinheit_ vorstellen, für seine +ganze Existenz sorgen, und sich ein bleibendes Gut erwerben. So +stimmte also der Gedanke, daß ein Ding dem nächsten selbstbewußten +Leben nach seinem Bedürfnisse zufälligerweise zuteil werde, nicht mit +sich selbst überein.--In der Gütergemeinschaft, worin auf eine +allgemeine und bleibende Weise dafür gesorgt wäre, wird jedem +entweder soviel zuteil, _als er braucht_, so widerspricht diese +Ungleichheit und das Wesen des Bewußtseins, dem die _Gleichheit_ der +Einzelnen Prinzip ist, einander. Oder es wird nach dem letztern +Prinzip _gleich_ ausgeteilt, so hat der Anteil nicht die Beziehung +auf das Bedürfnis, welche doch allein sein Begriff ist. + +Allein wenn auf diese Weise das Nichteigentum widersprechend +erscheint, so geschieht es nur darum, weil es nicht als _einfache_ +Bestimmtheit gelassen worden ist. Dem Eigentum geht es ebenso, wenn +es in Momente aufgelöst wird. Das einzelne Ding, das mein Eigentum +ist, gilt damit für ein _Allgemeines, Befestigtes, Bleibendes_; dies +widerspricht aber seiner Natur, die darin besteht, gebraucht zu +werden und zu _verschwinden_. Es gilt zugleich für das _Meinige_, +das alle andern anerkennen, und sich davon ausschließen. Aber darin, +daß ich anerkannt bin, liegt vielmehr meine Gleichheit mit allen, das +Gegenteil der Ausschließung.--Was ich besitze, ist ein _Ding_, d.h. +ein Sein für Andre überhaupt, ganz allgemein und unbestimmt nur für +mich zu sein; daß _Ich_ es besitze, widerspricht seiner allgemeinen +Dingheit. Eigentum widerspricht sich daher nach allen Seiten +ebensosehr als Nichteigentum; jedes hat diese beiden +entgegengesetzten, sich widersprechenden Momente der Einzelnheit und +Allgemeinheit an ihm.--Aber jede dieser Bestimmtheiten _einfach_ +vorgestellt, als Eigentum oder Nichteigentum, ohne weitere +Entwicklung, ist eine so _einfach_ als die andere, das heißt, sich +nicht widersprechend.--Der Maßstab des Gesetzes, den die Vernunft an +ihr selbst hat, paßt daher allem gleich gut, und ist hiemit in der +Tat kein Maßstab.--Es müßte auch sonderbar zugehen, wenn die +Tautologie, der Satz des Widerspruchs, der für die Erkenntnis +theoretischer Wahrheit nur als ein formelles Kriterium zugestanden +wird, das heißt, als etwas, das gegen Wahrheit und Unwahrheit ganz +gleichgültig sei, für die Erkenntnis praktischer _Wahrheit mehr sein +sollte_. + +In den beiden soeben betrachteten Momenten der Erfüllung des vorher +leeren geistigen Wesens hat sich das Setzen von unmittelbaren +Bestimmtheiten an der sittlichen Substanz, und dann das Wissen von +ihnen, ob sie Gesetze sind, aufgehoben. Das Resultat scheint hiemit +dieses zu sein, daß weder bestimmte Gesetze noch ein Wissen derselben +stattfinden könne. Allein die Substanz ist das _Bewußtsein_ von sich +als der absoluten _Wesenheit_, welches hiemit weder den _Unterschied_ +an ihr noch das _Wissen_ von ihm aufgeben kann. Daß das Gesetzgeben +und Gesetzprüfen sich als nichtig erwies, hat diese Bedeutung, daß +beides einzeln und isoliert genommen nur haltungslose _Momente_ des +sittlichen Bewußtseins sind; und die Bewegung, in welcher sie +auftreten, hat den formalen Sinn, daß die sittliche Substanz sich +dadurch als Bewußtsein darstellt. + +Insofern diese beiden Momente nähere Bestimmungen des Bewußtseins der +_Sache selbst_ sind, können sie als Formen der _Ehrlichkeit_ +angesehen werden, die, wie sonst mit ihren formalen Momenten, sich +itzt mit einem seinsollenden Inhalt des Guten und Rechten und einem +Prüfen solcher festen Wahrheit herumtreibt, und in der gesunden +Vernunft und verständigen Einsicht die Kraft und Gültigkeit der +Gebote zu haben meint. + +Ohne diese Ehrlichkeit aber gelten die Gesetze nicht als _Wesen_ des +_Bewußtseins_ und das Prüfen ebenso nicht als Tun _innerhalb_ +desselben; sondern diese Momente drücken, wie sie jedes für sich +_unmittelbar_ als eine _Wirklichkeit_ auftreten, das eine ein +ungültiges Aufstellen und Sein wirklicher Gesetze und das andre eine +ebenso ungültige Befreiung von denselben aus. Das Gesetz hat als +bestimmtes Gesetz einen zufälligen Inhalt--dies hat hier die +Bedeutung, daß es Gesetz eines einzelnen Bewußtseins von einem +willkürlichen Inhalt ist. Jenes unmittelbare Gesetzgeben ist also +der tyrannische Frevel, der die Willkür zum Gesetze macht, und die +Sittlichkeit zu einem Gehorsame gegen sie--gegen Gesetze, die _nur_ +Gesetze, nicht zugleich _Gebote_ sind. So wie das zweite Moment, +insofern es isoliert ist, das Prüfen der Gesetze, das Bewegen des +Unbewegbaren und den Frevel des Wissens bedeutet, der sich von den +absoluten Gesetzen frei räsoniert, und sie für eine ihm fremde +Willkür nimmt. + +In beiden Formen sind diese Momente ein negatives Verhältnis zur +Substanz oder dem realen geistigen Wesen; oder in ihnen hat die +Substanz noch nicht ihre Realität, sondern das Bewußtsein enthält sie +noch in der Form seiner eignen Unmittelbarkeit, und sie ist nur erst +ein _Willen_ und _Wissen_ dieses Individuums, oder das _Sollen_ eines +unwirklichen Gebots, und ein Wissen der formalen Allgemeinheit. Aber +indem diese Weisen sich aufhoben, ist das Bewußtsein in das +Allgemeine zurückgegangen, und jene Gegensätze sind verschwunden. +Das geistige Wesen ist dadurch wirkliche Substanz, daß diese Weisen +nicht einzeln gelten, sondern nur als aufgehobne, und die Einheit, +worin sie nur Momente sind, ist das Selbst des Bewußtseins, welches +nunmehr in dem geistigen Wesen gesetzt, dasselbe zum wirklichen, +erfüllten und selbstbewußten macht. + +Das geistige Wesen ist hiemit vors erste für das Selbstbewußtsein als +_an sich_ seiendes Gesetz; die Allgemeinheit des Prüfens, welche die +formale nicht _an sich_ seiende war, ist aufgehoben. Es ist ebenso +ein ewiges Gesetz, welches nicht in dem _Willen dieses Individuums_ +seinen Grund hat, sondern es ist an und für sich, der absolute _reine +Willen aller_, der die Form des unmittelbaren _Seins_ hat. Er ist +auch nicht ein _Gebot_, das nur sein _soll_, sondern er _ist_ und +_gilt_; es ist das allgemeine Ich der Kategorie, das unmittelbar die +Wirklichkeit ist, und die Welt ist nur diese Wirklichkeit. Indem +aber dieses _seiende Gesetz_ schlechthin gilt, so ist der Gehorsam +des Selbstbewußtseins nicht der Dienst gegen einen Herrn, dessen +Befehle eine Willkür wäre, und worin es sich nicht erkennte. Sondern +die Gesetze sind Gedanken seines eignen absoluten Bewußtseins, welche +es selbst unmittelbar _hat_. Es _glaubt_ auch nicht an sie, denn der +Glauben schaut wohl auch das Wesen, aber ein fremdes an. Das +sittliche _Selbst_bewußtsein ist durch die _Allgemeinheit_ seines +_Selbsts unmittelbar_ mit dem Wesen eins; der Glauben hingegen fängt +von dem _einzelnen_ Bewußtsein an, er ist die Bewegung desselben, +immer dieser Einheit zuzugehen, ohne die Gegenwart seines Wesens zu +erreichen.--Jenes Bewußtsein hingegen hat sich als einzelnes +aufgehoben, diese Vermittlung ist vollbracht, und nur dadurch, daß +sie vollbracht ist, ist es unmittelbares Selbstbewußtsein der +sittlichen Substanz. + +Der Unterschied des Selbstbewußtseins von dem Wesen ist also +vollkommen durchsichtig. Dadurch sind die _Unterschiede an dem +Wesen_ selbst nicht zufällige Bestimmtheiten, sondern um der Einheit +des Wesens und des Selbstbewußtseins willen, von welchem allein die +Ungleichheit kommen könnte, sind sie die Massen ihrer von ihrem Leben +durchdrungenen Gegliederung, sich selbst klare unentzweite Geister, +makellose himmlische Gestalten, die in ihren Unterschieden die +unentweihte Unschuld und Einmütigkeit ihres Wesens erhalten.--Das +Selbstbewußtsein ist ebenso einfaches, klares _Verhältnis_ zu ihnen. +Sie _sind_, und weiter nichts--macht das Bewußtsein seines +Verhältnisses aus. So gelten sie der Antigone des Sophokles als der +Götter _ungeschriebnes_ und _untrügliches_ Recht nicht etwa jetzt und +gestern, sondern immerdarlebt es, und keiner weiß, von wannen es +erschien. _Sie sind_. Wenn ich nach Ihrer Entstehung frage, und sie +auf den Punkt ihres Ursprungs einenge, so bin ich darüber +hinausgegangen; denn ich bin nunmehr das Allgemeine, sie aber das +Bedingte und Beschränkte. Wenn sie sich meiner Einsicht legitimieren +sollen, so habe ich schon ihr unwankendes An-sich-sein bewegt, und +betrachte sie als etwas, das vielleicht wahr, vielleicht auch nicht +wahr für mich sei. Die sittliche Gesinnung besteht eben darin, +unverrückt in dem fest zu beharren, was das Rechte ist, und sich +alles Bewegens, Rüttelns und Zurückführens desselben zu enthalten. +--Es wird ein Depositum bei mir gemacht; es _ist_ das Eigentum eines +andern, und ich anerkenne es, _weil es so ist_, und erhalte mich +unwankend in diesem Verhältnisse. Behalte ich für mich das Depositum, +so begehe ich nach dem Prinzipe meines Prüfens, der Tautologie, ganz +und gar keinen Widerspruch; denn alsdenn sehe ich es nicht mehr für +das Eigentum eines andern an; etwas behalten, das ich nicht für das +Eigentum eines andern ansehe, ist vollkommen konsequent. Die +Änderung _der Ansicht_ ist kein Widerspruch, denn es ist nicht um sie +als Ansicht, sondern um den Gegenstand und Inhalt zu tun, der sich +nicht widersprechen soll. So sehr ich--wie ich tue, wenn ich etwas +wegschenke--die Ansicht, daß etwas mein Eigentum ist, in die Ansicht, +daß es das Eigentum eines andern ist, verändern kann, ohne dadurch +eines Widerspruches schuldig zu werden, ebensosehr kann ich den +umgekehrten Weg gehen.--Nicht darum also, weil ich etwas sich nicht +widersprechend finde, ist es Recht; sondern weil es das Rechte ist, +ist es Recht. Daß etwas das Eigentum des andern _ist_, dies liegt +_zum Grunde_; darüber habe ich nicht zu räsonieren, noch mancherlei +Gedanken, Zusammenhänge, Rücksichten aufzusuchen oder mir einfallen +zu lassen; weder ans Gesetzgeben noch ans Prüfen zu denken; durch +solcherlei Bewegungen meines Gedankens verrückte ich jenes Verhältnis, +indem ich in der Tat nach Belieben meinem unbestimmten +tautologischen Wissen das Gegenteil ebensowohl gemäß, und es also zum +Gesetze machen könnte. Sondern ob diese oder die entgegengesetzte +Bestimmung das Rechte sei, ist _an_ und _für sich_ bestimmt; ich für +mich könnte, welche ich wollte, und ebensogut keine zum Gesetze +machen, und bin, indem ich zu prüfen anfange, schon auf unsittlichem +Wege. Daß das Rechte mir _an_ und _für sich_ ist, dadurch bin ich in +der sittlichen Substanz; so ist sie das _Wesen_ des Selbstbewußtseins; +dieses aber ist _ihre Wirklichkeit_ und _Dasein_, ihr _Selbst_ und +_Willen_. + + + +VI. Der Geist + +Die Vernunft ist Geist, indem die Gewißheit, alle Realität zu sein, +zur Wahrheit erhoben, und sie sich ihrer selbst als ihrer Welt und +der Welt als ihrer selbst bewußt ist.--Das Werden des Geistes zeigte +die unmittelbar vorhergehende Bewegung auf, worin der Gegenstand des +Bewußtseins, die reine Kategorie, zum Begriffe der Vernunft sich +erhob. In der _beobachtenden_ Vernunft ist diese reine Einheit des +_Ich_ und des _Seins_, des _Für-sich-_ und des _An-sich-_seins, als +das _An-sich_ oder als _Sein_ bestimmt, und das Bewußtsein der +Vernunft findet sie. Aber die Wahrheit des Beobachtens ist vielmehr +das Aufheben dieses unmittelbaren findenden Instinkts, dieses +bewußtlosen Daseins derselben. Die _angeschaute_ Kategorie, das +_gefundne Ding_ tritt in das Bewußtsein als das _Für-sich-sein_ des +Ich, welches sich nun im gegenständlichen Wesen als das _Selbst_ weiß. +Aber diese Bestimmung der Kategorie, als des Für-sich-seins +entgegengesetzt dem An-sich-sein, ist ebenso einseitig und ein sich +selbst aufhebendes Moment. Die Kategorie wird daher für das +Bewußtsein bestimmt, wie sie in ihrer allgemeinen Wahrheit ist, als +_an- und fürsich_seiendes Wesen. Diese noch _abstrakte_ Bestimmung, +welche die _Sache selbst_ ausmacht, ist erst das _geistige Wesen_, +und sein Bewußtsein ein formales Wissen von ihm, das sich mit +mancherlei Inhalt desselben herumtreibt; es ist von der Substanz in +der Tat noch als ein Einzelnes unterschieden, gibt entweder +willkürliche Gesetze, oder meint die Gesetze, wie sie an und für sich +sind, in seinem Wissen als solchem zu haben; und hält sich für die +beurteilende Macht derselben.--Oder von der Seite der Substanz +betrachtet, so ist diese das _an- und fürsichseiende_ geistige Wesen, +welches noch nicht _Bewußtsein_ seiner selbst ist.--Das _an- und +fürsichseiende_ Wesen aber, welches sich zugleich als Bewußtsein +wirklich und sich sich selbst vorstellt, ist _der Geist_. + +Sein geistiges _Wesen_ ist schon als die _sittliche Substanz_ +bezeichnet worden; der Geist aber ist _die sittliche Wirklichkeit_. +Er ist das _Selbst_ des wirklichen Bewußtseins, dem er oder vielmehr +das sich als gegenständliche wirkliche Welt gegenübertritt, welche +aber ebenso für das Selbst alle Bedeutung eines Fremden, so wie das +Selbst alle Bedeutung eines von ihr getrennten, abhängigen oder +unabhängigen Für-sich-seins verloren hat. Die _Substanz_ und das +allgemeine, sichselbstgleiche, bleibende Wesen--ist er der +unverrückte und unaufgelöste _Grund_ und _Ausgangspunkt_ des Tuns +Aller,--und ihr _Zweck_ und _Ziel_, als das gedachte _An-sich_ aller +Selbstbewußtsein.--Diese Substanz ist ebenso das allgemeine Werk, das +sich durch das _Tun_ Aller und jeder als ihre Einheit und Gleichheit +erzeugt, denn sie ist das _Für-sich-sein_, das Selbst, das Tun. Als +die _Substanz_ ist der Geist die unwankende gerechte +_Sichselbstgleichheit_; aber als _Für-sich-sein_ ist sie das +aufgelöste, das sich aufopfernde gütige Wesen, an dem jeder sein +eignes Werk vollbringt, das allgemeine Sein zerreißt und sich seinen +Teil davon nimmt. Diese Auflösung und Vereinzelung des Wesens ist +eben das _Moment_ des Tuns und Selbsts Aller; es ist die Bewegung und +Seele der Substanz, und das bewirkte allgemeine Wesen. Gerade darin +daß sie das im Selbst aufgelöste Sein ist, ist sie nicht das tote +Wesen, sondern _wirklich_ und _lebendig._ + +Der Geist ist hiemit das sich selbst tragende absolute reale Wesen. +Alle bisherigen Gestalten des Bewußtseins sind Abstraktionen +desselben; sie sind dies, daß er sich analysiert, seine Momente +unterscheidet, und bei einzelnen verweilt. Dies Isolieren solcher +Momente hat ihn selbst zur _Voraussetzung_ und zum _Bestehen_, oder +es existiert nur in ihm, der die Existenz ist. Sie haben so isoliert +den Schein, als ob sie als solche _wären_; aber wie sie nur Momente +oder verschwindende Größen sind, zeigte ihre Fortwälzung und Rückgang +in ihren Grund und Wesen; und dies Wesen eben ist diese Bewegung und +Auflösung dieser Momente. Hier, wo der Geist oder die Reflexion +derselben in sich selbst gesetzt ist, kann unsre Reflexion an sie +nach dieser Seite kurz erinnern, sie waren Bewußtsein, +Selbstbewußtsein und Vernunft. Der Geist ist also _Bewußtsein_ +überhaupt, was sinnliche Gewißheit, Wahrnehmen und den Verstand in +sich begreift, insofern er in der Analyse seiner selbst das Moment +festhält, daß er sich _gegenständliche, seiende_ Wirklichkeit ist, +und davon abstrahiert, daß diese Wirklichkeit sein eignes +Für-sich-sein ist. Hält er im Gegenteil das andre Moment der Analyse +fest, daß sein Gegenstand sein _Für-sich-sein_ ist, so ist er +Selbstbewußtsein. Aber als unmittelbares Bewußtsein des _An- und +Für-sich-seins_, als Einheit des Bewußtseins und des +Selbstbewußtseins ist er das Bewußtsein, das _Vernunft hat_, das, wie +das _Haben_ es bezeichnet, den Gegenstand hat als _an sich_ +vernünftig bestimmt, oder vom Werte der Kategorie, aber so, daß er +noch für das Bewußtsein desselben den Wert der Kategorie nicht hat. +Er ist das Bewußtsein, aus dessen Betrachtung wir soeben herkommen. +Diese Vernunft, die er _hat_, endlich als eine solche von ihm +angeschaut, die Vernunft _ist_, oder die Vernunft, die in ihm +_wirklich_ und die seine Welt ist, so ist er in seiner Wahrheit; er +_ist_ der Geist, er ist das _wirkliche sittliche_ Wesen. + +Der Geist ist das _sittliche Leben_ eines _Volks_, insofern er die +_unmittelbare Wahrheit ist_; das Individuum, das eine Welt ist. Er +muß zum Bewußtsein über das, was er unmittelbar ist, fortgehen, das +schöne sittliche Leben aufheben, und durch eine Reihe von Gestalten +zum Wissen seiner selbst gelangen. Diese unterscheiden sich aber von +den vorhergehenden dadurch, daß sie die realen Geister sind, +eigentliche Wirklichkeiten, und statt Gestalten nur des Bewußtseins, +Gestalten einer Welt. + +Die _lebendige sittliche_ Welt ist der Geist in seiner _Wahrheit_; +wie er zunächst zum abstrakten _Wissen_ seines Wesens kommt, geht die +Sittlichkeit in der formalen Allgemeinheit des Rechts unter. Der in +sich selbst nunmehr entzweite Geist beschreibt in seinem +gegenständlichen Elemente als in einer harten Wirklichkeit die eine +seiner Welten, das _Reich der Bildung_, und ihr gegenüber im Elemente +des Gedankens die _Welt des Glaubens_, das _Reich des Wesens_. Beide +Welten aber von dem Geiste, der aus diesem Verluste seiner selbst in +sich geht, von dem _Begriffe_ erfaßt, werden durch die _Einsicht_ und +ihre Verbreitung, die _Aufklärung_, verwirrt und revolutioniert, und +das in das _Diesseits_ und _Jenseits_ verteilte und ausgebreitete +Reich kehrt in das Selbstbewußtsein zurück, das nun in der +_Moralität_ sich als die Wesenheit und das Wesen als wirkliches +Selbst erfaßt, seine _Welt_ und ihren _Grund_ nicht mehr aus sich +heraussetzt, sondern alles in sich verglimmen läßt, und als +_Gewissen_ der _seiner selbst gewisse_ Geist ist. + +Die sittliche Welt, die in das Diesseits und Jenseits zerrissene Welt +und die moralische Weltanschauung sind also die Geister, deren +Bewegung und Rückgang in das einfache fürsichseiende Selbst des +Geistes sich entwickeln, und als deren Ziel und Resultat das +wirkliche Selbstbewußtsein des absoluten Geistes hervortreten wird. + + +A. Der wahre Geist,die Sittlichkeit + +Der Geist ist in seiner einfachen Wahrheit Bewußtsein, und schlägt +seine Momente auseinander. Die _Handlung_ trennt ihn in die Substanz +und das Bewußtsein derselben; und trennt ebensowohl die Substanz als +das Bewußtsein. Die Substanz tritt als allgemeines _Wesen_ und +_Zweck_, sich als der _vereinzelnten_ Wirklichkeit gegenüber; die +unendliche Mitte ist das Selbstbewußtsein, welches _an sich_ Einheit +seiner und der Substanz, es nun _für sich_ wird, das allgemeine Wesen +und seine vereinzelnte Wirklichkeit vereint, diese zu jenem erhebt, +und sittlich handelt--und jenes zu dieser herunterbringt, und den +Zweck, die nur gedachte Substanz ausführt; es bringt die Einheit +seines Selbsts und der Substanz als _sein Werk_ und damit als +_Wirklichkeit_ hervor. + +In dem Auseinandertreten des Bewußtseins hat die einfache Substanz +den Gegensatz teils gegen das Selbstbewußtsein erhalten, teils stellt +sie damit ebensosehr an ihr selbst die Natur des Bewußtseins, sich in +sich selbst zu unterscheiden, als eine in ihre Massen gegliederte +Welt dar. Sie spaltet sich also in ein unterschiednes sittliches +Wesen, in ein menschliches und göttliches Gesetz. Ebenso das ihr +gegenübertretende Selbstbewußtsein teilt sich nach seinem Wesen der +einen dieser Mächte zu, und als Wissen in die Unwissenheit dessen, +was es tut, und in das Wissen desselben, das deswegen ein betrognes +Wissen ist. Es erfährt also in seiner Tat sowohl den Widerspruch +_jener Mächte_, worein die Substanz sich entzweite, und ihre +gegenseitige Zerstörung, wie den Widerspruch seines Wissens von der +Sittlichkeit seines Handelns--mit dem, was an und für sich sittlich +ist, und findet _seinen eignen_ Untergang. In der Tat aber ist die +sittliche Substanz durch diese Bewegung zum _wirklichen +Selbstbewußtsein_ geworden, oder _dieses_ Selbst zum _An_- und +_Fürsich_seienden, aber darin ist eben die Sittlichkeit zugrunde +gegangen. + + +a. Die sittliche Welt,das menschliche und göttliche Gesetz,der Mann +und das Weib + +Die einfache Substanz des Geistes teilt sich als Bewußtsein. Oder +wie das Bewußtsein des abstrakten, des sinnlichen Seins in die +Wahrnehmung übergeht, so auch die unmittelbare Gewißheit des realen, +sittlichen Seins; und wie für die sinnliche Wahrnehmung das einfache +Sein ein Ding von vielen Eigenschaften wird, so ist für die sittliche +der Fall des Handelns eine Wirklichkeit von vielen sittlichen +Beziehungen. Jener zieht sich aber die unnütze Vielheit der +Eigenschaften in den wesentlichen Gegensatz der Einzelnheit und +Allgemeinheit zusammen, und noch mehr dieser, die das gereinigte, +substantielle Bewußtsein ist, wird die Vielheit der sittlichen +Momente das Zwiefache eines Gesetzes der Einzelnheit und eines der +Allgemeinheit. Jede dieser Massen der Substanz bleibt aber der ganze +Geist; wenn in der sinnlichen Wahrnehmung die Dinge keine andre +Substanz als die beiden Bestimmungen der Einzelnheit und der +Allgemeinheit haben, so drücken sie hier nur den oberflächlichen +Gegensatz der beiden Seiten gegeneinander aus. + +Die Einzelnheit hat an dem Wesen, das wir hier betrachten, die +Bedeutung des _Selbstbewußtseins_ überhaupt, nicht eines einzelnen +zufälligen Bewußtseins. Die sittliche Substanz ist also in dieser +Bestimmung die _wirkliche_ Substanz, der absolute Geist in der +Vielheit des daseienden _Bewußtseins realisiert_; er ist das +_Gemeinwesen_, welches _für uns_ bei dem Eintritt in die praktische +Gestaltung der Vernunft überhaupt das absolute Wesen war, und hier in +seiner Wahrheit _für sich_ selbst als bewußtes sittliches Wesen, und +als das _Wesen für das_ Bewußtsein, das wir zum Gegenstande haben, +hervorgetreten ist. Es ist Geist, welcher _für sich_, indem er im +_Gegenschein der Individuen_ sich,--und _an sich_ oder Substanz ist, +indem er sie in sich erhält. Als die _wirkliche Substanz_ ist er +_ein Volk_, als _wirkliches Bewußtsein Bürger_ des Volkes. Dies +Bewußtsein hat an dem einfachen Geiste sein _Wesen_, und die +Gewißheit seiner selbst in der _Wirklichkeit_ dieses Geistes, dem +ganzen Volke, und unmittelbar darin seine _Wahrheit_, also nicht in +etwas, das nicht wirklich ist, sondern in einem Geiste, der +_existiert_ und _gilt_. + +Dieser Geist kann das menschliche Gesetz genannt werden, weil er +wesentlich in der Form der _ihrer selbst bewußten Wirklichkeit_ ist. +Er ist in der Form der Allgemeinheit das _bekannte_ Gesetz und die +_vorhandene_ Sitte; in der Form der Einzelnheit ist er die wirkliche +Gewißheit seiner selbst in dem _Individuum_ überhaupt, und die +Gewißheit seiner als _einfacher Individualität_ ist er als Regierung; +seine Wahrheit ist die offene an dem Tag liegende _Gültigkeit_; eine +_Existenz_, welche für die unmittelbare Gewißheit in die Form des +frei entlassenen Daseins tritt. + +Dieser sittlichen Macht und Offenbarkeit tritt aber eine andere Macht, +das _göttliche Gesetz_, gegenüber. Denn die sittliche _Staatsmacht_ +hat als die _Bewegung_ des sich _bewußten Tuns_ an dem _einfachen_ +und _unmittelbaren Wesen_ der Sittlichkeit ihren Gegensatz; als +_wirkliche Allgemeinheit_ ist sie eine Gewalt gegen das individuelle +Für-sich-sein; und als Wirklichkeit überhaupt hat sie an dem _innern_ +Wesen noch ein Anders, als sie ist. + +Es ist schon erinnert worden, daß jede der entgegengesetzten Weisen +der sittlichen Substanz zu existieren sie ganz und alle Momente ihres +Inhalts enthält. Wenn also das Gemeinwesen sie als das seiner +bewußte wirkliche Tun ist, so hat die andere Seite die Form der +unmittelbaren oder seienden Substanz. Diese ist so einerseits der +innre Begriff oder die allgemeine Möglichkeit der Sittlichkeit +überhaupt, hat aber anderseits das Moment des Selbstbewußtseins +ebenso an ihr. Dieses in diesem Elemente der _Unmittelbarkeit_ oder +des _Seins_ die Sittlichkeit ausdrückend, oder ein _unmittelbares_ +Bewußtsein seiner wie als Wesens so als dieses Selbsts in einem +Andern, das heißt, ein _natürliches sittliches_ Gemeinwesen,--ist die +_Familie_. Sie steht als der _bewußtlose_ noch innre Begriff seiner +sich bewußten Wirklichkeit, als das _Element_ der Wirklichkeit des +Volks, dem Volke selbst, als _unmittelbares_ sittliches _Sein_,--der +durch die _Arbeit_ für das Allgemeine sich bildenden und erhaltenden +Sittlichkeit, die Penaten dem allgemeinen Geiste gegenüber. + +Ob sich aber wohl das _sittliche Sein_ der Familie als das +_unmittelbare_ bestimmt, so ist sie innerhalb ihrer _sittliches_ +Wesen nicht, _insofern_ sie das Verhältnis _der Natur_ ihrer Glieder, +oder deren Beziehung die _unmittelbare einzelner wirklicher_ ist; +denn das sittliche ist an sich _allgemein_, und dies Verhältnis der +Natur ist wesentlich ebensosehr ein Geist, und nur als geistiges +Wesen sittlich. Es ist zu sehen, worin seine eigentümliche +Sittlichkeit besteht.--Zunächst, weil das Sittliche das an sich +Allgemeine ist, ist die sittliche Beziehung der Familienglieder nicht +die Beziehung der Empfindung oder das Verhältnis der Liebe. Das +Sittliche scheint nun in das Verhältnis des _einzelnen_ +Familiengliedes zur _ganzen_ Familie als der Substanz gelegt werden +zu müssen; so daß sein Tun und Wirklichkeit nur sie zum Zweck und +Inhalt hat. Aber der bewußte Zweck, den das _Tun_ dieses Ganzen, +insofern er auf es selbst geht, hat, ist selbst das Einzelne. Die +Erwerbung und Erhaltung von Macht und Reichtum geht teils nur auf das +Bedürfnis und gehört der Begierde an; teils wird sie in ihrer höhern +Bestimmung etwas nur Mittelbares. Diese Bestimmung fällt nicht in +die Familie selbst, sondern geht auf das wahrhaft Allgemeine, das +Gemeinwesen; sie ist vielmehr negativ gegen die Familie, und besteht +darin, den Einzelnen aus ihr herauszusetzen, seine Natürlichkeit und +Einzelnheit zu unterjochen, und ihn zur _Tugend_, zum Leben in und +fürs Allgemeine zu ziehen. Der der Familie eigentümliche, _positive_ +Zweck ist der Einzelne als solcher. Daß nun diese Beziehung sittlich +sei, kann er nicht, weder der, welcher handelt, noch der, auf welchen +sich die Handlung bezieht, nach einer _Zufälligkeit_ auftreten, wie +etwa in irgendeiner Hülfe oder Dienstleistung geschieht. Der Inhalt +der sittlichen Handlung muß substantiell oder ganz und allgemein sein; +sie kann sich daher nur auf den _ganzen_ Einzelnen, oder auf ihn als +allgemeinen beziehen. Auch dies wieder nicht etwa so, daß sich nur +_vorgestellt_ wäre, eine _Dienstleistung_ fördere sein ganzes Glück, +während sie so, wie sie unmittelbare und wirkliche Handlung ist, nur +etwas Einzelnes an ihm tut;--noch daß sie auch wirklich als Erziehung, +in einer _Reihe_ von Bemühungen, ihn als Ganzes zum Gegenstand hat +und als Werk hervorbringt; wo außer dem gegen die Familie negativen +Zwecke die _wirkliche Handlung_ nur einen beschränkten Inhalt hat; +--ebensowenig endlich, daß sie eine Nothülfe ist, wodurch in Wahrheit +der ganze Einzelne errettet wird; denn sie ist selbst eine völlig +zufällige Tat, deren Gelegenheit eine gemeine Wirklichkeit ist, +welche sein und auch nicht sein kann. Die Handlung also, welche die +ganze Existenz des Blutsverwandten umfaßt, und ihn--nicht den Bürger, +denn dieser gehört nicht der Familie an, noch den, der Bürger werden +und _aufhören_ soll, als _dieser Einzelne_ zu gelten, sondern ihn, +_diesen_ der Familie angehörigen Einzelnen, als ein _allgemeines_, +der sinnlichen, d.i. einzelnen Wirklichkeit enthobenes Wesen zu ihrem +Gegenstande und Inhalt hat, betrifft nicht mehr den _Lebenden,_ +sondern den _Toten_, der aus der langen Reihe seines zerstreuten +Daseins sich in die vollendete _eine_ Gestaltung zusammengefaßt, und +aus der Unruhe des zufälligen Lebens sich in die Ruhe der einfachen +Allgemeinheit erhoben hat.--Weil er nur als Bürger _wirklich_ und +_substantiell_ ist, so ist der Einzelne, wie er nicht Bürger ist, und +der Familie angehört, nur der _unwirkliche_ marklose Schatten. + +Diese Allgemeinheit, zu der der Einzelne als _solcher_ gelangt, ist +das _reine Sein, der Tod_; es ist das _unmittelbare natürliche +Gewordensein_, nicht das _Tun_ eines _Bewußtseins_. Die Pflicht des +Familiengliedes ist deswegen, diese Seite hinzuzufügen, damit auch +sein letztes _Sein_, dies _allgemeine_ Sein, nicht allein der Natur +angehöre und etwas Unvernünftiges bleibe, sondern daß es ein +_getanes_, und das Recht des Bewußtseins in ihm behauptet sei. Oder +der Sinn der Handlung ist vielmehr, daß, weil in Wahrheit die Ruhe +und Allgemeinheit des seiner selbst bewußten Wesens nicht der Natur +angehört, der Schein eines solchen Tuns hinwegfalle, den sich die +Natur angemaßt, und die Wahrheit hergestellt werde.--Was die Natur an +ihm tat, ist die Seite, von welcher sein Werden zum Allgemeinen sich +als die Bewegung eines _Seienden_ darstellt. Sie fällt zwar selbst +innerhalb des sittlichen Gemeinwesens und hat dieses zum Zwecke; der +Tod ist die Vollendung und höchste Arbeit, welche das Individuum als +solches für es übernimmt. Aber insofern es wesentlich _einzelnes_ +ist, ist es zufällig, daß sein Tod unmittelbar mit seiner Arbeit fürs +Allgemeine zusammenhing, und Resultat derselben war, teils wenn er's +war, ist er die _natürliche_ Negativität und die Bewegung des +Einzelnen als _Seienden_, worin das Bewußtsein nicht in sich +zurückkehrt und Selbstbewußtsein wird; oder indem die Bewegung des +_Seienden_ diese ist, daß es aufgehoben wird und zum _Für-sich-sein_ +gelangt, ist der Tod die Seite der Entzweiung, worin das +Für-sich-sein, das erlangt wird, ein anderes ist als das Seiende, +welches in die Bewegung eintrat.--Weil die Sittlichkeit der Geist in +seiner _unmittelbaren_ Wahrheit ist, so fallen die Seiten, in die +sein Bewußtsein auseinandertritt, auch in diese Form der +_Unmittelbarkeit_, und die Einzelnheit tritt in diese _abstrakte_ +Negativität herüber, welche ohne Trost und Versöhnung _an sich +selbst_, sie _wesentlich_ durch eine _wirkliche_ und _äußerliche +Handlung_ empfangen muß.--Die Blutsverwandtschaft ergänzt also die +abstrakte natürliche Bewegung dadurch, daß sie die Bewegung des +Bewußtseins hinzufügt, das Werk der Natur unterbricht, und den +Blutsverwandten der Zerstörung entreißt, oder besser, weil die +Zerstörung, sein Werden zum reinen Sein, notwendig ist, selbst die +Tat der Zerstörung über sich nimmt.--Es kömmt hiedurch zustande, daß +auch das _tote_, das allgemeine _Sein_ ein in sich zurückgekehrtes, +ein _Für-sich-sein_, oder die kraftlose reine _einzelne_ Einzelnheit +zur _allgemeinen Individualität_ erhoben wird. Der Tote, da er sein +Sein von seinem _Tun_ oder negativen Eins freigelassen, ist die leere +Einzelnheit, nur ein passives _Sein für Anderes_, aller niedrigen +vernunftlosen Individualität und den Kräften abstrakter Stoffe +preisgegeben, wovon jene um des Lebens willen, das sie hat, diese um +ihrer negativen Natur willen itzt mächtiger sind als er. Dies ihn +entehrende Tun bewußtloser Begierde und abstrakter Wesen hält die +Familie von ihm ab, setzt das ihrige an die Stelle, und vermählt den +Verwandten dem Schoße der Erde, der elementarischen unvergänglichen +Individualität; sie macht ihn hierdurch zum Genossen eines +Gemeinwesens, welches vielmehr die Kräfte der einzelnen Stoffe und +die niedrigen Lebendigkeiten, die gegen ihn frei werden und ihn +zerstören wollten, überwältigt und gebunden hält. + +Diese letzte Pflicht macht also das vollkommene _göttliche_ Gesetz, +oder die positive _sittliche_ Handlung gegen den Einzelnen aus. +Alles andre Verhältnis gegen ihn, das nicht in der Liebe stehenbleibt, +sondern sittlich ist, gehört dem menschlichen Gesetze an, und hat +die negative Bedeutung, den Einzelnen über die Einschließung in das +natürliche Gemeinwesen zu erheben, dem er als _wirklicher_ angehört. +Wenn nun aber schon das menschliche Recht zu seinem Inhalte und Macht +die wirkliche ihrer bewußte sittliche Substanz, das ganze Volk, hat, +das göttliche Recht und Gesetz aber den Einzelnen, der jenseits der +Wirklichkeit ist, so ist er nicht ohne Macht; seine Macht ist das +_abstrakte_ rein _Allgemeine_; das _elementarische_ Individuum, +welches die Individualität, die sich von dem Elemente losreißt, und +die ihrer bewußte Wirklichkeit des Volks ausmacht, in die reine +Abstraktion als in sein Wesen ebenso zurückreißt, als es ihr Grund +ist.--Wie diese Macht am Volke selbst sich darstellt, wird sich noch +weiter entwickeln. + +Es gibt nun in dem einen Gesetze, wie in dem andern, auch +_Unterschiede_ und _Stufen_. Denn indem beide Wesen das Moment des +Bewußtseins an ihnen haben, entfaltet sich innerhalb ihrer selbst der +Unterschied; was ihre Bewegung und eigentümliches Leben ausmacht. +Die Betrachtung dieser Unterschiede zeigt die Weise der _Betätigung_ +und des _Selbstbewußtseins_ der beiden _allgemeinen Wesen_ der +sittlichen Welt, sowie ihren _Zusammenhang_ und _Übergang_ ineinander. + +Das _Gemeinwesen_, das obere und offenbar an der Sonne geltende +Gesetz, hat seine wirkliche Lebendigkeit in der _Regierung_, als +worin es Individuum ist. Sie ist der _in sich reflektierte +wirkliche_ Geist, das einfache _Selbst_ der ganzen sittlichen +Substanz. Diese einfache Kraft erlaubt dem Wesen zwar in seine +Gegliederung sich auszubreiten, und jedem Teile Bestehen und eigenes +Für-sich-sein zu geben. Der Geist hat hieran seine _Realität_ oder +sein _Dasein_, und die Familie ist das _Element_ dieser Realität. +Aber er ist zugleich die Kraft des Ganzen, welche diese Teile wieder +in das negative Eins zusammenfaßt, ihnen das Gefühl ihrer +Unselbstständigkeit gibt, und sie in dem Bewußtsein erhält, ihr Leben +nur im Ganzen zu haben. Das Gemeinwesen mag sich also einerseits in +die Systeme der persönlichen Selbstständigkeit und des Eigentums, des +persönlichen und dinglichen Rechts, organisieren; ebenso die Weisen +des Arbeitens für die zunächst einzelnen Zwecke--des Erwerbs und +Genusses--zu eigenen Zusammenkünften, gliedern und verselbstständigen. +Der Geist der allgemeinen Zusammenkunft ist die _Einfachheit_ und +das _negative_ Wesen dieser sich isolierenden Systeme. Um sie nicht +in dieses Isolieren einwurzeln und festwerden, hiedurch das Ganze +auseinanderfallen und den Geist verfliegen zu lassen, hat die +Regierung sie in ihrem Innern von Zeit zu Zeit durch die Kriege zu +erschüttern, ihre sich zurechtgemachte Ordnung und Recht der +Selbstständigkeit dadurch zu verletzen und zu verwirren, den +Individuen aber, die sich darin vertiefend vom Ganzen losreißen und +dem unverletzbaren _Für-sich-sein_ und Sicherheit der Person +zustreben, in jener auferlegten Arbeit ihren Herrn, den Tod, zu +fühlen zu geben. Der Geist wehrt durch diese Auflösung der Form des +Bestehens das Versinken in das natürliche Dasein aus dem sittlichen +ab, und erhält und erhebt das Selbst seines Bewußtseins in die +_Freiheit_ und in seine _Kraft_.--Das negative Wesen zeigt sich als +die eigentliche _Macht_ des Gemeinwesens und die _Kraft_ seiner +Selbsterhaltung; dieses hat also die Wahrheit und Bekräftigung seiner +Macht an dem Wesen des _göttlichen Gesetzes_ und dem _unterirdischen +Reiche_. + + +Das göttliche Gesetz, das in der Familie waltet, hat seinerseits +gleichfalls Unterschiede in sich, deren Beziehung die lebendige +Bewegung seiner Wirklichkeit ausmacht. Unter den drei Verhältnissen +aber, des Mannes und der Frau, der Eltern und der Kinder, der +Geschwister als Bruder und Schwester, ist zuerst das _Verhältnis_ des +_Mannes_ und der _Frau_, das _unmittelbare_ Sich-erkennen des einen +Bewußtseins im andern, und das Erkennen des gegenseitigem +Anerkanntseins. Weil es das _natürliche_ Sich-erkennen, nicht das +sittliche ist, ist es nur die _Vorstellung_ und das _Bild_ des +Geistes, nicht der wirkliche Geist selbst.--Die Vorstellung oder das +Bild hat aber seine Wirklichkeit an einem andern, als es ist; dies +Verhältnis hat daher seine Wirklichkeit nicht an ihm selbst, sondern +an dem Kinde,--einem andern, dessen Werden es ist, und worin es +selbst verschwindet; und dieser Wechsel der sich fortwälzenden +Geschlechter hat seinen Bestand in dem Volke.--Die Pietät des Mannes +und der Frau gegeneinander ist also mit natürlicher Beziehung und mit +Empfindung vermischt, und ihr Verhältnis hat seine Rückkehr in sich +nicht an ihm selbst; ebenso das zweite, die _Pietät_ der _Eltern_ und +_Kinder_ gegeneinander. Die der Eltern gegen ihre Kinder ist eben +von dieser Rührung affiziert, das Bewußtsein seiner Wirklichkeit in +dem andern zu haben, und das Für-sich-sein in ihm werden zu sehen, +ohne es zurückzuerhalten; sondern es bleibt eine fremde, eigne +Wirklichkeit;--die der Kinder aber gegen die Eltern umgekehrt mit der +Rührung, das Werden seiner selbst oder das An-sich an einem andern +Verschwindenden zu haben, und das Für-sich-sein und eigene +Selbstbewußtsein zu erlangen, nur durch die Trennung von dem +Ursprung--eine Trennung, worin dieser versiegt. + +Diese beiden Verhältnisse bleiben innerhalb des Übergehens und der +Ungleichheit der Seiten stehen, die an sie verteilt sind.--Das +unvermischte Verhältnis aber findet zwischen _Bruder_ und _Schwester_ +statt. Sie sind dasselbe Blut, das aber in ihnen in seine _Ruhe_ und +_Gleichgewicht_ gekommen ist. Sie begehren daher einander nicht, +noch haben sie dies Für-sich-sein eins dem andern gegeben, noch +empfangen, sondern sie sind freie Individualität gegeneinander. Das +Weibliche hat daher als Schwester die höchste _Ahndung_ des +sittlichen Wesens; zum _Bewußtsein_ und der Wirklichkeit desselben +kommt es nicht, weil das Gesetz der Familie das _an-sich-_seiende, +_innerliche_ Wesen ist, das nicht am Tage des Bewußtseins liegt, +sondern innerliches Gefühl und das der Wirklichkeit enthobne +Göttliche bleibt. An diese Penaten ist das Weibliche geknüpft, +welches in ihnen teils seine allgemeine Substanz, teils aber seine +Einzelnheit anschaut, so jedoch, daß diese Beziehung der Einzelnheit +zugleich nicht die natürliche der Lust sei.--Als _Tochter_ muß nun +das Weib die Eltern mit natürlicher Bewegung und mit sittlicher Ruhe +verschwinden sehen, denn nur auf Unkosten dieses Verhältnisses kommt +sie zu dem _Für-sich-sein_, dessen sie fähig ist; sie schaut in den +Eltern also ihr Für-sich-sein nicht auf positive Weise an.--Die +Verhältnisse der _Mutter_ und der _Frau_ aber haben die Einzelnheit +teils als etwas Natürliches, das der Lust angehört, teils als etwas +Negatives, das nur sein Verschwinden darin erblickt, teils ist sie +ebendarum etwas Zufälliges, das durch eine andere ersetzt werden kann. +Im Hause der Sittlichkeit ist es nicht _dieser_ Mann, nicht +_dieses_ Kind, sondern _ein Mann, Kinder überhaupt_,--nicht die +Empfindung, sondern das Allgemeine, worauf sich diese Verhältnisse +des Weibes gründen. Der Unterschied seiner Sittlichkeit von der des +Mannes besteht eben darin, daß es in seiner Bestimmung für die +Einzelnheit und in seiner Lust unmittelbar allgemein und der +Einzelnheit der Begierde fremd bleibt; dahingegen in dem Manne diese +beiden Seiten auseinandertreten, und indem er als Bürger die +_selbstbewußte_ Kraft der _Allgemeinheit_ besitzt, erkauft er sich +dadurch das Recht der _Begierde_, und erhält sich zugleich die +Freiheit von derselben. Indem also in dies Verhältnis der Frau die +Einzelnheit eingemischt ist, ist seine Sittlichkeit nicht rein; +insofern sie aber dies ist, ist die Einzelnheit _gleichgültig_, und +die Frau entbehrt das Moment, sich als _dieses_ Selbst im andern zu +erkennen.--Der Bruder aber ist der Schwester das ruhige gleiche Wesen +überhaupt, ihre Anerkennung in ihm rein und unvermischt mit +natürlicher Beziehung; die Gleichgültigkeit der Einzelnheit und die +sittliche Zufälligkeit derselben ist daher in diesem Verhältnisse +nicht vorhanden; sondern das Moment des anerkennenden und anerkannten +_einzelnen Selbsts_ darf hier sein Recht behaupten, weil es mit dem +Gleichgewichte des Blutes und begierdeloser Beziehung verknüpft ist. +Der Verlust des Bruders ist daher der Schwester unersetzlich, und +ihre Pflicht gegen ihn die höchste. + +Dies Verhältnis ist zugleich die Grenze, an der sich die in sich +beschlossene Familie auflöst und außer sich geht. Der Bruder ist die +Seite, nach welcher ihr Geist zur Individualität wird, die gegen +Anderes sich kehrt, und in das Bewußtsein der Allgemeinheit übergeht. +Der Bruder verläßt diese _unmittelbare, elementarische_ und darum +eigentlich _negative_ Sittlichkeit der Familie, um die ihrer selbst +bewußte, wirkliche Sittlichkeit zu erwerben und hervorzubringen. + +Er geht aus dem göttlichen Gesetz, in dessen Sphäre er lebte, zu dem +menschlichen über. Die Schwester aber wird, oder die Frau bleibt der +Vorstand des Hauses und die Bewahrerin des göttlichen Gesetzes. Auf +diese Weise überwinden die beiden Geschlechter ihr natürliches Wesen, +und treten in ihrer sittlichen Bedeutung auf, als Verschiedenheiten, +welche die beiden Unterschiede, die die sittliche Substanz sich gibt, +unter sich teilen. Diese beiden _allgemeinen_ Wesen der sittlichen +Welt haben ihre bestimmte _Individualität_ darum an _natürlich_ +unterschiedenen Selbstbewußtsein, weil der sittliche Geist die +_unmittelbare_ Einheit der Substanz mit dem Selbstbewußtsein ist; +eine _Unmittelbarkeit_, welche also nach der Seite der Realität und +des Unterschieds zugleich als das Dasein eines natürlichen +Unterschieds erscheint.--Es ist diejenige Seite, welche sich an der +Gestalt der sich selbst realen Individualität, in dem Begriffe des +geistigen Wesens, als _ursprünglich bestimmte Natur_ zeigte. Dies +Moment verliert die Unbestimmtheit, die es dort noch hat, und die +zufällige Verschiedenheit von Anlagen und Fähigkeiten. Es ist itzt +der bestimmte Gegensatz der zwei Geschlechter, deren Natürlichkeit +zugleich die Bedeutung ihrer sittlichen Bestimmung erhält. + +Der Unterschied der Geschlechter und ihres sittlichen Inhalts bleibt +jedoch in der Einheit der Substanz, und seine Bewegung ist eben das +bleibende Werden derselben. Der Mann wird vom Familiengeiste in das +Gemeinwesen hinausgeschickt, und findet in diesem sein selbstbewußtes +Wesen; wie die Familie hiedurch in ihm ihre allgemeine Substanz und +Bestehen hat, so umgekehrt das Gemeinwesen an der Familie das formale +Element seiner Wirklichkeit und an dem göttlichen Gesetze seine Kraft +und Bewährung. Keins von beiden ist allein an und für sich; das +menschliche Gesetz geht in seiner lebendigen Bewegung von dem +göttlichen, das auf Erden geltende von dem unterirdischen, das +bewußte vom bewußtlosen, die Vermittlung von der Unmittelbarkeit aus, +und geht ebenso dahin zurück, wovon es ausging. Die unterirdische +Macht dagegen hat auf der Erde ihre _Wirklichkeit_; sie wird durch +das Bewußtsein Dasein und Tätigkeit. + +Die allgemeinen sittlichen Wesen sind also die Substanz als +allgemeines, und sie als einzelnes Bewußtsein; sie haben das Volk und +die Familie zu ihrer allgemeinen Wirklichkeit, den Mann aber und das +Weib zu ihrem natürlichen Selbst und der betätigenden Individualität. +In diesem Inhalt der sittlichen Welt sehen wir die Zwecke erreicht, +welche die vorhergehenden substanzlosen Gestalten des Bewußtsein sich +machten; was die Vernunft nur als Gegenstand auffaßte, ist +Selbstbewußtsein geworden, und was dieses nur in ihm selbst hatte, +als wahre Wirklichkeit vorhanden.--Was die Beobachtung als ein +_Vorgefundenes_ wußte, an dem das Selbst keinen Teil hätte, ist hier +vorgefundene Sitte, aber eine Wirklichkeit, die zugleich Tat und Werk +des Findenden ist.--Der Einzelne, die Lust des _Genusses seiner +Einzelnheit_ suchend, findet sie in der Familie, und die +Notwendigkeit, worin die Lust vergeht, ist sein eignes +Selbstbewußtsein als Bürgers seines Volks;--oder es ist dieses, das +_Gesetz des Herzens_ als das Gesetz aller Herzen, das Bewußtsein des +_Selbsts_ als die anerkannte allgemeine Ordnung zu wissen;--es ist +die _Tugend_, welche der Früchte ihrer Aufopferung genießt; sie +bringt zustande, worauf sie geht, nämlich das Wesen zur wirklichen +Gegenwart herauszuheben, und ihr Genuß ist dies allgemeine Leben. +--Endlich das Bewußtsein _der Sache selbst_ wird in der realen +Substanz befriedigt, die auf eine positive Weise die abstrakten +Momente jener leeren Kategorie enthält und erhält. Sie hat an den +sittlichen Mächten einen wahrhaften Inhalt, der an die Stelle der +substanzlosen Gebote getreten, die die gesunde Vernunft geben und +wissen wollte,--so wie hiedurch einen inhaltsvollen, an ihm +selbstbestimmten Maßstab der Prüfung nicht der Gesetze, sondern +dessen, was getan wird. + +Das Ganze ist ein ruhiges Gleichgewicht aller Teile, und jeder Teil +ein einheimischer Geist, der seine Befriedigung nicht jenseits seiner +sucht, sondern sie in sich darum hat, weil er selbst in diesem +Gleichgewichte mit dem Ganzen ist.--Dies Gleichgewicht kann zwar nur +dadurch lebendig sein, daß Ungleichheit in ihm entsteht, und von der +_Gerechtigkeit_ zur Gleichheit zurückgebracht wird. Die +Gerechtigkeit ist aber weder ein fremdes jenseits sich befindendes +Wesen, noch die seiner unwürdige Wirklichkeit einer gegenseitigen +Tücke, Verrats, Undanks u.s.f., die in der Weise des gedankenlosen +Zufalls als ein unbegriffner Zusammenhang und ein bewußtloses Tun und +Unterlassen das Gericht vollbrächte, sondern als Gerechtigkeit des +_menschlichen_ Rechts, welche das aus dem Gleichgewichte tretende +Für-sich-sein, die Selbstständigkeit der Stände und Individuen in das +Allgemeine zurückbringt, ist sie die Regierung des Volks, welche die +sich gegenwärtige Individualität des allgemeinen Wesens und der eigne +selbstbewußte Willen Aller ist.--Die Gerechtigkeit aber, welche das +über den Einzelnen übermächtig werdende Allgemeine zum Gleichgewichte +zurückbringt, ist ebenso der einfache Geist desjenigen, der Unrecht +erlitten,--nicht zersetzt in ihn, der es erlitten, und ein +jenseitiges Wesen; er selbst ist die unterirdische Macht, und es ist +_seine_ Erinnye, welche die Rache betreibt; denn seine Individualität, +sein Blut, lebt im Hause fort; seine Substanz hat eine dauernde +Wirklichkeit. Das Unrecht, welches im Reiche der Sittlichkeit dem +Einzelnen zugefügt werden kann, ist nur dieses, daß ihm rein etwas +_geschieht_. Die Macht, welche dies Unrecht an dem Bewußtsein verübt, +es zu einem reinen Dinge zu machen, ist die Natur, es ist die +Allgemeinheit nicht des _Gemeinwesens_, sondern die _abstrakte_ des +_Seins_; und die Einzelnheit wendet sich in der Auflösung des +erlittenen Unrechts nicht gegen jenes, denn von ihm hat es nicht +gelitten, sondern gegen dieses. Das Bewußtsein des Bluts des +Individuums löst dies Unrecht, wie wir gesehen, so auf, daß was +_geschehen_ ist, vielmehr ein _Werk_ wird, damit das _Sein_, das +_Letzte_, auch ein _gewolltes_ und hiemit erfreulich sei. + +Das sittliche Reich ist auf diese Weise in seinem _Bestehen_ eine +unbefleckte durch keinen Zwiespalt verunreinigte Welt. Ebenso ist +seine Bewegung ein ruhiges Werden der einen Macht desselben zur +andern, so daß jede die andere selbst erhält und hervorbringt. Wir +sehen sie zwar in zwei Wesen und deren Wirklichkeit sich teilen; aber +ihr Gegensatz ist vielmehr die Bewährung des einen durch das andere, +und, worin sie sich unmittelbar als wirkliche berühren, ihre Mitte +und Element ist die unmittelbare Durchdringung derselben. Das eine +Extrem, der allgemeine sich bewußte Geist, wird mit seinem andern +Extrem, seiner Kraft und seinem Element, mit dem _bewußtlosen_ Geiste, +durch die _Individualität_ des _Mannes_ zusammengeschlossen. +Dagegen hat das _göttliche_ Gesetz seine Individualisierung, oder der +_bewußtlose_ Geist des Einzelnen sein Dasein an dem Weibe, durch +welches als die _Mitte_ er aus seiner Unwirklichkeit in die +Wirklichkeit, aus dem Unwissenden und Ungewußten in das bewußte Reich +herauftritt. Die Vereinigung des Mannes und des Weibes macht die +tätige Mitte des Ganzen und das Element aus, das, in diese Extreme +des göttlichen und menschlichen Gesetzes entzweit, ebenso ihre +unmittelbare Vereinigung ist, welche jene beiden ersten Schlüsse zu +demselben Schlusse macht, und die entgegengesetzte Bewegung, der +Wirklichkeit hinab zur Unwirklichkeit--des menschlichen Gesetzes, das +sich in selbstständige Glieder organisiert, herunter zur Gefahr und +Bewährung des Todes;--und des unterirdischen Gesetzes herauf zur +Wirklichkeit des Tages und zum bewußten Dasein, deren jene dem Manne, +diese dem Weibe zukommt, in _eine_ vereinigt. + + + +b. Die sittliche Handlung,das menschliche und göttliche Wissen,die +Schuld und das Schicksal + +Wie aber in diesem Reiche der Gegensatz beschaffen ist, so ist das +Selbstbewußtsein noch nicht in seinem Rechte als _einzelne +Individualität_ aufgetreten; sie gilt in ihm auf der einen Seite nur +als _allgemeiner Willen_, auf der andern als _Blut_ der Familie; +_dieser Einzelne_ gilt nur als der _unwirkliche Schatten_.--Es ist +_noch keine Tat_ begangen; die Tat aber ist das _wirkliche Selbst_. +--Sie stört die ruhige Organisation und Bewegung der sittlichen Welt. +Was in dieser als Ordnung und Übereinstimmung ihrer beiden Wesen +erscheint, deren eins das andere bewährt und vervollständigt, wird +durch die Tat zu einem Übergange _entgegengesetzter_, worin jedes +sich vielmehr als die Nichtigkeit seiner selbst und des andern +beweist, denn als die Bewährung;--es wird zu der negativen Bewegung +oder der ewigen Notwendigkeit des furchtbaren _Schicksals_, welche +das göttliche wie das menschliche Gesetz, sowie die beiden +Selbstbewußtsein, in denen diese Mächte ihr Dasein haben, in den +Abgrund seiner _Einfachheit_ verschlingt--und für uns in das +_absolute Für-sich-sein_ des rein einzelnen Selbstbewußtseins +übergeht. + +Der Grund, von dem diese Bewegung aus- und auf dem sie vorgeht, ist +das Reich der Sittlichkeit; aber die _Tätigkeit_ dieser Bewegung ist +das Selbstbewußtsein. Als _sittliches_ Bewußtsein ist es die +_einfache reine Richtung_ auf die sittliche Wesenheit, oder die +Pflicht. Keine Willkür, und ebenso kein Kampf, keine +Unentschiedenheit ist in ihm, indem das Geben und das Prüfen der +Gesetze aufgegeben worden, sondern die sittliche Wesenheit ist ihm +das Unmittelbare, Unwankende, Widerspruchslose. Es gibt daher nicht +das schlechte Schauspiel, sich in einer Kollision von Leidenschaft +und Pflicht, noch das Komische, in einer Kollision von Pflicht und +Pflicht zu befinden--einer Kollision, die dem Inhalte nach dasselbe +ist als die zwischen Leidenschaft und Pflicht; denn die Leidenschaft +ist ebenso fähig, als Pflicht vorgestellt zu werden, weil die Pflicht, +wie sich das Bewußtsein aus ihrer unmittelbaren substantiellen +Wesenheit in sich zurückzieht, zum Formell-Allgemeinen wird, in das +jeder Inhalt gleich gut paßt, wie sich oben ergab. Komisch aber ist +die Kollision der Pflichten, weil sie den Widerspruch, nämlich eines +_entgegengesetzten Absoluten_, also Absolutes und unmittelbar die +Nichtigkeit dieses sogenannten Absoluten oder Pflicht, ausdrückt. +--Das sittliche Bewußtsein aber weiß, was es zu tun hat; und ist +entschieden, es sei dem göttlichen oder dem menschlichen Gesetze +anzugehören. Diese Unmittelbarkeit seiner Entschiedenheit ist ein +_An-sich-_sein, und hat daher zugleich die Bedeutung eines +natürlichen Seins, wie wir gesehen; die Natur, nicht das Zufällige +der Umstände oder der Wahl, teilt das eine Geschlecht dem einen, das +andere dem andern Gesetze zu--oder umgekehrt, die beiden sittlichen +Mächte selbst geben sich an den beiden Geschlechtern ihr +individuelles Dasein und Verwirklichung. + +Hiedurch nun, daß einesteils die Sittlichkeit wesentlich in dieser +unmittelbaren _Entschiedenheit_ besteht, und darum für das Bewußtsein +nur das _eine_ Gesetz das Wesen ist, andernteils, daß die sittlichen +Mächte in dem _Selbst_ des Bewußtseins wirklich sind, erhalten sie +die Bedeutung, sich _auszuschließen_ und sich _entgegengesetzt_ zu +sein;--sie sind in dem Selbstbewußtsein _für sich_, wie sie im +*Reiche* der Sittlichkeit nur _an sich_ sind. Das sittliche +Bewußtsein, weil es für _eins_ derselben _entschieden_ ist, ist +wesentlich _Charakter_; es ist für es nicht die gleiche _Wesenheit_ +beider; der Gegensatz erscheint darum als eine _unglückliche_ +Kollision der Pflicht nur mit der rechtlosen _Wirklichkeit_. Das +sittliche Bewußtsein ist als Selbstbewußtsein in diesem Gegensatze, +und als solches geht es zugleich darauf, dem Gesetze, dem es angehört, +diese entgegengesetzte Wirklichkeit durch Gewalt zu unterwerfen, +oder sie zu täuschen. Indem es das Recht nur auf seiner Seite, das +Unrecht aber auf der andern sieht, so erblickt von beiden dasjenige, +welches dem göttlichen Gesetze angehört, auf der andern Seite +menschliche zufällige _Gewalttätigkeit_; das aber dem menschlichen +Gesetze zugeteilt ist, auf der andern den Eigensinn und den +_Ungehorsam_ des innerlichen Für-sich-seins; denn die Befehle der +Regierung sind der allgemeine, am Tage liegende öffentliche Sinn; der +Willen des andern Gesetzes aber ist der unterirdische, ins Innre +verschlossne Sinn, der in seinem Dasein als Willen der Einzelnheit +erscheint, und im Widerspruche mit dem ersten der Frevel ist. + +Es entsteht hiedurch am Bewußtsein der Gegensatz des _Gewußten_ und +des _Nichtgewußten_, wie in der Substanz, des _Bewußten_ und +_Bewußtlosen_; und das absolute _Recht_ des sittlichen +_Selbstbewußtseins_ kommt mit dem göttlichen _Rechte_ des _Wesens_ in +Streit. Für das Selbstbewußtsein als Bewußtsein hat die +gegenständliche Wirklichkeit als solche Wesen; nach seiner Substanz +aber ist es die Einheit seiner und dieses Entgegengesetzten; und das +sittliche Selbstbewußtsein ist das Bewußtsein der Substanz; der +Gegenstand als dem Selbstbewußtsein entgegengesetzt, hat darum +gänzlich die Bedeutung verloren, für sich Wesen zu haben. Wie die +Sphären, worin er nur ein _Ding_ ist, längst verschwunden, so auch +diese Sphären, worin das Bewußtsein etwas aus sich befestiget und ein +einzelnes Moment zum Wesen macht. Gegen solche Einseitigkeit hat die +Wirklichkeit eine eigene Kraft; sie steht mit der Wahrheit im Bunde +gegen das Bewußtsein, und stellt diesem erst dar, was die Wahrheit +ist. Das sittliche Bewußtsein aber hat aus der Schale der absoluten +Substanz die Vergessenheit aller Einseitigkeit des Für-sich-seins, +seiner Zwecke und eigentümlichen Begriffe getrunken, und darum in +diesem stygischen Wasser zugleich alle eigne Wesenheit und +selbstständige Bedeutung der gegenständlichen Wirklichkeit ertränkt. +Sein absolutes Recht ist daher, daß es, indem es nach dem sittlichen +Gesetze handelt, in dieser Verwirklichung nicht irgend etwas anderes +finde, als nur die Vollbringung dieses Gesetzes selbst, und die Tat +nichts anders zeige, als das sittliche Tun ist.--Das Sittliche, als +das absolute _Wesen_ und die absolute _Macht_ zugleich kann keine +Verkehrung seines Inhalts erleiden. Wäre es nur das absolute _Wesen_ +ohne die Macht, so könnte es eine Verkehrung durch die Individualität +erfahren; aber diese als sittliches Bewußtsein hat mit dem Aufgeben +des einseitigen Für-sich-seins dem Verkehren entsagt; so wie die +bloße Macht umgekehrt vom Wesen verkehrt werden würde, wenn sie noch +ein solches Für-sich-sein wäre. Um dieser Einheit willen ist die +Individualität reine Form der Substanz, die der Inhalt ist, und das +Tun ist das Übergehen aus dem Gedanken in die Wirklichkeit, nur als +die Bewegung eines wesenlosen Gegensatzes, dessen Momente keinen +besondern von einander verschiedenen Inhalt und Wesenheit haben. Das +absolute Recht des sittlichen Bewußtseins ist daher, daß die _Tat_, +die Gestalt seiner _Wirklichkeit_, nichts anders sei, als es _weiß_. + +Aber das sittliche Wesen hat sich selbst in zwei Gesetze gespalten, +und das Bewußtsein, als unentzweites Verhalten zum Gesetze, ist nur +_einem_ zugeteilt. Wie dies _einfache_ Bewußtsein auf dem absoluten +Rechte besteht, daß ihm als sittlichem das Wesen _erschienen_ sei, +wie es _an sich_ ist, so besteht dieses Wesen auf dem Rechte seiner +_Realität_, oder darauf, gedoppeltes zu sein. Dies Recht des Wesens +steht aber zugleich dem Selbstbewußtsein nicht gegenüber, daß es +irgendwoanders wäre, sondern es ist das eigne Wesen des +Selbstbewußtseins; es hat darin allein sein Dasein und seine Macht, +und sein Gegensatz ist die _Tat_ des _Letztern_. Denn dieses, eben +indem es sich als Selbst ist und zur Tat schreitet, erhebt sich aus +der _einfachen Unmittelbarkeit_ und setzt selbst die _Entzweiung_. +Es gibt durch die Tat die Bestimmtheit der Sittlichkeit auf, die +einfache Gewißheit der unmittelbaren Wahrheit zu sein, und setzt die +Trennung seiner selbst in sich als das Tätige und in die +gegenüberstehende für es negative Wirklichkeit. Es wird also durch +die Tat zur _Schuld_. Denn sie ist sein _Tun_, und das Tun sein +eigenstes Wesen; und die _Schuld_ erhält auch die Bedeutung des +_Verbrechens_: denn als einfaches sittliches Bewußtsein hat es sich +dem einen Gesetze zugewandt, dem andern aber abgesagt, und verletzt +dieses durch seine Tat.--Die _Schuld_ ist nicht das gleichgültige +doppelsinnige Wesen, daß die Tat, wie sie _wirklich_ am Tage liegt, +_Tun_ ihres Selbsts sein könne oder auch nicht, als ob mit dem Tun +sich etwas Äußerliches und Zufälliges verknüpfen könnte, das dem Tun +nicht angehörte, von welcher Seite das Tun also unschuldig wäre. +Sondern das Tun ist selbst diese Entzweiung, sich für sich, und +diesem gegenüber eine fremde äußerliche Wirklichkeit zu setzen; daß +eine solche ist, gehört dem Tun selbst an und ist durch dasselbe. +Unschuldig ist daher nur das Nichttun wie das Sein eines Steines, +nicht einmal eines Kindes.--Dem Inhalte nach aber hat die sittliche +_Handlung_ das Moment des Verbrechens an ihr, weil sie die +_natürliche_ Verteilung der beiden Gesetze an die beiden Geschlechter +nicht aufhebt, sondern vielmehr als _unentzweite_ Richtung auf das +Gesetz innerhalb der _natürlichen Unmittelbarkeit_ bleibt, und als +Tun diese Einseitigkeit zur Schuld macht, nur die eine der Seiten des +Wesens zu ergreifen, und gegen die andre sich negativ zu verhalten, d. +h. sie zu verletzen. Wohin in dem allgemeinen sittlichen Leben +Schuld und Verbrechen, Tun und Handeln fällt, wird nachher bestimmter +ausgedrückt werden; es erhellt unmittelbar soviel, daß es nicht +_dieser Einzelne_ ist, der handelt und schuldig ist; denn er als +_dieses_ Selbst ist nur der unwirkliche Schatten, oder er ist nur als +allgemeines Selbst, und die Individualität rein das _formale_ Moment +des _Tuns_ überhaupt, und der Inhalt die Gesetze und Sitten, und +bestimmt für den Einzelnen, die seines Standes; er ist die Substanz +als Gattung, die durch ihre Bestimmtheit zwar zur Art wird, aber die +Art bleibt zugleich das Allgemeine der Gattung. Das Selbstbewußtsein +steigt innerhalb des Volkes vom Allgemeinen nur bis zur Besonderheit, +nicht bis zur einzelnen Individualität herab, welche ein +ausschließendes Selbst, eine sich negative Wirklichkeit in seinem Tun +setzt; sondern seinem Handeln liegt das sichre Vertrauen zum Ganzen +zugrunde, worin sich nichts Fremdes, keine Furcht noch Feindschaft +einmischt. + +Die entwickelte Natur des _wirklichen_ Handelns erfährt nun das +sittliche Selbstbewußtsein an seiner Tat, ebensowohl wenn es dem +göttlichen, als wenn es dem menschlichen Gesetze sich ergab. Das ihm +offenbare Gesetz ist im Wesen mit dem entgegengesetzten verknüpft; +das Wesen ist die Einheit beider; die Tat aber hat nur das eine gegen +das andere ausgeführt. Aber im Wesen mit diesem verknüpft, ruft die +Erfüllung des einen das andere hervor, und, wozu die Tat es machte, +als ein verletztes, und nun feindliches, Rache forderndes Wesen. Dem +Handeln liegt nur die eine Seite des Entschlusses überhaupt an dem +Tage; er ist aber _an sich_ das Negative, das ein ihm Anderes, ein +ihm, der das Wissen ist, Fremdes gegenüberstellt. Die Wirklichkeit +hält daher die andere dem Wissen fremde Seite in sich verborgen, und +zeigt sich dem Bewußtsein nicht, wie sie an und für sich ist--dem +Sohne nicht den Vater in seinem Beleidiger, den er erschlägt; nicht +die Mutter in der Königin, die er zum Weibe nimmt. Dem sittlichen +Selbstbewußtsein stellt auf diese Weise eine lichtscheue Macht nach, +welche erst, wenn die Tat geschehen, hervorbricht und es bei ihr +ergreift; denn die vollbrachte Tat ist der aufgehobne Gegensatz des +wissenden Selbst und der ihm gegenüberstehenden Wirklichkeit. Das +Handelnde kann das Verbrechen und seine Schuld nicht verleugnen;--die +Tat ist dieses, das Unbewegte zu bewegen und das nur erst in der +Möglichkeit Verschlossene hervorzubringen, und hiemit das Unbewußte +dem Bewußten, das Nichtseiende dem Sein zu verknüpfen. In dieser +Wahrheit tritt also die Tat an die Sonne;--als ein solches, worin ein +Bewußtes einem Unbewußten, das Eigne einem Fremden verbunden ist, als +das entzweite Wesen, dessen andere Seite das Bewußtsein, und auch als +die seinige erfährt, aber als die von ihm verletzte und feindlich +erregte Macht. + +Es kann sein, daß das Recht, welches sich im Hinterhalte hielt, nicht +in seiner eigentümlichen Gestalt für das handelnde _Bewußtsein_, +sondern nur _an sich_, in der innern Schuld des Entschlusses und des +Handelns vorhanden ist. Aber das sittliche Bewußtsein ist +vollständiger, seine Schuld reiner, wenn es das Gesetz und die Macht +_vorher kennt_, der es gegenübertritt, sie für Gewalt und Unrecht, +für eine sittliche Zufälligkeit nimmt, und wissentlich, wie Antigone, +das Verbrechen begeht. Die vollbrachte Tat verkehrt seine Ansicht; +die _Vollbringung_ spricht es selbst aus, daß was _sittlich_ ist, +_wirklich_ sein müsse; denn die _Wirklichkeit_ des Zwecks ist der +Zweck des Handelns. Das Handeln spricht gerade die _Einheit_ der +_Wirklichkeit_ und der _Substanz_ aus, es spricht aus, daß die +Wirklichkeit dem Wesen nicht zufällig ist, sondern mit ihm im Bunde +keinem gegeben wird, das nicht wahres Recht ist. Das sittliche +Bewußtsein muß sein Entgegengesetztes um dieser Wirklichkeit willen, +und um seines Tuns willen, als die seinige, es muß seine Schuld +anerkennen; _weil wir leiden, anerkennen wir, daß wir gefehlt._ + +Dies Anerkennen drückt den aufgehobenen Zwiespalt des sittlichen +_Zweckes_ und der _Wirklichkeit_, es drückt die Rückkehr zur +sittlichen _Gesinnung_ aus, die weiß, daß nichts gilt als das Rechte. +Damit aber gibt das Handelnde seinen _Charakter_ und die +_Wirklichkeit_ seines Selbsts auf, und ist zugrunde gegangen. Sein +_Sein_ ist dieses, seinem sittlichen Gesetze als seiner Substanz +anzugehören; in dem Anerkennen des Entgegengesetzten hat dies aber +aufgehört, ihm Substanz zu sein; und statt seiner Wirklichkeit hat es +die Unwirklichkeit, die Gesinnung, erreicht.--Die Substanz erscheint +zwar _an_ der Individualität als das _Pathos_ derselben, und die +Individualität als das, was sie belebt, und daher über ihr steht; +aber sie ist ein Pathos, das zugleich sein Charakter ist; die +sittliche Individualität ist unmittelbar und an sich eins mit diesem +seinem Allgemeinen, sie hat ihre Existenz nur in ihm, und vermag den +Untergang, den diese sittliche Macht durch die entgegengesetzte +leidet, nicht zu überleben. + +Sie hat aber dabei die Gewißheit, daß diejenige Individualität, deren +Pathos diese entgegengesetzte Macht ist, _nicht mehr Übel erleidet, +als sie zugefügt_. Die Bewegung der sittlichen Mächte gegeneinander +und der sie in Leben und Handlung setzenden Individualitäten hat nur +darin ihr _wahres Ende_ erreicht, daß beide Seiten denselben +Untergang erfahren. Denn keine der Mächte hat etwas vor der andern +voraus, um _wesentlicheres_ Moment der Substanz zu sein. Die gleiche +Wesentlichkeit und das gleichgültige Bestehen beider nebeneinander +ist ihr selbstloses Sein; in der _Tat_ sind sie als Selbstwesen, aber +ein verschiedenes, was der Einheit des Selbsts widerspricht, und ihre +Rechtlosigkeit und notwendigen Untergang ausmacht. Der _Charakter_ +gehört ebenso teils nach seinem Pathos oder Substanz nur der _einen_ +an, teils ist nach der Seite des Wissens der eine wie der andere in +ein Bewußtes und Unbewußtes entzweit; und indem jeder selbst diesen +Gegensatz hervorruft, und durch die Tat auch das Nichtwissen sein +Werk ist, setzt er sich in die Schuld, die ihn verzehrt. Der Sieg +der einen Macht und ihres Charakters und das Unterliegen der andern +Seite wäre also nur der Teil und das unvollendete Werk, das +unaufhaltsam zum Gleichgewichte beider fortschreitet. Erst in der +gleichen Unterwerfung beider Seiten ist das absolute Recht vollbracht, +und die sittliche Substanz als die negative Macht, welche beide +Seiten verschlingt, oder das allmächtige und gerechte _Schicksal_ +aufgetreten. + +Werden beide Mächte nach ihrem bestimmten Inhalte und dessen +Individualisation genommen, so bietet sich das Bild ihres gestalteten +Widerstreits, nach seiner formellen Seite, als der Widerstreit der +Sittlichkeit und des Selbstbewußtseins mit der bewußtlosen Natur und +einer durch sie vorhandenen Zufälligkeit--diese hat ein Recht gegen +jenes, weil es nur der _wahre_ Geist, nur in _unmittelbarer_ Einheit +mit seiner Substanz ist--und seinem Inhalte nach als der Zwiespalt +des göttlichen und menschlichen Gesetzes dar.--Der Jüngling tritt aus +dem bewußtlosen Wesen, aus dem Familiengeiste, und wird die +Individualität des Gemeinwesens; daß er aber der Natur, der er sich +entriß, noch angehöre, erweist sich so, daß er in der Zufälligkeit +zweier Brüder heraustritt, welche mit gleichem Rechte sich desselben +bemächtigen; die Ungleichheit der frühern und spätern Geburt hat _für +sie_, die in das sittliche Wesen eintreten, als Unterschied der Natur, +keine Bedeutung. Aber die Regierung, als die einfache Seele oder +das Selbst des Volksgeistes, verträgt nicht eine Zweiheit der +Individualität; und der sittlichen Notwendigkeit dieser Einheit tritt +die Natur als der Zufall der Mehrheit gegenüber auf. Diese beiden +werden darum uneins, und ihr gleiches Recht an die Staatsgewalt +zertrümmert beide, die gleiches Unrecht haben. Menschlicherweise +angesehen, hat derjenige das Verbrechen begangen, welcher, nicht _im +Besitze_, das Gemeinwesen, an dessen Spitze der andere stand, +angreift; derjenige dagegen hat das Recht auf seiner Seite, welcher +den andern nur als _Einzelnen_, abgelöst von dem Gemeinwesen, zu +fassen wußte und in dieser Machtlosigkeit vertrieb; er hat nur das +Individuum als solches, nicht jenes, nicht das Wesen des menschlichen +Rechts, angetastet. Das von der leeren Einzelnheit angegriffene und +verteidigte Gemeinwesen erhält sich, und die Brüder finden beide +ihren wechselseitigen Untergang durcheinander; denn die +Individualität, welche _an ihr Für-sich-sein_ die Gefahr des Ganzen +knüpft, hat sich selbst vom Gemeinwesen ausgestoßen, und löst sich in +sich auf. Den einen aber, der auf seiner Seite sich fand, wird es +ehren; den andern hingegen, der schon auf den Mauern seine Verwüstung +aussprach, wird die Regierung, die wiederhergestellte Einfachheit des +Selbsts des Gemeinwesens, um die letzte Ehre bestrafen; wer an dem +höchsten Geiste des Bewußtseins, der Gemeine, sich zu vergreifen kam, +muß der Ehre seines ganzen vollendeten Wesens, der Ehre des +abgeschiedenen Geistes, beraubt werden. + +Aber wenn so das Allgemeine die reine Spitze seiner Pyramide leicht +abstößt, und über das sich empörende Prinzip der Einzelnheit, die +Familie, zwar den _Sieg_ davonträgt, so hat es sich dadurch mit dem +göttlichen Gesetze, der seiner selbstbewußte Geist sich mit dem +Bewußtlosen nur in _Kampf_ eingelassen; denn dieser ist die andre +wesentliche und darum von jener unzerstörte und nur beleidigte Macht. +Er hat aber gegen das gewalthabende, am Tage liegende Gesetz seine +Hülfe zur _wirklichen_ Ausführung nur an dem blutlosen Schatten. Als +das Gesetz der Schwäche und der Dunkelheit unterliegt er daher +zunächst dem Gesetze des Tages und der Kraft, denn jene Gewalt gilt +unten, nicht auf Erden. Allein das Wirkliche, das dem Innerlichen +seine Ehre und Macht genommen, hat damit sein Wesen aufgezehrt. Der +offenbare Geist hat die Wurzel seiner Kraft in der Unterwelt; die +ihrer selbst sichere und sich versichernde _Gewißheit_ des Volkes hat +die _Wahrheit_ ihres Alle in Eins bindenden Eides nur in der +bewußtlosen und stummen Substanz Aller, in den Wässern der +Vergessenheit. Hiedurch verwandelt sich die Vollbringung des +offenbaren Geistes in das Gegenteil, und er erfährt, daß sein +höchstes Recht das höchste Unrecht, sein Sieg vielmehr sein eigener +Untergang ist. Der Tote, dessen Recht gekränkt ist, weiß darum für +seine Rache Werkzeuge zu finden, welche von gleicher Wirklichkeit und +Gewalt sind mit der Macht, die ihn verletzt. Diese Mächte sind +andere Gemeinwesen, deren Altäre die Hunde oder Vögel mit der Leiche +besudelten, welche nicht durch die ihr gebührende Zurückgabe an das +elementarische Individuum in die bewußtlose Allgemeinheit erhoben, +sondern über der Erde im Reiche der Wirklichkeit geblieben, und als +die Kraft des göttlichen Gesetzes, nun eine selbstbewußte wirkliche +Allgemeinheit erhält. Sie machen sich feindlich auf, und zerstören +das Gemeinwesen, das seine Kraft, die Pietät der Familie, entehrt und +zerbrochen hat. + +In dieser Vorstellung hat die Bewegung des menschlichen und +göttlichen Gesetzes den Ausdruck ihrer Notwendigkeit an Individuen, +an denen das Allgemeine als ein _Pathos_ und die Tätigkeit der +Bewegung als _individuelles_ Tun erscheint, welches der Notwendigkeit +derselben den Schein der Zufälligkeit gibt. Aber die Individualität +und das Tun macht das Prinzip der Einzelnheit überhaupt aus, das in +seiner reinen Allgemeinheit das innere göttliche Gesetz genannt wurde. +Als Moment des offenbaren Gemeinwesens hat es nicht nur jene +unterirdische oder in seinem Dasein äußerliche Wirksamkeit, sondern +ein ebenso offenbares an dem wirklichen Volke wirkliches Dasein und +Bewegung. In dieser Form genommen, erhält das, was als einfache +Bewegung des individualisierten Pathos vorgestellt wurde, ein anderes +Aussehen, und das Verbrechen und die dadurch begründete Zerstörung +des Gemeinwesens die eigentliche Form ihres Daseins.--Das menschliche +Gesetz also in seinem allgemeinen Dasein, das Gemeinwesen, in seiner +Betätigung überhaupt die Männlichkeit, in seiner wirklichen +Betätigung die Regierung, _ist, bewegt_ und _erhält_ sich dadurch, +daß es die Absonderung der Penaten oder die selbstständige +Vereinzelung in Familien, welchen die Weiblichkeit vorsteht, in sich +aufzehrt, und sie in der Kontinuität seiner Flüssigkeit aufgelöst +erhält. Die Familie ist aber zugleich überhaupt sein Element, das +einzelne Bewußtsein allgemeiner betätigender Grund. Indem das +Gemeinwesen sich nur durch die Störung der Familienglückseligkeit und +die Auflösung des Selbstbewußtseins in das allgemeine sein Bestehen +gibt, erzeugt es sich an dem, was es unterdrückt und was ihm zugleich +wesentlich ist, an der Weiblichkeit überhaupt seinen innern Feind. +Diese--die ewige Ironie des Gemeinwesens--verändert durch die Intrige +den allgemeinen Zweck der Regierung in einen Privatzweck, verwandelt +ihre allgemeine Tätigkeit in ein Werk dieses bestimmten Individuums, +und verkehrt das allgemeine Eigentum des Staats zu einem Besitz und +Putz der Familie. Sie macht hiedurch die ernsthafte Weisheit des +reifen Alters, das, der Einzelnheit--der Lust und dem Genusse, sowie +der wirklichen Tätigkeit--abgestorben, nur das Allgemeine denkt und +besorgt, zum Spotte für den Mutwillen der unreifen Jugend, und zur +Verachtung für ihren Enthusiasmus; erhebt überhaupt die Kraft der +Jugend zum Geltenden--des Sohnes, an dem die Mutter ihren Herrn +geboren, des Bruders, an dem die Schwester den Mann als ihresgleichen +hat, des Jünglings, durch den die Tochter ihrer Unselbstständigkeit +entnommen, den Genuß und die Würde der Frauenschaft erlangt.--Das +Gemeinwesen kann sich aber nur durch Unterdrückung dieses Geistes der +Einzelnheit erhalten, und, weil er wesentliches Moment ist, erzeugt +es ihn zwar ebenso, und zwar durch die unterdrückende Haltung gegen +denselben als ein feindseliges Prinzip. Dieses würde jedoch, da es +vom allgemeinen Zwecke sich trennend, nur böse und in sich nichtig +ist, nichts vermögen, wenn nicht das Gemeinwesen selbst die Kraft der +Jugend, die Männlichkeit, welche nicht reif noch innerhalb der +Einzelnheit steht, als die _Kraft_ des Ganzen anerkannte. Denn es +ist ein Volk, es ist selbst Individualität und wesentlich nur so für +_sich_, daß _andere Individualitäten für es_ sind, daß es sie von +sich _ausschließt_ und sich unabhängig von ihnen weiß. Die negative +Seite des Gemeinwesens, _nach innen_ die Vereinzelung der Individuen +unterdrückend, nach _außen_ aber _selbsttätig_, hat an der +Individualität seine Waffen. Der Krieg ist der Geist und die Form, +worin das wesentliche Moment der sittlichen Substanz, die absolute +_Freiheit_ des sittlichen _Selbstwesens_ von allem Dasein, in ihrer +Wirklichkeit und Bewährung vorhanden ist. Indem er einerseits den +einzelnen _Systemen_ des Eigentums und der persönlichen +Selbstständigkeit wie auch der einzelnen _Persönlichkeit_ selbst die +Kraft des Negativen zu fühlen gibt, erhebt andererseits in ihm eben +dies negative Wesen sich als das Erhaltende des Ganzen; der tapfre +Jüngling, an welchem die Weiblichkeit ihre Lust hat, das unterdrückte +Prinzip des Verderbens tritt an den Tag und ist das Geltende. Nun +ist es die natürliche Kraft und das, was als Zufall des Glücks +erscheint, welche über das Dasein des sittlichen Wesens und die +geistige Notwendigkeit entscheiden; weil auf Stärke und Glück das +Dasein des sittlichen Wesens beruht, so ist _schon entschieden_, daß +es zugrunde gegangen.--Wie vorhin nur Penaten im Volksgeiste, so +gehen die _lebendigen_ Volksgeister durch ihre Individualität itzt in +einem _allgemeinen_ Gemeinwesen zugrunde, dessen _einfache +Allgemeinheit_ geistlos und tot, und dessen Lebendigkeit das +_einzelne_ Individuum, als einzelnes ist. Die sittliche Gestalt des +Geistes ist verschwunden, und es tritt eine andere an ihre Stelle. + +Dieser Untergang der sittlichen Substanz und ihr Übergang in eine +andere Gestalt ist also dadurch bestimmt, daß das sittliche +Bewußtsein auf das Gesetz wesentlich _unmittelbar_ gerichtet ist; in +dieser Bestimmung der Unmittelbarkeit liegt, daß in die Handlung der +Sittlichkeit die Natur überhaupt hereinkommt. Ihre Wirklichkeit +offenbart nur den Widerspruch und den Keim des Verderbens, den die +schöne Einmütigkeit und das ruhige Gleichgewicht des sittlichen +Geistes eben an dieser Ruhe und Schönheit selbst hat; denn die +Unmittelbarkeit hat die widersprechende Bedeutung, die bewußtlose +Ruhe der Natur, und die selbstbewußte unruhige Ruhe des Geistes zu +sein.--Um dieser Natürlichkeit willen ist überhaupt dieses sittliche +Volk eine durch die Natur bestimmte und daher beschränkte +Individualität, und findet also ihre Aufhebung an einer andern. +Indem aber diese Bestimmtheit, die im Dasein gesetzt, Beschränkung, +aber ebenso das Negative überhaupt und das Selbst der Individualität +ist, verschwindet, ist das Leben des Geistes und diese in Allen ihrer +selbstbewußte Substanz verloren. Sie tritt als eine _formelle +Allgemeinheit_ an ihnen heraus, ist ihnen nicht mehr als lebendiger +Geist inwohnend, sondern die einfache Gediegenheit ihrer +Individualität ist in viele Punkte zersprungen. + + +c. Rechtszustand + +Die allgemeine Einheit, in welche die lebendige unmittelbare Einheit +der Individualität und der Substanz zurückgeht, ist das geistlose +Gemeinwesen, das aufgehört hat, die selbstbewußtlose Substanz der +Individuen zu sein, und worin sie itzt nach ihrem einzelnen +Für-sich-sein als Selbstwesen und Substanzen gelten. Das Allgemeine +in die Atome der absolut vielen Individuen zersplittert, dieser +gestorbene Geist ist eine _Gleichheit_, worin _Alle_ als _Jede_, als +_Personen_ gelten.--Was in der Welt der Sittlichkeit das verborgene +göttliche Gesetz genannt wurde, ist in der Tat aus seinem Innern in +die Wirklichkeit getreten; in jener galt und war der _Einzelne_ +wirklich nur als das allgemeine _Blut_ der _Familie_. Als _dieser_ +Einzelne war er der _selbstlose abgeschiedene_ Geist; nun aber ist er +aus seiner Unwirklichkeit hervorgetreten. Weil die sittliche +Substanz nur der _wahre_ Geist ist, darum geht er in die _Gewißheit_ +seiner selbst zurück; jene ist er als das _positive_ Allgemeine, aber +seine Wirklichkeit ist, _negatives_ allgemeines _Selbst_ zu sein. +--Wir sahen die Mächte und die Gestalten der sittlichen Welt in der +einfachen Notwendigkeit des leeren _Schicksals_ versinken. Diese +ihre Macht ist die in ihre Einfachheit sich reflektierende Substanz; +aber das in sich reflektierende absolute Wesen, eben jene +Notwendigkeit des leeren Schicksals, ist nichts anders als das _Ich_ +des Selbstbewußtseins. + +Dieses gilt hiemit nunmehr als das _an und für sich_ seiende Wesen; +dies _Anerkanntsein_ ist seine Substantialität; aber sie ist die +_abstrakte Allgemeinheit_, weil ihr Inhalt _dieses spröde Selbst_, +nicht das in der Substanz aufgelöste ist. + +Die Persönlichkeit ist also hier aus dem Leben der sittlichen +Substanz herausgetreten; sie ist die _wirklich geltende_ +Selbstständigkeit des Bewußtseins. Der _unwirkliche Gedanke_ +derselben, der sich durch _Verzichttun_ auf die _Wirklichkeit_ wird, +ist früher als _stoisches_ Selbstbewußtsein vorgekommen; wie dieses +aus der Herrschaft und Knechtschaft, als dem unmittelbaren Dasein des +_Selbstbewußtsein_, so ist die Persönlichkeit aus dem unmittelbaren +_Geiste_--der der allgemeine herrschende Willen Aller und ebenso ihr +dienender Gehorsam ist, hervorgegangen. Was dem Stoizismus nur in +der _Abstraktion_ das _An-sich_ war, ist nun _wirkliche_ Welt. Er +ist nichts anderes als das Bewußtsein, welches das Prinzip des +Rechtszustands, die geistlose Selbstständigkeit, auf seine abstrakte +Form bringt; durch seine Flucht aus der _Wirklichkeit_ erreichte es +nur den Gedanken der Selbstständigkeit; es ist absolut für _sich_ +dadurch, daß es sein Wesen nicht an irgendein Dasein knüpft, sondern +jedes Dasein aufgegeben, und sein Wesen allein in die Einheit des +reinen Denkens setzt. Auf dieselbe Weise ist das Recht der Person +weder an ein reicheres oder mächtigeres Dasein des Individuums als +eines solchen, noch auch an einen allgemeinen lebendigen Geist +geknüpft, sondern vielmehr an das reine Eins seiner abstrakten +Wirklichkeit oder an es als Selbstbewußtsein überhaupt. + +Wie nun die _abstrakte_ Selbstständigkeit des Stoizismus ihre +Verwirklichung darstellte, so wird auch diese letztere die Bewegung +jener ersten wiederholen. Jene geht in die skeptische Verwirrung des +Bewußtseins über, in eine Faselei des Negativen, welche gestaltlos +von einer Zufälligkeit des Seins und Gedankens zur andern irrt, sie +zwar in der absoluten Selbstständigkeit auflöst, aber ebensosehr +wieder erzeugt; und in der Tat nur der Widerspruch der +Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Bewußtseins ist. +--Ebenso ist die persönliche Selbstständigkeit des _Rechts_ vielmehr +diese gleiche allgemeine Verwirrung und gegenseitige Auflösung. Denn +was als das absolute Wesen gilt, ist das Selbstbewußtsein als das +reine _leere Eins_ der Person. Gegen diese leere Allgemeinheit hat +die Substanz die Form der _Erfüllung_ und des _Inhalts_, und dieser +ist nun völlig freigelassen und ungeordnet; denn der Geist ist nicht +mehr vorhanden, der ihn unterjochte, und in seiner Einheit +zusammenhielt.--Dies leere Eins der Person ist daher in seiner +_Realität_ ein zufälliges Dasein und wesenloses Bewegen und Tun, +welches zu keinem Bestand kommt. Wie der Skeptizismus, ist der +Formalismus des Rechts also durch seinen Begriff ohne eigentümlichen +Inhalt, findet ein mannigfaltiges Bestehen, den Besitz, vor, und +drückt ihm dieselbe abstrakte Allgemeinheit, wodurch er _Eigentum_ +heißt, auf wie jener. Wenn aber die so bestimmte Wirklichkeit im +Skeptizismus _Schein_ überhaupt heißt, und nur einen negativen Wert +hat, so hat sie im Rechte einen positiven. Jener negative Wert +besteht darin, daß das Wirkliche die Bedeutung des Selbsts als +Denkens, als des _an sich_ Allgemeinen hat, dieser positive aber +darin, daß es _Mein_ in der Bedeutung der Kategorie, als _ein +anerkanntes_ und _wirkliches_ Gelten ist.--Beides ist dasselbe +_abstrakte Allgemeine_; der wirkliche Inhalt oder die _Bestimmtheit_ +des Meinen--es sei nun eines äußerlichen Besitzes, oder auch des +innern Reichtums oder Armut des Geistes und Charakters, ist nicht in +dieser leeren Form enthalten und geht sie nichts an. Er gehört also +einer _eignen Macht_ an, die ein anderes als das formal Allgemeine, +die der Zufall und die Willkür ist.--Das Bewußtsein des Rechts +erfährt darum in seinem wirklichen Gelten selbst vielmehr den Verlust +seiner Realität und seine vollkommne Unwesentlichkeit, und ein +Individuum als eine _Person_ bezeichnen ist Ausdruck der Verachtung. + +Die freie Macht des Inhalts bestimmt sich so, daß die Zerstreuung in +die absolute _Vielheit_ der persönlichen Atome durch die Natur dieser +Bestimmtheit zugleich in _einen_ ihnen fremden und ebenso geistlosen +Punkt gesammelt ist, der einesteils gleich der Sprödigkeit ihrer +Personalität rein einzelne Wirklichkeit ist, aber im Gegensatze gegen +ihre leere Einzelnheit zugleich die Bedeutung alles Inhalts, dadurch +des realen Wesens für sie hat, und gegen ihre vermeinte absolute, an +sich aber wesenlose Wirklichkeit die allgemeine Macht und absolute +Wirklichkeit ist. Dieser Herr der Welt ist sich auf diese Weise die +absolute zugleich alles Dasein in sich befassende Person, für deren +Bewußtsein kein höherer Geist existiert. Er ist Person; aber die +einsame Person, welche _allen_ gegenübergetreten; diese Alle machen +die geltende Allgemeinheit der Person aus, denn das Einzelne als +solches ist wahr nur als allgemeine Vielheit der Einzelnheit, von +dieser abgetrennt ist das einsame Selbst in der Tat das unwirkliche, +kraftlose Selbst.--Zugleich ist es das Bewußtsein des Inhalts, der +jener allgemeinen Persönlichkeit gegenübergetreten ist. Dieser +Inhalt aber von seiner negativen Macht befreit ist das Chaos der +geistigen Mächte, die entfesselt als elementarische Wesen in wilder +Ausschweifung sich gegeneinander toll und zerstörend bewegen; ihr +kraftloses Selbstbewußtsein ist die machtlose Umschließung und der +Boden ihres Tumultes. Sich so als den Inbegriff aller wirklichen +Mächte wissend, ist dieser Herr der Welt das ungeheure +Selbstbewußtsein, das sich als den wirklichen Gott weiß; indem er +aber nur das formale Selbst ist, das sie nicht zu bändigen vermag, +ist seine Bewegung und Selbstgenuß die ebenso ungeheure Ausschweifung. + +Der Herr der Welt hat das wirkliche Bewußtsein dessen, was er ist, +der allgemeinen Macht der Wirklichkeit, in der zerstörenden Gewalt, +die er gegen das ihm gegenüberstehende Selbst seiner Untertanen +ausübt. Denn seine Macht ist nicht die _Einigkeit_ des Geistes, +worin die Personen ihr eigenes Selbstbewußtsein erkannten, vielmehr +sind sie als Personen für sich und schließen die Kontinuität mit +andern aus der absoluten Sprödigkeit ihrer Punktualität aus; sie sind +also in einem nur negativen Verhältnisse wie zueinander so zu ihm, +der ihre Beziehung oder Kontinuität ist. Als diese Kontinuität ist +er das Wesen und der Inhalt ihres Formalismus; aber der ihnen fremde +Inhalt, und das feindliche Wesen, welches gerade dasjenige, was für +sie als ihr Wesen gilt, das inhaltsleere Für-sich-sein, vielmehr +aufhebt;--und als die Kontinuität ihrer Persönlichkeit eben diese +zerstört. Die rechtliche Persönlichkeit erfährt also, indem der ihr +fremde Inhalt sich in ihr geltend macht, und er macht sich in ihnen +geltend, weil er ihre Realität ist--vielmehr ihre Substanzlosigkeit. +Das zerstörende Wühlen in diesem wesenlosen Boden gibt sich dagegen +das Bewußtsein seiner Allherrschaft, aber dieses Selbst ist bloßes +Verwüsten, daher nur außer sich, und vielmehr das Wegwerfen seines +Selbstbewußtseins. + +So ist die Seite beschaffen, in welcher das Selbstbewußtsein als +absolutes Wesen _wirklich_ ist. Das aus dieser Wirklichkeit aber _in +sich zurückgetriebene Bewußtsein_ denkt diese seine Unwesenheit; wir +sahen früher die stoische Selbstständigkeit des reinen Denkens durch +den Skeptizismus hindurchgehen und in dem unglücklichen Bewußtsein +ihre Wahrheit finden--die Wahrheit, welche Bewandtnis es mit seinem +An- und Für-sich-sein hat. Wenn dies Wissen damals nur als die +einseitige Ansicht des Bewußtseins als eines solchen erschien, so ist +hier ihre _wirkliche_ Wahrheit eingetreten. Sie besteht darin, daß +dies _allgemeine Gelten_ des Selbstbewußtseins, die ihm entfremdete +Realität ist. Dies _Gelten_ ist die allgemeine Wirklichkeit des +Selbsts, aber sie ist unmittelbar ebenso die Verkehrung; sie ist der +Verlust seines Wesens.--Die in der sittlichen Welt nicht vorhandne +Wirklichkeit des Selbsts ist durch ihr Zurückgehen in die _Person_ +gewonnen worden, was in jener einig war, tritt nun entwickelt, aber +sich entfremdet auf. + + + +B. Der sich entfremdete Geist; die Bildung + +Die sittliche Substanz erhielt den Gegensatz in ihr einfaches +Bewußtsein eingeschlossen, und dieses in unmittelbarer Einheit mit +seinem Wesen. Das Wesen hat darum die einfache Bestimmtheit des +_Seins_ für das Bewußtsein, das unmittelbar darauf gerichtet, und +dessen Sitte es ist; weder gilt das Bewußtsein sich als _dieses +ausschließende Selbst_, noch hat die Substanz die Bedeutung eines aus +ihm ausgeschlossenen Daseins, mit dem es sich nur durch die +Entfremdung seiner selbst eins zu setzen und sie zugleich +hervorzubringen hätte. Aber derjenige Geist, dessen Selbst das +absolut diskrete ist, hat seinen Inhalt sich als eine ebenso harte +Wirklichkeit gegenüber, und die Welt hat hier die Bestimmung, ein +Äußerliches, das Negative des Selbstbewußtseins zu sein. Aber diese +Welt ist geistiges Wesen, sie ist an sich die Durchdringung des Seins +und der Individualität; dies ihr Dasein ist das _Werk_ des +Selbstbewußtseins; aber ebenso eine unmittelbar vorhandne ihm fremde +Wirklichkeit, welche eigentümliches Sein hat, und worin es sich nicht +erkennt. Sie ist das äußerliche Wesen, und der freie Inhalt des +Rechts; aber diese äußerliche Wirklichkeit, welche der Herr der Welt +des Rechts in sich befaßt, ist nicht nur dieses zufällig für das +Selbst vorhandne elementarische Wesen, sondern sie ist seine aber +nicht positive Arbeit--vielmehr seine negative. Sie erhält ihr +Dasein durch die _eigne_ Entäußerung und Entwesung des +Selbstbewußtseins, welche ihm in der Verwüstung, die in der Welt des +Rechts herrscht, die äußerliche Gewalt der losgebundnen Elemente +anzutun scheinet. Diese für sich sind nur das reine Verwüsten und +die Auflösung ihrer selbst; diese Auflösung aber, dies ihr negatives +Wesen ist eben das Selbst; es ist ihr Subjekt, ihr Tun und Werden. +Dies Tun und Werden aber, wodurch die Substanz wirklich wird, ist die +Entfremdung der Persönlichkeit, denn das _unmittelbar_, d.h. _ohne +Entfremdung_ an und für sich geltende Selbst ist ohne Substanz, und +das Spiel jener tobenden Elemente; seine Substanz ist also seine +Entäußerung selbst, und die Entäußerung ist die Substanz, oder die zu +einer Welt sich ordnenden und sich dadurch erhaltenden geistigen +Mächte. + +Die Substanz ist auf diese Weise Geist, selbstbewußte _Einheit_ des +Selbsts und des Wesens, aber beides hat auch die Bedeutung der +Entfremdung füreinander. Er ist _Bewußtsein_ einer für sich freien +gegenständlichen Wirklichkeit; diesem Bewußtsein aber steht jene +Einheit des Selbst und des Wesens gegenüber, dem _wirklichen_ das +_reine Bewußtsein_. Einerseits geht das wirkliche Selbstbewußtsein +durch seine Entäußerung in die wirkliche Welt über, und diese in +jenes zurück; andrerseits aber ist eben diese Wirklichkeit, sowohl +die Person wie die Gegenständlichkeit, aufgehoben; sie sind rein +allgemeine. Diese ihre Entfremdung ist das _reine Bewußtsein_ oder +das _Wesen_. Die Gegenwart hat unmittelbar den Gegensatz an ihrem +_Jenseits_, das ihr Denken und Gedachtsein; so wie dies am Diesseits, +das seine ihm entfremdete Wirklichkeit ist. + +Dieser Geist bildet sich daher nicht nur _eine_ Welt, sondern eine +gedoppelte, getrennte und entgegengesetzte aus.--Die Welt des +sittlichen Geistes ist seine eigne _Gegenwart_; und daher jede Macht +derselben in dieser Einheit, und insofern beide sich unterscheiden, +im Gleichgewichte mit dem Ganzen. Nichts hat die Bedeutung des +Negativen des Selbstbewußtseins; selbst der abgeschiedne Geist ist im +_Blute_ der Verwandtschaft, im _Selbst_ der Familie gegenwärtig, und +die allgemeine _Macht_ der Regierung ist der _*Willen*_, das Selbst +des Volks. Hier aber bedeutet das Gegenwärtige nur gegenständliche +_Wirklichkeit_, die ihr Bewußtsein jenseits hat; jedes einzelne +Moment als _Wesen_ empfängt dies und damit die Wirklichkeit von einem +andern, und insofern es wirklich ist, ist sein Wesen ein andres als +seine Wirklichkeit. Nichts hat einen in ihm selbst gegründeten und +inwohnenden Geist, sondern ist außer sich in einem fremden,--das +Gleichgewicht des Ganzen nicht die bei sich selbst bleibende Einheit +und ihre in sich zurückgekehrte Beruhigung, sondern beruht auf der +Entfremdung des Entgegengesetzten. Das Ganze ist daher, wie jedes +einzelne Moment, eine sich entfremdete Realität; es zerfällt in ein +Reich, worin das _Selbstbewußtsein wirklich_ sowohl es als sein +Gegenstand ist, und in ein anderes, das Reich des _reinen_ +Bewußtseins, welches jenseits des ersten nicht wirkliche Gegenwart +hat, sondern im _Glauben_ ist. Wie nun die sittliche Welt aus der +Trennung des göttlichen und menschlichen Gesetzes und ihrer Gestalten, +und ihr Bewußtsein aus der Trennung in das Wissen und in die +Bewußtlosigkeit zurück in sein Schicksal, in das _Selbst_ als die +_negative Macht_ dieses Gegensatzes geht, so werden auch diese beiden +Reiche des sich entfremdeten Geistes in das _Selbst_ zurückkehren; +aber wenn jenes das erste unmittelbar geltende _Selbst_, die einzelne +_Person_, war, so wird dies zweite, das aus seiner Entäußerung in +sich zurückkehrt, das _allgemeine Selbst_, das den _Begriff_ +erfassende Bewußtsein sein; und diese geistigen Welten, deren alle +Momente eine fixierte Wirklichkeit und ungeistiges Bestehen von sich +behaupten, werden sich in der _reinen Einsicht_ auflösen. Sie als +das sich selbst _erfassende_ Selbst vollendet die Bildung; sie faßt +nichts als das Selbst, und alles als das Selbst auf, d.h. sie +_begreift_ alles, tilgt alle Gegenständlichkeit, und verwandelt alles +_An-sich_-sein in ein _Für-sich_-sein. Gegen den Glauben als das +fremde jenseits liegende Reich des _Wesens_ gekehrt, ist sie die +_Aufklärung_. Diese vollendet auch an diesem Reiche, wohin sich der +entfremdete Geist, als in das Bewußtsein der sich selbst gleichen +Ruhe rettet, die Entfremdung; sie verwirrt ihm die Haushaltung, die +er hier führt, dadurch, daß sie die Gerätschaften der diesseitigen +Welt hineinbringt, die er als sein Eigentum nicht verleugnen kann, +weil sein Bewußtsein ihr gleichfalls angehört.--In diesem negativen +Geschäfte realisiert zugleich die reine Einsicht sich selbst, und +bringt ihren eignen Gegenstand, das unerkennbare _absolute Wesen_, +und das _Nützliche_ hervor. Indem auf diese Weise die Wirklichkeit +alle Substantialität verloren und nichts mehr _an sich_ in ihr ist, +so ist wie das Reich des Glaubens so auch der realen Welt gestürzt, +und diese Revolution bringt die _absolute Freiheit_ hervor, womit der +vorher entfremdete Geist vollkommen in sich zurückgegangen ist, dies +Land der Bildung verläßt, und in ein anderes Land, in das Land des +_moralischen Bewußtseins_ übergeht. + + + +I. Die Welt des sich entfremdeten Geistes + +Die Welt dieses Geistes zerfällt in die gedoppelte; die erste ist die +Weit der Wirklichkeit oder seiner Entfremdung selbst; die andre aber +die, welche er, über die erste sich erhebend, im Äther des reinen +Bewußtseins sich erbaut. Diese, jener Entfremdung _entgegengesetzt_, +ist eben darum nicht frei davon, sondern vielmehr nur die andre Form +der Entfremdung, welche eben darin besteht, in zweierlei Welten das +Bewußtsein zu haben, und beide umfaßt. Es ist also nicht das +Selbstbewußtsein des absoluten Wesens, wie es _an_ und _für sich_ ist, +nicht die Religion, welche hier betrachtet wird, sondern der +_Glauben_, insofern er die _Flucht_ aus der wirklichen Welt und also +nicht _an_ und _für sich_ ist. Diese Flucht aus dem Reiche der +Gegenwart ist daher an ihr selbst unmittelbar die gedoppelte. Das +reine Bewußtsein ist das Element, in welches der Geist sich erhebt; +aber es ist nicht nur das Element des _Glaubens_, sondern ebenso des +_Begriffs_; beide treten daher zugleich miteinander ein, und jener +kömmt nur in Betracht im Gegensatze gegen diesen. + + +a. Die Bildungund ihr Reich der Wirklichkeit + +Der Geist dieser Welt ist das von einem _Selbst_bewußtsein +durchdrungne geistige _Wesen_, das sich als _dieses für sich seiende_ +unmittelbar gegenwärtig, und das _Wesen_ als eine Wirklichkeit sich +gegenüber weiß. Aber das Dasein dieser Welt sowie die Wirklichkeit +des Selbstbewußtseins beruht auf der Bewegung, daß dieses seiner +Persönlichkeit sich entäußert, hiedurch seine Welt hervorbringt, und +sich gegen sie als eine Fremde so verhält, daß es sich ihrer nunmehr +zu bemächtigen hat. Aber die Entsagung seines Für-sich-seins ist +selbst die Erzeugung der Wirklichkeit, und durch sie bemächtigt es +sich also unmittelbar derselben.--Oder das Selbstbewußtsein ist nur +_Etwas_, es hat nur _Realität_, insofern es sich selbst entfremdet; +hiedurch setzt es sich als allgemeines, und diese seine Allgemeinheit +ist sein Gelten und Wirklichkeit. Diese _Gleichheit_ mit allen ist +daher nicht jene Gleichheit des Rechts, nicht jenes unmittelbare +Anerkanntsein und Gelten des Selbstbewußtseins, darum weil es _ist_; +sondern daß es gelte, ist durch die entfremdende Vermittlung, sich +dem Allgemeinen gemäß gemacht zu haben. Die geistlose Allgemeinheit +des Rechts nimmt jede natürliche Weise des Charakters wie des Daseins +in sich auf und berechtigt sie. Die Allgemeinheit aber, welche hier +gilt, ist die _gewordne_, und darum ist sie _wirklich_. + +Wodurch also das Individuum hier Gelten und Wirklichkeit hat, ist die +_Bildung_. Seine wahre _ursprüngliche Natur_ und Substanz ist der +Geist der _Entfremdung_ des _natürlichen_ Seins. Diese Entäußerung +ist daher ebenso _Zweck_ als _Dasein_ desselben; sie ist zugleich das +_Mittel_ oder der _Übergang_ sowohl der _gedachten Substanz_ in die +_Wirklichkeit_, als umgekehrt der _bestimmten Individualität_ in die +_Wesentlichkeit_. Diese Individualität _bildet_ sich zu dem, was sie +_an sich_ ist, und erst dadurch _ist_ sie _an sich_, und hat +wirkliches Dasein; soviel sie Bildung hat, soviel Wirklichkeit und +Macht. Obwohl das Selbst als _dieses_ sich hier wirklich weiß, so +besteht doch seine Wirklichkeit allein in dem Aufheben des +natürlichen Selbsts; die ursprünglich _bestimmte_ Natur reduziert +sich daher auf den _unwesentlichen_ Unterschied der Größe, auf eine +größere oder geringere Energie des Willens. Zweck und Inhalt aber +desselben gehört allein der allgemeinen Substanz selbst an, und kann +nur ein Allgemeines sein; die Besonderheit einer Natur, die Zweck und +Inhalt wird, ist etwas _Unmächtiges_ und _Unwirkliches_; sie ist eine +_Art_, die sich vergeblich und lächerlich abmüht, sich ins Werk zu +setzen; sie ist der Widerspruch, dem Besondern die Wirklichkeit zu +geben, die unmittelbar das Allgemeine ist. Wenn daher +fälschlicherweise die Individualität in die _Besonderheit_ der Natur +und des Charakters gesetzt wird, so finden sich in der realen Welt +keine Individualitäten und Charaktere, sondern die Individuen haben +ein gleiches Dasein füreinander; jene vermeintliche Individualität +ist eben nur das _gemeinte_ Dasein, welches in dieser Welt, worin nur +das sich selbst Entäußernde und darum nur das Allgemeine Wirklichkeit +erhält, kein Bleiben hat.--Das _Gemeinte_ gilt darum für das, was es +ist, für eine Art. Art ist nicht ganz dasselbe, was _Espèce,_ "von +allen Spitznamen der fürchterlichste, denn er bezeichnet die +Mittelmäßigkeit, und drückt die höchste Stufe der Verachtung aus." +_Art_ und in _seiner Art gut_ sein ist aber ein deutscher Ausdruck, +welcher dieser Bedeutung die ehrliche Miene hinzufügt, als ob es +nicht so schlimm gemeint sei, oder auch in der Tat das Bewußtsein, +was Art, und was Bildung und Wirklichkeit ist, noch nicht in sich +schließt. + +Was in Beziehung auf das einzelne _Individuum_ als seine Bildung +erscheint, ist das wesentliche Moment der _Substanz_ selbst, nämlich +das unmittelbare Übergehen ihrer gedachten Allgemeinheit in die +Wirklichkeit, oder die einfache Seele derselben, wodurch das _An-sich +Anerkanntes_ und _Dasein_ ist. Die Bewegung der sich bildenden +Individualität ist daher unmittelbar das Werden derselben als des +allgemeinen gegenständlichen Wesens, d.h. das Werden der wirklichen +Welt. Diese, obwohl geworden durch die Individualität, ist für das +Selbstbewußtsein ein unmittelbar entfremdetes, und hat für es die +Form unverrückter Wirklichkeit. Aber gewiß zugleich, daß sie seine +Substanz ist, geht es, sich derselben zu bemächtigen; es erlangt +diese Macht über sie durch die Bildung, welche von dieser Seite so +erscheint, daß es sich der Wirklichkeit gemäß macht, und soviel, als +die Energie des ursprünglichen Charakters und Talents ihm zuläßt. +Was hier als die Gewalt des Individuums erscheint, unter welche die +Substanz komme und hiemit aufgehoben werde, ist dasselbe, was die +Verwirklichung der letztern ist. Denn die Macht des Individuums +besteht darin, daß es sich ihr gemäß macht, d.h. daß es sich seines +Selbsts entäußert, also sich als die gegenständliche seiende Substanz +setzt. Seine Bildung und seine eigne Wirklichkeit ist daher die +Verwirklichung der Substanz selbst. + +Das Selbst ist sich nur als _aufgehobnes_ wirklich. Es macht daher +für es nicht die Einheit des _Bewußtseins_ seiner selbst und des +Gegenstandes aus; sondern dieser ist ihm das Negative seiner.--Durch +das Selbst als die Seele wird die Substanz also so in ihren Momenten +ausgebildet, daß das Entgegengesetzte das Andre begeistet, jedes +durch seine Entfremdung dem Andern Bestehen gibt, und es ebenso von +ihm erhält. Zugleich hat jedes Moment seine Bestimmtheit als ein +unüberwindliches Gelten und eine feste Wirklichkeit gegen das Andre. +Das Denken fixiert diesen Unterschied auf die allgemeinste Weise +durch die absolute Entgegensetzung von _Gut_ und _Schlecht_, die, +sich fliehend, auf keine Weise dasselbe werden können. Aber dieses +feste Sein hat zu seiner Seele den unmittelbaren Übergang in das +Entgegengesetzte; das Dasein ist vielmehr die Verkehrung jeder +Bestimmtheit in ihre entgegengesetzte, und nur diese Entfremdung ist +das Wesen und Erhaltung des Ganzen. Diese verwirklichende Bewegung +und Begeistung der Momente ist nun zu betrachten; die Entfremdung +wird sich selbst entfremden, und das Ganze durch sie in seinen +Begriff sich zurücknehmen. + +Zuerst ist die einfache Substanz selbst in der unmittelbaren +Organisation ihrer daseienden noch unbegeisteten Momente zu +betrachten.--Wie die Natur sich in die allgemeinen Elemente auslegt, +worunter die _Luft_ das _bleibende_ rein allgemeine durchsichtige +Wesen ist,--das Wasser aber das Wesen, das immer _aufgeopfert_ wird, +--das _Feuer_ ihre _beseelende_ Einheit, welche ihren Gegensatz +ebenso immer auflöst, als ihre Einfachheit in ihn entzweit,--die +_Erde_ endlich der _feste Knoten_ dieser Gegliederung und das +_Subjekt_ dieser Wesen wie ihres Prozesses, ihr Ausgehen und ihre +Rückkehr ist,--so legt sich in ebensolche allgemeine, aber geistige +Massen das innere _Wesen_ oder der einfache Geist der selbstbewußten +Wirklichkeit als eine Welt aus,--in die _erste_ Masse, das _an sich +Allgemeine_, sich _selbst gleiche_ geistige Wesen;--in die andere, +das _für sich seiende_ in sich _ungleich_ gewordene, sich +_aufopfernde_ und _hingebende_ Wesen, und in das _dritte_, welches +als Selbstbewußtsein Subjekt ist, und die Kraft des Feuers +unmittelbar an ihm selbst hat;--im ersten Wesen ist es seiner als des +_An-sich-seins_ bewußt; in dem zweiten aber hat es das Werden des +_Für-sich-seins_ durch die Aufopferung des Allgemeinen. Der Geist +aber selbst ist das _An_- und _Für-sich-sein_ des Ganzen, das sich in +die Substanz als bleibende und in sie als sich aufopfernde _entzweit_, +und ebenso sie auch wieder in seine Einheit _zurücknimmt_, sowohl +als die ausbrechende sie verzehrende Flamme wie als die bleibende +Gestalt derselben.--Wir sehen, daß diese Wesen dem Gemeinwesen und +der Familie der sittlichen Welt entsprechen, ohne aber den heimischen +Geist zu besitzen, den diese haben; dagegen, wenn diesem das +Schicksal fremde ist, so ist und weiß sich hier das Selbstbewußtsein +als die wirkliche Macht derselben. + +Diese Glieder sind sowohl wie sie zunächst innerhalb des reinen +Bewußtseins als _Gedanken_ oder _an sich_ seiende, als auch wie sie +im wirklichen Bewußtsein als _gegenständliche_ Wesen vorgestellt +werden, zu betrachten.--In jener Form der Einfachheit ist das erste, +als _das sich selbst gleiche_, unmittelbare und unwandelbare _Wesen_ +aller Bewußtsein, das _Gute_--die unabhängige geistige Macht des +_An-sich_, bei der die Bewegung des fürsichseienden Bewußtseins nur +beiherspielt. Das andere dagegen ist das _passive_ geistige Wesen +oder das Allgemeine, insofern es sich preisgibt und die Individuen +das Bewußtsein ihrer Einzelnheit sich an ihm nehmen läßt; es ist das +nichtige Wesen, das _Schlechte_.--Dieses absolute Aufgelöstwerden des +Wesens ist selbst bleibend; wie das erste Wesen, Grundlage, +Ausgangspunkt und Resultat der Individuen und diese rein allgemein +darin sind, so ist das zweite dagegen einerseits das sich aufopfernde +_Sein für Anderes_, andererseits eben darum deren beständige Rückkehr +zu sich selbst als das _Einzelne_ und ihr bleibendes +_Für-sich-werden_. + +Aber diese einfachen _Gedanken_ des Guten und Schlechten sind ebenso +unmittelbar sich entfremdet; sie sind _wirklich_ und im wirklichen +Bewußtsein als _gegenständliche_ Momente. So ist das erste Wesen die +_Staatsmacht_, das andere der _Reichtum_.--Die Staatsmacht ist wie +die einfache _Substanz_ so das allgemeine _Werk_;--die absolute +_Sache selbst_, worin den Individuen ihr _Wesen_ ausgesprochen und +ihre Einzelnheit schlechthin nur Bewußtsein ihrer _Allgemeinheit_ ist; +--sie ist ebenso das Werk und einfache _Resultat_, aus welchem dies, +daß es aus ihrem _Tun_ herkömmt, verschwindet; es bleibt die absolute +Grundlage und Bestehen alles ihres Tuns.--Diese _einfache_ ätherische +Substanz ihres Lebens ist durch diese Bestimmung ihrer unwandelbaren +Sichselbstgleichheit _Sein_, und damit nur _Sein für anderes_. Sie +ist also an sich unmittelbar das Entgegengesetzte ihrer selbst, +_Reichtum_. Ob er zwar das Passive oder Nichtige ist, ist er +ebenfalls allgemeines geistiges Wesen, ebenso das beständig _werdende +Resultat_ der _Arbeit_ und des _Tuns Aller_, wie es sich wieder in +den _Genuß_ Aller auflöst. In dem Genusse wird die Individualität +zwar _für sich_ oder als _einzelne_, aber dieser Genuß selbst ist +Resultat des allgemeinen Tuns; so wie er gegenseitig die allgemeine +Arbeit und den Genuß aller hervorbringt. Das _Wirkliche_ hat +schlechthin die geistige Bedeutung, unmittelbar allgemein zu sein. +Es meint wohl in diesem Momente jeder Einzelne _eigennützig_ zu +handeln; denn es ist das Moment, worin er sich das Bewußtsein gibt, +für sich zu sein, und er nimmt es deswegen nicht für etwas Geistiges; +allein auch nur äußerlich angesehen, zeigt es sich, daß in seinem +Genusse jeder allen zu genießen gibt, in seiner Arbeit ebenso für +alle arbeitet als für sich, und alle für ihn. Sein _Für-sich_-sein +ist daher an sich _allgemein_ und der Eigennutz etwas nur Gemeintes, +das nicht dazu kommen kann, dasjenige wirklich zu machen, was es +meint, nämlich etwas zu tun, das nicht allen zugut käme. + +In diesen beiden geistigen Mächten erkennt also das Selbstbewußtsein +seine Substanz, Inhalt und Zweck; es schaut sein Doppelwesen darin an, +in der einen sein _An-sich-sein_, in der andern sein _Für-sich-sein_. +--Es ist aber zugleich als der Geist, die negative _Einheit_ ihres +Bestehens und der Trennung der Individualität und des Allgemeinen, +oder der Wirklichkeit und des Selbsts. Herrschaft und Reichtum sind +daher für das Individuum als Gegenstände vorhanden, d.h. als solche, +von denen es sich _frei_ weiß und zwischen ihnen und selbst keines +von beiden wählen zu können meint. Es tritt als dieses freie und +_reine_ Bewußtsein dem Wesen als einem solchen gegenüber, das nur +_für es_ ist. Es hat alsdenn das Wesen als _Wesen_ in sich.--In +diesem reinen Bewußtsein sind ihm die Momente der Substanz nicht +Staatsmacht und Reichtum, sondern die Gedanken von _Gut_ und +_Schlecht_.--Das Selbstbewußtsein ist aber ferner die Beziehung +seines reinen Bewußtseins auf sein wirkliches, des Gedachten auf das +gegenständliche Wesen, es ist wesentlich das _Urteil_.--Es hat sich +zwar schon für die beiden Seiten des wirklichen Wesens durch ihre +unmittelbaren Bestimmungen ergeben, welche das Gute und welche das +Schlechte sei; jenes die Staatsmacht, dies der Reichtum. Allein dies +erste Urteil kann nicht als ein geistiges Urteil angesehen werden; +denn in ihm ist die eine Seite nur als das _Ansichseiende_ oder +Positive, die andre nur als das _Für-sich-_seiende und Negative +bestimmt worden. Aber sie sind, als geistige Wesen, jedes die +Durchdringung beider Momente, also in jenen Bestimmungen nicht +erschöpft; und das Selbstbewußtsein, das sich auf sie bezieht, ist +_an_ und _für sich_; es muß daher sich auf jedes auf die gedoppelte +Weise beziehen, wodurch sich ihre Natur, sich selbst entfremdete +Bestimmungen zu sein, herauskehren wird. + +Dem Selbstbewußtsein ist nun derjenige Gegenstand _gut_ und _an sich_, +worin es sich selbst, derjenige aber schlecht, worin es das +Gegenteil seiner findet; das _Gute_ ist die _Gleichheit_ der +gegenständlichen Realität mit ihm; das _Schlechte_ aber ihre +_Ungleichheit_. Zugleich was _für es_ gut und schlecht ist, ist _an +sich_ gut und schlecht, denn es ist eben dasjenige, worin diese +beiden Momente des _An-sich-_ und des _Für-es_-sein dasselbe sind; es +ist der wirkliche Geist der gegenständlichen Wesen, und das Urteil +der Erweis seiner Macht an ihnen, die sie zu dem _macht_, was sie _an +sich_ sind. Nicht dies, wie sie unmittelbar an sich selbst das +_Gleiche_ oder _Ungleiche_, d.h. das abstrakte An-sich- oder +Für-sich-sein sind, ist ihr Kriterium und ihre Wahrheit, sondern was +sie in der Beziehung des Geistes auf sie sind; ihre Gleichheit oder +Ungleichheit mit ihm. Seine _Beziehung_ auf sie, die zuerst als +_Gegenstände_ gesetzt, _durch ihn_ zum _An-sich_ werden, wird +zugleich ihre _Reflexion in sich selbst_, durch welche sie wirkliches +geistiges Sein erhalten, und was _ihr Geist_ ist, hervortritt. Aber +wie ihre erste _unmittelbare Bestimmung_ sich von der _Beziehung_ des +Geistes auf sie unterscheidet, so wird auch das dritte, der eigne +Geist derselben, sich von dem zweiten unterscheiden.--Das _zweite +An-sich_ derselben zunächst, das durch die Beziehung des Geistes auf +sie hervortritt, muß schon anders ausfallen als das _unmittelbare_; +denn diese _Vermittlung_ des Geistes bewegt vielmehr die +_unmittelbare_ Bestimmtheit, und macht sie zu etwas anderem. + +Hiernach findet nun das _an_ und _für sich_ seiende Bewußtsein in der +_Staatsmacht_ wohl sein _einfaches Wesen_ und _Bestehen_ überhaupt, +allein nicht seine _Individualität_ als solche, wohl sein _An-sich-_ +nicht sein _Für-sich-_sein, es findet darin vielmehr das Tun als +einzelnes Tun verleugnet und zum Gehorsam unterjocht. Das Individuum +reflektiert sich also vor dieser Macht in sich selbst; sie ist ihm +das unterdrückende Wesen und das _Schlechte_; denn statt das Gleiche +zu sein, ist sie das der Individualität schlechthin Ungleiche. +--Hingegen der _Reichtum_ ist das _Gute_; er geht auf allgemeinen +Genuß, gibt sich preis, und verschafft allen das Bewußtsein ihres +Selbsts. Er ist _an sich_ allgemeines Wohltun; wenn er irgendeine +Wohltat versagt, und nicht jedem Bedürfnisse gefällig ist, so ist +dies eine Zufälligkeit, welche seinem allgemeinen notwendigen Wesen, +sich allen Einzelnen mitzuteilen und tausendhändiger Geber zu sein, +keinen Eintrag tut. + +Diese beiden Urteile geben den Gedanken von Gut und Schlecht einen +Inhalt, welcher das Gegenteil von dem ist, den sie für uns hatten. +--Das Selbstbewußtsein hat sich aber nur erst unvollständig auf seine +Gegenstände bezogen, nämlich nur nach dem Maßstabe des +_Für-sich-seins_. Aber das Bewußtsein ist ebenso _ansich_seiendes +Wesen, und muß diese Seite gleichfalls zum Maßstabe machen, wodurch +sich erst das geistige Urteil vollendet. Nach dieser Seite spricht +ihm die _Staatsmacht_ sein _Wesen_ aus; sie ist teils ruhendes Gesetz, +teils Regierung und Befehl, welcher die einzelnen Bewegungen des +allgemeinen Tuns anordnet; das eine die einfache Substanz selbst, das +andere ihr sich selbst und alle belebendes und erhaltendes Tun. Das +Individuum findet also darin seinen Grund und Wesen ausgedrückt, +organisiert und betätigt.--Hingegen durch den Genuß des _Reichtums_ +erfährt es nicht sein allgemeines Wesen, sondern erhält nur das +_vergängliche_ Bewußtsein und den Genuß seiner selbst als einer +fürsichseienden _Einzelnheit_, und der _Ungleichheit_ mit seinem +Wesen.--Die Begriffe von Gut und Schlecht erhalten also hier den +entgegengesetzten Inhalt gegen den vorherigen. + +Diese beiden Weisen des Urteilens finden jede eine _Gleichheit_ und +eine _Ungleichheit_; das erste urteilende Bewußtsein findet die +Staatsmacht _ungleich_, den Genuß des Reichtums _gleich_ mit ihm; das +zweite hingegen die erstere gleich, und den letztern _ungleich_ mit +ihm. Es ist ein zweifaches _Gleichfinden_ und ein zweifaches +_Ungleichfinden_, eine entgegengesetzte Beziehung auf die beiden +realen Wesenheiten vorhanden.--Wir müssen dieses verschiedene +Urteilen selbst beurteilen, wozu wir den aufgestellten Maßstab +anzulegen haben. Die _gleichfindende_ Beziehung des Bewußtseins ist +hienach das _Gute_, die ungleichfindende das _Schlechte_; und diese +beiden Weisen der Beziehung sind nunmehr selbst als _verschiedene +Gestalten des Bewußtseins_ festzuhalten. Das Bewußtsein kommt +dadurch, daß es sich auf verschiedene Weise verhält, selbst unter die +Bestimmung der Verschiedenheit, gut oder schlecht zu sein, nicht +darnach, daß es entweder das _Für-sich-sein_ oder das reine +_An-sich-sein_ zum Prinzip hätte, denn beide sind gleich wesentliche +Momente; das gedoppelte Urteilen, das betrachtet wurde, stellte die +Prinzipien getrennt vor, und enthält daher nur _abstrakte_ Weisen des +_Urteilens_. Das wirkliche Bewußtsein hat beide Prinzipien an ihm, +und der Unterschied fällt allein in sein _Wesen_, nämlich in die +_Beziehung_ seiner selbst auf das Reale. + +Die Weise dieser Beziehung ist die entgegengesetzte, die eine ist +Verhalten zu Staatsmacht und Reichtum als zu einem _Gleichen_, das +andere als zu einem _Ungleichen_.--Das Bewußtsein der gleichfindenden +Beziehung ist das _edelmütige_. In der öffentlichen Macht betrachtet +es das mit ihm Gleiche, daß es in ihr sein _einfaches Wesen_ und +dessen Betätigung hat, und im Dienste des wirklichen Gehorsams wie +der innern Achtung gegen es steht. Ebenso in dem Reichtume, daß er +ihm das Bewußtsein seiner andern wesentlichen Seite, des +_Für-sich-seins_, verschafft; daher es ihn ebenfalls als _Wesen_ in +Beziehung auf sich betrachtet, und denjenigen, von welchem es genießt, +als Wohltäter anerkennt und sich zum Danke verpflichtet hält. + +Das Bewußtsein der andern Beziehung dagegen ist das _niederträchtige_, +das die _Ungleichheit_ mit den beiden Wesenheiten festhält; in der +Herrschergewalt also eine Fessel und Unterdrückung des +_Für-sich-seins_ sieht, und daher den Herrscher haßt, nur mit +Heimtücke gehorcht, und immer auf dem Sprunge zum Aufruhr steht,--im +Reichtum, durch den es zum Genusse seines Für-sich-seins gelangt, +ebenso nur die Ungleichheit, nämlich mit dem bleibenden _Wesen_ +betrachtet; indem es durch ihn nur zum Bewußtsein der Einzelnheit und +des vergänglichen Genusses kommt, ihn liebt, aber verachtet, und mit +dem Verschwinden des Genusses, des an sich verschwindenden, auch sein +Verhältnis zu dem Reichen für verschwunden ansieht. + +Diese Beziehungen drücken nun erst das _Urteil_ aus, die Bestimmung +dessen, was die beiden Wesen als _Gegenstände_ für das Bewußtsein +sind, noch nicht _an_ und _für sich_. Die Reflexion, die im Urteil +vorgestellt ist, ist teils erst _für uns_ ein Setzen der einen sowie +der andern Bestimmung und daher ein gleiches Aufheben beider, noch +nicht die Reflexion derselben für das Bewußtsein selbst. Teils +_sind_ sie erst unmittelbar _Wesen_, weder dies _geworden_ noch an +ihnen _Selbst_bewußtsein; dasjenige, für welches sie sind, ist noch +nicht ihre Belebung; sie sind Prädikate, die noch nicht selbst +Subjekt sind. Um dieser Trennung willen fällt auch das Ganze des +geistigen Urteilens noch an zwei Bewußtsein auseinander, deren jedes +unter einer einseitigen Bestimmung liegt.--Wie sich nun zuerst die +_Gleichgültigkeit_ der beiden Seiten der Entfremdung--der einen, des +_An-sich_ des reinen Bewußtseins, nämlich der bestimmten _Gedanken_ +von Gut und Schlecht; der andern, ihres _Daseins_ als Staatsmacht und +Reichtum--zur Beziehung beider, zum _Urteil_ erhob; so hat sich diese +äußere Beziehung zur innern Einheit, oder als Beziehung des Denkens +zur Wirklichkeit zu erheben, und der Geist der beiden Gestalten des +Urteils hervorzutreten. Dies geschieht, indem das _Urteil_ zum +_Schlusse_ wird, zur vermittelnden Bewegung, worin die Notwendigkeit +und Mitte der beiden Seiten des Urteils hervortritt. + +Das edelmütige Bewußtsein findet also im Urteil sich so der +Staatsmacht gegenüber, daß sie zwar noch nicht ein Selbst, sondern +erst die allgemeine Substanz, deren es aber als seines _Wesens_ als +des Zwecks und absoluten Inhalts sich bewußt ist. Sich so positiv +auf sie beziehend, verhält es sich negativ gegen seine eignen Zwecke, +seinen besondern Inhalt und Dasein, und läßt sie verschwinden. Es +ist der Heroismus des _Dienstes_,--die _Tugend_, welche das einzelne +Sein dem Allgemeinen aufopfert, und dies dadurch ins Dasein bringt, +--die _Person_, welche dem Besitze und Genusse von selbst entsagt, +und für die vorhandene Macht handelt und wirklich ist. + +Durch diese Bewegung wird das Allgemeine mit dem Dasein überhaupt +zusammengeschlossen, wie das daseiende Bewußtsein durch diese +Entäußerung sich zur Wesentlichkeit bildet. Wessen dieses im Dienste +sich entfremdet, ist sein in das Dasein versenktes Bewußtsein; das +sich entfremdete Sein ist aber das _An-sich_; es bekommt also durch +diese Bildung Achtung vor sich selbst und bei den Andern.--Die +Staatsmacht aber, die nur erst das _gedachte_ Allgemeine, das +_An-sich_ war, wird durch eben diese Bewegung zum _seienden_ +Allgemeinen, zur wirklichen Macht. Sie ist diese nur in dem +wirklichen Gehorsam, welchen sie durch das _Urteil_ des +Selbstbewußtseins, daß sie das _Wesen_ ist, und durch die freie +Aufopferung desselben erlangt. Dieses Tun, das das Wesen mit dem +Selbst zusammenschließt, bringt die _gedoppelte_ Wirklichkeit hervor, +sich als das, welches wahre Wirklichkeit hat, und die Staatsmacht als +das _Wahre_, welches gilt. + +Diese ist aber durch diese Entfremdung noch nicht ein sich als +Staatsmacht wissendes Selbstbewußtsein; es ist nur ihr _Gesetz_, oder +ihr _An-sich_, das gilt; sie hat noch keinen _besondern Willen_; denn +noch hat das dienende Selbstbewußtsein nicht sein reines Selbst +entäußert und die Staatsmacht damit begeistet, sondern erst mit +seinem Sein; ihr nur sein _Dasein_ aufgeopfert, nicht sein +_An-sich_-sein.--Dies Selbstbewußtsein gilt als ein solches, das dem +_Wesen_ gemäß ist, es ist anerkannt um seines _An-sich-seins_ willen. +Die andern finden in ihm ihr _Wesen_ betätigt, nicht aber ihr +Für-sich-sein,--ihr Denken oder reines Bewußtsein erfüllt, nicht ihre +Individualität. Es gilt daher in ihren _Gedanken_ und genießt der +_Ehre_. Es ist der _stolze_ Vasall, der für die Staatsmacht tätig +ist, insofern sie nicht eigner Willen, sondern _wesentlicher_ ist, +und der sich nur in dieser _Ehre_ gilt, nur in dem _wesentlichen_ +Vorstellen der allgemeinen Meinung, nicht in dem _dankbaren_ der +Individualität, denn dieser hat er nicht zu ihrem _Für-sich-sein_ +verholfen. Seine _Sprache_, wenn es sich zum eignen Willen der +Staatsmacht verhielte, der noch nicht geworden ist, wäre der _Rat_, +den er zum allgemeinen Besten erteilt. + +Die Staatsmacht ist daher noch willenlos gegen den Rat, und nicht +entscheidend zwischen den verschiedenen Meinungen über das allgemeine +Beste. Sie ist noch nicht _Regierung_, und somit noch nicht in +Wahrheit wirkliche Staatsmacht.--Das _Für-sich-sein_, der _Willen_, +der als Willen noch nicht aufgeopfert ist, ist der innre abgeschiedne +Geist der Stände, der seinem Sprechen vom _allgemeinen_ Besten +gegenüber sich sein _besondres_ Bestes vorbehält, und dies Geschwätze +vom allgemeinen Besten zu einem Surrogate für das Handeln zu machen +geneigt ist. Die Aufopferung des Daseins, die im Dienste geschieht, +ist zwar vollständig, wenn sie bis zum Tode fortgegangen ist; aber +die bestandne Gefahr des Todes selbst, der überlebt wird, läßt ein +bestimmtes Dasein, und damit ein _besonderes Für-sich_ übrig, welches +den Rat fürs allgemeine Beste zweideutig und verdächtig macht, und +sich in der Tat die eigne Meinung und den besondern Willen gegen die +Staatsgewalt vorbehält. Es verhält sich daher noch ungleich gegen +dieselbe, und fällt unter die Bestimmung des niederträchtigen +Bewußtseins, immer auf dem Sprunge zur Empörung zu stehen. + +Dieser Widerspruch, den es aufzuheben hat, enthält in dieser Form, in +der Ungleichheit des _Für-sich-seins_ gegen die Allgemeinheit der +Staatsmacht zu stehen, zugleich die Form, daß jene Entäußerung des +Daseins, indem sie sich, im Tode nämlich, vollendet, selbst eine +seiende, nicht eine ins Bewußtsein zurückkehrende ist,--daß dieses +sie nicht überlebt, und _an_ und _für sich_ ist, sondern nur ins +unversöhnte Gegenteil übergeht. Die wahre Aufopferung des +_Für-sich-seins_ ist daher allein die, worin es sich so vollkommen +als im Tode hingibt, aber in dieser Entäußerung sich ebensosehr +erhält; es wird dadurch als das wirklich, was es an sich ist, als die +identische Einheit seiner selbst und seiner als des Entgegengesetzten. +Dadurch, daß der abgeschiedne innre Geist, das Selbst als solches, +hervortritt und sich entfremdet, wird zugleich die Staatsmacht zu +eignem Selbst erhoben; so wie ohne diese Entfremdung die Handlungen +der Ehre, des edeln Bewußtseins und die Ratschläge seiner Einsicht +das Zweideutige bleiben würden, das noch jenen abgeschiednen +Hinterhalt der besondern Absicht und des Eigenwillens hätte. + +Diese Entfremdung aber geschieht allein in der _Sprache_, welche hier +in ihrer eigentümlichen Bedeutung auftritt.--In der Welt der +Sittlichkeit _Gesetz_ und _Befehl_, in der Welt der Wirklichkeit erst +_Rat_, hat sie das _Wesen_ zum Inhalte, und ist dessen Form; hier +aber erhält sie die Form, welche sie ist, selbst zum Inhalte, und +gilt als _Sprache_; es ist die Kraft des Sprechens als eines solchen, +welche das ausführt, was auszuführen ist. Denn sie ist das _Dasein_ +des reinen Selbsts als Selbsts; in ihr tritt die _für sich seiende +Einzelnheit_ des Selbstbewußtseins als solche in die Existenz, so daß +sie _für Andre_ ist. _Ich_ als dieses _reine_ Ich ist sonst nicht +_da_; in jeder andern Äußerung ist es in eine Wirklichkeit versenkt, +und in einer Gestalt, aus welcher es sich zurückziehen kann; es ist +aus seiner Handlung, wie aus seinem physiognomischen Ausdrucke in +sich reflektiert, und läßt solches unvollständiges Dasein, worin +immer ebensosehr zu viel als zu wenig ist, entseelt liegen. Die +Sprache aber enthält es in seiner Reinheit, sie allein spricht _Ich_ +aus, es selbst. Dies sein _Dasein_ ist als _Dasein_ eine +Gegenständlichkeit, welche seine wahre Natur an ihr hat. _Ich_ ist +_dieses_ Ich--aber ebenso _allgemeines_; sein Erscheinen ist ebenso +unmittelbar die Entäußerung und das Verschwinden _dieses_ Ichs, und +dadurch sein Bleiben in seiner Allgemeinheit. _Ich_, das sich +ausspricht, ist _vernommen_; es ist eine Ansteckung, worin es +unmittelbar in die Einheit mit denen, für welche es da ist, +übergegangen und allgemeines Selbstbewußtsein ist.--Daß es +_vernommen_ wird, darin ist sein _Dasein_ selbst unmittelbar +_verhallt_; dies sein Anderssein ist in sich zurückgenommen; und +ebendies ist sein Dasein, als selbstbewußtes _Jetzt_, wie es da ist, +nicht da zu sein, und durch dies Verschwinden da zu sein. Dies +Verschwinden ist also selbst unmittelbar sein Bleiben; es ist sein +eignes Wissen von Sich, und sein Wissen von sich als einem, das in +anderes Selbst übergegangen, das vernommen worden und allgemeines ist. + +Der Geist erhält hier diese Wirklichkeit, weil die Extreme, deren +_Einheit_ er ist, ebenso unmittelbar die Bestimmung haben, für sich +eigne Wirklichkeiten zu sein. Ihre Einheit ist zersetzt in spröde +Seiten, deren jede für die andre wirklicher von ihr ausgeschlossener +Gegenstand ist. Die Einheit tritt daher als eine _Mitte_ hervor, +welche von der abgeschiedenen Wirklichkeit der Seiten ausgeschlossen +und unterschieden wird; sie hat daher selbst eine wirkliche von ihren +Seiten unterschiedne Gegenständlichkeit, und ist _für sie_, d.h. sie +ist Daseiendes. Die _geistige Substanz_ tritt als solche in die +Existenz, erst indem sie zu ihren Seiten solche Selbstbewußtsein +gewonnen hat, welche dieses reine Selbst als _unmittelbar geltende_ +Wirklichkeit wissen, und darin ebenso unmittelbar wissen, dies nur +durch die entfremdende _Vermittlung_ zu sein. Durch jenes sind die +Momente zu der sich selbst wissenden Kategorie und damit bis dahin +geläutert, daß sie Momente des Geistes sind; durch dieses tritt er +als Geistigkeit in das Dasein.--Er ist so die Mitte, welche jene +Extreme voraussetzt, und durch ihr Dasein erzeugt wird,--aber ebenso +das zwischen ihnen hervorbrechende geistige Ganze, das sich in sie +entzweit und jedes erst durch diese Berührung zum Ganzen in seinem +Prinzipe erzeugt.--Daß die beiden Extreme schon _an sich_ aufgehoben +und zersetzt sind, bringt ihre Einheit hervor, und diese ist die +Bewegung, welche beide zusammenschließt, ihre Bestimmungen austauscht, +und sie, und zwar _in jedem Extreme_, zusammenschließt. Diese +Vermittlung setzt hiemit den _Begriff_ eines jeden der beiden Extreme +in seine Wirklichkeit, oder sie macht das, was jedes _an sich_ ist, +zu seinem _Geiste_. + +Die beiden Extreme, die Staatsmacht und das edelmütige Bewußtsein, +sind durch dieses zersetzt, jene in das abstrakte Allgemeine, dem +gehorcht wird, und in den fürsichseienden Willen, welcher ihm aber +noch nicht selbst zukommt; dieses in den Gehorsam des aufgehobnen +Daseins oder in das _An-sich-sein_ der Selbstachtung und der Ehre, +und in das noch nicht aufgehobene reine Für-sich-sein, den im +Hinterhalte noch bleibenden Willen. Die beiden Momente, zu welchen +beide Seiten gereinigt, und die daher Momente der Sprache sind, sind +das _abstrakte Allgemeine_, welches das allgemeine Beste heißt, und +das _reine Selbst_, das im Dienste seinem ins vielfache Dasein +versenkten Bewußtsein absagte. Beide sind im Begriffe dasselbe, denn +reines Selbst ist eben das abstrakt Allgemeine, und daher ist ihre +Einheit als ihre Mitte gesetzt. Aber das _Selbst_ ist nur erst am +Extreme des Bewußtseins wirklich--_das An-sich_ aber erst am Extreme +der Staatsmacht; dem Bewußtsein fehlt dies, daß die Staatsmacht nicht +nur als _Ehre_, sondern wirklich an es übergegangen wäre,--der +Staatsmacht, daß ihr nicht nur als dem sogenannten _allgemeinen +Besten_ gehorcht würde, sondern als Willen, oder daß sie das +entscheidende Selbst ist. Die Einheit des Begriffes, in welchem die +Staatsmacht noch steht, und zu dem das Bewußtsein sich geläutert hat, +wird in dieser _vermittelnden Bewegung_ wirklich, deren einfaches +Dasein, als _Mitte_, die Sprache ist.--Sie hat jedoch zu ihren Seiten +noch nicht zwei als _Selbst_ vorhandene Selbst; denn die Staatsmacht +wird erst zum Selbst begeistet; diese Sprache ist daher noch nicht +der Geist, wie er sich vollkommen weiß und ausspricht. + +Das edelmütige Bewußtsein, weil es das Extrem des Selbsts ist, +erscheint als dasjenige, von dem die _Sprache_ ausgeht, durch welche +sich die Seiten des Verhältnisses zu beseelten Ganzen gestalten.--Der +Heroismus des stummen Dienstes wird zum _Heroismus_ der +_Schmeichelei_. Diese sprechende Reflexion des Dienstes macht die +geistige sich zersetzende Mitte aus, und reflektiert nicht nur ihr +eigenes Extrem in sich selbst, sondern auch das Extrem der +allgemeinen Gewalt in dieses selbst zurück, und macht sie, die erst +_an sich_ ist, _zum Für-sich-sein_ und zur Einzelnheit des +Selbstbewußtseins. Es wird hiedurch der Geist dieser Macht, ein +_unumschränkter Monarch_ zu sein;--_unumschränkt_: die Sprache der +Schmeichelei erhebt die Macht in ihre geläuterte _Allgemeinheit_; das +Moment als Erzeugnis der Sprache, des zum Geiste geläuterten Daseins, +ist eine Vereinigte Sichselbstgleichheit,--_Monarch_: sie erhebt +ebenso die _Einzelnheit_ auf ihre Spitze; dasjenige, dessen das +edelmütige Bewußtsein sich nach dieser Seite der einfachen geistigen +Einheit entäußert, ist das reine _An-sich seines Denkens_, sein Ich +selbst. Bestimmter erhebt sie die Einzelnheit, die sonst nur ein +_Gemeintes_ ist, dadurch in ihre daseiende Reinheit, daß sie dem +Monarchen den eignen _Namen_ gibt; denn es ist allein der Name, worin +der _Unterschied_ des Einzelnen von allen andern nicht _gemeint_ ist, +sondern von allen wirklich gemacht wird; in dem Namen _gilt_ der +Einzelne als rein Einzelner nicht mehr nur in seinem Bewußtsein, +sondern im Bewußtsein Aller. Durch ihn also wird der Monarch +schlechthin von Allen abgesondert, ausgenommen und einsam; in ihm ist +er das Atom, das von seinem Wesen nichts mitteilen kann und nicht +seinesgleichen hat.--Dieser Name ist hiemit die Reflexion in sich +oder die _Wirklichkeit_, welche die allgemeine Macht _an ihr selbst_ +hat; durch ihn ist sie der _Monarch_. Er, _dieser Einzelne_, weiß +umgekehrt dadurch _sich diesen Einzelnen_ als die allgemeine Macht, +daß die Edeln nicht nur als zum Dienst der Staatsmacht bereit, +sondern als _Zieraten_ sich um den Thron stellen, und daß sie dem, +der darauf sitzt, es immer _sagen_, was er _ist_. + +Die Sprache ihres Preises ist auf diese Weise der Geist, der in der +_Staatsmacht selbst_ die beiden Extreme zusammenschließt; sie +reflektiert die abstrakte Macht in sich und gibt ihr das Moment des +andern Extrems, das wollende und entscheidende _Für-sich-sein_, und +hiedurch selbstbewußte Existenz; oder dadurch kommt dies _einzelne +wirkliche_ Selbstbewußtsein dazu, sich als die Macht _gewiß zu +wissen_. Sie ist der Punkt des Selbsts, in den durch die Entäußerung +der _innern Gewißheit_ die vielen Punkte zusammengeflossen sind. +--Indem aber dieser eigne Geist der Staatsmacht darin besteht, seine +Wirklichkeit und Nahrung an dem Opfer des Tuns und des Denkens des +edelmütigen Bewußtseins zu haben, ist sie die sich _entfremdete +Selbstständigkeit_; das edelmütige Bewußtsein, das Extrem des +_Für-sich-seins_ erhält das Extrem der _wirklichen Allgemeinheit_ für +die Allgemeinheit des Denkens, der es sich entäußerte, zurück; die +Macht des Staats ist auf es _übergegangen_. An ihm wird die +Staatsgewalt erst wahrhaft betätigt; in seinem _Für-sich-sein_ hört +sie auf, das _träge Wesen_, wie sie als Extrem des abstrakten +An-sich-seins erschien, zu sein.--_An sich_ betrachtet heißt die _in +sich reflektierte Staatsmacht_, oder dies, daß sie Geist geworden, +nichts anderes, als daß sie _Moment_ des _Selbstbewußtseins_ geworden, +d.h. nur als _aufgebobne_ ist. Hiemit ist sie nun das Wesen als ein +solches, dessen Geist es ist, aufgeopfert und preisgegeben zu sein, +oder sie existiert als _Reichtum_.--Sie bleibt zwar dem Reichtume, zu +welchem sie dem Begriffe nach immer wird, gegenüber zugleich als eine +Wirklichkeit bestehen; aber eine solche, deren Begriff eben diese +Bewegung ist, durch den Dienst und die Verehrung, wodurch sie wird, +in ihr Gegenteil, in die Entäußerung der Macht, überzugehen. Für +sich wird also das eigentümliche _Selbst_, das ihr Willen ist, durch +die Wegwerfung des edelmütigen Bewußtseins, zur sich entäußernden +Allgemeinheit, zu einer vollkommnen Einzelnheit und Zufälligkeit, die +jedem mächtigern Willen preisgegeben ist; was ihm an _allgemein_ +anerkannter und nicht mittelbarer Selbstständigkeit bleibt, ist der +leere Namen. + +Wenn also das edelmütige Bewußtsein sich als dasjenige bestimmte, +welches sich auf die allgemeine Macht auf eine _gleiche_ Weise bezöge, +so ist die Wahrheit desselben vielmehr, in seinem Dienste sein +eignes Für-sich-sein sich zu behalten, in der eigentlichen Entsagung +seiner Persönlichkeit aber das wirkliche Aufheben und Zerreißen der +allgemeinen Substanz zu sein. Sein Geist ist das Verhältnis der +völligen Ungleichheit, einerseits in seiner Ehre seinen Willen zu +behalten; andererseits in dem Aufgeben desselben teils seines Innern +sich zu entfremden, und zur höchsten Ungleichheit mit sich selbst zu +werden, teils die allgemeine Substanz darin sich zu unterwerfen und +diese sich selbst völlig ungleich zu machen.--Es erhellt, daß damit +seine Bestimmtheit, die es im _Urteile_ gegen das hatte, welches +niederträchtiges Bewußtsein hieß, und hiedurch auch dieses +verschwunden ist. Das letztere hat seinen Zweck erreicht, nämlich +die allgemeine Macht unter das Für-sich-sein zu bringen. + +So durch die allgemeine Macht bereichert, existiert das +Selbstbewußtsein als die _allgemeine Wohltat_, oder sie ist der +_Reichtum_, der selbst wieder Gegenstand für das Bewußtsein ist. +Denn er ist diesem das zwar unterworfne Allgemeine, das aber durch +dies erste Aufheben noch nicht absolut in das Selbst zurückgegangen +ist.--Das _Selbst_ hat noch nicht _sich als Selbst_, sondern das +_aufgehobne allgemeine Wesen_ zum Gegenstande. Indem dieser erst +geworden, ist die _unmittelbare_ Beziehung des Bewußtseins auf ihn +gesetzt, das also noch nicht seine Ungleichheit mit ihm dargestellt +hat; es ist das edelmütige Bewußtsein, welches an dem unwesentlich +gewordenen Allgemeinen sein Für-sich-sein erhält, daher ihn anerkennt +und gegen den Wohltäter dankbar ist. + +Der Reichtum hat an ihm selbst schon das Moment des Für-sich-seins. +Er ist nicht das selbstlose Allgemeine der Staatsmacht, oder die +unbefangene unorganische Natur des Geistes, sondern sie, wie sie +durch den Willen an ihr selbst festhält gegen den, der sich ihrer zum +Genuß bemächtigen will. Aber indem der Reichtum nur die Form des +Wesens hat, ist dies einseitige Für-sich-sein, das nicht _an sich_, +sondern vielmehr das aufgehobne An-sich ist, die in seinem Genusse +wesenlose Rückkehr des Individuums in sich selbst. Er bedarf also +selbst der Belebung; und die Bewegung seiner Reflexion besteht darin, +daß er, der nur für sich ist, zum _An_- und _Für-sich-sein_, daß er, +der das aufgehobene Wesen ist, zum Wesen werde; so erhält er seinen +eigenen Geist an ihm selbst.--Da vorhin die Form dieser Bewegung +auseinandergesetzt worden, so ist es hinreichend, hier den Inhalt +derselben zu bestimmen. + +Das edelmütige Bewußtsein bezieht sich also hier nicht auf den +Gegenstand als Wesen überhaupt, sondern es ist das _Für-sich-sein_ +selbst, das ihm ein Fremdes ist; es _findet_ sein Selbst als solches +entfremdet _vor_, als eine gegenständliche feste Wirklichkeit, die es +von einem andern festen Für-sich-sein zu empfangen hat. Sein +Gegenstand ist das Für-sich-sein; also das _Seinige_; aber dadurch, +daß es Gegenstand ist, ist es zugleich unmittelbar eine fremde +Wirklichkeit, welche eigenes Für-sich-sein, eigner Willen ist, das +heißt, es sieht sein Selbst in der Gewalt eines fremden Willens, von +dem es abhängt, ob er ihm dasselbe ablassen will. + +Von jeder einzelnen Seite kann das Selbstbewußtsein abstrahieren, und +behält darum in einer Verbindlichkeit, die eine solche betrifft, sein +Anerkanntsein und _An-sich-gelten_ als für sich seienden Wesens. +Hier aber sieht es sich von der Seite seiner reinen eigensten +_Wirklichkeit_, oder seines Ichs außer sich und einem Andern +angehörig, sieht seine _Persönlichkeit_ als solche abhängig von der +zufälligen Persönlichkeit eines Andern, von dem Zufall eines +Augenblicks, einer Willkür oder sonst des gleichgültigsten Umstandes. +--Im Rechtszustande erscheint, was in der Gewalt des gegenständlichen +Wesens ist, als ein _zufälliger Inhalt_, von dem abstrahiert werden +kann, und die Gewalt betrifft nicht das _Selbst_ als _solches_, +sondern dieses ist vielmehr anerkannt. Allein hier sieht es die +Gewißheit seiner als solche das wesenloseste, die reine +Persönlichkeit absolute Unpersönlichkeit zu sein. Der Geist seines +Dankes ist daher das Gefühl wie dieser tiefsten Verworfenheit so auch +der tiefsten Empörung. Indem das reine Ich selbst sich außer sich +und zerrissen anschaut, ist in dieser Zerrissenheit zugleich alles, +was Kontinuität und Allgemeinheit hat, was Gesetz, gut und recht +heißt, auseinander und zugrunde gegangen; alles gleiche ist aufgelöst, +denn die _reinste Ungleichheit_, die absolute Unwesentlichkeit des +absolut Wesentlichen, das Außer-sich-sein des Für-sich-seins ist +vorhanden; das reine Ich selbst ist absolut zersetzt. + +Wenn also von dem Reichtum dies Bewußtsein wohl die +Gegenständlichkeit des Für-sich-seins zurückerhält und sie aufhebt, +so ist es nicht nur seinem Begriffe nach, wie die vorhergehende +Reflexion nicht vollendet, sondern für es selbst unbefriedigt; die +Reflexion, da das Selbst sich als ein Gegenständliches empfängt, ist +der unmittelbare Widerspruch im reinen Ich selbst gesetzt. Als +Selbst steht es aber zugleich unmittelbar über diesem Widerspruche, +ist die absolute Elastizität, welche dies Aufgehobensein des Selbsts +wieder aufhebt, diese Verworfenheit, daß ihm sein Für-sich-sein als +ein Fremdes werde, verwirft, und gegen dies Empfangen seiner selbst +empört, im _Empfangen_ selbst _für sich_ ist. + +Indem also das Verhältnis dieses Bewußtseins mit dieser absoluten +Zerrissenheit verknüpft ist, fällt in seinem Geiste der Unterschied +desselben, als edelmütiges gegen das _niederträchtige_ bestimmt zu +sein, hinweg, und beide sind dasselbe.--Der Geist des wohltuenden +Reichtums kann ferner von dem Geiste des die Wohltat empfangenden +Bewußtseins unterschieden werden, und ist besonders zu betrachten. +--Er war das wesenlose Für-sich-sein, das preisgegebne Wesen. Durch +seine Mitteilung aber wird er zum _An-sich_; indem er seine +Bestimmung erfüllte, sich aufzuopfern, hebt er die Einzelnheit, für +sich nur zu genießen, auf, und als aufgehobne Einzelnheit ist er +_Allgemeinheit_ oder _Wesen_.--Was er mitteilt, was er andern gibt, +ist das _Für-sich-sein_. Er gibt sich aber nicht hin als eine +selbstlose Natur, als die unbefangen sich preisgebende Bedingung des +Lebens, sondern als selbstbewußtes, sich für sich haltendes Wesen: er +ist nicht die unorganische Macht des Elements, welche von dem +empfangenden Bewußtsein als an sich vergänglich gewußt wird, sondern +die Macht über das Selbst, die sich _unabhängig_ und _willkürlich_ +weiß, und die zugleich weiß, daß was sie ausspendet, das Selbst eines +Andern ist.--Der Reichtum teilt also mit dem Klienten die +Verworfenheit, aber an die Stelle der Empörung tritt der Übermut. +Denn er weiß nach der einen Seite, wie der Klient, das +_Für-sich-sein_ als ein zufälliges _Ding_; aber er selbst ist diese +Zufälligkeit, in deren Gewalt die Persönlichkeit steht. In diesem +Übermute, der durch eine Mahlzeit ein fremdes Ich-selbst erhalten, +und sich dadurch die Unterwerfung von dessen innerstem Wesen erworben +zu haben meint, übersieht er die innere Empörung des andern; er +übersieht die vollkommene Abwerfung aller Fessel, diese reine +Zerrissenheit, welcher, indem ihr die _Sichselbstgleichheit_ des +Für-sich-seins schlechthin ungleich geworden, alles Gleiche, alles +Bestehen zerrissen ist, und die daher die Meinung und Ansicht des +Wohltäters am meisten zerreißt. Er steht unmittelbar vor diesem +innersten Abgrunde, vor dieser bodenlosen Tiefe, worin aller Halt und +Substanz verschwunden ist; und er sieht in dieser Tiefe nichts als +ein gemeines Ding, ein Spiel seiner Laune, einen Zufall seiner +Willkür; sein Geist ist die ganz wesenlose Meinung, die geistverlaßne +Oberfläche zu sein. + +Wie das Selbstbewußtsein gegen die Staatsmacht seine Sprache hatte, +oder der Geist zwischen diesen Extremen als wirkliche Mitte +hervortrat, so hat es auch Sprache gegen den Reichtum, noch mehr aber +hat seine Empörung ihre Sprache. Jene, welche dem Reichtum das +Bewußtsein seiner Wesenheit gibt, und sich seiner dadurch bemächtigt, +ist gleichfalls die Sprache der Schmeichelei, aber der unedeln;--denn +was sie als Wesen ausspricht, weiß sie als das preisgegebne, das +nicht _an sich_ seiende Wesen. Die Sprache der Schmeichelei aber ist, +wie vorhin schon erinnert, der noch einseitige Geist. Denn seine +Momente sind zwar das durch die Bildung des Dienstes zur reinen +Existenz geläuterte _Selbst_, und das _An-sich-sein_ der Macht. +Allein der reine Begriff, in welchem das einfache _Selbst_ und das +_An-sich_, jenes reine Ich und dies reine Wesen oder Denken dasselbe +sind--diese Einheit beider Seiten, zwischen welchen die +Wechselwirkung stattfindet, ist nicht in dem Bewußtsein dieser +Sprache; der Gegenstand ist ihm noch das _An-sich_ im Gegensatze +gegen das Selbst, oder der _Gegenstand_ ist ihm nicht zugleich sein +eignes _Selbst_ als solches.--Die Sprache der Zerrissenheit aber ist +die vollkommne Sprache und der wahre existierende Geist dieser ganzen +Welt der Bildung. Dies Selbstbewußtsein, dem die seine Verworfenheit +verwerfende Empörung zukömmt, ist unmittelbar die absolute +Sichselbstgleichheit in der absoluten Zerrissenheit, die reine +Vermittlung des reinen Selbstbewußtseins mit sich selbst. Es ist die +Gleichheit des identischen Urteils, worin eine und dieselbe +Persönlichkeit sowohl Subjekt als Prädikat ist. Aber dies identische +Urteil ist zugleich das unendliche; denn diese Persönlichkeit ist +absolut entzweit, und Subjekt und Prädikat schlechthin _gleichgültige +Seiende_, die einander nichts angehen, ohne notwendige Einheit, sogar +daß jedes die Macht einer eignen Persönlichkeit ist. Das +_Für-sich-sein_ hat _sein Für-sich-sein_ zum Gegenstande, als ein +schlechthin _Anderes_ und zugleich ebenso unmittelbar als _sich +selbst_--sich als ein Anderes, nicht daß dieses einen andern Inhalt +hätte, sondern der Inhalt ist dasselbe Selbst in der Form absoluter +Entgegensetzung und vollkommen eignen gleichgültigen Daseins.--Es ist +also hier der seiner in seiner Wahrheit und seines _Begriffes +bewußte_ Geist dieser realen Welt der Bildung vorhanden. + +Er ist diese absolute und allgemeine Verkehrung und Entfremdung der +Wirklichkeit und des Gedankens; die _reine Bildung_. Was in dieser +Welt erfahren wird, ist, daß weder die _wirklichen Wesen_ der Macht +und des Reichtums noch ihre bestimmten _Begriffe_, Gut und Schlecht, +oder das Bewußtsein des Guten und Schlechten, das edelmütige und +niederträchtige Wahrheit haben; sondern alle diese Momente verkehren +sich vielmehr eins im andern, und jedes ist das Gegenteil seiner +selbst.--Die allgemeine Macht, welche die _Substanz_ ist, indem sie +durch das Prinzip der Individualität zur eigenen Geistigkeit gelangt, +empfängt das eigne Selbst nur als den Namen an ihr, und ist, indem +sie _wirkliche_ Macht ist, vielmehr das unmächtige Wesen, das sich +selbst aufopfert.--Aber dies preisgegebene selbstlose Wesen oder das +zum Dinge gewordne Selbst ist vielmehr die Rückkehr des Wesens in +sich selbst; es ist das _fürsichseiende Für-sich-sein_, die Existenz +des Geistes.--Die _Gedanken_ dieser Wesen, des _Guten_ und +_Schlechten_, verkehren sich ebenso in dieser Bewegung; was als gut +bestimmt ist, ist schlecht; was als schlecht, ist gut. Das +Bewußtsein eines jeden dieser Momente als das edle und +niederträchtige Bewußtsein beurteilt, sind in ihrer Wahrheit vielmehr +ebensosehr das Verkehrte dessen, was diese Bestimmungen sein sollen, +das edelmütige ebenso niederträchtig und verworfen, als die +Verworfenheit zum Adel der gebildetsten Freiheit des +Selbstbewußtseins umschlägt.--Alles ist ebenso, formell betrachtet, +_nach außen_ das Verkehrte dessen, was es für _sich_ ist; und wieder +was es für sich ist, ist es nicht in Wahrheit, sondern etwas anderes, +als es sein will, das Für-sich-sein vielmehr der Verlust seiner +selbst, und die Entfremdung seiner vielmehr die Selbsterhaltung.--Was +vorhanden ist, ist also dies, daß alle Momente eine allgemeine +Gerechtigkeit gegeneinander ausüben, jedes ebensosehr an sich selbst +sich entfremdet, als es sich in sein Gegenteil einbildet und es auf +diese Weise verkehrt.--Der wahre Geist aber ist eben diese Einheit +der absolut getrennten, und zwar kommt er eben durch die _freie +Wirklichkeit_ dieser _selbstlosen_ Extreme selbst als ihre Mitte zur +Existenz. Sein Dasein ist das allgemeine _Sprechen_ und zerreißende +_Urteilen_, welchem alle jene Momente, die als Wesen und wirkliche +Glieder des Ganzen gelten sollen, sich auflösen, und welches ebenso +dies sich auflösende Spiel mit sich selbst ist. Dies Urteilen und +Sprechen ist daher das Wahre und Unbezwingbare, während es alles +überwältigt; dasjenige, um welches es in dieser realen Welt _allein +wahrhaft_ zu tun ist. Jeder Teil dieser Welt kommt darin dazu, daß +sein Geist ausgesprochen, oder daß mit Geist von ihm gesprochen und +von ihm gesagt wird, was er ist.--Das ehrliche Bewußtsein nimmt jedes +Moment als eine bleibende Wesenheit und ist die ungebildete +Gedankenlosigkeit, nicht zu wissen, daß es ebenso das Verkehrte tut. +Das zerrissene Bewußtsein aber ist das Bewußtsein der Verkehrung, und +zwar der absoluten Verkehrung; der Begriff ist das Herrschende in ihm, +der die Gedanken zusammenbringt, welche der Ehrlichkeit weit +auseinanderliegen, und dessen Sprache daher geistreich ist. + +Der Inhalt der Rede des Geistes von und über sich selbst ist also die +Verkehrung aller Begriffe und Realitäten, der allgemeine Betrug +seiner selbst und der andern, und die Schamlosigkeit, diesen Betrug +zu sagen, ist eben darum die größte Wahrheit. Diese Rede ist die +Verrücktheit des Musikers, "der dreißig Arien, italienische, +französische, tragische, komische, von aller Art Charakter, häufte +und vermischte; bald mit einem tiefen Basse stieg er bis in die Hölle, +dann zog er die Kehle zusammen, und mit einem Fistelton zerriß er +die Höhe der Lüfte, wechselsweise rasend, besänftigt, gebieterisch +und spöttisch."--Dem ruhigen Bewußtsein, das ehrlicherweise die +Melodie des Guten und Wahren in die Gleichheit der Töne, d.h. in +_eine_ Note setzt, erscheint diese Rede als "eine Faselei von +Weisheit und Tollheit, als ein Gemische von ebensoviel Geschick als +Niedrigkeit, von ebenso richtigen als falschen Ideen, von einer so +völligen Verkehrtheit der Empfindung, so vollkommener Schändlichkeit, +als gänzlicher Offenheit und Wahrheit. Es wird es nicht versagen +können, in alle diese Töne einzugehen, und die ganze Skale der +Gefühle von der tiefsten Verachtung und Verwerfung bis zur höchsten +Bewunderung und Rührung auf und nieder zu laufen; in diese wird ein +lächerlicher Zug verschmolzen sein, der ihnen ihre Natur benimmt"; +jene werden an ihrer Offenheit selbst einen versöhnenden, an ihrer +erschütternden Tiefe den allgewaltigen Zug haben, der den Geist sich +selbst gibt. + +Betrachten wir der Rede dieser sich selbst klaren Verwirrung +gegenüber die Rede jenes _einfachen Bewußtseins_ des Wahren und Guten, +so kann sie gegen die offene und ihrer bewußte Beredsamkeit des +Geistes der Bildung nur einsilbig sein; denn es kann diesem nichts +sagen, was er nicht selbst weiß und sagt. Geht es über seine +Einsilbigkeit hinaus, so sagt es daher dasselbe, was er ausspricht, +begeht aber darin noch dazu die Torheit, zu meinen, daß es etwas +Neues und Anderes sage. Selbst seine Silben, _schändlich, +niederträchtig_, sind schon diese Torheit, denn jener sagt sie von +sich selbst. Wenn dieser Geist in seiner Rede alles Eintönige +verkehrt, weil dieses sich Gleiche nur eine Abstraktion, in seiner +Wirklichkeit aber die Verkehrung an sich selbst ist, und wenn dagegen +das gerade Bewußtsein, das Gute und Edle, d.h. das sich in seiner +Äußerung gleichhaltende, auf die einzige Weise, die hier möglich ist, +in Schutz nimmt--daß es nämlich seinen Wert nicht darum verliere, +weil es an das Schlechte _geknüpft_ oder mit ihm _gemischt_ sei; denn +dies sei seine _Bedingung_ und _Notwendigkeit_, hierin bestehe die +_Weisheit_ der Natur--, so hat dies Bewußtsein, indem es zu +widersprechen meinte, damit nur den Inhalt der Rede des Geistes in +eine triviale Weise zusammengefaßt, welche gedankenlos, indem sie das +_Gegenteil_ des Edeln und Guten zur _Bedingung_ und _Notwendigkeit_ +des Edeln und Guten macht, etwas anderes zu sagen meint, als dies, +daß das edel und gut Genannte in seinem Wesen das Verkehrte seiner +selbst, so wie das Schlechte umgekehrt das Vortreffliche ist. + +Ersetzt das einfache Bewußtsein diesen geistlosen _Gedan_ken durch +die _Wirklichkeit_ des Vortrefflichen, indem es dasselbe in dem +_Beispiele_ eines fingierten Falles oder auch einer wahren Anekdote +aufführt, und so zeigt, daß es kein leerer Name, sondern _vorhanden +ist_, so steht die _allgemeine_ Wirklichkeit des verkehrten Tuns der +ganzen realen Welt entgegen, worin jenes Beispiel also nur etwas ganz +Vereinzelntes, eine _Espèce_ ausmacht; und das Dasein des Guten und +Edeln als eine einzelne Anekdote, sie sei fingiert oder wahr, +darstellen, ist das Bitterste, was von ihm gesagt werden kann. +--Fordert das einfache Bewußtsein endlich die Auflösung dieser ganzen +Welt der Verkehrung, so kann es nicht an das _Individuum_ die +Entfernung aus ihr fodern, denn Diogenes im Fasse ist durch sie +bedingt, und die Foderung an den Einzelnen ist gerade das, was für +das Schlechte gilt, nämlich _für sich_ als _Einzelnen_ zu sorgen. An +die allgemeine _Individualität_ aber gerichtet kann die Foderung +dieser Entfernung nicht die Bedeutung haben, daß die Vernunft das +geistige gebildete Bewußtsein, zu dem sie gekommen ist, wieder +aufgebe, den ausgebreiteten Reichtum ihrer Momente in die Einfachheit +des natürlichen Herzens zurückversenke, und in die Wildnis und Nähe +des tierischen Bewußtseins, welche Natur, auch Unschuld genannt wird, +zurückfalle; sondern die Foderung dieser Auflösung kann nur an den +_Geist_ der Bildung selbst gehen, daß er aus seiner Verwirrung als +_Geist_ zu sich zurückkehre, und ein noch höheres Bewußtsein gewinne. + +In der Tat aber hat der Geist dies schon an sich vollbracht. Die +ihrer selbstbewußte und sich aussprechende Zerrissenheit des +Bewußtseins ist das Hohngelächter über das Dasein sowie über die +Verwirrung des Ganzen und über sich selbst; es ist zugleich das sich +noch vernehmende Verklingen dieser ganzen Verwirrung.--Diese sich +selbst vernehmende Eitelkeit aller Wirklichkeit, und alles bestimmten +Begriffs, ist die gedoppelte Reflexion der realen Welt in sich selbst; +einmal in _diesem Selbst_ des Bewußtseins, als _diesem_, das +andermal in der reinen _Allgemeinheit_ desselben oder im Denken. +Nach jener Seite hat der zu sich gekommene Geist den Blick in die +Welt der Wirklichkeit hineingerichtet, und sie noch zu seinem Zwecke +und unmittelbaren Inhalt; nach der andern aber ist sein Blick teils +nur in sich und negativ gegen sie, teils von ihr weg gen Himmel +gewendet und das Jenseits derselben sein Gegenstand. + +In jener Seite der Rückkehr in das Selbst ist die _Eitelkeit_ aller +_Dinge_ seine _eigene Eitelkeit_, oder es _ist_ eitel. Es ist das +fürsichseiende Selbst, das alles nicht nur zu beurteilen und zu +beschwatzen, sondern geistreich die festen Wesen der Wirklichkeit wie +die festen Bestimmungen, die das Urteil setzt, in ihrem +_Widerspruche_ zu sagen weiß, und dieser Widerspruch ist ihre +Wahrheit.--Nach der Form betrachtet, weiß es alles sich selbst +entfremdet; das _Für-sich-sein_ vom _An-sich-sein_ getrennt; das +Gemeinte und den Zweck von der Wahrheit; und von beiden wieder das +_Sein für Anderes_, das Vorgegebne von der eigentlichen Meinung und +der wahren Sache und Absicht.--Es weiß also jedes Moment gegen das +andere, überhaupt die Verkehrung aller, richtig auszusprechen, es +weiß besser, was jedes ist, als es ist, es sei bestimmt, wie es wolle. +Indem es das Substantielle nach der Seite der _Uneinigkeit_ und des +_Widerstreits_, den es in sich einigt, aber nicht nach der Seite +dieser Einigkeit kennt, versteht es das Substantielle sehr gut zu +_beurteilen_, aber hat die Fähigkeit verloren, es zu _fassen_.--Diese +Eitelkeit bedarf dabei der Eitelkeit aller Dinge, um aus ihnen sich +das Bewußtsein des Selbsts zu geben, erzeugt sie daher selbst, und +ist die Seele, welche sie trägt. Macht und Reichtum sind die +höchsten Zwecke seiner Anstrengung, es weiß, daß es durch Entsagung +und Aufopferung sich zum Allgemeinen bildet, zum Besitze desselben +gelangt, und in diesem Besitze allgemeine Gültigkeit hat; sie sind +die wirklichen anerkannten Mächte. Aber dieses sein Gelten ist +selbst eitel, und eben indem es sich ihrer bemächtigt, weiß es sie +nicht Selbstwesen zu sein, sondern vielmehr sich als ihre Macht, sie +aber als eitel. Daß es so in ihrem Besitze selbst daraus heraus ist, +stellt es in der geistreichen Sprache dar, die daher sein höchstes +Interesse und die Wahrheit des Ganzen ist; in ihr wird _dieses_ +Selbst, als dies reine nicht den wirklichen noch gedachten +Bestimmungen angehörige Selbst, sich zum geistigen, wahrhaft +allgemeingültigen. Es _ist_ die sich selbst zerreißende Natur aller +Verhältnisse und das bewußte Zerreißen derselben; nur als empörtes +Selbstbewußtsein aber weiß es seine eigne Zerrissenheit, und in +diesem Wissen derselben hat es sich unmittelbar darüber erhoben. In +jener Eitelkeit wird aller Inhalt zu einem negativen, welches nicht +mehr positiv gefaßt werden kann; der positive Gegenstand ist nur das +_reine Ich selbst_, und das zerrißne Bewußtsein ist _an sich_ diese +reine Sichselbstgleichheit des zu sich zurückgekommnen +Selbstbewußtseins. + + + +b. Der Glauben und die reine Einsicht + +Der Geist der Entfremdung seiner selbst hat in der Welt der Bildung +sein Dasein; aber indem dieses Ganze sich selbst entfremdet worden, +steht jenseits ihrer die unwirkliche Welt _des reinen Bewußtseins_ +oder des _Denkens_. Ihr Inhalt ist das rein Gedachte, das Denken ihr +absolutes Element. Indem aber das Denken zunächst das _Element_ +dieser Welt ist, _hat_ das Bewußtsein nur diese Gedanken, aber es +_denkt_ sie noch nicht, oder weiß nicht, daß es Gedanken sind; +sondern sie sind für es in der Form der _Vorstellung_. Denn es tritt +aus der Wirklichkeit in das reine Bewußtsein, aber es ist selbst +überhaupt noch in der Sphäre und Bestimmtheit der Wirklichkeit. Das +zerrißne Bewußtsein ist _an sich_ erst die _Sichselbstgleichheit_ des +reinen Bewußtseins, für uns, nicht für sich selbst. Es ist also nur +die _unmittelbare_ noch nicht in sich vollendete Erhebung, und hat +sein entgegengesetztes Prinzip, wodurch es bedingt ist, noch in sich, +ohne durch die vermittelte Bewegung darüber Meister geworden zu sein. +Daher gilt ihm das Wesen seines Gedankens nicht als _Wesen_ nur in +der Form des abstrakten An-sich, sondern in der Form eines +_Gemeinwirklichen_, einer Wirklichkeit, die nur in ein anderes +Element erhoben worden, ohne in diesem die Bestimmtheit einer nicht +gedachten Wirklichkeit verloren zu haben.--Es ist wesentlich von dem +_An-sich_ zu unterscheiden, welches das Wesen des _stoischen_ +Bewußtseins ist; diesem galt nur die _Form des Gedankens_ als solchen, +der dabei irgendeinen ihm fremden, aus der Wirklichkeit genommnen +Inhalt hat; jenem Bewußtsein ist aber nicht die _Form des Gedankens_ +das Geltende;--ebenso von dem _An-sich_ des tugendhaften Bewußtseins, +dem das Wesen zwar in Beziehung auf die Wirklichkeit steht, dem es +Wesen der Wirklichkeit selbst, aber nur erst unwirkliches Wesen ist; +--jenem Bewußtsein gilt es, obzwar jenseits der Wirklichkeit, doch +wirkliches Wesen zu sein. Ebenso hat das an sich Rechte und Gute der +gesetzgebenden Vernunft und das Allgemeine des gesetzprüfenden +Bewußtseins nicht die Bestimmung der Wirklichkeit.--Wenn daher +innerhalb der Welt der Bildung selbst das reine Denken als eine Seite +der Entfremdung fiel, nämlich als der Maßstab des abstrakten Guten +und Schlechten im Urteilen, so ist es, hindurchgegangen durch die +Bewegung des Ganzen, um das Moment der Wirklichkeit und dadurch des +Inhalts bereichert worden. Diese Wirklichkeit des Wesens ist aber +zugleich nur eine Wirklichkeit des _reinen_, nicht des _wirklichen_ +Bewußtseins; in das Element des Denkens zwar erhoben, gilt sie diesem +Bewußtsein noch nicht als ein Gedanke, sondern vielmehr ist sie ihm +jenseits seiner eignen Wirklichkeit; denn jene ist die Flucht aus +dieser. + +Wie hier die _Religion_--denn es erhellt, daß von ihr die Rede +ist--als der Glauben der Welt der Bildung auftritt, tritt sie noch +nicht auf, wie sie _an und für sich_ ist.--Sie ist uns schon in +andern Bestimmtheiten erschienen, als _unglückliches Bewußtsein_ +nämlich, als Gestalt der substanzlosen Bewegung des Bewußtseins +selbst.--Auch an der sittlichen Substanz erschien sie als Glauben an +die Unterwelt, aber das Bewußtsein des abgeschiednen Geistes ist +eigentlich nicht _Glauben_, nicht das Wesen im Elemente des reinen +Bewußtseins jenseits des Wirklichen gesetzt, sondern er hat selbst +unmittelbare Gegenwart; sein Element ist die Familie.--Hier aber ist +die Religion teils aus der _Substanz_ hervorgegangen, und ist reines +Bewußtsein derselben; teils ist dies reine Bewußtsein seinem +wirklichen, das _Wesen_ seinem _Dasein_ entfremdet. Sie ist also +zwar nicht mehr die substanzlose Bewegung des Bewußtseins, aber hat +noch die Bestimmtheit des Gegensatzes gegen die Wirklichkeit als +_diese_ überhaupt, und gegen die des Selbstbewußtseins insbesondere, +sie ist daher wesentlich nur ein _Glauben_. + +Dies _reine Bewußtsein_ des absoluten Wesens ist ein _entfremdetes_. +Es ist näher zu sehen, wie dasjenige sich bestimmt, dessen Anderes es +ist, und es ist nur in Verbindung mit diesem zu betrachten. Zunächst +nämlich scheint dies reine Bewußtsein nur die _Welt_ der Wirklichkeit +sich gegenüber zu haben; aber indem es die Flucht aus dieser und +dadurch die _Bestimmtheit des Gegensatzes_ ist, so hat es diese an +ihm selbst; das reine Bewußtsein ist daher wesentlich an ihm selbst +sich entfremdet, und der Glauben macht nur eine Seite desselben aus. +Die andre Seite ist uns zugleich schon entstanden. Das reine +Bewußtsein ist nämlich so die Reflexion aus der Welt der Bildung, daß +die Substanz derselben, sowie die Massen, in welche sie sich gliedert, +sich als das zeigten, was sie an sich sind, als _geistige_ +Wesenheiten, als absolut unruhige Bewegungen oder Bestimmungen, die +sich unmittelbar in ihrem Gegenteil aufheben. Ihr Wesen, das +einfache Bewußtsein ist also die Einfachheit des _absoluten +Unterschiedes_, der unmittelbar kein Unterschied ist. Es ist hiemit +das reine _Für-sich-sein_, nicht als _dieses Einzelnen_, sondern das +in sich _allgemeine_ Selbst als unruhige Bewegung, die das _ruhige +Wesen_ der _Sache_ angreift und durchdringt. In ihm ist also die +Gewißheit, welche sich selbst unmittelbar als Wahrheit weiß, das +reine Denken, als der _absolute Begriff_ in der Macht seiner +_Negativität_ vorhanden, die alles gegenständliche, dem Bewußtsein +gegenüber sein sollende Wesen vertilgt, und es zu einem Sein des +Bewußtseins macht.--Dies reine Bewußtsein ist zugleich ebensosehr +_einfach_, weil eben sein Unterschied kein Unterschied ist. Als +diese Form der einfachen Reflexion in sich aber ist es das Element +des Glaubens, worin der Geist die Bestimmtheit _der positiven +Allgemeinheit_, des _An-sich-seins_ gegen jenes Für-sich-sein des +Selbstbewußtseins hat.--Aus der wesenlosen sich nur auflösenden Welt +in sich zurückgedrängt, ist der Geist, nach der Wahrheit, in +ungetrennter Einheit sowohl die _absolute Bewegung_ und _Negativität_ +seines Erscheinens, wie ihr in sich _befriedigtes_ Wesen, und ihre +positive _Ruhe._ Aber überhaupt unter der Bestimmtheit der +_Entfremdung_ liegend, treten diese beiden Momente als ein +gedoppeltes Bewußtsein auseinander. Jenes ist die _reine Einsicht_, +als der sich im _Selbst_bewußtsein zusammenfassende geistige _Prozeß_, +welcher das Bewußtsein des Positiven, die Form der +Gegenständlichkeit oder des Vorstellens sich gegenüber hat und sich +dagegen richtet; ihr eigner Gegenstand aber ist nur das _reine Ich_. +--Das einfache Bewußtsein des Positiven oder der ruhigen +Sichselbstgleichheit hat hingegen das innere _Wesen_ als Wesen zum +Gegenstande. Die reine Einsicht hat daher zunächst an ihr selbst +keinen Inhalt, weil sie das negative Für-sich-sein ist; dem Glauben +dagegen gehört der Inhalt an, ohne Einsicht. Wenn jene nicht aus dem +Selbstbewußtsein heraustritt, so hat dieser seinen Inhalt zwar +ebenfalls im Element des reinen Selbstbewußtseins, aber im _Denken_, +nicht in _Begriffen, im reinen Bewußtsein, nicht im reinen +Selbstbewußtsein_. Er ist hiemit zwar reines Bewußtsein des _Wesens_, +das heißt des _einfachen Innern_, und _ist_ also Denken--das +Hauptmoment in der Natur des Glaubens, das gewöhnlich übersehen wird. +Die _Unmittelbarkeit_, mit der das Wesen in ihm ist, liegt darin, +daß sein Gegenstand _Wesen_, das heißt, _reiner Gedanke_ ist. Diese +_Unmittelbarkeit_ aber, insofern das _Denken_ ins _Bewußtsein_ oder +das reine Bewußtsein in das Selbstbewußtsein eintritt, erhält die +Bedeutung eines gegenständlichen _Seins_, das jenseits des +Bewußtseins des Selbsts liegt. Durch diese Bedeutung, welche die +Unmittelbarkeit und Einfachheit des _reinen Denkens_ im _Bewußtsein_ +erhält, ist es, daß das _Wesen_ des Glaubens in die _Vorstellung_ aus +dem Denken herabfällt, und zu einer übersinnlichen Welt wird, welche +wesentlich ein _Anders_ des Selbstbewußtseins sei.--In der reinen +Einsicht hingegen hat der Übergang des reinen Denkens ins Bewußtsein +die entgegengesetzte Bestimmung; die Gegenständlichkeit hat die +Bedeutung eines nur negativen, sich aufhebenden und in das Selbst +zurückkehrenden Inhalts, d.h. nur das Selbst ist sich eigentlich der +Gegenstand, oder der Gegenstand hat nur Wahrheit, insofern er die +Form des Selbsts hat. + +Wie der Glauben und die reine Einsicht gemeinschaftlich dem Elemente +des reinen Bewußtseins angehören, so sind sie auch gemeinschaftlich +die Rückkehr aus der wirklichen Welt der Bildung. Sie bieten sich +daher nach drei Seiten dar. Das einemal ist jedes außer allem +Verhältnisse _an_ und _für sich_; das andremal bezieht jedes sich auf +die _wirkliche_ dem reinen Bewußtsein entgegengesetzte Welt, und zum +dritten bezieht sich jedes innerhalb des reinen Bewußtseins auf das +andre. + +Die Seite des _An_- und _Für-sich-seins_ im _glaubenden_ Bewußtsein +ist sein absoluter Gegenstand, dessen Inhalt und Bestimmung sich +ergeben hat. Denn er ist nach dem Begriffe des Glaubens nichts +anders als die in die Allgemeinheit des reinen Bewußtseins erhobne +reale Welt. Die Gegliederung der letztern macht daher auch die +Organisation der erstern aus, nur daß die Teile in dieser in ihrer +Begeistung sich nicht entfremden, sondern an und für sich seiende +Wesen, in sich zurückgekehrte und bei sich selbst bleibende Geister +sind.--Die Bewegung ihres Übergehens ist daher nur für uns eine +Entfremdung der Bestimmtheit, in der sie in ihrem Unterschiede sind, +und nur für uns eine _notwendige_ Reihe; für den Glauben aber ist ihr +Unterschied eine ruhige Verschiedenheit, und ihre Bewegung ein +_Geschehen_. + +Sie nach der äußern Bestimmung ihrer Form kurz zu nennen, so ist, wie +in der Welt der Bildung die Staatsmacht oder das Gute das Erste war, +auch hier das Erste, _das absolute Wesen_, der an und für sich +seiende Geist, insofern er die einfache ewige _Substanz_ ist. In der +Realisierung ihres Begriffes, Geist zu sein, aber geht sie in das +_Sein für Anderes_ über; ihre Sichselbstgleichheit wird zum +_wirklichen_ sich _aufopfernden_ absoluten Wesen; es wird zum +_Selbst_, aber zum vergänglichen Selbst. Daher ist das Dritte die +Rückkehr dieses entfremdeten Selbsts und der erniedrigten Substanz in +ihre erste Einfachheit, erst auf diese Weise ist sie als Geist +vorgestellt.-Diese unterschiednen Wesen, aus dem Wandel der +wirklichen Welt durch das Denken in sich zurückgenommen, sind sie +wandellose ewige Geister, deren Sein ist, die Einheit, welche sie +ausmachen, zu denken. So entrückt dem Selbstbewußtsein, greifen +diese Wesen jedoch in es ein; wäre das Wesen unverrückt in der Form +der ersten einfachen Substanz, so bliebe es ihm fremde. Aber die +Entäußerung dieser Substanz und dann ihr Geist hat das Moment der +Wirklichkeit an ihm, und macht sich hiedurch des glaubenden +Selbstbewußtseins teilhaftig, oder das glaubende Bewußtsein gehört +der realen Welt an. + +Nach diesem zweiten Verhältnisse hat das glaubende Bewußtsein teils +selbst seine Wirklichkeit in der realen Welt der Bildung, und macht +ihren Geist und ihr Dasein aus, das betrachtet worden ist; teils aber +tritt es dieser seiner Wirklichkeit als dem Eiteln gegenüber und ist +die Bewegung sie aufzuheben. Diese Bewegung besteht nicht darin, daß +es ein geistreiches Bewußtsein über ihre Verkehrung hätte; denn es +ist das einfache Bewußtsein, welches das Geistreiche zum Eiteln zählt, +weil dieses noch die reale Welt zu seinem Zwecke hat. Sondern dem +ruhigen Reiche seines Denkens steht die Wirklichkeit als ein +geistloses Dasein gegenüber, das daher auf eine äußerliche Weise zu +überwinden ist. Dieser Gehorsam des Dienstes und des Preises bringt +durch das Aufheben des sinnlichen Wissens und Tuns, das Bewußtsein +der Einheit mit dem an und für sich seienden Wesen hervor, doch nicht +als angeschaute wirkliche Einheit, sondern dieser Dienst ist nur das +fortwährende Hervorbringen, das sein Ziel in der Gegenwart nicht +vollkommen erreicht. Die Gemeine gelangt zwar dazu, denn sie ist das +allgemeine Selbstbewußtsein; aber dem einzelnen Selbstbewußtsein +bleibt notwendig das Reich des reinen Denkens ein Jenseits seiner +Wirklichkeit, oder indem dieses durch die Entäußerung des ewigen +Wesens in die Wirklichkeit getreten, ist sie eine unbegriffne +sinnliche Wirklichkeit; eine sinnliche Wirklichkeit aber bleibt +gleichgültig gegen die andre, und das Jenseits hat nur die Bestimmung +der Entfernung in Raum und Zeit noch dazu erhalten.--Der Begriff aber, +die sich selbst gegenwärtige Wirklichkeit des Geistes, bleibt im +glaubenden Bewußtsein das _Innre_, welches alles ist und wirkt, aber +nicht selbst hervortritt. + +In der _reinen Einsicht_ aber ist der Begriff das allein Wirkliche; +und diese dritte Seite des Glaubens, Gegenstand für die reine +Einsicht zu sein, ist das eigentliche Verhältnis, in welchem er hier +auftritt.--Die reine Einsicht selbst ist ebenso teils an und für sich, +teils im Verhältnisse zur wirklichen Welt, insofern sie noch positiv, +nämlich als eitles Bewußtsein, vorhanden ist, teils endlich in jenem +Verhältnisse zum Glauben zu betrachten. + +Was die reine Einsicht an und für sich ist, haben wir gesehen; wie +der Glauben das ruhige reine _Bewußtsein_ des Geistes, als des +_Wesens_, so ist sie das _Selbst_bewußtsein desselben; sie weiß das +Wesen daher nicht als _Wesen_, sondern als absolutes _Selbst_. Sie +geht also darauf, alle dem Selbstbewußtsein _andre_ Selbstständigkeit, +es sei des Wirklichen oder _An-sich-_seienden, aufzuheben, und sie +zum _Begriffe_ zu machen. Sie ist nicht nur die Gewißheit der +selbstbewußten Vernunft, alle Wahrheit zu sein; sondern sie _weiß_, +daß sie dies ist. + +Wie aber der Begriff derselben auftritt, ist er noch nicht +_realisiert_. Sein Bewußtsein erscheint hiernach noch als ein +_zufälliges, einzelnes_, und das, was ihm das Wesen ist, als _Zweck_, +den es zu verwirklichen hat. Es hat erst die _Absicht_, die _reine +Einsicht allgemein_, das heißt, alles, was wirklich ist, zum Begriffe, +und zu einem Begriffe in allen Selbstbewußtsein zu machen. Die +Absicht ist _rein_, denn sie hat die reine Einsicht zum Inhalte; und +diese Einsicht ist ebenso _rein_, denn ihr Inhalt ist nur der +absolute Begriff, der keinen Gegensatz an einem Gegenstande hat, noch +an ihm selbst beschränkt ist. In dem unbeschränkten Begriffe liegen +unmittelbar die beiden Seiten, daß alles Gegenständliche nur die +Bedeutung des _Für-sich-seins_, des Selbstbewußtseins, und daß dieses +die Bedeutung eines _Allgemeinen_ habe, daß die reine Einsicht +Eigentum aller Selbstbewußtsein werde. Diese zweite Seite der +Absicht ist insofern Resultat der Bildung, als darin, wie die +Unterschiede des gegenständlichen Geistes, die Teile und +Urteilsbestimmungen seiner Welt, so auch die Unterschiede, welche als +ursprünglich bestimmte Naturen erscheinen, zugrunde gegangen sind. +Genie, Talent, die besondern Fähigkeiten überhaupt, gehören der Welt +der Wirklichkeit an, insofern sie an ihr noch die Seite hat, +geistiges Tierreich zu sein, welches in gegenseitiger Gewalttätigkeit +und Verwirrung sich um die Wesen der realen Welt bekämpft und betrügt. +--Die Unterschiede haben in ihr zwar nicht als ehrliche Espècen Platz; +weder begnügt sich die Individualität mit der unwirklichen _Sache +selbst_, noch hat sie _besondern_ Inhalt und eigne Zwecke. Sondern +sie gilt nur als ein Allgemeingültiges, nämlich als Gebildetes; und +der Unterschied reduziert sich auf die geringere oder größere Energie, +--einen Unterschied der _Größe_, d.h. den unwesentlichen. Diese +letzte Verschiedenheit aber ist darin zugrunde gegangen, daß der +Unterschied in der vollkommnen Zerrissenheit des Bewußtseins zum +absolut qualitativen umschlug. Was darin dem Ich das Andre ist, ist +nur das Ich selbst. In diesem unendlichen Urteile ist alle +Einseitigkeit und Eigenheit des ursprünglichen Für-sich-seins getilgt; +das Selbst weiß sich als reines Selbst sein Gegenstand zu sein; und +diese absolute Gleichheit beider Seiten ist das Element der reinen +Einsicht.--Sie ist daher das einfache in sich ununterschiedne _Wesen_, +und ebenso das allgemeine _Werk_ und allgemeiner Besitz. In dieser +_einfachen_ geistigen Substanz gibt und erhält sich das +Selbstbewußtsein ebenso in allem Gegenstande das Bewußtsein dieser +seiner _Einzelnheit_ oder des _Tuns_, als umgekehrt die +Individualität desselben darin _sich selbst gleich_ und allgemein ist. +--Diese reine Einsicht ist also der Geist, der allem Bewußtsein +zuruft: _seid für euch selbst_, was ihr alle _an euch selbst_ +seid--_vernünftig_. + + + +II. Die Aufklärung + +Der eigentümliche Gegenstand, gegen welchen die reine Einsicht die +Kraft des Begriffes richtet, ist der Glauben, als die ihr in +demselben Elemente gegenüberstehende Form des reinen Bewußtseins. +Sie hat aber auch Beziehung auf die wirkliche Welt, denn sie ist wie +jener die Rückkehr aus derselben in das reine Bewußtsein. Es ist +zuerst zu sehen, wie ihre Tätigkeit gegen die unlautern Absichten und +verkehrten Einsichten derselben beschaffen ist. + +Oben wurde schon des ruhigen Bewußtseins erwähnt, das diesem sich in +sich auflösenden und wieder erzeugenden Wirbel gegenübersteht; es +macht die Seite der reinen Einsicht und Absicht aus. In dies ruhige +Bewußtsein fällt aber, wie wir sahen, keine _besondere Einsicht_ über +die Welt der Bildung; diese hat vielmehr selbst das schmerzlichste +Gefühl und die wahrste Einsicht über sich selbst--das Gefühl, die +Auflösung alles sich befestigenden, durch alle Momente ihres Daseins +hindurch gerädert und an allen Knochen zerschlagen zu sein; ebenso +ist sie die Sprache dieses Gefühls und die beurteilende geistreiche +Rede über alle Seiten ihres Zustands. Die reine Einsicht kann daher +hier keine eigene Tätigkeit und Inhalt haben, und sich also nur als +das formelle treue _Auffassen_ dieser eignen geistreichen Einsicht +der Welt und ihrer Sprache verhalten. Indem diese Sprache zerstreut, +die Beurteilung eine Faselei des Augenblicks, die sich sogleich +wieder vergißt, und ein Ganzes nur für ein drittes Bewußtsein ist, so +kann sich dieses als _reine_ Einsicht nur dadurch unterscheiden, daß +es jene sich zerstreuenden Züge in ein allgemeines Bild zusammenfaßt, +und sie dann zu einer Einsicht aller macht. + +Sie wird durch dies einfache Mittel die Verwirrung dieser Welt zur +Auflösung bringen. Denn es hat sich ergeben, daß nicht die Massen +und die bestimmten Begriffe und Individualitäten das Wesen dieser +Wirklichkeit sind, sondern daß sie ihre Substanz und Halt allein in +dem Geiste hat, der als Urteilen und Besprechen existiert, und daß +das Interesse, für dies Räsonieren und Schwatzen einen Inhalt zu +haben, allein das Ganze und die Massen seiner Gegliederung erhält. +In dieser Sprache der Einsicht ist ihr Selbstbewußtsein sich noch ein +_Fürsichseiendes, dieses Einzelne_; aber die Eitelkeit des Inhalts +ist zugleich Eitelkeit des ihn eitel wissenden Selbsts. Indem nun +das ruhig auffassende Bewußtsein von diesem ganzen geistreichen +Geschwätze der Eitelkeit die treffendsten und die Sache +durchschneidenden Fassungen in eine Sammlung bringt, geht zu der +übrigen Eitelkeit des Daseins die das Ganze noch erhaltende Seele, +die Eitelkeit des geistreichen Beurteilens, zugrunde. Die Sammlung +zeigt den meisten einen bessern, oder allen wenigstens einen +vielfachern Witz, als der ihrige ist, und das Besserwissen und +Beurteilen überhaupt als etwas Allgemeines und nun allgemein +Bekanntes; damit tilgt sich das einzige Interesse, das noch vorhanden +war, und das einzelne Einsehen löst sich in die allgemeine Einsicht +auf. + +Noch aber steht über dem eiteln Wissen das Wissen von dem Wesen fest, +und die reine Einsicht erscheint erst in eigentlicher Tätigkeit, +insofern sie gegen den Glauben auftritt. + + + +a. Der Kampfder Aufklärung mit dem Aberglauben + +Die verschiednen Weisen des negativen Verhaltens des Bewußtseins, +teils des Skeptizismus, teils des theoretischen und praktischen +Idealismus, sind untergeordnete Gestalten gegen diese der _reinen +Einsicht_, und ihrer Verbreitung, der _Aufklärung_; denn sie ist aus +der Substanz geboren, weiß das reine _Selbst_ des Bewußtseins als +absolut, und nimmt es mit dem reinen Bewußtsein des absoluten Wesens +aller Wirklichkeit auf.--Indem Glauben und Einsicht dasselbe reine +Bewußtsein, der Form nach aber entgegengesetzt sind, dem Glauben das +Wesen als _Gedanke_, nicht als _Begriff_, und daher ein dem +_Selbst_bewußtsein schlechthin Entgegengesetztes, der reinen Einsicht +aber das Wesen das _Selbst_ ist, sind sie füreinander das eine das +schlechthin Negative des andern.--Dem Glauben kommt, wie beide +gegeneinander auftreten, aller _Inhalt_ zu, denn in seinem ruhigen +Elemente des Denkens gewinnt jedes Moment Bestehen;--die reine +Einsicht aber ist zunächst ohne Inhalt, und vielmehr reines +Verschwinden desselben; durch die negative Bewegung gegen das ihr +Negative aber wird sie sich realisieren und einen Inhalt geben. + +Sie weiß den Glauben als das ihr, der Vernunft und Wahrheit, +Entgegengesetzte. Wie er ihr im Allgemeinen ein Gewebe von +Aberglauben, Vorurteilen und Irrtümern ist, so organisiert sich ihr +weiter das Bewußtsein dieses Inhalts in ein Reich des Irrtums, worin +die falsche Einsicht einmal als die _allgemeine Masse_ des +Bewußtseins, unmittelbar, unbefangen und ohne Reflexion in sich +selbst ist, aber das Moment der Reflexion in sich oder des +Selbstbewußtseins, getrennt von der Unbefangenheit, auch an ihr hat, +als eine im Hintergrunde für sich bleibende Einsicht und böse Absicht, +von welcher jenes betört wird. Jene Masse ist das Opfer des Betrugs +einer _Priesterschaft_, die ihre neidische Eitelkeit, allein im +Besitze der Einsicht zu bleiben, sowie ihren sonstigen Eigennutz +ausführt, und zugleich mit dem _Despotismus_ sich verschwört, der als +die synthetische, begrifflose Einheit des realen und dieses idealen +Reichs--ein seltsam inkonsequentes Wesen--über der schlechten +Einsicht der Menge und der schlechten Absicht der Priester steht, und +beides auch in sich vereinigt, aus der Dummheit und Verwirrung des +Volks durch das Mittel der betriegenden Priesterschaft, beide +verachtend, den Vorteil der ruhigen Beherrschung und der Vollführung +seiner Lüste und Willkür zieht, zugleich aber dieselbe Dumpfheit der +Einsicht, der gleiche Aberglauben und Irrtum ist. + +Gegen diese drei Seiten des Feindes läßt die Aufklärung sich nicht +ohne Unterschied ein; denn indem ihr Wesen reine Einsicht, das an und +für sich _Allgemeine_ ist, so ist ihre wahre Beziehung auf das andere +Extrem diejenige, in welcher sie auf das _Gemeinschaftliche_ und +_Gleiche_ beider geht. Die Seite der aus dem allgemeinen +unbefangenen Bewußtsein sich isolierenden _Einzelnheit_ ist das ihr +Entgegengesetzte, das sie nicht unmittelbar berühren kann. Der +Willen der betriegenden Priesterschaft und des unterdrückenden +Despoten ist daher nicht unmittelbarer Gegenstand ihres Tuns, sondern +die willenlose, nicht zum Für-sich-sein sich vereinzelnde Einsicht, +der _Begriff_ des vernünftigen Selbstbewußtseins, der an der Masse +sein Dasein hat, aber in ihr noch nicht als Begriff vorhanden ist. +Indem aber die reine Einsicht diese ehrliche Einsicht und ihr +unbefangenes Wesen den Vorurteilen und Irrtümern entreißt, windet sie +der schlechten Absicht die Realität und Macht ihres Betrugs aus den +Händen, deren Reich an dem begrifflosen Bewußtsein der allgemeinen +Masse seinen _Boden_ und _Material_--das _Für-sich-sein_ an dem +_einfachen_ Bewußtsein überhaupt seine _Substanz_ hat. + +Die Beziehung der reinen Einsicht auf das unbefangene Bewußtsein des +absoluten Wesens hat nun die gedoppelte Seite, daß sie einesteils _an +sich_ dasselbe mit ihm ist, andernteils aber, daß dieses in dem +einfachen Elemente seines Gedankens das absolute Wesen sowie seine +Teile gewähren und sich Bestehen geben, und sie nur als sein +_An-sich_ und darum in gegenständlicher Weise gelten läßt, sein +_Für-sich-sein_ aber in diesem An-sich verleugnet.--Insofern nach der +ersten Seite dieser Glauben _an sich_ für die reine Einsicht reines +_Selbst_bewußtsein ist, und er dies nur _für sich_ werden soll, so +hat sie an diesem Begriffe desselben das Element, worin sie statt der +falschen Einsicht sich realisiert. + +Von dieser Seite, daß beide wesentlich dasselbe sind und die +Beziehung der reinen Einsicht durch und in demselben Elemente +geschieht, ist ihre Mitteilung eine _unmittelbare_, und ihr Geben und +Empfangen ein ungestörtes Ineinanderfließen. Was auch sonst weiter +in das Bewußtsein für Pflöcke eingeschlagen seien, es ist _an sich_ +diese Einfachheit, in welcher alles aufgelöst, vergessen und +unbefangen, und die daher des Begriffs schlechthin empfänglich ist. +Die Mitteilung der reinen Einsicht ist deswegen einer ruhigen +Ausdehnung oder dem _Verbreiten_ wie eines Duftes in der +widerstandslosen Atmosphäre zu vergleichen. Sie ist eine +durchdringende Ansteckung, welche sich nicht vorher gegen das +gleichgültige Element, in das sie sich insinuiert, als +Entgegengesetztes bemerkbar macht, und daher nicht abgewehrt werden +kann. Erst wenn die Ansteckung sich verbreitet hat, ist sie _für das +Bewußtsein_, das sich ihr unbesorgt überließ. Denn es war zwar das +einfache sich und ihm gleiche Wesen, was es in sich empfing, aber +zugleich die Einfachheit der in sich reflektierten _Negativität_, +welche nachher auch sich nach ihrer Natur als Entgegengesetztes +entfaltet, und das Bewußtsein hiedurch an seine vorige Weise erinnert; +sie ist der Begriff, der das einfache Wissen ist, welches sich +selbst und zugleich sein Gegenteil, aber dieses in ihm als aufgehoben +weiß. So wie daher die reine Einsicht für das Bewußtsein ist, hat +sie sich schon verbreitet; der Kampf gegen sie verrät die geschehene +Ansteckung; er ist zu spät, und jedes Mittel verschlimmert nur die +Krankheit, denn sie hat das Mark des geistigen Lebens ergriffen, +nämlich das Bewußtsein in seinem Begriffe oder sein reines Wesen +selbst; es gibt darum auch keine Kraft in ihm, welche über ihr wäre. +Weil sie im Wesen selbst ist, lassen sich ihre noch vereinzelnten +Äußerungen zurückdrängen und die oberflächlichen Symptome dämpfen. +Es ist ihr dies höchst vorteilhaft; denn sie vergeudet nun nicht +unnütz die Kraft, noch zeigt sie sich ihres Wesens unwürdig, was dann +der Fall ist, wenn sie in Symptome und einzelne Eruptionen gegen den +Inhalt des Glaubens und gegen den Zusammenhang seiner äußern +Wirklichkeit hervorbricht. Sondern nun ein unsichtbarer und +unbemerkter Geist, durchschleicht sie die edeln Teile durch und durch, +und hat sich bald aller Eingeweide und Glieder des bewußtlosen +Götzen gründlich bemächtigt, und "_an einem schönen Morgen_ gibt sie +mit dem Ellbogen dem Kameraden einen Schubb, und Bautz! Baradautz! +der Götze liegt am Boden."--An _einem schönen Morgen_, dessen Mittag +nicht blutig ist, wenn die Ansteckung alle Organe des geistigen +Lebens durchdrungen hat; nur das Gedächtnis bewahrt dann noch als +eine, man weiß nicht wie, vergangene Geschichte, die tote Weise der +vorigen Gestalt des Geistes auf; und die neue für die Anbetung +erhöhte Schlange der Weisheit hat auf diese Weise nur eine welke Haut +schmerzlos abgestreift. + +Aber dieses stumme Fortweben des Geistes im einfachen Innern seiner +Substanz, der sich sein Tun verbirgt, ist nur _eine_ Seite der +Realisierung der reinen Einsicht. Ihre Verbreitung besteht nicht nur +darin, daß Gleiches mit Gleichem zusammengeht; und ihre +Verwirklichung ist nicht nur eine gegensatzlose Ausdehnung. Sondern +das Tun des negativen Wesens ist ebenso wesentlich eine entwickelte +sich in sich unterscheidende Bewegung, welche als bewußtes Tun ihre +Momente in bestimmtem offenbarem Dasein aufstellen und als ein lauter +Lärm und gewaltsamer Kampf mit Entgegengesetztem als solchem +vorhanden sein muß. + +Es ist daher zu sehen, wie die _reine Einsicht_ und _Absicht_ gegen +das andere ihr Entgegengesetzte, das sie vorfindet, sich _negativ_ +verhält.--Die reine Einsicht und Absicht, welche sich negativ verhält, +kann, da ihr Begriff alle Wesenheit und nichts außer ihr ist, nur +das Negative ihrer selbst sein. Sie wird daher als Einsicht zum +Negativen der reinen Einsicht, sie wird Unwahrheit und Unvernunft, +und als Absicht zum Negativen der reinen Absicht, zur Lüge und +Unlauterkeit des Zwecks. + +In diesen Widerspruch verwickelt sie sich dadurch, daß sie sich in +Streit einläßt, und etwas _anderes_ zu bekämpfen meint.--Sie meint +dies nur, denn ihr Wesen als die absolute Negativität ist dieses, das +Anderssein an ihr selbst zu haben. Der absolute Begriff ist die +Kategorie; er ist dies, daß das Wissen und der _Gegenstand_ des +Wissens dasselbe ist. Was hiemit die reine Einsicht als ihr Andres, +was sie als Irrtum oder Lüge ausspricht, kann nichts andres sein als +sie selbst; sie kann nur das verdammen, was sie ist. Was nicht +vernünftig ist, hat keine _Wahrheit_, oder was nicht begriffen ist, +ist nicht; indem also die Vernunft von einem _Andern_ spricht, als +sie ist, spricht sie in der Tat nur von sich selbst; sie tritt darin +nicht aus sich heraus.--Dieser Kampf mit dem Entgegengesetzten +vereinigt darum die Bedeutung in sich, ihre _Verwirklichung_ zu sein. +Diese besteht nämlich eben in der Bewegung, die Momente zu +entwickeln, und sie in sich zurückzunehmen; ein Teil dieser Bewegung +ist die Unterscheidung, in welcher die begreifende Einsicht sich +selbst als _Gegenstand_ gegenüberstellt; solange sie in diesem +Momente verweilt, ist sie sich entfremdet. Als reine Einsicht ist +sie ohne allen _Inhalt_; die Bewegung ihrer Realisierung besteht +darin, daß _sie selbst_ sich als Inhalt wird, denn ein anderer kann +ihr nicht werden, weil sie das Selbstbewußtsein der Kategorie ist. +Aber indem sie ihn zuerst in dem Entgegensetzen nur als _Inhalt_, und +ihn noch nicht als sich selbst weiß, verkennt sie sich in ihm. Ihre +Vollendung hat daher diesen Sinn, den ihr zuerst gegenständlichen +Inhalt als den ihrigen zu erkennen. Ihr Resultat wird dadurch aber +weder die Wiederherstellung der Irrtümer, welche sie bekämpft, noch +nur ihr erster Begriff sein, sondern eine Einsicht, welche die +absolute Negation ihrer selbst als ihre eigne Wirklichkeit, als sich +selbst erkennt, oder ihr sich selbst erkennender Begriff.--Diese +Natur des Kampfs der Aufklärung mit den Irrtümern, in ihnen sich +selbst zu bekämpfen und das darin zu verdammen, was sie behauptet, +ist _für uns_, oder was sie und ihr Kampf _an sich_ ist. Die erste +Seite desselben aber, ihre Verunreinigung durch die Aufnahme des +negativen Verhaltens in ihre sichselbstgleiche _Reinheit_ ist es, wie +sie _für den Glauben Gegenstand_ ist; der sie also als Lüge, +Unvernunft und schlechte Absicht erfährt, so wie er für sie Irrtum +und Vorurteil ist.--In Rücksicht auf ihren Inhalt ist sie zunächst +die leere Einsicht, der ihr Inhalt als ein Anderes erscheint, sie +_findet_ ihn daher in dieser Gestalt, daß er noch nicht der ihrige +ist, _vor_, als ein von ihr ganz unabhängiges Dasein, in dem Glauben. + +Die Aufklärung faßt also ihren Gegenstand zuerst und allgemein so auf, +daß sie ihn als _reine Einsicht_ nimmt und ihn so, sich selbst nicht +erkennend, für Irrtum erklärt. In der _Einsicht_ als solcher faßt +das Bewußtsein einen Gegenstand so, daß er ihm zum Wesen des +Bewußtseins oder zu einem Gegenstande wird, den es durchdringt, worin +es sich erhält, bei sich selbst und sich gegenwärtig bleibt, und +indem es hiemit seine Bewegung ist, ihn hervorbringt. Als eben +dieses spricht die Aufklärung den Glauben richtig aus, indem sie von +ihm sagt, daß das, was ihm das absolute Wesen ist, ein Sein seines +eignen Bewußtseins, sein eigner Gedanke, ein vom Bewußtsein +Hervorgebrachtes sei. Sie erklärt ihn hiemit für Irrtum und +Erdichtung über dasselbe, was sie ist.--Sie, die den Glauben die neue +Weisheit lehren will, sagt ihm damit nichts Neues; denn sein +Gegenstand ist ihm auch gerade dieses, nämlich reines Wesen seines +eignen Bewußtseins, so daß dieses darin sich nicht verloren und +negiert setzt, sondern ihm vielmehr vertraut, das heißt eben, _in +ihm_ sich _als dieses_ Bewußtsein oder als Selbstbewußtsein findet. +Wem ich vertraue, dessen _Gewißheit seiner_ selbst, ist mir die +_Gewißheit meiner_ selbst; ich erkenne mein Für-mich-sein in ihm, daß +er es anerkennt, und es ihm Zweck und Wesen ist. Vertrauen ist aber +der Glauben, weil sein Bewußtsein sich _unmittelbar_ auf seinen +Gegenstand _bezieht_, und also auch dies anschaut, daß es _eins_ mit +ihm, in ihm ist.--Ferner, indem dasjenige mir Gegenstand ist, worin +ich mich selbst erkenne, bin ich mir darin zugleich überhaupt als +_anderes_ Selbstbewußtsein, das heißt, als ein solches, welches darin +seiner besondere Einzelnheit, nämlich seiner Natürlichkeit und +Zufälligkeit entfremdet worden, aber teils darin Selbstbewußtsein +bleibt, teils eben darin _wesentliches_ Bewußtsein wie die reine +Einsicht ist.--In dem Begriffe der Einsicht liegt nicht nur dies, daß +das Bewußtsein in seinem eingesehenen Gegenstande sich selbst erkennt, +und ohne das Gedachte zu verlassen und daraus in sich erst +zurückzugehen, sich _unmittelbar_ darin hat, sondern es ist seiner +selbst als auch der _vermittelnden_ Bewegung oder seiner als des +_Tuns_ oder Hervorbringens bewußt; dadurch ist in dem Gedanken _für +es_ diese Einheit seiner als des _Selbsts_ und des Gegenstandes. +--Eben dies Bewußtsein ist auch der Glauben; _der Gehorsam und das +Tun_ ist ein notwendiges Moment, durch welches die Gewißheit des +Seins in dem absoluten Wesen, zustande kommt. Dies Tun des Glaubens +erscheint zwar nicht so, daß das absolute Wesen selbst dadurch +hervorgebracht werde. Aber das absolute Wesen des Glaubens ist +wesentlich nicht das _abstrakte_ Wesen, das jenseits des glaubenden +Bewußtseins sei, sondern es ist der Geist der Gemeine, es ist die +Einheit des abstrakten Wesens und des Selbstbewußtseins. Daß es +dieser Geist der Gemeine sei, darin ist das Tun der Gemeine ein +wesentliches Moment; er ist es _nur durch das Hervorbringen_ des +Bewußtseins,--oder vielmehr _nicht ohne_ vom Bewußtsein +hervorgebracht zu sein; denn so wesentlich das Hervorbringen ist, so +wesentlich ist es auch nicht der einzige Grund des Wesens, sondern es +ist nur ein Moment. Das Wesen ist zugleich an und für sich selbst. + +Von der andern Seite ist der Begriff der reinen Einsicht sich ein +_Anderes_ als sein Gegenstand; denn eben diese negative Bestimmung +macht den Gegenstand aus. So spricht sie also von der andern Seite +auch das Wesen des Glaubens aus, als ein dem Selbstbewußtsein +_Fremdes_, das nicht _sein_ Wesen, sondern als ein Wechselbalg ihm +unterschoben sei. Allein die Aufklärung ist hier völlig töricht; der +Glauben erfährt sie als ein Sprechen, das nicht weiß, was es sagt, +und die Sache nicht versteht, wenn es von Pfaffenbetrug und +Volkstäuschung redet. Sie spricht hievon, als ob durch ein +Hokuspokus der taschenspielerischen Priester dem Bewußtsein etwas +absolut _Fremdes_ und _Anderes_ für das Wesen untergeschoben würde, +und sagt zugleich, daß dies ein Wesen des Bewußtseins sei, daß es +daran glaube, ihm vertraue und sich es geneigt zu machen suche,--das +heißt, daß es darin _sein reines Wesen_ ebensosehr als _seine_ +einzelne und allgemeine _Individualität_ anschaue, und durch sein Tun +diese Einheit seiner selbst mit seinem Wesen hervorbringe. Sie sagt +unmittelbar das, was sie als ein dem Bewußtsein _Fremdes_ aussagt, +als das _Eigenste_ desselben aus.--Wie mag also sie von Betrug und +Täuschung sprechen? Indem sie _unmittelbar_ das Gegenteil dessen, +was sie vom Glauben behauptet, selbst von ihm ausspricht, zeigt sie +diesem vielmehr sich als die bewußte _Lüge_. Wie soll Täuschung und +Betrug da stattfinden, wo das Bewußtsein in seiner Wahrheit +unmittelbar die _Gewißheit seiner selbst_ hat; wo es in seinem +Gegenstande _sich selbst_ besitzt, indem es sich ebensowohl darin +findet als hervorbringt. Der Unterschied ist sogar in den Worten +nicht mehr vorhanden.--Wenn die allgemeine Frage aufgestellt worden +ist: _ob es erlaubt sei, ein Volk zu täuschen_, so müßte in der Tat +die Antwort sein, daß die Frage nichts tauge; weil es unmöglich ist, +hierin ein Volk zu täuschen.--Messing statt Golds, nachgemachte +Wechsel statt echter mögen wohl einzeln verkauft, eine verlorne +Schlacht als eine gewonnene mehrern aufgeheftet, und sonstige Lügen +über sinnliche Dinge und einzelne Begebenheiten auf eine Zeitlang +glaubhaft gemacht werden; aber in dem Wissen von dem Wesen, worin das +Bewußtsein die unmittelbare _Gewißheit seiner selbst_ hat, fällt der +Gedanke der Täuschung ganz hinweg. + +Sehen wir weiter, wie der Glauben die Aufklärung in den +_unterschiedenen_ Momenten seines Bewußtseins erfährt, auf welches +die aufgezeigte Ansicht nur erst im Allgemeinen ging. Diese Momente +aber sind: das reine Denken, oder, als Gegenstand, das _absolute +Wesen_ an und für sich selbst; dann seine _Beziehung_ als ein +_Wissen_ darauf, der _Grund seines Glaubens_, und endlich seine +Beziehung darauf in seinem Tun, oder _sein Dienst_. Wie die reine +Einsicht sich im Glauben überhaupt verkennt und verleugnet hat, so +wird sie in diesen Momenten ebenso verkehrt sich verhalten. + +Die reine Einsicht verhält sich zu _dem absoluten Wesen_ des +glaubenden Bewußtseins negativ. Dies Wesen ist reines _Denken_, und +das reine Denken innerhalb seiner selbst als Gegenstand oder als das +_Wesen_ gesetzt; im glaubenden Bewußtsein erhält dies _An-sich_ des +Denkens zugleich für das für sich seiende Bewußtsein die Form, aber +auch nur die leere Form der Gegenständlichkeit; es ist in der +Bestimmung eines _Vorgestellten_. Der reinen Einsicht aber, indem +sie das reine Bewußtsein nach der Seite des _für sich seienden +Selbsts_ ist, erscheint das _Andre_ als ein _Negatives_ des +_Selbstbewußtseins_. Dies könnte noch entweder als das reine +_An-sich_ des Denkens oder auch als das _Sein_ der sinnlichen +Gewißheit genommen werden. Aber indem es zugleich für das _Selbst_ +und dieses als _Selbst_, das einen Gegenstand hat, wirkliches +Bewußtsein ist, so ist ihr eigentümlicher Gegenstand als solcher ein +_seiendes gemeines Ding_ der _sinnlichen Gewißheit_. Dieser ihr +Gegenstand erscheint ihr an der _Vorstellung_ des Glaubens. Sie +verdammt diese und in ihr ihren eignen Gegenstand. Gegen den Glauben +aber begeht sie schon darin das Unrecht, seinen Gegenstand so +aufzufassen, daß er der ihrige ist. Sie sagt hiernach über den +Glauben, daß sein absolutes Wesen ein Steinstück, ein Holzblock sei, +der Augen habe und nicht sehe, oder auch etwas Brotteig, der auf dem +Acker gewachsen, von Menschen verwandelt darauf zurückgeschickt werde; +--oder nach welchen Weisen sonst der Glauben, das Wesen +anthropomorphosiere, sich gegenständlich und vorstellig mache. + +Die Aufklärung, die sich für das Reine ausgibt, macht hier das, was +dem Geiste ewiges Leben und heiliger Geist ist, zu einem wirklichen +_vergänglichen Dinge_, und besudelt es mit der an sich nichtigen +Ansicht der sinnlichen Gewißheit--mit einer Ansicht, welche dem +anbetenden Glauben gar nicht vorhanden ist, so daß sie ihm dieselbe +rein anlügt. Was er verehrt, ist ihm durchaus weder Stein oder Holz +oder Brotteig, noch sonst ein zeitliches sinnliches Ding. Wenn es +der Aufklärung einfällt, zu sagen, sein Gegenstand sei doch dies +_auch_, oder gar, er sei dieses an sich und in Wahrheit, so kennt +teils der Glauben ebensowohl _jenes Auch_, aber es ist ihm außer +seiner Anbetung; teils aber ist ihm überhaupt nicht so etwas wie ein +Stein und so fort _an sich_, sondern an sich ist ihm allein das Wesen +des reinen Denkens. + +Das _zweite Moment_ ist die Beziehung des Glaubens als _wissenden_ +Bewußtseins auf dieses Wesen. Als denkendem reinem Bewußtsein ist +ihm dies Wesen unmittelbar; aber das reine Bewußtsein ist ebensosehr +_vermittelte_ Beziehung der Gewißheit auf die Wahrheit; eine +Beziehung, welche den _Grund_ des _Glaubens_ ausmacht. Dieser Grund +wird für die Aufklärung ebenso zu einem zufälligen _Wissen von +zufälligen_ Begebenheiten. Der Grund des Wissens aber ist das +_wissende_ Allgemeine, und in seiner Wahrheit der absolute _Geist_, +der in dem abstrakten reinen Bewußtsein oder dem Denken als solchem +nur absolutes _Wesen_, als Selbstbewußtsein aber das _Wissen_ von +sich ist. Die reine Einsicht setzt dies wissende Allgemeine, den +_einfachen sich selbst wissenden Geist_, ebenso als Negatives des +Selbstbewußtseins. Sie ist zwar selbst das _reine vermittelte_, d.h. +sich mit sich vermittelnde Denken, sie ist das reine Wissen; aber +indem sie _reine Einsicht, reines Wissen_ ist, das sich selbst noch +nicht weiß, d.h. für welches es noch nicht ist, daß sie diese reine +vermittelnde Bewegung ist, erscheint sie ihr, wie alles, was sie +selbst ist, als ein Anderes. In ihrer Verwirklichung also begriffen, +entwickelt sie dies ihr wesentliches Moment, aber es erscheint ihr +als dem Glauben angehörend, und in seiner Bestimmtheit, ein ihr +Äußeres zu sein, als ein zufälliges Wissen eben solcher gemein +wirklicher Geschichten. Sie dichtet also hier dem religiösen Glauben +an, daß seine Gewißheit sich auf einige _einzelne historische +Zeugnisse_ gründe, welche als historische Zeugnisse betrachtet +freilich nicht den Grad von Gewißheit über ihren Inhalt gewähren +würden, den uns Zeitungsnachrichten über irgendeine Begebenheit geben; +daß seine Gewißheit ferner auf dem Zufall der _Aufbewahrung_ dieser +Zeugnisse beruhe--der Aufbewahrung durch Papier einerseits, und +andererseits durch die Geschicklichkeit und Ehrlichkeit der +Übertragung von einem Papier auf ein anderes--, und endlich auf der +richtigen Auffassung des Sinnes toter Worte und Buchstaben. In der +Tat aber fällt es dem Glauben nicht ein, an solche Zeugnisse und +Zufälligkeiten seine Gewißheit zu knüpfen; er ist in seiner Gewißheit +unbefangenes Verhältnis zu seinem absoluten Gegenstande, ein reines +Wissen desselben, welches nicht Buchstaben, Papier und Abschreiber in +sein Bewußtsein des absoluten Wesens einmischt, und nicht durch +solcherlei Dinge sich damit vermittelt. Sondern dies Bewußtsein ist +der sich selbst vermittelnde Grund seines Wissens; es ist der Geist +selbst, der das Zeugnis von sich ist, ebenso im _Innern_ des +_einzelnen_ Bewußtseins als durch die _allgemeine Gegenwart_ des +Glaubens aller an ihn. Wenn der Glauben aus dem Geschichtlichen auch +jene Weise von Begründung oder wenigstens Bestätigung seines Inhaltes, +von der die Aufklärung spricht, sich geben will, und ernsthaft meint +und tut, als ob es darauf ankäme, so hat er sich schon von der +Aufklärung verführen lassen; und seine Bemühungen, sich auf solche +Weise zu begründen oder zu befestigen, sind nur Zeugnisse, die er von +seiner Ansteckung gibt. + +Noch ist die dritte Seite übrig, _die Beziehung des Bewußtseins auf +das absolute Wesen_, als ein _Tun_. Dies Tun ist das Aufheben der +Besonderheit des Individuums oder der natürlichen Weise seines +Für-sich-seins, woraus ihm die Gewißheit hervorgeht, reines +Selbstbewußtsein nach seinem Tun, d.h. als _fürsichseiendes_ +einzelnes Bewußtsein eins mit dem Wesen zu sein.--Indem an dem Tun +_Zweckmäßigkeit_ und _Zweck_ sich unterscheidet, und die reine +Einsicht ebenso in Beziehung auf dieses Tun sich _negativ verhält_, +und wie in den andern Momenten sich selbst verleugnet, so muß sie in +Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ als Unverstand sich darstellen, indem +die Einsicht mit der Absicht verbunden, Übereinstimmung des Zwecks +und des Mittels, ihr als Anderes, vielmehr als das Gegenteil +erscheint,--in Ansehung des _Zwecks_ aber das Schlechte, Genuß und +Besitz zum Zwecke machen, und sich hiemit als die unreinste Absicht +beweisen, indem die reine Absicht ebenso, als Andres, unreine Absicht +ist. + +Hienach sehen wir in Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ die Aufklärung es +töricht finden, wenn das glaubende Individuum sich das höhere +Bewußtsein, nicht an den natürlichen Genuß und Vergnügen gefesselt zu +sein, dadurch gibt, daß es sich natürlichen Genuß und Vergnügen +_wirklich_ versagt, und _durch die Tat_ erweist, daß es die +Verachtung derselben nicht lügt, sondern daß sie _wahr ist_.--Ebenso +findet sie es töricht, daß das Individuum von seiner Bestimmtheit, +absolut einzelnes, alle andern ausschließendes und Eigentum +besitzendes zu sein, sich dadurch absolviert, daß es von seinem +Eigentume selbst abläßt; womit es _in Wahrheit_ zeigt, daß es mit +seinem Isolieren nicht Ernst, sondern daß es über die +Naturnotwendigkeit, sich zu vereinzeln, und in dieser absoluten +Vereinzelung des Für-sich-seins die Andern als dasselbe _mit sich_ zu +verleugnen, erhaben ist.--Die reine Einsicht findet beides sowohl +unzweckmäßig als unrecht,--_unzweckmäßig_, um von Vergnügen und +Besitz sich frei zu erweisen, sich Vergnügen zu versagen und einen +Besitz wegzugeben; sie wird also im Gegenteil den für einen _Toren_ +erklären, der, um zu essen, das Mittel ergreift, wirklich zu essen. +Sie findet es auch _unrecht_, sich eine Mahlzeit zu versagen, und +Butter, Eier nicht gegen Geld, oder Geld nicht gegen Butter und Eier, +sondern geradezu, ohne so was dafür zurück zu erhalten, wegzugeben; +sie erklärt eine Mahlzeit oder den Besitz von dergleichen Dingen für +einen Selbstzweck, und sich damit in der Tat für eine sehr unreine +Absicht, der es um solchen Genuß und Besitz ganz wesentlich zu tun +ist. Sie behauptet als reine Absicht auch wieder die Notwendigkeit +der Erhebung über die natürliche Existenz und über die Habsucht um +ihre Mittel; nur findet sie es töricht und unrecht, daß diese +Erhebung _durch die Tat_ bewiesen werden soll, oder diese reine +Absicht ist in Wahrheit Betrug, welcher eine _innerliche_ Erhebung +vorgibt und fodert, aber Ernst daraus zu machen, sie _wirklich ins +Werk_ zu richten und _ihre Wahrheit zu erweisen_ für überflüssig, +töricht, und selbst für unrecht ausgibt.--Sie verleugnet sich also +sowohl als reine Einsicht, denn sie verleugnet das unmittelbar +zweckmäßige Tun, wie als reine Absicht, denn sie verleugnet die +Absicht, sich von den Zwecken der Einzelnheit befreit zu erweisen. + +So gibt die Aufklärung sich dem Glauben zu erfahren. Sie tritt in +diesem schlechten Aussehen auf, weil sie eben durch das Verhältnis zu +einem andern sich eine _negative Realität_ gibt, oder sich als das +Gegenteil ihrer selbst darstellt; die reine Einsicht und Absicht muß +sich aber dies Verhältnis geben, denn es ist ihre Verwirklichung. +--Diese erschien zunächst als negative Realität. Vielleicht ist ihre +_positive Realität_ besser beschaffen; sehen wir, wie diese sich +verhält.--Wenn alles Vorurteil und Aberglauben verbannt worden, so +tritt die Frage ein, _was nun weiter? Welches ist die Wahrheit, +welche die Aufklärung statt jener verbreitet hat?_--Sie hat diesen +positiven Inhalt in ihrem Ausrotten des Irrtums schon ausgesprochen, +denn jene Entfremdung ihrer selbst ist ebensosehr ihre positive +Realität.--An demjenigen, was dem Glauben absoluter Geist ist, faßt +sie, was sie von _Bestimmung_ daran entdeckt, als Holz, Stein und so +fort, als einzelne wirkliche Dinge auf; indem sie überhaupt _alle +Bestimmtheit_, das heißt, allen Inhalt und Erfüllung desselben auf +diese Weise als eine _Endlichkeit_, als _menschliches Wesen und +Vorstellung_ begreift, wird ihr das _absolute Wesen_ zu einem +_Vakuum_, dem keine Bestimmungen, keine Prädikate beigelegt werden +können. Ein solches Beilager wäre an sich sträflich, und es ist es +eben, in welchem die Ungeheuer des Aberglaubens erzeugt worden sind. +Die Vernunft, die _reine Einsicht_ ist wohl selbst nicht leer, indem +das Negative ihrer selbst _für sie_ und ihr Inhalt ist, sondern reich, +aber nur an Einzelnheit und Schranke; dem absoluten Wesen +dergleichen nichts zukommen zu lassen noch beizulegen, ist ihre +einsichtsvolle Lebensart, welche sich und ihren Reichtum der +Endlichkeit an ihren Ort zu stellen und das Absolute würdig zu +behandeln weiß. + +Diesem leeren Wesen gegenüber steht als _zweites Moment_ der +positiven Wahrheit der Aufklärung, die aus einem absoluten Wesen +ausgeschlossene _Einzelnheit_ überhaupt, des Bewußtseins und alles +Seins, als _absolutes An- und Für-sich-sein_. Das Bewußtsein, +welches in seiner allerersten Wirklichkeit _sinnliche Gewißheit_ und +_Meinung_ ist, kehrt hier aus dem ganzen Wege seiner Erfahrung dahin +zurück, und ist wieder ein Wissen von _rein Negativem seiner selbst_, +oder von _sinnlichen Dingen_, d.h. _seienden_, welche seinem +_Für-sich-sein_ gleichgültig gegenüberstehen. Es ist hier aber nicht +_unmittelbares_ natürliches Bewußtsein, sondern es ist sich solches +_geworden_. Zuerst preisgegeben aller Verwicklung, worein es durch +seine Entfaltung gestürzt wird, itzt durch die reine Einsicht auf +seine erste Gestalt zurückgeführt, hat es sie als das _Resultat +erfahren_. Auf die Einsicht der Nichtigkeit aller andern Gestalten +des Bewußtseins und somit alles jenseits der sinnlichen Gewißheit +_gegründet_, ist diese sinnliche Gewißheit nicht mehr Meinung, +sondern sie ist vielmehr die absolute Wahrheit. Diese Nichtigkeit +alles dessen, was über die sinnliche Gewißheit hinausgeht, ist zwar +nur ein negativer Beweis dieser Wahrheit; aber sie ist keines andern +fähig, denn die positive Wahrheit der sinnlichen Gewißheit an ihr +selbst, ist eben das _unvermittelte_ Für-sich-sein des Begriffes +selbst als Gegenstands, und zwar in der Form des Andersseins,--daß es +jedem Bewußtsein _schlechthin gewiß_ ist, daß es _ist_, und _andere +wirkliche Dinge_ außer ihm, und daß es in seinem _natürlichen_ Sein, +so wie diese Dinge, _an und für sich_ oder _absolut_ ist. + +_Das dritte Moment der Wahrheit der Aufklärung_ endlich ist das +Verhältnis der einzelnen Wesen zum absoluten Wesen, die Beziehung der +beiden ersten. Die Einsicht als reine Einsicht des _Gleichen_ oder +_Unbeschränkten geht_ auch über das _Ungleiche_, nämlich die endliche +Wirklichkeit, oder über sich als bloßes Anderssein _hinaus_. Sie hat +zum Jenseits desselben _das Leere_, auf welches sie also die +sinnliche Wirklichkeit bezieht. In die Bestimmung dieses +_Verhältnisses_ treten nicht die beiden Seiten als _Inhalt_ ein, denn +die eine ist das Leere, und ein Inhalt ist also nur durch die andere, +die sinnliche Wirklichkeit, vorhanden. Die _Form_ der Beziehung aber, +in deren Bestimmung die Seite des _An-sich_ mithilft, kann nach +Belieben gemacht werden; denn die Form ist das _an sich Negative_, +und darum das sich Entgegengesetzte; Sein sowohl als Nichts; +_An-sich_ wie das _Gegenteil_; oder was dasselbe, die Beziehung _der +Wirklichkeit_ auf _An-sich_ als das _Jenseits_ ist ebensowohl ein +_Negieren_ als ein _Setzen_ derselben. Die endliche Wirklichkeit +kann daher eigentlich, wie man es gerade braucht, genommen werden. +Das Sinnliche wird also itzt auf das Absolute als auf das _An-sich +positiv_ bezogen, und die sinnliche Wirklichkeit ist selbst _an sich_; +das Absolute macht, hegt und pflegt sie. Wiederum ist sie auch +darauf als auf das Gegenteil, als auf ihr _Nichtsein_ bezogen; nach +diesem Verhältnisse ist sie nicht an sich, sondern nur _für ein +Anderes_. Wenn in der vorhergehenden Gestalt des Bewußtseins die +_Begriffe_ des Gegensatzes sich als _Gut_ und _Schlecht_ bestimmten, +so werden sie dagegen der reinen Einsicht zu den reinern +Abstraktionen, des _An-sich-_ und _Für-ein-Anderes_-sein. + +Beide Betrachtungsweisen, der positiven wie der negativen Beziehung +des Endlichen auf das An-sich, sind aber in der Tat gleich notwendig, +und alles ist also so sehr _an sich_, als es _für ein Anderes_ ist; +oder alles ist _nützlich_.--Alles gibt sich andern preis, läßt sich +itzt von andern gebrauchen, und ist _für sie_; und itzt stellt es +sich, es so zu sagen, wieder auf die Hinterbeine, tut spröde gegen +Anderes, ist für sich und gebraucht das Andere seinerseits.--Für den +Menschen, als das dieser Beziehung _bewußte_ Ding, ergibt sich daraus +sein Wesen und seine Stellung. Er ist, wie er unmittelbar ist, als +natürliches Bewußtsein _an sich, gut_, als einzelnes _absolut_, und +Anderes ist _für ihn_; und zwar da für ihn als das seiner bewußte +Tier die Momente die Bedeutung der Allgemeinheit haben, ist _alles_ +für sein Vergnügen und Ergötzlichkeit, und er geht, wie er aus Gottes +Hand gekommen, in der Welt als einem für ihn gepflanzten Garten umher. +--Er muß auch vom Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen +gepflückt haben; er besitzt darin einen Nutzen, der ihn von allem +andern unterscheidet, denn zufälligerweise ist seine an sich gute +Natur _auch_ so beschaffen, daß ihr das Übermaß der Ergötzlichkeit +Schaden tut, oder vielmehr seine Einzelnheit hat _auch ihr Jenseits_ +an ihr, kann über sich selbst hinausgehen und sich zerstören. +Hiegegen ist ihm die Vernunft ein nützliches Mittel, dies Hinausgehen +gehörig zu beschränken, oder vielmehr im Hinausgehen über das +Bestimmte sich selbst zu erhalten; denn dies ist die Kraft des +Bewußtseins. Der Genuß des bewußten an sich _allgemeinen_ Wesens muß +nach Mannigfaltigkeit und Dauer selbst nicht ein bestimmtes, sondern +allgemein sein; das Maß hat daher die Bestimmung, zu verhindern, daß +das Vergnügen in seiner Mannigfaltigkeit und Dauer abgebrochen werde; +das heißt, die Bestimmung des Maßes ist die Unmäßigkeit.--Wie dem +Menschen alles nützlich ist, so ist er es ebenfalls, und seine +Bestimmung ebensosehr, sich zum gemeinnützlichen und allgemein +brauchbaren Mitgliede des Trupps zu machen. Soviel er für sich sorgt, +gerade soviel muß er sich auch hergeben für die Andern, und soviel +er sich hergibt, soviel sorgt er für sich selbst; eine Hand wäscht +die andere. Wo er aber sich befindet, ist er recht daran; er nützt +andern und wird genützt. + +Anders ist auf andere Weise einander nützlich; alle Dinge aber haben +diese nützliche Gegenseitigkeit durch ihr Wesen, nämlich auf das +Absolute auf die gedoppelte Weise bezogen zu sein--die positive, +dadurch _an und für sich_ selbst zu sein, die negative, dadurch _für +Andere_ zu sein. Die _Beziehung_ auf das absolute Wesen oder die +Religion ist daher unter aller Nützlichkeit das Allernützlichste; +denn sie ist der _reine Nutzen selbst_, sie ist dies Bestehen aller +Dinge, oder ihr _An-_ und _Für-sich_-sein, und das Fallen aller Dinge, +oder ihr _Sein für Anderes_. + +Dem Glauben freilich ist dieses positive Resultat der Aufklärung so +sehr ein Greuel als ihr negatives Verhalten gegen ihn. Diese +_Einsicht_ in das absolute Wesen, die nichts in ihm sieht als eben +das _absolute Wesen_, das _être suprême_, oder _das Leere_,--diese +_Absicht_, daß alles in seinem unmittelbaren Dasein _an sich_ oder +gut ist, daß endlich die _Beziehung_ des einzelnen bewußten Seins auf +das absolute Wesen, _die Religion_, der Begriff der Nützlichkeit +erschöpfend ausdrückt, ist dem Glauben schlechthin _abscheulich_. +Diese eigne _Weisheit_ der Aufklärung erscheint ihm notwendig +zugleich als die _Plattheit_ selbst, und als das _Geständnis_ der +Plattheit; weil sie darin besteht, vom absoluten Wesen nichts oder, +was dasselbe ist, von ihm diese ganz ebne Wahrheit zu wissen, daß es +eben nur _das absolute Wesen_ ist, dagegen nur von der Endlichkeit +und zwar sie als das Wahre und dies Wissen von derselben als dem +Wahren, als das Höchste zu wissen. + +Der Glauben hat das göttliche Recht, das Recht der absoluten +_Sichselbstgleichheit_ oder des reinen Denkens, gegen die Aufklärung, +und erfährt von ihr durchaus Unrecht; denn sie verdreht ihn in allen +seinen Momenten, und macht sie zu etwas anderem, als sie in ihm sind. +Sie aber hat nur menschliches Recht gegen ihn und für ihre Wahrheit; +denn das Unrecht, das sie begeht, ist das Recht der _Ungleichheit_, +und besteht in dem Verkehren und Verändern, ein Recht, das der Natur +des _Selbstbewußtseins_ im Gegensatze gegen das einfache Wesen oder +das _Denken_ angehört. Aber indem ihr Recht das Recht des +Selbstbewußtseins ist, wird sie nicht nur _auch_ ihr Recht behalten, +so daß zwei gleiche Rechte des Geistes einander gegenüber +stehenblieben, und keins das andere befriedigen könnte, sondern sie +wird das absolute Recht behaupten, weil das Selbstbewußtsein die +Negativität des Begriffs ist, die nicht nur _für sich_ ist, sondern +auch über ihr Gegenteil übergreift; und der Glauben selbst, weil er +Bewußtsein ist, wird ihr ihr Recht nicht verweigern können. + +Denn die Aufklärung verhält sich gegen das glaubende Bewußtsein nicht +mit eigentümlichen Prinzipien, sondern mit solchen, welche dieses +selbst an ihm hat. Sie bringt ihm nur seine _eigenen Gedanken_ +zusammen, die ihm bewußtlos auseinanderfallen; sie erinnert es nur +bei der _einen_ seiner Weisen an die _andern_, die es _auch_ hat, +aber deren eine es immer bei der andern vergißt. Sie erweist sich +eben dadurch gegen es als reine Einsicht, daß sie bei einem +_bestimmten_ Momente das Ganze sieht, also das auf jenes Moment sich +beziehende _Entgegengesetzte_ herbeibringt, und eines im andern +verkehrend das negative Wesen beider Gedanken, den _Begriff_, +hervortreibt. Sie erscheint dem Glauben darum als Verdrehung und +Lüge, weil sie das _Anderssein_ seiner Momente aufzeigt; sie scheint +ihm damit unmittelbar etwas anderes aus ihnen zu machen, als sie in +ihrer Einzelnheit sind; aber dies _Andere_ ist ebenso wesentlich, und +es ist in Wahrheit in dem glaubenden Bewußtsein selbst vorhanden, nur +daß dieses daran nicht denkt, sondern es sonstwo hat; daher ist es +ihm weder fremde, noch kann es von ihm abgeleugnet werden. + +Die Aufklärung selbst aber, welche den Glauben an das +Entgegengesetzte seiner abgesonderten Momente erinnert, ist +ebensowenig über sich selbst aufgeklärt. Sie verhält sich rein +_negativ_ gegen den Glauben, insofern sie ihren Inhalt aus ihrer +Reinheit ausschließt, und ihn für das _Negative_ ihrer selbst nimmt. +Sie erkennt daher weder in diesem Negativen, in dem Inhalte des +Glaubens, sich selbst, noch bringt auch sie aus diesem Grunde die +beiden Gedanken zusammen, den, welchen sie herbeibringt, und den, +gegen welchen sie ihn herbeibringt. Indem sie nicht erkennt, daß +dasjenige, was sie am Glauben verdammt, unmittelbar ihr eigener +Gedanken ist, so ist sie selbst in der Entgegensetzung der beiden +Momente, deren eines, nämlich jedesmal das dem Glauben +entgegengesetzte, sie nur anerkennt, das andere aber, gerade wie der +Glauben tut, davon trennt. Sie bringt daher nicht die Einheit beider +als Einheit derselben, d.i. den Begriff hervor; aber er _entsteht_ +ihr für sich oder sie findet ihn nur als _vorhanden_. Denn an sich +ist ebendies die Realisierung der reinen Einsicht, daß sie, deren +Wesen der Begriff ist, zuerst sich selbst als ein absolut _Anderes_ +wird und sich verleugnet, denn der Gegensatz des Begriffes ist der +absolute, und aus diesem Anderssein zu sich selbst, oder zu ihrem +Begriffe kommt.--Die Aufklärung _ist_ aber nur diese Bewegung, sie +ist die noch bewußtlose Tätigkeit des reinen Begriffes, die zwar zu +sich selbst, als Gegenstand, kommt, aber diesen für ein _Anderes_ +nimmt, auch die Natur des Begriffes nicht kennt, daß nämlich das +Nichtunterschiedne es ist, was sich absolut trennt.--Gegen den +Glauben also ist die Einsicht insofern die _Macht_ des Begriffes, als +sie die Bewegung und das Beziehen der in seinem Bewußtsein +auseinanderliegenden Momente ist, ein Beziehen, worin der Widerspruch +derselben zum Vorschein kömmt. Hierin liegt das absolute _Recht_ der +Gewalt, welche sie über ihn ausübt; die _Wirklichkeit_ aber, zu der +sie diese Gewalt bringt, ebendarin, daß das glaubende Bewußtsein +selbst der Begriff ist, und also das Entgegengesetzte, das ihm die +Einsicht herbeibringt, selbst anerkennt. Sie behält darum gegen es +recht, weil sie an ihm das geltend macht, was ihm selbst notwendig +ist, und was es an ihm selbst hat. + +Zuerst behauptet die Aufklärung das Moment des Begriffs, ein _Tun_ +des _Bewußtseins_ zu sein; sie behauptet dies _gegen_ den +Glauben--daß sein absolutes Wesen Wesen _seines_ Bewußtsein als eines +Selbsts, oder daß es durch das Bewußtsein _hervorgebracht_ sei. Dem +glaubenden Bewußtsein ist sein absolutes Wesen, ebenso wie es ihm +_An-sich_ ist, zugleich nicht wie ein fremdes Ding, welches darin, +man weiß nicht wie und woher, _stünde_, sondern sein Vertrauen +besteht gerade darin, sich als _dieses_ persönliche Bewußtsein darin +zu _finden_, und sein Gehorsam und Dienst darin, es als _sein_ +absolutes Wesen durch sein _Tun_ hervorzubringen. Hieran erinnert +eigentlich nur den Glauben die Aufklärung, wenn er rein das _An-sich_ +des absoluten Wesens _jenseits_ des _Tuns_ des Bewußtseins ausspricht. +--Aber indem sie zwar der Einseitigkeit des Glaubens das +entgegengesetzte Moment des _Tuns_ desselben gegen das _Sein_, an das +er hier allein denkt, herbei, selbst aber ihre Gedanken ebenso nicht +zusammenbringt, isoliert sie das reine Moment des _Tuns_, und spricht +von dem _An-sich_ des Glaubens aus, daß es _nur_ ein +_Hervorgebrachtes_ des Bewußtseins sei. Das isolierte dem _An-sich_ +entgegengesetzte Tun ist aber ein zufälliges Tun, und als ein +vorstellendes ein Erzeugen von Fiktionen--Vorstellungen, die nicht +_an sich_ sind; und so betrachtet sie den Inhalt des Glaubens. +--Umgekehrt aber sagt die reine Einsicht ebenso das Gegenteil. Indem +sie das Moment des _Andersseins_, das der Begriff an ihm hat, +behauptet, spricht sie das Wesen des Glaubens als ein solches aus, +welches das Bewußtsein _nichts angehe, jenseits_ desselben, ihm fremd +und unerkannt sei. Dem Glauben ist es ebenso, wie er einerseits ihm +vertraut, und darin die _Gewißheit seiner selbst_ hat, andererseits +in seinen Wegen unerforschlich, und in seinem Sein unerreichbar. + +Ferner behauptet die Aufklärung gegen das glaubende Bewußtsein darin +ein Recht, das es selbst einräumt, wenn sie den Gegenstand seiner +Verehrung als Stein und Holz oder sonst als eine endliche +anthropomorphische Bestimmtheit betrachtet. Denn da es dies +entzweite Bewußtsein ist, ein _Jenseits_ der _Wirklichkeit_ und ein +reines _Diesseits_ von jenem Jenseits zu haben, so ist in ihm in der +Tat _auch_ diese Ansicht des sinnlichen Dinges vorhanden, nach +welcher es _an_ und _für sich gilt_; es bringt aber diese beiden +Gedanken _des An-und-für-sich-seienden_, das ihm einmal das _reine +Wesen_, das anderemal ein gemeines _sinnliches Ding_ ist, nicht +zusammen.--Selbst sein reines Bewußtsein ist von der letztern Ansicht +affiziert, denn die Unterschiede seines übersinnlichen Reichs sind, +weil es des Begriffs entbehrt, eine Reihe von selbstständigen +_Gestalten_ und ihre Bewegung ein _Geschehen_, das heißt, sie sind +nur in der _Vorstellung_, und haben die Weise des sinnlichen Seins an +ihnen.--Die Aufklärung isoliert ihrerseits ebenso die _Wirklichkeit_, +als ein vom Geiste verlassenes Wesen, die Bestimmtheit als eine +unverrückte Endlichkeit, welche nicht in der geistigen Bewegung des +Wesens selbst ein _Moment_ wäre, nicht Nichts, auch nicht ein an und +für sich _seiendes_ Etwas, sondern ein Verschwindendes. + +Es ist klar, daß dasselbe bei dem _Grunde_ des _Wissens_ der Fall ist. +Das glaubende Bewußtsein anerkennt selbst ein zufälliges _Wissen_, +denn es hat ein Verhältnis zu Zufälligkeiten, und das absolute Wesen +selbst ist ihm in der Form einer vorgestellten gemeinen Wirklichkeit; +hiemit ist das glaubende Bewußtsein _auch_ eine Gewißheit, welche +nicht die Wahrheit an ihr selbst hat, und es bekennt sich als ein +solches unwesentliches Bewußtsein, diesseits des sich selbst +vergewissernden und bewährenden Geistes.--Dies Moment vergißt es aber +in seinem geistigen unmittelbaren Wissen von dem absoluten Wesen. +--Die Aufklärung aber, welche es daran erinnert, denkt wieder _nur_ +an das zufällige Wissen, und vergißt das Andere,--denkt nur an die +Vermittlung, welche durch ein _fremdes_ Drittes geschieht, nicht an +die, worin das Unmittelbare sich selbst das Dritte ist, wodurch es +sich mit dem Andern, nämlich mit _sich selbst_, vermittelt. + +Endlich findet sie in ihrer Ansicht des _Tuns_ des Glaubens das +Wegwerfen des Genusses und der Habe unrecht und unzweckmäßig.--Was +das Unrecht betrifft, so erhält sie die Übereinstimmung des +glaubenden Bewußtseins darin, daß dieses selbst diese Wirklichkeit +anerkennt, Eigentum zu besitzen, festzuhalten und zu genießen; es +beträgt sich in der Behauptung des Eigentums um so isolierter und +hartnäckiger, sowie in seinem Genusse um so roher dahingegeben, da +jenseits dieser Wirklichkeit sein religiöses--Besitz und Genuß +_aufgebendes_--Tun fällt und ihm die Freiheit für jene Seite erkauft. +Dieser Dienst der Aufopferung des natürlichen Treibens und Genießens +hat durch diesen Gegensatz in der Tat keine Wahrheit; die +Beibehaltung hat _neben_ der Aufopferung statt; diese ist nur ein +_Zeichen_, das die wirkliche Aufopferung nur an einem kleinen Teile +vollbringt, und sie daher in der Tat nur _vorstellt_. + +In Ansehung der _Zweckmäßigkeit_ findet die Aufklärung das Wegwerfen +_einer_ Habe, um von _der_ Habe, die Versagung _eines_ Genusses, um +von _dem_ Genusse sich befreit zu wissen und zu erweisen, für +ungeschickt. Das glaubende Bewußtsein selbst faßt das absolute Tun +als ein _allgemeines_ Tun; nicht nur das Handeln seines absoluten +Wesens als seines Gegenstandes ist ihm ein allgemeines, sondern auch +das einzelne Bewußtsein soll sich ganz und allgemein von seinem +sinnlichen Wesen befreit erweisen. Das Wegwerfen einer _einzelnen_ +Habe oder das Verzichttun auf einen _einzelnen_ Genuß ist aber nicht +diese _allgemeine_ Handlung; und indem in der Handlung wesentlich der +_Zweck_, der ein allgemeiner, und die _Ausführung_, die eine einzelne +ist, vor dem Bewußtsein in ihrer Unangemessenheit stehen müßte, so +erweist sie sich als ein solches Handeln, woran das Bewußtsein keinen +Anteil hat, und hiemit dies Handeln eigentlich als zu _naiv_, um eine +Handlung zu sein; es ist zu naiv, zu fasten, um von der Lust der +Mahlzeit sich befreit, zu naiv, sich, wie Origines, andere Lust _vom +Leibe_ wegzuschaffen, um sie abgetan zu erweisen. Die Handlung +selbst erweist sich als ein _äußerliches_ und _einzelnes_ Tun; die +Begierde aber ist _innerlich_ eingewurzelt, und ein _allgemeines_; +ihre Lust verschwindet weder mit dem Werkzeuge noch durch einzelne +Entbehrung. + +Die Aufklärung aber isoliert ihrerseits hier das _Innerliche, +Unwirkliche_ gegen die Wirklichkeit, wie sie gegen die Innerlichkeit +des Glaubens in seiner Anschauung und Andacht die Äußerlichkeit der +Dingheit festhielt. Sie legt das Wesentliche in die _Absicht_, in +den _Gedanken_, und erspart dadurch das wirkliche Vollbringen der +Befreiung von den natürlichen Zwecken; im Gegenteil ist diese +Innerlichkeit selbst das Formale, das an den natürlichen Trieben +seine Erfüllung hat, welche eben dadurch gerechtfertigt sind, daß sie +innerlich, daß sie dem _allgemeinen_ Sein, der Natur angehören. + +Die Aufklärung hat also über den Glauben darum eine unwiderstehliche +Gewalt, daß sich in seinem Bewußtsein selbst die Momente finden, +welche sie geltend macht. Die Wirkung dieser Kraft näher betrachtet, +so scheint ihr Verhalten gegen ihn die _schöne_ Einheit des +_Vertrauens_ und der unmittelbaren _Gewißheit_ zu zerreißen, sein +_geistiges_ Bewußtsein durch niedrige Gedanken der _sinnlichen_ +Wirklichkeit zu verunreinigen, sein in seiner Unterwerfung +_beruhigtes_ und _sicheres_ Gemüt durch die _Eitelkeit_ des +Verstandes und des eigenen Willens und Vollbringens zu zerstören. +Aber in der Tat leitet sie vielmehr die Aufhebung der _gedankenlosen_ +oder vielmehr _begrifflosen Trennung_ ein, welche in ihm vorhanden +ist. Das glaubende Bewußtsein führt doppeltes Maß und Gewicht, es +hat zweierlei Augen, zweierlei Ohren, zweierlei Zunge und Sprache, es +hat alle Vorstellungen verdoppelt, ohne diese Doppelsinnigkeit zu +vergleichen. Oder der Glauben lebt in zweierlei Wahrnehmungen, der +einen, der Wahrnehmung des _schlafenden_, rein in begrifflosen +Gedanken, der andern des wachen, rein in der sinnlichen Wirklichkeit +lebenden Bewußtseins, und in jeder führt er eine eigene Haushaltung. +--Die Aufklärung beleuchtet jene himmlische Welt mit den +Vorstellungen der sinnlichen; und zeigte jener diese Endlichkeit auf, +die der Glauben nicht verleugnen kann, weil er Selbstbewußtsein und +hiemit die Einheit ist, welcher beide Vorstellungsweisen angehören, +und worin sie nicht auseinanderfallen, denn sie gehören demselben +untrennbaren _einfachen_ Selbst an, in welches er übergegangen ist. + +Der Glauben hat hiedurch den Inhalt, der sein Element erfüllte, +verloren, und sinkt in ein dumpfes Weben des Geistes in ihm selbst +zusammen. Er ist aus seinem Reiche vertrieben, oder dies Reich ist +ausgeplündert, indem alle Unterscheidung und Ausbreitung desselben +das wache Bewußtsein an sich riß, und seine Teile alle der Erde als +ihr Eigentum vindizierte und zurückgab. Aber befriedigt ist er darum +nicht, denn durch diese Beleuchtung ist allenthalben nur einzelnes +Wesen entstanden, so daß den Geist nur wesenlose Wirklichkeit und von +ihm verlaßne Endlichkeit anspricht.--Indem er ohne Inhalt ist und in +dieser Leere nicht bleiben kann, oder indem er über das Endliche, das +der einzige Inhalt ist, hinausgehend nur das Leere findet, ist er ein +_reines Sehnen_; seine Wahrheit ein leeres _Jenseits_, dem sich kein +gemäßer Inhalt mehr finden läßt, denn alles ist anders verwandt.--Der +Glauben ist in der Tat hiemit dasselbe geworden, was die Aufklärung, +nämlich das Bewußtsein der Beziehung des an sich seienden Endlichen +auf das prädikatlose, unerkannte und unerkennbare Absolute; nur _daß +sie_ die _befriedigte, er_ aber die _unbefriedigte_ Aufklärung ist. +Es wird sich jedoch an ihr zeigen, ob sie in ihrer Befriedigung +bleiben kann; jenes Sehnen des trüben Geistes, der über den Verlust +seiner geistigen Welt trauert, steht im Hinterhalte. Sie selbst hat +diesen Makel des unbefriedigten Sehnens an ihr,--_als reinen +Gegenstand_ an ihrem _leeren_ absoluten Wesen,--als _Tun_ und +_Bewegung_ an dem _Hinausgehen_ über ihr Einzelwesen zum unerfüllten +Jenseits,--als _erfüllten Gegenstand_ an der _Selbstlosigkeit_ des +Nützlichen. Sie wird diesen Makel aufheben; aus der nähern +Betrachtung des positiven Resultates, das ihr die Wahrheit ist, wird +sich ergeben, daß er an sich darin schon aufgehoben ist. + + + +b. Die Wahrheit der Aufklärung + +Das dumpfe nichts mehr in sich unterscheidende Weben des Geistes ist +also in sich selbst jenseits des Bewußtseins getreten, welches +dagegen sich klar geworden ist.--Das erste Moment dieser Klarheit ist +in seiner Notwendigkeit und Bedingung dadurch bestimmt, daß die reine +Einsicht, oder sie, die _an sich_ Begriff ist, sich verwirklicht; sie +tut dies, indem sie das Anderssein oder die Bestimmtheit an ihr setzt. +Auf diese Weise ist sie negative reine Einsicht, d.i. Negation des +Begriffs; diese ist ebenso rein; und es ist damit das _reine Ding_, +das absolute Wesen, das sonst keine weitere Bestimmung hat, geworden. +Dies näher bestimmt, so ist sie als absoluter Begriff, ein +Unterscheiden von Unterschieden, die keine mehr sind, von +Abstraktionen oder reinen Begriffen, die sich selbst nicht mehr +tragen, sondern nur durch _das Ganze der Bewegung_ Halt und +Unterscheidung haben. Dieses Unterscheiden des Nichtunterschiednen +besteht gerade darin, daß der absolute Begriff sich selbst zu seinem +_Gegenstande_ macht, und jener _Bewegung_ gegenüber sich als das +_Wesen_ setzt. Dies entbehrt hiedurch der Seite, worin die +Abstraktionen oder Unterschiede _auseinandergehalten_ werden, und +wird daher das _reine Denken_ als _reines Ding_.--Dies ist also eben +jenes dumpfe bewußtlose Weben des Geistes in ihm selbst, zu dem der +Glauben herabsank, indem er den unterschiednen Inhalt verlor;--es ist +zugleich jene _Bewegung_ des reinen Selbstbewußtseins, der es das +absolut fremde Jenseits sein soll. Denn weil dies reine +Selbstbewußtsein die Bewegung in reinen Begriffen, in Unterschieden +ist, die keine sind, so fällt es in der Tat in das bewußtlose Weben, +d.i. in das reine _Fühlen_ oder in die reine _Dingheit_ zusammen. +--Der sich selbst entfremdete Begriff--denn er steht hier noch auf +der Stufe dieser Entfremdung--aber erkennt nicht dies _gleiche Wesen_ +beider Seiten, der Bewegung des Selbstbewußtseins und seines +absoluten Wesens,--nicht das _gleiche Wesen_ derselben, welches in +der Tat ihre Substanz und Bestehen ist. Indem er diese Einheit nicht +erkennt, so gilt ihm das Wesen nur in der Form des gegenständlichen +Jenseits, das unterscheidende Bewußtsein aber, das auf diese Weise +das An-sich außer ihm hat, als ein endliches Bewußtsein. + +Über jenes absolute Wesen gerät die Aufklärung selbst mit sich in den +Streit, den sie vorher mit dem Glauben hatte, und teilt sich in zwei +Parteien. Eine Partei bewährt sich erst dadurch als die _siegende_, +daß sie in zwei Parteien zerfällt; denn darin zeigt sie das Prinzip, +das sie bekämpfte, an ihr selbst zu besitzen, und hiemit die +Einseitigkeit aufgehoben zu haben, in der sie vorher auftrat. Das +Interesse, das sich zwischen ihr und der andern teilte, fällt nun +ganz in sie und vergißt der andern, weil es in ihr selbst den +Gegensatz findet, der es beschäftigt. Zugleich aber ist er in das +höhere siegende Element erhoben worden, worin er geläutert sich +darstellt. So daß also die in einer Partei entstehende Zwietracht, +welche ein Unglück scheint, vielmehr ihr Glück beweist. + +Das reine Wesen selbst hat keinen Unterschied an ihm, daher kommt er +so an dasselbe, daß sich zwei solche reine Wesen für das Bewußtsein, +oder ein zweifaches Bewußtsein desselben hervortut.--Das reine +absolute Wesen ist nur in dem reinen Denken, oder vielmehr es ist das +reine Denken selbst, also schlechthin _jenseits_ des endlichen, des +_Selbst_bewußtseins, und nur das negative Wesen. Aber auf diese +Weise ist es eben das _Sein_, das Negative des Selbstbewußtseins. +Als _Negatives_ desselben ist es _auch_ darauf bezogen; es ist das +_äußere Sein_, welches auf es, worin die Unterschiede und +Bestimmungen fallen, bezogen die Unterschiede an ihm erhält, +geschmeckt, gesehen, und so fort, zu werden; und das Verhältnis ist +die _sinnliche_ Gewißheit und Wahrnehmung. + +Wird von diesem _sinnlichen_ Sein, worein jenes negative Jenseits +notwendig übergeht, ausgegangen, aber von diesen bestimmten Weisen +der Beziehung des Bewußtseins abstrahiert, so bleibt die reine +_Materie_ übrig als das dumpfe Weben und Bewegen in sich selbst. Es +ist hiebei wesentlich, dies zu betrachten, daß die _reine Materie_ +nur das ist, was _übrig_bleibt, wenn wir vom Sehen, Fühlen, Schmecken +und so fort _abstrahieren_, das heißt, sie ist nicht das Gesehene, +Geschmeckte, Gefühlte, und so fort; es ist nicht die _Materie_, die +gesehen, gefühlt, geschmeckt wird, sondern die Farbe, ein Stein, ein +Salz u.s.f.; sie ist vielmehr die _reine Abstraktion_; und dadurch +ist das _reine Wesen_ des _Denkens_ oder das reine Denken selbst +vorhanden, als das nicht in sich unterschiedene, nicht bestimmte, +prädikatlose Absolute. + +Die eine Aufklärung nennt das absolute Wesen jenes prädikatlose +Absolute, das jenseits des wirklichen Bewußtseins im Denken ist, von +welchem ausgegangen wurde;--die andere nennt es _Materie_. Wenn sie +als _Natur_ und Geist oder _Gott_ unterschieden würden, so würde dem +bewußtlosen Weben in sich selbst, um Natur zu sein, der Reichtum des +entfalteten Lebens fehlen, dem Geiste oder Gotte das sich in sich +unterscheidende Bewußtsein. Beides ist, wie wir gesehen, schlechthin +derselbe Begriff; der Unterschied liegt nicht in der Sache, sondern +rein nur in dem verschiedenen Ausgangspunkte beider Bildungen, und +darin, daß jede auf einem eigenen Punkte in der Bewegung des Denkens +stehenbleibt. Wenn sie darüber hinwegsetzten, würden sie +zusammentreffen und als dasselbe erkennen, was der einen, wie sie +vorgibt, ein Greuel, der andern eine Torheit ist. Denn der einen ist +das absolute Wesen in ihrem reinen Denken oder unmittelbar für das +reine Bewußtsein, außer dem endlichen Bewußtsein, das _negative_ +Jenseits desselben. Würde sie darauf reflektieren, daß teils jene +einfache Unmittelbarkeit des Denkens nichts anderes ist als das +_reine Sein_, teils das, was _negativ_ für das Bewußtsein ist, sich +zugleich darauf bezieht, daß im negativen Urteile das _Ist_ (Kopula) +beide Getrennten ebenso zusammenhält,--so würde sich die Beziehung +dieses Jenseits in der Bestimmung eines _äußern Seienden_ auf das +Bewußtsein ergeben, und hiemit als dasselbe, was _reine Materie +ge_nannt wird; das fehlende Moment der _Gegenwart_ wäre gewonnen. +--Die andere Aufklärung geht von dem sinnlichen Sein aus, +_abstrahiert_ dann von der sinnlichen Beziehung des Schmeckens, +Sehens, und so fort, und macht es zum reinen _An-sich_, zur +_absoluten Materie_, dem nicht Gefühlten noch Geschmeckten; dies Sein +ist auf diese Weise das prädikatlose Einfache, Wesen des _reinen +Bewußtseins_ geworden; es ist der reine Begriff als _an sich_ seiend, +oder das _reine Denken in sich selbst_. Diese Einsicht macht in +ihrem Bewußtsein nicht den entgegengesetzten Schritt vom _Seienden_, +welches _rein_ Seiendes ist, zum Gedachten, das dasselbe ist als das +_Rein_seiende, oder nicht vom rein Positiven zum rein Negativen; +indem doch das Positive _rein_ schlechthin nur durch die Negation ist; +das _rein_ Negative aber, als reines, sich in sich selbst gleich und +eben dadurch positiv ist.--Oder beide sind nicht zum Begriffe der +Cartesischen Metaphysik gekommen, daß _an sich Sein_ und _Denken_ +dasselbe ist, nicht zu dem Gedanken, daß _Sein, reines Sein_, nicht +ein _konkretes Wirkliches_ ist, sondern die _reine Abstraktion_; und +umgekehrt das reine Denken, die Sichselbstgleichheit oder das Wesen, +teils das _Negative_ des Selbstbewußtseins und hiemit _Sein_, teils +als unmittelbare Einfachheit ebenso nichts anderes als _Sein_ ist; +das _Denken_ ist _Dingheit_, oder _Dingheit_ ist _Denken_. + +Das Wesen hat hier die _Entzweiung_ erst so an ihm, daß es zwei Arten +der Betrachtungsweise angehört; teils muß das Wesen den Unterschied +an ihm selbst haben, teils gehen eben darin die beiden +Betrachtungsarten in _eine_ zusammen; denn die abstrakten Momente des +reinen Seins und des Negativen, wodurch sie sich unterscheiden, sind +alsdenn in dem Gegenstande dieser Betrachtungsweisen vereinigt.--Das +gemeinschaftliche Allgemeine ist die Abstraktion des reinen +Erzitterns in sich selbst, oder des reinen Sich-selbst-denkens. +Diese einfache achsendrehende Bewegung muß sich auseinanderwerfen, +weil sie selbst nur Bewegung ist, indem sie ihre Momente +unterscheidet. Diese Unterscheidung der Momente läßt das Unbewegte +als die leere Hülse des reinen _Seins_, das kein wirkliches Denken, +kein Leben in sich selbst mehr ist, zurück; denn sie ist als der +Unterschied aller Inhalt. Sie, die sich _außer_ jener _Einheit_ +setzt, ist aber hiemit der _nicht in sich zurückkehrende_ Wechsel der +Momente, des _An-sich-_ und des _Für-ein-Anderes-_ und des +_Für-sich-seins_;--die Wirklichkeit, wie sie Gegenstand für das +wirkliche Bewußtsein der reinen Einsicht ist,--die _Nützlichkeit_. + +So schlecht die Nützlichkeit dem Glauben, oder der Empfindsamkeit, +oder auch der sich Spekulation nennenden Abstraktion, welche sich das +_An-sich_ fixiert, aussehen mag, so ist sie es, worin die reine +Einsicht ihre Realisierung vollendet, und sich selbst ihr +_Gegenstand_ ist, den sie nun nicht mehr verleugnet, und der auch +nicht den Wert des Leeren oder des reinen Jenseits für sie hat. Denn +die reine Einsicht ist, wie wir sahen, der seiende Begriff selbst, +oder die sich selbst gleiche reine Persönlichkeit, so sich in sich +unterscheidend, daß jedes der unterschiedenen selbst reiner Begriff, +das heißt unmittelbar nicht unterschieden ist; sie ist einfaches +reines Selbstbewußtsein, welches ebensowohl _für sich_ als _an sich_ +in einer unmittelbaren Einheit ist. Sein _An-sich-sein_ ist daher +nicht bleibendes _Sein_, sondern hört unmittelbar auf, in seinem +Unterschiede etwas zu sein; ein solches Sein aber, das unmittelbar +keinen Halt hat, ist nicht _an sich_, sondern wesentlich _für ein +Anders_, das die Macht ist, die es absorbiert. Aber dies zweite dem +ersten, dem _An-sich_-sein, entgegengesetzte Moment verschwindet +ebenso unmittelbar als das erste, oder als _Sein nur für Anderes_ ist +es vielmehr das _Verschwinden_ selbst, und es ist das +In-sich-_zurückgekehrt-_, das _Für-sich-sein gesetzt_. Dies einfache +Für-sich-sein ist aber als die Sichselbstgleichheit vielmehr _ein +Sein_, oder damit _für ein Anderes_.--Diese Natur der reinen Einsicht +in der _Entfaltung ihrer Momente_ oder sie als _Gegenstand_ drückt +das Nützliche aus. Es ist ein _an sich_ bestehendes oder Ding, dies +An-sich-sein ist zugleich nur reines Moment; es ist somit absolut +_für ein Anderes_, aber es ist ebenso nur für ein Anderes, als es an +sich ist; diese entgegengesetzten Momente sind in die unzertrennliche +Einheit des Für-sich-seins zurückgekehrt. Wenn aber das Nützliche +wohl den Begriff der reinen Einsicht ausdrückt, so ist es jedoch +nicht als solche, sondern sie als _Vorstellung_ oder als ihr +_Gegenstand_; es ist nur der rastlose Wechsel jener Momente, deren +eines zwar das In-sich-selbst-zurückgekehrt-sein selbst ist, aber nur +als _Für-sich_-sein, d.h. als ein abstraktes gegen die andern auf die +Seite tretendes Moment. Das Nützliche selbst ist nicht das negative +Wesen, diese Momente in ihrer Entgegensetzung zugleich _ungetrennt_ +in _ein_ und _derselben Rücksicht_, oder als ein _Denken_ an sich zu +haben, wie sie als reine Einsicht sind; das Moment des +_Für-sich-seins_ ist wohl an dem Nützlichen, aber nicht so, daß es +über die andern Momente, das _An-sich_ und das _Sein für Anderes, +übergreift_, und somit das _Selbst_ wäre. Die reine Einsicht hat +also an dem Nützlichen ihren eigenen Begriff in seinen _reinen_ +Momenten zum _Gegenstande_; sie ist das Bewußtsein dieser +_Metaphysik_, aber noch nicht das Begreifen derselben; es ist noch +nicht zu der _Einheit_ des _Seins_ und des _Begriffs_ selbst gekommen. +Weil das Nützliche noch die Form eines Gegenstandes für sie hat, +hat sie eine zwar nicht mehr an und für sich seiende, aber doch noch +eine _Welt_, welche sie von sich unterscheidet. Allein indem die +Gegensätze auf die Spitze des Begriffes herausgetreten sind, wird +dies die nächste Stufe sein, daß sie zusammenstürzen, und die +Aufklärung die Früchte ihrer Taten erfährt. + +Den erreichten Gegenstand in Beziehung auf diese ganze Sphäre +betrachtet, so hatte die wirkliche Welt der Bildung sich in die +_Eitelkeit_ des Selbstbewußtseins zusammengefaßt,--in das +_Für-sich-sein_, das ihre Verworrenheit noch zu seinem Inhalte hat, +und noch der _einzelne_ Begriff, noch nicht der für sich _allgemeine_ +ist. In sich aber zurückgekehrt ist er die _reine Einsicht_--das +reine Bewußtsein als das reine _Selbst_, oder die Negativität, wie +der Glauben ebendasselbe als das _reine Denken_ oder die Positivität. +Der Glauben hat in jenem Selbst das ihn vervollständigende Moment; +--aber durch diese Ergänzung untergehend, ist es nun an der reinen +Einsicht, daß wir die beiden Momente sehen, als das absolute Wesen, +das rein _gedacht_ oder Negatives--und als _Materie_, die das +positive _Seiende_ ist.--Es fehlt dieser Vollständigkeit noch jene +_Wirklichkeit_ des Selbstbewußtseins, welche dem _eiteln_ Bewußtsein +angehört--die Welt, aus welcher das Denken sich zu sich erhob. Dies +Fehlende ist in der Nützlichkeit insofern erreicht, als die reine +Einsicht daran die positive Gegenständlichkeit erlangte; sie ist +dadurch wirkliches in sich befriedigtes Bewußtsein. Diese +Gegenständlichkeit macht nun ihre _Welt_ aus; sie ist die Wahrheit +der vorhergehenden ganzen, der ideellen wie der reellen Welt geworden. +Die erste Welt des Geistes ist das ausgebreitete Reich seines sich +zerstreuenden Daseins und der vereinzelnten _Gewißheit_ seiner selbst; +wie die Natur ihr Leben in unendlich mannigfaltige Gestalten +zerstreut, ohne daß die _Gattung_ derselben vorhanden wäre. Die +zweite enthält die _Gattung_, und ist das Reich des _An-sich-seins_ +oder der _Wahrheit_, entgegengesetzt jener Gewißheit. Das dritte +aber, das Nützliche, ist die _Wahrheit_, welche ebenso die +_Gewißheit_ seiner selbst ist. Dem Reiche der Wahrheit des +_Glaubens_ fehlt das Prinzip der _Wirklichkeit_ oder Gewißheit seiner +selbst als dieses _Einzelnen_. Der Wirklichkeit aber oder Gewißheit +seiner selbst als dieses Einzelnen fehlt das _An-sich_. In dem +Gegenstande der reinen Einsicht sind beide Welten vereinigt. Das +Nützliche ist der Gegenstand, insofern das Selbstbewußtsein ihn +durchschaut, und die _einzelne Gewißheit_ seiner selbst, seinen Genuß +(sein _Für-sich-sein_) in ihm hat; es _sieht_ ihn auf diese Weise +_ein_, und diese Einsicht enthält das _wahre_ Wesen des Gegenstandes +(ein Durchschautes oder _für ein Anderes_ zu sein); sie ist also +selbst _wahres Wissen_, und das Selbstbewußtsein hat ebenso +unmittelbar die allgemeine Gewißheit seiner selbst, sein _reines +Bewußtsein_ in diesem Verhältnisse, in welchem also ebenso _Wahrheit_ +wie Gegenwart und _Wirklichkeit_ vereinigt sind. Beide Welten sind +versöhnt, und der Himmel auf die Erde herunter verpflanzt. + + + +III. Die absolute Freiheitund der Schrecken + +Das Bewußtsein hat in der Nützlichkeit seinen Begriff gefunden. Aber +er ist teils noch _Gegenstand_, teils ebendarum noch _Zweck_, in +dessen Besitze es sich noch nicht unmittelbar befindet. Die +Nützlichkeit ist noch Prädikat des Gegenstandes, nicht Subjekt selbst, +oder seine unmittelbare und einzige _Wirklichkeit_. Es ist dasselbe, +was vorhin so erschien; daß das _Für-sich-sein_ noch nicht sich als +die Substanz der übrigen Momente erwiesen, wodurch das Nützliche +unmittelbar nichts anderes als das Selbst des Bewußtseins und dieses +hiedurch in seinem Besitze wäre.--Diese Rücknahme der Form der +Gegenständlichkeit des Nützlichen ist aber _an sich_ schon geschehen, +und aus dieser innern Umwälzung tritt die wirkliche Umwälzung der +Wirklichkeit, die neue Gestalt des Bewußtseins, die _absolute +Freiheit_ hervor. + +Es ist nämlich in der Tat nicht mehr als ein leerer Schein von +Gegenständlichkeit vorhanden, der das Selbstbewußtsein von dem +Besitze trennt. Denn teils ist überhaupt alles Bestehen und Gelten +der bestimmten Glieder der Organisation der wirklichen und geglaubten +Welt in diese einfache Bestimmung als in ihren Grund und Geist +zurückgegangen; teils aber hat diese nichts Eignes mehr für sich, sie +ist vielmehr reine Metaphysik, reiner Begriff oder Wissen des +Selbstbewußtseins. Von dem _An-_ und _Für-sich-sein_ des Nützlichen +als Gegenstandes erkennt nämlich das Bewußtsein, daß _sein +An-sich-sein_ wesentlich _Sein für Anderes_ ist; das _An-sich-sein_ +als das _Selbstlose_ ist in Wahrheit das passive, oder was für ein +anderes Selbst ist. Der Gegenstand ist aber für das Bewußtsein in +dieser abstrakten Form des _reinen An-sich-seins_, denn es ist reines +_Einsehen_, dessen Unterschiede in der reinen Form der Begriffe sind. +--Das _Für-sich-sein_ aber, in welches das Sein für Anderes +zurückgeht, das Selbst, ist nicht ein von dem Ich verschiednes, +eignes Selbst dessen, was Gegenstand heißt; denn das Bewußtsein als +reine Einsicht ist nicht _einzelnes_ Selbst, dem der Gegenstand +ebenso als _eignes_ Selbst gegenüberstünde, sondern es ist der reine +Begriff, das Schauen des Selbsts in das Selbst, das absolute +_Sich-selbst-_doppelt-sehen; die Gewißheit seiner ist das allgemeine +Subjekt und sein wissender Begriff das Wesen aller Wirklichkeit. +Wenn also das Nützliche nur der nicht in seine eigne _Einheit_ +zurückkehrende Wechsel der Momente, und daher noch Gegenstand für das +Wissen war, so hört er auf, dieses zu sein, denn das Wissen ist +selbst die Bewegung jener abstrakten Momente, es ist das allgemeine +Selbst, das Selbst ebenso seiner als des Gegenstandes, und als +allgemeines die in sich zurückkehrende Einheit dieser Bewegung. + +Hiemit ist der Geist als _absolute Freiheit_ vorhanden; er ist das +Selbstbewußtsein, welches sich erfaßt, daß seine Gewißheit seiner +selbst, das Wesen aller geistigen Massen der realen so wie der +übersinnlichen Welt, oder umgekehrt, daß Wesen und Wirklichkeit das +Wissen des Bewußtseins von _sich_ ist.--Es ist seiner reinen +Persönlichkeit und darin aller geistigen Realität bewußt, und alle +Realität ist nur Geistiges; die Welt ist ihm schlechthin sein Willen, +und dieser ist allgemeiner Willen. Und zwar ist er nicht der leere +Gedanke des Willens, der in stillschweigende oder repräsentierte +Einwilligung gesetzt wird, sondern reell allgemeiner Willen, Willen +aller _Einzelner_ als solcher. Denn der Willen ist an sich das +Bewußtsein der Persönlichkeit oder eines jeden, und als dieser +wahrhafte wirkliche Willen soll er sein, als _selbst_bewußtes Wesen +aller und jeder Persönlichkeit, so daß jeder immer ungeteilt alles +tut, und was als Tun des Ganzen auftritt, das unmittelbare und +bewußte Tun eines _Jeden_ ist. + +Diese ungeteilte Substanz der absoluten Freiheit erhebt sich auf den +Thron der Welt, ohne daß irgendeine Macht ihr Widerstand zu leisten +vermöchte. Denn indem in Wahrheit das Bewußtsein allein das Element +ist, worin die geistigen Wesen oder Mächte ihre Substanz haben, so +ist ihr ganzes System, das sich durch die Teilung in Massen +organisierte und erhielt, zusammengefallen, nachdem das einzelne +Bewußtsein den Gegenstand so erfaßt, daß er kein anderes Wesen habe +als das Selbstbewußtsein selbst, oder daß er absolut der Begriff ist. +Was den Begriff zum seienden _Gegenstande_ machte, war seine +Unterscheidung in abgesonderte _bestehende_ Massen; indem aber der +Gegenstand zum Begriffe wird, ist nichts Bestehendes mehr an ihm; die +Negativität hat alle seine Momente durchdrungen. Er tritt so in die +Existenz, daß jedes einzelne Bewußtsein aus der Sphäre, der es +zugeteilt war, sich erhebt, nicht mehr in dieser besonderten Masse +sein Wesen und sein Werk findet, sondern sein Selbst als den +_Begriff_ des Willens, alle Massen als Wesen dieses Willens erfaßt, +und sich hiemit auch nur in einer Arbeit verwirklichen kann, welche +ganze Arbeit ist. In dieser absoluten Freiheit sind also alle Stände, +welche die geistigen Wesen sind, worein sich das Ganze gliedert, +getilgt; das einzelne Bewußtsein, das einem solchen Gliede angehörte, +und in ihm wollte und vollbrachte, hat seine Schranke aufgehoben: +sein Zweck ist der allgemeine Zweck, seine Sprache das allgemeine +Gesetz, sein Werk das allgemeine Werk. + +Der Gegenstand und der _Unterschied_ hat hier die Bedeutung der +_Nützlichkeit_, die Prädikat alles realen Seins war, verloren; das +Bewußtsein fängt seine Bewegung nicht an ihm an als _einem Fremden_, +von dem aus es erst in sich zurückkehrte, sondern der Gegenstand ist +ihm das Bewußtsein selbst; der Gegensatz besteht also allein in dem +Unterschiede des _einzelnen_ und _allgemeinen_ Bewußtseins; aber das +einzelne ist sich unmittelbar selbst dasjenige, was nur _den Schein_ +des Gegensatzes hatte, es ist allgemeines Bewußtsein und Willen. Das +_Jenseits_ dieser seiner Wirklichkeit schwebt über dem Leichname der +verschwundnen Selbstständigkeit des realen oder geglaubten Seins nur +als die Ausdünstung eines faden Gases, des leeren Être suprême. + +Es ist nach Aufhebung der unterschiedenen geistigen Massen, und des +beschränkten Lebens der Individuen sowie seiner beiden Welten also +nur die Bewegung des allgemeinen Selbstbewußtseins in sich selbst +vorhanden, als eine Wechselwirkung desselben in der Form der +_Allgemeinheit_ und des _persönlichen_ Bewußtseins; der allgemeine +Willen geht _in sich_, und ist _einzelner_ Willen, dem das allgemeine +Gesetz und Werk gegenübersteht. Aber dies _einzelne_ Bewußtsein ist +sich seiner ebenso unmittelbar als allgemeinen Willens bewußt; es ist +sich bewußt, daß sein Gegenstand von ihm gegebenes Gesetz und von ihm +vollbrachtes Werk ist; in Tätigkeit übergehend und Gegenständlichkeit +erschaffend, macht es also nichts Einzelnes, sondern nur Gesetze und +Staatsaktionen. + +Diese Bewegung ist hiedurch die Wechselwirkung des Bewußtseins mit +sich selbst, worin es nichts in der Gestalt eines _freien_ ihm +gegenübertretenden _Gegenstandes_ entläßt. Es folgt daraus, daß es +zu keinem positiven Werke, weder zu allgemeinen Werken der Sprache +noch der Wirklichkeit, weder zu Gesetzen und allgemeinen +Einrichtungen der _bewußten_, noch zu Taten und Werken der +_wollenden_ Freiheit kommen kann.--Das Werk, zu welchem die sich +_Bewußtsein_ gebende Freiheit sich machen könnte, würde darin +bestehen, daß sie als _allgemeine_ Substanz sich zum _Gegenstande_ +und _bleibenden Sein_ machte. Dies Anderssein wäre der Unterschied +an ihr, wornach sie sich in bestehende geistige Massen und in die +Glieder verschiedener Gewalten teilte; teils daß diese Massen die +_Gedankendinge_ einer gesonderten gesetzgebenden, richterlichen und +ausübenden _Gewalt_ wären, teils aber die _realen Wesen_, die sich in +der realen Welt der Bildung ergaben, und indem der Inhalt des +allgemeinen Tuns näher beachtet würde, die besondern Massen des +Arbeitens, welche weiter als speziellere _Stände_ unterschieden +werden.--Die allgemeine Freiheit, die sich auf diese Weise in ihre +Glieder gesondert, und ebendadurch zur _seienden_ Substanz gemacht +hätte, wäre dadurch frei von der einzelnen Individualität und teilte +die _Menge_ der _Individuen_ unter ihre verschiedenen Glieder. Das +Tun und Sein der Persönlichkeit fände sich aber dadurch auf einen +Zweig des Ganzen, auf eine Art des Tuns und Seins beschränkt; in das +Element des _Seins_ gesetzt, erhielte sie die Bedeutung einer +_bestimmten_; sie hörte auf, in Wahrheit allgemeines Selbstbewußtsein +zu sein. Dieses läßt sich dabei nicht durch die _Vorstellung_ des +Gehorsams unter _selbstgegebenen_ Gesetzen, die ihm einen Teil +zuwiesen, noch durch seine _Repräsentation_ beim Gesetzgeben und +allgemeinen Tun um die _Wirklichkeit_ betriegen,--nicht um die +Wirklichkeit, _selbst_ das Gesetz zu geben, und nicht ein einzelnes +Werk, sondern das Allgemeine _selbst_ zu vollbringen; denn wobei das +Selbst nur _repräsentiert_ und _vorgestellt_ ist, da ist es nicht +_wirklich_; wo es _vertreten_ ist, ist es nicht. + +Wie in diesem _allgemeinen Werke_ der absoluten Freiheit als +daseiender Substanz sich das einzelne Selbstbewußtsein nicht findet, +ebensowenig in eigentlichen _Taten_ und _individuellen_ Handlungen +ihres Willens. Daß das Allgemeine zu einer Tat komme, muß es sich in +das Eins der Individualität zusammennehmen, und ein einzelnes +Selbstbewußtsein an die Spitze stellen; denn der allgemeine Willen +ist nur in einem Selbst, das Eines ist, _wirklicher_ Willen. Dadurch +aber sind _alle andern Einzelnen_ von dem _Ganzen_ dieser Tat +ausgeschlossen, und haben nur einen beschränkten Anteil an ihr, so +daß die Tat nicht Tat des _wirklichen allgemeinen_ Selbstbewußtseins +sein würde.--Kein positives Werk noch Tat kann also die allgemeine +Freiheit hervorbringen; es bleibt ihr nur das _negative Tun_; sie ist +nur die _Furie_ des Verschwindens. + +Aber die höchste und der allgemeinen Freiheit entgegengesetzteste +Wirklichkeit oder vielmehr der einzige Gegenstand, der für sie noch +wird, ist die Freiheit und Einzelnheit des wirklichen +Selbstbewußtseins selbst. Denn jene Allgemeinheit, die sich nicht zu +der Realität der organischen Gegliederung kommen läßt, und in der +ungeteilten Kontinuität sich zu erhalten den Zweck hat, unterscheidet +sich in sich zugleich, weil sie Bewegung oder Bewußtsein überhaupt +ist. Und zwar um ihrer eignen Abstraktion willen trennt sie sich in +ebenso abstrakte Extreme, in die einfache unbiegsam kalte +Allgemeinheit, und in die diskrete absolute harte Sprödigkeit und +eigensinnige Punktualität des wirklichen Selbstbewußtseins. Nachdem +sie mit der Vertilgung der realen Organisation fertig geworden und +nun für sich besteht, ist dies ihr einziger Gegenstand--ein +Gegenstand, der keinen andern Inhalt, Besitz, Dasein und äußerliche +Ausdehnung mehr hat, sondern er ist nur dies Wissen von sich als +absolut reinem und freiem einzelnem Selbst. An was er erfaßt werden +kann, ist allein sein _abstraktes_ Dasein überhaupt.--Das Verhältnis +also dieser beiden, da sie unteilbar absolut für sich sind, und also +keinen Teil in die Mitte schicken können, wodurch sie sich +verknüpften, ist die ganz _unvermittelte_ reine Negation; und zwar +die Negation des Einzelnen als _Seienden_ in dem Allgemeinen. Das +einzige Werk und Tat der allgemeinen Freiheit ist daher der _Tod_, +und zwar ein _Tod_, der keinen innern Umfang und Erfüllung hat, denn +was negiert wird, ist der unerfüllte Punkt des absolut freien Selbsts; +er ist also der kälteste, platteste Tod, ohne mehr Bedeutung als das +Durchhauen eines Kohlhaupts oder ein Schluck Wassers. + +In der Plattheit dieser Silbe besteht die Weisheit der Regierung, der +Verstand des allgemeinen Willens, sich zu vollbringen. Die Regierung +ist selbst nichts anders als der sich festsetzende Punkt oder die +Individualität des allgemeinen Willens. Sie, ein Wollen und +Vollbringen, das aus einem Punkte ausgeht, will und vollbringt +zugleich eine bestimmte Anordnung und Handlung. Sie schließt damit +einerseits die übrigen Individuen aus ihrer Tat aus, andererseits +konstituiert sie sich dadurch als eine solche, die ein bestimmter +Willen und dadurch dem allgemeinen Willen entgegengesetzt ist; sie +kann daher schlechterdings nicht anders denn als eine _Faktion_ sich +darstellen. Die _siegende_ Faktion nur heißt Regierung, und eben +darin, daß sie Faktion ist, liegt unmittelbar die Notwendigkeit ihres +Untergangs; und daß sie Regierung ist, dies macht sie umgekehrt zur +Faktion und schuldig. Wenn der allgemeine Willen sich an ihr +wirkliches Handeln als an das Verbrechen hält, das sie gegen ihn +begeht, so hat sie dagegen nichts Bestimmtes und Äußeres, wodurch die +Schuld des ihr entgegengesetzten Willens sich darstellte; denn ihr +als dem _wirklichen_ allgemeinen Willen steht nur der unwirkliche +reine Willen, die _Absicht_, gegenüber. _Verdächtigwerden_ tritt +daher an die Stelle oder hat die Bedeutung und Wirkung des +_Schuldigseins_, und die äußerliche Reaktion gegen diese Wirklichkeit, +die in dem einfachen Innern der Absicht liegt, besteht in dem +trocknen Vertilgen dieses seienden Selbsts, an dem nichts sonst +wegzunehmen ist als nur sein Sein selbst. + +In diesem ihrem eigentümlichen _Werke_ wird die absolute Freiheit +sich zum Gegenstande, und das Selbstbewußtsein erfährt, was sie ist. +_An sich_ ist sie eben dies _abstrakte Selbstbewußtsein_, welches +allen Unterschied und alles Bestehen des Unterschiedes in sich +vertilgt. Als dieses ist sie sich der Gegenstand; der _Schrecken_ +des Todes ist die Anschauung dieses ihres negativen Wesens. Diese +seine Realität findet aber das absolut freie Selbstbewußtsein ganz +anders, als ihr Begriff von ihr selbst war, daß nämlich der +allgemeine Willen nur das _positive_ Wesen der Persönlichkeit sei, +und diese in ihm sich nur positiv oder erhalten wisse. Sondern hier +ist für es, das als reine Einsicht sein positives und negatives +Wesen--das prädikatlose Absolute als reines _Denken_ und als reine +_Materie_--schlechthin trennt, der absolute _Übergang_ von dem einen +in das andere in seiner Wirklichkeit vorhanden.--Der allgemeine +Willen, als absolut _positives_ wirkliches Selbstbewußtsein, schlägt, +weil es diese zum _reinen_ Denken oder zur _abstrakten_ Materie +_gesteigerte_ selbstbewußte Wirklichkeit ist, in das _negative_ Wesen +um, und erweist sich ebenso _Aufheben_ des _Sich-selbst-denkens_ oder +des Selbstbewußtseins zu sein. + +Die absolute Freiheit hat also als _reine_ Sichselbstgleichheit des +allgemeinen Willens die _Negation_, damit aber _den Unterschied_ +überhaupt an ihr, und entwickelt diesen wieder als _wirklichen_ +Unterschied. Denn die reine _Negativität_ hat an dem +sichselbstgleichen allgemeinen Willen das _Element_ des _Bestehens_ +oder die _Substanz_, worin ihre Momente sich realisieren, sie hat die +Materie, welche sie in ihre Bestimmtheit verwenden kann; und insofern +diese Substanz sich als das Negative für das einzelne Bewußtsein +gezeigt hat, bildet sich also wieder die Organisation der geistigen +Massen aus, denen die Menge der individuellen Bewußtsein zugeteilt +wird. Diese, welche die Furcht ihres absoluten Herrn, des Todes, +empfunden, lassen sich die Negation und die Unterschiede wieder +gefallen, ordnen sich unter die Massen, und kehren zu einem geteilten +und beschränkten Werke, aber dadurch zu ihrer substantiellen +Wirklichkeit zurück. + +Der Geist wäre aus diesem Tumulte zu seinem Ausgangspunkte, der +sittlichen und realen Welt der Bildung, zurückgeschleudert, welche +durch die Furcht des Herrn, die wieder in die Gemüter gekommen, nur +erfrischt und verjüngt worden. Der Geist müßte diesen Kreislauf der +Notwendigkeit von neuem durchlaufen und immer wiederholen, wenn nur +die vollkommne Durchdringung des Selbstbewußtseins und der Substanz +das Resultat wäre--eine Durchdringung, worin das Selbstbewußtsein, +das die gegen es negative Kraft seines allgemeinen Wesens erfahren, +sich nicht als dieses Besondre, sondern nur als Allgemeines wissen +und finden wollte, und daher auch die gegenständliche es als +Besonders ausschließende Wirklichkeit des allgemeinen Geistes +ertragen könnte.--Aber in der absoluten Freiheit war nicht weder das +Bewußtsein, das in mannigfaltiges Dasein versenkt ist, oder das sich +bestimmte Zwecke und Gedanken festsetzt, noch eine _äußere_ geltende +Welt, es sei der Wirklichkeit oder des Denkens, miteinander in +Wechselwirkung, sondern die Welt schlechthin in der Form des +Bewußtseins, als allgemeiner Willen und ebenso das Selbstbewußtsein +zusammengezogen aus allem ausgedehnten Dasein oder mannigfaltigem +Zweck und Urteil in das einfache Selbst. Die Bildung, die es in der +Wechselwirkung mit jenem Wesen erlangt, ist daher die erhabenste und +letzte, seine reine einfache Wirklichkeit unmittelbar verschwinden +und in das leere Nichts übergehen zu sehen. In der Welt der Bildung +selbst kommt es nicht dazu, seine Negation oder Entfremdung in dieser +Form der reinen Abstraktion anzuschauen; sondern seine Negation ist +die erfüllte; entweder die Ehre oder der Reichtum, die es an die +Stelle des Selbsts, dessen es sich entfremdete, gewinnt;--oder die +Sprache des Geistes und der Einsicht, die das zerrissene Bewußtsein +erlangt; oder sie ist der Himmel des Glaubens, oder das Nützliche der +Aufklärung. Alle diese Bestimmungen sind in dem Verluste, den das +Selbst in der absoluten Freiheit erfährt, verloren; seine Negation +ist der bedeutungslose Tod, der reine Schrecken des Negativen, das +nichts Positives, nichts Erfüllendes in ihm hat.--Zugleich aber ist +diese Negation in ihrer Wirklichkeit nicht ein _Fremdes_, sie ist +weder die allgemeine jenseits liegende _Notwendigkeit_, worin die +sittliche Welt untergeht, noch der einzelne Zufall des eignen +Besitzes oder der Laune des Besitzenden, von dem das zerrißne +Bewußtsein sich abhängig sieht,--sondern sie ist der _allgemeine +Willen_, der in dieser seiner letzten Abstraktion nichts Positives +hat, und daher nichts für die Aufopferung zurückgeben kann,--aber +eben darum ist er unvermittelt eins mit dem Selbstbewußtsein, oder er +ist das rein Positive, weil er das rein Negative ist; und der +bedeutungslose Tod, die unerfüllte Negativität des Selbsts schlägt im +innern Begriffe zur absoluten Positivität um. Für das Bewußtsein +verwandelt sich die unmittelbare Einheit seiner mit dem allgemeinen +Willen, seine Foderung, sich als diesen bestimmten Punkt im +allgemeinen Willen zu wissen, in die schlechthin entgegengesetzte +Erfahrung um. Was ihm darin verschwindet, ist das abstrakte _Sein_ +oder die Unmittelbarkeit des substanzlosen Punkts, und diese +verschwundne Unmittelbarkeit ist der allgemeine Willen selbst, als +welchen es sich nun weiß, insofern es _aufgehobne Unmittelbarkeit_, +insofern es reines Wissen oder reiner Willen ist. Hiedurch weiß es +ihn als sich selbst und sich als Wesen, aber nicht als das +_unmittelbar seiende_ Wesen, weder ihn als die revolutionäre +Regierung oder als die die Anarchie zu konstituieren strebende +Anarchie, noch sich als Mittelpunkt dieser Faktion oder der ihr +entgegengesetzten, sondern der _allgemeine Willen_ ist sein _reines +Wissen und Wollen_, und _es_ ist allgemeiner Willen, als dieses reine +Wissen und Wollen. Es verliert darin nicht _sich selbst_, denn das +reine Wissen und Wollen ist vielmehr es, als der atome Punkt des +Bewußtseins. Es ist also die Wechselwirkung des reinen Wissens mit +sich selbst; das reine _Wissen_ als _Wesen_ ist der allgemeine Willen; +aber dieses _Wesen_ ist schlechthin nur das reine Wissen. Das +Selbstbewußtsein ist also das reine Wissen von dem Wesen als reinem +Wissen. Es ferner als _einzelnes Selbst_ ist nur die Form des +Subjekts oder wirklichen Tuns, die von ihm als _Form_ gewußt wird; +ebenso ist für es die _gegenständliche_ Wirklichkeit, das _Sein_, +schlechthin selbstlose Form; denn sie wäre das nicht gewußte; dies +Wissen aber weiß das Wissen als das Wesen. + +Die absolute Freiheit hat also den Gegensatz des allgemeinen und +einzelnen Willens mit sich selbst ausgeglichen; der sich entfremdete +Geist, auf die Spitze seines Gegensatzes getrieben, in welchem das +reine Wollen und das rein Wollende noch unterschieden sind, setzt ihn +zur durchsichtigen Form herab, und findet darin sich selbst.--Wie das +Reich der wirklichen Welt in das Reich des Glaubens und der Einsicht +übergeht, so geht die absolute Freiheit aus ihrer sich selbst +zerstörenden Wirklichkeit in ein anderes Land des selbstbewußten +Geistes über, worin sie in dieser Unwirklichkeit als das Wahre gilt, +an dessen Gedanken er sich labt, insofern er _Gedanke_ ist und bleibt, +und dieses in das Selbstbewußtsein eingeschlossene Sein als das +vollkommne und vollständige Wesen weiß. Es ist die neue Gestalt des +_moralischen Geistes_ entstanden. + + +C. Der seiner selbst gewisse Geist.Die Moralität + +Die sittliche Welt zeigte den in ihr nur abgeschiednen Geist, _das +einzelne Selbst_, als ihr Schicksal und ihre Wahrheit. Diese +_Person_ des _Rechts_ aber hat ihre Substanz und Erfüllung außer ihr. +Die Bewegung der Welt der Bildung und des Glaubens hebt diese +Abstraktion der Person auf, und durch die vollendete Entfremdung, +durch die höchste Abstraktion, wird dem Selbst des Geistes die +Substanz zuerst zum _allgemeinen Willen_, und endlich zu seinem +Eigentum. Hier also scheint das Wissen endlich seiner Wahrheit +vollkommen gleich geworden zu sein; denn seine Wahrheit ist dies +Wissen selbst, und aller Gegensatz beider Seiten verschwunden; und +zwar nicht _für uns_, oder _an sich_, sondern für das +Selbstbewußtsein selbst. Es ist nämlich über den Gegensatz des +Bewußtseins selbst Meister geworden. Dieses beruht auf dem +Gegensatze der Gewißheit seiner selbst und des Gegenstandes; nun aber +ist der Gegenstand ihm selbst die Gewißheit seiner, das Wissen--so +wie die Gewißheit seiner selbst als solche nicht mehr eigne Zwecke +hat, also nicht mehr in der Bestimmtheit, sondern reines Wissen ist. + +Das Wissen des Selbstbewußtseins ist ihm also die _Substanz_ selbst. +Sie ist für es ebenso _unmittelbar_ als absolut _vermittelt_ in einer +ungetrennten Einheit. _Unmittelbar_--wie das sittliche Bewußtsein +weiß und tut es selbst die Pflicht und gehört ihr als seiner Natur an; +aber es ist nicht _Charakter_, wie dieses, das um seiner +Unmittelbarkeit willen ein bestimmter Geist ist, nur einer der +sittlichen Wesenheiten angehört, und die Seite hat, _nicht zu wissen_. +--Es ist _absolute Vermittlung_, wie das sich bildende und das +glaubende Bewußtsein; denn es ist wesentlich die Bewegung des Selbsts, +die Abstraktion des _unmittelbaren Daseins_ aufzuheben und sich +Allgemeines zu werden;--aber weder durch reine Entfremdung und +Zerreißung seines Selbsts und der Wirklichkeit, noch durch die Flucht. +Sondern es ist sich _unmittelbar_ in seiner Substanz _gegenwärtig_, +denn sie ist sein Wissen, sie ist die angeschaute reine Gewißheit +seiner selbst; und eben _diese Unmittelbarkeit_, die seine eigne +Wirklichkeit ist, ist alle Wirklichkeit, denn das Unmittelbare ist +das _Sein_ selbst, und als die reine durch die absolute Negativität +geläuterte Unmittelbarkeit ist sie reines, ist sie Sein überhaupt +oder _alles_ Sein. + +Das absolute Wesen ist daher nicht in der Bestimmung erschöpft, das +einfache _Wesen_ des _Denkens_ zu sein, sondern es ist alle +_Wirklichkeit_, und diese Wirklichkeit ist nur als Wissen; was das +Bewußtsein nicht wüßte, hätte keinen Sinn und kann keine Macht für es +sein; in seinen wissenden Willen hat sich alle Gegenständlichkeit und +Welt zurückgezogen. Es ist absolut frei, darin, daß es seine +Freiheit weiß, und eben dies Wissen seiner Freiheit ist seine +Substanz und Zweck und einziger Inhalt. + + +a. Die moralische Weltanschauung + +Das Selbstbewußtsein weiß die Pflicht als das absolute Wesen; es ist +nur durch sie gebunden, und diese Substanz ist sein eignes reines +Bewußtsein; die Pflicht kann nicht die Form eines Fremden für es +erhalten. So aber in sich selbst beschlossen ist das moralische +Selbstbewußtsein noch nicht als _Bewußtsein_ gesetzt und betrachtet. +Der Gegenstand ist unmittelbares Wissen, und so rein von dem Selbst +durchdrungen ist er nicht Gegenstand. Aber wesentlich die +Vermittlung und Negativität, hat es in seinem Begriffe die Beziehung +auf ein _Anderssein_, und ist Bewußtsein. Dies Anderssein ist +einerseits, weil die Pflicht seinen einzigen wesentlichen Zweck und +Gegenstand ausmacht, für es eine völlig _bedeutungslose_ Wirklichkeit. +Weil dies Bewußtsein aber so vollkommen in sich beschlossen ist, so +verhält es sich gegen dies Anderssein vollkommen frei und +gleichgültig, und das Dasein ist daher andererseits ein vom +Selbstbewußtsein völlig freigelassenes, sich ebenso nur auf sich +beziehendes Dasein; je freier das Selbstbewußtsein wird, desto freier +auch der negative Gegenstand seines Bewußtseins. Er ist hiedurch +eine zur eignen Individualität in sich vollendete Welt, ein +selbstständiges Ganzes eigentümlicher Gesetze, sowie ein +selbstständiger Gang und freie Verwirklichung derselben,--eine +_Natur_ überhaupt, deren Gesetze wie ihr Tun ihr selbst angehören, +als einem Wesen, das unbekümmert um das moralische Selbstbewußtsein +ist, wie dieses um sie. + +Von dieser Bestimmung an bildet sich eine _moralische Weltanschauung_ +aus, die in der _Beziehung_ des _moralischen_ An- und Für-sich-seins +und des _natürlichen_ An- und Für-sich-seins besteht. Dieser +Beziehung liegt zum Grunde sowohl die völlige _Gleichgültigkeit_ und +eigne _Selbstständigkeit_ der _Natur_ und der _moralischen_ Zwecke +und Tätigkeit gegeneinander, als auf der andern Seite das Bewußtsein +der alleinigen Wesenheit der Pflicht und der völligen +Unselbstständigkeit und Unwesenheit der Natur. Die moralische +Weltanschauung enthält die Entwicklung der Momente, die in dieser +Beziehung so ganz widerstreitender Voraussetzungen enthalten sind. + +Zuerst also ist das moralische Bewußtsein überhaupt vorausgesetzt; +die Pflicht gilt ihm als das Wesen, ihm, das _wirklich_ und _tätig_ +ist, und in seiner Wirklichkeit und Tat die Pflicht erfüllt. Für +dies moralische Bewußtsein ist aber zugleich die vorausgesetzte +Freiheit der Natur, oder es _erfährt_, daß die Natur unbekümmert +darum ist, ihm das Bewußtsein der Einheit seiner Wirklichkeit mit der +ihrigen zu geben, und es also _vielleicht glücklich_ werden läßt, +_vielleicht_ auch _nicht_. Das unmoralische Bewußtsein dagegen +findet vielleicht zufälligerweise seine Verwirklichung, wo das +moralische nur _Veranlassung_ zum Handeln, aber durch dasselbe nicht +das Glück der Ausführung und des Genusses der Vollbringung ihm zuteil +werden sieht. Es findet daher vielmehr Grund zu Klagen über solchen +Zustand der Unangemessenheit seiner und des Daseins, und der +Ungerechtigkeit, die es darauf einschränkt, seinen Gegenstand nur als +_reine Pflicht_ zu haben, aber ihm denselben und _sich_ verwirklicht +zu sehen versagt. + +Das moralische Bewußtsein kann nicht auf die Glückseligkeit Verzicht +tun, und dies Moment aus seinem absoluten Zwecke weglassen. Der +Zweck, der als _reine Pflicht_ ausgesprochen wird, hat wesentlich +dies an ihm, dies _einzelne_ Selbstbewußtsein zu enthalten; die +_individuelle Überzeugung_ und das Wissen von ihr machten ein +absolutes Moment der Moralität aus. Dieses Moment an dem +_gegenständlich_ gewordenen _Zwecke_, an der _erfüllten_ Pflicht, ist +das sich als verwirklicht anschauende _einzelne_ Bewußtsein, oder der +_Genuß_, der hiemit im Begriffe zwar nicht unmittelbar der Moralität +als _Gesinnung_ betrachtet liegt, allein im Begriffe der +_Verwirklichung_ derselben. Hiedurch aber liegt er auch in ihr als +_Gesinnung_; denn diese geht darauf, nicht Gesinnung im Gegensatze +des Handelns zu bleiben, sondern zu _handeln_, oder sich zu +verwirklichen. Der Zweck als das Ganze mit dem Bewußtsein seiner +Momente ausgesprochen ist also dies, daß die erfüllte Pflicht +ebensowohl rein moralische Handlung als realisierte _Individualität_ +sei, und die _Natur_, als die Seite der _Einzelnheit_ gegen den +abstrakten Zweck, _eins_ sei mit diesem.--So notwendig die Erfahrung +von der Disharmonie beider Seiten ist, weil die Natur frei ist, +ebenso ist auch die Pflicht allein das Wesentliche, und die Natur +gegen sie das Selbstlose. Jener ganze _Zweck_, den die Harmonie +ausmacht, enthält die Wirklichkeit selbst in sich. Er ist zugleich +der _Gedanke_ der _Wirklichkeit_. Die Harmonie der Moralität und der +Natur oder--indem die Natur nur insofern in Betracht kömmt, als das +Bewußtsein ihre Einheit mit ihm erfährt--die Harmonie der Moralität +und der Glückseligkeit ist _gedacht_ als notwendig _seiend_, oder sie +ist _postuliert_. Denn _Fodern_ drückt aus, daß etwas _seiend_ +gedacht wird, das noch nicht wirklich ist; eine Notwendigkeit nicht +des _Begriffes_ als Begriffes, sondern des _Seins_. Aber die +Notwendigkeit ist zugleich wesentlich die Beziehung durch den Begriff. +Das gefoderte _Sein_ gehört also nicht dem Vorstellen des +zufälligen Bewußtseins an, sondern es liegt im Begriffe der Moralität +selbst, dessen wahrer Inhalt die _Einheit_ des _reinen_ und +_einzelnen_ Bewußtseins ist; dem letztern gehört dies an, daß diese +Einheit _für es_ als eine Wirklichkeit sei, was im _Inhalte_ des +Zwecks Glückseligkeit, in seiner _Form_ aber Dasein überhaupt ist. +--Dies gefoderte Dasein oder die Einheit beider ist darum nicht ein +Wunsch oder, als Zweck betrachtet, nicht ein solcher, dessen +Erreichung noch ungewiß wäre, sondern er ist eine Foderung der +Vernunft, oder unmittelbare Gewißheit und Voraussetzung derselben. + +Jene erste Erfahrung und dies Postulat ist nicht das einzige, sondern +es tut sich ein ganzer Kreis von Postulaten auf. Die Natur ist +nämlich nicht nur diese ganz freie _äußerliche_ Weise, in welcher als +einem reinen Gegenstande das Bewußtsein seinen Zweck zu realisieren +hätte. Dieses ist _an ihm selbst_ wesentlich ein solches, _für +welches_ dies andere freie Wirkliche ist, d.h. es ist selbst ein +zufälliges und natürliches. Diese Natur, die ihm die seinige ist, +ist die _Sinnlichkeit_, die in der _Gestalt_ des Wollens, als +_Triebe_ und _Neigungen_, für sich eigene _bestimmte_ Wesenheit oder +_einzelne Zwecke_ hat, also dem reinen Willen und seinem reinen +Zwecke entgegengesetzt ist. Gegen diese Entgegensetzung aber ist dem +reinen Bewußtsein vielmehr die Beziehung der Sinnlichkeit auf es, +ihre absolute Einheit mit ihm das Wesen. Beides, das reine Denken +und die Sinnlichkeit des Bewußtseins, sind _an sich Ein Bewußtsein_, +und das reine Denken ist eben dieses, für welches und in welchem +diese reine Einheit ist; für es aber als Bewußtsein ist der Gegensatz +seiner selbst und der Triebe. In diesem Widerstreit der Vernunft und +der Sinnlichkeit ist für jene dies das Wesen, daß er sich auflöse, +und als _Resultat die_ Einheit beider hervorgehen die nicht jene +_ursprüngliche_, daß beide in _einem_ Individuum sind, sondern eine +solche ist, die aus dem _gewußten_ Gegensatze beider hervorgeht. +Solche Einheit erst ist die _wirkliche_ Moralität, denn in ihr ist +der Gegensatz, wodurch das Selbst Bewußtsein oder erst wirkliches und +in der Tat Selbst und zugleich Allgemeines ist, enthalten; oder es +ist diejenige _Vermittlung_ darin ausgedrückt, welche der Moralität, +wie wir sehen, wesentlich ist.--Indem unter den beiden Momenten des +Gegensatzes die Sinnlichkeit schlechthin das _Anderssein_ oder das +Negative, hingegen das reine Denken der Pflicht das Wesen ist, von +welchem nichts aufgegeben werden kann, so scheint die hervorgebrachte +Einheit nur durch das Aufheben der Sinnlichkeit zustande kommen zu +können. Da sie aber selbst Moment dieses Werdens, das Moment der +_Wirklichkeit_ ist, so wird man sich für die Einheit zunächst mit dem +Ausdrucke begnügen müssen, daß die Sinnlichkeit der Moralität _gemäß_ +sei.--Diese Einheit ist gleichfalls ein _postuliertes Sein_, sie +_ist_ nicht _da_; denn was _da ist_, ist das Bewußtsein, oder der +Gegensatz der Sinnlichkeit und des reinen Bewußtseins. Sie ist aber +zugleich nicht ein An-sich wie das erste Postulat, worin die freie +Natur eine Seite ausmacht, und die Harmonie derselben mit dem +moralischen Bewußtsein daher außer diesem fällt; sondern die Natur +ist hier diejenige, welche an ihm selbst, und es ist hier um die +Moralität als solche zu tun, um eine Harmonie, welche die eigne des +tuenden Selbsts ist; das Bewußtsein hat sie daher selbst zustande zu +bringen, und in der Moralität immer Fortschritte zu machen. Die +_Vollendung_ derselben aber ist ins _Unendliche hinauszuschieben_; +denn wenn sie wirklich einträte, so höbe sich das moralische +Bewußtsein auf. Denn die _Moralität_ ist nur moralisches +_Bewußtsein_ als das negative Wesen, für dessen reine Pflicht die +Sinnlichkeit nur eine _negative_ Bedeutung, nur _nicht gemäß_ ist. +In der Harmonie aber verschwindet die _Moralität_ als _Bewußtsein_ +oder ihre _Wirklichkeit_, wie in dem moralischen _Bewußtsein_ oder +der Wirklichkeit ihre _Harmonie_ verschwindet. Die Vollendung ist +darum nicht wirklich zu erreichen, sondern nur als eine _absolute +Aufgabe_ zu denken, das heißt als eine solche, welche schlechthin +Aufgabe bleibt. Zugleich ist jedoch ihr Inhalt als ein solcher zu +denken, der schlechthin _sein_ müsse, und nicht Aufgabe bleibe; es +sei nun, daß man sich in diesem Ziele das Bewußtsein ganz aufgehoben, +oder auch nicht, vorstelle; wie es eigentlich damit zu halten, läßt +sich in der dunkeln Ferne der Unendlichkeit, wohin eben deswegen die +Erreichung des Ziels zu schieben ist, nicht mehr deutlich +unterscheiden. Es wird eigentlich gesagt werden müssen, daß die +bestimmte Vorstellung nicht interessieren und nicht gesucht werden +soll, weil dies auf Widersprüche führt,--einer Aufgabe, die Aufgabe +bleiben und doch erfüllt werden, einer Moralität, die nicht +Bewußtsein, nicht wirklich mehr sein soll. Durch die Betrachtung +aber, daß die vollendete Moralität einen Widerspruch enthielte, wurde +die Heiligkeit der Moralischen Wesenheit leiden, und die absolute +Pflicht als etwas Unwirkliches erscheinen. + +Das erste Postulat war die Harmonie der Moralität und der +gegenständlichen Natur, der Endzweck der _Welt_; das andere die +Harmonie der Moralität und des sinnlichen Willens, der Endzweck des +_Selbstbewußtseins_ als solchen; das erste also die Harmonie in der +Form des _An-sich_-, das andere in der Form des _Für-sich-seins_. +Was aber diese beiden extremen Endzwecke, die gedacht sind, als Mitte +verbindet, ist die Bewegung des _wirklichen_ Handelns selbst. Sie +sind Harmonien, deren Momente in ihrer abstrakten Unterschiedenheit +noch nicht zum Gegenstande geworden; dies geschieht in der +Wirklichkeit, worin die Seiten im eigentlichen Bewußtsein, jede als +die _andre_ der andern auftritt. Die hiedurch entstehenden Postulate +enthalten, wie vorher nur die getrennten _an sich_ und _für sich +seiende_ Harmonien, itzt _an und für sich_ seiende. + +Das moralische Bewußtsein ist als das _einfache Wissen_ und _Wollen_ +der reinen _Pflicht_ im Handeln auf den seiner Einfachheit +entgegengesetzten Gegenstand--auf die Wirklichkeit des +_mannigfaltigen Falles_ bezogen, und hat dadurch ein mannigfaltiges +moralisches _Verhältnis_. Es entstehen hier dem Inhalte nach die +_vielen_ Gesetze überhaupt, und der Form nach die widersprechenden +Mächte des wissenden Bewußtseins und des Bewußtlosen.--Was fürs erste +die _vielen Pflichten_ betrifft, so gilt dem moralischen Bewußtsein +überhaupt nur die _reine Pflicht_ in ihnen; die _vielen Pflichten_ +als viele sind _bestimmte_ und daher als solche für das moralische +Bewußtsein nichts Heiliges. Zugleich aber durch den Begriff des +_Handelns_, das eine mannigfaltige Wirklichkeit und daher eine +mannigfaltige moralische Beziehung in sich schließt, _notwendig_, +müssen sie als an und für sich seiend betrachtet werden. Da sie +ferner nur in einem moralischen _Bewußtsein_ sein können, sind sie +zugleich in einem andern als jenem, dem nur die reine Pflicht als die +reine an und für sich und heilig ist. + +Es ist also postuliert, daß ein _anderes_ Bewußtsein sei, welches sie +heiligt, oder welches sie als Pflichten weiß und will. Das erste +erhält die reine Pflicht _gleichgültig_ gegen allen _bestimmten +Inhalt_, und die Pflicht ist nur diese Gleichgültigkeit gegen ihn. +Das andere aber enthält die ebenso wesentliche Beziehung auf das +Handeln und die _Notwendigkeit_ des _bestimmten_ Inhalts; indem ihm +die Pflichten als _bestimmte_ Pflichten gelten, so ist ihm damit der +Inhalt als solcher ebenso wesentlich als die Form, wodurch er Pflicht +ist. Dies Bewußtsein ist hiedurch ein solches, worin das Allgemeine +und das Besondere schlechthin eins ist, sein Begriff also derselbe +als der Begriff der Harmonie der Moralität und Glückseligkeit. Denn +dieser Gegensatz drückt ebenso die Trennung des _sich selbst +gleichen_ moralischen Bewußtseins von der Wirklichkeit aus, die als +das _vielfache Sein_ dem einfachen Wesen der Pflicht widerstreitet. +Wenn aber das erste Postulat nur die _seiende_ Harmonie der Moralität +und der Natur ausdrückt, weil die Natur darin dies Negative des +Selbstbewußtseins, das Moment des _Seins_ ist, so ist hingegen itzt +dies _An-sich_ wesentlich als Bewußtsein gesetzt. Denn das Seiende +hat nun die Form des _Inhalts_ der _Pflicht_, oder ist die +_Bestimmtheit_ an der _bestimmten Pflicht_. Das An-sich ist also die +Einheit solcher, welche als _einfache Wesenheiten_, Wesenheiten des +Denkens, und daher nur in einem Bewußtsein sind. Dieses ist also +nunmehr ein Herr und Beherrscher der Welt, der die Harmonie der +Moralität und der Glückseligkeit hervorbringt, und zugleich die +Pflichten als _viele_ heiligt. Das letztere heißt soviel, daß dem +Bewußtsein der _reinen Pflicht_ die bestimmte nicht unmittelbar +heilig sein kann; weil sie aber um des wirklichen Handelns, das ein +bestimmtes ist, gleichfalls _notwendig_ ist, so fällt ihre +Notwendigkeit außer jenem Bewußtsein in ein anderes, das somit das +vermittelnde der bestimmten und reinen Pflicht und der Grund ist, daß +jene auch gilt. + +In der wirklichen Handlung aber verhält sich das Bewußtsein als +dieses Selbst, als ein vollkommen einzelnes; es ist auf die +Wirklichkeit als solche gerichtet, und hat sie zum Zwecke; denn es +will vollbringen. Es fällt also die _Pflicht überhaupt_ außer es in +ein anderes Wesen, das Bewußtsein und der heilige Gesetzgeber der +reinen Pflicht ist. Dem handelnden, eben weil es handelndes ist, +gilt das Andere der reinen Pflicht unmittelbar, diese ist also Inhalt +eines andern Bewußtseins und nur mittelbar, nämlich in diesem, jenem +heilig. + +Weil es hiemit gesetzt ist, daß das Gelten der Pflicht als des _an +und für sich_ Heiligen außerhalb des wirklichen Bewußtseins fällt, so +steht dieses hiedurch überhaupt als das _unvollkommne_ moralische +Bewußtsein auf der einen Seite. Sowohl seinem _Wissen_ nach weiß es +sich also als ein solches, dessen Wissen und Überzeugung +unvollständig und zufällig ist; ebenso seinem _Wollen_ nach als ein +solches, dessen Zwecke mit Sinnlichkeit affiziert sind. Um seiner +Unwürdigkeit willen kann es daher die Glückseligkeit nicht notwendig, +sondern als etwas Zufälliges ansehen, und sie nur aus Gnade erwarten. + +Ob aber schon seine Wirklichkeit unvollkommen ist, so gilt doch +seinem _reinen_ Willen und Wissen die Pflicht als das Wesen; im +Begriffe, insofern er der Realität entgegengesetzt ist, oder im +Denken ist es also vollkommen. Das absolute Wesen aber ist eben dies +Gedachte und jenseits der Wirklichkeit Postulierte; es ist daher der +Gedanke, in welchem das moralisch unvollkommne Wissen und Wollen für +vollkommen gilt, hiemit auch, indem es dasselbe für vollwichtig nimmt, +die Glückseligkeit nach der Würdigkeit, nämlich nach dem ihm +_zugeschriebenen Verdienst_ erteilt. + +Die Weltanschauung ist hierin vollendet; denn in dem Begriffe des +moralischen Selbstbewußtseins sind die beiden Seiten reine Pflicht +und Wirklichkeit in _einer_ Einheit gesetzt, und dadurch die eine wie +andre nicht als an und für sich seiend, sondern als _Moment_ oder als +aufgehoben. Dies wird in dem letzten Teile der moralischen +Weltanschauung für das Bewußtsein; die reine Pflicht nämlich setzt es +in ein andres Wesen, als es selbst ist, d.h. es setzt sie teils als +ein _Vorgestelltes_, teils als ein solches, das nicht das ist, was an +und für sich gilt, sondern das Nichtmoralische gilt vielmehr als +vollkommen. Ebenso sich selbst setzt es als ein solches, dessen +Wirklichkeit, die der Pflicht unangemessen ist, aufgehoben, und, als +_aufgehobne_ oder in der _Vorstellung_ des absoluten Wesens, der +Moralität nicht mehr widerspricht. + +Für das moralische Bewußtsein selbst hat jedoch seine moralische +Weltanschauung nicht die Bedeutung, daß es in ihr seinen eignen +Begriff entwickelt und ihn sich zum Gegenstande macht; es hat weder +ein Bewußtsein über diesen Gegensatz der Form, noch auch über den +Gegensatz dem Inhalte nach, dessen Teile es nicht untereinander +bezieht und vergleicht, sondern in seiner Entwicklung sich, ohne der +zusammenhaltende _Begriff_ der Momente zu sein, fortwälzt. Denn es +weiß nur das _reine Wesen_, oder den Gegenstand, insofern er _Pflicht, +_ insofern er _abstrakter_ Gegenstand seines reinen Bewußtseins ist, +als reines Wissen oder als sich selbst. Es verhält sich also nur +denkend, nicht begreifend. Daher ist ihm der Gegenstand seines +_wirklichen_ Bewußtseins noch nicht durchsichtig; es ist nicht der +absolute Begriff, der allein das _Anderssein_ als solches, oder sein +absolutes Gegenteil als sich selbst erfaßt. Seine eigne Wirklichkeit +sowie alle gegenständliche Wirklichkeit gilt ihm zwar als das +_Unwesentliche_; aber seine Freiheit ist die Freiheit des reinen +Denkens, welcher darum zugleich die Natur gegenüber als ein ebenso +Freies entstanden ist. Weil beides auf gleiche Weise in ihm ist, die +_Freiheit des Seins_ und das Eingeschlossensein desselben in das +Bewußtsein, so wird sein Gegenstand als ein _seiender_, der +_zugleich_ nur _gedacht_; in dem letzten Teile seiner Anschauung wird +der Inhalt wesentlich so gesetzt, daß sein _Sein_ ein _vorgestelltes_ +ist, und diese Verbindung des Seins und des Denkens als das +ausgesprochen, was sie in der Tat ist, das _Vorstellen_. + +Indem wir die moralische Weltanschauung so betrachten, daß diese +gegenständliche Weise nichts anderes ist als der Begriff des +moralischen Selbstbewußtseins selbst, den es sich gegenständlich +macht, so ergibt sich durch dies Bewußtsein über die Form ihres +Ursprungs eine andere Gestalt ihrer Darstellung.--Das erste nämlich, +wovon ausgegangen wird, ist das _wirkliche_ moralische +Selbstbewußtsein, oder daß _es ein solches gibt_. Denn der Begriff +setzt es in der Bestimmung, daß ihm alle Wirklichkeit überhaupt Wesen +nur insofern hat, als sie der Pflicht gemäß ist, und er setzt dies +Wesen als Wissen, d.h. in unmittelbarer Einheit mit dem wirklichen +Selbst; diese Einheit ist somit selbst wirklich, sie _ist_ ein +moralisches wirkliches Bewußtsein.--Dieses nun als Bewußtsein stellt +sich seinen Inhalt als Gegenstand vor, nämlich als _Endzweck der +Welt_, als Harmonie der Moralität und aller Wirklichkeit. Indem es +aber diese Einheit als _Gegenstand_ vorstellt, und noch nicht der +Begriff ist, der die Macht über den Gegenstand als solchen hat, so +ist sie ihm ein Negatives des Selbstbewußtseins, oder sie fällt außer +ihm, als ein Jenseits seiner Wirklichkeit, aber zugleich als ein +solches, das _auch_ als _seiend_, aber nur gedacht wird. + +Was ihm, das als Selbstbewußtsein ein _anderes_ denn der Gegenstand +ist, hiemit übrig bleibt, ist die Nichtharmonie des +Pflichtbewußtseins und der Wirklichkeit, und zwar seiner eignen. Der +Satz lautet hiemit itzt so: _es gibt kein moralisch vollendetes +wirkliches_ Selbstbewußtsein;--und da das Moralische überhaupt nur +ist, insofern es vollendet ist, denn die Pflicht ist das _reine_ +unvermischte _An-sich_, und die Moralität besteht nur in der +Angemessenheit zu diesem Reinen, so heißt der zweite Satz überhaupt +so, daß es _kein moralisch Wirkliches_ gibt. + +Indem es aber drittens _ein_ Selbst ist, so ist es _an sich_ die +Einheit der Pflicht und der Wirklichkeit; diese Einheit wird ihm also +Gegenstand, als die vollendete Moralität,--aber als ein _Jenseits_ +seiner Wirklichkeit,--aber das doch wirklich sein soll. + +In diesem Ziele der synthetischen Einheit der beiden ersten Sätze ist +die selbstbewußte Wirklichkeit sowohl als die Pflicht nur als +aufgehobnes Moment gesetzt; denn keines ist einzeln, aber sie, in +deren wesentlichen Bestimmung ist, _frei von dem andern_ zu sein, +sind somit jedes in der Einheit nicht mehr frei von dem andern, also +jedes aufgehoben, und somit werden sie dem Inhalt nach als solche +Gegenstand, deren _jedes für das andre gilt_, und der Form nach, so +daß diese Austauschung derselben zugleich nur _vorgestellt_ ist. +--Oder das _wirklich nicht_ Moralische, weil es ebenso reines Denken +und über seine Wirklichkeit erhaben ist, ist in der Vorstellung doch +moralisch, und wird für vollgültig genommen. Es wird hiedurch der +erste Satz, daß es ein moralisches Selbstbewußtsein gibt, hergestellt, +aber verbunden mit dem zweiten, daß es keines _gibt_, nämlich es +_gibt_ eines, aber nur in der Vorstellung; oder es gibt zwar keines, +aber es wird von einem andern doch dafür gelten gelassen. + + +b. Die Verstellung + +In der moralischen Weltanschauung sehen wir einesteils das Bewußtsein +_selbst_ seinen Gegenstand mit _Bewußtsein erzeugen_; wir sehen es +denselben weder als ein Fremdes vorfinden, noch auch ihn bewußtlos +ihm werden, sondern es verfährt überall nach einem Grunde, aus +welchem es das _gegenständliche Wesen setzt_; es weiß dasselbe also +als sich selbst, denn es weiß sich als das _tätige_, das es erzeugt. +Es scheint somit hier zu seiner Ruhe und Befriedigung zu kommen, denn +diese kann es nur da finden, wo es über seinen Gegenstand nicht mehr +hinauszugehen braucht, weil dieser nicht mehr über es hinausgeht. +Auf der andern Seite aber setzt es selbst ihn vielmehr _außer sich_ +hinaus, als ein Jenseits seiner. Aber dies Anundfürsichseiende ist +ebenso als ein solches gesetzt, das nicht frei vom Selbstbewußtsein, +sondern zum Behuf des letztern und durch dasselbe sei. + +Die moralische Weltanschauung ist daher in der Tat nichts anderes als +die Ausbildung dieses zum Grunde liegenden Widerspruchs nach seinen +verschiedenen Seiten; sie ist, um einen Kantischen Ausdruck hier, wo +er am passendsten ist, zu gebrauchen, ein _ganzes Nest_ gedankenloser +Widersprüche. Das Bewußtsein verhält sich in dieser Entwicklung so, +daß es ein Moment festsetzt, und von da unmittelbar zum andern +übergeht, und das erste aufhebt; wie es aber nun dies zweite +_aufgestellt hat, verstellt_ es _auch_ dasselbe wieder, und macht +vielmehr das Gegenteil zum Wesen. Zugleich ist es sich seines +Widerspruches und _Verstellens auch_ bewußt, denn es geht von einem +Momente _unmittelbar_ in _Beziehung auf dieses selbst_ zu dem +entgegengesetzten über; _weil_ ein Moment keine Realität für es hat, +setzt es eben dasselbe als _reell_, oder, was dasselbe ist, um _ein +Moment_ als an sich seiend zu behaupten, behauptet es das +_entgegengesetzte_ als das ansichseiende. Es bekennt damit, daß es +ihm in der Tat mit keinem derselben Ernst ist. Dies ist in den +Momenten dieser schwindelnden Bewegung näher zu betrachten. + +Lassen wir die Voraussetzung, daß es ein wirkliches moralisches +Bewußtsein gibt, zuerst auf sich beruhen, weil sie unmittelbar nicht +in Beziehung auf etwas Vorhergehendes gemacht wird, und wenden uns an +die Harmonie der Moralität und der Natur, das erste Postulat. Sie +soll _an sich_ sein, nicht für das wirkliche Bewußtsein, nicht +gegenwärtig, sondern die Gegenwart ist vielmehr nur der Widerspruch +beider. In der Gegenwart ist die _Moralität_ als _vorhanden_ +angenommen, und die Wirklichkeit so gestellt, daß sie nicht in +Harmonie mit ihr sei. Das _wirkliche_ moralische Bewußtsein aber ist +ein _handelndes_; darin besteht eben die Wirklichkeit seiner +Moralität. Im _Handeln_ selbst aber ist jene Stellung unmittelbar +verstellt; denn das Handeln ist nichts anderes als die Verwirklichung +des innern moralischen Zwecks, nichts anderes, als die Hervorbringung +einer durch den _Zweck bestimmten Wirklichkeit_, oder der Harmonie +des moralischen Zwecks und der Wirklichkeit selbst. Zugleich ist die +Vollbringung der Handlung für das Bewußtsein, sie ist die _Gegenwart_ +dieser Einheit der Wirklichkeit und des Zweckes; und weil in der +vollbrachten Handlung das Bewußtsein sich als dieses Einzelne +verwirklicht, oder das Dasein in es zurückgekehrt anschaut, und der +Genuß hierin besteht, so ist in der Wirklichkeit des moralischen +Zwecks zugleich auch diejenige Form derselben enthalten, welche Genuß +und Glückseligkeit genannt wird.--Das Handeln erfüllt also in der Tat +unmittelbar dasjenige, was nicht stattzufinden aufgestellt war, und +nur ein Postulat, nur Jenseits sein sollte. Das Bewußtsein spricht +es also durch die Tat aus, daß es mit dem Postulieren nicht Ernst ist, +weil der Sinn des Handelns vielmehr dieser ist, das zur Gegenwart zu +machen, was nicht in der Gegenwart sein sollte. Und indem um des +Handelns willen die Harmonie postuliert wird--was nämlich durch das +Handeln _wirklich_ werden soll, muß _an sich_ so sein, sonst wäre die +Wirklichkeit nicht _möglich_--, so ist der Zusammenhang des Handelns +und des Postulats so beschaffen, daß um des Handelns, d.h. um der +_wirklichen_ Harmonie des Zwecks und der Wirklichkeit willen diese +Harmonie als _nicht wirklich_, als _jenseits_, gesetzt wird. + +Indem _gehandelt_ wird, ist es also mit der _Unangemessenheit_ des +Zwecks und der Wirklichkeit überhaupt nicht Ernst; dagegen scheint es +mit dem _Handeln_ selbst Ernst zu sein. Aber in der Tat ist die +wirkliche Handlung nur Handlung des _einzelnen_ Bewußtseins, also +selbst nur etwas Einzelnes und das Werk zufällig. Der Zweck der +Vernunft aber als der allgemeine, alles umfassende Zweck ist nichts +Geringeres als die ganze Welt; ein Endzweck, der weit über den Inhalt +dieser einzelnen Handlung hinausgeht, und daher überhaupt über alles +wirkliche Handeln hinauszustellen ist. Weil das allgemeine Beste +ausgeführt werden soll, wird nichts Gutes getan. In der Tat aber ist +die _Nichtigkeit_ des wirklichen Handelns, und die _Realität_ nur des +_ganzen_ Zwecks, die itzt aufgestellt sind, nach allen Seiten auch +wieder verstellt. Die moralische Handlung ist nicht etwas Zufälliges +und Beschränktes, denn sie hat die reine _Pflicht_ zu ihrem Wesen; +diese macht den _einzigen ganzen_ Zweck aus; und die Handlung also +als Verwirklichung desselben ist bei aller sonstigen Beschränkung des +Inhalts die Vollbringung des ganzen absoluten Zwecks. Oder wenn +wieder die Wirklichkeit als Natur, die ihre _eignen_ Gesetze hat und +der reinen Pflicht entgegengesetzt ist, genommen wird, so daß also +die Pflicht ihr Gesetz nicht in ihr realisieren kann, so ist es, +indem die Pflicht als solche das Wesen ist, in der Tat _nicht um die +Vollbringung_ der reinen Pflicht, welche der ganze Zweck ist, zu tun; +denn die Vollbringung hätte vielmehr nicht die reine Pflicht, sondern +das ihr Entgegengesetzte, die _Wirklichkeit_, zum Zwecke. Aber daß +es nicht um die Wirklichkeit zu tun sei, ist wieder verstellt; denn +nach dem Begriffe des moralischen Handelns ist die reine Pflicht +wesentlich _tätiges_ Bewußtsein; es soll also allerdings gehandelt, +die absolute Pflicht in der ganzen Natur ausgedrückt und das +Moralgesetz Naturgesetz werden. + +Lassen wir also dieses _höchste Gut_ als das Wesen gelten, so ist es +dem Bewußtsein mit der Moralität überhaupt nicht Ernst. Denn in +diesem höchsten Gute hat die Natur nicht ein anderes Gesetz, als die +Moralität hat. Somit fällt das moralische Handeln selbst hinweg, +denn das Handeln ist nur unter der Voraussetzung eines Negativen, das +durch die Handlung aufzuheben ist. Ist aber die Natur dem +Sittengesetze gemäß, so würde ja dieses durch das Handeln, durch das +Aufheben des Seienden verletzt.--Es wird also in jener Annahme als +der wesentliche Zustand ein solcher eingestanden, worin das +moralische Handeln überflüssig ist, und gar nicht stattfindet. Das +Postulat der Harmonie der Moralität und der Wirklichkeit--einer +Harmonie, die durch den Begriff des moralischen Handelns, beide in +Übereinstimmung zu bringen, gesetzt ist--drückt sich also auch von +dieser Seite so aus: weil das moralische Handeln der absolute Zweck +ist, so ist der absolute Zweck, daß das moralische Handeln gar nicht +vorhanden sei. + +Stellen wir diese Momente, durch die das Bewußtsein sich in seinem +moralischen Vorstellen fortwälzte, zusammen, so erhellt, daß es jedes +wieder in seinem Gegenteile aufhebt. Es geht davon aus, daß _für es_ +die Moralität und Wirklichkeit nicht harmoniere, aber es ist ihm +damit nicht Ernst, denn in der Handlung ist _für es_ die Gegenwart +dieser Harmonie. Es ist ihm aber auch mit diesem _Handeln_, da es +etwas Einzelnes ist, nicht Ernst; denn es hat einen so hohen Zweck, +_das höchste Gut_. Dies ist aber wieder nur eine Verstellung der +Sache, denn darin fiele alles Handeln und alle Moralität hinweg. Oder +es ist ihm eigentlich mit dem _moralischen_ Handeln nicht Ernst, +sondern das Wünschenswerteste, Absolute ist, daß das höchste Gut +ausgeführt und das moralische Handeln überflüssig wäre. + +Von diesem Resultate muß das Bewußtsein in seiner widersprechenden +Bewegung sich weiter fortwälzen, und das _Aufheben_ des moralischen +Handelns notwendig wieder verstellen. Die Moralität ist das An-sich; +daß sie statthabe, kann der Endzweck der Welt nicht ausgeführt sein, +sondern das moralische Bewußtsein muß _für sich_ sein, und eine ihm +_entgegengesetzte Natur_ vorfinden. Aber es an ihm selbst muß +vollendet sein. Dies führt zum zweiten Postulate der Harmonie seiner +und der Natur, welche an ihm unmittelbar ist, der Sinnlichkeit. Das +moralische Selbstbewußtsein stellt seinen Zweck als rein, als von +Neigungen und Trieben unabhängig auf, so daß er die Zwecke der +Sinnlichkeit in sich vertilgt hat.--Allein diese aufgestellte +Aufhebung des sinnlichen Wesens verstellt es wieder. Es handelt, +bringt seinen Zweck zur Wirklichkeit, und die selbstbewußte +Sinnlichkeit, welche aufgehoben sein soll, ist gerade diese Mitte +zwischen dem reinen Bewußtsein und der Wirklichkeit,--sie ist das +Werkzeug des erstern zu seiner Verwirklichung oder das Organ, und das, +was Trieb, Neigung genannt wird. Es ist daher nicht Ernst mit dem +Aufheben der Neigungen und Triebe, denn eben sie sind das _sich +verwirklichende Selbstbewußtsein_. Aber sie sollen auch nicht +_unterdrückt_, sondern der Vernunft nur _gemäß_ sein. Sie sind ihr +auch gemäß, denn das moralische _Handeln_ ist nichts anderes als das +sich verwirklichende, also sich die Gestalt eines _Triebes_ gebende +Bewußtsein, das heißt, es ist unmittelbar die gegenwärtige Harmonie +des Triebs und der Moralität. Aber in der Tat ist der Trieb nicht +nur diese leere Gestalt, die eine andere Feder, als er selbst ist, in +sich haben und von ihr getrieben werden könnte. Denn die +Sinnlichkeit ist eine Natur, die ihre eigenen Gesetze und +Springfedern an ihr selbst hat; es kann der Moralität daher nicht +Ernst damit sein, die Triebfeder der Triebe, der Neigungswinkel der +Neigungen zu sein. Denn indem diese ihre eigne feste Bestimmtheit +und eigentümlichen Inhalt haben, so wäre vielmehr das Bewußtsein, dem +sie gemäß wären, ihnen gemäß; eine Gemäßheit, welche sich das +moralische Selbstbewußtsein verbittet. Die Harmonie beider ist also +nur _an sich_ und _postuliert_.--In dem moralischen Handeln war +soeben die _gegenwärtige_ Harmonie der Moralität und der Sinnlichkeit +aufgestellt, dies aber _ist nun_ verstellt; sie ist jenseits des +Bewußtseins in einer neblichten Ferne, worin nichts mehr genau zu +unterscheiden noch zu begreifen ist; denn mit dem Begreifen dieser +Einheit, das wir soeben versuchten, ging es nicht.--In diesem An-sich +gibt aber überhaupt das Bewußtsein sich auf. Dieses An-sich ist +seine moralische Vollendung, worin der Kampf der Moralität und der +Sinnlichkeit aufgehört hat, und die letztere der erstern auf eine +Weise gemäß ist, die nicht zu fassen ist.--Darum ist diese Vollendung +wieder nur eine Verstellung der Sache, denn in der Tat gäbe in ihr +vielmehr die _Moralität_ selbst sich auf, denn sie ist nur Bewußtsein +des absoluten Zwecks als des _reinen_, also im _Gegensatze_ gegen +alle andern Zwecke; sie ist ebenso die _Tätigkeit_ dieses reinen +Zwecks, als sie sich der Erhebung über die Sinnlichkeit, der +Einmischung derselben und ihres Gegensatzes und Kampfes mit ihr +bewußt ist.--Daß es mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist, +spricht das Bewußtsein unmittelbar selbst darin aus, daß es sie in +die _Unendlichkeit_ hinaus verstellt, das heißt, sie als niemals +vollendet behauptet. + +Vielmehr ist ihm also nur dieser Zwischenzustand der Nichtvollendung +das Gültige; ein Zustand, der aber doch ein _Fortschreiten_ zur +Vollendung wenigstens sein soll. Allein er kann auch dies nicht sein, +denn das Fortschreiten in der Moralität wäre vielmehr ein Zugehen +zum Untergang derselben. Das Ziel nämlich wäre das obige Nichts oder +Aufheben der Moralität und des Bewußtseins selbst; dem Nichts aber +immer näher und näher kommen, heißt _abnehmen_. Außerdem nähme +_Fortschreiten_ überhaupt ebenso wie _Abnehmen_ Unterschiede der +Größe in der Moralität an; allein von diesen kann in ihr keine Rede +sein. In ihr als dem Bewußtsein, welchem der sittliche Zweck die +_reine_ Pflicht ist, ist an eine Verschiedenheit überhaupt nicht, am +wenigsten an den oberflächlichen der Größe zu denken; es gibt nur +_eine_ Tugend, nur _eine_ reine Pflicht, nur _eine_ Moralität. + + +Indem es also mit der moralischen Vollendung nicht Ernst ist, sondern +vielmehr mit dem Mittelzustande, d.h. wie soeben erörtert, mit der +Nichtmoralität, so kommen wir von einer andern Seite auf den Inhalt +des ersten Postulats zurück. Es ist nämlich nicht abzusehen, wie +Glückseligkeit für dies moralische Bewußtsein um seiner _Würdigkeit_ +willen zu fodern ist. Es ist seiner Nichtvollendung sich bewußt, und +kann daher die Glückseligkeit in der Tat nicht als Verdienst, nicht +als etwas, dessen es würdig wäre, fodern, sondern sie nur aus einer +freien Gnade, das heißt, die Glückseligkeit als _solche_ an und für +sich selbst verlangen, und nicht aus jenem absoluten Grunde, sondern +nach Zufall und Willkür erwarten.--Die Nichtmoralität spricht eben +hierin aus, was sie ist,--daß es nicht um die Moralität, sondern um +die Glückseligkeit an und für sich ohne Beziehung auf jene zu tun ist. + +Durch diese zweite Seite der moralischen Weltanschauung wird auch +noch die andere Behauptung der erstern aufgehoben, worin die +Disharmonie der Moralität und Glückseligkeit vorausgesetzt wird.--Es +will nämlich die Erfahrung gemacht werden, daß es in dieser Gegenwart +dem Moralischen oft schlecht, dem Unmoralischen hingegen oft +glücklich gehe. Allein der Zwischenzustand der unvollendeten +Moralität, der sich als das Wesentliche ergeben hat, zeigt offenbar, +daß diese Wahrnehmung und seinsollende Erfahrung nur eine Verstellung +der Sache ist. Denn da die Moralität unvollendet, das heißt, die +Moralität in der Tat _nicht_ ist, was kann an der Erfahrung sein, daß +es ihr schlecht gehe?--Indem es zugleich herausgekommen, daß es um +die Glückseligkeit an und für sich zu tun ist, so zeigt es sich, daß +bei Beurteilung, es gehe dem Unmoralischen gut, nicht ein Unrecht +gemeint war, das hier stattfinde. Die Bezeichnung eines Individuums +als eines unmoralischen fällt, indem die Moralität überhaupt +unvollendet ist, _an sich_ hinweg, hat also nur einen willkürlichen +Grund. Der Sinn und Inhalt des Urteils der Erfahrung ist dadurch +allein dieser, daß einigen die Glückseligkeit an und für sich nicht +zukommen sollte, das heißt, er ist _Neid_, der sich zum Deckmantel +die Moralität nimmt. Der Grund aber, warum andern das sogenannte +Glück zuteil werden sollte, ist die gute Freundschaft, die ihnen und +sich selbst, diese Gnade, d.h. diesen Zufall _gönnt_ und _wünscht_. + +Die Moralität also im moralischen Bewußtsein ist unvollendet; dies +ist es, was itzt aufgestellt wird, aber es ist ihr Wesen, nur das +_vollendete Reine_ zu sein; die unvollendete Moralität ist daher +unrein, oder sie ist Immoralität. Die Moralität selbst ist also in +einem andern Wesen als in dem wirklichen Bewußtsein; es ist ein +heiliger moralischer Gesetzgeber.--Die im Bewußtsein _unvollendete_ +Moralität, welche der Grund dieses Postulierens ist, hat _zunächst_ +die Bedeutung, daß die Moralität, indem sie im Bewußtsein als +_wirklich_ gesetzt wird, in der Beziehung auf ein _Anderes_, auf ein +Dasein steht, also selbst an ihr das Anderssein oder den Unterschied +erhält, wodurch eine vielfache Menge von moralischen Geboten entsteht. +Das moralische Selbstbewußtsein hält aber zugleich diese _vielen_ +Pflichten für unwesentlich; denn es ist nur um die _eine_ reine +Pflicht zu tun, und _für es_ haben sie, insofern sie _bestimmte_ sind, +keine Wahrheit. Sie können ihre Wahrheit also nur in einem Andern +haben, und sind, was sie für es nicht sind, heilig durch einen +heiligen Gesetzgeber.--Allein dies ist selbst wieder nur eine +Verstellung der Sache. Denn das moralische Selbstbewußtsein ist sich +das Absolute, und Pflicht schlechthin nur das, was _es_ als Pflicht +_weiß_. Es weiß aber nur die reine Pflicht als Pflicht; was ihm +nicht heilig ist, ist an sich nicht heilig, und was an sich nicht +heilig ist, kann durch das heilige Wesen nicht geheiliget werden. Es +ist dem moralischen Bewußtsein auch überhaupt damit nicht Ernst, +etwas _durch ein anderes_ Bewußtsein, als es selbst ist, heiligen zu +lassen; denn es ist ihm schlechthin nur das heilig, was ihm durch +_sich selbst und in ihm_ heilig ist.--Es ist also ebensowenig damit +Ernst, daß dies andere Wesen ein heiliges sei, denn in ihm sollte +etwas zur Wesenheit gelangen, was für das moralische Bewußtsein, d.h. +an sich keine Wesenheit hat. + +Wenn das heilige Wesen postuliert wurde, daß in ihm die Pflicht nicht +als reine Pflicht, sondern als eine Vielheit _bestimmter_ Pflichten +ihre Gültigkeit hätte, so muß also dieses wieder verstellt, und das +andere Wesen allein insofern heilig sein, als in ihm nur _die reine +Pflicht_ Gültigkeit hat. Die reine Pflicht hat auch in der Tat +Gültigkeit nur in einem andern Wesen, nicht in dem moralischen +Bewußtsein. Obschon in ihm die reine Moralität allein zu gelten +scheint, so muß doch dieses anders gestellt werden, denn es ist +zugleich natürliches Bewußtsein. Die Moralität ist in ihm von der +Sinnlichkeit affiziert und bedingt, also nicht an und für sich, +sondern eine Zufälligkeit des freien _Willens_; in ihm aber als +reinem _Willen_ eine Zufälligkeit des _Wissens_; _an und für sich_ +ist die Moralität daher in einem andern Wesen. + +Dieses Wesen ist also hier die rein vollendete Moralität darum, weil +sie in ihm nicht in Beziehung auf Natur und Sinnlichkeit steht. +Allein die _Realität_ der reinen Pflicht ist ihre _Verwirklichung_ in +Natur und Sinnlichkeit. Das moralische Bewußtsein setzt seine +Unvollkommenheit darein, daß in ihm die Moralität eine _positive_ +Beziehung auf die Natur und Sinnlichkeit hat, da ihm dies für ein +wesentliches Moment derselben gilt, daß sie schlechthin nur eine +_negative_ Beziehung darauf habe. Das reine moralische Wesen dagegen, +weil es erhaben über den _Kampf_ mit der Natur und Sinnlichkeit ist, +steht nicht in einer _negativen_ Beziehung darauf. Es bleibt ihm +also in der Tat nur die _positive_ Beziehung darauf übrig, d.h. eben +dasjenige, was soeben als das Unvollendete, als das Unmoralische galt. +Die _reine Moralität_ aber ganz getrennt von der Wirklichkeit, so +daß sie ebensosehr ohne positive Beziehung auf diese wäre, wäre eine +bewußtlose, unwirkliche Abstraktion, worin der Begriff der Moralität, +Denken der reinen Pflicht und ein Willen und Tun zu sein, schlechthin +aufgehoben wäre. Dieses so rein moralische Wesen ist daher wieder +eine Verstellung der Sache, und aufzugeben. + +In diesem rein moralischen Wesen aber nähern sich die Momente des +Widerspruchs, in welchem dies synthetische Vorstellen sich +herumtreibt, und die entgegengesetzten _Auchs_, die es, ohne diese +seine Gedanken zusammenzubringen, aufeinander folgen und ein +Gegenteil immer durch das andere ablösen läßt, so sehr, daß das +Bewußtsein hier seine moralische Weltanschauung aufgeben und in sich +zurückfliehen muß. + +Es erkennt seine Moralität darum als nicht vollendet, weil es von +einer ihr entgegengesetzten Sinnlichkeit und Natur affiziert ist, +welche teils die Moralität selbst als solche trübt, teils eine Menge +von Pflichten entstehen macht, durch die es im konkreten Falle des +wirklichen Handeln in Verlegenheit gerät; denn jeder Fall ist die +Konkretion vieler moralischen Beziehungen, wie ein Gegenstand der +Wahrnehmung überhaupt ein Ding von vielen Eigenschaften ist; und +indem die _bestimmte_ Pflicht Zweck ist, hat sie einen Inhalt, und +ihr _Inhalt_ ist ein Teil des Zwecks, und die Moralität nicht rein. +--Diese hat also in einem andern Wesen ihre _Realität_. Aber diese +Realität heißt nichts anderes, als daß die Moralität hier _an_ und +_für sich_ sei,--_für sich_, d.h. Moralität eines _Bewußtseins_ sei, +_an sich_, das heißt, _Dasein_ und _Wirklichkeit_ habe.--In jenem +ersten unvollendeten Bewußtsein ist die Moralität nicht ausgeführt; +sie ist darin das _An-sich_ im Sinne eines _Gedankendinges_; denn sie +ist mit Natur und Sinnlichkeit, mit der Wirklichkeit des Seins und +des Bewußtseins vergesellschaftet, die ihren Inhalt ausmacht, und +Natur und Sinnlichkeit ist das moralisch Nichtige.--In dem zweiten +ist die Moralität als _vollendet_, und nicht als ein unausgeführtes +Gedankending vorhanden. Aber diese Vollendung besteht eben darin, +daß die Moralität in einem _Bewußtsein Wirklichkeit_, sowie _freie +Wirklichkeit_, Dasein überhaupt hat, nicht das Leere, sondern +erfüllte Inhaltsvolle ist;--das heißt, die Vollendung der Moralität +wird darin gesetzt, daß das, was soeben als das moralisch Nichtige +bestimmt wurde, in ihr und an ihr vorhanden ist. Sie soll das +einemal schlechthin nur als das unwirkliche Gedankending der reinen +Abstraktion Gültigkeit, aber ebensowohl in dieser Weise keine +Gültigkeit haben; ihre Wahrheit soll darin bestehen, der Wirklichkeit +entgegengesetzt und von ihr ganz frei und leer, und wieder darin, +Wirklichkeit zu sein. + +Der Synkretismus dieser Widersprüche, der in der moralischen +Weltanschauung auseinandergelegt ist, fällt in sich zusammen, indem +der Unterschied, worauf er beruht, von solchem, das notwendig gedacht +und gesetzt werden müsse, und doch zugleich unwesentlich sei, zu +einem Unterschiede wird, der nicht einmal mehr in den Worten liegt. +Was am Ende als ein Verschiedenes gesetzt wird, sowohl als das +Nichtige wie als das Reelle, ist ein und eben dasselbe, das Dasein +und die Wirklichkeit; und was absolut nur als das _Jenseits des_ +wirklichen Seins und Bewußtseins, und ebensowohl nur in ihm und als +ein jenseits das Nichtige sein soll, ist die reine Pflicht, und das +Wissen derselben als des Wesens. Das Bewußtsein, das diesen +Unterschied macht, der keiner ist, die Wirklichkeit für das Nichtige +und das Reale zugleich, die reine Moralität ebenso für das wahre +Wesen sowie für das Wesenlose aussagt, spricht die Gedanken, die es +vorher trennte, zusammen aus, spricht es selbst aus, daß es ihm mit +dieser Bestimmung und der Auseinanderstellung der Momente des +_Selbsts_ und des _An-sichs_ nicht Ernst ist, sondern daß es das, was +es als das absolute außer dem Bewußtsein _Seiende_ aussagt, vielmehr +in dem Selbst des Selbstbewußtseins eingeschlossen behält, und was es +als das absolut _Gedachte_ oder das absolute _An-sich_ aussagt, eben +darum für ein nicht Wahrheit Habendes nimmt.--Es wird für das +Bewußtsein, daß das Auseinanderstellen dieser Momente eine +Verstellung ist, und es wäre _Heuchelei_, wenn es sie doch +beibehielte. Aber als moralisches reines Selbstbewußtsein flieht es +aus dieser Ungleichheit seines _Vorstellens_ mit dem, was sein +_Wesen_ ist, aus dieser Unwahrheit, welche das für wahr aussagt, was +ihm für unwahr gilt, mit Abscheu in sich zurück. Es ist _reines +Gewissen_, welches eine solche moralische Weltvorstellung verschmäht; +es ist _in sich selbst_ der einfache seiner gewisse Geist, der ohne +die Vermittlung jener Vorstellungen unmittelbar gewissenhaft handelt, +und in dieser Unmittelbarkeit seine Wahrheit hat.--Wenn aber diese +Welt der Verstellung nichts anders als die Entwicklung des +moralischen Selbstbewußtseins in seinen Momenten, und hiemit seine +_Realität_ ist, so wird es durch sein Zurückgehen in sich seinem +Wesen nach nichts anderes werden; sein Zurückgehen in sich ist +vielmehr nur das _erlangte Bewußtsein_, daß seine Wahrheit eine +vorgegebene ist. Es _müßte_ sie noch immer für _seine_ Wahrheit +_ausgeben_, denn es müßte sich als gegenständliche Vorstellung +aussprechen und darstellen, aber _wüßte_, daß dies nur eine +Verstellung ist; er wäre hiemit in der Tat die Heuchelei, und jenes +_Verschmähen_ jener Verstellung schon die erste Äußerung der +Heuchelei. + + +c. Das Gewissen,die schöne Seele,das Böse und seine Verzeihung + +Die Antinomie der moralischen Weltanschauung, daß es ein moralisches +Bewußtsein gibt, und daß es keines gibt,--oder daß das Gelten der +Pflicht ein Jenseits des Bewußtseins ist, und umgekehrt nur in ihm +stattfindet, war in die Vorstellung zusammengefaßt worden, worin das +nichtmoralische Bewußtsein für moralisch gelte, sein zufälliges +Wissen und Wollen für vollwichtig angenommen, und die Glückseligkeit +ihm aus Gnade zuteil werde. Diese sich selbst widersprechende +Vorstellung nahm das moralische Selbstbewußtsein nicht über sich, +sondern verlegte sie in ein ihm andres Wesen. Aber dies Hinaussetzen +dessen, was es als notwendig denken muß, außer sich selbst ist ebenso +der Widerspruch der Form nach, wie jener es dem Inhalte nach ist. +Weil aber an sich eben das, was als widersprechend erscheint, und in +dessen Trennung und Wiederauflösung die moralische Weltanschauung +sich herumtreibt, dasselbe ist, die reine Pflicht nämlich als das +_reine Wissen_, nichts anders als das _Selbst_ des Bewußtseins, und +das Selbst des Bewußtseins das _Sein_ und _Wirklichkeit_,--ebenso was +jenseits des _wirklichen_ Bewußtseins sein soll, nicht anders als das +reine Denken, also in der Tat das Selbst ist, so geht _für uns_ oder +_an sich_ das Selbstbewußtsein in sich zurück, und weiß dasjenige +Wesen als sich selbst, worin das _Wirkliche_ zugleich _reines Wissen_ +und _reine Pflicht_ ist. Es selbst ist sich das in seiner +Zufälligkeit vollgültige, das seine unmittelbare Einzelnheit als das +reine Wissen und Handeln, als die wahre Wirklichkeit und Harmonie +weiß. + +Dies _Selbst des Gewissens_, der seiner unmittelbar als der absoluten +Wahrheit und des Seins gewisse Geist, ist das _dritte Selbst_, das +uns aus der dritten Welt des Geistes geworden ist, und ist mit den +vorherigen kurz zu vergleichen. Die Totalität oder Wirklichkeit, +welche sich als die Wahrheit der sittlichen Welt darstellt, ist das +Selbst der _Person_; ihr Dasein ist das _Anerkanntsein_. Wie die +Person das substanzleere Selbst ist, so ist dies ihr Dasein ebenso +die abstrakte Wirklichkeit; die Person _gilt_, und zwar unmittelbar; +das Selbst ist der in dem Elemente seines Seins unmittelbar ruhende +Punkt; er ist ohne die Abtrennung von seiner Allgemeinheit, beide +daher nicht in Bewegung und Beziehung aufeinander, das Allgemeine ist +ohne Unterscheidung in ihm, und weder Inhalt des Selbsts, noch ist +das Selbst durch sich selbst erfüllt.--Das _zweite Selbst_ ist die zu +ihrer Wahrheit gekommne Welt der Bildung oder der sich wiedergegebne +Geist der Entzweiung--die absolute Freiheit. In diesem Selbst tritt +jene erste unmittelbare Einheit der Einzelnheit und Allgemeinheit +auseinander; das Allgemeine, das ebenso rein geistiges Wesen, +Anerkanntsein oder allgemeiner Willen und Wissen bleibt, ist +_Gegenstand_ und Inhalt des Selbsts und seine allgemeine Wirklichkeit. +Aber es hat nicht die Form des vom Selbst freien Daseins; es kommt +in diesem Selbst daher zu keiner Erfüllung und zu keinem positiven +Inhalt, zu keiner Welt. Das moralische Selbstbewußtsein läßt seine +Allgemeinheit zwar frei, so daß sie eine eigne Natur wird, und ebenso +hält es sie in sich als aufgehoben fest. Aber es ist nur das +verstellende Spiel der Abwechslung dieser beiden Bestimmungen. Als +Gewissen erst hat es in seiner _Selbstgewißheit_ den _Inhalt_ für die +vorhin leere Pflicht sowie für das leere Recht und den leeren +allgemeinen Willen; und weil diese Selbstgewißheit ebenso das +_Unmittelbare_ ist, das Dasein selbst. + +Zu dieser seiner Wahrheit gelangt, verläßt also oder hebt das +moralische Selbstbewußtsein vielmehr die Trennung in sich selbst auf, +woraus die Verstellung entsprungen, die Trennung des _An-sich_ und +des _Selbsts_, der reinen Pflicht als des reinen _Zwecks_, und der +_Wirklichkeit_ als einer dem reinen Zwecke entgegengesetzten Natur +und Sinnlichkeit. Es ist so in sich zurückgekehrt, _konkreter_ +moralischer Geist, der nicht am Bewußtsein der reinen Pflicht sich +einen leeren Maßstab gibt, welcher dem wirklichen Bewußtsein +entgegengesetzt wäre, sondern die reine Pflicht ebenso wie die ihr +entgegengesetzte Natur sind aufgehobne Momente; er ist in +unmittelbarer Einheit sich _verwirklichendes moralisches_ Wesen, und +die Handlung unmittelbar _konkrete_ moralische Gestalt. + +Es ist ein Fall des Handelns vorhanden; er ist eine gegenständliche +Wirklichkeit für das wissende Bewußtsein. Dieses als Gewissen weiß +ihn auf unmittelbare konkrete Weise, und er ist zugleich nur, wie es +ihn weiß. Zufällig ist das Wissen, insofern es ein anderes ist als +der Gegenstand; der seiner selbst gewisse Geist aber ist nicht mehr +ein solches zufälliges Wissen und Erschaffen von Gedanken in sich, +von denen die Wirklichkeit verschieden wäre, sondern indem die +Trennung des _An-sich_ und des _Selbsts_ aufgehoben ist, so ist der +Fall unmittelbar in der sinnlichen _Gewißheit_ des Wissens, wie er +_an sich_ ist, und er ist nur so _an sich_, wie er in diesem Wissen +ist.--Das Handeln als die Verwirklichung ist hiedurch die reine Form +des Willens; die bloße Umkehrung der Wirklichkeit als eines +_seienden_ Falles, in eine _getane_ Wirklichkeit, der bloßen Weise +des _gegenständlichen_ Wissens in die Weise des Wissens von der +_Wirklichkeit_ als einem vom Bewußtsein Hervorgebrachten. Wie die +sinnliche Gewißheit unmittelbar in das An-sich des Geistes +aufgenommen oder vielmehr umgekehrt ist, so ist auch diese Umkehrung +einfach und unvermittelt, ein Übergang durch den reinen Begriff ohne +Änderung des Inhalts, der durch das Interesse des von ihm wissenden +Bewußtseins bestimmt ist.--Das Gewissen sondert ferner die Umstände +des Falles nicht in verschiedene Pflichten ab. Es verhält sich nicht +als _positives allgemeines Medium_, worin die vielen Pflichten, jede +für sich, unverrückte Substantialität erhielten, so daß _entweder_ +gar nicht gehandelt werden könnte, weil jeder konkrete Fall die +Entgegensetzung überhaupt, und als moralischer Fall die +Entgegensetzung der Pflichten enthält, in der Bestimmung des Handelns +also _eine_ Seite, _eine_ Pflicht immer _verletzt_ würde;--_oder_ daß, +wenn gehandelt wird, die Verletzung einer der entgegengesetzten +Pflichten wirklich einträte. Das Gewissen ist vielmehr das negative +Eins oder absolute Selbst, welches diese verschiedenen moralischen +Substanzen vertilgt; es ist einfaches pflichtmäßiges Handeln, das +nicht diese oder jene Pflicht erfüllt, sondern das konkrete Rechte +weiß und tut. Es ist daher überhaupt erst das moralische _Handeln_ +als Handeln, worein das vorhergehende tatlose Bewußtsein der +Moralität übergegangen ist.--Die konkrete Gestalt der Tat mag vom +unterscheidenden Bewußtsein in verschiedene Eigenschaften, d.h. hier +in verschiedene moralische Beziehungen analysiert, und diese entweder +jede, wie es sein muß, wenn sie Pflicht sein soll, für absolut +geltend ausgesagt, oder auch verglichen und geprüft werden. In der +einfachen moralischen Handlung des Gewissens sind die Pflichten so +verschüttet, daß allen diesen einzelnen Wesen unmittelbar _Abbruch_ +getan wird, und das prüfende Rütteln an der Pflicht in der +unwankenden Gewißheit des Gewissens gar nicht stattfindet. + +Ebensowenig ist im Gewissen jene hin- und hergehende Ungewißheit des +Bewußtseins vorhanden, welches bald die sogenannte reine Moralität +außer sich in ein anderes heiliges Wesen setzt, und sich selbst als +das unheilige gilt, bald aber auch wieder die moralische Reinheit in +sich, und die Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Moralischen in das +andere Wesen setzt. + +Es entsagt allen diesen Stellungen und Verstellungen der moralischen +Weltanschauung, indem es dem Bewußtsein entsagt, das die Pflicht und +die Wirklichkeit als widersprechend faßt. Nach diesem letztern +handle ich moralisch, indem ich mir _bewußt_ bin, nur die reine +Pflicht zu vollbringen, nicht irgend _etwas anders_, dies heißt in +der Tat, _indem ich nicht_ handle. Indem ich aber wirklich handle, +bin ich mir eines _Andern_, einer _Wirklichkeit_, die vorhanden ist, +und einer, die ich hervorbringen will, bewußt, habe einen +_bestimmten_ Zweck und erfülle eine _bestimmte_ Pflicht; es ist was +_anderes_ darin als die reine Pflicht, die allein beabsichtiget +werden sollte.--Das Gewissen ist dagegen das Bewußtsein darüber, daß, +wenn das moralische Bewußtsein die _reine Pflicht_ als das Wesen +seines Handelns aussagt, dieser reine Zweck eine Verstellung der +Sache ist; denn die Sache selbst ist, daß die reine Pflicht in der +leeren Abstraktion des reinen Denkens besteht, und ihre Realität und +Inhalt nur an einer bestimmten Wirklichkeit hat, einer Wirklichkeit, +welche Wirklichkeit des Bewußtseins selbst, und desselben nicht als +eines Gedankendings, sondern als eines Einzelnen ist. Das Gewissen +hat _für sich selbst_ seine Wahrheit an der _unmittelbaren Gewißheit_ +seiner selbst. Diese _unmittelbare_ konkrete Gewißheit seiner selbst +ist das Wesen; sie nach dem Gegensatze des Bewußtseins betrachtet, so +ist die eigne unmittelbare _Einzelnheit_ der Inhalt des moralischen +Tuns; und die _Form_ desselben ist eben dieses Selbst als reine +Bewegung, nämlich als das _Wissen_ oder die _eigne Überzeugung_. + +Dies in seiner Einheit und in der Bedeutung der Momente näher +betrachtet, so erfaßte das moralische Bewußtsein sich nur als das +_An-sich_ oder _Wesen_; als Gewissen aber erfaßt es sein +_Für-sich_-sein oder sein _Selbst_.--Der Widerspruch der moralischen +Weltanschauung _löst_ sich _auf_, d.h. der Unterschied, der ihm +zugrunde liegt, zeigt sich, kein Unterschied zu sein, und er läuft in +die reine Negativität zusammen; diese aber ist eben das _Selbst_; ein +einfaches _Selbst_, welches ebensowohl _reines_ Wissen als Wissen +seiner als _dieses einzelnen_ Bewußtseins ist. Dies Selbst macht +daher den Inhalt des vorher leeren Wesens aus, denn es ist das +_wirkliche_, welches nicht mehr die Bedeutung hat, eine dem Wesen +fremde und in eignen Gesetzen selbstständige Natur zu sein. Es ist +als das Negative der _Unterschied_ des reinen Wesens, ein Inhalt, und +zwar ein solcher, welcher an und für sich gilt. + +Ferner ist dies Selbst als reines sich selbst gleiches Wissen das +_schlechthin Allgemeine_, so daß eben dies Wissen als _sein eignes_ +Wissen, als Überzeugung die _Pflicht_ ist. Die Pflicht ist nicht +mehr das dem Selbst gegenübertretende Allgemeine, sondern ist gewußt, +in dieser Getrenntheit kein Gelten zu haben; es ist itzt das Gesetz, +das um des Selbsts willen, nicht um dessen willen das Selbst ist. +Das Gesetz und die Pflicht hat aber darum nicht allein die Bedeutung +des _Für-sich-seins_, sondern auch des _An-sich-seins_, denn dies +Wissen ist um seiner Sichselbstgleichheit willen eben das _An-sich_. +Dies _An-sich_ trennt sich auch im Bewußtsein von jener unmittelbaren +Einheit mit dem Für-sich-sein; so gegenübertretend ist es _Sein_, +_Sein für Anderes_.--Die Pflicht eben wird itzt als Pflicht, die vom +Selbst verlassen ist, gewußt, nur _Moment_ zu sein, sie ist von ihrer +Bedeutung, _absolutes Wesen_ zu sein, zum Sein, das nicht Selbst, +nicht _für sich_ ist, herabgesunken und also _Sein für anderes_. +Aber dies _Sein für anderes_ bleibt ebendarum wesentliches Moment, +weil das Selbst als Bewußtsein den Gegensatz des Für-sich-seins und +des Seins für anderes ausmacht, und itzt die Pflicht an ihr +unmittelbar _wirkliches_, nicht mehr bloß das abstrakte reine +Bewußtsein ist. + +Dies _Sein für anderes_ ist also die _ansichseiende_ vom Selbst +unterschiedne Substanz. Das Gewissen hat die reine Pflicht oder das +_abstrakte An-sich_ nicht aufgegeben, sondern sie ist das wesentliche +Moment, als _Allgemeinheit_ sich zu andern zu verhalten. Es ist das +gemeinschaftliche Element der Selbstbewußtsein, und dieses die +Substanz, worin die Tat _Bestehen_ und _Wirklichkeit_ hat; das Moment +des _Anerkanntwerdens_ von den andern. Das moralische +Selbstbewußtsein hat dies Moment des Anerkanntseins, des _reinen +Bewußtseins_, welches _da_ ist, nicht; und ist dadurch überhaupt +nicht handelndes, nicht verwirklichendes. Sein _An-sich_ ist ihm +entweder das abstrakte _unwirkliche_ Wesen oder das _Sein_ als eine +_Wirklichkeit_, welche nicht geistig ist. Die _seiende Wirklichkeit_ +des Gewissens aber ist eine solche, welche _Selbst_ ist, d.h. das +seiner bewußte Dasein das geistige Element des Anerkanntwerdens. Das +Tun ist daher nur das Übersetzen seines _einzelnen_ Inhalts in das +_gegenständliche_ Element, worin er allgemein und anerkannt ist, und +eben dies, daß er anerkannt ist, macht die Handlung zur Wirklichkeit. +Anerkannt und dadurch wirklich ist die Handlung, weil die daseiende +Wirklichkeit unmittelbar mit der Überzeugung oder dem Wissen +verknüpft, oder das Wissen von seinem Zwecke unmittelbar das Element +des Daseins, das allgemeine Anerkennen ist. Denn das _Wesen_ der +Handlung, die Pflicht besteht in der _Überzeugung_ des Gewissens von +ihr; diese Überzeugung ist eben das _An-sich_ selbst; es ist das _an +sich allgemeine Selbstbewußtsein_, oder das _Anerkanntsein_ und +hiemit die Wirklichkeit. Das mit der Überzeugung von der Pflicht +Getane ist also unmittelbar ein solches, das Bestand und Dasein hat. +Es ist also da keine Rede mehr davon, daß die gute Absicht nicht +zustande komme, oder daß es dem Guten schlecht geht; sondern das als +Pflicht Gewußte vollführt sich und kommt zur Wirklichkeit, weil eben +das Pflichtmäßige das Allgemeine aller Selbstbewußtsein, das +Anerkannte und also Seiende ist. Getrennt und allein genommen, ohne +den Inhalt des Selbsts aber ist diese Pflicht das _Sein für anderes_, +das Durchsichtige, das nur die Bedeutung gehaltloser Wesenheit +überhaupt hat. + +Sehen wir auf die Sphäre zurück, mit der überhaupt die _geistige +Realität_ eintrat, so war es der Begriff, daß das Aussprechen der +Individualität das _An- und Für-sich sei_. Aber die Gestalt, welche +diesen Begriff unmittelbar ausdrückte, war das _ehrliche Bewußtsein_, +das sich mit der _abstrakten Sache selbst_ herumtrieb. Diese _Sache +selbst_ war dort _Prädikat_; im Gewissen aber erst ist sie _Subjekt_, +das alle Momente des Bewußtseins an ihm gesetzt hat, und für welches +alle diese Momente, Substantialität überhaupt, äußeres Dasein und +Wesen des Denkens, in dieser Gewißheit seiner selbst enthalten sind. +Substantialität überhaupt hat die _Sache selbst_ in der Sittlichkeit, +äußeres Dasein in der Bildung, sich selbstwissende Wesenheit des +Denkens in der Moralität, und im Gewissen ist sie das _Subjekt_, das +diese Momente an ihm selbst weiß. Wenn das ehrliche Bewußtsein nur +immer _die leere Sache selbst_ ergreift, so gewinnt dagegen das +Gewissen sie in ihrer Erfüllung, die es ihr durch sich gibt. Es ist +diese Macht dadurch, daß es die Momente des Bewußtseins als _Momente_ +weiß, und als ihr negatives Wesen sie beherrscht. + +Das Gewissen in Beziehung auf die einzelnen Bestimmungen des +Gegensatzes, der am Handeln erscheint, und sein Bewußtsein über die +Natur derselben betrachtet, so verhält es sich zuerst als _Wissendes_ +zur _Wirklichkeit_ des _Falles_, worin zu handeln ist. Insofern das +Moment der _Allgemeinheit_ an diesem Wissen ist, gehört zum Wissen +des gewissenhaften Handelns, die vorliegende Wirklichkeit auf +uneingeschränkte Weise zu umfassen, und also die Umstände des Falles +genau zu wissen und in Erwägung zu ziehen. Dies Wissen aber, da es +die Allgemeinheit als ein _Moment kennt_, ist daher ein solches +Wissen von diesen Umständen, das sich bewußt ist, sie nicht zu +umfassen oder darin nicht gewissenhaft zu sein. Die wahrhaft +allgemeine und reine Beziehung des Wissens wäre eine Beziehung auf +ein nicht _Entgegengesetztes_, auf sich selbst; aber das _Handeln_ +durch den Gegensatz, der in ihm wesentlich ist, bezieht sich auf ein +Negatives des Bewußtseins, auf eine _an sich seiende Wirklichkeit_. +Gegen die Einfachheit des reinen Bewußtseins, das absolut _Andere_, +oder die Mannigfaltigkeit _an sich_, ist sie eine absolute Vielheit +der Umstände, die sich rückwärts in ihre Bedingungen, seitwärts in +ihrem Nebeneinander, vorwärts in ihren Folgen unendlich teilt und +ausbreitet.--Das gewissenhafte Bewußtsein ist dieser Natur der Sache +und seines Verhältnisses zu ihr bewußt, und weiß, daß es den Fall, in +dem es handelt, nicht nach dieser gefoderten Allgemeinheit kennt, und +daß sein Vorgeben dieser gewissenhaften Erwägung aller Umstände +nichtig ist. Diese Kenntnis und Erwägung aller Umstände aber ist +nicht gar nicht vorhanden; allein nur als _Moment_, als etwas, das +nur für _andere_ ist; und sein unvollständiges Wissen, weil es _sein_ +Wissen ist, gilt ihm als hinreichendes vollkommenes Wissen. + +Auf gleiche Weise verhält es sich mit der Allgemeinheit des _Wesens_, +oder der Bestimmung des Inhalts durchs reine Bewußtsein.--Das zum +Handeln schreitende Gewissen bezieht sich auf die vielen Seiten des +Falles. Dieser schlägt sich auseinander, und ebenso die Beziehung +des reinen Bewußtseins auf ihn, wodurch die Mannigfaltigkeit des +Falles eine Mannigfaltigkeit von _Pflichten_ ist.--Das Gewissen weiß, +daß es unter ihnen zu wählen und zu entscheiden hat; denn keine ist +in ihrer Bestimmtheit oder in ihrem Inhalte absolut, sondern nur die +_reine Pflicht_. Aber dies Abstraktum hat in seiner Realität die +Bedeutung des selbstbewußten Ich erlangt. Der seiner selbst gewisse +Geist ruht als Gewissen in sich, und seine _reale_ Allgemeinheit oder +seine Pflicht liegt in seiner reinen _Überzeugung_ von der Pflicht. +Diese _reine_ Überzeugung ist als solche so leer als die reine +_Pflicht_, rein in dem Sinne, daß nichts in ihr, kein bestimmter +Inhalt Pflicht ist. Es soll aber gehandelt, es muß von dem +Individuum _bestimmt_ werden; und der seiner selbst gewisse Geist, in +dem das An-sich die Bedeutung des selbstbewußten Ich erlangt hat, +weiß diese Bestimmung und Inhalt in der unmittelbaren _Gewißheit_ +seiner selbst zu haben. Diese ist als Bestimmung und Inhalt das +_natürliche_ Bewußtsein, das heißt die Triebe und Neigungen.--Das +Gewissen erkennt keinen Inhalt für es als absolut, denn es ist +absolute Negativität alles Bestimmten. Es bestimmt _aus sich selbst_; +der Kreis des Selbsts aber, worein die Bestimmtheit als solche fällt, +ist die sogenannte Sinnlichkeit; einen Inhalt aus der unmittelbaren +Gewißheit seiner selbst zu haben, findet sich nichts bei der Hand als +sie.--Alles, was in frühern Gestalten, als Gut oder Schlecht, als +Gesetz und Recht sich darstellte, ist ein _Anderes_ als die +unmittelbare Gewißheit seiner selbst; es ist ein _Allgemeines_, das +jetzt ein Sein für anderes ist; oder anders betrachtet, ein +Gegenstand, welcher, das Bewußtsein mit sich selbst vermittelnd, +zwischen es und seine eigene Wahrheit tritt und es vielmehr von sich +absondert, als daß er seine Unmittelbarkeit wäre.--Dem Gewissen aber +ist die Gewißheit seiner selbst die reine unmittelbare Wahrheit; und +diese Wahrheit ist also seine als _Inhalt_ vorgestellte unmittelbare +Gewißheit seiner selbst, das heißt, überhaupt die Willkür des +Einzelnen und die Zufälligkeit seines bewußtlosen natürlichen Seins. + +Dieser Inhalt gilt zugleich als moralische _Wesenheit_ oder als +_Pflicht_. Denn die reine Pflicht ist, wie schon bei dem Prüfen der +Gesetze sich ergab, schlechthin gleichgültig gegen jeden Inhalt, und +verträgt jeden Inhalt. Hier hat sie zugleich die wesentliche Form +des _Für-sich-seins_, und diese Form der individuellen Überzeugung +ist nichts anderes als das Bewußtsein von der Leerheit der reinen +Pflicht, und davon, daß sie nur Moment, daß seine Substantialität ein +Prädikat ist, welches sein Subjekt an dem Individuum hat, dessen +Willkür ihr den Inhalt gibt, jeden an diese Form knüpfen, und seine +Gewissenhaftigkeit an ihn heften kann.--Ein Individuum vermehrt sein +Eigentum auf eine gewisse Weise; es ist Pflicht, daß jedes für die +Erhaltung seiner selbst wie auch seiner Familie, nicht weniger für +die _Möglichkeit_ sorgt, seinen Nebenmenschen nützlich zu werden und +Hülfsbedürftigen Gutes zu tun. Das Individuum ist sich bewußt, daß +dies Pflicht ist, denn dieser Inhalt ist unmittelbar in der Gewißheit +seiner selbst enthalten; es sieht ferner ein, daß es diese Pflicht in +diesem Falle erfüllt. Andere halten vielleicht diese gewisse Weise +für Betrug; _sie_ halten sich an andere Seiten des konkreten Falles, +_es_ aber hält diese Seite dadurch fest, daß es sich der Vermehrung +des Eigentums als reiner Pflicht bewußt ist.--So erfüllt das, was +andere Gewalttätigkeit und Unrecht nennen, die Pflicht, gegen andere +seine Selbstständigkeit zu behaupten, was sie Feigheit nennen,--die +Pflicht, sich das Leben und die Möglichkeit der Nützlichkeit für die +Nebenmenschen zu erhalten; was sie aber die Tapferkeit nennen, +verletzt vielmehr beide Pflichten. Die Feigheit darf aber nicht so +ungeschickt sein, nicht zu wissen, daß die Erhaltung des Lebens und +der Möglichkeit, andern nützlich zu sein, Pflichten sind, nicht von +der Pflichtmäßigkeit ihres Handelns _überzeugt_ zu sein und nicht zu +wissen, daß in dem _Wissen_ das Pflichtmäßige besteht; sonst beginge +sie die Ungeschicklichkeit, unmoralisch zu sein. Da die Moralität in +dem Bewußtsein, die Pflicht erfüllt zu haben, liegt, so wird dem +Handeln, das Feigheit, ebensowenig als dem, das Tapferkeit genannt +wird, dies nicht fehlen; das Abstraktum, das Pflicht heißt, ist wie +jedes, so auch dieses Inhalts fähig, es weiß also, was es tut, als +Pflicht, und indem es dies weiß und die Überzeugung von der Pflicht +das Pflichtmäßige selbst ist, so ist es anerkannt von den andern; die +Handlung gilt dadurch und hat wirkliches Dasein. + +Gegen diese Freiheit, die jeden beliebigen Inhalt in das allgemeine +passive Medium der reinen Pflicht und Wissens einlegt, so gut als +einen andern, hilft es nichts, zu behaupten, daß ein anderer Inhalt +eingelegt werden sollte; denn welcher es sei, jeder hat den _Makel +der Bestimmtheit_ an ihm, von der das reine Wissen frei ist, die es +verschmähen, ebenso wie es jede aufnehmen kann. Aller Inhalt steht +darin, daß er ein bestimmter ist, auf gleicher Linie mit dem andern, +wenn er auch gerade den Charakter zu haben scheint, daß in ihm das +Besondere aufgehoben sei. Es kann scheinen, daß indem an dem +wirklichen Falle die Pflicht sich überhaupt in den _Gegensatz_ und +dadurch den der _Einzelnheit_ und _Allgemeinheit_ entzweit, diejenige +Pflicht, deren Inhalt das Allgemeine selbst ist, dadurch unmittelbar +die Natur der reinen Pflicht an ihr habe, und Form und Inhalt hiemit +sich ganz gemäß werden; so daß also z.B. die Handlung für das +allgemeine Beste der für das individuelle vorzuziehen sei. Allein +diese allgemeine Pflicht ist überhaupt dasjenige, was als an und für +sich seiende Substanz, als Recht und Gesetz _vorhanden_ ist und +_unabhän_gig von dem Wissen und der Überzeugung wie von dem +unmittelbaren Interesse des Einzelnen gilt; es ist also gerade +dasjenige, gegen dessen _Form_ die Moralität überhaupt gerichtet ist. +Was aber seinen _Inhalt_ betrifft, so ist auch er ein _bestimmter_, +insofern das allgemeine Beste dem einzelnen _entgegengesetzt_ ist; +hiemit ist sein Gesetz ein solches, von welchem das Gewissen sich +schlechthin frei weiß und hinzu und davon zu tun, es zu unterlassen +sowie zu erfüllen sich die absolute Befugnis gibt.--Alsdenn ist +ferner jene Unterscheidung der Pflicht gegen das Einzelne und gegen +das Allgemeine der Natur des Gegensatzes überhaupt nach nichts Festes. +Sondern vielmehr was der Einzelne für sich tut, kommt auch dem +Allgemeinen zugute; je mehr er für sich gesorgt hat, desto größer ist +nicht nur seine _Möglichkeit, andern_ zu nützen; sondern seine +_Wirklichkeit_ selbst ist nur dies, im Zusammenhange mit andern zu +sein und zu leben; sein einzelner Genuß hat wesentlich die Bedeutung, +damit andern das Seinige preiszugeben, und ihnen zum Erwerb ihres +Genusses zu verhelfen. In der Erfüllung der Pflicht gegen den +Einzelnen, also gegen sich, wird also auch die gegen das Allgemeine +erfüllt.--Die _Erwägung_ und _Vergleichung_ der Pflichten, welche +hier einträte, liefe auf die Berechnung des Vorteils hinaus, den das +Allgemeine von einer Handlung hätte, aber teils fällt die Moralität +hiedurch der notwendigen _Zufälligkeit_ der _Einsicht_ anheim, teils +ist es gerade das Wesen des Gewissens, dies _Berechnen_ und Erwägen +_abzuschneiden_, und ohne solche Gründe aus sich zu entscheiden. + +Auf diese Weise handelt und erhält sich also das Gewissen in der +Einheit des _An-sich-_ und des _Für-sich-seins_, in der Einheit des +reinen Denkens und der Individualität, und ist der seiner gewisse +Geist, der seine Wahrheit an ihm selbst, in seinem Selbst, in seinem +Wissen, und darin als dem Wissen von der Pflicht hat. Er erhält sich +eben dadurch darin, daß, was _Positives_ in der Handlung ist, sowohl +der Inhalt als die Form der Pflicht und das Wissen von ihr, dem +Selbst, der Gewißheit seiner, angehört; was aber dem Selbst als +_eignes An-sich gegenübertreten_ will, als nicht Wahres, nur als +Aufgehobnes, nur als Moment gilt. Es gilt daher nicht das +_allgemeine Wissen_ überhaupt, sondern _seine Kenntnis_ von den +Umständen. In die Pflicht, als das allgemeine _An-sich-sein_, legt +es den Inhalt ein, den es aus seiner natürlichen Individualität nimmt; +denn er ist der an ihm selbst vorhandne; dieser wird durch das +allgemeine Medium, worin er ist, die _Pflicht_, die es ausübt, und +die leere reine Pflicht ist eben hiedurch als aufgehobnes oder als +Moment gesetzt; dieser Inhalt ist ihre aufgehobne Leerheit oder die +Erfüllung.--Aber ebenso ist das Gewissen von jedem Inhalt überhaupt +frei; es absolviert sich von jeder bestimmten Pflicht, die als Gesetz +gelten soll; in der Kraft der Gewißheit seiner selbst hat es die +Majestät der absoluten Autarkie, zu binden und zu lösen.--Diese +_Selbstbestimmung_ ist darum unmittelbar das schlechthin +Pflichtmäßige; die Pflicht ist das Wissen selbst; diese einfache +Selbstheit aber ist das An-sich; denn das _An-sich_ ist die reine +Sichselbstgleichheit; und diese ist in diesem Bewußtsein.-Dies reine +Wissen ist unmittelbar _Sein für Anderes_; denn als die reine +Sichselbstgleichheit ist es die _Unmittelbarkeit_, oder das Sein. +Dies Sein ist aber zugleich das reine Allgemeine, die Selbstheit +Aller; oder das Handeln ist anerkannt und daher wirklich. Dies Sein +ist das Element, wodurch das Gewissen unmittelbar mit allen +Selbstbewußtsein in der Beziehung der Gleichheit steht; und die +Bedeutung dieser Beziehung ist nicht das selbstlose Gesetz, sondern +das Selbst des Gewissens. + +Darin aber, daß dies Rechte, was das Gewissen tut, zugleich _Sein für +Anderes_ ist, scheint eine Ungleichheit an es zu kommen. Die Pflicht, +die es vollbringt, ist ein _bestimmter_ Inhalt; er ist zwar das +_Selbst_ des Bewußtseins, und darin sein _Wissen_ von sich, seine +_Gleichheit_ mit sich selbst. Aber vollbracht, in das allgemeine +Medium _des Seins_ gestellt, ist diese Gleichheit nicht mehr _Wissen_, +nicht mehr dieses Unterscheiden, welches seine Unterschiede ebenso +unmittelbar aufhebt; sondern im _Sein_ ist der Unterschied bestehend +gesetzt, und die Handlung eine _bestimmte_, ungleich mit dem Elemente +des Selbstbewußtseins Aller, also nicht notwendig anerkannt. Beide +Seiten, das handelnde Gewissen und das allgemeine diese Handlung als +Pflicht anerkennende Bewußtsein sind gleich _frei_ von der +Bestimmtheit dieses Tuns. Um dieser Freiheit willen ist die +Beziehung in dem gemeinschaftlichen Medium des Zusammenhangs vielmehr +ein Verhältnis der vollkommnen Ungleichheit; wodurch das Bewußtsein, +für welches die Handlung ist, sich in vollkommner Ungewißheit über +den handelnden seiner selbst gewissen Geist befindet. Er handelt, er +setzt eine Bestimmtheit als seiend; an dies _Sein_ als an seine +Wahrheit halten sich die andern, und sind darin seiner gewiß; er hat +darin ausgesprochen, was ihm als Pflicht gilt. Allein er ist frei +von irgendeiner _bestimmten_ Pflicht; er ist da heraus, wo sie meinen, +daß er wirklich sei; und dies Medium des Seins selbst, und die +Pflicht als _an sich_ seiend, gilt ihm nur als Moment. Was er ihnen +also hinstellt, verstellt er auch wieder, oder vielmehr hat es +unmittelbar verstellt. Denn seine _Wirklichkeit_ ist ihm nicht diese +hinausgestellte Pflicht und Bestimmung, sondern diejenige, welche er +in der absoluten Gewißheit seiner selbst hat. + +Sie wissen also nicht, ob dies Gewissen moralisch gut oder ob es böse +ist, oder vielmehr sie können es nicht nur nicht wissen, sondern +müssen es auch für böse nehmen. Denn wie es frei von der +_Bestimmtheit_ der Pflicht und von der Pflicht als _an sich_ seiender +ist, sind sie es gleichfalls. Was es ihnen hinstellt, wissen sie +selbst zu verstellen; es ist ein solches, wodurch nur das _Selbst_ +eines andern ausgedrückt ist, nicht ihr eignes; sie wissen sich nicht +nur frei davon, sondern müssen es in ihrem eignen Bewußtsein auflösen, +durch Urteilen und Erklären zunichte machen, um ihr Selbst zu +erhalten. + +Allein die Handlung des Gewissens ist nicht nur diese von dem reinen +Selbst verlaßne _Bestimmung_ des Seins. Was als Pflicht gelten und +anerkannt werden soll, ist es allein durch das Wissen und die +Überzeugung davon als von der Pflicht, durch das Wissen seiner Selbst +in der Tat. Wenn die Tat aufhört, dieses Selbst an ihr zu haben, +hört sie auf, das zu sein, was allein ihr Wesen ist. Ihr Dasein von +diesem Bewußtsein verlassen, wäre eine gemeine Wirklichkeit, und die +Handlung erschiene uns als ein Vollbringen seiner Lust und Begierde. +Was _da sein_ soll, ist hier allein Wesenheit dadurch, daß es als +sich selbst aussprechende Individualität _gewußt_ wird; und dies +_Gewußtsein_ ist es, was das Anerkannte ist, und was, _als solches, +Dasein_ haben soll. + +Das Selbst tritt ins Dasein _als Selbst_; der seiner gewisse Geist +existiert als solcher für andre; seine _unmittelbare_ Handlung ist +nicht das, was gilt und wirklich ist; nicht das _Bestimmte_, nicht +das _An-sich-seiende_ ist das Anerkannte, sondern allein das sich +wissende _Selbst_ als solches. Das Element des Bestehens ist das +allgemeine Selbstbewußtsein; was in dieses Element tritt, kann nicht +die _Wirkung_ der Handlung sein, diese hält nicht darin aus, und +erhält kein Bleiben, sondern nur das Selbstbewußtsein ist das +Anerkannte und gewinnt die Wirklichkeit. + +Wir sehen hiemit wieder die _Sprache_ als das Dasein des Geistes. +Sie ist das _für andre_ seiende Selbstbewußtsein, welches unmittelbar +_als solches vorhanden_ und als _dieses_ allgemeines ist. Sie ist +das sich von sich selbst abtrennende Selbst, das als reines Ich = Ich +sich gegenständlich wird, in dieser Gegenständlichkeit sich ebenso +als _dieses_ Selbst erhält, wie es unmittelbar mit den andern +zusammenfließt und _ihr_ Selbstbewußtsein ist; es vernimmt ebenso +sich, als es von den andern vernommen wird, und das Vernehmen ist +eben das _zum Selbst gewordne Dasein_. + +Der Inhalt, den die Sprache hier gewonnen, ist nicht mehr das +verkehrte und verkehrende und zerrißne Selbst der Welt der Bildung; +sondern der in sich zurückgekehrte, seiner und in seinem Selbst +seiner Wahrheit oder seines Anerkennens gewisse und als dieses Wissen +anerkannte Geist. Die Sprache des sittlichen Geistes ist das Gesetz +und der einfache Befehl, und die Klage, die mehr eine Träne über die +Notwendigkeit ist; das moralische Bewußtsein hingegen ist noch +_stumm_, bei sich in seinem Innern verschlossen, denn in ihm hat das +Selbst noch nicht Dasein, sondern das Dasein und das _Selbst_ stehen +erst in äußerer Beziehung aufeinander. Die Sprache aber tritt nur +als die Mitte selbstständiger und anerkannter Selbstbewußtsein hervor, +und das _daseiende Selbst_ ist unmittelbar allgemeines, vielfaches +und in dieser Vielheit einfaches Anerkanntsein. Der Inhalt der +Sprache des Gewissens ist _das sich als Wesen wissende Selbst_. Dies +allein spricht sie aus, und dieses Aussprechen ist die wahre +Wirklichkeit des Tuns und das Gelten der Handlung. Das Bewußtsein +spricht seine _Überzeugung_ aus; diese Überzeugung ist es, worin +allein die Handlung Pflicht ist; sie _gilt_ auch allein dadurch als +Pflicht, daß die Überzeugung _ausgesprochen_ wird. Denn das +allgemeine Selbstbewußtsein ist frei von der _nur seienden +bestimmten_ Handlung; _sie_ als _Dasein_ gilt ihm nichts, sondern die +_Überzeugung_, daß sie Pflicht ist; und diese ist in der Sprache +wirklich.--Die Handlung verwirklichen heißt hier nicht ihren Inhalt +aus der Form des _Zwecks_ oder _Für-sich-seins_ in die Form der +_abstrakten_ Wirklichkeit übersetzen, sondern aus der Form der +unmittelbaren _Gewißheit_ seiner selbst, die ihr Wissen oder +Für-sich-sein als das Wesen weiß, in die Form der _Versicherung_, daß +das Bewußtsein von der Pflicht überzeugt ist, und die Pflicht als +Gewissen _aus sich selbst_ weiß; diese Versicherung versichert also, +daß es davon überzeugt ist, daß seine Überzeugung das Wesen ist. + +Ob die Versicherung, aus Überzeugung von der Pflicht zu handeln, wahr +ist, ob es _wirklich_ die _Pflicht_ ist, was getan wird--diese Fragen +oder Zweifel haben keinen Sinn gegen das Gewissen.--Bei jener Frage, +ob die _Versicherung wahr_ ist, würde vorausgesetzt, daß die innere +Absicht von der vorgegebnen verschieden sei, d.h. daß das Wollen des +einzelnen Selbsts sich von der Pflicht, von dem Willen des +allgemeinen und reinen Bewußtseins trennen könne; der letztre wäre in +die Rede gelegt, das erstere aber eigentlich die wahre Triebfeder der +Handlung. Allein dieser Unterschied des allgemeinen Bewußtseins und +des einzelnen Selbsts ist es eben, der sich aufgehoben, und dessen +Aufheben das Gewissen ist. Das unmittelbare Wissen des seiner +gewissen Selbsts ist Gesetz und Pflicht; seine Absicht ist dadurch, +daß sie seine Absicht ist, das Rechte; es wird nur erfodert, daß er +dies wisse, und dies, daß es die Überzeugung davon, sein Wissen und +Wollen sei das Rechte, sage. Das Aussprechen dieser Versicherung +hebt an sich selbst die Form seiner Besonderheit auf; es anerkennt +darin die _notwendige Allgemeinheit des Selbsts_; indem es sich +_Gewissen_ nennt, nennt es sich reines Sich-selbst-wissen und reines +abstraktes Wollen, d.h. es nennt sich ein allgemeines Wissen und +Wollen, das die andern anerkennt, ihnen _gleich_ ist, denn sie sind +eben dies reine Sich-wissen und Wollen, und das darum auch von ihnen +anerkannt wird. In dem Wollen des seiner gewissen Selbsts, in diesem +Wissen, daß das Selbst das Wesen ist, liegt das Wesen des Rechten. +--Wer also sagt, er handle so aus Gewissen, der spricht wahr, denn +sein Gewissen ist das wissende und wollende Selbst. Er muß dies aber +wesentlich _sagen_, denn dies Selbst muß zugleich _allgemeines_ +Selbst sein. Dies ist es nicht in dem _Inhalt_ der Handlung, denn +dieser ist um seiner _Bestimmtheit_ willen an sich gleichgültig: +sondern die Allgemeinheit liegt in der Form derselben; diese Form ist +es, welche als wirklich zu setzen ist; sie ist das _Selbst_, das als +solches in der Sprache wirklich ist, sich als das Wahre aussagt, eben +darin alle Selbst anerkennt und von ihnen anerkannt wird. + +Das Gewissen also, in der Majestät seiner Erhabenheit über das +bestimmte Gesetz und jeden Inhalt der Pflicht, legt den beliebigen +Inhalt in sein Wissen und Wollen; es ist die moralische Genialität, +welche die innere Stimme ihres unmittelbaren Wissens als göttliche +Stimme weiß, und indem sie an diesem Wissen ebenso unmittelbar das +Dasein weiß, ist sie die göttliche Schöpferkraft, die in ihrem +Begriffe die Lebendigkeit hat. Sie ist ebenso der Gottesdienst in +sich selbst; denn ihr Handeln ist das Anschauen dieser ihrer eignen +Göttlichkeit. + +Dieser einsame Gottesdienst ist zugleich wesentlich der Gottesdienst +einer _Gemeine_, und das reine innere Sich-selbst-_wissen_ und +Vernehmen geht zum Momente des _Bewußtseins_ fort. Die Anschauung +seiner ist sein _gegenständliches_ Dasein, und dies gegenständliche +Element ist das Aussprechen seines Wissens und Wollens als eines +_Allgemeinen_. Durch dies Aussprechen wird das Selbst zum Geltenden +und die Handlung zur ausführenden Tat. Die Wirklichkeit und das +Bestehen seines Tuns ist das allgemeine Selbstbewußtsein; das +Aussprechen des Gewissens aber setzt die Gewißheit seiner selbst als +reines und dadurch als allgemeines Selbst; die andern lassen die +Handlung um dieser Rede willen, worin das Selbst als das Wesen +ausgedrückt und anerkannt ist, gelten. Der Geist und die Substanz +ihrer Verbindung ist also die gegenseitige Versicherung von ihrer +Gewissenhaftigkeit, guten Absichten, das Erfreuen über diese +wechselseitige Reinheit und das Laben an der Herrlichkeit des Wissens +und Aussprechens, des Hegens und Pflegens solcher Vortrefflichkeit. +--Insofern dies Gewissen sein _abstraktes_ Bewußtsein noch von seinem +_Selbstbewußtsein_ unterscheidet, hat es sein Leben nur _verborgen_ +in Gott; er ist zwar _unmittelbar_ seinem Geist und Herzen, seinem +Selbst gegenwärtig; aber das offenbare, sein wirkliches Bewußtsein +und die vermittelnde Bewegung desselben ist ihm ein Anderes als jenes +verborgene Innere und die Unmittelbarkeit des gegenwärtigen Wesens. +Allein in der Vollendung des Gewissens hebt sich der Unterschied +seines abstrakten und seines Selbstbewußtseins auf. Es weiß, daß das +_abstrakte_ Bewußtsein eben _dieses Selbst_, dieses seiner gewisse +Für-sich-sein ist, daß in der _Unmittelbarkeit_ der _Beziehung_ des +Selbsts auf das An-sich, das außer dem Selbst gesetzt das abstrakte +Wesen und das ihm verborgene ist, eben die _Verschiedenheit +aufgehoben_ ist. Denn diejenige Beziehung ist eine _vermittelnde_, +worin die bezognen nicht ein und dasselbe, sondern ein _Anderes_ +füreinander und nur in einem dritten eins sind; die _unmittelbare_ +Beziehung aber heißt in der Tat nichts anderes als die Einheit. Das +Bewußtsein, über die Gedankenlosigkeit, diese Unterschiede, die keine +sind, noch für Unterschiede zu halten, erhoben, weiß die +Unmittelbarkeit der Gegenwart des Wesens in ihm als Einheit des +Wesens und seines Selbsts, sein Selbst also als das lebendige An-sich +und dies sein Wissen als die Religion, die als angeschautes oder +daseiendes Wissen das Sprechen der Gemeine über ihren Geist ist. + +Wir sehen hiemit hier das Selbstbewußtsein in sein Innerstes +zurückgegangen, dem alle Äußerlichkeit als solche verschwindet--in +die Anschauung des Ich = Ich, worin dieses Ich alle Wesenheit und +Dasein ist. Es versinkt in diesem Begriffe seiner selbst, denn es +ist auf die Spitze seiner Extreme getrieben, und zwar so, daß die +unterschiednen Momente, wodurch es real oder noch _Bewußtsein_ ist, +nicht für uns nur diese reinen Extreme sind, sondern das, was es für +sich, und was ihm _an sich_ und was ihm _Dasein_ ist, zu +Abstraktionen verflüchtigt, die keinen Halt, keine Substanz mehr für +dies Bewußtsein selbst haben; und alles, was bisher für das +Bewußtsein Wesen war, ist in diese Abstraktionen zurückgegangen.--Zu +dieser Reinheit geläutert, ist das Bewußtsein seine ärmste Gestalt, +und die Armut, die seinen einzigen Besitz ausmacht, ist selbst ein +Verschwinden; diese absolute _Gewißheit_, in welche sich die Substanz +aufgelöst hat, ist die absolute _Unwahrheit_, die in sich +zusammenfällt; es ist das absolute _Selbstbewußtsein_, in dem das +_Bewußtsein_ versinkt. + +Dies Versinken innerhalb seiner selbst betrachtet, so ist für das +Bewußtsein die _ansich_seiende _Substanz_ das _Wissen_ als _sein_ +Wissen. Als Bewußtsein ist es in den Gegensatz seiner und des +Gegenstandes, der für es das Wesen ist, getrennt; aber dieser +Gegenstand eben ist das vollkommen Durchsichtige, es ist _sein +Selbst_, und sein Bewußtsein ist nur das Wissen von sich. Alles +Leben und alle geistige Wesenheit ist in dies Selbst zurückgegangen, +und hat seine Verschiedenheit von dem Ich-selbst verloren. Die +Momente des Bewußtseins sind daher diese extremen Abstraktionen, +deren keine steht, sondern in der andern sich verliert und sie +erzeugt. Es ist der Wechsel des unglücklichen Bewußtseins mit sich, +der aber für es selbst innerhalb seiner vorgeht und der Begriff der +Vernunft zu sein sich bewußt ist, der jenes nur _an sich_ ist. Die +absolute Gewißheit seiner selbst schlägt ihr also als Bewußtsein +unmittelbar in ein Austönen, in Gegenständlichkeit seines +Für-sich-seins um; aber diese erschaffne Welt ist seine _Rede_, die +es ebenso unmittelbar vernommen, und deren Echo nur zu ihm +zurückkommt. Diese Rückkehr hat daher nicht die Bedeutung, daß es +_an_ und _für sich_ darin ist; denn das Wesen ist ihm kein _An-sich_, +sondern es selbst; ebensowenig hat es _Dasein_, denn das +Gegenständliche kommt nicht dazu, ein Negatives des wirklichen +Selbsts zu sein, so wie dieses nicht zur Wirklichkeit. Es fehlt ihm +die Kraft der Entäußerung, die Kraft, sich zum Dinge zu machen und +das Sein zu ertragen. Es lebt in der Angst, die Herrlichkeit seines +Innern durch Handlung und Dasein zu beflecken, und um die Reinheit +seines Herzens zu bewahren, flieht es die Berührung der Wirklichkeit +und beharret in der eigensinnigen Kraftlosigkeit, seinem zur letzten +Abstraktion zugespitzten Selbst zu entsagen und sich Substantialität +zu geben, oder sein Denken in Sein zu verwandeln und sich dem +absoluten Unterschiede anzuvertrauen. Der hohle Gegenstand, den es +sich erzeugt, erfüllt es daher nur mit dem Bewußtsein der Leerheit; +sein Tun ist das Sehnen, das in dem Werden seiner selbst zum +wesenlosen Gegenstande sich nur verliert, und über diesen Verlust +hinaus und zurück zu sich fallend, sich nur als verlornes findet;--in +dieser durchsichtigen Reinheit seiner Momente eine unglückliche +sogenannte _schöne Seele_, verglimmt sie in sich, und schwindet als +ein gestaltloser Dunst, der sich in Luft auflöst. + +Dies stille Zusammenfließen der marklosen Wesenheiten des +verflüchtigten Lebens ist aber noch in der andern Bedeutung der +_Wirklichkeit_ des Gewissens und in der _Erscheinung_ seiner Bewegung +zu nehmen, und das Gewissen als handelnd zu betrachten.--Das +_gegenständliche_ Moment in diesem Bewußtsein hat sich oben als +allgemeines Bewußtsein bestimmt; das sich selbst wissende Wissen ist +als _dieses_ Selbst unterschieden von andern Selbst; die Sprache, in +der sich alle gegenseitig als gewissenhaft handelnd anerkennen, diese +allgemeine Gleichheit, zerfällt in die Ungleichheit des einzelnen +Für-sich-seins, jedes Bewußtsein ist aus seiner Allgemeinheit ebenso +schlechthin in sich reflektiert; hiedurch tritt der Gegensatz der +Einzelnheit gegen die andern Einzelnen und gegen das Allgemeine +notwendig ein, und dieses Verhältnis und seine Bewegung ist zu +betrachten.--Oder diese Allgemeinheit und die Pflicht hat die +schlechthin entgegengesetzte Bedeutung der bestimmten von dem +Allgemeinen sich ausnehmenden _Einzelnheit_, für welche die reine +Pflicht nur die an die _Oberfläche_ getretene und nach außen gekehrte +Allgemeinheit ist; die Pflicht liegt nur in den Worten, und gilt als +ein Sein für Anderes. Das Gewissen, zunächst nur _negativ_ gegen die +Pflicht als _diese bestimmte vorhandne_ gerichtet, weiß sich frei von +ihr; aber indem es die leere Pflicht mit einem _bestimmten_ Inhalte +_aus sich selbst_ anfüllt, hat es das positive Bewußtsein darüber, +daß es als _dieses_ Selbst sich den Inhalt macht; sein reines Selbst, +als leeres Wissen, ist das Inhalts- und Bestimmungslose; der Inhalt, +den es ihm gibt, ist aus seinem Selbst _als diesem_ bestimmten, aus +sich als natürlicher Individualität genommen, und in dem Sprechen von +der Gewissenhaftigkeit seines Handelns ist es sich wohl seines reinen +Selbsts, aber, im _Zwecke_ seines Handelns als wirklichem Inhalt, +seiner als dieses besondern Einzelnen und des Gegensatzes desjenigen +bewußt, was es für sich und was es für andere ist, des Gegensatzes +der Allgemeinheit oder Pflicht und seines Reflektiertseins aus ihr. + +Wenn sich so der Gegensatz, in den das Gewissen als _handelnd_ +eintritt, in seinem Innern ausdrückt, so ist er zugleich die +Ungleichheit nach Außen in dem Elemente des Daseins, die Ungleichheit +seiner besondern Einzelnheit gegen anderes Einzelnes.--Seine +Besonderheit besteht darin, daß die beiden sein Bewußtsein +konstituierenden Momente, das Selbst und das An-sich, mit _ungleichem +Werte_, und zwar mit der Bestimmung in ihm gelten, daß die Gewißheit +seiner selbst das Wesen ist, _gegen das An-sich_ oder das +_Allgemeine_, das nur als Moment gilt. Dieser innerlichen Bestimmung +steht also das Element des Daseins oder das allgemeine Bewußtsein +gegenüber, welchem vielmehr die Allgemeinheit, die Pflicht das Wesen, +dagegen die Einzelnheit, die gegen das Allgemeine für sich ist, nur +als aufgehobnes Moment gilt. Diesem Festhalten an der Pflicht gilt +das erste Bewußtsein als _das Böse_, weil es die Ungleichheit seines +_In-sich-seins_ mit dem Allgemeinen ist, und indem dieses zugleich +sein Tun als Gleichheit mit sich selbst, als Pflicht und +Gewissenhaftigkeit ausspricht, als _Heuchelei_. + +Die _Bewegung_ dieses Gegensatzes ist zunächst die formelle +Herstellung der Gleichheit zwischen dem, was das Böse in sich ist, +und was es ausspricht; es muß zum Vorschein kommen, daß es böse und +so sein Dasein seinem Wesen gleich, die _Heuchelei_ muß _entlarvt_ +werden.--Diese Rückkehr der in ihr vorhandnen Ungleichheit in die +Gleichheit ist nicht darin schon zustande gekommen, daß die Heuchelei, +wie man zu sagen pflegt, ebendadurch ihre Achtung für Pflicht und +Tugend beweise, daß sie den _Schein_ derselben annehme und als Maske +für ihr eignes nicht weniger als für fremdes Bewußtsein gebrauche; in +welchem Anerkennen des Entgegengesetzten an sich die Gleichheit und +Übereinstimmung enthalten sei.--Allein sie ist zugleich aus diesem +Anerkennen der Sprache ebensosehr heraus und in sich reflektiert, und +darin, daß sie das _An-sich-_seiende nur als ein _Sein für Anderes_ +gebraucht, ist vielmehr die eigne Verachtung desselben und die +Darstellung seiner Wesenlosigkeit für alle enthalten. Denn was sich +als ein äußerliches Werkzeug gebrauchen läßt, zeigt sich als ein Ding, +das keine eigne Schwere in sich hat. + +Auch kommt diese Gleichheit weder durch das einseitige Beharren des +bösen Bewußtseins auf sich noch durch das Urteil des Allgemeinen +zustande.--Wenn jenes sich gegen das Bewußtsein der Pflicht +verleugnet und, was dieses für Schlechtigkeit, für absolute +Ungleichheit mit dem Allgemeinen, aussagt, als ein Handeln nach dem +innern Gesetze und Gewissen behauptet, so bleibt in dieser +einseitigen Versicherung der Gleichheit seine Ungleichheit mit dem +Andern, da ja dieses sie nicht glaubt und nicht anerkennt.--Oder da +das einseitige Beharren auf _einem_ Extreme sich selbst auflöst, so +würde das Böse sich zwar dadurch als Böses eingestehen, aber darin +sich _unmittelbar_ aufheben und nicht Heuchelei sein noch als solche +sich entlarven. Es gesteht sich in der Tat als Böses durch die +Behauptung ein, daß es, dem anerkannten Allgemeinen entgegengesetzt, +nach _seinem_ innern Gesetze und Gewissen handle. Denn wäre dies +Gesetz und Gewissen nicht das Gesetz seiner _Einzelnheit_ und +_Willkür_, so wäre es nicht etwas Innres, Eignes, sondern das +allgemein Anerkannte. Wer darum sagt, daß er nach _seinem_ Gesetze +und Gewissen gegen die andern handle, sagt in der Tat, daß er sie +mißhandle. Aber das _wirkliche_ Gewissen ist nicht dieses Beharren +auf dem Wissen und Willen, der dem Allgemeinen sich entgegensetzt, +sondern das Allgemeine ist das Element seines _Daseins_, und seine +Sprache sagt sein Tun als die _anerkannte_ Pflicht aus. + +Ebensowenig ist das Beharren des allgemeinen Bewußtseins auf seinem +Urteile Entlarvung und Auflösung der Heuchelei.--Indem es gegen sie +schlecht, niederträchtig u.s.f. ausruft, beruft es sich in solchem +Urteil auf _sein_ Gesetz, wie das _böse_ Bewußtsein auf das _seinige_. +Denn jenes tritt im Gegensatz gegen dieses und dadurch als ein +besonderes Gesetz auf. Es hat also nichts vor dem andern voraus, +legitimiert vielmehr dieses, und dieser Eifer tut gerade das +Gegenteil dessen, was er zu tun meint,--nämlich das, was er wahre +Pflicht nennt und das _allgemein_ anerkannt sein soll, als ein +_Nichtanerkanntes_ zu zeigen, und hiedurch dem andern das gleiche +Recht des Für-sich-seins einzuräumen. + +Dies Urteil aber hat zugleich eine andre Seite, von welcher es die +Einleitung zur Auflösung des vorhandnen Gegensatzes wird.--Das +Bewußtsein _des Allgemeinen_ verhält sich nicht als _wirkliches_ und +_handelndes_ gegen das erste--denn dieses ist vielmehr das +wirkliche--, sondern ihm entgegengesetzt, als dasjenige, das nicht in +dem Gegensatze der Einzelnheit und Allgemeinheit befangen ist, +welcher in dem Handeln eintritt. Es bleibt in der Allgemeinheit des +_Gedankens_, verhält sich als _auffassendes_, und seine erste +Handlung ist nur das Urteil.--Durch dies Urteil stellt es sich nun, +wie soeben bemerkt wurde, _neben_ das erste, und dieses kommt _durch +diese Gleichheit_ zur Anschauung seiner selbst in diesem andern +Bewußtsein. Denn das Bewußtsein der Pflicht verhält _sich auffassend, +passiv_; es ist aber hiedurch im Widerspruche mit sich als dem +absoluten Willen der Pflicht, mit sich, dem schlechthin aus sich +selbst Bestimmenden. Es hat gut sich in der Reinheit bewahren, denn +es _handelt nicht_; es ist die Heuchelei, die das Urteilen für +_wirkliche_ Tat genommen wissen will, und statt durch Handlung durch +das Aussprechen vortrefflicher Gesinnungen die Rechtschaffenheit +beweist. Es ist also ganz so beschaffen wie dasjenige, dem der +Vorwurf gemacht wird, daß es nur in seine Rede die Pflicht legt. In +beiden ist die Seite der Wirklichkeit gleich unterschieden von der +Rede, in dem einen durch den _eigennützigen Zweck_ der Handlung, in +dem andern durch das _Fehlen des Handelns_ überhaupt, dessen +Notwendigkeit in dem Sprechen von der Pflicht selbst liegt, denn +diese hat ohne Tat gar keine Bedeutung. + +Das Urteilen ist aber auch als positive Handlung des Gedankens zu +betrachten und hat einen positiven Inhalt; durch diese Seite wird der +Widerspruch, der in dem auffassenden Bewußtsein vorhanden ist, und +seine Gleichheit mit dem ersten noch vollständiger.--Das handelnde +Bewußtsein spricht dies sein bestimmtes Tun als Pflicht aus, und das +beurteilende kann ihm dies nicht ableugnen; denn die Pflicht selbst +ist die jeden Inhalts fähige, inhaltslose Form,--oder die konkrete +Handlung, in ihrer Vielseitigkeit an ihr selbst verschieden, hat die +allgemeine Seite, welche die ist, die als Pflicht genommen wird, +ebensosehr an ihr als die besondere, die den Anteil und das Interesse +des Individuums ausmacht. Das beurteilende Bewußtsein bleibt nun +nicht bei jener Seite der Pflicht und bei dem Wissen des Handelnden +davon, daß dies seine Pflicht, das Verhältnis und der Stand seiner +Wirklichkeit sei, stehen. Sondern es hält sich an die andre Seite, +spielt die Handlung in das Innre hinein, und erklärt sie aus ihrer +von ihr selbst verschiednen _Absicht_ und eigennützigen _Triebfeder_. +Wie jede Handlung der Betrachtung ihrer Pflichtgemäßheit fähig ist, +ebenso dieser andern Betrachtung der _Besonderheit_; denn als +Handlung ist sie die Wirklichkeit des Individuums.--Dieses Beurteilen +setzt also die Handlung aus ihrem Dasein heraus und reflektiert sie +in das Innre oder in die Form der eignen Besonderheit.--Ist sie von +Ruhme begleitet, so weiß es dies Innre als Ruhm_sucht_;--ist sie dem +Stande des Individuums überhaupt angemessen, ohne über diesen +hinauszugehen, und so beschaffen, daß die Individualität den Stand +nicht als eine äußere Bestimmung an ihr hängen hat, sondern diese +Allgemeinheit durch sich selbst ausfüllt und ebendadurch sich als +eines Höhern fähig zeigt, so weiß das Urteil ihr Innres als +Ehrbegierde u.s.f. Indem in der Handlung überhaupt das Handelnde zur +Anschauung _seiner selbst_ in der Gegenständlichkeit, oder zum +Selbstgefühl seiner in seinem Dasein und also zum Genusse gelangt; so +weiß das Urteil das Innre als Trieb nach eigner Glückseligkeit, +bestünde sie auch nur in der innern moralischen Eitelkeit, dem +Genusse des Bewußtseins der eignen Vortrefflichkeit, und dem +Vorschmacke der Hoffnung einer künftigen Glückseligkeit.--Es kann +sich keine Handlung solchem Beurteilen entziehen, denn die Pflicht um +der Pflicht willen, dieser reine Zweck, ist das Unwirkliche; seine +Wirklichkeit hat er in dem Tun der Individualität, und die Handlung +dadurch die Seite der Besondernheit an ihr.--Es gibt keinen Helden +für den Kammerdiener; nicht aber weil jener nicht ein Held, sondern +weil dieser--der Kammerdiener ist, mit welchem jener nicht als Held, +sondern als Essender, Trinkender, sich Kleidender, überhaupt in der +Einzelnheit des Bedürfnisses und der Vorstellung zu tun hat. So gibt +es für das Beurteilen keine Handlung, in welcher es nicht die Seite +der Einzelnheit der Individualität der allgemeinen Seite der Handlung +entgegensetzen, und gegen den Handelnden den Kammerdiener der +Moralität machen könnte. + +Dies beurteilende Bewußtsein ist hiemit selbst _niederträchtig_, weil +es die Handlung teilt, und ihre Ungleichheit mit ihr selbst +hervorbringt und festhält. Es ist ferner _Heuchelei_, weil es +solches Beurteilen nicht für eine _andre Manier_, böse zu sein, +sondern für das _rechte Bewußtsein_ der Handlung ausgibt, in dieser +seiner Unwirklichkeit und Eitelkeit des Gut- und Besserwissens sich +selbst über die heruntergemachten Taten hinaufsetzt, und sein +tatloses Reden für eine vortreffliche _Wirklichkeit_ genommen wissen +will.--Hiedurch also dem Handelnden, welches von ihm beurteilt wird, +sich gleich machend, wird es von diesem als dasselbe mit ihm erkannt. +Dieses findet sich von jenem nicht nur aufgefaßt als ein Fremdes und +mit ihm Ungleiches, sondern vielmehr jenes nach dessen eigner +Beschaffenheit mit ihm gleich. Diese Gleichheit anschauend und sie +_aussprechend, gesteht_ es sich ihm ein, und erwartet ebenso, daß das +Andre, wie es sich in der Tat ihm gleich gestellt hat, so auch seine +_Rede_ erwidern, in ihr seine Gleichheit aussprechen und das +anerkennende Dasein eintreten werde. Sein Geständnis ist nicht eine +Erniedrigung, Demütigung, Wegwerfung im Verhältnisse gegen das Andre; +denn dieses Aussprechen ist nicht das einseitige, wodurch es seine +_Ungleichheit_ mit ihm setzte, sondern allein um der Anschauung _der +Gleichheit_ des Andern willen mit ihm spricht es sich, es spricht +_ihre Gleichheit_ von seiner Seite in seinem Geständnisse aus, und +spricht sie darum aus, weil die Sprache das _Dasein_ des Geistes als +unmittelbaren Selbsts ist; es erwartet also, daß das Andre das +Seinige zu diesem Dasein beitrage. + +Allein auf das Eingeständnis des Bösen: _Ich bin's_, erfolgt nicht +diese Erwiderung des gleichen Geständnisses. So war es mit jenem +Urteilen nicht gemeint; im Gegenteil! Es stößt diese Gemeinschaft +von sich, und ist das harte Herz, das für sich ist und die +Kontinuität mit dem andern verwirft.--Hiedurch kehrt sich die Szene +um. Dasjenige, das sich bekannte, sieht sich zurückgestoßen, und das +andere im Unrecht, welches das Heraustreten seines Innern in das +Dasein der Rede verweigert und dem Bösen die Schönheit seiner Seele, +dem Bekenntnisse aber den steifen Nacken des sich gleich bleibenden +Charakters und die Stummheit, sich in sich zu behalten und sich nicht +gegen einen andern wegzuwerfen, entgegensetzt. Es ist hier die +höchste Empörung des seiner selbst gewissen Geistes gesetzt; denn er +schaut sich als dieses _einfache Wissen des Selbsts_ im Andern an, +und zwar so, daß auch die äußere Gestalt dieses Andern nicht wie im +Reichtume das Wesenlose, nicht ein Ding ist, sondern es ist der +Gedanke, das Wissen selbst, was ihm entgegengehalten, es ist diese +absolut flüssige Kontinuität des reinen _Wissens_, die sich +verweigert, ihre Mitteilung mit ihm zu setzen--mit ihm, der schon in +seinem Bekenntnisse dem _abgesonderten Für-sich-sein_ entsagte, und +sich als aufgehobne Besonderheit und hiedurch als die Kontinuität mit +dem Andern, als Allgemeines setzte. Das Andre aber behält _an ihm +selbst_ sich sein sich nicht mitteilendes Für-sich-sein bevor; an dem +bekennenden behält es ebendasselbe, was aber von diesem schon +abgeworfen ist. Es zeigt sich dadurch als das geistverlaßne und den +Geist verleugnende Bewußtsein, denn es erkennt nicht, daß der Geist +in der absoluten Gewißheit seiner selbst über alle Tat und +Wirklichkeit Meister, und sie abwerfen und ungeschehen machen kann. +Zugleich erkennt es nicht den Widerspruch, den es begeht, die +Abwerfung, die in _der Rede_ geschehen ist, nicht für das wahre +Abwerfen gelten zu lassen, während es selbst die Gewißheit seines +Geistes nicht in einer wirklichen Handlung, sondern in seinem Innern +und dessen Dasein in der _Rede_ seines Urteils hat. Es ist es also +selbst, das die Rückkehr des Andern aus der Tat in das geistige +Dasein der Rede und in die Gleichheit des Geistes hemmt und durch +diese Härte die Ungleichheit hervorbringt, welche noch vorhanden ist. + +Insofern nun der seiner selbst gewisse Geist, als schöne Seele, nicht +die Kraft der Entäußerung des an sich haltenden Wissens ihrer selbst +besitzt, kann sie nicht zur Gleichheit mit dem zurückgestoßnen +Bewußtsein und also nicht zur angeschauten Einheit ihrer selbst im +Andern, nicht zum Dasein gelangen; die Gleichheit kommt daher nur +negativ, als ein geistloses Sein, zustande. Die wirklichkeitslose +schöne Seele, in dem Widerspruche ihres reinen Selbsts und der +Notwendigkeit desselben, sich zum Sein zu entäußern und in +Wirklichkeit umzuschlagen, in der _Unmittelbarkeit_ dieses +festgehaltnen Gegensatzes--einer Unmittelbarkeit, die allein die +Mitte und Versöhnung des auf seine reine Abstraktion gesteigerten +Gegensatzes, und die reines Sein oder das leere Nichts ist--ist also +als Bewußtsein dieses Widerspruches in seiner unversöhnten +Unmittelbarkeit zur Verrücktheit zerrüttet, und zerfließt in +sehnsüchtiger Schwindsucht. Es gibt damit in der Tat das harte +Festhalten _seines Für-sich-seins_ auf, bringt aber nur die geistlose +Einheit des Seins hervor. + +Die wahre, nämlich die _selbstbewußte_ und _daseiende_ Ausgleichung +ist nach ihrer Notwendigkeit schon in dem Vorhergehenden enthalten. +Das Brechen des harten Herzens und seine Erhebung zur Allgemeinheit +ist dieselbe Bewegung, welche an dem Bewußtsein ausgedrückt war, das +sich selbst bekannte. Die Wunden des Geistes heilen, ohne daß Narben +bleiben; die Tat ist nicht das Unvergängliche, sondern wird von dem +Geiste in sich zurückgenommen, und die Seite der Einzelnheit, die an +ihr, es sei als Absicht oder als daseiende Negativität und Schranke +derselben vorhanden ist, ist das unmittelbar verschwindende. Das +verwirklichende _Selbst_, die Form seiner Handlung, ist nur ein +_Moment_ des Ganzen, und ebenso das durch Urteil bestimmende und den +Unterschied der einzelnen und allgemeinen Seite des Handelns +festsetzende Wissen. Jenes Böse setzt diese Entäußerung seiner oder +sich als Moment, hervorgelockt in das bekennende Dasein durch die +Anschauung seiner selbst im Andern. Diesem Andern aber muß, wie +jenem sein einseitiges nicht anerkanntes Dasein des besondern +Für-sich-seins, so ihm sein einseitiges nicht anerkanntes Urteil +brechen; und wie jenes die Macht des Geistes über seine Wirklichkeit +darstellt, so dies die Macht über seinen bestimmten Begriff. + +Dieses entsagt aber dem teilenden Gedanken und der Härte des an ihm +festhaltenden Für-sich-seins, darum weil es in der Tat sich selbst im +ersten anschaut. Dies, das seine Wirklichkeit wegwirft, und sich zum +_aufgehobnen Diesen_ macht, stellt sich dadurch in der Tat als +Allgemeines dar; es kehrt aus seiner äußern Wirklichkeit in sich als +Wesen zurück; das allgemeine Bewußtsein erkennt also darin sich +selbst.--Die Verzeihung, die es dem ersten widerfahren läßt, ist die +Verzicht-Leistung auf sich, auf sein _unwirkliches_ Wesen, dem es +jenes andere, das _wirkliches_ Handeln war, gleichsetzt, und es, das +von der Bestimmung, die das Handeln im Gedanken erhielt, Böses +genannt wurde, als gut anerkennt, oder vielmehr diesen Unterschied +des bestimmten Gedankens und sein fürsichseiendes bestimmendes Urteil +fahren läßt, wie das Andre das fürsichseiende Bestimmen der Handlung. +--Das Wort der Versöhnung ist der _daseiende_ Geist, der das reine +Wissen seiner selbst als _allgemeinen_ Wesens in seinem Gegenteile, +in dem reinen Wissen seiner als der absolut in sich seienden +_Einzelnheit_ anschaut--ein gegenseitigem Anerkennen, welches der +_absolute Geist_ ist. + +Er tritt ins Dasein nur auf der Spitze, auf welcher sein reines +Wissen von sich selbst der Gegensatz und Wechsel mit sich selbst ist. +Wissend, daß sein _reines Wissen_ das abstrakte _Wesen_ ist, ist er +diese wissende Pflicht im absoluten Gegensatze gegen das Wissen, das +sich als absolute _Einzelnheit_ des Selbsts das Wesen zu sein weiß. +Jenes ist die reine Kontinuität des Allgemeinen, welches die sich als +Wesen wissende Einzelnheit als das an sich Nichtige, als das _Böse_ +weiß. Dies aber ist die absolute Diskretion, welche sich selbst in +ihrem reinen Eins absolut, und jenes Allgemeine als das unwirkliche +weiß, das nur _für Andre_ ist. Beide Seiten sind zu dieser Reinheit +geläutert, worin kein selbstloses Dasein, kein Negatives des +Bewußtseins mehr an ihnen ist, sondern jene _Pflicht_ ist der sich +gleichbleibende Charakter seines Sich-selbst-wissens, und dieses Böse +hat ebenso seinen Zweck in seinem _In-sich-sein_, und seine +Wirklichkeit in seiner Rede; der Inhalt dieser Rede ist die Substanz +seines Bestehens; sie ist die Versicherung von der Gewißheit des +Geistes in sich selbst.--Beide ihrer selbst gewissen Geister haben +keinen andern Zweck als ihr reines Selbst, und keine andre Realität +und Dasein als eben dieses reine Selbst. Aber sie sind noch +verschieden, und die Verschiedenheit ist die absolute, weil sie in +diesem Elemente des reinen Begriffes gesetzt ist. Sie ist es auch +nicht nur für uns, sondern für die Begriffe selbst, die in diesem +Gegensatze stehen. Denn diese Begriffe sind zwar _bestimmte_ +gegeneinander, aber zugleich an sich allgemeine, so daß sie den +ganzen Umfang des Selbsts ausfüllen, und dies Selbst keinen andern +Inhalt als diese seine Bestimmtheit hat, die weder über es hinausgeht, +noch beschränkter ist als es; denn die eine, das absolut Allgemeine, +ist ebenso das reine Sich-selbst-wissen als das andre, die absolute +Diskretion der Einzelnheit, und beide sind nur dies reine Sich-wissen. +Beide Bestimmtheiten sind also die wissenden reinen Begriffe, deren +Bestimmtheit selbst unmittelbar Wissen, oder deren _Verhältnis_ und +Gegensatz das Ich ist. Hiedurch sind sie _füreinander_ diese +schlechthin Entgegengesetzten; es ist das vollkommen Innre, das so +sich selbst gegenüber und ins Dasein getreten ist; sie machen das +_reine Wissen_ aus, das durch diesen Gegensatz als _Bewußtsein_ +gesetzt ist. Aber noch ist es nicht _Selbstbewußtsein_. Diese +Verwirklichung hat es in der Bewegung dieses Gegensatzes. Denn +dieser Gegensatz ist vielmehr selbst die _indiskrete Kontinuität_ und +_Gleichheit_ des Ich = Ich; und jedes _für sich_ eben durch den +Widerspruch seiner reinen Allgemeinheit, welche zugleich seiner +Gleichheit mit dem andern noch widerstrebt und sich davon absondert, +hebt an ihm selbst sich auf. Durch diese Entäußerung kehrt dies in +seinem _Dasein_ entzweite Wissen in die Einheit des _Selbsts_ zurück; +es ist das _wirkliche_ Ich, das allgemeine _Sich-selbst_-wissen in +seinem _absoluten Gegenteile_, in dem _insich_seienden Wissen, das um +der Reinheit seines abgesonderten In-sich-seins willen selbst das +vollkommen Allgemeine ist. Das versöhnende _*Ja*_, worin beide Ich +von ihrem entgegengesetzten _Dasein_ ablassen, ist das _Dasein_ des +zur Zweiheit ausgedehnten _Ichs_, das darin sich gleich bleibt, und +in seiner vollkommnen Entäußerung und Gegenteile die Gewißheit seiner +selbst hat;--es ist der erscheinende Gott mitten unter ihnen, die +sich als das reine Wissen wissen. + + + +VII. Die Religion + +In den bisherigen Gestaltungen, die sich im allgemeinen als +_Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft_ und _Geist_ unterscheiden, +ist zwar auch die _Religion_, als Bewußtsein des _absoluten Wesens_ +überhaupt, vorgekommen; allein vom _Standpunkte des Bewußtseins_ aus, +das sich des absoluten Wesens bewußt ist; nicht aber ist das absolute +Wesen _an und für sich_ selbst, nicht das Selbstbewußtsein des +Geistes in jenen Formen erschienen. + +Schon das _Bewußtsein_ wird, insofern es _Verstand_ ist, Bewußtsein +des _Übersinnlichen_ oder _Innern_ des gegenständlichen Daseins. +Aber das Übersinnliche, Ewige, oder wie man es sonst nennen mag, ist +_selbstlos_; es ist nur erst das _Allgemeine_, das noch weit entfernt +ist, der sich als Geist wissende Geist zu sein.--Alsdenn war das +_Selbstbewußtsein_, das in der Gestalt des _unglücklichen_ +Bewußtseins seine Vollendung hat, nur der sich zur Gegenständlichkeit +wieder herausringende, aber sie nicht erreichende _Schmerz_ des +Geistes. Die Einheit des _einzelnen_ Selbstbewußtseins und seines +unwandelbaren _Wesens_, zu der jenes sich bringt, bleibt daher ein +_Jenseits_ desselben.--Das unmittelbare Dasein der _Vernunft_, die +für uns aus jenem Schmerz hervorging, und ihre eigentümlichen +Gestalten haben keine Religion, weil das Selbstbewußtsein derselben +_sich_ in der _unmittelbaren_ Gegenwart weiß oder sucht. + +Hingegen in der sittlichen Welt sahen wir eine Religion, und zwar die +_Religion_ der _Unterwelt_; sie ist der Glauben an die furchtbare +unbekannte Nacht des _Schicksals_, und an die Eumenide des +_abgeschiednen Geistes_;--jene die reine Negativität in der Form der +Allgemeinheit, diese dieselbe in der Form der Einzelnheit. Das +absolute Wesen ist in der letztern Form also zwar das _Selbst_, und +_gegenwärtiges_, wie das Selbst nicht anders ist; allein das +_einzelne_ Selbst ist _dieser_ einzelne Schatten, der die +Allgemeinheit, welche das Schicksal ist, getrennt von sich hat. Er +ist zwar Schatten, _aufgehobner Dieser_, und somit allgemeines Selbst; +aber noch ist jene negative Bedeutung nicht in diese positive +umgeschlagen, und daher bedeutet zugleich das aufgehobne Selbst noch +unmittelbar diesen besondern und wesenlosen.--Das Schicksal aber ohne +das Selbst bleibt die bewußtlose Nacht, die nicht zur Unterscheidung +in ihr noch zur Klarheit des Sich-selbst-wissens kommt. + +Dieser Glauben an das Nichts der Notwendigkeit und an die Unterwelt +wird zum _Glauben_ an den _Himmel_, weil das abgeschiedne Selbst mit +seiner Allgemeinheit sich vereinen, in ihr das, was es enthält, +auseinanderschlagen und so sich klar werden muß. Dieses _Reich_ des +Glaubens aber sahen wir nur im Elemente des Denkens seinen Inhalt +ohne den Begriff entfalten, und es darum in seinem Schicksale, +nämlich in der _Religion_ der _Aufklärung_, untergehen. In dieser +stellt sich das übersinnliche Jenseits des Verstandes wieder her, +aber so, daß das Selbstbewußtsein diesseits befriedigt steht, und das +übersinnliche, das _leere_ nicht zu erkennende noch zu fürchtende +jenseits weder als Selbst noch als Macht weiß. + +In der Religion der Moralität ist endlich dies wiederhergestellt, daß +das absolute Wesen ein positiver Inhalt ist, aber er ist mit der +Negativität der Aufklärung vereinigt. Er ist ein _Sein_, das ebenso +ins Selbst zurückgenommen und darin eingeschlossen bleibt, und ein +_unterschiedner Inhalt_, dessen Teile ebenso unmittelbar negiert, als +sie aufgestellt sind. Das Schicksal aber, worin diese +widersprechende Bewegung versinkt, ist das seiner, als des Schicksals +der _Wesenheit_ und _Wirklichkeit_, bewußte Selbst. + +Der sich selbst wissende Geist ist in der Religion unmittelbar sein +eignes reines _Selbstbewußtsein_. Diejenigen Gestalten desselben, +die betrachtet worden--der wahre, der sich entfremdete, und der +seiner selbst gewisse Geist--, machen zusammen ihn in seinem +_Bewußtsein_ aus, das seiner _Welt_ gegenübertretend in ihr sich +nicht erkennt. Aber im Gewissen unterwirft er sich wie seine +gegenständliche Welt überhaupt, so auch seine Vorstellung und seine +bestimmten Begriffe, und ist nun bei sich seiendes Selbstbewußtsein. +In diesem hat er für sich, als _Gegenstand vorgestellt_, die +Bedeutung, der allgemeine Geist zu sein, der alles Wesen und alle +Wirklichkeit in sich enthält; ist aber nicht in der Form freier +Wirklichkeit oder der selbstständig erscheinenden Natur. Er hat zwar +_Gestalt_ oder die Form des Seins, indem er _Gegenstand_ seines +Bewußtseins ist, aber weil dieses in der Religion in der wesentlichen +Bestimmung, _Selbst_bewußtsein zu sein, gesetzt ist, ist die Gestalt +sich vollkommen durchsichtig; und die Wirklichkeit, die er enthält, +ist in ihm eingeschlossen oder in ihm aufgehoben, gerade auf die +Weise, wie wenn wir _alle Wirklichkeit_ sprechen; sie ist die +_gedachte_, allgemeine Wirklichkeit. + +Indem also in der Religion die Bestimmung des eigentlichen +Bewußtseins des Geistes nicht die Form des freien _Andersseins_ hat, +so ist sein _Dasein_ von seinem _Selbstbewußtsein_ unterschieden, und +seine eigentliche Wirklichkeit fällt außer der Religion; es ist wohl +_ein_ Geist beider, aber sein Bewußtsein umfaßt nicht beide zumal, +und die Religion erscheint als ein Teil des Daseins und Tuns und +Treibens, dessen anderer Teil das Leben in seiner wirklichen Welt ist. +Wie wir nun es wissen, daß der Geist in seiner Welt und der seiner +als Geist bewußte Geist oder der Geist in der Religion dasselbe sind, +so besteht die Vollendung der Religion darin, daß beides einander +gleich werde, nicht nur daß seine Wirklichkeit von der Religion +befaßt ist, sondern umgekehrt, daß er sich als seiner selbst bewußter +Geist wirklich und _Gegenstand seines Bewußtseins_ werde.--Insofern +der Geist in der Religion sich ihm selbst _vorstellt_, ist er zwar +Bewußtsein, und die in ihr eingeschloßne Wirklichkeit ist die Gestalt +und das Kleid seiner Vorstellung. Der Wirklichkeit widerfährt aber +in dieser Vorstellung nicht ihr vollkommnes Recht, nämlich nicht nur +Kleid zu sein, sondern selbstständiges freies Dasein; und umgekehrt +ist sie, weil ihr die Vollendung in ihr selbst mangelt, eine +_bestimmte_ Gestalt, die nicht dasjenige erreicht, was sie darstellen +soll, nämlich den seiner selbst bewußten Geist. Daß seine Gestalt +ihn selbst ausdrückte, müßte sie selbst nichts anderes sein als er, +und er sich so erschienen oder wirklich sein, wie er in seinem Wesen +ist. Dadurch allein würde auch das erreicht, was die Foderung des +Gegenteils zu sein scheinen kann, nämlich daß der _Gegenstand_ seines +Bewußtseins die Form freier Wirklichkeit zugleich hat; aber nur der +Geist, der sich als absoluter Geist Gegenstand ist, ist sich eine +ebenso freie Wirklichkeit, als er darin seiner selbst bewußt bleibt. + +Indem zunächst das Selbstbewußtsein und das eigentliche Bewußtsein, +die _Religion_ und der Geist in seiner Welt oder das _Dasein_ des +Geistes unterschieden wird, so besteht das letztere in dem Ganzen des +Geistes, insofern seine Momente als auseinandertretend und jedes für +sich sich darstellt. Die Momente aber sind das _Bewußtsein_, das +_Selbstbewußtsein_, die _Vernunft_ und der _Geist_;--der Geist +nämlich als unmittelbarer Geist, der noch nicht das Bewußtsein des +Geistes ist. Ihre _zusammengefaßte_ Totalität macht den Geist in +seinem weltlichen Dasein überhaupt aus; der Geist als solcher enthält +die bisherigen Gestaltungen in den allgemeinen Bestimmungen, den +soeben genannten Momenten. Die Religion setzt den ganzen Ablauf +derselben voraus und ist die _einfache_ Totalität oder das absolute +Selbst derselben.--Der Verlauf derselben ist übrigens im Verhältnisse +zur Religion nicht in der Zeit vorzustellen. Der ganze Geist nur ist +in der Zeit, und die Gestalten, welche Gestalten des ganzen _Geistes_ +als solchen sind, stellen sich in einer Aufeinanderfolge dar; denn +nur das Ganze hat eigentliche Wirklichkeit, und daher die Form der +reinen Freiheit gegen anderes, die sich als Zeit ausdrückt. Aber die +_Momente_ desselben, Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist +haben, weil sie Momente sind, kein voneinander verschiednes Dasein. +--Wie der Geist von seinen Momenten unterschieden wurde, so ist noch +drittens von diesen Momenten selbst ihre vereinzelnte Bestimmung zu +unterscheiden. Jedes jener Momente sahen wir nämlich wieder an ihm +selbst sich in einem eignen Verlaufe unterscheiden und verschieden +gestalten; wie z.B. am Bewußtsein die sinnliche Gewißheit, +Wahrnehmung sich unterschied. Diese letztern Seiten treten in der +Zeit auseinander und gehören einem _besondern Ganzen_ an.--Denn der +Geist steigt aus seiner _Allgemeinheit_ durch die _Bestimmung_ zur +_Einzelnheit_ herab. Die Bestimmung oder Mitte ist _Bewußtsein, +Selbstbewußtsein_ u.s.f. Die _Einzelnheit_ aber machen die Gestalten +dieser Momente aus. Diese stellen daher den Geist in seiner +Einzelnheit oder _Wirklichkeit_ dar und unterscheiden sich in der +Zeit, so jedoch, daß die folgende die vorhergehenden an ihr behält. + +Wenn daher die Religion die Vollendung des Geistes ist, worin die +einzelnen Momente desselben, Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft +und Geist, als in ihren _Grund zurückgehen_ und _zurückgegangen_ sind, +so machen sie zusammen die _daseiende Wirklichkeit_ des ganzen +Geistes aus, welcher nur _ist_ als die unterscheidende und in sich +zurückgehende Bewegung dieser seiner Seiten. Das Werden _der +Religion überhaupt_ ist in der Bewegung der allgemeinen Momente +enthalten. Indem aber jedes dieser Attribute, wie es nicht nur im +allgemeinen sich bestimmt, sondern wie es _an und für sich_ ist, d.h. +wie es in sich selbst sich als Ganzes verlauft, dargestellt wurde, so +ist damit auch nicht nur das Werden der Religion _überhaupt_ +entstanden, sondern jene vollständigen Verläufe der _einzelnen_ +Seiten enthalten zugleich die _Bestimmtheiten der Religion_ selbst. +Der ganze Geist, der Geist der Religion, ist wieder die Bewegung, aus +seiner Unmittelbarkeit zum _Wissen_ dessen zu gelangen, was er _an +sich_ oder unmittelbar ist, und es zu erreichen, daß die _Gestalt_, +in welcher er für sein Bewußtsein erscheint, seinem Wesen vollkommen +gleiche, und er sich anschaue, wie er ist.--In diesem Werden ist er +also selbst in _bestimmten_ Gestalten, welche die Unterschiede dieser +Bewegung ausmachen; zugleich hat damit die bestimmte Religion ebenso +einen _bestimmten wirklichen_ Geist. Wenn also dem sich wissenden +Geiste überhaupt Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist +angehören, so gehören den _bestimmten_ Gestalten des sich wissenden +Geistes die _bestimmten_ Formen an, welche sich innerhalb des +Bewußtseins, Selbstbewußtseins, der Vernunft und des Geistes an jedem +besonders entwickelten. Die _bestimmte_ Gestalt der Religion greift +für ihren wirklichen Geist aus den Gestalten eines jeden seiner +Momente diejenige heraus, welche ihr entspricht. Die _eine_ +Bestimmtheit der Religion greift durch alle Seiten ihres wirklichen +Daseins hindurch und drückt ihnen dies gemeinschaftliche Gepräge auf. + +Auf diese Weise ordnen sich nun die Gestalten, die bis hieher +auftraten, anders, als sie in ihrer Reihe erschienen, worüber vorher +noch das Nötige kurz zu bemerken ist.--In der betrachteten Reihe +bildete sich jedes Moment, sich in sich vertiefend, zu einem Ganzen +in seinem eigentümlichen Prinzip aus; und das Erkennen war die Tiefe, +oder der Geist, worin sie, die für sich kein Bestehen haben, ihre +Substanz hatten. Diese Substanz ist aber nunmehr herausgetreten; sie +ist die Tiefe des seiner selbst gewissen Geistes, welche es dem +einzelnen Prinzip nicht gestattet, sich zu isolieren und in sich +selbst zum Ganzen zu machen, sondern diese Momente alle in sich +versammelnd und zusammenhaltend, schreitet sie in diesem gesamten +Reichtum ihres wirklichen Geistes fort, und alle seine besondern +Momente nehmen und empfangen gemeinschaftlich die gleiche +Bestimmtheit des Ganzen in sich.--Dieser seiner selbst gewisse Geist +und seine Bewegung ist ihre wahrhafte Wirklichkeit und das _An- und +Für-sich_-sein, das jedem einzelnen zukommt.--Wenn also die bisherige +_eine_ Reihe in ihrem Fortschreiten durch Knoten die Rückgänge in ihr +bezeichnete, aber aus ihnen sich wieder in _eine_ Länge fortsetzte, +so ist sie nunmehr gleichsam an diesen Knoten, den allgemeinen +Momenten, gebrochen und in viele Linien zerfallen, welche in _einen_ +Bund zusammengefaßt, sich zugleich symmetrisch vereinen, so daß die +gleichen Unterschiede, in welche jede besondre innerhalb ihrer sich +gestaltete, zusammentreffen.--Es erhellt übrigens aus der ganzen +Darstellung von selbst, wie diese hier vorgestellte Beiordnung der +allgemeinen Richtungen zu verstehen ist, daß es überflüssig wird, die +Bemerkung zu machen, daß diese Unterschiede wesentlich nur als +Momente des Werdens, nicht als Teile zu fassen sind; an dem +wirklichen Geiste sind sie Attribute seiner Substanz; an der Religion +aber vielmehr nur Prädikate des Subjekts.--Ebenso sind _an sich_ oder +_für uns_ wohl alle Formen überhaupt im Geiste und in jedem enthalten; +aber es kommt bei seiner Wirklichkeit überhaupt allein darauf an, +welche Bestimmtheit für ihn in seinem _Bewußtsein_ ist, in welcher er +sein Selbst ausgedrückt oder in welcher Gestalt er sein Wesen weiß. + +Der Unterschied, der zwischen dem _wirklichen_ Geiste und ihm, der +sich als Geist weiß, oder zwischen sich selbst als Bewußtsein und als +Selbstbewußtsein gemacht wurde, ist in dem Geiste aufgehoben, der +sich nach seiner Wahrheit weiß; sein Bewußtsein und sein +Selbstbewußtsein sind ausgeglichen. Wie aber hier die Religion erst +_unmittelbar_ ist, ist dieser Unterschied noch nicht in den Geist +zurückgegangen. Es ist nur der _Begriff_ der Religion gesetzt; in +diesem ist das Wesen das _Selbstbewußtsein_, das sich alle Wahrheit +ist, und in dieser alle Wirklichkeit enthält. Dieses +Selbstbewußtsein hat als Bewußtsein sich zum Gegenstande; der erst +sich _unmittelbar_ wissende Geist ist sich also Geist in der _Form_ +der _Unmittelbarkeit_, und die Bestimmtheit der Gestalt, worin er +sich erscheint, ist die des _Seins_. Dies Sein ist zwar weder mit +der Empfindung oder dem mannigfaltigen Stoffe, noch mit sonstigen +einseitigen Momenten, Zwecken und Bestimmungen _erfüllt_, sondern mit +dem Geiste, und wird von sich als alle Wahrheit und Wirklichkeit +gewußt. Diese _Erfüllung_ ist auf diese Weise ihrer _Gestalt_, er +als Wesen seinem Bewußtsein nicht gleich. Er ist erst als absoluter +Geist wirklich, indem er, wie er in der _Gewißheit seiner selbst_, +sich auch in seiner _Wahrheit_ ist, oder die Extreme, in die er sich +als Bewußtsein teilt, in Geistsgestalt füreinander sind. Die +Gestaltung, welche der Geist als Gegenstand seines Bewußtseins +annimmt, bleibt von der Gewißheit des Geistes als von der Substanz +erfüllt; durch diesen Inhalt verschwindet dies, daß der Gegenstand +zur reinen Gegenständlichkeit, zur Form der Negativität des +Selbstbewußtseins herabsänke. Die unmittelbare Einheit des Geistes +mit sich selbst ist die Grundlage oder reines Bewußtsein, _innerhalb_ +dessen das Bewußtsein auseinandertritt. Auf diese Weise in sein +reines Selbstbewußtsein eingeschlossen, existiert er in der Religion +nicht als der Schöpfer einer _Natur_ überhaupt; sondern was er in +dieser Bewegung hervorbringt, sind seine Gestalten als Geister, die +zusammen die Vollständigkeit seiner Erscheinung ausmachen, und diese +Bewegung selbst ist das Werden seiner vollkommnen Wirklichkeit durch +die einzelnen Seiten derselben, oder seine unvollkommnen +Wirklichkeiten. + +Die erste Wirklichkeit desselben ist der Begriff der Religion selbst, +oder sie als _unmittelbare_ und also _natürliche Religion_; in ihr +weiß der Geist sich als seinen Gegenstand in natürlicher oder +unmittelbarer Gestalt. Die _zweite_ aber ist notwendig diese, sich +in der Gestalt der _aufgehobnen Natürlichkeit_ oder des _Selbsts_ zu +wissen. Sie ist also die _künstliche Religion_; denn zur Form des +_Selbsts_ erhebt sich die Gestalt durch das _Hervorbringen_ des +Bewußtseins, wodurch dieses in seinem Gegenstande sein Tun oder das +Selbst anschaut. Die _dritte_ endlich hebt die Einseitigkeit der +beiden ersten auf; das _Selbst_ ist ebensowohl ein _unmittelbares_, +als die _Unmittelbarkeit Selbst_ ist. Wenn in der ersten der Geist +überhaupt in der Form des Bewußtseins, in der zweiten--des +Selbstbewußtseins ist, so ist er in der dritten in der Form der +Einheit beider; er hat die Gestalt des _An_und _Für-sich-seins_; und +indem er also vorgestellt ist, wie er an und für sich ist, so ist +dies die _offenbare Religion_. Ob er aber in ihr wohl zu seiner +wahren _Gestalt_ gelangt, so ist eben die _Gestalt_ selbst und die +_Vorstellung_ noch die unüberwundne Seite, von der er in den +_Begriff_ übergehen muß, um die Form der Gegenständlichkeit in ihm +ganz aufzulösen, in ihm, der ebenso dies sein Gegenteil in sich +schließt. Alsdann hat der Geist den Begriff seiner selbst erfaßt, +wie wir nur erst ihn erfaßt haben, und seine Gestalt oder das Element +seines Daseins, indem sie der Begriff ist, ist er selbst. + + +A. Natürliche Religion + +Der den Geist wissende Geist ist Bewußtsein seiner selbst, und ist +sich in der Form des Gegenständlichen, er _ist_; und ist zugleich das +_Für-sich-sein. Er ist für sich_, er ist die Seite des +_Selbst_bewußtseins, und zwar gegen die Seite seines Bewußtseins, +oder des Sich-auf-sich-als-_Gegenstand_-beziehens. In seinem +Bewußtsein ist die Entgegensetzung und hiedurch die _Bestimmtheit_ +der Gestalt, in welcher er sich erscheint und weiß. Um diese ist es +in dieser Betrachtung der Religion allein zu tun, denn sein +ungestaltetes Wesen oder sein reiner Begriff hat sich schon ergeben. +Der Unterschied des Bewußtseins und Selbstbewußtseins fällt aber +zugleich innerhalb des letztern; die Gestalt der Religion enthält +nicht das Dasein des Geistes, wie er vom Gedanken freie Natur, noch +wie er vom Dasein freier Gedanke ist; sondern sie ist das im Denken +erhaltne Dasein, so wie ein Gedachtes, das sich da ist.--Nach der +_Bestimmtheit_ dieser Gestalt, in welcher der Geist sich weiß, +unterscheidet sich eine Religion von einer andern; allein es ist +zugleich zu bemerken, daß die Darstellung dieses seines Wissens von +sich nach dieser _einzelnen Bestimmtheit_ in der Tat nicht das Ganze +einer wirklichen Religion erschöpft. Die Reihe der verschiednen +Religionen, die sich ergeben werden, stellt ebensosehr wieder nur die +verschiednen Seiten einer einzigen, und zwar _jeder einzelnen_ dar, +und die Vorstellungen, welche eine wirkliche Religion vor einer +andern auszuzeichnen scheinen, kommen in jeder vor. Allein zugleich +muß die Verschiedenheit auch als eine Verschiedenheit der Religion +betrachtet werden. Denn indem der Geist sich im Unterschiede seines +Bewußtseins und seines Selbstbewußtseins befindet, so hat die +Bewegung das Ziel, diesen Hauptunterschied aufzuheben, und der +Gestalt, die Gegenstand des Bewußtseins ist, die Form des +Selbstbewußtseins zu geben. Dieser Unterschied ist aber nicht +dadurch schon aufgehoben, daß die Gestalten, die jenes enthält, auch +das Moment des Selbsts an ihnen haben, und der Gott als +_Selbstbewußtsein vorgestellt_ wird. Das _vorgestellte_ Selbst ist +nicht das _wirkliche_; daß es, wie jede andre nähere Bestimmung der +Gestalt, dieser in Wahrheit angehöre, muß es teils durch das Tun des +Selbstbewußtseins in sie gesetzt werden, teils muß die niedrige +Bestimmung von der höhern aufgehoben und begriffen zu sein sich +zeigen. Denn das Vorgestellte hört nur dadurch auf, vorgestelltes +und seinem Wissen fremd zu sein, daß das Selbst es hervorgebracht hat, +und also die Bestimmung des Gegenstandes als die _seinige_, somit +sich in ihm anschaut.--Durch diese Tätigkeit ist die niedrigere +Bestimmung zugleich verschwunden; denn das Tun ist das negative, das +sich auf Kosten eines andern ausführt; insofern sie auch noch +vorkommt, so ist sie in die Unwesentlichkeit zurückgetreten; so wie +dagegen, wo die niedrigere noch herrschend ist, die höhere aber auch +vorkommt, die eine selbstlos neben der andern Platz hat. Wenn daher +die verschiednen Vorstellungen innerhalb einer einzelnen Religion +zwar die ganze Bewegung ihrer Formen darstellen, so ist der Charakter +einer jeden durch die besondre Einheit des Bewußtseins und des +Selbstbewußtseins bestimmt, das ist, dadurch daß das letztere die +Bestimmung des Gegenstands des erstern in sich gefaßt, sie durch sein +Tun sich vollkommen angeeignet und sie als die wesentliche gegen die +andern weiß.--Die Wahrheit des Glaubens an eine Bestimmung des +religiösen Geistes zeigt sich darin, daß der _wirkliche_ Geist so +beschaffen ist wie die Gestalt, in der er sich in der Religion +anschaut,--wie z.B. die Menschwerdung Gottes, die in der +morgenländischen Religion vorkommt, keine Wahrheit hat, weil ihr +wirklicher Geist ohne diese Versöhnung ist.--Hieher gehört es nicht, +von der Totalität der Bestimmungen zu der einzelnen zurückzukehren +und zu zeigen, in welcher Gestalt innerhalb ihrer und ihrer besondern +Religion die Vollständigkeit der übrigen enthalten ist. Die höhere +Form unter eine niedrigere zurückgestellt entbehrt ihrer Bedeutung +für den selbstbewußten Geist, gehört ihm nur oberflächlich und seiner +Vorstellung an. Sie ist in ihrer eigentümlichen Bedeutung und da zu +betrachten, wo sie Prinzip dieser besondern Religion und durch ihren +wirklichen Geist bewährt ist. + + + +a. Das Lichtwesen + +Der Geist, als das _Wesen_, welches _Selbstbewußtsein_ ist--oder das +selbstbewußte Wesen, welches alle Wahrheit ist und alle Wirklichkeit +als sich selbst weiß--, ist gegen die Realität, die er in der +Bewegung seines Bewußtseins sich gibt, nur erst _sein Begriff_, und +dieser Begriff ist gegen den Tag dieser Entfaltung die Nacht seines +Wesens, gegen das Dasein seiner Momente als selbstständiger Gestalten +das schöpferische Geheimnis seiner Geburt. Dies Geheimnis hat in +sich selbst seine Offenbarung; denn das Dasein hat in diesem Begriffe +seine Notwendigkeit, weil er der sich wissende Geist ist, also in +seinem Wesen das Moment hat, Bewußtsein zu sein und sich +gegenständlich vorzustellen.--Es ist das reine Ich, das in seiner +Entäußerung, in sich als _allgemeinem Gegenstande_ die Gewißheit +seiner selbst hat, oder dieser Gegenstand ist für es die +Durchdringung alles Denkens und aller Wirklichkeit. + +In der unmittelbaren ersten Entzweiung des sich wissenden absoluten +Geistes hat seine Gestalt diejenige Bestimmung, welche dem +_unmittelbaren Bewußtsein_ oder der _sinnlichen_ Gewißheit zukommt. +Er schaut sich in der Form des _Seins_ an, jedoch nicht des +geistlosen mit zufälligen Bestimmungen der Empfindung erfüllten +_Seins_, das der sinnlichen Gewißheit angehört, sondern es ist das +mit dem Geiste erfüllte Sein. Es schließt ebenso die Form in sich, +welche an dem unmittelbaren _Selbstbewußtsein_ vorkam, die Form des +_Herrn_ gegen das von seinem Gegenstande zurücktretende +Selbstbewußtsein des Geistes.--Dies mit dem Begriffe des Geistes +erfüllte _Sein_ ist also die _Gestalt_ der _einfachen_ Beziehung des +Geistes auf sich selbst, oder die Gestalt der Gestaltlosigkeit. Sie +ist vermöge dieser Bestimmung das reine, alles enthaltende und +erfüllende _Lichtwesen_ des Aufgangs, das sich in seiner formlosen +Substantialität erhält. Sein Anderssein ist das ebenso einfache +Negative, die _Finsternis_; die Bewegungen seiner eignen Entäußerung, +seine Schöpfungen in dem widerstandslosen Elemente seines Andersseins +sind Lichtgüsse, sie sind in ihrer Einfachheit zugleich sein +Für-sich-werden und Rückkehr aus seinem Dasein, die Gestaltung +verzehrende Feuerströme. Der Unterschied, den es sich gibt, wuchert +zwar in der Substanz des Daseins fort und gestaltet sich zu den +Formen der Natur; aber die wesentliche Einfachheit seines Denkens +schweift bestandlos und unverständig in ihnen umher, erweitert ihre +Grenzen zum Maßlosen, und löst ihre zur Pracht gesteigerte Schönheit +in ihrer Erhabenheit auf. + +Der Inhalt, den dies reine Sein entwickelt, oder sein Wahrnehmen ist +daher ein wesenloses Beiherspielen an dieser Substanz, die nur +_aufgeht_, ohne in sich _niederzugehen_, Subjekt zu werden und durch +das Selbst ihre Unterschiede zu befestigen. Ihre Bestimmungen sind +nur Attribute, die nicht zur Selbstständigkeit gedeihen, sondern nur +Namen des vielnamigen Einen bleiben. Dieses ist mit den mannigfachen +Kräften des Daseins und den Gestalten der Wirklichkeit als mit einem +selbstlosen Schmucke angekleidet; sie sind nur eignen Willens +entbehrende Boten seiner Macht, Anschauungen seiner Herrlichkeit und +Stimmen seines Preises. + +Dies taumelnde Leben aber muß sich zum _Für-sich-sein_ bestimmen und +seinen verschwindenden Gestalten Bestehen geben. Das _unmittelbare +Sein_, in welchem es sich seinem Bewußtsein gegenüberstellt, ist +selbst die _negative_ Macht, die seine Unterschiede auflöst. Es ist +also in Wahrheit das _Selbst_; und der Geist geht darum dazu über, +sich in der Form des Selbsts zu wissen. Das reine Licht wirft seine +Einfachheit als eine Unendlichkeit von Formen auseinander und gibt +sich dem Für-sich-sein zum Opfer dar, daß das Einzelne das Bestehen +an seiner Substanz sich nehme. + + +b. Die Pflanze und das Tier + +Der selbstbewußte Geist, der aus dem gestaltlosen Wesen in sich +gegangen oder seine Unmittelbarkeit zum Selbst überhaupt erhoben, +bestimmt seine Einfachheit als eine Mannigfaltigkeit des +Für-sich-seins, und ist die Religion der geistigen _Wahrnehmung_, +worin er in die zahllose Vielheit schwächerer und kräftigerer, +reicherer und ärmerer Geister zerfällt. Dieser Pantheismus, zunächst +das _ruhige_ Bestehen dieser Geisteratomen, wird zur _feindseligen_ +Bewegung in sich selbst. Die Unschuld der _Blumenreligion_, die nur +selbstlose Vorstellung des Selbsts ist, geht in den Ernst des +kämpfenden Lebens, in die Schuld der _Tierreligion_, die Ruhe und +Ohnmacht der anschauenden Individualität in das zerstörende +Für-sich-sein über.--Es hilft nichts, den Dingen der Wahrnehmung den +_Tod der Abstraktion_ genommen und sie zu Wesen geistiger Wahrnehmung +erhoben zu haben; die Beseelung dieses Geisterreichs hat ihn durch +die Bestimmtheit und die Negativität an ihr, die über die unschuldige +Gleichgültigkeit derselben übergreift. Durch sie wird die +Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit der ruhigen Pflanzengestalten +eine feindselige Bewegung, worin sie der Haß ihres Für-sich-seins +aufreibt.--Das _wirkliche_ Selbstbewußtsein dieses zerstreuten +Geistes ist eine Menge vereinzelnter ungeselliger Völkergeister, die +in ihrem Hasse sich auf den Tod bekämpfen und bestimmter +Tiergestalten als ihres Wesens sich bewußt werden, denn sie sind +nichts anderes als Tiergeister, sich absondernde ihrer ohne +Allgemeinheit bewußte Tierleben. + +In diesem Hasse reibt sich aber die Bestimmtheit des rein negativen +Für-sich-seins auf, und durch diese Bewegung des Begriffs tritt der +Geist in eine andere Gestalt. Das _aufgehobne Für-sich-sein_ ist die +_Form_ des _Gegenstandes_, die durch das Selbst hervorgebracht oder +die vielmehr das hervorgebrachte, sich aufreibende, d.h. zum Dinge +werdende Selbst ist. \XDCber die nur zerreißenden Tiergeister behält +daher der Arbeitende die Oberhand, dessen Tun nicht nur negativ, +sondern beruhigt und positiv ist. Das Bewußtsein des Geistes ist +also nunmehr die Bewegung, die über das unmittelbare _An-sich-sein_ +wie über das abstrakte _Für-sich-sein_ hinaus ist. Indem das An-sich +zu einer Bestimmtheit durch den Gegensatz herabgesetzt ist, ist es +nicht mehr die eigne Form des absoluten Geistes, sondern eine +Wirklichkeit, die sein Bewußtsein sich entgegengesetzt als das +gemeine Dasein vorfindet, sie aufhebt, und ebenso nicht nur dies +aufhebende Für-sich-sein ist, sondern auch seine Vorstellung, das zur +Form eines Gegenstandes herausgesetzte Für-sich-sein hervorbringt. +Dies Hervorbringen ist jedoch noch nicht das vollkommne, sondern eine +bedingte Tätigkeit und das Formieren eines Vorhandnen. + + +c. Der Werkmeister + +Der Geist erscheint also hier als der _Werkmeister_, und sein Tun, +wodurch er sich selbst als Gegenstand hervorbringt, aber den Gedanken +seiner noch nicht erfaßt hat, ist ein instinktartiges Arbeiten, wie +die Bienen ihre Zellen bauen. + +Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist, ist sie die abstrakte +des Verstandes, und das Werk noch nicht an ihm selbst vom Geiste +erfüllt. Die Kristalle der Pyramiden und Obelisken, einfache +Verbindungen gerader Linien, mit ebnen Oberflächen und gleichen +Verhältnissen der Teile, an denen die Inkommensurabilität des Runden +vertilgt ist, sind die Arbeiten dieses Werkmeisters der strengen Form. +Um der bloßen Verständigkeit der Form willen ist sie nicht ihre +Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst. Die Werke +empfangen also nur den Geist entweder in sich, als einen fremden +abgeschiednen Geist, der seine lebendige Durchdringung mit der +Wirklichkeit verlassen, selbst tot in diese des Lebens entbehrende +Kristalle einkehrt;--oder sie beziehen sich äußerlich auf ihn als auf +einen solchen, der selbst äußerlich und nicht als Geist da ist--als +auf das aufgehende Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft. + +Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist ausgeht, des +_An-sich-seins_, das zum Stoffe wird, den er verarbeitet, und des +_Für-sich-seins_, welche _die Seite_ des arbeitenden +Selbstbewußtseins ist, ist ihm in seinem Werke gegenständlich +geworden. Seine fernere Bemühung muß dahin gehen, diese Trennung der +Seele und des Leibs aufzuheben, jene an ihr selbst zu bekleiden und +zu gestalten, diesen aber zu beseelen. Beide Seiten, indem sie +einander näher gebracht werden, behalten dabei die Bestimmtheit des +vorgestellten Geistes und seiner umgebenden Hülle gegeneinander; +seine Einigkeit mit sich selbst enthält diesen Gegensatz der +Einzelnheit und Allgemeinheit. Indem das Werk in seinen Seiten sich +selbst nähert, so geschieht dadurch zugleich auch das andre, daß es +dem arbeitenden Selbstbewußtsein nähertritt, und dieses zum Wissen +seiner, wie es an und für sich ist, in dem Werke gelangt. So aber +macht es nur erst die abstrakte Seite der _Tätigkeit_ des Geistes aus, +welche nicht in sich selbst noch ihren Inhalt, sondern an seinem +Werke, das ein Ding ist, weiß. Der Werkmeister selbst, der ganze +Geist, ist noch nicht erschienen, sondern ist das noch innre +verborgne Wesen, welches als Ganzes, nur zerlegt in das tätige +Selbstbewußtsein und in seinen hervorgebrachten Gegenstand, vorhanden +ist. + +Die umgebende Behausung also, die äußere Wirklichkeit, die nur erst +in die abstrakte Form des Verstandes erhoben ist, arbeitet der +Werkmeister zur beseeltern Form aus. Er verwendet das Pflanzenleben +dazu, das nicht mehr wie dem frühern unmächtigen Pantheismus heilig +ist, sondern von ihm, der sich als das fürsichseiende Wesen erfaßt, +als etwas Brauchbares genommen und zur Außenseite und Zierde +zurückgesetzt wird. Es wird aber nicht unverändert verwendet, +sondern der Arbeiter der selbstbewußten Form vertilgt zugleich die +Vergänglichkeit, welche die unmittelbare Existenz dieses Lebens an +ihm hat, und nähert seine organischen Formen den strengern und +allgemeinern des Gedankens. Die organische Form, die freigelassen in +der Besonderheit fortwuchert, ihrerseits von der Form des Gedankens +unterjocht, erhebt andererseits diese geradlinigten und ebnen +Gestalten zur beseeltern Rundung,--eine Vermischung, welche die +Wurzel der freien Architektur wird. + +Diese Wohnung, die Seite des _allgemeinen Elements_ oder der +unorganischen Natur des Geistes schließt nun auch eine Gestalt der +_Einzelnheit_ in sich, die den vorher von dem Dasein abgeschiednen +ihm innern oder äußerlichen Geist der Wirklichkeit näherbringt, und +dadurch das Werk dem tätigen Selbstbewußtsein gleicher macht. Der +Arbeiter greift zuerst zur Form des _Für-sich-seins_ überhaupt, zur +_Tiergestalt_. Daß er sich seiner nicht mehr unmittelbar im +Tierleben bewußt ist, beweist er dadurch, daß er gegen dieses sich +als die hervorbringende Kraft konstituiert und in ihm als _seinem_ +Werke sich weiß; wodurch sie zugleich eine aufgehobne und die +Hieroglyphe einer andern Bedeutung, eines Gedankens wird. Daher wird +sie auch nicht mehr allein und ganz vom Arbeiter gebraucht, sondern +mit der Gestalt des Gedankens, mit der menschlichen, vermischt. Noch +fehlt dem Werke aber die Gestalt und Dasein, worin das Selbst als +Selbst existiert;--es fehlt ihm noch dies, an ihm selbst es +auszusprechen, daß es eine innre Bedeutung in sich schließt, es fehlt +ihm die Sprache, das Element, worin der erfüllende Sinn selbst +vorhanden ist. Das Werk daher, wenn es sich von dem Tierischen auch +ganz gereinigt, und die Gestalt des Selbstbewußtseins allein an ihm +trägt, ist die noch tonlose Gestalt, die des Strahls der aufgehenden +Sonne bedarf, um Ton zu haben, der vom Lichte erzeugt, auch nur Klang +und nicht Sprache ist, nur ein äußeres Selbst, nicht das innre zeigt. + +Diesem äußern Selbst der Gestalt steht die andere gegenüber, welche +anzeigt, ein _Innres_ an ihr zu haben. Die in ihr Wesen +zurückgehende Natur setzt ihre lebendige sich vereinzelnde und in +ihrer Bewegung sich verwirrende Mannigfaltigkeit zu einem +unwesentlichen Gehäuse herab, das die _Decke des Innern_ ist; und +dieses Innre ist zunächst noch die einfache Finsternis, das Unbewegte, +der schwarze formlose Stein. + +Beide Darstellungen enthalten die _Innerlichkeit_ und das _Dasein_, +--die beiden Momente des Geistes; und beide Darstellungen beide +zugleich in entgegengesetztem Verhältnisse, das Selbst sowohl als +Innres wie als Äußeres. Beides ist zu vereinigen.--Die Seele der +menschlich geformten Bildsäule kommt noch nicht aus dem Innern, ist +noch nicht die Sprache, das Dasein, das an ihm selbst innerlich ist, +--und das Innre des vielformigen Daseins ist noch das Tonlose, sich +nicht in sich selbst Unterscheidende, und von seinem Äußern, dem alle +Unterschiede gehören, noch Getrennte.--Der Werkmeister vereint daher +beides in der Vermischung der natürlichen und der selbstbewußten +Gestalt, und diese zweideutigen sich selbst rätselhaften Wesen, das +Bewußte ringend mit dem Bewußtlosen, das einfache Innre mit dem +vielgestalteten Äußern, die Dunkelheit des Gedankens mit der Klarheit +der Äußerung paarend, brechen in die Sprache tiefer +schwerverständlicher Weisheit aus. + +In diesem Werke hört die instinktartige Arbeit auf, die dem +Selbstbewußtsein gegenüber das bewußtlose Werk erzeugte; denn in ihm +kommt der Tätigkeit des Werkmeisters, welche das Selbstbewußtsein +ausmacht, ein ebenso selbstbewußtes, sich aussprechendes Innres +entgegen. Er hat sich darin zu der Entzweiung seines Bewußtseins +emporgearbeitet, worin der Geist dem Geiste begegnet. In dieser +Einheit des selbstbewußten Geistes mit sich selbst, insofern er sich +Gestalt und Gegenstand seines Bewußtseins ist, reinigen sich also +seine Vermischungen mit der bewußtlosen Weise der unmittelbaren +Naturgestalt. Diese Ungeheuer an Gestalt, Rede und Tat lösen sich +zur geistigen Gestaltung auf,--einem Äußern, das in sich gegangen, +--einem Innern, das sich aus sich und an sich selbst äußert; zum +Gedanken, der sich gebärendes und seine Gestalt ihm gemäß erhaltendes +und klares Dasein ist. Der Geist ist _Künstler_. + + +B. Die Kunst-Religion + +Der Geist hat seine Gestalt, in welcher er für sein Bewußtsein ist, +in die Form des Bewußtseins selbst erhoben, und bringt eine solche +sich hervor. Der Werkmeister hat das _synthetische_ Arbeiten, das +_Vermischen_ der fremdartigen Formen des Gedankens und des +Natürlichen aufgegeben; indem die Gestalt die Form der selbstbewußten +Tätigkeit gewonnen, ist er geistiger Arbeiter geworden. + +Fragen wir darnach, welches der _wirkliche_ Geist ist, der in der +Kunstreligion das Bewußtsein seines absoluten Wesens hat, so ergibt +sich, daß es der _sittliche_ oder der _wahre_ Geist ist. Er ist +nicht nur die allgemeine Substanz aller Einzelnen, sondern indem sie +für das wirkliche Bewußtsein die Gestalt des Bewußtseins hat, so +heißt dies soviel, daß sie, die Individualisation hat, von ihnen als +ihr eignes Wesen und Werk gewußt wird. Weder ist sie so für sie das +Lichtwesen, in dessen Einheit das Für-sich-sein des Selbstbewußtseins +nur negativ, nur vergehend enthalten ist, und den Herrn seiner +Wirklichkeit anschaut,--noch ist sie das rastlose Verzehren sich +hassender Völker,--noch die Unterjochung derselben zu Kasten, die +zusammen den Schein der Organisation eines vollendeten Ganzen +ausmachen, dem aber die allgemeine Freiheit der Individuen fehlt. +Sondern er ist das freie Volk, worin die Sitte die Substanz aller +ausmacht, deren Wirklichkeit und Dasein alle und jeder einzelne als +seinen Willen und Tat weiß. + +Die Religion des sittlichen Geistes ist aber seine Erhebung über +seine Wirklichkeit, das Zurückgehen _aus seiner Wahrheit_ in das +reine _Wissen seiner selbst_. Indem das sittliche Volk in der +unmittelbaren Einheit mit seiner Substanz lebt und das Prinzip der +reinen Einzelnheit des Selbstbewußtseins nicht an ihm hat, so tritt +seine Religion in ihrer Vollendung erst im _Scheiden_ von seinem +_Bestehen_ auf. Denn die _Wirklichkeit_ der sittlichen Substanz +beruht teils auf ihrer ruhigen _Unwandelbarkeit_ gegen die absolute +Bewegung des Selbstbewußtseins, und hiemit darauf, daß dieses noch +nicht aus seiner ruhigen Sitte und seinem festen Vertrauen in sich +gegangen ist;--teils auf seiner Organisation in eine Vielheit von +Rechten und Pflichten, sowie in die Verteilung in die Massen der +Stände und ihres besondern Tuns, das zum Ganzen zusammenwirkt; +--hiemit darauf, daß der Einzelne mit der Beschränkung seines Daseins +zufrieden ist und den schrankenlosen Gedanken seines freien Selbsts +noch nicht erfaßt hat. Aber jenes ruhige _unmittelbare_ Vertrauen +zur Substanz geht in das Vertrauen _zu sich_ und in die _Gewißheit +seiner selbst_ zurück, und die Vielheit der Rechte und Pflichten wie +das beschränkte Tun ist dieselbe dialektische Bewegung des Sittlichen, +als die Vielheit der Dinge und ihrer Bestimmungen,--eine Bewegung, +die nur in der Einfachheit des seiner gewissen Geistes ihre Ruhe und +Festigkeit findet.--Die Vollendung der Sittlichkeit zum freien +Selbstbewußtsein und das Schicksal der sittlichen Welt ist daher die +in sich gegangene Individualität, der absolute Leichtsinn des +sittlichen Geistes, der alle festen Unterschiede seines Bestehens und +die Massen seiner organischen Gegliederung in sich aufgelöst, und +vollkommen seiner sicher zur schrankenlosen Freudigkeit und zum +freisten Genusse seiner selbst gelangt ist. Diese einfache Gewißheit +des Geistes in sich ist das Zweideutige, ruhiges Bestehen und feste +Wahrheit, sowie absolute Unruhe und das Vergehen der Sittlichkeit zu +sein. Sie schlägt aber in das letztre um, denn die Wahrheit des +sittlichen Geistes ist nur erst noch dies substantielle Wesen und +Vertrauen, worin das Selbst sich nicht als freie Einzelheit weiß, und +das daher in dieser Innerlichkeit oder in dem Freiwerden des Selbsts +zugrunde geht. Indem also das Vertrauen gebrochen, die Substanz des +Volks in sich geknickt ist, so ist der Geist, der die Mitte von +bestandlosen Extremen war, nunmehr in das Extrem des sich als Wesen +erfassenden Selbstbewußtseins herausgetreten. Dieses ist der in sich +gewisse Geist, der über den Verlust seiner Welt trauert und sein +Wesen, über die Wirklichkeit erhoben, nun aus der Reinheit des +Selbsts hervorbringt. + +In solcher Epoche tritt die absolute Kunst hervor; früher ist sie das +instinktartige Arbeiten, das ins Dasein versenkt aus ihm heraus und +in es hineinarbeitet, nicht an der freien Sittlichkeit seine Substanz, +und daher auch zum arbeitenden Selbst nicht die freie geistige +Tätigkeit hat. Später ist der Geist über die Kunst hinaus, um seine +höhere Darstellung zu gewinnen;--nämlich nicht nur die aus dem Selbst +geborne _Substanz_, sondern in seiner Darstellung als Gegenstand, +_dieses Selbst_ zu sein, nicht nur aus seinem Begriffe sich zu +gebären, sondern seinen Begriff selbst zur Gestalt zu haben, so daß +der Begriff und das erzeugte Kunstwerk sich gegenseitig als ein und +dasselbe wissen. + +Indem also die sittliche Substanz aus ihrem Dasein sich in ihr reines +Selbstbewußtsein zurückgenommen, so ist dieses die Seite des Begriffs +oder der _Tätigkeit_, mit welcher der Geist sich als Gegenstand +hervorbringt. Sie ist reine Form, weil der Einzelne im sittlichen +Gehorsam und Dienste sich alles bewußtlose Dasein und feste +Bestimmung so abgearbeitet hat, wie die Substanz selbst dies flüssige +Wesen geworden ist. Diese Form ist die Nacht, worin die Substanz +verraten ward, und sich zum Subjekte machte; aus dieser Nacht der +reinen Gewißheit seiner selbst ist es, daß der sittliche Geist als +die von der Natur und seinem unmittelbaren Dasein befreite Gestalt +aufersteht. + +Die _Existenz_ des reinen Begriffs in den der Geist aus seinem Körper +geflohen, ist ein Individuum, das er sich zum Gefäße seines +Schmerzens erwählt. Er ist an diesem als sein Allgemeines und seine +Macht, von welcher es Gewalt leidet,--als sein Pathos, dem hingegeben +sein Selbstbewußtsein die Freiheit verliert. Aber jene positive +Macht der Allgemeinheit wird vom reinen Selbst des Individuums, als +der negativen Macht, bezwungen. Diese reine Tätigkeit, ihrer +unverlierbaren Kraft bewußt, ringt mit dem ungestalteten Wesen; +Meister darüber werdend, hat sie das Pathos zu ihrem Stoffe gemacht +und sich ihren Inhalt gegeben, und diese Einheit tritt als Werk +heraus, der allgemeine Geist individualisiert und vorgestellt. + + +a. Das abstrakte Kunstwerk + +Das erste Kunstwerk ist, als das unmittelbare, das abstrakte und +einzelne. Seinerseits hat es sich aus der unmittelbaren und +gegenständlichen Weise dem Selbstbewußtsein entgegenzubewegen, wie +andererseits dieses für sich im Kultus darauf geht, die +Unterscheidung aufzuheben, die es sich zuerst gegen seinen Geist gibt, +und hiedurch das an ihm selbst belebte Kunstwerk hervorzubringen. + +Die erste Weise, in welcher der künstlerische Geist seine Gestalt und +sein tätiges Bewußtsein am weitesten voneinander entfernt, ist die +unmittelbare, daß jene als _Ding_ überhaupt _da ist_.--Sie zerfällt +an ihr in den Unterschied der Einzelnheit, welche die Gestalt des +Selbsts an ihr hat, und der Allgemeinheit, welche das unorganische +Wesen in bezug auf die Gestalt, als seine Umgebung und Behausung, +darstellt. Diese gewinnt durch die Erhebung des Ganzen in den reinen +Begriff ihre reine dem Geiste angehörige Form. Sie ist weder der +verständige Kristall, der das Tote behaust, oder von der äußerlichen +Seele beschienen wird, noch die aus der Pflanze erst hervorgehende +Vermischung der Formen der Natur und des Gedankens, dessen Tätigkeit +hierin noch ein _Nachahmen_ ist. Sondern der Begriff streift das ab, +was von der Wurzel, dem Geäste und Geblätter den Formen noch anklebt, +und reinigt sie zu Gebilden, worin das Geradlinigte und Ebne des +Kristalls in inkommensurable Verhältnisse erhoben ist, so daß die +Beseelung des Organischen in die abstrakte Form des Verstandes +aufgenommen und zugleich ihr Wesen, die Inkommensurabilität für den +Verstand erhalten wird. + +Der inwohnende Gott aber ist der aus dem Tiergehäuse hervorgezogne +schwarze Stein, der mit dem Lichte des Bewußtseins durchdrungen ist. +Die menschliche Gestalt streift die tierische, mit der sie vermischt +war, ab; das Tier ist für den Gott nur eine zufällige Verkleidung; es +tritt neben seine wahre Gestalt, und gilt für sich nichts mehr, +sondern ist zur Bedeutung eines andern, zum bloßen Zeichen, +herabgesunken. Die Gestalt des Gottes streift eben dadurch an ihr +selbst auch die Bedürftigkeit der natürlichen Bedingungen des +tierischen Daseins ab, und deutet die innerlichen Anstalten des +organischen Lebens in ihre Oberfläche verschmolzen und nur dieser +angehörig an.--Das _Wesen_ des Gottes aber ist die Einheit des +allgemeinen Daseins der Natur und des selbstbewußten Geistes, der in +seiner Wirklichkeit jenem gegenüberstehend erscheint. Zugleich +zunächst eine _einzelne_ Gestalt, ist sein Dasein eines der Elemente +der Natur, so wie seine selbstbewußte Wirklichkeit ein einzelner +Volksgeist. Aber jenes ist in dieser Einheit das in den Geist +reflektierte Element, die durch den Gedanken verklärte, mit dem +selbstbewußten Leben geeinte Natur. Die Göttergestalt hat darum ihr +Naturelement als ein aufgehobnes, als eine dunkle Erinnerung in ihr. +Das wüste Wesen und der verworrene Kampf des freien Daseins der +Elemente, das unsittliche Reich der Titanen, ist besiegt, und an den +Saum der sich klar gewordnen Wirklichkeit, an die trüben Grenzen der +sich im Geiste findenden und beruhigten Welt verwiesen. Diese alten +Götter, in welche das Lichtwesen, mit der Finsternis zeugend, sich +zunächst besonders, der Himmel, die Erde, der Ozean, die Sonne, das +blinde typhonische Feuer der Erde u.s.f. sind durch Gestalten ersetzt, +die an ihnen nur noch den dunkel erinnernden Anklang an jene Titanen +haben, und nicht mehr Naturwesen, sondern klare sittliche Geister der +selbstbewußten Völker sind. + +Diese einfache Gestalt hat also die Unruhe der unendlichen +Vereinzelung--ihrer sowohl als des Naturelements, das nur als +allgemeines Wesen notwendig, in seinem Dasein und Bewegung aber sich +zufällig verhält, wie ihrer als des Volks, das in die besondere +Massen des Tuns und in die individuellen Punkte des Selbstbewußtseins +zerstreut ein Dasein mannigfaltigen Sinnes und Tuns hat--an sich +vertilgt und in ruhige Individualität zusammengefaßt. Es steht ihr +daher das Moment der Unruhe, ihr--dem _Wesen_ das _Selbstbewußtsein_ +gegenüber, das als die Geburtsstätte derselben für sich nichts übrig +behielt, als die _reine Tätigkeit_ zu sein. Was der Substanz +angehört, gab der Künstler ganz seinem Werke mit, sich selbst aber +als einer bestimmten Individualität in seinem Werke keine +Wirklichkeit; er konnte ihm die Vollendung nur dadurch erteilen, daß +er seiner Besonderheit sich entäußerte, und zur Abstraktion des +reinen Tuns sich entkörperte und steigerte.--In dieser ersten +unmittelbaren Erzeugung ist die Trennung des Werks und seiner +selbstbewußten Tätigkeit noch nicht wieder vereinigt; das Werk ist +daher nicht für sich das wirklich beseelte, sondern es ist _Ganzes_ +nur mit seinem _Werden_ zusammen. Das Gemeine an dem Kunstwerke, daß +es im Bewußtsein erzeugt und von Menschenhänden gemacht ist, ist das +Moment des als Begriff existierenden Begriffes, der ihm +gegenübertritt. Und wenn dieser, als Künstler oder als Betrachter, +das Kunstwerk als an ihm selbst absolut beseelt auszusprechen, und +sich, den Tuenden oder Schauenden, zu vergessen uneigennützig genug +ist, so muß hiegegen der Begriff des Geistes festgehalten werden, der +des Moments nicht entbehren kann, seiner selbst bewußt zu sein. Dies +Moment aber steht dem Werke gegenüber, weil er in dieser seiner +ersten Entzweiung beiden Seiten ihre abstrakten Bestimmungen des +_Tuns_ und _Ding_seins gegeneinander gibt, und ihre Rückkehr in die +Einheit, von der sie ausgingen, noch nicht zustande gekommen ist. + +Der Künstler erfährt also an seinem Werke, daß er _kein ihm gleiches_ +Wesen hervorbrachte. Es kommt ihm zwar daraus ein Bewußtsein so +zurück, daß eine bewundernde Menge es als den Geist, der ihr Wesen +ist, verehrt. Aber diese Beseelung, indem sie ihm sein +Selbstbewußtsein nur als Bewunderung erwidert, ist vielmehr ein +Bekenntnis, das diese Beseelung an den Künstler ablegt, nicht +seinesgleichen zu sein. Indem es ihm als Freudigkeit überhaupt +zurückkommt, findet er darin nicht den Schmerz seiner Bildung und +Zeugung, nicht die Anstrengung seiner Arbeit. Sie mögen das Werk +auch noch beurteilen, oder ihm Opfer bringen, auf welche Art es sei, +ihr Bewußtsein darein legen,--wenn sie sich mit ihrer Kenntnis +darüber setzen, weiß er, wieviel mehr seine _Tat_ als ihr Verstehen +und Reden ist; wenn sie sich _darunter_ setzen und ihr sie +beherrschendes _Wesen_ darin erkennen, weiß er sich als den Meister +desselben. + +Das Kunstwerk erfodert daher ein anderes Element seines Daseins, der +Gott einen andern Hervorgang als diesen, worin er aus der Tiefe +seiner schöpferischen Nacht in das Gegenteil in die Äußerlichkeit, +die Bestimmung des selbstbewußtlosen _Dinges_ herabfällt. Dies +höhere Element ist die _Sprache_--ein Dasein, das unmittelbar +selbstbewußte Existenz ist. Wie das _einzelne_ Selbstbewußtsein in +ihr da ist, ist es ebenso unmittelbar als eine _allgemeine_ +Ansteckung; die vollkommne Besonderung des Für-sich-seins ist +zugleich die Flüssigkeit und die allgemein mitgeteilte Einheit der +vielen Selbst; sie ist die als Seele existierende Seele. Der Gott +also, der die Sprache zum Elemente seiner Gestalt hat, ist das an ihm +selbst beseelte Kunstwerk, das die reine Tätigkeit, die ihm, der als +Ding existierte, gegenüber war, unmittelbar in seinem Dasein hat. +Oder das Selbstbewußtsein bleibt in dem Gegenständlichwerden seines +Wesens unmittelbar bei sich. Es ist, so in seinem Wesen bei sich +selbst seiend, _reines Denken_ oder die Andacht, deren +_Innerlichkeit_ in der Hymne zugleich _Dasein_ hat. Sie behält die +Einzelnheit des Selbstbewußtseins in ihr, und vernommen ist diese +Einzelnheit zugleich als allgemeine da; die Andacht, in allen +angezündet, ist der geistige Strom, der, in der Vielfachheit des +Selbstbewußtseins, seiner als eines gleichen _Tuns_ Aller und als +_einfaches Sein_ bewußt ist; der Geist hat als dieses allgemeine +Selbstbewußtsein Aller seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das +Sein für Andre und das Für-sich-sein der Einzelnen in _einer_ Einheit. + +Diese Sprache unterscheidet sich von einer andern Sprache des Gottes, +die nicht die des allgemeinen Selbstbewußtseins ist. Das _Orakel_ +sowohl des Gottes der künstlerischen als der vorhergehenden +Religionen ist die notwendige erste Sprache desselben, denn in seinem +_Begriffe_ liegt ebensowohl, daß er das Wesen der Natur als des +Geistes ist, und daher nicht nur natürliches, sondern auch geistiges +Dasein hat. Insofern dies Moment erst in seinem _Begriffe_ liegt, +und noch nicht in der Religion realisiert ist, so ist die Sprache für +das religiöse Selbstbewußtsein Sprache eines fremden +Selbstbewußtseins. Das seiner Gemeine noch _fremde_ Selbstbewußtsein +_ist_ noch nicht so _da_, wie sein Begriff fodert. Das Selbst ist +das einfache und dadurch schlechthin _allgemeine_ Für-sich-sein; +jenes aber, das von dem Selbstbewußtsein der Gemeine getrennt ist, +ist nur erst ein _einzelnes_.--Der Inhalt dieser eignen und einzelnen +Sprache ergibt sich aus der allgemeinen Bestimmtheit, in welcher der +absolute Geist überhaupt in seiner Religion gesetzt ist.--Der +allgemeine Geist des Aufgangs, der sein Dasein noch nicht besonders +hat, spricht also ebenso einfache und allgemeine Sätze vom Wesen aus, +deren substantieller Inhalt in seiner einfachen Wahrheit erhaben ist, +aber um dieser Allgemeinheit willen, dem weiter sich fortbildenden +Selbstbewußtsein zugleich trivial erscheint. + +Das weiter gebildete Selbst, das sich zum _Für-sich-sein_ erhebt, ist +über das reine Pathos der Substanz, über die Gegenständlichkeit des +aufgehenden Lichtwesens Meister, und weiß jene Einfachheit der +Wahrheit, als das _an-sich-seiende_, das nicht die Form des +zufälligen Daseins durch eine fremde Sprache hat, sondern _als das +sichre und ungeschriebene Gesetze der Götter, das ewig lebt, und von +dem niemand weiß, von wannen es erschien_.--Wie die allgemeine +Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde, hier ins Innre oder +Untre zurückgetreten und damit der Form der zufälligen Erscheinung +enthoben ist, so ist dagegen in der Kunstreligion, weil die Gestalt +des Gottes das Bewußtsein und damit die Einzelnheit überhaupt +angenommen hat, die eigne Sprache des Gottes, der der Geist des +sittlichen Volkes ist, das Orakel, das die besondern Angelegenheiten +desselben weiß, und das Nützliche darüber kundtut. Die allgemeinen +Wahrheiten aber, weil sie als das _An-sich-seiende_ gewußt werden, +vindiziert sich das _wissende Denken_, und die Sprache derselben ist +ihm nicht mehr eine fremde, sondern die eigne. Wie jener Weise des +Altertums, was gut und schön sei, in seinem eignen Denken suchte, +dagegen den schlechten zufälligen Inhalt des Wissens, ob es ihm gut +sei, mit diesem oder jenem umzugehen, oder einem Bekannten gut, diese +Reise zu machen und dergleichen bedeutungslose Dinge, dem Dämon zu +wissen überließ, ebenso holt das allgemeine Bewußtsein das Wissen vom +Zufälligen von den Vögeln, oder von den Bäumen oder von der gärenden +Erde, deren Dampf dem Selbstbewußtsein seine Besonnenheit nimmt; denn +das Zufällige ist das Unbesonnene und Fremde, und das sittliche +Bewußtsein läßt sich also auch, wie durch ein Würfeln, auf eine +unbesonnene und fremde Weise darüber bestimmen. Wenn der Einzelne +durch seinen Verstand sich bestimmt und mit Überlegung das wählt, was +ihm nützlich sei, so liegt dieser Selbstbestimmung die Bestimmtheit +des besondern Charakters zum Grunde; sie ist selbst das Zufällige; +und jenes Wissen des Verstands, was dem Einzelnen nützlich ist, daher +ein eben solches Wissen als das jener Orakel oder des Loses; nur daß, +der das Orakel oder Los befragt, damit die sittliche Gesinnung der +Gleichgültigkeit gegen das Zufällige ausdrückt, da jenes hingegen das +an sich Zufällige als wesentliches Interesse seines Denkens und +Wissens behandelt. Das Höhere als beide aber ist, zwar die +Überlegung zum Orakel des zufälligen Tuns zu machen, aber diese +überlegte Handlung selbst wegen ihrer Seite der Beziehung auf das +Besondre und ihrer Nützlichkeit als etwas Zufälliges zu wissen. + +Das wahre selbstbewußte Dasein, das der Geist in der Sprache, die +nicht die Sprache des fremden und also zufälligen, nicht allgemeinen +Selbstbewußtseins ist, erhält, ist das Kunstwerk, das wir vorhin +gesehen. Es steht dem dinglichen der Bildsäule gegenüber. Wie diese +das ruhende, so ist jenes das verschwindende Dasein; wie in diesem +die Gegenständlichkeit frei entlassen des eignen unmittelbaren +Selbsts entbehrt, so bleibt sie dagegen in jenem zu sehr in das +Selbst eingeschlossen, kommt zu wenig zur Gestaltung, und ist, wie +die Zeit, unmittelbar nicht mehr da, indem sie da ist. + +Die Bewegung beider Seiten, in der die im reinen empfindenden +Elemente des Selbstbewußtseins _bewegte_, und die im Elemente der +Dingheit _ruhende_ göttliche Gestalt gegenseitig ihre verschiedne +Bestimmung aufgeben und die Einheit zum Dasein kommt, die der Begriff +ihres Wesens ist, macht der _Kultus_ aus. In ihm gibt sich das +Selbst das Bewußtsein des Herabsteigens des göttlichen Wesens aus +seiner Jenseitigkeit zu ihm, und dieses, das vorher das unwirkliche +und nur gegenständliche ist, erhält dadurch die eigentliche +Wirklichkeit des Selbstbewußtseins. + +Dieser Begriff des Kultus ist an sich schon in dem Strome des +hymnischen Gesanges enthalten und vorhanden. Diese Andacht ist die +unmittelbare reine Befriedigung des Selbsts durch und in sich selbst. +Es ist die gereinigte Seele, welche in dieser Reinheit unmittelbar +nur Wesen und eins mit dem Wesen ist. Sie ist um ihrer Abstraktion +willen nicht das seinen Gegenstand von sich unterscheidende +Bewußtsein, und also nur die Nacht seines Daseins und die _bereitete +Stätte_ seiner Gestalt. Der _abstrakte Kultus_ erhebt daher das +Selbst dazu, dieses reine _göttliche Element_ zu sein. Die Seele +vollbringt diese Läuterung mit Bewußtsein; doch ist sie noch nicht +das Selbst, das in seine Tiefen hinabgestiegen, sich als das Böse +weiß, sondern es ist ein _seiendes_, eine Seele, welche ihre +Äußerlichkeit mit Waschen reinigt, sie mit weißen Kleidern antut, und +ihre Innerlichkeit den vorgestellten Weg der Arbeiten, Strafen und +Belohnungen, den Weg der die Besonderheit entäußernden Bildung +überhaupt durchführt, durch welchen sie in die Wohnungen und die +Gemeinschaft der Seligkeit gelangt. + +Dieser Kultus ist nur erst _ein geheimes_, d.h. ein nur vorgestelltes, +unwirkliches Vollbringen; er muß _wirkliche_ Handlung sein, eine +unwirkliche Handlung widerspricht sich selbst. _Das eigentliche +Bewußtsein_ erhebt sich dadurch in sein _reines_ Selbstbewußtsein. +Das Wesen hat in ihm die Bedeutung eines freien Gegenstands, durch +den wirklichen Kultus kehrt dieser in das Selbst zurück,--und +insofern er im reinen Bewußtsein die Bedeutung des reinen jenseits +der Wirklichkeit wohnenden Wesens hat, steigt dies Wesen von seiner +Allgemeinheit durch diese Vermittlung zur Einzelnheit herunter und +schließt sich so mit der Wirklichkeit zusammen. + +Wie beide Seiten in die Handlung eintreten, bestimmt sich so, daß für +die selbstbewußte Seite, insofern sie _wirkliches_ Bewußtsein ist, +das Wesen sich als die _wirkliche Natur_ darstellt; einesteils gehört +sie ihm als Besitz und Eigentum und gilt als das nicht +_an-sich_-seiende Dasein;--andernteils ist sie _seine eigne_ +unmittelbare Wirklichkeit und Einzelnheit, die von ihm ebenso als +Nichtwesen betrachtet und aufgehoben wird. Zugleich aber hat für +sein _reines_ Bewußtsein jene äußere Natur die _entgegengesetzte_ +Bedeutung, nämlich das _ansichseiende_ Wesen zu sein, gegen welches +das Selbst seine Unwesentlichkeit aufopfert, wie es umgekehrt die +unwesentliche Seite der Natur sich selbst aufopfert. Die Handlung +ist dadurch geistige Bewegung, weil sie dies Doppelseitige ist, die +Abstraktion des _Wesens_, wie die Andacht den Gegenstand bestimmt, +aufzuheben und es zum Wirklichen zu machen, und das _Wirkliche_, wie +das Handelnde den Gegenstand und sich bestimmt, auf- und in die +Allgemeinheit zu erheben. + +Die Handlung des Kultus selbst beginnt daher mit der reinen _Hingabe_ +eines Besitzes, den der Eigentümer scheinbar für ihn ganz nutzlos +vergießt oder in Rauch aufsteigen läßt. Er tut hierin vor dem Wesen +seines reinen Bewußtseins auf Besitz und Recht des Eigentumes und des +Genusses desselben, auf die Persönlichkeit und die Rückkehr des Tuns +in das Selbst Verzicht, und reflektiert die Handlung vielmehr in das +Allgemeine oder in das Wesen, als in sich.--Umgekehrt aber geht darin +ebenso das _seiende Wesen_ zugrunde. Das Tier, das aufgeopfert wird, +ist das _Zeichen_ eines Gottes; die Früchte, die verzehrt werden, +sind die _lebendige_ Ceres und Bacchus _selbst_;--in jenem sterben +die Mächte des obern Rechts, welches Blut und wirkliches Leben hat; +in diesen aber die Mächte des untern Rechts, das blutlos die geheime +listige Macht besitzt.--Die Aufopferung der göttlichen Substanz +gehört, insofern sie _Tun_ ist, der selbstbewußten Seite an; daß +dieses wirkliche Tun möglich sei, muß das Wesen sich selbst schon _an +sich_ aufgeopfert haben. Dies hat es darin getan, daß es sich +_Dasein_ gegeben und zum _einzelnen Tiere_ und zur _Frucht_ gemacht +hat. Diese Verzichtleistung, die also das Wesen schon _an sich_ +vollbracht, stellt das handelnde Selbst im Dasein und für sein +Bewußtsein dar, und ersetzt jene _unmittelbare_ Wirklichkeit des +Wesens durch die höhere, nämlich die _seiner selbst_. Denn die +entstandne Einheit, die das Resultat der aufgehobnen Einzelnheit und +Trennung beider Seiten ist, ist nicht das nur negative Schicksal, +sondern hat positive Bedeutung. Nur dem abstrakten unterirdischen +Wesen wird das ihm Aufgeopferte ganz hingegeben, und damit die +Reflexion des Besitzes und des Für-sich-seins in das Allgemeine, von +dem Selbst als solchem unterschieden, bezeichnet. Zugleich aber ist +dies nur ein geringer _Teil_, und das andre Opfern ist nur die +Zerstörung des Unbrauchbaren und vielmehr die Zubereitung des +Geopferten zum Mahle, dessen Schmaus die Handlung um ihre negative +Bedeutung betriegt. Der Opfernde behält bei jenem ersten Opfer das +meiste und von diesem das Nutzbare _seinem Genusse_ auf. Dieser +Genuß ist die negative Macht, welche das _Wesen_ sowie die +_Einzelnheit_ aufhebt, und zugleich ist er die positive Wirklichkeit, +worin das _gegenständliche_ Dasein des Wesens in _selbstbewußtes_ +verwandelt, und das Selbst das Bewußtsein seiner Einheit mit dem +Wesen hat. + +Dieser Kultus ist übrigens zwar eine wirkliche Handlung, ihre +Bedeutung liegt jedoch mehr nur in der Andacht; was dieser angehört, +ist nicht gegenständlich hervorgebracht, so wie das Resultat im +_Genusse_ sich selbst seines Daseins beraubt. Der Kultus geht daher +weiter und ersetzt diesen Mangel zunächst dadurch, daß er seiner +Andacht ein _gegenständliches Bestehen_ gibt, indem er die gemeinsame +oder einzelne jedem tunliche Arbeit ist, welche die Wohnung und den +Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt.--Es wird dadurch teils die +Gegenständlichkeit der Bildsäule aufgehoben, denn durch diese Weihung +seiner Geschenke und Arbeiten macht der Arbeitende den Gott sich +geneigt, und schaut sein Selbst ihm angehörig an; teils auch ist dies +Tun nicht das einzelne Arbeiten des Künstlers, sondern diese +Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgelöst. Es ist aber nicht +nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt, und der Segen seiner +Geneigtheit fließt nicht nur in der _Vorstellung_ auf den Arbeiter, +sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung gegen die erste +der Entäußerung und der fremden Ehre. Die Wohnungen und Hallen des +Gottes sind für den Gebrauch des Menschen, die Schätze, die in jenen +aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen; die Ehre, die jener in +seinem Schmucke genießt, ist die Ehre des kunstreichen und +großmütigen Volkes. Am Feste schmückt dieses ebenso seine eignen +Wohnungen und Bekleidungen sowie seine Verrichtungen mit zierlichem +Geräte. Es empfängt auf diese Weise für seine Gaben die Erwiderung +von dem dankbaren Gotte und die Beweise seiner Geneigtheit, in der es +sich mit ihm durch die Arbeit verband, nicht in der Hoffnung und +einer späten Wirklichkeit, sondern hat in der Ehrenbezeugung und +Darbringung der Gaben unmittelbar den Genuß seines eignen Reichtumes +und Putzes. + + +b. Das lebendige Kunstwerk + +Das Volk, das in dem Kultus der Kunstreligion sich seinem Gotte naht, +ist das sittliche Volk, das seinen Staat und die Handlungen desselben +als den Willen und das Vollbringen seiner selbst weiß. Dieser Geist, +dem selbstbewußten Volke gegenübertretend, ist daher nicht das +Lichtwesen, das selbstlos nicht die Gewißheit der Einzelnen in sich +enthält, sondern vielmehr nur ihr allgemeines Wesen und die herrische +Macht ist, worin sie verschwinden. Der Kultus der Religion dieses +einfachen gestaltlosen Wesens gibt seinen Angehörigen daher nur dies +im Allgemeinen zurück, daß sie das Volk ihres Gottes sind; er erwirbt +ihnen nur ihr Bestehen und einfache Substanz überhaupt, nicht aber +ihr wirkliches Selbst, das vielmehr verworfen ist. Denn sie verehren +ihren Gott als die leere Tiefe, nicht als Geist. Der Kultus aber der +Kunstreligion entbehrt andererseits jener abstrakten _Einfachheit_ +des Wesens, und daher der _Tiefe_ desselben. Das _Wesen_ aber, das +mit _dem Selbst unmittelbar geeinigt ist_, ist _an sich_ der Geist +und die _wissende Wahrheit_, obzwar noch nicht die gewußte, oder die +sich selbst in ihrer Tiefe wissende. Weil das Wesen also hier das +Selbst an ihm hat, so ist seine Erscheinung dem Bewußtsein freundlich, +und im Kultus erhält dieses nicht nur die allgemeine Berechtigung +seines Bestehens, sondern auch sein in ihm selbst bewußtes Dasein; so +wie umgekehrt das Wesen nicht in einem verworfnen Volke, dessen +Substanz nur anerkannt wird, selbstlose Wirklichkeit hat, sondern in +dem Volke, dessen _Selbst_ in seiner Substanz anerkannt ist. + +Aus dem Kultus tritt also das in seinem Wesen befriedigte +Selbstbewußtsein und der Gott eingekehrt in es als in seine Stätte. +Diese _Stätte_ ist für sich die Nacht der Substanz oder ihre reine +Individualität, aber nicht mehr die gespannte des Künstlers, die noch +nicht mit ihrem _gegenständlich_ werdenden Wesen sich ausgesöhnt hat, +sondern die befriedigte Nacht, welche ihr Pathos unbedürftig an ihr +hat, weil sie aus der Anschauung, der aufgehobnen Gegenständlichkeit +zurückkehrt.--Dieses _Pathos_ ist für sich das Wesen des _Aufgangs_, +das aber nunmehr in sich _untergegangen_ ist, und seinen Untergang, +das Selbstbewußtsein und damit Dasein und Wirklichkeit an ihm selbst +hat.--Es hat hier die Bewegung seiner Verwirklichung durchlaufen. +Sich aus seiner reinen Wesenheit herabsetzend zu einer +gegenständlichen Naturkraft und deren Äußerungen, ist es ein Dasein +für das Andere, für das Selbst, von dem es verzehrt wird. Das stille +Wesen der selbstlosen Natur gewinnt in seiner Frucht die Stufe, worin +sie, sich selbst zubereitend und verdaut, sich dem selbstischen Leben +darbietet; sie erreicht in der Nützlichkeit, gegessen und getrunken +werden zu können, ihre höchste Vollkommenheit; denn sie ist darin die +Möglichkeit einer höhern Existenz, und berührt das geistige Dasein; +--teils zur stillkräftigen Substanz, teils aber zur geistigen Gärung, +ist der Erdgeist in seiner Metamorphose dort zum weiblichen Prinzipe +der Ernährung, hier zum männlichen Prinzipe der sich treibenden Kraft +des selbstbewußten Daseins gediehen. + +In diesem Genusse ist also jenes aufgehende Lichtwesen verraten, was +es ist; er ist das Mysterium desselben. Denn das Mystische ist nicht +Verborgenheit eines Geheimnisses oder Unwissenheit, sondern besteht +darin, daß das Selbst sich mit dem Wesen eins weiß, und dieses also +geoffenbart ist. Nur das Selbst ist sich offenbar, oder was offenbar +ist, ist es nur in der unmittelbaren Gewißheit seiner. In dieser +aber ist durch den Kultus das einfache Wesen gesetzt worden; es hat +als brauchbares Ding nicht nur das Dasein, das gesehen, gefühlt, +gerochen, geschmeckt wird, sondern ist auch Gegenstand der Begierde, +und wird durch den wirklichen Genuß eins mit dem Selbst und dadurch +vollkommen an dieses verraten und ihm offenbar.--Dasjenige, von dem +gesagt wird, es sei der Vernunft, dem Herzen offenbar, ist in der Tat +noch geheim, denn es fehlt noch die wirkliche Gewißheit des +unmittelbaren Daseins, sowohl die gegenständliche als die genießende, +welche in der Religion aber nicht nur die gedankenlose unmittelbare, +sondern zugleich die rein wissende des Selbsts ist. + +Was hiemit durch den Kultus dem selbstbewußten Geiste in ihm selbst +offenbar geworden, ist das _einfache_ Wesen, als die Bewegung, teils +aus seiner nächtlichen Verborgenheit herauf in das Bewußtsein zu +treten, dessen stillernährende Substanz zu sein, teils aber sich +ebenso wieder in die unterirdische Nacht, in das Selbst, zu verlieren +und oben nur mit stiller Muttersehnsucht zu verweilen.--Der lautre +Trieb aber ist das vielnamige Lichtwesen des Aufgangs, und sein +taumelndes Leben, das von seinem abstrakten Sein ebenso abgelassen, +sich zuerst in das gegenständliche Dasein der Frucht befaßt, dann dem +Selbstbewußtsein sich hingebend, in ihm zur eigentlichen Wirklichkeit +gelangt,--nun als ein Haufen schwärmender Weiber umherschweift, der +ungebändigte Taumel der Natur in selbstbewußter Gestalt. + +Noch ist aber dem Bewußtsein nur der absolute Geist, der dieses +einfache Wesen, und nicht der als der Geist an ihm selbst ist, +verraten, oder nur der _unmittelbare_ Geist, der Geist der Natur. +Sein selbstbewußtes Leben ist daher nur das Mysterium des Brotes und +des Weines, der Ceres und des Bacchus, nicht der andern, der +eigentlich obern Götter, deren Individualität als wesentliches Moment +das Selbstbewußtsein als solches in sich schließt. Noch hat sich ihm +also der Geist als _selbstbewußter_ Geist nicht geopfert, und das +Mysterium des Brots und Weins ist noch nicht Mysterium des Fleisches +und Blutes. + +Dieser unbefestigte Taumel des Gottes muß sich zum _Gegenstande_ +beruhigen, und die Begeisterung, die nicht zum Bewußtsein kam, ein +Werk hervorbringen, das ihr, wie der Begeisterung des vorhergehenden +Künstlers die Bildsäule, zwar als ein ebenso vollendetes Werk +gegenübertritt, aber nicht als ein an ihm lebloses, sondern als ein +_lebendiges_ Selbst.--Ein solcher Kultus ist das Fest, das der Mensch +zu seiner eignen Ehre sich gibt, jedoch in einen solchen noch nicht +die Bedeutung des absoluten Wesens legt; denn das _Wesen_ ist ihm +erst offenbar, noch nicht der Geist; nicht als solches, das +_wesentlich_ menschliche Gestalt annimmt. Aber dieser Kultus legt +den Grund zu dieser Offenbarung, und legt ihre Momente einzeln +auseinander. So hier das _abstrakte_ Moment der lebendigen +_Körperlichkeit_ des Wesens, wie vorhin die Einheit beider in +bewußtloser Schwärmerei. Der Mensch stellt also an die Stelle der +Bildsäule sich selbst, als zur vollkommen freien _Bewegung_ erzogene +und ausgearbeitete Gestalt, wie jene die vollkommen freie _Ruhe_ ist. +Wenn jeder einzelne wenigstens als Fackelträger sich darzustellen +weiß, so hebt sich Einer aus ihnen hervor, der die gestaltete +Bewegung, die glatte Ausarbeitung und flüssige Kraft aller Glieder +ist;--ein beseeltes lebendiges Kunstwerk, das mit seiner Schönheit +die Stärke paart und dem der Schmuck, womit die Bildsäule geehrt +wurde, als Preis seiner Kraft, und die Ehre, unter seinem Volke statt +des steinernen Gottes die höchste leibliche Darstellung ihres Wesens +zu sein, zuteil wird. + +In den beiden Darstellungen, die soeben vorkamen, ist die Einheit des +Selbstbewußtseins und des geistigen Wesens vorhanden, es fehlt ihnen +aber noch ihr Gleichgewicht. In der bacchischen Begeisterung ist das +Selbst außer sich, in der schönen Körperlichkeit aber das geistige +Wesen. Jene Dumpfheit des Bewußtseins und ihr wildes Stammeln muß in +das klare Dasein der letztern, und die geistlose Klarheit des +letztern in die Innerlichkeit der erstern aufgenommen werden. Das +vollkommne Element, worin die Innerlichkeit ebenso äußerlich als die +Äußerlichkeit innerlich ist, ist wieder die Sprache, aber weder die +in ihrem Inhalte ganz zufällige und einzelne des Orakels, noch die +empfindende und nur den einzelnen Gott preisende Hymne, noch das +inhaltslose Stammeln der bacchischen Raserei. Sondern sie hat ihren +klaren und allgemeinen Inhalt gewonnen; ihren _klaren_ Inhalt, denn +der Künstler hat sich aus der ersten ganz substantiellen Begeisterung +heraus zur Gestalt gearbeitet, die eignes in allen seinen Regungen +von der selbstbewußten Seele durchdrungenes und mitgebendes Dasein +ist;--ihren _allgemeinen_ Inhalt, denn in diesem Feste, das die Ehre +des Menschen ist, verschwindet die Einseitigkeit der Bildsäulen, die +nur einen Nationalgeist, einen bestimmten Charakter der Göttlichkeit +enthalten. Der schöne Fechter ist zwar die Ehre seines besondern +Volkes, aber er ist eine körperliche Einzelnheit, worin die +Ausführlichkeit und Ernst der Bedeutung und der innere Charakter des +Geistes, der das besondere Leben, Anliegen, Bedürfnisse und Sitten +seines Volkes trägt, untergegangen ist. In dieser Entäußerung zur +völligen Körperlichkeit hat der Geist die besondern Eindrücke und +Anklänge der Natur abgelegt, die er als der wirkliche Geist des Volks +in sich schloß. Sein Volk ist sich daher nicht mehr seiner +Besonderheit in ihm, sondern vielmehr der Ablegung derselben und der +Allgemeinheit seines menschlichen Daseins bewußt. + + +c. Das geistige Kunstwerk + +Die Volksgeister, die der Gestalt ihres Wesens in einem besondern +Tiere bewußt werden, gehen in _einen_ zusammen; so vereinigen sich +die besondern schönen Volksgeister in _ein_ Pantheon, dessen Element +und Behausung die Sprache ist. Die reine Anschauung seiner selbst +als _allgemeiner Menschlichkeit_ hat an der Wirklichkeit des +Volksgeistes die Form, daß er sich mit den andern, mit denen er durch +die Natur _eine_ Nation ausmacht, zu einer gemeinschaftlichen +Unternehmung verbindet, und für dieses Werk ein Gesamtvolk und damit +einen Gesamthimmel bildet. Diese Allgemeinheit, zu der der Geist in +seinem Dasein gelangt, ist jedoch nur diese erste, die von der +Individualität des Sittlichen erst ausgeht, ihre Unmittelbarkeit noch +nicht überwunden, nicht _einen_ Staat aus diesen Völkerschaften +gebildet hat. Die Sittlichkeit des wirklichen Volksgeistes beruht +teils auf dem unmittelbaren Vertrauen der Einzelnen zu dem Ganzen +ihres Volkes, teils auf dem unmittelbaren Anteil, den _Alle_, des +Unterschiedes von Ständen unerachtet, an den Entschlüssen und +Handlungen der Regierung nehmen. In der Vereinigung, zunächst nicht +in eine bleibende Ordnung, sondern nur zu einer gemeinsamen Handlung, +ist jene Freiheit des Anteils Aller und jeder _einstweilen_ auf die +Seite gestellt. Diese erste Gemeinschaftlichkeit ist daher mehr eine +Versammlung der Individualitäten als die Herrschaft des abstrakten +Gedankens, der die Einzelnen ihres selbstbewußten Anteils an Willen +und Tat des Ganzen berauben würde. + +Die Versammlung der Volksgeister macht einen Kreis von Gestalten aus, +der itzt die ganze Natur wie die ganze sittliche Welt befaßt. Auch +sie stehen unter dem _Oberbefehl_ mehr des Einen als seiner +_Oberherrschaft_. Für sich sind sie die allgemeinen Substanzen +dessen, was das _selbstbewußte_ Wesen _an sich_ ist und tut. Dieses +aber macht die Kraft und zunächst den Mittelpunkt wenigstens aus, um +den jene allgemeinen Wesen sich bemühen, der nur erst zufälligerweise +ihre Geschäfte zu verbinden scheint. Aber die Rückkehr des +göttlichen Wesens in das Selbstbewußtsein ist es, die schon den Grund +enthält, daß dieses den Mittelpunkt für jene göttlichen Kräfte bildet, +und die wesentliche Einheit zunächst unter der Form einer +freundlichen äußerlichen Beziehung beider Welten verbirgt. + +Dieselbe Allgemeinheit, welche diesem Inhalte zukommt, hat notwendig +auch die Form des Bewußtseins, in welcher er auftritt. Es ist nicht +mehr das wirkliche Tun des Kultus, sondern ein Tun, das zwar noch +nicht in den Begriff, sondern erst in die _Vorstellung_, in die +synthetische Verknüpfung des selbstbewußten und des äußern Daseins +erhoben ist. Das Dasein dieser Vorstellung, die _Sprache_, ist die +erste Sprache, das _Epos_ als solches, das den allgemeinen Inhalt, +wenigstens als _Vollständigkeit_ der Welt, obzwar nicht als +_Allgemeinheit_ des _Gedankens_ enthält. Der _Sänger_ ist der +Einzelne und Wirkliche, aus dem als Subjekt dieser Welt sie erzeugt +und getragen wird. Sein Pathos ist nicht die betäubende Naturmacht, +sondern die Mnemosyne, die Besinnung und gewordne Innerlichkeit, die +Erinnerung des vorhin unmittelbaren Wesens. Er ist das in seinem +Inhalte verschwindende Organ, nicht sein eignes Selbst gilt, sondern +seine Muse, sein allgemeiner Gesang. Was aber in der Tat vorhanden +ist, ist der Schluß, worin das Extrem der Allgemeinheit, die +Götterwelt, durch die Mitte der Besonderheit mit der Einzelnheit, dem +Sänger, verknüpft ist. Die Mitte ist das Volk in seinen Helden, +welche einzelne Menschen sind, wie der Sänger, aber nur +_vorgestellte_ und dadurch zugleich _allgemeine_, wie das freie +Extrem der Allgemeinheit, die Götter. + +In diesem Epos _stellt_ sich also überhaupt dem Bewußtsein dar, was +im Kultus _an sich_ zustande kommt, die Beziehung des Göttlichen auf +das Menschliche. Der Inhalt ist eine _Handlung_ des seiner selbst +bewußten Wesens. Das _Handeln_ stört die Ruhe der Substanz und +erregt das Wesen, wodurch seine Einfachheit geteilt und in die +mannigfaltige Welt der natürlichen und sittlichen Kräfte +aufgeschlossen ist. Die Handlung ist die Verletzung der ruhigen Erde, +die Grube, die durch das Blut beseelt, die abgeschiednen Geister +hervorruft, welche nach Leben durstend, es in dem Tun des +Selbstbewußtseins erhalten. Das Geschäfte, um welches die allgemeine +Bemühung geht, bekommt die zwei Seiten, die _selbstische_, von einer +Gesamtheit wirklicher Völker und den an ihrer Spitze stehenden +Individualitäten, und die _allgemeine_, von ihren substantiellen +Mächten vollbracht zu werden. Die _Beziehung_ beider aber bestimmte +sich vorhin so, daß sie die _synthetische_ Verbindung des Allgemeinen +und Einzelnen, oder das _Vorstellen_ ist. Von dieser Bestimmtheit +hängt die Beurteilung dieser Welt ab.--Das Verhältnis beider ist +dadurch eine Vermischung, welche die Einheit des Tuns inkonsequent +verteilt, und die Handlung überflüssigerweise von der einen Seite zur +andern herüberwirft. Die allgemeinen Mächte haben die Gestalt der +Individualität und damit das Prinzip des Handelns an ihnen; ihr +Wirken erscheint daher als ein ebenso freies von ihnen ganz +ausgehendes Tun als das der Menschen. Ein und dasselbe haben daher +ebensowohl die Götter als die Menschen getan. Der Ernst jener Mächte +ist ein lächerlicher Überfluß, da diese in der Tat die Kraft der +handelnden Individualität sind;--und die Anstrengung und Arbeit +dieser ist eine ebenso unnütze Bemühung, da jene vielmehr alles +lenken.--Die übertägigen Sterblichen, die das Nichts sind, sind +zugleich das mächtige _Selbst_, das die allgemeinen Wesen sich +unterwirft, die Götter verletzt und ihnen überhaupt die Wirklichkeit +und ein Interesse des Tuns verschafft; wie umgekehrt diese +unmächtigen Allgemeinheiten, die sich von den Gaben der Menschen +nähren und durch sie erst etwas zu tun bekommen, das natürliche Wesen +und der Stoff aller Begebenheiten, und ebenso die sittliche Materie +und das Pathos des Tuns sind. Wenn ihre elementarischen Naturen +durch das freie Selbst der Individualität erst in Wirklichkeit und +betätigtes Verhältnis gebracht werden, so sind sie ebensosehr das +Allgemeine, das sich dieser Verbindung entzieht, in seiner Bestimmung +unbeschränkt bleibt und durch die unüberwindliche Elastizität seiner +Einheit die Punktualität des Tätigen und seine Figurationen auslöscht, +sich selbst rein erhält, und alles Individuelle in seiner +Flüssigkeit auflöst. + +Wie sie mit der entgegenstehenden selbstischen Natur in diese +widersprechende Beziehung fallen, ebenso gerät ihre Allgemeinheit mit +ihrer eignen Bestimmung und deren Verhältnis zu andern in Widerstreit. +Sie sind die ewigen schönen Individuen, die, in ihrem eignen Dasein +ruhend, der Vergänglichkeit und fremder Gewalt enthoben sind.--Aber +sie sind zugleich _bestimmte_ Elemente, _besondre_ Götter, die sich +also zu andern verhalten. Aber das Verhältnis zu andern, das nach +seiner Entgegensetzung ein Streit mit ihnen ist, ist eine komische +Selbstvergessenheit ihrer ewigen Natur.--Die Bestimmtheit ist in das +göttliche Bestehen eingewurzelt und hat in seiner Begrenzung die +Selbstständigkeit der ganzen Individualität; durch diese verlieren +ihre Charaktere zugleich die Schärfe der Eigentümlichkeit und +vermischen sich in ihrer Vieldeutigkeit.--Ein Zweck der Tätigkeit und +ihre Tätigkeit selbst, da sie gegen ein Anderes und somit gegen eine +unbesiegbare göttliche Kraft gerichtet ist, ist ein zufälliges leeres +Aufspreizen, das ebenso zerfließt und den anscheinenden Ernst der +Handlung in ein gefahrloses, seiner selbst sichres Spiel ohne +Resultat und Erfolg verwandelt. Wenn aber an der Natur ihrer +Göttlichkeit das Negative oder die Bestimmtheit derselben nur als die +Inkonsequenz ihrer Tätigkeit und der Widerspruch des Zwecks und des +Erfolgs erscheint, und jene selbstständige Sicherheit über das +Bestimmte das Übergewicht behält, so tritt ihr ebendadurch die _reine +Kraft_ des _Negativen_ gegenüber, und zwar als ihre letzte Macht, +über welche sie nichts vermögen. Sie sind das Allgemeine und +Positive gegen das _einzelne Selbst_ der Sterblichen, das nicht gegen +ihre Macht aushält; aber das _allgemeine Selbst_ schwebt darum über +ihnen und über dieser ganzen Welt der Vorstellung, welcher der ganze +Inhalt angehört; als die _begrifflose Leere der Notwendigkeit_--ein +Geschehen, gegen das sie sich selbstlos und traurend verhalten, denn +diese _bestimmten_ Naturen finden sich nicht in dieser Reinheit. + +Diese Notwendigkeit aber ist die _Einheit des Begriffes_, der die +widersprechende Substantialität der einzelnen Momente unterworfen ist, +worin die Inkonsequenz und Zufälligkeit ihres Tuns sich ordnet und +das Spiel ihrer Handlungen seinen Ernst und Wert an ihnen selbst +erhält. Der Inhalt der Welt der Vorstellung spielt losgebunden für +sich in der _Mitte_ seine Bewegung, versammelt um die Individualität +eines Helden, der aber in seiner Kraft und Schönheit sein Leben +gebrochen fühlt und einem frühen Tod entgegensehend trauert. Denn +die _in sich feste und wirkliche Einzelnheit_ ist an die Extremität +ausgeschlossen, und in ihre Momente entzweit, die sich noch nicht +gefunden und vereint. Das eine Einzelne, das _abstrakte_ Unwirkliche, +ist die Notwendigkeit, die an dem Leben der Mitte nicht Anteil hat, +sowenig als das andre, das _wirkliche_ Einzelne, der Sänger, der sich +außer ihm hält und in seiner Vorstellung untergeht. Beide Extreme +müssen sich dem Inhalte nähern; das eine, die Notwendigkeit, hat sich +mit dem Inhalte zu erfüllen, das andre, die Sprache des Sängers, muß +Anteil an ihm haben; und der sich selbst vorher überlassene Inhalt +die Gewißheit und feste Bestimmung des Negativen an ihm erhalten. + +Diese höhere Sprache, die _Tragödie_, faßt also die Zerstreuung der +Momente der wesentlichen und handelnden Welt näher zusammen; die +_Substanz_ des Göttlichen tritt _nach der Natur des Begriffes_ in +ihre Gestalten auseinander, und ihre _Bewegung_ ist gleichfalls ihm +gemäß. In Ansehung der Form hört die Sprache dadurch, daß sie in den +Inhalt hereintritt, auf, erzählend zu sein, wie der Inhalt ein +vorgestellter. Der Held ist selbst der sprechende, und die +Vorstellung zeigt dem Zuhörer, der zugleich Zuschauer ist, +_selbstbewußte_ Menschen, die ihr Recht und ihren Zweck, die Macht +und den Willen ihrer Bestimmtheit _wissen_ und zu _sagen_ wissen. +Sie sind Künstler, die nicht, wie die das gemeine Tun im wirklichen +Leben begleitende Sprache, bewußtlos, natürlich und naiv das _Äußere_ +ihres Entschlusses und Beginnens aussprechen, sondern das innre Wesen +äußern, das Recht ihres Handelns beweisen, und das Pathos, dem sie +angehören, frei von zufälligen Umständen und von der Besonderheit der +Persönlichkeiten in seiner allgemeinen Individualität besonnen +behaupten und bestimmt aussprechen. Das _Dasein_ dieser Charaktere +sind endlich _wirkliche_ Menschen, welche die Personen der Helden +anlegen, und diese in wirklichem nicht erzählendem, sondern eignem +Sprechen darstellen. So wesentlich es der Bildsäule ist, von +Menschenhänden gemacht zu sein, ebenso wesentlich ist der +Schauspieler seiner Maske,--nicht als äußerliche Bedingung, von der +die Kunstbetrachtung abstrahieren müsse; oder insofern davon in ihr +allerdings zu abstrahieren ist, so ist eben dies damit gesagt, daß +die Kunst das wahre eigentliche Selbst noch nicht in ihr enthält. + +Der _allgemeine Boden_, worauf die Bewegung dieser aus dem Begriffe +erzeugten Gestalten vorgeht, ist das Bewußtsein der ersten +vorstellenden Sprache und ihres selbstlosen auseinandergelaßnen +Inhalts. Es ist das gemeine Volk überhaupt, dessen Weisheit in dem +_Chore des Alters_ zur Sprache kömmt; es hat an dessen Kraftlosigkeit +seinen Repräsentanten, weil es selbst nur das positive und passive +Material der ihm gegenübertretenden Individualität der Regierung +ausmacht. Der Macht des Negativen entbehrend, vermag es den Reichtum +und die bunte Fülle des göttlichen Lebens nicht zusammenzuhalten und +zu bändigen, sondern läßt es auseinanderlaufen, und preist jedes +einzelne Moment als einen selbstständigen Gott, bald diesen, bald +wieder einen andern, in seinen verehrenden Hymnen. Wo es aber den +Ernst des Begriffes, wie er über diese Gestalten sie zertrümmernd +einherschreitet, verspürt, und es zu sehen bekömmt, wie schlecht es +seinen gepriesenen Göttern geht, die sich auf diesen Boden, worauf +der Begriff herrscht, wagen, ist es nicht selbst die negative Macht, +die handelnd eingreift, sondern hält sich im selbstlosen Gedanken +derselben, im Bewußtsein des _fremden Schicksals_, und bringt den +leeren Wunsch der Beruhigung und die schwache Rede der Besänftigung +herbei. In der _Furcht_ vor den höhern Mächten, welche die +unmittelbaren Arme der Substanz sind, vor ihrem Kampfe miteinander, +und vor dem einfachen Selbst der Notwendigkeit, das auch sie wie die +Lebendigen, die an sie geknüpft sind, zermalmt,--in dem _Mitleiden_ +mit diesen, die es zugleich als dasselbe mit sich selbst weiß, ist +für es nur der untätige Schrecken dieser Bewegung, das ebenso +hilflose Bedauern, und als Ende die leere Ruhe der Ergebung in die +Notwendigkeit, deren Werk nicht als die notwendige Handlung des +Charakters und nicht als das Tun des absoluten Wesens in sich selbst +erfaßt wird. + +Auf diesem zuschauenden Bewußtsein als auf dem gleichgültigen Boden +des Vorstellens tritt der Geist in seiner nicht zerstreuten +Mannigfaltigkeit, sondern in der einfachen Entzweiung des Begriffes +auf. Seine Substanz zeigt sich daher nur in ihre zwei extremen +Mächte auseinandergerissen. Diese elementarischen _allgemeinen_ +Wesen sind zugleich selbstbewußte _Individualitäten_,--Helden, welche +in eine dieser Mächten ihr Bewußtsein setzen, an ihr die Bestimmtheit +des Charakters haben, und ihre Betätigung und Wirklichkeit ausmachen. +--Diese allgemeine Individualisierung steigt, wie erinnert, noch zur +unmittelbaren Wirklichkeit des eigentlichen Daseins herunter, und +stellt sich einer Menge von Zuschauern dar, die an dem Chore ihr +Gegenbild oder vielmehr ihre eigne sich aussprechende Vorstellung hat. + +Der Inhalt und die Bewegung des Geistes, der sich hier Gegenstand ist, +ist bereits als die Natur und Realisierung der sittlichen Substanz +betrachtet worden. In seiner Religion erlangt er das Bewußtsein über +sich, oder stellt sich seinem Bewußtsein in seiner reinern Form und +einfachern Gestaltung dar. Wenn also die sittliche Substanz sich +durch ihren Begriff, ihrem _Inhalte_ nach, in die beiden Mächte +entzweite, die als _göttliches_ und _menschliches_, oder +unterirdisches und oberes Recht bestimmt wurden--jenes die _Familie_, +dies die _Staatsmacht_--, und deren das erstere der _weibliche_, das +andre der _männliche Charakter_ war, so schränkt sich der vorher +vielformige und in seinen Bestimmungen schwankende Götterkreis auf +diese Mächte ein, die durch diese Bestimmung der eigentlichen +Individualität genähert sind. Denn die frühere Zerstreuung des +Ganzen in die vielfachen und abstrakten Kräfte, die substantiiert +erscheinen, ist die _Auflösung_ des _Subjekts_, das sie nur als +_Momente_ in seinem Selbst begreift, und die Individualität ist daher +nur die oberflächliche Form jener Wesen. Umgekehrt ist ein weiterer +Unterschied der _Charaktere_ als der genannte zur zufälligen und an +sich äußerlichen Persönlichkeit zu rechnen. + +Zugleich teilt sich das Wesen seiner Form oder dem _Wissen_ nach. +Der _handelnde_ Geist tritt als Bewußtsein dem Gegenstande gegenüber, +auf den es tätig, und der somit als das _Negative_ des Wissenden +bestimmt ist; der Handelnde befindet sich dadurch im Gegensatze des +Wissens und Nichtwissens. Er nimmt aus seinem Charakter seinen Zweck +und weiß ihn als die sittliche Wesenheit; aber durch die Bestimmtheit +des Charakters weiß er nur die _eine_ Macht der Substanz, und die +andre ist für ihn verborgen. Die gegenwärtige Wirklichkeit ist daher +ein anderes _an sich_ und ein anderes für das Bewußtsein; das obere +und das untere Recht erhalten in dieser Beziehung die Bedeutung der +wissenden und dem Bewußtsein sich offenbarenden, und der sich +verbergenden und im Hinterhalte lauernden Macht. Die eine ist die +_Lichtseite_, der Gott des Orakels, der nach seinem natürlichen +Momente aus der alles beleuchtenden Sonne entsprungen, alles weiß und +offenbart,--_Phöbus_, und _Zeus_, der dessen Vater ist. Aber die +Befehle dieses wahrredenden Gottes und seine Bekanntmachungen dessen, +was _ist_, sind vielmehr trügerisch. Denn dies Wissen ist in seinem +Begriffe unmittelbar das Nichtwissen, weil das _Bewußtsein_ an sich +selbst im Handeln dieser Gegensatz ist. Der, welcher die rätselhafte +Sphinx selbst aufzuschließen vermochte, wie der kindlich Vertrauende +werden darum durch das, was der Gott ihnen offenbart, ins Verderben +geschickt. Diese Priesterin, aus der der schöne Gott spricht, ist +nichts anders als die doppelsinnigen Schicksalsschwestern, die durch +ihre Verheißungen zum Verbrechen treiben, und in der Zweizüngigkeit +dessen, was sie als Sicherheit angaben, den, der sich auf den +offenbaren Sinn verließ, betriegen. Daher das Bewußtsein, das reiner +ist als das letztere, das den Hexen glaubt, und besonnener und +gründlicher als das erstere, das der Priesterin und dem schönen Gotte +traut, auf die Offenbarung, die der Geist des Vaters selbst über das +Verbrechen, das ihn mordete, machte, mit der Rache zaudert, und andre +Beweise noch veranstaltet,--aus dem Grunde, weil dieser offenbarende +Geist auch der Teufel sein könnte. + +Dies Mißtrauen ist darum gegründet, weil das wissende Bewußtsein sich +in den Gegensatz der Gewißheit seiner selbst und des gegenständlichen +Wesens setzt. Das Recht des sittlichen, daß die Wirklichkeit nichts +_an sich_ ist im Gegensatze gegen das absolute Gesetz, erfährt, daß +sein Wissen einseitig, sein Gesetz nur Gesetz seines Charakters ist, +daß es nur die eine Macht der Substanz ergriff. Die Handlung selbst +ist diese Verkehrung des _Gewußten_ in sein _Gegenteil_, das _Sein_, +ist das Umschlagen des Rechts des Charakters und des Wissens in das +Recht des Entgegengesetzten, mit dem jenes im Wesen der Substanz +verknüpft ist,--in die Erinnye der andern feindlich erregten Macht +und Charakters. Dies _untre_ Recht sitzt mit _Zeus_ auf dem Throne +und genießt mit dem offenbaren Rechte und dem wissenden Gotte +gleiches Ansehen. + +Auf diese drei Wesen wird von der handelnden Individualität die +Götterwelt des Chors eingeschränkt. Das eine ist die _Substanz_, +ebensowohl die Macht des Herdes und der Geist der Familienpietät wie +die allgemeine Macht des Staats und der Regierung. Indem der +Substanz als solcher dieser Unterschied angehört, individualisiert er +sich der Vorstellung nicht zu zwei unterschiednen Gestalten, sondern +hat in der Wirklichkeit die zwei Personen seiner Charaktere. +Hingegen der Unterschied des Wissens und Nichtwissens fällt in ein +_jedes_ der _wirklichen Selbstbewußtsein_,--und nur in der +Abstraktion, im Elemente der Allgemeinheit verteilt er sich an zwei +individuelle Gestalten. Denn das Selbst des Heros hat nur Dasein als +ganzes Bewußtsein und ist daher wesentlich der _ganze_ Unterschied, +der der Form angehört; aber seine Substanz ist bestimmt, und es +gehört ihm nur die eine Seite des Unterschieds des Inhalts an. Daher +erhalten die beiden Seiten des Bewußtseins, die in der Wirklichkeit +keine getrennte, einer jeden eigne Individualität haben, in _der +Vorstellung_ jede ihre besondere Gestalt; die eine die des +offenbarenden Gottes, die andre der sich verborgen haltenden Erinnye. +Beide genießen teils gleicher Ehre, teils ist die _Gestalt_ der +_Substanz_, Zeus, die Notwendigkeit der _Beziehung_ beider +aufeinander. Die Substanz ist die Beziehung, daß das Wissen für sich +ist, aber seine Wahrheit an dem Einfachen, der Unterschied, wodurch +das wirkliche Bewußtsein ist, seinen Grund an dem ihn tilgenden +innern Wesen, die sich klare _Versicherung_ der _Gewißheit_ ihre +Bestätigung an der _Vergessenheit_ hat. + +Das Bewußtsein schloß diesen Gegensatz durch das Handeln auf; nach +dem offenbaren Wissen handelnd, erfährt es den Betrug desselben, und +dem Inhalte nach dem _einen_ Attribute der Substanz ergeben, +verletzte es das andre und gab diesem dadurch das Recht gegen sich. +Dem wissenden Gotte folgend, ergriff es vielmehr das nicht Offenbare, +und büßt dafür, dem Wissen vertraut zu haben, dessen Zweideutigkeit, +da sie seine Natur ist, auch _für es_, und eine _Warnung_ dafür +vorhanden sein mußte. Die Raserei der Priesterin, die unmenschliche +Gestalt der Hexen, die Stimme des Baumes, des Vogels, der Traum u.s.f. +sind nicht die Weisen, in welchen die Wahrheit erscheint, sondern +warnende Zeichen des Betrugs, der Nichtbesonnenheit, der Einzelnheit +und Zufälligkeit des Wissens. Oder was dasselbe ist, die +entgegengesetzte Macht, die von ihm verletzt wird, ist als +ausgesprochenes Gesetz und geltendes Recht vorhanden; es sei das +Gesetz der Familie oder des Staats; das Bewußtsein folgte dagegen dem +eignen Wissen und verbarg sich selbst das Offenbare. Die Wahrheit +aber der gegeneinander auftretenden Mächte des Inhalts und +Bewußtseins ist das Resultat, daß beide gleiches Recht und darum in +ihrem Gegensatz, den das Handeln hervorbringt, gleiches Unrecht haben. +Die Bewegung des Tuns erweist ihre Einheit in dem gegenseitigen +Untergange beider Mächte und der selbstbewußten Charaktere. Die +Versöhnung des Gegensatzes mit sich ist die _Lethe_ der _Unterwelt_ +im Tode,--oder die _Lethe_ der _Oberwelt_, als Freisprechung nicht +von der Schuld, denn diese kann das Bewußtsein, weil es handelte, +nicht verleugnen, sondern vom Verbrechen, und seine sühnende +Beruhigung. Beide sind die _Vergessenheit_, das Verschwundensein der +Wirklichkeit und des Tuns der Mächte der Substanz, ihrer +Individualitäten, und der Mächte des abstrakten Gedankens des Guten +und des Bösen, denn keine für sich ist das Wesen, sondern dieses ist +die Ruhe des Ganzen in sich selbst, die unbewegte Einheit des +Schicksals, das ruhige Dasein und damit die Untätigkeit und +Unlebendigkeit der Familie und der Regierung, und die gleiche Ehre +und damit die gleichgültige Unwirklichkeit Apolls und der Erinnye, +und die Rückkehr ihrer Begeistung und Tätigkeit in den einfachen Zeus. + +Dieses Schicksal vollendet die Entvölkerung des Himmels, der +gedankenlosen Vermischung der Individualität und des Wesens,--einer +Vermischung, wodurch das Tun des Wesens als ein inkonsequentes, +zufälliges, seiner unwürdiges erscheint; denn dem Wesen nur +oberflächlich anhängend, ist die Individualität die unwesentliche. +Die Vertreibung solcher wesenlosen Vorstellungen, die von Philosophen +des Altertums gefodert wurde, beginnt also schon in der Tragödie +überhaupt dadurch, daß die Einteilung der Substanz von dem Begriffe +beherrscht, die Individualität hiemit die wesentliche und die +Bestimmungen die absoluten Charaktere sind. Das Selbstbewußtsein, +das in ihr vorgestellt ist, kennt und anerkennt deswegen nur _eine_ +höchste Macht, und diesen Zeus nur als die Macht des Staats oder des +Herdes, und im Gegensatze des Wissens nur als den Vater des zur +Gestalt werdenden Wissens des _Besondern_,--und als den Zeus des +Eides und der Erinnye, des _Allgemeinen_, im Verborgnen wohnenden +Innern. Die weiter aus dem Begriffe in die Vorstellung sich +zerstreuenden Momente, die der Chor nacheinander gelten läßt, sind +hingegen nicht das Pathos des Helden, sondern sinken ihm zur +Leidenschaft herunter,--zu zufälligen, wesenlosen Momenten, die der +selbstlose Chor wohl preist, aber die nicht fähig sind, den Charakter +der Helden auszumachen, noch von ihnen als ihr Wesen ausgesprochen +und geachtet zu werden. + +Aber auch die Personen des göttlichen Wesens selbst, sowie die +Charaktere seiner Substanz, gehen in die Einfachheit des Bewußtlosen +zusammen. Diese Notwendigkeit hat gegen das Selbstbewußtsein die +Bestimmung, die negative Macht aller auftretenden Gestalten zu sein, +in ihr sich selbst nicht zu erkennen, sondern darin vielmehr +unterzugehen. Das Selbst tritt nur den _Charakteren_ zugeteilt auf, +nicht als die Mitte der Bewegung. Aber das Selbstbewußtsein, die +einfache _Gewißheit_ seiner, ist in der Tat die negative Macht, die +Einheit des Zeus, des _substantiellen_ Wesens, und der _abstrakten_ +Notwendigkeit, es ist die geistige Einheit, worein alles zurückgeht. +Weil das wirkliche Selbstbewußtsein noch von der Substanz und dem +Schicksale unterschieden wird, ist es _teils_ der Chor oder vielmehr +die zuschauende Menge, welche diese Bewegung des göttlichen Lebens +als ein _Fremdes_ mit Furcht erfüllt, oder in der sie als ein Nahes +nur die Rührung des nicht handelnden _Mitleidens_ hervorbringt. +Teils insofern das Bewußtsein mithandelt und den Charakteren angehört, +ist diese Vereinigung, weil die wahre, die des Selbsts, des +Schicksals und der Substanz noch nicht vorhanden ist, eine äußerliche, +eine _Hypokrisie_; der Held, der vor dem Zuschauer auftritt, +zerfällt in seine Maske und in den Schauspieler, in die Person und +das wirkliche Selbst. + +Das Selbstbewußtsein der Helden muß aus seiner Maske hervortreten und +sich darstellen, wie es sich als das Schicksal sowohl der Götter des +Chors als der absoluten Mächte selbst weiß, und von dem Chore, dem +allgemeinen Bewußtsein, nicht mehr getrennt ist. + +Die _Komödie_ hat also vorerst die Seite, daß das wirkliche +Selbstbewußtsein sich als das Schicksal der Götter darstellt. Diese +elementarischen Wesen sind, als _allgemeine_ Momente, kein Selbst und +nicht wirklich. Sie sind zwar mit der Form der Individualität +ausgestattet, aber diese ist ihnen nur eingebildet und kommt ihnen +nicht an und für sich selbst zu; das wirkliche Selbst hat nicht ein +solches abstraktes Moment zu seiner Substanz und Inhalt. Es, das +Subjekt, ist daher über ein solches Moment als über eine einzelne +Eigenschaft erhoben, und angetan mit dieser Maske spricht es die +Ironie derselben aus, die für sich etwas sein will. Das Aufspreizen +der allgemeinen Wesenheit ist an das Selbst verraten; es zeigt sich +in einer Wirklichkeit gefangen und läßt die Maske fallen, eben indem +es etwas Rechtes sein will. Das Selbst hier in seiner Bedeutung als +Wirkliches auftretend, spielt es mit der Maske, die es einmal anlegt, +um seine Person zu sein--aber aus diesem Scheine tut es sich +ebensobald wieder in seiner eignen Nacktheit und Gewöhnlichkeit +hervor, die es von dem eigentlichen Selbst, dem Schauspieler, sowie +von dem Zuschauer nicht unterschieden zu sein zeigt. + +Diese allgemeine Auflösung der gestalteten Wesenheit überhaupt in +ihrer Individualität wird in ihrem Inhalte ernsthafter und dadurch +mutwilliger und bittrer, insofern er seine ernstere und notwendigere +Bedeutung hat. Die göttliche Substanz vereinigt in ihr die Bedeutung +der natürlichen und sittlichen Wesenheit. In Ansehung des +Natürlichen zeigt das wirkliche Selbstbewußtsein schon in der +Verwendung desselben zu seinem Putze, Wohnung u.s.f. und im Schmause +seines Opfers sich als das Schicksal, dem das Geheimnis verraten ist, +welche Bewandtnis es mit der Selbstwesenheit der Natur hat; in dem +Mysterium des Brotes und Weines macht es dieselbe zusammen mit der +Bedeutung des innern Wesens sich zu eigen, und in der Komödie ist es +sich der Ironie dieser Bedeutung überhaupt bewußt.--Insofern nun +diese Bedeutung die sittliche Wesenheit enthält, ist sie teils das +Volk, in seinen beiden Seiten, des Staats oder eigentlichen Demos, +und der Familien-Einzelnheit;--teils aber das selbstbewußte reine +Wissen, oder das vernünftige Denken des Allgemeinen.--Jener _Demos_, +die allgemeine Masse, die sich als Herrn und Regent sowie als den zu +respektierenden Verstand und Einsicht weiß, zwingt und betört sich +durch die Besonderheit seiner Wirklichkeit, und stellt den +lächerlichen Kontrast seiner Meinung von sich und seines +unmittelbaren Daseins, seiner Notwendigkeit und Zufälligkeit, seiner +Allgemeinheit und Gemeinheit dar. Wenn das Prinzip seiner vom +Allgemeinen getrennten Einzelnheit, in der eigentlichen Gestalt der +Wirklichkeit, sich hervortut und des Gemeinwesens, dessen geheimer +Schaden es ist, sich offenbar anmaßt und es einrichtet, so verrät +sich unmittelbarer der Kontrast des Allgemeinen als einer Theorie und +dessen, um was es in der Praxis zu tun ist, die gänzliche Befreiung +der Zwecke der unmittelbaren Einzelnheit von der allgemeinen Ordnung +und der Spott jener über diese. + +Das vernünftige _Denken_ enthebt das göttliche Wesen seiner +zufälligen Gestalt, und entgegengesetzt der begrifflosen Weisheit des +Chors, die mancherlei Sittensprüche vorbringt, und eine Menge von +Gesetzen und bestimmten Pflicht- und Rechtsbegriffen gelten läßt, +hebt es sie in die einfachen Ideen des _Schönen_ und _Guten_ empor. +--Die Bewegung dieser Abstraktion ist das Bewußtsein der Dialektik, +welche diese Maximen und Gesetze an ihnen haben, und hiedurch des +Verschwindens der absoluten Gültigkeit, in der sie vorher erschienen. +Indem die zufällige Bestimmung und oberflächliche Individualität, +welche die Vorstellung den göttlichen Wesenheiten lieh, verschwindet, +haben sie nach ihrer _natürlichen_ Seite nur noch die Nacktheit ihres +unmittelbaren Daseins, sie sind Wolken, ein verschwindender Dunst, +wie jene Vorstellungen. Nach ihrer _gedachten_ Wesentlichkeit zu den +_einfachen_ Gedanken des _Schönen_ und _Guten_ geworden, vertragen +diese es, mit jedem beliebigen Inhalt erfüllt zu werden. Die Kraft +des dialektischen Wissens gibt die bestimmten Gesetze und Maximen des +Handelns der Lust und dem Leichtsinne der--hiemit--verführten Jugend +preis, und der Ängstlichkeit und Sorge des auf die Einzelnheit des +Lebens beschränkten Alters Waffen zum Betrug an die Hand. Die reinen +Gedanken des Schönen und Guten zeigen also das komische Schauspiel, +durch die Befreiung von der Meinung, welche sowohl ihre Bestimmtheit +als Inhalt wie ihre absolute Bestimmtheit, das Festhalten des +Bewußtseins enthält, leer und eben dadurch das Spiel der Meinung und +der Willkür der zufälligen Individualität zu werden. + +Hier ist also das vorher bewußtlose Schicksal, das in der leeren Ruhe +und Vergessenheit besteht und von dem Selbstbewußtsein getrennt ist, +mit diesem vereint. Das _einzelne Selbst_ ist die negative Kraft, +durch und in welcher die Götter sowie deren Momente, die daseiende +Natur und die Gedanken ihrer Bestimmungen, verschwinden; zugleich ist +es nicht die Leerheit des Verschwindens, sondern erhält sich in +dieser Nichtigkeit selbst, ist bei sich und die einzige Wirklichkeit. +Die Religion der Kunst hat sich in ihm vollendet und ist vollkommen +in sich zurückgegangen. Dadurch, daß das einzelne Bewußtsein in der +Gewißheit seiner selbst es ist, das als diese absolute Macht sich +darstellt, hat diese die Form eines _Vorgestellten_, von dem +_Bewußtsein_ überhaupt _Getrennten_ und ihm Fremden verloren, wie die +Bildsäule, auch die lebendige schöne Körperlichkeit oder der Inhalt +des Epos und die Mächte und Personen der Tragödie waren;--auch ist +die Einheit nicht die _bewußtlose_ des Kultus und der Mysterien, +sondern das eigentliche Selbst des Schauspielers fällt mit seiner +Person zusammen, so wie der Zuschauer, der in dem, was ihm +vorgestellt wird, vollkommen zu Hause ist und sich selbst spielen +sieht. Was dies Selbstbewußtsein anschaut, ist, daß in ihm, was die +Form von Wesenheit gegen es annimmt, in seinem Denken, Dasein und Tun +sich vielmehr auflöst und preisgegeben ist, es ist die Rückkehr alles +Allgemeinen in die Gewißheit seiner selbst, die hiedurch diese +vollkommne Furcht- und Wesenlosigkeit alles Fremden, und ein Wohlsein +und Sich-wohlsein-lassen des Bewußtseins ist, wie sich außer dieser +Komödie keins mehr findet. + + +C. Die offenbare Religion + +Durch die Religion der Kunst ist der Geist aus der Form der +_Substanz_ in die des _Subjekts_ getreten, denn sie _bringt_ seine +Gestalt _hervor_, und setzt also in ihr das _Tun_ oder das +_Selbstbewußtsein_, das in der furchtbaren Substanz nur verschwindet, +und im Vertrauen sich nicht selbst erfaßt. Diese Menschwerdung des +göttlichen Wesens geht von der Bildsäule aus, die nur die _äußere_ +Gestalt des Selbsts an ihr hat, das _innre_ aber, ihre Tätigkeit, +fällt außer ihr; im Kultus aber sind beide Seiten eins geworden, in +dem Resultate der Religion der Kunst ist diese Einheit in ihrer +Vollendung zugleich auch auf das Extrem des Selbsts herübergegangen; +in dem Geiste, der in der Einzelnheit des Bewußtseins seiner +vollkommen gewiß ist, ist alle Wesenheit versunken. Der Satz, der +diesen Leichtsinn ausspricht, lautet so: _das Selbst ist das absolute +Wesen_; das Wesen, das Substanz und an dem das Selbst die +Akzidentalität war, ist zum Prädikate heruntergesunken, und der Geist +hat in _diesem Selbstbewußtsein,_ dem nichts in der Form des Wesens +gegenübertritt, sein _Bewußtsein_ verloren. + +Dieser Satz: _das Selbst ist das absolute Wesen_, gehört, wie von +selbst erhellt, dem nichtreligiösen, dem wirklichen Geiste an, und es +ist sich zu erinnern, welches die Gestalt desselben ist, die ihn +ausdrückt. Sie wird zugleich die Bewegung und die Umkehrung +desselben enthalten, welche das Selbst zum Prädikate herunterstimmt, +und die Substanz zum Subjekte erhebt. So nämlich, daß der umgekehrte +Satz nicht _an sich_ oder _für uns_ die Substanz zum Subjekte macht, +oder was dasselbe ist, die Substanz so wiederherstellt, daß das +Bewußtsein des Geistes zu seinem Anfange, der natürlichen Religion, +zurückgeführt wird, sondern so, daß diese Umkehrung _für_ und _durch +das Selbstbewußtsein_ selbst zustande gebracht wird. Indem dieses +sich mit Bewußtsein aufgibt, so wird es in seiner Entäußerung +erhalten und bleibt das Subjekt der Substanz, aber als sich ebenso +entäußertes hat es zugleich das Bewußtsein derselben; oder indem es +durch seine Aufopferung die Substanz als Subjekt _hervorbringt_, +bleibt dieses sein eignes Selbst. Es wird hiedurch erreicht, daß, +wenn in den beiden Sätzen in dem ersten der Substantialität das +Subjekt nur verschwindet, und in dem zweiten die Substanz nur +Prädikat ist, und beide Seiten also in jedem mit der +entgegengesetzten Ungleichheit des Wertes vorhanden sind,--daß die +Vereinigung und Durchdringung beider Naturen hervorgeht, in der beide +mit gleichem Werte ebenso _wesentlich_ als auch nur _Momente_ sind; +hiedurch ist also der Geist ebenso _Bewußtsein_ seiner als seiner +_gegenständlichen_ Substanz, wie einfaches in sich bleibendes +_Selbstbewußtsein_. + +Die Religion der Kunst gehört dem sittlichen Geiste an, den wir +früher in dem _Rechtszustande_ untergehen sahen, d.h. in dem Satze: +_das Selbst als solches_, die _abstrakte Person ist absolutes Wesen_. +Im sittlichen Leben ist das Selbst in dem Geiste seines Volks +versenkt, es ist die _erfüllte_ Allgemeinheit. Die _einfache +Einzelnheit_ aber erhebt sich aus diesem Inhalte, und ihr Leichtsinn +reinigt sie zur Person, zur abstrakten Allgemeinheit des Rechts. In +dieser ist die _Realität_ des sittlichen Geists verloren, die +inhaltsleeren Geister der Völkerindividuen sind in _ein_ Pantheon +versammelt, nicht in ein Pantheon der Vorstellung, deren unmächtige +Form jeden gewähren läßt, sondern in das Pantheon der abstrakten +Allgemeinheit, des reinen Gedankens, der sie entleibt, und dem +geistlosen Selbst, der einzelnen Person das An- und Für-sich-sein +erteilt. + +Aber dies Selbst hat durch seine Leerheit den Inhalt freigelassen; +das Bewußtsein ist nur _in sich_ das Wesen; sein eignes _Dasein_, das +rechtliche Anerkanntsein der Person, ist die unerfüllte Abstraktion; +es besitzt also vielmehr nur den Gedanken seiner selbst, oder wie es +_da ist_ und sich als Gegenstand weiß, ist es das _unwirkliche_. Es +ist daher nur die stoische _Selbstständigkeit_ des _Denkens_, und +diese findet, durch die Bewegung des skeptischen Bewußtseins +hindurchgehend, seine Wahrheit in derjenigen Gestalt, die das +_unglückliche Selbstbewußtsein_ genannt wurde. + +Dieses weiß, welche Bewandtnis es mit dem wirklichen Gelten der +abstrakten Person und ebenso mit dem Gelten derselben in dem reinen +Gedanken hat. Es weiß ein solches Gelten vielmehr als den +vollkommnen Verlust, es selbst ist dieser seiner bewußte Verlust und +die Entäußerung seines Wissens von sich.--Wir sehen, daß dies +unglückliche Bewußtsein die Gegenseite und Vervollständigung des in +sich vollkommen glücklichen, des komischen Bewußtseins ausmacht. In +das letztere geht alles göttliche Wesen zurück, oder es ist die +vollkommne _Entäußerung_ der _Substanz_. Jenes hingegen ist +umgekehrt das tragische Schicksal der an und für sich sein sollenden +_Gewißheit seiner selbst._ Es ist das Bewußtsein des Verlustes aller +_Wesenheit_ in _dieser Gewißheit_ seiner und des Verlustes eben +dieses Wissens von sich--der Substanz wie des Selbsts, es ist der +Schmerz, der sich als das harte Wort ausspricht, _daß Gott gestorben +ist_. + +In dem Rechtszustande ist also die sittliche Welt und die Religion +derselben in dem komischen Bewußtsein versunken, und das unglückliche +das Wissen dieses _ganzen_ Verlusts. Sowohl der Selbstwert seiner +unmittelbaren Persönlichkeit ist ihm verloren, als seiner +vermittelten, der _gedachten_. Ebenso ist das Vertrauen in die +ewigen Gesetze der Götter, wie die Orakel, die das Besondre zu wissen +taten, verstummt. Die Bildsäulen sind nun Leichname, denen die +belebende Seele, so wie die Hymne Worte, deren Glauben entflohen ist; +die Tische der Götter ohne geistige Speise und Trank, und aus seinen +Spielen und Festen kommt dem Bewußtsein nicht die freudige Einheit +seiner mit dem Wesen zurück. Den Werken der Muse fehlt die Kraft des +Geistes, dem aus der Zermalmung der Götter und Menschen die Gewißheit +seiner selbst hervorging. Sie sind nun das, was sie für uns sind, +--vom Baume gebrochne schöne Früchte, ein freundliches Schicksal +reichte sie uns dar, wie ein Mädchen jene Früchte präsentiert; es +gibt nicht das wirkliche Leben ihres Daseins, nicht den Baum, der sie +trug, nicht die Erde und die Elemente, die ihre Substanz, noch das +Klima, das ihre Bestimmtheit ausmachte, oder den Wechsel der +Jahreszeiten, die den Prozeß ihres Werdens beherrschten.--So gibt das +Schicksal uns mit den Werken jener Kunst nicht ihre Welt, nicht den +Frühling und Sommer des sittlichen Lebens, worin sie blühten und +reiften, sondern allein die eingehüllte Erinnerung dieser +Wirklichkeit.--Unser Tun in ihrem Genusse ist daher nicht das +gottesdienstliche, wodurch unserem Bewußtsein seine vollkommne es +ausfüllende Wahrheit würde, sondern es ist das äußerliche Tun, das +von diesen Früchten etwa Regentropfen oder Stäubchen abwischt, und an +die Stelle der innern Elemente der umgebenden, erzeugenden und +begeistenden Wirklichkeit des Sittlichen, das weitläufige Gerüste der +toten Elemente ihrer äußerlichen Existenz, der Sprache, des +Geschichtlichen u.s.f. errichtet, nicht um sich in sie hinein zu +leben, sondern nur um sie in sich vorzustellen. Aber wie das Mädchen, +das die gepflückten Früchte darreicht, mehr ist als die in ihre +Bedingungen und Elemente, den Baum, Luft, Licht u.s.f. ausgebreitete +Natur derselben, welche sie unmittelbar darbot, indem es auf eine +höhere Weise dies alles in den Strahl des selbstbewußten Auges und +der darreichenden Gebärde zusammenfaßt, so ist der Geist des +Schicksals, der uns jene Kunstwerke darbietet, mehr als das sittliche +Leben und Wirklichkeit jenes Volkes, denn er ist die _Er-Innerung_ +des in ihnen noch _veräußerten_ Geistes,--er ist der Geist des +tragischen Schicksals, das alle jene individuelle Götter und +Attribute der Substanz in das _eine_ Pantheon versammelt, in den +seiner als Geist selbstbewußten Geist. + +Alle Bedingungen seines Hervorgangs sind vorhanden, und diese +Totalität seiner Bedingungen macht das _Werden_, den _Begriff_, oder +das _ansichseiende_ Hervorgehen desselben aus.--Der Kreis der +Hervorbringungen der Kunst umfaßt die Formen der Entäußerungen der +absoluten Substanz, sie ist in der Form der Individualität, als ein +Ding, als _seiender_ Gegenstand des sinnlichen Bewußtseins,--als die +reine Sprache oder das Werden der Gestalt, deren Dasein nicht aus dem +Selbst heraustritt, und rein _verschwindender_ Gegenstand ist;--als +unmittelbare _Einheit_ mit dem allgemeinen _Selbstbewußtsein_ in +seiner Begeisterung und als vermittelte in dem Tun des Kultus;--als +schöne _selbstische Körperlichkeit_, und endlich als das in die +_Vorstellung_ erhobne Dasein und die Ausbreitung desselben zu einer +Welt, die sich zuletzt in die Allgemeinheit, die ebenso _reine +Gewißheit ihrer selbst_ ist, zusammennimmt.--Diese Formen, und auf +der andern Seite die _Welt_ der _Person_ und des Rechts, die +verwüstende Wildheit der freigelassenen Elemente des Inhalts, ebenso +die _gedachte_ Person des Stoizismus und die haltlose Unruhe des +skeptischen Bewußtseins, machen die Peripherie der Gestalten aus, +welche erwartend und drängend um die Geburtsstätte des als +Selbstbewußtsein werdenden Geistes umherstehen, der alle +durchdringende Schmerz und Sehnsucht des unglücklichen +Selbstbewußtseins ist ihr Mittelpunkt und das gemeinschaftliche +Geburtswehe seines Hervorgangs,--die Einfachheit des reinen Begriffs, +der jene Gestalten als seine Momente enthält. + +Er hat die zwei Seiten an ihm, die oben als die beiden umgekehrten +Sätze vorgestellt sind; die eine ist diese, daß die _Substanz_ sich +ihrer selbst entäußert und zum Selbstbewußtsein wird, die andre +umgekehrt, daß das _Selbstbewußtsein_ sich seiner entäußert und zur +Dingheit oder zum allgemeinen Selbst macht. Beide Seiten sind sich +auf diese Weise entgegengekommen und hiedurch ihre wahre Vereinigung +entstanden. Die Entäußerung der Substanz, ihr Werden zum +Selbstbewußtsein drückt den Übergang ins Entgegengesetzte, den +bewußtlosen Übergang der _Notwendigkeit_ oder dies aus, daß sie _an +sich_ Selbstbewußtsein ist. Umgekehrt die Entäußerung des +Selbstbewußtseins dies, daß es _an sich_ das allgemeine Wesen ist, +oder, weil das Selbst das reine Für-sich-sein ist, das in seinem +Gegenteile bei sich bleibt, dies, daß es _für es_ ist, daß die +Substanz Selbstbewußtsein und eben dadurch Geist ist. Es kann daher +von diesem Geiste, der die Form der Substanz verlassen, und in der +Gestalt des Selbstbewußtseins in das Dasein tritt, gesagt +werden--wenn man sich der aus der natürlichen Zeugung hergenommenen +Verhältnisse bedienen will--, daß er eine _wirkliche_ Mutter, aber +einen _ansich_seienden Vater hat; denn die _Wirklichkeit_ oder das +Selbstbewußtsein und das _An-sich_ als die Substanz sind seine beiden +Momente, durch deren gegenseitige Entäußerung, jedes zum andern +werdend, er als diese ihre Einheit ins Dasein tritt. + +Insofern das Selbstbewußtsein einseitig nur _seine eigne_ Entäußerung +erfaßt, wenn ihm schon sein Gegenstand also ebensowohl Sein als +Selbst ist und es alles Dasein als geistiges Wesen weiß, so ist +dadurch dennoch noch nicht für es der wahre Geist geworden, insofern +nämlich das Sein überhaupt oder die Substanz nicht _an sich_ ebenso +ihrerseits sich ihrer selbst entäußerte und zum Selbstbewußtsein +wurde. Denn alsdann ist alles Dasein nur vom _Standpunkte des +Bewußtseins aus_ geistiges Wesen, nicht an sich selbst. Der Geist +ist auf diese Weise dem Dasein nur _eingebildet_; dieses Einbilden +ist die _Schwärmerei_, welche der Natur sowohl als der Geschichte, +wie der Welt so den mythischen Vorstellungen der vorhergehenden +Religionen einen andern innern Sinn unterlegt, als sie in ihrer +Erscheinung dem Bewußtsein unmittelbar darbieten, und in Ansehung der +Religionen, als das Selbstbewußtsein, dessen Religionen sie waren, +darin wußte. Aber diese Bedeutung ist eine geliehene, und ein Kleid, +das die Blöße der Erscheinung nicht bedeckt und sich keinen Glauben +und Verehrung erwirbt, sondern die trübe Nacht und eigne Verzückung +des Bewußtseins bleibt. + +Daß diese Bedeutung des Gegenständlichen also nicht bloße Einbildung +sei, muß sie _an sich_ sein, das heißt, _einmal_ dem Bewußtsein aus +dem _Begriffe_ entspringen und in ihrer Notwendigkeit hervorgehen. +So ist uns durch das Erkennen des _unmittelbaren Bewußtseins_, oder +des Bewußtseins des _seienden_ Gegenstandes durch seine notwendige +Bewegung der sich selbst wissende _Geist_ entsprungen. Dieser +Begriff, der als unmittelbarer auch die Gestalt der _Unmittelbarkeit_ +für sein Bewußtsein hatte, hat sich _zweitens_ die Gestalt des +Selbstbewußtseins _an sich_, d.h. nach eben der Notwendigkeit des +Begriffes gegeben, als das _Sein_ oder die _Unmittelbarkeit_, die der +inhaltslose Gegenstand des sinnlichen Bewußtseins ist, sich seiner +entäußert, und Ich für das Bewußtsein wird.--Von dem _denkenden +An-sich_ oder dem _Erkennen der Notwendigkeit_ ist aber das +_unmittelbare An-sich_ oder die _seiende Notwendigkeit_ selbst +unterschieden;--ein Unterschied, der zugleich aber nicht außer dem +Begriffe liegt, denn die _einfache Einheit_ des Begriffes ist das +_unmittelbare Sein_ selbst; er ist ebenso das sich selbst Entäußernde +oder das Werden der _angeschauten Notwendigkeit_, als er in ihr bei +sich ist und sie weiß und begreift.--Das _unmittelbare An-sich_ des +Geistes, der sich die Gestalt des Selbstbewußtseins gibt, heißt +nichts anderes, als daß der wirkliche Weltgeist zu diesem Wissen von +sich gelangt ist; dann erst tritt dies Wissen auch in sein Bewußtsein, +und als Wahrheit ein. Wie jenes geschehen, hat sich oben ergeben. + +Dies daß der absolute Geist sich die Gestalt des Selbstbewußtseins +_an sich_ und damit auch für sein _Bewußtsein_ gegeben, erscheint nun +so, daß es der _Glauben der Welt_ ist, daß der Geist als ein +Selbstbewußtsein, d.h. als ein wirklicher Mensch _da ist_, daß er für +die unmittelbare Gewißheit ist, daß das glaubende Bewußtsein diese +Göttlichkeit _sieht_ und _fühlt_ und _hört_. So ist es nicht +Einbildung, sondern es ist _wirklich an dem_. Das Bewußtsein geht +dann nicht aus _seinem_ Innern, von dem Gedanken aus, und schließt +_in sich_ den Gedanken des Gottes mit dem Dasein zusammen, sondern es +geht von dem unmittelbaren gegenwärtigen Dasein aus, und erkennt den +Gott in ihm.--Das Moment des _unmittelbaren Seins_ ist in dem Inhalte +des Begriffes so vorhanden, daß der religiöse Geist in der Rückkehr +aller Wesenheit in das Bewußtsein _einfaches_ positives Selbst +geworden ist, ebenso wie der wirkliche Geist als solcher im +unglücklichen Bewußtsein eben diese _einfache_ selbstbewußte +Negativität. Das Selbst des daseienden Geistes hat dadurch die Form +der vollkommnen Unmittelbarkeit; es ist weder als Gedachtes oder +Vorgestelltes noch Hervorgebrachtes gesetzt, wie es mit dem +unmittelbaren Selbst teils in der natürlichen, teils in der +Kunst-Religion der Fall ist. Sondern dieser Gott wird unmittelbar +als Selbst, als ein wirklicher einzelner Mensch, sinnlich angeschaut; +so nur _ist_ er Selbstbewußtsein. + +Diese Menschwerdung des göttlichen Wesens, oder daß es wesentlich und +unmittelbar die Gestalt des Selbstbewußtseins hat, ist der einfache +Inhalt der absoluten Religion. In ihr wird das Wesen als Geist +gewußt, oder sie ist sein Bewußtsein über sich, Geist zu sein. Denn +der Geist ist das Wissen seiner selbst in seiner Entäußerung; das +Wesen, das die Bewegung ist, in seinem Anderssein die Gleichheit mit +sich selbst zu behalten. Dies aber ist die Substanz, insofern sie in +ihrer Akzidentalität ebenso in sich reflektiert, nicht dagegen als +gegen ein Unwesentliches und somit in einem Fremden sich Befindendes +gleichgültig, sondern darin _in sich_, d.h. insofern sie _Subjekt_ +oder _Selbst_ ist.--In dieser Religion ist deswegen das göttliche +Wesen _geoffenbart_. Sein Offenbarsein besteht offenbar darin, daß +gewußt wird, was es ist. Es wird aber gewußt, eben indem es als +Geist gewußt wird, als Wesen, das wesentlich _Selbstbewußtsein_ ist. +--Dem _Bewußtsein_ ist in seinem Gegenstand dann etwas geheim, wenn +er ein _Anderes_ oder _Fremdes_ für es ist, und wenn es ihn nicht als +_sich selbst_ weiß. Dies Geheimsein hört auf, indem das absolute +Wesen als Geist Gegenstand des Bewußtseins ist; denn so ist er als +_Selbst_ in seinem Verhältnisse zu ihm; d.h. dieses weiß unmittelbar +sich darin, oder es ist sich in ihm offenbar. Es selbst ist sich nur +in der eignen Gewißheit seiner offenbar; jener sein Gegenstand ist +das _Selbst_, das Selbst aber ist kein Fremdes, sondern die +untrennbare Einheit mit sich, das unmittelbar Allgemeine. Es ist der +reine Begriff, das reine Denken oder _Für-sich-sein_, das unmittelbar +_Sein_, und damit _Sein für Anderes_, und als dieses _Sein für +Anderes_ unmittelbar in sich zurückgekehrt, und bei sich selbst; es +ist also das wahrhaft und allein Offenbare. Das Gütige, Gerechte, +Heilige, Schöpfer Himmels und der Erde u.s.f. sind _Prädikate_ eines +Subjekts,--allgemeine Momente, die an diesem Punkte ihren Halt haben, +und nur erst im Rückgehen des Bewußtseins ins Denken sind.--Indem +_sie_ gewußt werden, ist ihr Grund und Wesen, das _Subjekt_ selbst, +noch nicht offenbar, und ebenso sind die _Bestimmungen_ des +Allgemeinen nicht _dies Allgemeine_ selbst. Das _Subjekt_ selbst, +und damit auch _dies reine Allgemeine_ ist aber offenbar als _Selbst_, +denn dies ist eben dies in sich reflektierte Innre, das unmittelbar +da und die eigne Gewißheit desjenigen Selbsts ist, für welches es da +ist. Dies--seinem _Begriffe_ nach das Offenbare zu sein--ist also +die wahre Gestalt des Geistes, und diese seine Gestalt, der Begriff, +ist ebenso allein sein Wesen und Substanz. Er wird gewußt als +Selbstbewußtsein und ist diesem unmittelbar offenbar, denn er ist +dieses selbst; die göttliche Natur ist dasselbe, was die menschliche +ist, und diese Einheit ist es, die angeschaut wird. + +Hier also ist in der Tat das Bewußtsein oder die Weise, wie das Wesen +für es selbst ist, seine Gestalt, seinem Selbstbewußtsein gleich; +diese Gestalt ist selbst ein Selbstbewußtsein; sie ist damit zugleich +_seiender_ Gegenstand, und dieses _Sein_ hat ebenso unmittelbar die +Bedeutung des _reinen Denkens_, des absoluten Wesens.--Das absolute +Wesen, welches als ein wirkliches Selbstbewußtsein da ist, scheint +von seiner ewigen Einfachheit _herabgestiegen_ zu sein, aber in der +Tat hat es damit erst sein _höchstes_ Wesen erreicht. Denn der +Begriff des Wesens, erst indem er seine einfache Reinheit erlangt hat, +ist er die absolute _Abstraktion_, welche _reines Denken_ und damit +die reine Einzelnheit des Selbsts, so wie um seiner Einfachheit +willen das _Unmittelbare_ oder _Sein_ ist.--Was das sinnliche +Bewußtsein genannt wird, ist eben diese reine _Abstraktion_, es ist +dies Denken, für welches das _Sein_ das _Unmittelbare_ ist. Das +Niedrigste ist also zugleich das Höchste, das ganz an die +_Oberfläche_ herausgetretene Offenbare ist eben darin das _Tiefste_. +Daß das höchste Wesen als ein seiendes Selbstbewußtsein gesehen, +gehört u.s.f. wird, dies ist also in der Tat die Vollendung seines +Begriffes; und durch diese Vollendung ist das Wesen so unmittelbar +_da_, als es Wesen ist. + +Dies unmittelbare Dasein ist zugleich nicht allein und bloß +unmittelbares Bewußtsein, sondern es ist religiöses Bewußtsein; die +Unmittelbarkeit hat ungetrennt die Bedeutung nicht nur eines +_seienden_ Selbstbewußtseins, sondern des rein gedachten oder +absoluten _Wesens_. Wessen wir uns in unserem Begriffe bewußt sind, +daß das _Sein Wesen_ ist, ist das religiöse Bewußtsein sich bewußt. +Diese _Einheit_ des Seins und Wesens, des _Denkens_, das unmittelbar +_Dasein ist_, ist, wie es der _Gedanke_ dieses religiösen Bewußtseins +oder sein _vermitteltes_ Wissen ist, ebenso _sein unmittelbares_ +Wissen; denn diese Einheit des Seins und Denkens ist das +_Selbst_bewußtsein, und ist selbst _da_, oder die _gedachte_ Einheit +hat zugleich diese Gestalt dessen, was sie ist. Gott ist also hier +_offenbar_, wie _er ist; er ist so da_, wie er _an sich_ ist; er ist +da, als Geist. Gott ist allein im reinen spekulativen Wissen +erreichbar, und ist nur in ihm und ist nur es selbst, denn er ist der +Geist; und dieses spekulative Wissen ist das Wissen der offenbaren +Religion. Jenes weiß ihn als _Denken_ oder reines Wesen, und dies +Denken als Sein und als Dasein, und das Dasein als die Negativität +seiner selbst, hiemit als Selbst, _dieses_ und allgemeines Selbst; +eben dies weiß die offenbare Religion.--Die Hoffnungen und +Erwartungen der vorhergehenden Welt drängten sich allein auf diese +Offenbarung hin, anzuschauen, was das absolute Wesen ist, und sich +selbst in ihm zu finden; diese Freude wird dem Selbstbewußtsein und +ergreift die ganze Welt, im absoluten Wesen sich zu schauen, denn es +ist Geist, es ist die einfache Bewegung jener reinen Momente, die +dies selbst ausdrückt, daß das Wesen dadurch erst, daß es als +_unmittelbares_ Selbstbewußtsein angeschaut wird, als Geist gewußt +wird. + +Dieser Begriff des selbst sich selbst als Geist wissenden Geistes ist +selbst der unmittelbare, und noch nicht entwickelt. Das Wesen ist +Geist, oder es ist erschienen, es ist offenbar; dies erste +Offenbarsein ist selbst _unmittelbar_; aber die Unmittelbarkeit ist +ebenso reine Vermittlung oder Denken; sie muß daher an ihr selbst als +solcher dies darstellen.--Bestimmter dies betrachtet, so ist der +Geist in der Unmittelbarkeit des Selbstbewußtseins _dieses einzelne_ +Selbstbewußtsein, dem _allgemeinen_ entgegengesetzt; er ist +ausschließendes Eins, das für das Bewußtsein, _für welches_ es da ist, +die noch unaufgelöste Form eines _sinnlichen Andern_ hat; dieses +weiß den Geist noch nicht als den seinen, oder der Geist ist noch +nicht, wie er _einzelnes_ Selbst ist, ebensowohl als allgemeines, als +alles Selbst da. Oder die Gestalt hat noch nicht die Form des +_Begriffs_; d.h. des allgemeinen Selbsts, des Selbsts, das in seiner +unmittelbaren Wirklichkeit ebenso Aufgehobnes, Denken, Allgemeinheit +ist, ohne in dieser jene zu verlieren.--Die nächste und selbst +unmittelbare Form dieser Allgemeinheit ist aber nicht schon die Form +_des Denkens selbsts, des Begriffes als Begriffes_, sondern die +Allgemeinheit der Wirklichkeit, die Allheit der Selbst, und die +Erhebung des Daseins in die Vorstellung; wie überall, und um ein +bestimmtes Beispiel anzuführen, das aufgehobne _sinnliche Dieses_ +erst das Ding der _Wahrnehmung_, noch nicht das _Allgemeine_ des +Verstandes ist. + +Dieser einzelne Mensch also, als welcher das absolute Wesen offenbar +ist, vollbringt an ihm als Einzelnem die Bewegung des _sinnlichen +Seins_. Er ist der _unmittelbar_ gegenwärtige Gott; dadurch geht +sein _Sein_ in _Gewesensein_ über. Das Bewußtsein, für welches er +diese sinnliche Gegenwart hat, hört auf, ihn zu sehen, zu hören; es +_hat_ ihn gesehen und gehört; und erst dadurch, daß es ihn nur +gesehen, gehört _hat_, wird es selbst geistiges Bewußtsein, oder wie +er vorher als _sinnliches Dasein_ für es aufstand, ist er itzt _im +Geiste_ aufgestanden.--Denn als solches, das ihn sinnlich sieht und +hört, ist es selbst nur unmittelbares Bewußtsein, das die +Ungleichheit der Gegenständlichkeit nicht aufgehoben, nicht ins reine +Denken zurückgenommen hat, sondern diesen gegenständlichen Einzelnen, +nicht aber sich selbst als Geist weiß. In dem Verschwinden des +unmittelbaren Daseins des als absoluten Wesens Gewußten erhält das +Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares +Selbst der Wirklichkeit, aber als _das allgemeine Selbstbewußtsein_ +der Gemeine, das in seiner eignen Substanz ruht, so wie diese in ihm +allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne für sich, sondern +zusammen mit dem Bewußtsein der Gemeine, und das, was er für diese +ist, ist das vollständige Ganze desselben. + +_Vergangenheit_ und _Entfernung_ sind aber nur die unvollkommne Form, +wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist; +diese ist nur oberflächlich in das Element des Denkens getaucht, ist +_als_ sinnliche Weise darin aufbewahrt, und mit der Natur des Denkens +selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das _Vorstellen_ erhoben, +denn dies ist die synthetische Verbindung der sinnlichen +Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens. + +Diese _Form des Vorstellens_ macht die Bestimmtheit aus, in welcher +der Geist, in dieser seiner Gemeine, seiner bewußt wird. Sie ist +noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene +Selbstbewußtsein desselben; die Vermittelung ist noch unvollendet. +Es ist also in dieser Verbindung des Seins und Denkens der Mangel +vorhanden, daß das geistige Wesen noch mit einer unversöhnten +Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist. Der _Inhalt_ +ist der wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des +Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern +als vollkommen selbstständige Seiten zu erscheinen, die sich +_äußerlich_ aufeinander beziehen. Daß der wahre Inhalt auch seine +wahre Form für das Bewußtsein erhalte, dazu ist die höhere Bildung +des Letztern notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in +den Begriff zu erheben, und _für es selbst_ sein Bewußtsein mit +seinem Selbstbewußtsein auszugleichen, wie dies für uns oder _an +sich_ geschehen ist. + +Dieser Inhalt ist in der Weise, wie er in seinem Bewußtsein ist, zu +betrachten.--Der absolute Geist ist _Inhalt_, so ist er in der +Gestalt seiner _Wahrheit_. Aber seine Wahrheit ist, nicht nur die +Substanz der Gemeinde oder das _An-sich_ derselben zu sein, noch auch +nur aus dieser Innerlichkeit in die Gegenständlichkeit des +Vorstellens heraufzutreten, sondern wirkliches Selbst zu werden, sich +in sich zu reflektieren und Subjekt zu sein. Dies ist also die +Bewegung, welche er in seiner Gemeine vollbringt, oder dies ist das +Leben desselben. Was dieser sich offenbarende Geist _an und für +sich_ ist, wird daher nicht dadurch herausgebracht, daß sein reiches +Leben in der Gemeine gleichsam aufgedreht und auf seinen ersten Faden +zurückgeführt wird, etwa auf die Vorstellungen der ersten +unvollkommnen Gemeine, oder gar auf das, was der wirkliche Mensch +gesprochen hat. Dieser Zurückführung liegt der Instinkt zugrunde, +auf den Begriff zu gehen; aber sie verwechselt den _Ursprung_ als das +_unmittelbare Dasein_ der ersten Erscheinung mit der _Einfachheit_ +des _Begriffes_. Durch diese Verarmung des Lebens des Geistes, durch +das Wegräumen der Vorstellung der Gemeine und ihres Tuns gegen ihre +Vorstellung, entsteht daher statt des Begriffes vielmehr die bloße +Äußerlichkeit und Einzelnheit, die geschichtliche Weise der +unmittelbaren Erscheinung und die geistlose Erinnerung einer +einzelnen gemeinten Gestalt und ihrer Vergangenheit. + +Der Geist ist Inhalt seines Bewußtseins zuerst in der Form _der +reinen Substanz_, oder ist Inhalt seines reinen Bewußtseins. Dies +Element des Denkens ist die Bewegung, zum Dasein oder der Einzelnheit +herunterzusteigen. Die Mitte zwischen ihnen ist ihre synthetische +Verbindung, das Bewußtsein des Anderswerdens oder das Vorstellen als +solches. Das dritte ist die Rückkehr aus der Vorstellung und dem +Anderssein oder das Element des Selbstbewußtseins selbst.--Diese drei +Momente machen den Geist aus; sein Auseinandertreten in der +Vorstellung besteht darin, auf eine _bestimmte_ Weise zu sein; diese +Bestimmtheit aber ist nichts anderes als eines seiner Momente. Seine +ausführliche Bewegung ist also diese, in jedem seiner Momente als in +einem Elemente seine Natur auszubreiten; indem jeder dieser Kreise +sich in sich vollendet, ist diese seine Reflexion in sich zugleich +der Übergang in den andern. Die _Vorstellung_ macht die Mitte +zwischen dem reinen Denken und dem Selbstbewußtsein als solchem aus, +und ist nur _eine_ der Bestimmtheiten; zugleich aber, wie sich +gezeigt, ist ihr Charakter, die synthetische Verbindung zu sein, über +alle diese Elemente ausgebreitet und ihre gemeinschaftliche +Bestimmtheit. + +Der Inhalt selbst, der zu betrachten ist, ist zum Teil schon als die +Vorstellung des _unglücklichen_ und _glaubenden_ Bewußtseins +vorgekommen;--in jenem aber in der Bestimmung des aus dem _Bewußtsein +hervorgebrachten_ und _ersehnten_ Inhalts, worin der Geist sich nicht +ersättigen noch Ruhe finden kann, weil er noch nicht _an sich_ oder +als seine _Substanz_ sein Inhalt ist;--in diesem dagegen ist er als +das selbstlose _Wesen_ der Welt oder als wesentlich +_gegenständlicher_ Inhalt des Vorstellens betrachtet worden,--eines +Vorstellens, das der Wirklichkeit überhaupt entflieht, und daher ohne +die _Gewißheit des Selbstbewußtseins_ ist, die sich teils als +Eitelkeit des Wissens, teils als reine Einsicht von ihm trennt.--Das +Bewußtsein der Gemeine hingegen hat ihn zu seiner _Substan_z, ebenso +als er ihre _Gewißheit_ des eignen Geistes ist. + +Der Geist zuerst als Substanz im _Elemente des reinen Denkens_ +vorgestellt, ist er hiemit unmittelbar das einfache sich selbst +gleiche, ewige _Wesen_, das aber nicht diese abstrakte _Bedeutung_ +des Wesens, sondern die Bedeutung des absoluten Geistes hat. Allein +der Geist ist dies, nicht Bedeutung, nicht das Innre, sondern das +Wirkliche zu sein. Das einfache ewige Wesen daher würde nur dem +leeren Worte nach Geist sein, wenn es bei der Vorstellung und dem +Ausdrucke des einfachen ewigen Wesens bliebe. Das einfache Wesen +aber, weil es die Abstraktion ist, ist es in der Tat das _Negative an +sich selbst_, und zwar die Negativität des Denkens oder sie, wie sie +im _Wesen_ an sich ist; d.h. es ist der absolute _Unterschied_ von +sich, oder sein reines Anderswerden. Als _Wesen_ ist es nur _an +sich_ oder für uns; aber indem diese Reinheit eben die Abstraktion +oder Negativität ist, ist es _für sich selbst_, oder das _Selbst_, +der _Begriff_.--Es ist also _gegenständlich_; und indem die +Vorstellung die soeben ausgesprochne _Notwendigkeit_ des Begriffs als +ein _Geschehen_ auffaßt und ausspricht, so wird gesagt werden, daß +das ewige Wesen sich ein Anderes _erzeugt_. Aber in diesem +Anderssein ist es ebenso unmittelbar in sich zurückgekehrt; denn der +Unterschied ist der Unterschied _an sich_, d.h. er ist unmittelbar +nur von sich selbst unterschieden, er ist also die in sich +zurückgekehrte Einheit. + +Es unterscheiden sich also die drei Momente, des _Wesens_, des +_Für-sich-seins_, welches das Anderssein des Wesens ist und für +welches das Wesen ist, und des _Für-sich-seins_ oder +Sich-selbst-wissens im _Andern_. Das Wesen schaut nur sich selbst in +seinem Für-sich-sein an; es ist in dieser Entäußerung nur bei sich, +das Für-sich-sein, das sich von dem Wesen ausschließt, ist das +_Wissen_ des _Wesens seiner selbst_; es ist das Wort, das +ausgesprochen den Aussprechenden entäußert und ausgeleert zurückläßt, +aber ebenso unmittelbar vernommen ist, und nur dieses sich selbst +Vernehmen ist das Dasein des Wortes. So daß die Unterschiede, die +gemacht sind, ebenso unmittelbar aufgelöst, als sie gemacht, und +ebenso unmittelbar gemacht, als sie aufgelöst sind, und das Wahre und +Wirkliche eben diese in sich kreisende Bewegung ist. + +Diese Bewegung in sich selbst spricht das absolute Wesen als _Geist_ +aus; das absolute Wesen, das nicht als Geist erfaßt wird, ist nur das +abstrakte Leere, so wie der Geist, der nicht als diese Bewegung +erfaßt wird, nur ein leeres Wort ist. Indem seine _Momente_ in ihrer +Reinheit gefaßt werden, sind sie die ruhelosen Begriffe, die nur sind, +ihr Gegenteil an sich selbst zu sein und ihre Ruhe im Ganzen zu +haben. Aber das _Vorstellen_ der Gemeine ist nicht dies +_begreifende_ Denken; sondern hat den Inhalt ohne seine Notwendigkeit, +und bringt statt der Form des Begriffes die natürlichen Verhältnisse +von Vater und Sohn in das Reich des reinen Bewußtseins. Indem es so +im Denken selbst sich _vorstellend_ verhält, ist ihm das Wesen zwar +offenbar, aber die Momente desselben treten ihm um dieser +synthetischen Vorstellung willen teils selbst auseinander, so daß sie +nicht durch ihren eignen Begriff sich aufeinander beziehen, teils +tritt es von diesem seinem reinen Gegenstand zurück, bezieht sich nur +äußerlich auf ihn; er ist ihm von einem Fremden geoffenbart, und in +diesem Gedanken des Geistes erkennt es nicht sich selbst, nicht die +Natur des reinen Selbstbewußtseins. Insofern über die Form des +Vorstellens und jener Verhältnisse, die aus dem Natürlichen +hergenommen sind, und damit besonders auch darüber hinausgegangen +werden muß, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, für +isolierte nichtwankende Substanzen oder Subjekte statt für +übergehende Momente zu nehmen,--ist dies Hinausgehen, wie vorhin bei +einer andern Seite erinnert wurde, für ein Drängen des Begriffes +anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft +mit der Form auch den Inhalt, und, was dasselbe ist, setzt ihn zu +einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstücke der Tradition +herab; hierin ist das rein Äußerliche des Glaubens nur beibehalten, +und damit als ein erkenntnisloses Totes, das _Innerliche_ desselben +aber ist verschwunden, weil dies der Begriff wäre, der sich als +Begriff weiß. + +Der absolute Geist, im _reinen Wesen_ vorgestellt, ist zwar nicht das +_abstrakte_ reine Wesen, sondern dieses ist vielmehr ebendadurch, daß +es im Geiste nur Moment ist, zum _Elemente_ herabgesunken. Die +Darstellung des Geistes aber in diesem Elemente hat denselben Mangel +der Form nach an sich, den das _Wesen_ als Wesen hat. Das Wesen ist +das Abstrakte, und darum das Negative seiner Einfachheit, ein Anderes; +ebenso der _Geist_ im Elemente des Wesens ist die _Form_ der +_einfachen Einheit_, die darum ebenso wesentlich ein Anderswerden ist. +--Oder was dasselbe ist, die Beziehung des ewigen Wesens auf sein +Für-sich-sein ist die unmittelbar-einfache des reinen Denkens; in +diesem _einfachen_ Anschauen seiner selbst im Andern ist also das +_Anderssein_ nicht als solches gesetzt; es ist der Unterschied, wie +er im reinen Denken unmittelbar _kein Unterschied_ ist; ein +Anerkennen _der Liebe_, worin die beiden nicht ihrem Wesen nach sich +_entgegensetzten_.--Der Geist, der im Elemente des reinen Denkens +ausgesprochen ist, ist wesentlich selbst dieses, nicht in ihm nur, +sondern _Wirklicher_ zu sein, denn in seinem Begriffe liegt selbst +das _Anderssein_, d.h. das Aufheben des reinen nur gedachten +Begriffes. + +Das Element des reinen Denkens, weil es das abstrakte ist, ist selbst +vielmehr das _Andre_ seiner Einfachheit, und geht daher in das +eigentliche Element des _Vorstellens_ über,--das Element, worin die +Momente des reinen Begriffes ein _substantielles_ Dasein ebenso +gegeneinander erhalten, als sie _Subjekte_ sind, die nicht für ein +drittes die Gleichgültigkeit des Seins gegeneinander haben, sondern +in sich reflektiert sich selbst voneinander absondern und +entgegenstellen. + +Der also nur ewige oder abstrakte Geist wird sich _ein Anders_ oder +tritt in das Dasein und unmittelbar in das _unmittelbare Dasein_. Er +_erschafft_ also eine _Welt_. Dieses _Erschaffen_ ist das Wort der +Vorstellung für den _Begriff_ selbst nach seiner absoluten Bewegung, +oder dafür, daß das als absolut ausgesagte Einfache oder reine Denken, +weil es das abstrakte ist, vielmehr das Negative und hiemit sich +Entgegengesetzte oder _Andre_ ist;--oder weil, um dasselbe noch in +einer andern Form zu sagen, weil das als _Wesen_ gesetzte die +einfache _Unmittelbarkeit_ oder das _Sein_ ist, aber als +Unmittelbarkeit oder Sein des Selbsts entbehrt und also, der +Innerlichkeit ermangelnd, _passiv_ oder _Sein für Anderes_ ist.--Dies +_Sein für Anderes_ ist zugleich _eine Welt_; der Geist in der +Bestimmung des _Seins für Anderes_ ist das ruhige Bestehen der vorhin +in das reine Denken eingeschlossenen Momente, also die Auflösung +ihrer einfachen Allgemeinheit und das Auseinandergehen derselben in +ihre eigne Besonderheit. + +Die Welt ist aber nicht nur dieser auseinander in die Vollständigkeit +und deren äußere Ordnung geworfene Geist, sondern da er wesentlich +das einfache Selbst ist, ist dieses an ihr ebenso vorhanden; der +_daseiende_ Geist, der das einzelne Selbst ist, welches das +Bewußtsein hat, und sich als Andres oder als Welt von sich +unterscheidet.--Wie dieses einzelne Selbst so unmittelbar erst +gesetzt ist, ist es noch nicht _Geist für sich_; es _ist_ also nicht +_als_ Geist, es kann _unschuldig_, aber nicht wohl _gut_ genannt +werden. Daß es in der Tat Selbst und Geist sei, muß es ebenso, wie +das ewige Wesen sich als die Bewegung in seinem Anderssein sich +selbst gleich zu sein darstellt, zunächst sich selbst ein _Anderes_ +werden. Indem dieser Geist bestimmt ist als erst unmittelbar +daseiend oder als in die Mannigfaltigkeit seines Bewußtseins +zerstreut, so ist sein Anderswerden das _In-sich_-gehen des Wissens +überhaupt. Das unmittelbare Dasein schlägt in den Gedanken, oder das +nur sinnliche Bewußtsein in das Bewußtsein des Gedankens um, und zwar, +weil er der aus der Unmittelbarkeit herkommende oder _bedingte_ +Gedanke ist, ist er nicht das reine Wissen, sondern der Gedanke, der +das Anderssein an ihm hat, und also der sich selbst entgegengesetzte +Gedanke des _Guten_ und _Bösen_. Der Mensch wird so vorgestellt, daß +es _geschehen_ ist, als etwas nicht Notwendiges,--daß er die Form der +Sichselbstgleichheit durch das Pflücken vom Baume des Erkenntnisses +des _Guten_ und _Bösen_ verlor und aus dem Zustande des unschuldigen +Bewußtseins, aus der arbeitlos sich darbietenden Natur und dem +Paradiese, dem Garten der Tiere, vertrieben wurde. + +Indem dies In-sich-gehen des daseienden Bewußtseins sich unmittelbar +als das Sich-selbst-_ungleich_-werden bestimmt, so erscheint das +_Böse_ als das erste Dasein des in sich gegangenen Bewußtseins; und +weil die Gedanken des _Guten_ und _Bösen_ schlechthin +entgegengesetzte und diese Entgegensetzung noch nicht aufgelöst ist, +so ist dies Bewußtsein wesentlich nur das Böse. Zugleich aber ist um +eben dieser Entgegensetzung willen auch das _gute_ Bewußtsein gegen +es vorhanden, und ihr Verhältnis zueinander.--Insofern das +unmittelbare Dasein in den _Gedanken_ umschlägt, und das +_In-sich-sein_ teils selbst Denken, teils das Moment des +_Anderswerdens_ des Wesens damit näher bestimmt ist, so kann das +Bösewerden weiter rückwärts aus der daseienden Welt hinaus schon in +das erste Reich des Denkens verlegt werden. Es kann also gesagt +werden, daß schon der erstgeborne Lichtsohn, als in sich gehend, es +sei, der abgefallen, aber an dessen Stelle sogleich ein anderer +erzeugt worden. Solche bloß der Vorstellung, nicht dem Begriff +angehörige Form wie _Abfallen_, ebenso wie _Sohn_, setzt übrigens die +Momente des Begriffs ebenso umgekehrt in das Vorstellen herab, oder +trägt das Vorstellen in das Reich des Gedankens hinüber.--Ebenso +gleichgültig ist es, dem einfachen Gedanken des _Andersseins_ im +ewigen Wesen noch eine Mannigfaltigkeit anderer Gestalten beizuordnen, +und das _In-sich-gehen_ in diese zu verlegen. Diese Beiordnung muß +darum zugleich gutgeheißen werden, weil dadurch dies Moment des +_Andersseins_, wie es soll, die Verschiedenheit zugleich ausdrückt; +und zwar nicht als Vielheit überhaupt, sondern zugleich als bestimmte +Verschiedenheit, so daß der eine Teil, der Sohn, das einfache sich +selbst als Wesen Wissende ist, der andre Teil aber, die Entäußerung +des Für-sich-seins, die nur im Preise des Wesens lebt; in diesen Teil +kann dann auch wieder das Zurücknehmen des entäußerten Für-sich-seins +und das In-sich-gehen des Bösen gelegt werden. Insofern das +Anderssein in zwei zerfällt, wäre der Geist in seinen Momenten +bestimmter, und wenn sie gezählt werden, als Viereinigkeit, oder weil +die Menge wieder selbst in zwei Teile, nämlich in gut gebliebne und +böse gewordne zerfällt, gar als Fünfeinigkeit ausgedrückt.--Die +Momente aber zu _zählen_ kann überhaupt als unnütz angesehen werden, +indem teils das Unterschiedne selbst ebensosehr nur _eines_ ist, +nämlich eben der _Gedanke_ des Unterschiedes, der nur _ein_ Gedanke +ist, als er _dieses_ Unterschiedne, das zweite gegen das erste ist, +--teils aber, weil der Gedanke, der das Viele in Eines befaßt, aus +seiner Allgemeinheit aufgelöst und in mehr als drei oder vier +Unterschiedne unterschieden werden muß;--welche Allgemeinheit gegen +die absolute Bestimmtheit des abstrakten Eins, des Prinzips der Zahl, +als Unbestimmtheit in der Beziehung auf die Zahl selbst erscheint, so +daß nur von _Zahlen_ überhaupt, d.h. nicht von einer _Anzahl_ der +Unterschiede die Rede sein könnte, also hier überhaupt an Zahl und +ans Zählen zu denken ganz überflüssig, wie auch sonst der bloße +Unterschied der Größe und Menge begrifflos und nichtssagend ist. + +Das _Gute_ und das _Böse_ waren die bestimmten Unterschiede des +Gedankens, die sich ergaben. Indem ihr Gegensatz sich noch nicht +aufgelöst, und sie als Wesen des Gedankens vorgestellt werden, deren +jedes für sich selbstständig ist, so ist der Mensch das wesenlose +Selbst und der synthetische Boden ihres Daseins und Kampfs. Aber +diese allgemeinen Mächte gehören ebensosehr dem Selbst an, oder das +Selbst ist ihre Wirklichkeit. Nach diesem Momente geschieht es also, +daß, wie das Böse nichts anderes ist als das In-sich-gehen des +natürlichen Daseins des Geistes, umgekehrt das Gute in die +Wirklichkeit tritt und als ein daseiendes Selbstbewußtsein erscheint. +--Was im rein gedachten Geiste als das _Anderswerden_ des göttlichen +Wesens überhaupt nur angedeutet ist, tritt hier seiner Realisierung +für das Vorstellen näher; sie besteht ihm in der Selbsterniedrigung +des göttlichen Wesens, das auf seine Abstraktion und Unwirklichkeit +Verzicht tut.--Die andere Seite, das Böse, nimmt das Vorstellen als +ein dem göttlichen Wesen fremdes Geschehen; es in demselben selbst, +_als seinen Zorn_ zu fassen, ist die höchste, härteste Anstrengung +des mit sich selbst ringenden Vorstellens, die, da sie des Begriffs +entbehrt, fruchtlos bleibt. + +Die Entfremdung des göttlichen Wesens ist also auf ihre gedoppelte +Weise gesetzt; das Selbst des Geistes und sein einfacher Gedanke sind +die beiden Momente, deren absolute Einheit der Geist selbst ist; +seine Entfremdung besteht darin, daß sie auseinandertreten und das +eine einen ungleichen Wert gegen das andre hat. Diese Ungleichheit +ist darum die gedoppelte, und es entstehen zwei Verbindungen, deren +gemeinschaftliche Momente die angegebnen sind. In der einen gilt das +_göttliche Wesen_ als das Wesentliche, das natürliche Dasein aber und +das Selbst als das Unwesentliche und Aufzuhebende; in der andern gilt +dagegen das _Für-sich-sein_ als das Wesentliche, und das einfache +Göttliche als das unwesentliche. Ihre noch leere Mitte ist das +_Dasein_ überhaupt, die bloße Gemeinschaftlichkeit der beiden Momente +derselben. + +Die Auflösung dieses Gegensatzes geschieht nicht sowohl durch den +Kampf der beiden, die als getrennte und selbstständige Wesen +vorgestellt sind. In ihrer _Selbstständigkeit_ liegt es, daß _an +sich_, durch seinen Begriff, jedes an ihm selbst sich auflösen muß; +der Kampf fällt erst dahin, wo beide aufhören, diese Vermischungen +des Gedankens und des selbstständigen Daseins zu sein, und wo sie nur +als Gedanken einander gegenüberstehen. Denn alsdenn sind sie als +bestimmte Begriffe wesentlich nur in der entgegengesetzten Beziehung; +als selbstständige hingegen haben sie außer der Entgegensetzung ihre +Wesentlichkeit; ihre Bewegung ist also die freie und eigne ihrer +selbst. Wie also die Bewegung beider die Bewegung _an sich_ ist, +weil sie an ihnen selbst zu betrachten ist, so fängt sie auch +dasjenige von beiden an, welches als das Ansichseiende gegen das +andre bestimmt ist. Es wird dies als ein freiwilliges Tun +vorgestellt; aber die Notwendigkeit seiner Entäußerung liegt in dem +Begriffe, daß das Ansichseiende, welches nur im Gegensatze so +bestimmt ist, eben darum nicht wahrhaftes Bestehen hat;--dasjenige +also, dem nicht das Für-sich-sein, sondern das Einfache als das Wesen +gilt, ist es, das sich selbst entäußert, in den Tod geht, und dadurch +das absolute Wesen mit sich selbst versöhnt. Denn in dieser Bewegung +stellt es sich als _Geist_ dar; das abstrakte Wesen ist sich +entfremdet, es hat natürliches Dasein und selbstische Wirklichkeit; +dies sein Anderssein oder seine sinnliche Gegenwart wird durch das +zweite Anderswerden zurückgenommen und als aufgehobne, als +_allgemeine_ gesetzt; dadurch ist das Wesen in ihr sich selbst +geworden; das unmittelbare Dasein der Wirklichkeit hat aufgehört, ein +ihm fremdes oder äußerliches zu sein, indem es aufgehobnes, +allgemeines ist; dieser Tod ist daher sein Erstehen als Geist. + +Die aufgehobne unmittelbare Gegenwart des selbstbewußten Wesens ist +es als allgemeines Selbstbewußtsein; dieser Begriff des aufgehobnen +einzelnen Selbsts, das absolutes Wesen ist, drückt daher unmittelbar +die Konstituierung einer Gemeinde aus, die, bisher im Vorstellen +verweilend, itzt in sich als in das Selbst zurückkehrt; und der Geist +geht somit aus dem zweiten Elemente seiner Bestimmung, dem Vorstellen, +in das _dritte_, das Selbstbewußtsein als solches über.--Betrachten +wir noch die Art, wie jenes Vorstellen sich in seinem Fortgange +benimmt, so sehen wir zuerst dies ausgedrückt, daß das göttliche +Wesen die menschliche Natur annimmt. Darin ist es schon +_ausgesprochen_, daß _an sich_ beide nicht getrennt sind;--wie darin, +daß das göttliche Wesen sich selbst _von Anfang_ entäußert, sein +Dasein in sich geht und böse wird, es nicht ausgesprochen, aber darin +_enthalten_ ist, daß _an sich_ dies böse Dasein nicht ein ihm Fremdes +ist; das absolute Wesen hätte nur diesen leeren Namen, wenn es in +Wahrheit ein ihm _Anderes_, wenn es einen _Abfall_ von ihm gäbe;--das +Moment des _In-sich-seins_ macht vielmehr das wesentliche Moment des +_Selbsts_ des Geistes aus.--Daß das _In-sich-sein_ und damit erst +_Wirklichkeit_ dem Wesen selbst angehöre, dies, was für uns _Begriff_ +ist, und insofern es Begriff ist, erscheint dem vorstellenden +Bewußtsein als ein unbegreifliches _Geschehen_; das _An-sich_ nimmt +die Form des _gleichgültigen Seins_ für es an. Der Gedanke aber, daß +jene sich zu fliehen scheinende Momente, des absoluten Wesens und des +fürsichseienden Selbsts, nicht getrennt sind, erscheint diesem +Vorstellen _auch_--denn es besitzt den wahren Inhalt--, aber nachher, +in der Entäußerung des göttlichen Wesens, das Fleisch wird. Diese +Vorstellung, die auf diese Weise noch _unmittelbar_ und daher nicht +geistig ist, oder die menschliche Gestalt des Wesens nur erst als +eine besondre, noch nicht allgemeine weiß, wird für dies Bewußtsein +geistig in der Bewegung des gestalteten Wesens sein unmittelbares +Dasein wieder aufzuopfern und zum Wesen zurückzukehren; das Wesen als +_in sich reflektiertes_ ist erst der Geist.--Die _Versöhnung_ des +göttlichen Wesens mit dem _Andern_ überhaupt und bestimmt mit dem +_Gedanken_ desselben, dem _Bösen_, ist also hierin vorgestellt.--Wenn +diese Versöhnung nach _ihrem Begriffe_ so ausgedrückt wird, daß sie +darin bestehe, weil _an sich_ das _Böse dasselbe_ sei, was das _Gute_, +oder auch das göttliche Wesen _dasselbe_, was die Natur in ihrem +ganzen Umfange, so wie die Natur getrennt vom göttlichen Wesen nur +das _Nichts_,--so ist dies als eine ungeistige Weise sich +auszudrücken anzusehen, die notwendig Mißverständnisse erwecken muß. +--Indem das Böse _dasselbe_ ist, was das Gute, ist eben das Böse +nicht Böses noch das Gute Gutes, sondern beide sind vielmehr +aufgehoben, das Böse überhaupt das insichseiende Für-sich-sein und +das Gute das selbstlose Einfache. Indem so beide nach ihrem Begriffe +ausgesprochen werden, erhellt zugleich ihre Einheit; denn das +insichseiende Für-sich-sein ist das einfache Wissen; und das +selbstlose Einfache ist ebenso das reine in sich seiende +Für-sich-sein.--Sosehr daher gesagt werden muß, daß nach diesem ihrem +Begriffe das Gute und Böse, d.h. insofern sie nicht das Gute und das +Böse sind, _dasselbe_ seien, ebensosehr muß also gesagt werden, daß +sie _nicht_ dasselbe, sondern schlechthin _verschieden_ sind, denn +das einfache Für-sich-sein oder auch das reine Wissen sind +gleicherweise die reine Negativität oder der absolute Unterschied an +ihnen selbst.--Erst diese beiden Sätze vollenden das Ganze, und dem +Behaupten und Versichern des ersten muß mit unüberwindlicher +Hartnäckigkeit das Festhalten an dem andern gegenübertreten; indem +beide gleich recht haben, haben beide gleich unrecht, und ihr Unrecht +besteht darin, solche abstrakte Formen, wie _dasselbe_ und _nicht +dasselbe_, die _Identität_ und die _Nichtidentität_ für etwas Wahres, +Festes, Wirkliches zu nehmen und auf ihnen zu beruhen. Nicht das +eine oder das andre hat Wahrheit, sondern eben ihre Bewegung, daß das +einfache Dasselbe die Abstraktion und damit der absolute Unterschied, +dieser aber als Unterschied an sich, von sich selbst unterschieden +also die Sichselbstgleichheit ist. Ebendies ist der Fall mit der +_Dieselbigkeit_ des göttlichen Wesens und der Natur überhaupt und der +menschlichen insbesondre; jenes ist Natur, insofern es nicht Wesen +ist; diese ist göttlich nach ihrem Wesen;--aber es ist der Geist, +worin beide abstrakte Seiten, wie sie in Wahrheit sind, nämlich als +_aufgehobne_ gesetzt sind,--ein Setzen, das nicht durch das Urteil +und das geistlose _Ist_, die Kopula desselben, ausgedrückt werden +kann.--Ebenso ist die Natur _nichts außer_ ihrem Wesen; aber dies +Nichts selbst _ist_ ebensosehr; es ist die absolute Abstraktion, also +das reine Denken oder In-sich-sein, und mit dem Momente seiner +Entgegensetzung gegen die geistige Einheit ist es das _Böse_. Die +Schwierigkeit, die in diesen Begriffen stattfindet, ist allein das +Festhalten am _Ist_ und das Vergessen des Denkens, worin die Momente +ebenso _sind_ als _nicht sind_,--nur die Bewegung sind, die der Geist +ist.--Diese geistige Einheit oder die Einheit, worin die Unterschiede +nur als Momente oder als aufgehobne sind, ist es, die für das +vorstellende Bewußtsein in jener Versöhnung geworden, und indem sie +die Allgemeinheit des Selbstbewußtseins ist, hat dieses aufgehört, +vorstellendes zu sein; die Bewegung ist in es zurückgegangen. + +Der Geist ist also in dem dritten Elemente, im _allgemeinen +Selbstbewußtsein_ gesetzt; er ist seine _Gemeinde_. Die Bewegung der +Gemeinde als des Selbstbewußtseins, das sich von seiner Vorstellung +unterscheidet, ist, das _hervorzubringen_, was _an sich_ geworden ist. +Der gestorbne göttliche Mensch oder menschliche Gott ist _an sich_ +das allgemeine Selbstbewußtsein; er hat dies _für dies +Selbstbewußtsein_ zu werden. Oder indem es die _eine_ Seite des +Gegensatzes der Vorstellung ausmacht, nämlich die böse, der das +natürliche Dasein und das einzelne Für-sich-sein als das Wesen gilt, +so hat diese, die als selbstständig, noch nicht als Moment +vorgestellt ist, um ihrer Selbstständigkeit willen an und für sie +selbst sich zum Geiste zu erheben, oder die Bewegung desselben an ihr +darzustellen. + +Sie _ist_ der _natürliche Geis_t; das Selbst hat aus dieser +Natürlichkeit sich zurückzuziehen und in sich zu gehen, das hieße, +_böse_ zu werden. Aber sie ist schon _an sich_ böse; das +In-sich-gehen besteht daher darin, _sich zu überzeugen_, daß das +natürliche Dasein das Böse ist. In das vorstellende Bewußtsein fällt +das _daseiende_ Bösewerden und Bösesein der Welt, so wie die +_daseiende_ Versöhnung des absoluten Wesens; in das +_Selbstbewußtsein_ aber als solches fällt der Form nach dieses +Vorgestellte nur als aufgehobnes Moment, denn das _Selbst_ ist das +Negative; also das _Wissen_--ein Wissen, das ein reines Tun des +Bewußtseins in sich selbst ist.--An dem Inhalte muß dies Moment des +_Negativen_ gleichfalls sich ausdrücken. Indem nämlich das Wesen _an +sich_ mit sich schon versöhnt und geistige Einheit ist, worin die +Teile der Vorstellung _aufgehobne_ oder _Momente_ sind, so stellt +sich dies dar, daß jeder Teil der Vorstellung hier die +_entgegengesetzte_ Bedeutung erhält, als er vorher hatte; jede +Bedeutung vervollständigt sich dadurch an der andern, und der Inhalt +ist erst dadurch ein geistiger; indem die Bestimmtheit ebensosehr +ihre entgegengesetzte ist, ist die Einheit im Anderssein, das +Geistige, vollendet; wie sich für uns oder _an sich_ vorhin die +entgegengesetzten Bedeutungen vereinigten, und selbst die abstrakten +Formen des _Desselben_ und des _Nichtdesselben_, der _Identität_ und +_Nichtidentität_ aufhoben. + +Wenn also in dem vorstellenden Bewußtsein das _Innerlichwerden_ des +natürlichen Selbstbewußtseins das _daseiende Böse_ war, so ist das +_Innerlichwerden_ im Elemente des Selbstbewußtseins das _Wissen_ von +_dem Bösen_ als einem solchen, das _an sich_ im Dasein ist. Dies +Wissen ist also allerdings ein Bösewerden, aber nur Werden des +_Gedankens_ des _Bösen_, und ist darum als das erste Moment der +Versöhnung anerkannt. Denn als ein Zurückgehen in sich aus der +Unmittelbarkeit der Natur, die als das Böse bestimmt ist, ist es ein +Verlassen derselben und das Absterben der Sünde. Nicht das +natürliche Dasein als solches wird von dem Bewußtsein verlassen, +sondern es zugleich als ein solches, das als Böses gewußt wird. Die +unmittelbare Bewegung des _In-sich-gehens_ ist ebensosehr eine +vermittelte;--sie setzt sich selbst voraus oder ist ihr eigner Grund; +der Grund des In-sich-gehens ist nämlich, weil die Natur schon an +sich in sich gegangen ist; um des Bösen willen muß der Mensch in sich +gehen, aber das _Böse_ ist selbst das In-sich-gehen.--Diese erste +Bewegung ist eben darum selbst nur die unmittelbare oder ihr +_einfacher Begriff_, weil sie dasselbe, was ihr Grund ist. Die +Bewegung oder das Anderswerden muß daher in seiner eigentlichem Form +erst noch eintreten. + +Außer dieser Unmittelbarkeit ist also die _Vermittlung_ der +Vorstellung notwendig. _An sich_ ist das _Wissen_ von der Natur als +dem unwahren Dasein des Geistes, und diese in sich gewordne +Allgemeinheit des Selbsts die Versöhnung des Geistes mit sich selbst. +Dies _An-sich_ erhält für das nicht begreifende Selbstbewußtsein die +Form eines _Seienden_ und _ihm Vorgestellten_. Das Begreifen also +ist ihm nicht ein Ergreifen dieses Begriffes, der die aufgehobne +Natürlichkeit als allgemeine also als mit sich selbst versöhnte weiß, +sondern ein Ergreifen jener _Vorstellung_, daß durch das _Geschehen_ +der eignen Entäußerung des göttlichen Wesens, durch seine geschehene +Menschwerdung und seinen Tod das göttliche Wesen mit seinem Dasein +versöhnt ist.--Das Ergreifen dieser Vorstellung drückt nun bestimmter +dasjenige aus, was vorhin in ihr das geistige Auferstehen genannt +wurde, oder das Werden seines einzelnen Selbstbewußtseins zum +Allgemeinen oder zur Gemeinde.--Der _Tod_ des göttlichen Menschen +_als Tod_ ist die _abstrakte_ Negativität, das unmittelbare Resultat +der Bewegung, die nur in die _natürliche_ Allgemeinheit sich endigt. +Diese natürliche Bedeutung verliert er im geistigen Selbstbewußtsein, +oder er wird sein soeben angegebner Begriff; der Tod wird von dem, +was er unmittelbar bedeutet, von dem Nichtsein _dieses Einzelnen_ +verklärt zur _Allgemeinheit_ des Geistes, der in seiner Gemeine lebt, +in ihr täglich stirbt und aufersteht. + +Dasjenige, was dem Elemente der _Vorstellung_ angehört, daß der +absolute Geist als _ein einzelner_ oder vielmehr als ein _besonderer_ +an seinem Dasein die Natur des Geistes vorstellt, ist also hier in +das Selbstbewußtsein selbst versetzt, in das in seinem _Anderssein_ +sich erhaltende Wissen; dies _stirbt_ daher nicht wirklich, wie der +_Besondere vorgestellt_ wird, _wirklich_ gestorben zu sein, sondern +seine Besonderheit erstirbt in seiner Allgemeinheit, das heißt, in +seinem _Wissen_, welches das sich mit sich versöhnende Wesen ist. +Das zunächst vorhergehende _Element des Vorstellens_ ist also hier +als aufgehobnes gesetzt, oder es ist in das Selbst, in seinen Begriff, +zurückgegangen; das in jenem nur Seiende ist zum Subjekte geworden. +--Eben damit ist auch das _erste Element, das reine Denken_ und der +in ihm ewige Geist nicht mehr jenseits des vorstellenden Bewußtseins +noch des Selbsts, sondern die Rückkehr des Ganzen in sich ist eben +dies, alle Momente in sich zu enthalten.--Der vom Selbst ergriffne +Tod des Mittlers ist das Aufheben seiner _Gegenständlichkeit_ oder +seines _besondern Für-sich-seins_; dies _besondre_ Für-sich-sein ist +allgemeines Selbstbewußtsein geworden.--Auf der andern Seite ist das +_Allgemeine_ eben dadurch Selbstbewußtsein, und der reine oder +unwirkliche Geist des bloßen Denkens _wirklich_ geworden.--Der Tod +des Mittlers ist Tod nicht nur der _natürlichen Seite_ desselben oder +seines besondern Für-sich-seins, es stirbt nicht nur die vom Wesen +abgezogne schon tote Hülle, sondern auch die _Abstraktion_ des +göttlichen Wesens. Denn er ist, insofern sein Tod die Versöhnung +noch nicht vollendet hat, das Einseitige, welches das Einfache des +Denkens als das _Wesen_ weiß im Gegensatze gegen die Wirklichkeit; +dies Extrem des Selbsts hat noch nicht gleichen Wert mit dem Wesen; +dies hat das Selbst erst im Geiste. Der Tod dieser Vorstellung +enthält also zugleich den Tod der _Abstraktion des göttlichen Wesens_, +das nicht als Selbst gesetzt ist. Er ist das schmerzliche Gefühl +des unglücklichen Bewußtseins, daß _Gott selbst gestorben_ ist. +Dieser harte Ausdruck ist der Ausdruck des innersten +Sich-einfach-wissens, die Rückkehr des Bewußtseins in die Tiefe der +Nacht des Ich = Ich, die nichts außer ihr mehr unterscheidet und weiß. +Dies Gefühl ist also in der Tat der Verlust der _Substanz_ und +ihres Gegenübertretens gegen das Bewußtsein; aber zugleich ist es die +reine _Subjektivität_ der Substanz, oder die reine Gewißheit seiner +Selbst, die ihr als dem Gegenstände oder dem Unmittelbaren oder dem +reinen Wesen fehlte. Dies Wissen also ist die _Begeistung_, wodurch +die Substanz Subjekt, ihre Abstraktion und Leblosigkeit gestorben, +sie also _wirklich_ und einfaches und allgemeines Selbstbewußtsein +geworden ist. + +So ist also der Geist _sich selbst_ wissender Geist; er weiß _sich_, +das, was ihm Gegenstand ist, ist, oder seine Vorstellung ist der +wahre absolute _Inhalt_; er drückt, wie wir sahen, den Geist selbst +aus. Er ist zugleich nicht nur _Inhalt_ des Selbstbewußtseins und +nicht nur _für es_ Gegenstand, sondern er ist auch _wirklicher Geist_. +Er ist dies, indem er die drei Elemente seiner Natur durchlauft; +diese Bewegung durch sich selbst hindurch macht seine Wirklichkeit +aus;--was sich bewegt, ist er, er ist das Subjekt der Bewegung, und +er ist ebenso _das Bewegen_ selbst, oder die Substanz, durch welche +das Subjekt hindurchgeht. Wie uns der Begriff des Geistes geworden +war, als wir in die Religion eintraten, nämlich als die Bewegung des +seiner selbst gewissen Geistes, der dem Bösen verzeiht und darin +zugleich von seiner eignen Einfachheit und harten Unwandelbarkeit +abläßt, oder die Bewegung, daß das absolut _Entgegengesetzte_ sich +als _dasselbe_ erkennt und dies Erkennen als das _Ja_ zwischen diesen +Extremen hervorbricht,--diesen Begriff _schaut_ das religiöse +Bewußtsein, dem das absolute Wesen offenbar, _an_, und hebt die +_Unterscheidung_ seines _Selbsts_ von seinem _Angeschauten_ auf, ist +wie es das Subjekt ist, so auch die Substanz, und _ist_ also selbst +der Geist, eben weil und insofern es diese Bewegung ist. + +Vollendet aber ist diese Gemeinde noch nicht in diesem ihrem +Selbstbewußtsein; ihr Inhalt ist überhaupt in der Form des +_Vorstellens_ für sie, und diese Entzweiung hat auch die _wirkliche +Geistigkeit_ derselben, ihre Rückkehr aus ihrem Vorstellen, noch an +ihr, wie das Element des reinen Denkens selbst damit behaftet war. +Sie hat nicht auch das Bewußtsein über das, was sie ist; sie ist das +geistige Selbstbewußtsein, das sich nicht als dieses Gegenstand ist, +oder sich nicht zum Bewußtsein seiner selbst aufschließt; sondern +insofern sie Bewußtsein ist, hat sie Vorstellungen, die betrachtet +wurden.--Wir sehen das Selbstbewußtsein auf seinem letzten +Wendungspunkte sich _innerlich_ werden und zum _Wissen_ des +_In-sich-seins_ gelangen; wir sehen es sein natürliches Dasein +entäußern, und die reine Negativität gewinnen. Aber die _positive_ +Bedeutung, daß nämlich diese Negativität oder reine _Innerlichkeit_ +des _Wissens_ ebensosehr das _sichselbstgleiche Wesen_ ist, oder daß +die Substanz hierin dazu gelangt, absolutes Selbstbewußtsein zu sein, +dies ist ein _Anderes_ für das andächtige Bewußtsein. Es ergreift +diese Seite, daß das reine Innerlichwerden des Wissens _an sich_ die +absolute Einfachheit oder die Substanz ist, als die Vorstellung von +etwas, das nicht dem _Begriffe_ nach so ist, sondern als die Handlung +einer _fremden_ Genugtuung. Oder es ist nicht dies für es, daß diese +Tiefe des reinen Selbsts die Gewalt ist, wodurch das _abstrakte +Wesen_ aus seiner Abstraktion herabgezogen und durch die Macht dieser +reinen Andacht zum Selbst erhoben wird.--Das Tun des Selbsts behält +dadurch diese negative Bedeutung gegen es, weil die Entäußerung der +Substanz von ihrer Seite ein _An-sich_ für jenes ist, das es nicht +ebenso erfaßt und begreift, oder nicht in _seinem_ Tun als solchem +findet.--Indem _an sich_ diese Einheit des Wesens und des Selbsts +zustande gekommen, so hat das Bewußtsein auch noch diese +_Vorstellung_ seiner Versöhnung, aber als Vorstellung. Es erlangt +die Befriedigung dadurch, daß es seiner reinen Negativität die +positive Bedeutung der Einheit seiner mit dem Wesen _äußerlich_ +hinzufügt; seine Befriedigung bleibt also selbst mit dem Gegensatze +eines Jenseits behaftet. Seine eigne Versöhnung tritt daher als ein +_Fernes_ in sein Bewußtsein ein, als ein Fernes der _Zukunft_, wie +die Versöhnung, die das andere _Selbst_ vollbrachte, als eine Ferne +der _Vergangenheit_ erscheint. So wie der _einzelne_ göttliche +Mensch einen _ansich_seienden Vater und nur eine _wirkliche_ Mutter +hat, so hat auch der allgemeine göttliche Mensch, die Gemeinde, ihr +_eignes Tun_ und _Wissen_ zu ihrem Vater, zu ihrer Mutter aber die +_ewige Liebe_, die sie nur _fühlt_, nicht aber in ihrem Bewußtsein +als wirklichen unmittelbaren _Gegenstand_ anschaut. Ihre Versöhnung +ist daher in ihrem Herzen, aber mit ihrem Bewußtsein noch entzweit, +und ihre Wirklichkeit noch gebrochen. Was als das _An-sich_ oder die +Seite der _reinen Vermittlung_ in ihr Bewußtsein tritt, ist die +jenseits liegende Versöhnung; was aber als _gegenwärtig_, als die +Seite der _Unmittelbarkeit_ und des _Daseins_, ist die Welt, die ihre +Verklärung noch zu gewarten hat. Sie ist wohl _an sich_ versöhnt mit +dem Wesen; und vom _Wesen_ wird wohl gewußt, daß es den Gegenstand +nicht mehr als sich entfremdet erkennt, sondern in seiner Liebe als +sich gleich. Aber für das Selbstbewußtsein hat diese unmittelbare +Gegenwart noch nicht Geistsgestalt. Der Geist der Gemeinde ist so in +seinem unmittelbaren Bewußtsein getrennt von seinem religiösen, das +zwar es ausspricht, daß sie _an sich_ nicht getrennt seien, aber ein +_An-sich_, das nicht realisiert, oder noch nicht ebenso absolutes +Für-sich-sein geworden. + + + +VIII. Das absolute Wissen + +Der Geist der offenbaren Religion hat sein Bewußtsein als solches +noch nicht überwunden, oder, was dasselbe ist, sein wirkliches +Selbstbewußtsein ist nicht der Gegenstand seines Bewußtseins; er +selbst überhaupt und die in ihm sich unterscheidenden Momente fallen +in das Vorstellen und in die Form der Gegenständlichkeit. Der +_Inhalt_ des Vorstellens ist der absolute Geist; und es ist allein +noch um das Aufheben dieser bloßen Form zu tun, oder vielmehr weil +sie dem _Bewußtsein als solchem_ angehört, muß ihre Wahrheit schon in +den Gestaltungen desselben sich ergeben haben.--Diese Überwindung des +Gegenstandes des Bewußtseins ist nicht als das einseitige zu nehmen, +daß er sich als in das Selbst zurückkehrend zeigte, sondern +bestimmter so, daß er sowohl als solcher sich ihm als verschwindend +darstellte, als noch vielmehr, daß die Entäußerung des +Selbstbewußtseins es ist, welche die Dingheit setzt, und daß diese +Entäußerung nicht nur negative, sondern positive Bedeutung, sie nicht +nur für uns oder an sich, sondern für es selbst hat. _Für es_ hat das +Negative des Gegenstandes oder dessen Sich-selbst-aufheben dadurch +die positive Bedeutung, oder es _weiß_ diese Nichtigkeit desselben +dadurch einerseits, daß es sich selbst entäußert,--denn in dieser +Entäußerung setzt es _sich_ als Gegenstand, oder den Gegenstand um +der untrennbaren Einheit des _Für-sich-seins_ willen als sich selbst. +Andererseits liegt hierin zugleich dies andre Moment, daß es diese +Entäußerung und Gegenständlichkeit ebensosehr auch aufgehoben und in +sich zurückgenommen hat, also in _seinem_ Anderssein als solchem bei +sich ist.--Dies ist die Bewegung des _Bewußtseins_, und dieses ist +darin die Totalität seiner Momente.--Es muß sich ebenso zu dem +Gegenstande nach der Totalität seiner Bestimmungen verhalten, und ihn +nach jeder derselben so erfaßt haben. Diese Totalität seiner +Bestimmungen macht _ihn an sich_ zum geistigen Wesen, und für das +Bewußtsein wird er dies in Wahrheit durch das Auffassen einer jeden +einzelnen derselben, als des Selbsts, oder durch das obengenannte +geistige Verhalten zu ihnen. + +Der Gegenstand ist also teils _unmittelbares_ Sein, oder ein Ding +überhaupt, was dem unmittelbaren Bewußtsein entspricht; teils ein +Anderswerden seiner, sein Verhältnis, oder _Sein für Anderes_ und +_Für-sich-sein_, die Bestimmtheit, was der _Wahrnehmung_; teils +_Wesen_ oder als Allgemeines, was dem Verstande entspricht. Er ist, +als Ganzes, der Schluß oder die Bewegung des Allgemeinen durch die +Bestimmung zur Einzelnheit, wie die umgekehrte, von der Einzelnheit +durch sie als aufgehobne oder die Bestimmung zum Allgemeinen.--Nach +diesen drei Bestimmungen also muß das Bewußtsein ihn als sich selbst +wissen. Es ist dies jedoch nicht das Wissen als reines Begreifen des +Gegenstandes, von dem die Rede ist; sondern dies Wissen soll nur in +seinem Werden oder in seinen Momenten nach der Seite aufgezeigt +werden, die dem Bewußtsein als solchem angehört, und die Momente des +eigentlichen Begriffes oder reinen Wissens in der Form von +Gestaltungen des Bewußtseins. Darum erscheint der Gegenstand im +Bewußtsein als solchem noch nicht als die geistige Wesenheit, wie sie +von uns soeben ausgesprochen wurde, und sein Verhalten zu ihm ist +nicht die Betrachtung desselben in dieser Totalität als solcher, noch +in ihrer reinen Begriffsform, sondern teils Gestalt des Bewußtseins +überhaupt, teils eine Anzahl solcher Gestalten, die _wir_ +zusammennehmen, und in welchen die Totalität der Momente des +Gegenstandes und des Verhaltens des Bewußtseins nur aufgelöst in ihre +Momente aufgezeigt werden kann. + +Es ist hiemit für diese Seite des Erfassens des Gegenstandes, wie es +in der Gestalt des Bewußtseins ist, nur an die frühem Gestalten +desselben zu erinnern, die schon vorgekommen sind.--In Ansehung des +Gegenstandes also, insofern er unmittelbar, ein _gleichgültiges Sein_ +ist, so sahen wir die beobachtende Vernunft in diesem gleichgültigen +Dinge sich selbst _suchen_ und _finden_, d.h. ihres Tuns als eines +ebenso äußerlichen sich bewußt sein, als sie des Gegenstands nur als +eines unmittelbaren bewußt ist.--Wir sahen auch auf ihrer Spitze ihre +Bestimmung in dem unendlichen Urteile aussprechen, daß das _Sein des +Ich ein Ding ist_. _-_ Und zwar ein sinnliches unmittelbares Ding: +wenn Ich _Seele_ genannt wird, so ist es zwar auch als Ding +vorgestellt, aber als ein unsichtbares, unfehlbares u.s.f., in der +Tat also nicht als unmittelbares Sein, und nicht als das, was man +unter einem Dinge meint.--Jenes Urteil, so genommen, wie es +unmittelbar lautet, ist es geistlos oder vielmehr das Geistlose +selbst. Seinem _Begriffe_ nach aber ist es in der Tat das +Geistreichste, und dieses _Innre_ desselben, das an ihm noch nicht +_vorhanden_ ist, ist es, was die beiden andern zu betrachtenden +Momente aussprechen. + +_Das Ding ist Ich_; in der Tat ist in diesem unendlichen Urteile das +Ding aufgehoben; es ist nichts an sich; es hat nur Bedeutung im +Verhältnisse, nur _durch Ich_ und _seine Beziehung_ auf dasselbe. +--Dies Moment hat sich für das Bewußtsein in der reinen Einsicht und +Aufklärung ergeben. Die Dinge sind schlechthin _nützlich_, und nur +nach ihrer Nützlichkeit zu betrachten.--Das _gebildete_ +Selbstbewußtsein, das die Welt des sich entfremdeten Geistes +durchlaufen, hat durch seine Entäußerung das Ding als sich selbst +erzeugt, behält daher in ihm noch sich selbst, und weiß die +Unselbstständigkeit desselben, oder daß das Ding _wesentlich_ nur +_Sein für Anderes_ ist; oder vollständig das _Verhältnis_, d.h. das, +was die Natur des Gegenstandes hier allein ausmacht, ausgedrückt, so +gilt ihm das Ding als ein _fürsichseiendes_, es spricht die sinnliche +Gewißheit als absolute Wahrheit aus, aber dies _Für-sich-sein_ selbst +als Moment, das nur verschwindet, und in sein Gegenteil, in das +preisgegebne Sein für anderes übergeht. + +Hierin ist aber das Wissen des Dinges noch nicht vollendet; es muß +nicht nur nach der Unmittelbarkeit des Seins und nach der +Bestimmtheit, sondern auch als _Wesen_ oder _Inneres_, als das Selbst +gewußt werden. Dies ist in dem _moralischen Selbstbewußtsein_ +vorhanden. Dies weiß sein Wissen als die _absolute Wesenheit_, oder +das _Sein_ schlechthin als den reinen Willen oder Wissen; es _ist_ +nichts als nur dieser Willen und Wissen; anderem kommt nur +unwesentliches Sein, d.h. nicht _ansich_seiendes, nur seine leere +Hülse zu. Insofern das moralische Bewußtsein das _Dasein_ in seiner +Weltvorstellung aus dem Selbst entläßt, nimmt es dasselbe ebensosehr +wieder in sich zurück. Als Gewissen ist es endlich nicht mehr dieses +noch abwechselnde Stellen und Verstellen des Daseins und des Selbsts, +sondern es weiß, daß sein _Dasein_ als solches diese reine Gewißheit +seiner selbst ist; das gegenständliche Element, in welches es als +handelnd sich hinausstellt, ist nichts anderes als das reine Wissen +des Selbsts von sich. + +Dies sind die Momente, aus denen sich die Versöhnung des Geistes mit +seinem eigentlichen Bewußtsein zusammensetzt; sie für sich sind +einzeln, und ihre geistige Einheit allein ist es, welche die Kraft +dieser Versöhnung ausmacht. Das letzte dieser Momente ist aber +notwendig diese Einheit selbst, und verbindet, wie erhellt, sie in +der Tat alle in sich. Der seiner selbst in seinem Dasein gewisse +Geist hat zum Elemente des _Daseins_ nichts anderes als dies Wissen +von sich; das Aussprechen, daß, was er tut, er nach Überzeugung von +der Pflicht tut, diese seine Sprache ist das _Gelten_ seines Handelns. +--Das Handeln ist das erste _ansich_seiende Trennen der Einfachheit +des Begriffs und die Rückkehr aus dieser Trennung. Diese erste +Bewegung schlägt in die zweite um, indem das Element des Anerkennens +sich als _einfaches_ Wissen von der Pflicht gegen den _Unterschied_ +und die _Entzweiung_ setzt, die im Handeln als solchem liegt, und auf +diese Weise eine eiserne Wirklichkeit gegen das Handeln bildet. In +der Verzeihung sahen wir aber, wie diese Härte von sich selbst abläßt, +und sich entäußert. Die Wirklichkeit hat also hier für das +Selbstbewußtsein sowohl als _unmittelbares Dasein_ keine andere +Bedeutung, als das reine Wissen zu sein;--ebenso als _bestimmtes_ +Dasein, oder als Verhältnis, ist das sich Gegenüberstehende ein +Wissen teils von diesem rein einzelnen Selbst, teils von dem Wissen +als allgemeinem. Hierin ist zugleich dies gesetzt, daß das _dritte_ +Moment, die _Allgemeinheit_ oder das _Wesen_ jedem der beiden +gegenüberstehenden nur als _Wissen_ gilt; und den leeren noch übrigen +Gegensatz heben sie endlich ebenso auf, und sind das Wissen des Ich = +Ich; dieses _einzelne_ Selbst, das unmittelbar reines Wissen oder +allgemeines ist. + +Diese Versöhnung des Bewußtseins mit dem Selbstbewußtsein zeigt sich +hiemit von der gedoppelten Seite zustande gebracht, das einemal im +religiösen Geiste, das anderemal im Bewußtsein selbst als solchem. +Sie unterscheiden sich beide so voneinander, daß jene diese +Versöhnung in der Form des _An-sich-seins_, diese in der Form des +_Für-sich-seins_ ist. Wie sie betrachtet worden, fallen sie zunächst +auseinander; das Bewußtsein ist in der Ordnung, in der uns seine +Gestalten vorkamen, teils zu den einzelnen Momenten derselben, teils +zu ihrer Vereinigung längst gekommen, ehe auch die Religion ihrem +Gegenstande die Gestalt des wirklichen Selbstbewußtseins gab. Die +Vereinigung beider Seiten ist noch nicht aufgezeigt; sie ist es, +welche diese Reihe der Gestaltungen des Geistes beschließt; denn in +ihr kommt der Geist dazu, sich zu wissen nicht nur, wie er _an sich_ +oder nach seinem absoluten _Inhalte_, noch nur wie er _für sich_ nach +seiner inhaltslosen Form oder nach der Seite des Selbstbewußtseins, +sondern wie er _an und für sich_ ist. + +Diese Vereinigung aber ist _an sich_ schon geschehen, zwar auch in +der Religion, in der Rückkehr der Vorstellung in das Selbstbewußtsein, +aber nicht nach der eigentlichen Form, denn die religiöse Seite ist +die Seite des _An-sich_, welche der Bewegung des Selbstbewußtseins +gegenübersteht. Die Vereinigung gehört daher dieser andern Seite an, +die im Gegensatze die Seite der Reflexion in sich, also diejenige ist, +die sich selbst und ihr Gegenteil, und nicht nur _an sich_ oder auf +eine allgemeine Weise, sondern _für sich_ oder entwickelt und +unterschieden enthält. Der Inhalt, so wie die andre Seite des +selbstbewußten Geistes, insofern sie die _andre_ Seite ist, ist in +ihrer Vollständigkeit vorhanden und aufgezeigt worden; die +Vereinigung, welche noch fehlt, ist die einfache Einheit des Begriffs. +Dieser ist an der Seite des Selbstbewußtseins selbst auch schon +vorhanden; aber wie er im Vorhergehenden vorgekommen, hat er, wie +alle übrigen Momente die Form, eine _besondere Gestalt_ des +_Bewußtseins_ zu sein.--Er ist also derjenige Teil der Gestalt des +seiner selbst gewissen Geistes, der in seinem Begriffe stehen bleibt, +und die _schöne Seele_ genannt wurde. Sie ist nämlich sein Wissen +von sich selbst, in seiner reinen durchsichtigen Einheit,--das +Selbstbewußtsein, das dieses reine Wissen von dem _reinen +In-sich-sein_ als den Geist weiß,--nicht nur die Anschauung des +Göttlichen, sondern die Selbstanschauung desselben.--Indem dieser +Begriff sich seiner Realisierung entgegengesetzt festhält, ist er die +einseitige Gestalt, deren Verschwinden in leeren Dunst, aber auch +ihre positive Entäußerung und Fortbewegung wir sahen. Durch diese +Realisierung hebt sich das Auf-sich-beharren dieses gegenstandslosen +Selbstbewußtseins, die _Bestimmtheit_ des Begriffs gegen seine +_Erfüllung_ auf; sein Selbstbewußtsein gewinnt die Form der +Allgemeinheit, und was ihm bleibt, ist sein wahrhafter Begriff, oder +der Begriff, der seine Realisierung gewonnen; es ist er in seiner +Wahrheit, nämlich in der Einheit mit seiner Entäußerung;--das Wissen +von dem reinen Wissen, nicht als abstraktem _Wesen_, welches die +Pflicht ist,--sondern von ihm als Wesen, das _dieses_ Wissen, +_dieses_ reine Selbstbewußtsein, das also zugleich wahrhafter +_Gegenstand_ ist, denn er ist das fürsichseiende Selbst. + +Seine Erfüllung gab sich dieser Begriff, einesteils im _handelnden_ +seiner selbst gewissen Geist, andernteils in der _Religion_: in der +letztern gewann er den absoluten _Inhalt als Inhalt_ oder in der Form +der _Vorstellung_, des Andersseins für das Bewußtsein; hingegen in +jener Gestalt ist die Form das Selbst selber, denn sie enthält den +_handelnden_ seiner selbst gewissen Geist, das Selbst führt das Leben +des absoluten Geistes durch. Diese Gestalt ist, wie wir sehen, jener +einfache Begriff, der aber sein ewiges _Wesen_ aufgibt, _da ist_, +oder handelt. Das _Entzweien_ oder Hervortreten hat er an der +_Reinheit des_ Begriffs, denn sie ist die absolute Abstraktion oder +Negativität. Ebenso hat er das Element seiner Wirklichkeit oder des +Seins in ihm, an dem reinen Wissen selbst, denn es ist die einfache +_Unmittelbarkeit_, die ebenso _Sein_ und _Dasein_ als _Wesen_ ist, +jenes das negative Denken, dies das positive Denken selbst. Dies +Dasein ist endlich ebensosehr das aus ihm--wie als Dasein so als +Pflicht--In-sich-reflektiert- oder _Böse-_sein. Dies In-sich-gehen +macht den _Gegensatz_ des _Begriffs_ aus, und ist damit das Auftreten +des _nichthandelnden, nichtwirklichen_ reinen Wissens des Wesens. +Dies sein Auftreten in diesem Gegensatze aber ist die Teilnahme daran; +das reine Wissen des Wesens hat sich _an sich_ seiner Einfachheit +entäußert, denn es ist das _Entzweien_ oder die Negativität, die der +Begriff ist; sofern dies Entzweien das _Für-sich-werden_ ist, ist es +das Böse; sofern es das _An-sich_ ist, ist es das Gutbleibende.--Was +nun zuerst _an sich_ geschieht, ist zugleich _für das Bewußtsein_ und +ebenso selbst gedoppelt, sowohl _für es_, als es sein _Für-sich-sein_ +oder sein eignes Tun ist. Dasselbe, was schon _an sich_ gesetzt ist, +wiederholt sich also itzt als Wissen des Bewußtseins von ihm, und +bewußtes Tun. Jedes läßt für das andere von der Selbstständigkeit +der Bestimmtheit, in der es gegen es auftritt, ab. Dies Ablassen ist +dasselbe Verzichttun auf die Einseitigkeit des Begriffs, das _an +sich_ den Anfang ausmachte, aber es ist nunmehr _sein_ Verzichttun, +so wie der Begriff, auf welchen es Verzicht tut, der seinige ist. +--Jenes _An-sich_ des Anfangs ist als Negativität in Wahrheit +ebensosehr das _vermittelte_; so wie es in Wahrheit ist, _setzt_ es +sich also itzt, und das _Negative_ ist als _Bestimmtheit_ eines jeden +für das andere und an sich das sich selbst aufhebende. Der eine der +beiden Teile des Gegensatzes ist die Ungleichheit des +_In-sich-in-seiner-Einzelnheit-seins_ gegen die Allgemeinheit,--der +andere die Ungleichheit seiner abstrakten Allgemeinheit gegen das +Selbst; jenes stirbt seinem Für-sich-sein ab und entäußert, bekennt +sich; dieses entsagt der Härte seiner abstrakten Allgemeinheit, und +stirbt damit seinem unlebendigen Selbst und seiner unbewegten +Allgemeinheit ab; so daß also jenes durch das Moment der +Allgemeinheit, die Wesen ist, und dieses durch die Allgemeinheit, die +Selbst ist, sich ergänzt hat. Durch diese Bewegung des Handelns ist +der Geist--der so erst Geist ist, daß er _da ist_, sein Dasein in den +_Gedanken_ und dadurch in die absolute _Entgegensetzung_ erhebt, und +aus dieser eben durch sie und in ihr selbst zurückkehrt--als reine +Allgemeinheit des Wissens, welches Selbstbewußtsein ist, als +Selbstbewußtsein, das einfache Einheit des Wissens ist, +hervorgetreten. + +Was also in der Religion _Inhalt_ oder Form des Vorstellens eines +_Andern_ war, dasselbe ist hier eignes _Tun_ des _Selbsts_; der +Begriff verbindet es, daß der _Inhalt_ eignes _Tun_ des _Selbsts_ ist; +--denn dieser Begriff ist, wie wir sehen, das Wissen des Tuns des +Selbsts in sich als aller Wesenheit und alles Daseins, das Wissen von +_diesem Subjekte_ als der _Substanz_, und von der Substanz als diesem +Wissen seines Tuns.--Was wir hier hinzugetan, ist allein teils die +_Versammlung_ der einzelnen Momente, deren jedes in seinem Prinzipe +das Leben des ganzen Geistes darstellt, teils das Festhalten des +Begriffes in der Form des Begriffes, dessen Inhalt sich in jenen +Momenten, und der sich in der Form einer _Gestalt des Bewußtseins_ +schon selbst ergeben hätte. + +Diese letzte Gestalt des Geistes, der Geist, der seinem vollständigen +und wahren Inhalte zugleich die Form des Selbsts gibt, und dadurch +seinen Begriff ebenso realisiert, als er in dieser Realisierung in +seinem Begriffe bleibt, ist das absolute Wissen; es ist der sich in +Geistsgestalt wissende Geist oder das _begreifende Wissen_. Die +_Wahrheit_ ist nicht nur _an sich_ vollkommen der _Gewißheit_ gleich, +sondern hat auch die _Gestalt_ der Gewißheit seiner selbst, oder sie +ist in ihrem Dasein, das heißt, für den wissenden Geist in der _Form_ +des Wissens seiner selbst. Die Wahrheit ist der _Inhalt_, der in der +Religion seiner Gewißheit noch ungleich ist. Diese Gleichheit aber +ist darin, daß der Inhalt die Gestalt des Selbsts erhalten. Dadurch +ist dasjenige zum Elemente des Daseins oder zur _Form der +Gegenständlichkeit_ für das Bewußtsein geworden, was das Wesen selbst +ist; nämlich der _Begriff_. Der Geist in diesem Elemente dem +Bewußtsein _erscheinend_, oder was hier dasselbe ist, darin von ihm +hervorgebracht, _ist die Wissenschaft_. + +Die Natur, Momente und Bewegung dieses Wissens hat sich also so +ergeben, daß es das reine _Für-sich-sein_ des Selbstbewußtseins ist; +es ist Ich, das _dieses_ und kein anderes _Ich_ und das ebenso +unmittelbar _vermittelt_ oder aufgehobenes _allgemeines_ Ich ist.--Es +hat einen _Inhalt_, den es von sich _unterscheidet_; denn es ist die +reine Negativität oder das Sich-entzweien; es ist _Bewußtsein_. +Dieser Inhalt ist in seinem Unterschiede selbst das Ich, denn er ist +die Bewegung des Sich-selbst-aufhebens, oder dieselbe reine +Negativität, die Ich ist. Ich ist in ihm als unterschiedenem in sich +reflektiert; der Inhalt ist allein dadurch _begriffen_, daß Ich in +seinem Anderssein bei sich selbst ist. Dieser Inhalt bestimmter +angegeben, ist er nichts anders als die soeben ausgesprochene +Bewegung selbst; denn er ist der Geist, der sich selbst und zwar _für +sich_ als Geist durchläuft, dadurch, daß er die Gestalt des Begriffes +in seiner Gegenständlichkeit hat. + +Was aber das _Dasein_ dieses Begriffs betrifft, so erscheint in der +Zeit und Wirklichkeit die _Wissenschaft_ nicht eher, als bis der +Geist zu diesem Bewußtsein über sich gekommen ist. Als der Geist, +der weiß, was er ist, existiert er früher nicht, und sonst nirgends +als nach Vollendung der Arbeit, seine unvollkommene Gestaltung zu +bezwingen, sich für sein Bewußtsein die Gestalt seines Wesens zu +verschaffen, und auf diese Weise _sein Selbstbewußtsein_ mit seinem +_Bewußtsein_ auszugleichen.--Der an und für sich seiende Geist in +seinen Momenten unterschieden, ist _fürsich_seiendes Wissen, das +_Begreifen_ überhaupt, das als solches die _Substanz_ noch nicht +erreicht hat oder nicht an sich selbst abolutes Wissen ist. + +In der Wirklichkeit ist nun die wissende Substanz früher da als die +Form oder Begriffsgestalt derselben. Denn die Substanz ist das noch +unentwickelte _An-sich_ oder der Grund und Begriff in seiner noch +unbewegten Einfachheit, also die _Innerlichkeit_ oder das Selbst des +Geistes, das noch nicht _da ist_. Was _da ist_, ist als das noch +unentwickelte Einfache und Unmittelbare, oder der Gegenstand des +_vorstellenden Be_wußtseins überhaupt. Das Erkennen, weil es das +geistige Bewußtsein ist, dem, was _an sich ist_, nur insofern ist, +als es _Sein für_ das _Selbst_ und Sein des _Selbstes_ oder Begriff +ist, hat aus diesem Grunde zuerst nur einen armen Gegenstand, gegen +welchen die Substanz und deren Bewußtsein reicher ist. Die +Offenbarkeit, die sie in diesem hat, ist in der Tat Verborgenheit, +denn sie ist das noch _selbstlose Sein_, und offenbar ist sich nur +die Gewißheit seiner selbst. Zuerst gehören dem _Selbst_bewußtsein +daher von der Substanz nur die _abstrakten Momente_ an; aber indem +diese als die reinen Bewegungen sich selbst weitertreiben, bereichert +es sich, bis es die ganze Substanz dem Bewußtsein entrissen, den +ganzen Bau ihrer Wesenheiten in sich gesogen, und--indem dieses +negative Verhalten zur Gegenständlichkeit ebensosehr positiv, Setzen +ist--sie aus sich erzeugt und damit für das Bewußtsein zugleich +wieder hergestellt hat. In dem _Begriffe_, der sich als Begriff weiß, +treten hiemit die _Momente_ früher auf als das _erfüllte Ganze_, +dessen Werden die Bewegung jener Momente ist. In dem _Bewußtsein_ +dagegen ist das Ganze, aber unbegriffne, früher als die Momente.--Die +_Zeit_ ist der _Begriff_ selbst, der _da ist_ und als leere +Anschauung sich dem Bewußtsein vorstellt; deswegen erscheint der +Geist notwendig in der Zeit, und er erscheint so lange in der Zeit, +als er nicht seinen reinen Begriff _erfaßt_, das heißt, nicht die +Zeit tilgt. Sie ist das _äußere_ angeschaute vom Selbst _nicht +erfaßte_ reine Selbst, der nur angeschaute Begriff; indem dieser sich +selbst erfaßt, hebt er seine Zeitform auf, begreift das Anschauen, +und ist begriffnes und begreifendes Anschauen.--Die Zeit erscheint +daher als das Schicksal und die Notwendigkeit des Geistes, der nicht +in sich vollendet ist,--die Notwendigkeit, den Anteil, den das +Selbstbewußtsein an dem Bewußtsein hat, zu bereichern, die +_Unmittelbarkeit des An-sich_--die Form, in der die Substanz im +Bewußtsein ist--in Bewegung zu setzen oder umgekehrt das An-sich als +das _Innerliche_ genommen, das, was erst _innerlich_ ist, zu +realisieren und zu offenbaren, d.h. es der Gewißheit seiner selbst zu +vindizieren. + +Es muß aus diesem Grunde gesagt werden, daß nichts _gewußt_ wird, was +nicht in der _Erfahrung_ ist, oder, wie dasselbe auch ausgedrückt +wird, was nicht als _gefühlte Wahrheit, als innerlich geoffenbartes_ +Ewiges, als _geglaubtes_ Heiliges, oder welche Ausdrücke sonst +gebraucht werden, vorhanden ist. Denn die Erfahrung ist eben dies, +daß der Inhalt--und er ist der Geist--_an sich_, Substanz und also +_Gegenstand_ des _Bewußtseins_ ist. Diese Substanz aber, die der +Geist ist, ist das _Werden_ seiner zu dem, was er _an sich_ ist; und +erst als dies sich in sich reflektierende Werden ist er an sich in +Wahrheit _der Geist_. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen +ist,--die Verwandlung jenes _An-sichs_ in das _Für-sich_, der +_Substanz_ in das _Subjekt_, des Gegenstands des _Bewußtseins_ in +Gegenstand des _Selbstbewußtseins_, d.h. in ebensosehr aufgehobnen +Gegenstand, oder in den _Begriff_. Sie ist der in sich zurückgehende +Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht. +--Insofern der Geist also notwendig dieses Unterscheiden in sich ist, +tritt sein Ganzes angeschaut seinem einfachen Selbstbewußtsein +gegenüber, und da also jenes das unterschiedene ist, so ist es +unterschieden in seinen angeschauten reinen Begriff, in _die Zeit_, +und in den Inhalt oder in das _An-sich_; die Substanz hat, als +Subjekt, _die erst innere_ Notwendigkeit an ihr, sich an ihr selbst +als das darzustellen, was sie _an sich_ ist, _als Geist._ Die +vollendete gegenständliche Darstellung ist erst zugleich die +Reflexion derselben oder das Werden derselben zum Selbst.--Eh daher +der Geist nicht _an sich_, nicht als Weltgeist sich vollendet, kann +er nicht als _selbstbewußter_ Geist seine Vollendung erreichen. Der +Inhalt der Religion spricht darum früher in der Zeit, als die +Wissenschaft, es aus, was der _Geist ist_, aber diese ist allein sein +wahres Wissen von ihm selbst. + +Die Bewegung, die Form seines Wissens von sich hervorzutreiben, ist +die Arbeit, die er als _wirkliche Geschichte_ vollbringt. Die +religiöse Gemeine, insofern sie zuerst die Substanz des absoluten +Geistes ist, ist das rohe Bewußtsein, das ein um so barbarischeres +und härteres Dasein hat, je tiefer sein innerer Geist ist, und sein +dumpfes Selbst eine um so härtere Arbeit mit seinem Wesen, dem ihm +fremden Inhalte seines Bewußtseins. Erst nachdem es die Hoffnung +aufgegeben, auf eine äußerliche, d.h. fremde Weise das Fremdsein +aufzuheben, wendet es sich, weil die aufgehobne fremde Weise die +Rückkehr ins Selbstbewußtsein ist, an sich selbst, an seine eigne +Welt und Gegenwart, entdeckt sie als sein Eigentum und hat somit den +ersten Schritt getan, aus der _Intellektualwelt_ herabzusteigen, oder +vielmehr deren abstraktes Element mit dem wirklichen Selbst zu +begeisten. Durch die Beobachtung einerseits findet es das Dasein als +Gedanken und begreift dasselbe, und umgekehrt in seinem Denken das +Dasein. Indem es so zunächst die unmittelbare _Einheit_ des +_Denkens_ und _Seins_, des abstrakten Wesens und des Selbsts, selbst +abstrakt ausgesprochen und das erste Lichtwesen _reiner_, nämlich als +Einheit der Ausdehnung und des Seins--denn Ausdehnung ist die dem +reinen Denken gleichere Einfachheit, denn das Licht ist--und hiemit +im Gedanken die _Substanz_ des Aufgangs wieder erweckt hat, schaudert +der Geist zugleich von dieser abstrakten Einheit, von dieser +_selbstlosen_ Substantialität zurück, und behauptet die +Individualität gegen sie. Erst aber nachdem er diese in der Bildung +entäußert, dadurch sie zum Dasein gemacht und in allem Dasein sie +durchgesetzt,--zum Gedanken der Nützlichkeit gekommen, und in der +absoluten Freiheit das Dasein als seinen Willen erfaßt, kehrt er +somit den Gedanken seiner innersten Tiefe heraus, und spricht das +Wesen als Ich = Ich aus. Dies Ich = Ich ist aber die sich in sich +selbst reflektierende Bewegung; denn indem diese Gleichheit als +absolute Negativität der absolute Unterschied ist, so steht die +Sichselbstgleichheit des Ich diesem reinen Unterschiede gegenüber, +der als der reine und zugleich dem sich wissenden Selbst +gegenständliche, als die _Zeit_ auszusprechen ist, so daß wie vorhin +das Wesen als Einheit des Denkens und der Ausdehnung ausgesprochen +wurde, es als Einheit des Denkens und der Zeit zu fassen wäre; aber +der sich selbst überlaßne Unterschied, die ruheund haltlose Zeit +fällt vielmehr in sich selbst zusammen; sie ist die gegenständliche +Ruhe der _Ausdehnung_, diese aber ist die reine Gleichheit mit sich +selbst, das Ich.--Oder Ich ist nicht nur das Selbst, sondern es ist +die _Gleichheit des Selbsts mit sich_; diese Gleichheit aber ist die +vollkommne und unmittelbare Einheit mit sich selbst, oder _dies +Subjekt_ ist ebensosehr _die Substanz._ Die Substanz für sich allein +wäre das inhaltsleere Anschauen oder das Anschauen eines Inhalts, der +als bestimmter nur Akzidentalität hätte, und ohne Notwendigkeit wäre; +die Substanz gälte nur insofern als das Absolute, als sie als die +_absolute Einheit_ gedacht oder angeschaut wäre, und aller Inhalt +müßte nach seiner Verschiedenheit außer ihr in die Reflexion fallen, +die ihr nicht angehört, weil sie nicht Subjekt, nicht das über sich +und sich in sich Reflektierende oder nicht als Geist begriffen wäre. +Wenn doch von einem Inhalte gesprochen werden sollte, so wäre es +teils nur, um ihn in den leeren Abgrund des Absoluten zu werfen, +teils aber wäre er äußerlich aus der sinnlichen Wahrnehmung +aufgerafft; das Wissen schiene zu Dingen, dem Unterschiede von ihm +selbst, und dem Unterschiede mannigfaltiger Dinge gekommen zu sein, +ohne daß man begriffe, wie und woher. + +Der Geist aber hat sich uns gezeigt, weder nur das Zurückziehen des +Selbstbewußtseins in seine reine Innerlichkeit zu sein, noch die +bloße Versenkung desselben in die Substanz und das Nichtsein seines +Unterschiedes, sondern _diese Bewegung_ des Selbsts, das sich seiner +selbst entäußert und sich in seine Substanz versenkt, und ebenso als +Subjekt aus ihr in sich gegangen ist, und sie zum Gegenstande und +Inhalte macht, als es diesen Unterschied der Gegenständlichkeit und +des Inhalts aufhebt. Jene erste Reflexion aus der Unmittelbarkeit +ist das sich Unterscheiden des Subjekts von seiner Substanz, oder der +sich entzweiende Begriff, das In-sich-gehen und Werden des reinen Ich. +Indem dieser Unterschied das reine Tun des Ich = Ich ist, ist der +Begriff die Notwendigkeit und das Aufgehen des _Daseins_, das die +Substanz zu seinem Wesen hat, und für sich besteht. Aber das +Bestehen des Daseins für sich ist der in der Bestimmtheit gesetzte +Begriff und dadurch ebenso seine Bewegung _an ihm selbst_, nieder in +die einfache Substanz zu gehen, welche erst als diese Negativität und +Bewegung Subjekt ist.--Weder hat Ich sich in der _Form_ des +_Selbstbewußtseins_ gegen die Form der Substantialität und +Gegenständlichkeit festzuhalten, als ob es Angst vor seiner +Entäußerung hätte; die Kraft des Geistes ist vielmehr, in seiner +Entäußerung sich selbst gleich zu bleiben, und als das _An-_ und +_Fürsich_seiende, das _Für-sich-sein_ ebensosehr nur als Moment zu +setzen wie das An-sich-sein,--noch ist es ein Drittes, das die +Unterschiede in den Abgrund des Absoluten zurückwirft und ihre +Gleichheit in demselben ausspricht, sondern das Wissen besteht +vielmehr in dieser scheinbaren Untätigkeit, welche nur betrachtet, +wie das Unterschiedne sich an ihm selbst bewegt und in seine Einheit +zurückkehrt. + +In dem Wissen hat also der Geist die Bewegung seines Gestaltens +beschlossen, insofern dasselbe mit dem unüberwundnen Unterschiede des +Bewußtseins behaftet ist. Er hat das reine Element seines Daseins, +den Begriff, gewonnen. Der Inhalt ist nach der _Freiheit_ seines +_Seins_ das sich entäußernde Selbst, oder die _unmittelbare_ Einheit +des Sich-selbst-wissens. Die reine Bewegung dieser Entäußerung macht, +sie am Inhalte betrachtet, die _Notwendigkeit_ desselben aus. Der +verschiedne Inhalt ist als _bestimmter_ im Verhältnisse, nicht an +sich, und seine Unruhe, sich selbst aufzuheben, oder die +_Negativität_; also ist die Notwendigkeit oder Verschiedenheit, wie +das freie Sein, ebenso das Selbst, und in dieser selbstischen _Form_, +worin das Dasein unmittelbar Gedanke ist, ist der Inhalt _Begriff_. +Indem also der Geist den Begriff gewonnen, entfaltet er das Dasein +und Bewegung in diesem Äther seines Lebens, und ist _Wissenschaft_. +Die Momente seiner Bewegung stellen sich in ihr nicht mehr als +bestimmte _Gestalten_ des _Bewußtseins_ dar, sondern indem der +Unterschied desselben in das Selbst zurückgegangen, als _bestimmte +Begriffe_, und als die organische in sich selbst gegründete Bewegung +derselben. Wenn in der Phänomenologie des Geistes jedes Moment der +Unterschied des Wissens und der Wahrheit und die Bewegung ist, in +welcher er sich aufhebt, so enthält dagegen die Wissenschaft diesen +Unterschied und dessen Aufheben nicht, sondern indem das Moment die +Form des Begriffs hat, vereinigt es die gegenständliche Form der +Wahrheit und des wissenden Selbsts in unmittelbarer Einheit. Das +Moment tritt nicht als diese Bewegung auf, aus dem Bewußtsein oder +der Vorstellung in das Selbstbewußtsein und umgekehrt herüber und +hinüber zu gehen, sondern seine reine von seiner Erscheinung im +Bewußtsein befreite Gestalt, der reine Begriff, und dessen +Fortbewegung hängt allein an seiner reinen _Bestimmtheit_. Umgekehrt +entspricht jedem abstrakten Momente der Wissenschaft eine Gestalt des +erscheinenden Geistes überhaupt. Wie der daseiende Geist nicht +reicher ist als sie, so ist er in seinem Inhalte auch nicht ärmer. +Die reinen Begriffe der Wissenschaft in dieser Form von Gestalten des +Bewußtseins zu erkennen, macht die Seite ihrer Realität aus, nach +welcher ihr Wesen, der Begriff, der in ihr in seiner _einfachen_ +Vermittlung als _Denken_ gesetzt ist, die Momente dieser Vermittlung +auseinanderschlägt und nach dem innern Gegensatze sich darstellt. + +Die Wissenschaft enthält in ihr selbst diese Notwendigkeit, der Form +des reinen Begriffs sich zu entäußern, und den Übergang des Begriffes +ins _Bewußtsein_. Denn der sich selbst wissende Geist, eben darum, +daß er seinen Begriff erfaßt, ist er die unmittelbare Gleichheit mit +sich selbst, welche in ihrem Unterschiede die _Gewißheit vom +Unmittelbaren_ ist, oder das _sinnliche Bewußtsein_,--der Anfang, von +dem wir ausgegangen; dieses Entlassen seiner aus der Form seines +Selbsts ist die höchste Freiheit und Sicherheit seines Wissens von +sich. + +Doch ist diese Entäußerung noch unvollkommen; sie drückt die +_Beziehung_ der Gewißheit seiner selbst auf den Gegenstand aus, der +eben darin, daß er in der Beziehung ist, seine völlige Freiheit nicht +gewonnen hat. Das Wissen kennt nicht nur sich, sondern auch das +Negative seiner selbst, oder seine Grenze. Seine Grenze wissen heißt +sich aufzuopfern wissen. Diese Aufopferung ist die Entäußerung, in +welcher der Geist sein Werden zum Geiste, in der Form des _freien +zufälligen Geschehens_ darstellt, sein reines _Selbst_, als _die +Zeit_ außer ihm, und ebenso sein _Sein_ als Raum anschauend. Dieses +sein letzteres Werden, _die Natur_, ist sein lebendiges unmittelbares +Werden; sie, der entäußerte Geist, ist in ihrem Dasein nichts als +diese ewige Entäußerung ihres _Bestehens_ und die Bewegung, die das +_Subjekt_ herstellt. + +Die andere Seite aber seines Werdens, die _Geschichte_, ist das +_wissende_ sich _vermittelnde_ Werden--der an die Zeit entäußerte +Geist; aber diese Entäußerung ist ebenso die Entäußerung ihrer selbst; +das Negative ist das Negative seiner selbst. Dies Werden stellt +eine träge Bewegung und Aufeinanderfolge von Geistern dar, eine +Galerie von Bildern, deren jedes, mit dem vollständigen Reichtume des +Geistes ausgestattet, eben darum sich so träge bewegt, weil das +Selbst diesen ganzen Reichtum seiner Substanz zu durchdringen und zu +verdauen hat. Indem seine Vollendung darin besteht, das, was _er +ist_, seine Substanz, vollkommen zu _wissen_, so ist dies Wissen sein +_In-sich-gehen_, in welchem er sein Dasein verläßt und seine Gestalt +der Erinnerung übergibt. In seinem In-sich-gehen ist er in der Nacht +seines Selbstbewußtseins versunken, sein verschwundnes Dasein aber +ist in ihr aufbewahrt, und dies aufgehobne Dasein--das vorige, aber +aus dem Wissen neugeborne--ist das neue Dasein, eine neue Welt und +Geistesgestalt. In ihr hat er ebenso unbefangen von vornen bei ihrer +Unmittelbarkeit anzufangen und sich von ihr auf wieder großzuziehen, +als ob alles Vorhergehende für ihn verloren wäre und er aus der +Erfahrung der frühern Geister nichts gelernt hätte. Aber die +_Er-Innerung_ hat sie aufbewahrt und ist das Innre und die in der Tat +höhere Form der Substanz. Wenn also dieser Geist seine Bildung, von +sich nur auszugehen scheinend, wieder von vornen anfängt, so ist es +zugleich auf einer höhern Stufe, daß er anfängt. Das Geisterreich, +das auf diese Weise sich in dem Dasein gebildet, macht eine +Aufeinanderfolge aus, worin einer den andern ablöste und jeder das +Reich der Welt von dem vorhergehenden übernahm. Ihr Ziel ist die +Offenbarung der Tiefe, und diese ist _der absolute Begriff_, diese +Offenbarung ist hiemit das Aufheben seiner Tiefe oder seine +_Ausdehnung_, die Negativität dieses insichseienden Ich, welche seine +Entäußerung oder Substanz ist,--und seine _Zeit_, daß diese +Entäußerung sich an ihr selbst entäußert und so in ihrer Ausdehnung +ebenso in ihrer Tiefe, dem Selbst ist. _Das Ziel_, das absolute +Wissen, oder der sich als Geist wissende Geist hat zu seinem Wege die +Erinnerung der Geister, wie sie an ihnen selbst sind und die +Organisation ihres Reiches vollbringen. Ihre Aufbewahrung nach der +Seite ihres freien in der Form der Zufälligkeit erscheinenden Daseins +ist die Geschichte, nach der Seite ihrer begriffnen Organisation aber +die _Wissenschaft_ des _erscheinenden Wissens_; beide zusammen, die +begriffne Geschichte, bilden die Erinnerung und die Schädelstätte des +absoluten Geistes, die Wirklichkeit, Wahrheit und Gewißheit seines +Throns, ohne den er das leblose Einsame wäre; nur-- + + aus dem Kelche dieses Geisterreiches + schäumt ihm seine Unendlichkeit. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Phänomenologie des Geistes, +von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. + + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Phaenomenologie des Geistes, by +Georg Wilhelm Friedrich Hegel + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PHAENOMENOLOGIE DES GEISTES *** + +***** This file should be named 6698-8.txt or 6698-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/6/6/9/6698/ + +Produced by Delphine Lettau and Gutenberg Projekt-DE + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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