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-The Project Gutenberg eBook of Idisa, by Heinrich Langbein
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-using this eBook.
-
-Title: Idisa
- eine thüringisch-fränkische Sage für unsere Jugend
-
-Author: Heinrich Langbein
-
-Illustrator: Wilhelm Scheibe
-
-Release Date: November 23, 2021 [eBook #66797]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDISA ***
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
-[Illustration: Cover]
-
-[Illustration: Bei Schwarzenbrunn.]
-
-
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-
- Idisa,
-
- eine thüringisch-fränkische Sage
- für unsere Schuljugend,
-
- von
-
- Heinrich Langbein.
-
- Titelblatt und Bilder
-
- von
-
- Wilhelm Scheibe.
-
- [Illustration]
-
- Verlag der
- J. F. Albrecht’schen Hofbuchhandlung.
- Coburg 1908.
-
-
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-
-[Illustration]
-
-
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-
-Idisa.
-
-
-Nahe am Zusammenfluß der beiden Quellbäche der Werra bei Schwarzenbrunn
-teilt sich die von Eisfeld kommende Straße in einen nördlichen und
-einen östlichen Arm. Vor vielen hundert Jahren standen dort ein paar
-armselige Holzhütten, deren Bewohner in der nahen Goldwäscherei ihren
-Lebensunterhalt verdienten. Es war zwar herzlich wenig, was dabei
-herauskam, aber die meisten lebten doch mit den Ihren recht glücklich
-und zufrieden. Die Bewohner in dem letzten Häuschen da oben am »wirren«
-Wasser, wie sie es damals nannten, waren die ärmsten. Die bittere Not
-des Lebens hatte an ihrer Wiege gestanden, und es schien, als wollte
-sie ihnen Begleiterin sein bis an das Ende ihrer Tage. Als nun gar
-um die liebe Weihnachtszeit beim Vater das alte Leiden sich wieder
-einstellte, sodaß er gichtbrüchig darniederlag, da war die Not recht
-groß. Von Verdienst war keine Rede, und wenn die Mutter die Kleinsten
-zu Bett brachte und im Vaterunser die Worte sprach: »Unser täglich
-Brot gib uns heute«, rollten ihr die dicken, heißen Tränen über die
-abgehärmten Wangen. Mutter und Kinder hatten den Hunger kennen gelernt.
-Elias, oder wie sie ihn im Dorfe nannten Elis, der größte Knabe,
-verstand wohl die Schmerzen und Sorgen, die am Mutterherzen nagten,
-und tat, was in seinen schwachen Kräften stand, der Mutter hilfreich
-beizustehen. Bald gab es einen Botengang nach Steinheid, wo gegen
-tausend Arbeiter im Goldbergwerk beschäftigt waren, bald sammelte er
-Holz und Reisig für die Nachbarn, die ihm zum Lohn ein Geldstück oder
-ein Abendbrot verabreichten, bald trabte er als junger Klammermann
-durch den tiefen Schnee, um den Hausfrauen im nahen Städtchen
-geschnitzte Holzwaren feil zu bieten. Alles, was er verdiente, brachte
-er treulich der Mutter, und so fristeten die Armen notdürftig ihr
-Leben. Aufs Frühjahr zu ging es mit dem Vater, Gott sei Dank, wieder
-etwas besser, und wenn ihm auch noch lange nicht möglich war, seiner
-Arbeit in der Goldwäscherei nachzugehen, so konnte er doch wenigstens
-einige Stunden während des Tages am Fenster sitzen, oder, wenn die
-Sonne wärmer schien, vor dem Hause auf der Holzbank. Dann sah er vor
-sich den dunkeln, schweigsamen Wald, der da lag wie seine nächste
-Zukunft, und über sich den blauen, lachenden Himmel, -- seine Hoffnung.
-Die beiden Jüngsten waren gern bei ihm und hörten gar andächtig zu,
-wenn er von seinen Wanderfahrten erzählte, von den fremden Ländern und
-Leuten, die er gesehen und kennen gelernt hatte. Am meisten freute sich
-Elis der allmählich wiederkehrenden Gesundheit des Vaters, und jeder
-konnte es ihm anmerken, der ihm auf seinen Wegen begegnete. Frohsinn
-und Lebensfrische glänzten ihm wieder aus den blanken, blauen Augen.
-Spiegelte sich doch in ihnen das reine Kindesherz, das sich über
-jede Besserung im Befinden des Vaters innigst freute, wenn es auch
-genau wußte, der nächste Winter bringt das nächste Leid. Doch wozu
-an den Winter, an Gram und Sorge denken, wenn der Frühling über die
-Berge zieht, wenn der Wald zum Wandern lockt, wenn die ersten Blüten
-zum Gruße freundlich winken. Wie Heim- und Herzweh zieht es Elis zu
-seinen Bergen, zu seinem Wald. An einem schönen Sonntagmorgen sprang
-er hinaus in den kosenden, tosenden Mai. War’s doch, als sängen die
-Vögel alle nur für ihn, und der Kuckuck wollte nicht stille werden,
-ihm seinen Willkomm zuzurufen. Der Knabe hatte von den guten Eltern
-Erlaubnis bekommen, einmal so recht nach Herzenslust ohne besonderen
-Auftrag und, wenn möglich, ohne Gram und Sorge hinauszustreifen zu
-den Schluchten und Bergen des Waldes, der den Saargrund, die Elis
-längst bekannte Straße nach Steinheid, begrenzte. Alle Lieblingsplätze
-des Vaters, an denen sie beide so oft geweilt, wollte er besuchen und
-dann dem Vater erzählen, ob der Winter im Forst viel Schaden getan,
-ob Hirsch und Reh, ob Eichhorn, Häher und Specht gut überwintert, wie
-viel Meiler der »schwarze Martin« angelegt, und ob er im Aprilschnee
-noch irgendwo den Bären gespurt habe, der im Winter im Saargrund
-gesehen worden war, und vieles andere. Vielleicht konnte er auch
-einmal die höchste Spitze des großen Berges besuchen, den sie den Bleß
-nannten, an dessen nördlichem Fuß das »wirre« Wasser dahin rauschte
-und dessen Echo ihm so oft freundlich geantwortet, wenn er singend
-und pfeifend von Steinheid heimwärts kam. Der Weg ging steilan. Unter
-dem taufrischen Geäste wetterstarker Baumriesen, deren Gipfel noch
-kein Strahl der Morgensonne berührte, stieg er hinauf. Es war früh
-am Tage, und ehe die Kirchenglocken den Tag des Herrn einläuteten,
-hielten die Vöglein in den Zweigen ihre Sonntagsandacht. Wo Elis oft
-querbergein jubelnd und jauchzend -- wie es in Gesellschaft munterer
-Kameraden nicht anders sein kann -- herunter gesprungen war, da ging
-er jetzt ernst und einsam fürbaß. Es kam ihm plötzlich alles so ganz
-anders vor, so feierlich, als schritt der liebe Gott selbst neben ihm
-vorüber durch den lenzjungen Wald. Dazu war ihm die Gegend auf der
-Höhe des Berges, die er soeben erreicht hatte, fremd. Bis dahin war er
-noch nicht gekommen. Ob wohl auch jenseits der Höhe Menschen wohnen?
-Ob dort an der Südseite des Hanges die Bäume voller und frischer
-grünen, als im Saargrund, wo das Laub nur aus den Knospen lugte? Ob
-schon die Maienblumen im Jungholz in Blüte stehen? Ob jene Lichtung
-dort wohl einen Blick gewährt zum sonnigen Frankenland, zur trutzigen
-Bergfeste Coburg oder gar bis zum Hügelgelände des Maines? Alles,
-alles entsprach den Gedanken und stillen Wünschen unseres Elis. »Herr,
-wie sind deine Werke so groß und viel. Deine Güte reicht, so weit der
-Himmel ist.« Diese Worte, die ihm die Mutter so oft vorgesprochen
-hatte, hier empfand er sie in Wahrheit und Innigkeit. In heilig
-ernster Stimmung schritt er am jenseitigen Abhang hinab zum Tale, wo
-ein stilles, lauschiges Plätzchen ihm winkte und ihn einlud zu kurzer
-Rast. Unter glattstämmigen Buchen war vom Aprilsturm raschelndes Laub
-zu Haufen gejagt und da Elis die Morgenwanderung doch etwas ermüdet
-hatte, ließ er sich auf das weiche Kissen nieder, das ihm der liebe
-Gott hierhergelegt. Vor ihm aus niederem Felsgestein sprudelte eine
-muntere Quelle und lieblich flüsternd, neckisch spielend schlüpften
-die Wellen durch Laub und Moos. Droben am blauen Himmelszelt zog ein
-einsames Wölkchen leicht und luftig wie ein Himmelsschäfchen dahin,
-heimwärts zu seinen Geschwistern. Zu seinen Geschwistern! Auch Elis war
-bei seinen Geschwistern, bei Vater und bei Mutter. Der Traumgott hatte
-ihn umfangen. Glückselig lächelnd lag er da. Das Bächlein hörte er
-rauschen, die Quelle sah er sprudeln. Doch zu beiden Seiten derselben
-erblickte er jetzt einen wundervollen Garten, so schön, wie er kaum das
-Paradies sich gedacht hatte. Nixenkinder mit niedlichen Lockenköpfchen
-und hellstrahlenden Blaugucken kamen aus dem Bächlein herausgestiegen
-und gingen im Garten spazieren. Die Blumen des Zaubergartens fingen an
-zu läuten, die Glockenblumen bim baum, die Maienglöckchen kling kling.
-Die Vögel kamen alle und musizierten, die Immen und die Käfer fielen
-summend ein, die Schmetterlinge schwenkten bunte Fahnen, gelbe, rote
-und blaue. Jetzt reichten sich die Nixenkinder die Hände und tanzten
-einen Ringel-Reihen vor der Quelle, aus der die Tropfen hüpften wie
-Diamanten und Perlen. Die sprangen den Tänzerinnen ins schimmernde
-Goldhaar und hingen und funkelten da wie Himmelssterne. Die kleinsten
-der Nixen tanzten nicht, die saßen am Ufer, pflückten Vergißmeinnicht
-und Goldstern und flochten sich Kränzlein in die blonden Locken. Alle
-waren lustig und sangen zum Ringel-Reihen:
-
- Holdiri! Holdira!
- Heil der Mutter Idisa!
-
-Plötzlich verstummte der Gesang. Auf dem Felsen der Quelle fing eine
-große, große Glockenblume an wie eine Kirchenglocke bim baum, bim baum!
-Dann teilte sich der Felsen, und heraus stieg eine Frau, blendend weiß
-wie Kirschblüt und umhüllt mit einem Schleier von farrengrüner Seide.
-Die ließ ein wundersames Lied ertönen, aus dem Elis nur vernahm, daß
-sie tiefunglücklich sei, weil sie in ihrem Felsenschloß nicht eher Ruhe
-finde, bis sie den Menschen eine Wohltat erzeigt habe, und deutlich
-hörte er den Sang:
-
- »Der Quell aus meines Berges Grund
- Macht kranker Menschen Leib gesund;
- Steigt keiner noch in meine Flut,
- Daß Idisa auf ewig ruht?«
-
-An wen sollte Elis schneller denken, als an seinen kranken Vater! Er
-will aufspringen, der Fee zu danken für die offenbarte Zauberkraft, für
-die verheißene Wundergabe. Da gewahren ihn die Nixen, die während des
-Gesanges der Idisa mucksmäuschenstill dagesessen haben. Sie springen
-auf, fassen seine Hände und Holdiri, holdira singt es und klingt es wie
-zuvor. Alle scharen sich um den schmucken Knaben, denn noch nie haben
-sie ein ähnliches Wesen geschaut. Auch Idisa wird den Knaben gewahr.
-Wieder läutet die große, blaue Glockenblume bim baum, die Nixen
-verstummen, und die Fee lächelt süß und selig. Wie zum Dank streckt sie
-dem Knaben den schneeigen Arm entgegen und spricht:
-
- »Du hast Frau Idisa geschaut
- Das Heil des Quells ist dir vertraut,
- Nun find’ ich Ruh’, durch dich befreit,
- Hab’ Dank, hab’ Dank in Ewigkeit!«
-
-Und es begann ein Brausen im Walde, daß es stockfinster wurde
-ringsumher. Aber es kamen Marienkäferchen zu tausenden, die hatten
-auf den Flügeln statt schwarzer sieben goldfeurige Pünktchen;
-Johanniswürmchen flogen von Blatt zu Blatt, die zündeten, wo sie sich
-setzten, helle Lichtlein an; in den roten Tulpen flammte es auf, daß
-sie wie Leuchtkugeln dastanden, und die Goldsterne strahlten wie
-Feuerblumen. Es wäre wohl Elis recht unheimlich vorgekommen, wenn nicht
-die Glocken und Glöckchen immer noch so fröhlich dazwischen geläutet
-hätten. Unterdessen hatte sich der ganze Zug der Nixen im Felsenspalt
-verborgen, und als auch Idisa unter freundlichem Zuwinken eingetreten
-war, schloß sich die Schlucht. Moose umspannen den Felsen, und Farren
-wucherten empor, als sollte sich dieselbe nie mehr öffnen. Dann kam
-das helle Sonnengold über den Himmel gezogen, das alle Lichtlein
-verdunkelte; eines der Leuchtkäferchen aber kam herangeflogen und
-setzte sich Elis auf die Stirn gerade über das Auge. Der meinte schon
-den Funken zu spüren, fuhr schnell mit der Hand dahin und -- erwachte.
-
-Da war keine Spur der geschauten Herrlichkeit, kein Garten, keine
-Blumen. Das Leuchtkäferchen war auch nicht da, das Elis gebrannt
-hatte, aber ein Sonnenstrahl, der durchs Gezweige zitterte, hatte
-ihn ins Auge gestochen und aus dem Traume erweckt, daß er nach
-Hause ginge zu seinen Eltern und Geschwistern, die ihn schon lange
-erwarteten. Die Freude über das, was er gesehen und gehört hatte,
-trieb ihn an, schneller vorwärts zu gehen. Als er heimkam und die
-ganze Familie beisammen fand, konnte er nicht schnell genug erzählen,
-was ihm widerfahren war. Anfangs erschraken alle ob der merkwürdigen
-Geschichte, dann aber kam große Freude über sie. Das war sicher, hier
-war ein Wunder Gottes geschehen; Idisa war niemand anders, als der
-gute Schutzengel der Bleßbergquelle, den die heilige Jungfrau zur
-Rettung der armen, aber frommen Goldwäscherfamilie gesandt hatte.
-Es wurde entschieden, daß der Vater die Heilkraft der Quelle sobald
-als möglich erproben sollte, und alle waren schon im voraus voll der
-seligsten Erwartungen. Der Vater segnete Elis, seinen Retter; die
-Mutter und die Geschwister umarmten ihn mit Freudentränen in den
-Augen. Schon am nächsten Tage beriet man, wie der Vater am besten
-zur Idisaquelle gelangen könne. Auch die Nachbarn erfuhren, was
-der liebe Gott dem Elis durch einen Engel verraten hatte und waren
-ebenfalls darauf bedacht, den armen Kranken auf bequeme Weise nach
-der Quelle zu bringen. Zunächst mußte man warten bis zum nächsten
-Sonntag; da wollten dann einige starke Männer behülflich sein. So
-lange konnten aber die Knaben des Dorfes nicht warten. Schon am
-Montag zogen Elis und seine kleinen Freunde mit Hacken, Spaten und
-Schaufeln zum Idisa-Wasser. Da wurde ein Schutz gebaut, wie sie es
-bei dem Waldbächlein im Frühjahr so oft zum Zeitvertreib getan, und
-dann der Lauf des Wassers seitwärts gelenkt ins Niederholz. Vor dem
-Schutz wurde nun mit Hacken, Spaten und Schaufeln ein großes Loch
-ausgehoben, dann der Lauf des Bächleins zurückgelenkt ins alte Bett.
-In der Vertiefung sammelte sich soviel Wasser, daß ein Mann bequem
-darinnen baden konnte. Mitgebrachte Steinkrüge füllten die Knaben an
-der Quelle und waren erstaunt, daß der Felsenbrunnen gar nicht so kalt
-war wie anderes Gebirgswasser. Auf dem Heimwege sprachen sie ganz
-selbstverständlich noch einmal beim »schwarzen Martin« vor, ihrem
-alten Freunde, der um eine gruselige Geschichte niemals verlegen war.
-Die neue Sage »vom Mönch auf dem Moritzturm in Coburg« hatte er ganz
-besonders ins Herz geschlossen und ihnen wohl schon ein dutzendmal
-erzählt. Heute saß Martin neben seinen qualmenden Meilern und hatte
-bei sich zwei Baumäste liegen, die sich oben zu einer Gabel teilten.
-Er war eben daran, die Rinde abzuschälen und die Äste zu glätten, als
-die Kinder neugierig hinzutraten. Sie erfuhren, daß er die Äste für
-Elis Vater zurecht geschnitten habe; auf sie solle er sich zeitweise
-stützen, wenn er wieder auf den Beinen sei, um zur Wunderquelle zu
-gehen. Martin hatte solche Stützen bei einem alten Invaliden in Eisfeld
-gesehen, und die Leute nannten sie da Krücken oder Stelzen. Zu Hause
-brachte Elis mit der Nachricht von Martins liebevoller Fürsorge und
-trefflicher Kunstfertigkeit neue Freude ins Haus. Der Trank, den die
-Knaben mitgebracht hatten, ließ schon eine gelinde Besserung eintreten
-und unter dem Geleit und der Beihülfe freundlicher Nachbarn ging
-es am nächsten Sonntage zum heilversprechenden Quellenbade, wobei
-die von Meister Martin gefertigten Stelzen sehr gute Dienste taten.
-Allgemein wurde seine Kunstfertigkeit anerkannt und gelobt. Als sie
-in einem fernen Kirchdorfe den Mittag einläuteten, kam man an der
-Felsenquelle an. Es war nichts zu sehen als die kleine Waldblöße, deren
-moosüberzogene Decke von den starken Wurzelästen der ringsum stehenden
-Buchen da und dort in die Höhe gehoben war, das Wasserloch, das Elis
-und seine Kameraden ganz geschickt gegraben hatten und aus dem Walde
-lugende Waldmeister und junggrüne Farren. Halbtausendjährige Linden
-spreiteten am Eingang das Geäst zu einem Portal, durch das man zur
-waldumfriedigten Quellenbucht wie zu einem Heiligtum eintrat. Wie oft
-mögen die heidnischen Ahnen aus den nahen Siedelungen hierhergekommen
-sein, aus dem Wehen und Rauschen des Waldes fromm erschauernd den
-Willen der Gottheit erforscht und vor dem Felsgestein des Quells die
-geheimnisvolle Zauberkraft menschenfreundlicher Geister zu Hülfe
-gerufen haben. Seit hundert und aber hundert Jahren sprang der Quell,
-dessen Heilkraft heute erprobt werden sollte. Und er tat Wunder! Wie
-wohltuend berieselte es die schmerzenden Glieder, wie erquickte es den
-siechen Leib, wie wirkte es belebend auf den ganzen Menschen! An Leib
-und Seele frisch gekräftigt fühlte sich Elis Vater und ward wohlgemut
--- und hoffnungsfroh. Daß die holde Erscheinung Elis nicht getäuscht
-hatte, war sicher und gewiß. Die Mutter dankte allen aufs herzlichste,
-als sie nach Hause kamen, für alle Liebe und Güte. Die Nachbarn
-versprachen, am nächsten Sonntag den Weg nochmals mitzumachen, dann
-ging jeder seinem Hause zu und bald war es still im ganzen Dörfchen.
-Während der Woche trank der Vater das Wasser, das sie nicht vergessen
-hatten mit nach Hause zu nehmen, und am Sonntag machte er sich mit
-seinen lieben Freunden wieder auf den Weg zum Bleßberg. Es merkte
-jeder, daß es viel schneller ging, als vor acht Tagen, und der Vater
-konnte es gar nicht aussagen, wie wohl ihm damals das Bad getan und wie
-ihn der Trunk der Idisa erfrischt und gestärkt habe. Er wiederholte
-nun den Gang öfters, auch in der Woche, nur von Elis und einigen
-seiner Kameraden begleitet. Den Umweg über den Bleßberg vermieden sie
-natürlich; denn auf leicht gangbarem Waldweg, der nach Schalkau führte,
-kam man von Schwarzenbrunn aus in kurzer Zeit zur gottgesegneten
-Quelle. Wie gute Dienste taten da die Stelzen. Doch bald waren sie
-ganz entbehrlich. Wo links der Quelle eine Buche ihre schlanken Äste
-zu einem leicht durchbrochenen Gitterwerk ausstreckte, hängte sie
-Elis Vater ins Gezweige zur Erinnerung an seine Genesung, dann fiel
-er nieder auf die Kniee zum heißen Dankgebete gegen den lieben Gott,
-der das Gnadenwasser geschaffen, und gegen die heilige Maria, die
-Mutter Gottes, die seinem lieben Elis die Wunderkraft der Idisaquelle
-vertraut habe. Schon nach kurzer Zeit war es in der ganzen Gegend
-bekannt, daß dort am Südabhang des Bleßberges eine Quelle sprudele, die
-Heilung schaffe allen Lahmen und Gichtbrüchigen, und viele kamen von
-fern und nah, da zu baden und zu genesen. Als gar im nächsten Jahre
-die Wallfahrer, die alljährlich einige Tage vor Peter-Paul (welches
-der 29. Juni ist) zur Steinheider Kapelle kamen, sich geweihte Pässe
-für ihre fromme Pilgerfahrt zu holen, von dem Gesundbrunnen hörten,
-verbreitete sich der Ruhm der Idisaquelle von Land zu Land.
-
-In der Gegend von Würzburg lebte ein steinreicher Mann, der lag krank
-seit manchem Jahre. Weil er aber rechtschaffen und gottesfürchtig,
-barmherzig und gütig war, verriet ihm die heilige Jungfrau, die er
-nach dem Glauben seiner Väter verehrte, im Traume die Stätte der von
-Gott geschaffenen Heilquelle und forderte ihn auf, dahin zu pilgern.
-Nach mehreren Tagen gelangte er nach einer schmerzensreichen Reise an
-den Bleßberg, wo schon einige Hütten zur Beherbergung fremder Gäste
-entstanden waren. Er badete einen über den anderen Tag im Heilbade,
-trank vom Gnadenbrunnen der Idisa und genas und dankte Gott. In
-Eisfeld wohnten geschickte Bau- und Handwerksleute, von denen ließ er
-etliche kommen, das Bad bequem herrichten, erweitern und verschönern.
-Auch bauten sie ihm einige Schritte abwärts nach seinem Plan ein gar
-stattliches Haus und legten einen schönen Garten bei demselben an; denn
-er gedachte des öfteren hierher zurückzukehren und in den Sommermonaten
-einige Wochen hier zu verleben. Nicht weit von der Quelle, wo aus
-Brettern und Balken gezimmert das Bethäuslein stand, ließ er eine
-kleine Kapelle errichten, die er seiner Retterin weihte, und die ihr
-zu Lob und Ehr von nun ab den Namen trug »_Mariahilf_«. Ihr Name wird
-jetzt noch mit Dank und Ehren genannt. Der kleinen armen Gemeinde
-schenkte er eine große Summe Geldes, die sie zum Ausschmücken des
-Kirchleins, zur Erhaltung des Bades und zum Erbauen von Wohnhäusern
-verwenden sollte. Die arme Goldwäscherfamilie brauchte nicht mehr zu
-sorgen und zu seufzen. Der Edle aus dem Frankenlande hatte von dem
-braven Elis und seinen Eltern gehört und schenkte ihnen so viel, daß
-sie Hunger und Kummer vergessen konnten. Über sein Besitztum setzte
-er einen Hausvogt ein, der sollte schalten und walten nach Belieben,
-jedoch nur mit Liebe und Güte. Dann erst kehrte der Fremde zurück
-in seine Heimat. Das Dörflein am Heilbrunnen wuchs und wurde zu
-einem berühmten Orte; Tausende von Gläubigen beteten alljährlich in
-»Mariahilf« zur heiligen Jungfrau. Im Juni namentlich wimmelte es von
-Wallfahrern in der ganzen Gegend. In allen Dörfern waren Bethäuser und
-Kapellen gebaut zu Gottes Lob und Ehre. An den Wegen nach Steinheid,
-nach Schalkau und Eisfeld waren heilige Bilder errichtet, vor denen
-dankbare Menschen knieten und beteten. Viele Grafen und Edle des
-Landes kamen und Tausende aus dem gemeinen Volke. Wer geheilt vom
-Platze ging, hing nach heißem Dankgebet seine Stelzen, mit denen er auf
-oft beschwerlichen Wegen zum Gnadenborn gepilgert war, an den Wänden
-des Kirchleins auf, daß man der großen Zahl der Wunder und Werke Gottes
-gedenke, und so kam es, daß das Dorf an der Idisaquelle den Namen
-»_Stelzen_« erhielt und so heißt bis zum heutigen Tage.
-
-[Illustration: Stelzen mit Bleßberg.]
-
-Wohl zwei Jahrhunderte lang hatte Frau Idisa ihr Heilwasser für Jung
-und Alt, für Reich und Arm zur Genesung gespendet. Von Elis und seinem
-Vater wußten nur die allerältesten Leute zu erzählen. Das Goldbergwerk
-in Steinheid war fast eingegangen, nur noch einige Familien wohnten in
-dem Städtchen. Die Hussiten waren hereingebrochen, hatten Steinheid
-verwüstet und die Bergwerke zum größten Teil zerstört. Da kam nach dem
-Dorfe Stelzen ein fremder Mann, der zog in das Haus vor der Quelle,
-das nach dem Tode des Wohltäters der kleinen Gemeinde von Hand zu
-Hand gegangen war und nun jahrzehntelang schon verlassen da stand.
-Von entfernten Verwandten, die es niemals gesehen hatten, war es ihm
-als Erbe zugefallen. Bald kamen viele Arbeiter mit Handgerät, die
-fingen an, das Haus und den Garten nach den Wünschen des neuen Herrn
-herzurichten und um den Garten herum eine hohe Mauer zu erbauen, daß
-niemand es sehen sollte, wenn der Herr des Gartens dort zwischen Blumen
-und blühenden Bäumen spazieren ging. Es war alles gar herrlich und
-lieblich zugerichtet, doch der fremde Besitzer flößte allen Schrecken
-ein, die ihn sahen. Finster und bleich war sein Gesicht, tief gefurcht
-die niedere Stirn; die unsteten Augen senkte er meist zu Boden, als
-getraue er sich, niemanden anzuschauen. Wenn ihm einer ein »Grüß Gott!«
-oder »Gelobt sei Jesus Christus« bot, dann stellte er sich, als hörte
-er es nicht und dankte nie. Die einen lasen in dem Gesicht schweren
-Kummer und Schuldbewußtsein, andere Lebensüberdruß und Verzweiflung,
-wieder andere kalten Stolz und hartherziges, geiziges Wesen. Haus und
-Garten des Fremdlings waren fertig gestellt, aber noch behauten die
-Steinmetzen Stein auf Stein. Dazu hatten Arbeiter aus dem Hüttengrund,
-wo unlängst das erste Eisenhammerwerk erbaut worden war, eine schwere,
-eisenbeschlagene Tür herübergeschafft, die lehnte zwischen den Steinen.
-Da, eines Tages, als die Leute aus den Häusern traten, sahen sie, wie
-die Steinmetzen die behauenen Steine zum Bade schafften und anfingen,
-eine Mauer aufzurichten, da solches bei einem Bade gar schicklich und
-wohlanständig sei. Das sahen wohl alle ein, aber gar wenige freuten
-sich der fremden Fürsorge und trauten ihr wenig Gutes zu. Indeß der Bau
-wurde fertig gestellt, und durch ein kleines, stets offenes Pförtlein
-konnte man zum Bade gelangen. Die Kranken gingen ungehindert hinein und
-heraus, und fast schämte man sich der übertriebenen Ängstlichkeit und
-des Mißtrauens, das man gezeigt hatte; viele dankten dem Fremden im
-stillen für seine Fürsorge. Es mochte Mitte Juni sein. In den meisten
-Häusern von Stelzen wurde geräumt und gewirtschaftet; man erwartete
-Gäste. Die Wallfahrer kamen in den nächsten Tagen, und man sah sie
-gern, weil sie stets einen Tag für die Idisaquelle übrig hatten, dort
-zu danken und zu beten. Oft brachten sie kranke Angehörige mit, die im
-Bade Heilung suchten und fanden.
-
-Der reiche Griesgram wußte vom Besuch der Wallfahrer und hatte darauf
-seinen Plan aufgebaut, um rechten Gewinn davon zu haben. Am nächsten
-Sonntagmorgen, als die in Stelzen weilenden Kranken zu gewohnter Stunde
-zum Bade kamen, fanden sie dasselbe mit jener großen Tür verschlossen,
-die der Fremde hatte kommen lassen. Dabei aber stand der finstere
-Mann selbst und heischte ein Geldstück für den Besuch des Bades. Da
-halfen alle Vorstellungen der Kranken nichts. »Das Bad ist mir zu Erb
-und Eigen worden«, sprach der Hartherzige, »und nur, wer seinen Schoß
-entrichtet, darf durch die Pforte«. Ein lahmer, schwacher Greis, dessen
-ehrwürdiges Haar schon längst gesilbert war, kam auch auf zwei Krücken
-herangehumpelt. Als er das Tor gewahrte, bat er flehentlich um Einlaß.
-
-»Lieber Mann«, sprach er, »viele Tage habe ich mich abgemüht, hierher
-zu kommen, laßt mich ein, ich will Euch zahlen, was ihr begehrt,
-zweifach und dreifach, wenn ich wieder gesund bin.«
-
-»Erst das Geld«, so fuhr ihn der Harte an, »dann öffnet sich das Tor.«
-
-Der Alte ging nicht von der Stelle, und unter Tränen bat er um Einlaß
-zu der Gottesquelle.
-
-Vergeblich!
-
-»Bedenkt, daß heute Sonntag ist«, sagte der Greis, »der ein Vater ist
-der Armen und Reichen, der jedes Unrecht bestraft und jede gute Tat
-belohnt, -- er wird Euch eure Wohltat vergelten hundertfältig und wird
-Euch segnen, wenn Ihr mich einlaßt.«
-
-»Was kümmert mich das?« sprach der Geizhals höhnisch, »Idisa ist meine
-Herrin; sie will ich lieb haben, sie soll mich reich machen. An deines
-Gottes Segen ist mir gar nichts gelegen.« --
-
-Da ward des Alten bleiches Gesicht rot vor Zorn; die matten Augen
-leuchteten wie Feuer, und seine Stimme klang furchtbar, als er rief:
-
-»So soll Gottes Fluch dich treffen, wenn du seinen Segen verspottest.«
-
-Schluchzend hinkte er von dannen. Im Kirchlein zu Stelzen fand man
-ihn am Abend. Gott hatte sein letztes Gebet erhört und ihn erlöst von
-seinen Leiden.
-
-Alle Leute rührte das Schicksal des Armen; der hartherzige Reiche
-aber spürte nicht das geringste Mitleid. Geiz und Habsucht erfüllten
-seine Seele wie böse Geister und ließen keinen Raum für das Gute.
-Die nächste Woche sollte seine Glückswoche werden. Da kamen die
-Wallfahrer vom Lande nördlich des Thüringer Waldes bis aus der Gegend
-des Eichsfeldes und der goldenen Aue. Lahme und Kranke brachten sie
-mit zum Idisa-Wasser, die hatten Geld und zahlten wohl ein Silberstück
-für ihre Genesung. Die Wallfahrer kamen. In Steinheid ließen sie
-sich nach alter Sitte die Pilgerpässe weihen, doch zum Idisa-Wasser
-kam keiner. Bis zum Harz und bis zur Unstrut war es schon bekannt
-geworden, und viele erfuhren es auf dem Wege, daß ein Geizhals das
-gottgesegnete Wasser der Idisa als Erbe und Eigentum sich beimaß und um
-des schnöden Gewinnes halber das Bad gesperrt hatte. Vorüber ging der
-Zug der frommen Wanderer und ging zum ersten Male hinab bis ins sonnige
-Frankenland. Im Maintale gegenüber dem Kloster Banz war jüngst eine
-neue Wallfahrtskirche gegründet worden, die hatte als Gnadenort einen
-Ruf weit und breit. Dorthin strömten am Tage Peter-Paul die Wallfahrer
-zu tausenden und beteten zu den vierzehn heiligen Nothelfern, denen
-die Kirche geweiht war und von deren Fürsprache man Hülfe und Beistand
-für alle Schwachen und Kranken erwartete. Es war auch in Thüringen
-manche Heilquelle bekannt geworden, die Genesung und Gesundheit
-spendete. Im unteren Frankenlande, wo die Saale den Fuß der Bodenlaube
-umrauscht, hat der Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn bald
-darauf Brunnen und Bäder errichtet, die spendeten Kraft allen, die da
-kamen, schwächlich und gebrechlich. Heute geht der Ruf dieses Bades bis
-weit über die deutschen Grenzen hinaus.
-
-Dort an der Bleßbergquelle der Mann, der mit so harten Worten den
-guten Alten soweit gebracht hatte, daß er lieber sterben als leben
-wollte, fand keine Ruhe mehr von jenem Sonntage an, da die Wallfahrer
-die Quelle umgingen und zum ersten Male Vierzehnheiligen besuchten.
-Heftige Schmerzen stellten sich bei ihm ein, so daß er selbst sein Bad
-aufsuchen mußte. Täglich schleppte er die müden Glieder dahin, aber von
-Stärkung, von Genesung keine Spur; schwach und immer schwächer wurde
-sein Leib. Er warf sich vor der Felsenschlucht der Idisa auf die Knie
-und tat, was er schon fast verlernt hatte: er betete. Flehentlich rief
-er Idisa beim Namen und schwur bei allen Heiligen, ihr alles zu opfern,
-was er besitze, -- umsonst!
-
-Bleich vor Schrecken und zitternd vor Angst stieg er wieder und wieder
-in das Wasser seiner angebeteten Göttin, kalt und schaurig umfängt
-es ihn, ein Frösteln zieht ihm durch alle Glieder, er ruft nach
-seinem Golde, nach allen Schätzen, sie dem Wasser zu opfern, er stößt
-einen gräßlichen Fluch aus gegen Idisa, die dem Wasser die Heilkraft
-genommen: da sieht er in Todesängsten zwei weiße Arme aus der kalten
-Flut sich erheben, die ihn eisern umfassen und niederziehen. Die
-Erde erbebt, der Felsblock zerspringt und zum Strom wird Quelle und
-Bächlein. Die stolze Mauer stürzt und rauschend strömt die Flut durch
-den blühenden Garten, alles mit sich niederreißend, Haus und Steinwand,
-Büsche und Bäume. Verschüttet und verschollen blieb der talwärts
-getriebene Leichnam des Fremdlings. Versagt blieb ihm ein ehrliches
-Begräbnis.
-
-Als die angstvoll in ihren Häusern verborgenen Bewohner von Stelzen
-nach dem Sturm sich wieder herauswagten, war von aller Herrlichkeit
-um Haus und Quelle keine Spur mehr zu sehen. Ruhig war das Wasser
-zurückgetreten in sein kleines Bett, und murmelnd floß es talabwärts
-wie ehedem.
-
-[Illustration: An der Itzquelle.]
-
-Wenn heute dein Weg dich hinführt zur Quelle der Idisa, dann siehst
-du sie ganz nahe der Kirche und dem Schulhause von Stelzen aus einem
-Felsen springen und in ein winziges Bächlein sich ergießen, das
-still und friedlich zunächst dem Dorfe zufließt, bis es in munterem
-Laufe seinen Weg zum Tale nimmt. Vor der Quelle findest du im
-Bleßbergwald noch ein freies, wundersam lauschiges Plätzchen, umrahmt
-und beschattet von hochstämmigen Buchen, Fichten und Edeltannen. Bei
-der ganzen Lage und Beschaffenheit des Platzes ist es der Phantasie
-leicht, Ort und Zeit, von denen die Sage dir erzählt, wieder vor’s Auge
-zu zaubern. Verschwunden ist der Segen der Heilkraft, von dem eine alte
-Überlieferung aus vorlutherischer Zeit erzählt: der Herr hat’s gegeben,
-der Herr hat’s genommen! Das Hervorbrechen der Quelle aber und das
-Bächlein, das heute als _Itz_ hinabfließt ins Tal, das als Fluß durch
-Wiese und Wald, durch Dorf und Stadt sich drängt, die Erde befruchtend
-und seine treibende Kraft in den Dienst frohtätiger Menschen stellend,
-ist zu einem dauernden Segen geworden: Der Name des Herrn sei gelobt!
-
-In Stelzen zieht heute noch dann und wann die aus den Dörfern der
-Umgegend sich vereinende Gemeinde hinaus in den nahen, von allen guten
-Geistern belebten Wald, um ihrem Herrn und Gott ein Fest zu feiern.
-Über der Quelle ist dann eine einfache Kanzel erhöht. Die Ruhebänke
-ringsum werden zu Kirchenbänken, und über Priester und Gemeinde spannt
-sich die grüne Kuppel des Waldes. Die gläubigen Herzen empfinden
-die Wahrheit des uralten Bibelwortes: »Gewißlich ist der Herr an
-diesem Ort,« und in allen Seelen bezeugt sich die Vererbung des
-altväterlichen, frommen Glaubens, der im geheimnisvollen Wehen und
-Rauschen des Waldes, im Flüstern und Sprudeln der Quellen und in allen
-Regungen der Natur Äußerungen des allgegenwärtigen Gottes vernahm.
-Man gedenkt der alten Zeiten, da die Güte und Gnade des Herrn in der
-Heilkraft des Idisaquells sich offenbarte, man bedenkt, daß der Herr
-auch im Leben und Wesen der neuen Zeit durch Wohltun und Segen sich
-bezeugt, und man erkennt, daß das Wort von der Offenbarung Gottes eine
-ewige Wahrheit ist.
-
-[Illustration]
-
-[Illustration: Blick von der Veste Coburg nach dem Bleßberg.]
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Anmerkungen.
-
-
-Zu Seite 3.
-
-=Schwarzenbrunn=, an der Poststraße, die von Eisfeld durch den
-Saargrund nach Steinheid und weiter nach Neuhaus a. R. führt, kann
-sein Bestehen bis zum Jahre 1317 zurück nachweisen. Auch der Beweis
-des Vorkommens von Gold ist erbracht. Bis in die neueste Zeit fand
-man dort Spuren von Edelmetallen. Obwohl Herzog Ernst Friedrich I.
-von Hildburghausen noch 1716 einige Münzen von bei Schwarzenbrunn
-gefundenem Golde prägen ließ, ist ein bergmännischer Betrieb nicht
-im geringsten mehr lohnend. Die 1716 geprägte Münze trug auf der
-einen Seite neben dem Bild und Namen des Herzogs die Umschrift: »Zu
-Schwarzenbrunn aus der Goldwäsche. Hildburghausen 1716«; auf der
-anderen Seite standen die Worte:
-
- »Der Schwarzenbrunn gibt Gold,
- Dergleichen auch Schalkau,
- Das Salz schenkt Lindenau,
- Gott ist dem Lande hold.«
-
-
-Zu Seite 3.
-
-=Werra.= Das Bächlein »dringet und wirret sich gleich mit Macht und
-Gewalt hin und wieder, bald da herümb, bald dort herümb, durch die
-unwegsame und wirrsame Gründe daselbst abhin, bei anderhalb Viertelmeil
-wegslang, auffs Dorf Schirnroda (oberhalb Schwarzenbrunn) zu: darum es
-auch von den Einwohnern in, an und für dem Walde daselbst herumb von
-solchen vielen Vermischen und fast unsäglich wunderbaren Verwirren,
-das Wirre- oder Werre-Wasser und die Werra genannt wird«. (Seb. Güth,
-Meininger Chronica 1676.)
-
-»In den mitlern Zeiten Vierra, Werraha, Werra, Wisera, Veseraha,
-Weseraha, itzo die Werra, und Weser, einer von den großen Flüssen
-Deutschlands«. (Chr. Junker »Anleitung zu der Geographie der mittleren
-Zeiten 1712«.)
-
-Nach jetzt allgemein gültiger Annahme ist die Werra als Oberlauf
-der Weser anzusehen und das Wort Werra als eine Zusammenziehung von
-Wisera, Weseraha bezw. Werraha zu erklären. Das Schluß-a findet sich
-bei Flußnamen häufig; es ist eine Zusammenziehung des althochdeutschen
-~aha~ = Wasser, Bach.
-
-Die Werra wird aus zwei Quellbächen gebildet, die oberhalb
-Schwarzenbrunn zusammenkommen und von denen der östliche den Saargrund
-durchfließt. Dieser Bach wurde früher »trockene Werra« genannt, wird
-aber jetzt meist als Saar bezeichnet.
-
-
-Zu Seite 4.
-
-=Steinheid=, an der Poststraße Eisfeld-Neuhaus a. R., bis 1160 zurück
-nachzuweisen, einer der höchstgelegenen (814 ~m~) Orte des Thüringer
-Waldes, war früher eine reiche Bergstadt. Verfallene Stollen und
-Schachte sind heute noch Zeugen früherer, umfangreicher bergmännischer
-Tätigkeit. Wenn auch in der langen Spanne Zeit, die zwischen dem
-Eingehen der Werke und der Gegenwart liegt, bezüglich des Goldreichtums
-die Überlieferung etwas übertreibend und ausschmückend eingegriffen
-hat, so war doch der Gewinn an Gold durchaus nicht gering. Durch die
-Hussitenkriege (besonders um 1430) erlitt das gewerbfleißige Leben
-große Einbuße. Die Zerstörung der Bergwerke war eine so nachhaltige,
-den ganzen Ort schädigende, daß auch die von Kurfürst Johann Friedrich
-dem Großmütigen, von Herzog Johann Kasimir, Herzog Ernst dem Frommen
-und Herzog Albrecht gewährten Freiheiten und die auf gewinnbringende
-Regelung des Betriebs bedachten Bergordnungen eine wesentliche
-Förderung nicht brachten. -- Im Jahre 1533 wurden die Bergwerke
-energisch wieder in Stand und Betrieb gesetzt, und die Jahre 1576--1580
-scheinen auch wieder eine etwas höher gehende Entwicklung gebracht
-zu haben, aber durch den Dreißigjährigen Krieg und durch spätere
-Feuersbrünste kam über den Ort solches Unglück, daß er sich nicht
-wieder zu erholen oder auch nur annähernd zu seiner früheren Bedeutung
-zu erheben vermochte.
-
-Zu Seite 22. -- Vor dem Jahre 1528 stand in Steinheid eine der Mutter
-Gottes geweihte Kapelle (»Zu unsrer lieben Frauen Berg«), in der die
-vorüberziehenden Wallfahrer um gesegnete Pässe für eine glückliche
-und ihrem Seelenheil gedeihliche Reise vorsprachen oder auch ihre
-Reisepässe sich weihen ließen. Die überaus große Zahl der Besucher
-brachten der Kirche und dem Ort reiche Einkünfte.
-
-
-Zu Seite 6.
-
-=Bären=, Wölfe, Wildschweine, Luchse waren im südlichen Teil des
-Thüringer Waldes und in den angrenzenden Gebieten durchaus keine
-Seltenheit. Sie gehörten zu den friedlosen Tieren und waren jagdfrei.
-Ja, man machte es den Bewohnern gewisser Gegenden geradezu zur
-Pflicht, diese Tiere abzuschießen, um sie auszurotten. Die Bewohner
-von Wiesenfeld hatten z. B. die Pflicht, in ihren Gemarkungen
-jährlich einen Wolf zu fangen, wenn sie aber deren zehn in einem Jahre
-erlegten, sollten sie auf zehn Jahre frei sein. (Henneberg. Urbarium
-ca. 1340.) Im Jahre 1656 wurden auch Gothaer Gemeinden gesetzlich zur
-Wolfsjagd verpflichtet. -- Bei Schloß Hohenstein gibt es eine Wüstung
-Wolfersdorf; unsere Wohlsbach hießen früher Wolfeswac = Wolfstümpel.
-Auch verschiedene Flur- und Forstbezeichnungen lassen auf das
-Vorhandensein von Wölfen, Bären u. s. w. schließen, z. B. Wolfsrangen
-am Nordabhang des Festungsberges, Bärenstange, ein Forstort an der
-Wildbahn, Bärenhölzchen zwischen Coburg und Neuses.
-
-1571 wurde der Förster Wolff bei Sachsendorf (direkt bei
-Schwarzenbrunn) von einem Bären angefallen und zerfleischt. In der
-Nähe des Inselsberges kam der Bär bis zum 16. Jahrhundert häufig vor.
-Bei Schmalkalden fanden 1587, 1592, 1594 und 1603 Bärenjagden statt,
-bei Brotterode 1585. Der letzte Bär in Thüringen wurde 1686 in der
-gothaischen Forstei Winterstein erlegt. Das Vorhandensein von Wölfen
-läßt sich im Thüringerwald bis 1859 nachweisen. Im Winter 1858/59
-trieb sich ein Wolf vagabundierend bei Friedrichroda umher; 63 Stück
-Rotwild waren ihm zum Opfer gefallen. Am 6. Mai 1859 wurde er bei
-Heldburg erlegt. Auch 1785 war bei Heldburg ein Wolf getötet worden,
-der besonders unter den Schafen der Umgegend großen Schaden angerichtet
-hatte. Der letzte Luchs wurde am 24. März 1819 im Gothaer Revier
-Stutzhaus geschossen. Im Norden des Thüringer Waldes wurden Luchse im
-18. Jahrhundert vielfach nachgewiesen, Wildschweine kamen da und dort
-noch in späterer Zeit vor.
-
-
-Zu Seite 6.
-
-Der =Bleßberg=, 864 ~m~ hoch, einer der höchsten Punkte des
-südöstlichen Thüringer Waldes, bietet eine der schönsten Rundsichten
-und weitesten Fernsichten über das thüringische und fränkische
-Land. Drei Türme auf fernen Berggipfeln zeigen uns nach Norden hin
-aussichtsreiche Höhen des Thüringer Waldes, den etwa 24 ~km~ in der
-Luftlinie entfernten Adlersberg bei Suhl, den Kirchberg mit dem
-Fröbelturm bei Oberweißbach und die Kursdorfer Koppe. Nach Osten hin
-sehen wir das Fichtelgebirge, nach Westen schweift der Blick bis zu den
-Bergen der Rhön. Im Süden soll man die etwa 64 ~km~ entfernte Altenburg
-bei Bamberg sehen, man begnügt sich jedoch gern mit dem klaren Ausblick
-bis zum Staffelberg, bis zur Veste und Stadt Coburg, aus deren
-Häuserreihen man die Moritzkirche deutlich herausragen sieht. Der
-Bleßberg, der auf den verschiedensten Wegen bequem zu erreichen ist,
-war wegen seiner Aussicht zu allen Zeiten vielbesucht und war einer
-der ersten Berge im südlichen Teil des Thüringer Waldes, der mit einem
-Aussichtsturm versehen war. Der frühere, hölzerne Turm wurde schon vor
-mehrern Jahren durch einen eisernen ersetzt.
-
-
-Zu Seite 12.
-
-Die Sage vom =Mönch auf dem Moritzturm= findet sich abgedruckt bei
-
- v. Heeringen, G., Wanderungen durch Franken, Seite 35,
-
- Heckenhayn, Th., Lesebuch II, Seite 389,
- Neues »Coburgisches Lesebuch«, 1. Teil,
-
- Bechstein, L., Der fränkische Sagenschatz, 1. Band.
-
-
-Zu Seite 16.
-
-Der reiche Mann von =Würzburg=, der am Wunderbrunnen der Idisa Heilung
-gefunden hat, findet sich übereinstimmend in den verschiedensten
-Aufzeichnungen.
-
-
-Zu Seite 17.
-
-Die Kapelle =Mariahilf= hat verschiedene Wandlungen in ihrem Auf- und
-Ausbau durchgemacht und stand bis 1647. Eine Pfeilerinschrift an der
-Ostseite der heutigen Kirche (~MCCCCLXVII Walpurgis wart angehobn diss
-Bau Maria~) weist auf einen vorgenommenen Neubau im Jahre 1467 hin. Die
-gottesdienstlichen Verrichtungen besorgten vormals die Augustinermönche
-von Königsberg in Franken. Die erste Ansiedelung hieß Mariahilf; der
-Name Stelzen ist für den Ort erst später aufgekommen.
-
-
-Zu Seite 17.
-
-=Wallfahrer und Wallfahrtswege.= Mehrfach erwähnt wird in
-geschichtlichen Aufzeichnungen, daß noch im 15. Jahrhundert alljährlich
-Hunderte von Grafen, Rittern, Edlen und noch viele, viele aus dem
-gemeinen Volk zur Wunderquelle Mariahilf gewallfahrt sind. Die
-Hauptwege führten von Eisfeld, von Schalkau und von Steinheid aus zur
-Quelle. Am Wege zwischen Eisfeld und Stelzen, ganz in der Nähe des
-letztgenannten Ortes, steht heute noch ein etwa 2 ~m~ hoher, steinerner
-Bildstock aus der Wallfahrtszeit. Auch nach der Schalkauer Seite zu
-hatte sich bei Stelzen ein Stein als Überrest einer heiligen Station
-jahrhundertelang erhalten. Der angrenzende Flurteil heißt heute noch
-»der weiße Stein«. An der Straße von Stelzen nach Schalkau steht bei
-Mausendorf ein großer, eigenartig behauener Stein, der, wie die Leute
-sagen, »der heiligen Zeit« entstammt.
-
-
-Zu Seite 18.
-
-=Stelzen.= Die Annahme, daß der Ortsname von den daselbst aufbewahrten
-Krücken, Stöcken, Stelzbeinen herkommen kann, wird bestärkt durch die
-Tatsache, daß noch bis zum Jahre 1830, in dem eine umfassende Reparatur
-der Kirche vorgenommen wurde, Stelzen u. s. w. auf dem Kirchboden des
-Ortes als für den Ortsnamen charakteristische Wahrzeichen aufbewahrt
-wurden.
-
-
-Zu Seite 19.
-
-=Eisenindustrie im Hüttengrund.= Schon im 15. Jahrhundert führte
-der zwischen Köppelsdorf und Blechhammer sich hinziehende Teil
-des Steinachtales auf eine Stunde lang den Namen Hüttengrund. Die
-Bewohner, die in ihren einzeln oder zerstreut liegenden, zuweilen auch
-in kleinen Gruppen zusammenstehenden Häusern bis 1848 eine Gemeinde
-für sich bildeten, hatten schon frühzeitig gelernt, das im Thüringer
-Wald gewonnene Eisen in Eisenhämmern, Blechhämmern u. a. Werken in
-verschiedenster Weise zu verarbeiten. Der Bergbau in Thüringen läßt
-sich im allgemeinen etwa bis zum Jahre 1000 zurück nachweisen; der
-Sage nach soll man bei Schmalkalden allerdings schon im 4. Jahrhundert
-Erzlager gefunden und deren praktische Ausnutzung gekannt haben. In
-der frühesten Zeit wurden Abbau, Schmelzen und Verarbeiten des Eisens
-oft von ein und derselben Person, meist von einem Schmiede im Walde,
-betrieben. Er grub sein Eisen selbst, schmolz es im Holzkohlenfeuer und
-gab ihm unter dem Druck der vom reißenden Waldbach in Betrieb gesetzten
-Hämmer die gewünschten Formen.
-
-
-Zu Seite 23.
-
-=Vierzehnheiligen=, das »fränkische Mekka«, ist noch heutzutage einer
-der Hauptwallfahrtsorte Bayerns. An den Hauptfesttagen »Himmelfahrt«
-und »Peter-Paul« (29. Juni) soll sich die Zahl der Wallfahrer
-schon auf 50000 belaufen haben. Die wunderbare Erscheinung des von
-vierzehn Heiligen umgebenen Christuskindes, die ein junger Schäfer um
-1445 gesehen haben will, gab dem Abt von Langheim Veranlassung zur
-Gründung der ersten Kapelle, die mit reichem Ablaß begnadet wurde. Im
-Jahre 1485 pilgerte Kaiser Friedrich III., 1518 Albrecht Dürer, 1562
-Kaiser Ferdinand I. zu den vierzehn heiligen Nothelfern, von deren
-Wundertätigkeit zahllose Stiftungen in einer Seitenkapelle der Kirche
-Zeugnis geben sollen.
-
-
-Zu Seite 23.
-
-=Kissingen=, an der fränkischen Saale am Fuß der Ruine Bodenlaube,
-jetzt Weltbadeort, verdankt seine Begründung dem Fürstbischof Julius
-Echter von Mespelbrunn, geboren 1544.
-
-
-Zu Seite 24.
-
-Der =Schauplatz der Sage= ist heute ein von Buchen, Fichten und
-Edeltannen beschattetes, freies, lauschiges Plätzchen am Fuße des
-Bleßbergwaldes. Bänke stehen ringsum, eine einfache Kanzel über der
-niederen Grotte weist auf irgend ein frommes Fest (Gustav-Adolf-Fest,
-Missionsfest u. dergl.) hin, das an dem alten Heiligtum abgehalten
-wurde. In früherer Zeit, bis 1750, standen am Eingang zur Grotte vier
-mächtige uralte Linden, deren Alter auf tausend Jahre geschätzt wurde,
-und die Annahme, daß schon in alter Heidenzeit hier eine den Göttern
-geweihte Stätte bestanden hat, ist nicht direkt von der Hand zu weisen.
-
-
-Zu Seite 25.
-
-=Idisa = Itz.= Früher hat man das Wort Itz vielfach auf wendischen
-Ursprung zurückgeführt, jedoch ist die Silbe als selbständiges Wort
-im Wendischen bezw. Slavischen nicht nachzuweisen. Die Slaven, in
-Deutschland vielfach Wenden genannt, bewohnten im 6. Jahrhundert u. a.
-die Gegend zwischen Thüringerwald und Main, also auch das Gebiet des
-heutigen Herzogtums Coburg. Der Name Wende = wind, mit einem deutschen
-Personennamen zusammengesetzt, findet sich südlich des Thüringer Waldes
-vielfach bei Ansiedelungen, in denen nach dem Zurückschlagen der Slaven
-unfreie, einem deutschen Herren unterworfene und zugehörige Wenden
-untergebracht waren. So entstand im Coburgischen Ottowind, dicht an der
-Grenze Rückerswind, Almerswind, Herbartswind, nicht weit von der Grenze
-Gundelswind, Poppenwind u. a. Die Endung itz in unseren Ortsnamen
-Creidlitz, Meischnitz, Mödlitz und in den uns mehr oder weniger
-benachbarten Mürschnitz, Schierschnitz, Käßlitz, Föritz, Köditz,
-Oberloquitz, Siegritz, Eichitz, Marktgölitz-Schwürbitz, Mitwitz,
-Redwitz, Kirchenlamitz, Teuschnitz u. v. v. a. wird gern als ein Rest
-ursprünglich slavischer Benennung bezw. für den Ort als ein Beweis
-slavischen Ursprungs angesehen. Wie schon erwähnt, bestreitet man bei
-dem selbständigen Wort Itz eine Abstammung aus dem Slavischen und nimmt
-eine Ableitung aus dem Deutschen an. »Die ältesten überlieferten Formen
-des Namens lauten _Itesa_ (Schannat, ~corpus traditionum Fuldensium~),
-um 1071 _Itisa_ (Sprenger, Banz 1050--1251), um 1227 _Ytisa_ und
-_Itysa_ (Sprenger, Banz). Slavischen Charakter tragen diese Formen
-nicht, vielmehr lassen sie mit Wahrscheinlichkeit eine Erklärung aus
-dem Deutschen zu, indem das Wort als ein Kompositum aus ahd. ~itis~
-und ~aha~ betrachtet werden kann. Itis (starkes Femininum) bedeutet
-eine hehre, ehrwürdige Frau; nach Grimm, Mythol. 372 scheint es schon
-in frühster Zeit gleich dem griechischen νύμφη (Nymphe) vorzugsweise
-auf übermenschliche Wesen angewandt worden zu sein, die geringer als
-Göttinnen, höher als irdische Frauen angesehen wurden. Vergleiche auch
-den Merseburger Zauberspruch, der beginnt: ~=eiris sâzun idisî=~ ...
-(= =einst setzten sich Idise=). ~Aha~ ist schon früh in einfaches a
-übergegangen, wie denn z. B. Steinaha (die Steinach) im 10. Jahrhundert
-Steina heißt ...« -- Siehe auch Anm. Werra, Seite 28. -- »Danach
-bedeutete _Itisaha_, _Itisa_ das Wasser göttlicher Jungfrauen«. (~Dr.~
-F. Riemann, die Ortsnamen des Herzogtums Coburg.)
-
-[Illustration]
-
-
-Druck: Union, Coburg.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
- Korrekturen:
-
- S. 30: Wustung → Wüstung
- Hohenstein gibt es eine {Wüstung} Wolfersdorf
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK IDISA ***
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