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-The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz --
-Mitteilungen Band X, Heft 4-6, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
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-using this eBook.
-
-Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X,
- Heft 4-6
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
-Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Release Date: November 19, 2021 [eBook #66769]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER
-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 4-6 ***
-
-
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- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder
- unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua
- gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so
- dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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-
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-
- Landesverein Sächsischer
- Heimatschutz
-
- Dresden
-
- Mitteilungen
- Heft
- 4 bis 6
-
- Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege
-
- Band X
-
- _Inhalt_: Das westliche Vogtland, ein deutsches Wald- und
- Wandergebiet -- C. G. Schillings † -- Praktische Arbeit zur
- Erhaltung unserer Steinkreuze -- Vom Heimatgefühl -- Die
- Zschemelschka -- Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde
- die Alleen und die hervorragenden Bäume -- Schlagbaum und
- Chausseehaus in Sachsen -- Die Schneeheide -- Seiffen und
- das Bunte Haus, eine Fahrt ins Weihnachtsland -- Neue
- Wohnhausbauten im Erzgebirge -- Bücherbesprechungen --
- »Vogelschutz« von seiten eines Forschers -- Hermann Vogel † --
- Der nutzlose Baum
-
-Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen Band (aus 12
-Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und Büchereien M. 10.--.
-Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, _Mindest_jahresbeitrag
-M. 10.--
-
-Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24
-
- Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835
- Stadtgirokasse Dresden 610
-
-Dresden 1921
-
-
-
-
-Aufruf
-
-an die Sachsen im Ausland zur Erwerbung der Mitgliedschaft des
-Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.
-
-
-Von vielen, die im Auslande die Treue zu ihrem Heimatland auch dadurch
-zum Ausdruck bringen, daß sie Mitglieder unseres Vereins sind, erhalten
-wir über unsere Veröffentlichungen so begeisterte Zuschriften, daß wir
-den Mut fassen, weiter im Auslande Mitglieder für unseren Verein zu
-werben, um unsere Bewegung auch wirtschaftlich zu stärken. Wir bitten
-unsere werten Mitglieder zu diesem Zwecke, uns die Anschriften ihrer
-Verwandten, Freunde und Bekannten im Auslande mitzuteilen oder selbst
-unter Abforderung von geeigneten Werbesachen bei uns an diese im Sinne
-dieser Ausführungen zu schreiben.
-
-Über nichts freut sich der Auslanddeutsche fern vom Heimatlande so sehr
-wie über Bilder und Schilderungen der Stätten, wo er die Kindheit, die
-Jugend verlebt hat. Und könnte es da geeignetere Veröffentlichungen
-geben als unsere »Mitteilungen« mit ihren zahlreichen Bildern und
-Schilderungen des alten Heimatlandes?
-
-Wir fügen diesem Hefte eine Postkarte bei, auf der wir geeignete
-Anschriften erbitten.
-
-Für eine freundliche Hilfe sagen wir im voraus herzlichen Dank.
-
- =Landesverein Sächsischer Heimatschutz=
-
- Dresden-A., Schießgasse 24, I.
-
-
-
-
- Band X, Heft 4/6 1921
-
-[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden]
-
-Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den
-Vorstand herausgegeben
-
-Abgeschlossen am 1. April 1921
-
-
-
-
-Das westliche Vogtland, ein deutsches Wald- und Wandergebiet
-
-Von Studienrat _Hans Hänig_, Wurzen
-
-Aufnahmen von _Curt Sippel_, Plauen
-
-
-Unsere engere Heimat ist reich an Schönheiten. Wer das Erzgebirge
-durchwandert und den Reiz des Elbsandsteingebirges genossen hat,
-wem es vergönnt war, von der Höhe des Oybin aus seine Blicke über
-das böhmische Mittelgebirge schweifen zu lassen, der wird voll
-sein von Lobes über ein Land, dessen Lebensbedingungen im übrigen
-Deutschland nicht eben für günstig gelten. Aber wie es z. B. die
-Geschichtswissenschaft nicht immer mit den Höhen des menschlichen
-Daseins zu tun hat, sondern auch die Niederungen berücksichtigen muß,
-so muß man von dem Schilderer unserer Heimat verlangen, daß er auch
-den Gegenden ein liebevolles Verständnis entgegenbringt, die nicht
-von vornherein als Glanzpunkte von Wanderungen gelten können. Er
-wird vielleicht manches vermissen, was ihm sonst als beachtenswert
-erscheint, aber er wird auch hier vieles finden, an dem sein Blick mit
-Wohlgefallen hängt und von dem echtes Heimatsgefühl ausströmt, das uns
-gerade jetzt so vonnöten ist. Warum immer nur das Erzgebirge oder die
-Lausitz oder die Sächsische Schweiz? Auch in Südwestsachsen gibt es
-Landschaften, die eine eingehende Betrachtung wert sind. Ich will den
-Leser in das Vogtland führen, und zwar in den westlichen Teil, und
-hoffe ihn überzeugen zu können, daß auch dieser Teil unserer engeren
-Heimat mit seinen Naturdenkmälern, Bergen und Erinnerungen aus der
-Vergangenheit eine liebevolle Anteilnahme verdient.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Straßberg bei Plauen i. Vogtl.=]
-
-So lade ich denn den freundlichen Leser ein, eines Nachmittags mit
-mir von Plauen aus ins westliche Vogtland zu wandern. Wir benutzen
-die Straßberger Straße und erblicken schon in dem ersten Dorfe
-Straßberg, das etwa eine Wegstunde von Plauen entfernt liegt, ein
-ehrwürdiges Denkmal aus der vogtländischen Vergangenheit. Es ist die
-altertümliche Kirche dieses Dorfes, die wie so manche andere des
-westlichen Vogtlandes (Untertriebel, Schwand, Thierbach bei Plauen)
-Spuren ehemaliger Befestigungen aufweist. Es war ein Schutz gegen
-die unaufhörlichen Kriegsnöte, die dem Vogtland niemals erspart
-worden sind: seit es von Franken aus besiedelt wurde (daher auch die
-ostfränkische Mundart der Bewohner, die auch ihrem Wesen nach eher
-den Bayern nahestehen als den Sachsen), hörte das Land nie auf, ein
-Durchgangsgebiet zwischen Bayern und Mitteldeutschland zu sein, auch
-nachdem die Herrschaft der Vögte -- das Land war bis dahin sogar
-zeitweise Reichslehen gewesen -- an die der Wettiner übergegangen war.
-Noch erzählen zahlreiche Steinkreuze von der Herrschaft der Kirche
-oder von Mordtaten, die begangen worden waren (der derbe, wenn auch
-gutmütige Vogtländer greift auch heute noch gern zur Selbsthilfe, was
-an seine bayrische Verwandtschaft erinnern mag oder an die Zeit, in
-der noch die Sorben und Deutschen nebeneinander wohnten), und fast
-jede der größeren Städte an der Elster erfuhr an sich das Wüten des
-grausamen Generals Holk, der mit seinen Scharen im Dreißigjährigen
-Krieg von Eger anrückte und überall ein Schrecken der Vogtländer
-wurde. Was könnten allein die Kirchenbücher von Ruppertsgrün und von
-Pausa Schreckliches von den Leiden jener Zeit erzählen! Auch in den
-folgenden Kriegen ist das Land nicht verschont geblieben: am Wartberge
-bei Taltitz fochten im Siebenjährigen Kriege die Ziethenschen Husaren
-gegen die Österreicher, und im Jahre 1806 wurden die Dörfer Groß-
-und Kleinzöbern, sowie Thiergarten bei Plauen von den Franzosen
-niedergebrannt, um den übrigen Scharen, die von der Schleizer Gegend
-aus vordrangen, ein Zeichen zu geben. Aber wir wollen nicht immer bei
-den schweren Zeiten verweilen, die über das Vogtland hinweggegangen
-sind. Bereits das nur wenige Minuten entfernt gelegene Dorf Kürbitz
-ladet mit seiner herrlichen Kirche, die für eine der schönsten in
-ganz Sachsen gilt, zu sinniger Betrachtung ein. Wohl ragt sie rein
-äußerlich höchstens durch die Größe ihres 42 Meter hohen Turmes etwas
-aus der langen Reihe der Schwesterkirchen hervor, die so manches
-vogtländische Dorf aufzuweisen hat, aber schon ein Blick durch die
-schöne Hauptpforte zeigt, daß die Kunst hier eine dauernde Stätte
-gefunden hat. Wir stehen in einer Hallenkirche mit drei Schiffen, über
-die sich ein kunstvolles Kreuzgewölbe spannt, während an den Fenstern
-Spitzbogen mit Rundbogen abwechseln. Auch die Kanzel aus Sandstein mit
-den Evangelisten und Moses, sowie der Taufstein mit dem kelchartigen
-Unterbau ist erwähnenswert, aber niemand wird die schlichte Größe
-des Altares vergessen, der aus der alten Kirche vor der Reformation,
-einer Gründung der Deutschritter in Plauen, übernommen worden ist. Es
-ist ein dreiteiliger Flügelaltar, dessen geschnitzte und vergoldete
-Figuren wie verwundert und versonnen aus jener Zeit in die heutige
-hineinschauen und gerade deshalb durch ihre kindliche Einfalt so
-ergreifend wirken: die Mutter Maria mit dem Jesuskindlein und den
-Aposteln, Maria Magdalena am Grabe des Herrn und die Mutter Maria,
-wie sie ihrer Mutter, der heiligen Anna, das Kind darreicht. Auch die
-Gemälde möchte man an dieser Stätte dörflicher Kunst nicht missen, die
-biblische Begebenheiten sowie solche aus der Geschichte der Herren von
-Feilitzsch darstellen, und es möge erwähnt werden, daß eines dieser
-Bilder, die Einkehr des Herrn bei Maria und Martha, aus der Schule von
-Rubens herrühren soll. Auch die drei kleinen Altäre sind erwähnenswert,
-die ebenfalls mit Schnitzwerk und Malereien reichlich versehen sind.
-Die Kirche soll eine Stiftung des kunstsinnigen Urban Caspar von
-Feilitzsch sein, der sie in den Jahren 1624--1626, also während des
-Dreißigjährigen Krieges gebaut haben soll. In einem Seitenschiffe
-befindet sich die Begräbnishalle dieser Familie, und viele ihrer
-Mitglieder sind auf den Grabsteinen, umgeben von vielen Wappen,
-dargestellt.
-
-[Illustration:Abb. 2 =Kirche zu Kürbitz=
-
-(Phot. _Hans Ulbricht_, Chemnitz)]
-
-Der Weg von dem Elstertale bis zur bayrisch-reußischen Grenze ist
-noch weit, und wir müssen noch manche Höhe überwinden, ehe wir zu
-unserem Ziele für heute gelangen. Das ganze westliche Vogtland, das
-mit dem östlichen Teile einen Übergang zwischen dem Erzgebirge und
-dem Thüringer- und Frankenwald bildet, steigt von hier an allmählich
-zu der Höhe von etwa 600 Meter auf, die zugleich die Grenze zwischen
-dem Vogtland und dem reußischen Gebiet bildet, aber das Gelände ist
-von zahlreichen Talrinnen durchfurcht, von denen die meisten nach der
-großen Elsterkrümmung zwischen Plauen und Ölsnitz zu verlaufen. Nur ein
-eigentlicher Paß, der von Wiedersberg, bildet eine mäßige Einsenkung
-dieser Hügelketten, die, wie das ganze Gelände, auch nach Norden einen
-allmählichen Abfall zeigen, und dort führt auch die Straße von Plauen
-nach Hof ins Bayrische hinüber. Somit ist auch eine Wanderung in dieser
-Gegend nicht ohne Reiz, wenn auch überragende Berggipfel fehlen: Dörfer
-wechseln mit Waldstücken und Äckern, auf denen der Bauer jahraus,
-jahrein in harter Arbeit dem Boden seine Erzeugnisse abringt (der
-Boden des Vogtlandes ist zumeist felsig und gibt nur dort einigermaßen
-gute Ackererde, wo Grünsteinschichten verwittert sind), und zwischen
-dem Grün der Wiesen schlängelt sich manches Bächlein dahin, um in
-eine größere Schwester einzumünden. Die Bauernhäuser zeigen auch hier
-die Merkmale fränkischer Besiedlung: der Hof von Gebäuden umgeben,
-die Häuser von Fachwerk, und dazwischen manch altes Blockhaus, die
-Kirchtürme oft mit zwiebelförmigem Aufbau wie in Franken, und
-vielfach noch alte Dorflinden, die manches ländliche Fest im Reigen
-der Jahre gesehen haben. Nur das Herrschaftshaus eines Rittergutes
-hebt sich mitunter einigermaßen aus dieser Bauart heraus, und manche
-dieser Schlösser wie die von Geilsdorf, Reuth und Rodersdorf zeigen
-geradezu durch ihre Wasserbefestigungen, daß sie aus alten Wasserburgen
-entstanden sind.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Altes Wasserschloß in Mechelgrün=]
-
-Aber es ist unterdessen spät geworden bei unseren Betrachtungen, und
-wir müssen noch ein tüchtiges Stück Weg über die Höhen zurücklegen,
-die vor uns liegen, um noch vor Abend zu unserem Ziel zu kommen. Schon
-ziehen sich im Reußischen, das sich drüben jenseits des Stelzenbaumes
-erhebt, die Abendwolken zusammen, aber rückwärts von uns hat das
-Gewitter ausgetobt, das noch vor einer Stunde über der Landschaft
-gelegen hat: der ganze Grund, der sich bis in die Straßberger Gegend
-hinzieht, ist von Nebel verhüllt, aus dem sich nur taufrisch einzelne
-Waldstücke und Wiesen hervorheben. Noch ein seltsam schönes Bild soll
-unsere Aufmerksamkeit anziehen, ehe wir weiter wandern. Seitwärts von
-dem holprigen Wege, der eben wieder am Tannenwald entlang eine größere
-Höhe genommen hat, ruht ein See, dessen Oberfläche nach dem Gewitter
-dampft, das auch hier wie ein verjüngendes Bad über die Natur gegangen
-ist, und wie scheu öffnen sich die Kelche der Wasserrosen den Strahlen
-der Sonne, die sie jetzt wieder auch in diesen stillen Erdenwinkel
-herniedersendet. Der Dichter des Vogtlandes, J. Mosen, der in einem
-Dörfchen an den Abhängen jenseits der Elster geboren ist, hat das Bild,
-das uns hier die Natur vor Augen zaubert, in Worte gekleidet:
-
- Der See liegt tief im blauen Traum,
- von Wasserblumen zugedeckt;
- ihr Vöglein hoch im Fichtenbaum,
- daß ihr mir nicht den Schläfer weckt!
-
- Doch leise weht das Schilf und wiegt
- das Haupt mit leichtem Sinn;
- ein blauer Falter aber fliegt
- einsam darüber hin! -- --
-
-Unser Weg geht nach dem hart an der bayrisch-reußischen Grenze
-gelegenen Dorfe Mißlareuth; aber bevor die Sonne untergeht, soll
-sie uns noch einmal ein Stück vogtländischer Landschaft von einer
-weihevollen Stätte aus vor Augen zaubern. Nach einstündigem Marsche,
-der wegen der Steigerung zusehends anstrengt, gelangen wir nach dem
-Dörfchen Krebes, das sich eine lange Talrinne hinaufzieht, und daneben
-liegt, mit überraschend schönem Blick auf das wellige Hügelland, eine
-weithin sichtbare Grünsteinkuppe, der Burgstein, in dessen Ruinen die
-Reste zweier Wallfahrtskapellen zu finden sind. Beide wurden 1430
-von den Hussiten zerstört, und damit verschwand auch das berühmte
-Marienbild, dessen Gnadenhandlungen der Burgstein seinen Ruhm und
-seinen Reichtum zu danken hatte. Das liebliche Landschaftsbild, das
-ehrwürdige Gemäuer umrandet vom Grün der Fichten, erinnert an so
-manches Gegenstück im Fichtelgebirge wie an den Epprechtstein und den
-Waldstein, von dem die Blicke fast bis zu uns herüberschweifen. Wir
-empfinden, was ein Dichter des Vogtlandes aus jüngster Zeit hier in
-Worten ausgesprochen hat:
-
-
-Burgsteinkapellen.
-
- Geborsten die Wandung, das Meßwerk welk,
- Hussitenverwunschen Gewölb und Gebälk,
- Entgöttert das Chor.
- Kein wunderwirkend Marienbild
- Nickt mehr aus der Nische versöhnungsmild,
- Keine Glockenverheißung, kein Weihrauchflor
- Hängt mehr in der Luft.
- Aber Fichtenwald predigt im Chor.
- Königskerzen lohn. Und im Wehmutsfeuer
- Des Sonnabendabschieds strahlt wie verklärt das Gemäuer.
- Harzduft wittert vom frühen März
- Bis spät in den Sommer. Stundenlang läutet die Kuckucksterz,
- Und im Herbstwind nestelt Mariengarn,
- Heimwehwimpel in Fichte und Farn -- Gottes voll kniet das Herz.
-
- (K. A. Findeisen).
-
-Aber drüben grüßt, schon im Dunkel des Abends umfangen, der Turm von
-Mißlareuth zu uns herüber, wo wir für heute Nacht rasten wollen. Über
-den Schienenstrang, auf dem die Schnellzüge der Nord-Süd-Expreßlinie
-nach dem Süden eilen, geleitet uns ein anmutiger Buchenweg nach der
-Höhe hinüber, an der sich das Dorf entlang zieht. Ein vogtländisches
-Bauerndorf wie viele andere, aber im Herzen der Natur und fern von
-der Kultur, die auf die größeren Städte des östlichen Vogtlandes
-beschränkt geblieben ist. Auch der Gasthof, in dem wir übernachten,
-ist ein Bauernhof mit derben Pfosten und schlichten Kammern, aber
-in den einfachen Betten schläft es sich besser als in den weichen
-Hotelbetten, die wir vielleicht eine halbe Stunde weiter nach Westen,
-in dem preußischen Städtchen Gefell, finden würden. Wir brauchen die
-Ruhe; denn wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn wir noch den
-nördlichen Teil des westlichen Vogtlandes kennen lernen wollen.
-
-[Illustration: Abb. 4 =Ruderitz mit Burgstein=]
-
-Das Dorf Mißlareuth, in dem wir die letzte Nacht zugebracht haben,
-braucht sich, was seine Höhenlage anbetrifft, nicht vor den übrigen
-Dörfern des Vogtlandes und des Erzgebirges zu schämen, es wetteifert
-mit den 620 Metern seiner Höhenlage mit den höheren Siedlungen des
-Erzgebirges, und sein schmucker Kirchturm grüßt frühmorgens hinüber
-zu dem von Schöneck und leuchtet selbst dem entgegen, der von der
-Ruine des Epprechtsteines im Fichtelgebirge seinen Blick gegen Norden
-schweifen läßt. Aber selbst der hochgelegene Kirchhof legt dem Besucher
-nahe, den Blick von der heimatlichen Scholle in die Weite schweifen
-zu lassen; denn gleich am Anfang liegt, durch ein Denkmal geziert,
-das Grab des gelehrten vogtländischen Bauern Nikolaus Schmidt, nach
-dem Großvater genannt Küntzel, auf den noch heute seine Landsleute
-stolz sein können und der zwei ihrer besten Eigenschaften, die
-Zähigkeit und die Bodenständigkeit, zum Ausdruck gebracht hat. Er
-wurde zu Rothenacker geboren, das zwar im Reußischen liegt, aber nach
-Mißlareuth eingepfarrt ist. Dort lernte Nikolaus, dessen Vater das
-größte Bauerngut im Dorfe besaß, durch Vorsagen von der Mutter die
-ersten Gebete und die Hauptstücke des Katechismus, während ihm ein
-Dorfjunge, der an seiner Stelle die Kühe hüten sollte, an der Hand
-eines A-B-C-Buches zum ersten Lehrer wurde. Von dem Schulmeister in
-Mißlareuth erhielt er ein Buch, das seinen Wissenstrieb in weitere
-Bahnen lenkte: einen Katechismus, der in vier Sprachen (deutsch,
-lateinisch, griechisch und hebräisch) geschrieben war. Und nun wächst
-dieser seltsame Mensch Schritt für Schritt aus der Enge seines
-Heimatbodens heraus, der er doch bis an das Ende seines Lebens als
-Bauer treu geblieben ist. Von dem gelehrten Sprachkenner, der mehr
-als ein Dutzend fremder Sprachen lesen, sprechen und verstehen
-konnte, redete man am Hofe des Kurfürsten Johann Georg I., der ihm
-eine zehnbändige Bibel in deutscher und lateinischer Sprache und
-dreiunddreißig Taler schenkte, wie an dem zu Gera, dessen Fürst ihm
-Steuerfreiheit und das Recht verlieh, den Titel Herr zu führen, und der
-Erfolg des ersten Schmidt-Küntzelschen Kalenders, der im Jahre 1653
-erschien (man bedenke, daß das Leben dieses seltsamen Mannes in das
-Dunkel des Dreißigjährigen Krieges fiel) und der bis ins achtzehnte
-Jahrhundert hinein fortgeführt wurde, zeigt, daß auch in weiten Kreisen
-des deutschen Volkes hinein sein Name gedrungen war. Die Bücher zu
-seinem rastlosen Studium mußte er sich freilich selbst beschaffen, und
-so finden wir ihn mit seinem Schubkarren in Hof, Schleiz, Lobenstein,
-ja selbst in Leipzig und Nürnberg, und welch ein Verlust muß es für ihn
-gewesen sein, als seine kostbare Sammlung von sechshundert Bänden im
-Jahre 1640 von plündernden Kroaten vernichtet wurde. In der Dresdner
-Bibliothek befindet sich noch eine Handschrift vom gelehrten Bauer mit
-150, in der von Schleiz eine solche mit 250 Schrift- und Sprachproben
-(er hat es bis zur Meisterschaft im Schönschreiben gebracht), und von
-seiner Beschäftigung mit der Arznei- und Himmelskunde legt der erwähnte
-Kalender beredtes Zeugnis ab. Im Jahre 1671 ist sein müder Leib der
-Heimatserde zurückgegeben worden. --
-
-Wir setzen unsere Wanderung an dem taufrischen Morgen auf der großen
-Straße fort, die sich etwa auf der Grenze des Vogtlandes und des
-reußischen Gebietes dahinzieht. Überall dasselbe Bild, das für diese
-Landschaft charakteristisch ist: Waldstücke und Wiesen in anmutigen
-Hügelformen, wechselnd mit Äckern und wohlhabenden Dörfern, von denen
-gar mancher Name (als zweiter Bestandteil reuth von roden) von der
-Tätigkeit der Ansiedler auf diesem Stück Land Zeugnis ablegt. Das große
-Dorf Reuth ist eine namhafte Station an der Bahn zwischen Reichenbach
-und Hof, die sich in mannigfachen Windungen durch das Vogtland zieht
-und in stetem Wechsel Bilder von Heide, Wiesen und Wald bietet, und
-es enthält noch die Reste einer Wasserburg, wie wir sie schon früher
-kennen gelernt haben. Wir müssen noch einmal ins Reußische, ehe wir
-die Höhe mit dem Stelzenbaum, auch jetzt noch das Wahrzeichen unseres
-Wandergebietes, erreichen können. Die Kirche des Ortes Stelzen, das zu
-seinen Füßen liegt, gehört nach Reuß, während in den Bauergütern zum
-Teil geborene Vogtländer auf ihrer Scholle sitzen. Fast versteckt in
-den Wogen der Ährenfelder, die sich bis auf den Hügel hinaufziehen,
-steht ein kleiner Stein und nicht weit davon der ehrwürdige Rest des
-alten, sagenumwobenen Stelzenbaumes, der im Jahre 1897 vom Blitze
-getroffen worden ist. Von seinem Umfange redet noch der Stumpf,
-den fünf Männer kaum umspannen können und dessen oberes Ende durch
-eine mächtige Platte vor weiterer Zerstörung geschützt ist. Eine
-Orientierungstafel des Vogtländischen Touristenvereins Plauen zeigt,
-daß die Höhe, auf der wir uns befinden (618 Meter), groß genug ist,
-um nach allen Seiten Umschau zu halten. Eine Menge von Dörfern im
-bunten Wechsel von Tal und Hügel dehnt sich nach allen Seiten vor dem
-Beschauer aus, und bei klaren Tagen reicht der Blick von der Plauener
-Gegend bis zu den Höhen des Frankenwaldes.
-
-[Illustration: Abb. 5 =Der Burgstein von Westen=]
-
-Nur zwei Städte sollen uns bei unserer Wanderung noch aufhalten, um
-auf diese Weise das Bild zu vervollständigen, das wir von diesem
-Teil des Vogtlandes gewonnen haben. Sie zeigen uns beide in ihrer
-Art, daß wenigstens dieser westliche Teil auch heute noch ein Acker-
-und Weideland ist und daß sich größere Städte abseits von der großen
-Heerstraße, die sich an der Elster entlang zieht, hier nicht zu
-entwickeln vermögen. Zwischen Wiesen gebettet und mit seinem Schloßturm
-noch an das Mittelalter erinnernd, tritt uns zunächst Mühltroff
-entgegen, ein Städtchen von etwa 2000 Einwohnern, dessen Mittelpunkt
-auch heute noch der überragende, festgefügte Schloßbau ist, unter
-dessen Schutz sich die Stadt entwickelt hat. Schon die Bauart des
-Schlosses mit seinem runden, hohen Turm, dessen Wände drei Meter
-stark sind, und seiner Wasserbefestigung, die jetzt zugeschüttet
-ist, erinnert an jene Zeit, wo deutsche Kaiser ihre Macht durch
-feste Grenzplätze zu stärken suchten, und so scheint die Herrschaft
-Mühltroff schon im frühen Mittelalter ein unmittelbar kaiserliches
-Reichslehen und im zwölften Jahrhundert mit Lobenstein, Schleiz, Pausa
-und Elsterberg vereinigt gewesen zu sein. Heute ist das Schloß verödet
-und die großen Säle dienen zur Aufbewahrung von Feldfrüchten, während
-die Prunksäle zu Rumpelkammern geworden sind, aber noch immer zeigt
-man geheimnisvolle Räume und dunkle Gänge, wo die Erinnerung an einen
-der Schloßherrn spukt (den Grafen Kospoth), dem man nachsagte, daß er
-der Geisterbeschwörung und Alchemie ergeben war und daß er bei dem
-Brande des Schlosses 1817 in dem Wahne, den Feuersegen zu besitzen,
-elendiglich zugrunde ging. Auch die Bauart der Stadt mit dem engen
-Markte (in dem Gasthofe zum halben Mond residierte die eine Linie
-der Gutsherrn) hat noch heute etwas Altertümliches und ist nie über
-die eines kleinen Landstädtchens hinausgekommen, und zu erwähnen ist
-höchstens die ehemalige Schloßkirche, zu der eine Brücke vom Schlosse
-aus führt und die nach dem großen Stadtbrande der Stadt überwiesen
-wurde. Mehr der heutigen Zeit hat sich Pausa angepaßt, das in einem
-weiten Talkessel liegt und vor allem der Stickereiindustrie seinen
-Aufschwung verdankt. Die Stadt ist, wie der Name sagt, eine Gründung
-der Slawen gewesen, die sich mehr die Niederungen und Flußgegenden
-zu Wohnsitzen aussuchten, sie kam schon zu Anfang des fünfzehnten
-Jahrhunderts mit anderen Städten in den Besitz der Wettiner und hat
-besonders im Dreißigjährigen Krieg, wie der Bericht ihres treuen
-Pfarrers Pyrläus zeigt, schwere Zeiten durchlebt. Heute zeigt Pausa das
-Bild einer sächsischen Kleinstadt wie so manche andere: die Kirche im
-altsächsischen Renaissancestil, ein geräumiger Markt und die Häuser,
-im übrigen vielfach einstöckig, mit reinlichen Straßen -- man fühlt,
-daß man hier abseits ist von dem großen Weltgetriebe, und man möchte
-gern ein paar Stunden verweilen, um sich satt zu sehen an dem Grün der
-Wiesen und um dem Gesang der Vögel zu lauschen, die nicht müde werden,
-auf diesem schönen Stück Erde ihre Lieder erschallen zu lassen. Kein
-Wunder ist es daher, daß bei der Nähe der heilkräftigen Moore von jeher
-die Menschen hier Heilung gesucht haben und daß besonders der Name des
-Bades Linda weit über die sächsischen Grenzen bekannt geworden ist.
-Mit Bad Elster, das auf dem südwestlichen Teile des vogtländischen
-Hügellandes in einem Tale, von Nadelwäldern umgeben, eingebettet ist,
-kann sich allerdings Pausa nicht messen, das außer Linda auch noch ein
-älteres Bad mit schönen Anlagen besitzt, aber die Heilberichte, die
-uns auch von hier vorliegen, zeigen, daß auch dieses Bad trotz der
-augenblicklich ungünstigen Zeitumstände noch eine Zukunft hat.
-
-[Illustration: Abb. 6 =Elstertal mit Eisenberg=]
-
-[Illustration: Abb. 7 =Vogtländisches Dorf Tremnitz= (Nord-West)]
-
-Von Pausa selbst lassen sich besonders zwei Gebiete in kurzer Zeit
-erreichen, die durch ihre landschaftliche Schönheit ausgezeichnet
-sind: die Schleizer Gegend und die vogtländische Schweiz, der wir
-uns zuletzt noch zuwenden wollen, um an den Ausgangspunkt unserer
-Fahrt wieder anzuknüpfen. Wir müssen ein Stück durch das Reußische
-hindurch, um die Höhe zu erreichen, die von einer Windmühle, einem
-Wahrzeichen des nördlichen Vogtlandes, gekrönt ist. Der Berg, auf dem
-sie steht, trägt noch heute den Namen »Liekirch« und erinnert an ein
-altes Kirchlein, das vor Jahrhunderten an dieser Stelle gestanden
-haben soll und das der Sage nach seinen Namen (Lindwurmskirche)
-von der mutigen Tat eines Müllerknechtes erhalten hat, der die
-Tochter seines Herrn und die Umgegend von Syrau vor den Zähnen eines
-greulichen Lindwurms rettete. Auf dem Kirchturm von Syrau hängt noch
-heute ein Glöckchen, das einst die alte »Liekirch« geziert haben
-soll. Vor unseren Augen entfaltet sich, wenn wir jenseits dieser
-Mühle, etwa bei Steinsdorf, auf die Plauen-Reichenbacher Heeresstraße
-kommen, eine Landschaft, wie sie an Mannigfaltigkeit und Reiz der
-Erscheinungen in Sachsen, ja in Deutschland ihresgleichen sucht. Es
-ist wieder der Grünstein, der hier, am Kreuzungspunkt zweier großen
-Eisenbahnlinien, einen entzückenden Bilderreichtum vor das Auge des
-Wanderers gezaubert hat. Berggipfel mit Waldstücken bauen sich hoch zu
-beiden Seiten der Elster, die, von der einen Bahn begleitet, in dem
-waldumkränzten Tale dahinrauscht, und mit königlichem Bogen spannt
-sich die Elstertalbrücke dort, wo sich die beiden Linien kreuzen,
-über die hohen Ufer. Das Dorf Jocketa, das neben der Brücke auf der
-andern Seite hoch über dem Tal liegt, ist beinahe durch die Schönheit
-seiner Lage zu einer Villenkolonie geworden, und der Blick in das
-Elstertal ist von hier aus ebenso lohnend wie der in das stille
-Triebtal, dessen wir noch gedenken werden. Und darüber hinaus weitet
-sich der Blick noch nach allen Seiten und ladet zu weiteren Fahrten
-ein: im Süden erscheinen die blauen Linien des Elstergebirges, und zur
-linken Seite können wir ein Stück des Elsterlaufes verfolgen, die hier
-stundenlang zwischen tannengekrönten, zerklüfteten Grünsteinfelsen in
-einem engen Talkessel -- besonders im sogenannten Steinicht zwischen
-Jocketa und Elsterberg -- dahinfließt. Darüber erhebt sich in der
-Ferne der Kuhberg bei Netzschkau, von dem wieder ein weiter Blick
-in das gewerbfleißige östliche Vogtland mit seinen Industriestädten
-gestattet ist. Aber wir hätten beinahe ein noch schöneres, wenn auch
-stilleres Naturbild vergessen, das hinter den Bogen der Elstertalbrücke
-versteckt liegt. Wir gehen den Saumweg zur linken ins Tal herab
-und werfen noch einen Blick auf die Barthmühle, die wie die weiter
-nördlich gelegene Rentzschmühle wegen der landschaftlichen Schönheit
-ihrer Lage viel besucht wird. Hinter der Brücke mündet die Trieb in
-die Elster, für flüchtige Besucher kaum sichtbar, aber doch so reich
-an Schönheiten, daß wir ihrer an dieser Stelle noch gedenken müssen.
-Noch vor wenig Stunden ein stiller Waldbach, der an den Dörfern und
-Wiesen des östlichen Vogtlandes vorüberzieht, hat sie sich kurz vor
-ihrer Vereinigung mit der Elster durch Felswände ein großartiges,
-etwa hundert Meter tiefes Bett gebrochen und rauscht nun durch dieses
-tannenumdüstert der Mündung in die größere Schwester zu. Nur wenige
-der Schnellzugsreisenden, die dort oben über der Elstertalbrücke
-dem Süden zustreben und denen nur ein flüchtiger Blick in diesen
-bewaldeten Talkessel vergönnt ist, ahnen, daß hier unbemerkt von ihnen
-seitwärts eine Perle deutscher Flußlandschaft vorübergezogen ist:
-die Trieb, die sich dort durch die Enge des Tales hindurchzwängt und
-sich von den gewaltigen Granitblöcken, die ihr allerorts den Lauf zu
-versperren scheinen, von der Vergangenheit der Erde erzählen läßt, die
-Bergwände, die mit steilen Pfaden und Tannenwäldern in das Dunkel des
-Talkessels hinabstürzen und der Saumpfad, der sich fast scheu an der
-Seite des Flüßchens dahinschlängelt, als wollte er das Weben der Natur
-nicht stören und der nur bei der Pyramidenwiese zu kurzem Verweilen
-einladet, wo sich hohe Fichten, gleich den ägyptischen Königsgräbern in
-ihrer Spitze verjüngend, ein weltverlorenes Stelldichein geben. Aber
-wir sind hier schon auf dem andern Ufer der Elster, das nicht mehr zu
-unserem Wandergebiet gehört. Noch eine halbe Stunde von der Brücke weg
-nach Süden zu, und das Tal erweitert sich, und vor uns liegt wieder die
-Hauptstadt des Vogtlandes, die auch nach dieser Seite zu im Vollgefühl
-ihrer Kräfte die Arme ausgestreckt hat. Das westliche Vogtland wird
-aber auch weiterhin ein deutsches Wald- und Wanderland bleiben zumal
-für den, der es zu verstehen und in seiner Eigenart zu lieben vermag --
-bedürfen wir nicht gerade heute mehr als je diese Eigenschaften, um im
-Inneren wiederzufinden, was wir nach außen -- wenn auch hoffentlich nur
-vorübergehend -- verloren haben?
-
-[Illustration: Abb. 8 =Triebtal=]
-
-[Illustration: Abb. 9 =Loreleysteg im Triebtal=]
-
-
-
-
-C. G. Schillings †
-
-
-Am 29. Januar dieses Jahres ist der bekannte Zoologe und Afrikaforscher
-_C. G. Schillings_ in Berlin gestorben. »Sein Tod,« so schrieb mir
-Hermann Hähnle, »reißt eine solche Lücke in den Naturschutz, daß wir
-andern um so enger zusammenhalten müssen.« In der Tat, ein Mann ist von
-uns gegangen, der sein ganzes Leben in den Dienst unsrer Sache gestellt
-und nicht nur in großzügigster Weise die Idee des Naturschutzes
-allezeit mannhaft vertreten, sondern auch auf diesem Gebiete wahrhaft
-Großes, ja Unsterbliches geschaffen hat.
-
-Dem Landesverein »Sächsischer Heimatschutz« stand der Verstorbene sehr
-nahe; wiederholt weilte er in unserm Kreise. Noch im Mai vorigen Jahres
-sprach er vor überfüllten Sälen in seiner ihm eignen packenden Weise
-über Weltnaturschutz. Mit hinreißender Beredsamkeit, mit glühender
-Wahrhaftigkeit -- ein Wesenszug seiner ganzen Persönlichkeit -- mit
-rücksichtsloser Offenheit gegenüber den kleinlichen und nur auf
-persönlichen Vorteil gerichteten Anschauungen seiner Gegner wußte er
-die Zuhörer zu überzeugen und für seine Ideen zu begeistern. Gerade
-bei uns hier in Dresden hat Prof. Schillings eine große Menge treuer
-Anhänger und Verehrer gefunden, und so ist es nur eine Pflicht der
-Dankbarkeit, wenn wir dem _mannhaften Vorkämpfer auf dem Gebiete des
-Naturschutzes diese Zeilen widmen_.
-
-Durch sein berühmtes Werk »_Mit Blitzlicht und Büchse_«, das im Jahre
-1905 in R. Voigtländers Verlag erschien, ward C. G. Schillings Name
-mit einem Schlag in den weitesten Kreisen bekannt. Etwas ganz Neues,
-Niegeahntes, ja Unerhörtes und Unbegreifliches ward uns mit diesem
-herrlichen Werke geschenkt. Das Tierleben Afrikas hat uns Schillings
-durch seine Blitzlicht-Aufnahmen aufgehellt, wie es bisher noch keines
-Menschen Auge geschaut hat. Durch ihn erst weiß man, was es heißt:
-»Tierbilder nach dem Leben,« und immer mehr noch wird man einsehen, was
-sie bedeuten -- unersetzliche Natururkunden, deren Wert von Jahrzehnt
-zu Jahrzehnt in dem Maße steigt, wie die afrikanische Großtierwelt
-infolge der fortschreitenden Zivilisation immer mehr von der Bildfläche
-des Lebens schwindet. »Die Erhaltung der großen lebenden Naturdenkmäler
-wenigstens im photographischen Abbilde Schillingsscher Natururkunden
-ist wahrlich eine der dringendsten Forderungen unsrer Zeit auf dem
-Gebiete idealer Wissenschaft und selbstloser Naturbetrachtung.« So
-schrieb ~Dr.~ L. Heck in seinem Vorwort zu dem großen Erstlingswerk von
-Schillings.
-
-Noch klarer tritt der Naturschutzgedanke in dem ein Jahr später,
-gleichfalls in R. Voigtländers Verlag erschienenen Werke »_Der
-Zauber des Elelescho_« hervor, das der Verfasser seinem Bruder, dem
-berühmten Komponisten Max v. Schillings und dessen Gattin gewidmet
-hat. »Mit schwachen Kräften habe ich mich bemüht,« schreibt er, »einer
-großen Idee gerecht zu werden, einem Ideengang, den jeder ohne Mühe
-herausfinden und, was mehr wäre, für den er hoffentlich eintreten
-werde. Durch Anschluß an die bestehenden großen Vereinigungen, den Bund
-für Heimatschutz, die Jagd- und Vogelschutzvereine kann jedermann das
-Seinige zur Erhaltung der Naturdenkmäler im weitesten Sinne beitragen.«
-
-Gemeinsam mit diesen Vereinen begann Schillings im Jahre 1910 einen
-heftigen Kampf gegen die Unsitte, Federn freilebender Vögel als
-Damenschmuck zu tragen. Ein Aufsatz von ihm, der zuerst in den
-»Süddeutschen Monatsheften« erschien: »_Die Tragödie des Paradiesvogels
-und Edelreihers_« wurde vom Bund für Vogelschutz, dem Schillings bis
-zuletzt sehr nahe stand, den weitesten Kreisen zugängig gemacht. Wie
-sucht hier der Verfasser das Gewissen der Frauenwelt zu schärfen, wie
-eindringlich, wie überzeugend sagt er es allen, daß diese barbarische
-Mode die herrlichsten Wunder der Schöpfung bedrohe und vernichte!
-
-In einer zweiten Schrift »_Die Arche Noah_« forderte Schillings
-gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutze der gefährdeten Vogelwelt nach
-dem Vorbild Amerikas und Englands. Ich greife einen Satz heraus, der
-nicht nur den Titel dieser Schrift erklärt, sondern zugleich ein
-treffliches Beispiel für den Humor wie für die Überzeugungskraft aller
-Ausführungen des Verfassers bietet. »Wir wollten von der Arche Noah
-reden, hören wir! Klingt es nicht seltsam und sollte es nicht den
-heutigen Erdenbewohnern zu denken geben, daß dem Urpatriarchen und
-ersten großen Naturschützer Weisung wurde, _alle_ Tierarten, _ohne
-Ausnahme_, nicht also wie es etwa die heutigen nackten Utilitarier
-tun würden, nur Ochsen, Esel und Schafe in die rettende Arche zu
-überführen? In den Urzeitmythen der Völker liegt goldene Weisheit
-verborgen, und alte Wahrheit künden uns diese Überlieferungen.«
-
-Der Erfolg blieb nicht aus. Im Oktober 1913 verboten die Vereinigten
-Staaten von Nordamerika die Einfuhr von Schmuckfedern freilebender
-Vögel, und auch in England nahm das Unterhaus am 9. März 1914 in
-zweiter Lesung die Gesetzesvorlage zur völligen Verhinderung jeder
-Federeinfuhr mit Ausnahme von Eiderdaunen und Straußenfedern an. Da kam
-der Krieg und brachte die Bewegung vorläufig zum Stillstand. Zugleich
-verhinderte er die Herausgabe einer dritten Schrift von Schillings, die
-bereits druckfertig vorlag: »_Paradiesvogel, Edelreiher und die Frau_«.
-
-Bei den Tagungen der Naturforscher, Geographen, Naturschützler
-war der hochgewachsene, blonde Mann mit seinem offenen Blick eine
-bekannte Erscheinung. Wenn er mit lebendigster Anschaulichkeit und mit
-geradezu hinreißendem Schwunge für den Schutz der Vogelwelt eintrat
-oder unbedingten Naturschutz namentlich in den Kolonien forderte,
-zum Beispiel auf dem Kongresse der deutschen Kolonialgesellschaft in
-Stuttgart oder auf dem der deutschen Naturforscher und Ärzte in Wien
-1913, da lauschte jeder gespannt den Worten des von seiner Idee so ganz
-erfüllten Redners. Der Naturschutz war ihm Herzenssache, und so sprach
-er zu den Herzen seiner begeisterten Zuhörer.
-
-Der beispiellose Erfolg, den Schillings durch seine beiden großen,
-wundervoll ausgestatteten Werke erzielt hatte, spornte ihn natürlich
-an, auch weiterhin auf dem Gebiete der _Naturphotographie_ wildlebender
-Tiere an der Spitze zu bleiben. Es war ja, wie er mir im Gespräch
-wiederholt betont hat, sein Stolz, daß gerade ein Deutscher es
-hierin den Engländern und Amerikanern zuvorgetan habe. Sobald er von
-jeder seiner vier großen Expeditionen in das äquatoriale Ostafrika
-wieder heimkehrte, war es immer das erste von ihm, seine Apparate
-zu vervollkommnen. Die rasche Entwicklung der Optik bot ja von Jahr
-zu Jahr neue Möglichkeiten, die Erfolge noch zu steigern, obgleich
-namentlich die Schillingsschen Nachtaufnahmen noch heute fast für
-unerreicht gelten müssen.
-
-Im Jahre 1910 war die technische Ausrüstung für eine neue Reise bereit;
-aber sie ward durch Widerwärtigkeiten, die hier nicht näher berührt
-werden sollen, verhindert. Es war ja kein Wunder, daß das offene,
-freimütige Wesen des Verstorbenen, der keinerlei Rücksicht kannte,
-am wenigsten sich durch Rücksichten auf seinen eignen Vorteil oder
-Schaden bestimmen ließ, eine große und einflußreiche Gegnerschaft auf
-den Kampfplatz herausgefordert hatte. Diese unbedingte Wahrhaftigkeit
-ist es, die uns die Schillingsschen Forschungen wie seine Aufnahmen
-doppelt wertvoll erscheinen lassen. Da handelt es sich stets um
-freilebende, nicht etwa um gefangene, eingehegte oder verwundete Tiere,
-und die Retusche mußte jedem Bilde fernbleiben. _Unbedingte Wahrheit
-in Wort und Bild!_ Das war sein Grundsatz, von dem er auch nicht um
-Haaresbreite abwich.
-
-Schon bei seinen letzten Afrikareisen hatte Schillings einen
-_kinematographischen_ Apparat mitgenommen; leider genügten die
-in Afrika angefertigten Laufbilder seinen überaus hochgestellten
-Anforderungen und Erwartungen nicht. Es waren ja auch weitere
-Verbesserungen der Kinoaufnahmen unterdessen erzielt worden. Die
-bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet erblickte Schillings in den
-_Fernlaufbildern_ des Bundes für Vogelschutz, wie sie Herr Ingenieur
-Hermann Hähnle geschaffen hat. Es sind dies Natururkunden in höchster
-Vollendung, da die Tiere in ihrem Leben und Treiben aufgenommen werden,
-ohne davon das geringste zu merken. Bei seiner letzten öffentlichen
-Ansprache in Stuttgart im Dezember 1920 bezeichnete Schillings diese
-Aufnahmen als »Gottesgeschenk«. Sein heißer Wunsch war es, das neue
-Verfahren nun auch auf die afrikanische, indische und polare Tierwelt
-anzuwenden.
-
-Der Tod des fünfundfünfzigjährigen Forschers hat diesen Wunsch
-vereitelt. Die beste Ehrung für den Verstorbenen, dessen Ideale sich
-schon heute so allgemeine Anerkennung erworben haben, dürfte es wohl
-sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten und die neuesten Erfolge der
-Photographie und Kinematographie derartigen Aufnahmen zu widmen. Seine
-Freunde haben daher beschlossen, einen Aufruf zu Spenden für eine _C.
-G. Schillings-Stiftung_ zu erlassen. Schreiben und zugedachte Beiträge
-sind schon heute an die C. G. Schillings-Stiftung, Berlin-~W~ 10,
-Margaretenstraße 1 zu richten.
-
- _Martin Braeß._
-
-
-
-
-Praktische Arbeit zur Erhaltung unserer Steinkreuze
-
-
-Schon seit Jahren suche ich auf unseren Wanderungen mit großem
-Interesse die alten Mord- und Sühnekreuze auf, welche dann -- durch
-eine Skizze oder photographisch festgehalten -- unser Tourenalbum
-zieren. Zum Aufsuchen derselben dienten mir bisher die in den Jahren
-1912/13 von Herrn ~Dr.~ _Kuhfahl_ herausgegebenen und im Dresdner
-Anzeiger seiner Zeit erschienenen Verzeichnisse über »Die Mordkreuze in
-Sachsen«:
-
-Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers
-
- vom 7. 4. 1912 Nummer 14,
- vom 23. 3. 1913 Nummer 12,
- vom 26. 10. 1913 Nummer 43.[1]
-
- [1] Siehe auch ~Dr.~ Kuhfahl: »Die Steinkreuze in Sachsen«.
- Preis M. 6,50. Heimatschutz, Dresden.
-
-Auf einer Wanderung im Frühjahr vergangenen Jahres nach Dohna und
-Maxen suchte ich an der Hand dieser Verzeichnisse die beiden Kreuze
-in _Gorknitz_ mit auf. Bei der Besichtigung des hundertzwanzig Meter
-vor dem östlichen Dorfausgange, am Fahrweg nach Rittergut Gamig zu
-gelegenen Steinkreuzes (Verzeichnis vom 3. April 1912, Nummer 14) war
-mir aufgefallen, daß dieses bis zu den Seitenarmen in der Erde stak,
-obwohl im Verzeichnis steht: »Neuerdings ausgegraben«. Sofort reifte
-in mir der Plan, mit Hilfe meiner Klubgenossen dieses Kreuz zu heben.
-Ich ging persönlich zu Herrn ~Dr.~ Kuhfahl, um ihn von meinem Vorhaben
-in Kenntnis zu setzen. Wie er mir erklärte, hatte sich seiner Zeit
-trotz eifrigen Bemühens niemand dazu bereit gefunden, dieses Kreuz zu
-heben, und später infolge des Krieges ist wohl alles in Vergessenheit
-geraten. -- Auch meine Klubgenossen, die ja fast alle Heimatschützler
-sind, brachten dieser Sache reges Interesse entgegen und so wurde für
-_Sonntag_, den _4. Juli 1920_, eine Wanderung dorthin festgesetzt. Die
-Genehmigung des Gemeindevorstandes, auf dem betreffenden Grundstücke
-graben zu dürfen, hatte ich mir vorher schriftlich eingeholt. Um
-unnötige Belastung auf dem Marsche zu vermeiden, bat ich gleichzeitig
-um Bereitstellung des benötigten Gerätes. In entgegenkommendster Weise
-erhielten wir alles Gewünschte.
-
-Am genannten Sonntagmorgen hatten sich sechs Teilnehmer zu dieser
-Wanderung beziehungsweise zur Hebung des Steinkreuzes am Treffpunkt
-eingefunden. Darunter auch ein Maurer, der sich noch das nötige
-eigene Handwerkzeug mitgebracht hatte. Ein kleiner Sack Zement --
-von einem der Teilnehmer zu diesem Zweck gestiftet -- mußte auch
-hinausgebracht werden. Er verschwand im Rucksack eines jungen Mannes,
-der ihn schweißtriefend an Ort und Stelle brachte. Bei herrlichem,
-sehr warmem Wetter ging die Wanderung von Reick über Lockwitz, Luga,
-Wölkau, Bosewitz nach Gorknitz. Strahlend blau wölbte sich der Himmel
-über den im Sonnenglanze reifenden Fluren. Wogende Getreide- und
-blühende Kartoffelfelder, die den bunten Kleeflächen an Schönheit nicht
-nachstanden, wechselten in buntem Mosaik. In den Wipfeln der Obstbäume
-da klingelten und piepsten die Meisen, da schlug der Fink und lockte
-die Goldammer und hoch über uns schmetterte die Lerche ihr Loblied. --
-So kamen wir, immer auf bunten Feld- und Wiesenwegen wandernd, unserm
-Ziele näher. Aber im Süden türmte sichs dunkelblau auf. Immer näher
-rollte der Donner, und noch ehe wir im Dorfe anlangten, öffneten sich
-die Schleusen des Himmels. Zum Glück war das erste Haus der Gasthof, wo
-wir hinein flüchteten.
-
-Eineinhalb Stunden hat uns das Gewitter hier festgehalten, endlich
-gegen einhalb elf Uhr hört der Regen auf. Nun aber ans Werk!
-Zunächst zum Gemeindevorstand, um die erbetenen Geräte zu holen.
-Sehr freundlich wurden wir empfangen, alles Gewünschte stand schon
-bereit. Bei dieser Gelegenheit legte ich ihm eine Urkunde, die
-gleichfalls ein Heimatschützler geschickt und originell angefertigt
-hatte und welche nach der Hebung mit niedergelegt werden sollte, zur
-Unterschrift vor. Dieselbe soll bei einer eventuellen Veränderung an
-dieser Stelle beziehungsweise bei einer späteren Auffindung Aufschluß
-geben, wann, von wem und warum dieses Kreuz gehoben worden ist. In
-entgegenkommendster Weise versah der Gemeindevorstand das Dokument
-mit Siegel und Unterschrift, wie er überhaupt unserer Sache lebhaftes
-Interesse entgegenbrachte. Nachdem auch wir unsere Unterschriften
-geleistet hatten, zogen wir, jeder mit Rucksack und einem Gerät
-bewaffnet -- einem Trupp Auswanderer gleich -- hinaus zur Stelle, wo
-das alte Steinkreuz steht. Kopfschüttelnd sahen uns verschiedene
-Dorfbewohner, die nicht wußten, um was es sich hier handelte, nach:
-»Was mögen die wohl vorhaben?«
-
-[Illustration: Abb. 1 =Steinkreuz in Gorknitz= (früherer Zustand)
-
-(Phot. ~Dr.~ _Kuhfahl_, Dresden)]
-
-Dort angekommen, wurde das alte Steinkreuz, da es einige von uns
-noch nicht kannten, auf seine Form, Gesteinsart, Größe, Schwere
-und Inschriften oder Bildzeichen hin genau untersucht. In seiner
-unregelmäßigen Anordnung ähnelt es einem Balkenkreuz am meisten, doch
-läßt sich durch verschiedene abgestoßene Kanten, die verhältnismäßig
-kleinen und ungleichen Seitenarme im Vergleich zu dem viel stärkeren
-Oberteil, viele Vertiefungen, Risse und Furchen, schwer erkennen, ob
-es in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, oder ob der
-Zahn der Zeit daran genagt hat. Obwohl von eisenhartem Sandstein,
-wird dieses Kreuz, besonders die Seitenarme, infolge seiner Lage am
-Feldwege durch passierende Fuhrwerke Beschädigungen erlitten haben.
-Seine übrigen Form- und Größenverhältnisse sind ja genau zu ersehen
-aus dem Werke von ~Dr.~ Kuhfahl, in welchem auch ein sehr schönes Bild
-wiedergegeben ist. Wir hielten es daher für zwecklos, eine Aufnahme
-des Kreuzes in seinem Urzustande zu machen. Sein Gewicht schätzten
-wir, so wie es vor uns stand, auf zirka sechs bis acht Zentner, hatten
-uns aber, wie wir uns später nach der völligen Ausgrabung überzeugen
-konnten, arg getäuscht. Inschriften oder sonstige Schriftzeichen
-waren nicht festzustellen. Auch läßt sich ein richtiges Bild einer
-eingemeißelten Zeichnung trotz vorhandener Striche und Einkerbungen
-sehr schwer herausfinden.
-
-Nun ging es ans Ausgraben. In ziegelgroßen Stücken wurde erst die
-Rasendecke ausgestochen, die nach der Hebung wieder aufgelegt werden
-sollte. Als wir aber weiter schaufeln wollten, erlebten wir eine große
-Enttäuschung; die dünne Rasendecke war die ganze Erdschicht, dann
-stießen wir nur auf Plänergestein. Nur mit der Hacke konnte gearbeitet
-werden, und es war ein sehr schwieriges Stück Arbeit, die mitunter
-recht großen und festgelagerten Plänerplatten loszubekommen. Wie uns
-der Gemeindevorstand von Gorknitz, der inzwischen auch hierhergekommen
-war, erklärte, soll das zwischen den beiden Wegen gelegene Grundstück
-in früheren Zeiten von einer starken Plänermauer umgeben gewesen
-sein. Die beiden Wege aber waren seiner Zeit Hohlwege. Nun hat man
-wahrscheinlich diese beiden Hohlwege zuschütten beziehungsweise höher
-legen wollen, weshalb man die alte Plänermauer einfach in den Hohlweg
-hinabgedrückt hat. Das alte Kreuz aber, das vermutlich einer Zeit schon
-auf beziehungsweise zum Teil in der Mauer eingemauert hier gestanden
-hat, ist stehen geblieben. Wie wäre es sonst möglich, daß dasselbe
-fast bis zu den Seitenarmen fest eingesenkt nur zwischen größeren und
-kleineren Plänerplatten sitzt?
-
-Platte um Platte wurde losgewuchtet und langsam, aber sicher kamen wir
-tiefer. Wenn wir anfangs glaubten, das Kreuz säße so zirka dreißig
-bis vierzig Zentimeter in der Erde, so hatten wir uns auch hier
-gehörig getäuscht. Als wir einen halben Meter tief gehackt hatten,
-ließ sich dieser Koloß auch noch nicht einen Zentimeter bewegen, trotz
-aller Kraftanstrengung, die wir dabei aufwendeten. Es wurde weiter
-gehackt -- bei dreiviertel Meter dasselbe Resultat. Das Kreuz saß in
-seinem Plänerfundament wie angewachsen. Jeder mußte mal mit der Hacke
-antreten; wir waren alle wie in Schweiß gebadet. Jetzt versuchten wir
-es auf eine andere Art. Unter den beiden Seitenarmen wurde je ein
-starker Hebebaum untergeschoben. Alle Beteiligten -- selbst meine Frau
-und der Gemeindevorstand nebst Sohn stellten ihre Kräfte zur Verfügung
--- verteilten sich nach Größe und Stärke auf die beiden Seiten und
-hingen sich an das in die Höhe ragende Ende. Unter Kommando wurden
-die Hebebäume gleichmäßig niedergezogen und das Kreuz Zentimeter um
-Zentimeter in die Höhe gewuchtet. Auf diese Weise holten wir das Kreuz
-noch zirka fünfundzwanzig Zentimeter aus der Erde und sparten uns
-dadurch das letzte und schwerste Stück Hackarbeit. Jetzt erst bekamen
-wir einen rechten Begriff, wie tief das Kreuz in der Erde stak (einen
-Meter) und wie schwer dieser Koloß war.
-
-Nun galt es das Kreuz zu heben und in seine richtige Lage zu bringen.
-Infolge seines riesigen Gewichts -- wir schätzten es auf zirka zehn
-bis zwölf Zentner -- war das nur mit Hilfe der Hebebäume möglich. Wir
-verfuhren wie vorher. Ruckweise brachten wir es höher und immer schob
-der in der Grube stehende Maurer Platte um Platte unter und baute somit
-gleichzeitig das neue Fundament auf. Mit größter Mühe hatten wir das
-Kreuz neunzig Zentimeter gehoben, dann brachten wir es wieder in die
-alte Stellung. Die Grube wurde wieder zugeschüttet beziehungsweise
-zugebaut, denn die vielen Plänerplatten mußten sachgemäße Verwendung
-finden, um alle untergebracht zu werden. Außerdem mußten, um den Raum
-auszufüllen, den vorher das Kreuz eingenommen hatte, eine Menge größere
-und kleinere Steine aus der Umgebung zusammengetragen werden.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Steinkreuz in Gorknitz= (jetziger Zustand)
-
-(Phot. _Georg Perlik_, Dresden)]
-
-Es gab viel zu tun. Jeder bekam seine Arbeit zugeteilt. Ich freute
-mich, wie uneigennützig hier jeder Beteiligte an dem großen Werke
-Heimatschutz mit arbeiten half. Während der Gemeindevorstand den
-»Polier« abgab, trugen dessen Sohn und meine Frau die nötigen Steine
-herbei. Ein andrer von uns mußte ins Dorf gehen und zwei Eimer Wasser
-holen, um den zur Verwendung kommenden Zement einrühren zu können.
-Dazu wurde auch noch Sand gebraucht. Solchen in dieser lehmigen Gegend
-aufzutreiben, war nicht so einfach. Diese Arbeit hatte ich mit noch
-einem Klubgenossen zu erledigen. Nach langem Suchen fanden wir endlich
-in der Spielgrube im Hofe des Bäckermeisters vorschriftsmäßigen Sand.
-Als wir den Bäckermeister darum baten, zwei »Pioniersäcke« voll
-mitnehmen zu dürfen, war es ihm nicht recht verständlich, was wir wohl
-damit anfangen wollten. Er stellte diese und jene Frage und als ich
-ihn über den Sachverhalt näher aufklärte, zeigte er langsam Interesse
-dafür. Ja, ich konnte nicht umhin, ihm einen kurzen Vortrag zu halten
-über die Steinkreuze in Sachsen und ihre Bedeutung. Als wir mit unserer
-Beute abzogen, sah er uns mit einem breiten Lächeln kopfschüttelnd nach.
-
-Unterdessen hatten die anderen die Grube bis dorthin, wo gemauert
-werden sollte, wieder zugeschüttet; die größten und stärksten Platten
-hatte sich unser Maurer bis zuletzt aufgehoben. Mit reichlich Zement
-wurden diese oben aufgesetzt. Hierbei wurde ein kleiner Hohlraum
-an der Nordseite des Kreuzes ausgespart, der zur Aufnahme der
-versiegelten Glasflasche bestimmt war, welche die anfangs erwähnte
-Urkunde mit etwas Kriegsgeld und zirka zwanzig verschiedenen
-Briefmarken als Zeitbeweise enthielt. Vier große Plänerplatten, welche
-den Oberteil der Grube völlig ausfüllen und scharf an das Kreuz
-angemauert wurden, bildeten den Abschluß. Diese geben dem Kreuz einen
-ganz bedeutenden Halt, denn, da uns daran lag, so viel als möglich von
-dem unteren Teile zu gewinnen, haben wir es nur zirka fünfundzwanzig
-bis dreißig Zentimeter in der Erde gelassen. Dadurch aber, daß unser
-Maurer den in der Erde sitzenden Teil und alle darumliegenden Steine
-und Platten sorgfältig und reichlich mit Zement eingebaut hat, nehmen
-wir an, dem wuchtigen Kreuze doch genug Halt gegeben zu haben. Eine
-schwache Erdschicht und die ausgestochenen Rasenstücke verdecken die
-aufgemauerten Steine. Um es nun recht schön zu machen, ging ich dem
-gehobenen Kreuze -- mit Wassereimer und Wurzelbürste bewaffnet -- zu
-Leibe, um den in den Vertiefungen sitzenden roten Lehm zu entfernen.
-Dadurch aber hob sich der untere Teil des Kreuzes durch sein neues
-Aussehen vom alten verwitterten Oberteil ab, was allerdings in anderer
-Form auch schon vorher der Fall war. Diesem Übelstand half unser Maurer
-dadurch ab, daß er jetzt mit Faustpinsel und Zementwasser auftrat
-und dem noch rötlich schimmernden unteren Teile einen dunkleren, dem
-Oberteil ähnlicheren, grauen Anstrich gab. Er stellte meine Arbeit als
-völlig wirkungslos hin. Mit dem nötigen Humor und mit übertriebener
-Peinlichkeit führte er diese letzte Arbeit aus. -- Wir freuten uns
-nun alle, als das fertige, gehobene, alte Steinkreuz in seiner vollen
-Größe vor uns stand. Wir haben uns viel Arbeit damit gemacht und es hat
-manchen Tropfen Schweiß gekostet, aber wir hatten auch viel Spaß dabei.
-
-Unser Maurer, der -- nebenbei bemerkt -- auch schön photographieren
-kann, machte nun noch eine Aufnahme, welche ich beigefügt habe. Sie
-zeigt im Vergleich zu derjenigen des Herrn ~Dr.~ Kuhfahl, um wieviel
-wir das Kreuz herausgeholt haben.
-
-Mit dem Bewußtsein, ein praktisches Stück Heimatschutzarbeit
-geleistet zu haben, und in der frohen Hoffnung, daß dies bei anderen
-Heimatschützlern in verwandten Vereinen recht bald und oft Nachahmung
-finden möge, machten wir uns auf den Heimweg. Denn nicht nur allein
-durch die Mitgliedschaft wird der Heimatschutz gefördert und alles
-Schöne, Althergebrachte und Vorgeschichtliche auch der Nachwelt
-erhalten und überliefert, sondern selbst mit Hand anlegen, beobachten
-und schützen: das ist Heimatschutz und tut überall dringend not!
-
- _Richard Köhler_,
- Berichterstatter des Touristen-Vereins »Torwalder«
-
-_Anmerkung der Schriftleitung_: Von der hier geschilderten schönen
-Tat hörten wir erst durch diesen Bericht. Herrn Köhler und seinen
-Mitarbeitern heißen Dank. Wer in ähnlicher Weise praktisch uns
-mithelfen will, melde sich bitte bei uns.
-
-
-
-
-Vom Heimatgefühl
-
-Von _Hanns Martin Elster_
-
-
-Vor gar nicht langer Zeit fuhr ich auf einer pommerschen Kleinbahn, die
-mich bei ihrer Schmalspurigkeit und der Leichtigkeit der Miniaturwagen
-ordentlich durchschüttelte, so daß ich innerlich schimpfte. Ich merkte
-bald, daß der einzige Mitreisende in meinem Abteil das auch tat,
-ich hatte ihn schon von Anfang der Reise an beobachtet und darüber
-nachgegrübelt, was dieser Amerikaner, denn das war er nach der Art
-seiner Kleidung und seines Benehmens, wohl auf der Kleinbahn in diesem
-Winkel Hinterpommerns zu suchen hatte, ein »busineß« war doch in
-dieser Gegend nicht zu machen, zu einer Jagd schien er auch nicht zu
-reisen, denn er hatte weder die notwendigen Schießprügel unter seinem
-Gepäck, noch war er entsprechend gekleidet. Als uns der ratternde
-Wagen an einer Kurve fast gleichzeitig in die Arme schleuderte,
-war die Anknüpfung zu einem Gespräch gefunden, und der Amerikaner
-gestand mir bald, daß er seinem Heimatdorfe entgegenfahre, nach mehr
-als dreißigjähriger Abwesenheit und Arbeit im neuen Weltteil. Dort
-habe es ihm die ganzen letzten Jahre keine Ruhe mehr gelassen, er sei
-unbefriedigt an seiner Umgebung wie Tätigkeit geworden, unter seine
-nüchternsten Gedanken und Berechnungen hätten sich Erinnerungen aus
-seiner Jugend gemischt, und seine Phantasie hätte unaufhörlich Bilder
-längst bedeutungsloser Stätten in ihm wachgerufen. Er hätte nicht mehr
-bleiben können, _die Sehnsucht nach dem Orte seiner Jugend_, nach dem
-Dorfe, wo seine Eltern und Vorfahren gelebt hätten, sei so stark in ihm
-gewesen, nachdem er schon jahrelang geglaubt hätte, sie wäre tot, daß
-die Arbeit seiner letzten Jahre als Ziel nur immer seine Reise in die
-Heimat lohnend, befriedigend gemacht hätte. Und nun nähere er sich dem
-Heimatort, jetzt wache in ihm ein großes Glücksgefühl auf. Frieden und
-Ruhe breite sich in ihm aus, er sei jetzt zu Hause, in Sicherheit, er
-sei wieder da, wo er hingehöre ...
-
-Dieser Amerikaner -- wir wissen es alle -- steht nicht allein da, er
-ist typisch für alle Ausgewanderten, in die Ferne Verpflanzten, daß sie
-sich nach Hause sehnen, wenn das Alter naht; ebenso typisch, wie das
-Gefühl der Ferne, das die überfällt, die immer in der Heimat leben, und
-das diese fest mit dem Boden Verwachsenen hinaustreibt in eine neue,
-fremde Umgebung. Aber waren sie einige Wochen auf Reisen, so erwacht
-auch in ihnen das Heimweh, auch in ihnen der Widerwille an allem
-Fremden, Neuen, und das Altgewohnte, von jeher Besessene, erscheint
-schöner, reicher und auch wertvoller.
-
-Und es ist auch das Wertvollste, was der Mensch hier auf Erden hat: die
-Heimat. Das ist ja wohl das Beklagenswerteste, was es gibt, heimatlos
-zu sein oder zu werden. _Seit Urzeiten gilt die Verbannung aus der
-Heimat für eine der größten Strafen, die den Menschen treffen können._
-Das _Heimatgefühl_ gehört zu denselben Regungen, wie die Sehnsucht nach
-Religion. Hier ist es das Jenseits, das uns ruft, dort die Erde, nicht
-als Materie, sondern als unser Erlebnis. Wir sind nicht zu trennen
-von dem Fleck, auf dem wir geboren und erzogen werden, und haben wir
-die ersten zwanzig Jahre an einem Orte verbracht, so werden wir die
-übrigen fünfzig Jahre unseres Daseins die Merkmale dieses Ortes nicht
-verlieren. Immer inniger kehren wir dorthin zurück, von wo wir einst
-auf das Meer des Lebens mit tausend Masten ausfuhren. Wir kehren zurück
-mit einem Wrack, aber dies Wrack ist stets fähig, noch das zu tragen,
-was wir uns selbständig erwarben, was wir erlebten.
-
-Welche Sühne wußte Gott, um den Brudermörder zu strafen? Keine andere
-als diese: »Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.« Kain, der
-erste Heimatlose aber antwortete: »Zu groß ist meine Strafe, um sie
-zu ertragen.« Und wer ein Mensch ist, der erträgt auch diese Strafe
-nicht, es sind übermenschliche Kräfte, die zur Besiegung der Unruhe
-des Heimatlosen erforderlich sind, oder es sind _Gefühlsbarbaren_,
-die sich über solch eine Verbannung hinwegsetzen, wo sich aber noch
-ein menschliches Gefühl regt, und sei es das abschreckendste, sei
-es Gemeinheit, Bosheit, Tyrannei, das Heimatgefühl herrscht auch in
-solchen Seelen. _Und das Heimatgefühl muß auch in jedem herrschen,
-denn es ist uns ein Instinkt geworden_, allerdings nicht mehr jener
-materialistische Instinkt, der beim Tiere waltet, das nach dem Spruche:
-»~Ubi bene, ibi patria~« handelt, sondern _jener seelische, geistige
-Trieb_, den die Einheit der Umgebung und unseres körperlichen wie
-intellektuellen Daseins in uns wachruft. Es ist fast unmöglich, das
-Heimatgefühl begrifflich zu definieren, logisch, verstandesmäßig
-zu umgrenzen, festzulegen, es ist ebenso schweifend und machtvoll
-wie das Lebensgefühl in uns; wird doch dieses oft gestört, wenn das
-Heimweh an uns nagt. Wir haben auch nicht nötig, uns eine klare
-Vernunftvorstellung von dem Heimatgefühl zu machen, weil wir alle
-es in uns tragen, wir alle es kennen, weil es in uns lebt, ohne daß
-wir Macht hätten, es zu beherrschen. Wir können in der herrlichsten
-Landschaft bei dem schönsten Wetter unter den liebenswertesten und
-uns nächsten Menschen, bei vollkommenster Sorgenfreiheit sitzen, es
-wird uns doch plötzlich eigen zumute, wenn jemand fragt, wie es jetzt
-daheim ausschauen mag, oder wenn plötzlich eine Erinnerung an uns
-vorüberzieht, auch ohne daß sie laut wird. Oder wir können uns fremd
-unter fremden Menschen fühlen; spricht aber dann jemand von unserer
-Heimat, sogleich wird uns wohl und glücklich zumute, sogleich fühlen
-wir uns zuhause.
-
-Das Heimatgefühl ist wie die poetische Seite des Lebensgefühls: alle
-die Worte wie daheim, zu Hause, heimatlich, heimselig, heimlich u. a.
-m. haben einen poetischen Schimmer an sich, der auf uns zurückstrahlt,
-unser Leben verschönt. Von _Ovid_ bis Viktor _Hugo_, von _Homer_ bis zu
-dem modernen _Strindberg_, alle wußten, was der leidet, der ferne der
-Heimat ist. Wer erinnert sich nicht der Klagen des Odysseus, wer nicht
-aller der Männer in der Bibel, die die Heimat zu schauen begehrten? Wer
-fragt sich nicht bei jeder Wiederkehr der Störche, der Schwalben, der
-Stare, weshalb sie die weite, beschwerliche und gefährliche Reise aus
-dem Süden wagen, wo sie es doch dort um so viel leichter, besser haben?
-Es ist immer wieder jener göttliche Drang, der dunkel ist, aber groß
-und schön, lebenskräftigend.
-
-Nicht das ist das Wesentliche des Heimatgefühles, was wir empfinden,
-wenn wir einem Fremden unsere Heimat zeigen, sei sie auch noch so
-armselig und schlicht, sei sie auch noch so bar jeder äußeren Vorzüge,
-sondern _eben jenes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem Boden und
-jene tiefe Sehnsucht_. Wie leer und schal erscheint uns das Leben,
-sind wir gezwungen, es in fremden Diensten, unter fremden Menschen,
-auf fremden Boden zu verbringen. Für unsere Heimat und in ihr sind wir
-mutig, stark und sicher, tun wir alles. Die eigentlichen Volkskriege,
-wie die Befreiungskriege, sind Kämpfe um das Heimatgefühl, man will
-nicht mehr Fremdling sein in seinem Vaterland. Am unlöslichsten ist der
-Bauer mit seiner Heimat verbunden: hat er auch einmal jene Sehnsucht
-nach der Ferne, sie wird schnell befriedigt sein, denn ihm geht nichts
-über seine Scholle.
-
-Und mit Recht! Man kann nichts mehr beklagen, als daß die moderne
-Entwicklung mit ihren Idealen der Freizügigkeit und des Freihandels die
-Macht des Heimatgefühls brechen zu wollen scheint. _Reißt dem Menschen
-die Heimat aus dem Leben, so dünkt es ihn nicht mehr begehrenswert!_
-Bodenständigkeit ist nicht nur die Grundlage aller Kultur, sondern auch
-die aller Lebensmöglichkeit. Allein auf unserer Scholle, in unserer
-Heimat kommen wir zum Bewußtsein unserer selbst, unserer seelischen
-Kräfte, zur Erkenntnis des Göttlichen, das im Menschen ruht. Freilich
-ist damit nicht gesagt, daß man sich nie aus seiner Heimat entfernen
-solle. Das wäre eine falsche Schlußfolgerung, im Gegenteil, die Ferne,
-die Fremde lehrt uns erst die Heimat lieben, und man kann nur jedem
-jungen Manne wünschen, daß er sich den Wind ein paar Jahre lang draußen
-in der Welt um die Nase wehen lasse, das weitet den Blick, stärkt das
-Nationalgefühl, um so lieber verbringt er dann sein Leben in der Heimat.
-
-Man kann sich aber auch freuen über unsere Zeit, denn sie hat den Wert
-des Heimatgefühls auch ganz erkannt, und nicht nur das, sondern sie
-handelt auch danach: Mächtiger denn je klingt das Wort Heimat in den
-deutschen Landen, unser Leben hat wieder nationalen Boden gefaßt, wir
-schweben nicht mehr in der Luft, materialistischen Idealen nachjagend,
-sondern wir sind wieder Wirklichkeit kennende Idealisten. Unsere Kunst
-steht nach wie vor unter dem Zeichen der Heimat, freilich muß die
-hohe höchste Kunst, wie sie sich im »Faust«, in Wagners Musikdramen,
-in Beethovens Werken offenbart, sich in einer gewissen Distanz über
-das rein Heimatliche erheben, damit ist sie aber nicht um irgendeinen
-Punkt weniger deutsche, denn wer anders als Deutsche hätten einen
-»Faust«, die »Neunte Sinfonie«, einen »Tristan und Isolde«, schaffen
-können? Hier sieht man, wie das Nationale als Nationales -- denn das
-bleibt es und muß es bleiben -- zum Internationalen wird, nicht zu
-jenem heimatlosen Kosmopolitismus, den manche einem Goethe anhängen
-wollen, sondern zu jener Herrschaft über die Welt durch die Kunst,
-wie wir sie auch im Shakespeare verehren. Und nur die Kunst kann
-international werden, die national ist, das sollte man nie vergessen,
-es liegt klar zutage. Aber nicht nur in der Kunst denken wir wieder
-national, auch unser politisches, konfessionelles, wirtschaftliches
-und wissenschaftliches Leben rückt mehr und mehr dem Gesichtspunkte
-zu, nicht, daß es dadurch seine Richtung tendenziös verschieben ließe,
-sondern es bleibt ehrlich auf der klar erkannten Bahn, dabei sich aber
-bewußt der Quelle, aus der die Kraft fließt, mit deren Hilfe wir die
-Bahn abschreiten, _das ist das Heimatgefühl_!
-
-
-
-
-Die Zschemelschka
-
-Von ~Dr.~ _H. Stübler_, Bautzen
-
-
-Die Zschemelschka? Wer ist das? Ist es eine wendische Dorfschöne?
-Ja, wenn sie der geneigte Leser besuchen will, muß er von Bautzen
-aus in die nördliche Teichgegend ziehen. Er kann sie in fünf
-Viertelstunden erreichen, wenn er an einem schönen Frühlingsnachmittag
-die Muskauer Straße hinauswandert und hinter Burk nach Doberschütz
-zu abbiegt. Besonders schön wird sie ihm erscheinen, wenn rosenroter
-Abendsonnenschein sie umleuchtet. Dann wird sie sich offenbaren als
-eine verborgene kleine _Natur_schönheit: die Zschemelschka ist nämlich
-ein letzter Rest eines aus dem Granit herausgewitterten Quarzriffes.
-Das deutet auch ihr _Name_ an: denn darin steckt das wendische Wort
-für Quarz = křem. Wie beispielsweise aus dem niederdeutschen krischan
-= Christian über Kschischan schließlich der in der Lausitz häufige
-Familienname Zschieschan geworden ist, so hat sich jener Stamm křem im
-Munde der Umwohner zu Zschem-elska, Zschem-elschka verwandelt.
-
-Da die weißen Felsen, die leider schon zur Hälfte abgebaut sind
-und als harter Klarschlag im Schotter der benachbarten Straßen und
-Fahrwege begraben liegen, weithin leuchten, ist es nicht allzu schwer,
-sich auf Feldwegen und Rainen zur Zschemelschka heranzupirschen. Dem
-Landmann liegt sie höchst unbequem mitten in Feldgebreiten, und ich
-glaube wohl, daß er nichts dawider haben würde, wenn sie eines Tages
-völlig zersprengt und abgebaut würde, wenn das unfruchtbare Riff so
-verschwände, die Grube aufgefüllt würde und der Pflug darüber hinziehen
-könnte.
-
-[Illustration: =Die Zschemelschka bei Niedergurig, Bezirk Bautzen=
-
-(Phot. _Rich. Huth_, Bautzen)]
-
-Dem Naturfreund und dem Forscher aber wird »der Stein des Anstoßes«
-zu einem _Naturdenkmal_. In der Richtung ~NW~--~SO~ erstreckt sich
-das weiße Quarzriff, etwa fünf Meter am Grunde breit, fünfundzwanzig
-Schritte lang, und der bereits abgebaute westliche Teil war
-etwa ebenso lang. Aus der Sprenggrube wuchern Salweide, Hasel,
-Hirschholunder, Weißdorn, Wildkirsche, Eberesche; am östlichen Ende
-treibt eine erst im Kriege gefällte Eiche neue Stockausschläge; den
-Fuß der Quarzmauer schmücken im Sommer allerhand Stauden und Gräser,
-Brombeerranken und Himbeerruten, Rumex, Johanniskraut, Fetthenne,
-Weidenröschen, Wollkraut, Steinnelken, Besenstrauch. Aber selbst in
-die schutterfüllten Längsrisse drang der Pflanzenwuchs ein, ja der
-harte, lebensfeindliche, »nackte« Fels mit seinen wohl durch Mangan-
-und Eisenbeimischung rötlichfleischfarbenen und violetten Adern ist
-mit schwärzlichen Schrift- und grünlichen Schüsselflechten getüpfelt,
-hie und da schon von einem Mooskissen besetzt worden. Die höchsten
-Teile werden gerne von Raubvögeln als Auslug und Kröpfstellen
-benutzt; in den Rissen spannen Spinnen ihre Fangnetze und Brutwiegen;
-Kaninchenhöhlen und allerhand Tierlosung verraten besonders an der
-windgeschützten, sonnenbeschienenen Südseite auch andere Liebhaber der
-Zschemelschka.
-
-Den _Naturfreund_ wird der _Aus-_ und _Umblick_ erfreuen. In der
-Längsrichtung des Riffes schaut er über das in der Teichaue der
-Spree gelegene Doberschütz und Niedergurig nach ~NW~ hin bis zur
-spitztürmigen Kirche von Quatitz; nach ~SO~ über den Bytschin bei
-Breitendorf zum Doppelgipfel des Löbauer Berges und zum Rotstein
-bei Sohland. Nach ~N~ haftet der Blick an den kleinen Gehölzen der
-nächsten Granitkuppen, z. B. an dem Teufelsstein bei Pließkowitz mit
-seinen hünengrabähnlichen Gipfelklippen im Zwergwalde grüner, später
-gelbblühender »Ginster«büsche, am Windmühlenberge bei Gleina, an den
-Essen des Braunkohlenwerkes von Kleinsaubernitz. Am lohnendsten aber
-ist der Südausguck: erst bauen sich mit dunklem Nadelwald, aus dem im
-Frühjahr helleres Laubgrün aufleuchtet, die rundlichen Granitkuppen
-der Kreckwitzer Höhen auf: Krähen-, Linden-, Mittel- und Birkberg;
-dahinter aber staffeln sich wunderschön fernblau die nicht abgesunkenen
-Basteien des Granitberglandes vom Hochstein bis zum Klosterberge: das
-türmereiche Bautzen liegt malerisch dazwischen.
-
-Dem _Forscher_ erzählt die Zschemelschka mehr -- er erinnert sich
-des »Pfahls« im Bayrischen Wald, der hundertdreißig Kilometer lang
-von Amberg bis Passau in einem ähnlichen Granitgebiete schnurgerade
-dahinzieht und oft auch ähnliche Mauern und Riffe bildet, wie hier die
-Zschemelschka eins ist. Und wenn er die geologischen Karten zu Rate
-zieht, so erkennt er bald, daß sie auch nur ein »hervorragender« Teil
-eines »_Lausitzer Pfahls_« ist, der sich von Maltitz bei Weißenberg bis
-Schmerlitz westlich Königswartha über fünfunddreißig Kilometer weit
-verfolgen läßt. Quarz ist hart; der umgebende Granit verwitterte eher
-und rascher, so blieb das Riff erhaben in der Landschaft stehen und
-bildete ragende weißliche Mauern. Bei _Belgern_[2] im ~SO~ errichteten
-auf einem an hundert Meter breiten Stück dieses Quarzganges, von dessen
-ragender Höhe man einen weiten Umblick hat, schon die Urbewohner
-unserer Lausitz eine _Ringwallwohnstätte_. Aber dort ist die Quarzmauer
-schon gewaltig abgebaut.
-
- [2] Bel-gern, vergl. Belgrad = Weißenburg, wegen der _weißen_
- Farbe des Quarzgangs.
-
-Die _schnurgerade Richtung_ des langen Quarzganges, der übrigens im
-Granitlande südwärts zahlreiche größere und kleinere, meist ähnlich
-verlaufende, aber oft nur noch an Lesesteinen erkennbare Brüder hat,
-bezeugt uns, daß wir hier an der Grenzscheide zweier gegeneinander
-abgesunkener oder verschobener Granitschollen stehen, deren Abrißfuge
-durch nachdrängende kieselsäurereiche Lösungen aus der Tiefe
-ausgekittet wurde, wie ja in Augustusbad bei Radeberg noch heute an
-die Quarzgänge Mineralquellen gebunden sind. Sonst haben sich in
-solchen Spaltenfüllungen oft auch _Erze_ mit ausgeschieden, aber unsere
-Lausitzer Gänge sind meistens »taub« -- auch die Zschemelschka. Aber
-indem nun das harte Quarzfüllsel der Spalte durch die jahrtausendelange
-Verwitterung zum ragenden Riff aus der Umgebung sich heraushob, indem
-es den darüber hingleitenden Eismassen Trotz bot, die die Kuppen der
-Kreckwitzer Höhen zu »Rundhöckern« abschliffen, ist die Zschemelschka
-ein »beredter« Zeuge erdgeschichtlichen Werdens auf Lausitzer Boden
-geworden, wert, erhalten und geschützt zu werden, ehe sie das Schicksal
-der »Steinklunse« im Cunewalder Tal trifft; denn die ist längst
-zersprengt und zerschlagen. Wer mehr davon zu lesen wünscht, der möge
-den letzten Dreijahrsbericht der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft
-Isis in Bautzen (1916--1918) nachschlagen, der noch mancherlei anderes
-Neues aus der Natur der Heimat enthüllt.
-
-Die Besitzer des Grundstücks, Gemeindevorstand Zieschang und
-Gutsbesitzer Kunath in Doberschütz, haben die Erhaltung des
-Naturdenkmals in dankenswerter Weise dem Landesverein Sächsischer
-Heimatschutz zugesichert. Eine von diesem angebrachte Tafel macht den
-Wanderer auf die Felsen aufmerksam und mahnt zu ihrem Schutze.
-
-
-
-
-Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde die Alleen und die
-hervorragenden Bäume
-
-Von _A. Klengel_, Meißen
-
-
-»Dem teutschen Menschen müssen nirgends Bäume fehlen!« schrieb
-Ernst Moritz Arndt, der gründliche Kenner echten deutschen Wesens
-zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Und wahrlich, dieser urdeutsche
-Mann hat recht mit seinen schlichten Worten. Die deutsche Landschaft
-ist ohne das belebende Grün von Baum und Strauch, ohne den ernsten
-Waldhintergrund nicht denkbar und im Herzen des echten Deutschen, der
-sich die Gemütstiefe bewahrt hat im Strome der Zeit, klingt, einer ewig
-ungestillten Sehnsucht gleich, das Verlangen nach dem grünenden Baum
-und Strauch, die festverankert sind im Schoße der heiligen Mutter Erde,
-die Zeugnis geben von der urwüchsigen Naturkraft, die aus der Scholle
-quillt, den Baum zu beleben, mit frischem Grün und duftenden Blüten zu
-schmücken und ihn zu befruchten im bunten Wechsel des Jahres. --
-
-Die alten Germanen, die Urbewohner deutschen Landes, wohnten in
-Wäldern. »Allenthalben starrt der Urwald« berichtet der Römer Tacitus,
-der zu Anfang unserer Zeitrechnung das Land beschrieb, das wir heute
-unsere Heimat nennen. Dies erklärt gar vieles im deutschen Wesen. Die
-Liebe zum Walde, die Liebe zum grünen Baum lebt fort im Herzen des
-Deutschen als ein teures, ein heiliges Vermächtnis aus den Urtagen
-deutschen Seins, aus jener fernen Zeit, da unsere Väter noch in den
-Wäldern lebten, sich geborgen fühlten unter der Krone des Baumes, die
-über ihnen rauschte, im Haine zu ihren Göttern beteten und Baum und
-Strauch mit Gottheiten beseelten.
-
-Durch Jahrtausende hat der Deutsche Bäume und Sträucher um sich gehegt;
-er hat festgehalten an dem uralten Brauch, den ihm die Väter vererbten.
-Als Frevel, als fluchwürdiges Verbrechen galt das mutwillige Fällen
-eines Baumes.
-
-Betrachten wir alte Bilder deutscher Landschaften und Siedlungen!
-Niemals werden wir Bäume und Sträucher darauf vergeblich suchen. Die
-Linde auf dem Dorfplatze ist geradezu ein Wahrzeichen des deutschen
-Landes geworden; unter ihr wurde nach altem Brauche Recht gesprochen,
-unter ihr sammelten sich die Glieder der Gemeinde zu ernsten
-Beratungen, unter ihr tummelte sich die Jugend und feierte ihre
-fröhlichen Feste mit Spiel und Tanz.
-
-Die Landstraßen waren in alter Zeit ihrer ganzen Ausdehnung nach von
-Hecken, Feldgehölzen und auch Einzelbäumen umgeben. Man schonte und
-hegte die Baumbestände sorglich; boten sie doch den Wanderern und den
-Zugtieren, die einst mehr als heute die Landstraßen belebten, kühlenden
-Schatten in der Sonnenglut.
-
-Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild! Die fortschreitende
-Urbarmachung des Landes, die Notwendigkeit, den Boden mehr auszunutzen,
-zwangen zum Fällen der Feldgehölze, die einst die Landstraße umsäumten.
-An ihre Stelle traten die regelmäßigen Straßenanpflanzungen, die
-Baumreihen oder Alleen. Sie sollten nach wie vor dem Wanderer und
-dem Zugtier Schatten spenden. Daneben dienten sie wohl auch zur
-Abschrankung des Weges gegen Dämme und Abhänge und in Gebirgslagen
-mit starkem Schneefall zur Kennzeichnung des Straßenzuges im
-verwehten und verschneiten Gelände. Es entstanden die prächtigen
-Ebereschenpflanzungen in unserm Erzgebirge, die zur Blütezeit Zimtdüfte
-ausatmen, im Herbst mit ihren korallenroten Beeren die Landschaft
-schmücken und den Vögeln Futter bieten. Die herrlichen Linden-, Ahorn-
-und Eschenalleen wurden angelegt, die viele unserer Städte an der
-Stelle alter Befestigungsanlagen malerisch umsäumen und der Landstraße
-auf weite Strecken das Geleite geben. Wer kennt nicht diese alten
-Bäume, in deren Kronen die Vögel singen und ihre Brut hegen, in deren
-Schatten der junge Weltbürger seine erste Fahrt unternimmt hinein in
-das Leben, und der in harter Lebensarbeit müde gewordene Greis in
-kurzem Spaziergange sich seines Lebensabends freut.
-
-Die langen Reihen hoher Pyramidenpappeln wurden angepflanzt, die der
-Landschaft so stimmungsvolle Reize verleihen. Auf dem Sandboden des
-Flachlandes belebten die Birkenalleen mit ihren heiteren Farben die
-strengen Linien des einförmigen Bildes.
-
-Größere Bedeutung gewannen die Baumpflanzungen an den Landstraßen, als
-man die Felder unter Hochkultur nahm, als jede Hecke und jedes Gehölz
-fallen mußte, als man die Fluren völlig in einförmige Kultursteppen
-verwandelte. Die Alleen waren die einzigen Unterbrechungen in dem kahl
-gewordenen Lande, der einzige Ruhepunkt des Auges, das müde geworden
-war vom Umherschweifen in der jeder Abwechslung entblößten Landschaft.
-Oft genug waren sie die einzige Naturschönheit des flachen Landes, das
-einzige was haften blieb in der Erinnerung, und das einzige, was die
-Landschaft wert machte, ein Ziel der Heimatliebe zu sein. --
-
-Wer hat wohl daran gedacht, daß es je anders werden würde im deutschen
-Lande! Wer hätte geglaubt, daß die Bäume von unseren Straßen, die
-grünen Baumgürtel unserer Städte und Dörfer schnöder Geldgier und
-Gewinnsucht zum Opfer fallen würden. Und doch ist es so! In völliger
-Verkennung der geschichtlichen Entwickelung und der geschichtlich
-gewordenen Bedeutung des Straßenbaumes werden heute die Straßenalleen
-vielerorts zur Gewinnung von Nutzholz niedergeschlagen. Unsere Ahnen
-haben die Bäume als Schmuck der Heimat gepflanzt, und wir selbst haben
-sie bis in die jüngste Zeit noch geschont, gehegt und gepflegt bis sie
-als morsche Ruinen in sich zusammenfielen.
-
-Gar plötzlich ist die Wandlung eingetreten. Deutsches Wesen ist
-zuschanden geworden, das zeigt sich auch hier. Der »furchtbare Baumtod«
-wandelt durchs Land und stürzt sich mit Grimm und Wut auf unsere
-herrlichen Baumalleen, die kostbaren Vermächtnisse aus alter Zeit.
-Wie einst im Mittelalter der »schwarze Tod«, Grauen verbreitend durch
-das aufgeschreckte Land zog, daß »die Menschen reihweis’« fielen, so
-ist jetzt der »große Baumwürger« in unsere Gaue gekommen und hat ein
-»Sterben der Bäume« gebracht, hat in kurzen Stunden zersplittert an
-den Wegrand geworfen, was Jahrhunderte zur Entwickelung und zum Aufbau
-gebraucht hat. Mit wuchtigen rohen Axthieben wird rücksichtslos das
-vernichtet, was das Herz unserer Väter und Großväter schon erfreute und
-was auch unser Stolz und unsere Freude war.
-
-Ein Schrei der Entrüstung über diesen Frevel am heimatlichen
-Landschaftsbilde geht durch die deutschen Gaue und jeder Deutsche, in
-dessen Herzen noch ein Fünkchen Heimatliebe glimmt, noch eine Spur
-von Empfinden für unsere Naturschönheiten wohnt, muß mit einstimmen
-in das Wort, welches aus einer, ihrer Baumschönheiten beraubten
-niederdeutschen Stadt erklingt: »Herrgott bewahre uns vor solchen
-Stadtvätern, die, aus Unwissenheit oder absichtlich, die Schönheit
-ihrer Heimat morden und die Ideale ihrer Gemeindeglieder mit Füßen
-treten!«
-
-Freilich, Ideale bringen kein Bargeld ein! Aber wir ehren uns selbst,
-wenn wir sie pflegen. Wir brauchen Ideale in unserer schweren Zeit, in
-der die Schönheit der Heimat fast das einzige ist, was uns noch nicht
-geraubt wurde.
-
-Und ist der Gewinn wirklich so groß, den uns der gefällte Baum bringt?
--- Eine Handvoll schmieriger Papierfetzen ohne Wert und ohne Kaufkraft,
-Spreu im Wirbelsturm der wirtschaftlichen Bedrängnis. Sie sind schon
-längst verstreut in alle Winde, ehe die Wunde, welche die Trauer um die
-verlorene Heimatschönheit in das Herz des Heimatfreundes geschlagen
-hat, zu vernarben beginnt.
-
-Zahlreiche alte herrliche Bäume sind schon vernichtet, viele prächtige
-Alleen sind der Gefühllosigkeit unserer Zeitgenossen zum Opfer
-gefallen; aber noch ist es Zeit, Einkehr zu halten in uns selbst und
-Umkehr auf dem betretenen Pfade der Vernichtung. Noch beginnen jetzt
-zur Frühlingszeit viele herrliche Baumriesen und ausgedehnte Alleen
-sich mit neuem Grün zu schmücken. Schont und schützt sie und tretet ein
-für ihre Erhaltung! Wehrt euch mit flammender Entrüstung dagegen, daß
-geldgierige Hände sich danach ausstrecken. Laßt euch die herrlichen,
-durch ehrwürdiges Alter geweihten und geheiligten Bäume nicht rauben,
-diese Zier- und Schmuckstücke der Heimat, die unersetzlich sind;
-haben sie doch viele Menschenalter gebraucht, ehe sie emporwuchsen
-zu der stattlichen Größe und wunderbaren Schönheit, in der sie jetzt
-vor uns stehen. Unsere Väter haben sie uns vererbt als ein heiliges
-Vermächtnis, wir sind verpflichtet, sie zu pflegen und zu schützen
-und weiter zu vererben auf Kinder und Kindeskinder. Wenn wir sie mit
-frevelnder Hand vernichten und der Gewinnsucht opfern, so gleichen wir
-dem gewissenlosen Manne, der ein kostbares Erbe verschleudert. Wie ihm
-seine Nachkommen fluchen, so werden einst unsere Enkel mit uns hadern,
-weil wir die Schönheit der Heimat zerstörten um Augenblickserfolge
-willen, weil wir ihnen das uralte Wundergut der Heimatliebe raubten.
-
-
-
-
-Schlagbaum und Chausseehaus in Sachsen
-
-Von _E. M. Arnold_, Leipzig-Schleußig
-
-
-Wieder spinnt die Frühlingssonne ihren hellen, verjüngenden Dunst
-über Flur und Feld, und die Welt steht voller Träume und Geheimnisse.
-Zauberhände schmücken der Bäume kahles Geäst mit Blatt und Blüte.
-Aus der feuchtwarmen Erde quillt allmählich Halm für Halm, Blume für
-Blume. Der schmuckloseste Rain wird so zum buntgewürfelten Teppich, das
-Saatfeld zum leichtgewellten See. Und die Sonne steigt höher und höher.
-Ihr Silbergefunkel dringt in den engsten Hof und die versteckteste
-Großstadtklause lachend und lockend zugleich. Es ankert sich fest mit
-gespenstisch ausgreifenden Fingern im ruhelosen Fabriksaal wie am
-Tisch des Geistesarbeiters. Verstehst du seine Sprache, Großstadtkind?
-Merkst du nicht, wie es dich ruft, herauszutreten aus dem Waffengeklirr
-nüchternen Daseinskampfes, aus der Häuser drückenden Enge in die weite,
-weite Gottesnatur? Komm und folge dem einladenden Gruße!
-
-[Illustration: Einnehmerhaus an der Straße Rochlitz--Mittweida
-
-(Federzeichnung von Regierungsbaumeister _Nicolaus_, Dresden, nach
-einer Aufnahme von Frau _Carola Hartmann_, Rochlitz)]
-
-Sage nicht, du hättest weder Zeit noch Gelegenheit, des Frühlings
-Wunderwerkstatt anzuschauen. Leben wir nicht im Zeitalter des Dampfes,
-der Elektrizität, des Fahrrads und des Automobils? Und wie denn;
-genügen nicht auch Schusters Rappen, hineinzuwandern in die prangende
-Frühlingswelt, dem Lichte und dem Leben zu, bergauf, talab, in des
-Waldes Laubgezelt, zur blumigen Quelle, zum Ufer der brandenden See?
-Bleiben wir bei strammer Landstraßentugend; nehmen wir den Weg zwischen
-die Beine.
-
-Können wir uns heute das weitverzweigte, der Erde Länder
-zusammenknüpfende Verkehrsnetz hinwegdenken und uns in eine Zeit
-zurückversetzen, da der Mensch nur schwer und mit großen Opfern der
-engbegrenzten Heimatscholle zu entrinnen vermochte? Wohl kaum. Was
-erinnert wohl noch an die alte liebe Wanderzeit mit ihren einfachen
-Bedürfnissen? Etwa die steifen Postwagen, die in die einsamsten
-Gegenden unseres Vaterlandes sich zurückgeflüchtet haben? Es wird
-uns nicht so leicht, zu begreifen, daß noch zur Mitte des vorigen
-Jahrhunderts fast der gesamte Reiseverkehr auf die Landstraßen
-angewiesen war. Wir sind ein gar schnellebiges Geschlecht, das rasch
-vorwärts schreitet, aber auch rasch vergißt, und es im übrigen nicht
-liebt, den Blick romantischen Sinnes in längst verschollene Zeiten
-zurückzuwenden. Die Blume der Erinnerung blüht nur noch abseits von
-des Tages Getümmel und auch nur für den, der ihrer aufmerksamen Auges
-achtet. Was kümmert uns Vergangenes? Es lebe die Gegenwart!
-
-Und so kommt es, daß wir den rechten Maßstab für das jeweilig
-Erreichte oft nicht finden, weil wir der Wahrzeichen nicht achten,
-die uns zu längst Verschwundenem und Überwundenem hinüberleiten.
-Wer z. B. achtet gegenwärtig noch der wenigen vom Zahn der Zeit
-verschont gebliebenen Chausseehäuser, jener freundlichen, einstöckigen
-Gebäude an Sachsens Landstraßen, die heute vielfach als Bier- und
-Kaffeestuben willkommenere Ruhepunkte des Reiseverkehrs darstellen
-denn ehemals, als weißgrüne Schlagbäume die Straße sperrten und ein
-finsterblickender Einnehmer zum Halten einlud! An einsameren Straßen
-unseres Sachsenlandes, wo sie hin und wieder auch als Wohnstätten der
-Straßenwärter Verwendung finden, tragen sie wesentlich zur Belebung des
-Geländes bei. Hier wie dort führen sie unsere Gedanken zurück in die
-gute alte Zeit, da der Großvater die Großmutter nahm und während der
-Hochzeitsreise sich und seine Eheliebste von zwei zu zwei Wegstunden
-immer von neuem wieder aus dem Bannkreise des Schlagbaumes und seines
-Wärters lösen mußte.
-
-Die alten Chausseehäuser unserer engeren Heimat verkörpern ein Stück
-Kulturgeschichte, nicht so sehr wegen ihrer einstigen fiskalischen
-Bedeutung als wegen der Art des Lebens und Treibens, das sich in
-ihnen abspielte. Sie waren die Pflegstätten echten altsächsischen
-Familienlebens in seiner breiten Gemütlichkeit und genügsamen
-Zufriedenheit und bildeten in einer meist ländlichen Umgebung kleine
-Beamteninseln mit halb städtischen, halb ländlichen Sitten und
-Gebräuchen. Wie idyllisch nahmen sich die Häuschen aus im Zuge der
-sauberen Straßen, mit ihren Bogenfenstern, den grünen Läden und dem
-über der Eingangstür hängenden sächsischen Wappenschilde! Meist umgab
-ein Garten das Gebäude. Ein einfaches Staket, hinter dem es grünte und
-blühte und oft wohl auch bunte Glaskugeln altmodisch sich spreizten,
-versperrte Neugierigen den Blick ins Innere des Hauses. Häufig tat
-es auch eine lebende Hecke. Hier schossen Sonnenblumen und Malven;
-Bienen flogen summend von Blüte zu Blüte. War doch der Herr Einnehmer
-meist auch ein kunstgerechter Imker. Das saftige Grün des Weinstocks
-umrankte die Vorderfront, während nach hinten Stall und Schuppen das
-kleine Anwesen abschlossen. Stand ein Birn- oder Apfelbaum dabei, so
-legte er sicherlich väterlich-schirmend die fruchtschweren Äste über
-die kleine Einsiedelei.
-
-[Illustration: Einnehmerhaus an der Muldenbrücke in Rochlitz
-
-(Phot. Frau _Carola Hartmann_, Rochlitz)]
-
-Quer über die Straße aber ragte der wuchtige Schlagbaum, an den Seiten
-nur einen schmalen Streifen für die Fußgänger freilassend. Jedes
-ankommende Fuhrwerk, jeder Reiter und jeder Viehtransport konnte ihn
-nur passieren, nachdem die festgesetzte Abgabe entrichtet war. Dem
-gestrengen Herrn Einnehmer, der ununterbrochen bei Tag und Nacht seines
-Amtes walten mußte und sich nur während der verkehrsschwachen Stunden
-kurze Ruhepausen gönnen konnte, entging so leicht keiner. Die Fuhrleute
-waren verpflichtet, den Einnehmer auch während der Nacht durch
-Peitschenknall oder Zuruf zu wecken. Besser noch versorgte das Geschäft
-des Weckens ein munterer Spitz oder Dackel, der zum lebenden Bestande
-jeder Einnahme gehörte. Oft freilich erkoren Witzbolde, Studenten oder
-fahrende Gesellen den Einnehmer zum Gegenstande ihres Übermutes und
-brachten ihn durch blinden Lärm um die ohnehin beschränkte Nachtruhe.
-Zur Zeit der Leipziger Messen, an Hauptmarkttagen oder zu besonderen
-Festlichkeiten gestaltete sich der Wagenverkehr oft so rege, daß die
-Frau Einnehmerin dem Gatten in der Abfertigung kräftig zur Hand gehen
-mußte. War sie doch zur dienstlichen Vertretung und Unterstützung des
-Hausherrn amtlich bestimmt. Wohl trug sie weder Mütze noch Amtsrock;
-in einfacher Hausfrauentracht verrichtete sie am Schalterfenster
-ihre Dienstobliegenheiten, und obgleich sie mit Angehörigen der
-verschiedensten Berufsklassen verhandelte, wußte sie, der amtlichen
-Dienstanweisung gehorchend, allen Streitereien und Ungehörigkeiten
-durch immer gleichbleibende Freundlichkeit und weiblichen Anstand
-die Spitze abzubrechen. Die Frau Einnehmerin spielte übrigens, wenn
-sie die ihr günstigen Verhältnisse auszunutzen verstand, unter der
-bäuerlichen Bevölkerung eine gar wichtige Rolle. Man schätzte ihre
-hauswirtschaftlichen Erfahrungen, begehrte ihre gesundheitlichen
-Ratschläge und feierte selten ein Familienfest, an dem die Frau
-Einnehmerin nicht teilgenommen hätte.
-
-Aber nicht immer herrschte Lust und Freude in dem bescheidenen Heime;
-denn wenn auch dem Einnehmer neben freier Wohnung, Heizung und
-Beleuchtung der zehnte Teil der erhobenen Brücken- und Wegegelder als
-Besoldung zugebilligt wurde, so kamen dennoch -- und ach, wie oft --
-auch magere Zeiten, Monate und Jahre mit geringen Einnahmen. Dann
-wurde die Wirtschaftskunst der Hausfrau auf eine harte Probe gestellt.
-Wenn freilich die Vorräte im Kämmerchen zur Neige gingen und die
-Reihe der Einmachetöpfe aus besseren Jahren sich immer mehr lichtete,
-wenn infolge kärglicher Fütterung im Stalle die Ziege von Tag zu Tag
-weniger Milch gab und doch trotz allem die hungrigen Mäuler der Kleinen
-gestopft sein wollten: dann schwand der Frohsinn aus dem Einnehmerhaus
-und Frau Sorge schritt über die Schwelle.
-
-Mit Ablauf des Jahres 1885 kamen Brückenzölle und Chausseegelder in
-Wegfall. Sie hatten dem Staatssäckel von Jahr zu Jahr Einnahmen bis
-zu dreiviertel Million Mark gebracht, trotzdem der Güterverkehr mehr
-und mehr von den Landstraßen auf die neuerstandenen Schienenwege
-übergegangen war. Die Schlagbäume verschwanden, aber die Chausseehäuser
-haben sich, wenn auch meist ihres einstigen Gepräges entkleidet, als
-Erinnerungszeichen an die einstige Fuhrmannsherrlichkeit, an die Zeit
-des Posttrabs und der Wanderpoesie bis in unsere Tage erhalten.
-
-
-
-
-Die Schneeheide
-
-(~Erica carnea L.~)
-
-Von _Felix Heller_, Bahnhof Bad Elster
-
-Aufnahmen von _J. Ostermaier_, Blasewitz
-
-
-[Illustration: Abb. 1]
-
-Unter den deutschen Phanerogamen, die nach Garckes Flora von
-Deutschland (17. Aufl. 1895) sehr selten vorkommen, befindet
-sich eine, mehr der süddeutschen Flora angehörige Pflanze, deren
-Verbreitungsgebiet in Mitteldeutschland ein so eng begrenztes
-ist, daß sie in Botanikerkreisen eine gewisse Berühmtheit erlangt
-und zu mancherlei Deutungen über die Ursachen ihres sporadischen
-Auftretens Veranlassung gegeben hat. Der Pflanzenkundige, der im
-zeitigen Frühjahre den südlichsten, nach Böhmen hereinragenden Zipfel
-des nunmehrigen Freistaates Sachsen besucht, wird sie freudig
-begrüßen und auch dem Laien wird sie auffallen. Im allgemeinen
-bieten unser Elstergebirge und seine Ausläufer keine große Auswahl
-an Pflanzenseltenheiten, wenn man nicht die buchsbaumblättrige
-Kreuzblume (~Polygala Chamaebuxus L.~)[3], hier »Ramsel«, auch
-»falsche Preiselbeere« genannt, dazu rechnen will, die im südlichen
-Vogtlande übrigens häufiger vorkommt, als bei Garcke angegeben ist.
-Aber die _Schneeheide_, das ist hier in ihrer sächsischen Heimat die
-volkstümliche Bezeichnung (»Schniehaad«), ist etwas ganz besonderes;
-sowie der Schnee zu schmelzen beginnt, meist Anfang bis Mitte
-März, entfalten sich ihre zierlichen, in der Farbe vom hellsten
-Rosarot bis zum tiefsten Carminrot schwankenden Glöckchen -- der
-erste Frühlingsgruß der neuerwachten Natur! Deshalb liebt sie hier
-auch jedermann, und gern stellt man sich ein von Weißtannenzweigen
-oder Preiselbeerkraut umkränztes Sträußchen in das Zimmer. Die
-vogtländischen Nachbarn dieses bescheidenen Pflänzchens sind sich
-seiner Seltenheit wohlbewußt und erklären dem Befrager mit einem
-gewissen Stolze, daß die Schneeheide eben nur bei ihnen vorkommt und
-sonst in ganz Deutschland nicht. Böhmen ist ja nicht Deutschland und
-das Vorkommen im Fichtelgebirge und in den südlichen bayrischen Alpen
-ist ihnen wohl nicht bekannt. Im Spätsommer und Herbst finden die
-Kurgäste von Bad Elster auch zuweilen blühende »Schneeheide«, die
-sie mit stolzer Freude heimtragen, aber das ist die _weiß_blühende
-Form der gewöhnlichen Heide (~Calluna vulgaris Salisb.~); die _echte_
-Schneeheide hat ihren Namen nicht von der Farbe, sondern daher, daß
-sie zur Zeit der Schneeschmelze blüht, oft genug sogar schon unter dem
-Schnee, bei kühlem Wetter bis in den Mai hinein.
-
- [3] Abbildung Seite 108. Dieses reizende Pflänzchen ist
- hier ziemlich weit verbreitet. Es gibt Stellen, wo sie
- rasenbildend auftritt und meterlange Ausläufer treibt.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Vogtländische Bauernhäuser in Mühlhausen bei Bad
-Elster=]
-
-Garcke gibt als Vorkommen an: »Im Vogtlande im Brambacher Walde bei
-Adorf häufig und ebenso um Karlsbad, Franzensbad, Eger und Marienbad;
-früher auch bei Paderborn. -- Bayern (Alpen und Hochebene verbreitet)«.
-Von dem erstgenannten Verbreitungsbezirke entfällt auf Sachsen ein
-winziger Teil. Die Schneeheide ist daher tatsächlich für Sachsen und
-ganz Mitteldeutschland eine große Seltenheit; Südbayern kommt ja für
-Mitteldeutschland nicht in Betracht. Im Fichtelgebirgsführer von
-~Dr.~ Albert Schmidt (Wunsiedel 1894, Verlag von G. Kohler) Seite 18
-ist ~Erica carnea~ als Bewohnerin des Silikatgesteines aufgeführt
-(nach Rektor Kellermann). Auf meine Anfrage schreibt mir Herr ~Dr.~
-Vestner, Reallehrer in Wunsiedel, folgendes: »~Erica carnea~ beherrscht
-im Fichtelgebirge das Gebiet des sogenannten Selber Waldes. Sie
-ist im Vorfrühling, zu ihrer Blütezeit, der einzige Glanzpunkt in
-unserem so floraarmen Fichtelgebirge. Der Verbreitungsbezirk beginnt
-südwestlich in der Höhe von Thierstein, wird begrenzt von den Höhen des
-Egertales, ohne jedoch auf das Gebiet des Kornberges überzugreifen,
-endet östlich mit der Waldgrenze (Hohenberg, Liebenstein, Lindau)
-und zieht schließlich über Asch in den Brambacher Wald. Eine
-weitere Ausbreitung oder ein Zurückgehen des Bestandes ist nicht zu
-beobachten. Ihr Standort ist Granitboden in gemischtem, vorwiegend
-mit Föhren bestandenem Walde. Sonstiges Vorkommen im Fichtelgebirge
-gibt es nicht.« Demnach wäre Garckes Flora mit diesem Vorkommen in
-Nordostbayern zu ergänzen.
-
-[Illustration: Abb. 3 =~Erica carnea~ bei Brambach i. V.=]
-
-Häufiger findet sich die Schneeheide im angrenzenden Böhmen, sie geht
-aber kaum über Karlsbad hinaus. Der Gesamtverbreitungsbezirk bildet
-eine Insel, deren größerer Durchmesser von Westen nach Osten, der
-kleinere von Norden nach Süden verläuft. Die Begrenzung bilden in
-Richtung West--Ost etwa die Orte Thierstein in Bayern--Karlsbad, in
-Richtung Nordwest--Südost etwa Rohrbach--Marienbad. Auf sächsischem
-Gebiete kommen nur die Waldungen und Höhen um Rohrbach, Brambach,
-Schönberg am Capellenberge, Hohendorf, Bärendorf in Frage. Und auch
-hier tritt sie meist in inselförmigen Beständen auf. Niemals überzieht
-sie ausgedehnte, zusammenhängende Strecken wie Calluna, sondern wächst
-immer in kleinen geschlossenen Beständen auf feuchtem Granitboden.
-Wer von hier aus östlich wandert, findet die ersten spärlichen Spuren
-zwischen dem Raunergrunde bei Raun und Oberbrambach. Um Brambach
-selbst wird sie häufiger: auf dem Kuhberge, Fuchs- und Capellenberge,
-besonders schön auf dem Hirschberge und in reichlicheren Beständen in
-der Richtung von Brambach über Fleißen in Böhmen nach Schönberg am
-Capellenberge.
-
-Die reichsten Bestände finden sich, wie schon gesagt, in Böhmen;
-schon in den Waldungen bei Fleißen, Großloh, Wildstein fällt sie im
-Vorfrühling jedem auf, der dort wandert, denn ihr leuchtendes Rot macht
-sich schon auf weite Entfernung bemerklich.
-
-Die Gesteinsformation, die zu ihrem Gedeihen notwendig ist, ist
-lediglich Granit, und zwar Granit in loser Form als Grus oder Sand.
-Nirgends besiedelt sie Basalt, Porphyrit, Ton- oder Glimmerschiefer;
-die scharfe Grenze, die sie bei Formationswechsel einhält, gibt dem
-Geologen einen Hinweis, daß er aus dem Gebiete des Granits in ein
-anderes übertritt. Im Granitgebiete selbst bevorzugt sie feuchte
-Stellen, findet sich daher auf den Bergkuppen, soweit sie wasserarm
-sind, nur spärlich und hier oft in Gesellschaft von Calluna. In
-vertikaler Richtung liegt die Wachstumsgrenze etwa zwischen 550--900
-Meter.
-
-[Illustration: Abb. 4 =Schneeheide -- ~Erica carnea~ -- im Vogtlande
-bei Brambach=]
-
-Wenn man die Kartenskizze, die freilich auf absolute Genauigkeit
-keinen Anspruch machen kann, betrachtet, fällt einem unwillkürlich
-auf, daß das Vorkommen der Schneeheide ziemlich genau in den Bereich
-der sächsischen und böhmischen Bäder fällt (Bad Elster, Bad Brambach,
-Franzensbad, Karlsbad, Marienbad). Alle diese Bäder besitzen Quellen
-mit mehr oder weniger starkem Radiumgehalt, Brambach z. B. eine solche
-mit über 2200 Macheeinheiten. Es liegt ja nahe, die Radioaktivität des
-Wassers als Ursache des Gedeihens der Pflanze anzusehen oder eine durch
-Radiumemanationen bedingte höhere Bodenwärme. Doch sind hierüber wohl
-noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen angestellt worden; für
-den Pflanzenbiologen wäre dies eine dankbare Aufgabe! Läßt sich ein
-Zusammenhang der Lebensbedingungen unsrer Pflanze mit dem Radiumgehalte
-des Bodens nachweisen, dann würde ihr reicheres Auftreten an irgend
-einer Stelle im Granitgebiete vielleicht einen Fingerzeig darbieten,
-hier nach einer Radiumquelle zu suchen. Analoge Beispiele dafür, daß
-Pflanzen an bestimmte Mineralien gebunden sind, gibt es meines Wissens
-mehrere, z. B. das sogenannte »Galmeiveilchen«, das in der Gegend um
-Aachen das Vorkommen von Zinkerzen anzeigen soll. Wie weit eine solche
-Vermutung berechtigt ist, das zu ergründen muß ich berufenen Leuten
-überlassen, ich spreche hier eben nur eine Vermutung aus. Ob in den
-südbayrischen Alpen ähnliche Boden- und Wasserverhältnisse vorliegen,
-vermag ich nicht anzugeben. Vielleicht sind dort im Süden, wo die
-Schneeheide unsre gemeine Heide vertritt, wo sie nicht, wie hier, zur
-Relictenflora gehört, sondern von jeher in großen Beständen heimisch
-gewesen ist, die Verhältnisse anders.[4]
-
- [4] Gelegentlich meiner Urlaubsreise im September-Oktober 1920
- in dem bayrischen Allgäu beobachtete ich ~Erica carnea~
- dort. Im Allgäu und in den Alpen bevorzugt sie _Kalk_boden.
- Der südliche Typus der Schneeheide ist anders als der in
- Böhmen, Sachsen und Nordost-Bayern; die südliche Form ist
- strauchiger, knorriger, die mitteldeutsche und böhmische
- weicher, anschmiegender. Die langen Ranken, die sie hier an
- feuchten Stellen treibt, sieht man in den Alpen, besonders
- in hohen Lagen, nicht.
-
-Jedes Frühjahr erscheint in unsern südvogtländischen Zeitungen ein
-Hinweis auf die Schneeheide, diese »einzige Seltenheit« im südlichen
-Vogtlande. Es wird darin geklagt, daß die Pflanze dem Aussterben nahe
-sei und darum gebeten, die Ausrottung dadurch verhindern zu helfen, daß
-man keine Schneeheidesträuße kauft. Die Bitte ist recht gut gemeint
-und wird den Herzen der Naturschützler wohl tun. Aber zum Glück liegt
-die Gefahr des völligen Verschwindens nicht so nahe, wie befürchtet
-werden könnte. Einmal hält die Pflanze an ihren Standorten so zäh fest,
-wie ihre fast unausrottbare Base Calluna an den ihren; sie erscheint
-immer wieder, man merkt keine Abnahme, freilich auch kein weiteres
-Ausbreiten. Sodann ist der Handel mit Schneeheidesträußen nur gering;
-es mögen sich kaum ein halbes Dutzend alte Frauen gelegentlich damit
-beschäftigen. Das sind die sogenannten »Sandfrauen«, die aus Brambach,
-Fleißen, Schnecken den feinen Scheuersand bringen, den sie in Bad
-Elster, Adorf, Ölsnitz, Plauen verkaufen. Sie haben an ihren schweren
-Sandsäcken gerade genug zu schleppen und können deshalb nur ab und zu
-ein paar Sträuße mitbringen, für die sie meistens feste Abnehmer haben.
-Der weitaus größte Teil der Sträuße stammt aus Böhmen.
-
-Vor etwa 7--8 Jahren freilich wurde auch mir bange um die
-Schneeheidebestände, als im März und April täglich Leute aus Plauen mit
-großen Körben nach Brambach fuhren und in den dortigen und böhmischen
-Waldungen die Heide _ausrissen_, um sie an Blumenbindereien zu
-verkaufen! Aber der Unfug hatte glücklicherweise sehr bald ein Ende:
-die Amtshauptmannschaft Ölsnitz und die Forstrevierverwaltung erließen
-strenge Verbote des Sammelns der Schneeheide und das Forstpersonal
-hielt scharf Wacht. Insbesondere nahm sich Oberförster Engelhardt
-in Rohrbach bei Brambach energisch der bedrohten Pflanze an und so
-ist wohl mit Sicherheit zu hoffen, daß die Gefahr einer Ausrottung
-beseitigt ist. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, daß bei der
-jetzt forstwirtschaftlich bevorzugten Anpflanzung der Fichte insofern
-eine Gefahr für das Zurückgehen der Schneeheide besteht, als sie
-Kiefernwälder lieber bewohnt und reine Fichtenbestände meidet.
-
-[Illustration: Abb. 5 =Schneeheide -- ~Erica carnea~=]
-
-Wird die blühende Schneeheide _vorsichtig_, am besten mit einer Schere,
-_abgeschnitten_, was deswegen geschehen muß, weil die Wurzeln nicht
-fest in dem losen Granitboden haften, so blüht sie im nächsten Jahre
-sehr schön und reichlich, schöner fast, als wenn man sie ausblühen
-läßt. Ausgeblühte Stöcke zeigen im nächsten Jahre oft ein struppiges,
-dürftiges Bild. Das von Kindern beliebte Abreißen der blühenden Heide
-ist zu verwerfen, da hierbei mancher Stock mit herausgerissen wird.
-
-[Illustration: Abb. 6 =~Polygala Chamaebuxus~, buxbaumartige Kreuzblume=
-
-im Volksmunde »Ramsel« genannt]
-
-Garcke gibt bei ihrem Vorkommen noch an: »Nicht selten als
-Zierstrauch.« Ich habe sie nirgends als solchen gesehen, möchte mich
-auch der hier allgemeinen Ansicht anschließen, daß die Schneeheide ein
-Verpflanzen nicht verträgt. Bei ihrer ausgesprochenen Bodenständigkeit
-auf Granitboden würde es mich auch wundern, wenn sie anderen Boden
-willig annähme. Ich habe selbst Anpflanzungsversuche vorgenommen, die
-stets erfolglos waren; die gleichen Erfahrungen haben Bekannte von
-mir gemacht. Auch die wiederholten Versuche seitens der Gärtnerei der
-Badedirektion, sie in den schönen Anlagen des Kurortes einzubürgern,
-sind immer wieder fehlgeschlagen. Wie mir Handelsgärtner versicherten,
-wird unter dem Namen ~Erica carnea~ eine Zierheide aus Holland
-angeboten, die sich anpflanzen läßt, jedenfalls aber mit der wilden
-~Erica carnea~ nicht identisch ist. Nach früheren Versuchen, die ich
-vor vielen Jahren angestellt habe, läßt sich übrigens auch ~Calluna
-vulgaris L.~ als echtes Kind der Heide weder im Topfe noch im Garten
-kultivieren, so wenig wie die anscheinend noch mehr bodenständige ~E.
-carnea~.
-
-Besucht wird die blühende Schneeheide im Vorfrühling hauptsächlich
-von Hummeln. Andere Insekten sind kaum zu bemerken, allenfalls
-noch an warmen Tagen Bienen. Es sieht drollig genug aus, wenn die
-dicken Hummeln, auf dem Rücken liegend, die Glöckchen der Reihe nach
-aussaugen; sie ziehen durch ihr Körpergewicht sehr oft die dünnen
-Zweige bis auf den Boden nieder und bleiben dann mit der umklammerten
-Blütenähre gemütlich liegen, bis es nichts mehr zu saugen gibt.
-
-Hoffen wir, daß unsre südvogtländische botanische Seltenheit, unsre
-liebe _Schneeheide_ auch weiterhin gedeiht und in ihren Beständen
-erhalten bleibt! Es wäre ewig schade, wenn unsre materialistische
-Zeitströmung, die alle Naturseltenheiten in Geld umwerten möchte, ihrem
-Vorkommen hier ein Ende bereitete. Sie muß für alle Zeiten unter Schutz
-stehen und sei deshalb der Fürsorge des Sächsischen Heimatschutzes
-angelegentlichst empfohlen!
-
-
-
-
-Seiffen und das Bunte Haus
-
-Eine Fahrt ins Weihnachtsland
-
-Von Stadtbaurat _Rieß_
-
-Aufnahmen von _A. Heinicke_, Freiberg
-
-
-Vor dem Hauch des milden Westwindes war der Weihnachtsschnee zwar
-leider fast zerronnen, aber doch lag es noch wie Weihnachtsstimmung
-und Nadelduft in der Luft. Der Rucksack war wohlgepackt. Auch er gab
-weihnachtlichen Duft nach Stollen und anderen guten Dingen. Eine
-Weihnachtsfahrt sollte es werden in das Land der Kinderträume und
-lustiger Spielzeugherrlichkeit, wo Nußknacker und Räuchermännlein,
-Lichterengel und Bergmänner das große Wort führen, wo die Krippen
-in seliger Einfalt sich aufbauen und die Weihnachtspyramiden ihr
-buntgeschnitztes Leben zeigen. Im Morgendämmern lag der Garten mit
-seinen wenigen leuchtenden Schneeflecken. Die schöne grüne Tür mit dem
-kunstreichen Schloß fiel hinter mir und meinem wanderfrohen Weibe zu,
-da kam zur verabredeten Minute der Freund, der Maler mit seiner blonden
-Frau und grüßte mit frohem Glückauf. Am Bahnhof stieß zu uns der
-Ingenieur mit seiner Braut, der an der Bagdadbahn einst baute und nun
-nach Krieg und Wunden mit uns das Weihnachtsmärchen suchen wollte. --
-Nun ging es hinaus in die nebelverhangene Welt mit fauchendem Züglein.
-Nur an den Nordabhängen der Böschungen lag dort noch der Schnee und
-die dunklen Halden des alten Bergbaues waren noch weißbetupft. Die
-Fläche des Berthelsdorfer Hüttenteiches war mit Eis bedeckt und blinkte
-wie matter Stahl in den ersten schrägen Strahlen der mit dem Gewölk
-ringenden Sonne. Die Hänge des Muldentales mit ihren dunklen Wäldern
-und braunen Feldern und den schöngeschwungenen Höhenlinien glitten an
-uns vorüber. Von Mulda führte uns dann das Nebenbähnchen mit Schnauben
-und Pusten und gelegentlichem wichtig tuendem Bimbim Bimbim durch
-das enge malerische Chemnitzbachtal empor nach Sayda. Ein reizvolles
-Wiesental ist es, in dessen leuchtendem Grün im Sommer das Auge sich
-satt trinken und Kräfte gewinnen mag, um freudig ins Grau des Alltags
-zu schauen. Heute war die Fläche zart rehbraun getönt und mit dem
-schimmernden Silbergrau des Reifes angehaucht. Der Maulwurf war munter
-gewesen und hatte kräftige schwarze Tupfen durch die zahlreichen
-frisch aufgeworfenen Haufen in die zarte Farbenstimmung gesetzt. Der
-Chemnitzbach schlängelt sich mit hurtigem Laufe in vielen Windungen
-durch das Tal. Auf den Hängen liegen einzelne Höfe. Festgeschlossen wie
-Burgen schauen sie wie Herren ins Tal, nicht gar trotzig, aber breit
-und behäbig voll Selbstbewußtsein und einer gewissen Unnahbarkeit. Dort
-das Rittergut von Dorfchemnitz mit seinen festen Mauern liegt auf der
-Höhe hinter dem Filigran der entlaubten Wipfel, mit der Kirche zusammen
-eine Baugruppe von besonderem malerischen Reiz.
-
-Der Rauch unsres Zügleins weht in langer silberweißer wallender
-Fahne durch das Tal. Duftiges Blau, zartes Sepia, dunkles Grün, Weiß
-und Silbergrau sind die Töne, welche das liebliche Landschaftsbild
-beherrschen und alles in unendlicher weicher Harmonie vereinen. Die
-Fenster im Wagen sind beschlagen. So stehe ich draußen mit dem Maler
-und male im Geiste die zartesten Aquarelle mit ihm, wo die Farben
-nur wie ein Duft auf dem leuchtenden Weiß stehen und so unendlich
-wohltun in ihrer keuschen Reinheit, Zurückhaltung und Vornehmheit.
-Jeder Ausschnitt wird uns so zum Bilde reiner Winterherrlichkeit, daß
-unser Herz froh wird und unsre Lungen immer tiefer die klare kalte
-Luft der Höhen atmen. In Sayda wandern wir dann durchs Städtchen. Dem
-Wintersport gilt unser erster Gang. Uns lacht das Herz, als wir dort
-in der Fabrik unter den herrlichen Schneeschuhen jeder Art und Form
-und Bindung suchen und wählen können, und jeder schließlich ein Paar
-der langen Hölzer sein eigen nennt. O, daß der Schnee heut so dünn
-die Wege deckt und nur wie Zuckerstaub über die Felder gestreut ist,
-wie wollten wir sonst dahingleiten in köstlicher Fahrt! So streicheln
-wir nur zärtlich die schlanken biegsamen Eschenbretter mit einem auf
-Wiedersehen zur Heimfahrt und wandern dann hinaus in die sonnige
-Winterwelt. Da liegt vor dem Städtchen das alte Spittel hinter alten
-Bäumen. Bunt leuchtet das Wappen der Herren von Schönberg mit Inschrift
-über der Tür, durch welches das ganze schlichte Haus eine besondere
-Zierde und Charakter erhält. Grüß Gott du altes Weiblein dort am
-Fenster in deinem warmen Stüblein, du neidest uns nicht unseren Gang
-in den Winter hinaus. Der warme Ofen ist dir Erfüllung deiner Wünsche.
-Uns sollen noch Wind und Wald und Schnee Lieder der Sehnsucht und der
-Wünsche Gewalt und Erfüllung empfinden lassen.
-
-Und ihr Schläfer hinter der schlichten Mauer unter den weißen Hügeln
-dort drüben, eure Herzen gingen zur Ruh, aber was ihr gedacht und
-gelebt, es lebt und wirket in ungeahnten Kräften. Vielleicht ist es
-im Wind lebendig, der dort vom Walde herüberweht, den ihr vielleicht
-gepflanzt habt, vielleicht klingt es aus dem Jauchzen der Kinder, die
-dort mit Schneeballen werfen, Kinder eures Blutes, vielleicht liegt
-es keimend im Acker, an dessen Rand wir dahinschreiten und dessen
-Frucht vielleicht dem Fleiß der nimmermüden Hände vieler Geschlechter,
-eurer Geschlechter, die dort ruhen, zu danken ist, vielleicht sind die
-Gedanken und Stimmungen die uns hier überkommen, Spuren unsichtbaren
-Lebens, das hier daheim ist, Spuren eines Lebens, das ihr ganz an
-eure Heimat gewendet habt, -- und das uns nun eure Heimat lebendig und
-beseelt macht. --
-
-Sinnend schreiten wir in den Weihnachtswald, in dem die Schneeflecke
-aus dem dunklen Grün leuchten. Rechts schimmert die vereiste Fahrstraße
-durch die Stämme und der breite Streifen eines Kahlschlages. Was geht
-es sich so weich in dem harzduftigen Walde, als schritten wir in den
-Sonntag hinein, wo es so kirchenstill ist, als hätte eine heilige
-Feierstunde begonnen, in der alles fernen, fernen leisen Klängen
-lauscht, dem Harfen des Windes in den Wipfeln oder dem Rieseln und
-Sickern des schmelzenden Schnees im Waldboden.
-
-Ein dünner blauer Rauch steigt aus der Schneise empor und füllt die
-Luft mit starkem Harzgeruch. Wie Weihrauch und stilles Opfer zu
-geheimnisvoller Weihe zerfließt er über den Wipfeln. Der Wald duftet
-stärker als zuvor. --
-
-Wir treten auf eine weite Lichtung hinaus. Wie ein schimmernder Saal
-mit silbernem Teppich liegt sie da, rings vom schweigenden Walde wie
-von dunklen Wänden umschlossen. Dicht am Walde liegt das kleine Vorwerk
-mit weißem Schneepelz auf dem Dache. Alles ist still und fügt sich
-einfach und schlicht in die große heilige Ruhe. Ein mächtiger Baum in
-der Nähe, herrlich nach allen Seiten gleichmäßig entwickelt, steht da
-wie der stille Wächter dieser Einsamkeit. Die leere schneefeuchte Bank
-an seinem Stamm unter den schirmenden Zweigen ist heute ein starkes
-Sinnbild der Verlassenheit oder Vergessenheit. Wie mag im Sommer unter
-seinem grünen Dach das Leben eine Stätte haben. Dort rastet der einsame
-Wanderer, dort ruht der Schnitter und genießt sein einfaches Mahl, dort
-lacht und spielt fröhliche Jugend und die wandernde Horde lustiger
-Vögel, dort sitzt im sinkenden Tagesschein das Liebespaar und lauscht
-dem Flöten der Singdrossel hoch oben im Gezweig. Ein Baum, um den alle
-Poesie von Wald und Wiese und stillen Wegen wirkt und webt.
-
-Der Wald nimmt uns wieder auf und nach kurzer Wanderung zwischen
-seinen schneebehangenen Zweigen öffnet sich eine neue Lichtung, der
-Mörtelgrund. Wie ein breites silbernes Band liegt er zwischen den
-dunklen Fichten, quer den Wald durchschneidend und einen weiten Blick
-aufwärts und abwärts gewährend. Oberhalb zieht sich die Staatsstraße,
-mit einem Brückenbogen den Bach überspringend. Nach unten schweift der
-Blick in die Ferne. An der Straße hier liegt aber ein stiller Teich,
-auf dessen Damm gewaltige Fichten wie stolze Türme sich erheben. Weit
-breiten sich die untersten Zweige fast dicht über den Boden hin.
-Ebenmäßig bauen sich die Prachtgestalten auf und ein Flüstern geht
-durch ihre dichten Nadeln, als raunten sie Geheimnisse aus alter
-kühner Heldenzeit, als wüßten sie Kunde von seltsamen Abenteuern und
-Märchen des Waldes oder von der schönen verwunschenen Fei im kühlen
-Wasser, dort unter dem grünlichen Eis, verwunschen und verzaubert im
-gläsernen Sarge. An den Nadelspitzen hängen tausende funkelnder Tropfen
-wie Perlen, als hätte ein Weihnachtswunder den köstlichen Schmuck
-gezaubert. Da regen sich sachte die Zweige und wie schimmernde Tränen
-fallen die Tropfen nieder mit leisem feinen Klingen.
-
-Die Wasserfei lauscht, denn es klang an der gläsernen Decke, als pochte
-schon der Frühling an, um den Zauberbann zu lösen, der sie verschlossen
-hält. -- Ach lausche nur, der Frühling ist noch weit und ferne die
-Zeit, dich auf der duftigen Wiese im Mondschein im Tanze zu wiegen und
-Blumenkränze in deine fliegenden Locken zu flechten. -- --
-
-Durch Wald geht es weiter, und dann treten wir auf freie Höhe hinaus.
-Entzückt schweifen die Blicke über die reinen edlen Linien der Berge,
-welche sich in langen Zügen in den Himmel schwingen, zarter und zarter,
-bis sie in weiter Ferne verblauen. Dicht vor uns ist der Schwartenberg
-mit breitem Rücken. Rehbraun und weiß ist das Gewand gescheckt, das
-er über seine breiten Schultern gelegt hat, und in unendlich feinem
-Tone mischt sich ein zartes Veil und Blau hinein. Ja, du trägst nicht
-Sorge um moderne Farbenstellung deines Kleides und was die kleine
-Welt dort unten zu deinem Gesicht und deinem Wesen und Kleid sagt.
-Ob Sonnenstrahlen um dein Haupt klingen und singen, ob der Sturm dir
-seine wilden Weisen schnaubt und heult, du lächelst im fröhlichen
-Gewand dem Frühling, du schaust im rechten Feierkleide dem Winter ernst
-und versonnen ins grimme Gesicht. -- Wie still und weit wird doch
-das Herz, wenn es fern vom lauten Troß und Trieb der Niederung so in
-die schweigende Bergwelt des Winters schaut. Wie fühlt man so tief,
-daß echte Werte nicht im Lärm, sondern nur in der großen Stille sein
-können. Schweigen ist Kraft, Schweigen ist Tiefe. In dieser heiligen
-Stille fällt alles Äußere ab und der Kern, Wesenheit und Wert der Dinge
-wird offenbar. Wohl dir, wenn du ohne Lüge bestehst, der Stille ins
-tiefe Auge sehen kannst, wenn die Stille dir noch etwas sein und geben
-kann. -- -- --
-
-Der Weg senkt sich allmählich. Aus dem Talgrunde steigen Türme und
-Mauern in malerischer Gruppe auf: Schloß Purschenstein und zu seinen
-Füßen die Dächer und Giebel von Neuhausen. Der Weg ist stark vereist
-und nicht ohne manches Ausgleiten und heiteren Fall führt er uns ins
-Dorf hinab.
-
-Heute wollen wir hier nicht rasten, so lockend auch die Bäume des
-Parkes und das Schloß und das behäbige Gasthaus winken. Auf steilem
-Wege geht es weiter und an der Flanke des Schwartenberges empor.
-Hei, das war ein Klettern auf dem blanken Eis, wo oft nur der feste
-Wanderstab vor jähem Sturz und Abgleiten bewahrte und manchesmal
-nur ein rascher Griff in das Gestrüpp oder nach einen Baumstamm
-die unfreiwillige rasche Talfahrt ohne Schlitten auf den eigenen
-gewachsenen Kufen verhütete. Wir erreichen einige einsame Höfe und
-gehen dann über eine Schneefläche auf ebenerem Höhenweg dahin. Wie
-liegt die Welt so fern und klein unter uns. In weiter Ferne der
-Kirchturm von Sayda. Davor der Wald, den wir durchschritten. Im Tale
-einige Dächer und Häuser wie vergessen und verloren. Die Dinge der
-Niederung sind klein geworden, das Große, Erhabene zieht den Blick an.
-Die Augen schweifen in die Runde und können sich nicht satt trinken an
-all der keuschen Herrlichkeit der Berglinien und dem Dufte der Farben
-vom leuchtenden Weiß zum tiefen Blau und Grün, vom zartesten Braun bis
-zum satten Veil dort in den tiefen Gründen der Täler und Wälder.
-
-Höhenluft! -- Wie atmen wir darin auf, wie atmen wir so tief und frei
-und unsre Seele atmet mit, denn um uns und in uns ist das große stille
-Leuchten, das man erlebt, wenn man Höhenwege wandert hoch über dem
-Alltag.
-
-Oben über uns reckt sich eine Felsengruppe in die Luft, als wäre
-sie der Stuhl eines Gewaltigen, der von hier aus sein weites Reich
-überschaut, dem die Wälder Teppiche und die Berge und Täler Stufen
-seiner Herrlichkeit sind.
-
-Unter einer alten knorrigen Buche am Wege stehen wir. Sie ist vom
-Sturm zerzaust und die Äste recken sich trotzig wie feste Arme mit
-starken Muskeln und Gelenken dem Wetter entgegen, als wollten sie mit
-dem ungestümen Gesellen raufen. Der Schnee liegt in weißen Wuchten im
-struppigen Gezweig und es fällt ab und an ein nasser Klumpen hernieder.
-Wir aber stehen und schauen in das große stille Leuchten hinaus.
-
- »Kein ird’scher Laut mehr reichte durch die Lüfte,
- Mir war’s, als stände ich mit Gott alleine,
- So einsam, weit und helle war’s da oben.«
-
-[Illustration: Abb. 1 =Seiffen, Buntes Haus=]
-
-Durch tiefen Schnee ging es dann weiter und schließlich abwärts ins
-Seiffener Tal, zuletzt auf steilem Fußwege hinunter. Tiefe Schneewehen
-boten hier willkommenen Halt auf dem vereisten steilen Pfad gegen
-den Absturz. Watend und springend, rutschend und fest den Wanderstab
-einsetzend gelangten wir glücklich zu den ersten Häusern am Hange,
-wo der Weg ebener und sicherer wurde und uns bald an winzigen
-Erzgebirgshäuseln vorbei auf die Talstraße führte.
-
-Nur wenige Schritte noch und unser Ziel ist erreicht, das Erbgericht,
-das Bunte Haus! Helle leuchten uns seine blanken Mauern und Fenster
-entgegen. Ein Querhaus und zwei Flügel umschließen einen offenen Hof,
-als breiteten sich uns offene Arme entgegen: »Seid willkommen, hier ist
-gut sein, hier magst du rasten und weilen und mag es dir wohl werden.«
-Dort über den Fenstern grüßt gar vertraut Alt-Freibergs Bergparade
-vom langen gemalten bunten Holzschild. Ja, wahrlich, es ist recht,
-hier der alten Berghauptstadt des Landes und ihrer Bergherrlichkeit
-zu gedenken in so sinniger und sinnfälliger Weise, denn von ihr ging
-die Kultur des Landes aus, ward die Wildnis des Miriquidi gerodet und
-besiedelt, wurden die Erzgruben des Gebirges erschlossen. Der Name
-Erzgebirge wurde erst im sechzehnten Jahrhundert üblich, als an vielen
-Stellen Erz entdeckt und Bergstädte wie Annaberg, Marienberg, Jöhstadt
-usw. gegründet wurden.
-
-Vorher hieß es nach den Worten eines alten Dichters:
-
- »Sehr wild und felsicht war’s in diesen Waldesöden,
- Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind.
- Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten,
- Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«
-
-Auch Seiffen dankt ja seinen Namen und Entstehung dem Bergbau, der
-zwar längst zur Rüste gegangen ist, aber überall seine unverwischbaren
-Spuren hinterlassen hat. Der Bergmann ist ja auch immer ein Basteler
-gewesen. So ist es kein Wunder, daß oft aus dem Zeitvertreib ein
-Beruf wurde, und als der Bergbau seinen Mann nicht mehr nährte, statt
-Schlägel und Eisen das Schnitzmesser den Lebensunterhalt verdienen
-mußte. Seiffen wurde allmählich der Mittelpunkt und Hauptort der
-Spielwarenindustrie. Es wurde aus einem alten Bergmannsdorf der Typus
-des erzgebirgischen Schnitzer- und Industriedorfes, wo eigenartige
-Gegensätze sich berühren. Und hier das »Bunte Haus« ist so recht
-das Heim und der Ausdruck dieser erzgebirgischen Volkskunst und
-Volksindustrie geworden, einer Weihnachtskunst, bei der man fröhlich
-und ein Kind wird wie zu Weihnachten, in der man sich heimisch und wohl
-fühlt, als erzählte Großmutter ein Märchen aus der Zeit »Es war einmal«.
-
-Vom hübsch geschmiedeten Arm an der Hausecke grüßt uns der Spruch:
-
- »Erst die Erde, dann die Sterne,
- Erst die Heimat, dann die Ferne.«
-
-Jawohl, viele suchen die Heimat und können doch nie heimfinden,
-viele haben die Heimat und halten sie nicht. Heimat ist kein leerer
-Ortsbegriff, Heimat ist eine Herzenssache. Wer kein Herz hat, wie will
-der die Heimat finden oder halten?
-
-Möge die Kunst der Heimat der Heimat eine Seele geben, welche jene
-vielen wieder zu rechten Heimatfreunden, Heimatkindern, mit Herzen voll
-heimwehen Heimatstolzes macht. --
-
-Hier im Bunten Hause ist der wohlgelungene Versuch gemacht, durch die
-Heimatkunst des Ortes ein echt erzgebirgisches Heimathaus zu machen,
-in welchem man das Herz der Heimat pochen fühlt und hört. Was der
-Hausspruch sagt und wünscht, das mag wohl sicher in Erfüllung gehen:
-
- »Die Vorzeit grüßt Euch, daß Ihr wißt,
- wie schön sie einst gewesen ist.
- Gott gebe, daß die Nachwelt spat
- an uns dieselbe Freude hat.«
-
-Doch nein, nicht nur für die Nachwelt, nein für das bunte freudige
-Leben des Tages und seiner Gäste ist das Haus geschaffen.
-
-Ein frohes Behagen umfängt uns, treten wir unter sein Dach. Der
-Hauptschmuck des geräumigen Hausflures ist die Gestalt eines Freiberger
-Bergmannes, der auf einer Konsole kniet bei der Arbeit vor Ort mit
-Schlägel und Eisen. Der Bergmann ist -- oder leider vielmehr war -- ja
-die Charaktergestalt des Erzgebirges. Bergleute sind Wappenhalter bei
-erzgebirgischen Städtewappen. Bergleute sind die Träger erzgebirgischer
-Kanzeln, Bergleute sind in den alten Bergstädten Schmuckfiguren an
-Bürgerhaus und Portalen, in Kirchen und an Geräten. Der bergmännische
-Gruß »Glückauf« klingt dir oft noch treuherzig entgegen. Bergleute sind
-das Spielzeug großer und kleiner erzgebirgischer Kinder. So mag auch
-hier, wie nirgends, der Bergmann an seinem Platze sein.
-
-[Illustration: Abb. 2 =Seiffen, Buntes Haus=]
-
-Wir treten in die Gaststube ein und fühlen uns wie zu Hause in warmer
-Behaglichkeit. Die Wände sind dunkelbraun getäfelt und rings von
-den Simsen klingt es uns wie Kinderlachen und Weihnachtsjubel aus
-frohen Kinderherzen entgegen. Da ist sie aufmarschiert, die ganze
-bunte lustige Gesellschaft, ohne die Weihnachten im Erzgebirge nicht
-denkbar ist: die Bergleute und Weihnachtsengel mit ihren Lichtern,
-die Nußknacker im buntesten Wechsel, die Räuchermännlein in allerlei
-abenteuerlichen Gestalten. Pferdchen, Kühe und Schafe und der getreue
-Spitz dürfen nicht fehlen. Über den bunt mit Blumen bemalten Türen, wie
-wir sie von den alten Bauernschränken kennen, ist hier der Frachtwagen
-auf der Wand gemalt mit seinen vier starken Pferden, wie er einst
-auf den Straßen des Gebirges verkehrte, dort der Postschlitten
-in voller Fahrt. Kein Plakat, wie sonst in Gaststuben, stört mit
-aufdringlicher Reklame die Harmonie des Raumes. Einfach gerahmte
-Bilder aus der erzgebirgischen Heimat von Künstlerhand schmücken
-die Wände, deren oberen Abschluß ein starkes farbiges Friesband --
-Ähren mit bunten Feldblumen -- bildet. Durch die Fenster strömt
-das volle Licht herein, denn sie sind frei von unnützen Gardinen
-und Stoffgehängen. Dafür schmückt ein starker farbiger Fries von
-Blumen die tiefen Fensterlaibungen und vor den Scheiben hängen gute
-Glasbilder in farbiger Bleiverglasung mit Darstellungen eines drolligen
-Musikantenvolkes voll köstlichen Humors. Eine wohltuende, satte, tiefe,
-harmonische Farbigkeit erfüllt den Raum wie ein voller echter Klang,
-der von allen Sinnen aufgenommen wird und warm zum Herzen dringt. Die
-kräftigen gut geformten Holzstühle und Tische laden ein zu behaglicher
-Rast und helfen das Gefühl des Daheimseins steigern, weil sie sich
-ganz in die Raumstimmung fügen. Die Teller, von denen du speist, die
-Tassen, aus denen du trinkst, sind buntbemaltes Bauerngeschirr, wie
-wir es aus der Verkaufsstelle des Heimatschutzes kennen und lieben.
-Welche Freude ist es, hier im täglichen Gebrauch einer Gastwirtschaft
-dieses reizvolle Geschirr in passender Umgebung zu sehen und die
-Lust an seiner echt volkstümlichen Art zu empfinden. Durch dieses
-Hineinstellen der Ergebnisse liebevoller heimatlicher künstlerischer
-Arbeit, Forschung und Begeisterung mitten in den Gebrauch des
-praktischen Lebens ist eine Tat getan, durch welche die hohen Gedanken
-des Heimatschutzes und volkstümlicher Kunstpflege, Kunstschaffens und
-Kunstfreude mächtig gefördert werden, um so mehr, als es an einem Orte
-geschieht, in dem die Erziehung zum guten Geschmack sich unmittelbar in
-der täglichen Arbeit auszuwirken vermag.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Seiffen, Buntes Haus=]
-
-Mit wie einfachen Mitteln auch schwierigere Fragen gelöst werden
-können, das zeigt die elektrische Beleuchtung. Sie hätte leicht die
-Raumstimmung stören können, wenn die Birnen mit den Glasschalen im
-Raume pendelten oder irgendeine Dutzendware als Beleuchtungskörper
-diente. Wie half sich der Künstler, der die ganze Einrichtung
-durchdacht, angegeben und durchgeführt hat, der Kunstgewerbler _Gerhard
-Dreßler_ aus Chemnitz? Er bemalte den Glasschirm der Pendellampe in
-kräftiger Stilisierung mit bunten Bauernblumen. Auf den Glasschirm
-legte er einen bemalten Holzreifen, wie man sie in Seiffen dreht, und
-ließ von ihm bunte Bänder herabhängen. Auf dem Holzreifen aber ist
-allerlei Seiffener Spielzeug lebendig. Da sitzen allerlei Vögelchen
-und schauen mit drolliger Kopfbewegung keck herunter. Da jagt der
-Hirsch durch den Wald, verfolgt vom Jäger mit seinem Hund. Kein
-Beleuchtungskörper ist wie der andere und doch alle einheitlich
-und ein Schmuck des Raumes von echt volkstümlicher Seiffener
-Heimatart. Der Hauptschmuck ist ein großer Kronleuchter, nach Art
-von Kristallkronleuchtern gestaltet, jedoch aus weißen Holzperlen
-zusammengesetzt mit sparsamer Vergoldung, ein mühsames eigenartiges
-Stück Seiffener Kunsthandarbeit.
-
-In einem Glasschranke sind allerlei Musterstücke der Seiffener Kunst
-ausgestellt, um die Kauflust anzuregen und damit dem Orte zu dienen.
-Der Schrank wirkt freilich in seiner Form mit den geschwungenen Linien
-und krausen Schnitzerei und Spitzchen des oberen Abschlusses hier
-etwas fremdartig, als habe er sich hierher verlaufen und verirrt aus
-einer anderen Welt. Das hat der Künstler wohl empfunden und hat ihm,
-ohne helfen zu können, ein paar Bauernblumen auf die Stirn und unten
-an den Schubkasten gemalt. So wirkt er in der echten einheitlichen
-Raumstimmung gekünstelt und falsch, wie der Salontiroler in der
-Dorfschenke. Auch das Klavier dort an der Wand wird dadurch, daß auf
-die schwarze Politur ein paar kecke Bauernblumen gemalt werden, nicht
-»echt«, wird nicht aus einem Salonwesen zu einem erzgebirgischen
-Bauernkind. -- Gerade auf diesem Gebiete liegen noch viele ungelöste
-Aufgaben, würdig der Mühe tüchtiger Künstlerhände. Die Gewohnheit
-läßt oft Mängel auf diesem Gebiete übersehen, die in einer neuen fein
-abgestimmten echten Umgebung plötzlich auffallen und die Sehnsucht
-nach Neubildung und neuem Leben und Schaffen hervorrufen. Im neuen
-Lichte sieht man alte Formen, und klarer sieht man, was not tut; den
-falschen Ton einer Saite hört man schärfer, wenn alle andern Saiten
-und Instrumente gut gestimmt sind, wie hier. Doch diese kleinen
-Unstimmigkeiten sollen uns die herzliche Freude und das Behagen an
-dem stimmungsvollen echt erzgebirgischen Raum nicht stören. Die
-herzliche Freundlichkeit der Besitzer und Bewahrer dieses Seiffener
-Schatzkästleins, des Herrn Richard Meyer nebst Gattin, die frohmutig
-das Ganze liebevoll erdacht und geschaffen haben, die Güte der
-Bewirtung und die Fröhlichkeit der Gäste lassen bald jene Stimmung
-aufkommen, in der der Alltag weit hinter uns liegt. Nicht in Lärm und
-jagendem Witz und Scherz, nein, in jener tiefen freudigen Stimmung sind
-wir beieinander, in der einer den anderen versteht, und freudig aus
-seinem Innern gibt, weil er fühlt, nur so kann eine gute Stunde ihren
-Wert als wahrhaft frohe Stunde bringen. --
-
-[Illustration: Abb. 4 =Seiffen, Buntes Haus=]
-
-Wir betrachten dann den Nebenraum, der im Gegensatz zu der echt
-volkstümlichen Seiffener Stimmung der Gaststube mehr auf hohe Kunst
-und »Herrenstube« gestimmt ist. Er wird beherrscht von den Gemälden
-mehrerer Künstler, welche hier das hohe Lied der Schönheit heimatlicher
-Landschaft singen. _E. Buchwald_, Zinnwald, _Alfred Hofmann_,
-Stollberg, _Alfred Kunze_, Chemnitz, Professor _Seifert_, Seiffen, der
-Neubeleber und Anreger der Seiffener Kunst, und _Gerhard Dreßler_,
-der Künstler, dem die stimmungsvolle Einrichtung des Hauses hier zu
-danken ist, sie alle reden dort mit stummer eindringlicher Sprache von
-der Heimat, wie sie ihnen dort durch die Seele gegangen ist, und ihre
-Bilder beseelen den Raum. Ein Gasthauszimmer, ein Kneipenraum, und doch
-geweiht und frohmachend durch die Kunst.
-
-Wie muß man dem mutigen Unternehmer danken, diese Lösung der Frage
-»Kunst und Kunsterziehung« für das Volk, so fest angepackt und
-durchgeführt zu haben hier oben im erzgebirgischen Dorfe, während
-in den Großstädten auch in den besten Gaststätten meist nur Plakate
-oder minderwertige Kunst oder Kitsch zu finden ist. Wenn nur in jeder
-besseren Gaststätte im Lande nur ein oder zwei Originalkunstwerke
-hingen, angeschafft für das Geld, das anderweitig für die Augen- oder
-Ohrenmarter der Gäste hinausgeworfen wird und besser erspart bliebe,
-so wäre unserer notleidenden Kunst geholfen und durch die Erziehung
-und Freude, welche jedes echte Kunstwerk gibt, würde reicher Segen
-geschaffen. Könnten nicht die vornehmeren Gaststätten zugleich
-stimmungsvolle Ausstellungsräume sein für Kunstwerke, die sich hier dem
-Käufer in jeder Beleuchtung zur ruhigen Betrachtung darbieten und für
-sich und den Künstler unaufdringlich werben können in Räumen, die der
-heimischen Wohnung ähnlich sind? Alle Teile, der Wirt, der Gast, die
-Kunst und der Künstler hätten ihren Vorteil dabei.
-
-Solche Betrachtungen und Lehren regt die Herrenstube hier im Seiffener
-Erbgericht an, während die Sonne durch die bunten Scheiben blinkt
-und leuchtende Farbenflecken auf die blankgescheuerten Tische wirft.
-In den Fenstern sind buntfarbige Wappen und Tierbilder: wie Elster,
-Eichhörnchen, Fuchs, Hase angebracht, und oben im Laubwerk und
-Nadelgezweig des breiten Wandfrieses tummelt sich fröhlich allerlei
-Getier des deutschen Waldes frisch und keck ohne ängstliche Schablone
-hingemalt, wie es der Phantasie des Künstlers entsprang. So regt es
-auch wieder die Phantasie an und macht die Gedanken fröhlich.
-
-Die Balken der Decke sind sichtbar mit grünem Anstrich, und ringsherum
-läuft ein Fries in Breite des Balkenfeldes mit lustigen Blumenkränzen
-in Grün, Weiß und Hellblau auf schwarzem Grunde. Eine besondere
-Zierde des Raumes sind neben dem Holzleuchter an der Decke mit einem
-Bergmann in der Mitte noch die geschnitzten dreiarmigen Holzleuchter
-auf den Tischen, welche in ihrer leuchtenden Farbigkeit und mit ihren
-fröhlichen Motiven das Auge anziehen. Als Mittelstück zwischen den
-drei Armen sprengt dort z. B. ein Reiter im leuchtend roten Rock mit
-einem Jagdhorn auf einem Apfelschimmel über ein Fichtenbäumchen hinweg,
-dort ist es ein stolzer springender Hirsch, dort wieder der Kopf des
-Hubertushirsches mit dem Kreuz zwischen den mächtigen Stangen. Das ist
-Volkskunst, welche erzählt, welche Seele und Gedanken hinausführt aus
-dem grauen Alltag in Wald und Heide und das Herz fröhlich macht. -- --
-
-So geht es dir im ganzen Hause! Soll ich jeden Raum dir schildern?
-Nein, komm und sieh und freue dich, daß ein solches Werk in einem
-Gusse ganz aus dem Geiste der Volkskunst, der Heimatfreude und des
-Heimatschutzes heraus geschaffen ist. Schaust du in die Gastzimmer, so
-findest du keine Hotelschablone. Nein, Bett und Leuchter, Tür, Stuhl
-und Spiegel sind dem Geiste des Ganzen angepaßt. Kleine Originalgemälde
-schmücken die Wand, die du, wenn sie dir besonders gefallen, sogar für
-mäßigen Preis erwerben kannst. Manch launiger Vers grüßt dich. An der
-Kammer der Magd steht warnend der Vers:
-
- »Die Wirtin thut aufwecken
- die faule, faule Magd,
- sie thut sich erst recht strecken
- und schlaft dann bis es tagt.«
-
-Auf dem Treppenplatz im Dachgeschoß füllt die Ecke gewichtig ein bunter
-alter Bauernschrank aus dem Jahre 1704 und eine eigenartige buntgemalte
-Wiege steht daneben, welche auf dem Kasten den bedeutsamen Spruch trägt:
-
- Salomo der Weise spricht
- Weib erfülle deine Pflicht. -- --
-
-In einem Zimmer des Obergeschosses ist eine erzgebirgische Bauernstube
-eingerichtet mit allerlei echtem Geräte bis ins Kleinste liebevoll
-und mit großem Verständnis ausgestattet. Dieser für die Volkskunde
-belangreiche Raum ist so recht ein Zeugnis für den Sammeleifer und die
-liebevolle Art, mit der die großen und die vielen kleinen, doch oft
-so wichtigen Dinge des täglichen Lebens und untergehender Sitten und
-Gebräuche erfaßt und bewahrt werden. Es ist zugleich auch ein Zeugnis
-für den Geist, der durch das Bunte Haus geht, der alles aus Liebe
-zur Sache mit großen Opfern geschaffen und nicht der Reklame und des
-bloßen Gewinnes wegen, obschon auch hier die alte Wahrheit sich wieder
-erweist, daß das Echte und Schöne und Gute seinen Lohn sich selbst
-bereitet.
-
-Das Haus dient dem Orte und der erzgebirgischen Volkskunst und
-Industrie in unaufdringlicher vornehmer Weise dadurch, daß es durch die
-lebendige Anschauung zwanglos bei jedem Gaste Freude daran erweckt und
-die Lust am Besitze solcher lustigen Dinge.
-
-[Illustration: Abb. 5 =Seiffen, Buntes Haus=]
-
-Dieser Absicht dient auch die Spielwarenausstellung im Erdgeschoß des
-Seitenflügels, wo man an der Fülle alter und neuer Stücke der Seiffener
-Industrie und Kunstfertigkeit seine Freude hat und nach Herzenslust
-wählen darf, was man sich oder anderen zur Freude erwerben mag. -- -- --
-
-Doch draußen lacht die Sonne! Es hält uns nicht mehr im Zimmer.
-Wir steigen zur Kirche aufwärts, welche als achteckiger Zentralbau
-charaktervoll von der Höhe herniederschaut. Wir stehen dann am Grabe
-des Pfarrers Härtel, der ein rechter Pfarrer für seine Gemeinde
-war, ein treuer Berater für die Seele seiner Gemeinde, Helfer und
-Anreger auch in allen Dingen, die zur Blüte seiner Gemeinde in
-wirtschaftlicher, heimatkundlicher und kunstgewerblicher Hinsicht
-beitragen konnten, ein Freund der Heimat, festgewurzelt im Boden seiner
-geliebten Gemeinde.
-
-Draußen im Walde hatte er sein Lieblingsplätzchen, wo er von moosiger,
-gewachsener Felsbank ins Tal schaute. Dieser Stein aus heimischem Grund
-sollte sein Grabstein werden, hatte er einst gewünscht.
-
-Als ein rascher Tod ihn seiner Gemeinde entriß, da dachte man seiner
-Worte. Er konnte nicht mehr zum Stein im Walde draußen gehen. So kam
-der Stein aus dem Walde zu ihm und deckt nun als mächtige rauhe Platte
-sein Grab und schützt es wie der Deckstein das Grab eines germanischen
-Edelings. Eine schlichte Inschrift nennt seinen Namen. Ein grüner Kranz
-aus ernsten Fichtenzweigen ist sein Schmuck.
-
-Eine weihevolle ernste Stimmung liegt über dem Grabe. »Der ist in
-tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du!«
-
-Wir schreiten weiter unter der Traueresche hindurch, welche wie ein
-mächtiger Torbogen die Straße überwölbt, und als ein eigenartiges
-Naturdenkmal von besonderem Reiz zu hegen ist. --
-
-[Illustration: Abb. 6 =Seiffen=]
-
-Die Binge ist unser Ziel. Zwei Kessel sind es, aus denen einst das Erz
-gebrochen wurde. Eine Halde und steiler Felsgrat liegt zwischen ihnen
-und trennt sie. In die kleinere kann man hineingehen. Sie wirkt wie ein
-ungeheurer Steinbruch mit steilen Wänden, auf deren Vorsprüngen und
-Kanten heute der leuchtende Schnee liegt und die Farben des Gesteines
-besonders hervorhebt. Oben von der Höhe zwischen den Bingen haben wir
-einen weiten Blick ins Land und auf den Ort zu unseren Füßen.
-
-Wie auf einer gewaltigen Kanzel stehen wir hoch über der Geschäftigkeit
-des Tages, die verworren zu uns heraufklingt. Dann steigen wir zur
-großen Binge herab auf vereistem Wege, der glatt und nicht ungefährlich
-uns dicht am Rande dieses ungeheuren wildromantischen Kraters entlang
-führt. Ein Wasser stürzt jenseits rauschend in die Tiefe und Eiszapfen
-hängen von dem Gestein wie schimmernder Spitzenbehang. Aus dem Grunde
-ragen Bäume auf und drüben am Rande stehen echt erzgebirgische niedrige
-Bergmannshäuser. Längst ist der Bergbau hier erloschen, aber sein
-unverwischbares Gepräge hat er dem Orte gegeben. -- --
-
-Doch jetzt wollen wir noch Seiffen bei der Arbeit und bei der Kunst
-suchen und erleben.
-
-Unser Weg und unsere Wißbegierde führt uns in die Fachschule, die unter
-Professor Seiferts Leitung ein Jungbrunnen für die Seiffener Industrie
-zu werden bestimmt ist. Eine reiche Sammlung von Seiffener Spielzeug
-von ältester Zeit her zeigt, wie die Entwicklung von einstiger Höhe
-zur Tiefe abwärts und in der neueren Zeit wieder zur Höhe aufwärts
-ging. Neben den alten guten Sachen fesseln uns vor allen die Dinge der
-Gegenwart und Zukunft, die Dinge der Hoffnung, neuzeitliche Arbeiten,
-die in echt erzgebirgischer Art die fröhliche Farbenbuntheit mit immer
-wieder neuen Formgedanken in materialgerechter Bildung und Herstellung
-verbinden. Über vielen Arbeiten liegt ein frischer Humor, der uns
-unwillkürlich lächeln läßt, wie bei jener Familie bunter Vögel, die mit
-ihren drehbaren Köpfchen sich um ihren gravitätischen Vogelkönig mit
-dem großen Schnabel und goldenem Krönchen scharen und mit aufgehobenen
-Schwänzchen bald keck, bald dummdreist, bald fröhlich in die Welt
-gucken. Kindeseinfalt, Märchensinn und Schelmerei sind mit scharfer
-künstlerischer Naturbeobachtung verbunden, um in einfachster Form
-und Technik echte Vogelcharaktere zu geben und echtes kinderseliges
-Spielzeug zu schaffen. Und doch ist es so schwer, wie man uns sagt,
-diesen köstlichen Dingen Eingang ins Volk zu schaffen! Zur Anfertigung
-z. B. dieser Vögel hatte sich nur eine Fabrik seinerzeit bereit
-gefunden, welche inzwischen den Betrieb eingestellt hat. Diese Dinge
-werden aus dem Handel völlig verschwinden, wenn nicht ein anderer
-Betrieb sie wieder aufnimmt und für den Vertrieb sorgt. Wir sehen
-in der Ausstellung z. B. auch das köstliche Gespann eines Ochsen
-und Pferdes vor einem Wagen mit Holzstämmen von einer verblüffenden
-Naturwahrheit und Echtheit in der Bewegung bei aller packenden
-Einfachheit der Form und Technik, daß man seine helle Freude daran
-hat. Auch dieses prächtige Werk echt deutschen Kindersinnes wird in
-deutschen Spielzeughandlungen wenig gekannt, geführt und gekauft.
-England und Amerika sind die Abnehmer. Und doch sind gerade diese
-Dinge, welche die künstlerische Leitung der Fachschule schafft und
-mustergültig durcharbeitet, die Hoffnungen für einen neuen Aufschwung
-im künstlerischen und wirtschaftlichen Sinne für die Seiffener
-Industrie. Sie sind die gesunden Keime einer kräftigen zukunftssicheren
-Entwicklung und einer reichen kommenden Ernte.
-
-Wenn die erstarrten und veralteten zum Teil unnatürlichen und unschönen
-oder gekünstelten Formen, welche noch vielfach den Spielzeugmarkt und
-die Musterläger beherrschen, diesen schönen Dingen weichen würden und
-den reichen Anregungen der Fachschule mehr nachgegangen würde, so wäre
-eine neue Blüte erzgebirgischer Kunstindustrie zu erhoffen. Das Schöne
-muß Massenartikel werden.
-
-Da hängen z. B. in der Ausstellung eine Fülle von reizvollen
-bunten Leuchtern aus Holz in einfacheren und reicheren Formen und
-Ausgestaltungen nach Motiven der alten erzgebirgischen sogenannten
-Bergspinnen gefertigt und belebt mit allerlei lustigen Figuren. Wer
-kennt diese köstlichen Dinge? Sprudelndes Leben, volkstümliche Kraft
-und bunte Farbenfreude spricht aus jedem Stück. Wie geschaffen sind
-sie, um im Kinderzimmer, im Herrenzimmer, auf der Diele, oder in
-traulichen Gaststuben einen frohen Klang erzgebirgischer Heimatkunst,
-Heimatlust und Freude zu tragen. Sie haben sprühende, lebendige
-Ursprünglichkeit und farbenreiche Musik in allen Gliedern, wie ein
-Volkslied, das durch alle Stimmungen reißt, innig empfunden und frisch
-aus dem Herzen gesungen.
-
-Sie sind wahre Volkskunst eigener echter Prägung und Art, durch welche
-das Erzgebirge seinen Ruf in ungeahnte Fernen zu tragen vermag, denn
-nicht die Schablone, nicht die Allerweltsartikel, nicht die Billigkeit
-begründet den Ruf und Erfolg, sondern die Eigenkunst, die Eigenkraft,
-der Eigenwert, die volkstümliche Eigenart, welche lebendig aus dem
-tiefsten Empfinden der Volksseele herausgewachsen ist. Möge sich mit
-dieser volkstümlichen Eigenkunst der echte Unternehmergeist verbinden,
-der im Betrieb und Vertrieb auch die wirtschaftlichen Erfolge für
-die erzgebirgische Heimkunst herbeizuführen weiß. -- Trotz vieler
-köstlicher Dinge, die aus der Fachschule noch zu berichten wären, z.
-B. Christmetten in Seiffen in wunderbarer Lebendigkeit figurenreich
-hingestellt, müssen wir scheiden. Wir gehen noch durch mancherlei
-Häuser und Fabriken, um einerseits die Heimarbeit, andererseits die
-Reifendreherei und die bis ins Äußerste getriebene Arbeitsteilung der
-Seiffener Industrie kennen zu lernen, wo mancherlei bemerkenswerte
-Beobachtungen, Bilder und Gespräche uns lohnten. Geht nur mit
-offenen Augen und Herzen in die Arbeitsstätten und ihr werdet stets
-reicher daraus wiederkehren! Hier will ich jedoch nur noch von einem
-Besuche berichten, bei Auguste Müller, einem Mütterchen von über 70
-Jahren, welches als letzte noch die urtümliche Herstellung einzelner
-Originalstücke nach eigener Erfindung in mühevoller Handarbeit vom
-rohen Holze bis zum letzten Pinselstrich übt.
-
-Mit gebeugtem Rücken, die Brille vor den Augen, sitzt sie im engen
-Stübchen, das Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Arbeitsraum zugleich
-ist, wo die Katze schnurrend umherstreicht. In malerischer Unordnung
-liegen auf dem Tisch Arbeitsgeräte, gekochte Kartoffeln, Nähzeug,
-Kaffeetopf und allerlei Dinge verschiedenster Bestimmung. Eifrig holt
-sie einen Kasten herbei mit einzelnen fertigen Arbeiten, und erzählt
-von ihren Plänen. Für einen feinen Herrn hat sie die Figuren der Söhne
-geschnitzt in Matrosenanzügen, und ein feines Fräulein mit Täschchen
-und Federhut. Im Walde lebt der »Nusser« (Häher) und diesen packt der
-Habicht. Da verliert er seine kleinen blauen Federn. Diese sammelt sie
-sich und schmückt damit den Federhut des feinen Fräuleins. Für Kleid
-und Tasche sucht sie in der Modenzeitung ihre Muster in Schnitt und
-Farbe.
-
-Für das Dienstmädchen wählt sie ein flottes Dirndlkleid. Frisch ist
-der Typus der feinen Dame und des drallen Dienstmädchens getroffen.
-Dort hat sie eine ganze Tiroler Sängergesellschaft humorvoll
-zusammengestellt. Jetzt wolle sie einen Tempel bauen mit einer
-Krone oben, um den die Engel schweben. So geht ihre Phantasie und
-ihr Plaudern mit einer erstaunlichen Lebendigkeit. Was sie sich
-zusammensinniert mit ihrer kindlichen Phantasie, das führt sie mit
-großer Sicherheit durch, wofür viele eigenartige und reizvolle Stücke
-in der Sammlung der Fachschule und im Bunten Hause Zeugnis ablegen.
-Unter manche dieser Stücke klebt sie einen Zettel, auf dem irgendeine
-Schnurre oder scherzhafter Einfall notiert ist, der ihr vielleicht
-gerade Anlaß zu dieser Arbeit und ihrem Humor gegeben hat. So läßt sie
-ihre kleinen Personen reden und macht sie sich selbst lebendig. Sie
-lebt mit ihnen, sie sind kindlicher Ausdruck ihrer Stimmung. Auch ihr
-Name darf nicht fehlen. Ein stark abgeschliffenes Schnitzmesser ist ihr
-Handwerkszeug bei der Schnitzarbeit.
-
-Das ist echte Volkskunst in ihrer ganzen Kindlichkeit, die noch in
-diesem alten Mütterchen lebt und webt, sie ausfüllt und geistig
-lebendig, zufrieden und rüstig erhält trotz aller Kärglichkeit und
-Sorge, welche der mühsame Erwerb bereitet; Volkskunst, wo in jedem
-einzelnen Stück die ganze Liebe und Freude des Herstellers an der
-Arbeit steckt und es wertvoll macht als Originalwerk, das aus der Seele
-des Volkes geboren ist. Volkskunst freilich auch, die nicht für den
-Massenexport und Lebensberuf geeignet ist. --
-
-Wir scheiden von der Alten mit dem Wunsche, daß sie noch lange ihr
-Schnitzmesser führen möge als letzte Schnitzerin echt volkstümlicher
-Seiffener Kleinkunst. Ihre kleinen Arbeiten werden wohl bald in
-Sammlungen solcher Dinge gesucht sein.
-
- * * * * *
-
-Unsere Abschiedsstunde von Seiffen hat geschlagen. Wir setzen den Stab
-heimwärts aus dem Lande der Kinderträume, Weihnachtsseligkeit und
-Spielzeugherrlichkeit, in dem uns wohl war wie am Heiligen Abend. Wir
-scheiden vom Erbgericht und Buntem Haus mit Dank für die Behaglichkeit,
-Freude und Anregung, die wir so reich erfahren haben. Möge der Geist
-erzgebirgischer Volkskunst einer echten Weihnachtskunst, wie er hier
-seinen lebendigen Ausdruck gefunden hat, stärker werden, wachsen und
-überall in unseren Dörfern und Städten ein Daheim finden, möge er sie
-zur Pflanz- und Pflegestätte einer echten bodenständigen volkstümlichen
-Kunst und Kultur machen.
-
-Nur die Pflege der Eigenart kann uns stark machen, abheben, herausheben
-von dem Gleichgültigen, aus der Masse, aus tödlicher Schablone.
-Wie unsere Berge ihren Charakter tragen, der auch in den Kindern
-der Berge sich ausprägt, so muß die Kunst des Gebirges zu immer
-größerer Echtheit und Eigenart sich durchringen und emporsteigen.
-Der innere Gehalt und äußere Wert können und werden durch die
-künstlerische Eigenart und Besonderheit wachsen und durch sie eine
-neue Blüte der alten erzgebirgischen Volkskunst gewinnen. Hebt euch,
-ihr Künstlerhände, zum Werke und zur Tat, wache auf, Phantasie mit
-Kindesaugen und Kindesherzen und schaffe neues Kinderglück, raffe dich
-auf, Unternehmergeist, zu frischem Wagen und neuer Unternehmung für
-alte und neue Kinderkunst. Und ihr alle, die ihr der Heimat Gaststätten
-bietet, denkt daran, auch der Heimatkunst gastliche Stätte zu bereiten.
-Glückauf allen wackeren Männern, die daran arbeiten, um so der Heimat
-neue Freude, Licht und Glück durch die Kunst zu schaffen. Glückauf!
-
-
-
-
-Neue Wohnhausbauten im Erzgebirge
-
-Von Baumeister _Richter_, Flöha
-
-
-Im Bezirk der Amtshauptmannschaft Flöha sind im Flöha- und Zschopautal
-im Laufe der beiden letzten Jahre eine Reihe Wohnhausneubauten
-erstanden, die auch der Heimatschutz als erfreulichen Erfolg seiner
-Arbeit buchen darf. Neben den Gemeinden haben sich hier sozial gesinnte
-Industrielle bemüht, der Wohnungsnot zu steuern und gleichzeitig
-Bauten zu schaffen, bei denen die alte, gute heimische Baukunst wieder
-zu Ehren kommen sollte. Zwei von diesen Anlagen sollen in dieser
-Zeitschrift zum erstenmal veröffentlicht werden.
-
-In Flöha-Gückelsberg ist an der großen Chemnitz-Dresdener Heerstraße
-durch die Baumwollspinnerei G. F. Heymann ein Gruppenwohnhaus für
-neun Familien errichtet worden, und in Zschopau hat die Zschopauer
-Baumwollspinnerei auf dem Höhenrücken gegenüber dem Bahnhof ihre
-Siedlung »Grüne Aue« mit dreißig Wohnungen erstehen lassen. Beide
-Anlagen weisen gleichmäßig eine Reihe charakteristische Einzelheiten
-auf, aus denen sich liebevolles Eingehen auf die Eigenheiten,
-Lebensbedürfnisse und Lebensgewohnheiten der Bewohner verrät.
-Erzgebirgische Spinnereiarbeiter haben in den Wohnungen ihr Heim
-gefunden. Wenn sie nach Hause kommen von ihrer Arbeitsschicht --
-beide Werke arbeiten seit Jahren mit zwei Schichten am Tag -- steht
-ihnen noch ein halber Tag Zeit zur Verfügung. Er wird genutzt. Der
-Erzgebirgler zieht in solcher Freizeit hinaus in den Wald und sammelt
-Holz und rodet Stöcke. Oder er zerkleinert Wurzeln auf dem Hof und
-schichtet sie säuberlich zu runden Meilern auf. In den warmen Monaten
-des Jahres gräbt und bastelt er auch gern im kleinen Gärtchen. Und
-im Winter, an den langen Abenden wandern das trockene Reisig und
-die dürren Wurzeln und Stöcke gemächlich in den massigen Herd des
-Wohnraumes, der Vater schürt behaglich das Feuer und schmaucht sein
-Pfeifchen dazu, und die Kinder hocken um den Küchentisch und beobachten
-die Arbeit der Mutter. Da will ein großer Wohnraum geschaffen sein mit
-einem mächtigen Ofen, der kocht und Wärme spendet, ein Raum in dem
-gleichzeitig die Familie wohnen und die Hausfrau schaffen kann. Der
-Spinner -- und meist auch die Spinnerin -- brauchen ein großes luftiges
-Schlafzimmer als Gegengewicht zur Arbeit im staubigen Fabriksaal. Die
-Sonne muß drin spielen können. Im Hof soll Platz sein für die mächtigen
-Holzmeiler. Und einen Schuppen im Hof braucht ein jeder für das
-Kleinholz, für seinen kleinen Handwagen und für seine Stallhasen. Die
-Hausfrau aber verlangt ihren Bleichplan mit dem Wäschetrockenplatz.
-
-[Illustration: Abb. 1 =Lageplan der »Grünen Aue« in Zschopau=]
-
-[Illustration: Abb. 2 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser »Kolonie Grüne
-Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=]
-
-Auf all diese Bedürfnisse ihrer Arbeiter haben die Bauherrschaften im
-Verein mit ihrer Bauleitung, der Flöhaer Bezirkssiedelungsgesellschaft,
-sorgsam Bedacht genommen. Die Grundrißtypen fangen das Sonnenlicht
-auf, solange es sich einfangen läßt. Bei ihnen gibt es nicht mehr
-Straßen- und Hoffront, sondern nur noch Licht- und Schattenseite.
-Stets liegen Schlafraum und Wohnküche nach Süden. Immer liegt auch nur
-eine Wohnung an einer Treppe in einem Geschoß. Ein geräumiger heller
-Flur bietet Platz für Schränke und Kleiderablage, denn die staubigen
-Arbeitskleider und Schuhe gehören nicht in die Schlaf- und Wohnräume.
-Ganz besondere Liebe ist der Wohnküche zuteil geworden. Immer hat sie
-zwei Fenster nach verschiedenen Himmelsrichtungen, so daß den ganzen
-Tag über die Sonne in ihr spielen kann. Der große Kachelherd fängt in
-seinem Turm die Wärme und gibt sie langsam wieder an den Raum ab. In
-die Fensterbrüstung ist die kleine Speisekammer als Schrank eingebaut.
-Mit Kellerraum ist jede Wohnung reichlich bedacht.
-
-[Illustration: Abb. 3 =Doppelwohnhaus für vier Familien der
-Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.=
-
-Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 398700 M.
-
-Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche
-kostet 1210 M.]
-
-[Illustration: Abb. 4 =Doppelwohnhaus für vier Familien der
-Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.=
-
-Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 511500 M.
-
-Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche
-kostet 1210 M.]
-
-[Illustration: Abb. 5 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser-Kolonie »Grüne
-Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=]
-
-[Illustration: Abb. 6 =Gruppenwohnhaus der Firma G. F. Heymann,
-Gückelsberg-Flöha=]
-
-[Illustration: Abb. 7 =Gruppenwohnhaus für neun Familien der
-Baumwollspinnerei Gückelsberg=
-
-Baukosten 510909 M.
-
-Bauzeit: 15. Februar 1920 bis 31. Juli 1920.
-
-Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1039,28 M.]
-
-Am Gückelsberger Haus liegt nach Süden zu ein großer Hof mit
-abgegrenzten Holzplätzen von Schuppen eingefaßt. In der »Grünen
-Aue«, die sich an einen Wohnweg anschmiegt, sind die Bauwiche, die
-aus den baupolizeilichen Vorschriften entstehen, in ähnlicher Weise
-mit Schuppen zu Höfen eingerahmt und zu Holzstapelplätzen verwendet.
-Vor den Sonnenseiten der Häuser ziehen sich in langen Reihen die
-Bleich- und Trockenplätze und die kleinen schmucken Gärtchen hin.
-Und aus den Fenstern der Schlafzimmer und der Wohnküchen kann der
-Blick weit hinausschweifen über die weiten Höhen und Täler, auf die
-massige blaue Augustusburg, in das herbe waldgrüne Zschopautal. Das
-ist Erholung für des Arbeiters Auge, Ruhe nach der Schicht zwischen
-den surrenden Spindeln und kreischenden Fleyern. Und auch nach außen
-haben diese Häuser ihr eigenes erzgebirgisches Gewand. Diese straffe,
-geschlossene und doch weiche Gliederung der Massen, die bodenständigen
-Bruchsteine des Sockelgeschosses, der freundliche Putzstreifen,
-die dunkle Brettverkleidung des Obergeschosses mit ihren leuchtend
-weißen Fensterteilungen und das blaue Schieferdach, hier und da ein
-freundlicher grüner Blumenkasten mit Geranien und Kresse! Ist das nicht
-die Farbenzusammenstellung, die jeden Wanderer erfreut, wenn er an den
-alten Häuschen der langen Gebirgsdörfer vorüberzieht?
-
-Dabei hat nüchterne wirtschaftliche Erwägung diese Formgebung maßgebend
-beeinflußt, sie ist durchaus nicht etwa der Laune der Architekten
-entsprungen. Für das Fachwerk stand Heeresholz preiswert zur
-Verfügung. Gebrannte Ziegel waren knapp und teuer, aber Lehmziegel,
-sogenannte Grünlinge, standen noch in großer Menge in den heimischen
-Ziegeleien. Lehmbauversuche wollten weder die Bauherren noch die
-Bezirkssiedelungsgesellschaft anstellen und so wurde eben auf die
-altbewährte erzgebirgische Bauweise zurückgegriffen. Auch beim inneren
-Ausbau ist trotz der Abkehr von modischen Zeitströmungen und trotz
-sparsamster Verwendung der Mittel das Heim freundlich und liebenswert
-gestaltet worden. Zum Schluß mag noch anerkennend erwähnt sein, daß
-beide Firmen die Bauten, welche fast drei Millionen Mark kosteten,
-ohne irgendwelchen Zuschuß ganz aus eigener Kraft erbaut haben. Diese
-Selbsthilfe der Heimat in ihrer Not ist auch ein Stück Heimatschutz,
-still und geräuschlos, aber desto wert- und wirkungsvoller.
-
-
-
-
-Bücherbesprechungen
-
-
-=Dresdner Wanderbuch=, ein Führer zur Kenntnis der Heimat für
-die Schule und für alle Naturfreunde, herausgegeben von Dresdner
-Erdkundelehrern. I. Teil: Grundlegende Wanderungen. (Wittich und
-Schobloch, Verlagsbuchhandlung, Dresden, Wachwitz). Preis M. 9,75[5].
-
- [5] Für Mitglieder des Heimatschutzes M. 8,--. (Bestellkarte anbei.)
-
-Mit dem vorliegenden trefflichen Wanderbuche hat unsere Heimatschule
-einen wertvollen Helfer erhalten. Die Veranlassung zur Herausgabe
-derartiger Wanderbücher, wie sie andere Städte (Leipzig) schon haben,
-gab eine Verordnung der Unterrichtsbehörde, die für höhere Schulen
-besondere Wandertage einführte. Es galt nun brauchbare Anweisungen zu
-schaffen, um die Unterrichtswanderungen möglichst fruchtbringend zu
-gestalten. Dieser Arbeit unterzog sich eine kleine Gruppe von Dresdner
-erdkundlichen Fachleuten, die sich unter Führung des Herausgebers ~Dr.~
-P. Wagner zu einer Wander- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen
-und in dieser auf Grund eines für alle Klassen aufgestellten
-Wanderplanes zahlreiche Ausflüge unternahmen und so den Inhalt des
-vorliegenden Wanderbuches erarbeiteten. Das Werkchen soll als erster
-Teil den Leser im Angesicht der Natur allmählich in eine tiefere
-Auffassung der Landschaft einführen und ein Buchwissen voraussetzen.
-Der später folgende II. Teil wird auf dieser Grundlage weiterbauen und
-etwas tiefer schürfen. In dieser weisen Beschränkung liegt ein großer
-Vorzug des vorliegenden Buches; damit wird es ein brauchbarer Führer
-für die große Allgemeinheit.
-
-In achtzehn Abschnitten lernen wir die Elbtalweitung und ihre
-Ränder, das Stadtbild, das Waldgebiet und das Industriegebiet des
-Döhlener Beckens kennen. Die letzten zwei Abschnitte sind dem
-Wandern nach der Karte gewidmet. Ein überreiches Material bietet
-das Werkchen auf seinen 132 Seiten. Der Leser, der vielleicht bis
-jetzt nur die landschaftlichen Schönheiten unserer Heimat empfunden,
-lernt erdkundlich sehen, sein Blickfeld weitet sich, und das Auge
-schaut, welche gewaltigen Kräfte am Werke waren und noch sind, um
-die heimatliche Landschaft zu gestalten. Der Elbkiesel am Ufer, der
-Steinbruch am Hange, die unscheinbare Bodenwelle im Tale, die Sanddüne
-des Hellers; sie alle reden eine Sprache, unverständlich dem größten
-Teil unserer Wanderer. Das Büchlein läßt uns erkennen, welcher Reichtum
-an Belehrung in unserer Dresdner Landschaft verborgen liegt, von dem
-wir bis jetzt vielleicht nichts ahnten. Auch der Menschenschicksale
-aus grauer Vorzeit wird gedacht, von denen die Funde der Dresdner
-Gegend erzählen. Mit anderen Gefühlen als bisher wird der Leser an der
-stattlichen Kirche von Briesnitz stehen, denn er weiß, daß er sich auf
-geheiligtem Boden der Heimatgeschichte befindet.
-
-So wird das Wanderbuch nicht nur unserer Jugend, sondern jedem
-Naturfreund ein zuverlässiger Führer sein. Es führt zur tiefen
-Heimaterkenntnis, zur echten Heimatliebe und damit auch zum
-Heimatschutz. Deshalb kann unser Landesverein dem Büchlein im eigenen
-Interesse eine reiche Verbreitung wünschen.
-
-Das Werkchen würde meiner Ansicht nach noch bedeutend an Wert gewinnen,
-wenn neben den reichen bodenkundlichen Betrachtungen auch Beobachtungen
-unserer heimatlichen Pflanzen und Tiere aufgenommen würden. Gerade
-hier sind Naturdenkmäler in Gefahr und ist eine Aufklärung unserer
-Jugend und Ausflügler sehr notwendig. Auch wäre es zu begrüßen, wenn
-die Dresdner Landschaft etwas weiter gefaßt würde und Gegenden, wie das
-Moritzburger Teichgebiet, das doch für Unterrichtswanderungen in Frage
-kommt, mit Erwähnung fänden. Vielleicht finden wir dies alles im II.
-Teil.
-
- P. Bdt.
-
-
-=Sachsenland.= Ein Heimatbuch von _Otto Eduard Schmidt_. Mit
-Zeichnungen von Herbert Hofmann und 3 Kunstbeilagen. VI., 419 S.
-8°. 1921. Friedrich Brandstetter, Leipzig. Preis M. 30,-- einschl.
-Teuerungszuschlag.[6]
-
- [6] Für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz
- Vorzugspreis M. 27,50. (Bestellkarte in diesem Hefte.)
-
-Von einem Wandersmann ist das Buch zusammengestellt, mit der Absicht,
-viele anzuregen, Wanderstab und Rucksack aufzunehmen und sinnenden
-Geistes durch die Heimatgaue zu pilgern. Allzulange sind wir in
-die Fremde hinausgezogen, daß wir sie oft besser kannten als das
-Vaterland. Und nun soll es weiten Kreisen neu erschlossen, lieb und
-traut gemacht werden, damit alle wissen, was wir an ihm hatten und was
-wir an ihm haben können. O. E. Schmidt, der Mann der kursächsischen
-Streifzüge, ist ein berufener Führer auf solchen Pfaden. Wie er selber
-die Heimat sieht und schildert, das wissen wir aus seinen bisher so
-freudig aufgenommenen Schriften. In diesem Buche will er sie uns mit
-den Augen anderer Geleitsmänner zeigen, alter und junger, aber in der
-Hauptsache sind es Zeitgenossen, aus deren Werken er dieses Heimatbuch
-zusammengebracht hat. Und wie es gar nicht anders sein kann, finden wir
-darin fast alle Führer auf dem Gebiete des sächsischen Heimatschutzes
-vertreten: Paul Schumann, Karl Schmidt, Oskar Seyffert, Arno Naumann,
-Martin Braeß, Paul Rieß, Gerhard Platz usw. Daneben begegnen uns --
-um nur noch einige Lebende zu nennen -- die bekannten Namen eines
-Deichmüller, Poeschel, Pank, Findeisen, Stübler, Otto Richter,
-Partsch, Blanckmeister, von Münchhausen, Löscher, Schwär u. a. So
-wirkt das Buch ganz modern, sowohl in seinen Prosabeiträgen wie in den
-eingestreuten Gedichten. Daß der feinsinnige, auf die Stimmung unserer
-Zeit vornehm reagierende Herausgeber im allgemeinen eine glückliche
-Auswahl getroffen hat, ist selbstverständlich. Man wird ihm auch darin
-gern beistimmen, daß er Sinn und Umfang des Begriffes »Sachsenland«
-nicht auf das vormalige Königreich beschränkt hat, sondern das ganze,
-durch die gemeinsame Kolonisationsgeschichte in seinen Wurzeln
-zusammenhängende Gebiet zwischen Saale und der schlesischen Grenze zur
-Darstellung bringt. Er gliedert demgemäß den Stoff in einem Überblick
-über das Land und seine Bewohner und in die sechs Kapitel: Die
-Elblandschaft von Schmilka bis Magdeburg; Das Tiefland zwischen Saale
-und Elster, Pleiße und Mulde; Aus dem erzgebirgischen Becken und dem
-mittelsächsischen Hügellande; Aus dem Vogtlande; Aus dem Erzgebirge;
-Aus der Oberlausitz. Aber diese Abschnitte scheinen uns nicht alle
-mit gleicher Liebe und mit gleichem Glück behandelt zu sein. Wenn wir
-schon vom Vogtlande, diesem kerndeutschen und landschaftlich durchaus
-nicht reizlosem Teile Sachsens, gern eine reichere Auswahl geboten
-sähen, so vermissen wir besonders mehr charakteristische Beiträge zur
-Kenntnis von Land und Leuten der sogenannten Sächsischen Schweiz.
-Gewiß hätten die Zeitschrift »Über Berg und Tal«, das Werk über die
-Burgen der Sächsischen Schweiz, die prächtigen Geschichten von Wilhelm
-Schindler manch brauchbaren Fund ergeben. Das Gedicht »Die Sensen«
-von unserem trefflichen Findeisen atmet dagegen nicht im geringsten
-Bodenständigkeit, und Karl Gjellerups »Sommernacht in Schandau« kann
-man ebensowohl in Blankenese wie am Rhein oder an der Donau erleben.
-Um recht zu wirken, sind einzelne der von O. E. Schmidt aufgenommenen
-Beiträge überhaupt zu kurz abgerissen; man liest sie, hofft auf die
-Pointe, blättert um und sieht sich am Schlusse. Das muß bei aller
-Anerkennung des Buches gesagt werden, gerade weil es verdient, recht
-viele Freunde zu finden, nicht nur mit dieser ersten Auflage, sondern
-auch mit etlichen folgenden.
-
-Es ist wohl geeignet, die Heimatliebe zu fördern, und das ist die
-Hauptsache. Glück auf!
-
- Alfred Meiche.
-
- * * * * *
-
-=»Vogelschutz« von seiten eines Forschers!= In der ungarischen
-ornithologischen Zeitschrift »~Aquila~« veröffentlicht der Ornitholog
-Csiki »Positive Daten über die Nahrung unsrer Vögel.« Das ist ja an
-sich ganz schön, besonders für die Frage nach Schaden oder Nutzen der
-Vögel; auch Vogelhalter können vielleicht manches für ihre Lieblinge
-daraus lernen. Aber nun kommt die Kehrseite. Um z. B. die Nahrung
-unsrer Elster, die bekanntlich recht schädlich werden kann, genau
-festzustellen, hat der betreffende Forscher nicht weniger als 351
-(!) Magen von Elstern untersucht. Man traut seinen Augen nicht, wenn
-man so etwas liest. Da werden in Ungarn alle möglichen Vorschriften
-erlassen und Einrichtungen getroffen, um besonders die Jugend für
-den Vogelschutz zu gewinnen, wogegen die Alten um so schlimmer unter
-der Vogelwelt aufräumen zu können meinen. Dem Herrn Csiki sollte
-wirklich einmal das Maßhalten nahe gelegt werden, zumal er doch, wie
-scheint, alle Vögel des Landes betreffs ihrer Nahrung untersuchen
-will. Es genügt eine wesentlich kleinere Ziffer von Einzeltieren, um
-befriedigende Ergebnisse nach der angegebenen Richtung zu erzielen.
-
- B. Hffm.
-
-
-
-
-Hermann Vogel †
-
-
-Am 22. März 1921 hat in Krebes i. V. ein Künstler des Vogtlandes
-seine Augen für immer geschlossen, _Hermann Vogel_, der in drei
-Jahrzehnten als hervorragender Mitarbeiter der Münchener »Fliegenden
-Blätter« in aller Welt bekannt geworden ist, der aber, wie der
-Kundige weiß, als Malerpoet mit seinem Schaffen und Dichten tief in
-seinem _vogtländischen Heimatboden_ wurzelt. Für die glühende Heimat-
-und Vaterlandsliebe Hermann Vogels (geb. 16. 10. 1854 in Plauen)
-geben viele seiner Bilder und Gedichte in den »Fliegenden Blättern«
-ergreifendes Zeugnis, vor allem aber auch seine phantasie- und
-humorvollen Bilder zu den Hausmärchen der Brüder Grimm (1892--1894)
-und den Kindermärchen von Rudolphi (1905). In Plauen, der Vaterstadt
-des Künstlers, soll in einem _Hermann-Vogel-Zimmer_ des vogtländischen
-Kreismuseums eine Sammelstelle für das gesamte Lebenswerk des
-Künstlers, der ein Romantiker des Stiftes gewesen, geschaffen werden.
-
- K. Rdgr.
-
-
-
-
-Der nutzlose Baum
-
-Von _Will Vesper_
-
-
-Auf einer Berghöhe, an einer Stelle, wo es nicht gerade sehr fruchtbar
-war, von wo man aber einen weiten Blick über Täler und Höhen, Seen und
-Wälder hatte, stand ein gewaltiger Baum. Er bedeckte mit seiner Krone
-beinahe den ganzen Berggipfel, so als hätte der Berg ihn wie eine große
-grüne Haube auf seinen Kopf gesetzt.
-
-Eines Tages kam nicht weit von dem Baum ein Zimmermann vorüber, der
-mit seiner Säge und seiner Axt in den Wald ging, um Holz zu fällen;
-denn er machte Tische, Bänke, Stühle und allerlei Holzwerk. Der sah den
-Baum an und sagte zu seinem Gehilfen, der mit ihm ging: »Jetzt sieh
-einmal den Baum an. Was das für ein nutzloser und häßlicher Baum ist.
-Sein Stamm ist zwar dick genug und alle seine Äste auch, und doch kann
-man nichts damit anfangen; denn der Stamm ist so krumm, so verdreht
-und verwachsen, die Äste sind alle so vielmal um sich selber gedreht,
-so knorrig und eigensinnig, daß man auch nicht das kleinste nützliche
-Brettchen aus dem ganzen Baume schneiden könnte. Dazu sind seine
-Blätter so hart und seine Früchte so bitter, daß man sie nicht einmal
-als Futter für die Ziegen gebrauchen kann. Das nenne ich wirklich einen
-nutzlosen Baum, den da.« Damit ging er voll Verachtung für den Baum
-weiter in den Wald zu anderen Bäumen und sein Knecht hinter ihm.
-
-Der Baum aber, der die Rede wohl gehört hatte, rauschte laut auf mit
-allen seinen Zweigen, daß es wie ein brausendes Gelächter war, das
-hinter dem Zimmermann herlief. »Darum also,« sprach der Baum fröhlich
-zu sich selber, »hat man mich hier so viele Jahre stehen lassen, weil
-ich nutzlos bin, weil die Zimmerleute nichts mit mir anfangen können.
-Darum haben sie mich unbeschädigt so groß und gewaltig werden lassen,
-mich, der ich so viel krummer und knorriger bin als alle Bäume im
-Walde. Das also war mein Glück. Und darum haben heute die Vögel des
-Himmels eine so schöne Wohnung in mir. Darum finden heute die Wanderer,
-die den Berg ersteigen, unter meinen Zweigen wohltuenden Schatten
-und segnen mich. Von weit her kommen die Menschen aus dem Lande und
-bestaunen mich, liegen unter mir in der Kühle, betrachten die Schönheit
-der Erde und gehen fröhlich und geduldiger wieder in ihre Täler hinab.
-Alles nur, weil ich nutzlos bin und die Zimmerleute, die nur an den
-Nutzen denken, nichts mit mir anzufangen wissen. Gepriesen sei meine
-Nutzlosigkeit, die mir erlaubt hat, die Krone des Berges und ein
-Wahrzeichen des Landes zu werden.«
-
- (Aus Reclams Universum.)
-
-
- Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: =Werner Schmidt=;
- Druck: =Lehmannsche Buchdruckerei=, beide in Dresden.
-
-
-
-
-Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch
-vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen. Es sind nur noch
-wenige Stücke von manchen Heften da.
-
- Band _ungebunden_ _gebunden_
- M. M.
-
- III 7.-- 20.--
- IV 10.-- 25.--
- V 7.-- 20.--
- VI 7.-- 20.--
- VII 7.-- 20.--
- VIII 7.-- 20.--
- IX 7.-- 20.--
-
- =Wir gestatten gern Ratenzahlungen.
- Bestellkarte anbei.=
-
-
- Landesverein Sächsischer Heimatschutz
- Dresden-A., Schießgasse 24.
-
-
-
-
-Vom Wandern und Weilen im Heimatland
-
-Von =Gerhard Platz=
-
-Dresden 1920
-
-des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei
-
-Band I
-
-320 Seiten -- Großoktav
-
-_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz
-M. 12.--_
-
-_Bestellkarte in diesem Hefte_
-
-
-Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast
-in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften
-aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die
-er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz
-möchten wir wandern. So ist es verständich, daß wir in dem ersten
-Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten
-Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in
-wenigen Stücken vorhanden.
-
-
-Landesverein Sächsischer Heimatschutz
-
-Dresden-A., Schießgasse 24.
-
-
-Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
- Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wurden die Tabellen auf
- S. 85 und S. 133 umgestaltet.
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER
-HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 4-6 ***
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