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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band X, - Heft 4-6 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: November 19, 2021 [eBook #66769] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 4-6 *** - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so - dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 4 bis 6 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band X - - _Inhalt_: Das westliche Vogtland, ein deutsches Wald- und - Wandergebiet -- C. G. Schillings † -- Praktische Arbeit zur - Erhaltung unserer Steinkreuze -- Vom Heimatgefühl -- Die - Zschemelschka -- Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde - die Alleen und die hervorragenden Bäume -- Schlagbaum und - Chausseehaus in Sachsen -- Die Schneeheide -- Seiffen und - das Bunte Haus, eine Fahrt ins Weihnachtsland -- Neue - Wohnhausbauten im Erzgebirge -- Bücherbesprechungen -- - »Vogelschutz« von seiten eines Forschers -- Hermann Vogel † -- - Der nutzlose Baum - -Einzelpreis dieses Heftes M. 5.--, Bezugspreis für einen Band (aus 12 -Nummern bestehend) M. 15.--, für Behörden und Büchereien M. 10.--. -Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, _Mindest_jahresbeitrag -M. 10.-- - -Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokasse Dresden 610 - -Dresden 1921 - - - - -Aufruf - -an die Sachsen im Ausland zur Erwerbung der Mitgliedschaft des -Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. - - -Von vielen, die im Auslande die Treue zu ihrem Heimatland auch dadurch -zum Ausdruck bringen, daß sie Mitglieder unseres Vereins sind, erhalten -wir über unsere Veröffentlichungen so begeisterte Zuschriften, daß wir -den Mut fassen, weiter im Auslande Mitglieder für unseren Verein zu -werben, um unsere Bewegung auch wirtschaftlich zu stärken. Wir bitten -unsere werten Mitglieder zu diesem Zwecke, uns die Anschriften ihrer -Verwandten, Freunde und Bekannten im Auslande mitzuteilen oder selbst -unter Abforderung von geeigneten Werbesachen bei uns an diese im Sinne -dieser Ausführungen zu schreiben. - -Über nichts freut sich der Auslanddeutsche fern vom Heimatlande so sehr -wie über Bilder und Schilderungen der Stätten, wo er die Kindheit, die -Jugend verlebt hat. Und könnte es da geeignetere Veröffentlichungen -geben als unsere »Mitteilungen« mit ihren zahlreichen Bildern und -Schilderungen des alten Heimatlandes? - -Wir fügen diesem Hefte eine Postkarte bei, auf der wir geeignete -Anschriften erbitten. - -Für eine freundliche Hilfe sagen wir im voraus herzlichen Dank. - - =Landesverein Sächsischer Heimatschutz= - - Dresden-A., Schießgasse 24, I. - - - - - Band X, Heft 4/6 1921 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den -Vorstand herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. April 1921 - - - - -Das westliche Vogtland, ein deutsches Wald- und Wandergebiet - -Von Studienrat _Hans Hänig_, Wurzen - -Aufnahmen von _Curt Sippel_, Plauen - - -Unsere engere Heimat ist reich an Schönheiten. Wer das Erzgebirge -durchwandert und den Reiz des Elbsandsteingebirges genossen hat, -wem es vergönnt war, von der Höhe des Oybin aus seine Blicke über -das böhmische Mittelgebirge schweifen zu lassen, der wird voll -sein von Lobes über ein Land, dessen Lebensbedingungen im übrigen -Deutschland nicht eben für günstig gelten. Aber wie es z. B. die -Geschichtswissenschaft nicht immer mit den Höhen des menschlichen -Daseins zu tun hat, sondern auch die Niederungen berücksichtigen muß, -so muß man von dem Schilderer unserer Heimat verlangen, daß er auch -den Gegenden ein liebevolles Verständnis entgegenbringt, die nicht -von vornherein als Glanzpunkte von Wanderungen gelten können. Er -wird vielleicht manches vermissen, was ihm sonst als beachtenswert -erscheint, aber er wird auch hier vieles finden, an dem sein Blick mit -Wohlgefallen hängt und von dem echtes Heimatsgefühl ausströmt, das uns -gerade jetzt so vonnöten ist. Warum immer nur das Erzgebirge oder die -Lausitz oder die Sächsische Schweiz? Auch in Südwestsachsen gibt es -Landschaften, die eine eingehende Betrachtung wert sind. Ich will den -Leser in das Vogtland führen, und zwar in den westlichen Teil, und -hoffe ihn überzeugen zu können, daß auch dieser Teil unserer engeren -Heimat mit seinen Naturdenkmälern, Bergen und Erinnerungen aus der -Vergangenheit eine liebevolle Anteilnahme verdient. - -[Illustration: Abb. 1 =Straßberg bei Plauen i. Vogtl.=] - -So lade ich denn den freundlichen Leser ein, eines Nachmittags mit -mir von Plauen aus ins westliche Vogtland zu wandern. Wir benutzen -die Straßberger Straße und erblicken schon in dem ersten Dorfe -Straßberg, das etwa eine Wegstunde von Plauen entfernt liegt, ein -ehrwürdiges Denkmal aus der vogtländischen Vergangenheit. Es ist die -altertümliche Kirche dieses Dorfes, die wie so manche andere des -westlichen Vogtlandes (Untertriebel, Schwand, Thierbach bei Plauen) -Spuren ehemaliger Befestigungen aufweist. Es war ein Schutz gegen -die unaufhörlichen Kriegsnöte, die dem Vogtland niemals erspart -worden sind: seit es von Franken aus besiedelt wurde (daher auch die -ostfränkische Mundart der Bewohner, die auch ihrem Wesen nach eher -den Bayern nahestehen als den Sachsen), hörte das Land nie auf, ein -Durchgangsgebiet zwischen Bayern und Mitteldeutschland zu sein, auch -nachdem die Herrschaft der Vögte -- das Land war bis dahin sogar -zeitweise Reichslehen gewesen -- an die der Wettiner übergegangen war. -Noch erzählen zahlreiche Steinkreuze von der Herrschaft der Kirche -oder von Mordtaten, die begangen worden waren (der derbe, wenn auch -gutmütige Vogtländer greift auch heute noch gern zur Selbsthilfe, was -an seine bayrische Verwandtschaft erinnern mag oder an die Zeit, in -der noch die Sorben und Deutschen nebeneinander wohnten), und fast -jede der größeren Städte an der Elster erfuhr an sich das Wüten des -grausamen Generals Holk, der mit seinen Scharen im Dreißigjährigen -Krieg von Eger anrückte und überall ein Schrecken der Vogtländer -wurde. Was könnten allein die Kirchenbücher von Ruppertsgrün und von -Pausa Schreckliches von den Leiden jener Zeit erzählen! Auch in den -folgenden Kriegen ist das Land nicht verschont geblieben: am Wartberge -bei Taltitz fochten im Siebenjährigen Kriege die Ziethenschen Husaren -gegen die Österreicher, und im Jahre 1806 wurden die Dörfer Groß- -und Kleinzöbern, sowie Thiergarten bei Plauen von den Franzosen -niedergebrannt, um den übrigen Scharen, die von der Schleizer Gegend -aus vordrangen, ein Zeichen zu geben. Aber wir wollen nicht immer bei -den schweren Zeiten verweilen, die über das Vogtland hinweggegangen -sind. Bereits das nur wenige Minuten entfernt gelegene Dorf Kürbitz -ladet mit seiner herrlichen Kirche, die für eine der schönsten in -ganz Sachsen gilt, zu sinniger Betrachtung ein. Wohl ragt sie rein -äußerlich höchstens durch die Größe ihres 42 Meter hohen Turmes etwas -aus der langen Reihe der Schwesterkirchen hervor, die so manches -vogtländische Dorf aufzuweisen hat, aber schon ein Blick durch die -schöne Hauptpforte zeigt, daß die Kunst hier eine dauernde Stätte -gefunden hat. Wir stehen in einer Hallenkirche mit drei Schiffen, über -die sich ein kunstvolles Kreuzgewölbe spannt, während an den Fenstern -Spitzbogen mit Rundbogen abwechseln. Auch die Kanzel aus Sandstein mit -den Evangelisten und Moses, sowie der Taufstein mit dem kelchartigen -Unterbau ist erwähnenswert, aber niemand wird die schlichte Größe -des Altares vergessen, der aus der alten Kirche vor der Reformation, -einer Gründung der Deutschritter in Plauen, übernommen worden ist. Es -ist ein dreiteiliger Flügelaltar, dessen geschnitzte und vergoldete -Figuren wie verwundert und versonnen aus jener Zeit in die heutige -hineinschauen und gerade deshalb durch ihre kindliche Einfalt so -ergreifend wirken: die Mutter Maria mit dem Jesuskindlein und den -Aposteln, Maria Magdalena am Grabe des Herrn und die Mutter Maria, -wie sie ihrer Mutter, der heiligen Anna, das Kind darreicht. Auch die -Gemälde möchte man an dieser Stätte dörflicher Kunst nicht missen, die -biblische Begebenheiten sowie solche aus der Geschichte der Herren von -Feilitzsch darstellen, und es möge erwähnt werden, daß eines dieser -Bilder, die Einkehr des Herrn bei Maria und Martha, aus der Schule von -Rubens herrühren soll. Auch die drei kleinen Altäre sind erwähnenswert, -die ebenfalls mit Schnitzwerk und Malereien reichlich versehen sind. -Die Kirche soll eine Stiftung des kunstsinnigen Urban Caspar von -Feilitzsch sein, der sie in den Jahren 1624--1626, also während des -Dreißigjährigen Krieges gebaut haben soll. In einem Seitenschiffe -befindet sich die Begräbnishalle dieser Familie, und viele ihrer -Mitglieder sind auf den Grabsteinen, umgeben von vielen Wappen, -dargestellt. - -[Illustration:Abb. 2 =Kirche zu Kürbitz= - -(Phot. _Hans Ulbricht_, Chemnitz)] - -Der Weg von dem Elstertale bis zur bayrisch-reußischen Grenze ist -noch weit, und wir müssen noch manche Höhe überwinden, ehe wir zu -unserem Ziele für heute gelangen. Das ganze westliche Vogtland, das -mit dem östlichen Teile einen Übergang zwischen dem Erzgebirge und -dem Thüringer- und Frankenwald bildet, steigt von hier an allmählich -zu der Höhe von etwa 600 Meter auf, die zugleich die Grenze zwischen -dem Vogtland und dem reußischen Gebiet bildet, aber das Gelände ist -von zahlreichen Talrinnen durchfurcht, von denen die meisten nach der -großen Elsterkrümmung zwischen Plauen und Ölsnitz zu verlaufen. Nur ein -eigentlicher Paß, der von Wiedersberg, bildet eine mäßige Einsenkung -dieser Hügelketten, die, wie das ganze Gelände, auch nach Norden einen -allmählichen Abfall zeigen, und dort führt auch die Straße von Plauen -nach Hof ins Bayrische hinüber. Somit ist auch eine Wanderung in dieser -Gegend nicht ohne Reiz, wenn auch überragende Berggipfel fehlen: Dörfer -wechseln mit Waldstücken und Äckern, auf denen der Bauer jahraus, -jahrein in harter Arbeit dem Boden seine Erzeugnisse abringt (der -Boden des Vogtlandes ist zumeist felsig und gibt nur dort einigermaßen -gute Ackererde, wo Grünsteinschichten verwittert sind), und zwischen -dem Grün der Wiesen schlängelt sich manches Bächlein dahin, um in -eine größere Schwester einzumünden. Die Bauernhäuser zeigen auch hier -die Merkmale fränkischer Besiedlung: der Hof von Gebäuden umgeben, -die Häuser von Fachwerk, und dazwischen manch altes Blockhaus, die -Kirchtürme oft mit zwiebelförmigem Aufbau wie in Franken, und -vielfach noch alte Dorflinden, die manches ländliche Fest im Reigen -der Jahre gesehen haben. Nur das Herrschaftshaus eines Rittergutes -hebt sich mitunter einigermaßen aus dieser Bauart heraus, und manche -dieser Schlösser wie die von Geilsdorf, Reuth und Rodersdorf zeigen -geradezu durch ihre Wasserbefestigungen, daß sie aus alten Wasserburgen -entstanden sind. - -[Illustration: Abb. 3 =Altes Wasserschloß in Mechelgrün=] - -Aber es ist unterdessen spät geworden bei unseren Betrachtungen, und -wir müssen noch ein tüchtiges Stück Weg über die Höhen zurücklegen, -die vor uns liegen, um noch vor Abend zu unserem Ziel zu kommen. Schon -ziehen sich im Reußischen, das sich drüben jenseits des Stelzenbaumes -erhebt, die Abendwolken zusammen, aber rückwärts von uns hat das -Gewitter ausgetobt, das noch vor einer Stunde über der Landschaft -gelegen hat: der ganze Grund, der sich bis in die Straßberger Gegend -hinzieht, ist von Nebel verhüllt, aus dem sich nur taufrisch einzelne -Waldstücke und Wiesen hervorheben. Noch ein seltsam schönes Bild soll -unsere Aufmerksamkeit anziehen, ehe wir weiter wandern. Seitwärts von -dem holprigen Wege, der eben wieder am Tannenwald entlang eine größere -Höhe genommen hat, ruht ein See, dessen Oberfläche nach dem Gewitter -dampft, das auch hier wie ein verjüngendes Bad über die Natur gegangen -ist, und wie scheu öffnen sich die Kelche der Wasserrosen den Strahlen -der Sonne, die sie jetzt wieder auch in diesen stillen Erdenwinkel -herniedersendet. Der Dichter des Vogtlandes, J. Mosen, der in einem -Dörfchen an den Abhängen jenseits der Elster geboren ist, hat das Bild, -das uns hier die Natur vor Augen zaubert, in Worte gekleidet: - - Der See liegt tief im blauen Traum, - von Wasserblumen zugedeckt; - ihr Vöglein hoch im Fichtenbaum, - daß ihr mir nicht den Schläfer weckt! - - Doch leise weht das Schilf und wiegt - das Haupt mit leichtem Sinn; - ein blauer Falter aber fliegt - einsam darüber hin! -- -- - -Unser Weg geht nach dem hart an der bayrisch-reußischen Grenze -gelegenen Dorfe Mißlareuth; aber bevor die Sonne untergeht, soll -sie uns noch einmal ein Stück vogtländischer Landschaft von einer -weihevollen Stätte aus vor Augen zaubern. Nach einstündigem Marsche, -der wegen der Steigerung zusehends anstrengt, gelangen wir nach dem -Dörfchen Krebes, das sich eine lange Talrinne hinaufzieht, und daneben -liegt, mit überraschend schönem Blick auf das wellige Hügelland, eine -weithin sichtbare Grünsteinkuppe, der Burgstein, in dessen Ruinen die -Reste zweier Wallfahrtskapellen zu finden sind. Beide wurden 1430 -von den Hussiten zerstört, und damit verschwand auch das berühmte -Marienbild, dessen Gnadenhandlungen der Burgstein seinen Ruhm und -seinen Reichtum zu danken hatte. Das liebliche Landschaftsbild, das -ehrwürdige Gemäuer umrandet vom Grün der Fichten, erinnert an so -manches Gegenstück im Fichtelgebirge wie an den Epprechtstein und den -Waldstein, von dem die Blicke fast bis zu uns herüberschweifen. Wir -empfinden, was ein Dichter des Vogtlandes aus jüngster Zeit hier in -Worten ausgesprochen hat: - - -Burgsteinkapellen. - - Geborsten die Wandung, das Meßwerk welk, - Hussitenverwunschen Gewölb und Gebälk, - Entgöttert das Chor. - Kein wunderwirkend Marienbild - Nickt mehr aus der Nische versöhnungsmild, - Keine Glockenverheißung, kein Weihrauchflor - Hängt mehr in der Luft. - Aber Fichtenwald predigt im Chor. - Königskerzen lohn. Und im Wehmutsfeuer - Des Sonnabendabschieds strahlt wie verklärt das Gemäuer. - Harzduft wittert vom frühen März - Bis spät in den Sommer. Stundenlang läutet die Kuckucksterz, - Und im Herbstwind nestelt Mariengarn, - Heimwehwimpel in Fichte und Farn -- Gottes voll kniet das Herz. - - (K. A. Findeisen). - -Aber drüben grüßt, schon im Dunkel des Abends umfangen, der Turm von -Mißlareuth zu uns herüber, wo wir für heute Nacht rasten wollen. Über -den Schienenstrang, auf dem die Schnellzüge der Nord-Süd-Expreßlinie -nach dem Süden eilen, geleitet uns ein anmutiger Buchenweg nach der -Höhe hinüber, an der sich das Dorf entlang zieht. Ein vogtländisches -Bauerndorf wie viele andere, aber im Herzen der Natur und fern von -der Kultur, die auf die größeren Städte des östlichen Vogtlandes -beschränkt geblieben ist. Auch der Gasthof, in dem wir übernachten, -ist ein Bauernhof mit derben Pfosten und schlichten Kammern, aber -in den einfachen Betten schläft es sich besser als in den weichen -Hotelbetten, die wir vielleicht eine halbe Stunde weiter nach Westen, -in dem preußischen Städtchen Gefell, finden würden. Wir brauchen die -Ruhe; denn wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wenn wir noch den -nördlichen Teil des westlichen Vogtlandes kennen lernen wollen. - -[Illustration: Abb. 4 =Ruderitz mit Burgstein=] - -Das Dorf Mißlareuth, in dem wir die letzte Nacht zugebracht haben, -braucht sich, was seine Höhenlage anbetrifft, nicht vor den übrigen -Dörfern des Vogtlandes und des Erzgebirges zu schämen, es wetteifert -mit den 620 Metern seiner Höhenlage mit den höheren Siedlungen des -Erzgebirges, und sein schmucker Kirchturm grüßt frühmorgens hinüber -zu dem von Schöneck und leuchtet selbst dem entgegen, der von der -Ruine des Epprechtsteines im Fichtelgebirge seinen Blick gegen Norden -schweifen läßt. Aber selbst der hochgelegene Kirchhof legt dem Besucher -nahe, den Blick von der heimatlichen Scholle in die Weite schweifen -zu lassen; denn gleich am Anfang liegt, durch ein Denkmal geziert, -das Grab des gelehrten vogtländischen Bauern Nikolaus Schmidt, nach -dem Großvater genannt Küntzel, auf den noch heute seine Landsleute -stolz sein können und der zwei ihrer besten Eigenschaften, die -Zähigkeit und die Bodenständigkeit, zum Ausdruck gebracht hat. Er -wurde zu Rothenacker geboren, das zwar im Reußischen liegt, aber nach -Mißlareuth eingepfarrt ist. Dort lernte Nikolaus, dessen Vater das -größte Bauerngut im Dorfe besaß, durch Vorsagen von der Mutter die -ersten Gebete und die Hauptstücke des Katechismus, während ihm ein -Dorfjunge, der an seiner Stelle die Kühe hüten sollte, an der Hand -eines A-B-C-Buches zum ersten Lehrer wurde. Von dem Schulmeister in -Mißlareuth erhielt er ein Buch, das seinen Wissenstrieb in weitere -Bahnen lenkte: einen Katechismus, der in vier Sprachen (deutsch, -lateinisch, griechisch und hebräisch) geschrieben war. Und nun wächst -dieser seltsame Mensch Schritt für Schritt aus der Enge seines -Heimatbodens heraus, der er doch bis an das Ende seines Lebens als -Bauer treu geblieben ist. Von dem gelehrten Sprachkenner, der mehr -als ein Dutzend fremder Sprachen lesen, sprechen und verstehen -konnte, redete man am Hofe des Kurfürsten Johann Georg I., der ihm -eine zehnbändige Bibel in deutscher und lateinischer Sprache und -dreiunddreißig Taler schenkte, wie an dem zu Gera, dessen Fürst ihm -Steuerfreiheit und das Recht verlieh, den Titel Herr zu führen, und der -Erfolg des ersten Schmidt-Küntzelschen Kalenders, der im Jahre 1653 -erschien (man bedenke, daß das Leben dieses seltsamen Mannes in das -Dunkel des Dreißigjährigen Krieges fiel) und der bis ins achtzehnte -Jahrhundert hinein fortgeführt wurde, zeigt, daß auch in weiten Kreisen -des deutschen Volkes hinein sein Name gedrungen war. Die Bücher zu -seinem rastlosen Studium mußte er sich freilich selbst beschaffen, und -so finden wir ihn mit seinem Schubkarren in Hof, Schleiz, Lobenstein, -ja selbst in Leipzig und Nürnberg, und welch ein Verlust muß es für ihn -gewesen sein, als seine kostbare Sammlung von sechshundert Bänden im -Jahre 1640 von plündernden Kroaten vernichtet wurde. In der Dresdner -Bibliothek befindet sich noch eine Handschrift vom gelehrten Bauer mit -150, in der von Schleiz eine solche mit 250 Schrift- und Sprachproben -(er hat es bis zur Meisterschaft im Schönschreiben gebracht), und von -seiner Beschäftigung mit der Arznei- und Himmelskunde legt der erwähnte -Kalender beredtes Zeugnis ab. Im Jahre 1671 ist sein müder Leib der -Heimatserde zurückgegeben worden. -- - -Wir setzen unsere Wanderung an dem taufrischen Morgen auf der großen -Straße fort, die sich etwa auf der Grenze des Vogtlandes und des -reußischen Gebietes dahinzieht. Überall dasselbe Bild, das für diese -Landschaft charakteristisch ist: Waldstücke und Wiesen in anmutigen -Hügelformen, wechselnd mit Äckern und wohlhabenden Dörfern, von denen -gar mancher Name (als zweiter Bestandteil reuth von roden) von der -Tätigkeit der Ansiedler auf diesem Stück Land Zeugnis ablegt. Das große -Dorf Reuth ist eine namhafte Station an der Bahn zwischen Reichenbach -und Hof, die sich in mannigfachen Windungen durch das Vogtland zieht -und in stetem Wechsel Bilder von Heide, Wiesen und Wald bietet, und -es enthält noch die Reste einer Wasserburg, wie wir sie schon früher -kennen gelernt haben. Wir müssen noch einmal ins Reußische, ehe wir -die Höhe mit dem Stelzenbaum, auch jetzt noch das Wahrzeichen unseres -Wandergebietes, erreichen können. Die Kirche des Ortes Stelzen, das zu -seinen Füßen liegt, gehört nach Reuß, während in den Bauergütern zum -Teil geborene Vogtländer auf ihrer Scholle sitzen. Fast versteckt in -den Wogen der Ährenfelder, die sich bis auf den Hügel hinaufziehen, -steht ein kleiner Stein und nicht weit davon der ehrwürdige Rest des -alten, sagenumwobenen Stelzenbaumes, der im Jahre 1897 vom Blitze -getroffen worden ist. Von seinem Umfange redet noch der Stumpf, -den fünf Männer kaum umspannen können und dessen oberes Ende durch -eine mächtige Platte vor weiterer Zerstörung geschützt ist. Eine -Orientierungstafel des Vogtländischen Touristenvereins Plauen zeigt, -daß die Höhe, auf der wir uns befinden (618 Meter), groß genug ist, -um nach allen Seiten Umschau zu halten. Eine Menge von Dörfern im -bunten Wechsel von Tal und Hügel dehnt sich nach allen Seiten vor dem -Beschauer aus, und bei klaren Tagen reicht der Blick von der Plauener -Gegend bis zu den Höhen des Frankenwaldes. - -[Illustration: Abb. 5 =Der Burgstein von Westen=] - -Nur zwei Städte sollen uns bei unserer Wanderung noch aufhalten, um -auf diese Weise das Bild zu vervollständigen, das wir von diesem -Teil des Vogtlandes gewonnen haben. Sie zeigen uns beide in ihrer -Art, daß wenigstens dieser westliche Teil auch heute noch ein Acker- -und Weideland ist und daß sich größere Städte abseits von der großen -Heerstraße, die sich an der Elster entlang zieht, hier nicht zu -entwickeln vermögen. Zwischen Wiesen gebettet und mit seinem Schloßturm -noch an das Mittelalter erinnernd, tritt uns zunächst Mühltroff -entgegen, ein Städtchen von etwa 2000 Einwohnern, dessen Mittelpunkt -auch heute noch der überragende, festgefügte Schloßbau ist, unter -dessen Schutz sich die Stadt entwickelt hat. Schon die Bauart des -Schlosses mit seinem runden, hohen Turm, dessen Wände drei Meter -stark sind, und seiner Wasserbefestigung, die jetzt zugeschüttet -ist, erinnert an jene Zeit, wo deutsche Kaiser ihre Macht durch -feste Grenzplätze zu stärken suchten, und so scheint die Herrschaft -Mühltroff schon im frühen Mittelalter ein unmittelbar kaiserliches -Reichslehen und im zwölften Jahrhundert mit Lobenstein, Schleiz, Pausa -und Elsterberg vereinigt gewesen zu sein. Heute ist das Schloß verödet -und die großen Säle dienen zur Aufbewahrung von Feldfrüchten, während -die Prunksäle zu Rumpelkammern geworden sind, aber noch immer zeigt -man geheimnisvolle Räume und dunkle Gänge, wo die Erinnerung an einen -der Schloßherrn spukt (den Grafen Kospoth), dem man nachsagte, daß er -der Geisterbeschwörung und Alchemie ergeben war und daß er bei dem -Brande des Schlosses 1817 in dem Wahne, den Feuersegen zu besitzen, -elendiglich zugrunde ging. Auch die Bauart der Stadt mit dem engen -Markte (in dem Gasthofe zum halben Mond residierte die eine Linie -der Gutsherrn) hat noch heute etwas Altertümliches und ist nie über -die eines kleinen Landstädtchens hinausgekommen, und zu erwähnen ist -höchstens die ehemalige Schloßkirche, zu der eine Brücke vom Schlosse -aus führt und die nach dem großen Stadtbrande der Stadt überwiesen -wurde. Mehr der heutigen Zeit hat sich Pausa angepaßt, das in einem -weiten Talkessel liegt und vor allem der Stickereiindustrie seinen -Aufschwung verdankt. Die Stadt ist, wie der Name sagt, eine Gründung -der Slawen gewesen, die sich mehr die Niederungen und Flußgegenden -zu Wohnsitzen aussuchten, sie kam schon zu Anfang des fünfzehnten -Jahrhunderts mit anderen Städten in den Besitz der Wettiner und hat -besonders im Dreißigjährigen Krieg, wie der Bericht ihres treuen -Pfarrers Pyrläus zeigt, schwere Zeiten durchlebt. Heute zeigt Pausa das -Bild einer sächsischen Kleinstadt wie so manche andere: die Kirche im -altsächsischen Renaissancestil, ein geräumiger Markt und die Häuser, -im übrigen vielfach einstöckig, mit reinlichen Straßen -- man fühlt, -daß man hier abseits ist von dem großen Weltgetriebe, und man möchte -gern ein paar Stunden verweilen, um sich satt zu sehen an dem Grün der -Wiesen und um dem Gesang der Vögel zu lauschen, die nicht müde werden, -auf diesem schönen Stück Erde ihre Lieder erschallen zu lassen. Kein -Wunder ist es daher, daß bei der Nähe der heilkräftigen Moore von jeher -die Menschen hier Heilung gesucht haben und daß besonders der Name des -Bades Linda weit über die sächsischen Grenzen bekannt geworden ist. -Mit Bad Elster, das auf dem südwestlichen Teile des vogtländischen -Hügellandes in einem Tale, von Nadelwäldern umgeben, eingebettet ist, -kann sich allerdings Pausa nicht messen, das außer Linda auch noch ein -älteres Bad mit schönen Anlagen besitzt, aber die Heilberichte, die -uns auch von hier vorliegen, zeigen, daß auch dieses Bad trotz der -augenblicklich ungünstigen Zeitumstände noch eine Zukunft hat. - -[Illustration: Abb. 6 =Elstertal mit Eisenberg=] - -[Illustration: Abb. 7 =Vogtländisches Dorf Tremnitz= (Nord-West)] - -Von Pausa selbst lassen sich besonders zwei Gebiete in kurzer Zeit -erreichen, die durch ihre landschaftliche Schönheit ausgezeichnet -sind: die Schleizer Gegend und die vogtländische Schweiz, der wir -uns zuletzt noch zuwenden wollen, um an den Ausgangspunkt unserer -Fahrt wieder anzuknüpfen. Wir müssen ein Stück durch das Reußische -hindurch, um die Höhe zu erreichen, die von einer Windmühle, einem -Wahrzeichen des nördlichen Vogtlandes, gekrönt ist. Der Berg, auf dem -sie steht, trägt noch heute den Namen »Liekirch« und erinnert an ein -altes Kirchlein, das vor Jahrhunderten an dieser Stelle gestanden -haben soll und das der Sage nach seinen Namen (Lindwurmskirche) -von der mutigen Tat eines Müllerknechtes erhalten hat, der die -Tochter seines Herrn und die Umgegend von Syrau vor den Zähnen eines -greulichen Lindwurms rettete. Auf dem Kirchturm von Syrau hängt noch -heute ein Glöckchen, das einst die alte »Liekirch« geziert haben -soll. Vor unseren Augen entfaltet sich, wenn wir jenseits dieser -Mühle, etwa bei Steinsdorf, auf die Plauen-Reichenbacher Heeresstraße -kommen, eine Landschaft, wie sie an Mannigfaltigkeit und Reiz der -Erscheinungen in Sachsen, ja in Deutschland ihresgleichen sucht. Es -ist wieder der Grünstein, der hier, am Kreuzungspunkt zweier großen -Eisenbahnlinien, einen entzückenden Bilderreichtum vor das Auge des -Wanderers gezaubert hat. Berggipfel mit Waldstücken bauen sich hoch zu -beiden Seiten der Elster, die, von der einen Bahn begleitet, in dem -waldumkränzten Tale dahinrauscht, und mit königlichem Bogen spannt -sich die Elstertalbrücke dort, wo sich die beiden Linien kreuzen, -über die hohen Ufer. Das Dorf Jocketa, das neben der Brücke auf der -andern Seite hoch über dem Tal liegt, ist beinahe durch die Schönheit -seiner Lage zu einer Villenkolonie geworden, und der Blick in das -Elstertal ist von hier aus ebenso lohnend wie der in das stille -Triebtal, dessen wir noch gedenken werden. Und darüber hinaus weitet -sich der Blick noch nach allen Seiten und ladet zu weiteren Fahrten -ein: im Süden erscheinen die blauen Linien des Elstergebirges, und zur -linken Seite können wir ein Stück des Elsterlaufes verfolgen, die hier -stundenlang zwischen tannengekrönten, zerklüfteten Grünsteinfelsen in -einem engen Talkessel -- besonders im sogenannten Steinicht zwischen -Jocketa und Elsterberg -- dahinfließt. Darüber erhebt sich in der -Ferne der Kuhberg bei Netzschkau, von dem wieder ein weiter Blick -in das gewerbfleißige östliche Vogtland mit seinen Industriestädten -gestattet ist. Aber wir hätten beinahe ein noch schöneres, wenn auch -stilleres Naturbild vergessen, das hinter den Bogen der Elstertalbrücke -versteckt liegt. Wir gehen den Saumweg zur linken ins Tal herab -und werfen noch einen Blick auf die Barthmühle, die wie die weiter -nördlich gelegene Rentzschmühle wegen der landschaftlichen Schönheit -ihrer Lage viel besucht wird. Hinter der Brücke mündet die Trieb in -die Elster, für flüchtige Besucher kaum sichtbar, aber doch so reich -an Schönheiten, daß wir ihrer an dieser Stelle noch gedenken müssen. -Noch vor wenig Stunden ein stiller Waldbach, der an den Dörfern und -Wiesen des östlichen Vogtlandes vorüberzieht, hat sie sich kurz vor -ihrer Vereinigung mit der Elster durch Felswände ein großartiges, -etwa hundert Meter tiefes Bett gebrochen und rauscht nun durch dieses -tannenumdüstert der Mündung in die größere Schwester zu. Nur wenige -der Schnellzugsreisenden, die dort oben über der Elstertalbrücke -dem Süden zustreben und denen nur ein flüchtiger Blick in diesen -bewaldeten Talkessel vergönnt ist, ahnen, daß hier unbemerkt von ihnen -seitwärts eine Perle deutscher Flußlandschaft vorübergezogen ist: -die Trieb, die sich dort durch die Enge des Tales hindurchzwängt und -sich von den gewaltigen Granitblöcken, die ihr allerorts den Lauf zu -versperren scheinen, von der Vergangenheit der Erde erzählen läßt, die -Bergwände, die mit steilen Pfaden und Tannenwäldern in das Dunkel des -Talkessels hinabstürzen und der Saumpfad, der sich fast scheu an der -Seite des Flüßchens dahinschlängelt, als wollte er das Weben der Natur -nicht stören und der nur bei der Pyramidenwiese zu kurzem Verweilen -einladet, wo sich hohe Fichten, gleich den ägyptischen Königsgräbern in -ihrer Spitze verjüngend, ein weltverlorenes Stelldichein geben. Aber -wir sind hier schon auf dem andern Ufer der Elster, das nicht mehr zu -unserem Wandergebiet gehört. Noch eine halbe Stunde von der Brücke weg -nach Süden zu, und das Tal erweitert sich, und vor uns liegt wieder die -Hauptstadt des Vogtlandes, die auch nach dieser Seite zu im Vollgefühl -ihrer Kräfte die Arme ausgestreckt hat. Das westliche Vogtland wird -aber auch weiterhin ein deutsches Wald- und Wanderland bleiben zumal -für den, der es zu verstehen und in seiner Eigenart zu lieben vermag -- -bedürfen wir nicht gerade heute mehr als je diese Eigenschaften, um im -Inneren wiederzufinden, was wir nach außen -- wenn auch hoffentlich nur -vorübergehend -- verloren haben? - -[Illustration: Abb. 8 =Triebtal=] - -[Illustration: Abb. 9 =Loreleysteg im Triebtal=] - - - - -C. G. Schillings † - - -Am 29. Januar dieses Jahres ist der bekannte Zoologe und Afrikaforscher -_C. G. Schillings_ in Berlin gestorben. »Sein Tod,« so schrieb mir -Hermann Hähnle, »reißt eine solche Lücke in den Naturschutz, daß wir -andern um so enger zusammenhalten müssen.« In der Tat, ein Mann ist von -uns gegangen, der sein ganzes Leben in den Dienst unsrer Sache gestellt -und nicht nur in großzügigster Weise die Idee des Naturschutzes -allezeit mannhaft vertreten, sondern auch auf diesem Gebiete wahrhaft -Großes, ja Unsterbliches geschaffen hat. - -Dem Landesverein »Sächsischer Heimatschutz« stand der Verstorbene sehr -nahe; wiederholt weilte er in unserm Kreise. Noch im Mai vorigen Jahres -sprach er vor überfüllten Sälen in seiner ihm eignen packenden Weise -über Weltnaturschutz. Mit hinreißender Beredsamkeit, mit glühender -Wahrhaftigkeit -- ein Wesenszug seiner ganzen Persönlichkeit -- mit -rücksichtsloser Offenheit gegenüber den kleinlichen und nur auf -persönlichen Vorteil gerichteten Anschauungen seiner Gegner wußte er -die Zuhörer zu überzeugen und für seine Ideen zu begeistern. Gerade -bei uns hier in Dresden hat Prof. Schillings eine große Menge treuer -Anhänger und Verehrer gefunden, und so ist es nur eine Pflicht der -Dankbarkeit, wenn wir dem _mannhaften Vorkämpfer auf dem Gebiete des -Naturschutzes diese Zeilen widmen_. - -Durch sein berühmtes Werk »_Mit Blitzlicht und Büchse_«, das im Jahre -1905 in R. Voigtländers Verlag erschien, ward C. G. Schillings Name -mit einem Schlag in den weitesten Kreisen bekannt. Etwas ganz Neues, -Niegeahntes, ja Unerhörtes und Unbegreifliches ward uns mit diesem -herrlichen Werke geschenkt. Das Tierleben Afrikas hat uns Schillings -durch seine Blitzlicht-Aufnahmen aufgehellt, wie es bisher noch keines -Menschen Auge geschaut hat. Durch ihn erst weiß man, was es heißt: -»Tierbilder nach dem Leben,« und immer mehr noch wird man einsehen, was -sie bedeuten -- unersetzliche Natururkunden, deren Wert von Jahrzehnt -zu Jahrzehnt in dem Maße steigt, wie die afrikanische Großtierwelt -infolge der fortschreitenden Zivilisation immer mehr von der Bildfläche -des Lebens schwindet. »Die Erhaltung der großen lebenden Naturdenkmäler -wenigstens im photographischen Abbilde Schillingsscher Natururkunden -ist wahrlich eine der dringendsten Forderungen unsrer Zeit auf dem -Gebiete idealer Wissenschaft und selbstloser Naturbetrachtung.« So -schrieb ~Dr.~ L. Heck in seinem Vorwort zu dem großen Erstlingswerk von -Schillings. - -Noch klarer tritt der Naturschutzgedanke in dem ein Jahr später, -gleichfalls in R. Voigtländers Verlag erschienenen Werke »_Der -Zauber des Elelescho_« hervor, das der Verfasser seinem Bruder, dem -berühmten Komponisten Max v. Schillings und dessen Gattin gewidmet -hat. »Mit schwachen Kräften habe ich mich bemüht,« schreibt er, »einer -großen Idee gerecht zu werden, einem Ideengang, den jeder ohne Mühe -herausfinden und, was mehr wäre, für den er hoffentlich eintreten -werde. Durch Anschluß an die bestehenden großen Vereinigungen, den Bund -für Heimatschutz, die Jagd- und Vogelschutzvereine kann jedermann das -Seinige zur Erhaltung der Naturdenkmäler im weitesten Sinne beitragen.« - -Gemeinsam mit diesen Vereinen begann Schillings im Jahre 1910 einen -heftigen Kampf gegen die Unsitte, Federn freilebender Vögel als -Damenschmuck zu tragen. Ein Aufsatz von ihm, der zuerst in den -»Süddeutschen Monatsheften« erschien: »_Die Tragödie des Paradiesvogels -und Edelreihers_« wurde vom Bund für Vogelschutz, dem Schillings bis -zuletzt sehr nahe stand, den weitesten Kreisen zugängig gemacht. Wie -sucht hier der Verfasser das Gewissen der Frauenwelt zu schärfen, wie -eindringlich, wie überzeugend sagt er es allen, daß diese barbarische -Mode die herrlichsten Wunder der Schöpfung bedrohe und vernichte! - -In einer zweiten Schrift »_Die Arche Noah_« forderte Schillings -gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutze der gefährdeten Vogelwelt nach -dem Vorbild Amerikas und Englands. Ich greife einen Satz heraus, der -nicht nur den Titel dieser Schrift erklärt, sondern zugleich ein -treffliches Beispiel für den Humor wie für die Überzeugungskraft aller -Ausführungen des Verfassers bietet. »Wir wollten von der Arche Noah -reden, hören wir! Klingt es nicht seltsam und sollte es nicht den -heutigen Erdenbewohnern zu denken geben, daß dem Urpatriarchen und -ersten großen Naturschützer Weisung wurde, _alle_ Tierarten, _ohne -Ausnahme_, nicht also wie es etwa die heutigen nackten Utilitarier -tun würden, nur Ochsen, Esel und Schafe in die rettende Arche zu -überführen? In den Urzeitmythen der Völker liegt goldene Weisheit -verborgen, und alte Wahrheit künden uns diese Überlieferungen.« - -Der Erfolg blieb nicht aus. Im Oktober 1913 verboten die Vereinigten -Staaten von Nordamerika die Einfuhr von Schmuckfedern freilebender -Vögel, und auch in England nahm das Unterhaus am 9. März 1914 in -zweiter Lesung die Gesetzesvorlage zur völligen Verhinderung jeder -Federeinfuhr mit Ausnahme von Eiderdaunen und Straußenfedern an. Da kam -der Krieg und brachte die Bewegung vorläufig zum Stillstand. Zugleich -verhinderte er die Herausgabe einer dritten Schrift von Schillings, die -bereits druckfertig vorlag: »_Paradiesvogel, Edelreiher und die Frau_«. - -Bei den Tagungen der Naturforscher, Geographen, Naturschützler -war der hochgewachsene, blonde Mann mit seinem offenen Blick eine -bekannte Erscheinung. Wenn er mit lebendigster Anschaulichkeit und mit -geradezu hinreißendem Schwunge für den Schutz der Vogelwelt eintrat -oder unbedingten Naturschutz namentlich in den Kolonien forderte, -zum Beispiel auf dem Kongresse der deutschen Kolonialgesellschaft in -Stuttgart oder auf dem der deutschen Naturforscher und Ärzte in Wien -1913, da lauschte jeder gespannt den Worten des von seiner Idee so ganz -erfüllten Redners. Der Naturschutz war ihm Herzenssache, und so sprach -er zu den Herzen seiner begeisterten Zuhörer. - -Der beispiellose Erfolg, den Schillings durch seine beiden großen, -wundervoll ausgestatteten Werke erzielt hatte, spornte ihn natürlich -an, auch weiterhin auf dem Gebiete der _Naturphotographie_ wildlebender -Tiere an der Spitze zu bleiben. Es war ja, wie er mir im Gespräch -wiederholt betont hat, sein Stolz, daß gerade ein Deutscher es -hierin den Engländern und Amerikanern zuvorgetan habe. Sobald er von -jeder seiner vier großen Expeditionen in das äquatoriale Ostafrika -wieder heimkehrte, war es immer das erste von ihm, seine Apparate -zu vervollkommnen. Die rasche Entwicklung der Optik bot ja von Jahr -zu Jahr neue Möglichkeiten, die Erfolge noch zu steigern, obgleich -namentlich die Schillingsschen Nachtaufnahmen noch heute fast für -unerreicht gelten müssen. - -Im Jahre 1910 war die technische Ausrüstung für eine neue Reise bereit; -aber sie ward durch Widerwärtigkeiten, die hier nicht näher berührt -werden sollen, verhindert. Es war ja kein Wunder, daß das offene, -freimütige Wesen des Verstorbenen, der keinerlei Rücksicht kannte, -am wenigsten sich durch Rücksichten auf seinen eignen Vorteil oder -Schaden bestimmen ließ, eine große und einflußreiche Gegnerschaft auf -den Kampfplatz herausgefordert hatte. Diese unbedingte Wahrhaftigkeit -ist es, die uns die Schillingsschen Forschungen wie seine Aufnahmen -doppelt wertvoll erscheinen lassen. Da handelt es sich stets um -freilebende, nicht etwa um gefangene, eingehegte oder verwundete Tiere, -und die Retusche mußte jedem Bilde fernbleiben. _Unbedingte Wahrheit -in Wort und Bild!_ Das war sein Grundsatz, von dem er auch nicht um -Haaresbreite abwich. - -Schon bei seinen letzten Afrikareisen hatte Schillings einen -_kinematographischen_ Apparat mitgenommen; leider genügten die -in Afrika angefertigten Laufbilder seinen überaus hochgestellten -Anforderungen und Erwartungen nicht. Es waren ja auch weitere -Verbesserungen der Kinoaufnahmen unterdessen erzielt worden. Die -bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet erblickte Schillings in den -_Fernlaufbildern_ des Bundes für Vogelschutz, wie sie Herr Ingenieur -Hermann Hähnle geschaffen hat. Es sind dies Natururkunden in höchster -Vollendung, da die Tiere in ihrem Leben und Treiben aufgenommen werden, -ohne davon das geringste zu merken. Bei seiner letzten öffentlichen -Ansprache in Stuttgart im Dezember 1920 bezeichnete Schillings diese -Aufnahmen als »Gottesgeschenk«. Sein heißer Wunsch war es, das neue -Verfahren nun auch auf die afrikanische, indische und polare Tierwelt -anzuwenden. - -Der Tod des fünfundfünfzigjährigen Forschers hat diesen Wunsch -vereitelt. Die beste Ehrung für den Verstorbenen, dessen Ideale sich -schon heute so allgemeine Anerkennung erworben haben, dürfte es wohl -sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten und die neuesten Erfolge der -Photographie und Kinematographie derartigen Aufnahmen zu widmen. Seine -Freunde haben daher beschlossen, einen Aufruf zu Spenden für eine _C. -G. Schillings-Stiftung_ zu erlassen. Schreiben und zugedachte Beiträge -sind schon heute an die C. G. Schillings-Stiftung, Berlin-~W~ 10, -Margaretenstraße 1 zu richten. - - _Martin Braeß._ - - - - -Praktische Arbeit zur Erhaltung unserer Steinkreuze - - -Schon seit Jahren suche ich auf unseren Wanderungen mit großem -Interesse die alten Mord- und Sühnekreuze auf, welche dann -- durch -eine Skizze oder photographisch festgehalten -- unser Tourenalbum -zieren. Zum Aufsuchen derselben dienten mir bisher die in den Jahren -1912/13 von Herrn ~Dr.~ _Kuhfahl_ herausgegebenen und im Dresdner -Anzeiger seiner Zeit erschienenen Verzeichnisse über »Die Mordkreuze in -Sachsen«: - -Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers - - vom 7. 4. 1912 Nummer 14, - vom 23. 3. 1913 Nummer 12, - vom 26. 10. 1913 Nummer 43.[1] - - [1] Siehe auch ~Dr.~ Kuhfahl: »Die Steinkreuze in Sachsen«. - Preis M. 6,50. Heimatschutz, Dresden. - -Auf einer Wanderung im Frühjahr vergangenen Jahres nach Dohna und -Maxen suchte ich an der Hand dieser Verzeichnisse die beiden Kreuze -in _Gorknitz_ mit auf. Bei der Besichtigung des hundertzwanzig Meter -vor dem östlichen Dorfausgange, am Fahrweg nach Rittergut Gamig zu -gelegenen Steinkreuzes (Verzeichnis vom 3. April 1912, Nummer 14) war -mir aufgefallen, daß dieses bis zu den Seitenarmen in der Erde stak, -obwohl im Verzeichnis steht: »Neuerdings ausgegraben«. Sofort reifte -in mir der Plan, mit Hilfe meiner Klubgenossen dieses Kreuz zu heben. -Ich ging persönlich zu Herrn ~Dr.~ Kuhfahl, um ihn von meinem Vorhaben -in Kenntnis zu setzen. Wie er mir erklärte, hatte sich seiner Zeit -trotz eifrigen Bemühens niemand dazu bereit gefunden, dieses Kreuz zu -heben, und später infolge des Krieges ist wohl alles in Vergessenheit -geraten. -- Auch meine Klubgenossen, die ja fast alle Heimatschützler -sind, brachten dieser Sache reges Interesse entgegen und so wurde für -_Sonntag_, den _4. Juli 1920_, eine Wanderung dorthin festgesetzt. Die -Genehmigung des Gemeindevorstandes, auf dem betreffenden Grundstücke -graben zu dürfen, hatte ich mir vorher schriftlich eingeholt. Um -unnötige Belastung auf dem Marsche zu vermeiden, bat ich gleichzeitig -um Bereitstellung des benötigten Gerätes. In entgegenkommendster Weise -erhielten wir alles Gewünschte. - -Am genannten Sonntagmorgen hatten sich sechs Teilnehmer zu dieser -Wanderung beziehungsweise zur Hebung des Steinkreuzes am Treffpunkt -eingefunden. Darunter auch ein Maurer, der sich noch das nötige -eigene Handwerkzeug mitgebracht hatte. Ein kleiner Sack Zement -- -von einem der Teilnehmer zu diesem Zweck gestiftet -- mußte auch -hinausgebracht werden. Er verschwand im Rucksack eines jungen Mannes, -der ihn schweißtriefend an Ort und Stelle brachte. Bei herrlichem, -sehr warmem Wetter ging die Wanderung von Reick über Lockwitz, Luga, -Wölkau, Bosewitz nach Gorknitz. Strahlend blau wölbte sich der Himmel -über den im Sonnenglanze reifenden Fluren. Wogende Getreide- und -blühende Kartoffelfelder, die den bunten Kleeflächen an Schönheit nicht -nachstanden, wechselten in buntem Mosaik. In den Wipfeln der Obstbäume -da klingelten und piepsten die Meisen, da schlug der Fink und lockte -die Goldammer und hoch über uns schmetterte die Lerche ihr Loblied. -- -So kamen wir, immer auf bunten Feld- und Wiesenwegen wandernd, unserm -Ziele näher. Aber im Süden türmte sichs dunkelblau auf. Immer näher -rollte der Donner, und noch ehe wir im Dorfe anlangten, öffneten sich -die Schleusen des Himmels. Zum Glück war das erste Haus der Gasthof, wo -wir hinein flüchteten. - -Eineinhalb Stunden hat uns das Gewitter hier festgehalten, endlich -gegen einhalb elf Uhr hört der Regen auf. Nun aber ans Werk! -Zunächst zum Gemeindevorstand, um die erbetenen Geräte zu holen. -Sehr freundlich wurden wir empfangen, alles Gewünschte stand schon -bereit. Bei dieser Gelegenheit legte ich ihm eine Urkunde, die -gleichfalls ein Heimatschützler geschickt und originell angefertigt -hatte und welche nach der Hebung mit niedergelegt werden sollte, zur -Unterschrift vor. Dieselbe soll bei einer eventuellen Veränderung an -dieser Stelle beziehungsweise bei einer späteren Auffindung Aufschluß -geben, wann, von wem und warum dieses Kreuz gehoben worden ist. In -entgegenkommendster Weise versah der Gemeindevorstand das Dokument -mit Siegel und Unterschrift, wie er überhaupt unserer Sache lebhaftes -Interesse entgegenbrachte. Nachdem auch wir unsere Unterschriften -geleistet hatten, zogen wir, jeder mit Rucksack und einem Gerät -bewaffnet -- einem Trupp Auswanderer gleich -- hinaus zur Stelle, wo -das alte Steinkreuz steht. Kopfschüttelnd sahen uns verschiedene -Dorfbewohner, die nicht wußten, um was es sich hier handelte, nach: -»Was mögen die wohl vorhaben?« - -[Illustration: Abb. 1 =Steinkreuz in Gorknitz= (früherer Zustand) - -(Phot. ~Dr.~ _Kuhfahl_, Dresden)] - -Dort angekommen, wurde das alte Steinkreuz, da es einige von uns -noch nicht kannten, auf seine Form, Gesteinsart, Größe, Schwere -und Inschriften oder Bildzeichen hin genau untersucht. In seiner -unregelmäßigen Anordnung ähnelt es einem Balkenkreuz am meisten, doch -läßt sich durch verschiedene abgestoßene Kanten, die verhältnismäßig -kleinen und ungleichen Seitenarme im Vergleich zu dem viel stärkeren -Oberteil, viele Vertiefungen, Risse und Furchen, schwer erkennen, ob -es in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, oder ob der -Zahn der Zeit daran genagt hat. Obwohl von eisenhartem Sandstein, -wird dieses Kreuz, besonders die Seitenarme, infolge seiner Lage am -Feldwege durch passierende Fuhrwerke Beschädigungen erlitten haben. -Seine übrigen Form- und Größenverhältnisse sind ja genau zu ersehen -aus dem Werke von ~Dr.~ Kuhfahl, in welchem auch ein sehr schönes Bild -wiedergegeben ist. Wir hielten es daher für zwecklos, eine Aufnahme -des Kreuzes in seinem Urzustande zu machen. Sein Gewicht schätzten -wir, so wie es vor uns stand, auf zirka sechs bis acht Zentner, hatten -uns aber, wie wir uns später nach der völligen Ausgrabung überzeugen -konnten, arg getäuscht. Inschriften oder sonstige Schriftzeichen -waren nicht festzustellen. Auch läßt sich ein richtiges Bild einer -eingemeißelten Zeichnung trotz vorhandener Striche und Einkerbungen -sehr schwer herausfinden. - -Nun ging es ans Ausgraben. In ziegelgroßen Stücken wurde erst die -Rasendecke ausgestochen, die nach der Hebung wieder aufgelegt werden -sollte. Als wir aber weiter schaufeln wollten, erlebten wir eine große -Enttäuschung; die dünne Rasendecke war die ganze Erdschicht, dann -stießen wir nur auf Plänergestein. Nur mit der Hacke konnte gearbeitet -werden, und es war ein sehr schwieriges Stück Arbeit, die mitunter -recht großen und festgelagerten Plänerplatten loszubekommen. Wie uns -der Gemeindevorstand von Gorknitz, der inzwischen auch hierhergekommen -war, erklärte, soll das zwischen den beiden Wegen gelegene Grundstück -in früheren Zeiten von einer starken Plänermauer umgeben gewesen -sein. Die beiden Wege aber waren seiner Zeit Hohlwege. Nun hat man -wahrscheinlich diese beiden Hohlwege zuschütten beziehungsweise höher -legen wollen, weshalb man die alte Plänermauer einfach in den Hohlweg -hinabgedrückt hat. Das alte Kreuz aber, das vermutlich einer Zeit schon -auf beziehungsweise zum Teil in der Mauer eingemauert hier gestanden -hat, ist stehen geblieben. Wie wäre es sonst möglich, daß dasselbe -fast bis zu den Seitenarmen fest eingesenkt nur zwischen größeren und -kleineren Plänerplatten sitzt? - -Platte um Platte wurde losgewuchtet und langsam, aber sicher kamen wir -tiefer. Wenn wir anfangs glaubten, das Kreuz säße so zirka dreißig -bis vierzig Zentimeter in der Erde, so hatten wir uns auch hier -gehörig getäuscht. Als wir einen halben Meter tief gehackt hatten, -ließ sich dieser Koloß auch noch nicht einen Zentimeter bewegen, trotz -aller Kraftanstrengung, die wir dabei aufwendeten. Es wurde weiter -gehackt -- bei dreiviertel Meter dasselbe Resultat. Das Kreuz saß in -seinem Plänerfundament wie angewachsen. Jeder mußte mal mit der Hacke -antreten; wir waren alle wie in Schweiß gebadet. Jetzt versuchten wir -es auf eine andere Art. Unter den beiden Seitenarmen wurde je ein -starker Hebebaum untergeschoben. Alle Beteiligten -- selbst meine Frau -und der Gemeindevorstand nebst Sohn stellten ihre Kräfte zur Verfügung --- verteilten sich nach Größe und Stärke auf die beiden Seiten und -hingen sich an das in die Höhe ragende Ende. Unter Kommando wurden -die Hebebäume gleichmäßig niedergezogen und das Kreuz Zentimeter um -Zentimeter in die Höhe gewuchtet. Auf diese Weise holten wir das Kreuz -noch zirka fünfundzwanzig Zentimeter aus der Erde und sparten uns -dadurch das letzte und schwerste Stück Hackarbeit. Jetzt erst bekamen -wir einen rechten Begriff, wie tief das Kreuz in der Erde stak (einen -Meter) und wie schwer dieser Koloß war. - -Nun galt es das Kreuz zu heben und in seine richtige Lage zu bringen. -Infolge seines riesigen Gewichts -- wir schätzten es auf zirka zehn -bis zwölf Zentner -- war das nur mit Hilfe der Hebebäume möglich. Wir -verfuhren wie vorher. Ruckweise brachten wir es höher und immer schob -der in der Grube stehende Maurer Platte um Platte unter und baute somit -gleichzeitig das neue Fundament auf. Mit größter Mühe hatten wir das -Kreuz neunzig Zentimeter gehoben, dann brachten wir es wieder in die -alte Stellung. Die Grube wurde wieder zugeschüttet beziehungsweise -zugebaut, denn die vielen Plänerplatten mußten sachgemäße Verwendung -finden, um alle untergebracht zu werden. Außerdem mußten, um den Raum -auszufüllen, den vorher das Kreuz eingenommen hatte, eine Menge größere -und kleinere Steine aus der Umgebung zusammengetragen werden. - -[Illustration: Abb. 2 =Steinkreuz in Gorknitz= (jetziger Zustand) - -(Phot. _Georg Perlik_, Dresden)] - -Es gab viel zu tun. Jeder bekam seine Arbeit zugeteilt. Ich freute -mich, wie uneigennützig hier jeder Beteiligte an dem großen Werke -Heimatschutz mit arbeiten half. Während der Gemeindevorstand den -»Polier« abgab, trugen dessen Sohn und meine Frau die nötigen Steine -herbei. Ein andrer von uns mußte ins Dorf gehen und zwei Eimer Wasser -holen, um den zur Verwendung kommenden Zement einrühren zu können. -Dazu wurde auch noch Sand gebraucht. Solchen in dieser lehmigen Gegend -aufzutreiben, war nicht so einfach. Diese Arbeit hatte ich mit noch -einem Klubgenossen zu erledigen. Nach langem Suchen fanden wir endlich -in der Spielgrube im Hofe des Bäckermeisters vorschriftsmäßigen Sand. -Als wir den Bäckermeister darum baten, zwei »Pioniersäcke« voll -mitnehmen zu dürfen, war es ihm nicht recht verständlich, was wir wohl -damit anfangen wollten. Er stellte diese und jene Frage und als ich -ihn über den Sachverhalt näher aufklärte, zeigte er langsam Interesse -dafür. Ja, ich konnte nicht umhin, ihm einen kurzen Vortrag zu halten -über die Steinkreuze in Sachsen und ihre Bedeutung. Als wir mit unserer -Beute abzogen, sah er uns mit einem breiten Lächeln kopfschüttelnd nach. - -Unterdessen hatten die anderen die Grube bis dorthin, wo gemauert -werden sollte, wieder zugeschüttet; die größten und stärksten Platten -hatte sich unser Maurer bis zuletzt aufgehoben. Mit reichlich Zement -wurden diese oben aufgesetzt. Hierbei wurde ein kleiner Hohlraum -an der Nordseite des Kreuzes ausgespart, der zur Aufnahme der -versiegelten Glasflasche bestimmt war, welche die anfangs erwähnte -Urkunde mit etwas Kriegsgeld und zirka zwanzig verschiedenen -Briefmarken als Zeitbeweise enthielt. Vier große Plänerplatten, welche -den Oberteil der Grube völlig ausfüllen und scharf an das Kreuz -angemauert wurden, bildeten den Abschluß. Diese geben dem Kreuz einen -ganz bedeutenden Halt, denn, da uns daran lag, so viel als möglich von -dem unteren Teile zu gewinnen, haben wir es nur zirka fünfundzwanzig -bis dreißig Zentimeter in der Erde gelassen. Dadurch aber, daß unser -Maurer den in der Erde sitzenden Teil und alle darumliegenden Steine -und Platten sorgfältig und reichlich mit Zement eingebaut hat, nehmen -wir an, dem wuchtigen Kreuze doch genug Halt gegeben zu haben. Eine -schwache Erdschicht und die ausgestochenen Rasenstücke verdecken die -aufgemauerten Steine. Um es nun recht schön zu machen, ging ich dem -gehobenen Kreuze -- mit Wassereimer und Wurzelbürste bewaffnet -- zu -Leibe, um den in den Vertiefungen sitzenden roten Lehm zu entfernen. -Dadurch aber hob sich der untere Teil des Kreuzes durch sein neues -Aussehen vom alten verwitterten Oberteil ab, was allerdings in anderer -Form auch schon vorher der Fall war. Diesem Übelstand half unser Maurer -dadurch ab, daß er jetzt mit Faustpinsel und Zementwasser auftrat -und dem noch rötlich schimmernden unteren Teile einen dunkleren, dem -Oberteil ähnlicheren, grauen Anstrich gab. Er stellte meine Arbeit als -völlig wirkungslos hin. Mit dem nötigen Humor und mit übertriebener -Peinlichkeit führte er diese letzte Arbeit aus. -- Wir freuten uns -nun alle, als das fertige, gehobene, alte Steinkreuz in seiner vollen -Größe vor uns stand. Wir haben uns viel Arbeit damit gemacht und es hat -manchen Tropfen Schweiß gekostet, aber wir hatten auch viel Spaß dabei. - -Unser Maurer, der -- nebenbei bemerkt -- auch schön photographieren -kann, machte nun noch eine Aufnahme, welche ich beigefügt habe. Sie -zeigt im Vergleich zu derjenigen des Herrn ~Dr.~ Kuhfahl, um wieviel -wir das Kreuz herausgeholt haben. - -Mit dem Bewußtsein, ein praktisches Stück Heimatschutzarbeit -geleistet zu haben, und in der frohen Hoffnung, daß dies bei anderen -Heimatschützlern in verwandten Vereinen recht bald und oft Nachahmung -finden möge, machten wir uns auf den Heimweg. Denn nicht nur allein -durch die Mitgliedschaft wird der Heimatschutz gefördert und alles -Schöne, Althergebrachte und Vorgeschichtliche auch der Nachwelt -erhalten und überliefert, sondern selbst mit Hand anlegen, beobachten -und schützen: das ist Heimatschutz und tut überall dringend not! - - _Richard Köhler_, - Berichterstatter des Touristen-Vereins »Torwalder« - -_Anmerkung der Schriftleitung_: Von der hier geschilderten schönen -Tat hörten wir erst durch diesen Bericht. Herrn Köhler und seinen -Mitarbeitern heißen Dank. Wer in ähnlicher Weise praktisch uns -mithelfen will, melde sich bitte bei uns. - - - - -Vom Heimatgefühl - -Von _Hanns Martin Elster_ - - -Vor gar nicht langer Zeit fuhr ich auf einer pommerschen Kleinbahn, die -mich bei ihrer Schmalspurigkeit und der Leichtigkeit der Miniaturwagen -ordentlich durchschüttelte, so daß ich innerlich schimpfte. Ich merkte -bald, daß der einzige Mitreisende in meinem Abteil das auch tat, -ich hatte ihn schon von Anfang der Reise an beobachtet und darüber -nachgegrübelt, was dieser Amerikaner, denn das war er nach der Art -seiner Kleidung und seines Benehmens, wohl auf der Kleinbahn in diesem -Winkel Hinterpommerns zu suchen hatte, ein »busineß« war doch in -dieser Gegend nicht zu machen, zu einer Jagd schien er auch nicht zu -reisen, denn er hatte weder die notwendigen Schießprügel unter seinem -Gepäck, noch war er entsprechend gekleidet. Als uns der ratternde -Wagen an einer Kurve fast gleichzeitig in die Arme schleuderte, -war die Anknüpfung zu einem Gespräch gefunden, und der Amerikaner -gestand mir bald, daß er seinem Heimatdorfe entgegenfahre, nach mehr -als dreißigjähriger Abwesenheit und Arbeit im neuen Weltteil. Dort -habe es ihm die ganzen letzten Jahre keine Ruhe mehr gelassen, er sei -unbefriedigt an seiner Umgebung wie Tätigkeit geworden, unter seine -nüchternsten Gedanken und Berechnungen hätten sich Erinnerungen aus -seiner Jugend gemischt, und seine Phantasie hätte unaufhörlich Bilder -längst bedeutungsloser Stätten in ihm wachgerufen. Er hätte nicht mehr -bleiben können, _die Sehnsucht nach dem Orte seiner Jugend_, nach dem -Dorfe, wo seine Eltern und Vorfahren gelebt hätten, sei so stark in ihm -gewesen, nachdem er schon jahrelang geglaubt hätte, sie wäre tot, daß -die Arbeit seiner letzten Jahre als Ziel nur immer seine Reise in die -Heimat lohnend, befriedigend gemacht hätte. Und nun nähere er sich dem -Heimatort, jetzt wache in ihm ein großes Glücksgefühl auf. Frieden und -Ruhe breite sich in ihm aus, er sei jetzt zu Hause, in Sicherheit, er -sei wieder da, wo er hingehöre ... - -Dieser Amerikaner -- wir wissen es alle -- steht nicht allein da, er -ist typisch für alle Ausgewanderten, in die Ferne Verpflanzten, daß sie -sich nach Hause sehnen, wenn das Alter naht; ebenso typisch, wie das -Gefühl der Ferne, das die überfällt, die immer in der Heimat leben, und -das diese fest mit dem Boden Verwachsenen hinaustreibt in eine neue, -fremde Umgebung. Aber waren sie einige Wochen auf Reisen, so erwacht -auch in ihnen das Heimweh, auch in ihnen der Widerwille an allem -Fremden, Neuen, und das Altgewohnte, von jeher Besessene, erscheint -schöner, reicher und auch wertvoller. - -Und es ist auch das Wertvollste, was der Mensch hier auf Erden hat: die -Heimat. Das ist ja wohl das Beklagenswerteste, was es gibt, heimatlos -zu sein oder zu werden. _Seit Urzeiten gilt die Verbannung aus der -Heimat für eine der größten Strafen, die den Menschen treffen können._ -Das _Heimatgefühl_ gehört zu denselben Regungen, wie die Sehnsucht nach -Religion. Hier ist es das Jenseits, das uns ruft, dort die Erde, nicht -als Materie, sondern als unser Erlebnis. Wir sind nicht zu trennen -von dem Fleck, auf dem wir geboren und erzogen werden, und haben wir -die ersten zwanzig Jahre an einem Orte verbracht, so werden wir die -übrigen fünfzig Jahre unseres Daseins die Merkmale dieses Ortes nicht -verlieren. Immer inniger kehren wir dorthin zurück, von wo wir einst -auf das Meer des Lebens mit tausend Masten ausfuhren. Wir kehren zurück -mit einem Wrack, aber dies Wrack ist stets fähig, noch das zu tragen, -was wir uns selbständig erwarben, was wir erlebten. - -Welche Sühne wußte Gott, um den Brudermörder zu strafen? Keine andere -als diese: »Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.« Kain, der -erste Heimatlose aber antwortete: »Zu groß ist meine Strafe, um sie -zu ertragen.« Und wer ein Mensch ist, der erträgt auch diese Strafe -nicht, es sind übermenschliche Kräfte, die zur Besiegung der Unruhe -des Heimatlosen erforderlich sind, oder es sind _Gefühlsbarbaren_, -die sich über solch eine Verbannung hinwegsetzen, wo sich aber noch -ein menschliches Gefühl regt, und sei es das abschreckendste, sei -es Gemeinheit, Bosheit, Tyrannei, das Heimatgefühl herrscht auch in -solchen Seelen. _Und das Heimatgefühl muß auch in jedem herrschen, -denn es ist uns ein Instinkt geworden_, allerdings nicht mehr jener -materialistische Instinkt, der beim Tiere waltet, das nach dem Spruche: -»~Ubi bene, ibi patria~« handelt, sondern _jener seelische, geistige -Trieb_, den die Einheit der Umgebung und unseres körperlichen wie -intellektuellen Daseins in uns wachruft. Es ist fast unmöglich, das -Heimatgefühl begrifflich zu definieren, logisch, verstandesmäßig -zu umgrenzen, festzulegen, es ist ebenso schweifend und machtvoll -wie das Lebensgefühl in uns; wird doch dieses oft gestört, wenn das -Heimweh an uns nagt. Wir haben auch nicht nötig, uns eine klare -Vernunftvorstellung von dem Heimatgefühl zu machen, weil wir alle -es in uns tragen, wir alle es kennen, weil es in uns lebt, ohne daß -wir Macht hätten, es zu beherrschen. Wir können in der herrlichsten -Landschaft bei dem schönsten Wetter unter den liebenswertesten und -uns nächsten Menschen, bei vollkommenster Sorgenfreiheit sitzen, es -wird uns doch plötzlich eigen zumute, wenn jemand fragt, wie es jetzt -daheim ausschauen mag, oder wenn plötzlich eine Erinnerung an uns -vorüberzieht, auch ohne daß sie laut wird. Oder wir können uns fremd -unter fremden Menschen fühlen; spricht aber dann jemand von unserer -Heimat, sogleich wird uns wohl und glücklich zumute, sogleich fühlen -wir uns zuhause. - -Das Heimatgefühl ist wie die poetische Seite des Lebensgefühls: alle -die Worte wie daheim, zu Hause, heimatlich, heimselig, heimlich u. a. -m. haben einen poetischen Schimmer an sich, der auf uns zurückstrahlt, -unser Leben verschönt. Von _Ovid_ bis Viktor _Hugo_, von _Homer_ bis zu -dem modernen _Strindberg_, alle wußten, was der leidet, der ferne der -Heimat ist. Wer erinnert sich nicht der Klagen des Odysseus, wer nicht -aller der Männer in der Bibel, die die Heimat zu schauen begehrten? Wer -fragt sich nicht bei jeder Wiederkehr der Störche, der Schwalben, der -Stare, weshalb sie die weite, beschwerliche und gefährliche Reise aus -dem Süden wagen, wo sie es doch dort um so viel leichter, besser haben? -Es ist immer wieder jener göttliche Drang, der dunkel ist, aber groß -und schön, lebenskräftigend. - -Nicht das ist das Wesentliche des Heimatgefühles, was wir empfinden, -wenn wir einem Fremden unsere Heimat zeigen, sei sie auch noch so -armselig und schlicht, sei sie auch noch so bar jeder äußeren Vorzüge, -sondern _eben jenes Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem Boden und -jene tiefe Sehnsucht_. Wie leer und schal erscheint uns das Leben, -sind wir gezwungen, es in fremden Diensten, unter fremden Menschen, -auf fremden Boden zu verbringen. Für unsere Heimat und in ihr sind wir -mutig, stark und sicher, tun wir alles. Die eigentlichen Volkskriege, -wie die Befreiungskriege, sind Kämpfe um das Heimatgefühl, man will -nicht mehr Fremdling sein in seinem Vaterland. Am unlöslichsten ist der -Bauer mit seiner Heimat verbunden: hat er auch einmal jene Sehnsucht -nach der Ferne, sie wird schnell befriedigt sein, denn ihm geht nichts -über seine Scholle. - -Und mit Recht! Man kann nichts mehr beklagen, als daß die moderne -Entwicklung mit ihren Idealen der Freizügigkeit und des Freihandels die -Macht des Heimatgefühls brechen zu wollen scheint. _Reißt dem Menschen -die Heimat aus dem Leben, so dünkt es ihn nicht mehr begehrenswert!_ -Bodenständigkeit ist nicht nur die Grundlage aller Kultur, sondern auch -die aller Lebensmöglichkeit. Allein auf unserer Scholle, in unserer -Heimat kommen wir zum Bewußtsein unserer selbst, unserer seelischen -Kräfte, zur Erkenntnis des Göttlichen, das im Menschen ruht. Freilich -ist damit nicht gesagt, daß man sich nie aus seiner Heimat entfernen -solle. Das wäre eine falsche Schlußfolgerung, im Gegenteil, die Ferne, -die Fremde lehrt uns erst die Heimat lieben, und man kann nur jedem -jungen Manne wünschen, daß er sich den Wind ein paar Jahre lang draußen -in der Welt um die Nase wehen lasse, das weitet den Blick, stärkt das -Nationalgefühl, um so lieber verbringt er dann sein Leben in der Heimat. - -Man kann sich aber auch freuen über unsere Zeit, denn sie hat den Wert -des Heimatgefühls auch ganz erkannt, und nicht nur das, sondern sie -handelt auch danach: Mächtiger denn je klingt das Wort Heimat in den -deutschen Landen, unser Leben hat wieder nationalen Boden gefaßt, wir -schweben nicht mehr in der Luft, materialistischen Idealen nachjagend, -sondern wir sind wieder Wirklichkeit kennende Idealisten. Unsere Kunst -steht nach wie vor unter dem Zeichen der Heimat, freilich muß die -hohe höchste Kunst, wie sie sich im »Faust«, in Wagners Musikdramen, -in Beethovens Werken offenbart, sich in einer gewissen Distanz über -das rein Heimatliche erheben, damit ist sie aber nicht um irgendeinen -Punkt weniger deutsche, denn wer anders als Deutsche hätten einen -»Faust«, die »Neunte Sinfonie«, einen »Tristan und Isolde«, schaffen -können? Hier sieht man, wie das Nationale als Nationales -- denn das -bleibt es und muß es bleiben -- zum Internationalen wird, nicht zu -jenem heimatlosen Kosmopolitismus, den manche einem Goethe anhängen -wollen, sondern zu jener Herrschaft über die Welt durch die Kunst, -wie wir sie auch im Shakespeare verehren. Und nur die Kunst kann -international werden, die national ist, das sollte man nie vergessen, -es liegt klar zutage. Aber nicht nur in der Kunst denken wir wieder -national, auch unser politisches, konfessionelles, wirtschaftliches -und wissenschaftliches Leben rückt mehr und mehr dem Gesichtspunkte -zu, nicht, daß es dadurch seine Richtung tendenziös verschieben ließe, -sondern es bleibt ehrlich auf der klar erkannten Bahn, dabei sich aber -bewußt der Quelle, aus der die Kraft fließt, mit deren Hilfe wir die -Bahn abschreiten, _das ist das Heimatgefühl_! - - - - -Die Zschemelschka - -Von ~Dr.~ _H. Stübler_, Bautzen - - -Die Zschemelschka? Wer ist das? Ist es eine wendische Dorfschöne? -Ja, wenn sie der geneigte Leser besuchen will, muß er von Bautzen -aus in die nördliche Teichgegend ziehen. Er kann sie in fünf -Viertelstunden erreichen, wenn er an einem schönen Frühlingsnachmittag -die Muskauer Straße hinauswandert und hinter Burk nach Doberschütz -zu abbiegt. Besonders schön wird sie ihm erscheinen, wenn rosenroter -Abendsonnenschein sie umleuchtet. Dann wird sie sich offenbaren als -eine verborgene kleine _Natur_schönheit: die Zschemelschka ist nämlich -ein letzter Rest eines aus dem Granit herausgewitterten Quarzriffes. -Das deutet auch ihr _Name_ an: denn darin steckt das wendische Wort -für Quarz = křem. Wie beispielsweise aus dem niederdeutschen krischan -= Christian über Kschischan schließlich der in der Lausitz häufige -Familienname Zschieschan geworden ist, so hat sich jener Stamm křem im -Munde der Umwohner zu Zschem-elska, Zschem-elschka verwandelt. - -Da die weißen Felsen, die leider schon zur Hälfte abgebaut sind -und als harter Klarschlag im Schotter der benachbarten Straßen und -Fahrwege begraben liegen, weithin leuchten, ist es nicht allzu schwer, -sich auf Feldwegen und Rainen zur Zschemelschka heranzupirschen. Dem -Landmann liegt sie höchst unbequem mitten in Feldgebreiten, und ich -glaube wohl, daß er nichts dawider haben würde, wenn sie eines Tages -völlig zersprengt und abgebaut würde, wenn das unfruchtbare Riff so -verschwände, die Grube aufgefüllt würde und der Pflug darüber hinziehen -könnte. - -[Illustration: =Die Zschemelschka bei Niedergurig, Bezirk Bautzen= - -(Phot. _Rich. Huth_, Bautzen)] - -Dem Naturfreund und dem Forscher aber wird »der Stein des Anstoßes« -zu einem _Naturdenkmal_. In der Richtung ~NW~--~SO~ erstreckt sich -das weiße Quarzriff, etwa fünf Meter am Grunde breit, fünfundzwanzig -Schritte lang, und der bereits abgebaute westliche Teil war -etwa ebenso lang. Aus der Sprenggrube wuchern Salweide, Hasel, -Hirschholunder, Weißdorn, Wildkirsche, Eberesche; am östlichen Ende -treibt eine erst im Kriege gefällte Eiche neue Stockausschläge; den -Fuß der Quarzmauer schmücken im Sommer allerhand Stauden und Gräser, -Brombeerranken und Himbeerruten, Rumex, Johanniskraut, Fetthenne, -Weidenröschen, Wollkraut, Steinnelken, Besenstrauch. Aber selbst in -die schutterfüllten Längsrisse drang der Pflanzenwuchs ein, ja der -harte, lebensfeindliche, »nackte« Fels mit seinen wohl durch Mangan- -und Eisenbeimischung rötlichfleischfarbenen und violetten Adern ist -mit schwärzlichen Schrift- und grünlichen Schüsselflechten getüpfelt, -hie und da schon von einem Mooskissen besetzt worden. Die höchsten -Teile werden gerne von Raubvögeln als Auslug und Kröpfstellen -benutzt; in den Rissen spannen Spinnen ihre Fangnetze und Brutwiegen; -Kaninchenhöhlen und allerhand Tierlosung verraten besonders an der -windgeschützten, sonnenbeschienenen Südseite auch andere Liebhaber der -Zschemelschka. - -Den _Naturfreund_ wird der _Aus-_ und _Umblick_ erfreuen. In der -Längsrichtung des Riffes schaut er über das in der Teichaue der -Spree gelegene Doberschütz und Niedergurig nach ~NW~ hin bis zur -spitztürmigen Kirche von Quatitz; nach ~SO~ über den Bytschin bei -Breitendorf zum Doppelgipfel des Löbauer Berges und zum Rotstein -bei Sohland. Nach ~N~ haftet der Blick an den kleinen Gehölzen der -nächsten Granitkuppen, z. B. an dem Teufelsstein bei Pließkowitz mit -seinen hünengrabähnlichen Gipfelklippen im Zwergwalde grüner, später -gelbblühender »Ginster«büsche, am Windmühlenberge bei Gleina, an den -Essen des Braunkohlenwerkes von Kleinsaubernitz. Am lohnendsten aber -ist der Südausguck: erst bauen sich mit dunklem Nadelwald, aus dem im -Frühjahr helleres Laubgrün aufleuchtet, die rundlichen Granitkuppen -der Kreckwitzer Höhen auf: Krähen-, Linden-, Mittel- und Birkberg; -dahinter aber staffeln sich wunderschön fernblau die nicht abgesunkenen -Basteien des Granitberglandes vom Hochstein bis zum Klosterberge: das -türmereiche Bautzen liegt malerisch dazwischen. - -Dem _Forscher_ erzählt die Zschemelschka mehr -- er erinnert sich -des »Pfahls« im Bayrischen Wald, der hundertdreißig Kilometer lang -von Amberg bis Passau in einem ähnlichen Granitgebiete schnurgerade -dahinzieht und oft auch ähnliche Mauern und Riffe bildet, wie hier die -Zschemelschka eins ist. Und wenn er die geologischen Karten zu Rate -zieht, so erkennt er bald, daß sie auch nur ein »hervorragender« Teil -eines »_Lausitzer Pfahls_« ist, der sich von Maltitz bei Weißenberg bis -Schmerlitz westlich Königswartha über fünfunddreißig Kilometer weit -verfolgen läßt. Quarz ist hart; der umgebende Granit verwitterte eher -und rascher, so blieb das Riff erhaben in der Landschaft stehen und -bildete ragende weißliche Mauern. Bei _Belgern_[2] im ~SO~ errichteten -auf einem an hundert Meter breiten Stück dieses Quarzganges, von dessen -ragender Höhe man einen weiten Umblick hat, schon die Urbewohner -unserer Lausitz eine _Ringwallwohnstätte_. Aber dort ist die Quarzmauer -schon gewaltig abgebaut. - - [2] Bel-gern, vergl. Belgrad = Weißenburg, wegen der _weißen_ - Farbe des Quarzgangs. - -Die _schnurgerade Richtung_ des langen Quarzganges, der übrigens im -Granitlande südwärts zahlreiche größere und kleinere, meist ähnlich -verlaufende, aber oft nur noch an Lesesteinen erkennbare Brüder hat, -bezeugt uns, daß wir hier an der Grenzscheide zweier gegeneinander -abgesunkener oder verschobener Granitschollen stehen, deren Abrißfuge -durch nachdrängende kieselsäurereiche Lösungen aus der Tiefe -ausgekittet wurde, wie ja in Augustusbad bei Radeberg noch heute an -die Quarzgänge Mineralquellen gebunden sind. Sonst haben sich in -solchen Spaltenfüllungen oft auch _Erze_ mit ausgeschieden, aber unsere -Lausitzer Gänge sind meistens »taub« -- auch die Zschemelschka. Aber -indem nun das harte Quarzfüllsel der Spalte durch die jahrtausendelange -Verwitterung zum ragenden Riff aus der Umgebung sich heraushob, indem -es den darüber hingleitenden Eismassen Trotz bot, die die Kuppen der -Kreckwitzer Höhen zu »Rundhöckern« abschliffen, ist die Zschemelschka -ein »beredter« Zeuge erdgeschichtlichen Werdens auf Lausitzer Boden -geworden, wert, erhalten und geschützt zu werden, ehe sie das Schicksal -der »Steinklunse« im Cunewalder Tal trifft; denn die ist längst -zersprengt und zerschlagen. Wer mehr davon zu lesen wünscht, der möge -den letzten Dreijahrsbericht der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft -Isis in Bautzen (1916--1918) nachschlagen, der noch mancherlei anderes -Neues aus der Natur der Heimat enthüllt. - -Die Besitzer des Grundstücks, Gemeindevorstand Zieschang und -Gutsbesitzer Kunath in Doberschütz, haben die Erhaltung des -Naturdenkmals in dankenswerter Weise dem Landesverein Sächsischer -Heimatschutz zugesichert. Eine von diesem angebrachte Tafel macht den -Wanderer auf die Felsen aufmerksam und mahnt zu ihrem Schutze. - - - - -Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde die Alleen und die -hervorragenden Bäume - -Von _A. Klengel_, Meißen - - -»Dem teutschen Menschen müssen nirgends Bäume fehlen!« schrieb -Ernst Moritz Arndt, der gründliche Kenner echten deutschen Wesens -zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Und wahrlich, dieser urdeutsche -Mann hat recht mit seinen schlichten Worten. Die deutsche Landschaft -ist ohne das belebende Grün von Baum und Strauch, ohne den ernsten -Waldhintergrund nicht denkbar und im Herzen des echten Deutschen, der -sich die Gemütstiefe bewahrt hat im Strome der Zeit, klingt, einer ewig -ungestillten Sehnsucht gleich, das Verlangen nach dem grünenden Baum -und Strauch, die festverankert sind im Schoße der heiligen Mutter Erde, -die Zeugnis geben von der urwüchsigen Naturkraft, die aus der Scholle -quillt, den Baum zu beleben, mit frischem Grün und duftenden Blüten zu -schmücken und ihn zu befruchten im bunten Wechsel des Jahres. -- - -Die alten Germanen, die Urbewohner deutschen Landes, wohnten in -Wäldern. »Allenthalben starrt der Urwald« berichtet der Römer Tacitus, -der zu Anfang unserer Zeitrechnung das Land beschrieb, das wir heute -unsere Heimat nennen. Dies erklärt gar vieles im deutschen Wesen. Die -Liebe zum Walde, die Liebe zum grünen Baum lebt fort im Herzen des -Deutschen als ein teures, ein heiliges Vermächtnis aus den Urtagen -deutschen Seins, aus jener fernen Zeit, da unsere Väter noch in den -Wäldern lebten, sich geborgen fühlten unter der Krone des Baumes, die -über ihnen rauschte, im Haine zu ihren Göttern beteten und Baum und -Strauch mit Gottheiten beseelten. - -Durch Jahrtausende hat der Deutsche Bäume und Sträucher um sich gehegt; -er hat festgehalten an dem uralten Brauch, den ihm die Väter vererbten. -Als Frevel, als fluchwürdiges Verbrechen galt das mutwillige Fällen -eines Baumes. - -Betrachten wir alte Bilder deutscher Landschaften und Siedlungen! -Niemals werden wir Bäume und Sträucher darauf vergeblich suchen. Die -Linde auf dem Dorfplatze ist geradezu ein Wahrzeichen des deutschen -Landes geworden; unter ihr wurde nach altem Brauche Recht gesprochen, -unter ihr sammelten sich die Glieder der Gemeinde zu ernsten -Beratungen, unter ihr tummelte sich die Jugend und feierte ihre -fröhlichen Feste mit Spiel und Tanz. - -Die Landstraßen waren in alter Zeit ihrer ganzen Ausdehnung nach von -Hecken, Feldgehölzen und auch Einzelbäumen umgeben. Man schonte und -hegte die Baumbestände sorglich; boten sie doch den Wanderern und den -Zugtieren, die einst mehr als heute die Landstraßen belebten, kühlenden -Schatten in der Sonnenglut. - -Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild! Die fortschreitende -Urbarmachung des Landes, die Notwendigkeit, den Boden mehr auszunutzen, -zwangen zum Fällen der Feldgehölze, die einst die Landstraße umsäumten. -An ihre Stelle traten die regelmäßigen Straßenanpflanzungen, die -Baumreihen oder Alleen. Sie sollten nach wie vor dem Wanderer und -dem Zugtier Schatten spenden. Daneben dienten sie wohl auch zur -Abschrankung des Weges gegen Dämme und Abhänge und in Gebirgslagen -mit starkem Schneefall zur Kennzeichnung des Straßenzuges im -verwehten und verschneiten Gelände. Es entstanden die prächtigen -Ebereschenpflanzungen in unserm Erzgebirge, die zur Blütezeit Zimtdüfte -ausatmen, im Herbst mit ihren korallenroten Beeren die Landschaft -schmücken und den Vögeln Futter bieten. Die herrlichen Linden-, Ahorn- -und Eschenalleen wurden angelegt, die viele unserer Städte an der -Stelle alter Befestigungsanlagen malerisch umsäumen und der Landstraße -auf weite Strecken das Geleite geben. Wer kennt nicht diese alten -Bäume, in deren Kronen die Vögel singen und ihre Brut hegen, in deren -Schatten der junge Weltbürger seine erste Fahrt unternimmt hinein in -das Leben, und der in harter Lebensarbeit müde gewordene Greis in -kurzem Spaziergange sich seines Lebensabends freut. - -Die langen Reihen hoher Pyramidenpappeln wurden angepflanzt, die der -Landschaft so stimmungsvolle Reize verleihen. Auf dem Sandboden des -Flachlandes belebten die Birkenalleen mit ihren heiteren Farben die -strengen Linien des einförmigen Bildes. - -Größere Bedeutung gewannen die Baumpflanzungen an den Landstraßen, als -man die Felder unter Hochkultur nahm, als jede Hecke und jedes Gehölz -fallen mußte, als man die Fluren völlig in einförmige Kultursteppen -verwandelte. Die Alleen waren die einzigen Unterbrechungen in dem kahl -gewordenen Lande, der einzige Ruhepunkt des Auges, das müde geworden -war vom Umherschweifen in der jeder Abwechslung entblößten Landschaft. -Oft genug waren sie die einzige Naturschönheit des flachen Landes, das -einzige was haften blieb in der Erinnerung, und das einzige, was die -Landschaft wert machte, ein Ziel der Heimatliebe zu sein. -- - -Wer hat wohl daran gedacht, daß es je anders werden würde im deutschen -Lande! Wer hätte geglaubt, daß die Bäume von unseren Straßen, die -grünen Baumgürtel unserer Städte und Dörfer schnöder Geldgier und -Gewinnsucht zum Opfer fallen würden. Und doch ist es so! In völliger -Verkennung der geschichtlichen Entwickelung und der geschichtlich -gewordenen Bedeutung des Straßenbaumes werden heute die Straßenalleen -vielerorts zur Gewinnung von Nutzholz niedergeschlagen. Unsere Ahnen -haben die Bäume als Schmuck der Heimat gepflanzt, und wir selbst haben -sie bis in die jüngste Zeit noch geschont, gehegt und gepflegt bis sie -als morsche Ruinen in sich zusammenfielen. - -Gar plötzlich ist die Wandlung eingetreten. Deutsches Wesen ist -zuschanden geworden, das zeigt sich auch hier. Der »furchtbare Baumtod« -wandelt durchs Land und stürzt sich mit Grimm und Wut auf unsere -herrlichen Baumalleen, die kostbaren Vermächtnisse aus alter Zeit. -Wie einst im Mittelalter der »schwarze Tod«, Grauen verbreitend durch -das aufgeschreckte Land zog, daß »die Menschen reihweis’« fielen, so -ist jetzt der »große Baumwürger« in unsere Gaue gekommen und hat ein -»Sterben der Bäume« gebracht, hat in kurzen Stunden zersplittert an -den Wegrand geworfen, was Jahrhunderte zur Entwickelung und zum Aufbau -gebraucht hat. Mit wuchtigen rohen Axthieben wird rücksichtslos das -vernichtet, was das Herz unserer Väter und Großväter schon erfreute und -was auch unser Stolz und unsere Freude war. - -Ein Schrei der Entrüstung über diesen Frevel am heimatlichen -Landschaftsbilde geht durch die deutschen Gaue und jeder Deutsche, in -dessen Herzen noch ein Fünkchen Heimatliebe glimmt, noch eine Spur -von Empfinden für unsere Naturschönheiten wohnt, muß mit einstimmen -in das Wort, welches aus einer, ihrer Baumschönheiten beraubten -niederdeutschen Stadt erklingt: »Herrgott bewahre uns vor solchen -Stadtvätern, die, aus Unwissenheit oder absichtlich, die Schönheit -ihrer Heimat morden und die Ideale ihrer Gemeindeglieder mit Füßen -treten!« - -Freilich, Ideale bringen kein Bargeld ein! Aber wir ehren uns selbst, -wenn wir sie pflegen. Wir brauchen Ideale in unserer schweren Zeit, in -der die Schönheit der Heimat fast das einzige ist, was uns noch nicht -geraubt wurde. - -Und ist der Gewinn wirklich so groß, den uns der gefällte Baum bringt? --- Eine Handvoll schmieriger Papierfetzen ohne Wert und ohne Kaufkraft, -Spreu im Wirbelsturm der wirtschaftlichen Bedrängnis. Sie sind schon -längst verstreut in alle Winde, ehe die Wunde, welche die Trauer um die -verlorene Heimatschönheit in das Herz des Heimatfreundes geschlagen -hat, zu vernarben beginnt. - -Zahlreiche alte herrliche Bäume sind schon vernichtet, viele prächtige -Alleen sind der Gefühllosigkeit unserer Zeitgenossen zum Opfer -gefallen; aber noch ist es Zeit, Einkehr zu halten in uns selbst und -Umkehr auf dem betretenen Pfade der Vernichtung. Noch beginnen jetzt -zur Frühlingszeit viele herrliche Baumriesen und ausgedehnte Alleen -sich mit neuem Grün zu schmücken. Schont und schützt sie und tretet ein -für ihre Erhaltung! Wehrt euch mit flammender Entrüstung dagegen, daß -geldgierige Hände sich danach ausstrecken. Laßt euch die herrlichen, -durch ehrwürdiges Alter geweihten und geheiligten Bäume nicht rauben, -diese Zier- und Schmuckstücke der Heimat, die unersetzlich sind; -haben sie doch viele Menschenalter gebraucht, ehe sie emporwuchsen -zu der stattlichen Größe und wunderbaren Schönheit, in der sie jetzt -vor uns stehen. Unsere Väter haben sie uns vererbt als ein heiliges -Vermächtnis, wir sind verpflichtet, sie zu pflegen und zu schützen -und weiter zu vererben auf Kinder und Kindeskinder. Wenn wir sie mit -frevelnder Hand vernichten und der Gewinnsucht opfern, so gleichen wir -dem gewissenlosen Manne, der ein kostbares Erbe verschleudert. Wie ihm -seine Nachkommen fluchen, so werden einst unsere Enkel mit uns hadern, -weil wir die Schönheit der Heimat zerstörten um Augenblickserfolge -willen, weil wir ihnen das uralte Wundergut der Heimatliebe raubten. - - - - -Schlagbaum und Chausseehaus in Sachsen - -Von _E. M. Arnold_, Leipzig-Schleußig - - -Wieder spinnt die Frühlingssonne ihren hellen, verjüngenden Dunst -über Flur und Feld, und die Welt steht voller Träume und Geheimnisse. -Zauberhände schmücken der Bäume kahles Geäst mit Blatt und Blüte. -Aus der feuchtwarmen Erde quillt allmählich Halm für Halm, Blume für -Blume. Der schmuckloseste Rain wird so zum buntgewürfelten Teppich, das -Saatfeld zum leichtgewellten See. Und die Sonne steigt höher und höher. -Ihr Silbergefunkel dringt in den engsten Hof und die versteckteste -Großstadtklause lachend und lockend zugleich. Es ankert sich fest mit -gespenstisch ausgreifenden Fingern im ruhelosen Fabriksaal wie am -Tisch des Geistesarbeiters. Verstehst du seine Sprache, Großstadtkind? -Merkst du nicht, wie es dich ruft, herauszutreten aus dem Waffengeklirr -nüchternen Daseinskampfes, aus der Häuser drückenden Enge in die weite, -weite Gottesnatur? Komm und folge dem einladenden Gruße! - -[Illustration: Einnehmerhaus an der Straße Rochlitz--Mittweida - -(Federzeichnung von Regierungsbaumeister _Nicolaus_, Dresden, nach -einer Aufnahme von Frau _Carola Hartmann_, Rochlitz)] - -Sage nicht, du hättest weder Zeit noch Gelegenheit, des Frühlings -Wunderwerkstatt anzuschauen. Leben wir nicht im Zeitalter des Dampfes, -der Elektrizität, des Fahrrads und des Automobils? Und wie denn; -genügen nicht auch Schusters Rappen, hineinzuwandern in die prangende -Frühlingswelt, dem Lichte und dem Leben zu, bergauf, talab, in des -Waldes Laubgezelt, zur blumigen Quelle, zum Ufer der brandenden See? -Bleiben wir bei strammer Landstraßentugend; nehmen wir den Weg zwischen -die Beine. - -Können wir uns heute das weitverzweigte, der Erde Länder -zusammenknüpfende Verkehrsnetz hinwegdenken und uns in eine Zeit -zurückversetzen, da der Mensch nur schwer und mit großen Opfern der -engbegrenzten Heimatscholle zu entrinnen vermochte? Wohl kaum. Was -erinnert wohl noch an die alte liebe Wanderzeit mit ihren einfachen -Bedürfnissen? Etwa die steifen Postwagen, die in die einsamsten -Gegenden unseres Vaterlandes sich zurückgeflüchtet haben? Es wird -uns nicht so leicht, zu begreifen, daß noch zur Mitte des vorigen -Jahrhunderts fast der gesamte Reiseverkehr auf die Landstraßen -angewiesen war. Wir sind ein gar schnellebiges Geschlecht, das rasch -vorwärts schreitet, aber auch rasch vergißt, und es im übrigen nicht -liebt, den Blick romantischen Sinnes in längst verschollene Zeiten -zurückzuwenden. Die Blume der Erinnerung blüht nur noch abseits von -des Tages Getümmel und auch nur für den, der ihrer aufmerksamen Auges -achtet. Was kümmert uns Vergangenes? Es lebe die Gegenwart! - -Und so kommt es, daß wir den rechten Maßstab für das jeweilig -Erreichte oft nicht finden, weil wir der Wahrzeichen nicht achten, -die uns zu längst Verschwundenem und Überwundenem hinüberleiten. -Wer z. B. achtet gegenwärtig noch der wenigen vom Zahn der Zeit -verschont gebliebenen Chausseehäuser, jener freundlichen, einstöckigen -Gebäude an Sachsens Landstraßen, die heute vielfach als Bier- und -Kaffeestuben willkommenere Ruhepunkte des Reiseverkehrs darstellen -denn ehemals, als weißgrüne Schlagbäume die Straße sperrten und ein -finsterblickender Einnehmer zum Halten einlud! An einsameren Straßen -unseres Sachsenlandes, wo sie hin und wieder auch als Wohnstätten der -Straßenwärter Verwendung finden, tragen sie wesentlich zur Belebung des -Geländes bei. Hier wie dort führen sie unsere Gedanken zurück in die -gute alte Zeit, da der Großvater die Großmutter nahm und während der -Hochzeitsreise sich und seine Eheliebste von zwei zu zwei Wegstunden -immer von neuem wieder aus dem Bannkreise des Schlagbaumes und seines -Wärters lösen mußte. - -Die alten Chausseehäuser unserer engeren Heimat verkörpern ein Stück -Kulturgeschichte, nicht so sehr wegen ihrer einstigen fiskalischen -Bedeutung als wegen der Art des Lebens und Treibens, das sich in -ihnen abspielte. Sie waren die Pflegstätten echten altsächsischen -Familienlebens in seiner breiten Gemütlichkeit und genügsamen -Zufriedenheit und bildeten in einer meist ländlichen Umgebung kleine -Beamteninseln mit halb städtischen, halb ländlichen Sitten und -Gebräuchen. Wie idyllisch nahmen sich die Häuschen aus im Zuge der -sauberen Straßen, mit ihren Bogenfenstern, den grünen Läden und dem -über der Eingangstür hängenden sächsischen Wappenschilde! Meist umgab -ein Garten das Gebäude. Ein einfaches Staket, hinter dem es grünte und -blühte und oft wohl auch bunte Glaskugeln altmodisch sich spreizten, -versperrte Neugierigen den Blick ins Innere des Hauses. Häufig tat -es auch eine lebende Hecke. Hier schossen Sonnenblumen und Malven; -Bienen flogen summend von Blüte zu Blüte. War doch der Herr Einnehmer -meist auch ein kunstgerechter Imker. Das saftige Grün des Weinstocks -umrankte die Vorderfront, während nach hinten Stall und Schuppen das -kleine Anwesen abschlossen. Stand ein Birn- oder Apfelbaum dabei, so -legte er sicherlich väterlich-schirmend die fruchtschweren Äste über -die kleine Einsiedelei. - -[Illustration: Einnehmerhaus an der Muldenbrücke in Rochlitz - -(Phot. Frau _Carola Hartmann_, Rochlitz)] - -Quer über die Straße aber ragte der wuchtige Schlagbaum, an den Seiten -nur einen schmalen Streifen für die Fußgänger freilassend. Jedes -ankommende Fuhrwerk, jeder Reiter und jeder Viehtransport konnte ihn -nur passieren, nachdem die festgesetzte Abgabe entrichtet war. Dem -gestrengen Herrn Einnehmer, der ununterbrochen bei Tag und Nacht seines -Amtes walten mußte und sich nur während der verkehrsschwachen Stunden -kurze Ruhepausen gönnen konnte, entging so leicht keiner. Die Fuhrleute -waren verpflichtet, den Einnehmer auch während der Nacht durch -Peitschenknall oder Zuruf zu wecken. Besser noch versorgte das Geschäft -des Weckens ein munterer Spitz oder Dackel, der zum lebenden Bestande -jeder Einnahme gehörte. Oft freilich erkoren Witzbolde, Studenten oder -fahrende Gesellen den Einnehmer zum Gegenstande ihres Übermutes und -brachten ihn durch blinden Lärm um die ohnehin beschränkte Nachtruhe. -Zur Zeit der Leipziger Messen, an Hauptmarkttagen oder zu besonderen -Festlichkeiten gestaltete sich der Wagenverkehr oft so rege, daß die -Frau Einnehmerin dem Gatten in der Abfertigung kräftig zur Hand gehen -mußte. War sie doch zur dienstlichen Vertretung und Unterstützung des -Hausherrn amtlich bestimmt. Wohl trug sie weder Mütze noch Amtsrock; -in einfacher Hausfrauentracht verrichtete sie am Schalterfenster -ihre Dienstobliegenheiten, und obgleich sie mit Angehörigen der -verschiedensten Berufsklassen verhandelte, wußte sie, der amtlichen -Dienstanweisung gehorchend, allen Streitereien und Ungehörigkeiten -durch immer gleichbleibende Freundlichkeit und weiblichen Anstand -die Spitze abzubrechen. Die Frau Einnehmerin spielte übrigens, wenn -sie die ihr günstigen Verhältnisse auszunutzen verstand, unter der -bäuerlichen Bevölkerung eine gar wichtige Rolle. Man schätzte ihre -hauswirtschaftlichen Erfahrungen, begehrte ihre gesundheitlichen -Ratschläge und feierte selten ein Familienfest, an dem die Frau -Einnehmerin nicht teilgenommen hätte. - -Aber nicht immer herrschte Lust und Freude in dem bescheidenen Heime; -denn wenn auch dem Einnehmer neben freier Wohnung, Heizung und -Beleuchtung der zehnte Teil der erhobenen Brücken- und Wegegelder als -Besoldung zugebilligt wurde, so kamen dennoch -- und ach, wie oft -- -auch magere Zeiten, Monate und Jahre mit geringen Einnahmen. Dann -wurde die Wirtschaftskunst der Hausfrau auf eine harte Probe gestellt. -Wenn freilich die Vorräte im Kämmerchen zur Neige gingen und die -Reihe der Einmachetöpfe aus besseren Jahren sich immer mehr lichtete, -wenn infolge kärglicher Fütterung im Stalle die Ziege von Tag zu Tag -weniger Milch gab und doch trotz allem die hungrigen Mäuler der Kleinen -gestopft sein wollten: dann schwand der Frohsinn aus dem Einnehmerhaus -und Frau Sorge schritt über die Schwelle. - -Mit Ablauf des Jahres 1885 kamen Brückenzölle und Chausseegelder in -Wegfall. Sie hatten dem Staatssäckel von Jahr zu Jahr Einnahmen bis -zu dreiviertel Million Mark gebracht, trotzdem der Güterverkehr mehr -und mehr von den Landstraßen auf die neuerstandenen Schienenwege -übergegangen war. Die Schlagbäume verschwanden, aber die Chausseehäuser -haben sich, wenn auch meist ihres einstigen Gepräges entkleidet, als -Erinnerungszeichen an die einstige Fuhrmannsherrlichkeit, an die Zeit -des Posttrabs und der Wanderpoesie bis in unsere Tage erhalten. - - - - -Die Schneeheide - -(~Erica carnea L.~) - -Von _Felix Heller_, Bahnhof Bad Elster - -Aufnahmen von _J. Ostermaier_, Blasewitz - - -[Illustration: Abb. 1] - -Unter den deutschen Phanerogamen, die nach Garckes Flora von -Deutschland (17. Aufl. 1895) sehr selten vorkommen, befindet -sich eine, mehr der süddeutschen Flora angehörige Pflanze, deren -Verbreitungsgebiet in Mitteldeutschland ein so eng begrenztes -ist, daß sie in Botanikerkreisen eine gewisse Berühmtheit erlangt -und zu mancherlei Deutungen über die Ursachen ihres sporadischen -Auftretens Veranlassung gegeben hat. Der Pflanzenkundige, der im -zeitigen Frühjahre den südlichsten, nach Böhmen hereinragenden Zipfel -des nunmehrigen Freistaates Sachsen besucht, wird sie freudig -begrüßen und auch dem Laien wird sie auffallen. Im allgemeinen -bieten unser Elstergebirge und seine Ausläufer keine große Auswahl -an Pflanzenseltenheiten, wenn man nicht die buchsbaumblättrige -Kreuzblume (~Polygala Chamaebuxus L.~)[3], hier »Ramsel«, auch -»falsche Preiselbeere« genannt, dazu rechnen will, die im südlichen -Vogtlande übrigens häufiger vorkommt, als bei Garcke angegeben ist. -Aber die _Schneeheide_, das ist hier in ihrer sächsischen Heimat die -volkstümliche Bezeichnung (»Schniehaad«), ist etwas ganz besonderes; -sowie der Schnee zu schmelzen beginnt, meist Anfang bis Mitte -März, entfalten sich ihre zierlichen, in der Farbe vom hellsten -Rosarot bis zum tiefsten Carminrot schwankenden Glöckchen -- der -erste Frühlingsgruß der neuerwachten Natur! Deshalb liebt sie hier -auch jedermann, und gern stellt man sich ein von Weißtannenzweigen -oder Preiselbeerkraut umkränztes Sträußchen in das Zimmer. Die -vogtländischen Nachbarn dieses bescheidenen Pflänzchens sind sich -seiner Seltenheit wohlbewußt und erklären dem Befrager mit einem -gewissen Stolze, daß die Schneeheide eben nur bei ihnen vorkommt und -sonst in ganz Deutschland nicht. Böhmen ist ja nicht Deutschland und -das Vorkommen im Fichtelgebirge und in den südlichen bayrischen Alpen -ist ihnen wohl nicht bekannt. Im Spätsommer und Herbst finden die -Kurgäste von Bad Elster auch zuweilen blühende »Schneeheide«, die -sie mit stolzer Freude heimtragen, aber das ist die _weiß_blühende -Form der gewöhnlichen Heide (~Calluna vulgaris Salisb.~); die _echte_ -Schneeheide hat ihren Namen nicht von der Farbe, sondern daher, daß -sie zur Zeit der Schneeschmelze blüht, oft genug sogar schon unter dem -Schnee, bei kühlem Wetter bis in den Mai hinein. - - [3] Abbildung Seite 108. Dieses reizende Pflänzchen ist - hier ziemlich weit verbreitet. Es gibt Stellen, wo sie - rasenbildend auftritt und meterlange Ausläufer treibt. - -[Illustration: Abb. 2 =Vogtländische Bauernhäuser in Mühlhausen bei Bad -Elster=] - -Garcke gibt als Vorkommen an: »Im Vogtlande im Brambacher Walde bei -Adorf häufig und ebenso um Karlsbad, Franzensbad, Eger und Marienbad; -früher auch bei Paderborn. -- Bayern (Alpen und Hochebene verbreitet)«. -Von dem erstgenannten Verbreitungsbezirke entfällt auf Sachsen ein -winziger Teil. Die Schneeheide ist daher tatsächlich für Sachsen und -ganz Mitteldeutschland eine große Seltenheit; Südbayern kommt ja für -Mitteldeutschland nicht in Betracht. Im Fichtelgebirgsführer von -~Dr.~ Albert Schmidt (Wunsiedel 1894, Verlag von G. Kohler) Seite 18 -ist ~Erica carnea~ als Bewohnerin des Silikatgesteines aufgeführt -(nach Rektor Kellermann). Auf meine Anfrage schreibt mir Herr ~Dr.~ -Vestner, Reallehrer in Wunsiedel, folgendes: »~Erica carnea~ beherrscht -im Fichtelgebirge das Gebiet des sogenannten Selber Waldes. Sie -ist im Vorfrühling, zu ihrer Blütezeit, der einzige Glanzpunkt in -unserem so floraarmen Fichtelgebirge. Der Verbreitungsbezirk beginnt -südwestlich in der Höhe von Thierstein, wird begrenzt von den Höhen des -Egertales, ohne jedoch auf das Gebiet des Kornberges überzugreifen, -endet östlich mit der Waldgrenze (Hohenberg, Liebenstein, Lindau) -und zieht schließlich über Asch in den Brambacher Wald. Eine -weitere Ausbreitung oder ein Zurückgehen des Bestandes ist nicht zu -beobachten. Ihr Standort ist Granitboden in gemischtem, vorwiegend -mit Föhren bestandenem Walde. Sonstiges Vorkommen im Fichtelgebirge -gibt es nicht.« Demnach wäre Garckes Flora mit diesem Vorkommen in -Nordostbayern zu ergänzen. - -[Illustration: Abb. 3 =~Erica carnea~ bei Brambach i. V.=] - -Häufiger findet sich die Schneeheide im angrenzenden Böhmen, sie geht -aber kaum über Karlsbad hinaus. Der Gesamtverbreitungsbezirk bildet -eine Insel, deren größerer Durchmesser von Westen nach Osten, der -kleinere von Norden nach Süden verläuft. Die Begrenzung bilden in -Richtung West--Ost etwa die Orte Thierstein in Bayern--Karlsbad, in -Richtung Nordwest--Südost etwa Rohrbach--Marienbad. Auf sächsischem -Gebiete kommen nur die Waldungen und Höhen um Rohrbach, Brambach, -Schönberg am Capellenberge, Hohendorf, Bärendorf in Frage. Und auch -hier tritt sie meist in inselförmigen Beständen auf. Niemals überzieht -sie ausgedehnte, zusammenhängende Strecken wie Calluna, sondern wächst -immer in kleinen geschlossenen Beständen auf feuchtem Granitboden. -Wer von hier aus östlich wandert, findet die ersten spärlichen Spuren -zwischen dem Raunergrunde bei Raun und Oberbrambach. Um Brambach -selbst wird sie häufiger: auf dem Kuhberge, Fuchs- und Capellenberge, -besonders schön auf dem Hirschberge und in reichlicheren Beständen in -der Richtung von Brambach über Fleißen in Böhmen nach Schönberg am -Capellenberge. - -Die reichsten Bestände finden sich, wie schon gesagt, in Böhmen; -schon in den Waldungen bei Fleißen, Großloh, Wildstein fällt sie im -Vorfrühling jedem auf, der dort wandert, denn ihr leuchtendes Rot macht -sich schon auf weite Entfernung bemerklich. - -Die Gesteinsformation, die zu ihrem Gedeihen notwendig ist, ist -lediglich Granit, und zwar Granit in loser Form als Grus oder Sand. -Nirgends besiedelt sie Basalt, Porphyrit, Ton- oder Glimmerschiefer; -die scharfe Grenze, die sie bei Formationswechsel einhält, gibt dem -Geologen einen Hinweis, daß er aus dem Gebiete des Granits in ein -anderes übertritt. Im Granitgebiete selbst bevorzugt sie feuchte -Stellen, findet sich daher auf den Bergkuppen, soweit sie wasserarm -sind, nur spärlich und hier oft in Gesellschaft von Calluna. In -vertikaler Richtung liegt die Wachstumsgrenze etwa zwischen 550--900 -Meter. - -[Illustration: Abb. 4 =Schneeheide -- ~Erica carnea~ -- im Vogtlande -bei Brambach=] - -Wenn man die Kartenskizze, die freilich auf absolute Genauigkeit -keinen Anspruch machen kann, betrachtet, fällt einem unwillkürlich -auf, daß das Vorkommen der Schneeheide ziemlich genau in den Bereich -der sächsischen und böhmischen Bäder fällt (Bad Elster, Bad Brambach, -Franzensbad, Karlsbad, Marienbad). Alle diese Bäder besitzen Quellen -mit mehr oder weniger starkem Radiumgehalt, Brambach z. B. eine solche -mit über 2200 Macheeinheiten. Es liegt ja nahe, die Radioaktivität des -Wassers als Ursache des Gedeihens der Pflanze anzusehen oder eine durch -Radiumemanationen bedingte höhere Bodenwärme. Doch sind hierüber wohl -noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen angestellt worden; für -den Pflanzenbiologen wäre dies eine dankbare Aufgabe! Läßt sich ein -Zusammenhang der Lebensbedingungen unsrer Pflanze mit dem Radiumgehalte -des Bodens nachweisen, dann würde ihr reicheres Auftreten an irgend -einer Stelle im Granitgebiete vielleicht einen Fingerzeig darbieten, -hier nach einer Radiumquelle zu suchen. Analoge Beispiele dafür, daß -Pflanzen an bestimmte Mineralien gebunden sind, gibt es meines Wissens -mehrere, z. B. das sogenannte »Galmeiveilchen«, das in der Gegend um -Aachen das Vorkommen von Zinkerzen anzeigen soll. Wie weit eine solche -Vermutung berechtigt ist, das zu ergründen muß ich berufenen Leuten -überlassen, ich spreche hier eben nur eine Vermutung aus. Ob in den -südbayrischen Alpen ähnliche Boden- und Wasserverhältnisse vorliegen, -vermag ich nicht anzugeben. Vielleicht sind dort im Süden, wo die -Schneeheide unsre gemeine Heide vertritt, wo sie nicht, wie hier, zur -Relictenflora gehört, sondern von jeher in großen Beständen heimisch -gewesen ist, die Verhältnisse anders.[4] - - [4] Gelegentlich meiner Urlaubsreise im September-Oktober 1920 - in dem bayrischen Allgäu beobachtete ich ~Erica carnea~ - dort. Im Allgäu und in den Alpen bevorzugt sie _Kalk_boden. - Der südliche Typus der Schneeheide ist anders als der in - Böhmen, Sachsen und Nordost-Bayern; die südliche Form ist - strauchiger, knorriger, die mitteldeutsche und böhmische - weicher, anschmiegender. Die langen Ranken, die sie hier an - feuchten Stellen treibt, sieht man in den Alpen, besonders - in hohen Lagen, nicht. - -Jedes Frühjahr erscheint in unsern südvogtländischen Zeitungen ein -Hinweis auf die Schneeheide, diese »einzige Seltenheit« im südlichen -Vogtlande. Es wird darin geklagt, daß die Pflanze dem Aussterben nahe -sei und darum gebeten, die Ausrottung dadurch verhindern zu helfen, daß -man keine Schneeheidesträuße kauft. Die Bitte ist recht gut gemeint -und wird den Herzen der Naturschützler wohl tun. Aber zum Glück liegt -die Gefahr des völligen Verschwindens nicht so nahe, wie befürchtet -werden könnte. Einmal hält die Pflanze an ihren Standorten so zäh fest, -wie ihre fast unausrottbare Base Calluna an den ihren; sie erscheint -immer wieder, man merkt keine Abnahme, freilich auch kein weiteres -Ausbreiten. Sodann ist der Handel mit Schneeheidesträußen nur gering; -es mögen sich kaum ein halbes Dutzend alte Frauen gelegentlich damit -beschäftigen. Das sind die sogenannten »Sandfrauen«, die aus Brambach, -Fleißen, Schnecken den feinen Scheuersand bringen, den sie in Bad -Elster, Adorf, Ölsnitz, Plauen verkaufen. Sie haben an ihren schweren -Sandsäcken gerade genug zu schleppen und können deshalb nur ab und zu -ein paar Sträuße mitbringen, für die sie meistens feste Abnehmer haben. -Der weitaus größte Teil der Sträuße stammt aus Böhmen. - -Vor etwa 7--8 Jahren freilich wurde auch mir bange um die -Schneeheidebestände, als im März und April täglich Leute aus Plauen mit -großen Körben nach Brambach fuhren und in den dortigen und böhmischen -Waldungen die Heide _ausrissen_, um sie an Blumenbindereien zu -verkaufen! Aber der Unfug hatte glücklicherweise sehr bald ein Ende: -die Amtshauptmannschaft Ölsnitz und die Forstrevierverwaltung erließen -strenge Verbote des Sammelns der Schneeheide und das Forstpersonal -hielt scharf Wacht. Insbesondere nahm sich Oberförster Engelhardt -in Rohrbach bei Brambach energisch der bedrohten Pflanze an und so -ist wohl mit Sicherheit zu hoffen, daß die Gefahr einer Ausrottung -beseitigt ist. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, daß bei der -jetzt forstwirtschaftlich bevorzugten Anpflanzung der Fichte insofern -eine Gefahr für das Zurückgehen der Schneeheide besteht, als sie -Kiefernwälder lieber bewohnt und reine Fichtenbestände meidet. - -[Illustration: Abb. 5 =Schneeheide -- ~Erica carnea~=] - -Wird die blühende Schneeheide _vorsichtig_, am besten mit einer Schere, -_abgeschnitten_, was deswegen geschehen muß, weil die Wurzeln nicht -fest in dem losen Granitboden haften, so blüht sie im nächsten Jahre -sehr schön und reichlich, schöner fast, als wenn man sie ausblühen -läßt. Ausgeblühte Stöcke zeigen im nächsten Jahre oft ein struppiges, -dürftiges Bild. Das von Kindern beliebte Abreißen der blühenden Heide -ist zu verwerfen, da hierbei mancher Stock mit herausgerissen wird. - -[Illustration: Abb. 6 =~Polygala Chamaebuxus~, buxbaumartige Kreuzblume= - -im Volksmunde »Ramsel« genannt] - -Garcke gibt bei ihrem Vorkommen noch an: »Nicht selten als -Zierstrauch.« Ich habe sie nirgends als solchen gesehen, möchte mich -auch der hier allgemeinen Ansicht anschließen, daß die Schneeheide ein -Verpflanzen nicht verträgt. Bei ihrer ausgesprochenen Bodenständigkeit -auf Granitboden würde es mich auch wundern, wenn sie anderen Boden -willig annähme. Ich habe selbst Anpflanzungsversuche vorgenommen, die -stets erfolglos waren; die gleichen Erfahrungen haben Bekannte von -mir gemacht. Auch die wiederholten Versuche seitens der Gärtnerei der -Badedirektion, sie in den schönen Anlagen des Kurortes einzubürgern, -sind immer wieder fehlgeschlagen. Wie mir Handelsgärtner versicherten, -wird unter dem Namen ~Erica carnea~ eine Zierheide aus Holland -angeboten, die sich anpflanzen läßt, jedenfalls aber mit der wilden -~Erica carnea~ nicht identisch ist. Nach früheren Versuchen, die ich -vor vielen Jahren angestellt habe, läßt sich übrigens auch ~Calluna -vulgaris L.~ als echtes Kind der Heide weder im Topfe noch im Garten -kultivieren, so wenig wie die anscheinend noch mehr bodenständige ~E. -carnea~. - -Besucht wird die blühende Schneeheide im Vorfrühling hauptsächlich -von Hummeln. Andere Insekten sind kaum zu bemerken, allenfalls -noch an warmen Tagen Bienen. Es sieht drollig genug aus, wenn die -dicken Hummeln, auf dem Rücken liegend, die Glöckchen der Reihe nach -aussaugen; sie ziehen durch ihr Körpergewicht sehr oft die dünnen -Zweige bis auf den Boden nieder und bleiben dann mit der umklammerten -Blütenähre gemütlich liegen, bis es nichts mehr zu saugen gibt. - -Hoffen wir, daß unsre südvogtländische botanische Seltenheit, unsre -liebe _Schneeheide_ auch weiterhin gedeiht und in ihren Beständen -erhalten bleibt! Es wäre ewig schade, wenn unsre materialistische -Zeitströmung, die alle Naturseltenheiten in Geld umwerten möchte, ihrem -Vorkommen hier ein Ende bereitete. Sie muß für alle Zeiten unter Schutz -stehen und sei deshalb der Fürsorge des Sächsischen Heimatschutzes -angelegentlichst empfohlen! - - - - -Seiffen und das Bunte Haus - -Eine Fahrt ins Weihnachtsland - -Von Stadtbaurat _Rieß_ - -Aufnahmen von _A. Heinicke_, Freiberg - - -Vor dem Hauch des milden Westwindes war der Weihnachtsschnee zwar -leider fast zerronnen, aber doch lag es noch wie Weihnachtsstimmung -und Nadelduft in der Luft. Der Rucksack war wohlgepackt. Auch er gab -weihnachtlichen Duft nach Stollen und anderen guten Dingen. Eine -Weihnachtsfahrt sollte es werden in das Land der Kinderträume und -lustiger Spielzeugherrlichkeit, wo Nußknacker und Räuchermännlein, -Lichterengel und Bergmänner das große Wort führen, wo die Krippen -in seliger Einfalt sich aufbauen und die Weihnachtspyramiden ihr -buntgeschnitztes Leben zeigen. Im Morgendämmern lag der Garten mit -seinen wenigen leuchtenden Schneeflecken. Die schöne grüne Tür mit dem -kunstreichen Schloß fiel hinter mir und meinem wanderfrohen Weibe zu, -da kam zur verabredeten Minute der Freund, der Maler mit seiner blonden -Frau und grüßte mit frohem Glückauf. Am Bahnhof stieß zu uns der -Ingenieur mit seiner Braut, der an der Bagdadbahn einst baute und nun -nach Krieg und Wunden mit uns das Weihnachtsmärchen suchen wollte. -- -Nun ging es hinaus in die nebelverhangene Welt mit fauchendem Züglein. -Nur an den Nordabhängen der Böschungen lag dort noch der Schnee und -die dunklen Halden des alten Bergbaues waren noch weißbetupft. Die -Fläche des Berthelsdorfer Hüttenteiches war mit Eis bedeckt und blinkte -wie matter Stahl in den ersten schrägen Strahlen der mit dem Gewölk -ringenden Sonne. Die Hänge des Muldentales mit ihren dunklen Wäldern -und braunen Feldern und den schöngeschwungenen Höhenlinien glitten an -uns vorüber. Von Mulda führte uns dann das Nebenbähnchen mit Schnauben -und Pusten und gelegentlichem wichtig tuendem Bimbim Bimbim durch -das enge malerische Chemnitzbachtal empor nach Sayda. Ein reizvolles -Wiesental ist es, in dessen leuchtendem Grün im Sommer das Auge sich -satt trinken und Kräfte gewinnen mag, um freudig ins Grau des Alltags -zu schauen. Heute war die Fläche zart rehbraun getönt und mit dem -schimmernden Silbergrau des Reifes angehaucht. Der Maulwurf war munter -gewesen und hatte kräftige schwarze Tupfen durch die zahlreichen -frisch aufgeworfenen Haufen in die zarte Farbenstimmung gesetzt. Der -Chemnitzbach schlängelt sich mit hurtigem Laufe in vielen Windungen -durch das Tal. Auf den Hängen liegen einzelne Höfe. Festgeschlossen wie -Burgen schauen sie wie Herren ins Tal, nicht gar trotzig, aber breit -und behäbig voll Selbstbewußtsein und einer gewissen Unnahbarkeit. Dort -das Rittergut von Dorfchemnitz mit seinen festen Mauern liegt auf der -Höhe hinter dem Filigran der entlaubten Wipfel, mit der Kirche zusammen -eine Baugruppe von besonderem malerischen Reiz. - -Der Rauch unsres Zügleins weht in langer silberweißer wallender -Fahne durch das Tal. Duftiges Blau, zartes Sepia, dunkles Grün, Weiß -und Silbergrau sind die Töne, welche das liebliche Landschaftsbild -beherrschen und alles in unendlicher weicher Harmonie vereinen. Die -Fenster im Wagen sind beschlagen. So stehe ich draußen mit dem Maler -und male im Geiste die zartesten Aquarelle mit ihm, wo die Farben -nur wie ein Duft auf dem leuchtenden Weiß stehen und so unendlich -wohltun in ihrer keuschen Reinheit, Zurückhaltung und Vornehmheit. -Jeder Ausschnitt wird uns so zum Bilde reiner Winterherrlichkeit, daß -unser Herz froh wird und unsre Lungen immer tiefer die klare kalte -Luft der Höhen atmen. In Sayda wandern wir dann durchs Städtchen. Dem -Wintersport gilt unser erster Gang. Uns lacht das Herz, als wir dort -in der Fabrik unter den herrlichen Schneeschuhen jeder Art und Form -und Bindung suchen und wählen können, und jeder schließlich ein Paar -der langen Hölzer sein eigen nennt. O, daß der Schnee heut so dünn -die Wege deckt und nur wie Zuckerstaub über die Felder gestreut ist, -wie wollten wir sonst dahingleiten in köstlicher Fahrt! So streicheln -wir nur zärtlich die schlanken biegsamen Eschenbretter mit einem auf -Wiedersehen zur Heimfahrt und wandern dann hinaus in die sonnige -Winterwelt. Da liegt vor dem Städtchen das alte Spittel hinter alten -Bäumen. Bunt leuchtet das Wappen der Herren von Schönberg mit Inschrift -über der Tür, durch welches das ganze schlichte Haus eine besondere -Zierde und Charakter erhält. Grüß Gott du altes Weiblein dort am -Fenster in deinem warmen Stüblein, du neidest uns nicht unseren Gang -in den Winter hinaus. Der warme Ofen ist dir Erfüllung deiner Wünsche. -Uns sollen noch Wind und Wald und Schnee Lieder der Sehnsucht und der -Wünsche Gewalt und Erfüllung empfinden lassen. - -Und ihr Schläfer hinter der schlichten Mauer unter den weißen Hügeln -dort drüben, eure Herzen gingen zur Ruh, aber was ihr gedacht und -gelebt, es lebt und wirket in ungeahnten Kräften. Vielleicht ist es -im Wind lebendig, der dort vom Walde herüberweht, den ihr vielleicht -gepflanzt habt, vielleicht klingt es aus dem Jauchzen der Kinder, die -dort mit Schneeballen werfen, Kinder eures Blutes, vielleicht liegt -es keimend im Acker, an dessen Rand wir dahinschreiten und dessen -Frucht vielleicht dem Fleiß der nimmermüden Hände vieler Geschlechter, -eurer Geschlechter, die dort ruhen, zu danken ist, vielleicht sind die -Gedanken und Stimmungen die uns hier überkommen, Spuren unsichtbaren -Lebens, das hier daheim ist, Spuren eines Lebens, das ihr ganz an -eure Heimat gewendet habt, -- und das uns nun eure Heimat lebendig und -beseelt macht. -- - -Sinnend schreiten wir in den Weihnachtswald, in dem die Schneeflecke -aus dem dunklen Grün leuchten. Rechts schimmert die vereiste Fahrstraße -durch die Stämme und der breite Streifen eines Kahlschlages. Was geht -es sich so weich in dem harzduftigen Walde, als schritten wir in den -Sonntag hinein, wo es so kirchenstill ist, als hätte eine heilige -Feierstunde begonnen, in der alles fernen, fernen leisen Klängen -lauscht, dem Harfen des Windes in den Wipfeln oder dem Rieseln und -Sickern des schmelzenden Schnees im Waldboden. - -Ein dünner blauer Rauch steigt aus der Schneise empor und füllt die -Luft mit starkem Harzgeruch. Wie Weihrauch und stilles Opfer zu -geheimnisvoller Weihe zerfließt er über den Wipfeln. Der Wald duftet -stärker als zuvor. -- - -Wir treten auf eine weite Lichtung hinaus. Wie ein schimmernder Saal -mit silbernem Teppich liegt sie da, rings vom schweigenden Walde wie -von dunklen Wänden umschlossen. Dicht am Walde liegt das kleine Vorwerk -mit weißem Schneepelz auf dem Dache. Alles ist still und fügt sich -einfach und schlicht in die große heilige Ruhe. Ein mächtiger Baum in -der Nähe, herrlich nach allen Seiten gleichmäßig entwickelt, steht da -wie der stille Wächter dieser Einsamkeit. Die leere schneefeuchte Bank -an seinem Stamm unter den schirmenden Zweigen ist heute ein starkes -Sinnbild der Verlassenheit oder Vergessenheit. Wie mag im Sommer unter -seinem grünen Dach das Leben eine Stätte haben. Dort rastet der einsame -Wanderer, dort ruht der Schnitter und genießt sein einfaches Mahl, dort -lacht und spielt fröhliche Jugend und die wandernde Horde lustiger -Vögel, dort sitzt im sinkenden Tagesschein das Liebespaar und lauscht -dem Flöten der Singdrossel hoch oben im Gezweig. Ein Baum, um den alle -Poesie von Wald und Wiese und stillen Wegen wirkt und webt. - -Der Wald nimmt uns wieder auf und nach kurzer Wanderung zwischen -seinen schneebehangenen Zweigen öffnet sich eine neue Lichtung, der -Mörtelgrund. Wie ein breites silbernes Band liegt er zwischen den -dunklen Fichten, quer den Wald durchschneidend und einen weiten Blick -aufwärts und abwärts gewährend. Oberhalb zieht sich die Staatsstraße, -mit einem Brückenbogen den Bach überspringend. Nach unten schweift der -Blick in die Ferne. An der Straße hier liegt aber ein stiller Teich, -auf dessen Damm gewaltige Fichten wie stolze Türme sich erheben. Weit -breiten sich die untersten Zweige fast dicht über den Boden hin. -Ebenmäßig bauen sich die Prachtgestalten auf und ein Flüstern geht -durch ihre dichten Nadeln, als raunten sie Geheimnisse aus alter -kühner Heldenzeit, als wüßten sie Kunde von seltsamen Abenteuern und -Märchen des Waldes oder von der schönen verwunschenen Fei im kühlen -Wasser, dort unter dem grünlichen Eis, verwunschen und verzaubert im -gläsernen Sarge. An den Nadelspitzen hängen tausende funkelnder Tropfen -wie Perlen, als hätte ein Weihnachtswunder den köstlichen Schmuck -gezaubert. Da regen sich sachte die Zweige und wie schimmernde Tränen -fallen die Tropfen nieder mit leisem feinen Klingen. - -Die Wasserfei lauscht, denn es klang an der gläsernen Decke, als pochte -schon der Frühling an, um den Zauberbann zu lösen, der sie verschlossen -hält. -- Ach lausche nur, der Frühling ist noch weit und ferne die -Zeit, dich auf der duftigen Wiese im Mondschein im Tanze zu wiegen und -Blumenkränze in deine fliegenden Locken zu flechten. -- -- - -Durch Wald geht es weiter, und dann treten wir auf freie Höhe hinaus. -Entzückt schweifen die Blicke über die reinen edlen Linien der Berge, -welche sich in langen Zügen in den Himmel schwingen, zarter und zarter, -bis sie in weiter Ferne verblauen. Dicht vor uns ist der Schwartenberg -mit breitem Rücken. Rehbraun und weiß ist das Gewand gescheckt, das -er über seine breiten Schultern gelegt hat, und in unendlich feinem -Tone mischt sich ein zartes Veil und Blau hinein. Ja, du trägst nicht -Sorge um moderne Farbenstellung deines Kleides und was die kleine -Welt dort unten zu deinem Gesicht und deinem Wesen und Kleid sagt. -Ob Sonnenstrahlen um dein Haupt klingen und singen, ob der Sturm dir -seine wilden Weisen schnaubt und heult, du lächelst im fröhlichen -Gewand dem Frühling, du schaust im rechten Feierkleide dem Winter ernst -und versonnen ins grimme Gesicht. -- Wie still und weit wird doch -das Herz, wenn es fern vom lauten Troß und Trieb der Niederung so in -die schweigende Bergwelt des Winters schaut. Wie fühlt man so tief, -daß echte Werte nicht im Lärm, sondern nur in der großen Stille sein -können. Schweigen ist Kraft, Schweigen ist Tiefe. In dieser heiligen -Stille fällt alles Äußere ab und der Kern, Wesenheit und Wert der Dinge -wird offenbar. Wohl dir, wenn du ohne Lüge bestehst, der Stille ins -tiefe Auge sehen kannst, wenn die Stille dir noch etwas sein und geben -kann. -- -- -- - -Der Weg senkt sich allmählich. Aus dem Talgrunde steigen Türme und -Mauern in malerischer Gruppe auf: Schloß Purschenstein und zu seinen -Füßen die Dächer und Giebel von Neuhausen. Der Weg ist stark vereist -und nicht ohne manches Ausgleiten und heiteren Fall führt er uns ins -Dorf hinab. - -Heute wollen wir hier nicht rasten, so lockend auch die Bäume des -Parkes und das Schloß und das behäbige Gasthaus winken. Auf steilem -Wege geht es weiter und an der Flanke des Schwartenberges empor. -Hei, das war ein Klettern auf dem blanken Eis, wo oft nur der feste -Wanderstab vor jähem Sturz und Abgleiten bewahrte und manchesmal -nur ein rascher Griff in das Gestrüpp oder nach einen Baumstamm -die unfreiwillige rasche Talfahrt ohne Schlitten auf den eigenen -gewachsenen Kufen verhütete. Wir erreichen einige einsame Höfe und -gehen dann über eine Schneefläche auf ebenerem Höhenweg dahin. Wie -liegt die Welt so fern und klein unter uns. In weiter Ferne der -Kirchturm von Sayda. Davor der Wald, den wir durchschritten. Im Tale -einige Dächer und Häuser wie vergessen und verloren. Die Dinge der -Niederung sind klein geworden, das Große, Erhabene zieht den Blick an. -Die Augen schweifen in die Runde und können sich nicht satt trinken an -all der keuschen Herrlichkeit der Berglinien und dem Dufte der Farben -vom leuchtenden Weiß zum tiefen Blau und Grün, vom zartesten Braun bis -zum satten Veil dort in den tiefen Gründen der Täler und Wälder. - -Höhenluft! -- Wie atmen wir darin auf, wie atmen wir so tief und frei -und unsre Seele atmet mit, denn um uns und in uns ist das große stille -Leuchten, das man erlebt, wenn man Höhenwege wandert hoch über dem -Alltag. - -Oben über uns reckt sich eine Felsengruppe in die Luft, als wäre -sie der Stuhl eines Gewaltigen, der von hier aus sein weites Reich -überschaut, dem die Wälder Teppiche und die Berge und Täler Stufen -seiner Herrlichkeit sind. - -Unter einer alten knorrigen Buche am Wege stehen wir. Sie ist vom -Sturm zerzaust und die Äste recken sich trotzig wie feste Arme mit -starken Muskeln und Gelenken dem Wetter entgegen, als wollten sie mit -dem ungestümen Gesellen raufen. Der Schnee liegt in weißen Wuchten im -struppigen Gezweig und es fällt ab und an ein nasser Klumpen hernieder. -Wir aber stehen und schauen in das große stille Leuchten hinaus. - - »Kein ird’scher Laut mehr reichte durch die Lüfte, - Mir war’s, als stände ich mit Gott alleine, - So einsam, weit und helle war’s da oben.« - -[Illustration: Abb. 1 =Seiffen, Buntes Haus=] - -Durch tiefen Schnee ging es dann weiter und schließlich abwärts ins -Seiffener Tal, zuletzt auf steilem Fußwege hinunter. Tiefe Schneewehen -boten hier willkommenen Halt auf dem vereisten steilen Pfad gegen -den Absturz. Watend und springend, rutschend und fest den Wanderstab -einsetzend gelangten wir glücklich zu den ersten Häusern am Hange, -wo der Weg ebener und sicherer wurde und uns bald an winzigen -Erzgebirgshäuseln vorbei auf die Talstraße führte. - -Nur wenige Schritte noch und unser Ziel ist erreicht, das Erbgericht, -das Bunte Haus! Helle leuchten uns seine blanken Mauern und Fenster -entgegen. Ein Querhaus und zwei Flügel umschließen einen offenen Hof, -als breiteten sich uns offene Arme entgegen: »Seid willkommen, hier ist -gut sein, hier magst du rasten und weilen und mag es dir wohl werden.« -Dort über den Fenstern grüßt gar vertraut Alt-Freibergs Bergparade -vom langen gemalten bunten Holzschild. Ja, wahrlich, es ist recht, -hier der alten Berghauptstadt des Landes und ihrer Bergherrlichkeit -zu gedenken in so sinniger und sinnfälliger Weise, denn von ihr ging -die Kultur des Landes aus, ward die Wildnis des Miriquidi gerodet und -besiedelt, wurden die Erzgruben des Gebirges erschlossen. Der Name -Erzgebirge wurde erst im sechzehnten Jahrhundert üblich, als an vielen -Stellen Erz entdeckt und Bergstädte wie Annaberg, Marienberg, Jöhstadt -usw. gegründet wurden. - -Vorher hieß es nach den Worten eines alten Dichters: - - »Sehr wild und felsicht war’s in diesen Waldesöden, - Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind. - Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten, - Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.« - -Auch Seiffen dankt ja seinen Namen und Entstehung dem Bergbau, der -zwar längst zur Rüste gegangen ist, aber überall seine unverwischbaren -Spuren hinterlassen hat. Der Bergmann ist ja auch immer ein Basteler -gewesen. So ist es kein Wunder, daß oft aus dem Zeitvertreib ein -Beruf wurde, und als der Bergbau seinen Mann nicht mehr nährte, statt -Schlägel und Eisen das Schnitzmesser den Lebensunterhalt verdienen -mußte. Seiffen wurde allmählich der Mittelpunkt und Hauptort der -Spielwarenindustrie. Es wurde aus einem alten Bergmannsdorf der Typus -des erzgebirgischen Schnitzer- und Industriedorfes, wo eigenartige -Gegensätze sich berühren. Und hier das »Bunte Haus« ist so recht -das Heim und der Ausdruck dieser erzgebirgischen Volkskunst und -Volksindustrie geworden, einer Weihnachtskunst, bei der man fröhlich -und ein Kind wird wie zu Weihnachten, in der man sich heimisch und wohl -fühlt, als erzählte Großmutter ein Märchen aus der Zeit »Es war einmal«. - -Vom hübsch geschmiedeten Arm an der Hausecke grüßt uns der Spruch: - - »Erst die Erde, dann die Sterne, - Erst die Heimat, dann die Ferne.« - -Jawohl, viele suchen die Heimat und können doch nie heimfinden, -viele haben die Heimat und halten sie nicht. Heimat ist kein leerer -Ortsbegriff, Heimat ist eine Herzenssache. Wer kein Herz hat, wie will -der die Heimat finden oder halten? - -Möge die Kunst der Heimat der Heimat eine Seele geben, welche jene -vielen wieder zu rechten Heimatfreunden, Heimatkindern, mit Herzen voll -heimwehen Heimatstolzes macht. -- - -Hier im Bunten Hause ist der wohlgelungene Versuch gemacht, durch die -Heimatkunst des Ortes ein echt erzgebirgisches Heimathaus zu machen, -in welchem man das Herz der Heimat pochen fühlt und hört. Was der -Hausspruch sagt und wünscht, das mag wohl sicher in Erfüllung gehen: - - »Die Vorzeit grüßt Euch, daß Ihr wißt, - wie schön sie einst gewesen ist. - Gott gebe, daß die Nachwelt spat - an uns dieselbe Freude hat.« - -Doch nein, nicht nur für die Nachwelt, nein für das bunte freudige -Leben des Tages und seiner Gäste ist das Haus geschaffen. - -Ein frohes Behagen umfängt uns, treten wir unter sein Dach. Der -Hauptschmuck des geräumigen Hausflures ist die Gestalt eines Freiberger -Bergmannes, der auf einer Konsole kniet bei der Arbeit vor Ort mit -Schlägel und Eisen. Der Bergmann ist -- oder leider vielmehr war -- ja -die Charaktergestalt des Erzgebirges. Bergleute sind Wappenhalter bei -erzgebirgischen Städtewappen. Bergleute sind die Träger erzgebirgischer -Kanzeln, Bergleute sind in den alten Bergstädten Schmuckfiguren an -Bürgerhaus und Portalen, in Kirchen und an Geräten. Der bergmännische -Gruß »Glückauf« klingt dir oft noch treuherzig entgegen. Bergleute sind -das Spielzeug großer und kleiner erzgebirgischer Kinder. So mag auch -hier, wie nirgends, der Bergmann an seinem Platze sein. - -[Illustration: Abb. 2 =Seiffen, Buntes Haus=] - -Wir treten in die Gaststube ein und fühlen uns wie zu Hause in warmer -Behaglichkeit. Die Wände sind dunkelbraun getäfelt und rings von -den Simsen klingt es uns wie Kinderlachen und Weihnachtsjubel aus -frohen Kinderherzen entgegen. Da ist sie aufmarschiert, die ganze -bunte lustige Gesellschaft, ohne die Weihnachten im Erzgebirge nicht -denkbar ist: die Bergleute und Weihnachtsengel mit ihren Lichtern, -die Nußknacker im buntesten Wechsel, die Räuchermännlein in allerlei -abenteuerlichen Gestalten. Pferdchen, Kühe und Schafe und der getreue -Spitz dürfen nicht fehlen. Über den bunt mit Blumen bemalten Türen, wie -wir sie von den alten Bauernschränken kennen, ist hier der Frachtwagen -auf der Wand gemalt mit seinen vier starken Pferden, wie er einst -auf den Straßen des Gebirges verkehrte, dort der Postschlitten -in voller Fahrt. Kein Plakat, wie sonst in Gaststuben, stört mit -aufdringlicher Reklame die Harmonie des Raumes. Einfach gerahmte -Bilder aus der erzgebirgischen Heimat von Künstlerhand schmücken -die Wände, deren oberen Abschluß ein starkes farbiges Friesband -- -Ähren mit bunten Feldblumen -- bildet. Durch die Fenster strömt -das volle Licht herein, denn sie sind frei von unnützen Gardinen -und Stoffgehängen. Dafür schmückt ein starker farbiger Fries von -Blumen die tiefen Fensterlaibungen und vor den Scheiben hängen gute -Glasbilder in farbiger Bleiverglasung mit Darstellungen eines drolligen -Musikantenvolkes voll köstlichen Humors. Eine wohltuende, satte, tiefe, -harmonische Farbigkeit erfüllt den Raum wie ein voller echter Klang, -der von allen Sinnen aufgenommen wird und warm zum Herzen dringt. Die -kräftigen gut geformten Holzstühle und Tische laden ein zu behaglicher -Rast und helfen das Gefühl des Daheimseins steigern, weil sie sich -ganz in die Raumstimmung fügen. Die Teller, von denen du speist, die -Tassen, aus denen du trinkst, sind buntbemaltes Bauerngeschirr, wie -wir es aus der Verkaufsstelle des Heimatschutzes kennen und lieben. -Welche Freude ist es, hier im täglichen Gebrauch einer Gastwirtschaft -dieses reizvolle Geschirr in passender Umgebung zu sehen und die -Lust an seiner echt volkstümlichen Art zu empfinden. Durch dieses -Hineinstellen der Ergebnisse liebevoller heimatlicher künstlerischer -Arbeit, Forschung und Begeisterung mitten in den Gebrauch des -praktischen Lebens ist eine Tat getan, durch welche die hohen Gedanken -des Heimatschutzes und volkstümlicher Kunstpflege, Kunstschaffens und -Kunstfreude mächtig gefördert werden, um so mehr, als es an einem Orte -geschieht, in dem die Erziehung zum guten Geschmack sich unmittelbar in -der täglichen Arbeit auszuwirken vermag. - -[Illustration: Abb. 3 =Seiffen, Buntes Haus=] - -Mit wie einfachen Mitteln auch schwierigere Fragen gelöst werden -können, das zeigt die elektrische Beleuchtung. Sie hätte leicht die -Raumstimmung stören können, wenn die Birnen mit den Glasschalen im -Raume pendelten oder irgendeine Dutzendware als Beleuchtungskörper -diente. Wie half sich der Künstler, der die ganze Einrichtung -durchdacht, angegeben und durchgeführt hat, der Kunstgewerbler _Gerhard -Dreßler_ aus Chemnitz? Er bemalte den Glasschirm der Pendellampe in -kräftiger Stilisierung mit bunten Bauernblumen. Auf den Glasschirm -legte er einen bemalten Holzreifen, wie man sie in Seiffen dreht, und -ließ von ihm bunte Bänder herabhängen. Auf dem Holzreifen aber ist -allerlei Seiffener Spielzeug lebendig. Da sitzen allerlei Vögelchen -und schauen mit drolliger Kopfbewegung keck herunter. Da jagt der -Hirsch durch den Wald, verfolgt vom Jäger mit seinem Hund. Kein -Beleuchtungskörper ist wie der andere und doch alle einheitlich -und ein Schmuck des Raumes von echt volkstümlicher Seiffener -Heimatart. Der Hauptschmuck ist ein großer Kronleuchter, nach Art -von Kristallkronleuchtern gestaltet, jedoch aus weißen Holzperlen -zusammengesetzt mit sparsamer Vergoldung, ein mühsames eigenartiges -Stück Seiffener Kunsthandarbeit. - -In einem Glasschranke sind allerlei Musterstücke der Seiffener Kunst -ausgestellt, um die Kauflust anzuregen und damit dem Orte zu dienen. -Der Schrank wirkt freilich in seiner Form mit den geschwungenen Linien -und krausen Schnitzerei und Spitzchen des oberen Abschlusses hier -etwas fremdartig, als habe er sich hierher verlaufen und verirrt aus -einer anderen Welt. Das hat der Künstler wohl empfunden und hat ihm, -ohne helfen zu können, ein paar Bauernblumen auf die Stirn und unten -an den Schubkasten gemalt. So wirkt er in der echten einheitlichen -Raumstimmung gekünstelt und falsch, wie der Salontiroler in der -Dorfschenke. Auch das Klavier dort an der Wand wird dadurch, daß auf -die schwarze Politur ein paar kecke Bauernblumen gemalt werden, nicht -»echt«, wird nicht aus einem Salonwesen zu einem erzgebirgischen -Bauernkind. -- Gerade auf diesem Gebiete liegen noch viele ungelöste -Aufgaben, würdig der Mühe tüchtiger Künstlerhände. Die Gewohnheit -läßt oft Mängel auf diesem Gebiete übersehen, die in einer neuen fein -abgestimmten echten Umgebung plötzlich auffallen und die Sehnsucht -nach Neubildung und neuem Leben und Schaffen hervorrufen. Im neuen -Lichte sieht man alte Formen, und klarer sieht man, was not tut; den -falschen Ton einer Saite hört man schärfer, wenn alle andern Saiten -und Instrumente gut gestimmt sind, wie hier. Doch diese kleinen -Unstimmigkeiten sollen uns die herzliche Freude und das Behagen an -dem stimmungsvollen echt erzgebirgischen Raum nicht stören. Die -herzliche Freundlichkeit der Besitzer und Bewahrer dieses Seiffener -Schatzkästleins, des Herrn Richard Meyer nebst Gattin, die frohmutig -das Ganze liebevoll erdacht und geschaffen haben, die Güte der -Bewirtung und die Fröhlichkeit der Gäste lassen bald jene Stimmung -aufkommen, in der der Alltag weit hinter uns liegt. Nicht in Lärm und -jagendem Witz und Scherz, nein, in jener tiefen freudigen Stimmung sind -wir beieinander, in der einer den anderen versteht, und freudig aus -seinem Innern gibt, weil er fühlt, nur so kann eine gute Stunde ihren -Wert als wahrhaft frohe Stunde bringen. -- - -[Illustration: Abb. 4 =Seiffen, Buntes Haus=] - -Wir betrachten dann den Nebenraum, der im Gegensatz zu der echt -volkstümlichen Seiffener Stimmung der Gaststube mehr auf hohe Kunst -und »Herrenstube« gestimmt ist. Er wird beherrscht von den Gemälden -mehrerer Künstler, welche hier das hohe Lied der Schönheit heimatlicher -Landschaft singen. _E. Buchwald_, Zinnwald, _Alfred Hofmann_, -Stollberg, _Alfred Kunze_, Chemnitz, Professor _Seifert_, Seiffen, der -Neubeleber und Anreger der Seiffener Kunst, und _Gerhard Dreßler_, -der Künstler, dem die stimmungsvolle Einrichtung des Hauses hier zu -danken ist, sie alle reden dort mit stummer eindringlicher Sprache von -der Heimat, wie sie ihnen dort durch die Seele gegangen ist, und ihre -Bilder beseelen den Raum. Ein Gasthauszimmer, ein Kneipenraum, und doch -geweiht und frohmachend durch die Kunst. - -Wie muß man dem mutigen Unternehmer danken, diese Lösung der Frage -»Kunst und Kunsterziehung« für das Volk, so fest angepackt und -durchgeführt zu haben hier oben im erzgebirgischen Dorfe, während -in den Großstädten auch in den besten Gaststätten meist nur Plakate -oder minderwertige Kunst oder Kitsch zu finden ist. Wenn nur in jeder -besseren Gaststätte im Lande nur ein oder zwei Originalkunstwerke -hingen, angeschafft für das Geld, das anderweitig für die Augen- oder -Ohrenmarter der Gäste hinausgeworfen wird und besser erspart bliebe, -so wäre unserer notleidenden Kunst geholfen und durch die Erziehung -und Freude, welche jedes echte Kunstwerk gibt, würde reicher Segen -geschaffen. Könnten nicht die vornehmeren Gaststätten zugleich -stimmungsvolle Ausstellungsräume sein für Kunstwerke, die sich hier dem -Käufer in jeder Beleuchtung zur ruhigen Betrachtung darbieten und für -sich und den Künstler unaufdringlich werben können in Räumen, die der -heimischen Wohnung ähnlich sind? Alle Teile, der Wirt, der Gast, die -Kunst und der Künstler hätten ihren Vorteil dabei. - -Solche Betrachtungen und Lehren regt die Herrenstube hier im Seiffener -Erbgericht an, während die Sonne durch die bunten Scheiben blinkt -und leuchtende Farbenflecken auf die blankgescheuerten Tische wirft. -In den Fenstern sind buntfarbige Wappen und Tierbilder: wie Elster, -Eichhörnchen, Fuchs, Hase angebracht, und oben im Laubwerk und -Nadelgezweig des breiten Wandfrieses tummelt sich fröhlich allerlei -Getier des deutschen Waldes frisch und keck ohne ängstliche Schablone -hingemalt, wie es der Phantasie des Künstlers entsprang. So regt es -auch wieder die Phantasie an und macht die Gedanken fröhlich. - -Die Balken der Decke sind sichtbar mit grünem Anstrich, und ringsherum -läuft ein Fries in Breite des Balkenfeldes mit lustigen Blumenkränzen -in Grün, Weiß und Hellblau auf schwarzem Grunde. Eine besondere -Zierde des Raumes sind neben dem Holzleuchter an der Decke mit einem -Bergmann in der Mitte noch die geschnitzten dreiarmigen Holzleuchter -auf den Tischen, welche in ihrer leuchtenden Farbigkeit und mit ihren -fröhlichen Motiven das Auge anziehen. Als Mittelstück zwischen den -drei Armen sprengt dort z. B. ein Reiter im leuchtend roten Rock mit -einem Jagdhorn auf einem Apfelschimmel über ein Fichtenbäumchen hinweg, -dort ist es ein stolzer springender Hirsch, dort wieder der Kopf des -Hubertushirsches mit dem Kreuz zwischen den mächtigen Stangen. Das ist -Volkskunst, welche erzählt, welche Seele und Gedanken hinausführt aus -dem grauen Alltag in Wald und Heide und das Herz fröhlich macht. -- -- - -So geht es dir im ganzen Hause! Soll ich jeden Raum dir schildern? -Nein, komm und sieh und freue dich, daß ein solches Werk in einem -Gusse ganz aus dem Geiste der Volkskunst, der Heimatfreude und des -Heimatschutzes heraus geschaffen ist. Schaust du in die Gastzimmer, so -findest du keine Hotelschablone. Nein, Bett und Leuchter, Tür, Stuhl -und Spiegel sind dem Geiste des Ganzen angepaßt. Kleine Originalgemälde -schmücken die Wand, die du, wenn sie dir besonders gefallen, sogar für -mäßigen Preis erwerben kannst. Manch launiger Vers grüßt dich. An der -Kammer der Magd steht warnend der Vers: - - »Die Wirtin thut aufwecken - die faule, faule Magd, - sie thut sich erst recht strecken - und schlaft dann bis es tagt.« - -Auf dem Treppenplatz im Dachgeschoß füllt die Ecke gewichtig ein bunter -alter Bauernschrank aus dem Jahre 1704 und eine eigenartige buntgemalte -Wiege steht daneben, welche auf dem Kasten den bedeutsamen Spruch trägt: - - Salomo der Weise spricht - Weib erfülle deine Pflicht. -- -- - -In einem Zimmer des Obergeschosses ist eine erzgebirgische Bauernstube -eingerichtet mit allerlei echtem Geräte bis ins Kleinste liebevoll -und mit großem Verständnis ausgestattet. Dieser für die Volkskunde -belangreiche Raum ist so recht ein Zeugnis für den Sammeleifer und die -liebevolle Art, mit der die großen und die vielen kleinen, doch oft -so wichtigen Dinge des täglichen Lebens und untergehender Sitten und -Gebräuche erfaßt und bewahrt werden. Es ist zugleich auch ein Zeugnis -für den Geist, der durch das Bunte Haus geht, der alles aus Liebe -zur Sache mit großen Opfern geschaffen und nicht der Reklame und des -bloßen Gewinnes wegen, obschon auch hier die alte Wahrheit sich wieder -erweist, daß das Echte und Schöne und Gute seinen Lohn sich selbst -bereitet. - -Das Haus dient dem Orte und der erzgebirgischen Volkskunst und -Industrie in unaufdringlicher vornehmer Weise dadurch, daß es durch die -lebendige Anschauung zwanglos bei jedem Gaste Freude daran erweckt und -die Lust am Besitze solcher lustigen Dinge. - -[Illustration: Abb. 5 =Seiffen, Buntes Haus=] - -Dieser Absicht dient auch die Spielwarenausstellung im Erdgeschoß des -Seitenflügels, wo man an der Fülle alter und neuer Stücke der Seiffener -Industrie und Kunstfertigkeit seine Freude hat und nach Herzenslust -wählen darf, was man sich oder anderen zur Freude erwerben mag. -- -- -- - -Doch draußen lacht die Sonne! Es hält uns nicht mehr im Zimmer. -Wir steigen zur Kirche aufwärts, welche als achteckiger Zentralbau -charaktervoll von der Höhe herniederschaut. Wir stehen dann am Grabe -des Pfarrers Härtel, der ein rechter Pfarrer für seine Gemeinde -war, ein treuer Berater für die Seele seiner Gemeinde, Helfer und -Anreger auch in allen Dingen, die zur Blüte seiner Gemeinde in -wirtschaftlicher, heimatkundlicher und kunstgewerblicher Hinsicht -beitragen konnten, ein Freund der Heimat, festgewurzelt im Boden seiner -geliebten Gemeinde. - -Draußen im Walde hatte er sein Lieblingsplätzchen, wo er von moosiger, -gewachsener Felsbank ins Tal schaute. Dieser Stein aus heimischem Grund -sollte sein Grabstein werden, hatte er einst gewünscht. - -Als ein rascher Tod ihn seiner Gemeinde entriß, da dachte man seiner -Worte. Er konnte nicht mehr zum Stein im Walde draußen gehen. So kam -der Stein aus dem Walde zu ihm und deckt nun als mächtige rauhe Platte -sein Grab und schützt es wie der Deckstein das Grab eines germanischen -Edelings. Eine schlichte Inschrift nennt seinen Namen. Ein grüner Kranz -aus ernsten Fichtenzweigen ist sein Schmuck. - -Eine weihevolle ernste Stimmung liegt über dem Grabe. »Der ist in -tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du!« - -Wir schreiten weiter unter der Traueresche hindurch, welche wie ein -mächtiger Torbogen die Straße überwölbt, und als ein eigenartiges -Naturdenkmal von besonderem Reiz zu hegen ist. -- - -[Illustration: Abb. 6 =Seiffen=] - -Die Binge ist unser Ziel. Zwei Kessel sind es, aus denen einst das Erz -gebrochen wurde. Eine Halde und steiler Felsgrat liegt zwischen ihnen -und trennt sie. In die kleinere kann man hineingehen. Sie wirkt wie ein -ungeheurer Steinbruch mit steilen Wänden, auf deren Vorsprüngen und -Kanten heute der leuchtende Schnee liegt und die Farben des Gesteines -besonders hervorhebt. Oben von der Höhe zwischen den Bingen haben wir -einen weiten Blick ins Land und auf den Ort zu unseren Füßen. - -Wie auf einer gewaltigen Kanzel stehen wir hoch über der Geschäftigkeit -des Tages, die verworren zu uns heraufklingt. Dann steigen wir zur -großen Binge herab auf vereistem Wege, der glatt und nicht ungefährlich -uns dicht am Rande dieses ungeheuren wildromantischen Kraters entlang -führt. Ein Wasser stürzt jenseits rauschend in die Tiefe und Eiszapfen -hängen von dem Gestein wie schimmernder Spitzenbehang. Aus dem Grunde -ragen Bäume auf und drüben am Rande stehen echt erzgebirgische niedrige -Bergmannshäuser. Längst ist der Bergbau hier erloschen, aber sein -unverwischbares Gepräge hat er dem Orte gegeben. -- -- - -Doch jetzt wollen wir noch Seiffen bei der Arbeit und bei der Kunst -suchen und erleben. - -Unser Weg und unsere Wißbegierde führt uns in die Fachschule, die unter -Professor Seiferts Leitung ein Jungbrunnen für die Seiffener Industrie -zu werden bestimmt ist. Eine reiche Sammlung von Seiffener Spielzeug -von ältester Zeit her zeigt, wie die Entwicklung von einstiger Höhe -zur Tiefe abwärts und in der neueren Zeit wieder zur Höhe aufwärts -ging. Neben den alten guten Sachen fesseln uns vor allen die Dinge der -Gegenwart und Zukunft, die Dinge der Hoffnung, neuzeitliche Arbeiten, -die in echt erzgebirgischer Art die fröhliche Farbenbuntheit mit immer -wieder neuen Formgedanken in materialgerechter Bildung und Herstellung -verbinden. Über vielen Arbeiten liegt ein frischer Humor, der uns -unwillkürlich lächeln läßt, wie bei jener Familie bunter Vögel, die mit -ihren drehbaren Köpfchen sich um ihren gravitätischen Vogelkönig mit -dem großen Schnabel und goldenem Krönchen scharen und mit aufgehobenen -Schwänzchen bald keck, bald dummdreist, bald fröhlich in die Welt -gucken. Kindeseinfalt, Märchensinn und Schelmerei sind mit scharfer -künstlerischer Naturbeobachtung verbunden, um in einfachster Form -und Technik echte Vogelcharaktere zu geben und echtes kinderseliges -Spielzeug zu schaffen. Und doch ist es so schwer, wie man uns sagt, -diesen köstlichen Dingen Eingang ins Volk zu schaffen! Zur Anfertigung -z. B. dieser Vögel hatte sich nur eine Fabrik seinerzeit bereit -gefunden, welche inzwischen den Betrieb eingestellt hat. Diese Dinge -werden aus dem Handel völlig verschwinden, wenn nicht ein anderer -Betrieb sie wieder aufnimmt und für den Vertrieb sorgt. Wir sehen -in der Ausstellung z. B. auch das köstliche Gespann eines Ochsen -und Pferdes vor einem Wagen mit Holzstämmen von einer verblüffenden -Naturwahrheit und Echtheit in der Bewegung bei aller packenden -Einfachheit der Form und Technik, daß man seine helle Freude daran -hat. Auch dieses prächtige Werk echt deutschen Kindersinnes wird in -deutschen Spielzeughandlungen wenig gekannt, geführt und gekauft. -England und Amerika sind die Abnehmer. Und doch sind gerade diese -Dinge, welche die künstlerische Leitung der Fachschule schafft und -mustergültig durcharbeitet, die Hoffnungen für einen neuen Aufschwung -im künstlerischen und wirtschaftlichen Sinne für die Seiffener -Industrie. Sie sind die gesunden Keime einer kräftigen zukunftssicheren -Entwicklung und einer reichen kommenden Ernte. - -Wenn die erstarrten und veralteten zum Teil unnatürlichen und unschönen -oder gekünstelten Formen, welche noch vielfach den Spielzeugmarkt und -die Musterläger beherrschen, diesen schönen Dingen weichen würden und -den reichen Anregungen der Fachschule mehr nachgegangen würde, so wäre -eine neue Blüte erzgebirgischer Kunstindustrie zu erhoffen. Das Schöne -muß Massenartikel werden. - -Da hängen z. B. in der Ausstellung eine Fülle von reizvollen -bunten Leuchtern aus Holz in einfacheren und reicheren Formen und -Ausgestaltungen nach Motiven der alten erzgebirgischen sogenannten -Bergspinnen gefertigt und belebt mit allerlei lustigen Figuren. Wer -kennt diese köstlichen Dinge? Sprudelndes Leben, volkstümliche Kraft -und bunte Farbenfreude spricht aus jedem Stück. Wie geschaffen sind -sie, um im Kinderzimmer, im Herrenzimmer, auf der Diele, oder in -traulichen Gaststuben einen frohen Klang erzgebirgischer Heimatkunst, -Heimatlust und Freude zu tragen. Sie haben sprühende, lebendige -Ursprünglichkeit und farbenreiche Musik in allen Gliedern, wie ein -Volkslied, das durch alle Stimmungen reißt, innig empfunden und frisch -aus dem Herzen gesungen. - -Sie sind wahre Volkskunst eigener echter Prägung und Art, durch welche -das Erzgebirge seinen Ruf in ungeahnte Fernen zu tragen vermag, denn -nicht die Schablone, nicht die Allerweltsartikel, nicht die Billigkeit -begründet den Ruf und Erfolg, sondern die Eigenkunst, die Eigenkraft, -der Eigenwert, die volkstümliche Eigenart, welche lebendig aus dem -tiefsten Empfinden der Volksseele herausgewachsen ist. Möge sich mit -dieser volkstümlichen Eigenkunst der echte Unternehmergeist verbinden, -der im Betrieb und Vertrieb auch die wirtschaftlichen Erfolge für -die erzgebirgische Heimkunst herbeizuführen weiß. -- Trotz vieler -köstlicher Dinge, die aus der Fachschule noch zu berichten wären, z. -B. Christmetten in Seiffen in wunderbarer Lebendigkeit figurenreich -hingestellt, müssen wir scheiden. Wir gehen noch durch mancherlei -Häuser und Fabriken, um einerseits die Heimarbeit, andererseits die -Reifendreherei und die bis ins Äußerste getriebene Arbeitsteilung der -Seiffener Industrie kennen zu lernen, wo mancherlei bemerkenswerte -Beobachtungen, Bilder und Gespräche uns lohnten. Geht nur mit -offenen Augen und Herzen in die Arbeitsstätten und ihr werdet stets -reicher daraus wiederkehren! Hier will ich jedoch nur noch von einem -Besuche berichten, bei Auguste Müller, einem Mütterchen von über 70 -Jahren, welches als letzte noch die urtümliche Herstellung einzelner -Originalstücke nach eigener Erfindung in mühevoller Handarbeit vom -rohen Holze bis zum letzten Pinselstrich übt. - -Mit gebeugtem Rücken, die Brille vor den Augen, sitzt sie im engen -Stübchen, das Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Arbeitsraum zugleich -ist, wo die Katze schnurrend umherstreicht. In malerischer Unordnung -liegen auf dem Tisch Arbeitsgeräte, gekochte Kartoffeln, Nähzeug, -Kaffeetopf und allerlei Dinge verschiedenster Bestimmung. Eifrig holt -sie einen Kasten herbei mit einzelnen fertigen Arbeiten, und erzählt -von ihren Plänen. Für einen feinen Herrn hat sie die Figuren der Söhne -geschnitzt in Matrosenanzügen, und ein feines Fräulein mit Täschchen -und Federhut. Im Walde lebt der »Nusser« (Häher) und diesen packt der -Habicht. Da verliert er seine kleinen blauen Federn. Diese sammelt sie -sich und schmückt damit den Federhut des feinen Fräuleins. Für Kleid -und Tasche sucht sie in der Modenzeitung ihre Muster in Schnitt und -Farbe. - -Für das Dienstmädchen wählt sie ein flottes Dirndlkleid. Frisch ist -der Typus der feinen Dame und des drallen Dienstmädchens getroffen. -Dort hat sie eine ganze Tiroler Sängergesellschaft humorvoll -zusammengestellt. Jetzt wolle sie einen Tempel bauen mit einer -Krone oben, um den die Engel schweben. So geht ihre Phantasie und -ihr Plaudern mit einer erstaunlichen Lebendigkeit. Was sie sich -zusammensinniert mit ihrer kindlichen Phantasie, das führt sie mit -großer Sicherheit durch, wofür viele eigenartige und reizvolle Stücke -in der Sammlung der Fachschule und im Bunten Hause Zeugnis ablegen. -Unter manche dieser Stücke klebt sie einen Zettel, auf dem irgendeine -Schnurre oder scherzhafter Einfall notiert ist, der ihr vielleicht -gerade Anlaß zu dieser Arbeit und ihrem Humor gegeben hat. So läßt sie -ihre kleinen Personen reden und macht sie sich selbst lebendig. Sie -lebt mit ihnen, sie sind kindlicher Ausdruck ihrer Stimmung. Auch ihr -Name darf nicht fehlen. Ein stark abgeschliffenes Schnitzmesser ist ihr -Handwerkszeug bei der Schnitzarbeit. - -Das ist echte Volkskunst in ihrer ganzen Kindlichkeit, die noch in -diesem alten Mütterchen lebt und webt, sie ausfüllt und geistig -lebendig, zufrieden und rüstig erhält trotz aller Kärglichkeit und -Sorge, welche der mühsame Erwerb bereitet; Volkskunst, wo in jedem -einzelnen Stück die ganze Liebe und Freude des Herstellers an der -Arbeit steckt und es wertvoll macht als Originalwerk, das aus der Seele -des Volkes geboren ist. Volkskunst freilich auch, die nicht für den -Massenexport und Lebensberuf geeignet ist. -- - -Wir scheiden von der Alten mit dem Wunsche, daß sie noch lange ihr -Schnitzmesser führen möge als letzte Schnitzerin echt volkstümlicher -Seiffener Kleinkunst. Ihre kleinen Arbeiten werden wohl bald in -Sammlungen solcher Dinge gesucht sein. - - * * * * * - -Unsere Abschiedsstunde von Seiffen hat geschlagen. Wir setzen den Stab -heimwärts aus dem Lande der Kinderträume, Weihnachtsseligkeit und -Spielzeugherrlichkeit, in dem uns wohl war wie am Heiligen Abend. Wir -scheiden vom Erbgericht und Buntem Haus mit Dank für die Behaglichkeit, -Freude und Anregung, die wir so reich erfahren haben. Möge der Geist -erzgebirgischer Volkskunst einer echten Weihnachtskunst, wie er hier -seinen lebendigen Ausdruck gefunden hat, stärker werden, wachsen und -überall in unseren Dörfern und Städten ein Daheim finden, möge er sie -zur Pflanz- und Pflegestätte einer echten bodenständigen volkstümlichen -Kunst und Kultur machen. - -Nur die Pflege der Eigenart kann uns stark machen, abheben, herausheben -von dem Gleichgültigen, aus der Masse, aus tödlicher Schablone. -Wie unsere Berge ihren Charakter tragen, der auch in den Kindern -der Berge sich ausprägt, so muß die Kunst des Gebirges zu immer -größerer Echtheit und Eigenart sich durchringen und emporsteigen. -Der innere Gehalt und äußere Wert können und werden durch die -künstlerische Eigenart und Besonderheit wachsen und durch sie eine -neue Blüte der alten erzgebirgischen Volkskunst gewinnen. Hebt euch, -ihr Künstlerhände, zum Werke und zur Tat, wache auf, Phantasie mit -Kindesaugen und Kindesherzen und schaffe neues Kinderglück, raffe dich -auf, Unternehmergeist, zu frischem Wagen und neuer Unternehmung für -alte und neue Kinderkunst. Und ihr alle, die ihr der Heimat Gaststätten -bietet, denkt daran, auch der Heimatkunst gastliche Stätte zu bereiten. -Glückauf allen wackeren Männern, die daran arbeiten, um so der Heimat -neue Freude, Licht und Glück durch die Kunst zu schaffen. Glückauf! - - - - -Neue Wohnhausbauten im Erzgebirge - -Von Baumeister _Richter_, Flöha - - -Im Bezirk der Amtshauptmannschaft Flöha sind im Flöha- und Zschopautal -im Laufe der beiden letzten Jahre eine Reihe Wohnhausneubauten -erstanden, die auch der Heimatschutz als erfreulichen Erfolg seiner -Arbeit buchen darf. Neben den Gemeinden haben sich hier sozial gesinnte -Industrielle bemüht, der Wohnungsnot zu steuern und gleichzeitig -Bauten zu schaffen, bei denen die alte, gute heimische Baukunst wieder -zu Ehren kommen sollte. Zwei von diesen Anlagen sollen in dieser -Zeitschrift zum erstenmal veröffentlicht werden. - -In Flöha-Gückelsberg ist an der großen Chemnitz-Dresdener Heerstraße -durch die Baumwollspinnerei G. F. Heymann ein Gruppenwohnhaus für -neun Familien errichtet worden, und in Zschopau hat die Zschopauer -Baumwollspinnerei auf dem Höhenrücken gegenüber dem Bahnhof ihre -Siedlung »Grüne Aue« mit dreißig Wohnungen erstehen lassen. Beide -Anlagen weisen gleichmäßig eine Reihe charakteristische Einzelheiten -auf, aus denen sich liebevolles Eingehen auf die Eigenheiten, -Lebensbedürfnisse und Lebensgewohnheiten der Bewohner verrät. -Erzgebirgische Spinnereiarbeiter haben in den Wohnungen ihr Heim -gefunden. Wenn sie nach Hause kommen von ihrer Arbeitsschicht -- -beide Werke arbeiten seit Jahren mit zwei Schichten am Tag -- steht -ihnen noch ein halber Tag Zeit zur Verfügung. Er wird genutzt. Der -Erzgebirgler zieht in solcher Freizeit hinaus in den Wald und sammelt -Holz und rodet Stöcke. Oder er zerkleinert Wurzeln auf dem Hof und -schichtet sie säuberlich zu runden Meilern auf. In den warmen Monaten -des Jahres gräbt und bastelt er auch gern im kleinen Gärtchen. Und -im Winter, an den langen Abenden wandern das trockene Reisig und -die dürren Wurzeln und Stöcke gemächlich in den massigen Herd des -Wohnraumes, der Vater schürt behaglich das Feuer und schmaucht sein -Pfeifchen dazu, und die Kinder hocken um den Küchentisch und beobachten -die Arbeit der Mutter. Da will ein großer Wohnraum geschaffen sein mit -einem mächtigen Ofen, der kocht und Wärme spendet, ein Raum in dem -gleichzeitig die Familie wohnen und die Hausfrau schaffen kann. Der -Spinner -- und meist auch die Spinnerin -- brauchen ein großes luftiges -Schlafzimmer als Gegengewicht zur Arbeit im staubigen Fabriksaal. Die -Sonne muß drin spielen können. Im Hof soll Platz sein für die mächtigen -Holzmeiler. Und einen Schuppen im Hof braucht ein jeder für das -Kleinholz, für seinen kleinen Handwagen und für seine Stallhasen. Die -Hausfrau aber verlangt ihren Bleichplan mit dem Wäschetrockenplatz. - -[Illustration: Abb. 1 =Lageplan der »Grünen Aue« in Zschopau=] - -[Illustration: Abb. 2 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser »Kolonie Grüne -Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=] - -Auf all diese Bedürfnisse ihrer Arbeiter haben die Bauherrschaften im -Verein mit ihrer Bauleitung, der Flöhaer Bezirkssiedelungsgesellschaft, -sorgsam Bedacht genommen. Die Grundrißtypen fangen das Sonnenlicht -auf, solange es sich einfangen läßt. Bei ihnen gibt es nicht mehr -Straßen- und Hoffront, sondern nur noch Licht- und Schattenseite. -Stets liegen Schlafraum und Wohnküche nach Süden. Immer liegt auch nur -eine Wohnung an einer Treppe in einem Geschoß. Ein geräumiger heller -Flur bietet Platz für Schränke und Kleiderablage, denn die staubigen -Arbeitskleider und Schuhe gehören nicht in die Schlaf- und Wohnräume. -Ganz besondere Liebe ist der Wohnküche zuteil geworden. Immer hat sie -zwei Fenster nach verschiedenen Himmelsrichtungen, so daß den ganzen -Tag über die Sonne in ihr spielen kann. Der große Kachelherd fängt in -seinem Turm die Wärme und gibt sie langsam wieder an den Raum ab. In -die Fensterbrüstung ist die kleine Speisekammer als Schrank eingebaut. -Mit Kellerraum ist jede Wohnung reichlich bedacht. - -[Illustration: Abb. 3 =Doppelwohnhaus für vier Familien der -Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.= - -Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 398700 M. - -Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche -kostet 1210 M.] - -[Illustration: Abb. 4 =Doppelwohnhaus für vier Familien der -Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.= - -Baukosten einschl. 1000 ~qm~ Garten 511500 M. - -Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche -kostet 1210 M.] - -[Illustration: Abb. 5 =Beamten- und Arbeiterwohnhäuser-Kolonie »Grüne -Aue« der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.=] - -[Illustration: Abb. 6 =Gruppenwohnhaus der Firma G. F. Heymann, -Gückelsberg-Flöha=] - -[Illustration: Abb. 7 =Gruppenwohnhaus für neun Familien der -Baumwollspinnerei Gückelsberg= - -Baukosten 510909 M. - -Bauzeit: 15. Februar 1920 bis 31. Juli 1920. - -Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1039,28 M.] - -Am Gückelsberger Haus liegt nach Süden zu ein großer Hof mit -abgegrenzten Holzplätzen von Schuppen eingefaßt. In der »Grünen -Aue«, die sich an einen Wohnweg anschmiegt, sind die Bauwiche, die -aus den baupolizeilichen Vorschriften entstehen, in ähnlicher Weise -mit Schuppen zu Höfen eingerahmt und zu Holzstapelplätzen verwendet. -Vor den Sonnenseiten der Häuser ziehen sich in langen Reihen die -Bleich- und Trockenplätze und die kleinen schmucken Gärtchen hin. -Und aus den Fenstern der Schlafzimmer und der Wohnküchen kann der -Blick weit hinausschweifen über die weiten Höhen und Täler, auf die -massige blaue Augustusburg, in das herbe waldgrüne Zschopautal. Das -ist Erholung für des Arbeiters Auge, Ruhe nach der Schicht zwischen -den surrenden Spindeln und kreischenden Fleyern. Und auch nach außen -haben diese Häuser ihr eigenes erzgebirgisches Gewand. Diese straffe, -geschlossene und doch weiche Gliederung der Massen, die bodenständigen -Bruchsteine des Sockelgeschosses, der freundliche Putzstreifen, -die dunkle Brettverkleidung des Obergeschosses mit ihren leuchtend -weißen Fensterteilungen und das blaue Schieferdach, hier und da ein -freundlicher grüner Blumenkasten mit Geranien und Kresse! Ist das nicht -die Farbenzusammenstellung, die jeden Wanderer erfreut, wenn er an den -alten Häuschen der langen Gebirgsdörfer vorüberzieht? - -Dabei hat nüchterne wirtschaftliche Erwägung diese Formgebung maßgebend -beeinflußt, sie ist durchaus nicht etwa der Laune der Architekten -entsprungen. Für das Fachwerk stand Heeresholz preiswert zur -Verfügung. Gebrannte Ziegel waren knapp und teuer, aber Lehmziegel, -sogenannte Grünlinge, standen noch in großer Menge in den heimischen -Ziegeleien. Lehmbauversuche wollten weder die Bauherren noch die -Bezirkssiedelungsgesellschaft anstellen und so wurde eben auf die -altbewährte erzgebirgische Bauweise zurückgegriffen. Auch beim inneren -Ausbau ist trotz der Abkehr von modischen Zeitströmungen und trotz -sparsamster Verwendung der Mittel das Heim freundlich und liebenswert -gestaltet worden. Zum Schluß mag noch anerkennend erwähnt sein, daß -beide Firmen die Bauten, welche fast drei Millionen Mark kosteten, -ohne irgendwelchen Zuschuß ganz aus eigener Kraft erbaut haben. Diese -Selbsthilfe der Heimat in ihrer Not ist auch ein Stück Heimatschutz, -still und geräuschlos, aber desto wert- und wirkungsvoller. - - - - -Bücherbesprechungen - - -=Dresdner Wanderbuch=, ein Führer zur Kenntnis der Heimat für -die Schule und für alle Naturfreunde, herausgegeben von Dresdner -Erdkundelehrern. I. Teil: Grundlegende Wanderungen. (Wittich und -Schobloch, Verlagsbuchhandlung, Dresden, Wachwitz). Preis M. 9,75[5]. - - [5] Für Mitglieder des Heimatschutzes M. 8,--. (Bestellkarte anbei.) - -Mit dem vorliegenden trefflichen Wanderbuche hat unsere Heimatschule -einen wertvollen Helfer erhalten. Die Veranlassung zur Herausgabe -derartiger Wanderbücher, wie sie andere Städte (Leipzig) schon haben, -gab eine Verordnung der Unterrichtsbehörde, die für höhere Schulen -besondere Wandertage einführte. Es galt nun brauchbare Anweisungen zu -schaffen, um die Unterrichtswanderungen möglichst fruchtbringend zu -gestalten. Dieser Arbeit unterzog sich eine kleine Gruppe von Dresdner -erdkundlichen Fachleuten, die sich unter Führung des Herausgebers ~Dr.~ -P. Wagner zu einer Wander- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen -und in dieser auf Grund eines für alle Klassen aufgestellten -Wanderplanes zahlreiche Ausflüge unternahmen und so den Inhalt des -vorliegenden Wanderbuches erarbeiteten. Das Werkchen soll als erster -Teil den Leser im Angesicht der Natur allmählich in eine tiefere -Auffassung der Landschaft einführen und ein Buchwissen voraussetzen. -Der später folgende II. Teil wird auf dieser Grundlage weiterbauen und -etwas tiefer schürfen. In dieser weisen Beschränkung liegt ein großer -Vorzug des vorliegenden Buches; damit wird es ein brauchbarer Führer -für die große Allgemeinheit. - -In achtzehn Abschnitten lernen wir die Elbtalweitung und ihre -Ränder, das Stadtbild, das Waldgebiet und das Industriegebiet des -Döhlener Beckens kennen. Die letzten zwei Abschnitte sind dem -Wandern nach der Karte gewidmet. Ein überreiches Material bietet -das Werkchen auf seinen 132 Seiten. Der Leser, der vielleicht bis -jetzt nur die landschaftlichen Schönheiten unserer Heimat empfunden, -lernt erdkundlich sehen, sein Blickfeld weitet sich, und das Auge -schaut, welche gewaltigen Kräfte am Werke waren und noch sind, um -die heimatliche Landschaft zu gestalten. Der Elbkiesel am Ufer, der -Steinbruch am Hange, die unscheinbare Bodenwelle im Tale, die Sanddüne -des Hellers; sie alle reden eine Sprache, unverständlich dem größten -Teil unserer Wanderer. Das Büchlein läßt uns erkennen, welcher Reichtum -an Belehrung in unserer Dresdner Landschaft verborgen liegt, von dem -wir bis jetzt vielleicht nichts ahnten. Auch der Menschenschicksale -aus grauer Vorzeit wird gedacht, von denen die Funde der Dresdner -Gegend erzählen. Mit anderen Gefühlen als bisher wird der Leser an der -stattlichen Kirche von Briesnitz stehen, denn er weiß, daß er sich auf -geheiligtem Boden der Heimatgeschichte befindet. - -So wird das Wanderbuch nicht nur unserer Jugend, sondern jedem -Naturfreund ein zuverlässiger Führer sein. Es führt zur tiefen -Heimaterkenntnis, zur echten Heimatliebe und damit auch zum -Heimatschutz. Deshalb kann unser Landesverein dem Büchlein im eigenen -Interesse eine reiche Verbreitung wünschen. - -Das Werkchen würde meiner Ansicht nach noch bedeutend an Wert gewinnen, -wenn neben den reichen bodenkundlichen Betrachtungen auch Beobachtungen -unserer heimatlichen Pflanzen und Tiere aufgenommen würden. Gerade -hier sind Naturdenkmäler in Gefahr und ist eine Aufklärung unserer -Jugend und Ausflügler sehr notwendig. Auch wäre es zu begrüßen, wenn -die Dresdner Landschaft etwas weiter gefaßt würde und Gegenden, wie das -Moritzburger Teichgebiet, das doch für Unterrichtswanderungen in Frage -kommt, mit Erwähnung fänden. Vielleicht finden wir dies alles im II. -Teil. - - P. Bdt. - - -=Sachsenland.= Ein Heimatbuch von _Otto Eduard Schmidt_. Mit -Zeichnungen von Herbert Hofmann und 3 Kunstbeilagen. VI., 419 S. -8°. 1921. Friedrich Brandstetter, Leipzig. Preis M. 30,-- einschl. -Teuerungszuschlag.[6] - - [6] Für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz - Vorzugspreis M. 27,50. (Bestellkarte in diesem Hefte.) - -Von einem Wandersmann ist das Buch zusammengestellt, mit der Absicht, -viele anzuregen, Wanderstab und Rucksack aufzunehmen und sinnenden -Geistes durch die Heimatgaue zu pilgern. Allzulange sind wir in -die Fremde hinausgezogen, daß wir sie oft besser kannten als das -Vaterland. Und nun soll es weiten Kreisen neu erschlossen, lieb und -traut gemacht werden, damit alle wissen, was wir an ihm hatten und was -wir an ihm haben können. O. E. Schmidt, der Mann der kursächsischen -Streifzüge, ist ein berufener Führer auf solchen Pfaden. Wie er selber -die Heimat sieht und schildert, das wissen wir aus seinen bisher so -freudig aufgenommenen Schriften. In diesem Buche will er sie uns mit -den Augen anderer Geleitsmänner zeigen, alter und junger, aber in der -Hauptsache sind es Zeitgenossen, aus deren Werken er dieses Heimatbuch -zusammengebracht hat. Und wie es gar nicht anders sein kann, finden wir -darin fast alle Führer auf dem Gebiete des sächsischen Heimatschutzes -vertreten: Paul Schumann, Karl Schmidt, Oskar Seyffert, Arno Naumann, -Martin Braeß, Paul Rieß, Gerhard Platz usw. Daneben begegnen uns -- -um nur noch einige Lebende zu nennen -- die bekannten Namen eines -Deichmüller, Poeschel, Pank, Findeisen, Stübler, Otto Richter, -Partsch, Blanckmeister, von Münchhausen, Löscher, Schwär u. a. So -wirkt das Buch ganz modern, sowohl in seinen Prosabeiträgen wie in den -eingestreuten Gedichten. Daß der feinsinnige, auf die Stimmung unserer -Zeit vornehm reagierende Herausgeber im allgemeinen eine glückliche -Auswahl getroffen hat, ist selbstverständlich. Man wird ihm auch darin -gern beistimmen, daß er Sinn und Umfang des Begriffes »Sachsenland« -nicht auf das vormalige Königreich beschränkt hat, sondern das ganze, -durch die gemeinsame Kolonisationsgeschichte in seinen Wurzeln -zusammenhängende Gebiet zwischen Saale und der schlesischen Grenze zur -Darstellung bringt. Er gliedert demgemäß den Stoff in einem Überblick -über das Land und seine Bewohner und in die sechs Kapitel: Die -Elblandschaft von Schmilka bis Magdeburg; Das Tiefland zwischen Saale -und Elster, Pleiße und Mulde; Aus dem erzgebirgischen Becken und dem -mittelsächsischen Hügellande; Aus dem Vogtlande; Aus dem Erzgebirge; -Aus der Oberlausitz. Aber diese Abschnitte scheinen uns nicht alle -mit gleicher Liebe und mit gleichem Glück behandelt zu sein. Wenn wir -schon vom Vogtlande, diesem kerndeutschen und landschaftlich durchaus -nicht reizlosem Teile Sachsens, gern eine reichere Auswahl geboten -sähen, so vermissen wir besonders mehr charakteristische Beiträge zur -Kenntnis von Land und Leuten der sogenannten Sächsischen Schweiz. -Gewiß hätten die Zeitschrift »Über Berg und Tal«, das Werk über die -Burgen der Sächsischen Schweiz, die prächtigen Geschichten von Wilhelm -Schindler manch brauchbaren Fund ergeben. Das Gedicht »Die Sensen« -von unserem trefflichen Findeisen atmet dagegen nicht im geringsten -Bodenständigkeit, und Karl Gjellerups »Sommernacht in Schandau« kann -man ebensowohl in Blankenese wie am Rhein oder an der Donau erleben. -Um recht zu wirken, sind einzelne der von O. E. Schmidt aufgenommenen -Beiträge überhaupt zu kurz abgerissen; man liest sie, hofft auf die -Pointe, blättert um und sieht sich am Schlusse. Das muß bei aller -Anerkennung des Buches gesagt werden, gerade weil es verdient, recht -viele Freunde zu finden, nicht nur mit dieser ersten Auflage, sondern -auch mit etlichen folgenden. - -Es ist wohl geeignet, die Heimatliebe zu fördern, und das ist die -Hauptsache. Glück auf! - - Alfred Meiche. - - * * * * * - -=»Vogelschutz« von seiten eines Forschers!= In der ungarischen -ornithologischen Zeitschrift »~Aquila~« veröffentlicht der Ornitholog -Csiki »Positive Daten über die Nahrung unsrer Vögel.« Das ist ja an -sich ganz schön, besonders für die Frage nach Schaden oder Nutzen der -Vögel; auch Vogelhalter können vielleicht manches für ihre Lieblinge -daraus lernen. Aber nun kommt die Kehrseite. Um z. B. die Nahrung -unsrer Elster, die bekanntlich recht schädlich werden kann, genau -festzustellen, hat der betreffende Forscher nicht weniger als 351 -(!) Magen von Elstern untersucht. Man traut seinen Augen nicht, wenn -man so etwas liest. Da werden in Ungarn alle möglichen Vorschriften -erlassen und Einrichtungen getroffen, um besonders die Jugend für -den Vogelschutz zu gewinnen, wogegen die Alten um so schlimmer unter -der Vogelwelt aufräumen zu können meinen. Dem Herrn Csiki sollte -wirklich einmal das Maßhalten nahe gelegt werden, zumal er doch, wie -scheint, alle Vögel des Landes betreffs ihrer Nahrung untersuchen -will. Es genügt eine wesentlich kleinere Ziffer von Einzeltieren, um -befriedigende Ergebnisse nach der angegebenen Richtung zu erzielen. - - B. Hffm. - - - - -Hermann Vogel † - - -Am 22. März 1921 hat in Krebes i. V. ein Künstler des Vogtlandes -seine Augen für immer geschlossen, _Hermann Vogel_, der in drei -Jahrzehnten als hervorragender Mitarbeiter der Münchener »Fliegenden -Blätter« in aller Welt bekannt geworden ist, der aber, wie der -Kundige weiß, als Malerpoet mit seinem Schaffen und Dichten tief in -seinem _vogtländischen Heimatboden_ wurzelt. Für die glühende Heimat- -und Vaterlandsliebe Hermann Vogels (geb. 16. 10. 1854 in Plauen) -geben viele seiner Bilder und Gedichte in den »Fliegenden Blättern« -ergreifendes Zeugnis, vor allem aber auch seine phantasie- und -humorvollen Bilder zu den Hausmärchen der Brüder Grimm (1892--1894) -und den Kindermärchen von Rudolphi (1905). In Plauen, der Vaterstadt -des Künstlers, soll in einem _Hermann-Vogel-Zimmer_ des vogtländischen -Kreismuseums eine Sammelstelle für das gesamte Lebenswerk des -Künstlers, der ein Romantiker des Stiftes gewesen, geschaffen werden. - - K. Rdgr. - - - - -Der nutzlose Baum - -Von _Will Vesper_ - - -Auf einer Berghöhe, an einer Stelle, wo es nicht gerade sehr fruchtbar -war, von wo man aber einen weiten Blick über Täler und Höhen, Seen und -Wälder hatte, stand ein gewaltiger Baum. Er bedeckte mit seiner Krone -beinahe den ganzen Berggipfel, so als hätte der Berg ihn wie eine große -grüne Haube auf seinen Kopf gesetzt. - -Eines Tages kam nicht weit von dem Baum ein Zimmermann vorüber, der -mit seiner Säge und seiner Axt in den Wald ging, um Holz zu fällen; -denn er machte Tische, Bänke, Stühle und allerlei Holzwerk. Der sah den -Baum an und sagte zu seinem Gehilfen, der mit ihm ging: »Jetzt sieh -einmal den Baum an. Was das für ein nutzloser und häßlicher Baum ist. -Sein Stamm ist zwar dick genug und alle seine Äste auch, und doch kann -man nichts damit anfangen; denn der Stamm ist so krumm, so verdreht -und verwachsen, die Äste sind alle so vielmal um sich selber gedreht, -so knorrig und eigensinnig, daß man auch nicht das kleinste nützliche -Brettchen aus dem ganzen Baume schneiden könnte. Dazu sind seine -Blätter so hart und seine Früchte so bitter, daß man sie nicht einmal -als Futter für die Ziegen gebrauchen kann. Das nenne ich wirklich einen -nutzlosen Baum, den da.« Damit ging er voll Verachtung für den Baum -weiter in den Wald zu anderen Bäumen und sein Knecht hinter ihm. - -Der Baum aber, der die Rede wohl gehört hatte, rauschte laut auf mit -allen seinen Zweigen, daß es wie ein brausendes Gelächter war, das -hinter dem Zimmermann herlief. »Darum also,« sprach der Baum fröhlich -zu sich selber, »hat man mich hier so viele Jahre stehen lassen, weil -ich nutzlos bin, weil die Zimmerleute nichts mit mir anfangen können. -Darum haben sie mich unbeschädigt so groß und gewaltig werden lassen, -mich, der ich so viel krummer und knorriger bin als alle Bäume im -Walde. Das also war mein Glück. Und darum haben heute die Vögel des -Himmels eine so schöne Wohnung in mir. Darum finden heute die Wanderer, -die den Berg ersteigen, unter meinen Zweigen wohltuenden Schatten -und segnen mich. Von weit her kommen die Menschen aus dem Lande und -bestaunen mich, liegen unter mir in der Kühle, betrachten die Schönheit -der Erde und gehen fröhlich und geduldiger wieder in ihre Täler hinab. -Alles nur, weil ich nutzlos bin und die Zimmerleute, die nur an den -Nutzen denken, nichts mit mir anzufangen wissen. Gepriesen sei meine -Nutzlosigkeit, die mir erlaubt hat, die Krone des Berges und ein -Wahrzeichen des Landes zu werden.« - - (Aus Reclams Universum.) - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: =Werner Schmidt=; - Druck: =Lehmannsche Buchdruckerei=, beide in Dresden. - - - - -Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern die Anschaffung der noch -vorhandenen früheren Bände unserer Mitteilungen. Es sind nur noch -wenige Stücke von manchen Heften da. - - Band _ungebunden_ _gebunden_ - M. M. - - III 7.-- 20.-- - IV 10.-- 25.-- - V 7.-- 20.-- - VI 7.-- 20.-- - VII 7.-- 20.-- - VIII 7.-- 20.-- - IX 7.-- 20.-- - - =Wir gestatten gern Ratenzahlungen. - Bestellkarte anbei.= - - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - Dresden-A., Schießgasse 24. - - - - -Vom Wandern und Weilen im Heimatland - -Von =Gerhard Platz= - -Dresden 1920 - -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei - -Band I - -320 Seiten -- Großoktav - -_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz -M. 12.--_ - -_Bestellkarte in diesem Hefte_ - - -Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast -in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften -aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die -er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz -möchten wir wandern. So ist es verständich, daß wir in dem ersten -Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten -Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in -wenigen Stücken vorhanden. - - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24. - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wurden die Tabellen auf - S. 85 und S. 133 umgestaltet. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 4-6 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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G. Schillings †</a> – -<a href="#Praktische_Arbeit">Praktische Arbeit zur Erhaltung unserer -Steinkreuze</a> – -<a href="#Vom_Heimatgefuehl">Vom Heimatgefühl</a> – -<a href="#Die_Zschemelschka">Die Zschemelschka</a> – -<a href="#Erhaltet_dem_heimatlichen_Landschaftsbilde">Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde die Alleen und die hervorragenden -Bäume</a> – -<a href="#Schlagbaum_und_Chausseehaus">Schlagbaum und Chausseehaus in Sachsen</a> – -<a href="#Die_Schneeheide">Die Schneeheide</a> – -<a href="#Seiffen">Seiffen und das Bunte Haus, eine Fahrt ins Weihnachtsland</a> – -<a href="#Neue_Wohnhausbauten">Neue Wohnhausbauten im Erzgebirge</a> – -<a href="#Buecherbesprechungen">Bücherbesprechungen</a> – -<a href="#Vogelschutz">»Vogelschutz« von seiten eines Forschers</a> – -<a href="#Hermann_Vogel">Hermann Vogel †</a> – -<a href="#Der_nutzlose_Baum">Der nutzlose Baum</a></p> -</div> - -<p class="center">Einzelpreis dieses Heftes M. 5.–, Bezugspreis für einen Band (aus 12 Nummern -bestehend) M. 15.–, für Behörden und Büchereien M. 10.–. Mitglieder erhalten -die Mitteilungen kostenlos, <em class="gesperrt">Mindest</em>jahresbeitrag M. 10.–</p> - -<p class="center p2">Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24</p> - -<div class="smaller p2"> -<div class="bleft"> -Postscheckkonto: Leipzig 13 987, Dresden 15 835 -</div> -<div class="bright right"> -Stadtgirokasse Dresden 610 -</div> -</div> -<p class="center p2">Dresden 1921</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Aufruf">Aufruf</h2> -</div> - -<p class="center larger">an die Sachsen im Ausland zur Erwerbung -der Mitgliedschaft des Landesvereins Sächsischer -Heimatschutz.</p> - -<p>Von vielen, die im Auslande die Treue zu ihrem Heimatland -auch dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie Mitglieder -unseres Vereins sind, erhalten wir über unsere Veröffentlichungen -so begeisterte Zuschriften, daß wir den Mut fassen, weiter im -Auslande Mitglieder für unseren Verein zu werben, um unsere -Bewegung auch wirtschaftlich zu stärken. Wir bitten unsere -werten Mitglieder zu diesem Zwecke, uns die Anschriften ihrer -Verwandten, Freunde und Bekannten im Auslande mitzuteilen -oder selbst unter Abforderung von geeigneten Werbesachen bei -uns an diese im Sinne dieser Ausführungen zu schreiben.</p> - -<p>Über nichts freut sich der Auslanddeutsche fern vom Heimatlande -so sehr wie über Bilder und Schilderungen der Stätten, -wo er die Kindheit, die Jugend verlebt hat. Und könnte es da -geeignetere Veröffentlichungen geben als unsere »Mitteilungen« -mit ihren zahlreichen Bildern und Schilderungen des alten -Heimatlandes?</p> - -<p>Wir fügen diesem Hefte eine Postkarte bei, auf der wir -geeignete Anschriften erbitten.</p> - -<p>Für eine freundliche Hilfe sagen wir im voraus herzlichen -Dank.</p> - -<p class="center larger"> -<b>Landesverein Sächsischer Heimatschutz</b> -</p> -<p class="center"> -Dresden-A., Schießgasse 24, I. -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_69">[69]</span></p> - -<div class="bleft"> -Band X, Heft 4/6 -</div> -<div class="bright right"> -1921 -</div> -<div class="figcenter" id="illu-003"> - <img class="w100" src="images/illu-003.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><span class="larger"><b>Landesverein Sächsischer<br /> -Heimatschutz<br /> -Dresden</b></span></div> -</div> - -<p class="center">Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern durch den Vorstand -herausgegeben</p> - -<p class="center">Abgeschlossen am 1. April 1921</p> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Das_westliche_Vogtland">Das westliche Vogtland, ein deutsches Wald- und -Wandergebiet</h2> -</div> - -<p class="center">Von Studienrat <em class="gesperrt">Hans Hänig</em>, Wurzen</p> - -<p class="center smaller">Aufnahmen von <em class="gesperrt">Curt Sippel</em>, Plauen</p> - -<p>Unsere engere Heimat ist reich an Schönheiten. Wer das Erzgebirge durchwandert -und den Reiz des Elbsandsteingebirges genossen hat, wem es vergönnt -war, von der Höhe des Oybin aus seine Blicke über das böhmische Mittelgebirge -schweifen zu lassen, der wird voll sein von Lobes über ein Land, dessen Lebensbedingungen -im übrigen Deutschland nicht eben für günstig gelten. Aber wie es -z. B. die Geschichtswissenschaft nicht immer mit den Höhen des menschlichen -Daseins zu tun hat, sondern auch die Niederungen berücksichtigen muß, so muß -man von dem Schilderer unserer Heimat verlangen, daß er auch den Gegenden ein -liebevolles Verständnis entgegenbringt, die nicht von vornherein als Glanzpunkte -von Wanderungen gelten können. Er wird vielleicht manches vermissen, was ihm -sonst als beachtenswert erscheint, aber er wird auch hier vieles finden, an dem -sein Blick mit Wohlgefallen hängt und von dem echtes Heimatsgefühl ausströmt, -das uns gerade jetzt so vonnöten ist. Warum immer nur das Erzgebirge oder die -Lausitz oder die Sächsische Schweiz? Auch in Südwestsachsen gibt es Landschaften, -die eine eingehende Betrachtung wert sind. Ich will den Leser in das Vogtland<span class="pagenum" id="Seite_70">[70]</span> -führen, und zwar in den westlichen Teil, und hoffe ihn überzeugen zu können, daß -auch dieser Teil unserer engeren Heimat mit seinen Naturdenkmälern, Bergen und -Erinnerungen aus der Vergangenheit eine liebevolle Anteilnahme verdient.</p> - -<div class="figcenter" id="illu-004"> - <img class="w100" src="images/illu-004.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Straßberg bei Plauen i. Vogtl.</b></div> -</div> - -<p>So lade ich denn den freundlichen Leser ein, eines Nachmittags mit mir von -Plauen aus ins westliche Vogtland zu wandern. Wir benutzen die Straßberger -Straße und erblicken schon in dem ersten Dorfe Straßberg, das etwa eine Wegstunde -von Plauen entfernt liegt, ein ehrwürdiges Denkmal aus der vogtländischen -Vergangenheit. Es ist die altertümliche Kirche dieses Dorfes, die wie so manche -andere des westlichen Vogtlandes (Untertriebel, Schwand, Thierbach bei Plauen) -Spuren ehemaliger Befestigungen aufweist. Es war ein Schutz gegen die unaufhörlichen -Kriegsnöte, die dem Vogtland niemals erspart worden sind: seit es von -Franken aus besiedelt wurde (daher auch die ostfränkische Mundart der Bewohner, -die auch ihrem Wesen nach eher den Bayern nahestehen als den Sachsen), hörte -das Land nie auf, ein Durchgangsgebiet zwischen Bayern und Mitteldeutschland -zu sein, auch nachdem die Herrschaft der Vögte – das Land war bis dahin sogar -zeitweise Reichslehen gewesen – an die der Wettiner übergegangen war. Noch -erzählen zahlreiche Steinkreuze von der Herrschaft der Kirche oder von Mordtaten, -die begangen worden waren (der derbe, wenn auch gutmütige Vogtländer greift -auch heute noch gern zur Selbsthilfe, was an seine bayrische Verwandtschaft erinnern -mag oder an die Zeit, in der noch die Sorben und Deutschen nebeneinander -wohnten), und fast jede der größeren Städte an der Elster erfuhr an sich das<span class="pagenum" id="Seite_71">[71]</span> -Wüten des grausamen Generals Holk, der mit seinen Scharen im Dreißigjährigen -Krieg von Eger anrückte und überall ein Schrecken der Vogtländer wurde. Was -könnten allein die Kirchenbücher von Ruppertsgrün und von Pausa Schreckliches -von den Leiden jener Zeit erzählen! Auch in den folgenden Kriegen ist das Land -nicht verschont geblieben: am Wartberge bei Taltitz fochten im Siebenjährigen Kriege -die Ziethenschen Husaren gegen die Österreicher, und im Jahre 1806 wurden die -Dörfer Groß- und Kleinzöbern, sowie Thiergarten bei Plauen von den Franzosen -niedergebrannt, um den übrigen Scharen, die von der Schleizer Gegend aus vordrangen, -ein Zeichen zu geben. Aber wir wollen nicht immer bei den schweren -Zeiten verweilen, die über das Vogtland hinweggegangen sind. Bereits das nur -wenige Minuten entfernt gelegene Dorf Kürbitz ladet mit seiner herrlichen Kirche, -die für eine der schönsten in ganz Sachsen gilt, zu sinniger Betrachtung ein. Wohl -ragt sie rein äußerlich höchstens durch die Größe ihres 42 Meter hohen Turmes<span class="pagenum" id="Seite_72">[72]</span> -etwas aus der langen Reihe der Schwesterkirchen hervor, die so manches vogtländische -Dorf aufzuweisen hat, aber schon ein Blick durch die schöne Hauptpforte -zeigt, daß die Kunst hier eine dauernde Stätte gefunden hat. Wir stehen in einer -Hallenkirche mit drei Schiffen, über die sich ein kunstvolles Kreuzgewölbe spannt, -während an den Fenstern Spitzbogen mit Rundbogen abwechseln. Auch die Kanzel -aus Sandstein mit den Evangelisten und Moses, sowie der Taufstein mit dem -kelchartigen Unterbau ist erwähnenswert, aber niemand wird die schlichte Größe -des Altares vergessen, der aus der alten Kirche vor der Reformation, einer -Gründung der Deutschritter in Plauen, übernommen worden ist. Es ist ein dreiteiliger -Flügelaltar, dessen geschnitzte und vergoldete Figuren wie verwundert und -versonnen aus jener Zeit in die heutige hineinschauen und gerade deshalb durch -ihre kindliche Einfalt so ergreifend wirken: die Mutter Maria mit dem Jesuskindlein -und den Aposteln, Maria Magdalena am Grabe des Herrn und die Mutter -Maria, wie sie ihrer Mutter, der heiligen Anna, das Kind darreicht. Auch die -Gemälde möchte man an dieser Stätte dörflicher Kunst nicht missen, die biblische -Begebenheiten sowie solche aus der Geschichte der Herren von Feilitzsch darstellen, -und es möge erwähnt werden, daß eines dieser Bilder, die Einkehr des Herrn -bei Maria und Martha, aus der Schule von Rubens herrühren soll. Auch die -drei kleinen Altäre sind erwähnenswert, die ebenfalls mit Schnitzwerk und -Malereien reichlich versehen sind. Die Kirche soll eine Stiftung des kunstsinnigen -Urban Caspar von Feilitzsch sein, der sie in den Jahren 1624–1626, also während -des Dreißigjährigen Krieges gebaut haben soll. In einem Seitenschiffe befindet -sich die Begräbnishalle dieser Familie, und viele ihrer Mitglieder sind auf den -Grabsteinen, umgeben von vielen Wappen, dargestellt.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-005"> - <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Kirche zu Kürbitz</b><br /> -(Phot. <em class="gesperrt">Hans Ulbricht</em>, Chemnitz)</div> -</div> - -<p>Der Weg von dem Elstertale bis zur bayrisch-reußischen Grenze ist noch weit, -und wir müssen noch manche Höhe überwinden, ehe wir zu unserem Ziele für -heute gelangen. Das ganze westliche Vogtland, das mit dem östlichen Teile einen -Übergang zwischen dem Erzgebirge und dem Thüringer- und Frankenwald bildet, -steigt von hier an allmählich zu der Höhe von etwa 600 Meter auf, die zugleich -die Grenze zwischen dem Vogtland und dem reußischen Gebiet bildet, aber das -Gelände ist von zahlreichen Talrinnen durchfurcht, von denen die meisten nach der -großen Elsterkrümmung zwischen Plauen und Ölsnitz zu verlaufen. Nur ein -eigentlicher Paß, der von Wiedersberg, bildet eine mäßige Einsenkung dieser Hügelketten, -die, wie das ganze Gelände, auch nach Norden einen allmählichen Abfall -zeigen, und dort führt auch die Straße von Plauen nach Hof ins Bayrische -hinüber. Somit ist auch eine Wanderung in dieser Gegend nicht ohne Reiz, wenn -auch überragende Berggipfel fehlen: Dörfer wechseln mit Waldstücken und Äckern, -auf denen der Bauer jahraus, jahrein in harter Arbeit dem Boden seine Erzeugnisse -abringt (der Boden des Vogtlandes ist zumeist felsig und gibt nur dort -einigermaßen gute Ackererde, wo Grünsteinschichten verwittert sind), und zwischen -dem Grün der Wiesen schlängelt sich manches Bächlein dahin, um in eine größere -Schwester einzumünden. Die Bauernhäuser zeigen auch hier die Merkmale -fränkischer Besiedlung: der Hof von Gebäuden umgeben, die Häuser von Fachwerk, -und dazwischen manch altes Blockhaus, die Kirchtürme oft mit zwiebelförmigem<span class="pagenum" id="Seite_73">[73]</span> -Aufbau wie in Franken, und vielfach noch alte Dorflinden, die manches ländliche -Fest im Reigen der Jahre gesehen haben. Nur das Herrschaftshaus eines Rittergutes -hebt sich mitunter einigermaßen aus dieser Bauart heraus, und manche dieser -Schlösser wie die von Geilsdorf, Reuth und Rodersdorf zeigen geradezu durch ihre -Wasserbefestigungen, daß sie aus alten Wasserburgen entstanden sind.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-007"> - <img class="w100" src="images/illu-007.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Altes Wasserschloß in Mechelgrün</b></div> -</div> - -<p>Aber es ist unterdessen spät geworden bei unseren Betrachtungen, und wir -müssen noch ein tüchtiges Stück Weg über die Höhen zurücklegen, die vor uns -liegen, um noch vor Abend zu unserem Ziel zu kommen. Schon ziehen sich im -Reußischen, das sich drüben jenseits des Stelzenbaumes erhebt, die Abendwolken -zusammen, aber rückwärts von uns hat das Gewitter ausgetobt, das noch vor -einer Stunde über der Landschaft gelegen hat: der ganze Grund, der sich bis in -die Straßberger Gegend hinzieht, ist von Nebel verhüllt, aus dem sich nur taufrisch -einzelne Waldstücke und Wiesen hervorheben. Noch ein seltsam schönes Bild soll -unsere Aufmerksamkeit anziehen, ehe wir weiter wandern. Seitwärts von dem -holprigen Wege, der eben wieder am Tannenwald entlang eine größere Höhe -genommen hat, ruht ein See, dessen Oberfläche nach dem Gewitter dampft, das -auch hier wie ein verjüngendes Bad über die Natur gegangen ist, und wie scheu -öffnen sich die Kelche der Wasserrosen den Strahlen der Sonne, die sie jetzt wieder -auch in diesen stillen Erdenwinkel herniedersendet. Der Dichter des Vogtlandes, -J. Mosen, der in einem Dörfchen an den Abhängen jenseits der Elster geboren ist, -hat das Bild, das uns hier die Natur vor Augen zaubert, in Worte gekleidet:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_74">[74]</span></p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Der See liegt tief im blauen Traum,</div> - <div class="verse indent0">von Wasserblumen zugedeckt;</div> - <div class="verse indent0">ihr Vöglein hoch im Fichtenbaum,</div> - <div class="verse indent0">daß ihr mir nicht den Schläfer weckt!</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Doch leise weht das Schilf und wiegt</div> - <div class="verse indent0">das Haupt mit leichtem Sinn;</div> - <div class="verse indent0">ein blauer Falter aber fliegt</div> - <div class="verse indent0">einsam darüber hin! – –</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Unser Weg geht nach dem hart an der bayrisch-reußischen Grenze gelegenen -Dorfe Mißlareuth; aber bevor die Sonne untergeht, soll sie uns noch einmal ein -Stück vogtländischer Landschaft von einer weihevollen Stätte aus vor Augen -zaubern. Nach einstündigem Marsche, der wegen der Steigerung zusehends anstrengt, -gelangen wir nach dem Dörfchen Krebes, das sich eine lange Talrinne -hinaufzieht, und daneben liegt, mit überraschend schönem Blick auf das wellige -Hügelland, eine weithin sichtbare Grünsteinkuppe, der Burgstein, in dessen Ruinen -die Reste zweier Wallfahrtskapellen zu finden sind. Beide wurden 1430 von den -Hussiten zerstört, und damit verschwand auch das berühmte Marienbild, dessen -Gnadenhandlungen der Burgstein seinen Ruhm und seinen Reichtum zu danken -hatte. Das liebliche Landschaftsbild, das ehrwürdige Gemäuer umrandet vom -Grün der Fichten, erinnert an so manches Gegenstück im Fichtelgebirge wie an -den Epprechtstein und den Waldstein, von dem die Blicke fast bis zu uns herüberschweifen. -Wir empfinden, was ein Dichter des Vogtlandes aus jüngster Zeit -hier in Worten ausgesprochen hat:</p> - -<h3>Burgsteinkapellen.</h3> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent6">Geborsten die Wandung, das Meßwerk welk,</div> - <div class="verse indent6">Hussitenverwunschen Gewölb und Gebälk,</div> - <div class="verse indent6">Entgöttert das Chor.</div> - <div class="verse indent6">Kein wunderwirkend Marienbild</div> - <div class="verse indent6">Nickt mehr aus der Nische versöhnungsmild,</div> - <div class="verse indent6">Keine Glockenverheißung, kein Weihrauchflor</div> - <div class="verse indent6">Hängt mehr in der Luft.</div> - <div class="verse indent28">Aber Fichtenwald predigt im Chor.</div> - <div class="verse indent0">Königskerzen lohn. Und im Wehmutsfeuer</div> - <div class="verse indent0">Des Sonnabendabschieds strahlt wie verklärt das Gemäuer.</div> - <div class="verse indent0">Harzduft wittert vom frühen März</div> - <div class="verse indent0">Bis spät in den Sommer. Stundenlang läutet die Kuckucksterz,</div> - <div class="verse indent0">Und im Herbstwind nestelt Mariengarn,</div> - <div class="verse indent0">Heimwehwimpel in Fichte und Farn – Gottes voll kniet das Herz.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(K. A. Findeisen). -</p> - -<p>Aber drüben grüßt, schon im Dunkel des Abends umfangen, der Turm von -Mißlareuth zu uns herüber, wo wir für heute Nacht rasten wollen. Über den -Schienenstrang, auf dem die Schnellzüge der Nord-Süd-Expreßlinie nach dem Süden<span class="pagenum" id="Seite_75">[75]</span> -eilen, geleitet uns ein anmutiger Buchenweg nach der Höhe hinüber, an der sich -das Dorf entlang zieht. Ein vogtländisches Bauerndorf wie viele andere, aber im -Herzen der Natur und fern von der Kultur, die auf die größeren Städte des östlichen -Vogtlandes beschränkt geblieben ist. Auch der Gasthof, in dem wir übernachten, -ist ein Bauernhof mit derben Pfosten und schlichten Kammern, aber in -den einfachen Betten schläft es sich besser als in den weichen Hotelbetten, die wir -vielleicht eine halbe Stunde weiter nach Westen, in dem preußischen Städtchen -Gefell, finden würden. Wir brauchen die Ruhe; denn wir haben noch einen weiten -Weg vor uns, wenn wir noch den nördlichen Teil des westlichen Vogtlandes kennen -lernen wollen.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-009"> - <img class="w100" src="images/illu-009.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Ruderitz mit Burgstein</b></div> -</div> - -<p>Das Dorf Mißlareuth, in dem wir die letzte Nacht zugebracht haben, braucht -sich, was seine Höhenlage anbetrifft, nicht vor den übrigen Dörfern des Vogtlandes -und des Erzgebirges zu schämen, es wetteifert mit den 620 Metern seiner Höhenlage -mit den höheren Siedlungen des Erzgebirges, und sein schmucker Kirchturm -grüßt frühmorgens hinüber zu dem von Schöneck und leuchtet selbst dem entgegen, -der von der Ruine des Epprechtsteines im Fichtelgebirge seinen Blick gegen Norden -schweifen läßt. Aber selbst der hochgelegene Kirchhof legt dem Besucher nahe, den -Blick von der heimatlichen Scholle in die Weite schweifen zu lassen; denn gleich -am Anfang liegt, durch ein Denkmal geziert, das Grab des gelehrten vogtländischen -Bauern Nikolaus Schmidt, nach dem Großvater genannt Küntzel, auf den noch -heute seine Landsleute stolz sein können und der zwei ihrer besten Eigenschaften, -die Zähigkeit und die Bodenständigkeit, zum Ausdruck gebracht hat. Er wurde<span class="pagenum" id="Seite_76">[76]</span> -zu Rothenacker geboren, das zwar im Reußischen liegt, aber nach Mißlareuth eingepfarrt -ist. Dort lernte Nikolaus, dessen Vater das größte Bauerngut im Dorfe -besaß, durch Vorsagen von der Mutter die ersten Gebete und die Hauptstücke des -Katechismus, während ihm ein Dorfjunge, der an seiner Stelle die Kühe hüten -sollte, an der Hand eines A-B-C-Buches zum ersten Lehrer wurde. Von dem -Schulmeister in Mißlareuth erhielt er ein Buch, das seinen Wissenstrieb in weitere -Bahnen lenkte: einen Katechismus, der in vier Sprachen (deutsch, lateinisch, -griechisch und hebräisch) geschrieben war. Und nun wächst dieser seltsame Mensch -Schritt für Schritt aus der Enge seines Heimatbodens heraus, der er doch bis an -das Ende seines Lebens als Bauer treu geblieben ist. Von dem gelehrten Sprachkenner, -der mehr als ein Dutzend fremder Sprachen lesen, sprechen und verstehen -konnte, redete man am Hofe des Kurfürsten Johann Georg I., der ihm eine zehnbändige -Bibel in deutscher und lateinischer Sprache und dreiunddreißig Taler schenkte, -wie an dem zu Gera, dessen Fürst ihm Steuerfreiheit und das Recht verlieh, den -Titel Herr zu führen, und der Erfolg des ersten Schmidt-Küntzelschen Kalenders, -der im Jahre 1653 erschien (man bedenke, daß das Leben dieses seltsamen Mannes -in das Dunkel des Dreißigjährigen Krieges fiel) und der bis ins achtzehnte Jahrhundert -hinein fortgeführt wurde, zeigt, daß auch in weiten Kreisen des deutschen -Volkes hinein sein Name gedrungen war. Die Bücher zu seinem rastlosen Studium -mußte er sich freilich selbst beschaffen, und so finden wir ihn mit seinem Schubkarren -in Hof, Schleiz, Lobenstein, ja selbst in Leipzig und Nürnberg, und welch -ein Verlust muß es für ihn gewesen sein, als seine kostbare Sammlung von sechshundert -Bänden im Jahre 1640 von plündernden Kroaten vernichtet wurde. In -der Dresdner Bibliothek befindet sich noch eine Handschrift vom gelehrten Bauer -mit 150, in der von Schleiz eine solche mit 250 Schrift- und Sprachproben (er -hat es bis zur Meisterschaft im Schönschreiben gebracht), und von seiner Beschäftigung -mit der Arznei- und Himmelskunde legt der erwähnte Kalender beredtes -Zeugnis ab. Im Jahre 1671 ist sein müder Leib der Heimatserde zurückgegeben -worden. –</p> - -<p>Wir setzen unsere Wanderung an dem taufrischen Morgen auf der großen -Straße fort, die sich etwa auf der Grenze des Vogtlandes und des reußischen -Gebietes dahinzieht. Überall dasselbe Bild, das für diese Landschaft charakteristisch -ist: Waldstücke und Wiesen in anmutigen Hügelformen, wechselnd mit Äckern und -wohlhabenden Dörfern, von denen gar mancher Name (als zweiter Bestandteil reuth -von roden) von der Tätigkeit der Ansiedler auf diesem Stück Land Zeugnis ablegt. -Das große Dorf Reuth ist eine namhafte Station an der Bahn zwischen Reichenbach -und Hof, die sich in mannigfachen Windungen durch das Vogtland zieht und -in stetem Wechsel Bilder von Heide, Wiesen und Wald bietet, und es enthält noch -die Reste einer Wasserburg, wie wir sie schon früher kennen gelernt haben. Wir -müssen noch einmal ins Reußische, ehe wir die Höhe mit dem Stelzenbaum, auch -jetzt noch das Wahrzeichen unseres Wandergebietes, erreichen können. Die Kirche -des Ortes Stelzen, das zu seinen Füßen liegt, gehört nach Reuß, während in den -Bauergütern zum Teil geborene Vogtländer auf ihrer Scholle sitzen. Fast versteckt -in den Wogen der Ährenfelder, die sich bis auf den Hügel hinaufziehen, steht ein<span class="pagenum" id="Seite_77">[77]</span> -kleiner Stein und nicht weit davon der ehrwürdige Rest des alten, sagenumwobenen -Stelzenbaumes, der im Jahre 1897 vom Blitze getroffen worden ist. Von seinem -Umfange redet noch der Stumpf, den fünf Männer kaum umspannen können und -dessen oberes Ende durch eine mächtige Platte vor weiterer Zerstörung geschützt ist. -Eine Orientierungstafel des Vogtländischen Touristenvereins Plauen zeigt, daß die -Höhe, auf der wir uns befinden (618 Meter), groß genug ist, um nach allen Seiten -Umschau zu halten. Eine Menge von Dörfern im bunten Wechsel von Tal und -Hügel dehnt sich nach allen Seiten vor dem Beschauer aus, und bei klaren Tagen -reicht der Blick von der Plauener Gegend bis zu den Höhen des Frankenwaldes.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-011"> - <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Der Burgstein von Westen</b></div> -</div> - -<p>Nur zwei Städte sollen uns bei unserer Wanderung noch aufhalten, um auf -diese Weise das Bild zu vervollständigen, das wir von diesem Teil des Vogtlandes -gewonnen haben. Sie zeigen uns beide in ihrer Art, daß wenigstens dieser westliche -Teil auch heute noch ein Acker- und Weideland ist und daß sich größere Städte -abseits von der großen Heerstraße, die sich an der Elster entlang zieht, hier nicht -zu entwickeln vermögen. Zwischen Wiesen gebettet und mit seinem Schloßturm -noch an das Mittelalter erinnernd, tritt uns zunächst Mühltroff entgegen, ein -Städtchen von etwa 2000 Einwohnern, dessen Mittelpunkt auch heute noch der -überragende, festgefügte Schloßbau ist, unter dessen Schutz sich die Stadt entwickelt -hat. Schon die Bauart des Schlosses mit seinem runden, hohen Turm, dessen -Wände drei Meter stark sind, und seiner Wasserbefestigung, die jetzt zugeschüttet<span class="pagenum" id="Seite_78">[78]</span> -ist, erinnert an jene Zeit, wo deutsche Kaiser ihre Macht durch feste Grenzplätze -zu stärken suchten, und so scheint die Herrschaft Mühltroff schon im frühen Mittelalter -ein unmittelbar kaiserliches Reichslehen und im zwölften Jahrhundert mit -Lobenstein, Schleiz, Pausa und Elsterberg vereinigt gewesen zu sein. Heute ist das -Schloß verödet und die großen Säle dienen zur Aufbewahrung von Feldfrüchten, -während die Prunksäle zu Rumpelkammern geworden sind, aber noch immer zeigt -man geheimnisvolle Räume und dunkle Gänge, wo die Erinnerung an einen der -Schloßherrn spukt (den Grafen Kospoth), dem man nachsagte, daß er der Geisterbeschwörung -und Alchemie ergeben war und daß er bei dem Brande des Schlosses -1817 in dem Wahne, den Feuersegen zu besitzen, elendiglich zugrunde ging. Auch -die Bauart der Stadt mit dem engen Markte (in dem Gasthofe zum halben Mond -residierte die eine Linie der Gutsherrn) hat noch heute etwas Altertümliches und -ist nie über die eines kleinen Landstädtchens hinausgekommen, und zu erwähnen -ist höchstens die ehemalige Schloßkirche, zu der eine Brücke vom Schlosse aus führt -und die nach dem großen Stadtbrande der Stadt überwiesen wurde. Mehr der -heutigen Zeit hat sich Pausa angepaßt, das in einem weiten Talkessel liegt und -vor allem der Stickereiindustrie seinen Aufschwung verdankt. Die Stadt ist, wie -der Name sagt, eine Gründung der Slawen gewesen, die sich mehr die Niederungen -und Flußgegenden zu Wohnsitzen aussuchten, sie kam schon zu Anfang des -fünfzehnten Jahrhunderts mit anderen Städten in den Besitz der Wettiner und hat -besonders im Dreißigjährigen Krieg, wie der Bericht ihres treuen Pfarrers Pyrläus -zeigt, schwere Zeiten durchlebt. Heute zeigt Pausa das Bild einer sächsischen Kleinstadt -wie so manche andere: die Kirche im altsächsischen Renaissancestil, ein geräumiger -Markt und die Häuser, im übrigen vielfach einstöckig, mit reinlichen Straßen – man -fühlt, daß man hier abseits ist von dem großen Weltgetriebe, und man möchte -gern ein paar Stunden verweilen, um sich satt zu sehen an dem Grün der Wiesen -und um dem Gesang der Vögel zu lauschen, die nicht müde werden, auf diesem -schönen Stück Erde ihre Lieder erschallen zu lassen. Kein Wunder ist es daher, -daß bei der Nähe der heilkräftigen Moore von jeher die Menschen hier Heilung -gesucht haben und daß besonders der Name des Bades Linda weit über die sächsischen -Grenzen bekannt geworden ist. Mit Bad Elster, das auf dem südwestlichen -Teile des vogtländischen Hügellandes in einem Tale, von Nadelwäldern umgeben, -eingebettet ist, kann sich allerdings Pausa nicht messen, das außer Linda auch noch -ein älteres Bad mit schönen Anlagen besitzt, aber die Heilberichte, die uns auch -von hier vorliegen, zeigen, daß auch dieses Bad trotz der augenblicklich ungünstigen -Zeitumstände noch eine Zukunft hat.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-013a"> - <img class="w100" src="images/illu-013a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Elstertal mit Eisenberg</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-013b"> - <img class="w100" src="images/illu-013b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7 <b>Vogtländisches Dorf Tremnitz</b> (Nord-West)</div> -</div> - -<p>Von Pausa selbst lassen sich besonders zwei Gebiete in kurzer Zeit erreichen, -die durch ihre landschaftliche Schönheit ausgezeichnet sind: die Schleizer Gegend -und die vogtländische Schweiz, der wir uns zuletzt noch zuwenden wollen, um an -den Ausgangspunkt unserer Fahrt wieder anzuknüpfen. Wir müssen ein Stück -durch das Reußische hindurch, um die Höhe zu erreichen, die von einer Windmühle, -einem Wahrzeichen des nördlichen Vogtlandes, gekrönt ist. Der Berg, auf -dem sie steht, trägt noch heute den Namen »Liekirch« und erinnert an ein altes -Kirchlein, das vor Jahrhunderten an dieser Stelle gestanden haben soll und das<span class="pagenum" id="Seite_80">[80]</span> -der Sage nach seinen Namen (Lindwurmskirche) von der mutigen Tat eines -Müllerknechtes erhalten hat, der die Tochter seines Herrn und die Umgegend von -Syrau vor den Zähnen eines greulichen Lindwurms rettete. Auf dem Kirchturm -von Syrau hängt noch heute ein Glöckchen, das einst die alte »Liekirch« geziert -haben soll. Vor unseren Augen entfaltet sich, wenn wir jenseits dieser Mühle, -etwa bei Steinsdorf, auf die Plauen-Reichenbacher Heeresstraße kommen, eine Landschaft, -wie sie an Mannigfaltigkeit und Reiz der Erscheinungen in Sachsen, ja -in Deutschland ihresgleichen sucht. Es ist wieder der Grünstein, der hier, am -Kreuzungspunkt zweier großen Eisenbahnlinien, einen entzückenden Bilderreichtum -vor das Auge des Wanderers gezaubert hat. Berggipfel mit Waldstücken bauen -sich hoch zu beiden Seiten der Elster, die, von der einen Bahn begleitet, in dem -waldumkränzten Tale dahinrauscht, und mit königlichem Bogen spannt sich die -Elstertalbrücke dort, wo sich die beiden Linien kreuzen, über die hohen Ufer. Das -Dorf Jocketa, das neben der Brücke auf der andern Seite hoch über dem Tal -liegt, ist beinahe durch die Schönheit seiner Lage zu einer Villenkolonie geworden, -und der Blick in das Elstertal ist von hier aus ebenso lohnend wie der in das -stille Triebtal, dessen wir noch gedenken werden. Und darüber hinaus weitet sich -der Blick noch nach allen Seiten und ladet zu weiteren Fahrten ein: im Süden -erscheinen die blauen Linien des Elstergebirges, und zur linken Seite können wir -ein Stück des Elsterlaufes verfolgen, die hier stundenlang zwischen tannengekrönten, -zerklüfteten Grünsteinfelsen in einem engen Talkessel – besonders im sogenannten -Steinicht zwischen Jocketa und Elsterberg – dahinfließt. Darüber erhebt sich in -der Ferne der Kuhberg bei Netzschkau, von dem wieder ein weiter Blick in das -gewerbfleißige östliche Vogtland mit seinen Industriestädten gestattet ist. Aber wir -hätten beinahe ein noch schöneres, wenn auch stilleres Naturbild vergessen, das -hinter den Bogen der Elstertalbrücke versteckt liegt. Wir gehen den Saumweg -zur linken ins Tal herab und werfen noch einen Blick auf die Barthmühle, die -wie die weiter nördlich gelegene Rentzschmühle wegen der landschaftlichen -Schönheit ihrer Lage viel besucht wird. Hinter der Brücke mündet die Trieb in -die Elster, für flüchtige Besucher kaum sichtbar, aber doch so reich an Schönheiten, -daß wir ihrer an dieser Stelle noch gedenken müssen. Noch vor wenig Stunden -ein stiller Waldbach, der an den Dörfern und Wiesen des östlichen Vogtlandes -vorüberzieht, hat sie sich kurz vor ihrer Vereinigung mit der Elster durch Felswände -ein großartiges, etwa hundert Meter tiefes Bett gebrochen und rauscht nun -durch dieses tannenumdüstert der Mündung in die größere Schwester zu. Nur -wenige der Schnellzugsreisenden, die dort oben über der Elstertalbrücke dem Süden -zustreben und denen nur ein flüchtiger Blick in diesen bewaldeten Talkessel vergönnt -ist, ahnen, daß hier unbemerkt von ihnen seitwärts eine Perle deutscher -Flußlandschaft vorübergezogen ist: die Trieb, die sich dort durch die Enge des -Tales hindurchzwängt und sich von den gewaltigen Granitblöcken, die ihr allerorts -den Lauf zu versperren scheinen, von der Vergangenheit der Erde erzählen läßt, -die Bergwände, die mit steilen Pfaden und Tannenwäldern in das Dunkel des -Talkessels hinabstürzen und der Saumpfad, der sich fast scheu an der Seite des -Flüßchens dahinschlängelt, als wollte er das Weben der Natur nicht stören und<span class="pagenum" id="Seite_82">[82]</span> -der nur bei der Pyramidenwiese zu kurzem Verweilen einladet, wo sich hohe -Fichten, gleich den ägyptischen Königsgräbern in ihrer Spitze verjüngend, ein -weltverlorenes Stelldichein geben. Aber wir sind hier schon auf dem andern Ufer -der Elster, das nicht mehr zu unserem Wandergebiet gehört. Noch eine halbe -Stunde von der Brücke weg nach Süden zu, und das Tal erweitert sich, und vor -uns liegt wieder die Hauptstadt des Vogtlandes, die auch nach dieser Seite zu im -Vollgefühl ihrer Kräfte die Arme ausgestreckt hat. Das westliche Vogtland wird -aber auch weiterhin ein deutsches Wald- und Wanderland bleiben zumal für den, -der es zu verstehen und in seiner Eigenart zu lieben vermag – bedürfen wir -nicht gerade heute mehr als je diese Eigenschaften, um im Inneren wiederzufinden, -was wir nach außen – wenn auch hoffentlich nur vorübergehend – verloren -haben?</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-015a"> - <img class="w100" src="images/illu-015a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8 <b>Triebtal</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-015b"> - <img class="w100" src="images/illu-015b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 9 <b>Loreleysteg im Triebtal</b></div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="C_G_Schillings">C. G. Schillings †</h2> -</div> - -<p>Am 29. Januar dieses Jahres ist der bekannte Zoologe und Afrikaforscher -<em class="gesperrt">C. G. Schillings</em> in Berlin gestorben. »Sein Tod,« so schrieb mir Hermann Hähnle, -»reißt eine solche Lücke in den Naturschutz, daß wir andern um so enger zusammenhalten -müssen.« In der Tat, ein Mann ist von uns gegangen, der sein ganzes -Leben in den Dienst unsrer Sache gestellt und nicht nur in großzügigster Weise -die Idee des Naturschutzes allezeit mannhaft vertreten, sondern auch auf diesem -Gebiete wahrhaft Großes, ja Unsterbliches geschaffen hat.</p> - -<p>Dem Landesverein »Sächsischer Heimatschutz« stand der Verstorbene sehr nahe; -wiederholt weilte er in unserm Kreise. Noch im Mai vorigen Jahres sprach er -vor überfüllten Sälen in seiner ihm eignen packenden Weise über Weltnaturschutz. -Mit hinreißender Beredsamkeit, mit glühender Wahrhaftigkeit – ein Wesenszug -seiner ganzen Persönlichkeit – mit rücksichtsloser Offenheit gegenüber den kleinlichen -und nur auf persönlichen Vorteil gerichteten Anschauungen seiner Gegner wußte er -die Zuhörer zu überzeugen und für seine Ideen zu begeistern. Gerade bei uns hier in -Dresden hat Prof. Schillings eine große Menge treuer Anhänger und Verehrer gefunden, -und so ist es nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir dem <em class="gesperrt">mannhaften Vorkämpfer -auf dem Gebiete des Naturschutzes diese Zeilen widmen</em>.</p> - -<p>Durch sein berühmtes Werk »<em class="gesperrt">Mit Blitzlicht und Büchse</em>«, das im Jahre -1905 in R. Voigtländers Verlag erschien, ward C. G. Schillings Name mit einem -Schlag in den weitesten Kreisen bekannt. Etwas ganz Neues, Niegeahntes, ja -Unerhörtes und Unbegreifliches ward uns mit diesem herrlichen Werke geschenkt. -Das Tierleben Afrikas hat uns Schillings durch seine Blitzlicht-Aufnahmen aufgehellt, -wie es bisher noch keines Menschen Auge geschaut hat. Durch ihn erst weiß man, -was es heißt: »Tierbilder nach dem Leben,« und immer mehr noch wird man einsehen, -was sie bedeuten – unersetzliche Natururkunden, deren Wert von Jahrzehnt zu Jahrzehnt -in dem Maße steigt, wie die afrikanische Großtierwelt infolge der fortschreitenden -Zivilisation immer mehr von der Bildfläche des Lebens schwindet. »Die Erhaltung -der großen lebenden Naturdenkmäler wenigstens im photographischen Abbilde -Schillingsscher Natururkunden ist wahrlich eine der dringendsten Forderungen unsrer<span class="pagenum" id="Seite_83">[83]</span> -Zeit auf dem Gebiete idealer Wissenschaft und selbstloser Naturbetrachtung.« So -schrieb <em class="antiqua">Dr.</em> L. Heck in seinem Vorwort zu dem großen Erstlingswerk von Schillings.</p> - -<p>Noch klarer tritt der Naturschutzgedanke in dem ein Jahr später, gleichfalls -in R. Voigtländers Verlag erschienenen Werke »<em class="gesperrt">Der Zauber des Elelescho</em>« -hervor, das der Verfasser seinem Bruder, dem berühmten Komponisten Max v. Schillings -und dessen Gattin gewidmet hat. »Mit schwachen Kräften habe ich mich bemüht,« -schreibt er, »einer großen Idee gerecht zu werden, einem Ideengang, den jeder ohne -Mühe herausfinden und, was mehr wäre, für den er hoffentlich eintreten werde. -Durch Anschluß an die bestehenden großen Vereinigungen, den Bund für Heimatschutz, -die Jagd- und Vogelschutzvereine kann jedermann das Seinige zur Erhaltung -der Naturdenkmäler im weitesten Sinne beitragen.«</p> - -<p>Gemeinsam mit diesen Vereinen begann Schillings im Jahre 1910 einen heftigen -Kampf gegen die Unsitte, Federn freilebender Vögel als Damenschmuck zu tragen. -Ein Aufsatz von ihm, der zuerst in den »Süddeutschen Monatsheften« erschien: -»<em class="gesperrt">Die Tragödie des Paradiesvogels und Edelreihers</em>« wurde vom Bund -für Vogelschutz, dem Schillings bis zuletzt sehr nahe stand, den weitesten Kreisen -zugängig gemacht. Wie sucht hier der Verfasser das Gewissen der Frauenwelt zu -schärfen, wie eindringlich, wie überzeugend sagt er es allen, daß diese barbarische -Mode die herrlichsten Wunder der Schöpfung bedrohe und vernichte!</p> - -<p>In einer zweiten Schrift »<em class="gesperrt">Die Arche Noah</em>« forderte Schillings gesetzgeberische -Maßnahmen zum Schutze der gefährdeten Vogelwelt nach dem Vorbild -Amerikas und Englands. Ich greife einen Satz heraus, der nicht nur den Titel -dieser Schrift erklärt, sondern zugleich ein treffliches Beispiel für den Humor wie -für die Überzeugungskraft aller Ausführungen des Verfassers bietet. »Wir wollten -von der Arche Noah reden, hören wir! Klingt es nicht seltsam und sollte es nicht -den heutigen Erdenbewohnern zu denken geben, daß dem Urpatriarchen und ersten -großen Naturschützer Weisung wurde, <em class="gesperrt">alle</em> Tierarten, <em class="gesperrt">ohne Ausnahme</em>, nicht -also wie es etwa die heutigen nackten Utilitarier tun würden, nur Ochsen, Esel -und Schafe in die rettende Arche zu überführen? In den Urzeitmythen der Völker -liegt goldene Weisheit verborgen, und alte Wahrheit künden uns diese Überlieferungen.«</p> - -<p>Der Erfolg blieb nicht aus. Im Oktober 1913 verboten die Vereinigten -Staaten von Nordamerika die Einfuhr von Schmuckfedern freilebender Vögel, und -auch in England nahm das Unterhaus am 9. März 1914 in zweiter Lesung die -Gesetzesvorlage zur völligen Verhinderung jeder Federeinfuhr mit Ausnahme von -Eiderdaunen und Straußenfedern an. Da kam der Krieg und brachte die Bewegung -vorläufig zum Stillstand. Zugleich verhinderte er die Herausgabe einer dritten -Schrift von Schillings, die bereits druckfertig vorlag: »<em class="gesperrt">Paradiesvogel, Edelreiher -und die Frau</em>«.</p> - -<p>Bei den Tagungen der Naturforscher, Geographen, Naturschützler war der -hochgewachsene, blonde Mann mit seinem offenen Blick eine bekannte Erscheinung. -Wenn er mit lebendigster Anschaulichkeit und mit geradezu hinreißendem Schwunge -für den Schutz der Vogelwelt eintrat oder unbedingten Naturschutz namentlich in -den Kolonien forderte, zum Beispiel auf dem Kongresse der deutschen Kolonialgesellschaft -in Stuttgart oder auf dem der deutschen Naturforscher und Ärzte in<span class="pagenum" id="Seite_84">[84]</span> -Wien 1913, da lauschte jeder gespannt den Worten des von seiner Idee so ganz -erfüllten Redners. Der Naturschutz war ihm Herzenssache, und so sprach er zu den -Herzen seiner begeisterten Zuhörer.</p> - -<p>Der beispiellose Erfolg, den Schillings durch seine beiden großen, wundervoll -ausgestatteten Werke erzielt hatte, spornte ihn natürlich an, auch weiterhin auf -dem Gebiete der <em class="gesperrt">Naturphotographie</em> wildlebender Tiere an der Spitze zu -bleiben. Es war ja, wie er mir im Gespräch wiederholt betont hat, sein Stolz, -daß gerade ein Deutscher es hierin den Engländern und Amerikanern zuvorgetan -habe. Sobald er von jeder seiner vier großen Expeditionen in das äquatoriale -Ostafrika wieder heimkehrte, war es immer das erste von ihm, seine Apparate zu -vervollkommnen. Die rasche Entwicklung der Optik bot ja von Jahr zu Jahr -neue Möglichkeiten, die Erfolge noch zu steigern, obgleich namentlich die Schillingsschen -Nachtaufnahmen noch heute fast für unerreicht gelten müssen.</p> - -<p>Im Jahre 1910 war die technische Ausrüstung für eine neue Reise bereit; -aber sie ward durch Widerwärtigkeiten, die hier nicht näher berührt werden sollen, -verhindert. Es war ja kein Wunder, daß das offene, freimütige Wesen des Verstorbenen, -der keinerlei Rücksicht kannte, am wenigsten sich durch Rücksichten auf -seinen eignen Vorteil oder Schaden bestimmen ließ, eine große und einflußreiche -Gegnerschaft auf den Kampfplatz herausgefordert hatte. Diese unbedingte Wahrhaftigkeit -ist es, die uns die Schillingsschen Forschungen wie seine Aufnahmen -doppelt wertvoll erscheinen lassen. Da handelt es sich stets um freilebende, nicht -etwa um gefangene, eingehegte oder verwundete Tiere, und die Retusche mußte jedem -Bilde fernbleiben. <em class="gesperrt">Unbedingte Wahrheit in Wort und Bild!</em> Das war -sein Grundsatz, von dem er auch nicht um Haaresbreite abwich.</p> - -<p>Schon bei seinen letzten Afrikareisen hatte Schillings einen <em class="gesperrt">kinematographischen</em> -Apparat mitgenommen; leider genügten die in Afrika angefertigten -Laufbilder seinen überaus hochgestellten Anforderungen und Erwartungen nicht. -Es waren ja auch weitere Verbesserungen der Kinoaufnahmen unterdessen erzielt -worden. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet erblickte Schillings in den -<em class="gesperrt">Fernlaufbildern</em> des Bundes für Vogelschutz, wie sie Herr Ingenieur Hermann -Hähnle geschaffen hat. Es sind dies Natururkunden in höchster Vollendung, da die -Tiere in ihrem Leben und Treiben aufgenommen werden, ohne davon das geringste -zu merken. Bei seiner letzten öffentlichen Ansprache in Stuttgart im Dezember 1920 -bezeichnete Schillings diese Aufnahmen als »Gottesgeschenk«. Sein heißer Wunsch -war es, das neue Verfahren nun auch auf die afrikanische, indische und polare -Tierwelt anzuwenden.</p> - -<p>Der Tod des fünfundfünfzigjährigen Forschers hat diesen Wunsch vereitelt. -Die beste Ehrung für den Verstorbenen, dessen Ideale sich schon heute so allgemeine -Anerkennung erworben haben, dürfte es wohl sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten -und die neuesten Erfolge der Photographie und Kinematographie derartigen Aufnahmen -zu widmen. Seine Freunde haben daher beschlossen, einen Aufruf zu -Spenden für eine <em class="gesperrt">C. G. Schillings-Stiftung</em> zu erlassen. Schreiben und zugedachte -Beiträge sind schon heute an die C. G. Schillings-Stiftung, Berlin-<em class="antiqua">W</em> 10, -Margaretenstraße 1 zu richten.</p> - -<p class="mright"> -<em class="gesperrt">Martin Braeß.</em> -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_85">[85]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Praktische_Arbeit">Praktische Arbeit zur Erhaltung unserer Steinkreuze</h2> -</div> - -<p>Schon seit Jahren suche ich auf unseren Wanderungen mit großem Interesse die alten -Mord- und Sühnekreuze auf, welche dann – durch eine Skizze oder photographisch festgehalten – -unser Tourenalbum zieren. Zum Aufsuchen derselben dienten mir bisher die in den Jahren 1912/13 -von Herrn <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kuhfahl</em> herausgegebenen und im Dresdner Anzeiger seiner Zeit erschienenen -Verzeichnisse über »Die Mordkreuze in Sachsen«:</p> - -<p>Sonntagsbeilage des Dresdner Anzeigers</p> - -<ul> -<li>vom 7. 4. 1912 Nummer 14,</li> -<li>vom 23. 3. 1913 Nummer 12,</li> -<li>vom 26. 10. 1913 Nummer 43.<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a></li> -</ul> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Siehe auch <em class="antiqua">Dr.</em> Kuhfahl: »Die Steinkreuze in Sachsen«. Preis M. 6,50. Heimatschutz, Dresden.</p> -</div> -</div> - -<p>Auf einer Wanderung im Frühjahr vergangenen Jahres nach Dohna und Maxen suchte ich -an der Hand dieser Verzeichnisse die beiden Kreuze in <em class="gesperrt">Gorknitz</em> mit auf. Bei der Besichtigung -des hundertzwanzig Meter vor dem östlichen Dorfausgange, am Fahrweg nach Rittergut Gamig -zu gelegenen Steinkreuzes (Verzeichnis vom 3. April 1912, Nummer 14) war mir aufgefallen, -daß dieses bis zu den Seitenarmen in der Erde stak, obwohl im Verzeichnis steht: »Neuerdings -ausgegraben«. Sofort reifte in mir der Plan, mit Hilfe meiner Klubgenossen dieses Kreuz zu -heben. Ich ging persönlich zu Herrn <em class="antiqua">Dr.</em> Kuhfahl, um ihn von meinem Vorhaben in Kenntnis -zu setzen. Wie er mir erklärte, hatte sich seiner Zeit trotz eifrigen Bemühens niemand dazu -bereit gefunden, dieses Kreuz zu heben, und später infolge des Krieges ist wohl alles in Vergessenheit -geraten. – Auch meine Klubgenossen, die ja fast alle Heimatschützler sind, brachten dieser -Sache reges Interesse entgegen und so wurde für <em class="gesperrt">Sonntag</em>, den <em class="gesperrt">4. Juli 1920</em>, eine Wanderung -dorthin festgesetzt. Die Genehmigung des Gemeindevorstandes, auf dem betreffenden Grundstücke -graben zu dürfen, hatte ich mir vorher schriftlich eingeholt. Um unnötige Belastung auf dem -Marsche zu vermeiden, bat ich gleichzeitig um Bereitstellung des benötigten Gerätes. In entgegenkommendster -Weise erhielten wir alles Gewünschte.</p> - -<p>Am genannten Sonntagmorgen hatten sich sechs Teilnehmer zu dieser Wanderung beziehungsweise -zur Hebung des Steinkreuzes am Treffpunkt eingefunden. Darunter auch ein Maurer, -der sich noch das nötige eigene Handwerkzeug mitgebracht hatte. Ein kleiner Sack Zement – -von einem der Teilnehmer zu diesem Zweck gestiftet – mußte auch hinausgebracht werden. Er -verschwand im Rucksack eines jungen Mannes, der ihn schweißtriefend an Ort und Stelle brachte. -Bei herrlichem, sehr warmem Wetter ging die Wanderung von Reick über Lockwitz, Luga, Wölkau, -Bosewitz nach Gorknitz. Strahlend blau wölbte sich der Himmel über den im Sonnenglanze -reifenden Fluren. Wogende Getreide- und blühende Kartoffelfelder, die den bunten Kleeflächen -an Schönheit nicht nachstanden, wechselten in buntem Mosaik. In den Wipfeln der Obstbäume -da klingelten und piepsten die Meisen, da schlug der Fink und lockte die Goldammer und hoch über -uns schmetterte die Lerche ihr Loblied. – So kamen wir, immer auf bunten Feld- und Wiesenwegen -wandernd, unserm Ziele näher. Aber im Süden türmte sichs dunkelblau auf. Immer -näher rollte der Donner, und noch ehe wir im Dorfe anlangten, öffneten sich die Schleusen des -Himmels. Zum Glück war das erste Haus der Gasthof, wo wir hinein flüchteten.</p> - -<p>Eineinhalb Stunden hat uns das Gewitter hier festgehalten, endlich gegen einhalb elf Uhr -hört der Regen auf. Nun aber ans Werk! Zunächst zum Gemeindevorstand, um die erbetenen -Geräte zu holen. Sehr freundlich wurden wir empfangen, alles Gewünschte stand schon bereit. -Bei dieser Gelegenheit legte ich ihm eine Urkunde, die gleichfalls ein Heimatschützler geschickt -und originell angefertigt hatte und welche nach der Hebung mit niedergelegt werden sollte, zur -Unterschrift vor. Dieselbe soll bei einer eventuellen Veränderung an dieser Stelle beziehungsweise -bei einer späteren Auffindung Aufschluß geben, wann, von wem und warum dieses Kreuz gehoben -worden ist. In entgegenkommendster Weise versah der Gemeindevorstand das Dokument mit -Siegel und Unterschrift, wie er überhaupt unserer Sache lebhaftes Interesse entgegenbrachte. -Nachdem auch wir unsere Unterschriften geleistet hatten, zogen wir, jeder mit Rucksack und einem -Gerät bewaffnet – einem Trupp Auswanderer gleich – hinaus zur Stelle, wo das alte Steinkreuz<span class="pagenum" id="Seite_87">[87]</span> -steht. Kopfschüttelnd sahen uns verschiedene Dorfbewohner, die nicht wußten, um was es -sich hier handelte, nach: »Was mögen die wohl vorhaben?«</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-020"> - <img class="w100" src="images/illu-020.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Steinkreuz in Gorknitz</b> (früherer Zustand)<br /> -(Phot. <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kuhfahl</em>, Dresden)</div> -</div> - -<p>Dort angekommen, wurde das alte Steinkreuz, da es einige von uns noch nicht kannten, -auf seine Form, Gesteinsart, Größe, Schwere und Inschriften oder Bildzeichen hin genau untersucht. -In seiner unregelmäßigen Anordnung ähnelt es einem Balkenkreuz am meisten, doch läßt sich -durch verschiedene abgestoßene Kanten, die verhältnismäßig kleinen und ungleichen Seitenarme -im Vergleich zu dem viel stärkeren Oberteil, viele Vertiefungen, Risse und Furchen, schwer erkennen, -ob es in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, oder ob der Zahn der Zeit -daran genagt hat. Obwohl von eisenhartem Sandstein, wird dieses Kreuz, besonders die Seitenarme, -infolge seiner Lage am Feldwege durch passierende Fuhrwerke Beschädigungen erlitten -haben. Seine übrigen Form- und Größenverhältnisse sind ja genau zu ersehen aus dem Werke -von <em class="antiqua">Dr.</em> Kuhfahl, in welchem auch ein sehr schönes Bild wiedergegeben ist. Wir hielten es daher -für zwecklos, eine Aufnahme des Kreuzes in seinem Urzustande zu machen. Sein Gewicht schätzten -wir, so wie es vor uns stand, auf zirka sechs bis acht Zentner, hatten uns aber, wie wir uns -später nach der völligen Ausgrabung überzeugen konnten, arg getäuscht. Inschriften oder sonstige -Schriftzeichen waren nicht festzustellen. Auch läßt sich ein richtiges Bild einer eingemeißelten -Zeichnung trotz vorhandener Striche und Einkerbungen sehr schwer herausfinden.</p> - -<p>Nun ging es ans Ausgraben. In ziegelgroßen Stücken wurde erst die Rasendecke ausgestochen, -die nach der Hebung wieder aufgelegt werden sollte. Als wir aber weiter schaufeln -wollten, erlebten wir eine große Enttäuschung; die dünne Rasendecke war die ganze Erdschicht, -dann stießen wir nur auf Plänergestein. Nur mit der Hacke konnte gearbeitet werden, und es -war ein sehr schwieriges Stück Arbeit, die mitunter recht großen und festgelagerten Plänerplatten -loszubekommen. Wie uns der Gemeindevorstand von Gorknitz, der inzwischen auch hierhergekommen -war, erklärte, soll das zwischen den beiden Wegen gelegene Grundstück in früheren -Zeiten von einer starken Plänermauer umgeben gewesen sein. Die beiden Wege aber waren seiner -Zeit Hohlwege. Nun hat man wahrscheinlich diese beiden Hohlwege zuschütten beziehungsweise -höher legen wollen, weshalb man die alte Plänermauer einfach in den Hohlweg hinabgedrückt -hat. Das alte Kreuz aber, das vermutlich einer Zeit schon auf beziehungsweise zum Teil in -der Mauer eingemauert hier gestanden hat, ist stehen geblieben. Wie wäre es sonst möglich, daß -dasselbe fast bis zu den Seitenarmen fest eingesenkt nur zwischen größeren und kleineren Plänerplatten -sitzt?</p> - -<p>Platte um Platte wurde losgewuchtet und langsam, aber sicher kamen wir tiefer. Wenn -wir anfangs glaubten, das Kreuz säße so zirka dreißig bis vierzig Zentimeter in der Erde, so -hatten wir uns auch hier gehörig getäuscht. Als wir einen halben Meter tief gehackt hatten, ließ -sich dieser Koloß auch noch nicht einen Zentimeter bewegen, trotz aller Kraftanstrengung, die wir -dabei aufwendeten. Es wurde weiter gehackt – bei dreiviertel Meter dasselbe Resultat. Das -Kreuz saß in seinem Plänerfundament wie angewachsen. Jeder mußte mal mit der Hacke antreten; -wir waren alle wie in Schweiß gebadet. Jetzt versuchten wir es auf eine andere Art. -Unter den beiden Seitenarmen wurde je ein starker Hebebaum untergeschoben. Alle Beteiligten -– selbst meine Frau und der Gemeindevorstand nebst Sohn stellten ihre Kräfte zur Verfügung – -verteilten sich nach Größe und Stärke auf die beiden Seiten und hingen sich an das in die Höhe -ragende Ende. Unter Kommando wurden die Hebebäume gleichmäßig niedergezogen und das -Kreuz Zentimeter um Zentimeter in die Höhe gewuchtet. Auf diese Weise holten wir das Kreuz -noch zirka fünfundzwanzig Zentimeter aus der Erde und sparten uns dadurch das letzte und -schwerste Stück Hackarbeit. Jetzt erst bekamen wir einen rechten Begriff, wie tief das Kreuz in -der Erde stak (einen Meter) und wie schwer dieser Koloß war.</p> - -<p>Nun galt es das Kreuz zu heben und in seine richtige Lage zu bringen. Infolge seines -riesigen Gewichts – wir schätzten es auf zirka zehn bis zwölf Zentner – war das nur mit -Hilfe der Hebebäume möglich. Wir verfuhren wie vorher. Ruckweise brachten wir es höher und -immer schob der in der Grube stehende Maurer Platte um Platte unter und baute somit gleichzeitig -das neue Fundament auf. Mit größter Mühe hatten wir das Kreuz neunzig Zentimeter -gehoben, dann brachten wir es wieder in die alte Stellung. Die Grube wurde wieder zugeschüttet -beziehungsweise zugebaut, denn die vielen Plänerplatten mußten sachgemäße Verwendung finden,<span class="pagenum" id="Seite_88">[88]</span> -um alle untergebracht zu werden. Außerdem mußten, um den Raum auszufüllen, den vorher -das Kreuz eingenommen hatte, eine Menge größere und kleinere Steine aus der Umgebung -zusammengetragen werden.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-022"> - <img class="w100" src="images/illu-022.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Steinkreuz in Gorknitz</b> (jetziger Zustand)<br /> -(Phot. <em class="gesperrt">Georg Perlik</em>, Dresden)</div> -</div> - -<p>Es gab viel zu tun. Jeder bekam seine Arbeit zugeteilt. Ich freute mich, wie uneigennützig -hier jeder Beteiligte an dem großen Werke Heimatschutz mit arbeiten half. Während der -Gemeindevorstand den »Polier« abgab, trugen dessen Sohn und meine Frau die nötigen Steine -herbei. Ein andrer von uns mußte ins Dorf gehen und zwei Eimer Wasser holen, um den zur -Verwendung kommenden Zement einrühren zu können. Dazu wurde auch noch Sand gebraucht. -Solchen in dieser lehmigen Gegend aufzutreiben, war nicht so einfach. Diese Arbeit hatte ich mit -noch einem Klubgenossen zu erledigen. Nach langem Suchen fanden wir endlich in der Spielgrube -im Hofe des Bäckermeisters vorschriftsmäßigen Sand. Als wir den Bäckermeister darum -baten, zwei »Pioniersäcke« voll mitnehmen zu dürfen, war es ihm nicht recht verständlich, was -wir wohl damit anfangen wollten. Er stellte diese und jene Frage und als ich ihn über den -Sachverhalt näher aufklärte, zeigte er langsam Interesse dafür. Ja, ich konnte nicht umhin, -ihm einen kurzen Vortrag zu halten über die Steinkreuze in Sachsen und ihre Bedeutung. Als -wir mit unserer Beute abzogen, sah er uns mit einem breiten Lächeln kopfschüttelnd nach.</p> - -<p>Unterdessen hatten die anderen die Grube bis dorthin, wo gemauert werden sollte, wieder -zugeschüttet; die größten und stärksten Platten hatte sich unser Maurer bis zuletzt aufgehoben. -Mit reichlich Zement wurden diese oben aufgesetzt. Hierbei wurde ein kleiner Hohlraum an der<span class="pagenum" id="Seite_89">[89]</span> -Nordseite des Kreuzes ausgespart, der zur Aufnahme der versiegelten Glasflasche bestimmt war, -welche die anfangs erwähnte Urkunde mit etwas Kriegsgeld und zirka zwanzig verschiedenen -Briefmarken als Zeitbeweise enthielt. Vier große Plänerplatten, welche den Oberteil der Grube -völlig ausfüllen und scharf an das Kreuz angemauert wurden, bildeten den Abschluß. Diese -geben dem Kreuz einen ganz bedeutenden Halt, denn, da uns daran lag, so viel als möglich von -dem unteren Teile zu gewinnen, haben wir es nur zirka fünfundzwanzig bis dreißig Zentimeter -in der Erde gelassen. Dadurch aber, daß unser Maurer den in der Erde sitzenden Teil und alle -darumliegenden Steine und Platten sorgfältig und reichlich mit Zement eingebaut hat, nehmen -wir an, dem wuchtigen Kreuze doch genug Halt gegeben zu haben. Eine schwache Erdschicht und -die ausgestochenen Rasenstücke verdecken die aufgemauerten Steine. Um es nun recht schön zu -machen, ging ich dem gehobenen Kreuze – mit Wassereimer und Wurzelbürste bewaffnet – zu -Leibe, um den in den Vertiefungen sitzenden roten Lehm zu entfernen. Dadurch aber hob sich der -untere Teil des Kreuzes durch sein neues Aussehen vom alten verwitterten Oberteil ab, was -allerdings in anderer Form auch schon vorher der Fall war. Diesem Übelstand half unser -Maurer dadurch ab, daß er jetzt mit Faustpinsel und Zementwasser auftrat und dem noch rötlich -schimmernden unteren Teile einen dunkleren, dem Oberteil ähnlicheren, grauen Anstrich gab. Er -stellte meine Arbeit als völlig wirkungslos hin. Mit dem nötigen Humor und mit übertriebener -Peinlichkeit führte er diese letzte Arbeit aus. – Wir freuten uns nun alle, als das fertige, -gehobene, alte Steinkreuz in seiner vollen Größe vor uns stand. Wir haben uns viel Arbeit damit -gemacht und es hat manchen Tropfen Schweiß gekostet, aber wir hatten auch viel Spaß dabei.</p> - -<p>Unser Maurer, der – nebenbei bemerkt – auch schön photographieren kann, machte nun -noch eine Aufnahme, welche ich beigefügt habe. Sie zeigt im Vergleich zu derjenigen des Herrn -<em class="antiqua">Dr.</em> Kuhfahl, um wieviel wir das Kreuz herausgeholt haben.</p> - -<p>Mit dem Bewußtsein, ein praktisches Stück Heimatschutzarbeit geleistet zu haben, und in -der frohen Hoffnung, daß dies bei anderen Heimatschützlern in verwandten Vereinen recht bald -und oft Nachahmung finden möge, machten wir uns auf den Heimweg. Denn nicht nur allein -durch die Mitgliedschaft wird der Heimatschutz gefördert und alles Schöne, Althergebrachte und -Vorgeschichtliche auch der Nachwelt erhalten und überliefert, sondern selbst mit Hand anlegen, -beobachten und schützen: das ist Heimatschutz und tut überall dringend not!</p> - -<p class="mright"> -<em class="gesperrt">Richard Köhler</em>,<br /> -Berichterstatter des Touristen-Vereins »Torwalder« -</p> - -<p><em class="gesperrt">Anmerkung der Schriftleitung</em>: Von der hier geschilderten schönen Tat hörten -wir erst durch diesen Bericht. Herrn Köhler und seinen Mitarbeitern heißen Dank. Wer in -ähnlicher Weise praktisch uns mithelfen will, melde sich bitte bei uns.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Vom_Heimatgefuehl">Vom Heimatgefühl</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Hanns Martin Elster</em></p> - -<p>Vor gar nicht langer Zeit fuhr ich auf einer pommerschen Kleinbahn, die -mich bei ihrer Schmalspurigkeit und der Leichtigkeit der Miniaturwagen ordentlich -durchschüttelte, so daß ich innerlich schimpfte. Ich merkte bald, daß der einzige -Mitreisende in meinem Abteil das auch tat, ich hatte ihn schon von Anfang der Reise -an beobachtet und darüber nachgegrübelt, was dieser Amerikaner, denn das war -er nach der Art seiner Kleidung und seines Benehmens, wohl auf der Kleinbahn -in diesem Winkel Hinterpommerns zu suchen hatte, ein »busineß« war doch in -dieser Gegend nicht zu machen, zu einer Jagd schien er auch nicht zu reisen, denn -er hatte weder die notwendigen Schießprügel unter seinem Gepäck, noch war er -entsprechend gekleidet. Als uns der ratternde Wagen an einer Kurve fast gleichzeitig<span class="pagenum" id="Seite_90">[90]</span> -in die Arme schleuderte, war die Anknüpfung zu einem Gespräch gefunden, -und der Amerikaner gestand mir bald, daß er seinem Heimatdorfe entgegenfahre, -nach mehr als dreißigjähriger Abwesenheit und Arbeit im neuen Weltteil. Dort -habe es ihm die ganzen letzten Jahre keine Ruhe mehr gelassen, er sei unbefriedigt -an seiner Umgebung wie Tätigkeit geworden, unter seine nüchternsten Gedanken -und Berechnungen hätten sich Erinnerungen aus seiner Jugend gemischt, und seine -Phantasie hätte unaufhörlich Bilder längst bedeutungsloser Stätten in ihm wachgerufen. -Er hätte nicht mehr bleiben können, <em class="gesperrt">die Sehnsucht nach dem Orte -seiner Jugend</em>, nach dem Dorfe, wo seine Eltern und Vorfahren gelebt hätten, -sei so stark in ihm gewesen, nachdem er schon jahrelang geglaubt hätte, sie wäre -tot, daß die Arbeit seiner letzten Jahre als Ziel nur immer seine Reise in die -Heimat lohnend, befriedigend gemacht hätte. Und nun nähere er sich dem Heimatort, -jetzt wache in ihm ein großes Glücksgefühl auf. Frieden und Ruhe breite sich -in ihm aus, er sei jetzt zu Hause, in Sicherheit, er sei wieder da, wo er hingehöre …</p> - -<p>Dieser Amerikaner – wir wissen es alle – steht nicht allein da, er ist typisch -für alle Ausgewanderten, in die Ferne Verpflanzten, daß sie sich nach Hause sehnen, -wenn das Alter naht; ebenso typisch, wie das Gefühl der Ferne, das die überfällt, -die immer in der Heimat leben, und das diese fest mit dem Boden Verwachsenen -hinaustreibt in eine neue, fremde Umgebung. Aber waren sie einige Wochen auf -Reisen, so erwacht auch in ihnen das Heimweh, auch in ihnen der Widerwille an -allem Fremden, Neuen, und das Altgewohnte, von jeher Besessene, erscheint schöner, -reicher und auch wertvoller.</p> - -<p>Und es ist auch das Wertvollste, was der Mensch hier auf Erden hat: die -Heimat. Das ist ja wohl das Beklagenswerteste, was es gibt, heimatlos zu sein -oder zu werden. <em class="gesperrt">Seit Urzeiten gilt die Verbannung aus der Heimat -für eine der größten Strafen, die den Menschen treffen können.</em> -Das <em class="gesperrt">Heimatgefühl</em> gehört zu denselben Regungen, wie die Sehnsucht nach -Religion. Hier ist es das Jenseits, das uns ruft, dort die Erde, nicht als Materie, -sondern als unser Erlebnis. Wir sind nicht zu trennen von dem Fleck, auf dem -wir geboren und erzogen werden, und haben wir die ersten zwanzig Jahre an -einem Orte verbracht, so werden wir die übrigen fünfzig Jahre unseres Daseins -die Merkmale dieses Ortes nicht verlieren. Immer inniger kehren wir dorthin -zurück, von wo wir einst auf das Meer des Lebens mit tausend Masten ausfuhren. -Wir kehren zurück mit einem Wrack, aber dies Wrack ist stets fähig, noch das zu -tragen, was wir uns selbständig erwarben, was wir erlebten.</p> - -<p>Welche Sühne wußte Gott, um den Brudermörder zu strafen? Keine andere -als diese: »Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.« Kain, der erste Heimatlose -aber antwortete: »Zu groß ist meine Strafe, um sie zu ertragen.« Und wer -ein Mensch ist, der erträgt auch diese Strafe nicht, es sind übermenschliche Kräfte, die -zur Besiegung der Unruhe des Heimatlosen erforderlich sind, oder es sind <em class="gesperrt">Gefühlsbarbaren</em>, -die sich über solch eine Verbannung hinwegsetzen, wo sich aber noch -ein menschliches Gefühl regt, und sei es das abschreckendste, sei es Gemeinheit, -Bosheit, Tyrannei, das Heimatgefühl herrscht auch in solchen Seelen. <em class="gesperrt">Und das -Heimatgefühl muß auch in jedem herrschen, denn es ist uns ein<span class="pagenum" id="Seite_91">[91]</span> -Instinkt geworden</em>, allerdings nicht mehr jener materialistische Instinkt, der -beim Tiere waltet, das nach dem Spruche: »<em class="antiqua">Ubi bene, ibi patria</em>« handelt, sondern -<em class="gesperrt">jener seelische, geistige Trieb</em>, den die Einheit der Umgebung und unseres -körperlichen wie intellektuellen Daseins in uns wachruft. Es ist fast unmöglich, -das Heimatgefühl begrifflich zu definieren, logisch, verstandesmäßig zu umgrenzen, -festzulegen, es ist ebenso schweifend und machtvoll wie das Lebensgefühl in uns; -wird doch dieses oft gestört, wenn das Heimweh an uns nagt. Wir haben auch -nicht nötig, uns eine klare Vernunftvorstellung von dem Heimatgefühl zu machen, -weil wir alle es in uns tragen, wir alle es kennen, weil es in uns lebt, ohne -daß wir Macht hätten, es zu beherrschen. Wir können in der herrlichsten Landschaft -bei dem schönsten Wetter unter den liebenswertesten und uns nächsten Menschen, -bei vollkommenster Sorgenfreiheit sitzen, es wird uns doch plötzlich eigen zumute, -wenn jemand fragt, wie es jetzt daheim ausschauen mag, oder wenn plötzlich eine -Erinnerung an uns vorüberzieht, auch ohne daß sie laut wird. Oder wir können -uns fremd unter fremden Menschen fühlen; spricht aber dann jemand von unserer -Heimat, sogleich wird uns wohl und glücklich zumute, sogleich fühlen wir uns -zuhause.</p> - -<p>Das Heimatgefühl ist wie die poetische Seite des Lebensgefühls: alle die -Worte wie daheim, zu Hause, heimatlich, heimselig, heimlich u. a. m. haben einen -poetischen Schimmer an sich, der auf uns zurückstrahlt, unser Leben verschönt. Von -<em class="gesperrt">Ovid</em> bis Viktor <em class="gesperrt">Hugo</em>, von <em class="gesperrt">Homer</em> bis zu dem modernen <em class="gesperrt">Strindberg</em>, alle -wußten, was der leidet, der ferne der Heimat ist. Wer erinnert sich nicht der -Klagen des Odysseus, wer nicht aller der Männer in der Bibel, die die Heimat -zu schauen begehrten? Wer fragt sich nicht bei jeder Wiederkehr der Störche, der -Schwalben, der Stare, weshalb sie die weite, beschwerliche und gefährliche Reise aus -dem Süden wagen, wo sie es doch dort um so viel leichter, besser haben? Es ist -immer wieder jener göttliche Drang, der dunkel ist, aber groß und schön, lebenskräftigend.</p> - -<p>Nicht das ist das Wesentliche des Heimatgefühles, was wir empfinden, wenn -wir einem Fremden unsere Heimat zeigen, sei sie auch noch so armselig und schlicht, -sei sie auch noch so bar jeder äußeren Vorzüge, sondern <em class="gesperrt">eben jenes Gefühl der -Zusammengehörigkeit mit dem Boden und jene tiefe Sehnsucht</em>. -Wie leer und schal erscheint uns das Leben, sind wir gezwungen, es in fremden -Diensten, unter fremden Menschen, auf fremden Boden zu verbringen. Für unsere -Heimat und in ihr sind wir mutig, stark und sicher, tun wir alles. Die eigentlichen -Volkskriege, wie die Befreiungskriege, sind Kämpfe um das Heimatgefühl, -man will nicht mehr Fremdling sein in seinem Vaterland. Am unlöslichsten ist -der Bauer mit seiner Heimat verbunden: hat er auch einmal jene Sehnsucht nach -der Ferne, sie wird schnell befriedigt sein, denn ihm geht nichts über seine Scholle.</p> - -<p>Und mit Recht! Man kann nichts mehr beklagen, als daß die moderne -Entwicklung mit ihren Idealen der Freizügigkeit und des Freihandels die Macht -des Heimatgefühls brechen zu wollen scheint. <em class="gesperrt">Reißt dem Menschen die Heimat -aus dem Leben, so dünkt es ihn nicht mehr begehrenswert!</em> Bodenständigkeit -ist nicht nur die Grundlage aller Kultur, sondern auch die aller Lebensmöglichkeit.<span class="pagenum" id="Seite_92">[92]</span> -Allein auf unserer Scholle, in unserer Heimat kommen wir zum Bewußtsein -unserer selbst, unserer seelischen Kräfte, zur Erkenntnis des Göttlichen, das im -Menschen ruht. Freilich ist damit nicht gesagt, daß man sich nie aus seiner Heimat -entfernen solle. Das wäre eine falsche Schlußfolgerung, im Gegenteil, die Ferne, -die Fremde lehrt uns erst die Heimat lieben, und man kann nur jedem jungen -Manne wünschen, daß er sich den Wind ein paar Jahre lang draußen in der Welt -um die Nase wehen lasse, das weitet den Blick, stärkt das Nationalgefühl, um so -lieber verbringt er dann sein Leben in der Heimat.</p> - -<p>Man kann sich aber auch freuen über unsere Zeit, denn sie hat den Wert -des Heimatgefühls auch ganz erkannt, und nicht nur das, sondern sie handelt auch -danach: Mächtiger denn je klingt das Wort Heimat in den deutschen Landen, unser -Leben hat wieder nationalen Boden gefaßt, wir schweben nicht mehr in der Luft, -materialistischen Idealen nachjagend, sondern wir sind wieder Wirklichkeit kennende -Idealisten. Unsere Kunst steht nach wie vor unter dem Zeichen der Heimat, freilich -muß die hohe höchste Kunst, wie sie sich im »Faust«, in Wagners Musikdramen, -in Beethovens Werken offenbart, sich in einer gewissen Distanz über das rein -Heimatliche erheben, damit ist sie aber nicht um irgendeinen Punkt weniger -deutsche, denn wer anders als Deutsche hätten einen »Faust«, die »Neunte Sinfonie«, -einen »Tristan und Isolde«, schaffen können? Hier sieht man, wie das Nationale -als Nationales – denn das bleibt es und muß es bleiben – zum Internationalen -wird, nicht zu jenem heimatlosen Kosmopolitismus, den manche einem Goethe -anhängen wollen, sondern zu jener Herrschaft über die Welt durch die Kunst, wie -wir sie auch im Shakespeare verehren. Und nur die Kunst kann international -werden, die national ist, das sollte man nie vergessen, es liegt klar zutage. Aber -nicht nur in der Kunst denken wir wieder national, auch unser politisches, konfessionelles, -wirtschaftliches und wissenschaftliches Leben rückt mehr und mehr dem -Gesichtspunkte zu, nicht, daß es dadurch seine Richtung tendenziös verschieben ließe, -sondern es bleibt ehrlich auf der klar erkannten Bahn, dabei sich aber bewußt der -Quelle, aus der die Kraft fließt, mit deren Hilfe wir die Bahn abschreiten, <em class="gesperrt">das -ist das Heimatgefühl</em>!</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Zschemelschka">Die Zschemelschka</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">H. Stübler</em>, Bautzen</p> - -<p>Die Zschemelschka? Wer ist das? Ist es eine wendische Dorfschöne? Ja, -wenn sie der geneigte Leser besuchen will, muß er von Bautzen aus in die nördliche -Teichgegend ziehen. Er kann sie in fünf Viertelstunden erreichen, wenn er an -einem schönen Frühlingsnachmittag die Muskauer Straße hinauswandert und -hinter Burk nach Doberschütz zu abbiegt. Besonders schön wird sie ihm erscheinen, -wenn rosenroter Abendsonnenschein sie umleuchtet. Dann wird sie sich offenbaren -als eine verborgene kleine <em class="gesperrt">Natur</em>schönheit: die Zschemelschka ist nämlich ein -letzter Rest eines aus dem Granit herausgewitterten Quarzriffes. Das deutet auch -ihr <em class="gesperrt">Name</em> an: denn darin steckt das wendische Wort für Quarz = křem. Wie beispielsweise<span class="pagenum" id="Seite_93">[93]</span> -aus dem niederdeutschen krischan = Christian über Kschischan schließlich -der in der Lausitz häufige Familienname Zschieschan geworden ist, so hat sich jener -Stamm křem im Munde der Umwohner zu Zschem-elska, Zschem-elschka verwandelt.</p> - -<p>Da die weißen Felsen, die leider schon zur Hälfte abgebaut sind und als -harter Klarschlag im Schotter der benachbarten Straßen und Fahrwege begraben -liegen, weithin leuchten, ist es nicht allzu schwer, sich auf Feldwegen und Rainen -zur Zschemelschka heranzupirschen. Dem Landmann liegt sie höchst unbequem -mitten in Feldgebreiten, und ich glaube wohl, daß er nichts dawider haben würde, -wenn sie eines Tages völlig zersprengt und abgebaut würde, wenn das unfruchtbare -Riff so verschwände, die Grube aufgefüllt würde und der Pflug darüber -hinziehen könnte.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-027"> - <img class="w100" src="images/illu-027.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Die Zschemelschka bei Niedergurig, Bezirk Bautzen</b><br /> -(Phot. <em class="gesperrt">Rich. Huth</em>, Bautzen)</div> -</div> - -<p>Dem Naturfreund und dem Forscher aber wird »der Stein des Anstoßes« zu -einem <em class="gesperrt">Naturdenkmal</em>. In der Richtung <em class="antiqua">NW</em>–<em class="antiqua">SO</em> erstreckt sich das weiße Quarzriff, -etwa fünf Meter am Grunde breit, fünfundzwanzig Schritte lang, und der bereits -abgebaute westliche Teil war etwa ebenso lang. Aus der Sprenggrube wuchern Salweide, -Hasel, Hirschholunder, Weißdorn, Wildkirsche, Eberesche; am östlichen Ende treibt -eine erst im Kriege gefällte Eiche neue Stockausschläge; den Fuß der Quarzmauer -schmücken im Sommer allerhand Stauden und Gräser, Brombeerranken und -Himbeerruten, Rumex, Johanniskraut, Fetthenne, Weidenröschen, Wollkraut, Steinnelken, -Besenstrauch. Aber selbst in die schutterfüllten Längsrisse drang der -Pflanzenwuchs ein, ja der harte, lebensfeindliche, »nackte« Fels mit seinen wohl -durch Mangan- und Eisenbeimischung rötlichfleischfarbenen und violetten Adern ist -mit schwärzlichen Schrift- und grünlichen Schüsselflechten getüpfelt, hie und da schon -von einem Mooskissen besetzt worden. Die höchsten Teile werden gerne von Raubvögeln<span class="pagenum" id="Seite_94">[94]</span> -als Auslug und Kröpfstellen benutzt; in den Rissen spannen Spinnen ihre -Fangnetze und Brutwiegen; Kaninchenhöhlen und allerhand Tierlosung verraten -besonders an der windgeschützten, sonnenbeschienenen Südseite auch andere Liebhaber -der Zschemelschka.</p> - -<p>Den <em class="gesperrt">Naturfreund</em> wird der <em class="gesperrt">Aus-</em> und <em class="gesperrt">Umblick</em> erfreuen. In der -Längsrichtung des Riffes schaut er über das in der Teichaue der Spree gelegene -Doberschütz und Niedergurig nach <em class="antiqua">NW</em> hin bis zur spitztürmigen Kirche von -Quatitz; nach <em class="antiqua">SO</em> über den Bytschin bei Breitendorf zum Doppelgipfel des Löbauer -Berges und zum Rotstein bei Sohland. Nach <em class="antiqua">N</em> haftet der Blick an den kleinen -Gehölzen der nächsten Granitkuppen, z. B. an dem Teufelsstein bei Pließkowitz -mit seinen hünengrabähnlichen Gipfelklippen im Zwergwalde grüner, später gelbblühender -»Ginster«büsche, am Windmühlenberge bei Gleina, an den Essen des -Braunkohlenwerkes von Kleinsaubernitz. Am lohnendsten aber ist der Südausguck: -erst bauen sich mit dunklem Nadelwald, aus dem im Frühjahr helleres Laubgrün -aufleuchtet, die rundlichen Granitkuppen der Kreckwitzer Höhen auf: Krähen-, -Linden-, Mittel- und Birkberg; dahinter aber staffeln sich wunderschön fernblau -die nicht abgesunkenen Basteien des Granitberglandes vom Hochstein bis zum -Klosterberge: das türmereiche Bautzen liegt malerisch dazwischen.</p> - -<p>Dem <em class="gesperrt">Forscher</em> erzählt die Zschemelschka mehr – er erinnert sich des -»Pfahls« im Bayrischen Wald, der hundertdreißig Kilometer lang von Amberg -bis Passau in einem ähnlichen Granitgebiete schnurgerade dahinzieht und oft auch -ähnliche Mauern und Riffe bildet, wie hier die Zschemelschka eins ist. Und wenn -er die geologischen Karten zu Rate zieht, so erkennt er bald, daß sie auch nur ein -»hervorragender« Teil eines »<em class="gesperrt">Lausitzer Pfahls</em>« ist, der sich von Maltitz bei -Weißenberg bis Schmerlitz westlich Königswartha über fünfunddreißig Kilometer -weit verfolgen läßt. Quarz ist hart; der umgebende Granit verwitterte eher und -rascher, so blieb das Riff erhaben in der Landschaft stehen und bildete ragende -weißliche Mauern. Bei <em class="gesperrt">Belgern</em><a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a> im <em class="antiqua">SO</em> errichteten auf einem an hundert Meter -breiten Stück dieses Quarzganges, von dessen ragender Höhe man einen weiten -Umblick hat, schon die Urbewohner unserer Lausitz eine <em class="gesperrt">Ringwallwohnstätte</em>. -Aber dort ist die Quarzmauer schon gewaltig abgebaut.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Bel-gern, vergl. Belgrad = Weißenburg, wegen der <em class="gesperrt">weißen</em> Farbe des Quarzgangs.</p> -</div> -</div> - -<p>Die <em class="gesperrt">schnurgerade Richtung</em> des langen Quarzganges, der übrigens im -Granitlande südwärts zahlreiche größere und kleinere, meist ähnlich verlaufende, -aber oft nur noch an Lesesteinen erkennbare Brüder hat, bezeugt uns, daß wir hier -an der Grenzscheide zweier gegeneinander abgesunkener oder verschobener Granitschollen -stehen, deren Abrißfuge durch nachdrängende kieselsäurereiche Lösungen aus -der Tiefe ausgekittet wurde, wie ja in Augustusbad bei Radeberg noch heute an -die Quarzgänge Mineralquellen gebunden sind. Sonst haben sich in solchen Spaltenfüllungen -oft auch <em class="gesperrt">Erze</em> mit ausgeschieden, aber unsere Lausitzer Gänge sind meistens -»taub« – auch die Zschemelschka. Aber indem nun das harte Quarzfüllsel der -Spalte durch die jahrtausendelange Verwitterung zum ragenden Riff aus der Umgebung -sich heraushob, indem es den darüber hingleitenden Eismassen Trotz bot,<span class="pagenum" id="Seite_95">[95]</span> -die die Kuppen der Kreckwitzer Höhen zu »Rundhöckern« abschliffen, ist die -Zschemelschka ein »beredter« Zeuge erdgeschichtlichen Werdens auf Lausitzer Boden -geworden, wert, erhalten und geschützt zu werden, ehe sie das Schicksal der »Steinklunse« -im Cunewalder Tal trifft; denn die ist längst zersprengt und zerschlagen. -Wer mehr davon zu lesen wünscht, der möge den letzten Dreijahrsbericht der -Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Bautzen (1916–1918) nachschlagen, der -noch mancherlei anderes Neues aus der Natur der Heimat enthüllt.</p> - -<p>Die Besitzer des Grundstücks, Gemeindevorstand Zieschang und Gutsbesitzer -Kunath in Doberschütz, haben die Erhaltung des Naturdenkmals in dankenswerter Weise -dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz zugesichert. Eine von diesem angebrachte -Tafel macht den Wanderer auf die Felsen aufmerksam und mahnt zu ihrem Schutze.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Erhaltet_dem_heimatlichen_Landschaftsbilde">Erhaltet dem heimatlichen Landschaftsbilde die Alleen -und die hervorragenden Bäume</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">A. Klengel</em>, Meißen</p> - -<p>»Dem teutschen Menschen müssen nirgends Bäume fehlen!« schrieb Ernst -Moritz Arndt, der gründliche Kenner echten deutschen Wesens zu Anfang des -vorigen Jahrhunderts. Und wahrlich, dieser urdeutsche Mann hat recht mit -seinen schlichten Worten. Die deutsche Landschaft ist ohne das belebende Grün -von Baum und Strauch, ohne den ernsten Waldhintergrund nicht denkbar und -im Herzen des echten Deutschen, der sich die Gemütstiefe bewahrt hat im Strome -der Zeit, klingt, einer ewig ungestillten Sehnsucht gleich, das Verlangen nach dem -grünenden Baum und Strauch, die festverankert sind im Schoße der heiligen -Mutter Erde, die Zeugnis geben von der urwüchsigen Naturkraft, die aus der -Scholle quillt, den Baum zu beleben, mit frischem Grün und duftenden Blüten zu -schmücken und ihn zu befruchten im bunten Wechsel des Jahres. –</p> - -<p>Die alten Germanen, die Urbewohner deutschen Landes, wohnten in Wäldern. -»Allenthalben starrt der Urwald« berichtet der Römer Tacitus, der zu Anfang -unserer Zeitrechnung das Land beschrieb, das wir heute unsere Heimat nennen. -Dies erklärt gar vieles im deutschen Wesen. Die Liebe zum Walde, die Liebe -zum grünen Baum lebt fort im Herzen des Deutschen als ein teures, ein heiliges -Vermächtnis aus den Urtagen deutschen Seins, aus jener fernen Zeit, da unsere -Väter noch in den Wäldern lebten, sich geborgen fühlten unter der Krone des -Baumes, die über ihnen rauschte, im Haine zu ihren Göttern beteten und Baum -und Strauch mit Gottheiten beseelten.</p> - -<p>Durch Jahrtausende hat der Deutsche Bäume und Sträucher um sich gehegt; -er hat festgehalten an dem uralten Brauch, den ihm die Väter vererbten. Als -Frevel, als fluchwürdiges Verbrechen galt das mutwillige Fällen eines Baumes.</p> - -<p>Betrachten wir alte Bilder deutscher Landschaften und Siedlungen! Niemals -werden wir Bäume und Sträucher darauf vergeblich suchen. Die Linde auf dem -Dorfplatze ist geradezu ein Wahrzeichen des deutschen Landes geworden; unter ihr -wurde nach altem Brauche Recht gesprochen, unter ihr sammelten sich die Glieder<span class="pagenum" id="Seite_96">[96]</span> -der Gemeinde zu ernsten Beratungen, unter ihr tummelte sich die Jugend und feierte -ihre fröhlichen Feste mit Spiel und Tanz.</p> - -<p>Die Landstraßen waren in alter Zeit ihrer ganzen Ausdehnung nach von -Hecken, Feldgehölzen und auch Einzelbäumen umgeben. Man schonte und hegte -die Baumbestände sorglich; boten sie doch den Wanderern und den Zugtieren, die -einst mehr als heute die Landstraßen belebten, kühlenden Schatten in der Sonnenglut.</p> - -<p>Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild! Die fortschreitende Urbarmachung -des Landes, die Notwendigkeit, den Boden mehr auszunutzen, zwangen -zum Fällen der Feldgehölze, die einst die Landstraße umsäumten. An ihre Stelle -traten die regelmäßigen Straßenanpflanzungen, die Baumreihen oder Alleen. Sie -sollten nach wie vor dem Wanderer und dem Zugtier Schatten spenden. Daneben -dienten sie wohl auch zur Abschrankung des Weges gegen Dämme und Abhänge -und in Gebirgslagen mit starkem Schneefall zur Kennzeichnung des Straßenzuges -im verwehten und verschneiten Gelände. Es entstanden die prächtigen Ebereschenpflanzungen -in unserm Erzgebirge, die zur Blütezeit Zimtdüfte ausatmen, im -Herbst mit ihren korallenroten Beeren die Landschaft schmücken und den Vögeln -Futter bieten. Die herrlichen Linden-, Ahorn- und Eschenalleen wurden angelegt, -die viele unserer Städte an der Stelle alter Befestigungsanlagen malerisch umsäumen -und der Landstraße auf weite Strecken das Geleite geben. Wer kennt -nicht diese alten Bäume, in deren Kronen die Vögel singen und ihre Brut hegen, -in deren Schatten der junge Weltbürger seine erste Fahrt unternimmt hinein in -das Leben, und der in harter Lebensarbeit müde gewordene Greis in kurzem -Spaziergange sich seines Lebensabends freut.</p> - -<p>Die langen Reihen hoher Pyramidenpappeln wurden angepflanzt, die der -Landschaft so stimmungsvolle Reize verleihen. Auf dem Sandboden des Flachlandes -belebten die Birkenalleen mit ihren heiteren Farben die strengen Linien des einförmigen -Bildes.</p> - -<p>Größere Bedeutung gewannen die Baumpflanzungen an den Landstraßen, als -man die Felder unter Hochkultur nahm, als jede Hecke und jedes Gehölz fallen -mußte, als man die Fluren völlig in einförmige Kultursteppen verwandelte. Die -Alleen waren die einzigen Unterbrechungen in dem kahl gewordenen Lande, der -einzige Ruhepunkt des Auges, das müde geworden war vom Umherschweifen in -der jeder Abwechslung entblößten Landschaft. Oft genug waren sie die einzige -Naturschönheit des flachen Landes, das einzige was haften blieb in der Erinnerung, -und das einzige, was die Landschaft wert machte, ein Ziel der Heimatliebe zu sein. –</p> - -<p>Wer hat wohl daran gedacht, daß es je anders werden würde im deutschen -Lande! Wer hätte geglaubt, daß die Bäume von unseren Straßen, die grünen -Baumgürtel unserer Städte und Dörfer schnöder Geldgier und Gewinnsucht zum -Opfer fallen würden. Und doch ist es so! In völliger Verkennung der geschichtlichen -Entwickelung und der geschichtlich gewordenen Bedeutung des Straßenbaumes -werden heute die Straßenalleen vielerorts zur Gewinnung von Nutzholz niedergeschlagen. -Unsere Ahnen haben die Bäume als Schmuck der Heimat gepflanzt, -und wir selbst haben sie bis in die jüngste Zeit noch geschont, gehegt und gepflegt bis -sie als morsche Ruinen in sich zusammenfielen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_97">[97]</span></p> - -<p>Gar plötzlich ist die Wandlung eingetreten. Deutsches Wesen ist zuschanden -geworden, das zeigt sich auch hier. Der »furchtbare Baumtod« wandelt durchs -Land und stürzt sich mit Grimm und Wut auf unsere herrlichen Baumalleen, die -kostbaren Vermächtnisse aus alter Zeit. Wie einst im Mittelalter der »schwarze -Tod«, Grauen verbreitend durch das aufgeschreckte Land zog, daß »die Menschen -reihweis’« fielen, so ist jetzt der »große Baumwürger« in unsere Gaue gekommen -und hat ein »Sterben der Bäume« gebracht, hat in kurzen Stunden zersplittert -an den Wegrand geworfen, was Jahrhunderte zur Entwickelung und zum Aufbau -gebraucht hat. Mit wuchtigen rohen Axthieben wird rücksichtslos das vernichtet, -was das Herz unserer Väter und Großväter schon erfreute und was auch unser -Stolz und unsere Freude war.</p> - -<p>Ein Schrei der Entrüstung über diesen Frevel am heimatlichen Landschaftsbilde -geht durch die deutschen Gaue und jeder Deutsche, in dessen Herzen noch ein -Fünkchen Heimatliebe glimmt, noch eine Spur von Empfinden für unsere Naturschönheiten -wohnt, muß mit einstimmen in das Wort, welches aus einer, ihrer -Baumschönheiten beraubten niederdeutschen Stadt erklingt: »Herrgott bewahre uns -vor solchen Stadtvätern, die, aus Unwissenheit oder absichtlich, die Schönheit ihrer -Heimat morden und die Ideale ihrer Gemeindeglieder mit Füßen treten!«</p> - -<p>Freilich, Ideale bringen kein Bargeld ein! Aber wir ehren uns selbst, -wenn wir sie pflegen. Wir brauchen Ideale in unserer schweren Zeit, in der die -Schönheit der Heimat fast das einzige ist, was uns noch nicht geraubt wurde.</p> - -<p>Und ist der Gewinn wirklich so groß, den uns der gefällte Baum bringt? – -Eine Handvoll schmieriger Papierfetzen ohne Wert und ohne Kaufkraft, Spreu im -Wirbelsturm der wirtschaftlichen Bedrängnis. Sie sind schon längst verstreut in -alle Winde, ehe die Wunde, welche die Trauer um die verlorene Heimatschönheit -in das Herz des Heimatfreundes geschlagen hat, zu vernarben beginnt.</p> - -<p>Zahlreiche alte herrliche Bäume sind schon vernichtet, viele prächtige Alleen -sind der Gefühllosigkeit unserer Zeitgenossen zum Opfer gefallen; aber noch ist es -Zeit, Einkehr zu halten in uns selbst und Umkehr auf dem betretenen Pfade der -Vernichtung. Noch beginnen jetzt zur Frühlingszeit viele herrliche Baumriesen -und ausgedehnte Alleen sich mit neuem Grün zu schmücken. Schont und schützt -sie und tretet ein für ihre Erhaltung! Wehrt euch mit flammender Entrüstung -dagegen, daß geldgierige Hände sich danach ausstrecken. Laßt euch die herrlichen, -durch ehrwürdiges Alter geweihten und geheiligten Bäume nicht rauben, diese -Zier- und Schmuckstücke der Heimat, die unersetzlich sind; haben sie doch viele -Menschenalter gebraucht, ehe sie emporwuchsen zu der stattlichen Größe und wunderbaren -Schönheit, in der sie jetzt vor uns stehen. Unsere Väter haben sie uns -vererbt als ein heiliges Vermächtnis, wir sind verpflichtet, sie zu pflegen und zu -schützen und weiter zu vererben auf Kinder und Kindeskinder. Wenn wir sie -mit frevelnder Hand vernichten und der Gewinnsucht opfern, so gleichen wir dem -gewissenlosen Manne, der ein kostbares Erbe verschleudert. Wie ihm seine Nachkommen -fluchen, so werden einst unsere Enkel mit uns hadern, weil wir die -Schönheit der Heimat zerstörten um Augenblickserfolge willen, weil wir ihnen das -uralte Wundergut der Heimatliebe raubten.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_98">[98]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Schlagbaum_und_Chausseehaus">Schlagbaum und Chausseehaus in Sachsen</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">E. M. Arnold</em>, Leipzig-Schleußig</p> - -<p>Wieder spinnt die Frühlingssonne ihren hellen, verjüngenden Dunst über Flur -und Feld, und die Welt steht voller Träume und Geheimnisse. Zauberhände schmücken -der Bäume kahles Geäst mit Blatt und Blüte. Aus der feuchtwarmen Erde quillt -allmählich Halm für Halm, Blume für Blume. Der schmuckloseste Rain wird so -zum buntgewürfelten Teppich, das Saatfeld zum leichtgewellten See. Und die Sonne -steigt höher und höher. Ihr Silbergefunkel dringt in den engsten Hof und die -versteckteste Großstadtklause lachend und lockend zugleich. Es ankert sich fest mit -gespenstisch ausgreifenden Fingern im ruhelosen Fabriksaal wie am Tisch des Geistesarbeiters. -Verstehst du seine Sprache, Großstadtkind? Merkst du nicht, wie es dich -ruft, herauszutreten aus dem Waffengeklirr nüchternen Daseinskampfes, aus der -Häuser drückenden Enge in die weite, weite Gottesnatur? Komm und folge dem -einladenden Gruße!</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-032"> - <img class="w100" src="images/illu-032.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Einnehmerhaus an der Straße Rochlitz–Mittweida<br /> -(Federzeichnung von Regierungsbaumeister <em class="gesperrt">Nicolaus</em>, Dresden, nach einer Aufnahme -von Frau <em class="gesperrt">Carola Hartmann</em>, Rochlitz)</div> -</div> - -<p>Sage nicht, du hättest weder Zeit noch Gelegenheit, des Frühlings Wunderwerkstatt -anzuschauen. Leben wir nicht im Zeitalter des Dampfes, der Elektrizität, -des Fahrrads und des Automobils? Und wie denn; genügen nicht auch Schusters<span class="pagenum" id="Seite_99">[99]</span> -Rappen, hineinzuwandern in die prangende Frühlingswelt, dem Lichte und dem Leben -zu, bergauf, talab, in des Waldes Laubgezelt, zur blumigen Quelle, zum Ufer der -brandenden See? Bleiben wir bei strammer Landstraßentugend; nehmen wir den -Weg zwischen die Beine.</p> - -<p>Können wir uns heute das weitverzweigte, der Erde Länder zusammenknüpfende -Verkehrsnetz hinwegdenken und uns in eine Zeit zurückversetzen, da der Mensch -nur schwer und mit großen Opfern der engbegrenzten Heimatscholle zu entrinnen -vermochte? Wohl kaum. Was erinnert wohl noch an die alte liebe Wanderzeit -mit ihren einfachen Bedürfnissen? Etwa die steifen Postwagen, die in die einsamsten -Gegenden unseres Vaterlandes sich zurückgeflüchtet haben? Es wird uns nicht so -leicht, zu begreifen, daß noch zur Mitte des vorigen Jahrhunderts fast der gesamte -Reiseverkehr auf die Landstraßen angewiesen war. Wir sind ein gar schnellebiges -Geschlecht, das rasch vorwärts schreitet, aber auch rasch vergißt, und es im übrigen -nicht liebt, den Blick romantischen Sinnes in längst verschollene Zeiten zurückzuwenden. -Die Blume der Erinnerung blüht nur noch abseits von des Tages Getümmel und -auch nur für den, der ihrer aufmerksamen Auges achtet. Was kümmert uns -Vergangenes? Es lebe die Gegenwart!</p> - -<p>Und so kommt es, daß wir den rechten Maßstab für das jeweilig Erreichte -oft nicht finden, weil wir der Wahrzeichen nicht achten, die uns zu längst Verschwundenem -und Überwundenem hinüberleiten. Wer z. B. achtet gegenwärtig noch der -wenigen vom Zahn der Zeit verschont gebliebenen Chausseehäuser, jener freundlichen, -einstöckigen Gebäude an Sachsens Landstraßen, die heute vielfach als Bier- und -Kaffeestuben willkommenere Ruhepunkte des Reiseverkehrs darstellen denn ehemals, -als weißgrüne Schlagbäume die Straße sperrten und ein finsterblickender Einnehmer -zum Halten einlud! An einsameren Straßen unseres Sachsenlandes, wo sie hin -und wieder auch als Wohnstätten der Straßenwärter Verwendung finden, tragen -sie wesentlich zur Belebung des Geländes bei. Hier wie dort führen sie unsere -Gedanken zurück in die gute alte Zeit, da der Großvater die Großmutter nahm -und während der Hochzeitsreise sich und seine Eheliebste von zwei zu zwei Wegstunden -immer von neuem wieder aus dem Bannkreise des Schlagbaumes und seines Wärters -lösen mußte.</p> - -<p>Die alten Chausseehäuser unserer engeren Heimat verkörpern ein Stück Kulturgeschichte, -nicht so sehr wegen ihrer einstigen fiskalischen Bedeutung als wegen -der Art des Lebens und Treibens, das sich in ihnen abspielte. Sie waren die -Pflegstätten echten altsächsischen Familienlebens in seiner breiten Gemütlichkeit und -genügsamen Zufriedenheit und bildeten in einer meist ländlichen Umgebung kleine -Beamteninseln mit halb städtischen, halb ländlichen Sitten und Gebräuchen. Wie -idyllisch nahmen sich die Häuschen aus im Zuge der sauberen Straßen, mit ihren -Bogenfenstern, den grünen Läden und dem über der Eingangstür hängenden sächsischen -Wappenschilde! Meist umgab ein Garten das Gebäude. Ein einfaches Staket, -hinter dem es grünte und blühte und oft wohl auch bunte Glaskugeln altmodisch -sich spreizten, versperrte Neugierigen den Blick ins Innere des Hauses. Häufig -tat es auch eine lebende Hecke. Hier schossen Sonnenblumen und Malven; Bienen -flogen summend von Blüte zu Blüte. War doch der Herr Einnehmer meist auch<span class="pagenum" id="Seite_100">[100]</span> -ein kunstgerechter Imker. Das saftige Grün des Weinstocks umrankte die Vorderfront, -während nach hinten Stall und Schuppen das kleine Anwesen abschlossen. -Stand ein Birn- oder Apfelbaum dabei, so legte er sicherlich väterlich-schirmend die -fruchtschweren Äste über die kleine Einsiedelei.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-034"> - <img class="w100" src="images/illu-034.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Einnehmerhaus an der Muldenbrücke in Rochlitz<br /> -(Phot. Frau <em class="gesperrt">Carola Hartmann</em>, Rochlitz)</div> -</div> - -<p>Quer über die Straße aber ragte der wuchtige Schlagbaum, an den Seiten -nur einen schmalen Streifen für die Fußgänger freilassend. Jedes ankommende -Fuhrwerk, jeder Reiter und jeder Viehtransport konnte ihn nur passieren, nachdem -die festgesetzte Abgabe entrichtet war. Dem gestrengen Herrn Einnehmer, der ununterbrochen -bei Tag und Nacht seines Amtes walten mußte und sich nur während der -verkehrsschwachen Stunden kurze Ruhepausen gönnen konnte, entging so leicht keiner. -Die Fuhrleute waren verpflichtet, den Einnehmer auch während der Nacht durch -Peitschenknall oder Zuruf zu wecken. Besser noch versorgte das Geschäft des Weckens -ein munterer Spitz oder Dackel, der zum lebenden Bestande jeder Einnahme gehörte. -Oft freilich erkoren Witzbolde, Studenten oder fahrende Gesellen den Einnehmer -zum Gegenstande ihres Übermutes und brachten ihn durch blinden Lärm um die -ohnehin beschränkte Nachtruhe. Zur Zeit der Leipziger Messen, an Hauptmarkttagen<span class="pagenum" id="Seite_101">[101]</span> -oder zu besonderen Festlichkeiten gestaltete sich der Wagenverkehr oft so rege, daß -die Frau Einnehmerin dem Gatten in der Abfertigung kräftig zur Hand gehen mußte. -War sie doch zur dienstlichen Vertretung und Unterstützung des Hausherrn amtlich -bestimmt. Wohl trug sie weder Mütze noch Amtsrock; in einfacher Hausfrauentracht -verrichtete sie am Schalterfenster ihre Dienstobliegenheiten, und obgleich sie mit -Angehörigen der verschiedensten Berufsklassen verhandelte, wußte sie, der amtlichen -Dienstanweisung gehorchend, allen Streitereien und Ungehörigkeiten durch immer -gleichbleibende Freundlichkeit und weiblichen Anstand die Spitze abzubrechen. Die Frau -Einnehmerin spielte übrigens, wenn sie die ihr günstigen Verhältnisse auszunutzen -verstand, unter der bäuerlichen Bevölkerung eine gar wichtige Rolle. Man schätzte -ihre hauswirtschaftlichen Erfahrungen, begehrte ihre gesundheitlichen Ratschläge und -feierte selten ein Familienfest, an dem die Frau Einnehmerin nicht teilgenommen hätte.</p> - -<p>Aber nicht immer herrschte Lust und Freude in dem bescheidenen Heime; denn -wenn auch dem Einnehmer neben freier Wohnung, Heizung und Beleuchtung der -zehnte Teil der erhobenen Brücken- und Wegegelder als Besoldung zugebilligt wurde, -so kamen dennoch – und ach, wie oft – auch magere Zeiten, Monate und Jahre -mit geringen Einnahmen. Dann wurde die Wirtschaftskunst der Hausfrau auf eine -harte Probe gestellt. Wenn freilich die Vorräte im Kämmerchen zur Neige gingen -und die Reihe der Einmachetöpfe aus besseren Jahren sich immer mehr lichtete, -wenn infolge kärglicher Fütterung im Stalle die Ziege von Tag zu Tag weniger -Milch gab und doch trotz allem die hungrigen Mäuler der Kleinen gestopft sein -wollten: dann schwand der Frohsinn aus dem Einnehmerhaus und Frau Sorge -schritt über die Schwelle.</p> - -<p>Mit Ablauf des Jahres 1885 kamen Brückenzölle und Chausseegelder in Wegfall. -Sie hatten dem Staatssäckel von Jahr zu Jahr Einnahmen bis zu dreiviertel -Million Mark gebracht, trotzdem der Güterverkehr mehr und mehr von den Landstraßen -auf die neuerstandenen Schienenwege übergegangen war. Die Schlagbäume -verschwanden, aber die Chausseehäuser haben sich, wenn auch meist ihres einstigen -Gepräges entkleidet, als Erinnerungszeichen an die einstige Fuhrmannsherrlichkeit, -an die Zeit des Posttrabs und der Wanderpoesie bis in unsere Tage erhalten.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Schneeheide">Die Schneeheide</h2> -</div> - -<p class="center">(<em class="antiqua">Erica carnea L.</em>)</p> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Felix Heller</em>, Bahnhof Bad Elster</p> - -<p class="center smaller">Aufnahmen von <em class="gesperrt">J. Ostermaier</em>, Blasewitz</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-036"> - <img class="w100" src="images/illu-036.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1</div> -</div> - -<p>Unter den deutschen Phanerogamen, die nach Garckes Flora von Deutschland -(17. Aufl. 1895) sehr selten vorkommen, befindet sich eine, mehr der süddeutschen -Flora angehörige Pflanze, deren Verbreitungsgebiet in Mitteldeutschland ein so eng -begrenztes ist, daß sie in Botanikerkreisen eine gewisse Berühmtheit erlangt und zu -mancherlei Deutungen über die Ursachen ihres sporadischen Auftretens Veranlassung -gegeben hat. Der Pflanzenkundige, der im zeitigen Frühjahre den südlichsten, nach -Böhmen hereinragenden Zipfel des nunmehrigen Freistaates Sachsen besucht, wird<span class="pagenum" id="Seite_102">[102]</span> -sie freudig begrüßen und auch dem Laien wird sie auffallen. Im allgemeinen -bieten unser Elstergebirge und seine Ausläufer keine große Auswahl an Pflanzenseltenheiten, -wenn man nicht die buchsbaumblättrige Kreuzblume (<em class="antiqua">Polygala -Chamaebuxus L.</em>)<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a>, hier »Ramsel«, auch »falsche Preiselbeere« genannt, dazu rechnen -will, die im südlichen Vogtlande übrigens häufiger vorkommt, als bei Garcke angegeben -ist. Aber die <em class="gesperrt">Schneeheide</em>, das ist hier in ihrer sächsischen Heimat die -volkstümliche Bezeichnung (»Schniehaad«), ist etwas ganz besonderes; sowie der -Schnee zu schmelzen beginnt, meist Anfang bis Mitte März, entfalten sich ihre -zierlichen, in der Farbe vom hellsten Rosarot bis zum tiefsten Carminrot schwankenden -Glöckchen – der erste Frühlingsgruß der neuerwachten Natur! Deshalb liebt sie hier -auch jedermann, und gern stellt man sich ein von Weißtannenzweigen oder Preiselbeerkraut -umkränztes Sträußchen in das Zimmer. Die vogtländischen Nachbarn -dieses bescheidenen Pflänzchens sind sich seiner Seltenheit wohlbewußt und erklären -dem Befrager mit einem gewissen Stolze, daß die Schneeheide eben nur bei ihnen -vorkommt und sonst in ganz Deutschland nicht. Böhmen ist ja nicht Deutschland -und das Vorkommen im Fichtelgebirge und in den südlichen bayrischen Alpen ist -ihnen wohl nicht bekannt. Im Spätsommer und Herbst finden die Kurgäste von -Bad Elster auch zuweilen blühende »Schneeheide«, die sie mit stolzer Freude heimtragen,<span class="pagenum" id="Seite_104">[104]</span> -aber das ist die <em class="gesperrt">weiß</em>blühende Form der gewöhnlichen Heide (<em class="antiqua">Calluna -vulgaris Salisb.</em>); die <em class="gesperrt">echte</em> Schneeheide hat ihren Namen nicht von der Farbe, -sondern daher, daß sie zur Zeit der Schneeschmelze blüht, oft genug sogar schon -unter dem Schnee, bei kühlem Wetter bis in den Mai hinein.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Abbildung Seite 108. Dieses reizende Pflänzchen ist hier ziemlich weit verbreitet. Es -gibt Stellen, wo sie rasenbildend auftritt und meterlange Ausläufer treibt.</p> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-037a"> - <img class="w100" src="images/illu-037a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Vogtländische Bauernhäuser in Mühlhausen bei Bad Elster</b></div> -</div> - -<p>Garcke gibt als Vorkommen an: »Im Vogtlande im Brambacher Walde -bei Adorf häufig und ebenso um Karlsbad, Franzensbad, Eger und Marienbad; -früher auch bei Paderborn. – Bayern (Alpen und Hochebene verbreitet)«. Von -dem erstgenannten Verbreitungsbezirke entfällt auf Sachsen ein winziger Teil. Die -Schneeheide ist daher tatsächlich für Sachsen und ganz Mitteldeutschland eine große -Seltenheit; Südbayern kommt ja für Mitteldeutschland nicht in Betracht. Im -Fichtelgebirgsführer von <em class="antiqua">Dr.</em> Albert Schmidt (Wunsiedel 1894, Verlag von G. Kohler) -Seite 18 ist <em class="antiqua">Erica carnea</em> als Bewohnerin des Silikatgesteines aufgeführt (nach -Rektor Kellermann). Auf meine Anfrage schreibt mir Herr <em class="antiqua">Dr.</em> Vestner, Reallehrer -in Wunsiedel, folgendes: »<em class="antiqua">Erica carnea</em> beherrscht im Fichtelgebirge das Gebiet des -sogenannten Selber Waldes. Sie ist im Vorfrühling, zu ihrer Blütezeit, der einzige -Glanzpunkt in unserem so floraarmen Fichtelgebirge. Der Verbreitungsbezirk beginnt -südwestlich in der Höhe von Thierstein, wird begrenzt von den Höhen des -Egertales, ohne jedoch auf das Gebiet des Kornberges überzugreifen, endet östlich -mit der Waldgrenze (Hohenberg, Liebenstein, Lindau) und zieht schließlich über -Asch in den Brambacher Wald. Eine weitere Ausbreitung oder ein Zurückgehen -des Bestandes ist nicht zu beobachten. Ihr Standort ist Granitboden in gemischtem, -vorwiegend mit Föhren bestandenem Walde. Sonstiges Vorkommen im Fichtelgebirge -gibt es nicht.« Demnach wäre Garckes Flora mit diesem Vorkommen in -Nordostbayern zu ergänzen.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-037b"> - <img class="w100" src="images/illu-037b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b><em class="antiqua">Erica carnea</em> bei Brambach i. V.</b></div> -</div> - -<p>Häufiger findet sich die Schneeheide im angrenzenden Böhmen, sie geht aber -kaum über Karlsbad hinaus. Der Gesamtverbreitungsbezirk bildet eine Insel, -deren größerer Durchmesser von Westen nach Osten, der kleinere von Norden nach -Süden verläuft. Die Begrenzung bilden in Richtung West–Ost etwa die Orte -Thierstein in Bayern–Karlsbad, in Richtung Nordwest–Südost etwa Rohrbach–Marienbad. -Auf sächsischem Gebiete kommen nur die Waldungen und Höhen um -Rohrbach, Brambach, Schönberg am Capellenberge, Hohendorf, Bärendorf in Frage. -Und auch hier tritt sie meist in inselförmigen Beständen auf. Niemals überzieht -sie ausgedehnte, zusammenhängende Strecken wie Calluna, sondern wächst immer -in kleinen geschlossenen Beständen auf feuchtem Granitboden. Wer von hier aus -östlich wandert, findet die ersten spärlichen Spuren zwischen dem Raunergrunde -bei Raun und Oberbrambach. Um Brambach selbst wird sie häufiger: auf dem -Kuhberge, Fuchs- und Capellenberge, besonders schön auf dem Hirschberge und in -reichlicheren Beständen in der Richtung von Brambach über Fleißen in Böhmen -nach Schönberg am Capellenberge.</p> - -<p>Die reichsten Bestände finden sich, wie schon gesagt, in Böhmen; schon in den -Waldungen bei Fleißen, Großloh, Wildstein fällt sie im Vorfrühling jedem auf, der dort -wandert, denn ihr leuchtendes Rot macht sich schon auf weite Entfernung bemerklich.</p> - -<p>Die Gesteinsformation, die zu ihrem Gedeihen notwendig ist, ist lediglich -Granit, und zwar Granit in loser Form als Grus oder Sand. Nirgends besiedelt<span class="pagenum" id="Seite_105">[105]</span> -sie Basalt, Porphyrit, Ton- oder Glimmerschiefer; die scharfe Grenze, die sie bei -Formationswechsel einhält, gibt dem Geologen einen Hinweis, daß er aus dem -Gebiete des Granits in ein anderes übertritt. Im Granitgebiete selbst bevorzugt sie -feuchte Stellen, findet sich daher auf den Bergkuppen, soweit sie wasserarm sind, -nur spärlich und hier oft in Gesellschaft von Calluna. In vertikaler Richtung liegt -die Wachstumsgrenze etwa zwischen 550–900 Meter.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-039"> - <img class="w100" src="images/illu-039.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Schneeheide – <em class="antiqua">Erica carnea</em> – im Vogtlande bei Brambach</b></div> -</div> - -<p>Wenn man die Kartenskizze, die freilich auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch -machen kann, betrachtet, fällt einem unwillkürlich auf, daß das Vorkommen -der Schneeheide ziemlich genau in den Bereich der sächsischen und böhmischen Bäder<span class="pagenum" id="Seite_106">[106]</span> -fällt (Bad Elster, Bad Brambach, Franzensbad, Karlsbad, Marienbad). Alle diese -Bäder besitzen Quellen mit mehr oder weniger starkem Radiumgehalt, Brambach -z. B. eine solche mit über 2200 Macheeinheiten. Es liegt ja nahe, die Radioaktivität -des Wassers als Ursache des Gedeihens der Pflanze anzusehen oder eine durch -Radiumemanationen bedingte höhere Bodenwärme. Doch sind hierüber wohl noch -keine wissenschaftlichen Untersuchungen angestellt worden; für den Pflanzenbiologen -wäre dies eine dankbare Aufgabe! Läßt sich ein Zusammenhang der Lebensbedingungen -unsrer Pflanze mit dem Radiumgehalte des Bodens nachweisen, dann -würde ihr reicheres Auftreten an irgend einer Stelle im Granitgebiete vielleicht -einen Fingerzeig darbieten, hier nach einer Radiumquelle zu suchen. Analoge Beispiele -dafür, daß Pflanzen an bestimmte Mineralien gebunden sind, gibt es meines -Wissens mehrere, z. B. das sogenannte »Galmeiveilchen«, das in der Gegend um -Aachen das Vorkommen von Zinkerzen anzeigen soll. Wie weit eine solche Vermutung -berechtigt ist, das zu ergründen muß ich berufenen Leuten überlassen, ich -spreche hier eben nur eine Vermutung aus. Ob in den südbayrischen Alpen ähnliche -Boden- und Wasserverhältnisse vorliegen, vermag ich nicht anzugeben. Vielleicht -sind dort im Süden, wo die Schneeheide unsre gemeine Heide vertritt, wo sie nicht, -wie hier, zur Relictenflora gehört, sondern von jeher in großen Beständen heimisch -gewesen ist, die Verhältnisse anders.<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Gelegentlich meiner Urlaubsreise im September-Oktober 1920 in dem bayrischen Allgäu -beobachtete ich <em class="antiqua">Erica carnea</em> dort. Im Allgäu und in den Alpen bevorzugt sie <em class="gesperrt">Kalk</em>boden. Der -südliche Typus der Schneeheide ist anders als der in Böhmen, Sachsen und Nordost-Bayern; -die südliche Form ist strauchiger, knorriger, die mitteldeutsche und böhmische weicher, anschmiegender. -Die langen Ranken, die sie hier an feuchten Stellen treibt, sieht man in den Alpen, -besonders in hohen Lagen, nicht.</p> -</div> -</div> - -<p>Jedes Frühjahr erscheint in unsern südvogtländischen Zeitungen ein Hinweis -auf die Schneeheide, diese »einzige Seltenheit« im südlichen Vogtlande. Es wird -darin geklagt, daß die Pflanze dem Aussterben nahe sei und darum gebeten, die -Ausrottung dadurch verhindern zu helfen, daß man keine Schneeheidesträuße kauft. -Die Bitte ist recht gut gemeint und wird den Herzen der Naturschützler wohl tun. -Aber zum Glück liegt die Gefahr des völligen Verschwindens nicht so nahe, wie -befürchtet werden könnte. Einmal hält die Pflanze an ihren Standorten so zäh -fest, wie ihre fast unausrottbare Base Calluna an den ihren; sie erscheint immer -wieder, man merkt keine Abnahme, freilich auch kein weiteres Ausbreiten. Sodann -ist der Handel mit Schneeheidesträußen nur gering; es mögen sich kaum ein -halbes Dutzend alte Frauen gelegentlich damit beschäftigen. Das sind die sogenannten -»Sandfrauen«, die aus Brambach, Fleißen, Schnecken den feinen Scheuersand bringen, -den sie in Bad Elster, Adorf, Ölsnitz, Plauen verkaufen. Sie haben an ihren -schweren Sandsäcken gerade genug zu schleppen und können deshalb nur ab und -zu ein paar Sträuße mitbringen, für die sie meistens feste Abnehmer haben. Der -weitaus größte Teil der Sträuße stammt aus Böhmen.</p> - -<p>Vor etwa 7–8 Jahren freilich wurde auch mir bange um die Schneeheidebestände, -als im März und April täglich Leute aus Plauen mit großen Körben nach Brambach -fuhren und in den dortigen und böhmischen Waldungen die Heide <em class="gesperrt">ausrissen</em>,<span class="pagenum" id="Seite_107">[107]</span> -um sie an Blumenbindereien zu verkaufen! Aber der Unfug hatte glücklicherweise -sehr bald ein Ende: die Amtshauptmannschaft Ölsnitz und die Forstrevierverwaltung -erließen strenge Verbote des Sammelns der Schneeheide und das Forstpersonal hielt -scharf Wacht. Insbesondere nahm sich Oberförster Engelhardt in Rohrbach bei -Brambach energisch der bedrohten Pflanze an und so ist wohl mit Sicherheit zu -hoffen, daß die Gefahr einer Ausrottung beseitigt ist. Nicht unerwähnt möchte ich -aber lassen, daß bei der jetzt forstwirtschaftlich bevorzugten Anpflanzung der Fichte -insofern eine Gefahr für das Zurückgehen der Schneeheide besteht, als sie Kiefernwälder -lieber bewohnt und reine Fichtenbestände meidet.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-041"> - <img class="w100" src="images/illu-041.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Schneeheide – <em class="antiqua">Erica carnea</em></b></div> -</div> - -<p>Wird die blühende Schneeheide <em class="gesperrt">vorsichtig</em>, am besten mit einer Schere, <em class="gesperrt">abgeschnitten</em>, -was deswegen geschehen muß, weil die Wurzeln nicht fest in dem -losen Granitboden haften, so blüht sie im nächsten Jahre sehr schön und reichlich, -schöner fast, als wenn man sie ausblühen läßt. Ausgeblühte Stöcke zeigen im nächsten -Jahre oft ein struppiges, dürftiges Bild. Das von Kindern beliebte Abreißen der -blühenden Heide ist zu verwerfen, da hierbei mancher Stock mit herausgerissen wird.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-042"> - <img class="w100" src="images/illu-042.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b><em class="antiqua">Polygala Chamaebuxus</em>, buxbaumartige Kreuzblume</b><br /> -im Volksmunde »Ramsel« genannt</div> -</div> - -<p>Garcke gibt bei ihrem Vorkommen noch an: »Nicht selten als Zierstrauch.« -Ich habe sie nirgends als solchen gesehen, möchte mich auch der hier allgemeinen -Ansicht anschließen, daß die Schneeheide ein Verpflanzen nicht verträgt. Bei ihrer -ausgesprochenen Bodenständigkeit auf Granitboden würde es mich auch wundern, -wenn sie anderen Boden willig annähme. Ich habe selbst Anpflanzungsversuche<span class="pagenum" id="Seite_108">[108]</span> -vorgenommen, die stets erfolglos waren; die gleichen Erfahrungen haben Bekannte -von mir gemacht. Auch die wiederholten Versuche seitens der Gärtnerei der Badedirektion, -sie in den schönen Anlagen des Kurortes einzubürgern, sind immer wieder -fehlgeschlagen. Wie mir Handelsgärtner versicherten, wird unter dem Namen <em class="antiqua">Erica -carnea</em> eine Zierheide aus Holland angeboten, die sich anpflanzen läßt, jedenfalls -aber mit der wilden <em class="antiqua">Erica carnea</em> nicht identisch ist. Nach früheren Versuchen, die -ich vor vielen Jahren angestellt habe, läßt sich übrigens auch <em class="antiqua">Calluna vulgaris L.</em><span class="pagenum" id="Seite_109">[109]</span> -als echtes Kind der Heide weder im Topfe noch im Garten kultivieren, so wenig -wie die anscheinend noch mehr bodenständige <em class="antiqua">E. carnea</em>.</p> - -<p>Besucht wird die blühende Schneeheide im Vorfrühling hauptsächlich von -Hummeln. Andere Insekten sind kaum zu bemerken, allenfalls noch an warmen -Tagen Bienen. Es sieht drollig genug aus, wenn die dicken Hummeln, auf dem -Rücken liegend, die Glöckchen der Reihe nach aussaugen; sie ziehen durch ihr -Körpergewicht sehr oft die dünnen Zweige bis auf den Boden nieder und bleiben dann -mit der umklammerten Blütenähre gemütlich liegen, bis es nichts mehr zu saugen gibt.</p> - -<p>Hoffen wir, daß unsre südvogtländische botanische Seltenheit, unsre liebe -<em class="gesperrt">Schneeheide</em> auch weiterhin gedeiht und in ihren Beständen erhalten bleibt! Es -wäre ewig schade, wenn unsre materialistische Zeitströmung, die alle Naturseltenheiten -in Geld umwerten möchte, ihrem Vorkommen hier ein Ende bereitete. Sie muß -für alle Zeiten unter Schutz stehen und sei deshalb der Fürsorge des Sächsischen -Heimatschutzes angelegentlichst empfohlen!</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Seiffen">Seiffen und das Bunte Haus</h2> -</div> - -<p class="center larger">Eine Fahrt ins Weihnachtsland</p> - -<p class="center">Von Stadtbaurat <em class="gesperrt">Rieß</em></p> - -<p class="center smaller">Aufnahmen von <em class="gesperrt">A. Heinicke</em>, Freiberg</p> - -<p>Vor dem Hauch des milden Westwindes war der Weihnachtsschnee zwar -leider fast zerronnen, aber doch lag es noch wie Weihnachtsstimmung und Nadelduft -in der Luft. Der Rucksack war wohlgepackt. Auch er gab weihnachtlichen -Duft nach Stollen und anderen guten Dingen. Eine Weihnachtsfahrt sollte es -werden in das Land der Kinderträume und lustiger Spielzeugherrlichkeit, wo Nußknacker -und Räuchermännlein, Lichterengel und Bergmänner das große Wort -führen, wo die Krippen in seliger Einfalt sich aufbauen und die Weihnachtspyramiden -ihr buntgeschnitztes Leben zeigen. Im Morgendämmern lag der Garten -mit seinen wenigen leuchtenden Schneeflecken. Die schöne grüne Tür mit dem -kunstreichen Schloß fiel hinter mir und meinem wanderfrohen Weibe zu, da kam -zur verabredeten Minute der Freund, der Maler mit seiner blonden Frau und -grüßte mit frohem Glückauf. Am Bahnhof stieß zu uns der Ingenieur mit seiner -Braut, der an der Bagdadbahn einst baute und nun nach Krieg und Wunden -mit uns das Weihnachtsmärchen suchen wollte. – Nun ging es hinaus in die -nebelverhangene Welt mit fauchendem Züglein. Nur an den Nordabhängen der -Böschungen lag dort noch der Schnee und die dunklen Halden des alten Bergbaues -waren noch weißbetupft. Die Fläche des Berthelsdorfer Hüttenteiches war mit Eis -bedeckt und blinkte wie matter Stahl in den ersten schrägen Strahlen der mit dem -Gewölk ringenden Sonne. Die Hänge des Muldentales mit ihren dunklen Wäldern -und braunen Feldern und den schöngeschwungenen Höhenlinien glitten an uns vorüber. -Von Mulda führte uns dann das Nebenbähnchen mit Schnauben und Pusten -und gelegentlichem wichtig tuendem Bimbim Bimbim durch das enge malerische -Chemnitzbachtal empor nach Sayda. Ein reizvolles Wiesental ist es, in dessen<span class="pagenum" id="Seite_110">[110]</span> -leuchtendem Grün im Sommer das Auge sich satt trinken und Kräfte gewinnen -mag, um freudig ins Grau des Alltags zu schauen. Heute war die Fläche zart -rehbraun getönt und mit dem schimmernden Silbergrau des Reifes angehaucht. Der -Maulwurf war munter gewesen und hatte kräftige schwarze Tupfen durch die zahlreichen -frisch aufgeworfenen Haufen in die zarte Farbenstimmung gesetzt. Der -Chemnitzbach schlängelt sich mit hurtigem Laufe in vielen Windungen durch das -Tal. Auf den Hängen liegen einzelne Höfe. Festgeschlossen wie Burgen schauen -sie wie Herren ins Tal, nicht gar trotzig, aber breit und behäbig voll Selbstbewußtsein -und einer gewissen Unnahbarkeit. Dort das Rittergut von Dorfchemnitz mit -seinen festen Mauern liegt auf der Höhe hinter dem Filigran der entlaubten Wipfel, -mit der Kirche zusammen eine Baugruppe von besonderem malerischen Reiz.</p> - -<p>Der Rauch unsres Zügleins weht in langer silberweißer wallender Fahne -durch das Tal. Duftiges Blau, zartes Sepia, dunkles Grün, Weiß und Silbergrau -sind die Töne, welche das liebliche Landschaftsbild beherrschen und alles in unendlicher -weicher Harmonie vereinen. Die Fenster im Wagen sind beschlagen. So stehe -ich draußen mit dem Maler und male im Geiste die zartesten Aquarelle mit ihm, -wo die Farben nur wie ein Duft auf dem leuchtenden Weiß stehen und so unendlich -wohltun in ihrer keuschen Reinheit, Zurückhaltung und Vornehmheit. Jeder -Ausschnitt wird uns so zum Bilde reiner Winterherrlichkeit, daß unser Herz froh -wird und unsre Lungen immer tiefer die klare kalte Luft der Höhen atmen. In -Sayda wandern wir dann durchs Städtchen. Dem Wintersport gilt unser erster -Gang. Uns lacht das Herz, als wir dort in der Fabrik unter den herrlichen -Schneeschuhen jeder Art und Form und Bindung suchen und wählen können, und -jeder schließlich ein Paar der langen Hölzer sein eigen nennt. O, daß der Schnee -heut so dünn die Wege deckt und nur wie Zuckerstaub über die Felder gestreut ist, -wie wollten wir sonst dahingleiten in köstlicher Fahrt! So streicheln wir nur -zärtlich die schlanken biegsamen Eschenbretter mit einem auf Wiedersehen zur Heimfahrt -und wandern dann hinaus in die sonnige Winterwelt. Da liegt vor dem -Städtchen das alte Spittel hinter alten Bäumen. Bunt leuchtet das Wappen der -Herren von Schönberg mit Inschrift über der Tür, durch welches das ganze schlichte -Haus eine besondere Zierde und Charakter erhält. Grüß Gott du altes Weiblein -dort am Fenster in deinem warmen Stüblein, du neidest uns nicht unseren Gang -in den Winter hinaus. Der warme Ofen ist dir Erfüllung deiner Wünsche. Uns -sollen noch Wind und Wald und Schnee Lieder der Sehnsucht und der Wünsche -Gewalt und Erfüllung empfinden lassen.</p> - -<p>Und ihr Schläfer hinter der schlichten Mauer unter den weißen Hügeln dort -drüben, eure Herzen gingen zur Ruh, aber was ihr gedacht und gelebt, es lebt -und wirket in ungeahnten Kräften. Vielleicht ist es im Wind lebendig, der dort -vom Walde herüberweht, den ihr vielleicht gepflanzt habt, vielleicht klingt es aus -dem Jauchzen der Kinder, die dort mit Schneeballen werfen, Kinder eures Blutes, -vielleicht liegt es keimend im Acker, an dessen Rand wir dahinschreiten und dessen -Frucht vielleicht dem Fleiß der nimmermüden Hände vieler Geschlechter, eurer Geschlechter, -die dort ruhen, zu danken ist, vielleicht sind die Gedanken und Stimmungen -die uns hier überkommen, Spuren unsichtbaren Lebens, das hier daheim<span class="pagenum" id="Seite_111">[111]</span> -ist, Spuren eines Lebens, das ihr ganz an eure Heimat gewendet habt, – und -das uns nun eure Heimat lebendig und beseelt macht. –</p> - -<p>Sinnend schreiten wir in den Weihnachtswald, in dem die Schneeflecke aus -dem dunklen Grün leuchten. Rechts schimmert die vereiste Fahrstraße durch die -Stämme und der breite Streifen eines Kahlschlages. Was geht es sich so weich -in dem harzduftigen Walde, als schritten wir in den Sonntag hinein, wo es so -kirchenstill ist, als hätte eine heilige Feierstunde begonnen, in der alles fernen, -fernen leisen Klängen lauscht, dem Harfen des Windes in den Wipfeln oder dem -Rieseln und Sickern des schmelzenden Schnees im Waldboden.</p> - -<p>Ein dünner blauer Rauch steigt aus der Schneise empor und füllt die Luft -mit starkem Harzgeruch. Wie Weihrauch und stilles Opfer zu geheimnisvoller Weihe -zerfließt er über den Wipfeln. Der Wald duftet stärker als zuvor. –</p> - -<p>Wir treten auf eine weite Lichtung hinaus. Wie ein schimmernder Saal mit -silbernem Teppich liegt sie da, rings vom schweigenden Walde wie von dunklen -Wänden umschlossen. Dicht am Walde liegt das kleine Vorwerk mit weißem -Schneepelz auf dem Dache. Alles ist still und fügt sich einfach und schlicht in die -große heilige Ruhe. Ein mächtiger Baum in der Nähe, herrlich nach allen Seiten -gleichmäßig entwickelt, steht da wie der stille Wächter dieser Einsamkeit. Die leere -schneefeuchte Bank an seinem Stamm unter den schirmenden Zweigen ist heute ein -starkes Sinnbild der Verlassenheit oder Vergessenheit. Wie mag im Sommer -unter seinem grünen Dach das Leben eine Stätte haben. Dort rastet der einsame -Wanderer, dort ruht der Schnitter und genießt sein einfaches Mahl, dort lacht und -spielt fröhliche Jugend und die wandernde Horde lustiger Vögel, dort sitzt im sinkenden -Tagesschein das Liebespaar und lauscht dem Flöten der Singdrossel hoch oben im -Gezweig. Ein Baum, um den alle Poesie von Wald und Wiese und stillen Wegen -wirkt und webt.</p> - -<p>Der Wald nimmt uns wieder auf und nach kurzer Wanderung zwischen seinen -schneebehangenen Zweigen öffnet sich eine neue Lichtung, der Mörtelgrund. Wie -ein breites silbernes Band liegt er zwischen den dunklen Fichten, quer den Wald -durchschneidend und einen weiten Blick aufwärts und abwärts gewährend. Oberhalb -zieht sich die Staatsstraße, mit einem Brückenbogen den Bach überspringend. -Nach unten schweift der Blick in die Ferne. An der Straße hier liegt aber ein -stiller Teich, auf dessen Damm gewaltige Fichten wie stolze Türme sich erheben. -Weit breiten sich die untersten Zweige fast dicht über den Boden hin. Ebenmäßig -bauen sich die Prachtgestalten auf und ein Flüstern geht durch ihre dichten Nadeln, -als raunten sie Geheimnisse aus alter kühner Heldenzeit, als wüßten sie Kunde -von seltsamen Abenteuern und Märchen des Waldes oder von der schönen verwunschenen -Fei im kühlen Wasser, dort unter dem grünlichen Eis, verwunschen -und verzaubert im gläsernen Sarge. An den Nadelspitzen hängen tausende funkelnder -Tropfen wie Perlen, als hätte ein Weihnachtswunder den köstlichen Schmuck gezaubert. -Da regen sich sachte die Zweige und wie schimmernde Tränen fallen die -Tropfen nieder mit leisem feinen Klingen.</p> - -<p>Die Wasserfei lauscht, denn es klang an der gläsernen Decke, als pochte schon -der Frühling an, um den Zauberbann zu lösen, der sie verschlossen hält. – Ach<span class="pagenum" id="Seite_112">[112]</span> -lausche nur, der Frühling ist noch weit und ferne die Zeit, dich auf der duftigen -Wiese im Mondschein im Tanze zu wiegen und Blumenkränze in deine fliegenden -Locken zu flechten. – –</p> - -<p>Durch Wald geht es weiter, und dann treten wir auf freie Höhe hinaus. -Entzückt schweifen die Blicke über die reinen edlen Linien der Berge, welche sich -in langen Zügen in den Himmel schwingen, zarter und zarter, bis sie in weiter -Ferne verblauen. Dicht vor uns ist der Schwartenberg mit breitem Rücken. Rehbraun -und weiß ist das Gewand gescheckt, das er über seine breiten Schultern -gelegt hat, und in unendlich feinem Tone mischt sich ein zartes Veil und Blau -hinein. Ja, du trägst nicht Sorge um moderne Farbenstellung deines Kleides und -was die kleine Welt dort unten zu deinem Gesicht und deinem Wesen und Kleid -sagt. Ob Sonnenstrahlen um dein Haupt klingen und singen, ob der Sturm dir -seine wilden Weisen schnaubt und heult, du lächelst im fröhlichen Gewand dem -Frühling, du schaust im rechten Feierkleide dem Winter ernst und versonnen ins -grimme Gesicht. – Wie still und weit wird doch das Herz, wenn es fern vom -lauten Troß und Trieb der Niederung so in die schweigende Bergwelt des Winters -schaut. Wie fühlt man so tief, daß echte Werte nicht im Lärm, sondern nur in -der großen Stille sein können. Schweigen ist Kraft, Schweigen ist Tiefe. In -dieser heiligen Stille fällt alles Äußere ab und der Kern, Wesenheit und Wert der -Dinge wird offenbar. Wohl dir, wenn du ohne Lüge bestehst, der Stille ins tiefe -Auge sehen kannst, wenn die Stille dir noch etwas sein und geben kann. – – –</p> - -<p>Der Weg senkt sich allmählich. Aus dem Talgrunde steigen Türme und -Mauern in malerischer Gruppe auf: Schloß Purschenstein und zu seinen Füßen -die Dächer und Giebel von Neuhausen. Der Weg ist stark vereist und nicht ohne -manches Ausgleiten und heiteren Fall führt er uns ins Dorf hinab.</p> - -<p>Heute wollen wir hier nicht rasten, so lockend auch die Bäume des Parkes -und das Schloß und das behäbige Gasthaus winken. Auf steilem Wege geht es -weiter und an der Flanke des Schwartenberges empor. Hei, das war ein Klettern -auf dem blanken Eis, wo oft nur der feste Wanderstab vor jähem Sturz und Abgleiten -bewahrte und manchesmal nur ein rascher Griff in das Gestrüpp oder nach -einen Baumstamm die unfreiwillige rasche Talfahrt ohne Schlitten auf den eigenen -gewachsenen Kufen verhütete. Wir erreichen einige einsame Höfe und gehen dann -über eine Schneefläche auf ebenerem Höhenweg dahin. Wie liegt die Welt so fern -und klein unter uns. In weiter Ferne der Kirchturm von Sayda. Davor der -Wald, den wir durchschritten. Im Tale einige Dächer und Häuser wie vergessen -und verloren. Die Dinge der Niederung sind klein geworden, das Große, Erhabene -zieht den Blick an. Die Augen schweifen in die Runde und können sich nicht satt -trinken an all der keuschen Herrlichkeit der Berglinien und dem Dufte der Farben -vom leuchtenden Weiß zum tiefen Blau und Grün, vom zartesten Braun bis zum -satten Veil dort in den tiefen Gründen der Täler und Wälder.</p> - -<p>Höhenluft! – Wie atmen wir darin auf, wie atmen wir so tief und frei -und unsre Seele atmet mit, denn um uns und in uns ist das große stille Leuchten, -das man erlebt, wenn man Höhenwege wandert hoch über dem Alltag.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_113">[113]</span></p> - -<p>Oben über uns reckt sich eine Felsengruppe in die Luft, als wäre sie der -Stuhl eines Gewaltigen, der von hier aus sein weites Reich überschaut, dem die -Wälder Teppiche und die Berge und Täler Stufen seiner Herrlichkeit sind.</p> - -<p>Unter einer alten knorrigen Buche am Wege stehen wir. Sie ist vom Sturm -zerzaust und die Äste recken sich trotzig wie feste Arme mit starken Muskeln und -Gelenken dem Wetter entgegen, als wollten sie mit dem ungestümen Gesellen raufen. -Der Schnee liegt in weißen Wuchten im struppigen Gezweig und es fällt ab und -an ein nasser Klumpen hernieder. Wir aber stehen und schauen in das große -stille Leuchten hinaus.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Kein ird’scher Laut mehr reichte durch die Lüfte,</div> - <div class="verse indent0">Mir war’s, als stände ich mit Gott alleine,</div> - <div class="verse indent0">So einsam, weit und helle war’s da oben.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-047"> - <img class="w100" src="images/illu-047.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Seiffen, Buntes Haus</b></div> -</div> - -<p>Durch tiefen Schnee ging es dann weiter und schließlich abwärts ins Seiffener -Tal, zuletzt auf steilem Fußwege hinunter. Tiefe Schneewehen boten hier willkommenen -Halt auf dem vereisten steilen Pfad gegen den Absturz. Watend und -springend, rutschend und fest den Wanderstab einsetzend gelangten wir glücklich zu -den ersten Häusern am Hange, wo der Weg ebener und sicherer wurde und uns -bald an winzigen Erzgebirgshäuseln vorbei auf die Talstraße führte.</p> - -<p>Nur wenige Schritte noch und unser Ziel ist erreicht, das Erbgericht, das -Bunte Haus! Helle leuchten uns seine blanken Mauern und Fenster entgegen. -Ein Querhaus und zwei Flügel umschließen einen offenen Hof, als breiteten sich uns -offene Arme entgegen: »Seid willkommen, hier ist gut sein, hier magst du rasten -und weilen und mag es dir wohl werden.« Dort über den Fenstern grüßt -gar vertraut Alt-Freibergs Bergparade vom langen gemalten bunten Holzschild.<span class="pagenum" id="Seite_114">[114]</span> -Ja, wahrlich, es ist recht, hier der alten Berghauptstadt des Landes und ihrer -Bergherrlichkeit zu gedenken in so sinniger und sinnfälliger Weise, denn von ihr -ging die Kultur des Landes aus, ward die Wildnis des Miriquidi gerodet und -besiedelt, wurden die Erzgruben des Gebirges erschlossen. Der Name Erzgebirge -wurde erst im sechzehnten Jahrhundert üblich, als an vielen Stellen Erz entdeckt -und Bergstädte wie Annaberg, Marienberg, Jöhstadt usw. gegründet wurden.</p> - -<p>Vorher hieß es nach den Worten eines alten Dichters:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Sehr wild und felsicht war’s in diesen Waldesöden,</div> - <div class="verse indent0">Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind.</div> - <div class="verse indent0">Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten,</div> - <div class="verse indent0">Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Auch Seiffen dankt ja seinen Namen und Entstehung dem Bergbau, der zwar -längst zur Rüste gegangen ist, aber überall seine unverwischbaren Spuren hinterlassen -hat. Der Bergmann ist ja auch immer ein Basteler gewesen. So ist es -kein Wunder, daß oft aus dem Zeitvertreib ein Beruf wurde, und als der Bergbau -seinen Mann nicht mehr nährte, statt Schlägel und Eisen das Schnitzmesser den -Lebensunterhalt verdienen mußte. Seiffen wurde allmählich der Mittelpunkt und -Hauptort der Spielwarenindustrie. Es wurde aus einem alten Bergmannsdorf -der Typus des erzgebirgischen Schnitzer- und Industriedorfes, wo eigenartige Gegensätze -sich berühren. Und hier das »Bunte Haus« ist so recht das Heim und der -Ausdruck dieser erzgebirgischen Volkskunst und Volksindustrie geworden, einer -Weihnachtskunst, bei der man fröhlich und ein Kind wird wie zu Weihnachten, -in der man sich heimisch und wohl fühlt, als erzählte Großmutter ein Märchen -aus der Zeit »Es war einmal«.</p> - -<p>Vom hübsch geschmiedeten Arm an der Hausecke grüßt uns der Spruch:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Erst die Erde, dann die Sterne,</div> - <div class="verse indent0">Erst die Heimat, dann die Ferne.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Jawohl, viele suchen die Heimat und können doch nie heimfinden, viele haben -die Heimat und halten sie nicht. Heimat ist kein leerer Ortsbegriff, Heimat ist -eine Herzenssache. Wer kein Herz hat, wie will der die Heimat finden oder halten?</p> - -<p>Möge die Kunst der Heimat der Heimat eine Seele geben, welche jene vielen -wieder zu rechten Heimatfreunden, Heimatkindern, mit Herzen voll heimwehen -Heimatstolzes macht. –</p> - -<p>Hier im Bunten Hause ist der wohlgelungene Versuch gemacht, durch die -Heimatkunst des Ortes ein echt erzgebirgisches Heimathaus zu machen, in welchem -man das Herz der Heimat pochen fühlt und hört. Was der Hausspruch sagt und -wünscht, das mag wohl sicher in Erfüllung gehen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Die Vorzeit grüßt Euch, daß Ihr wißt,</div> - <div class="verse indent0">wie schön sie einst gewesen ist.</div> - <div class="verse indent0">Gott gebe, daß die Nachwelt spat</div> - <div class="verse indent0">an uns dieselbe Freude hat.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Doch nein, nicht nur für die Nachwelt, nein für das bunte freudige Leben des -Tages und seiner Gäste ist das Haus geschaffen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_115">[115]</span></p> - -<p>Ein frohes Behagen umfängt uns, treten wir unter sein Dach. Der Hauptschmuck -des geräumigen Hausflures ist die Gestalt eines Freiberger Bergmannes, -der auf einer Konsole kniet bei der Arbeit vor Ort mit Schlägel und Eisen. Der -Bergmann ist – oder leider vielmehr war – ja die Charaktergestalt des Erzgebirges. -Bergleute sind Wappenhalter bei erzgebirgischen Städtewappen. Bergleute -sind die Träger erzgebirgischer Kanzeln, Bergleute sind in den alten Bergstädten -Schmuckfiguren an Bürgerhaus und Portalen, in Kirchen und an Geräten. -Der bergmännische Gruß »Glückauf« klingt dir oft noch treuherzig entgegen. -Bergleute sind das Spielzeug großer und kleiner erzgebirgischer Kinder. So mag -auch hier, wie nirgends, der Bergmann an seinem Platze sein.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-049"> - <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Seiffen, Buntes Haus</b></div> -</div> - -<p>Wir treten in die Gaststube ein und fühlen uns wie zu Hause in warmer -Behaglichkeit. Die Wände sind dunkelbraun getäfelt und rings von den Simsen -klingt es uns wie Kinderlachen und Weihnachtsjubel aus frohen Kinderherzen -entgegen. Da ist sie aufmarschiert, die ganze bunte lustige Gesellschaft, ohne die -Weihnachten im Erzgebirge nicht denkbar ist: die Bergleute und Weihnachtsengel -mit ihren Lichtern, die Nußknacker im buntesten Wechsel, die Räuchermännlein -in allerlei abenteuerlichen Gestalten. Pferdchen, Kühe und Schafe und der getreue -Spitz dürfen nicht fehlen. Über den bunt mit Blumen bemalten Türen, wie wir -sie von den alten Bauernschränken kennen, ist hier der Frachtwagen auf der Wand -gemalt mit seinen vier starken Pferden, wie er einst auf den Straßen des Gebirges<span class="pagenum" id="Seite_116">[116]</span> -verkehrte, dort der Postschlitten in voller Fahrt. Kein Plakat, wie sonst in Gaststuben, -stört mit aufdringlicher Reklame die Harmonie des Raumes. Einfach -gerahmte Bilder aus der erzgebirgischen Heimat von Künstlerhand schmücken die -Wände, deren oberen Abschluß ein starkes farbiges Friesband – Ähren mit bunten -Feldblumen – bildet. Durch die Fenster strömt das volle Licht herein, denn sie -sind frei von unnützen Gardinen und Stoffgehängen. Dafür schmückt ein starker -farbiger Fries von Blumen die tiefen Fensterlaibungen und vor den Scheiben hängen -gute Glasbilder in farbiger Bleiverglasung mit Darstellungen eines drolligen Musikantenvolkes -voll köstlichen Humors. Eine wohltuende, satte, tiefe, harmonische -Farbigkeit erfüllt den Raum wie ein voller echter Klang, der von allen Sinnen -aufgenommen wird und warm zum Herzen dringt. Die kräftigen gut geformten -Holzstühle und Tische laden ein zu behaglicher Rast und helfen das Gefühl des -Daheimseins steigern, weil sie sich ganz in die Raumstimmung fügen. Die Teller, -von denen du speist, die Tassen, aus denen du trinkst, sind buntbemaltes Bauerngeschirr, -wie wir es aus der Verkaufsstelle des Heimatschutzes kennen und lieben. -Welche Freude ist es, hier im täglichen Gebrauch einer Gastwirtschaft dieses reizvolle -Geschirr in passender Umgebung zu sehen und die Lust an seiner echt volkstümlichen -Art zu empfinden. Durch dieses Hineinstellen der Ergebnisse liebevoller heimatlicher -künstlerischer Arbeit, Forschung und Begeisterung mitten in den Gebrauch des -praktischen Lebens ist eine Tat getan, durch welche die hohen Gedanken des Heimatschutzes<span class="pagenum" id="Seite_117">[117]</span> -und volkstümlicher Kunstpflege, Kunstschaffens und Kunstfreude mächtig -gefördert werden, um so mehr, als es an einem Orte geschieht, in dem die Erziehung -zum guten Geschmack sich unmittelbar in der täglichen Arbeit auszuwirken vermag.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-050"> - <img class="w100" src="images/illu-050.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Seiffen, Buntes Haus</b></div> -</div> - -<p>Mit wie einfachen Mitteln auch schwierigere Fragen gelöst werden können, -das zeigt die elektrische Beleuchtung. Sie hätte leicht die Raumstimmung stören -können, wenn die Birnen mit den Glasschalen im Raume pendelten oder irgendeine -Dutzendware als Beleuchtungskörper diente. Wie half sich der Künstler, der -die ganze Einrichtung durchdacht, angegeben und durchgeführt hat, der Kunstgewerbler -<em class="gesperrt">Gerhard Dreßler</em> aus Chemnitz? Er bemalte den Glasschirm der Pendellampe in -kräftiger Stilisierung mit bunten Bauernblumen. Auf den Glasschirm legte er -einen bemalten Holzreifen, wie man sie in Seiffen dreht, und ließ von ihm bunte -Bänder herabhängen. Auf dem Holzreifen aber ist allerlei Seiffener Spielzeug -lebendig. Da sitzen allerlei Vögelchen und schauen mit drolliger Kopfbewegung keck -herunter. Da jagt der Hirsch durch den Wald, verfolgt vom Jäger mit seinem -Hund. Kein Beleuchtungskörper ist wie der andere und doch alle einheitlich und -ein Schmuck des Raumes von echt volkstümlicher Seiffener Heimatart. Der Hauptschmuck -ist ein großer Kronleuchter, nach Art von Kristallkronleuchtern gestaltet, -jedoch aus weißen Holzperlen zusammengesetzt mit sparsamer Vergoldung, ein mühsames -eigenartiges Stück Seiffener Kunsthandarbeit.</p> - -<p>In einem Glasschranke sind allerlei Musterstücke der Seiffener Kunst ausgestellt, -um die Kauflust anzuregen und damit dem Orte zu dienen. Der Schrank -wirkt freilich in seiner Form mit den geschwungenen Linien und krausen Schnitzerei -und Spitzchen des oberen Abschlusses hier etwas fremdartig, als habe er sich hierher -verlaufen und verirrt aus einer anderen Welt. Das hat der Künstler wohl empfunden -und hat ihm, ohne helfen zu können, ein paar Bauernblumen auf die Stirn -und unten an den Schubkasten gemalt. So wirkt er in der echten einheitlichen -Raumstimmung gekünstelt und falsch, wie der Salontiroler in der Dorfschenke. -Auch das Klavier dort an der Wand wird dadurch, daß auf die schwarze Politur -ein paar kecke Bauernblumen gemalt werden, nicht »echt«, wird nicht aus einem -Salonwesen zu einem erzgebirgischen Bauernkind. – Gerade auf diesem Gebiete -liegen noch viele ungelöste Aufgaben, würdig der Mühe tüchtiger Künstlerhände. -Die Gewohnheit läßt oft Mängel auf diesem Gebiete übersehen, die in einer neuen -fein abgestimmten echten Umgebung plötzlich auffallen und die Sehnsucht nach Neubildung -und neuem Leben und Schaffen hervorrufen. Im neuen Lichte sieht man -alte Formen, und klarer sieht man, was not tut; den falschen Ton einer Saite hört -man schärfer, wenn alle andern Saiten und Instrumente gut gestimmt sind, wie -hier. Doch diese kleinen Unstimmigkeiten sollen uns die herzliche Freude und das -Behagen an dem stimmungsvollen echt erzgebirgischen Raum nicht stören. Die -herzliche Freundlichkeit der Besitzer und Bewahrer dieses Seiffener Schatzkästleins, -des Herrn Richard Meyer nebst Gattin, die frohmutig das Ganze liebevoll erdacht -und geschaffen haben, die Güte der Bewirtung und die Fröhlichkeit der Gäste lassen -bald jene Stimmung aufkommen, in der der Alltag weit hinter uns liegt. Nicht in Lärm -und jagendem Witz und Scherz, nein, in jener tiefen freudigen Stimmung sind wir -beieinander, in der einer den anderen versteht, und freudig aus seinem Innern<span class="pagenum" id="Seite_118">[118]</span> -gibt, weil er fühlt, nur so kann eine gute Stunde ihren Wert als wahrhaft frohe -Stunde bringen. –</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-052"> - <img class="w100" src="images/illu-052.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Seiffen, Buntes Haus</b></div> -</div> - -<p>Wir betrachten dann den Nebenraum, der im Gegensatz zu der echt volkstümlichen -Seiffener Stimmung der Gaststube mehr auf hohe Kunst und »Herrenstube« -gestimmt ist. Er wird beherrscht von den Gemälden mehrerer Künstler, welche -hier das hohe Lied der Schönheit heimatlicher Landschaft singen. <em class="gesperrt">E. Buchwald</em>, -Zinnwald, <em class="gesperrt">Alfred Hofmann</em>, Stollberg, <em class="gesperrt">Alfred Kunze</em>, Chemnitz, Professor -<em class="gesperrt">Seifert</em>, Seiffen, der Neubeleber und Anreger der Seiffener Kunst, und <em class="gesperrt">Gerhard -Dreßler</em>, der Künstler, dem die stimmungsvolle Einrichtung des Hauses hier -zu danken ist, sie alle reden dort mit stummer eindringlicher Sprache von der -Heimat, wie sie ihnen dort durch die Seele gegangen ist, und ihre Bilder beseelen -den Raum. Ein Gasthauszimmer, ein Kneipenraum, und doch geweiht und frohmachend -durch die Kunst.</p> - -<p>Wie muß man dem mutigen Unternehmer danken, diese Lösung der Frage -»Kunst und Kunsterziehung« für das Volk, so fest angepackt und durchgeführt zu -haben hier oben im erzgebirgischen Dorfe, während in den Großstädten auch in -den besten Gaststätten meist nur Plakate oder minderwertige Kunst oder Kitsch zu -finden ist. Wenn nur in jeder besseren Gaststätte im Lande nur ein oder zwei -Originalkunstwerke hingen, angeschafft für das Geld, das anderweitig für die -Augen- oder Ohrenmarter der Gäste hinausgeworfen wird und besser erspart bliebe, -so wäre unserer notleidenden Kunst geholfen und durch die Erziehung und Freude, -welche jedes echte Kunstwerk gibt, würde reicher Segen geschaffen. Könnten<span class="pagenum" id="Seite_119">[119]</span> -nicht die vornehmeren Gaststätten zugleich stimmungsvolle Ausstellungsräume sein -für Kunstwerke, die sich hier dem Käufer in jeder Beleuchtung zur ruhigen Betrachtung -darbieten und für sich und den Künstler unaufdringlich werben können -in Räumen, die der heimischen Wohnung ähnlich sind? Alle Teile, der Wirt, -der Gast, die Kunst und der Künstler hätten ihren Vorteil dabei.</p> - -<p>Solche Betrachtungen und Lehren regt die Herrenstube hier im Seiffener Erbgericht -an, während die Sonne durch die bunten Scheiben blinkt und leuchtende -Farbenflecken auf die blankgescheuerten Tische wirft. In den Fenstern sind buntfarbige -Wappen und Tierbilder: wie Elster, Eichhörnchen, Fuchs, Hase angebracht, -und oben im Laubwerk und Nadelgezweig des breiten Wandfrieses tummelt sich -fröhlich allerlei Getier des deutschen Waldes frisch und keck ohne ängstliche Schablone -hingemalt, wie es der Phantasie des Künstlers entsprang. So regt es auch wieder -die Phantasie an und macht die Gedanken fröhlich.</p> - -<p>Die Balken der Decke sind sichtbar mit grünem Anstrich, und ringsherum -läuft ein Fries in Breite des Balkenfeldes mit lustigen Blumenkränzen in Grün, -Weiß und Hellblau auf schwarzem Grunde. Eine besondere Zierde des Raumes -sind neben dem Holzleuchter an der Decke mit einem Bergmann in der Mitte noch -die geschnitzten dreiarmigen Holzleuchter auf den Tischen, welche in ihrer leuchtenden -Farbigkeit und mit ihren fröhlichen Motiven das Auge anziehen. Als Mittelstück -zwischen den drei Armen sprengt dort z. B. ein Reiter im leuchtend roten Rock -mit einem Jagdhorn auf einem Apfelschimmel über ein Fichtenbäumchen hinweg, -dort ist es ein stolzer springender Hirsch, dort wieder der Kopf des Hubertushirsches -mit dem Kreuz zwischen den mächtigen Stangen. Das ist Volkskunst, -welche erzählt, welche Seele und Gedanken hinausführt aus dem grauen Alltag in -Wald und Heide und das Herz fröhlich macht. – –</p> - -<p>So geht es dir im ganzen Hause! Soll ich jeden Raum dir schildern? Nein, -komm und sieh und freue dich, daß ein solches Werk in einem Gusse ganz aus dem -Geiste der Volkskunst, der Heimatfreude und des Heimatschutzes heraus geschaffen ist. -Schaust du in die Gastzimmer, so findest du keine Hotelschablone. Nein, Bett und -Leuchter, Tür, Stuhl und Spiegel sind dem Geiste des Ganzen angepaßt. Kleine -Originalgemälde schmücken die Wand, die du, wenn sie dir besonders gefallen, sogar -für mäßigen Preis erwerben kannst. Manch launiger Vers grüßt dich. An der -Kammer der Magd steht warnend der Vers:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Die Wirtin thut aufwecken</div> - <div class="verse indent0">die faule, faule Magd,</div> - <div class="verse indent0">sie thut sich erst recht strecken</div> - <div class="verse indent0">und schlaft dann bis es tagt.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">Auf dem Treppenplatz im Dachgeschoß füllt die Ecke gewichtig ein bunter alter -Bauernschrank aus dem Jahre 1704 und eine eigenartige buntgemalte Wiege steht -daneben, welche auf dem Kasten den bedeutsamen Spruch trägt:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Salomo der Weise spricht</div> - <div class="verse indent0">Weib erfülle deine Pflicht. – –</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="noind">In einem Zimmer des Obergeschosses ist eine erzgebirgische Bauernstube eingerichtet -mit allerlei echtem Geräte bis ins Kleinste liebevoll und mit großem Verständnis<span class="pagenum" id="Seite_120">[120]</span> -ausgestattet. Dieser für die Volkskunde belangreiche Raum ist so recht ein Zeugnis -für den Sammeleifer und die liebevolle Art, mit der die großen und die vielen -kleinen, doch oft so wichtigen Dinge des täglichen Lebens und untergehender Sitten -und Gebräuche erfaßt und bewahrt werden. Es ist zugleich auch ein Zeugnis für -den Geist, der durch das Bunte Haus geht, der alles aus Liebe zur Sache mit -großen Opfern geschaffen und nicht der Reklame und des bloßen Gewinnes wegen, -obschon auch hier die alte Wahrheit sich wieder erweist, daß das Echte und Schöne -und Gute seinen Lohn sich selbst bereitet.</p> - -<p>Das Haus dient dem Orte und der erzgebirgischen Volkskunst und Industrie -in unaufdringlicher vornehmer Weise dadurch, daß es durch die lebendige Anschauung -zwanglos bei jedem Gaste Freude daran erweckt und die Lust am Besitze -solcher lustigen Dinge.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-054"> - <img class="w100" src="images/illu-054.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Seiffen, Buntes Haus</b></div> -</div> - -<p>Dieser Absicht dient auch die Spielwarenausstellung im Erdgeschoß des Seitenflügels, -wo man an der Fülle alter und neuer Stücke der Seiffener Industrie und -Kunstfertigkeit seine Freude hat und nach Herzenslust wählen darf, was man sich -oder anderen zur Freude erwerben mag. – – –</p> - -<p>Doch draußen lacht die Sonne! Es hält uns nicht mehr im Zimmer. Wir -steigen zur Kirche aufwärts, welche als achteckiger Zentralbau charaktervoll von -der Höhe herniederschaut. Wir stehen dann am Grabe des Pfarrers Härtel, der -ein rechter Pfarrer für seine Gemeinde war, ein treuer Berater für die Seele seiner -Gemeinde, Helfer und Anreger auch in allen Dingen, die zur Blüte seiner Gemeinde -in wirtschaftlicher, heimatkundlicher und kunstgewerblicher Hinsicht beitragen konnten, -ein Freund der Heimat, festgewurzelt im Boden seiner geliebten Gemeinde.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_121">[121]</span></p> - -<p>Draußen im Walde hatte er sein Lieblingsplätzchen, wo er von moosiger, -gewachsener Felsbank ins Tal schaute. Dieser Stein aus heimischem Grund sollte -sein Grabstein werden, hatte er einst gewünscht.</p> - -<p>Als ein rascher Tod ihn seiner Gemeinde entriß, da dachte man seiner Worte. -Er konnte nicht mehr zum Stein im Walde draußen gehen. So kam der Stein -aus dem Walde zu ihm und deckt nun als mächtige rauhe Platte sein Grab und schützt -es wie der Deckstein das Grab eines germanischen Edelings. Eine schlichte Inschrift -nennt seinen Namen. Ein grüner Kranz aus ernsten Fichtenzweigen ist sein Schmuck.</p> - -<p>Eine weihevolle ernste Stimmung liegt über dem Grabe. »Der ist in tiefster -Seele treu, der die Heimat liebt wie du!«</p> - -<p>Wir schreiten weiter unter der Traueresche hindurch, welche wie ein mächtiger -Torbogen die Straße überwölbt, und als ein eigenartiges Naturdenkmal von besonderem -Reiz zu hegen ist. –</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-055"> - <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Seiffen</b></div> -</div> - -<p>Die Binge ist unser Ziel. Zwei Kessel sind es, aus denen einst das Erz gebrochen -wurde. Eine Halde und steiler Felsgrat liegt zwischen ihnen und trennt -sie. In die kleinere kann man hineingehen. Sie wirkt wie ein ungeheurer Steinbruch -mit steilen Wänden, auf deren Vorsprüngen und Kanten heute der leuchtende -Schnee liegt und die Farben des Gesteines besonders hervorhebt. Oben von der -Höhe zwischen den Bingen haben wir einen weiten Blick ins Land und auf den -Ort zu unseren Füßen.</p> - -<p>Wie auf einer gewaltigen Kanzel stehen wir hoch über der Geschäftigkeit des -Tages, die verworren zu uns heraufklingt. Dann steigen wir zur großen Binge -herab auf vereistem Wege, der glatt und nicht ungefährlich uns dicht am Rande -dieses ungeheuren wildromantischen Kraters entlang führt. Ein Wasser stürzt -jenseits rauschend in die Tiefe und Eiszapfen hängen von dem Gestein wie schimmernder<span class="pagenum" id="Seite_122">[122]</span> -Spitzenbehang. Aus dem Grunde ragen Bäume auf und drüben am -Rande stehen echt erzgebirgische niedrige Bergmannshäuser. Längst ist der Bergbau -hier erloschen, aber sein unverwischbares Gepräge hat er dem Orte gegeben. – –</p> - -<p>Doch jetzt wollen wir noch Seiffen bei der Arbeit und bei der Kunst suchen -und erleben.</p> - -<p>Unser Weg und unsere Wißbegierde führt uns in die Fachschule, die unter -Professor Seiferts Leitung ein Jungbrunnen für die Seiffener Industrie zu werden -bestimmt ist. Eine reiche Sammlung von Seiffener Spielzeug von ältester Zeit her -zeigt, wie die Entwicklung von einstiger Höhe zur Tiefe abwärts und in der neueren -Zeit wieder zur Höhe aufwärts ging. Neben den alten guten Sachen fesseln uns -vor allen die Dinge der Gegenwart und Zukunft, die Dinge der Hoffnung, neuzeitliche -Arbeiten, die in echt erzgebirgischer Art die fröhliche Farbenbuntheit mit -immer wieder neuen Formgedanken in materialgerechter Bildung und Herstellung -verbinden. Über vielen Arbeiten liegt ein frischer Humor, der uns unwillkürlich -lächeln läßt, wie bei jener Familie bunter Vögel, die mit ihren drehbaren Köpfchen -sich um ihren gravitätischen Vogelkönig mit dem großen Schnabel und goldenem -Krönchen scharen und mit aufgehobenen Schwänzchen bald keck, bald dummdreist, -bald fröhlich in die Welt gucken. Kindeseinfalt, Märchensinn und Schelmerei sind mit -scharfer künstlerischer Naturbeobachtung verbunden, um in einfachster Form und -Technik echte Vogelcharaktere zu geben und echtes kinderseliges Spielzeug zu schaffen. -Und doch ist es so schwer, wie man uns sagt, diesen köstlichen Dingen Eingang -ins Volk zu schaffen! Zur Anfertigung z. B. dieser Vögel hatte sich nur eine -Fabrik seinerzeit bereit gefunden, welche inzwischen den Betrieb eingestellt hat. -Diese Dinge werden aus dem Handel völlig verschwinden, wenn nicht ein anderer -Betrieb sie wieder aufnimmt und für den Vertrieb sorgt. Wir sehen in der Ausstellung -z. B. auch das köstliche Gespann eines Ochsen und Pferdes vor einem -Wagen mit Holzstämmen von einer verblüffenden Naturwahrheit und Echtheit in -der Bewegung bei aller packenden Einfachheit der Form und Technik, daß man -seine helle Freude daran hat. Auch dieses prächtige Werk echt deutschen Kindersinnes -wird in deutschen Spielzeughandlungen wenig gekannt, geführt und gekauft. -England und Amerika sind die Abnehmer. Und doch sind gerade diese Dinge, -welche die künstlerische Leitung der Fachschule schafft und mustergültig durcharbeitet, -die Hoffnungen für einen neuen Aufschwung im künstlerischen und wirtschaftlichen -Sinne für die Seiffener Industrie. Sie sind die gesunden Keime einer kräftigen -zukunftssicheren Entwicklung und einer reichen kommenden Ernte.</p> - -<p>Wenn die erstarrten und veralteten zum Teil unnatürlichen und unschönen -oder gekünstelten Formen, welche noch vielfach den Spielzeugmarkt und die -Musterläger beherrschen, diesen schönen Dingen weichen würden und den -reichen Anregungen der Fachschule mehr nachgegangen würde, so wäre eine neue -Blüte erzgebirgischer Kunstindustrie zu erhoffen. Das Schöne muß Massenartikel -werden.</p> - -<p>Da hängen z. B. in der Ausstellung eine Fülle von reizvollen bunten Leuchtern -aus Holz in einfacheren und reicheren Formen und Ausgestaltungen nach Motiven -der alten erzgebirgischen sogenannten Bergspinnen gefertigt und belebt mit allerlei<span class="pagenum" id="Seite_123">[123]</span> -lustigen Figuren. Wer kennt diese köstlichen Dinge? Sprudelndes Leben, volkstümliche -Kraft und bunte Farbenfreude spricht aus jedem Stück. Wie geschaffen -sind sie, um im Kinderzimmer, im Herrenzimmer, auf der Diele, oder in traulichen -Gaststuben einen frohen Klang erzgebirgischer Heimatkunst, Heimatlust und Freude -zu tragen. Sie haben sprühende, lebendige Ursprünglichkeit und farbenreiche Musik -in allen Gliedern, wie ein Volkslied, das durch alle Stimmungen reißt, innig -empfunden und frisch aus dem Herzen gesungen.</p> - -<p>Sie sind wahre Volkskunst eigener echter Prägung und Art, durch welche -das Erzgebirge seinen Ruf in ungeahnte Fernen zu tragen vermag, denn nicht die -Schablone, nicht die Allerweltsartikel, nicht die Billigkeit begründet den Ruf und -Erfolg, sondern die Eigenkunst, die Eigenkraft, der Eigenwert, die volkstümliche -Eigenart, welche lebendig aus dem tiefsten Empfinden der Volksseele herausgewachsen -ist. Möge sich mit dieser volkstümlichen Eigenkunst der echte Unternehmergeist -verbinden, der im Betrieb und Vertrieb auch die wirtschaftlichen Erfolge für die -erzgebirgische Heimkunst herbeizuführen weiß. – Trotz vieler köstlicher Dinge, die -aus der Fachschule noch zu berichten wären, z. B. Christmetten in Seiffen in wunderbarer -Lebendigkeit figurenreich hingestellt, müssen wir scheiden. Wir gehen noch -durch mancherlei Häuser und Fabriken, um einerseits die Heimarbeit, andererseits -die Reifendreherei und die bis ins Äußerste getriebene Arbeitsteilung der Seiffener -Industrie kennen zu lernen, wo mancherlei bemerkenswerte Beobachtungen, Bilder -und Gespräche uns lohnten. Geht nur mit offenen Augen und Herzen in die -Arbeitsstätten und ihr werdet stets reicher daraus wiederkehren! Hier will ich -jedoch nur noch von einem Besuche berichten, bei Auguste Müller, einem Mütterchen -von über 70 Jahren, welches als letzte noch die urtümliche Herstellung einzelner -Originalstücke nach eigener Erfindung in mühevoller Handarbeit vom rohen Holze -bis zum letzten Pinselstrich übt.</p> - -<p>Mit gebeugtem Rücken, die Brille vor den Augen, sitzt sie im engen Stübchen, -das Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Arbeitsraum zugleich ist, wo die Katze -schnurrend umherstreicht. In malerischer Unordnung liegen auf dem Tisch Arbeitsgeräte, -gekochte Kartoffeln, Nähzeug, Kaffeetopf und allerlei Dinge verschiedenster -Bestimmung. Eifrig holt sie einen Kasten herbei mit einzelnen fertigen Arbeiten, -und erzählt von ihren Plänen. Für einen feinen Herrn hat sie die Figuren der -Söhne geschnitzt in Matrosenanzügen, und ein feines Fräulein mit Täschchen und -Federhut. Im Walde lebt der »Nusser« (Häher) und diesen packt der Habicht. -Da verliert er seine kleinen blauen Federn. Diese sammelt sie sich und schmückt -damit den Federhut des feinen Fräuleins. Für Kleid und Tasche sucht sie in der -Modenzeitung ihre Muster in Schnitt und Farbe.</p> - -<p>Für das Dienstmädchen wählt sie ein flottes Dirndlkleid. Frisch ist der Typus -der feinen Dame und des drallen Dienstmädchens getroffen. Dort hat sie eine -ganze Tiroler Sängergesellschaft humorvoll zusammengestellt. Jetzt wolle sie einen -Tempel bauen mit einer Krone oben, um den die Engel schweben. So geht ihre -Phantasie und ihr Plaudern mit einer erstaunlichen Lebendigkeit. Was sie sich -zusammensinniert mit ihrer kindlichen Phantasie, das führt sie mit großer Sicherheit -durch, wofür viele eigenartige und reizvolle Stücke in der Sammlung der Fachschule<span class="pagenum" id="Seite_124">[124]</span> -und im Bunten Hause Zeugnis ablegen. Unter manche dieser Stücke klebt -sie einen Zettel, auf dem irgendeine Schnurre oder scherzhafter Einfall notiert ist, -der ihr vielleicht gerade Anlaß zu dieser Arbeit und ihrem Humor gegeben hat. -So läßt sie ihre kleinen Personen reden und macht sie sich selbst lebendig. Sie -lebt mit ihnen, sie sind kindlicher Ausdruck ihrer Stimmung. Auch ihr Name -darf nicht fehlen. Ein stark abgeschliffenes Schnitzmesser ist ihr Handwerkszeug -bei der Schnitzarbeit.</p> - -<p>Das ist echte Volkskunst in ihrer ganzen Kindlichkeit, die noch in diesem -alten Mütterchen lebt und webt, sie ausfüllt und geistig lebendig, zufrieden und -rüstig erhält trotz aller Kärglichkeit und Sorge, welche der mühsame Erwerb bereitet; -Volkskunst, wo in jedem einzelnen Stück die ganze Liebe und Freude des -Herstellers an der Arbeit steckt und es wertvoll macht als Originalwerk, das aus -der Seele des Volkes geboren ist. Volkskunst freilich auch, die nicht für den -Massenexport und Lebensberuf geeignet ist. –</p> - -<p>Wir scheiden von der Alten mit dem Wunsche, daß sie noch lange ihr Schnitzmesser -führen möge als letzte Schnitzerin echt volkstümlicher Seiffener Kleinkunst. -Ihre kleinen Arbeiten werden wohl bald in Sammlungen solcher Dinge gesucht sein.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Unsere Abschiedsstunde von Seiffen hat geschlagen. Wir setzen den Stab -heimwärts aus dem Lande der Kinderträume, Weihnachtsseligkeit und Spielzeugherrlichkeit, -in dem uns wohl war wie am Heiligen Abend. Wir scheiden vom -Erbgericht und Buntem Haus mit Dank für die Behaglichkeit, Freude und Anregung, -die wir so reich erfahren haben. Möge der Geist erzgebirgischer Volkskunst -einer echten Weihnachtskunst, wie er hier seinen lebendigen Ausdruck gefunden -hat, stärker werden, wachsen und überall in unseren Dörfern und Städten ein -Daheim finden, möge er sie zur Pflanz- und Pflegestätte einer echten bodenständigen -volkstümlichen Kunst und Kultur machen.</p> - -<p>Nur die Pflege der Eigenart kann uns stark machen, abheben, herausheben -von dem Gleichgültigen, aus der Masse, aus tödlicher Schablone. Wie unsere Berge -ihren Charakter tragen, der auch in den Kindern der Berge sich ausprägt, so muß -die Kunst des Gebirges zu immer größerer Echtheit und Eigenart sich durchringen -und emporsteigen. Der innere Gehalt und äußere Wert können und werden durch -die künstlerische Eigenart und Besonderheit wachsen und durch sie eine neue Blüte -der alten erzgebirgischen Volkskunst gewinnen. Hebt euch, ihr Künstlerhände, zum -Werke und zur Tat, wache auf, Phantasie mit Kindesaugen und Kindesherzen und -schaffe neues Kinderglück, raffe dich auf, Unternehmergeist, zu frischem Wagen und -neuer Unternehmung für alte und neue Kinderkunst. Und ihr alle, die ihr der -Heimat Gaststätten bietet, denkt daran, auch der Heimatkunst gastliche Stätte zu -bereiten. Glückauf allen wackeren Männern, die daran arbeiten, um so der Heimat -neue Freude, Licht und Glück durch die Kunst zu schaffen. Glückauf!</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_125">[125]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Neue_Wohnhausbauten">Neue Wohnhausbauten im Erzgebirge</h2> -</div> - -<p class="center">Von Baumeister <em class="gesperrt">Richter</em>, Flöha</p> - -<p>Im Bezirk der Amtshauptmannschaft Flöha sind im Flöha- und Zschopautal -im Laufe der beiden letzten Jahre eine Reihe Wohnhausneubauten erstanden, die -auch der Heimatschutz als erfreulichen Erfolg seiner Arbeit buchen darf. Neben -den Gemeinden haben sich hier sozial gesinnte Industrielle bemüht, der Wohnungsnot -zu steuern und gleichzeitig Bauten zu schaffen, bei denen die alte, gute heimische -Baukunst wieder zu Ehren kommen sollte. Zwei von diesen Anlagen sollen in -dieser Zeitschrift zum erstenmal veröffentlicht werden.</p> - -<p>In Flöha-Gückelsberg ist an der großen Chemnitz-Dresdener Heerstraße durch -die Baumwollspinnerei G. F. Heymann ein Gruppenwohnhaus für neun Familien -errichtet worden, und in Zschopau hat die Zschopauer Baumwollspinnerei auf dem -Höhenrücken gegenüber dem Bahnhof ihre Siedlung »Grüne Aue« mit dreißig Wohnungen -erstehen lassen. Beide Anlagen weisen gleichmäßig eine Reihe charakteristische -Einzelheiten auf, aus denen sich liebevolles Eingehen auf die Eigenheiten, Lebensbedürfnisse -und Lebensgewohnheiten der Bewohner verrät. Erzgebirgische Spinnereiarbeiter -haben in den Wohnungen ihr Heim gefunden. Wenn sie nach Hause kommen -von ihrer Arbeitsschicht – beide Werke arbeiten seit Jahren mit zwei Schichten -am Tag – steht ihnen noch ein halber Tag Zeit zur Verfügung. Er wird genutzt. -Der Erzgebirgler zieht in solcher Freizeit hinaus in den Wald und sammelt Holz -und rodet Stöcke. Oder er zerkleinert Wurzeln auf dem Hof und schichtet sie -säuberlich zu runden Meilern auf. In den warmen Monaten des Jahres gräbt -und bastelt er auch gern im kleinen Gärtchen. Und im Winter, an den langen -Abenden wandern das trockene Reisig und die dürren Wurzeln und Stöcke gemächlich -in den massigen Herd des Wohnraumes, der Vater schürt behaglich das -Feuer und schmaucht sein Pfeifchen dazu, und die Kinder hocken um den Küchentisch -und beobachten die Arbeit der Mutter. Da will ein großer Wohnraum -geschaffen sein mit einem mächtigen Ofen, der kocht und Wärme spendet, ein Raum -in dem gleichzeitig die Familie wohnen und die Hausfrau schaffen kann. Der Spinner -– und meist auch die Spinnerin – brauchen ein großes luftiges Schlafzimmer -als Gegengewicht zur Arbeit im staubigen Fabriksaal. Die Sonne muß drin -spielen können. Im Hof soll Platz sein für die mächtigen Holzmeiler. Und einen -Schuppen im Hof braucht ein jeder für das Kleinholz, für seinen kleinen Handwagen -und für seine Stallhasen. Die Hausfrau aber verlangt ihren Bleichplan -mit dem Wäschetrockenplatz.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-060a"> - <img class="w100" src="images/illu-060a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Lageplan der »Grünen Aue« in Zschopau</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-060b"> - <img class="w100" src="images/illu-060b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Beamten- und Arbeiterwohnhäuser »Kolonie Grüne Aue«<br /> -der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.</b></div> -</div> - -<p>Auf all diese Bedürfnisse ihrer Arbeiter haben die Bauherrschaften im Verein -mit ihrer Bauleitung, der Flöhaer Bezirkssiedelungsgesellschaft, sorgsam Bedacht -genommen. Die Grundrißtypen fangen das Sonnenlicht auf, solange es sich einfangen -läßt. Bei ihnen gibt es nicht mehr Straßen- und Hoffront, sondern nur -noch Licht- und Schattenseite. Stets liegen Schlafraum und Wohnküche nach Süden. -Immer liegt auch nur eine Wohnung an einer Treppe in einem Geschoß. Ein -geräumiger heller Flur bietet Platz für Schränke und Kleiderablage, denn die -staubigen Arbeitskleider und Schuhe gehören nicht in die Schlaf- und Wohnräume.<span class="pagenum" id="Seite_126">[126]</span> -Ganz besondere Liebe ist der Wohnküche zuteil geworden. Immer hat sie zwei Fenster nach -verschiedenen Himmelsrichtungen, so daß den ganzen Tag über die Sonne in ihr -spielen kann. Der große Kachelherd fängt in seinem Turm die Wärme und gibt sie -langsam wieder an den Raum ab. In die Fensterbrüstung ist die kleine Speisekammer -als Schrank eingebaut. Mit Kellerraum ist jede Wohnung reichlich bedacht.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_128">[128]</span></p> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-061a"> - <img class="w100" src="images/illu-061a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Doppelwohnhaus für vier Familien der Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.</b><br /> -Baukosten einschl. 1000 <em class="antiqua">qm</em> Garten 398 700 M.<br /> -Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1210 M.</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-061b"> - <img class="w100" src="images/illu-061b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Doppelwohnhaus für vier Familien der Baumwollspinnerei Zschopau A.-G.</b><br /> -Baukosten einschl. 1000 <em class="antiqua">qm</em> Garten 511 500 M.<br /> -Bauzeit: 1. März 1920 bis 1. Oktober 1920. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1210 M.</div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-061c"> - <img class="w100" src="images/illu-061c.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Beamten- und Arbeiterwohnhäuser-Kolonie »Grüne Aue«<br /> -der Zschopauer Baumwollspinnerei A.-G.</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-062a"> - <img class="w100" src="images/illu-062a.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6 <b>Gruppenwohnhaus der Firma G. F. Heymann, Gückelsberg-Flöha</b></div> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-062b"> - <img class="w100" src="images/illu-062b.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7 <b>Gruppenwohnhaus für neun Familien der Baumwollspinnerei Gückelsberg</b><br /> -Baukosten 510 909 M.<br /> -Bauzeit: 15. Februar 1920 bis 31. Juli 1920.<br /> -Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet 1039,28 M.</div> -</div> - -<p>Am Gückelsberger Haus liegt nach Süden zu ein großer Hof mit abgegrenzten -Holzplätzen von Schuppen eingefaßt. In der »Grünen Aue«, die sich an einen -Wohnweg anschmiegt, sind die Bauwiche, die aus den baupolizeilichen Vorschriften -entstehen, in ähnlicher Weise mit Schuppen zu Höfen eingerahmt und zu Holzstapelplätzen -verwendet. Vor den Sonnenseiten der Häuser ziehen sich in langen<span class="pagenum" id="Seite_129">[129]</span> -Reihen die Bleich- und Trockenplätze und die kleinen schmucken Gärtchen hin. Und -aus den Fenstern der Schlafzimmer und der Wohnküchen kann der Blick weit -hinausschweifen über die weiten Höhen und Täler, auf die massige blaue Augustusburg, -in das herbe waldgrüne Zschopautal. Das ist Erholung für des Arbeiters -Auge, Ruhe nach der Schicht zwischen den surrenden Spindeln und kreischenden -Fleyern. Und auch nach außen haben diese Häuser ihr eigenes erzgebirgisches -Gewand. Diese straffe, geschlossene und doch weiche Gliederung der Massen, die -bodenständigen Bruchsteine des Sockelgeschosses, der freundliche Putzstreifen, die -dunkle Brettverkleidung des Obergeschosses mit ihren leuchtend weißen Fensterteilungen -und das blaue Schieferdach, hier und da ein freundlicher grüner Blumenkasten -mit Geranien und Kresse! Ist das nicht die Farbenzusammenstellung, die -jeden Wanderer erfreut, wenn er an den alten Häuschen der langen Gebirgsdörfer -vorüberzieht?</p> - -<p>Dabei hat nüchterne wirtschaftliche Erwägung diese Formgebung maßgebend -beeinflußt, sie ist durchaus nicht etwa der Laune der Architekten entsprungen. Für -das Fachwerk stand Heeresholz preiswert zur Verfügung. Gebrannte Ziegel waren -knapp und teuer, aber Lehmziegel, sogenannte Grünlinge, standen noch in großer -Menge in den heimischen Ziegeleien. Lehmbauversuche wollten weder die Bauherren -noch die Bezirkssiedelungsgesellschaft anstellen und so wurde eben auf die altbewährte -erzgebirgische Bauweise zurückgegriffen. Auch beim inneren Ausbau ist trotz der -Abkehr von modischen Zeitströmungen und trotz sparsamster Verwendung der Mittel -das Heim freundlich und liebenswert gestaltet worden. Zum Schluß mag noch -anerkennend erwähnt sein, daß beide Firmen die Bauten, welche fast drei Millionen -Mark kosteten, ohne irgendwelchen Zuschuß ganz aus eigener Kraft erbaut haben. -Diese Selbsthilfe der Heimat in ihrer Not ist auch ein Stück Heimatschutz, still und -geräuschlos, aber desto wert- und wirkungsvoller.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Buecherbesprechungen">Bücherbesprechungen</h2> -</div> - -<p><b>Dresdner Wanderbuch</b>, ein Führer zur Kenntnis der Heimat für die Schule und für alle -Naturfreunde, herausgegeben von Dresdner Erdkundelehrern. I. Teil: Grundlegende Wanderungen. -(Wittich und Schobloch, Verlagsbuchhandlung, Dresden, Wachwitz). Preis M. 9,75<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Für Mitglieder des Heimatschutzes M. 8,–. (Bestellkarte anbei.)</p> -</div> -</div> - -<p>Mit dem vorliegenden trefflichen Wanderbuche hat unsere Heimatschule einen wertvollen -Helfer erhalten. Die Veranlassung zur Herausgabe derartiger Wanderbücher, wie sie andere -Städte (Leipzig) schon haben, gab eine Verordnung der Unterrichtsbehörde, die für höhere Schulen -besondere Wandertage einführte. Es galt nun brauchbare Anweisungen zu schaffen, um die -Unterrichtswanderungen möglichst fruchtbringend zu gestalten. Dieser Arbeit unterzog sich eine -kleine Gruppe von Dresdner erdkundlichen Fachleuten, die sich unter Führung des Herausgebers -<em class="antiqua">Dr.</em> P. Wagner zu einer Wander- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschlossen und in dieser auf Grund -eines für alle Klassen aufgestellten Wanderplanes zahlreiche Ausflüge unternahmen und so den Inhalt -des vorliegenden Wanderbuches erarbeiteten. Das Werkchen soll als erster Teil den Leser im Angesicht -der Natur allmählich in eine tiefere Auffassung der Landschaft einführen und ein Buchwissen -voraussetzen. Der später folgende II. Teil wird auf dieser Grundlage weiterbauen und etwas -tiefer schürfen. In dieser weisen Beschränkung liegt ein großer Vorzug des vorliegenden Buches; -damit wird es ein brauchbarer Führer für die große Allgemeinheit.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_130">[130]</span></p> - -<p>In achtzehn Abschnitten lernen wir die Elbtalweitung und ihre Ränder, das Stadtbild, -das Waldgebiet und das Industriegebiet des Döhlener Beckens kennen. Die letzten zwei Abschnitte -sind dem Wandern nach der Karte gewidmet. Ein überreiches Material bietet das Werkchen auf -seinen 132 Seiten. Der Leser, der vielleicht bis jetzt nur die landschaftlichen Schönheiten -unserer Heimat empfunden, lernt erdkundlich sehen, sein Blickfeld weitet sich, und das Auge -schaut, welche gewaltigen Kräfte am Werke waren und noch sind, um die heimatliche Landschaft -zu gestalten. Der Elbkiesel am Ufer, der Steinbruch am Hange, die unscheinbare Bodenwelle im -Tale, die Sanddüne des Hellers; sie alle reden eine Sprache, unverständlich dem größten Teil -unserer Wanderer. Das Büchlein läßt uns erkennen, welcher Reichtum an Belehrung in unserer -Dresdner Landschaft verborgen liegt, von dem wir bis jetzt vielleicht nichts ahnten. Auch der -Menschenschicksale aus grauer Vorzeit wird gedacht, von denen die Funde der Dresdner Gegend -erzählen. Mit anderen Gefühlen als bisher wird der Leser an der stattlichen Kirche von -Briesnitz stehen, denn er weiß, daß er sich auf geheiligtem Boden der Heimatgeschichte befindet.</p> - -<p>So wird das Wanderbuch nicht nur unserer Jugend, sondern jedem Naturfreund ein zuverlässiger -Führer sein. Es führt zur tiefen Heimaterkenntnis, zur echten Heimatliebe und damit -auch zum Heimatschutz. Deshalb kann unser Landesverein dem Büchlein im eigenen Interesse -eine reiche Verbreitung wünschen.</p> - -<p>Das Werkchen würde meiner Ansicht nach noch bedeutend an Wert gewinnen, wenn neben -den reichen bodenkundlichen Betrachtungen auch Beobachtungen unserer heimatlichen Pflanzen -und Tiere aufgenommen würden. Gerade hier sind Naturdenkmäler in Gefahr und ist eine -Aufklärung unserer Jugend und Ausflügler sehr notwendig. Auch wäre es zu begrüßen, wenn -die Dresdner Landschaft etwas weiter gefaßt würde und Gegenden, wie das Moritzburger Teichgebiet, -das doch für Unterrichtswanderungen in Frage kommt, mit Erwähnung fänden. Vielleicht -finden wir dies alles im II. Teil.</p> - -<p class="mright"> -P. Bdt. -</p> - -<p><b>Sachsenland.</b> Ein Heimatbuch von <em class="gesperrt">Otto Eduard Schmidt</em>. Mit Zeichnungen von -Herbert Hofmann und 3 Kunstbeilagen. VI., 419 S. 8°. 1921. Friedrich Brandstetter, Leipzig. -Preis M. 30,– einschl. Teuerungszuschlag.<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a></p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Vorzugspreis M. 27,50. (Bestellkarte in diesem Hefte.)</p> -</div> -</div> - -<p>Von einem Wandersmann ist das Buch zusammengestellt, mit der Absicht, viele anzuregen, -Wanderstab und Rucksack aufzunehmen und sinnenden Geistes durch die Heimatgaue zu pilgern. -Allzulange sind wir in die Fremde hinausgezogen, daß wir sie oft besser kannten als das Vaterland. -Und nun soll es weiten Kreisen neu erschlossen, lieb und traut gemacht werden, damit -alle wissen, was wir an ihm hatten und was wir an ihm haben können. O. E. Schmidt, -der Mann der kursächsischen Streifzüge, ist ein berufener Führer auf solchen Pfaden. Wie er -selber die Heimat sieht und schildert, das wissen wir aus seinen bisher so freudig aufgenommenen -Schriften. In diesem Buche will er sie uns mit den Augen anderer Geleitsmänner zeigen, alter -und junger, aber in der Hauptsache sind es Zeitgenossen, aus deren Werken er dieses Heimatbuch -zusammengebracht hat. Und wie es gar nicht anders sein kann, finden wir darin fast alle Führer -auf dem Gebiete des sächsischen Heimatschutzes vertreten: Paul Schumann, Karl Schmidt, Oskar -Seyffert, Arno Naumann, Martin Braeß, Paul Rieß, Gerhard Platz usw. Daneben begegnen -uns – um nur noch einige Lebende zu nennen – die bekannten Namen eines Deichmüller, -Poeschel, Pank, Findeisen, Stübler, Otto Richter, Partsch, Blanckmeister, von Münchhausen, -Löscher, Schwär u. a. So wirkt das Buch ganz modern, sowohl in seinen Prosabeiträgen wie -in den eingestreuten Gedichten. Daß der feinsinnige, auf die Stimmung unserer Zeit vornehm -reagierende Herausgeber im allgemeinen eine glückliche Auswahl getroffen hat, ist selbstverständlich. -Man wird ihm auch darin gern beistimmen, daß er Sinn und Umfang des Begriffes »Sachsenland« -nicht auf das vormalige Königreich beschränkt hat, sondern das ganze, durch die gemeinsame -Kolonisationsgeschichte in seinen Wurzeln zusammenhängende Gebiet zwischen Saale und der -schlesischen Grenze zur Darstellung bringt. Er gliedert demgemäß den Stoff in einem Überblick -über das Land und seine Bewohner und in die sechs Kapitel: Die Elblandschaft von Schmilka bis -Magdeburg; Das Tiefland zwischen Saale und Elster, Pleiße und Mulde; Aus dem erzgebirgischen -Becken und dem mittelsächsischen Hügellande; Aus dem Vogtlande; Aus dem Erzgebirge;<span class="pagenum" id="Seite_131">[131]</span> -Aus der Oberlausitz. Aber diese Abschnitte scheinen uns nicht alle mit gleicher Liebe und mit -gleichem Glück behandelt zu sein. Wenn wir schon vom Vogtlande, diesem kerndeutschen und -landschaftlich durchaus nicht reizlosem Teile Sachsens, gern eine reichere Auswahl geboten sähen, -so vermissen wir besonders mehr charakteristische Beiträge zur Kenntnis von Land und Leuten -der sogenannten Sächsischen Schweiz. Gewiß hätten die Zeitschrift »Über Berg und Tal«, das Werk -über die Burgen der Sächsischen Schweiz, die prächtigen Geschichten von Wilhelm Schindler -manch brauchbaren Fund ergeben. Das Gedicht »Die Sensen« von unserem trefflichen Findeisen -atmet dagegen nicht im geringsten Bodenständigkeit, und Karl Gjellerups »Sommernacht in Schandau« -kann man ebensowohl in Blankenese wie am Rhein oder an der Donau erleben. Um recht zu -wirken, sind einzelne der von O. E. Schmidt aufgenommenen Beiträge überhaupt zu kurz abgerissen; -man liest sie, hofft auf die Pointe, blättert um und sieht sich am Schlusse. Das muß -bei aller Anerkennung des Buches gesagt werden, gerade weil es verdient, recht viele Freunde -zu finden, nicht nur mit dieser ersten Auflage, sondern auch mit etlichen folgenden.</p> - -<p>Es ist wohl geeignet, die Heimatliebe zu fördern, und das ist die Hauptsache. Glück auf!</p> - -<p class="mright"> -Alfred Meiche. -</p> - -<hr class="tb" /> - -<p id="Vogelschutz"><b>»Vogelschutz« von seiten eines Forschers!</b> In der ungarischen ornithologischen -Zeitschrift »<em class="antiqua">Aquila</em>« veröffentlicht der Ornitholog Csiki »Positive Daten über die -Nahrung unsrer Vögel.« Das ist ja an sich ganz schön, besonders für die Frage nach -Schaden oder Nutzen der Vögel; auch Vogelhalter können vielleicht manches für ihre -Lieblinge daraus lernen. Aber nun kommt die Kehrseite. Um z. B. die Nahrung -unsrer Elster, die bekanntlich recht schädlich werden kann, genau festzustellen, hat -der betreffende Forscher nicht weniger als 351 (!) Magen von Elstern untersucht. -Man traut seinen Augen nicht, wenn man so etwas liest. Da werden in Ungarn -alle möglichen Vorschriften erlassen und Einrichtungen getroffen, um besonders die -Jugend für den Vogelschutz zu gewinnen, wogegen die Alten um so schlimmer -unter der Vogelwelt aufräumen zu können meinen. Dem Herrn Csiki sollte wirklich -einmal das Maßhalten nahe gelegt werden, zumal er doch, wie scheint, alle Vögel -des Landes betreffs ihrer Nahrung untersuchen will. Es genügt eine wesentlich -kleinere Ziffer von Einzeltieren, um befriedigende Ergebnisse nach der angegebenen -Richtung zu erzielen.</p> - -<p class="mright"> -B. Hffm. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Hermann_Vogel">Hermann Vogel †</h2> -</div> - -<p>Am 22. März 1921 hat in Krebes i. V. ein Künstler des Vogtlandes seine -Augen für immer geschlossen, <em class="gesperrt">Hermann Vogel</em>, der in drei Jahrzehnten als -hervorragender Mitarbeiter der Münchener »Fliegenden Blätter« in aller Welt bekannt -geworden ist, der aber, wie der Kundige weiß, als Malerpoet mit seinem Schaffen -und Dichten tief in seinem <em class="gesperrt">vogtländischen Heimatboden</em> wurzelt. Für die -glühende Heimat- und Vaterlandsliebe Hermann Vogels (geb. 16. 10. 1854 in Plauen) -geben viele seiner Bilder und Gedichte in den »Fliegenden Blättern« ergreifendes -Zeugnis, vor allem aber auch seine phantasie- und humorvollen Bilder zu den Hausmärchen -der Brüder Grimm (1892–1894) und den Kindermärchen von Rudolphi -(1905). In Plauen, der Vaterstadt des Künstlers, soll in einem <em class="gesperrt">Hermann-Vogel-Zimmer</em> -des vogtländischen Kreismuseums eine Sammelstelle für das gesamte -Lebenswerk des Künstlers, der ein Romantiker des Stiftes gewesen, geschaffen werden.</p> - -<p class="mright"> -K. Rdgr. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_132">[132]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Der_nutzlose_Baum">Der nutzlose Baum</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Will Vesper</em></p> - -<p>Auf einer Berghöhe, an einer Stelle, wo es nicht gerade sehr fruchtbar war, -von wo man aber einen weiten Blick über Täler und Höhen, Seen und Wälder -hatte, stand ein gewaltiger Baum. Er bedeckte mit seiner Krone beinahe den -ganzen Berggipfel, so als hätte der Berg ihn wie eine große grüne Haube auf -seinen Kopf gesetzt.</p> - -<p>Eines Tages kam nicht weit von dem Baum ein Zimmermann vorüber, der -mit seiner Säge und seiner Axt in den Wald ging, um Holz zu fällen; denn er -machte Tische, Bänke, Stühle und allerlei Holzwerk. Der sah den Baum an und -sagte zu seinem Gehilfen, der mit ihm ging: »Jetzt sieh einmal den Baum an. -Was das für ein nutzloser und häßlicher Baum ist. Sein Stamm ist zwar dick -genug und alle seine Äste auch, und doch kann man nichts damit anfangen; denn -der Stamm ist so krumm, so verdreht und verwachsen, die Äste sind alle so vielmal -um sich selber gedreht, so knorrig und eigensinnig, daß man auch nicht das -kleinste nützliche Brettchen aus dem ganzen Baume schneiden könnte. Dazu sind -seine Blätter so hart und seine Früchte so bitter, daß man sie nicht einmal als -Futter für die Ziegen gebrauchen kann. Das nenne ich wirklich einen nutzlosen -Baum, den da.« Damit ging er voll Verachtung für den Baum weiter in den -Wald zu anderen Bäumen und sein Knecht hinter ihm.</p> - -<p>Der Baum aber, der die Rede wohl gehört hatte, rauschte laut auf mit allen -seinen Zweigen, daß es wie ein brausendes Gelächter war, das hinter dem Zimmermann -herlief. »Darum also,« sprach der Baum fröhlich zu sich selber, »hat man -mich hier so viele Jahre stehen lassen, weil ich nutzlos bin, weil die Zimmerleute -nichts mit mir anfangen können. Darum haben sie mich unbeschädigt so groß -und gewaltig werden lassen, mich, der ich so viel krummer und knorriger bin als -alle Bäume im Walde. Das also war mein Glück. Und darum haben heute die -Vögel des Himmels eine so schöne Wohnung in mir. Darum finden heute die -Wanderer, die den Berg ersteigen, unter meinen Zweigen wohltuenden Schatten -und segnen mich. Von weit her kommen die Menschen aus dem Lande und -bestaunen mich, liegen unter mir in der Kühle, betrachten die Schönheit der -Erde und gehen fröhlich und geduldiger wieder in ihre Täler hinab. Alles nur, -weil ich nutzlos bin und die Zimmerleute, die nur an den Nutzen denken, nichts -mit mir anzufangen wissen. Gepriesen sei meine Nutzlosigkeit, die mir erlaubt hat, -die Krone des Berges und ein Wahrzeichen des Landes zu werden.«</p> - -<p class="mright"> -(Aus Reclams Universum.) -</p> - -<hr class="tb" /> -<p class="center"> -Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: <b>Werner Schmidt</b>;<br /> -Druck: <b>Lehmannsche Buchdruckerei</b>, beide in Dresden. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p>Wir empfehlen unseren geschätzten Mitgliedern -die Anschaffung der noch vorhandenen früheren -Bände unserer Mitteilungen. Es sind nur noch wenige -Stücke von manchen Heften da.</p> -</div> - -<table summary="Heftliste"> -<tr> -<td class="tdr">Band</td> -<td class="tdr"><span class="u">ungebunden</span></td> -<td class="tdr"> <span class="u">gebunden</span></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdr">M.</td><td class="tdr">M.</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">III</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">IV</td><td class="tdr">10.–</td><td class="tdr">25.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">V</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">VI</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">VII</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">VIII</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">IX</td><td class="tdr">7.–</td><td class="tdr">20.–</td> -</tr> -</table> - -<p class="center"> -<b>Wir gestatten gern Ratenzahlungen.<br /> -Bestellkarte anbei.</b> -</p> - -<p class="center larger"> -Landesverein Sächsischer Heimatschutz<br /> -Dresden-A., Schießgasse 24. -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Vom Wandern und Weilen -im Heimatland</p> -</div> - -<p class="center larger">Von <b>Gerhard Platz</b></p> - -<p class="center smaller">Dresden 1920</p> - -<p class="center">des Landesvereins Sächsischer<br /> -Heimatschutz Heimatbücherei</p> - -<p class="h2">Band I</p> - -<p class="center">320 Seiten – Großoktav</p> - -<p class="center"><span class="u">Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz M. 12.–</span></p> - -<p class="center"><span class="u">Bestellkarte in diesem Hefte</span></p> - -<p class="noind">Seit vielen Jahren ist <em class="gesperrt">Gerhard Platz</em> unser treuer Mitarbeiter. -Fast in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche -Zuschriften aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe -und Verehrung, die er sich in unserem Kreise erworben hat. -Oft hören wir: Mit Platz möchten wir wandern. So ist es verständich, -daß wir in dem ersten Band unserer Heimatbücherei -ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten Heimatschilderungen -sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in wenigen Stücken -vorhanden.</p> - -<p class="center larger p2">Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden-A., Schießgasse 24.</p> - -<p class="center smaller p2">Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.</p> - -<p>Im Interesse einer besseren Lesbarkeit wurden die Tabellen auf S. 85 und -S. 133 umgestaltet.</p> -</div> - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND X, HEFT 4-6 ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> diff --git a/old/66769-h/images/cover.jpg b/old/66769-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fac2e79..0000000 --- a/old/66769-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/66769-h/images/illu-003.jpg b/old/66769-h/images/illu-003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5d740df..0000000 --- a/old/66769-h/images/illu-003.jpg +++ /dev/null diff 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